Nr.Sö. nbonncmcntS'Bedingungen; Abonnements- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3;i0 WM., monair. 1,10 iffit., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ktbonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Leslerrcich- Ungarn 2L0 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Lurcnibnrg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Ia�rg. VIe Insertion!-Lebiihr beträgt für die scchsgespallene Koloncl- geile oder deren Raum 00 Psg., sür politische und gewerlschastlichc Bercins- und Bcrsnmnilungs-Anzeigen Ll) P>g, „kleine Rlnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellcnnn- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Erldjcint täglich Verlinev Volksbleltt. Zcntralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Telegramm- Adresse: „SJZiaWcmokrat Bcrlio". Redahtton: ÖCQ. 68, Litidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplaff, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68» �.indenslrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplak, Nr. 198t. vas dicke Lncle. So bcivegt sich diL Verhandlungen des Reichstages am Mittwoch bei der Beratung der Wehrvorlage gestalteten, so ruhig und aufregungslos verlief der erste Tag, der dem dicken Ende des Riistungstaumels, der Beratung der D e ck u n g s- vorlagen gewidmet war. Man hatte den Eindruck, als hätten die bürgerlichen Parteien, die am Donnerstag zu Worte kamen, sich vorher stillschweigend darüber geeinigt, sich im hellen Tageslicht der Plenarberatung gegenseitig möglichst schonend zu behandeln, um sich für die Beratungen im - Dämmerlicht der Kommission und im Dunkel der Kulissen von vornherein einen gewissen Boden der„Verständigung" zu sichern. Am offensichtlichsten und zugleich am spaßigsten trat diese Tendenz in den Eingangsworten des Rationalliberalen P a a s ch e'zutage. Er stellte mit einem vorsichtigen Spott in der Stimme fest, daß er trotz der langen Rede seines Vor- rcdncrs, des Abg. Speck vom Zentrum, dennoch nicht genau wisse, worauf Herr Speck und seine Partei eigentlich hinaus- wollten. � Herr Paaschs zeigte aber nicht nur Verständnis für dieses Helldunkel, indein er zugab, daß es politisch klug sei, sich nicht festzulegen, sondern er fuhr unter stürmischer Heiterkeit des Hauses fort:„... und ich lvill dcni Vorredner in gewissem Sinne folgen". Der konservative Graf Westarp aber als nicht minder vor- sichtiger Mann fügte sich diesent Bunde als Dritter ein; er erklärte, daß er ini allgemeinen auf dem gleichen Boden wie seine beiden Vorredner stehe.- Bedimken hatten natürlich alle drei Redner in Hülle und s�ülle. Sie kritisierten die Vorlagen zum Teil dermaßen in Grund und Boden, daß kaum noch einige Fetzen an ihnen zu- rüctblicben. Am schärfsten ging in dieser Beziehung der Zentrumsredner vor. Das gehört zur gegenwärtigen Politik dieser Partei, deren oberstes Prinzip die Opportunität ist. Sie »macht sich stark"— um ein schönes Wort Bcthniann Hollwegs zu gebrauchen— gegen die Regierung, um einen um so höheren Kaufpreis für ihre spätere Zustimmung heraus- zuschlagen. Sie hat„schwere Bedenken" gegen den einmaligen Wchrbcitrag, gegen die angebliche Becin- trächtigung der Finanzhoheit der Einzelstaatcn, gegen die Vcr- mögenszuwachssteucr, gegen die Fortdauer der Umsatzstempel- steuer, gegen das Erbrecht des Staats. Rur gegen die Fortdauer der Znckerstcuer, der einzigen Steuer, deren Aufhebung den breiten Massen unmittelbar zugute kommen würde, hat das Zentrum keine Bedenken. Mit grimmigen Worten schloß Herr Speck: bei ihnen gebe es keine hurrapatriotische Begeisterung, im Volke sei keine Begeisterung� über diese Vorlagen, das Volk seufze unter ungeheuren Steuerlasten. Dennoch— tvelches Opfer!— werde daZ Zentrum die Vorlage prüfen und mit den anderen bürgerlichen Parteien gemeinsam be- willigen, was notwendig sei. Herr Bcthmann Hollweg zog bei den Schlußworten des 3entrumsredne»s sein faltenreiches Gesicht in noch sorgenvollere philosophische Falten als sonst. Fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen! So bärbeißig, wie ein Zenlrumsmann sein kann, wenn er will und muß, kann ein?tationallibcraler niemals sein. Herr Paaschs ging deshalb milder mit der Regierung und ihren Vorlagen um. Am Wchrbeitrag will er einiges flicken und bessern, sogar die Fürsten sollen herangezogen werden. Auch für die übrigen Vorschläge hatte er Wünsche. Aber für eine Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer ist doch nur er und der größte Teil seiner Freunde zu haben. ist der Auftakt zum Umfall! Auf die Kontmission setzt Herr Paasche seine ganzen Hoffnungen. Gras Westarp war der einzige Rediter, der den Vätern der Pjotziiauettsvorlage, die noch die Spuren ihrer überstürzten , Herstellung nderall zur Schau trägt, eine volle Schate des X'obes öafmdnr. Sie sei gründlich durchgearbeitet. Tic Kürze der Begründung sei ihre Wüt�e, sie enthalte mehr, als man auf den ersten Blick erkenne. Tie Konservativen haben freilich allen Grund, mit der Vorlage zufrieden zu sein. Nach ihrem Btitat ijt jie angefertigt. Ter schnarrende Graf hatte diese Tatsache durch seine Sympathieerklärung gar nicht erst noch vor aller Welt zu erhärten brauchen. Daß er in seiner Rede, wie das bei ihm üblich ist, über die Sozialdemokratie törichte Beinerntitgen- machte, ist selbstverständlich. Sie werden un st rein zweiten Redner willkommene Gelegenheit geben, die Haltloiigkeit dieser Redensarten nachzuweisen. In scharfem Kontrast zu den Reden der drei größten bürgerlichen Parteien des Hanfes stand die Rede unseres Ge- nassen S ü de k u tu, durch die die Tonnerstagssitzung des Reichstages eingeleitet wurde. zweistündigen, über- sichtlichbu und instruktiven Rede, die überall den guten Kenner des Etats und der�iHnanzpolitik des Deutschen Reiches er- kennen ließ, rückte Süoekuni den Teckungsvorlageu zu Leibe. Er konnte sich darauf stutzen, daß die Sozialdemokratie die Ursache dieser neuen Belastung des deutschen Volkes, die Heeresvermehrung, aus guteu Gründen grundsätzlich ver- wirft, also auch keine Verpflichtung zur Auffindung neuer Steuern anerkennt. Wenn aber schon gegen unseren Willen neue Steuern beschlossen werden sollen, so werden wir unseren ganzen Einfluß ausüben, um' es durchzusetzen, daß diese Steuern möglichst nur auf dte tragfähigen Schultern der Besitzenden gelegt werden. In diesem Sinuc ging Südekum aus von einer Dar- legnng der Notlage des arbeitenden Volkes. Herr Paasche krittelte später an dieser Darlegung herum, weil sie die Wehr- kraft Deutschlands im Ausland diskreditiere. Als ob es eine schlimmere Diskreditierung der Wehrhaftigkeit Teutschlands gäbe als die gegenwärtige Hcercsvorlage und ihre klehteren Vorgänger! Südekum brachte vortreffliche Argumente gegen die Deckungsvorlage im allgemeinen wie auch gegen die einzelnen Mittel und Mittelchen vor, und durch glückliche und wirksame Pointierung seiner Argumente hielt er dauernd die Ausmerk- samkeit des Hauses fest. Einen besonderen Eindruck aber tnachte seine belustigende Aufhellung der Vaterschaft des Wehrbeitrages, des vielgerühmten Hauptstückes der Tecknngs- vorlagen, des harten Prüfsteins der„Lpferwilligkeit" des Besitzes. Nicht der Kaiser, nicht der Kanzler, nicht der Schatz- sekretär noch sonst ein Mann der Regierung oder der bürgerlichen Parteien hat den Gedanken eines solchen Wehrbeitrages zuerst ausgesprochen, sondern vor fünf Jahren bereits der— Sozialdemokrat David! Vielleicht verlieren die potenten Herrschaften nun noch rascher als zuvor die Freude an diesem Beitrag.' Im übrigen zeigt dieie interessante Feststellung aufs neue, daß die bürgerliche Gesellschaft, ob sie will oder nicht, immer niehr den Richtliniien! folgen muß. die ihr die Sozial- demokratie vorschreibt. -ft Den Ansang der Donnerstagsitzung bildete ein Nachspiel zu den stürmischen Auftritten am Mittwoch. Ter batjerischc Kavalleriegeneral, der den Zentrumsabgeordneten H a e n s- I e r wegen seiner scharfen.Heereskritik mehr aus Ungeschick als aus bösem Willen gekränkt hatte und dabei auch über die parlamentarischen Formen gestolpert war, bedauerte in einer Erklärung sein Ungeschick. Dieser Tragikomödie war eine 0 in ö d i e auf dem Präsidenten st üble vorhergegangen. Die beiden Vize- Präsidenten stritten sich um die Glocke, jeder wollte sie er- greisen, um den Reichstag einzuleiten und cinzuläuteitr Herr Paasche war aber eine Nasenlänge zu spät gekommen, und so behauptete Herr D 0 v c wie ein unbeugsamer Römer seine Position. Herr K a e m p f sorgte nachher wieder auf eigene Verantworiuitg und Gefahr dafür, daß er hinter seinen Kol- legen nicht zurücksteht, wenn es dein Reichstage einige heitere Minuten zu bereiten gilt. £inladung zu einer Ueritändigungs- Konferenz. Wir konnten gestern nur in einem Teile der Auflage mit- teilen, daß nach einem uns ans Bern zugegangeneit Privat- telegramm eine Einladung von Mitgliedern verschiedener Par- teien des schweizerischen Nationalrats zu einer deutsch-fran- zösischen Verstäudigungskonterenz, die am 20. April in Bern stattsindeit soll, ergangen ist. Das Einladungsschreiben hat folgenden Wortlaut; „Unsere Nachbarländer Deutschland und Frankreich sind im Begriff durch verstäritc Einstellung von Rekruten und durch Vcr- längcrung der Tieustzcit ihre stehenden Heere bedeutend zu ver- größcrn. Es liegt den Unterzeichneten eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser uns befreundeten Nationen durch- aus fern, aber sie beobachten die Euttvickelung der Rüstungen mit schmerzlichem Interesse, weil unser Land durch znlillose Wirtschaft- liche und kulturelle Bande mit den beiden Völkern verknüpft ist, und sie leiten daraus das moralische Recht ab. ihre Dienste in wohlmeinender Weise anzubieten. Nickt sowohl der Inhalt, als der Zeitpunkt der Einbringung der deutsckcn und der französischen Wehrvorlagcn ist geeignet, Beunruhigung hervorzurufen und selbst den curoPäischen Frieden zu gefährden. � Alle jene Volksvertreter, die sich dieser Erkenntnis nicht verschließen, werden es als wicktigstes und erreichbares Ziel betrachten, eine Bersiändigung zwischen Teutschland und Frankreich über die Rüstungsfrage berbeizuführcu. Um den Mitgliedern der beiden Parlamente, die in dieser Auffassung mit uns einig gehen, Gelegen- beit zu gegenseitiger Aussprache ans neutralem Boden zu gelv», und um einen Weg zu dem Ziel der Annäherung zwischen Deutsch- land und Frankreich zu finden, erlassen die unterzeichneten, ver- schicoencn Parteirichtungen angehörenden Mitglieder des schweizer!- scheu Nationalratcs die Einladung zu einer dcutsch-frgnzösischcn Bcrstäudigungstonfcrenz auf Sonntag, den 29. April, nach Bern. Tic Teilnehmerkarte sowie alle näheren Mitteilungen über Orgain- sation der.üopferenz werden folgen. � Eveguoz(kons.), Tr. Gobat(frcis.). Greulich(Soz.), Grimm ssSoz.), Segler(Dcmokr.), Lurati(kons.'!, Tr. Michel lfreis.), Ritzschel(frcis.). I. Schcrrcr, Füllemaun(Demokr.), Tr. Teiler(kons.), Jcau Tigg(Soz.). Stoffel(freis.), Otto Weber(Demokr.). Wie wir hören, Hot auch eine Anzahl bürgerlicher Ab- geordneter in Frankreich wie in Teutschland ihre Teilnahme an der Konferenz zugesagt. Die träger der ffiilüardeniteuer Die konservativen Parteien wollen, das tritt mit jedem Tage deutlicher hervor, aus dem„Milliardenopfer" für sich politisches Kapital schlagen. Nachdem sie durch Ab- lehnnng der Erbschaftssteuer von 1909 ihre Stcuerfurcht bor aller Welt Augen so manifestiert haben, glauben sie durch SlX) M. und weniger lieber 900 bis 3000 ,. 3 000„ V S00 „ 0 500. 9 S00 „ 9 500„ 30 500 „ 30 500, 100 P00 lieber 100 000 diese einmalige Vermögensabgabe ihr Ansehen herstellen zu können, um später das Volk um so mehr zu schröpfen. Bei näherem Zusehen erweist sich aber, daß es keineswegs die Großgrundbesitzer sind, die die Vermögenssteuer aus- bringen werden. Da auch diese Reichsvermögensstcuer nach dem Muster der preußischen Vermögenssteuer erhoben wird, so können wir leicht feststellen, welche Bevölkerungsschichten durch sie am schwersten getroffen werden. Die preußische Vermögenssteuer wird bekanntlich, abgesehen von den Zuschlägen, mit Vs Pro Mille erhoben. Sie ergab sür 1911 auf einzelne EinkommensgruPPcn verteilt: Einkommensgruppe überhaupt Städten Gemeinde?�" in Millionen Mark 0,34 0,21 0,12 12,07 x 4,58 7,49 8,27 5,14 8,14 3,62 2,68 0,93 9,83 7,70 2,13 7,67 5,80 1,87 _ 8,70_ 6�29_ 2,42 Zusammen 50,51 32,41 18,10 Daraus ergibt sich, daß in den ländlichen Gebieten die Zensiten mit einem Einkommen bis 3000 Mark fast die Hälfte des gesamten auf das platte Land entfallenden Anteils der Vermögenssteuer aufbringen. Rechnet man auch die reichen Bauern hinzu, die ein Einkommen bis 6500 Mark aufweiseti, so stellt sich die von ihnen zusammen mit den beiden erstcren Gruppen aufgebrachte Steuer auf 10,75 Millionen Mark, während die„Millioneitbauern", die ein Einkommen von über 100000 Mark haben, bloß 2,42 Millionen an Steuern aufbringen. Erhöht man die angegebenen Zahlen um das Zehnfache, so erhält nian annähernd dtp Summen, die die einzelnen Schichten an Reichsvermögensfteucr aufzubringen haben. Die.ersten drei Einkontmensgrnppett werden zirka 107,5 Millionen, die letzten drei Gruppen bloß 64,2 Millionen zu zahlen haben. Betrachten wir die Verteilung der preußischen Ergänzungs- steuer nach den einzelnen Vermögensgruppen, so erhalten wir folgendes; Es stellte sich der Stcncrertrag in Millionen Mark; Vermögensgruppe 6 000 bis 20 000„ 32 000. 52 000. 100 000„ 200 000„ 500 000„ 1 000 000„ 20 000 32 000 52 000 100 000 200 000 500 000 1 OOQOOO 2 000 000 über 2000 000 Die Zensiten mit über einer Million Vermögen auf dem Lande, also die Latifundienbesitzer und 5lohlcitbaroite usw., bringen noch nicht vier Millionen an Vermögenssteuer auf; die ersten zwei Vermögensgruppen, also Bauern mit einem Landbesitz von 5—20 Hektar, zahlen dagegen insgesamt 4,43 Millionen an Veristögenssteuern.... Und diese Bauern werden jetzt an Reichsvermögensstcuer ganze 44,3 Millionen zahlen müssen. Da in Preußen solcher Zensiten im ganzen etwas über 700000 waren, so werden sie durchschnittlich 63 Mill. Mark aufzubringen haben, was keine geringe Last ist. Der mittlere ländliche Besitz mit einem Vermögen von 32 000 bis 100 000 M. zahlt an preußischer Ergänzungssteuer 5,1 Millionen, zusammen mit den beiden ersten Verniögens- klaffen 9,5 Millionen oder mehr als die Hälfte der auf dem Lande aufgebrachten Vermögenssteuer. Folglich sind es nicht die Großgrundbesitzer, die die Verinögeitsstcuer aufbringen und sie werden auch nicht sich am„vaterländischen Opfer" am meisten beteiligen. Denn, wenn schon in Preußen mit seinem vorwiegenden Großgrundbesitz der Bauernstand mehr als die Hälfte der Steuer aufbringen muß, um so mehr in den anderen Bundesstaaten, wo der bäuerliche Besitz verbreiteter ist. Nur eilte progressive Steuer kann das große Vermögen wirklich stärker belasten. Wie diese gestaltet sein darf, läßt sich folgendermaßen berechnen. Wir haben gesehen, wieviel die einzelnen Vermögensgruppen bei'/e Promille an Steuer aufbringen. Nehmen wir aber eilten progressiven Satz von 1 Promille bis 1,2 Prozent, dann erhalten wir(ivenn wir die preußischen Sätze zum Grunde legen, obwohl bei der Vermögensabgabe die erste Gruppe steuerfrei bleiben sollte) folgende Zahlen: Auch bei einer solchen Progression würde das platte Land weniger als ein Drittel an Steuern ansbringe�. Die ersten Vcrillögensgruppeil der ländlichen Zensiten müssen im ganzen 12,36 statt 9,4 Millionen zahlen; dafür hatten aber die „Mllionenbauern" 92,9 Millionen statt 29,6 Millionen zu entrichten. Der Gesamtertrag stellt sich auf 669 Millionen. Für das Reich ergibt sich ein Ertrag von 1190 Millionen. Würden aber auch die Fürsten zur Tragung der Steuer herangezogen, die Veranlagung genauer vorgenommen und noch etwa die Aktiengesellschaften besteuert werden, so würde man mit einem Gesamtertrage von rund 1399— 1599 Millionen rechnen. Man sieht, wie das„Opfer" wirklich sein muhte, um den reichen Klassen einigermaßen das Recht zu geben, von ihrer „Opferfreudigkeit" zusprechen. Wie aber die neueste„Finanz reform" in Wirklichkeit aussieht, ist sie nichts als eine neue Belastung des Mittilstandes und speziell der Bauern. Legen die Forderungen des Iflilitarismus. Tas Zentrum gegen seinen Militärsachverständigen. Daß das Zentrum doch nicht so klug ist, wie seine Gegner gemeinhin annehmen, beweist seine Stellungnahme zu der Rede des Generals HaeuSler. Herr HacuSler übte an der Wehrvorlage eine Krilik, an der die Sozialdemokratie vielfach ihre helle Freude haben konnte. Z�ah diese Kritik nicht den Anschauungen der Zentrums- fraktion entspricht, dast sich vor allen Dingen das Zentrum bei seiner Abstimmung über die Wehrvorlage durch diese Kritik in keiner Weise behindern lassen würde, verstand sich ganz von selbst. Aber ebenso selbstverständlich war eS auch für jeden Kenner der Zcntrumspolitik, daß die Absicht der Zustimmung zu der Regierungs- vorläge dem Zentrum nicht von vornherein einen Maulkorb anlegte, und seine sür die Masse der Wähler brausten im Lande bestimmte Kritik unterbinden konnte. Insofern war cS durchaus begreiflich, dast am Mittwochabend die„National-Zeitung" zwar konstatierte, dast sich die Parteifreunde deS Generals HaeuSler während seiner Rede in„eisiges Schweigen" gehüllt hätten, daß sie aber dann fortfuhr: »Aber innerlich freuen sich die Herren des Zentrums doch, denn ihr General wahrte der Parteivas demo- kratische, volkstümliche Gesicht, und um nichts auf der Welt möchte sie diesen Bekämpfer der Heeresvorlage missen." Die von dem General HaeuSler repräsentierte„demokratische" Tonart ist freilich diesmal so rücksichtslos eindeutig ausgefallen, dast das Zentrum bei der Regierung und seinen Freunden von der Rechten wohl Mistverständnisse befürchtete, wenn cS sich nicht schleunigst gegen eine Mitverantwortlichkeit verwahrte. Die „Germania" unternahm es daher, den Herrft HaeuSler schleunigst von den Rockschösten deS ZcntrimiS abzuschütteln: „Herr HaeuSler hat als General zweifellos ein grosteS Sachverständnis für militärische Dinge, und vieles von dein, waS er sagte, war gerechtfertigt, aber in inanchem schost er doch weit über das Ziel hinaus. Seine Ausführungen deckten sich iir vielen Punkten nicht mit der Auffassung der Fraktion, und cS wäre besser gewesen, wenn sich Herr HäeuSler seine Ausführungen für die Kommission, die der geeignetere Ort für die Vorbringung einer ins einzelne gehenden Krttik ist, vorbehalten hätte. Der ihm ausschliestlich von der Linken zu teil ge- wordene Beifall wird dem HerrnAbgeordneten zweifellos gezeigt haben, dast er in manchem einen Mistgriff getan hat. Die Linke zeigte sich mastlos erfreut über die scheinbare Meinungsverschiedenheit im Zentrum. Aber die Herren täuschen sich. DaS Zentrum kennt keinen Fraktionszwang, und jedem seiner Mitglieder steht die volle Rede- freiheit zu. Wenn Herr HaeuSler davon Gebrauch gemacht hat, war das sein gutes Recht, aber die Art. wie eö geschah, läßt sich nur— wir bedauern, daS sagen zu müssen— aus einer Verkennung der gegenwärtigen politischen Situation erklären." Danach hat die.National-Zcitung" diesmal die Gerissenheit des Zentrums in der Tat überschätzt. Aus Sorge, eS mit der Regierung oder mit der Rechten verderben zu können, hat das Zentrum den einzigen seiner Redner, der wirklich Sachkunde und demokratisches Bewußtsein verriet, brüsk verleugnet. Um so naheliegender wird eS fein, daß die ehrlichen Gegner des Rüstungswahnsinns die Argumente deS Zentrumsgenerals benutzen, um die selbst vom bürgerlichen Standpunkt so überaus fadenscheinige militärische Be- gründung der Wehrvorloge zu beleuchten. Die Interessenten rühren sich. TaS Lokalblatt für Tempelhof bei Berlin bringt unter dem 7. April folgende Bekanntmachung: Pferdeankauf. Da der Pferdebedarf für die neuen Wehrvorlagen ein sehr großer sein wird, fordern wir alle Pferdebesitzer auf, ihr voll- jährige?<4— 8jähr!g) Pferdematerial bis zum Herbst nicht zu ver- äußern, um eS dann der Heeresverwaltung zur Verfügung stellen zu können. Der Bedarf wird auf 40 000 Pferde geschätzt, von denen 30 000 Stück für die Feldartillerie nötig sein werden. Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg. Noch ehe die Heeresvorlage angenommen worden ist, sind die Agrarier schon drauf und dran, aus dem militaristtschen Milliardensegen herauszuholen, was nur herauszuholen geht. Denn die Warnung vor dem Verkauf von Pferden erfolgt nicht auS patriotischer Sympathie für das Heer, sondern weil die Herren Agrarier ganz genau wissen, daß der Fiskus bei seinem Ricsenbedarf an Pferden tüchtig geschröpft werden kann. Die Militärbehörde wird dabei für ihr schweres Geld einen großen Teil minderwertigen Pferdematerials in den Kauf nehmen müssen, das sowohl vor dem Geschütz wie in der Schwadron sehr bald abgenutzt sein wird. Der verfrühte Ab- gang dieser Pferde muß dann später durch vermehrte Römonteneinstellung ausgeglichen werden. So werden die Steuerzahler auf Jahre hinaus die Leidtragenden sein, und die agrarischen Pferdezüchter können sich ins Fäustchen lachen. Kundgebungen gegen die Wehrvorlnge. Gegen den Rüstungswahn und gegen die preußische Wahlrechts- schwach protestierten in Köln und Vororten fünf außerordentlich stark besuchte VollSversammlungen. In der überall einstimmig an- genommenen Resolution wird gegen die neuen Miiitärforderungen als eine neue Verschärfung der chronischen Kriegsgefahr und ein Attentat auf den Kulturfortschritt und die Wohlfahrt der Völker protestiert. Weiter sprachen die Versammlungen ihre Empörung darüber aus, daß trotz der neuen ungeheuren Opfer, die dem Volke zugemutet werden, eine Reform des preußischen Drei- llassenwahlsystems immer noch verweigert wird. y Protest gegen die neue HeereSvoriage erhob die sozialdemo- kratische Arbeiterschaft von Chemnitz in 0 großen Voiksversamm- langen, die am Dienstagabeivd in verschiedenen Teilen der Stadt in großen Sälen abgehalten wurden. Sie waren sämtlich ungemein zahlreich besucht. Es sprachen die Genossen NoSke, Göhr«, Grenz, Pinkau, Keppier und Stücklen. Ter Extrakt der beifällig aufgc- nommcnen Referate war niedergelegt in einer Resolution, die in sämtlichen Versammlungen einmütige Annahme fand. In Nürnberg wurden drei imposante Demonstrationsver- sanimlungcn abgehalten.— Protestversammlungen fanden auch statt in Lübeck und Gießen. stuf dem Aege zur Lölung. Wien, 19. April. Die Blätter erfahren von unterrichteter Stelle zu den verschiedentlichen Nachrichten. wonach König N i k i t a für seinen Verzicht auf Skutari durch territoriale und finanzielle Zugeständnisse ent schädigt werden solle, daß das Konzert der Großmächte sich mit dieser Angelegenheit noch nicht befaßt habe. Andererseits sei eS wohl möglich, daß einzelne Mächte unter einander bereits Besprechungen darüber gepflogen hätten. Jedenfalls sei es aber ganz ausgeschlossen, daß Montenegro eine territoriale Entschädigung auf Kosten Alba- niens erhalten werde, dessen Grenzen im Norden und Nord- osten bereits endgüttig festgesetzt seien. Das einige Europa. London, 10. April. Die„Times" betonen die Einigkeit des europäischen Konzerts. Die Reden Sir Edward G r e h« und des deutschen Reichskanzlers hätten in allen Kreisen eine aus- gezeichnete Wirkung gehabt. Sie hätten in Verbindung mit der ossencn und loyalen Haltung der russischen Regierung auch in O« st erreich alle plausiblen Gründe für einen Zweifel an der Hallung der Mächte beseitigt. Alle Kreise in der Doppelmonarchie dürfien jetzt sicher sein, daß Europa darauf halten werde, daß seine Beschlüsse respektiert würden. Die„TimeS" betonen, daß Europa auch in der Beilegung des Konfliktes zwischen Bulgarien und Rumänien Rußland zu Dan! verpflichtet sei. Das Blatt schließt mit einer Mahnung an die verbündeten Balkanstaaten, daß es die beste Politik für sie sein werde, sich den guten Willen Europas zu sichern, indem sie sich einem Frieden auf der Grundlage, die Europa ihnen empfiehlt, geneigt erweisen. Die Kriegsentschädigung. Konstautinopel, S. April. Alle t ü r ki s ch e n B l ä tt e r wessen den Gedanlen einer Kriegsentschädigung zurück und be- stehen darauf, daß die Balkanverbündeten eine Quote der türkischen taatSschuld übernehmen.__ IPanilawiiten�alluzinationen. Tie fast allseitige Zurückweisung des Schlagwortes vom .Kampf zwischen Germanentum und Slawentum hat Herrn v. Bethntaim Hollweg veranlaßt, seine diesbezüglichen Be- inerkungcn iin Reichstage zu erläutern. Er habe, so erklärte er, lediglich von den panslawistischen Strömungen gesprochen, die keineswegs mit der slawischen Rasse verwechselt werden dürsten. Ist es auch anzuerbernen, daß der Reichskanzler den Mut zu einer teilweisen Selbstwiderlegung gefunden hat, so ändert das an dem unglücklichen Verlegenheitsargument mir sehr wenig, das Herr v. Bethinann Hollweg zur Be- grüivdung der Heeresvorlagen herangezogen hat. Denn, wenn seine Worte einen Sinn haben sollen, so beruht ja seine Ar- gumeutation— auch nach der„Richtigstellung"— erstens darauf, daß auf dein Balkan eine militärisch-politische Ver- jchiebuitg zuungunsten des Germanentums stattgefunden hat, und ziveitens darauf, daß der Sieg der Balkanslawen eine Verstärkung der panslawistischen Strömungen wachgerufen habe, gegen die Teutschland aufrüsten müsse. Schränkt man also die Bemerkungen des Reichskanzlers auch dahin ein, daß die Slawen Oesterreichs nicht gemeint fein sollen, so bleibt doch der grundlegende Hinweis auf die Erstarkung des r u s- fischen P a n s l a w i s in u s, der in Verbindung mit den Veränderungen auf dem Balkan eine Verstärkung der deut- schen Landmacht erfordere. In diesem Zusammenhang gesehen, bedeutet der Hinweis auf den Panslaunsmus, trotz der fortgesetzten Versicherungen des Reichskanzlers, daß es„einen realen Interessengegensatz zwischen uns und Rußland nicht gibt", eine offene Anklage gegen die Elemente in Rußland, die gestützt auf ihre Ver- bindungen am Hofe und in der Bureaukratie die offizielle Politik in die Bahnen der traditionellen Eroberungspolitik auf dem Balkan drängen möchten. Steht nun etwa das ge- samte Slawenttun in Rußland hinter diesen Elementen? KeineÄvegs. Abgesehen davon, daß der Gegensatz zwischen den geknechteten Polen und Äleinrussen und den herrscksenden Großrussen einen tiefen Riß in dem Gebäude des Pan- slawismus darstellt, bilden die panslawistischen Elemente in Rußland nur eine verschwindend kleine Schicht, die nur so- weit politischen Resonanzboden findet, als sie sich direkt oder indirekt in den Dienst des chauvinistischen Kurses im Innern und der Expansion nach außen hin stellt. Entsteht auch hier- aus mitunter eine gewisse Spannung zwischen den Trägern des nationalistischen Regierungskurses im Innern und den Vertretern der offiziellen auswärtigen Politik, die mit der jeweiligen Konjunktur rechnen müssen, so endet diese Span- nung in der Regel mit einem leichten Sieg der offiziellen Polifiker über die unverantwortlichen Schreier und Hetzer. Aus solchen Spannungen, mögen sie in noch so heftig-en For- men auftreten, tiefgehende Gegensätze zu konstruieren, be- deutet nichts anderes, als der russischen Erpansion die Wege zu ebnen. Betrachten wir nun diese Frage in Verbindung mit dem Balkankrieg und der jüngsten panslawistischen Welle in Ruß- laird. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Siege der Slawen über die Türken bei den nationalistischen Elementen des Adels und des Bürgertums in Rußland— die Arbeiterklasse blieb von dieser Infektion völlig unberührt— eine Steige- rung des Chauvinismus hervorgerufen hat. R e a l p o l i- tische Wirkungen hat aber diese panslawistische Welle nicht nach sich gezogen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie— wie Otto Hoetzsch sehr eingehend in einem Artikel in der„K r e u z- Z e i t u n g"(Nr. 163 vom 9. April) ausführt — völlig in der Luft hängt.„Von jenem Oricntprogramm Peters. Katharinas 11. und Alexanders I.— schreibt er— ist Stück für Stück im Krimkrieg, im Kriege 1877/78 und in dem jetzigen Kriege verloren gegangen, so daß es heute nur noch Traum und Stimmung ist, aber kein realpolitischer Faktor mehr. Daß sich Bulgarien und noch mehr Serbien und Montenegro die Unterstützung, die aus der Gemeinsam- keit von Rasse und Konfession kommt, gefallen lassen, ist selbstverständlich, und ihnen wird es gleichgültig sein, wenn es darüber zum Kriege kommt. Aber etwas Reales für Rußland und im Sinne des alten Panslawismus kommt auch aus einem solchen Kriege nicht heraus, schon deshalb nicht. weil die Mittel und die Unterstützung, durch die diese immer selbständiger gewordenen Balkanstaaten nun ihre Konsoli- dierung anstreben und abschließen werden, doch aus Mittel- europa kommen müssen. Dieie wird man sich auf dem Balkan schon deshalb gern gefallen lassen, weil sie von ieglick>cr politi- scher Bevormundung oder gar territorialen Machtam'prückien gänzlich srei geboten werden, während gerade das panslcuvi- stische Programm, wenn es überhaupt real durchgedacht wird, stellers ist um so interessanter, als er sich mit der sozialdemo- kratischen Krttik völlig deckt, und die Phantastereien der bürgerlichen Presse über das Entstehen einer„slawischen Groß» macht" am Balkan unter russischer Hegemonie in das Reich der Fabel verweist. Der genannte Autor zieht nur die Kom'e- quenz aus seinen Ausführungen, wenn er weiter erklärt: „Deshalb ist es nicht eo ipso ein Nachteil für uns, daß die Stelle der europäischen Türkei nunmehr zum Teil von slawi» schen Staaten besetzt ist, deren richtig erkannte Interessen diese vielmehr auf Oesterreich und Deutschland als auf Ruß- land weisen." Wenn— fügen wir hinzu— Deutschland und Oesterreich diese Tatsachen richtig einschätzen und die Balkan- slaaten nicht durch eine verkehrte Polifik in die Arme des Panslawismus treiben. ** * Tie russische Sozialdemokratie gcgeu die Panflawistru. