Nr. 73. HbonnementS'Bedingungen: Abonnements■ Preis vränumerando: Pierteljäbrl� Z,Z0 Mt, monall. 1.10 Mt. wucherNiicki 2S Pfg. frei WS HauS. Einzewc Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage..Die Neue Well' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. ßingctrageu in die Post- Zeitung-Z- PrerSIiste. Unter Kreuzband liir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, änien, Schweden und die Schweiz. dititliit täalldi außer montags. Vevlinev Dolksblntt. 80. Jahrg. Sie TnlertionS'GebQI)r teirägt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum«iv Pfg.. iiir politische und gcwerlichastliche BereinS- und BersamminngS�inzeigen SO Pfg. „Kleine Mnreigen", das settgedrucklc Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlosstellcnan- zeigen daS erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über IS Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inlerais fiir die nächste Nummer müssen bis k» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, llelegramm- Adresse: „Sozlaldemohrat Rerlin". Zentralorgan der foztaldemokratifchen partes Deutfcblands. Redaktion: 8Rl. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. 1983. Expedition: SCI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Die Orgie des Militarismus. Die neue Heeres- und Stenervorlagen. Eine ins Gigantische gehende Revolutionierung des ganzen militaristischen Apparates— das ist das Charakteristikum der jetzt in ihren Einzelheiten vorliegenden Wehrvorlagc. Was hier an Vermehrung des Mannschaftsbestandes und der Offizier und Unteroffizierkadcrs, an Neuformationen und Materialausgaben gefordert wird, stellt all das, was Frankreich mit seiner Militärvorlage und seiner Einführung der dreijährigen Dienstzeit verlangt, weit in den Schatten. Der ganze militaristische Paroxis mus der Wehrvereinshetzer hat in dem Gesetzentwurf seinen Niederschlag gefunden. DieseHceresvermchrungen, gegen die alle früheren nur als Kinderspiel erscheinen, müssen einen inter Nationen Rüstungsschrecken erzeugen, anstatt der Friedens- Zuversicht wird die ständige Kriegsgefahr auf den Völkern Europas lasten. Und alles das nur, weil die militaristischen Treiber die Konjunktur für ihr kulturschädliches und egoistisches Streben für günstig erachten. 63(XX) junge Leute m ehr sollen in Zukunft auf zwei rcsp. drei Jahre in die Ka- m gesteckt werden, 661176 Mann ohne Offiziere, Unteros usw. soll von jetzt an das deutsche Heer zählen. Alle K....pagnien, Schwadronen oder Batterien werden in ihrem Etat erhöht, d. h. sie sollen eine noch weit schneidigere Waffe in der Hand offcnsivlustiger Militärs werden, gegen den äußeren wie gegen den inneren Feind. Das stehende Heer mit seiner ein-, zwei- und drei- jährigen Dienstzeit und seiner aristokratischen und plutokratischen Offizierskaste wird noch mehr als bisher ein Hohn auf das „Volk in Waffen" bleiben. Ein stehendes Heer mit langer Dienstzeit und einem solchen Massenaufgebot von Wehr- Pflichtigen muß auf die Dauer wie eine Rüstung wirken, die nicht schützt, sondern den, der in ihr steckt, erstickt. Dem gewiß anzuerkennenden Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht kann ein modernes Kulturvolk nur durch ein Milizsystem ge- recht werden, das von den demokratischen und sozialen Ideen unserer Zeit durchdrungen ist. Die vorliegende Wehrvorlage aber macht aus Deutschland eine Riesenkaserne und ein ge- waltiges Versorgungsinstitut für die Söhne der Junker- und Bourgeoisklasse. Das Bestreben, den ewigen Avancementsschmerzen der Offiziere einmal ein Riescnpflaster aufzulegen, ist sicher nicht das nebensächlichste Motiv, das dieses militaristische Mon- strum in die Welt gesetzt hat. Nicht allein daß 4666 neue Offizierstellen gefordert werden, nein, es werden auch eine Un- menge von höheren Kommandostellen, von Stabsoffiziers- Posten usw. verlangt, so daß heute beim Bekanntwerden der Vor- läge sicherlich heller Jubel in sämtlichen Offizierskasinos Teutschlands herrschen wird. Bis in einigen Jahren die Be- förderungsmaschine stockt und eine neue Wchrvorlage sie in Gang bringen muß. In einem Punkt scheint die Regierung den Wünschen des Wehrvereins nicht Rechnung getragen zu haben. Das betrifft die Schaffung selbständiger Kavallericdivisionen. Aber das scheint nur so. In Wirklichkeit werden für die kostspielige Waffe nicht weniger als 34 neue Schwadronen und sechs neue. Regimentsstäbe gefordert, eine Forderung, die nicht allein aus finanziellen, sondern auch aus militärtechnischen Gründen mit aller Energie bekämpft werden inuß. Im übrigen ist es das alte, unehrliche Spiel: man verzichtet zunächst auf die Divisionen und bildet neue Regimenter, um eine von den berühmten„Lücken" zu haben, die man dann zur Begründung der übernächsten Wehrvorlage in Feld führen kann. Diese Ncuformationen der Kavallerie, die Erhöhung der Bespannung aller Feldbatterien auf sechs Geschütze, die neuen Trainforniationen usw. erfordern nicht weniger als 27 666 Pferde mehr als bisher. Glänzende Aussichten für die agra- rischen Remontezüchter und Furagelieferanten, die natürlich auch bei dieser Gelegenheit einen Extraprofit haben müssen!! Natürlich wird auch die Zahl der Unteroffiziere enorm erhöht. 15 6 6 6 neue Korporäle. Sergeanten, Feldwebel und Wachtmeister kommen zu den jetzt'vorhandenen 92 347 Tressen- trägern. Allein das Unteroffizierkorps mit seinen 167 347 Mann wird in Zukunft ein stattliches stehendes Heer repräsentieren. Um diese Unteroffiziere zu lvilligen Werkzeugen des Militarismus und eifrigen Stützen der Kasernenkultur zu machen, wird ihnen in der Vorlage nicht allein eine Verbesserung der Verpflegung und Besoldung in Aussicht gestellt, auch die Tienstprämien werden um 56 Proz. erhöht. In Zu- kunst soll der Unteroffizier nach zwölfjähriger Dienstzeit nicht mehr 1660, sondern 1566 M. erhalten. Diejenigen, die ihren Zivilversorgungsschein nicht benutzen, werden eine einmalige Geldabfindung von 3666 M. anstatt bisher von 1566 M. einstreichen können. Ter bitteren militaristischen Arznei, die das deutsche Volk in Masse schlucken soll, ist ein klein wenig Zucker beigemischt. In ganz allgemeiner und unverbindlicher Form wird eine bessere Verpflegung der Mannschaften in Aussicht gestellt. Außerdem soll den Soldaten auch freie Urlaubsfahrt gewährt werden. Von einem Recht auf Urlaub ist natürlich nicht die Rede. Die Urlaubserteilung wird nach wie vor von der guten oder schlechten Laune des Herrn Vorgesetzten abhängen. Wie die umfangreiche Vorlage überhaupt kein Wörtckjen von den Rechten der Soldaten enthält. Es bleibt bei der Karikatur eines Beschwerderechtes, es bleibt bei den barbarischen Strafen des Militärgesetzbuches gegen Untergebene. Auf diesem Ge- biete versagt der unbändige Tatendrang unserer Militaristen vollständig. Es bleibt auch bei dem alten, so oft gerügten Burschen- Unwesen. Nur bei den Zeug-, Feuerwerks- und Fcstungsbau- offizieren, die aus dem Untcroffizierkorps hervorgegangen sind und von den meist patentierten Epaulettenträger nicht für voll angesehen werden, soll die Burschengestellung„abgelöst" werden. Im übrigen sollen auch in Zukunft rund 46 666 Mann ihr zweites resp. drittes Tienstjahr als uniformiertes Dienstmädchen oder Reitknecht absolvieren. Daß bei dem Riesenopfer für den Moloch diesnial auch der Luftmilitarismus besonders berücksichtigt werden würde, war ja bekannt. Daß aber die Mehrausgaben für dieses jüngste Kind des Mars so kolossal sein würden, wie sie uns jetzt zugemutet werden, dürfte kaum erwartet worden sein. Noch sind die Ausgaben ja nicht spezialisiert, so daß sich nicht übersehen läßt, wieviel von den insgesamt 1231 Millionen, die in den nächsten paar Jahren für unseren Militarismus zu Lande und in der Luft mehr ausgegeben werden sollen, speziell auf den Luftmilitarismus entfallen. Visher war immer von 26 Millionen die Rede. Wenn nun aber die„Na- tionalzeitung" jetzt von 86 Millionen spricht, so erscheint diese Ziffer den gewaltigen Neuorganisationen gegenüber, die zu Zwecken des Luftmilitarismus erfolgen sollen, keineswegs un- sinnig. Die Neuformationen für Luftschifferei und Fliegerei werden unter den Verkehrstruppen aufgeführt. Für die Ver- kehrstruppen werden nicht weniger als 13 neue Bataillone gefordert, darunter aber für Preußen allein zwei Luft- schifferbataillone und vier Fliegerbatail- 1 0 n e. Hinzu kommen für Bayern eine Luftschisserkoin- pagnie und ein Fliegerbataillon, für Sachsen eine Flieger- kompagnie und für Württemberg eine Luftschisferkompagnie. Es ist nunmehr kein Zweifel mehr möglich, daß Deutsch- land, das sich binnen wenigen Jahren die zweitstärkste Flotte der Welt geschaffen hat, nunmehr ohne Rücksicht auf die Kosten daran geht, auch auf dem Gebiete des Luftmilitarismus alle konkurrierenden Militärstaaten zu überflügeln! lieber diese Einzelheiten wird noch manches zu sagen sein. Daß die Sozialdemokratie sich mit aller Gewalt einer solchen Orgie des Militarismus widersetzen muß, ist selbstverständ- lich. Eine solche Ueberspannung der militaristischen Forde- rungen kann die Arbeiterschaft auf die Tauer nicht mehr er- tragen. Unsere Milizforderung stößt auf den Widerstand aller kapitalistischen Gewalten: indem wir den Militarksmus be- kämpfen, bekämpfen wir den Kapitalismus in seiner Gesamt- heit. Das zunächst liegende Kampffeld ist das Parlament, und unsere Fraktion wird bei der Beratung sicherlich ihre Schuldigkeit tun, vor allein aber die von der Regierung gewünschte und von den bürgerlichen Parteien beabsichtigte Durchpeitschung verhindern. Aber dieser parlamentarische Kampf allein genügt nicht; auch außerhalb des Parlaments müssen die Massen mobil gemacht werden. Gegen den mili- taristischen Rüstungswahnwitz, für ein wahres Volksheer und damit für demokratische Freiheit und für soziale Gerechtigkeit, das muß unsere Parole sein. Sie Steuerreform des Dilettantismus. Die Revolutionicrung der Militärverhältnisse bedingt auch eine Revolution ierung der Finanzlvirt- s ch a f t. In den nächsten drei Jahren sollen mehr als 13 66 Millionen Mark der Volkswirtschaft entzogen und für die unproduktiven Ausgaben des Militarismus ver- geudet werden. Die Art aber, wie die Kosten aufgebracht werden, fordert die schärfste Kritik heraus. Da ist zu- nächst die V e r m ö g e n s a b g a b e. Es ist zu billigen, daß zu der Abgabe auch die hohen E i n k 0 m m e n von über 56 666 M. mit einem einmaligen Beitrag von zwei vom Hundert herangezogen werden, wenn man auch erst den Wort- laut des Entwurfes wird abwarten müssen, um beurteilen zu können, ob diese Einkommen genügend erfaßt werden. Was aber jedem Gercchtigkeitsempfinden ins Gesicht schlägt, was völlig unannehmbar ist, ist der Vorschlag der Regie- rung, ohne Rücksicht auf die Größe des Vermögens eine gleiche Abgabe von einem halben Prozent zu erheben. Tie kleinen Vermögen von 16 666 M. an sollen ebenso besteuert werden, wie die Ricsenvermögen der Allcrreichsten. Es sind faule Flausen, was die Regierung zur Entschuldigung dieses grotesken Vorschlags vorbringt, und wir denken, daß im Reichstage dafür gesorgt werden wird, daß eine aus- giebige Staffelung und stärkere Heran» ziehung der großen Vermögen stattfindet. Weitaus schlimmer aber ist das Attentat auf die Verfassung, das die Regierung mit ihren Steuer- Vorschlägen begeht. Herr von Bethmann Holl- weg hat sich dem Machtspruch Heydebrands gefügt. Die Regierung will den Reichstag zugunsten der Privilegien landtage entrechten. Herr von Oldenburg kann triumphieren, das Portemonnaie der Be- sitzenden soll geschützt, das Deutsche Reich wieder zum Kost- gänger der Länder herabgedrückt werden. Eine allgemeine Besitzsteuer vorzulegen hatte der Reichstag der Regierung zur Pflicht gemacht. Statt dessen bringt sie eine«Veredelung der Matrikularbciträge! Diese sollen nicht mehr nach der Be- Völkerungszahl, sondern nach der Leistungsfähigkeit der ein- zelnen Bundesstaaten aufgebracht werden, für die in Zukunft die jetzt geplante Erhebung des Vermögens als Grundlage wird dienen können. Die Regierung wirft also die p r i n- z i p i e l l e Frage auf, ob der Reichstag die ihm zustehende Souveränität der Besteuerung auch fernerhin ausüben darf, oder ob er s i ch s e l b st entrechten und die Landtage zu seinem Vormund machen soll, nur weil die Konservativen das gleiche Stimmrecht verabscheuen und dem Reichstag mehr Gerechtigkeitsgefühl in Steuersachen zutrauen als ihrem preußischen Treiklassenparlament. Gegenüber dieser prinzipiellen Frage tritt beinahe in den Hintergrund, daß die Regierung zwar mit vielen Worten be- teuert, die Landtage dürften nur durch allgemeine Be- sitzsteuern die erhöhten Lasten aufbringen, daß aber in Wirk- lichkeit von einer allgemeinen Besitzsteucr nicht die Rede ist. Tie Bundesstaaten können zwar Einkommens-, Ver- mögens- oder Erbschaftssteuern erheben, tun sie es jedoch nicht, so soll das Reich ihnen den Weg weisen. Und als Besitz- .steuer schlägt da die Regierung vor— die Vermögens» z u w a ch s st e u e r. Tie Vorliebe für die Vermögcnszuwachs- steuer hat aber nur darin ihren Grund, daß sie k e i n c allge- meine Besitzsteuer ist, sondern alle bisherigen Vermögen, und seien sie noch so groß, und handele es sich um die größten Agrarier und Fideikoinmißbesitzer, st e u e r f r e i läßt. E n t- recht ung des Reichstags und Denatu- rierung der Besitz st euer, das ist also der Vorschlag, den die Regierung Bethmann Hollwegs de m' deutschen Volke zu machen hat! Aber die Regierung wagt es natürlich nicht, den Besitz so anzufassen, daß die dauernden Kosten durch ihn nun auch völlig gedeckt werden. Und so schlägt sie auch indirekte und V e r k e h r s st e u e r n vor. Die immer wieder versprochene Herabsetzung der Zucker st euer soll wiedermn unterbleiben. Und der Versicherung der Regierung, daß der Aufschub nur bis 1917 dauern solle, wird Wohl kein Mensch Glauben schenken. Ebenso soll der Grundstücksstempel in der bisherigen Höhe bleiben. Ferner soll das Reichsstempclwesen ausgestaltet und zum Teil unter Beseitigung von Landesstem- Peln erhöhte Beträge nicht nur von den Aktiengescllschiliften und den Gesellschaften mit beschränkter Haftung, sondern auch von den Versicherungsverträgen erhoben werden, wobei nur die kleinsten Versicherungen und die Sozialversicherungen von der Abgabe befreit bleiben. Schließlich schlägt die Regierung vor, haß an Stelle des Erbrechts entfernter Verwandter bei Mangel des Testainents das Erbrecht dos Staates treten solle, eine Reform, deren Ertrag die Regierung selbst nur auf 15 Millionen anschlägt. lim gleich ganze Arbeit zu machen, will die Regierung auch den bisherigen K r i e g s s ch a tz von 120 Millionen in Gold verdoppeln und sich diesen neuen Goldschatz auf dem sehr nkcrikvürdigen Weg der Ausgabe von unterwertigen Silber- münzen und Papiergeld verschaffen. Es wird noch ausführlicher über die einzelnen Gesetze zu sprechen fein, bis der Wortlaut vorliegt. Aber schon jetzt läßt sich sagen, daß man es mit einem stümperhaften. dilettantischen Verlegenheitsprodukt zu tun hat, das in dieser Form nie Gesetz werden kann, das dem Reichstag in Wirklichkeit die Ausgabe, die Deckung zn finden, ganz allein überläßt. Wie diese Ausgabe gelöst werden wird, ob wirklich diese ungeheuerliche Vergeudung von Gut und Kraft, die die neuen Vorlagen bedeuten, in ihrem ganzen llnisango Wirklichkeit werden wird, das hängt vor allem ab von dem Wider- stand, den die Volks m a s s e n diesen tollen Plänen ent- gegenfetzeir werden. Am irachsten Dienstag tritt der Reichs- tag zusammen und binnen zwei Wochen schon sollen die Vorlagen znr Verhandlung kommen. Die Zeit ist kurz und um so iiitcusiver muß sie dazu ausgenutzt werden, den Vorschlägen der Herrschenden das entschlossene Nein der Massen entgegenzusetzen!______ Der ßalkankrleg. Die Friedensbereitschaft der Balkanmächte. Wien, 28. März. Der Berichterstatter der„Politischen Korrespondenz" in Sofia erfährt von kompetenter Seite, daß die Einigung der verbündeten Balkanstaaten über die Annahme des Vorschlages der Großmächte als Grundlage für die Friedensverhandlungen bereit? erfolgt ist. Die Balkan st aalen beabsichtigen nicht, die kriegerische Aktion bis zur Erlangung einer Verständigung mit der Türkei fort- zusetzen, sind vielmehr von dem aufrichtigen Willen ge- leitet, mit größter Beschleunigung zum Friedens- s ch l u ß zu gelangen. Hinsichtlich der Feststellung der neuen Ostgrenze zwischen Bulgarien und der Türkei lvird das Kabinett in Sofia aus strategischen Rücksichten eine Linie ver- langen, die etwa vom Golf von Saros gegen M i d i a verläuft. Die Antwort Bulgariens. London, 28. März. Wie das Reutersche Bureau erführt. st i m m t B u I g a r u n in seiner Antwort, die den Mächten noch nicht übermittelt worden ist und die sich noch in den Händen der Verbündeten befindet, den Vorschlägen Europas zu, mit A u s n a h m e der vorgeschlagenen Grenzlinie Enos-Midia und der Frage der Kriegs. e ntschädig uy g. Dem Vernehmen noch will Bulgarien die Vorschläge der Wächte, d e m M a r m a r a IN e e r s e r n- zubleiben, an tt c ö m e n, falls die Mächte eurer Grenzlinie v o n M i d i a zum Golf von Saros z u st i in m e n. weiche das Marmaraniecr und.die Dardru nellen den Türken belassen würde. Falls das Recht auf eine K r i e g s e u t s cli ä d i> gung im Prinzip zugebilligt wird, will Bulgarien zu- gestehen, daß die Höhe der Entschädigung durch die Mächte und die verbündeten Balkan- it a a t e n s r st g e s e tz t wird. Die Tatsackse. daß die Türkei Dem flndenlten Max Kaylers. Zur Lö. Wiederkehr seines Todestages. (29. März 18&8.) Von den vielen Opfern des schmachvollen Sozialistengesetz v ist besonders M a r K a tz s e r auch den jüngeren Parteigenossen noch im Gedächtnis; fowakil die unsagbar raffinierte Grausamteit der Verfolgungen, die gerade Mar Äatzser von den Polizeischergen Bismarcks ertragen mußte, wie Äatzserö unverdrossene, gesäliittc, opfervolle parlamentarische und agitatorisch« Tätigkeit im Dienste der maßlos verfolgten sozialdemokratischen Partei sichern ihm beute noch, 25 Jabro nach seinem frühen und tragischen Tode, das dankbare Gedenken aller Parteigenossen. Als bei den Attentatswahlen des Jahres 1878 der sächsische Wahlkreis Freiberg-Oederan den 2äjährigen Max Kayser als jüngsten aller Volksvertreter in den deutschen Reichstag schickte — beiläufig hat derselbe Wahlkreis auch jetzt»vieder in der Person dos Genossen Hermann Wendel dem Reichstag seinen..Benjamin" geaeben— da gehörte dieser Jüngste schon zu den erprobtesten Kämpfern der Partei. Mit 18 Jahren schon verdiente sich der junge Kaufmann Mar Kayser die Sparen und zlvor in Berlin, wo er durch sein rednerisches Talent, seinen schlagfertigen Witz, wie durch seine frische Kraft in den Jahren 187l bis 1878 wesentlich zur raschen Entwickclnng der Eiscnacher Gruppe beitrug. Nach einem kurzen Aufenthalt in Mainz zog Kayser im Jahre 187 t nach Dresden. Er trat hier in die Redaktion des„Volksboten" em, aber insbesondere bewährte er sich als äußerst sruchtbringcn- den Agitator und Organisator- Die Journalistik war dagegen nicht die starke Seite unseres Max Kayser. Auch im Reichstag wußte der junge Politiker bald eine ange- scheue Position zu erringen. Kayser war keine agressive Natur; versöhnlich gestimmt, von gemäßigicn Anschauungen— die ihm ge- legcntlich Angriffe anS der eigenen Partei zuzogen— gewann er im Reichstag doch bald Respekt bei stzreund und Feind durch seine gründliche Kenntnis der gesetzgeberischen Materialien, insbesondere der Arbeitergcsctzgcbung, seine Beherrschung der parlamentarischen Geschäftsordnung wie nicht minder durch sein rednerisches Geschick, seine Schlagfertigkeit und seinen immer bereiten Witz. Von letz- teren Eigenschaften mag eine parlamentarische Episode Zeugnis geben, die hier unter vielen ähnlichen ausgewählt sei. Ter Abg. o. Koller(der spätere preußische Polizeiminister, dem Grillen- bergcr einst im Reichstage das spöttische„Herr v. Koller, es wird immer döller" widmete) hatte in einer Rede in seiner burschikosen und temperamentvollen Art den ihm zuhörende» Abg. Kayser wie folgt apostrophiert:„Ob der Herr Abgeordnete Kayser seinen dicken Kops dazu schüttelt oder nicht, das ist mir ganz egal." In einer persönlichen Bemerkung zahlte ihm Kayser das wie folgt heim: „Herrn v. Koller geniert besonders mein Kopf, lieber den Kopf des Hern v. Koller zu reden, hat man keinen Grund— der geniert niemand." Stürmische Heiterkeit des ganzen Hauses quittierte über diese Abfertigung des anmaßenden Junkers. Die sozialdemokratische Fraktion, die gewiß nicht arm an guten und selbst glänzenden Rednern war, schickte sehr oft auch bei grasten Gelegenheiten ihr jüngstes Mitglied vor.-so im Januar 1883(Kayser wurde 1881 in Freiberg-Oederan wieder-, 1884 im sächsischen Wahlkreis Auerbacki-Kirchbcrg neugewählt), wo Kayser zusammen mit Wilhelm Liebknecht den sozialdemokratischen An- trag auf Aufhebung aller Ausnahmegesetze zu vertreten hatte. CS ist heute noch und heute besonder? ein Vergnügen, nachzulesen, wie selbst jetzt noch nicht bereit zu sein scheint, sich für besiegt zu erklären, könnte Bulgarien, mehr aus militärischen als aus politischen Gründen, dazu zwingen, die Tschataldschalinie an- zugreifen. Die Feindseligkeiten werden daher nicht aufhören, bis die von den verbündeten Balkanstaaten aufgestellten hauptsächlichsten Friedcnsbedingungen von den Türken an. genommen worden sind. Eile tut not. London, 28. März. Die„Times" drängen aus eine Beschleunigung der diplomatischen Aktion der Mächte. ES sei nicht so sehr Feinheit dex diplomatischen Sprache nötig, als ein paar derbe Sätze, deren Sinn nicht mißverstanden werden könnte. CS sei die Pflicht der Mächte. Montenegro an der E r st ü r m u n g S k u t a r i s zu hindern. Sie könnten eine Ignorierung ihrer Vorstellungen nicht ohne große Verluste an dem Prestige zu- lassen, auf dem die Autorität des einigen Europas beruhe. Ebenso mütztö den Kämpfen b e i T s ch a t a l d s ch a ein Ende gemacht werden. Das Blatt schließt: Die Zeit der Erwägungen und Ratschläge ist vorbei. Jetzt ist die Zeit für Entscheidungen gekommen, die prompten und gründlichen Nachdruck erhalten müßten. Wird Europa den Augenblick wahrnehtnen, oder wird es sich mit Verhandlungen und Protokollieren weiter treiben lassen, wohin das Glück der Waffen bei Tschataldscha eS bringen mag? Die Abgrenzung Albaniens. Wie», 23. März. Die Reichspost erfährt über die A b- grenzung Nordalbaniens, daß zwar die Städte Prizrend, Jpek, Djakowa und Dibra nicht Albanien zu- gesprochen, daß aber weite Gebiete dieser Städte in dqs autononic Albanien einbezogen wurden. Der Hafen San Giovanni di Medua soll neutralisiert und unter internationale Kontrolle gestellt werden. Er soll der Serbien zugestandene Hafen für die freie Auk- und Einfuhr werden. Adriauopels letzter Widerstand. Ksnstantinopel, 28. März. Das letzte Funkentelegramm Schükri Paschas vorn 25. d. Mts. an daS Kriegsininisterium lautet: Der Feind hat einen heftigen Angriff gemacht. Ein blutiger Kampf hat begonnen. Ich kann nicht wissen, wie der Ausgang sein wird, aber sobald der Erfolg deS Feindes festgestellt ist, werde ich sämtliche Befestigungen in die Luft sprengen. Ich werde nicht zögern, die heiligen Bauten zu zerstören, um zu ver- hindern, daß sie von unreinen Füßen entweiht werden. Ich werde jetzt die funkentelegraphischen Apparate zerstören. Wenn der Feind sieg- reich ist, soll ex nicht in eine Stadt einziehen, sondern in einen Trümmerhaufen. Der Einzug der Sieger. Adrianopcl, 27. März. Der König von Bulgarien ist heute in A d r> a n o P e l eingezogen. Die türkische Besatzung hatte in letzter Stunde den Versuch gemacht, die große Bahnbrücke über de» A d r a f l u ß zu sprengen, Iva? jedoch nur teilweise gelang. Immerhin wurde der König dadurch gezwungen, die Landstraße zu wählen und die Fahrt in die Stadt zwischen endlosen Reihen vyn türkischen Kriegsgefangenen zu machen. Nach einer Fahrt durch die Straßen der Stadt begab er sich zum Militärklub, Ivo, Schükri Pascha mit seinem General- stab sich aushielt. Der König nahm hier die Parade der bulgarischen Truppen ab. worauf er Schükri Pascha»mpsing, welcher ihm seinen Säbel überreichte, den der König dem Verteidiger Adrianopels mit einigen ehrenden Warten zurückgab. Die türkische Presse über Adrianopel. Kenstantinopel, 28. März. Die türkische Presse nimmt einstiinniig den Fall A d r i a n o p« I S als«in nationales Unglück aus. da« aber, statt zu entmutigen, als Ansporn sür die mcuiimc—— Liuix-. juh-u.'.— uuiuii-.»,» umn. Max Kayser in jener Rede schon, vor mehr wie dreißig Jahren. die listige, hinterhältige Fuchspokitik des heuchlerischen, damals noch mit einem demoiraiischen Mäntelchen drapierten Zentrums ick'arf und treffend zn charakterisieren wußte. Erwähnung ver- dient auch heute noch die großzügige Rede, die Max Kayser a>» U>. Dezember 1885 über die von der Reaktion geplante Ver längerung der Legislaturperiode des Reichstages lnelt. Die am 15, Dezember 1886 in, Reichstage gehaltene große Rede Mar Kapsero über das politische und gemertschafftiche Vereinigungorecht der Arbeiter war sein parlamenlarischcr Schwanengesang, denn vier Woche» später löste Bismarck den Reichstag auf und bei den Faschingswahlen de» Jahres 1887 unterlag Rax Kayser sowohl m seinem bisherigen sächsischen Kreise wie auch im Breslaner Ost- kreise den von Fronzosenschrecken und Kriegsangst zur Wahlurne gejagten Spießcrhordc». Und wenig mehr wie ein Jahr danach deckte schon der Rasen den tapferen Kämpfer. Die Schrecken des Sozialistengesetzes hat Max Kayser wie kein anderer zu tragen gehabt. Daß er im ganzen mehr wie anderthalb Jahr« seines Lebens hinter GesängniSmauern verbringen mußte, war nicht das Schlimmste und jedenfalls etwas, das mancher andere unserer Kämpfer in gleichem und höherem Maße zn tragen gel?adt hat. Niemand aber ist so teuflisch gransam durch das„teure Vater- land" gehetzt worden, buchstäblich gehetzt gleich einem jagdbaren Wild, wie dieser gnftnütigc Mann mit den Urbanen Formen uno dem milden Charalter. Als Max Kayser im Jahre 1881 wegen angeblicher„Anstiftung zur Verbreitung verbotener Schriften" in Dresden zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, sprach das Gericht gegen ibn zugleich die Zulässigkeit der Aüfenthaltsbeschrän- kung nach§ 22 des Ausnahmegesetzes aus. Der SlaatSanwalt hatte einen"dahingehenden Antrag gar nicht gestellt, diese Bestini- imxng des Schandgesetzes wurde aiidi sonst selten oder nie ange- wendet. Aach diesem Paragraphen konnte Personen, welche sich„dir tllgitation zum Geschäjt machten" und wegen llebertretuihz deS Sozialistengesstzes verurteilt nxrrcii, der Aufenthalt in bestimmten Bezirken oder Ortsckzastcn durch die LandeSpollzei versagt werden, am Wohnsitz deS Verurteilten jedoch nur dann, wen» er diese» nicht bereits seit sechs Monate» inne hatte. Kayser tonnte also überall in Teutschland, nur nicht von Dresden, wo er länger als sechs Monate wohnte, ausgewiesen werden. Während er aber noch im Gefängnis saß, erhielt er die Anstoeisuug anS Dresden, und zwar auf Grund einer veralteten, sonst böchstcns noch gegenüber gemeinen Verbrechern angewendeten Bestimmung dcS sächsischen Heimatgesetzes. AIS Kayser dann das Gesänguis verließ, begann die Hetzjagd hinter den Arme». Wohin er sich auch wandte, überall wurde er ausgewiesen, zunächst aus ganz Sachsen, dann aus Pres» lau(seiner Heimat!), aus Elberfeld-Barwev, Solingen. Remscheid, Lennep und anderen rheinischen Städten, aug Erfurt usw. Schließ- lich nahm Kayser gar keine Wohnung mehr, fuhr von Ort zu Ort und übernachtete im Eisenbahnwagen. Dabei war er deutscher Rcichstagsab geordneter! Das hatte allerdings das Gute für ihn, daß er ivcnigstens während der ReichstagSsession in Berlin bleiben durfte. Als Kayser später, nach Ablauf der AuSwcisungS- frist, nach Dresden zurückkehren konnte, wurde er hier gewisser- maßen interniert, denn die Ausentbaltsbeschräntunq nach 8 22 de? Sozialistengesetzes war von unbeschränkter Dauer und galt auch für den die Stadt umgebenden Landkreis Dresden; Kayser durfte deshalb ohne besondere polizeiliche Erlaubnis die Sladt-� grenze nicht überschreiten. Diese Bestimmung ist bis zum Tode' KayserS in Geltung geblieben. Er schrieb im Jahre 1883 selbst darüber in einer an den Reichstag gerichteten Tenkschrist: Fortsetzung des Krieges dienen sollte; denn die Tschataldschaannee sei imstando, den Fall Adrianopels zu rächen. Die Zeitungen heben den Heroismus Schükri Paschas und der Garnison hervor. Der Fall Adrianopels sei vorauszusehen gewesen. Die Verteidigung habe nur den Zweck gehabt, einen Teil der bulgarischen Streitkräfte zu binden.„ T a n i n" sagt, der Fall Adrianopels könne die Türkei nicht nötigen, die übertriebenen Forderungen der Verbündeten an- zunehmen. Die Arme« sei entschlossen, sich gegen die neuen mili» tärischen Unternehmungen der Verbündeten zu verteidigen. Die Mächte müßten auf die Verbündeten einen Druck ausüben. Oolitilcbe Qcbevficht. Berlin, den 28. März 1913. Zentrum und Wahlrecht. Daß das Zentrum auch im neue» Landtage nur daS alte Gaukelspiel zu erneuern beabsichtigt, beweist die Annahme von fünf Thesen, die auf einem ZentrnmSparteitag für die Grafschaft Mark in Gelsenkirchen beschlossen wurden. Diese Thesen lauten: 1. Das Landtagswahlrecht ist zwar reformbedürftig, aber die Uebertrogung des R e> ch s t a g s w a h l r e ch t s auf Preußen ist nach Lage der Verhältnisse absolut aussichtslos. 2. Die Be-- strebmigen. daS Reichstagstvahlrccht aus Preußen zu übertragen, sind stark diskrebiliert durch die Sozialdemokratie und die iecks sozialdemokratischen Abgeordneten des Abgeordnetenhauses. 