Ur. 84» HbonnementS'Bcdinsungen: fcfimtnemmlS- Preis pränumerando: VierteljShrl.?.M Mk, Mona«. 1.10 Mi.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. innnmer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1.10 Marl pro Mona«. Eingetragen in die Post-Zcituuas. Vrelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnemenrs nehmen am Belgien. Dänemar«. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Crldlelnt täglich. Verlinev Dolksblnkl. Die Infertlons-GebOljr belrägt für die sechsgespaltene Koloncl- Zeile oder deren Raum BO Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs-Anzeigcn 80 Pkg. „Aletnc Zsnr-igen", das feltgedru-kte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fetlgcdrnckic Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jede» wettere Wort ö Pfg. Worte über löBuch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedilion ist bis 7 Uhr abend» geöffnet, Telegramm> Adresse! „Suialiltnigkrzt Berlin", Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Linden Strasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplat,. Nr. 1S8z. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morissplatz, Nr. I.S84. Line Meäerlage Äer Mlitaristen. »Auf Ihren Beifall vernichte ich!" . Generalmajor a. D. H a e u S l e r. Mit einem Sturme leideuschaMcher Erregtheit hat am Mittwoch die erste Beratung der neuen Wehrvorlage im Reichs- tage ihr Ende erreicht. So gewaltig durchbrausten die Wogen der Erregung das Haus von einem Ende bis zum anderen, daß fast unbemeiskt von den Abgeordneten und ohne besondere Abstimmung der Präsident das gefährdete Schiff der Borlage in den rettenden Hafen der Ltommissionsberatung steuern konnte. Dadurch wurde auch die sozialdemokratische Fraktion daran gehindert, durch eine Abstimmung zu bekunden, daß sie die Wehrvorlage ohne Kommissionsberatung abzulehnen gewillt war. Dieser Wille war freilich durch die Reden der sozialdemokratischen Abgeordneten schon vorher unzweideutig genug zum Ausdruck gebracht worden. Nach dem Verlaufe des zweiten Tages hatte man kaum hoffen dürfen, daß der dritte Tag ihn an Bedeutung, an »vuchtiger Remonstration gegen den kulturfeindlichen Militaris- mus übertreffen würde. In Wirklichkeit hat er ihn aber er- freulicherweise noch in den Schatten gestellt, er wurde in seinem ganzen Verlaufe zu einem so schwarzen Tage für die Militaristen mit und ohne Uniform, wie ihn diese heraus- fordernde, selbstbewußte Oberschicht des herrschenden Klassen- staates selten erlebt hat. Der preußisch-deutsche Militarismus hat am Mittwoch eine Schlacht verloren! Er ist darum selbstverständlich noch lange nicht besiegt. Dafür wurzelt er zu fest im Boden und im Wurzelgcflccht der bürgerlich-kapitalistischen Interessen. Wir sind auch keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß die Wehrvorlage— vielleicht ein wenig gerupft und zugestutzt— im wesentlichen aber unverändert aus der Kommissionsberatung heraus und wieder vor das Plenum des Reichstages gelangen und daß sie schließ- lich mit großer Mehrheit von allen bürgerlichen Parteien an- genommen werden wird. Und doch' hat das herrschende Militärsystem am Mitt- woch einen betäubenden Schlag erhalten, von dem ihm einige Zeitlang der Schädel brummen wird und von dem auch zu hoffen ist, daß er die nicht nnt dem herrschenden Militär� klüngel vcrschwestcrten und verschwägerten Kreise des Bürger- tunis und die noch der Belehrung und Aufklärung zugäng- lichen Elemente unter den Bürgern und Bauern zum Nach- denken über die Unfehlbarkeit des preußisch- deutschen Mili- tarismus veranlaßt. Aus der zweiten Reihe der Redner zur Wehrvorlage hatten sich die bcwilligungsfromnien Parteien saus xtirass, die Konservativen und die Nationalliberalen, streichen lassen— als freiwillige Opfcrgabc im Opferjahr zur schnelleren Vcr- abschicdung der Hccresvorlage! So kam am Mittwoch von den großen Parteien nur noch ein Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartci zu Wort. Daun begann schon die dritte Reihe der Redner, an deren Spitze unser Genosse Frank stand. Frank wandte eine andere Art zu reden an als Scheide- niann, aber sie war nicht minder wirkungsvoll. Mit ruhiger, überlegener Satire packte er die Gegner, und so unvermutet versetzte er ihnen oft den wohlvorbereitetcn Stoß, daß mancher Gegner selbst dann nsch munter mitlachte, wenn er in den Augen der andern schon längst als Gezeichneter umherlief� Frank nahm sich besonders das Zentrum vor, das für da* Schicksal der Wehrvorlage die Entscheidung in der Hand hält. Er hielt den vorlauten Herrn Erzbcrgcr, der am Tage vorher im munteren Wortschwall alle möglichen Reform- Vorschläge für das Heer gemacht hatte, fest beim Wort und kündigte ihm und feinen Freunden für die�stommissions- beratungen Anträge an, durch deren Annahme sie zeigen könnten, ob ihre Reden nur leerer Schall gewesen sind, nur Sand für die Augen harmloser Zentrumswählcr, oder ob ihnen der demokratische Ausbau des deutschen Hecrcswesens eine ernste Sache ist. Für einen solchen Ausbau bedürfte das Zentrum gar nicht einmal des sozialdeniockratischen Rates. Es hat in seinen eigenen Reihen einen Fachmann, der in ausgezeichneter Weise im deutschen Heere Bescheid weiß, und der sich darin nicht nur nnt den Augen eines weltfremden und volksfeindlichen Berufsmilitärs umgesehen bat. fondern der trotz seiner einsti- gen hohen militärischen Charge demokratisches Empfinden zu besitzen scheint und. zugleich den Willen zur Reorganisation des Heeres im Sinne der Demokratie mitbringt. TaS ist der ehemalige bayerische Generalmajor Haensler, Vcr- treter des unterfränkischen Wahlkreises Neustadt a. S. Der Abgeordnete Haensler bat schon einmal vor Jahren im Reichstags eine aufsehenerregende Rede gehalten, in der er gegen den Paradedrill und Konimißgeist und für mili- tärische Reformen eintrat. Damals ist ihm seine mannhafte Rede parlamentarisch schlecht bekommen. Das Zentrum ließ ihn nicht wieder zn Wort kommen, es schickte bei Militär- fragen statt dieses Fachmannes lieber den Allcswisser und Allesbesserwisser Erzberger vor, der seine besondere Berechti- gung, über militärische Fragen mitzureden, vor allen Tingen darauf zu stützen scheint, daß er selber niemals Soldat gc- Wesen ist und sich daher von irgendwelchen praktischen Erfahrungen nicht beschwert fühlt. Im vorigen Jahre, bei der Be- ratung der damaligen Militärvorlage, stand Herr Hacusler zwar endlich wieder einmal auf der Rednerliste. Aber das Zentrum— man denke: das Zentrum!— verhinderte durch einen schnell eingebrachten Schlußantrag, daß fein eigenes sachkundiges Fraktionsniitglied zu Wort kam. Am Mittwoch wagte das Zentrum diese schnöde Vcr- gewaltigung nicht wieder, so daß nach unserem Genossen Frank Herr Haensler die Rednertribüne besteigen konnte. Er hat hier wie ein aufrechter, tapferer Soldat gestanden und für seine Ueberzeugung gefochten. Es hat ihn nicht beirrt, daß feine eigene Fraktion in betretenem Schweigen den Atem anhielt, aus Sorge, ob ihr der unerschrockene Bayer auch wohl gar zu arge Unbequemlichkeiten bereite. Er hat sich nicht gescheut, auszusprechen, was er für recht hielt, obwohl er stürmischen Beifall fast nur von der linken Seite und ganz besonders von den Sozialdemokraten erhielt. Er fiel nicht um, als ihm von den Bänken der Konservativen grimmige Zurufe über die Unterstützung von links gemacht wurden. Schneidig parierte er den Hieb durch das rückhalt- lose Geständnis:„Auf Ihren Beifall» verzichte ich!" Vor allen Tingen aber scherte sich der bayerische General z. D. den Teufel um die unsagbare Verblüffung und Fassungslosigkeit, die seine vernuhtende Kritik am deutschen Militärsystem auf den Bänken des Bundesrats und bei den Generälen des Kriegsministeriunis bewirkte. Gleichmütig schob er schon in den Eingangstvorten seiner Rede die aufgedonnerte Autorität der militärischen Sachverständigen, die die Regierung des Deutschen Reiches beraten und für die gegenwärtige Heeres- Vorlage verantwortlich sind, beiseite. Er ist sich selber Au- torität genug. Und man muß zugeben, daß er Anspruch auf Autorität in militärischen Dingen besitzt. Das zeigt feine ganze Ver- gangenheit. Nach dem Reichstagshandbuch besuchte Haeusler das Realgymnasium zu Würzburg, die polytechnische Hoch- schule in München, die Kriegsschule, die Artillerie- und Ingenieurschule und die Kriegsakademie in München. Aber neben seinen militärischen Studien hat er auch noch an der Universität München orientalische Sprachen, Staatsrecht und politische Ockonomie studiert. Für seine Qualifikation zum militärischen Kritiker, besonders in den Augen der bürger- lichen Parteien und der Regierung, spricht auch seine eigent- liche militärische Laufbahn. Er hat als Gemeiner, kaum siebzehn Jahre alt, am Feldzug 1871 gegen Frankreich teil- genommen: er hat dann in der Infanterie, in der Feld- artilleric und im Generalstab gedient, wurde 1871 Leutnant, 1887 Hauptmann, 1900 Oberst, 1903 Generalmajor und ist in dieser Eigenschaft 1905 zur Disposition gestellt worden. Aber Haeusler hat sich auch in der Welt umgesehen, er hat Rußland. Persien und die Türkei bereist. Und dann ver- zeichnet das Handbuch noch die interessante Tatsache:„saß von Anfang Oktober bis Weihnachten 1891 als russischer Staatsgefangener im 10. Pavillon der Zitadelle zu Warschau." Leider gibt Haeusler nicht an, warum er mit den russischen Gefängnissen Bekanntschast hat machen müssen. Aber daß er diese Tatsache nicht verschweigt, sondern sie ausdrücklich und ohne Nötigung erwähnt, beweist zum mindesten, daß er sich ihrer nicht zu schämen braucht, sondern sie für eine Ehre hält. Dieser militärische Sachverständige hat am Mittwoch eine Rede gehalten, die— von einigen Einzelheiten ab- gesehen— so durchaus den Geist und die Tendenz der sozial- demokratischen Militärkritik widerspiegelt, daß die Partei nichts Besseres tun kann, als diese Rede so schnell wie möglich und so weit wie möglich in Deutschland zu verbreiten. Und diesem militärischen Sachverständigen antworteten ein preußischer und ein bayerischer General! Sie waren in keiner beneidenswerten Lage, da sie diesen Kritiker nicht wie andere bürgerliche Kritiker mit dem über- legen-herablassenden Tone des unfehlbaren Gamaschenknopfes abtun konnten. Aber daß sie alle beide so jämmerliche Figuren machten, daß sie nichts zn sagen wußten, als haltlose und inhaltlose Redensarten, daß sich der bayerisckse Kavallerie- gencral noch dazu bis über beide Obren in die dickste Tinte parlamentarischer Unbeholfenheit hineinritt— das beweist nur die bejammernswiirdige Dürftigkeit ihrer Gründe und ihrer ganzen militärischen Stellung. Der dramatische Schluß der Verhandlung, besonders die schlagfertigen Erwiderungen der Genossen Ledebour und Frank ans die tolpatschigen Herausforderungen des Parla- ments durch den bayerischen Militärbevollmächtigten, ließen klar erkennen, daß die Militärdiktatur in Preußen-Deutsch- land ein Ende haben kann und haben wird, sobald im Deutschen Reichstage eine entschlossene demokratische Mehr- heit vorhanden ist. Daß daran leider noch zurzeit und wahrscheinlich noch auf lange Zeit hinaus nicht zu denken ist, darin beruht die traurige Besonderheit der preußisch-deutschen Zustände. Und darum wird sich der Militarismus bald wieder von der heutigen Niederlage erholen. Es ist die Aufgabe des arbeitenden Volkes, der Sozial- demokratie, durch unausgesetzte Ausklärung und nimmermüde Agitation die Niederlagen des Militarismus zu häufen und so dem militärpolitischen Ziele der Zukunft näher zu kommen: Volkswehr an Stelle der stehenden Heerel * Zwischen den Schlachten der Generäle ließ sich auch noch einmal der Herr Reichskanzler vernehmen. Er betonte aber mit verdächtigem Eifer, daß er zu dem letzten Teil der Debatte nicht reden wolle. Vielleicht fürchtete er, als simpler Major der Landwehr von den Generälen des Kriegs- Ministeriums und dem streitlustigen bayerischen General z. D. in solchen Dingen nicht für voll angesehen zu werden. Er wandte sich einem anderen Gebiete der deutschen Politik zu, aber nur um die militärische Niederlage durch eine diplomatische zu ergänzen. Die scharfe Zurückweisung seiner unglücklichen Bemerkungen über den Kampf des Germanen- tums gegen das Slaivcntuin durch Scheidemann öffnete ihm noch einmal den Mund. Er hat sich inzwischen überzeugen müssen, daß selbst die hypothetische Anwendung eines solchen gefährlichen Schlagwortes durch den leitenden Staatsmann des Deutschen Reiches gefährliche Rückwirkungen haben kann. So bemühte er sich, die Geister zu bannen, die er zwei Tage zuvor durch seine ungeschickte Bemerkung selbst wachgerufen hatte. Es war die denkbar stärkste Selbstwiderlegung, die man sich denken kann. Er suchte ferner den Nachweis Haases zu entkräften, daß er und das Kriegsministerium sich erst durch die Treibereien des Wehrvereins zu der gegenwärtigen Vorlage hätten zwingen lassen. Herr Bethmann Hollweg erklärte mit einem gewissen Stolze, daß er selbst sich schon im November vorigen Jahres zu dem Entschluß durchgerungen habe, eine neue Militärvorlage einzubringen. Da diese Behauptung im stärksten Widerspruch zu allem steht, was noch im Dezember die offiziösen Blätter geschrieben haben, so bleibt nur zweifel- hast, ob der Reichskanzler damals oder heute die Oesfentlich- keit irregeleitet hat. Nach der Erledigung der ersten Beratung der Wehrvor- lagen ging der Reichstag trotz der vorgerückten Stunde und trotz der hochgehenden Wogen der Erregung sofort an dick erste Lesung der T e ck u n g s v 0 r l a g e n. Ter Schatzsekretär K ü h n bemühte sich, sie dem Reichstage schmackhaft zu machen. Der alte Herr trug keine neuen Gründe vor, so daß er schließlich nur vor wenigen Abgeordneten feinen monotonen und matten Vortrag hielt. Ain Tonnerstag wird es auch in diesen Fragen etwas lebhafter im Reichstage zugehen. Ilm zwanzig ffiilijonen- frieden! Sowohl aus Paris als aus Rom kommen Nachrichten, daß Montenegro doch noch zum Einlenken sich veranlaßt sehen könnte. Es werde auf Skutari verzichten und dafür eine finanzielle Entschädigung erhalten. Man spricht von 20 Millionen Frank. Die Nachricht klingt zunächst etwas operettenhaft, aber sie gewinnt gerade dadurch an innerer Wahrscheinlichkeit. Diese Lösungsart würde die Leistungen der europäischen Diplomatie würdig krönen und die inter- nationale Flotte könnte wieder abdampfen. Der Friede wäre damit sicherlich nicht zu teuer erkauft. Nikita hätte sein Taschengeld, die österreichische Regierung ihren Willen und Europa endlich Ruhe. Ter Gedanke, die Sache mit Geld zu erledigen, ist � wer könnte daran zweifeln— zuerst russischen Regierungs- niännern gekommen, und von der italienischen Regierung ver- ständnisinnig aufgenommen worden. Beide Mächte wollen, falls ihre Vorschläge von den übrigen Mächten angenommen werden, einen dringenden Schritt in Cetinje tun. An j Montenegro und die Türkei soll dann die Forderung gestellt werden, Skutari an eine internationale Truppenmacht aus- > zuliefern. Montenegro erhält vielleicht außer der finanziellen l auch noch eine territoriale Kompensation. I Auch über den Friedensschluß liegt eine günstige Nachricht aus Sofia vor, in der die Bereitwilligkeit .Bulgariens zur sofortigen Unterzeichnung des Präluminar- ! friedens ausgesprodM wird. Tie Auffassung in Wien. Wien, 9. April. In maßgebenden Kreisen wird die Lage seil gestern optimistischer beurteilt. Tie Aus. s ch i f f u n g der serbischen Truppen in Saloniki er- folgte auf Initiative der serbischen Regierung, welche auch weitere Nachschübe von Truppen und Munition nach Skntari nicht mehr machen will. In seines Antwort auf die Vorstellungen der Großmächte ersuchte Serbien auch um genaue Bekanntgabe der festgesetzten Grenze Albaniens. Dieser Wunsch soll erfüllt werden. Man knüpft daran die(»Wartung, daß Serbien dann auch die Konse» guenzen ziehen und Albanien räumen wird. Es wird bestätigt, daß die montenegrinische Regierung die offene Order der Pforte an Essad Pascha über den Abzug der Zivil- bevölkerung von Skutari mit dem Hinweis auf militärische Griinde nicht durchließ. Tie Friedensverhandlungen. Sofia, 9. April.(Meldung des Wiener K. K. Telcgr.- Korr.-Bureaus.) An hiesiger kompetenter Stelle erblickt man keinerlei Hindernis für die sofortige Unter- Zeichnung des Präliminarfriedens. Was Bulgarien angehe, so wäre es jedenfalls zur Unterzeichnung bereit. Die Entscheidung hinge daher einerseits von den Großmächten, andererseits von den übrigen Balkanver- kündeten ab. die Bulgarien in ihrer Haltung nicht becin- flussen könne. Gegen die panslawistischcn Temonstrationen. Petersburg, 9. April. Ter Stadthauptmann hat eine Berord- niiug erlassen, durch die jede Art öffentlicher Tcmon st ratio- nen verboten wird und zu ihrer Bcrhindcrung die schärfsten Maßnahmen angedroht werden. Ein kaiserlicher Armccbcfehl, der heute verösfcnt- licht wurde, bestätigt für Militärpersonen aller Rangtlasscn das Verbot, sich an Kundgebungen aller Art einschließlich solcher, wie sie am 6. d. M. stattfanden, zu beteiligen. Tie Botschaftcrkonfcrcnz. London, 8. April. Wie daZ Rsutersche Bureau erfährt, wird die Botschaftervereinigung, die heute im Auswärtigen Amt zusamincntwt und über zwei Stunden dauert«, vor F r.e i t a g nachmittag nicht wieder zusammentreten. Die Botschafter trafen die Entscheidung über die?lntwort, welche die Mächt« den Balkan- staatcn auf deren letzte Note überreichen werden. Es besteht Grund zu der Annahme, daß die den Balkanverbündcten bereits mit- geteilten Anschauungen der Mächte unverändert geblieben sind und daß dies aus der Antwort hervorgehen wird. In den zu- ständigen Kreisen wird betont, daß die wirkliche Frage die sei, ob die Kriegführenden den Frieden wünschen. Im be- jahenden Falle, so wird erklärt, sollte wohl keine Schwierigkeit be- stehen, den Frieden zustande zu bringen. Dies werde den beteiligten Regierungen dargelegt werden, denen die Notwendigkeit und die Vorteile einer Einstellung der Feindseligkeiten eindringlich vor- gehalten werden würden. Erkundigungen in diplomatischen Kreisen zeigen, daß die S t i m m u» g h e u t e e i n w c n i g h o f s n u n g s- voller ist, ohne daß dafür ein Grund angeführt wird. Jedoch wird erklärt, daß die Haltung der Bertbündeten gemäßigter erscheine. E» sollen zwei Vorschläge finanziellen Charakters ««macht werden, die einen gewissen Einfluß auf die montenegrinifche Regierung Haiden dürsten. Die Vorschläge der Mächte. London, 9. April.(W. T. B.) Wie das Rcuteriche Bureau erfährt, wird die Rote, welche die Mächte den Balkan- staaten in Erwiderung auf ihre Vorschläge für die Grund» lagen der Mediation überreichen werden, und deren einzelne Punkte in der gestrigen Sitzung der Botschaftcrvereinigung festgeietzt worden sind, folgenden Inhalt haben: Erstens: Tie Mächte sind damit einverstanden, die gerade Linie Enos- Midin als Grundlage für die Verhandlungen über die neu« türkiich-butgarische Grenze anzunehmen. Zweitens: Die Eist- scheidung des Schicksals der Aegäischen Inseln, von denen die Mehrzahl Griechenland zufallen soll, wird den Möchten überlassen. Drittens: Die Frage einer Kriegseist- schädigung wird zusammen mit allen aus dem Kriege hervor- gehenden finanziellen Fragen durch eine Finanzkommission in Paru- erörtert werden. Viertens: Was Albanien betrifft, wird erklärt werden, daß die Nord- und Nordostgrenze von den Mächten, die über den übrigen Teil der Grenze beraten wer- den, bereits bestimmt ist. Zum Schluß werden die Mächte den Verbündeten empfehlen, die Feindseligkeiten einzustellen. Legen äiefonlemngen des nlilitarisrnus. Der Eindruck der Rede Scheidcmanns in Frankreich. Paris, 9. April.(P r i v a t t e l e g r a in m d e s„V o r- wärt s".) Tie gesamte Presse betont den großen Eindruck der Rede des Genossen Scheidemann. Das„Echo de Paris" stellt fest, daß diese Rede das Niveau der Debatte hob. Der „Matin" bezeichnet sie als eine furchtbare Anklagerede, während der„Teinps" zwar feststellt, daß sie eine geschickte Kritik der alldontschen Argumente sei, daneben aber behauptet, die Fraktion hätte nur gemäßigte Redner vorgeschickt. Ter FeldzuggegendiedreijährigeDienst- zeit geht vorwärt. Am 19., 20., 26. und 27. April finden im ganzen Lande Protestversammlungen mit Deputierten als Rednern statt. Uferloses Wettrüsten. Es versteht sich von selbst, daß die deutschen Heeres- vorlagen und vor allem die Art ihrer Begründung auch den r u s s i s ch e n Rüstungstreibern erwünschte Gelegenheit geben werden, den, Volke neue Militärlasten aufzuerlcgeii. In welcher Richtung sie sich betvegen werden, geht aus den Aeuße- rungen des bekannten Militärschriftstellers W. Michailowsky in der liberalen Moskauer Zeitung„Pußkoje Slowo" bervor:„Man muß hoffen— schreibt er—•, daß die öffentliche Meinung Deutschlands die Gefahr einsieht, der die An» Hänger des uferlosen Rüstens und des Militarismus das Reich entgegentreiben. Wird aber, wider alles Erwarten, die neue Reform im Reichstage angenommen, so erhebt sich vor Ruhland die schwere Aufgabe, die Schlagkraft seiner Armee entsprechend zu verstärken. Bisher hatten wir an der West- grenze ein numerisches Uebergewicht über unsere Nachbarn, was Rußland im Falle eines bewaffneten Zusammenstoßes wichtige Vorzüge gab. In technischer Beziehung wird unsere Armee stets hinter der deutschen zurückbleiben, und die Mobilisierung und Versammlung der Armee in Rußland voll- zieht sich unvermeidlich weit langsamer als in Teutschland und Oesterreich. Deshalb können wir das numerische Ueber- gewicht nicht preisgeben, das allein imstande ist, die Wagschale zu unseren Gunsten zu senken. Verstärkt Deutschland die Friedensstärke seiner Armee um 1W000 und Oesterreich um Ist 000 Mann, so muß Rußland seine A r in e e um 200000 Mann verstärken, denn außer unserer Armee an der Westgrenze müssen wir noch unsere Truppen- zahl an der chinesischen Grenze erhöhen." Als sofortige Maß- nähme schlägt nun derselbe Autor vor, die an der deutschen Imd österreichischen Grenze stehenden Truppen auch in Friedenszeit auf die Kriegsstärke zu bringen. Diese Maßnahme, nieint er, wäre die einzig richtige Antwort auf die kriegerischen Maßnahmen der deutschen Heeresleitung. Wie es in der„slawischen Großmacht" auf dem Balkan aussieht? Tie Befürworter der deutschen Rüstungsvorlagen phantasieren schon seit einiger Zeit von der„slawischen Groß- macht", die sie nach dem Zusammenbruch der Türkei im Süd- osten Europas entstehen sehen. Hören, wir nun. wie der Balkankorrespondent des russischen Regierungsblattes „Rossija"— also gewiß ein den Balkanslawen freundlich gc- sinnter Zeuge— die heutigen Zustände auf dem Balkan schildert:„Nach offiziellen Angaben— schreibt er— sind etwa 22 000 bulgarische Soldaten in Bulgarien gestorben. Hinsichtlich der Serben, Griechen und Montenegriner sind keine genauen Angaben vorhanden: wird aber angenommen, daß sich die Gesaintzahl ihrer Toten auf ebensoviel belief, so beläuft sich die Zahl der in der erste» Hälfte des Krieges ver- storbenen Soldaten auf 41000. Fügt man zu dieser Zahl noch die im Kriege Gefallenen hinzu, ferner die erschlagene und massakrierte friedliche Bevölkerung in Mazedonien, so erhält man ganz fürchterliche Zahlen. Mazedonien selb st ist jetzt eine Wüste. Mehr als 100 000 Musel- männcr, Frauen, Kinder und Greise, sind nach Kleinasien übergesiedelt und haben ibre wertvollste Habe mit sich ge- nommen. Tic zurückgebliebenen Nahrungsvorräte sind von den anrückenden Armeen vernichtet worden. Die Dörfer, die nicht verbrannt wurden, wurden von den regulären Truppen oder den Freiwilligenbanden und dtzn Baschi-Bosuks ge- plündert. Es müssen in i n d e st e n s 10 bis 20 Jahre vergehen, ehe wir Rlazedonien weniger unglücklich sehen, als in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege. Wenn die Sieger nach Beendigung des Krieges an die Teilung Mazedoniens schreiten, werden sie verwüstete, ausgesogene Ländereien untereinander verteilen müssen.— Auch in Bulgarien steht eine wirtschaftliche Krisis bevor, wenn der Krieg sich noch hinziehen sollte. Die klimatischen Bedingungen sind in diesem Jahre günstig, es ist aber niemand da, der die landwirtschaftlichen Arbeiten ausführen könnte." Alles in allem eine hübsche Illustration zu der„Ver- schiebung der militärpolitischen Situation" im Südosten Europas, von der Herr v. B e t h m a n n H o l l w e g bei der Begründung der Heeresvorlogen im Reichstage gesprochen hat. eialsdiilig 2U einer Oeritändigungs- Konferenz. Wie uns ein P r i v a t t e I e g r a m m mitteilt, ist gestern eine Einladung von Mitgliedern verschiedener Par- teien des schweizerischen Nationalrats zu einer deutsch-fran- zösischcn Verständigungskonferenz, die am 20.'April in Bern stattfinden soll, ergangen. Das Einladungsschreiben hat folgenden Wortlaut: „Unsere Nachbarländer Deutschland und Frankreich sind im Begriff durch verstärkte Einstellung von Rekruten und durch Ve» längerung der Dienstzeit ihre stehenden Heere bedeutend zu ver- größcrn. Es liegt den Unterzeichneten eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser uns befreundeten Nationen dnrch- aus fern, aber sie beobachten die Entwickelung der Rüstungen mit schmerzlichem Interesse, weil unser Land durch zahllose Wirtschaft- liche und kulturelle Bande mit den beiden Völkern verknüpft ist. und sie leiten daraus das moralische Recht ab. ihre Dienste in wohlmeinender Weise anzubieten. Nicht sowohl der Inhalt, als der Zeitpunkt der Einbringung der deutschen und der französischen Wehrvorlagen ist geeignet, Beunruhigung hervorzurufen und selbst den europäischen Fried,» zu gefährden.» Alle jene Volksvertreter, die sich dieser Erkenntnis nicht verschließen, werden es als wichtigstes und erreichbares Ziel betrachten, eine Berständigung zwischen Deutschland und Frankreich über die Rüstungsfrage herbeizuführen. Um den Mitgliedern der beiden Parlamente, die in dieser Auffassung mit uns einig gehen, Gelegen. heit zu gegenseitiger Aussprache auf neutralem Boden zu geben. und um einen Weg zu dem Ziel der Annäherung zwischen Deutsch- land und Frankreich zu finden, erlassen die unterzeichneten, ver» schicdencn Parteirichtungen angehörenden Mitglieder des schweizer!- schen Nationalratcs die Einladung zu einer deutsch-franzöüschcn BcrständigungSkonferenz auf Sonntag, den 20. April, nach Bern. Tie Teilnehmerkarte sowie alle näheren Mitteilungen über Organi- sation der Konferenz werden folgen. Evequoz(kons.). Dr. Gobat(freis.). Greulich(Soz.), Grimm(Soz.), Legler(Temokr.), Lurati(kons.), Dr. Michel(freis.), Ritzschcl(freis.), I. Scherrer, Füllcmann(Demokr.), Dr. Seiler(kons.), Jean Sigg(Soz.), Stoffel(freis.), Otto Weber(Demokr.). politische deberlickt. Berlin, den 9. April 1913. Abgeordnetenhaus. Ohne Ueberstunden geht es jetzt im Abgeordnetenhause nicht mehr ab. Der noch zu bewältigende Stoff ist so umfangreich, daß es Dauersitzungen bedarf, um auch nur einen Teil vor den Wahlen zu erledigen. Dabei werden die wichtigsten Initiativanträge, u. a. der über die Befreiung der Dissidenteiikinder vom Religionsunterricht, trotzdem unter den Tisch fallen. Die Schuld trägt neben der Re- gierung, die den Etat auch diesmal wieder so spät eingebracht hat, die Mehrheit des Hauses, die einen Beratungsplan aufgestellt hat, der, anstatt die Debarten abzukürzen, zu einer Verlängerung derselben beiträgt. Als die Sozialdemokraten gegen diesen Plan aus geschäflS- ordnungsmäßigen und aus sachlichen Gründen protestierten, da ging man über den Einspruch zur Tagesordnung über. Inzwischen haben auch die MehrheitSparteien eingesehen, in welche Sackgasse sie geraten sind, sie mußten zugeben, daß der Protest der Sozialdemokraten berechtigt ist, und sie ändern den Plan von Tag zu Tag um. Äm Mittwoch wurde zunächst das Kapitel.Höhere? Mädchen« schulwesen' des KultuSetaiS zu Ende beraten. Namens der Sozial- denrokraten sprach Genosse B o r ch a r d t, der sich u. a. der durch die Reform des Mädchenschulwesens geschädigten Lehrerinnen annahm und mit treffendenWorten die Angriffe derer zurückwies, die den traurigen Mut haben, die Petitionen dieser Lehrerinnen als Ausfluß einer gewerbsmäßigen Hetze zu bezeichnen.' Die sodann einsetzende Debatte über das Elementar- unterrichtSwesen zeigte aufs neue, eine wie tiefe Weltanschauung nicht nur uns, sondern alle freiheitlich gesinnten Elemente ohne Unter- schied der Parteirichtung von der konservativ-klerikalen Gesellschaft trennt. ES ist kennzeichnend für den in Preußen herrschenden.Geist", daß ein Vertreter dieser Richtung, der Kreisschulinspektor Heß(Z.). unter dem Beifall des HauseS erklären konnte, daß die Erziehung für das Jenseits ihm hoher stehe als die für irdische Zwecke. Bei solchen Anschauungen, die leider auch daS Unterrichtsministerium teilt, ist die Vernachlässigung der Volksschule kein Wunder. Tat- sächlich wird die Volksschule nach wie vor als Aschenbrödel behandell. Gewiß hat der Lehrermangel in Preußen abgenommen, aber Dank verdient Regierung und Landtag deshalb noch lange nicht, denn wenn noch immer fast 400 Lehrer gezwungen sind, mehr als 120 Schüler in einer Klaffe zu unterrichten, so ist das ein trauriges Zeichen der Versündigung an dem höchsten Gute des Volkes. Es ist ganz gut. daß der schwarz-blaue Block die ersten beiden Redner zu diesem Kapitel gestellt hat und daß die Herren so offen ihrer Bildungsfeindschaft Ausdruck verliehen haben. Außer ihnen kamen nur noch die Rationalliberalen in dem Abg. Dr. v. C a m p e zu Worte. Am Donnerstag wird die Beratung fortgesetzt. Tic Tispofitionen des Abgeordnetenhauses. In einer Bespreckung von Parteiverlretern deS Abgeordneten- HauseS wurde in Aussicht genommen, die Arbeiten des Hauses am 30. A p r i l abzuschließen. Bis dahin sollen noch außer der 2. und 3. Leiung des Etats das Beamten- und ArbeiterwohnungS- gesetz, das Odcrwasserstraßengesetz. die ländlichen PflichtfortbildungS- ichulen, die Berliner S t a d t b a h n e l e k t r i si e ru n g, das Ostmarkengesetz, das über die innere Kolonisation und außer einigen kleineren Gesetzentwürfen das Eisenbahnanleihegesetz erledigt werden. Für Anträge und Petitionen sind dabei 4 Tage vorgesehen. Den Schluß der Beratungen wird das Eisenbahnanleihegesetz bilden. Für den Fall, daß noch mit Rücksicht auf etwaige Aenderungen, die das Herrenhaus an Gesetzentwürfen vornimmt, ein SitzungStag nachträglich nötig werden sollte, würde der 14. Mai dafür in Betracht kommen.___ Zur Reichstagsnachwahl in Bamberg. Aus Bamberg wird uns geschrieben: Um das Erbe des verstorbenen ZentrumSdemokraien Dr. S ch ä d l e r ist zwischen Zentrum, Liberalismus und Sozial- demotratie ein heißer Kampf entbrannt. Vor allem arbeitet das Zentrum mit einer Leidenschaft, als könne ihm der Wahlkreis schon bei dieser Wahl entrissen werden. Dazu ist leider wenig Aus- ficht, denn im Jahre 1912 erhielt es 14 724 Stimmen, während wir S026, die Fortschrittler 4439 Stimmen aufbrachten. Um so bemerkenswerter ist die riesige Agitation des Zentrum?. Am Sonntag, den 6. April, hielt es nicht weniger als 13 Versamm- lungen ab. Anscheinend fürchtet es. daß es seinem Kandidaten, dem Dompredigcr Leicht in Bamberg, schwer fallen wird, die Stimmen- zahl des sehr beliebt gewesenen Dr. Schädler zu erreichen. Die Liberalen, für die der Postsekretär Krauß kandidiert, haben sich zum Ziel gesetzt, uns in dieser Nachwahl an die dritte Stelle. zu drücken. Sie rechnen damit, daß es in absehbarer Zeit auch in diesem Wahlkreise zu einer Stichwahl mtt dem Zentrum kommen wird und möchten uns ausschalten. Das werden aber liberale Träume bleiben, denn unsere Genoffen, die in dem Landtag?