Ur. 8S. flbonncmcntS'Bcdingungcn: Sifionncmcnt®- Preis pränumerando: Vierteljährl. 330 iUlf, nionotL 1,10 Mk,, wöchcnllich 28 Pfg, frei ins Hans. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« iiummcr init illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für daS übrige Ausland . Marl pro Monat. Poftabonnements nehmen am Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz. erichliirt tägDtS. 80. IHrg. Die IntertionS'GebQbr beträgt für die scchsgcspaltcno Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerlschasUichc Vereins- und Verimnmlungs-Anzeigen 50 Pfg. „Kleine An-eigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lO Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort IL Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer mühen bis Uhr nachmittags in der Erpedition eben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend» geöffnet. Verltner VolkesblÄkt. Telegramm- Adrcfle: „SgzIsliKinolint Berlin". Zcntralorgan der fozialdemokrati f eben parte» Deutfchlande. Redaktion: 8 Tl. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 1S8Z. Dienstag, den 8. April 1918. Expedition: 8 Tl. 68» L-indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moristplatz, Nr. 1984. Hiein Schatten einer Begründung! Die Heeresvorlage vor dein Reichstag. Tie größte Militärvorlage, die so plötzlich über das deutsche Volk hereingebrochen ist, lvar in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ganz nichtssagend begründet Morden. Tie Ereignisse auf dem Balkan hätten eine Verschiebung der europäischen Machtverhältnisse herbeigeführt, das war alles, was das Kanzlerblatt über die Notwendigkeit der Armee- Vermehrung um 136 666 Mann und die Milliardenvergeildung zu sagen wußte. Uni so gespannter mußte man auf die Be- gründung durch den Reichskanzler selbst sein. Gestern nun hat der Reichskanzler die Begründung gegeben, und sie ist eine treffliche Begründung in der Tat— für die Ablehnung der Vorlage. Herr von Bethmann H 0 1 l w c g hat mit ziemlicher Ausführlichkeit und Klarheit über die inter- nationale Situation gesprochen. Er hat in beinahe be- geisterten Worten die Fricdensarbeit gerühmt, die die englische Regierung in der Balkankrise geleistet hat. Er hat betont, daß Deutschland sich mit den Zielen der englisäien Politik eins weiß und in demselben Sinne gearbeitet hat. Ja, der- selbe Mann, der noch vor zwei Jahren unser Verlangen nach einer Verständigung mit England über die Einstellung des Wettrüstens als utopistisch verhöhnt und jedes solche An- erbieten der englischen Regierung von vornherein schroff ab- gewiesen hatte, der fand gestern entgegenkommende Worte und bezeichnete den Vorschlag Churchills, ein Feierjahr im Schiffsbau einzulegen, als großen Fortschritt. Aber nicht nur von der Entspannung, die in unserem Ver- hältnis zu England eingetreten ist, sprach der Kanzler mit größtem Nachdruck. Auch mit der russischen Regierung stehen wir in freundschaftlichen, ja in offenen und vertrauensvollen Beziehungen. Direkte Interessengegensätze zwischen Deutsch- lond und Rußland bestünden überhaupt nicht. Rassengegen- sähe allein aber führten zu keinem Kriege, und mit Recht wies der Kanzler die chauvinistischen Versuche ab, einen Zusammen- stoß zwischen dem Slawentum und dem Germanentum als unausbleiblich hinzustellen. Auch daß es Wahnsinn sei, mit unserem russischen Nachbarn sich in ein Wettrüsten einzulassen, bat der Kanzler erkannt. Nimmt man noch hinzu, daß der Kanzler unsere Beziehungen zur französischen Regierung gut nennen konnte, was bleibt dann übrig von jener Machtver- schiebung, die so ungünstig sein, solch ungeheuerliche Opfer dem deutschen Volke auferlegen soll? Tic Spannung zu England hat nachgelassen, weder von Rußland noch von Frankreich droht uns Gefahr, der Dreibund ist, wie der Kanzler meint, fester als je, es bleibt wirklich nichts übrig als Montenegro! Entspannung überall, nur die fürchterliche Macht der kleinen Balkanstaatcn bedroht die stärkste Militär- macht Europas und zwingt uns die größte Heeresvermehrung auf, die dem deutschen Volke je zugemutet worden ist. Man merkt es dieser Rede an, daß sie gegen die bessere Ucberzeugung des Redners selbst gehalten wurde. Denn alles Wesentlickie, was der Kanzler sagen mußte, spricht gegen seine Schlußfolgerungen und nur mühsam sind einige Schatten dem Bilde beigefügt, das Herr v. Bethmann Hollweg von der internationalen Situation Teutschlands gegeben hat. Da sind die planslavistischen Strömungen, die der russischen Re- gierungspolitik Schwierigkeiten bereiten, und die chauvinisti- scheu Agitationen in Frankreich. Der Kanzler hütete sich zwar, ans die zähe und erfolgreiche Friedcnsarbeit unserer französi- scheu Genosse:-, hinzuweisen, auf die revolutionäre Entschlossen- heit der russischen Arbeiter, jeder Friedensstörung ihrer Regie- rung entgegenzutreten. Aber er selbst mußte doch wenigstens das eine zugeben, daß es sich nur um Agitationen von Minoritäten handelt. Als Hasser der Demokratie stellte er freilich die groteske Theorie auf, daß mit der Demokratisierung die Macht der Minoritäten wachse, während man bisher der Meinung war, daß die Minoritätsherrschaft, die Berge- walligung der Majorität das Wesen absolutistischer und schein- konstitutioneller Zustände ausmache. Aber gerade daß der Kanzler zu solchen Argumenten greifen mußte, zeigt die Schwäche seiner Position, zeigt, daß die Verschiebung der internationalen Lage nicht zu Ungunsten Deutschlands erfolgt ist' und beweist, daß die Regierung auch nicht den Schatten einer Begründung für ihre Vorlagen geben kann. Und wenn es dafür noch eines Beweises bedurft halte, dann lieferte ihn die Zehnminutenredc des Kriegsministers. Fast könnte man meinen, daß im preußischen Ministerium zur Verhöbnung der Volksvertretung der Grundsatz aufgestellt sei, je größer die Vorlage, desto kürzer die Begründung. Einige nichtssagende Worte, einige Uinschreibungen der bereits bekannten Forderungen, das war alles, was Herr v. Heeringen vorztibringen die Güte hatte. Aber was sollte dieser Mann, der erst im Vorjahre versichert hatte, daß nun alles Notwendige für den Militarismus bewilligt sei, auch sagen? Er hatte einfach einen ihm selbst überraschend gekommenen Auftrag auszuführen und so entledigte er sich möglichst rasch der anbefohlenen Pflicht. Besonders würdig war es ja nicht, den Minister mit demselben Nachdruck die Notwendigkeit der neuen Forderungen behaupten zu hören, mit dem er im Vorjahre den Verzicht auf weitere verkündet hatte. In einer klaren und gut aufgebauten Rede rechnete Genosse H a a s e mit der Regierung ab. Er wies aus der Ge- staltung der internationalen Beziehungen nach, daß in diesen trotz aller Regierungserklärungen nicht der wahre Grund für die Einbringung der Vorlage gesehen werden könne. Diese sei vielmehr das Produkt der Agitation des Wchrvercins und der alldeutschen Blätter. Sie sei vom Generalstab der Re- gierung ausoktroyiert worden gegen deren eigenen Willen. Tie Regierung selbst sei ja immer wieder mit Erklärungen an die Oeffentlichkeit getreten, in denen sie sich gegen diese Treibereien gewandt habe, bis das Machtwort des Kaisers die Entscheidung brachte�. Es stünde dem Reichskanzler wenig an, von den sriedcngctährdenden Minoritäten in anderen Ländern zu sprechen, in demselben Moment, wo er selbst der Hetze eines kleinen Kreises unterlegen sei. Mit berechtigtem Stolz konnte Haase darauf verweisen, wie gegenüber diesem chauvinistischen Treiben der Patriotarden aller Länder der Friedenswille der Massen sich immer energischer und erfolg- reicher bekundet. Sodann begründete Haase unsere prinzipielle Stellung gegen den Militarismus. Wir fordern die Miliz aus Gründen der inneren Politik, um das Volk vom Kasernendrill zu be- freien und es zu Herren seiner Wafsenmacht zu machen. Als Uebergangsmaßnahme verlangen wir die einjährige Dienst- zeit, deren Möglichkeit schon durch das Einjährigenprivileg der Besitzenden erwiesen ist. Auch wir wünschen die Durch- führung der allgemeinen Dienstpflicht, aber nicht auf dem Boden des Militarismus, sondern innerhalb des Systems einer freien Volkswehr. Diese fordern wir ebenso aus Gründen unserer auswärtigen Politik, um Angriffkriege»in- möglich zu machen, zugleich aber auch um unserem Lande die stärkste Verteidigungsmöglichkeit zu geben. In einer besonders verunglückten Wendung hatte der Kanzler die Gymnasiastenweisheit verzapft, daß Völker, die die Ausbildung ihrer Wehrkraft dem Hang zum Luxus und Genuß aufopfern, zugrunde gingen. Vor Wohlleben und Luxus glaubte der Kanzler das deutsche Volk warnen zu müssen in diesen Zeiten der Teuerung und des Steuerdrucks, in demselben Moment, wo der Militarismus neuerdings»in- geheure produktive Kräfte brachlegt. Indem Haase gegen- über dieser Provokation auf das Massenelend verwies, das der Kapitalismus erzeugt, indem er statt militaristischer Ver. geudung Fortführung der Sozialrcform, statt immer neuer Rüstungen die Friedensarbeit der Völker für immer höhere Kultur und Zivilisation forderte, brachte er seine Rede zum wirkungsvollen Abschluß. Haase hatte in seiner Rede auch kurz die Stellung der Parteien berührt, den Bcwilligungseiscr der Nationalliberalen und Konservativen, die zu Wortführern der Imperialisten ge- worden sind, die Wandlung der Fortschrittler, die zu Eugen Richters Zeiten einst viel geringere Forderungen rundweg verweigert hatten, jetzt aber jede Widerstandskraft eingebüßt haben, und schließlich die Haltung des Zentrums, deren führende Organe die ersten Meldungen von den neuen Vor- lagen als Hirngespinste hlisterischer, verwirrter Fanatiker be- zeichnet hatten. Tie Rede des Zentrumsführers Spahn lieferte aber den Beweis, daß das Zentrum in der kurzen Zeit seine Meinung gründlich geändert hat. Es war die typische Zentrumsrede, ja und nein, und nein und ja. Weitere Aufklä- rungen seien noch notwendig, die Anforderungen seien groß, aber die Situation sei doch ernst.„Du sprichst vergebens viel, um zu versagen, der andere hört von all dem nur das —7 Ja." Der ernsten Debatte folgte ein hmnoristisches Nachspiel. Herr v. L» e b c r t produzierte Begeisterung. Spricht er sonst 76 Proz. Reichsverband und 36 Proz. Kriegerverein, so sprach er diesmal 76 Proz. Kriegerverein und 36 Proz. Reichsver- band. Aber auch die 36 Proz. genügten bereits, um ihm eine persönliche Bemerkung des Genossen Wendel einzutragen, worin ihm— sebr parlamentarisch— objektive Unwahrheit i nachgewiesen wurde.] Innere Grcnzlchutzpolitilf. Auf der dürstigen Wassersuppe, die Herr v. B e t h- mannHollweg gestern dem Deustchen Reichstag und dem deutschen Volk als„Begründung" der ungeheuerlichsten aller Wehrvorlagen darzureichen wagte, schwamm in melancholischer Einsamkeit der Schaumkloß der„panslawistischen Gefahr". Da ist es nun nicht ohne Interesse, zu lesen, was ein russischer Gewährsmann, der gut Bescheid weiß, einem Korrespondenten der Wiener„Neuen Freien Presse" auf die Frage:„Will Rußland den Krieg?" unter anderem mitgeteilt hat: „Die rnssischc Politik der letzten Jahre hat in dem russischen Volke gewurzelt, sie kannte nur Russen und vergaß die anderen Nationen vollständig. Rußland besteht nicht mehr— das Rußland, wie es von Peter dem Großen geschaffen wurde. Wir haben jetzt ein russisches Reich, das aus Russen und aus anderen Nationalitäten zusammengesetzt ist. Die„nichtrussischen Leute" oder Jnorodze, wie man sie nennt, machen ein Drittel der Bevölkerung unseres Reiches aus. Als Zar Peter Rußland schuf, mar das rein russische Element maßgebend. Aber seit dem großen Zaren haben sich zahlreiche Nationen an Rußland angc- gliedert: vor allem die Polen, dann die Finnländer, T a t a r 0 n, Armenier� K a I m ü cken und Georgier. das südliche Rußland mit seiner nichtrussischcn Bevölkerung, die Alle diese erstarkenden Nationen sind nicht russisch, sie machen von den Millionen der Beivohncr des russischen Reiches fast ein Drittel aus, ein Drittel Unzufriedener. Im Falle eines Krieges werden die Truppen, die zur Nieder- Haltung dieser V 0 l k s st ä m in e verwendet werden müssen, der V e r t e i dig un gs ar me e entzogen werden. Dazu hat es die r u s s i s ch n a t i 0 n a l c Politik gebracht, die im letzten Jahrzehnt mit Unterdrückung aller nicht- russischen Elemente geführt worden ist. Wenn in Preuße» eine Aenderung der Polenpolitik eintreten würde, dann würde sich dieser ohnehin bedenkliche Zustand noch wesentlich zuungunsten Rußlands verschieben und einen Krieg für Rußland noch schwie- rigcr machen. Wie bedenklich wäre ein Krieg für ein Reich, das im Innern so zerklüftet ist!" Was hier über die nationale Zerklüftung des russischen Reickses und ihre Riickwirsting auf seine Wehrfähigkeit gesagt wird, ist durchaus richtig. Noch richtiger aber ist die Be- ziehung auf die preußische Polenpolitik. In der Tat hängen Panslawismus und preußische Polenpolitik eng zusammen. Als Bismarck 1871 mit seiner„genialen" Annexion Elsaß- Lothringens Frankreich in die Arme Rußlands getrieben und so den Zarismus zum allmächtigen Schiedsrichter Europas gemacht hatte, spukten die Gespenster der„panslawistischen Gefahr" an allen Ecken»md Enden um ihn. Deshalb unter- nahm er die gewaltsame Eindeutschung der Polen in den preußischen Ostprovinzen, weil er für den Fall eines Krieges mit Rußland fürchtete, sie würden sich erheben und so den Heeren Väterchens den Vormarsch nach Berlin erleichter». Diese törichte Politik der Gewalt hat bekanntlich dahin ge- führt, daß einmal die preußischen Polen heute von der An- hänglichkeit an den preußischen Poleizeistaat weiter entfernt sind denn je, und zum zweiten, daß sie wie auch die öfter- reichischen und russischen Polen Anschluß an den Pan- slawismns, dem sie Jahrzehnte fernstanden, gesucht und ge- funden haben. Tie preußische Politik brauchte wirklich die Polen nach diesem Staat der Gleichberechtigung wäre so stark, Staatsbürger zu behandeln und die Gravitation der russischen Polen nach diesem Staat der Gleichberechtigten wäre so stark, daß diese Polenpolitik ein besserer Grenzschutz wäre als die Befestigung von Graudenz und ein paar neue Armeekorps. Aber wer erwartet von preußischen Staatsmännern eine andere Politik als jene, die das Orot immer auf die Butter- feite fallen läßt?_____ Parteipolitik in der Schule. Tcc„Vorwärts" hak mehrfach über den von der Zentrums- presse Elsaß-Lothringcns matzlos aufgebauschten„Fol! Stadt- � e r" berichtet. Herr Dr. Städtlcr war bisher»viffenschaftlichcr Hilfslehrer an der Forbacher Oberrcalschule. Da er nach der Aussage der vorgesetzten Schulbehörde recht nachlässig im Dienst gewesen ist und sich allerlei Verstöße gegen die Schulordnung ge- leistet hat, wurde er entlassen. Dadurch fühlte sich das Zentrum tief gekränkt, denn Herr Städtlcr ist ein großer klerikaler Politiker, der" sich in der Zenirumsagiintion besondere Verdienste erworben hat. Es inszenierte deshalb im rcichsländischcn Landtag eine seiner bekannten Entrüstungskomödicn. Zugleich wurde in der Zentrumspresse der Oberrcalschuldircktor Dr. Horst scharf angegriffen. Das hat diesen verdrostcn, und in seinem Aerger macht er allerlei Enthüllungen über die klerikale Parteipolitik in der von ihm geleiteten Forbacher Oberrcalschule. Wie er erzählt, hat sich sogar ein Religionslchrer, ein Vikar, nicht gescheut, mit zwölf- und drcizehniährigen Jungen Zentrums-- Politik zu treiben. Er hat zur Zeit ver RcichstagSwckhl in der 3. Rcalklassc eine Probcarbeit anfertigen lassen, in der die Beantwortung folgender Aufgabe verlangt ivurdc:„Pflichten cincS Katholiken während der Wahl zeit." Im Klastenbuch wurde von dieser Arbeit nichts vermerkt; in der Rubrik„Durchgenommen" ist nur angegeben:„4. Gebot". Allem Anschein nach rechnet dieser würdige Seelsorger das Wählen eines Ultramontanen zu den Ps.ichten des vierten Gebotes. In welcher Weiss der Herr Vikar in der Religionsstunde die Jungen für sein Zchema präpariert haben muß, zeigen folgende Stellen aus ihren sogen. Probearbeiten(genau wiedergegeben mit den Fehlern): Schüler A.: Wir Katholiken sind schuldig, den Kandi- daten des Zentrums zu wä h I e n, und andere anzu- spornen, ihn zu wählen.(Dieser«Schüler kam nach Hause und verkündete freudig: Nun will ich einmal sehen, ob ich nicht das nächste Mal nicht„gut" in Religion bekomme; ich habe in der Probearbcit geschrieben, man müsse Zentrum wählen.) Schüler B.: Wir sind verpflichtet der geistlichen Obrigkeit zu ehren und gehorsam zu sein wie Jesu Christo selbst und die katholische Kirche zu verteidigen besonders in W a h l z e i t e n. In der Wahlzeit, die in letzter Zeit sehr oft stattfindet, sollen wir die k i r ch l i ch e � P a r t e i Zentrum verteidigen, oa noch viele andere Parteien gegen dieselbe sind. und der, welcher ungläubiger Partei zustimmt, ladet eine große Schuld auf sich. Schüler C.: Ter Katholik muß während der Mahlzeit wählen und zlvar einen katholischen Kandidaten. Die Obrigkeit der Geistlichkeit hat das Recht in allen christlichen katholischen Gemeinden Gesetzte zu geben. Schüler D.: Der Katholik darf keinen Tauflatholik wählen. Schüler E.: 1. Er sott einen katholischen Mann wählen, •2. Keinen Katbolikc» den Worten nach, 3. Einen Mann, der das Wohl des Volkes im?luge hat. Schüler F.: Jeder Katholik ist verpflichtet zu wählen, da es oft auf eine Stimme ankommt, damit der Aufgestellte gewählt sein soll. Schüler G.: Man muß einen echt katholischen Mann wählen und keinen namens Katholiken. Schüler H.: Jeder kath. Burger hat das Recht und die Pflicht zu wählen. Er muß gute Katholiken und keine Schein- katholitcn wählen, weil wir sonst eine große Verantwortung auf uns Laden. Schüler I.: Der Katholik soll immer das Centrum wählen und immer wählen. Schüler K.: Ein Katholik darf keinen Namens. christen während der Wahlzeit wählen, d. h. nicht einen solchen, dessen Name nur im Daufregister steht, sondern einen guten kath. Mann. Schüler L.: Ein jeder christliche Mann muß in der Wahl- zeit immer das Zentrum wählen. Schöne klerikale ErzichungSresultatel Aber, wird man viel- leicht einwenden, solch ein Seelsorger kann doch nur eine Aus- nähme sein, ein wirrköpfiger Fanatiker, von dem man nicht auf eine ganze Partei, ein ganzes System schließen darf. Doch Dr. Horst ist mit seinen Enthüllungen noch nicht zu Ende. Nach- dem er weiter mitgeteilt hat, daß die Angelegenheit damals auf amilichem Wege erledigt worden sei und er verhindert habe, daß die Zeitungen ctlvas von dem Vorfall brachten, fährt er fort: In dem katholischen Religionsunterricht der O b e r k l a s s e n hat sich ein anderer Religionslehrcr trotz dieses Vorfalles nicht enthalten können, ebenfalls Politik zu treiben. In diesen» Unterricht dürfen die Schüler zu Wieder- bolungszwcckcn den Vortrag des Lehrers uachschrciben. Da findet sich in dem Heft eines sehr zuverlässigen Schülers, der in Religion stets die Note„gut" hat, wörtlich folgendes: „Wie i st der Sozialismus entstanden? Prak- tischen Sozialismus gibt es erst seit den letzten Jahrzehnten. Er verdankt sein Entstehen dem Liberalismus. Dieser wollte frei sein, keine Kirchengeboic anerkennen. Diese Ideen wurden �veröffentlicht, ins Volks gebracht. Dieses sagte sich,»venu die Herren so sind, kann ich auch so sein, ihr habt's Geld, wir wollen auch haben. Dieser Borgang ist chtnz natürlich Die Literaten erkennen keinen Gott an, des- dalb wollte sich das Volk auch glücklich machen auf Erden, und so kam die Idee der Enteignung auf." Und dieselben geistlichen Herren, die in dieser Weise die Schul« zur Parteiagitation ausnutzen und die junge Generation zu wilden katholischen Fanatikern heranzuziehen suchen, die blind- lings jedem Geheiß des Klerus folgen, stellen sich dann hin und verdammen mit frommem Augei»aufschlag die angebliche entsitt-- lichende Wirkung der sozialdemokratischen Agitation auf daS deutsche Voltsgemüt! Sicherlich die widerlichste Heuchelei! Legen die Forderungen d« Iflilitarismns. Kundgebungen gegen die Wehrvorlagc». Gegen die Kriegshetzer und Rüstungstreiber protestierte ain Sonntag eine von über 20»opcl als die Türke»?. Es ging ihr nicht nahe, aber es war eine Sensation. Ich ging durch die türkischen Quartiere, durch die Straßen von Stau»bul. Oede und trostlos wie auf einem Kirchhof. Die Verzweiflung verkroch sich in die Häuser,»veil sie von niemand»nehr Beistand erhoffte, ihr Elend nicht zeigen»vollte und ihr eigenes Antlitz scheute. So sah ich während der russischen Hungersnot in den tatarischen Dörfern an der Wolga und Kama die Bauern eines langsamen Hungertodes sterben, stumm hinbrütend hinter den elenden Verschlägen ihrer Blockhäuser. So auch hier: die Rechnung ist geschlossen,»»an erioartct nur noch das Ende. Und wie ich mit dem geistigen Auge auf einmal das ganze Getriebe von Konstantinopcl überschaute, wurde es mir»nehr denn je klar, daß die Türken bereits zu einem fremden Element in dieser Weltstadt geworden sind. Emst haben sie den» Ganzen den Stempel aufgedrückt, jetzt passen sie ilicht mehr hinein. Das türkische Stainbul ist wie ein träges Wasser innerhalb der Meeres- strömungcn. Die stürmischen Wellen schlagen darüber zusammciu Die Türken werden in dem Menschengewühl der»»»odernei» kapita- listischen Großstadt mit ihren» ungeheueren Getriebe uiltergchcii. in ihr spurlos verschwinde». Diejenigen Elemente, die sich diesem modernen Getriebe nicht anpassen können, toerden hinausgeschleu- dert werden, wie das Meer herausschleudert, was sich in der Tiefe nicht halten kann._ vom belgischen Generalstreik. Brüssel. 