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Tie frivole Kriegshetze der panslawistischen Schreier, die in den letzten Tagen ihre Agitation auf die Stießen übertragen hatten, stößt naturgemäß auf den heftigsten Widerstand der Sozialdemo- kratie, die ungeachtet der schiversten Bedingungen ihre Aufgab« als friedenerhaltender Teil der sozialistischen Internationale er- füllt. Hat sie schon seit Beginn des BalkankriegeS ihr Möglichstes getan, uui der kriegerischen Hetze der Nationalisten, der slawo- philcn Agitation der Liberalen entgegenzutreten, so bietet sie jetzt alle ihre Kräfte auf. um den chauvinistischen Ausschreitungen der panslawistischen Schreier den klaren, unzweideutigen Willen der Arbeiterklasse entgegenzuhalten. Eben weil die Panslawisten, ihrer Schwäche bewußt, schließlich an die„Straße" appelliert haben, und ihre Agitation aus den dumpfen Räumen der slawischen Gesell- schatten und der Staatsstreichsduma hinaustragen, gewinnt die Stellungnahme der Sozialdemokratie als der anerkannten Ver- tretcrin der— politisch entrechteten— werktätigen Bedolkeruirg eine weittragende Bedeutung. Im hellen Tageslichte der öffent- lckhne Manifestationen gewinnt der Gegensatz zwischen den patrio- tischen Kriegshetzern und den fiiedenerhaltenden„Umstürzlern" natürlich ein ganz anderes Gesicht, als in den Körperschaften, in denen sich der Wille des Volkes nur selten Geltung verschafft. Ter Unterschied zivischen den behördlich geduldeten und geförderten Manifestationen der„patriotischen" Panslawisten und den bisher stets mit Waffenmacht auseinandergesprengten Demonstrationen der revolutionären Bevölkerungsklassen ist denn auch so gewaltig, daß sich selbst das flawenfreundliche Kadettenblatt„Rjeisch" nach der letzten großen Manifestation der Panslawisten am 6. April zu dem Geständnis gezwungen sieht, daß die Demonstrationen der „linken" Elemente unter denselben Bedingungen nicht zehntausend, sondern wohl hunderttausend Teilnehmer zählen würden!. Die Auseinandersetzungen über diese Manifestationen in der Duma boten für unsere Genossen eine gute Gelegenheit, den Standpunkt der Sozialdemokratie diesen Fragen gegenüber zur Geltung zu bringen. Bei der Erörterung der von den Raiioua- listen eingebrachten Interpellation über die polizeilichen Ausschreitungen bei der ersten panslawistischen Kundgebung unterstrichen die Redner unserer Fraktion das zwiefache Maß. mit dem die patriotischen und die sozialistischen Kundgebungen gemessen werden. Zu den panslawistischen Ltundgebungen selbst äußerte sich unser Genosse B u r j a n o w:„Sie wissen— sprach er— daß wir Sozialdemokraten, wie die Arbeiterklasse, die uns in die Duma entsandt hat. Ihren Manifestationen feindlich gegenüberstehen, da sie mit der Bewegung der Volksmaffen und des gesamten internationalen Proletariats im Widerspruch stehen. Die russische Arbeiterklasse ist der Ansicht, daß der Balkankrieg kein Volkskrieg ist. Sie betrachtet ihn vor allem, im Widerspruch zu Ihnen, nicht als BefieiungSkrieg der Balkandöller. Die Befreiung dieser Völkerschaften kann vielmehr nur durch daS Bündnis aller Balkan- Völker auf demokratischer Grundlage erzielt werden, und nur ein solches Bündnis besitzt den staatlichen Zweck, den Sie bei Ihren Demonstrationen angeblich im Auge haben.... In dem jetzigen kritischen Augenblick, in dem die kriegerischen Nationalisten aller Länder Rußland wiederum in die Verwickelungen am Balkan hineinziehen wollen, erheben die russischen Arbeiter ebenso wie bisher Protest gegen den Krieg, den weder sie. noch die russischen Bauern baden wollen.... Davon ausgehend, sind wir entschiedene Gegner der jüngsten Manifestationen und führen einen unver- söhnlichen Kampf gegen Ihre verbrecherische Kriegshetze." pod'tileke OeberHcht. Berlin, den 10. April 1913. Preußische Kultur. Bezeichnend für die Kulturzustände des größten deutschen Bundesstaates sind die am Donnerstag im Abgeordnetenhause ge- pflogenen Debatten über das wichtigste Kapitel des Kultusetats, das Kapitel„Elementar-Unterrichtswesen". Sckon äußerlich ist xz geradezu ein Skandal, daß die Vertreter der Mehrheitsparteien, nach- dem sie ihr reaktionäres Sprüchlein hergekagt und die dreistesten Angriffe auf die Volksschullehrer gerichtet batien, durch die bekannte WortabschneidungSmethode die Redner der Linken, darunter auch Abgeordnete, die im Privatberuf dem Lehrerstande angehören, einfach mundtot machten. � Auffallend war die Rede des ObetscharsinacherS Freiherr» v. Zedlitz, der plötzlich sein liberales Herz entdeckt hatte, für die Verweltlichung der Schulaussicht und sür eine bessere Lehrer» besoldung eintrat. Dieser Wandel in seinen Anschauungen hatte sich so plötzlich vollzogen, daß sogar der Kuliusminister seine AuS- führungen, wenn auch verblümt, als Wahlrede bezeichnete. Nachdem Abg. Ernst unterhalten. Das fehlte noch! In einer Betrachtung der„Post" über die Behandlung der Militärvorlage im Reichstage finden sich die folgenden Sätze: „Im allgemeinen ist es durchaus mit Freude zu begrüßen, wenn recht viele unserer Generale ins Parlament einziehen, um dort ihre militärische Sachkenntnis in den Dienst der nationalen Ausgaben zu stellen. So würde es zweifellos eine Bereicherung unseres parlamentarischen Lebens bedeuten, wenn z. B. General v. Bernhardi, Generalleutnant v. Wrochem oder Generalmajor Keim das Hohe Haus am Königsplatz als erwählte Vertreter des deutschen Volkes betreten würden und der Regierung manche wertvolle Anregung aus dem Schatze ihres militärischen Wissens und Könnens gäben. Hätte der Reichstag von jeher mehr Generale zu seinen Mitgliedern gezählt, so wäre vielleicht manche unzulängliche Heeresvorlage vermieden worden." Bor diesem Schicksal möge der Reichstag im Interesse der Steuerzahler bewahrt bleiben. Das Parlament darf kein Boden werden, auf dem tatendurstige Generale, auf deren fernere Dienste in der Armee verzichtet wurde, sich austoben können. Um den Reichsverbändler v. Wrochem oder gar den Wahlmacher des Fürsten Bülow, General Keim in den Reichstag zu bringen, müßten die Konservativen schon ihre sichersten Kreise in Ostelbien zur Ber- fügung stellen. Forderungen zu stellen, ist Sache der Regierung, Aufgabe des Reichstages aber ist es, diese Forderungen in Ein- klang zu bringen mit den Interessen des Volkes. Die Prozent- Patrioten jedoch, die sich das kostspielige Vergnügen leisten, die „Post" auszuhalten, möchten den Reichstag in eine militaristische Lmmierstube umgewandelt sehen. Ter antibachemitische Erzbischof. Am Mittwoch ist in Köln der Nachfolger des Kardinals Fischer, der bisherige Bischof von Münster, Dr. Felix v. Hartmann,„inthronisiert" worden. DaS geschah mit dem üblichen Straßengepränge und den pomphaften Feierlich- leiten im Dom, aber auch mit den obligaten Straßen- absperrungen. Die Straße gehört dem Verkehr— wenn es sich um Wahlrechtskundgebungen handelt! Uebrigens aber war die Anteilnahme der Einwohnerschaft weniger zahl- reich als bei den Vorgängern des neuen Kirchcnfürstcn. Die Zeiten und die Menschen sind ernster geworden. Hinzu aber kam, daß der neue Erzbischof in Köln nur geringen Sympathien begegnet. Herr v. Hartmann ist dem Kölner Metro- politankapitel aufgenötigt worden. Der bisherige Weih- bischof Dr. Müller sollte Kardinal Fischers Nachfolger werden; aber Dr. Müller ist bachemfreundlich, und deshalb hat Rom befohlen, daß Felix v. Hartmann zu wählen sei. Die „Frankfurter Zeitung" schrieb auf Grund besonderer Jnfor- nmtionen nach der Erzbischofwahl, bei der Prokla- mation des Herrn v. Hartmann sei eine„eisige Kälte" vorhanden gewesen:„ein Knirschen ging durch die Reihen des Klerus; mit Murren, offenen Wrdcrreden empfing das Volk die Nachricht; man hatte den Eindruck, daß Köln sich einer schweren Niederlage be- wüßt war." Mit„Köln" meint das Blatt die Kölner Richtung im Zentrum, deren Kandidat der Weihbischof war. Und in der Tat haben die„Kölner" in Herrn v. Hartmann einen ihrer un versöhnlich st en Widersacher, einen der schärfsten Moder nistenfeinde, einen Mann derer um Roeren und Oppersdorfs, auf die Nase gesetzt bekommen. HerrTrimborn gelobte bei dem Empfange dem neuen Erzbischof„das volle Maß des Gehorsams, den in dem lebendigen Organismus der Kirche die Glieder den Häuptern und Vorgesetzten schuldig sind". Dennoch werden die Bachemsten und M.'Gladbacher unter dem neuen Gebieter tun, was sie im Interesse ihrer politischen Herrschaft für ge- boten halten. Ohne Zweifel wird Herr v. Hartmann seinen bachemfeindlichen Instinkten nicht rücksichtlos die Zügel schießen lassen; aber auf Wohlwollen werden die Herren von der herrschenden Zentrumsrichtung bei ihm nicht zu rechnen haben. Man wird gegenseitig miteinander auszukommen suchen, bis die vorhandenen Gegensätze eines Tages doch aufeinander platzen werden. Krieg und Itandrecht. In Chemnitz ericheint eine„Einkäufer-Zeitung", Fachblatt für die Textil- und Nebenbranchen, das dem löbliche» Zwecke dient, die Ver- Bindung zwischen der Industrie und den ausländischen Einkäufern zu erleichtern. Daneben macht daS Blatt auch in blödsinniger Scharf- macherci. Aus dem Bericht über die Konjunktur ergibt sich, daß die einzelnen Textilbranchen mit Aufträgen geradezu überhäuft sind; die dadurch geschaffene Möglichkeit, höhere Preise zu fordern, wird von den Unternehmern voll ausgenützt. Weil aber auch die Arbeiter aus dieser günstigen Konjunktur Vorteil ziehen wollen, versteigt sich das Blatt zu folgender Raserei: Ja, wenn die Arbeiter dabei nur ihre Lohnverbältnisse ver- bessern wollten in einer der Marktlage entsprechenden Ausdehnung. hätte niemand etwas dagegen einzuwenden. Es handelt sich jetzt aber immer um Machtftagen der sozialdemokratischen Partei- leitimg, gan� gleichgültig, ob ein ausbrechender Streik den Arbeitern auch wirklich Nutzen oder nur unsagbaren Schaden bringen kann. Hier kann nur die Regierung einmal Aenderung schaffen, und am schnellsten würde ein Krieg die Lage ändern. Mit der Mobil- machung tritt das Standrecht in Kraft und allen Heyern und Schreiern wäre mit einem Male der Mund gestopft. Hinterher tteßen sich auch die Gesetze leicht so verschärfen, daß mit dem Humanitätsdusel bei unS auf einmal aufgeräumt wäre. Zu dieser Unverschämtheit haben sich noch nicht einmal die an« erkannten scharfmacherorgane aufgeschwungen. Gehaltszulage von 320 000 M. Der König von Württemberg kommt mit seiner jetzigen Zivil- liste nicht mehr aus. Diese beträgt nach Kürschners Siaalshaiidbuch für 19l2 auSichlteßlich der Apanagen von 76 874 M. zusammen 2 14Q 418 M. Nunmehr ist den würitembergifchen Ständen l Ersten Kammer) ein Getetzentwurf zugegangen, nach dem die Zivillifte um 3Sl) 000 M. jährlich erhöht wird. Die Vorlage wird mit der Stei- gerung der GeHalter der königlichen Beamten begründet. In den Fraktionen des Landtages � sind bereits in den letzten Tagen ver- trauliche Verhandlungen über die Erledigung der Frage gepflogen worden. Aljo wird die Gehaltserhöhung sehr glatt durchgehen. Gesinnungsschnüffelei gegen Ausländer. Wie jüngst berichtet,'st im Nürnberger Gemeindekollegium von einem Sozialdemokraten nachgewiesen worden, daß in Akten von Ausländern, die um die«laatsangehörigkeit nachsuchen, der ein- gestempelte Vermerk entHallen ist:„Hat sich j» der volitifchen Bewegung nicht bemerkbar gemacht. Daraus ist zu schließen, daß bei solchen Gelegenheiten über die politische Gesinnung der Geiuchsteller Erhebungen angestellt werden. Da im Landtage vom Minister ver- neint wurde, daß solche Nachforlchungen von der Regierung angeordnet seien, blieb nur die Annahme, daß der freisimiige Nürnberger Magistrat diese Schnüffelei aus Eigenem betreibe. Nun stellt die„Schwab. Volkszeitung" fest, daß auch in Augsburg ein ähnliches Verfahren eingeschlagen wird, und zwar geschehen die Nachforschungen durch Schutzleute, die in den Wohnungen der Be- treffenden erscheinen, alles ausfragen, sogar die Bilder an den Wänden aufmerksam mustern und alles säuberlich notieren. Da diese Gesinnungsschnüffelei gleichzeitig in Nürnberg und Augsburg betrieben wird� bat entweder die bayerische Regierung, trotz der ministeriellen Erklärungen, diese Bespitzelung durch einen Geheim- erlaß angeordnet, oder die liberalen Magistrate erniedrigen sich freiwillig zu diensteifrigen Schergen der bayerischen Zentrums- regierung.__ Ter empffudlichc Reichsverbaudsgeneral. Das„Berliner Tageblatt" hatte Dienstag abend aus Anlaß der Bemerkungen, die Generalleutnant z. D. v..Liebert im Reichstage über das Eindringen von„Fremdkörpern" in das Osfizierkorps gemacht hatte, ihm ein wenig den Text gelesen. Darüber scheint sich v. Liebert beleidigt zu fühlen, denn die ihm nahestehende„Post" und die„Tägliche Rundschau" berichten, daß Herr v. Liebert gegen das„Tageblatt" die Beleidigungsklage anstrengen werde. DaS„Tageblatt" bemerkt dazu, daß es diesem Prozeß mit ganz besonderem Interesse engegensehe. Zum Schluß bemerkt das Blatt: „Die beiden Blätter, die für Herrn v. Liebert eine so unbe- grenzte Sympathie hegen, behaupten, wir hätten Herrn v. Liebert „verleumdet" und wir hätten eine„Flut von Beichimpfungen" gegen ihn vorgebracht. Herr v. Liebert selbst wird gewiß gerechter empfinden— er wird wissen, daß wir die„Flut" möglichst ein- gedämmt haben und schonend, rücksichtsvoll, diskret gewesen sind. Wir hätten, um nur eines zu erwähnen, auch sagen können, daß v. Liebert, Exzellenz und Mitglied der Reichspartei, am 1. Juni 1912 in seiner Eigenschaft als Aufsichtsraisvorsitzender der Afrika- nischen Comvagme zur Herauszahlung zu viel er- haltener Tantiemen verurteilt worden ist, nachdem er sich in der Generalversammlung geweigert hatte, diese Tantiemen zurückzuerstatten. Aber wir haben diesen kleinen Borfall gar nicht erwähnt, weil wir nicht mehr als nötig eine Persönlichkeit kränken wollten, die einen so hohen militärischen Rang bekleidet, das Vertrauen der Reichspartei besitzt und bei allen, Patriotismen" und„nationalen" Bestrebungen eine hervor- ragende Rolle spielt." Nach diesen Ausführungen darf man annehmen, daß der Prozeß ganz interessant wird.'_ Belgien. Der friedliche Streik und die Vorbereitungen der Behörden. Unser Brüsseler Korrespondent meldet uns unterm 9. April: Wir haben wiederholt auf die Maßnahmen der Arbeiterpartei in Brüssel und in den Industriezentren hingewiesen, die alle von den Sorgen und Bemühungen der Genössen zeugen, die Kongreßbeschlüsse, die einen friedlichen Streik gebieten, getreulich und mit dem Aufgebot aller Kräfte zu erfüllen. Wir haben neulich gemeldet, daß Unternehmer des Borinage, wo die temperamentvollen wallonischen Bergarbeiter hausen, militärischen Schutz für ihre Etablissements ablehnten. Heute bringt der„Peuple" die Nachricht, daß der Bürgermeister von C h a r l e r o i, das gleichfalls Sitz einer vieltausendköpfigen durch ihr forsches wallonisches Temperament bekannten Arbeiter- schaft ist, dem Gouverneur deS Hennegau erklärt hat, daß er Vertraue» in die Ordnungsmaßregeln des Streik- komitees habe und auf Gendarmerie, Militär und Bürgergarde derzeit verzichte. Der Bürgermeister hatte vorher Rücksprache mit den beiden an der Spitze stehenden Vertrauensmännern genommen und aus ihren Zusicherungen wie aus dem was er vor sich sieht sein Vertrauen geschöpft. Und der Bürgermeister einer Arbeiterstadt wird wohl einigermaßen seine Leute kennen. Trotzdem so auf jede Weise deullich wird, daß alle in mensch- licher Berechnung liegenden Garantien für eine friedliche Abwickelung des Streiks gegeben sind und Unruhen nur von außerhalb der Arbeiterschaft liegenden Elementen zu fürchten sind, die sich die Streikkomitees schon vom Halse zu halten wissen werden, zeigen gewisse Behörden eine außerordentliche Aengstlichkeit und Besorgnis. Sie mutet diesmal um so seltsamer an, weil eS sich nicht um einen Kampf gegen daS Unternehmertum handelt — das ja sonst immer zu beschützen ist— und dieses auch keine Besorgnis zeigt. Einzelne Industrielle, Bürgerliche werden im Gegenteil für die Unterstützung des Streiks insofern sorgen, als sie die Kinder der Streikenden versorgen oder für deren Unterhalt Summen spenden. ES gibt liberale Streikkomitees und liberale Vereinigungen, und diese gut bürgerlichen Organisationen sorgen in verschiedener Weiie für die künftigen Streikenden, die zu ihrer Partei gehören. Der ehemalige Bürgermeister Brüssels, Charles B u l s, ein aufrechter Mann und bekannter Kämpfer für den obligatorischen Schulunterricht, hat dem Streik- komitee eine größere Summe zugeschickt, ebenso wie Solvay, der für Kultur« und BildungSzwccke immer eine offene Hand hat. Ein liberales bürgerliches Blatt spendet 100 000 Fr. wöchentlich für den Streik. ES scheint nach all dem, daß eS sich bei der großen Arbeits- niederlegung vom 14. April nicht um eine Revolution, um einen Kamps gegen die Gesellschaftsordnung an und für sich, nicht um einen Coup gegen das Baterland und die Monarchie, sondern eben ganz einfach um einen gesetzlichen, friedlichen, minutiös vorbereiteten, wohlorgamsierten Generalstreik, und um den Kampf für das g l e i ch e politische Recht handelt. Dieses gleiche Recht wird aber von der eben herrschenden klerikalen Partei verweigert, aii deren Spitze der— Kriegs- minister v. B r o q u e v i l l e steht. Es ist also der— Klerikalismus z u schützen, und daher die Nervosität der Herren, ihr Eifer, Belgien bei diesem friedlichetr Streik mit Gendarmerie, Militär und Biirgergarde zu durchsetzen, in einen förmlichen Belagerungszustand zu versetzen. Heutige ZeitungS- Nachrichten melden von diesen Absichten, Truppen nach allen Seiten zu senden. Da sollen je zwei Kompagnien nach Marchiennes und Jumet, eine nach Roux, Courcelles, Chatelineau, Gilly, Couillet u. a. in der Provinz Hennegau abmarschieren. Für Gent soll„Gwds civique', Bürgergarde, für Montag einberufen werden. Nach La Louviäre Centre sollen Sonnlag Truppen abgehen, überhaupt sollen für für den Centre strenge Maßnohmen der Regierung in Vorbereitung sein. Di« Eisenbahnen sind schon angewiesen, um die Truppen raschest zu befördern. Für Limal sollen einer Meldung zufolge 3000 Soldaten und SOO Pferde in Aussicht genommen sein. Das sind so einige Maßnahmen der Behörden, um auf ihre Weise die Bevölkerung z»—„beruhigen". England. Die Wahlrechtsvorlage. London, 9. April. sEig. Ber.) Einen elenden Wechselbalg nannte ein konservativer Redner die Wahlrechtsvorlage, die gestern von der Regierung eingebracht und in erster Lesung mit 303 gegen 177 Stimmen angenommen wurde. Die Vorlage, die die Plural- Wähler abschaffen wird, ist alles, was von der großen Wahlrechts- vorläge des letzten Jahres, deren Annahme einigen Millionen Ar- beitern das Wahlrecht verschafft haben würde, übrig geblieben ist. Sie ist ftüh genug eingebracht worden, um den Schutz des Parla- mettisgesetzes zu genießen und über die Köpfe der Lords hinweg in zwei Jahren Gesetzeskraft zu erlangen. Die weitere Wahl- reform werden sich die Liberalen als Köder für die nächsten all- gemeinen Parlameniswahleir aufbewahren. Wie erinnerlich sein wird, mußte die große Wablrcform Ende Januar aufgegeben wer- den, weil der Speaker die Frauenstimmrechtsamendements und ge- wisse Rcgierungsamendements für unzulässig erklärte. Die fetzige Vorlage bezweckt nur, den Wählern, die auf Grund ihres Eigen- iums in verschiedenen Wahlkreisen wählen können, die Ausübung ihres Wahlrechts bei einer allgemeinen ParlamfcUstoahl in mehr als einem Wahlkreis bei Strafe zu verbieten. Als Höchstmaß der Strafe ist eine Geldbuße von 200 Pfund Sterling oder zwei Jahre Gefängnis mit Verlust des Wählrechtes auf sieben Jahre und des Rechts, ösfentliche Aemter zu bekleiden, festgesetzt. Die Pluralwähler spielen in der englischen Politik eine wich- tige Rolle. Da in Großbritannien die Wahlen nicht alle am selben Tage stattfinden, ist es unter Umständen einem reichen Manne, dessen Name in zwanzig oder mehr Wahlkreisen auf d« Wählerliste steht, möglich, in ebenso vielen Kreisen seine Stimme abzu- geben. Den Pluralwählern sollen die Konservativen in 80 oder 40 Kreisen den Sieg verdanken. Die liberale Partei, die nach große Arbcitermassen hinter sich hat, hat weit mehr Nachteile als Vorteile von dem bestehenden System. Am schwersten aber trifft die Ungerechtigkeit der Einrichtung die Arbeiterpartei, die in einigen Kreisen nur wegen der importierten Pluralivähler stets einen harten Stand hat und nach de Abschaffung der Pluralwähler eine Reihe industrieller Wahlkreise holen könnte. Es ist daher begreiflich, daß die große Mehrheit der Arbeiterparteiler für die Regie- rungsvorlage stimmte, obwohl der letzte Parteitag der Arbeiter- Partei, wie der der I. L. P., eine Resolution angenommen hat, in der die parlamentarischen Vertreter der Arbeiter aufgefordert werden, gegen jede Wahlreform zu stimmen, die die Frauen nicht einschließt. Nur drei Arbeiterparteiler, die Genossen Keir Hardie, Snowden und O'Grady, stimmten gegen die erste Lesung. Es ist genau so gekommen, wie wir in einem früheren Bericht voraus- gesagt haben. Die Parlamentsmitglieder haben sich um die in einer ritterlichen Stimmung gefaßten Resolution nicht gekümmert, ohne jedoch deshalb die Interessen der Arbeiterschaft und der Frauen insbesondere zu verletzen. Denn es ist nicht einzusehen, welchen Nachteil dem Fraucnstimmrecht dadurch erwachsen soll, daß man für ein Gesetz stimmt, das die dem Fraucnstimmrecht meist feindlich gesinnten Kreise zugunsten derer schivächt, auf die sich die Frauen verlassen können. Huö der Partei. Aus den Organisationen. Ter Sozialdemokratische Verein für den Bezirk Lübeck hielt am Dienstag seine Generalversammlung ab, in' welcher der Jahresbericht für das 9 Monate umfassende Geschäfts- jähr 1912/13 erstattet wurde. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß sich die Mitglicderzahl von 0440 aus 5801, also um 3bö, erhöht hat. Die Zahl der weiblichen Mitglieder betrug 720. Die Zabl der Abonnenten des„Lübecker Volksboten" stieg um 900. Der Agita- tion dienten 32 Volksversammlungen sowie die Verbreitung des monatlich erscheinenden„Landarbeiters" in insgesamt 25 000 Exemplaren, 4500 Agitationskalendern, 71 000 Flugblättern und 8000 Broschüren. Eine erfreuliche EntWickelung hat die freie Jugendbewegung genommen, der im verflossenen Jahre in Lübeck ein eigenes Heim geschaffen wurde. Auf dem Gebiete des Bil- dungstvesens, das durch einen besonderen Arbeirerbildungsverein und den Bezirksbildungsausschuß für Mecklenburg-Lübeck, dessen Sitz Lübeck ist, gepflegt wird, sind gleichfalls schöne Erfolge erzielt worden. Die von der Partei und dem GewerkschastSkartell gemein- sam ins Leben gerufene Kinderschutzkommission hat zur Abstellung mancherlei Mißstände beigetragen, welche die Beschäftigung Jugendlicher im Gefolge hatte. Die Einnahmen beliefen sich aus 26 601,10 M., die Ausgaben auf 15 823,71 M.. so daß am Schluß des Geschäftsjahres ein Kassenbestand von 10 777,45 M. vorhanden war. Im Bezirk bestanden 9 Ortsgruppen. Ter bisherige Bezirks- vorstand wurde wiedergewählt. Vorsitzender ist Genosse P. L ö w i g t, Kassierer und Parteisekretär Genosse W. Bramme. Opfer der Pharisäermorak. Am Freitag und Sonnabend fand vor der Strafkammer in Karlsruhe ein Prozeß gegen den Genossen Arbeitersekretär und Landtagsabgeordneten Willi und dessen Frau wegen Kuppelei statt. Beiden wurde zur Last gelegt, es geduldet zu haben, daß ihre minderjährige Tochter Klara von August 1909 bis Juni 1912 mit dem Vcrsicherungsbcamten Jung, ihrem jetzigen Manne, in der elterlichen Wohnung intimen Verkehr unterhielt; daß ferner ihr Sohn Ludwig, ebenfalls in der Wohnung der Familie Willi, längere Zeit vor seiner im Juli 1910 eingetretenen Volljährigkeit und noch später mit einein jungen Mädchen in nahe Beziehungen trat.— Das Gericht erkannte gegen Willi auf drei Monate, gegen dessen Ehefrau auf fünf Monate Gefängnis. An der Strafe der Eheftau Willi kommen vier Monate Untcrsuchungs- Haft in Abzug. Abgeordneter Willi, der in der-Zweiten Kammer den Kreis Karlsruhe Stadt II vertritt, war, als vor einigen Wochen das Strafverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, vom Landesvorstand der badischen Sozialdemokratie aufgefordert worden, sein Mandat als Landtagsabgeordnetcr für alle Fälle niederzulegen, hatte sich aber geweigert, dieser Aufforderung Folge zu leisten, da er jede Schuld an den ihm zur Last gelegten Dingen bestritt. AuS den Zeugenaussagen ging hervor, daß Genosse Willi mehrfach euer- aisch wegen der Vorkommnisse, die seine Frau auf die Bitten der Kinder immer wieder duldete, seiner Familie aufgetreten ist und mehrfach mit Verlassen des Hauses und mit Scheidung gedroht hat. Willi war durch seine vielseitige Tätigkeit als Arbeitersekretär, Abgeordneter, Mitglied des Bürgeransschusses und Versammlungs- redner naturgemäß sehr oft bis spät in der Nacht von Hause ab- wesend und deshalb nicht in der Lage, seinen eindringlichen Mäh- nungen an Frau und Kindern jenen Nachdruck verleihen zu können, c>en er selbst gewünscht hat. Unserem Mannheilster Parteiblatt wird zu der Angelegenheit noch geschrieben, daß gegen den Spruch der dortigen Strafkammer Revision eingelegt worden ist. Nach Lage der Sache war selbst in juristischen Kreisen allgemein die Freisprechung deS Angeklagten erwartet wordeK, Willj hatte sich ursprünglich, obwohl er sich keines- Wegs schuldig fühlte, auch bereit erklärt, sein Landtagsmandat niederzulegen, nachdem die Anklage gegen sein« Frau auf ihn au� gedehnt worden war. hatte es dann aber in Uebereinstimmung mit der Auffassung der Karlsruher Parteileitung unterlassen, als dieser von juristischer Seite bestätigt wurde, daß keinerlei belastendes Material gegen ihn vorliege. Die Verhandlung vor der Straf- kammer ergab in allen Punkten die Richtigkeit der Darstellung Willis, dessen Verurteilung auch in juristischen Kreisen allaemein überraschte, Wir möchten dem noch hinzufügen, daß der Kuppeleiparagravh, auf Grund dessen hier die Verurteilung erfolgte, der juristische Niederschlag einer durch und durch pharisäischen Gesevschaftsmoral ist. Das gleiche gilt auch von der Anwendung des Paragraphen. Eine bürgerliche Gesellschaft, die die Prostitlitian gleichsam als ..gottgewollte" Einridstung hinnimmt; eine Gesellschaft, auf deren Moralkonto zahllose Kindermorde. Selbstmorde und Verbrechen usw. fällen, versteckt sich hinter eine Buchstabengerechtigkeit, die einzelne arme Schacher hart angreist, zahllose andere aber, besonders auf den Höhen des Lebens, frei laufen läßt- Gewcrkfcbaftlidttö. Der Kampf im)Malcrgcwerbe. Die Annahme, der Unternehmerverband werde seine zur finanziellen Schwächung der Maler inszenierte Machtprobe noch nicht aus der Welt schaffen wollen, ist durch die zwei- tägigen Verhandlungen in Berlin voll bestätigt worden. Zu deu von den Unternehmern eingereichten lO Anträgen, durch die nahezu sämtliche bei den ersten Verhandlungen abgelehnten Anträge wieder aufgenommen und das Tarifniuster in den wichtigsten Fragen verschlechtert werden sollte, wurden einige Erläuterungen gegebeii. Obgleich die Unternehmer ihre An- träge gar nicht ernsthast begründeten, weil die Gehilsen- Vertreter von vornherein sede Aenderung des Tarifschemas entschieden ablehnten und Gegenanträge in Aussicht stellten, crklärten�ie sich schließlich mit dem Tarifschema im Gegensatz zu früher nunmehr einverstanden, wenn die Lohnfrage be- fricdigend geregelt werde. Bei den Verhandlungen über Löhne und Arbeits- zeiten machten die Unternehmer an Stelle der Schiedssprüche ein Angebot von 3 Pf. pro Stunde für die ganze Vertragsdauer. Zu- gleich lehnten sie Lohnerhöhungen zuni Ausgleich für Arbeits- Zeitverkürzungen ab. Tie Gehilfenvertrcter beantworteten diese Zumutung mit folgender Erklärung: »Die Vertreter der Arbeiterorganisationen lehnen das Angebot der Arbeitgeber, durch das sie die Absicht bekunden, selbst noch unter die in den Schiedssprüchen festgesetzten Löhne herab- zugehen, grundsätzlich ab. Sic halten eine Verständigung für eine Reihe von Lohngebietcn auf der Grundlage der Schiedssprüche ohne weiteres für möglich', dagegen können sie für einen weiteren Teil von Lohngebietcn die in den Schiedssprüchen festgesetzten Bc- dingungen über Löhne und Arbeitszeit nicht als ausreichend an- erkennen, weil die örtlichen Verhältnisse nicht genügend gewürdigt ivorden sind. Außerdem hat sich die Situation durch die vom Arbeitgeberverband vorgenommene Aussperrung wesentlich ver- ändert, indem durch den inzwischen erfolgten Abschluß zahlreicher Einzelverträge und korporativer Tarifverträge, u. a. mit dein Bund deutscher Dekorationsmaler, die Schiedssprüche bereits überholt sind." Die Gehilsenvcrtrctung begründete diese Erklärung ein- gehend unter Darlegung des ganz unmotivierten Vorgehens des Unternehmerverbandes und der dadurch herauf- beschworenen Situation, die es nun deu Gelsilfen unmöglich mache, die Schiedssprüche in allen Lrten noch als ausreichend anzuerkennen. 13406 Ausgesperrten und Arbeitslosen ständen jetzt 13 488 Gehilsen gegenüber, die bereits zu den in den Schiedssprüchen enthaltenen Arbeitsbedingungen und zum großen Teil noch darüber hinaus arbeiten. Tas müsse gewürdigt werden. Ter Unternebinerverband habe sich die Schuld, daß es so gekonunen sei, selbst zuzuschreiben. Nach langer Beratung der Unternehmervertreter und nach weiteren Bemühungen der Unparteiischen, die Diffc- renzen auszugleichen, blieben die Unternehmer bei ihrem An- gebot. Tarauf gaben die Gehilfenvertretcr folgende Er- klärung ab: „Wir erkennen die Bemühungen der Herren Unparteiischen zur' Beilegung der bestehenden Differenzen an, sind jedoch durch die infolge der Aussperrung veränderten Verhältnisse nicht in der Lage, dem Vorschlage der Unparteiischen, die Schiedssprüche für alle Lohngebiete anzuerkennen, beizutreten. Durch unsere Er- klärung haben wir den Willen zu einer Verständigung gezeigt und halten eine Einigung auf dieser Grundlage nach wie vor für möglich." Hierauf erklärten die Unparteiischen, daß zu ihrem Be- dauern, trotzdem nun alle Bedenken gegen das Tarifschema beseitigt seien, die Verhandlungen abgebrochen werden müßten.— So hat der Unternehnrerverband durch sein er- neutes provozierendes Angebot gezeigt, daß er nach wie vor glaubt, durch seine verpuffte Aktion die Gehilfenorgaui- sationen aufzureiben. Sind diese Absichten auch nicht ernst zu nehmen— denn die Pläne der Scharfmacher im Malergewerbe werden niemals in Erfüllung gehen—, so zeigen sie den Gehilfen doch mit er- freulicher Klarheit, was sie zu erwarten hätten, wenn es nach dem Willen der Unternehmerverbändler ginge. Ter Kampf dauert also fort, und daß er für die Arbeiter zu einein be- friedigenden Ende geführt wird, dafür bürgt schon die jetzige Situation, die nach der schroff ablehnenden Haltung der Unternehmervertreter bei den neueren Verhandlungen nun- inehr für die Unternehmer keineswegs besser geworden ist. Berlin und Umgegend. Der Streik beim Hackepeter. � Den Schauermärchen gegenüber, die in der bürgerlichen Klatschpreffe aufgetischt werden, ist es notwendig, noch einzelne Momente dieser Vorgänge besonders hervorzuheben._ Die Forderungen der Kellner bei Martin beliefen sich nicht nur auf Lohnerhöhung, sondern gingen auch auf eine V e r- kürzung der täglich lkstündigan Arbeitszeit hin- aus, was bereits in ähnlichen Geschäften durchgeführt ist. Es kann hier auch gleich ein Irrtum richtiggestellt werden, der in unserer gestrigen Notiz mit unterlaufen ist, fndem dort, wo Lohn gezahlt wird, die Kellner keine Kost erhalten. Was nun die Aeußerung betrifft:„Mit oen roten Hun- den will ich n i ch t s z u �»u n haben, die brauchen mein Lokal nicht zu betreten", die.L>err Martin nicht getan haben will, so ,wiro uns von der betreffenden Seite ver- sichert, daß dieselbe tatsächlich vor Zeugen gefallen sei, wofür die in Betracht kommende Person jederzeit den Beweis anzutreten bereit ist. Ueberbaupt soll Herr Martin in seinen Ausdrücken nicht sonderlich zart sein und ähnliche Ausdrücke nicht selten an- Wenden. Der Verband der Gastwirtsgehilfen verwahrt sich auch nach- drücklichst gegen oie durch die bürgerliche Presib verbreitete Be- schuldigung, wonach die streikenden Kellner mit Gummischläuchcn ausgerüstet gewesen seien. Vielmehr habe Herr Martin solche an seine arbeitswilligen Geister geliefert und sein Geschäftsführer und Schwager Neppgut lief schon am ersten Tage des Streiks mit »nem großen Schraubenschlüssel im Lokal herum. Kommt es doch täglich vor, daß unbeteiligte Gäste im Hackepeter verprügelt werden. Dies passierte erst gestern wieder einem Gast, weil er sich weigerte, — Trinkgeld zu geben. Herr Martin behauptet auck, er habe vom Verband keine ge- lernten Kellner erhalten. Die Kräfte, die er jetzt hat, sino aber alles andere als gelernte Kellner. Der eine ist ein gewisser B a l. d r u s ch a t, der in der Kaiserstr. 