- abgeordneten Johann Bogel(Fürth) einen eifrigen Kandidaten ge- sunden haben, bearbeiten den überwiegend ländlichen Wahlkreis nach Kräften. An Unanständigkeit der Kampfmethoden sucht daS schwarze „Bambergcr BolkSblatt" alles bisher Dagewesene zu überbieten. Diese Zeitung hat erst neulich einen Rekord im Fälschen aufgestellt, indem sie den chrijrlich.sozialen Meuchelmörder des Genossen Schuh- -meier frischweg in einen Sozialdemokraten umschwindeltc und sich nur auf wiederholtes Drängen unseres Würzburger Partei- organS zu einer t e i l w e i s e n Richtigstellung zu verstehen ver- mochte. Jetzt leistete sich dieses liebliche Christenblatt sogar folgende ungeheuerliche Behauptung: „ES läßt sich aus der Lehre und Praxis der Sozialdemo. kratie nicht nur der Meineid, sondern auch die Lüge, der Diebstahl und der Meuchelmord nachweisen." Solchen Schurkereien gegenüber hört natürlich alles sachliche Polemisieren auf. Sie sind aber ein trefflicher Beleg dafür, welches journalistische Strauchrittertum sich in ZentrumSredak- tionen breit machen darf. Der Zentrumskandidat, Domprediger Leicht, scheint diese tief. stehende Kampfesweise sogar noch für vorbildlich zu halten, denn er mahnte die— gegnerische Presse zum Anstand. Von den demo- kratischen Allüren SchädlerS ist dieser Herr ganz frei. Es ist be- zeichnend für die Wandlung im Zentrum, daß man das Mandat SchädlerS, der das Wort von den„Kanonen und Steuerzetteln" geprägt hat, einem Militär- und flottenbegeisterten Imperialisten im Priesterrock angetragen hat. Seine Kandidatenrede war ein rückhaltloses Bekenntnis zur uferlosen Weltpolitik. Das Zentrum hat denn auch im Wahlkampfe die Forderung nach verstärkten Rüstungen unbedingt in den Vordergrund gerückt. Tie größte Gefahr erblickt der Zentrumskandidat Leicht darin. daß die Jugend einmal von den sozialistischen Ideen, da» beißt den Idealen des Ä ö l ke r f r i« d e n s,„durchseucht" sein könnte. Pathetisch rief dieser eigenartige Prediger christlicher Nächstenliebe in seiner Programmrede aus: „Da»tztzen alle Kanonen und Bajonette nicht? denn die Kanonen gehen nicht von selbst loS. die müssen abge- feuert werden, und mit den Bajonetten mutz zugestoßen werde n." DaS ist wirklich �kurioses Christentum. Blutiger kann da» Wort Jesu Christi:„Selig sind die Sanftmütiäcii..." nicht ver- höhnt werden. Man glaubt diesem milden Christen aufs Wort, wenn er in derselben Rede prahlte, er habe„einen guten Magen und eine dicke Haut", und versteht auch seine tiefsinnige Bemerkung,„daß man von einem Tier, daß daa ganze Jahr Heu f r i h t. keinen Honig erwarten kann". Die bajuvarische Grobheit und biedere Offenheit des frisch. gcbackenen Zentrumskandidaten hat ihn übrigens zu dem bcmcr- kenswcrten Geständnis veranlaßt, daß die ganze politische Macht deS Zentrums aus dem Klerus beruht: „Es ist meine feste Ueber zeuaung. wenn unsere!a- t h o l i s ch e n Geistlichen nur fünf oder zehn Jahre in den Vereinen nicht mehr tätig sein würden, dann wären wir b a l d a m End c."(„Bamb. AolkSbl." Nr. 78.) So ist er. Nur der Klerus hält die Wählermassen des Zentrums»och zusammen. Die bessere Einsicht würde zahllose katho- lische Arbeiter und Bauern längst in die Reihen der Sozialdcmo- kratie geführt haben, wenn sie nicht der geistliche Terrorismus zurückhielte. Erkranluug des Papstes. Der Zustand Pius X., der schon seit längerer Zeit an einer Rierenlronkheit leidet, hat sich bedenklich verschlimmert. DaS Herz funklioniert nur noch schwach und die Fiebertemperatur ist auf SS'�T Grad gestiegen. Ter Papst verweigert die Nahrungsaufnahme. Seine Uuigebung überredet ihn nur mit Mühe, wenigstens Milch und Eier zu sich zu nehmen._ Ein ostelbisches Kulturbild. In der vor der Reichstagsstichwahl herausgegebenen„Wahl- z.eitullg" des Bochumer„VolksblattcS"', für die Genosse Pierenkämver in Bochum verantwortlich zeichnete, war eine auS einem polnischen Blatte stammende Notiz abgedruckt worden, nach der eine 80jährige kranke GutSarbciterin im Wege der Armenpflege von dein Guts- Verwalter Nebe in Radiin(Posen) in einem Schweinestalle unter- gebracht worden sei. pet Verwalter stellte Strafantrag. Die Sache wurde mehrfach vertagt, da auch gegen den Redakteur des polnischen Blattes und einen Probst als dessen vermeintlichen Mittäter Anklage erhoben worden war. Am Sonnabend hatte sich nun in der Straf- fache gegen Genossen Pierenkämper das Bochumer Schöffengericht mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Dabei wurde ein agrarisches Kullurbild aufgerollt, Ivie es krasser kaum denkbar ist. In dem auf Antrag des Verteidigers verlesenen Urteil aus dem Prozeß gegen den polnischen Redakleur und den Probst wurde als Ergebnis der Hauptverhandlung festgestellt, daß in dem betreffenden Raum, der ursprünglich ein Kuh stall gewesen ist, sich bis zwei Tage vor der Einpferchung der kranken Greisin Schweine befunden haben, daß der Stall unmiltelbar an einen anderen Schweinestall grenze und in un- mittelbarer Nähe sich der Misthaufen befindet. Ter Raum selbst hat keinen Fußboden und keine Decke gehabt. Die Scheiben des einzigen vorhandenen Fensters von etwa einem halben Meter im Quadrat sind zum Teil entzloei gewesen. Auch war kein Ofen vor- handen. Der andere Raum, in den die Greisin dann gebracht worden ist, war nach den in der Verhandlung gemachten Fest- stellungen noch schlechter. Der vorhandene Ofen ist so dekelt gewesen, daß er wegen des austretenden Rauches unbrauchbar war. Die Fensterscheiben waren entzwei, das Bett eingebrochen. Der Verwalter hat sich, nachdem er die Anordnung getroffen, der Kranken das Essen zu bringen, überhaupt nicht um sie gekümmert. Niemand bat die Kranke gepflegt oder gereinigt, obwohl sie an einein schweren chronischen Blasenleiden litt. AngesichlS dieses vernichtenden Urteils der Armenpflege auf diesem Mustergute beantragte der Amtsanwalt ohne weiteres die Freisprechung de-Z Genossen Pierenkämper, und das Gericht entsprach diesem Antrage, Einzug des Erzbischofs Hartman» in Köln. In Gegenwart des Oberpräsidenten von Rbeinbabcn, der Spitzen der Militär« und Zivilbehörden Kölns, der Regierungspräsidenten von Aachen und Düsseldorf, der Oberbürgermeister von Aachen und Bonn, von Vertretern der Rheinischen Adelsgenossenschaft, der evange- lischen und jüdischen Geistlichkeit, von Reichstags- und Landtags- abgeordnete» sand heute die Inthronisation des Erzbischofs von Köln, Felix von Hartmann statt. Um&3/4 Uhr wurde der Erzbischof in feierlichen, Zuge aus den, Palais abgeholt und gegen S Uhr hielt er unter Glockengeläute und Orgelllang seinen Einzug in den Dom, too ihn Dom- probst Berlage und das Metropolitankapitel empfingen und ihn zum SalramentSaltare geleiteten. Hier verrichtete der Erz- bischof eine kurze Andacht. Er wurde dann zum Hauptaltar und zum erzbischöflichen Thron geleitet, aus dem er Platz nahm. Hierauf wurde die päpstliche Präkonisationsbulle verlesen. Dann zelebrierte der Erzbischof daS Pontifikalamt. Rekrutenmisthandlungeu in grostem Umfange gelangten gestern vor dem Kriegsgericht der Königl. Landwehr- Inspektion in der Hasenheide zur Aburteilung. Unter der Anklage der Mißhandlung Untergebener in 43 Fällen, der vorschriftswidrigen Behandlung in drei Fällen und der Achtungsperletzung hatte sich der Vizewachtmeister der Landwehr Hintz zu verantworten. Er wurde im vorigen Jahre entlassen und richtete dann an das Generalkommando eine Eingabe, in der«r um Wiedereinstellung ins Regiment bat. Dabei ließ er in dem Bericht durchblicken, daß in seiner Batterie alles mögliche vorgekommen sei, und daß sich mehrfach Vorgesetzte gegenüber den Untergebenen Vergehen hätten zuschulden kommen lassen. Während man aber die Vergehen an- derer Unteroffiziere unterdrückt habe, sei er entlassen worden. Es wurde nun eine Untersuchung eingeleitet, die damit endete, daß zwei Offiziere verurteilt und einige andere von den gegen sie erhobenen Anklagen freigesprochen wurden. Die Mann- schaften der Batterie wurden allesamt vernommen und sie gaben fast sämtlich an, daß sie von den Unteroffizieren mißhandelt worden seien. Hintz habe sie jedoch am meisten geschlagen. Nun wurde auch gegen H. selbst die Anklage erhoben. Er war in den Jahren 1311/42 Rekrutenunteroffizier, und während dieser Zeit hat er, wie in der gestrigen Verhandlung festgestellt wurde, die Mihhand» lungen ausgeführt. Die Anklage nahm 43 Fälle an, doch ist heute gar nicht mehr festzustellen, wie oft sich der Angeklagte an den Untergebenen vergriffen hat. Beim Turnen ließ H. fast stets einen Stock in Aktion treten, mit dem er den Mannschaften.nachhalf". Kam einer nicht über das UebungSpferd, so gab» einen Schlag mit dem Stock aufs Gesäß. Dies war an der Tagesordnung. Die Leute ließen sich ruhig alles gefallen und rede- ten�über die Mißhandlungen gar nicht! Aber auch der Säbel in der Scheide wurde beim Turnen angewandt. Der Beschuldigte schlug damit auf die Untergebenen ein. Beim Unter- richt suchte Hintz die Leute, die nicht nach seinem Wunsche die Apt- warten gaben, gewöhnlich dunch Backpfeifen zu„erziehen". Ferner wurde in der Anklage ein Fall angeführt, in dem ein Untergebener eine halbe Stunde hindurch in der Kniebeuge mit vorgestreckten Händen verharren mußte. Der Vertreter der Anklage, KriegsgerichtSrat Schulze, hob hervor, daß man eine fortgesetzte Handlung, die allerdings einen recht erheblichen Umfang erreicht habe, annehmen müsse. Die AuS- schreitungen seien geeignet, den Untergebenen den Dienst zu ver- leiden. Da der Angeklagte inzwischen bereits im Zivilleben fei, so könne man d'fisen Umstand mildernd in Betracht ziehen und einen mrlden Fall annehmen. Er beantrage sechs Wochen gelinden Arrest DaS Kriegsgericht ging noch erheblich unter daZ beantragte Strafmaß herunter und erkannte auf nur drei Wochen gelinden Arrest. In der Urteils- begründung wurde hervorgehoben, daß der Angeklagte nicht als«in sog. Soldatenschinder zu bezeichnen sei und daß er die Mihhand- lungen lediglich im U e v e r e i f e r verübt habe. Ein höchst seltsamer Ucbereifer! Belgien. Ter Generalstreik im Brüsseler Gemeinderat. Man schreibt uns aus Brüssel vom 8. April: In der gestrigen Sitzung des Brüsseler Gemeinderates gab es erst eine Beschwerde des lozialistischen Gemeinderates Ge- Vossen P l a d e tniber die übertriebenen polizeilichen Vorsichts- maßregeln bei der heutigen Truppenrevue.(Es ist nämlich u. a. verboten worden, mit Zetteln und dergleichen zit Wersen ~ mit Rücksicht auf das Scheuwerden der Pferde, wie der Bürgermeister erklärte.) Genosse Huysmans beichamgte sich dann mit dem Ukas des Gemeindekollegiums, der die eventuell am General- streik teilnehmenden städtischen Arbeiter mit sofortiger Eni- lassung und Nichtwiedereinstellung bedroht.— Huysmans charakterisierte diese Maßnahmen als eine Provokation der Arbeiterschaft und wies auch darauf hin, daß die Arbeiter- schaft schon seinerzeit erklärt hätte, daß bei einem Streik keinesfalls jene Dienstleistungen mit einbezogen werden würden, die die öffentliche Hygiene, Spitaldienst usw. be- treffen. Huysmans warf schließlich dem Bürgermeister eine Schwenkung nach rechts vor.— Außerdem beschwerte sich Huysmans über das Verbot, Sammellisten für den General- streik in den kommunalen Werkstätten und Bureaus zirku- lieren zu lassen.— Ter Gemeinderat beschloß auf Anregung eines fozialisti- schen Gemeinderats, an die Bevölkerung die Ausforderung zu richten, sich während des Generalstreiks ruhig zu verhalten, um in den nach dem Willen der Organisatoren friedlichen Streik keine Störungen hineinzutragen, und so der obersten Behörde keine Gelegenheit zum Einschreiten zu geben.— Tagegen erklärte der Bürgermeister die Maßnahme als verfriiht und eher dazu angetan, das Publikum zu beunruhigen, die Bc- sitzer von Wirtschaften zu einem zeitigen Schluß ihrer Lokale, nämlich um 1<) Uhr, zu veranlassen.— Verschiedene Provinzgemeinden haben ähnliche Maßnahmen getroffen. Tie Maßnahmen der Regierung. Brüssel, 9. April.(Eig. Ber.) Im Hinblick ans den Generalstreik werden bereits große Truppenbewe- g u n g e n vorgenommen. Die Mannschaften des Jahrganges 1919 werden, obwohl ihre Dienstzeit beendet ist, unter den Waffen gehalten und lv Reservejahrgänge der Pioniere werden einberufen, um die streikenden Elektrizitäts« und Gas- arbeiter zu ersetzen. In allen größeren Ortschaften der Kohlenreviere und Jndustriebezirke wird Infanterie und Kavallerie einquartiert. Tie Gendarmen der Provinz werden nach Brüssel dirigiert und durch Militär ersetzt. Der Garnisoii-Zapfenstreich aus Anlaß des Geburtstages des Königs veranlaßt? Dienstagabend in Brüssel und in Gent große sozialistische Kundgebungen. Zehntausende Ar- beiter begleiteten die Militärkapellen unter Hochrufen auf das Wahlrecht und auf den Generalstreik. In Gent de- monstrierten die Soldaten durch Singen von Arbeiter- liedern mit. Lckxveäen. Die Finanzierung der„Pensionsvcrsichcrung". Stockholm, 7. April.(Eig. Ber.) Die Regierung hat nunmehr endlich auch einen„Finanzplan" für ihre„Pensionsversicherung" ausgearbeitet und etwa 14 Tage nach der Versicherungsvorlage dem Reichstage unterbreitet. Wenn irgend ein Zweifel bestand über den Unsinn derartiger Gesetzesmacherei, erst ein Versicheruugssystem zurechthämmern und nachher die finanzielle Deckung suchen, so liefert die Finanzierungsvorlage diesen Beweis recht nachdrücklich. Denn die staatlichen Zuschüsse, die in dieser„Bersscherung" die Hauptrolle spielen, sollen gedeckt werden durch 1. Tabakbesteuerung, 2. verstärkten Erzexport. Bis 1830 soll der Tabak mehr als d i c H ä l f t e d e» S t a a t s- Zuschusses decken, von 1830 bleibt der Betrag etwas unter der Hälfte zurück. Noch im Jahre 1830 deckt die Tabaksteuer 12 Mil- lionen von insgesamt erforderlichen 22,13 Millionen Kronen. Man hat sich also nicht gescheut, die wesentlichsten Lasten dieser„Per- sicherung" auf eine indirekte Steuer zu wälzen. An sich mag die Idee ganz genial sein, sich zu einer Alterspension zu schnupfen oder zu rauchen. Je mehr Geld der schwedische Staats« hürger in Rauch aufgehen läßt oder verschnupft, je sicherer gestaltet sich die Grundlage seiner AlterSpension! So gestaltet sich in Schwe- den eine von Sozialdemokraten unterstützte SozialversicherungS- Politik der liberalen Regierung. Damit in dieser Krähwinkelposse ein wenig Tragödie nicht fehlt, informiert das Hauptorgan der schwedischen Sozialdemokratie, der Stockholmer„Socialdemokraten". seine Leser dahin, daß für die Finanzierung der„Volkspensionierung"(so nennt das Blatt selbst das Mirakel)„keine indirekten Steuern" herangezogen wer- den. Das Blatt scheint seine Leser recht niedrig einzuschätzen, wenn es ihnen die Tabaksteuer als keine indirekte Steuer glaubt präsentieren zu können. Die zweite Finanzqucll« ist nicht minder originell. Während bisher olle ernsthaften Volkswirte Schwedens sich gegen vermehrten Eisenerzexport entschieden gewandt haben, das nationalökonomische Problem vielmehr darin erblickten, die schwedischen Roherze im eigenen Lande zu verhütten, sollen nach dem Ab- kommen der Regierung mit dem Trust bis 1832 insgesamt 31 Mil. lionen Tonnen mehr Roheisen gefördert und exportiert werden. Der Staat soll aus dieser Transaktion 238, S Millionen Kronen ziehen, die er zur Verminderung der Auslandsschuld verwenden wird, die aber auch das an der Tabaksteuer für die„Volkspensionie- rung" fehlende Geld decken sollen. Insgesamt sollen bis 1933 jener Summe rund 30 Millionen Kronen für diesen Zweck entnommen werden, womit dann, zuzüglich der Zinsen de? aus den Getreide- zollen aufgespeicherten Arbeiterversicherungsfonds und der Pro- gressiv steigenden Tabaksteuer, die den Hauptanteil trägt, die Finanzierung erfolgt sein würde. Und dieser vermehrte Erzexport wird vorgeschlagen und von sozialdemokratischer Seite unterstützt im selben Augenblick, wo die Presse berichtet, daß die elektrischen Hochofenwerke Schwedens bereits für eine Jahresproduktion von 80 000 Tonnen eingerichtet und Vorbereitungen für eine weitere Produltion von 38 000 Tonnen im Gange sind. So lange das Ziel der elektrischen Eisenschmelze nicht erreicht war, bekämpften Sozial- demokraten und Liberale die von den Großkapitalisten geforderte Forcierung de» Erzexport». Jetzt ist jenes Ziel erreicht: die elek- irische Eisenschmelze ist auS dem Versuchsstadium in das Stadium effektiver Produktion getreten und bedarf nun eigentlich selbst mög- lichst billiger, guter Erze. Da ist den einstigen Gegnern der Tag für vermehrten Erzexport gekommen I Begründet wird die Forde- rung damit, daß sonst der deutsche Markt verloren geht. Die Be- gründung ist ebenso genial wie die wirtschaftspolitische Tat selbst. Als blauer Dunst werden zur Beruhigung des Publikums wiederum jene phantastischen Zahlen über den nordschwedischen Erzrcichtum hervorgezaubert, die schon im Jahre 1905/06 zu einer unheilvollen Blamage des damaligen Ministeriums Staaff führten. Wenn der Trust mit dem Staat ein Geschäft machen wollte, hat er immer„wissenschaftliche" Untersuchungen zur Hand gehabt, die einen fabelhaften Erzreichtum feststellten. Diesmal paßt da? Ver- fahren anscheinend mit den Wünschen der Regierung überein und so wird selbst die sozialdemokratische Arbeiterschaft mit den Riesen- crzlagern Nordschwedens getröstet. Man redet sich gar ein, daß der Staat ein famoseS Geschäft dabei macht, weil bei einer eben- tuellen Verstaatlichung der Gruben 1932 ein Abzug von �»er Kaufsumme von dem auf den Trust entfallenden Teil des Mehrerports gemacht werden soll. Alan scheint nicht beachten zu wollen, daß der Wert der Gruben sich mit dem Mehrexport nicht bloß relativ, sondern absolut vermindert, weil die jetzt geförderten Erz« sozu- sagen über Tag liegen, die tieferen Schichten schwerer zugänglich sind.— So ist die Finanzierung der Volkspcnsionierung auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein Fehlgriff. Genau wie die Pensions- Vorlage ein Fehlgriff ist. Marokko. Anwachsen des Aufstandes im Norde» und im Süden. Paris, 9. April. Wie aus Casablanca gemeldet wird, sucht der Prätendent El Hiba im gesamten Atlasgebiet von neuem An- Hänger um sich zu scharen, indem er auf den Märkten den Heiligen Krieg verkünden läßt. Der Kaid der Anflus ist seinerseits bemüht, in der Gegend von Agadir eine Harka zu sammeln. Nach einer Blätterineldung aus T e t u a n sollen die Kaids der Rifstämme eine Harka aufgebracht haben, die dank den Verstärkungen aus dem Innern an 20 000 Mann zählen soll. Die Harka, die angeblich mit Mausergewehren ausgerüstet und mit reichlicher Munition versehen ist, plane einen nächtlichen Angriff auf Tetuan und erforderlichen- falls eine Belagerung dieser Stadt. In Teluau liegen zwar über 7000 Mann spanischer Truppen, doch sei die Bevölkerung sehr be- unruhigt, da sie befürchte, daß ein Teil der Eingeborenen im Augen- blick eines Angriffs einen Aufstand anzetteln könnte. polem!i!n!che Dörfer in kern. London, 5. April.(Eig. Ber.) Die Geschichte dcS P u t u m a h o, wo der modern« Kapitalis« mus, ungehindert durch gesetzliche Schranken, unter der indiani- schen Bevölkerung wie eine wilde Bestie hauste, ist um ein neue» Kapitel bereichert worden. Soeben hat die englische Regierung den Bericht des englischen Konsuls in Jquitos, Herrn Michells, ver- öffentlicht, der letzten Herbst den Pütumaho in Gesellschaft beä amerikanischen Konsuls bereiste, um die bestehenden, angeblich gründlich umgestalteten Verhältnisse in dem„Paradies des TcnfelS" zu studieren. Leider hat Herr Michell nicht viel schen können. Mit. einer pyramidalen Zudringlichkeit verfolgten die Beamten und Agenten der Gummigesellschaft, die das Gebiet aus- beutet, und der peruanischen Regierung die beiden Konsuln, die natürlich in dem unwcgbaren Lande ganz auf die Transportmittel. und die Gastfreundschaft der inkriminierten Ausbcutungslxinde angewiesen waren. Senor de Lastro, der von der peruanischen Regierung auf eine Inspektionsreise in den Putumayo geschickt worden war, hatte sogar die Unverfrorenheit, den beiden Konsuln vorzuschlagen, sich seiner Expedition als Mitglieder anzuschließen und nachher seinen Jnspektionsbericht zu unterzeichnen. Von ihm und dem berüchtigten Rohling Senor Arana berichtet Herr Michell: „Unter dem Vorwand, uns vollständige Bewegungsfreiheit zu lassen, gelang es ihm, uns in unseren Bewegungen in jeder Weise zu hindern und aufzuhalten. Seine Besorgnis, uns nicht aus den Augen zu verlieren, wurde in amüsanter Weise augenscheinlich. Obwohl er körperlich zu großen Strapazen gänzlich untauglich war, folgte er uns über ermüdende Wege, durch Hitze und Stürme, wohin wir auch gingen; während Senor Arana, ein schwerer Mann, der nicht mehr jung ist und sehr an Hüftweh leidet, uuS auch ohne Klagen, aber unermüdlich begleitete." In einem anderen Teil des Berichtes liest man:„Mit Aus- nähme der Reise von Ultimo Retiro nach Entre RioS, einem Marsch von drei Tagen, waren wir nie frei von der Begleitung einer großen Gruppe von Beamten und Agenten der Gesellschaft, deren vestäudigc Bemühungen, alles im besten Lichte erscheinen zu lassen und sich über die befriedigende Lage der Eingeborenen zu ver- breiten, einem große Langeweile verursachten. Senor Reh de Castro schien es darauf abgesehen zu haben, mit verschwenderischer Hand alles zu übertünchen, und Senor Arana wünschte überall, von den Frauen und Kindern Papa Arana genannt zu werden. Es war unmöglich, das Volk in seiner heimischen Wildnis zu beob- achten. Wir wurden von einer Station zur anderen geführt und die Indianer wurden dann zusammenberufen. Man lud sie ein, zu tanzen; Nahrung und Kleider wurden in freigebiger Weise unter sie verteilt und zwei oder drei Tage amüsierten sie sich zweifel- loS gewaltig. ES war sehr interessant; aber dies« Dinge geben uns keinen Anhalt in bczug auf ihre normalen Beziehungen zu denen, für die sie den Gummi herbeischaffen." Unter diesen Umständen ist es begreiflich, wen» der Konsul schreibt:„Wir sahen gewiß während unserer Reise keine Zeichen der Grausamkeiten, und würden gern glauben, dwß sie aufgehört haben. Aber man darf nicht vergessen, daß, selbst wenn schlimme Gepflogenheiten existierten, es uns dennoch unmöglich gewesen wäre, davon zu erfahren." Herr Michell kann die Ansicht des Ver- treterS der peruanischen Regierung, daß„andauernde und tätig« Bemühungen gemacht worden sind, Ordnung iin die Lage im Putumayo zu bringen", nicht teilen. Es wird angegeben, daß sich zurzeit' 75 der Missetäter im Gefängnis zu JquitoS befinden. „Aber," so führt der Konsul aus,„in den 12 Monaten seit der Zeit, in der die Behörden zu JquitoS im Besitz der Tatsachen und der Namen der angeklagten Personen waren, ist di«sen jede Ge- lcgenheit zum Entkommen gegeben worden, und man hat keine Anstrengungen gemacht, sie daran zu hindern. Der VcrhaftS- beseht gegen Don Pablo Zumaeta wurde offen mißachtet, und der Richter Dr. Valcarcel, der sich vermaß, ihn auszustellen, wurde von seinem Posten entlassen. Zumaeta befindet sich nicht allein auf freiem Fuß«, sondern ist auch nacheinander zu fast allen öffent- lichen Posten und Ehrenstcllen der Stadt gewählt worden."— Eine nette Gesellschaft! Der englische Konsul gibt allerdings zu, daß der neue Haupt- agent der Gesellschaft manche Reformen durchgeführt hat. Doch das ganze Verhältnis der Ausbeuter zu den Ausgebeuteten, wie es sich im Putumayo. fern von jeder Staatsgewalt, vorfindet, scheint ihm unhaltbar.„Ter Putumayo," schreibt er,„ist ein sehr armes Land. Ter Gummi, die einzige verkäuflich« Ware, ist von geringer Güte und sinkt beständig im Werte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß er in kurzer Zeit überhaupt keinen Prosit mehr abwerfen wird. Die Kosten der Ausbeutung sind groß und der Ausfuhrzoll ist so hoch, daß der übrigbleibende Geivinn schon sehr klein ist. Selbst wenn die Perubian Amazon Company, die sich jetzt in der Liquidation befindet, die vollkommenste Körperschaft von Philanthropen wäre, würde sie der Versuchung ausgesetzt sein, die Kosten herabzusetzen und daL letzte Gramm Gummi heraus. zuwirtschaften, während es sich noch zahlte. Das Argument, daß die Zerstörung oder Vertreibung der eingeborenen Arbeiter— htJ einzigen Vorteils, den sie besitzt,— gegen ihr eigenes Interesse sei, ist nicht stichhaltig; denn wenn sich die Ausbeutung dcS Gummis einmal nicht mehr lohnte, würde der Existenzgrund der Eingc- borenen nicht mehr bestehen." Wie man sieht, hat der englische Konsul keine Illusionen über die AuSbcutungspolitik der Peruvian Amqzon Company. Auf Menschenleben brauchte diese Banditcngesellschaft keine Rücksicht zu nehmen; denn sie brauchte die Menschen schließlich nicht mehr. Das von dein englischen Unterhaus« eingesetzte Untcrsuchungs- komitee, das sich mit der Schuldfrage der englischen Direktoren der Peruvian Amazon Company besaßt, wird demnächst seine Ar- beiten wieder aufnehmen. Als nächster Zeuge wird der berüchtigte Aranaj, der sich zurzeit in England aufhält, verhört werden. Gewerkrchaftlichea. Sin Schützling der ScbarfmacherprefTe. Die„Berliner Neuesten Nachrichten" kommen in ihrer Diens- tagsnummer auf einen Borfall zurück, der sich am l. April in der Ufedomstraße zugetragen hat. Wir hatten darüber berichtet, daß ein arbeitswilliger Russe vor der Bautischlerei vou Rabe, als er seine Kollegen im Wortwechsel mit anderen Personen sah, sehr tat- kräftig eingriff und eine Reihe von Schüssen abgab, als man ihm den Revolver abnehmen wollte. Die„Neuesten Nachrichten" schrei- bcn dazu: „Ter angebliche„Arbeitswillige" war und ist gar nicht m jener Tischlerei beschäftigt, wie dieses die streikenden Arbeiter wohl aus dem Umstände geschlossen haben mögen, daß der Be- treffende, der auch gar nicht Ausländer ist, an dem fraglichen Abend vor dem Hause Usedomstraße 31 längere Zeit auf einen Bekannten gewartet hat. Als dieser angeblich„Arbeitswillige" sich dann wegen andauernder Belästigung durch Streikende Hilfe- suchend an einen patrouillierenden Schutzmann wandte, wurde er plötzlich von der sich alsbald ansammelnden Menge zu Boden gerissen und mit Faustschlügen, schließlich auch mit einem Messer, mißhandelt..." In dieser Weise geht die Tarstellung fort. Alle Schuld wird den Streikenden und der Menge gegeben, der N i ch t arbeitswillige ist ein Kind, kein Engel ist so rein. Schließlich meinen die„Neue- Pen Nachrichten": „Wir wollen abwarten, ob der„Vorwärts" nun wenigstens ehrlich genug sein wird, seine falsche Darstellung zu berichtigen." Das wollen wir gern und freudig tun, ohne etwa an die „Neuesten Nachrichten" die gleiche Anforderung zu stellen. Das freimütige Zugeständnis eines Irrtums ist etwas, was man von der Redaktion eines Scharfmacherblattes nicht erwarten darf. Also: Unsere Darstellung entspricht nicht völlig den Tatsachen, weil wir unsere Informationen leider nur durch Unbeteiligte erhalten konnten. Tie Tarstellung der„Neuesten Nachrichten", die dagegen nur von gut informierter Seite stammen kann, ist nichtsdesto- weniger in weit höherem Maße der Berichtigung bedürftig. Zu- nächst ist völlig unwahr, daß zwei„Mittäter" bei der Affäre Streikende der Firma Rabe sind. Von diesen ist bisher niemand dessen bezichtigt, Iveil sie bei dem Vorfall gar nicht zugegen waren. Und nun zu dem N i ch t- Arbeitswilligen! Die„Neuesten Nachrichten" hätten sich seiner lieber nicht an- nehmen sollen. Sie haben, in dem sie uns zwingen, nunmehr daS Ergebnis neuer Recherchen und besserer Informationen vor die Oeffcntlichkeit zu tragen, dem Mann wahrlich keinen Gefallen ge- tan. Arbeitswillig im Sinne ehrlicher Erwerbstätigkeit ist Joseph R u p p e r t, so heißt der Schützling der„Neuesten Nachrichten", allerdings nicht. Er sieht sich nur dort nach Beschäftigung um, wo andere Arbeiter streiken. Dabei ist aber seine Arbeit beileibe nicht darauf gerichtet, etwa die schwere Tätigkeit der Streikenden oder Ausgesperrten zu übernehmen. Er läßt sich lediglich dafür bezahlen, daß er d a ist, geht mit geladenem Revolver unter dem Schutze der Polizei über die Straße und seine Aufgabe ist nun, sich von den unbewaffneten Streikposten bedroht zu fühlen. In dieser ordnungsretterischen Tätigkeit unterstützt ihn ein gewisser Toni M e i nc l.dessen Arbeitsinstrument weniger der Revolver als das Messer ist. Dieser Adjutant Ruppcrts geht gerne in bayerischer Nationaltracht, und er ist es wohl, den man an jenem Abend, für einen Ausländer ansah. Denn R u p p e r t war auch damals nicht allein und wehrlos, sondern in Begleitung seines Freundes. Eigentlich müßte eine Berliner Zeitungs-Rcdaktion an sich schon der Behauptung skeptisch gegenüberstehen, daß ein Ii i ch t- Arbeitswilliger ganz zufällig in der Nähe eines bestreikten Betriebes mir geladenem Revolver spazieren geht. Bei Ruppcrt hat man noch viel mehr Ursache zum Mißtrauen. Er gehört zu jener Sorte von Leuten, die in Moabit unter den Augen der Polizei auf den Äohlenplatz gebrachte Verhaftete mißhandelten, zu jenen Leuten, die Berliner Polizeibeamte zum Gebrauch des Säbels gegen ausländische Journalisten kommandierten mit den Worten:„Drauf auf die Leute im Auto!" Er tvar Mitglied einer berüchtigtei Kolonne, die in der Waggonfabrik zu Nesselsdorf den„Arbeitswilligen" markierten, er tat dasselbe in Burg und anderen Orten, er ging seiner„nütz- lichen" Tätigkeit zuletzt in Lichtenberg bei der Firma Bräuer nach, wo sein Freund Toni Meine! oder unter welchem Namen er auch gegenwärtig auftritt, noch beschäftigt ist. In Lichtenberg waren beide den Streikenden nach ihrer Vergangenheit und nach ihren Neigungen bekannt. Man ging ihnen weit aus dem Wege. Niemandem lag daran, diese Leute für die Organisation zu gewinnen öder in den Streik hineinzuziehen. So fanden beide keine Gelegenheit, sich bedroht zu fühlen und gingen einen Freund in der Usedomstraße besuchen, wo, wie sie wußten, auch gestreikt wurde und wo sie niemand kannte. Joseph Ruppert war denn auch bald in der gewohnten Notwehr, wurde aber— ehe er Gebrauch von seiner Waffe macken konnte— zu Boden geworfen und ein Passant hielt ihm die Hand mit den Revolver fest, so daß die 7 bis 8 Schuß, die er aus seinem Polizeircvolver abschoß, in die Erde fuhren, während ein Schutz ihm das Kniegelenk schwerverletzte, einer wohl auch seine Hand traf. Hätte jener Mann, während ein Schutzmann auf seinen Schädel"losschlug, nicht die Waffe des Revolverhelden weiter nach unten gedrückt gehalten, so konnten mit dem durchschlagsfähigen Browning Menschenleben schwer gefährdet werden. Das ist keine vage Annahme. Ruppcrt hat bereits ein Menschenleben auf dem Gewissen! In Burg bei Magdeburg erschoß er einen harmlosen Familienvater. Das Gc- richt sprach ihn lediglich frei, weil er annahm, Ruppert habe in Putativ-Notwehr fe i n g e o i l d e t e r Notwehr) gehandelt. Ruppert gehört zu jenen Leuten, die stets in Notwehr leben, in Notwehr gegen die ganze Menschheit. Früher befanden sich derartige Menschen in fortdauerndem Konflikt mit den Be- Hörden, jetzt, in Zeiten der Scharfmacherci, ziehen sie es vor, ihre Notwehraktionen unter dem Schutze der Polizei statt gegen die ganze Gesellschaft gegen ehrliche Arbeiter zu üben! � Wir haben keinen Zweifel, daß dieses Konterfei des für die Gesellschaft so besonders nützlichen Mannes in der Redaktion der „Neuesten Nachrichten" die Sehnsucht wecken wird, den Braven per- sönlich kennen zu lernen und ihm die noch unverletzt gebliebene Hand zu drücken. Wir achten dieses Bedürsnis und wollen den Herren deswegen auch seine Adresse verraten: Joseph Ruppert'. bei Schulz. Brunnenstr. 