Nr. 7S. HbonncmentS'Rcd i ngungeo: WonncmentL- Vrcis»rämmierando: Lic�cljährl.:;£0 Sil., monaJL 1,10 Mk., wöchentlich 28 Psg, frei WS Haus, Einzelne Slummce S Pig, Sonntags- nwnmer vtil illuwicitcr Sonntag«- BcUagc.Die Neue Welt" 1 0 Psg, Poit- SSonnenienl: 1,10 Mark vro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für dos übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PoftabonnementS nebmcn an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Vit InleMonz-Ledahf beträgt für die fechZgespaltcnc Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereint" und Versaninilungs Anzeigen M P'g, „kleine Unreigen", daS feUgodruiktc Wort 20 Pfg.(zuläfstg 2 fettgedruikte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Etelleilgesuche und Echlafstcllcna»- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes Ivcitere Worts Pfg. Worte über IS Buch- flaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 5 Uhr nachniittagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, CrfdKint täglich außer montags, Verlinev VolKsblskk. Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Telegramm-kldresse: „Sozialdtniolirat Ecrlln". Redahtion: SAI. 68» Linden Strasse 69« Fernsprecher: Amt Moristplap, Str. 1S8S. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Str. 1,984» Segen lliolochs Sklaverei. Der Rede, die der englische Marineminister aut Mittwoch im Unterhause gehalten hat, kommt deshalb große Bedeutung zu, weil sie bor aller Welt mit neuen konkreten Bor- schlügen zur Einschränkung der Seerüstun- gen hervortritt. Churchill spricht sehr entschieden von dem festen Willen Englailds, seine Ueberlegenheit zur See unter alleil Umständen aufrechtzuerhalten. Er weist auf die reichen Hilfsquellen seines Landes hin und vor allem auf die Unter- stiitzung, die die großen Kolonien dem Muttcrlandc gewähren werden. Aber eben weil England an seiner Ueberlegenheit festhalten will, wird jede Vermehrung der Flotte Deutsch- lands zu einer sinnlosen Vergeudung von Kräften in beiden Ländern. Churchill fordert deshalb ein Abkommen, um dies> „verschwenderische, zwecklose, nichtige Torheit" zu verhindern, mn eine Minderung der Sklaverei zu erreichen, in die sich die Völker der Welt begeben haben. Churchill spricht es offen aus, daß der britische Flottenbau im wesentlicheu durch den deutschen bestimmt wird. Und er erklärt sich bereit, die englischen Neubauten z u vermindern, weim Teutschland das gleiche tut. Er schlägt vor, ein Jahr lang im Schiffsbau Feiertag eintreten zu lassen. Einen Feiertag, der die Finanzen entlasten und keine Flotte im geringsten benachteiligen würde. Es ist nun von Wichtigkeit, aus dem Munde des englischen Ministers zu erfahren, daß die englische Regierung bereits für das letzte Jahr der deutschen das Angebot gemacht hatte, nicht ein einziges britisches Linienschiff zu bauen, wenn Deutschland keines baue. Von einem solchen Angebot ist der deutschen Oeffentlichkeit bisher nichts bekannt geworden. Und es ist bezeichnend für unsere Zustände, für den Absolutismus, der in der auswärtigen Politik herrscht, daß die deutsche Regierung es nicht für der Mühe wert gehalten hat. über eine so bedeutungsvolle Sache dem Reichstag und dem Volke Auskunft zu erteilen. Nun aber erneue r iE hurchillausdrücklichdasselbeAn- gebot für das Jahr 1914 oder, wenn die Frist zu kurz sei, für das Jahr 1915. Es ist ein einsackjer und klarer Vorschlag, der sofort und ohne weiteres ausführbar wäre, wenn die deutsche Regierung und die bürgerlichen Parteien des Reichstags ihn ausführen wollen. Er wäre ein wich- tiger Schritt in der Richtung zu einem dauernden Ueber- cinkommcn zur Einschränkung des sinnlosen Wettrüstens zur See. Auch über die Grundzüge eines solchen Abkommens hat Churchill wichtige Ausführungen gemacht. Ter englische Vorschlag entspricht sicher den Interessen der englischen Weltherrschaft. Es ist schon richtig, daß Eng- land deshalb für die Begrenzung der Scerüstungen eintritt, weil es dadurch seine bisherige Ueberlegenheit erhält, ohne seiner Bevölkerung neue Steuerlasten aufbürden zu müssen. Und das ist in dein Lande, in dem die herrschenden Klassen ganz andere Rücksichten auf die Arbeiter nehmen müssen, als es die Herrschenden in Teutschland zu tun gewöhnt sind, auch für die innere Politik von großer Bedeutung. Denn die riesig anwachsenden Flottenausgaben haben selbst im reichen Eng- land die Förderung der Kulturaufgaben und insbesondere der Sozialpolitik gehemmt. Aber daß die Rüstungsbeschränkung den Interessen der Herrschenden in England entspricht, hindert natürlich nicht im geringsten, daß die Einstellung des sinnlosen Wettrüstens zugleich ein Interesse der Arbeiter- k l a s s c a l l e r L ä 11 d c r ist. Denn auch darin hat Churchill recht, daß die englische Bourgeoisie an der Ueberlegenheit ihrer Flotte unter allen Umständen festhalten loird, und daß also nur die Wahl zwischen zwei Wegen offen steht: entweder die Fortsetzung des kostspieligen, gefährlichen und schließlich zum Kriege führenden Rüstungswettlaufs oder aber die Ver- standigüng. Daß diese Verständigung möglich ist, daß all die sogenannten technischen Einwände nur dem bösen Willen der Rüstungsintercssentcn entspringen, daran ist kein Zweifel. Ein Uebereinkomnien bängt heute wesent- l i ch a b v 0 n den Entschließungen der deutschen Regierung und der deutschen bürgerlichen� P cTr t c i c n. Gewiß mag für sie die Entscheidung nicht leicht sein. Der imperialistische Wahn beherrscht sie ja alle und die. imperialistischen Interessen waren es, die zu dem immer rnschcren Ausbau der deutschen Flotte geführt haben. Aber andererseits sieht heute auch die. deutsche Bourgeoisie, daß es ein hoffiumgsloses Begimicn bleibt, die englische Seemacht ein- holen zu wollen, und ein Beginnen, das schließlich zu einem furchtbaren Kriege führen müßte, der mehr zerstören Ipiirde, als je durch ihn zu goiviimeii wäre. Trotzdem ist die Hoff- uung sehr gering, daß die herrschenden Klassen Deutschlands endlich Vernunft annehmen werden und in dem tollen Laufe der Rüstungsverinehrung eine Pause eintritt. Nicht von der Einsicht der herrsckenden Klassen, sondern von der Kraft des proletarischen Wider st an des gegen den Rüstungswahns'nn wird es abhängen, ob und wann sich die Vernunft durchsetzen wird. Die Rede Churchills. Das Wettrüsten. Loudon, LS. März. Aus der Rede deS englischen Marine- »misters im Unterhause verdienen folgende Stellen besonderer Hervorhebung. Churchill besprach zunächst die Ursachen der fort- währenden Ausgabensteigerung und fuhr dann fort: Die Flotte geht jetzt durch eine Periode nicht lediglich der Expansion, sondern auch schneller, unaufhörlicher Entwickeluiig. Das letzte deutsche Flottcngesctz hat die Zahl der Schiffe, die wir jährlich zu bauen haben, vermehrt, und dieses Gesetz und die Erfordernisse des Mittclmecres haben die Zahl und die Größen- ; Verhältnisse der Schisse noch weiter gesteigert, die in höchster Bereit- • schaft erhalten werden müssen. Es ist keine Aussicht vorhanden, � die gewaltigen, dauernd wachsenden Kosten in den Flotten- ctats der künftigen Jahre zu vermeiden, wenn nicht die Periode der Rivalitäten und des technischen Fortschritts zu einem Ende kommt. Bon allen Rationen der Welt sind wir vielleicht am besten imstande, eine derartige Ausdehnung zu tragen, falls sie fortgesetzt werden sollte. Rüstungsfciertag'. Aber es gibt glücklicherweise e i n e n W e g, der offen steht und offen bleiben wird, durch welchen die Völker der Welt eine fast augenblickliche Milderung der Sklaverei erreichen können, in die sie sich selbst begeben haben. In der Sphäre des Flotten- Wettbewerbs ist alles relativ. Die Stärke einer Flotte ist ihre Stärke verglichen mit einer anderen. Der Wert eines Schiffes hängt gänzlich von dem zeitgenössischen Schiff ab, dem es vielleicht entgegentreten muß. Jedoch sehen wir, daß die Schiffs- thpcn einer jeden Seemacht die der früheren Jahre in unerbitt- lichcr Hartnäckigkeit verdrängen, daß viele Millionen von Jahr zu Jahr geradezu vergeudet werden, und daß das Entwickclungs- tcmpo dauernd sich verstärkt, ohne einen wirklichen Gewinn in der relativen Flottenstärke. Kann ein Borgang sinnloser sein? Die Frage, die sich die Großmächte und nicht nur die Großmächte, son- dcrn auch die großen Nationen vorlegen sollten, ist diese: Wenn für den Zeitraum eines Jahres kein neues Kriegsschiff für irgendeine Flotte gebaut worden ist, würden unsere Flottrnintcreffen oder die nationale Sicherheit in irgendeiner erkennbaren Weise gefährdet werden? Wir haben heute gute Schisse; sie find die besten der Welt, bis bessere gebaut werden. Können sie nicht ein Jahr die Herrschaft behalten, bevor sie zurückgesetzt werden? Warum sollten wir alle nicht für ein Jahr im Schiffsbau einen Feiertag eintreten lassen, soweit eine neue Konstruktion oder unter allen Umständen, soweit die Reukonstruktion eines Linienschiffes in Betracht kommt? Das ist die Frage, die ich im vorigen Jahr g e st e l l t habe, und das ist der Vorschlag, den ich in diesem Jahre wiederhole. Er schlicht keine Aenderung in der relativen Stärke der Flotte in sich ein. Er bedingt nicht das Aufgeben irgendeines Planes bezüglich der Flottenorganisa- tion oder der Flottenvcrmchrung. Er widerstreitet keinem System eines Flottengesctzes. Er schließt keine Einschränkung der wirk- lichen Flottcnstärke ein. Er ist so einfach, daß er zu keinem Miß- Verständnis führen kann. Tie Finanzen tjneS jeden Landes würden eine Entlastung erhalten. Keine Flotte würde im geringsten benachteiligt sein. Wir in Großbritannien können mit Aufrichtig- keit über einen derartigen Gegenstand sprechen. Unsere. Schiff- bautechnik ist nicht minderwertiger als die irgendeiner anderen Macht, unsere Erfahrungen sind weit größer, unsere Hilfsmittel sind reicher. Unsere Pläne haben aus jeder Stufe bei dem Wett- bewerb die alte Ueberlegenheit behauptet, und nach dem, was wir von anderen Ländern hören, unterliegen unsere Preise- und die Qualität unserer Arbeit gewiß keinem Tadel. In jedem Jahre, so lange wie neue Schisse gebaut werden, werden wir die besten bauen, welche die Wissenschaft erfinden oder Geld kaufen kann; wir werden unser Bestes tun, die Führung in der Konstruktion aufrecht zu halten, die für die Porherrschaft zur See nicht weniger wichtig ist, als das Uebcrgewicht in der Anzahl; es ist kein Appell der Schwäche des keuchend Zurückbleibenden, sondern ein Appell der Stärke des in der Front Schreitenden, es ist ein Appell, den wir an alle Nationen richten und an keine Nation mit größerer?lusrichtigkeit als an unseren großen Nachbarn jenseits der Nordsee. Lassen Sic mich sofort und ohne Reserve im Namen der Regierung sagen, wie sehr wir den ruhigen und freundlichen Ton und die Stimmung der letzten deutschen Marincdcbatten begrüßen. Nach einer Zeit tätiger Vorbereitungen für die Marine und eines direk- ten Verglcichcns der Stärke ist es befriedigend zu finden, daß unsere Beziehungen sichtlich und fühlbar sich verbessert haben, und dies nach den Gefahren und Beklemmungen, unter denen Europa in diesen letzten Monaten gestanden hat. Gr 0 ß- B r i t a n n i.e n und Deutschland haben die llcberzeugung ge- Wonnen, daß es beider Wunsch ist, den Friede nzu bewahren. Die Gefühle des guten Willens, das Wachsen gegen- scitigcn Vertrauens und gegenseitiger Achtung tragen viel dazu bei, dem Wettstreite auf dem Gebiete der Marine die U n ruhe und Gefahr fortzunehmen und uns zu erlauben, den ehernen Tatsachen der Lage mit Ruhe und mit einem gewissen Gleichmut entgegenzutreten. Das Bewußtsein unserer eigenen Stärke und der Entschluß aller Parteien im Hause, alles, was nötig ist, zu tun, um sie aufrechtzuerhalten, sollte alles von unseren Verhandlungen ausscheiden, was den Charakter des Bangcmachens oder der Prahlerei haben könnte. Die Erklärungen Tirpitz'. Wir müssen ferner einen anderen Irrtum vermeiden: Wir dürfen nicht versuchen, in den neuen deutschen Marine-! erklärungen einen Sinn zu finden, wie wir ihn wünschten,- den sie aber nicht haben; wir dürfen ferner nicht versuchen, die j deutsche Marinepolitik unseren Wünschen anzupassen durch eine zu genaue Jnterpretierung der freundlichen Sprache, die in Deutsch, I land mit der Absicht, zu beruhigen, geführt worden ist. Wenn ich zum Beispiel sagen würde, Herr v. Tirpitz habe anerkannt, daß das englische Uebergewicht von sechzehn zu zehn bei den TreadnougHIS das Einverständnis von Teutschland habe, und dieses Uebergewicht bestehe tatsächlich bereits jetzt fast genau, Deutschland dürfe daher folgerichtig nicht beginnen, ein neues Schlachtschiff zu bauen, bevor wir es tun, so würde dies sehr schaden, und wenn der Staatssekretär des Aeußern in diesem Punkte einen Druck aus die deutsche Regierung ausüben und sie auf diplomatischem Wege drängen würde, in diesem Jahre keine Schiffe zu bauen, so würde dies nur zu einer direkt ablehnenden Antwort und zu Rckriminationcn führen. Tatsächlich ist das deutsche Bau- Programm von drei neuen Schiffen für das Jahr 1913 bereits im Reichstag angenommen worden, und man kann annehmen, daß der Bau dieser Schiffe unverzüglich begonnen werden wird. Unsere Politik zur See Deutschland gegenüber ist gegründet auf Stärke und Aufrichtigkeit und schließt jeden Gedanken an ein Feilschen aus, das in Unterhandlungen nur Gereiztheit hinein- bringen würde. Beide Nationen müssen vollkommen frei sein, bei den Rüstungen zur See den Kurs einzuschlagen, der ihnen zu irgendeiner Zeit der weise und richtige zu sein scheint; sie müssen frei sein, die Ausdehnung ihres Programms zu beschränken, ihren Standard zu erhöhen oder abzuändern, wie es ihnen passend zu sein scheint. Es ist lange die Politik Deutschlands gewesen, im voraus für eine Reihe von Jahren anzukündigen, welches sein Flottcnprogramm sein wird. ES ist jüngst unsere Politik ge- worden, soweit es uns möglich ist, unter allem notwendigen Vor- behalt im voraus zu erwägen, welche Folgen diese Bau- Programme Deuts chlands-sür unseren eigenen Schiffsbau, für annähernd dieselbe Reihe von Jahren haben werden, und zu erklären, daß, wenn in irgendeinem bc° sonderen Jahr das Programm der Herausfor- derung vermindert oder aufgehoben werden sollte, unser dadurch veranlaßtes Programm unter allem notwendigen Vorbehalt ebenfalls vermindert oder aufgehoben werden solle. Deutsche lind englische Neubauten. Hätten die im d eu tsch e n F l 0 t t c ng e s e tz betvilligicn Neubauten sich auf die erhöhte Rate von zwei Schlachtschiffen im Jahr, während der nächsten sechs Jahre, die britischen Reu- bauten sich auf vier Schiffe beschränkt, so hätten nach Ansicht der Admiralität drei Schiffe genügt, um das 69 Proz. Verhältnis in Dreadnoughts aufrechtzuerhalten. Da Deutschland seine Neubauten um zwei Schlachtschiffe in der genannten sechsjährigen Periode vermehrt hat, so werden auch die b r i t i sch e n Pläne für Neu- konstruktionen um vier Schlachtschiffe erhöht werden, von denen zwei im jetzigen Jahre auf Stapel gelegt werden müssen, so daß wir, wie ich bereits im vergangenen Juli gesagt habe, in diesem Jahre fünf Neubauten gegen drei oussübren werden. Das britische Bauprogramm der letzten sechs Jahre wird auf diese Weise, wie ich im Untcrhause im borigen Juli erklärt habe, sich im ganzen auf 2S gegen 14 Neubauten belaufen. Zu dieser Gesamtzahl werden für jedes von der deutschen Regierung ans Stapel gelegte Schiff zwei weitere Schiffe gc° baut werden. Ferner sollen hierzu alle diejenigen Schiffe kommen, deren Bau infolge neuer Flottenentwickclung im M i t t e l l ä n- d i s ch c n Meer nötig wird. Es freut mich jedoch mitteilen zu können, daß eine solche EntWickelung gegcnwärfig nicht zu bc-- merken ist. Dazu kommt noch das von den Malayenstaatcn geschenkte Schiff sowie die drei Schiffe, deren Schenkung Kanada erwägt. Dies ist die Grundlage unserer Flotten- Politik, welche, wenn wir sie kaltblütig und unbeirrt hiähreiid der nächsten Jahre verfolgen, unser Land und das ganze britische Weltreich jedem Druck durch fremde Flotten ent- ziehen wird und deren Durchführung in keiner Weise Streitig- leiten mit unseren deutschen Nachbarn hervorzurufen braucht. Aber, wird gesagt werden, wird nicht die Möglichkeit der unbegrenzten Entwickeluiig oder Ausdehnung der Flotten macht unserer Dominien es für Deutschland, selbst wenn es so gewillt wäre, praktisch unmöglich machen, den Vorschlag einer derartigen Rüstungspausc, der von uns gemacht worden ist, anzunehmen? Das ist eine faire Frage, aber die Antwort ist klar. Jeder solche Vor- schlag ist in erster Linie für ein spezielles Jahr zu bc- schränken und würde natürlich alle Umstände dieses Jahres auf der ganzen Welt während dieser Zeit in Erwägung ziehen. Ter abgelehnte Vorschlag. Im letzten Jahre habe ich im Namen der Regierung frei und öffentlich angeboten, nicht ein einziges britisches Linienschiff in diesem Jahre zu bauen, wenn Teutschland keines baut. Und ich führte aus: wie vorteilhaft ein solches Abkommen für die verhältnismäßige Stärke der deutschen See- macht sein würde. Dieser Vorschlag hat soweit keine Früchte getragen. Seither hatten wir ein neues dcuffchcs Flottcngesctz und seither sind die deutschen Schiffe für 1913 bereits bewilligt worden. Tie Kolonien werden für das britische Reich im Jahre 1913 Linienschiffe bauen. Dieses Jähr ist festgelegt wor- den; aber nehmen Sic 1914 an! Ich habe keinen Grund zu der Annahme, daß es der Wunsch der deutschen Regierung ist, ihr Bauprogramm für dieses Jahr zu verschieben oder aufzugeben. Wenn es aber ihr Wunsch sein sollte, so habe sie es nur bekannt zu geben. Niemand baut Dread- noughts zum Vergnügen. Da 1914 eins von jenen Jahren ist, in denen wir vier neue Schiffe gegen zwei auf Stapel legen, so wird ein gegenseitiges Nachlassen offenbar kein Nachteil für die relative Stellung Deutschlands sein. Es ist jedoch klar, daß ein solches Abkommen auch ander e M ächte außer England und Teutschland berühren würde. Die Programme Frankreichs und Rußlands einerseits, Oesterreich-UngarnS und Italiens an- dererseitS würden in Erwägung zu ziehen fein. Ich bin stmgui. nisch genug, leine unüberwindliche Schwierigkeit zu sehen in diesem Einfluß des gemeinsamen Vorgehens der eng lischen und deutschen Regierung. Denn der Friede und die Wohl- fahrt der Welt ist über alle Maßen unschätzbar und wenn zwischen beiden ein Abkommen, sei es auch nur für ein spezielles Jahr, geschlossen würde, um eine verschwenderische, zwecklose, nichtige Torheit zu berhindern, so würde man ein weiteres internatio- n a l c S Ziel erreichen. ES wäre um so mehr Ursache vorhanden für ein« allgemeine Freude und um so mehr Ehre gebührte jenen die das Abkommen zustande brächten. Englands Entschlossenheit. Churchill schloß, er wünsche ausdrücklich, den Gedanken zu rückzuweisen, daß Großbritannien jemals einer anderen Seemacht erlauben könne, ihm so nahe zu kommen, daß sie imstande wäre, bloß durch einen Druck zur See Englands politische Einwirkung abzulenken oder einzuschränken. Eine solche Lage würde ohne Frage zum jtriege führen. Ein kleiner Sicherheitsüberschuß hieße bei dem gcgcw wältigen Stand der Welt Wachsamkeit in allen Seehäfen, die fast auf einen Kriegszustand hinauslaufen würde. Er würde für tEffiziere und Mannschaften eine Anspannung mit sich bringen, die unerträglich wäre, wenn«r lange dauern würde. Er würde bedeuten, daß wir, statt frei und unabhängig zum Besten aller in europäischen Angelegenheiten intervenieren zu können, wie wir cS jetzt tun, zu einer Reihe fragwürdiger Verwickelungen ge zwungen und einer sehr ernsten Aktion preisgegeben wären, nicht weil wir sie für gerecht hielten, sondern als Erfüllung eines durch unser« Schwäche zur See aufgenötigten Handels. Gibt es irgendein« kleine Nation in Europa, gibt es ein junges, für die Eroberung oder Erhaltung seiner Unabhängigkeit kämpfendes Volk, das nicht mit Freude von jeder Verstärkung der britischen Flotte hört? Gibt eS eine Großmacht, die nicht in diesen Monaten voll Besorgnis, Spannung und Gefahr dankbar gewesen ist, daß der Einfluß Großbritanniens im europäischen Konzert eine Wirklich- keit ist und kein Schatten, und daß England frei und stark ge- wcscn ist, um für den allgemeinen Frieden zu wirken, der allen kostbar ist, am kostbarsten aber uns? Itanipf bei tfchataldicha. Gleichzeitig mit der Erstiinmmg Adrianopels haben die Bulgaren auch hei T s ch a t a l d s ch a energisch die Offensive ausgenommen und sind auch hier im Vordringen. Diese Kämpfe erwecken eine gewisse Beunruhigung. Denn nach dem Fall Adrianopels wächst, wie wir bereits gestern sagten, in- folge der Verstärkungen durch die frei werdende Belagerungs- armee die Macht der Bulgaren rasch an. Und man fragt sich init Besorgnis, was werden sollte, wenn auch hier der bulgarischen Armee ein entscheidender Vorstoß gelänge. Der türkische Bericht. Konstantinopel, 27. März. Der heutige amtliche Kriegsbericht besagt: Bei T s ch a t a I d s ch a waren gestern die Vorposten unseres rechten Flügels bis zum Abend in einen leichten Artilleriekainpf mit dem Feinde verwickelt, doch wurde an diesen Punkten keine feindliche Bewegung von Bedeutung bemerkt. Im Zentrum und auf dem linken Flügel ist alles ruhig. Zwar war eine V o r w ä r t s b e w e- gung des Feindes erkennbar, der die Höhen westlich von Büjük Tschekmedsche besetzte, jedoch wurde diese Bewe- gung durch das heftige Artilleriefeuer unserer Vorposten zum Stillstand gebracht. Das Artilleriefeuer dauerte an diesem Punkte bis nach Sonnennntergang an, ohne daß sich eine Aenderung der Lage ergeben hat. Vor B u l a i r hat sich nichts ereignet. Seit gestern früh 8 Uhr sind die funkentelegraphischen Verbindungen mit Adrianopcl abgeschnitten. Kurz vorher«ingetroffene Depeschen meldeten den Fall der östlichen Forts Tjevizlik, Aviasbaba und Tachodschak. Entlassung des Landsturms. Sofia, 27. März. Infolge dcr Kapitulation Adrian opclS werden dir cinberufcnen Land stürm männer entlassen werden. Fricdensbereitschaft Bulgariens. London, 27. März. Wie das Rcutersche Bureau er fährt, ist aller Grund für die Annahme vorhanden, daß B u l- g a r i e n bereit ist, die Vorschläge der Mächte hinsichtlich dcr M e d i a t i o n a» z n n e h in e n. Sofia, 27. März. Die Regierung erwartet das Ein- treffen der Zustimmung der verbündeten B a l k a n st a a t e n, um alsbald die Antwort au sd e n Vermittelungsvorschlag der Großmächte zu über- reichen. Nach Mitteilungen an konipetentcr Stelle werden die Verbündeten den Vorschlag und die Bedingungen der Groß- nlächte als Basis für die Friede ns verhau d- langen a n n e h m e n und hoffen dabei bezüglich der Ost- grenze und der Kriegsentschädigung auf Z u g e st ä n d n i s s e. Sofia, 27. März.(Meldung der Agencc Bulgare.) Während der Operationen bei Adrianopel erhielten die Di- Visionen der bulgarischen Vorhut an dcr Dschataldscha- l i ii i e den Befehl, gegen die Türken die Offensive zu er- greisen. Die Offensive begann gleichzeitig mit jener bei Adrianopcl und dauerte den 24., 25. und 26. März hindurch. Im Verlaufe des Kampfes wurde festgestellt, daß die Türken mit fünf Infanteriedivisionen und einer Äavallcricbrigade, von dcr Flotte im Marmaramcer unterstützt, gegen die. bul- garische Vorhut operierten. Diese setzte unaufhaltsam ihren siegreichen Vormarsch fort und besetzte die Linie Arnautköj, Stadt Tschataldschn, Göstschcli, die Höhen östlich von Akalan, Kalfakös, Sofasköj, Ormanli. Die türkl- scheu Divisionen, unaufhörlich zurückgedrängt, zogen sich auf die Hauptlinie von Tschataldscha in den Bereich der schweren Frstnilgsartilftrie zurück. Tie Bulgaren besetzten jetzt ihre früheren Stellungen in der Tschataldschalinic. Wie der Kommandant der vereinigten ersten und dritten Armee telegraphiert, wurde die Nachricht bvn dcr Einnahme Adrianopels von de» Truppen bei Tschataldschn und bei Bulair begeistert ausgenommen. Tie Beschlüsse der Botschaftcrkonfercnz. London, 2s. März. Das Rcutersche Bureau erfährt, daß heute nachmittag in der Sitzung der B o t s ch a f t c r v e r c i n i g u n g die Vorschläge Oesterreich-Un garns über die G r e n- z e n Albaniens formell angenommen worden sind. Die Vertreter dcr Mächte in Belgcad und Cetinje werden nun- mehr Anweisung erhalten, die montenegrinische und die serbische Regierung von dcr Entscheidung der Mächt« über die Nord- und Nordostgrenze Albaniens zu unterrichten. Man erwartete, daß die Botschaftervereinigung heute mit der Erörterung der Süd» grenze Albaniens beginnen würde, jedoch wird, da es an Zeit mangelte, dieser Gegenstand in der nächsten Sitzung am Frei- tag besprochen werden. Tie Skutari-Frage. Wie», 27. März. O e st e r r e i ch- U n g a r n hat sich mit dem Ersuchen nach Konstantinopel gewandt, E s s a d Pascha möchten Weisungen erteilt werden, daß er dem Abzug der Zivilbevölkerung aus S k u t a r i keine Hindernisse mehr in den Weg lege. Man hofft, daß dieser Schritt in Konstantinopel von den übrigen Großmächten unterstützt werden wird. Das Bombardement von S k u t a r i ist gegenwärtig noch eingestellt. Die serbischeRegierung hat, ohne die Demarche der Großmächte in Belgrad abzuwarten, angeordnet, daß die B e s ch i e ß u n g der Stadt durch die serbischen Truppen unterbleibe, solange der Abzug der Zivilbevölkerung nicht erfolgt sei. Von der montenegrinischen R e g i e r u n g liegt an hiesiger zuständiger Stelle noch keine Mitteilung von neuerlichen Entschließungen vor. Nach Meldungen von anderer Seite schreibt das Amtsblatt in Cetinje, daß, nachdem um l llhr nachmittags die vom König gewährte öllstündige Frist für den Abzug der Zivilbevölkerung aus S k u t a r i abgelaufen sei, das-Oberkommaudo beauftragt worden sei, ein verstärktes Bombardement wieder aufzunehmen. politische(leberlicht. Berlin, den 27. März 1913. Die neuen Borlagen. Die Regierung wird dem Reichstage a ch t Entwürfe zu jehen lassen, nämlich Vorlagen zur Aenderung der Gesetze über die Friedenspräsenzstärke, dcr Besoldungsordnung und des Mannschaftsbcsoldungsgesctzes; ferner Entwürfe für ein Gesetz zu Aenderungen im Finanzwesen, ein Gesetz zur Aenderung des R e i ch s st e m p e l g e s e tz e s, ein W e h r beitragsgesetz(gemeint ist damit die Milliardenabgabe), ein Gesetz über das Erbrocht des Staates und eine Vorlage zur Ergänzung des ReichShauZhalts etats fiH 1913. Die Vorlage zur Ergänzung des Etats für 1913 betrifft eine Forderung von 29 Millionen Mark für die Luftflotte. Der Gesetzentwurf über die Aenderungen im Finanzwesen dürfte im wesentlichen die gePlanten Aenderungen in der Berechnung der Matrikularbeiträge enthalten, während die Vorlage über das Reichsstempelgesetz die Uebernahme der bundesstaatlichen Stempelsteuern auf das Reich betrifft. Eine direkte Reichs st euer kommt also weder in der Form der Ver mögenszuwachs- noch der Erbschaftssteuer. Unterdessen haben sich aber bei der Beratung im Bundesrat neue Schwierigkeiten herausgestellt. Eine offiziöse Zeitung berichtet darüber: «Wider Erwarten haben sich in den BundeSratsausschüssen zur Beratung der Heeres- und Deckungsvorlagen neue Schwierigkeiten ergeben, so daß die für heute angesetzte beschließende Sitzung des Plenums des Bundesrats wieder abgesagt werden mußte. Morgen nachmittag um 4 Uhr wird diese Sitzung erst stattfinden. Die Veröffentlichung der Vorlagen ist demnach am Sonnabend- abend zu erwarten." Man gewinnt immer mehr den Eindruck, daß der Bau, den das Reichsschatzamt zurechtzimmert, eigentlich ein Kartenhaus istj das beim ersten Windstoß zusammenbrechen muß. Die„Kreuz-Zeitung" rückt bereits mit den pezifisch junkerlichen Wünschen heraus.'Sie betont die Opferfreudigkeit ihrer Freunde, eine Opferfreudigkeit, die sich bisher dahin dokumentierte, daß aus den Taschen anderer Leute bewilligt wurde. Das Junkerblatt deutet bereits an, daß versucht werden müsse, auch dem Konsum einen Teil der Lasten auf zubürden, und polemisiert heftig gegen die Fortschrittlcr, die davon angeblich nichts wissen wollen. Nur zu deutlich zeigt sich, daß die Konservativen am liebsten den ganzen Besitz steuergedanken zum Teufel wünschen und es lieber sehen würden, wenn derRcichstag wegen der Militär Vorlage aufgelöst würde.