6 eine Kellerkncipe besitzt, ein anderer ist Installateur und ein dritter.Hausoiener, während als Rausschmeißer und Athlet sich der Engrosschlächtermeister Georg Kuhn aus der Zentralmarkthalle betätigt. Des weiteren sitzen in dem Lokal immer noch Kriminalbeamte an Sc» Tischen und in der ersten Etage ist eine fliegende Poliz-eiivache eingerichtet. Tie Mübc ist vergebens, denn der Verband hat seinen Mitgliedern strengste Zurückhaltung anbefohlen, die diese ohnehin schon geübt haben und auch fernerhin üben werden. Ter Betrieb des Herrn Martin ist nach wie vor für organi- fiertc Gehilfen gesperrt! veutkebcs Reich. Von den örtlichen Tarifverhandlungen im Zimmerer- gewerbe. Nachdem am Schlüsse der zentralen Verhandlungen für das Baugewerbe am 12. März die Vertreter der Arbeiterorganisationen ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen hatten, auf Grund des von den Unparteiischen vorgeschlagenen Tariftnustcrs in örtlicbe Verhand- langen einzutreten, haben diese in der Woche nach Ostern ihren Anfang genommen. Sic drehen sich vorwiegend um Lohn und Arbeitszeit. Tie bis jetzt vorliegenden Verhandlungsergebnissc sind, wenigstens soweit das Zimmerergewerbe in Frage kommt, in ihrer großen Mehrzahl nicht derart, daß sie einer friedlichen Er- lcdigung die Wege zu ebnen vermöchten. In sehr vielen Orten haben die Unternehmer einen strikte ablehnenden Standpunkt ein- genommen und nicht die geringsten Zugeständnisse gemacht, so in Apolda, Arnswalde, Aschersleben, Bad Nauheim, Barmen-Elber- seid, Brinkum, Butzbach, Köln, Einbeck, Erfurt, Förste. Friedberg i. Hessen, Göttingen, Gronau, Hagen i. Pom., Hann.-Münden, Höchst, Homburg, Itzehoe, Kahla, Karlsruhe, Landsberg a. W., Lan- gen, Miesbach, Mültieim a. Rh., Pölitz, Remscheid, Saalfeld, Saar- brücken, Solingen, Straubing, Varel und Wilhelmshaven. Ver- cinzelt sind für die nächste Tarisperiode sogar Lohnherabsetzungen in Aussicht gestellt, so in Tilsit und Traunstein. Wo Angebote ge- macht worden sind, bewegen sie sich in den überaus meisten Fällen in so bescheidenem Rahmen, daß sie sich fast wie Hohn ausnehmen. Nur in ganz wenigen Orten können die Angebote ernsthaft in Frage kommen; der Teuerung, oder gar den Bedürfnissen der Arbeiter entsprechen sie nirgends. Bei näherer Prüfung der Verhand- lungsergebnisse drängt sich die Vermutung auf, daß der Arbeit- geberbimd für das Baugewerbe an ihnen nicht ganz schuldlos ist. In einem Falle ist das in den Verhandlungen von einem Vertreter der Unternehmer auch offen ausgesprochen worden, indem er er- klärte, daß sie, die Unternehmer, an Beschlüsse ihrer Organisation gebunden seien. Sicher ist auch, daß einer örtlichen Verständigung vielfach Beschlüsse der Bezirksverbändc der Unternebmer entgegen- stehen. Das tritt besonders kraß in Mecklenburg hervor, wo der Bezirksverband seinen Ortsverbänden die Angebote vorgcschrie- ben hat. Diese Angebote bilden ein einheitliches Ganzes, das nur als solches anzunehmen oder abzulehnen sein soll. Daß bei dieser von den Unternehmersührcrn in ganz bestimmter Absicht geschaffc- neu Sachlage die örtlichen Verhandlungen so gut wie gar keine Bedeutung haben, weil den Unternehmern vorweg jede Selbständig- keit, jedes Rechts der Entschließung genommen ist, bedarf kaum der Erlvähnung. Seltsam muten auch die in zahlreichen schlesischcn Orten gemachten Angebote der Unternehmer an, die ganz zweifellos von der Brcslaucr Bezirkszcntralc der Unternebmer diktiert sind. Kann im Ernst jemand glauben, die Arbeiter würden sich mit der Zusicherung zusrieAm geben, daß sie in diesem Jahre nichts und in den nächsten beiden Jabren eine mätzige Zulage erhalten sollen? So lauten nämlich die„Angebote" der Unternebmer in Breslau, Breslau-Land, Frcibtfrg i. Schi., Glatz, Hirschberg. Landcshut, Langenbielau-Reichenbach, Neurode, Nimptsck, Schweidnitz, Strehlen, Striegau und Waldenburg und Umgegend. Abgelehnt sind fast durchweg die Forderun- gen auf Verkürzung der Arbeitszeit. In einzelnen Zahlstellen Ostpreußens, wie Bartcnstein, Braunsberg, Gumbinnen, Jnsterburg, Memel, Rastenburg, SchippenbGl, Stallupöneu u. a. ist eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde pro Woche. zumeist für den Sonnabend zugestanden worden. In Labiau soll endlich die ll stündige Arbeitszeit der lftstündigen weichen, und in Obornik in Posen soll an Stelle der lOIH'tündigen die lOstiindigc Arbeitszeit eingeführt werden. Die Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde täglich, von 10 aus!O4 Stunden, iit zuge- standen worden für Namslau ab sofort, für Chemnitz, Glückstadt und Stuttgart ab 1. April 1914, für Cuxhaven, Delmenhorst. Königs- berg i. Pr. und Lche-Geeftc münde ab 1. April Iglö. Weitere Zu- geständnisse bezüglich der Arbeitszeit sind bis jetzt nicht bekannt- geworden. Was die Lohnangebote anlangt, so sind die Unternehmer in Bremen, München und Rosenheim einer Zulage nicht abgeneigt, doch haben sie unterlassen, deren Höhe anzugeben. Um einen Pfennig für die ganze Tauer des Vertrages, also für drei Jahre soll sich der Lohn erhöben in Cassel. Darm- stadt, Mühlheim a. M., Richtenberg, Hersfcld, Mainz, Oels. schokken, Uelzen, Wetzlar und Wreschen. Dieser eine Pfennig soll in drei der vorgenannten Orte im zweiten Vertragsjahre, in drei gar erst im dritten Jahre gezabtt werden. Auf 1 Vi Pf., ebenfalls für die ganze Tauer des Vertrages, lauten die Angebote für Ossenbach und Wiesbaden. Aus 2 Pf. für Festenberg, Flensburg, Frank- furt a. M., Goslar, Hannover, Hof, Holzkirchen, Kiel, Micsbaib, Namslau, Oberkotzau, Passau, Reichenball, Roth a. Sand, Rudol- stadt, Schwarzenbach a. S., Selb und Weimar. In vier von diesen Orten sollen die 2 Pf. sofort gezablt werden, in drei Orlen erst im 2. Jahre und in den übrigen Orten verteilen sie sich auf die einzelnen Jahre. 3 Pf. sind für folgende Orte geboten worden: Bartb, Blankenburg i. Tb., Braunsberg,. Calbc, Teinmin, Gan- dcrtesee-Gruppenbühren, Greifswald, Grimmen-Tribsees, Groitzsch, Halle a. S., Hildcshcim-Salzdetsurtb. Jena, Kellinghusen, Küjtrin, Neudamm. Nürnberg-Fürth, Rötba, Samter-Grünberg i. P., fingen, Soltau, Stralsund, Stuttgart sals Ausgleich für die Arbeits- zeitverkürzung ab 1. April 1914) und Wongrowitz. In der Mehr- zabl dieser Orte verteilen sich die drei Pfennige auf drei Jahre mit je einem Pfennig, nur in 4 Orten soll die Zulage für dieses Jahr gleich 2 Pf. betragen.— Für Gnesen lautet das Angebot auf 'i'A Pf. und zwar sollen auf das erste Vertragsjahr 1Z4 Pf. und aus das dritte Jahr 2 Pf. entfallen. 4 Pf. Zulage sind geboten in Bernburg. Borna, Bricg, Dessau. Hanau, Konstanz. Leipzig, Lüne- bürg, Rakel, Neiße. Obornik, Schönebeck, Schwabach, Tönning und Würzen. Tie 4 Pf, verteilen sich in allen Fällen aus 2 bczw. 3 Jahre. Aus ö Pf. lauten die Angebote in Bartcnstein, Bromberg, Döbeln, Jever, Magdeburg, Oschatz� Posen, Rastcnburg, Stalln- pöncn, Staßfurt, Stettin, Strehla, Swinemünde. Waldbcim, Web- lau und Zeulenroda, die sich ebenfalls auf drei Jahre verteilen. Bavrcutb, Dahlen, Flöha, Frankcnbcrg, Gumbinnen. Hainichen, Leisnig, Löckiytz, Memel. Mügeln, Ledern u. Roßwcin und Weißen- bürg i. Bayern sollen 6 Pi. erhalten, gleichfalls auf drei Jahre verteilt. 7 Pf. sollen Jnsterburg, Labiau, Mittwcida und Ncusladb a. Atsch erhalten; 8 Pf. Chemnitz, Cuxhaven, Glückitadt und Lebe- Geestemünde; 8 A Pf. Delmenhorst jind 10 Pf. Königsberg i. Pr. Auch diese Angebote verteilen sich wie fast alle übrigen auf drei Jahre. Tie Wirkung der schon erwähnten Angebote in Mecklenburg, auf die im einzelnen nicht eingegangen werden soll, ist für die ganze Tauer des Vertrages folgende: 3 Zahlstellen mit 93 Zim- mercrn erhalten nichts; 7 Zahlstellen mit 245 Zimmerern im dritten Jahre 1 Pf.; 12 Zahlstellen mit 433 Zimmerern im zweiten und dritten Jahre je 1 Pf, zusammen 2 Pf.; 35 Zahlstellen mit 1309 Zimmerern in jedem Jabre 1 Pf., zusammen 3 Pf.; 1 Zahl- stelle mit 29 Zimmerern 5 Pf. und 1 Zahlstelle mit 9 Zimmerern 0 Pf. Tic vorstehend ausgeführten Zahlstellen des Zimmercrverban- des, für die bis jetzt verhandelt ist, umfassen 5144 Orte mit 29 745 Zimmerern; davon sind 24 401 Verbandsmitglieder. Für mehr als die Hälfte der an der diesjährigen Tarisbewegung beteiligten Ver- bandsmitglieder stehen die Verhandlungsergebnisse nock» aus, oder haben die Verhandlungen noch nicht stattgefunden. Bis 19. April sollen sie bekanntlich beendet sein. Erfolgreiche Tarisbewegung der Klempner in Hamburg. Seit einiger Zeit verhandeln die Klempner in Hamburg mit den Unternehmern ühcr eine Erneuerung des Tarifvertrages. Tic Verhandlungen gestalteten sich äußerit schwierig, weil die IIn- tcrnehmer in der Frage der Arbeitszeit vor der Erledigung dieser Frage im gesamten Baugewerbe kein Zugeständnis und bei dem Lohn für Jungausgelcrntc sogar einen Abstrich von 5 Pf. vom Stundenlohn machen wollten. In der letzten Verhandlung einigte man sich dahin, daß die Frage der Arbeitszeitverkürzung bis zu ihrer Erledigung im Baugewerbe zurückgestellt werden soll. Ein-: allgemeine Lohnerhöhung foll erfolgen vom 1. April mit 4 Pf. und vom 1. Oktober d. I. ab um weitere 2 Pf.» so daß der Stundenlohn dann 80 Pf. beträgt. Ter Lohn für Jungausgelerntc bleibt auf der jetzigen Höhe von 55 Pf. und steigt ein Jahr nach vollendeter Lehrzeit aus 58 Pf. Ter neue Tarif, der in seinen Einzelheiten noch festgestellt werden mutz, läuft auf drei Jahre. In der Kaffeezusatzfabrik von Weiß in Stettin sind 80 Arbeiter und Arbeiterinnen ausstündig. Die Firma lehnt jede Verhandlung über die gestellten Lohnforderungen ab.— Zuzug ist fernzuhalten. Zum Streik der Vinneuschisfcr. Der Unternehmerverband von Hamburg-Altona benutzt die Arbeitsniederlegung derHafenarbeiter in Schöne» b e ck a. d. Elbe, sich nach allen Regeln der Kunst zu blamieren. Daß ihm dabei auch eine Verleumdung des Transportarbeiter» Verbandes unterläuft, wundert keinen Kenner des Hamburger Unter» nehmerverbandes. Ohne auch nur deu leisesten Versuch zu machen» seine Behauptung zu beweisen, schreibt die Scharfmacherorganisation in der bürgerlichen Presse aller Schattierungen: „Es ist doch nötig, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß dieser Vorgang in Schönebeck einen großen Kontraktbruch be- deutet. Die Speditions» und Elbschifsahrts-Kontor A.-G. in Schönebeck hat mit dem Deutschen Transportarbeitcrverbaud einen Kontrakt abgeschlossen, welcher erst Ende Juni abläuft. Unbekümmert um diesen Kontrakt legen die Mitglieder deS Transportarbeitcrverbandcs auf dessen Geheiß nun, die Arbeit nieder." Wir sind in der Lage, mitteilen zu können. daß die Arbeitsniederlegung nicht auf Geheiß des T r ausportarbeiterverbaudes erfolgte. Aus diesem Grunde sind auch die daran geknüpften„praktischen Schlußfolgerungen" des Hamburger Ilnternehmcrverbandes müßiges Ge- rede. Es scheint allerdings, daß der Hamburger Unternehmer- verband» um dieser„praktischen Schlußfolgerung" � willen, den „Tarifbruch des Transportarbcitcrvcrbandcs" erst erfunden hat. Er schreibt nämlich weiter: „Durch diesen Vorfall wird wiederum bewiesen, welchen fraglichen Wert für die Arbeitgeber Vereinbarungen mit den sozialdenwkratischen Gewerkschaften haben. Die Gewerkschaften werden es schließlich dahin bringen, daß man es ablehnt, mit ihnen Kontrakte zu schließen." Die Hamburger Schleifsteindreher werden gut tun, wenn sie sich einen Schreiber zulegen, der wenigstens über die elementarsten Kenntnisse der Gewerkschaftsbewegung verfügt. Die G e w c r t» f ch a s t l c r wissen, daß die Unternehmer nicht mit ihnen Tarife abschlössen, weil die Gewerkschaftler so schöne Augen und die Unternehmer so butterweiche Herzen hatten. Die Unternehmer sind immer nur dann geneigt, Tarifverträge mit den Arbeitern einzugehen» wenn die- Arbeiter stark genug organisiert sind. Die Weigerung, mit den Arbeitern Verträge abzuschließen» ist älter als der Unternehmerverband von Hambnrg-Altvna, und daß Tarifverträge etwas anderes sind als Kontrakte» könnte der Sekretär des Hamburger ScharfmacherverbandeS auch wissen. Aber ein Schelm gibt mehr als er hat. Ter �riseurgchilfenverband im Jahre ISIS. Die durchschnittliche Mitgliederziffcr des Verbgudes stieg von 2169 im Jahre 1911 aus 2532 im Berichtsjahre. Die Zahl der Auf» nahmen in den Verband betrug 2295, woraus bervorgcht, daß der Friseurgchilfenverband seinen Mitgliederbestand Jabr für Jahr fast restlos erneuern»ruß. Tie Gehilfen werden den Meistern schon früh„zu alt", zu anspruchsvoll und als künftige Konkurrenten nn- ongcncbm, so daß iie sich selbständig machen müssen und dann der Organisation den Rücken kehren. Hinz-u kommt noch eine erhebliche Fluktuation unter den Gehilfen, was die Bildung eines festen Mit- gliederstammes verhindert. Ein Teil der meist jugendlichen Mit- glieder nimmt es auch mit der Beitragspflicht wenig genau, so daß die Zahl der voll geleisteten Beiträge einschließlich der laut Statut bei gänzlicher Erwerbslosigkeit ausfallenden. Beiträge mir 1873 be- rrug. Die Differenz zwischen Mitgliederzahl und Beitragsleisftingen betrug nicht weniger als 26 Proz. Tie Anzahl der geleisteten Bei- träge stieg von 85 910 auf 94 617. Tic Einnahmen des Verbandes erhöhten sich von 56 175 M. aus 60 060 M., die Ausgaben von 49 979 M. auf 58 221 M. Ter Kassenbestand vermehrte sich um 1839 M. und betrug 21 044 M.. wovon sich 2686 M. in den Lokal- kassen befinde». Für Agitation wurden 9527 M., für Erwerbslosen- Unterstützung 6343 M. und für Rciseunterstützung 371 M. aufgc- wandt. Die Unterstützungseinrichtungen insgesamt erforderten eine Ausgabe von 7466 M. gegen 6127 M. iin Jahre 1911. Für Lohn- bcivegungcns die sich auf 19 Orte erstreckten und ohne Arbeitsein- stclluug erledigt werden konnten, wurden 4313 M. ausgegeben.— Die Adresse des Verbandes ist jetzt: Berlin N. 113, Bornhvlmer Straße 89. Achtung! Arbeiter in Kunstdiingersabriken! Seit sieben Wochen stehen etwa 300 Arbeiter der Anglo-Continentale svorm. Ohlen- dorfsche Guanowerke) in Hamburg im Streik, um Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringen. Die Firma versuchte, mit Berufsstreikbrechern den Betrieb aufrecht zu erhalten. DaS ist mißlungen. Jetzt werden unter falschen Vorspiegelungen in anderen Kunstdüngerfabriken eingearbeitete Leute für eine„chemische Fabrik in Hamburg"— das ist der Betrieb der Anglo-Continentale— gesucht. Die Arbeiter in den Superpbosphat-Schwefelsäure- und Kunstdüngerfabriken werden dringend r�m Fernhaltung deS Zuzug» gebeten.__ �_ Jugendbewegung. Arbeiter-Jugend. Tie soeben erschienene Nummer 8 des fünften Jahrgangs hat u. a. folgenden Inhalt: Im Jubiläumsjahr der Freiheitskriege.— Gold und Ware.— Die Weber. Jugenderinncruiigcn von Richaro Wagner.— Regierung und Wahlrecht in Preußen(Schluß).— Der Rheinfall bei Sckmffhauscn. Bon Karl Gvattcr.'Mit Ab» Bildung.)— Eine idiotische Verleumdung.— Aus der Jugendbe- wegung. Auslänoischc Jugeudbewegung(Oesterreich. Frankreich. Schweiz'». Vom Kriegsschauplatz usw. Beilage: Die Buchhalterin. Erzählung von Fritz Müller. — Karl Marx in seinen jungen Jahren iVon der Rheinische» Zei- tung zum Kommunistischen Manifest). Bon A. Conrad!).— Die preußische Staatsreform nach dem Tilsitcr Frieden.— Flurbe- reinigung von Anno dazumal. Zeichnung von H Kley.— Stil und Stilarten. Von Otto Koenig.— Wissenswertes von der Sprache usw.____• Letzte Nachrichten. Funkkntelrgraphlscht Verbindung Niaa— Paris. Riga. 10. April. Tu' meteorologische Station der PZagi'vS- hoser Schisfabrtsschule errichtet eine fuukcntelcgraphifd'c Station zum Zwecke direkten Verkehrs nnt dem Eiffelturm in Paris. gräßlicher Eisrnbahnunfall. Hanau, 10. April.(P. C.) Der Packmcister des um- Uhr von Hanau kommenden Zuges geriet beim Rangieren des Zuges aus der Stafton Hetzbach unter die Räder. Er wurde in der Mitte durchgeschnitten. Der Verunglückte wohnte in Hanau, war ver- hchratet und Vatcr von fünf Kindern. Den Schtvicgcrsoki» erschossen. München. 10. April. lP. ß.) In Lconsberg bei Groß-Kollu- bach erschoß der Bauer Josef Mühlbach noch einem kurzen Wort. Wechsel seinen Schwiegersohn mit einem Jagdgewehr und versteckte die Leiche in einem Schuppen aus dem Hose., wo sie alsbald ge- funden wurde. Mühlbach wurde verhaftet._ verantw. Redakt.: Alfred Wielrvp, Neukölln. Inseratenteil verantw.? LH. Glocke. B-rl'n. Druck U.Verlag: Vorwärts Buckdr-u Verlagsanftatt PaulSinsrrZ-Eo.,Peri,nS)V. H.erzu 3 Vellage« u-UnterhaltungSbl. »»»»■"» 1. fifilije bis Lamiirls" ßftlinct Nl>!dsd>M-»»>-->»» Die Deckungsvorlage im Reichstage. 130. Sitzung. Donnerstag, den 10. April 1S18, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Kühn, v. Bethmann Hollweg, Tr. Delbrück, Lisco. Eine Entschuldigung. Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt das Wort Bayer. Militärbevollmächtigter Generalmajor Wcuninzer: Ich bitte, Ihnen eine Erklärung abgeben zu dürfen, die ich am liebsten schon gestern vorgebracht hätte. Leider wurde ich durch den Schluß der Sitzung überrascht. Mit meinen gestrigen Bemerkungen loollte ich lediglich der Meinung Ausdruck geben, daß ich das Maß und die Schärfe der von dem Abg. HaeuSler an Einrichtungen unseres Heerwesens geübten Kritik bedauere. Es hat mir aber durchaus ferngelegen, ganz allgemein das Recht deS Abgeordneten auf Kritik irgendwie anzutasten. Ebenso ist es mir völlig ferngelegen, mit meinen Be- merkungen hier im Hause der Ehre,dcS Herrn Abg. HaeuSler in seiner Stellung außerhalb des hohen Hauses irgend- wie nahezutreten. Ich bedauere, tvenn ineinen Worten von gestern eine andere Bedeutung beigelegt wurde oder würde. (Beifall.) Abg. Spahn(Z.): Die Wahrung der Ehre und Würde des Hauses und der Ehre eines einzelnen angegriffenen Abgeordneten ist Sache deS Herrn Präsidenten. Ich möchte aber doch zu den Aeußerungen, die gestern der General Weuninzer gemacht hat, noch folgendes erklären: Der Herr General Wenning er hat zu- nächst den Abgeordneten nach seiner Stellung im Privatleben be- zeichnet und als der Präsident dies als ungewöhnlich bezeichnete, hat er ihn als Abgeordneten bezeichnet und daran die Bemerkung geknüpft, er habe die Bezeichnung General aus eigener Wohl- an ständigkeit gebraucht und eS fei ihm nunniehr angenehm, diese Bezeichnung nicht mehr brauchen zu dürfen. Darin liegt doch eine Wkißachtung des Ab- geordneten. Ich bitte den Herrn Präsidenten, daS Stenogramm einzusehen und sich darüber schlüssig zu werden, ob er diese Be- merkung, wenn sie von einem Abgeordneten gegen einen anderen Abgeordneten gebraucht worden wäre, hätte hingehen lassen.� Vizepräsident Dove: Ich habe das Wort.Wohlanständigkeit' gestern allerdings gehört, habe aber angenommen, daß der Herr Vertreter im Bundesrat damit hat dasselbe ausdrücken wollen, was er heute erklärt hat, daß er diesen Ausdruck nicht in beleidigender Absicht gebraucht habe. Denn daß der Ausdruck„Ab- geordneter' für einen Abgeordneten der wohlanständigste ist, darüber dürfte wohl im Hause kein Zweifel sein.(Große Heiterkeit.) Im übrigen muß ich erklären, daß bei dem Lärm, der im Hause herrschte, es mir nicht klar geworden ist, daß etwa gesagt sein sollte, eZ würde mit dem Ausdruck General eine Bezeichnung gegeben, die der Herr Vertreter im Bundesrat nicht mehr zu brauchen vorzöge, weil er darin etwas Ehrendes für den Abg. HaeuSler sagen wollte. Ich glaube nach den Erklärungen des Herrn Vertreters im Bundes- rat, daß diese Ansicht nicht begründet sei. ES ist aber wünschenS- wert, daß der Herr Vertreter im Bundesrat dieses nochmals aus« drücklich erklärt, denn ich möchte doch vorziehen, daß wir diesen Gegenstand noch heute Verlaffen. Bayrischer Militärbevollmächtiger Generalmajor Wenniuger: Ich bin aus Wunsch des Herm Präsidenten sehr gern bereit, zu erklären, daß die Entschuldigung, die ich hier vorgebracht habe, und die wohl im ganzen Hause akv durchaus loyal empfunden wurde(Sehr richtig!», auch diesen Fall. � der mir sehr wohl in Er- innerung war, mit einbegriffen hat.(Lebhafte Zu- stimnmng.)\(. Hierauf wird die Beratung cler Veckungsvorlagen fortgesetzt. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Bevor ich �u meinem Thema übergehe, will ich wenigstens mit zwei Worten dre gestrigen Ausführungen des R e» ch S k a n z l e r s streifen. Er hat sich beklagt, seine erste Rede über daS Verhältnis von Slawentum und Germanentum sei mißverstanden worden, er habe nur llebertreibungen des PanslawismuS treffen wollen, nicht aber in den Kreis seiner Erörlerungeir einen etwaigen Kampf deS Slawentums und Germanentums gezogen. Er scheint seine eigene Rede vom 7. April nicht genau im Ge- dächtnrS gehabt zu haben. Er sagte damals, sollte eS einmal zu einer europäischen Konflagration kommen. die Slawen und Germanen gegenüberstellen, so ist eS für die Germanen ein Nachteil, daß die Stelle der Türkei auf dem Balkan von slawischen Völkern eingenoinmen loird.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Daraus ergibt sich klar, daß der Reichskanzler unter vollständiger B e r t e n n u n g der Tot- jache, daß Oe st erreich zu drei Vierteln ein slawischer Staat ist, mit der Möglichkeit eines Kampfe« zwischen Slawen und Germanen gerechnet hat. Wir empfinden Genugtuung über den reuigen Sünder und erkennen gen, an, daß er seinen Irrtum revidiert hat. vielleicht wird ibn da« auch zu einer Revision seiner preußischen Polenpolitik führen.(Sehr gut I bei den Sozial- dcmokraten.) Ich wende mich nun zu den DeckungSvorschläg en. Ich kann vorausschicken, daß die gestrige einleitende Rede deS Reichs- schaysckretärs sich wohltuend von den Ausführungen des Reichs- kanzlerS und des Kriegsministers zur Heeresvorlage unterschied. Namentlich der preußische Kriegsminister hat denn doch einen zu weit gehenden, einen zu verschwenderischen Gebrauch von dem Rechte ge« macht, noch einmal den Nachweis zu führen, daß das Wort des alten Oxen st ierna(„Weißt Du denn nicht, mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird?') auch beute noch gilt. Der Reichsschatzsekretär bemühte sich um den Nachweis. daß die DcckungSvorlagcn sich in das System unserer Reichs- sinauzen einfügen und daß die geforderten Wehrbeilräge vom Volke wohl aufgebracht werden könnten, zumal mindestens der größie Teil durch B e s i tz st e u e r n aufgebracht werden soll. Der erste Teil deS Nachweises konnte gar nicht geliefert werden. Denn das sich da« � cammclturium vou Steuervorschlägen nicht in den Rahmen unserer Finanzen einfügt, darüber lann gar kein Zweifel sein. Aber dre Vorlagen sind auch durchaus nicht so der Leistungsfähigkeit des Volkes angepaßt, wie ihr Schöpfer uns glauben machen will, cluch der Reichskanzler hat am 7. April be- hmiptet, das deutsche Volk»ei wohl in derLage, die ihm an- gesonnenen außerordentlichen Leistungen aufzubringen. Die Werte, die wir zu schützen haben, seien von Jahr zu Jahr gestiegen, trotz der großen Rüstuilgsausgaben sei niemals ein Zeitpunlt gewesen, wo wir wirtschaftlich so stark gewesen ,eien wie jetzt, so leistungsfähig m der Erfüllung der Aufgaben der sozialen und kulturellen Enlwickelung. und wo die Lebenshaltung des Einzelnen so hoch gestiegen wäre. Er fügte hinzu, die Weltgeschichte nennt uns kein Volk, daß an Rüstungen zugrunde gegangen sei. Ivohl aber solche, die zugrunde gegangen seien, weil sie über Wohlleben und Luxus die Wehrhaftigkeit veruaijlässigt haben. Gewiß, die wirtschaftlichen Werte sind gestiegen, auch die Lebens- Haltung weiter Kreise des Volkes ist gestiegen und eS wäre sehr bedauerlich, wenn es nicht so wäre, wenn der jahrzehnte- lange Kampf der Gewerkschaften eS nicht erreicht hätte, daß auch Schichten der Arbeiter an diesem Ausstieg teilgenommen haben. Aber die Steigerung des Besitzes und Einkommens ist so ungleich gewesen, daß die eigcnt- I i ch e Armut nicht a b g e n o in m e n, iv e n n nicht gar zugenommen hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und sie hat so ungleich zugenommen, daß der A b st a n d zwischen Reichtum und Armut größer geworden ist als je zuvor. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vor wenigen Tagen hat der p r e n ß i s cki e Finanzminister dem AbgeordiieteiihaiiS die übliche Zusammenstellung über die Einkommensteuer vorgelegt, und daraus ergibt sich, daß weit über neunzig Prozent der Bevölkerung nur über ein Einkommen verfügen, das zur Lebensfristung gerade ausreicht, zur Führung eines Kulturlebens aber vollständig ungenügend ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Genau dieselben Ergebnisse zeigt die sächsische Einkominenstatistik. Bor wenigen Tagen habe ich aus anderem Anlaß L0 Rrmenetats deutscher Städte mit über BOOOO Einwohnern und 50 Berichte der Armenämter durchgearbeitet. Vor der Fülle des da enthüllten Elends wendet sich der Blick schaudernd ab. Vor wenigen Monaten wurde in Frankfurt a, M. vom dortigen sozialen Museum, dem Verein für BolkSwohlfahrt und ähn« lichen Organisationen eine Enquete veranstaltet, die ergab, daß auch ungelernte Arbeiter mit zahlreicher Familie die öffentliche Armenpflege i n A n s p r n ch n e h m e» m ii s s e n. Es heißt da, nach dem Urteil sachverständiger Männer ist es gewiß, daß eine Anzahl fleißiger, ständig beschäftigter Ange- lernter Arbeiter mit großer Familie deshalb fortdauernd armemmterstiitzt wird, weil sie den hohen MictSzins nicht auf». zubringen wissen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie die Berichte der Fabrikinspektoren durchsehen, so sehen Sie, daß nicht abgenommen hat die Kinderarbeit, und zugenommen hat in einem alles Denkbare übersteigendem Muße die Frauenarbeit(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.), und wenn ein großer Teil derjenigen, die zum M i l i- t ä r ausgehoben werden, und dort unter gewiß nnhygienischen und auch sonst ungünstigen Bedingungen leben, auf die Dienstzeit mit einem gewissen Gefühl der Befriedigung zurückblicken, Ivenn mit Recht darauf hingewiesen werden kann, daß der Mililärdienst bei unserem nngesunden System zur BolkSgcsimdheit beiträgt, so spricht daS über die Zustände bei uns das denkbar härteste Urteil auS.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Aufzehrung von Lebenskraft, Leb cnStüchti gleit durch verfrühte Berufsarbeit, durch ni angeln de Pflege, durch u n- genügende Nahrung ist so stark, daß alle unbefangenen Beobachter einen Verfall unseres Volkes glauben befürchten zu müssen, nicht aus LuxuS und Wohlleben, wie der Reichskanzler meint, sondern weil durch ungenügende Löhne, schlechte Behausung und namentlich auch durch unzweckln ätzige und ungenügende Ernährung infolge unserer wirtschaftlichen Verhältnisse die körperliche Ausbildung nicht so ist. wie sie sein müßte, um den höchsten Grad von LeistungS- fähigkeit auch unter dem Gesichtswinkel der Vaterlandsverteidigung zu erzielen.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Unter den uns heute zugegangenen Drucksachen fand sich auch ein Schreiben des Herrn Grafen v. Mirbach- Sorquitten, der ja immer aufsteht, wenn er glaubt, nicht daS Vaterland, wohl aber das Porte»nonnaie ist in Gefahr.(Heiterkeit.) Er beruft sich in seinen alten Scharteken auf die Schrift eines englischen Pro- fessors, wonach die Bergarbeiterlöhne in den letzten zehn Jahren erheblich gestiegen seien. Greifen wir also einmal die Berg arbeiter heraus. Seit Bestehen des rheinisch-westsälischcn Kohleu syndikats haben die Koh lenpreise eine ganz außerordentliche Höhe erreicht, und entsprechend sind auch die Gewinne gestiegen, Nach amtlichen Angaben haben 37 Werke deS RuhrgebietcS ihre Profite vom Jahre 1909 bis zum Jahre 1912 von 125 Millionen auf 196 Millionen Mark gesteigert. Die Löhne der Bergarbeiter sind dagegen in den Jahren 1907 bis 1912 in Preußen im Durchschnitt van 3,73 a n f s,09 M., also um 36 Pf. oder 9,6 Proz. gestiegen. »Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Die Lebenshaltung hat sich aber seit 1907 um mindestens 20 Proz. verteuert. denn das G e t r e i d e ist im Preise um 25 Proz,, das Fleisch um 18 Proz. gestiegen. Gegen 1896 ist der Wert der Leistung des Bergarbeiters um 651 M. im Jahre gestiegen, der Lohn nur um ssl M.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Differenz von 210 M. hat dazu beigetragen, daß der Reichskanzler sagen konnte, die Werte, die ei in Deutschland zu schützen gibt, sind immer größer geworden und die Bevölkerung befindet sich in Gefahr, durch Luxus und Wohlleben zu degenerieren. Nun gibt eS eine Partei in diesem Hause, die den Schäden einer solchen ungerechten Verteilung des Einkommens entgegenzuarbeiten sich bemüht. Die Gelverkschaften und die Sozial- d e m o k r a t i e befinden sich aus diesem Wege. Unter ihre» Gegnern finden wir aber nicht nur die Unternehmer, die Kapitalisten, von denen man es begreifen kann, sondern in hohem Maße gerade auch die Vertreter der Staatsgewalt, die auf diese Weise der Emporeiitwickeluiig des Volkes dauernd die schwersten Hindernisse bereiten.(Lebhaftes Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Man sagt, Preußen müsse doch im allgemeinen gut verwallet werden, wenn man die Qualität der Beamtenschaft und die Ordnimg anschaut. Aber mit einer gewissen äußerlichen Ordnung verträgt sich sehr gut jeiier gerade in Preußen hervortretende Geist hinterlistiger. Mitwelten, i" rechts: Unerhört muß sich in jedem regen, wenn er sieht, wie die Mißhandlung der Minderbemittelten vorgenommen wird, um zwar im Namen des Gesetzes und der Ordnung.(Sehr wahr! bes den Sozial- demokraten.) Bei dein folgenden kann ich von der Voraussetzung ausgehen, daß die Heeresvorlage im großen und ganzen wohl eine Mehrheit in diesem Hause finden wird. Manche Abänderungen sind ivohl möglich, namentlicki wird daS gestrige Programm des Abg. Haeusler wohl auch dem Zentrum Gelegenheit geben, Ersparungen in den Kreis der Möglichkeit zu ziehen, und, was mehr wert ist, durch Beschlüsse in die Wirklichkeit umzu- setzen. Wenn man uns sagt, bei der gespannten Lage sei es jetzt nicht möglich, tiefgreifende Reformen im Heerwesen einzuführen, so verweise ich darauf, daß Scharnhorst und Bönen unter ganz anders gespannten Verhältnissen ein Heerwesen reformiert haben; wir hören immer dieselbe Rede, ivenn wir Reformen anregen, daß sie jetzt nicht möglich seien, sondern»ach verschoben werden müssen. Aber einmal muß doch die Gestaltung des Heerwesen« sich den geänderten gesellschaftlichen Zuständen anpassen (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), und eine bessere Zeit und Gelegenheit dazu als jetzt kann man sich nicht vorstellen. Ich habe eben an Scharnhorst und Boyen erinnert. Wollen Sie warten, bis wieder ein Jena über Deutschland kommt, und dann die Reformen - geraoe m P r e u y e n yervortretende lSc«|t st ig er Beeinträchtigung der Mi«derbe- in, die wir in Preußen so häufig beobachten.