5. April.(Eig. Ber.) Vorbereitungen und Maßnahinen der Sozialisten. Bis jetzt find 13 Suppenlüchen für die Ausspcisung in Brüssel und den Vororten in Vorbereitung. Die Föderation der sozialistischen Gemeinderäte hat beschlossen, daß die sozialistischen Vertreter in den Gemeinde- Vertretungen beantragen: 1. die Anschlagui»g von Plakaten, in welchen die Bevölkerung aufgefordert wird, sich während de» Generalstreiks ruhig zu der» halten und 2. dahin zu wirken, daß die Besitzer der Wirtschaften usw. während der Strcikperiode leine»» Alkohol ausschenken und ihre Lokale mit einsinkender Nacht schließen; 3. wird an die Schulverwaltungen herangetreten werden, da» mit' die Kinder der Streikenden in de» Orten, nach denen sie ge- bracht werde»», Schulunierrich» erhalten. Eine u>»ter dem Vorsitz AnseeleS abgehaltene Generalversammlung der Genter Parteiorganisationen ergab ein überaus günstiges Bild der Streikaussichten. Die Teilnahme der Arbeiter in der Metallindustrie wird beträchtlich sein. Bau- und Holzarbeiter, die Arbeiter in der Textilindustrie zeigen den besten Geist. Die Organisation der Flachsarbeiter zählt auf 7 bis 8000 Streikende. Die Unternehiner dieser Branche zeigten sich entgegenkommend und manche erklärten, keine Maßregelungen nach dem Streik vor- zunehmen. Auch in der Metallindustrie zeigen sich manche Unter- nehiner der WahlrechtZbewcgung eher günstig gestimmt. Die Schiffsverlader erklärten sich gleichfalls solidarisch. In drei Fabriken schlössen sich die ch r i st l i ch e n Arbeiter bei der Ueberreichung der Kündigung den übrigen an.— Auch die Frauen zeigen, wie die Delegierten berichteten, denselben Kampfgeist wie die Männer. Am Hafen wird vollständige ArbeitSruhe herrschen. Was die st ü d t i s ch e n Arbeiter anlangt, so boben diese be- schlössen, in Arbeit zu bleiben, aber einen Teil ihres Lohnes den Kämpfenden zu widmen. Alles in allem stehen die Aussickten für Gent vorzüglich.— Die Gewerkschasts- sekreläre haben täglich Zusammenkünfte; am Vortage des Generalstreiks, am 13. Apröl, veranstalten die Gewerk- schoflen GenrS Generalversammlungen, denen eine Manifestation folgen wird. Am Streittage selbst findet um 3 Uhr nachmittags eine große Demonstraiion der Streikenden mit Umzug durch die Stadt statt. Der.Vooruit' hat verfügt, daß während des Streiks seine sämtlichen Lokalitäten von 7 Uhr abends ab geschlossen bleiben.— Die Leitung des Streiks ist einem Komitee von ca. 100 Genossen anvertraut. Im Borina ge wird an die diversen Gemeindevertretungen das Ersuchen gerichtet werden, die Schließung der Cafes usw. von 10 Uhr abend« ab anzuordnen. Ueber das Gelingen des Generalstreiks in Antwerpen äußerte sich der dortige sozialistische Deputierte T e r w a g n e in sehr optimistischer Weise, sowohl was die Metallarbeiter als auch was die Dockarbeiter anlangt.— Auch Antwerpen wird wie Brüssel und andere Orte seine eigene sozialistische O r d n u n g s p o l i z e i für die Streikzeit haben. J„ den nächsten Tagen werden die Delegierten dieses Komitees beim Bürgermeister der Stadt vorspreche»» Die sozialistischen Volkshäuser in Lütt ich und die genoffen- schafllichen Lokale werden tagsüber geöffnet sein; eS werden dort keine alkoholischen Getränke verabfolgt werden. Für die Versorgung der Kinder der Streikenden wird auch in Lüttich»üchtig vorgesorgt. Die Kohle im Lütticher Gebiet ist bereiis rar. Die„Stocks" sind im Verschwinden. Besonders nach HauSkohle war starke Nachfrage. Auch sonst macht sich in Lüttich wie allüberall der bevorstehende Generalstreik in Handel und Industrie gründlich fühlbar. Tie Handelsreisenden machen keine Geschäfte, der kleine Handel klagt. Seit Wochen wird in der Arbeiterschaft gespart. Tie sozialistischen Genossenschaften approvisionicren sich. Wo man hinhorcht, hinsieht— alles ist mit dem Generalstrcil beschäftigt, jeder hat seine Hoffnungen, Sorgen, trifft seine Bor- bereitungen. Sogar der König ist jC£t zurückgekommen I Nur Herr von Broqueville sitzt in Caux am Genfer See und träumt. Ob er sich in die Poesie der französischen Schweiz versenkt, wenn er an Byrons romantischem Schloß am Genfer Ufer vorüberwandelt— oder mit irdischeren, vielleicht gar polilischen Dingen beschäftigt ist— niemand weiß c5. Und wie er, sind auch alle die anderen Herren Minister auf Urlaub, am Meer oder sonst wo. Hoffentlich lesen die Herrschasten im jetzigen Fieber de» Landes wenigstens Zeitungen. Die Propaganda. Abgesehen von den gewöhnlichen Propagandadcrsarmnlungen für den Generalstreik in der Hauptstadt und in den industriellen Städten und Orten der Provinz gibt cS am Sonnabend eine große Manifestation mit einem Meeting in L ü t t i ch. Im dortigen VollZhauZ»La Populaire' werden Vandervelde und die sozialistischen Deputierten LüttichS sprachen. Zn S e r a i n g— Sitz der berühmten Cockerillwerke— sprechen Sonntag unter freiem Himmel Vandervelde undDeBroucksre- — In Antwerpen ist für Montagabend eine Manifestation an- gesagt. Sprechen werden Anseele, Huysmans, der sozia- listische Deputierte Antwerpens, Terwagne und W a u t e r-5, der Chefredakteur vom.Peuple". Die sozialistische Ordnungspolizei. Die Parteiorganisationen treffen überall die ernstesten Vor- bereitungen für eine ruhige, friedliche Abwickelung des Generalstreiks, und eigens dazu bestellte 5to!niteeS mit Hunderten von Ordnern werden für die Durchführung der von der Partei getroffenen Verfügungen wie auch behördlicher Maßnahmen Sorge tragen. Ihre Hauptaufgabe wird vor allem darin bestehen, gewisse Elemente, Lumpenproletariat oder den gut angezogenen gedungenen Pöbel oder direkte Provokateure vom Streik sernzu- halten oder ihn von all diesen Elementen zu säubern, wo sie sich einschleichen. lieber die Brüsseler„sozialistische Polizei', wie man mit Fug und Recht diese Organismen nennen kann, haben wir bereits berichtet. Das Antwerpener Komitee wird 300— tOb solcher Ordner umfassen. Unter Führung des sozialistischen Deputierten für Antwerpen, Dr. Terwagne, hat gestern eine Abordnung des StreikkomihceS beim Bürgermeister der Stadt vorgesprochen, um diesem Zweck und Maßnahmen des OrdnungSkommiteeS, das aus Streikenden gebildet sein wird, auseinanderzusetzen. Der Bürgermeister dankte den Sozialisten für ihre Bemühungen, selbst für die Aufrechterhaltuirg der Ruhe und Ordnung sorgenzuwollen. Er würde glücklich sein, sagte er, wenn die Behörden keinen Anlaß zum Einschreiten haben werden. Die Delegierten erklärten auch, daß sie dafür sorgen würden, daß die behördlichen Anordnungen befolgt werden. Vom Tage des Streikveginnes an werden keine Manifestationen in Antwerpen stattfinden, nur Feste, Konzerte und was sonst dem Vergnügen und der Erholung der Teilnehmer zu dienen hat. Die Streikenden werden lesen ls>rnen. Die von den Bildungsorganisationen Brüssels unter- nommene Aktion ist in vollem Gange. Vierzig Künstler haben bis jetzt zugesagt, in Konzerten usw. für die Streikenden mitzuwirken. Täglich dürften drei bis vier Vor- träge abgehalten werden. Fünf große„Plaines", Wiesen- spielplätze sind vorläufig für die Sport- und gymnastischen Uebungen in Aussicht genommen. Die Vorträge finden vormittags um 11 Uhr statt. Auch gemeinsame Spaziergänge der Streikenden unter Führung werden veranstaltet werden. Daß die Partei den Streik auch für erziehliche Zwecke ausnützen will, zeigt die Einrichtung der eigens für die Streikenden getoffenen Vorortebibliotheken. Sie werden durch freiwillige Spenden zusammengestellt. E i n Spender sandte 300 Bände. Die Bürgermeister drohen! Unter dem Vorsitz des Brüsseler Bürgermeisters Max hat gestern eine Konferenz der Bürgermeister sämtlicber Brüsseler Vor- orte über die Maßnahmen für die Streikzeit beraten. Die Reso- lution des städliscben Oberhauptes klingt sehr schneidig. Es beißt darin, daß die Bürgermeister,„ohne die friedlirben Absichten der Or- ganisatoren des Srreiks in Zweifel zu ziehen',„doch" alle Vorbereitungen treffen müssen, um die öffentliche Ordnung auf- rechtzuerhalrcn und— über die berühmte„Freiheit der Arbeit', die in Belgien bekanntlich durch einen berüchtigten Paragraphen sehr angelegentlich geschützt wird, zu wachen. Ferner hat sich die Kon- ferenz einmütig dafür ausgesprochen, daß alle in städtischer Regie beschäftigten Arbeiter, die sich am Streik be- t e i I i g e n oder Widersetzlichkeit im Dienst zeigen, ihre Eni- lassung zu gewärtigen haben.— Da schließlich alle Unternehmer, städtische oder nicht, bei Streiks diesen Ton lieben, wird er im allgemeinen auch in diesem besonderen FaK— einem Generalstreik für politische Zwecke— keine allzu abschreckende Wirkung ausüben. Oder sollte die Regierung. von der man sonst allerdings nichts sieht und hört in der ernsten Zeit, wenigstens das eine getan haben, die Herren Bürgermeister scharf gemacht zu haben? Nun, man sieht, in wie grandioser, bewunderSwerter, vom tiefsten Verantw ortungSgesühl zeugender Weise die belgische Arbeiter- Partei diesen Streik inszeniert, vorbereitet, organisiert. Ein Streik von solchem Umfang läßt sich gewiß in allen Phasen, ja in seinem Ende nicht absehen. Aber das eine steht fest, wird anerkannt werden müssen von jedem Menichen, der nicht gerade bösen Willens ist, von jenen insbesondere, die eine Ahnung von dem Riesenwerke der Vorarbeit, der Vorbereitung, dem Ernst, mit dem Hunderte und Tausende von Parteigenossen der Organisierung des Streiks obliegen, haben, dos Eine: daß alles unternommen wurde, dem Streik eine würdige, friedliche Bahn an- zuweisen, ihm einen Charakter von zwingendster sittlicher Gewalt zu geben. Alle„Maßnahmen', Drohungen, Böswilligkeiten einzelner werden an dieser Talsache nichts ändern. Die breite Oeffentlichkeit aber sieht diese und würdigt sie schon heute. Der Verlaus des Streiks wird ihr weitere und endgültige Anerkennung abgewinne«. poUtifcbc Qeberlicbt« Berlin, den 7, April 1913 Abgeordnetenhaus. Das preußische AbgeordnelenhauS überwies am Montag die Vorlage betr. die Verpflichtung zum Besuch ländlicher Fort- b i l d u n g s s ch u I e ii an die verstärkle Gcmeindekommission. In der Debatte, die nicht allzulange Zeit in Anspruch nahm, geißelte Leinert gebührend die politischen Ziele, die die Regierung mit dem Fortbildungsichulunterricht verfolgt, und stellte demgegenüber das sozialistische Ideal der Fortbildungsschule, deren Zweck einzig und allein daraus gerichtet sein muß, den jungen Leuten Wissen zu übermitteln und sie für den Kampf umS Dasein zu rüsten. Ihre endgültige Stellungnahme zu der Vorlage wird die sozialdemo- kratische Fraktion sich vorbehalten, bis sich übersehen läßt, welche Gestaltung sie erfährt. Nach Erledigung des Gesetzentwurfes betr. die Bewilligung weiterer Staatsmittel(13 Millionen) zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern und gering besoldeten Staatsbeamten in erster und zweiter Lesung setzte das Haus die Beratung des KultuSetatS beim Kapitel„Höhere Lehranstalten' fort. Das Zentrum benutzte wieder einmal die Gelegenheit, unberechtigte Klagen über angebliche Zurücksetzung der Katholiken vorzubringen, und Herr v. G o ß l e r(kons.) glaubte den Untergang deS preußischen Staates an die Wand male» zu sollen, weil ün letzten Jahre zum erstenmal ein Jude als Direktor einer höheren Lehranstalr bestätigt rst. Gleich hoch war das Niveau, auf dem sich auch die übrige Debatte bewegte, die am DienStog fortgesetzt wird. Hetzpatriote«. Man sollte meinen, es könnte nur eine Stimme restloser Be- friedigung darüber herrschen, daß der tragikomische Ausflug des neuesten, als Wunder militärischer Lusttechnik gepriesenen Zeppelin- kreuzers nach Frankreich eine so glatte Erledigung gefunden hat. Insonderheit sollte man glauben, daß zweierlei außerhalb jeder Kritik stehen sollte: die Landung deS Kreuzers in Lunöville, durch die dem Abstecher jeder Charakter einer Spionage genommen wurde, und das durchaus einwandsteie und entgegenkommende Verhalten der französischen Behörden. Wer das voraussetzt, kennt freilich unsere Hetzpatrioten nicht. Gibt es doch Blätter, die der Leitung des Zeppelin einen schweren Vorwurf daraus machen, daß sie landete, als sie sich in Frankreich befand, um zu beweisen, daß nichts Völkerrechtswidriges geplant war. Die„Tägliche Rundschau' mutet der deutschen HeereS- Verwaltung sogar zu, daß sie„dafür sorgen' werde,„daß in Zukunft deutsche Offiziere nicht mehr in erster Linie sich den Kopf der Diplomaten zu zerbrechen und„auf internationale Höflichkeit' be- dacht zu sein brauchen'. DaS Blatt empfiehlt also, daß in einem ähnlichen Falle deutsche Offiziere Frankreich brüskieren und den schlversten Konflikt heraufbeschwören. Und wie, wenn dann die Franzosen das tun würden, was ja die„Tägliche Rundschau' früher schon französischen Fliegern gegenüber angeraten hat, wenn sie auf den vermeintlichen Lustspion scharf schießen würden? Eine Unverfrorenheit sondergleichen ist eS auch, daß die„Tögl. Rundschau' zu verstehen gibt, daß von einem Abgetrieben- sein deS Zeppelin keine Rede sein könne. DaS Blatt will also an eine bewußte Grenzüberschreitung glauben machen, offenbar um noch nachträglich ein chauvinistisches Feuercheu zu entfachen! Dem- gegenüber ist es zu begrüßen, daß der Führer des„2 4' jetzt nochmals offiziell erklärt, daß das Luftschiff sich tatsächlich im Nebel und Schneetreibe» verirrt habe und sofort zur Landung geschritten sei, alS eS seinen bedauerlichen Irrtum entdeckt habe. Auch stellt diese Erklärung von neuem daS durchaus korrekte und liebenswürdige Verhalten der französischen Militärverwaltung fest. Was die Enthüllung der Zeppelin-Geheimnisse anlange, so habe zwar Oberst Hirschauer mit einer Anzahl Offizieren eine Besichtigung des Luftschiffes vorgenommen, doch seien die deutschen Offiziere der Meinung, daß man dadurch den Zeppelinkonstrukteuren nicht allzuviel abgeguckt habe. Man wird also beruhigt an den Bau von 20 oder 30 neuen Luftkreuzern gehen. Stellt sich dann heraus, daß man trotzdem Frankreich nicht„über' ist, so wird man— erst recht weiterbauen! Noch eine Portion Luftmilitarismus. Bekanntlich soll ein Teil der sieben Dtillionen betragenden Nationalflugspende zur Ausbildung von Zivil fliegern der- wendet werden, die sich für geivisse Militärdien st e ver- pflichten. Jetzt werden die näheren Bestimmungen darüber bekannt. Es sollen zwanzig deutsche flslugzeugfabrikeu das Recht erhalten, je fünf Piloten auf Kosten der Nationalflug- spende auszubilden. Nämlich: drei Herren mit abgeschlossener Bürger- oder Mittelschulbildung, die nach militärärztlichem Zeugnis voraussichtlich militärtauglich sind, noch nicht gedient haben und sich verpflichten, am 1. Oktober 1918 in die Fliegertruppe zur Ableistung ihrer Dienstpflicht einzutreten; zwei Herren im Alter bis zu 35 Jahren, die in ihrem militärischen Verhältnisse Gefreite. Unteroffiziere, Reserveoffizieraspiranten oder dergleichen sind und sich zur Ableistung von je 2 dreiwöchigen Uebungen bei der Fliegertruppe in den nächsten zwei Jahren verpflichten.— Sobald einer dieser Schüler das Feldpilotenexamen besteht, erhält die Fabrik 8000 M. ausgezahlt. Wenn die sämtlichen Flugschüler ihre Lehrzeit überleben und sich sonst als tauglich erweisen, könnte unserem Luft- Militarismus damit bis zum 1. Oktober ein Freiwilligenkvrps von 100 Fliegern zuwachsen. Späte Erkenntnis. Das„Berliner Tageblatt" stellt den: national- liberalen Parteitag in Hannover folgende Zensur aus: „Es kann gar keinem Zweifel unterliegen: die preußische Landespartei wird völlig beherrscht von Fuhrmanns altnational- liberalem Geheimllub. Die Partei marschiert zum Wahlkampf« mit fliegenden Fahnen ins Lager der Reaktion — was sie natürlich nicht hindert, sich vom Fortschritt die linke Flanke decken zu lassen. Nachdem der Altnationalliberalismus im Lande Preußen einen so vollständigen Sieg errungen hat, daß sogar jungliberale Führer mit hörbarem Ruck umfallen, wird man auf die schönen Worte vom ersten Tage gewiß keine allzu großen Hoffnungen setzen. Die Tagung von Hannover hat den bündigen Beweis erbracht, daß sich die ehedem liberale Partei innerlich in vollster Auflösung befindet, und daß die Drahtzieher in Preußen auf das. was man einst die„Richtung Baffermann' nennen konnte, nicht die geringste Rücksicht mehr nehmen." Schade, daß diese Einsicht des„Verl. Tagebl." so spät kommt. Was vom preußischen Nationalliberalismus zu er- warten war. hätte dem Freisinn nach den parlanientarischen Taten der jungen Leute des Freihcrrn v. Zedlitz, besonders nach ihrer Stellung zur Wahlreform, von vornherein nicht schleierhaft sein können. Trotzdem schloß der Freisinn nicht nur sein Wahlbündnis mit diesen fanatischen Gegnern einer wirklichen Wahlreform ab, sondern er lieferte sich sogar mit gebundenen Händen dem„altnationalliberalen Geheimklub" aus. Warum hat denn das Mosseblatt nicht schon damals mit gebotener Rücksichtslosigkeit gegen diese schmachvolle Lakaien- rolle der Fortschrittspartei protestiert? Etwa um nicht zu verraten, daß es trotz seiner Viertelmillion Leser weniger Ein- fluß hat, als die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit er- scheinende Notizensamlnlung, die sich„Freisinnige Zeitung" nennt?_ Beamtcnaufbesserung und Volksschulreform in Lippe. Dem Lippeschen Landtag ist ein« Gehaltsvorlage für Staats- bcamte und Volksschullehrer zugegangen. Die Gehälter der Staats- beamten sollen um 10 bis SO Proz., die der Volksschullehrer um 23 Proz. erhöht werden.— Ter Entwurf des neuen Volksschul- ge setze s hält sich im wesentlichen an die im Jahre 1908, vor dem Scheitern des �damaligen EniwurfcS, vom Landtag gefaßten Be- fchlüffe. Die Staatsaufsicht über die Schule wird im Gesetz fest- gelegt. Tie Kreisschulmspektoren sollen den Reihen der Volks- schullehrer entnommen werden. Tie Höchstzahl der auf einen Lehrer entfallenden Schüler wird von 120 auf 100 herabgesetzt. Die geistliche Volksschulaufstchl wird beseitigt; die kirchliche?lufsicht er- streckt sich nur noch auf den Religionsunterricht. Weibliche Lehr- kräfte werden künftig zugelassen. Tic Schulpflicht wird von sieben auf acht Jahre ausgedehnt.� Das Gesetz enthält ferner verschiedene Bestimmungen über Ausbau und Beschaffenheit der Schulhäuser. Simon Kopper tot. DaS Gouvernement von Deutsch-Südwestastika gibt bekannt, daß Simon Kopper am 31. Januar d. I. auf seinem Wohnfitz im Betschuanaland gestorben ist. Die Meldung ist dem Gouvernement amtlich von dem High Commissioner von Südafrika zugegangen. Der alte Hottentoltenbänptlmg hat ein Alter von etwa 70 Jahren erreicht. Seitem er infolge des Aufstandes vom deutschen Boden verdrängt war. lebte er mit den ihm treu gebliebenen Hottentotten unter englischem Schutze in der Kalahan. Oeftemich. Krawalle im niederösterreichischen Landtag. Der niedcrösterreichische Landtag wird von den Christlich- sozialen infolge des schlechten Wahlrechts vollkommen beherrscht. Es gehört ihm nur eine kleine sozialdemokratische Opposition an, deren Stellung man ganz gut mit der der„Roten Sechs' im preußischen Landtag vergleichen kann. In den letzten Tagen kam es, wie schon öfter vorher, zu großen Skandalszenen. Die Christlich- sozialen hatten nämlich die Gehälter des Landmarschalls(Land- tagsvorsitzenden) und der LandeSausschüss«, die eine Art Landes- minister darstellen, um je 6000 Kronen erhöht, dies jedoch durch einfache Erhöhung der betreffenden Etats titel besorgt, ohne den hierzu notwendigen Landtagsbeschluß einzuholen. Nicht genug da- mit schnitten sie unseren Genossen die Gelegenheit ab, AbänderungS- antrage zu stellen, und der Landmarschall Prinz Liechtenstein führte selbst den Vorsitz, obgleich eS sich doch um seine höchst persönliche Angelegenheit handelte. Das führte zu einer s charfen Brand- marknng der ganzen chrijtlichsozialen Verwaltung durch unsere Genossen und zu wüsten Radau- und Schimpsszenen, so daß schließ- lich selbst der milde christlichsoziale Dr. Heilinger den Landtag zum Schluß mit einer— Branntweinbude verglich. Das war das Er- gebnis der Debatte I tzcdiveäen. Die„Pensiousvcrsicherungsvorlage" im Reichstage. Stockholm, 3. April.