- Jni Wahlkampf könnte mau dann den Wählern vorschwindeln, die Kosten werde dcr Besitz tragen, um dann nach den Wahlen einfach Konsum und Verkehr zu belasten.__ Ein sauberes Planchen des Reichsverbandes. Der famose Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie geht abermals bei den Unternehmern schnorren, um seine abgeschmackten Erzeugnisse wirksamer an den Mann bringen zu können. Wie unser Mannheimer Bruderorgan durch Veröffentlichung eines reichsverbändlerischen Zirkulars zeigt, macht er den Unternehmern den Vorschlag, für die ihren Arbeitern durch die Post zugesendetcii ReichSverbandS-Flugblätter wenigstens das Porto zu zahlen. Darin, daß die Flugblätter einfach durch den Unternehmer verbreitet werden, hat der Reichsverband ein Haar gefunden. Denn für so schlau hält er selbst den rückständigsten Arbeiter, daß er der ihm vom Unternehmer gespendeten Lektüre daS größte Mißtrauen entgegenbringt. ES soll also der Anschein erweckt werden, als ob die Flugblartvcrbreitung nicht im Auftrage und Interesse deS AuSbeutertumS erfolge, sondern von irgendeiner unbeteiligten Seite, der nichts am Herzen liegt, als die arme betrogene Arbeiterschaft aus de» Fangarmen der bösen Sozialdemokratie zu befreien. Des- halb soll nach dem Plan der Reichsverbandsleitung die Flugblatt- Übersendung an jeden einzelnen Arbeiter durch die Post erfolgen. Von den Unternehmern wird nichts verlangt, als daß sie der Haupt- stelle deS Reichsverbandes die genaue Adresse ihrer samt- lichen Arbeiter mitteilen und für den Portobetrag der zum Versand gelangenden Flugblätter aufkommen. Der ReichSverbaNd will'S den Unternehmern so billig wie möglich machen, denn er weiß, wie schwer sich unsere Kapitalisten vom Gelde trennen können, selbst wenn es zu Zwecken der Arbeiter- verdummung verwendet werden soll. Es fei denn, daß der Er- folg auch außer Frage steht, was von der Tätigkeit des ReichSverbandeS ja keineswegs behauptet werden kann. Um cö also so billig wie möglich zu machen, empfiehlt die ReichSverbandsleitung, jedem Arbeiter monatlich nur e i n Flugblatt zuzusenden, jedoch io. daß immer nur der dritte T e i l der Arbeiter gleichzeitig mit den ReichSverbandSerzeugnissen beglückt werde— das eine Drittel werde dann die übrigen zwei Drittel schon zum Mitlesen veranlassen, so daß in Wirklichkeit alle Flugblätter in die Hände sämtlicher Arbeiter gelangten. Dieser pfiffige Trick erspare dem Reichsverband wie den Unter» nehmern Geld. Die letzteren hätten für je 100 Arbeiter nur je 4 mal 5 Pf. Porto an den Reichsverband zu zahlen, im ganzen also die Bagatelle von 2V M. jährlich. Die Hauptsache ist dem Reichsverband, daß das schlaue Planchen hübsch unter den Beteiligten bleibt, damit nicht die Arbeiter Unrat wittern und am Ende die ReichsverbandSmakulatur zu ganz anderen Zwecken verwenden, als ihnen die Hauptstelle deS Verbandes zumutet. Heißt es doch in einem Begleitschreiben der Hauptstelle: Streng vertraulich! Im eigenen Jntereffe! Vielfachen Wünschen entsprechend und um Indiskretionen zu verhüten, bitten wir die Herren Arbeitgeber im eigenen Interesse, 1. alle Briefe, welche sich mit der Versendung von Schriften an die Arbeiter beschäftigen, und alle Arbeiter- listen zu richten: An die Verlagsanstalt Teutonia, Berlin 8W 11, Dessauer Straße 30. 2. Geldsendungen in der gleichen Angelegenheit bitten wir zu senden: An den Zl. Schaaffhausenschen Bankverein, Berlin W 8, Französischestr. 53/54 unter„Konto Betriebsgesellschaft". Zum Schluß bitten wir 3. diesen Zettel gut einzuschließen, damit er nicht in unrechte Hände kommt: die Sozialdemo» kratie hat ihre Spione überall. Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. Zu der Wendung von den„sozialdemokratischen Spionen" be- merkt die Mainzer„VolkSztg.", daß es zur Entlarvung solcher ReichSverbandSmanöver wahrhaftig keines Spionagedienstes bedürfe, da e§ immer noch anständige Unternehmer gäbe, die solch unsaubere Geschäfte als Beleidigung empfänden und der Ansicht zuneigten, daß solche„streng vertraulichen" Zirkulare in sozialdemokratischen Redaktionen am besten aufgehoben seien. Der Meinung sind wir auch._ Zur Durchführung der preußischen Landtagswahlen. Der preußische Minister des Innern hat durch Runderlaß an- geordnet, daß. soweit es noch nickn geschehen ist, mit den Vorberei- lungen zur Durchführung der Wahlen überall unverzüglich begonnen werden soll. Im wesentlichen sind die früher gegebenen Aussührungsbestimmungen maßgebend; sie sind sorgfältig zu be- achten. Weiter heißt es in dem Erlaß: Da mit der Eintragung der Steuerbeträge in das Urmaterial oder in die Listen zu einem Zeit« Punkt begonnen werden muß, in dem die Steuersätze für 1918 noch nicht für sämtliche Steuerarten feststehen, wird die Steuerveranlagung für 1912 überall die Grundlage für die Ausfüllung der Steuer- spalten bilden müssen. Im übrigen wird in dem Erlaß noch auf folgende Punkte auf« merksam gemacht: Die Abgrenzung der UrWahlbezirke hat lediglich nach den in der Wahlverordnung und im Wahlreglement gegebenen Bestimmungen unter dem Gesichtspunkte der möglichsten Erleichterung der Wahlausübung zu erfolgen. Die nach dem Einkommensteuergesetz gewährten Ermäßigungen bleiben außer Betracht bei Berechnung der zu entrichtenden Steuerbeträge für Wahlzwecke. Aus Grund dieser Bestimmung in ihren Steuersätzen ernmßigte oder staats- steuerfrei gestellte Wähler sind mit den Steuerbeträgen in die Wählerlisten einzustellen, die sie ohne die ihnen zuteil gewordene Ermäßigung oder Befreiung zahlen müßten. Es sind nur solche Steuern anrechnungSfähig. die von den Wahlberechtigten auf Grund öffentlich-rechtlicher Verpflichtung gezahlt werden. Die Berücksichtigung auf Grund privatrechtlicher Verträge übernommener Steuern ist unzulässig. Es ist Wert darauf zu legen— so heißt es dann noch wörtlich in dem Erlaß—, daß während der nach den Z§ 4, 9 des Wahlreglements zu bewirkenden öffentlichen Auslegung der Listen die Einsicht- nähme an den bekanntgegebenen Tagen jederzeit während der üblichen Stunden möglich ist. Die Gemeindevorsteher, Wahl- Vorsteher usw. sind anzuweisen, durch geeignete Maßnahmen Vor- sorge zu treffen, daß auch während ihrer persönlichen Abwesenheit die Listen zur Einsicht zur Verfügung stehen. Die Abschriftnahme der Listen ist unter der Voraussetzung zu gestatten, daß dadurch Gleichberechtigte nicht in der Einsichtnahme und Prüfung der Listen beeinträchtigt werden, und daß kein begründeter Verdacht einer miß- bräuchlichen Benutzung oder Verbreitung der Notizen vorliegt. Ich spreche die bestimmte Erwartung aus, daß nach dieser Richtung keine begründeten Beschwerden bei mir erhoben werden. Betrogene Betrüger. Als das Zentrum im vorigen Jahr die christlichen Bergarbeiter des Ruhrreviers vom Anschluß an den Bcrgarbeiterstreik zurück» hielt, spielte unter den verschiedenen Motiven auch die Kalkulation eine Rolle, künftigen Wahlkompromiffen mit den Nationalliberalcn die Wpge zu ebnen. Man glaubte in den ZcntrumSkrcisen, sich durch diese Gefälligkeit nicht nur die Nationalliberalen für die Reichstags- und Gemeindcratswahlen verpflichtet zu haben, sondern auch für die preußischen LandtagSwahlen. DaS fortschrittlich- nationalliberale Abkommen auch für die Wahlkreise im Industrie- bezirke macht nun einen Strich durch die Rechnung. Die Zen- trumspresse ist wütend über den Hereinfall und die„Tremonia" droht mit fürchterlicher Rache:„Auge um Auge, Zahn um Zahn, wenn man eS nicht anders haben will!" Vorläufig lassen sich weder die Nationalliberalen noch die Fortschrittler durch die zentrümlichen Drohungen einschüchtern. Aber die„Tremonia" droht nicht nur, sie lockt auch wieder und schmeichelt den Nationalliberalen: ..Die nationallibcrale Partei hat die bisherigen Mandate in Rheinland-Westfalcn sicher— und bekommt noch einige dazu—, wenn sie eine Verständigung mit der— Zentrumspartci ermöglicht!" Doch auch gegen die Schuleicheleicn dcr„Tremonia" stellt sich die nationalliberale„Dortmunder Zeitung" kalt und erwidert: „Wir wissen im Augenblick noch nicht, wie die Versprechungen der„Tremonia" fundiert sind. Aber sie entspringen zweifellos der Furcht vor der eigenen Courage. In den Arbeitcrmasscn. die für das Zentrum vorwiegend in Frage kommen, spielt die öffentliche oder geheime Wahl nicht mehr die Rolle wie früher. Mehr in die Erscheinung tritt das Ungleiche zwischen beiden in den breiten Mittelstandsschichten." Die„Dortmunder Zeitung" rechnet dann der„Tremonia" di« großen Verluste des Zentrums an Mandaten und Stimmen bei der letzten Reichstagswahl nach und fährt dann fort: „Das ist ein Beweis, daß das Zentrum sowohl wie seine Blockbrüder unpopulär geworden sind. Bei den Arbeitern bat eS auf Zuwachs nicht zu rechnen. Und es besteht die große Wahr- scheinlichkeit, daß es auch bei dieser Landtagswahl auf der ab- schüssigen Bahn weiterrutscht. Um dem vorzubeugen. sucht\s Sukkurs beim Bürgertum. Man kann deshalb die Drohungen des Zentrumsblattes verstehen, so klotzig und taktisch unklug sie auch sein mögen. Um so mehr aber haben die Nationalliberalcn und die Fortschrittler in dcr Wahltaktik auf die Tatsache dcr UnPopularität des Zentrums Bedacht z» nehmen. Wenn nicht die Existenz des Zentrums in der Kaplanci läge, würde es an seiner inneren Unwahrhaftigkcit längst zugrundegegangen sein." Es- ist begreiflich, daß die Zentrumstaktiker im Ruhrrcvier vor Wut schäumen. Sie sehen sich um den Erfolg ihrer Judastaltik betrogen. An die Adresse des Ministers Dr. Sydow. Im preußischen Abgeordnctenhause wurde kürzlich der Berg- etat beraten. Bei dieser Gelegenheit kam der Minister für Handel und Gewerbe Dr. Sydow u. a. auch auf die bekannte Katastrophe dcr Grube„Lothringen" zu sprechen. Er wies die in der Presse gemachten Behauptungen, daß im Unglücksrevier keine Lutten (Holz- oder Blechröhrcn, die Luft in die Arbeitsstellen leiten) am Unglückstage vorhanden waren, als Verleumdung zurück. Vor- nehmlich wandte er sich gegen den Steiger Werner, den Bor- sitzenden des Stcigerverbandcs, der auf das Fehlen der Lutten als Mitursache der Katastrophe in der Presse hingewiesen hatte. Noch 14 Tage nach dem Unglück, meinte der Minister, habe sich ein Ministerialbeamter überzeugen lönnen, daß genügend Lutten vorhanden waren! Und am Schlüsse sagte Herr Sydow: „Es ist immer gut, so etwas von hier aus auszusprechen, da sonst das Gift der Verleumdung— das bezieht sich auf die außerhalb des Hauses stehende Presse— weiter um sich frißt uno dem nicht genügend entgegengetreten wird." Auf diese Bemerkungen antwortet der angegriffene Steiger Werner in der letzten Numme� des von ihm geleiteten Steiger- organs mit einem offenen Brief an den Minister. In diesem Brief heißt es: «Sie haben durch diese schwerbeleidigende Aeußerung unter den Gruppcnarbeitern des Ruhrreviers großes Kopfschütteln her- vorgerufen. So mancher hat sich gesagt: Es ist wirklich kein gutes Zeichen, wenn der oberste Staatsbeamte im Bergbau solche Urteile fällt. Der Ausdruck Verleumdung setzt doch voraus, daß Sie der Meinung sind, ich behaupte wissentlich etwas Un- wahres und wolle nur beleidigen. Die Ausführungen, die von mir bezüglich des Lothringer Unglücks und auch der anderen Un- glücke gemacht worden sind, haben einen ganz anderen Zweck.— Im vorigen Jahre schlugen fünftnal die Wetter und zwar auf Zeche Osterfeld, wo KZ Mann, auf Zeche Lothringen, wo 116 Mann, auf Zeche Achenbach, wo 43 Mann, auf Zeche Neu- mühl, wo 5 Mann, und auf Zeche Wcstende, wo ebenfalls 5 Mann tot blieben.— Eine solche Häufung von Unglücken, bei denen auch eine ganze Reihe meiner Berufskollegen ihren Tod fanden, mutz ihre Ursache haben... Sie sagten, es wäre eine Verleumdung, daß Lutten gefehlt hätten.— Ich nehme ohne weiteres an, daß Sie den guten Glauben haben, die Lutten wären vorhanden gewesen. — Damit haben Sie aber noch nichr das Recht, von Verleum- dung zu sprechen, denn das eine müssen Sie mir ohne weiteres zugestehen, daß ich aus meiner bergmännischen Praxis heraus über Luttenmangel sehr genau orientiert bin. Ich weiß es aus Erfahrung, daß es viele hunderte Male im Ruhrrevier vor- kommt, daß man dem Steiger schwarz auf weiß befiehlt:„Bauen Sie Lutten ein;" trotzdem ist es nicht möglich, welche zu be- kommen... Die Verhältnisse auf Zeche Lothringen lagen so klar für den Kenner der Verhältnisse, daß es eine Selbstverleugnung, ein Un- ' sinn wäre, wenn man Ihre Ansicht für zutreffend hielte und glaubte, es seien Lutten dagewesen. So dumm, Herr Minister, sind keine Arbeiter, die vor einem Ouerschlag Tag für Tag 26 bis 36 Kilo Dynamit verschießen, daß sie die Wetterlutten 16 Meter zurücklassen. In diesen Sprengstoffgasen zu arbeiten ist keine Kleinigkeit. Und wenn die Lutten so weit zurück sind, so ziehen die Gase nicht mehr ab. Wenn Sie auch ausführen, der Referent der Ministerial- abteilung habe noch 14 Tage nach dem Unglück persönlich fest- stellen können, daß genügend Latten vorhanden gewesen seien, so ist das eine Ansicht, über die die Betriebsbeamten nur ein mitleidiges Lächeln haben. Unser Grubenbetrieb funktioniert bei solchen Sachen so schnell und ist auch darauf eingerichtet, daß schon 16 Minuten nach dem Unglück drei Worte des Betriebsführers genügen, um die ganze Untersuchung hinters Licht zu führen." Werner verlangt, daß wegen der Katastrophe ein Prozeß gegen die verantwortlichen Ortsältesten und Steiger(die noch leben) an- gestrengt werden soll. Dann würde sich zeigen, ob Lutten da waren und warum Lutten nicht eingebaut wurden, so daß sich Schlagwetter ansammeln mußten, die zur Katastrophe führten. Die Schuldigen des Unglücks werden bloßgestellt werden. Mangel an Material, der intensive Druck auf die Kohlenförderung, Ueber- anstrengung der Beamten sowie eine Reihe von kleinen Mißständen seien es. die Massenunglücke verursachen. Auf diese Ursachen seien auch die Katastrophen auf„Neumühl",„Osterfeld" und„Lothrin. gen" zurückzuführen. Wir sind neugierig, ob der Herr Minister den Vorschlag Wer- ners, einen Prozeß einzuleiten, nachkommen wird. Landtagsersatztvahl im Wahlkreise Flatow-Teutsch-Krone-Tchneidemühl. Amtliches Wahlergebnis: Bei der LandtagSersatzwahl im Wahl- kreise 8 Marienwerder erhielten Rittergutsbesitzer Dr. Roesicke-Goers- dorf bei Dahme(k.) 333, Gutsbesitzer Mallach-Wittkow, KreiS Deutsch- Krone(Z.) 13 Stimmen und Oberstleutnant z. D. Fischer-Jllow, KreiS Flatow, 1 Stimme. Gewählt ist somit Dr. Rocsicke(!.) Herr Generalmajor v. Klöden als Landtagskandidat. Das Wiesbadener Zentrumsorgan, die„Rheinische Volksztg.", ist ermächtigt zu erklären, daß im Einverständnis mit dem Vorstande des Bundes der Landwirte die Zentrumspartei für den Landtags» Wahlkreis Rheingau-St. GoarShausen-Meisenbeim unter allen Um- ständen an der Kandidatur des Herrn v. Klöden f e st h ä I t. frankrdcb. Die Verhandlungen über die dreijährige Dienstzeit. Paris, 26. März. Der Hecresausschußdcr Kammer zog den Gegenvorschlag des Generals Pedoya, welcher eine Dienst- zeit von 27 Monaten beantragt, nickst in Ewvägung. Der Aus- schütz besprach zuerst den Artikel des RcgierungSvorschlages, welcher das Prinzip der dreijährigen Dienstzeit festlegt. Georges Lcygues legte dar, wie dringlich eS sei, die noch leeren Stellen der Grenze zu besetzen angesichts der Möglichkeit einer Invasion über Belgien. Er legte dar, daß Deutschland Vorsichtsmaßregeln treffe und alles ins Werk setze, um seine Truppen mit der größten Schnelligkeit mobilisieren und zusammenziehen zu können. Niemand in Frank- reich wünsche einen Krieg mit Deutschland, aber niemand wolle von Deutschlands Gnade abhängig sein. foivwnd. Bau einer neuen strategischen Bahn in Südsibirien. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Hand in Hand mit der aggressiven Politik der russischen Di- plomatie im fernen Osten geht ein neuer energischer Vorstoß, den die russische Regierung auf dem Gebiet des mittelasiatischen Bahn- baueS unternimmt. Nock) ist die kostspielige Amurbahn, deren Bau vor einigen Jahren begonnen wurde, nicht fertiggestellt, und schon schreitet die Regieruirg an die Errichtung einer neuen ge- »valtigen Bahn, die von der Grenze des europäischen Rußlands über Mmolinsk nach Semipalatinsk gehen soll. Die Vorarbeiten sind von dem Verkehrsministermm beendet und zurzeit finden be- reits die Kommissionserörterungen über die Einzelheiten des Baues statt. Während darüber noch manches im unklare» ist, hat der Ministerrat durch seine Vertreter in der Kommission er- klärt, daß die Richtung»ach Semipalatinsk in Anbetracht politischen Bedeutung dieser Linie als definitiv anzusehen sei. Damit ist offiziell zugegeben, daß der Hauptzweck dieser Bahn kein wirtschaftlicher, sondern ein militärisch-stratc- gischer ist. denn die Richtung nach Semipalatinsk bedeutet nichts anderes, als die Beherrschung der nordwestlichen Mongolei durch Rußland. In diesem Sinne wird die ge- plante Bahn auch von der kapitalistischen Presse aufgefaßt. Die liberale„Rußkoje Slowo", das meist verbreitete bürgerliche Blatt in Rußland, schreibt erbittert, der jetzige Ministerpräsident Kokow- zew habe„unglücklicherweise" den Bau dieser Bahn um 4 Jahre verzögert. Wäre die Konzession für diese Bahn schon 1969 er- teilt worden, so wäre der Bau jetzt schon beendet„und wir könnten ruhig sein über das Schicksal der nordwestlichen Mongolei". Deut- lichcr als durch diese Worte kann der jüngste mittelasiatische Vor- swß des russischen Imperialismus nicht gekennzeichnet werden. Huö der Partei. Ter sozialdemokratische Bezirksverband Thüringen, dem die Reichstagswahlkreise der Thüringer Kleinstaaten: Weimar, Meinigen, Coburg, Gotha, Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondcrshausen und die beiden Reuh angegliedert sind, beginnt seine Wirksamkeit am 1. April. Sekretäre sind die Ge- Nossen B a u d e r t und Leber. Die Adresse für Zusendungen ist: Sozialdemokratisches Bezirkssckrctariat Thüringen, Weimar, Pabststraße. poltxeUiches, OcrichtUches ulw. Bürgerliche Preßhcldcn. Ter Verantwortliche der B i e l»c f e l d e r„V o l k S w a ch t", Genosse Dreckshage, wurde vom Schöffengericht zu Detmold wegen Beleidigung des Redakteurs Staercke von der liberalen„Lippe- schen Landeszeitung" zu 56 M. Geldstrafe verurteilt. Die Beleidi- gung wurde in einem Bericht der„Volksmacht" über eine Straf- kammerverhandlung gefunden, in dem der Klageeifer des liberalen Redakteurs zurückhaltend kritisiert war. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die bürgerlichen Zci- tungen in Detmold nach der Reichstagswahl eine» Rekord aufgestellt haben, indem sie sich gegenseitig mit 46—56 Beleidigungsklagen an- ödeten. Die Hälfte dieser Bagatellprozesse ist entschieden— und das hat die Zeitungen ein paar Tausend Mark gekostet—; die andere Hälfte aber wurde durch einen Generalvergleich aus der Welt lleschafft._ Soziales. Hütckindrr. Nach wie bor wird den Agrariern die Verwendung schulpflichtiger Kinder zum Hüten gestattet, obwohl dieses System zu den schiversten Mißständen geführt hat. Kann die Regierung nichts dagegen tun? Die Königliche Regierung zu Königsberg hat in den Jahren 1369 und 1874 versucht, die großen Uebelstände, die mit der Verabfolgung von Erlaubnisscheinen an hütende, und dienende Schulkinder verbunden sind, auf ein möglichst geringes Maß einzuschränken. In einer Verordnung vom 23. März 1886 schreibt die Regierung, die seitdem gemachten Erfahrungen hätten klar erwiesen, daß das Hütsivesen immer noch eine große Aus- dchnung habe, daß das öffentliche Schulinteresse darunter auf das Empfindlichste leide. An einer anderen Stelle der Verfügung heißt es wörtlich: „Wir erwarten mit Bestimmtheit, daß im unterrichtlichen und erziehlichen Interesse das ernsteste Bestreben der Lehrer und Schul- inspektoren sein wird, die Zahl der hütenden und dienenden Kinder von Jahr zu Jahr herabzumindern und so das völlige Aufhöre» dieses Ausnahmewcsens allmählig vorzubereiten, zumal in mehreren Kreisen letztgenannter Endzweck so gut wie erreicht ist. Also bereits im Jahre 1836 ivar von der Regierung die Be- seitigung des Hütekindersystems ins Auge gefaßt worden. Heute, »ach 27 Jahren besteht es immer noch, und jetzt beschränkt sich dieselbe Regierung darauf, die Verordnung vom 23. März 1886 lediglich in Erinnerung zu bringen. Nach den Bedingungen von 1386 können also auch jetzt noch schulpflichtige Kinder zum Hüten verwendet werden. Nach der Verordnung wird der Erlaubnis- schein vom Kreisschulinspektor erteilt, wenn folgende Bedingungen zusammentreffen: a) wenn das Kiitd entlveder gar keine Ernährer und Versorge r hat, oder wenn seine Eltern nach einer Bescheinigung des Landrats außerstande sind, es zu unterhalten, so daß der Ein- tritt in fremde Dienste das einzige Mittel ist, eS vor Betteln und Vagabondiercn zu schützen; d) wenn das Kind nicht bloß fließend lesen kann, sondern sich auch im Schreiben, Rechnen und in der Religion genügende Kennt- nisse erworben, seit dem Eintritt in das schulpflichtige Alter, namentlich aber im vorangegangenen Winterhalbjahr, die Schule regelmäßig besucht und sich durch Fleiß und gute Führung als zuverlässig und ordentlich erwiesen hat; c) wenn dasselbe das elfte Lebensjahr vollendet hat; ck) wenn der Dienstherr, falls er im vergangenen Jahre ein Kind in seinem Dienst gehabt, dieses regelmäßig zur Schule ge- schickt hat. Der Erlaubnisschein ist, auch wenn diese Bedingungen zu- treffen, zu untersagen: a) wenn Mädchen zum Viehhüten verwendet werden sollen; d) wenn jemand mehr als ein Kind zum Hüten und Dienen überlassen haben will; c) wenn eine Verwendung des Kindes außerhalb des Kirch- spicls stattfinden soll, in welchem dasselbe seine Heimat hat; ck) wenn in der Schule Halbtagsunterricht eingeführt ist. Die Hüte- und dienenden Kinder müssen während der Hüte- zeit vom 1. Mai bis 1. November mit den übrigen Kindern wöchentlich zwölf Stunden Schulunterricht erhalten.... An Sonn- und Feiertagen ist den Kindern diejenige Zeit freizulassen, welche sie zur Teilnahme an dem Gottesdienst ihrer Konfession nach den Ordnungen ihrer Kirche nötig haben. An diesen Bestimmungen hat die Königliche Regierung im Laufe der 27 Jahre nichts zu revidieren gehabt, obwohl sie seiner- zeit der Ansicht war, daß das völlige Aufhören dieses Hütekinder- Wesens vorzubereiten sei. Die Regierung hat lediglich die Ver- ordnung durch die Bestimmung ergänzt, daß schulpflichtigen Kindern während ihres letzten Schuljahres ein Erlaubnisschein zum Hüten oder Dienen nicht erteilt werden dürfe. Das ist die ganze„soziale Fürsorge", die im Interesse der Hütekindcr von der Regierung im Laufe von 27 Jahren cnt- faltet worden ist. Tie Notwendigkeit des Verbots jeder Erwerbs- arbeit schulpflichtiger Kinder auch in der Landwirtschaft ist der Regierung nicht entgangen. Gestatten ihr die Agrarier nicht, eird- lich zu einem solchen Verbot überzugehen? Eine in noch so starken agrarischen Fesseln liegende Regierung sollte sich endlich darauf besinnen, daß. wer den Schutz der Kinder vernachlässigt, die größte Sünde begeht. Bislang aber hat ja die Regierung noch nicht einmal die Enquete über die Beschäftigung von Kindern in der Landwirtschaft veröffentlicht. Berufskrankheiten in den Bereinigten Staaten. New Aork, 15. März 1913. Dreizehn Millionen Berufs-Er- krankungen und ein durch sie verursachter Lohnausfall von 756 Millionen Dollar(3 Milliarden Mark) sind nach den Feststellungen der American Association of Labor Legislation(amerikanischer Verband zur Förderung der Arbeiterschutz-Gesetzgebung) alljährlich in den Vereinigten Staaten zu verzeichnen. Ganze Arbeiterarmeen sinken Jahr für Jahr vorzeitig ins Grab, weil die Raffgier des Unternehmertums nicht ein Partikelchen der gleißenden Dividenden aufzugeben gewillt ist, um sanitäre, vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Teilnahmslos verhalten sich die Einzelstaaten. Im ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten haben wir bis jetzt nur ein Gesetz zur Bekämpfung der Berufskrankheiten: es wurde vom Bunde erlassen und verbietet die Verwendung des weißen PhoS- phors bei der Fabrikation von Zündhölzern. Die Phosphornekrose tritt in ihrer ganzen Furchtbarkeit auch für den Laien erkenntlich zutage. Daher die vereinzelte gesetz- geberische Maßnahme! Das Volk in seiner erdrückenden Mehr- heit geht darum so teilnahmslos an den Berufskrankheiten vor- über, weil es die Ursachen derselben nicht erkennt. Mit den Be- triebsunfällen, die täglich 166 Arbeiterleben fordern, beschäftigt sich die Oeffentlichkeit; von den viel verheerenderen Berufskrank- heitcn nimmt sie kaum Notiz. Die American Association of Labor Legislation mußte sich bei der Berechnung der Gesamtzahl der Berufserkrankungen auf die dürftigen, sich nur als Stichproben darstellenden Zusammenstellun- gen des Bundesbureaus für Arbeiterangelegenheiten stützen. Das amtliche Material erstreckt, sich auf einen Teil der Textilindustrie und der Baugewerbe mit ihrer starken Staubentwickelung, der Hutfabrikation mit ihren Onecksilbervergiftungen, der Tunnel- und Brückenbauten mit ihrer Chaissonkrankheit und des Bergbaues mit seinen asthmatischen Leiden. Da das statistische Material in den industriell am höchsten entwickelten und deshalb die stärkste gewerkschaftliche Organisation wie eine bessere(besser ist hier allerdings nur ein relativer Begriff) Arbeiter-Schutzgesetzgebung aufweisenden Staaten gesammelt ist, so darf man getrost an- nehmen, daß die angegebene Zahl von 13 Millionen Berufs-Er- krankungen pro Jahr trotz ihrer unglaublichen Höhe noch zu niedrig gegriffen ist. Ueber die Sterblichkeit der von Berufskrankheiten Ergriffenen liegt ein noch dürftigeres Material vor, als über die Berufs- krankheiten selbst. Immerhin ergibt sich aus dem Buellctin Nr. 79 des Bundesbureaus für Arbeiterangelegenheiten, daß in einem Jahre 22 238 Arbeiter und Arbeiterinnen an Berufskrankheiten starben, die auf Staubentwickelung zurückzuführen sind. Die Bundesbehörde, welche sich als Instrument der herrschenden Partei bemüht, die bestehenden Zustände in rosigem Lichte erscheinen zu lassen, muß dabei noch selbst zugeben, daß nur ein Teil der Be- rufskrankheiten von den behandelnden Aerzten den Behörden ge- meldet wird. Letztes Jahr veröffentlichte das Bundesbureau für Arbeiter- angelegenheiten eine belehrende Broschüre über die Ursachen, die Symptome, den Verlauf, die Behandlung und die Verhütung der Berufskrankheiten. Nach der Broschüre werden Berufskrankheiten beobachtet u. a. in 27 Industriezweigen, die Arsen, in 138, welche Blei und Bleiweiß verarbeiten; in 36, in deren Betrieb die Staub- entWickelung stark ist. Zudem kommen noch vor allem die Mon- tanindustrie mit ihrer riesigen Arbeiterzahl und ein erheblicher, oben nicht inbegriffener Teil der chemischen Industrie in Betracht. Fordern die 36 staubentwickelnden Gewerbe im Jahre über 22 666 Arbeiterleben, so greift man sicherlich nicht zu Hoch mit der An- nähme, daß über 56 666 gegen Lohn beschäftigte Personen pro Jahr an Berufskrankheiten sterben. Da der Erlaß von Verhütungsgesetzen nur sehr schwer, die Durchführung eventueller diesbezüglicher Vorschriften noch schwerer zu erreichen ist, so wäre es am zweckmäßigsten, wenn die Arbeiter- schaft unter prinzipieller Wahrung ihres Standpunktes zunächst darauf drängte, daß die Berufskrankheiten unter die Bestimmungen der Haftpflicht- und Unfallentschädigungsgesetze fallen. Dem Aus- bau dieser Gesetze ist die Volksstimmung nicht ungünstig. Wenn es erst einmal nicht mehr billiger ist, die Arbeiter dem Siechtum und dem Grab zu überantworten, werden die Unternehmer schon Borkehrungen zur Verhütung der Berufskrankheiten treffen. Em Industrie und Kandel. Großhandelspreise und Konsum. Nachdem die Preise der wichtigsten Verbrauchswaren seit An- fang Dezember 1912 im Durchschnitt wieder fortgesetzt gestiegen waren, hat der Monat Februar eine geringe Ermäßigung des Preis- niveauS gebracht. Von einem Nachlassen der Teuerung kann freilich noch keine Rede fein, wenn man die Belastung desKonsums mit früheren Jahren vergleicht. Die Preishöhe sank zwar im Berichtsmonat sogar noch etwas unter den Stand der vorjährigen Parallelzeit; praktisch will das jedoch nichts besagen, da das Waren- Preisniveau im Februar 1912 um nicht weniger als 16,12 Proz. über den Februar 1911 hinausragte. Um den allgemeinen Preis- stand am Warenmarkt recht exakt zu erfassen, schlägt man folgendes Verfahren ein: man bildet aus dem festgestellten Jahreseinkommen für 17 der wichtigsten Waren eine Verbrauchsei nbeit zu 166 Tonnen, in die jede Ware mit dem gehörigen Prozentsatz ein- gerechnet ist, und erhält damit einen ziemlich sicheren Maßstab für die Beurteilung der Preisschwankungen in ihrer Einwirkung auf den Konsum. Der M o n a t S i n d e x für eine solche Einheit berechnete sich für den Monat Februar der Jahre 1967 bis 1913 auf Mark: Februar 1967 1968 1969 1916 1911 1912 1913 Index 5638,96 5981,38 5759,91 5837,98 5717,41 6639,33 6499,71 Zu- resp.Ab- nähme, Proz. 4-6,1-3,76 4l.26-2,48-ss16,12-2,16 Gegen 1967 steht der Index im BerichtSmonat um 15,3 Prozent höher. ES fei nebenher darauf hingewiesen, daß sich z, B. daS Lohneinkommen der deutschen Bergarbeiter im Steinkohlenbergbau in der gleichen Zeit nur um zirka 3 Prozent gebessert hat. Der Rückgang gegen das Vorjahr ist durch die Preissenkung am Markt der vegetabilischen Nahrungsmittel bedingt. Gegen Februar 1911 und 1912 ergab sich hier folgende Bewegung der Indexziffern: Februar 1911 1912 1913 Weizen.... 