Ur. 77. flboflnfmentS'Rcdingungen: ?l»mmementS- Breis pränumerando: Lierteljährl. S.ZV M5> tnonntl 1,10 OTt.. Inöchenllich 38 Bfg> frei ins Haus. Em, eine Nummer 5 P'y. Konntags. nummer mit Muslrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Nbonnemenl: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Aeitungs- Preisliste. Unter Kreuzbond sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3�0 Marl, sür das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien. Dänemark, Hallaild. Italien. Luxemburg. Portugal. Amnänicn, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. v!e Insertion;-Ledtlh? beträgt für die scchsgcspaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerlschaftlichc Vereins- und Tersammlungs. Anzeigen 30 Big. „Aleine Zsn-eigcn", das settgedruikie Wort 20 Psg. szulässig 2 fetlgedrurlte Worte), jedes weitere Bort 10 P-g. Stellengesuche und Schlafstelleiian- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort b Psg. Worte über IS Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition>jt bis 7 Uhr abends geöffnet, eridwut täglich Verltnev VolkesblÄtk. Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Zelegramm-Adrefle: „SoziaidcmoKnt Berm". Redaktion: SCd. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritipla«, Nr. 1983. Donnerstag, den 3. April 1913. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplan, Nr. 1984. Lin Attentat auf äas äeutlche Volk! Am kommenden Sonntag soll die Bevölkerung Groß- Berlins ihre Antwort geben auf den perfiden Plan, dem Moloch Militarismus neue unglaubliche Opfer in den unersättlichen Rachen zu werfen. Es gilt für alle denkenden Männer und Frauen, flammenden Protest zu erheben gegen die infame Absicht. Deutschland zu einer einzigen großen Kaserne umzugestalten. Das Verlangen unserer Militaristen und Kriegstreiber, den hundcrttausenden Soldaten des stehenden Heeres neue 1ZK 000 Mann hinzuzufügen, ist so absurd und grotesk. daß wohl niemand vor Veröffentlichung der Heeresvorlagen an die Wahrheit dieser wahnwitzigen Forderung geglaubt hätte. Arbeiter Berlins! Die Regierung wagt die Forderung. 1ZS 000 Söhne des Volkes mehr als bisher in den Waffenrock zu stecken, in dem Augenblick zu stellen, wo Ihr in Aebereinstimmung mit der Arbeiterschaft der ganzen Kultur- weit einmütig Euren Willen dokumentiert habt zur Erhaltung des Völkerfriedens. Männer der Arbeit! Denkt daran, daß die enonne Vermehrung des stehenden Heeres nach außen hin wie eine Provokatiou wirken muh. wie ein Drohen mit der gepanzerten Faust. Aber nicht genug mit der ständigen Verschärfung der Kriegsgefahr durch den Rüstungs- wahnwih! Die.schimmernde Wehr" ist die ärgste V e- drängerin der volkssreiheit, des kulturellen Aufstieges der breiten Volksschichten. Denn letzten Endes soll der Militarismus eine furchtbare Waffe fein in den Händen der herrschenden, den inneren Feind niederzuhalten: eine Waffe, die jederzeit bereit sein soll, gegen Vater und 2Nulter aufzumarschieren. ArbeiterBerlins! Haltet Euch vor Augen, daß die ungezählten Millionen, die der Rüstungstaumel fordert, die Erfüllung dringend notwendiger Kulturausgaben in nebelhafte Ferne rücken. Stets noch haben die Herrschenden versagt, wenn es sich um Bewilligung von Forderungen handelte, die der kulturellen Hebung der Volksmasseu dienen sollten: dem menschenmordenden Militarismus aber wollen Eure Unterdrücker in wenigen Jahren neue tausende Millionen Mark opfern. Frauen Berlins! An Euch ist es. gemeinsam mit den Männern Eure Stimme erschallen zu lassen zum Prolest gegen Rüstungswahn und Kriegstreiberei! Eure Söhne. die Ihr unter Schmerzen geboren habt, sind es. die auf den Schlachtfeldern ihren Leib den Kugeln entgegen- stellen müssen! Eure Söhne sind es. deren Knoche,» im Falle eines Krieges auf den Schlachtfeldern bleichen! Frauen Berlins! Empfindet Ihr es nicht wie einen brutalen Faustschlag ins Gesicht, daß jetzt hunderte und aber- hunderte Millionen Mark aufgebracht werden sollen für Zwecke der Mordtechnik, während noch vor wenigen Jahren kein Pfennig vorhanden war. als es sich um die G e- Währung von Geburtshilfe für kreißende Frauen handelte? Mit hohnlachen haben damals die herrschenden Eure bescheidenen sozialen Forderungen abgelehnt, dieselben herrschenden, nach deren Willen dem Volke nun furchtbare Lasten für den Militarismus auferlegt werden sollen. Männer und Frauen! Mit Euch spielt man Komödie! Zeigt den Regisseuren dieses Spiels durch Euren hunderttausendfältigen Protest am kommenden Sonntag, wie Ihr über die Akteure des Rüstungs- und Kriegsspiels urteilt! Euer Arteil wird und kann nur fein: Gegen den mensebentnordenden JlHlitaristnus! Jür ein freibeitlicbes Yolksheer! Gegen die Jlriegsfanatiber! Hr friedliche Verständigung der Kationen! Gegen die Unkultur des Kilitärregiments! Jur Friede, Volksfreibeit und Kultur! vergeWltiglingsMe des Werbenden Landtages. Die TlUigteit des derzeitigen DreiklossenparlamentL neigt sich ihrem Ende zu. Ein paar Wochen noch und das Haus verfällt der Auflösung: leider nur, um einem neuen Drciklasscnparlament Platz zu machen, denn auf die Einlösung des Äönigswortcs vom Jahre 1308 harren ja die preußischen Wahlrcchtsheloten noch immer! Aber die Trciklassenmchrhcit hat� sich derart an die Vcr- gewaltigung der parlamentarischen Minorität, die doch die Volks- Mehrheit vertritt, gewöhnt, daß sie es nicht unterlassen kann, noch in letzter Stunde neue Konflikte hcraufzubeschivoren, neue Vcr- gewaltigungsaktc zu begehen I In ihrer unsäglichen Verblendung wagt sie noch zu allerletzt, dem Volke brutale Provokationen ins Gesicht zu schleudern, die geradezu auspeitschend aus die Wähler- Massen wirken müssen. Freilich, die reaktionäre Treiklassenmehr- hcit pfeift ja aus das Volk, das in der preußischen Gesetzgebung nichts zu sagen hat! Sie fühlt sich derart geschützt in ihrem Regi- mcnt durch die Wälle des Gcldsackwahlrechts, daß sie all ihren provokatorischen Gelüsten fronen zu dürfen glaubt, einerlei, ob sie die reiche Saat des Hasses und der Empörung noch um ein Erkleck- liches vermehrt! Schon am Dienstagabend hatte die sozialdemokratische Fraktion Protest eingelegt gegen den von der Mehrheit im letzten Augenblick beschlossenen Beratungsplan zur Erledigung des w i ch t i g st c n preußischen Etats, des Kultusetats. Entgegen nicht nur allem bis- hörigen parlamentarischen Brauch, sondern auch entgegen den klaren Bestimmungen der Geschäftsordnung, hatte man beschlossen, daß, um die Verhandlungen rascher durchpeitschen zu können, diesmal die bei dem Titel..Ministergehalt'' übliche Generaldebatte über den KultnSetat fortfallen sollte. Trotz aller triftigen Gründe des sozial- demokratischen Fraktionsvorsitzenden, und trotzdem sich Polen und Freisinnige dem sozialdemokratischen Einspruch anschlössen, hatte die Mehrheit den Beschluß durchgedrückt, die Generaldebatte un- möglich zu machen. Als deshalb heute bei dem Titel„Minister- geholt" unser Genosse Hoff mann versuchte, die allgemeine Politik des Ministers der so dringend notwendigen zusammen- fassenden Kritik zu unterziehen, wurde er von dem Präsidenten daran gehindert. Vergebens berief sich Hoffmann darauf, daß es doch eine Farce ohnegleichen sei, über das Ministergehalt abzustimmen, ohne zuvor die Politik des Ministers einer kritischen Beleuäitung untcrtvorfen zu haben. Vergebens erklärte unser Redner, daß der Beschluß vom Tage zuvor durchaus geschäfts- ordnungswidrig sei, da das Hgus absolut nicht das Recht habe, durch einen Gewaltakt der Mehrheit die Geschäftsordnung zuun- gunsten der Minderheit zu durchbrechen. Es nützte auch nichts, daß der freisinnige Abgeordnete Wie- mer sich gleichfalls gegen den neuen Brauch, die Minderheit einfach zu majorisiercn, mit Entschiedenheit aussprach. Sofern keine Ein- mütigkeit des Hauses vorliege, sei es durchaus unzulässig, die bei dem Ministergehalt gebotene allgemeine Debatte auszuschließen. Die Konservativen hielten es nicht einmal der Mühe für wert, die Vcr- gcwaltigungspraktiken, für die sie unter Bruch der Geschäftsordnung gestimmt hatten, zu beschönigen. Sie überließen die Verteidigung des Gewaltaktes ihren Komplizen, de» Herren vom Zentrum, von den Freikonservativen und Nationalliberalen. Der nationallibcrale Abgeordnete Campe behauptete schlankweg, daß es sich nur um einen Bruch mit einem„bisherigen Usus" handele, keineswegs aber um eine Frage von prinzipieller Bedeutung. Es solle auch keines- Wegs jemand mundtot gemacht werden, denn die Sozialdemokratie könne ihre Beschwerden ja bei den einzelnen Kapiteln vorbringen. Diese Ausrede zerstörte aber sogleich der gelegentlich so rück- sichtslos offenherzige Freiherr von Zedlitz, indem er unum- wunden zugab, daß der Beschluß der Mehrheit deshalb gefaßt wor- den sei, um den Kultusetat ui ö g l i ch st rasch zu erledigen. Und Herr Herold vom Zentrum wußte nichts Durchschlagenderes vor- zubringen, als daß ja auch seine Partei erst in letzter Stunde von der Absicht, die Geschäftsordnung außer Kraft zu setzen,„sichere" Kenntnis bekommen habe. Als ob damit die Mitschuld des Zcn- trums irgendwie vermindert werden könnte! Kurz und gut, nach 1Z4 stündiger Geschästsordnungsdebatte beschloß das Haus, daß der Präsident bei seinem Vorgehen durchaus den Willen der vergewalti- gungslüsternen Mehrheit zum Ausdruck gebracht habe und dem- gemäß weiter verfahren solle. Es nützte auch nichts, daß Genosse Hoffmann dies Verfahren als noch etwas Schlimmeres brand- markte, als alle früheren Majorisierungsstreiche der Drciklassen- männcr, und daß man deshalb bsinahe rufen möchte: Komm doch wieder, lieber Kroch er! Als Hoffmann, der nun nach anderthalb Stunden den Faden schlier Rede wieder aufnehmen konnte, die Ablehnung des Gehaltes durch die Sozialdcnwkratie sachlich begründen wollte, ereilte ihn nach dreimaligem Ruf zur Sache und nach Befragen des Hauses die Wortentziehung! Daß das reaktionäre Planchen die Sozialdemokratie keineswegs abzuhalten vermag, alles Notwendige über die kulturwidrige Politik des preußischen Kultusministers zu sagen, bewies Hoffmanns Rede zu einem Spezialtitel. Das mildert aber auch nicht im gc. ringsten die Schuld der Dreiklassenmehrbeit, die sich wieder» einmal unter skrupelloser Hinwegsetzung über die Bestimmungen der Gc- schäftsordnung zu einem KncbclungSversuch der Min- derheit hinreißen ließ! Das DveiklajsenhauS hat damit das Maß seiner Sünden zum Neberlaufen gebrqcht. Tos prrutzischc Volk wird bei der Wahl die Antwort geben! Sie(stoße Schröpfung. in. Sozialdemokratie und BaterlandSverteidiguug. Die Sozialdemokratie bekennt sich offen als Gegnerin der bestehenden Heeresorganisation und verweigert ihr Menschen und Mittel." Oft hat man deshalb der Sozialdemokratie Mangel an Patriotismus vorgeworfen und gesagt, daß sie das Vaterland durch ihr Verhalten wehrlos mache. Wir nehmen diese Vorwürfe nicht tragisch, aber sie sind falsch. Keine einzige Partei liebt ihr Vaterland stärker alZ die Sozialdemokratie: sie liebt seine Sprache und seine Kultur, seine Dichter, Denker und Künstler, seine Berge, Wälder und Auen mit all der heißen Inbrunst, mit der man das liebt, was man nicht besitzt, aber nur allzu gern besitzen möchte. WaS aber die Sozialdemokratie nicht liebt, das ist der Kasten- und Klassen- staat mit seinen Herrschafts- und Machtverhältnissen, mit seiner Ausbeutung der �großen Masten durch eine verhältnismäßig kleine Zahl von Kapitalisten. Durch ihren Kampf für die Sozialgesetzgebung gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Knechtseligkeit, trägt die Sozial- dcmokratie in hohem Maße dazu bei, Kraft und Gesundheit der Volksmasseu zu erhalten und zu fördern und zeigt da- durch höheren Patriotismus als alle diejenigen, die ihn so oft im Munde führen. Goethe sagt einmal:„Und was heißt denn patriotisch wirken'i Wenn einer lebenslänglich bemüht war, schädliche Vorurteile zu bekämpfen, engherzige Ansichten zu beseitigen, den Geist des Volkes aufzullären, dessen Geschmack zu reinigen und dessen Gesinnungs- und Denkweise zu veredlen: was soll er denn da besseres tun? und wie soll er denn da patriotisch wirken?"— Der Mann hat auch etwas von der Sache verstanden: von all dem aber, was sich heute als patriotische Gesinnung gebärdet, findet sich in Goethes Worten keine einzige Silbe. Und was die Wehrlosmachung durch Verweigerung der nötigen Mittel trotz des Bestehens von Kriegsgefahr an- betrifft, so erwidern wir: gewiß, auch die Sozialdemokratie leugnet keineswegs die Kriegsgefahr der Gegenwart: aber sie ist lediglich die Folge der bürgerlich-kapitalistischen Politik. Wenn diese die modernen Kulturstaaten nach gewissen Zeit- räumen in eine Sackgasse führt, aus der ein Krieg der einzige Ausweg scheint, so können wir nur antworten: es muß mit dieser Politik, die nicht die unsere ist. gebrochen tverdcn. Wir wollen also nicht das Vaterland wehrlos machen, sondern nur die aus kapi- talistischen Gründen entstehenden Kriege aus der Welt schaffen, und eines der Mittel hierzu ist die Lahmlegung des modernen MilitariS- in u s, woran die deutschen Sozialdemokraten ebenso arbeiten, wie ihre französischen, österreichischen und russischen Brüder. Daß dies in Wirklichkeit keine Wehrlosmachung des Vaterlandes bedeuten kann, belveist die Sozialdemokratie da- durch, daß sie, ihrem Programm getreu, für die Wehr- Haft machung des gesamten waffenfähigen Volkes eintritt, deren Organisationsform nur die Miliz sein kann. Die militärische Leistungsfähigkeit der Miliz(VolkSwehr) zu Vcrteidigungszwockcn kann gar nicht mehr bestritten»verdcn. Kein Geringerer als S ch a r n h 0 r st hielt sie für derart ge- wältig, daß er bereits im Frühjahr 1806 schrieb:„Nur da- durch, daß mau die ganze Masse des Volkes bewaffnet, erhält ein kleines eine Art von Gleichgewicht der Macht in einem Defensivkriege gegen ein größeres, welches einen Unter- jochungskricg führt." Seine späteren Erfahrungen haben ihm recht gegeben und sogar gezeigt, daß die preußische Landwehr in der Schlacht ebenso gut zur Offensive wie zur Defensive zu gebrauchen >var. In neuerer Zeit ist die militärische Tüchtigkeit der Miliz auch von Berufsoffizieren anerkannt worden: vielleicht denkt sogar der deutsche Kaiser anders über sie als früher. Denn wir nehmen nicht an. daß sein Ausspruch, die schweizerische Miliz erspare ihm im Kriegsfalle vier bis fünf Armeekorps, zahlreiche Beweise für Nolkssoldaten, und wir Zeugen wie B 0 y e n. eine bloße Höflichkeitsphrase war. Es gibt ja auch so die guten Leistungen der haben sür sie so klassische Scharnhorst. C l a u s c w i tz, daß demgegenüber das ivcgwerfende Urteil eines beliebigen preußischen Parade- generals nicht ins Gewicht fällt. Freilich für die von Scharnhorst so fein verspotteten Fricdensschauspiclc, die das Ergötzen müßiger Gaffer und höchster Herrschaften sind, würde eine Volkswehr keine Zeit haben, und die Uebung alles Kriegsmäßigen bliebe ihre einzige Ausgabe. Und wenn nian so alles für Schein und Glanz Be- rechnete, das im Frieden ja recht malerisch und repräsentativ aussieht, beseitigte, so wäre man tvicdcrum in Uebereinstimmung mit S ch a r n h 0 r st, der durch die Reorganisierung eines verlotterten Heeres den bc- rcchtigtcn Ruhm eines allerersten Sachverständigen er- worden hat. Und wenn die meisten militärischen Kreise sich mit einer gewissen Geringschätzung über die sozialdemokratischen Miliz- fordcrungen äußern, so können»vir uns mit dem Gedanken trösten, daß es Scharnhorst auch nicht besser gegangen wäre, falls er ctlva seine Reformvorschläge vor dem Jahre 1806 gemacht hätte. Wie ja seine Reformen auch nur zum Teil durchgeführt wurden, da ihm der König mit seinem Kascrncnhorizont und die Militärjunker erbittert entgegenarbeiteten. Auch wir wissen, daß der Widerstand gegen unsere Forderung politischer Natur ist«wir werden darauf noch zu sprechen kommen) und in militärischer Beziehung gar nichts besagen will. Wir sind auch ganz sicher. daß eine Volkswehr sich nicht einen Augenblick zu verstecken brauchte vor dein scclenloscn prcußisch-deutschcu Mechanis- mus, der erst kürzlich in Straßburg mit einem gefälschten Telegramm und einer alten Telegraphcnbcamtenmütze in so blamabler Weise hineingelegt worden ist. Welche hervorragenden Leistungen nicht als Berufs- soldaten ausgebildete Truppen zu vollbringen vermögen, das wissen wir nicht nur aus den Kämpfen der spanischen und Preußischen Milizen gegen den ersten Napoleon, sondern auch aus dem letzten deutsch- französischen Kriege. Die von Ga mbctta und Frey einet organisierten Landesvcr- teidigcr haben geradezu außerordentliches geleistet und länger als fünf Monate den deutschen Truppen tapfersten Wider- stand entgegengesetzt. Und daß sie nicht noch mehr aus- gerichtet haben, das lag(wie auch von d c r o ltz in seinem Buche über Gambctta zugibt) an der Führung durch die Berufsoffiziere des bonapartistischeu HccreS. Diese französischen Vaterlandsverteidiger waren regelrechte Miliztruppcn, ebenso wie ihre Vorgänger, die in der großen französischen Revolution gegen die Wicdcrhcrsteller der „Legitimität" kämpften. Allerdings mit dem Nachteile, daß sie all boc, ohne weitere Vorübung gebildet worden waren. Auf welche Höhe der Leistungsfähigkeit ließe sich aber erst eine Miliz bringen, die systematisch für den Zivcck der Vaterlands- Verteidigung geschult und erzogen würde! D i c in ihr st eckende militärische Kraft wäre unüberwindbar, und unter ihrem Schutze wäre die nationale Selbständigkeit Deutschlands in viel höhcrem Maße gewährleistet, als unter dem- stärksten Berufsheer. Nur beim Milizsystcm ist es möglich, jeden Wehrfähigen zum Dienste heranzuziehen und deshalb bietet dieses System auch die sicherste Garantie für die Unangreifbarkeit der deutschen Nation. Und nichts anderes will die Sozialdemokratie. Ihr ist die Aufrechtcrhaltung der nationalen Selbständigkeit Deutsch- lands eine wichtige und ernste Sache. Aus diesem Grunde fordert sie in ihrem Programm die s y st e in a t i s ch c Er- ziehung der ganzen Nation zur Wchrhaftigkcit durch eine gründliche geistige und körperliche Erziehung der Jugend von früh auf. Wenn dann einmal die Stunde der Not schlagen und die Schicksalsfrage gestellt werden sollte: kein irgendwie organisiertes Berufsheer könnte die Sicherheit des Vaterlandes besser verbürgen als dieses Volk selbst, dessen Männer insgesamt die Waffen zu führen verstünden. Auch die Gegner der Sozialdemokratie ivissen, daß dem so ist. Sie zweifeln gar nicht daran, daß die Verteidigung Deutschlands gegen jeden Angriff von gar keiner militärischen Organisation so wirksam vorgenommen werden kann, wie von dem wirklichen Volk in Waffen. Freilich, eine solche Volkswchr wäre für andere Zwecke als die der Verteidigung der Heimat unbrauchbar. Unbrauchbar sowohl als Angriffs- Waffe einer imperialistischen Expansionspolitik wie auch zur Niederhaltung„unzufriedener" Elemente des eigenen Volkes. Gegen den„inneren" Feind lassen sich solche Milizsoldaten nicht führen. Ilnd deshalb kann die Bourgeoisie eine derartige Hccresorganisation nicht gebrauchen. Das heutige stehende Heer dient ihr tseine Bedeutung für imperia- listische Zwecke haben wir bereits gezeigt) zur Auf- rechtcrhaltung der bestehenden Machtverhältnisse der bürgerlich- kapitalistischen Produktionsmethodc. zur Vcr- tcidigung des für ihre Zwecke organisierten Staates. Einen anderen kennt sie nicht, will und vermag sie sich nicht vor- zustellen. Und wenn die herrschenden Klassen von der Un- antastbarkeit deS deutschen Vaterlandes sprechen, so meinen sie nur das heutige für ihre Bedürfnisse eingerichtete Vaterland: mit der Privilegierung der Besitzenden auf Kosten der über- wiegenden Zahl des Volkes. Denn wenn es der Bourgeoisie nicht darum zu tun wäre, sondern um die Sicherheit des Vaterlandes schlechtweg, also auch um die eines im sozialen Sinne umgestalteten, in dem nicht wenige Bevorrechtete die große Mehrheit unterdrückten: die von der Sozialdemokratie ge- forderte Miliz böte diese Sicherheit in der denkbar voll- kommensten Weise. Das Deutschland, in dem jeder Wehr- fähige seine Flinte daheim im Schranke hat, ist für den stärk- stcn Feind unbezwingbar. Diese Unbezwingbarkeit wollen auch wir. Durch ein stehendes Heer kann sie immer nur unvollkommen erreicht werden, schon weil es nicht dessen ausschließlicher Zweck ist. Dem heutigen stehenden Heere gegenüber vermag die Sozialdemokratie keine andere als die schon erwähnte Stellung einzunehmen, und wir tvicdcrholcn: Keinen Btann und keinen Groschen! Niemals wird die Sozialdemokratie übersehen können, daß dieses Heer bereit sein soll, auf Vater und Mutter zu schießen. Nicht als ob sie der bekannten Aufforderung des- halb so großen Wert beilegte, weil sie zum ersten Male vom „obersten Kriegsherrn" in all ihrer Schärfe formuliert worden ist. O nein; die Sozialdemokratie weiß, wie viele Aeuße- rungcn des Kaisers verweht sind wie Spreu im Winde. Aber mit jenen Worten hat Wilhelm II. damals eine Möglichkeit angedeutet, die der tatsächlichen Situation, den vorhandenen Verhältnisfeit(wenigstens vorerst noch) ent- spricht. Freilich, vorläufig handelt es sich nur um eine Mög- lichkcit, und wir möchten wünschen, daß sie nie zur Tat werde. Aber immerhin, sie kündet scharf und gut die Stellung an, die die Väter und Mütter des Volkes zum heutigen Milita- risniuS einzunehmen haben: die unerbittlichste Gegnerschaft. Und das eine wollen wir bei dieser Gelegenheit aus- sprechen: die Sozialdemokratie wird alles tun. was in ihren Kräften steht, um zu verhindern, daß solche Mög- lichkeit jemals zur Wirklichkeit werde.— Die eigenen Söhne gegen Vater und Mutter! Die Schmach wäre zu groß!— Nicht einmal st reifen dürfen deutsche Bajonette die- je n igen, die deren Träger geboren und erzogen, gehegt und gepflegt haben. Der Prolet springt vor und stellt sich vor den Kanonenlauf, Wirst die zerrissene Zündschnur dem Hauptmann ins Gesicht: „Herr Hauptmann, ich hielt bei Aspern französische Stürmer auf, Doch auf die Brüder und Schwestern, Herr Hauptmann, schieß ich nicht." Alfons Petzold. Lege» che foräerungen des fflilitarisirnis. Geheimniskrämerei. „Rätsel der Wehr vorläge" betitelten wir eine Notiz in unserer vorgestrigen Nummer, in der wir unter genauer Angabe der Belegstellen die geradezu ungeheuerlichen Widersprüche in den Kosten- berechnungen der Wehrvorlage niedriger hängten. Einige liberale Blätter, wie das„Berliner Tageblatt", die„Vosstsche" und die „Freisinnige Zeitung" gaben unsere Darstellung wieder und knüpften die Bemerkung daran, daß auch diese„Unstimmigkeiten" bewiesen, welche gründlicher Rachprüfung durch das Parlament die fahrlässig zusammengestoppelten Vorlagen bedürften. Die reaktionäre Presse schwieg sich aus und auch das offiziöse Organ blieb bis zum Mitt- wochabend stumm. Dagegen machte die„Kreuzzeitung" den Versuch einer Entgegnung. Dieser Versuch sieht so aus: „Mit wie wenig Weisbcit— große Blätter redigiert werden, zeigen„Vorlvärts" und„Berliner Tageblatt", die der Regierung in ihren Denkschriften zur Dcckungsvorlage„unerklärliche'Wider- spräche" nachweisen wollen, indem sie. veranlaßt durch einen allerdings mißverständlichen Ausdruck, zu erzählen wissen, einmal würde die Summe der fortlaufenden Ausgaben für t9t3 bis ISIS auf 393 Millionen Mark, dann aber nur auf 183 Millionen Mark angegeben. Der„Vorwärts" wittert hinter den höheren Summen noch„geheimnisvolle weitere Pläne". Das„Tageblatt" gibt gnädig die Möglichkeit„burcaukratischer Schlampcr-i" zu. Beide Blätter haben indessen in Wahrheit den Sinn der einen Berechnung gar nicht verstanden. Bei ihr handelt eS sich nämlich darum, die Höhe der laufenden Ausgaben überhaupt fest- zustellen, und dazu wird dann im einzelnen angegeben, welche Neuerungen bereits 1913 und welche 1914 und 1915 inS Leben treten, jedesmal unter Beifügung der betreffenden Kosten. Diese stellen sich dann von 1915 ab auf 183 Millionen jährlich. Das ist die Lösung des ganzen Rätsels!" Als Ivir diesen Erguß lasen, waren wir baff ob solcher Dreistig- kcit. Denn nicht eine Silbe von dem, was hier vorgebracht wird, ist richtig, wohl aber beweist der freiwillige Lffiziosus des führenden konservativen Organs, daß er die beiden Denkschriften nicht einmal angeblättert, geschweige denn gelesen haben kann. Denn: eS ist unwahr, daß die Summe von 183 Millionen die Ausgabe im BeharrungSzustand darstelle.' Diele beträgt vielmehr nach der Denkschrift(Aktenstück 879, Anlage 0. Seite 9 unten und 19 oben) 189 Millionen. Es ist unlvabr, daß„im einzelnen unter Beifügung der betreffenden Posten" angegeben wird, welche Ausgaben für 1914 und 1915 vorgesehen sind. Richtig ist vielmehr, daß in der erwähnten Anlage C die fortdauernden Kosten für das Jahr 1913 summarisch auf 54, das Jahr 1914 auf 153 und für das Jahr 1915 auf 186 Millionen, insgesamt also auf 393 Millionen angegeben werden, daß aber im Akten« stück 869 S. 29„im einzelnen" die Kosten beziffert werden aus 54 Millionen im Jahre 1913 und auf 129 Millionen in den Jahren 1914 und 1915, insgesamt also auf 183 Millionen, und daß eS zum Ueberfluß auf Seite 7 desselben Aktenstückes wörtlich heißt: „Die G e s a m t k o st e n für die Jahre 1913 bis 1915 be- laufen sich auf rund 183 Millionen fortdauernder Ausgaben(ein- schließlich Mindereinnahmen) und 884 Millionen einmaliger AuS- gaben." Der Versuch der„Kreuzztg.", das Rätsel zu lösen, ist also nichts als eine täppische Unwahrheit! Dagegen hat sich endlich auch die„Rordd. Allg. Ztg." zu einer Erklärung entschlossen, die wenigstens einen Zipfel der Geheimnis- krämerci lüftet. DaS offiziöse Blatt führt nämlich aus, daß der Widerspruch zwischen den Angaben der beiden amtlichen Aktenstück« daher rühre, daß die 12 9 Millionen Mehrausgaben für 1914 und 1915 nur die weitere Steigerung über die bereits 1913 eintretende Kostensteigerung hinaus bedeute. Eine wiche Berechnungsweise sei auch bereits im Jahre 1914 geführt worden. In der Tat: aber damals hatte das famose Verfahren auch in der Kommission allgemeine Ueberraschung und Entrüstung erregt, wie die Parteien sich bis zum Augenblick der Enthüllung hatten täuschen lassen. UnS selbst war dieser Trick schon damals freUich nicht verborgen geblieben, und auch diesmal vermuteten wir das gleiche Verfahren. Unsere Notiz verfolgte eben den Zweck, die Herren Offiziösen herauszulocken, was denn auch gelungen ist. Wenn wir also dem Geständnis der„Nordd. Allg." folgen, ergibt sich in Wirklichkeit wlgende Ausgabenberechnung: 1913(für Vi Jahr)... 54 Millionen 1914(für das ganze Jahr) 198, ISIS(„.,,) 103 279 Millionen dazu die weitere Steigerung für 1914 und-1915 mit 129 Millionen, insgesamt 399 Millionen. DaS deckt sich dann ungefähr mit den 393 Millionen des Akten- ftütfcs 879. Aber auch dann bleiben doch noch einige unbequeme Fragen übrig. Nach den Vorlagen werde» bereits am 1. Oktober 1913 die neugeforderten Mannschaften bis ans 15—16 999 Mann ein- gestellt sein. lBeweiS: Aktenstück 879, Seite 296.) Die Mehr- einstellung von 15—16 909 Mann kann doch aber nicht für die beiden Jahre 1914 und 1915 129 Millionen mehr erfordern, pro Jahr also 64'/� Millionen! Und wenn die„Nordd. Allg. Ztg." weiter ausführt, daß auch die Luftausgaben der Marine in Betracht kämen, so ergibt sich gerade aus dem Marineergänzungsetat und der ihm beigcgebenen Denkschrift, daß für die Jahre 1914 und 1915 ä in t l i ch e Mehrausgaben nur 16 Millionen betragen. Darunter befinden sich obendrein ganz überwiegend einmalige Ausgaben, die für die Erhöhung der fortdauernden Ausgaben doch gar nicht in Betracht kommen können, sondern höchstens die 14 Millionen betragende Differenz der einmaligen Ausgaben erklären könnten. Ein Ausgabepoften von rund 199 Millionen bleibt also noch immer völlig rätselhaft! WaS steckt also eigentlich dahinter? In einem zweiten Artikel freilich wehklagt da? offiziöse Organ über die„Sensationslust" gewiffer Blätter, die allzu intim in die Einzelheiten der Heeresvorlage hineinstiegen und dadurch dem AuS- land die Pläne Deutschlands verraten. Als ob nicht die Vor« lagen selbst, die dem Ausland doch wahrhaftig nicht verborgen bleiben, bei eifrigem Studium mehr als genug verraten. Und als ob nicht das auch in dieser Vorlage geflissentlich geschaffene Dunkel das Ausland viel mehr beunruhigte, als offenes AuS- prechen der vorhandenen Pläne! Wir verlangen jedenfalls, daß dem deutschen Volke klarer Wein darüber eingeschenkt wird, wohin die RüstungSprojckte denn eigentlich zielen. Deshalb erneuern wir unsere indiskrete Anfrage: Was hat eS mit den 199 Millionen auf sich, deren Verwendung bis jetzt schleierhaft geblieben ist?! Eine außerordentliche Zumutung. So nennt die„Frankfurter Zeitung" das Begehren der Offiziösen, die durch die Wehrvorlagcn dem deutschen Volke auferlegte Belastung widerspruchslos hinzunehmen.