(Eig. Ber.) Die Regierung hat nunmehr die Vorlage betreffend„PenfionSversicherung" dem Reichstage unterbreitet, nachdem die verschiedenen behördlichen Interessentenkreise (Gemeinden und Kreisvorslände, Reichoversicherungsanstalt und Sozialdepartement) sich zu dem Entwurf der Kommission haben äußern können. Große Aenderungen sind nicht vorgcnominen worden. ES bleibt bei einer organisierten Armenpflege, die teils hinter den bisherigen Leistungen zurückbleiben, teils auch den reaktionären An- Wandlungen der Armenpflegeintercsscnteir Rechnung tragen wird. So find gewisse Klauseln über die Würde der Rentenempfänger beziehungsweise ihre Fähigkeit, die horrenden„Pensionen' in würdiger Weise zu verzehren, eingeflochten. Eine Konzession ist allerdings dem Genosieir Branting gemacht worden, dessen Wünsche auf Rentengewährung air Witwen und Waisen und eine Berücksilbtigung der jetzigen Invaliden wenigstens zum Teil der Re- gierung beachtenswm erschienen. Dagegen bleiben alle Unzuläng- iichkeitcn und reaktionären Bestimmungen des Kominiisionsenlwurjs bestehen, die Ausgaben, vorzeitiger Invalidität vorzubeugen, unberücksichtigt, die leistungsfähigen Schultern, die 6000 Kronen und mehr besitzen, werden von der Versicherung, d. h. Beitragszahlung, ausgeschlossen usw. Die Einteilung in drei Klassen und die Bevorzugung der zwei höheren Klassen werden unberührt gelassen. Dagegen ist den Frauen eine Konzession gemacht worden. Das Sozialdeparteinent bez'w. wie es damals noch hieß, die Arbeitsstatistische Abteilung des KommerzkollcgiumS hat in scharf pointierter Weise die Notwendigkeit der Invalidität vorbeugenden Maß- nahmen betont und die Opposition in Arbeiterkreisen, die gegen den ganzen Entwurf sehr scharf hervorgetreten ist, hat ebenfalls diese Ausiassimg vertreten. Allein, die Regierung hat ans diese Wünsche der wirklich sachverständigen sArbeilSstatistischeS Amt) und der wirklichen Jnter- essenien(die Arbeiter) keine Rücksicht genommen. Ihr genügte offenbar, daß ein sozialdemokratischer Abgeordneter in einem iüdschwedischcn Parteiorgan erklärte, invalrbitätsvorbeugende Maß- nahmen könnten mit dem Entwurf nicht verbunden werden, weil es sich um eine Versicherung des„ganzen Volkes', nichl um eine Lohn» arbeilerversicherung handelt. Die Lohnarbeiterllasse, die auch in Schweden die zahlreichste Klasse ist, hat natürlich keine Ursache, die Prinzipien der modernen Sozialversicherung verwässern zu lassen, nur weil es den herrschenden Klassen in den Sinn fällt, mit denr Begriff„Volks"- statt Arbeiterversicherung Schindluder zu spielen. Jedenfalls ist es eine ganz neue Spezies sozialdemolrarifcher Arbeitervertreter, die offenkundige Interessen der industriellen und landwirtschaftlichen Arbeiterinassen in den Wind schlagen, nur um das„ganze Voll' versichern zu können. Hinfällig ist auch der Einwand, die vorbeugenden Maßnahmen gehören zum Gebiet der Krankenversicherung und haben in der Invalidenversicherung nichts zu suchen. Dieser Einwand zeugt nur von der Verständnislosigkeit seiner Verfechter. Die Vorlage hat im Reichstage bereits die erste Lesung passiert, sie wurde einer besonderen 5tominission überwiesen. Die Opposition fordert Aufschub um ein Jahr, damit da« ganze Projekt umgearbeitet und verbessert werden kann. Die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion ist noch unbekannt. Bei der ersten Lesung sprachen mehrere Genossen aneinander vorbei. China. Die Eröffnung des Parlaments. Am 8. April tritt das erste Parlament der chinesischen Republik zusammen. Seine erste Aufgabe wird die Ratifizierung der Ver- fassung und im Anschluß daran die Wahl des Präsidenten sein. Könnte man nach dem Stärkevcrhältnis der Parteien die Stellung- nähme des Parlaments beurteilen, so tvürde der Grundton der neue» Verfassung Volksherrschaft im Reich, in Provinz und Ge- meinde sein, und an Stelle deZ konservativen Duanschikais würde ein Mann von liberaler Anschauung treten. Allein bei der Eni- schcidung dieser Frage werden politische Erwägungen eine wMtz» tigere Rolle spielen als� die Mandatzahl der Parteien. In den beiden Häusern des Parlaments werden sich zwei Rich- iungen gegenüberstehen: der Kunghotang und der Komingtang. Der erstere ist die Partei der„gloriosen Restauration', der andere die der Nationalisten; im Kunghotang ist das konservative Element vereinigt, dessen Ziel Verstärkung der Macht der Zentralregicrung und des Präsidenten ist, während bei den Nationalisten das liberal gesinnte Element vertreten ist, das ein parlamentarisches Regime und weitestgehende Selbstverwaltung der Provinzen und Gemeinden anstrebt. Die Nationalisten, deren geistiges Haupt Sunhatsen ist, haben nichts gegen Juanschikai als zukünftigen Präsidenten, aber sie sind entschlossen, seine Machtbefugnisse verfassungsrechtlich so weit einzuschränken, daß die Oberherrschaft des Parlaments gc- wahrt bleibt. Das aber ist es gerade, was Nuanschikai um jeden Preis zu verhindern trachtet. Bei dieser Sache werden sich die Geister messen, und von ihrer Entscheidung wird sehr viel für das parlamentarische Regime, wenn nicht auch für den inneren Frieden Chinas abhängen. Die Nationalisten bcrfügcn in beiden Häusern des zukünftigen Parlaments über eine starke Mehrheit. Von den 596 Sitzen der Zweiten Kammer besitzen sie 368. Ob diese Zahl nicht durch die nächsten Kämpfe im Parlament vermindert werden wird, ist freilich eine andere Frage. Das politische Leben der Republik ist noch viel zu jung und zu unentwickelt, als daß sich die Parteien sofort ab- sondern und innerlich festigen hätten können. Mit dem 8. April beginnt für das chinesische Volk eine neue Epoche. Sein erstes Parlament hat Aufgaben von beispielloser Größe und Vielseitigkeit zu erfüllen. ES wird von den Hoffnungen der 40 Millionen Wähler, nein, von der ganzen chinesische» Rasse begleitet, Gewerhrcbaftlicbes. Die Bilanz der Streikjurtiz im Ruhrgebiet. Es ist noch in oller Erinnerung, welch drakonische llr teile gegen die� streikenden Bergleute beim letzten großen Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet gefällt worden sind. Harte Urteile gegen die um ihre Eristeuz ringenden Arbeiter sind in Prenßen-Deutschland nichts Seltenes, eine Streikjustiz in diesem U m fange, in dieser E i l e, in dieser R ü ck s i ch t s I o s i g k e i t, in dieser Härte des Strafmaßes haben wir aber selbst bei uns noch nicht erlebt. Bereits anr 1. April 191� meldete das Telegraphenbureail Hirsch, daß im Ruhrgebiet insgesamt 1599 Anträge wegen Streikvergehen anhängig gemacht worden seien. Diese Zahl ist später noch überschritten worden, denn nach einer Mitteilung, welche Minister Delbrück ini Reichstage machte, sind iiber 2999 «cotreikdelikte ini Ruhrgebiet gerichtlich verfolgt worden. Soeben veröffentlicht der Bergarbeit erver band ein kleines Schriftchen, in welchem er alle diejenigen Strch- Verfolgungen zusammenstellt, in welchem der Verband Recht- schütz gegeben hat. Wir entnehmen daraus das folgende: Es haben vom Verbände 1389 Personen Recht- schütz in Streiksachen erhalten. Davon waren 939 Mit- glieder des Verbandes und 159 Frauen oder Töchter von Ver- bandsnsitgliedern. Der Ausgang dieser Streikprozesse ist be- kannt in 1296 Fällen, unbekannt in 174 Fällen. In den be- ziiglsich ihres Ausganges bekannten Fällen sind 299 Männer und 84 Frauen zu Gefängnisstrafen und 274 Männer und 148 Frauen zu Geldstrafen verurteilt worden..289 Männer und 92 Frauen mußten freigesprochen und in 29 Fällen mußte das Verfahren eingestellt werden. Es wurden ver- hängt an G e f ä n g n i s st r a f e n an Männer insgesamt 28 Jahre, 3 Monate und 2 Wochen, lieber Frauen 2 Jahre. 8 Monate, 2 Wochen und 4 Tage; zu- sammen 39 Jahre, 11 Monate, 4 Wochen und 4 Tage. Geldstrafen wurden verhängt über Männer 19 691 M., über Frauen 5744 M., zusammen 16 345 M. Im einzelnen betrugen die Gefängnisstrafen: bei Männern mehr als ein Jahr in 4 F ä l l e n, mehr als ein Monat in 7 9 Fällen, mehr als eine Woche in 177 Fällen und weniger als eine Woche in 4 8 F ä l I e n. Bei Frauen: Mehr als einen Monat in 5, mehr als eine Woche in 54, weniger als eine Woche in 25 Fällen. _ Tie durchschnittliche Höhe der Geldstrafen betrug bei Männern 38,69, bei Frauen 38,89 M. Die durchschnittliche Höhe dieser Geldstrafen läßt erkennen, daß unverhältnismäßig hohe Geldstrafen verhängt worden sind. Einzelne Strafen gehen hinauf zu 159 M., und wofür? Für ein„Pfui!" oder für den Ruf„Streikbrecher!". Auf die 1296 Fälle, bei denen der Ausgang des Prozesses besannt ist, entfallen 372 Frei- sprechungen. In 29 Fällen wurde das Verfahren eingestellt, das sind insgesamt 491 Fälle oder 32 Proz., also fast ein Drittel a I l�r Fälle. Diese Tatsache zeigt, wie leicht Anträge gegen streikende zustande gekommen sind. Auf die einzelnen Fälle hier einzugehen, erübrigt sich: wir haben seinerzeit ausführlich über die Streirprozesse be- richtet. Aber eins möchten wir nochmals in die Erinnerung zurückrufen. Die Streikjustiz hat sich damit ein ganz be- fonderes Denkmal errichtet, daß sie„Sünden" gegen den heiligen Profit und dessen„nützlichste Elemente", die Streikbrecher, nicht nur an den sündigen Vätern und Müttern gerochen hat, sondern auch an deren Kindern. Nicht nur, daß die Kinder darunter mitlitten, wenn man ihre Väter und Mütter ins Gefängnis schickte, oder wenn diese hohe Geld- strafen zu zahlen hatten, nein, die Streikjustiz hat unschuldige Kinder ins Gefängnis gesteckt, die noch keine streiksünde gegen den heiligen Profit begehen konnten. Wenn zu Ge- fängnisstrafen verurteilte Frauen Säuglinge hatten, die mit Gefährdung ihrer Gesundheit und ihres Lebens von der Mutter nicht getrennt werden konnten, so schickte mau sie kurzerhand mit ins Gefängnis!„Der Straf- a u f s ch u b ist unvereinbar mit dem Straf z w e ck", dieser staatsanwaltliche Bescheid ist einer Mutter geworden, deren Herz sich zusammenkrampfte bei dem Gedanken, ihr Kind mit ins Gefängnis zu nehmen und die darum um Aufschub nach- gesucht hatte. Es half ihr nichts, sie mußte' samt ihrem Kinde ins Gefängnis. Berlin und Clmgcgcnd. Hackepeter und Polizei. Wie schon kurz mitgeteilt, streiken die Kellner des„ O r i g i n a l- H ackepeter", Münzftratze sInhaber Marli n), nachdem längere Zeit zwischen diesem und dem Verband der Gastioirtsgehilfen Ver- Handlungen gepflogen worden waren zwecks Verlängerung des bis dahin bestehenden Tarifs sowie Erhöhung des Kellnerlohnes um 30 Pf. pro Tag. Herr Martin lehnte indes nicht nur die geforderte Gehalts- aufbesserung ab, sondern weigerte sich auch, die Organisation der Gehilfen als deren Interessenvertretung anzuerkennen. Wohl des- halb, weil Herr Martin dem„Jntercssenverbande der Gastwirte" angehört, der seinen Mitgliedern den Abschluß von Tarifverträgen verbietet. Zu gleicher Zeit maßregelte der Herr den Ver- trauensmann der Kellner und stellte an dessen Stelle einen nicht- organisierten Kellner ein. Als alle Bemühungen, die Differenzen friedlich zu erledigen, von Herrn Martin glattweg abgelehnt wurden, blieb den dort beschäftigten Gehilfen weiter nichts übrig, als bis zur Klärung der Angelegenheit die Arbeit einzustellen. Der Streik brachte eS mit sich, daß der„Original-Hackepeter" am Sonnabend ieine Pforten geschlossen hielt. Am Sonntag aber trat der Gelbe Verein aus der Landsberger Str. 80 als Retter in der Not auf und stellte sein gelbes Arbeitsmäterial Herrn Martin zur Verfügung. Gleichzeitig erschien auch die Polizei auf dem Plane und traf die weitgehendsten „Sicherheitsmaßregeln" zum Schutze der gelben Staatsstützen. Und' was Jagow-Truppen tun. das tun sie gründlich. Von mehreren Revieren trafen gleichzeitig Mannschaften in großer Anzahl ein. In Uniform und Zivil halten sie die Gegend um das Hackepeterlokal besetzt und walten mit unnachsichtlicher Strenge ihres Amtes. Wer noch nicht wußte, daß im„Original-Hackepeter" gestreikt wird, dem wurde es durch die aufsehenerregenden Maßnahmen der Polizei ohne weiteres klar. Jene aber aus dem Publikum, die es wagen, etwa eine hu- moristische Bemerkung dem Gehege ihrer Zähne entschlüpfen zu lassen. lernen einmal die ganze Forsche unserer Siwerheitsbehörde kennen — sofern sie dieselbe nicht schon bei früheren Gelegenheiten verspürt haben sollten. Am schlimmsten jedoch ergeht es den Flugblatt- Verteilern, die weiter nichts tun, als das,_ was jeder gewerkschaftlich organisierte Arbeiter tun muß,. nämlich sein Koalitionsrecht ausüben. Einzelne wurden gefaßt und an beiden Händen geknsbelt. abgen'tbrt. Auch am Montag ereigneten sick wieder dieselben«zenen. Wenn es nicht zu blutigen Zusammenstößen kam, so lag das wahr- lich nicht an der Polizei. Ein Streit, der in dem Lokal zwischen den arbeitswilligen Kellnern und Gästen entstanden war. veran laßte die taicndürstlgen Gesetzeshüier, das Lokal zu„säubern". Natürlich lockte dieser Vorgang auf der belebten Straße eine große Menge Neugieriger an, die sich aber Kalo wieder verlief, nachdem die Polizei das Schwert in die Scheide gesteckt hatte. Nichtsdestoweniger wurden dann aber noch einige Leute, die au der Haltestelle der Straßenbahn warteten, arretiert. Etwas weniger Aufgeregtheit der Polizei wäre auch hier sehr zu wünschen. Zur iveiteren Sicherheit sitzen in dem Lokale des Herrn Martin an den Tischen verstreut Kriminalbeamte, um nötigenfalls in Funktion zu treten. Herr Martin soll übrigens erklärt haben: „Mit den roten Hunden will ich nichts zu tun haben, die brauchen mein Lokal nicht zu betreten." Parteigenossen, Raucher! In letzter Zeit ist es wiederholt bor- gekommen, daß Agenten und Reisende der Zigarrenbranche das Publikum mit Falsifikaten und Nachahmungen der grünen Pla- kate irrezuführen suchen. Laßt Euch nicht täuschen! Nur dort kauft Zigarren, wo die grünen Plakate, unterschrieben Alwin Schulze, aushängen oder vorgewiesen werden können. Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Achtung, Friseurgchilfcn! Den Lohnforderungen der Gehilfen ist in allen Innungen abweisender Bescheid zu geben, lautet der Bundesbeschluß der Innungen. Diesen Beschluß führen aber nicht bloß Innungen, sondern auch Arbeitgeber durch, die der Innung nicht angehören. Insbesondere ist das Verlangen der Gehilfen nach geregelter Arbeitszeit, welches den größten Widerspruch findet. Das Festhalten an den tariflichen Ab- machungen ist daher vornehmste Pflicht aller Kollegen. Als Aus- weis geregelter Arbeitsverhältnisse des Betriebes gilt nur die graue Kontrollkarte. Aufgelöst ist das Tarifsverhältnis bei Köhler, Rügcner Str. 16: S ch ö n k e, Gormannstr. 12. Bewilligt haben: B a d k e, Rügener Str. 25: Lorbeer, Gormannstr. 25: Amboß, Gubener Str. 3; Grundmann, Sonnenburger Str. 27. Verband der Friseurgehilfen. Tarifbewegung der Rohrleger und Helfer. Zu dem von uns in Nr. 78 gebrachten Versammlungsbericht der Rohrleger und Helfer geht uns folgende Berichtigung zu: Der Vorstand des Ortsvereins Berlin und Umgegend des Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverbandes hatte es entgegen der statutarischen Vorschrift— Z 3 des Streikreglements— unterlassen, den Lerbandsvorstand von dem Stande der Tarifver- Handlungen in Kenntnis zu setzen. Der Verbandsvorstand ist verpflichtet, die Einhaltung der statutarischen Bestimmungen zu überwachen—§ 16, Absatz 5 des Verbandsstatuts. Da uns nur noch 12 Tage vom Ablauf des Tarifvertrages trennten, faßte der Verbandsvorstand einstimmig den Beschluß, daß ich bei den Herren Obermeister Grün und Ramlau Er- kundigungen über den Stand der Tarisverhandlungen einziehen sollte. Gemäß diesem Beschlüsse hatte ich am 20. März mit den Herren Grün und Ramlau eine Rücksprache. Diese hatte keinerlei Verhandlung sachlicher Art zum Gegenstande, sondern beschränkte sich lediglich darauf, daß mir die Herren Grün und Ramlau über den Stand der Tarisverhandlungen Auskunft gaben. Den Inhalt der Unterredung teilte ich dem Verbandsvorstande mit. Berlin, den 7. April 1S13. Carl Wiesenthal. Deutsches Reich. Der Metallarbciterverband im Jahre ISIS. Wie die bereits veröffentlichten Abrechnungen der übrigen Gewerkschaften, so erbringt auch die des Metallarveiterverbandes erneut oeu Beweis von der eminenten Leistungsfähigkeit unserer Zeutralverbändc und ihrer Unentbehrlichkeit im gesteigerten Existenzkampf der Arbeiterklasse. Die«spräche der Zahlen zeigt uns eine geradezu glänzende EntWickelung Des Verbandes im Jahre 1S12. Der Verband zählte bei 182 558 Beitritten 561 547 Mitglieder am Jahresschluß(515 145 im Jahre 1911), das ist eine Zunahme von 46 402. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß im Jahre 1912 der Uebertritt des Schmiedeverbanoes zum Metallarbeiter- verbände erfolgte. Die Zahl dieser, Uebergetretenen wird nach einer vorläufigen Zusammenstellung in Nr. 2 der„Metallarbeiter- zeitung" auf 14 875 angegeben. Die wirkliche Mitgliederzunahme des Metallarbeiterverbandcs beträgt nach Abzug der Schmiede 31 527. Die buchmäßige Gesamteinnahme und-ausgäbe, also ein- schließlich des Äassenbestandes und der durchlaufenden Posten bq- ziffert sich auf 18 694 111 M. Die Reineinnahme beträgt 17 934 086 M.(15 276 320 M. im Vorjahr), der eine Gesamt- ausgäbe von 12 592 075 M. bei einem Vermögensbestand von 11370 379 M.(6 360 419 M.) gegenübersteht. Ter Vermögens- zuwachs beträgt 5 009 960 M. Damit hat sich der Verband zu einem gewerkschaftlichen Großbetrieb sowohl im Hinblick auf die Zahl der ihm angehörigen Metallarbeiter wie auch in bezug auf den Geschäftsumsatz, die Inangriffnahme und Durchführung gc- werkschaftlicher Aufgaben entwickelt. Im einzelnen wurden ver- ausgabt für: 1912 1911+ZlLr — weniger Mark Reisegeld......... Umzugsunterstutzung..... Arbeitslosenunterstützung... Krankenunterstützung..... Maßregelungsunlersiützuug... Nolfallunterstützung..... Sterbegeld........ Rechtsschutz........ Streikunterstützung...... Verbandsorgan. Bildungszwecke. Agitation und Information.. Hauptverwaltung...... Konferenzen........ Für ausgesperrte Tabakarbeiter. Steuern......... Sonstige Ausgaben(Generalkommission, internationale Ver- bindungen, Bureaueinrichtung, Versicherungsfonds ec.)... 