(Zuruf rhört!) DaS ist nicht unerhört, sondern die Galle von anderen bornehmen lassen?(Sehr wahr! bei den Sozial' demokraten.) Man sagt, unsere Reformvorschläge seien von Vaterlands feindlichkeit eingegeben. Die Marwitzens von damals haben die Scharnhorst und Boyen gerade so als V a t e r- landsfein de bezeichnet, wie Sic(nach rechts) uns Sozialdemo- kraten als solche zu bezeichnen pflegen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Annahme der HeereSvorlaae muß naiürlich von tief- greifendem Einfluß auf die Entschlüsse der Sozial- demokratie in bezug auf die Deckung sein. Ein hoher Staatsbeamter sagte gelegentlich zu mir, so gut tvie der DecknngS- Vorschlag sür diese Vorlage habe der Sozialdemokratie ivohl noch nie ei» Deckungsvorschlag gefallen, mid auch der Reichsschatzsekretär sagte gestern, cS habe wohl niemand geahnt, daß es gelingen werde, einen solchen Vorschlag zu bringen, der eigentlich bei Lichte besehen bei keiner Partei auf ernsthaften Widerstand stoßen könne. Wenn jener Herr meinte, noch keine Deckungsvorlage habe der Sozialdemokratie so gut gefallen wie diese, so ist das in gewissem « i» n e durchaus richtig. Wir haben auch gar keine Ver- anlassung, das zu leugnen oder zu verkleinern, im Gegenteil, wir wollen eS so laut wie irgendmöglich aussprechen, lvir wollen die Kunde davon bis in die letzte Hütte im Deutschen Reiche hineintragen, daß die Gestaltung der Deckungsvorlage deutlich den Eiiifiiiß der 110 Sozialdemokratcu im Reichstage und der l'/e Millionen sozialdemokratischer Wähler im Reiche rrkeiiilen läßt. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Deckungsvorschlag wäre sicher nicht so ausgefallen, wenn nicht im Januar 1912 die Wähler- schaft Deutschlands der Soziaidemolratie so überwältigend i b r Vectra» en ausgesprochen hätte und ihr sowie der bürgerlichen Linken so viel Stiminen und Mandate zugewandt hätte, daß wir heute im Reichstage über eine Mehrheit der Linken verfüge». Es wird noch manches scharfe Wort der Kritik gegen Einzelheiten der Vorlage nötig sein, aber das wollen wir doch erst einmal auf unser Konto gutschreiben, daß zum erstenmal in der Finanzgeschichte unseres Reiches wenigstens der eingestandene Ver- i u ch gemacht wird, zu RüstnngSzwecken auch den Besitz hcranzuzieheii. DaS ist ein Erfolg derSozialdemokratie und der sozial- demokratischen Erziehung, ein Zugeständnis von nicht zu übertreffen- der Bedeutung.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und wenn jetzt die Heranziehimg deS Besitzes durchaus nicht ge« nügend erscheint, dann ergibt sich eine ganz einfache Schlußfolgerung, nämlich, daß noch nicht genug Sozial- demokraten hier sitzen(Heiterkeit und Sehr gut bei den Sozial- demokraten), und daß unser Volk daher die nächste Gelegenheit wahrnehmen muß, um daS bisher Versäumte nachzuholen. DaS Volk niag durch kleine Kniffe und Schliche getäuscht werden lönncn, aber den großen Zug der Geschichte nimmt daS Volk mit einer beinahe intuitiven Sicherheit wahr. Mein Freund Frank hat gestern schon gesagt: Wenn eS dem Zentrum möglich wäre, den Reichstag zur Auflösung zu bringen unter der Voraussetzung, daß die Sozialdemokratie dabei dezimiert wird, würde es das tun. Aber>vie die Dinge heute liegen, können wir Sozialdemokraten einer Auflösung mit der größten Ruhe entgegensehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo« lraten.) In der letzten Zeit ist nun sehr viel die Rede gewesen von der Ausschaltung der Sozialdemokratie. Lockende Töne kamen auS dem Zentrum und von den Kon« servativcn zu den Ohren der N a t i o n a I l i b e r a l en, sie möchten doch zurückkehren zu dem alten schwarzblauen Block. Ja, so weit ist eS gekommen, daß bei diesem Versuch der Ausschaltung der Sozialdemokratie sich der Abg. Erzbergcr sogar in dunkelste Zahlenmystik verloren hat. In einem Artikel, den ich im„Tag' zu meiner Er- heiterung am 8. April gelesen habe, spricht er von der Zahl 13, die ganz besonders geeignet sei, alle bürgerlichen Parteien zusammen- zuführen. Sonst wurde die Zahl 13 nicht gerade als besonders glückbringend bezeichnet, und die Weisheit alter Weiber hat schon längst herausgefunden, daß von 13 die miteinander zu Tische sitzen, immer einer zuerst sterben muß.(Heiterkeit.) Wenn nun unter dem Glückstrahl der Zahl 13 der bürgerliche Liberalismus eingeladen wird zum gemeinsamen lecker bereiteten Mahle, namentlich mit den Herren vom Zentrum, dann dergesien Sie nicht da§ Wort: qui mange du pape en meurt (Wer vom Papst ißt, stirbt daran). Wer zuerst sterben würde von denen, die sich unter den Auspizien der 18 zusannnengefundcn haben würden, daS brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. � Auch der Reichskanzler ist nicht frei von den Gelüsten, die Sozialdemokraten auszuschließen. Es war nicht immer so. Bei der Verabschiedung der Verfassung von Elsaß-Lothringen konnte er unsere Stimmen sehr gut gebrauchen, um das ge« fährdete Schifflein in den Hafen' zu lotsen. Er hat es auch schon verstanden, eine Politik a deux mains(nach zwei Seiten) zu führen, und zwar sogar gleichzeitig, denn zu gleicher Zeit, als die clsaß- lothringifche VerfasiungSvorlage nur mit Hilfe der Sozialdemokratie angenommen werden konnte, hat eS der Reichskanzler fertig gebracht, die Reform der VersicherungSgesetz- gebung gegen die Sozialdemokratie durchzuführen. Daß ihm Gelüste nicht fernliegen, die Sozialdemokratie miözuschalten, beweist schon die Geheimkonferenz, die Anfang März ver- anstaltet wurde. Es liegt uns selbstverständlich fern, dem Reichs- kanzler die Freiheit in der Auswahl seines Verkehrs irgendwie be- schränken zu wollen.(Heiterkeit.) Obschon es doch noch einen sehr großen Unterschied macht: politischer Verkehr oder ge- sellschaftlicher Verkehr.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Wir lehnen auch weit den Eindruck ab, als ob wir uns etwa ge- kränkt oder zurückgesetzt fühlten, weil wir nicht eingeladen waren, Aber es muß doch auf die politische Seite der Sache kurz hingewiesen werden, ob sich denn nicht ein einziger von den Herren Liberalen einmal gesagt hat, daß er nicht uns, sondern seinem Liberalismus den Hinweis darauf schuldig Iväre, daß Versuche, die stärkste Partei deS Reichstages zu isolieren, lächerlich und un- klug sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Lächerlich, weil die Tatsache der gewollten Ausschaltung allein schon be- weist, daß sich die Erörterung iin Grunde geiiomman ja ooch um nichts anderes, als um die ausgeschaltete Partei dreht. EhristuS hat einmal gesagt, wenn Euer zwei beieinander sind, so bin ich mitten unter ihnen. Das heißt, wenn eS zwei wirklich eifrige Christen sind, werden sie ganz natürlich von dem sprechen, was ihren Geist und ihre Seele am innigsten beschäftigt. Gerade so ist es in unserem politischen Leben. Wo zwei Politiker beieinander sind, da sind Iv i r Sozialde»nokraten initten unter ihnen(Heiter- keit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten), denn es gibt nicht?, was sie so beschäftigt wie die Sozialdemokratie, und ich glaube, ganz empfindsame Geniüicr von den Herren namentlich auf der äußersten Rechten beschäftigen sich auch»och in der Nacht mit uns. �(Heiterkeit. Graf Westarp: Da haben wir besseres zu tun! Stürmische Heiterkeit.) Den besten Betveis dafür, daß die Ausschaltung der Soziaidemokrarie bei dieser Vorlage fehlgeschlagen ist, liefert die Vorlage. Wenn die Sozialdenivkralie bei der A b st i m m u n g ausgeschaltet werden sollte—»un. den Schinerz, eine Steuer nichl bewilligen zu»nüssen, würde sie wahrscheinlich auch noch ertragen. Aber daS soll uns nicht hindern, zu betonen. daß die Sozialdemokratie fest entschlossen ist, die Laste« & d e r H e e r e Z v e r m e h r u n g auf die Schultern der Be- sitzenden zu legen. Das hat die sozialdemokratische Fraktion des Deutschen Reichstags durchaus eines Sinnes mit der sozialdemokratischen Fraktion der französischen Deputiertenkammer in ihrem internationalen Manifest vom 1. März 1S13 klar und deutlich ausgesprochen. Wenn unser Kampf gegen die Heeresvorlage, den wir nicht führen, weil wir Volksfeinde wären, die das Vater- land wehrlos lassen wollten, sondern iveil wir das jetzige System des Heerwesens für falsch und unglückselig halten, wenn uns dieser Kamps nicht gelingt, dann werden wir wenigstens dafür sorgen, dag die Lasten dieser Vorlage auf die Schultern der Trag- sähigen, der Besitzenden gelegt werden. sSehr gut! bei den Sozial- demokraten.s Wenn man sich nun die Borlage ansieht, die keineswegs unseren Wünschen entspricht, anders ist sie dann doch wie die von IlKIfS/llö. Damals war all unser Widerstand ver- geblich. Bier, Tabak, Kaffee, Lcuchtmittel usw. wurden besteuert, der Hohe Aedanke an ein« Besitzsteuer rief aus der rechten Seite deS HauseS Wutausbrüche hervor, die Triarier Seiner Majetät waren es, die damals aus Furcht vor der Befitzsteuer den ersten Vertrauensmann der Krone zur fluchtartigen Preisgabe seines Amtes zwangen. Damals kündigte Herr v. Oldenburg- Januschau c-Z an, er werde eS jedesmal wieder so machen, damit nicht der aus dem demokratischen Wahlrecht hervorgegangene Reichstag jemals die Verfügung über das Portemonnaie der Besitzenden erhalten könnte. Damals fiel die Aeutzerung Heydebrands in Breslau, worin der starke Wille angekündigt wurde, gegen jede Be- steuerung des Besitzes für Zeit und Ewigkeit Front zu mache n. Was hat denn den Wandel herbeigeführt, namentlich auch ver Regierung, die sich doch Ihrem(nach rechts) damaligen Wunsche gefügt hat, weil sie sonst nicht Regierung hätte werden können, was hat den Wandel herbeigeführt im Sinne des R �i ch S- k a n z l e r<. der sein Amt nicht hätte annehmen können, wenn er nicht auf dem Standpunkt der damaligen Mehrheit gestanden hätte, denn er war ja der erste Gehilfe B L l o w s ge« Wesen, den Sie(mit rechts) in die Wüste geschickt hatten, hatte mitgefochten für die damalige Erbschaftssteuer, für die Befitzsteuer. Wie hätte er dies Amt annehmen können, das Bülow auf Ihr Geheih verlieh, wenn er nicht anderen Sinnes geworden war. und wenn er nicht damals Ihre Gedanken zu seinen Gedanken gemacht hätte, was hat denn inzwischen diesen neuen Wandel nun wieder vollzogen, was hat in ihm den Gedanken emporkommen lassen— Ivahrscheinlich doch auch schon seit No- vember 1012 �Heiterkeit)— nunmehr wenigstens den Versuch einer Besitzsteuer den« Reichstag vorzuschlagen? Ja, das waren eben d i e Wahlen, die dazwischen lagen. tSehr wahr! bei den Sozialdemokraten), Das Volk hat mit den harten Gesellen abgerechnet, die ihm die Last von 1900 aufgezwungen hatten, und wenn wir eine gerechte Wahlkreiseinteiluiig hätten, und wenn nicht der Reichskanzler als Ministerpräsident in Preuhen die Einlösung des königlichenVersprechens der Wa�h Ire form sehr auf die leichte Achsel genommen hätte, glauben Sie nicht, daß die Sinnesänderung des Kanzlers noch viel weiter gegangen wäre?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Man sagt, die Vorlage beweise den Opkermut der Reichen. Bisher hat sich ja dieser Opsermut in der deutschen Finanzgeschichte noch nicht offenbart. IlebrigenS. wenn er vorhanden wäre, warum zeigt er sich nicht deutlich? Der Reichskanzler hat die Reichskasse ermächtigt, freiwillige Beträge von 100 M. dankend in Empfang zu nehmen, er würde sicher nicht zögern, die Ermächtigung zu erteileu, die freiwillige Spende von einer Milliarde Mark eut- gegenzunehmeu.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten,) Dann rauchten wir diese Vorlage gar nicht. Wenn es in der Begründung eer Vorlage heißt, daß es nicht unbillig erscheint, wenn man die Reichen heranholt, zum Schutze defien, was sie besitzen, so emspricht das ganz unseren Anschauungen. Air werden nicht ver- fehlen,, diese schöne Stelle aus der Begründung der Vorlage in unserer Agitation auszunützen. Bei der Beurteilung der Vorlage darf man nicht übersehen, daß wir in den letzten Jahren Hoch- konjunktur gehabt haben, die sich in unseren indirekten Steuern und Zöllen sehr deutlich ausgedrückt hat, wir hatten infolgedessen große eigene Reichseinnahmen. Aber eS mehren sich die Zeichen, daß die Hochkonjunktur ihrem Ende sich zuneigt. Dank der vom Herrn Kriegsminister so unzweideutig zugegebenen Unfähigkeit unserer Diplomatie sind wir ja seit Jahren nicht mehr aus der Un- sicherheit im gewerblichen Leben herausgekommen, eS haben sich namentlich auf dem Geldmarkt Zustände entwickelt, die kaum noch erträglich sind. Ein Großindustrieller, der 7000 Arbeiter und Beamte beschäftigt, sagte mir, daß ihm heute die Aufbringung der wöcheirt- lichen Lohnsumme von 200—300 000 M. mehr Kopszerbrechen nvche als vor einigen Jahren die Aufbringung einer Obligations- anleihe von Millionen oder die Uebernahme eines noch so großen Austrages, zu dem er fremdes Kapital hätte heranholen müssen, (Hört! hört!) Das sind b e d e n k l i ch e Z e i ch e n, die uns lehren, daß es trügerisch ist, mit einer Fortsetzung dieser Hochkonjunktur und einem Weiterbestehen der jetzigen hohen eigenen Reichseinnahmen zu rechnen. Die einmaligen Ausgaben, die gefordert werden, be- ziffern sich auf IVSö Millionen Mark. Einen bündigen Nachweis der Notwendigkeit so hoher Aufwendungen ist die Negierung schuldig geblieben, auch der Herr Schatzsekreiär hat gestern das Ver- säumte nicht ergänzt. ES mutet absonderlich, um keinen anderen Ausdruck zu gebrauchen, an, wenn man in der Vorlage den Schein peinlichster Genauigkeit mühsam aufrecht erhallen sieht. Da findet man z. B. Ausgaben für die Luftflotte: 79 Millionen Mark, nicht 80, nicht 7ö Millionen, nein ausgerechnet 79 Millionen Mark. DaS erinnert an jene Ausverkäufe, wo mit großen Letten- der Preis von 2 M, 98 Pf. angekündigt wird, um dadurch den Anschein ganz besonders genauer Kalkulation herbsrzurufen. Diese peinliche Genauigkeit in Einzelheiten sticht seltsam ab von dem vollkommenen Fehlen eines Finanzplanes über 191S hinaus. Es ist vollständig unangängig, die kolossalen Lasten der HeereSvermebrung im wesentlichen auf die Zolleinnahmen aufzubauen, weil nämlich niemand di« Gestaltung unserer Zölle beim Wiederabschluß von Handelsverträgen voraus- sehen kann. Dafür ist entscheidend das Kräfteverhältnis der politischen Parteien.(Sehr lvahr! bei den Sozial- deinokraten.) Die Erstarkung der öffentlichen Meinung, die der Reichskanzler zusagt, wird auch einmal so zunehmen, daß sie die Zollmauern umwirft, die heute Habsucht und Erwerbstrieb gewisser Klassen der Bevölkerung um unser Deutsches Reich herum- gelegt haben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Also auch nur vornehmlich auf die Zölle so gewaltige Lasten aufrollen zu wollen, halte ich für eine durchaus verfehlte Finanz- Maßnahme. Wir müssen den Finanzplan über 1915 hinaus aufstellen. Sonst steher wir 1916 wieder vor der Notwendigkeit einer großen Finanzreform. Dem vorzubauen, ist nur möglich durch die Einführung direkter Reickissteuern, von denen ich vorzugsweise den Ausbau der Reichs- Erbschaftssteuer im Auge habe, während andere mehr an eine Reichsvermögens- und R e i ch S e i n k o m m e n st e u e r denken. Die ganze Entwickelung drängt dahin. Die Geschichte unseres deutschen Reichsfinanzwesens ist die GeschiSte gebrochener Versprechen, aber durch alle Experimente, namentlich auch mit de» Mairikularbeiträgen. durch die Versuche der Besteuerung der Erb- schafien hindurch zieht sich doch der große Gedanke, der schon im Artikel 70 der Reichsverfassung klar ausgesprochen ist, als der ursprüngliche Wille der Schöpfer der ReichSverfasiung. der Gedanke der Einführung direkter ReichSsteuern. Diese Bestrebungen fanden ihre Krönung in dem Beschluß der Reichstagsmehrheit vom t t. Juni 1912 über die Einführung einer Besitzbesteuernng. Ich habe mich damals sofort dagegen verwahrt, daß irgendwelche Zweideutigkeit mit dem Begriff der Besitzsteuer verbunden bleiben dürfe. Und auch der nationalliberale Abg. Roland Lücke hat damals ausdrücklich betont, daß auch für seine Fraktion als Bssitzsteuer nur eine rrrbschafts« und eine Vermögens- steuer in Betracht kommen könne.'(Hört I hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Nun will ich anerkennen, daß der Reichsschotzsekretär gestern zugestanden hat, daß die jetzige Vorlage nicht als eine Erledigung des Besitz st euerantrages von 1912 an- zusehen sei. Der Beschluß des Reichstages besteht also weiter. Der Bundesrat ist diesem Beschlüsse beigetreten und hat sich ver- pflichteh bis zum 30. April 1913 eine Borlage über die Besteuerung des Bcsiiies vorzunehmen. Bisher, sagt der Sibatzsekrelär selbst, ist diese Vorlage nicht gekommen. Jcb harre des Augenblicks, wo die Verbündeleu Regierungen uns die Besitzsteuer borlegen werden. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In seiner konzilianten Weise hat der Staatssekretär auch zugegeben,' daß mau auf gewissen Seiten des Hauses den Wehrbeitrag als eine Art Abfindung, eine Art Loskausgeld von der Befitzsteuer ansieht. Wemi jetzt der Wehrbeitrag erboben werde, löuuien uatür- lich auf die wunden Schultern der Besitzenden nicht neue Lasten gelegt werden. Nein, meine Herren, so haben wir nicht ge- wettet.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das ist nicht die Ansicht der Mehrheit dieses Reichstag?, und war nicht die Nu- ficht der Mehrheit von 1912. Die Deckungsvorlage wird nicht ohne eine allgemeine direkte Besteuerung des Besitzes in erster Linie in Form der Ausdehnung der Erbschafts- steuer, Gesetz werde». Ich warte erst noch ab, ob auch nur ein Teil dieser Mehrheit wagen kann, von dem damaligen Beschlüsse abzubröckeln. Wenn man den Worten B a s s e r in a n n s in Hannover trauen kann, besteht nicht die geringste Befürchtung, daß die Nationalliberalen fahnenflüchtig werden würden. Unter dem donnernden Beifall seiner Parteifreunde hat Herr Basser- inann ausdrücklich gesagt, daß seine Partei an der Einführung einer direkten Besitzbesteucruug festhalte. Demnach ist die Mehrheit dafür vorhanden und ich bin berechtigt, zu sagen: Die Deckungs- vorlagen iverden nicht verabschiedet werden, es sei denn, daß sie ergänzt sind durch die Einfügung einer direklen Besteuerung des Besitzes in Form einer Erbschaftssteuer in erster Linie oder eine ReichsvermögenZ- und Einkommensteuer. Den Grundgedanken des Wehrbeitrages hat man lange Zeit dem Reilbskanzker zugeschrieben, er habe ihn aus deiz unergründlichen Tiefen seines philosophischen Gemüts herausgefischt.(Heiterkeit.) Andere wieder sagten, der Vater aller Plötzlichkeiten sei auch der Vater dieser Plötzlichkeit(Heiterkeit). Gestern hat uns nun der Schatzsekretär gesagt, er selbst babe den Plan ausfindig gemacht, der Kie Welt in Erstaunen setzen müsse, wie eS gelungen sei, um durch alle Fährlichkeiten sich hindurckizufinden. Ich muß sagen, offen- sichtlich haben die Verfasser dieses Vorschlages mit großem Eifer die 'Akten des Reichstags studiert, denn schon am 2. Dezember 1907 wurde hier in einer Polemik gegen den damaligen Reichsschatzsekretär ausgeführt, der gemeint hatte, eine Erbschasts- steuer sei eigentlich im Grunde genommen eine indirelle Steuer: Wenn das eiiie indirekte Steuer ausmachen würde, daß sie nur ein- mal oder gelegentlich erboben würde, so läßt�sich vielleicht auch da vorläufig den ersten Schritt tun, indem inan eine Reichs- vermögenssteuer einführt, die immer nur dann erhoben wird, wenn eine ueue Militär» oder Marinevorlage zu finanzieren ist. Diese Steuer hat außerordentliche Vorzüge, vor allen den, daß den Kreisen, die gar nicht genug Schiffe und Kanonen bekommen können, die ihren Patriotismus gar nicht laut genug in die Welt hinausschreien können, ausreichende Gelegenheit gegeben wird, ihre nationale Gesinnung auch init dem Geldbeutel zu betätigen. Die Herren vom Floltenverein bis ganz oben hinauf in die höchsten, allerböchsten Kreise würden damit das Recht erhalten, diese Auslage, wenn sie. wollen, jedesmal doppelt zu bezahlen, damit ihrcin über- schäumenden Patriotismus die Möglichkeit geboten i(t, aus dem Allar des Vaterlandes auch einmal andere Opfer zu bringen, als Opfer der großen Worte l"' Und noch am 20. Februar 1912 wurde wiederum ausgeführt:„Die Reichsregierung möge doch jedesmal, wenn eine neue Marine- und Heeresvorlage kommt, die Summe, die sie er- fordert, als gelegentliche Steuer ausschreiben, als Kontribution auf die Vermögen und Einkommen, z. B. die Einkommen von 6000 M. und die Vermöge» von 100 000 M. an. Wenn Sie absolut keine regelmäßige direkte Steuer wollen, dann betreten Sie einmal diesen Weg." Das hat nicht der Herr Reichskanzler, auch nicht der Herr Schatzsekretär gesagt, sondern das hat mein Freund David gesogt.(Sebhastes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also bei genaueren: Zusehen entpuppt sich der Gedanke des Wehrbeitrages als ein sauberer, feiner, netter Gedanke, dcr der«ozialdemokralie seinen Ursprung verdankt(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten), der von uns in diesem Hause schon vor 6 Jahren propagiert wvrden ist und hier mir eine fröhliche Urständ feiert, vorläufig unter einer falschen Be- zeichnung, aber mit dem richtigen Geburlsattest hier in den Akten des Reichszags.(Hört! bört! bei den Sozialdemokraten.) Sie werden danach begreifen, daß diese Vorlage mir durchaus nicht unsympathisch ist. Natürlich überhebl mich das nicht der Notwendigkeit, Kritik au Einzelheiten zu üben.— Den Weg der Anleihe hat der Staatssekretär gestern mit Recht abgelehnt. Nach dem schrecklichen Fiasko namenlliÄ der letzten preußischen Anleihe wäre das ja Vermeffenheit gewesen. Eine Deroute auf dem Anleibemarkt wäre uichl zu vermeiden gewesen. Aber damil ist nicht gesagt, daß die Entziehung so hoher Beträge, lvic.sie der Wehrbeilrag vorsieht, aus unserer Volkswirlschast etwa unbedenklich wäre. Es kann in der Folge zu A b s a tz st o ck u n g e n, zu großer Arbeitslosigkeit kommen, und dann sind in letzter Linie wieder die Arbeiter diejenigen, die darunter zu leiden baben. Glauben sie nicht, daß die Abwälzuugs- Möglichkeit so gering ist. Wenn jemand hunderttausend Mark Vermögen hat und StXi M/Wehrbeitrag bezahlen soll, die er jetzl zu 4 Proz. ausgeliehen hat, so ist es ibm heute möglich, wenigstens für die Hülste davon einen höheren Zinsfuß zu ertrotzen, der ihm in zwei, drei Jahren reichlich das einbringen würde, ivas ihm der Wehrbeitrag genommen hat. Dann hat er die 500 M. nur ausgelegt, bezählen müssen sie die Mieter der Häuser, aus denen diese Hypotbeken lasten. Auch sonst steht den Arbeitern selbst bei dem Wehrbeitrage eine Belastung bevor. Zweifellos werden die in die Kaserne gezogemtn, aus� der Volkswirtschaft heraus- genommenen 130 000 Arbeitskräfte durch slawische Wander- arbeiter ersetzt werde». DaS sind gewiß durchaus glcichberech- tigte Menschen, aber bei ihrer außergewöhnlich niedrigen Lebens- Haltung bedeuten sie nun einmal eine dauernde Bedrohung der Lebenshaltung unserer deutschen Arbeiter. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So, wie der Wehrbeitrag von den Verbündeten Regierungen vorgeschlagen ist, zeißt er übrigens eine brutale Rücksichtslosigkeit namentlich gegen den Mittelstand. Faßt er auf der einen Seite mit unverzeihlicher Derbheit die kleinen Vermögen an, so vermeidet er andererseits die Progression zu Lasten der Riesenvermögen, und b e- günstigt auffallend die Agrarier. Präsident Dr. Liacmpf: Ich möchte bitten, daß Sie den Ausdruck„Brutalität" von Regicrungsmaßnahmen nicht gebrauchen. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Südekum(sorlfahrend): Ich harre de? Augenblicks, wo die Vertreter anderer Parteien einen milderen Ausdruck, der sich mit der parlamentarischen Ordnung verträgt, hier produzieren werden, um die Rücksichtslosigkeit zu kennzeichnen, die gegen den M i t t e I st a n d in der jetzigen Fassung des Webrbeitraaes entbalten ist. Schließlich ist es ja in der Tat nicht unsere Ausgabe, die heftigsten Ausdrücke zu suchen, gerade wenn eS sich um die Verteidigung des Mittelstandes handelt, den Sie(nach rechts) ja doch Ihr besonderes Schoßkind nennen.(Sehr gut! bei den Soz.) Jedenfalls kann nicht verschwiegen werden, daß die Leute mit kleinen Vermögen durch die jetzige Fasiung des Wehrbeitrages unerträglich am gefaßt werden/ und wir Sozialdemokraten werden niemals Bedenken tragen, Ungerechtigkeiten auch dort zu be- kämpfen, wo sie Menschen betreffen, die nicht unmittelbar in unseren Reihen stehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nun sagte der Schatzsekretär, die Progression habe man vermieden, um den ganzen Aufbau der Steuer so einfach wie möglich zu machen. Er ist ein viel zu kluger Fittanzmann, um das selbst zu glauben, und braucht sich von mir erst nicht sagen zu lassen, daß das einfach eine Frage der Veranlagung ist, daß. wenn ich veranlagt habe, ich darauf jeden beliebigen Steuerfuß anbringen kann. Nein, die Pro- greffion sucht man zu vermeiden aus Angst vor den Zah« luugsfäh igen, vor den Kapitalisten der höheren Grade, deren Opfermut dann auf eine recht harte Probe gestellt würde. Das war sicher die eigentliche Ursache, warum man von der Progresfiotr „der Einfachheit wegen" abgesehen hat.(Sehr gut? bei den Sozial» demolraten.) Bei der Kritik der vorgeschlagenen Veranlagung de? Wertes der land- und forslwirtschaftlichcn Grundstücke könnte ich mich auf S t r u tz stützen, der dabei Worte gefunden hat, die. wenn er sie unter dem Präsidium des Herrn Kaempf ausspreche» würde, ihm zweifellos eine Rüge zuziehen würde.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Hat er doch von„hahnebücheuer Ungerechtigkeit der Bestimmungen" geschrieben. Ebenso hat aber auch der beste Kenner des Landwirtschaftlichen Taxwesens Arbo die Veranlagung nach dem Erlragswcrt als reinen Unsinn be- zeichnet, und zwar nid&t im Hinblick auf diese Vorlage, sondern in einer rem wissenscbaftlichen Arbeit, die schon 1912 erschienen ist. (Hört! hört! links.) Also diese Begünstigung der Agrarier muß be- seitigt, eine Progression muß herbeigeführt werden. Wenn das alles geordnet ist, müßte eigentlich die Verewigung dieses Hcercsbeitrages beschlossen werden. Aber vielleicht findet sich dafür keine Mehrbeit. Jedenfalls aber muß die Verteilung auf 3 oder 4 Jahre beschlossen iverden, schon weil der Ertrag gar nicht vorauszusehen ist, und weil uns gar nichts daran liegen kann, der Regierung etwa Gelder in den Schoß zu werfen, für die vorläufig noch der Verwendungszweck fehlt, der aber von ihr bald gefunden werden würde. Die Schätzung der zu veranlagenden Vermögen ist ja außerordenllich verschieden. Wenn Ueberschüsie gemacht werden, müßten sie zunächst verlangt werden zur Verstaatlichung der Rüstungsindustrie, vor allem, damit die ewige Kriegstreiberei durch die heute an der Rüstungsindustrie interessierten Privatleute aus der Welt geschafft wird. Wir haben hier zum ersten Male eine Zweck st euer, daber können wir den Zweck auch ausdehnen und in das Gesetz hineinsckireiben. daß die Erträge auch Berwenduug finden für die Verstaatlichung dieser Rüstungsfabriken. Glauben Sie nicht, daß das eine geringfügige Sache sei. Zwei Merkmale hat diese Industrie, das Merk- mal der Nobilität und das andere, daß sie durchaus international ist. In England gehören zu den Interessenten dieser Industrie Herzöge, MarguiS, Grafen. Barone, weite Kreise der Offiziere, ZeitungS- besitzcr. Aber auch in Deutschland ist ein g r o tz e r T e i l d c S Adels an den kolossalen Profilen dieser Industrie beteiligt. D i e Deutschen Wasfenfabriken geben 32 Prozent Dividende.(Hört! hört I) Sie haben ihre Anlagen bis auf 1 M. heruntergeschrieben.(Hörrl hört!) Was Wunder, daß da die Besitzer dieser Werke immer treiben und treiben zu neue» R ü st u n g e n, die neue Profite ihnen zu- schanzen. Aber nicht nur außerordentlich einflußreiche Leute sind an dieser Industrie beteiligt. Wir beziehen den größten Teil der deutschen Panzerplatten aus der Dilling«r Hütte. An dieser Hütte sind hervorragend französische Kapitalisten beteiligt, die G e s ch ä f t« sp r a ck> e in der Generalversammlung ist die französische.(Hört I bört!) Im Aussichtsrat fitzt Herr Ronrad v. Schubert, der Schwiegersohn des König« Swmm, preußischer Generalleutnant z. D. Dieser Herr mit den sranzöfischcn Herren zusammen die Preise der deutsckicn Panzerplatten aus» kalkulierend— dies Bild möchten wir der Zukunft ersparen, indem wir die Rüstungsindustrie verstaatlichen.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Die Grundsätze für die Veranlagung de» Vermögens zum Wehrbeitrag müssen durch das Reich festgesetzt werden. Eine Organisation hierzu läßt sich ebenso gut schaffen wie für das Reichs» Heer, die ReichSzöllc und andere Einrichtungen. Die Fürsten find in der Vorlage nicht erwähnt und deshalb sind sie einbegriffen. Man kann eS nicht gutheißen, daß die Be- gründung sagt, eS sei ein besonderes Gnaden- und Jubiläumsgeschenk, wenn die Fürsten jetzt i�itsieuern wollen. Ihr Millionen- und Milliardenverniögen kann man nicht freilassen.(Zuruf: Und wenn sie abwandern!) HerreKollege, das wäre ein Gedanke(Große Heilerkeit), darüber ließe sich reden. Das geforderte Opfer von einer Milliarde stellt man als etwas Außerordentliches hin, aber das deutsche Volk zahlt seit 1906 jährlich eine Milliarde für den Brotwucher und soll nach dem Wunsche der Rechten in alle Ewigkeit weiter zahlen. DaS Opfer der Besitzenden kommt also gar nicht in Betracht gegenüber den großen Lasten, dw der Masse des Volkes aufgewälzt sind, und die sie schweigend tragen muß. (Zuruf rechts: Schweigend?!) Sofern ihr nichr in der Sozial- demolratie Fürsprecher entstehen.(Zurufe bei der Vollspartei.) Auch Sie, Herr Gothein. find Fürsprecher, ich erkenne das an. Man wirst der Vorlage vor. in die Selbständigkeit der Emzel- staaten einzugreifen. Wir erkennen die kulturelle Notwendigkeit der Einzelstaaten an; so lange Preußen nicht ein Kulwrstaat geworden. ist es ein Glück, daß wir Einzelstaateu haben, in denen noch Reste demokratischer Einrichtungen sind, in denen die Ge- dankensreiheit noch einen Schutz findet gegenüber der schwarz. blauen Herrschaft in Preußen.» Aber das Natürliche ist doch die Entwickelung zur straffen Zentralisation de« Reiches und zum Staatenbund des westlichen Europas. Sogar diese Vorlage beweist den Fortschritt des demokratischen Gedankens, da man sie nur mit dem Hinweis auf die allgemeine Wehrpflicht zu empfehlen gewagt hat. Die Geschichte der deutschen Finanzreformen ist eine Geschichte gebrochener Versprechungen. Jede neue Reforin brachte eine neue Belastung. Diesmal hat man überhaupt keinen Finanzplan, der es ermöglicht, getrosten Mutes in die Zukunft zu sehen. Nock keinem Schatzsekretär ist es gelungen. das Finanzwesen so zu gestalten, wie es die zwingende Notwendig- keit erheischt. So wie die Dinge liegen, kann eben nicht ein Schatz- sekretär ein Refonnator der Finanzen sein, sondern nur eine Koalition der Parteien, nur die Volks» Vertretung. Freiheiten haben sich die Völker nur zu Zeiten finanzieller Schwierigkeiten ihrer Herren errungen. Auch wir müssen die Zeiten der schweren Opfer benutzen zur Erringung von Freiheiten. Dann kann aus den toten Zahlen dieser Vorlage blübendes und reiche Früchte tragendes Leben sprießen.