— Nach Nachweisen über die Dürftigkeit und Mangelhaftigkeit der Begründung sagt das Blatt:„DaS Ganze beweist nur, wie überstürzt alles gemacht ist, und wie eigentlich die Heeresverwaltung selbst überrascht worden ist und nun die Heber- raschung weitergibt in der Hoffnung, daß unter dem Eindruck dieser Ueberraschung die Kritik übcrrannt werden kann. Aber darin loird sie sich denn doch wohl irren; der Reichstag kann sich nicht mit einigen Redensarten begnügen, wo es sich um eine so kolossale Be» lastung handelt. Viel mehr aber als allgemeine Redensarten sind in der Begründung nicht zu finden. Die Verwirklichung der all- gemeinen Dienstpflicht ist ein sehr schönes Wort, aber unter ihrer Durchführung hat die Volkspartei, die sie zuerst forderte, etwas ganz anderes verstanden, als die jetzigen Machthaber. Sic setzte ihre Durchführung in einer für das Volk erträglichen Form mit einer viel kürzeren Dienstzeit voraus und mit einer Hcereöverfassung. die auch, im Heere Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit für alle Teile schafft. Davon ist aber leider keine Rede, und es wird nicht einmal der Versuch zu Reformen auf diesem Gebiete gemacht. Nach alledem sehen wir keinen Grund, bloß auf die Autorität der Rc- gicrung hin einer so ungemcffcncn RüstungSsteigerung zuzustimmen. Diese Autorität hat nach dem ganzen Verlauf der Angelegen- hcit recht wenig Halt, wenn man nicht etloa die Fehler unserer Diplomatie, die freilich auch Ivir nicht gering anschlagen wollen, noch als besonderes Argument ins Feld führen will.... Wir halten daher die Vorlage als Ganzes nicht für annehmbar." Protestkundgebungen gegen die Wchrvorlagc. In Frankfurt a. M. fanden am Dienstag abend vier stark besuchte Proteswcrsammlungcn gegen die Wchrvorlagc statt. Tie Rcfcrcntc»— die Rcichstagsabgeordnetcn Hüttmann. O u a r ck und Dr. W e i I l und Parteisekretär D i ß m a n n— übten unter lebhafter Zustimmung der Versammelten scharfe Kritik an der Militärvorlage, an den neuen Rüstungen. Eine Protestversammlung gegen den Rüstungswahnsinn veran- stalteten die Parteigenossen in E r f u r t am Montagabend. Genosie RciclMtagsabgeordncter Heinrich, S ch u l z° Berlin sprach über das Thema: Reue Rüstungen, neue Steuern. Der Redner deckte die treibenden Kräfte des unaufhörlichen Wettrüstens auf und hielt scharfe Abrechnung mit dem neuesten Produkt der vcr- bvecherischen Rüstungstreibcrei. Die gut besuchte Versammlung nahm eine die neue Wehrvorlage scharf verurteilende Resolution an. In Dresden tagten am Dienstag in neun der größten Lokale der Stadt und der näheren Umgebung überfüllte VolkSver- sammlungcn. Mehr als 29 999 Personen waren erschienen, um gegen den Rüstungswahnwitz zu protestieren. Die Referenten, vor- wiegend die sozialdemokratischen Reichstagsabgcordneten OstsachsenS, unterzogen die neuen Heeresfordcrungcn und Volksbelastungeu einer scharfen Kritik, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Eine scharfe Protestresolution gegen den Rüstungswahn- sinn wurde in allen Versammlungen angenommen. poUtifcbc Qcberlicbt. Berlin, den 2. April 1913. Gegen die Fideikommifse Aus dem Reichstag. Durch Teutschland zittert die Erregung über die ungeheuerliche Militärvorlage, die dem Reichstag vor einigen Tagen zugegangen ist, und auch das Ausland schaut niit spannungsvoller Erwartung auf die Volksvertretung des Deutschen Reiches. Aber enttäuscht wird man die Verhandlungen über die erste Sitzung des Reichstags, die am Rlittwoch nach langer Osterpause wieder abgehalten wurden, beiseite legen. Ver- geblich sucht man darin auch nur ein Wörtlein, das mit den furchtbaren Kriegsrüstungen Deutschlands in Verbindung ge- bracht werden kann. Mit behaglicher Breite erörterte der Reichstag eine Angelegenheit, die gewiß auch von Bedeutung ist, die aber ebensogut einige Wochen oder Monate später statte bestandeit werden können, wenn der Zufall und die Ge- schäftsordnung sie nicht gerade ans die Tagesordnung dieser Sitzung gesetzt hätten. �. Es war ein Sclstverinstag, und die Freisinntgen waren an der Reihe, einen Initiativantrag zur Beratung zu stellen. Sie ließen durch Gotbein in einer sachkundigen Rede das Ersuchen an den Reichskanzler begründen, baldigst einen Gesetzentwurs vorzulegen, durch den die F i d e i k o m m i s s e beseitigt werden. Mit Recht wies der freisinnige Redner darauf hin, daß die Familienfideikoinmisse kein eigentliches deutsches Gewächs seien, sondern daß man sie aus anderen Ländern importiert habe. Wenn sie sich dennoch in Deutsch- land und besonders in Preußen so gut entwickelt haben, so liege das daran, daß die herrschenden Gewatten in Preußen- Teutschland, das ostclbische Junkertum und seine Gesinnungs- genossen im übrigen Deutschland, das fremdländische Gewächs aus Standesdünkel und Eigennutz sehr fleißig gepflegt haben. Die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion zum freisiiuligeu Antrag begründete Genosse H i c r l mit wert- vollem Zahlenmaterial und kräftigen Hieben auf die«Iln- eigennützigkcit" der Großgrundbesitzer. Er ging aber über die freisinnigen Anregungen hinaus, indem er die lieber- nähme des Grund und Bodens in den Besitz der Gesamtheit als Ziel der zukünftigen Entwickelung aufstellte. Auch der uationalliberale Redner Thoma, der Vertreter des ober» bayerischen Allgäu, trat für die Beseitigung der Fideikom- misse ein und fand hierzu so kräftige Worte, daß dem nicht- anwesenden Fideikommißbesitzer im bayerischen Allgäu, dem nattonalliberalen Lederkönig Heyl zu Hcrrnssteini, die Ohren geklnngeii haben werden. Auch mit seiner Bemerkung, daß unter den„lebenslänglichen" bayerischen Rcichsräten sowohl solche seien, die sich um das Vaterland verdient gemacht hätten. als auch solche, die a in Vaterland verdient hätten, fand der Redner Zustimmung auf der ganzen Linken des Hauses. Sehr belustigend war die Haltung der blauschwarzen Koalition. Obwohl der bayerische Zentrumsmann Heim, der von der Landwirtschaft etwas versteht, mehr als einmal die Schädlichkeit der Fideikommisse nachgewiesen hat. worauf Ge- nosse Hierl das Zentrum nocki ausdrücklich aufmerksam ge- macht hatte, verkroch liest Herr S p a st n hinter leere juristische Ausslücstte, um der Zusttmmnng zu dem freisinnigen Antrag auszuweichen. Roch ergötzlicher war die Haltung des Kon- servativen Dietrich, der durch sein Verlcgenheitsgestannnel sichtbarlich verriet, wie sauer ihm die Verteidigung der Fidei- kommißwirtschast wurde. Stach einigen polemischen Bemerkungen des Freisinnigen D o v e und unseres Genossen B e r n st c i n wurde der frei- sinnige Antrag mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Frei- sinnigen, Nationalliberalen und einiger Außenseiter auf der Rechten angenommen. Der Bundesrat wird sich natürlich be- eilen, diesem Wunsche des Reichstags zu entsprechen!— „Beratung" bcö Kultusetats. Der Bruch der Geschäftsordnung, der die Beratung des Kultus- etatS im Abgeordnetenhaus« einleitete und über den wir an anderer Stelle ausführlich berichten, wird das von der Mehrheit erwartete Resultat nicht zeitigen. Die Verhandlungen werden dadurch, wie der Verlauf der Mittwoch» Sitzung lehrt, nicht nur nicht abgekürzt, sondern vielleicht sogar noch verlängert werden. Die Gründlichkeit der Debatten aber wird darunter leiden, wichtige Fragen können überhaupt nicht erörtert werden, andere werden künstlich auseinander» gerissen. Während bei jedem anderen Etat die Möglichkeit besteht, bei dem Titel.Minister' alle zum Nessort des betreffenden Ministers gehörenden Punkte zu behandeln, und während sich sonst die Gepflogen- heit herausgebildet hat, erst nach Beendigung der Generaldebatte das Gehalt zu bewilligen, machte es die Mehrheit des Dreiklaflen- Parlaments Herrn Trott zu Solz recht leicht. Dieser schwärzeste und reaktionärste Mann in der Regierung braucht um die 50 000 M., die ihm für seine unfruchtbare Tätigkeit gezahlt werden, nicht lange zu kämpfen, man bringt es ihm förmlich auf dem Präsentierteller entgegen, man ist von seiner Unentbchrlichkeit so überzeugt, datz man ihm ohne nennenswerte Diskussion sein Gehalt gibt. Erst bei dem Abschnitt.Kultus und Unterricht' setzte eine lebhaftere Debatte ein. Anfangs freilich schien es, als ob die Mehrheit auch hier jeder grundsätzlichen Aussprache aus dem Wege gehen wollte. Herr Dittrich vom Zentrum klagte, wohl weniger weil ein Grund dazu vorliegt, als, weil es nun einmal zum Programm gehört, über Zurücksetzung der Katholiken, Herr C a s sie l regte die Unterstützung bedürftiger Synogogengemeinden an und einige andere Redner verbreiteten sich über die Frage der Verlegung des Osterfestes. Erst durch das Eingreifen unseres Genoflen H o f f m a n n erhielt die Debatte einen Zug ins Große- Was unserem Redner bei dem Titel.Minister' widerrechtlich ver- boten war. das holte er nun gründlich nach. Mit treffenden Argumenten und feinem Spott begründete er die Forderung der Sozialdemokraten auf Trennung von Kirche und Staat; unter Schilderung des Verrats, den das Zentrum auch in dieser Frage geübt hat, trat er für die Befreiung der Dissidcntenkinder vom Religionsunterricht ein, und mit bitterem SarkaSmuS knöpfte er sich Herrn Cassel vor, den typischen Repräsentanten jener Sorte von Juden, die in der aufdringlichsten Weise und unter fortgesetzter Betonung ihrer eigenen Person den Staat im Namen des Judentums um eine kleine Gabe anschnorren, anstatt für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden zu känipfen. Wenn Herr Casiel, der diese Abkanzelung wegen seiner hurropatriotischen Phrasen in der Stadtverordnetenversamm» lung und im Landtag reichlich verdient hat, sich nicht besser zu helfen wußte, als dadurch, daß er unseren Genoflen des Antisemitismus zieh, so prallen solche Vorwürfe an der Person HoffmannS ab. Will Herr Cassel die Leute kennen lernen, die den Antisemitismus züchten, so möge er in den Spiegel blicken. Am Donnerstag wird die Beratung fortgesetzt. Ter Arbeitsplan des Reichstags. Nach den Beschlüssen des Seniorenkonvents bleibt der Freitag sitzungsfrei. Sonnabend sollen kleinere Vorlagen, eventuell die Beihilfe für die Veteranen auf die Tagesordnung gesetzt werden. In der Sitzung, die die Budgetkommission Freitag vormittag abhält, tvird Staatssekretär v. Jagow Er» klärungen über die auswärtige Politik abgeben. - Montag beginnen im Plenuni die ersten Lesungen über die Heeres- und Steuervorlagen. Sie sollen durch eine Rede des Reichskanzlers eingeleitet werden. Die Debatte wird ge- trennt, zuerst über die militärischen und dann über die Deckungsgesetze geführt werden. Man rechnet, daß die Be» ratungen die ganze Woche in Anspruch nehmen werden. Beide Vorlagen sollen dann an die Budgetkommission gehen. Hier- auf gelangt im Plenum der Militäretat, der unterdessen in der Kommission durchberaten werden soll, auf die Tages- ordnung, und man niinmt an, daß der Gesamtetat bis Pfingsten erledigt werden wird. Die Pfingstferien sollen spätestens am 3. Mai, möglichst aber schon vor dem 1. Mai eintreten. Der ursprüngliche Plan der Regierung, die ungeheuerlichen Vorlagen noch vor Pfingsten im Reichstage durchzupeitschen, hat sich also, wie die Regierung inzwischen wohl selbst eingesehen hat, als undurchführbar herausgestellt. Tas Wahlurnengesetz. Dem Reichstage ist am Mittwoch der Gcsctznttwurf über die Beschaffenheit von Wahlurnen zugegangen. Ter§ 11 Absatz 2 des Wahlreglcments wird wie folgt geändert: „An diesen Tisch sWahlttsch) wird ein verdecktes Gesäß sWahlurne) zum Hineinlegen der Stimmzettel gestellt. Die Wahlurne muß viereckig sein. Im Innern gemessen, muß ihre Höhe mindestens 90 Zentimeter und der Abstand jeder Wand von der gegenüberliegenden Wand mindestens 35 Zentimeter betrafen. Im Deckel muß die Wahlurne einen Spalt haben, der nicht breiter als 2 Zentimeter sein darf und durch den die Umschläge mit den Stimmzetteln hineingesteckt werden müssen. Vor dem Beginn der Abstimmung hat sich der Wahlvorstand davon zu überzeugen, daß die Wahlurne leer ist. Von da ab bis zur Herausnahme der Umschläge mit den Stimmzetteln nach Schluß der Abstimmung fcars die Wahlurne nicht wieder geöffnet werden.' In der Begründung wird darauf hingdtvicsen, daß der Reichs- tag mehrmals nahezu einstimmig Resolutionen seine Zustimmung gegeben hat, in denen die Anschaffung solcher Wahlurnen gefordert wird. Es wird zugegeben, daß durch die Verwendung nicht gc- eigneter Gefäße als Wahlurnen das Wahlgeheimnis in Frage ge- stellt werden kann. Zigarrenkisten, Suppenterrinen, Hutschachteln usw., wie sie bisher in einzelnen Wahlortcn verwendet worden sind. werden als durchaus ungeeignet bezeichnet. Es ist aber davon ab- gesehen worden, die Einführung bestimmter, einheitlicher Wohl- urnen vorzuschexjbx„. g[aus,tc sich darauf beschränken zu sollen, bestimmte Mindestmaße festzusetzen. Die Wahlurne kann also größer sein, auf keinen Fall darf sie aber kleiner sein, als wie dieses Geis? sie vorschreibt. In der Vorlage ist eine solche Wahl- urnc abgebildet. Ter Preis einer solchen stellt sich auf 4,00—6,30 Mark. In Rücksicht auf die geringen Kosten sollen die Gemeinden verpflichtet webde». diese Urnen aus ihren Mitteln anzuschaffen. In dem Wahlprotokoll muß künftig ausdrücklich bemerkt sein, wie boch und wie breit die Wahlurne war. Nach Ansicht der Regierung iit es bei Urnen von dieser Größe unmöglich, daß die Wahlkuvcrts aufeinandcrgcschlchtet sein können; vielmehr sollen Proben ergeben haben, daß die Wahlkuverts derart durcheinander gerüttelt werden, daß eine Kontrolle über die Abstimmung der einzelnen Wähler vollkommen ausgeschlossen erscheint. Der Herr Minister des �»er«. Der Ätadt Kiel>>t im Jahre 1398 durch die preußische Regie- rung die königliche Pol>zei aufgezmungen worden.?iach einem Regulativ des Ministers des Innern sind der königlichen Polizei folgende Funktionen übertragen worden: 1. Die Aufrcchtcrhaltung der öffentlichen Ordnung. Ruhe und Sicherheit auf den öffentlichen �trahcn, Piähen uirb Wegen sowie anderen Orten öffentlicher Art, einschließlich des Kachtwach. dienstes. 2. Das Preß-, Vereins- und VersammlungStvesen. 3. Tie Fremdenpolizei, einschließlich des polizeilichen Melde» Wesens. 4. Die Kriminalpolizei. 5. Die Sittenpolizei. 6. Die Gcwcrbepolizci. 7. Die Ausstellung von Jagdscheinen. Im vorigen Jähre hat nun das Obervcrlvaltungsgcricht in einer Geiverbesachc als oberste Instanz ein Urteil gefällt, aus dem hervorgeht, daß der Minister für die Königliche Polizei zuviel Macht in Anspruch genommen hat. Das Oberverwalwngsgericht hat nämlich entschieden, daß die Königliche Polizei in Kiel für Gewerbefachen nicht zuständig sei. Es beruft sich auf den Absatz 3 des 8 89 der schleswig-holsteinischen Städtcordnung, in dem es heißt: „Dem Minister steht mit den in der angedrohten Vcrord- nung, namentlich in KK 2 und 3,. bezeichneten Maßgaben, die Be- fugnis zu, in Festungen und in Städten von mehr als 10 000 Einwohnern die Sichcrheitspolizeit, insbesondere die Strafver- folgung von Kriminal- und Polizeivergehen einer besonderen Staatsbehörde oder einem besonderen Staatsbeamten zu über- tragen. Aus dringenden Gründen kann zeitweilig die- selbe Einrichtung auch auf andere Zweige der Ortspolizei aus- gedehnt und ganz oder teilweise auch in Städten anderer Kate- gorien eingeführt werden. Im Falle der Teilung der Ortspolizei normiert ein von dem Minister festzusetzendes Regulativ die Grenzen der Kompetenz." Das heißt, der Minister des Innern hat nur das Recht, die Funktionen der Sicherheitspolizei für die Königliche Polizei dauernd in Anspruch zu nehmen, will er es auch für andere Polizeigebiete, kann es nur zeitweilig geschehen. Gewerbepolizei, Jagd- Polizei und Sittenpolizei gehören aber sicher nicht zur SicherheitS- Polizei. Der Tätigkeitskreis der Sicherheitspolizei ist vielleicht noch enger zu ziehen, denn das Urteil des Oberverwaltungsgerichts will ausdrücklich den Begriff der Sicherheitspolizei im Sinne der schleswig-holsteinischen Städteordnung eng aufgefaßt wissen. Es sagt nämlich, er bedeute nur den Schutz der Rechtsordnung gegen Verletzung durch einzelne Personen. Die sozialdemokratische Fraktion hat sofort nach Bekannt- werden des Urteils den Magistrat interpelliert, ivaS er zu tun ge- denke, um die der Stadt zustehenden Polizei befugnisse wieder zu erlangen. Der Oberbürgermeister erklärte im Namen des Ma- gistrats, daß dieser nach Einsichtnahme in daS schriftliche Urteil die sich aus dem Urteil ergebenden Konsequenzen prüfen werde. Recht unangenehm war dem Minister des Innern das Urteil. Er rief das Obervcrwaltungsgericht zu einer zweiten Entscheidung an, aber die Plenarkammer des Gerichts hat das erste Urteil be- stätigt. Bei der Etatsberatung Ende Februar d. I. setzte nun die sozialdemokratische Fraktion einen Antrag durch, in dem der Ma- gistrat ersucht wird, für eine möglichst baldige Regelung der staat- lichcn und städtischen Polizei entsprechend der vom Oberver- waltungsgericht aufgestellten Grundsätze einzutreten. Man sollte nun meinen, in einem Rechtsstaate hätte der Mi- nister nichts Eiligeres zu tun, als alle Matznahmen zu treffen, daß die Stadt Kiel sobald wie möglich in den Besitz der ihr zu- stehenden Rechte käme. Aber wir leben in Preußen, und es ist nicht das erstemal, daß ein preußischer Minister glaubt, seine An- ficht gelte mehr, als die der höchsten Gerichte. Der Minister hat nicht der Königlichen Polizei die ihr nicht zustehenden Polizeiob- liegenheiten genommen und sie wieder an die Stadt Kiel zurück- gegeben; er hat vielmehr ganz in der Stille ein neues Regulativ erlassen, durch das die Tätigkeitsgebiete, die noch dem Urteil des ObcrverwaltungsgcrichtS der Stadt zustehen, ab 1. April 1913 der Königlichen Polizei z c i t w ei l i g übertragen wird. 15 Jahre lang hat der Minstier ungesetzlich für die Königliche Polizei ge- wisse Polizeibefugnisse in Anspruch genommen, und nach Ablauf von 15 Jahren werden ihr diese Befugnisse nun„nur zeit- w e i l i g" übertragen. Das ist eine recht bequeme Art, den Forde- rungen der schleswig-holsteinischen Städteordnung zu entsprechen. Die Absicht des Ministers ist aber klar. Er will Zeit gewinnen, um eine Acnderung der schleswig-holsteinischen Städteordnung durch die gesetzgebenden Körperschaften durchzusetzen. Die Be- stimmungen, die die Grundlage für die Erkenntnisse des Ober- Verwaltungsgerichts bilden, sollen beseitigt werden, damit der Herr Minister seinen Willen durchsetzt. Gegen Recht und Gesetz. Daß Behörden und Regierungen selbst vor Gesetzes- beugungcn nicht zurückschrecken, wenn es sich darum handelt. Wahlentrechtungen durchzudrücken, hat sich jetzt im Königreich Sachsen gezeigt. Im 8 65 der für diesen Staat geltenden Land- gcmcindcordnung wird ausdrücklich bestimmt, daß zur Fassung gültiger Beschlüsse die Anwesenheit von min- bestens zwei Drittel aller Gemcinderatsmitgl ie- der erforderlich ist. Als nun kürzlich in Reichenbrand eine Verschlechterung des Gemcindelvahlrechts durchgedrückt werden sollte, verließen, um das zu verhindern, 5 Gemcindcvertrcter die Sitzung, während 2 entschuldigt fehlten, so daß weniger als zwei Drittel der Gcmeiudcratsmitglicdcr bei der Abstimmung anwesend waren. Dennoch wurde abgestimmt und trotz der Beschlußunsähigkcit das verschlechterte Wahlregulativ auch publiziert. In der Meinung, der Amtshauptmannschaft sei die Bcschluß- unfähigkeit des Gemeinde rats bei der Genehmigung des neuen Ortsgesetzes nicht bekannt gewesen, richtete ein Gemeindcratsmit- glied gegen das ungesetzliche Versahren eine Beschwerde an diese Instanz, mutzte aber bald durch ein Antwortschreiben der Amts- hauptmannschaft erfahren, daß ihr alles bekannt sei, nach ihrer Ansicht aber keine Bcschlußunfähigkcit, sondern nur Stimmcnthal- tung von 5 Mitgliedern vorliege. Und das, obwohl schon eine halbe Stunde vor der Abstimmung diese 5 Vertreter fchlteu und daher eine zur Beschlußfähigkeit erforderliche Anzahl lange vorher nicht mehr vorhanden war. So unglaublich diese Entscheidung ist, weil sie in direk- tem Widerspruch mit dem Wortlaut des 8 65 der Landgemcindcordnung stand, wurde sie doch sowohl von der Kreishauptmannfchaft wie vom Ministerium des Innern bestätigt. Klerikale Kampfesweise. In der Nummer 199 der„Koblenzer V o I ks z ei tu n g", Organ des Rcichstagsabgeordnctcn für Cleve- Geldern, Dr. Marcour, findet sich ein aus Vallendar eingesandter Artikel folgenden Inhalts: „Wohl selten hat den Herren Stadträten von hier ein solch interessanter Gegenstand zur Verhandlung gestanden, wie ihn die Tagesordnung für die Stadtverordnetcnsitzung am kommenden Mittwoch, den 2. April, anzeigt. Man glaubt seinen Augcn�kaum trauen zu können, und doch ist es Tatsache, daß auf der TageS- ordnung unter Punkt 10 folgendes zu lesen ist:„Antrag des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahltreis Koblcnz-St. Goar auf Ucberlassung des städtischen Marktplatzes hier zu Versammlungen'. Dieser Antrag an unsere Stadtväter ist wahrhaftig einer besonderen B«. lcuchtung wert. Kein Wirt der ganzen Stadt kann sich cnt- schließen, den Sozialdemokraten sein Lokal zur Verfügung zu stellen; da soll nun die Stadt als solche rettend eintreten und denselben Redegelegenhcit diesen? Jeder nur halbwegs patrio- tische und religiös denkende und fühlende Bürger empfindet es als eine Schmach und weist es mit der größten Ent- schicdcnheit zurück, der Sozialdemokratie zwecks Versammlung Grund und Boden zu überlassen. Wenn die Stadt bisher, soweit in ihren Kräften lag. sich nach allen Seiten hin um die Hebung der vaterländischen Gesinnung bemüht hat, soll sie nunmehr die Hand reichen und dem Umsturz die Wege ebnen! Man weiß nicht, ob man mehr die Keckheit der Antragsteller belachen oder deren Kurzsichtigkcit bemitleiden soll. Selbstverständlich erfährt der Antrag bei allen Stadträten ohne Ausnahme eine platte Abfuhr. Solche Pläne der Sozialdemokratie sind hier nun doch verfrüht, wenn nicht überhaupt verfehlt; sie sind geeigneter als jedes andere Mittel, die Stadträte auf die Gefahr der Sozialdemokratie aus- merksam zu machen und zur Ergreifung entgegen- gesetzter, energischer Maßnahmen zu veranlassen." Diese schönen Bekenntnisse einer klerikalen Seele sind überschrieben mit den Worten:„Niedriger hängen!" Damit hat sich das Koblenzer Käseblatt unbeabsichtigt selber das Urteil gesprochen._ Der Breslauer Freisiuu hat sich von dem Verdacht eines Paktterens mit der Sozialdemokratie völlig gereinigt. Er erklärt auf eine konservative Anzapfung hin, daß er die kürzlich erwähnte Wahlmännerverpflichtung wie folgt ge- ändert habe: .Ich bin bereit, ein Mandat als Wahlmann der dereinigten liberalen Parteien anzunehmen und meine Stimme sür die drei liberalenKandidaten abzugeben.' Die erste Fassung ließ bekanntlich die Möglichkeit zu. einen Sozialdemokraten und zwei Liberale zu wählen. Ein konserbattvcr Hinweis hat jedoch genügt, um die Fortschrittler ihre gänzliche Un- schuld beteuern und schriftlich fixieren zu lassen. Selgieu. Louis Bcrtrand über den Generalstreik. Man schreibt uns aus Brüssel: LouiS Bertrand, einer der ältesten, bekanntesten Führer der belgischen Arbeiterpartei, der im Generalstreilkomitee mit De Broncköre und Vandervelde die Meinung der Minorität vertrat— keinen Generalstreik für den 14.'April—, äußert sich in einem.Der Generalstreik— unvermeid- lich' überschriebenen Artikel im.Peuple' u. a. folgendermaßen: Zwei Gründe bestimmten meine Haltung: Erstens, daß der Ausbruch eines Generalstreiks nur erfolgen soll, wenn eine Situation hoffnungslos ist. Daran glaubte ich nicht. Ich glaubte und glaube noch, daß die Sache der Revision und des gleichen politischen Rechts die Mehrheit des Landes für sich hat, daß sie Anhänger in allen drei Parteien hat und daß unter diesen Um- ständen der Widerstand der Regierung nicht lange dauern kann. Der zweite Grund waren die traurigen Erinnerungen, die die Ereigniffe von 1902 in mir zurückgelassen haben. Aber die Arbeiterklasse hat anders entschieden— 1800 Delegierte haben ihre Meinung kundgetan. Als disziplinierter Soldat der Partei beuge ich mich ihrem Willen. »» * Der Generalstreik, das steht außer allem Zweifel, wird also am 14. April beginnen. WaS den Charakter dieses Streiks betrifft, so muß man anerkennen, daß er völlig anders sein wird, als der von 1902. Bertrand erinnert dann weiter an die Zusammen» stöße mit der Gendarmerie bei den Manifestationen von 1399, die blutige Opfer für die Hauptstadt und die Provinz im Gefolge hatten. Damals wurde der Generalstreik am 13. April beschlossen und be- garat den folgenden Tag. Von Vorbereitung war keine Rede. Er setzte mit einer Bewegung des Zornes und der Verzweiflung ein. 1913 wird das ganz anders sein. Der Streik ist von langer Hand vorbereitet. Die Arbeiter haben Ersparnisse. Man will ihn ruhig und friedlich. Und die Ärbeitcrklaffe ist ernsthafter organisiert als vor 13 Jahren. Die Sache der Arbeiter findet Sympathie bei der Masse der Bevölkerung und die Erregung der Bevölkerung wird sich nicht gegen die Kämpfenden wenden, die mit einem Streik für eine gerechte und populäre Reform eintreten, sondern gegen die Herrschenden, die sich einsichtslos und unversöhnlich gezeigt haben. Dänemark. Die Bcrfasiungsresorm in der Kommission des Herrenhauses. Kopenhagen, 30. März.