344 246 140 831 1 690 529 3 435 106 177 294 70 871 127 244 63 135 2 342 257 438 821 250 101 264 294 2177 43 173 21 224 809 649 124 268 1 463 324 3 139 348 190 974 64120 104 044 79 305 4 247 667 408 256 282 249 251 828 63 900 21500 13 818 -ft + + + + 34 596 4- 16 562 227 205 295 653 13 681 6 751 23 201 16 170 — 1905 411 + 30 564 + 17 852 -j- 12 466 — 61 723 + 7 406 191 199 123 510— 67 689 Den Verwaltungsstellen verblieb als Anteil an den Beiträgen die stattliche Summe von 2 989 573 M. Hiervon sowie aus den Einnahmen von lokalen Extrabeiträgen bestreiten die Verwaltungs- stellen ihre Verwaltungsausgaben, leisten aber nebenher auö diesen Mitteln noch beträchtliche Unterstützungen. Die Abrechnung der Lokalkassen, die 1911 eine Reineinnahme von 2 704 002 M, ergab und mit einem Vermögensbestand von 3 868 323 M. ab- schloß, liegt noch nicht vor. Auf Grund des günstigen Abschlusses der Hauptkasse kann angenommen werden, daß die Rcchnungs- ergebnisse der Lokalkassen nickst hinter dem Jahre 1911 zurück- bleiben werden. Besonders erfreulich ist an der Abrechnung, auch für die übrige Arberterschaft, die fananzielle Erstarkung der Organisation der Metallarbeiter. Sic war nötig! Stellt doch die st c t e Kampsbereitschafr angesichts der Entrvickelung der Unter- nehmerverbände und deren Aussperrungsgclüstc hohe Anforderuir- gen an Die finanzielle Leistungsfähigkeit des Verbandes. Hinzu kommt, daß namentlich die Erwerbslosen unter st ützung st c i g e n d g r o ß c Mittel beansprucht. Hierfür allein sind'für die Zeiten wiederkehrender Krisen beträchtliche Reserven crforder- lich. Diesen Reserve- und Kampffonds zu erhalten und zu stärken muß das Ziel einer vorsichtigen Finanz- und Unterstützungs- Politik in allen Gewerkschaften sein. Die„Metallarbeiterzeitung" hat sicherlich recht, wenn sie die Vermögcnsentwickelung des Ver- bandes wie folgt bespricht: „Es wäre nur wünschenswert, wenn sich eine solche Stär- kung des Vermögens noch längere Zeit durchführen ließe. Je besser wir gerüstet sind, desto weniger brauchen wir die Aus- sperrungsandrohungen zu fürchten, desto erfolgreicher kann unser Verband die Interessen seiner Mitglieder vertreten und desto weniger wird er genötigt sein, zum äußersten Kampfmittel, zur Arbeitseinstellung, zu greifen." Der Streik in der Pommerschen Eisengießerei und Maschinen- fabrik ist für den Stralsunder Betrieb beendet. ES wurde eine allgemeine Lohnzulage von 3 Pf. pro Stunde bewilligt, die unge- nügenden Akkordpreise sollen eine Aufbesserung erfahren, auch einige weitere Wünsche der Arbeiter sind berücksichtigt worden. Die Sperre über Stralsund ist aufgehoben worden. In Barth haben die Verhandlungen zur Beilegung der Differenzen seit Beginn des Ausstandes noch nicht stattgefunden. Der Zuzug nach dort ist noch fernzuhalten. Streik der Bäcker und Konditoren in München. Schon seit dem Jahre 1902 besteht mit dem Bäckerverbande und der Bäckerinnung in München ein Tarifvertrag, der zuletzt 1909 auf vier Jahre erneuert wurde und jetzt am 1, April d. I. ablief. Die Gehilfen, die zu über 90 Proz. organisiert sind, stellten in der neuen Tarifvorlage neben durchschnittlich 2 M. Lohnforderung pro Woche auch den wöchentlichen Ruhetag als ihre hauptsächlichste Forde- rung mit auf. In vier Verhandlungen vor dem Einigungsamt d-s Gewerbegerichts kam es zu keiner Einigung zwischen den Parteien, so daß ein Schiedsspruch gefällt wurde, der in der Hauptsache be-- stimmte: Einen Ruhetag in jeder Woche in allen Betrieben mit vier und mebr Gehilfen, in den kleinen Betrieben zunächst auf zwei Fahre alle 14 Tage, dann ein Jahr alle 10 Tage und schließlich im vierten Tarifjahre jede Woche. Ferner eine sofortige Lohnerhöhung von 1 M. wöchentlich, nach zwei Jahren eine weitere von 50 Pf. Diesen Schiedsspruch lehnten die Versainmlungen der organi- fierten Bäcker und Konditoren einmütig ab, weil er besonders in der Lohnfrage ein viel zu winziges Entgegenkommen zeigte. Ein- mutig wurde in beiden Versammlungen der Streik beschlossen, der am 5. April zum Ausbruch kam. In den geregelten Großbetrieben konnten sofort 200 Bäcker und Konditoren zu neuen Bedingungen weiter arbeiten, während 1340 Bäcker und Konditoren im«treik stehen. Der Streik ist also ein allgemeiner. Es handelt sich dabei um die Erkämpfung des wöchentlichen Ruhetages in allen Betrieben und um die geforderte Lohnerhöhung von 1,25 M. jetzt und nach zwei Jahren weiteren 1,50 M. pro Woche. Zuzug von Bäckern und Kondiroren ist von München fernzuhalten! Ausland« Achtung, Fliesenleger und Töpfer! In der Schweiz sind Differenzen mit den Unternehmern im Plattenlegergcwcrbe ausgebrochen. Der bisherige Tarifvertrag ist am 31. März abgelaufen, ohne daß es gelang, mit den Unter- »ehmern eine Einigung herbeizuführen, und zwar deshalb nicht, weil die Unternehmer die Akkordarbeit einführen wollen. Da die Schweizer Organisation die Akkordarbeit ablehnt, versuchen nun die Unternehmer, von auswärts Arbeitskräfte heranzuziehen, damit sie die einheimischen Arbeiter entlassen können. Dies sind nicht nur Vetinulungen unsererseils, sondern wir haben bereits konsiaiieren können, daß zureisendc Fliesenleger(Mitglieder des Oesterreichischen TöpferverbandeS) eingestellt wurden und dafür hiesige Fliesenleger entlassen wurden. Daß unter solchen Umständen die Orcanisatioil darauf dringt, daß die zugereisten Kollegen wieder abreilen müssen, ist wohl selbstverständlich. ES liegt also wohl im Interesse der Kollegen, die Plaitengeschäfte in der Schweiz zu meiden, um so mehr, als eS von einem Tage zum anderen zum streik kommen kann. lieber den Verlauf der Bewegung werden wir periodisch be» richten, dürfen aber wohl erwarten, daß vor Beendigung des Kon» fliktes kein Fliesenleger oder Töpfer Arbeit in der Schweiz annimmt. Der Kampf gilt dem schlimmsten Ausbeutungssystem, der Akkord- arbeit. Arbeiterfreundliche Bläiter sind um Nachdruck gebeten. Ganz besonders aber ersuchen wir die Organisationsleitungen, unsere Mir- teilungen in den Versammlungen bekannt zu geben. Schweizerischer Lauarbeiterverbaud. Letzte Nachrichten. Verurteilte Abgeordnete. Budapest, 7. April. In dem Prozeß gegen die gewesenen Ab- geordneten, die gegen den Ministerpräsidenten und den Ackerbau- minister Tintenfässer und andere Gegenstände geschleudert hatten, wurde Zakarias zu 30 Tagen Gefängnis und 500 Kronen Geld- strafe, Hoffmann und Beck zu 15 Tagen Gefängnis uno 300 Kronen Geldstrafe verurteilt. Vier andere Llugeklagte wurden freige- sprochcn. Die Verteidiger und der Staatsanwalt haben Berufung eingelegt..___ Nene Kämpfe zwischen Serben und Türken. Belgrad, 7. April.(W. T. B.)(Bon amtlicher serbischer Seite.) Zwischen serbischen und türkischen Truppen haben neue Kämpfe stattgefunden. Es handelt sich dabei um türkische Truppen Dschavid Paschas. Der Kampf fand bei Li-usme statt. Tic Türken waren acht Bataillone, vier Geschütze, drei Maschinengewehre und einige Kavallerie stark. Nach einem sehr heftigen Kampfe flohen die Türken in Unordnung in Der Richtung auf Figcri. Tic serbischen Truppen besetzten Liousme und nahmen mehr als tausend Soldaten und 18 Offiziere gefangen. Im Hospital fanden sie noch sieben Offiziere, etwa 60 Verwaltungsbeamte uno 500 kranke türkische Soldaten vor. Tie Bevölkerung begrüßte die serbischen Truppen mit großer Begeisterung. Der Gesundheitszustand der serbischen Truppen ist sehr gut._ Unruhen und kein Ende. Paris, 7. April. Wie aus Udschda gemeldet wird, wurde dieser Tage eine französische Truppenabteilui� in der Nähe von Mabar- ridscha von berittenen Uarain angegriffen. Die Angreifer mußten sich nach kurzem Kampfe zurückziehen. Die Haltung der Ben: Uarain läßt befürchten, daß der Marsch nach Tazza mit mancherlei Schwierigkeiten verbunden sein wird. Nach einer Meldung aus dem Susgcbict soll der Prätendent El Hiba abermals einige tausend Anhänger um sich geschart haben und weitere Verstärkungen von den Stämmcij in der Gegend des Numflusscs erwarten. Ein deutscher Biermaster gekentert. Zu dieser von i-ns an anderer Stelle gebrachten Notiz geht uns noch folgendes späte Telegramm zu. worin die Zahl der Er- trunkenen etwas niedriger angtaeben wird...... Van Citl,(Orcgonl, 7. April.(W. T. B.) Beim Kentern ies Hamburger Viermasters„Mimi" bei Astoria sind 18 Mann er. trunken. Nachdem die Rettungsmallnschast)'"©ta' baldi fast 24 Stunden vergeblich gegen den heftigen stürm«ige- kämpft hatte, gelang es ihr heute früh ö Uhr, den Kapltan West- phal, den Kapitän Fisher, den Präsidenten Der Portland En- gineering Corporation und zwei Rkatrosen zu retten. 40c 11 UJ-i/tViSUU oweu.1 IE L 11 u.i\u iure � t. iia; i.._______""---- 0*~---------"• Verantw. Redakt,: Alfred Wielepp, Neukölln. Jnseratentefl veranffy.: Uh. Glocke, BerUn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr-n Berlagsanstait Paul S> nge r ä- Co., Berli n L)V. Hierzu s Beilagen«.UnterhaltnuAibl N? 82. 30. Zahrgavs. 1. KnlM des Lmiirls" Knlim AlksM Dievstag, 8. April 1913. Die Aehrvorlsge im keichztsge. 133. Sitzung. Montag, den 7. April 1313, nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratStisch: v. Beth man«Holl weg, v. Hee- ringen, v. Jagow, Kühn, Kraetke, Delbrück, Sol f. Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hvllwcg: Die Ihnen zur Annahme unterbreitete Wehrvorlage fordert die Verstärkung unserer Wehrmacht, welche nach dem einmütigen Urleile unserer militärischen Autoritäten notwendig ist, um die Zu- kunft Deutschlands zu sichern. Wir nutzen gegenwärtig die Wehr- fähigkeit unserer Bevölkerung nicht voll aus. Rund 230 000 Re- kruten stellen wir jährlich ein, aber die militärtaugliche junge Mann- ichaft ist so stark, dah wir jährlich einige 60 000 Mann mehr ein- stellen können. Trotz der V e r st ä r k u n g e n, die wir periodisch und noch im vorigen Jahre vorgenommen haben, hat die Ent- Wickelung unseres Heeres mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht gleichen Schritt gehalten. Sollte uns jetzt ci» Krieg aufgenötigt iverden, so können und werden wir ihn schlagen in sichcrem Ver- trauen auf die Tüchtigkeit und Tapferkeil unseres Heeres.7 000 ausgebildete Soldaten mehr. Das kann uns keine andere Großmacht nachmachen, denen geht der Atem aus. Und dabei werden bei uns auch dann noch die militärischen Lasten noch nicht als Druck empfunden wie in anderen Staaten.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Folgen zeigen sich zunächst durch die Wucht der großen Aahh der liebe Gott ist ja immer mit den größten Bataillonen gewesen. lGroße Heiterkeit.) Au? Großbritannien erklingen denn auch weit fried- lichcre Töne als früher. Frankreich will die dreijährige Dienst- zeit ohne Ausnahme, auch für die Gebildeten, einführen und damit das geistige Niveau seines Heeres herabsetzen. Ein zweiter Vorteil der Vorlage ist die Verjüngung der Armee. Daß nicht mehr die älteren Leute so stark zum Heeres- dienst herangezogen werden brauchen, ist ein Argument, das im Volke großartig durchgeschlagen hat(Lachen bei den Sozialdemokraten) und massenhaft haben sich nach Vorträgen von Wanderredncrn des Wehrvereins im Industriegebiet Rhein- lnnd-WestsalcnS Arbeiter zun? Eintritt in den Wehr- verein gemeldet.(Große Heiterkeit bei den Sozialdcmo- kraten. Zuruf: Das glaubt Ihnen kein Mensch!) Sehr hoch schätze ich die Folgen der Vorlage für die Ge- sundheit unseres Volkes.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Soldatennrißhandlungen!) 63 000 junge Leute mehr sollen jährlich in die Schule der Armee kommen und dort Vaterlandsliebe und vaterländische Gesinnung lernen, so daß sie später nicht mehr den sozialdemokratischen Irrlehren verfallen können. (Zustimmung rechts. Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die Wünsche der Armee werden durch die Vorlage voll befriedigt; als Sachverständiger aber weiß man nicht, wo man etwa Abstriche machen könnte. Im„Berliner Tageblatt" schlägt freilich ein Major a. D. M orch t Ersparnisse vor; so wünscht er, daß Juden und Ilnteross iziere Of f i z i e�: e werden können. Wohin aber die Aufnahme fremder Elemente in ein� Osfizierkorps führt, zeigt der Zusammenbruch der t ü r- tischen Armee(Schallende Heiterkeit links), deren früher tüch- tigeS Offizierkorps Christen, Armenier und andere auf- genommen hat. Roch eine politische Bemerkung: Bei dem Balkan- krieg vor 30 Jahren sagte Windthorst, cS handelt sich in dem Balkan- krieg um die große Frage, ob das slawische oder germanische Ele- ment vorherrschen soll, und für das germanische Element ist in diesem Kriege Oesterreich maßgebend. Meine Freunde werden also die Vorlage annehmen. (Bravo! rechts.) Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zn der Vorlage, die den Wunsch des Volkes nach Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht erfülle. Die Debatte wird vertagt. Abg. Wendel(Soz., persönlich): Die Behauptung deS Abg. V. Lieb er t, ich hätte in Frankfurt den„blutdürstigen Ausbeuter" Napoleon verherrlicht, entspricht nicht den Tatsachen. Ich habe lediglich betont, wie segensreich bei den damaligen Zu- ständen in Deutschland Napoleon gewirkt hat.(Zurufe rechts: Na also!) Mit noch größerer Entschiedenheit Hab« ich unterstrichen, daß wir vor der großartigen Volkserhebung des Jahres 1813 allezeit Achtung gehabt haben und haben werden. Herr v. L i c b e r t hat also objektiv die Unwahrheit ge- sagt; allerdings sind ihm als Geschäftsführer des be- kannten Verbandes mildernde Umstände zu- zubilligen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr.(Fortsetzung der Beratung der Mtlitärvorlage.) Schluß 6� Uhr._ Anzahl der Betriebe bezw. Branchen 1. Angriffsstreiks a) Einzelbetriebe b) Branchen.. 2. Abwehrstreiks a) Einzelbetriebe b) Branchen.. 3. Aussperrungen s) Einzelbetriebe 61 6 45 1 Summa|| 115 4. Angriffsbewegung. ohne Arbeitseinstellung a) Einzelbetriebe.| 162 b) Branchen... j 7 Abwehrbewegungen ohneArbeitseiustllg. a) Einzelbetriebe.| 82 Summa Zahl der Beteiligten männl. 2237 1123 2727 95 27 weibl. 137 417 15 14 Zahl der am Streik beteiligten Mitglieder männl. I weibl. 6209 9454 7955 6297 583 252 357 1916 296 2719 66 23 1103 1712 5020 6533 5550 4284 123 300 Q 14 439 171 280 390 16367| 841 Versammlungen. Generalversammlung des Deutschen Metallarbeitcrverbandes. Am Sonntag, den 6. April, fand im großen Saal der Brauerei Friedrichshain die Jahresversammlung der Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Mctallarbeitcrverbandcs statt. Die Ver- sammlung war äußerst stark besucht. Den Tätigkeitsbericht für das Jahr 1912 gab Cohen, der einleitend bemerkte, daß das verflossene Geschäftsjahr als recht eigenartig bezeichnet werden müsse. ES ließe sich nicht gut sagen, daß 1912 ein Jahr der Krise sei, doch könne man auch nicht davon reden, daß es ein Jahr flotten Geschäftsganges gewesen sei. Tie Erschütterungen der politischen Weltlage haben nachteilig und störend auf die Produktion in der Berliner Metallindustrie ein- gewirkt. Als weiterer Faktor kommt in Frage die Lage des Bau- marktes. Angesichts der Tatsache, daß ca. 15 000 Mitglieder des Deutschen Metallarbeitervcrbandes in der Berliner Bauindustrie beschäftigt sind, ist ohne weiteres zu erkennen, daß eine Stockung aus dem Baumarkte wie im Jahre 1912 auch auf die Arbeits, gelegenheit der Metallarbeiter nicht ohne erhebliche Wirkung bleibt. Im Berichtsjahre ist auch das neue VerbandshauS in der Linienstraße bezogen, das sich bekanntlich notwendig machte, da die bisherigen Räume in der Charitestratzc nicht mehr den An- sorderungen der stark anwachsenden Organisation entsprechen konnten. Ueber den Mitgliederbestand ist zu berichten, daß die Zunahme im Jahre 1912 selbst nicht als eine erhebliche bezeichnet werden kann. Zwar ist die Mitgliederzahl aus 91 784 gestiegen, doch müssen davon abgezogen werden die 2388 Kollegen, die vom Schmiedeverband übertraten, so daß schließlich als reine Zunahme 1124 bleibt. Insgesamt waren am Jahresschluß vorhanden 91784 zahlende Mitglieder, darunter 8645 weibliche. Die Ursache dieser minimalen Zunahme von zahlenden Mitgliedern ist zweiscllos in solgendem zu suchen: Gegen Ende des Jahres 1911 hatte der Per- band bekanntlich eine große Aussperrung und als bekannte Be- gl-iterscheinung aller größeren Aussperrungen eine große Zahl von Aufnahmen, die. weil es gegen Jahresschluß war, am Jahres. schlutz ISN sämtlich als Mitglieder geführt werden muhten. Von diesen plötzlich zur Organisation gekommenen Unorganisierten sind sicher im Jahre 1912 eine große Zahl der Organisation wieder untreu geworden. Wenn diese trotzdem die gesamte Zahl der Mitglieder nicht nur halten konnte, sondern sogar eine Zunahme m Jahre 1912 zu verzeichnen hatte, so ist daS Ganze ein Beweis dafür, daß zum Trübsal blasen keine Veranlassung vorliegt, sondern im Gegenteil wir olle Veranlassung haben, mit unserem Mitglieder- bestand zufrieden zu sein.,. Die Zahl der Kämpfe, die im Jahre 1912 Mit dem Unter- nehmertum auSgefochten wurden, war nicht gering. DaS Gesamt- bild geht aus folgender Zusammenstellung hervor: 201|| Beim Punkt Rechtsschutz ging Cohen des näheren auf die Versuche der Behörden, der Unternchmcrorganisationcn. der Handelskammern usw. ein, die allesamt dahin trachten, den Ar- beitern die Ausübung des Koalitionsrechtes unmöglich zu machen. Zwar sagen alle, sie wollen den Arbeitern das Koalitionsrecht nicht nehmen, nur die Auswüchse sollen bekämpft werden. Unter Aus- wüchse verstehen die Herren unter anderem das Strcikpostenstehen. Dabei steht aber fest, daß das Streikpostenstehen so untrennbar mit der Ausübung des Koalitionsrechtcs selbst zusammenhängt. daß man durchaus berechtigt ist zu sagen, wer uns das Recht des Strcikpostenstchens nimmt, der nimmt uns die Möglichkeit der Ausübung des Koalitionsrechtes. Darum ist es von all den Leuten, die gegen das Streikpostenstchcn zu Felde ziehen, entweder Un- kenntnis der Sachlage oder aber sie kennen die Sachlage, und wenn sie trotzdem gegen das Strcikpostenstehen zu Felde ziehen, ist es Heuchelei, wenn sie erklären, das Strcikpostenstehen soll ver- boten werden, aber das KoalitionSrecht wollen wir nicht antasten. Was den Arbeitsnachweis anbelangt, so müsse auf dem Gebiet noch viel mehr getan werden, um diesen Zweig der Tätigkeit wirkungsvoller als bisher zu machen. Es sind im verflossenen Jahr 8656 Stellen vermittelt. Das ist zwar gegenüber anderen Nachweisen in der Metallindustrie schon recht nennenswert, gegen- über der Zahl der in der Metallindustrie besetzten Stellen aber recht minimal. Die Maifeier war im Jahre 1912 erheblich stärker als im Jahre 1911. Im Berichtsjahr sind 11 292 Mitglieder, die in 269 Be- trieben beschäftigt waren, als Maifeiernde gemeldet. Das ist fast das Doppelte gegenüber dem Jahre 1911. Die Aussperrung in- 'olge der Maifeier war nicht erheblich. Es waren bei 23 Firmen 1046 Arbeiter ausgesperrt. Die Dauer der Aussperrung reichte in keinem Fall über 7 Tage hinaus und war deshalb auch ohne Bedeutung. Ueber die Bibliothek könnte insofern günstiges berichtet werden, als die Zahlen ein erfreuliches Steigen der Lescrzahl auf- weisen. Während im Jahre 1916 die Zahl der ausgeliehenen Bände 64 523 betrug, stieg dieie Zahl im Jahre 1911 auf 73 009, im Jahre 1912 aus 82 303. Die Summe der ausgezahlten Erwerbslosenuntcrstützung, die an sich zwar nicht unerheblich ist. erreichte frühere Krisenjahre nicht. Immerhin beträgt sie rund 661 000 M. für Erwerbslose infolge Arbeitslosigkeit und rund 525 000 M. für Erwerbslose infolge Krankheit. Auch auf eine äußerst interessante Statistik, die für daS Jahr 1912 aufgenommen ist, solle hingewiesen werden, nämlich die Sta- tistik über daS Alter der Mitglieder. Während im Alter von 18 bis 20 Jahre 15 409 Mitglieder vorhanden sind, steigt die Zahl für daS Alter von 20— 25 Jahre auf 17 783 und für das Alter von 25—80 Jahre auf 20 635. Mit dem 30. Jahre fällt die Zahl bereits, und zwar für die Klasse von 30—35 auf 12 462, für die Klasse von 35— 40 aus 9913 und so fortlaufend, bis schließlich im Alier von 55— 60 Jahre nur noch 1141 Mitglieder da sind, und sinkt dann weiter für das Alter über 60 Jahre hinaus auf 531 Mit- glieder. Daraus ist zu ersehen, wie verhältnismäßig niedrig daS Durchschnittsalter der Metallarbeiter ist, und wie dringend not- wendig ein ausreichender Schutz für Leben und Gesundheit der in der Metallindustrie beschäftigten Personen ist. Für das Jahr 1912 ist auch zum erstenmal eine Zusammen- stellung aller durch Funktionäre des Metallarbeiterverbaudcs ver- anstalteten Konferenzen und Versammlungen gemacht worden. Diese Zusammenstellung zeigt folgendes Bild: Berichtigung. In unserem Bericht von der Dreherbersammluog der A. E.-G. war als Redner der Bevollmächtigte S i e r i n g des Metallarbeiterverbandes angegeben. Genosse Siering bittet uns um die Mitteilung, daß nicht er. sondern Müller, Branchen« Vertreter der Dreher, über die Mißstände in der A. E.