3. Eine schrillweise Verbesserung de? LandlagswahlrechtS mutz da« nächste Ziel sein, und zwar zunächst durch Einführung der g e-> Heimen lfg a h l für die II r w a h l e n. 4. Die direkte Wahl ist erstrebenswert, darf aber k e im Hindernis syin s ü r die Erreichung der g e h e i m e n-W ah I. ö. So lange das Dreiklajsenwahlrecht besteht, muß es unsere größte Sorge sein, daß es nicht verschlechtert wird, wie es durch Auf- Hebung der D r> t t c l u n g in den llrwahlbezirken geschehen würde. Aus diesen Thesen ergibt sich, daß das Zentrum sich wiederum mit der Erringung der g e h e i ni e n Wahl begnügen loill. Dia direkte Wahl lehnt es unter dem Vorwand ab, daß dadurch dia Dritteluug in Urwahlbezirken fallen und damit gerade den nicht- besitzenden Klassen ein schwerer Nachteil zugefügt werden könne. Daß die direkte Wahl verbunden mit einer Drittclnng über den ganzen Ort rcsp. den ganzen Wahlkreis nicht nur keinen Fortschritt. sondern im Gegenteil nur ei» Attentat gegen die minimalen Rechte der proletarische» Wähler wäre, bedarf keines Wortes. Aber gerade deshalb muß der Sturm aller wirklich ehrlichen wahlrechtssreund-' liche» Elemente gegen das empörende D r e i kl a s s e n w a h I- s y st e in selbst gerichtet sein. Reformen so minimaler Art. wie sie die WahlrcchtSvorlage der Regierung oder das konservativ-ultra- montane Wahlrechtslompromiß boten, sind nichts als eine Ver- h ö h n u n g der entrechteten Wählermassen. lind daß die preußischen Wahlrechtshcloten sich solchen Hohn nicht gefallen lassen, wird das Zentrum empfindlich zu spüren bekomme».' -Heute so, morgen so! Das Mosscblatt orakelt Uff e der einmal über den preußischen Wahlkampf und die angeblich verpaßte Gelegen- heit eines liberal-sozialdemokratischen Zusammengehens. Da- be! ist das Blatt keineslvegS blind genug, um die erz- reaktionäre Haltung der preußischen Ratioualliberalen der Wahlreform gegenüber zu übersehen. La, es geht noch lveiter und konstatiert auch, daß die Fortschrittliche Volks- Partei sich„dem Gesetz der preußischen MimUry". der Anpassung an die reaktionäre» Zustände, unterwerfe. Das bch weise der Fortschritt auch durch seinen„tugendhaften Abscheu vor einer täktischen Verständigung mit der Sozialdemokratie". Daran freilich trage die preußische Sozialdemokratie selbst die Hauptschuld: statt„positive Arbeit zu leisten". sehe sie ihr« Ausgabe darin.„den Bourgeois vor den Leib zu stoßen". Vor allein aber: ..... lUlil IJ*1*11.,.5� „Seit vielen Monaten leihe ich an einer schivere» Halsentzündung. Der Arzt empfahl mir große Spaziergänge ins Freie. ich kann sie aber nicht ausführen, well mir der Aufenthalt außer- halb versagt ist. Ein Gesuch, mir das Ansenthaltsgebiet um 1 oder 2 Rftilc» zu ernwitei», wurde abgeschlagen." Mii solch schäbiger Niedertracht wußte der„große", der .eiserne" Kanzler seine polilischc» Gegner zu deHandeln. Mit der höhnischen Bemerkung, daß e» ja auch i» der Stadt Dresden sehr schöne Spaziergänge gäbe, tat der sächsische Bnndcsratsvcrtreter im Reichstage den Aufschrei des Mißbandelten ah und damit war bis Sache auch für den Reich-'stag ertedigt. May Kaysers schwere KehUopferkcankuna inachte unter solche» Umständen schnelle Fortschritte. DaS hielt den Tapferen nicht ab. seine. Parteipflichten bi-z aufs nußeiste zu erfüllen. Er unter» zeichnete nicht nur den Aufruf zur Einberufung, des St. Gallener Parteitags, er kam auch gelost, ein Schwerkranker, zu den Partei- tagsverhondlungen noch St. Gallen. Nach Beendigung des Partei- tages hat Schreiber dieser Zeilen noch ein paar unvergeßliche Abendstunden in Zürich im Kreis« einiger Genossen mit Max Kayser verlebt. Von Schmerze» und Beschwerden geplagt, stimm» los, aber doch in pester Stimmung, mit den ihm eigenen lebhaste» Gesten das rasche, witzige Wort begleitend, so gab sich Kayser an jenem Abend und so ist er dem Verfasser dieses Aussatzes, der ih» lebend nicht wiedersehen sollte, in unauslöschlicher Erinnerung ge- dlioben. Auch den Sterbenden und selbst den Toten verschonte»>äü hje giftige Versolgungswut der Mächtigen. Der Keiiltopfschuitt und die nackfoloendc teilweise Entfernung des Kehlkopfes konnten de» Un- glücklichen nicht mehr retten. Da wollte er in di« Heimat,»ach Breslau, um in den Armen dar Mutter zu sterben. Mit großer Mühe nur war die Erlaubnis zur lleberfübrung des Sterbende» nach Breslau von der dortigen Polizei zu erlangen, sie verzichtete nicht einmal ans besondere Ileberwachungsmaßnahmen beim Trans- port. Nach«inigen Tagen schon, am 29. Marz l8SS. erlag Kayser der furchtbare» Krankheit, die Sorge der Breslauer Polizei um die von Kayser gefährdete Sicherheit und Ordnung des Staates hatte aber auch jetzt noch kein Ende. Am Ostersonntag, den 1. April, lvurde der müde Leib des maßlos Verfolgten a»f dem jüdischen Friedhos zu Breilau zur letzten Ruhe bestattet. DeS starken Regens»»geachtet hatten sich Tausende von Arbeitern auf dem Friedhof, von dessen Halle aus die Bestattung erfolgic. eingefunden, ebenso aber auch mehr wie hundert Polizisten, die eifrigst die „Ordnung" ausrecht hielten, jeden Versuch, am Grabe zu reden. brutal verhinderten, die roten Kranzschleife,, sofort wegnahmen, die weißen zum Teil lvenigstens später cntweichcten. trotzdem die In- schritten denkbar vorsichtig und harmlos gehalten waren. Daß bei den von Berlin und Dresden gekommenen Teilnehmern am Bc- gräbnis unmittelbar nach ihrem Eintreffen>n Breslauer Gasthöfen nach vervotencn Schrfte» gehaussucht wurde, vervollständigt nur daS liebliche Bild preußischer Polizeikultur. Seit einem Vierteljahrhundert ruht nun schon Max Kayser an der gleiche» Stätte, die auch die Gebeine unseres großen Vor« känlpserS Ferdinand Lassalle birgt. Dankbar gedenken wir heute seiner und wiederholen, was vor 25 Jahren einer unserer Besten im Züricher„Sozialdemokrateii" sagte: „Max Kayser ist gehetzt worden wie ein wildes Tier. Da? „vaterlauislose Gesindel" aber, das wir mit Stolz uns nennen, eS hat in seinem Herzen dem totgehetzten Vorkämpfer-ine Heimat bereitet, eS wird den treuen Genossen nicht vergessen." Julius Bruhnk. .Ihre ideologischen Bedingungen für em Zu- sammengehen mit der bürgerlichen Linken waren un- «rsiillbar. Das wußte» die preußischen Sozialdemokraten natürlich ebensogut wie die Freisinnigen. Aber sie formulierten sie mit der äußersten Schärfe, um nachher triumphierend auf die neue Bestätigung der alten These von der einen reaktionären Masse hinweisen zu können." ES ist erstaunlich.>vie oft das„Berliner Tageblatt" seine Auffassungen wechselt! Schrieb es doch im Z a n u a r. nach der Zlnnahmc der„ideologischen Bedingungen" durch de» Preußischen Parteitag, wörtlich: „Daß die jetzt vom Preußentage angenommene Resolution einem taktischen Zusammengehen zwischen Fortschrittlern und Sozialdemokraten n i S t durchweg günstig sei, doS haben wir wiederholt auSgestihrt, und wir braucken cS nicht zu wieder- holen. Aber man darf auch n i cb t so weit gehen, zu behaupten. daß sie eine solche taktische Verständigung gerade-ZioegS V e r° hindert. ES kommt noch mehr als auf eine theoretische Re- solution auf ihre praktische Anwendung an. So viel wir sehen. soll durch die angenommene Resolution nicht ausgeschlvsicn werden. daß auch Ausnahmen zugelassen werden, wo ihre strikle Durch' führung sich als unmöglich erweist. Notwendig ist dabei. daß auch der Fortschritt der Sozialdemokrati gegenüber Entgegenkommen zeigt." Die Einsicht des Mosseblattes hat nicht lange borge halten.__ Die gcuasführten Schacherer. In Schleöwig-Holsteiu haben die Nationalliberalen im Gegen satz zu ihren Gesinnungsgenosse» der»»eisten übrige» preußischen Provinzen ein Zusammengehen mit der Fortschrittlichen Volköpartei für die Landtagswahlen abgelehnt und sich mit dem Verbände der Freikonservativen und Dcutschkonservativen verbündet. Dieses Vor' gehen hat nicht die Prinzipienfestigkeit der Fonschrittler verschuldet im Gegenteil, die Fortschrutler haben vielmehr die Nationalliberalen bis zur ÄLürdelosigkeit umwinselt, doch mit ihnen ein Wahlbündnis ein- zugehen. Die Ursache des konservativ-nationalliberalen Bündnisses licgt darin, daß das Gros des nationalliberalen Heerbannes in Schleswig-Holstein von den großen und»nittleren Bauern gestellt wird, die sich viel mehr zur konservativen als zur liberalen Politik hingezogen fühlen. Auf dem Provinzialtoge der schlcSIvig- holsteinschen Bündler und ebenso auf dein Provinzialtoge der konservativen Schleswig Holsteins sind nun vor einigen Wochen allerhand Einzelheiten über daö koirservativ-notionalliberale Wahlbündnis ausgeplaudert worden. die deiki Parteisekretär der Fortschrittlichen Bolkspartei in Schleswig Holstein, einen, Herrn v. Rautenlranz. Veranlassung gegeben haben in der Presse noch eimnal auf den Schacher zwischen Fortschrittlern und Nationalliberalen zurückzukommen. Herr v. Rautenkranz erklärt, zuerst seien die Fortschrutler an die Nationalliberalen wegen eines Bündnisses herangetreten, eine Koin Mission beider Parteien habe verhandelt und man sei überein- gekommen, so lange diese Verhandlungen dauerten, dürfte» die Nationalliberalen nicht in Verhandlungen mit den Konservativen eintreten. Tatsächlich sei aber schon ein generelles Abkomme» zwischen Nationalliberalen und Konservativen zustande gekommen als noch zwischen Fortschrittlern und Nationalliberalen verhandelt wurde. Der freisinnige Parteisekretär nennt das eine Komödie,.die aller politischen Moral bar und ledig ist". Die Fortschrittler wären demnach also bei dem politischen Schocher durch eine grobe Roß- täuschSrpolitil von den Nationalliberalen hineingelegt worden. Die nationalliberale GeschästSleilung in Kiel bestreitet das aher, sie behauptet, die Nationalliberalen hätten bei den Verhandlungen durch. aus korrekt gehandelt. Politisch interessanter als dies« Streitfrage ist das Urteil, das der fortschrittliche Parteisekretär in seine»» Angriff gegen die national- liberale Geschäftsleitung über das konscrvativ-nationalliberoleWahI. bünduis fällt. Er schreibt: „Taktische Waylabkommen kann jede Partei nach rechts oder linkt schließen, wenn sie dadurch»hrein politischen Ziele näher komnrt. Uninoralisch sind dagegen solche Bündnisse, wenn sie nur dem Mandatshunger dienen und dazu verhelfen, die Partei in der Gesetzgebung auszuschalten und von der Partei als absolut notwendig bezeichnete GeietzeSänderungen und Fortschritte durch solche Abkommen unmöglich zu»nachen. In diesenl Sinne darf das konscrvativ-nationallibcrale Bündnis als unbedingt unmoralisch bezeichnet werden, da eS lediglich dazu dienen soll, den Fortschrittlern einige Mandate zu entreißen, während den Konservativen der Mandatsbestand und damit die Alleinherrschaft in Preuße» gesichert bleibt. ES fehlt diesen, Bündnis jedes politische Ziel, und cS ist ein Hohn, wenn die Äotionalliberale», davon reden, daß sie ernst« lich eine Aenderung des preußischen Wahlrechts erstreben,»venu sie zur selbe»ZeitdieGegn er einer Wahlrechtsänderung wieder in den Land- tag bringe n." Der freisinnige Parteisekretär scheint in seiner politischen Un schuld gar nicht gemerkt zu haben, daß er n»it seinem Urteil nicht nur das konservativ-nationalliberale Wahlbündnis in SchleSlvig- Holstein, sondern auch das fortschrittlich-nationalliberale Wahlbündnis in den übrigen Provinzen für unmoralisch erklärt hat; denn wie will denn die Fort schrittli che Volkspartei durch ein Wahlbündnis mit den reaktionären Nationalliberalen ihren politische»i Zielen näher kommen? Ist(S nicht ein Hohn, wenn die Fortschrittler davon reden, daß sie ernsthaft eine Aenderung des preußischen Wahlrechts erstreben, und sich trotzdem verpflichten, Kandidaten einer Partei zu wählen, die gegen das gleiche Wahlrecht ist und die die Drittelung der Wähler in einer Form will, durch die die bisherige Wahl von wenigstens einigen wenigen wahren Volksvertretern ganz unmöglich gemacht wird? Und wie soll dann erst das Wahlbündnis zwischen Fortschrittlicher Bolkspartei und Bund der Landwirte im Landtagswahlkreise Flensburg gewertet werden, dem der fortschrittliche Abgeordnete Dr. DuuS sein Mandat verdankt? Die Fortschrittler sollten wirklich daS Moral' predigen in: politischen Kampfe bleiben lassen. , Landes au Sschusse? i et Reichsverbau des gegen die Sozialdemokratie, an der Verbreitung dieses Blattes ein weitgehendes Interesse hat, hofft Seine Durch- laucht. daß das Blatt auch Ihrerseits durch Geschäftsanzeigen unterstützt werden wird. Einsprechende Aufträge wollen Sie an Herrn Generalsekretär Kurt Daerr in Breslau IX, Kreuzstraße 47, gefälligst»nöglichst umgehend aufgeben. Hochachtungsvoll Dr. Nasse.' Der IlkaS besagt kurzweg:„Inseriere gefälligst in der „Schlesischen Landpost"» sonst wird Seine Durchlaucht das übel vermerken und bei der Erteilung von Aufträgen in Betracht ziehen Zwar heißt es in dein Schreiben nur. der Fürst von Pleß„hofft", daß er in dein von ihm begünstigten Blatt die Geschäftsanzeigen seiner Lieferanten findet, aber jeder dieser letzteren weiß, waS die kuriosen Hoffnungen bedeuten, die sich Seine Durchlaucht zu machen beliebt.__ Konservative Wünsche zur preußischen LandtagSwahl Zn einer Landtagswählei Versammlung der rechtsstehenden Par teien zu Witze u Hausen, Bezirk Kassel, forderte der Redner der Konservalivon, Landtagsabgeordneter v. P a p p e n h e i m, die Nationalliberalen auf, sich von ihrem Bündnis mit dem Freisinn wieder freizumachen. Er ineinte, ein Weg zum Zusammenarbeiten zwischen den Konservativen und den Nationalliberalen in Nord- deutschland lasse sich sicher finden. Die Konservativen Herr v- Pappenhcim ist einer der be kaimtesle» Vertreter der Junlerportei müssen vor dem erneuten Ansturm der Bousmassen aus die Dreiklassenpeste doch allerhand Respekt haben, andernfalls würden sie gewiß nicht auf öffentlichem Markte um die Wahlgemeinschaft milden so oft geschmähten National' liberalen buhlen, Reichsvcrbands-Terrorisuius. Der Liebertsche Reichsverband gegen die Sozialdemokratie eifert in seinen Flugblättern mit dem Aufgebot der albernsten Moral- Phrasen gegen die»vaterlandslose" Sozialdemokratie, die angeblich die von der Arbeiterkuudschast abhängigen kleinen bürgerlichen Ge- schäftöleute in terroristischer Weise»iiit den größten geschäftlichen Nachteilen bedroht, falls sie sich nicht willig den sozialdemokra- tischen Machtgeboten unterwerfen. Wie jedoch die Häupter des Reichsverbands dort, wo sie die Macht haben, die von ihnen ab- hängigen Elemente für ihre sauberen Zwecke einzuspannen verstehen, zeigt folgende heklographierte Aufforderung, die die„Fürstlich Plessische Genetaldirettion" an ihre Lieferanten gerichtet hat: Vom 1. April 1813 ab erscheint in Breslau unter dem Titel „Schlesische Landpost" ein gegen die Sozialdemokratie gerichtetes Wochenblatt, das nicht nur in der ganzen Provinz Schlesien Ein- ?iang finden, fondern das auch besonders in allen Landwirtschaft- ichen Kreisen gelesen werden wird. Da Seine Durchlaucht der Sürst von Pleß. als Vorsitzender des Schlesischen fraukmeb. Dreijährige Dienstzeit und Urlaub. Paris, 27. März. Jin H e e r e s a u s s ch u ß der Kammer wurde der Kriegsminister gefragt, wie er die Frage des den dreijährigen Dienst abkürzenden Urlaubs zu regeln lzedächte. Der Kriegsminister erklärte darauf, daß Leute, die einer Familie mit mehr als vier Kindern angehörten, zwei Jahre dienen sollten bei einem Urlaub von einem Monat: Leute, die einer Familie mit vier Kindern angehörten, dreißig Monate bei einem zweimaligen Urlaub von je einem Monat: Leute, die einer Familie niit weniger als vier Kindern angehörten, 36 Monate bei einem dreimaligen Urlaub von je einem Monat. Die Kommission nahin darauf mit 20 gegen 9 Ttiin inen den Artikel der Vorlage an, durch den die dreijährige Dienstzeit im Prinzip festgelegt wird. Bertagnng der Heereskommission. Paris, R). März, Die Hrereskommission der Kammer hat sich bis zum 24. April vertagt. Die Aussichten der Militärvorlage. Pnriö, 28. März.(P r iva t t el e g r a mm des „V o r w ä r t s".) I a n r ä s stellt in der heutigen„Hu- inanits" fest, daß die Sozialisten, wenngleich scheinbar im Heeresausschuß besiegt, schon Wesentliches erzielten. Eine Ueberruinpolung der Kaminer sei verhütet und dadurch ein Monat gelvonnen. Uin die Demokratie aufzuklären, biete die Kammerdchatte u« Mai die günstigsten Bedingungen. Barthvu habe zwar die(Aerüchto einer jetzigen Entscheidung über die Zurückhattuiig des zweiten Jahrganges dementiert »tnd für den Mai vorbehalten. Die Sozialisten werden aber sicher und erfolgreich nachweisen, daß eine solche Verfügung vor einer Entscheidung über die Einführung der dreijährigen Dienstzeit ungesetzlich ist. Barthou gab zwar die Bereitschaft zu Beilrlaudungotl zu. Diese Zugeständnisse seien indes wertlos. Jedenfalls entfiel den Militaristen ihr Elan. Die radikale Presse ironisiert Barthous Phrase von der Unnachgiebigkeit im Prinzip. Der„Rappel" glaubt voraus- zusehen, daß die dreijährige Dienstzeit mit zehn Monaten Urlaub angenommen wird. Der„Radikal" spottet, dreißig Monate wären ungenügend, drei Jahre weniger sechs Monate dagegen ausgezeichnet. Der„Teinpv" heuchelt Zufriedenheit, aber das„Eckio de Paris" zetert über Barthous Einlenken, iveil dadurch den Gegnern der dreijährigen Dienstzeit ein Monat für ihre Agitation belassen sei. Es erklärt, vorn Parlament nichts mehr zu erhoffen. Freigesprochene Antimilitaristen. Paris, 28. März. Vor dem Pariser Schwurgericht staichen gestern zwei Antimilitaristen namens Chamoy und PaSquet unter der Anklage, daß sie in einer öffentlichen Versammlung die Sol- baten zur Insubordination und zur Ermordung der Offiziere ans- gefordert hätten und für die Sabotage der Mobilisierung ein- getreten seien. Beide leugneten. PaSqnet erklärte, er habe nur gesagt, daß die sozialistischen Soldaten auf ein anderes Ziel als das von de»t Offizieren angegebene schießen sollten. Auf die Frage de» Präsidenten, ivarum er den Soldaten empfohlen habe. Ge- schütze zu sabotieren, antivortete PaSquet, er habe darauf gerechnet, im Einvernehmen mit den deutschen Kameraden zu handeln,»vas den Präsidenten zu der Bemerkung veranlaßte, die deutschen Käme- raden würden sich wohl Hüters sein Beispiel zu befolgen. Chamoy und PaSquet wurden von den Geschworenen s r est g c s p r o ch e n Velglen. Streikvorbereitungen. Unser Brüsseler Korrespondent meldet unS unterm 27. März: Die Streikkomitees, die nach dem ersten Generalstreik- beschluß mit ihrer Tätigkeit einsetzten, hatten seit dem 6. März, als das LandeSstreikkomitco die Proklamation zurückzog, ihre Tätigkeit ststtert. Nun ist der Generalstreik aufs neue per- kündet und die Komitees sind bereits in voller Arbeit be- griffen: denn in nicht ganz drei Wochen werden die Räder stille stehen in Belgien.... Die Brüsseler StreikkoiniteeS haben ihre Sitztingen für die ganze Woche angekündigt. ES arbeiten bekanntlich eine Finanzkommission, eine Lebensmittelkommission, eine Propa- gandakommission und eine Kinderkommission. Tie Brüsseler Föderation wird ihre eigene„OrdnungS- »olizei" für die Streikzeit haben. Zirka 20 Organisationen haben bisher 230 Mann für diesen Dienst beigestellt— es ivird aber die doppelte Anzahl nötig sein. Ein spezielles Komitee wird diesen Dienst organisieren und leiten. Für die liberalen Arbeiter. Das liberale Wahlrechtskomitee hat ein Manifest heraus- gegeben, in welchem zu Subskriptionen aufgefordert wird, um, die liberalen Arbeiter, die sich am Generalstreik beteiligen »verden, zu u ,» t e r st ü tz e»,. Für die Kinder. Die Sozialisten Hollands und Frankreichs haben bereits ihre Zusagen gemacht und Hunderte von Kindern der Strei- kenden»verde» bei ihnen Aufnahme finde»». Aber auch an ganerösen Angeboten von Einzelpersonen, die nicht der Partei angehören,»vird es nicht fehlen; ztvei Beispiele hierfür: ein Liberaler iit Saventhem, einem belgischen Ort, teilte dem „Peuple" in einem Briefe mit, daß er fünfzig Kinder in seinem Schlosse tuährcnd der ganzen Streikzeit aufnehmen »vird. Er und seine Familie, schreibt er,»verde» in jeder Be- ziehung dafür sorgen, daß die Kinder sich»vohl fühlen u»id cS ihnen au nichts mangele.— Der liberale Senator und In- dustrielle Leon Hiard in der Provinz Hennegau erbietet sich, für hundert Kiitder für die ganze Stroikzeit zu sorgen. Eine Spende von 23000 Frank hat ein bürgerlicher Demokrat, der ungenannt bleiben»vill, dem nationalen Generalstreikkomitee zur Verfügung gestellt. Cnglanä. Tie Flottendcbatte. London, 2s. März. Unterhaus. Im Verlauf der Marine« dehatte sagte der Liberale David M a s o n. daß, fall» Deutschland init seinen FlottenauSgaben halt»nachen sollte, dies nicht durch McinungStundgebungen Chur- ch i l l s, sondern dadurch veranlaßt»verde» ivürde, daß die öffentliche Vi r i n u n g in Deutschland einen Druck auf die deutsche Regierung ausübe. Churchill»oarf hier ein, ob eine solche Unterbrechung der deutschen Flottenrüstungen nicht durch den Umstand gefördert wer» den ivürde, daß sie von einer gleichartigen Unter- brechung in England begleitet sein»verde. Mason antivortete, cr stiinme init Churchill überetn, wenn dieser seine An» sichten hei den Marinefordcrungen nur praktisch zur Gel- tung bringen»volle. Gewöhnlich predige cr aber»uir. Churchill erwiderte, er werde auch Handel»,»venn cr die Gelegenheit dazu erhalt«. Zum Schluß forderte Mason den Ab- schluh eines Echiedsgerichtövertragss mit Teutschland. Annahme des Flotteitetats. London, 28. März. U n t e r h a u s. Räch eingehender zweitägiger Debatte, ioährend der daö Haus imr schivach be- setzt war.»vurde die Effektivstärke der Marine nach dem Etat angenommen. Ein Antrag a>lf Herabsetzung der Effektiv st ärke wurde mit 107 gegen 28 Stimmen ab- g e l e h n t. Soziales» Deutsch italieuischcS Abkommen über Arbeiterversicherung. Die«Nordd. Allg. Ztg." teilt über das delttsch-italientschc Ab« kommen über Arbeiterversichcrung folgendes»nit: Das am ttt. Juli v. I. in Berlin unterzeichnete Abkommen zivischcn dem Deutschen Reiche und dem Kömareich Italien über Ardcitervcrsicherung ist nunmehr von beiden Teilen ratifiziert »Vörden und»vird am 1. April d. I. in Kraft treten. ES beruht auf Artikel 2a des Zusatzvertrages vom 3- Dezember 4004 zu dem deutsch-itälienischen Handels-. Zoll, und Schiffabrtsvertrage vom 6. Dezember 1891, worin eine besondere vertragliche Regelung auf dem Gebiet« der Arbeiterversichernng vorgesehen ist. DaS Ab- komme»» ist auf deutscher Seite durch den Reichskanzler auf Grund der ün h 157 Absatz 2 der Reichoversicher ungsordnuny enthaltenen Erinächtigung geschlossen»vorden und hal die Zustimmung deS Bundesrat» gesunden. Solveit sich das Abkommen auf die Unfallversicherung bezieht« bestimmt es für das Gebiet der deutschen Gelverbeunsallversiche- rung und der deutschen Scennfallversicherung einerseits und da» Gebiet der italienischen Unfallversicherung anderseits die Gleich- stellung der Angehörigen des einen Lande«»nd deren Hinter- bliebenen mit denen des anderen Bandes, unbeschadet der Möglich- teil einer Kapilalabsindung.»vie sie in Deutschland unter geloffseit Voroussetzunge» gesetzlich vorgesehen ist. Für die Berechnung der an die Stelle der deutschen Unfallreitten tretenden Abfindungen ist der Bundesratsbeschluß vom 21. Dezember v. I. maßgebeitd, der die Bemessung von Knpltaladfindungen einheitlich für In» und Ausländer regelt. Auf dein Gebiet der Jnvalidcnurrsichrrung hatte die italienische Regierung geltend geutacht, daß die in Deutschland beschäftigten italienischen Arbeiter zivar gezwungen sind, ihren Anteil an den 'Beiträgen zu entrichten, aber infolge der Vorschriften über die Wartezeit und über den Verlust der Anwartschaft im allgemeine» geringe Aussicht haben, in den Besitz der Leistungen aus der Reichsverstcherungsordnuiig zu gelange». Diesen, Zustande ist in dem Abkommen abgeholfen»vorden. Es soll nämlich den in Deutsch- land beschäftigten und demgeinäß der BeitraaSleistung unterliegen- den Italienern, die gleichzeitig bei der ttalienischen allgemeine»! Invaliden- und AlterSverstcherungSkasse lCassa Nazionale di Pre« Videnza) oder bei den in Italien für Angehörige der HandelSmarma bestehende» besonderen Invalidenkassen eingeschrieben sind, das Recht zustehen, die Uebct>veisu»ig des von ihnen zu entrichtenden Teile«, also der Hälfte der für sie in Deutschland zur Verwendung gelangenden Beiträge, an die Lassa Nationale als Einzahlung für die italienische Kasse zu beantragen. Der Ueberiveisungtantrag hat zur Folge, daß die Ansprüche aus der BeitragSleistung zur deutschen Invaliden-»nd Hinterbliedenenversicherung hinfällig »Verden. Den deutschen Versicherungsträgern»vird daher in solchen Fällen die auf den Anteil der Unternehmer entfallende Hälfte der Beiträge zugute kommen, ohne daß sie ihrerseits eine Leistung aus der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung zu bewirken haben. Andererseits hat die»talienische Regierung zugestanden, daß die in Italien beschäftigten deutschen Arbeiter d,e Mitgliedschaft bei der bisher den Italienern vorbehaltenen Eassa Nazionale di Pre- videnza erwerben können und daß die Leistungen der italienischen Marinekassen, die bisher ihrem überwiegenden Teile nach nur den Inländern zukamen, den zur Besatzung eines italienischen See- sahrzeugcS gehörenden Deutschen in gleichem Umfange wie den Italienern gewährt werden. Ferner enthält das Abkommen eine Anzahl allgemeiner Be- stimmnngen, welche die Durchführung der Arbeitsversicherung de»• einen Landes in dem anderen Lande erleichtern sollen. Schlafstättcn für Kinder. Die„Aerztliche Sachverständigen-Zeituna" schreibt: Die Stadt Waldenburg in Schlesien bat Schlafstättcn für Kinder errichtet. Kinder von Arbeiterfamilien, die daheim nur ein ihre Gesundheit schädigendes Nachtlager besitzen und daS zehnte Lebensjahr überschritten haben, finden in diesen„Schlafstätteit" eine WW, Waldenblirgiude Einrichtung, bisher die einzige ihrer Art, wird gewiß segensreich wirken. Ihre Nottvendigkeit ist aber doch ein Zeugnis der über- aus traurigen Wohnungszuftände eines Großteil« der armen Stadtbevölkerung. ©ewerkfcbaftlicbea. 6in Verlcumdungsfcldzug gegen die Bauarbeiter. Ein baugewerbliches Unternehinerblatt brachte kürzlich eine im Tatarenstil verfaßte Notiz, worin es sich über das Verbandsblatt der Bauarbeiter, den..Grundstein", entrüstete. ber seine Leser zur Faulheit auffordere und die passive Rc- sistenz empfehle. Selbstverständlich fand sie bald ihren Weg in die ganze kapitalistisch verseuchte Presse; jetzt hat sie sich schon bis zu den kleinsten Kreisblättern durchgefrcssen. Gc- wohnlich wird sie mit einigen Redensarten über den„Tiefstand der sozialistischen Presse" eingeleitet und mit Ausdrücken des Abscheues geschlossen. Die ganz gerissenen Schinocks aber er- brachten durch den Abdruck der ominösen Notiz den bündigen Beweis, daß unter den deutschen Gewerkschaften die Sabotage propagiert wird, zum mindesten, daß die Maurer und ihr „Grundstein" damit den Anfang inachen. Daß sie dabei die Notiz entstellten, sei zuni Ueberfluß nebenbei bemerkt, denn diese journalistische Fälscherei gehört zu ihrem Verleumder- Handwerk. Da ist es vielleicht noch angebracht, diesem Rummel einige Worte zu widmen. Der„Grundstein" brachte in seiner Nr. 7 vorn 15. Febr. d. I. einen kleinen Artikel mit der Ueberschrift„Alkohol und passive Resistenz". Dieser Artikel war keine Redaktionsarbeit, sondern von einem im Beruf tätigen Maurer geschrieben, was auch aus der Unterschrist hervorging. Die Redaktion nahm ihn auf. weil er Gedanken enthielt, die vom Standpunkte des Gewerkschafters wie vom Standpunkte des Volkswirtschafters durchaus richtig und gesund sind. Ter Verfasser zeigt zwei Ursachen des frühzeitigen Kräfteverfalls bei den Bauarbeitern: den Alkoholgenuß und die Ueberanstrengung, und erörtert die Mittel, mit denen man diesen Uebeln begegnen könne. Lassen wir ihn selbst reden: „Gegenwärtig wird die Arbeitskraft jedes einzelnen im Dienste des Kapitalismus dollftändig aufgesogen. Der Bau- arbeiter ist nach Beendigung seiner häufig sehr langen Arbeits- zeit von seinem Tagewerk so angestrengt und ermattet, daß ihm zur Ruhe und Erholung nur ungenügende, und zur Pflege seines Körpers, zur Bildung seines Geistes überhaupt keine Zeit verbleibt. Die Ursache dieses Uebelstandes ist einesteils in der allzulangen Arbeitszeit zu suchen, andernteils in der gewaltigen Anstrengung, die die Arbeit erfordert. Diesem Uebelstande wäre abzuhelfen, wenn die Kollegen ihre Leistungsfähigkeit etwas zu- rückhielten und sich darin nicht gegenseitig Konkurrenz böten." In diesen Sätzen liegt der Kern seiner Ausfüh- rungen. Er schildert weiter aus der Praxis, wie die Unter- nehmer oft dazu greifen, einem Arbeiter besondere Zuwen- düngen zu gewähren, um ihn als Antreiber und Rekord- arbeiter benutzen zu können, und fordert von den Bauarbeitern, sich nicht dazu herzugeben, und von den Baudelegierten, gegen solchen Unfug einzuschreiten. Was ist dagegen zu sagen? Vom Standpunkte eines raffgierigen Kapitalisten freilich sehr viel, vom Standpunkte eines unbefangenen Volkswirtschaftlers aber nichts. Im Gegenteil: es ist innigst zu wünschen, daß dieser Ausruf zum Selbstschutz gegen die Auspowerung bis auf den letzten Tropfen von den Arbeitern befolgt würde. Von dem Ent- rüstungsschrei der kapitalistischen Presse darf man sich nicht im geringsten beirren lassen, und ihren unwahren und Hetze- rischen Entstellungen ist der wirkliche Tatbestand gegenüber- zuhalten. Es fällt den Bauarbeiterorganisationen gar nicht ein, der Faulenzerei das Wort zu reden. Unzählige Male haben sie erklären lassen, daß die Arbeiter verpflichtet seien, ihre Arbeit redlich und fleißig zu verrichten. Und gerade, weil sie sich immer ehrlich auf diesem Standpunkt gestellt haben, können sie mit gutem Recht und gutem Gewissen gegen die unverschämte Wühlerei auftreten, die mehr und mehr die übliche Arbeitsweise zu werden scheint. Es besteht ein großer Unterschied zwischen fleißiger Arbeit und der wahnsinnigen Hast, die auf so vielen Arbeitsstellen herrscht. Die Leute in der bürgerlichen Presse haben ja gar keine Ahnung, wie sich die Arbeitsleistung im Baugewerbe entwickelt hat. Wenn die Leute nur etwas nachdenken wollten, niüßte ihnen der tägliche Augenschein zeigen, in wie'■großem Umfange die Arbeitsleistungen der Bauarbeiter nur in den letzten 20 und 25 Jahren gestiegen sind. Hören wir darüber einen ganz unverdächtigen Zeugen, den Bautechniker Albert W u s s o w, der sich im Jahre 1910 während der Bauarbciteraussperrung im„Grund- stein" über die Arbeitsleistung äußerte. Dieser Mann schrieb damals: „Ich stehe jetzt seit 22 Iahren im praktischen Baugewerbe, ich kenne es im Süden und Westen und seit einigen Jahren auch im Norden Deutschlands und nehme daher für mich das Recht in Anspruch, über die Frage der Arbeitsleistung eine Meinung äußern zu dürfen. Und auf Grund meiner praktischen Erfahrung sage ich.