83. Herr Ruppert wird die Richtigkeit aller unserer Angaben gern bestätigen. Er bat sich immer seiner Taten mit schönem Mute gerühmt und wird sich zweifellos in der öffentlichen Anerkennung derselben sonnen. Aber es besteht auch sonst aller Anlaß, daß die Redaktion der„Neuesten Nachrichten" Herrn Ruppert aussucht. Kämpfen beide doch für dieselben Interessen, der eine mit dem Revolver, die andere mit'der Feder. Ruppert verdient den Bruderschmatz der„Neuesten Nach- richten"!_ Berlin und Hmgegcnd. Der Streik im Lriginal-Hackcpeter. Eine übervolle Persammlung der Gastwirtsgehilfen nahm in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch Stellung zu dem Streik bei Martin und den Vorgängen, die derselbe im Gefolge hatte. I ü l l i ch gab eine eingehende Schilderung von der'Angelegenheit. Der Gastwirtsgehilfenverband stellte Forderungen, da bei Herrn W a r t i n nur öl) M. nebst Kost den Kellnern gegeben wurden, während in anderen ähnlichen Geschäften das Personal schon längst 80 M. und Kost erhielt. Auch betrug die Arbeitszeit im Durch." schnitt IL Stunden am Tage. Herr Martin lehnte indes alle Forderungen ab, indem er erklärte, daß gar nicht daran zu denken wäre, daß er mehr als bisher gewähren werde. Gleichzeitig hatte der Inhaber des Hackepeter sich schon die Polizei rechtzeitig ge- sichert, was nunmehr jene Vorgänge zur Folge hatte, über die wir bereits berichtet haben. Ter Referent zerpflückte die blutrünstigen Räubergeschichten der bürgerlichen Presse und gab eine den Tat- fachen entsprechende Tarstellung der Vorgänge. In der Versammlung nahm auch der Geschästsleiter des Zen- tralvereins der Kellner das Wort; der feststellte, daß von seinem Verein abgelehnt worden sei, Streikbrecher an Herrn Ma r t i n zu liefern und er auch tatsächlich keine geliefert habe. Auch sei der Verein kein Gegner des Verbandes. Nach einer lebhaften Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Tie Versammlung erkennt die berechtigten, an sich geringen Forderungen der streikenden Kollegen von dem„Original Hacke- peter Martin" an und macht diese Forderungen zu den ihrigen. Die Versammlung ist davon überzeugt, daß seitens der Or- ganisation alles getan wurde, die Angelegenheit mit dem Unter- nehmer Martin gütlich zu regeln; dieser jedoch den sozialen Frieden nicht wollte und im Gegenteil durch Hinzuziehung weit- gehendster Polizeiunterstützung, Streikbrecher und Hinzegardisten alles tat, die organisierte Arbeiterschaft zu provozieren. Die Versammlung gelobt, sich durch die Matznahmen des Unternehmers Martin und der Polizei in der Ausübung ihres Koalitionsrechts nicht beirren zu lassen, ferner mit allen gesetz- lichen Mitteln für die Forderungen der Streikenden einzutreten. Ferner verspricht die Versammlung, durch rührige Agitation für den Ausbau und Stärkung der Organisation auf das ent- schiedenste einzutreten. In seinem Schlußwort teilte der Vorsitzende noch mit, daß Herr- Martin die Polizei um verstärkten(!) Schutz ersucht habe, da er fürchte, die Streikenden würden sein Lokal demolieren. Der Vorsitzende betonte ausdrücklich, daß der Verband strengste Weisung erteilt hat, alles zu vermeiden, was der Polizei Gelegenheit geben könnte, ihr Mütchen zu kühlen. Dagegen werde der Verband innerhalb des gesetzlichen Rahmens dafür sorgen, daß der Streik beim Hackepeter zum Nutzen seiner Mitglieder zu Ende geführt werde. I ü l l i ch stellte noch fest, daß zwar der Geschästsleiter des Zentralvereins der Kellner nicht Streikbrecher geliefert habe, da- gegen hat der Hauptleiter und Gastwirt Müller, allerdings nicht offen, aber dock unter der Hand, Arbeitskräfte hingeschickt bezw. versucht, welche dort unterzubringen. Die Versammlung nahm darauf nachstehende Resolution an: „Die Versammlung verurteilt aufs schärfste die Machina- tionen des Gastwirts Müller, Inhaber des Verkehrslokals des ..Zentralvereins der Kellner", Landsberger Str. 80, betreffs der Arbcitswilligenvcrmittelung nach dem Original-Hackcpeter Martin und beauftragt den Geschäftsleiter Joseph Peters, sowie den Vorstand des Vereins, sich von diesem Verdacht zu reinigen und dem Verband der Gastwirtsgehilfen das Resultat der einzuleitenden Untersuchung mitzuteilen. Sollte dies nicht geschehen, so müssen die Berliner Gastwirtsgehilfen den Zcntralverein als ihren gefährlichsten Gegner betrachten und diesen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen." Oeutlcbes Reich. Die Verhandlungen im Malergcwcrbe gescheitert. Die Bemühungen der Unparteiischen, die hervorgerufenen Differenzen beizulegen, sind durch die grundlose Aussperrung des Arbeitgeberverbandes am Mittwochabend gescheitert. Nachdem sich die Parteien über einige Erläuterungen zum Tarifschema geeinigt hatten, machten die Arbeitgeber das An- gebot, die Löhne der Schiedssprüche auf 3 Pf. pro Stunde auf die ganze Vertragsdauer herabzusetzen. Natürlich lehnten die Gehilfenvertreter diese Zumutung rundweg ab. Sie konnten gleichzeitig fest- stellen, daß bereits 13 488 Gehilfen zu neuen, größtenteils günstigeren Lohn, und Arbcitszeitbedingungen, als sie die Schiedssprüche vorsahen, arbeiten. Wir berichten morgen ausführlich.___ Die örtliche» Verhandlungen im Baugewerbe haben in der letzten Woche ihren weiteren Verlauf genommen. Aus dem Resultat lassen sich Schlüsse für die endgültige Erledigung der umfangreichen Bewegung zurzeit noch nicht ziehen, dazu sind sie zu verschieden und im Verhältnis zu der Zahl der zur Verhandlung stehenden Tariforte noch zu gering. In einigen Tariforten haben die Unternehmer Angebote gemacht, aus denen sich schließen läßt, daß die Unternehmer an einer Wiederholung des Kampfes von löll) gar keinen Gefallen finden und es viel lieber sehen, wenn sie sich mit den Arbeitern am Orte friedlich und schiedlich verständigen können. In anderen Orten wieder, zum Teil sogar in ganzen Landesteilen, halten die Unternehmer mit jeglichem Angebot zurück, oder ihre Angebote halten sich in so niedrigen Grenzen, daß darauf- hin unmöglich eine Verständigung erzielt lverdcn kann. In einer Anzahl größter Tariforte und in Westfalen, wo Bczirkstarifc be- stehen, sind die Pcrbandlungen erst kurz vor dem Äblaufstermin der Verhandlungsfrist oder gar erst nach diesem Tcnnin angesetzt, so daß eine völlige Uebersicht vor dem 20. April schwerlich zu be- kommen ist. Die Verhandlungen in der letzten Woche brachten folgende Ergebnisse: In Ostpreußen für W e h l a u 6 Pf. Lohnerhöhung für Maurer und Hilfsarbeiter auf die Vertragsdauer. In Allen- stein, Gum binnen, Heilsberg, Jnsterburg, R a g n i t, R a st e n b u r g und T i l s i t 6 Pf. für Maurer und 6 Pf. für Hilfsarbeiter. In L a b i a u. B a r t e n st e i n und Schippen- beil 5 Pf. für Maurer und Hilfsarbeiter. In Pillkallen, Stall upöncn und T a p i a u für Maurer 5 Pf., M c m e l 4 Pf. und H c i d e k r u g 2 Pf. für Maurer. In L a b i a u Arbeits- zeitverkürzung ti Stunden pro Woche; in allen anderen.Orten 1 Stunde. In den meisten Owen ist eine Verständigung erzielt. In Posen ist in der Stadt Pose n selbst für Maurer a Pf., für Hilfsarbeiter 7 Pf. und für Patentdcckcnarbeiter ein Aufschlag von �3 Pf. pro Stunde geboten. Verständigung ist er- zielt. In«s a m t c r, S ch r i m m und S ch r o d a boten die Unternehmer für die letzten beiden Vertragsjahre 3 Pf. In O b e r n i k bieten die Unternehmer bei einer Verkürzung der Arbeitszeit von 3 Stunden pro Woche 4 Pf. Lohnerhöhung. Dafür soll aber das Landgcld fortfallen, wodurch für die Arbeiter eine Lohneinbuße eintreten würde, die im einzelnen Falle von 30 Pi. bis zu 1,20 M. in der Woche ausmachen würde. Einigung ist nicht erzielt. In P o m m e r-ii lvurde für A l t da m m. F i d d i ch o w, Gartz a. O., Greisenhagen, Greifswald, Podc» j u ch. Pölitz und Stralsund verhandelt. Angeboten wurden nur für Greifswald und für S t r a l s u n d 3 Pf. für Maurer und 2 Pf. für Hilfsarbeiter. Aus einigen Orten waren die Unternehmer nicht erschienen, so daß überhaupt nicht verhandelt werden konnte. Vielleicht sind die„Herren im Hause" durch die Drohung des Pommcrschcn Bauherrenverbandes davon abgehalten worden, zu erscheinen. In Schlesien wurde für F e st e n b c r g und M i l i t s ch 2 Pf. für die letzten beiden Bertragsjahre geboten. In O e l s für 1914 1 Pf. und in Krcnzburg für 191S 1 Pst In N a ms- lau Stunde Arbeitszeitverkürzung und als Ausgleich dafür 1 Pf. Lohnerhöhung. In Breslau und Glatz nichts! Im B r a n d e n b u r g i s ch e n sind nur in K ü st r i n und N e u d a m m Angebote gemacht von 3 Pf. für die Vertragsoauer. In den übrigen Orten, in denen verhandelt worden ist, lehnen die Unternehmer jede Lohnerhöhung ab. In der Provinz Sachsen ist zunächst in Magdeburg eme Verständigung erzielt worden, nachdem die Unternehmer ihr früheres Angebot von 4 auf ö Pf. vervollständigt haben. In Halle lautet das Angebot auf Arbeitszeitverkürzung auf O'/i Stund?» für 1914 und 3 Pf. Lohnausgleich. Für das Land- gebiet Halle werden im ztvciten und dritten Vertragsjahre 1 Pf. und teilweise auch 2 Pst, vereinzelt auch 4 Pf. Lohnerhöhung geboten. In Bern bürg 4 Pf. für Maurer: in Calbe 3 Pf. für Maurer und Hilfsarbeiter; in Dessau, Hecklingen, S ch ö ii c b e ck und« t a ß f u r t 4 Pf. In Thüringen ist in dem Hauptori Erfurt kein Angebot erfolgt, weil die Unternehmer, wie sie in der Verhandlung er- klärten, nicht mit der Arbeitszeitverkürzung gerechnet haben. I» Apolda, Kahla und S a a l f e I d wurde ebenfalls nichts ge- boten. In Jena 3 Pf.; in Blankenburg a. d. S ch w. und in Rudolstadt 2 Pf. vom Jahre 1914 ab. In Mitteldeutschland. im Frankfurter. Cassel er und Mainzer Gebiet sind für folgende Orte An» geböte gemacht: A s ch a f f c n b u r g, Lohr a. M., Cassel. T a r m st a d t, Gießen, Großauheim. M ü h l h e nn a. M. und einigen Vororten um Frankfurt a. M. 1 Pf. In Frankfurt a. M. und in Mainz 2 Pst;'n Ha n a n 4 Pf.; in Wiesbaden Ys Pf. für die VertragSdaucr. In 14 Orten ist überhaupt nichts angeboten, darunter sind Städte wie Hom» bürg, Höchst a. M., Friedberg, Bad Nauheim usw. Im r h e i n i s cb- b e r g i s ch e n Gebiet wurde bisher in Barmen und in Düsseldorf verhandelt. Im ersten Ort lehnten die Unternehmer für das Gebiet jede Arbeitszeitverkürzung sowie jede Lohnerhöhung ab. In Düsseldorf wurde eine „kleine" Lohnerhöhung in Aussicht gestellt. In der Provinz Hannover sind von 15 Verhandlung»- orten für vier Angebole gemacht worden, und zwar in Swne- verdingen 8 Pf.; in Lautcrberga. H.,_ivo seit dem Oktober vorigen Jahres ein Streik besteht, 4 Pf.; in Soltau 3 Pf. und in Winsen a. d. L. 2 Pf. Für Bremen wurden angeboten 5 Pi.; für Bremer- Häven 4 Pf. und 4 Pf. Lohnausgleich für Arbeitszeitverkürzung; dasselbe in Cuxhaven. Für Achim 6 Pf-, für Brinkum und W i l d e s h a u s e n 3 Pst In Mecklenburg sind geboten für N o st o ck- W a r n£- m ü n d e 3 Pf. für Maurer und Hilfsarbeiter. Für K r ö p l i n und Riebnitz 3 Pf. für Maurer und 1 Pst für Hilfsarbeiter. Für S ü l z e und T e s s i n 3 Pf. und fiir D o b e r a n 2 Pf., nur für Maurer.». Im Königreich Sachsen ist für Chemnitz die 9 stli stündige Arbeitszeit und 8 Pf. Lohnerhöhung inklusive Ausgleich geboten. Für M i t t w e i d a 7 Pf.; für F l ö h a, Franken- berg, Leisnig, Hainichen. Oederan und Roh wein 6 Pf.; für Döbeln und W a l d h e i m 5 Pf.; für Borna, Pegau und Rötha 3 Pf. Im Fränkischen sind in Bayreuth 6 Pf. vereinbart; in Hof, Viarktredwitz. Schön Wald, Schwarzen- back, Selb und Reh au 2 Pf. für die letzten beiden Vertrags- jähre geboten. In Kirche nlamitz und Oberkotzau sogar Pf In Südbahcrn ist für Aibling. Lauffen. Mies- bach, Reichcnhall, Rosenheim, Schlier see, Traunstein und Wasserburg verhandelt worden. Rc- ultat: Angebot nichts. Forderung der Unternehmer: Verschlechte- rung der bisherigen Zustände. Im B a d i s ch e n und in der P f a l z bzw. im S a a r g e b i e t chcinen die Unternchmci- gegenseitig verpslichtct zu sein, keine Aiigebote zu machen. Als Verhandlungsorte für Baden waren ver» einbart: Freiburg i. B.. Heidelberg und Karlsruhe. Die Unternehmer haben jedes Zugeständnis abgelehnt. Aehnlich haben sich auch die Unternehmer in Pirmasens. St. Jng» b c r t und Zweibrückcn gestellt. Nur in H o in b u r g boten die Unternehmer 4 Pf. Lohnerhöhung an. Neben der großen Bewegung der Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter läuft auch die Lohnbewegung der Gipser und Stukkateure. Tic Verhandlungen werden für diesen Be- ruf gesondert geführt und sind entweder zentral für bestimmte Landesteile oder nach Bezirken geordnet. Bisher sind erleoigt in Baden Karsruhe mit 5 Pf. Lohnerhöhung uno Vi Stunde Arbeitszeitverkürzung. Dasselbe ist in F r e i b u r g durch Schieds- spruch festgelegt, nur mit dem Unterschied, daß die Arbeitszeit- Verkürzung in Freibnrg erst im nächsten Jahre eintritt. In Pforzheim tritt eine Arbeitszeitverkürzung von einer Stunde täglich ein, die auf dieses und nächstes Jahr verteilt wird, und eine Lohnerhöhung von ti Pf. In Württemberg sind die Städte Heilbronn, Reutlingen und Stuttgart mit einer Lohnerhöhung von 6 und 7 Pf. erledigt. Tübingen bekommt 0 Pf.. Eßlingen, Göppingen und Ulm 5 Pf. Lohner- höhung. letzte Nachrichten. Wegen Beleidigung des Offizierkorps angeklagt und— freigesprochen. Straßburg i. Elf., 9. April.(W. T. B.) Ter Feldwebel und Zahlmeisteraspirant Franz P o s p i ch vom 4. Lothringischen In- fantcrieregiment Nr. 136, gebürtig aus Schreiberhau im Riesen- gebirge, ist von dem Oberkricgsgericht nach vierstündiger Vcrhand- lung von der Anklage wegen Beleidigung des Osfizicrkorps der deutschen Armee freigesprochen worden. Das Kriegsgericht, die erste Instanz, hatte den Feldwebel kürzlich wegen dieser Beleidigung. welche in einem Wirtshause geschehen sein sollte, zu zwei Mo- naten Gefängnis und zur Degradation verurteilt. Tie Ent- lastungszeugen. darunter die verschiedenen Kompagniechefs und andere Vorgesetzte des«ngeklagten. stellten ihm das beste Zeugnis aus. Die Freisprechung erfolgte mit der Begründung, die Behaup- tungen der Belastungszeugen seien nicht voll erwiesen und ein Mißverständnis nicht unmöglich. Ter Vertreter der Anklagebe- Hörde hatte die Erhöhung der Strafe auf drei Monate beantragt. Bei Verkündigung des Urteils wurden Beifallsrufe im Gerichts- saale laut; das Publikum rief:„Das ist ein Akt der Gerechtigkeit!" und nahmen gegen die Belastungszeugen eine drohende Haltung an. Präsident Wilsons Äampf gegen feine Parteigenossen. Washington, 9. Aprril.(W. T. B.) Präsident Wilson führte beute eine weitere Neuerung ein, indem er im Kapital erschien und im Präsidcntenzimmcr mit dem Finanzkomitee des Senats über den Tarif konferierte. Man ist sich jetzt völlig darüber kar. daß der Senat der Angelpunkt ist, um den sich die Tarifreform drehen wird, da die Demokraten im Senat nur eine kleine Mehrheit haben. D'e Opposition gegen gewisse Tarifsätze hat feste Gestalt angenommen. Viele Senatoren sind dafür, einen Tarifsatz nach dem anderen zu revidieren, während Präsident Wilson offenbar die Absicht hat. die Frage zur Angelegenheit der Partei zu machen und den Tarif seiner Gesamtheit durchzudrücken, da er seine ganze politische Zu- tunft auf die Tariffrage gesetzt hat.— Nach Andeutungen, die vom Weißen Sause kommen, wird der Präsident, falls er in der letzigcn Session in der Tariffrage unterliegen sollte, vor die Wähler der- jenigen Staaten treten, deren Vertreter in beiden Häusern das Parteiprogramm durchkreuzt wben. und wird in den Primarwahlcn für die Aufftellung solcher Kandidaten eintreten, die er für fort- schrsttlich hält. Sattellinordprozest Rchman. Göttingen, 9. April.(Privattelegramm des-Vor- wärt s") Das Schwurgericht verurteilte heute den wegen Gatten. mordcs angeklagten Polizeiscrgeanten Rehman z u m � o i c. Tödlicher Fliegerabsturz. Gelscntirchen, 9. April. iSS. T. B) Auf dem Flugplatz Gelicn- kircken-Essen-Rothausen ist heute nachmittag infolge.Absturzes tödlich verunglückt. der Flieger Licht« Lerantw. Atfrii» Aiiotepp, Neukölln. Inseratenteil veräntw.: Tb- Glocke, Bert'». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Gaul Singer ä Eo., Berlin 8W. Hlerzu�Beilagen u. U nterhaltungSbl. m. t Lkillizr des Jormärts" Krlim KIKsdlR i— Der MchluK der tiiilitärdebatte. 185. Sitzung. Mittwoch, den S. April 1S13, nachmittags 1 Ilhr. � Am BundeSratStisch v. Heeringen, Kühn. Die Beratung der Wehrvorlage wird fortgesetzt. Abg. Dr. Toormann fVp.): Den Standpunkt»»einer Freunde hat Müller« Meiningen bereits zum Ausdruck gebracht; mir bleibt nur übrig, eine kleine Nachlese zu halten. Wir werden die Vorlage sachlich, aber ohne Enthusiasmus prüfen. Die vorgebrachte Begründung genügt nicht; aber öffentlich lassen sich die tieferen Gründe, die uns wohl in der Kommission werden gegeben werden, nicht erörtern Die Ueberzeugung, daß wir ein st a r k e s Kriegs« Heer brauchen, ist im Volke ganz allgemein. Der Kriegsminister warf meinem Freunde Müller zu Unrecht vor, er wolle Generalstab und Kriegsministerium gegen einander ausspielen. DaS ist von der konservativen Presse geschehen, und an deren Adresse hätte der Kriegsminister sich wenden müssen. Der Kriegsminister meinte ferner, von den Vorgängen auf dem Balkan seien nicht nur die militärischen Kreise überrascht worden, sondern auch andere Kreise, auch die Ab« geordneten. Wir unierhalten doch aber gerade dazu Militär- a t t a ch ö S. damit sie sich informiere n.(Sehr gut! links.) Tie Rechtsverhältnisse der Offiziere und Mann- schaften sollten bei Gelegenheit dieser Vorlage verbessert werden. Die Zahl der überflüssigen Tauglichen ist heute durchaus nicht ettva groß, sie beträgt nur wenige Tau sende. Herr v. Lieb ert aber berechnete diese Zahl seinerzeit auf etwa SOG 000.(Hört! hört! links.) 1S11 waren es jedoch nur 10000. Da fragt cS sich doch, ob eS überhaupt möglich ist, so viel Rekruten auszuheben, wie man haben will, wenn man nicht auf nicht ganz Taugliche zurückgreifen will, was sicher recht bedenklich wäre.(Sehr richtig l links.) Auf die Familienverhältnisse muß bei der Aus« Hebung unbedingt Rücksicht genommen worden; dafür verlangen wir bindende Garantien.(Sehr gut! links.) Zu begrüßen ist die Schonung der älteren Jahrgänge im Kriegsfall, wenigstens im An« fang.— Herr Scheide mann bezeichnete eS als unglaublichen Blödsinn, daß durch die Einstellung von SS 000 mehr Rekruten, die deni Erwerbsleben entzogen werden, die Arbeitsgelegenheit für die übrige Bevölkerung vermehrt werde, wie die Broschüre deS Wehr» Vereins behaupte. Ganz so unsinnig ist die Sache doch nicht.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Denn in der Broschüre steht in demselben Zusammenhang, daß diese 63 000 dann eben zu N u r- K o n s u m e n t e n werden. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Sollte die Vorlage angenommen werden, so soll das Volk wenigstens wissen, daß wir unsere Pflicht in genauester Prüfung der Emzes« heilen getan haben.(Bravo! bei der Volkspartei.) Generalmajor Wandel: Dem Vorredner gegenüber muß ich betonen, daß unsere Prüfung ergeben hat, daß die mehrgeforderte Einstellung von Rekruten ohne Schwierigkeit und ohne Herabsetzung der Forderungen an die Tauglichkeit möglich ist. Die Anforderungen an das Körpermaß können geringer werden(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.); das hat mit der Tauglichkeit nichts zu tun, im Gegenteil kann das geringere Körpermaß in militärischer Hinsicht ein Vorteil sein. Abg. Dr. Hacgy(Els.-Lotbr.): Meine Freunde lehnen die Vorlage ab. Ihre Forderungen können nur erklärt werden aus der Lage eines um feine Existenz ringenden Volkes. Niemand kann be« hauplen. daß die Lag« des Deutschen Reiches derartig ist. Die elsaß- lothringische Bevölkerung ist friedlich gesinnt und wünscht nicht, daß Elsah-LothringenS wegen ein Wellkrieg entbrennt; ein bekannter elsässischer Politiker hat den Wunsch nach Aenderung deS Frankfurter Friedens als verbrecherischen EgoiSmuS be- zeichnet, und das entspricht der Stimmung der gesamten elsaß- lothringischen Bevölkerung; wir wünschen eine Politik der Versöhnung und werden unsere Stimmen für den Frieden in die Wagschale legen. Die Plötzlichkeit, mit der diese neuen RüftungSfordcrungen aufgetreten sind, bildet ein Moment der Beunruhigung, daS dem Frieden nicht dienen kann, und hat in an« desen Ländern zu entsprechenden Rüstungsforderungen geführt. Würde die Vorlage hier abgelehnt werden, so würde auch in Frankreich die dreijährige Dien st zeit fallen. Wie in England ein Sabbatjahr der Marinerüstung ins Auge gefaßt wird, so sehnt sich das französische Volk nach einem Sabbatjahr der HeereSrüstuligen. Die Ueberspannung der Rüstungen muß zu einer Welt lata st roph« führen. Nicht verstärkte Rüstungen können den Frieden sichern, sondern die schiedsgerichtliche Verständigung der Völker. Wir begrüßen die Initiative schweizerischer, deutscher und französischer Parlamentarier zu einer Konferenz in Bern, um Mittel für den Frieden und die Abrüstung zu suchen. Wer ernstlich den Frieden wünscht, sollte die Anregung zu solcher Konferenz freudig begrüßen. Abg. Werner-HerSfeld(Antis.): Solche Konserenzen, wie sie der Vorredner eben erwähnt hat, haben für die Sache des Friedens noch n i e e t w a S l c i st e n k ö n n e n.— Nach den Rede» der Herren M ü l l e r« Meiningen und Doormann müßten sie eigentlich zur Ablehnung der Vorlage kommen. Sie hatten ja aber glücklicherweise noch eine ganze Reihe von „Wenn und Aber".— Herr Scheidemann verläßt sich auf die Friedensliebe des französischen Volkes. Aber auch die französischen S o z i a 11 st e ir müssen der Volks- stimmung Rechnung tragen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Notlandung des Zeppelin-LuftschisteS in Frankretch erwähnen. Eine Notwendigkeit für diese Notlaiidmig lag nicht vor. und die Haltung der französische» Soldaten, die den Ballon überwachten, war keineswegs eine freundliche.— Als Redner in einer Schluß- äußerung den König Nikita von Montenegro den König aller H a m m e I d i e b e nennt, wird er unter großer Heiterkeit deS HauseS vom Präsidenten Kaempf zur Ordnung gerufen. Abg. Dr. Frauk-Mannheim(Soz.): Wer die Finanzreform von ISOg miterlebt hat, wird sich erinnern, daß von einem bestimmten Tage an immer ein lautes Gclächlkr losbrach, wenn ein Minister cS wogte, von dem f o« ciena unten Standpunkt der Regierung zu reden. Äehnliche Stimmungen scheinen sich jetzt vorzubereiten, weil weder der Kriegs mint»er„och der Reichskanzler in diesem Hause die Autorität genießen, so gewaltige Neusordcrungen zu ver- treten, lrs ist wiederholt festgestellt worden, daß noch vor einigen Monaten der KriegSminister die ruhige stettge Entwickelung deS Heeres als sein Ziel hingestellt hat. und jetzt bekoinmen wir, eingeleitet durch einen thratcrmaß.gen p-ärm, diese Vorlage, deren Grundsätze genau das Gegenteil darstellen. Das ist selbst für ein Parlament wie den Deutschen Reichstag etwas zu' viel. Eine derartige Umkehr der Politik kann man nicht voll« ziehen durch einen MeinungSwcchsel. sonder» durch einen Minister- ivcchse l.«Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das wäre die einzig würdige Einleitung einer solchen Vorlage g-ivesen. Schon durch die Begründung der Vorlage durch den Reichs- kaanzlcr hat sich gezeigt, wie bedenklich«s ist. daß diese Männer, die sich auf ganz andere Grundsätze festgelegt haben, diese Vorlage vertreten. Ter Reichskanzler hat noch nicht ganz umgelernt, der Reichskanzler von 1912 ist dem von Ivlg»och manchmal im Wege. Er hat eine Rede gehalten, die in Beziehung auf sein Ver« antwortlichkeilSgefühl angenehm berührte, ebenso in der Beteuerung seiner Friedensliebe; er hat sich nach Osten,.nach Westen, nach allen Himmelsrichtungen verbeugt, wie ein Türke beim Gebet. (Zuruf des Abg. Erzberger.! Herr Erzberger, der alles weiß, scheint zu meinen, ich müsse die türkischen GcbetSformeln wisien. (Heiterkeit.) Der Reichskanzler wollte eben ein Problem lösen, das unlösbar ist wie die Quadratur des Zirkels. Die Vorlage, die noch ihrer Entstehung und nach ihrem Inhalt provokatorisch ist, kann man eben nicht so begründen, daß niemand provoziert wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn in einer Bauernstube ein Bauernbursch sein Messer zieht und am Tisch zu schleifen beginnt und dabei nach dem Nachbartisch herüber ruft: Ich habe ganz friedliche Absichten(Große Heiter- keit) und ich habe nichts dagegen, daß auch Ihr Eure Messer schleift! Glauben Sie denn, daß man an diese friedlichen Ab- sichten glauben wird und den Betreffenden nicht als Friedens- stör er bezeichnet?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die e r n st l i ch e Begründung der Vorlage steht noch auS. Die Regirrung übt sich im Schweige». Verschiedene ernste Fragen, die gestellt wurden, sind unbeantwortet geblieben. Verlassen Sie sich in der Beziehung gar nicht auf die Kommission. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß unter dem ausgehängten Zettel„Geheim" Mitteilungen gemacht wurden, deren Inhalt feit Wochen bekannt war. Wir werden auch jetzt in der Kommission vielleicht Mitteilungen erhalten über die Länge der deutschen Grenze.(Große Heiterkeit.) ES ist nicht ehrenvoll für daS Deutsche Reich, daß ernste erwachsene Menschen eS aussprechen, wir hätten eine Vorlage in dieser Gestalt nicht bekommen, wenn jetzt nicht das Jubiläumsjahr wäre. ES ist etwaS sehr Mißliches und Gefährliches um geschichtliche Parallelen. Karl Marx sagt in seinem 13. Brumaire, jedeS Drama der Weltgeschichte werde wiederholt in Form einer Farce. Ich will daher die Parallele mit dem Jahr 1813 nicht weiter spinnen. Der Reichs- kanzler käme ja nicht zu kurz dabei, wenn er mit dem Frhrn. v. Stein verglichen würde.(Heiterkeit.) Auch Herr v. Heeringen hätte sich nicht zu beklagen durch die Vergleichung mit Scharnhorst.(Große Heiterkeit.) Wir könnten auch Analoga für die Reden an die deutsche Nation stellen, in Verlegenheit käme man nur, wenn man nach einem Napoleon suchte. Vielleicht denkt man an König Nikita von Montenegro. (Große Heiterkeit.) Also mit der Begründung durch die Berufung auf ISIS ist eS nichts. Somit bleibt nur übrig der Hinweis auf die S ü d s I a Iv e n. Da ist die Frage interessant, wie sich denn zu der südslawischen Ge- fahr die Leute stellen, die den Ansturm der südslawischen Völker aus- zuhalten hätten, unsere österreichischen Verbündeten. Eine sehr angesehene österreichische Armeezeitung schreibt nun am 13. März in einem Artikel über Aussichten eines europäischen Krieges, daß die Kräfte Bulgariens und Griechenlands ausschalten, weil sie wahrschernlich durch Rumänien und die Türkei gebunden seien, und für Serbien und Montenegro würden, gestützt auf ein gutes, modernes Befestigungssystem, aus gesunde politische Verhältnisse in den Grenzprovinzen(Sehr richtig! bei den Sozialdemokralen.) zwei bis drei Armeekorps ausreichen, mindestens so lange, bis im Nordosten die Entscheidung gefallen sei. Also zwei bis drei Armeekorps hält man dort für ausreichend, bei uns aber kommt man mit einer solchen Vorlage, die weit mehr als 100 000 Mann neu anfordert. Also auch der Hinweis auf die Südslawen in der Begründung ist verfehlt. Die Vergleichung der Heereöstärken verschiedener Länder, die ebenfalls zur Begründung herangezogen wird, ist außer- ordentlich schwer. Die gleichen Worte haben in den Etat» ver- schiedener Länder verschiedenen Sinn. Aber davon abgesehen, sind noch einige andere Momente zu berücksichtigen, zunächst, daß für Rußland mindestens 10 Armeekorps abzuziehen sind, die in Sibirien und T u r k e st a n festgehalten werden. Gestem wurde daS Parlament der chinesischen Republik eröffnet. Ich hoffe, daß die Anerkennung der chinesischen Republik durch daS Deutsche Reich nicht auf sich warten läßt(Zustimmung bei den Sozialdemokraten), und ich hoffe, daß diese Republik, dessen Parlament wir unseren Gruß entsenden, sich gut entwickeln wird. Dann kommt vielleicht noch der Tag, wo Rußland sich auch an seiner Ostgrenze sehr schivere Sorgen machen muß. In der Debatte spielte die wirtschaftliche Tatsache eine Rolle, daß wir in unserem Kampfe gegen den PanslawiSmus jedes Jahr als wirtschaftliche Hilfstruppe mehrere Hynderttausend slawische Arbeiter ins Land ziehen. Nun bitte ich daran zu denken, daß diese halbe Million russischer Arbeiter gleichzeitig russische Reser- v i st e n, russische Wehrpflichtige sind. Sicher sind mindestens 300000 russische Wehrfähige in Deutschland beschäftigt. Glauben Sie, daß im Ernstfalle— ich träne ja unserer Regierung jedeDumm« h e i t zu(Heiterkeit), aber das glaube ich doch nicht, daß man diese 300 000 Wehrpflichtigen zur gefälligen Verwendung in der russischen Armee einschicken würde. Ich bin vom Gegenteil überzeugt, weil die Herren von der Rechten dann die russischen Reservisten brauchen würden, um ihre Ernte zu bestellen. Also ohne weiteres würde im Ernstfalle die russische Armee um weitere 300 000 Mann geschwächt werden, durch deutsche Verwaltung?« maßregeln, das ist mehr als das Doppelte dessen, was die Vorlage hier als Verstärkung vorsieht. Die„Kreuz-Zeitung" schrieb, die Vermehrung sei not- wendig, weil das Heer die innere nationale Schule dar- stelle, lveil man so der weiteren Entwickelung der Sozialdemokratie wirksam entgegenarbeite. DaS ist doch wohl ein Kinder- glaube. Iliiter den 196 000 neuen Soldaten werden niedrig ge« ichätzt 50 000 Sozialdemokraten sein, wenn sie in die Kaserne hineingehen, und 80000, wenn sie aus der Kaserne herauskommen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.)— Wie war nun angesichts der mangelhaften Begründung die Aufnahme der Vorlage im Hause? Große Ueberraschung wurde uns nicht beschert. Herr B a s s e r m a n n hat eS gar nicht erwarten können, bis die Sache hier verhandelt wurde, und bat im voran S in Hannover sein J a ausgesprochen. Die einzige Neberraschnng. die uns wurde, ivar die etwas stark betonte Begeisterung, mit der das Zentruni für die Wehrvorlage eingetreten ist. Es ist merkwürdig, wie die Klerikalen jetzt in der ganzen Welt die Kriegshetzer sind. Schauen Sie nach Paris, schauen Sie nach Wien, die Klerikalen sind die K r i e g s s ch r e i e r. In P e t e r S b u r g sitzen die Erzbischöfe auf dem Podium, wo die Panslawisten zum Kriege hetzen, und auch in Deutschland erweist sich wieder daS Zentrum als die beste Schutz- truppe des Militarismus.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger meinte, wir sollten doch ftoh sein, daß das Zentrum für die Vorlage eintrete, sonst käme es ja z u r A u f- l ö s»i n g und wir 110 würden nicht wiederkehren.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger, wenn man daS sicher wüßte, so bin ich überzeugt, würde man schon einen Grund zur Auf- l ö s u n g finden,(«ehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Er weist darauf hin, daß wir bei früheren Auflösungen wegen Militär- vorlagen?!rederlageii erlitten haben. Ich will nicht davon sprechen, daß wir einen b e st i m», t e n Zuwachs halten, wenn anchMandalSverlustc. Aber»ach meiner Heberzeugung haben wir damals nicht deswegen Mandate verloren, weil wir gegen die Rilitärvorlage stimmten, sondern weil wir Seitean Seite mitdem Zentrum stimmten.(Große Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nun haben alle Parteien bei dieser Debatte Wünsche vor- getragen. Aber ich meine, eS hat sich dabei ein etwas falscher Ton eingeschlichen. ES wurde gesagt, wir müssen ein Gegengewicht haben, da? Volk muß eine Entschädigung bekommen für die großen Opfer, gewissermaßen Pflaster auf die großen Wunden, die der Militarismus schlägt. Ich meine, eS handelt sich nicht um Ge- schenke, die das Volk für sein Wohlverhalten bekommen soll.