-G. berichtet hat._ 14 637 7 550 22 324 lieber Einnahme und Ausgabe der Haupt- und Lokalkasse im Jahre 1912 ist folgendes zu berichten: Die Einnahmen der Haupt- lasse betrugen insgesamt 2 748 549,13 M. Bei den Ausgaben der Hauptkasse waren als hauptsächlichstePosten angegeben: 525 598,90 M. für erkrankte Mitglieder, 661 140,85 M. für arbeitslose Mitglieder, 222 427,90 M. für Streikunterstützung, 43 459,40 M. für Gemaß- regeltcnunterstützung, 8520 M. für Unterstützung in besonderen Nolsällcn, 22 400 M. für Unterstützung in Sterbcsällen, 23 184,50 M. für Reiseunterstützung, 13 521,25 M. für Umzugsunterstützung. An die Hauptkaffe sind im Jahre 1912: 406 000 M. überwiesen. Tie Lokalkassc hatte inkl. des Bestandes am Anfang 1912 im Berichtsjahr eine Einnahme von 1 939 520,44 M. Einige wichtige Posten aus den Ausgaben der Lokalkaffe sind folgende: Für Streik- Unterstützung 131 638,80 M., für Gemaßrcgeltenunterstützuiig 12 849,95 M.. für Unterstützung in besonderen Notfällen 5457,20 M. Ter Bestand der Lokalkassc am Schlutz des Jabres betrug 1430 132,96 M. Ueber den Bericht wurde wesentliches in der Debatte nicht diskutiert. Lediglich der Beschluß der Ortsverwaltung, wonach den Angestellten gegen Schluß des Jahres 1912 eine Teuerungszulage gewährt wurde, zeitigte eine längere Debatte. Dabei kam zum Ausdruck, daß man zwar im allgemeinen gegen derartige Zuwcn- düngen nichts einzuwenden habe, doch müßten solche Beschlüsse von der Generalversammlung sanktioniert werden. Eine Resolution, die dies für die Zukunft festlegt, also verlangt, daß derartige Dinge der Zustimmung der Generalversammlung unterliegen, wurde gegen wenige Stimmen angenommen. Die weiteren Punkte der Tagesordnung: Neuwahl usw., wur- den der vorgerückten Zeit wegen vertagt. Es gelangte mir noch ein Antrag zur Annahme, der folgendermaßen lautet: „Die Generalversammlung möge beschließen, an alle anS- gesteuerten arbeitslosen Mitglieder eine weitere wöchentliche Unterstützung in Höbe der ihnen zustehenden ErwerbSlosenunter- stützung aus die Dauer von 4 Wochen zu zahlen." Die erstmalige Auszahlung der Unterstützung erfolgt, in der Woche nach der Beschlußfassung durch die Generalversammlung, und wird die Unterstützung bis zum 30. Juni 1913 gezahlt. Hiis aller Mclt. Cbeonc und praxio. Während in den Parlamenten die Zentrumsvertreter über mangelnde Toleranz der Andersgläubigen zetern und Anträge stellen, den Religionskult vor Drangsalierung zu schützen, gehen die Schwarzröcke im Lande mit den ärgsten Mitteln des religiösen Terrors gegen jede ihnen unbequeme Anschauung vor. Beichtstuhl und Kanzel sind beliebte Waffen im Kampfe gegen politische Gegner. Einen lehrreichen Beitrag zu diesem Kapitel bringt wieder da?„Neue Schwarzwälder Tagblatt" in Furtwangen. Es schreibt:„Beim Abhören der Beichte hat sich hier folgendes Zwiegespräch zwischen einem beichtenden älteren Mann und einem hier anwesenden Missionspatres entwickelt. Nach allgemeinen Fragen, ob der Beichtende Missionspredigten besucht habe, die er bejahen konnte, fragte der Pater:„Was für eine Zeitung halten Sie?"— Der Beichtende: Den„Schwarz- wälder Boten"!"— Der Pater:„Sie haben aber auch sonst noch eine Zeitung?"— Der Beichtende:„Ja l Das.Schwarzwälder Tagblatt".— Der Pater:„Das ist ein katholikenfeindliches Blatt, das dürfen Sie nicht halten. Wenn Sie das Blatt nicht abschaffen, dann kann ich Sie nicht absolvieren."— Der Beichtende gab darauf keine Antwort. Nach einer Pause sagte der Pater:„Ich möchte nicht an Ihrer Stelle sein! Wissen Sie, was mit Ihnen geschieht?— Si ereitzt der Teufel an Ihren roten Haaren in die Hölle!" ES trat eine längere Pause ein, wonach der Pater nochmals fragte:„Wollen Sie mir versprechen, das Blatt abzubestellen?"— Darauf erfolgte ein klares und deutliches„NeinJ und der Pater antwortete:„Dann gehen Sie, dann absolviere ich Sie nicht!"— Der Beichtende ist jederzeit bereit, diese Aussagen zu beeidigen." Und da- sind Diener der christlichen Lehre. deren höchster Grundsatz heißt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Ein deutscher Viermaster gekentert. DaS deutsche Segelschiff„Mimi", das vor einiger Zeit an der Küste des Staates Oregon(V. St. v. A.) auf etilen Felsen auflief, sollte am Sonntag abgeschleppt werden. Das Schiff legte sich auf die Seite und kenterte. Der Kapitän und dreißig Mann der Besatzung der„Mimi" anden dabei in den Wellen den Tod. Sechs Menschen ertrunken. Auf der Saale ertranken am Sonntag infolge Kcnterns eines Bootes ein Musketier des Bernburgcr Infanterie- Regiments und fünf Kinder, drei Mädchen und zwei Knaben im Alter von 1Z Jahren. Der Soldat hatte die Kinder ans der Fahrt von Aderstedt nach Gröna auf ihre Bitten an einer Anlegestelle in sein Boot aufgenommen. Auf der Stückfahrt ereignete sich danit das Unglück, wahrscheinlich ittfolge Wechseins der Plätze. Der Soldat ertrank bei dem Versuche, die Kinder zu retten. ___.,____ rantworllicher Nedaktevr: Alfred Wielepp» Neukölln. Für den ZusercuemeU verantw.: Th.GI°ck«, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Eisenbahnkataftrophc in Kroatien. Ein furchtbares Eisenbahnunglück hat sich in den ersten Morgen- stunden des Montag in der Nähe der Stationen O g u l i n zu- getragen. Ein von Budapest nach Fiume fahrender Schnellzug stieß in voller Fahrt mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Lastzüge zusammen. Beide Lokomotivführer, beide Heizer und der Zugführer deS Lastzuges wurden getötet. Auch unter den Paffagieren befinden sich Tote und Verletzte, doch ist deren Zahl noch nicht bekannt. IVOOO Todesopfer bei einem brasilianischen Eisenbahnbau. DaS italienische AuswanderungSamt gibt der Presse bekannt. daß eine nordomerikanische Gesellschaft unlängst eine Eisenbahnlinie durch die Staaten Motto Grosso und A in a z o n e s in Brasilien längs der Flüsse Madeira und Mamore fertig gestellt hat. Die Arbeiten fanden unter so ungünstigen klimatischen und allgemeinen Bedingungen statt, daß von den ersten 300 angeworbenen Arbeitern, die s ä m t l i ch D e u t s ch e to a r e n, n i ch t e i n einziger am Leben blieb. Die Regierung des Deutschen Reichs mußte damals eingreifen, um iveilere Einschiffungen nach dem UnglückSort zu verhindern und für die Heimfahrt der in Brasilien bereits Angelangten sorgen. Diese Tatsache wurde damals auch von dem italienischen AuswanderungSamt bekanntgegeben, ohne aber daß es gelungen wäre, die heimliche Anwerbung neuer Arbeitskräfte in Italien zu verhindern. So sind weiter zahllose Auswanderer am gelbe» Fieber und an der Malaria zugrunde gegangen: im ganzen gibt der Bericht die Zahl der Todesopfer für den Bau einer Strecke von 330 Kilometer a u f 16 000 an, ungerechnet derer, die krank die Arbeit verließen, um in den Hospitälern der umliegenden Städte zu sterben. Dieselbe Aktiengesellschaft, die diese Hekatombe auf dem Gewissen hat, schickt sich jetzt an, auf dem bolivianischen Gebiete am linken Ufer deS Flusses Marmore eine neue Linie zu bauen. Daö Amt hat in Erfahrung gebracht, daß eine Massenwerbung in Italien bevorsteht, und fordert daher alle italienische» Behörden auf. mit jedem gesetzmäßigen Mittel den Agenten der Gesellschaft entgegen- zutreten.__ Kleine Notizen. Schweres Vraudunglück. Im M a r k t Rettenbach iBayern) brannte Sonnabendnacht das Anwesen des Maurers Abrcll nieder. Bei dem Versuch, seine drei im Alter von 6— 8 Jahren st ehe»den Kinder zu retten, verbrannte Abrcll mit diesen. Fran Abrell ist infolge des Unglücks schwer erkrankt. Vatcnnord aus Eifersucht. In dem braunschweigischcn Dorfe Hemptenrode erschoß der Landwirt Hernian» Schräder seinen B a t e r und richtete dann die Waffe aeaen sich stlbst, verwundete sich aber nur im Geficht. Er sollte sofort m da« herzogliche Kranken- haus nach Braunschweig übergeführt werden starb.aber bcrens auf dem Weg« dorthin. Der Grund der Tat ist darin zu suchen, daß der ältere Schräder fortgesetzt der jungen Frau seines Sohnes nachgestellt hat. Europäer im Biktoria-Sec ertrunken. Wie aus Bukoba»Uttels Funkspruch über TareSsalam gemeldet wird, ist ein der dortige» Station gehöriges Fahrzeug bei einer Fahrt auf dem Viktor, a-G»e gesunken. Neben einer Anzahl Eingeborener fanden dabei drei europäische Beamte der Station den Tod in den Fluten, es lind dies der Äanzlist Vogel. der Zollassistent Rörr und der SanitätSsergeant Müller.______ Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul'Smger u. Co., Berlin SW. Nr. 82. 30. Iahrgimg. 2. Ktilagt Ks Jurmilrls" Knlim pllielilott Aienstag, 8. April 1913. Hb�eordnetenbaus» 159. Sitzung, Montag, den 7. April, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Echorlemer. Tie ländliche Pslichtfvrtbildungsschule in den ländlichen Provinzen. � � u st lVp.) ist aegen Äonimissionsbcratung und ob Ilgatoriichen Neligionsunterncht. Abg. Kloppe n�borg(Däne) protestiert gegen den Aus- nahmecharakter der Sonderbcstimmungen für Schleswig-Holstein gegen die Dänen." � Abg. Leinert/z Proz. p. a. erbringen werden. In dem hohen Zinssatz für die Schuldverschreibungen kommt die Geldnot am Kapitalmarkt zum Ausdruck. Bor kurzem hat der SiemenS-Schuckert-Konzern noch 4'/, prozentige Obligationen aus- gegeben._ Zusammenschluß in der Metalliudustrie. Die westdeutschen Emaillierwerke baben sich zu einem Wirtschaft» lichen Verband zur Förderung und Wabrung ihrer Interessen, mit dem Sitz Hagen, zusammengeschlossen. Aehnliche Bestrebungen, wie sie bei den Emallierwerken zu diesem Erfolge geführt haben, sind auch laut„Rhein. Wests. Zeitung" noch bei anderen Metallindustrie- zweigen im Gange. In der Messingindustrie. dre ihren Schwer- punkt in Westfalen(Menden, Lüdenscheid. Altena) hat. sind die Syndikate immer wieder zerfallen. Als Gründe dafür wirkten die verschiedene geographische Lage bei den einzelnen Werken und die oft grundverschiedenen Erzeugungs- und Absatzverbältnisie. Bor kurzem hat indessen in Hannover eine Besprechung der Meiellinteressenten stattgefunden, in der man prinzipiell zu dem Entschluß gekommen ist, zunächst einen wirtschaftlichen Verband der deutschetr M e I a l l i n d u st r i e l l e n mit Gruppenbildung zur Wabrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen zu gründen. Für später ist beabsichtigt, eine rheinisch-wcstfälitche Gruppe, eine mitteldeutsche. eine ostdeutsche und eine süddeutsche zu bilden. An die Spitze der Bestrebungen Hai sich der Generaldirektor der Firma Basse u. Selbe. Herr Ashoff, gestellt._ Stahlwcrksverband. Der Versand des StahlwcrksverbandeS hat im März d. I. nach den vorläufigen Ermittelungen erheblich zuge- nommcn und betrug im Durchschnitt eines Arbeitstages 23 460 gegen 21 080 Tonnen im Februar d. I. Insgesamt stellte er sich im März auf 363 000 gegen 306 417 Tonnen im Februar. Im Ver- gleich zum März v. I. bleibt die Ziffer um 43 346 Tonnen zurück. Dieser Minderversand beruht aber nur aus Aenderungen rein rech- ncrischcr Art. Preisermäßigung für Metalldrahtlampen. Nunmehr haben auch die Lcrgmann-EleltrizitätSwerle die Bruttopreise der Metalldrabt- lampcn unter Regulierung der Rabattiätze. ähnlich wie die A. E.&, Siemens u. Halske, Siemens u. Schuckert u. a.. ermäßigt. Soziales. Arbeitgeber gegen die guten Sitten. Der„Hauptverband deutscher Arbeitgeberverbände im Maler- gewcrbc" ist kurz vor der Aussperrung aus den Gedanken gekom- meu, mit den Gehilfen, bei denen es ihnen glückte, einen Vertrag „abzuschließen", nach welchem sie sich verpflichten, keiner von den drei genannten Organisationen als Mitglieder anzugehören oder ihnen beizutreten. Diese drei Organisationen sinh der freigeiverk- IkBLETTEli Dützen. Redner ' t'-T.'.' husten 9hvR«B#�� HEISERKEIT KATARRH �@�5� Treis IMk erhaltlich Ra«portsleu(e�f»irv ApofheKen Drogerien DaQQ nur den Schmutz lost, nicht aber die Gegenstände angreift, verdient es unbedingt Bevorzugung vor den säurehaltigen Ritz-Flüssigkeiten. d zss nenzettltcTiLe Scheuen-, Poll r—- virid P vi igt pulvex*. M«'g*>iclit von Si/üligHr'<9. Rhemau-Moonheim. Man streut filwl auf den angefeuch {et en Lappen oder Gegenstand und reinigt wie sonst, Nach dem Abspülen mit trockenemTu- che nachreiben! Wegen beider Veleidigmigen reichte der Ehemann von Frau TchnlviN. dem Rechtsanwalt Siegfried Weinberg als Vertreter zur Seite stand, die Privatklagc ein. Frau Schnlvil? bestätigte als Zeugin, daß ihr Meiner gesagt habe, bei so jungen Rindern Würden schadhafte Zähne nicht plombiert, sondern ausgezogen. Diemer bestritt ganz entschieden, dag er sich so geäustert habe. Etwas so widersinniges könne er gar nicht gesagt habe». Das Gericht hielt nur den Zwischenruf:„Das ist eine stinkende Lüge" für beleidigend und verurteilte den Angeklagten deshalb zu einer Geldstrafe von 10 M. Den im Inserat erhobenen Vorwurf der Verleumdung erklärte das Gericht als nicht beleidigend. In diesem Falle erfolgte die Freisprechung. Die Kosten ioll jede Partei zur Hälfte tragen.__ Bibel und Strafprozeßordnung. Wie leicht Bibel und Strafprozeßordnung in Konflikt mitein» ander kommen können, das zeigte eine Verhandlung vor dem Bros- lauer Schöffengericht am Freitag. In einer Diebstablssache sollte der Kellner Jagode als Zeuge vernommen werden. Nach den üb- lichen Hinweisen des Vorsitzenden auf die Heiligkeit des Eides und der Strafen bei Falscheid tritt der Zeuge noch einmal vor und frägt, ob er durchaus schwören muß, worauf ihn der Vorsitzende frug, warum er nicht schwören wollte.„Meine religiöse llrberzeu- gung verbietet mir das und außerdem steht in der Bibel: Eure Rede sei ja ja, nein nein. Was darüber ist. ist vom Uebel." Zur Bekräftigung seiner Worte zog der Zeuge eine Bibel aus der Tasche.„Lassen Sie die Bibel aus dem Spiel," erwiderte der Vor- sitzende,„wir können uns hier nicht auf die Bibel ftünen, für uns ist die Strafprozeßordnung maßgebend." Da sich der Zeuge wei- gerte, den von ihm verlangten Eid zu leisten, wurde er zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Es handelt sich hier um einen überzeugten Christen. Da das Gericht von ihm den Eid auf alle Fälle verlangt, wird sich der bibelkundige und bibelfeste Zeuge bald davon überzeugen müssen, daß seine religiöse Uebcrzeugung allein den irdischen Richtern nicht genügt. Gehört er der Sekte der Minnoniten an, so genügt für ihn als Eid die Bekräftigung durch: Ja ja. Ter„pathologische Rauschzustand" des Studenten. In Königsberg stand ein Student wegen Körperverlehung, Bcamtenbelcidigung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt vor Gericht. Seine Vergehen wurden auch klar erwiesen, doch die Gerichte sprachen ihn in zwei Instanzen frei, weil ihm der Sj 5t des Strafgesehbuches zugebilligt wurde. Der Student hatte in Begleitung eines Kollegen und eines Mädchens nach einem Streit im Cafe auf der Straße einen Referendar überfallen und miß- handelt. So hatte er versucht, ihm das linke Buge auszudrücken. Er hatte auch so heftig zugedrückt, daß das Auge blutete. Seine Begleiter ermunterten ihn durch Zurufe zu seinem brutalen Vor- gehen. Der Referendar rief um Hilfe. Es eilte ein Schutzmann herbei. Doch der Student tat so, als ob er den Beamten gar nicht sehe. Er ging ins Cafe zurück, worauf ihn der Polizeibeamte fest- hielt. Darauf versetzte der� Student dem Beamten einen Schlag ins Gesicht. Als nun der Student nach der Wache kommen sollte, weigerte er sich. Seine Begleiter versuchten, ihn vom Schutzmann loszureißen. Schließlich gelang es mit Hilfe eines zlveiten Schuh- mannS, den renitenten Studenten zur Wache zu bringen. Dieser beschimpfte den Beamten folgendermaßen: Schuapsprcuße, Lchs- prcußc, Sauprcnße usw. Alle drei Personen hatten sich wegen dieses Vorfalles vor Gericht zu verantworten. Das Schöffengericht sprach sie volllommrn frei. Von den Bcglritern nahm e? an, daß ihnen versuchte Gefangencnbefreiung nicht nachgewiesen sei. Der Hauptangeklagtc hätte sich nach dem Gutachten eines Professors zur Zeit der Begehung der Tat in rincm pathologischen Rausch- zustand befunden, in dem seine freie Willensbestimmung aus- geschlossen gewesen sei. Der Amtsanwalt legte Berufung ein. Der Erfolg war, daß die Straslammer das freisprechende Urteil gegen den Hauptaugc- klagten bestätigte. Nur die beiden Begleiter wurden wegen ver- suchtcr Gesangcnenbefreiung verurteilt, und zwar der Student zu drei Tagen, das Mädchen zu einen Tag Gefängnis. Würde unter ähnlichen Umständen stets ein Professor auch bei einem Arbeiter den„pathologischen Rauschzustand" heraus. finden?, Der Niedcmodauer Kasscnkra'ch. Vor der Darmstädter Strafkammer begann gestern der Pro- zeß wegen des Zusammenbruchs de» Spar- und Kreditoereins Niedermodau, der im Anfang des vorigen JahrcS mit einer Urbcr- schuldung von 1 600 000 Mark in Konkurs geriet. Angeklagt find verschiedener strafbarer Handlungen der frühere Gcmeindcrcchncr Philipp Adam, der frühere Bankier Moses Isaak, der Revisions- bcamte Heinrich Beck und der Bankdirektor Kommerzienrat Korl Ihrig. Es sind etwa 90 Zeugen geladen. Der Prozeß dürfte mindestens 11 Tage in Anspruch nehmen. SSaiierstands-Nachrichten der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Dctterbureau. 0+ bedeutet Wuchs,— Fall.—-) Unterpegel. ersten Quartal 1S13 betrugen die KapitalSerhöhungen von Aktien» gesellschaften nur 66 Millionen gegen 240 Millionen in der gleichen Zeit de-Z Vorjahres. Als ein Symptom der GeldmarkttDhältnisse ist auch die Zu- nähme der Konkurse anzusehen. Im ersten Quartal d. I. wurden 2709, das beißt 362 Konkurse mehr als in den beiden Vorjahren eröffnet. Unter den Konkursen verdienen in dieser Hinsicht be- solideres Interesse die von Bankfirmen. Als Ursachen dieser Baitkbrüche sind zweierlei Bedingungen zu unterscheiden. Ein- mal können die Zablungseinstellungen von industriellen Unter- nehmungen, die durch den Balkankrieg leiden, ihre Kreditgeber mit in den Fall verwickeln. So sind die Bankkonkurse in Schlesien entstanden, deren Industrie am schwersten vom Balkankrieg betroffen worden ist. Indirekt können aber auch kleinere Banken durch die teueren Geldsätze und die erheblichen Kursrückgänge seit dem vergangenen Herbst in Schwierigkeiten geraten, die sie durch vermehrte Spekulalioncu auszugleichen suchen, wodurch dann der Konkurs oft nur beschleunigt wird. Das trifft auf die meisten der Zusammenbrüche von Bankhäusern in Mittel- und Norddeutsch- laud zu. Auch der in der vergangenen Woche erfolgte Konkurs der Firma Puppe in Küstriu muß wohl im wesentlichen auf diese Ursachen zurückgeführt werden. Das Bankhaus Puppe in Küstrin gehörte wie die Mehr. zahl der in letzter Zeit verkrachten zu den alten lange ansässigen Firmen des OrteS. ES konnte auf eine Svfährige Geschichte zurück- schauen. Der Inhaber gehörte selbstverständlich zu den angesehensten Einwohnern der Kleinstadt, war Stadtverordneter, Borsitzender der Küstriner Ortsgruppe des Hansabuudes, Ehrenmitglied verschiedener Vereine. Wenn auch der Inhaber sich an Terrain- und Bguspeku- lationen iz. T. in Berlin) beteiligte, galt doch sein Ruf olZ un- tadlig, sein Geschäft als solide. Zahlreiche Sparer brachten ihm ihr Geld. Etwa 1500 haben jetzt Verluste erlitten. Nach einem Bericht laufen die Betrogenen mit verweinten Gesichtern in der Stadt herum und klagen um ihre Ersparniffe, die sich dort unter 100 M. bewegten, hier mehrere Tausend betrugen. Die Stadt will sogar eine Art Hilfsaktion einleiten, da viele Familien infolge ihrer Verluste am 1. April keine Steuern und Mieten zahlen konnten. Auch einzelne Unternehmungen werden wohl mit in den Strudel hineingezogen werden. Den Anstoß zum Krach gab eine Erklärung des Bürgermeisters in der Stadtverordnetenversammlung, aus der bekannt wurde, daß Puppe mit den Steuern im Rückstand blieb, und sodann die Kreditsperre einer Großbank. Schon vorher war daö Mißtrauen gegen die Bank so gewachsen, daß die Abhebungen sich mehrten und der Zusammenbruch nur beschleunigt wurde. Alles in allem sollen die Passiven etwa 3 Millionen betragen. In der Kleinstadt Küstrin werden nicht wenige Flüche den In- haber und seinen Sohn, die sich auch Depotunterschlagungen haben zuschulden kommen lassen, auf ihrer Flucht begleiten. Aber schließlich sind die Verluste eine Lächerlichkeit gegenüber den Summen, die unsere Großbanken in einem Jahre, an einem Geschäft oder durch Veruntreuungen zuweilen verlieren. Wir erinnern nur daran, daß die Deutsche Bank im ver- gangenen Jahre rund 5 Millionen bei einem Grundstücks- gcschäft ovierte, ohne daß diese Summe auch nur in der Jahres- bilanz ersozien. Nicht persönliche Tüchtigkeit oder Gewissenhaftigkeit, sondern die Höhe des Kapitals entscheidet in erster Linie über den Bestand und die Lebensfähigkeit eines Bankunternehmens. Von einer Großbank hat man, seitdem die Leipziger Bank aufs(Treber-) Trockene geraten war, nicht mehr gehört, daß sie in Konkurs geriet. Allenfalls werden Sanierungen durch Begründung von Interessen- gemeinschasten oder Fusionen vorgenommen. Versehlte Spekulationen, und gingen sie auch in die Millionen, bringen eine Großbank noch nicht in Konkurs. Aber die Krachö der kleinen Banken dienen den Großbanken, die sofort auf dem Trümmerfeld zu fischen be- ginnen. Die Diskontobank und die Dresdner Bank, die ebenfalls Gläubiger PuppeS sind, aber ihre gesamten Summen gerettet haben, errichten in kurzem Depositenkassen in Küstrin. Der Konzentrationsprozeß im Bankwesen ist um einen neuen Schritt ge- fördert worden._ Gerichts-Zeitung» Im Eifer sür die Bcrufschre hat sich der Zigorrenhöudler und Zahntechniker Ticmcr in Rosen- thal-Wilhelmsruhe zu Beleidigungen hinreißen lassen, die ihn am Montag vor das Schöffengericht Pankow führten. Die Gemeinde Rosenthal-WilhelmSruhe hatte zur Belehrung der Eltern einen Vortrag über die Zahnpflege bei Kindern von einem Zahnarzt halten lassen. Nach dem Vortrage fand eine Aus- spache statt, an der sich auch Frau Schulviv beteiligte. Sie sagte, sie habe von einem Zahntechniker einen schadhaften Zahn ihres vierjährigen Kindes blombieren lassen wollen, der Zahntechniker habe ihr aber gesagt, bei so jungen Kindern blombiere man die Zähne nicht, sondern man ziehe sie auS, wenn sie schadhaft seien. Sic habe diesen Rat nicht befolgt und freue sich, jetzt von dem Vor- tragenden gehört zu haben, daß auch bei jungen Kindern schad- hafte Zähne plombiert werden könnten und müßten. Den Namen des Zahntechnikers, der ihr diesen Rat gegeben haben soll, nannte Frau Schulvitz zunächst nicht. Erst infolge einer Zwischen- bemcrkiing des die Versammlung leitenden Rektors nannte sie Herrn Diemer als den betreffenden Zahntechniker. Diemer, der in der Versammlung anwesend war, rief hierauf der Frau Schul- viy zu:„Tos ist eine stinkende Lüge."