654,13 698.73 657,87 Roggen.... 794.75 1665,87 886,84 Kartoffeln... 487.62 1627,18 619,85 Reis..... 26,92 24,97 23,62 Brotgetreide und Kartoffeln sind trotz des Preisrückganges der letzten Monate noch immer erheblich teurer als im Februar 1911. Die Fleischpreise stehen nach wie vor weit über den Notierungen der Vorjahre. Die Indexziffern für animalische NahrungL- mittel verzeichneten nämlich folgende Gestaltung: Februar Schweine.. Rinder... Kälber... Hammel.. Die Spannung der immer 36,4 Proz. Bei 1911 1912 1913 . 799,75 852,25 1091,16 . 855,46 872.26 943,66 . 181,56 178,25 369,25 . 66,86 58,13 76,67 Schweinepreise gegen 1911 beträgt noch den wichtigsten Genuß mittel» be- kündeten die Indexziffern im Februar gegen die beiden Vorjahre folgende Gestaltung: Februar 1911 1912 1918 Kaffee... 131.56 161,66 145,75 Zucker... 94,28 166.66 97.45 Tabak... 75.66 78,66 86,46 Sehr bemerkenswert ist die Ermäßigung der Kaffeepreise, die sich seit einiger Zeit anbahnt und auf daS erhebliche Anwachsen der Kaffeevorräle Brasiliens zurückzuführen ist. Die Preise der wichtigsten Roh- und Betriebsstoffe schließlich sind im Be- richtSmonat im allgemeinen uirverändert geblieben. Nur Baum« wolle erfuhr abermals eine Ermäßigung, steht aber noch inimer höher im Preis als vor einem Jahre. Gegen das Vorjahr werden sämtliche Rohstoffe teurer bezahlt. Gewerhrchaftlicbcs. Die 8tolpcr ötreihbrucb-Rufaren und das Generalkommando. Die Leitung der streikenden Transportarbeiter in Stolp in Ponmiern hat bei dem Generalkommando des 17. Armeekorps in Tanzig Beschwerde geführt über die Verwendung von Husaren zu Ztreikbrcchern. Tarauf ist folgende Antwort eingegangen: 17. Armeekorp?. Generalkormnando. D a n z i g, den 23. März 1913. Abt. II». Nr. 3131. Auf Ihre telegraphische Eingabe vom 17. d. M. erhalten Sie nach Prüfung der Angelegenheit folgenden Bescheid. Nach AuS» kunft der Polizeiverwaltung in Stolp würde bei Nichtgestellung von Aushilfelräften eine erhebliche Störung des öffentlichen Ge- schäftsgangeS und Verkehrs mit Gütern eintreten und sind andere Aushilfekräste als die Soldaten nicht verfügbar. Die Gestellung der Husaren entspricht somit den Bestimmungen und das General- kommando hat zu einem Eingreifen keine Veranlassung. Von feiten des Generalkommandos Der Chef des Generalstabes v. Wrisbcrg, Oberstleutnant. Dieser Bescheid zeigt nette Perspektiven bei jedem Streik. Danach teilt die Polizeiverwaltung nur mit. daß eine Störung des Verkehrs durch den streik eintrete und das Militär macht dann ungehindert die ganze Streikarbeit. Da Beschwerde an das Kriegsministerium gesandt ist. kann man darauf gespannt sein, wie sich dieses hierzu äußern wird. Wie glaubwürdig aber so eine Mitteilung von feiten der Polizei ist, das zeigen die in Stolp erscheinenden Blätter. In diesen teilt die Polizei der Einivohncrschaft mit, daß sie betrunkene Streikposten zur cigenen Sicherheit in polizeilichen Gewahrsam genommen habe. Diese Mitteilung, die in die gesamte hinterpommersche Presse übergegangen ist, entspricht nach keiner Richtung hin den Tatsachen. Ein Arbeiter, der betrunken war, und auf dessen Verhaftung die Rotiz hinweisen könnte, hatte mit Streikposten gar nichts zu tun. Natürlich sind solche Notizen sehr geeignet, die Streikenden in Mißkredit zu bringen. Daß dies die Absicht der Polizeibehörde ist, wollen wir nicht behaupten. Der Vorfall zeigt aber, was auf ihre Auskünfte in der Stolper Streikangelegenheit zu geben ist. Und� auf diese Auskünfte hin leisten die Stolper Husaren weiter streikbrecherdienstc! Berlin und Qmgegend. Neue Verhandlungen in der Berliner Herrenkonfektion. Vom Hauptvorstand des Unternehmcrverbandes für die Herren- und Knabcnkonfektion ist an den Zcntralvorstand des Schnetber- Verbandes ein Schreiben gerichtet worden, in dem der Vorschlag gemacht wurde, am 28. März die Verhandlungen wieder aufzu- nehmen. Der Vorstand des llntcrnehmcrverbandes hat bereits vier Personen als Berhandlungsteilnehmer beauftragt; der Zentral- vorstand der Schneider hat sich durch Schreiben an den Unter- nchmerverdand zu Verhandlungen bereit crllärt. Die neuen Ber- Handlungen beginnen mn 28. März er. Ein Streik in der Tischfabrik von E. Brämer in Lichten- Ire r g hat in der Möllendorffftraßc, in welcher die Fabrik liegt, außerordentlich ändernd auf das Stratzcnbild gewirkt. Ten� Arbeitern wurde dort zugemutet,. die übliche Arbeitszeit von 8'/ä Stunden um eine Stunde zu verlängern. Die Arbeiter wehrten sich dagegen und Herr Brämer verschaffte sich als Ersatz für seine bisherigen Leute jene dem«taate so besonders nützlichen Elemente, deren sich, obgleich sie bis an die Zäfme bewaffnet sind und— wie einzelne von ihnen bewiesen— auch mit dem Revolver umzugehen vcr- stehen, natürlich die Polizei annahm. Für die Streikenden ist die Straße gesperrt. Wer sich von ihnen sehen läßt, wird sofort von Herrn Brämer oder seinem Stiefsohn Max Otw der Polizei über- wiesen. Tort wird er einem peinlichen Verhör unierzogen. ES wird ihm direkt auf den Kops zugesagt, daß er ja nur deshalb nach Lichtenberg gekommen ist, um Brämers Arbeitswillige zu belästigen. Dann werden seine Taschen nach irgendwelchen Mordwaffen unter- sucht, derweil ist ein Protokoll entstanden; dann heißt es:..Bitte, unterschreiben Sie!"—„Nein, wie komme ich dazu."—„Aha! Sic scheinen ja sehr schlau zusein! Nun machen Sie aber, daß Sie rauskommen und lassen Sie sich noch einmal sehen, dann—" drohende Bewegung, so werden anständige Leute behandelt! Nachmittags nach 4 Uhr ändert sich das Bild in der Möllendorff- straßc. Es tauchen hier zwei Herren auf, dort auch. Und dort sind ja schon wieder zwei solcher Bassermannschen Gestalten. D i e hin- dcrn aber den Verkehr nicht, obgleich sie alle wohlgenährt sind. Dann kommen zwei Schutzleute zu Pferde. Sie alle gehen und reiten bei dem schönen Frühlingswetter spazieren. Nur die streikenden Arbeiter werden von der Straße ge- wiesen. Endlich um%S Uhr wird es lebendig. Zu Dutzenden erscheinen die Arbeiter aus allen Fabriken. Auch aus dem Brämerschen Betriebe kommen mehrere Häuflein heraus, die aber sofort von den anderen Arbeitern zu unterscheiden sind.?luch die oben erwähnten Herren, als wenn sie die Nase von Polizeihunden hätten, finden sie sofort heraus und begleiten die bis an die Zähne bewasfnetcn„nützlichen Elemente", welche dennoch vor friedlichen Arbeitern eine heillose Angst haben, bis zur Bahn oder nach Hause. ventkekes Reich. Ter Verband der Schneider im Jahre Am Jahresschluß 1912 zählte der Verband 39 787 männliche und 10 217 weibliche, insgesamt 50 004 Mitglieder. Das ergibt gegenüber dem Jahre 1911 eine Zunahme von 1801 männlichen und eine Abnahme von 282 weiblichen Mitgliedern, mithin eine Gesamt- zunähme von 1519 Mitgliedern. Gegenüber den im Jahre 1912 er- folgten Neuaufnahmen von 13 054 männliche» und 4872 weiblichen Mitgliedern ist die Zunahme sehr gering,� weil immer wieder tausende austreten oder wegen rückständiger Beiträge gestrichen werden müssen. Die Einnahmen auS Mitgliederbciträgen stiegen um 134 330 M. lwobon allerdings 33 570 M. als Erlrastener in Forin doppelter Beiträge in Abzug gebracht werden müsien), und zwar von 857 344 M. auf 902 274 M. Die Jahreseinnahme betrug einschließ- lich des Saldovortrages von 837 013 M. insgesamt 1915 544 M., die Ausgabe 1 087 991 M.. der Kastenbeswnd der Hauptkasse 827 552 M. DaS finanzielle Ergebnis kann insofern befriedigen, alS allein für Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen 509 950 M., das sind 411093 M. mehr als 1911. ausgegeben wurden. Die Krankenunterstützung erforderte eine Ausgabe von 125 108 M., die Reiseunterstützung 29321 M. Die Lokalkasfen hatten außerdem 165 712 M. für Lokalbeiträge eingenommen und unter anderem auch für Lohnbewegungen 77 332 M. verausgabt. Der Kassenbestand der Lokalkassen belrug am Jahresschluß 179 183 M. Ein neuer„christlicher" Verrat. Am Niederrhein stehen die Färber in einer Lohnbewegung. Bon ihren ersten Anfängen an bis zum Streikbeschluß wurde diese Bewegung von dem christlichen Verbände und vom freien Verbände gemeinsam geführt. Alle Entschließungen kamen in voller Einmütigkeit zustande. Nie haben die Bevoll- Perantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inserate nteU verantw.: mächtigtcn der christlichen Organisation Einspruch oder Wider- spruch erhoben. Gemeinsam wurden die Forderungen eingereicht und alle Schriftstücke an die Unternehmer von beiden Verbänden unterzeichnet. So wurde im Vorjahre gemeinsam das Zu- geständnis des Untcrnehmerverbandcs— weil ungenügend— und der Ilbschluß eines Tarifvertrages auf jener Grundlage abgelehnt. Die Wciterführung der Bewegung wurde bis zum Eintritt der, wie alljährlich so auch heute, sicher zu erwartenden günstigeren Ge- schäftskonjunttur vertagt. Diese Periode trat Ende Januar ein. Der Geschäftsgang war gut und ist heute noch ein guter. Gemeinsam wurden nun die Forderungen Ende Januar erneut eingereicht. Harmonisch arbeiteten christliche und frciorganisierte Arbeiter zusammen an der Ausbesserung ihrer Lage. Noch am 27. Februar richtete der christliche Tcxtilarbeilcrvcrband an den Verband der Unternehmer ein vorher in gemeinsamer Sitzung mit dem Deutschen Textilabciterverband beratenes Schreiben. Dir Eingabe hatte folgenden Wortlaut: An den Arbeitgeberverband der rheinischen Seidenindustric, z. H. des Herrn F. Holstein, Krefeld. Wir haben unseren Mitgliedern heute. Donnerstag, den 27. Februar, zur Beratung unterbreitet, inwieweit der Verband der rheinischen Färbereien den gestellten Forderungen entgegen- kommen will und welche Bedingungen ihrerseits daran geknüpft werden. Von unseren Mitgliedern ist nachstehende Resolution bc- schlössen worden: „Die streikenden Mitglieder der unterzeichneten Organisa- tionen erkennen an, daß die Herren Färbereibefitzer unseren Forderungen nicht unbeträchtlich entgegengekommen sind; sie er- klären aber aucki, daß dies Entgegenkommen doch nicht ausreicht, wie sie im Ultimatum Ihrerseits angegeben sind. Die Streitenden erklären ihre Zustimmung zum Tarifab- schluß nur dann, wenn neben den bis jetzt gemachten Zuge- ständ nisten 1. der Lohn für Gesellen ncnd Eonleursärber im zweiten Tarisjahre noch um eine halbe Mark erhöht wird, 2. der Lohn für Mädchen unter 22 Jahren jetzt um 16 M. und ab 2. Tarisjahr um eine weitere% M. erhöht wird, 3. wenn die Arbeitszeit für alle Betriebe einheitlich geregelt wird, 4. wenn die Arbeitszeit ab 2. Tarifjahr auf 58 Stunden wöchentlich herabgesetzt wird, 5. wenn die Tarifdauer abgeschlossen wird vom 1. Mörz 1913 bis zum 1. März 1913." Die christlichen Führer waren sich demnach noch am 27. Fe- bruar einig, daß die Arbeiter, d.ie ursprünglich eine Verkürzung der Arbeitswoche um mindestens 4 Stunden wöchentlich gefordert ljatten, sich mit der gebotenen einen Stunde nicht begnügen tonn- ten; daß die Löhne für die Färber(gelernte Leute) auch nach den Zugeständnissen der Unternehmer noch durchaus ungenügend seien; daß die Arbeiterinnen unter 22 Jahren nicht sieben volle Iahte ohne einen Pfennig Lohnerhöhung bleiben dürften: daß die Ablausszeit des Tarifcs eine andere werden muß. Auch die anderen weniger beteiligten Organisationen waren sich klar, daß die Arbeitsverhältnisse der Färber eine entschiedenere Verbesserung erfahren müssen. Die Hirsch-Tunckcrschcn faßten am 3. März folgenden Beschluß: „Die am 3. März in Viersen tagende Bczirkskonfercnz der gesamten Vorstandsmitglieder des Gewerkvereins der deutschen Textilarbeiter(H.-D.) in Anwesenheit mehrerer Hauptvorstands- Mitglieder erklären, daß die Bewegung und Forderung der Färber als gerecht und der heurigen Zeit entsprechend anzuer- kennen ist. Wenn wir auch nur mit einer kleinen Anzahl 5�ollc- gen an der Färbereibcwegüng beteiligt sind, so sind wtr doch bc- reit, im Interesse der Färber auch die von den Unternehmern Krefelds angedrohte Aussperrung ruhig an uns herantreten zu lassen." Plötzlich wendete sich das Blatt. Am 19. März ging der Streitleitung vom Oberbürgermeister der Stadl Krefeld folgen- des Schreiben zu: „'Creseld, den 18. März 1913. Der Zentralvcrband christlicher Textil- a r b e i t e r und der Arbeitgeberverband b e z w. dtzr Schutzverband für das niedcrrhcinischc Seiden- g e w e r b c haben sich dahin geeinigt, daß der Färberstreik und die Aussperrung der Textilarbeiter beendet Warden, indem die bisherigen Angebote der Arbeitgeber in den Fragen des Lohnes und der Arbcitsdauer angenommen werden und hin- sichtlich der Dauer des Tarifvertrages Nachstehendes bestimmt wird: Der Vertrag soll bis zum 1. November 1913 dauern; für den Fall, daß er ordnungsgemäß gekündigt wird, jedoch bis zum Slblauf des Vertrages eine neue Vereinbarung zustande kommt, sollen bis zum 1. März 1917 in Sachen des Tarifs weder die Färbereiarbeitcr das Recht haben zu streiken, noch die Arbeitgeber der Färbereien befugt sein, ihre Arbeiter aus- zusperren; vielmehr soll in der Zwischenzeit von, Dezember 1916 versucht werden, durch Fortführung der friedlichen Ver- Handlungen den Abschluß eines neuen Tarifvertrages zu er- zielen. Das Inkrafttreten dieser Vereinbarung ist abhängig von der Zustimmung des Deutschen Textilarbeiter-Berbandes. Denn die Wiederaufnahme der Arbeit allein durch den Christlichen Textil- arbeitcr-Verband ist schon aus technischen Gründen nicht möglich. Darüber sind sich alle Beteiligten einig. Nachdem durch die Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber- verband und dem Verband Christlicher Textilarbeiter ein den Interessen beider Parteien gerecht werdender Ausgleich gefunden ist, ruht nunmehr die ganze Verantwortung für das Gelingen der Einigung auf dem Deutschen Textilarbeiter-Vcrband. Ich glaube nicht, daß er durch die Ablehnung seiner Zustimmung die Schuld wird auf sich laden wollen, für die schwere Schädigung, die unserer ganzen Industrie und unserer Stadt erwachsen wird, und für all das Unglück und Elend, das bei unseren Arbeiter- familicn einziehen wird, wenn der Streik und die Sperre noch länger anhalten wird. Ich bitte daher, unverzüglich eine Entscheidung des Deutschen Tcrtilarbciter-Vcrbandcs herbeizuführen. gez. Dr. Johansen.' Am Tage darauf versandte Herr Schiffer, M. d. R. und Vorsitzender des christlichen Textilarbeitcrverbandcs, an seine Vcr- traucnslcnte Notizen zur Lancicrung in die bürgerliche Presse, in denen der Bewegung die Berechtigung abgesprochen wurde. In diesen Artikeln spricht Herr Schiffer von einem„frivolen Riesen- kämpf", den der sozialdemokratische Tcxtilarbcitervcrband im Krc- selber Bezirk" führt. Er spricht von einer„schlechten Geschäfts- konjunktur". von' der„sicheren Niederlage" der Färber. Die Schrecken der Niederlage werden mit der von den Unternehmern eventuell in Aussicht gestellten„Einführung der Akkordarbeit und des Prämieirshstems" und mit dem„Elend taufender Arbeiterfamilien", sowie dem„Schaden für die Allgemeinheit" veranschaulicht. Da- gegen werden die bisherigen Zußcständnisie der Unternehmer mit Nachdruck hervorgehoben. Die Führer der Christlichen bemühen sich, den empörten Arbeitern diesen Streich als einen notwendigen, im Interesse der Arbeiter gelegenen, hinzustellen. In zahlreichen Vcr- sammlungen versuchen die Christen den Proletariern das einzu. reden. Zehntausende von Flugblättern werden am ganzen Nieder- AH Berlin. Druck ü. Verla»: Vorwärts Bucbdr.u>l'erlaasanitaU I rhein verbreitet, in denen die„Frivolität des LohnkanrpfeS" fie* wiesen werden soll. Und dieser„frivole Riesenkampf" ist das gemeinsame Werk der frcigcwcrkschastlich und christlich or- ganisicrten Arbeiter! Die Arbeiter können die Verant- Wartung tragen. Sie sind mit ihren Lohnforderungen weit zurück- dem 26. Lebensjahre den Höchstlohn erreichen, statt nach dem dem 26. Lebensjahre den Höchstlohn erreichen, statt nach dem 23. Lebensjahr. In der Forderung nach Verkürzung der Arbeits- zeit haben sie das weitgehendste Entgegenkommen bewiesen. Ein weiteres Zurück, glaubten die Arbeiter, dürfe es nicht geben. Tie christlichen Führer trieben ein frivoles Doppelspiel. Sie erklärten ihr Einverständnis mit dem Verlangen der Arbeiter. Die Festig- kcit der Arbeiter durchkreuzte die Absichten der christlichen Führer. Die unterwerfen sich dem Machtgebot Roms, der Enzyklika Singrn. lari Ouadam. Die Enzyklika Siugulari Quadam vom 24. Sep- tcmbcr 1912 verpflichtet die christlichen Führer auf die Enzyklika Rerum Novarum vom 15. Mai 1891. Tic Enzyklika Rerum N» varum aber Verslucht den Streik: Nicht sollen greisen die Arbeiter zu gemeinsamen Arbeitseinstellungen, um gegen die Lohnherren einen Zwang auszuüben, wenn ihnen die Anforderungen zu schwer, die Arbeitsdauer zu lang, der Lohnsatz zu niedrig erscheint. Der Verrat der christlichen Führer ist eine Folge der Unter- Werfung unter die Macht deS römischen Klerus. Eine seltsame Zumutung. Ein Gewerbetreibender in Recklinghausen erhielt eine Vorladung zum Polizeiamt, wo ihm die seltsame Zumutung gestellt wurde, sich darüber zu äußern, warum er nur sreigewcrlschaft- liche Arbeiter beschäftige. Als der Vorgeladene darüber die Auskunft verweigerte, wurde ihm eröffnet, daß man dann eventuell„andere Mittel" gegen ihn anwenden werde. Worin diese Mittel bestehen, hat der Geschäsisinhaber bisher zwar noch nicht erfahren; er ist sich aber bei der schon durch den großen Necklinghäuser Polizei- prozeß bekannten Polizeiproxis nicht darüber im Zweifel, daß er ganz etwas Besonderes zu erwarten hat. Der so Bedrohte hat nun indes gegen den betr. Beamten Beschwerde eingelegt. Pelzte Nachrichten. Festhalten der französischen Regierung an der dreijährigen Dienstzeit. Paris, 27. März. In der Hcercskommission wiederholte heute nachmittag Ministerpräsident Barthou seine in der Kammer ab- gegebenen Erklärungen, daß bei der Regierung über den Grundsatz der allgemeinen dreijährigen Dienstzeit Einstimmigkeit und Soli- darität herrsche. Tie Regierung beabsichtige keineswegs die Är- betten der Kommisston zu überstürzen, sie wünsche im Gegenteil eine gründliche Erörterung, die mit einer endgültigen Entscheidung für die Notwendigkeit der dreijährigen Dienstzeit, die aus den Vor- gängcn in der Politik des Auslandes sich ergeben Habe, enden werde. Barthon drückte die Hoffnung aus, daß die Kommission den Grundsatz annehmen werde, bevor sie in die Ferien gehe, um ihre Uebcrcinstimmung mit der Regierung kundzutun und die öffent- liche Meinung aufzuklären. Tie Regierung sei nicht der Meinung gewesen, von der Befugnis, den Jahrgang 1910 unter den Fahnen zurückbehalten, Gebrauch machen zu müssen. Aber da der Kriegs» minister der Ansicht sei, daß die dazu erforderlichen VorbercitungS- maßregeln nach dem Monat Mai nicht ohne Schwierigkeit ge- troffen werde» tonnten, so werde die Entscheidung im jetzigen Augenblick erfolgen müssen. Das Parlament werde den Gesetz- entwurf genau durchberatcn können, die Regierung aber werde unter ihrer Verantwortung aufrechterhaltende und vorbereitende Matznahmen treffen, die um so unerläßlicher seien, als fast alle Gegner der dreijährigen Dienstzeit die Verlängerung der Dienst- zeit wenigstens um einige Monate als eine Notwendigkeit der nationalen Verteidigung betrachteten. Tic Ausnahme der Rede Churchills im Unterhaus. London, 27. März.(W. T. B.)(Unterhaus.) Die Debatte über den Marineetat wurde durch den Abgeordneten Lee wieder aufgenommen, der den Sicherheitsfaktor für ungenügend er- klärte. Lee sympathisierte zwar mit dem Vorschlage Churchills, eine Rüstungspausc eintreten zu lassen, und erklärte, jedermann würde sich freuen, wenn es möglich wäre, ein praktisch durchführbares Innehalten in dem Wettrüsten zu finden, sah aber unüberwindliche Hindernisse gegen den Vorschlag. Ter Borschlag könnte nicht auf Teutschland und England allein beschränkt werden und wenn Eng- land nicht aus der Konferenz in Haag den bindenden Beschluß durchsetzen könne, daß alle Staaten diese Rüstungspause hätten, so könnte dieser Vorschlag nicht mehr sein als ein- utopische Vision, welche infolge der Größe der geforderten Kredite in Churchills Kopf entstanden sei._ Eine Entschädigung Montenegros für Tkutari. London, 27. März.(W. T. 93.) Mit Bezug auf die Beschwerde Montenegros über das kleine und wertlose Gebiet, das Montenegro im Wilajet Skutari erhalten soll, erfährt das Reutersche Bureau. daß die Mächte die Absicht haben, eine Kommission zu entsenden und Montenegro finanziell zu unter st ützcn zwecks Durchführung der Entwässcrungs- und anderen Arbeiten, durch die der Skutarisee oder ein Teil desselben in Kulturland, das Monte» ncgro dringend braucht, umgewandelt werden soll. Aus dem marokkanischen Aufstandsgcbict. Paris, 27. März.«W. T. B.) Oberst Henry hat am 24. März ein Lager bei Darcaidili, 8 Kilometer südlich von Aissaabdsra be» zagen, nachdem er den Feind zurückgeschlagen hatte. Ter Feind, der große Verluste an Toten und Verwundete» Erlitt, entfloh unter Zurücklassung seiner Herde», auf französischer Seite wurden 4 Mann getötet, 1 Offizier und 20 Soldaten verwundet. Wassers-, Feuers- und Hungersnot in Tahtvn. New York, 27. März. Auf dem einzigen Drahte, der New Dort noch mit Tayton verbindet, telcgrapbiorte der Präsident der National Cash Register Company von Tayton hierher: Die Lage ist verzweifelt, alle Einwohner mit Ausnahme derjenigen an den Grenzen der Stadt sind vom Wasser zensiert und seit zwei Tagen ohne Nahrung. Im Zentrum der Stadt wütet seit vicrundzwanztg Stunden eine Feuersbrunst. Im Kampf mit Streikbrechern. Dublin, 27. März.(P. C.) In dem Orte Sligo in Irland ereigneten sich schwere Kämpfe zwischen streikenden Dockarbeitern und Arbeitswilligen, wobei die Pole- zei mit blanker Waffe einschritt. Es tam zu einem wütenden Sairdgefccht. wobei mehrere Arbeiter, angeblich vier, getötet wurden. Di« Stadtverwaltung hat sich an die M-lltor- bebörden zwecks Sendung von Truppen gewandt, da Unrudcn de- fürchtet werden._'___ jaul Srnger a Co.. Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. vnterhaltungsbl,~ Dr. 72. 80. Jahrgang. 1. WIM des Jomrte" litiliiict llulblilalt. ftritus, 28. Märi 1913. franzönfcbtr Parteitag. Zweiter Tag. Brest, 24. März.