(Eig. Ber.) Di« Kommission der Ersten Kammer des dänischen Reichstages hat nunmehr ihren Bericht über die von der Zweiten Kammer beschlossene Ver- fasiungsrevision fertiggestellt. Länger als 4)4 Monate wagten es die konservativen Helden nicht, die Angelegenheit zu verschleppen, und nachdem sie die Erfahrung gemacht hatten, daß die militaristische Hetze die VerfassungSrcform nicht aus der Welt bringen konnte, haben sie wohl oder übel ein„Ergebnis ihrer Beratungen' heraus- destillieren müssen. Dies„Ergebnis" gipfelt, wie nicht anders zu erwarten war, in einer Ablehnung der von der Zweiten Kammer angenommenen Regierungsvorlage. So weit daS Wahlrecht zur Zweiten Kammer in Betracht kam, hat die Kommissions- Mehrheit sich mit der Wahlberechtigung der Frauen abgefunden, auch gegen die Verlängerung der Legislaturperioden von 3 auf 4 Jahre hat man nichts einzuwenden. Dagegen lehnen die Herrschaften die Herabsetzung dcS wahlberechtigten Alters von 30 auf 25 Jahre ab. Weiter fordern sie die Einführung des Proportionalwahlrechts, womit nach schwedischem Muster eine Sicherung der konservativen Vertretung in der Zweiten Kammer erzielt werden soll, ohne daß ihre Herrschaft in der Ersten Kammer erschüttert wird. Hlnsichtlich der E r st c n Kammer lehnen sie die gange Vor- läge der Regierung ab, und ihre neuen Vorschläge bedeuten mehr eine Konservierung dieses rudimentären Organ? in reak- tionärcr Richtung als eine Demokratisierung. Selbst eine schein» demokratische Reform wünschen die Konservativen nicht. Die Vor- Herrschaft der Ersten Kammer soll aufrechterhalten werden, darauf läuft das Ganze hinaus, und zwar einer aus reaktionärer Mehrheit zusammengesetzten Ersten Kammer. Die Herrenhäusler wollen von ihrer Macht nichts herausgeben, das ist kurz der Sinn der neue» Vorschläge. Die Mehrheit ist jedoch nur recht gering. Nur eine Stimme mehr als die Minderheit. Diese letztere hat die Stellung der Mehrheit rundweg abgelehnt und die Erklärung hinzugefügt, daß die Mehrheitsvorschlägc sich nicht einmal zu einer Grundlage für Verhandlungen eignen. Das ist reiner Wein und das Plenum muß nun entscheiden, ob es mit der Minderheit die Grundsätze der Regierungsvorlage annehmen oder dem reaktionären Anschlag der Mehrheit folgen will. Die Mehrhcitsverhältnisse im Plenum sind ebenso wacklig wie in der Kommisiion. ES handelt sich ledig- lich um einige wenige unsichere Kantonisten, die den Ausschlag nach der einen oder anderen Iseitc geben können. Im Ablehnungsfall« hat die Regierung die Möglichkeit der Auflösung der Ersten 5wmmcr in der Hand, um die Durchführung der notwendigen Reform zu erzwingen. Ob sie diesen Weg zu gehen bereit ist, wird die nächste Zukunft lehren. GewerhrcbaftUcbea. Scbrcckcnshcrrfcbaft in Tirginicti. Ein Kriegsgericht haben die Grubenbarone von West- dirgiinen einsetzen lassein um unter Umgehung der nicht iinmcr zuverlässigen Geschworenen die Partei- und Gcwcrk- schasrsbewegung in dein südlichen Dcinenstaate im Blute zu ersticken. Tie technische Handhabe zur Entfesselung der mili- tärischen Bluthunde wurde durch Provozierung sogenannter Strcikkrawalle und eine„Proklamation" des Staatsgouver- ncurs, die den Belagerungszustand über den ganzen Staat verhängte, kinderleicht beschafft. Nicht weniger als 80 Arbeiter und Parteigenossen sind eingekerkert, und unter den verhaßten Agitatoren, denen der Galgen zugedacht ist, bc- findet sich die 00jährige„Mutter" Jones, eine iin ganzen "an de verehrte Parteigenossin, die im Auftrage der sozialisti- scheu Parteileitung als Rednerin nach dem Virginischen Streik- rcvier geeilt war. Sämtliche 80, einschließlich der von bürger- lichen Blättern als„Engel der Bergleute" bezeichneten greisen Jdealistin, sind des Mordes bezichtigt, und es ist kern Zweifel, daß es sich hierbei um eine riesige Lockspitzelschufterci des berüchtigten„Detektivs" Burns und seiner Gesellen han- dclt, die mit einer Handvoll womöglich betörter armer Teufel jetzt zugleich Dutzende anderer, deren ganzes Verbrechen in der Organisierung der Grubensklaven bestand, an den Galgen bringen wollen. Aus Pratt, dem Sitze des Kriegsgerichts, wurde am 9. März berichtet, daß das„Gericht" ein„volles Geständnis" seitens eines Mannes von der Burnsschen Detektivagentur erlangt habe, der, mit der Mitgliedskarte des Bergarbeitcrverbandes in der Tasche, an den„Krawallen" und„Verschwörungen" der Ausständigen teilgenommen habe und als„Täter" außer Mutter Jones die bekannten Sozia- listen Charles Boswelt(Redakteur des in Charleston er- scheinenden Parteiblattes„Labor Argus"), John Brown und George Parsons(Parteikandidaten bei den verflossenen WaH- len) sowie sieben Streikende, die sich säintlich unter den Ge- fängenen befinden, bezeichnete. Mit diesem„Geständnis" des Lockspitzels hofft man alle 80 inhaftierten Arbeiter und Genossen„überführen" zu können! Der Burnsagent will nicht nur an den Zusammenstößen vom. lO. Februar, die nach Bekundungen von Augenzeugen durch die Privatsoldateska der Grubenkapitalisten herbeigeführt wurden und den Tod von HC Personen, fast durchweg Streikenden, zur Folge hat- ten, beteiligt gewesen sein, sondern er erzählt zudem von steuerlichen Komplotten der Agitatoren und Streikenden. nach seinen detaillierten Schilderungen ganz geschäftsmäßig- parlamentarisch beschlossen und arrangiert, So wurden, wie Smith— der Name des Buben— dem Kriegsgericht„enthüllte". Pläne für die Dynamitierung eines Militärzuges geschmiedet. Agenten der„Verschwörer" hätten das Dynamit von Charlcston nach der mitten inr Grubenbezirk gelegenen Bahnstation Hainford gesandt, und„Streikführer" wären dann in diese Station eingebrochen und hätten sich in den Besitz des Sprengstoffs gesetzt, um es auf der Bahnstreckc. die der Militärzug zu passieren hätte, zu verteilen und sich selbst mit einer Anzahl Streikender schwer bewaffnet im nahen Gebüsch auf die Lauer zu legen. Tatsächlich wurde aus der Strecke Dynamit„gefunden"._ Drei Militärzüge benutzten die Gleise, und jedesmal brachte der Leuker des Zuges seine Maschine zeitig zum Still- stand, um den von dein Detektiv„gewarnten" Patrouillen Gelegenheit zu geben, das Tynämit zu„entdecken". Solche ..Dynamitfunde" in Streikzeiten waren es bekanntlich, die den Präsidenten Wood vom Wolltrust in Neuengland eine Anklage, auf Anzettelung der Dynamitereien zwecks Tis- krediticrung der streikenden Weber von St. Lawrence lautend, einbrachten und die für einen Komplizen des Trustmagnoten, Broon, eine wenn auch viel zu milde Strafe im Gefolge hatte, der sich ciit�Tritter im kapitalistischen Bimde der Dynamitar- den durch Selbstmord entzog. Von sich selber sagt der Schurke Smith, daß die Streiker seine Erschießung beschlossen hätten, nachdem ihn unser Genosse Brown zutreffender- weise als � Spitzel bezeichnet hatte. Lassen nun schon alle bisherigen Vorgänge iin westvirginischen Kohlenlande keinen Zweifel darüber, daß es auf eine Massenschlächterei unter den Sozialisten und Gewerkschaftlern des Staates ab- gesehen ist, so irniß man die Leidensgeschichte dieser Gruben- sklavcn und die himnielfchrciende Korruption in der Verwal- tung dieses alten Sklavenstaates kennen, um die Lage un- serer dortigen Genossen und die den tapferen Kämpfern drohenden Gefahren zu verstehen. Die barbarischste Neger- sklaverei erscheint gegen die Mißhandlung dieser durchweg land- und sprachenfremden, völlig hilflosen Grubenheloten durch das Ijonkeekapital fast wie eine menschenfreundliche Institution. Die Unglücklichen müssen in elenden Baracken bansen, von denen selbst bürgerliche Zeitungen New Jorks schreiben, sie würden den reichen Leuten der Metropole nicht gut genug als Hundeställe sein; ihren armseligen Lohn muß- ten sie in den Wucherläden der Grubenherrcn umsetzen, die sie in beständiger �chuldknechtschaft hielten. Ermittierungen der Proletarierfamilien waren an der Tagesordnung. Seit Monaten haust ein großer Teil der Arbeiter mit Weib und Kind in improvisierten Zeltbauten, nachdem sie zu Beginn des Ausstandes auf bestialische Weise auf die Straße getrieben waren. Sogar unschuldige Kinder und kranke Frauen wurden niedergeknallt, und wer murrte, flog anstatt auf die Straße in das Gefängnis. Wenn der flammende Protest der Ar- beiterklasse es nicht verhindern kann, so werden die Gruben- barone von Virginien demnächst ihre Untaten mit einem so unerhörten Verbrechen kröne», wie es selbst in den Blut- a, malen des amerikanischen Kapitalismus noch nicht dage- Wesen ist. Berlin und Umgegend. Offensive der Berliner Malergehilfen. Eine gester» abend in der„Neuen Welt" stattgefnndene, stark besuchte Mitgliederversammlung des Malcrverbandcs beschloß, im Laufe der Woche allen denjenigen Firincn der Branche, die an der Aussperrung sich nicht beteiligt, die Forde- rungen der Gehilfen aber auch nicht bewilligt haben, den Sondertarif vorzulegen. Ueber diejenigen Firmen, welche den Sondcrtarif nicht anerkennen, soll nach erfolgter Zn- stimmung der Ortsverwaltung die Sperre verhängt werden. Die Arbeitgeber zum Gärtnerstreik. T-cr..Arbeitzcberschiitzrcrband der gärtnerischen Betriebe von Berlin und Ningcgend" hielt om Montag eine Hauptversammlung «b. Im Verlauf der Tagesordnung vertrat Herr Gärtncreibcsitzer Koschel einen Antrag des Ausschusses, den Mitgliedern zu emp- fehlen, die 1 ls st ü n d i g c Arbeitszeit einzuführen, wobei d? c Festsetzung der Arbeitsstunden dem Arbeitgevcr üverlassen ZLeräntw. Redalt.: Alfred Wielepp, NeuköllnTLnseratenteil verantw.: werden müsse.' In einer lebhaften Debatte betonte eine starke Minorität, daß man auf die elfftündrge Arbeitszeit der Eigen- artigkeit der Betriebe wegen nicht verzichten könne. Von anderer Seite wurde behauptet, man könne mit iOVi Stunden dann aus- kmnipcn, wenn man nur vis 7 Uhr durcharbeitet und eine halbe stunde Mittagspause freigebe. Ein Ausgleich der Meinungen konnte nicht herbeigeführt werden. Jedoch fand die Empfehlung des Ausschusses eine Mehrheit. Es wurde avcr noch hinzugesetzt, daß dieser Vorschlag sich nicht darauf erstrecken soll, die Feier- abendstundc aus 6'-: Uhr festzusetzen, so daß auch die Freunde der zehnslündigew Arbeitszeit im Sommer bis 7 Uhr arbeiten lassen. Im Winter soll schon in den meisten Betrieben die zehnstündige Arbeitszeit eingeführt sein._ Deutfehes Reich. Lohnkämpfc im Gärtnergcwcrbe. Der Streik in den Baumschulen in Elmshorn(Holstein) wurde erfolgreich durch Berhandlungeu beendet. In den vier be- streikten Firmen wurden Tarifverträge abgeschlossen, die eine so- fortige Erhöhung der Stundenlöhne um 2 und 3 Pf., nach halb- jähriger Beschäftigung eine nochmalige Erhöhung von 2 Pf. bringen. — In Dortmund sind die Forderungen bis ans 6 Firmen mit l3 Beschtlstigten bewilligt.— In Essen a. R. sind ebenfalls die Forderungen in allen Firmen bis auf zwei, über die die Sperre verhängt ist, durchgeführt.— In Bremen dauert der Streik un- verändert fort.— In Köln, Solingen, Königsberg i. Pr. und Dresden sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen, dagegen sind in Dresden die Verhandlungen mit den Unter- nehmern als geicheitert anzusehen; für die nächsten Tage ist ein Streik der Landschaftsgärtner zu erwarten.— In Berlin werden die Kündigungen in den Handelsgärtnereicn so eingereicht, daß am 13. April der Streik beginnt. Streik der Bauschloffcr in Hamburg. Die Hamburger Bauschlosser stehen seit längerer Zeit mit den Unternehmern in Verhandlungen. Die Arbeiter forderten eine Ar- beitszeitveriürzung um täglich htz Stunde, eine Erböhung der Löhne für jung Ausgelernte und eine allgemeine Lohnerhöhung. Die Unter- nehmer blieben mit ihren Zugeständnissen in den wiederholten Ver- Handlungen so weit hinter den Forderungen der Arbeiter zurück, daß die Bauschlosser in einer Versammlung am Mittwoch mit mehr als Dreiviertel-Majorität den«Ireik beschlossen, der noch am 3. April wirksam wird. Es bandelt sich um etwa 900 Mann. Tie Vauhilfsarbeiter, Maurer und Zimmerer im Ostscebad Grömitz Hatten Lohnforderungen eingereicht. Es hatte erst den Anschein, als wenn mit den Unternehmern eine Einigung erzielt werden könnte. Plötzlich haben die Unternehmer aber die Ver- Handlung abgebrochen. Die Antwort der Arbeiter auf dieses eigen- artige Vorgehen der Unternehmer war, baß alle die Arbeit ein- stellten.— Zuzug von Bauhilfsarbeitern, Maurern und Zimmerern nach dem Ostseebad Grömitz ist streng fernzuhalten. Der Streikbruch der Christlichen in der niederrheinischen Seidenindustrie. Tie Führer des christlichen Textilarbciterverbandcs haben ihren Verrat vollendet. Ter Strcikbruch wurde offiziell proklamiert. Ter Arbeitgebcrverband der rheinischen Seidcnindustric hat die Aus- sperrüng„auf Anregung der königlichen Staatsrcgierung" aufgc- hoben. Die Behörde drobt Schutz der Arbeitswilligen„mit allen Mitteln!der Staatsautorität" an. Behörden und christliche Führer arbeiten somit Hemd in Hand gegen die im Streit befindliche Ar- bciterschaft. Der Krcfeldcr Oberbürgermeister hat dem Deutschen Texillardcitcrbcrl>an!> sölgeiides schreiben zugestellt; �„Krefeld, den 1. April 1913. An den Deutschen Dextilarbeitox-Perband. Von dem Zentralverband christlicher Textilarbeiter ist heute nachstehendes Schreiben bei mir eingegangen: ..Wir teilen Ihnen ergebensr mit, daß die unserem Ver- b>inde angehörenden Färdereiarbeiter unter folgenden Boraus. setzungen die Arbeit wieder aufzunehmen bereit sind: 1. Falls sich das Gerücht bestätigen sollte, demzufolge die Färbcrcibcsitzer sich nur noch eine kurze Frist an die den strei- kcnden Arbeitern gemachten Zugeständnisse gebunden erachten; 2. falls die Aussperrung allgemein aufgehoben wird, d. b. sämtliche Betriebe für alle Arbeiter, die arbeiten wollen, geöffnet werden." Die Generalversammlung des Arbeitgebervcrbandcs der rheinischen Scidcnindustrie hat am heutigen Nachmittag bc- schlössen: „Auf vielfachen Wunsch aus Ärbcitcrkrcisen und auf An- regung der königlichen Staalsrcgicrung beschließt die jZaupt- Versammlung des Arbeitgeververdandes der rheinischen Seiden- industrie, daß die am 17. März eingetretene Sperre zurück- gezogen und daß der Betrieb in sämtlichen Verbandssirmen am Tonnerstag. den 3. April, vormittags 7 Uhr, wieder aufgc- nommen wird, soweit Arbeit vorhanden ist. In den Färbe- reicn werden diejenigen Arbeiter, die sich bis zum Mitttvoch, den 9. April, einschließlich zur Arbeit gemeldet haben, zu den neuen Bedingungen unter Anerkennung des Tarifes eingestellt, ■ soweit Arbeit vorhanden ist. Bezüglich der Wiedcrcinstellung und Bezahlung derjenigen Arbeiter, die bis dahin nicht eingetreten sind, behält sich der Färbereiverband alles Weitere vor. Der Arbeitgebcrverband der rheinischen Seidenindustrie unterstützt ab Donnerstag den 3. April, bis auf weiteres die Arbeitgeber der Färbereien für jeden fehlenden Arbeiter mit 3 M. pro Kopf und Tag solange, bis zwei Drittel der Beleg- scbatt der einzelnen Betriebe in Stärke vor dem Streik pie Arbeit wieder aufgenommen haben." Indem ich dem Vonland des Deutschen Tcxtilarbeiterver- bandcS Vorstehendes mitteile, richte ich an ihn die pringcndc Bitte, auch seinerseits die zum Frieden ausgestreckte Hand zu er- greifen und für die Wiederaufnahme der Arbeit einzutreten. Sollte wider Erwarten der Verband diesem Wunsche nicht cnt- sprechen können, so habe ich doch das feste Vertrauen zu der Bc- sonnenhcit und dem Gerechtigkeitsgefühl des Vorstandes und der Mitglieder des Deutschen Textilarbeitcrvcvbandes. daß sie das Selbstbestimliluilgsrecht achten und niemanden, der die Arbeit wieder ausnehmen wird, hindern und belästigen. Ter«cknitz derjenigen. die arbeiten wollen, ist die mir gesetzlich obliegende Pflicht, und ich bin durch den Herrn Regicrungspräiidcnten er- mächtigt, zu erklären, daß dieser Schutz mit allen Mitteln der staatlichen Autorität durchgeführt wird. Ter Oberbürgermeister." Tie Empörung im Streikgcbict ist allgemein. Erst am I.April haben die Streikenden in geheimer Abstimmung mit>7.73 gegen 7 Stimme» die Wiederausnahine der Arbeit zu den von den Unter- nehmern gebotenen Bedingungen abgelehnt. Damit ist die von Behörden und der Unrernchmerpresse kolportierte Ansicht widerlegt, daß eine geheime Abstimmung der Arbeiter die Wiederaufnahme der Arbeit ergeben würde. Tic streikenden christlichen Färber weigern sich, dem Verlangen ihrer Leitung Folge zu leisten.— Jedenfalls wird durch das Einmischen der Behörden der Kampf' am Niedcrrhein sich außerordentlich verschärfen. Aussperrung der Dachdecker in Bremen. Die Dachdeckcrmeistcr haben der Gcscllcnorganisation das Ulli- matum gestellt, entweder den Normal- oder Mustertaris des Dach- dcckcrmeisterverbandcs anzuerkennen oder am 1. April aus Arbeit zu verzichten. Da der Normaltarif Verschlechterungen der bisher in Bremen üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen bietet, so de- Tb. Glocke. BeiU'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdr.ls Verlagsanstalt schlössen die Gesellen, das Anerbieten de? Unternehm erverlhand es abzulehnen. Am 1. April wurden damit sämtliche Dachdecker und Hilfsarbeiter ausgesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Ter Gendarmeriewachtmeister mit dem Mitglieder- Verzeichnis. Im November b. I. erhielt der Bezirksleiter des Bergarbeiter» Verbandes für den overschiesischen Bezirk Pleß-Rybnik von mehreren Mitgliedern zugleich die Mitteilung, daß der Gcndar- mcricwachtmcistcr Klapper aus'Orzcsche im Besitz eines M i t g l i e d e r v e rzei ch n i sse s sei, mittels dessen er Mit- glieder aufsuche und sie auffordere, ihm die Mitgliedsbücher aus- zubändigcn. Ter Bezirksleiter Dänisch schrieb an den Wacht- meistcr einen Brief, in dem er ihn ersuchte, diese Tätigkeit zu unterlassen, da sie ungesetzlich sei und nicht zu seiner Aufgabe geböre. Weiter wurde in dem Brief die Vermutung ausgesprochen, daß der Wachtmeister das Mitgliederverzeicknis anch durch frühere Beschlagnahme von Verbandsutensilien erhalten haben könne, wobei er sich das Mitgliederverzeichnis abgeschrieben haben müsse. Durch diesen Brief fühlte sich der Herr Wachtmeister beleidigt und stellte Strafantrag. Das Landgericht zu Glciwitzjjab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt und verwies die Äachc zur Verhandlung vor das Schössengcricht zu Nikolai. Im Termin wurde festgestellt, daß der Wachtmeister Mitglieder aufgesucht und auch zur Herausgabe der Mitgliedsbücher aufgefordert habe. Auch mußte er zugeben, daß er im Besitz eines-Verzeichnisses der Mit- glieder gewesen sei. Auf die Frage, woher er das Verzeichnis habe, verweigerte er zunächst die Aussage. Als der Vorsitzende meinte, das habe er doch wohl von seiner vorgesetzten Behörde, stimmte er zu. Der Angeklagte wurde, weil er dem Herrn Wachtmeister den Vorwurf gemacht Hatte, er handle ungesetzlich, zu fünf Mark Geld- strafe verurteilt. Begründend wurde ausgeführt: Der Angeklagte sei ein gebildeter Mann und mußte darum wissen, daß der Vor- wurs, der Wachtmeister habe ungesetzlich gehandelt, schwer beleidigend sei! Es könne ihm auch nicht der 8 193 des Straf- gcsetzduchs zuerkannt werden.— Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt. Zusl»NCU Tarifbewegung im norwegischen Buchdruckgewerbc. Kristiania, 31. März. lEig. Ber.i Tie hier geführten Ver» Handlungen zwecks Abschluß eines Reichstarifs für da? Buchdruckgewerbe find nunmehr gescheitert und vor- aussichtlich wird am 1. April die Arbeit im ganzen Lande eingestellt werden. Die Anträge auf Schaffung eines Reichstarifs gingen von de» Arbeitern aus, die seit Jahren zielbewußt darauf hingearbeitet haben. Durch den Abschluß lokaler Verträge wurde die Bahn für ein zentrales Tarifwerk systematisch geebnet. Gegen �ie Idee an sich hatten die Untsniehmer nichts einzuwenden. Aber als Unter- gruppe des allgemeinen ArbeilgeberverbandeS Norwegens waren sie an die Beschlüsse dieser Organisation ge- bunden. Durch Abmachungen zwischen den drei skandinavischen Unter- nchinerzcntralen wurde schon vor Jahren bestimmt, daß allen Versuchen aus Verkürzung der Arbeitszeit in den Gewerben, die schon in dieser Hin- ficht an der spitze marschieren, energisch entgegengetreten werden soll. Im Buchdrnckgewerbe fordern nun die Arbeiter für den Abschluß des Reichstarifs die Durchführung des A ch t st u n d e n t a g e s. Die Arbeilszeil sollte sofort ans 50 Stunden wöchentlich herabgesetzt werden und ab 1. Januar 1915 der Achtslundenlag zur Einführung gelangen. Die Buchdruckereiuntcrnehincr mußten diese Forderung ablehnen, weil ihre Durchführung dem Programm der all- gemeinen U n t e r n c b>n e r z e n t r a l e widersprach. Einen anderen Grund für ihre Ablehnung können sie nicht haben, denn das einzige Konkurrenzland des norwegischen Buchdruckgcwerbes, Däne- mark, hat bereits den Achtstundentag durchgeführt. Trotzdem wurde die Forderung stritte abgelehnt. In der Lohnfragc wollten die IlntertteHnter durchschniktlich 4,1 Proz. Erböhung des MittdestloHneS, dafür sollten aber in anderer Hinsicht wesentliche Verschlechte- rungen durchgeführt werden: Die Arbeitszeit der Maschinensetzer sollte von? auf 9 Stunden täglich ausgedehnt werden; an den Setzinaschinen sollten für die Folge nicht nur gelernte Schriftsetzer beschäftigt werden, sondern dem Unier- nehnter das Recht eingeräumt werden, über die Einstellung bezw. Ausbildung der Maichittensetzer selbst zu entscheiden. Ferner forderten die Ilttlerttehmer die Beseitigung der LebrlingSi'kalo, die bisher in fast allen Lolalverträgen festgelegt ist. Die Arbeiter lehnten 'amtliche Verschlechterungen ab und beharren energisch auf die Durchführung ihrer Forderungen, die recht mäßig sind. Schon in den Verhandluttgen mit den Vertretern der PrtttzipalSorgatnsatiott stellte sich heraus, daß eine Einigung infolge der ttettett organisatorischen Lage, die seit dem Anschluß der Prinzipale an die industrielle Scharfmacherzentrale eingetreten ist, erschwert wird. Nach« dem die Verhandluttgen zwischen den beiden direkt beteiligten Par- teien gescheitert waren, ging die Sache an die Hauptorganisation der industriellen Ilittentehmer und die mit dieser geführten Verband- lungen wurden nach wenigen Stunden abgebrochen, da diese keinerlei Zugeständnisse gewähren wollte. Die Arbeiter tvcrden nun nach Ablauf der lokalen Vertrage in den Kamps treten. Die Buchdruckereibcsitzer sollen bereits ihre Jountaltsteit und KontorfräuleinS an den Setzmaschinen haben aus- bilden lassen, um als Streitbrecher das Ecscheittett der Zeitungen zu ermöglichen. Ob das gelingen wird, muß der Verlauf des Kampfes '"�Nachtrag. Wie uns unter dem 1. April attS Kristiania gemeldet wird, ist cS durch das Eingreifen der Regierung nicht zum Kampf g e I o m m e n. Die Regierung teilte den Parteien mit, daß sie ciitem Kampf um die Regelung der� Arbeitszeit nicht untätig zusehen, sondern dein Parlament sofort einen Gesetz- entwurs unterbreiten würde, der für das Luchdruck gewerbe d e n Achtstundentag gesetzlich einführt. Da die Regierung im Parlament absolute Mehrheil durch ihre eigene Partei hat wäre die Einbringung deS Entwurfes gleichbedeutend mit seinem sofortigen Gesetzwerden. Die Unternehmer haben sich dem gefügt und neue Verhandlungen sind sofort aufgenoinmen worden unter Leitung eines von der Regierung ernannlen Unparteiischen: die bisherigen Verträge winden für die Dauer der Verhandlungen prolongiert. Die Buchdruckereiunternehmer atmeten erleichtert auf, als das Eingreifen der Regierung bekannt wurde, während man in der industrielleit Uttterttehmerzentrale seine Wut schlecht ver- bergen kamt.__ L,ctzU Nacbricbtcm Eine türkisch-bulgarische Perftäudigung. London. 2. April.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, ist zwischen den Mächten Bulgarien und Türkei eine nicht formelle Verstäildigung.betreffend die türkisch�bulgarische Grenze zustande gekomnien. Abwartende Stellung der Botschafter. � London, 2. April.(Meldung des Reuterschcn Bureaus.; iic Botschafter haben angesichts der Unsicherheit der Lage infolge deS Ausbleibens der Antwort der verbündeten Balkanftaaten und von wenig befriedigenden Nachrichten aus Albanien im letzten Atigeit- blick beschlossen, heute keine Sitzung abzuhalten. Jedoch hatten die Botschafter Zusammenkünfte mit Sir Edward Grey. Amerika erkeiint dic�Rcvublik China an. Washington. 2. April.(W. T. B.) Tie Regierung hat bc- schloffen, die chinesische Republik anzuerkennen. Tödlicher Fliegerunsoll... � Amtens, 2. April.(W. T. B) Durch ettt verfehltes Landungs- manövcr ist der Unteroffizier der Artillerie Phanrono aus einem Aeroplan, der aus Reims gekommen war, abgestürzt und wurde getötet.__ 'kaul Singer ö- Eo., BerlmLlv. Hierzull Beilagen u.Unterhaltungsbh I Nr. 77. 30. Aahrgavg. 1. KnlU des Joririirls" f rrlinct Solblilnlt. Donnerstag, 3. April 1913. Sie internationsle?lottendcmonitration. Die schroffe Weigerung Montenegros, voni Kampf um Skutari abzulassen, läßt die vorher beschlossene internationale Flottendemonstration nun doch zur Wirklichkeit werden. Nicht nur Oesterreich und England, sondern auch die anderen Mächte werden sich beteiligen, Frankreich nach vorheriger Verständi- gung niit Rußland, das selbst kein Schiff beistellt, aber doch erklären läßt, daß es den Zweck der Demonstration billigt. Ob aber diese Maßregel ihr Ziel erreichen wird, ist heute noch zweifelhafter denn je. Denn Skutari befindet sich in per- zweifelter Lage, und die Einnahme der Festung, an die die Montenegriner jetzt die letzten Kräfte setzen, scheint eine Frage kürzester Zeit zu sein. Fällt aber Skutari, dann wird die Situation außerordentlich kompliziert. Denn wie sollen die Eroberer aus der Festung wieder entfernt werden? Sowohl in Rußland als in Italien hat man nicht die geringste Lust, Gewaltmaßnahinen, wie sie die österreichische Regierung ver- langt, zuzustimmen. Ja in Rußland läßt man sich auf die Flottcndcmonstration überhaupt nur unter der Beding- ung ein, daß keine anderen Maßnahmen, also ins- besondere keine Truppenlandungen, erfolgen. Gerade das aber wird in Wien verlangt, und so erklärt sich die ernste Mahnung, die das englische Rcgierungs- organ an die Balkanmächte rickstet, die Lösnng der Frage den Mächten zu überlassen, eine Mahnung, die sich indirekt zu- gleich an die Pdresse Oesterreichs richtet. Jedenfalls hat die österreichische Politik wieder einmal die Situation kritischer gestaltet, als es die Natur des Problems erforderte. Denn die Frage, wem Skutari gehören solle, ist wahrhaftig keine so wichtige, um die es sich lohnte, solche Gefahren für den Frieden heraufzubeschwören. Tic Weigerung Montenegros. Cctinje, 1. April.(Amtlich.) Die montenegrinische Re- gierung erteilte den Vertretern der Großmächte folgende Ant- wort: Die königliche Regierung behält sich, sobald ein Ein- vornehmen der Großmächte über die gesamte Nord- und Nord- ostgrenze erfolgt sein wird, d a s R e ch t v o r, sich mit ihren Bundesgenossen zu beraten. Was die Mitteilung der Großmächte bezüglich der Einstellung der Feind- seligkcitcn um Skutari herum sowie in den besetz- ten Gebiete», welche die Großmächte Albanien überlassen zu haben erklärten, und bezüglich Räumung dieser Gebiete anbetrifft, so kann die Regierung zu ihrem großen Bedauern dem Wunsche der Großmächte nicht Rechnung tragen mit Rücksicht darauf, daß der Kriegszustand zwischen der Türkei und den Verbündeten fortdauert und die Großmächte den Verbündeten in feierlicher Weise gleich zu Beginn des Krieges erklärt hatten, in keiner Weise die mili- tärischen Operationen der Verbündeten behindern und N c u- tralität beobachten zu wollen. Was die Forderung bc- trifft, daß dringende Maßnahmen getroffen werden, um den wirksamen Schutz der muselmanischen und der katholisch-alba- nesischen Bevölkerung in i>en Montenegro abgetretenen Ge- bieten zu sichern, so erlaubt sich die königliche Regierung hervorzuheben, daß der einzige Titel für die Erwerbung der Gebiete, sowohl was Montenegro als was seine Ver- kündeten betrifft, nur der Friedensvertrag mit dem ottomanischen Reiche sein kann. Was die katholische und die rnuselmanisch-albanesische Bevölkerung betrifft, so stehe diese unter dem Schutze der montenegrinischen Gesetze, welche ihnen die wirksamsten Bürgschaften für die religiöse und die bürgcr- liche Freiheit ohne Unterschied der Nationalität und ihres Bekenntnisses gewähren. kleines fcuUlcton Der Milliardär als Kuilstsammlcr. Picrpont Morgan, einer der ärgsten lapitalis'�'cheil Haifische, den die Welt gesehen hat, wird in den Nunstspalten bei bürgerlichen Presse als der große Kunst- freund und Mäccn gepriesen. Natürlich, die plumpe Anbetung de« goldenen Kalbes wird maskiert unter der Verherrlichung des Kunst- und Kulturförderers. Dabei hat dieser Jusamnienraffer von Kunst- werken,«in moderner VerreS, der freilich bezahlen mußte, was er plündernd entführte, die Kunst nur mißbraucht, um damit zu prahlen, »m durch den Besitz der teuersten und seltensten Kunstwerke seine blöden Machtgelüste zu befriedigen. Ein inneres Verhältnis zur Kunst hat er nie gehabt. Er war weder Kenner noch Liebhaber. Insofern hat sich das Leben an ihm gerächt, daß cS ihm keinen Anderen Genuß an den berühmten Werken ließ, die er in der ganzen Welt zusammenkaufen ließ, als den, sagen zu können: sie gehören "nr, ich habe sie bezahlt. Dse Heuchelei, die die kapitalistische Presse mit dem„Napoleon der Börse" als einem großen Mäcen treibt, wird in erfreulicher Wene entlarvt durch einige Indiskretionen Wilhelm Bodes, des Generaldirektors der kgl. Museen. Herr Bode hat unter der rück- sichlsloien Konkurrenz Morgans und seiner skrupellosen Organe natürlich mancherlei � leiden gehabt. Dafür hat er aber anderer- seitS auch den„großen Eommlcr" intim gekannt. Einem Mit- Arbeiter der„Voss. Ztg." erzählte er u. a.: „Was Morgan dazu getrieben bat, im Kunfthandel eine Rolle spielen zu wollen, ist schwer ersichtlich. Es war wohl die Liebe zum Sport vielleicht auch die Sucht,„das Größte, Schönste und Beste zu besitzen, in der Kunst sowohl wie in anderen Dingen. Vielleicht auch wirklich eine gewisse Liebe zur Kunst. Wie dem auch sei— ein Kunstkenner war er jedenfalls nicht. Er vermochte eine Fälschung genau so herzlich zu bewundern wie ein Original. Nur sagen durste man eS ihm nicht— sonst konnte er„saugrob" werden, und es mußten viele hervorragende Kenner immer und immer wiederholen, ehe er fich bereit fand, dieses oder jenes zu entfernen. Dann schrieb er an den betreffenden Bilderhändler i nannte ihn einen Betrüger und andere schöne Dinge und virbot ihm, ihm je wieder untcr die Augen zu kommen. Im ganzen aber mußle er sich auf die Kunsthändler verlassen. Hierbei war er sehr mißtrauisch. Hatte jedoch emer sein Vertrauen erworben, dann ver- traute er ihm auch bund. Daß sich die Kunsthändler glänzend dabei standen, kann man sich wohl denken. Keiner von ihnen dürste au« der Verbindung nul dem amerikanischen Milliardär weniger als 20 bis 30 Millionen Mark herausgeschlagen haben." Morgan hat wie alle"cute, die kein eigenes Urteil und keinen eigenen Geschmack haben, an Gemälden nur alte berühmte Meister gesammelt. Boshaft genug erzählt Herr Bode:„Er wollte nicht „einen" Rembrandt, er wollte„den besten" Rcmbrandt. Dabei ver- ueß er sich hauptsächlich auf das Pedigree. die Herkunst der Bilder. Stammle das Bild etwa vom Herzog von Martborough— dann wars gut... Morgan haste st» daran gewöhnt, die Kultur eine« Menßhen, mit dem er verlehrte, nach— der Anzahl alte Ter österreichische Standpnnkt. Wien, 2. April. Das offizielle„Fremdenblatt" schreibt: Der fortgesetzte Wider st and Montenegros gegen die Entschei- düngen der Mächte hat Maßregeln notwendig gemacht, um den Willen Europas zur Geltung zu bringen. Die rasche st e Durch- f ü h r u n g der Flottendenionstration gegen Montenegro, welcher sämtliche Großmächte zugestimmt haben, erweist sich um so not- wendiger angesichts der Meldungen über eine fortgesetzte st a r k e Beschießung Skutaris sowie, der ablehnenden Ant- wort Monlenegros gegenüber den Forderungen der Groß- mächte. DaS Blatt verweist darauf, daß Serbien entgegen seiner ausdrücklichen Zusage, einem Beschlüsse der Mächte hinsichtlich Albaniens sich zu fügen, an den Kämpfen um Skutari teilnehme. Die Dllrchsühruiig der F l o t t e n d e m o n st r a t i o n steht im- mittelbar bevor. Eine Abteilung unserer Flokte erhielt bereits den Befehl zum Auslaufen. Soweit bisher bekannt ist, werden an der Flottendemonstration nebst Oesterreich- Ungarn auch Italien, Deutschland und England teilnehnien. Betreff« Frank« reich steht noch die Entscheidung aus. Rußland, das kein Kriegsschiff im Mittelmeer hat, wird sich an dieser Demonstratioil nicht beteilige». Von Bedeutung aber ist, daß der Beschluß einer Flottendemonstration von allen Mächten gefaßt wurde und daß daher diese Aktion einen inter- nationalen Charakter trägt. Die baldige Regelung der Angelegenheit ist auch um so notwendiger, als den Balkan- staaten kein Zweifel darüber gelassen werden darf, daß bei aller bisher gezeigten Bereitwilligkeit der Mächte, billigen Wünschen ent- gegenzukommen, eine nachträgliche Vereitelung europäischer Beschlüsse absolut ausgeschlossen ist. Die anderen Mckte. Teutschland. lieber die Teilnahme Deutsch lands wird mist geteilt: Der kleine Kreuzer„Breslau" hat Befehl erhalten, sich zur Teilnahme an der in Aussicht genommenen Flottendemonstration an der montenegrinischen Küste in die Adria zu begeben. Frankreich und Rußland. Paris, 2. April. Angesichts der ablchiicndcn Antivort Montenegros hält man die F I o t t c n d c m o n st r a t i o n in diplomatischen Kreisen jetzt für unvermeidlich. Frankreich ist bereit, sich ihr anzuschließen, vorausgesetzt, daß das Verbündete Rußland ihm klar und deutlich das Mandat erteilt, es zu vertreten. Tic Antivort aus Petersburg, die nicht zivcifelhaft erscheint, ivird unverzüglich erwartet. Der„Figaro" meldet, daß die französische Regierung in dem gestern abgehaltcncncn Ministerrat infolge der aus London. Petersburg, Rom und Berlin cingctrofsencn Mit- tcilungen ihre Z u st i m m u n g zu der Flotten- dcmonstration gegen Montenegro gegeben habe. Italien. Rom, 2. April. An der internationalen Flotten- dcmonstration vor der»lontenegrinischen Küste werden von italienischer Seite da? Linienschiff„Ammiraglio di St. Bon" und der Panzerkreuzer„FranccSeo-Ferruccio" teilnehmen. Eine englische Warnung. London, 2. April. Die„Wcstminster Gazette" schreibt: Die russische Z u st t m m u n g zur Flottcnaktiou ist vor- läufig so aufzufassen, daß sie die Bedingung ein- schließt, daß keine militärische Aktion st a t t- finden soll, außer, soweit sie notwendig wäre, an der Küste die Flotte zu unterstützen. Die Flottendemonstration mag eine langsame Wirkung haben, sie wird hoffentlich frei von Sensationen und Blutvergießen sein, aber sie wird schließlich wirksam sein. Dagegen würde eine militärische Aktion weit größere Fragen als Montenegro und Skutari auf die Tagesordnung setzen und neue Gefahren für die Meister zu beurteilen, die er besaß. Keine alten Meister— keine Kultur! Keine Kultur— kein Geschäft! Die Folge davon war, daß gewisse große Finanzmäimer— wie etwa Kuhn, Loeb u. Comp.