— Bald nachher veröffent- lichte Dicmer in dem Lokalblatte für Rosenthal-Wilhelmsruhe ein Inserat, worin er die Angabc der Frau Schulvitz als Verleumdung bezeichnete. schaftliche Zeniralverband der Maler und Lackierer(Hamburg), der Zentralvervand der christlichen Maler(Düsseldorf) und der Gelverk- verein der Maler und Lackierer(Berlin). Der Vertrag enthält die Versicherung, daß die Unterzeichnung„völlig aus freier Eni- schließung" erfolgt ist und daß der Gehilfe„auf sein Ehrenwort" erklärt, keiner der genannten Organisationen anzugehören. Sollte er aber im Laufe des Arbeitsverhältnisses doch einer derselben bei- treten, so ist er verpflichtet, dem Unternehmer dies sofort zu mel- den. Des weiteren verpflichtet sich der Gehilfe, während des Tarif- kampfes weder die genannten Organisationen noch deren einzelne Mitglieder moralisch noch mit Geld zu unterstützen. Zur Auf- rechterhaltung der in dem Vertrag zugesicherten Erklärungen ver- pflichtet sich der Gehilfe schließlich„aus freier Entschließung", einen Geldbetrag von 20 M. zu hinterlegen, der als Vertragsstrafe dem Unternehmer zur„eigenen Verfügung" versallen soll, wenn der Ar- beiter den Vertrag nicht einhält Tie Hinterlegung soll auch an zwei Lohnzahlungstagen mit je 10 M. bewirkt werden können. Mit diesem Vertrage hatte sich das Gewerbegericht in Bremerhaven in seiner Sitzung vom 4. April 1013 zu beschäftigen. Der Maler- gehilfe F. war bei dem Unternehmer H. in Arbeit getreten und hatte solchen Vertrag unterschrieben. Der Abschluß war kurz vor der Aussperrung zustande gekommen. Nachdem die Aussperrung erfolgt war, schloß sich F. leinen ausgesperrten Kollegen an und legte die Arbeit nieder. Er hat aber sowohl vor dem Abschluß des Vertrages als auch während der Arbeit dem Zentralverband der Maler angehört. Bei seinem Austritt wurden ihm von seinem Lohne die 20 M. abgezogen. Hiergegen wurde Klage erhoben. Ter Arbeitcrsekretär wen- dete ein, der Vertrag verstoße gegen die guten Sitten(S 138 B. G.-B.i, er sei daher nichtig. Ein Verstoß gegen die guten Sitten liege auch dann vor, wenn ein wichtiges Staatsbürgerrccht durch einen Bertrag aufgehoben oder illusorisch gemacht werden soll. Ein solches Recht ist aber das Koalitionsrecht. Es handelt sich hier aber nicht um die Einbehaltung einer hinterlegten Vertragsstrafe, sondern um eine Lohneinhaltung. Eine Hinterlegung ist eine freiwillige Hingabe. Hier aber wurde der Betrag gegen den Willen des Klä- gerS einfach abgezogen, so daß der Abzug den Charakter einer Strafe annehme. Dadurch verstoße der Unternehmer aber gegen die Gewerbeordnung§ 184b Ziff. 4 und§ 119a, nach welchen Bestimmungen Strafen durch die Arbeitsordnung zu regeln sind und die Straie bei einer Lohnzahlung nicht höher als ein Viertel des fälligen Lohnes sein darf. Eine Arbeitsordnung besteht für den Betrieb des Beklagten, Strafbestimmungen enthält sie aber nickst. Dem Kläger sind die 20 M. von seinem Lohne mit einein Male ab- gezogen worden, der fällige Lohn betrug nur 23.50 M. Nach langer Beratung verkündete das Gericht das folgende Urteil:„Der Bc- klagte wird verurteilt, an den Kläger 20 M. zu zahlen und die Kosten deS Rechtsstreites zu tragen." Das Urteil ist rechtskräftig, da es nicht berufungsfähig ist. Eine Begründung wurde nicht gc- geben. Das Gericht scheint sich die Einwendungen deS Klägers zu eigen gemacht zu haben. Es wird nunmehr Aufgabe der Maler- organisation sein, dafür zu sorgen, daß überall die cinbehaltenen Beträge ausgeklagt werden. Kankdrüche und Konlunkturausiichten. Die Flottendemonstration der europäischen Großmächte gegen Montenegro in der vergangenen Woche hal die Unsicherheit der politischen Situation von neuem vermehrt. Zurückhaltung und Kurs- rückgänge an der Börse sind aber nicht mehr die einzigen sichtbaren Folgen des nun ein halb Jahr lang währenden kriegerischen Streits auf dem Balkan. Neben der weiterverarbeilenden Industrie spürt jetzt auch die Schwerindustrie die lähmenden Wirkungen des BalkankriegeS. Noch bis in den Februar und März hinein berichtete die Kohlen- und Eisenindustrie, die in erster Linie von dem Konjunkturaufschwung de-Z vergangenen Jahres profitierten, daß weder ihre ProduktionS- noch Absatz- Ziffern irgend eine Abschwächung erfahren hätten. Wenn auch die Aufträge etwas zögernder einliefen, so träfe daS nicht die nächst- liegende Zeit, für die noch reichliche Beschäftigung vorliege, und mit einer Linderung der politischen Siwalion sei sofort«in neuer krästtger Aufschwung zu erwarten. Inzwischen scheint auch in schwer- industriellen Kreisen anstelle dieser optimistischen Auffassung eine weit vorsichtigere getreten zu sein. Die Frühjahrsbestellungen haben längst nicht die erwartete Höhe erreicht. Vereinzelt sind bereits die Preise gewichen; das macht sich besonders auf deu Elsenmärkten geltend. Dazu kommt die Einsicht, daß mit einer Beendigung deS Krieges noch nicht die Ursache der Verwick- lungen auf dem Balkan schwindet. Zudem sind sämtliche Balkan- staaten derart geschwächt, daß der Absatz dorthin nicht sofort die alte Höhe erreichen kann. Bereits meldet der Walzdrahtverband einen Versandrückgang für den März und auch die Stockung im internationalen Eisenabsatz(insbesondere nach Oesterreich) läßt sich nickn mehr leugnen. Am schlimmsten wirken jedoch die hohen Geldsätze, die den Kreditverkehr und den Warenumsatz erheblich lähmen. Sobald die politische Situation geklärt, werden zunächst die Staaten und Kommunen mit ihren lange aukgeschobenen Geld- Bedürfnissen an den Markt treten. Eine Ermäßigung des Zinsfußes und eine Verstärkung des Geldangebots sind daher sür längere Zeit noch nicht zu erwarten. Die Geldmarktlage ist nach wie vor die größte Sorge von Handel und Industrie. Der eben vorübergegangene Ultimo mit seinen hohen Geldiätzcn brachte diese Sorgen allen auf den Markt Angewiesenen recht nahe. Mußte doch für über den 1. d. Mls. hinaus geliehencS Geld 16 und mehr Prozent gezahlt werden. Die Reichsbank ist daher noch mehr wie in früheren Hochkonjunkturjahren in Anspruch genominen worden. Ende März d. I. hatte sie für 2,3 Milliarden Noten im Umlauf gegen 2,00 im Jahre 1912 und 1.73 Milliarden im Jahre 1907. Die Geldknappheit tritt auch deutlich i» der Verringerung der KapitalSerhöhungen zutage. Im r Todes-Anzeigen SoziaidemokratiseherWahlvereiD I,(1. 2. ßerl, Reiclisiagswafilkra's. Am Sonnabend, den 5. d. M,, verstarb unser Mitglied, der Schristgieger Hermannn Birnbaum SolmSstr, 14. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den S. April, nach- mittags 31/, Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemeindesriedhoses Mariendorser Weg auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Zozialliemolmllizcber'Vabiserelii l.ll.Z.Seri.KeiebZiag�aiiilu'elZ. 34. Bezirk, Am 4. April verstarb unsere Genossin, Frau 205/16 Anna Walter. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. April, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des HeUigkreuz-KirchhoseS in Marien- darf aus statt. Ter Vorstand. Soziddemokratischer WaiMn t. d. Ueri. ReichstagswaMkreis. Gürlitzer Viertel. Bez. 202 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Arbeiler Eduard Jouisebkeit, Reichenberger Str. 114, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS ThomaS-KirchhoseS in Neukölln, Hermannslraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Gastwirt Karl KacKsiem im 72. Lebensjahre am Sonn- abend, den 5. d. MtS., nach langem, schwerem Leiden ver- schieden ist. ZOVb Um stille TeUnahme bitten .Ab gaste Bachstein Georg Bachstein. Die Beerdigung findet heute um 12'/, Uhr vom Trauerhause, Salzwedeler Str. 16, aus statt. SozIaldemokratiseherWalilverelß LdJ-BerLRelchstags-Walilkrels. Am 5. April verstarb unser Genosse, der Gastwirt Karl öacksteia Salzwedeler Str. 16. Bezirk'.23. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute Dienstag, mittags 12'/, Uhr, vom Trauerhause aus nach dem städtischen Friedhof Müller«, Ecke Seestraße, statt. Am 4. April verstarb unser Genosse, der Metalldrücker tiermaaa Müller Biesenthaler Str. 2. Bezirk 817. Ehre seinem Andenken: Die Einäscherung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichlstr. 37/38, statt. Um reg« Beteiligung ersucht 226/18 ver Deutseber BanarbeitemM. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer hiermit zur Nachricht, daß unser langjährige» treues Mitglied Karl öackstein «Bez. Moabit) am Sonnabend, den 5. April, nach langem Leiden im bald vollendeten 73. Lebens- jähre gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Dienstag, mittags 12'/, Uhr, vom Trauerhause,---alzwedelerstr. 16. aus, nach dem stadttschen Fried- hos, Müllerftraß«, Ecke der See- äraße statt. 141/20 Bitte die Sänger pünktlich am Trauerhause fich einzufinden. Um recht rege BeteUigung der Mitglieder ersucht Ter Vorstand. KranTspen«ten sowie sämtliche Blumenarrangements Deutseber iolzarbeiler-Yerband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Vergolder Beinsieb Dürrscbmidt Neukölln, Laubestr. 5, im Alter von 48 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerd-gung findet heute Dienstag, den 8. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemeinde- FriedhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/8 Hie Orteeerwsltung. Für die große herzliche Teil- nähme bei der Beerdigung meiner geliebten Frau und Mutter läs(ZummvrO sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten unsern herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: IRioharil Gumnior nebst Kindern. Berlin-Lichtenberg, 8. April 1913. Posener Straße 16. Deutseber Metallarbeiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drücker tlenvn. Müller (Biesenthaler Str. 2) am 4. April an Halsleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Einäscherung findet am Dienstag, den 8. April, nachmittags 4 Uhr, von dem Kre- matorium, Gerichtstr. 37/38, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/1 l)!o Ortsverwaltung. Hierdurch die traurige Nach. richt, daß meine liebe Frau und Mutter I�uise Wudick geb. Krause plötzlich verstorben ist. tiermalin Wudick und Sohn, Usedomftr. 7. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. April, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Halle des Luisen-Kirchhoses, Fürsten- brunncr Weg, aus statt. Vanksaguug. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzipenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Wilhelm Horn sagen wir allen Beteiligten sowie dem Verband der Sattler und Porte- seuiller unseren herzlichsten Dank. 33A Wilhelm Horn u. Frau. Verband der freien Dast- und Sehankvirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß nach längeren Leiden der Kollege Karl kackstein Salzwedeler Str. 16, Bezirk I verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 8. April, mittags 12'/, Uhr, vom Trauerhause aus statt. Um rege BeteUigung ersucht 72/13 Tie Ortsverwaltung. Am Donnerstag, den 3. April, 7 Uhr' abends, verstarb plötzlich am Herzschlage der Zigarren- sabrikant ftitz Lobbes im 58. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Hörle Lobbes. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. April, nach- mittags 4'/- Uhr, von der Halle des Mahlsdorfer Friedhofes aus statt. SWb Danksagung. Sage meinen Kollegen vom TranS- portarbeiteroerband, der Schultheiß- Brauerei, Abteilung I, sür die uns erwiesenen Ehrungen zu unserer Silber-Hochzeit unseren herzlichsten Dank. 301b Heiiirlcli Reininghaus und Frau. Dr.Simmei Spezial-Arzl für Haut- und Harnleiden. PFinzenstr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntagrs 10— 12. 2— 4 Klnmtn- und kranilmdrm m Roberl Meyer,• Jnh.: P. GoIIctz Mariannenftr. 2. Tel. Mpl. 346. Franz Tauers Festsäle (vorm. Bull) Große Frankfurter Str. 85, Erster Pfingstfeiertag noch frei Saal(600 Perjonen) mit 1800 s�s-M. großem Garten und Bühne. Telephon: Königstadt 11433. Für die vielen Beweise Herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben PcltiB Knjeskl sagen wir hiermit besten Dank. Äc- sonderen Dank dem Ortsbcamten des Zentralvcrbandcs der Schuhmacher Herrn Dally sür die ergreisenden Worte, sowie dem Gesangverein. Hie trauernden ttinlerbliehenen. Familien Kajeski und Preust. + Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., Brunnenstralle 66. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Rücke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach Mall in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Stoffe deutsch• engl. Neuheiten für Herren und Hamen. Elnzelverkanf zu selten billigen Preisen. Tneh- Agentur, forekstr. 15, pt. Kino-Theater :: Marienbad:: Badstr. 35—36. Heute Premiere. Im Konzert-Reotanrant: Heute großes Militär-Konzert. Verband der JVtaler, 6• d» M SaeUierer, Anstreicher Male Serlin. USVD. Bureau; Melchiorstraße 28, park. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9. Fernsprecher: Amt Norde» 6708 Liste der vom Verbände der Maler gesperrten Firmen: OoKw*,****» fPH("'"VriPirttif r?n)i t fi..____ ctr\.vi..... m; � 4__ v».«.-*«»- Qirron A 1 Lebmann. W.(Inhaber Mundstock), Hagewergerstr. 46. Gebhardt, Oppelner Str. 13. Pocher, Ernst, Carmcn-Shlvastr. 87. Nicklenewix, Foh., Lichters elde, Karl- straßel— 2. Hentschel, G., Prinzenstr. 107. liefert schnell und billig l>tsiil CrooB. Llndenstr.69, TtI.aWpl.7203. u'li,.-,, w.,>._ �angyermiieg �o. liugn, v�iax,-----_ Ivcrantwortlicher Redakteur: Alfreh Wielepp, Neukölln. Für den Jnjeratenml prmkNlb.: Th. Glocke. Berlin. Druck».-vertag: Borwärt» Kuno Wolter u. Niekusch, Karlshorst, Schenkestr. 7a. Philipp, Willibald-Üllexis-Str. 25. Brunzel. Ernst, Regensburger Str. 1. Subr, Karl, Schiiemannftr. 2. Bielaff, Graetzstr. 56. Strojewski, Willi, Lichterselde, Fungsernstieg 25. Brühn, EmU, Frankfurter Allee 61. Hanke, E, Halensee, Katharinen- straße 5. Müller, Ober-Schöneweid«, Wll- helminenhoistr. 43 und Berlin. Fürbrmgerstr. 16. Zahn, Max, Steglitzerstr. 36. l>er örigmal'ilaekepeterUlsrtin Inhaber: Martin, MOnzstraße, Ecke Kaiser-Wilhelm- Straße, ist wegen Nichtanerkennung der Organisation für organisierte GastwirtSgehilfen gesperrt.— Tie zurzeit da beschäftigten Kellner gehören gelben Organisationen an. 31/10* Verband der Gastwirtsgehilfen. 31/10* Ortsverwaltung Berlin. Deutscher Tabakarbeiter-Verband ===== Ortsverwallnng Berlin.======= Donnerstag, den 10. April 1913, abends 8 Uhr» in den„Mufikersälen", Kaiser-Wilhelm-Str. 18>u: Brancheti-VcrfanimUiiig aller in der Zizllrckeilwiiustnc deschästigitn Ardciter und Ardkiteriiiueu. Tagesordnung: 1. Tie Situation in der Zigarettenindnstrie und der Tabak» trnst. Sieserent: Gauleiter"tzVen-el-Dresden. 2. Branchenangelegenheiten. Das Erscheinen aller Brauchenangehörigen ist dringend geboten« 187/5 Die Gehtlonsleltnng. ZlkrValtlWsstkllt Kkrlin. C. 54, linirnftr. 83—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 371«. Donnerstag» den 10. April 1913» abends 8 Uhr: Monatsversammlung der Sauansehläger im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Aufgang B. Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 2. Diskufiion. 3. Ver» schiedenes._ Tonnerstag, den 10. April 1913, abends 8 Uhr: Versammlung fflmtlidjrr in dkn Ejsknytrßerrikn bffdjüftigtr« Kern- Mltier und ßernmacherinntn in den Bornssia- Sälen, Ackerstraße 6/7. Tagesordnung: I. Bericht über die zurzeit bestehenden Arbeitsverhältnisse. 2. Bericht über die Organisationsverhättnissc. 3. Verschiedenes; -- Mitgliedsbuch legitimiert:===== Donnerstag, den 10. April 1913, abends 6 Uhr: Versammlung der MetatWeittt, ßnlnnniffnrf, Hilfsarbeitkr nnd Arbeiterinnku in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. 1. Bortrag. schiedenes. Tagesordnung: Diskussion. 3. Branchenangclegenheitcn und Ver» Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Da in diesen Versammlungen wichsige Angelegenheiten erörtert werden, ist es Pflicht, daß alle Kollegen erscheinen. tis/20_ Die Ortsverwaltnng. Wie bsche idj Hill spffchmsteu? Zur Beantwortung dieser Frage veranstaltet die Gssstistslt Köpenick mü Unterstützung der bekannten Gasapparale-Fabrik Bunker& Ruhm, Karlsruhe aus deren Gasherden neuester Konstruktion Mittwoch, den 9. April d. J. im Saale des Restaurants„linlserliok". Köpenick, Gruustraße 10, von 3—5 Uhr nachmtttags und von 8 Uhr abends an ~ großes Schaukochen ss mit praktischen Voisüdrungen im Kochen, Braten und Backen. Der ver. blüfiend geringe Gasverbrauch kann an den ausgestellten Experimentieruhrcn von jedermann mit Leichsigkeit kontrolliert werden. Kochen einfacher und besserer Gerichte auf dem Gasherd, Braten der ver- schiedenen Fleischarten usw. auf Grill- rost und am Spieß, Backen von Kuchen. Um sich von der Vorzüglichkeit dieser Bratweise überzeugen zu können, werden Kostproben abgegeben. Zu diesen intcreflanlen Vorführungen wird ergebenst eingeladen. Wie liralt and backt ick am billiiillln? H.