(Eig. Ber.) Tie Militärfrage. Dem heutigen Tage ist die Diskussion der Militär- frage vorbehalten worden, da die Deputierten noch heute abend fortfahren müssen, um der morgigen Kammerdebatte über die Re- gierungserklärung Barthous beizuwohnen. Compsre- Morel ergreift das Wort und beantragt mit einer kurzen Begründung nochstehende Resolution über die dreijährige Dienstzeit und die Friedenspolitik. In Erwägung, daß die EntWickelung der Rüstungen und die Rolle der dreijährigen Dienstzeit von der Nation und der ganzen Welt als offenbare und charakteristische Beweise einer nationalistischen und chauvinistischen Politik angesehen werden würden; in Erwägung, daß das einzige Mittel zur Sicherung der nationalen Verteidigung die Einrichtung der Miliz durch die allgemeine Volksbewaffnung ist und daß, wenn jede Ab- kürzung des Militärdienstes ein Schritt auf diesem Wege ist, jede Verlängerung des Aufenthalts der jungen Soldaten in der Kaserne ihre Negation ist; in Erwägung, daß die durch den bewaffneten Frieden, der für die Völker gefährlich und für das ökonomische und soziale Leben der Nationen tödlich ist, hervorgerufenen Lasten nicht vermindert werden können, so lange nicht die Entwickclung und Befestigung der Schiedsgerichte alle internationalen Schwierigkeiten regelt, deren Verschwinden vom Verschwinden des kapitalistischen Regimes selbst ab- hängt; in Erwägung endlich, daß zwei große Nationen wie Deutschland und Frankreich das Signal zur parallelen und gleichzeitigen Abrüstung durch eine Entente und eine loyal und öffentlich kundgemachte Verständigung geben können: aus diesen Erwägungen beglückwünscht sich der 10. Kongreß der französischen Sektion der Arbciter-Jntcrnationalc zur gemeinsamen Aktion der sozialistischen Parteien Deutschlands und Frankreichs und erklärt sich vollständig einig mit den Sozialisten Elsaß-Lothringens, die der Gesinnung der ganzen Bevölkerung Ausdruck gaben, als sie erklärten, um kein«! Preis eine Revanche zu wollen, die einen Zusammenstoß Frankreichs und Deutschlands herbeiführen würde. Der Kongreß beauftragt die sozialistische Parlaments- fraktion und die Verwaltungskommission der Partei im Parlament und im Land, die energischeste und entschlossenste Aktion zugunsten der d c u t s ch- f r a n z ö s i s ch e n V e r- st ä n d i g u n g, der internationalen Schiedsgerichte, der nationalen Milizen und gegen die dreijährige Dienstzeit zu führen. B a i l l a n t: Wir müssen unseren Kampfplan möglichst genau entwerfen. Wenn die dreijährige Dienstzeit beschlosien wird, müssen wir alle Kraft daran setzen, ihre neuerliche Abschaffung zu erreichen. Damit dienen wir dem Volk und der Republik wie dem einzelnen Bürger. Mögen alle anderen Parteien umfallen— wir bleiben fest Alle Föderationen müssen ihre ganze Energie entfalten. Die heutige Resolution hat den Vorzug, daß sie sowohl die Mittel unseres Kampfes bestimmt als auch dem Geist deS Baseler Kongresses entspricht, der der Partei jedes Landes die Pflicht auferlegt, gegen den Militarismus zu kärnpfen. Unsere Pflicht ist es darum, gegen den Militarismus zu kämpfen. Unsere Pflicht ist es darum, namentlich auch, dem reaktionären Radikalismus entgegenzutreten, der von Geist und Charakter, verlassen, das Land ins Verderben führt. Wenn die jüngsten internationalen Konflikte den Weltfrieden wirklich bedrohten, so ist das Frankreich der radikalen Republik mit- schuldig, weil seine zur Knechtschaft herabgesunkene Allianz mit Ruß- land den Zarismus unterstützt und die notwendige deutsch- fran- zösische Annäherung verhindert hat. Aber das tatsächliche Zusammen- arbeiten der drei Länder Frankreich, Deutschland und England, das heute statthat, ist von größter Wichtigkeit. England hat sich Deutsch- land zweifellos genähert und die Bedingungen für eine deutsch-fran- zösische Annäherung waren nie günstiger als jetzt— nach der Erklärung der Elsaß-Lothringer, die einstimmig einen Revanchekrieg verwerfen. Elsaß-Lothringen hat seine historische Mittlerrolle verstanden. Es ist nötig, daß daS französische Volk diese Sprache hört und sich darnach richtet. — Wir protestieren aber nicht nur gegen den Militarismus, sondern auch gegen die kapitalistische K o l o n i a l p o l i t i k, die die jetzige internationale Spannung erzeugt hat. Und indem wir gegen die dreijährige Dienstzeit kämpfen, verteidigen wir die Republik selbst. Zur Abwehr feindlicher Angriffe ist die allgemeine Volksbewaffnung das wirksamste Mittel. Das stehende Heer bleibt seiner Statur nach ein Instrument der Klassenherrschaft.(Lebhafter Beifall.) Herve schlägt eine Resolution vor, die er als Ergänzung der Eompäre-Morels bezeichnet. Sie besagt im wesentlichen, daß die Fraktion die Regierung auffordern soll, mit der deutschen Re- gierung in Verbindung zu treten, um eine Entente auf Grundlage der Anerkennung der Autonomie Elsaß- Lothringens innerhalb des Deutschen Reiches zu vereinbaren. In seiner Begründung, die oft von Widerspruch und Zwischenrufen unterbrochen wird, legt Hervs dar, daß er ursprünglich eine andere, von der französischen und deutschen Partei einvernehmlich zu befürwortende Lösung der clsaß- lothringischen Frage inS Auge gefaßt und auch in der„Guerre Soziale" vertreten habe, nämlich die Anerkennung d e S Elsaß als deuts-bes Reichsgebiet durch Frankreich gegen Rück- erstattung Lothringens unter der Bedingung der Schleifung der Festunaswerke und der Abtretung einer Kolonie! Die Schwierig- keiten habe er sich nicht verhehlr— jetzt ober sei eine neue Tatsache hinzugekommen— die Erklärung der Elsässer gegen die Revanche und ihre Bereitschaft gegen das Zugeständnis der Selbstregieruiig, am liebsten unter republikanischer Farm im Verband des Deutschen Reiches zu verbleiben.(Renaudel stellt in einer Unterbrechung fest, daß bisher keineswegs eine offizielle Aeußerungen aller Parteien Elsaß-Lothringens vorliege, sondern nur die Erklärung der sozial- demokratischen Abgeordneten und verschiedene private Aeußerungen Angehöriger anderer Parteien, zuletzt die Weit erlös in seinem Gespräch mit dem Redakteur der„Humanite- M o r i z e t.) Aus die Zwischenftage, was geschehen solle, wenn die deutsche Regierung das Angebot zurückweise, meint Herve, dann habe die französische Demo- kratie jedenfalls vor der Welt ihre inoralische Ueberlegenheit be- wiesen. Die französischen und deutschen Sozialdemokraten hätten bei der Vertretung eines solchen Programms die beste Position. Wohl wird man uns Franzosen wieder einmal anklagen, daß wir das Land unter den Willen des deutschen Kaisers und unter das Joch des Frankfurter Friedens beugen wollen. Aber wir müssen den Mut haben, diese Frage aufzuwerfen � wir sind die einzige 1 Partei, die es kann. Und diese friedliche Lösung ist die einzige, die der Partei und der Zivilisation würdig ist. Bevor die Debatte fortgesetzt wird, verliest der anwesende Ver- treter des Brüsseler„Peuple", Genosse D e w i n n e, ein Telegramm. das vom belgischen General st reikbes chluß Kunde gibt. ES wird mit stürmischem Beifall aufgenommen, ebenso die anschließenden Darlegungen DeWinnes über die Situation in Belgien. Mistrel(Grenoble): Hervös Resolution ist unpraktisch, ja unmöglich. In der europäischen politischen Spannung spielt die elsässische Frage eine ganz geringe Rolle. Es ist die Marokkopolitik, die alles ins Rollen gebracht hat. DaS Volk aber ist gegen den Krieg, gegen die Anmaßungen des Militarismus. Ueberall sehen wir Abneigung gegen die dreijährige Dienstzeit. Wir müssen alle Kraft daran setzen, die Annahme dieses rückschrittlichen Gesetzes zu verhindern. Die Opposition ist im Wachsen. Zuerst gab es außer uns 72 sozialistischen Deputierten im Parlament keine Gegner der Vorlage. Heute gibt es deren schon 180 bis 200. Wir müssen unsere Aktion fortsetzen. Ich bin überzeugt, daß wir dadurch die Annahme der Vorlage verhindern können. Ueberall, wo wir in den Gemeinde- räten oder Generalräten, wenn auch nur in der Minderheit, vertreten sind, müssen wir entsprechende Resolutionen einbringen. Nach der Wahl der 5 Mitglieder der gestern beschlossenen Studien- kommission für die Reform der Parteiverwaltung wird die Vor- mittagssitzung geschlossen. Na ch mittagssitzung. ES kommt zunächst zu einer stllnnischen Debatte darüber, ob der Kongreß nach der Erledigung der Militärfrage weiter tagen und die Diskusion über die allgemeine Aktion der Partei und die Agrarfrage eröffnen soll. Renaudel und Compöre-Morel sprechen sich energisch dagegen aus und die Mehrheit entscheidet in ihrem Sinne. Mit großem Beifall auf der Tribüne empfangen, ergreift Genosse P r e s s e n s v das Wort. Seine Rede ist das rednerische und politische Hauptercignis des Kongresses. Die Klarheit und über zeugende Gewalt ihrer dichtgedrängten Schlüsse und die Fülle prägnanter, die Situation kennzeichnender Wendungen reißt die Delegierten wiederholt zu lauter Zustimmung hin. Der Redner führt folgendes aus: „Die Kundgebungen Elsaß-LothringenS haben eine neue Situation geschaffen. Wir haben da einerseits die Mül- hausener gemeinsame Kundgebung der drei großen Parteien des Landes, andererseits die Erklärung der sozialdemokratischen Abgc- ordneten. Beide verwerfen den Krieg und fordern die Autonomie Noch fehlt allerdings die offizielle Kundgebung aller Parteien— sie wird vielleicht in einigen Tagen nachfolgen. Wir müssen den Um» schwung der Meinungen in Elsaß-Lothringen begrüßen. In der ersten Zeit nach dem Krieg war das Protestlertum stark. DaS war die Wirkung erstens der Brutalität der Annexion selbst. Zweitens die der Brutalität der Regierungsmethode. Aber die Zeit hat ihr Werl getan. Einerseits bekamen die Elsässer mit ihrem Landtag immerhin ein Stück Autonomie, andererseits wurden sie eS miidc, daß ihre Anwälte in Frankreich immerzu die Revanche predigten und nie mochten. Sie wollten nicht mehr der Spielball deS Nationalismus bleiben. Die Revanche war nur noch ein Vor» wand— das habe ich schon als Berichterstatter der Kammer über die auswärtigen Angelegenheiten ausgesprochen. Wir sind glücklich, Elsaß seine volle Autonomie fordern zu hören— wir wollen ihm die Autonomie lassen, seine Autonomie zu suchen. Wir können nicht den Fehler begehen, uns einzumischen. Würden wir, wie Hcrvs fordert, auf die Tribüne steigen, um eine Jnter- vention zu fordern, würden wir damit nur die Revanche-Demagogie entfesseln, ohne den Elsässern selbst einen Dienst zu leisten. Denn Freiheiten bekommen ihren Wert nur, wenn mau sie selbst erobert. Hervs sieht mit einer Ablehnung nur eine moralische Einbuße Deutschlands verbunden. Aber diese Auffassung ist doch zu simpel. Wir in Frankreich würden auch leiste Intervention dulden, die gefährlicher als der Coup von Agadir wäre. Indes hängen die Interessen deS Friedens an anderen Tatsachen als der elsässischen Frage.— Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf die Bemerkungen Hervös über die Kolonialfrage folgendes erwidern: Wir können nicht daran denken, unsere alten Kolonien von einem Tag zum andern einfach aufzugeben, noch daran, ihren Bewohnern ohne Rücksicht auf ihr Kulturnivcau die bürgerlichen Rechte im Sinn der französischen Revolulion ohne weiteres zu verleihen— sondern wir haben die Aufgabe, sie zur materiellen und geistigen Kultur und damit zur Freiheit empor zu führen. Etwas ganz anderes ist Marokko. Das ist keine Kolonie, sondern ein Kampfgebiet. Dort wäre ein Rückzug zur Politik möglich, die vor zehn Jahren befolgt wurde— zu einem auswärtigen Protektorat— mit Verzicht auf die schamlose Ausbeutung, die dort angehoben hat." „In unserem Kampf gegen den Militarismus müffen wir die Lügenhaftigkeit unserer Gegner aufdecken. Die Rüstungspresse macht das Publikum durch die Ziffern, die sie unablässig vorführt, glauben, es sei etivas Wahres an der nationalen Gefährdung Frankreichs. Es ist aber gar nichts Wahres daran. Noch ist aber gar nichts Sicheres über die deutsche Vorlage bekannt. Wir können annehmen, daß die deutsche Regierung das Maß ihrer Rüstungen nach dem der französischen richten wird. Die jetzige Kampagne zeigt die Ver- kommenheit der großen Presse, die ehedem wenigstens ein professionelles Gewissen halte, nicht wissentlich falsch informierte und zugunsten der kapitalistischen Spekulation die Wahrheit entstellte. (Pressense rechnet in diesen unter allgemeiner Bewegung vor- getragenen Sätzen mit dem„ T e m p S" ab, dessen Auslandsredakteur er einmal war.) Man glaubt jetzt, die Nation mit Kund- gebungen von Kindern, durch Geschrei aus Wiegen und Gymnasiasten- Plebiszite beeinflussen zu können. Sollen wir diese offiziös Prä- parierten, oft von internationalen Hochstaplersprößlingen gefertigten — oft auch nur erzwungenen Kundgebungen respektieren? Es ist nicht richtig, daß die deutsche Vorlage wie ein Blitz aus heiterem Himmel eingeschlagen hat. Schon im vorigen Jahre habe ich die weitere Verstärkung der deutschen Effektivbestände voraus- gesagt. Aber konstatiert muß werden,'daß das auf die Siege von Sadowa und Sedan gegründete Deutsche Reich die einzige Macht ist, die seit 42 Jahren keinen Krieg geführt hat. Wohl ist der Frieden, den es will, eine ven ihm auferlegte xax Germanica, aber doch eben ein Frieden. ES ist unmöglich, Deutschland Angriffs- absichten vorzuwerfen. Die Verstärkung der Effektiven ist die logische Konsequenz des Prinzips des stehenden Heeres in einem Land mit wachsender Bevölkerung. Auch der Zusammenbruch der Türkei und die Schwächung der Position Oesterreich-Ungarns wirkt auf die deutschen Rüstungen ein. Was sollen wir nun tun? Selbst unter Aufrechterhaltung unserer Prinzipien können wir heute schon gewisse UebergangSmaßregeln treffen. Wir sind eine Station, die sich nicht vermehrt. Wenn wir unsere Defensivkraft auf Basis der gleichen Effektivstärke vermehren wollen, sind wir von vornherein besiegt und enden bei der Kasernierung der ganzen Nation. Das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit ist ein Bekenntnis zur Un- fehlbarkeit der Generäle deS obersten Kriegsrats. Man lese aber nur die älteren Schriften v. d. Goltz', um aus„Jena und Rotzbach" zu lernen, wie fehlbar die Veteranen Friedrichs II. waren, und die Schrift über die Volksbewaffnung, worin dieser Anhänger des Kascrnensystcms zugibt, daß eS Nationen gibt— und Frankreich gehört dazu— wo die Volksbewaffnung ohne Schaden für die Wehrkraft verwirklicht werden kann. Wir müssen die Vorlagt bekämpfen, auch wenn wir die Gefahr im Orient zugeben, weil wir keinen Vorteil für die Landesverteidigung und nur einen schweren Schaden für die nationale Arbeit von einem Ge- setz zu erwarten haben, das im ganzen 80 0 Mann mehr an die Grenze bringt. Die Generäle haben die zwei- jährige Dien st zeit sabotiert. Sie tragen auch die Schuld, daß 90 000 Mann nach Afrika geworfen wurden. Das Militärsystem beeinflußt die auswärtige Politik. Mit einer Miliz kann man keine andere als eine Defensivpolitik betreiben. Deshalb fordern wir es. Aber wir sind heute, wo wir wissen, daß es nicht sofort durchzusetzen ist und seine einseitige plötzliche Durchführung auch nicht ohne Ge- fahren wäre, zu UebergangSmaßregeln bereit. Wir widersetzen uns nicht gewissen notwendigen Bauten, Prämien zur Erhöhung der Be- stände. Für dringende Fälle reicht daS bestehende Gesetz, daS die Zurückhaltung der Mannschaften gestattet, aus. Aber nie hat man mehr Osfiziersburschen gesehen als jetzt, die ihrem Dienst entzogen sind. Wir wollen auch nicht weiter unsere Soldaten in Marokko, diesem Mexiko der dritten Republik, festlegen. 100 000 Mann könnten wir so für die Landesverteidigung gewinnen. Wirklich notwendige Maßregeln verweigern wir nicht, aber wir wollen keine Verschwen- düngen, wie sie Herr Mcssimy konstatiert hat, als von 200 Millionen unautorisierter Ausgaben hundert in die Taschen der Lieferanten ge- flössen waren. Aber wir müssen die ganze auswärtige Politik der Republik reformieren. Sie hat Bankrott gemacht. Wir wissen wohl, daß auch eine Demokratie in ihren auswärtigen Beziehungen den Tatsache» Rechnung tragen muß. Aber unsere Politik ist eine allge- m e i n e B e u t e m a ch e r e i. sie ist undemokratisch. Wir haben Aegypten an England ausgeliefert und uns dafür Marokko aus- bedungen. Dann kam Italien in Tripolis und Deutschland. Wir haben den Sturm im Orient entfeffelt. Nachdem ein Jahrhundert- lang die llnverletzlichkeit des ottomanischen Reiches verkündet worden war, haben Oesterreich und Italien sie ruhig verletzen dürfen. So hat die Republik auch darauf verzichten müssen, die kretische Frage friedlich zu lösen. Als wir für die Armenier und Mazedonier intervenieren wollten, hielt man uns das Dogma von der Jntangibilität der Türkei entgegen. Aber unter den Augen der Regierung der Republik hat I S w o l k S k i die Kriegsanleihen für die Balkanstaatcn abgemacht.— Wenn heute auch schon die Alliierte» auf dem Balkan einander feindselig betrachten. ist das auch ein Ergebnis des Bankrotts der europäischen Politik. Nicht mit Lösungen von einem Tag zum andern, nicht mit guten Ratschlägen an Gesandte können wir den Wandel schaffen, sondern wir brauchen eine eigene, allgemeine auswärtige Politik. Wir müssen den europäischen Völkern Bürg- schaften geben. Wir brauchen Schiedsgerichte, aber nicht solche, wie daS wertlose vom Haag, sondern obligatorische, ganz besonders für Fragen von vitalen, nationalen Interessen. Mm, glaubt jetzt vielfach an einen Rückschlag unserer Friedensaktion und spottet unser. Aber wir haben die Lehren der Geschichte für uns. Hat die Menschheit nicht auch die Epoche der blutigen Auseinander» setzungcn zwischen Provinzen und Gemeinden überwunden?— Selbst in der kapitalistischen nordapierikanischen Republik haben wir einen loyalen Versuch zur Verwirklichung der Schiedsgerichte zu verzeichnen gehabt. Man sagt, niemand wolle noch von Friedens- konferenzen wissen. Wohl war die Einberufung der ersten eine Heuchelei des Zaren— aber sie war doch eine Ver- beugung vor dem Prinzip. Die zweite Konferenz war von dem ehrlichen Liberalen Campbell-Bannerman einberufen. Wenn sie ergebnislos blieb, so war der französische Minister Pichon hauptsächlich mit schuld daran— aus Gefälligkeit gegen Rußland. Aber wenn sich Deutsch- land im vorigen Jahre um den Frieden bemüht hat, hat England die Konsequenzen daraus gezogen. Die Erklärung Tirpitz' stellt keine Verbindlichkeit dar, aber einen stillen Entschluß. Und hat sich Rußland nicht Deutschland genähert? Soll Potsdam und Bal- tisch-Port keine Früchte getragen haben? Unsere Chauvinisten haben sich getäuscht. Statt allein zu bleiben, hätten wir besser getan, an unsere englischen Freunde zu appellieren und für unser Landhccr im Verhältnis zu Deutschland' etwas ähnliches anzustreben wie sie zur See. Statt dessen gehen wir bis zum Wahnsinn der dreijährigen Dienstzeit. Vielleicht werden wir für den Augenblick unterliegen. Aber der Zukunft bin ich sicher. Nicht nur wegen der ökonomischen Folgen, sondern auch, weil die allgemeine dreijährige Dienstzeit auch dem Geist der herrschenden Klassen widerspricht und die Tendenz zu Sprüngen zeigt. Schon sehen wir jetzt junge Bourgeois eine privilegierte Situation für Studierende fordern.— Unsere Revanche wird sicher kommen. Ich würde mich trösten, wenn die Reaktion nur die Wirkung hätte, eine Partei wegzufegen, die alle Grundsätze verraten hat. Ich frage mich aber, ob sich nicht das Schicksal der Republik mit entscheidet, weil das Volk diese mit ihren radikalen Vertretern verwechseln kann. Die Haltung der sozialisti- schen Partei wird auch die Ehre der Demokratie und der Republik retten. Wenn wir die Aufgabe der sozialen Befreiung verfolgen, sind wir gleichzeitig auch die einzigen Verteidiger der bürgerlichen Freiheiten, die unsere Väter uns unvollendet übergeben haben. Wir verleugnen nicht eine unserer Forderungen und bleiben darum die Partei der Freiheit, des Friedens und der Zivilisation.(Lang- anhaltender begeisterter Beifall der Delegierten und des Publikums. Der Kongreß bringt dem Redner eine stürmische Ovation dar.) Auf Antrag Rolands wird beschloffen, die Rede in Druck zu legen und als Broschüre zu verbreiten. Alle eingetragenen zehn Redner verzichten auf das Wort. Herve erklärt, seine Resolution nicht zurückzuziehen, erklärt sich aber damit einverstmiden. daß sie der Administrativkommission und der Fraktion überwiesen werde. Er wolle die Aktion gegen die drei- jährige Dienstzeit, die jetzt die Hauptsache sei. nicht stören— aber wenn diese Frage in einigen Wochen entschieden sein werde, so bleibe die elsässische bestehen und man solle nicht mit Verstecken spielen. P r e s s e n s ö repliziert, er habe keineswegs eine diplomatische Schweigetaktik empfohlen, sondern die volle Anerkennung des Selbst- bestimmungsrechts der Elsässer. Die Resolution Compdre-Morel wird einstimmig angenommen. IStürmischer Beifall.) Der Kongreß beschließt, die Beratung des Punktes:„Allgemeine Aktion der Partei" auf dem Nationalrat Ende Juni zu beginnen und auf einem außerordentlichen Parteitage vor Jahreswende fort« zusetzen, damit der ordentliche, vor den Wahlen tagende Parteitag von 1914 ein fertiges Programm vorfinde. Um 7 Uhr abends wird der kurze, aber für den Kampf gegen den Militarismus so wichtige Parteitag geschlossen. Marktpreise von Berlin am 2S. März>913. nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 1 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,78 bis 19,90, mittel 19,54—19,66, geringe 19,30—19,42. Roggen, gute'Sorte 16,23—16.25, mittel 16,19-16,21, geringe 16,15-16,17(ab Bahn). Futter- gerfte, gute Sorte 16,20— 16,80, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50. Hafer, gute Sorte 17,40—19,70, mittel 16,20—17,30(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mixed), gute Sorte 14,45—14,80. Heu 5,40—7,20. Martthallenpreife. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Spcisebobnen, weiße 35,00— 60,00. Linien 35,00—60,00. Kartoffeln(Klemhdl.) 5,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3, 60— 5,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,20—2,40. Schleie 1,60—3,20, Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00—24.00. Witterungsüberficht vom 27. März 1913. Etattonen u g £* 3 i~ cj B— Swinemde. 766D Hamburg! 762 OSO Berlin! 703,0 Franks. a.M 759910 München 1 75USW Wien 759191» Wetter Äwolkenl "bedeckt Aheiter Iwoltig 4 bedeckt 2sRegen HS d« »I« 5? mS> Etattonen i s 1£ Ii (gsch §3 8« Haparanda 767'NNW P-terSburg 764 W91W Scilly Aberdeen Paris i753ss>SO 7570SO 75SSW Wetter 4 wolkenl 2>wolkeiil 4 halb bd. 3 wollig 3 Regen c* u Wetterprognose für Freitag, den 2«. März 1913. Zunächst ziemlich trübe mit etwaS Regen, mätzigen südlichen Winden, wärmerer Rächt mid wenig veränderter Tagestemperatur; später langsam wiederaufklarcnd. Berliner Wette rbureau, WafferstandS.Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau 'J+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. w Dem Genossen M Robert Leiiziier nebet Gattin zu ihrem 23 jährige» Ehe- jnbiläum die herzlichsten Glückwünsche. 122b vis Genossen der 63. Gruppe Bezirk Lichtenberg. ' « « 9 JS Todes-Anzeigen Am Sonntag, den 23. März nachmittags, verstarb plötzlich meine lieb« Frau keämg Hliim a«* schiater jetzt Friedelstr. 50. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 29. März, nach. mittags 3 Uhr. von der Halle des Neuköllner GemeindesriedhofeS, Mariendorfer Weg, aus statt. DicS zeigt tiefbetrübt an 126b Hau» Höhn. SozialdemoMeherWahlTereiii f. il. 2. Berl. ReiEhstagswablkreis. Bezirk 127. Am Sonntag, den 23. März, verschied plötzlich unser Mitglied, die Genossin ttvißwig Höhn Friedelstr. 50, Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. März, nach» mittags 3 Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemeindefriedhoses am Mariendorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 205/14 Her Vorstand. Sozialdemokratischer Wahl?ereiD f.d. Uerl. Reichstagswahlkreis. Stralauer Viertel. Bez. 333. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genossin, Fräulein tledwix Behne Rommtener Str. 10 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. März, nach- mittags 2'/z Uhr. von der Halle des Zentral- Friedhofes" in FriedrichSsclde aus statt. Um rege Betefligung ersucht 212/1 l Der Vorstand. Deutscher Metaliarbeiter-Yerbaniil Verwaltungsstelle Berlin. I Ten Kollegen zur 91achricht, datz unser Mitglied, der Gürtler Paul Mießner Liebigstratzc 10 am 2�. März an Herzleiden ge- swrbcn ist. Die Beerdigung findet am Tonnabend. den 29. März, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Kemeinde-Friedhoses in Köpenick aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schmied Ernst Stiller Palisadenstratze 10 am 26. März am Gehirnschlag. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. März, nach- mittags 3>/,Ubr, von der Leichen- Halle des Markus- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Former Faul Kahler Graunstratze 35 am 21. März an Unfall. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedens-Kirchhoses in Nordend(Nieder- Schönhausen) aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 115/9 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer liebeir Mutter und Schwester Brnilie Kausche sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 39a Namen der Hinterbliebenen Jaetaricb Scheuer. SozialdemokfatischerWaMverein 1.1 2.Berl.Reiehslags-Wahlkreis. 128. Bezirk, VIII. Abt. Am 26. März verstarb unser Genosse, der Klempner Huj�o Drenikow. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. März, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- selde aus statt. Um rege Betelligung bittet Der Vorstand. Verband 1 Brauerei- u.MiihleD- arheitern.?erw.Berufsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach richt, datz unser Kollege, der Bier sahrcr Wilhelm Lüdtke (zuletzt Bockbrauerei, Abteilung I) nach kurzer Krankheit an Lungen cntzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 29. März, nach- mittags l'/j Uhr, von der Halle des Heilig- Kreuzkirchhoses in Mariendorf, Eisenacher Stratze, aus statt. 42/20 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zetitral-Rranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Ortsverwaltung Berlin 10. Am 21. d. Mts. verschied in- folge eines Unglücksfalles unser Mitglied 257/16 Paul Kahler. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 29. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle der Friedens- gemeinde in Nordend aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnng. Sozialdemokratischer Wahlverein Reukölln. Nachruf. Am 14. März verstarb nach langer Krankheit in Braunschweig unser Parteigenosse Pudoh Arien (15. Bezirk/. Ehre seinem Andenke» k Ter Vorstand. Verband der Uthographen. Steindrucker o.verwandten Berufe (Deutscher Senefelder-Bund). -- Formstccher-- Nachruf. 31114 17. März 1913 verstarb unser Mitglied, der Formftecher kuäolf Arien an Lungenleiden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! 109/8 Die Verwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sagen wir allen Ver> wandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Deutschen Bau- arbeiter-Verband(Derw. Berlin) und dem 6. Wahlkreis unseren herzlichsten Dank. 23A Uitwe Luise Kiltwaldt _ nebst Kindern._ Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priiizenstf. 41, ÄpZz 10-2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Nach kurzem schweren 2eiden verschied sonst mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder und Schwager, der Möbelpolierer Karl 1'hlele im 65. Lebensjahre. DieS zeigt tiesbetrübt an Vlw. Auguste Thiele geb. Neumann, Graudenzer Str. 5, Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 29. flllärz, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Lazarus-Fried- hos zu 3lhrenSseIde statt. Zug fährt Wriezener Bahnhos 2 Uhr 30 Min. 86A Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines Maimes und Baters 123b Alfred kuppke sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. Frau Kuppke nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. 118b Wwe. Henriette Steinmetz. irhüiter-kRllkltbri!!'- W Solidarität Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 30. März. Sämtliche'Abteilungen 1 Uhr: Wannsee(Fürstenhos). Starts an den bekannten Stellen. 10/15 Heute: Zentralfahrwartsitzung. Goburger Geld-Lose Ziehung 3.-12. April I.osc Mk. 3.30. Porto und Liste pro Lotterie 30 Pf., Ausland 60 Pf. extra, versendet auch unter Nachn. die aUbekarmte Glückskollekte Oppenheimer• Kaufmann C4r.Bockentaelmer«tr. Frankfurts. iL Prospekte aUer Lotterien gratis und franko.»* rtichsl2ll£ Anzugstoffe, Hosenstoffe, Reste •ehr MuisJoItaarkt 12-13 Tuchlager Carl Engel. 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Zister" Der§ 13 Ziffer 3 wird gestrichen und erhält folgenden Wortlaut: Im Falle der Erwerbsunfähigkeit, vom dritten Tage der Erkrankung ab, für jeden Kalendertag ein Kranken- geld und zwar: a> für Mitglieder der I. Kl. v. M. 2,24 ,. N.,.. 1,85 c)... HI.... 1.47 d)... IV.... 0,96 e).... V.... 0,64 Zu S 29. Der§ 29 des Kasscnstatuts wird mit Ausnahme des letzten Absatzes gestrichen und erhält folgenden Wort- laut: Die Kaffenbeiträge betragen 4'/u des im§ 12 sestgefetztcn durchschnitt- lichen Tagelohnes und betragen so- mit, die Woche zu siebe» Tagen ge- rechnet, für Kl. I M. 1,08 . II. 0,90 „ nr„ 0,69 . IV„ 0,45 , V„ 0,30 Borstehende Aendcrungcn treten mit dem Montag nach der Ber» öffentlichung in Kraft. Der Vorstand. 