(Lebhafter anhaltender Beifall bei den Sozialdemokralen.) Präsident Kaempf: Sie haben preußischen Beamten hinter- listige Beeinträchtigung der Rechte der Minderbemittelten vor- geworfen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das stimmt.) Ich rufe Sie dafür z u r O r d n u n g. Abg. Speck(Z.): Nach der Finanzreform von 1909 glauotcn wir mit den Steuern in einem Beharrungszustand angekommen .�u sein, und jetzt haben wir schon wieder gewaltige Steuer» v�ilagen zu beraten. Der Vorredner freilich scheint sehr be» willigungs freudig: er will noch über die Vorlage hinaus Besitzsteuern bewilligen. Jedenfalls muffen wir die Hecresvorlage genau prüfen: denn wir sind nicht gewillt, zunächst die Heeres» Vorlage zu bewilligen und die Deckung durch eine andere iceyrheit beschließen zu lassen. Wir werden keine Ausgabe ohne vorherige Deckung bewilligen.' Daß die Deckung nicht durch Belastung der breiten Massen geschehen kann, war für uns selbst- verständlich. Der Gedanke deS einmaligen Wehrbe,tragcS»st in Hmtdwcrkcrkrciscn sehr populär. Dort wird sogar der Gedanke propagiert, mit diesem Ei des Eolumbus die Reichsschulden zu tilgen.(Heiterkeit.) Sollten sich Ueberschüffc ergeben, so tonn. ten sie in der Tat zur Schuldentilgung verwendet iverden. All- mählich ist aber eine Ernüchterung gegemiber dem Gedanfc» 6cr einmaligen Vcrmögenkabgabc eingetreten. Zu solchen Maß' «ahmen greift man doch nur in Zeiten höchster Not und Gefahr, die doch bei uns nach den Ausführungen des Reichs' lanzlers keineswegs vorliegt. Die normale Besteuerung ist die des Ertrages und Einkommens, jede Besteuerung der Vermögens' substanz führt zu einer llnter Höhlung des Vermögens selbst. Die einmalige Abgabe vom Vermögen ist ein Schritt weiter auf dem Wege, der mit der Erbschaftssteuer, der Wertzuwachs- fteuer betreten in. Auf demselben Wege liegt das Erbrecht des Staates, die sogen. Besitzsteucr, der Wehrbeitrag. Welchen Bestre- Jtmngen man damit entgegen kommt, beweisen die Ausführungen des Vorredners und der sozialdemokratischen Preffe. So verlangt die..Münchener Post", daß der Wehrbeitrag recht oft und recht boch erhoben wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sic bestätigen, daß diese Steuervorlagen ganz Ihren Anschauungen entsprechen.(Abg. Dr. S ü d e k u m(Soz.): Nicht ganz!) Gewiß, Sie wollen noch weiter gehen, entsprechend Ihrem Grundsatz: Eigen- tum ist Diebstahl. Wir aber, die wir auf dem Boden einer konservativen Wirtschaftspolitik stehen, können uns nur schwer zu einer einmaligen Vermögensabgabe entschließen. (Zustimmung rechts und im Zentrum.) Tie Begründung der Vorlage betont die Finanzhoheit der Einzelstaaten; aber noch nie ist sie so angegriffen und ramponiert worden wie durch dieses Gesetz.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Das Opferjahr 1913 ist der Anfang vom Ende der Finanzhoheit der Einzel st aaten. Ich erinnere an die Entziehung der Stempelabgaben, an die Befugnis des Bundesrats, hen Verteilungsmaßstab der veredelten Matritularbeiträge nachzu- prüfen� und festzusetzen; weiter seine Befugnis, nachzuprüfen, ob neue Steuern wirklich Besitzsteuern sind oder nicht. Wie konnte der Schatzsekretär unter solchen Umständen behaupten, an den Grundlagen des Finanzwesens der Einzelstaaten werde nicht ge- rüttelt und der föderative Charakter des Reiches werde nicht an- gegriffen! Ter Wchrbeitrag ist geeignet, einer Reichsver- mogeusstcuer den Weg zu bahnen. Diese Gefahr liegt um so näher, als die Rüstungsfanatiker, die von lumpigen 199 Millionen zu sprechen gewohnt sind, die Forderungen der Vor- lagen als das mindeste bezeichnen. Vor allem mutz der Mittel- stand stärker geschützt werden. Es ist in höchstem Matze u n- gerecht, Vermögen schon von 19 999 Vi. an zum Wehrbeitrag heranzuziehen, Einkommen erst von 69 999 M. an. Wir werden die Vermögensgrenze heraufsetzen müssen: auf 59 999 oder mindestens auf 39 999 Mark.(Sehr richtigl im Zentrum.) Auch müssen die höheren Vermögen prozentual höher er- faßt werden.(Sehr richtig! im Zentrum.) Auch müssen den Familien, aus denen mehrere Söhne dienen, Erleichter usigen verschafft werden.(Bravo! im Zentruni.) In Geldsachen hört nicht nur die Gemütlichkeit, sondern auch der Patriotismus auf, (Heiterkeit), und deshalb sind Kautelen für die richtige Erfassung des Vermögens geschaffen, und daran hat man wohl getan. Es wird zu untersuchen sein, ob sie ausreichen, namentlich zur Er- fassung des mobilen Kapitals.(Sehr richtigl im Zentrum.) In weitesten Kreisen h»t es angenehm berührt, daß die � u n d c s f ü r st c u sich bereit erklärt haben, sich an dem Opfer des Wehrbeitrages zu beteiligen. Aber den Satz der Begründung, dag die Aundesfürsten der direkten Besteuerung durch das Reich nicht unterliegen, kann ich nidht anerkennen,«sehr richtig! im Zentrum.) Wir haben also schwere Bedenken gegen den Wehr- b e r t r a g, und jedenfalls darf eine solche Belastungsprobe dem deutschen i&zlke nicht zum zweiten Male zugemutet werden. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Gegen die sogen. Besitz st euer, die Vermögenszu- wachssteuer haben wir ebenfalls schwere Bedenken — bringt sie doch die. Heranziebung der Ervschaften der Kinder und Ehegatten. Schwere Bedenken haben wir auch gegen die Art der Regelung der Matrikularbeiträge. Für die laufenden Ausgaben soll die Ermäßigung der Zu aersteuer noch weiter hinausgeschoben werden.' Dem stimmen wir gern zu; denn von der Ermäßigung hätten die Kon- sumenten� doch keinen Vorteil.(Widevspriilh links.> Auch der ll m s a tz st c m p c l soll bis 1918 in derselben Höhe erhoben werden wie jetzt. Gegen diesen Vorschlag stoben wir schwere B e- denken. Den a l l c r s ch w c r st e n B c d c ii k e n aber begegnet bei uns die Vorlage in bezug auf das Erbrecht des Staates; denn hier tritt das Konfistationsprinzip in nacktester Form zutage, das nachgerade ein unentbehrliches flipquisit moderner Steuervorlagen zu sein scheint.(Sehr wahr! im Zentrum.) Wir treten also den Heeres- und Tcckungsvorlagen nicht mir h u r r a p a t r i o t i s ch c r Begeisterung gegenüber, sondern wir werden sie sehr genau prüfen. Wenn man meint, im Volk herrscht Begeisterung über diese Vorlagen, so täuscht 'n a n s i ch und andere. Das Ve.lt seufzt unter ungeheuren Steuer- lasten(Zuruf links: sie haben sie dem Volke auferlegt), von Freuoe über die Rüstungen ist im Volke nichts zu entdecken. Wen,, es nicht anders sein kann, wird es die Lasten trage» und i chhoffe, daß die Vorlage» oic Grundlage abgeben werden, um bie bürgerlichen Parteien zu gemeinsamer nationaler Arbeit zn- sannnenzuführcn.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Paaschc(natl.): Ich hoffe, daß der Opfermut des Volkes und speziell der besitzenden Kreise ebenso groß ist wie vor �99 Jahren.(Beifall bei den Nationailibcraken.) Woraus der Vorredner eigentlich hinaus wollte, ist mir nicht ganz klar go- worden. Es mag ja politisch klug sein, sich n i ch t festzulegen, uno ich will dein Voredner in gewissem Sinne folgen.(Große Heiterkeit.) Dr. S ü d e k u m hat Ijier ein Bild der Not und des Elends im Volke gemalt. Es>var sehr deplaziert, den Feinden Deutsch- lands zu zeigen, wir seien schwach, viel besser wäre es. zu zeigen, das deutsche Vo'k ist stark und kräftig und hat den Willen, seine Interessen nach außen zu vertreten und Opfer für seine Wehrhafligkcit zu bringen.(Lebhaftes Bravo! bei den National- liberalen. Dr. S ü d e k u m nahm die Vaterschaft des Wehrbeitragcs für den Kollegen Dr. David in Anspruch; in der Tat hat Dr. David bei der letzten Finanzreform einen Wehrftcuerbeitrag gefordert. Fürst B ü l o w sprach damals mit Bezug darauf von perftdcu und pliantastischcn Anträgen der Sozialdemokratie (Schalllwde Heiterkeit), doch das nur nebenher. Angesichts des Bedarfs bleibt für die einmaligen Ausgaben zunächst der Weg der Anleihe. Früher haben wir Anleihen in leichtsertigcr Weise gemacht für Kanonen und Gewehre, die jetzt längst altes Eisen sind, während uns die Zinsen noch schiver drücken, sollten wir aber gerade jetzt mit einer Milliarde aus den Anlerhemarkt treten? Dadurch wären alle Kurse ge- drückt worden und die Besitzenden hätten mehr verloren als durch den einmaligen Wehrbeitrag. Die V c r m ö g e ns g r e n z e van 19999 M. möchten w i r beibehalt en;bis zu 59 999 M. könnten unter bestimmten Bedingungen bei geringem Einkommen Befrciuungen eintreten. Daß der Wehrbeitrag auch� bei geringerem Einkommen als 59 999 M. erhoben werde» muß, halten wir für selbstverständlich, ebenso eine Staffelung. Darüber wird in der Kommission zu reden sein. Die Steuerpfiicht der Fürsten ist nach dem Wortlaut des Gesetzes ganz zweifellos. In der Begründung heißt eö aber „die nach völkerrechtlichen Grundsätzen steuerfreien Fürsten"— nebenbei, seit wann werden die Verhältnisse der Fürsten zu den Völkern denn nach völkerrechtlichen Grundsätzen geregelt(Heiterkeit)—; also die Fürsten haben sich bereit erklärt. das patriotische Opfer zu bringen. Gegen wen haben sie sich bereit erklärt, und zu einem Opfer in welcher Höhe? Sind sie auch bereit zu dem Opfer, wenn wir den Prozentsatz erhöhen? iSchr gut! links.) Das richtigste ist es also, die Fürsten ein- fach in das Gesetz einzubeziehen.(Zustimmung links.) In Bezug auf die dauernden Ausgaben bedauern wir, daß das Versprechen auf Ermäßigung der Zuckersteuer � und des Um- satzstempels nicht eingelöst wird, doch erkennen wir an, daß es nicht möglich ist.. � Der W e r t z n w a ch s st c n e r haben wir früher mit schwerem Herzen zugestimmt, aber wer jetzt die Durchführung kennengelernt hat, muß zugeben, daß das ein schwerer Fehler war. (Hört! hört! links.) Nun zu den veredelten Matrikularbeiträge». Das soll eine allgemeine Besitzsteuer sein. Wir stehen noch heute auf dem Standpunkt der allgemeinen Besitzsteucr und sind der Meinung, daß die Vorlage der Negierung diesem Gedanken recht wenig entspricht. Wir müssen zu einer direkten Besteue- rung durch das Reich kommen. Ich und der größte Teil meiner Freunde(Hört! hört! links) halten eine direkte Vermögenssteuer oder Erbschaftssteuer noch heute für das beste. Nur sürchte ich. wenn wir eine solche beantragen, wird man uns ein Unannehmbar entgegenhalten.(Lachen bei den Sozial- dcmokraten.) Allerdings wenn man die verschiedenen Wandlungen in den Anschauungen der Regierung selbst beobachtet, wird man da- Wort der Thronrede:„Die Entivickelung steht nicht still" auch aus die Regierung selbst anwenden können.(Heiterkeit und Sehr gut! links.) Was hat man früher alles über die Finanzhoheit der Bundesstaaten gesagt! Heute heißt es: wen» du nicht parierst, tritt das Reichsgesetz in deinem Einzelstaat in Kraft. Damit fällt eines der wesentlichsten Motive gegen die Rcichsvermögenssteuer fort. Aber wir kaprizieren uns nicht auf die Der- m ö g e n s st e u e r, uns liegt daran, eine wirklich allgemeine Be- sitzsteuer für die Deckung der Wehrvorlage zu bekommen und eine solche ist auch die Erbanfallsieucr. Im Bundesrat ist ja eine große Mehrheit dafür vorhanden. Ich betone aber ausdrücktich im Na- inen meiner Freunde, wir kaprizieren uns nicht auf ein Wort, weil es im Wahlkampf einmal eine große Rolle gespielt hat. Wenn es auf andere Weise gelingt, so ist uns der andere Weg ebenso lieb, aber immer nur eine direkte Besitzsteuer, die direkt der Kon- trolle des Reichs unterliegt. Für den Umweg über die Einzel' staaten sind wir nicht z» haben. Die ReichsvermögenszuwachS' steuer ist auch keine glückliche Lösung. Den Grundgedanken der Vorlage über das Erbrecht des Reichs halten wir fürjnchtig. Viel einbringen wird sie kaum.— Beim Wehrbeitrag müssen auch die großen Vermögen der Toten Hand herangezogen werden.(Sebr richtigl links.) Alle diese Fragen werden in der Kommission eingehend zu prüfen sein, wo es hoffentlich gelingt, für tzie notwendige Wehrvorlage auch die notwendige Deckung zu finden.(Bravo? bei den Nationalliberalen.) Abg. Gras Westarp(k.): Die Vorlage ist trotz der Kürze ihrer Begründung doch gründlich durchgearbeitet. Es handelt sich hier um das schwere Problem der Abgrenzung der Finanzpolitik des Reichs und der Einzelstaaten und der ebenso schwierigen Ausgabe, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Auffassungen der Parteien zu finden. Diesen Ausgleich zu finden, ist der Regierung im all- gemeinen gelungen. In einzelnen Punkten haben wir allerdings die schwerwiegend st en Bedenken.— Ein großer Fehler deS FinanzplaneS liegt darin, daß 1913— 15 157 Millionen zur Deckung fortdauernder Ausgaben fehlen, weil verschiedene Ein- nahmen erst später cinkommcn. Das Charakteristische der Vorlage ist, daß der allergrößte Teil der Lasten auf die Bc sitzende n, auf den kleinen Teil der Bevölkerung gelegt wird, der ein Vermögen besitzt. Handel und Verkehr. Industrie und vor allem die breite h a n d a r b e i i c n d e Klasse werden in einer Weise ge- schont, wie das wohl niemand erwartet hat. Dabei haben sicher besonders auch die Arbeiter große Vorteile von der- Heeresvorlage.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Auf die Dauer wird es nicht möglich fein, die L a st e n ausschließlich auf die st a r i e n Schultern zu l cg c n.� Sie"önuten zusammenbrechen und so auch die schwachen Schultern nicht mehr schützen können.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Kein anderer Staat verzichtet ganz auf indirekte Steuern. Bei der Agi- tatirni gegen die indirekten Steuern vergißt man immer auf die L a st en hinzuweisen, die dem Besitz in den Einzelstaaten und den Kommunen auferlegt sind. Es ist Pflicht der Regierung, für die Aufklärung des Volkes hierüber zu sorgen.(Gelächter links. Sebr richtig! rechts.) In dem Antrag Basscrmann-Erzbcrger lag nicht die Tendenz, den Besitz ganz einseitig zu belasten, wie das vier geschieht. Trotz alledem sind wir bereit, die einseitige Be- lasiung des Besitzes im wesentlichen im Umfang der RegierungSvoD läge zu bewilligen, weil unter allen Umständen unte�V e r m c i> d u n g tiefgehender Reibungen unter den bürger- l i ch e n P a r t c i e n die Kosten der Wchrvorlagc aufgebracht werden müssen.(Bravo! rechts.) Tie konservative Partei ist stets bereit gewesen, Opfer für die Deckung der Heeresvorlagen zu bringen.(Lautes Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Wie gerade Sie zu dem Vorwurfe der Steuer- scheu kommen, ist mir unverständlich.(Sehr wahr! rechts.) Haben Sie schon je eine Sieucr bewilligt, die die hinter Ihnen stehenden Arbeiter belastet hat? Im Gegenteil, Sie erheben Steuern von den Arbeitern in Form der Partei- und Gewcrkschafts- beitrage, um ein großes Heer von zirka 19 999 Parteiangc- stellten zu besolden.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Aber wenn es sich darum handelt, die Arbeiter für die Sicherheit ihres Vaterlandes zu besteuern, versagen Sie vollständig.(Leb- Haftes Bravo! rechts. Gelächter bei den Sozialdemokraten.)— Dem Wehrbeitrag stimmen wir zu. Ter Anregung, daß auch über eventuelle Ueberschüsse Bestimmung getroffen wird, stimmen loir zu. Dadurch wird der Charakter der Vorlage als einer Zweck- steuer noch klarer. Ten Enischlutz der L a n d e s f ü r st e n, sich an der Steuer zu beteiligen, begrüßen wir. Richtig ist, daß ein Recht, die Fürsten zu besteuern, den Einzelstaaten nicht zusteht und eben- sowenig dem Reich.(Widerspruch links.) Zu prüfen wird sein, ol> nicht auch die Gewerkschaften der Arbeiter zum Wchrfoudsbeitrag herangezogen werden können. (Lachen bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Bund der Landwirte!) Tie Besteuerung des Grund und Bodens nach dem Ertrag und nicht nach dem Ertragswert halten wir für gerechtfertigt. Dw Heran. ziehung der kleinen Vermögen halten auch wir für zu weitgehend. Richtiger wäre es, das Einkommen zugrunde zu legen. Aber dem stehen auch große Schwierigkeiten entgegen, denen nur durch ein Reiche- einkommensteuergefetz zu begegnen wäre. Aber wir können unmöglich den Bundesstaaten auch noch ihre letzte Steuerquelle, die Einkommensteuer, nehmen. Daher werden wir die Unvollkommen- heften der jetzigen Vorlage im großen und ganzen in Kauf nehmen müssen, zumal es sich nur um einen einmaligen Beitrag handelt. Zu einer Regression im Interesse der kleinen Vermögen sind wir bereit. Der Ausfall kann durch schärfere Heranziehung der Ein- kommen gedeckt werden. Die Finanzhoheit der Einzelstaaten muß soweit wie möglich gewahrt werden.(Sehr richtig! rechts.) Eine Beeinträchtigung des Reichsgedankens liegt darin nicht. 1899 Mit- lionen Mark reichseigener Einnahmen stehen nur 139 Millionen Mark gegenüber, bei denen den Einzclregierungcn die Erhebung überlassen ist. Eine Reichserbschaftssteuer würde weniger bringen als die vorgeschlagene Besitzsteuer. Was an Zuwachssteuer aufkommen kanu, ist ganz zweifelhaft. Dieses Gesetz fiele a m besten fort. Es unterscheidet nicht zwischen verdientem und unverdientem Zuwachs, wie das seiner» zeit von uns befürwortete Wertzuwachssteuergesetz.— Das Erbrecht des Reiches kann unsere Billigung nicht finden. Bloß um eine Einnahmequelle zu schaffen, darf man aus dem großen Werk des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht einen einzelnen Stein herausbrechen. Der F a m i l i e n z u s a m m enh a n g ist keineswegs schon so gelockert, wie dieser Gesetzentwurf annimmt, und wenn es so wäre, sollte die Gesetzgebung diesem Prozeh ent- gegenwirken, nicht ihn fördern.(Sehr richtig! rechts.)— Bei der Z u ck e r st e u e r und dem Umsatz st empel hat ntan doch das Gefühl, daß Bersprechiulgen nicht gehalten sind.— Die Erledigung der Deckuiigs vorlagen muß nach unserer Meinung unbedingt zusammen mit der Bewilligung der H e er e s v o r l a ge erfolgen.(Sehr richtig! rechts.) Nur dann wird der Eindruck auf da? Ausland ein nachdrücklicher sein. Es wird großen Entgegenkom- mens auf allen Seiten bedürfen, an dem cS auf unserer Seite nicht fehlen soll.(Bravo! rechts.) Die weitere Debatte wird auf Freitag 1 Uhr(pünktlich) v e r- tagt. Schluß 7Vi Uhr.______ parlamcntarifcbes» Ter Militäretat in der Budgetkommission des Reichstages. In der Donnerstagssitzung brachte Genosse Gradnauer die wiederholten schweren Eingriffe militärischer Kommandostellen bei Streiks zugunsten der Unternehmer zur Sprache. Grad- nauer exemplifizierte besonders auf den Vorgang in Stolp, wo Susaren in einem Transportarbeiterstreil Arbeitswilligen- dienste leisten mußten. Das Generalkommando in Tanzig hat diese recht unmilitärische und ungehörige Verwendung von Sol- baten gutgeheißen.— General Wandel gab die Erklärung ab, daß das Kriegsministerinm in diesem Falle die Verwendung von Soldaten nicht billigte und dementsprechend auch das»Ge- neralkommmrdo unterrichtet habe. In Ulm hat der Kommandeur des 129. Jnfauterieregimcnts der Regimentsmusik verboten, an einer von Gewerkschaften im Stadttbeater arrangierten Aufführung der Operette„Fledermaus" mitzuwirken. Der württembergischc Militärbevollmächtigte glaubte das Verbot damit rechtfertigen zu können, daß die Sozialdemo- kraten den Militäretat ablehnen.— Einen schweren, militärischen Terrorismus brachte Genosse Liebknecht zur Sprache. Einem Molkereibesitzer in Spandau, der einen Garten zu einer sozialdemokratischen Versammlung hergegeben hat, ist die Milchlieferung für die Truppen entzogen worden, ferner der Bezug von Speiseresten zur Viehfütterung unterbunden. Der Mann ist dadurch ruiniert worden.— Der Kriegsminister sagte eine Untersuchung des Falles zu.» Abg. Müller- Meiningen brachte zur Sprache.�daß das vom Kronprinzen geführte Husarenregiment Exerzitien für ktnematographische Aufnahmen abgehalten hat.— Der Ä r i e g s m i n i st e r betonte, daß die Filmfabrikanten sich wegen Ausnahmen gerade an dieses Regiment herandrängen, ein 'Armeebefehl des Kaisers habe aber streng untersagt, daß die Truppen für solche Zwecke benutzt werden dürfen.— Zu einer längeren Debatte führte die Unterstützung, die die Militärbehörden dem Jung-Deutschlandbund angedcihcn lassen.— Gen. Liebknecht protestiert dagegen, daß staatliche Mittel �ur För- derung dieser Bewegung verwendet werden.— Die Militärverwaltung bestritt, daß der Jung-Deutschlandbund irgendwie materiell unterstützt wird. Wenn Offiziere und Unteroffiziere sich in ihrer steten Zeit in den Dienst dieser Bewegung stellen, sei daö nur zu begrüßen. Tie Heeresverwaltung freue sich der Be- strebungen, die körperliche Tüchtigkeit der jungen Leute zu heben. — Genosse S ch ö p f l i n betonte, wenn die Militärverwaltung jetzt an die körperliche?lusbil!umg junger Leute herangehe, so folge sie einer alten sozialdernokrati scheu Forderung. Aber die Art, wie die Ausbildung vorgenommen wird, müsse energisch bekämpft werden. Für eine allgemeine körperliche Jugendausbildung, frei von allen politischen Bestrebungen, trete die Sozialdemokratie ein. Zu einer lebhaften Aussprache führte noch die vom Zentrum beantragte Streichung einer Anzahl von Kommandanten in Residenzstädten. Vertreter der sächsischen, württembergischen und hessischen Regierung, wie auch der Kriegsminister, wendeten sich gegen die Streichung, für die Genosse S t ü ck l e n eintrat. Jetzt sei der günstigste Moment, mit diesen Sinekuren aufzuräumen und Ernst mit Ersparnissen zu machen. Die Debatte hierüber wird am Freitag fortgesetzt werden. Aus der Wahlprsisungskonimissiou des Reichstages. Die Kommission stellte in der Donnerstagssitzung den Bericht über die Wahl des Abg. v. K r ö ch er fest, in dem die U n g ü l t i g- keitserklärung dieser Wahl beantragt wird. Tann trat die Kommission in die weitere Prüfung der Wahl des Abgeordneten Laser(Natl.) ein. Da ein Gegenprotest vor- liegt, erörterte die Kommission die prinzipielle Frage, ob die in Gegenprotesten ncuaufgeführten Tatsachen, die nicht Bezug auf Angaben des Protestes nehmen, von der Kommission berücksichtigt werden können, wenn der Gegenprotest innerhalb der festge- stellten Frist beim Reichstage eingegangen ist. Mit elf gegen drei Stimmen beschloß die Kommission, daß künftig die in Gegen- Protesten angeführten neuen Tatsachen, die sicki nicht auf den Pro- test beziehen, von der Kommission bei der Prüfung einer Wahl berücksicktigt werden können.— Tie Prüfung der Wahl LaserS kam noch nicht zu Ende. Hin rnühelos gros- sie Reinheit zu erzielen, ist nur dreierlei nötig: Wasser, Lappen (oder Bürste) und BKI- Einfach ste Anwendung' «Zs»s nexizetflid-ie Söieuer-, Poltr— und Putz pniver*. Her9«aTelU wo« bunlighf Seifenfobrik«Rheinau-fiAnrihteini Hände, die gesdiwarzl, berusst, befleck sind reinigt QU] schnell Selbst ganz alle ein- genistete Schmutzflecken müssen seiner reinigenden Kraft weichen. ® A.Weiiheim Hl Leipziger Str. ifa-ii? König-Str. Ak�SSSut« Roscnthalcr Strasse Oranien« Strasse Versand-Abteilung; Leipzigcrstr. 132/137 Rosenthaler Strasse Oranicn«Strasse Fleisch Schmorfleisch. SS« 1.00 Kamm und Querrippe..«»»« 65« Brust Pfand 70« Fehlrippe Pfand 75 Pf PöKelbrustpfd 90 pt.-Zunge pfi 1.30 Xälgpfand 45 PC, nawelMMn.... Pfand 55 P£ Schinken i» Ganzn....... Pfand 85 PI Rückenfett. Pfand 65?�- Pfand.. 3.10 Kalbskeule u. Rücken 1.00 Kalbskamm. Bug, Brust SO. 85 n Brustspitze..........„,*�*95 n Hammel-Dünnung...... 75 pc Hammel dicke Rippe... 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Pfand 18, 20 pt W urstwar en Rotwurst...... Pfd. 55, 85 pt Landleberwurst..... pfd. 1.00 Feine Leberwurst... ptond 1.20 Pasteten-Leberwurst pfo-d 1�5 Bauernmettwurst... Pfand 1.25 Jagdwurst....... Pfand 1.10 Teewurst........ Pfund 1.30 Zervelat- u.Salamiwurst pfil.25 Schinkenspeck{P/Ä"m 125 Mausschinken S�.Wd 140 Fetter Speck...... ptand 90 pt Hagerer Speck____ Pfand 1.00 Fische Kabeljau»bn.»»Pf in»an«n Pt»rb»n Pfd. 12 Pt. Seelachs»bn» Konf In(au** FUch.n. Pfd. 8 PL Schellfisch Pf«. 12. Zander«»«*60 pc Schollen �pfa.«20,'"-«Z 12« Rotzungen«« 12. Lachs«.�63 pc Grüne Heringe.......>«»« 15 pc Leb. Hechte pa»« 88»«1 68«. Lebende Plötzen....... pm-d 35 pl Lebende Aale 1.05, 1.20, 1.35 Leb. Spiegel-Karpfen �«"pm! 85« Lebende Krebse h»»«.! SO pf bw 4.00 Geflügel vorPuandox» Junge Gänse........... pm. 90«. 1.15 Junge Tauben.......... 45, 60, 75 rc Suppenhühner........ shuk 1.45 bu 2.75 Brathühner......... sttes 1.45 bi. 2.75 Enten.................... 2.10 bu 3.00 Masthühner.......... shuk 2.85 bu 3.25 Poulets......... steck 1.65 Kiebitzeier Obst und Gemüse Butter u. Käse Wein Soweit Torhanden Amerlk. Aepfel....Pf»« 20 pt Kalif. Aepfel Pfand 28, 35, 45 pr Kanarische Bananen Pfand 28 pc Ananaspf(p65,78, Chicorcc20 pc Apfelsinen.. vt» 30. 45, 55 pc Blut-ApfelsinenouSO, 45, 70 pc Mandarinen______«»d 22 pc Locums- Feigen____ pf-nd 60 pc Locums-Feigen km* 35, 43 pc Blumenkohl.... 10, 15, 20« Salat K)4f6 10, Spinat i nd. 45« Engl. Gurken...«nok 30, 40«. Petersilie aSchnittlauchropi 14 pt Zitronen....... du 35, 45 pt Malta• Kartoffeln.. Pfand 10« ItaL Kartoffeln..... ptond 8 pc Meerrettich Pfand 15 pt Junge Schoten �. Pfand 35 pc Rhabarber______ iw 10« Mohrrüben......, Pfand 10 pc Rote Rüben.....» Pfand 10 pt Schwarzwurzeln..»«.od 20 pc Kochbutter........wandl.20 Tlschbutter........ Pfandl.25 Tafelbutter Pfand 1.34, AA-' 67 pt Tafelschmalz____ Pfand 68?: Pflaumenmus.... Pfand 30 pc Marmelade i Wtlh. Schauspielhans. Srigrt LustiPirlhanS. Kaiolifa. IolieS Eaprire. De» Löwen Cr- sein. Floh» Seitensprünge. Antang 8'/, Uhr. Reuest voltSttzeater. Ernst Ansang» Ahr. Admiralspalaft. Eisballett: Flirt m St. Morl». Berliner Eispalast. Lebende Ei»« slnlpturcn. Sternwarte. Jiwalldenstr.«7—62. Hgmutwortlicher Redakteur: Al SetiilleT-IIiLsteT 0.�.7/ Freitag, abend» S Uhr: voi-i-tt. Sonnabend, abend« 8 Uhr: l»vr- �»ckere. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: vn» ItonreiTt. Sonntag, abend» 8 Uhr: _ Klein Dorrit._ Sehlüer-Thealer Ch��eB- Freitag, abend? 8 Uhr: Cypano von Berjferae. Sonnabend, nachmittag« 3,10 Uhr: Wallcnstelnn Tod. Sonnabend, abends 8 Uhr: «ygeo nnd sein Ring;. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ktfnle Liear. Sonntag, abends 8 Uhr: Cyrano von Berne rae. Berliner Theater. s Uhr: Filmzauber. Abends 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Dentocbes Scbansplelhana 8 Uhr: Alt-Hetdelbers. lKarl.Heinz: Harry Waiden.) Theater des Westens. »Nhr: prr liebt Angllklll. Sonnt S'l, Uhr: Der ftrnucnfrejicr. Residenz-Theater. Ansang 8 Uhr. Die Frau Präsidentin. (Madame la Ppesidonte). Korgen und folgende Tage: vle Fran Prlisldentin. Sonntag, 13. April, nachm. 3 Uhr: drin Walzer von t> hopin. Mite Öperetten-Theater (fr. Neues Theater). 3!mt Norden 1141. Abends 8 Uhi: Der Zlfcennerprlmaa. Reiehshallen-Thealer Stettiner Sdnger. (Meysol. Britton, Schräder.) Anfang 8 Uhr, Sonntags 7'/. Uhr. Theater atnMeudorfplatz s uhr: Liebelei. Sonnabend, 12. April, nachm.: 2. Aufs. der Opernschule d. Sternschen Konserv. LeUisen- Theater Freitag, abend« 8 Uhr: Bor 100 Jahren oder: RapoleonS Sieg nnd Kall. Sonnabend, abends 8 Ubr: I« wunderschönen Monat Mai. Sonntag, nachmittag« 3 Uhr: Bor 100 Jahren oder: Napoleons Sieg und Fall. «sonnt 8Uhr: Wer war ent oder: Der Film al« Detektiv. OSE=THEATE| Arotze Franffurtei Str. 132. Anfang 8 Nhr. Sherloek Holmes. iLfl Deteitwfomöd. in4Aft. von Reiflingen. Sonnabendnachm.: logiued Schwert. Abends 8 Uhr: Tie grSstte Sünde. Trianon-Tbeater. Täglich 8 Uhr: Wenn Franen reinen... Sonntag 3 Uhr: D«r aelige Toupinel. Passage-Panoptikum DER EKBENDE LEICHNAM Das Wunder atavistischen Verscheiden». EEBEMD! FUSSKÜNSTLERSARTON Der armloao PAGANINI OW Allen lebend! Alles ohne Extra-Entree! Urania. Tanbenstrafie 48/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: jotaDiierr-Ftt. Iftetropol-Theater. Ansang 8 Uhr. vie Kioo-Kölligill. Operette in 3 Akten von Jut Freund und A. Okonfowslt Musii von �ean Ollbert. In Szene gesetzt». Dir. Stich. Schultz.. Karl Butunami J. Giarapietro G. Ttuelseiier V. lorbert B. Ballol J. Rosska Ly Winter umftM Schonzeit- Jäger. Komödie in 2 Akten von Anton u. Donat Herrnfeld. Liebesprobe. Plauderei in 1 Akt v. Ernst Klein. Anfaas 8 Uhr. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). f:: Berliner:: �WaVU Konzerthaus '■» i*" MausrstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Oroßes Ikoppei- Konzert. Gastspiel des Philhartnonischeu Blasorchesters aul Ralland. Dhüg. Maestro Loreto Tesone. Musikc. des 1. Garde-Dragon.-Rcgts., Dirig. Oberm. Baar«. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. — Gr. Haehmltlaiis-lDBierl""ÄT -.nr den Jubolt der Inlernle averuimmi die Redaitiou dem »ndlitum gegenüber feinerlrt lm nttantmottuug._____________ rrh Äicfrpp, Neukölln. Für den Inseratenteil veranw.: Th. Glocke. Berltn. Druck u.«erlag:«orwärt»«uchdruckerei u. VerlagSanftali Paul S'nger u.«o, Berlin SVL Telephon 1753. VcnUöIIn— PflSgerstraBe. Freitag, den 11. April: Vormittags 11— 1 Uhr: Probe mit Konzert. Erw. 20 P».— Kinder 10 Pf. Abends 8 Uhr: Große ie- : 35 iktraktionenSB\ 4 pMMMMMMMVMWWMM MM M« Billott- Vorverkauf bei A. Werthelm. Voigt-Theater. Badstraste 58. Freilag, den 9. April: Lassalles Ende. Drama in 4 Akten von I. Rhenanus. Kasseneröfin. 7 Uhr. Ans. 8»/, Ufir. Casino-Theater Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Montag, den 5. Mal; Der urkomische Artars Flitterwochen u. da« glänzende rrftflast. Programm. Sonntagnachm: Papa» Sellensprung. SchluB der Saison: Montag, 5. Mal. Admiralspalast Els'Arena Abends 9 Uhr: Pss sensationelle Elsballett Flirt in St. Moritz. Die blolne Charlotte. Bis 6 Uhr und von 10-/, Uhr halbe Kaawcnprelac. Restaurant I. Ranges. Wein- und Bier- Abteünng. Donnerstag, den 17. April: l.etate Voratellwng. Zirkus Ulbert Schumann. Heute Freitag, den 11. April, abends 8 Uhr: Große Elite-Vorstellnng. U. a.; Direktor A. 8ctaamann m. sein, neuesten Kreationen. lO Elo-Hol-Taebn'« lO chinesische Gaukler. Aerobatlc- Doppel-Jockey- Act Gebr. Powell. Ein« Kegelpartie zu Pferde, geritten von 8 Herren. Um ö'/i Uhr: Das pße Aiisstauuflgsstiiek: Der unaiehtbare Mensch. Walhalla-Theater. WeinbergSweg 19/20. Täglich 8'/, Uhr Parole i Waiballa! Otobc Jahrelrevue. BorzugSlartcn haben täglich Küttigkeii. folevs Lspnivs. Des Löwen Erwachen. Posse von Bernhard HaSlsl. «..- 7:61 Rehbock. Posse mit Gesang von i'beo Haiion. Alohs Seitensprünge. Posse von Glinaer und Tausiig. Ansang 8-/. Uhr. Porverf. 11-2 Uhr. Tlisstös küiiigstzlll-Cgsitia. öck-.HuIznuiril. u. Alexanderswabc. ' Minute d. Bahnh. Jannowltzbriiac loh komme von Herrn Rejcr! und da« erstllossige Spezialitäten Programm Fi.ino-'rtt«!»tor N:: Dadotr. 