— miteinander wetteiferten im Bestreben, möglichst viele alle Meister anzukaufen." Es gehört zu den immanenten Schönheiten unserer WirtschaftS- und Kulturordnung, daß unsere großen Künstler, diese seltenen Blüten der Menschheit, letzten Endes ihr Bestes geschaffen haben— für dies« von allen Musen verlassenen, zu wahrhaftem Genießen unfähigen kapitalistischen Raffer. Wenigstens vorläufig noch! Ein Architekt des Städtebaues. Otto March, einer der vor- trefflichsten Architekten Groß- Berlins, ist als Siebzigjähriger und dennoch unerwartet gestorben. Zu seinem reichen Arbeitsgebiet ge- hörte an erster Stelle der Städtebau. Er hat viel dazu beigetragen, daß die Probleme dieser sozialkünstlerischen Disziplin von den Bauenden nach langen, Interregnum wieder ernst genommen wurden: er hat dabei mit Geschick die Widerstände der Baubureaukratie und des Bodenkapitals pariert. Der Ausschuß, den er gemeinsam mit Leuten wie Boecke und MuthesiuS nach dem Wettbewerb um Groß- Berlin gründen half, verhinderte manche Torheit und förderte zum mindesten die Aufmerksamkeit, die den Fragen deS Stadtbildes zu- zuwenden ist. Von den Plannngen für das Tempelhofer Feld war die Marchs die einzige, die nicht nur das hygienisch Notwendige, vielmehr diese» auch in einer großen Form gab. Wenn man einen Blick tal auf das mächtig gedachte Forum und die geklärte Regel- Mäßigkeit der Straßenzüge, so bekam man ein Empfinden ftir das Tempo und das Temperament der Weltstadt. Eine andere Forde- rung deS StädlebaucS, die Einheit der Fassaden und die geschlossene Blockftont, hat March durch das Beispiel seiner Häuser in der Bismarck- straße zu lösen versucht. Würde solchem Vorbild gefolgt werden, so schwände bald die lächerliche Unruhe der Straßenwände. Ein anderes, nicht minder interessantes Arbeitsgebiet halte March im Theaterbau gefunden. Schon sein VnIkSspielhauS für Worms zeugle für das sichere Verständnis: die Zuschauer als Masse zu er- fassen und den Raum als architektonischen Ausdruck solcher mensch- lichen Monumentalität zu bilden. Ein Gedanke, den er nach mehreren Jahrzehnten mit dem Entwurf für daS Stadion auf der von ihm sontanisch-märkisch geschaffenen Rennbahn wieder aufnahm. Hier soll Tausenden Aufenthalt und Symbol geschaffen werden: was man davon bisher aus der Vertiefung deS riesigen Ovals auftauchen sieht, bestätigt, daß March zwar ein Verwalter der Tradition, aber durchaus ei» moderner Mensch war. R. Er. Theater. I m Deutschen Schauspielhaus mimt Harry Walde» mit eigenem Ensemble und auf eigenes Risiko. Die Zeit des Kinos und der Theaterpleiten ist auch an ihm, dein eiiisl von allen Backfischen unischwärinien Histrionen. nicht spurlos vorüber- gegangen. Wenn Walden früher auftrat, gab es vor und im Theater ein lebensgefährliches Gedränge, und Hunderte mußten oft abziehen, weil kein Billett mehr zu kriegen war. Diesmal, bei Er- öffnung des Gastspiel», zeigte selbst der kleine Raum de» Musen« Mächte und die Verbündeten herbeiführen. Die richtige Lösung der Frage wäre, daß die Verbündeten sie selbst lösten, indem sie die V c r m i t t e I u n g der Mächte an- nähmen: denn nichts könnte bedrohlicher für die Kriegführenden und ihre ganze Sache sein, als die Aussicht auf Differenzen z>u i s ch c n den Mächten, die in elfter Stunde alles umstoßen könnten. Oer I�ampf um 8kutaru Fortschritte der Belagerer. Wien, 2. April. Gestern errangen die Belagerer vor Skutari große Erfolge. Fünf Forts des Tarabosch sind bereits in ihrer Gewalt. Der Fall der beiden übrigen kann stündlich erfolgen. Auf dem großen und kleinen Bardanjolt sowie bei Brdica rücken die' Montenegriner und Serben erfolgreich bor. Die Stadt b r e n n t an mehreren Stellen. Provisorische Einstellung des Bombardements. Wien, 2. April. Das Bombardement von Skutari ist, wie von nnterrichteter Seite verlautet, seit gestern nachmittag provisorisch eingestellt worden, angeblich weil die Belagerer serbische Verstärkungen von San Giovanni di Mcdua erwarten. Es heißt, das Bombardement werde morgen wieder aufgenommen werden. Die fnedensvennittelung. Tic Antwort der Pforte. Konstantinopel, I.April. Die Antwort der Pforte auf die Note der Großmächte hat folgeiidcii Wortlaut: Der unter- zeichnete Minister des Aeußern hat die Ehre, mitzuteilen, daß die kaiserliche Regierung in Würdigmig der Wohltaten des Friedens nicht gezögert hatte, die freundschastliche Ver Mittelung Ihrer Regierungen behusL Beendigung des zwischen dem ottoma- nischen Reiche und den Balkanstaaten bestehenden Kriegszustandes anzunehmen. Von denselben friedlichen Gesinnungen geleitet, nimmt die kaiserliche Regierung die in den erwähnt«, Mitteilungen vorgeschlagenen Präliininargrundlagen in ihrer Ge- s a m t h e i t an und vertraut sich bezüglich der Wiederher« stellung deS Friedens den Großmächten an. Said H a l i m. Immer wieder Verzögerungen. Wien, 2. April. Die Antwort der B a l k a n st a a t e n auf den Fricdcnsvermittclnngsvorschlag der Großmächte, der von der Türkei bereits angenommen worden ist, verzögert sich, da Serbien und Griechenland hinsichtlich der Abgrenzungen Schwierigkeiten machen. Türkische Friedenssehnsiicht. Konstantinopcl, 2. April. Die türkische Presse führt eine resignierte Sprache. Die Blätter glauben, daß der Friedensschluß nahe bevorstehe und die Feindseligkeiten wahrschein- lich schon morgen eingestellt werden würden. In ganz Stambul herrscht gegenwärtig volle Ordnung und Ruhe. Reichstag. neu 130. Sitzung. Mittwoch, de» 2. April 1918, nachmittags 2 U h r. Am BundeSratstifch: Niemand. Präsident Kampf begrüßt die Abgeordneten nach den Ostcr- fcrien und gedenkt des verstorbenen Fürsten von R e u ß j. L., deS ermordeten König« von Griechenland, sowie des Sturm- Unglücks in den Vereinigten Staaten, an dem das deutsche Volk herzlichsten Anteil nimmt(die Abgeordneten haben sich von ihren Sitzen erhoben.) Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Antrages Ablaß und Genossen(Lp.): „Den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Errichtung und Er- lempelS an der Weidendammer Brücke beträchtliche Leerstellen auf. Und auch das Werfen von Handküssen und Blumensträußchen fiel recht mager auS. Kein Wunder. Die weiblichen Adoranten wie der Bewunderte sind älter geworden: da pflegt die Resignation sich ganz von selbst einzustellen. Mit Wilhelm Meyer-Försters larmoyantem Schauspiel Alt-Heidelberg verhält es sich ähnlich: der Rausch für die„Burschenherrlichkeit" von ehedem ist verflogen; die Roheitsdelikte feudaler Studenten in Bonn belehrten die Welt eines andern. Und. für gotiesgnädig geeichte Tugendbolde von der Couleur des Erbprinzlelns Karl Heinrich vermag heute weder ein geheizter Ofen aus Cadiner Kacheln noch der glühendste„Koiserpunsch" zu erwärmen. Daß Harry Walden den Karl Heinz genau so spielt, wie vor Jahren, bedeutet letzten EndeS kein Lob und keinen Tadel: denn andere spielten die Rolle nicht schlechter. Die Duoszene zwischen dem Prinzen und der Kellnerin Käthie(Mary Urban) war ledern langweilig anzuhören. Den Kammerdiener Lutz(Albert U l r i c i) sah man anderweitig schon charakteristischer. Gut waren Alexaeder Ekert(Dr. Jättner), Erich K a i s e r- T i e tz(Graf von Asterburg) und Fritz K l e i n k e als Kellermann.___«. k. Notizen. — B ü h n e n ch r o n i k. Der Kunstmaler Paul L e n i, der im Theater in der Königgrätzer Straße unter anderem die szenischeil Entwürfe für„Macbeth" ausgeführt hat, ist fest engagiert worden. — Neue Weingart ner-Konzerte. Um dem durch Hülfen mit Stadtinterdikt belegten Weingart, ler Gelegenheit zu geben in Berlin als Dirigent aufzutreten, sollen vor geladenem Publikum zwei Konzerte am 26. und 37. Mai im Zoologischen Garten statt- finden. — Gegen die Thcaterzen sur. Stuttgart als Vorort der deutschen G o e t h e b ü n d e hat beschlossen, an den Reichstag eine Petiiion zu richten um endliche Beseitigung der Thcaterzensur. Die Beratung der Petition soll mit der Beratung des Eniwurfs eines Reichsthcatcrgcsetzes verbunden werden. — Eine Beförderung. Herr S o h st wurde ob der durch den roten Piepmatz vierter erhaltenen Genugtuung ä l» suitv der preußischen Rechtszeugen, unmittelbar hinter dem Müller von Sanssouci, jedoch mit dem Rang hinter dem Fürsten zu Eulenburg. dem Staatsanwalt im Esseneb MeineidSprozeß und dem Arbeiter Herrmann gestellt. — Der andere auf Reisen. Da« fürchterliche Kino- machwerk„Der andere", das nach einem vorgeahnten Kinoschauspiel Paul Lindau« zurechtgcschneidert wurde, geht jetzt mit aiireißerischcr Reklame durch die Welt. In einer Annonce eines Reichenbergcr Blattes Ivird der Verfasser als der„Direktor der königl. Schauspiele in Berlin" vorgestellt. Bassermann, der die Hauptrolle in diesem Film gemimt hat, der vornehme Bassermann, wird im echtesten Zirlusjargon als„der berühmteste Schauspieler der Welt" angepriesen Und obendrein wird die Musikbegleitung von einer I. k. Regiments- lapelle unter persönlicher Leitung ihre» Kapellmeisters geliefert! Weiterung von Familie n-Fideikom missen an Grund und Boden verboten und die Auslösung b e st e h e n- der Familien-Fideilom misse befördert wird." »Der Antrag wird begründet vom Abg. Gothein sVp.): In den Jahren l&l« und 1849 wurden die Fideikoinmisse abgeschafft und auch die oktroyierte preußische Perfassung änderte an diesem Zustand nichts. Erst in der darauf folgenden Reaktionszeit wurden die Fideikoinmisse wieder zugelassen. Im alten deutschen Recht sind die Familienstdeikommisse nicht begründet, sie wurden erst unter Friedrich Barbarossa ein� gerichtet und schon Wolfram von Eschenbach protestierte gegen diese welsch e Mode, die aus dein römischen Recht stammt. Ein Familien- sideikommiß, das den Besitz von Grund und Boden unveräußerlich macht, soll der Erhaltung der Familie in hervorragender sozialer Stellung dienen. Also um Erhaltung der Familie soll es sich handeln. Aber mit Recht betonen hervorragende Schriftsteller, daß die Verleihung eines Familienfideikommisses der G e w ä h r u n g eines Totenscheines gleichiomml; denn die jüngeren Sohne dieser Familien heiraten nur zu einem geringen Prozentsatz, und die Ehen der Majoratsherreu sind verhältnismäßig k i n d e r a r in. Weiter soll durch das Fideikommiß der Rerchtum, der Glanz der Familie erhalten werden. Dabei verarmen die Majoratsherren, wenn sie nicht reich heiraten. Der Familiensinn soll durch die Fidei- kommisse erhallen werden. Aber die Bevorzugung des Erst- geborenen führt im Gegenteil zur Zerrüttung des Familiensinnes! wie das Erstgeburtsrecht zu Be- trug, Erbschleicherei, Bedrohung führt, zeigt sehr anschaulich die Geschichte von Jakob und Esau. Daß die Fideikommißbesitzer etwas ganz Besondere" für den Staat leisten, kann sicherlich niemand behaupten, weder Blücher noch D o r ck und Scharnhorst, weder Stein noch Hardenberg, weder Bismarck noch Moltke waren Fideikominißbcsitzer. Gerade in den letzten Jahr- zehnten sind am meisten Fideikoinmisse gegründet worden, die v e r- hindern, daß der Boden sich zum tüchtigsten Wirt bewegt. Bei den reichsten �Fideikonimißbesitzern, die sich auch hervorragend industriell betätigen, bildet das Fideikommiß einen starken Anreiz zur Bildung und Ausdehnung des Latifundienbesitzes mir seinen volkswirtschaftlichen Schäden, und der arme Fidei- kommißbesitzer wird durch sdie Bindung des Bodens ver- hindert, sich das notwendige Betriebskapital zu verschaffen. Vor der großen Revolution war der Boden Frankreichs verwüstet, Weiler durch Fideikommiß gebunden war: trotz der Last der napoleonischen Kriege ging das Land kulturell gehoben daraus hervor, weil an die Stelle des Fideikommißbesitzers der selbst wirtschaftende kleine Bauer getreten war. In Deutschland wird dem kleinen Bauer außer durch Fideikommiß der Boden auch durch Staats- und Gemeindebesitz und durch Besitz der toten Hand lllniversitäten. Kirchen usw.) entzogen. Wir steuern gerode- zu englischen Verhältnissen zu, wo die fidei- kommissarisch gebundene Fläche niehr als die Hälfte des Grund und Bodens beträgt. Den größten Prozentsatz fidei- kommissarisch gebundenen Landes in Deutschland haben wir in der Provinz Schlesien, wo wir auch einen st ä n d i g e n Rück- gang des kleinen und mittleren Grundbesitzes, leine Aufsaugung durch den Großgrundbesitz sehen, womit eine andauernde Entvölkerung deS platten Landes Hand in Hand geht. Diese Entvölkerung seit 1835, geht in einzelnen Großgrundbesitzer- kreisen bis auf 17 Proz.(Hört! hört! bei der Volkspartei). Auch für die Urbarniachung der Moore ist der Fideikommißbesitz der größte Hemmschuh: der Besitzer kann für diesen Zweck ja gar keine Mittel verwenden, er muß ja das Geld für die jüngeren Kinder zurückhalte». Wenn den schönen Worten über die innere Kolonisation nicht bald die Taten folgen, steuern wir englischen Verhältnissen zu. Es kann keine Rede davon sein, daß der Reichstag in dieser Frage nicht zuständig sei. Die Kommission zur Beratung des B- G.-B. hat die Regelung des Fideikominißwesens nur so lange der Gesetzgebung der Einzel- slaateu überlasse», bis sich die Anschauungen über die Fideikoiniinsse geändert hätten.� Diese Wandlung der Anschauungen ist inzwischen längst erfolgt,(tochr wahr! links. Von Preußen ist in dieser Beziehung nichts zu erwarten. Loelbst wenn ein brauchbarer Ent- tvurf vorgelegt werden sollte, würde er vom Abgeordneten- und Herrenhaus so verschandelt werden, daß er unseren Ansichten in leiner Weise mehr entsprechen ivürdc.(Sehr richtig! links.) Noch viel weniger ist an eine befriedigende Regelung in Mecklenburg zu denken. Die jetzigen Zustände aus dem Gebiete des Fideikommiß- Wesens bedeuten eine schwere Gefahr sür eine gesunde Besitz- Verteilung. Mit diesem Fremdkörper— denn das Fideikommißwesen ist nichts als ein welscher Importartikel— muß endlich einmal auf- geräumt werden.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Hierl(Soz.): Sowohl im Reichstag wie in den Einzellandtagen vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht über den Fideikommiß und den Großgrund- besitz gesprochen wird, diese Gebilde, die so gar nicht in unsere Zeit hineinpassen. Wenn über Lebensmittelverteuerung und Volksernährung gesprochen wird, so spielt der Großgrund- besitz und vor allem der Fideikommißbesitz dabei eine große Rolle. Mit Recht hat der Vorredner betont, daß für die Volks- ernährung die Bindung des Besitzes eine gewisse Gefahr bedeute. Jede Statistik über' die Volksernährung beweist, daß nicht der Großgrundbesitz die Hauptquelle ist. aus der die Nahrung des Volkes fließt, sondern der kleinere und mittlere Besitz. Den bündigsten Beweis dafür liefert die Vieh- zählung von 19l2, die ergeben hat, daß gerade beim Großgrund- besitz die Viehhaltung im allerschärfsten Maße zurückgegangen ist. Das Streben des Großgrundbesitzes geht eben vielmehr dahin, möglichst viel Getreide zu bauen. Das typische Land des kleinen und mittleren Besitzes ist Bayern. Trotzdem nimmt auch dort das Bauernlegen durch die Fideikommißbildung gewaltig überhand. Man kann kaum irgend ein Gesetz- und Verordnungsblatt in die Hand nehmen, ohne zu finden, daß irgendein Adliger in Bayern Hunderte von Hektar Bauernland seinem Fideikommiß einverleibt. 1393 hatten wir in Bayern IM Fideikommißbesitzer mit IM 136 Hektar; 1997 war die Zahl auf 292 ge- stiegen, die einen Grundbesitz von 238 öS9 Hektar hatten.(Hört! hört!) Diese Fideikommißbildung wirkt wie isprengpulver auf die Landbevölkerung. sie verliert ihren letzten Halt, verläßt die Dörfer, zieht in die Städte, vermehrt dort das Proletariat, drückt die Löhne der Arbeiter, damit auch die Lebenshaltung und entvölkert das flache Land von Arbeitskräften. Erst ruft man künstlich durch das Bauernlegen die Leutenoi hervor und dann führt nian sie als Entschuldigungsgrund an sür die ver- minderte Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Der Zentrums- abgeordnete Dr. Heim hat wiederholt seine warnende Stimme gegen die Fideikommißbildung erhoben und hat sehr triftige und durch- schlagende Gründe dagegen angeführt, ohne daß doch das Zentrum irgendwie energisch eingegriffen hätte. iHört! hört! b. d. Soz.« Wenn man die Zusammensetzung deS Zentrums betrachtet, kann man sich darüber nicht wundern, denn der Adel hat eine gewichtige Stimme in dieser Partei, und man kann von ihr nicht verlangen, daß sie solch hoch- mögenden Anhängern vor den Kopf stoßen soll. In Bayern denkt man umso weniger an Maßnahmen gegen den Fideikommiß, da ja säst sämtliche Reichsräte Fideikommißbesitzer sind.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Der dortige Zustand ist ein großer Unfug, und ebenso ist es auch in anderen Bundes-. staaten. Daher mutz das Reich durch eine entsprechende Gesetz- gebung eingreifen, zumal der Grund und Boden von Rechts wegen der Allgemeinheit gehört. Die Sorge um die Ernährung des deutschen Volkes müßte die Regierung veranlassen, der Auflösung der Fideikommisse näher zu treten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das preußische Gesetz verteidigt die Fideikoinmisse damit, daß sie geeignet seien, dem Großgrundbesitz seinen Besitzstand zu gewähr- leisten und eine Reihe gesicherter Existenzen zu schaffen, die von Jugend aus den öffentlichen Angelegenheiten Interesse entgegen- dringen und in der Selbstverwaltung mit uneigennütziger Hingabe tätig sind. Der ganze Gedankengang dieses preußischen Gesetzes ist. mittelalterlich, seine Wendungen decken sich zum Teil vollständig mit' denen des konservativen Handbuches. Man erkennt daraus deutlich, daß die preußische Regierung nur das gehorsame Vollzugsorgan jener feudale» Kreise ist. Durch die Vereiniguiig großer Landstrecken in einer Hand und durch die Ilnveräußerlichkeit des Besitzes will man auf landwirt- schaftlichenr Gebiete, wo Arbeilcrorganisationen nicht vorhanden find, eine politische Macht schaffen, wie man eS auf industriellem Gebiete nicht mehr kann. Das Fideikommiß soll dazu helfen, das alte Feudalsystem aufrecht zu erhalten. Der Großgrundbesitz ist der Retlungsaiiker,»an den sich alle die klammern, die den Fort- Ichritt aushalten wollen. In den Wahlprolokollen des Reichstages finden ivir in ausgezeichneter Weise Zeugnisse für die politische Tätigkeit des Großgrundbesitzes.(Sehr wahr! bei den Sozial- deinolraten). Der preußische Entwurf spricht von der II n e i g e n- nützigkeit der Großgrimdbesitzer. Wo hat sich denn die bisher gezeigt k Das- Steuerjahr 1909 hat dem Manzen Volke bewiesen, wo diese Tugend im Großgrundbesitz zu suchen ist, sie kam glänzend zum Vorschein bei der Vermögens- und Erbschaftssteuer.(Sehr rtchlig I bei den Sozialdeniokraten). Die Zölle auf die Lebensmittel kamen dem Großgrundbesitz ohne jede Gegen- leistung zugute, und wenn heuer für die neue Militärvorlage auch vom Großgrundbesitz und von, Fideikommißbesitzer Opfer verlangt werden, so bedeuten sie gar nichts gegenüber den Opfern, die ständig der geringste im Lande bringen muß.(Sehr richtig! bei den Sozialdeniokraten.) Die Allgemeinheit hat kein Interesse daran, besondere Gesetze zur Erhaltung des Glanzes e i n z e l n e r' F a m i l i e n zu schaffen, vielmehr soll ohne Ansehen der Person nur die Tüchtigkeit darüber entscheiden, ob jemand etwa im Staate mitzureden hat. Wenn die Regierungen glauben, die Nachkommen der Fideikommißbesitzer sind immer tüchtig, so sind sie schief gewickelt, im Gegenteil ist in diesen Familien die Degeneration meist sehr weit vorgeschritten.(Sehr wahr! links.) Auch in wirtschaftlicher Beziehung, in bezug auf die Erzeugung von Nah- rungsmitteln, kann man von einer Pflichterfüllung der Großgrund- besitzer nicht sprechen. Die Zölle haben den Bodenwert unge- mein gesteigert und dazu geführt, daß mit dem Boden Wucher getrieben worden ist, und gerade die Großgrundbesitzer waren es, die unter die Gülerspekulanten gegangen sind.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Auch der kleine, und mittlere Belitz ist diesem bösen Beispiel gefolgt, auch sein Verkehrswert ist in wenigen Jahren un- gemein gestiegen, in den letzten zehn Jahren allein um 83 Proz. iHört! hört! bei den Sozialdemokraien), was in der Erhöhung der Lebens- und Nahrungsmittel für das gesamte Volk zum deutlichen Ausdruck kommt. Der Besttzwechiel ist außer- ordentlich stark und führt zu immenser Bodenverschuldung: die Hypolhekenbelastung des ländlichen Grundbesitzes hat von 1909 bis 191l von 640 Millionen auf 791 Millionen zugenommen. Der Großgrundbesitz wird eben als Spekulationsobjekt, als Objckr zum Verdienen betrachtet, wodurch die Allgemeinheit ge- schädigt wird. Der Fideilomnnßbesitz ist eine gefahrdrohende Erscheinung, ein Mittel zur Bereicherung einzelner und zur Aussaugung des ganzen Volles. Deshalb müssen die Besitzverhältniffe an Grund und Boden anders geregelt werden. Herr Gotheiu aber hat keine Konsequenz aus den Schäden des Großgrundbesitzes gezogen, er wollte nur als ersten Schrilt das Verbot der Errichtung neuer Fideikommiffe. Wir Sozialdemo- kraten aber sagen, wenn eine Aenderung eintreten soll, muß die gesamte Grund- und Bodenverteilung auf ge- s etzlichem Wege anders geregelt werden, der Boden darf nicht Spckulationsobjekt, sondern niuß Eigentum der Gesamtheit sein, wir verlangen daher von den Regierungen eine eingehende Unter- suchung der Besttzvcrhältnisse und eine pflichtgemäße Durchführung einer Aenderung der Besitzsormen. Dem Antrage summen wir zu, obwohl wir wisse», daß die Regierung Fleisch ist vom Fleisch und Blut vom Blut der Großgrundbesitzer, und daß sie daher nicht wagen wird, den Zopf der Fideikommisse abzuschneiden. Wollte der preußische Entwurf sie noch erhalten wissen, um den Glanz bestimmter Familien aufrecht zu erhalten, die eben die Sterne sind an der Sonne des Hofes. Wir hoffen aber, daß das Wort»Die EntWickelung steht nicht still" auch aus die Landwirlschast zutrifft, und daß eine Zeit kommen wird, wo die Bewirtschaftung des Grund und Bodens und die Erzeugung der Nahrungsmittel von und für die Gesellschaft betrieben werden kann.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Spahn(Z.)(auf der Tribüne im Zusammenhang nicht verständlich) bemüht sich nachzuweisen, daß die in Frage stehende Materie zur Zuständigkeit des Landes— nicht der Reichsgesetzgebung— gehört. Auch freisinnige Parlamentarier hattenfrüher diesen Standpunkt eingenommen. Abg. Dr. Thoma(natl.): Das gesamte bürgerliche Recht kann Gegenstand der Reichsgesetzgebung sein: es kann daher gar kein Zweifel darüber bestehen, daß das Reich befugt ist, die Fidei- kommißgesetzgebung zu regeln.— Materiell begegnet sich der An- trag Ablaß mit einem im Februar 1912 eingebrachten national- liberalen Antrage, der ebenfalls eine Beschränkung der Fideikommisse anstrebte. Dieses Institut hat etwas lieber- lebres, etwas Mittelalterliches an sich. Daß auf Fideikommisse schlecht gewirtschastet wird, ist ebenfalls eine Binsenwahrheit.(Sehr richtig! links.)— In der Pfalz ist die Fideikommißbildung sert jeher verboten, desto mehr ist im übrigen Bayern die Fideikommiß- bildung verbreitet infolge der Bestimmungen über die Reichs- räte. Es gibt auch lebenslängliche Reichsräte, das sind Leute, die teils sich um das Vaterland viel verdient gemacht, teils am Vaterland viel verdient haben.(Große Heiterkeit links.) Wir treten durch unsere Zustimmung zu dem Antrag ein fiir eine gesunde Bauernpolitik und innere Kolonisation gegen die ungesunde. dem Allgemeinwohl widerstreitende Fideikommißentwickelung.(Bravo! links.) Abg. Dietriches eine sichtliche Bestürzung bei den bürgerlichen Vertretern hervor. polizeiliches,©cricbtlichcs ulw. Tie Geschäftstüchtigteit eines frommen Zentrumsführers bildete den Gegenstand einer Klage gegen unser Mannheimer Parteiblatl. In Ilvesheim bei Mannheim wurden vor einiger Zeit bei einer' Revision des Landwirtschaftlichen Konsumvereins grobe Unregelmäßigkeiten fest- gestellt. Es fehlten in der Kasse über 2000 M. und im Kassenbuch wurden falsche Einträge entdeckt. Verantwortlich hierfür war der Rechner des Verein?, ein gewisser Kailbach, der als stellver- tretender Bürgermeister und hervorragend tätiger Zentrumsführer großes Ansehen genoß. Dessen Sohn soll die Unregelmäßigkeiten verschuldet haben. Gegen letzteren schwebte ein Verfahren; er wurde aber freigesprochen, da ihm ein Verschulden an diesen Vor- gongen nicht nachgewiesen werden konnte.— Die Mannfjcimct . V o l ksst i in m c", welche seinerzeit Mitteilungen über diese Vor» gängc veröfsentlichte, wurde von Kailbach scn. wegen Beleidigung vertlagt. Das Gericht kam ober zu einem Freispruch, da die .Volksstimme" in der Lage war, den Wahrheitsbeweis in vollem Ilmsange zu erbringe». Die Unregelmäßigkeiten sind erwiesen; wer sie verichuldete. Vater oder Sohn, das prüfte das Gericht nicht, es hielt Kailvach scn. sür den Verantwortlichen. 5pze!erprs?e!Z StalZmann. Sechster Berhandlungstag. Auch der gestrige Tag illustrierte das Leben in den.feinen" Kreisen, in denen Unsummen verspielt und verloren werden. Der «cprüstc Obersörsterkandidat a. T. Hellmuth Bergell befand sich im Jahre l9l0 in Monte Carlo und lernte auf einem Ausflug nach Nizza den..Baron König" kennen. Der Zeuge wurde zum Frühstück nach dem Hotel eingeladen, nach dem Frühstück wurde geknobelt. Als man nach Monte Carlo zurückgekehrt war. atzen die Herren in ciiicin besonderen Zimmer des.Hotels, nach dem Essen wurde ein Spiel mit Würfeln begonnen, mit dem Schluß. effckt, daß Bergell 2M0 Frank in bar und 9969 Frank in unbor verlor. Irgend etwas Verdächtiges sei ibm bciin� Spiel nicht aus» gefallen. Ueber seine Spielschuld wurde ein Schein ausgestellt. Späler ist der Zeuge nach London zur Einleitung eines Finanz» gcschäfts gekommen. Er hatte das Bedürfnis 59 000 M. zu er» halten ier war damals mit einer millionenschweren Dame verlobt). Statt des Bankiers kam Herr v. König und erklärte sich bereit. seinerseits das Geschäft zu machen, falls Bergell imstande wäre. zwei zuverlässige Bürgen zu stellen. Zum Abschluß des Geschäfts ist es aber nicht gekommen. Er habe in London Herrn v. König auch in seiner Behausung besucht und gesehen, daß er glänzend ein» gerichtei war und eine sehr gute Gesellschaft dort verkehrte. Aller- dings habe er dort auch einen Mann gesehen, der„ach feiner Ansicht eigentlich gar nicht in diese lÄesellschest paßte, denn er sab zu philisterhaft aus. etwa wie ein Schneider-oder Schuster und„solchen Leuten gibt man doch nicht die Hand". Einmal habe er mit Stallniann, Newton und noch einem Engländer gepokert. später in der Bar des Esplanadehotels gewürfelt, und zwar mit: kleinen Umsätzen, dann bat er noch einmal mit ihm gepokert. Ten Angeklagten-Niemela habe er kurz vor der Prinz-Heinrich- Fahrt, an welcher sich dieser beteiligen wollte, kennen gelernt. Niemela habe ihm einmal vor Stallmann und Buies gewarnt. Er habe lange Geschichten über die Art erzähl!, wie jene Leuie jenen-. Geschichten, die so märchenhaft klangen, wie die Geschichte von Aladin und die Wunderlavipe. Danach sollte Stallmann eiruGArt Zauberring für kolossales Geld erworben hoben. An diesem Ringe sei ein Spiegel befestigt, mittels dessen er die untere i!?eite der Karten ablesen könne; bei Rouge et noir. würden die Korten durch Ein» biegen einer Farbe oder durch Eindrücke mittels des Finger- nagels gekennzeichnet. Niemela sagte, er könne die Tricks auch ausführen und auf Ersuchen des Zeugen hat er mit diesem aus Scherz ein Spiel angefangen, um ilm zu zeigen, daß er die Ge- heimniffc das.comger la fortune">das Glück verbessern) auch sehr gut kenne. Bei den Versuchen bot der'Zeuge aber, wie er sagt, gesehen, daß Niemela keine Ahnung davon habe und daß man mit solchen Tricks vielleicht Ifljöhrige Primaner, ober niemals gewiegte Spieler düpieren könne. Niemela drückte sich sehr scharf über Stallmann, Buies und Genossen aus und sagte mehrmals: „Wenn ich nur von diesen Hunden loskäme, Sie glaube« gor nicht, was ich alles ausgestanden habe,"- Aicmela(hat dem Zeuge« Bonn eines Tages gnch erzäk>st> daß �er Leutnant b. Tippe im gürjtenljof an die Leute Sllftttv M. verloren habe; eigentlich könne er dies nicht dulden, um so weniger, als er aus dieser Affäre selbst noch in Teufels Küche kommen könnte und so kam Nicmela dchju, Herrn v. Tippe aufzuklären und zu warnen. Tiefe Warnung bat dann Bergcll ausgeführt und sich mit Herrn v. Tippe in Ver- bindung gesetzt und ihni nahegelegt, daß er den Spielwcchsel nicht zu bezahlen brauchte. Scbr ausführlich wird der Kaufmann Stephan Lucas Buirs, bekanntlich ein Ruinänier, der in dem Borprozesse verurteilt worden rst und seine strafe nocb verbüßt, vernommen. Er ist ein sehr aufgeregter Mann, der in einem seltsamen Kauderwelsch und in ?bem T-Zug-Tempo seine Aussage» macht und sich wiedcrbolt mit uberstiirzeiiüench allerdings nun schon besser die deitsche Sprach, denn ich besuche die� Hochschule in Plötzcnsee zmeimal wöchentlich."