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir den demokratischen Ausbau der Verfassung und des HeereS verlangen, so wünschen wir damit nicht ein Geschenk für das Volk, sondern wir meinen, daß der freiheitliche Ausbau den wichtigsten Teil de» Aus- baus der HeereSversassung darstellt, die sogenannte moral« politische Rüstung ist mindestens so wichtig, wenn nicht wichtiger, als die militärische und finanzielle Rüstung.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat selbst an- erkannt, daß wir in bezug auf die Zahl unserer Truppen niemals mit dem großen russischen Reich wetteifern können. Hier aber wäre ein Gebiet, wo wir Rußland nicht bloß erreichen, sondern weit über« flügeln können, in bezug auf den Geist, der in der Armee herrscht. Eine Einheit der Armee ist nur denkbar, wo eine Einheit des BolkeS da ist, eine Einheit deS BolkeS ist nur möglich, wo Einheit deS Rechtes vorhanden ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Glauben Sie, es gäbe eine bessere Sicherung des Reiche« gegen Angriffe von außen, als eine Reform des preußischen Wahlrechts?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts.) Jch tveiß, daß Sie(nach rechts) den Preis nicht zahlen wollen, wenn Sie auch wissen, daß das Reich dadurch gesichert ist. Und glauben Sie, eS gibt eine bessere Sicherung unserer Ostgrenzen, als die Aufhebung der Ausnahmegesetze gegen die polnische Bevöl- kerung?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich weiß, daß Sie auch das ablehnen, obwohl Ahnen klar fein muß, daß e» keine bessere Sicherung gegen einen russischen Angriff geben kann, alSeine zufriedene und gleichberechtigte polnische Grenzbevölkerung. Wie sollen nun diese Forderungen durchgeführt werden? B a s s e r m a n n hat in Hannover gesagt: Ich träume davon, daß dies herrliche deutsche Volk, daS in wirtschaftlicher Kultur so Großes leistet, sich auch einmal selb st regiert. Auf dem Wege werden Sie nichts erreichen! Nicht klagen und träumen, sondern schaffen und kämpfen muß die Parole sein!(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)— Nun hat scheinbar die Rede Erzbergers gestern einen Widerspruch gebildet zu dem, was Herr Spahn sagte. In Wahrheit aber hat Herr Erzberger nur. um die Zustimmung des ZentaunS im großen zu b e- mänteln, Kritik im kleinen und kleinsten geübt. Allerdings hat er hinzugefügt, das Zentrum werde in der Kom- Mission verlangen, daß gleiches Recht innerhalb und außerhalb der Armee herbeigeführt werde. Wir werden uns erlauben, die Herren beim Wort zu nehmen. Wir werden uns nicht mit Resolutionen begnügen, sondern werden versuchen, berechtigte Forde- rungen zum demokratischen Ausbau des Reiches und HeereS gesetzlich festzulegen. Ich will nur ein paar Dinge nennen. Wir haben alle seinerzeit ge- hört, mit welcher Kraft da» Zentrum seine Gegnerschast gegen das Duell vertrat, wie sein Redner sich mit vor Auflegung zitternder Stimme herstellte und dem Kriegsminister � diesem Kriegsminister— Fehde ansagte. Der Kampf beginnt damit, daß man diesem Kriegsminister die Heeresvorlage glatt bewilligt. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.� Ich nehme an, da» Zentrum wird bereit sein, mit uns eine Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen, wonach jeder Offizier, der eine Herausforderung zum Duell erläßt oder annimmt, mit schlichtem Abschied entlassen werden muß.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das Zentrum verlangt gleiches Recht. Nun, bis heute sind auf Grund des Geietzc» von 1367 die Mitglieder regierender Häuser und standesherrlicher Familien nicht iv eh rp flicht ig. Wir kommen also sicherlich einem Wunsche der Herren vom Zentrum entgegen, wenn wir verlangen, auch diese sollen mit zum Volke gehören, sie sollen nicht bloß ein kleines Opfer hingeben, oaS sie selbst bemessen, sondern genau wie jeder andere Deutsche wehrpflichtig sein.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Neben dieser Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht wird sich das Zentrum aber auch entscheiden muffen, wie es sich zun, Einjährig- Freiwilligen-Privileg stellt. Es wird eben nicht verstanden im deuffchen Volk, daß so viel tausend wohl- habende Leute bevorzugt werden im gleichen Augenblick, wo die Bauern, die Handwerker, die Arbeiter, schwere Lasten auf sich nehmen sollen. Ich weise auf das Bei- spiel Frankreichs hin. Wohlan, mögen die besitzenden Klassen Deutschlands wetteifern im Opfermut mit den Bürgern Frankreichs, mögen sie genau so lange in der Kaserne bleiben, wie die Arbeiter- und Bauernsöhne. Weiter erinnere ich an die Militär- b o y k o t t S. Wir haben noch heute den beschämenden Znstand, daß der Wille eine« Militärkommandeurs Angehörige des Mittelstandes an den Rand des Ruins bringen kann, wenn sie von ihrem Rechte Gebrauch machen, einer Gewerkschaft oder einem sozialdemokratischen Verein Unterkunft siir eine Ver« sammlung zu gewähren. Es ist nicht klug von Ihnen, den Kampf gegen einen so schweren Eingriff in das bürgerliche Leben den Sozialdemokraten zu überlassen. Kommen Sie nicht mit dem Einwand der Disziplin. Es hat niemand etwas dagegen, wenn die Heeresverwaltung Osfizieren und Mannschaften untersagt, an politischen Versammlungen teilzunehmen— in konservative Versammlungen geben die Hcrrrcn Offiziere selbstverständlich. Den Besuch politischer Versammlungen mag mau mit Rücksicht auf die Disziplin verbieten; aber wie wollen Sie es militärisch recht« fertigen, daß man Wirte auf diese Weise wirtschaftlich schädigt. Daß eS anders geht, beweist S a ch s en. ES kommt ja wirklich nicht viel Gutes aus Sachsen.(Heiterkit und Widerspruch.) Mit Ansnahme dieser(auf die sächsischen Sozialdemokraten weisend) höchst erfreulichen Ausnahmen.(Heiterkeit.) Dort sind solche terroristischen Maß- nahmen der Militärbehörde unmöglich gemacht. Im übrigen haben nicht wir Sozialdemokraten den Nachteil von diesem Terrorismus, sondern der Mittelstand.(Sehr richtig! bei den Sozialdcmo- kraten.) Als letztes möchte ich noch uemieii die gesetzliche Festlegung der bürgerlichen Rechte der Reserve- ofsi ziere.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Kein Volt läßt sich auf diesem Gebiete soviel gefallen wie das deutsche. Es wird eine Schnüffelei getrieben über das Privatleben und die politische Betätigung der Reserveoffiziere, die geradezu be- schämend ist. Sie erstreckt sich bis in den vteichs- tag hinein. Sic wissen, daß sogar Mitglieder deS Präsidiums zur Verantwortinig gezogen Ivurden außerhalb des HauseS für Aeußerungen, die sie hier, in Ersüllung ihrer Pflicht getan haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vor kurzem sollte bei cincin Rescrveosfizier festgestellt werden, ob er wirklich in einem bestimmten Lokal, an einem bestimmten Abend es gewagt habe, einem anwesenden Sosialdeinokratcn„Prosit!" zu- zurufen!«Große Heiterkeit und Hört! hört! bei den Sozialdcmo« krateii.) Die Nachforschung ist durchgeführt worden, es sind Zeugen vernommen, wie viele Reserveoffiziere anwesend waren, an welchem Tisch der Sozialdemokrat gesessen hat. sPfui- rufe bei den Sozialdemokraten.) Das Bürgertum macht sich mehr als lächerlich, wenn es solche Tinge duldet. fSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie wissen, daß die Zeit kommt, wo solche Nachforschungen sich nicht bloß gegen uns, sondern auch einmal gegen die Rtitte und die bürgerliche Linke richten werden. Nun geht die Militärvorlage in eine Kommission. Ich nicht, ob in diesem Hause ein halbes Dutzend Abgeordnete sind, die sich wirklich freuen über die Borlage und über die schwere Pflicht, die ihnen durch die Prüfung aufgeladen wird. ES gibt mehr als einen bürgerlichen Abgeordneten, der unter vier Augen erklärt: Ja, wenn man sicher wüßte, daß auch die Franzosen das Schwert einstecken, dann würde das deutsche Volk froh sein, wenn man die Vorlage zurückstellen könnte. Ich meine, kein vernünftiger Deutscher kann ein Interesse an einer absoluten Erhöhung der Rüstungen haben, höchstens daran, daß das Verhältnis der Rüstung zu anderen Völkern festgehalten wird. Eine Ausnahme gibt es allerdings, und sie wird repräientiert durch das R ü st u n g s k a p i t a l und seine Presse. Das Rüstungskapital wird nicht dadurch in seinem Eifer beein- trächtigt, daß gleichzeitig in Deutschland, Rußland und England Schiffe und Kanonen gebaut werden.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Im Gegenteil, bei den zarten Fäden, die hinüber und herüber gehen, freut sich das Rüstungskapital darüber. Das muß unS zu der ernstlichen Prüfung veranlassen, ob nicht die Zeit ge- kommen ist, die W a f f e n f a b r i k a t i o n vollständig in Regie des Reiches zu nehmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach früheren Erklärungen müßte auch das Zentrum dafür stimmen. Was soll denn jetzt geschehen? Konrad Haußmann und andere sprechen davon, daß eine Stimmung der H o f f n u n g s- l o s i g k e i t, der Resignation über die bürgerlichen Parteien ge- kommen sei, weil man genau fühlt: das Echo, das von Frankreich herüberkommt, wird die materielle Wirkung der Heeresvcrmehrung vollkommen ausgleichen. Sollte es in diesem Augenblick wirklich das Richtige sein, die Dinge gehen zu lassen wie sie wollen, nichts zu tun, um die Dinge einfach wie ein unabwend- bares Schicksal zu erwarten? Oder wäre eZ nicht richtiger, den ernstgemeinten, aufrichtigen, vom guten Willen getragenen Versuch zu einer Verständigung zu machen? Denken Sie doch daran, mit welchem Hohn vor wenigen Jahren noch die Leute behandelt wurden, die eine Verständigung mit England wollten, wie man ihnen historisch, politisch und militärisch bewies, daß das ein Unsinn sei. Und heute können wir wohl zur Freude fast des ganzen Hauses sehen, daß unsere Be- Ziehungen zu England besser geworden sind, daß eine Ver- sländigung sich anbahnt. Und da sollte es unmöglich sein, bei gutem Willen auch mit den Franzosen eine Ver- sländigung herbeizuführen? Man hat eine einjährige Rüstungs- pause mit England vorgeschlagen. Wenn es möglich wäre, diese einjährige Rüstungspause zwischen D e u t s ch l a/n d und Frankreich herbeizuführen, dann würden zwei Völker mit ganz geringen Ausnahmen befreit aufatmen.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich meine deshalb, es wäre richtig, wenn der Ruf aus dem Schlveizer Land zu uns wie nach Paris dringt, daß er hier eine s r e u n bliche Antwort findet. Wenn Schweizer Bürger aller Parteien, aller Richtungen uns ihre ehrlichen Vermittlerdienste an« bieten, wenn sie uns sagen: Kommt herüber nach der Schweiz auf neutralen Boden und sprecht Euch darüber aus, ob eine Verständi- gung möglich ist— wenn die Regierung nicht die Initiative ergreift, ist es Sache der Volksvertreter, sie zu ergreifen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sje sollen dort in der Schweiz nicht etwa die Heeresvorlagen besprechen, das geschieht im Reichstag wie im französischen Parlament ausgiebig, die Aufgabe dieser'Zusammenkunft wäre eine ganz andere, es wäre die Folgerung aus der Tatsache zu ziehen, daß der Zeitpunkt, in dem beide Vorlagen erscheinen, im hohen Maße beunruhigend und den Frieden gefährdend erscheinen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wenn es gelänge, in der Schweiz eine solche Aussprache herbeizu- führen, so würde das einen ganz gewaltigen moralischen Eindruck in Europa »lachen. Es wäre der Anfang der EntWickelung, die ja doch einmal kommen muß. Westeuropa, namentlich Frankreich und Deutschland, bilden doch heute schon eine kulturelle Gemeinschaft. Ich bin über- zeugt, daß die Vernunft auf dem Marsche ist, uno daß die Vernunft sich schließlich auswachsen wird zu einer curo- päischen Großmacht, die Herr wird über all das, was jetzt der friedlichen EntWickelung eiilgcgenloirkt. Wir Sozialdemokraten hoffen und wünschen, daß wir bei diesem ernsten Versuch, dem Frieden zu dienen, nicht allein bleiben, daß auch bürgerliche Friedens- freunde, die den Willen ihrer Wähler achten, mit uns arbeiten. Wenn das geschieht, niemand freut sich mehr als wir. Lasten Sie uns allein, wir erschrecken nicht darüber, wir gehen dann den Weg, von dem wir wissen, daß hinter uns der Wille zioeier Na- l i o n e n steht, zweier arbeitenden Nationen; wir gehen ihn dann mit dem Bewußtsein, Bürger der kommenden großen e u r o p ä i s ch c u K u l t u r g e m e i n s ch a f t zu sein und unserem Valeria n de dadurch zu dienen, daß wir diese Gemeinschaft fördern.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hacusler(Z.): Bei unserer Politischen Lage ist unser Heerwesen die Grundlage unserer nationalen Existenz. Aber über das Maß der Heeres- forderung können wir uns nicht auf die Autorität der militärischen Sachverständigen verlassen, deren Meinungen sehrivechselnd sind. Durch die Oninqueimate ist die gesunde Enumckelung der Armee unterbunden. Was haben sie denn für Wert, wenn sie in jedem Jahr durch eine neue Vorlage unter- Krochen werden; sie binden den Reichstag, aber nicht die Regierung. Mit der Heranziehung aller Militär- Pflichtigen zum Dienst bin ich im Prinzip einver- standen, aber bei der Militärvorlage von 1905 sagte der Kriegs- minister, daß wir das mit Rücksicht auf die Finanz- kraft des Landes niemals durchführen können.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wollen wir auf die Fiuanzkräfte Rücksicht nehmen, so gibt es hierfür nur den einen Weg: Ver- kü r z u n g der D i e n st z c i t(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten), selbstverständlich mit Beseitigung aller Un- gleichheiten, also der längeren Dienstzeit der Kavallerie, und der Beseitigung des Einjährig- Freiwilligen- Privilegs. Die Aufgaben der Kavallerie sind so modifiziert durch die moderne EntWickelung der Technik, daß die dreijährige Dienstzeit für sie nicht mehr aufrecht erhalten werden braucht.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Beider Verkürzung der Dienstzeit braucht man nicht gleich an die Ve- scitiguug der zweijährigen Dienstzeit und an das Milizslsttem zu denken, man kann eine U r l a n b s z e i t gesetzlich f e st l e g e n. die Brauchbarkeit des Heeres für den Krieg wird dadurch nicht vermindert. Bei unserer militärischen Ausbildung ist im hohen Maße Gelegenheit zur Vereinfachung gegeben, es kommt die Marschleistung und die Kriegs fertigkeit in Betracht und dafür ist der langjährige Aufenthalt in der Kaserne belanglos. lLcbhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch nach Einführung der zweijährigen Dienstzeit gibt cS keine» angenchniercii und sorgloseren Beruf, als den des Offiziers. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Offiziere nervös werden, liegt es nicht an dem Dienst, sondern an der Art der Besichtigungen. Dem Auslande würden wir imponieren, wenn wir die Heranfsetzung der Dienstzeit in Frankreich mit der Herabsetzung bei uns beantworten, im Bewußtsein unseres militärischen Könnens und unseres kulturellen Vorsprunges. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Will man das nicht, so kann man. wen» mau die Finaiizlraft de- Landes nicht überspannen will, in aller Stille zur Ausbildung der Ersatzreserve übergehen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokralen.) Um die Kaders für den Kriegs- fall vollzählig zuhalten, genügt eine dreimonatliche Ausbildung der E r s a tz r e s e r v e.(Hört I hört! bei den Sozial- demokraten.) Das hat der Krieg von 1870 bewiesen. Im Jahre der Jahrhundertfeier will ich auch darauf hinweisen, daß Preußens größte Heldentaten erkämpft sind mit Truppen, die zum größten Teil aus sogenannten Krümpern bestanden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) t Für die Kriegsbereitschaft ist vor allem wichtig auch die finanzielle Bereitschaft. Man darf daher die Stcuerkraft des Volkes nicht übcrspanucn, wie es bei uns jetzt schon der Fall ist.(Sehr wahr I bei den Sozial- deniokraten.) Eine weitere Uederspannung muß zu Zuständen im Reichshaushaltseiat führen, die geradezu zur politischen Ohn- macht führen. In unserem Militärwesen herrscht ein Aufwand, der bei den auf dem Volke lastenden Steuern geradezu unverantwortlich ist.(Hört! hört! bei den Soz.) Die Möglichkeit zu Ersparnissen ist an vielen Stellen gegeben. Bei den Nationen, bei den mancherlei Zulagen der Generale. Für den Dienst des Vaterlandes soll jeder sein Bestes hergeben und nicht für jede besondere Leistung eine besondere Zulage verlangen. Nepräsentations- kosten passen nicht für eine Zeit, in der man wegen der Militär- lasten zu einer Vermögcnskonfiskation greift. Die Zahl der Flügeladjutauten sollte eingeschränki werden, die Auflösung des reitenden � Feldjägerkorps ist schon früher gefordert worden. Allein durch die Beleitigung aller besonderen Aufwendungen für die Garde können Millionen erspart werden.(Sehr richtig I bei..den Sozialdemokraten.) Weitere Millionen von Gehältern und Pensionen sind zu ersparen, wenn alle überflüssigen Gencralspostcu verschwänden, wodurch die Organisation der Armee nur gewinnen würde. Was für ein Luxus mit Offizier» speise- a n st a l t e n und Dien st Häusern getrieben wird, zeigt die neue Forderung für die Dienstwohnung des Chefs des Militär- kabinelts. Es sollte mit allem Luxus und Tand bei den. Offizieren gebrochen werden. Man braucht nur einmal die bunten llniformen der Kavallerie zu betrachten. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sie sehen aus wie die Affen!) DaS ist nichts wie Spielerei und hat mit der Schlagfertigkeit der Armee nichts zu tun; es belastet uns mit dem Fluche der Lächerlichkeit und verzehrt die Steuerkraft des Lande?. So lange der Militäretat in all diesen Beziehungen nicht einer gründlichen Reform unterzogen wird, ist für mich die Bewilligung jeder neuen Steuer für militärische Zwecke uudiskutabel.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.» Gewiß ist der Geist unserer Armee ein guter, aber es sind eine Anzahl Mängel vorhanden, deren Beseitigung wichtiger wäre wie dieser unsinnige Rüstungswettlauf.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.» Tie Anforderungen an die wissen- ichaftliche Vorbildung der Offiziere entspricht nicht den Ansprüchen einer Nation von dem Bildungsniveau der unserigen. Beim Ersatz des Osfizierkorps bleiben die jüdischen Mitbürger aus- geschlossen. Alle solche Umstände erwecken die Frage, ob in der Stunde der Gefahr an leitender Stelle die geeigneten Per- onen Vorhandensein werden. Der G e i st eines Heeres ist ein mächtiger Faktor für den Ausgang eines Krieges. Dieser Geist ist auch abhängig von dem herrschenden Rechtswesen im Heere, und dieses entspricht nicht den RcchtSanschauuiigen des Volkes und den Anforderungen an eine unabhängige Rechtsprechung. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Geist eines Heeres wird auch bestimmt durch die in ihm lebenden sittlichen und religiösen Kräfte, und(mit erhobener Stimme) da frage ich den Reichskanzler, was er dazu sagt, wenn der Kriegsminister von dieser Stell« aus erklärt; ein Angehöriger des Offizierstandes, der den Geboren Gort es und desL-toates gemäß das Duell verweigert, ist nicht mehr für die Armee geeigner........ Unser Jntendanturwesen ist rückständig und ge- 'ährdet die Schlagfertigkeit der Armee.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Der A e r z t e m a n g e l ist ganz erschreckend.(Sehr wahr! links; Zuruf rechts.) Auf Ihren(nach rechts) Beifall ver- ; i ch t e ick.(Große Unruhe rechts; lebhaftes Bravo! links.) Frankreich wird diese Vorlage nicht nur durch die dreijährige Dienst- zeit, sondern auch durch technische Verbefferungen weti zu machen 'uchen, und die Einführung eines automatischen Gewehres in Frankreich würde uns zu derselbenMaßnahme zwingen. Oeffentliches Geheimnis ist auch, daß unser Artillerie Material den veränderten Be- dingungen des Artilleriekrieges nicht mehr entspricht.(Hört! hört! links.) Die Entwickelung des Luftkrieges wird neue Hunderte von Millionen notwendig machen. Dabei hat das deutsche Volk auch»och K u l t u r a n f g a b e n zu ersüllcn. die im Zusammenhang mit dem Heereswesen stehen. lieber die Hälfte der Veteranen hat den Dank des Vaterlandes nur in schönen Reden erfahren.(Lebhaftes tsehr richtig! links.) Diese Vorlage erschöpft die finanziellen Kräfte des Reiches für den Augenblick und legt sie für viele Jahre hinaus lahm. Deshalb stehe ich ihr mit großen Bedenken gegenüber.(Lebhafter, anhaltender Beifall bei den Sozialdemokraten, anhaltendes Zischen rechts.) Kriegsminister v. Heeringcn: Wäre die Kritik des Vorredners auch nur zu ivenigen Prozenten richtig, so stände es um die deutsche Arniee schlecht. Aber seine Behauptungen treffen teils nicht zu, teils sind sie Uebertreibungen. Ich weiß nicht, wo er seine Er- fihrungen gesammelt hat. Ich kenne die Armee doch auch, und ebenso viele andere, und wir stehen auf einem anderen Standpunkt. (Lachen links.) Will nian die Sparsamkeit des Vorredners üben, so nehme man besser einen Rotstift und streiche die Seilen des Etats ohne weiteres durch._ Gewiß kostet der deutsche Soldat mehr als der französische, aber vor allem deswegen, weil er besser entlohnt wird, und weil er besser unter- gebracht ist. Der Vorredner behauptet, die Offiziere werden zu reichlich bezahlt. Ich möchte den Offizier sehen, der in seiner aktiven Dienstzeit Reichtümer gesammelt hat.(Beifall rechts.) Die Organi- sationSVorschläge des Vorredners haben ja manches für sich, ihre Durchführung würde aber Millionen kosten. Gegen die Be- hauptunP. daß das Artilleriematerial nicht genügt, muß ich auf das bestimmteste Protest einlegen. Die M a r s ch f e r t i g l e i t und die Schießfertigkeit sind im Krieg nicht allein maß« gebend, ein hauptsächlicher Punkt ist die Disziplin, und diese kann nur in einer gewissen Z e i t in die Truppe hineingebracht werden. Eine Verkürzung der Dienstzeit ist daher ohne Heiabsetzung der Schlagfertigkeit der Armee nicht mö g l i ch. In Frankreich führt man ja gerade deshalb wieder die dreijährige Dienstzeit ein. Die Weglassung alles P a r a d e m ä ß i g e n ist in der deutschen Armee vollständig durchgeführt.'(Schallende Heiterkeit links.) Auf die Ausbildung der Ersatzreserve läßt sich die deutsche Heeresverwaltung nicht ein; das hieße Wasser in ein Sieb schöpfen. Gewiß war 1813 die Ausbildung der Truppen gering. Aber als Gegner hatte nian damals auch nicht das alte französische Heer. Damals konnte man noch mit dem Kolben dreinschlagen. Bei der heutigen Ausbildung ist das unmöglich, und das deutsche Heer kann seine Aufgaben nur erfüllen, wenn eS eine gründliche Ausbildung erfährt.(Beifall rechts.) Bayerischer Militärbevollmächiigter Wcnninger: Seinerzeit hat General Haeusler zweifellos als Sackivcrständiger für die Feldartillerie gegolten. Hätte er damals die heutigen Ansichten gehabt, so wäre das kaum der Fall gewesen (Lachen linkö). Die gewaltigen technischen Fortschritte der' Feld?' arlillerie hat General �Haeusler durch eigene Anichauung nicht mehr miterlebt und dadurch ist sein Sachverständnis eingeschränkt. In bezug auf die Kavallerie hat seine Lausbahn ihm nicht die Möglichkeit� gegeben, ein sachverständiges Urteil zu gewinnen, und durch seine Ausführungen hat er bewiesen, daß er es nicht besitzt. Ich muß das gegenüber der so- genannten Sachversländigkeit des Herrn Generals fest- stellen.(Vizepräsident Dove: Hier sind die Herren nur Abge» ordnete? Zustimmung links.) Ich habe eS für meine Pflicht ge« halten, als Vertreter der bayerischen Armee dies gegen« über den Ausführungen des Herrn Abgeordneten festzustellen. (Lebhafter Beifall rechts, Zischen links.) Abg. Laux(bahr. Bauernb.): Die Ausführungen des bayerischen Bundesratsbevollmächtigten gegen Herrn Haeusler waren nicht glücklich. Aber auch die Ausführungen des Abg. Haeusler bedauere ich, da sie auch im Ausland gehört und zu Mißverständ» nisten Anlaß geben werden. Zur Vorlage selbst bemerke ich, daß angesichts der großen Belastung des Volkes durch die Vorlage wir auch E n t l a st u n g e n der Bevölkerung in der Richtung wünschen, wie sie Herr Erzberger gestern gefordert hat. Das un- bedingt Notwendige wollen wir bewilligen� ReichskanMr Dr. v. Bcthmann Hollweg: ES ist nicht der letzte Teil der Debatte, der mich veranlaßt, das Wort zu nehmen, sondern ich habe das Bedürfnis, zu zwei Punkten. die gestern und heute erwähnt worden sind, kurz Stellung zu nehnien. Zunächst will ich der Auslegung entgegentreten, welche einige Redner meinen Bemerkungen über de» slawisch» germanischen Gegensatz gegeben haben. Ich habe von den panslawistischen Strömungen gesprochen, denn ich konnte heute an diesen Strömungen nicht vorübergehen, weil sie in der gegenwärtigen Bcklkankrise eine markante Rolle spielen. Aus diesen panslawistischen Gegensätzen hat ein Teil der Publizistik einekommendeAuseinandersetzung zwischen dem Slawentum und dem Germanentum gefolgert. Gegen dieses Schlagwort habe ich entschieden Widerspruch eingelegt, ich habe vor ihm gewarnt und ich wiederhole diese Warnung heute noch einmal mit ernstem Nachdruck. Das Schlagwort ver- wechselt die panslawistischen Strömungen mit der Zugehörigkeit zur slawischen Raste. Die slawische Raste ist ebenso wie die germanische auf viele Länder verteilt und wohnt da in Zusammenhang mit anderen völkischen Bestandteilen. Schon insofofern ist dieses Schlagwort unwahr und unrichtig. Das Schlagwort ist aber auch um deswillen unrichtig, toeil es einen realen Jnteressengegen» s atz zwischen uns und Rußland nicht gibt. Das habe ich mit großer Entschiedenheit betont. Das Schlagwort schädigt endlich die Politik, die ich zu führen wünsche und die auf Erhaltung eines gut nachbarlichen VerbälUiisies zu Rußland gerichtet ist. (Beifall.) Der zweite Punkt ist der, daß hier von verschiedenen Rednern ganz irrtümliche Darstellungen� über die Ent« stehung der Webrvorlage ausgesprochen worden sind. Weder der Wehrverein hat die Wehrvorlage veranlaßt, noch ist eine Kapitulation des Kriegsministers oder meiner Person vor dem Generalstab vorgekommen. Aus außerpolitischen und Militär- politischen Gründen habe ich mich im November vorigen Jahres von der Notwendigkeit überzeugt, neue Rüstungen für unsere Armee vorzunehmen.(Lebhaftes Hört! hört!) Auf Grund dieser Ueberzeugung, die von dem Herrn Kriegsminister und dem Chef des Großen Generalstabes geteilt wurde, sind die Bor» arbeiten in Angriff genommen worden. Daß wir damit nicht sofort an die Oeffentlichkeit getreten find, dafür werden Sie wohl ein Verständnis haben. Aber der Entschluß stand damals fest und dieser Entschluß ist entstanden aus dem Verantwortungsgefühl für die Sicherheit unserer Zukunft. Ich habe aus dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen den Ein- druck gewonnen, daß die große Mehrheit der Parteien dieses hohen Hauses sich bei ihren kommenden Entschlüssen von dem gleichen Gefühle der Verantwortlichkeit leiten lasten will(Sehr richtig I recht«». daß sie es erkannt haben, welch große und ernste Bedeutung für Deutschland die Beschlüsse haben werden, die sie fasten wollen. (Beifall rechts.) Vizepräsident Dove: Die Debatte ist geschloffen, da weitere Wortmeldungen nicht vorliegen. Persönlich bemerkt Abg. HaeuSlrr(Z.): Ich wollte in keiner Weise eine Inferiorität unserer Arlillerie feststellen, sondern ich wollte nur auf Mängel hinweisen. Ich würde cS bedauern, wenn mir ein Wort entschlüpft wäre, welches in jenem Sinne gedeutet werben könnte. Ich bin überzeugt, daß die deutsche Arlillerie und insbesondere die bayerische Arlillerie die b e st e d e r W e lt ist. DaS Eingreifen des bayerischen Militärbevollmächligten nehme ich ihm als Landsmann gar nicht übel. Ich muß mich aber ganz entschieden verwahren gegen seine Kritik meiner Fähigkeiten als Abge- ordnete r.(Beifall links.) Bayr. Generalmajor Wcnninger: Ich habe noch das BedürftiiS, im Namen des bayerischen Osfizierkorps daS tiefste Bedauern hier auszusprechen, daß der Herr Wg. Haeusler Worte gesprochen hat, in seiner Rede, die ihren Beifall nicht in der eigen enPartei gefunden hat(Lebhaftes Ohol im Zentrum), sondern auf der äußersten Linken.(Grofie Nuruhe im ganze» Hause. Stür- mische Zuruie links.) Vizepräsident Dove: Die Debatte ist damit w i e d e r eroffnLt. Das Wort hat der Abg. Ledebour. Abg. Ledebour(Soz.): In der wiedersröstneten Debatte habe ich mir das Wort erbeten, um entschieden Verwahrung dagegen einzulegen, daß einer der Herren Mililärbevollmächtigtcn sich erlaub!, einem Abgeordneten hier Vorhaltungen zu machen, in einer Form, die den An- schein erwecken mußte, als ob ihm dadurch eine mora- lisch e M i n d e r w e r ti g ke i i zugesprochen werden sollte, deshalb, weil er auf irgend einer Seite des Hauses. nicht bei seiner Partei, Beifall erhalten hat.(Mit stark erhobener Stimme): DaS geht dem Herrn BundesratSbevoll- mächrigten gär nichts an!(Stürmischer Beifall bei dem größten Teil des Hauses.) Es sollte auf allen Seiten dieses Hauses, bei allen Parteien soviel S e l b st g e f ü h l als Volksvertretung vorhanden sein, daß sie mir zustimmen müßten.(Erneuter st ü r m i s ch e r Beifall. Große Bewegung.) Bayerischer BmidcsraiSbevollmächligter Wcnninger: Nicht als BundcSratsbcvollmächtigtcr, sondern olS bayerischer Offizier.... (Großer anhckltender Lärm und Zurufe.) Abg.�r. Frank(Soz.): Die erneute Erklärung des bayerischen Biindesratsbevollmächtigten ist die beste Illustration dessen, was heute von verschiedenen Seiten gesagt ist über die ' Anmaßung militärischer Kreise, (Stürmische Zustimmung), ihre E i n ni i s ch u n g i n d a Z b ii r g e r- l i ch e Leben, die nicht davor zurückschreckt, das Parlament zu terrorisieren!(Stürmische Zustimmung.) Wenn die Worte des Bayerischen Militärbevollmächligten einen Sinn haben sollten, so konnte es nur der sein, daß dem Abg. Haeusler in feiner Eigenschaft als Mitglied des deutschen HeereS außerhalb dieses Hauses Schwierigkeiten gemacht werden sollen. Wenn das nicht der Fall ist, war es wenigstens der Sinn der Worte de« Herrn Militärbevollmächligten, daß man in den Kreisen der Berufskollege» den Herrn Abg. Haeusler herabsetzen will.(Lebhaftes Sehr richtig!) Ich weife diesen Versuch, einzugreifen in die Selbst- bestimmung des Parlaments, auf das energischste zurück und «warte von dem Selbstbewußtsein aller Mitglieder des Homes, daß sie sich unserem Protest anschließen, um die Würde des deutschen Parlaments zu wahren.(Stürmischer Bersall auf den meisten Bänken des Hauses; lebhafte an- haltende Bewegung.) Vizepräsident Dove: Es meldet sich niemand� mehr zum Wort, die Debatte ist geichlosssen.> Rufe bei den Sozialdemokraten: DaöZenlr umschweigt?!).... Die Militärvorlage wird an die Budgetkommtss,on verwiesen. Es folgt die Seratung cler veckungsvorlagen. Schatzsekretär Kühn(bei der großen Unruhe zunächst völlig un» verständlich) legt die Gründe dar die gegen die Aufbringung des Bedarfs durch eine Anleihe sprächen. Die wesentlichst« Bedenken gegen den Wehrbeitrag gehen dahin, daß die Leiliung»« fähtgkeit zu wemg berücksichtigt sei. Die Regierung ist bor allem davon ausgegangen, daß der Wehrbeitrag möglichst einfach gestaltet fein muß, damit er um so mehr den Charakler einer ein- maligen Opfergabe erhält. Daneben wird ein besonderes Besitz- st e u e r g e s e tz vorgeschlagen. In Betracht kamen dafür die v e r- schiedeneu Arteu der Vermögens- und Erbschafts- steuern. Eine Erbschaftssteuer in der früher gedachten Form empfahl sich nicht, weil es nicht geraten ist den Erisapfel in eine Versammlung zu werfen, deren möglichst einstimmige Zustimmung zu einem großen Werk nian erzielen will. Der Wehrbeitrag wirkte zunächst hemmend. Ein Vermögen, das von einer solchen hohen Abgabe betroffen war, kann man nicht unmittelbar hinterher wieder besteuern. Dagegen erschien eine Vermögenszuwachs- steuer logisch; auch der Zuwachs bei der Erbschaft soll hier erfaßt werden.