5S-S«. Beule Fremiere. Keule großes Mlhtäf- Konzert. »..85. s«. z.H.-... 2. Keilage des Jorniörts" berliner UslksblM-�»..�.>3. 6ine erklärung fliidlcrs. Paris, 6. April.(6ig. Ber.) Der„Eclair" peröffentlicht heute eine längere Zuschrift Andlers. Wie wir schon berichtet haben, hat Jaures Andler, der sich über die falsche Jnterpretierung seiner Artikel in der«Actio» Nationale" be- schwerte, auf diesen Weg verwiesen. Wir erfahren also jetzt, wie Andler seine Enthüllungen über den„Jnwerialismus" in_ der deutschen Sozialdemokratie verstanden wissen will. Er sagt im wesentlichen folgendes: «Der.Temps" und die sozialistischen Blätter haben sich total geirrt.„Ich habe nicht auf die traditionelle deutsche Sozial- Demokratie gezielt, die alle meine Sympathien hat", trotz- dem sie ihre Formeln„aus alten Büchern" schöpft. Der von mir beschriebene tsronialistifche, mtlitarislische und Geschäftssozialismus ist ein verwandelter Sozialismus, eine neue Doktrin, die von einem bedeutenden Bruchteil der deutschen Sozialdemokraten an- erkannt wird, von jungen Führern, von einer führenden Elite. Ich gestehe indes, dast ich an drei Stellen meiner Broichüre den Fehler begangen habe, von„Sozialisten" und vom„heutigen Sozialismus" schlechtweg zu sprechen, welche Ausdrücke, aus dem Zusammenhang gerissen, wohl zu Mißverständnissen den Anlaß geben konnten. Ich bedaure diesen Lapsus. Was das Bebel-Zitat anlangt, habe ich Bebel natürlich nicht unterschieben wollen, daß er selbst das Signal zu neuen Rüstungen geben wolle. Aber ich habe den Wortlaut nicht anders geben können, weil Bebel in Jena den Zusatz vom «bürgerlichen Europa" nicht gesprochen bat. Er hat ihn nachträglich angefügt. Ich habe die e r st e Ausgabe des offiziellen Stenogramms, wie sie im„Vorwärts" erschien, wiedergegeben. Die spätere Re- tauche bezeugt ein Bereuen des Gedankens oder des Ausdrucks. Darum kann man mich nicht Fälscher heißen. Uebrigens hat Bebel in Jena einen schwelen Fehler begangen. Wohl nicht in seiner Eröffnungsansprache aber in seinem Bericht über die marokkanische Frage, wo sein Gefühl dargelegt wird. Er hat sich darin die Kritik, die Macdonald an der Rede von Lloyd George am 21. Juli 1911 geübt hatte, zu eigen gemacht. Die Roll« der sozialistischen Parteien oller Nationen ist aber, die Regierenden ihres eigenen Landes zu kritisieren. Da» durch, daß Bebel von dieser Regel abwich, hat er, ob mit Willen oder nicht, die Partei der brutalen germanischen Junker genommen. Ich gehe nicht soweit, N o s k e seine patriotische ReichstagSrede vom April 1997, die General von Einem anerkannte und Bebel lobte, vorzuwerfen. Der defensive Patriolismus gehört zu den strengen Pflichten deS Sozia- listen. Und ich begreife nicht, was meine historische Studie mit der Votlage über die dreijährige Dienstzeit zu tun baben soll. Die Sympathien der. deutschen Sozialdemokratie haben doch im französischen MobilisationSplan keine Rolle spielen können! WaS Ich wiederhole, ist, daß der internationale Sozialismus noch nicht die Kraft hat, seinen Friedenswillen durchzusetzen. Ich weiß auch, daß der alte Sozialismus in Deutschland wie in Frank- reich auf allen seinen Kongressen bezeugt hat, daß er eine -FriedenSmacht ist. In der Ausiandspolilik der deutschen Sozial- demokratie hat eS wohl Ungeschicklichkeiten und schwere Fehler ge- geben, aber noch ist nichts Irreparables geschehen. Ich bin sogar bereit, den neuen imperialistischen Sozialisten wie O u e s s e l Ge- rechtigkeir widerfahren zu lassen, wenn sie nachweisen können, daß ihre Methode friedliebend sein kann. Ich bewundere ohne Rückhalt die ehrliche Begeisterung der tieferen Schichten des deutschen Prole- »ariats im Kampfe gegen die neuen Rüstungen. Die Begebenheiten haben es aufgerüttelt. Wohl erfüllt sich zweifellos manche meiner traurigen Prophezeiungen. Die Abgeordneten von Elsaß- Lothringen scheinen mir in ihrem Widerstand mutiger und logischer zu sein als die sozialistischen Reichstags- abgeordneten. Der deutsche Sozialismus ist noch zu kleines fciulleton» Das graue Pulver und der Detektiv Schwarz. Die„Zeit im Bild" mir ihrem Itriminal-Preisausschreiben ist durch die Char- loltenburg-Rummelsburger Wirklichkeit in den Schatten gestellt. In Charlottenburg hängte sich im Oktober vorigen Jahres ein Ober- sekundaner an eine Türklinke— eine Bereicherung des Kapitels Schülerielbstmorde. Die Eltern aber, wie Ellern nun einmal so sind, unvertraut mit dem Seelenleben der Pubertätsjabre und den Mysterien des Frühlingserwachens, da der Schritt in das große Dunkel so leicht und schnell getan wird, witterten Mord und hefteten dem früheren Dienstmädchen einen Privatdetektiv an die Fersen. Der, als Möbelhändler, schleicht sich in Rummelsburg erst in die Familie und dann irt das Vertrauen des Mädchens ein, heuchelt heiße Zuneigung, legt öfters die Hand aufs Herz. bringt Blumen und verlobt sich eines schönen Tages mit der Rummels- burgerin,»ur zu dem Ende, aus ihr herauszulocken, daß jener Obcrfekundaner gewaltsam durch ihre Mithilfe umS Leben gekommen. Unter den Suggestivfragen des„Bräutigams" erzählt sie endlich eine abenteuerliche Geschichte von ihrem Liebhaber, der im Aflekr den jungen Menschen umgebracht habe. Hinter der Türe aber hockt ein Polizeisergeant, der springt im geeigneten Moment hervor, das Mädchen wird verhaftet, widerruft natürlich vor dem Untersuchungsrichter den ganzen Unsinn, macht in ihrer Verzweiflung einen selbnmordversuch— und die Presse behandelt sie bereits als erledigte Mörderin. Der Detektiv Schwarz aber— o er ist ein Gentleman! Und korrekt! Und weiß, was sich gehört!— veröffentlicht folgende Eni- lobungSanzeige: „Nach erfolgreicher Tätigkeit und durch das eigene Geständnis der Beschuldigten ist es mir endlich gelungen, die Berliner Mord- affäre Tieinann-Heinrich aufzuklären. Die Verhaftung der Beschuldigten ist erfolgt, und die Verlobüng mit Fräulein Elisabeth Heinrich erkläre ich für aufgehoben. .- �. Poul Schwarz, Detektiv, Zujtandigkeit am königlichen Polizeipräfidimn, Berlin- Charloltcnburg. Immer korrekt! Fehlt nur noch: empfiehlt sich für Auskünfte. Beobachtungen, Eheicheidungsangelegenheiten. Kulante Bedingungen! Möglich, daß trotz allem ein Mord vorliegt! Aber dieser ge- heimnisvolle Unbekannte, der Schlosser sein soll, also ein- Mensch mit kräftigen Muskeln, und einem Pennäler, um ihn m, schädlich zu machen, ein geheimnisvolles graues Pulver in den Mund schütten muß s.'), der dann auch nicht eine Stecknadel raubt, obwohl er noch eine ganze Stunde ungestört ist— wie sehr schmeckt daS nach Suggestion und Hintertreppe. Aber der Fall bat das Gute, daß der Gentleman Paul Schwarz ins Hrlle tritt. Hingeben, einem Mädcheiz Liebesworte vorstammeln, schmachtend sein, ein Bräutigam, wie er im Liebesbrieffteller steht, und gewinnend und voll Herzlichkeit, und das alles, um eine arme Dirne aufs Schafott zu bringen und das alles für 19 Mark Tage- lohn und Erstattung der Auslagen— ei! dazu gehört eine seelische Gewandtheit, die nicht jeder besitzt. ohnmächtig, um seiner Mission voll gerecht zu werden, aber er gibt, was er kann. auS vollem Herzen. Und sein Millionen- stimmiger Friedcnsruf wird jetzt Hunderttausende Schwankender fortreißen." Also spricht jetzt Charles Andler. Man sieht, die Weise und der Tert haben sich bedeutend geändert. Nicht nur seit den November- tagen, Ivo Andlers Angriffe in der„Action Nationale" erschienen. sondern seit dem Brief, den er vor ein paar Tagen an James Guillaume schrieb. Denn dort zählte er nur eine Million bewußter deutscher Sozialdemokraten, die dem Friedensgedanken treu anhingen, während die übrigen drei Millionen unklare Demokraten seien, die von den Imperialisten eiugefangen werden könnten. Dagegen sieht er jetzt den Friedenswillen aus den Tiefen des deutschen Proletariats hervorbrechen. Aber am Ende würde Andler die Meinung, daß da ein Widerspruch vorhanden sei, als„pedantische" Haarspalterei ansehen. Begnügen wir uns etlso mit dieser„Erläute- rung" seiner früheren Behauptung. Wenn Andler nun auch den „imperialistischen" Sozialdemokraten, offenbar aus Anerkennung, weil sie nicht aus„allen Büchern" schöpfen, die bedingte Verurteilung vergönnen will, werden seine unbefangenen Leser leicht auf den Verdacht kommen, daß er mit Kanonen nicht auf Spatzen, sondern einfach ins Blaue biuein gesckosien hat. Wobei ihm begreiflicherweise das Malheur passierte, daß ihm die Geschosse aus die eigene Nase fielen. Andler meint, er habe nur mißverstanden werden können, wenn man seine Sätze aus dem Zusammenhange gerissen habe. Wer aber hat Bebels Satz aus de in Zusammenhange gerissen? Aus dem Zusammenhange nicht nur einer Rede, sondern einer monatelangen Diskussion? Andler versteift sich jetzt mit professoralem Eigensinn auf das Recht, den Text der Bebelschen Rede im„Vorwärts"- Bericht und nicht im Protokoll als authentisch anzusehen, und geht in dieser Rechthaberei, hinter der allerdings die Verteidigung seines kompromittierten Philologengewissens zu suchen ist, bis zur persiden Unterstellung einer„Reue" Bebels, wo es sich doch höchstens um die Präzisierung eines Gedaukens und um eine Versicherung gegen unredliche Mißdeutungen gehandelt haben konnte. Wenn Andler weiter, nur um gegen Bebel recht zu behalten, diesem vor- wirft, daß er sid� Macdonalds Kritik der Rede Lloyd Georges zu- eigen gemacht habe und dabei das merkwürdige Gesetz aufstellt, daß Sozialisten nur ihre eigene Regierung, nicht ausländische kritisieren dürften— woraus folgen würde, daß es überhaupt keine inter- nationale sozialistische Politik geben könne ist das um so ergötzlicher, als er selbst in einein Atem gegen dieses proklamierte Verbot verstößt, indem er über Wolff-Metternich und Kiderlen- W a e ch t e r als„brutale germanische Junker" herfällt— mit einer Wendung, die allerdings weniger aus den„alten Büchern" des internationalen Sozialismus, als aus dem Lexikon des Raffen- chauvinismus geholt zu sein scheint. Wir bezweifeln sogar, daß Andler selbst aus den Schriften der„imperialistischen" deutschen Sozialdemokraten irgend eine Parallelstelle gegen„pollische" Raub- kapitalisten anführen könnte. Doch hat er vermutlich nur die Klasse und nicht die Rasse im Auge gehabt und bloß einen neuen„Lapsus" begangen. Wir begreifen Andlers Verlegenheit. Er hat erst durch seinen Artikel dem Nationalismus Wasser auf die Mühle geleitet und hernach durch die Unterschrift, die er auf daS Proiestmanifest der „Intellektuellen" gegen die Rüstungsvorlagen setzte, den Vorwurf der Unlogik gegen sich heraufbeschworen. Jetzt sucht er um jeden Preis nachzuweisen, daß er nicht in Widerspruch mit sich geraten sei. Deshalb einerseits sein abgeschmackter und lächerlicher Versuch, einen Gegensatz zwischen der sozialdemokratischen Fraktion und den Ab- geordneten Elsaß-LothringenS nachzuweisen, andererseits sein Wohl- verhaltungSzeugnis für das deutsche Proletariat. Aber mit dem ersten rechtfertigt er ebenso wenig dieAnklagen seinerBroschüre, wie er mit dem Zweiten die nationalistische Kritik seiner Unterschrift widerlegen kann. Denn es handelt sich nicht darum, ob die Sozialdemokratie derzeit Eine verfehlte Flotkendcmonitration. Das albanische und montenegrinische Küstenland, an dem setzt die Panzer und Kreuzer der internationalen Dcmonstrationsflotte die Flaggen der Groß- mächte wcben lassen, ist für Flottendcmonstrationcn eine reckt spröde Gegend. Und die Kommandanten, deren Drohung-der Beherrscher der schwarzen Berge mit so kühler Gelassenheit angehört hat, wer- den� nur mit einem gewissen Mißbehagen an eine frühere, ähnliche große Flottcndemonstration zurückdenken. Auch der Fürst der schwarzen Berge wird sich, mit einem stillen Lächeln, jenes berühm- ten..Flottenkonzertes" entsinnen, das damals als Benefiz für ihn gedacht war und mit einer sehr erheiternden Unterbilanz abschloß. Es war in den Tagen nach dem Berliner Vertrage. Die Albanesen wollten mit der Wafie in der Hand die Zerstückelung ihres Vater- landcs verhindern. Die serbische Uebermacht vermochte den heroi- schen Widerstand des Albanesenbundes zu brechen, Montenegro aber scheiterte. In seiner Not wandte sich damals der Beherrscher Montenegros an die Mächte, die er jetzt so trotzig herausfordert. Und die Mächte beschlossen auch, sein Vertrauen zu rechtfertigen: Montenegro sollte durch den albanischen Hafen Dulcigno„ent- schädigt" werden. Aber wie heute Montenegro, so trotzten damals die Albanesen den Beschlüssen der Großmächte: mit der Waffe in der Faust weigerten sich die Albanesen, ihre Hafenstadt den ver- haßten Montenegrinern auszuliefern. Die Großmächte traten in Aktion: und genau wie heute zog eine stattliche internationale Flotte zur Einschüchterung der Albanesen an die Ostküste der Adria. Vor Dulcigno erschien dies stolze Geschwader. Man forderte die Uebergabc der Stadt: umsonst, die Albanesen zuckten die Achseln. Man drohte mit der Beschießung: aber die Verteidiger ließen sich nicht einschüchtern. Was sollte man tun? Das Ansehen der Großmächte! Also Beschießung! Da aber, da stellte es sich plötzlich heraus, daß die hochgelegene Bergfeste mit den Schiffsgeschützen überhaupt nicht zu erreichen war. Unperrichteter Dinge mutzte die Flotte der vereinigten Großmächte wieder abziehen und die Alba- nesen lachten sich ins Fäustchen. Die mißglückte Flottenaktion der Mächte aber und ihr komisches Ende blieben damals noch auf lange Zeit hinaus das Entzücken der humoristischen Zeitschriften. Niusik. Deutsches Opernhaus Charlottenburg. Nach Puccini, dem_ Italiener, hat uns nun die Direktion mit Ernst von Dohna» yi, einem in Berlin ansässigen deulschungarischcn Komponisten, bekannt gemacht. Dohnanyi huldigt neuere» Bestrebungen. die darauf abzielen, der modernen Oper eine von Wagner ablenkende Richtung zu geben. Dieses neue Genre heißt„Lustspiel- oper". Ob es Bestand hat, mag die Zukunft lehren. Im Hinblick auf Dohnänyis einaktige Spieloper„ T.a n t e Simona". die hier ihre Uraufführung erlebte, wird von einem tieferen Interesse über den Tag hinaus schwerlich zu reden sein. Der Librettist griff einen Stoff auf, der in der Rokokozeit mit ihren Schäfer- und Gärtner- spielen beliebt war. Donna Simona hütet auf Grund eigener schlechter Erfahrungen ihre Nichte Beatriec ängstlich vor Männern. kann aber doch nicht verhüten, daß deren gräflicher Berehrerxj�ch als Gärtner Zugang zu verschaffen weiß. Die Liebenden werden im Park erwischt, und der Graf wird hinausgewiesen. Kurz darauf jedoch schleicht sich ein anderer Graf ein, der frühere Verehrer der Donna Simona. Es gibt zwischen beiden eine zärtliche Zwiesprache, „mächtig" oder„ohnmächtig" ist. Was Andler— zuletzt noch iit seinem Brief an Guillaume— behauptet hat, ist, daß der Imperialismus in der deutschen Sozialdemokratie eifrige und einflußreiche Verfechter habe und das Proletariat zu ergreifen drohe. Wäre dem so, dann hätten in der Tat diejenigen, die in Frankreich die Notwendigkeit verstärkter Rüstungen behaupten, recht, wobei höchstens nur noch in Frage käme, ob just die dreijährige Dienstzeit das richtig? Mittel sei. lind dann hätte Andler seine Unterschrift nicht unter einen Protest setzen dürfen, der sich gegen die Rüstiingspolitik im allgemeinen wendet. Er sitzt jetzt zwischen zwei Stühlen und wird die Behaglichkeit dieser Situation schwerlich dadurch steigern, daß er der Welt versichert, daß sie logisch und mutig sei. ** * Berichtigung. Ein Druckfehler hat im ersten Satz unseres Artikels„Andler und sein Anwalt" in der Nummer vom 5. April die„Viae Ouviiere" zu einer„monarchistisch-shndikalistischen Revue" gemacht. Im Manuskript stand„an archistisch-syndikalistische". EbqcordmtmhzuQ. 16 2. Sitzung. Donnerstag, den 19. April lNt?. vormittags 19 Uhr. Am Ministertisch: v. Trott zu Solz. Ter Kultusetat.— Eleinentarschulwesen. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) ist für Verweltlichung der Schul« inspektion und spricht dann über Lehrerbesoldungsfragen. Kultusminister v. Trott zu Solz warnt davor, durch eine Ab- änderung der Lehrerbesoldung wieder Kämpfe heraufzubeschwören. Zur Prüfung der Belastung der Gemeinden durch die Schulkosten müssen erst die statistischen Unterlagen beschafft werden. Der Minister schildert dann, was zur Höberen wissenschaftlichen Aus- bildung der Lehrer, an Errichtung von toeminaren usw. geschehen ist. Die Lehrerbeziige sind von 1996—1911 um ein Drittel, insgejaml 199 Millionen Mark, gestiegen. iBeisall.s Abg. Eriist(Vp.) fordert Beseitigung der überfüllten Schulklafs/n und tritt für das Einheitsgehalt für alle Lehrer ein. Die haarsträubende» Schul miß stände in der Ostmark schreien nach Abhilfe. Besonders schroff ist das Vorgehen des Ge- beimrats Dr. Waschow, der in seiner Eigenschaft als Revisor die Lehrer schuriegelt lind drangsaliert, so daß ein junger Lehrer aus Verzweiflung kürzlich Selbstmord verübt hat.(Hört I hört! links.) Ein Regicrungskommissar: Zwei Zeitungen, die das behauptet haben, sind vom Staatsanwalt zur Rechenschaft gezogen worden. Die Sache schwebt noch, so daß der Minister hierzu noch nicht Stellung nehmen kann. Abg. v. Trampczynski(Pole): Den polnischen Kindern wird die deutsche Sprache gewaltsam beigebracht. In keinem Lande der Welt wird in der Volksschule den Kindern nicht ihre Muttersprache gc- lehrt. Die Schule verfolgt in den polnischen Gegenden polt« tische Ziele. Abg. Borchardt(Soz.): Ueber einen reuigen Sünder ist mehr Freude als über 99 Gc- rechte. Und ivir freuen uns, daß die Mehrheit erkennt, wie t ö r i ch r sie gehandelt hat. als sie die Generaldebatte abschnitt. Aber darum müssen wir manches jetzt eingehender vorbringen.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die preußische Volksichule soll so unnachahmlich sein wie der preußische Leutnant. Aber har uns nickt der S ch n st e r Voigt den preußischen Hauptmann nach- geahmt?(Heiterkeit.) Also Vorsicht mir solchen Behauptungen!— Wir sollen nur 9,9ö Proz. Analphabeten haben, da rechnen Sie aber alle die Millionen, die nach einem elenden Schulunterricht nur gerade ihren Namen schreiben können, nicht mit. Wir sollen keinen Lehrer- mangel haben,„nur" etwas über 6000 Schulen mit 1085 000 Kindern sind überfüllt, also fast ein Sechstel! Und erst bei 71—80, ja über 129 Schülern, je nach der Zabl der angestellten Lebrer, gilt Ihnen eine Klaffe für überfüllt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Trotz dieser wobei sie nun ihrerseits von dem Freier der Nichte ertappt werden. Schluß: die beiden Paare„kriegen" sich. Das ist doch allzu dürftig. Der Komponist tut sein mögliches, um die Armut der Handlung durch schalkhafte Musik, namentjich bei der allerdings schon von Mozart vorbildlich ausgestatteten Zofe zu beleben. ES fehlt auch nicht an hübschen Einzelheiten, wozu das Sextett am Schlüsse -zu zählen ist. Allein das Orchester wird doch meist zu wuchtig be- dacht und hier durch die tändelnde Grazie mehr als wünschenswert beeinträchtigt. Hingegen konnte sich der Jnstrumentalmusiker in der nachfolgenden Pantomime„Der Sckleier der Pierrette" in seiner ganzen Stärke zeigen. Artur S ch n i tz l e r hat diese Pantomime aus seiner erschütlernden Tragödie„Der Schleier der Beatrice" ge- schöpft, aber ins altwiener Bürgertum verlegt. Die Handlung ist nur vereinfacht und auf drei Bilder zusammengezogen. Sonst blieb der Vorgang der gleiche. Als Ganzes erinnert die Pantomime an die altitalientsche„Commodia dell' arte", mit dem Unterschiede je- doch, daß Schnitzler deren burleSk-komischen Charakter im Bestreben poetisch-psychologischer Vertiefung tragikomisch gewandelt har. Dohnänyis Musik steht zwar unverkennbar unter Mozart- Wagnerscher, ja selbst Johann Strautzscher Einwirkungen. Er bringt aber neben ungarisch-wienerischer Stilvermengung auch genug Eigenart mit. Die Instrumentation, die sinfonische Charakteri- sierung beherrscht er in allen ihren modernsten Formen. Originell ist seine Musik jedenfalls. Die weibliche Hauptgestalt in der vom Komponisten persönlich geleiteten Pantomime, die Pierrette nämlich, wurde von Elsa Galafrös schauspielerisch, bis auf die Wahn- sinnsszene, die noch überzeugender herausgearbeitet werden müßte, ganz vortrefflich, das Tanzkllnstlerische weniger ansprechend gegeben. Einar Linden(Pierrot) und Edwin H e y e r(Arlechino) akkompag- nierten gut. Die tanzende Hochzeitsgesellschaft, das altwienerische Musikantenvierblatt, die Räumlichkeit trugen Naturtreue. Bi« auf die halben Bäume war die Regie auch in„Tante Simona" fleißig am Werk. Gesanglich und darstellerisch traten hier Mizzi Fink (Zofe), Ernst Lehmann(Graf Florio) und Luise M a r ck(Donna Simona) hervor. Rudolf Krasse lt dirigierte mit musikalischem Feingefühl.««. K. Notizen. — WagnerS Liebes mahl der Apostel.ein Jugend- werk, soll Anfang Mai an der Stätte, wo es 1843 seine Urauffüh- rung erlebte, in der Dresdener Frauenkirche, von ersten Dresdener Musikkrästen unter Schuchs Leitung aufgeführt werden. — Tilla Durieux will den Hellerau- Festspielen bei- springen. Sie wird in Paul Claudels Mysterienspiel„Verkün- digung" mitwirken. — Kunst auf d«r Baufachausstellung. Der Verein Leipziger JahreSauSstellung, den Max Klinger leitet, wird auf der Leipziger Baufachausstellung einen Rückblick über die letzte» dreißig Jahre in der F t g u r c u m a l e r e i bieten. Der plattdeutsche Dichter I. H. F e h r s beging am Donnerstag in Itzehoe unter allgemeiner Teilnahme plattdcutschcr Vereine seinen 75. Geburtstag.— Zum Herbst sollen seine Schriften (darunter der große Roman Maren! gesammelt erscheinen. — Der Erfinder des Schiffskreisels Otto Schlick ist am Donnerstag, 73 Jahre alt, in H a m b u r g gestorben. Zustände weigert sich die Regierung, die Mittel zur Abhilfe zu fordern. Die Kinder aus überfüllten Klassen sind aber g e schädigt für ihr ganzes späteres Leben, und Sie. die Staatserhaltenden, tragen die Verantwortung.dafür, wenn Sie nicht sofort Abhilfe schaffen. Nach amtlicher, uns vorgelegter Statistik, ist die S Ä u l ü b e r f ü l l u n g und der Lehrer- Mangel aus dem Lande besonders verbreitet, dort kamen auf 79 000 Klaffen nur 03 000 Lehrerstellen, also man rechnet gar nicht mit genügend Lehrerstellen! 327 000 Schulkinder besuchten Halbtags- und 600 000 einklassige Schulen, die ja fast gar keine Schulen sind.(Abg. K e st e r n i ch (Z.): Jdealschulcn fmd fiel» Also die Klasse, wo alle 8 Jahr- g ä n g e beisammen sitzen, ist das Schulideal des Zentrums! (Hörtl hört' bei den Sozialdemokraten.— Der Minister lächelt!) Die zwei- und dreiklassigen Schulen mit nur zwei Lehrkräften gehen ja über das Ideal des Zentrums und des Ministers noch hinaus— ober datz sie äußerst geringwertig und unzureichend sind, ist nicht zu bezweifeln. Nun 2 200 000 Kinder besuchen solche minderwertiaen Schule», wovon alle bis auf 30 000 auf dem Lande sind! Der Herr Minister geruhte vorhin, über meine Worte zu lachen — aber er hat öfter bewiesen, daß er bei den höheren Schulen sehr wohl die Notwendigkeit des persönlichen Kontakts der Lehrer mit den Schülern zu würdigen weiß, der bei überfüllten und Halb- tagSklassen usw. nicht möglich ist.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.— Der Minister bat den Saal verlaffcn.) Die Durch- schnitisschülerzahl im Gymnasium ist 18, in der Volksschule 56! Selbst die normalen Zustände an den Volksschulen zeigen ein noch viel schlimmeres Bild. Der Redner weist die gewaltige lieber füllung vieler ländlicher und Kleinstadtklassen zahlenmäßig nach, selbst in Klassen mit über 120 Schülern waren 52000 Kinder und in Klassen mit über 70 Kindern ins- gesamt 938 000 Kindern! An der Spitze stehen da die Regierung-- bezirke Marienwerder, Posen, Trier, Dan zig. Gumbinnen, Allen st ein, Münster— der äußerste Osten und Westen; da wo die Junker und da wo die Pfaffen herrschen, ist die Schulüberfüllung am meisten verbreitet. (Hört! hört! links.) Warum verwendet man die vrelzuvielen Kandi- baten für höhere Schullebrerstellen nicht an den Volksschulen! Herr Prof. Eickhoff hat ja selbst erklärt, daß für die kleinsten Schüler die best- ausgebildeten Pädagogen nötig wären. Aber das kostet Ihnen ja zu viel und deshalb wollen Sie mögltchst viel Religionsunterricht.(Zustimmung rechts und im Zentrum.) Ohne Religion soll keine wahre Ssttlichkeit möglich sein. Der Kaiser Konstantin, der Große, der das Christentum zur Staatsreligion gemacht hat. war ein Verbrecher, ein Massenmörder, gegen den S t e r n i ck e l ein Waisenknabe ist.(Heiterkeit.) Er steht aber bei den christlichen Kirchen im höchsten Ansehen. Seine Verwandten- morde gab nach einem Bericht der„Köln. Ztg." auch der katholische Historiker Dr. Lauscher zu. aber sittliche Verfehlungen kämen gegen wahre Religiosität nicht in Betracht!(Hört l hört! links.) Unsittlich ist es, die Kinder zu lehren, daß sie das Gute tun und daS Schlechte lassen sollen, nicht um dessentwillen selbst, sondern wegen der Belohnung oder der Bestrafung! Mir schreibt ein aktiver Lehrer einen wahren Notschrei über die elende Heuchelei, zu der sie gezwungen werden und die den Lehrern schließlich daS Gefühl dafür raube, was noch echt und was nur vor- getäuscht sei; er schreibt, daß die Bibel nicht in die Hand der Kinder gehöre und bittet mich, zu betonen, daß die Religion nicht in die Schule gehört. Er stellt fest, daß die Lehrer- Vereinsleitungen sich mit ihrem Eintreten für den Religionsunter- richl in Widerspruch setzen mit den Lehrern selbst.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.— Pfui! rechts.) Der preußische Etat wendet pro V o l k S s ch u l k i n d 17 M., pro höheren Schüler 83 M. auf. Man hat schon Geld für Schulen, z. B. auch für das jetzt zur Landschule mit Villen für die Schüler gewordene Joachimsthalsche Gymnasium, das man von Berlin nach Templin verlegt hat. Man weiß schon, was Schulen brauchen, aber man will den Volksschulen das gleiche Recht nicht gewähren I Im vorigen Jahre haben Sie mich verhindert. Herrn H c ß zu antworten. Er entgegnete mir auf meine Forderung nach Klaffen mit 10—12 Schülern, daß die»— mit der Beköstigung, die das sozialistische Schulideal Heinrich Schulz' ist, daS also anders aussieht. als das Kesternichiche Schulideal— 6300 Millionen jährlich kosten würde, und fragte mich, woher wir das Geld nehmen wollen. (Abg. Heß, der eben in den Saal getreten war, verläßt ihn wieder. Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Heß hat etwas hoch gerechnet und z. B. auch die Kleider der Schüler mit gerechnet. Nehmen wir an, er hätte sich nur um 100 Proz. geirrt, bleiben immer noch 3000 Millionen. Vielleicht könnte das der heutige Staat nicht aufbringen, dann wäre von Herrn Heß bewiesen, daß dieser Staat nicht zur Erfüllung einer seiner wichtig st en Aufgaben befähigt ist, also umgestürzt werden muß. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Heß warf mir vor, daß ich zuerst für die Deckung sorgen müßte. Run, dann muß doch immer erst das Erfordernis festgestellt sein! So ist es ja immer und überall und auch bei den alljährlichen Militärvorlagen! Das Deutsche Reich hat ja jährlich mindestens 3000 Millionen fürs Morden und Totschlagen übrig. Eine solche Forderung für die Volksbildung aber sinden Sie unerhört. DaS ist bezeichnend für daS Niveau dieses Parlaments und des offiziellen Preußens.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Wollen Sie die ausschlaggebende Bedeutung der Volksbildung für die Landesverteidigung, der Intelligenz für die Großmachtstellung des Reiches leugnen? Wie es aber damit steht, beweisen die bekannten Intelligenz- Prüfungen der Rekruten, daß in sechs Jahren alles mögliche, das ABC, daS Rechnen, der Lauf des Heimatsstromes usw. vergessen wird.(Eine Anzahl solcher PrüfungSreiultate erregt stürnnsche Heiter- keit, z. B. die Bezeichnung von Backfisch und Rollmops als Fische, Luthers als eines P a p st e S.) Selbst in den besten, den großstädtischen Schulen lernt nur ein winziger Bruchteil der Schüler seine Muttersprache beherrschen: wir sehen eS an den bildungsdurstigen armen Opfern JhreS Schulsystems, die in Scharen zu uns kommen. Die heutige Volksschule löst also ihre Aufgaben nicht und dadurch muß dre Wehrkraft und die industrielle Zukunft unseres Landes. seine Weltmachtsstellung, gefährdet werden. Der Geist der Schule muß ein anderer werden, die ganze preußische Volksschule wird ja heute für den politischen Zweck der Bekämpfung der So- zialdemokratie mißbraucht.(Widerspruch rechts.) Der leider verstorbene, von uns hochverehrte Abg. Dr. Hacken- berg hat anerkannt, daß er und wir gleicherweile an dem Ge- deihen der Volksschule interessiert seien. Wenn er uns auf die Be- deutung der Autorität hingewiesen hat, so verwerfen wir nur die Autorität des Zwanges und schätzen nur die durch das eigene Ver- halten erworbene Autorität. In unserer Volksschule aber spielen noch immer der Stock und die Straf« ihre Rolle! Man fürchtet, daß bei gründlichen Reformen nicht mehr der Wille der Schüler gebrochen und ihre Unterordnung erzwungen werden könnte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und man fürchtet auch die Kosten, die nach Herrn Heß' Meinung nicht einmal im ZukunftSstaat aufgebracht werden würden. Herr Heß sagte im vorigen Jahre: da könnte schließlich jeder Mensch verlangen. jeden Morgen ein Z e h n m a r k st ü ck a u f d e nr F r ü h st ü ck S- tisch zu finden. Nun. manche Leute pnden heute ,chon viel mehr Geld täglich auf ihrem Tisch. z.B. dre Staatsgläubiger. (Abg. Hoffmann: Zivrllistel) Als das Zentrum 1907 mit der Regierung wieder einmal spinnefeind war, bat die„Kölnische Volkszeitung"' die Konzentration des Kapttals in wenigen Händen, die ungeheueren Reichtümer einzelner festgestellt- Eine Gesamtheit, die überdies die 3000 Millionen jahrlrch für Rüstungen spart, würde durch diese fabelhaften Rerchlumcr langst in der Lage sein, die notwendigen Reformen durchzmetzen und die wahre Volksschule zu schaffen.> Beifall bei den Sozraldemokraten.) Im vorigen Jahre hat der Minister behauptet, dag in Hannover mrter den Schülern sozialdemokratische Flugblätter verbrettet worden wären, in denen alles, was in der Schule gelehrt wird, als Unfmn bezeichnet worden sein soll. Als wir dem Minister zuriefen, daß dies Märchen seien, antwortete er, daß er unS diese Flugblätter zugänglich machen würde. DaS ist nicht geschehen, ich fordere ihn aus, sein Wort zu halten.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Abg. Kloppenborg(Däne! wünscht aus pädagogischen Gründen Einführung dänischen Unterrichts in den Volksschulen Nord- schleswigS. Abg. Dr. v. Schenckcndorff(natl.) tritt, wie alljährlich für Förderung des Handarbeitsunterrichts für Knaben ein. Abg. Buttkc(k.) für Erhöhung der Umzugsenlschädigung der Lehrer und Befreiung von den Küsterdiensten, sowie für Ver- besserung der Lehrerivohnungen, um die Bodenständigkeit der Lehrer auf dem Lande zu sichern. Abg. Dr. Dittrich(Z.) erklärt, daß die Kirche nicht die Herr- schaft, sondern nur die M i t a u f s i ch r über die Schule erstrebe. Abg. Heine(natl.) ersucht, die Schulserien der verschiedenen Schularten in dje gleiche Zeit zu legen und Abg. Ramdohr(frk.) regt eine gleichmäßigere und höhere B c- zahluirg der Kirchendienste der Lehrer an. Ein Schlußanlrag wird angenommen.