- Die A r b e i t s l e i ft u n g im Baugewerbe hat sich mächtig nach oben ent Wickel t." Wussow erwähnt dann ein Gespräch mit einem Maurermeister. der sich ebenfalls an der Aussperrung beteiligt hatte, und den er nach seiner Meinung über den angeblichen Rückgang der Arbeitsleistung im Baugewerbe fragte: „Er sah mich nur an und sagte: Darüber brauchen wir 'doch nicht zu reden! Wir wissen doch, was früher getan wurde und was heute geleistet wird. Aber wissen Sie, die Unzufrieden- heit der Meister ist erklärlich: wir waren es so gewohnt, daß die Arbeitsleistung fortwährend wuchs. Bei jedem Bau konnte man sehen, wie es schneller ging als beim vorhergehenden. Da denken manche, das müßte fortwährend so weitergehen. Aber die menschliche Arbeitskraft hat doch auch ihre Grenzen." . Wussow schloß seinen Artikel damals init folgenden Sätzen: „Es ist Verleumdung, wenn man'den Gewerkschaften nach- sagt, sie verleiten ihre Mitglieder zur Faulheit. Eher könnte man das Gegenteil behaupten. Jcki habe wenigstens vor einigen Jahren, es war im rheinischen Industriegebiet, selbst gehört, wie Bömelburg in einer Versammlung unter dem Beifall der Zuhörer sagte:„Wir halten darauf, daß jedes unserer Mit- glieder seine volle Schuldigkeit auf der Arbeitsstelle tut." Aber das werden die Leser des„Grundstein" am besten beurteilen können. Ich wollte hier nur der falschen Behauptung entgegen- treten, daß die Arbeitsleistung im Maurergewerbe zurückgegangen sei. Ich habe das getan, oÄvohl ich kein Sozialdemokrat bin: denn ich halte diese Behauptung für ein schweres Unrecht, und den Bauarbeitern ist schon soviel Unrecht zugefügt worden, daß man sie mit allem Nachdruck gegen solche unwahren und unge- rechten Vorwürfe schützen mutz." So urteilt ein unbefangener und sachkundiger Mann über diese Angelegenheit. Aber freilich, solche Aeußerungeu schweigen die journalistischen Söldlinge der Scharfmacher tot; denn sie passen nicht zu den Verleumdungen, mit denen sie jetzt aus sehr durchsichtigen Gründen die Bauarbeiter heim- suchen._ Berlin und Qmgegend. Tarifbewegung der Handelsgärtner. Die im Allgeinen Deutschen Gärtner-Verein so- wie im Deutscben �nationalen) Gärtner- Verband verantw. Redalt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Jnseratentetl veranttv.: organisierten Gärtnergehilfen au? den Handelsgärtnereien befaßten sich am Donnerstag in einer überaus stark besuchten Versammlung mit ihren diesjährigen Forderungen. In erster Linie steht der Wunsch nach einer Lohnzulage.— Die Notwendigkeit einer Lohn- aufbesserung wird begründet durch die gesteigerten Lebens- bedinguugen. Mit ebenso gutem Recht wird eine Verkürzung der Arbeitszeit verlangt. Es sei gar nicht einzusehen, warum die Gärtnergehilfen im Sommer noch 1l Slunden und darüber arbeiten müssen, da auch im Gärtnergewerbe die Möglichkeit bestehe, eine kürzere Arbeitszeit einzuführen. Den Beweis hierfür lieferten jene Betriebe, die jetzt schon nicht länger wie 10 bis lOstz Stunden arbeite» lassen. Ferner sei das Verlangen nicht unbillig, daß den Gehilfen wenigstens alle 14 Tage ein freier Sonntag gewährt werde. Bezahlung des Heizdienstes von abends 9 Uhr ab müsse ebenfalls gefordert werden. Eine Haupt- forderung betrifft die Abschaffung des Kost- und Logiszwanges. Diese Forderung ist eine kulturelle im vollsten Sinne des Wortes, die Erhebungen und photographischen Aufnahmen auf diesem Ge- biete sprechen dafür. Das erste Referat in dieser Versammlung hielt der Gauleiter K w a s n i k vom Allgemeinen Deutschen Gärtner- Verein, der in einem Rückblick auch die Lohnbewegung von 1911, deren Ergebnis und Wirkung besprach. Die Situation ist in diesem Jabre etwas anders geworden, da nunmehr zwei Arbcitgeberorganisationen vorhanden sind, der Ver- band der Handelsgärtner Deutschlands und der„Arbeitgeber-Schutz- verband". Der letztere ist die Frucht jener Lohnbewegung von 1911. An der Spitze dieses„Schutzverbandes" steht als Spndikus ein Rechtsanwalt, der, wie er selbst sagte, als„Nationalökonom" be- zeichnet sein will. Laut Statuten betrachtet der Schutzverband es als seine Aufgabe, er st dann in Tätigkeit zu treten, wenn ein Streik bereits ausgebrochen ist. Das ist zwar eine eigenartige Stellungnahme von einem.Schutzverband", aber, ivie der Referent erklärte, könne es den Gehilfen auch so recht sein. Des weiteren unterbreitete K o v a s n i k die ausgearbeiteten Forderungen der Versammlung wie folgt: Die Arbeitszeit beträgt vom 1. April bis 39. September 19>/z Stunden täglich, ausschließlich der Pausen. Die Arbeitszeil soll um 6Vz Uhr abends beendet sein. Vom 1. Oktober bis 31. März nur 19 Stunden täglich, ausschließlich der Pausen und ohne Lohnabzug. Der Arbeitsschluß ist um 6 Uhr abends. Der Lohn ist als Nurbarlohn und als Wochenlohn zu zahlen. Als Niedrigstlohn für Gärtnergehilfen wird pro Woche 2S M. in bar bezahlt. Für Gärtnergehilfen, die sich im ersten Gehilienjahr befinden, darf der Niedrigstlohn 23 M. beiragen. U e b e r st u n d e n an den Wochentagen sind mit 19 Pf. Aus- schlag pro Stunde zu vergüten. Der Mmdestsatz beträgt 59 Pf. Dauern die Ueberstunden länger als zwei Stunden, so ist vorher eine Esscnspause von Vz Stunde zu gewähren, die mit zu be> zahlen ist. Beim Heizdienst ist eine ununterbrochene Mindestruhepause von neun Stunden, nämlich von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens zu gewähren. An Sonn- und Feiertagen dürfen nur die naturnot- wendigen Arbeiten verrichtet werden. Der Sonntagsdienst ist so zu regeln, daß die Gehilfen jeden zweiten, Sonntag vollständig von der Arbeit befreit werden. In Betrieben, wo aus irgendwelchen Gründen die vollständige Abschaffung von Kost und Logis im Augenblicke noch nicht durch- führbar ist. erfolgt für das Uebergangsstadium die Berechnung der Naturalleistung nach einer Tabelle, welche die Preise für das Logis und die einzelnen Mahlzeiten bewertet. Diese Forderungen sollen an diesem Sonnabend in Form eines vorgedruckten Formulars in all den Betrieben, wo eine vierzehn- tägige Kündigung besteht, vorgelegt werden. Ueberall dort, wo diese Anerkennung der Forderungen verweigert werden sollte, ist die Kündigung zum 13. April d. I. auszusprechen. Damit wäre dann der 13. April der erste Streiklag. Eingeladen zu dieser Versammlung waren der Borstand der Gruppe Berlin des Handelsgärtnervcrbandes und der Vorstand des Arbeitgeberschutzverbandes, doch erschienen war niemand von diesen Organisationen. Dagegen haben die Arbeitgeber durch ihren Syndikus mitteilen lassen, daß die Vorstände nicht anwesend sein könnten, da sie bindende Beschlüsse doch nicht fassen dürften.(!) Die Anwesenden nahmen diesen wunderlichen Bescheid mit ver- ständnisinnigem Lächeln entgegen. Stürmische Zustimmung aber erntete der Referent, als er mit einem zündenden Appell schloß. alles aufzubieten, um bei dieser Bewegung die Lebensvethällnisse der Gehilfen aus den Handelsgärwcreien wieder ein Stück vorwärts zu bringen. Der zweite Referent, B a n n i e r vom Deutschen(nat.) Gärtner- Verband, unterstrich die Ausführungen des Vorredners und ergänzte sie. nach mancher Seite hin sehr wirkungsvoll. Er bezeichneie die Forderungen als die denkbar bescheidensten und erklärte, daß es nicht zu verstehen wäre, wenn um dieser Forderungen willen es die Arbeitgeber zu einem Streik kommen lassen sollten. Diese hätten ja selbst das größte Interesse daran, daß geregelte Vcrhältnisie im HandeUgärtnergewerbe Platz greifen, da nur so erfolgreich der Schmutzkonkurrenz entgegen- gewirkt werden kann. Auch dieser Referent löste stürmische'Zu- stimmung aus. In der Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, in anderen Berufen werde man es nicht verstehen können, wenn die Gärtner- gehilfen wegen solcher Forderungen, die so lächerlich gering seien, die Arbeit niederlegen müßten. Zuletzt stimmte die Versammlung den Vorschlägen der Referenten e i n ji i m m i g zu. Deuttcbes Reich. Tie Aussperrung im Malergewerbe. Die unrichtigen Angaben des Unternehmcrverbandes mit den angegebenen großen Zahlen über die Ausgesperrten werden jetzt in Unternchmerkreisen immer mehr erkannt. Darum schwindet auch das Zutrauen zu den Führern mehr und mehr. Diese Stimmung kam in den letzten Tagen in den Versammlungen der Unternehmer in verschiedenen Großstädten zum Ausdruck. Mehrfach zirkulieren Listen, auf denen die Namen der Meister gesammelt werden, die für ein örtliches Verhandeln mit den Gehilscnorganisationen zu haben sind. Auch die Abschlüsse von örtlichen Tarifen nehmen immer mehr zu. In Frankfurt arbeiten bereits 156 Geschäfte mit über 799 Gehilfen zu neuen Bedingungen; die Löhne sind 3 Pf. höher als durch Schiedsspruch zuerkannt. In Wiesbaden arbeiten nach einwöchiger Aussperrung schon 299. Gehilfen zu neuen Be- dingungen. In Lübeck haben 69 Meister mit dem Verband der Maler die neuen, höheren Bedingungen korporativ vereinbart, und zu den Tarifabschlüssen in Plauen, Jena, Reichenbach i. V. u. a. ist M i t t w e i d a hinzugekommen. Der Bund deutscher Dekorationsmaler stellt in einem Flug- blatt fest, daß gerade die Hauptscharfmacher sich am meisten um die Aussperrung gedrückt haben und erklärt: „Der Ärbeitgebervcrband im Malergewerbe hat im gegen- wärtigcn Lohntampfe seine Unfähigkeit bewiesen und die deut- schen Malermeister haben die Zeche zu bezahlen." Der Bund deutscher Dekorationsmaler nimmt nur große Firmen auf und soll jetzt massenhaft Aufnahmen zu verzeichnen haben.— Wie lange noch, und der Unternchmervcrband wird es nicht mehr fertig bringen können, seinen Reinfall öffentlich ab- zustreiten.__ Streiks der Schiffszimmerer. Die auf den Schiffswerften in Neuwarp in Pommern beschäftigten Schiffszimmcrer haben wegen Nichtanerkennung gc- stellter Forderungen und Ablehnung jeder Verhandlung die Arbeit eingestellt. In Odcrbcrg(Mark) und auf der Werst von K. Füting in Liepe am Finowkanal befinden sich die Schiffszimmerer aus denselben Gründen im Ausstand. Eine rühmenswerte Aus- tt.Glocke.Berl'n. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u, Verlagsamtall i nähme bildet die Firma Mertens in Oderberg, die die berechtigt« Wünsche und Forderungen der Arbeiter anerkannt hast. Um strenge Fernhaltung des Zuzuges nach den übrigen ge» nannten Werften wird dringend ersucht. Organisationsfeindliche Schnapsfabrikanten. Große Mühe und jahrelange Agitationsarbeit haben trotz deZ organisationsfeindlichen Verhallens der Unternehmer es vermocht, eine Anzahl Brennereiarbeiter von Steinhagen und Umgegend der Organisation zuzuführen. In letzter Zeit ist es aucb schon zu einem Tarifabschluß mit der Firma Jückemöller in Sleinhagen gekommen. Aber die anderen Unternehmer stehen noch auf dem unverfälschten Herrenstandpunkt. Haben sie es auch nicht verhindern können, daß sich ein Teil ihrer Arbeiter der Organisation anschlössen, so be- handeln sie diese doch in einer solchen brüsken Art, wie �s die Grubenmagnaten kaum fertig bringen: namentlich die Firmen H. E. König in Steinhagen und Karl Stahl in Gütersloh, die zu- sammen ö9 Arbeiter beschäftigen. Ans eingereichte Forderungen zur Verbesserung der noch sehr rückständigen Arbeits- und Lohn- Verhältnisse fiel es den Herren gar nicht ein. zu antworten, auch auf mehrfache Erinnerungen nicht, und bei versuchler Vorsprawe wurde dem Vertreter der Organisation erklärt, man sei für ihn nicht zu sprechen. Der Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter, dem die organisierten Arbeiter dieser Betriebe angehören, wird alles daran setzen, die Organisation auch in diesen Betrieben so aus- zubauen, daß die Herren genötigt sein werden, mit sich sprechen zu lassen._ Der Streik der Erdöl-Arbeiter in der Deutschen Erdölindustrie zu Grabow(Mecklenburg) ist zugunsten der Arbeiter beendet. Ausland. 25 Jahre Schweizerischer Lithographcnbund. Der soeben erschienene Jahresbericht des Schweizerischen Lithographenbundes würdigt in einem geschichtlichen Rückblick den 2Ljährigen Bestand desselben, der die Entwickelung der Organi- sation wie die fortschreitende Verbesserung der Arbeits- und Lobn- Verhältnisse im schweizerischen Lithographiegewerbe schildert. In demselben besteht heute die üllhstündige wöchentliche Arbeitszeit mit 9 Stunden an den ersten 5 Wochentagen und G'A Stunden an den Sonnabenden. Die Lohnverhältnissc sind heute folgender Niedrigster Wochenlohn für die Trucker 24 Frank(1997; 19,70 Frankj, höchster 69,25 Frank, durchschnittlicher 43,70 Frank.(39,35 Frank); für die Lithographen 22,S9 Frank(20 Frank). 66,55 Frank und 46,40 Frank(45 Frank); den niedrigsten Lohn mit 39 Frank zahlt die berühmte katholische Lithographie in Einsiedeln, dem viel» besuchten internationalen Wallfahrtsorte, wobei die fromnren Be- sitzer Benziger schwere Millionäre geworden sind. Der Schweizerische Lithographcnbund hat im Jahre 1912 in- folge des vertraglichen Organisationszwanges seine Mitgliederzahl von 819 auf 933 erhöht, wovon 548 Schlvcizer, 289 Deutsche. 36 Oesterreicher, 37 Italiener usw. sind. Sein Vermögensbestand ist auf 298 581 Frank gestiegen, so daß auf jedes Mitglied 223,50 Frank entfallen. Seit 1887 hat der Lithographcnbund folgende Unterstützungen ausbezahlt: 161783,97 Frank an Krankenuntcr- stntzung, 39 689,19 Frank an Arbeitslosenunterstützung, 32 843,31 Frank an Streik- und Maßregelungsunterstütznngen, 17 219,25 Frank an Todesfallunterstützung, 12 197,34 Frank an Reiseunter- stützung usw. So hat diese Organisation eine in jeder Beziehung nützliche und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet, auf die sie mit Stolz und Befriedigung zurückblicken darf. Letzte Nachrichten. Liberaler Anstand. Hamburg, 28. März.(W. T. B.)� Die Bürgerschaft hat cnd- gültig Oberregierungsrat Dr. Echoen zum Präsidenten und die Herren B l i n ck m a n n und Dr. B a g g e zu Vizepräsidenten ge» wählt. Die Sozialdemokraten, die einen Schriftführerpostcn bcan- sprucht hatten, sind auch diesmal nicht im Borstand der Bürgerschaft vertreten.__ Adrianopcl während und nach der Ucbcrgabe. Sofia, 28. März.(W. T. B.) Gestern wurde die Eisenbabn» Verbindung bis zur Ardabrücke wiederhergestellt, die voraussichtlich in einigen Tagen wieder in Stand gesetzt sein wird. Von heute an werden die Zöge bis auf 1% Kilometer vom Adria» nopeler Bahnhof verkehren können. Der Eiscnbahnminister ordnet die Zufuhr von Mehl an. Der Post- und Telegraphcndircktor trifft die nötigen Maßnahmen zur Wiederherstellung des Dienstes. Tie Lage der Bevölkerung der eroberten Stadt scheint nicht so verzweifelt gewesen zu sein, wie sie geschildert worden ist. Die Entbehrungen dürften nicht groß gewesen sein. Vor der Ucbcrgabe steckten die Türken das Getreidedcpot in Brand. Es wurde ein Mehldepot entdeckt, das Mehl wurde an die Armen verteilt. Nur wenige Gebäude sind beschädigt, eine Epidemie herrscht n i ch t. Viele Türken zerschlugen ihre Gewehre, ehe sie sich ergaben. Auch mehrere schwere Geschütze sind beschädigt und mehrere Munitionsdepots wurden in die Luft gesprengt. So- gar die Pferde wurden getötet, damit sie nicht in die Hände der Sieger fielen. Die radiotelegraphischc Station und die Schein- werfer wurden auf Befehl Schükri Paschas zerstört. Tie Pforte willigt in den Abzug der Zivilbevölkerung aus Skntari. Wien, 28. März.(W. T. B.) Die Pforte hat sich bereitwilligst mit dem Ersuchen Oesterrcich-Ungarns einverstanden erklärt, daß Essad Pascha die Ermächtigung erhalte, den Abzug der Zivilbcvölke- rung Skutaris zu gestatten. Die Pforte bat die östcrreichifch-unga- rische Monarchie, ihm den Befehl hierzu zu übermitteln, da die Pforte selbst außerstande sei, mit Skutari zu verkehren. Vorstellungen der Großmächte bei der montenegrinischen Regierung. Cetinje, 28. März.(Aus amtlicher montenegrinischer Quelle.) Tie Vertreter der Großmächte haben um 3 Uhr nachmittags einen Kollektiv schritt unternomnien, der den Beschluß der Mächte hinsichtlich der Grenzen des zukünftigen Albaniens und die Aufhebung der Belage rung von Skutari zum Gegenstand hatte. �__ Wie die Großen, so die Kleinen. Bukarest, 28. März.(W. T. B.) Die Parlamentssession ist bis zum 13. April einschließlich verlängert worden. Der Minister- rat hat beschlossen, den Staatsvoranschlag um 29 Mil-. l i o n e n Lei(16 Millionen Mark) zu erhöhen, deren größter Teil auf das Budget des Kricgsministeriums entfällt. Eine Katastrophe auf der Wolga. Rvbinsk, 23. März.(W. T. B.) Durch den Eisgang auf der Wolga sind mehr als hundert Boote sortgetneben worden und gesunken. Der Schaden ist sehr groß. Viele Schifft sind der Katastrophe zum Opfer gefallen. Folgenschwerer Einsturz eines Dachstuhles. Brüssel, 28. März.(W. T. B.) Bei dem Einsturz des eisernen DachstuhleS'eines Brauercischnppens jino hier 2 9 Personen schwer v e r l e tz t worden, darunter fünf töolich._____ aul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Dr. 73. »>-» 1. Iritajf ins JamWs" Jftliift JoMlitt. Die llccrcs- und Deckungsvorlagen. In einer Sonderausgabe veröffentlicht die„Nordd. Allg. Zeitung" die neue Heeresvorlage im Wortlaut sowie die allgemeinen Grundzüge ihrer Deckung. Den Gesetzen wird zunächst eine allgemeine Begründung vorausgeschickt, die folgende allgemeine Bemerkungen enthält: Durch die Ereignisse, die sich auf dem Balkan abspielen, ftnd die europäischen Machtverhältnisse v c r s ch o- .den worden. Teutschland hat in einem Kriege, der ihm aus- genötigt werden sollte, langgestreckte, von Natur zum grossen Teil offene Grenzen möglicherweise gleichzeitig gegen mehrere Feinde zu schützen. Infolge der eingetretenen Bcrschievungen ist es heute anehr denn je unsere oberste Pflicht, diesen Schutz so stark zu ge- Palten, wie unsere Volkskraft es zuläht. Die Stärke unseres Heeres hat mit dem Wachstum e der Bevölkerung nicht völlig gleichen Schritt gehalten. Teile der wehrkräftigen Bevölkerung bleiben gegenwärtig für den Waffen- dienst unausgebildet. Die allgemeine Wehrpflicht ist aber die be- tvährteste llntcrlage für Deutschlands Stärke. Nur wenn sie ver- wirklicht bleibt, können wir der Zukunft mit dem sicheren Gefühl erfüllter Pflicht und festen Vertrauens entgegensehen. Dann bleibt auch die Armee jung, und wir sind nicht genötigt, im Kriegs- falle ältere Jahrgänge, Männer mit Frau und Kind, sofort und in vorderster Linie� an den Feind zu führen, während junge, dienst- taugliche Mannschaft zurückbleibt und beim Eintritt der Gefahr erst ausgebildet werden mutz. Seilender Gedanke der Vorlage ist deshalb der Ausbau der «llg? meinen Wehrpflicht nach dem Stande der L c v ü l k c r u 2tt Bermögensahssode. Zur Deckung der einmaligen Ausgaben schlägt der Bundesrat die Erhebung eines einmaligen a u tz e ro r d e n t l i ch e n Wehr- beitrags vor. Es ist klar, daß der gewaltige einmalige Bedarf ohne Bruch mit den Grundsätzen einer soliden Finanzgebaruna nicht auf dem Wege der Anleihe aufgebracht werden kann. Zudem würde allein der Zinsend, enst für eine so hohe Anleihe eine neuegrotzcStcuer erforderlich machen. Auch würde die Unterbringung der Anleihe mit Rucksicht auf die gegenwärtige Lage des Geldmarktes voraus- Pchtlich von bedenklichen Folgen begleitet sein. An dem vaterländischen Opfer werden auch die deutschen «»ndessürstcn sich beteiligen. �° � Der Wehrbeitrag soll»ach dem Entwurf in einer Abgabe von Yn vom Hundert des Vermögens bestehen. Jedoch ist auch er- gänzungs weise eine Heranziehung der hohen Einkommen vorgesehen. Wer ein Einkommen von bOOdO Mark und dar- ü b e r hat, soll einen einmaligen Beitrag von 2 vom Hundert des Einkommens zu entrichten haben, sofern er nich t schon aus dem Vermögen einen gleich hohen oder höheren Beitrag leisten mutz. Eine weitergehende Berücksichtigung des Einkommens mutz schon daran scheitern, daß sich damit die Schwierigkeiten der Veranlagung und ihrer raschen Durchführung in einem Matze steigern würden, das mit der Natur des Beitrags als einer einmaligen Abgabe nicht vereinbar wäre. Auch sonst entspricht es dem der Erhebung des Wehrbeitrags zu- gründe liegenden Gedanken eines einmaligen Opfers, wenn dieser Gedanke aus breiter Grundlage und in möglichst einfacher Form durchgeführt wird. Daher ist von einer Staffelung des Beitrags nach der Höhe des Vermögens abgesehen und unter Frei- lassung der kleinen Vermögen von nicht mehr als 10000 Mark der Kreis der Beitragspflichtigen möglichst weit gezogen. Gegen die Staffelung spricht der Umstand, daß die Höhe des Vermögens für sich allein leinen unbedingt zuverlässigen Matz- siab für die größere oder geringere Leistungsfähigkeit des Ver- mögensinhabers gibt, da diese durch die Ertragsfähigkcit des Ver- mögens und durch mannigfache sonstige Umstände wesentlich mit bestimmt wird. Bei der Frage, wie die Freigrenze nach uliten zu ziehen ist, fällt außerdem die Höhe des finanziellen Bedarfs erheblich in die Wagschale. Zur Vermeidung von Härten ist vor- gesehen, daß der Beitrag in zwei Raten entrichtet werden kann und Stundungen bis zu drei Jahren zulässig sind. In den Kreis der beitragspflichtigen Personen sind außer den natürlichen Personen auch die Aktiengesellschaften und Kommandit- gesellschaften auf Aktien herangezogen. Es schien gerechtfertigt, auch die hier hervortretende hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dem Wehrbeitrage dienstbar zu machen, zumal gerade die großen Erwerbsgesellschaften an der Erhaltung des Friedens, dem die Ver- stärkung der Wehrmacht dienen soll, besonders interessiert sind. Bei Berechnung ihres steuerbaren Vermögens hat der Nennbetrag des Aktienkapitals und das Geschäftsguthaben der persönlich haftenden Gesellschafter in A b z u g z u kommen. Das Verfahren ist im Hinblick auf die besondere Art der Abgabe und ihre einmalige Erhebung möglichst einfach, und zwar im Anschluß an die Veranlagung in den Einzclstaaten geordnet, ohne daß deshalb auf eine sichere Erfassung, insbesondere des mobilen Besitzes, verzichtet worden ist. Es würde gerade dem vorliegenden Gesetz am wenigsten enl sprechen, wenn dem Beitragspflichtigen daraus, daß er sein Ver- mögen hier gewissenhaft angibt, Nachteil aus einer unzutrcffcn- den Deklaration in einem landessteuerlichen Verfahren erwachsen würde. Es ist daher bestimmt, daß Beitragspflichtige, welche Ver- mögen angeben, das als solches oder als Ertragsquelle bei der Ver- anlagung zu direkten Landes- oder Gemeindesteuern bisher nicht besteuert war, obwohl es der Steucrpflicht unterlag, von der landesgesetzlichen Strafe und der Verpflichtung zur Nachzahlung der Steuer für f.rühcre Jahre frciblcibt. Die jäkrlicden Ausgaben. Matrikularbeiträgr und Besitzsteuergcsetz. Der Deckung der laufenden Kosten soll in erster Linie der Entwurf eines Gesetzes, betreffend Aenderungen im Finanzwesen, dienen. Die Höhe des neuentstandenen laufenden Bedarfs erweist sich als so erheblich, daß er in vollem Umfange aus den bisher vom Reiche in Anspruch genommenen Steuerqucllcu nicht gedeckt werden kann. Ter Zwang der gegenwärtigen Verhältnisse führt daher dazu, einen erheblichen Teil des Bedarfs durch Umlegung auf die einzelnen Bundesstaaten zu decken, von denen er im Wege der allgemeinen Besteuerung vom Einkommen» Ertrag oder Vermögen oder durch Besteuerung der Erbschaften aufgebracht werden mutz. Für die Umlegung auf die Bundesstaaten kam nach dem Vorgang der Matritularbeiträge in erster Linie die B e- Völkern ngszahl als Matzstab in Betracht. Bei Verteilung nach der Bevölkerungsziffer würden aber die Bundesstaaten mit einer ivohlhabenden Bevölkerung zu vcrhältnismätzig höherer Steuerbelastung ihrer Sie nerpfliclst igen genötigt werden, als die übrigen Bundesstaaten. Es galt daher einen Matzstab zu finden, der die Verschiedenheiten in der Steuerkrast der Bevölkerung der einzelnen Bundesstaaten in geeigneter Weise zur Wirkung bringt. Dieser M a tz st a b bietet sich in der Veranlagung des Ver- mögens zum W c h r b e i i r a g. Weiter war auf eine Rege- lung Bedacht zu nehmen, durch die sichertzestcllt wird, daß der um- gelegte Reichsbcdarf in den einzelnen Staaten wirklich durch Steuern vom Vermögen, Einkommen, Ertrag oder von Erbschaften aufgebracht wird. Dies konnte nur in der Weise ge- schchen, daß in dem Bundesstaat ein reich srechtlich normiertes Stcuergesetz in Kraft tritt, sofern die landesrechtlichc Regelung nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt st a t t g c f u n d c n h a t. In seinen einleitenden Vorschriften bestimmt hiernach der Eni- Wurf, daß die Bundesstaaten vom 1. April 1016 ab außer den von ihnen nach Artikel 70 der Reichsverfassung aufzubringenden Matri- kularbeiträgen zu den gemeinschaftlichen Ausgaben des Reiches einen Jahresbeitrag zu leisten haben, der im ganzen auf 1,25 M. für den Kopf der Bevölkerung bemessen lvird. Der Gesamt- betrag soll nach näherer Bestimmung des Bundesrats auf die ein- zelnen Bundesstaaten, entsprechend dem Verinögensstande, der sich aus der Veranlagung nach dem Gesetz über einen einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag ergibt, verteilt ivcrden. D e m Bundesrat bleibt vorbehalten, den Verteilungs- matzstabvonZeitzuZeitnachzuprüfen und ander- weit festzustellen. Des weiteren wird dann bestimmt, daß die Bundesstaaten zur Aufbringung des auf sie entfallenden An- teils allgemein Vermögens-, Ertrags-, Einkommen- oder Erbschaftssteuern bei sich einzuführen haben. So- weit solche Steuern bereits bestehen, soll der Einführung die Er- höhung dieser Steuern gleichstehen. Als Gesetz, das für den Fall, daß eine landesgesetzliche Regelung nicht rechtzeitig zustande kommt. oder später wieder wegfällt, von Reichs wegen in dem betreffenden Bundesstaat in Kraft zu treten hat, ist ein dem EntWurfe beige- fügtes Bermögcnszuwachsstcucrgesetz (Besihsteuergesetz) vorgeschlagen. Für die Wahl dieser Steuer war einmal die Erwägung maß- gebend, daß sie den Charakter einer allgemeinen Besitz- st euer(?!) an sich trägt. Sodann.kam in Betracht, daß diese Steuer bisher noch in keinem Bundesstaat eingeführt ist, und damit den- jenigen Staaten, die in der Anspannung ihrer bisherigen direkten Steuern nicht glauben weiter gehen zu können, eine neue Steucrart zur Verfügung gestellt wird. Rritt das Besitzsteuergesetz mangels landesgesetzlicher Rege- lung, die auch in der l a n d e s g c s c tz l i ch e n Einführung des Besitz st euergesctzcs bestehen könnte, von Reichs wegen in Kraft, so soll der Bundesstaat an Stelle des auf ihn cnt- fallenden Jahresbeitrages den gesamten Ertrag aus diesem Besitzstenergesetz an das Reich abführen. Es heruhi diese Vor« 'chrift auf der Erwägung, datz bei den Staaten, die sich dem Besitz- tcuergesetz unterwerfen, die Verpflichtung dem Reiche gegenüber billigerwcise als erfüllt angesehen iverden kann, wenn sie die aus dem Gesetz erzielten Einnahmen dem Reiche überlassen. Anderer- Icits konnte es im Interesse der Rcichsfinanzcn nicht zugelassen werden, datz die Staaten, die einmal zum 1. April 1016 das Besitz- sreuergesetz haben in Kraft treten lassen, später nach ihrem Bc- lieben das Gesetz wieder aufgeben oder ändern. Ob eine landesgesetzliche Besteuerung im Sinne des Gesetzes durchgeführt ist, soll der Bundesrat zu entscheiden haben. Gegenstand der mangels anderiveiter landcsgcsetzlicher Rege- lung in den einzelne» Bundesstaaten in Kraft tretenden Ver- mögenszuwachssteuer(Besitzsteucr) ist der B e r m ö g e n§ z u- wachs im weitesten Sinne, nämlich der Betrag, um den sich der Gesamtwert des Vermögens einer Person erhöht hat. Ter Vcrmögcnszuwachs ergibt sich aus der Verglcichung des Ver- mögensstandes eines Steuerpflichtigen zu verschiedenen Zeit- punkten. Tie Steuer hat somit zum Gegenstände nicht den Vor- inögcnsbcsitz als solchen oder das Vermögen als Ertragsquelle, sondern den V c r m ö g c n s c r w c r b. Die Steuerpflicht knüpft aber nicht an einzelne, den Vermögenserwerb vermittelnde Rechts- Vorgänge an, sondern sie trifft an einem zum voraus bestimmten Zeitpunkt ein, zu welchem das Vermögen festgestellt und mit dem Vermögensstande zu einem früheren Zeitpunkt verglichen wird. Der zwischen den beiden Zeitpunkten liegende Zeitraum ist der Veranlagungszeitraum. Nach dem Entwurf beträgt der a l g c- meine V e r a n la g u n g s z e i t r a u m 2 Jahre. Er schließt sich zunächst au den für die Veranlagung des Wehrdeitrags maß- gebenden Stichtag(31. Dezember 1013) an. Durch weitere Einzel- Vorschriften ist Vorsorge getroffen, daß die Möglichkeit der A u s- gleich uug späterer Vermögensverluste besteht. Grundsätzlich soll das gesamte Vermögen in der Hand des Vermögensinhabers, sedoch nur einmal der Zuwachsbcsteueruug unterworfen sein. Die Stcuerpflicht ist beschränkt aus natürliche Personen. Kleinere Vermögen bis 6000 M. sind von der Steuer befreit. Die Freigrenze kann sich dadurch cr- höhen, datz auch ein Vermögenszuwachs bis zu 2000 M. nicht besteuert wird. Tie Entrichtung der Vermißtcnszuwachssteucr verteilt sich auf den dem Vcranlagungszeitraum folgenden zweijährigen ErhebuugS- zeitraum. �Autzeroem ist eine ratenweise Zahlung der Jahresbe- träge der Steuer vorgesehen. Zur Vermeidung vo» Härten kann die Steuerbehörde auck die Zahlung der Steuer in Raten zulassen. D i c Steuersätze b�e w e g c n sich zwischen 0.5 und 2,5 des Zuwachses. Sie sind abgestuft nach der Höhe des Z»- Wachses und nach der Größe des Gesamtbermögcnsbesitzcs eines Steuerpflichtigen. Die Vermögenszuwachssteucr cuthält auch mittelbar eine Besteuerung des Erbschafts- und TchcnkungS- erwerbcS, insbesondere aucb des Erbschaftserwerbcs der Abkömmlinge, wo- gegen für den Erbschaftserwcrb unter Ehegatten eine besondere Regelung vorgesehen ist. Die steuerliche Erfassung des Kindes- erbes durch eine allgemeine Vermögenszunxichssteuer stellt sich aber als eine wesentlich mildere Form der Belastung dar, als die Besteuerung durch Ausdehnung des Erbschastssteuergesctzes auf Abkömmlinge. Tie Vermögenszuwachssteuer kann sich niit erheb- lich niedrigen Sätzen begnügen als die Erbschaftssteuer. Sie wird außerdem nicht alsbald beim Ablcbe» des Erblassers crboben, son- der» erst zu Beginn des nächsten Bcranlagniigszcitraums, sie ist nicht auf einmal zu entrichten, sondern verteilt sich auf mehrere Ratenzahlungen und erfaßt nur die Bereicherung, die am Ende des Vcranlaguicgszeitraumes noch vorhanden ist. Bei der Ver- mögenszuwachssteuer kaum das mobile Kapital leichter erfaßt und eine Hinterziehung der Steuer durch Schenkungen unter Lebenden vermieden iverden. Dem Danebcnbestehen des Grundwertzuwachsstcuergesetzes trägt der Entwurf insofern Rech- nung, als die Möglichkeit gegeben ist, die Grundstücke nur mit dem Betrag der Gestehungskesten zu bewerten und die Abrechnung des Betrages der steuerpflichtigen Wcrtsteigerung abzüglich der er- hobenen Wcrlzuwachssteuer von dem nach dem vorliegenden Gesetz ermittelten Vermögcnszmvachs zu belassen ist. Keibekaltung von indirekten Steuern. Zuckcrsteucr und Grundstückstempel. Nach dem Gesetze vom 14. Juni 1012 soll die Ermäßigung der Zuckcrsteucr auf den in Artikel V des Gesetzes, betreffend Aeuderung im Finanzwesen, vom 15. Juni 1000 normierten