— Boi- sivender: sie sollen hier als Vorsitzender: Unterlassen Sie solche Redensarten und fahren sie fort!— Zeuge erzählt dann, auf dem Zimmer des �eutnants Nicmela sei es zum Spiel gekommen. Stallmann spielte hoch,„auf einmal"— so fährt Buies fort—„kommt Herr v. Tippe ich schon kannte vom spielen an anderen Orten, sie müssen wissen, Herr President, er war intim zu mir, sagte immer: „man oder Henrichs", also er kommt, und war gar nicht besaufen, schmeißt ein braunes bin und sagt: Wollen ibm das Genick brechen I" Zeuge, babc 160 000 M. gewonnen. Es ließ sich einen Wechsel geben. Er glaube, daß von Tippe ,n vollem Bewußtsein statt 80 000 ..�chtzlgtausend Tausend Mark" geschrieben babe, damit der Wechsel nicht gültig sei.— Borsitzender: Sind Sie denn davon überzeugt, dax ehrlich gespielt worden ist?— Buies: O. ich bitt Sie, wenn jemand verliert, sagt er: Falschspieler. Das beruht alles aus Hhpnotismc und Suggestion. In Anklageschrift schreibt sich das alles ganz wunderschön und großartig. Es war alles ehrlich. Auch stallmann bat einen Wechsel für seinen Verlust über 82 900 M gegeben. Die Sitzung wurde dann auf Donnerstag um S Uhr vertagt. Hub Iftduftm und f)andcL Unternehmungen und Presse. Für die Auffassung, die kapitalistische Privatuntcrnehmungen �Ükchbe der Finanzprcsse haben, ist ein Schreiben charakte- ristrjch, das die„Konjunktur" in ihrer letzten Nummer veröffent- Ein großes Berliner Handelsblatt hatte über die Ve.r- schlechierung des Geschäftsganges in einem industriellen Groß- betriebe berichtet. Tarauf sandte die Verwaltung des Unterneh mens an die betreffende Handelsredaktion ein Schreiben, in dem es u. a. heißt: An die Redaktion.... �_...... Dies gibt uns Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß wir von jeher zu den Zeitungen, in denen wir unsere An- zeigen, unsere Bilanzen usw. veröffentlichen, in der Beziehung stehen, daß sie, ehe sie Notizen, die uns betreffen, dringen, durch Rückfrage an uns sich zunächst vergewissern, ob dieselben auch zutreffend sind. Indem wir diese Gepflogenheit in Erinnerung brin- gen, bitten wir..... Tie verhüllte Drohung, der Zeitung die Annoncen zu entziehen, falls sie es wagen würde, ohne Erlaubnis der Verwaltung Mit- teilungen zu veröffentlichen, soll lwic die„Konjunktur" mitzuteilen weißt, nicht einmal die gebührende Antwort von der Redaktion erhalten haben. Da ist es nur zu verständlich, daß die Verwaltung von einer„Gepflogenheit" sprechen kann. Berliner Arbeitsmarkt im Februar. Nach den Mitteilungen des Zentralvercins für Arbeitsnach- kveis brachte der Februar eine wesentliche Veränderung auf dem Berliner Arbeitsmarkt nicht. Schleppenden, sogar schlechten Gc- schäsisgang melden wie im Januar die Metall- und Maschinenin- dustrie, das Holz- und Baugewerbe. Erholt haben sich nur einige Brauchen, bei denen die Saisonarbeiten, wie in der Kcknfcktion und der Gärhurei, die Nachfrage steigerten. Bei den Arbeitsmarkt- nachweisen war der Andrang von Arbeitsuchenden groß. Die Mit- gliederzahlen der Krankenkassen sind bei den Männern gesiinten, »nü auch die Einnahmen der Landesversichcrungsanstalt aus den Markenbciträgcn errcichteii nicht die Höhe des Vorjahres. Die Lage in der Eisen- und Melallindnstric ist weitaus schlech- ter geworden. Am Schlüsse des Monats zählte der Metallarbeiter- berband zirka 4700 Arbeitslose. Die Krankenkassen der Eisen-, Metall- und Maschinengruppc hatten am Schlüsse des Monals 8100 Mitglieder weniger wie im Vormonat. N»t die Maschinisten und Heizer konnten eine kleine Besserung melden. In der Holz- rnhuüric war die Lage auch im Februar noch als schlecht zu de- zeichne!,. Am Schlüsse des Monats wurden 3355 Arbeitslose ge- Zhbl!. Malcrgcwcrbe war gegen den Vormonat Besserung eingetreten. In der Gips- und Zementbranchc war äußerst schlechte Konjunktur. Sehr wenig Arbeitsgelegenheit bot sich den Maurern, Zimmerern, Dachdeckern, Steinsetzern. Die Ofensetzer hatten am Schlüsse des Monats noch 1011 Arbeitslose. Ziemlich ungünstig war die Bcschästigungsgelegenhcit für kaufmännische Angestellte. ES tandcn sehr viele Entlassungen statt. Auch für weibliches besseres Personal war wenig Nachfrage. Dagegen für Stenoth- pistinnen und weibliches Kontarpersonal war die Nachfrage nicht ungünstig. Die ÄonfektioiiSbranche hatte sehr reichlich z» tun; sie nahm-""(i 6000 weibliche Arbeitskräfte auf. In der Hutindllstrie war der Geschäftsgang sehr schlecht. Andauernd ungünstig Kiieb die Lage in der Schuhindustrie, während das Schuhmachcrhaiid- werk normal beschäftigt war. Tic Wäschebranchc meldet keine gute Geschäftslage. Nach dem Bericht des Zentralarbeilsnachwcises hielt sich die ollgemeine Loge gegenülier dem Vormonat auf der gleichen Höbe; es trat aber gegen den Parallelmonat des Vorjahres nicht nur keine Besserung ein, sondern es war ein erheblicher Rückgang auf ollen «Kebicten des ErwerbKleve,,� � verzeichiicn. Die Ursache dürfte in erster Linie aus oje sehr ungünstige Lage des Baumarktes zurückzuführen sein, die alle mit diesem im Ziisammcnhange stehe» den Berufe ungünstig beeinflußt. In zweiter Linie veranlassen die noch schwebenden Berbandlungen der verschiedenen Tärisvcr- träge zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Zurückhaltung der Austräge, In dir Abteilung für mäniilichc ungelernte Ar- heiter kamen auf 100 onene Stellen 168 Arbeitsuchende(im Vorjahre 127, im Vormonat 169). In der weiblichen Abteilung entfielen auf 100 offene Stellen 1l �Gbeitsuchende lim Vorjahr 99 und im Vormonat 1381._____ Ermäßigung der Preise für Metallsadenlampen. Die Allgemeine Elettrizitäts-Gesellschaft in Berlin Hot kürzlich khrer Kundschaft durch Rundschreiben die Ermäßigung der Preise für Metallsadenlampen angezeigt, aber auch die anderen Gesell- tchatten lz. B. Siemens u. Halske). welche Metallsadenlampen foottzteren, find mit den Preisen heruntergegangen oder werden mit ihnen heruntergehen. Tie Preisermäßigung ist allerdings nicht erheblich. Sie beträgt im allgemeinen nicht mehr als 5 Pf. für die Lampe. Man hat die Bruttopreise nennenswert herab gesetzt und zwar etwa von 1,56 M. auf 1,10 M., aber man ver- rechnet die Raballe jetzt so, daß doch nicht mehr als die genannte Preisermäßigung herauskommt. Bisher betrug der Rabatt auf eine Lampe im Preise von 1,50 M. 50 Proz., sodaß der wirkliche Preis 75 Pf. war. Jetzt kommt ein Preis von 70 Pf. heraus, bei einem Bruttopreis von 1,10 M., sodaß also der Rabatt nicht un- wesentlich kleiner geworden ist. Bemerkenswert ist, wie die Allgemeine Elettrizitäts-Gesellschaft die Preisherabsetzung in ihrem Rundschreiben motiviert:„Die sebr erhebliche Steigerung des Ab- satzes im In- und Anstände, sowie die Einführung des gezogenen Metalldrahtes haben eine Herabsetzung der Selbstkosten zur Folge gebavt, die eine Reduktion der Verkaufspreise gestatten. Wir halten es aber für unzweckmäßig, sie in Form von Rabatterböhungen zu gewähren. Der Zwischenhandel bedarf zuverlässiger Bruttopreise lind eines Rabattes, der tunlichst seinen Nutzen darstellen soll. Der jetzigen Ilnsichcrbeit des Marktes wollen wir ein Ziel setzen. indem wir bei der Herabsetzung der Brutto-Verkaiifspreisc die Rabatte regulieren." Nun ist es richtig, daß bei sieigendem Absatz die Prodnktioiisselbsikosten sinken. Aber einmal bringt die Absatz- steigening eine Erhöbung der sonstigen Spesen mit sich»iid ferner haben die großen Unternehmungen das Bestreben, die Umsätze der art zu erhöhen, daß sie die anderen Gesellschaften nach Möglichkeit ans dem Felde schlagen. Es handelt sich auf dem Markte der Metallsadenlampen um einen erbitterten Kamps der Unterneb- mungen gegeneinander, dem schon eine ganze Anzahl kapital- schwacher Firmen zum Hpfer gefallen ist. Würde die. A. E. G. die Absatzjtcigerung ohne Preisermäßigung erreichen können, so wäre nichts natürlicher, als daß sie die Minderung der Selbstkosten als eigenen Nutzen in die Tasche stecken würde. Es ist nicht so, daß wie in dem Rundschreiben gesagt wird, die Herabsetzung der Selbstkosten eine Reduktion der Perkaussprüse gestattet, sondern so, daß die Verkaufspreise herabgesetzt werden müssen, um der nun einmal eingeschlagenen Erwciicrungstendenz bczw. Vermchrungstendenz gerecht zu werden. Wenn diese Tendenz nicht vorherrschte, so wären aller Wahrscheinlichkeit nach die Gesellschaften schon längst zu einer Konvention gekommen. Sie scheuen sich aber vor einer Konvention, weil sie ibren Absatz nicht einengen lassen wollen. Sie wenden vielmehr alle möglichen Mittel an, um den Absatz zu vergrößern und zu diesen Mitteln gehört vornehmlich die Preisherabsetzung bezw. Rabatterhöhung, die so begründet wird, als ob sie im Interesse der Zwischenhändler vorgenommen wird, die aber in Wirklichkeit nichts anderes ist. als ein krampfhaftes Bemühen, ans dem Metallsadenlampenmarkte das Monopol zn erhalten. Berlängerung des RobeiscnvcrbandeS. Der Verbandsvertrag des Essener Robciscn-Sbndikats. der ursprünglich vom 1. Januar 1912 b:§ 31. Dezember gelten sollte, ist in diesen Tagen bereits bis Ende 1917 verlängert worden. Bis zum gleichen Ter min ist auch das Abkommen mit der Lotbringisch-Luxembujrgischen Hochofengruppc und der Siegcrländer Gruppe, die eine Sonderstellung im Syndikat genießen, verlängert worden. An den Per bandsbestimmungen soll wesentliches nicht geändert worden sein. Die dem Syndikat angeschlossenen Werke müssen dem Syndikat ihre gesamte zollinländiscbe Erzeugung an Roheisen übertragen. Aus- geschlossen von dem Verkauf an den Verband ist der Roheisenselbst verbrauch. Als Selbstverbrauch gelte» auch die Mengen, dw von Betrieben verwandt werden,, die mit Syndikatsmitgliedern in In- tcressengemeinschaft stehen. Hus der frauenbewegun� Tiersammlunqen— Beranstaltnnge«. Berri« für Frauen»nb Mädchen der Arbeiterklasse. Die nächste Versammlung findet M o n t a g, d e n 1 4. d. M. statt. Referent Rcichstagsabgeordneter Gradnckuer. Soziales. Rochmols: Papier statt Lohn? Die Frage, ob§ 115 der Gewttbeordnung trotz der ausdrück- iichen Vorschrift: die Gewerbetreibenden sind verpflichtet, die. Löhne ihrer Arbeiter in ReichSwäbrung zu berechnen und bar auszuzahlen, eine Zahlung durch Rrichskassenscheine, Noten der Partikularstaaten oder Rcichsbanknoten statt durch hartes Geld zuläßt, will nicht zur Rühe kommen. Es wird ein Gutachten des HandelsministcrS ver- öffentlicht, nach dem die Zahlung in Reichskassenschcinen zulässig sei. .Die„Arbkitgeberzeitung" wendet sich heftig gegen unsere, mit der Auffassung der bedeutendsten Kommentare der Gewerbeordnung übereinstimmende Ansicht. Längere Ausführungen gegen unsere Darlegungen enthält auch die Wochenschrift„Plntus" vom 29. März. Es ist erstaunlich, wieviel schiefe, irreführende Aus- lassungen ersolgen, um dem Arbeiter den Schutz wegzudiSputieren, daß ckür in barem Olcld der Lohn auszuzahlen ist. Vorweg möchten wir bemerken, daß der neueste, soeben er- schicnene Kommentar zur Gewerbeordnung— vom Scnatspräsi- dcntcn Dr. Georg Lindrnbcrg— mit uns die?lnsicht vertritt, daß Zahlung in Rcichskassenschcinen unzulässig ist. Es heißt dort: ..Daß mit Zustimmung des Arbeiters auch in anderen Geld- surrngoten, z. B. Reichskassenscheinen, gezahlt werden können, läßt sich nach den? Wortlaut des K 115 nicht rechtfertigen." Reichsbank- noten will Lindenberg zulassen, weil sie zu gesetzlichen Zahlungs- Mitteln erklärt sind. Das Gutachten des HandelsminifterS geht kurz dabin: Der 8 113 der Gewerbeordnung besage nicht, was als Bezahlung zu gelten hat. Tic Novelle zum Reichsbankgesetz vom 1. Juni 1909 habe den Banknoten die Eigenschaft eines geschlichen Zahlungs- mittels beigelegt. Sie könnten daher auch zur Zahlung von Lohn verwendet werden. Solche Verordnung sei aber auch für Reichs- kass.'nschciuc zulässig, wiewohl diese kein gesetzliches Zahlungsmittel sind. Das Gutachten sogt in seinem Schluß:„daß auch nach der vorstehend vertretenen Auffassung"(nach der Zahlung in Bank- noten, Reichökassen scheinen und Silbermünzen über 20 Mt. hinaus zulässig sei)„die Zahlung in Papiergeldzeichen ohne Zwangskurs nur dann Barzahlung ist, wenn sie im Verkehr ihren Nennwert voll repräsentieren". Das Gutachten beruft sich für seine Ansicht aiif eine Erkenntnis des Obertribunal« vom 2. Juni 1874. Sehr zn Unrecht. In diesem Erkenntnis wird ausgeführt, daß eine Zahlung in Wechseln keine Varzablnnq im Sinne der Gewerbe- ordnung ist. Es beißt dort:„Ter Ausdruck barrs Eleld umfaßt bc- greislich diejenigen Wertzeichen, welche einen bestimmten, aus dem- selben ausgedrückten Geldwert an sich, unmittelbar und sofort re- präsentieren und mit Genehmigung des Staats als Zirkulatians- mittel dienen."„Ein Wechsel gewährt seinem Inhaber nur einen Anspruch auf Zahlung der Wcchselsummc, einen Anspruch, zu dessen Realisierung es erst einer Rechtshandlung bedarf; er stellt also diese Summe nicht in sich und unmittelbar dar."„Die vorstehende 'Auffassung entspricht auch dem Zweck des Gesetzes, weil nur durch eine Vorschrift, dahingehend, daß die Lohnzahlungen in solchen Wertzeichen ersolgen sollen, welche im Handel und Wandel un- bedingt, allgemein und unmittelbar als Zirkulationsmittel dienen. der Umgehung des Verbots der Waren zahlung in dem ansgedebntcn sinn, wie solche beabsichtigt wurde und erforderlich war, vorgebeugt werden konnte."„Es geben weder die Motive, noch die legislato- rischen Verhandlungen einen Anhaltspunkt dafür, daß gezogene Wechsel oder daß andere geldwerte Papiere, von welchen ein be< recht? gier Rückschluß auf Wechsel gemacht werden könnte, alS unter den Begriff des baren Geldes fallend hätten angesehen werden sollen." Dies Erkenntnis und ein ähnliches des Reichsgerichts vom 27. März 1888 läßt sich nicht zugunsten, sondern nur zu Ungunsten der Anschauung verwenden, die dem Arbeiter Papier statt Geld zukommen lassen will. Steht es denn mit den Papiergeldzeichcn anders, als mit guten Wechseln? Wir haben Reichsbanknoten. Roten vo?i Einzclstaaten und Rcichskassenscheinc. Diese sind samt- lich Anweisungen auf Geld, aber kein Geld. Auch die Reichsbank- noten sind lediglich Anweisungen auf Geld, wiewohl die Novelle vom l. Juni>909 ihnen die Eigenschaft gesetzlicher Zahlungsmittel beilegte. Auf den Reichsbantnoten heißt es: 20(50, 100, 1000) Mark zahlt die Rcichsbankhauptkasse in Berlin ohne Legitimationsprüfung dem Einlicferer dieser Bank- note. Die Reichskassenschrine sind ebenfalls nur Geldsurrogate, kein Geld, sondern auf den Inhaber lautende Schulvcrschreibungcn des Reichs. Nach dein Gesetz vom 30. April 1874 findet im Privat- verkehr ein Zwang zu ihrer'Annahme nicht statt und ist die Reichs- kassc verpflichtet, dtb Scheine für Rechnung des Reichs jederzeit auf Erfordern gegen bares Geld einzulösen. Sic enthalten also wie Wechsel ein Schuldverspr'echen, das durch Geldzahlung erfüllt wer- den mutz. Anweisungen auf Geld sind kein Geld, erst recht keine Zahlung in bar. Banknoten und Kassenscheine sind kein Geld, sondern Geld- surrogate. Sic repräse??Heren, wie Wechsel, den auf ihnen aus- gedrückten Geldwert nicht an sich, unmittelbar und sofort» stellen die Summe, über die sie lauten, nicht in sich und unmittelbar dar; zu ihrer Realisierung bedarf eS erst einer Rechtshandlung-lder Einlösung durch das Reich als Schuldner, wie der Wechsel zu seiner Realisierung der Einlösung durch seinen Schuldner). Im„Plutus" wird zugegeben, daß der Arbeiter nicht verpflichtet ist, Reichskasscnscheine, Noten von Privatbanken oder Scheidemünzen in unzulässiger Höbe anzunehmen. Aber, meint auch er, wenn solche Zablung angenommen ist, sei sie rechtsgültig. Dieser Auffassung stebt das gesetzliche Gebot der Barzahlung in fs 115 und die Porscbrist in§ 116 entgegen:„Arbeiter, deren Forderungen in einer dem fi 115 zirwiderlau senden Weise berichtigt worden find, können zu jeder Zeit Zahlung nach Maßgabe des ij 1l5 verlangen, obne daß ihnen eine Einrede aus dem an Zahlungs Statt Gegebenen entgegengesetzt wenden kann. Nicht obne Grund bekämpfen wir den Versuch, den Arbeitern statt vor Geld, auf das sie Anspruch haben, Papiergeldscheinc auf- zudrängen. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß Banknoten der Einzclstaaten selbst von öffentlichen Kassen ihrer Nachbarstaaten z?lrückgewiesen werden. Es tritt h?'nzn: wenn man einer laxen Auslegung des§ 115 zustimmt, so ist keine Grenze. Wechsel und Schecks z. B. auf Krupp sind sicher ebenso leicht zu realisieren w>e Kassenscheine oder Rcichsbanknoten. Unzweifelhaft stellen sie keine Barzahlung dar. Läßt man Reichskassenscheine als Barzoblung zu, so liegt kein Grund vor, nicht auch Wechsel und Schecks— und nicht nur solche auf die Firma Krupp— als Zablnngsmittel für Lohn zuzulassen. Damit würde das Truck- svstem zum Schaden der Arbeiterklasse wieder Eingang finden. Doppelt erforderlich ist Vorsicht auf diesem Gebiete in dem Augen- blick, wo der Bestand der Rcichskassenscheinc erheblich erhöht wer- den soll.'' S Gerichts- Leitung. Dos Osterfclder Zechenunglück vor der Strafkammer. Die Drangsalierungeu der Steiger aus Zeche Osterfeld bei Obcrbausen und das Explosionsunglück. das sich am 3. Juli v. I. auf genannter Zeche ereignete, wobei 16 Bergleute getötet und 6 verletzt wurden, war am Dienstag Gegenstand der Erörterung vor der Bochumer Bcrufungsstrafkammer. Der Vorsitzende des Steiger- Verbandes, Werner, hatte in einem Artikel die Ursachen des Un- glücks aus die unerhörten Antreibereien zurückgeführt, die auf lener, der bekannten Gutehofsuungshüttc gehörenden Zeche Herr- scheu. Darauf erhielten Blätter, die den?lrtikel gebracht hatten, von dem Steiger, in dessen Revier das Unglück passiert ist und der selbst dabei schwer verletzt� wurde, eine Berichtigung; desgleichen eine solche von sämtlichen Steigern der�Zeche. lieber die'Antwort, die Werner darauf gab, fühlten sich die Steiger beleidigt und stellten wegen des im Bochumer„Volksdlatt" veröffentlichten Artikels Strafantrag mit dein Erfolge, daß das Bochumer Schöffengericht Werner unter Vcrfagnng des Schutzes des K 193 des Strafgesetz- buches zn 50 Mk. Strofc verurteilte. In der Brrufungsverbnndlung wurde festgestellt, daß der ver- unglücktc Steiger den'Aufbruch, in welchem die Explosion passiert war, den bergpolizeilichen Vorschriften z?lwider am Unglückstage nicht inspiziert hatte. Werner hatte in seinem Artikel gesagt, daß dies wegen der außerordentlich starken Ueberanstrengung des Steigers infolge Verfahren von Strassrfiichtcn und Nebenarbeiten unterblieben sei. Es wurde ferner festgestellt, daß die Pretzzentralc des Zcchenvcrbandes den inkriminierten Artikel der Zechenvcr- waltung zur weiteren Veranlassung zugesandt battc und daß die „Berichtigung" des Steigers mit Hilfe vcm dessen Bruder im Krankenhaufc zujtandegekommen ist, als der Verlebte noch schwer trank daniederlag, und dann der Zechenverwaltung übergeben wor- den ist. Die ucincinsamc Berichtigung der anderen Steiger ist nach Rücksprache eines Steigers mit einem Vorgesetzten zustande- gekommen. Dieser hatte selbst den Entwurf zur Berichtigung ge- inacht. Höchst merkwürdig war. daß sämtliche vernommenen Steiger in der Verhandlung erklärten, die Strafschichten wegen ungenügender Förderung und die Strafaufsicht am Lcseband wegen unreiner Kohlen nicht al? Strafe auffassen zu können, ebenso wenig die sonstigen Nebenarbeiten, die sie außer ihrer regelmäßigen Schicht?nnchcn müssen, wovon die Anfertigung der monatlichen Lohnlisten allein bis zn 16 Stunden in Anspruch nimmt. Ter Br- triebsfiibrer erklärte ganz offen, der Strafdienst babc den Zweck, die Kohlenförderung zu steigern. Aus der Berbandlung ersah man wieder, daß die Zeugen unter einem furchtbaren Druck standen. Sic verwickelten sich, anscheinend in ihrer Befangenheit wegen der Gegenwart ibrer Vorgesetzten, in die eklatantesten Widersprüche. Die Berufung wurde dennoch verworfen. Hus aller Welt. Die 8oUn,W, mittel t 9,>«-19, Kr!, gelinge 19,20— t9,:U. Roggen, gute Sorte 16,114—16,05, mittel 16, 02-16, 05, gelinge 16,00—16,01(ab Bahn). Futter» gerstc, gute Sorte 16,20—16,60, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50. Hafer, gute Soite 17,40—19,70. mittel 16.50— IV,:«(jiei Wagen und ab Sahn), Mais tmixed),»nie Sorte 14,45 14,80. Mais(runder), gute Sorte 15.20— 15,60," Richtstroh 0,00. Heu 5,50—7,00. M a r t 1 h a 1 1 c n v r c i i e, 100 Kilogr, Erbten, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Svciscbohncn, weihe 55,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(KleiiihdU 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1 ,60— 2,40. Rindfleiich. Bauchfleisch 1,30—1,80. Schwemeflettch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2.40, Butter 2,40— 3.00, 60 Stuck Eier 3,40— 5,40. 1 Kilogramm Karpten 1.20—2,60. Aale 1,60— 3,20. Zander Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,20—2,40. Schleie 1,60— 3,20, 1.40-3,60, Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,00—50,00. Die reellsten und billigsten Möbel und Polnterwarcn erhält man zu ICassaproieen in der seit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. SclmlB, Reiclienberger Straße 6. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehn- jährigsr Garantie.(5 Proz. Kaeaaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung Gegen die I�elenpolitikZ In unserem Berlage ist erschienen: vis preußische Polenpolilik. V°n Hermann Wendel. Preis 1,20 M. Ungekürzte Bereinsausgabe 60 Pf, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 69. 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Bekanntlich hat die Mehrheit am Schlich der DienStagfitzung gegen die Sozialdeinokraten und Liberalen beschlossen, datz von dem allen Brauch, bei dein Titel M i n i st c r g e h a l t die allgemeine Besprechung vorzunehmen, abgewichen und nur über die einzelnen Abschnitte des Äultusetats allgemeine Besprechungen geführt werden sollen. Dax über diesen Beschhch Unklarheit besteht oder durch ihn erzeugt wurde, beweist der Umstand, daß der Berichterstatter, Abg. Heckenroth(f.) nach wenigen Worten vom Präsidenten unter- brachen und zur Einschränkung seiner Ausführungen gemahnt wird. Abg. Hoffmann sSoz.): Wir sind nicht in der Lage, uns mit der Haltung des Kultus- Ministers und der anderen bei dem Titel„Ministergehalt" in Be- tracht kommenden Beamten ciiwerstanden zu erklären, wenn er nicht Auskunft, erteilt über gewisse gesetzlvidrigcBcrord nungen und Schrine, oder wenn er nicht Remcdur dagegen schafft. Bevor wir dem MinistergeHalt zustimmen können oder nicht,, nüssen wir uns doch erst ansehen, ob Leistungen und Gehälter im Einklang stehen, ob diese Beainten die Gesetze richtig Hand- baben. Nicht nur die Opposition, sondern weitere Kreise haben alles Interesse daran, den Minister einmal zu veranlassen, der Frage der Trennung von Kirche und Staat näherzutreten. Präsident Dr. Graf v. Schwcrin-Löwih: Sie gehen über zu einer allgemeinen Besprechung, die bei diesem Titel auf Beschluß des Hauses nicht stattfinden soll und die ich bis zu dem betreffenden Abschnitt zu verschieben Jjilte. Abg. Hoffmann: Ich beabsichtige, bei dem Gehalt des Ministers die Fragen aus zuwerfen, die für uns, aber wohl auch für das ganze HauS maß- gebend sind für die Ablehnung oder Bewilligung des Gehalts. Die Dinge, die ich vortragen will, konnten unter ilmständen auch das Zentrum, die Freisinnigen und bei manchen Punkten sogar die Kon fervaliven in�ihrer Haltung beeinflussen. Es ist aber an keiner anderen Stelle des Etats als bei dem Ministergehalt möglich diese Fragen zu entscheiden, denn eine Kritik, nachdem die Gehälter bewilligt sind, kommt zu spät. In allen Parlamenten der Welt wird bei dem Gehalt des Ministers die. Kritik an seiner gesamten Haltung geübt.§ 17 unserer Geschäftsordnung sagt gewiß, daß eine allgc nieine Debatte bei der zweiten Lesung von Gesetzentwürfen nicht stattfinde, aber damit ist, soweit der Etat in Frage kommt, natürlich nur die allgemeine Debatte über den Gcsamletat, d. h. über die Etats sämtlicher Ministerien zusammen gemeint, sehr wohl aber muß über jeden cinzelneir Etat eine Generaldebatte geführt werden, wie daS auch der Kommentar des Direktors des Abgeordnetenhauses, Ge- beimrats Plate, als feststehenden Brauch verzeichnet. Allgemeine politische Erörterungen loill ich gar nicht pflegen, sondern nur die Täligkeit des Ministers und seiner Beamten prüfen. Wenn die Opposition das Gehalt verweigert, so mnß sie doch die Gründe ihrer Weigerung vorbringen können und mit Beweisen belegen, damit cS nicht heißt, sie mache bloße RedenS- arteik. Die Geschäftsordnung ist doch auch gegeben zum Schutz der Minderheit!,. Präfidcnt: Ihr Standpunkt ist bereits gestern bei der Geschäfts- ordnungsdebatte zur Geltung gekommen, trotzdem hat das Haus mit überwiegender Mehrheit beschlossen, eine allgemeine Besprechung bei diesem Titel nicht vorzunehmen. Ich schlage nun dem Hause vor. die Abstimmung über das Ministergehalt a u S z u- fetzen, damit Sie vorher bei den einzelnen Abschnitten ihre Kritik vorbringen können. Abg. Hoffmann (dem vom Präsidenten das Wort»zur Geschäftsordnung" erteilt wird), erwidert, daß die Aussetzung der Abstimmung nicht genüge, weil es für die Besprechung zahlreicher grundlegender Fragen gar keine andere Gelegenheit gebe, als den Titel„MinistergeHalt".- Daß sogar der Berichterstatter vom Präsi- denteii zurechtgewiesen wurde, beweist doch, welche Unklarheit sie geschaffen Hai und wohin man kommt, wenn man die Geschäfts- ordnung und die Ncchte der Minderheit außer Kraft fetzt. Es dürfte einzig dastehen, daß ich, der ich das Wort habe, auf meine Ausführungen zur Berwaltung des Ministers soll verzichten müssen! Präsident: Das soll nicht geschehen, ich will das HauS be- fragen, ob cS meiner Anregung zustimmt. Abg. Hoffmnnn: Ick b e st r e i t e dem Hause d a S R e ch t, die seit Jahren geübte Geschäftsordnung, wenn cS der Mehrheit paßt, einfach außer K r a f t zu fetzen. Es wurde behauptet, daß die Parteivertretcr diesen Modus besprochen hätten, aber wir hörten nur vor der Oster- pause einmal etwas munkeln, dann wurde es ivieder ganz still und schließlich kam der Beratungsplan vom 26. März, nach dem alleS so bleiben sollte wie bisher. Es wäre eine Ausiaiidspflicht geweien, uns zur Festsetzung des Modus zuzuziehen. Wir haben erst gestern abend durch die Liebenswürdigkeit des Präsidenten von der Aenderung gehört, da konnten wir unsere Reden nickt mehr um- gestalten. Sie aber hatten durch Ihre geheimen Besprechungen längit Zeit dazu. Wir haben über den jetzigen Präsidenten bisher keine Klage geführt, er hat aber nicht das ptecht, die Geschäftsordnung außer Kraft zu setzen, wenn e S der Mehrheit gefällt. Er hat die Geschäftsordnung u n d d> e Rechte der Minderheit zu wahren.(Sehr wahr i ber den Sozialdemokraten.) Ter Präsident will nun einem anderen Abgeordneten das Wort zur Geschäftsordnung erteilen, wogegen Abg. Hoff mann pro restiert, wen er das Wort zur Sache habe und, so lange dies der Fall ist, kein anderer Redner das Wort ergreifen kann. Das ist in allen Parlamenten Gesetz. Präsident: Sie haben aber doch selbst das Wort zur Geschäfts- ordnung gehabt. Abg. Hoffman»: Als ich auf des Präsidenten Ausführungen erwidern wollte, fragte er mich:„liur Geschäftsführung So hat sich die Sache abgespielt. Präsident: Ebensogut wie Tie kann jedes andere Mitglied das Wort zur Geschäftsordnung verlangen. Abg. Hoffniailn: Dann stelle ich also fest, daß es von nun an so sein soll, daß mitten in der sachlichen Rede eines andern ein Mitglied daS Wort zur G c s ch ä f t s o r d n u n g erhalten muß! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Präsident: Nein, eS muß nur erst Klarheit geschaffen werden, wie iveitcr vorgegangen werden soll. . Abg. Hoffmann: ES bleibt also bestehen, haß andere zur Geschästsordnung sprechen dürfe», während ich daS Wort zur Sache habe.' Abg. Dr. Wiemer>Bp.) weist darauf hin, daß der gestrige Be- tckluß Ivahrlich nicht zur Beschleunigung der Aerhandlung beigetragen habe. Bon der Hebung des Hauses dürfe nur abgegangen werden, wenn Einstimmigkeit bestehe. Dem stimmt auch Abg. Hoffmann zu. Abg. Dr. v. Pampe mall.) erklärt es als Pflicht der Loyalität. stch dem einmal gefaßten Beschluß deS Hauses, wenn er auch vielleicht »mprallisch sei. zu fügen. Abg. Lcincrt sSoz.) bckräitigt die Ausführungen Hoffmanns, daß eS sich bei dem§ 17 der Geschäftsordnung nur um die zweite Lesung des Gesamtetats handeln könne, daß aber hierdurch nicht die allgemeine Besprechung der Einzelctats ausgeschlossen iverden könne. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) widerspricht diesen Ausführungen, es müsse der Z e i t v e r g e n d u n g vorgebeugt werden, daß bei den Einzeletats Wiederholungen aus' der allgemeinen Besprechung statt- finden. Abg. Herold(Z.) erklärt, auch erst gestern von dem neuen Be� ratungsmodus gehört zu haben. Abg. Hoffmann(Soz.) betont nochmals, daß es sich hier vor allem um die Rechte der Min derheit handle, und daß kein Jurist aus der Geschäfts ordnung herauslesen könne, daß ans die allgemeine Besprechung beim Titel MinistergeHalt zu verzichten sei. Das Bedenken des Freiherrn v. Zedlitz findet in den Tatsachen keine Begründung. Wenn die Zeit so kostbar ist. so können Ivir iinö mit Adendsitzungen helfen und es würde auch kein Unglück für den preußischen Staat sein, wenn der Landtag auch noch bis in den Mai hinein versammelt bleiben müßte. Das wäre besser, als Hals über Kopf vorzugehen Ich stelle nochmals fest, daß nach dem ganzen geheim gehaltenen Borgehen es auf eine Vergewaltigung der Min'derhci angelegt zu sein scheint. Abg. Lcinert(Soz.): Bei welchem Titel sonst, als beim MinistergeHalt sollte die Forderung nach einer Teilung des Ministeriums begründet werden? Sie wollten nur die Generaldebatte ausscheiden. Abg. Dr. Liebknecht sSoz.): AuS den Worten Herolds läßt sich erkennen, daß die Ver gewaltigmig der Minderheit, wie man das ja gewohnt ist. längst vorher verabredet war. Bon den offiziellen Besprechungen setzt man uns wohl in Kenntnis, aber von den offiziösen und halb- offiziösen, die maßgebend sind, nicht. Sic baben eben die Besorgnis, daß Ihnen in der Generaldebatte viele bei der jetzigen politischen Situation besonders unangenehme Dinge gesagt werden können. Ihr Borgehen ist ein Akt jener politischen— Bor- ficht, die man gelegentlich als der Tapferkeit besseren Teil bezeichnet. Abg. Herold sZ.) bestreitet die Richligkeit der Liebkncchtschcn Ausführung. Abg. Dr. v. Hcydcbrand(f.) beantragt Schluß der Geschäfts- ordnungsdebatte und weiterer Befragung des Hauses darüber, ob es die Auslegung des gestrigen Beschlusies durch den Präsidenten billige. Nach nochmaligen scharfen Protesten der Abgg. Hoffmann, Leincrt und Dr. Liebknecht, wobei Abg. Lcinert beantragt, den Antrag v. Heydebrand zunächst der G e f ch ä ft s o r d n u n g s kommisfion zu überweisen, wie das bisher immer bei solchen Dingen üb lich gewesen sei, wobei ferner Dr. Liebknecht beantragt, daß der An- trag v. Heydebrand erst klarund ber ständlich gcsaßt werden müsse, stellt Abg. Dr. Wiemer den Antrag, den gestrigen Beschluß aufzuheben.— Abg. Herold iZ.) führt aus. daß beim Titel Ministergehalt nur über die Höhe des Gehalts(36000 TO.) diskutiert werden dürfte.(Heiterkeit links.)— Abg. Hoffmaun be zeichnet dies als die denkbar niedrigste Einschätzung eines Pap laments. Der Schluß der GeschäftsordnungSdebattc wird a n g e nommen und dann billigt das Haus gegen die Sozialdcmolraten und Fortschrittler das B o r g e h e ir d e s Präsiden Pe n. Abg. Lcinert(Soz.) konstatiert, daß da- HauS erst nach dreimaligem Ruf zur csachc entscheiden dürfe, ob ein Rediier weitersprcchen könne. Es war also zu dein eben gefaßten Beschluß gar nicht b e r c chtig t. Abg. Hoffmann(Soz.): Wenn man diesen Zustand sieht, .. möchte man fast rufen: K o ni in lv i e d e r, l i e b e r K r ö ch e r!(Große Heiterkeit.) Der Antrag Wremer wird gegen die Linke, ein Autrag H o f f m a n n auf eine halbstündige Unterbrechung der Sitzung zu einer wirklich allgemeinen FraklionSberatung ebenfalls abgelehnt. Abg. Hoffmann(Soz.): fetzt nun, nachdem das Haus länger als eine Stunde über die Ge schäftSordnung debattiert hat, feine Rede zum Titel„MinistergeHalt" fort: Wenn wir das Gehalt des Ministers bewilligen sollen, muffen wir besonders der Frage der Trennung von Kirche und Schule näher- lrelen.(Präsident: Allgemeine Ausführungen kann ich nicht zw lassen.) Wir können auch nur nach gründlicher Prüfung der Amtsführung des Ministers entscheiden, ob sein Gehalt angemessen ist. Wenn der Minister die Bewilligung des Gehalts verlangr, muß er endlich einmal die alle Idee der Dynastien aufgeben, als ob der Staat ihr Eigentum wäre.(Der Präsident ruft den Redner zur Sache.) Mit dieser Idee will man unter Mthitse der Kirche möglichst viel willige Untertanen schaffen. Wir müssen gegen diese Idee auftreten und den Minister ersuchen, wenn er unsere Zustimmung zu seinem Gehalt haben will, die Kirche nicht mehr als Machtmittel des Staates zu benutzen. (Der Präsident ruft den Redner zum zweiten Male zur Sache und will das Haus befragen, ob er weiter sprechen dürfe.) E r st beim dritten Male, Herr Präsident!(Heiterkeit.) Wir können die Frage, ob dem Minister und seinen Beamten die verlangten Gehälter bewilligt werden sollen, gar nicht anders cnt- scheiden, als indem wir prüfen, ob die Trennung zwischen Kirche und Staat notwendig ist, weil ja dadurch die Zahl der Beainten und die Kosten vermindert werden würden. Der Präsident ruft den Redner zum dritten Male zur Sache und das Haus entzieht dem Abg. Hoffmann gegen die Sozial demokraten, Polen und einige Fortschritllcr das Wort. Er verläßt die Tribüne mit dein Ruf: Gewalt geht vor Recht! Geschenkt wird Ihnen nichts! Das HauS beschließt, die Abstimmung über alle Gehälter des Kultusministeriums bis zum Schluß der Beratung des Kiiltusetats auszusetzen. Abg. Dr. Dittrich(Z.) klagt über Benachteiligung katholischer Bestrebungen, erkennt aber wohlwollende Behandlung der Ordens- Niederlassungen an. Minister v. Trott zu Solz erwidert auf diese Klagen, daß bei Mischehen nicht nur von katholischen, fondern auch bei evangelischen Eltern die Entschließung verlangt wird, in ivelchcr Religion die Kinder erzogen iverden sollen. Dabei polemisiert er gegen eine Entscheidung dcS Kammergerichts, die die llmschnlung von Kindern aus konfessionellen Gründen durch bloße Willensmeinung der Eltern zuläßt. Dagegen müsse sich die Schulverwaltung wehren, die Um- schulnng dürfte nur durch ihre Berfüguug möglich sein. Wir warten deshalb, ob das Kammergericht noch einmal in demselben Sinne entscheiden wird. Abg. Gaffel(Bp.) wünscht eine Unterstützung be- dürftiger Stznagoge«gemeinden durch den Staat, damit sie die jüdischen Religionslehrer bezahlen können. Abg. Dr. v Campe(natl.) polemisiert gegen den rcdncr, als ob die Katholiken benachteiligt würden. Abg. Bicrrck(fk.» hat Bedenken gegen finanzielle Unterstützung der Smiagogengeineinden. Da könnten schließlich auch andere kleine Konfessionen und Sekten komme». Abg. Hoffmann(Soz.): Dem Zentrum könnte keine größere Verlegenheit bereitet werden, als wenn daZIesuitengesetz aufgehoben würde. Wie soll denn dann die katholische VoltSscele ins Kochen geraten? Wenn das Zentrum für die wahre Freiheit der Kirche wäre, dann. sollte es mit uns für die Trennung von Staat und Kirche eintreten. (Sehr gut! bei den Sozialdcmokralen.) So lange die Kirche vom Staate Zutvendungcn bekommt, so lange ist sie auch v o in S t a a t e abhängig. Was der Kirche gehör:, soll ihr bleiben. Aber sie muß den rechtmäßigen Erwerb nachweisen.(Heiterkeic bei den Sozialdemokraten.) Ein französischer katholischer Geistlicher Hai gesagt, daß vier Fünftel des Kirchenbesitzes unrechtmäßig er- worden seien und daß vom fünften Fünftel sich der rechtmäßige Besitz nicht nachweisen lasse.(Heiterkeit links.) Auch Kirche und Schule müsse» getrcnnr werden. Die Schule soll für das Leben und die Kirche für das Jenseits vorbereiten. Beides hat nichts miteinander zu tun. Die Kirche ist heute nicht mehr ein Instrument des Himmels, sondern sie ist ein I n st r u in cnt des- Staates geworden. Der Staat verlangt für seine Unter- stützung eine Gegenleistung von der Kirche und so soll die Kirche dem Staate dabei helfen, die Massen des Volkes niederzuhalten. (Sehr wahr! bei den Sozialdcmolraten.) Gegen die Art, wie heute der Kultus betrieben wird, hat sich in der„Ehristlichen Freiheit" auch Pfarrer Tranb energisch gewendet. Er schildert, wie ein un- bescholtencr Mann wegezr einer llnwahrhaftigkeit in einem einzelnen Fall, über den er gar nicht vernommen ist, als mit einem sittlichen Defekt behaftet entlassen wird. Wenn wir Millionen für den Kulms ausgeben, dann sollte sich der Ministcr auch darum kümmern, wie dort gearbeitet wird. Bei aller Gegnetffchnsl gegen Traub muß ich sagen, daß dem Mann unrecht geschehen ist. Wenn alle St aatsbeamtcn wegen einer einzigen Un Wahrhaftigkeit entlassen werden würden, wieviel hätten wir denn dann noch?(Heiterkeit bei den Sozjuldcinokraten.) Der Oberlirchenrat schreckt vor dem Mittel, unter den Geistlichen A n g st zu verbreiten, nicht zurück. Er hat alle Geist- lichett mit Maßregelung bedroht, die zu Traub halten. Wer sich nicht fügt, soll fliegen. Ist ein schlimmerer Boykott denkbar? Hier muß auch der Fall K r a a tz erwähnt werden. Pastor Kraatz hatte es gewagt, in einem Gottesdienst an Kaäsers Geburtstag, zu dem Militär erschienen war, von den Differenzen in der evangelischeu Kirche zu sprechen. In allen diesen Fällen greift der Staat nicht ein. Lieber wäre es uns gewesen, wenn Pfarrer Tranb diese Dinge hier selbst vor- getragen hätte. Er hätte es gekonnt trotz der späten Ansetzung des Wahlw.rmins in Teltolo-Bceskow, hätte der Freisinn nicht selbst, die Brücke abgebrochen, auf der Traub irr d e n L a n d t a g hätte kommen können.(Sehr richtig! bei den Hozialdemolraten.) Wir können aber von unseren Grund- ideen nichp. abweichen. Wer unsere Hilfe verlangt, mnß auch den Mut habgn, unsere Hilfe offiziell und zwar gegen Gegen- I e i st tt n g anzunehmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dem Kirchp'itregintent sagen wir: Rur so weiter. Die Zahl der Austritte zvird immer größer. Jüngst lief durch die Presse die Erklärung sdeS Ersten Bürgermeisters einer ostprcußischen Stadt, der ausführlich seinen Austritt aus der Landeskirche damit begründete, daß das Wesen des Christentums mit jeder wissenschaftlichen Welt- anschauung iin Widerspruch stehe, und der Verwabrung einlegte gegen die religiöse.Heuchelei, die die Ouellen des Bolkslebens trübe. Die Ouellcn des Volkslebens seien Gerechtigkeit, Liebe und Wahr- heit. Mit seinem Austritt loill der Bürgermeister das An- denken des größten Herrschers aus dem Hause Hohenzollern, Friedrichs dcÄ Großen, ehren, der Preußen die gesetzlich gewährleistete Glaubens- und Gewissensfreiheit verschafft habc„ Na, damit isü es ja noch in weitem Felde. Aber diese Aus- tritt- zeigen, wohin Ihr Weg führt. Ueberall sehen wir Kämpfe ini kirchlichen Lager. Beim Zentrum wird der Riß noch dürftig zugeklebt. A.bap in der evangelischen Kirche ist die Scheidung eingetreten. E-:i hat sich da neben dem Evangelischen Bund ein D e u t s ch- E v cut gelt scher Volksbund gegründet, quasi eine Filiale des Zentrums (Lachen rechts und im Zentrum). Der Volksbund ist nichts weiter als eine Folge der Paarung zwischen Zentrum und Agrariern. Er soll den Äi.Hnpf gegen Rom weniger scharf führen als der Evangelische Bund. Ucberhaupt wollen ja die Konser- vativcn es vermeiden, die schwarzen Blockbrüdcr vor den Kopf zu stoßen. Lesen Sie(zum Zentrum) einmal die Rede des Abg. v. Pappenheiirr zur Borromäus-Enzyklika nach und Sie werden sehen, daß Sic überhaupt keine Jesuiten mehr brauchen.(Stürmische Heiterkeit.) Katholiken und Deutsch- Evangelischer BolksöuL.ck, öiom und Wittenberg, in den Armen liegen sich beide! Warum Mihi man da nicht noch einen Schritt weiter und geht vollständig- in einander auf. Jesuiten und Deutsch- Evangelischer BoUSbund, Zentrum und evangelische Orthodoxie, ein nettes vierblätteriges Kleeblatt!(Heiterkeit.) Für alle gilt da? Wort der Freundin d.-.s seligen Hammcrstein: Komödianten seid Ihr doch alle!(Uitmhe rechts und im Zentrum.) Sie kannte sie alle, Junker un d Pfaffen, und zwar nicht nur im körperlichen, sondern auch im geistigen Negligö.(Heiterkeit.) Katho- lische und evangelische Ktrche sollten ihre Freiheit vom Staate ver- langen. Und nun erleben wir int Anfang des 20. Jahrhunderts noch den Antrag Lasse/., auch den armen Synagogen- gemeinden die st a a:M i ch e Hilfe zuteil iverden zu lassen. Die Juden scheinen nicht mt ehr das richtige Gottvertrauen zu haben, sonst würden sie diesen Amvrag nicht stellen, aber cS gibt glücklicher- weise auch j ü d i s ch c G cum ei»den, die es ablehnen, sich unter die Botmäßigkeit des Staates zu stellen. Sie wollen nicht für das Linsengeri cht einer staatlichen Unterstützung die Erstgeburt ihrer Unabhä.lgigkcit verkaufen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.)£>ie Judenbefrciung wird nicht damit erreicht, daß mau Ko mnrerzienrat oder Geheimer Justizrat wird.(Heiterkeit.) Auch m it einem kirchlichen Bittgang wird die Tatsache nicht anS der Welt geschafft, daß im gewissen Sinne der Jude heute noch im Ghetto lebt. Wir hätten erwartet, daß die Frcismnigen in Form asticr Trennung vo� Kirche nnd Staat endlich auch die volle Befrei«» g der Juden beantragt hätten. Die Iudenbcfreiung war 1818 noch nicht durchgeführt, wie Abg. Cassel ehauptet hat, und sie ist eS heute noest nicht. Tausende von Talern mutzte ein Jude bezahlen, um den Schutzbrief zu bekommen und um mit Dieben nicht aust eine Siuse gestellt zu werden. Heute noch sind die Juden vc>>r vielen Aemlern ausgeschlossen. Wirklich fromme und gläubige �uden sind vwl zu stolz, um die Brosamen einer staatlichen Unters.'ützung anzunchmev. Selbst mit einem zur Schau getragenen Patri vtiSmuS erreicht heute der Jude nicht, daß sein Sohn Offizier tvird oder daß seine Tochter als Hof- chauspiclerin einen Titel erhält..(Heiterkeit.) Die V e r � s.." Zentrums- Prechungeu, die man vor IVO-Fahren den Juden gegeben hat, sind gebrochen worden und cS liegt keine Ber- a n l a s s un g v o r, Lobes hymn-u anzustimmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten: Zurufe des Abg. Cassel.) Anstalt zu beantragen, zur staatlichen Futterkrippe mit zugelassen zu werden, hätten Sie sich als M a n n zeigen und männlich Ihre Rechte scirdern sollen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) ifZiele Juden stehen ans meinem Standpunkt. Ich empfehle Heün Cassel nur die Lektüre deS Buches:„Zur Jahrhundertfeier deS Judenedikts von 1812". Auch der Abg. Cassel sollte es, wie viele fromme Juden, mit uns ablehnen, in Hurrapatriotismus zu mache.» und patriotische Veitstänze aufzuführen, nur um an der Krippe des Staates initessen:» dürfen. Rfit der Freiheit der jüdischen Religion wäre es dann zu Ende, denn der Rcgierungskommissar hat ,«t der Kommission ausdrücklich gesagt, daß bei Gewährung von Unnit Rücksicht auf die reiche» Judengemeinden auch nicht nötig. ES fällt mir garnichr ein, Herrn Cassel von seiner vaterländischenBetätigung abzuhalten, aber ich hasse in allen Dingen II eberschwang und Aufdringlichkeit. Herr Eickhoff hat mir unterstellt, datz ineine Ausführungen antisemitisch klängen, und Herr M u g d a n hat dazu Sehr richtig I gerufen. Herr Mugdan, Sie sind doch jenseits von gut und böse und haben doch keinen Anlaß, den Antisemitismus zu fürchten, mich aber schützt mein Kampf gegen den Antisemitismus davor, als Antisemit verdächtigt zu werden. Datz Herr Cassel nach Ucberzeugung. Gewissen und Pflicht handelt, haben wir schon sehr oft gehört, ist aber eine Selbstverständ- lichkeit! Abg. Cassel(Vp.) erklärt, morgen nachweisen zu wollen, datz fctn_ Antrag keine Bettelei sei. Nicht Hoffmannsche Schmähungen (Rufe bei den Sozialdemokraten: Schmähungen?), sondern da» Urteil der Allgemeinheit ist mir matzgebend.) Präsident Graf Schwerin: Haben Sie einem Mitgliede des Hauses Schmähungen vorwerfen wollen? Abg. Cassel: Wie soll ich sonst Beschuldigungen bezeichnen, die der Unterlagen entbehren? Abg. Hoffmann: Trotz dieser Unterstreichung bitte ich Herrn Cassel nicht zur Ordnung zu rufen, seine Ausführungen können ja doch gegen die meinigen nicht aufkommen, denn ich habe einfach sachlich auseinandergesetzt, datz man von einem, der einen als gleichberechtigt nicht anerkennt, keine Unterstützung annehmen kann! Donnerstag 11 Uhr: Weiterberatung. Schluß 43/4 Uhr._ WttterungSüberficht vom 2. April 1913. etatwnen £ «£ = B i| Stnmentbe.i"6391® Hamburg 7 64! 3® Berlin 764 N® Franks. a.M 766SS München>767 W Wien 1764 W ® Bettet Zbedeckt Lbedeckt 3 bedeckt üDunst 3N egcn L'bedeckt i-B ti% tili i? wi Etattonen S= = 3 g j? rtparanda�762S etcrSburg 765 SO cllly; 760|S® Aberdecn 1 758 Still Paris 768S>s® Weitet 2 Nebe! t heiter Z-wolkig Iwolkg> 2 wolleiil Wetterprognose für Donnerstag, den 3. April 1913. Trocken und vielfach heiter, kühlere Nacht, am Tage etwas wärmer bet mäßigen südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. CHbrlngrcrhöhle Sauberfeit insHous bei verminderter Arbeit Reinigen Sie deshalb Fenster.Soiegel und Glas nur noch mit SSI- In Streu- büchsenzul5a25P{g. VIM das neuzeifliche Scheuer-, Polir-und P uf z pulver". Hcro«»/cUf von Sunlight Sei�enfobrik, Rheinau-Mannheim. Merken Sie sich für Jhren nächsten Einkauf: Eine Dose jnjj fast alle Händler fuhrenSSTEs ist wirklich ein ideales Hilfsmittel! »/ > Todes-Anzeigen| SozialöefflokraliscIiEr WaiMo L 1 1. BetL Reictistagswatilkreis Am 1. April verstarb unser Genosse, der Zigarrenmacher Xlbert Boiduan (Stargarder Str. 64, Bezirk 564a). »hre seinen» Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Gerhsemanc-Kirch» Hofes in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/17 0p r Vorst and. ZeMeM der ScMmaclier Orl«TcrwaUaup Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege Hrit? Kajewski vcritorbcn ist. Ehre seinem Andenken: Dir Beerdigung findet am Frei tag» achnrittag Uchr vom Traucrhausc, Prenzlauer Mcc 34, nach dem Georgen-Kirchhos in Wcißcnsee, Rölckestratzr, statt. Rege Beteiligung erwartet Der Borstand. SomidEi II.WIMP WahfoBrein 1 DEfllscliErHEtMEllEr-yErband VepwaltungtfitellB Berlin. Den Kollegen, zur Nachricht, daß unler Mitglied, der Kernmacher Tragmann Gitschmer Straße 61 am 31, D.Mta., an Lungenleiden gestorben ist. Vhre sei«:« Audenken! Die Beerdigung findet heute DonnerStair den 3. Slpril, nach- mittags tevT llhr, von der Leichen« balle deK Simeons- Kirchhofes in Morien dvgs aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Orteverwaltung. Hiermit die traurige Nachricht, datz me dre liebe Frau Ernestine Welz geb. Alisch «ach fiangem Leiden verstorben ist. Um fittll« Teilnahme bittet 3 o>«>>t Wels, Weidenweg 28. Di-: Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 2'/, Uhr. von der Leichenhalle in Fricdrichsseldc aus statt. 2366 Mr die zahlreichen Bewessc herz- licher Teilnahme bei der Beerdigung 7»eifteS Mannes Gustav Drttsc ich allen Freunden und Be< dmztten, insbesondere seinen Kollegen am. Neubau Aochstr. v/7 meinen heimlichsten Dank. 2286 Witwe DrOae, _ Niederbarnimstroße IS Danksagung. die überaus herzliche Teil, nähme bei der Bestattung meines lieben Manne? sage ich allen Teil» nehmern, Bekannten, und Ber- wandten, insbesondere dem Vorstand des 4. Wahlkreises und Herrn TeSke für die trostreichen Worte an seiner Bahre meinen herzlichen Dank. Ww. Martha Kerzel und Kinder. Am 1. April verstarb unser Parteigenosse, der Restauratenr tteimann Böhm (Ziethenstr. 11, 19. Bcjirtj öchtc seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3.«lpril, nachm. 3Vz Uhr. von der Leichenhalle, des r.lrcn Neuköllner Friedhofe z in Britz, Rudower Straße aus statt. Ter Borst and. ReulersWerke •3 StetR 4 TBort Buchhandlung vo/wärt» Buchhandlung Vorwärts Llndenstr. 69(Laden). X caerschcinnngen: AhhandlimgEn und Vorträge zur sozialistischen Bildung. Herausgegeben von Max Grnnwald Heft 7: lEUBrung, WarEnpreisE nnd ColdprodoktioQ von j. Karski. st» Heft 8: Dis KonsuingEnossEDScbalts- bEvegong dsr dEutsehsn ArbeitErklasse von• Paul Göhrc. Preis jedes Heftes SO Pf. Goldleistenfabrik sucht selbständigen Meister »nm Fonrnleren von Eichenlelaten außer dem Hause. Offerten unter: Chiffre H. 3 an die Expedition dieses Blattes. 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Filmzauber. Kleines. Professor Bernhard!. Kurfürstenoper. Tosea Deutsches Opernhaus. Onegin. Schiller O. Klein Dornt. Schiller-Gharlottenburg. Cyrano von Bergerac. Gross- Berlin. DaZ Farmermädchen. Motropol. Die Kino-Königin. Driano». Wenn Frauen reisen. Theater am Siollendorfplatz. Extrazug nach Nizza. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchen. Montis Operetten. Der Zigeuner» Primas. Luisen. Bor hundert Jahren. Rase. Verlassene Frauen. Herrnfeld. Die Schonzeitjäger. Liebesprobe. Eastuo. Arturs Nitierwochcn. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle«. Biihnenarötzeii. Walhalla. Parole Walhalla. Anfang Sllt Nbr. Sriedr.. Wilh. Schauspielhaus. Grigri. Lustspielhaus. Majolika. Folies Capriee. DeS Löwen Er- wachen. FlohS Seitensprünge. Ansang S'l, Uhr. Neues BolkStheater. Helden. Ansang 9 Uhr. Admiralspalaft. Eisballett: Flirt in St. Moritz." Berliner Eispalast. Lebende Eis» jkulpturen. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57—«2. 'zedliiei'-sbeslerll.R.?» Donnerstag, abends 8 Uhr: lileln var-rit. Freitag, abends 8 Uhr: lilel» Dorrlt. Sonnabend, abends 8 Uhr: I'l»«l»»»»iann al»> �-P«ivl,vp. . Sonnlag, nachmittags 8 Uhr: Dan Konzort. Sonnlag. abends» Uhr: Klein Dorrlt. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. AbendS 8 Uhr: Das Buch einer Frau. DeutnchesSchansplelhaag T'/j Uhr: Gastspiel Harry Waiden. Reu einstudieit: Ein idealer Gatte. Theater Oes Westens. 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonnt. 3>/, Uhr: Der Arauenfresser. TheateramMenliorftte An allen Tagen der Woche 8 Uhr: Extraieus nach Xizza. Sonnab., 5. April, 3 Uhr: Erste Auff. der Opernschute d. Steruschen Konserv. Mvtis öperetten-Thestkr (fr. Neues Theater). Ami Norden 1141. AbendS 8 Uhr: Dor Zlgenncrprima». Residenz-Theater. Ansang 8 Uhr. Die Frau Präsidentin. �(Madame la Presidente). Schwank in 3 Alten von M. Hennequin u. P. Beber. Morgen und folgende Tage: Dl« Eraa PrUsldcntin. Luisen- Theater Donnerstag, abends 8 Uhr: Bor 100 Jahren oder: Napoleons Sieg»nd Fall. Freitag, abends 8 Uhr: Bor lOO Jahren oder: Napoleons Sieg und Fall. Sonnabend, abends 8 Uhr: Bor lOO Jahren ober: Napoleons Sieg und Fall. !0SU--7N�ie (Brotze Franffurtcv Str. 132. AbendS 8 Uhr: Derlasseue Fraueu. Volksstück in 5 Akten von R. Lingen Freitag: Berlasseue Fraue». ScWlIer-Tlieater Donnerstag, abends 8 Uhr. Cyrano von Berccrac. Freitag, abends 8 uhr: Wolkenkratner. Sonnabend, nachmittags 3,10 Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomim. Sonnabend, abends 8 Uhr: Cyrano von Bcrjferac. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Jungt ran von Orleans. Sonntag, abends 8 Uhr: Cyrano von Mergerac. Walhalla-Theater. Weinbergsweg 19/20. Täglich 81/, Uhr Parole: Walhalla! Große Jahresrevue. VorzugSkarten haben täglich Gültigkeit. Sonntag, nachm. 3'/, Uhr: Uaseninnn!» Tttchter. Concordia-Festsäie. Inh.: M. Wendt u. A. Schütze 04 Andreasstr. 64. Jeden Donnerstag: Große Soiree der allgemein beliebten und bekannten An die schulentlassene Jugend und deren Eltern! Sonntag, den 6. April 1913, nachmittags S'j- Ohr im Saale der Brauerei Kfinlgstadt, Schönhauser Allee 10—11; Mitwirkende: Gesangverein Typographla(M. d. A.-S.-B.)— Rezitation: Herr Schauspieler Richard vom Deutschen Theater in Berlin.— Ansprache: Herr Rndolt Wlssell-Berlin. Alle Arbeitereltem sind mit ihren schulentlassenen Söhnen und Töchtern freundlichst eingeladen. Das Programm ist aufs beste ausgewählt und verspricht einige genussreiche Stunden. 284/10* Xnr noch kurxc Zelt! Zirkus Wert Schumann. Heute Donnerstag. 3. April, abends 7l/jUhr: Cr. Eeat-VopBtellnnjf. W Zum 175. Male:-9K Das unübertreffliche Ausstattungsstück Der unsichtbare Mensch. 4 Bilder aus Indien mit der feenhaften Schluß- Apotheose: Oer Brand des Palastes sowie die Feuer-Fontäne. Vorher: Auftreten Kllmt- Uchcr neu engagierten Attraktionen. II. a.: Direktor A. Schnmann mit seinen neuest. Creationen. ---------— jr mit vollständig neneni Programm Anlang 8 Uhr. «ÄÄI Frei-Tanz. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Folies Caprice. Des Löwen Erwachen. Posse von Bernhard Haslei. Ter Rehbock. Posse mit Gesang von Theo Haiton. Flohs Teiiensprünge. Posse von Klinger und Taussig. Ansang 8'/, Uhr. Vorverk. 11— 2 Uhr. Theater Königstadt-Casino, Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstraße. 1 Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke Ich komme von Herrn Meyer! und das erstklassige Spezialitäten Programm. Letzter Tag! Zirkus Busch. Heute Donnerstag. 3. April, abends 71/, Ubr: Gr. Abschiedsvorstellung, Auftr. des ges. Künstlorpersonals. Avis! In der heutigen Abschiedsvorsteilung wird das Pro- 8 ramm entgegen den früheren ewohnhelten genau ebenso vollständig u. reichhaltig vorgeführt werden wie an jedem and. Abend. Auch die Pantom.„Sevilla" wird nicht zu Anfang, sondern wie tägl. am SchluB komplett ohne jede Kürzung gespielt. jtfetropol-Theater. Ansang 8 Uhr. Die Kino-Königin. I Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. OkonkowSki. Musik von Jean Gilbert. I» Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz.. Karl Baebmaim J. Giatnpietro G. Ihlelseher V. Horben H. Bailot J. ftusska Ly Winter Xar kurze Zelt! Zirkus Barum nebst gr. Raubtier- Dressurschau Berlin NW, BeusselstraSe. vis-a-vis dem Bhf. BeusselstraBe. Täglich abends 8'/, Uhr; Gala- Vor« tellungcn mit täglich wechs. Programm. In allen Vorstellungen: Vorführung der gesamten Raubtier- dressuren und Auftreten aller übrigen Attraktionen. 230b* Voigt-Theater. Donnerstag, den 3. April 1913: Gastspiel in PuhlniannS Theater, Schönhauser Allee 148. Lassalles Ende. Drama in vier Akten von Rhenanns. Kassenerössn. 7 Uhr. Ansang 8'/, Uhr. Donnerstag. 10. April: Zum Benefiz s. Hans KniSPel: Im Jrreuhause. Jf fljkn**" Berliner:: yVlUU Konzerthaus Mauerstrafie 82.'— ZimmerstraBe 90/81. Oroßes l>oppel- Konzert. Gastspiel des Fbilbarfflonischen Blasorchesters aa« Malland. Dirigent: Maestro Loreto T e s o n e. Musikc. Kaiser- Alexander-Reg., Dirig. KgLMusikdir. Brase. Anfnr.g- 8 Uhr. Eintritt 50 Pt Anfang 8 Uhr. Wochentagen; Gr. MaehiDillags-Koiizerl be'E™tm «fflßM Schonzeit- Jäger. Komödie in 2 Akten von Anton u. Donat Hermfeld. Liebesprobe. Plauderei in 1 Akt v. Emst Klein. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Urania. Taubcnstraße 48/49. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: ,lotazollem"-FMii. HOCiSCHlRl GARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Gr. Militärkonzert. Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder imter 10 Jahren die Hälfte. Neue Jahresabonnements täglich an den Sohalterkassen erhältlich. Trianon-Theater. Täglich 8 Uhr: Wenn Frauen reisen.... Sonntag 3 Uhr: Oer selige Toupinel. Admiralspalast Eis>Arena Abends 9 Uhr: Das große Eis-Ballett Fliit in St. Moritz. Die kleine Charlotte. Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. Weinr und Bier- Abteilung. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Stürme der Heiterkeit erregt die neue urkomische Posse AHufs Flitterwocben. Dazu der erstklassige bunte Teil. Nur Attraktionen 1. Ranges. Sonntag 4 Uhr: Dir Hochstaplerin. i�sLage�appptllkum DEB LEBEXDE LEICHNAM Das Wunder atavistischen Ver- scheidens. EEBEXD! FUSSKÜNSTLERSARTONI Der armlose PAQANINI mar- Alles lebend! Alle« ohne Extra-Entree! Reichshallen-Thealep Stettiner Sänger. Burleske von Meysel und Britton. Anfang 8 Uhr. r Berliner laniflr-nnflrtett W. Wutzky MgOderbcrscrStr-SB Für den Inhalt der Jnierate übernimmt die Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Marmorarbeiter. Krcitag, den 4. April, abends 8>/, Ubr. im Gewerrschaftshausc, Engelufcr 1»: Seitions-Versammlung Tagesordnung: welche Erfahrungen haben mir mit dem bestehenden Arbeitsvertrag fnr Marmorarbeitcn gemacht? �nmUiliie Maniiorarbriter find verpflichtet, an der Bcrsamm- lang teilzniiebmen. l7Z/ö Tie Sektionsleitung. zitmaltungskellr Kerlin. C. 54, Finienstr. 83—85. ZZcrwnltuiig: rclcphvn: Amt Norden 1987. Kasficrer: Anit Norden l8ö. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239. 9711. Sonnabend, den 5. April INtZ, nachts 12 Uhr: lUgrtnrinc llctfnniinliiiig der Kino-Operateure Grok-öcrlins in Witwe Angnstins Fcstsiilcn. Lranienftraf-c 103. Tagesordnung: 1. v o r t r a g:.Ter Humor in der deutschen Literatur.» 