— Mehrsach vom Präsidenten unter der Heiterkeit der Linken zur Sache gemahnt, weist Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.) eine Bemerkung des Ministers. als ob seine Rede über die Lehrerbesoldung von den kommenden Neuwahlen angeregt worden sei, als„völlig unbegründete Ver- letzung auf �das nachdrücklichste zurück".— Ahg. Hoff(Vp.) be- deichnet den Schluß als eine Vergewaltigung, die ihm unmöglich macht, die Angriffe Dr. Heß' auf den Deutschen Lehrerverein zurückzuweisen.(Beifall links.)— Abg. Dr. Heß(Z.) bedauert, nun- mehr verhindert zu sein, die zu erwartenden Behauptungen des Ab- geordneten Hofs mann„schlagend" zu widerlegen.(Schallende Heilerkeil links.) Abg. Hoffmaun(Soz.): Wenn ich den Sckluß bedauere, so ist ausrichtig, denn wir haben gegen ihn gestimmt! Weiterberatung: Freitag 10 Uhr. Schluß 3>/� Uhr._ das Qrteil im Stallmamt-Prozcß. das Gegen 144 Uhr verkündete gestern Landgcrichtsrat Lampe Urteil dahin: Es werden verurteilt Stallmann wegen Betruges zu einem Jahre Gefängnis, unter Anrechnung von neun Monaten der Untersuchungshaft, sowie 3 Jahren Ehrverlust, Kramrr.wegen versuchter Erpressung zu 3 Jahren Gefängnis, 5 Jahren Ehrverlust, unter Anrechnung von 3 Monaten der er- littcnen Untersuchungshaft. Der Angeklagte Nicmela wird freigesprochen. Nach Ansicht des Gerichts ist Herr v. Tippe planmäßig hierher gelockt worden und im Zimmer Nienielas im.Fürstenhof" ebenso planmäßig in das Glücksspiel verwickelt worden. Man hat zunächst das Spiel in der Weise begonnen, daß durch das Britgespiel zu- nächst die Gedanken des Herrn v. Dippe auf das Kartenspiel über- Haupt gelenkt wurden und dann sein Rat von Stallmann für das „Rouge et noir" erbeten wurde, um ihn nach Auffassung des Ge- richts schließlich in das Spiel hineinzuziehen, was um so leichter war, da Herr v. Dippe angetrunken war. Er wurde zunächst in dem Glauben erhalten, daß es sich um eine Wette zwischen �tall- mann und Buirs handele, bis er schließlich 80 000 M. verloren hatte. Das Gericht hält für erwiesen, daß gegen v. Tippe falsch gespielt lvorden ist, und zwar aus folgenden Gründen: Die Zu- sammenkunft zwischen den vier Personen war keine zufällige, son- dern sie war verabredet; das folgt schon aus der Tatsache, daß Niemcla später zu Bergell gesagt hat:„Wenn ich doch von den Hunden loskäme!" Das beweist, daß er von jenen abhängig war und zu einer ihm widerstrebenden Handlung benutzt werden sollte. Diese Handlung aber kann nur Falschsviel gewesen sein. Auch die Tatsache, daß„Rouge et noir" gespielt wurde, spricht dafür, ferner die Tatsache, daß Stallmann die Karten zerrissen hat und endlich die Aeußerung NiemelaS an Bergell, daß er die Überzeugung ge- habt habe, es sei im„Fürstenhof" falsch gespielt worden, wobei er noch spezielle Kniffe der Falschspieler angegeben hat. Daß Stall- mann auch verloren hat, schließt ein Falschspiel nicht auS. Dies hat nur den Zweck gehabt, in dem Opfer keinen Verdacht auskommen zu lassen. Ebensowenig spricht dagegen die Tatsache, daß Stallmann den Dippeschen Wechsel dem Buies diskontiert hast Stallmann wußte ja, daß v. Dippe aus sehr reicher Familie stammt, er wußte, daß er Offizier war und deshalb den Wechsel auch einlösen mußte. In welcher Art falsch gespielt wurde, hat allerdings nicht festgestellt werden können. Nicmela ist der Mittäterschaft des Betruges beschuldigt und dieserhalb auch von England ausgeliefert. Als Mittäter kann er nicht in Frage kommen, weil er an: Spiel nicht beteiligt war, die Handlungen aber, an denen er beteiligt war, könnten nur als vor- bereitende Handlungen angesehen werden. Es mutzte geprüft werden, ob Beihilfe vorliegt. Wenn auch ein erheblicher Verdacht in dieser Beziehung besteht, so sprechen dock andererseits manche Umstände zu seinen Gunsten, und seine Behauptung, daß er nur darauf gewartet habe, den Buies zu entlarven, erscheint nicht ganz unglaubwürdig; es spricht vielmehr alles dafür, daß er mit einem Falschspiel nicht einverstanden war und solches auch nicht unter- stützen wollte. Er ist deshalb freigesprochen worden. ' Krämer wollte nach Ansicht des Gerichts seine Kenntnis von dem Dippeschen Brief an Nicmela finanziell ausnutzen; er ist des- halb mit v. Dippe in Verbindung getreten und hat brieflich auf Meineid und auf die Möglichkeit erwachsender Gefahren für Dippe hingewiesen. Die Briefe enthalten nach Ansicht des Gerichts wenn auch keine direkte, so doch versteckte Drohungen. Dazu kommt, daß Krämer dem Dr. Rosenstock bei dessen Abfahrt van London ein Telegramm gezeigt hat, nach welchem für den Dippeschen Brief angeblich 100 000 Fr. geboten sein sollten. Dies ist nach Ansicht des Gerichts die versteckte Drohung, daß er den Dipveschen Brief den Gegnern, nämlich Stallmann und Buies. zur Verfügung stellen würde, wenn man ihm nicht mindestens dieselbe Summe böte. Diese Drohung ist dann in einem folgende» Telegramm noch deutlicher geworden. Einen Rücktritt vom Versuch nimmt das Gericht nicht an. Gegen Stallman« hat das Gericht lediglich mit Rücksicht darauf. daß auch Buies nur 1 Jahr Gefängnis erhalten hat, nur auf die geringe Strafe von 1 Jabr erkannt. Kramers Handlungsweise er- scheint ganz außerordentlich verwerflich, und dies mußte auch irn Strafmaß zum Ausdruck kommen. Mit Rücksicht auf die bewiesene ehrlose Gesinnung ist auch gegen beide Ehrverlust ausgesprochen. Die Kosten de? Verfahrens mußten diesen beiden Angeklagten auf- erlegt'werden. Ter Haftbefehl gegen den freigesprochenen Riemela wird aufgehoben. Auf Befragen erklärt Stallmann: Er verzichte aur Rechts- mittel und werde Dokumente bringen, die beweisen, daß er un- schuldig sei. Kramer verzichtete nicht auf Rechtsmittel. Stadtverordneten. Dcriammlung. 14. Sitzung vom Donnerstag, den 19. April 1913, nachmittags 3 Uhr. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung mit warmen Worten des Nachrufs für den am 3. April im Alter van 81 Jahren ver- storbenen Senior der Versammlung Stadtv. Bracke(N. 2.). Die Versammlung hat sich während des Nachrufs von den Sitzen er- hoben........ Die Abteilungen haben vor der Sitzung die Ausschüsse mr die Borlagen 1. wegen Herrichtung einer Anstalt für Lecchterkrankc auf dem Gelände des ehemaligen Jahannisstiftes in Plötzcnscc, 2. wegen Neubaues einer landwirtschaftlichen Erziehungsanstalt in Struveshof gewählt. Die sozialdemokratische Fraktion ist in ersterem durch Hintze. Koblenzer, Schneider. Tolks- dyri pnd �»r. Veyl, der den Vorsitz führen wird, vertreten, in dem letzteren durch Bruns. Leid, Mann und Dr. Rose» s e l d. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort «ladtv. Heimann lSoz.): In dem Protokoll der letzten Sitzung des Etatsausschusses findet sich die Bemerkung bei den Ausgaben für Geschäftsbedürsniffe, daß von allen Seiten des Ausschusses di« lebhaftesten Klagen über das so außerordentlich späte Erscheinen der st enographi scheu Berichte erhoben worden sind. Dementsprechend wurde vom Ausschuß eine Reso- lution einstimmig angenommen, wonach die stenographischen Be- richte binnen vier Tagen nach Auslegung erscheinen und, falls die Korrekturen nicht rechtzeitig eintreffen, die unberichtigten Steno- gramme zum Abdruck gelangen sollen. Aus Gründen, die sich bis» her noch nicht haben auflzellen lassen, ist in der Plenarsitzung vom 27. März über diese Resolution nicht abgestimmt worden, obwohl der Berichterstatter darauf hingewiesen hat; dementsprechend findet sich diese Resolution auch nicht in dem Protokoll der Sitzung vom 27. März, abgedruckt im Gemeindeblatt vom 3. März. Ich hatte nun die Absicht, den Herrn Vorsteher zu bitten, nachträglich eine Abstimmung über die Resolution herbeizuführen. Denn es ist doch ganz klar, daß hier eine Abstimmung stattfinden mutz. Die nähere Einsicht in die'Akten bat mir nun aber gezeigt, daß eine solche nachträgliche Abstimmung sich erübrigt. Die Klagen über das so verspätete Erscheinen datieren nämlich nicht von heute und von gestern. Tic Versammlung hat vor nunmehr bereits 3 Jahren, am 24. März 1908, einstimmig einen ganz analogen Beschluß gefaßt. Ich habe daher den Vorsteher nur zu bitten, doch dafür Sorge tragen zu wollen, daß von unserem Bureau dieser Beschluß rückhaltSloS und ohne jede Ausnahme durchgeführt wird. Tis Zeitungsberickil« sind bei dem Swffandrang so kurz, daß sie kein genaues Bild geben. Vorsteher Michelet: Ich bin Herrn Heimann äußerst dankbar und kann ihm nur in allen Punkten befftimmen. Das bedauerliche Versehen, infolgedessen die Resolution nicht zur Abstimmung ge- kommen ist, trifft nicht mich; ich war zu der Zeit gerade außerhalb des Saales. Ich werde aber ganz bestimmt daS Bureau dahin anweisen, daß in Zukunft nach dem Beschluß verfahren wird. Für die Herstellung gärtnerischer Anlagen auf einem Teil des sog. Aus marschgeländes zur Erweiterung deS V i i t o r i a p a r k c S hat der Magistrat in einer Vorlage vom 22. März er. 290 009 M. verlangt, wovon im Etatsjahrc 1913 120 000 M. verbraucht werden sollen. In einem Nachtrag vom 25. März werden wzch weitere 103 000 M. für die Herstellung der Wasserleitung, Errichtung einer Bedürfnisanstalt, für Herstellung von Mauerwerk, Treppeiz usw. verlangt. Der südliche Teil des A u s w a r s ch g e l ä n d e s soll bau- lich verwertet werden. Ter Magistrat legt seinen Bebauungs- plan vor. Stadtv. Imberg(N. L.l beantragt Ausschußberatung für beide Vorlagen, um noch einige Aufklärungen zu erhalten. Im allge- meinen begrüßt er beide Entwürfe mit Freuden und spricht die Hoffnung aus, daß der Ausschuß nicht so lange Zeit für die Be» ratung nötig haben werde, als der Magistrat gebraucht habe. Stadv. Bruns(Soz.): Auch wir sehen in dem vorgeschlagenen BebaungSplan gegenüber dem bisherigen System einen Fortschritt, namentlich in dem Ausschluß der Hinterhäuser. Bedauern muß ich nur. daß diese erste Reform nicht der ärmeren, bedürftigen Bevölkerung, sondern nur den besseren Steuerzahlern zugute kommt. Aber es wird immerhin ein Anfang gemacht und bei dem wird es hoffentlich nicht bleiben. Wir wünschten, daß noch ein Schritt weitergsgangcn würde. Dos schon jetzt wertvolle Terrain mutz im Laufe der Jahre einen bedeutenden Wertzu- wachs erfahren durch die dauernde Erhaltung der erweiterten Anlage des Biktoriaparkes. also durch Aufwendungen der Allge- meinheit. Diesen Wertzuwachs sollte man auch, der Allgemeinheit erhalten, und die Stadt kann das, wenn sie das Terrain nicht ein für allemal verkauft, sondern es in Erbbaupacht gibt. Ich bitte den Magistrat, diesem Vorschlag Folge zu leisten. Die Vorlagen gehen in einen Ausschuß. Der Magistrat legt die Fcrienordnung für die Ge» mein beschulen im«chuljabr 1913 vor. Stadtv. Leid(Soz.): Wir haben hier zunächst zu bemängeln, saß der Ferienplan erst so spat zur Kenntnis gelangt. Als unsere Schulverwaltung an den Plakatsäulen die Eltern auf» forderte, die einzuschulenden Kinder anzumelden, war diese Ferien- Ordnung noch nicht bekannt, und aus diesem Grunde waren auch die Schulvorsteher noch nicht in der Lage, den Eltern den Tcrinin des Schulbeginns anzugeben; die Eltern mußten sich wiederholt deswegen zu den Schulvorstehern verfügen. Weiter müssen wir einen" der festgesetzten Termine des Planes beanstanden. DaS neue Schuljahr beginnt danach am 31. März. Tiefer Termin hat zweifellos die größten Bedenken gegen sich, weil an diesem und dem nächsten Tage eine große Anzahl von Umzügen stattfindet und für die umziehenden Eltern die größten Unzuträglich. leiten entstehen müssen, indem sie eventuell die Kinder am 31. März in die alte und am nächsten Tage in die neue Schule schicken müssen. Der Schulbeginn für die Schüler der höheren Lehranstalten war auf den 3. April angesetzt; es ist gar kein Grund für diesen Unterschied einzusehen. Wir ersuchen die Schul» Verwaltung um Aufklärung. Stadtschulrat Dr. Fischer: Die Schulverwaltung erkennt diese Bemängelung als durchaus berechtigt an. ist aber leider nicht in der Lage. Abhilfe zu schaffen. Wir hatten das Provinzialschul. kollegium gebeten, die Ferienzeit von jährlich 70 Tagen wegen de? diesmaligen Oi'tertermins um zwei Tage zu verlängern. Soviel wir wissen, hat die Behörde den Vorschlag beim Minister be» fürworiet, aber dort eine abschlägige Antwort bekommen. Die Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Die Zahlung von Entschädigungen an die durch den Gewitterregen vom 2. Juli v. I. Geschädigten der Greifs. walder Straße hat der Magistrat abermals und entgegen dem Beschlüsse der Versammlung abgelehnt. Stadtv. Max Schulz(N. L.): Ich möchte die Gründe de» Magistrats kennen lernen und beantrage dafür abermals Aus- schußberatung. Der Magistrat legt hier eine Art Halsstarrigkeit an den Tag. die nicht verständlich ist. ES handelt sich um das Prinzip der Gleichberechtigung aller Berliner Bürger. Stadtbaurat Krause: Anlaß zu einer tiefgehenden Differenz ist hi«r nicht gegeben. Die Versammlung hat Billigkeitsgrstnde als vorhanden anerkannt, der Magistrat nicht. Die Greifs walder- stratzenanwohner waren gewarnt. Ueberschwemmungen völlig zu verhüten, sind wir außerstande. Nach% Jahren ist eine Prüfung der behaupteten Schäden auch nicht mehr möglich. Stadtv. Max Schulz: Um die Frage, weshalb zwischen Greifs- walder Straße und Schönhauser Mee ein Unterschied gemacht wird. geht auch der Stadtbaurat immer herum. Stadtrat Alberti: Die Anwohner der Schönhauser Allee waren nicht gewarnt. Stadtv. Cassel(A. L.): Wenn schließlich die Hausbesitzer fi-b selber schützen müssen, so ist es unklar, warum man in einem Falle Billigkeitsgründe gelten läßt, im anderen nicht. Die Prüfung der Ablehnungsgründe des Magistrats in einem Ausschuß kann ich nur unterstützen. Ter Antrag Schulz wird angenommen.„. Zur wiederholten Beratung steht hierauf eine Angelegenhett. welche die A n n a h m e e i n e s Vermächtnisses der Wttwe S t o ck h a u ö geb. Ncidhardt zum Gegenstand hat. Der Ober» Präsident hatte verlangt, daß die Stadt aus dem Nachlaß dem Julius StockhauS 200 M. und der Nichte Helene Neidhardt 1000 M. 'Abfindung gewähren sollte. Die Versammlung hatte den ent» sprechenden Magistratsantrag Ende Oktober v. I. abgelehnt und den Magistrat ersucht, die Erteilung der laikdeSherrlichen Genehm,» gung erneut ohne die geforderten Abfindungen zu beantragen. Durch Erlaß vom 26. Februar 19l3 hat der Oberpragdent mrtge» teilt, daß der Minister allerhöchsten Ortes die B e r w e, g e r u» g der Genehmigung beantragen werde. jnenn Die Stadt nicht binnen 6 Wochen die Verpflichtung zur Gewährung von 1000 Mark Abfindung an die Neidhardt jjbermmmt, Auch dw Gcwasi- rung der geringfügigen Wfindnng von 200 M. für den Schwager Stockbaus hält der Minister für wünschenswert. Der Magistrat will, dem Zwange nachgebend, die Abfindung von 1000 M. übernehmen, glaubt aber, die Gewährung der 200 M. nach wie vor ablehnen zu müssen. Er teilt der Versammlung den Erlaß des Oberpräsidenten und seinen darauf an denselben erstatteten Bericht im Wortlaut mit. Siadtv. Mommsen sFr. Fr.) beantragt Ausschußberatung. Man sehe, in welcher Weise hier versucht werde, etwas wie eine gelinde Nötigung gegen Berlin auszuüben. Ob Berlin sich dem fügen müsse, solle eben in dem Ausschuß erörtert werden. Sladiv. 2r. Rosenfeld(Soz.): Wir halten ebenfalls für nötig. die Angelegenheit nochmals in einein Ausschuß zu beraten. Das erschein: uns auch deshalb lunwendig, weil uns das Material zur Beurteilung der Sache nicht vollständig übergeben ist; es fehlt das Schreiben de« Magistrats an den Lberprästdenten, und es fehlen die Belege, die der Oberpräsident seiner Antwort beigegeben hat. Der Oberpräsident hat eine Denkschrift übersandi. Wir hatten vom Magistrat eine solche gewünscht, sie aber leider nicht erhalten. Der Oberpräsident hat anscheinend gar nicht verstanden, worauf wir Ge- wicht legen� ob das Prinzip richtig ist, von dem er sich leiten läßt: der Stadt zugunsten von Verwandten Beschränkungen auf- zuerlegen. Auch wir begrüßen es, daß der Magistrat nur dem Zwange folgen, dem Wunsche des Oberpräsidenten nachgibt; auch wir meinen, daß es genügt, das Schreiben des letzteren hier nie- driger zu hängen. Der Tatbestand der Nötigung liegt vor, und zwar noch dazu, um einem anderen ein Vorteil zuzuwenden, auf den er gar keinen Anspruch hat; das ist nach unserem Strafgesetz- buch nicht Nötigung, sondern Erpressung. Ich verweise auf einen anderen Fall. Vor einiger Zeit erbte ein mit irdischen Gütern rechl gesegneter Mann ein großes Gut, das auf l Vi Millionen geschätzt wübde; der Erblasser hatte arme Verwandte hinterlassen, die leer ausgingen. Ter glückliche Erbe war der preußische Landesherr, der das Gut C ad inen geerbt har, und derselbe Mann, der darüber als Landesherr zu entscheiden hat, ob bei solcher Gelegenheit nahe Verwandle berücksichtigt werden sollen, bat sie in feinem Fall nichi berücksichtigt. Sollte es so sein, daß derselbe Mann alö Landesherr mit anderem Maßstabe mißt, wenn es sich um Berlin handelt? Die Position des Lberpräsidenten schein: mir eine recht schwache; es sollte von dem schlecht unterrichteten Landesherrn an den besser zu unterrichtenden appelliert werden.(Beifall.) Stadw. Roicnow: Es handelt sich hier in der Tat um einen schweren Eingriff. Die Person, die jetzt lOOO Mark erhalten soll, ist wegen Undanks direkt im Testament ausgeschlossen,(Hört! hört!) Ich meine, ehe wir uns einfach fügen, sollten wir lieber auf die ganze Erbschaft verzichten.(Zustimmung.) Bei der Verletzuim des letzten Willens eines Erblassers wollen wir nicht mittun. Diese ganze Bevormundungswirtschaft erscheint uns unhaltbar. i Die Stadtvv. Hahn und Galland(A. L.) haben zwar nichts gegen nochmalige Ausschußberatung einzuwenden, sehen aber einen Gewinn daraus nicht ein. Sie versuchen nachzuweisen, daß speziell der Fall Stockhaus sich nicht dazu eigne, die aufgeworfene Prin- zipicnfrage weiter zu verfolgen oder der Aufsichtsbehörde einen Vorwurf zu machen.(HörtI hört!) Staotv. Mommsen findet diese Ausführungen sehr bedauerlich. Der Ausschuß solle nicht den Einzelfall, sondern die Prin- z i p i e n f r a gc erörtern. Herr Galland habe sich auffällig schnell in seiner Anschauung völlig gewandelt. Nicht eine Erpressung liege vor, aber jedenfalls liege eine Nötigung in dem Satze: wenn ihr nicht binnen 8 Wochen kuscht, beantrage ich Nichtgenehmigung. Das fei unerhört und um so unerhörter in einem Moment, wo die Rcichsregierung�dem Reichstage einen Gesetzentwurf über das Erbrecht des Staates vorgelegt habe, ivonach die bc- treffende Persönlichkeit gar nichts bekommen würde. Stadtv. Cassel sucht seine Kollegen Hahn und Galland bczüg« lich der Veränderuitg ihrer Stellungnahme zu rechtfertigen. Stadtv. Galland legt nochmals dar, daß aus Grund der Kennt- nis der Akten auch die Versammlung sich zu seiner Stellungnahme bekehren werde. vatadth. Dr. Roscufeld: Ich bedaure mit dem Kollegen Momm- sen sehr, daß die beiden Herren hier gewissermaßen als frei- willige Regierungskommissar« ausgetreten sind. Ich begreife auch, daß das Herrn Cassel peinlich ist. Herr Galland bat früher ganz direkt ausgesprochen, daß gerade»er vorliegende Fall als der Höhepunkt solcher unberechtigten Ansprüche anzu- sehen sei.(Hört! hört!) Herr Galland scheint Angst vor seiner eigenen Coutage bekommen zu haben.(Heiterkeit.)>. Stadtv. Galland: Herr Rosenfeld rennt offene Türen ein. Nicht um die geringfügigen 200 M. handelt es sich, sondern um das Prinzip. Tie Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Ter Magistrat teilt mit, daß der Oberpräsident die beiden Steuerordnungen für die Biersteuer und die Kino- usw. Steuer am 11. März d. I. genehmigt hat und die zuständigen Minister am 20. März ihre Zustimmung erteilt haben. Stadtv. Zubeil(Soz.): Bis heute ist es unserem Kämmerer nicht gelungen, einen Vertrag mit den Brauereien ab- zuschließen. Die Brauereien werden wegen verschiedener ungesetz- sicher Bestimmungen in der Steuerordnung den Rechtsweg be- schreiten. Wir sind am 6. März alle getäuscht worden. Herr Cassel bat damals positiv erklärt, daß eine Abwälzung der Steuer unter reinen Umständen stattfinden wird— mit gutem Gewissen könne er der Steuer zustimmen. Auch sind die Unterhändler getäuscht worden. Es ist nicht ivahr, daß die Brauereien ihnen erklärt haben, daß sie die Steuer nicht abwälzen werden. Sie haben erklärt, sie dann nicht abwälzen zu wollen, wenn die Steuer 25 Pf. nicht über« schreite. Tie Steuer ist auf 30 Pf. angesetzt worden. In der ..Deutschen Tageszeitung" stand, daß durch die Steuer das Bier nicht teurer, das Glas nicht kleiner geworden sei; an demselben Tage erhielten die Gastwirte die Nachricht, daß die Steuer für das echte Bier voll auf sie abgewälzt würde. Ob die Gastwirte sie weiter abwälzen können, wird die Zukunft lehren. Die Brauereien außerhalb Berlins haben auch schon angekündigt, daß sie die Ab- walzung unter allen Umständen vornehmen werden. Alle meine Voraussagungen, wegen deren Sie mich damals höhnisch behandelt haben, sind eingetroffen. Herr Cassel hat sich jetzt mit seinem Gewissen abzufinden. Auch Herr Max Schulz hat sich durch die Ausführungen Cassels täuschen lassen.— Was die Kinosteuer betrifft, so brauchen Sie nur auf das Metropoltheatcr zu blicken. Sie werben ähnliche Freuden wohl noch recht viele an Ihren Herr- liehen Steuerprojekten erleben. Die Magistratsmitteilung wird ohne weitere Debatte zur Kennt- ms genommen. Für den Osthafen soll ein Garantiebertrag mit der Korporation der Kaufmannschaft und der.Handelsbammer zu Berlin abgeschlossen und für seine Verwaltung eine ge- mischte Deputation eingesetzt werden. Die Deputation soll .städtische Hafcndeputatwn" heißen und aus 3 MagistratSmit- gliedern, 5 Stadtverordneten und 4 stimmfähigen Bürgern bestehen, für welche im Falle der Verhinderung Stellvertreter bestellt toccbcu foUcn. lieber die Zulässigkeit dieser bisher in der städtischen Ver- waltungsorganisation unbekannten„Stellvertreter" wird eine längere Aussprache gepflogen, in welcher zur Sprache kommt, daß die Korporation bereits.Herren u. a. aus Charlottenburg und Schönebcrg für diese Posten in Aussicht genommen hat. Oberbürgermeister Wermuth: Selbstversländlich kann eS sich nur um stimmfähige Berliner Bürger handeln, und sollten die Korporationen zu einer anderen Auffassung gelangt sein, so werden sie sich überzeugen müpen. day das nicht angängig ist. Wir werden uns auf dem Boden des Stadterechts darüber verständigen. Die Bestellung von SteMertreteri: entspricht hier einem sachlichen Be- dürfnis, und es handelt sich um einen Ausnahmefall, dem wir wohl Rechnung tragen können, Nach dieser befriedigenden Erklärung wird der Magiftratsvor- sch beabsichtigt, die Friedrich-Werdersche �hxrveglschul? guS d??.nedepwallstratze nackj hfm Hstd- [Westen zu verlegen, und zwar auf das an das städtische Grund- stück Aorcksiraße 10/11 anstoßende Hinterland vom Theater- igrund st ückB elleall iance st raße 7/10, das jetzt zur Sub- ! hastation gekommen ist. Das Schulgrundstück würde an der ver- j längerten Lankwitzstratze zu liegen kommen. Endgültig ist die Ver- Icgung der Oberrcalschule bisher noch nicht vorgeschlagen, weil in der Gegend auch die Erbauung einer städtischen höheren M ä d- ch e n s ch u l e nicht zu umgehen sein wird und noch erwogen wer- den soll, ob sich das Grundstück besser für eine solche oder für die Oberrealschule eignet. Ter Kaufpreis soll 300 120 M., 190 M. pro Quadratmeter, betragen. Der Ankauf wird beschlossen, nachdem auf Anfrage des Stadtv. Krüger Stadtschulra: Michaelis erklärt hat, daß das Projekt des Lyzeums die Schulverwaltung unausgesetzt beschäftigt. Die Stadtv. M o d I e r, Landsberg. Groncwaldt(A. L.). Bau- mann(Fr. Fr.) und Hellriegel(N. L.) haben als Vertrctr der be- tciligten Stadtbezirke folgenden Antrag einoebracht: „Da die Erbauung des Luisenstädtischen Gymnasiums, dessen Verlegung nach der Kopenhagcner straße im nördlichen Teil der Schönhauser Vorstadt beschlossen ist, so wenig vorgeschritten er- scheint, daß. da den zuständigen Stellen noch nicht einmal die Bau- Pläne vorgelegt sind, über der Vollendung des Baues somit noch mindestens drei Jahre vergehen werden, beschließt die Versamm- lung, den Magistrat zu ersuchen, unverzüglich— spätestens zum 1. Oktober 1913— in der Gegend des Ringbahnhofes Schönhauser Allee geeignete Mietsräume zu beschaffen, in welche die jetzt in der Choriner Straße untergebrachten drei Vorschulklassen und die Sexta, Quinta und Quarta des genannten Gymnasiums hinein- verlegt werden können." Stadtv. Modler: Unser Antrag ist ein veriiabler Schmerzens- schrei aus dem Norden. Von der Choriner Straße liegt der Bau- block für die Anstalt L— 3!4 Kilometer entfernt. Es ist dort eine ganze neue Stadt mit 250 000 Einwohnern entstanden, eine höhere Lehranstalt ist daher ein überaus dringendes Bedürfnis. In Pankow und Schönhausen werden die Berliner Kinder nicht auf- genommen; es besteht also ein direkter Notstand. Do unbequem eine Mietschule ist, sie ist immer noch besser als nichts. Stadtschnlrat Dr. Michaelis: Der Magistrat wird alles tun, um schnell Abhilfe zu schaffen. Tic Schwierigkeiten, die eine Anstaltsverlegung mit sich bringt, sind ja leider sehr groß; hier liegen die Verhältnisse noch besonders ungünstig, da die Zwischenstatwn von dem alten Gymnasium 5% Kilometer entfernt ist. Die Hoch- baudcputation bat aber zugesagt, daß das Spczialprojckt noch vor den Ferien an die Versammlung kommen und der Bau so be- schlennigt werden soll, daß die Anstalt an der neuen Wohnstätte an: 1. April 1915 eröffnet werden kann. Auch sonst wird der �chulnot im Nordosten sehr bald anSgiebig abgeholfen werden. Für eine Zwischenzeit von 1!--— 2 Jahren würden wir passende Mietsräume wohl kaum finden. Stadtv. Koblenzer(Soz.): Wir können dem Antrag Modler nicht zustimmen. Wir können ein neues Provisorium nicht zu- lassen; eine MietSschule ist das jämmerlichste, was man sich denken kann. Nach den Erklärungen des Schulrats können wir ja auch immerhin etlvaö beruhigt fein «Stadtv. Modlcr:„Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube"; ich glaube nicht daran, daß wir den Entwurf noch vor den Ferien erhalten. Aber in der Hoffnung,»aß etwas mehr Feuer hinter der Sache gemacht wird, ziehe ich den Antrag zurück. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen?H9 Uhr. Eue InduFtTie und RandcL Gegen Herrn v. Liebert. Vor kurzem hat das»Berliner Tageblatt" gegen Herrn v. Liebert recht scharfe Angriffe gerichtet, die sich auf die Betetltgung LiebertS an der Gründung der Deutschen Kufiji-Baum- w o ll- G e s ell s ch aft, G. nu b. H., bezogen. Charakteristisch für die Geschäftsführung dieser Gesellschaft ist eine Mitteilnng von Anieilbeisitzern, daß die Verwaltung auf ein Schreiben, das die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung fordert, gar nicht reagiert härte, so daß die An- teilbesitzer jetzt von sich auS die Versammlung einberufen müssen. Auf die Tagesordnung sollen folgende Punkte gesetzt werden: 1. Eingehende Suskunstserleilung hinsichtlich der GründungS« Vorgänge. 2. AuSkunflSerteilung, weshalb die Verwaltung, trotz- dem ihr bereits unmittelbar nach der Gründung der Gesellschaft im Jahre 1909 bekannt war, daß der vom Vorbesitzer Dr. Groppler herausgegebene Prospekt nebst Denkschrift in den wesentlichsten Punkten Angaben enthielt, die mit der Wirklichkeit nicht im entferntesten übereinstimmten, die» den Gesellschaftern absichtlich verschwiegen hat. 3. AuSkunftSerteilung, weshalb die erste Bilanz siir das Geschäftsjahr 190�/10 bisher noch nicht genehmigt und dem AufsichtSrat nebst Borstand Entlastung noch nicht erteilt ist. 4. Bericht, weshalb der AufsichtSrat(dessen Vorsitzender bis vor kurzein Herr v. Liebert war. D. Red.) die Ausführung des Beschlusses der Generalversamm lung vom 30. März 1911, wonach Herr Bücherrevisor O. an Stelle des Herrn Dr. S. die Prüfung der Gropplerschen Belege für die von ihm berechneten Unkosten vornehmen sollte, verhindert hat. 6. Ab- berufung des derzeitigen«ussichtsrates. 6. Beschlußfassung über die eventuelle Erhebung einer Regreßklage gegen die ersten AufsichtS- ratSmitglieder und Geschäftsführer.— In dieser Generalversammlung wird man also wohl recht liebliche Aufschlüsse über die Gründertätig- keit deS streitbaren freikonservativen Abgeordneten erhalten. Der Deutsche StahlwerkSverband hat behuks Hebung deS Träger- Verkaufs für Ostdeutschland in Breslau ein Bureau errichtet, daS die Trägerbaunachweise propagiert und die Projekte bearbeitet. DaS Bureau hat seine Tätigkeit Anfang dieses Monats aufgenommen. Soziales. Achtstundenschicht für die ununterbrochene« Betriebe. In der neuesten Nummer der„Hygiene" bespricht Professor Sommerfeld die auch von uns häufig dargelegten hygienischen Mißstände_tn den ununterbrochenen Betrieben. Er kommt zu folgenden Schlüssen rücksichtlich der Ucberstundcnarbeit, der Rocht- aibeit der Jugendlichen und der Zwölfstundenfchicht: „Die Berichte der Gewerbeaufiichtsbeamten beweisen, daß die llrberstundenarbeit in Zunahme begriffen ist. Soweit sie zur Er- ledigung der notwendigen Reparaturen in den u»nterbrochenen Betrieben erforderlich sind, läßt sich kaum etwas dagegen ein- wenden. Solch« aber für„eilige Ackbeit" in Anspruch zu nehmen, und zwar von Arbeitern, die an und für sich überanstrengt sind, widerspricht auch den bescheidensten Anforderungen der Gesund- heitspflege und läßt sich auch damit»ich: begründen, daß Arbeiter sich zu solchen Ueberstunden drängen, um einen höheren Verdienst zu erzielen. Dieser Mrhmrdienst wird durch die beschleunigte Abnahme der Arbeitskrast reichlich wieder aufgewogen. Die Nachtarbeit der Jugendlichen, d. h. der Personen im Alter von 14 bis 16 Jahren, ist wahrlich kein Ruhmesblatt der deutschen Industrie, und ohne Störung des Betriebes haben bereits sehr hervorragende Werke auf derartige Leistungen verzichtet und aus eigenem Antriebe sogar das Schutzalter auf das 18. Lebensjahr hinausgesetzt. Diese Schonung der Arbeitskraft der noch in der Entwickelung begriffenen jungen Leute ist um so dringlicher, als ja nach der tausendfältigen Erfahrung die Leistungsfähigkeit der Ardester der Hüsten- und Walzwerksindustrie mit 35 Jahren, wie Hartmqnn sich auLprsickt, die„MajorSecke" erreichen, Die Internationale Delegierteiwersammlung für gesetzlichen Arbesterschutz in Zürich hat demnach bei dem Schweizerischen Bundesrat die Ein- berufung einer Internationalen Arbeiterschutzkonferenz angeregt, auf der u. a. auch das Verbot der industriellen Nachtarbeit für jugendliche Arbeiter beraten werden solle, und der Bundesrat hat auch bereits— selbstverständlich nach vorangegangener Fühlung. nahine— ein demcntsprechendcs Rundschreiben an die Regicrun- gen der europäischen Staaten versandt. Es ist zu erhoffen, daß ein internationales Ucbercinkommcn in dieser Frage zustande kommen wird. Für den Hygieniker steht es außer Zweifel, daß die Zwölf- stundcnschicht in den Hütten- und Walzwerken eine Ueberbürdung bedeutet und zu frühzeitiger Abnutzung der menschlichen Arbeits- lraft führt. Eine Aendcrung kann bei der Eigenart der genannten Betriebe mit ununterbrochener Arbeit nur durch die Einfül,ru>lg der Achtstundenschicht erziest werden. Daß diese für alle in Frage kommenden Betriebe durchführbar ist, beweist schon die Tatsache. daß sowohl im Auslände wie auch in Deutschland die dreifache Schicht zu je acht Stunden seit langer Zeit vortrefflich funktioniert. Technische Schwierigkeiten liegen nicht vor oder lassen sich all- mählich überwinden. Dem Arbeiter erwächst der Vorteil, daß er leistungsfähiger wird, sich besser erholen und auch der Familie widmen kann. Andererseits wird die Unfallziffer heruntergehen, insofern der körperlich frische, nicht übermüdete Arbeiter seine Tätigkeit und auch die Bedienung der Maschinen mit größerer Aufmerksamkeit verfolgen kann als in erschlafftem, übermüdetem Zustande." Wird der Bundesrat endlich von seiner Befugnis Gebräu» machen, die Arbeitszeit im Interesse der Gesundheit der Arbeiter auf wenigstens acht Stunden herabzusetzen? GerieKts- Rettung. Gin Polizeiiergcant Mörder seiner Frau. Vor dem Südhannovcrschcn Schwurgericht wurde am Miltwoch die Verhandlung gegen den früheren Lakai des Kaisers und späte- ren Schutzmann Romahn in Hann.