& P. Uder, Tabak-ttroßhnnd Inn g und Tabaklabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. KanewacUer, Qrimm» Triepel. >' Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen. - Amt IV. 3014. Trinkt « m Imulh Fracht Irunk schmackhaft— magenstärkend Kein Branntwein- Kein Likör «uchbruckerei a. HerlagSqnftap Paul Singer u- Co.,-Serltn SVL »«-»>■>« 3. ötilnjt iirs„öoiiuitli" Jittlintr Bollifililult. Der Folizeliiampf gegen die Arbeiterjugend. Aus P a n t o w wird uns �berichtet: In Pankow>var am Sonn» kag, dcn i.V. März, wie wir meldeten, eine Jugendversammlung durch die Polizei gestört worden. Zu Sonnabend wurde eine Per- sammlung ernberufen einberufen, in der gegen das Vorgehen der Polizei protestiert werden sollte. Das war für sie ein neuer Anlaß, der Arbeiterjugend ihre Schneidigkeit fühlen zu lassen. Schon vor dem Versammlungslokal merkte man, daß wieder ctivas im Werke war. Die Vcrsammlungsibesucher mußten durch eine Kette von Schutzleuten hindurch, die das Lokal umzingelt hielten. Drinnen erklärte der Polizeiiommissar die Versammlung sogleich bei der Eröffnung für„a u f g e l ö st". Er rief dann in die Menge hinein, daß die Jugendlichen den Saal zu verlassen hätten. Auf einen Wink von ihm eilte ein Beamter hinaus, um„Hilfe" herbei- zuholen. Polizisten stürmten in großer Zahl in den Saal hinein, zogen ihre vsälcl und jagten jung und alt hinaus. Auch der letzte Gast wurde aus den angrenzenden Räumen aufge- stöbert, und dann sperrte die Polizei das Lokal ab. Die Versamm- lungsteilnehmer begaben sich nach einem auf Berliner Gebiet gc- legcnen Lokal, in dem eine Versammlung angekündigt war. Diese konnte ohne Störung abgehalten werde». Die Pankower Polizei batte schleunigst die Berliner Polizei mobil gemacht, die dann am Bahnhof„Schönhauser Allee" in großer Stärke anrückte. Ter Dcmonstratiouszug, dcn sie wohl erwartete, blieb aus. Tie ganze Polizeiaktion hat wieder die Wirkung gehabt, der proletari- schen Jugendbewegung neue Kämpfer zuzuführen. Nur weiter so! llnd noch ein Streich gegen die Arbeiterjugend. Auch in Ne u kö l l n hat die Polizei wieder für die proletarische Jugendbewegung gearbeitet. Am Sonntag sollte in dcn„Bürger- säten" in einer Versammlung für Schulentlassene das Thema: „Freie Jugcirdbewegung oder Juiig-Dentfchlandbund?" erörtert werden. Vor dem Lokal wurden die Vcrsammluiigsbcsuchcr von Polizisten mit„ausgesuchtester Höflichkeit" in Altersklassen bis zu 38 Jahren und über 13 Jahre eingeteilt. Wer noch nicht 18 Jahre alt war, dem blieb die Pforte verschlossen. Da hierdurch der Jtveck der Versammlung vereitelt wurde, gingen die Erschienenen nach anderen Lokalen, um sich mit Spiel und Gesang zu unter- hallen. Gegen das Lokal von Dabberl rückte ein etwa 30 Mann starkes Polizeiaufgebot an, um die vermeintliche Versammlung aus- einandcrzutrcibcn. Jbber die Anwesenden hatten sich bereits zu einem Spaziergang aufgemacht. Ohne erkennbaren Grund wurden die Genossen Schönlank und Schuch festgenommen sowie Genosse Pieck, der in dcn..Bürgersälen" hatte referieren sollen. Tasselbe geschah einem Genossen, der vor den„Bürge rsölcn" die Jugend- lichen aufforderte, ruhig auSeinondegzugehen. Die Sistierten mußten auf der Wache stundenlang bleiben. Aus einer Mappe des Genossen Pieck wurde das Konzept eines Vortrages über die Jugendbewegung, dcn er früher in einer politischen Versammlung gehalten hatte, trotz seines Protestes einbehalten. Selbstverständlich wird Beschwerde erhoben werden. Die Jugendlichen werden nach solchen Erfahrungen erst recht einig und geschlossen für die proletarische Jugendbewegung eintreten. Wir wiederholen: Nur weiter so! Ucbcr die Vorgänge aus der Polizeiwache gehen uns noch sol- geidile Mitteilungen zu: Auf der Polizeiwache bot sich dcn Verhafteten ein originelle» Bild. Dicht gedrängt saßen die unifovlnicrtcn Hüter des Polizei- staates. Bierflaschen vor sich stehend, beieinander; dazwischen ungc- fähr o bis 6 Geheimpolizisten. Als der Polizcileutnant auf der Wache anlangte, erklärte er: Wenn hier kein Platz ist, kommen die Verhafteten in die Zellen. Von einem Polizisten wuvdc aber dein Wachtmeister mitgeteilt, daß die beiden verfügbaren Zellen schon besetzt seien. Daraus ordnete dieser an, daß dann zwei und zwei zusammcngcspcrrt werden sollten. Und so wurden die Genossen, die sich völlig ruhig verhalten hatten, ohne Grund in die Zellen. gesperrt. Später wurden sie alle Pier in einer Zelle vereinigt. Während drei von ihnen sehr bald ohne jegliche Vernehmung entlassen wurden, wurde nur der Genosse Pieck noch in der Zelle festgehalten. Zuerst wurde ihm auf seine Airsrage nach dieser Anordnung erklärt, daß von seinem Wohnort Steglitz noch keine Nachricht über seine Wohnung zurück sei. Später wurde ihm mitgeteilt, daß er gehen könne. Als er aber seine Ledcrmappc vcr- langte, ordnete der Polizcileutimnt erneut an, daß er wieder in die Zelle gesteckt werden solle. Auf einen späteren Einwand des Gc. «offen Pieck, daß er doch nicht wegen der Durchstöberung feiner Mappe festgehalten werden könne, wurde ihm von dem wachthabcn- den Beamten erklärt, daß die Mappe der Grund nicht mehr sei. Schließlich,»ach Verlauf von 2 Sturtdc», wurde Genossen Pieck er- öffnet, daß er gehen könne. Die Ledermappe wurde ihm mit dem Bemerken zurückgegeben, daß man daraus ein BortragSkonzcpt, das von ihm für eine frühere politische Versammlung in Schöneberg benutzt worden war. zurückbehalte, weil man daran ein Interesse habe. Auf dem Polizeipräsidium könne er es später zurückerhalten. Dieser ganze Vorgang aus der Polizeiwache zeugt von einer Polizciwilltür sondergleichen, gegen die nicht nur Beschwerde er- haben, sondern gegen die auch die Arbeiterschaft ausS schärfste pro- testieren muß. Bor allem wird dadurch der Arbeiterjugend deutlich zum Bewußtsein gebracht, daß mit zweierlei Maß gemessen wird, daß ihr verboten, was den bürgerlichen Jugendvereincn erlaubt wird. Diese Drachenfaat muß Frücht« zeitigen, die dem Polizei- stvat zum Verderben gereichen müssen. Partei- Hngele�enbeitern Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Verlins und Umgegend. Auf Beschluß des Zentralvorstandes findet am Sonntag. den 13. April, vormittags 9 Uhr. eine Außerordentliche Verbands-Generalversammlung in den Gcrmania-Prachtsälen, Chausscestr. 119, statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu dem Beschluß der Verbands-General- Versammlung vom 29. August 1911 betreffend die Auf- stellung der Kandidaten zur Landtagswahl. 2. Der Kampf der Berliner Polizei gegen die proletarische Jugeudbeivegung. Referent: Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. Für die Besetzung dieser Generalversammlung gilt die bisherige Anzahl der Delegierten. Es hat zu entsenden: Berlin I.... 19 Delegierte Summa 923 Delegierte Der Gcschäftsführende Ausschuß. Dritter Kreis. 6. Abteilung. Für die Bezirke 224— 22gu findet ein gemeinsamer Zahlabend im„Deutschen Hof", Luckauer Straße 15, mit einem Vortrag des Genossen tlcko statt. 6. Abteilung. Für die Bezirke 227— 22g findet ein ge- meinschastlicher Zahlabend bei Augustin, Oranienstr. 103, statt. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Vogtherr. 7. Abteilung. Die Bezirke 232—233 und 235 und 237 balten ihren Zablabend bei Henning, Alexandrinenstraße 44, ab. Tagesordnung: Reorganisationsfragen. 0. Abteilung. Für die Bezirke 243—248 findet der gemein- same Zahlabend im„Gewerkschaftshans", Saal I, statt. Vortrag des Sladtverordnetcn Genossen Adolf Ritter. Fünfter Kreis(Abteilung 1a). Morgen Mittwoch findet für sämtliche Bezirke in den Unionsfestsälen, GreisSIvaldcr Str. 222, gemeinschaftlicher Zahlabend statt. Berichte und AbtcilungSführcr- wähl. Charlottenburg. Die für Dienstag geplante öffentliche Vcr- sammlung findet nicht statt. Friedenau. Ter Zahlabcnd findet am Mittwoch, den 0. April, abendS 8'/, Uhr gemeinsam als außerordentliche Mitgliederversammlung im großen Saale des„Kaiser- Wilhelm- GartenS", Rheinstraße 05 statt. Parteisekretär Genosse Max G r o g e r spricht über:„Die bevorstehende LandtagSwahl". Außerdem Nominierung der Wahlmänner-Kandidaten. Am Donnerstag, den 10. April, abends 7 Uhki von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Maricnfcldc. Am Mittwoch, den 9. April, abends 8 llhr findet bei Schuster, Slirchstraße 08 die Generalversammlung des Wahl- Vereins statt. Grüna». Mittwoch, den 9. d. MtS., abends 9 llhr, im Lokal Köpcnicker Str. 88: Generalversammlung des Wahlvereins. Bericht des Vorstandes. Vcreinsangelegcnheitcu und Verschiedenes. FriedrichShagc». Morgen Mittwoch, abends 8>/z Uhr. bei Lerche, Friedrichstr. 112: Gemeinsamer Zablabend. Vortrag des Parteisekretärs Brühl über:„Die bevorstehenden LandtagSwahlen und die Parteiorganisationen." Schmargendorf. Morgen Mittwoch, den 9. April, abends 8 Uhr, bei Pötscher. Spandauer Straße 40: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Wichtige Tagesordnung. Die Bibliothekbüchcr sind wegen Renovierung derselben abzugeben. Alt-Glicnicke. Mittwoch, den 9. April: Zahlabend, l. Bezirk bei Ritze, Grünauer Str. 2; 2. Bezirk bei Dürre, Köpenicker Straße. Der Zahlabend für den 3. Bezirk, OrtStcil Falkenberg, findet am Sonnabend, dcn 12. April, pünktlich abends 8 Uhr, bei Schäfer statt. Zcuthcu-Mirsdorf. Mittwoch, den 9. April, bei HermanowSli, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Die LandtagSwahlen. 3. Der erste Mai. 4. Vcr- schicdeneS. Spandau. Dienstag, abends S'/zllhr, den 8. April: Oeffentliche Protesiversanmiluiig im Roten Adler, PotSdamcr�Str. 0. Genosse Dr. Moses spricht über„Neue Rüstungen, neue Stenern". Partei- genossen, sorge jeder für Massenbesuch. berliner Nachrichten» Kicntopp-Galgenhumor. Die Kieutoppbesitzer haben dem Magistrat eine Nase ge- dreht. Magistrates und Stadtverordnete wollten die Kino- steuer bei einem Eintrittsgeld von 39 Pf. ab erheben. Ilm wenigstens die 30 Pf.- Plätze vor der Besteuerung zu retten, beantragten die Sozialdemokraten, die au sich gegen diese Steuer überhaupt waren, die Kinosteuer erst bei 49 Pf. Ein- trittsgeld beginnen zu lassen. Die Mehrheit der Stadtverordneten setzte aber die Steuergrenze ans 39 Pf. fest und das, weit der Finanzverweser erklärte, unter keinen Umständen aus die Besteuerung der 39 Pf.-Plätze verzichten zu können. Wenn die Steuer einenErtrag bringen sollte, müßten aber die kleinen Ein trittSpreise mit Steuern belegt werden. Er ging dabei von der auch in anderen Parlamenten herrschenden Ansicht aus, daß nur die Steuern Geld bringen, die von den breiten Massen getragen werden. Aber der Kämmerer denkt und der Kientopp lenkt. Die Kinobesitzer beschlossen, anstatt 39 Pfennig Eintrittsgeld in Zukunft nur noch 29 Pfennig zu erheben getreu dem Grundsatz: Von dreißig Pfennig schon ne Steuer? Nanu, det wird ja immer neuer. Wat Majistratus sich jedacht, Det wäre eenfach ja jelacht. Wir schlagen Euch ein feines Schnippchen lind nehmen von der Zahl ein Stückchen. Drauf sprach die schöne runde Dreißig: Von hent' ab N e u n u n d z w n n z i g heiß' ich! Prompt mit dem Inkrafttreten der Kinosteuer prangte an der die Eintrittspreise anzeigenden Preistafel die Ankündigung. daß anstatt 39 Pfennig in Zukunft nur 29 Pfennig erhoben werben. Der Magistrat machte ein saures Gesicht und der Kämmerer sieht sich in seiner Rechnung arg betrogen. Er muß ruhig zusehen wie der betrübte Lohgerber, wie ihm die Felle sonschwimmen. Die vermaledeieten Kinobesitzer bringen den Magistrat des einen Pfennig wegen um seine fetten Einnahmen. Auch bei den höheren Eintrittsgeldern haben sich die Kino- Besitzer als die besseren Rechenkünstler gezeigt. Der Eintritts- preis wurde in der Notwehr auf die Hälfte und weniger herabgesetzt, der Rest gegen früher für Garderobe und Zettel in Rechnung gestellt. Sankt Bureautratius, hänge dich am eigenen Rockzipfel auf! Die Kieutoppbesitzer sind dir über. Sie sehen ja auf der Leinwand so viele lustige Streiche, daß sie davon gelernt haben. Und so hat sich auch die Kino- Steuerschraube in eine Äino-Burleske gewandelt. Tic Erbschaften der Stadt Berlin und der Lbcrpräsidcnt. Wegen einiger kleiner Legate, die die Stadt Berlin aus einer ihr zugefallenen größeren Erbschaft einer Frau StockhauS zahlen soll, ist es zwischen der Stadt und dem Oberpräsidenten zu einer elwaS energischen prinzipiellen Auseinandersetzung gekommen. ES bandelt sich darum, daß die Stadt aus jener Erbschaft zwei ein- malige Abfindungen, die eine in Höhe von 1000, die andere in Höhe von 200 Marl, bezahlen sollte, dies ober verweigerte. Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Magistrat ersucht, bei dem Minister zu beantragen, er möge ohne Auszahlung dieser Legate die königliche Genehmigung der Erbschaftsannahme erwirken. In einein erneuten Schreiben des Oberpräsidenten an den Magistrat wird jedoch mitgeteilt, daß bezüglich des Legates von 1000 M. an eine Verwandte der Erblasserin aus Anweisung des Ministers die Aus- zahlung nach wie vor gefordert werden müsse. Die Gewährung von 200 Mark an einen 7öjährigen bilssbedürftigen Mann, der mit der Erblasserin allerdings nur verschwägert, nicht blutsverwandt ist, bezeichnet der Oberpräsident jetzt als der Billigkeit entsprechend und erwünscht, aber nicht mehr als Vorbedingung der Genehmigung. In dem Schreibe it des Oberpräsidenten heißt es sodann wörtlich: „Zur Beurteilung der von der Stadtverordnetenversammlung mit Bezug aus die gesamte Praxis der Staatsbehörden gegenüber Berlin in Zuwendungssachen erhobepen Klagen habe ich eine Statistik über die in den letzten fünf Jahren der Stadt Berlin zugefallenen letzt- willigen Zuwendungen und Schenkungen und die gelegentlich der allerhöchsten Genehmigung der Stadt auferlegten Abfindungen auf- stellen lassen. Ich bemerke zu dieser Statistik, daß in ihr nur diejenigen Kapitalabfindungen und JahreSrenten verzeichnet sind, die nicht von den Stiftern oder Erblassern angeordnet waren, sondern von der Stadt auf Verlangen der StaatSbebörden übernommen worden sind. Wie die Statistik zeigt, hat die Stadt in den 5 Jahren 42 Zu- Wendungen enthalten. In 33 dieser Fälle sind ihr keine Ab- findungen auferlegt worden, nur bei 9 Zuwendungen ist es dazu gekommen. Hiernach bat sich die Staatsbehörde bei den Vorschlägen für Allerhöchste Gnadenakls in den engsten Grenzen gehalten, und ich kann es der dortigen Beurteilung überlassen, ob bei dieser Sachlage der Vorwurf„einer Beseitigung der Testiersreiheit durch die Ver- waltungsbehörden" nicht doch eine Uebertreibung darstellt, die viel- leicht der Magistrat auch schon aus seiner bisherigen Kenntnis der Vorgänge auf das richtige Matz hätte zurückführen können. Fit dem Berichte vo», 20. November v. I. wird eine„gewisse Beunruhigung der Bürgerschaft durch die sich häufenden Fälle von geforderten Abfindungen für nicht bedachte oder ausdrücklich aus- geschlossene Verwandte oder nur Verschwägerte" erwähnt. Ich glaube, mich nach vorstehendem der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß es dem Magistrate durch eine auch den Standpunkt der Regierung würdigende Darstellung des vorliegenden Falles, wie er sich nach den Akten ergibt, sowie der allgemeinen oben dargelegten Gesichts- punkte gelingen wird, cinc solche Bcuruhigung vollkommen zu beseitigen." Ter Berliner Magistrat beantragt nun bei der Stadtverordneten- Versammlung,„dem Zwange» a ch g e b e n d, die Auszahlung der Kapitalsabfindung von 1000 M.. um nickt die nützliche Zuwendung dann zu gefährden". In einem an den Herrn Oberpräsidenten ge- richteten schreiben führte der Magistrat jedoch aus: „Bei dem Vorgehen der Staatöregierung sehen wir die Gefahr nicht so sehr in der Schmälerung des einzelnen Stiftungskapitals oder der StiftungSrevenüen, als vielmehr in der Beunruhigung der Bevölkerungskrcsse, die geneigt sind, letztwillig oder unter Lebenden für ihre bedürftigen Mitbürger oder WohtfahrtSeinrichtungen zu sorgen. Wir hegen die Besorgnis, und das diese nicht grundlos ist, ist uns aus der Bürgerschaft bestätigt worden, daß manche aus Furcht, daß ihr Wille nicht zur Durckführnng kommt. Abstand davon nehmen, eine Zuwendung an die Stadt zu machen oder eine Stiftmig ins Leben zu rufen. Insbesondere wirkt es verstimmend, daß nicht nur solche Personen, welche dieserhalb Anträge stellen, Berücksichti- gung. finden, sondern daß die Polizeibehörden erst entfernte Ver- wandte ermitteln, und daß die Berücksichtigung solcher Verwandten, die mit dcn Stiftern keinerlei Beziehungen unterhalteil haben, gc- fordert wird."___ Allzugrohc Jagdlust. Berechtigtes Aufsehen unter den Bewohnern einiger Häuser der Mühlenstraßc.�die mit ihren Hinterfronten an der Spree liegen, erregte am Sonntagnachmittag das Gebahrcn zweier Unteroffiziere der Gardepioniere. Die beiden Vaterlandsverteidiger hatten von der in der Spree belegenen Badeanstalt aus auf zwei im Wasser schwimincilde lvilde Enten geschossen und diese auch gc- troffen. Während sie die cinc init einem Stock aus dem Wasser herausholten, fischten in einem kleinen Kahne fahrende Knaben die andere noch zappelnde heraus und fuhren damit vergnügt von dannen. Auö den Häusern der Mühlenstraße, die der Badeanstalt gegenüber liegen, gaben sich über das Treiben der beiden Vater- landsvertcidiger bald EntrüstungSrufe kund. Bekanntlich darf in der Nähe menschlicher Wohnungen nicht geschoffeu werden und ist strafbar. Die beiden Uuterofsizicre begaben sich nun mit ihrem Fange in die Kaserne. Der eine trug ein Militärgcwehr über der -ochülter. Nach einer Weile kehrten sie zurück und als wieder EnlrüftungSriife erschollen, drehte der eine der beiden Träger des KönigSrockS den Rufern sogar cinc lange?kasc. Mit den Arbeiten zum Spielplatz an der Schönhauser Allee auf dein Exerzierplatz zur Einsamen Pappel ist begonnen Morden. Zunächst wurde etwa der vierte, nordöstlich an der Gaudy- nnd Eantianstcaßc gelegene Teil des jetzigen Mo- gistratsgeländcs eingezäunt. Weite Strecken werden, da das ganze Gelände sehr uneben ist. anfgeschsittet und planiert. An der Cantianstraßc wird eine große Baubude errichtet. Ter Zirkusbait Sarrasani ist seit einigen Wochen glücklich verschwunden, die Fläche immer noch gesperrt. Durch die gärtnerischen Arbeiten wird allerdings auf mehrere Jahre hinaus ein erheblicher Teil des Geländes dem Spielbetrieb entzogen, was indes nicht zu ändern ist. Dafür werden hoffent- lich die Arbeiten möglichst beschlelinigt. Ueber Militärdienst mit Dame» regt sich schon tagelang die Mosiepresse auf. ES ist immer häufiger beobachtet ivordeu, daß uamentlich bei den ersten Gardedragollern mitten in der Truppe zwischen den Offizieren auch Offiziersdamcn durch die Straßen Berlins reiten. Diese Erscheinung paßt wie die Faust aufs Auge in unser heutiges militärisches Milieu, in die moderne Soldatenspiclerei mit Prunk und Vcrgnügeli. Im Wesen der Sache ist aber kein so großer Unterschied, ob da in der Truppe ein paar simple OsfizierSamazonen in schwarzer Kleidung ohne Be- rechligung reiten oder höchst offiziell gefürstete Damen mit weiblich zurechtgestutzter Soldatenmiisorm. Vor der Uniform schreit man btzzanlinisch Hurra, daS schwarze Reitkleid wird als Unfug empfunden — sie spotten ihrer selbst, diese Liberalen, und wissen nicht wie- Und sind doch auch mit dabei, die für bunten militärischen Schnick-, schnack widerstandslos bewilligen, was der Generalstab verlangt. Wozu also so viel Lärm um cine Sache, die man am besten mit überlegenem Lächeln abtut?