2. Vcrbandsangclcgenhciten und Verschiedenes. 115/11 ZM- Das vvllzäbligc und pünktliche Erscheinen aller Kollege» ist unbedingt erforderlich."Wifö Tie crtsverwaltnug Verband der Jdaler, Saekierer, Unstreicher ete. Bureau; Mclchiorftr. 28, Part, Uorlin-lrbeitsnachw.: Nückeritr. 9 Acrnspr.:Amt Moritzpl. 1787. I ltlUll �ll tN». Fernspr.: Amt Norden 8708 Ziüekenmäbel- 3ranebe. Freitag, den 4. April, abends tt'/a Uhr: Branchen- Vcrf am mlung in den„Musiker-Frstsälcn", Kaiser-Wilhclm-Ttraßc 18 m. Tagesordnung: Verbands- und Vrauchcnangelcgcnheiten. Tic Arbeitslosen sowie die Nollcgcu der sächsischen Möbel- fabrikcn haben zu dieser Versammlung vollzählig zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert 138.6 Tic Vrauchcnleitung. in Charlattenburg- da Sonnabend den S.Qprft lSld M, nachmittags Uhr- M eine neue&lfL und zwar 'Wilheims, eine$ascäe/tufir gratis f öchuhhaus für ßElEnEnbeitskäuf? f"Zentrale:'"<$ 2 Filiale:& f. Filiale.\ i Rosenthaler- 1 Mario ffenbuqxGroße Ff ankfurfer-, i /rtftr. 40-41 V iWilhelmsphüi Str. ff 0. fK'lackcschen Markt.\/ i am'Sfmussberger Pra/x. Der gutsitzende Uniyg I macht den Gentleman. Heule und folgende Tage: Verkauf von großen Posten ] neuer oder gebrauchter Monatsgarderobe, Anzüge, Ulslcr, Paletots, I Beinkleider, getragen, teils von ersten Schneidern aus feinsten MaCstolten angefertigt(auch auf Seide) lür jede Figur(auch den stärksten Herrn) passend am Lager. 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Eigene Wertpapiere... a) Anleihen und verzins- .liehe Scbatzao Weisungen des Reichs und der Bundesstaaten.... d) sonstige hei der Reiebs- bank und anderen Zcn- tralhotenbanken beleihbare Wertpapiere... e) sonstige börsengängige Wertpapiere..... d) sonstige Wertpapiere. Konsortialbctciligunpcn. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankürmen..... Debitoren in laufender Rechnung..... a) gedeckte...... b) ungedeckte..... ausserdem Aval- und Burg- schaftsdebltofen M. 79 522 181.50 Bankgc-häude.... sonstige Immobilien.. Rensions-Fonds-ER ekien- Konto...... Effckten-Konto der König- Fvicdrieh-A ugust-Stiftg. Effekten-Ko nie der Georg Arnstäcdt-Stiftung.. 22 579 788-70 L 045 386 30 26058 430:90 3 434 678' 45 467 177 746 156 658 228 M Ipf 40 249318.95 IS 510 524 65 285 635 686 60 41 152 457 25 148 125 153 1 40 106 868 069155 61118 284135 50 177 529 05 ( 38 63» 330 75 62? 833 975 25 26 851 952 80 2 328 581 60 3 753 393»0 98 612 50 150 000— 1 445 508 073 10 Aktien-Kapital-Konlo.. Resorre-Fonds-Konto.. Reserve-Fonds-Konto B Talonsteuer-Reserre-Kont. Kreditoren. a) Xostrovcrpflichtuncen. b) seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredite...... c) Uuthabcn deutscher Banken u. Bankürmen d) F.inlagenauf provisions- freier Rechnung. 1. innerhalb 7 Tagen fällig 2. darüber hinaus bis au 3 Monaten fällig... 3. nach 3 Monaten fällig. e) sonstige Kreditoren.. 1. innerhalb 7 Tagen fällig 2: dardber hinaus bis iu 3 Monaten fallig.. 3. nach 3 Monaten fällig. Akzepte und Schecks.. ai Akzepte...... b> noch nicht eingefösle Schecks...... Ausserdem Aval- und Bürgschafts- verpfliebtungen M. 79 322 181.50 Eigene Ziehungen M.— davon f. Rechn. Dritter M.— TVeiterbcgcbcue Solawechsel der Kunden an die Order d. Bank M.— Dividenden-Konto: Unerhobenc Dividenden Pensions-Fonds-Konto.. Kiinig- Friedrich- August- Stiflung....... Georg- A rnstaedt- Stiftung Reingewinn...... M. 183 395532 S5 108 787 757:60 64 607 268 15 298 546 161 10 154 585582 10 21032 0�5 65 261860 225 95 5957 160,75 M. ipf 200 000000— 5 1 000 000— 40 000 000— 600 000— l 1 161 639 15 1 749 786 50 58 089 350:20 35« 790 55S�U> 469 165 829:15 267 787 326 70 30 870 3 763 475 >475 90 >589,65 150 118 30 25115 828 05 Dresrle») den 31. Dezember 1912. DRESDNER BANK. , von Klempercr. Mueller. Nathan..Illdell. E. Gntmann. 1 445 508 073; 10 Bcrbcrt M. Galmann. H.& P. Uder, Tabak-saroßhandlnng und Tabaktabrik Raucb-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren. Zigaretten. Voitelihafcesle Bezugsquelle für WiederverLaufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. ä"ScÄb» Zigarsttsn" H.Pfau, ®ir!;n Direksenstraße 20 zwischen BabnHos Alepanderplah und Polizeipräsidium.— Amt Kst. NOS. Für Damen Frauen-Bedienung.• Lieferant für alle Krankenkaneit s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nero. Schwäche. Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata. Kuren in Iis. Horneyer i? Untersuchung., Fäden i. Harn usw. 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IZehmet einlicht in die llmähleriilten. Vom heutigen 3. April bis einschließlich Sonn- abend, den 5. April, liegen in den zum Landtags- Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow- Berlin- Wilmersdorf gehörigen Orten die UrWählerlisten zur Einsicht- nähme aus. Eine Ausnahme hiervon macht die Stadtgemeinde Berlin- Wilmersdorf, von der die Auslegung der Liste erst am Mittwoch, den 9., bis Freitag, den 11. April, erfolgt. Auch w einer Anzahl zum Landtagswahlkrcis Nieder- und Oberbarnim fehörigen Orte erfolgt die Auslegung der Liste in diesen ägen. Es ist daher Pflicht jedes Wählers, darauf zu achten, daß er sich durch die Einsichtnahme in die Liste sein- Wahlrecht sichert. Nachstehend veröffentlichen wir die Stellen der einzelnen Orte, soweit uns dieselben bekanntgegeben, an denen die Ein- sichtnahme in die Liste zu erfolgen hat. Landtagswahlkreis Teltow, BeeSkow-Storkow, Berlin- Wilmersdorf. Adlcrshof. Im Gemeindeamt 2, Posadowtthstr. 1, eine Treppe, im Bureau deS Nnwohnermeidcamt» während der Dienstswndcn. VriN Vuckow. Im Einwohnermeldeamt, Ehausseestr, 50, von 8 di« i Uhr vormittags und 2 bis 4 Uhr nachmittags. Am Sonnabend von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags, Buckow. Im Gemeindcbureau am Z., 4. und 5, April, nachmittags von 5—8 Uhr. Gichwalde. Im Rathaus, Aimmer 3, während der Dienststunden. Friedenau. Im Gemeindebureau, Feurigstr. 8, Zimmer Nr. 2, von 8 Uhr vormittags biS 6 Uhr abends. «önigswusterhausen und Umgegend. Vormittags von 9—1 Uhr und nachmittags von 3— 6 Uhr in den Gemeindehäusern. Köpenick im Rothause täglich von 8 bis t vormittag« und 3 bis a Uhr nachmittags. Alle die Einsichtnahme betreffenden Slnsragen sind zu richten an Emil W i ß l e r, Kietzer Str. 6, Vorwärtsspedition. Lankwitz. Im Rathause Zimmer 24 von 8 Uhr srüh bis 3 Uhr nach- mittags. Lichteurade. Im Gemeindebureau während der Dienstswnden. Lichterfelde. Im hiesigen Rathaus, Schillcrstraße, und zwar von 8 Uhr vormittag» bis 3 Uhr nachmittags. Mariendorf. Im Rathaus, Zimmer 14, von vormittags 8 Uhr bis vachmittag« 8 Uhr und von K bis 8 Uhr abends. Maricnfclde. Von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im AmtSbirreau, Kaijerallce 20. Außerdem liegt eine Abschrist in den Lokalen von Frille, Kiepertplatz 7, und Schuster, Kirchstr. 68. auS. Nieder. Schön Hausen. Am 5.. 6. und 7. April vormittag» von 8 bis nachmittag» 3 Uhr im Ralhau«, Zimmer 24. Am Sonntag, den 6., findet die Einsichtnahme in die Liste nachmittags von 1 bis 5 Uhr statt. Sticdrr-Jchönrweide. Von 9—1 Uhr vormittags und 3—5 Uhr nachmittags im Einwohnermeldeamt. Grünauer Str. I. Steglitz. Von vormittags 8 bis 3 Ubr nachmittags und nochmals von 8 bis 7 Uhr nachmittags im Hause Schlotzstr. 36 II. Trcptow-Baumschnlcnweg. Von 9 Uhr vormittag« bis 6 Uhr abends im Rathause. Rieder-Barnim. Bernau. Am 3., 4. und 5. April von 8—12 Uhr mittags und von 8—6 Uhr nachmittags im Zimmer Nr. 2 aus dem Ralhausc. Rcucnhagcn a. CHbabn. Am 3., 4. und 5. r'lpril im Gemeinde- burean und beim Genossen G. Ley, Dolterstr. 31, im Laden. Mahlsdorf sOstbahn). Am 6. April von 11—1 Uhr und am 7. und 8. April von 3—3 Uhr im Rathaus. Für diejenigen, welche verhindert sind, wird von folgenden Stillen auS Einficht genommen:.MahISdorf-Süd" bei Gust. Träger(Heidekrug) und Vtader, Äöpenickcr Allee, Ecke Wintlcr- ftrasji;.Kolonie- bei Linke, Brunowswatze:.MahISdors-Nord- bei Anders, vahnhosstrahc. Hermsdorf. Den 6., 7. und 8. April in den Dienststunden und Sonn- log vormittags von 9 bis 12 Uhr. Pankow. Am Sonnabend, den 5. April von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, am Sonntag, den 6. April von 8 Uhr vormittags bi» 1 Uhr mittag» und am Montag, den 7. April von 3 Uhr vormittag» bis 3 Uhr nachmittags im Rathause, Breitestratze 25/26 im großen«itzungSjaale (1. Obergeschotz). Reinickendorf. Am 5., 6. und 7. April im großen Sitzungssaal de» Rathause«, Hauptstr. 38—40, werktäglich von 9 bi« 3 Uhr, Sonntag« von 9—10 und 12—3 Ubr. Abschrtstcn der Wählertiften können bei den Bezirks- führern de» Dahlvcreln» eingesehen werden. Qber-Schöneweide. Von Soiyttag. den 6. April, bis Dienstag, den 8. April, im Gemcindcbureau. Luisenstr. 33, Zimmer Nr. 10, in der Zeit von 8—1 Uhr vormittags. Besonders sei noch aus die vom Wahloercin ausgelegten Abschriften der UrWählerlisten aufmerksam gemacht. Dieselben find einzusehen vormittags von 8— 11 Uhr und nachmittags von 5—7 Uhr in Lokalen, welche noch näher bekanntgemacht werden. Klein. Schönebeck> Fichtenau. Heute, morgen und übermorgen während der Dienststunden im Gemeuidcbureau. Nach Rücksprache hat sich der Gemeindevorsteher bereit erllärt, die Urwählcrlistc auch nach den Dienst. stunden bi« 8 Uhr abend« einsehen zu lassen. Für Klein-Schönebeck nimmt Genoffe Tbiemig und sür Fichtenau Genoffc Schwertner sowie der Reltau- rateur Pusch Aufträge zur Einsichtnahme entgegen. Diejenigen Wähler, die in Ermangelung von Zeit an der Einsicht in die Liste verhindert sind, wollen unter Beibringung ausreichender Legitimation einen bekannten Genossen mit der Einsichtnahme betrauen oder aber sich an den durch rote Plakate kenntlichen Stellen einzeichnen. partei- Angelegenheiten. Zentral-Wahlvereiu von Teltow-BceSkow-Storkow- Charlottenburg. Am Freitag, den 4. April cr. finden in den nachstehenden Orten des Kreises zu den Versammlungen am Sonntag, den 6. April eine Flugblattverbreitung statt: Bohnsdorf. Britz, Charlottenburg. Friedenau. Johannisthal, Köpenick, Königs- Wusterhausen. Senzig. Schenkendorf, Zernsdorf. Lankwitz, Mariendorf, Neukölln, NowaweS. Schöneberg. Steglitz, Teltow. Tempelhof. Trebbin. Treptow-Baumschulenweg, Wilmersdorf.__ Der Zentralvorstand. WilmerSdorf-Halensee. Freilagabend 7 Uhr werden von den Bezirks- lokalen aus Flugblätter zur Militärvorlage und zur Einsichtnahme in die Landtagöwählerltste» verbreitet. Ober-Schöncweide. Freitag, den 4. April, von abends 7 Uhr ab Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Friedrichsfelde. Freitagabend von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. « Martendorf. Morgen, Freitag, den 4. April, Flugblattverbreitung von den üblichen Stellen aus. Wannsee. Am Sonnabend, den 5. April, abends 8 Uhr, findet im Restaurant.Fürftenhof" sO. Ackermanni eine öffentliche Ver- sammlung statt. Tagesordnung:.Ein uniformierter Kriegerverein der Jungen* oder.Jungdeutschland und wir*. Referent ist der Ge- noffe Erwin Neumann-AdlerShof. Reinickendorf-Ost und-West. Am Freitagabend von den be- kannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Niedcr-Schönhaufen. Freitagabend von den bekannten Stellen aus wichtige Flugblattverbreitung. Bezirk WaidmannSlust. Freitag, den 4. April, abends 7 Uhr, in allen Orten des Bezirkes Flugblattverbreitung. Rosenthal. Freitag, den 4. April, abends 7 Uhr. Flugblatt- Verbreitung. Zum Besuch der Protestversammlung am Sonntag, den 6. d. M., treffen sich die Genossen um 12 Uhr bei A. Feind, am Bahnhof._ Berliner Nachrichten. Tie Einfuhr russischen Fleisches. Infolge der russischen Osterfeicrtagc war eine vorüber- gehende Stockung in der Versorgung Berlins mit russischem Schweinefleisch eingetreten. Jetzt sind Sendungen in aus- reichendem Maße eingetroffen. Der Verkauf wird daher vom DonnerStagnachmittag ab in bisherigem Umfange wieder aufgenommen. Die seit einigen Wochen eingeführten russischen Saugkälber haben sich durch ausgezeichnete Qualität und billige Preise die Gunst deö Publikums gewonnen. Der Ver- kauf solcher Kälber wird daher auch weiter fortgesetzt werden. Sie kommen stets gegen Ende der Woche zur Ausgabe. verbreitet. M.. wichtige Flugblattverbreitung Tempelhof. Freitag, den 4. d wn den belannten Lokalen auS. Lichtcnberg. Die Genossen zur Landagitation treffen sich morgen tzeettag bei Metzger, Gürtelstr. 40. abend»«t/, Uhr.— Oberbarnim nn 8 Uhr pünktlich. Zweifelsfragen aus Fcuerverficherungsverträgen. Zwei das breitere Publikum interessierende Entscheidun- gen hat vor kurzem das Landgericht Hamburg gefällt und zwar zugunsten der Versicherten. In dem einen Falle hatte die Gesellschaft die Entschädi- ffung abgelehnt unter der Behauptung, daß grobe Fahrlässig. keit seitens der Ehefrau des Versicherten vorliege. Für die Handlung der Frau sei der versicherte Ehemann verantwort- lich, da er sich der Frau zur Erfüllung seiner Obhutspflicht bedient habe. In den Versicherungsbedingungen hieß es, daß die Gesell- schaft von der Ersatzpflicht befreit sei, wenn der Ver- sicherte den Schaden vorsätzlich oder durch grobe Fahr- lässigkeit herbeigeführt habe. Der Einwand der Gesellschaft wurde für unbeachtlich erklärt. Nach dem Wortlaut der Ver- sicherilngsbedingungen könne der Versicherungsteilnehmer nicht sür Handlungen seiner Hausangehörigen verantwortlich ge- macht werden: durch eine solche Auslegung würde auch die Versicherung ihren Zweck zum größten Teil verfehlen. In dem zweiten Falle lehnte die Gesellschaft Erstattung des Schadens ab, weil es sich nicht um einen Brandschaden handele: die Sachen seien durch einen überheizten Ofen ver- sengt. 0 Das Gericht stellt sich, ohne die Frage, ob ein„Brand" vorliegt oder nicht, zu entscheiden, aus den Standpunkt, daß nach der Auffassung des Publikums die Vesicherung sich auch auf derartige Schäden erstreckt und daß diese'auch als mit- versichert gelten, wenn in den Versicherungsbedingungen nicht eine ausdrückliche entgegenstehende Vorschrift ent- halten ist. Diese durchaus zutreffende Entscheidung des Landgerichts Hamburg entspricht, soweit sich übersehen läßt, auch dem Standpunkt der Berliner Gerichte. Ein dieser Ausfassung entgegenstehendes Gutachten des Aufsichtsamts, das sich im wesentlichen in theoretischen Erörterungen über den Begriff „Brand" bewegt, verkennt das Interesse des Publikums. Ein eigentlicher Brand im Sinne der Auffassung des Aufsichts- anits findet, insbesondere in Großstädten, nicht allzu häufig statt; dagegen sind„Sengschäden" viel häufiger und gerade deswegen schließt die große Mehrzahl auch der unbemittelten Bevölkerung Versicherungsverträge ab. Die städtische Betcrancnspende. Der Magistrat der Stadt Berlin hat in dem- Etats- entwurf für 1913 wie im Vorjahre die Summe von ISO(XX) Mark als Beihilfe an Veteranen aus den Kriegen 1864. 1866 und 1870/71 vorgesehen. Die Stadtverordnetenversammlung hat dem zugestimmt. Die Veteranenspende ist nur für solche Veteranen bestimmt, welche zur Fahne einberufen waren, dem Unteroffizier- und Gcmcinenstande angehört und in FeindeS- land gestanden haben; sie müssen würdig und bedürftig sein, am 2. September 1910, dem Tage der 40jährigen Wiederkehr des Sieges von Sedan. in Berlin ihren Wohnsitz gehabt und dauernd ihren Wohnsitz in Berlin behalten haben. Personen. die in städtischen Anstalten außerhalb Berlins Aufenthalt haben. gelten als in Berlin wohnhaft. Gesuche um Berücksichtigung sind bis 15. April an die städtische Sttstungsdcputation, Post- straße 16. 1 Treppe, Zimmer 25. werktäglich von 8—3 Uhr, unter Vorlegung der MUitärpapiero oder Ehrensoldbuchcs mündlich oder schriftlich anzubringen. Dpiel mit Menschenleben. Ich war am Dienstagabend dabei, als km Zirkus Schumann sich einer die Rippen brach, weil er 12 Meter tief herunter fiel, und wie einem die Kopshaut heruntcrgerisien wurde, weil er— ein Chinese— an seinem Zopfe angebunden, ein Drahtseil herunterrutschte, durch die ZirkuSkuppel... Es war gar nicht so gefährlich. Der Sturz vom Lustapparat sah fast aus wie ein beabsichtigter Trick, und als der Chinese unten landete, war er versteckt von Blumentöpfen und von Menschen, und man konnte nicht viel sehen. Geschrien hat keiner, nur entsetzlich bleich wurden sie herausgetragen... Der Chinese umklammerte wie ein Kind seine Träger und seine Augen waren weit geöffnet... Schuld— Nichtschuld: wir wollen unS doch darüber klar werden: diese Gefahr, die die anderen durchmachen muffen, kitzelt. MaffensadismuS. Der riesige Zirkus totenstill, vielleicht nicht mal ein Trommelwirbel— nichts. Und dann— loS. Looping the Loop, Raubtierdresiuren, diese Zopfgeschichte— immer dasselbe. Der Direktor hat ja nicht einmal so unrecht. Die Leute wollen dos. Hinterher, wenn etwas geschehen ist, nicht mehr. Dienstag- abend juchten die Frauen, ein Arzt kam herunter, alles schwieg mit- leidig, aber keiner schämte sich. Und au§ einer Tür kam ein Clown und'stand sogleich aus seinem eiergelben Kopf. Schuld an solchen Vorkommnissen ist das Bestreben, dem Publi- kum immer Neues, Niedagewesenes zu bieten. Immer halsbreche- rischere Tricks werden ersonnen, um die Nerven der Zuschauer auf- zuPeitschen und um die Kassen der Direktoren zu füllen. Es wird Zeit, daß hiergegen das Publikum selbst Front macht. Beratungen über den Ankanf fiskalischer Wälder. Die aus dem Vorsitzenden des Verbandsausschusses, Ober- bürgermcister Weriputh, den Mitgliedern des Verbandsaus- schusses Cassel, Ziethen und v. Treskow sowie ans dem Ver- bandsdirektor Dr. Steiniger bestellende Kommission, welche bekanntlich damit beauftragt ist, die Verhandlungen mit dem Fiskus über eine anderwcite Gestaltung der Grundlage für den Ankauf fiskalischer Waldflächen zu führen, ist im Bcrli- irischen Rathaus wieder zusammengetreten und wird ihre Be- ratungen heute zu Ende führen. Tie Erörterungen sollen streng vertraulich behandelt werden, um die Stellung des Zweckverbandes bei den demnächsttigen wieder zu eröffnenden Verhandlungen mit der Staatsregierung zu wahren. Städtische Sieoerfragen. AuS dem Rathause wird geschrieben:„In verschiedenen Zei- tungen werden Klagen darüber geführt, daß die Durchführung der Kinosteuer wegen der Kürze der Zeit, welche von der amtlichen Be- kanntmachung bis zuut Inkrafttreten der Steuerordnung gebliebe» sei, große Schwierigkeiten bereite. Dabei wird nicht berücksichtigt, daß in den vom Magistrat dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen ausdrücklich vorgesehen ist, daß vorhandene Bestände an Eintritts- nachweisen der Kinematographen-Theater, sofern sie nur den Bor- schriften der Slcuerordnung hinsichtlich der Bezeichnung der Veranstaltung und des Eintrittspreises entsprechen(also auch ohne Aufdruck de« Steuerbetrages) bis zum 16. Mai d. I.) verwendet werden können. Schwierigkeiten in der Durchführung dieser Bestimmung der Steuerordnung sind angeblich einzelnen Theatern dadurch entstanden, daß sie den Eintrittspreis zu ändern beabsich- tigten und nmi bei einem besonders großen Vorrat an vorhandenen Billetts den Aufdruck des veränderten Eintrittspreises nicht schnell genug herstellen konnten. Im übrigen waren die in Frage kommenden Bestimmungen der Steuerordnung bereits in den Vorlagen an die Stadtverordnetenversammlung enthalten. Da- gegen haben die beteiligten Kreise zwar zahlreiche Proteste gerichtet: sie mußten aber schon seit längerer Zeit mit der Möglichkeit rechnen, daß diese Bestimmungen rn Kraft treten würden. Außerdem aber wurde dem Direktor der Berliner Unionthcater, wie auch anderen Theaterbesitzern vom Dezernenten als noch jetzt zu Gebote stehendes Hilfsmittel der Abschluß einer nach der Steuerordnung zulässigen Vereinbarung vor- geschlagen, nach welcher bei Einreichung täglicher Kassenrapporte und Bekanntmachung des Steuertarifs für den Besucher durch AuS- hang an der Kasse auf die Abstempelung der Eintrittsnachweise verzichtet werden konnte. Dieser Vorschlag wurde von den be- teiligten Direktoren auch als gangbar anerkannt und angenommen. Daß irgendein Kinematographen-Theater infolge der B e st e u e r u n g am 1. April zu schließen gezwungen war, ist dem Magistrat bisher nicht bekannt geworden."_ Prophet Johannes, der berühmte„Magnetopath" und Bibel- heilige au« der Glcimstraße 42. ist jetzt, damit daS Leimgeschäft sich»och besser anläßt, unter die patriotischen Dichter gegangen. Fromm nach seiner Fasson war dieser gewitzte Geschäftsmann schon immer. Seine ganze HokuspokuSgemeinde besteht aus Leuten, die dem Spiritismus huldigen und mit der Bibel unterm erleuchteten Kopf schlafen.gehe». Das genügt aber in Preußen noch nicht. um sein auf die Dummen berechnetes Geschäft unangefochten betreiben zu können. ES ist immer gut, auch seinen glühenden Patriotismus in das rechte Licht zu stellen, um„oben" die nötige Augenzudrückerei zu finden. So hat denn der Prophet Johannes, der mit seinem irdischen Namen Johann Weißenberg heißt, ein„Gedicht" in Umlauf gesetzt, dessen Inhalt gelinde gesagt von A bis Z purer Unsinn ist. Bei der Jahrhundertfeier unter patriotisch gesinnten Bürgern in Seegefeld bei Spandau, wo Prophet Johannes eine„Himmelslaube" besitzt, sollen sich nach dieser Dichteritis„zwei Herren Offiziere" dahin ge- äußert haben, daß der Kriegsveteran und Naturheilprediger Weißen- berg. über dessen„Wunderkuren" in der Oeffrntlichkeit die Akten ja wohl geschloffen find, ein tadelloser Ehrenmann und alles, was „rote Blätter' über ihn schreiben, nicht wahr ist. Am Schluffe deS blühenden UnfinnS heißt eS:„Gott mög' es diesen beiden Herr'» vergelten, daß sie für deutsches Recht sich legten ein, wenn auch mancher sie darum wird schelten. Sie werden mit Gott stets Sieger sein." Herr Gott, wie groß ist doch dein Tiergarten I Die einzige Entschuldigung für den Propheten Johannes wäre, daß er den pyra- midalen Blödsinn, den er verzapft, selbst glaubt I Zu den notleiden- den KricgSveteranen gehört Johann Weißenberg auf alle Fälle nicht. Da gewisse Leute niemals aussterben, macht er ein solches Geschäft, daß er in der Nähe seiner gottbegnadeten Wohnung noch zwei Filialen errichtete und sich sogar eine elektrische Nachtreklame für seinen Schafgarbentee leistete. Der Prophet selbst„behandelt" nur noch die „schwierigen Fälle". Alles andere wird den Jüngern in den Filialen überwiesen. Wenn die Aerzte sich gegen diesen Heilunfug en gros wenden, haben sie nur zu recht. Ein sonderbares Geschäftsgebaren scheint bei der Firma C. A. Weller, Verlagsbuchhandlung. Linden« straße 71/72, üblich zu sein. Die Firma schickt eine Anzahl Agenten herum, die in den Werl- stellen, in den Verkehrslokalen der Arbeiter, ja, auf der Straße vor den Fabriken, die von der Firma verttiebenen Werke an den Mann zu bringen versuchen. Nicht mit Erwachsenen, sondern mit Vorliebe jugendlichen Ar- beitern und Lehrlingen werden Bücher aufgeschwatzt, die oft für die Käufer von sehr zweifelhaftem Wert find. M i n d'e r j ä h r i g e sind an derartige Bestellungen, wenn nicht der gesetz- liche Vertreter zugestimmt hat, nicht gebunden. Die Besteller kommen mitunter zu spät zu der Ueberzeugung, daß die— auf Abzahlung— bestellten Werke für sie ohne Wert sind. Die Firma lehnt aber die Rücknahme ab und klagt auf Zahlung, schickt auch den Gerichtsvollzieher und veranlaßt, wenn sie Kenntnis von der Arbeitsstelle des Schuldners hat, Lohnbeschlagnahme. Man könnte sagen, soweit handelt die Firma im Rahmen der gesetzlichen Befugnisse. Wenn man aber das weiter unten wiedergegebene, von der Firma herrührende Schreiben liest, so wird doch mancher unserer Leser sich für eine Geschäftsverbindung mit der Firma bedanken. Einer unserer Leser hat sich ebenfalls ein Werk aufschwatzen lassen. Die Ratenzahlungen konnte er nicht innehalten: er wurde verklagt und verurteilt; doch er ist ein armer Teufel und der Gerichts- Vollzieher kann, obwohl er seitens der Firma sehr oft bemüht wird, nichts Pfändbares finden. Run vermutet die Firma— die übrigens das Buch jederzeit zurückerhalten kann—, daß der Arbeiter mehr als 28,83 M. wöchentlich, das ist das gesetzliche, der Lohnbeschlag- nähme entzogene Lohnminimum, verdient. Um nun die Arbeits- stelle zu erfahren, schreibt sie an den Portier des Hauses, in dem unser Leser wohnt, folgenden Brief: .Hiermit gestatte ich mir die sehr ergebene Anftage, ob Ihnen vielleicht bekannt geworden ist, bei wem der� in Ihrem Hause wohnhafte...... zurzeit in Arbeit steht. Sollte Ihnen jedoch die nähere Beschäftigungsadresse desselben nickit bekannt sein, bitte ich Sie ergebenst, hierüber vertraulich bei den benachbarten Mietern Nachfrage zu halten und mir das Ergebnis recht bald mitteilen zu wollen. Für ihre fteundliche Bemühungen bestens dankend, erlaube ich mir hierneben 30 Pfennig in Briefmarken anzufügen." Die dem Portier hier angesonncne Lumperei hat dieser nicht ausgeführt. Immerhin sei der Brief veröffentlicht. Der Firma wird vielleicht ebenfalls damit gedient; erfolgen Bestellungen seitens der Arbeiter, die in die Lage kommen können, zahlungsunfähig zu werden, nicht mehr, so kann sich die Firma derartige Anstiftungen zu Spitzel- diensten ersparen. An unsere Leser richten wir— wie schon früher— das Er- suchen, bei Unterschriften von Bestellscheinen die Sache reiflich zu überlegen.___ Familientragvdic in Steglitz. Erschaffen aufgefunden wurden die Oberstleutnantswitwe v. S. und ihre 19 jährige Tochter in ihrer Wohnung Steglitz, Ahornstr. 12s,. Nach einem von der Mutter hinterlasscnen Briefe, habe die Tochter mit einer Browningpistole gespielt, wobei plötzlich ein Schuß los- gegangen sei, der sie tödlich getroffen habe. Bor Gram über den Verlust ihres Kindes habe sie, die Mutter, sich darauf selbst er- schaffen. Die beiden Damen erfreuten sich eines guten Rufes; Nahrungssorgen lagen nicht vor. Ein schwerer Straßcnbahnunfall hat sich gestern gegen 3lii Uhr nachmittags in Moabit zugetragen. An der' Ecke der Turm- und Pritzwalker Straße kam die vierjährige Erna Lundt beim Spielen unter einen herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 6 auf das Gleis zu liegen. Obwohl der Fahrer mit aller Kraft bremste, vermochte er den Waggon doch nicht mehr /Rechtzeitig zum Halten zu bringen. Die Kleine wurde umgestoßen' und geriet mit dem recknen Bein unter den Schutzrahmen, Dem verunglückten Kinde wurde der rechte Fuß abgetrennt, es wurde nach dem nahen Krankenhause gebracht.----- Im Stadtbahnzug erschossen hat sich in der Nacht zum Mittwoch der 13 Jahre alte Bäcker Karl Rosenstock aus Charlottenburg. Der junge Mann, der keine Arbeit hatte, wohnte in Schlafstelle in der Pesialozzistraße, bis seine Wirtsleute vor einigen Tagen nach der Rückertstraße verzogen. In der vergangenen Nacht um 12 Uhr fand man ihn auf dem Bahnhof Alexanderplatz in einem Abteil eines Stadtbahnzuges tot auf. Rosenstock hatte sich kurz vor Einlaufen des Zuges in die Halle er- schaffen. Die Leiche ivurde von der Bahnhosspolizei beschlagnahmt und nach dem Schauhanse gebracht. Mit ihren Heiden kleinen Kindern verschwunden ist die 26 Jahre alte Frau Anna des Kaufmanns A, Sceger aus der Biebrichstr. 12 zu Neukölln, wahrscheinlich in der Absicht, mit ihnen in den Tod zu gehen. Man befürchtet, daß Frau Seeger in einem Anfalle geistiger Umnachtung irgendwo in einem Vororte ihren Kindern und sich selbst ein Leid angetan hat. Frau Seeger hat hellblondes Haar und auf der linken Wange einen großen Leberfleck, Sie trägt einen blauen Rock, eine helle Bluse, einen schwarzen Paletot, einen schwarzen Hut und schwarze Schnürschuhe. Berliner Asylvcrein für Obdachlose. Im Monat März 1913 nächtigten im Männerasyl 13 241 Personen, wovon 7199 badeten. im Frauenasyl 2899 Personen, wovon 784 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer:-Wiesenstr. 33—39, für Frauen: Wiesen- straße 33. Ei» neues Verkchrsvuch der Großen Berliner Straßenbahn wird vom 3. April an in den Wagen der Straßenbahn von den Schaff- nern sowie in sämtlichen Buch- und Papierbandlungen verkauft. Der Kaufpreis des Buches beträgt 23 Pf,, ebenso wie bei dem früheren„Berliner Wegweiser", an dessen Stelle es tritt. Es weist ihm gegenüber einschneidende Aendcruugen auf. Während der„Weg- weiser" bloß die Fahrpläne und ein Straßenverzeichnis mit Plan enthielt, ist der Inhalt des„Verkehrsbuches" bedeutend reichhaltiger geworden. Die Fahrpläne mit Linienbildern, Verzeichnisse der Sehenswürdigkeiten, Stadtplan usw. enthält es ebenfalls, doch tritt ein neuer umfangreicher Abschnitt hinzu, der den wesent- lichsten Teil des Buches darstellt. Er ermöglicht es dem Leser, auf schnellem Wege alle Straßenbahnverbindungen ausfindig zu machen, die zwischen zwei beliebigen Punkten Groß-Berlins bestehen. Zu diesem Zweck ist die ganze Fläche Groß-Berlins in kleine Verkehrsbezirke eingeteilt, deren Mittelpunkte als„Verkehrspunkle" bezeichnet und mit fortlaufenden Nummern versehen sind. In einem Verzeichnis sind sämtliche zwischen den einzelnen VerkehrSpunkteu bestehenden Verbindungen ebenso wie die Fahrldauer angegeben. Außerdem ist noch ein Slraßenverzcichnis vorhanden, in dem auch die öffentlichen Gebäude und Anstallen, Sehenswürdigkeiten, größeren Geschäfte usw. angegeben sind. Das Format des BucheS ist, trotzdem es fast 359 Texlseilen enthält, recht handlich und bequein. Die Benutzung ist so einfach, daß sie von jedem Berliner und wohl auch von den Fremden leicht erlernt werden wird. Vermißt wird seit dem 26. März, mittags 12 Uhr, die 17)4 Jahre alte Kontoristin Marie Reckling. Bekleidet war die- selbe mit dunkelblauem Cheviotkostüm mit weißem Spitzenkragen, ohne Kopfbedeckung, schwarzen Strümpfen und schwarzen Schnür- schuhen. Statur mittelgroß, dunkelblondes Haar und braune Augen. Es wird gebeten, etwaige Nachrichten bei Reckling, Kux- havcncrstr. 