Be- trag sechs Monate nach Einführung des neuen Besitzsteuergesctzes, spätestens mit dem 1. Oktober 1016 in Kraft treten. Eine Er- mäsiigung der Zuckcrsieuer vor dem 1. Oktober 1016 kann zurzeit iiidcssc» nicht in Betracht komme», da die Finanzierung der Mili- tärvorlagc von 1012 auf der Voraussetzung der Aufrcchterhaliung der Steuer bis zu diesem Tage beruhte und der Ertrag der Besitz- stcncr jetzt für andere Zwecke bcraiigczogen werden muß. Ter gcgeiuvärtigc DcckungSbcdarf macht es demnach zut Notwendigkeit, den Eintritt der Ermässigunq der Zuckersteuer und den Wegfall des Zuschlags zum Grundstücksstcmpcl wenigstens noch bis zum Ende des gicchnungsjahreS 1017 hinauszuschieben, da sich alsdann wird übersehen lassen, inwieweit die neuen Einnahmen sich dem Bedarf entsprechend entwickeln. Der Entwurf trifft dem ent- sprechend Bestimmung. Neben den vorstehend bezeichneten behandelt der Gesetzentwurf noch zlvei weitere Maßnahmen, nämlich die Anschaffung eines zur Befriedigung eines außerordentlichen Bedarfs dienenden Be st an des an Silber münzen bis zur Höhr von 120 Millionen Mark, sowie die Ausgabe weiterer R c i ch s k a s s e u s ch e i u c i» Abschnitten z u 5 und 10 M. bis zur Höhe von 120 Millionen Mark, um auS ihrem Erlös einen gleich hohen Betrag in gemünztem Golde mit der Zweckbestimmung beS OleichSkriegSschatzeS bereitzustellen. Beide Maßnahmen verfolgen den Zweck, dem Fi- nanzwcsen des Reichs gegenüber den in kritischen Zeiten gesteiger- tcn Ansprüchen eine größere Widerstandsfähigkeit zu verleihen. Verkekrsbesteuevung. Aenderuug des ReichsstempelgesctzeS. Die bisher bezeichneten steuerlichen Maßnahmen würden noch nicht ausreichen, um den laufenden Bedarf zu befriedigen. Die noch fehlende Deckung war auf einem Wege zu suchen, durch den Handel und Verkehr möglichst nicht von neuem beunruhigt werden. Der Entwurf eines G e je tz e s wegen Aeuderung des Reichs st e m pelgesetzeS nimmt durch Uebcrnahme einiger bisher den landcsgcsetzlichcn Bestimmungen unterworfenen Stein- pelabgaben auf das Reich einen weiteren Ausbau des Reichs- stcmpclwvsenS in Aussicht, der, weil die Landcsstcmpelabgabcn von den betreffenden Gegenständen künftig wegfallen werden, nur zum Teil und nur in mäßigem Umfang(?) für die Betroffenen eine steuerliche Mehrbelastung bedeuten wird. Es handelt sich um den Uebergang der Besteuerung der Gcscllschaftsver- träge und der Versicherungen auf das Reich. Es schien crwünschr, diesen Gegenstand der Besteuerung künftig unter Ausschluß von L a n de s sie m ß e l n dein Reiche ausschließ. lich vorzubehalten. Ter Wegfall des LandesstempelS gestattet bei den Ättiengcsellschaften eine Erhöhung des Reichs st em- P c l s, die nach dem Entwürfe im Anschluß an die für das größte Landesstempelgebiet geltenden Stempelsähe tsH vom Hundert des in Betracht kommenden Kapitalvermögens betragen soll. Ter Erhebung des Stempels soll aber künftig nicht der Nenn- wert, sondern der Ansgabewert der Aktien zugrunde gelegt werden. Neben den Aktiengesellschaftsverirägen empfiehlt es sich, auch die Besteuerung der übrigen Gesellschaftsverträge auf das Reich zu übertragen. Insbesondere gilt dies von der gleichfalls finanziell erheblichen Besteuerung der Gesellschaftsverträge der Gesellschaften mit beschränkter Haftung, da diese in immer bedeutendcrem Maße an die Stelle von Aktiengesell. schasten treten. Die Uebernahme des Landesstempels auf das Reich läßt es gerechtfertigt erscheinen, bei diesem Anlaß für die künftige Besteuerung mit 3 V. H. d e» Stammkapitals noch über die Höhe des Stempels hinauszugehen, der z. B. in Preußen bisher von diesen Gesellschaften erhoben worden ist. Besonderer Anlaß hierzu dürfte insbesondere gegenüber den Grund st ü ck s- Verwertungsgesellschaften gegeben sein, insofern sie reine Spekulationsgeschäfte treiben und bisher-zum Teil lediglich ztim Zwecke der Umgehung der Grundstücksumsadstempel und der Zuwachssteuer gegründet worden sind. Für sie sieht der Entwurf einen Stempel von 5 v. H. vor. Die Begründung geht dann auf weitere Einzelheiten der Stcmpelabgabe ein und gibt den Mehrcrtrag aus der Besteuerung der Gesellschaftsverträge auf 28 Millionen Mark an. Mit einem Beharrungsbetrage von 36 Millionen Mark sollen die Berfichrrungsverträge der Tcckuffg des Bedars dienstbar sein, indem für sie unter Auf- Hebung der einzelstaotlichen Stempelsteuer für das ganze Reichs- gebiet und für das ganze Versicherungswesen eine einheitliche Be- lastung geschaffen wird. Die Steucrhrbiing erfolgt in Gestalt einer Stempelabgabc. Die Abgabe beträgt für jedes Jahr der Versiche- rnngsdauec bei Feuerversicherungen beweglicher Gegenstände Vt v. T., unbeweglicher Gegenstände'Im v. T. der Versicherungs- summe, bei Einbruchsdiebstahl» und Glasversicherung st,» v. T. der Versicherungssumme. Sie bemißt sich bei Landtransportversichc- rungrn auf st«, v. T� bei Scetransportversicherungen sentsprechend den bisherigen hamburgischcn Sähen) je nach der Höhe der Prämie für Reiseversicherungen auf'Im bis Vi» v. T. und für Zeitverfiche- ningen monatlich auf'Im v. T. der Versicherungssumme. Bei Lebens-, Unfall« und Haftpflichtversicherungen soll 1 v. H. der ge- zahlten Prämie(Barprämie) und bei sonstigen Versicherungen 'o v. H. dieses Betrages erhoben werden. Steuerpflichtig ist der Ber. sichrruugsnehmer, zu dessen Lasten die Abgabe vom Versicherer zu entrichten ist. Befreit sind Rückversicherungen, Hagel-, Vlehber- sicheru ngen, Feuerversicherungen unbeweglicher Gegenstände im Betrage bis zu 3 000 M., Lebensversicherungen Bis zu 20 00 M., sonstige Versicherungen bis zu 1000 M., sowie die Sozial- Versicherung, die Versicherung von Bediensteten und Arbeitern gegen Todesfall oder Körperverletzung im Gewerbebetriebe, die Kranken- Versicherung, die Arbeitslosen- und Stcllenlostgkcitsvcrsicherung.... Sowohl beim GesellschaftSstempel wie beim VersicherungSsieinpel soll den Bundesstaaten für eine Uebcrgangszett der Betrag ibrrr bisherigen DurchschnittSeinnahme aus diesem Stempel per- gütet werden. Erbrecht cles Staates. Neben der Erweiterung der Reichsstempelabaaben hat der Bundesrat endlich geglaubt, auf den im Jahre 1908 vorgelegten Entwurf eines Gesetzes über das Erbrecht dcS Staates zu- Hickgreifen zu sollen, da bei schonender Gestaltung der Vorschriften berechtigte Interessen hierdurch nicht verletzt werden. Der Ertrag Bat und) neuerlichen Berechnungen allerdings auf nicht mehr als 15 Milltonrn Mark veranschlagt werden können. Die Denkschrift über die Kosten der Vehroorlnge. Neber die Art, wie sich die Finanzen in den Jahren 1918� bis 1913 gestalten werden, ergibt eine Denkschrift, die die Regierung dem Entwurf eines ErgitnzungsetatS beifügt, folgendes. Sie lautet: Die durch die Wehrvorlagen von 1911 und 1912 bedingten Mehrausgaben babcn in den gegenwärtig erschlossenen Ein- nahmen des Reichs, insbesondere in M c h r e'i n n a h m e n aus Zöllen und Steuern, aus Post und Eisenbahnen unter Her- anziehung eines Teiles des auf 219 131 171 M. sich beziffernden IleberschusseS des Jahres 1911 Deckung gefunden. Hierbei war vorausgesetzt, daß die Ermäßigung der Zuckersteuer bis zum 1. Ok- tober 1910 hinausgeschoben Ivürdc... Von den aus dem Heber- schuss« des Jahres 1911 für einmalige Ausgaben der Wehrvorlagen bereitgestellten Mitteln waren noch 249 131 171 Mark weniger 138 000 000 M.— 111131174 M. verfügbar'geblieben, von denen 106 392 717 M. zur Abbürdung der Vorschüsse der Heeresverwal- tung für Vorausbeschaffungen sowie zur Bereitstellung von Betriebsmitteln für die Marinebekleidungsämter verwendet werden sollen. Mithin würden aus diesem Uebcrschnsse noch 4 738 457 M. zur Verfügung stehen. Diese Mehrausgaben, die sich aus der neuen Wehr- Vorlage ergeben, beziffern sich für die Jahre 1913 bis 1915, in welchem letzteren Jahre die sortdaiicrnden Ausgaben ihren Bc- harrungSzustand erreichen werden, insgesamt auf 1291 Millionen Mark und verteilen sich auf die einzelnen Jahre und nach fortdauernden und einmaligen Ausgaben wie folgt: Hinzutreten die in Ausführung des Gesetzes, betreffend Aende- rungen im Finanzwesen, erwachsenden einmaligen Ausgaben für die Beschaffung eines außerordentlichen Silber- und Goldbestandes von je 120 Millionen Biark unter ent- sprechender Vermehrung der Reichskassenscheine zu 5 und zu 10 M. Diese Kosten betragen rund 55 750 000 M., wovon jedoch unter Ver- teilung auf mehrere Jahre 40 750 000 M. aus dem Ueberfchuß im Münzwesen bestritten werden sollen, so daß es noch der Aufbrin- gnng von 15 000 000 M. bedarf. Zur Deckung der Mehrausgaben sollen dienen: a) der erhöhte Betrag bestehender Zölle und Steuern— eine Ermäßigung des Gruiidstücksübertragungsstempels soll, in dieser Zeit nicht eintreten—, b) die Erhebung eines Stempels von Gesellschaftsverträgen und von Versicherungsquittungen, c) eine Erweiterung des Erbrechts des Staates, ä) der noch verfügbare Restbetrag des Ueberschusses von 1911 sowie der zu erwartende Ueberfchuß von 1912, e) oie Erhebung eines Wehrbcitrages. Zu a. Die Zölle, Steuern und Gebühren werden nach den Einnahmeergebiiisscii bis Ende Februar 1913 für das Rcchnungs- jähr 1912 voraussichtlich eine Gesamteinnahme von rund 1072 Millionen Mark erbringen. Im Etatsentwurfe für 1913 sind rund 1042 Millionen Mark eingesetzt. Danach würde bei voraussichtliche Ertrag von 1912 den Etatsansatz für 1913 um rund 30 Millionen Mark übersteigen. Die Mehreinnahmen sind hauptsächlich bei den Zöllen, der Zigarettensteuer, der Leuchtmittelsteuer, den Stempel- abgaben sowie bei der Zuwachssieuer zu erwarten. Erwägt man, daß diese fortgesetzt günstige EntWickelung trotz der durch die Bal- kanwirren in weiten Erwerbskreisen hervorgerufenen längeren, zeitweise starken.Beunruhiguiig und Unsicherheit erreicht wurde, so erscheint die Annahme vertretbar, daß im ganzen mit zunehmender Entspannung der politischen Lage keine wesentlichen Ver- schlechter u ngen in den für das Steueraufkommen maßgeben« den Verhältnissen eintreten werden, wenn auch Verschiebungen bei einzelnen Zöllen und Steuern sich ergeben mögen. Von diesen Gesichtspunkten aus ist es angängig, bei den Zöllen und Steuern für das Jahr 1913 gegenüber den Etatsansätzen mit einem Mehr von insgesamt 24 Millionen Mark, für die Jahre 1914 und 1915, abgesehen von der im wesentlichen auf der Bevölkerungs- zunähme beruhenden natürlichen Steigerung, über die bereits zur Deckung der Wehrvorlagen von 1912 verfügt worden ist, mit einem Mehr von je 10 Millionen Mark zu rechnen. Zu b. Die Erhebung eines Stempels von Gesellschaftsverträ- gen und von Versicherungsquittungen läßt im Beharrungszustand einen Ertrag von 04 Millionen Mark erwarten. Den Bundesstaaten soll indessen für den Verzicht auf diesen Stempel eine Entschädigung gewährt werden, und zwar für die ersten drei Jahre in Höhe des ganzen aus dem bisherigen Landesstempel ge- wonnenen Ergebnisses, für die drei folgenden Jahre in Höhe der Hälfte des letzteren. Die volle Entschädigung der Bundesstaaten ist auf einen Jahresbetrag von 20 Millionen Mark zu veranschlagen. Da die Erhebung der Stempel vom 1. Oktober 1913 ab erfolgen soll, so würde das Reich im Jahre 1913 mit einem Ertrage von 22 Millionen Mark (32—10), in den Jahren 1914 und 1915 mit einem solchen von je 44 Millionen Mark(04— 20) zu rechnen haben. Zu c. Das Gesetz über das Er brecht des Staate? läßt für das Reich einen Jahresertrag von 15 Millionen Mark erwar- ten, der indessen für das Jahr 1913 nur auf 5 Millionen Mark veranschlagt werden kann. Zu ck. Der verfügbare Rest des Ueberschusses von 1911 beziffert sich, wie bereits oben angegeben, auf 4 738 457 M.; der Ueberfchuß des JahrcS 1912 kann auf 75 Millionen Mark veranschlagt werden, von denen rund 7 Millionen Mark auf die Verwaltung der Reichseisenbahnen, etwa 58 Millionen Mark auf Zölle und Steuern und 10 Millionen Mark auf die Einnahmen aus dem Bankwesen entfallen. Sonstige Mehreinnahmen werden im allgemeinen durch Mehrausgaben aufgewogen werden. Zu e. Ter W e h r b e i t r a g, der nach dem Vermögensstande vom 31. Dezember 1913 veranlagt wird, soll in zwei Jahresraten erhoben werden. Ter Gesamtertrag ist auf 975 bis 1000 Millionen Mark veranschlagt. Wie hoch der im Jahre 1913 eingehende Betrag sich beziffern wird, kann mit Sicherheit nicht angegeben werden. Das Steuerergebnis wird voraussichtlich hauptsächlich dem Jahre 1914 zugute kommen; Restbeträge werden sich auch noch auf die Jahre 1915 und 1910 verteilen. Es sei hier bemerkt, daß im Jahre 1910 die Einnahmen aus den beiden Stcmpelabgabcn etloa 49 Millionen Mark l04— 10— 5), im Jahre 1017 etwa 54 Millionen Mark(64— 10) betragen werden. Ferner sollen vom 1. April 1910 ab nach den§8 1 und 2 des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend Aciiderungcii im Finanz- wesen, die Bundesstaaten außer den von ihnen nach Artikel 70 der Reichsverfassung aufzubringenden Matrikularbeiträgen zu den gemeinschaftlichen Ausgaben des Reichs Beiträge entrichten, die mit 1,25 M. für den Kopf der gegenwärtigen Bevölkerung ein Jahres- ergebniS von rund 80 Millionen Mark bringen werden. Zieht man ferner die Einnahmen aus der Erweiterung des Erbrechts des Staates mit einem Jahresertrage von 15 Millionen Mark sowie die Steigerung der bestehenden Zölle und Steuern mit einem gleichen Betrage, wie in den Jahren 1914 und 1915, mit 10 Mil- lionen Mark in Betracht, so würden in den späteren Jahren bei unverkürzter Beibehaltung der Zucker st euer und des Zuschlags zur Grundwechsclabgabe oie fortdauernden Zlusgaben der Wehrvorlagen mehr als gedeckt sein. Die Beibehaltung ist da- her nur bis Ende 1917 in Aussicht genommen, zu welchem letzteren Zeitpunkt die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben für den Beharrungszustand des genaueren zu übersehen sein wird. Hiernach würde sich die Deckung der Kosten der Wehrvorlagen in den Jahren 1913 bis 1915 etwa wie folgt gestalten: A. Fortdauernde Ausgaben. 1913. Bedarf: 54 Millionen Mark, Deckung: 51 Millionen Mark(24 Z- 22 Z- 5), mithin ungedeckt 3 Millionen Mark. 1914. Bedarf: 153 Millionen Mark, Deckung: 90 Millionen Mark(10+ 44+ 15+ 15, letztere aus Aufrcchterhaltung des Grundstucksübertragungsstempelz in jetziger Höhe), mithin unge- deckt 03 Millionen Mark. 1915. Bedarf: 180 Millionen Mark. Deckung: 95 Millionen Mark(10 Z- 44-4-15 Z- 20, letztere aus Aufrechtcrhaltung de» Griindstücksübcrtragungsstcmpclsn in jetziger Höhe), mithin unge. deckt 91 Millionen M a r k. Im ganzen stellen sich für die Jahre 1913 bis 1915 die an der Deckung der wrtdauernden Ausgaben der Wehrborlagen fehlenden Beträge auf 15 7 M i l l t o n e n Mark. Nach obigem kommt diesen ungedeckten 157 Millionen Mark vom Standvunkt der Finanzwirtschaft ans nur die'Bedeutung ein- inaliger uno vorübergehender Fehlbeträge zu. Es ist daher gerecht- fertigt, sie wie die einmaligen Ausgaben der Wchrvorlagen zu be- handeln und zu ihrer Deckung den Wchrbeitrag mit heranzuziehen. L. Einmalige Ausgaben. Die einmaligen Ausgaben der Wehrvorlage beziffern sich ein- eßlich der bei den fortdauernden Ausgaben ungedeckten Bc- träge auf 10 5 5 Millionen Mark. Für deren Deckung sind aus dem Ueberschusse von 1912 bei Kapitel 21 Titel 8(Etat der all- gemeinen Finanzvertvaltung) rund 05 Millionen Mark bereitge- stellt. Mithin bleiben noch 990 Millionen Mark aus dem Wehrbei- trage zu decken, der im ganzen auf 9 7 5 b i SZt 0 0 0 Millionen Mark zu veranschlagen ist. Für das Rechnungsjahr 1913 ist der erforderliche Betrag niit 373,9 Millionen Mark i435,3Z-3,3— 64,7) voll eingesetzt. Etwa verbleibende Einnahmcreste würden kasscn- mätzig vermittels des SclmtzanweisungSkredits auszugleichen sein. Die auf 15 Millionen Mark sich beziffernden Kosten für die Beschaffung des Silber- und Goldbestandes sollen mit 4 733 457 Mark aus dem noch verfügbaren Reste des Ueberschusses von 1911, mit 10 201 543 M. aus dem Ueberschusse von 1912 aufgebracht wer- den, der unter Berücksichtigung obiger rund 05 Millionen Mark in vollem Umfang zur Verfügung gestellt wird. Bus der Partei. Gcmeindewahlsicg. Bei der Gemeinbebertreterwahl in Hartau, Kreis Waiden- bürg, eroberten unsere Genossen von vier zur Wahl stehenden Mandaten aus allen drei Klassen in jeder Klasse je ein Mandat. Das zweite Mandat in der ersten Klasse behauptete ein bürgerlicher Kandidat nur noch mit Ach und Krach. poUreiticbes» Sericbtticdes ufw, Hausfriedensbruch, begangen durch Niederlegen einer roten Kranzs�lcife. Zu einer ganz eigenartigen Rechtsausfassung ist das Schöffen- geeicht Rawitsch und die Straskammer Lissa in Posen in einem Prozeß gegen den Genossen Rother aus Rawitsch gelommen. Im Herbst vongen JahreS starb dort ein braver Genosse, der innerlich mit der Kirche schon längst gebrochen hatte, aber nicht den Mut hatte, auch die Konsequenzen zu ziehen. Auf Wunsch der Hinter- bliebenen war bei ber Beerdigung der Ortsgeistliche Pastor M e t t k e zugegen. Dieser nahm Anstoß an dem vom Wahlverein gewidmeten Kranz mit roter Kranzschleife. Um Auseinander- setzungen am offenen Grabe zu vermeiden, blieben die Genossen dem Begräbnis fern, legten aber später, als niemand mehr bei dem Grabe des Verstorbenen weilte, den Kranz dort nieder. Aber auch diese letzte Ehrung des Toten fand nicht den Beifall des Vertreters Christi, der in Gemeinschaft mit seiner anscheinend ebenso unduldsamen Frau die rote Schleife vom Grabe„entfernte", wie der Staaisanwalt in Lissa das Wegnehmen der roten Schleife bezeichnete. Aber auch damit war die Tatenlust deS Herrn Pastors gegen die staats- und kirchhofsgefährliche rote Schleife noch nicht gestillt. Er stellte Straf- a n t r a g gegen den Kranzträger, Genossen. Rother, wegen Hausfriedensbruch auf dem Kirchhof, begangen durch das Niederlegen des Kranzes mit der roten Sch leife. In der Betätigung dieser Art christlicher Nächstenliebe wollten auch die Mitglieder des Gemeinde-Kirchenrateö nicht zurückstehen und erstatteten fünf Wochen später die gleiche Anzeige gegen Rother. Tatsächlich kam auch das Schöffengericht zu der Ansicht, daß Rother Hausfriedensbruch auf dem Kirchhof durch das Niederlegen des Kranzes mit der roten Schleife begangen habe und ver- urteilte ihn zu 20 Mark Geldstrafe. Der Amtsanwalt hielt den Hausfriedensbruch sogar für einen so außerordentlich schweren. daß er denselben mit zwei Monaten Gefängnis ge- sühnt wissen wollte. Auch die Strafkammer in Lissa konnte „nach Lage der Tinge" zu keiner anderen Auffassung kommen und bestätigte' da? Urteil der ersten Instanz. Jetzt soll nun das Reichsgericht darüber entscheiden, ob es Hausfriedensbruch ist, wenn gegen den Willen eines Geistlichen nach Schluß der Beerdigung ein Kranz mit roter Schleife niedergelegt wird. Auf alle Fälle ist daS Urteil gegen Rother dazu angetan.' wieder vielen die Augen über die Unduldsamkeit unsere« Kirche und deren Vertreter zu öffnen. Keinem Proletarier aber möchten wir raten, Kranzschleifen, an denen er mit Recht Anstoß nehmen könnte, von Gräbern Verstorbener zu»entfernen", wie der Staatsanwalt in Lissa die Wegnahme der roten Kranzschleife durch den Pastor Wettke bezeichnete. Bei ihm würde es zweifellos ganz anders bezeichnet werden.___ Zur politischen Meineidsaffiirc in Waldenburg wird von unserem dortigen Parteiblatt mitgeteilt, daß da? Kautionsangebot für die drei inhaftierten Genossen in Höhe von 30000 M. vom Amtsgericht in Waldenburg wie vom Landgericht in Schweidnitz abgelehnt worden ist. Die Haft bleibt wegen Kollisionsgcfahr aufrechterhalten. Die drei Genoffen sind auch be- reits aus dem Waldcnburger Gerichtsgefängnis nach der Straf» anstalt in Schweidnitz übergeführt worden, wo der Prozeß jedenfalls Anfang Mai zur Verhandlang kommen wird. Nähere Details über den Kern der Anklage sind noch immer nicht anzugeben. Größere Sicherheit besteht nur in bezug auf die eine Annahme, daß sich das ganze hochnotpeinliche Verfahren auf die Denunziationen eines Angestellten, der aus dem Betriebe unseres Waldenburger Partei, organS, der„Schlesifchen Bergwacht", entlassen wurde, aufbaut. Jugendbewegung. Wandervogel gegen Pfadfinder. In unserer Nummer vom 20. März brackiten wir eine Notiz, i» der von dem wüsten Treiben der Wandervögel oder Pfadfinder in der Nähe des Scharmützelsees berichtet wurde. Hierzu wird uns von einem Wandervogel geschrieben, daß der in der Notiz erhobene Vor» Wurf sich kaum gegen die Wandervögel richten könne, denn deren Fahrten erfolgten stets unter Leitung älterer Führer und haben nur den Naturgenuß zum Zweck. Beim Rasten und Abkochen werde grundsätzlich die strengsle Ordnung gewahrt; eS würden nur ab- gefallene Zweige benutzt und alle Lagerüberreste vergraben. Ueber die Pfadfinder aber, diese Kerntruppe des Jungdeutschlandbundes, schreibt der Wandervogel: „Offen herausgesagt, trauen wir eS diesen Leuten, worunter sich S— 10jährige Jungens befinden, eher zu, als sonst einer Vereinigung, ob Turn-, Sport- oder Wanderverein. Gerade diese kleinen Kerle hausen wie Bandalen. Wozu habe« sie denn auch ihre Beile und Messer? Beliebt haben sich die Pfadfinder übrigens bei den Wander» vögeln ebensowenig gemacht, lote anderweit." Tie sozialdemokratische Jugendorganisation in der Schweiz. Während den Ostertagen fand in Zürich der schweizerische stingburschentag statt, zu dem 19 Sektionen der sozialocmokratischen Jugendorganisationen 52 Delegierte entsandt hatten, wozu noch die Vertreter von 52 Kollektivmitgliedcrn(Vereinen nsto.) und 42 Gäste kamen. Mit der gleichzeitig in Brest stattgefundenen Delegiertenkonferenz der sozialdemokratischen Jugendorganisation Frankreichs wurden BcgrüßungStelegramme gewechselt. Dem Be- richt des in Zürich domizilierten Zentralkomitees ist zu entnehmen. daß die Mitgtiederzahl von 493 auf 703 gestiegen ist und daß es in den Sektionen mit rührigen und initiativen Vorständen recht gut steht, tvährcnd es in solchen Sektionen, in denen diese Voraus- setzung fehlt, nicht befriedigend aussieht. Der Zentralpräsident Genosse Meyer besprach die verschiedenen wichtigen Aufgaben der sozialdemokratischen Jugendorganisation, wobei er auch die Not- wendigkeit deren unbedingter Selbständigkeit betonte. Die Ein- nahmen der Zentralkasse betrugen im verflossenen Jahre 3079 Fr., die Ausgaben 3479 Fr., der Vermögensbestand beläuft sich auf 1135 Fr. Von der„Freien Jugend", dem Organ der ssozialdemo- kratischcn Jugendorganisation, das monatlich erscheint, wurden im Jahre 1912 42 590 Exemplare abgesetzt. Die Statutenberatung brachte die Neuerung, daß Mitglieder, die daS 20. Altersjahr er- reicht haben, nur beratende Stimme besitzen und gehalten sein sollen, der Partei beizutreten. Beschlossen wurde ferner die Her- ausgäbe eines Jugendkalenders uno gegenseitige Vertretung de? Zentralvorstandes und des ZentralbiloungSausschusscS in'hren beiderseitigen Sitzungen. Für die Schaffung eines eidgcno)siichen Lohrlingsgesctzes soll Propaganda gemacht werden. Hus Industrie und Dandel Zusammenschluß der Berliner Steindruckercibcsttzer. Kürzlich wurde der„Berein der Steindruckereibesitzer Groß- Berlins" gegründet, dein schon eine große Anzahl Steindruckerci- besitzer als Mitglieder angehört. Zweck und Ziele, die der Verein verfolgt, gehen aus einem Rundschreiben �"vor, das der geschäftsführende Ausschuß an die Firmen Kroß-Berlins versandte. Hier wird mitgeteilt, daß eine große Anzahl Steindruckereibesitzer zu- samniengetreten seien, um gemeinschaftlich darüber zu beraten, wie der schon recht lange bestehenden traurigen Lage des Steindruck- berufs abzuhelfen sei. Die Gründe für den Rückgang des Gewerbes seien zunächst jn solchen Tatsachen zu suchen, an deren Vorkommnis die«tcindruckcr kein Verschulden hatten, wie z. B. in unserer un- glückseligen Zollgesetzgebung und in den von Amerika ausgerichteten Zollschranken, dann aber auch in solchen Umständen, die die Steindruckereibesitzer ZUs ihr eigenes ischuldtonw buchen müßten. Denn man glaubt mit Recht behaupten zu können, daß viele Steindruckereibesitzer nicht richtig zu kalkulieren verständen. Es soll nun eine Aufklärungsarbeit einsetzen, die de» Stein- druckereibesitzern Uebung im Kalkulieren verschafft, weshalb Kalku- lationsabende eingerichtet werden sollen. Der Zusammenschluß soll ferner de» Zweck haben. Prcisdrückern das Handwerk zu legen. Es soll ferner erreicht werde», daß der Fabrikant zu unterscheiden lernt, welchen Teil des Nutzens er der größere» Rationalität seines Betriebes zuschreiben darf. Dahin gehöre z. B. die größere Leistungsfähigkeit der Rotationsmaschinen, die Vorteile, die sich»u« der Verwendung von Maschinen größerer Formate ergeben. d,e i„r. sparnisse, die sich durch gleichzeitigen Druck mehrerer Farben er- zielen lassen usw. Die Vereinigung würde auch in der Lage sein. ihren Mitgliedern stets die Namen unsicherer Besteller aufgeben zu können. Endlich solle aber auch die Vereinigung versuchen, die Normen für einen Preistarif im Steindruckgcwerbe aufzustellen, wie ein solcher sich bei dem Schwestergewerbe, der Buch- druckerei, bewährt habe._ Der Allgemeine Deutsche MietversichcrungSvercin, der Hausbesitzer gegen Mietausfälle für leerstehende Wohnungen versicherte. wurde in einer gestrigen Mitgliederversammlung auf Antrag des Kaiserlichen AufsichtSamts für Privatvcrsicherung a u fg e l ö st. Die Liquidation wird nötig, weil das verflossene zweite Geschäfts- jähr mit einem Fehlbetrag von fast 1 Million Mark abschließt, der sich im laufenden Jahre noch erhöhen könne. � Er ist verursacht worden durch eine verfehlte und viel zu kostspielige Organisation. Ungünstige Prämientarifc und hohe Verwaltungsausgaben haben die Gesellschaft so erheblich belastet. Allein 111000 M. sind ver- lorengegangen, weil die Filialdirektoren die Prämien an die Ge- sellschaft nicht abführten. Gegen Gründer, frühere Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder werden Haftungsansprüche geltend ge- macht. Die Meierei C. Bolle Aktien-Gesellschaft erhöht ihre Dividende von 8 auf g Proz.; der Reingewinn beträgt SSL 000 M. Ueber daS Geschäft im laufenden Jahre berichtete der Vorstand in der Generalversammlung, daß der Sommer 1912 reichlich Futter brachte und auch die Nachwirkungen der Maul- und Klauenseuche von 1911 sich heute immer weniger fühlbar machten. Man dürfe daher annehmen, daß die schon eingetretene reichere Milchproduktion weiter fortschreitet.— Von einer in Aussicht stehenden Preis- ermäßigung für die Konsumenten sagte da? Vorstand nichts, trotz- dem die Einkaufspreise für die Gesellschaft geringer werden. Hiid aller Welt. Dk Deberrcbwenimiiiicjeii in|Sbrdameriha. Die neuesten Nachrichten aus dem Ueberschwcmmungs- gebiet lassen erkennen, daß die Flut ihren Höhepunkt überschritten hat und das Hochwasser ganz erheblich zurückgegangen ist. In der Stadt D a y t o n, die wohl am schwersten durch die Katastrophe betroffen wurde, ist das Wasser so stark gefallen, daß die Bewohner, die durch die Ucberschwemmung im Geschäftsviertel abgeschnitten waren, sich ohne Hilfe nach den höher gelegenen Vorstädten retten konnten. Die Verlustziffern an Menschenleben sind etwas niedriger, als in der allgemeinen Verwirrung an-' genommen wurde. Zahlreiche Personen, die man als verloren gebucht hattzp, sind den Naturelementen entronnen. Bedrohliche Nachrichten langten in New Jork aus dem Hudson- Gebiet an. DaS Hochwasser des Stromes steht höher, als während des großen Hochwassers im Jahre 1857; der tiefer gelegene Teil von Albany steht unter Wasser. Die direkte Bahnverbindung nach dem Orte ist unterbrochen. Zahlreiche kleinere Ortschaften stehen gleichfalls unter Wasser. Die Ucberschwemmung erstreckt sich aus die sieben Staaten Ohio, Indiana, We st- Virginia, Pennsylvanien, New Jork, Kentucky und Illinois. Eine große Gefahr droht der Bewohnerschaft des Ueberschwemmungsgebietes aus der Verpestung der Flußläufe und des umliegenden Landes. Bereits jetzt ist eine Anzahl Menschen von Krankheiten be- fallen worden, die ihre Entstehung in der Verpestung finden. Der Schaden der Bahnen wird auf 25 Millionen Dollar geschätzt. Der Gouverneur von Ohio erklärte, die Ver- luste des Staates wären größer als beim Erdbeben in San Francisco._ Neue Untaten Sternickeis. Die Ueberzeugung, daß mit den bisher von St er nickel bekannt gewordenen Gewalttaten dessen Schuldkonto noch lange nicht erschöpft ist, gewinnt immer mehr Boden. Höchst wahrscheinlich ist es, daß Sternickel mit dem in den Jahren 1909 und 1910 in der Liegnitzer Gegend aufgetretenen Heuhändler Winkler, auf dessen Unwesen verschiedene Kapitalverbrechen zurückzuführen sind, identisch ist. Auf Veranlassung der Liegnitzer Staatsanwaltschaft wurden in Frankfurt a. O. 23 Zeugen aus der Liegnitzer und Hirsch- berger Gegend Sternickel gegenübergestellt, um seine Identität mit dem Heuhändler zu erkunden. In der Zeit, in der der angebliche Heuhändler die Gegend heimsuchte, wurde dort eine ganze Reihe von Einbruchs- dieb stählen verübt. Dann kam am IS. März 1909 ein Raub- m o r d an einer Frau Krause in Petersgrund und am 31. De- zember 1910 an dem Häusler K n ö t i g in Pömbsen im Kreise Jauer. Noch in derselben Nacht wurden während des Silvester- gotteSdiensteS in der Nachbarschaft der Mordstelle mehrere Ein- b r ü ch e verübt. Die damals eingeleiteten Ermittelungen ergaben, daß in allen Fällen vorher am Tatort ein fremder Händler auf- getreten war. Alle Nachforschungen nach diesem Händler, dxr nach dem letzten Morde plötzlich aus der dortigen Gegend verschwunden war, blieben erfolglos. Der Verdacht, daß Sternickel mit dem Heuhändler identisch sei, verdichtete sich, als eine Anzahl Bewohner der Gegend, denen die Photographie Sternickels vorgelegt wurde, ihn als den gesuchten Heuhändler wiedererkennen wollten. Bei der Gegenüber- stellung mit Sternickel erkannten 22 der Zeugen ihn sofort und mit aller Bestimmtheit als den lang- gesuchten„Heuhändler', der zwei Jahre lang der Schrecken ihrer Gegend war, wieder. Ein besonderes Kennzeichen war, wie die Schlesier sich ausdrückten, der„neckische" Blick SternickelS. Schon damals war den Leuten der sonderbare Blick des„Heuhändlers" aufgefallen und bei seiner Beschreibung besonders darauf hingewiesen. Obwohl es hiernach sehr wahrscheinlich ist, daß Sternickel mit dem „Heuhändler Winkler" identisch ist, streitet Stenrickel bisher noch. Tödliche Fliegerabstürze. Nach einem Schaufluge in Tokio vor den Mitgliedern des japanischen Parlaments, an dem ein Parsevalluftschiff und vier Flugzeuge teilnahmen, stürzte am Donnerstag bei der Fahrt zu den Schuppen ein Blöriotapparat aus einer Höhe von tausend Fuß ab. Die beiden Insassen, die Leutnants Tokuda und Kimura, wurden getötet. Auch das Parsevalluftschiff erlitt eine Beschädigung; es wurde aber niemand dabei verletzt. Der französische Fliegerleutnant B r e s f a r d stürzte Donnerstag früh in V e r d u n infolge einer Motorexplosion auS 800 Meter Höhe ab. Er war sofort tot._ Die Greuel des Bürgerkrieges. AuS Mexiko wird gemeldet, daß General C e p e d a, ein Freund des Präsidenten Huerta, am Donnerstag mit seinen Sol- baten vor dem StaatSgefangniS erschien und verlangte, daß ihm die drei dort internierten Gouverneure, die alS Anhänger MaderoS ihrer Aburteilung entgegensehen, sofort ausgeliefert würden, da sie erschossen werden sollten. Der Gefängnis- direktor weigerte sich, diesem Befehl nachzukommen. General Cepeda ließ ihn deshalb von seinen Soldaten ergreifen und in dasselbe Gefängnis werfen, dessen Di« rektor er war. Dann ließ General Cepeda die Zelle, in der sich der Gouverneur Hernandez befand, aufbrechen. Der Gefangene wurde in den Gefängnishof gebracht mw nachdem ihm die Augen verbunden waren, erschossen. Die Leiche des unglücklichen Gouverneurs wurde darauf verbrannt. Der Minister des Innern war telephonisch von der Greueltat in Kenntnis gesetzt worden, kam aber zu spät, um sie zu verhindern. General Cepeda ist verhaftet worden. Man behauptet, daß er den Befehl zur Erschießung des Gouverneurs Hernandez im Zustand sinn- loser Trunkenheit gegeben hat. Kleine Notizen. Eifersuchtsdrama in Hamburg. Der Arbeiter La edel aus der Miiggenkampfstraße in Hamburg durchschnitt Freitag früh nach einer Eifersuchtsszene seiner Ehefrau die Kehle mit einem Rasier- messer. Der Tod der Frau trat sofort ein; Laedel stellte sich selbst der Polizei. Selbstmord eines bankrotten Bankiers. Wie aus München gemeldet wird, ist in P a p p e n h e i m das Bankgeschäft M. Haagen finanziell zusammengebrochen. Der Inhaber des Geschäfts, der Ab- geordnete Haagen, hat sich im Starnberger See er- tränkt. Die Schuldenlast des Bankhauses soll bedeutend sein. Schwerer Unfall auf einem Schleppdampfer. Wie aus Lorten t gemeldet wird, zerriß auf dem Schleppdampfer der französischen Kriegsflotte„AtlaS", der den Küstenpanzer„Tonnerre" und sechs Zielicheiben nachOuiböron bringen sollte, ein Stahlkabel, das vier auf Deck beftndliche Obermate mit solcher Gewalt traf, daß zwei auf der Stelle tot waren und die beiden anderen schwer verletzt wurden. Die gelenterte Fähre. In der galizischen Ortschaft Bubica wurde eine mit 3V Personen besetzte Fähre, die über den Whslocfluß übersetzen wollte, in der Mitte des Flusses umgekippt. Alle 30 Personen stürzten in die hochgehende Flut. 17 Bauern und Bäuerinnen ertranken. Ein Unlcroffizier von einem Wachtmeister erschossen. In Buda- p e st hat der Gendarmeriewachtmeister V a g a den Husarenunteroffizier Rudolf Meyer mit seinem Dienstgewehr erschossen, weil derselbe von Meyer mit dem Säbel bedroht wurde. Schwerer Unfall in cinem Kalibcrgwcrk. Auf dem im Abteufen begriffenen Schacht 2 des Kalibergwerkes Hansa— Silberberg in Empelde— erfolgte Freitag nachmittag ein Laugendurch- bruch in der Tiefe von 132 Metern. Von der Belegschaft von 14 Mann liegen 2 Mann tot im Schacht, während die übrigen, von denen 4 verletzt wurden, gerettet werden konnten. Der Schacht steht unter Wasser. Eisenbahnunglück in London. Auf dem Marylebone-Bahnhof sind zwei Züge zusammengestoßen. Eine Person wurde ge- tötet, vierzehn verletzt. Folgenschwere Tynamitexplosion. In einem Dynamitwerk in Pitsea(Grasschaft Essex in England) ereignete sich eine Explosion. DreiPersoncnwurdengetötet und viele verletzt._ Briefbaften der Redahticn. Sie lurtstNchc epteflUtankt findet Li»den strafte 69, dorn vier Steppen — y a l> r st u h l—, ioochentS glich von bis 71� Uhr ovend», EonnabendS, don tu, bis 6 Ufte abends statt. Jeder für den vrteflafte» bestimmte»«»frage Ist ei» Buchstabe und eine Zahl alS Merkzeichen»eizufstgen. Briefliche Antwort wird nicht erteUt. Anfragen, denen keine Abonnementsgutttung beigesstgt ist, »erden nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. Bruno 23. In der Angelegenheit läßt sich u. E. nichts mehr tun.