— Um Verbrauchsabgaben zu vermeiden, sind »erschieden? Stempelsteuern vorgesehen. Der Gesetzentwurf über das E r b r e ch t d e s R e i ch e s ist ein alter Bekannter, er ist nur gegen stüher in der Form etwas gemildert. Wenn im übrigen vie Einnahmen etwas höber angesetzt sind, so sollte dies Bestreben, tiim_ steuern zu vermeiden, doch nur Anerkennung finden. Die „Frisur" des vorjährigen Etats hat fich durch die nach- trägliche Erfahrung_ als durchaus berechtigt erwiesen, sie Halle noch einmal so weitgehend sein können. Zur V e r- st ä r k u n g des Goldbedarfs im Falle eines Krieges will das Reich die Goldreserven verstärken; es sollen deshalb für 120 Millionen neue Silbermünzen ausgeprägt und für 120 Millionen Mar! Reichskassenscheine, für die im Verkehr ein großes Bedürfnis sich herausgestellt hat, ausgegebewwerden. Im ganzen wird durch die Bor- lagen eine Deckung für eine her größten Ausgaben vorgeschlagen, ohne an den finanziellen Grundlagen des Reiche? und an seinem föderativen Charakter zu rütteln, und ohne Handel, Verkehr. Industrie und die breiten Mafien der Konsumenten mit neuen Steuern zu belasten. so wird zwar nichts Vollkoinmenes, aber etwas Bestiedigendes für den Ausbau unseres Heerwesens geschaffen, der eine nationale Not- wendigkeit ist. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Donners- tag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr. paHamentarifcbcs* Tuell- und Jndenfragen in der Budgetkvmmission des Reichstags. �ln der Mittwochssitzung wurde zunächst die Du eil frage behandelt. Auf eine im vorigen Jahre vom Reichstag gegen das Duell angenommene Resolution hat der Bundesrat mit einer v r i n zi pt e lll en Anerkenwung des Duells goantwortit. Dezz K r i eg S m i n i st c r blieb bei seinen früher geäußerten An- sÄauungen, die bekanntlich zu einer Kontroverse mit dem Zentrum führten, bestehen, seit der KabincttSorder im Jahre 18S7 fei ein erheblicher Wandel auck» in den Ansähauungen der Offiziere ein- «getreten, die jedes Duell als einen bedauerlichen Vorgang betrach- gen. Von den G r u n d a n s ch a u u n g e n könne aber die Armee riicht abgehen, sie seien in der historischen Entwickeluna begründet. ■— Genosse Ledcbour wünschte Auskunft, ob ein O ffizier den Dienst quittieren muß, falls er auS sittlicheir oder religiösen Bedenken ein Duell verweigert. Ter KriegSminister habe heute wiederum eine prinzipielle Anerkennung des Duells ausgesprochen. — Der Kriegsmini stsr antwortete, darüber, ob und wann ein Offizier zu verabschieden sei, entscheide allein der Kaiser. Daran werde die Armee festhalten. Tie allgemeifie Debatte wird vertagt, bis der Kriegsminister die erforderlichen Unterlagen de- schsfst hat.— Abg. S e m l e r brachte den Fall des Grafen Ä ö n i g S m a r k zur Sprache, der sich auf dem Hamburger Renn- stlatz rüpelhaft benommen hat und dann auf Anordnung des Renn- Vorstandes durch einen Schutzmaim entfernt werden wußte. Ter Graf hat dann sieben Vorstandsmitglieder gefordert, eins davon schwer verletzt. Unter den Geforderten befanden sich Männer, die über 70 Jabre alt waren. In dem Verhalten des Grafen erblickte Herr Semler eine„sittliche Gemeinheit". Was habe die Vkilitärbehörde gegen den Grafen, der Offizier a. D. ist unh dem «Ehrengericht untersteht, unternommen?— Ter Kriegsminister antwortete, erst müsse das gegen den Grafen vor dem Zivilgcricht an- bängig gemachte Verfahren abgeschlossen sein, dann erst könne die Militärverwaltung eintreten. Genosse Ledebour betonte, die Absurdität des Duells werde durch diesen Fall wieder einmal drastisch bewiesen. Genosse Liebknecht fragte an, ob das Kriegsministerium bereits weitgebende und bindende Verpflichtungen wegen Lieferun- gen zur Ausführung der neuen Militärvorlage eingegangen sei. Ter KriegSminister bestritt die Richtigkeit dieser Meldung.— Abg. Guthc in fragte an, wieviel jüdische Einjährige im letzten Jahre zu Offizieren befördert worden find. Bei vielen Regimentern wird cjS immer mehr Hebung, Inden tzpn vornherein vom VorbercitungS- dienst zum Reserveoffizier auszuschließen. Das ist ein vom Ofsizicrkorps geübter Verfassungsbruch.— Der Kriegs- «nnister erklärte, aus früherer Zeit gäbe es ein oder zwei iüdischc Reserveoffiziere. Er gebe zu, daß antisemitische Tendenzen maßgebend sind dafür, daß Juden nicht als Reserveoffiziere ge- wählt werden. Tie Verwaltung wünsche allerdings, daß nicht die Konfession, sondern nur die Fälligkeit entscheiden soll.— Die Abgg. Gröber und Schöpf! in wendeten sich ebenfalls mit aller Schärfe gegen den Skandal, daß die Offizierkorps absichtlich sich stber Verfassungsbestimmungen hinwegsetzen dürfen, indem Leute bestimmter Konfessionen oder sozialer Stellung ohne Rücksicht auf ihre Oualifikation davon ausgeschlossen werden, Reserveoffizier zu werden. Nicht nur Juden, sondern auch Dissidenten, und in bc- stimmten Bezirken auch Katholiken werden nicht als Reserveoffiziere gewählt.— Ter Kriegsminister betonte, der Kaiser lehne es ab, js, das Wahlrecht der Offiziere einzu- «reifen. Wenn die Offiziere, auch trotz der von den obersten Stellen ausgesprochenen Wünsche, keine Juden wählen, zeige das, daß von einem Kadavergehorsam beim deutschen Heere nicht ge- sprochen werden kann.— Abg. Ledcbour meinte, wenn die Ver- waltung einmal jüdische Knaben in einer.Kadettenanstalt auf- nehmen würde, höre der Skandal sehr bald auf.— Genosse N o S k c wies darauf hin. dag Verhalte» der Militärvcrlvaltung sei eine glatte und absichtlich� Brüskicrung der BolkSvertreiung. Durch entsprechende Abstriche dein, Militaretat müsse die Militärvcrwal- tung zur Acnderung ihres Verhaltens gezwungen werden.— Dem Genossen Ledcbour erwiderte der K r i e g s m i n i stc r. das Kadettenkorps fei eine christliche E r z l e h u n g s- a n st a l t. da k onnen Juden n ichtau fgenomm pn wer- den. zu lücrbcn, seien nicht nur militärische Tüchtig- feit, sondern gesellschaftliche Fähigkeiten erforderlich.— Die Weiter- bcratung wurde auf Donnerstag vertagt. Hus der partei. Gin Parteiveteran. Ein Parteiveteran ist in S ch w c i n f u r t mit dem früheren Schubmacher, späteren Ortslrankcnkasseneinkassiercr Johann F e ß l e r ans dem Leben geschieden. Fehler hatte die sozialistischen Ideen in der Schweiz in sich aufgenommen und als er im Jahre 1880 in feine Heimat Wurzburg zurückkehrte, trat er dort in der aufblühenden Arbeiterbewegung sofort mit an die erste«stelle. Von feinen Parteigenossen, die feine Fähigkeiten und seinen lau- teren Charakter bald erkannt hatten, wurde ihm eine ganze Reihe von Vertraucnsäintern übertragen, die er sämtlich eifrigst und gewissenhaft ausfüllte. Lange Zeit tvar er Expedient und Lokal« berichteritatter der Parteizeitung �für llnterfranken; der örtlichen Parteileitung gehörte er feit-8 Jahren an. Auch in der gewcrk- schaftlichen und genossenschaftlichen Bewegung war er hervor- ragend tätig." � Gemeinbewahlerfokg. Bei den Nachwahlen im Vogesendorf S u n d h e i rn bei Schlett- stadt errang die Sozialdemokratie einen glänzenden Erfolg. Unsere Genossen beteiligten sich zum ersten Male an den Kommunal- mahlen. Von den fünf Kandidaten wurden vier von der sozial- demokratischen Liste und einer der fortschrittlichen Liste gewählt. Damit ziehen die ersten Sozialdemokraten in dieses Gemeinde- Parlament.__ Personalien. Genosse Karl Klotz, bisheriger Metteur am „Volksblatt" in Bochum, ist in die Redaktion des Blattes ein- getreten. polizeiliches, Serichbtiches üb». Maifestzüge und Oberverwaltungsgericht. Maifeftzüge der Sozialdemokraten sind etwas ganz besonders Gefährliches. Das ist etwa der Kern eines Urteils des Preuß. Oberverwaltungsgerichts vom 7. April. Der Bezirksausschuß zu Schleswig hatte auf die Klage des Genossen Reimers zu Neumühlen-Tietrichsdorf bei Kiel das vom Polizeipräsidenten in Kiel ausgesprochene Verbot des für den l. Mai 1013 geplanten Maifeier-Umzuges, der sich vom Dietrichs- dorfcr Hof nach dem Etablissement Weidinannsrnh bewegen sollte; außer Kraft gesetzt. Der Bezirksausschuß schloß aus den Behauptungen des Polizeipräsidenten vor allem die Tatsachen aus, aus die sich das Oberverwaltungsgericht Ende 1910 gestützt hatte, indem es damals das Maiumzugsverbot für 1010 bestätigte. Der Bezirksausschuß meinte, Unruhen und Ausschreitungen, wie beim Wahlrechtskampf 1010, seien nicht mehr vorgekommen. Und daß jene Erregungen aus dem Frühjahr 1010 noch nach Ablauf von zwei Jahren weiter wirken sollten, in der Weise, wie 1010, könne angesichts der ruhigen Haltung der Arbeiter nicht angenommen io e r d e n. Andere konkrete Tatsachen örtlicher Natur, die eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch den für 1012 geplanten Umzug befürchten siegen, seien nicht nachgewiesen. Nur eine solche Gefährdung könnte aber nach§ 7 des Rcichsvereinsgef etzes die Versagung der Genehmigung, rechtfertigen. Der Polizeipräsident legte Berufung beim Oberverwaltungs- gericht ein, zu dessen Verhandlung der Sache am 7. April der M i n i st e r des Innern einen Kommissar zur Wahrnehmung des öffentlichen Interesses entsandte. Zunächst trat Rechtsanwalt W o l f g a n g Heine, der Ver- treter des Genossen Reimers, für Bestätigung des günstigen Ur- teils des Bezirksausschusses ein. Er legte dar, daß mit Recht der Bezirksausschuß das Vorliegen konkreter Tatsachen im Sinne der bekannten Jndikatur verneint hebe. Daß zur Zeit des Verbots besondere Erregungszustände in der Kieler Arbeiterbevölkernng geherrscht hätten, wie der Polizeipräsident behaupte, sei geradezu aus der Luft aegriffen. Weder bei den Stadtverordneienwahlen, noch bei den Reichstagswahlen anfangs 1012, noch während der Töpscrbewegung im April 1912 seien Merkmale zutage getreten, die solche Annahme und die Annahme einer Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit rechtfertigten. Das habe auch schon der Bezirks- ausschuß festgestellt. Der Kommissar des Ministers betonte unter anderem, daß ein Maiumzug als politische Demonstration schon an sich auf- reizenden Charakter babe. Mit einer sehr großen Beteiligung der Arbeiter von Großkiel hätte hier gerechnet werden müssen. 12 000 seien allein polifisch organisiert. Für Großstädte bedeute an sich schon eine Ansammlung großer Menschenmengen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Der Kommissar griff auch wieder auf die Vorgänge vom 15. März 1910 zurück, wo anläßlich einer Wahl- rechtsdemonstrationen es auf dem Wilhelmsplatzc zu tumultarischen Austritten gekommen sei, und wo man— natürlich immer nach den politischen Berichten— nach Polizeibeamten mit Steinen ge- warfen hätte. R.-A. Wolf gang Heine wandte sich noch einmal gegen die Heranziehung der Lorgänge aus dem Anfange des JahreS 1010. Ganz energisch trat er u. a. ferner den Ausfübrungen des Kam- missars entgegen, daß an sich schon große Menschenmassen in großen Städten die öffentliche Sicherheit gefäbrdeten und daß a n s i ch �tbon Mniumzüge etwas fiir die öffentliche Sicherheit ganz Gefährliches seien. Eine solche Auffassung widerspräche durchaus dem Z 7 des Reichsvereinsgcsetzcs, so- wohl seinem Wortlau!, wie auch seinem Sinne. Das Oberverwaltungsgericht änderte jedoch die Vorentfchei- dung dahin ab, daß die Klage Reimers abzuweisen und das Ver- bot für gerechtfertigt zu erklären sei.— Gründe l Das Gericht habe wiederholt geprüft, ob und unter welchen Umständen gerade die Versagung der Genehmigung von Maifestzügen zu billigen sei oder nicht. Ter Senat gehe davon aus, daß bei dem Charakter einer provokatorischen Demonstration, wie sie die Maisestumzüge hätten, in große» Städten namentlich der Polizei nicht Unrecht zu geben sei, wenn sie bei starken Gegensätzen auf politi- schein Gebiete die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit nicht babe übernehmen können- ,Das treffe vorliegend umsomehr zu, als in nicht sehr weit zurückliegender Zeit sich die Personen, aus denen sich der Umzug auch setzt zusammen- setzen sollte, in einer die öffentliche Sicherheit gefährdenden Weise benommen hätten.«Gemeint sind die Vorgänge vom 15. März 1010.1 Darum sei der Senat zu einer anderen Auffassung ge- kommen, wie der Bezirksausschuß. Preßprozeß. Wegen Beleidigung eines adligen Rittergutsbesitzers wurde Geiwsse K i l i an, der Verantwortliche unseres Kasseler Par- teiblattcs, zu 40 M. Geldstrafe verurteilt. Das„Volksblatt" hatte einer Korrespondenz Raum gegeben, in der einigen Arbeitern der Vorwurf wenig mannhasten Benehmens gemacht wurde, weil sie an Kaisers Geburtstag vor dem Rittergutsbesitzer ihres Dorfes, einem Obersten a. D., stramm gestanden hätten, vor demselben Manne, der sie für wenig Geld und viel gute Lehren ausbeute. Der Gutsbesitzer bat kürzlich die Tagelöbnc seiner Waldarbeiter von 2,50 M. auf 2,00 M. herabgesetzt. Weiter hieß es in dem Artikel, die Kriegervereinler zeigten sich gewiß dankbar dafür, dast. der auf einen selbständigen Gutsbezirk wohnende Oberst a. D. ihnen das Zahlen von 280 Proz. Gemeindesteuern überlasse, wäh- rend er aber die Gemeindewege, deren Unterhaltung eine ganze Menge Geld koste, stark benutze. Trotzdem die Verhandlung er- gab, daß die Behauptungen des..Volksblattes" genau den Tat- fachen entsprachen,, erfolgte Verurteilung auf Grund des§ 185 des Strafgesetzbuches. Politische Maßregelungen dürfen nicht kritisiert werden. An die Maßregelung eines Medizinalpraktikanten wegen an- geblich sozialistischer Gesinnung durch den Vorstand der Landes- Versicherungsanstalt Schlesien, die im vergangenen Jahre in ganz Deutschland berechtigtes Aufsehen erregte, knüpften nicht nur sozial- demokratische, sondern auch einige fortschrittlich� Blätter cnt- sprechende Kritiken. Eine Kritik der„Frankfurter- Zeitung" und eine solche der liberalen„Breslauer Morgen-Zeitung" druckte die Breslauer„ V o l k s w a ch t" ab und fügte hinzu, daß der Vor- stand der Landes-Versichernngsanstalt Schlesien von junkerlichem Geist erfüllt ist und nicht nach Gründen des Rechts und der prak- tischen Wirkung frägt, sondern lediglich nach dem Gesetz der p o l i- tischen Macht Handel!. Hierdurch suhlte sich der Vorstand der-Anstalt beleidigt und sietzte Strasantrag wegen Beleidigung gegen den Verantwortlichen. Genoffen Okonsky. Trotzdem nun der Vorstand der Anstalt in einem gegen ihn von dem Gemäß- regelten angestrengten Z i v i l p r o z e ß zur A u s st c l l u n g eines ordnungsmäßigen Zeugnisses u n d zur Fortzahlung des Gehalts bis zum gesetzmäßigen Kündigungstermin in allen Instanzen verur- teilt wurde, war die erste Breslauer Strafkammer doch der Meinung, daß die sachliche Kritik der„Bolkswacht" b e l e i d i g e n d sei. Der Vorstand der Anstalt habe bei der sofortigen Entlassung des Medizinalpraktikanten eben in gutem Glauben geh an- d e l t. Der Staatsanwalt beantragte für jeden der beiden angeb- lich beleidigenden Artikel nur 300 M., also insgesamt 600 M. G c l d st r a f c. Das Gericht erkannte auf je 5 0 M. Ter Inhalt der beiden Kritiken sei maßvoll, aber doch beleidigend. Jugendbewegung. Auch ein Beitrag zur nationalen Jugenderziehung. In dem idyllisch im Elbtale bei Dresden gelegenen Dörf« chen N. hatte der P f a d f i n d c r- H u m b u g die in den Flegel- jähren stehenden Jungen angesteckt. Da nun nach einer„Befehls- ausgäbe" des„Kommandanten" jeder Pfadsinder bei S t r e i f z ü g c n in ö g l i ch ff eine S ch u tz w a f f e mit- bringen sollte, war daS Bestreben aller Jungen auf den Er- werb eines Schießprügels gerichtet. Einer der Knaben, dessen Phantasie durch den Pfadfindcrunsug anscheinend besonders erhitzt war, war aber nicht vorsichtig genug in der Wahl der Eltern ge- Wesen. Der reich mit Kindern gesegnete Vater konnte seinem Pfad- sindcrgardistcn den ersehnten Schießprügel nicht kaufen. Da er auch sonst seine krankhaft gesteigerte Sehnsucht nach einer Flinte nicht befriedigen konnte, tat er einige kühne Griffe in die Laden- lasse des Geschäftsinhabers, für den er Botengänge besorgte. Da- durch erlangte er 11 M., die er ohne Säumen zum Ankauf eines langläufigen Teschius verwendete, womit er sich nun zum voll- wertigcn Pfadfinder ausrüstete. Bei einer auf eigene Faust uilternommcnmi Pfadniiderübung verletzten sich nun einige Jungen mit der Schutzmaffe. Bei. der deswegen vom Lehrer des Ortes angestellten Untersuchung kam auch zutage, wie der Junge das Geld für seinen Schießprügel er- langt hatte. Der Vater war natürlich ganz niedergeschmettert über die Erfolge der nationalen Jugenderziehung bei seinem Sohne; dieser aber sieht seiner Bestrafung entgegen, und das haben mit ihrem unverantwortlichen Treiben die Pfadfinder getan. Soziales« Haftstrnfe und Konturrenzklousel. Ein Handlungsgehilfe wurde aus Antrag seines früheren Ar- beitgebers vom Kaufmannsgericht in Chemnitz verurteilt, sich 1>- Jahre lang jeglicher Konkurrenztätigkeit im Bezirk der Kreis- hauptmannschaft Chemnitz zu enthalten. Da er dennoch bei cuicr Konkurrenz eintrat, wurde er auf Antrag'fernes früheren Chefs zu einer Haftstrafe von zwei Tage» verurteilt. Am Tage nach der Verkündung, aber zwei Tage vor Zustellung des Beschlusses, stellte der Gehilfe seine Tätigkeit im Konkurrenzgeschäft ein und bat das Gericht mit Rücksicht darauf, ihn von der Haftstrafe zu befreien. Der frühere Geschäftsführer aber hielt dennoch seinen Antrag auf Vollstreckung der Haftftrafe aufrecht. Das KnufmannSgcricht beschloß dem Gesuch entsprechend, daß die Vollstreckung der Strafe abzulehnen sei. Zweck der Strafe war» so heißt es begründend, den H. zur Unterlassung der Handlung zu zwingen. Somit kann die Strafe nicht ausgesprochen werden, wenn es nichts mehr zu erzwingen gibt. Die hier verhängte Strafe ist keine Sühne, sondern nur ein Zwangsmittel. Das Sonntagsgcld der Ortskrankenkasse in Neukölln. Nach mehreren Terminen erreichte anr Dienstag die Oris- krankenkasie in Neukölln gegen den'Vertreter des öffentlichen In- teresses einen Erfolg vor dem Potsdamer Bezirksausschuß. Am 10. April v. I. hatte die Generalvcrsamurlung der Kasse beschlossen, das Krankengeld nicht nur fiir die Arbeitstage, sondern auch für die Sonntage zu zablen, um einen gerechteren Ausgleich zu schaffen. Auch die Bersicherungsämtcr haben sich seinerzeit im gleichen. Sinne, ausgesprochen. Gegen diesen von sozialem Geiste erfüllten Beschluß erhob der Vertreter des öffentlichen Interesses Einspruch in der Befürchtung, die„finanziell schlecht gestellte Kasse" würde diese Mehrbelastung nicht ertragen können. Ter Bezirksausschuß erhob Belve.is über die Leistungsfähigkeit der Kasse und genehmigte nunmehr den Antrag der Kasse, die somit berechtigt ist, ihren Mitgliedern das Krankengeld für allc�Kalender. tage zu gewähren. Tie Kasse verfügt über ein eigenes Heilmittel- lager, eine eigene optische Anstalt, eigenes Massageinstitut und hat eine eigene vertrauensärztlichc Sprechstunde zur Uebcrlvachnng des KrankcnbcjlandeS eingerichtet. Arbeitslosenversicherung. Jnr Gemeindekollegium Würzburg stellten die sozialdemo- kratischen Mitglieder den Antrag, den Magistrat zu ersuchen, sich zur Frage der Arbeitslosenversicherung zu äußern und cv. nach dem Muster verschiedener anderer Städte in den nächsten Etat eine bestimmte Summe zur Durchführung dieser Maßnahme einzusetzen. Der Antrag wurde nach einiger Debattc angenommen. Freisinnige Arbeitcrfreundlichkeit. In Königsberg i. Pr. werden die städtischen Arbeiter überaus schlecht besoldet. Beträgt doch der Grundlohn für ungelernte Ar- beiler 3,20 M. pro Tag, der nach fünfzehn Jahren auf 3,70 M. steigt. Alle drei Jahre gibt? 10 Pf. pro Tag mehr. Vor kurzem beantragte die städtische Arbeiterschaft, den Grundlohn um 50 Pf. pho Tag zu erhöhen. Sie führte zur Begriindung den großen Notstand und die außerordentlich hohen Mieten an, die in Königsberg für er- bärmlichc Löcher gezahlt werden müssen. Der Magistrat, tn dem wackere Frcisimismannen sitzen, lehnte die Forderung glatt ab, und dieser Tage hatte sich die„liberale" Stadtbcrordncten-Ver- sammlung mit ibr zu beschäftigen. Der Referent beantragte, die Petition der städtischen Arbeiter als durch die Antwort des Ma- gistrats für erledigt zu erklären. Er zählte aus, was die Verwal- tung alles jmr die Arbeiter„geleistet" hätte und meinte, es sei nicht angängig, jetzt, nachdem noch nicht ein Vierteljahr seit der „Neuregelung" verflossen sei, in eine erneute Prüfung der Auge- lcgcnheit einzutreten. Diese„Neuregelung" bestand darin, daß der größte Teil der Arbeiter nicht einen Pfennig Lohnzulage erhielt und sich deshalb gezwungen sah, wiederzukommen. Auch der Magistrats- Vertreter sprach davon, daß man allmonatlich die städtischen Körper- schaften mit„derartigen Petitionen" überschütte. Von sozialdemo- kratischcr Seite wurde darauf hingewiesen, daß gerade in diesen Tagen die Unternehmer im Bauberufe und in der Privatindustrie am Orte sich veranlaßt gesehen hätten, erhebliche Zugeständnisse in der Lohnfragc zu mache». Die Löhne der städtischen Arbeiter ständen am niedrigsten. Dabei solle die Kommune den Privatbe- trieben voran gehen. Die städtischen Arbeiter hätten nicht einmal einigermaßen menschenwürdige Wohnungen; sie müßten in Wohn- räumen zusammen mit Schlafburschen Hausen, wo die Sittlichkeit zum Teufel gehe. Die„liberale" Mehrheit ist so arbeiterfeindlich, daß sie auf die Eingabe der städtischen Arbeiter sowie auf die. Ausführungen von sozialdemokratischer Seite nicht das geringste gab. Für den An» trag, die Petition dem Magistrat zur Berücksichtigung zu über- weisen, stimmten nur zwei bürgerliche Stadtverordnete. Selbst die radikalen Waldcckianer gingen über die Not der städtischen Arbeiter zur Tagesordnung über. Tie Arbeiter müssen also wcit-e hungern, dank der vielgcriihmtcn„sozialen Fürsorge" des Konununalfrei- sinns. Einige Augenblicke später wurden auch die Forderungen der Mittelschullehrer abgelehnt. Dann aocr traten die„liberalen" Herren für Subvcntionicrung einer. DampsschissqhrtS-Gesellschaft mit 2000 M. ein. Das Ideal der Dausfrau ift eine Singer iiZhmaichine JS'euc Speziat-Hpparate für den Dausgebraud?. 6ründUd�er Clnterncht unentgeltlich.- ! halfen Sie sich diesen Apparat sofort kommen! Singer Co. ffähmafdiinenHet.Gef. Berlin, leipziger Straße gz. Läden in den verfebiedenen Stadtteilen.• ninslr. 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Admiralspalast EissArena Abends 9 Uhr: Das sensationelle Elsballctt Flirt in Si. Moritz. Die kleine Charlotte. Bis 6 Uhr und von 10'/, Uhr halbe Ka«Bciiprel«c. Restaurant I. Ranges. Wein- und Bier- Abteilung. Mis dneretten-Tbeaterl Trianon-Theater. ~——-------- Täglich 8 Ubr: Wenn Frauen reisen.... Sonntag 3 Uhr: Oer selige Toupinel. (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Abend» 8 Uhr: Der Zlgennerprlma«. YPOQBM Sonntag, den 13. April 1913, im großen Festsaale der„Neuen Welt", Hasenheide KONZERT Hitwirkende: Eintrittskarten £ \f J__J»,1c Koloratursängerin vom Deutschen JTll££l rilUV, Opemhauss in Charlottenbnrg. x Anfang 7 Uhr. Eintritt 60 Pf. X X Xindee 20 Pf. X X Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zutritt. X ä 60 Pf. sind zu haben in den Zigarrengeschäften von P. Horsoh, Engelufer 15; G. Schulz, Kottbuser Tor; H. Kämmerer, Elisabethufer 37; E.Schulz, MittenwaJder Str. 2- K. Schnier, Bergmannstr. 59; W. Seidel, Schenkendorfstr., Ecke Amdtstraße; M. Gölten, Yorckstr. 40; B. Böttger, Zossener StraBe 30 und Skulitzer Straße 107; H. Kippe, Tilsiter Stx. 45; H. Parske, Büsching- straße 2; G. Voigt, Elbinger Str. 77: A. Hanuschka, Choriner Straße 28; K.Bielefeld, Graef estr. 35; G. Kuhring, Jahnstr. 1; Neukölln: A. Abraham, Donaustr. 25; P. Opitz, Pflügerstraße 74: A. Rietdorf, Pannierstraße 40; Sohöneberg: K. Schönebeck, Brunhildstraße 7; Charlottenburg: Restaurant F. Meyer, Hardenbergstr. 15, Ecke Fasanenstr.; Rummelsburg; E. Holberg, Gärtnerstraße 11, sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen. riiV f IaTI:: berliner:: �VAUU Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes IBoppel- Konzert. Gastspiel des Phniiarmoniseben Blasorchesters aus Mailand. Dirig. Maestro Loreto Tesone. Musikc. Kalser-Alexandep-Beg., Dirig. Kgl. Musikdir. Brase. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. wochÄ... Gr- Haclimlllags-Koiizerl"LKr Mar 7 Tage! Zirkus Barum nebat großer Banbtler■ Dressnrachaa Berlin aWilmersdorf, an der Brandenburger nnd Mannheimer HtrnBe. Heute Donnerstag, Ida den 10. April 1913, abend« 81/, Ehr: Eröffnung mit einem Riesens WeltstadtjrProgramm. Die Sensation dA 20. Jahrhunderts! Frau Direktor Kreiser mit ihren ausgewachsenen Berber-Ettwcn in vergeh. Tableanx. Freiheits-Pfertledreasaren Wang-ChiO-TSChUng-TlUppe vorgeführt von Orlglnal-Chlnescn MUe. Lorch und Mr. Sibille. in ihren heimatlich. Künsten. _.|rrii|cor mit seiner weltberühmten Elsbftrengruppe Direktor IVICioCI Da» Tagesgespräch einer jeden GroSstadt! sowie Auftreten aller übrigen Welt-Attraktionen. Frelae der Pltttiee(exkl. Billettsteuer): Galerie 30 Pf., 3. Platz 70 Pf. 1. Platz 1,40 M.. Sperrsitz, num. 2 M., Logen- eltz 3 M.— Kinder unter 10 Jahren zahlen in den Nachmittags- sowie Wochentags-Abendvorstellungen halbe, Sonntags abends jedoch volle Preise. 297b Voigt-Theater. Donnerstag den 10. April 1913: Gastspiel in Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 148. Zum Benefiz für Hans Kntspel: Im irrendsuso. Schauspiel in 9 Bildern von H. Busse. Kasseneröfsn. 7 Uhr. Ans. 81/« Uhr. IOSE-THEATE Große Franfsurter Stt. 132. Ansang 3 Uhr. Zum 25. Male: Kerlaffkue Iratten. Freitag; Sberloek Holme«. Sonnabendnachm.: Zopf und Schwert Reichshallen-Theater Stettiner Sänger, (Heysei, Britton, Schräder.) Anfang 8 Ehr, Sonntags 7'/, Uhr. Jßetropol-Theafer. Ansang 8 Uhr. nie Hino-Konigiii. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonfowski. Musik von Senn Dllbert. In Szene gesetzt o. Dir. Rich. Schultz.. Karl Bacbmagn J. Oiampietro G. Hiifilselier Y. Kortier! H. Bailot i. Russka Ly Winter Theater Königstadt-Casino, Eck- Hoizmarkt- u. Alexanderstraße. 1 Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke lob boinmo von Berrn Meyer! und das erstllasfige Spezialitäten Programm. Vssiuu-I'kssfsn Lotbringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Montag, den 5. Mai: Der urkomische Possenschlager: Arturs Flitterwochen u, das glänzend«»rstklass. Programm. sonntagnach»:.: papas Soiiensprung. ScIiiuB der Saison: Montag, 5. Mai. mm Schonzeit- Jäger. Komödie in 2 Akten von Anton u.Donat Herrnfeld. Liebesprobe. Plauderei in 1 Akt v. Ernst Klein. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Tbeatorkasse). Donnersta Eetate den 17. April: >ror8tellnng. Zirkus jlliiert Schumann. Heute Donnerstag, 10. April, abends 8 Uhr: Grolle Sporf-Vorstellnng. U. a.: 10 Eto-Boi-Tachn'« 10 chinesische Zauberer und Gaukler. Direktor A. Schumann mit seinen unübertrefflichen Schul- u. Freiheitsdressuren. Aerobatie■ Doppel-Jockey- Act Gebr. Powell. HIB Mabell O'Brlen Reitkünstlerin. Wettkegeln an Pferde. Um 91/, Uhr: Der nnaichtbare Mensch. Walhalla-Theater. BeinBergäroeg 19/20. Täglich 3'/, Uhr Parole: WaUa! Große Jahresreoue. VorzugSkarten haben täglich Gültigkeit. Telephon 1753. Menkblln— PflQgerstraBe Donnerstag, den 10. April, abends 8 Uhr: Große Parforce- Festspiele mit dem Riesenprogramm von 35 Attraktionen. Billett- Vorverkauf bei A. Wertheim. Folies Caprice. Des Löwe» Erwachen. Posse von Bernhard HaSkel. Der Rehbock. Posse mit Gesang von Theo Haiton. Flohs Seitensprünge. Posse von«linger und Taulsig Anfang 3'/, Uhr. Vorverk. 1t— 2 Uhr. Loucoi'lija.Festtate. Inh: M. Wendt u. A. Schütze. 64 Andreasatr. 64 Jeden Donnerstag: Große Soiree derallgemein beliebten und bekannten üofliriaDDs Sänger mit vollständig Beuern Programm Anfang 8 Uhr- Ä." F�i-Tanz. Vorzugskarten haben Gültigkeit. »lir den Inhalt ber Inserate Nderniininr die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantwortun«. Verantwortlicher Redakteur: Alfted Wirlepp, Neukölln. Für im Snjeratenteii verantw-: Th- Glocke, Berlin. Druck u.«erlag: Porwärt» Suchdruckerei u. iserlagsanjtalt PaulSmg" u.ito.. Serlin S«. Nr. 84. 80. Jahrgang. 2. Seilfljf des Jonnärtf Knlim öultelilutt Nonnerstag, 10. April 1913. Die grauen und die Candtag$wa|)len! Die voiu preußischen Landesvercin für Fraucnstimmrecht mit obigen xchema für Dienstagabend nach den Musilerfälcn ein- berufene Versammlung utar nur schwach besucht. Zlber die Ver- teidiger des herrschenden Unrechtes hatten sich in ungewöhnliche Unkosten geworfen. Draußen sah man viele, sehr viele Schutzleute und Polize�osfizicre und drinnen mehrere freilonservative Äbgcorv- nete und eine Abordnung des Bundes gegen Frauenemangipation. ?