267/9 Suöäg, Vorsitzender. Genehmigt. Votsdam, den 22. Februar 1913. (L. S.) NamenS des Bezirksausschusses Ter Borsinende. In Vertretung(Unterschrift). 24 CIGARETTE Engelhardt Caramel-Bier alkoholarm ärztlich empfohlen Diätetisches Gesundheitsbier Flasche 10 Pf« Überall Käuflich. TTxmxTgxxsxxsssrxxxxsszxxxxssszxxsxxxE Vorwärts-Bibliothek Romane und Erzählungen für das arbeitende Volk. Verschrobenes Volk. Von R. Grötzsch. Der Prinzipienreiter. Eine Erzählung aus dem Jahre 1848 v. Wilhelm Bios. in den Tod getrieben. Zwei Erzählungen von Ernst Preczang. Jeder Band gut gebunden 1 Mark. Die Vorwärts-Bibliothek ist die geeignetste Unterhaltungs- _ Lektüre für jede Arbeiterfamilie.______ Zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts, Lindenstrasse 69, und alle Vorwärts-Ausgabestellen. ÜMmnnbf Ein Roman aus Eil nCbfll. dem Proletarierleben von A, Ger. Der Ausweg. von Ernst Preczang. Das Land der Zukunft. Reisebeschreibung von Leo Kolisch. Mit einer Einleitung von Paul Göhra. BTYYTYTTgTgszzaisrrTgTszrsrxxssxsz?"""" ist der schönste Ausflugsort? . Immer noch Pichelswerder, %eÄctt beim Ilten Freund. nun □DO □□□ Theater und Vergnügungen Freitag, den 28. März 1913. Anfang 4 Uhr. Urania. Paris und die Königs- fchlöffcr von Versailles. Ansang 7 Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Götz von Berlichmgen. Deutsches Opernhaus. Da« Mädchen aus dem goldenen Westen. Ansang�D/�UHn Kgl. OpernhauS. Swfonie-Konzcrt. Deutsches. Ein Sommernacht«- träum. Käniggrätzer Strafst. Das Buch einer Frau. Zirkus Busch. Gala-Varstellung. ZirkuS Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania.»Hohenzollern'-Fahrten. «ammerspiele. Mein Freund Teddy. Lesstng. TantriS der Narr. Kroll. Das Gnadenbild. Theater des Westens. Die beiden Husaren. Berliner. Filmzauber. Kleines. Professor Bernhard,. Kurfurstenoper. Der Kuhreigen. Deutsches Schauspielhau«. Das gelobte Land Schiller«. Wilhelm Tell. Schiller-«harlottenburg. Der Andere. Groß- Berlin. Da« Farmermädchen. Metropol. Die Rino-Königin. Trianon. Wenn Frauen reisen. Theater am Nollendorfplatz. Extrazug nach Nizza. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchen. Montis Operetten. Der Zigeuner. primaS. Luisen. Im wunderschönen Monat Mai. Rose. Verlassene Frauen. Herrnseld. Die«chonzeitjäger. Lkebesprobe. Cafino. Arturs Flitterwochen. Wintergarten. Spezialitäten. RcichShallen. Bühnengrößcn. Apollo. Spezialitäten. Anfang 8'/. Ubr. Frirdr.- Wilh. Schauspielhaus. Pariser Lust. LuftsPielhauS. Majolika. Walhalla. Parole Walhalla. Folies Eaprice. Des Löwen Er- wachen. Flohs Seitensprünge. Boigt-Theater. Entehrt. Ansang 8'/, Ubr. Reue« Voikstheater. Die Wild- ente. Anjangll�Udr. Admiratspolaft. Eisballett: Flirt m •St Moritz. Berliner Eispalast. Lebende Eis- skulpturen. »» Sternwart«. Jnoalidenstr. 57— 62. Tbeateramjfollendorfplatz An allen Tagen der Woche 8 Uhr: LxtrsÄlz auch Nizza. Schiller-Theater OÄr: Freitag, abends 8 Uhr: Wilhelm Tell. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Konzert. • Sonntag, abends 8 Ubr: Im weißen Rttßl. Schiller-Theater ChCen' Freitag, abends 8 Uhr: Der Andere. Sonnabend, 8 Uhr: Zum 1. Male: Cyrano von Bergerac. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: König I-ear. Sonntag, abends 8 Uhr: Cyrano von Bergerac. Berliner Theater. s Uhr: Filmzauber. 7'/, Uhr: Zum l. Male: Das Buch einer Frau. DeatactaesSchanHpielhans 8 Uhr: Das gelobte Land. Theater des bestens. Uhr: Die beiden Husaren Sonnt. 3'/, Uhr:Tct Fraurnfresier. Jfontis Operetten-Theater (st. Neues Theater,. Amt Norden 1141. 8 Uhr: Der Zigeunerprimas. Residenz-Theater. Ansang 8 Uhr. Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank in 3 Akten von M. Henncquin u. P Veber. Morgen und solgende Tage: Adle ITran Priisidentin. Luisen- Theater Freitag, abends 8 Uhr: Im wunderschönen Moiiat Mai. Sonnabend, abends 8 Ubr: I« wunderschönen Monat Mai. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: .Und hätte der Liebe nicht..." Sonntag, abends 8 Uhr: Vor 100 Jahren oder: Napoleons Sieg und Jall. �assage-PanoptlkunJ Mac-Frog, der unersättliche| Proschschlucker Das Verschlucken u. Zurückbringen leb. Frösche u. Fische. Die WII-DEM Feuerfresser in ihren faoat. Märtyrer- Produktionen. Alle» lebend! Alles ohne Extra-Entree! Urania Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr; Pari» und die König« schlösser von Versailles. Abends 8 Uhr: „Hoiienzollern"- Fahrten. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Abend« 8 Uhr: Verlajseue Frauen. Volksstück in 5 Akten von R. Lingen. Morgen: Verlassene Jraue». Sonntag 3 Ubr: Die Anna-Lise. AlelrWl'7lie»ler. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet! Nie Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Olonkowski. Musik von Jean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz.. Karl Baehniano J. Giampietro C. Thielseher V. Norbert H. Bailot J. Russka Ly Winter HCBMI Neuer großer Erfolg! Schonzeit-Säger. Siebesprobe. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse�. „Cines" Nollendorf-Theater IVolIendorfpIatz 1. Die Sensation von Berlin! Quo vadis? Das gewaltigste Film- Drama aller Zeiten! Vorführnng 5, 7, 9 Ehr. Eintrittspreise 1—3 51. (Logen 4 51.) Vorverkauf täglich von 10 Uhr ab an der Kasse. Voigt-Theater. Gesniidbrunncn. Babstrastc 08. Freitag, den 28. März 1913: Entehrt. Orig.-Schausp. in 5Ansz. v. E. Heule. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ansang 8'/. Uhr. Poranzeige! Sonnabend, 29. März: Benefiz für Otto Reiu: Lassalles Ende. Theater Königstadt-Casino. Ecke Holzmarkt, it. Alexanderstraße. 1 Minute b. Bahnh. Jannowitzbrücke Tägl. abds.'/,8. Sonnt-L6Ubr: Q, diese UbantTenre! Lustspiel von Rich. Keßler— u. das groß. Spezialitätenprogramm Fed. 1. n. 16.: Programmwechsel. Kino-TIienter :: Marienbad:: Badstr. 35-36. Heute Premiere. Im Konaiert-Kestanrant: Heute großes Militär-Konzert. Walhalla-Theater Weinbergsweg 19/20. Täglich 8'/, Uhr: Parole! Walhalla! Große Jahresrevue. Porzugskarten haben stets Gültigkeit. kelchshslleii-Thesler Mtiner 8änger. Burleske von 3Ieysel und Britton. Anfang - 8 Uhr.- Zirkus Barum nebst gr. Raubtier-Dressurschau. Berlin 5f.. Triftstraße, ao der Müllerstralie. Heute sowie täglich ab. B'/.Uhr: Gala- Abende. 5Ir. Mlraldo. das Rätsel des 20. Jahrhunderts, 103b und alle übrigen Attraktionen und Raubtierdressuren. Täglich wechseld. Programm ÄoClo*" ■■■ Mauerstpaßft«9— i :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90)91. Oroßes Doppel- Konzert. Gastspiel des Philbarmoniscbeu Blasorchesters ans Malland. Dirigent: Maestro Loreto Tesone. Musikc. des 1. Garde-Dfagon.-Kegts., Dirig. Oberm. Baarz. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Cr. iadunillsss-Koiizert U. T. Moritzplatz II. T. Hasenheide Henny Porten, die gefeierte Berliner Künstlerin in Pfarrers Töchterlein. Ein Mädchenschioksal. 2 Akte. U. T. Alexanderpsatz U. T. Unter den Linden Verfemt. Schauspiel in 3 Akten, aus dem französischen. U. T. Reinickendorfer Str. 14 SUnder Kap Drama. Täglich: Jugend-Vorstellung. ü. a. Königin Suise. Anfang: U. T. Alexanderplatz und U. T. Reinickendorfer Str. 14: 3 Ihr. U. T. 5Ioritzplatz und U. T. Hasenheide: 4 Ehr. Tpiaiion-Tbealer. Täglich 8 Uhr: Wenn Eranen reisen.... Sonntag L Uhr: Der selige Toupinel, Zirkus Merl Schumann. Heute Freitag, den 28. März, abends 7il2 Uhr: Große€lown- und Komiker-Vorstellnng. U.».: IM« Apachen-Tanz"�CS der span. Clowns Carpi u.Noppi 19 Ijio-Moi-Tschn's 19 chinesische Gaukler. Komisches Entree der Clowns Adolf u. Cottreü. liiiftbalance-Akt 5fr. Beüy and Bera. Direktor A. Schumann mit seinen neuest. Oreatiouen. Um 9'/« Uhr: Der unsichtbare Mensch. 4 Bilder aus Indien. 8chliiß der Saison: Donnerstag, 3. April. Zirkus Busch. Heute Freitag, den 28. März, abends 7'/, Uhr: Gr. Gala Vorstellung. Der mysteriöse Deckenläufer? Karl Engen Tronpe, Gymnastik in höchst. Vollend. Red& Beet, Manegekomiker. Geschw. Fiochl in ihrem wundervoll. Reitakt. Clown Pepino, Tierdress. Zum Schluß: Die große Cpuiilfl� Prunk-Pantomime»WtCIllIc». Folies Capnice. B' Täglich 8'/, Uhr. W ■ Die Novitäten s■ ■ ürs fäniru Emachtn.■ B Banter Teil. B 5 Ms Mtilsprungt." Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Sturme der Heiterkeit erregt die neue urkomische Posse kv\m Flitterwochen. Dazu der erstklassige bunte Teil. Nur Attraktionen 1. Ranges. Sonntag 4 Uhr: Die Hochstaplerin. �«Imirslspalsst. AUahendlfeh: Das neue mit durchschlag Erfolg aufgel. ElSballfilt | Flirt in St. Moritz| 1. Akt: Wintersport in St. Moritz. 2. Akt: Soiree im Luxushotel 3. Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung der kl. Charlotte. |Bis 6 U. u.v.lO�halb.Kassenprj 1 Wein- u. Bier-Abteilung, r Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftsgießer. = Bezirk 4(Osten). Die aw Montag, den 17. MSrz ct., vertagte Bezirksversammlung (inbct am Montag, den 81. März, abends 8 Uhr, in Kellers Kestsälen, Koppenstr. Ä9, statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der letzten Generalversammlung. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 4, Wahl von Vertrauensleuten für FriedrichSsclde und Stralau. Uli- Gauvor.iand. Bier Vttmltuugsstkllk Serlin. C. 54, Limenstr. 83—85. Verwaltung: Telephon:?lmt Norden 1987. Kassierer: Simt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239. 9714. Sonntag, den 30. März 1913, vormittags 10 Uhr hs Allgemeine Branchen-Versammlung � der Rohrleger und Helfer in den Andreas-Festsälen, AndreaSstr. 21. Tagesordnung: 1. vi« VeHiandluii««» im Berliner Bangewerbe unter besonderer BertickMichtignng des Robrleeer• Gewerbes. Berichterstatter: Genosse Otto Hanke vom Deiltschcn Bau- arbeiter-Berband und Kollege W. S i e r i n a. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelcgenheiten und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind sämtliche Rohrleger und Helfer Berlins eingeladen. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 30. März 1913, vormittags 10 Uhr :: Sratiehen-Versammlung s aller in der Uffetallindustrie beschäftigten Ittaschinenarbeiter und Arbeiterinnen in den Mtifiker-flrstfälen, Kaiscr-Wilhelm-Str. 18 m(großer Saal). Tagesordnung: 1. Jahresbericht der AgitationSkommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl deS BranchenleitcrS und der AgitationSlommission. 4. Branchcnangclcgenheiten. S. Verschiedenes. In Anbetracht der äugerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend notwendig. 115/8 Die ÖrtSvcrwattung. Deutscher Bauarbeiter- Verband Sektion der Putzer. Honntag, den SV. März, vormittags tv Uhr, in Earl Havrrlands Nestsälen, Neue griedrichstratze 35 Auherordentlichs Mitglieder-Bersammlnug Tagesordnung: Der rrotest de» H�'abiliomttee» gegen die G ttltlgkelt der«pNter eingegangenen Stimmnettel. Recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 141/16' Die ärtl. Verwaltung. Ich schwöre auf Blendol das beste flüssige Metallputzmittel In 6lasn o n t ist nichts weiter als die Anerkennung des sozialistischen Programms und der internationalen sozialistischen Beschlüsse. Die Tagesordnung Jaquemotte-Chapelier ist voll Mißperständniffe und gefährlicher Behauptungen. Die Tagesordnung Jaquemotte wird mit großer Majorität ab- lehn t. Die Tagesordnung Furnemont-Hubin besagt, daß der Kongreß getreu dem gegenwärtigen Programm der Partei und gemäß ihren lrüheren Entscheidungen und den Beschlüssen der internationalen Kongresse die Unterdrückung der st ehe u den Heere und vis dahin als Uebergang die Einführung des Milizsystems fordert. Tic Tagesordnung wird mit starker Majorität angenommen. Am Dienstagvormittag diskutiert der Kongreß da? Regierungsprojekt über die Sozialversicherung; es wurden keinerlei Beschlüsse gefaßt. Eine Resolution beauftragt die vom Generalrat der Partei errichtete Kommission mit der Aus- nrbcitung eines ausführlichen Berichtes über die Frage der Sozial- Versicherung. Dieser Bericht wird der Vereinigung der sozialistischen Kranken- und Unterstützungsvereine(MutuolileS) und der Gewerk- Ichaftökommission vorgelegt und einem nächsten Kongreß zur Dis- kussion vorgelegt werden.—«Angenommen.) Der Präsident des Kongresses Louis De Broucksre weift in seinem Schlußwort auf die Bedeutung des Generalstreik- beschlusses und auf das Werk der Begeisterung und Arbeit hin, das zu unternehmen sein wird. Der Streik wird allgemein, friedlich und ruhig sein, damit der Volkswille seinen Zweck erreicht. Er wird des Proletariat? und der Internationale würdig sein.(Rufe: „Es lebe der Streik I') Um V-1 Uhr ist der Kongreß zu Ende. 8. Gellerdvertatong der Kupferschmiede. Stettin, 26. März. Für die Rechitungskcmmlifston berichtet Koch- München, daß Bücher und Kasse in bester Ordnung gefunden wurden. Der Bor- stand wurde einstimmig entlastet. Dann referierte der zweite Vorsitzende des Verbandes Hecht- Berlin über den Punkt „Tarifverträge". Ter Einfluß des Verbandes auf'die Gestaltung dei» Lohn- i jjd Arbeitsbedingungen.wachse stetig. Dies zeige die vom Ler- band im Jahre 1912 aufgenommene»Statistik über die Lohn- und �mbeitSvcrhältMsse im deutschen- Kupferschmicbcgewerbc.. Nach dwssr ist seit dem Jahre 1969 der ermittelte' Durchschnittsver- dienst um 6,1 Pf.-pro Stunde gestiegen; er betrug 1912 58,9 Ps. gegenüber 52,8'stf. 1909. Die durchschnittliche Arbeitszeit ging um 6,2 Stunden pro Woche zurück. Der Wochcnlohn stieg von 26,26 M. auf 33,51 M. und die wöchentliche Arbeitszeit ging von 57,2 Stunden auf 56,9 Stunden zurück. Dieses erfreuliche Resul» wi sei dadurch erreicht worden, daß sich der Verband in den letzten Jahren in bezug auf Abschluß von Tarifverträgen großer Energie t'sleißigt habe. In den letzten drei Jahren wurden 42 Tarife für 248 Betriebe mit 1457 Personell erneuert oder neu abge- schloffen. Am Jahresschluß 1912 bestanden 66 Tarife für 391 Kupferschmiedcreicn mit über 2666 beschäftigten Personen, von denen 1395.Kupferschmiede sind. Daraus ergibt sich, daß 52 Proz. der ermittelten Betriebe als Tarifbctriebe zu betrachten sind und 76,g Proz. der in reinen Kupfcrschmiedereien arbeitenden Kol- legen zu tariflichen Bedingungen beschäftigt sind. Der Tarifver- l. agsgedanke hat also in den letzten Jahren sehr erhebliche Fort- schritte gemacht.— Ter Referent gab dann ein Bild der Arbeits- Verhältnisse der Hilfsarbeiter. Bon 1195 in die Statistik ra genommenen Hilfsarbeitern waren 736 oder 61,5 Proz. organi- nert, und zwar der größte Teil. 236, im Deutschen Metallarbeiter- verband; dem Kupferschmiederveröand gehörten nur 9 am Der Turchschnittsverdicnst für Hilfsarbeiter beträgt 46 Pf. pro Stunde. Bei Berücksichtigung der für die Kupferschmiede ermittelten durchschnittlichen Arbeitszeit würde dies einen durchschnitt- '.ichen Wochenverdienst von 22,76 M. ergeben, wäre also um 16,75 M. pro Woche geringer als der für Kupferschmiede. idfecht ist der Ansicht, daß der Verband sich mehr um die Hilfs- < ebeiter bekümmern müsse. Es soll auch untersucht werden, was in bezug der Organisationszugchörigkcit der Hilfsarbeiter zu tun sei. Notwendig wäre, daß diese möglichst einer Organisation zugeführt werden. Der Redner besprach dann die Ausgestaltung nes Tarifvertrages, über die vielfach»och Unklarheit vorbanden sei. Die Stellung der Unternehmer zu den Tarifverträgen sei nicht einheitlich, man stoße vielfach auf Widerstand.. Das Referat rief eine anregende Diskussion hervor, in der den Ausführungen des Referenten meist zugestimmt wurde. Allgemein waren die Redner der Ansicht, daß die Hilfsarbeiter mehr berücksichtigt und bei Bewegungen auch für sie Forderungen aufgestellt werden müssen. Der Eintritt der Hilfsarbeiter in den « i'pferschntiedoberband solle nicht erschwert werden. Scholz- Hamburg meinte, durch den Reichstarif würden •v Arbeiter von den Arbeitgebern immer mehr in die Defensive drängt. Er will beim Abschluß von Tarifverträgen keine be- immte Llblaufszeit festgesetzt haben. Gegen diese Ansicht lvandtcu ch aber verschicocne Delegierte, auch der Vertreter der. General- 'in Mission Cohen- Berlin. Wäre ein Vertrag nicht für eine .ilimmte Frist abgeschlossen, sagte Cohen, läge die Gefahr nahe, daß die Unternehmer die Tarifoerträgc nur in Zeiten guter Kon- .inktur einhalten. Bezüglich des freien Sonnabendnachmittags, auf den der Münchener Delegierte eingegangen war. betonte Cohen, der freie Sonnabendnachmittag dürfte nicht auf Kosten der übrigen Arbeitszeit eingeführt werden, sonst solle man ver- ichten. Zunächst müsse eine genügend kurze Arbeitszeit an allen Wochentagen errungen, dann erst solle der freie Sonnabendnach- rnfttag verlangt werden. Cohen erklärte sich mit der Stellung der Holzarbeiter zu dieser Frage einverstanden.— Ja der weiteren Debatte betonte ein Redner, bei Bewegungen inüille größeres Gewickü darauf gelegt werden, überall möglichst .! eichmaßige Lohnvcrhältnissc zu schaffen, um den Zuzug nach den Großstädten zu hemmen. Auch die Berkürzung dcr Ar- vcitSzeit müßte mehr in den Vordergrund gestellt werden. Im Schlußwort erklärte Hecht, für die Kupferschmiede habe ! her der freie Samstagnachmittag noch keine Rolle gespielt. Man solle sich von dem Gedanken leiten lassen, daß durch die Verkürzung der Arbeitszeit am Sonnabend die Arbeitszeit allgc- mein schrittweise zurückgedrängt werde. Tic Generalversammlung stimmte dann einer vom Referenten vorgelegten Entschließung zu: „Die achte ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Kupferschmiede Deutschland? erblickt nach wie vor in dem Abschluß von Tarifverträgen die gegenwärtig geeignetste Form, zu gesunden, möglichst gleichmäßig geregelten Lohn- und Arbeits- bcdingungcn zu kommen. »sie verpflichtet daher alle Mitglieder, noch energischer als bisher bei Lohnbewegungen für den Abschluß von Tarifverträgen einzutreten. Zur sachgemäßen Einleitung einer jeden Lohnbewegung wird der Zcntralvorstand beauftragt, schon bei der Aufstellung der Forderungen sich durch eines seiner Mitglieder dezw. durch den Bezirksleiter vertrete,: zu lassen. Dem Beauftragten ist dann die Leitung und Führung der ganzen Bewegung zu über- tragen. Der Zentralvorstand hat ferner bei bestehenden Tarifver- trägen die in Frage kommenden Filialen rechtzeitig auf den bevorstehenden Ablauf der Verträge aufmerksam zu machen und sie zu veranlassen, vor Ablauf der Kündigungsfrist des Vertrages zu einer eventuellen Kündigung Stellung zu nehmen und einen neuen Vertrag vorzubereiten." Ueber die Arbeitsvcrmittelung im Berufe sprach nun K üh n e- Berlin, der einleitend die EntWickelung der allgemeinen Arbeitsvermitteliing schilderte. Das größte Gelvicht müßte darauf gelegt werden, eigene Aübeitsnachweisc zu schaffen. Nur wenn dies nicht möglich sei, solle für die Errichtung von paritätischen Arbeitsnachweisen eingetreten werden. Unter allen Umstänoen paritätische Arbeitsnachweise anzustreben, wäre nicht zu empfehlen. Man mache damit manchmal auch üble Er- fahrungcn; die Unternehmer versuchten, die paritätischen Arbeits- nachweise zu ihren Vorteilen auszunützen. Die Vertrauensleute mußten sich mehr um die Besetzung freier Stellen bekümmern und so den Arbeitsnachlve,s durch den Verband unterstützen. Die Ver- bandsardeltsnachweisc seien ja schon setzt etwas zentralisiert, not- wendig wäre jedoch die Schaffung einer Zentralstelle, an die wöchentlich über den Stand des Arbeitsmarktes zu berichten sei An den Vortrag schloß sich eine längere Debatte, die morgen sortgqetzt wird. ZtMyeroräneten-verkammlung. 13. iStzung vom Tonnerstag. den 27. März 1913, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher M i ch e I e t eröffnet die Sitzung gegen SH Uhr mit emern Nachruf für den am Montag im Alter von 73 Jahren ver- storbenen Stadtv. Rentier(früheren Brunnenbaumeister) Bitter- hoff(A. L.). Die Versammlung hört den Nachruf stehend an. Die Spezialberatung des Stadthaushaltsetats für 1913 wird fortgesetzt. Referent für den gesamten. A r m e n e t a t.«offene und ge- schlossene Armen- und Waiscnpflcge. Fürsorgeerziehung, Arbeits- hänser, Obdach, Hilfsstation für Geschlechtskranke) ist der Stadtv. Schulze(A. L.). In der Ausgabe des Kapitels„Offene Armenpflege" figurieren die Almosen(monatlichen Unterstützungen) mit 7 456 066 M. (266 666 M. weniger als im Etatsanschlag des Vorjahres), die nwnatlichen Pflegegcldcr mit 1 400 660 M.«56 666 M. weniger« und die Winterunterstützungen für laufend unterstützte Personen mit 366 666 M.(35 666 M. weniger). Ein im Ausschuß abgelehnter Antrag, die Ziffern des Vorjahres auch in dem Etat für 1913 wieder einzustellen, wird heute von den Sozialdemokraten in der Gestalt wieder aufgenommen, daß wenigstens die von der Armen- direktion beantragten Summen eingesetzt werden. Stadtv. Hintze(Soz.): Bei der Generaldebatte wurde den, Magistrat und speziell dem neuen Kämmerer ein besonderer Dank dafür votiert,' daß es gelungen sei,, den'Armenetat'um 600006 M. herabzudriicken. Gerade d tesse,' H e r ab s e tzzi n g.ha t es wefentl-ich mit zuwege göbrach't, daß der Gesamt- etat mit'166 Proz. balanciert. Die Armenverwaltung selbst hat nur zur Hälfte an diesem Rückschritt schuld, die aiidcre Hälfte in Höhe von 285 666 M. ist vom Magistrat selbständig ab- gestrichen worden. Die Einnahmen aus den Rückerstattungen sind diesmal mit 175 060 M. angesetzt, also weit höher als bisher. Die Erhöhung um 50 000. M, wird nach unserer Meinung nicht ein- kommen; wir sehen aber in diesem Falle von Anträgen ab. Es wird hier eine scharfe Schraube bei den Angehörigen angesetzt, so scharf, daß. eine weitere Steigerung in den nächsten Jahren ganz ausgeschlossen erscheint. In den letzten Tagen ist mir ein be- sonders bezeichnendes Beispiel von Rücksichtslosigkeit bekannt ge- worden, mit der man gegen die eventuellen Erstattungspflichtigen vorgeht. Die Kürzung von 266 006 M. an den Almosen ist vor- genommen worden, ohne daß man irgendwelche Rücksicht auf die Ergebnisse des Jahres 1912 genommen hätte; da sind 266666 M. mehr ausgegeben worden, als jetzt in den Etat eingestellt werden. Wie will der Magistrat diese Kürzung verantworten? An einen Rückgang der Unterstützung ist doch, zumal unter den jetzigen Teuerungsverhältnisscn, nicht zu denken. Die Argumentation, daß bei den Unterstützungen jetzt genauer zugesehen werden wird, ent- hält doch den Vorwurf für die Armenverwaltung, daß sie bisher achtlos bei der Gewährung von Unterstützungen verfahren ist. Früher haben auch liberale Leute wie Liebenow gegen Streichungen im Armcnetat protestiert; es wurden 1966/67 und 1969/16 und 1916/11 die Ansätze erhöht, und nur dadurch konnten Etatsüber- schreitungen vermieden werden. Das Gleiche wie von den Almosen gilt von den Pflegegeldern, und ganz absonderlich nimmt sich dann die Herabsetzung des Betrages für die Winterunterstützungen aus. Unsere Anträge stellen das Bescheidenste dar, was verlangt werden kann, wenn Etatsüberschreitungen vermieden werden sollen; es mutz aber auch selbst der Anschein vermieden werden, als wenn mit der Herabsetzung der Etatsansätzc auch eine Herabsetzung der Unterstützungen selbst beabsichtigt sei. Es soll ja das nicht die Ab- ficht. sein, doch ist der Anschein nicht wegzuleugnen. Der«Chef der Armendirektion ist im Magistrat mit den Anträgen seiner Ver- waltung unterlegen, obwohl er nach seiner eigenen Erklärung mir gegenüber wie eine Löwe dafür gekämpft hat. Stadtrat 51alisch: Der Vorredner hat meine bezügliche Aeuße- rung völlig falsch verstanden.«Rufe bei den Sozialdemokraten: Natürlich!) Selbstverständlich habe ich die Vorsckiläge der Armen- direktion im Magistrat vertreten, das ist meine Pflicht und Schuldig- keit. Es muß aber doch auch schließlich die Zeit herangekommen sein, wo die Ansprücbe an die Armenverwaltung geringer werden. Tie wohltätigen Vorcine. mit denen Berlin Hand in Hand arbeitet, machen doch auch endlich einmal ihren Einfluß geltend, und die Sozialdemokratie selbst nimmt durch ihre vorzügliche Einrichtung der Arbeitslosenoersichcrung(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten) der Armenverwaltung ein gut»Stück Arbeit ab.(Erneutes: Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Hintze kann keinen Fall anführen, wo ein Armer nicht erhalten hätte, was ihm zusteht. Nach den neuesten Berechnungen hat' Berlin 1911 für die Armen- pflege 4,93 M. ausgegeben, 1916 nur 4,46 M.: andere Großstädte bleiben hinter diesen Sätzen sehr weit zurück. Berlin gibt bei weitem mehr als irgendeine andere Stadt des Kontinents. Etwa tausend Kinder, die bisher der Armendirektion zur Last fielen, werden jetzt von der' Waisciiverwaltung erhalten. Die großen Herabsebuugcn, von denen gesprochen wird, zerfallen also in nichts. Stadtv. Liebenow(A. L.) Pflichtet den Ausführungen des Stadt- rats durchweg bei. Gegeben werde nach wie vor da, wo es not- wendig sei. Redner verweist auf feine 46jährigcii Erfahrungen in der Berliner Armenpflege; die Ablehnung des Antrags er- scheine durchaus gerechtfertigt. Stadw. Hintze: Herr Äalisch kann auch anders; in der Armen- direktion links, im Magistrat' rechts.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.)- Die Begründung, welche die Armendirektion ihren Forderungen an den Magistpat gegeben hat, spricht in einem ganz anderen Ton, als heute Herr Kalisib. Tie Abwanderung der 10 Kinder liegt schon ein bis zwei Jahre zurück. Be- schwcrdcn über zu geringe Almosen und Pjlegegclder liegen in Füll« vor. Das Lob auf die Gewerkschaften quittieren wir. aber damit ist die Sache nicht abgetan. Die Vergleiche mit anderen Kommunen hinken kolossal. Die Aufftellung des Armcnetats, wie er uns vom Magistrat vorgelegt ist, stellt lediglich eine Bilanzver» schlcicrung dar. Die Anträge auf Erhöhung werden gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt; der Etat wird nach dem Entwurf festgestellt. Anschließend an eine Bemerkung des Referenten bo treffend die Hilfsstation für Geschlechtskranke im Obdach be< merkt Stadtv. Hoffmann(Soz.): Die Art und Weise, wie man jetzt vor hat, das Geschlechtskrankenhaus dauernd in das Obdack hineinzuverlegen, müssen wir als etwas Unerhörtes ansehen. Seit 25 Jahren soll diese Station wegverlegt werden, jetzt soll es um- gekehrt kommen. Da wir eine Vorlage zu erwarten haben, werden wir noch Gelegenheit haben, uns über den Umfall der Kuratoriums- Mehrheit auszulassen. Dreimal hat das Kuratorium' einstimmig die endliche Verlegung gefordert! Ueber den gesamten Etat für die Kranken- und Ge» sundheitspflege bericktet Stadtv. Sassenbach(Soz.). Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Tie Verpflegungskosten im Kran. kenhaus Friedrichshain sind um 5 Ps. pro Kopf und Tag gegenüber der Jst-Ausgabe für 1911 zu niedrig berechnet, wie unser Kollege Dr. Arons ganz unwiderleglich berausgerechnet hat. Wegen der argen Verwüstungen, welche der Kämmerer mit seinem Rotstift in dem Krankenhausetat vorgenommen hat, müssen wir mit ihm Generalabrechnung halten. Wir haben seinerzeit bei ihm ein gewisses soziales Verständnis vorausgesetzt. Sicherlich läßt sich über manche der Ausgaben streiten; manches, was die Aerztc als sehr dringlich fordern, ist vielleicht isicht ganz so dringlich und hat bis zum nächsten Jahre Zeit. In dem wichtigsten aber sollten wir uns doch einig sein: unsere Kranken müssen kräftig ernährt und gut gewartet loerden. Der Kämmerer meint, die Lebensmittelpreise würden billiger, und bezieht sich dabei auf die Preise, welche 1911 von den Lieferanten verlangt wurden, ja, er geht teilweise noch weiter zurück. In den letzten Tagen baben die Fletschkommissümeii für das nächste halbe Jahr ganz erhebliche Mehrausgaben ergeben- Im Krankenhaus Friedrichsham wurde 1911 ein Durchschnitt von 1.73 M. für die Verpflegung gezahlt; die Verwaltung setzte 1,72 M. ein; der Kämmerer bat nur 1,61 M. eingesetzt, davon bleibt aber ein noch geringerer Bruchteil übrig, weil hier 2 M. pro Kopf und Tag direkt an die Viktoriaschwestern gezahlt werden müssen. In Moabit sind statt 1,77 M. nur 1,76 M., im Urban statt 1,68 M. nur 1,65 M. eingestellt, in der Giff'chincr Straße statt 1,65 M. nur 1,55 M., im Kinderkranken- bau? statt 1,51 M. nur 1,46 M., im Virchowkranken- bau? statt 1,75 M. nur 1,76 M., obwohl hier 1911 schon 1,74. M. ausgegeben wurden. Ein solches Knappsen und Knausern gerode bei der Krankenbeköstigung können wir nicht, gutheißen. Was hat die Etataufstellung für einen Zweck, wenn man schon vorher weiß, daß Ueberschreitungcn unvermeidlich sind? Wollen die Direktoren im Rahmen des Etats bleiben, so muß die Verpflegung epen minderwertig werden. Auch beim Wartepersonat hat der Kämmerer den Rotstift walten lassen. Beim Virchow. und beim Kinder» krankenhaus sind die Foriderungen der Verwaltungen an Wärtern. Wärterinnen und Arbeitern ganz erheblich beschnitten worden. Beim Krankenhaus Friedrichshain hat der Kämmerer überdies die Zahl der Betten um 56 gekürzt; es bleiben nur 800. Auch dem Kämmerer wird doch bekannt sein, daß gegenwärtig immer noch Ablehnungen von Kran» kenaufnahmen erfolgen. Unter diesen Umständen können wir das Vorgehen des Kämmerers nicht als von sozialem Geiste durch- drungen ansehen; es ist eher die Auffassung, welche dem Geiste des satley Bürgertums entspricht. Wenn nunmehr endlich, der Stadtmedizinalrat Fleisch und Blut geworden ist, wird ex bei ähnlichem schroffen Auftreten des Kämmerers wohl ein energisches Wort sprechen. Mir legen gegen diese Kämmererpolitik Ver» lixihrilnZ ein und erwarten von den Krankenhausverwaltungen, daß den Kranken, entgegen den Bestrebungen des Kämmerers, an Ver» pflegung und Wartung nichts verloren geht!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtrat Selberg: Die Kost in unseren Krankenhäusern ist ganz vorzüglich; die KrankenhauSdeputation wird auch in Zukunft dafür sorgen, daß nicht auf Kosten der Güte und Qualität ge» wirtschaftet wird. Die Zahl des Personals ist zu der Zahl dey Beamten in das angemessene Verhältnis gebracht worden. Kämmerer Büß: Es ist durchaus sachlich geprüft worden, wie man den wirklichen Verbältnissen im Jahre 1913 am nächsten kommen kann; weiter ist nichts geschehen. Von einer Ver- schlechterung der Verpflegung kann gar keine Rede sein. Auch bei den Krankenhäusern wird sich die Möglichkeit weiterer Ersparnisse ergeben, gerade so, wie es bei den Irrenanstalten bereits der Fall gewesen ist. Mit den Etatsziffern wird gut ausgekommen werden. Stadtv. Dr. Wetzl: Ich weiß ja. daß die Mogistratsvertretsr hier bei der Etatsberatung nur ein Amt und keine Meinung haben. (Der Vorsteher beanstandet diesen Ausdruck.)� Ueber die Kalkulation läßt sich ja streiten; wir glauben nicht, daß mit den Sätzen auszukommen sein wird. Unsere Kranken dürfen unter keinen Umständen leiden, gleichviel was im Etat steht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn«Zrsparnisse bei den Krankenhäusern gemacht werden sollen, so wird unsere Zustimmung nicht fehlen, wenn man die Sache am rechten Ende anfaßt; ich habe selbst schon in der Deputation Andeutungen in dieser Richtung ge» macht. ES ist ein Widersinn und eine Verschwendung, wenn den Aerzten und Apothekern der erste Tisch gegebe» wird, der 3 M. kostet; die Kranken müssen den besten Tisch haben. Wenn diese Opulenz aufgehoben und daS Geld dafür den Kranken zur Ver« ftigunq gestellt wird, wird das unseren Beifall finden. Stadtrat Selberg: Die Krankenkost wird von den Aerzten vor» geschrieben, die Kranken bekommen die Kost, die für sie geeignet ist. Stadtv. Dr. Wetzl: Auf den Kopf des Kranken iverben 95 Pf., auf den Kopf des Arztes 3 M. gerechnet. Die Opulenz und Per- sckwendung, wie sie am Aerztetisch betrieben wird, können wir nicht billigen. Zum Etat für die Heimstätten bewerft Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Unsere Heimstätten eignen sich auch als Winteraufenthalt für diejenigen Patienten, für die sie be- stimmt sind, ganz besonders. Leider ist selbst unter unseren Aerzten diese Erkenntnis noch nicht überall durchgedrungen. Es muß ein Appell auch an die Acrzteschaft gerichtet werden, von dieser Einrichtung in möglichstem Maße Gebrauch zu machen. Die Zahl der in die Heimstätten geschickten Kinder hat in erfreulicher Weise zugenommen; hier hat die Armenvcnvaltung auf einen' vorjährigen Hinweis von mir entschiedene Besserung gezeigt. Aber in oem" wünschenswerten Maße werden die Heimstätten immer noch nicht frequentiert. Es geht auch in unseren Bureaus immer noch etwas zu langsam und bedächtig her; der Weg zwischen Mühlendamm und Stadthaus ist doch nicht so weit, daß man, wie jüngst in einem Falle, sieben Tage braucht, bis die Unterschrift des Dezernenten im Bureau der Heimstättenverwaltung erscheint; in sieben Tagen kann man doch heute nach Amerika fahren. Ii; der Zwischenzeit flehen dann die Betten leer. Tic Verpflegung?. sätze sind etwas hoch und die Armenärzte sind sehr ängstlich; darum die geringe Frequenz. Hier könnte die Arincnvcrwaltung reformierend eingreifen.,' Stadtrat Kolisch: Im vergangenen Jahre sind ciiigegangen 3636, in diesem Jahre 3286 Anträge; die Armenärzte haben»ich also nickt zurückgehalten. Die Durchschnittsdauer der Kur bc- trägt 7Vi Wochen; wir haben also ganz energische Fortschritte gemacht. Die Frist von sieben Tagen ist diesmal durch. die beiden Osterfeiertagc entstanden; sonst geht es schneller. Der Vorredner hat selbst anerkannt, daß der Winterbesuch zugenommen hat. Die Bemühungen, die Wintcrkuren zu fördern, werden energisch fort. gesetzt. Swdw. Solmit? lFr. Fr.) tritt den Ausführungen des Dr. 2BebI hei, bestätigt ober auch, ats Dezernent der Heimstätte Heinersoorf, daß der Winterncsuch zugenommen hat. Der Standpunkt der Aerzte bei der Ueberweisung von Kindern sei weitherziger gelvorden. Der Geschäftsgang müsse beschleunigt und lveniger burcaukratisch gehandhabt werden. Stadtv. Hintzc: Haben denn die Mittel für die Entsendung von 3200 Kindern in Heimstätten ausgereicht? Im Etat für 1913 sind nur 200009 M. eingestellt! Die Kurdauer von drei Wochen ist viel zu kurz: der Erfolg geht dann sehr oft in die Brüche. Die Aerzte müssen angewiesen werden, hierauf ihr besonderes Augenmerk zu richten. Stadtv. Sachs(A. S.): Bezüglich der Kurdauer irrt Herr Hintze, wie ihm Dr. Wehl bestätigen wird. stadtv. Dr. Wehl: Nach drei bezw. vier Wochen hat der Arzt den Kranken daraufhin zu rmtcrsuchen, ob noch ein weiterer Aufenthalt erforderlich ist. Die Heimstättenvertvaltung trifft da keine Schuld. Stadtv. Hintze: Wenn der Armenarzt sechs oder acht Wochen Kurdauer verordnet bat und die Kinder iverden nach drei oder vier Wochen entlassen, so wird doch eben der Kurerfolg in Frage gestellt. Stadtrat Kalisch: Unter sechs Wochen kommt kein Kino nach Hohenlhchen. Ter Heimstätteuetat wird auch nicht überschritten werden. Zu den Ausgaben für das städtische R c t t u n g s w c s c n bc* merkt Sladtv. Dr. Isaac(N. L.): Das neue Kuratorium für das Berliner Ncttungswesen hat manche Verbesserungen geschaffen. Dem Beschluß des Kuratoriums, ztoei Direktoren zu präsentieren, schien auch der Magistrat zuerst nicht abgeneigt zu sein. Jetzt ist er diesen: einstimmig gefaßten Beschlutz nicht nachgekommen, sondern hat nur einen, den bisherigen Direktor der Unfallstationen zum Direktor des städtischen Rettungswesens gewählt. In einer offiziösen Erklärung bezeichnet der Magistrat einen Dualismus als nicht im Interesse der Sache liegend. Der gewählte Direktor ist nun nach wie vor Angestellter der Unfallstationen und anderer Organisationen. Die Befürchtungen, die man an diese Wahl geknüpft hat, werden sich hoffentlich nicht erfüllen. Bürgermeister Dr. Reick«: Der Magistrat ist der Ansicht gewesen, daß, wenn die Aerzteschaft gut organisiert ist, dann die Ar- beit nicht so gichß sein wird, daß man zwei Direktoren beschäftigen weroe können. Funktioniert die Organisation des Rettungswesens gut, chann ist die Tätigkeit des Direktors nicht so wichtig. Der neu gewählte Herr, der sehr tüchtig und erprobt ist. wird auch seine zetzige Stelle gut ausfüllen. Daß der eine oder der andere der beiden Herren mehr oder weniger qualifiziert gewesen fei, hat der Magistrat nicht angenommen. Stadw. Dr. Wehl: Der Bürgermeister vertritt hier den Mo- gistratsstandpunkt. Ter Magistrat hat, als der Vertrag vorgelegt wurde, ausdrücklich mit der Möglichkeit zweier Direktoren gerechnet. Daß wir im Kuratorium uns brüskiert fithlen, liegt daran, daß unsere prinzipiellen Gesichtspunkte dem Magistrat nicht in wünschenswerter Weise mitgeteilt worden sind. Das gesamte Ku- ratorium wollte endlich Frieden schaffen zwischen den zwei wider- streitenden Parteien: durch die Schaffung des städtischen Rettungs- Wesens wurde die Streitaxt degraden. Dazu gehörte aber nach der Meinung des Kuratoriums auch, daß an die Spitze der neuen Einrübtung die beiden Herren berufen wurden, die seit Jahren die beiden Richtungen präsentiert haben. Der Magistrat will den bisherigen Dualismus beseitigen, indem er.nur. einen wählt. Das ist mir nicht verständlich: wollte man den Dualismus beseitigen, so wußte man entweder beide oder keinen wählen. Ter setzt mit dem Vertrauen als Direktor des städtischen Rettungswesens Be- traute hat sich gegen die andere Partei in recht mißliebiger Weise ausgelassen, wie auch protokollarisch festgelegt ist. Jetzt soll die Aerzteschaft unterworfen werden. Der Herr steht als erster Ver- trauensarzt mit an der Spitze großer Berufsgenossensckaften! er ist auch vielfacher Obergutachter. Wird er alle diese Posten auch beibehalten, wenn ihm das stadtische ReitüNgÄpesen ünteisstellt ist? Oberbürgermeister Mermuth: Der Magistrat in seiner erheb- lichen Majorität hat diese Angelegenheit nicht vom Standpunkte des Gefühls oder der Versöhnungsaktion behandelt. Ilns interessierte nur die Frage:„Wie funktioniert die neue kommunale Einrichtung am besten?' Und da wollten wir nicht sofort den bisherigen Dualismus wieder haben.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Beide Personen auszuschalten schien auch nicht praktisch waren es doch die beiden best-, ja die einzig erfahrenen. Mit Bedauern baben wir einen der beiden Herren zurückstellen müssen. Ob der Erwählte seinen Wohnsitz in Charlottenburg und seine Nebenamt- liche Tätigkeit wird beibehalten können, darüber schweben Er- örterungen. Die Angelegenheit ist damit erledigt. Stadtv. Liebermann(Fr. Fr.) berichtet über die Etats für den Hoch- und Tiefbau, für das Markische Museum, die Stadtbibliothek. die Volksbibliotheten und Lesehallen. Am strahenlanderwerbungs- fonds hat der Ausschuß ö4S 000 M. abgestrichen und den Etatsansatz für den Fonds auf 2 400 000 M. ermäßigt. Diese Etats werden nach den Ausschußvorschlägen ohne Debatte genehmigt. Es folgen die Etats„Gehälter der Magistratsmitglieder", .Personalbesoldung",„Ruhegehälter, Witwengelder, Unterstützun- gen". Referent ist Stadtv. Lindau(Fr. Fr.). Ter Magistrat hat die Erhöhung deS Gehalts des Bürgermeisters von 20 000 auf 25 000 M. beantragt., Im Ausschuß wurde das Fehlen einer besonderen Magistratsvorlage für diese Zulage be- mängelt, worauf entgegnet worden ist,„daß der vorliegende Fall ein außerordentlicher sei, in welchem'man von einer Vorlage ab- sehen möchte". Tic Mehrheit des Ausschusses hat die Zulage bewil- ligt.— Beim Personalbesoldungsetat ist im Ausschusse eine Reso- lution zur Annahme gelangt, die den Magistrat um Erwägung er- sucht, ob die Bezüge der Aktenwagenbegleiter lanfangs täglich 3,60 M., nach einem Jahre täglich 3,90 M., nach 3 Jahren monatlich 125 M.. nach o Jahren monatlich 135 M.) im nächsten Jahre zu er- hphen sind. Stadtv. Hcimann(Soz.): Es besteht ein Gemeindebeschluß, nach dem alle Erhöhungen von Beamtengehältern nicht im Etat an- gefordert, sondern der Versammlung durch besondere Vor- kag e vorher unterbreitet werden sollen. Wir können nicht einsehen, warum hier von dieser Regel abgewichen worden ist. Im Etats- ausschuß wurde uns geantwortet, die bürgerlichen Gruppen hätten sich mit dem Magistrat verständigt. iHöri! hört!) Eine solche pri- valc Verständigung, von der wir überdies ausgeschlossen worden sind, kann für uns kein Grund für das Abweichen von der Regel sein. Während der Beratung des Etats durch den Magistrat wurde uns von dein Kämmerer offiziell mitgeteilt, der Magistrat habe be- schlössen, m diesem Jahre von jeder Erhöhung der Beamten- gehälter abzusehen und nur die dringend nötigen Erhöhungen der Arbeiterlöhnc vorzunehmen. Danach war es nicht richtig, zugunsten des Bürgermeisters eine Ausnahme' zu machen; glaubte man, das tun zu müssen, so sind in unserem großen Bcamienkörper sicherlich Kategorien vorhanden, bei denen aus guten Gründen gleichfalls eine Erhöhung der Bezüge durchaus wünschenswert oder notwendig ist. Oberbürgermeister Mermuth: Ich hoffe, Ihre Zustimmung zu finden, wenn ich mir in meiner Antwort einige Beschränkung auf- erlege:(Zustimmung.) Tic erwähnte Acußcrung des Kämmerers ist erfolgt, nachScm längst,— schon zur Zeit meines Amtsvor- gängers—, über die Erhöhung des Gehalts Beschluß gesaßt Ivar. Äch begrüße die Erhöhung und hoffe, daß auch die Mehrheit sie gerech! fertigt finden wird.(Beifall.) stadtv. Cassel CA. L.): So recht Herr Heimann hat, so können wir uns in diesem Falle nicht auf einen formalistischen Standpunkt stellen. Wir halten angesichts der Bedeutung der Stelle und der Person die Forderung fiiv gerechtfertigt. Stadtv. Rosenow iN. L.) tritt dem prinzipiellen Standpunkt HeimannZ bei, will aber ausnahmsweise und ohne Präjudiz die Erhöhung des Gehalts zugestehen. Die Erhöhung wird bewilligt. Aus dem Personalbesotdungsetat befindet sich auch der Tirek- tor de» Fach- und Fortbildungsschulwesens. Stadtv. Dr. Rosenfeld(Soz.): Direktor Dr. Grundscheid hat uns ein Büchlein zugesandt, das dem Zwecke dienen soll, Vater- ländische Gefühle zu wecken. Das Buch ist in der Absicht ge- schrieben, es unter den Fortbildungsschülern zu verbreiten. Einige stellen darin sind durchaus bedenklich, das Buch ist nicht nur tendenziös, sondern auch in chauvinistischem Sinne ge- halten. Am anfechtbarsten scheint das Kapitel:„Der deutschen Jugend zur Besinnung." Es heißt da unter anderem, daß auch jedem Volksgenossen das Recht zur Mitarbeit am Wohle' des Volkes gegeben sei: eine Einschränkung müßte doch hier bezüglich Preußens gemacht werden, wo dies dank des Drei- klassenwahlsyftcms nicht zutrifft. An anderer Stelle agitiert es f ü r d i e neuen M i l i t ä r v o r I a g e n; es wird da behauptet, das Volk werde immer bereit sein, Opfer für die Landesverteidigung aus sich zu nehmen. Der Verfasser hätte sich dazu wirklich eine andere Stelle aussuchen sollen als dieses Buch. Wie anders nehmen sich dagegen'die Reden des englischen Mcmneministers Churchill aus, die Sic heute früh gelesen haben!(Vorstcher-Stellvertreter Cassel unterbricht den Redner mit der Bemerkung, � daß dies nicht mehr zum Thema gehöre.) Das Buch enthält auch eine Aus- wähl von Gedichten: eine Stelle lautet da:„Schlaget alle W e ls ch e n tot!" Es wird dann gegen die Idee des Welt- friedens und des Weltschiedsgerichts gehetzt;„Gewiß, der Traum vom ewigen Frieden ist ein schöner Traum, der'aber immer ein Traum bleiben wird, solange die Menschen keine Engel sein werden". iVorjteher-Stellvertretcr Cassel unterbricht den Redner: er hätte zuvor um Erlaubnis zum Vorlesen der vou ihm angeführten Stellen ersuchen müssen.) In einer Zeit, wo die sozialdemokratischen Parteien aller Länder ihren Einfluß für die Friedensidce geltend machen, ist es bedauer- lich, wenn sich das frivole Treiben der Kriegshetzer auch hier findet. Aus diesen Gründen halten wir das Buch zur Verteilung nicht für geeignet; wir müssen dagegen Einspruch erheben. Stadtschulrat Michaelis: Die Ansicht, die Dr. Grundscheid hier vertritt, ist seine eigene; soweit ich ihn kenne, ist er ein Mann, der parteilos und sachlich seines Amtes waltet. Wenn er Exemplare seines Buches, zur Verfügung stellt, so ist das eine private An- gelegenheit. Wenn man auch nicht allem zustimmen kann, was er sagt, so möchte ich doch hervorheben, daß ich bis jetzt nur Gutes von ihm gelesen habe. Stadtv. Dave: Ich meine, wir haben keine Veranlassung, uns bei den Beamtengehältern weiter mit dieser Sache zu beschäftigen. Ich stehe aber nicht an, zu erklären, daß das Buch in mannigfacher Beziehung sehr ungeeignet ist, den Zweck zu erfüllen, den es erfüllen will, nämlich auf die Jugend erzieherisch zu wirken.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gerade vom Standpunkt einer würdigen Feier der Ereignisse von 1313 hat es etwas wenig Shm- päthisches, wenn diese denutzt werden, um aktuelle politische Fragen wie die Militärvorlagen unter chauvinistischen Ausfällen zu be- handeln. Sofern die Absicht bestehen sollte, dieses Buch unter die Schüler zu verbreiten, würde zuvor eine eingehende Erwägung stättzufinden haben.(Beifall.) Referent für die Etatsteile„Statistisches Amt",„Buroaudiensb gebäudc und Bureaus",„Geschäftsbedürfnisse" ist ebenfalls Stv Lindau. Einen Antrag, das Gesuch der Reinigungssrauen des Magistrats um Erhöhung ihres Tagclohnes von 2 M. dem Magistrat zur Berücksichtigung zn überweisen, hat der Ausschuß abgelehnt.~ Im Extraordinarium der„Geschäftsbedürfnisse" sind 1100 M. für Anfertigung der Photographien der mit Kassen fachen befaßten Beamten und Bediensteten ausgeworfen mit der Begrün- dung:„Die genannten Beamten sollen künftig, photographiert wer- den, um für etwaige VerfolgungSmaßnabmen ein Bild des schuldigen Beamten zur Verfügung zu haben.". Diese Begründung hat-der Ausschuß gestrichen; die betr. Beamten sollen ersucht werden, die Photographieen selbst einzureichen, Wei iqr sollen d i e st« n o gr a pH i-sche Sttzungsbericht« binnen vier Tagen nach Auslegung erschemen. und nicht.rechtzeittg.' eingehende Korrekturen: unverücksichtigt vleiben. Auch'über die Etatsteile„Kapitalien, Anleiben, Hypotheken", sowie über die..Auswendungen für gemeinnützige Ztvccke durch Per» mittlung von Vereinen" referiert Stadtv. Lindau. Für die Lese- halle der'Abteilung Berlin der„Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur"- war der bisherige Zuschuß von 5000 M. auf 3000 M. herab gesetzt worden; der Ausschutz hat einem Antrage auf Bewilligung der bisherigen 5000 M. mit der Maßgabe zugestimmt,„daß in Zu- kunft jeder Zuschuß fortfällt". Im Schlußkapitel de? Etats„Sonstiges" sind u. a. 500 000 M als extraordinäre Verstärkung des GruirdstückserwerhungSfonds an» gesetzt; ein Antrag auf Reduzierung dieses Postens um 100 000 M. ist mit Stimmengleichheit.abgelehnt worden, wobei die'Stimme des Vorsitzenden Michelet den Ausschlag gab. Die Sitzung dehnte sich noch bis in die späten Abendstunden aus. Wir werden daher den Schluß des Berichts in unserer nächsten Rummer bringen. flUis der Frauenbewegung. Neues von der Fraucnwahlrechtsbewegung in Amerika. Wieder haben sich zwei Oststaaten als Bollwerk der Rück- ständigkeit bewährt, während der Westen auf der Bahn deS Fort- i'chritts weitermarschiert. Im Landtag von Massachusetts, das auf seine Bildung jo stolz ist, wurde der Antrag, eine Volks- abstinimung über die Streichung des Wortes„männlich" in den Wahlrechtsbestimmungen der Staatsverfassung vorzunehmen, ab- gelehnt.---- Ebenso mit 89 gegen 53 stimmen in der Kammer des Staates Main e. Hier hatte der Senat schon zugestimmt, so daß auch die Bekehrung der Volkskammer zu besserer Einsicht in absehbarer Zeit erfolgen dürfte. Dagegen wurde in M i ch i g a n von beiden Hausern des Landtags das Frauenstimmrecht ange- nammen. Es unterliegt nun noch der im April stattfindenden Volksabstimmung. Ein Gericht für Mädchen. In Chicago wurde dem Jugendgericht eine besondere Kammer für Mädchen angegliedert, deren Vorsitzende und sämtliche Beisitzer Frauen sind. Man hat festgestellt, daß Mädchen oft vor Männern nicht dazu zu bringen sind, bestimmte Aussagen zu machen, während es vor Frauen ohne Schwierigkeiten geht. Die Erfahrungen der ersten Sitzung waren günstig. Nach einigen Mvnäten soll eine zusammenhängend« Darstchlüng gegeben wer- diu. Bekanntlich ist Amerika auf dem Gebiete des Jugendgerichts- Wesens wie in anderen Strafrcchtsfragen(z. B. dem Pollard- System, das bei Vergehen, die auf dem Alkohol beruhen, bei Verpflichtung auf Enthaltsamkeit probeweise Straflosigkeit ein- treten läßt) bahnbrechend gewesen. Auch diese Neuerung empfiehlt sich zur Nachahmung, womit es freilich bei uns, wo noch nicht ein» mal weibliche Schöffen oder Anwälte zugelassen sind, noch gute Wege haben wird._ Eingegangene Druchrcbnften. Bibliographie der-Iozialwissenkchaften. IX. Jahrgang. Heft 1/2. Herailsgcgcben von Professor Dr.>�. Maas. Erscheint monatlich zweimal. Jährlich 34 M. I. Springer, Berlin\V. 9. Hcercsvrrstarkung ohne Steuern. Eine stubic von Anonymus. lö s. P. Baumaini. Eharlottcnburg, Wilmcrsdorser str. 96:97. Tie drei Stufen der Erotik. Von E- Lucka. 9 M., geb. 12 M. Schuster u. Loefiler, Berlin\V. 57, Nniversalbibliothek. 5511/12. Gedichte in oberbayerischer Mundart. Von F. v. Kobell.— 55t3. Der Rubin und andere Novellen. Von F. Hebbel.— 5514. Meister Olaf. Schauspiel von A. Strwdberg.— 5515. Peter Lenz und andere Geschichten. Bon H. L. Rosegger.— 5516. Lachende Erbe» und andere Novellen. Von El Corres.— 5517/20 Die Freiheitskriege 1813—15. Von 2. Häusser. Einzelnummer 20 Pf Rcclam, Leipzig.■ 'Wenn Sie dieses Inserat mit» "bringen, gewähre bis 15. April anf Möbel and Wohnangs-Eiarichtangen Proz Ermässigung Anzahlung 1 Bettstelle 1 Matratze 1 Kleiderschrank 1 Tisch 3 St Ohle 1 K liehen- schrank 1 KOchentlscb 1 Küchenstuhl Woehm- i Cfl rate..M. J>3U Anzahlung Mark Anzahlung 1 Bettstelle 1 Matratze 1 Kleiderschrank 4 Stühle 1 Tisch 1 Spiegel 1 Konsole 1 Küchenschrank 1 Küchentiseh 2 Küchenstühle 1 Rahmen W06heV 2.00 Anzahlung rate. 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Inseriertes Obst, Gemüse, Wild und Fische können nicht zugesandt Werden, Frisches Fleisch Pa. Schmorfleisch.. Pfund 90 pf., 1.00 Fehlrippe und Brust.. Pfund 80 pr. Hamm und Querrippe. Pfund 70 pf. PöKelzungepfd. 1.25,-Brust pfd.90 pf. Talg.. Pfund 45 Pf, ausgelassen Pfd. 60 Pf. Frischer SchinKen im Ganzen Pfd. 90 pf. Schweine-Kotelettes.... Pfund 1.10 Kamm und Schuft.... Pfund 1.00 Liesen.............. Pfund 65 pf. Rüchenfett Pfund 65 pf, s Pfund 3.10 Kalbsbrust, Kamm u. Bug SO. 85 pf Kalbsbrustspitze........ pfa. 1.00 Hammeldünnung...... pfd. 75 pr. Riehe Rippe.......... Pfd. 85 pf. Kasseler Rippespeer' ganz Stpüfcdk 95 pf. Pfd. KcKstttcK bis 2 Pfund oc MlttelstücK, t\c pfd. i.ua Renntier pfd. 85 pf, Keule Rücken Blatt Ragout Pfund 1.00,1.10 80,90 60,70 25 pf Moselwein Bordeauxwein Obermoselcr..... 1911 Obermoseler 1911 Wellensteiner 1911 Langsurcr 1911 Bullayer.... 1 91 1 Senheimer.. 1911 Enklrcher.., 1911 Aldegunder Bienengarten.. 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'/, Fl. bei 10 Fl. 82 pf. 80 pt .90pf. 87 pr. 1.20 1.15 1.85 1.20 1.85 2.40 1.80 1.15 1.80 2.30 82 pr. 80 pt Tischwein '/, Fl bei 10 FL"AH bei tvFi. 1 909 Salnte Mathleu ce fi, 1 909 Sainte Barbara rot75 Pf 73 P£ vi, pf. w pr. 1 909 Aiman(Io �__ 80iif_78 pf> 1 909 Salnte Juan rot 70 pr. 68 n Fische KabeljaU odncKopf ingsnz.Piscken,Pfd. 13 Pf. Seelachs ohne Kopf in ganz. Fischen, Pfd. 15 Pf. Schellfisch Pfund 30, Zander Pfund75 pf. Grosse Bratschollen... Pfund 22 Pf. Lachs in ganzen Fischen.... Pfund 65 Pf. Grüne Heringe........ Pfund 8 pf. Lebende Spiegelharpfen Pfund 90 pr. Lebende Aale Pfund 1.05, 1.20, 1.40 Lebende Plötzen...... Pfund 45 pr. Lebende Hechte....... Pfund 1.15 Geflügel Junge Gänse____ Pfund 1.00 u. 1.20 Ungarische Poulets gefroren stück 1.65 Suppenhühner... stück 1.55 bis 2.75 Brathühner..... stück 1.55 bis 2.75 Enten.......... stück 2. 90 bis 3.40 Schneehühner........ stück 1.05 Backobst Gem. Backobst pfd. 28, 40, 50 pt. Kalif. Pflaumen pfd.18, 28, 38 pt. Kallfom. Aprikosen pfd.65, 80 pt Kaliforn. Birnenpfd.36, 45, 55 pf. Kalif. Pfirsiche Pfd. 36, 40, 50 pr. Italienische Prünellen Pfd. 80 pf. Ringäpfel..... Pfund 25, 42 pf. Saure Kirschen____ Pfund 60 pf. Kaliforn. Kirschen 0hn6p& 1.40 Olympia-Bouillon-Würfel Do.a 10 20 50 UiO 500 Stack 28 5S pt 1.35 2.60 12.40 Wurstwaren Rotwurst...... pfd. 55, 85 pf. Zwiebelwurst..... Pfund 60 pf. landleberwurst..... pra. 1.00 Feine Uberwurst... Pfand 1.20 Pasteten-Leberwurst pf°ud 1.25 Bauernmettwurst... pfm,d 1.25 Jagdwurst........ pw 1.10 Teewurst........ pw 1.25 Zervelat- u. Salamiwurst ptd. 1.35 Schinkenspeck 1.25 Mausschinken 140 Jägersalat, Fleischsalat, j D�e Schweinekopf, Delikates$iiIze|55Ff. Obst und Gemüse Kaiiforn.Aepfelpfd.25, 30,35 pt epi Amerikan. Aepfel pf°°d 18, 23 Pf. Apfelsinen... Küt« ioo Stack 6.00 Blut-ApfcIsinenotzSO, 45,70 pf. Valencia-Apfels.v- 30, 40,50 pt Mandarinen....... Pfund 28 pt Feigen..... Kistchen 35, 43 Pf. Röm.Pflaunienpfd.1.30, chln 0.80, 1.40 Sr&oa£le Getränk aus frisch. O A 9 A Zitronen Flasche 2iU u 0 V Ff. Zitronen....... cts. 35, 45 n Kanarische Bananen pfund23 pt Rhabarber....... Bond 12 pf. Spinat p?d.45,WeissKohl pfd. 10?i. Engl. Gurken.. stock 38, 43 pf. Rote Rüben..... s pfn-d 10 pl Tomaten........ ptund 25 Pf. Ital. Kartoffeln... s Pfund 25 pt Malta-Kartoffeln.. s Pfand 25 pl Blumenkohl Kopf 10, 15, 20 pr. Französ. Salat..., KSpf« 25 pl Artischocken...... stock 22 pt. Schwarzwurzeln.., Pfund 25 pf. Räucherwaren Kieler Sprotten..... pu. 50 pt Ostsccsprotten.... Pfund 35 pl Sprottbücklinge... Pfand 35 pl Makrelenbücklinge.. stock 6 pl Schleibücklinge.. stock 25 pl Kieler Bücklinge..«stock 15 PL Seelachs......... Pfund 40 pl Goldfische........ stock 9 pl Aale....... Pfund 1.20, 1.60 Sauerkohl........ Pfund Spl Sardellen. Pfund 75. 90 pl. 1.20 Matjes-Hcrlnge st 15,20,25 pl Gewürzgurken t Lite�Dow. 1.35 Ständiger Verkauf: Gebrannter Kaffee Misch. 1 II III IV V VI VII ptd. 1.40 1.50 1.60 1.70 1.80 2.00 2.20 SnAvioImic�Iinn/t bestehend aus ca. 50% pcZlalullal/Ouug gemahlenem Bohnen- AC ksffee und ca. 5(1% Kaffeezusatz. Pfund Vü Pf. DvaI aus der eigenen Bäckerei, Hamburger Dlul Art, Schlüterbrot, Korbbrot, rundes i C Landbrot, Kuchenbrot....... Laib ftJ Pf. Butter u. Käse Tischbutter........ pfundl.26 Tafelbntter pfnnd 1.36, �Sct" 69 pt Bratenschmalz____ Pfund 68 pl Pflaumenmus____ pfnnd 30 pl Gem. Marmelade M � 33 pl Limbnrgerpfd.SS, Romatonrst. 32 pl Edamer Käse..... Pfund 95 pf Holländer Käse s&nÄckßS pl Schweizer Käse..pfnnd 88 pl Tilsiter Käse coiifett. Pfund 85 pi. Bayer. Emmenthaler Pfund 1.05 Camembert-Käse...stock 20 pl Brie Pfund 80, Klosterkäse a st 25 pl Faust- und Spitzkäse � 25 pl Kuh- und Landkäse-stock 35 pr. Speise-Quark..... stock 10 pl Leipziger u. Königstrasse: Stadt-IiUche Lrieferung von Dejeuners, Diners» Soupers, Kalten Büfetts etc. Preisliste Kostenlos. UM" Ober 34,000 ähnlich lautende schriftliche Anerkennungen! Vkvlllvvvttltcher Rchakteur: Alfred Wielepp» Neukölln. Zur den cznseratenteil verantw.: Tb. Elockc, Berlin. Druck U. Verlan: Borwärtß Bllchdruckerei u. Ve rlagSanstait Paul Singer u. Co., Berlin Kr. 72. 