— E. W. Wir verweisen auf den Artilcl„Steuerfragen" in der Nummer des„Vorwärts" vom 18. d. MtS.— A. 8. 41. Nein.— Bt. 1. Ja, die Hälfte des Beitrages. 2. Jnvalidenverslcherungsvflichtlg ist der Be- treffende u. E. nicht. Es empfiehlt sich jedoch Weitcrversicherung.— — Abonnent Luckenwalde. 1. Der Reingewinn ist von den Gesell- schastern nicht besonders zu versteuern. Jedoch rechnet die Dividende zum stenerpslichttgen Eintommen. 2. Nur mir jctrier Stammcinlage.— Dauer vom 29. bis 7. April Besonders billige iiHiiiiitiiiiiiiiiHniiiiiiitHiihhbiiiibiHiiiuiiiiKiiitiiHimiiiiHiiiiiiibniiiiiHiiiiiiniiHiiiiiiiinmiiuiiiiiiiniiiiiiimciHimtiiiiiuiiiiiniimaiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiuiiiiiii . Manchester- Anzüge ouaiutt i A für 3—8 Jahre.............. Kot ein Preis<*•' 3 Sport" AnZÜge aus sehr haltbaren Stoffen A für 3— 8 Jahre............... Nor ein Preis Sport-Anzüge ans schön gemustert. Stoffen C i-tn für 3—8 Jahre............... Nor ein Preis" Schul-AnZUge Sportfasson.in verschiedenen'T Stoffen, für 6— 8 Jahre......... Nor ein Preis'»OU Prinz-Heinrich- Anzüge aus stofi-'l � resten gearbeitet, für 3—8 Jahre... Nor ein Preis'»jU Knaben-HoSen aus Resten gearbeitet 1 qr lür 3—8 Jahre.............. Nor ein Preis-l-.J J Schill" Hosen aus Resten gearbeitet 1 nc lür 8— 14 Jahre.............. 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Von verschiedenen Seiten wurde geklagt, das; die Handlungsweise LansburyS den Organisationen der Partei in den benachbarten Kreisen viel Schaden zugefügt habe, dast Lansbury in seinem Wahl kämpf die Hilfe antisozialistischcr Liberalen angc- noinmcn. Nach der Annahme des Vorstandsbcrichts wurde der Bc- richt der sieben parlamentarischen Vertreter der I. L. P. diskutiert. Bürgers(Bradford) bezeichnete ihn als ein enttäuschendes Do- kumcnt. Er vermisse in der Tätigkeit der Parlamentarier den sozialistischen Ton.(Genosse Snowdcn habe vor wenigen Tagen eine glänzende sozialistische Rede gehalten, die im Lande einen grasten Eindruck hervorgerufen habe. Der Bemeinderat Patin sprach dagegen, dast man die Parlamentsmitglieder zu scharf kriti- sicre; die Bcrtrctcr der I. L. P. seien stets ihren Prinzipien treu geblieben, und auch die Parlamentarier, die» der I. L. P. nicht an- gehörten, inüstten nacksichtig beurteilt werden; denn sie seien, was man immer gegen sie sagen könnte, der Arbeiterschaft im Lande weit voraus. Anstatt zu kritisieren, sollten die Mitglieder cncr- gischer in den Reihen der Gewerkschafter agitieren. Ein Fortschritt in den Ansichten der Gewerkschafter würde sich bald in den An- sichten ihrer parlamentarischen Vertreter bemerkbar machen. Ter parlamentarische Bericht wurde einstimmig angenommen. Tic Frage des Verhältnisses der I. L. P. zur Labour Party gab Anlast zu einer lebhaften Diskussion. Die Mitgliedschaft der City vf London hatte eine Resolution vorgeschlagen, in der die Aufrcchterhaltnng des politischen Bündnisses mit den Gewerkschaften befürwortet wurde; weiter aber hiest es in der Resolution, dast die'Arbeiterpartei im Parlament bei der Beratung von Angelegen- Heiken, die für die Arbeiterklasse von höchstem Interesse seien, wenig Originalität verrate und die sich ibr bietenden Gelegenheiten nicht in gebührender Weise ausnütze. Ter Vertreter der Antragsteller führte hierzu aus, dast die Arbeite rparteilcr zuviel mit den Live. ralen im Parlament zusammengingen, wie hätten für die An- nähme des Bersichernngsgesetzes gestimmt, das die Arbeiterschaft bedrücke. Die Arbeitcrpartciler würden von den Konservativen gesegnet und von den Liberalen in Schutz genommen. Er sähe es lieber, wenn sie von beiden Parteien verwünscht würden. Wenn die parlamentarische Geschäftsordnung einer radikalen Politik im Wege stünde, so müsse mau die Geschäftsordnung durchbrechen. Es sei notwendig, dast man die Arbcitcrpartciler besser von den Libe- ralen unterscheiden könne. Lansbury' lLondon« erwähnte, daß 22 der Arbeitcrpartciler als Sozialisten gälten, aber nur ö von ihnen hätten gegen das VcrsichcrungSgcsctz gestimmt, das den Lon- doner Dockarbeitern eine schwere Last auferlegt. Er selbst finde es schwer, zwischen dem gewöhnlichen Arbcitcrpartciler und dein radi- kalc» Liberalen einen Unterschied Ivahrzuncbmen. Ihm erwiderte Wallhead sManchesterl, dast Lansbury selbst zu den grötzten Sündern gehörte. Bei Lansburqü Wahl in Bow and Bromley hätten eine Reihe Liberaler für Lansbury gesprochen. Mit einem dieser liberalen Sozialistenfresscr habe er lWallheadf sich nachher in Glasgow herumschlagen müsse». Wenn einer Unklarheit in die sozialistische Politik bringe, so sei es Lansbury. Wäbrcnd der Beratung der Pcrsicherungsvorlage hätten die Redner der Partei die Bestimmungen der Vorlage unaufhörlich kritisiert. Aber der Ausfall der Nachwahlen habe bewiesen» dast die Arbeiter mit dem Gesetz einverstanden waren. Es werde mehr Leben in die Partei kommen, wenn die Parlamentarier häufiger solch prächtige»ind an- feuernde Reden hielten, wie sie Snowden in der Adrcstdcbatte gehalten. Die Resolution wurde abgelehnt. Zweiter Tag. Manchester, 25. März.(Eig. Ber.) Ter erste wichtige Gegen- stand, der den Parteitag heute> Dienstag) morgen beschäftigte, war die Haltung der Arbeitcrpartciler, die dem Namen nach der Ar- bciterpartct angehören, aber gewöhnlich mit den Liberalen zu- .sammengchcn. Die Mitgliedschaft von Presto» verlangte, dast die Parlamentarier der I. L. P. alles tun sollten, um diese unsichccen Kantonisten zu zwingen, in Reih und Glied zu bleiben. Th a i ch e r Kleines feiillleton (fiuc Jagowiadc des Herrn v. Hülsen. Am zweiten Ostcrtage veranstaltete der Arbeitergcsangverein»Fichte-Georgina" tni Konzertsaale der Brauerei FricdrichShain ein Konzert. Als Solistin war die Hofopernsängerin Frau Dcnera gewonnen worden. In der Karfreitagnummcr des.Vorwärts" erschien die Ankündigung des Konzertes, und prompt am Sonnabend früh wurde der Künstlerin von der Intendantur der Hofoper der für Mon- tagabcnd bewilligte Urlaub ohne Angabe von Gründen zurück- gezogen. Eö gelang dem Verein, als Ersatz für Frau Denera die Hofopernsängerin Frau Andrejewa v. Slilontz zu gewinnen. Die Dame erschien auch>m Konzert und sang im ersten Teil ihre Arie. Sic hatte kaum geendet, als man sie an das Telephon rief, wo sie von der Intendantur aufgefordert wurde, den Konzertsaal sofort zu verlosten, wdnn sie sich die Folgen nicht selbst zuschreiben wolle. Gleich darauf fuhr auch ein Automobil vor, das die Dame aus der nach Meinung der königlich preustischen Hofintendantur staatS- gefährlichen Atmosphäre eines ArbeiterkonzertS entführte. Be- tont sei dabei, dast die Künstlerin an jenem Abend frei war und„uch nicht für eine Vertretung in Betracht kam. Die Intendantur hat offenbar in engster Seelenverwandtschaft nut Herrn von Iagow gehandelt— siehe Karfreitagskonzert der Freien Volksbühne. Iagow und Hülsen, die beiden Er. George der borussischen Kultur, erblicken ihren Lebenszweck in der Schurigelei der sich um echt« Kunstpflege mühenden Arbeiterschaft. Durch einen glücklichen Zufall gelang es der jBcrciuLleitung noch, Ichncll einen Ersatz für die ihr entführten Sängerinnen zu finden. Fräulein Erika Dcwitt sang die Mignonarie und einige Lieder und fand damit allgemeinen Beifall. Geschäftstüchtige Verrücktheit. In der bürgerlichen Presse werden augenbttcklich dein friedlichen Abonnenten Proben einer.erpressio- nisnichen" Lyrik serviert, die jeden Strastenköter zum Heulen bringen würden. Wir beabsichtigen in diesem Zusammenhang weder den A Verlag noch den Autor zu nennen loeil wir weder für den einen * noch den anderen eine sehr willkommene Reklame machen möchten. - Um was es sich handelt, mag das folgende Gedicht zeigen: -ES war ein langer Tisch. Oh, ein longer, langer Tuch. Rechts und ImkS an diesem Tische saßen viele, viele, viele Menschen. 1 Menschen, Menschen, Menschen." Selbstverständlich werden diese.Gedichte» in der bürgerlichen Presse mit ironischen Randglossen vorgeführt, Verlag und Autor »ber werden genannt. Vermag man nicht einzusehen, dast man auf diese Weise der geschäsisiüchtigen Verrücktheit zu einem journalistische» Echo verhilft, das dem redlichen Künstler nur in den allerseltensten Fallen «rblüht? Der Standpunkt diesen Produktionen gegenüber scheint uns l Sheffield) klagte über den Schaden, der durch die Haltung gewisser Bergarbcikcrvertrcter der Bewegung in der Sheffielder Gegend zu- gefügt werde. Der Parlamentarier Harveh trete dort in öffentlichen Versammlungen dafür ein, dast der Regierung ein Ber- trauensvotuni erteilt werde. Ebenso trieben es die Bergarbeiter- Vertreter Wadsworth, Johnston, Stanley und andere. Einige von ihnen hätten öffentlich erklärt, dast sie nicht gewillt seien, der libe- ralen Partei den Rücken zu kehren. Sie arbeiteten zusammen mit den liberalen Organisationen. Es sei die höchste Zeit, daß diese Zustande ans der Welt geschafft würden. Ter Vorsitzende Anderson wies darauf hin, dast die La- bour Party aus ihrem letzten Parteitage beschlossen habe, dem llcbcl ernsthaft zu Leibe zu gehen; inan könne versichert sein, dast die Personen, die sich in der Vergangenheit über die Parteidisziplin leicht hinweggesetzt, bald zur Rechenschaft gezogen werden würden. Tic Resolution wurde angenommen. Parlamentarische Taktik. Aus Bradford, der Wiege und dem Zentrum der I. L. P.. kam diesmal wieder die bekannte Resolution, in der die Parlaments- Mitglieder aufgefordert werden, unbekümmert um die Drohungen der Minister, zu demissionieren und dadurch die Partamentsauf- läsung herbeizuführen,. beständig in jeder Frage nach prinzipiellen Gesichtspunkten abzustimmen. Der parlamentarische Vertreter Brad- sords, Genosse I o w c t i, führte zu diesem Antrage aus, dast die Wahlen des Jahres 1910 an der Taktik der Arbeiterpartei viel ber- ändert hätten. In dem Parlament der Jahre 1999— 1910 hätten die Liberalen eine gewaltige Mehrheit gehabt und die unabhängigen Arbeitervcrtretcr lütten stets nach prinzipiellen Gesichtspunkten gestimmt; aber nach den ersten Wählen des Jahres 1910, in denen die liberale Mehrheit zusammengeschmolzen und nach denen sich die liberale Regierung auf andere Parteien verlassen muhte, habe sich das Blatt geändert. Die Arbeiterpartei habe sich nie frei- nüitig mit der neuen Lage befaßt. Tic Ocsfcntlichkcit könne die Politik der Arbeiterpartei nicht verfolgen; es falle ihr schwer, zwischen der liberalen Partei und der Arbeiterpartei einen Unter- schied wahrzunehmen. Wenn die konservative Partei am Ruder sei, stimmte die Arbeiterpartei für ein Mißtrauensvotum; aber wenn die Liberalen herrschten, tue sie das Gegenteil. Handle die Partei nach den in dem Antrag ausgesprochenen Grundsätzen, so würde dies vor allen Dingen de» Erfolg haben, dast man die Parlamentsmitglieder zwinge, in allen Fragen Farbe zu bekennen. Das werde auf die Wählerschaft einen mächtigen erzieherischen Eindruck machen. Unterstützt wurde der Antrag von dem Genossen Allan seinem der Teilhaber der grohcn Glasgowcr Rcedcrgcsell- schast, � der bor einiger Zeit zum Sozialismus übergetreten ist). Er bestand darauf, daß die Partei nie ihre Ideale aus dem Auge verlieren dürfe, nur um kleine Vorteile zu erlangen. Sie müsse weiter schauen als die Opportunisten, deren Arbeit ebenso wenig er- sorictzlich sei wie das Pflügen des Sandes. Die Handlungen der parlamentarischen Vertreter müßten ebenso klar sein wie ihre Reden. Genosse B r o ck iv a y'(Redakteur des„Labour Lcader") sprach gegen die Resolution. Er gab allerdings zu, dast die Taktik viel für sich habe. Hätten zum Beispiel die Parlamentarier aller Par- teicn vor kurzem bei der Beratung des EiscnbahntarisgcsetzcS grundsätzlich und nicht nach ihrer Parteistellung abgestimmt, so wäre das Publikum nicht zugunsten der Eiscnbahngesellschaftcn mit neuen schweren Lasten bedacht worden. Aber der Wortlaut der Resolution binde der Partei Hände und Führ. Die Konservativen würden, handle man ausnahmslos nach dem vorgeschlagenen Grund- satze, der Arbeiterpartei ein Bein setzen, und zwar gerade in dem unbequemsten Augenblick. Worunter die Partei leide, sei ein Mangel an Vertretern, die den richtigen Geist besäßen. Auch das Parlamentsmitglied Genosse Snowdcn wandte sich gegen den Antrag. Er»iciiite, die Frage der Taktik sei in der Theorie leichter zu lösen als in der Praxis. Zuerst biete sich da die Schwierigkeit, in jedem einzelnen Falle zu ergründen, waS der prinzipielle Wert einer Frage ist. Die Bradfordcr Genossen blieben selbst ihrem. Grundsatz nicht treu. In einer vielleicht später noch zur VerHand- lung kommenden Resolution schlügen sie vor, die Partei solle von der Regierung die Abschaffung der Lcbcnsiisittclzölle(es sind dicS nickt Schutzzölle, sondern Finanzzölle auf Tee, Kaffee, Zucker usw.) verlangen und im Weigerungsfälle gegen das' Budget stimmen. Sic fänden es also unter Umständen ganz in der Ordnung, daß die Partei für das Budget stimme, das gewaltige Summen für Rüstun- gen und andere Tinge enthalte, für die ein Sozialist keinen Heller bewilligen dürfe. Man nehme den Fall, die Regierung plane ein für die Arbeiterklasse höchst wichtiges Gesetz; sollte dann die Ar- bcitcrpartci wegen irgendeiner Lappalie die Regierung zu Fall überaus einfach zu sein: entweder„dichtet" der Mann dieses Zeug aus argloser Seele, dann ist er geisteskrank und verdient nicht, dast seine Krankheit in die Oeffentlichkeit gczerrt wird; oder er stellt sich verrückt, um auf diese Weise ein Aufsehen zu erregen, das seinem banalen Gehirn zu erregen sonst nicht möglich wäre: dann läuft man einem Schwindler mS Garn, wenn man ihm daS journalistische Echo verschafft. Auf der Suche»ach dem neue» Ziou. Ein eigenartiges, echt russisches Bild vou den Leiden und Entbehrungen einer Schar von religiösen Fanatikern, die, durch die Persönlichkeit deS russischen MvnchcS JnnocentiuS fasziniert, ihre Heimstätte verliesten und auf der.Suche»ach dem neuen Zion" in bitterer Winterkälte eine Pilgerfahrt aus dem Gouvernement Podolien bis zu dem Onega- Flusse antraten, entwirft ein russischer Korrespondent. Die Schar der Gläubigen, die den Mönch ans seiner Wanderung geleiteten, war weit über 1000 Köpfe angewachsen, vorwiegend kleine Bauern au« den Moldaudistrikten, die Haus und Hof verkauften und singend und betend ihrem Führer folgten. Die Menge war von der Göttlichkeit des MvnchcS überzeugt, und die jetzt er- folgte Verhaftung hat diesen Glauben noch bestärkt. Dazu kommen einige Zufälle, die auf die Phantasie der abergläubischen Bauern eingewirkt haben und als Wunder augesehen werden. Als die Gen- darinen kamen, um den Bruder JmiocentiuS zu verhaften, nahm die Menge eine drohende Haltung an, und um sie cinzuschücktern, wollte einer der Gendannen einen blinden Schuß abfeuern. Aber dreimal versagte das Gewehr. Und ein zweites.Wunder" hatte sich schon vorher in Balta ereignet, als em Jsprownik, ein Polizeibeamter, den fahrenden Mönch beschimpfte und mit drohenden Gebärden auf ihn zutrat. Der Mönch blickte den Angreifer fest ins Auge und sagte ruhig:.Weder Deine Hand noch Dein Fuß soll sich rühren." DerBeamte blieb wie erstarrt stehen und wagte nichts mehr zu sage». Diese Zwischenfälle und manche andere ähnlicher Art führten dem Mönche immer neue Anhänger zu. und in bitterster Winterkälte, vor Frost zitternd und halb verhungert, zog die Schar durch Schnee und Eis. Manche der Gläubigen trugen aus dem Verkauf ihres Eigentums zwar Geld bei sich, aber inmitten der Einöde war ihnen das von keinem Nutzen. Die Prozession brachte so viel Unruhe ins Land und der Anblick der erschöpften ZionS« Wanderer wirkte zugleich so aufreizend und so erschütternd, dast die NegierungSbehördeu von Archangel schließlich eingriffe», den Pilgerzug aufhalten licsten und den Führer festnahmen. Als JnnocentiuS dem Vizegouverneur vor- geführt wurde und man ihn fragte, wohin er zöge, entgegnete er nur:.Ich suche daS neue Zion," und sofort fielen seine Anhänger ein und sangen ihr Lied:„Wir suchen das neue Zion." DaS Rote Kreuz ist um Hilfeleistung bei der Pflege der Fanatiker gebeten worden, die tausend Anhänger des JnnocentiuS haben bereits eine Winterwanderung von über 1600 Kilometer hinter sich. Die Stundcnzählung 0— 24. Dr. John Mez schreibt in den„Doku- inenten des Fortschritts": Im modernen VerkchrSleben macht sich vielfach unliebsam fühlbar, dast der Zeitraum eine» Tage», von' / bringen? Er wisse wohl, dast die Bradforder ihren Antrag nicht in diesem extremen Sinne aufgefaßt wissen wollten.?lber deshalb sei die Resolution auch nicht notwendig. Die Arbeiterpartei habe in den letzten Jahren stets nach dem in der Resolution aufgestellten Grundsätze gehandelt und der einzige Fehltritt, den man anführen könne. liege sechs Jahre zurück. Für die Resolution sprach noch Genosse McLachlan(Man- chesterj, der die jetzt befolgte Taktik der Arbeiterpartei wie folgt charakterisierte: Wenn die TorieS, um die Regierung zu stürzen. einen Antrag ans Einführung des Minimallohns einbrächten, würde die Arbeiterpartei gemäß ihrer üblichen Taktik gegen den Minimal- löhn stimmen. Er behauptete, die Sünden der Arbeiterpartei be- stünden weniger aus Begehnngssündcn als Unterlassungssünden. Ilm der Regierung keine Unanehmlichkeiten zu verursachen, habe es die parlamentarische Fraktion unterlassen, Fragen zu stellen und Amendements einzureichen. Die propagandistische Tätigkeit der I. L. P. müsse leiden, solange nicht die Handlungen der Arbeiter- Partei, van der die I. L. P. ein Teil sei, mit ihren erklärten Grund- sähen in Einklang stünden. Man möge sich doch nicht von der Rc- gierung bange machen lassen. In dem Augenblick, in dem die Ar- beiterpartei die Liberalen energisch angreife, würden sich die bür- gerlichen Parteien einander nähern und unterstützen. Ter'Antrag wurde mit 114 gegen loO Stimmen abgelehnt. Zu lebhaften Erörterungen gab ein Antrag Anlaß, in dem die Arbeiterpartei aufgefordert wurde, die Regierung zu veranlassen, eine offizielle Fraucnstiimnrcchtsvorlage einzubringen und im Weigerungsfälle gegen jede Wahlrechts- oder Registrtcrnngsvorlage zu stimmen, die die Frauen nicht einschließt. Eine Rcgistricrungs- Vorlage würde auch die zur Abschaffung der Plnralwählcr sein, die die Regierung in der laufenden Session durchzudrücken gedenkt... Gegen den Vorschlag, auch gegen die Plnralwählcrvorlage zu stim- men, wurde von verschiedenen Seiten Einspruch erhoben. Ter An- trag wurde jedoch in seiner ursprünglichen Gestalt angenommen. Proportionalwahlsystem. Tic Frage der Proportionalwahl rückt in Großbritannien immer mehr in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Die I. L. P. stand in den letzten Jahren unter dem Einfluß McDonalds diesem Wahlsystem ablehnend gegenüber. Diesmal wurde jedeck ein Antrag zur Einführung des Proportionalwahlsystems fast einstimmig angenommen. Genosse Wake bat seine ganze Bcrcd- samkeit auf, um Anhänger für das Wahlsystem der„alternativen Stimme" zu gewinnen und das Proportionalwahlsystem in Grund und Boden zu kritisieren. Er fand aber nur Iß Bekehrte, obwohl ihn Genossin Dr. Marion Philips kräftig unterstützte. Das System der„alternativen Stimme" ist eine Art Stichwahlsystem, bei dem der Wähler durch einen Wdhlakt den Kandidaten seiner Wahl und den Kandidaten, für den er in der Stichwahl stimmen würde, bezeichnet; es bat in England viele Anhänger. Nackdem Genosse Snowdcn in einer überzeugenden Rede den karrum- picrcnden Charakter des Stichwahlsystems darlegt und die Vorteile der Verhältniswahl auseinander gesetzt hatte, wurde der Antrag fast einstimmig angenommen. Gegen den Militarismus. Ter Parteitag fand einen würdigen Abschluß in der ein- stimmigen Annahme folgender Resolution: „Ter Parteitag protestiert gegen die beständig zunehmende Last des Militarismus und der Rüstungen und kündigt den Bestrebungen, die jetzt gemacht werden, um die allgemeine Wehr- Pflicht einzuführen, seinen äußersten Widerstand an. Ferner bc- grüßt und unterstützt der Parteitag die prächtige Kundgebung der Solidarität, die von unseren französischen und deutschen Gc- nasse» an den Tag gelegt worden ist, und unterstützt wärmstcns den Vorschlag zur Bildung eines Einverständnisses zwischen Frankreich, Deutschland und Großbritannien als einen wichtigen Schritt zur Sicherung des europäischen Friedens." Genosse Bruce Glasier, der die Resolution im Namen des Vorstandes begründete, führte ans, dast der„Vorwärts" vor einigen Tagen geschrieben habe, daß der Kampf gegen den Mili- tarismuS und die Rüstungen immer mehr zu der einen großen unmittelbaren Frage ivcrdc, die das europäische Proletariat zu lösen habe. In allen Ländern gelangten die organisierten Arbeiter zu derselben Ansicht. In allen Ländern kämen die Völker zum Be- wutzlscin, daß sie vor einer ungeheuren Gefahr ständen. Die wunderbarste Erscheinung des letzten JahrcS sei die Einmütigkeit gewesen, mit der die Völker Europas gegen den Militarismus und den Nüstungswahnsinn protestierten. Der Kongreß zu Basel habe der ganzen Welt kund getan, was das Proletariat von der Politik der Herrschenden denke. Auf dem Balkan hätten unsere Genossen Mitternacht bis Mitternacht in 2 mal 12 Stunden eingeteilt wird. Die dadurch bedingte Erschwerung der Zeitbezeichmuig führt leicht zu Unübersichtlichkeilcn und Verwechselungen der Zeitangaben, ins- besondere bei Fahrplänen. Telegramme», Zirkularen usw. So ist die Post gezwungen, auf Millionen von Stempeln die Tageszeiten durch ein V.(vormittags) oder dl.(nachmittags) besonders zu kennzeichne». In den Dienst- und Aushängefahrplänen sowie in den Kursbüchern der Eisenbahncii, Straßenbahncir oder Schiffahrtsunternehmungen wird die Nachtzeit von 000 Uhr abends bis Uhr morgens bei uns meist durch Uiilerstreicheit der Minutenzifferil kenntlich gemacht, im täglichen Leben müssen bei Zeitangaben in der Regel die Zusätze morgens, mittags. abends.»achtS usw. gemacht werden(in England und Amerika ist die Abkürzung u. u\.----- vor» und p. m,---- nachmittags gcbrüucklich, in Frankreich die Bezeichnung m.— inatiu und s.— soir). Diese umständliche und schwerfällige Art der Zeilbezeicknung liegt natürlich lveder im Interesse des Publikums noch der VerkehrSverwaltiliigcn selbst. In Italien, Spanien, Portugal und Belgien ist seit längerer Zeit die Swndenzählung 0—24 üblich, mit Beginn des Sommer- fahrplanS 1912 folgten fast sämtliche Eisenbahnen Frankreichs und neuerdings wird die Frage der Einführung dieser 0—24- Stunden- zählung auch von den TranZportanslalten der Schweiz befürwortet, so dast deren Einführung im schweizerischen Eisenbahn-, Schiffahrls-, Post- und Tclegraphenvcrkchr gesichert erscheint. Die Vorteile dieser Stundenzählung sind hinsichtlich des Fahr« Plans, zumal für die Uebersichtlichkeit der F c r n Verbindungen, so offenkundig, daß cS ininötig ist, sie besonders hervorzuheben. Zu wünschen»st, dast diese verciilfachre Stundenzählung. an die man sich rasch und ohne sont" liche Schwierigkettcn gewöhnt, in Bälde auch in den Ländern eingesiihrt werden möge, in denen sie noch nicht besteht, so in Teutschland und Oesterreich! Notizen. — Ro st s piekiger Patriotismus. Am 18. Oktober soll das L e i p z i g e r L ö I l e r s ch I a ch t d c n I m a l eingeweiht werden. Große Sache: ein Kaiser, ein König, Fürsten in Masse. 00 000 Zuschauer. Schon jetzt rauft man sich um Einladungskarten. Die billigste kostet 5 M., Tribünensitz aber 105 M.— Vielleicht läßt sich der Opfermut, den der deutsche Spießer entfaltet, wenn» was zu sehen gibt und er protzen kann, für die Militarvorlage ausnutzen. — Das abgesägte Münster. Die für die meisten alte» Bauwerke bestehende Gesahr, der Bodenfeuchtigkeit zum Opfer zu fallen, drohte, lvie die„Bangelverks-Zeitung" berichtet, auch dem Münster in lleberlingen. Man entschloß sich daher, das gesamte Gebäude lrocken zu legen. Zu diesem Zwecke ivurde das ganze Münster„abgesägt". Riesige Motorsägen durchschneiden in horizon» taler Linie türz über dem Erdboden das mehrere Fust dicke Mauer« iverk des Münsters und bahnen dadurch eineii etwa einen Zentimeter breite» Weg durch das Gestein. Der so geschaffene Zwischenraum wird dann wieder durch Bleiplotten, die nnt einer Asphaltschicht be- deckt sind, ausgefüllt. Auf diese Weise wurde da» ganze große Bau- Werl abgesägt. in der schmwrigsicn Sage gegen den Kriegstaumel protestiert und die Stimme der Vernunft erhoben. All diese Zeichen könnten das kämpfende Proletariat nur mit Hoffnung erfüllen. Tie I. L. P. sei die einzige Partei in Großbritannien, die den Militarisnius konsequent bekämpfe. Sie habe durch ihre Agitation unter dem Volke den Angriff der Lebensmittelwucherer abgeschlagen, nkid sie werde auch die Militaristen bekämpfen und besiegen und das gute Einvernehmen unter den Völkern anstreben, das den Völkerfrieden sichern werde. Genosse Keir H a r d i e verlangte eine positive Politik in der Frage des Militarismus. Man müsse den Feind in die De- sensive drängen und vor allen Dingen den Kampf gegen den Geist des Militarismus ausnehmen, der die Völker versklave. Als Vorsitzender der Partei für das kommende Jahr wurde Genossen Keir Hardie gewählt, der im ersten Jahre des Be- jtehens der I. S. P. den Vorsitz führte. Auf allen Seiten wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben� daß die Rückkehr des greisen, aber jugendlichen Kämpen an die Spitze der Partei ein Jahr der be- geisterten Agitation und des Aufschwungs für den Sozialismus in Großbritannien bedeuten werde. GemMs-Leitung. Alkoholfolgen'? Ein wüster Exzeß im Gerichtssaal, bei welchem die angegriffenen Zeugen aus Furcht in das Beratungszimmer des Gerichtshofes flüchteten, spielte sich gestern in dem Sitzungszimmer des Schöffen- gerichts Berliir- Schöneberg ab. Wegen versuchter Nötigung war der Arbeiter G u st a v H e n t s ch e l angeklagt.