>'rau Adele Schreiber und Frau Martha Zietz begrün- beten in teils recht geschickter Weise die Forderungen der grauen. Frau Adele Schreiber stellte den Grundsatz aus: in der ausgeworfenen Frage bind« die Frauen ein Geschlechtsinieress«; ne müßten sich über die Parteien stellen. Wie wenig man sich auf Parteien stützen könne, habe die Sozialdemokratie in Ungarn be- »Viesen, als sie bei dem Kampf für das gleiche Männerwahlrecht auf die Forderung des Frauenwahlrechts verzichtete. Gegen andere Parteien hatte Frau Schreiber nichts zu erinnern. Als erste öietznerin in der Diskussion forderte Fräulein Anna Misch die grauen zur Mitarbeit für die Wahl der fortschrittlichen Kandidaten auf. Lebhafter Widerspruch aus der Versammlung vcranlaßte sie, ihre Forderung der Wahlhilfe für fortschrittliche Kandidaten auf die Herren Traub und Kauer zu beschränken. Diese beiden Kandidaten hätten sich nir die volle Gleichberechtigung ausgesprochen. Die Vorsitzende, Frau Deutsch, erklärte, daß man nicht für Kandidaten eintreten könne, die sich gegen das Frauenstimmrecht erklärten. Ter rreikonservative Landtagsabgeordncte Wagner widersprach dem parlamentarischen Wahlrecht der Frauen. Aus Gründen der Staatsraison sei es zu verweigern. Zu den sozialen Körperschaften könne man den Frauen das passive Wahlrecht einräumen; auch werde sich in der Frage des Gemeindewahlrcchts etwas tun lassen. Der frcikonservative Abgeordnete von der Wende schlug natür- Wh in dieselben Kerbe. Er verteidigte das Dreiklassemvahlrecht, weil es sich auf die Leistung für den Staat gründe. Wer die meisten Steuern zahle, müsse auch das größte Wahlrecht besitzen. In tem- peramentvoller Weise trat Gen. Z e p l e r den konservativen Herren entgegen. Das Zugeständnis, das der Abg. Wagner in der Frage des Gemeindewahlrechts gemacht habe, müsse man festhalten. Man werde sich darauf berufen und dann sehen, wie sich die kon- servativen Herren dazu stellen. Die Forderung des Frauenstin�i- rechtes sei nicht nur eine Frage des Rechts, sondern hervorragend eine Frage der politischen Macht. Mit der Eroberung solcher würden die Vertreter der geschichtlichen Nückständigkeit in Preußen gerade so gut weiter zurückweichen müssen, wie das im Reiche bereits ge- schehen sei. Beschämend sei die Interessenlosigkeit der bürgerlichen Frauen. Nun trat ein Herr Eberhard auf, der sich als Vertreter des Bundes zur Bekämpfung der Frauenemanzipation vorstellte. Aus seinen Gründen gegen das Frauenstimmrecht hörte man ein Echo der konservativen Reden. Interessant aber war die Mit- teilung, daß sich immer mehr liberale und frei- sinnige Herren, auch solche aus leitenden Stellungen, dem Bunde gegen Frauenemanzipation anschlössen. In seiner Bekämpfung berief er sich auf den Chefredakteur des „Berliner Tageblatts". Fräulein Lischnewska bezeichnete es als einen großen Erfolg, daß nun schon konservatwe Abgeordnete zu den Frauen kämen. Dann stimmt« sie unter teilweise stürmischem Widerspruch der Versammlung ein Loblied aus die neue Militär. Vorlage an. Durch Machtentfaltung müsse Deutschland sich seinen Platz auf dem Weltmarkt sichern. Gen. D ü w e l l bemerkte, wenn man die Macht zum herrschenden Prinzip erhebe, wie es Fräulein Lischnewska getan, dann mute es eigenartig an, zu den Besitzern der Mach: mit Gründen des Rechts zu reden, damit sie auf ihre Macht verzichteten. Die Frag«, ob wegen der besonderen Veranlagung der Frau ihre Mitarbeit bei der Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse notwendig sei, müsse man unbedingt besahen. Nach den Ausführungen von Frau Schreiber hätte man sich versucht fühlen können, anzunehmen, die Versammlung bezwecke die Propa- ganda für die Fortschrittliche Volkspartei. Sehr große Partei- sünden auS der allernächsten Nähe habe sie nicht erwähnt, nicht ge- sagt, daß die Fortschrittlich« Volkspartei auf ihrem Parteitage in Mannheim die Aufnahme der Forderung des Frauenstimmrechts in ihr Programm abgelehnt habe. Den konservativen Herren sei zu sagen, daß, wenn die Steuerleistung wirklich, die Grundlage des Drciklassenwahlrechts sei, sie aus eine große Anzahl Mandate verzichten müssen. Die größere Steuerleistung der Grundbesitzer gründe sich aus die Schutzzollpolitik, die viele Arbeiter zu Armen- Unterstützungsempfängern mache und dann vom Wahlrecht über- Haupt ausschließe. Wenn die Frauen die Eroberung der politischen Gleichberechtigung als Selbstzweck betrachteten, dann bliebe ihnen keine Wahl: sie müßten für die Sozialdemokratie, die die völlige kleines feuiUeton. Wehe den Besiegten! Ludovic Naudeau, der Kriegsberichterstatter des„Journal", der zusammen mit Barzini im Gefolge der siegreichen Bulgaren das eroberte Ädrianopcl betreten durste, hatte Gelegenheit, den Baracken, die auf dem sumpfigen Gelände der durch zwn' Brücken mit der Stadt verbundenen Tundschainsel für die tranken Türken eingerichtet wurden, einen Besuch abzustatten, über den er in seinem Blatte wie folgt berichtet�„Was ist denn das Leiden, dem alle die Unglücklichen dieser Insel des Grauen? zum Opscr fallen? Kein Zwei'iel, die Cholera wütet unter.ihnen. Man hat dafür untrügliche Zeicken. die jeden Irrtum ausschließen. Viele Aerzte, türkische wie bulgarische, bcbauplen freilich, daß die Mehr- zahl der Gefangenen einfach dem pbysiologischen Elend unterliegen, der Erschöpfung und den eisigen Nächten der Tundicha; grausige Schrcckensnächle. die sie im Freien in den todbringenden Aus- dünstuugen Gierbringen. die tagelang ihre einzige Nahrung anS- machten. Wer trägt die Verantwortung für die fulwtbaren Szenen, die sich hier abspielen? Die Schuld trifft allein die Tcmoralisnlion, die wahnsinnige Todesangst im Gefolge der entehrenden Niederlage, die eine Armee in eine Herde verängstigter Tiere verwandelt. Und als alles zu Ende war. entstand den Siegern das Problem, von einem Tag zum andern für ein Heer von 60 000 Menschen Nahrung zu beschaffen. Wohl batie man die meisten io schnell wie möglich in die bulgarischen Städte geschafft, aber es blieb der jammervolle Rest der siechen Menschheit, die Schwachen und Maroden dieses erbärm- lichen Nachtrabs, die tagelang ohne jede Nahrung ausharren mußten. So gesellten sich zu dem Hunger bald die Seuchen, der Typhus und die Cholera, die die Entkräfteten vollends vernichtcien. Die Tundschainsel ist nachgerade ein solcher Infektionsherd ge- worden, daß die Aerzte Bedenken tragen, die Ueberlebenden hinauszulaffen. Es ist eine„Insel der Hölle" im wahrsten Smne des Wortes. Man braucht nur einen Blick aus die großen, die Jn'el bedeckenden Platanen zu werfe», um sich des ganzen Jammers bewußt zu werden. Die Bäume sind bis zu einer Höhe von ucht Meter bis aufs Holz abgeschält. Die abgeschälte Rinde diente dazu, die Gefangenen mehrere Tage nach der lieber- gäbe zu nähren, da sie buchstäblich dem Hungertode preisgegeben waren und froh sein mußten, in der verhältnismäßig weichen, schwammigen Rinde der Platanen ein Mittel zu haben, ihren knurrenden Magen zu betäuben Mit einem bloßen Achselzucken geht der Krieg über Tausende und Abertausende zur TageSord- nung über. „Ter Reichstag erhebt sich". AuS den stenographische» Reichstags- berichten:„t30. Sitzung. Mittwoch, den 2.-April 1013. Tie Sitznua wird um 2 Uhr 19 Minuien durch den Präsidenlen-Dr. Kaempf eröffnet. Präsident: statataj... Ich habe dem Hause einige Gleichberechtigung der Geschlechter grundsätzlich und energisch fordere, eintreten. Frau Schreiber verwahrte sich im Schluß- wort dagegen, Propaganda für die Fortschrittliche Volkspartei ge- macht zu babcn. Ein Vergleich der von ihr aufgestellten Forde- rungen Tüt dem sozialdcw.okratischen Programm beweise, daß sie mit diesem genau übereiustunmten.— Desto schlimmer, daß Frau Schreiber durch ihren Aussall gegen die Sozialdemokratie in Ungarn den Anschein erweckte, als ob die Sozialdemokratie in der Frage des Frauemvahlrcchtcs unzuverlässig sei. Leseabende. Mariendorf. Freitag, den 11. d. M., 8 Uhr, bei Herold, Chaussee- straße 183: Erster Vortrag der Genossin Bohm-Schuch über „Erziehungsfragen"._ >versaminlungcn— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 14. April, 8� Uhr, in Kellers„Neuer Philharmonie", Köpe- nicker Straße 96/07: Vortrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Gradnauer:„Die Klassengliederung der modernen Gesell- schaft". Gäste willkommen. Hm Induftm ünd ftandcl* Gute Geschäfte— schlechte Geschäfte. Tic Aera der Kriegsgefahr, die auf das allgemeine Geschäfts- leben niederdrückend wirkt, ist der großen englischen Kanonenfirma Armstrong, Witworth u. Co. nicht übel bekommen. Der soeben erschienene 18. Geschäftsbericht weist für das letzte Jahr einen Reingewinn von rund 13,8 Millionen Mark(ohne einen Uebcrtrag vdn über 4 Millionen vom vorigen Jahre) auf. Dem Reservefonds werden rund 2 Millionen Mark überwiesen, den Aktionären 12k4 Proz Dividende verteilt, der Rest auf neck« Rech- nung vorgetragen. Ferner sollen die Aktionäre auf je 4 Aktien eine weitere gratis erhalten. Da aber eine solche Gratis- Zuweisung von Aktien schon einmal im Jahre 1895— damals sogar eine neue auf 2 alte Aktien— erfolgt ist, so ist die Dividende in Wahrheit— 18,75 P-oz., der„Verdienst" der einzelnen Zlktionäre für dieses Jahr, abgesehen von Reservefonds und Vortrag. Das Kapital beträgt nominell rund 63l4 Millionen Mark, die jedoch an der Börse mit 275 Proz. bewertet werden. Durch die Äapitalver- Wässerung, die in dem Geschenk an die Aktionäre liegt, wird der Kurs entsprechend— man nimmt an, aus 225 Proz.— herab- gedrückt werden. Jedenfalls haben die Anteilhabcr von Armstrong, Witworth u. Co. keine Veranlassung, wider die Vorsehung und die oft noch unbegreiflichere Weisheit der Diplomaten zu murren. Nicht ganz so gut geht es den Arbeitern ünd Angeitellten der Riesensirma. Wie„The Daily Citizen" mitteilt, gibt es ihrer Hunderte, die in dieser Zeit der Teuerung einen Lohn von erheblich weniger als 20 M. wöchentlich verdienen. Die Maschinen- bauer haben einen Vertrag, der ihren Lohn seit fast 5 Jahren auf dem Stande von 37 Schilling wöchentlich festhält. Da dieser Tarif seinem Ende entgegengeht, werden höhere Sätze gefordert werden. Die Lebensmittelteuerung macht sie notwendig. Aber wieweit wird die Notlage der Aktionäre sie zulassen? Rekord in der Eisenproduktion. Trotz der sich auch in der Schwerindustrie t>»senden pessimistischen Urteile über die Konjunklurentwickelung zeigen die statistischen Daten keinen Rückgang sondern einen neuen Ausschwung der Produktion. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industrieller stellte sich die Roheisenerzeugung Deutschlands und Luxemburgs im März d. I. höher als je in einem Monat zuvor. Es wurden produziert: 1912 1913 � Tonnen Januar... 1 372 749 1 609 714 Februar... 1319 827 1 492 511 März.... 1 424 076 1 628 190 1. Luarial 4 066 652 4 730 415 Besonders stark war die Steigerung gegen den März des Vor- jahres bei Gießereiroheisen, bei Stahl- und Spiegeleisen und bei ThomaSrohdsen. Zur Kaligesctz-Novelle. Im Braunschweiger Landtag erklärte der Finanzminister, daß zurzeit erst Erwägungen über eine Kali Novelle schwebten, durch die hervorgetretene Mängel des Reichs kaligesctzes nach Möglichkeit beseitigt werden sollen. Ein Gesetze Mitteilungen zu machen. Seine Durchlaucht dtr regierende Fürst zu Reuß j. L., Heinrich XIV., (der Reichstag erhebt sich) ist am 29. März im fürstlichen Schlosse zu Schleiz au? dem Leben geschieden. Der Reichstag wird dem durchlauchtigsten Fürsten ein ehrendes Andenken bewahren." Wirklich? Wird er? Erstirbt diesem fortschrittlichen Präsidenten nicht die Phrase auf den Lippen? Man könnte es keinem M. d. R. als Staatsverbrechen anrechnen, wenn er von der Existenz eines Reuß j. L. keine Ahnung hätte. Mit der Lupe läßt sich dieser souveräne Staat ja wohl auf der Landkarte entdecken, aber ebenso gut hätte ihn Napoleon vor hundert und einigen Jahren so zwischen dem Ausziehen der Unterhoien und dem Löschen des Nachtlichts aus der Weltgeschichte herausblaien können. Und der„regierende" Ferscht, Heinrich der Soundsovielte.— Wer in der Pathologie der deutschen Herrscherhäuser bewandert ist. wußte, daß diese Nr. 14 seit Jahren im Dämmer unheilbaren Blödsinns dahinvegeiierte, die anderen wußten überhaupt nichts von Durchlaucht. Aber, verkündet der Fortschritiler auf dem Präsidentenstuhl, der Reichstag... durch- lauchtigsteii Fürsten...»ehrendes Andenken... bähl... Die Expedition Scott ging unter, sanglos, klanglos, zähe Helden dcS zwanzigsten Jahrhunderts. Kein ReichstagShabn krähte danach. Doch der„durchlauchtigsten" Null soll ein ehrendes Andenken bewahrt werden, jetzt und immerdar. (Der Reichstag erhebt sich.) Schon gut! Schon gut! Aber wann erhebt er sich einmal gegen diese stete Etnflößung byzantinischer Brechpulvcr? Notizen. — Die G r ü n d u n g eines RcichSschulmusennis wird in mehreren bürgerlichen Blättern von pädagogischer Seite� ge- fordert. Man weist auf die Sammlung hin, die für die Brüsseler Ausstellung von 1910 zusammengebracht wurde und noch vorhanden ist. Ste-önnie den Grundstock des gewünschten Museums bilden. Frankfurt a. M.. Leipzig und Berlin werden für die Aufnahme der Santmlung in Vorschlag gebracht. Natürlich wäre ein solches Museum von großer Wichtigkeit. Aber vi« Freiheit der Arbeit muß garantiert werden. — Bübnenchronik. Friedrich Kay ßler und Helene F e h d m e r wurden von Dir. Barnowsky für das(neue) Lessing- Theater engagiert.~ Die gleiche Bühne will übrigens„Die Brüder Karamasow", eine Bearbeitung des Romans von Dostojewski, aufführen. — Städtischer Theater zrischuß. Unbegrenztes Ver» trauen schenkt der Rat der Stadt Leipzig dem Leiter der städtischen Bühnen Max Martersteig. Er will ihm den städtischen Zu- schuß von 250000 aus 600000 M. erhöhet» — In der Zoologischen Station zu Neapel wurde das Denkmal enthüllt, das die Biologen aller Kulturstaaten entwurf liege aber noch nicht vor. �Daher hätten die einzelnen Bundesregierungen noch nicht dazu Stellung nehmen können. Rückgang im Versand des Walzdrahtverbandes. Der Märzver- fand des Walzdrahtverbandes weist seit längerer Zeit erstmalig einen größeren Rückgang auf. Es wurden im März 38 000 gegen 42 300 Tonnen im Februar versandt. Davon entfallen aus das Inland 21500(26 300) und auf das Ausland 16 500(16 000) TotnecN. Brauerei Oswald Berliner. Die seit 1869 bestebende Lager. bierbrauerei ist in eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 1060 000 M. umgewandelt worden. Gerickts-Leitung. „Tas Ungesctz gesetzlich überwaltet." Die Erfurter Strafkammer fällte am Diens- tag unter deni Vorsitz des Laildgerichtsdirektors Dr. Siebert Urteile gegen Streiks linder, die wegen ihrer uilgemeinen Härte Aufsehen erregen müssen. Es handelt sich um Vorkommnisse während des Fenster- Putzerstreiks im Ztovember vorigen Jahres. Der Gau» leiter des Transportarbeiterverbandes Ge- nosse K n ö n e r war in die Wohnung des Arbeitswilligen Wilhelm Manz gegangen, um mit ihm zu reden. Manz hatte zunächst mit den anderen Streikenden die Arbeit nieder- gelegt, sie aber nach einigen Tagen wieder aufgenommen. Tie Aeußerung des Genossen Knöner zu der Ehefrau dieses Arbeitswilligen, sie möge doch ihren A! a n n nicht zum Streikbrnch veranlassen, stand unter An- klage. Das Gericht erkannte auf fünf Monate Gefängnis. Ferner war Frau Elise Adam, die Ehefrau eines Streikenden angeklagt, weil sie zwei Arbeitswilligen durch Worte beleidigt habe. Urteil: drei Monate Gefängnis. Ein Arbeiter Karl Stonna endlich, hatte die von ihm gegenüber einem Arbeitswilligen gebrauchten Worte nicht auf die Goldwage gelegt. Urteil: vier Wochen Gc- fänguis. Wie viel Jahrhunderte müßten Arbeitswillige, Studenten. Schutzleute und Unteroffiziere brummen, wenn ihre be- leidigenden Aeußerungen mit demselben Maße gemessen würden, wiewohl ihnen der mildernde Umstand nicht zu- gute kommen kann, daß sie aus Anlaß eines Streiks gefallen sind? Die Richter sind keine vom Volk rnis allen Teilen des Volkes gewählten Richter. Weil das nicht der Fall, ist es erklärlich, daß das Ungesetz gesetzlich überwaltet, wo eine Welt des Irrtums sich entfaltet. Tie Rechtsprechung kann der Ge- rechtigkeit nur dann entsprechen, Klassenjustiz erst dann verschwinden, wenn die Richter aus allen Teilen des Volkes vom Volke selbst erwählt werden. Das zeigen solche Urteile drastisch. Die Märtyrer, die unter solchen Urteilen zu leiden haben, haben das Bewußtsein, daß das ihnen zugefügte Unrecht zlir Beseitigung der Wurzeln dieses Unrechts aufruft, wider Willen derer, die das Unrecht als Recht sprechen zu müssen glaubten. Spielcrprozeß Stallmann. Zehnter Tag. Tie gestrigen Verhandlungen wurden durch Plaidohers aus- gefüllt. Heute sollen die Angeklagten das Wort erhalten und dann das Urteil gesprochen wer!*»._ „Die Hasen des Großherzogs." Vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I standen gestern unter der Anklage der Beleidigung des Großherzolich Sächsischen Hofjagdamts bezw. des Hofjägermeisters Grafen von Perponcher- Seolnitzki der prakt. Arzt Dr. Artur Bernstein, sowie der verant- wortliche Redakteur der„B. Z. am Mittag", Karl Adolf Bratter und der Chefredakteur Maximilian Wolfs. Im Weiinarischen Gc- meinderat war von einem Mitgliede, dem sozialdemokratischen Ab- geordneten Baudcrt mitgeteilt worden, daß das Hofjagdamt de? Großherzogs kürzlich aus einer Hofjagd 100 Hasen habe begraben auf eine Anregung des Grazer Internationalen Zoologenkongresses hin dem Begründer der Station, Anton Dohr», gesetzt haben: eine Brunneiianlage mit dem Bronzerelief DornS von Adolf Hilde- brand, dem allen Freunde des Gefeierten. — 188 zoologische Gärten gibt eS im ganzen und 20 davon— die meisten und(nach dem Urteil des Fachmanns Flaver vom zoologischen Garten in Gizch) die besten— hat Deutschland. Fünfzehn habe Afrika, siebeitundfünfzig Nordamerika; Asien nur drei, nämlich in Kalkutta, in Tokio und in Kiotv, Australien sieben, und die übrigen sechsundachtzig in Europa. Auf Deutschland folgt an zweiter Stelle England mit acht, und Frankreich steht mit der Zahl fünf an dritter Stelle. — Das Recht der Künstler auf ihre Werke ist in trankreich durch eine Entscheidung des Unterstaatssekretärs der chönen Künste erheblich gekräftigt worden. Dieser hat angeordnet. daß bei Ankäufen von Kunstwerke» durch den Staat das Recht der Künstler auf die Reproduktionen unangetastet bleibt, falls nicht eine besondere Vereinbarung dessen Enteignung vorschreibt. Ein Vor- bcbalt wird nur hinsichtlich der in den öffentlichen Dkuseen aus- gestellten Werke gemacht, deren Reproduktion durch Zöglinge der Kunstschulen unter bestimmten Umständen gestattet ist. — Erdbebenforschungeit im Nordpolargebiet. Die neue amerikanische' Expedition, die im Juni dieses JahreS hauptsächlich zur Suche nach dein von Peary gesichteten Crockerlande ausbrechen soll, hat in ihr Programm die Ausführung von Erdbeben- bevbachtungen eingeschlossen. Sie wird zu diesem Zwecke einen setbstschreibenden Erdbebenmesser mitnehmen. Eine Hütte soll außerdem mit einem Apparat für drahtlose Telegraphie versehen werden, und man hofft, auf diesem Wege eine tägliche Verbindung mit der Erdbebenstalion in Washington herstellen zu können. — Ein Wörterbuch, das nicht fertig wird. Die Arbeiten am Grimmschen Wörterbuch schreiten in einem solchen Schneckentempo fort, das unsere Geduld auf eine harte Probe stellt. Italien aber geht es in dieser Beziehung noch schlechter. Das „Vocaßolsxio della Crusoa", das Wörterbuch der ttalienischen Akademie, das vor 322 Jahren begonnen wurde, ist erst bis zum 10. Bande gediehen, der mit dem Buchstaben„M" de� Alphabets schließ,. �-Zeitschriften schau.„DaS monistische Jahr- hundert", die von Wilhelm Ostwald herausgegebene Zeitschrift des Deutschen Monistenbundes, erscheint von jetzt ab wöchentlich. Sie will mehr als bisher auf aktuelle kullurpolitische Geschehnisse eingehen und die Anlvendung des monistischen Denkens auf dem Gebiete der praktischen Kulturarbeit entwickeln. — In unsere F e u i l l e t o n r e d a k t i o n ist Genosse Franz Diederich eingetreten, der bisher das Feuilleton der „Dresdener Volkszeitung" geleitet hat. Genosse Diederich ist unteren Leiern kein Fremder, da er sowohl als Milarbeiker am„Vorwärts" wie als Herausgeber des neuen Büches der Freiheit„Von unten auf' und der Glaßbrenner-AuSlese ihnen vertraut geworden ist. lassen, da es, um die Preise zu"hallen und sich nicht der Preise drückerei der Witbrethändler zu unterwerfen, sich ihrer auf andere Weise nicht habe entledigen können. Diese Mitteilung war gelegentlich einer Flcischteuerungsdebatte gemacht worden und ging, da sie nicht dementiert wurde, in eine Anzahl Zeitungen über. Die ,.B. Z. am Mittag" veröffentlichte dann in Anknüpfung an diese Mitteilung einen Artikel, in welchem der Verfasser Dr. Bern- stein dieses angebliche Verhalten des Hofjagdamtes glossierte und darzutun suchte, daß ein solches Vergraben van IM Hasen in einer Zeit, wo infolge der Fleischtcucrung zahllose arme Leute hungern, vollständig unsozial und die elementarsten Volkswirtschaft- ltchen Grundsätze verleugnend sei.— Tie Tatsache selbst, die da vom Abgeordneton Baudert �angeführt war. hat sich als falsch herausgestellt. In diesem Sinne hat Justizrat Dr. Kronfeld- Weimar im Auftrage des Herrn v. Perponcher eine Berichtigung der.B. Z. am Mittag" zugestellt. Daneben ging ein Strafantrag wegen Beleidigung.— Die Staatsamvaltschaft hat Anklage er- hob�n namens des Hofjagdamts, weil nach ihrer Ansicht, die vom Welmarischcn Ministerium bestätigt wurde, daS Hofjagdamt eine Behörde sei. Das Schöffengericht hat seinerzeit auf Freisprechung erkannt, weil das Hofjagdamt keine Behörde im Sinne des§ 196 des Strafgesetzbuches sei. Eine Behörde sei, so führte das Schöffen- gcricht aus, jede» Organ der Staats regierung, welches berufen sei, unter öffentlicher Autorität für Herbeiführung der Zwecke des Staates tätig zu sein. Eine derartige Behörde sei das Hos- jag'damt nicht.— Gegen dieses Urteil hat der AmtSanwalt Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung kam es zu stundenlangen strafprozessualen und juristischen Auseinandersetzungen zwischen dem Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Frankfurter, und dem Vertreter des als Nebenkläger zugelassenen Herrn v. Per- poncher, Justizrat Dr. Kronfcld-Wcimar. DaS Gericht hielt den Grund, der den ersten Richter zur Frei- sprechung geführt, nicht für durchgreifend. In dem Artikel sei von dem Hofjagdamt als Behörde gesprochen worden und es sei selbstverständlich, dost sich der Nebenkläger als Leiter des Hofjagd- amtes beleidigt fühlen konnte. Das Gcricht verurtelte einem Antrage des Staatsanwalts entsprechend Dr. Bernstein und Wolff zu je 200 M. Geldstrafe eventuell 29 Tage Haft, den Angeklagten Brattcr zu IM M. Geldstrafe eventuell 19 Tage Haft und sprach dem Nebenkläger die Publtkationsbefugnis zu. Zur Sonntagsruhe. Wegen Beschäftigung von Gehilfen im Handclsgewerbc während der Sonntagsruhe war Herr Feher, der Inhaber einer Obst- und Südfruchthandlung zu Berlin, angeklagt worden. Unzweifelhaft waren eines Sonntags während oer Zeit des Hauptgottesdienstes ein Expedient, ein weiterer Angestellter und mehrere Verkäuferinnen mit dem Sortieren und Packen der Obstware beschäftigt. Der Angc- klagte meinte aber, er könne nicht bestraft werden, weil die Personen als stille Geschäststeilhaber und freiwillig diese Tätigkeit verrichtet hätten. Stille Gesellschafter wären sie deshalb, weil er ihnen ausser einem Gehalt noch Gewinnbeteiligung vertraglich zugestanden habe. Sie seien mit 1 Proz. bis zum Höchstbc trage von 399 M. jährlich am Gewinn beteiligt gewesen. Das Landgericht verurteilte den Angeklagte«. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die vom Angeklagte« gegen das Urteil eingelegte Revision mit der Begründung, dass das Landgericht ohne Rechtsirrtum festgestellt habe, dass die fraglichen Personen lediglich Angestellte gewesen seien, die neben ihrem Gehalt nur noch ein« kleine Gratifikation bis zum Höchstbetrage von 3M M. jährlich erhielten._ Zentral-Kranken- und Begräbniskaise der Sattler. Porte» fruiller und Berufsgenosseu Teutschlands(E. H. 64). Verwaltung Berlin. Heute Donnerstag, den 19. April, abends 81/, Ubr. im Gewecl» schastShause. Engeluser 15: Außerordentliche Versammlung. T.-O.: Anträge und Delegicrtcnwahlen zur Generalversautmlunz. Marktpreise van Berlin am 8. April 1913, ncA ErmiUclungen des kinigL Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gut« Sorte 19,80 bis 20,10, mittel 19,56— 19,74, geringe 19,-20— 19,38. Roggen, gute Sort» 16,08—16,10, mittel 16.04-16,06, geringe 16.00—16,02(ab Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 16.20— 16, SO, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50. (frei Wagen jafer, gute Sorte 17,50—19,70, mittel 16,40—17,40 agen und ab ßabn),' Mais(mixed), gute Sorte 14.50—14,90. Mais(runder), gute Sorte 15,30-15,60, Rlchtstroh 4,40. Heu 5,60—7,40, Martthallenvreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sdeisebobnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2.40. Riildficisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,00, Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,50— 2.40. Butter 2,40—3.00. 60 Stück Eier 3,00— 5,00. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2.40. Aale 1.60— 3,20. Zander 1.40-3,60. Hechte 1,40-2,60. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20, Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Kreble 2,40-45.00. | Todes-Anzeigen| Sozialtleinelcrstisclier Wahlvereio Neukölln. Am 7. April, verstarb unser eifriger Parteigenosse, der Tischler Wilkelm Elsholtz (Walterstr. 4/5, 13. Bezirk). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. d. MtS., nach» mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-FricdhoseS, Mariendorfer Weg, aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht 236/18 Ter Borstand. Arteiter- Radlahrer-BuDd „Solidarität", Ortsgruppe Neukölln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Bundesgenosse VWIhelm Elsholtz Walterftr. 4/5, am 7. April nach schwerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet um Freitag, den 11. April, nachmittags 2Vj Uhr. von der Halle des Gemeinde-FriedhofeS, Marien- dorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 10/18 Der Zentraivorstanil. Deutselter Bolzarbeiterrertand. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Tischler «taseph Schilf (Turmstraße 28) im Alter von 54 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frettag, den 11. April, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des seoastian-KirchhoseS in Remicken- darf, Berliner Straße, aus statt. 81/12 VI» Ortsverwaltung. DeDtseher TransportarliElter-YertaBd. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Laus- bursche Paul Hannehauer am 7.- April im Alter von 17 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des AuferstehungS-Friedhoses in Weißensee aus statt. 63/17 0!» Bezirksverwaltung. Deutsrter Bauarteitenertand. Zwclgrerein Berlin. Am 7. April starb unser Mit- glied. der Bauarbeiter Paul Mühle (Bezirk Wedding). Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. April, nach- mittags 3 Uhr. von der Halle des äI. Sebastian-KirchhoseS in Reinickendorf, Humboldtstraße, aus statt. Um reae Beteiligung ersucht 142/1 Der Vorstand. SozialdeinokratiseberWalilTereiD (. dJJeri. Mcbstagswahlkreisl Am 7, April verstarb unsere Genossin, die grau Friederike Bebnfeldt Lychener Straße 112. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet beute Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, aus dem Begräbnisplatz der Frei- religiösen Gemeinde, Pappelallee, statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/20 Der Torotand. Verein für Frauen und Mädrten der arbeitenden Klassen. Am Montag, den 7. April, verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser treues Mitglied, Frau Friederike Behnfeldt im 78. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, van der Halle des Friedhofes der Frca-c.tgioicn Gemeinde, Pappel- Allee 15-17, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 53/9 Der Vorltand. SozlaldemokratisEberWalilverein IdlBerLRelelistags-Walilkrels. Am 7. April verstarb unser Genosse, der Linoleumleger Otto Schüler � Gaudhstr. 6. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3 Uhr. van der Halle deS Gethsemane-Kirch- Hofes in Nordend aus statt. Um rege Betelligung ersucht 226/19 Der Borftand. Sozialdemokratischer Wafifoerein iiir Niedertarnim. Bezirk Reinickendorf-West. Am 7. b. MtS. verstarb infolge eines Unfalls unser Genosse Heinrich Pietsch Birkenstr. 70(24 Jahre alt), Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet heute. nachmittags 5 Uhr, aus dem Ge- meinde-Friedhos in der Humboldt- straße statt. Um rege Betelligung ersucht 240/11 Der Vorstand. Dp» Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10— 2. 5—«7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Spezialarzt f. Haut-, Harn.. Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beintrante jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in Hl. Homeyer 1 Untersuchung., Fäden t. Harn usw. Friedrichstr. 81, ÄÄ. Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mäfftg, auch Teilzahl. Separate» Damenzimmer. Verleih-Institut ».Borcbardt,Fricdrichstr.ll5, Oeanb.Tor. Tel. Nri, 10654, verlethtFrack-.Smoking-.Gehrockanzüge in verschied. Preislag. bis z. elegantcft. Genre. Sehr große AuSw. Mäß. Preise. krofier?ftatizeti-Verkauf. Wegen Auflösung einer deutschen Baumschule: Rosen, Schlingpflanzen, Lbstbäume, Beerensträucher, Ziersträucher, Nadelhölzer, Blumenstauden usw. _ Gesunde Ware, fabelhaft billig!-4 in Bahnhof Alexander- plati, Gontardstroste,»is-a-vis Panoramastrafze, Zentralmarkthalle. üsong Akr. Ges. Dresden Größte deursche CigareHenfabrik „Freier Bund" Elnkants- and Prodaktlvgenosscnschart freier Bast- und Schankwirte Berllnit and Unigegend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht m Berlin. Bilanz am 3i. Dezember 1912. Aktiva M. Kasscnbcstand..... 232,50 Mobilien-Konto.. 121,98 Abschreibung... 26,98 95,— Banl-Konto...... 24,10 Brauereiguthaben-Konto.. 2772,20 Brauereianteil-Konlo... ßOO.— M. 3423,80 Passiva M. Mitgliedergulbaben-Konto. 2057,49 Reservcsonds-Konto... 1052,01 GenossenschastS- Konto für Zinsenzuschreibung... 132,22 Remgewinu...... 182,08 M. 3423,80 Mitgliederbewegung: Zahl der Mitglieder am 1. Januar 1912: 115, Zugang 2, Abgang 3; mithin Mitgliederzabl am 1. Januar 1913: 109. Im Lause des Geschäftsjahres haben sich die Mltaliederguthaben um 373,19 M. vermindert und die Hastsumme um 160 M. vermindert. Die G eiamthastsumme aller Mitglieder beträgt am Jahresschluß 2130 M. Berlin, im März 1913. 104/15 Ferd. Matthe«. Joh. Grcth. CO LP ' Abhandlungen und Vortrage zur sozialistischen Bildung. Herausgegeben 248/19' t von Hax Granwald. Heft 6: ' Itt Bon Conrad Haenisch. Brei» 40 Pf. (ottw 40 Mark Anzug oder Paletot n. Meß. Cut-away m. gestr. Hose 48 M. Auf Roßhaar, g. Zutaten. 25 Maik wer selbst Stoff liekert Mein Zuschneide- und Anprobiersystem bürgt tadellosen Sita. Ein Versuchu- Sie sind dauernd Kunde Franz Hänke Prenzlauer Str.25,II(AIexanderpl.). Der gutsitzende Anzug I macht den QenUerean. Heute und folcend« Tage: Verkaut von großen Posten neuer oder gebrauchter Monalsgarderobe. Anzüge, Ulster, PatetoU, Beinkleider, getragen, teil» von ersten Schneidern aus feinsten MaCstotten angelertigi(auch au'Selde) lür jede Figur(auch den sti'ksten Herrn) passend Liger. Anschatfun-swert bis M. 120— zu lolgcnden billigen Preisen; Jackett-Anzüge 1 Rock-Anzüge. Gebrock- Anzüge, Herren-Uls.er. | Sommer- PeletoU. Hosen,. ünglinge- Anzüge. Fraok- a. OomollachattaaniSga werden rcrllohen. 9.— 12.— 16.— 20.— etc. bis zn d. teuerster: 12— lö.- 20,— 24—. 18— 22— 27— 32—, id.— 10— 18— atz.—, ö— 8— 12__ 14—. 2.— 3—_ 6—, 7.— 10— 14— 18—. Garderobenhaus Gr. Frankfurter Straße 116 m an der AndreustraBe. Große Berliner Straßenbaiin. Bilanz am Sl. Dezember 1912. Mark 19 486 300,- 179 86) ,18 1,— ),— 1.- 1,— 1,— 2 457 262,06 2 062 063,— 415 391,62 484 590,85 11350S00,— Aktlvas. Bahnkörper..........»»»»»» 70781371,30 Bahnhöfe und Werkstätten............. 22 714 554,18 Wagen.................... 38 459 266,90 Konzessionen nach Abschreibung von... 530 000,— M. Maschinen.„, 19 984,57, Mobilien„„»... 15628,88, Utensilien................... Pferde nach Abschreibung von...... 36 192,— M. Geschirre................... Dienslklcidung nach Abschreibung von.. 456 596,46 M. Bestände an Bau- und Betriebsmaterialien...... Kontokorrent, verschiedene Guthaben......... Barbestand.................. Wertpapiere als Kautionen bei Behörden....... Wertpapiere und Hypotheken als Anlage des Reservefonds ,,, Tilgungsfonds........ 33 077 651,63 0,, Beamten KautionSfondZ..... 614 731,70 192 083 549,50 Passiva. Aktienkapital, 100 082 400,—■ 4»/, Schuldverschreibungen... 45 000 000,— M. Davon unbegeben.....- 13 106 000,—. 31 894 000,— «Ha,«hi.»:"SSSs 3'/,'Ic unbebobene gekündigte Schuldverschreibungen nebst Zmsen................. 2 325,— Rückstellung sür Zinsen der 4°/« Schuldverschreibungen... 529 830.— Reservefonds.................. Tilgungsfonds................. �5 Taloniteuer-Rückftellung.............. 000— Beamten-Kautionen................®27 SoO.nO Haftpflicht-VerstcherungSfondS............> 241 469,37 Konto-Korrent, verschiedene Gläubiger und Bar-Kauttonen. 2 495 546,64 ErneuerungSsondS................ � 2�3 750,61 Erneuerungsfonds II........-..... l'40 107,13 Lästige BetriebSverp stich tnngen........... 1 035 260,— Gewinn« und Verlustrechnung........... 10 459 926.0) 192 0« 549,50 Oewinn> und VerlustwRecbnung. Soli. ��SchuIdve�schrelbrmgen-Zinsen,4°/»Zwjenvon3Ö0Ö0Ö00M. 1 150 Ouo'— Tilgungsfonds................. 500 000,— Gcsamlcrbschrcibungen.............. 1 224 515») Vertragsmäßige Abgaben an die Gemeinden...... 3 306 626,88 Talonsteuer-Ruckstellung.............. 120 000,— Hastpflichl-BersicherungSsondS............ 250 000,— ErneucrungSfonds I............... 2 500 000.— ErneuerungSsondS II............... � 550 000,— -aldo-Reingewmn Gewinn-Vortrag aus 1911 Bai»«». 10 459 926.01 20 132 243,18 Zinsen. Betriebse Betriebseinnahmen Betriebsausgaben. 