30. Iahrgallg. 3. Icilagt des Jotmörts" Setlinet öollislilntt. ftritng, 28. Wän 1913. llm das Opfer des IPolizeirewolvers, den Urrforgezogling 3fr tur Fischer, den in der Nacht vom 25. zum 26, Angust 1912 in Berlin an der Ecke der Münz- und der Dragoncrstraße der Schutzmann Gabbcrt niederschoß, wurde gestern vor dem Amtsgericht Köpenick gestritten. Wer der unbekannte Erschossene Ivar, hatte zwar nicht die Berliner Polizei, aber seine in Oberschönelveidc wohnende Mutter durch eigene Nachsorschungen nach ihrem um jene Zeit plötzlich verschwundenen Sohn endlich im Dezember ermitteln können. Zu- nächst wollte die Polizei der Frau Fischer, trotz allem Be- Weismaterial, lange nicht glauben, daß der Erschossene wirklich ihr Sohn sei, und immer wieder wurden ihre Angaben mit unver- hohlcncm Mißtrauen behandelt. Im ,.V o r w ä r ts" ist damals mehrfach darüber berichtet worden, wie schwer der Polizei der Entschluß wurde, die Persönlichkeit des Erschossenen als sestgestelli amtlich anzuerkennen. 3luch bei der Redaktion der„N i c d e r s ch ö u c w c i d c r Nachrichten", die wohl zugleich unter dem Titel„Oberschöne- weider Tageblatt" laufen, begegnete Frau Fischer starkem Zweifel, als sie sogleich nach ihren ersten Ermittelungen hier den Sachverhalt vortrug und die Bitte hinzufügte:„eine Annonce auszunehmen". Der Redakteur, Buchdruckereibesitzcr B a u m a n n, erklärte ihr, zuvor müsse er Erkundigungen einholen, und er tat das noch an demselben Tage. In der nächsten, am Abend dieses Tages er- scbicnenen Nummer seines Blattes veröffentlichte er dann einen geschwind zurechtgemachten 3lrtikel, in dem er Frau Fischer in beleidigender Form als unglaubwürdig hin- stellte. Er erzählte: Ermittelungen der Polizei hätten ergeben, daß die Angaben der Frau„frei erfunden" seien. Sie bleibe ober bei diesen 3lngabcn und benutze sie in frivoler Weise dazu, 3lrmcnunterftützung zu beanspruchen. Um ihre Unglaubwürdigkeit darzutun, hob der Artikel noch hervor, daß sie schon wiederholt, unter anderem wegen Meineids, vorbestraft sei. Frau Fischer war erschrocken über dieses Ergebnis ihres bei den„Ädicderschöneivcider Nachrichten" gemachten Besuches. Ver- geblich forderte sie den Redakteur Baumann auf, die sie beleidigen- den Behauptungen zurückzunehmen, und auch eine Vorladung vor dem Schiedsmann blieb fruchtlos. Sie wollre Beleidig ungs- klage einreichen, doch wurde ihr Klageantrag in der Gerichts- schreiberci so zu Protokoll genommen, daß er nur den Vorwurf des Meineids rügte. Diesen Antrag wies das Llmtsgericht zurück, auf Beschwerde mutzte ihm aber stattgegeben werden. Nachträglich ließ dann Frau Fischer durch ihren Rechtsbcistand die Klage dahin ergänzen, daß auch wegen des Vorwurfs: die 3lngabcn frei er- sundcn und zu einem Anspruch auf Armenuntcrstützung benutzt zu haben, Bestrafung gefordert wurde. In der gestrigen Verhandlung bor dem Amtsgericht bemühte sich der Vorsitzende, einen Vergleich zustande zu bringen. Frau Fischer lehnte ab, weil sie zu schwer beleidigt worden sei. 3lls ihr eine Buße von 19 Mark in 3lussicht gestellt wurde, erklärte sie: ihr seien durch die ganze 3lngelcgenhcit viel höhere 3lusgaben cnt- standen. Auch verlangte sie, daß der Angeklagte Baumann die Person nenne, von der er seine beleidigenden Ltngaben habe. Baumann verweigerte das; aber sie kam immer wieder aus diese Forderung zurück, obwohl der Vorsitzende ihr wiederholt sagte: „Das kann er nichtl Das darf er nicht nach seinen Standes- anfchauungen!" Baumanns Verteidiger suchte auf die Klägerin einzuwirken, indem er ihr ankündigte: sie werde nicht hindern können, daß über die Gerichtsverhandlung nicht nur in den .�Niederschöna weider Nachrichten", sondern auch in Berliner Zei- tungcn ein Bericht erscheine, der die hier über die Klägerin zur Sprache gebrachten Dinge wiedergebe. Frau Fischer blieb bei ihrer Forderung. Nachdem schließlich in die Verhandlung eingetreten war- den war, wurden gegen den Widerspruch des Rechtsbeistandes der Klägerin ihre Vorstrafen verlesen. Eine Bestrafung wegen Mein- e i d s war nicht darunter; aber dem Gericht genügte es nicht, lediglich das festzustellen. 3luch der Verteidiger des 3lngeklagten hatte mit dieser einen Feststellung, aus die allein es ankam, sich nicht begnügen wollen und Verlesung aller Vorstrafen gefordert. Sodann bekundete ein bei der Gemeinde Obcrschönewcidc be- schäftigter Burcauassistent Rosenbaum: Frau Fischer sei schon aus Mitteln der Gemeinde unterstützt worden. Doch vermochte er nichts darüber zu sagen, daß sie den Tod ihres Sohnes zur Er- langung einer Unter st ützung auszunützen versucht habe. Also auch für diese Behauptung des Artikels war der Beweis nicht zu führen. Der Rcchtsbeistand der Klägerin beantragte, hiernach den 3ln- geklagten zu bestrafen. Der Verteidiger stellte die Behaup- tung aus: der Artikel habe nur eine 3lnsicht der Behörde wieder- gegeben. Tatsächlich habe ja die Behörde damals für festgestellt gehalten, daß der Erschossene nicht der Sohn der Frau Fischer sei. Das habe das Berliner Polizeipräsidium erklärt, versicherte er, doch verriet er nicht, woher Baumann seine Kenntnis einer solchen Erklärung erhalten hatte. Immer wieder hob er nur das hervor: Baumann sei„an absolut zu ver- lässisser und maßgebender Stelle" informiert worden, daß Frau Fischers Llngabcn unwahr seien. Uebcr den kecken Vorwurf der„freien Erfindung" schwieg er sich aus. Für den Angeklagten nahm er den Schutz des 8 193 fWahrung berech- tigtcr Interessen) in Llnspruch, weil Baumann als Zeitungsredak- teur nicht darüber habe schweigen könne», daß ihm die Darstellung der Frau Fischer als unwahr bezeichnet wurden sei. Uebrigens habe Baumann, nachdem die Berliner Polizei die Feststellung der Persönlichkeit des Erschossenen als des Artur Fischer schließlich anerkannt hatte, in seinem Blatt das mitgeteilt. In Wirklichkeit hat Baumann auch da noch den einschränkenden Zusatz gemacht: der Erschossene„scheine" Fischer zu sein. Das Gericht sprach den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn wegen Beleidigung zu 29 Mark Geldstrafe. Der Schutz des§ 193 wurde ihm nicht zugebilligt, doch bewilligte das Gericht mildernde llmstände wegen„guten Glauben s". Er hat, sagte in der Urteilsbegründung der Vorsitzende, seine Gewährs- Person nicht genannt, sich aber auf eine maßgebende Stelle be- rufen. Ob es, fügte der Vorsitzende hinzu, das Berliner Polizei- präfidmm war, können wir nicht wissen. Schade ist es doch, daß man nicht erfahren hat, wer die „maßgebende Stelle" ivar, die Herrn Baumann bedient haben soll. Wenn er glauben machen will, daß Behörden ihn so falsch informiert haben, so sollten eigentlich die in Frage kommen- den Verwaltungsstellen es für'ihre Pflicht halten, sich hierüber aufklärend zu äußern. Partei- Angelegenheiten. «. Wahlkreis. Des Umzuges wegen bleibt unser Bureau Sonnabend, den 29., und Montag, den 31. März, geschlossen. Bom Dienstag, den 1.?lpril, ab befindet sich dasselbe >1. 39, Gcrichtstr. 71, vorn 1 Treppe rechts. _ Der Vorstand. Neukölln. Die nächste Stunde des Kursus„Redenbungen" findet am Sonnabend, den 29. März, abends 8'/- Uhr, im Lokal von Bartsch, Hermannstr. 49, statt. Die Sammelliste Nr. 14913 ist verloren worden. Sollte dieselbe gefunden oder zum Zeichnen vorgelegt werden, so ist sie an das Bureau des Wahlvereins Neukölln. Neckarstr. 3, abzuliefern. Alt-Glienicke. Sonnabend, den 29. März, abends 8 Uhr, bei Rodenbusch, Rudower Str. S4, Generalversammlung. Wichtige Tagesordnung. Britz-Buckow. Sonntag, den 39. d. Mts., morgens 8 Uhr, wich- tige Flugblattverbreilung von den Bezirkslokalen aus. Adlcrshof. Heute, Freitag, abends 7 Uhr, Flugblattverbreitung von bekannter Stelle aus. Borsigwalde- Wittenau. Die Generalversammlung des Wahl- Vereins findet am 39. März in den Borsigwalder Festsälen, nacki- mittags 2 Uhr, statt. Neuwahlen sämtlicher Funktionäre. Hand- zettelverbreitung am Freitag, den 28. März 1913, abends 8 Uhr, von den' Zahlabendlokalen aus. Petershagen. Sonntag, den 39. März cr., nachmittags 4 Uhr, Generalversammlung im Lokal von Kunsch, Petershagen, Hennicken- dorfer Straße. Tagesördnung: Bericht der Funktionäre, Neuwahl der Bezirksleitung, die kommenden Landtagswahlen. Mitgliedsbuch legitimiert. Miihlenbcck, Bezirk Nieder-Schönhansen. Sonntag, den 39. März, nachmittags 4 Uhr, im Gasthof zur Sonne, Jnh. A. Bärsch, Wahl- Vereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Gemeindever- treters. 2. Bericht von der Generalversammlung des Bezirks. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Spandau. Am Sonnabend, den 29. März, abends 8 Uhr, ver- anstaltet der BildungsauSschuß im Neuen Stadttheater, Potsdamer Straße 6, einen WUHelni-Busch-Abcnd mit anschließenden, Tanz- kränzchen. Da eine Abendkasse nicht gestattet ist, wollen die Jnter- efsenten des Abends aus folgenden Verkaufsstellen Eintrittskarten zum Preise von 39 Pf. entnehmen: im Neuen Stadttheater, Potsdamer Straße 6, in der Vorwärtsbuchhandlnng. Breitestr. 64 sowie in den Zigarrengeschäften von KaSmierzak, Weinmeisterstr. 7, und Wilhelm Pieper, Metzerstr. 5. Röntgental, Zepernick, Buch. Sonnabend, den 29. März, abends '/„9 Uhr: Generalversammlung bei Marx. Tagesordnung: 1. Be- richt des Vorstandes. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Landtagswahlen._______ Berliner Nacfmcbten. Ter Stadthaushaitsctat für 1913 wurde von der S t a d l v e r o r d n e t c n v c r s a m m l u n g gestern zu Ende beraten. Zu Debatten kam es bei ver- schiedeneu Einzcletats. Für die offen e A r m e u p f l e g c beantragte die sozialdemokratische Fraltion die Einsetzung größerer Mittel für Unterstützungen. Genosse H i n tz e be- mangelte, daß hierfür die Mittel viel zu karg bemessen seien. Aber Stadtrat K a bisch versicherte stolz, die Armendirektion lasse keinen darben. Die Antröge unserer Genossen wurden von den Freisinnigen abgelehnt. Die Beträge für die Be- köstigung in den Krankenhäusern bezeichnete Genosse Weyl als zu gering. Stadtrat Selb er g erwiderte, die Kost in den Krankenhäusern der Stadt sei— das sollte kein Scherz sein!—„vorzüglich". Für die Heimstätten wünschte Genosse Weyl raschere Erledigung der Aufnahme- gcsuche. Bezüglich der Entsendung von Kindern in Heim- statten äußerte Gen. H i n tz e das Bedenken, daß die bewilligte Kurdauer zu kurz sei. Für das jetzt endlich ganz von der Stadt übernommene Rettungswesen hat der Magistrat einen Schützling des Kuratoriums der Unfallstationen zum Direktor gewählt. Stadtverordneter I s a a c und Genosse Weyl bedauerten diese Wahl, von der Mißhelligkeitcu mit den Aerzten zu erwarten seien.(Äegen die Erhöhung des B ü r g e r m e i st e r g e h a l t s, die ohne weiteres in den Etat eingestellt worden ist, sprach Genosse Heimann. Wolle man Beamtengehälter erhöhen, so sei das doch wohl bei anderen Beamtengritppen eher nötig. Die Freisinnigen hatten gegen die 3009 M. Gehaltszulage für den Bürger- meister nichts einzuwenden und bewilligten sie ihm. Beim Personalbesoldungsctat wurde eine vom Direktor des F o r t b i l d u n g s s ch il l w e s c n s verfaßte Jubiläums- schrift, die in chauvinistischer Kriegshetze sich ergeht, von unserem Genossen R o s e n f e l d niedriger gehängt. Mit An- gestellten der R i c s e l g ü t e r hat der Magistrat Dienst- Verträge abgeschlossen, durch die sie der Wohltat des 8 610 des Bürgerlichen Gesetzbuches beraubt werden. Genosse Stadt Hagen geißelte dieses Verfahren, das von auti- sozialem Empfinden diktiert sei und dem Gesetz zuwiderlaufe. Auch die Bestimmungen über das Recht der Entlassung seien so, daß sie die Angestellten in ein unwürdiges Hörigkeitsver- hältnis bringen. Stadtrat A l b e r t i behauptete, die Sache werde in„allerhumanster Weise" gehandhabt. Beiin Etat der P o l i z e i k o st e n brachte Genosse R o s e n f e l d zur Sprache, wie die proletarische Jugend- bewegung durch die Polizei drangsaliert wird. Er schilderte ihr Vorgehen gegen die Jugendversammlungen, die der Auflösung verfielen, und die in den Straßen ausge- führten Attacken gegen heimgehende Versammlungsbesucher. Die Freisinnigen zeigten, daß sie für diese Klagen sehr wenig Verständnis haben, wenn es sich um die proletarische Jugend handelt. Zur S ch l u ß a b sti m m un g über de u Etat erklärte Genosse H e i m a n n. daß die sozialdemo- kratische Fraktion mit der Zurechtmachung dieses Etats rncht einverstanden sein könne. Sie stimmte gegen den Gesamt- etat. Die Freisinnigen besiegelten die Festsetzung des Ge- samtetats diesmal nicht durch das übliche„Bravo!". Sie fühlten wohl selber, daß mit dieser Leistung kein Staat zu machen ist._ Arbeiterfragen in der Tiefbaudeputation. Die letzte Sitzung der Tiefbaudeputation hatte sich unter anderm auch mit Arbeiterfragen zu beschästigen. Zunächst war von unser» Genossen beanttagt worden, auf Grund einer Eingabe der städtischen Arbeiter, für alle im Tiesbau beschäftigten Arbeiter einen Arbeiter- ausschutz zu bilden. Bisher besteht ein solcher nur für die auf den Steinlagerplätzen beschäftigten Arbeiter. Nun werden aber in ver- schiedenen Tiefbauämtern Chausieearbeiter und Arbeiter bei den Ver- Messungsämtern beschäftigt. Diese Slrbeiter haben keine Möglichkeit, ihre Interessen durch einen Ausschuß zur Geltung zu bringen; es sei deshalb zweckmäßig, einen Ausschuß für die drei Llrbeiter-Kate- gorien zu bilden. Es kämen 48 Ehausseearbeiter und 24 bei den Bennessungsarbeitcn beschäftigte Arbeiter in Frage. ES wurde entgegnet, daß die genannten Slrbeiter sehr weit vonein- ander beschäftigt seien, da eine Anzahl auf der Saatwinkler, andere auf der Treptower Chaussee arbeiteten; dasselbe treffe auch für die VermessungZarbeiter zu; auch seien die Interessen zu ver- schieden. Deshalb sei Abstand genommen worden von der Bildung eines besonderen Ausschusses und der Magistrat habe dem zu- gestimmt. Obwohl von unseren Genossen nachgewiesen wurde, daß die angeführten Ablehnungsgrllnde nicht stichhaltig seien, wurde der Llntrag auf Schaffung eines einheitlichen Ausschusses für den Tief- bau abgelehnt. Dieser Standpunkt ist in keiner Weise mit der Magistratsverfügung, die im November über die Bildung von ArbeiterauSschnssen erlassen worden ist, im Einklang zu bringen. Ein anderer Antrag unserer Genossen bezog sich darauf, in die Verträge mit Unternehmern, denen städttsche Arbeiten ü berttagen werden, eine Klausel aufzunehmen, nach der die Unternehmer verpflichtet sind, tariflich festgesetzte Löhne und da, wo Tarife noch nicht bestehen, ortsübliche Löhne zu zahlen. Auch sollen die Baubeanrten gehalten sein, ihre Kontrolle nicht nur nach der technischen Seite, sondern auch nach der sozialen Seite hin auszudehnen. Der Antrag wurde mit dem Hinweis bekämpft, daß für die Vergebung von Arbeiten Gemeindebeschlüsse beständen, welche eine Deputation nicht einseitig abändern könnte. Hiernach solle cs bei Vergebung von städtischen Arbeiten so gehalten werden, daß die Slrbeiten an Unternehmer vergeben werden, die in der Unternehmer- liste ständen. Und in die Unternehmerliste sollen nur Firmen ans- genommen werden, die allerdings �tariflich festgesetzte Löhne zahlen. Es sei also nur notwendig, bei Aufnahme von Firmen in die Unternehmerliste auf diese Bestimmung zu achten. Eine weitere Konttolle könne die Verwaltung nicht ausüben. Stelle sich heraus, daß eine städtische Arbeiten ausführende Firma die geforderten Bedingungen nicht erfülle, so könne sie aus der Unternehmerlisie gestrichen werden. Unsere Genossen legten dar, daß ihr Antrag sehr wohl mit den Gemeindebeschlüssen im Einklang zu bringen sei und daß eine Kontrolle über die Erfüllung der Vertragspflichten dttelt notwendig sei. In der Abstimmung wurde der Llntrag aber abgelehnt. Ein anderer Beschluß bezieht sich auf die Bezahlung der Nacht- arbeit und der Ueberstunden. Nach den bisherigen Bestimmungen wird die Tagesarbeit in die Zeit von 7 Uhr morgen? bis 7 Uhr abends gelegt. während bei der Hochbauverwaltung um 6 Uhr die. regelrechte Tagesarbeit endet. Es wurde beschlossen, in der Tiefbanverwaltung in gleicher Weise wie in der Hochbau- Verwaltung zu Versahren und in Zukunft in die Verträge die Be- stimmung aufzunehincn, daß nach 6 Uhr abends die Ueberstunden bei Tagelohnarbeiten mit 25 Prozent und nach 19 Uhr die Nacht- arbeit mit 50 Prozent Aufschlag bezahlt werden muß. Zur Landtagswahl wird mitgeteilt, daß Personen, die gegen die Richtigkeit der Wähler- liste Einspruch erhoben haben, mit diesem Einspruch abgewiesen sind unter anderem mit der Begründung, daß sie nicht sechs Monate am Orte wohnten. Eine Reihe solcher Wähler erfüllen aber diese Bee dingung. Es. ist ihnen nun aufgegeben worden, dem Wahlbureall den Nachweis durch Erbringung einer polizeilichen Bescheinigung zu liefern. Verschiedene Polizeireviere hätten aber abgelehnt, eine solche Bescheinigung zu erteilen. Diese Wähler sind nuu in Ver- legenheit; sie wissen nicht, wie sie der Aufforderung deS WjahlbureauS Folge leisten sollen. Nicht jeder hat die polizeiliche Bescheinigung von früher noch zur Hand. Außer- dem melden vielfach die Hausbesitzer ihre Mieter polizeilich an und lassen sich in ihrem Mieterverzeichnis die polizeiliche Be- scheinigung einstempeln. DaS Wahlbureau wird unter solchen Umständen nicht umhin können, in den Fällen, in denen eine polizeiliche Bescheinigung über die Aufenthaltsdauer nicht beigebracht werden kann, den Miets- kontrakt oder eine Bescheinigung des Hauswirtes als Nachweis ge> niigen zu lassen. Das Automobilunglück am Schlesischcn Busch. Die von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Untersuchung der Automobilkatastrophe in der Schlesischen Sttaße ist gestern vor- mittag abgeschlossen worden. Die Ermittelungen, die von Sach- verständigen vorgenommen worden sind, haben ergeben, daß der Zusammenstoß zum Teil auf einer Verkettung unglücklicher Um- stände beruht. Es ist festgestellt worden, daß der Kutscher des Milchwagens, anstatt, wie eS die Vorschrift verlangt, scharf an der Bordschwelle zu fahren, um anderen Wagen zum Ueberholen Gelegenheit zu geben, sich etwa in der Mitte der rechten Seite nahe den Straßenbahnschienen hielt. Dadurch verringerte sich der Abstand zwischen dem Fuhrwerl und der Straßenbahn um etwa zwei Meter. Llls nun der Chauffeur Kövling durch die recht uuüber- sichtliche Kurve an der Treptower Chaussee kam, bemerkte er den Milchwagen etwa 69 Meter vor sich. Die Strecke reichte bei der übermäßig schnellen Fahrt der Kraftdroschke nicht mehr aus, um das Fahrzeug mit der anormalen Belastung zum Halten zu bringen. Hätte Kövling scharf gebremst, wäre das Auto ins Schleudern ge- raten und hätte umstürzen können. Deshalb versuchte der Führer den Milchwagen auf der rechten Seite an der Bordschwelle zu über- holen. Im letzten Augenblick lenkte der Milchwagen, dessen Kutscher das Herannahen des Slutomobils gehört hatte, nach rechts herüber und Kövling mußte nun, wenn er nicht auf den Bürgersteig geraten wollte, die Steuerung scharf nach links herumreißen. Bei dieser kurzen Kurve in schneller Fahrt geriet das Hinterteil deS Autos ins Schleudern, da das Chassis den Bewegungen der Vorderräder nicht folgte, sondern sich vielmehr in den Gelenken des vorderen RäderpaareS drehte. Diesem Schleudern hätte der Chauffeur durch sofortigen Einschlag des Steuerrades nach der anderen Seite begegnen müssen. Die Entfernung des Kraftwagens von der Straßenbahn war jedoch so gering, daß ein Parieren nicht mehr möglich war. Das Befinden der in den Krankenhäusern Bethanien und am Urban untergebrachten Fahrgäste hat sich im Laufe der letzten Nacht in erfreulicher Weise gebessert. Wenn die Verletzungen der einzelnen auch ziemlich schwere sind, besteht doch bei keinem der Verunglückten Lebensgefahr mehr.__ Ein neuer Messerstecher in Berlin. Ein eigenartiger Messerstecher ist seit einiger Zeit im Berliner Tiergarten aufgetaucht. Es dürfte bekannt sein, daß das Erpresser- tum, das sich den§ 17ö des Strafgesetzbuchs zunutze macht, in allen Großstädten Europas, nicht zum wenigsten in der Welt- stadt Berlin, in ausgedehntem Maße sein Unwesen treibt. Der Chef eines Berliner WelthandlungShauses, ein Komoz-rzienrat. wurde vor einigen Jahren von derartigen Banditen in den Tod ge» hetzt. Ein alter Landgerichtsdireltor, Vorsitzender einer BreS- lauer Strafkammer, wurde von einer internationalen Er- Presserbande um Amt und Vermögen gebracht. Ein stein- reicher Fabrikbesitzer am Oberrhein wurde durch den Radfahrer Breuer, einen berüchtigten Berliner Zuhälter in den Tod getrieben, vielleicht auch, wie die Trierer Geschworenen annahmen, von Breuer ermordet, nachdem letzterer seinem Opfer das gesamte Vermögen, über eine Viertelmillion Mar! abgepreßt und das Geld in Berlin und Köln mit Halbweltlerinnen in unsinnigster Weise vergeudet hatte. Noch immer soll daS Erpresscrtum, insbesondere seit den Moltke- Horden- und Eulenburg- Prozessen, trotz aller harten Bestrafungen sich geradezu in unheimlicher Weise geltend machen. Seit einiger Zeit droht den einsamen Spazier- gängern im Berliner Tiergarten eine noch schlimmere Gefahr. In der Nähe deS im Tiergarten gelegenen Goldfischteiches taucht in den Abendstunden, sobald sich die Schatten der Nacht in die Riesenstadt gesenkt haben, ein hübscher, bartloser Mensch, im Alter von etwa 20 Jahren auf. Der junge Mann ist elegant und schick gekleidet und hat wcltstädtische Manieren. Er soll keineswegs den Eindruck eines anormal Veranlagten oder eines männlichen Pro- stituierten machen. Mit einem bezaubernden Lächeln soll er eS verstehen, sich einsamen Spaziergängern zu nähern und sie zu einer Unterhaltung auf einer etwas verborgen stehenden Bank einzuladen. Während der angenehmsten Unterhaltung verzerrt der junge Mann, ohne ein Wort zu sagen, plötzlich das Gesicht, die Augen blicken un- heimlich und mit einem aus der Hosentasche hervorgeholten etwa 30 Zentimeter langen Dolchmesser sticht der Unhold seinen Nachbar in irgendeinen Körperteil, zumeist in den Bauch, wenn es dem be- treffenden Herrn nicht gelingt, sich rechtzeitig zu flüchten. Einige der Ueberfallenen haben es unterlassen, Anzeige zu erstatten, weil sie befürchte», öffentlich kompromittiert zu werden. Eine Anzahl der Ueberfallenen hat jedoch Anzeige erstattet, die Polizei ist daher aufs eifrigste bemüht, den Unhold, der wahrscheinlich, ähnlich wie die Zopfabschneider, an einer krankhaften Veranlagung leidet, festzu- nehmen. Es ist bisher nicht bekannt geworden, daß der unheimliche Mensch auch den Versuch unternommen hat, Personen weiblichen Geschlechts, oder Männliche, die seiner Einladung nicht gefolgt sind, zu stechen. Irgend eine Geldforderung hat der junge Mann auch nicht gestellt. Der Polizei soll es bisher nur gelungen sein, zu ermitteln, daß der eigenartige Messerstecher in Charlottenburg wohnt. Weitere Ausdehnung des Sperrbezirks für Hunde. Amtlich wird berichtet: Nachdem im Institut für Jnsektions- krankheiten bei den Impftieren Tollwut festgestellt worden ist, hat sich der Regierungspräsident von Potsdam veranlaßt gesehen, den Sperrbezirk für Hunde auch auf die Vororte Grunewald, Schmargendorf. Friedenau, Steglitz, Südende, Tempelhof, Marien- dorf, Britz und Treptow, und serner auf die im Nordosten Berlins gelegenen Vororte auszudehnen. Die Ausdehnung des Sperr- bezirks dürfte— wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen— noch eine weitere Verschärfung erfahren, als auch alle die Vororte einbegriffen werden sollen, die im Bereiche der Stadtbahn liegen, da in zahlreichen Fällen die Hundebesitzer nach einem Ausflug in einen außerhalb des Sperr- bezirks belegenen Vorort ihre Hunde ohne Maulkorb und Leine frei umherlaufen ließen und sich daraus zahlreiche Unzuträglichkeiten und Beschwerden entwickelten. Im Anschluß an diese Veröffentlichung sei nochmals auf die Symptome aufmerksam gemacht, die bei Hunden auftreten, welche von der Tollwut befallen worden sind. Bei den Tieren stellt sich eine vollständige Aenderung ihres bisherigen Benehmens ein. Friedliche, ruhige Hunde werden mürrisch, aufgeregt, miß- trauisch und verkriechen sich gern. Zweitens zeigt sich eine Aenderung ihres Appetits. Sie verschmähen ihr ge- wohntes Futter und bekunden die Neigung, unverdauliche Gegenstände zu verschlucken. Nach erwa zwei Tagen stellt sich der Drang ein. aus ihrer Umgebung zu entweichen und große Weg- strecken zurückzulegen. Sie scheuen sich nicht, fremde Gehöfte zu betreten und zeigen gesteigerte Beiß- sucht, die sich gleichmäßig auf Menschen und Tiere, wie auch auf leblose Gegenstände erstreckt. Auch die Stimme verändert sich und nach 3—i Togen machen sich Lähmungs- erscheinungen bemerkbar, die zunächst die Schlingorgane be- fallen, so daß die Tiere dauernd speicheln, den Unterkiefer herab- hängen und die Zunge zum Maule heraushängen lassen. Dann werden auch die Hinteren Gliedmaßen von dieser Lähmung ergriffen und nach weiteren ö— S Tagen tritt der Tod ein. Fliegerunfall in Johannisthal. Von einem Mißgeschick wurde gestern vormittag der Flieger Stoephasius betroffen. Als er aus einer Rumplertaube von der Ballonhalle nach dem Schuppen zu fliegen wollte, wurde er von heftigen Wen gepackt, die die Maschine niederdrückten. Der Flieger vermochte den Eindecker kurz vor dem Zaun zwar noch einmal hochzureißen, wurde jedoch nach wenigen Metern wiederum niedergedrückt und stürzte in den Wald, wobei eine Kiefer umgerissen wurde. Die Maschine, die völlig in Trümmer ging, gelangte schließlich auf den Boden, so daß Stoe- phasius und sein Fluggast sich ohne fremde Hilfe aus den Trüm- mern zu befreien vermochten. Der Führer hat eine Verletzung im .Gesicht davongetragen, die jedoch ungefährlich sein dürfte. Ein»Exportgeschäft", das gerückt ist, wird von der Kriminal- Polizei gesucht. In dem Hause Potsdamer Str. 56 mieteten zum 1. Februar d. I. zwei Männer, die sich Max Schönig und Rudolf Schiel nannten, im zweiten Stock zwei Räume, um darin, wie sie sagten, das Bureau eines Exportgeschäftes in Lebensmitteln zu errichten. Das neue Geschäft zeichnete M. Schönig u. Co. Max Schönig suchte sich bei dem Hauswirt in ein günstiges Licht zu stellen. Zu dem Zweck erzählte�cr auch, daß er mit dem Inhaber der bekannten Kassechandlung Schöning verwandt sei. Ter Wirt glaubte das ohne weiteres und dachte gar nicht an den Unterschied in den beiden Namen. Die Firma mietete die Räume auf ein Jahr, bezahlte aber nur für jeden Monat im voraus. Am 17. März zog ein anderer Mieter aus dem Hause weg. Erst später entdeckte der Hauswirt, daß auch das„Exportgeschäft" mit seiner ganzen Einrichtung verschwunden war. Schönig u. Co. hatten alles, was nicht niet- und nagelfest war, weggeschafft. Sie hatten die Ge- lcgenheit des anderen Umzugs geschickt benutzt, um zu„rücken". Nach und nach erschienen jetzt Leute beim Hauswirt, um sich nach dem Verbleib des Exportgeschäftes, dessen Türen sie verschlossen fanden, zu erkundigen. Sei klagten ihr Leid, daß sie geliefert hätten, ohne Geld zu bekommen: der eine Lebensmittel, der andere Kunstblätter, ein dritter Zigarren usw. Die Lieferanten der Kunstblätter, eine Leipziger Firma, hatte sich, wie ihr Vertreter mitteilte, zur Vorsicht an ein Austunftsburcau gewandt, aber auch sich vor Schaden nicht gerettet. Die Auskunft hatte berichtet, daß Schönig persönlich schon ein Vermögen von 50 000 M. besitze. Zu den Geprellten gehört auch eine Schreibmaschinenhandlung, die dem neuen Geschäft vier Maschinen auf Probe überlassen hatte. Auch diese sind mit der ganzen Einrichtung verschwunden. Sie sind allein 1750 M. wert. Ob die verschwundenen Geschäftsinhaber ihre richtigen Namen angegeben haben, steht noch dahin. Welchen Umfang die Schwindeleien in der kurzen Zeit des Betriebes an- genommen haben, ist auch noch nicht aufgeklärt. Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Arbeitswagen und einem Straßcnbahnzuge, bei dem zwei Personen verletzt wurden, kam es am Mittwochabend gegen'A7 Uhr am Kriminalgericht in der Rathenower Straße. Dort versuchte der Führer eines Last- Wagens der Firma Heinemann aus der Schulstraße, kurz vor einem in der Richtung nach Schöneberg fahrenden Straßenbahntoagen der Linie 23 das Gleis zu kreuzen. Obwohl der Straßenbahn- führer nach Kräften bremste, wurde der Wagen doch so heftig an- gefahren, daß der Kutscher�Wilhclm Rotlack und der Mitfahrer Richard Engel von ihren Sitzen geschleudert wurden und bcsin- nungslos auf dem Straßenbahndamm liegen blieben. R. hatte eine klaffende Kopfwunde, E. einen Bruch des linken Oberarmes und Quetschungen davongetragen. Während der Kutscher, nachdem ihm von einem in der Nähe wohnenden Arzt ein Verband an- gelegt worden war. auf seinem Posten verbleiben konnte, mutzte der Mitfahrer nach dem Krankenhaus Moabit geschafft werden. An dem Straßenbahnwagen wurde der Vorderperron stark be- schädigt. Durch den Zusammenstoß wurde eine Störung von 10 Minuten verursacht. Im Grunewald erschossen aufgefunden wurde am Mittwoch ein junger Mann, der seinem Aeußeren nach den besser gestellten Kreisen angehört zu haben scheint. Der Tote, der sich im Jagen 101 durch einen Schuß in den Kopf tötete, hatte keinerlei Papiere bei sich, aus denen man seine Persönlichkeit hätte ersehen können. Die Leiche wurde nach der Halle in Schildhorn gebracht. Der Unbekannte ist ungefähr 25 Jahre alt und mittelgroß, hat dunkelblondes, krauses Haar, einen blonden Schnurrbart, ein blasses, mageres Gesicht, etwas abstehende Ohren, sehr kleine Hände und Füße und wohlgepflegte Fingernägel und trug einen Ueberzicher, ein blaues Jackett und Weste, hellgestreifte Hosen, schwarze Schnür- stiefel mit Gummiabsätzen und einen Kneifer. Sein Selbstbinder hat violette Punkte._ Vorort- jNachricbtem Charlottenburg. Die Nrwählerlisten zur Laudtagswahl werden in Charlottenburg vom Sonntag, den 13. April(einschl.) ab 3 Tage lang im Wahlbureau, Lützower Str. 8a, ausliegen, und zwar am Sonntag von 10—3 Uhr, an den übrigen Tagen von 10—8 Uhr. Die Wahlzeiten sind folgendermaßen fest- gesetzt: Für die 1. Abteilung nachmittags von 3—4 Uhr, für die 2. Abteilung von 4—5 Uhr und für die 3. Abteilung von 5— 8 Uhr. Neukölln. Im Bett erstickt ist am Mittwochnachniittag daS fünf Monate alte Söhnchen Edmund des Kutschers Götze aus der Leylestr. 8. Frau Götze hatte ihre beiden Kinder, den kleinen Edmund und das 4Jahre alteTöchterchenGertrud, in ein Bettchen schlafen gelegt. Nachdem beide«ingeschlafen waren, entfernte sich die Mutter, um einige Be- sorgungen zu machen. Als sie um 4 Ubr zurückkehrte, fand sie ihre Tochter Gertrud noch fest schlafend vor, während der kleine Edmund tot war. Sie rief sofort einen Arzt herbei, der nur noch feststellen konnte, daß das Kind erstickt sei. Die Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schauhause in Berlin überwiesen. Ein Zopfabschneidcr soll wieder einmal aufgetreten sein. Bei der hiesigen Kriminalpolizei wurde die Anzeige erstattet, daß der 11 Jahre alten Schülerin Erna Grunwald au? der Hobrechtstraße der rechte Zopf abgcschnitteu worden sei. Der Täter habe dem Mädchen, als es auf dem Rummelplatz in der Urbanstr. 72 vor einer Ringkämpferbude stand und den Anpreisungen des Ausschreiers zu- hörte, von ihren beiden starken Zöpfen den rechten abgeschnitten, ohne daß diese davon etwas bemerkt habe. Erst durch andere Mädchen sei sie auf das Fehlen des einen ihrer Zöpft aufmerksam gemacht worden. Da sich die in letzter Zeil gemeldeten Fälle in Neu- lölln alle als erdichtet erwiesen haben, werden auch die Angabe» dieses Mädchens genau nachgeprüft. Petershagen bei Fredersdorf. Die letzte Gemeindevertretersitzung befaßte sich zunächst mit der Festsetzung des Etats für 1913/14; derselbe ist in Einnahme und Ausgabe auf je. 26 850,76 M. festgesetzt. Vermögen hat die Gemeinde 69 740,12 M.. welchem eine Schuldenlast von 40 516 M. gegenüber steht. Erwähnt sei, daß auch bei dem jetzigen Etat wiederum für Synodalkosten 395 M. und als Miete für die Pfarrerwohnung 400 M. vorgesehen sind, obwohl diese Posten im neuen Rechnungsjahr nichts mehr zu suchen haben, da ab 1. April dieses Jahres Kirchensteuer erhoben werden.— Beim zweiten Punkt, das Kreiswafferwerk betreffend, wurde mitgeteilt, daß der Preis für das Wasser eine Herabsetzung gefunden hat, desgleichen auch die Festsetzung des Mindestverbrauchs. Bei der Vergebung des Leichenhallenbaues entspann sich eine lebhafte Debatte. Unsere Genossen wollten auf keinen Fall die Arbeit wieder an den Unter- nehmer und Gcmeindevcrtreter Paul Lindholz übertragen wissen, da die Gemeinde beim Schulhausbau, welchen der Herr ausgeführt hat, nicht so bedient wurde, wie vertraglich dies festgelegt war. Ferner wurde von unseren Genossen die Frage aufgeworfen, ob der Unternehmer seinen Arbeitern auch die tariflichen Löhne zahle. Diese Frage hatte den Schöffen Breseckc vom Dudel so verschnupft, daß er ausrief:„Was geht es uns an, wie der Unternehmer seine Arbeiter bezahlt!".— Ein Antrag, dem Schulgrundstück durch Er- richtung eines eisernen Torweges einen besseren Zugang zu schaffen, wurde angenommen; aber auch hier waren die beiden Schöffen und drei bürgerliche Vertreter dagegen. Das Schulgrundstück selbst soll noch jetzt eine entsprechende Bepflanzung erhalten. Gerickts-Leitung. Spielerprozeß Stnllmann und Genossen. Zweiter Tag. In der gestrigen Sitzung wurden noch eine Reihe Jllustrations- fälle erörtert. Die Verteidigung beantragte, von einer solchen Er- örterung abzusehen und lediglich den zur Anklage gestellten Fall Dippc zur Verhandlung zu bringen. Dieser Antrag wurde abge- lehnt, weil aus dem Verhalten der Angeklagten in den sogenannten Jllustrationsfällen Rückschlüsse auf ihr Verhalten im Fall Dippe zulässig sind. Von den Fällen mögen folgende Erwähnung finden: I. Oberleutnant Beckhaus wurde in London mit einem Falsch- spieler Pauly bekannt, durch diesen mit Gras Metternich und einem Spieler Newton. Newton stellte ihm Stallmann als Baron Korff- König vor. Stallmann lud Beckhaus zu einem Diner ein. Daran schloß sich ein Spiel Rouge et noir an. Beckmann verlor 7100 M., stellte hierüber einen Schein aus, bezahlte aber nicht. Stallmann bestreitet entschieden, daß falsch gespielt sei. 2. Der Hauptmann Freiherr von Fürstenbcrg wohnte im Januar 1908 in Rom in einem deutschen Hotel. Als er eines TageS zum Rennen fahren wollte und sich bei dem Portier erkun- digtc, wurde er von dem ihm wildfremden Angeklagten Cramer an- gesprochen, der sich als„von Cramer" vorstellte und ihm zurief: „Ich fahre auch zum Rennen, da können wir ja zusammen fahren." Als von F. acht Tage später nach Florenz fahren wollte, kam„von Cramer" im letzten Augenblick, als sich der Zug schon jn Bewegung gesetzt hatte, an und mit ihm ein zweiter Herr, der sich als Buch- Händler Maringer vorstellte. Unterwegs kamen alle drei ins Ge- sprach und stiegen dann auch in Florenz in demselben Hotel ab. In einer Pilsener Bierstube kam dann zufällig der angebliche Minenbesitzer Pauly aus Afrika hinzu, der die Herren zum nächsten Tage zu einem Diner in seinem Hotel einlud. Bei diesem Diner offerierte Pauly dem Herrn von F. eine Zigarre, die ihn. wie er später angab,„ganz duselig" machte. Plötzlich waren dann Karten auf dem Tisch und Pauly erklärte ein Spiel„Häufeln", welches angeblich in Afrika gespielt werde. Bei dem Spiel gewann von F. stets kleinere Sätze, während er größere verlor und schließlich an Pauly 16 000 Lire schuldete. Nunmehr mischten sich auch„von Cramer" und Maringer wieder ein und erboten sich, die Angelegenheit zu ord- nen. Wie von Fürstetiberg später angab, habe er sich nach jener Zigarre die ganze Nacht hindurch unwohl gefühlt, ebenso auch noch den nächsten Tag hindurch. Am nächsten Tage erklärte Maringer, daß er die Sache mit Pauly geordnet habe und legte dem Zeugen von F. einen Wechsel über 13 000 M. vor, den von F. auch unterzeichnete. Cramer erklärt die Geschichte von der Zigarre für eine Fabel. Fürstenbcrg habe schließlich 2000 bis 3000 M. bezahlt. 3. Bei dem dritten Fall sollen präparierte Austern eine Rolle gespielt haben. Im Juli 1906 befand sich der Leutnant von Western- Hägen im Hotel Imperial in Ostende. Eines Tages drängte sich Maringer an ihn heran und begann mit ihm ein Gespräch, in welchem er ihn aufforderte, am Nachmittage mit zu einem Rennen zu kommen, welches er in Begleitung eines Herrn von Cramer be- suchen wollte. Am Nachmittage gesellte sich auch noch der Minen- besitzer Paüly. der ebenfalls zu den Falschspielern gehört, zu ihnen. Am nächsten Tage wurde in einem Restaurant neben dem Kursaal ein schon vorher bestelltes Frühstück eingenommen, welches auf dem Tisch stand. Wie von Westernhagen behauptet, ist er an- scheinend durch irgendwelche Beimischungen z« den Speisen, ins- besondere zu den Austern, in einen Zustand verminderten Bewußt- seinS verfallen. Er erinnert sich, daß seine Herztätigkeit ohne erkennbare Ursache ganz plötzlich äußerst beschleunigt wurde. Wie die Anklage behauptet, sei auch hier genau wie in dem Falle von von Fürstenbcrg die anscheinend schon vorher als Stichwort verab- redete Frage an Pauly gefallen, was man denn eigentlich in Afrika spiele, darauf zeigte Pauly das„Häufele"-Spiel. Plötzlich war das Spiel auch im Gange und in sehr kurzer Zeit verlor von Westernhagen allein an Pauly 2980 Frank, über welche Summe er einen Wechsel ausstellen mußte. Wie von W. angibt, habe er erst später im Coupe seine physische Bewegungsfreiheit wieder- erlangt, anscheinend sei er durch irgendeine Beimischung zu den Speisen oder durch Hypnose in jenen Zustand gebracht worden. Aus eine Frage des Borstocnde», was er zu der Behauptung deS von W. bezüglich der Austern sage, erklärt Cramer: DaS ist ja kompletter Unsinn. 4. Ein anderer JllustrattonSfall, dessen Erörterung längere Zeit in Anspruch nimmt, wird von der Anklage so dargestellt: Ein Gutsbesitzer Seydl habe intimen Verkehr mit einer gewissen Anna Moll gepflogen, die er von früher her kannte. Plötzlich sei „von Cramer" auf der Bildfläche erschienen, habe sich als„Ehe- gatte" der Moll vorgestellt und von ihm 10 000 M. erpreßt. Die Zahlung sei in zwei Wechseln erfolgt, deren letzter von der Bei- treibungszentralc Fandreyer in Düsseldorf präsentiert wurde. Später sei die Erpressung weiter fortgesetzt worden, eS sei behauptet worden, die Anna Moll sei in andere Umstände gekommen, der Angeklagte habe gedroht, Herrn Seydl wegen Verbrechens gegen keimendes Leben anzuzeigen und so sollen dann weitere 36 000 M. erpreßt worden sein. Angeklagter Cramer erklärt diese ganzen Angaben von Anfang bis zu Ende für unwahr. Richtig sei nur, daß er mit der Moll in Beziehungen gestanden habe; sie habe ihm im Jahre 1909 dem Seydl in Aachen als ihren neuen Freund vorgestellt. Nach Besprechung dieses Falles wendet sich die Verhandlung dem wirklichen Anklagefalle zu, dem Falle von Dippe, der schon in dem Prozesse Buies-Metternich ausführlich erörtert worden ist. Dieser Fall hat sich etwa wie folgt abgespielt: Der jetzige Oberleutnant v. Dippc, der früher in Stendal bei den Husaren und dann bei den Königshusaren in Bonn stand, wurde durch Ver- Mittelung des damals noch aktiven Niemela, der damals an der Prinz-Heinrich-Fahrt teilnahm und gerade im Hotel„Fürstenhof" in Berlin wohnte, nach Berlin gelockt, um eine geschäftliche Besprechung hier abzuhalten. Buics, der Herrn v. Dippe schon früher flüchtig kennen gelernt hatte, soll denselben Zug wie Herr v. Dippe benutzt. sich ihm im Speisewagen vorgestellt haben und mit ihm zusammen in Berlin angekommen sein. Hier soll sich Stallmann zu ihnen ge- scllt und als Baron König vorgestellt haben und alle drei sollen nach dem„Fürstenhof" gegangen sein, um gemeinschaftlich zu früh- slücken. Dort soll dann der Angeklagte Nj�mela hinzugekommen fein und so getan haben, als ob er Stallmann und Buies gar nicht kenne. Der Kaffee wurde dann auf Niemelas Zimmer eingenommen und dort kam es zum Spiel Rouge et noir, zunächst zwischen Buies und Stallmann, dann aber beteiligte sich auch Herr v. Dippe. Der Enderfolg soll gewesen sein, daß Herr v. Dippe sowohl als auch Stallmann 80 000 M. an Buies verloren hatten; beide hatten auf Stallmanns Anregung gemeinschaftlich die Bank gehalten. Es wird behauptet, daß Herr v. Dippe sich in animiertem Zustande befunden und nicht erkannt habe, daß mit ihm falsch gespielt worden sei. Als das Spiel abgebrochen wurde, hat Stallmann die Karten zerrissen. Tic Angeklagten bestreiten, in solcher Weise vorgegangen zu sein, wie die Anklage behauptet, und widersprechen in vielen Punkten den Aussagen, die v. Dippe im Buiesprozetz gemacht hat. Niemela erklärt, weder Buies noch Stallmann habe er für Falsch- spieler halten können. Als er den Wron König in Paris besuchte, habe er in seiner luxuriös ausgestatteten Wohnung die vornehmste Gesellschaft, darunter einen deutschen Prinzen eines regierenden Hauses, angetroffen; die Schwiegermutter des Barons König sei eine sehr vornehme Dame und er selbst, damals 25jährig, habe eine Dame aus der vornehmsten Gesellschaft zu Tisch führen dürfen. Wenn jemand mit einem deutschen Prinzen verkehrt, so könne er ihn doch unmöglich als Falschspieler einschätzen. Er habe dies auch keineswegs getan. Bei der Vernehmung des Angeklagten Stallmann über den Fall Dippe ergibt sich die interessante Tatsache, daß Stallmann während der Berhandlung des Metternichprozesses seelenruhig in Berlin war und unter falschem Namen im„Habsburger Hof" gewohnt hatte. Vielleicht hätte die Polizei den steckbrieflich Verfolgten fassen können, wenn ihre Tätigkeit nicht durch Verfolgungen gegen Unschuldige, insbesondere gegen die Arbeiterklasse und die Arbeiterjugend, zu sehr in Anspruch genommen wäre. Zur Sache gibt Stallmann u. a. an: Bei dem Spiel selbst verlor ich an Buies 2000 M. und an Nie- mela 500 M. Als v. Dippe dazu kam, sagte er:„Ach, daS sind doch keine Sachen, kommen Sie, wir wollen mal einen braunen Lappen zusammen setzen!" Herr v. Dippe setzte dann mit mir zusammen. Als wir weiter verloren, sagte v. Dippe:»Das dauert mir zu lange, wir wollen mal„banco" setzen, d. h. alles, was in der Bank war." Auf diese Weise hatten wir im Handumdrehen zusammen 160 000 M. verloren. Mir fiel auf, daß Buies, als v. Dippe, ehe ich ihn hindern konnte, mehrmals„banco" rief, blitzschnell die Karte umwarf, durch welche wir nochmals je 40 000 M. verloren. Ich faßte einen Moment Mißtrauen, griff zu und zerriß die Hälfte der Karten mitten durch, nachdem ich mir vier Karten heimlich eingesteckt hatte, um sie nachzuprüfen. Diese Prüfung ergab, daß die Karten weder gezeichnet noch gebogen waren. Buies holte dann Wechsel- formulare hervor und ließ Herrn v. Dippe unterschreiben. Die Verhandlung wird in später NachmittagSstunde abge- brachen und auf Sonnabend 9 Uhr vertagt. Die lleberlchmmmiiiigsllZMi'ophe In liordamerlha. Die furchtbare Zerstörung, die die Wasserfluten in den verschiedenen Staaten der Union angerichtcn haben, stempeln das entsetzliche Unglück zu einer nationalen Katastrophe. ES ist noch nicht möglich, den durch die Fluten hervorgerufenen Verlust an Menschenleben und Eigentum auch nur annähernd zu schätzen, da immer noch neue Schreckensnachrichten einlaufen. Jn Dayton hat sich den Wasserfluten das Feuer bei- gesellt, um die Zerstörung zu vollenden. Durch ausströmende Gase des städtischen Gaswerkes ist eine große Fcuersbrunst ent- standen, die das Leben der auf die Dächer der Häuser Ge- flüchteten bedroht. Die ganze Nacht hindurch leuchteten Brände auf. Fünfzigtausend Personen drängten sich in den oberen Stockwerken der Häuser, ohne Licht, ohne Trinkwasser, ohne Nahrungsmittel, unter der Kälte schwer leidend. Ununterbrochen bemühten sich Ruder- boote, Personen zu retten. Die Zahl der Toten wird hier zwischen fünfhundert und zweitausend geschätzt. Große Vcr- lüfte an Menschenleben sind auch in den von Ausländern bewohnten Stadtteilen zu beklagen, da die Fremden ihre Wohnungen trotz der Warnung, daß ein Bruch des Schutz- dammes bevorstehe, nicht verließen. Als der Damm- bruch erfolgte, stürzte eine Wassermassc von zwölf Fuß Höhe in die Straßen und überschwemmte sie 10 Fuß hoch in einer Viertelstunde. Zahlreiche Gebäude ivurden innerhalb einer Stunde weggeschwemmt. Ganze dichtbevölkerte Straßenreihcn wurden in Trümmerhaufen verwandelt, zahlreiche Häuser stehen bis an das Dach unter Wasier. Es wurde eine dringende Aufforderung zur Zusendung von Lebensmitteln nach New Hork gesandt, doch ist die Zufuhr zurzeit unmöglich. Zahlreiche Familien haben sich, um den leckenden Flammen zu entgehen, in das die Häuser um» strömende Wasser gestürztund darinihr Ende gefunden. An anderen Stellen der Stadt haben Familienväter ihre Angehörigen und sich selbst erschossen, da eine Rettung aussichtslos erschien. Solange das Wasser fällt, sind die Retter wegen der reißenden Strömung nicht imstande, Hilfe zu bringen. Mittwoch abend ist in Dayton bei dem Brande auch ein Hotel eingeäschert worden, wobei 200 Flüchtlinge umgekommen sind. Wie gemeldet wird, sind die Dämme bei Chillicothe und Fremont von den Fluten durchbrochen. Auch in West- v i r g i n i e n und Pennsylvanien wüten die Wogen; in Sharon kam eS zu zahlreichen Unglücksfällen. Wie der Gouverneur von Ohio meldet, sind in Ohio 25000 Menschen obdachlos. Das Parlament dieses Staates hat 500 000 Dollar für Hilfszwecke bewilligt, außer- dem sendet die Bundesregierung große Mengen von Lebens- mittel». Man glaubt, daß in Jndianopolis 200, in Columbus 130 Personen ertrunken sind. Eine Million Arbeiter sind arbeitslos. Die Verluste des Handelsverkehrs entziehen sich jeder Schätzung. Ucber Einzelheiten der Katastrophe berichten noch folgende Telegramme: Toledo lOhiv), 26. März. Hundert Ortschaften in Nordwestohio sind ganz oder teilweise überschwemmt. In WestindianopoliS stehen Frauen und Kinder fußtief in ihren Häusern in i�hren Häusern im Wasser und leiden furchtbar unter der' Kälte. In Doungston sind alle industriellen Anlagen geschlossen. Der Fluß steigt weiter. Der Sach- schaden in den Carncgie-Stahlanlagen wird auf L'/z Millionen Dollar geschätzt. PittSburg, 27. März. Hunderte von Industrieanlagen stehen unter Wasser, so daß der Betrieb in ihnen eingestellt werden mußte. Fünfzigtausend Leute sind arbeitS- los. In Westdirginien ist ein großer Teil der Stadt W h e e l i n g überschwemmt worden. Washington, 27. März. DaS Kriegsamt hat von dem HilfS- komitee in Hamilton(Ohio) die Mitteilung erhalten, daß in Lewistown bei Dayton ein Reservoir gebor st en ist. Der Verlust an Menschenleben und der Sachschaden seien ungeheuer groß. Dayton, 27. März. Die strenge Kälte dauert an, ein S ch n e e- st u r m erhöht den Schrecken der Ueberschwcmmung. Hoch- auflodernde Flammen hüllen fast den gesamten unteren Stadtteil ein. In der Geschäftsgegend sind mehrere Straßen i n Asche gelegt. Hiis aller Melt. Panik in einem Bergnügungslokal. Durch eine riesige Feuersbrrmst wurden in der Nacht zum Donnerstag die Bewohner von Thurles(Irland) in Aufregung versetzt. Dort brannte die Tonhalle, ein bekanntes Vergnügungs- lokal, bis auf die Grundmauern nieder. An der Brandstelle selbst spielten sich wilde Szenen ab. In einem der großen Säle wurde gerade eine große Ballfestlichkeit abgehalten und die Teil- nehmer befanden sich in der fröhlichsten Stimmung, als plötzlich aus unbekannter Ursache ein großer Petroleumbchälter explodierte und einen Teil des Gebäudes in Flammen setzte. Unter den Anwesenden kam es zu einer wilden Panik, alles drängte zum Ausgange und die schwächeren Personen wurden rücksichtslos nieder» getreten. Aus den in den oberen Etagen gelegenen Spielsälen konnten sich die anwesenden Personen nur durch schleunige Flucht retten, ein großer Teil von ihnen.gelangte nur durch einen Sprung aus dem Fenster ins Freie. Bald bildete das ganze Gebäude ein riesiges Flammenmeer und nur dem raschen und entschlossenen Ein- greifen der Feuerwehrleute ist es zu danken, daß niemand der vom Brande völlig überraschten Personen ernster zu Schaden gekommen ist. Es gelang vielmehr, auch die ohnmächtig zusammengebrochenen oder niedergetretenen Männer, Frauen und Kinder zu retten. Verfolgte Schmuggler. Eine Jagd auf Tod und Leben im Automobil spielte sich, wie aus Avesnes gemeldet wird, am Mittwoch an der belgisch- französi- schen Grenze zwischen Schmugglern und Zollwächtern ab. Die Schmuggler versuchten im Automobil in wahnsinniger Fahrt die Grenzstation zu passieren, wurden jedoch sofort von Zollwächtern im Automobil verfolgt. Es cntspaim sich nun eine wilde Jagd, in deren Verlauf die Zollwächter immer mehr zu den Schmugglern aufrückten. Als diese die Verringerung des Abstandes zwischen den Automobilen bemeftten, lenkten sie den Wagen auf einen Nebenpfad, um so zu entkommen. Hier stießen sie jedoch mit einem herrschaftlichen Wagen zusammen, dessen beide Pferde sofort getötet wurden. Der Kutscher blieb mit schweren Verletzungen am Chausseerand liegen, während die Schmuggler ihre wilde Fahrt fort- setzten. Schließlich stürzte das Automobil in einen Chausieegraben und wurde total zertrümmert, während die Banditen wie durch ein Wunder unverletzt blieben und ihre Flucht zu Fuß fortsetzten. Sie entkamen denn auch in den nahe gelegenen Wäldern. In dem Automobil wurden für etwa 40 WO Fr. eingeschmuggelte Zigarren und Zigaretten gefunden._ Wie die Drohnen leben. „Vor kurzen*, so schreibt die„Wiener Arbeiterzeitung",„gab es in der vornehmen Welt von Paris ein Abendmahl, über das die französischen Zeitungen seltsame Angaben zu machen wissen. Die Vorspeise ZakuSki kostete 2000 M., das eigentliche Diner bestand arS 23 verschiedenen Gerichten. Die Weine und Liköre kosteten 15 000 M. Ebenso teuer war das Obst, daS von lebenden Sträuchern gepflückt werden konnte. Den Künstlern wurden die Zeichnungen für die Speisekarten mit 10000 M. bezahlt. Das eigentliche Diner belief sich auf 33 000 M. Die Herstellung der Suppe kostete 5W M. 2000 M. wurden für Ammern ausgegcbeit, 8W M. für Spargelspitzen und junge Bohnen. Jeder der zwanzig Teilnehmer hat an dem einen Abend ein Mahl für 2400 Mark verzehrt. 24W Marli Mit dieser Summe müssen in der Regel zwei Arbeiterfamilien ein ganzes �ahr auskomme», aber die hohen Herrschaften vergeuden das Vermögen in einigen Stunden! Der Arbeiter, der seinen Tag in harter Fron verbringt, bringt sich nachts sein Brot und seinen Speck heim, die Müßiggänger aber greifen zum Malvasir, Jahrgang 1810, die Flasche M. Die Proletariersfcau sieht sich jeden Heller an, wendet ihn zehn- !, ehe sie ihn ausgibt, aber hier wurden russische Fische auf- 100 mal. getragen, das Stück um 300 M. Der ganze Widersinn dieser Gegen- wart grinst ans solchen Ziffern. Irgendwo kauern im feuchten Dunkel der Kanäle die Annen und Elenden und ihre kühnsten Träume kreisen um kleine, kleine Münzen, irgendwo aber tafeln in Prunk und Pracht 20 Menschen und ihr Mahl lostet 60000 M. Kleine Notizen. Tic Liebe. In Godesberg hat der Anstrcichergehülfe Oberle aus Eifersucht auf seine frühere Braut drei Schüsse ah- gefeuert. Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt. Oberle beging Selbstmord.— Auf Wilhelmshöhe bei Cassel wurde am Donnerstag in einem Pavillon der 24 Jahre alte Schlosser Reinhard aus Cassel und die gleichaltrige Ehefrau des Schlossers Schüßlcr erschossen aufgefunden. Arbeit für den Henker. Am Donnerstag früh wurde in Troppau an dem früheren Korporal der Reserve Johann B a g a n z, der am 13. März beim Rückmarsch von einer Feld- dicnstübnng dem Oberleutnant Schramek durch einen Gewehr- schuh hinterrücks ermordet hat, das auf H i n r i ch- tung durch den Strang lautende Urteil im Hofe der Rudolfskaserne in Anwesenheit cineS Militärkommandos durch den Wiener Scharfrichter vollstreckt. Erdbeben in Tnrkcstan. Im Bezirk K»räch des Gebiete? Dagestan sind infolge eines Erdbebens in fünf Dörfern viele Hänser zerstört worden. Einzelheiten sind noch nicht be- kannt. Einsturz eines Theaters. In der französischen Ortschaft St. d'Angely stürzte ein Theater ein. 600 Personen befanden sich auf den Tribünen, über 300 wurdin mit schweren Verletzungen aufgehoben. Eine große Anzahl Personen mußten in das Hospital gebracht werden. Jugendveranstaltunge«. Ober-Schöneweide. Für die schule ntlassene Jugend sindei am Sonntag, den 3 0. März, nachmittags 2 Uhr, im Restaurant Prochowski, Rathausstr. 10, eine öffentliche Versammlung statt. Da am Orte bürgerliche Vereine, zahlreiche Personen, sowie die Geist- lichleit der heranwachsenden Jugend ein rcgcS Interesse entgegenbringen und mit allen Mitteln versuchen, dieselben ihren Bestrebungen dienstbar zu machen, so werden die Arbeitereltern besonders ausgesordert, ihre schul- entlassenen Söhne und Töchter aus die Versammlung ausmerlsam zu machen. Eines jeden Bestreben mutz sein, die Arbeiterjugend der proletarischen Jugendbewegung zuzusührm. Arbeiter-Wanderveret» Berlin. Sonntag, den 30. März, Wandcr- fahrt nach Werder— Glindow— Glindower Berge— Kamerode— Mittelbusch— Neue Scheune— Krähenberge— Beelitz. Absahrt 6.45 Potsdamer Hauptbahn- hos. Gäste willkommen. Arbeiter- Touristenverein„Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin. Wanderung am 30. März. Biesenthal, Pöhlitzbrücke, Wrenden, Bernau. Abfahrt nach Biesenthal Stettiner Bahnhos(Fernbahnsteig) srtih 5,59. Gaste willkommen. emgegangene Druckrdmften. von der„Neuen Zeit" ist soeben das 26. Hest des 31. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Ein saden- scheintger Rüstmigsvorwand. Von G. Ledebour.— Die Beamten und der Staat in Franlrcich. Von E. Reybcl(Paris).— Zur Revision bei Binnen» schiffahrts- und FlötzcrcigesctzeS. Von Paul Müller(Berlin). Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von S,LS M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das' einzelne Hest lostet 25 Pf. Das Herrenhaus. Roman von I. GalSworthy. 836 S.— Mathias Tcdebns der Wandcrsman». Roman von O. Enking. 366 S. B. Eassircr, Berlin IV. 35. Zur jedermann bedingungslos zugänglich ist das Preisausschreiben über 100 000 Mark Sie bei der Deutschen Sank, Male München, hinterlegt sind. Näheres in öem soeben ausgegebenen Heft 1?.?n allen Suchhanölungen, Kiosken unö vom Verlag Einzelpreis 50 Pf. viertelj. 4.50 litt. ■SBBiifRffiümEBB Ml Wilhelm Hauffs sämtliche Werke. 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