— Der Angeklagte lebte früher nnt einer Frau Gutsche zusammen. Die Frau sagte sich von ihm los, weil er das Geld vertrank und zu einer Gefängnisstrafe ver- urteilt worden war. Als er aus der Strafanstalt herauskam, ver- suchte er sich wieder der Frau G. zu nähern. Diese wies ihn ab. Sie wurde von nun au auf Schritt und Tritt von dem Angeklagten verfolgt und auch auf offener Straße beleidigt, so daß sie schließlich gegen ihn mit einer Anzeige vorgehen mußte. Am Tage vor dem Termin gegen H. erschien er an der Wohnungs- tür der Frau-G. und verlangte Einlaß, anderenfalls er die Tür einschlagen werde. Da der Angeklagte die schwersten Todesdrohungen ausstieß, sprang die lS jährige Tochter der Frau G. zum Fenster der Parterrewohnung hinaus und holte von der Polizeiwache Hilfe herbei. In der gestrigen Nerhaudlung beantragte Amtsanwalt H o ch st e t t e r eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. DaS Gericht ging jedoch mir Rücksicht auf das von dem AngeNagten zutage gelegte gewalttätige Vorgehen über diesen Antrag hinaus und erkannte auf sechs Monate Gefängnis. Kanin hatte der Vorsitzende, Gerichtsassessor Fromer das Urteil verkündet, als der Angeklagte mit einem mächtigen Satz über die llmsriedigung der An- I l a g e b a n k hinwegsprang und einen an dem Verteidigertisch stehenden Stuhl ergriff. Als er mit diesem auf die beiden Zeuginnen eindrang, ergriffen diese unter gellenden Hilferufen die Flucht und zwar liefen sie hinter den Richtertisch und von dort in das BeratungSzimmer hinein. Die Gerichtsdiener Schindler und Steffin warfen sich auf den Tobenden und nun entstand, da der Angeklagte wie wild um sich schlug, ein furchtbares Handgemenge, bei welchem die schwere cisenbeschlagene Tür, die zu der Anklagebank führt, in Trümmer ging. Der Angeklagte wurde wegen dieses Exzesses in eine sofort zu vollstreckende Ordnungsstrafe von drei Tagen Haft genommen, außerdem wurden die Alten der Staatsanwaltschaft zwecks Erhebung einer neuen Anklage überwiesen. Die Abführung des Angeklagten, der innner noch tobte, gelang nur unter den größten Schwierig- ketten.___ Streikende Inmiugsmeistcr. Der Magistrat von Breslau hat die Unterrichtsstunden der getv er blichen Fortbildungsschule für Bäcker- i e h r l i n g e auf die Zeit von 7—9 Uhr vormittags festgesetzt und ist damit einer Anregung der freiorganisierten Bäcker- gehilfen gefolgt. Diese Maßnahme hat den Beifall der jFlinungsmeisler, die darin eine Beschränkung der Ausbeutung der Lehrlinge erblicken, nicht gefmideu. In einer JnnungS- versammlung wurde scharfer Protest gegen die Maßnahme des Magistrats erhoben und Beschwerde beim Regierungspräsidenten ein- gelegt. Selbstverständlich hat dsr Magistrat die JnnungSmeister wissen lassen, daß seine Entscheidung über die Festlegung der Unter- richtssiunden endgültig ist und zu einer Abänderung kein stichhaltiger Grund vorliegt. Als G e g e n nr a ß r c g e l wollen die Bäcker-JnnungSmeister, Ivie ein Breslauer konservatives Blatt berichtet, soweit sie als Armendirektoren, Bezirksvorsteher, Waisen- r ä t e usw. ehrenamtlich tätig sind, diese Aemter am 1. April gemeinsam niederlegen. Einen großen Schaden wird die Stadt Breslau dadurch sicher nicht erleiden, denn zu den sozialsortschrittlichen Elementen gehören die reaktionären JnnungSmeister ja so wie so nicht. Von besonderem Interesse für die Allgemeinheit ist es aber,' daß hier die Meister genau zu demselben Mittel greife». daS, von Gehilfen angewendet, von ihnen am schärfsten unter Beihilfe der Behörden bekämpft wird. zum Aschermittwoch d. I. Der Korpsstudent vor Gericht. Marburg. 27. März. I» der Nacht halten bekanntlich vor dem Wachtstubenlokal deS hiesigen Rathauses einige hundert Studenten gegen die Polizei demonstriert, die für diese Nacht die Feierabendstunde für sämtliche Restaurants auf 1 Uhr festgesetzt hatte. Dabei waren Polizeibeamte mißhandelt, sämtliche Fenster des Wachtlokals eingeworfen und Revolver schüsse ab- gefeuert worden. Einige der Exzedenten sind bereits zu Geldstrafen verurteilt worden:-einige andere werden sich noch vor dem Gericht zu verantworten haben. In der heutigen Schöffengerichts- s i tz u n g hatte sich der stuck, jur. Barst, der e r st e C h a r- gierte des Korps„Teutonia", wegen einer in jener Nacht begangenen Beleidigung eines Polizeiwachtmeisters zu verantworten. Der Beamte hatte einen der Tumultuanten, den Studenten R., der die Nennung seines Namens verweigerte, festnehmen wollen. Der Angeklagte V. war jedoch dazwischengetreten und hatte sich bereit erklärt, dem Beamten die erwünschten Angaben zu machen. Als er durch dieses Versprechen die Freilassung des R, erreicht, wollte er aber plötzlich dessen Namen nicht mehr wissen. Der Polizeiwacht- meister machte L. nunniehr Vorhaltungen, worauf dieser ihn anschriet „Ihr Benehmen ist eine Unverschämtheit: wie köniren Sie nur, d e in ersten Chargierte il desKorps „Teutonia", das sagen!" Der als Zeuge vernommene Beamte bekundete, er sei„schon oft von den Herren Studierenden angeschrien worden", niemals bisher aber so heftig wie von V., der dies mit einem solchen Kraftaufwand getan habe, daß dem Zeugen„der Speichel ins Gesicht geflogen" sei. DaS G e r i ck> t ging über den auf l00 M. Geldstrafe lautenden Antrag deS Amtsanwalts hinaus, indem eS auf 159 M. Geldstrafe oder 13 Tage Gefängnis erkannte. In der Urteilsbegründung hieß es, eine empsindliche Strafe sei um so mehr angebracht, als der An« geklagte als erster Chargierter des Korps„Teutonia" gewiß„in günstigen Wechselverhältnissen" lebe. Wie hätten Anklage. Strafantrag und Urteil gelautet, wenn ei» Arbeiter ohne„günstige Wechselverhältnisse" so wie der Student vor» gegangen wäre? Man vergleiche die Marburger Anklage gegen einen Studenten mit irgendeiner Anklage gegen einen Arbeiter, de nicht aus Randaliersucht, sondern im Interesse seiner Familie und seiner Klasse sich im berechtigten Lohnkompf befindet, Marktpreise von Berlin am Ä7. März littZ, nach Ermitlelungen des königl. Polizcipräiidiunis 199 Kilogramm Weizen, gute Sorte 19,78 bis 19,90, mittel 19,04—19,06, geringe 19,30— 19,42. Roggen, gute Sorte 16,13— 16,15, mittel 16,09— 16,11, geringe 16,05—16,07(ab Bahn). Futter» gerslc, gute Sorte 16,20—16,60, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50! Caser, gute Sorte 17.40—19,70, mittel 16,30— 17,30(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mired), gute«orte l4,45— 14,80. Markth allenpreise. 100 KUogr. Erbse», gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linien 35,00— 60,00. Karlosteln(Klcinhdl.) 5,00— 10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1.80. Schweinefleisch 1,60— 2,00. Kalbfleisch 1.40—2.40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butler 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3.60— 5,40. 1 Kilogramm Karpicn 1,20—2,40, Aale 1.60— 3210. Zander 1,60— 3,60. Hechle 1,60— 2,80. Barsche 1,20— 4,00. Schleie 1,60— 3,20, Bleie(1.80—1.60. 60 Stück Krcbie 4.00—24.00._ Todes-Anzeigen Am 26. d. Mts.. abends 11 Uhr, starb mein lieber Mann, unter guter Bater und Sohn, der Maler Max Richter. Klara Richter 80A nebst Kindern. Die Bcrdigung findet am Sonn- tag, den 30, März, nachmittags ff,! Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhoss in WUmcrS- darf, Berliner«trage, aus statt, kialdeniokratisciierWahlyerciii Wilmersdorf. Aach langem schweren Leiden verstarb am 26. März unser Mit- glied, der Maler Max Richter im Alter von 47 Jahren. Ehre seinem Andenken Die Bccrdigmig findet Sonntag. nachmittags 31/, Mr, von der Leichenhalle des Wiimcrsdorser Gemeinde- FriedhojeS, Berliner Straße, aus statt, Ilm rege Beteiligung ersucht 201/7 Der Borstand. Deutscber Transportarheiier- Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kohlen- ärbeiter Valentin 8ivek am 26. d, Mts. im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke« Tic Beerdigung findet am Sonntag, den 30, März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS katholischen St, Michael- Kirchhofes in Neukölln, Maricn- dorscr Weg, aus statt, lim rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Eisen- Industriearbeiter Hermann Sproß am 26. d. M. im Alter von 51 Jahre» verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Neuen Rcinickendorscr Gcmcinde-Fricdhoscs, Humboldt- stroße, aus stati. Um rege Beteiligung ersucht 63/10 Gie Bezirksverwaltung DentseberMetalfarbeiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Huxo Drenikow Jahnstr. 7 am 26. März an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke.! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29, März, nach. mittags 4V, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhoses in Fricdrichsselde aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß uuscr Mitglied, der Melall- arbeller �dolk Brosig gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 115/10 Die Ortsverwaltung. SozialdemokratlscberWablverein Neukölln. Am 26. März verstarb unser Parteigenosse, Valentin Sivek (Mahbach-User 2, 1. Bezirk). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30, März, nach mittags 3 Uhr. vom Kirchhos der katholischen Gemeinde, Marien- dorser Weg, ausstatt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht 236/14 Ter Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Erich Wolter sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 23A Familie Wolter, Rügcner Straße 22. vorn II. Arbeiter- Radlabrer-Bund „Solidarität", Ortsgruppe Neukölln. Den Mitglieder» zur Nachricht, daß unsere Genossin Fräulein Margarete Henke am Mittwoch. 26. März, im Alter von 2t Jahren verstorben ist, Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des SimeonskirchhoseS, Britz, Tempelhoser Weg, aus statt, Um rege Beteiligung bittet 127b Ter Vorstand, ?lm 26, d. M, entschlief nach schwerem Leiden aus Gram über den vor kurzem eingetretenen Tod ihres Mannes «Julie Tabor geb. Fanta. im 34. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt an ,4,€lam Fanta. Beerdigung Sonntagnachmittag 3'/, Uhr auf dem Sebastian- Friedhof in~" doldtstraßc. Reinickendorf, Hnm 43a Danksagnng. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit allen Beteiligte» meinen herzlichsten Dank, 137b Witwe L-lna Halomon. Zwecks Uevernahme einer alle», gut eingesührtcu Möbelfabrik werden Genostcn gesucht. Beteiligung mindestens 2000 M, 56/20 Offerten sub C. J. 7571 an Rndolf Masse. 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Verband der Böttcher, Veinkflfer und Hilfsarbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: SO.. Gngeluscr lö. Tel. Moritzplatz 4907. Gountag, den SO. März, vormittags 10 Uhr. bei Zl. Bockcr. Wcbcritr. 17: HttfitrotMI. Miigliedtr- ÖEtfammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Lobiitommitsion über die itattgcsundcncn Ber- Handlungen mit der Arbeitgeber-Tarifkommission und den beiden Fahfabriken. 2. Verbandsangclegcnheitcn. 22/2 In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder dringend crsorderlich. Der Vorstand. Ijte! Mflblenarbeiter! f GeschästSilellc: C.:>t, Mulackftr. 10 1. Fernsprecher; Amt Norden 4511$. Sonntag, den 30. Vi ätz. nachm. 2 Uhr, im..Ciewcrkschaftn- liaas'', Engelufcr 15(Saal III): Gruppen»Versammlung sämti. in Groß-Berlin beschäft. Mdhlenarbeiter. Tagesordnung: „Sind die Kollegen stewillt, in eine Lohnbewegung einzutreten?" Das Erscheinen der gesamten Kollegenschast wird aus das bestimmteste erwartet. �___[43/1]_ Die fernppcnleitnng. Subskripiions- Einladung. Auf Grund des bei den untengenannten Zeichnungsstellen erhältlichen Prospektes sind: M. 15000000 41/30;'o zu 102°,'0 v. I. April 1919 ab rückzahlbare insgesamt z. 1. Okt. 1918 kündbare Schuldverschreibungen von 1913 der pEIektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert& Co. in Xiirnberg. bestehend in 15000 Obligationen a M. 1000,, sÄun Handel undzurXotiz an der Berliner Börse zugebissen worden. Die Zulassung an den Börsen zu Frankfurt a.M., Hamburg und München ist beantragt. Wir legen von vorerwähnten Schuldverschreibungen einen Teilbetrag von M. 7 50U OOO unter nachstehen eleu Bedingungen zur öffenuichen Zeichnung auf: 1. Die Zeichnung findet am Dohncrtttafi;. den 3. April 1913 bei den nachverzeichueten Finnen statt; Bayerische Vereinsbank in München u, deren Zweigniederlassungen, Bayerische Hypotheken- u. Wechsel-Bank in München u. deren Zweigniederlassungen. Bayerische Disconto- u. Wechsel-Bank in Nürnberg'und deren Zweigniederlassungen, Commerz- u. Disconto-Bank in Hamburg, Berlin u. deren sonstigen Zweigniederlassungen, J. Dreyfus& Co. in Frankfurt a. M. Philipp Elimeyer in Dresden, Anton Kehn in Nürnberg. Ladenburg in Frankfurt a M. Süddeutsche Disconto- Gesellschaft A-G. in Mannheim und deren Zweigniederlassungen, von der Heydt-Kersten& Söhne in Elberfeld während der bei den einzelnen Stellen üblichen Geschäftsstunden mittels der bei jeder Stelle erhältlichen Anmeldeformulare. Der frühere Schluß der Zeichnung bleibt jeder Stelle vorbehalten. 2. Der Zeichnungspreis beträgt 98.25 0/0 zuzüglich laufender Stückzinsen ab 1. April ds. Js. bis zum Tage der Abnahme. Der Stempel der Zuteilungsschlußnote ist vom Zeichner zu tragen. 3. Die Zeichnungsetellen sind berechtigt, eine Kaution von 5 0/0 des gezeichneten Betrages in bar oder börsengängigen Wert- Papieren zu verlangen. 4. Die Zuteilung, welche sobald als möglich nach Schluß der Zeichnung durch schriftliche Benachrichtigung der Zeichner erfolgt, unterliegt dem freien Ermessen jeder einzelnen Zeichnungs- »telie. Sperrzeichnungen werden vorzugsweise berücksichtigt werden. 5. Die zugeteilten Stücke sind gegen Zahlung des Preises bei derjenigen Stelle, bei welcher die Zeichnung erfolgt ist, in der Zeit vom 8. April bis 8. Mai 1013 einschließlich abzunehmen. München. Hamburg. Berlin, Mannheim. Nürnberg, Elberfeld. Frankfurt a. M. und Dresden, im März 1913. Bayerische Vereinsbank. Bayerische Hypotheken- u. Wechsel-Bank. Commerz- u. Disconto-Bank. Süddeutsche üisconto- Gesellschaft A.-G. Anton Kohn. ton der Heydt-Kersten& Söhne. Bayerische Disconto- u. Wechsel-Bank. E. Ladenburg. J. Dreyfus u. Co. Philipp Elimeyer. 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Herid,H.,£liuirrst 97 Lusenul.PIztnk Körher, O.tlnrIenderf.i'bsiseculr.iM H. Lindeke, Warschauerstr- 8Ö- M. Rasenke, Birkenstr. 22 Witte, Max ÄÄ W.Wettitädt.Stralsunderstrlt � Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. BerlagSanftalt Paul Singer u.To� Berlin SM. »73 so. juiitjwj. 3. Ktillige des.Fllmarts" Kerliner Volksblatt. N M-,.9.3 8. Generalversammlung der Kupftrslhmiede. Stettin, 27. Aiärz. In der Debatte über den Punkt „Arbeitsvermittelung" kennzeichneten die.Redner die Praktiken der Untcrnehmernach- weise; sie bezeichneten die Arbeitsnachweise der Metallinoustricllen als Maßregelungsbureaus. Ter Vorschlag oes Resercnten, eine Berbands-Zentralstclle für die Arbeitsvermittelung zu schassen, stieß auf Widerspruch. Zunächst müßten die Bezirksarbeitsnach- weise besser ausgebaut weroen. Der Münchcner Delegierte B i ch l e r verlangte für die paritätischen Arbeitsnachweise das Ob-- ligatorium. Der Standpunkt der Generalversammlung kommt in einer gefaßten Entschließung zum Ausdruck, in der gesagt wird: „Die Generalversammlung verpflichtet sich, in Ueberein- stimmung mit den Beschlüssen des achten Gewerkschaftskongresses für die Errichtung paritätischer Arbeitsnachweise überall da ein- zutreten, wo es nicht durchführbar erscheint, eigene Arbeitsnach- weise zu errichten. Für die paritätischen Arbeitsnachweise ist das Obligatorium anzustreben. Entschieden zu bekämpfen sind die sogenannten Arbeitgeber- nachweise, weil sie ihre Aufgabe, wie aus Aussprüchen ihrer Gründer unzweifelhaft hervorgeht, darin erblicken, die Arbeiter- bewegung rücksichtslos zu bekämpfen." Ueber die letzten Gewerkschaftskongresse berichtete Kühne- Berlin, der die Beschlüsse der Kongresse aus- führlich besprach. Die Generalversammlung erklärte sich mit diesen Beschlüssen einverstanden. Von dem Internationalen Metallarbeiterkongreß in B i r m i n g h a m im Jahre 1919 berichtete Cohen- Berlin. Auf dem Kongreß waren 789 999 organisierte Metallarbeiter aus 13 Ländern vertreten. Cohen gab ein anschauliches Bild der internationalen Metallarbeiterverhältnisse. Der Verbanostag nahm nun die Beratung der allgemeinen Anträge vor. S\bei fand ein Antrag Annahme, der den Vorstand beaustragt, gemeinsam mit dem Ausschuß eine Statutenänderung vor- zunehmen, falls sich eine solche bei Inkrafttreten der Reichsver- sicherungsordnung notwendig macht. Ueber einen Antrag Hanau, der Verband möge zwecks einer Verschmelzung mit dem Deutschen Metallarbeiterverband in Verhandlungen treten, ging die Generalversammlung gegen 3 Stimmen zur Tages- ordnung über. Der Berichterstatter der Statutenberatungs- kommissüzn betonte hierzu, daß die Kommission den Antrag auf Uebcrgang zur Tagesordnung nur deshalb gestellt habe, weil sie der Ansicht sei, daß eine so wichtige Frag« nur dann entschieden werden könne, wenn sie zuvor gründlich erörtert, ein Referent und Korreferent gestellt sei. Gegen diese Ansicht erhob sich kein Wider- spruch. Für die Beschwcrdckommission berichtete hierauf Damm- Berlin. An den Bericht schlössen sich längere Erörterungen, die aber nur internen Charakter haben. Der Verbandstag begann dann die Statutenberatung, die morgen fortgesetzt wird. Unchsb.ifrmij der Straßenbahner. Frankfurt a. M., 27. März 1913. Nach einer Pause von sechs Jahren traten heute im hiesigen Hlewerkschaftshause die Vertreter der Straßenbahner zusammen, um neue Richtlinien für den weiteren Ausbau ihrer Organisation zu schaffen und grundsätzliche Fragen anderer Art zur Erörterung zu bringen. Die Konferenz ist sehr zahlreich besucht. Es sind erschienen 49 Delegierte, Vertreter des Hauptvorstandes des Trans- Portarbeiterverbandes. Ferner nehmen an der Tagung teil die Reichstagsabgcordneten Dr. Quarck, Bender, Schumann und Genosse D o r s ch u vom Gewerkschaftskartell. Nach herzlichen Be- grüßungsansprachen durch R a t h m a n n- Berlin, Lehmann- Frankfurt a. M. sowie des Genossen Dorschu, der die Grüße der 45 990 gewerkschaftlich organisierten Frankfurter Arbeiter überbringt, hält Genosse Dr. Quarck eine auf den herzlichsten Ton abgestimmte Begrüßungsansprache, in der er die Wirtschaft- lichen Schwierigkeiten des Straßenbahnbetriebes für die Organi- sation bespricht, ferner auf das Strebertum verweist und die Hoff- nung ausspricht, daß es trotz allen Schwierigkeiten der Organi- sation gelingen möge einen Weg zu finden, auf dem sie wacker vorwärts marschieren könne. Dann hä-t Schumann- Berlin ein Referat über das Koalitionsrecht der Straßenbahner Deutschlands. In instruktiver Weise bespricht er zunächst oie Entevicklung des Koalitionsrechtes, dann die vielfachen Versuche, dasselbe zu beschneiden und besonders für die Straßenbahner illusorisch zu machen. An den Veröffentlichungen, Vorschriften und Verord- nungen verschiedener Straßenbahnverwaltungen, so in Dresden, Elberfeld, Pforzheim und Mcmel weist Schumann nack, wie man bestrebt ist, den Angestellten auch das letzte Nestchen Freiheit zu rauben. Gegen diesen Versuch, den Transportarbeiterverband tot zu reden, schreiben und„verfügen", müsse die Organisation energisch Front machen. Sie habe dabei das Recht auf ihrer Seite, denn von allen denen, die etwas von der Sache verstehen, werde zuge- geben, daß das Äoalitionsrecht ftir Straßenbahner nicht aus der Welt zu schaffen ist. Jetzt soll nun ein neues Gesetz die Arbeiter in öffentlichen Betrieben zu Sklaven machen. Man will sie bei schwerer Strafe von jeder Vereinigung angeblich im„öffentlichen Interesse" fernhalten. Aber statt„öffentlich" mutz man immer lesen„Profit", dami weiß man wohin der Weg geht. Besonders mit dem falschen Schein des Beamtencharakters wird ein großer Unfug getrieben, denn damit wird den Angestellten jede Be- wegungsfrciheit genommen und sie werden wirtschaftlich oben- drein schwer geschädigt. Lebhaft weirdet sich der Redner zum Schluß gegen den Vorwurf, der Verband Hetze nur zu Streiks, treibe Sabotage usw. und stellt fest, daß nur in ganz außerordent- lichen Fällen zur Arbeitseinstellung gegriffen worden ist, wenn die Verwaltung zu gar keiner Verhandlung bereit war. Gerade bei der Stellung, die wir dem Publikum gegenüber einnehmen, haben wir alles zu vermeiden, dessen Sympathie zu verlieren. Auf alle die Redereien, Hetzereien und Versuche, die Straßenbahner rechtlos zu machen, könne nur die Antwort erfolgen: alle Tram- bahner müssen sich gewerkschaftlich organisieren. Die Diskussion, die sich diesem Vortrage anschloß, ist fesselnd zu nennen. Sie zeigte,� daß die Dinge in der Tat so liegen, wie sie Schumann geschildert hat. Einstimmigkeit kann konstatiert tverden in der Verurteilung der Beamtcneigenschast, sie nütze den Straßenbahnern absolut nichts. Ueber die Streits in Hamburg und Königsberg wurden nähere Airgaben gemacht und besonders bei Königsberg der reaktionäre Charakter der dortigen Verwaltung geschildert. Es wird in vielen Verwaltungen systematisch darauf hingearbeitet, die Straßenbahner von jeder Organisation zurück- zuhalten. Von großem Interesse waren die Ausführungen des Reichstagsabgeordnetcn Genossen Dr. Quarck, der darauf ver- wies, daß nach dem heutigen Stand der Frage des Koalitions- rechtes keine Rede davon sein könne, daß den Straßenbahnern das Koalitionsrccht genominen ist, wenn sie nur den Mut haben, es zu benützen. Wenn heute viele Verwaltungen dazu übergehen, ihnen dasselbe streitig zu machen, dann nur aus der Ursache her- aus, daß sie wissen, daß die Trambahner wenigstens zum Teil noch sehr gleichgültig diesem Raube zusehen. Wenn Sie so sehr besorgt sind, Ihre Rechte zu erhalten, wie es die Junker tun, wenn es sich um die Erhaltung alter Polizeigesctze oder der Ge- sindeordnung handelt, dann wird niemand wagen, Ihnen dieses Recht streitig zu machen. Aehnlich spricht sich Reichstagsabgeord- ncter Genosse B e n d er aus. Es sprechen noch eine große Reihe Redner zu dieser Frage und die Fülle des vorgebrachten Materials steigt ins Unermeßliche. Schließlich wurde dieser Punkt mit der Annahme einer Resolution abgeschlossen, die. folgendermaßen lautet: Die zweite Konferenz der Straßenbahner Deutschlands protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die Bestrebungen, den in Straßen- und Kleinbahn- sowie in Hochbahnbctrieben beschäftigten Arbeitern und Angestellten das Koalitiönsrecht durch gesetzliche Bestimmungen oder auf dem Verordnungswege ganz zu entziehen bezw. eine Beschränkung dieses Rechts herbei- zuführen. � Die Konferenz fordert vielmehr ausdrücklich eine Klar- und Sicherstellung des Rechts der Koalition durch Unterstellung der Straßenbahnarbeiter und Angestellten unter die Bestimmungen der Gewerbeordnung sowie alle diejenigen Gesetze, welche zum Schutz der gewerblichen Arbeiter geschaffen werden. Jnsbesonocrc erhebt die 5lvnferenz Protest gegen die Ver- suche der Betriebsleitung, den Arbeitern und Angestellten das Koalitionsrecht durch Vertragsbestimmungen, Dienstanweisungen oder Verfügungen illusorisch zu machen. Sie verlangt Garantien dafür, daß die Ausübung und Tätig- keit des Koalitionsrechts der in Frage kommenden Arbeiter und Angestellten durch Schaffung entsprechender gesetzlicher Schutz- bestimmungen sichergestellt wird. Die Konferenz protestiert ferner gegen alle Maßnahmen, den Arbeitern und Angestellten das Recht der Kontrolle bei Ar- beitscinstellungen zu beschneiden oder dasselbe zu beseitigen. In dem diesbezüglichen Eingreifen der behördlichen Organe zugunsten des Unternehmertums erblicken die Konferenzteil- nehmer einen offenkundigen Rechtsbruch. Sie verlangen, daß auch das Recht der.Kontrolle bei Arbeitseinstellungen den Ar- beitern und Angestellten garantiert und dessen Verletzung unter Strafe gestellt wird. £iiis der frauenbewegimg* Säuglingssterblichkeit. Ter„Reichsanzeiger" bringt eine Zusammenstellung über die Säuglingssterblichkeit in den deutschen Bundesstaaten im Jahre 1911. Daraus erkennt man, wie ungeheuer groß die Zahl der Säuglinge ist, die dem Kapitalismus alljährlich zum Opfer fallen. Von 199 Lebendgeborenen starben im ersten Lebensjahre: 199r. 29,7; dann sank die Ziffer bis aus 16,2 im Jahre 1919, um im nächsten Jahre wieder am 19,2 hinaufzusteigen. Die Sterblichkeit zeigt sich in den verschiedensten Bundesstaaten sehr abweichend. Nach dw> Statistik findet sich die größte Säuglingssterblichkeit in Sachsen-Altenburg mit 25 Proz. und im Königreich Sachsen mit 22,8 Proz., beides Länder mit hervorragender Industrie und weit- verzweigter Heimarbeit. Sachsen-Altenburg mit seiner Hut- und Kartonnagenindustrie hat mit 25 Proz. die größte Säuglings- sterblichkeit in ganz Deutschland. Im Königreich Sachsen ist es hauptsächlich die starkenlwickelte Textilindustrie, die den Säuglingen die Mütter fortnimmt. Die Jünglingsskerblichkeit im Königreich Sachsen betrug 1995 noch 27,5 Proz., sank dann auf 20,1 Proz. im Jahre 1998 und stieg bis 1911 wieder auf 22.8 Proz. Außer einigen kleinen Staaten hat auch Bayern noch eine erschreckend hohe Säuglingssterblichkeit. Dabei zeigt es sich, daß Bayern links des Rheins, die Pfalz, in dieser Beziehung viel günstiger steht als Bayern rechts des Rheins. Dieses hatte 1911 eine Säuglings- sterblichkeit von 23,1 Proz., jenes von nur 17,1 Proz., also um 6 Proz. weniger! Außer einigen Kleinstaaten findet sich dann in Württemberg und in Preußen noch eine relativ hohe Säuglings- sterblichkeit. Die niedrigste Säuglingssterblichkeit in Deutschland herrscht im Großherzogtum Hessen, wenn man von Waldeck und den beiden Lippe wegen ihrer Kleinheit absieht. Verhältnismäßig günstig stehen auch die Hansestädte da, an der Spitze Bremen mit 14,1 Proz. Säuglingssterbliedkeit. Im ganzen geben die Prozentziffern der Säuglingssterblichkeit ein Bild der Jndustrieentwickelung und dem- nach der sozialen Lage des betreffenden Landes. Staaten mit großer Industrie und starker proletarischer Bevölkerung haben die größte Säuglingssterblichkeit. Bis zum Jahre 1995 überwog noch die Säuglingssterblichkeit in den Städten, dann ober wurde das Verhältnis umgekehrt. Die Säuglingssterblichkeit auf dem Lande ist erschreckend hoch geworden. Folgende Uebersicht beweist das. Es starben in Preußen in Landgemeinden in Stadtgemeindcn auf 199 Geborene 1994..... 17,94 19,29' 1995..... 19,84 19,91 1907..... 16,9 16,6 1908..... 17,4 17,0 Auch Bayern erreicht seine hohe Sterblichkeitsziffer nur durch die des flachen Landes. Welches ist nun die Ursache der starken Säuglingssterblichkeit auf dem Lande? Zweifellos die ganz un- geheure Zunahme der Frauenerwerbsarbeit in der landwirtschaft- lichen Industrie und in der Landwirtschaft überhaupt. Die Land- arbeiterin genießt keinen gesetzlichen Schutz. In langer Tagesfron muß sie die schwere Arbeit bei vollständig ungenügender Ernährung verrichten; um ihre Behausung ist es traurig bestellt. Ihre Kinder sind ohne genügende Aufsicht und Pflege dem Verderben, ja dem Tod ausgeliefert. Mehr und mehr ist bei der ländlichen Bevölke- rung Ueberarbeit und Unterernährung festgestellt worden. Die Frauen arbeiten, da ihnen keine gesetzlicbe Unterstützung gewährt lvird, fast bis unmittelbar vor der Entbindung und nehmen sie so früh wie möglich nachher wieder auf.. Daß sie keine kräftige, lebensfähige Säuglinge gebären können, ist natürlich. Einen wie großen Einfluß die schlechte soziale Lage auf die Säuglingssterblich- keit hat, zeigt die durchgehende Erscheinung, daß die Säuglings- sterblichkeit in Arbeiterkreisen stets viel hoher ist als in Gegenden mit sozial gut gestellter Bevölkerung. Die Sterblichkeit betrug in den Arbeitervierteln Berlins Weißensee...... 31,91 Proz. Britz........ 29,34, Lichtenberg...... 25,11, dagegen im Villenort Dahlem....... 6,67, Und so ist es nicht nur in Berlin, sondern überall. Gebt den Säuglingen gute Nahrung, gebt ihnen bohe sonnige Räume mit guter, frischer Luft, gebt ihnen geeignete Kleidung und Lagerstätten, vor allem gebt ihnen die richtige Mutierpflege— und die Säuglingssterblichkeit wird in überraschender Weise sinken. Kretrcltgiösc Gemeinde. Sonntag, den 39. März, vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Ew. 6, Vortrag von Herrn Dr. M. Brie: „Shakespeares Mcnschheitstragödien*.— Damen und Herren als Mäste sehr lvillkommen. Montag, abends 8 Uhr, in„Alt-Berlin": Beschließende Ver- sammlung. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter sG. H. 29), Hambarg.(Filiale Baumschulenweg.) Heute Sonnabend. den 29. März, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung im Lokal von Boche, Baumschulensw. 67. Wer aus irgend einem Grunde Urfache hat, mit feiner Fußbekleidung unzufrieden zu fein, der trage Stüler-Stiefel ** Br wird zufrieden fein!«* ................. Zentrale: �erusatemer Strahe 32— 35 Potsdamer Strasse 2 Taucnfzicn-Sfr. 19a Tauenfzicn- Str. 7 b Friedrich- Strasse 75 König-Strasse 25-26 Roscnfhaler Strasse 5 Oranicn- Strasse 161 (zr.Frankturicrstr.123 Chaussee-Str. 114/115 Sdlöncb., Haupüir. 140 Neukölln, Bergsir. 25 CharLWOmertdorfcrtlr�S MMIIIWMMWMMMI MWMIWMiW Was sind Ausnahme-Tage?? Nach unserer Beurteilung ein Beweis, dass der Geschäftsinhaber, der sie veranstaltet, seine Waren billiger verkaufen kann— wenn er will, und das Wort„Ausnahme" nur als Lockmittel benutzt. Welcher Missbrauch aber mit solchen„Ausnahmetagen" getrieben wird, haben wir erst kürzlich wieder festgestellt. Eine Firira veranstaltete Ausnahmetage für Loden-Pelerinen, die an den„Ausnahmetagen" sage und schreibe 15 Pfenni? billiger verkauft wurden wie an anderen Tagen. Die Beurteilung solcher Geschäftsführung überlassen wir dem geehrten Publikum. Firmen, welche ihre Preise sofort billigst berechnen, haben nicht nötig, das Publikum durch Ausnahmetage und dergleichen anzulocken. Zu diesen Firmen gehört auch die H. K. G., welche auf Grund ihrer Preisberechnung: Selbstkostenpreis 4-ioo/o alle Wareniederzeit gleichmSssIg billig zum Verkauf bringt Unser Verkaufssystem: Selbstkostenpreis+10% bietet dem Publikum bedeutende Ersparnisse Herren• Kleider- Vertriebs- Ges. Neue Schönhauser Str. 1 I Charl., Wilmersdorfer Str. 165 j Neukölln, Kottbuser Damm 72 I Moabit, Turmstrasse 73 Ecke Weinmeister- und Münrstrasse 1 Ecke Berliner und Scharrenstrasse| Ecke Leaaustrasse| vis-a-vis der Emdener Strasse Verlangen Sie kostenfrei unsern Haupt-Katalog.— Sonntags von 12 bis 2 Uhr geöffnet. '!iiiiiiiiminnmiiinll!l1liiiiimiillllli!iimmiiinii,.i....iiiiiii IM'NlIllllllllHüHUllH jÜbel-Cobn 1. 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Tiirkischer, PrinzenstrJS w» Sonnabend, den 2S. März 1912 Anfang 4 Uhr.> Urania. Aufs Mattcrhorn. Anfang 7>/, Uhr. Kgl. Opernhaus. AigaroS Hochzeit. «gl. Schauspielhaus. Der grofze König. Deutsches. Der lebende Leichnam. «öuiggräver Strahe. Brand. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Albert Schumann. Gala- Vorstellung. Aniang 8 Mr. Urania.»Hahenzollern-�Fahrten. «ammerspiele. Schöne grauen. Lesfing. Erziehung zur Ehe. Tod und Leben.. «roll. Das Gnadenbild. Theater deS Westens. Die beiden Husaren. Berliner. Hilmzauber. Kleines. Vrofefsor Bernhards. Knrfürftenover. Rigoictio. Deutsches Schauspielhaus. Der gut Ruf. Deutsches Opernhans. Der Frei- Schiller O. Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Schiller-Eharlottenburg. Cyrano von Bcrgerac. Grost-Berli». Das Farmermädchen. Vietropol. Die Kino-Königin. Trianon. Wenn Frauen reisen. Theater am Nollendorfplatz. Extrazug nach Nizza. Residenz. Die Frau Präsidentm. Thalia. Puppchcn, Montis Operetten. Der Zigeunerprimas. Luisen. Hm wunderschönen Monat Mai. Rose. Verlassene Frauen. Herrnfeld. Die Schonzeitjäger. LiebcZprobe. Castno. ArturS Flitterwochen. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalleu. Bühnengröhen. Apollo. Svezialitäten. Friedr.> Wtlh. Schauspielhaus. Ärigri. Anfang 8>/, Ubr. Lustspielhas«. Wajolila. Walhalla. Parole Walhalla. Folics Eaprice. Des Löwen Er- wachen. FlohS Seitensprünge. Voigt-Thcatcr. LossalleS Ende. Anfang S'j, Ubr. Neues Volkstheater. Die Hexe. Ansang 9 Uhr. Admiralöpalast. Eisballctt: Flirt in St. Moritz. Berliner Eispalast. Lebende Eis- slulpturen. � Sternwarte, Invalid enftr. 57—�2. Schiller-Theater O.lSeaur: Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Reise durcH Berlin in 80 Stunden. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Konxert. Sonntag, abends 8 Ubr: Im weißen Kößl. Montag, abends 8 Ubr: Gygea nn«l sein Ring. Schilier-Theaier c*t°T' Sonnabend, 8 Uhr: Zum 1. Male: C�ram» von Bergerac. Sonnrag, nachmittags 3 Uhr: König I-cnr. e-onnlag, abends 8 Uhr: Cyrano von Bergerac. Montag, abends 8 Uhr: Der Andere. Berliner Theater. 8 uhr: Filmzauber. Theater in der Könirätzer Straße ?'/, uhr: Brand. Theater amKolleniiorfpiatz An allen Tagen der Woche 8 Uhr: BxtramZ nach Nizza. Theater des Westens. Uhr: Die beiden Husaren Sonnt. 3'/, Uhr: Der Frauenfreii er. KMs öperetten-Theater (sr. Heues Ibeater). Amt Norden 1141. 3 Uhr: Der Zigeunerprimag. Residenz-Theater. Ansang 8 Uhr. Die Frau Präsidentin. (Madame la President©). Schwank in 3 Akten von M. Henneauin u. P. Vebcr. Morgen und folgende Tage: Die I'ran Präisidcntin. ReicbsbaUen-Thealer Stettiner Sänger. Burleske von meyscl und Britton. Anfang 8 Chr.— Dentsches Schanoplelhans 8 Uhr: Der gute Ruf. Quisen-1'keater Sonnabend, abends 8 Uhr: Im wunderschonen Monat Mai. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: »Und hätte der Liebe nicht«.«* Sonntag, abends 8 Uhr: Bor 1v« Jahre» oder: Napoleons Sieg und Fall. Montag, abends 8 Uhr: Im wunderschone» Monat Mai. ivse-TiieAie Große Franffurtei Str. 132. 1 AbendS 8 Uhr: Vertasskue Frauen. Volksstück in 5 Ästen von R. Lingen. Sonntag 3 Ubr: Die Anna-Ltse. 8 Uhr: Berlasseue Frauen. Waihalia-Theater. Weinbcrgsweg 13/20. Täglich 8'/, Uhr: fmlöi WIiZÜs! Große JahreSrcvue. BorzugSkarten haben täglich Gülttgkctt. Sonntag, nachm. 3'/, Uhr: Uaetvmanns Töchter. i Passage-Panoptikum j Mac-Frog, der unersättliche) roschsctilucker Dos Verschlucken u. Ziirück- bringon lob. Frösche u. Fische. Die WILDES Feuerfresser in ihren ianat. Märtyrer- Produktionen. «BT- Alle» lebend!"MU Alles ohne Extra- En tre e! Ilrania. Wissenschaftliches Theater. TanbenstraBe 48/49. Nachmittags 4 Uhr; Anfn Batterhom! Abends 8 Uhr: „Hotienzollem"- Fahrten, Jftetropol-Theater. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet I Hie Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonlowski. Musik von Jean Gilbert. In Szvne gesetzt v. Dir. Rich. Schultz.. Kart Bachaiann J. Cianipietro G. 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Der lebende Propeller. Mr. Belly and Bera. Eine Kegelpartie zu Pferde, geritten von 8 Herren, u. das übrige Glanzprogramm. Mp- Um 9-/. Uhr:"MB8 Der unsichtbare Mensch. 4 Bilder aus Indien. Sonntag, den 30. März; 2 gr.tüalnvorstellnngen. Voigt-Theater. Gesundbrunnen, Badftratze 58. Sonnabend, den 29. März 1913: Zum Benefiz für Dtto Rein: Cnffttiles Ende. Drama in 3 Alten von I. RhenanuS. Äasscneröffn. 7 Uhr. Ansang 8'/, Uhr. Lssino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Ubr. Stürme der Heiterkeit erregt die neue urkomische Poffo Ärtars Flitterwochen. Dazu der crstllassige bunte Teil. Nur Alttastione» l. Ranges. Sonntag 4 Uhr: Die Hochstapleriu. �ainirsIspLlsst. AUabendlich: Das neue mit durchschlag. Erfolg aufget. EiSbSÜßft ! Flirt in St. Moritz) , 1. Akt: Wintersport ln St. Moritz. 2. Akt: Soiree im Luxushotel. 3. Akt: Japanisches Fest. Unter Mitwirkung , der kl. Charlotte. |3is 6 U. u.v.103,. halb.Kassenpr 1 1 Wein- n Bier-Abteünm Tfianon-Theater. Täglich 8 Uhr: Wenn Frauen reisen.... Sonntag S Uhr; Der selige Toupinel, 8chlaB der Saison: g Donnerstag, 3. April. Zirkus Busch. Heute Sonnabend, 29. März, abends 7'/, Uhr. Ectstcr Sonnabend. Große Gala-Sports-Vorstellung! Karl-Engen-Tronpe, Gymnastik in höchst. Vollend. Red 4 Beet, Manegekomiker. Der mysteriöse Deckenläufer? Clown Pepino mit seinem Tierzirkus. Zum Schluß;„"ievilla". Avis! Sonntag 3'/, Uhr; „Sevilla*' ungekürzt! Xar noch 3 Tage! Zirkus Barum nebst gr. Raubtier-Dressurschau. Berlin SI-, Triftstraße, an der Müllers traße. Heute Sonnabend, abends S'/.Ubr: Gr. Gala-Paradc-Abend mit vollst, neuem Programm Letzter Sonntag! Letzter Sonntag• Sonntag, den 30. März, nachmittags 4 Uhr: Fremden- u. Familien-Vorsteliung. In dieser Vorstellung z?- ,®n Kinder unter 10 Jahren halbe Preise, außer Sperrsitz und Logensitz.— Abends 8 Uhr: Gala-Sport- Abend. In all. Vorstoll- Vorfuhr. d. ge- samten Baubtierdressuren und Auftr. aU. übrig. Attraktionen. Abends zahl- Kind, volle Preise. Volks-Theater Neukölln, Hermaunttr. 20. �Sonntag, den 30 März: Die Ehebrecherin. Schauspiel in 3 Asten von Echaumbergcr u. Welisch. Ansang 8 Uhr. Montag, 31. März, geschloffen. Folies O�price. p| Täglich 8'/. Uhr. ■ Die Xovit&tcn: J|)f5 FülotN Erwchtll. Banter Teil. S Flohs ZtitknsprSugt. Für»e» Inhalt der Fnieratr übernimmt die Redaktioa dem Bublitum gegenüber teruerle» Verantwortung. Die Bürgschaft für streng reelle Bedienung bietet Ihnen das Verkaufssystem der Deutschen BekleidungSsGeselh schalt m. d. H. „Selbstkostenpreis+ 10 Proz. Nutzen44 Durch diese Verkaufsart machen die Käufer nicht nur erhebliche Ersparnisse, sondern werden auch vor jeder Uebervorteilung geschützt Gemäß ihrer beim Amtsgericht niedergelegten Statuten ist die Deutsche Bekleidungs=Gesellschaft m. b. H. an obige Vertriebsart gebunden und macht sich strafbar, wenn sie mehr als 10 Proz. auf den Selbstkostenpreis aufschlägt. Wir verkaufen z. B. 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Ikoseathaier und Oranienbnrser Vorstadt: Wilhelm L a u in a n Ii, Rheinsbergerstr. 67, Laden. Plesaadbraanea: Fischer, Lastianstr. 6, Laden. Ijiehttnhaiiser Vorstadt: Karl Mars,«Srcisenhagener Str. 22. .Adlershof: Karl Schwarzlose. Bismardslr. DO. �tzlt-VIienieke: Wilhelm Dürre, Köpemderilr. 6. liaomseholeavvejx: H. Hornig, Marienibalerstr. 13, I. ltei'na», Niintxeatal, Zepernick, Schönow, Schön* brück und llnch: Heinrich B r o i e, Mühlenstr. S, Laden. Itzohnsdork, ralkenbere und KaikenhorWt: Paul G e n s ch, BobnSdon,«SenossenichastsHauS.Paradies'. Oharlottenhnrx: Guilao Scharnderg. Seienheiineritrage 1 Eichwalde. Schmöckwitz:: Oskar Mahle, Stubenrauchstr. Sv. Erkner, Zien-Zittnn: EiAst Hossmann, Friedrichshagener Cbliussee. Eredersdork-retershaxen, Eglgersdorf: E. H ö s e I b a r t h, Peiershagcn. Friedenau, Steglitz, Südcnde, Grcß- lilchterfeide, Lankwitz: H. P e r n s e e. Wsenitr. S in Steglitz. 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Die Steuersätze betragen bei der Biersteuer 30 Pf. pro Hekto- liter für untergäriges und 10 Pf. pro Hektoliter für obergäriges. Bier. Die Steuer für kinematog�aphische Vorstellungen beginnt bei einem Eintrittsgeld von 30 Pf. mit 5 Pf. und steigt auf S0 Pf. bei einem Eintrittsgeld von 2—2,50 M. Bei einem höheren Eintritts- geld werden für jede weitere angefangenen 50 Pf. je 15 Pf. Steuern erhoben. Die unter Nr. 2 bezeichneten Veranstaltungen werden bei einem Eintrittsgelde von 40 Pf. mit 10 Pf. Steuern belegt. Mit Erheben höheren Eintrittsgeldes steigt auch die zu entrichtende Steuer. Bei Zirkusvorstellungen werden bei einem Eintrittsgelde von 90 Pf. 10 Pf. erhoben. Für Tanzbelustigungen werden Steuern bei einem Eintrittsgelde von 1,25 M. erhoben, und zwar 15 Pf., die fich steigern mit der Er höhung de» Eintrittsgeldes. Befrert von der Steuer find Veranstaltungen, die Zwecken der Wissenschart, des Unterrichts und der Belehrung dienen und kinemato graphische Darbietungen, die von hiesigen Unterrichtsanstalten oder von Instituten veranstaltet werden, die mit Rücksicht auf ihren gemeinnützigen Zweck aus Mitteln der Stadt Berlin unterstützt werden. Die Steuerordnung, die der Kommunalfreisinn der Berliner Be völkerung beschert hat' hat'entgegen der sonstigen Gepflogenheit diesmal recht schnell die Zustimmung der Aufsichtsbehörden gefunden. Am 8. März wurde die Steuerordnung beschlossen und bereits am 11. März vom Oberpräsidenten und unterm 20. März vom Minister genehmigt. Die Aufsichtsbehörden haben im vorliegenden Falle mit einer selten anzutreffenden Fixigkeit gearbeitet. Der Magistrat hat nun eine Reihe Bestimmungen getroffen, die fich auf die Ausführung der beschlossenen Steuerocdnung beziehen. Soweit es sich um die Biersteuer handelt, werden die städtischen Steuerkassen mit der Festsetzung, Erhebung und Einziehung der Steuer beauftragt. Diese Steueo lassen dienen zugleich als Bier st euerkontroll st eilen für das von auswärts eingeführte Bier. Was das in Berlin gebraute Bier betrifft, so werden die Berliner Brauer verpflichtet, vom 1. April 1913 ab Bücher zu führen, aus denen nach Biersorten getrennt für jeden Tag die Menge des insgesamt ge< brauten Bieres ersichtlich ist, außerdem muß erkenntlich sein das nach der Steuerordnung steuerpflichtige Bier sowie das aus Berlin ausgeführte Bier, für das bekanntlich eine Rück- vergürnng gewährt werden muß, weil Doppelbesteuerung nicht zu- lässig ist. Die Steuerkassen sind zu dem Zweck der Erledigung dieser Steuerangelegenheit werktäglich von 9—1 Uhr geöffnet. Für das in Berlin eingeführte Bier ist. wie wir schon früher mitgeteilt haben, die kaum glaubliche Bestimmung getroffen, daß nur in der Zeit von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends Bier in den vom Magistrat bezeichneten Einfuhr stellen eingeführt werden darf. Als Einfuhrstraßen gelten bis auf weiteres neben den Eisen- bahnen und den Wasserwegen folgende Straßen: Einge'ührtes Bier aus oder über Wilmersdorf Schöneberg Tempelhos Neukölln Treptow Stralau Lichtenberg i Rummelsburg J Lichtenberg 1 Friedrichsberg- Boxhagen) Weißensee � Wilhelmsberg- Hoben- Schön- hausen Pankow � Charlotten- f bürg Reinickendorf| Vorgeschriebene Einfuhrstraße Bülowstratze Potsdamer Str. Belle»Allianeestr. Kottbuser Damm Schlesische Str. Stralauer Allee Frankfurter Allee Greifswald. Str. Prenzlauer Allee LandsbergerAllee SchönhauserAllee Prinzenallee Eharlbg. Chaussee Spreeweg, Paul- straße, Turmstr. Müllerstraße Schraderstraße Seestraße Plötzensee Die Steuerdeputation kann im Wege der Vereinbarung mit solchen Steuerpflichtigen, die die nötige Gewähr bieten, widerruflich monatliche Gesamtnachweisungen zulaffen. Die Steuerpflichtigen haben sich zu verpflichten, Bücher zu führen, aus denen bei Berliner Brauereien die verlangten Angaben zu ersehen sind; das in den freien Berkehr Berlins gebrachte Bier ist von dem in einem mit der Brauerei verbundenen Ausschank übergeführten und von dem in der Brauerei und im Haushalt des Brauers verbrauchten Bier getrennt nachzuweisen und der Sleuerdeputalion das Recht einzu- räumen, daß deren Beamte die Geschäftsräume betreten und die Geschäftsbücher zwecks Prüfung der Nachweisungen einsehen. Für die Bierfahrer solcher Steuerpflichtigen, mit denen Vereinbarungen getroffen sind, kann die Sleuerdeputation Er- kennungskarlen ausgeben, die die Fahrer immer bei sich zu führen und auf Verlangen vorzuzeigen haben. Für die Steuer auf Lustbarkeiten find die Steuerkassen zuständig nach dem Stadtbezirk, in dem die Lustbarkeit veranstaltet wird. Die Steuerdepulalion wird Aufsichls- beamte und Steuererheber mit der Kontrolle beaustragen und diese Personen mit Ausweiskarten versehen. Für steuerpflichtige Veranstaltungen der Kinematographentheater dürfen nur Eintrittskarten verausgabt werden, die von der Steuerkasse vorgeschrieben sind. Die Herstellung der mit dem Stempel der Steuerkaffe ver- sehenen Eintrittskarten geschieht durch bestimmte vom Magistrat beauftragte Firmen. Wünsche bezüglich Farbe und Text sollen nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Die Eintrittskarten werden von den Steuerkassen in der Zeit von 9—1 Uhr an die Besitzer abgegeben. Auch hier können besondere Ver- einbarungen über die Abweichung getroffen werden. Diejenigen Veranstalter, die im Besitze eines größeren Bestandes von Eintritts- karten sind, müssen diese Karten mit einem Verzeichnis bei der zu- ständigen Steuerkaffe einreichen, allerdings nur insoweit eS sich um steuerpflichtige Veranstaltungen handelt. Diese Ausführungsbestimmungen zeigen allein schon, zu welchen Plackereien die neuen Steuerordnungen führen. Der Kommunal- freisinn hat sich mit der Schaffung der Bier- und Lustbarkeitssteuer bei der Berliner Bevölkerung in einer Weise„beliebt" gemacht, die ihm noch recht unangenehm werden dürfte. Partei- Btogelegenkeiten. Zur Lokalliste. In Ladeburg b. Bernau O.-B. steht uns das Lokal von Höhne zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Rüdnitz b. Bernau ist das Lokal von Dameraw von der Lokalliste zu streichen, weil sich D. weigert, uns sein Lokal zur Versammlung zu geben. Es ist somst als gesperrt zu betrachten. Die Adresse des Genossen Karl Rohr, Obmann der Lokal- kommission des Kreises Teltow-Beeskow ist von heute ab Neukölln, Neue Jonasstr. 38 IV. _ Die Lokalkommission. Wilmersdorf-Halensee. Montag, 3t. März, abends 8'/, Uhr, im kleinen Saal des Vikoriagartens, Wilhelmsaue 115: General- Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht des Vor standes über das letzte Geschäftsjahr. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Die Agitationsarbeiten zur Landtagswahl. Tempelhof. Die Genossen. aus allen Bezirken werden er- sucht, am Sonntagvormittag von lO�/z Uhr an, im.Wilhelmsgarten" zu erscheinen. Die Arbeiten zur Gemeindewahl erfordern alle Kräfte. Schmargendorf. Am Sonntag, 9 Uhr, Flugblatt-Verbreitung vom Waldkater aus. Groß-Besten. Am Sonntag, den 30. März, nachmittags 2>/z Uhr, Generalversammlung im Lokale von Halfpapp, Körbiskrug. Tages Ordnung: Bericht des Vorstandes. Neuwahl desselben. Vereins angelegenheiten. Schenkendorf bei Königswusterhausen. Am Sonntag, den 30. März, nachmitlags 2 Uhr, bei Otto Paetsch: Generalversammlung des Wahlvereins. Wichlige Tagesordnung. Am selben Sonntag, früh 7 Uhr: Flugblattverbreitung von bekannter Stelle aus, auch Rad- fahrer wollen erscheinen. Rosenthal. Sonntag, den 80. März, morgens 8 Uhr: Hand- zettelverbreitung. Bernau. Sonntag, den 30. d. M., findet in Sophienstädt auf dem Grundstück des Herrn Heinrich Seger eine öffentliche Versamm- lung statt. Referent: Parteisekretär Paul Brühl. Die Genossen treffen sich zur Abfahrt'/g12 Uhr beim Schützenhaus. LerUner I�acbricbten. Tas Photographicren von Kaffenbeamten. Aus Anlaß der in letzter Zeit vorgekommenen Destaudattonen bei hiesigen Banken haben diese Geldinstitute sich entschlossen, sich zum Zwecke einer größeren Sicherung in den Besitz der Photo- graphien der bei ihnen beschäftigten Kassenbeamten zu setzen. Auch an den Magistrat der Stadt Berlin haben sich die Banken gewandt mit dem Ersuchen, der Magistrat möge auch von seinen Kassen beamten ein gleiches verlangen, um so die getroffene Maßnahme mehr zu verallgemeinern und nicht nur auf die Kassenbeamten bei den Banken zu beschränken. Durch die Art, wie der Magistrat die Sache anfaßte, fühlten sich die städtischen Kassenbeamten ernst ver- letzt. Der Magistrat hatte nämlich„zum Zwecke der Photo graphierung von Kassenbeamten" eine Summe in den Etat eingesetzt. Das konnte nur als eine Art Zwangsphoto- graphierung betrachtet werden, die stark an das Photo graphieren auf dem Polizeipräsidium für das Verbrecher- album erinnerte. Auf Vorhalt in dem Etats- Ausschuß erklärte denn auch der Magistrat, daß er das nicht so meine und die hierauf bezügliche Bemerkung wurde aus dem Etat gestrichen. Der Magistrat will nun in der Weise zum Ziele kommen, als er an die Kassenbeamten das Ersuchen richten will, die Photographien ein« zureichen, und der Kämmerer hat sich bereit.erklärt, den Anfang zu machen mit der Hergabe seiner Photographie zu dem anzulegenden städtischen Photographiealbum. Dadurch glaubt man der Anordnung den Stachel zu nehmen. Wir können stichhaltige Gründe für die Maßnahme des Magistrats nicht erblicken. In einer großen Verwaltung werden Unregelmäßigleiten trotz scharfer Kontrolle nicht immer ganz zu ver- meiden sein und die Zahl der vorgekommenen Unterschlagungen ist auch nicht so sehr erheblich. Im wesentlichen handelt eS sich um Unterschleife bei Eintreibung von Steuergeldern. In solchen Fällen wird man sich auch durch den Besitz von Photographien nicht schützen können. Man muß eben die Einrichtungen und die Kontrolle so zu gestalten versuchen, daß städtische Gelder möglichst gesichert sind. Außerdem können auch llnregelmäßigketten durch andere Personen als Kassenbeamte vorkommen, so daß erst recht erhellt, daß die Magistratsmaßnabme, ein städtisches Photographiealbum zu schaffen. kaum einen anderen Zweck erreichen wird als den, eine Reihe von städtischen'Beamten in der erheblichsten Weise unnötigerweise zu verletzen. Eine Kinderlcsehalle wird jetzt auch von der Stadt Berlin eingerichtet. Als Heim werden ihr die Räume einer bisher für Erwachsene bestimmt ge- weienen Lesehalle angewiesen, die mit der Volksbibliothek in der Ehrenberg st ratze verbunden war. Die Kosten der ersten Einrichtung(hauptsächlich Anschaffung von Mobiliar sowie von Büchern und Zeitschriften) sind durch den Etat für 1913 bereitgestellt worden aus Mitteln der Leo-Stiftung und der Cohn-Stiftung, die beide die Mehrung und Aus- gestallung der Volksbibliotheken und der Lesehallen fördern wollen. Lange genug hat es gedauert, bis dar Ma- gistrat die Notwendigkeit, besondere Kinderlesehallen zu schaffen, erkannte und anerkannte. Jetzt hat er selber in den Er- läuterungen zum Etat betont, daß es nicht gut möglich ist, in einer und derselben Lesehalle die Ansprüche der Erwachsenen und der Jugend zu erfüllen. Er weist darauf hin, daß in anderen deutschen Städten bereits Kinderlesehallen mit gutem Erfolg eingerichtet worden sind. Es ist immer wieder dasselbe erbärmliche Schauspiel: Berlin muß andere Städte sich zum Muster nehmen, statt anderen ein Muster zu sein. Dazu kommt noch, daß diese ersteKinderlesehalle der Stadt Berlin nicht mal die ersteKinderlesehalle in Berlin ist. Es bestehen hier bereits einige von einem Verein eingerichtete Kinderlesehallen, deren Betrieb sich bewährt haben soll. Denselben Vorgang haben wir Mitte der 90er Jahre mit den Lesehallen für Erwachsene erlebt. Auch für sie hat die Stadt Berlin ihre erste Lesehalle nicht früher eingerichtet, als bis ein Verein aus eigenen Mitteln eine Lesehalle geschaffen hatte. Die jetzt endlich zustande kommende erste Ksttderlesehalle der Stadt soll im Laufe des Monats April eröffnet werden. Sie wird nicht in den Abendstunden, sondern nachmittags an allen Wochentagen für die Jugend offen stehen. Ihr ausgesprochener Zweck ist, die Kinder dem üblen Einfluß der Straße zu entziehen und sie vor den Gefahren der Schundliteratur zu behüten. Jnr Hinblick auf diesen Zweck versteht es sich von selber, daß ti bei dieser einen, im äußersten Osten der Stadt untergebrachten Kinder- leseballe nicht lange bleiben kann. Auch andere Stadtteile werden in Bälde ihre Kinderlesehallen erhalten müssen. Ein schwerer Automobilunfall hat sich am Donnerstagabend gegen 8 Uhr in Charlottenburg zu- getragen. Zur genannten Zeit wollte der 58jährige Maler Felix Zylinski aus der Windscheidstraße 6 den Fahrdamm der Bismarck- siratze an der Ecke der Wilmersdorfer Strotze überschreiten, achtete jedoch nicht darauf, daß die Automobildroschke 1�. 9304 in ziemlich schnellem Tempo herannahte. Auf die Warnungssignale des Chauffeurs trat Z. zunächst zurück, geriet dann aber in der Ver- wirrung doch gegen den Kraftwagen und wurde umgestoßen. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Quetschung deS Rückgrates und mußte, nachdem er auf der Unfallstation in der Berliner Straße Notverbände erhalten hatte, in das Krankenhaus Westend eingeliefert werden._ Nächtliche Einbrüche in hiesige Gemeindeschule«. ' Eine dreiste Diebesbande treibt gegenwärtig in Berlin ihr Un« wesen. Die Gesellschaft führt Einbrüche in hiesige Gemeinde- schulen aus. Sie benutzt die Ferien dazu, um in die jetzt weniger beaufsichtigten Schulgebäude nachts einzudringen. Fast alle Schränke werden erbrochen und ihres Inhalts beraubt. Haupt- sächlich haben es die Täter auf Geigen abgesehen, die die Lehrer in den Schränken aufzubewahren pflegen. So wurden beispiels- weise die 73. und 147. Gemeindeschule in der Grenzstraße von nächtlichen Dieben heimgesucht. Ferner wird ein Einbruch aus der Gemeindeschule in der Prinzenallee gemeldet, Stcllungs- und Mittellosigkeit haben den 20 Jahre alten Hand- lungsgehilfen Hellmul Gellhaus aus der Nogatstratze 8 zu Neukölln in den Tod getrieben. Der junge Mann schoß sich mit einem Re- volver eine Kugel in die rechte Schläfe. Die Wirkung des Schusses war sofort tödlich. Die Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schauhause in Berlin zugeführt.— Auf dem Bahnhof Selbstmord verübt hat in der Nacht zu gestern der 53 Jahre alte Schleifer August Rehnert aus der Kepplerstratze zu Nieder-Schönhausen. Er hatte sich dort mit einem Strick an einem Haken erhängt. Wegen Wechselschiebungeu verhaftet wurden gestern in Steglitz zwei Berliner Bankiers, die Inhaber der Firma Sttaube u. Co. Die Versteigerung der Parsevalballons der Luftfahrbetriebs- gesellschaft, die gestern nachmittag in einem Johannisthaler Restaurant stattfinden sollte, wurde zur nicht geringen Ueberraschung zahlreicher Neugieriger aufgehoben. Schon vor einer Zeit war ein Versteigerungs- termin öffentlich bekanntgemacht worden, doch wurde auch damals schon die Auktion im letzten Augenblick verhindert. Die Luftfahr- betriebsgesellschaft verhandelte wiederholt mit den Gläubigern und riet, eine öffentliche Versteigerung zu vermeiden, da durch privaten Verkauf der Ballons ein höherer Ertrag zu erwarten sei. Nachdem die Verhandlungen mit der Bitterfelder Luftfahrzeuggesellschaft sich zerschlagen haben, schweben neue Unterhandlungen mit einem holländischen Konsortium, das die beiden Kreuzer für einen aus- ländischen Flugplatz erwerben will. Jedenfalls dürften sowohl der .Stollwerk" als auch L. IX." demnächst entleert und abgerüstet werden. Wie uns aus Gläubigerkreisen mitgeteilt wird, soll nun- mehr gegen die Luftfahrbetriebsgesellschaft Konkursanttag gestellt werden. Sttaßenbahnunfälle. Ein schwerer Stratzenbahnunfall hat sich am Donnerstagabend gegen 7 Uhr in der Brückenstraße ereignet. Dort wollte vor dem Hause Nr. 13 die achtjährige Schülerin Erna Federhenn kurz vor einem in der Richtung nach dem Görlitzer Bahn- Hof fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 11 über das Gleis laufen. Obwohl der Wagenführer nach Kräften bremste, konnte er den Waggon nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen. Die Kleine wurde um- gestoßen und geriet unter den Vorderperron. Das Mädchen trug eine schwere Kopfwunde und einen Bruch des linken Armes davon. Die Verunglückte erhielt auf der nächsten Unfallstation Notverbände und mußte von dort nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht werden.— Von einem bedauerlichen Unfall ist der Baurat Ruprecht aus Zehlendorf bettoffen worden. Als er am Werderschen Markt einen Straßenbahnwagen der Linie 80 während der Fahrt besteigen wollte, kam er zu Fall und geriet mit dem linken Bein unter den Schutzrahmen des Anhängewagens. Durch Anheben des Waggon? wurde der Verunglückte befreit und noch der nächsten Unfallstation geschafft. Hier stellte der Arzt einen Nervenchok und Quetschungen an beiden Beinen fest. Geheimrat Ruprecht wurde nach seiner Woh« nung gebracht. In der Säuglingsfürsorgestelle 1 findet im April wieder unent- geltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt mit praktischen Uebungen, wöchentlich einmal. Meldungen, schriftlich oder mündlich, von 2 bis 4 Uhr im Bureau des Äinderbauses Blumenstr. 97. Der Berliner Wollmarkt findet in diesem Jahre in der Rinder- Halle des städtischen Zentralviehhofes, Eldenaerstraße, am 24., 25. und 26. Juni statt. Die Verkaufsstellen und Lagerplätze werden von der Direktion des Viehhofes angewiesen, die auch den Interessenten über die einschlägigen Verhältnisse Auskunft erteilt. Nähere Bestim- mungen über die Auffahrt und Abfahrt, den Marktverkehr und die Höhe der zu entrichtenden Gebühren werden noch zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden. Das Schloß Wcisiensee geht mit dem I.April in die Hände eine» neuen Pächters, des Oekonomen E. Niemann, über, der jahrelang das Etabliffement Friedrichshain verwaltete. Dachstiihlbrand in der Bernauer Straße. Ein größerer Dachstuhl-. brand brach in der Nacht zum Freitag in der Bernauer Str. 107 im � Norden Berlins aus. Da die Feuerwehr von vier verschiedenen Seiten aus alarnnert wurde, so waren bald mehrere Löschzüge zur Stelle. Das Feuer herrichte im Dachstuhl des Hinterhauses. Der Löschangriff erfolgte mit zwei Schlauchleitungen, doch dauerte e» fast eine Stunde, bis der Brand erstickt war. Die Aukräumungs« arbeiten hielten die Wehr dann noch anderthalb Stunden am Brand« platz fest. Der Dachstuhl ist größtenteils zerstört. Gefundene Leichen. Gestern vormittag 11'/? Uhr sahen Paffanten in der Spree an der Weidenvammer Brücke eine männliche Leiche treiben. Zwei Männer bestiegen den dort liegenden Rettungskahu und holten die Leiche an Land. Als sich infolge des Vorganges und des dort stark pulsierenden Verkehrs Menschen ansammelten, erschien die Polizei. In den Taschen des Toten wurde ein Gesang« buch sowie verschiedene Brieffchaslen gefunden, unter anderem ein Brietz fceit ein Schutzmann dem anwesenden Polizeileuinant vorlas. Das Gesicht des Ertrunkenen war ebenso wie die Hände mit einer schwarzen Schlammschicht bedeckt. Die Kleidung des Toten bestand in einem dunklen Jackett, in Hose und Weste sowie Zugstiesel.— Aus der Spree gelandet wurde gestern vor dem Rbeinsteg bei Fürstenbrunn die Leiche eines unbekannten, ungefähr 20 bis 30 Jahre alten Mannes, die nach ihrem Aussehen schon ungefähr 4—6 Wochen im Wasser gelegen haben mag. Das Fehlen des rechten Beines sowie andere Verstümmelungen der Leiche scheinen von Schiffsschrauben herzurühren. � Der Tote, der kaum noch zu er- kennen ist, ist mittelgroß und schlank und trug einen schwarzen oder dunkelblauen Jackettanzug mit einer schwarz und weiß gefütterten Weste, ein weißes Vorhemdchen und niedrigen weißen Stehkragen, einen grauseidenen langen Knotenschlipps und schwarze Schnürschuhe. Geld sowie irgendwelche Papiere, die zur Feststellung der Persönlich- keit des Toten hätten führe-.,' können, wurden bei der Leiche nicht ge- funden. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 16. Fe- bruar zwei Personen beim Tandemfahren von einem Wagen der Straßenbahnlinie KS in der Blücherstraße, Ecke Mittenwalder Straße, angefahren und unter die Elektrische gerieten, werden gebeten, sich bei Harnoß, Knesebeckstr. 62, zu melden. Vorort- Z�acKricKten. Neukölln. Die Wuhlmännerwahl für die Landtagswahl am Freitag, den 16. Mai d. Js. soll für die II. Wählerabteilung in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittag», für die I. Wählerabteilung von 1 bis 2 Uhr nachmittags und für die Hl. Wählerabteilung von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends stattfinden.— Die Auslegung der Wählerlisten für die bevorstehende Landtagswahl soll am S o n n a b e n d, den 12. April, von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends, Sonntag, den 13. April, von 12 Uhr mittags bis ö Uhr abends und Montag, den 14. April, von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhrabends in folgenden Auslegungslokalen erfolgen: 1. Turnhalle der 17., 33. und 34. Ge- meindeschule, Weserstr. 12/13; 2. Turnhalle des Kaiser-Friedrich- Nealghmnasiums, Kaiser-Friedrich-Str. 209/210; 3. Turnhalle der Realschule, Boddinstr. 34/41; 4. Turnhalle der Albrecht-Dürer-Ober- realschule, Emserstr. 133/137; und 6. Turnhalle der 19. und 20. Ge- meindeschule, Stuttgarter Str. 3S/33. Abschristen der Urwähler« und der Abteilungslisten können unter Weglassung der Steuerbeträge auf Wunsch an Wahlvereme und hiesige Bürger gegen Bezahlung ab- gegeben werden. Charlottenburg. Elternvcrcin für freie Erziehung. Auf die am Mittwoch, den 2. April, im Volkshause, Rosinenstr. 3(großer Saal) stattfindende Märchenaufführung wird hierdurch besonders hingewiesen. Zur Auf« führmig gelangt:„Bekämpfter Aberglaube oder was uns der Wald erzähll.* Großes Märchenspiel in zwei Akten mit Gesang und Reigen von Berthold Schröder, aufgeführt von 50 Kinder» der Mit glieder. Eintritt für Erwachsene 30 Pf., für Kinder 10 Pf. Saal- öffnung 2 Uhr. Anfang 3 Uhr. Billetts sind zu haben: Konsum- Niederlage Wallstr. 23; Vorwärtsspedilion Sesenheimer Str. 1; Striemer. Kaiserin-Augusta-Allee 44; Kunschke, Weimarer Str. 31 Franz, Potsdamer Str. 17; Grätz, Spreestr. S6, und im Volkshause, Rosinenstr. 3(Stehbierhalle). Offene Kasse findet nicht statt. Lichterfelde. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der Vorsitzende zunächst den Bericht des Vorstandes. Redner gab einen Ueberblick über die Tätigkeit im letzten Geschäftsjahr. Leider müsse konstatiert werden, daß die Mitglieder an den Parteiarbeiten nicht in der gewünschten Weise teilgenommen haben. Aehnliche Klagen brachte sowohl die Genossin Osburg beim Bericht über die Frauen agitation, wie Genoffe Albrecht bei Erstattung des Berichts vom Bildungsausschuß vor. Letzterer verwies namentlich auf die erfolg- reichen Anstrengungen der Gegner, die proletarische Jugend für ihre Jntereffen einzusaugen. Aus dem Bericht des Bibliothekars ist her> vorzuheben, daß die Verleihung von Büchern nach der Reorganisation der Bibliothek wesentlich zugenommen habe. Die Neuwahlen des Vorstandes hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Heinrich Wie- necke, Chausseeslr. öS; 1. Kassierer Hermann Weber; 2. Hoffmann; Schriftführer Träger; Beisitzerin Osburg; Revisoren Eckert und Tillack; Bildungsausschuß und Bibliothekkommission Heinig, Kaliski, Knabe und die Genossin Sprittulle; Leiterin der Kinderschutz- kommission Genossin Kurisch; Lokalkommission Weisel und Hahn. Nach Aufnahme von drei neuen Mitgliedern, teilte der Vorsitzende mit, daß eine Reorganisation der örtlichen Organisation geplant sei. Eine rege Debatte entspann sich alsdann über die Nicht- beteiligung verschiedener Genossen an der Landtags- wähl. Im Verlaufe derselben gelangte ein Antrag zur Annahme. wonach dem Vorstand eine eingehende Untersuchung der einzelnen Fälle anheimgegeben wird. Sodann wurde über die Nichtbeteiligung des Genofien B o r ch a r d t an der Wahl verhandelt. Nachdem die in dieser Sache bereits gepflogenen Verhandlungen vom Genossen Wienecke noch einmal kurz rekapituliert worden waren, trug Borchardt seine Gründe vor, die ihn an der Ausübung des Wahlrechts gehindert hätten. Im übrigen bemerkte der Redner: Der Bericht von der General- Versammlung des dritten NeichstagSwahlkreiseS könne den Anschein erwecken, als ob allein der Vorstand jenes Kreises die Angelegenheit untersucht und sich ein Urteil darüber gebildet habe. Tatsächlich sei sie untersucht worden von der öffentlichen Versammlung des fünften Landtagswahllreises, von der KreiS- konferenz des vierten Reichstagswahlkreises und von dem Vorstand des Lichterfe/der Wahlvereins, von diesem sogar zweimal. Alle diese Körperschaften hätten in seiner Gegenwart verhandelt, seine Gründe gehört und sie für ausreichend befunden. Bei der Kandidarenauf- stellung int vierten KreiS habe der Vorsitzende gefragt, ob Einwen- düngen erhoben werden. Da habe sich niemand zum Wort gemeldet. Die zuständigen Vertreter des dritten KreiseS hätten in all diesen Veranstaltungen des vierten Kreises Zutritt und Stimme gehabt. Dagegen habe der Vorstand des driften Kreises ihn, Borchardt, nie befragt, ihn zu keiner Sitzung eingeladen, sondern stets in seiner Abwesenheit verhandelt. Auch zur Generalversammlung des dritten Krdises sei er nicht eingeladen worden, obgleich er gern hin- gegangen wäre, um jede gewünschte Auskunft zu geben. So habe auch die Generalversammlung ihren Beschluß gefaßt, ohne ihn gehört zu haben. Nach teilweise erregter Debatte beschloß die Ver- sammlung mit 39 gegen 19 Stimmen, die von Borchardt angeführten Gründe für seine Nichtbeteiligung an der Wahl als stichhaltig zu erachten. Hierauf teilte Genoffe Wienecke noch mit, daß der Kassenbericht infolge Erkrankung des Kassierers erst in der nächsten Mitglieder- Versammlung erstattet werden soll. DeS weiteren wies Redner darauf hin, daß für die Gemeindevertretung zwei Neuwahlen zu erfolgen hätten und zwar eine im Osten, wo unsere Genossen die Klage zurückgezogen hätten, und eine im Westen, wo daS Mandat Wagners erledigt sei. Steglitz-Friedenau. Für di« Schulentlassuugöfeier am Sonntag, den 30. März, im „Albrechtshof- in Steglitz ist vom JugendauSlchuß ein kurzes, dem Ernst der Feier entsprechendes Programm ausgewählt worden. Frau Klara Bohm-Schuch wird die Ansprache halten und ein gutes Männer- quartett wird eintge stimmungsvolle Lieder fingen. Die Feier beginnt pünktlich 3 Uhr. Die Arbeiterschaft, besonders die Arbeitereltern, sind dazu freundlichst eingeladen; um eine Störung der Feier zu verhindern, wird jedoch gebeten, nicht zu spät zu kommen. Lankwitz. Mit der Reorganisation des WahlvereinS sowie mit der Neu- Wahl deS gesamten Vorstandes befaßte sich die außerordentliche 'Generalversammlung des WahlvereinS. Die eingelaufenen Anftäge über die Einführung der Hauskassierung und die Umgestaltung der Zahlabende in Bezirksabende wurden einstimmig angenommen. Zum Vorstandsbericht teilte der Vorfitzende, Genosse Schimmeier, mit, daß ein großer Teil Parteigenossen Lankwitz durch Fortzug verlaffen habe, hingegen die Organisierung der Frauen erfreuliche Fortschritte gemacht hätte. Der' Kassenbericht. welchen Ge nosse Kister erstattete, ergab einen günstigen Abschluß der Finanzen. Auch die Veranstaltungen deS Bildungsausschusses, die sich gegen das Borjahr mehr als verdoppelt haben, fanden allseitige Anerkennung. Da rege Arbeitsfreudigkeit unter den Genossinnen und Genossen herrschte, ergaben sich bei Vornahme der Neuwahlen zum Vorstand keine Schwierigkeiten� Wiedergewählt wurden als 1. Vorsitzender Schimmeier, als 2. Vorsitzender Wilhelm Richter, als Kassierer P. Kister, als Schriftführer Robert Scheffer, als Beisitzer Genossin Rosa Modrack; neugewäblt wurde Albert Schulz. Auch die Posten der Revisoren, der Hauskassierer, des Bildungsausschusses, der Lokal-, Kinderschutz-, Agitations- und Gemeindekommission wurden prompt besetzt. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten schloß die gut besuchte Ver- sammlung. Tempekhof. Tie Ausschaltung unserer Genossen aus der Armenkommission scheinen auch fernerhin die Bürgerlichen zum Prinzip erhoben zu haben. Obgleich durch das freiwillige Ausscheiden zweier Armenpfleger sowie durch Verstärkung dieser Kommission um ein Mitglied drei neue Mitglieder gebraucht werden, fand der Vorschlag des Genossen Frantz in der Gemeindevertretung, unsere Genossen Schmidt und Sielaff in diese Kommission zu wählen, keine Gegenliebe. Man will hübsch unter sich bleiben und glanbt wohl, mit der neuen Ein- teilung der Armenpflegebezirke alles getan zu haben. Aus dem Bericht der Volksbibliothek, die sich günstig entwickelt, ist zu entnehmen, daß im vergangenen Jahr die Zahl der ausgeliehenen Bücher von 37 000 auf 45 000 gestiegen ist.— Bei der Feststellung der JahreSrechnung des Realgymnasiums und der Luise-Henriette-Schule wurden Ersparnisse gemacht. Immerhin bleiben die Zuschüsse, welche die Gemeinde sür die höheren. Schulen zahlt, ganz enorme. Die in anderen Gemeinden bisher angestellten zahlenmäßigen Vergleiche über die Ausgaben der Gemeinde für Volksschüler und Schüler an höheren Lehranstalten sind in unserer Gemeinde bisher nicht möglich gewesen. Auf Anregung des Genosien Frantz soll die versprochene Abrechnung über den Bau des Realgymnasiums baldigst vorgelegt werden. Die Abänderung des Ortsstatuts betreffend die Gewährung an Witwen- und Waisenaeld infolge Austritts aus der Brandenburgi- fchen Witwen- und Waisenversorgungsanstalt ergab, daß die Hinker- bliebenen der von der Gemeinde beschäftigten Beamten, die bis zum 1. April 1913 der Kasse angeschlossen sind, ihre Unterstützung aus dieser Kasse erhalten. Die Hinterbliebenen der nach dieser Zeit an- zustellenden Beamten erhalten die Unterstützung in Zukunft aus einem hierzu angelegten Fonds der Gemeindekasse. Nach Erledigung einiger unwesentlicher Beanstandungen des Ortsstaluts der Pflicht fortbildungsschule befürwortete Gen. Schmidt die Abschaffung der Prügelstrafe, die in diesen Schulen von„Pädagogen* noch gepflegt werde. Die bürgerlichen Herren zeigten sich als Freunde dieser Erziehungsmethode.— Bei Vergebung der Arbeiten zur Ausführung der Hausanschlüsse für 1913 fiel der Zuschlag auf eine Tempelhofer Firma, die nur unerheblich teurer war als ihr nächster Konkurrent in Mariendorf. Wie sich aus den geforderten Offerten ergibt, fiel bei Uebernahme dieser Arbeiten in eigene Regie nicht nur der alte Zankapfel, sondern die Gemeinde heimste obendrein noch einen kleinen Gewinn ein. Genosse Schmidt erinnerte an das Versprechen des verstorbenen Bürgermeisters und griff im Laufe seiner Ausführungen den derzeitigen Tiefbaumeister in heftiger Weise an. Dieser selbst erwiderte nicht, wohl aber versuchte der Vorsteher die dem Tiefbau- meister vorgehaltene Rückständigkeit abzuschwächen.— Hierauf fanden einige Straßenlandsachen zwecks Regulierung in der Schöneberger Straße ihre Erledigung. Vor Eintrftt in die Tagesordnung ftagten Schöffe Jung und eine Anzahl Vertreter an, ob dem Vorsteher die ZeitungSmeldung bekannt sei, wonach Neukölln ExpanfionSbesftebungen geltend mache und das Kriegsministerium mit der Gemeinde Neukölln heimlich Verhandlungen führe, die dahin abzielen, Teile des östlichen Tempel- hofer Feldes nach Neukölln einzugemeinden. Der Borsteher erwiderte, daß er davon Kenntnis erhalten und alsbald das Kriegsministerium um Auskunst gebeten habe, ob etwas Wahres daran fei. Freilich seien wegen des Verkaufs des westlichen Teiles des Tempelhofer Feldes auch heimliche Verhandlungen mit Berlin gepflegt worden, ohne Tempelhof davon in Kenntnis zn setzen. Inzwischen dürfte das Ministerium sich wohl überzeugt haben, daß eine Umgemeindung von Gebietsteilen ohne Zustimmung der Gemeinde nicht möglich sei. Eine dahin gehende Resolution wurde einstimmig angenommen. Zur G emeindcv ertr eter-Ersatzwahl. Nächsten Sonntag, vor- mittags 11 Uhr bis nachmittags 3 Uhr, findet im Gemeindesitzungs- zimmer, Dorfstr. 42, die Ersatzwahl für den aus der Gemeinde- Vertretung ausgeschiedenen Tischlermeister Hahn statt. An den Wählern des zweiten Bezirkes wird es liegen, ob das letzte Mandat, welche« die Bürgerlichen in der dritten Klaffe noch im Besitz haben, behalten oder von der Sozialdemokratie erobert wird. Die Bürger- lichen entfalten zwar keine öffentliche Agitation, um so intensiver be- arbeiten sie aber die Wähler im geheimen. Als ihr alleiniger Kandidat gilt der Eigentümer Steinsetzmeister Hein, der noch als Durchfallskandidat aus dem 1. Bezirk bekannt ist. Bemerkt sei, daß Herr H. Arbeiten für die Gemeinde ausführt und daher als Ge- meindevertreter nicht gerade als die geeignetste Persönlichkeit be- trachtet werden kann. Die Gegner glauben, daß die günsttgen Chancen, welche die Sozialdemokratie sich im Laufe der Zeit hier zu erobern verstanden hat, durch die Bezirkseinteilung zunichte gemacht wird. Das darf den bürgerlichen Machthabern nicht gelingen I Arbeiter, Parteigenossen I Da die Wahl an einem Sonntag stattfindet, entstehen keine Opfer an ArbeitSversäumnissen. Keiner bleibe der Wahl fern in der Meinung, daß eS auf feine Sftmme nicht ankomme, da uns der Sieg doch sicher sei. Nutzt die kurze Zeit noch aus zu eifriger Propaganda für die Wahl des Kandidaten der Sozialdemokratie, den Eigentümer Schriftsetzer Oskar Ewald! Er"wird eS für seine Pflicht erachten, den geringen Einfluß, den die herrschende Klasse der Arbeiterklasse bei Schaffung des. Gemeindewahlrechts gelassen, nach Kräften auszunutzen. Lichtenrade. Nach zehnstündiger Etatsberatung ist die Gemeindevertretung zu dem Enftchluß gekommen, die Gemeindesteuer von 125 auf lld Proz. herabzusetzen. Da der Gemeindevorsteher Paetsch sein Amt am 1. April d. I. niederlegt, ist an dessen Stelle als besoldeter Gemeinde- Vorsteher Herr Dr. Rälh aus Schönebcrg auf zwölf Jahre gewählt worden. Das AnfangSgehalt beträgt 5000 M., steigend bis 7800 M. Bon 93 eingegangenen' Bewerbungen wurden sechs zur engeren Wahl gestellt. Von diesen erhielt Dr. Räth�S und der Magistratssekretär Schaldach 4 Stimmen. Schmargendorf. Die Gründung eines Arbeiter. Turnvereins am hiesigen Orte bezweckt eine zu heute Sonnabend, abends 9 Uhr, nach dem Lokal Waldkater*, Warnemünder Straße, einberufene Besprechung. Interessenten, auch Frauen und Mädchen sowie Jugendliche, werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Die Abonnenten des„Vorwärts" werden gebeten, in Bekanntenkreisen für diese Zusammenkunft zu agitieren. NowalveS. Für die Benutzung ihres Müllabladeplatzes will die Gemeinde in Zukunft Gebühren erheben. Diese Absicht hat nicht nur bei der .WtrtschaftSgenoffenschast der Rowaweser HauS- und Grundbesitzer*, die bor zwei Jahren die von der Gemeinde wegen angeblicher Un« rentabililät aufgegebene Müllabfuhr übernahm, sondern auch in den Kreisen der der Genossenschaft nicht angeschlossenen Hausbesitzer große Entrüstung ausgelöst. In einer kürzlich stattgehabten öffeut- lichen Versammlung befaßten sich die Haus- und Grundbesitzer mit der beabsichtigten Neuerung eingebend und nahmen folgende Ent». schließung an:„Die heutige Versammlung von Hausbesitzern pro«» testierr gegen die Erhebung von Gebühren für Benutzung des Müll- r- abladeplatzes, da der Haiksbesitz, besonders im Hinblick auf-- die künftige Erhöhung der Gruudwertsteuer, überlastet ist. Sie befürchtet ferner, daß eine große Zahl von Hausbesitzern dann Müll in den Gärten vergräbt und die wilde Müllabfuhr über» hanbnimmt, mithin in hygienischer Hinsicht dem Orte enormer Schaden zugefügt wird. Die Versammlung bittet im Interesse der Sauberkeit und der regelmäßigen Abfuhr des Mülls von der Ge- bühr absehen zu wollen, um so mehr, als für Kontrolle usw. ein erheblicher Teil der Einnahmen verloren gehen wird.* Wie man sieht, verstehen es die Hausagrarier sehr gut, die Methove ihrer großen Kollegen in der Landwirtschaft nachzuahmen; sobald es ihnen an den Geldbeutel geht, erheben sie ein großes Geschrei, als ob sie alle zugrunde gehen müßten. Es ist doch nicht mehr als recht und billig, wenn die Gemeinde, die sich gegenwärtig in einer finanziellen Notlage befindet, für die Benutzung des Müllabladeplatzes, dessen Kosten doch auch verzinst und amortisiert werden müssen, eine ge» ringe Gebühr erhebt. Spanva«. Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag hatte fich zu- nächst wiederum mit der Vermietung deS alten Rathauses zu be- schäfrigen. Wie Stadtverordneter Prager mitteilte, sind drei Reflek- lauten auf dasselbe vorhanden, die aber erhebliche Vorbehalte machen. Angenommen wurde die Magistratsvorlage, wonach die Vermietung des alten Rathauses und der Stadthäuser an das Städtische und Kreiskraftwerk auf drei Jahre zum Mietpreise von 9000 M. jährlich erfolgt. Sämtliche Nebenleistungen und Reparaturen hat daS Kreiskraftwerk zu tragen. Ein Antrag des Stadtverordneten Rupke, die' Pachtsumme von 9000 auf 11 000 M. zu erhöhen, wurde abgelehnr. Eine weitere Borlage verlangte die Grenze für die Zinssatze der Anleihe von 31 468 000 M. dahin zu erweitern, daß der Rest der Anleihe mit einem Zinssatze bis 4>/z Prozent aufgenommen werden kann, während nach den bisherigen Beschlüssen die Anleihe nur zu 4 Prozent aufgenommen werden konnte. Auf Anfrage deS Stadtv. Katte, zu welchen Zwecken die Anleihe bisher gedient habe und wozu sie noch verwendet werden solle, gab Stadtrat Weber folgende Auskunft: Es sind u. a. bisher verwendet zu Slraßenregulierungxn 1 735 000 M.(vorgesehen 4 365 000 M.), für die Straßenbahn sind die bereitgestellten Mittel verbraucht, für Kanalisation und Wasserleitung wurden 1318 000 M. verausgabt(vorgesehen 1 847 000 M.), für die Gasanstalt würden 2 188 000 M. verausgabt (Vorgesehen 3 335 000 M., sür den RatbauLneubau wurden bisher 2 320 000 M. verausgabt, für die Heerstraße wurden bisher 1 300 000 M. verausgabt(vorgesehen 2 156 000 M.), für Ent» festigungen wurden 1 056 000 M. verausgabt. Genosse Pieck führte aus, daß die Stadt bisher ungefähr 3V Millionen Mark Schulden habe. Da von der großen Anleihe nicht mehr viel übrig bleiben dürfte und daher nicht allzuviel mit 4>/z Proz zu ver» zinsen sei, stimmten er und seine Freunde der Vorlage zu. Ohne weitere Debatte wurde die Vorlage angenommen. Für Verbreiterung des Bürgersteiges vor dem neuen Rathaus um einen Meter wurden vom Magistrat 6200 M. verlangt. Die Tief» baudeputation sprach sich gegen den Antrag aus. Genosse Pieper ersuchte gleichfalls um Ablehnung der Vorlage. Das Publikum lache heute schon darüber, wenn in Spandau etwaS gebaut werde, weil eS doch nachher gleich umgeändert werden muß. Man hätte doch vorher sehen müssen, daß der Bürgersteig zu schmal ist. Genau so sei es mit dem Rathauslurm gewesen. Nachdem derselbe voll« ständig fertiggestellt war, baute man ein kostspieliges Gerüst, um die Zeiger der Uhr zu vergolden. Oberbürgermeister Koeltze führte au», daß der Magistrat ursprünglich beabsichtigt hatte, den Bürgersteig um 5 Meter zu verbreitern, aber im Hinblick auf die hohen Kosten lerwa 35 000 M.) vorläufig sich mit der Verbreiterung um 1 Meter be» gnüge. Nach ausgiebiger Debatte, in welcher sich fast sämtliche Stadtverordnete gegen die Lorlage aussprachen, wurde dieselbe ab» gelehnt. DaS Gehalt der Sttaßenbahnschaffner wird für die ersten drei Monate auf 95 M. festgesetzt, dann steigt dasselbe auf 100 M. bis zum Höchstbettage von 135 M.— Ein Antrag Hilsebeck und Genossen(lib.) verlangt Bildung einer Kommisston, welche alU städtifchen Bausubmissionen vorzuprllfen und zu genehmig«, hat. Genosse Pieck sprach sich gegen den Antrag aus. Eine Besserung in dem leidigen Submissionswesen könne erst eintreten, wenn Stadt- verordnete und Magistratsmitglieder an städtischen Sub« Missionen sich nicht beteiligen dürften und die Stadt städtische Arbeiten in eigener Regie ausführe. ES wurd« Ueberweisung des Antrages an den Submissionsausschuß beschlossen. Die Benutzung der JubiläumS-Turnhalle durch di» Freie Turnerschaft* rief eine lange und teilweise scüarfe Debatte hervor. Genosse Pieper gab zunächst die Gründe bekannt, aus denen der Magistrat angeblich dem Stadtverordnete!, beschlufj nicht beigetreten ist, die Jubiläums-Turnhalle auch der„Freien Turnerschoft* zur Verfügung zu stellen. Die Halle soll danach schon so in An- spruch genommen sein, daß kein Tag mehr frei sei. Dieser Grund sei nicht stichhaltig, denn man habe die Halle fa außer den Kriegervereinen auch dem Militär zu dem hochpatriotischen Jahr- Hundertrummel zur Verfügung gestellt.(Pfuirufe! und große Un- ruhe. Der Stadtv.-vorsteher ruft den Redner zur Ordnung.) Der Ober» bürgermeisler habe sein Wort, das er bei der Wiederwahl ge- brauchte, jeden Bürger als gleichberechtigt zu behandeln, nicht ge- halten. Redner bat, die Halle, welche aus allgemeinen Mitteln ge- baut sei, auch der„Freien Turnerschaft' zur Verfügung zu stellen und auch vor einem eventuellen Konflikt nicht zurückzuschrecken. Stadtv. Rupke gab im Auftrage der Liberalen Fraktion die Er- klärung ab, daß dieselbe nach dem Grundsatz: gleiches Recht für alle dafür eintreten werde, daß die Halle auch der„Freien Turner- schast* zur Verfügung gestellt werden solle. Stadtv. Böhning (Komm. Wahlv.) führte aus, daß seine Fraktion nach dem Verhalten deS Stadtv. Pieper nicht dafür stimmen könne, die Halle der„Freien Turnerschast* zur Verfügung zu stellen. (Genosse Pieck: Auch ein Arbeitervertreterl) Genosse Pieck trat hierauf gleichfalls sehr energisch für Gleichberechtigung ein. Ober- bürgermeister Koeltze erklärte u. a., daß für Leute, die derartig die staatlichen Einrichtungen herunterreißen und da« Königshaus ver- unglimpsen. kein Platz in der Halle sei. Genosse Pieper gab hierauf bekannt, daß er in nächster Versammlung den Antrag stellen werde, die Jubiläumshalle, eventuell die Halle der 6. Gemeindeschule der Freien Turnerschast zur Verfügung zu stellen. Hierauf geheime Sitzung.. WasserftandS-vlachrtchten der Landesansialt sür Gewässertunde. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Wemel, Tilsit Pregel, Jnslerburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe,«chrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcri, Dresden , Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Drochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree. Sprembers») , Bceslow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub . Köln Neckar. Hellbrom, Main. Hanau Mosel, Trier am 27.3. cm 190») 60 122 110 92 217 324 486 304 348 163 186 157 seit 26.3. —10 -8 —8 0 —15 —10 -18 -27 -6 -87 «)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel.— � Hbchftftand atn 26. mn 12 Uhr vormittag«: 216 orn. Verantwortlicher Redakteur: Llfrep Wielepp, Neukölln.' Kür de» Jnscratenteilverantw.: Th.Glvcke, Berlin. Drucku.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei». LerlagKanstc-It Paul Singer».?», Nr. 73. 3V. Jahrg. KtM-KnlU des LsmSck" für Mm- 29. SHön 1913. Aus der StadtverordneteDverfammlung. Ueber iic Verhandlungen der Stadtverordnetenversammlung, die sich bis« die späten Abendstunden ausdehnten, tragen wkr noch folgendes nach: lieber die Etats der städtischen Werke referiert Stadtv. eiöroldt(Fr. Fr.) Stadtv. Solinger(N. L.) bemängelt die fragewürdige Propa- ganda, die die(Äasvcrwallung mache und die schon'zu Protestver- sammlungcn der beteiligten Privatintcrcssenten geführt habe. Insbesondere beanstandet er, daß die Verwaltung 34 ÖOO Plätteisen auf Abzahlung verkauft habe. Stadtrat Rast nimmt die Verwaltung in Schutz und stellt außerdem im Auftrage der Gasdcputation eine frühere Anführung des Stadtv. Cassel betr. Äohlcnliefcrungsangebote richtig. Stadtv. Cassel behält sich vor, seinen Gewährsmann noch- mals zu interpellieren. Stadtv. Stadthagen(Soz.): Auf unseren Rieselgütcrn sollen Arbeitsverträge in Kraft sein, die das Gegenteil von sozialem Empfinden zeigen. Ter§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird dadurch ausgeschlossen, lieber diesen Ausschluß haben wir hier wiederholt zu sprechen gehabt, und der Magistrat hat zu- gegeben, daß der Ausschluß gegen die guten Sitten und das Gesetz verstößt. Und das geschieht über den Kopf des Kuratoriums hin- weg,- das halte ich für ungeheuerlich. Auch sonst enthält der Vcr- trag sehr viel Tadelnswertes. Vollends wird dem Faß der Boden ausgeschlagen durch die Bestimmungen über die Entlassung: ent- lassen wird danach sogar derjenige, der cv. von seinen Verwandten oder von seiner Frau, Gescheute annimmt! lind diese Vertrags- formulare sind von einzelnen Beamten unter Androhung der Ent- lassung zur Unterschrift vorgelegt worden! Tas ist ein der Stadt gänzlich unwürdiges Verhalten; die Stadt soll ihre wirtschaftliche llebermacht nicht in dieser unglaublichen Weise ausnutzen! Solche Verträge müssen endlich aufgehoben werden. Eigentümlicherweise sollen ähnliche Verträge auch in anderen städtischen Verwaltungszweigcn eingeführt sein. Ich bitte den Magistrat, der Sache nachzugehen, die schon etwa ein Jahr lang der Oeffcntlichkeit bekannt ist. Kein Richter wird diesen allgemeinen Ausschluß des§ 6l6 für gültig erachten; gäbe es solche richterlichen Erkentnissc. so wäre das beschämend. Stadtrat Albcrti: Ter Ausschluß beruht auf einer Magistrats- Verfügung. Die Kanalisationsverwaltung hat keineswegs unrichtig gehandelt. Die Stadt handhabt auch diese Bestimmungen in der allerhumanstcn Weise. �Widerspruch bei den Soz.) Tie„Annahme von Geschenken" ist selbstverständlich nicht in dem Sinne gemeint, wie der Vorredner ausführte, es handelt sich um Geschenke, die anständigerweise ein Beamter oder Angestellter nicht annehmen sollte. Stadtv. Rosenow fragt, wie weit die Angelegenheit des W c st- h a f c�n s gedichen ist. Stadtbaurat Krause: Ter Eisenbahnanschluß ist vom Minister jetzt genehmigt; es sind aber noch Einzelfragcn zu er- örtern. Tie Fertigstellung des Baues wird sich vielleicht noch ein Jahr hinziehen. Stadtv. R o s e n o w: Auch an dieser Verzögerung trägt allein die StaatScisenbahnvcrwaltung die Schuld, nicht wir. Die„Polizcikostcn" waren in der borigen Sitzung zurückgestellt worden. Ref. Stadtv. Löser(A. L.). Stadtv. Dr. Roscnfeld: Die proletarische Jugendbewegung wird von der Polizei unglaublich schikaniert. Vor kurzem, Ende Februar, fanden 12 Jugendversammlungen statt mit dem Thema „Die wahren und die falschen Freunde der Arbeiterjugend". Dieses Thema hatte es der Polizei angetan; sie erklärte es für Politisch und löste 8 von den 12 Versammlungen auf. Diese Auflösung steht in striktem Widerspruch zum Gesetz. Man hat aber auch Polizeihunde gegen die Jugend gehetzt, um möglichst viel junge Leute unter 18 Jahren festzu- stellen! Eine Woche später fand eine Versammlung mit dem gleichen Thema statt, und da schritt die Polizei nicht ein! Dieses Vorgehen der Polizei gegen die Jugend müssen wir hier brand- marken. Als dem fortschrittlichen Jugendvcrcin„Eugen Richter" aufgegeben wurde, Leute unter 18 Jahren nicht zu einer Jahr- Hundertfeier zuzulassen, hat sich die liberale Presse fürchterlich aus- geregt; die Arbeitcrjugendvcrsammlungen werden aufgelöst und niemand findet etwas darin! Tic Jugendheime für die Arbeiter sucht man unmöglich zu machen, indem man die Baupolizei gegen sie mobilisiert, lind derselbe Her v. Jagow sitzt in einem Ausschuß für ein großes Jugendheim für Berlin! Die Heimleiter werden wegen Schankkonzesionsübertretung und Steuerhinterziehung zur Verantwortung gezogen, weil sie den Alkoholismus bekämpfen. In den Jugendheimen wird keine Politik getrieben, darum ist das Vorgehen der Polizei absolut ungerecht- fertigt. Herr v. Jagoiv veranstaltet gegen die proletarische Arbeiterjugend ein wahres Kesseltreiben. Die Jugendbewegung ist eine wahre Kulturbcwcgung«Wider- spruch); ich hoffe, daß die Kritik an den gerügten Mißständen Widerhall finden wird!(Beifall bei den Soz.) Stadtv. Tovc: Diese Ausführungen haben manches Berechtigte, aber auch Sie(zu den Soz.) kümmern sich ja nur um die Dinge, die Sic angehen, und tvas uns angeht, läßt Sic kalt. Die Er- Lrtcritng des Rcichsvcrcinsgesctzcs gehört in den Reichstag.— Der Oberbürgermeister sollte seine guten Beziehungen nach oben bc- nutzen, um die Absperrungen der Linden ustv. auf ein geringeres Maß zu reduzieren. Stadtv. Dr. Rosenfcld: Also weiter hat der Vorredner zum Polizcikapitcl nichts vorzubringen! Tatz die Jahrhundertfeier und der famose Kirchgang nicht mehr„Volt" gesehen haben, hat nicht an den Absperrungen gelegen, sondern daran, daß das Volk eben mehr aufgeklärt ist. Ten Jugend- wie den Polenparagraphen haben beim Vercinsgcsctz auch die Liberalen geschluckt! Stadtv. Tovc: Hier können wir diese Beschwerden praktisch nicht austragen. Von den städtischen Steuern ist die neue Bier- sie u er, die mit 1% Millionen M. ctatisicrt war, zufolge der Herabsetzung des Steuersatzes von öO auf 30 Pf. auf 1 Million Ertrag herabgesetzt. Die Kinostcuer'ist mit VA Million M. eingestellt. Der Magistriat rechnet auf eine Einnahme von 1,13 M. pro Hektoliter. Die Gemeinde-Einkommensteuer soll mit 100 Proz., die G ru n d- und G e b ä u d e st e u e r init 180 Proz. in Form von 3,1 vom Tausend der gemeinsamen Werte und die Gewerbesteuer mit 16S Proz. zur Erhebung gelangen. Der Etat für 1013 ba lau ziert mit 373, v83ö07M. Vor der erklärt Abstimmung über den Gcsamtctot Stadtv. Heimann: Ich habe schon in meinen Ausführungen bei der ersten Lesung keinen Zweifel darüber gelassen, daß wir mit dem Entwurf nicht einverstanden sind; sowohl zahlreiche der Einzel- ansätze im Hoch- und Tiefbau, Armenwcsen, Schulwesen, wie ins- besondere die Art der Balanzicrung fordern �unseren Widerspruch heraus. Es ist uns nicht gelungen, in der Spezialberatung Ver- besserungen durchzusetzen; im Gegenteil, wo Aenderungen bc- schlössen ivorden sind, stellen diese für uns nur Verschlechterungen dar. Das Bild des Etats jetzt ist noch unerfreulicher als vorher. Ganz abgesehen von den Ausstellungen im einzelnen legt der Etat in seiner Gesamtheit die Richtlinien fest, nach denen die Ver- waltung geführt wird. Mit diesen Verwaltungsprinzipien sind wir nach keiner Richtung einverstanden; ein näheres Eingehen darauf kann ich mir heute ersparen und mich auf die Feststellung bc- schränken, daß wir soivohl grundsätzlich wie aus Gründen der Etati- fierung den Etat ablehnen werden. Ter Etat wird darauf gegen die Stimmen der Sozialdcmo- kraten genehmigt. Die Vermehrung der etatsmätzigcn Beamten st ellen im gicchnungsjahr 1913 wird unverändert nach dem Magistrats- vorschlage genehmigt. Mit dem Vorentwurf für den Erweiterungsbau der V. Realschule, S t e p h a n st r a ß e 1/2, hat sich der eingesetzte Ausschuß nach längerer Beratung einstimmig einverstanden erklärt. Die Versammlung beschließt in gleichem Sinne. Auf dem städtischen(Zenncrschen) G a st h a u s g r n n d st ü ck in Treptow soll der Musikpavillo n durch einen Neubau ersetzt werden; der Mieter hat die Baukosten von 12 000 M. mit 6 Proz. zu verzinsen. Tie Versammlung stimmt zu. Tas ehemalige Johannis st ist bei P l ö tz c n s c c soll zu einer Anstalt für Leichterkranke hergerichtet werden, die vornehmlich zur Evakuierung des Virchow- und des Moabitcr Krankenhauses zu dienen hat. Tie Kosten sind auf 300 000 M. angenommen.' Tic Versammlung wird vom Ma- gistrat um ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Projekt ersucht. Tie Vorlage geht an einen Ausschuß. Zwecks Durchführung von isteformen auf dem Gebiet der Fürsorgc-Erziehung soll in Struveshof eine landwirtschaftliche Er- zichungsanstalt neu erbaut werden. Im ganzen sollen etwa 200 Zöglinge untergebracht werden. 120 schulentlassene Zog- liuge will in an zu landwirtschaftlichen Arbeitern ausbilden; 24 bis '30 ältere, besonders schwer erziehbare Zöglinge sollen abgesondert in einem sog. festen Hause Unterkunft finden; endlich ist eine bc- sondere Abteilung für 00 schulpflichtige, geistig schwach begabte Zog- linge geplant. Ter Vorentwurf veranschlagt die Kosten des Neu- baucs auf l'A Millionen M., wovon 100 000 M. als erste Rate bc- rcits in den Etat für 1913 eingestellt sind. Die Versammlung nimmt die Vorlage an. Zur Herstellung von Gartenanlagen auf einem Teil de? sog. Aufmarschgeländes am Viktoriapark werden 200000 Mark verlangt, wovon 120 000 M. im Etatsjahr 1913 zur Vcr- Wendung kommen sollen. Die Beratung dieser Vorlage wird vertagt. Schluß gegen'All Uhr. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Hohenncucndorf. Heute Iomiabcnd, nachmittags 6 Uhr, im Sitzungssaal, Berliner Straße 48/49; Etatsberatung. Diese Sitzungen sind iissentlich. Jeder GcmcindcangehSrige ist bc- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugcndveranstaltunge». Neukölln. Sonntag, den 30. März: Besichtigung de? RcichSpost- muscums. Tresspunll»/,U Hermannplatz(Apotheke) oder-/.12 pünktlich vor dem Musenin. Leipziger Ecke Mauerstraße. Kautsdorf-Mahlsdorf. Am Sonntag, den 30. März, nach Raven- steiner Mühle. Trcsspunkt um 2 Uhr in KauISdorf an der Mühle, um '2'/« Uhr in Mahlsdors, Berliner Ecke Bahnhotstraße. Adlershof. Am«onnlag. den 30. März, findet eine Partie der Jugendlichen nach den Miiggelbergen statt. Ablochen im Freien. Abmarsch Punkt V Uhr vom Jugendheim. Um rege Beteiligung wird ersucht. Wetterprognose für Sonnabend, den 39. März 1913.. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit etwas Regen und ziemlich frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. ktanre Vloknungsotneiobtungon. Zimmsi'- und Küchen-Einrich- tungen, sowie jedes Stück einzeln zu den billigsten Preisen in guter, gedieg. Arbeitempfiehlt Wilh. fiambrecht, Berlin SW., Simeonstr. 19. Verlangen Sie, bitte, illustrierte Preisliste Gustav Blumenfeld& Co. 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