3, abzugeben._ Bcfichtignng der GciiosscnschaftSzentrale. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend teilt uns mit, daß die für den 6, April geplante Besichtigung ihrer Betriebsanlagen wegen der statlfindetiden Protestversammlungen nicht staltfindet. Weitere Bekanntmachung betreffs der Besichtigung erfolgt Donnerstag, den 19 d. M. im Inseratenteil des„Vorwärts". Vorort- Nadmcbtcm Aus Neuköllns EntWickelung zur Großstadt. Der Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln, den für die Jahre 1919 und 1911 soeben der Magistrat veröffentlicht hat, bringt auch eine ausführliche Behandlung der Grundstücks- und Woh- n u n g s st a t i st i k. Benützt sind unter anderem die Ergebnisse der den Volkszählungen von 1919, 1993, 1999 vorausgegangenen Grundstücksausnahmen. Durch sie wird Neuköllns. EntWickelung zur Großstadt in lehrreicher Weise beleuchtet. Für 1919 wurden 3188 bebaute G r u n d st ü ck e ermittelt, gegenüber 2916 für 1993 und 1346 für 1999. Die Grundstücke hatten sich gemehrt von 1999 zu 1995 um 679(gleich 39 Proz.), von 1993 zu 1919 um 1172(gleich 38 Proz.). Von den bebauten Grundstücken aus 1919, 1993, 1999 waren bewohnt 3168, 2991, 1393, und in diesen wurden gezählt 71 347, 42 393, 22 493 vorhandene Wohnungen. Die Wohnungen hatten sich gemehrt von 1999 zu 1993 um 19 987 (gleich 89 Proz.), von 1993 zu 1919 um 28 932(gleich 68 Proz.). Auf das bewohnte Grundstück kamen in 1999 durchschnittlich 22 bis 23 Wohnungen(genauer: 22,3), dagegen in 1993 durchschnittlich nur 21 Wohnungen(genauer: 21,1), in 1999 durchschnittlich nur 17 Wohnungen(genauer: 17,2). Der„Fortschritt" zur Herrschast der Mietskaserne tritt schon in diesen Durchschnittszahlen hervor. Er zeigt sich noch deutlicher, wenn die G r u n d st ü ck e nach ihrer Wohnungszahl in Größenklassen gruppiert werden. -Die Zusammenstellung, die der Bericht hierüber bringt, berück- sichtigt von den Grundstücken und auch von den Wohnungen nur die zur Zeit der Grundstücksaufnahme bewohnten. In 1919 hatten von den Grundstücken 7,5 Proz. 1— 5 Wohnungen, 7,5 Proz. 6 bis 19 Wohnungen. 33 Proz. 11—29 Wohnungen, 25,8 Proz. 21 bis 39 Wohnungen, 18,6 Proz. 31—49 Wohnungen, 6 Proz. 41 bis 39 Wohnungen, 1,6 Proz. über 39 Wohnungen. Die Grundstücke mit 11— 29, 21— 39, 31—49, überhaupt mit 1 1— 4 9 Wohnungen waren zusammen über drei Viertel(77,4 Proz.) aller Grundstücke. �Jm Laufe des Jahrzehntes 1999— 1919 hat aber der Anteil der einzelnen Größenklassen an der Gesamtzahl der Grund- stücke sich sehr merklich geändert. Er sank für die Grundstücke mit 1— 5 Wohnungen von 18,3 Proz. aus nur noch 7,5 Proz., für die mit 6— 19 Wohnungen von 11,6 Proz. aus 7,5 Proz., für die mit 11— 29 Wohnungen von 34,9 Proz. aus 33 Proz., stieg dagegen für die Grundstücke mit 21— 39 Wohnungen von 22 Proz. auf 25,8 Proz., für die mit 31— 49 Wohnungen von 8,8 Proz. auf 18,6 Proz., für die mit 41— 59 Wohnungen von 3,2 Proz. aus 6 Proz., für die mit über 59 Wohnungen von 1,2 Proz. aus 1,6 Proz. Herunter- gegangen ist der Prozentanteil besonders für die Grundstücke mit 1— 3 Wohnungen, gestiegen ist er besonders für die mit 31 bis 49 Wohnungen. Aehnliches ergibt sich, wenn man die Bewohnerzahl der Grund st ücke betrachtet. Die„Behausungszifser" war für 1919 pro Grundstück durchschnittlich 74 Bewohner(genauer: 74,14), für 1993 pro Grundstück durchschnittlich 73— 76 Bewohner(genauer: 75,56), für 1999 pro Grundstück durchschnittlich 68— 69 Bewohner (genauer: 68,59). Die»Steigerung der„Behausungszifser" ist, nach- dem sie in dem Jahrfünft 1999— 1995_fehr beträchtlich gewesen war, in dem Jahrfünft 1995— 1919 zum Stillstand gekommen. Werden hier die Grundstücke in Größenklassen nach der Zahl ihrer Bc- wohner gruppiert, so beobachten wir wieder für das Jahrzehnt 1999— 1919 einen sehr beträchtlichen Rückgang des Anteils der wenig bevölkerten Grund st ücke. Der Anteil an der Gesamtzahl der bewohnten Grundstücke sank für die Grund- stücke mit bis 29 Bewohnern von 16,7 Proz. auf 8,7 Proz., mit 21— 39 Bewohnern von 6,1 Proz. auf 4,3 Proz., er stieg für die Grundstücke mit 31— 49 Bewohnern von 7,1 Proz. auf 8,2 Proz., mit 41— 39 Bewohnern von 8,2 Proz. auf 11,2 Proz., mit 51— 199 Bewohnern von 33,2 Proz. aus 42,8 Proz., mit 191—159 Bewohnern von 18,9 Proz. aus 21,2 Proz., er sank wiederum für die Grundstücke mit 131— 299 Bewohnern von 4,7 Proz. auf 2,9 Proz., mit über 299 Bewohnern von 1,3 Proz. auf 9,7 Proz. Der Rück- gang des Anteils siärkestbcvölkerter Grundstücke erklärt sich an- scheinend daraus, daß von den kleinsten Wohnungen, die ja sür solche Grundstücke hauptsächlich in Frage kommen, in 1919 volle 19 Proz. leer standen. In 1999, dem Jahre der Wohnungsnot, des Mangels besonders an kleinsten Wohnungen, waren die großen Mietshäuser voll besetzt. Die EntWickelung Neuköllns zur Großstadt hat für das Wohnungswesen die üblichen Folgen gehabt. Die aus Neuköllns rixdörflicher Vergangenheit erhalten gebliebenen kleinen Häuser mit wenigen Stockwerken und einer mäßigen Zahl von Wohnungen und Bewohnern haben mehr und mehr den Mietskasernen weichen müssen. Allerdings braucht man selbst von einem großen Mietshaus nicht ohne weiteres anzu- nehmen,!»ß in ihm die Wohnungszustände die schlechtesten sein müssen, sie können hier unter Umständen besser sein als in kleinen alten Häusern, deren Wohnungen manchmal ni�ch enger, niedriger, dumpfiger, dunkler als in modernen Mietskasernen sind. Nebenbei bemerkt: unter den stärkestbevölkerten Grundstücken der Zählung von 1919 ist gerade das allerstärkest bevölkerte keine der üblichen Mietskasernen. Das weitaus am stärksten bevölkerte Grundstück war da der Musterwohnhausbau„Ideal- Passage". Diese Häusergruppe mit 299 bewohnten Wohnungen und mehr als 799 Bewohnern wurde, weil sie eine bauliche Einheit ist, als ein einziges Grundstück gezählt. So geriet die„Ideal- Passage" statistisch unter die Grotzstadt-Mietskasernen, zu denen sie gerade nach ihrer ganzen Einrichtung im scharfen Gegensatz steht._ Wilmcrsdorf-Haleusee. Der sozialdemokratische Wahlvcrcin hielt am 31. März seine Generalversammlung ab. Nachdem das Andenken des verstorbenen Parteigenossen Max Richter in übli-ber Weise geehrt worden war, erstatteten der Borsitzende und der Kassierer den Jahresbericht, der die großen Schivierigleiten erkennen ließ, unter denen die Partei in Wilmersdorf zu arbeiten hat und der in die Mahnung ausklang, gerade die Widrigkeit der Verhältnisse als Ansporn zu verstärkter Tätigkeit zu betrachten. Die dann erfolgte Neuwahl des Vorstandes hatle folgendes Ergebnis: Das Amt des ersten Vorsitzenden bekleidet fortan Oskar Riedel, das des zweiten Vorsitzenden Ewald Fabian. Zum Kassierer wurde Robert G o d d ä u s. zuni ersten Schriftführer Kurt Tuckermann, zum zweiten Alfred Riedel wiedergewählt; das Amt des Beisitzers wurde Karl K o l b o w, das der Beisitzerin der Genossin Bahr übertragen. Weiter wurden neugewählt: In die Lokalkommission Bludszat, in den Ver- gnügungsausschuß Frau Schmoll, zu Revisoren K u t t n c r. Schmoll und Fuhrmann sowie zum zweiten Bibliothekar Adam. Mit der Ablöschung eines großen Tachstuhlbrandes hatte die gesamte Wilmersdorfer Feuerwehr in der letzten Stacht vier Stunden iang in der Holsteinischen Str. 33, unweit des Hohenzollenidammes, zu tun. Das Feuer wütete im Dachgeschoß deS Vorderhauses und rechten Seitenflügels. Die Löschmannschaften drangen teils über die Treppen, teils über zwei mechanische Leitern gegen den Brand vor. Die beiden Dachstühle wurden größtenteils zerstört. Ueber die Ur- fache des Feuers konnte nichts festgestellt weiden. Gegen 4 Uhr morgens konnte die Wehr den Brandplatz wieder verlassen. Lichtenberg. Ein Brand brach gestern nachmittag in der Sonntagstr. 19/29 (Beamienhaus) in der Waschküche aus, der sich bald aus den Dach- stuhl ausdehnte. Die Lichtcuberger Feuerwehr rückte mit zwei Zügen an und ging mit zwei Schlauchleitungen gegen den Brand vor. Es gelang den Löschmannschaften, das Feuer bald in ihre Gewalt zu bekommen, io daß der Dawstuhl nur teilweise vernichtet ivurde. Nach anderthalbstündiger Arbeit konnte die Wehr wieder abrücken. Die Ursache des Brandes ist nicht ermittelt. Lankwitz. Eine Frühlingsfeier mit künstlerischem Programm veranstaltet der Bildungsausichuß am Sonntag, nachmittag pünktlich 3 Uhr, bei Schulz, Mühlenstraße. Das Programm umfaßt Liedervorlräge, Duett aus dem Waffenschmied, Rezitation, Geige. Klavier, Festrede, Gesang des Männerchors Lankivstz-Südende. Eintritt frei! Die Eltern werden gebeten, mit ihren schulentlassenen Kindern zu er- scheinen. Köpenick. „Niedriger hängen!" Das Blättchen„Cöpenicker Dampfböot" bringt einen Artikel, der als Aprilscherz gedacht ist. Er richtet sich offenbar gegen Ausführungen, die in der S t a d t v c r o r d n e t e n- Versammlung von unseren Genossen über das Z ü ch t i- gungsrecht der Volks schullehrcr gemacht wurden. Bei der Beratung des Stadictats für 1913 erhoben unsere Genossen den Vorwurf, daß in den Volksschulen einzelne Lehrpersonen allzu- reichlich prügelten. Bürgerliche Stadtverordnete antworteten mit einem Hymnus auf die Prügelstrafe und äußerten die Ansicht, daß oft noch gar nicht genug Hiebe ausgeteilt würden. Das genannte Blättchen glaubt jetzt, die Freunde einer mit geistigen Mitteln ar- bettenden Erziehungsweise durch folgende Späßc verhöhnen zu können: Eine wichtige Schulreform Der Schrei sittlicher Entrüstung über die„bestialische" Be- Handlung, der die Kinder eines östlichen Vororts in letzter Zeil ausgesetzt gewesen sind, ist an maßgebender Stelle nicht ungchört verhallt. Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, ist ein Erlaß in Vorbereitung, der sich mit der Behandlung der Schüler und Schülerinnen seitens der Lehrer und Lehrerinnen beschäftigen wird. Unser Gewährsmann ist in der Lage, uns einige der zu erlassenden Bestimmungen, deren Publikation am 1. April erfolgen soll, bereits heute mitzuteilen. Jede Schülerin und jeder Schüler, die in die unterste Klaffe eintreten, sind mit Sie anzureden. In der Regel sind in der Abwechselung damit die Bezeichnungen„gnädiges Fräulein" oder „mein Herr" zu gebrauchen. Bezeichnungen wie„Hosenmatz" und dergleichen sind natürlich verboten und ihre Anwendung unter Strafe gestellt. Der Lehrer wird z. B. sagen:„Herr Alfred, würden Sic. die Güte haben, sich Ihres Taschentuchs zu de- dienen?" Oder:„Fräulein Lucie, ich möchte Sie bitten, das Gespräch mit Ihrer Nachbarin auf einige Augenblicke zu unter- brechen und Ihre Aufmerksamkeit einer �möglichst korrekten Aus- führung des kleinen i zuzuwenden." Sollte diese schon etwas rohe Einengung der kindlichen Selbständigkeit nicht den er- wünschten Erfolg haben, so wird es dem Lehrer oder der Lehrerin nicht schwer fallen, durch Verabreichung eines Apfels oder eines Bonbons den gewünschten Erfolg zu erzielen. Ganz verfehlt wäre ein Tadel. Ein solcher ist namentlich bann unangebracht, wenn seitens des Schülers eine Aeußerung fällt, die man bisher so häßlich eine Lüge genannt hat. Ter Lehrer wird gut tun, höchstens nur von einer irrtümlichen Auf- sassung oder einer phantasiereichen Darstellung zu reden und dem Schüler fortan nur um so größeres Wohlwollen entgegenbringen. Hier sowohl wie auch bei dem. was man bisber manchmal so wenig schön„Trotz" genannt hat, darf jemals eine„humane Tracht Prügel" Anwendung finden. Die Watte, in die die Schüler und Schülerinnen fortan zu wickeln, und die Glacehandschuhe, mit denen sie anzufassen sind. werden den Lehrern und Lehrerinnen von Amts wegen gc- liefert, doch müssen sie sich dafür einen Gehaltsabzug von 19 Prozent gefallen lassen. Ten Beginn der Unterrichtsstunden bestimmen die Schüler und Schülerinnen bezw. deren Eltern, ebenso den Schulschluß. In gleicher Weise werben Parade- und andere Ferien festgesetzt. Reden die Schüler, so hat der Lehrer zu schweigen. Sollten ein- mal härtere Wurfgeschosse, wie Tintenfässer und dergleichen, seitens der Schüler benutzt werden, so hat man gleichwohl— der Humanität unseres Zeitalters entsprechend— nur von unschuldigen kleinen Neckereien zu reden, dieselben im übrigen aber zu ignorieren. Die Lehrcrm hat einen Knix zu machen, wenn sie einer Schülerin oder deren Mutter begegnet, der Lehrer vor. dem Schüler oder dem Vater desselben höflich den Hut zu ziehen. Einen außerordentlich nachhaltigen Einfluß auf die Er- ziehung dürfte es haben, wenn die Lehrer an den Fortbildungs- schulen sich entschließen könnten, den Schülern am Schlüsse des Schulunterrichts zu den Zigaretten, mit denen im Munde sie die Straße betreten, das Feuer anzubieten. Soweit unser Gewährsmann. Wird sich der Erlaß in dem hier angedeuteten Rahmen bewegen, so wird er, weitblickend der Gegenwart vorauseilend, dem„Jahrhundert des Kindes" eine besondere Note verleihen. Daß dieses Geisteserzcugnis auf dem eigenen Beet der„Dampf- boot"-Redaktion gediehen sei, glauben wir nicht. Vermutlich ist es ihr von irgendwem überreicht worden, der ein besonderes Interesse daran hat, das Züchtigungsrccht der Volksschullehrerschast durch keine Kritik antasten zu lassen. Solche Spaße mögen ja ihrem Verfasser als sehr witzig gelten. Sie zeigen aber nur, mit welchem Zynismus in gewissen Kreisen die Prügelfrage behandelt wird. Insofern ist dieser sogenannte Aprilscherz leider sehr ernst zu nehmen. Nowawes. Gcmcindcvertrrteiffitzung. Zum Punkt„Erlaß eines neuen Orts- statuts, betreffend Reinigung öffenilicber Wege" bemerkte der Bürger- meister, daß die Gemeinde die Absicht Hobe, ein Drittel der Kosten zu tragen. Auf Antrag des Gemeindevertreters Reiff wurde die Vorlage zur nochmaligen Beratung an die Koiumission zurück« verwiesen.— Zurückgestellt wurde ferner der Punkt„Erlaß eines Nachtrages Kum Ortsstatut für die Fortbildungsschule", weil weitere Erhebungen darüber notwendig sind, wieviel neue Klassen sür die in den Schulbesuch einzubeziebcndcn un- gelernten jugendlichen Arbeiter eingerichtet werden müßten und welche Kosten dadurch entstehen würden. Schöffe Röhren machte den Vorschlag, den Kreis um Erhöhung des für die gewerbliche Fortbildungsschule bisher geleisteten Zuschusses� zu er- suchen. Der letzte Punkt betraf die zweite Lesung und Festsetzung des Gemeindcvoranschlags sür das Rechnungsjahr 1913. Kapitel „Allgemeine Verwaltung" schließt in Einnahme init 74 699 M. und in Ausgabe mit 172 372,39 M., erfordert also einen Zuschuß von 97 772,59 M. Gemeindevertreter Schneider erklärte hierbei, daß der Grund für die Unterbilanz von 199 999 M. hauptsächlich in der all- gemeinen Verwallung zu suchen sei. Trotz des enormen Defizits im Jahre 1911 seien die Ausgaben für dieselbe dermaßen ge- stiegen, daß sie in keinem Verhältnis zu dem Ertrag der Steuern stehen; ein weiteres Ansteigen der Ausgaben für Polizei- und Gemeindeverwaltung müsse daher unbedingt vermieden werden. Er halte die Anstellung eines besoldeten Schöffen sür notwendig, da der Bürgermeister die zunehmende Arbeitslast nickt allein tragen könne. Genosse Neumann beantragte, den in Klaffe 2 der Besoldungs- ordnung für einen eventuell neu einzustellenden Beamten vor- gesehenen Betrag von 2525 M. zu streichen. Sollte der Landrat die Besetzung der Stelle dennoch fordern, dann sei es immer noch Zeit, den dafür benötigten Betrag zu bewilligen. Ter Bürgermeister tnlt dieser Ansicht entgegen. Kapitel„Pohzewerwaltung" ist in Einnahme mit 11 839 M. und in AuSgabe mit 31 239 M. angesetzt; der Zuschuß beträgt somit 39 499 M. Das Kapitel „Grundstücks- und Straßenverwaltung" schlwllt in Einnahme mit 47599 M.. in Ausgabe mit 79199 M. ab. Kapuel„tfeuerloichwesen" erforderte bei einer Einnahme von 499 M. und einer Ausgabe von 13 189 M. einen Zuschuß von 12 789 M. Kritisiert wurde von der- schiedenen Seiten die hohe Ausgabe von 2469 M. für Sonntags, und Nachtwachen. Der Bürgermeister erwiderte, daß diese Einrichtung ein Ueberbleibsel der wiedernufgehodenen Pflichtfeuerwehr sei; eine Aendcrung werde in nächster Zeit bei der Neuorganisation des Feuer- wehrwesens entreten. Beim Kapitel„Friedhofsverwaltung", das Einnahme und Ausgabe mit 9400 M. abschließt, bemerkte der Biirgei- meister, daß die Friedhofsordnung einer Neubearbeitung unterzogen werden wird, wobei auch die Gebühren eine Aenderung erfahren sollen, Im Kapitel„Schulverwallung" erfordern die Gemeinde- schulen einen Zuschuß von rund 219 048 M,(1912: 201 391 M,); das Realgymnasium erfordert einen solchen von 44 125 M. (1912: 37051 M,l und das Lyzeum 29 470(1912: 25 883 M,), Dos Schulgeld für das Realgymnasium� wurde auf 130 M. für hiesige und 160 M. für auswärtige Schüler erhöht. Genosse Neumann wünschte eine Nackweisung derjenigen Volksschüler, die am Gyninasium Freistellen innehaben, um zu verhindern, daß diese Ver- günstigung Schülern zugute kommt, deren Eltern sehr gut in der Lage sind, das Schulgeld zu bezahlen; diese Einrichtung sei doch speziell für leistungsfähige, intelligente Volksscküler geschaffen, deren Eltern nicht in der Lage seien, das hohe Schulgeld auszubringen. Der Bürgernreister erwiderte. daß die Gewährung der Frei- stellen in einwandfreier Weise gesckehe, eine Nachweisung der Freischüler sei deshalb nicht notwendig. Die Fortbildungsschule erfordert einen Zuschuß von 10 200 M.; seit 1908 ist derselbe um 6600 M. gestiegen. Der Gesamtzusckuß für sämt- liche Schulen beträgt rund 307 803 M.— Bei der Armen- verwallung' ist der Zuschuß von 31 315 M. im Vorjahr auf 36 390 M. angewacksen. Die Verzinsung und Amortisation der Sckulden erfordert 160 471 M. Kapitel„Kanalisationsverwaltung" weist in Einnahme und Ausgabe 72 400 M. aus. Kapitel „Elektrizitäls- und Straßenbahnverwaltung": Einnahnie 140 000 M., Ausgabe 105 700 M., mithin Uebersckuß 34 300 M. Kapitel„Steuer- Verwaltung" weist an Einnahmen aus: direkte Steuern 693 490 M., indirekte Steuern 61 000 M.; die gesamte Einnahme beträgt also 754 490 M. Nach Abzug der Ausgaben von 96 050 M. ver- bleibt ein Ueberschuß von 658 440 iP. Gemeindevertreter Nathan wies auf die hoben personellen Ausgaben in der Polizei- und all- gemeinen Verwaltung hin, die soft so viel betragen wie das Staatssteuer-Soll. Eine Herabsetzung der Zu- schlüge sei nur bei Vorhandensein werbender Anlagen möglich. Wie diese zu schaffen seien, sei eine Frage, die zu lösen unbedingt versuckl werden müsse. Eine Neuregelung der Verwaltung halte auch er für nötig, ob aber die Anstellung eines besoldeten Schöffen die beste Lösung sein würde, �möchte er bezweifeln.— Nach Schluß der Etatsberatung wurden die Steuersätze für das Rechnungs- jähr 1913 wie folgt festgesetzt: Gemeindeeinkommensteuer 160 Proz., Gemeindegrundsteuer 4 pro Tausend für bebaute und 6,67 pro Tausend für unbebaute Grundstürke, Gewerbesteuer 1. und 2. Klasse 300 Proz., 3. und 4. Klasse 200 Proz., Betriebssteuer 100 Proz., Kanalisationsgebühr 3 Proz. des Nutzertrages.— Die Gebühren für die Benutzung des Müllabladeplatzes wurden noch nicht festgesetzt, da eine nochmalige Beratung zweckmäßig erschien. Bernau. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde der Etat pro 1913/14 beraten und gegen die Stimmen unserer Genossen an- genommen. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 430 000 M. ab. Der Zuschlag zur Staatseinkommensteuer beträgt 105 Proz. und 25 Proz. für Kreissteuern. Grund-, Gebäude- und Gewerbe- steuer sind mit 180 Proz. und die Betriebssteuer mit 30 Proz. ein- gesetzt. An indirekten Steuern sollen 22 490 M. aufgebracht werden und zwar Biersteuer 6338 M., Luslbarkeitssteuer 1992 M., Umsatz- steuer 8000 M„ Hundesteuer 2160 M. und ReichswertzuwachSsteuer 4000 M. Die Etatkommission ließ durch Genossen Helbig, als Vor- sitzenden derselben, einen Antrag auf Erhöhung der Hundesteuer be- gründen und zwar dahingehend, daß für den ersten Hund der bis- herige Satz von 10 M. bestehen bleiben, für jeden weiteren aber 5 M. mehr erhoben werden soll. Der Antrag wurde angenommen. Genosse Knöschke beantragte namens unserer Genossen, die Einkommen von 420 bis 900 M. steuerfrei zu lassen, dieser Antrag Wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Die Forstverwaltung, Wafferwerk, höhere Schule und Kranken- haus sollen beim nächsten Etat als besondere Etats geführt werden. Aus der Forstverwaltung bleibt der Stadt in diesem Etat ein Uebersckuß von 55 114 M. Dahingegen erfordert das Wafferwerk bei einem Wasserpreis von 30 Pf. pro Kubikmeter einen Zuschuß von 2964 M., die höhere Schule einen solcken von 7240 M. und das Krankenhaus einen Zuschuß von 21 380 M. Beim Titel Forstverwaltung verlangten unsere Genossen, daß den Forstarbeitern der Lohn in Tüten, auf welcken der Lohn angegeben ist, ausgehändigt werde. Es wurde dahingehende Abhilfe ver« sprachen. Die Lehrer hatten eine Erhöhung der 1., 2., 5. und 6. Altersstufe um je 50 M. erbeten. Die Etatkommission hatte sich in einer ihrer Sitzungen auch dafür erklärt, es wurde aber in der Versammlung die Anregung gemacht, daß eine Gehaltsregulierung aller Beamten im Laufe des Jahres erfolgen solle, daher wurde auch dieses Gesuch bis dahin zurückgestellt. Ein Antrag der Etatkommission, den Titel IV der Ausgabe betreffend Beiträge für Kirchenbeamte im Betrage von 255,50 M. durch Ablösung zu er- ledigen, wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, ob- wohl der Antrag in der Kommission einstimmig angenommen war. Ein weiterer Antrag der Etatkommission, den Betrag Schreibhilfe von 6000 M. auf 6600 M. zu erhöhen, mit dem Zusatz, die 600 M. unter die älteren Bureaugehilfen zu verteilen, irnirde angenommen. Es werden nämlich an Bureangehilfen, welche mindestens über 20 Jahre alt sind, die fürstlichen Gehälter von 100, 80 und 70 M. monatlich gezahlt. Potsdam-Nowawes. Bon einer gesunden Weiterentwicklung der Konsumgenossenfchaft „Hoffnung" für Potsdam und Umgegend konnte in der ordentlichen Generalversammlung der Geschäftsführer in dem Bericht über das erste Halbjahr berichten. Die Mitgliederzahl stieg auf 2866, es traten der Genossenschaft 408 Mitglieder bei. Der Umsatz im eigenen Geschäft betrug im gleichen Zeitraum 427 600 M. Die Bäckerei produzierte für zirka 71 000 M. gegen 68 000 M. im gleichen Zeit- räum des Vorjahres. Die Guthaben der Mitglieder betragen einschl. derjenigen der Nowaweser Mitglieder 50 360 M., die Reserven 15 820 M. Die Sterbeunterstützungskasse wurde dreimal in Anspruch genommen. Die Spareinlagen vermehrten sich um 28 658 M., die Einzahlungen betrugen 67 658 M.', die Auszahlungen 38 999 M., die gesamten Spareinlagen betrugen 163 062 M. Die Gesamthöhe bis zu welcher Spareinlagen angenommen werden dürfen, wurde auf 300 000 M. festgesetzt, desgleichen die Höhe der Anleihen usw. auf 200 000 M. Weiter entwickelte der Geschäfts- führer ein Bild über den geplanten Bau einer Zentrale in Nowawes. Hierzu ist ein in Nowawes an der Husarenstraße be- legenes Grundstück in Aussicht genommen, es ist ca. 9200 Quadrat- meter groß und soll zu einem äußerst günstigen Preise erworben werden. Da in Potsdam und in günstiger Lage in Nowawes die Grundstückspreise um ein mehrfackes teurer sind, habe sich die Ver- waltung für den Ankauf dieses Grundstücks entschlossen. Die Be- bauung soll nach und nach erfolgen, zunäckst soll ein Zentrallager und ein Wohngebäude errichtet werden. Die Generalversammlung erklärte sick mit dem Vorscklage einverstanden nnd bewilligte zu diesem Zweck zunächst 150 000 M. Angeregt wurde noch, den Bau von Wohnhäusern mehr als bisher ins Äuge zu fassen. Um dieses zu ermöglichen, toll in den Bezirksversammlungen die Einrichtung eines Notfonds besprochen und der nächsten Generalversammlung eventuell zur Beschlußfassung vorgelegt werden.— In den Auf- sicktsrat wurde der Genosse Busse-Bornstedt wieder- und die Genossen Staab- und Licbenow-Potsdam und Hahn-Nowawes neu« gewählt._ Jugendveranstaltungea. Paukow-Niedcr-Schönhausen. Da die zu Sonntag, den 30. März, einberufene Jugendversammlung von der Polizei unmöglich gemacht wurde, findet am Sonnabend, den 5. April, abends 8� Uhr, eine Proteswcrsamm- lung im Restaurant„Zum Tui mchen«, Kaiser- Friedrichstraße 12, statt. Lehrlinge, jugendliche Arbeiter, erscheint alle zum Protest gegen die Polizei- fchilancn. Die Arbeiterjugend vom Gesundbrunnen und der Schönhauser Porstadt wird ersucht, sich an dieser Versammlung rege zu beteiligen. BrUfkaftcn der RcdahHon. Die suristische Sprechstunde findet Linden st rage(ig, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentaglich von tlh bis TVH Uhr abends, Sonnabends, von iü bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den ivrieskastcn bestimmten Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen betzusstgen. Briefliche Antwort wird nicht ertcflt. Ansragen, denen feine Abonnementsanittung beigefügt ist, verde» nicht beantwortet. Ciliar Fragen trage man tn der Sprechstunde vor. A. SS. Die Ihnen erteilte Auskunst ist salsch; Sie gehören der Kirche nicht mehr an. Für den Fall der Veranlagung reklamieren sie unter Bezugnahme aus die Bescheinigung über den crsolgten Austritt. — Artist 2S. Allgemeine Ortskranlenkafse.— E. H. 653. 1. Der Reinüberschuß rechnet zum steuerpflichtigen Einkommen. 2. Sowohl die«Hemeinde als auch der Kreis können derartige Abgaben erheben. — M. weispflichtig.— M. 77. 1. Ja. 2. Auch sür Katholiken kommen die Be- schränkungen zur Anwendung.— A. 52. Ihre Angabe» reichen nicht aus, kommen Sie in die Sprechstunde.— M. G. 1000. 1. und 2. Nein. — Tischler 100. Wiederholen Sic Khrc Anftage und geben Sie noch an, ob es sich um Alters- oder Invalidenrente haudelt und seit welchem Zeit- Punkt die Rente bezogen wird.— 21. 91. 100. Nach den vorliegenden Entscheidungen ist nicht etwa ein bestimmter Betrag ein sür allemal scst« gesetzt, sondern cS kann je nach der Lebenshaltung und den sonstigen Ein- künsten LersicherungSpflicht bei dem in Betracht kommenden Dienst an- genommen werden oder nicht. ES ist ratsam, einen schriftlichen Bescheid von der Landesversicherungsanstalt einzufordern und für den Fall, daß in diesem die Bersicherungspflicht verneint wird, Beschwerde beim Reichs- versichcrungsamt einzulegen.— F. 227. Ihre Auffassung ist zutreffend. eingegangene Druckfcbrifteit. Holstenart. Von I. H. Fehrs.(Ouickborn- Bücher. 1. Bd.) Kart. 50 Pf. A. Janssen, Hamburg. .Anlrna Candida. Dichtungen von W. Freiherr» v. Hartlicb. 2,5V M., geb. 3 M. H. Heller u. Cie., Wien. Die Ursache» der Teuerung. Bon E. W. Sand. 1,50 M. Dnncker u. Humblot, Leipzig. Gesammelte Gedichte. Von W. Dencker. 3 M. Selbstverlag Junker in Karlshorst-Berlin, Jörgstr. 26. Deutscher Transportarbeiter- Berbaud. Bezirk Groß- Berlin Jahresbericht 1912. 193 S. Selbstverlag Berlin, Engelufer 15. Einsame Wege. Eine Auswahl Gedichte von A. Fitger. 174 S. E. Felder, Berlin W. 57.__ Wass erstands-Nachrichteu der LandcSanslalt sür Gewässerkunde, mitgctcrlt vom Berlmer Wetterbureau. Wasserstand Mcmet, Tilsit V r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thonr Oder, Ratibor Krassen Frankjurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Verdamm Elbe, Leitmeritz , Dresden „ Barby Magdeburg am 1.4. om 386 78 241 150 173 160 100 73 32 77 44 288 242 seit 31.3. cm') —23 — Z4 —7 0 0 0 _ 2 — 1 _ 2 —3 —16 _ 22 —13 Wafferstanb Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Bcesww Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heiwronn Main, Hanau Mosel, Trier am 1,4, cm 144 60 110 84 104 184 230 420 242 269 108 177 105 seit 3t, 3. em'j 0 —5 4-3 -P2 —10 —10 —15 —19 —12 fl»-5 —7 ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—') Nnterpegel. Preisausschreiben Zeit im Silö Deutsche Bank Filiale München. «.g-O—- Depot- Bestätigung. Wir oestätigen hierdurch, daß die Heue Deutsche Terlags- Ce aellschaft G.n.b.H.»München,(Verlag der illustrierten Wochen- schrift--Zeit"im Bild") hei uns mündelsichere Wertpapiere Im heutigen Werte'von rund y 100 ,000.- Mark Hunderttausend R.w. hinterlegt hat mit der Vereinbarung,dass das Verfügungsrecht über diese Wertpapiere insbesondere das Recht der Veräusserung derselben und der Verfügung über den Erlös dem Vorsitzenden des von der Plrma Reue Deutsche Verlagsgesellschaft G.m.b.'H. München zur Bestimmung der Preisträger anläßlich des Preisaus- schreihens der Wochenschrift"Zeit im Bild" vom 16.März 1913 zu ernennenden Preisrichterkollegiums zusteht. München, den 28.Ms 1913. DEOT 3 BANK PI) . ///ctftfa/h täv&Tn fb* f'/' Gjbtty An. Staat____ A?.Jt JliS Nqtar�-<�..n sföL,, ■- it-» die preise im Gesamtbetrage von ISS SSS Mark gelangen unter allen Umständen in bar zur Auszahlung. Näheres in Hest 14, öas öen Ansang öes Romans enthält, preis SS ps., vierteij. 4.SS Mk. 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