45 583 972,53 M. 25 828 210,12„ 28 738,44 347 742,33 19 755 762,41 20 132 243,18 Otto. Berlin, den 27. Februar 1913. Die Direktion. Dr. Wussow. Meyer. Or. W. Micke. Nach vorgenommener Prüfung der Belege und Bücher der Gesellschaft bescheinigen wir hiermit die ordnungsmäßige Führung der Bücher und die Uebereins.immung der vorstehenden Bilanz, sowie der Gewinn- und Verlust. rechnung mit densewen. Berlin, den 27. Februar 1913. Oskar Zwickau. öffentlich angesteWer, beeidigter Bücherrevisor. Berliner Wurst- und Fleischwarea- Fabrik KarlLaeske, Petersherger Platz fl ofleriert heute billigst: Eisbeine Pf°nd 30 bei 5 Pfund 28 Pf. Spitzbeine ffmd so p, bei 5 Pfund 18 Pf. Rippen go-eo Pf. s owie sSmtliche Wurst u. Fleisch- w&ren zu den billigsten Preisen. Emil Krynrtz, �gerichtlicher Bücherrevisor m, Bezirk deS Kgl. KammergenchtS und deS Kgü Landgerichtt Abefsimer- Pumpen »um Selbstansstellen für Gartenb-s'k-r n- Lauben. lolonisten von» M. an Flügelpumpeu. Gartenspritzen. _ Filter, Röhren. Schläuche usw. billigst. Erdbohrer leihweise. Karl Köchlin& Co. Berlin SW., j�ri676. AU« Jakobftr.20 2» Achtm,«; P o 1 e na Acht»«!,: Nähler des S.. ö. und 7. Landtags-Aahlkreiies. große potnisehe Yolksversatnnhmg önt Sonntag» den 13. April, nachm. Ä Uhr, in„Kellers Festsälen"» Koppenstr� 29. Tagesordnung: i.„Das polnische Dolk und die Kandtagswahlen�. Referent: Stanislaus Riblcki. 3. Frei« Disluffion. Das jL�itationslcomitee 313)15* P. P. S. der Polnischen Sozialdemokratischen Partei Berlins. LeuKeher jKKsWler-Verlisnck. Verxvaltung LerUn. Morgen Freitag» den 11. April 1913, abends 8 Uhr: 10 große nntglieder'Qerfamtnlungen Süden u. Südweslen: ßliems Festsäle, Hoseuheide l3/1Z. Südosten I n. II: Modrag, Maldemarstr. 75. llslen l. II n. Nordosten: Kellers fpftfäle, KoppeaSr. 29. Osten III u. öslliehe Vororte: Rikbeck-Srauerel, Fraukfurter Allee 53. SedSnüsnser n. Nosentdnler Vorstadt: Obiglo, MjmUtx Ztr. 23/ 4. Gesundbrunnen, Wedding u. Moabit: Fkibels Male, Kolberger Str. 23. Weiüensee: Prälaten, Fehderßr. 122. Neukölln: Kartsch, Kermaunftr. 19. Cbarlottenburg: Polkshaus, WnenSr. 3. Scüöneberg: Neue Rathansstle, Martin-Luther-Ztr. 69. Tagesordnung: - Welche vorteile bietet um der neue vertrug. 2. Diskussion. Referenten sind: Robert Fendel» Theodor Glocke, Wilhelm Güth, Hermann Jaeck, Hugo Langhammer, Richard Leopold, Wilhelm Nitschke, Karl Reiche, Alwin Rennau, Hans Schwarzmeier. 8i,ii» vis vrtsvertivaltunx. Verband der stlaler, £ackierer, Anstreicher Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Tilisle SerUn. USW. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9. Fernsprecher: Amt Norde» 8708. Nachtragsliste der vom Verbände der Maler gesperrten Meister: Ganz. Karl, Ealoinftr. 27, Liebon. Gustav, Heimstr. 19. Rathatzack, Paul, Friedrichshagen. Wiese, Weißensee, Gustav« Adolf- Straße 14. Böse, Paul, Lichterfelde, Bismarck- straße 30. Patzmann. Gustav, Lichterfelde, Man- teuffelstraße. Tänzel, Max, Lichterseide, 5tznef«beck- stratze 5. Habermann, Wolliner Str. 81. Hollatz, Richard, Wittstocker Str. 10 1, Werlstelle Roslocker Str. 25. Kreienbring, Schöneberg, Scban- straße 67—03. Holzapfel. Wilh. Tegel, Treskowstr. 8. Diese Firma ist gesperrt, weil sie für andere gesperrte Firme» Ar beireu ausführt. 138/12 Nachfolgende Lirmeu sind von der Liste m streichen: Nolsi. Herpt., Kurfürftenstr. 148. I Detter, Ciio, Samariterstr. 3._| Brost, Pankow, Mühlcnstr. 14._ em dk popumre CiQuretie Steglitz Friedenau! Freitag, den 11. April, abends 8>/z Uhr, im„Albrechtshof" in Steglitz: OeffentikHe unpolitische Versammlung. Tagesordnung: 284/13 Nie mhreil uub die falschen Freunde der Albeiteringend. Referent: Vr. Moseufelcl, �ulc�anmm®xo�ttUntt Freie Aussprache. Me Arbeiterschaft von Steglitz und Friedenau, insbesondere die Arbeiterjugend, bitten wir dringend um ihr Erscheinen. Sorgt für einen Massenbesuch! Der Jngendansschust. iP r, m ' Dentschiands. ——~ Zahlstelle Berlin.- Bureau und Arbeitsnachweis Engeluser 15. Telephon Amt Moritzplatz 4007. Freitag, den 11. April, abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Außerordentliche Miigliederoersammluns Tagesordnung: 1. Bericht und endgültige Beschlußfassung über die Tarifbewegung in den Werkstätten. 2. Maifeier. 22/4 Kollegen! Die weittragende Bedeutung der Tagesordnung verpflichtet jeden, in der Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. L. Klapschus. Wer Inar Vemattlmgsstelie Keeliu. C. 54, Lmienstr. 83—85. Verwaltung Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Branche der Mo-Operateure Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Sonntag, den IS. April 1013, vormittags 10 Uhr, in Wwe. Zlugnstins Festsälen, Oranienstr. 103: Großer Demonstrations-fortrag des Herrn Direktor Morgenstern. Thema: Der Mensch im Kampf gegen giftige Gase. Was dem Vortrag ganz besonderen Wert verleiht, ist die Vorführung sämtlicher Apparate, wie sie von der Berliner Feuerwehr, in Bergwerken. bei Unglücksfällen usw. verwendet werden. 116/4 Eintritt 10 Pf."Wi Achtnng! Die Bibliothek Osten, die bisher bei Nitz, Romintener Str. 14, ivar, befindet sich jetzt Warschauer Str. 9, Restaurant Nitz. Dieselbe ist geöffnet: Montags und Donnerstags von 7 bis 3 Uhr abends. Tie Ortsverwaltung. Wel-Lolin 1. Geseift: Gr. Frankfurter Str. 58 2.GesEliä{t: Grüner Weg 109 Bitte genau auf Hausnummern zu achten. Möbel auf Kredit |s#p RlesenaAuswahl"MU Anzahlungen auf Stube und Küche: Mark 15 SO 5«?.? bis 35 bl« 15 bl. 70 hl. 100 jHoderne Schlaf-, Speise-, Herren- u«" Wohnzimmer Jedsr gewünschten Art von 40 31. Anzahlung an. Einzelne Möbelstücke „Vorwärts'lesern Rabatt. w Diese Woclieü Diwandecken leer Buntpersische doppelseitige Diwandecken aM. 6,75— 8,75(iOOi5Cffl.) einfachere Qualität 435 485 Rot, blcn, oliv, bunte tM-iSCS-�S: Moderne 1075(.bisher kleine Mnstcr'O 27 M.) Mnkott. Tlsch- Q35 ldishsr niUhuil decken« 15 M.) Teppich-Speziaihaus LfHf" Emil eflvre Berlins. 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Das beweisen die Zentralwerke der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Um weiteren Bevölkerungskreisen die Besichtigung der Betriebsanlagen zu ermöglichen, finden Sonntag, den 13. und 20. April, vormittags von 10-12 Uhr Führungen durch die Zentralwerke statt. Um Massenansammlungen in den Gebäuden zu vermeiden, ist folgende Einteilung getroffen: Sonntag» der 13. April, ist vorgesehen für die Einwohner: Berlin Norden und Osten sowie der in dieser Richtung liegenden Vororte einschließlich Karlshorst» Köpenick, Oberschöne weide» Friedrichs» hagen und Erkner. Sonntag» den 20. April; Berlin Südost, Süden» Westen und Moabit sowie die in dieser Richtung liegenden Vororte einschließlich Adlershof, Alt»Glienicke» Grünau-Bohnsdorf und Niederschöne» weidesJohannisthal. Die Konsumgenossenschaft zählt 73000- Sie besitzt: Eigene Großbäckerei mit 18 Doppelauszugöfen und einem täglichen Mehlverbrauch von über 400 Zentner. Eigene Konditorei» Kaffeerösterei und Selterfabrik.- Zentrallager. Zur Beförderung der Waren dienen 19 Automobile. In den nachfolgenden 104 Verkaufsstellen wird voraussichtlich ein Jahresumsatz von 15 Millionen erzielt. Die Verkaufsstellen befinden sich: In Berlin: NW. Beussel straße 4— 5 Emdener Straße 50 Rostocker Straße 35 Spenerstraße 21 Stendaler Straße 5 Ufnaustr. 16 N. Bornemannstraße 1 Fehrbelliner Straße 54 Gartenstraße 3 Gerichtstraße 3 Gleimstraße 46 Hochmeisterstraße 16d Hochstädter Straße 6 Hussitenstraße 53 Lychener Straße 19 Nordufer 4 b Prinzen-Allee 85 Prinz-Eugen-Straße 24 Schivelbeiner Straße 9 Soldiner Straße 103 Stolpische Straße 24 Swinemünder Straße 33 Erkner, Königstraße 55 Friedenau, Moselstraße 7 Friedrichsfelde, Caprivi-Allee 44 Friedrichshagen, Drachholzstraße 2 Grünau, Köpenicker Straße 8 Johannisthal, Bismarckstraße 6 Karlshorst, Treskow-Allee 100 Köpenick, Berliner Straße 5 Borgmannstraße 5 Müggelheimer Straße 48 Die Verkauf»atelleii sind geöffnet an Wochentagen von Sonnabends Adlershof, Bismarckstraßel I Alt-Glienicke, Rudower Straße 59, Ecke Köpenicker Straße Zaumschulenweg. Baumschulenstraße 93 a Bohnsdorf, Straße 21 Britz, Werderstraße 31 Charlottenburg, Kaiserin-Augusta-Allee 55 Potsdamer Straße 30 Wallstraße 23 Weimarer Straße 29 Westend, Fredericiastr. 11 Togostraße 4 Transvaalstraße 3 Willdenowstraße 30 NO. Bötzowstraße 34 Büschingstraße 12 Naugarder Straße 45 Winsstraße 63 0. Bödikerstraße 7 Grüner Weg 15 Kochhannstraße 14 In den Vororten: Lichtenberg, Boxhagener Straße 24 b Bürgerheimstraße 102 Kronprinzenstraße 1 Mozartstraße 2 Rittergutstraße 22 Wismar-Platz 3 Wühlischstraße 57 Lichterfelde-Lankwilz, Kaiser-Wilhelm-Straße 43 Mariendorf, Kaiserstraße 110 Neukölln, Böhmische Straße 47 Emser Straße 33 Friedelstraße 15 Kopernikusstraße 3 Küstriner Platz 4 Liebigstraße 7 Mirbachstraße 26 Pettenkoferstraße 26 EröSnnng 17. d. IL Zorndorfer Straße 61 SO. Adalbertstraße 36 Forster Straße 3 Manteuffelstraße 91 Wrangelstraße 65 Herrfurthstraße 6/6a Münchener Straße 39 Steinmetzstraße 107 Weserstraße 28— 29 Wildenbruchstraße 61—62 Nieder-Schönhausen, Kaiser-Wilhelm-Straße 79 Nieder-Schöneweide, Berliner Straße 110 Ober-Schöneweide, Edisonstraße 50 Luisenstraße 12 Pankow, Berliner Straße 47 Wollankstraße 102 S. Alte Jakobstraße 57— 59 Qraefestraße 65 SW. Arndtstraße 5 Kochstraße 62 Wassertorstraße 20 W. Goebenstraße 17, Ecke Culmstraße Kurfürstenstraße 17 Reinickendorf-Ost, Holländerstraße 126 Hoppestraße 16 Schöneberg, Apostel-Paulus-Straße 40 Ebersstraße 26 Sedanstraße 82— 83 Südende, Lichterfelder Straße 36 Tempelhof, Berliner Straße 39 Dorfstraße 19— 20 Treptow, Oraetzstraße 58 Weißensee, Langhansstraße 7 Lehderstraße 62 Wilmersdorf, Augustastr. 3 S Uhr morgen, bis 1 Uhr nachmittags nnd von 8 Uhr nachmittag, bis 8 Uhr abends, bis O Uhr abends. Sonntags geschlossen. Eröffnet wird demnächst je eine Verkaufsstelle ElbiDQCr StFäfiß 42, YOTCkSträßC 70 und Steglitz» ÄlbTCClltSlFäßB 115. Konsumgenossenschaft Berlin nnd Umgegend E- G. m. b. H. Zentrale: Lichtenberg, Rittergutstraße 16—?6. Verantwortlicher Redakteur: Alfred WielepP, Neutölln. Für den 2nieratenleiIoerantw.:TH. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckere: a. Verlagsanstalt PaulSlnger u.Co., Berlin SW. #r. 84 3«.|a#r8ra, Z. MllM J|f0 ,AMllrtS" KttljUl Polllölllött 10 � 1913 liehmt einfielt in Sie NSHIerlilte! Sh«lottenburg. Die VrioÄhlerlisten liegen am Sonntag, den IS. April, von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, am M o n t a g, den 14., und Dienstag, den lö. April, von 10 Uhr vor- mittags bis 8 Uhr abends, öffentlich aus und zwar a) für die Stadtbezirke Westend, Spandauerberg, Schloßviertel, Lietzensec, Kalowswcrder, Nonnendamm, Königsdamm nördlich und südlich, Martinikenfelde, Lützow, Halbinsel und Innere Stadt sllrwahlbezirke 1 bis 147) im Statistischen Amt, Liitzower Str. 8a, 1. Eingang, 8 Treppen, Zimmer 40; b) für die Stadtbezirke Hochschulviertel, Kursürstendamm und Ostviertel(Urwahlbezirke 143 bis 212) im Feuerwehrdienst- gebäude Rankestr. 10. Für Neukölln liegen die Wählerlisten auS am Sonnabend, den 12. April, von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends; am Sonntag, den 13. April, von 12 Uhr mittags bis S Uhr abends; am Montag, den 14, April, von vormittags 8 Uhr bis abends 7 Uhr in der Turnhalle der 17., 33. und 34. Gemeindeschule, Weserstr. 12/13; Turnhalle deS Kaiser- Friedrich- Realgymnasiums, Kaiser- Friedrichstr. 209/10; Turnhalle der Realschule. Boddinstr. 34/41; Turnhalle der Albrecht-Dürer-Oberrealjchule, Emserstr. 133/34; Turnhalle der 19. und 20. Gemeindeschule, Stuttgarter Straße 3S/38. Schöncbcrg. Hier erfolgt die Auslegung der Listen gleichfalls am Sonn- abend, den 12. April, nachmittags von 1—7 Uhr, Sonn- tag, den 13. April, vormittags von 9— 1 Uhr, und Montag, den 14. April, nachmittags von 1—7 Uhr, im neuen Rathause, Freiherr-vom-Stein-Str. 1, Stadlparkseite, Erdgeschoß, Zimmer 38. Außerdem können die Urwählcrlistcn eingesehen werden für den 1. Bezirk bei S kernt, Nene Winterfeldtstr. 3S; 2. Bez.: Folg er, »yffhäuserstr. 2S, und Schmidt, Martin-Luther-Str. 78; 3. Bez.: Jürgens, Barbarossastr. öa; 4. Bez.: O. Schulz, Merseburger Straße 7, und Henkel, Meininger Str. 8; 5. Bez.: Pichl, Mühlenstr. 8, und SobotsinSki, EberSstr. 35; 3. Bez.: W a n d t k e, Bahnstr. 25, und Weinberg, Hauptstr. 4; 7. Bez.: Hauser, KönigSweg 42, und Bartnick, Siegfriedstr. 3; 8. Bez.: Knobloch, Sedanstr. 53, und Weltner, Gothenstr. 51; 9. Bez.: Andreas, Feurigstr. 16, und DombrowSki, CheruSkerstr. 28; 10. Bez.: Neumann, EberSstr. 36, und Nathmann, Tempelhofer Str. 18a; 11. Bez.: Krause, Rubens-, Ecke BegaSstraße, und Nevi, Sachsendamm. Wilmersdorf-Halensee. Hier liegen die UrWählerlisten noch bis Freitag, den 11. April, im Wahlbureau des Magistrats, Gasteiner Straße 11, 2 Treppen, öffentlich zur Einsichtnahme auS. Außerdem liegt eine Abschrift der Wählerliste bis zum gleichen Tage in folgenden Lokalen auS: Für Halensee östlich der Eisenbahnbrücke beim Restaurateur Piche, Paulsborner Str. 26; westlich von der Eisenbahnbrücke beim Restaurateur Schwachen wald, Kursürstendamm 137. Für den alten Ortsteil(im Süden von der Mecklenburgischen Straße und der Wilhelmsaue, im Norden von der Güntzelstraße begrenzt), östlicher Teil der Uhlandstraßc und die östlich hiervon ge- legenen Straßen beim Restaurateur Schilling, Lauenburger Str. 20, westlicher Teil der Uhlondstraße und die westlich hiervon gelegenen Straßen beim Restaurateur Seile, Brandenburgische Straße 60. Für den Stadtteil nördlich der Güntzelstraße, östlicher Teil der Uhlondstraße und die östlich hiervon gelegenen Straßen beim Restaurateur Gröschke, Kaiser-Allee 209; westlicher Teil der Uhlandstraße und die westlich hiervon gelegenen Straßen beim Restarateur Adam, Pfalzburger Straße 27. Für den Südbezirk, östlicher Teil der Weimarischen Straße und die östlich hiervon gelegenen Straßen beim Restaurateur Stramm, Durlacher Straße 7; westlicher Teil der Weimarischen Slratze und die westlich hiervon gelegenen Straßen beim Restaurateur P o t t s ch i e ß, Paretzer Straße 2. Reklamationen sind von den in Betracht kommenden Wählern persönlich in der Zeit vom 9. bis zum 11. April im amtlichen Wahlbureau, Gasteiner Str. 11, 2 Treppen, an- zubringen. Lichtenberg. Die Urwählerlisten für die 88 UrWahlbezirke liegen Sonn« abend, den 12. April, und Montag, den 14. April, in der Zeit von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends, und Sonntag, den 13. April, von 10 bis 3 Uhr mittags im Rathause, Möllendorffstraße, und im Stadthause, Türrschmidtstraße, zur Einsicht aus. Auch können Ab- schriften der Listen vom Sonnabend ab in jedem UrWahlbezirk in den durch Plakate kenntlich gemachten Stellen eingesehen werden. Von den Wählern wird erwartetet, das; jeder der Pflicht, Ein« ficht in die Liste zu nehmen, nachkommt. Bisher hat sich stets herausgestellt, daß die Aufstellung der Listen nicht immer mit der nötigen Sorgfalt vor sich gegangen ist. Wer daher sich daS Wahlrecht sichern will, überzeuge sich, ob er auch in der Wählerliste ver- merkt ist. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liste gebe man sofort im amtlichen Wahlburcau zu Protokoll. llm Leichen. Auf der zurzeit tagenden Berliner Sladrsynode führte der zur Beratung stehend- Kirchenhaushalt auch zu einer Erörterung über die kirchlichen Friedhöfe und ihre finanzielle Sicherstellung. Die Kirchengemeinden ziehen aus den kirchlichen Friedhöfen erhebliche Einnahmen und sie sind mit einem wahren Feuereifer darauf be- dacht, daß ihnen keine Leiche entgeht. Die Kirchengemeinden stehen auf dem Standpunkt, daß alle verstorbenen Personen, die bei Leb- zeiten der Kirche angehört haben, unter alleu Umständen auf den kirchlichen Friedhöfen beerdig, werden müfien. Die Gründe sind rein materieller Namr. Die Sucht nach Erhebung von Gebühren ist hier der allein treibende Faktor. Lassen Angehörige ihre Verstorbenen auf einem städtischen Friedhofe beerdigen, so verlangen die Lkirchcngemeinden sogenannte Auslösungsgebübren; also eine Gebühr für Nichtbenutzung des kirchlichen Friedhofes. Diese Tatsache ist so recht kennzeichnend für den wahren Charakter der Kirche, daß nicht oft genug darauf hingewiesen werden kann. Sie ist aber auch der Grund, warum die Kirche mit scheelen Augen auf die Errichtung städtischer Friedhöfe blickt. Der reine Konkurrenzneid ist die innere . Triebfeder, daß die Kirche der Stadt auch im Augenblicke Schwierig« ketten bereitet. Das geht auS einer Resolution hervor, die auf der Tagung der Ltadtshnode von dem positiven Pfarrer Koch gestellt «d von der Mehrheit angenommen wurde. Di« Resolutton lautet: .In Erwägung, daß das religiöse und das kirchliche Interesse Berlins am Beerdigungswesen voll nur durch Anlegung kirchlicher Begräbnisplätze gewahrt werden kann; in Erwägung, daß die Berlisee Stadtsynode durch die Ste&wgnahme der staatlichen Aufsichtsbehörden in der Frage der Eiuzelfriedhöfe gedrängt worden ist, Zentralfriedhöfe anzulegen; in fernerer Erwägung, daß durch die Anlage dieser Friedhöfe die evangelische Kirche Berlins der ihr durch Kirchen- und Staatsgesetz auferlegten Ver- pflichtung für Begräbnisplätze in Berlin zu sorgen, auf lange Zeit hinaus in vollem Umfange nachgekommen ist, sieht die Stadt- svnode für den Fall, daß die Nachricht von der Genehmigung eines großen städtislben Friedhofes in Buch durch die Staats- behörden sich bewahrheiten sollte, darin eine Beeinträchtigung des religiösen und kirchlichen Interesses. Sollte indessen die endgültige Genehmigung durch die zuständigen Staatsbehörden noch nicht er- folgt fein, so bittet die Stadtsynode die Königliche Staats- regierung, von neuem erwägen zu wollen, ob die Anlegung des städtischen Friedhofes in Buch in dem geplanten Umfange eine unumgängliche Notwendigkeit ist." Man sieht, mit welcher Dreistigkeit unsere Frommen arbeiten. Weil die Stadtsynode sich durch Anlegung der großen Zentralfried« Höfe verspekuliert hat, soll die Staatsregierung den städtischen Be- Hörden bei der Anlegung eines städtischen Friedhofes Schwierigkeiten machen.»Im religiösen und kirchlichen Interesse" soll das liegen, heißt es in der Resolution. In erster Linie muß das öffentliche Interesse gewahrt werden. Und das verlangt von der Stadt- gemeinde, daß sie konfessionslose Friedhöfe zu schaffen hat. Ganz konnte man auch auf der Synode das Recht der Stadt Berlin, Friedhöfe zu errichten, nicht bestreiten. Deshalb erklärte auch der Generalsuperintendent Lahusen: WaS den Friedhof in Buch be- trifft, so hat die Stadt Berlin gewiß das Recht, Friedhöfe anzulegen, da sie nicht bloß für die Armen, sondern auch für die Dissidenten zu sorgen hat, eS ist bloß die Frage, ob bei Anlegung dieser Fried- Höfe daS Recht der Kirche gewahrt wird. Der Generalsuperintendent setzte dann ausführlich auseinander, daß, wenn Berlin die städti- schen Kirchhöfe für alle Evangelische, auch für die Mitglieder der Kirchengemeinden bestimmt, die Stadtsynode ans inneren und äußeren Gründen daS Recht hat, eine AnSlösungSgebiihr vor An- nähme der Beerdigungen zu zahlen. Es sei zu hoffen, daß eS in dieser Beziehung zu einer Verständigung komme. Diesen Ausführungen gegenüber möchten wir bemerken, daß die Stadt nicht als Gerichtsvollzieher für die Kirche da sein kann. Wo sollte es hinführen, wenn die Stadt vor Aufnahme von Leichen auf ihre Friedhöfe prüfensoll, welcher Konfession der Verstorbene angehört haiund ob AuSlösungSgebühren gezahlt sind. Selbst wenn die Stadtgemeinde auf dieses kirchliche Ansinnen eingehen wollte, wäre sie gar nicht in der Lage, diese Verpflichtungen zu erfüllen. Wir haben in Berlin zahlreiche religiöse Sekten und Religionsgemeinschaften, von denen nicht klar ist, zu welcher kirchlichen Gemeinschaft sie gehören. Selbst unter den Evangelischen finden wir verschiedene Verzweigungen, wie die evangelisch-reformierte u. a. Die Stadt würde in arge Verlegenheit kommen, wenn sie da eine Nachprüfung der Religionszugehörigkeit vornehmen wollte. Selbst die evangelische Stadtsynode könnte eine solche Prüfung kaum ausführen. Aus diesen Gründen und weil eS gar nicht Sache der Stadt sein kann, die Geschäfte der Kirche zu besorgen, muß daS kirchliche Ansinnen, die Stadt solle der Kirche die Auslösungsgebühren zahlen, einstweilen als eine ganz ungehörige Zumutung zurückgewiesen werden. Das Vorgehen der kirchlichen Organe in Sachen der Errichtung eines städtischen Friedhofes ist aber kaum wie ein zweites geeignet, weite Kreise über das Wesen der Kirche aufzuklären und sie zu ver« anlassen, einer Institution den Rücken zu kehren, die sich nicht scheut, selbst noch nach dem Tode ihrer Kirchenangehörigen einen Kampf um die Leichen zu führen lediglich auS rein materiellen Rücksichten. Partei-?Zngelegendeiten. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Das Sekretariat des Verbandes sowie das Sekretariat des Bezirksbildungsausschusses, das Jugendsekretariat und die Geschäftsstelle der Kinderschutzkommssion befinden sich vom Freitag, den 11. April, ab Berlin SW. 68, Lindenstraße 2, I. Fernsprecher: Amt Moritzplatz Nr. 14 623. Alle Briefe und Mitteilungen für den Verband der Wahl- vereine sind zu richten an Theodor Fischer, Berlin SW. 68, Lindenstraße 2, I. Alle Wert- und Geldsendungen an Emil Boeske, Berlin SW. 68, Lindenstraße 2, I. Briefe und Mitteilungen für dm Bezirksbildungsaus- schuß sind zu adressieren an Richard Seidel, Berlin SW. 68, Lindenstrahe 2, I. Die Adresse des Jugendsekretariats ist: Richard Weimann, Berlin SW. 68, Lindenstr. 2, Seitenfl. I. Alle für die Kinderschichkommission bestimmten Sendungen richte nian an Emil Boeske, Berlin SW. 68, Lindenstraße 2, I. Am Tonnerstag, den 10. April, ist das Bureau des Ver- bandes der Wahlvereine geschlossen. »» » Auf Beschluß des Zentralvorstandes findet am Sonntag, den 13. April, vormittags 9 Uhr, eine Außerordentliche Verbands-Gcneralversammlung in den„Germania-Prachtsälm", C h a u s s e e st r. 110. statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu dem Beschluß der Verbands- Generalversammlung vom 20. August 1911 betreffend die Aufftellung der Kandidaten zur Landtagswahl. 2. Der Kampf der Berliner Postzei gegen die proletarische Jugendbewegung. Referent: Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. Der sechste Reichstagswahlkreis unterbreitet der Ver- bands-Generalversammlung folgende Resolution: D�e am 13. April 1913 tagende Generalversammlung Groß- Berlins erklärt: Bei Aufstellung der Kandidaten für den preußischen Landtag bleibt daS Vorschlagsrecht den Landtagswahlbezirken. Die Entschei- dung hat jedoch der Rcichstagswahlkreis. Sind an einem Landtagswahlbezirk mehrere ReichstagAvahl- kreise beteiligt, und kann unter diesen eine Einigung über die Kan- didatur nicht erzielt werden, so bat die VerbandS-Generalversamin- lung als letzte Instanz zu beschließen. Lehnt diese die strittige Kandidatur ab, so hat der Landtagswahlbezirk einen«mdern Kan- didaten vorzuschlagen. Diese Auffassung entspricht dem§ 2 des Organisationsstatuts der Partei, nach welchem die Wahlvcrcine der ReichStagswahlkreise resp. die Bezirksvcrbönde die Grundlage der Parteiorganisation bilden. Der geschäftsführende Au«s/, Uhr ab, in NißleS Festsälen, Dennewitzstr. 13. Rezitationen, Lieder zur Laute, Turnerische Aufführungen, Tanz. Bucherverlosung. Garderobe 10 Pf. Eintrittskarten a 30 Pf. seinschtießlich Tanz) sind bei den Bezirks- führern zu haben. Lichtenberg. Zu der am Sonnabend, den 12. April, im Bern« hard-Rose-Theatet stattfindenden Theatervorstellung„Die größte Sünde", von Otto Ernst, sind noch Billetts zum Preise von 75 Pf. einschließlich Garderobe in folgenden Verlaussstellen zu haben: Wilhelm Schulz, Kronprinzenstr. 47; Oskar Blume, Alt»Boxhagen 56; Krüger, Turrschmidt-, Ecke Lessingstr.; Erdmann, Wilhelmstr. 86; Miclke, Möllendorfstr. 14; Rosenblatt, Grünberger Str. 13; Franz GergS, Wilhelmstr. 54. Am Freitagabend von den bekannten Stellen auS: Wichtig« Flugblattverbreitung über den ganzen Ort. Fricdeuan. Da? X. Stiftungsfest des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 12., abends von 8'/* Uhr an im großen Saale des Kaiser-Wilbelm-GartenS, Rheinstr. 65", statt. Mitwirkende sind u. a. Frl. Elsa Colmann, Lieder zur Laute. Herr Albert Bürger. Rezitation. Die Festrede hält Genoffe Paul Richter. Eintritt 80 Pf. Oder-SchöneweidS. Freitag, den 11. April, morgen? 9 Uhr: Zahlmorgen bei Prochowski(Neue Post). Scheukendorf bei Königswusterhauscn. Am Sonnabend, den 12. April, abends 8 Uhr, bei Otto Paetsch: Fortsetzung der General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneral- Versammlung: 2- Reorganisation und Wahl eines Hauskassierers; 3. Landtagswahl und Wahl der Kandidaten: 4. Wahl zur Verbands- generalverfammlung von Groß-Berlin; 5. Bericht der Gemeindever- treter; 6. Vereinsangelegenheiten; 7. Verschiedenes. Röntgentak. Heute abend 8'/, Uhr: Zahlabend bei Marz. Buch. Freitag, den 11. April, abends 8'/, Uhr: Zahlabend bei Starke. Zepernick. Sonnabend, den 12. April, abends S1/, Uhr: Zahlabend bei Bandermann. WaidmannSlust, Hcrmsdorf und Glienicke. Sonnabend, den 12. April, abends 8'/, Uhr, findet im„SchweizerhauS" in Waid- mannsluft ein Vortrag statt über: Die Wahltechnik bei den preußischen LandtagSwahlen. Referent: Genoffe Lehmann. Ins- besondere sind die Funktionäre verpflichtet zu erscheinen. Schildow iBczirk Nieder-Schönhauscn). Sonntag, den 13. April, nachmittags 3 Uhr: Oeffentliche Versammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Genossen Pritzkow, Hauptstr. 25. Tages« ordnung: 1.„Die bevorstehenden Landtagswahlen.' Referent: Genosse Otto Braun. 2. Diskusston.— Die Einwohner der Ort- schaften Blankenfelde, Schönfließ, Mühlenbeck und Summt find zu dieser Versammlung eingeladen. Die Mühlenbecker Genoffen treffen sich um 2 Uhr bei Ä. Bärsch. Reinickendorf. Freitag abend 7 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen ans. Bernau. Der Zahlabend fällt am Donnerstag aus. Staaken. Sonnabend, den 12. April, abends S'fa Uhr, in GnädigS Gasthof: Generalversammlung des Wahlvereins. TageS« ordnung: 1. Abrechnung vom ersten Ouartal; 2. Bericht des Bor- standes und Neuwahl desselben; 3. Parteiangelegenheiten. Berliner I�acbricbten. Die folgen der LnstbarkeitiSsteuer. Recht unangenehm machen sich die Folgen der Lustbarkeitssteuer bemerkbar. Die Unternehmungen, welche die städtische Steuer ein- fach auf den BillettpreiS ausschlagen und sie somit auf daS Publikum abwälzen, müssen erleben, daß der Besuch ihrer Etablissements stark nachläßt. DaS zeigt sich in auffälliger Weife am Wintergarten. Das Metropoltheater, das besonders fest angefaßt werden sollte, erklärt in einem Schreiben folgendes: „Wie Ihnen bekannt sein dürste, wurde auch das Metropol« theater zu der von der Kommune Berlin geschaffenen Lustbar- keilssteuer herangezogen. Wir haben es zunächst eine Woche ver- sucht, diese Steuer selbst zu bezahlen, um das Publikum vor dieser Kontribution zu bewahren. Infolgedessen hatten wir in der ver- gangcncn Woche, die durch das eingetretene Frühjahrswetter nicht zu den besten gehörte, an Billettsteuer 4253 M. abzuführen, da« ist pro Vorstellung 607,50 M. bei einem relativ schwachen Geschäfts- gang. Wir haben berechnet, daß die Lustbarkeitssteuer sich durch- schnittlich pro Jahr auf etwa 270 000 bis 280000 Mark für da« Metropoltheater belaufen dürfte, und sind somit selbstverständlich nicht in der Lage, diese Steuer zu tragen. ES ist auch vollständig unrichtig, wenn die Herren Stadträte annehmen, daß das Publikum diese Steuer auf sich abwälzen ließe. Der Besuch des Winter- garlenS und der übrigen von der Lustbarkeitssteuer betroffenen EtabliffementS liefert schon setzt den Beweis, daß jedes Unter- nehmen. daS die LustbarkeitSsteuer auf das Publikm» abwälzen will, schwere pekuniäre Verluste erleiden in»ß. Allen diese» Umständen Rechnung trre�nd, haben wir den einzigen in Betracht kommenden Ausweg beschritten, um unser Publikum vor der Lustbarkeitssteuer zu bewahren und gleichzeitig selbst von dieser Steuer befreit zu werden. Wir haben demnach die Verfügung getroffen, daß von heute, den 8. April. ab, im Zuschauerraum des MetropoltheaterS nicht mehr geraucht und auch keine Speisen und Getränke mehr serviert werden dürfen. Im Foyer des Theaters werden aber natürlich nach wie vor in den Zwischenakten Speisen und Getränke verabfolgt, ebenso wie auch hier in den Pausen geraucht werden darf. Wir glauben, durch diese Maßregel das Publikum vor einer schweren und lästigen Besteuerung zu schützen und geben uns der angenehmeen Hoffnung hin, daß dies den Beifall des Publikums finden wird." Durch diese Maßnahme dürfte da§ Metropoltheater vorläufig der Zahlung der Steuer entgehen, aber nur deshalb, weil dort zurzeit eine Operette aufgeführt wird, die nicht gut unter der Rubrik: Variet? oder Revo« geführt werden kanx, Der Magistrat dürste durch diese Maßnahme der Direstion des MetropoltheaterS seine Steuerrechnung erneut revidieren müssen, nachdem ihn erst die Kinobesitzer mit der Erhebung von 29 Pf. Eintrittsgeld eine Nase gedreht haben. Die Beruustaltung des städtischen Viehhofes durch die an den Gebäuden angebrachten hätzlichen Reklamen soll nach eineni Beschlutz des Viehhofskuratoriums in Zukunft aufhören. Der Vertrag mit denr Unternehmer dieser Reklamen soll nicht wieder verlängert werden. In dem Betriebe der Darmschleimerei soll ein neues Verfahren eingeführt werden zwecks besserer Verwertung des gewonnenen Produktes, wodurch auch der oft zur Unerträg- lichkeit sich steigernde, die Anwohner stark belästigende Gestank beseitigt wird. Ein raffiniertes Verdrehungstunstfiückchen leistet sich die»Vossische Zeitung" in ihrer Dienstagsnummer an- lätzlich der in der bürgerlichen Presse üblich gewordenen Aus- schlachtung der»Sozialistischen Monatshefte". Dort steht zu lesen: »Ein sozialdemokratisches Urteil über die Hundertjahrfeier, das abweicht von der üblichen Parteischablone, wird in den »Sozialistischen Monatsh." von Dr. Leo AronS ausgesprochen. Er beginnt seine Betrachtungen mit einem harten Vorwurf gegen seine Parteigenossen Stadtvv. Bruns und Adolf Hoffmann, die in der Berliner Stadtverordnetenversammlung und im Abgeordneten- haus bewiesen haben, daß ihnen jedes Verständnis für die Er- innerung an die große Zeit vor hundert Jahren fehlt. Dr. AronS schreibt nämlich: Mit tiefer Trauer mutz es jeden Deutschen, unabhängig von seiner Parteistellung, erfüllen, daß die hundertjährigen Gedenktage einer protzen, von hohen sittlichen Gedanken getragenen Erhebung keine einheitliche volkstümliche Teilnahme erregen, daß namentlich in Preußen, wo von allen größeren Bundesstaaten allein die Er- innerungen an sich völlig ungeirübt sein dürften, jene Gedenktage zu unerquicklichen Zusammenstößen geführt haben. Als wir daS lasen, mutzten wir annehmen, es handle sich in der Tat um ein DeSaveu des Genossen Arons gegen seinen Fraktionskollegen BrunS bezw. gegen die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverord- netenversammlung. Wir sahen uns daraufhin den angezogenen Artikel in den»Monatsheften" näher an und mutzten feststellen, daß die zitierten Zeilen das gerade Gegenteil von dem bedeuten, was die ..Vossische Zeitung" zurecht gemacht hat. Mit keinem Worte ist Bezug genommen auf die Erklärungen der Genossen Bruns und Hoffmann, sondern eS ist vielmehr gegeißelt die heute noch im Schwange befindliche Entrechtung der breiten Volksschichten, die man durch ein unerhörtes Wahlverfahren fast gänzlich von der Anteil- nähme an der Verwaltung ausschließt, was keinen Anlaß zum Ein- stimmen in den feststohen Jubel geben könne. Die von der »Vossischen Zeitung" zitierten Eingangssätze deZ Aronsichen Artikels beziehen sich also im Gegenteil auf ihre eigenen Klassengenossen, und es gehört schon ein raffiniertes Verdrehungstalent dazu, sie in das Umgekehrte umzufälschen. Aufdeckung eines Mordes. Am 22. Oktober v. I. wurde der lo'/z Jahre alte Gymnasiast Ernst Tiemann, der bei seiner Mutter im Hause Kantstraße 23 in Charlottenburg wohnte, erhängt aufgefunden. Die Leichenunter- suchung ergab Tod durch Erhängen und die Leiche des Knaben wurde zur Beerdigung freigegeben. Die Familie gab sich aber damit nicht zustieden, da nicht der geringste Anhalt für einen Selbst- mord des lebenslustigen Knaben vorlag, und nahm einen Privatdetektiv in ihre Dienste. Jetzt ist das 19 Jahre alte Dienstmädchen Elise Heinrich verhaftet worden, das damals bei Tiemanns in Stellung war. Sie hatte damals mit einem Schlosser Schulz in der Berliner Strqße in Charlottenburg ein Liebes- Verhältnis unterhalten und wohl auf sein Drängen einen Diebstahl in der Tiemannschen Wohnung verabredet. Hierbei wurden sie von dem Knaben überrascht. Schulz stürzte sich aus ihn, erwürgte ihn und hängte ihn dann auf. Der Mörder konnte noch nicht ermittelt werden. Von anderer Seite wird über den Hergang folgende Mitteilung gemacht: Das auf freien Fuß gesetzte Dienstmädchen wurde im Auftrage der Familie Tiemann von einem Geheimpolizisten, der ihr nach ihrer Heimat Rummels- bürg i. B. nachgereist war, Weiter beobachtet. Er knüpfte Be- Ziehungen mit der Heinrich an und verlobte sich dort mit ihr. Eines Tage? legte sie ihm als Verlobten da? Geständnis ab, daß fie damals hier in Berlin ein Verhältnis mit einem Schlosser gehabt hatte, der sie einmal aufgesucht hätte und bei dieser Ge- legenheit den Sohn der Frau Tiemann, der ihn wohl bei seinem unerlaubten Besuche gestört hatte, erwürgt und dann an der Türklinke aufgehängt habe. Auf dieses Geständnis hin wurde das Mädchen wieder verhaftet.