__ Gegen den Unfug der Selbstgcstcllung in den städtisiwn Irrenanstalten wenden die AnstaltSvcrwaltungen jetzt schärfere Maß- nahmen an. War jemand erst einmal in der Irrenanstalt, so Hai er das zweifelhafte Recht, im Krankheitsfall sich nach der Slnstalt hinzubegeben und seine Wiederaufnahme zu beantragen. Es sind hauptsächlich unverbesserliche Alkoholiker, die dieses Recht seit Jahren in der ärgsten Weise mißbraucht haben. Sic betrinken sich und lassen sich aufnehmen, sobald sie kein Obdach haben oder irgend- ein„Ding drehten", das sie mit der Polizei in Konflikt zu bringen droht. Wurde die Aufnahme verweigert, so spielten sich oft in der Umgebung der Irrenanstalten die widerlichsten Szenen ab, da die Trinker alles darauf anlegten, die Aufnahme zu erzwingen. Be- kannt ist, daß Schwerbetrunkcnc per Auto vorfahren und der Chauffeur aus der Anstaltskasse bezahlt werden muß. Zeitweise fanden an einem einzigen Tage, besonders in Hcrzbergc, ein Dutzend und mehr Aufnahmen von Sclbststellern statt. Schließlich haben sich die Verhältnisse derart zugespitzt, daß jetzt gründlich aufgeräumt wird. Die schlimmsten und unverbesserlichsten, viel- fach vorbestraften und gewalttätigen Alkoholiker werden auf die gefürchtcten festen Häuser gelegt und bicr monatelang festgehalten. '�ie Folgen sind deutlich erkennbar. Es zeigt sich hierbei nur von neuem die Notwendigkeit der Errichtung öffentlicher Trinlcrheil- stätten, da die Jrrananstalten zur.Heilung von Trinkern gänzlich ungeeignet sind. Ein Opfer der Maleraussverrung. In dem. Malereibetrieb von Arnold Seul, Prenzlauer Allee 23, sind mehrere Arbeitswillige damit beschäftigt, auf dem Postneubau in der üuckenwalder Straße, am Gleisdreieck, die Eisenkonstrnltion zu streichen. Nun sind die Arbeitswilligen Leute, die mit den Ge fahren im Malerberufe keineswegs vertraut sind. Das ist auch wohl der Grund dafür, daß am Freitag, den 4. April, einer der- selben, ein 20 jähriger junger Mann, ans einer Höhe von zirka zehn Meter abstürzte und so schwer verletzt wurde, daß er am Sonnabend im Krankenhaus� am Urban verstorben ist. Wie uns zu diesem Unglücksfall noch mitgeteilt wird, haben die Arbeitswilligen sich die Gerüste allein gebaut und der Verunglückte hatte unter der Decke auf den horizontalen Trägern ein Brett gelegt »nd mußte von diesem Brett aus arbeiten. Um das Brett weiter zu transportieren, hatte der Anstreicher einen Fuß auf die Träger gestellt und mit dem anderen Fuß das Brett fortgeschoben. Dabei ist dieses hinter seinem Rücken von dem Träger abger utscht und ha den Mann mit in die Tiefe gerissen. gestohlen. Die Steine des Schmuckstückes sind in Gold gefaßt. Der größte Siein ist zu unterst angebracht. Auf die Wiederherbeischaffung der Ohrringe ist eine Belohnung von 200 M. gesetzt. Polizeiherrschaft in der Usedomstraftc. Jeder Streik der Arbeiter scheint nachgerade bei der Polizei- behärde eine Nervosität auszulösen, die in den Geschehnissen selbst absolut keine Begründung findet. Hinter jedem Streik lauert die Revolution— also, scharf vorgegangen. In der Usedomstraße, wo bei der Firma Raabe immer noch gestreikt wird, scheinen die Polizeiorgane von einer ganz besonderen Unruhe ergriffen zu sein, worauf ein Vorgang schließen läßt, der sich am gestrigen Tage ereignete. Um die zweite Nachmittagsstundc erschien in der Gast- Wirtschaft von Eh wert, Usedomstraße-�l, ein Schutzmann, während ehr anderer vor der Tür stehen blieb. Der erste Beamte ging auf einen ruhig dasitzenden Gast los und erklärte ihn, daß er ihn mitnehmen müsse. Die Umstehenden waren natürlich daß erstaunt und suchten von dem Schutzmann Auskunft über seine Maßnahme zu erhalten. Dieser aber scheint, wie das gewöhnlich der Fall ist, der Meinung gewesen zu sein, daß er sich der Frage- stcllcr erwehren müsse, denn er zog den Revolver heraus und er- klärte:„Bahn frei, wer mir zu Leibe geht---" und„mit mir ist nicht zu spaßen." Inzwischen hatte sich der Gast, der verhaftet werden sollte, entfernt, worauf an seiner Stelle einfach ein anderer den Weg zur Wache antreten mußte. Ein dritter Gast, der sich als Zeuge anbot, wurde schlankweg auch mitgenommen. Die beiden Männer saßen von 2 bis 7 Uhr auf der Wache, ehe man sie entließ. Dem Gastwirt wurden alle Räume nach den ersten und vcr- schwundenen Gast durchsucht, allerdings ohne Erfolg. Den Schutz, der bestreikten Unternehmern und Arbeitswilligen zuteil wird, nimmt nachgerade beängstigende Formen an. Jeden- falls steht das eine fest, nämlich, daß dieser„Schutz" nicht auf Kosten der Sicherheit und des Friedens anderer Staatsbürger erfolgen darf. Hier gewinnt der bekannte Ausspruch:„Schutz vor den Schutzleuten!" wieder einmal seine volle Berechtigung. Wer's nicht glaubt, der frage nur nach bei der Anwohnerschaft in der genannten Straße. Insbesondere einzelne Gastwirte können ein Lied singen von dem„Schutz", den die Polizei dort ausübt. Ja, selbst Leute, die gar nichts wissen von dem Streit bei Raabe, werden aus der Straße gewiesen, und dürfen sich nicht mehr in der Gegend sehen lassen. Ein Sistierter wurde auf der Wache gefragt, ober Soldat gewesen fei. Als er von den Beamten den Grund zu dieser sonderbaren Neugierde zu wissen wünschte, gebot der Wachtmeister:„Bringen Sie den Mann in die Zelle." Dort mußte er zirka fünf Stunden bleiben. Ein Glück, daß der Betreffende nicht Soldat war, sonst bekäme er wohl noch eine Anklage wegen Insubordination? Was sollte die eigentümliche Frage sonst für einen Zweck haben. Einem Streikenden, der in eine Gastwirtschaft gehen wollte und mitgekommen wurde, sagte man auf der Wache sofort, daß er bis 11 Uhr(neun Stunden) daselbst werde sitzen müssen. Und das alles im Staate der vollcndcsten Rechtsgarantien l Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern mittag in der Müllerstraßo, Ecke Burgsdorf- stratze. Dort wurde ein fünfjähriges Kind des Klempners Emil Maas von einem Brauerwagen überfahren. Die Räder gingen dem Kleinen üher den Kops. Auf der Unsallstation in der Lindowcr Straße, wohin er gebracht wurde, konnte nur der Tod konstatiert werden.«___ Ein aufregender Vorgang spielte sich gestern vormittag in der Gitschiner Straße ab. Vor dem Grundstück Nr. 101/105, in der Nähe der Brücke, sprang plötzlich ein älterer Mann in den Land wehrkanal und ging unter. Der Führer eines Kraftwagens, der in der Nähe war, machte rasch den Rettungskahn los. Als der Lebens- inüde wieder auftauchte, gelang es ihn, auch, ihn zu fassen und in das Fahrzeug zu bringen. Der Mann hatte aber schon die Be- sinnung verloren. Wicderbelebniigsveriuche. die der Retter und ein Schutzniann am User machte», blieben erfolglos. Ein Arzt, der von der Hilfswache am Tempelhofer Ufer gerufen wurde, komitc nur noch den Tod feststellen. Bei der Leiche fand man ein Kranken- kassenbuch auf den Namen eines 63 Jahre allen aus Jüterbog ge- bärtigen Maurers Karl Maiigelsdorf, der früher einmal in der «chönleinstraße gewohnt hat.' dessen Verhältnisse aber von dieser Zeit an nicht mehr bekannt find. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Jnwclcudiedstahl. Für 10 000 M. Juwele» erbeutete ein Dieb am Sountagnach- mittag in cinein der ersten Hotels der Friedricbstadt. In der Zeit von 3—6 Uhr nachmittags schlich sich der Spitzbube in das Zimmer eines Russen und stahl ein Kästchen, das für nicht weniger als 10000 M. Juwelen enthielt. Unter diesen befindet sich u. a. sine Brosche in Schleisenform, die mit Brillanten besetzt ist und einen Wert von 4000 M. hat. eine Brosche in Stabform, die an den Seiten je einen großen Brillanten und in der Mitte einen Rilbin trägt, im Werte von 2000 M., sowie zwei Ohrringe mit je einer Perle, die zusammen 12S0 M. wert sind. Charakteristisch ist eine Brosche, die aus drei Miniamr-Cpauleiten russischer Kadetten ge- fertigt ist und in russischer Schrift und Sprache die Inschrift�„Ihrer lieben Multer, von den drei Söhnen" lrägl. Außer diesen Schmuck- fachen stahl der Spitzbube, ivahrscheiulich ein internationaler Hotel- dieb, zwei Sätze ungestempelte russische JubiläuuiSmarkeu. Auf die Wiederherbeischaffung der Sachen ist eine Belohnung von 1l> Proz. ihres Wertes ausgesetzt.— Brillantohrringe im Werte von 3000 M. wurden einer Dame in einem vornehmen Pensionat des Westens Die Leiche eines neugeborene» Knaben wurde am Sonnabend- nachmittag vor dem Grundstück Görlitzer Ufer 17 aus dem Land- wehrlanal gelandet. Die völlig unbekleidete kleine Leiche scheint von der Mutter gleich nach der Geburt in das Waiser geworfen worden zu sein.— In Hessenwinlel wurde am Sonnabend im Walde ein ungefähr 65 Jahre alter Mann, der seinem Acußeren nach den bessergestellten Kreisen angehört zu haben scheint, vergiftet aufgefunden. Der Tote, der nach der Leichenhalle in Rahnsdorf gebrachr wurde, hat einest grauen Schnurr- und Spitzbari und trug einen grauen, gestreiften Anzug und schwarze Schnürschuhe. In feinen Taschen fand man nur zwei Kassenschlüssel und einen Bund mit sechs anderen Schlüsseln. Ein tödlicher Straßenunsall. Gestern abend kurz nach 6 Uhr wurde vor dem Hause Rosenthaler Straße 54 eine bisher noch unbekannte, etwa 45 bis 50 Jahre alte Frau, die ihrem Aeußern nach dem Mittelstande angehört zu haben scheint, beim Uebcr- schreiten des Fahrdammes von einem Pfcrdeomnibus umgeworfen und überfahren, so daß sie so schwere innere und äußere Ver- letzuugcn erlitt, daß sie noch auf dem Transport nach dem Hedwig- Krankenhause verstarb. Die unbekannte Tote hatte in einem Wollwarengeschäst in der Königstraße Einkäufe gemacht und be- fand sich wahrscheinlich auf dem Nachhausewege. In einer Tasche, die sie bei sich trug, hatte sie mehrere Strähnen Strickwolle, eine neue Bluse u. a. m. Bekleidet war sie mit einem schwarzen Rock, einem schwarzen Mantel, eine braune Pelzstola und einen schwarzen Hut mit schwarzen Federn. Ihr weißes Taschentuch ist K. B. gezeichnet. Zeugen gesucht! Am Sonnabendabend gegen 6 Uhr wurden in der Frankfurter Allee, Ecke Weichselstratze, zwei Arbeiter von Ar- beitSioilligen aus dem Betriebe von Brämer angefallen und einer der Ueberfallenen mit einem harten �Gegenstände an der linken Schläfe verletzt. Gegen die Täter ist Strafantrag gestellt. Da die Uebersallenen durch die Polizei an der Feststellung von Zeugen ver- hindert wurden, werden Augenzeugen des Borfalls gebeten, ihre Adressen an R a h n, Rigaer Str. 60, gelangen zu lassen. Vorort- Nadmebtem Das Schulwesen Neuköllns hat in neuerer Zeit eine Entwickelung genommen, die hauptsächlich den höheren Schulen zugute gekommen ist. Die bemittelte Bevölke- rung wird finden, das sei„nur in der Ordnung", weil Neukölln das höhere Schulwesen lange genug vernachlässigt habe. Daß aber auch das Volksschulwesen hier noch keineswegs„auf der Höhe der Zeit" steht, davon weiß die minderbemittelte Bevölkerung ein Lied zu singen. Wer die K o st c n als Maßstab nehmen will, der wird in dem die Jahre 1010 und 1911 behandelnden Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln eine Zusammenstellung für das ganze letzte Jahr- zehnt mit Interesse lesen. Die darin mitgeteilten Zählen geben allerdings kein völlig klares Bild, weil sie nicht die gesamten Aus- gaben für das Schulwesen, sondern nur die Zuschüsse aus dem Stadt säckel nennen. In den Etatjahren 1910 und 1011 wendete Neukölln für Schulen 2 537 352 M. und 2 822 908 M. auf, gegenüber 808 032 M. in 1901. Das bedeutet eine Steigerung in zehn Jahren auf etwa das 3�sache, während zwischen den Volks- zählungen von 1900 und von 1910 die Bevötterungszahl von 90 422 auf 237 289, also auf nicht ganz das 2� fache, stieg. Aufgewendet wurden im besonderen für die Volksschulen in 1901 nur 752 207 Mark, in 1910 und 1911 aber 2 206 239 M. und 2 384 532 M.. andererseits für die höheren Schulen lzu denen der Bericht auch Real- und Mittelschulen sowie die Vorschule zählt) in 1901 nur 825 M., iu 1910 und 1911 aber 331113 M. und 438 376 M. Im Laufe dieses einen Jahrzehnts erhöhten sich die Jahrcsauswen- düngen für die Volksschulen aus das reichlich Dreifache, dagegen für die höheren Schulen aus das annähernd Achtfache. Man sieht, wie sehr Neukölln sich beeilt hat, bei den höheren Schulen das Vcr- säumte nachzuholen. Es klingt sehr großartig, daß die Stadt iu 1911 für ihre Volts- schulen fünf- bis sechsmal so viel wie für die höheren Schulen— hier 4:58 376 M.. dort 2 384 332 M.— zugeschossen hat. Aber dabei darf nicht übersehen werden, daß die Zahl der Zöglinge, für die diese Zuschüsse geleistet wurden, bei den Volksschulen neun- bis zehnmal so groß wie bei den höheren Schulen war. Das Volks- schulwesen hatte bis Ende 1911 es auf 36 Schulen gebracht, 31 Ge- meindeschulen nebst 2 Hilfsschulen. Bon höberen Schulen gab es in 1911 ein Realgvmnasium, eine Oberrealschnle, eine Realschule� für diese drei Anstalten eine gemeinsame Vorschule, serner eine höhere Mädchenschule, eine Mittelschule für Mädchen.(Tie beiden Mädchenschulen bestehen erst seit 1907, die Realschule wurde erst 1908 eröffnet; in 1912 kam dann noch eine Mittelschule für Knaben hinzu. j Bis Ende 1911 war die Kinderschar der 36 Volksschulen auf 33 500 gestiegen, wovon in den 34 Gemeindeschulen 33 108 Kinder, in den 2 Hilfsschulen 392 Kinder saßen. Dagegen hatten zu demselben Zeitpunkt die 6 höheren Schulen zusammen nur 3573 Schüler uno Schülerinnen, im einzelnen das Realgymnasium 589, die Qberrealschulc 501, die Realschutc 499, die Vorschule 092, die höhere Mädchenschule 997, die Mittelschule für Mädchen 895. Die Realschule sowie die beiden Mädchenschulen haben noch Jahr für Jahr eine bedeutende Frequenzstcigerung gehabt, was sich daraus erklärt, daß sie noch junge, in der Entwickelung begriffene Anstalten sind. In dem Realgymnasium und in der Oberrcalschule ist in den letzten Jahren die Schülerzahl etwas zurückgegangen, wohl Haupt- sächlich infolge Entlastung durch die neu eröffnete Realschule. Die Vorschule, die den höheren Schulen den größten Teil ihres Nach- Wuchses liefert, fällt auf durch eine ununterbrochene und sehr be- deutende Frequenzstcigerung. Diese betrug für den Zeitraum der letzten 4 Jahre fast 50 Proz. In derselben Zeit stieg die Kinderzahl der Volksschuldn um noch nicht 27 Proz., von 26 443 auf 33 500. An sich ist aber, wie schon gesagt, die Zahl der Volksschultinder so sehr viel höher als die Schüler- und Schülerinnenzahl der höheren Schulen, daß der für die Volksschulen geleistete Zuschuß aus dem Stadtsäckcl, pro Schulkind berechnet, ganz und gar nicht großartig aussieht. In 1911 ergibt bei den Volksschulen die Aufwen- dung'von 2'384 532 M. für 33 500 Kinder. 7 1, 1 8 M. p r o K i n d. Bei den höheren Schulen, für die aus dem Stadtsäckel 438376 M. zugeschossen wurden, rechnet der Bericht pro Schüler u nd S ch ü l e r i n 1 2 0, 1 0 M. heraus.(Zugrunde gelegt ist hier der Jahresdurchschnitt der Schüler- und Schnlcrinncnzahl, zusam- wen 3650.) Die Schulgeldeinnahmen tez höheren Schulen werden etwa ebenso hoch wie der ihnen gewährte Zuschuß gewesen sein, so daß ihre gesamte Ausgabe sich auf das Doppelte, ans etwa 240 M. pro Schüler und Schülerin, belaufen haben dürfte. 240 M. iit mehr als dreimal so viel wie der für die Volksschultinder geleistete Zu- schuß von 71 M., der ja hier zugleich die gesamte Ausgabe darstellt. Dieser Unterschied erkläet sich nur zum Teil daraus, daß im allgemeinen in den Volksschulen geringere Gehälter als in den höheren Schulen gezahlt werden. In der ganzen Einrichtung der Volksschule ist alles und jedes so karg bemessen, daß Pro Kind ein sehr viel geringerer Kostensatz herauskommen muß. Eine wichtige Rolle spielt hierbei z. B. die Klasscnbesetzung, die in den Volksschulen viel zu hoch ist. Ende 1911 war in Neuköllns Volksschulen die durchschnittliche Klasscnbesetzung noch 53,7 Kinder pro Klasse, zu derselben Zeit war sie aber z. B. in der BorschiÄe nur 46,3 Kinder pro Klasse. Tie Volksschulen müssen sickis ge- fallen lassen, daß man in ibre Klassen hineinstopft, soviel sich irgend hincinstopfeii läßt. In den Volksschulen soll ja gespart werden, gespart an Lehrpersonen und Gehältern, an Klassenzimmern, Sckml- Häusern und Grundstücken. Denn in den Volksschulen darf ein Schulkind nur den dritten Teil von dem kosten, was in den höheren Schulen Pro Zögling ausgegeben wird. Charlotteuburg. In der letzte» Sitzung der Charlottenburger Gewerlsckiastskom-- Mission wurde auf die am 14. April er. wiederum stattfindenden „Freien Fortbildungskurse für Arbeiter" aufmerksam gemacht. Ter Vertreter der Studenten der hiesigen Technischen Hochschule, Herr Scheer, legte die Bedeutung der Kurie in einigen Ausfübrungen dar. worauf sich die Anwesenden verpflichteten, für eine ausreichende Teilnahme an den Kursen unter den einzelnen Gewerkschaften Sorge tragen zu wollen. Hierauf referierte das Ausschußmitglied Genosse Flemming über das Thema:„Gewerkschaftliche Beilragskajsiersysleme." Redner betonte, daß nach den bisherigen Erfahrungen das System der Haus- kassienmg der Beiträge und damit auch zugleich die Zustellung dcS GewerkschastsblatteS sich gut bswäbrt babe. Dieses System trage den guten Kern in sich, daß eine Stabilität der Mitgliederzahl ge» währleistet wird. In der sehr lebhaften Debatte, in der 16 Redner hierzu das Wort nahmen, wurden die Ausführungen des Referenten unter- strichen; namentlich von den Vertretern derjenigen Gewerkschaften. die schon das Hauskassiersystem eingeführt haben, wurde die Zweck- Mäßigkeit desselben hervorgehoben und gewünscht, daß dasselbe in allen Gewerkschaften eingesührt werden möge. Nur die Vertreter der Zimmerer nahmen einen abweichenden Standpunkt ein. Dia Mitteilung des Vertreters der Metallarbeiter, Genossen Kano, daß. nachdem für Groß-Berlin die Einführung der Hauskassierung im Metallarbeitcrverbande abgelehnt worden sei, die Charlottenburger Zahlstelle dieselbe nun versuchsweise einführen wolle, wurde mit Freuden begrüßt. Alsdann wurden vom Obmann Genossen Richter die Veran- staltungen zur kommenden Maifeier besprochen. Geplant sind drei Versammlungen: im oberen und unteren Saale des VolkshauseS sowie eine unter freiem Himmel im Garten desselben. Die Vertreter der Bäcker, Brauereivertreter und Schuhmacher waren nicht erschienen. Ober-Tchöneweide. Ter Fleiichvcrkauf der Gemeinde wird allem Anschein nach in der nächsten Zeit eingestellt. In der Hauptsache ist die-S dem Unistande zuzuschreiben, daß bei Beginn der warmen Jahreözeit die Kühlräume fehlen, ohne die der Verkauf nicht bewerkstelligt werden kann: der einzige Ausweg wäre, das Fleisch in kleinen Ouanlitcitcir von der Stadt Berlin täglich abzunehmen. Die Mictung von Kühl- räumen bei anderen Schlächtern am Ort scheitert, abgesehen voir damit verbundenen sonstigen Unzuträglichkeiten, an den überlriebcncir Forderungen der Besitzer, sodaß die Fleischvreiie äußerst belastet würde». Andererseits ist ein kolossaler Rückgang des Fleischverkaufs zuverzcichuen. Während der Umsatz in der ersten Zeit 33 bis 36 Zentner pro Woche betrug, ist er jetzt aus 8 Zentner heruntergegangen. Die Gemeinde ist noch mit der Konsumgenossenschaft Berlin'weg-n Weiterführung des Verkaufes in Verbindung getreten, hat von dort aber den Bescheid erhalten, daß im Hinblick ans die doch bald zir erwartende Einstellung der Zufuhr russischen Fleisches jetzt die lieber- nahine nicht mehr tunlich erscheine. In der letzten Zeit ging der Fleischverlauf für Rechnung des ausführenden Fleischermeisters: auf Vorschlag der Teuerungskommissiou soll der Verkauf nunmehr in den nächsten Wochen eingestellt werden. Auch die Seefisch- k o ch k u r i e werden jetzt beendet: letztere sollen jedoch, da ihnen recht lebhaftes Interesse entgegengebracht wurde, im Herbst wieder auf- genommen werden. Es haben bisher drei Kurse mit zusammen 55 Teilnehmerinnen stattgefunden. Bruchmühle. Aus der Gemeindevertretung. Mit 7 von 8 Stimmen— die übrigen Vertreter fehlten diesmal, jedenfalls auS Furcht vor der Ab- stimmung— wurde der Gemeindevorsteher ermächtigt, den Vertrag mit dem neuen Kreiswasserwerk abzuschließen. Desgleiche» erhielt er die Ermächttgung, mit einem Abdeckereibesitzer zwecks Beseitigung von Tierkadäverit einen Vertrag abzuschließen. Mit der gejundbeit- lichen Beaussichligung der Schulkinder wurde Dr. ErusiuS aus Alt- Lands berg betraut. Spanvau. Die LaudtagSwählerlisten liegen heute den letzten Tag bis nach- mittags 5 Uhr zur Einsichtnahme auS. Da sich herausgestellt hat. daß eine erhebliche Anzahl Wähler, bei denen die Voraussetzungen des Wahlrechts gegeben, nicht in der Liste vermerkt sind, wollen die Wähler heute noch durch die Nachprüfung der Listen sich das Wahl- recht sichern._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Zldlersvos. Am DoiiiierStag, den 19. April, nachm. by. Uhr. in, Kememdeamt. BiSmarckiw. 1 lSitzimgosaal)). Tagesordnung unter anderem: Einilellung dcS Fleisch- und FischvcrkausS durch die Gemeinde, sowie ein Sinti«« unserer Geiiosien«m Zustellung amtlicher Ausweise zu den Land- taaswablcn und die Errichtung des Freibades bei ReptunShmn. Otriimru. Mittwoch, den s. Slpiil, abends 7 Uhr, im tScmeiiideamis- gebaude, Zimmer 1.. ,,, � PautDtu. Heute Dienstag, den 8. April, nachm. 5 Uhr, ,m RathauS, Breitestr. 24/25. � �. Kaltbcrge-Rüder�dorf. Dienstag, den 8. d. M., abends 8 Uhr, im Kopp enschen Saale. Diese Sitzungen sind«ffenllich. Jeder Gcmeindcaiizchörige ist be- rechtigt, ihnen als ZuhSrer beizuwohnen. des 10,1.. WWWWW IWWWW�W WWW??. 15,95, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00 �al> Bahn). Futter» aciilc, gute vsotie 16,20— 16,80. mittel 15,60— 16,10, geringe 15,00— 15,.0. Haser, gute Sorte 17,40— 19,70, mittel 16,30— 17,30(jvet Wagen und ab Bahn), Mais lmixed), gute Sorte 14,40—14,60. Mais(runder), gute Sorte 15,20-15,60, Richtstroh 4,50—5,00, Heu 5,60—7,20. Markthallenpreise, 100 Stüogr. Erbsen, gelbe, zum Koche» 30,00— 50,00. Sveisebobnen. weiße 35,00— 60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinbdl.) 5,00—6,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Nindflcisch, Bauchfleisch 1.30—4 ,80.«chweineffeisch 1,60— 2,00. Bleie 0,60—1,00. 60 Stück Krebse 2,40—45.00. WitterungSubersicht vom 7. April 1913. ass dZ »II i? = 4 5 6 7 7 Etattonen Haparanda 7 56, NNW Petersburg 751 r-NO Jeilly 759ONO Aberdecn 766 NRW Paris 753N?iSS ?Setterprogno,e tut Ttenstag. ve»»•-"vrii Ziemlich kühl, zeiltucijc heiter bei Irischen nördlichen oder unerhebliche Niederschläge. 4 heiter 2'Regen ! 3 wolkig Obcdcckl 3 bedeckt 1913. Winden; lerb»»»»«, Möbel-Cohn 1. Geschäft; Gr. Frankfurter Str. 58 2. Geschäft: Grüner Weg 109 JsSp" Bitte genau auf Hausnummern zu achten. Kredit auf RiesensAuswahl"MU Anzahlungen auf Stube und Küche: Mark 15 30 SO 75 bis SS bis 45 bis 70 Moderne Schlaf-, Speise-, HeFFen-«nd Wohnzimmer jeder gewünschten Art von 40 M. Anzahlung an. Einzelne Möbelstücke � �anh�it�nd' A?heits' von 3 3S. Anzahlung an. losigkeit."NE Liefere auch auswärts, Abzahlung wöchentlich, monatlich, resp. nach Uebereinkunft. r Vorzeiger dies. Inserats erhält beim Kauf 5 M. gutgeschrieben. Sonntags lä— g gebffnet. J. Murzbsrfi, Nass-schnemnel ßosenilialer Str. 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