___ Zum Frauenmord in Potsdam. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hat bei der Beschlußkammer des Potsdamer Landgerichts die Eröffnung der Voruntersuchung gegen den verhafteten Althändler Rudolf Haendel wegen Raubmordes an dem Fräulein Gertrud v. Schönfcld beantragt. Die Vorunter- suchung wird der zuständige llntersuchungSrichter Dr. Härtung führen. Mit Zustimmung des Regierungspräsidenten ist gestern eine Beloh- nung von 1009 M. für weitere Mitteilungen ausgeschrieben, die zur Ermittelung des Juhl und zur Ueberführung der Täter führen sollen._ Die verärgerten Fleischermeister. Die Berliner Fleischerinnung hat beschlossen, an dem Festzug der Innungen zum Regierungs- jubiläum sich nicht zu beteiligen. Es ist nicht recht ersichtlich, worüber sich unsere biederen Fleischermeister geärgert haben,«ollte die Einfuhr ausländischen Fleisches die Fleischermeister so sehr in Verdruß gebracht haben? Zu dem geheimnisvolle» Tod des früheren Gutsbesitzers M. Kulpe aus der Psalzburger Straße zu Wilmersdorf wird imS weiter mit- geteilt, daß sich bisher in der Angelegenheit noch keine Klarheit schaffen ließ. Frau Martini wurde gestern vormittag wieder einen: eingehenden Verhör unterzogen, doch blieb sie bei der Angabe, daß sie Kulpe erschossen in seinem Zimmer aufgefunden habe. Da jedoch die Möglichkeit naheliegt, daß sie bei dem Austritt die Waffe auf ihren Geliebten gerichtet hat und viele Anzeichen und Bekundungen dafür sprechen, wurde sie als der Tat verdächtig in Haft behalten. Die Obduktion, die wohl Aufklärung darüber bringen wird, ob Kulpe sich selbst erschossen hat oder das Opfer eines Verbrechens geworden ist, hat bisher noch nicht stattgesunden. Als spanische Studenten traten zwei junge Gauner auf, denen ein wohlhabender Kaufmann aus Barcelona in die Hände fiel. Der Kaufmann kam auf einer Geschäftsreise auch nach Berlin und lernte hier im Hotel zwei junge Männer kennen, die sich ihm als Lands- leute. als spanische Studenten vorstellten, die an der hiesigen Uni- versität eingeschrieben seien. Der Mann freute sich über diese Bc- kanntschaft um so mehr, als er weder ortskundig war, noch auch nur ein Wort Deutsch spricht. Aus diesen Gründen nahm er auch ihr Augebot. ihn auf seine» weiteren Reisen in Deutschland zu�begleiten, dankbar an. Seine Freude dauerte aber nicht lange. Die Fahrt ging von hier nach Köln. Dort benutzten die beiden jungen Reise- führer die erste Gelegenheit, die sie fanden, ihrem Landsmann das ganze Reisegeld, einen sehr namhaften Betrag, und außerdem noch wertvolle Brillanten und Gold» und Silbcrsachen zu stehlen und mit der Beute zu verschwinden. Der Spanier besaß nicht einmal mehr die Mittel, die erhebliche Hotelschuld zu bezahlen, und mußte sich erst aus der Heimat Geld kommen lassen, um die Reise fortsetzen zu können. Die hiesige Kriminalpolizei, die sich bemüht, die Persönlichkeit der jungen Gauner festzustellen, ist durch ihre Er- nuttelungen zu der Ueberzeugung gekommen, daß man es mit gewerbsmäßigen Reiseschwindlern und keineswegs mit Studenten zu tun hat. Die jungen Leute nannten sich Cafia de Wega und Advlfo Zamora, haben sich aber ohne Zweifel falsche Namen beigelegt. Bei der Universität waren sie weder eingeschrieben noch bekannt. Eine Spur hat man jetzt in Holland gefunden. Von dort traf jetzt die Meldung ein, daß ein anderer Spanier auf der Durchreise unter ähnlichen Ilmständen bestohlen worden ist. Ein Dieb, dem er in die Hände geriet, nannte sich Antonio de Negara und gab ebenfalls an, Stuvenl zu sein. Ohne Zweifel ist er einer der beiden jungen Spanier, denen hier in Berlin der Landsmann ins Garn ging. Ein schweres Fahrstuhlunglück ereignete sich gestern nach- mittag in dem Maschinenhause der Kühl- und Gefrierhallen „Zentrum". In diesem Gebäude, das der Zentralmarkthalle am Alexanderplatz angeschlossen ist, sind zurzeit Maler beschäftigt. Einer dieser Leute fuhr mit einem Lastfahrstuhl, der jedoch auch zur Beförderung von Personen benutzt ivird, in den Keller hinab und wollte vom Fahrstuhl aus einem Kollegen einen Topf mit Farbe reichen. In demselben Augenblick setzte sich der Fahrstuhl auf bisher noch unaufgeklärte Weise wieder in Betvegung. Der Unglückliche geriet hierdurch zwischen Fahrstuhl und ZLand und wurde so gequetscht, daß er sofort die Besinnung verlor. Die Feuerwehr befreite ihn aus seiner schrecklichen Lage und brachte ihn nach dem Krankenhaus am Friedrichshain. Hier konnte der Arzt aber nur noch seinen Tod feststellen, der infolge Eindrücken? der Brust inzwischen eingetreten war. Die Leiche des Mannes, dessen Persönlichkeit noch nicht bestimmt feststeht, wurde den: Schau- hause überwiese::. DaS Opfer eines Unfall? ist der 69 Jahre alte Invalide und Zimmermann Adolf Kobel aus der Waldstr. 46 durch ein neues Un- glück geworden. Kobel siel vor sieben- Jahren bei der Arbeit vom Dach eines einstöckigen HauseS herab und zog sich einen Beinbruch und eine Kopfverletzung zu. Diese hatte trotz der äußeren Heilung dauernde Folgen. Kobel litt seit jenem Unfall häufig an Schwindel- zuständen. Bor acht Tagen bekam er wieder einen Anfall, als er bei einem Ausgang vor der Haustür den Fahrdamm überschreiten wollte. Er fiel so unglücklich hin. daß ihn ein Möbelwagen über- fuhr. In der Charit« erlag der Unglückliche gestern den neuen Ver- letzungen. DcS»ersuchten GattenmvrdeS beschuldigt wird der Arbeiter Alexander Werklowski, der in der Ackerstraße 124 wohnt. Seine kranke Frau behauptet, ihr Mann habe sie mit einer Schlinge er- würgen wollen. Die Leute lebten in unglücklicher Ehe. W. wurde in Haft genommen. Ein schwerer Straßeniahnunfall hat sich am Dienstagnachmittag im Norden zugetragen. Vor dem Hause Müllerstraße öSa, wollte der sechsjährige Max Pohl kurz vor einem nach Tegel fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 26 über das Gleis lausen. Obwohl der Fahrer mit aller Kraft bremste, konnte er den Wagen doch nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen. Der Kleine wurde umge- laßen und geriet unter den Schntzrahmen. Mit Hilfe von Passanren wurde der Wagen angehoben und der Knabe hervorgeholt. Der Verunglückte halte einen Bruch des Beckens und schwere innere Ver- letzungen davongetragen. In hoffnungslosem Zustand brachte man das bedauernswerte Kind nach dem nahen Paul-Gerhardt-Stift. In der Kanonierstraße verließ ein Fräulein Projalewski trotz der Warnung des Schaffners einen fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 81. Die P. kam zu Fall und erlitt eine schwere Gehirn- erschütterung. Aus dem Fenster gesprungen ist am Mittwochvormittag die Ehe- frau des in der Grünthaler Str. 36 wohnhasten Arbeiters Lieberth. Der Frau sind beide Beine gebrochen. Nachdem sie über eine Stunde ohne Hilfe gelegen haben soll, ist sie mit einem Krankenwagen ab- geholt worden. Der Zirkus Schumann als Theater der Fünftausend. Seit einiger Zeit sind Gerüchte in: Ilmlauf, daß der Zirkus Schumann von Max Reinhardt angekauft sei, der dort sein Theater der Fünftausend ins Leben rufen wolle. Diese Meldungen wurden von den Beteiligten dementiert. Jetzt werden über die schwebenden Verhandlungen zwischen Reinhardt und Schumann von unterrichteter Seite folgende Einzelheiten berichtet: Der Zirkus Schumann gehört einer G. m. b. H., deren sämtluhe Anteile in den Händen des Herrn Schumann sind. Max Reinhardt wollte den Zirkus für etwa S0 bis 60 Vorstellungen pachten, verlangte aber einen entsprechenden Um- bau, der etwa 300 000 M. kostet. Um diese Kosten zu decken, wird nun Herr Schumann seine G. m. b. H. in eine Akliengesellschaft mit 2 000 000 Mark Kapital umwandeln, bei der er selber Haupt- aktionär bleibt. Gleichzeitig bildet Herr Schumann eine Betriebsgesellschaft, deren Geschäftsführer er � ist und die nun mit der Di- rektion des Deutschen Theaters einen Mietsvertrag auf 50 bis 60 Vorstellungen jährlich zu einem Pachtvertrage voii je 3000 Mark pro Abend abschließt. Diese Summe soll die Verzinsung des aufzubringenden Kapitals garantieren. Sobald die Verträge ab- geschloffen sind, soll der Umbau vorgenommen werden, sodaß bereits Anfang September eventuell die Vorstellungen Reinhardts beginnen können. Eine unliebsame Störung erfuhr gestern nachinittag die Theater- Vorstellung einer Berliner Gesangschule in der Kurfürstenoper. Während des Spiels rief eine Dame, die im zweiten Rang saß, plötzlich Feuer I Feuer! Die Folge hiervon war, daß unter den übrigen Theaterbesuchern eine panikartige Aufregung entstand. Etwa 150 Personen, hauptsächlich aus dem zweiten und dritten Rang, ver- ließen fluchtartig den Theaterraum. Die anwesende Sicherheits- wache der Feuerwehr schritt sofort ein, und ein Oberfeucrmann ver- kündete den Zuschauern von der Bühne aus, daß gar keine Feuer sei und forderte das Publikum auf, ruhig auf den Plätzen zu bleiben. Die Zuschauer leisteten dieser Aufforderung auch Folge und so konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Wie festgestellt wurde, war die betreffende Dame leine Frau V.Trotha) von einem Angftzustand bc- fallen worden und hatte ohne Grund Feuer gerufen. Die Bor- stellung wurde nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt. Ter Standpunkt der Nationalpolen zu der Landtagswnhl von Groß-Berlin. Das politische Komitee der Nationalpolcn hat den Beschluß ge- faßt, ihre Landsleute an der Landtagswahl sich nicht be- teiligen und keine„deutsche Partei" unterstützen sollen. Diese Nationalpolen, die sich gern als Unterdrückte bezeichnen, wissen genau, daß die Sozialdemokratie stets die Interessen der Unter- drückten vertreten und den Hakatismus bekämpft hat. Wie das politische Komitee seine Anhänger in Unwissenheit erhalten will, geht aus einer Bersammlungsanzeige hervor, nach welcher nur derjenige das Wort in der Versammlung erkalten soll, der auf den: nationalen Standpunkt steht. Unsere Genossen der P. P.«.-Organisation. Berlin, werden am kommenden Sonntag in die Wahlbewegung ein- treten. Jeder Genosse bat die Pflicht, alle ihm bekannte» volnischen Kollegen und Bekannten auf die am kommenden Sonnwg. nach- mittags 2 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, stattfindende polnische Volksversammlung aufmerksam zu machen. Genosse Ribicki wird über das Thema:„ DaS polnische Volk und die Land- t a g s w a h k" sprechen.___ Bcrschwiuldcn ist au: 31. März der Täichuerlehrling Rudolf Fischer, der in der Luckauer Straße 7 bei ElverS u. Gerig beschäftigt war. Bei seinem Weggehen trug er einen schwarzen steifen Hut, einen bräunlich gestreiften Ueberzieher, schwarzen Anzug und Schnür- schuhe. Auf dem rechten_Fuß ging er lahm, Meldungen werden an die Eltern, Graudenzer Straße 9, erbeten. Deutscher Arbeiter-Sängerdund. In der am Sonntag, den 13. April, vormittags 11 Uhr, in der Brauerei FriedrichSpain statt- sindenden Uebungsjtunde werden folgende Lieder geübt: 1. Arbeiter- Vaterlandslied. 2. Empor zum Licht. 3. Ich warte Dein. 4. Zum 1. Mai. Vorori- I�ackricbten. Neukölln. Ter Mozistrnt als Laubenland-Pachtherr. Vor fünf Jahren machte der Magistrat den ersten Versuch, eine Laubenkolonie in eigener Regie cinzurichien. Ter gute Erfolg ver- anlaßte ihn, fortan bei dem Ankauf unbebauter Grundstücke rcgel- mäßig die etwa darauf vorgefundenen Laubenkolonien weiterz»- führen, so lange es ging, und ihre Zahl auch sonst durch Einrich- tung neuer Laubenkolonien noch zu vermehren. Im Etatjahr 1911 hatte der Magistrat, wie sein kürzlich erschienener Berwaltungs- bericht ergibt, in eigener Regie schon 35 Laubenkolonien, die zu- sammen 116 Morgen Land umfaßten und in etwa 1600 Parzellen zerlegt waren. Man kann diese Bemühungen, die oft beklagten Mißstände des Laubenkoloniewesens durch Ausschaltung der Gene- ralpächter zu bekämpfen, nur billigen. Ilm so mehr müssen wir uns aber wundern, daß wir jetzt den Magistrat selber gegen L a u b c n k o l o u i st e n verfahren sehen, wie wir t S kaum einen: G e n e r a l p ä ch t c r zutrauen würden. Die Pächter der Laubenkolonie zwischen der Ringbahnsirecke Ren- kölln— Kaiser-Friedrich-Straße und der Anschlußbahn Neukölln— Baumschulenweg sind von der Grundeigentumsdeputation des Ma- gistrats Ende März plötzlich ausgesordert worden, ihre Parzellen s p ä t e st e n s zum 1. Mai zu räumen. Begründet wird das damit, daß zur Fortsetzung der Bauarbeiten am. Slich- kanal und am Hafengleis sowie zur Regulierung der Kaiser- Friedrich-Stratzc die dortigen Grundstücke der Stadt gebraucht werden. Mit seiner plötzlichen Räumungsaufforderung kommt den Magistrat ausgerechnet im Frühjahr, nachdem manche Pächter in ihre Parzellen schon wieder ein tüchtiges«tiick Arbeit hineingesteckt haben, die nun für sie verloren ist. Die Pachtbedin- gungcn geben der Stadt allerdings das Recht, den Vertrag jeder- zeit und mit einmonatiger Frist zu kündigen, falls das Land ganz oder teilweise für städtische oder öffentliche Zwecke gebraucht oder falls es verkauft wird. Wenn aber Laubenkolonisten einen der- artigen Vertrag unterschreiben, so geben sie sich meist der Hoffnung hin, daß gerade bei Grundstücken der Stadt es schwerlich zu einer so kurzfristigen Kündigung kommen werde. Ob ein Grundstück geräumt werden mutz, das kann der Magistrat in der Regel schon lange vorher wissen, und bei den Arbeiten an: Kanal muß er das tatsächlich längst gewußt haben. Unbegreiflich ist, warum er der die Verträge vom 1. Januar 1913 ab noch auf ein weiteres Jahr hat verlängern lassei:. Jetzt bietet er den Pächtern die Rückzahlung der vorausbezahlten Pacht nur für die drei Vierteljahre von April bis Dezember an, obwohl das erste Vierteljahr von Januar bis März ihnen noch keinerlei Vorteil gebracht hat. Es wäre nur recht und billig, wenn den„raus- geschmissenen" Pächtern die volle Pacht zurückgezahlt würde, zumal da die Pachtbedingungen jeden sonstigen Anspruch auf Entschädi- gung ausschließen. Man kann es verstehen, daß die Pächter—- im ganzen sind es etwa vierzig— über die plötzliche Ermiffion aufs höchste entrüstet sind. Dazu kommt, daß es ihnen bei dem gegenwärtigen Stand der Bauarbeiten am Kanal fast unmöglich ist, ihre Parzellen abzuräumen und die Lauben wegzubringen. Der Zugang ist so erschwert, daß man mit einem Wagen übcrhauvt nicht herankommen kann. Wer zu Fuß an die Laubenkolonie ge- langen will, mutz über Sandberge und Feldbahnglcise klettern und die moorige Kanalsohle durchqueren. Schon im Winter sahen die Laubenkolonisten mit Staunen, daß sie immer mehr eingekreist wurden. Sie machten sich aber kein««arge weiter, weil ja der Magistrai die Verträge verlängern und die Pacht für 1913 ein- kassieren ließ. Jetzt müssen sie es erleben, daß der Magistrat erst im Frühjahr ihnen mit seiner Kündigung kommt und Räumung innerhalb vier Wochen fordert! Weihenfee. Zu der von der Gemeinde einzuführenden Arbeitslosenversicherung wird heute Donnerstag, abends 8'/z Uhr, im„Schloß Weißensee" eine öffentliche Versammlung Stellung nehmen. Referent ist Genosse Taubmann. Die Arbeiterschaft wird ersucht, in der Versammlung zu erscheinen. Petershagen-Fredersdorf. Die Neuwahl des Vorstandes ergab in der Generalversammlung des Wahlvereins folgendes Resultat: 1. Bezirksführer Alex Claaß- Petershagen, 2. Bezirksführer Müller-Fredersdorf: Kassierer Paul Fitting-Fredersdorft Schriftführer Otto Bräuning-Petershagen: Bei- sitzer Will: George-Petershagen und Frau Claaß: Revisoren Gustav Zufelde, Ludwig-Petershagen und Manzel-Fredersdorf. Als Biblis« thekar tungiert Max Schreiber-Neu-Vogelsberg. Aus dem Tätig- keit-sbericht ist zu erwähnen, daß dem Wahlverein 63 Mitglieder. darunter 8 weibliche, angehören. Die Zahl der Vorwärtsabonnenten beträgt zurzeit 198. Die ZeitungSspediiion wurde der Gcuossm Hösselbarlh übertragen. Einer Einnahme von 336,62 M. steht eine Ausgabe von 337,71 M. gegenüber. Sodann machte Genosse Hösselbarth die Versammelten noch mit den wichtigsten Bestimmungen der Landtagswahl vertraut, er ersuchte am Schluß seiner Aus- führungen. im bevorstehenden Landtagswahlkampf eine rege Agitation zu entfalten. NowaweS. Uebcr ein sonderbares Lorgehen eines Polizcibeamten wird un? folgendes gemeldet: Als am 18. März, abends kurz nach 11 llbr, der 16jährige Arbeiter Fritz K. von einem Lichtbftdervorträge im Singerschen Saale kommend, nach Hause ging, wurde er:>: der Pnestersiraße von dem Polizeibeamten mit der Frage angehalten. weshalb er sich zu so später Stunde noch auf der Straße„herum- treibe". K. gab dem ihm bekannten Beamten die treffende Antwort, das ginge ihn doch wohl nichts an, und ging seiner Wege. Wenige Tage darauf erschien der Polizeibeamte abends unvermutet in der elterlichen Wohnung deZ K. und erkundigte sich eingehend, wo dieser an dem betreffenden Abend gewesen, ferner ob er Mitglied der freien Jugendorganisation sei und Mitglieder derselben beim Namen kenne. K. verneinte die letzten zwei Fragen und fügte hinzu, daß er nur jugendliches Mitglied des TranSporlarbeiterverbandes sei. Damit gab sich der Polizeibeamle scheinbar zufrieden. Eines abends kurz nach Ostern erschien er jedoch zum zweiten Male bei K. und traf diesmal auch desseu Vater an, der gleichfalls Mitglied des Transportarbeiterverbandes ist. Dies- mal war der Poltzeibeamte noch wißbegieriger, denn er wünschte nicht nur die Aushändigung der«tatulen deS Transportarbeiter- Verbandes und deS Mitgliedsbuchs nebst Nummer deS jugendlichen K., sondern erkundigte sich auch nach den: Namen des Vorsitzenden und des Kassierers. DaS war dem Vater des K. denn doch zuviel: er verbat sich in energischer Weise jede fernere Belästigung und wie» dem Polizeibeamten die Tür. Die große Neugier des Beamlcu lagt darauf schließen, daß er das Bestehen einer Juaendorganisauon un Rahmen des TrausportarbeiierverbandeS vermutete und auf d:eje Weife Material für ein Einschreiten gegen dieselbe zu erhalten home. Oder sollten noch andere Gründe vorliegen? Spnnvau. Eine von über 1500 Personen desuchte Protestvenammlung gegen den Rüstungswahnsinn fand am Dienstagabend m,„Roten Adler" statt. Genosse Dr. M o s e s- Berlin sprach über das Thema: »Neue Rüstungen, neue Steuern Am Schlüsse seines mit ltürmilchem Beifall ausgenommeucn Vortrages forderte Redner die Amuei enden mit zündenden Worten aus. mit aller Macht gegen den das Volk ausbeutenden Militarismus anzukämpfen. Wenn die Kinder von Jugend auf gegen den Krieg, der die niedrigsten Lerdenschaften ent- fesselt, erzogen würden, dann seien die herrschenden K lallen machtlos, einen völkermordenden Krieg zu führen. Von unten auf muffe die' Befreiung kommen, deshalb mutz jeder Mann und jede Frau dem Wahlverein beitreten und zum Agitator werden. Nach Annahme der bekannten Resolution wurde die Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Sitzuugstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Tempelhof. Heute Donnerstag, nachmittags 5'f, Uhr, im Gemeinde- fitzmrgszimmcr, Dorsstr. 42. Mariendorf. Heute Domterstag, nachmittags 5 Uhr, im Rathaus- Sitzungssaale, Kaiserftratzc. Spandau. Heute Donnerstag, de» 10. April, nachmittags i'/t Uhr, im alten Rathause. Eggersdorf(Niederbarnirn). Heute Donnerstag 7 Uhr im Katholhschcn Lokale. StegliK. Freitagabend 6 Uhr im Rathause. Diefe Sitzungen sind öffentlich. Jeder Eemeindcangehörige ist be- rechligi, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hus aller Welt. Laßt uns Tchlafen! Man schreibt uns aus Brüssel: Ganz Belgien ist wie vom Fieber gerüttelt. Spricht ein Mensch noch von etwas anderem als vom Generalstreik? Die Industriellen, die Kaufleutc, die Reisenden, die kleinen Leute, die Künstler und zwischen allen— das Volk, der arotze, dunkle, in der Tiefe grollende Anonymus, der nun seil Wochen für nichts anderes mehr tsinn und Sorge hat als für den General- streik— alle stehen in der Hypnose des Ereignisses, das am 14. April seinen Anfang nehmen wird.... Oh, natürlich, das Leben geht scheinbar seinen gewohnten Gang. Wenn du einen Bekannten triffst, fragt er dich in diesen Tagen vielleicht noch immer mit»der Harm- losesten Miene der Welt: Na, meiit Lieber, wie ist's? Haben sie diesmal mehr Glück? Noch ein Billett für die deutschen Wagner- Borstellungen erwischt? Die Besetzung wird diesmal usw. So plaudert inan. Aber plötzlich— man pflegt in solchen Fällen zu sagen: wie von der Tarantel gestochen— fährt der andere auf: Ja. sagen sie nur aber, der Generalstreik wird doch nicht am Ende.... Und da hat mans Nach fünf Minuten ist man unfehlbar am Generalstreik, gleichviel ob man mit dem Wetter, mit der Tetralogie oder mit Montenegro oder einer anderen Aktualität angefangen hat. Eine einzige Spezies hat. scheint es, in diesen Tagen der Spannung, der Erregung einer geradezu an antike Vorbilder er- innernden Gleichmut bewahrt. Es sind die— klerikalen Herren Senatoren. Folgendes hat über den Gemütszustand dieser hochweisen �SenatSherren Aufklärung gebracht: Der derzeit in Ferien weilende Senat war ursprünglich für den 8. A p r i l einberufen worden; später hat aber der Präsident das Datum der Eröffnung für den 15. April angesetzt. Daraufhin hat der Vor- stand der Scnatslinken an das Präsidium ein Schreiben gerichtet, in welchem dieses ersucht wird, an dem ursprünglichen Datum mit Rücksicht auf die ernste politische Situation fest- zuhalten. Welche Hoffnungen die� Liberalen an die Senatsberatung knüpften, tut hier nichts zur Sache. Immerhin wird jedermann ver- stehen, datz ihr Verlangen, womöglich noch vor dem Generalstreik die Situation zu besprechen, nur löblich und natürlich ist. Aber, es war auch überdies eine Interpellation eines fozia li st ischen Senators über die politische Lage angekündigt oder deutlicher gesagt, über den Generalstreik. Wenn aber der Senat erst am 15. zusammenzutreten geruht, so kommt die Interpellation just um den einen berühmten Posttag zu spät.... lind warum können, wollen die klerikalen Herren Senatoren nicht am 8. April zusammentreten? Ganz einfach, weil einige Klerikale den Präsidenten wissen lietzen,.datz es für sie ganz besonders angenehm und nützlich wäre, ihre Osterferien zu verlängern." Bitte, wörtlich übersetzt aus dem Brief des Senatspräsidenten an den Vorstand der siberalen Senatssiaktion! Es ist einem förmlich, als hörte man die Herren vom Präsidium bei der Beratung des liberalen Anliegens erstaunt fragen:.General- streik? Pardon, wie meinen Sie das? Kenn' ich nicht...." Aber — ganz Belgien ist wie vom Fieber gerüttelt. Eine Riesenwoge geht durch das Land: sie wälzt sich durchs.schwarze Land der Berg- arbeiter': vom Borinage, aus Charleroi, durchs Centre bis nach Lüttich hinüber, nach Seraing. wo die Riesenmetallwerkstätten stehen, ins Flandrische hinein, nach Gent, zu den Textilarbeitern, nach Ant- Werpe», zu den Dockern und Diamantarbeitern, sie rauscht im Herzen des Reiches, im fröhlichen Brüssel, wo der Luxus prunkt, wo die vornehmen, geschlossenen Paläste stehen und Tausende Arbeiter in Läden mrd Werkstätten für die Bequemlichkeit und den Tand einer ihnen siemden Welt schaffen. Und das Rauschen dieser Riesenwoge kündet die allgemeine Arbeitsniederlegung für den 14. April. Der klerikale Senatspräsident aber reibt sich am Morgen dieses 14. April die Augen, schaut verschlafen durch die wmlderbolien Spitzenvorhänge und brummt wie Fafner:.Latzt mich schlafen".... Die Aufruhrakte gegen christliche Arbeiter. Die Stadt Forchheim in Obcrfranke.n ist seit fast einer Woche allabendlich der Schauplatz erregter Stratzenszcnen, die von christlichen Arbeitern veranlatzt sind. Der Grund liegt in der plötzlichen Versetzung des Kaplans Ammon, der seit 1912 in Forchheim als Geistlicher angestellt ist und sich in dieser kurzen Zeit hervorragend als Zentrumsagitator betätigt hat. Insbesondere liefe er es sich sehr angelegen sein, die Ar- beiter für die schwarze Sache einzusaugen. Das tat er aber in einer Weise, datz er sich die höchste Ungnade der besseren Zen- trumskreise zuzog. Er wollte nämlich die Arbeiter nicht b I o tz als Stimmvieh präparieren, sondern ihnen auch Rechte verschaffen. In diesem Sinne wirkte er auch bei den Kirchen- Wahlen mit dem Erfolg, datz eine Anzahl christlicher Arbeiter in den Kircheiworstand gewählt wurden. Das schlug dem Fatz den Boden aus. Eine geheimnisvoll arbeitende Clique trat in Aktion und setzte es durch Denunziation usw. beim erzbischöflichen Ordi- nariat in Bamberg durch, datz die Versetzung des Kaplans nach Kronach bcschloffen wurde. Schon das erregte Mitzstimmung unter den Arbeiteranhängern des Kaplans; als sie ihm eine Abschieds- frier veranstalten wollten, erwirkten seine Gegner, datz ihm ielcgraphisch die sofortige Abreise anbefohlen wurde. Dadurch stieg die Ausiegnng bei der Partei de? Kaplans derart, datz sich die Arbeiter zu einer lärmenden Protestkundgebung vor dem Pfarrhause zusammenrotteten, weil sie in dem Stadtpfarrcr einen der Haupturheber der Treibereien vermuteten. Die Polizei schritt ein, die Stimmung wurde immer erregter, und als sich die Demonstrationen jeden Abend wiederholten, schritt der Bezirks- amtmann als Stadtkommiffar schlictzlich zur Verlesung der Aufruhrakte. Der Vorgang ist für die Zentrumsarbeiter sehr lehrreich; sie könnten daraus wieder einmal ersehen, datz im Zen- trum jede eigene Regung der Arbeiter brutal niedergedrückt wird. Kleine Notizen. Schwarze Pocken im Ruhrgebiet. In Erkenschwick im Kreise Recklinghausen find bei einem zehnjährigen Mädchen die schwarzen Pocken ausgebrochen. Die ganze Familie ist sofort in das Recklinghauser� Krankenhaus eingeliefert worden. Das Haus ist gesperrt und die Schule geschlossen. Im Namen des Königs! Im Dortmunder Gerichts- gefängnis wurde am Mittwoch der 20jShrige Arbeiter Schwecken- d i ck enthauptet, der am 19. August gemeinschaftlich mit dem Arbeiter Bachmann den Schneidergesellen Lefath im Wäldchen bei Dortmund ermordet und beraubt hatte. Bachmann, der bei Begehimg der Tat noch nicht achtzehnjährig war. wurde seinerzeit zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Kannibalismus. Der.Masin" meldet aus Guyana von einem Ausbruch von vier zur Zwangsarbeit verurteilten Verbrechern aus der dortigen Strafkolonie. Die vier Verbrecher verirrten sich im Urwalde. Vom Hunger geplagt, töteten sie den Schwäch st en und sratzen ihn auf. Absturz eines amerikanische» Fliegers. Der amerikanische Leut- nant Rex Chandler wurde am Mittivoch in San Diego �Kalifornien) beim Absturz eines H y d r o p l a n e§, in dem er sich als Passagier befand, sofort g e t ö t e r. Der Führer des Hydro- planes, Leutnant Lewis Brereton, erlitt schwere Ver- l e tz u n g e n._ ßinefkaftcn der Redaktion. N. W. 21. Richten Sic Ihre Ausrage an das Hauptzollamb—«. äö.«1. Die für die Entbindung und das Wochenbett entstandenen Kosten müssen außer den Alimenten bezahlt werden.— Abendroth 43. Es cmpstehll sich ein schristliches Gesuch unter Darstellung des Sachverhalts. — S». Wilh. 35. Eine Klage auf Vcrtragslösung erscheint sehr zwehel- _ H. zz. Nein. Jedoch kann, salls daS Kind hier geboren und er- zogen wird, Erhöhung der Alimente verlangt werden.— A. D. 1. Mit Rechtskraft des Scheidungsurteils ist die einstweilige Ncrsüaung erloschen. 2. Ja, sobald Rechtskrast eintritt.— 3t. B. 32. Soweit ersichtlich, handelt es sich um eine Abmachung zwischen A. und B., aus der Sic keine Rechte herleiten können.— H. F. 5. Ja, tz 1S01 ff. Bürgerlichen Gesetzbuches. — P. R. 50. 1. Ja. Das Abzahlungsgeschäft kann jedoch Freigabe fordern. 2. Ja. 3. Rein, sofern Sic nicht außer den Abzahlungssachen noch weitere entbehrliche Gegenstände besitzen.— Abounent Bneb. 1. Nein. 2. Sofern es sich um eine Nachlaßsordcrung handelt, in dreißig Jahren.— A.<£. 34. Ja, gegen Erstattung eines angemessenen Fund- gelbes.— Gisiu, Kirchbachstr. Ja, jedoch unter deutlicher Angabc der Quelle. Verboten ist aber der Abdruck der Ausarbeitungen wisscnschast- lichen, technischen oder unterhaltenden Inhalts.— A. 8. Unbekannt.— R. 19. Wir empfehlen Ihnen, die Partie zu machen, noch ist der alte Zu- stand.— K. G. 70. Verband der Brauerei- und Mühlenarbcitcr, Etzel. Berlin, Schicklerstr. 6.—&. T. 31. Der Name ist uns fremd.— R. S. Bei der Konsumgen ossenschast.— Landtagswahl 1913. Sie find wähl- berechtigt._ Witternugsüberstcht vom 9. April 1913. Stmnemdc. 762iN3S 764' Still Hamburg Berlin 763© Franks. a.M 762NO —' 1761JND München Wien 7SÄN Vetter ' 2'wolkig chedeckt stwolkig l wollig SSchnec 2'halb bd. t*£ jÜ w» «tatwnen LS s E 5.2 Saparanda etersburg iscilly Aierdeen Paris iB Bf ?60l®SSS 763 NO 767NND 766WNW 763® Vetter halb bd. wollenl wollig Übedcckt Schedcckt ti £k Wetterprognose für Donnerstag, den 10. April 1913. Dielfach heiter, aber noch kühl und veränderlich bei mäßigen nördlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rburcau. WasserstandS-Nachrichten der Landes anstoll für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berkwcr Wctterburcau. ')-st bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. »iiiiSh.iiiiiiMiiiiuiii llullillli iiui iij liiui Uhiiin Achtung Problem-Raucher! Es werden in letzter Zeit minderwertige Nachahmungen meiner seit Jahren bekannten Problem- Cigaretten in Verkehr gebracht, die als Ersatz für meine Fabrikate angeboten werden. Man wolle daher beim Ankauf genau auf das Wortzeichen„Problem" auf jeder Ligarette und Packung achten. Cigarettenfabrik Problem O Verkäufe. Teppiche! fle6Ier6a(te) in allen Trotzen, jnst für die Hülste de» Wcrle« Teppichlager Brünn, Haitischer Marti 4, Bahnbos Börse.(L-I-r dcS »Vorwärts' erbalten 5 Prozent Rabatt.) ÄonntagS geöstnet' Riesenlager I L'onis Böttcher ticwstl), Kronlcuchter- SpezialHäuser. BetriehSleitmig- Boxhagcncrstratze 32 lkcin lraden).(Fabrocrbindung War- schauerstratze.) Filiale: Nculölln, Kottbuser Damm 41, Eingang Hcr� mannplatz. 2841K» Gardinen! 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