-Mündcn, der beschuldigt ist, seine Ehefrau am Abend des 7. Januars in der Weser ertränkt zu haben, zu Ende geführt. Aus der Beweisaufnahme sei folgendes hervorgehoben: Der Redakteur eines Mündcncr Blattes hat Romahn über den Vorfall ausgefragt. Nach Beendigung des Interviews erklärte er sofort dem Romahn:„Ich glaube, Sie haben mich ganz gc- hörig angelogen!" Romahn erwiderte, ob ihn der Redakteur für einen Mörder halte. Auf dessen ausweichende Antwort, daß ihm in der ganzen Stadt kein Mensch glaube, erwiderte Romahn:„Ich glaube auch, ich werbe morgen verhaftet und sie machen mich um einen Kopf kürzer."* Die medizinischen Sachverständigen sind der Ansicht, daß die Verletzungen, die an den Knien, der Zunge, den Armen und den Handrücken der Frau vorgefunden wurden, ihr bei Lebzeiten zugefügt worden sind. Sic bestätigen auch die Annahme, daß zwischen den Eheleuten am User ein längeres Ringen stattgefunden hat. Im Waffer könne die Frau unmöglich zehn Minuten lang um Hilfe gerufen haben. Das Verdikt der Geschworenen lautet auf schulbig des MorbeS. Ter Schutzmann Romahn wurde wegen Ermordung seiner Ehefrau zum Tode und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Brdars ei» gemütlichrs Zusammensein von Gewerkschaftlern öffentlicher Genehmigung? DaS Gewerkschaftskartell der freien Gewerkschaften für Minden und Umgegend hatte für die ihm augeschlossenen Gewerkschaften zum Sonntag, den 5. Mai 1912, ein gemütliches Beisammensein mit nachfolgendem Tanz veranstaltet. Es wurden Einladung--- karten ausgegeben, für die von den Gewerkschaftsmitgliedern 50 Pf. zu zahlen waren. Das Vergnügen fand beim Gastwirt Sander statt. Es wurde eine Kontrolle geübt, daß nur Gcwerkschafts- Mitglieder Zutritt erhalten sollten. Gegen den Wirt Sander wurde Anklage erhoben wegen Heber- tretung der Tanzverordnung des Regierungspräsidenten zu Min- den, indem ihm vorgeworfen wurde, er habe eine öffentliche Tanz- lustbarkeit in seinen Räumen geduldet, zu der leine polizeiliche Erlaubnis erteilt worden war. DaS Landgericht Bielefeld verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe. Zur Begründung wurde u. a. ausgeführt: Es frage sich, ob es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelte oder um ein Fest einer geschlossenen Gesellschaft, die fiir eine Tanzlustbarkeit keiner polizeilichen Erlaubnis bedürfe. Eine geschlossene Gesellschaft liege nur dann vor, wenn es sich um einen nach außen abgeschlossenen Kreis innerlich miteinander verbünde- ner Personen handele. Hier lägen nun die Dinge so: Die im Kar- tell vereinigten Gewerkschaften für Minden und Umgebung erhöben für sich Beiträge. Außerdem erhebe das GcwerschaftSkartell für seine Bedürfinsse Beiträge, die allerdings von den Gcwerkschafts- örganisationen eingezogen und abgeliefert würden. ES sei unter diesen Umständen davon auszugehen, daß die einzelnen GeWerk- schaftSmitglicder die Mitglieder des Kartells seien, mit eigener Organisation und Verfassung und gemeinschaftlichem Zweck. So sei das vorliegende Gcwerkschaftskartcll ein Verein, der 3000 bis 4000 Mitglieder umfasse. Dieser Verein sei aber keine geschlossene Gesellschaft. Die Mitgliederzahl sei so außerordentlich groß, daß die Mitglieder sich nicht unter einander kennen und kennen können. Die Organisation sei auch eine lockere. Ueber die Organisafion und die Vorstandsmitglieder deS Kartells sei den vernommenen Mitgliedern der fraglichen Gewerkschaften nichts Genaueres bekannt gewesen. Der Wechsel der Mitglieder erfolge durch Eintritt und Austritt. Ein derartig lose zusammengehaltener Verein„Gewerk- schaftskartell" mit 3000 bis 4000 Mitgliedern könne nicht als ge- schlossene Gesellschaft angesehen werden. Die Veranstaltung sei deshalb als öffentliche Tanzlustbarkeit anzusehen, obwohl nicht habe widerlegt werden können, daß nur Mitglieder und ihre Angehörigen teilgenommen hätten. Der Angeklagte legte Revision ein, die Rechtsanwalt Dr. H. Heinemann vor dem Kammergericht vertrat. Das Kammrrgericht hob am Montag die Borentscheidung auf und verwies die Sackie an das Landgericht zurück. Gründe: Die Strafkammer lege augenscheinlich großes Gewicht darq»tf, daß sich die einzelnen Personen nicht untereinander kannten. DaS sei nicht erforderlich. Die innere Verbindung könne auch auf dem gemein- schaftlichen sachlichen Zweck beruhen. In der Richtmag habe ein«' Nachprüfung zu erfolgen. Und was die subjektive Frage angehe, so leide die Vorentscheidung ebenfalls an einem Mangel. Wenn die Oeffenllichkeit feststehe, müsse geprüft werden, ob der Wirt fahrlässigerweise nicht gewußt habe, daß es sich um eine öffentlich« Veranstaltung handelte._ • Brfcfhartcn der Redabtion. V. R. 100. Uns keiner bekannt.— Gr. Lichterfelde. Arbeite:- turnverem bei Lensli. Chansseestr. 55.— A. B. Str. S. In Preußen fich-r nicht.— t«. Banmann. HermSdorf. Noch scheint efae praktische Ausnutzung nicht ermöglicht.— F. 10. Geschästsempfehlungen lehnen wir (ffi.— Ä. I. 27. Wenden Sie sich an die StislmigSdeputatwn des Magistrats, Postftr. IS.— M. Ei. 31. Sie find unseres Erachtens zu einer Prüsung nicht verpflichtet.— C. M. Z. 27. Sie werden praktisch handeln, wenn Sie den langen Mann an einen ttehrer der Hochschule sZlkademic) verweisen, um fich dort Rat zu holen.— Frau Henkel, Neu. kölln. Sie sollten ohne ärztlichen Rat nicht kurieren. Wir lehnen solche Lluskünste ab.— H. M. 812. Der Vorstand der Kreisorganisation deren Mitglied derjenige ist, über den Beschwerde gejährt werden soll. — M. L. 11. Frau Gertrud Swicnth, Eharlottenburg, Stuttgarter PI. 9. — 2 Streitköpfe 75. 1. Der Wahlvorsteher. 2. u. 3. Parteigenosse Max Cohen. 4. Abzweigung des Verkehrs von der Behreustrage(Richtung Süd nach Nord) durch die Charlottenstrasze.— B. M. 22 l. März 189Z.— K. S. 15. Sie finden in der Buchhandlung„Vorwärts" eine ganze Reihe geeigneter Werke.— E. N. 82. Das ist nicht Ausgabe des Briefkastens. sehen sie die Fachadreydächlr nach(Haascnslcin u. Dogler, Rud. Masse usw.). — Potenzexponent 000. Gewerbesaal Stratzniannstrafie 6. Meldungen Montag und Freitag von 19— 1 lUhr beim Direktor.— R. W. 1. Unsinn l DaS gibt es nicht.— 31. F. 22. Sprechen Sie mit einem Arzt.— Kolonieftr. 88. Fr. Steinweg, Neukölln, Reuterftr. 34.— 20. R. 18. Verein Hauspjlege, Königgrätzer Str. 07/99, Dienstag und Sonnabend oo» 11-12'/, Uhr. fö* Dem Silberpaar | Bernhard Wächter G and Fraa G Bötzowstrafie 28 gratulieren herzlichst 3246 iy Die Genassee u. Genossinnen de* 434. Bezirks, 4. Kreis. 1 » I Todes-Anzeigen! Allen Freunden, Verwandten und Bekannten hiermit die trau rige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bruder. Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Tischler tiermann Greinke im 39. Lebensjahre am Dienstag, den L. d. MlS.,»ach langem schweren Leiden verschieden ist. Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinter- blieben«! 7021 Frau Minna Oreinkc. Die Beerdigung findet am Jonnabend, den 12. April, nach. mittags'/jS Uhr, von der Leichen» halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. ZeziddemeMcher Mvrä f.d. 2. Bert. Reichstags- Wahlkreis, Bezirk 132, VII. Abt. Am 8. April er. verstarb unser Genosse, der Tischler Hermann Greinke Diessenbachstr. 72. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 12. April, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs. jeld« auS statt. 205/18 Um reg« Beteiligung bittet Der Vorstand. Deolscher flolzarheiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Gustav Dobrowsky Raumerstraße 39 im Alter von 64 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 14. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle deS Gethsemane-Kirchhoses in Nieder- Schönhausen aus statt. De» Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Tischler Hennann Greinke Diesfenbachftr. 72 im Alter von 38 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke« Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 12. April, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Zentralsriedhoses in Fried- richSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/15 Die Drtsrerwsitung. Deetscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Eduard Stein Neukölln, Pflüg er str. 63, am 8. d. M. an Bluwergistung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beer�gung findet am Sonnabend, den 12. April, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle deS Gememde« FriedboseS in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/6 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser Kollege Xlkreck Scduppsn am Sonntag plötzlich verschieden Ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute Freitag, den 11. d. Mts., nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen. ball- des SimeonS-Kirchhoses in Britz, Tempelhoser Weg, aus statt. Di« Kollegen der Firma.Ion. Klein. Am Mittwoch, den 9. April, früh 5'/, Uhr, verschied nach langem schweren Leiden mein innigst geliebter Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Tischler 33A j Gustav Dobrowsky im 65. Lebensjahre.— Dies zeigt tiefbetrübt an Frau Elise Dobrowsky geb. Korth nebst Kindern. Die Beerdigung findet Montag, den 14. April, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Gethsemane-Friedhofes, Nordend, auS statt. Ocutfcl)cr liletallarbeiter--Oerband. Verwaltungsstelle Berlin.— C. 54, L-inienstr. 83/85. Verwaltung: Tclepb.: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714» Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater, der Droschkensübrer Priedridi Hagel im SNter von 69 Jahren plötzlich verschieden ist. 76A Im Namen der Hinterbliebenen Cinstav Hagel. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 12. April, nach- mittags �,4 Uhr, von der.Halle des Philippus- Apostel- Kirchhofes in der Müllerstraßc, öde Seestraße, aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnabme bei der Einäscherung memes Gatten und meines Vaters Hermann Müller agcn wir allen Bekannten und Ver- wandten, dem Metallarbeiter-Vcrband, dem Sozialdemokralischen Wahlverein 6. Kreis, Bezirk 817, den Beteiligten der A. E.- G., insbesondere Herr» Manasse für seine trostreichen Worte unseren besten Dank. 28A Wwe. Hedwig HtUler. Panl.Httller. Danksagung. Für nie vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter 46A Luise Wudick sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren erzlichsten Dank. Hermann Wudick nnd Sohn. Tischler-Verein. (e. H. 89.) Sonnabend, den 12. April. abends 8'/, Uhr, Gewerkschaftshaus, Engeluser 15, Saal 11: General-VersaniinlDDg Wahl Dr.Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«'Ä 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Am er., abends 8 Uhr, findet im großen Saale der„Brauerei , Am Friedrichshain 16/23, die Fortsetzung der Montag, den April Friedrichshain� CEsneraUVersammliuis unserer Verwaltungsstelle statt. Mitgliedsbuch und Legitimattonskarte ist vorzuzeigen.— Qhnc dieses keine« Zutritt. Vertretung Ist nicht zulässig. 116/5 Besondere Einladungen erfolgen nicht. Hie Ortsverwaltnng. Verband der Kaier, Sackierer, Anstreicher ete. Bureau: Melchiorstr. 28, pari, tlilial-aorlt« Arbcitsnachw.: Nückerstr.9. Fernspr.: Amt Moritzpl. 4787. 1 iilsttl Dt Ulli. Fernspr.: Amt Norden 6708 £iste der oom Verband der Ktaler gesperrten Jirmen: Die Firma Freitisch, Neukölln, Kurt Hernnann, ReichenbergerStr, 129 Zlbell, Fasancnstr. 37 Vorstehender ist der Geschästs- führer der Firma Otto u. Dil- beim Schwarz, Steglitzer Str. 77/78. Jsarstraße 11, ist zu Unrecht aus die Liste gekommen. I Verkauf nur im Fabrlkgebttudc! I MSie sparen Geld! öbel Wenn Sie I direkt in der I Möbelfabrik H. Walter u: Willi Maaß, Broflnenstr. QR I kein Laden S Tel.: A. III, 5157® kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— eigene Tischlerei und Polstere).— AufWunsch Teilzahlung. 35 IH Permanente Musterzimmer-Ausstellung, 35 I Bericht vom l. Bierteljahr. von 2 Vorstandsmitgli-dern. tige Kassenangelegen heiten. 33' Der Borftand Wich- 176 Zur Beachtung I Die neue Satzung ist am 7. März vom Königlichen Polizeipräsidium genehmigt und ist am 26. März in Krast getreten. D. O. f- Frt r dauerhaft— billig— bei Verwendung unserer DachpixsFabrikate! Dachpix schwarz zur Reparatur und Anstrich— nicht tropfend! Pixfarbe weiß, rot, grün usw. Pixpappe unübertroSen! Farbiges Carbolineum zur Holzimprägnierungl Farbe für alle Zwecke. Preise, Muster kostenlos. Dachptx-Gesellschaft, Berlin 8. 61, PlanuTer 38. Vorjährige feinste Anzüge, Paletots, schicke Ulster, Gehrockanzüge, Smokings, Fracks a. Seide 30-70 M. IfersaDdhaiis Germania 21. Unterdcn feinden 21. Sonntags ron 12— 2 Uhr geöffnet. 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Ordentliche General- Ver Sammlung am Montag, den 28. April 1913, abends pünktlich 8 Uhr, im großen Saale des Klubhauses, Ohmstraßc 2. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung für das Jahr 1912 durch den Rendanten. 2. Bericht des Rechnnngsansschusses bezw. Ertexlang der Entlastung. 3. Beratung und Beschlußfassung über das nach der Roicha* versicherungsordnnng abzuändernde Kassenstatut. Berlin, den 31. März 1913. 268/7 Der Vorstand. Johannes Blenz, Otto Wonitski, Vorsitzender. Schriftführer. MiranUasse der Maurer. Gipser|Weiioder| ileare DeptseMaiids JMsli Zahlstelle Xenkölln. Sonntag, den 13. April, vormittags 10 Uhr, Kirchhofftrafie 41: bei Wolf, 151/5 Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Umwandlung unserer Kasse in eine Zuschußkasse. 2. Beschlußsassunz Generalversammlung. 3. Verschiedenes. von Anträgen zur Zahlreiches Erscheinen wünscht Tie Ortsverwaltnng. Die �Verwaltung Berlin.=== Berwaltungssitzung am Freitag fällt aus. Einsetzer. Sonntag, den 13. d. MtS.. vormittags 10 Ubr. finden die He�IrksverKaininlnngen in den bekannten Lokalen statt. In Eharlottenburg Neuwahl eines Bezirksleiters. Sonntag, den 13. April 1013. vormittags 10»br, im Neuen Gcscllschaftshaus(K. Perchncr), Treptower Chaussee 14 (direkt am Bahnhos Treptow): s Versammlung � aller in der Ving�eng-Indnstrie Beschäftigten. Tagesordnung: 81/4 1..Entwickclvngstcndenzcn der modernen Technik.-- Referent: Arbeitersekrelär Rud. Wisse ll.— 2. Bericht von den Funktionär- Konferenzen und der anigenommenen Statistik.— 3. Diskussion. ' Die Ortsverwaltung. Zentral-Krankeitee der Maurer, Steinhauer. Gipser(WeißhiDiler und Stukkateure) Deutsehlands..Grundstein zur Einigkeit".(Sitz lltona.) Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 13. April 1013, vormittags 40 Uhr. bei Frist SSilke. Sebastianstraße 39:_ Mitglieder- Versammlung."WD Tagesordnung: I. Die Generalversammlung in München und Anträge zu derselben. 2. Wadl von 4 örtlichen Bezirksverwaltungen. 3. Verschiedenes. 151/5 Kollegen: In Anbetracht des UmstandeZ, daß am 1. Juli eine Acnderung in der Verwaltung unserer Verwaltungsstelle eintritt, ist da» Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Tie Lrtsvcrwaltung. /Special Hl ilj Special Jyell Flasche 10 Pf. Ueberau käuflich! Gin QualMfsbräu Snieratssttei! verantw TS«üvcke. Berlin. Druck».«erlag: Vorwo"- B.,chdr„Fere, u.«erlagSau staii Poul smfl� u To.. Berlm S«. ür. 8a, 30. Z. htS Kttliiltt AlKSKlM.*'»«• 11 � 1313 Die gelimiungsichnüffelei in königlichen Initituten steht in vollster Blüte, Aus den Spandauer Militärwerkstättcn wird derichtet, dsst dort fast täglich Arbeiter entlassen werden, die im Verdacht so�taldemolratischer Gesinnung stehen. Eine große Rolle hierbei spielt die Polizei, die über jeden Arbeiter, der in einer königlichen Fabrik in Arbeit tritt, Auskunft erteilt, ob er der sozial- demokratischen Partei angehört. Die Auskünfte werden von der Polizei in geradezu leichtfertiger Weise gegeben nach einem Mit- gliedervexzeichnis des Wahlvereins vor Inkrafttreten des neuen SieichsvereinsgesetzeS, das aber gar nicht mehr stimmt. Arbeiter, die 8» zehn oder mehr Jahren einmal dem Wahlverein angehört haben, aber seitdem keine Beiträge mehr bezahlten, werden ohne weiteres als sozialdemokratische Mitglieder entlassen. Wer das Pech hat, einen Namensvetter zu besitzen, der einstmals dem Wahlverein an- gehörte, kann auch mit einer Entlassung bezw. großen Scherereien rechnen. Welche Formen die Bespitzelung annimmt, dafür nur ein krasses Beispiel. Bei der Mutter eines in den Spandauer Werkstätten beschäftigten Schlossers in der Steglitzer Straße in Berlin erschien ein Mann und erklärte, vom Kassierer des 2. Wahlkreises, dem Genossen Gustav Schmidt, zu kommen, um nachzusehen, ob das Mit- gliedsbuch des Sohnes in Ordnung sei. Der Mann wurde darauf hingewiesen, wiederzukommen, wenn der Sohn selber da sei. Er erschien auch wieder und erklärte dem Schlosser, er wolle das Wahl- Vereinsbuch revidiere». Obwohl der Schlosser sich wunderte, daß nicht der Bczirksführer kam, fiel er auf den Schwindel rein und zeigte das Wahlvereinsbuch. Eine Nachfrage beim Kassierer ergab die völlige Haltlosigkeit der Angabe des fremden„Revisors". Es dauerte 14 Tage, da erhielt der Schlosser die Ausklärung. Er wurde zum Meister gerufen, wo'Hm sofort die EntlassungSpapiere ausgehändigt wurden. Auf Anfrage nach dem Grunde der Entlassung wurde ihm mitgeteilt, es sei eine Auskunft eingegangen, nach der er— der Schlosser— dem Wahlverein angehöre. Und solche Personen könnten in einem königlichen Betriebe nicht geduldet werden. Der Fall lehrt, daß die Genossen nicht allzu vertrauensselig sein sollen. Im allgemeinen ist aber das Verhalten der Behörden unerhört; auch die königlichen Institute werden von den Groschen der breiten Massen erhalten.__■ partci-?Zngelegenkeiten. fi. Berliner LandtagSwahlbezirk und Stralau. Sonntag, den 1Z. April, von morgens 8 Uhr, wichtige Flugblatt- Verbreitung. Es ist das Erscheinen aller Genossen' unbedingt uotlvcndig. Landtagswahlkrcis Ober- und Niederbarnim. Heute Freitagabend in folgenden Orten von den be° kannten Stellen aus Flargblattverbreitung: Bernau, Borsigwalde, Friedrichsfeldc, Friedrichshagen, Hohcn-Schön- Hausen, Karlshorst, Lichtenberg. Nieder-Schönhausen, Oranien- bürg, Pankow, Reinickendorf-Ost und-West, Rosenthal, Stralau, Tegel. In allen übrigen Bezirken, in den Landortcn sowie in Oberbarnim wird das Flugblatt am Sonntag, den 13. April ausgetragen. Das Zeutral-Wahlkomitee. Eharlottcnburg. Heute abend 7 Uhr von den bekannten Lokalen ans: wichtige F l u g b l a t t v e r b r e i t u n g, an der sich jeder Parteigenosse bereiligen muß. Eharlottrnburg. Montag, den 14. April, abends S1/« Uhr, findet im Volkshaus, Rosinenstr. 8, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher die Genossin Mathilde Wurm über das Thema i„Der preußisch- Wahlrechtskampi und die Frauen" sprechen wird. ES wird ersucht, auch unter den Frauen fiir den Besuch der Bersammlung rege zu agitieren. Wannscc. Sonnabeird, den 12. d. MlZ., abends 8 Uhr, im Neflourant.Fürstenhof'(O. Ackermann): Generalversammlung des WahlvcreinS. Tagesordnung: Vortrag über die Entwickelung der Wirtschaftsformen. Neuwahl des Gesamtvorstandes. Verschiedenes. Nicder-Schöiicweidr. Heute abend 7 Uhr Flugblattverbreitung von ven Bezirlölokalen aus. Berlin-Oberfchöneweidc. Heute, Freitag, von Ö Uhr ab: Fahlmorgen bei ProchowSki(Neue Post).— Sonntag, den 13. April, von morgens 8 Uhr ab t Flugblatlverbreilung vcm den bekannten Stellen auS. Die Bezirksleitung. Friedrichshagcu. Der BildungsauSschuß veranstaltet morgen Sonnabend, abcndö 3'/, Uhr, in Conrads Festsälen, Friedrichstr. 137, einen Lichtbildervortrag. Genosse M. H. Baege spricht über„Brutpflege und Jugendfürsorge bei den Tieren". Der Ein- tritlspreis beträgt 30 Pf. Nach dem Bortrage findet ein Tanz- kränzchen statt. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt. Reinickendorf- West. Sonntag, den 13. d. MtS.. findet die Be- fichligung des Ansts in der Wiesenstraße statt. Treffpunkt der Teil- »ehmer bei Halmann, Scharnweberstr. ö4. nachmittags 2 Uhr. Die Bibliothek des Wahlverems ist wegen Umzuges vom Sonnlag an geschlossen. Die Genossen werden ersucht, entliehene Bücher bis DoniierStag, den 17. d. M., zurückzubringen. Lichtenrade. Sonnabend, den 12. April, abends S1/., Uhr, Zahlabend. Für den Ostbezirk im Lokal von Paul, Kaiier-Wfthelm- Straße: Westbezirk im Lokal von Th. Janlke, Hohenzollernslraße, Ecke Krügerstraße. Pankow. Heute abend von 7 Uhr ab wichtige Flugblatt- vctbreitnng von den bekannten Stellen aus.— Um'/.,g Uhr findet bei Roczycki, Krenzsir. g/4(kleiner Saal) der zweite'Äorlragsabend über.Dce Technik der Landtagswahl" statt. Sämtliche Funktionäre und Teilnehmer des ersten SIbend sind verpflichtet zu er- scheinen. Mitglieder haben unier Vorzeigung dcK Mitgliedsbuches ebenfalls Zutritt. Wittruau. Freitag, den 11. April, von den bekannten Lokalen aus Handzettelverbreitung für die am Sonntag, den 13. April, nachmittag» 2 Uhr, im Wittenau« GescllschaftShauS stattfindende öffentliche Wählerversammlung. Nicder-Schönhausen-Nordend. Für die Genossinnen und Ge- Nossen, die an der Versammlung am Sonntag, den 13. April, in Schildhorn teilnehmen,«folgt der Abmorsch l'/z Uhr von Bratvogel, Nordend, aus. Die Mitglied« des Gesangvereins„Zukunft" werden gebeten, vlll>,äblig zu erscheinen. Röntgental, Zepernick, Buch. Sonntag, den 13. April, abends « Uhr, veranstaltet der�JugendauSschuß i,» Lokale von Kramm in Buch, Kaiser-Friedrich-Straße. einen Elternabend, bestehend in Vor- trägen. Rezitationen, Gesang und Festrede. Es wird eine rege Be- teiligung der Genossen und Genossinnen hierzu erwartet. berliner I�acdrickten. Aus der Stadtvcrordnctcnvrrsanlmluilg. Lor Eintritt in die Tagesordnung brachte Genosse H e i m a n n eine„häusliche Angelegenheit" zur Sprache.> Er rügte, daß die a m t l i ch' e n stenographischen Berichte über die Stadtverordnetensitzungen immer erst nach Wochen fertig werden. Dabei stellte er sest, daß in der Etat- beratuirg eine vom Ausschuß angenommene Resolution, die Ävl)'ckfe forderte, nein Plenum gar nicht zur Ab- st i ni nt u n g v o r g e l e g t worden ist. Vorsteher M i ch e l e t gab versegen das Versehen zu, doch lehnte er für seine Person die Verantwortung ab. Ten Vorsitz hatte damals in Stell- Vertretung— Herr Cassel. Das Aufinarschgelände ani Viktoriapark, das jetzt der Stadt gehört, wird zum Teil mit Parkanlagen ausgestattet, zuin andere« Teil zur Bebauung hergegeben. Zu der Vorlage über den Bebauungsplan hob Genosse Bruns hervor, daß hier wieder mal eine Gelegenheit sich bietet, es mit einer Erbbaupacht zu versuchen. Von anderer Seite ging niemand hierauf ein. Die Vorlage wird in einem Ausschuß näher geprüft werden. Tie F e r i e n o r d n u it g der G e m e i n d e s ch u l c n wurde erst jetzt zur Kenntnisnahme vorgelegt. Genosse Leid gabt der Klage Ausdruck, daß durch die Verspätung der Feriensestsetzung die Ostereinichulung erschwert worden ist. Er tadelt auch, daß man den Termin des Schulbeginns dies- mal in die Tage des Umzuges gelegt hat. Stadtrat Fischer erkannte die Berechtigung dieser Klagen an, ent- schuldigte aber die Schulverwaltung mit ihrer O h u m acht gegenüber der staatlichen Aufsichtsbehör de. Um ein der Stadt zügefallenes Vermächtnis ist ein Konflikt zwischen dem Oberpräsidenten und dem Magistrat entstanden. In der Debatte, die sich hierüber entspann, wurde das Verhalten des Oberpräsidenten von verschiedenen Rednern scharf getadelt. Genosse Rosenfeld �kennzeichnete mit einem krästigen Wort den Versuch, die Stadt zur Zahlung einer Abfindung au einen durch Testament von der Erb- schaft ousgeschlosscuen entfernteu Verwandten des Erblassers zu zwingen. Zur Vcrgleichung zog er die dem Kaiser zu- gefallene Erbschaft Cadiucn heran. In einem Aus- s ch u ß soll der Antrag des Magistrats, dem Zwange nachzu- geben, näher geprüft werden. Daß die Bier- und K i n o st e u e r von der Regie- ruug genehmigt worden ist. teilte der Magistrat zur Kenntnis- nähme mit. Genosse Z u b c i l stellte fest, daß die daran ge- knüpften Befürchtungen größtenteils bereits eingetroffen sind. Herr Cassel, dem er sein Schuldkonto vorhielt,— schwieg. Wegen der Verlegung des L u i s e n st ä d t i s ch e n Gymnasiums nach der Schönhauser Vorstadt forderte ein Antrag Mo dl er die Bereitstellung von Mieträumen. Tie Antwort des Stadtschulrats Michaelis war ein ver- nichtendes llrteil über die Mietschulmisere. Für die sozial- demokratische Faktion erklärte Genosse Koblenzer sich grundsätzlich gegen alle Mietschulen. Der Antrag wurde schließlich zurückgezogen._ Schlcuscudefckt am Groftschiffahrtstveg. Der Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin sollte bekanntlich am 1. Mai vollständig seiner Bestimmung übergeben werden Jetzt kurz vor der allgemeinen Betriebeübergabe ist aber eine Schwierigkeit entstanden, deren allgemeiner Umfang sich noch nicht übersehen läßt. Zunächst ist eine dreimonatige Sperrung der Fahrstraße verfügt worden. Der Grund liegt in einem Schleusendesekt an dem Spar- decken der Schleuse 2 i« Nicdelfinow. Hier ist im linken Mittel- Iparbccken eine Undichtigkeit entstanden, die man zunächst durch Sandsäcke auszustopfen und.dicht zu machen versuchte. Obwohl 400 Sandsäcke v«wandt wurden, konnte man eine Dichtung nicht erzielen, weswegen man sich in letzter Stunde dazu entschlossen hat, die Sperrung zu verfügen. Aus welche Ursachen die Kalamität zurückzuführen ist, läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Nach einer allem Anschein von der Bauverwaltung ausgehenden Erklärung, ist der Sand in großer Tiefe mit Wasseradern durchsetzt, die angeblich ouS nicht ersichtlichen Gründen einen anderen Weg gesucht haben, wodurch zwischen Sohle und Seitenbecken durch Abspülung ein Hohlraum einstanden s«, infolgedessen der hohe Wasserdruck der Schleuse die Betonschicht und die Tondichtung durchgedrückt habe. Andere Er- klärungen gehen dahin, daß bei dem Bau der Sparbeckcn gar zu sehr gespart worden sei, daß hie Tondichtungen derartig gering und der Ton von so schlechter Beschaffenheit sein sollen, daß ein solcher Defekt von vornherein schon etwas sehr in dem Bereich der Möglich- keit gezogen werden mußte. Die Untersuchung, die angestellt werden muß. sollte hierauf ihr Augenmerk richten. Beispiels- weise soll die Stärke der Tondichtung, obwohl dreißig Zenii- meter vorgesehen sind, stellenweise nur zehn Zentimeter stark sein. Einstweilen sind einige Schiffer die �Geschädigten, die mit ihre» 507 bezw. 363 Tonnenkähnen vor der Schleuse fest- liegen und die ihren Bestimmungsort Schwedt a. O. nur erreichen können, wenn sie bis aus 1 ,00 Meter Tiefgang ableichtern und einen großen Umweg machen. Ob mit der dreimonatigen Sperre der Schaden behoben ist, läßt sich noch nicht absehen. Einstweilen ist der auf den 4. Juni festgelegte Monarchenbesuch, der schon so manches Patriotenherz ehrfurchtsvoll«schauern ließ, verschoben worden. Die„Findigkeit" der Post ist. unter Herrn KraetkeS glanzvoller Leitung auf dem Nullpunkte herabgesunken. Die Verwaltung gibt sich immer weniger Mühe, solche Postsendungen, die nicht aus den ersten Versuch zu bestellen sind, an die richtige Adresse zu blingen, und hat ungemein schnell den Stempel„Nicht ermittelt" zur Hand, was allerdings die bequemste Sache ist. Auf diese Weise kommt eS vor, daß Briesschaften iunerhalb desselben Bestellbezirks an ganz bekannte Namen nicht bestellt werden, wenn nur die Hausnummer verschrieben ist. Die Beamten sind ja nicht dazu da. Rätsel zu lösen, aber etwas mehr Findigkeit könnte man im Interesse des VerkehrSlebenö denn doch erwarten. Einst legte Stephan höchsten Wert darauf, auch Sendungen mit zunächst nicht aujfindbar« Adresse auf den, schnellsten Wege zu bestellen. Bei Sendungen nach auswärtigen Städten ist geradezu eine zunehmende Unkulanz der Verwaltung zu bemerken. Es mag zuviel verlangt sein, wenn die Post bei den vielen„Schulzes" und„Müllers" aus dem Stadtadreßbuch die näheren Wohnadressen ermitteln soll, aber auch Briese, die an allgemein bekannte P«sonen gerichtet sind und nicht die ganz genaue Wohnadresse tragen, werden nicht mehr be- stellt, gehen an den Absender zurück. Mit der Zeit ip-.ezn, ist ja sehr hübsch, nur darf darunter nicht das Verkehrsinteresse des ein- zelnen leiden. Als ein Ucbelstand� bei d« Straßenbahn wird die Einrichiung empfunden, daß der Schaffner dem Wagenführer das Halte- oder Abfahrtszeichen vermittelst Ziehens an einer Schnur gibt. Sehr oft passiert es, daß bei besetztem Hinterperron der Schaffner den Kopf der Fahrgäste berührt, weil die Schnur an der Decke de» Wagens befestigt ist. ES kommt vor, daß bei der Armbewegung des Schaffners den Fahrgästen der Hut vom Kopfe gestoßen wird oder daß einem Fahrgast, der Augengläser trägt, durch Anstoßen der Klemmer zu Boden fällt. Dabei kann man die Schaffner, so sehr sie sich in acht nehmen, kaum für eventuellen Schaden verantwortlich machen, denn Schuld trägt die unzeitgemäße Einrichtung. In anderen Orten, wie in Dresden, wird das Klingelzeichen durch Drücken auf einen Knopf gegeben, der an der Seile des Wagens angebracht ist. Würde es sich nicht empfehlen, daß die Große Berliner eine gleiche Einrichtung träfe? Ei» schwer« Unglücksfall«eignete sich am Donnerstag- nachmittag vor dem Hause Beujielstr. 25. Dort war der Klempner Hermann Kowat damit beschäftigt, von einem Ficmcnschildc eines Schuhwareugeschästes die Buchstaben zu entfernen. Hierbei glitt er von der Leiter ab und stürzte aus den Bürgersieig, wo er be- sinnungsloS liegen blieb. Mit einer Droschke schaffte man den noch im jugendlichen Alt« stehenden Verunglückten nach dem Krankenhaus Moabit. Die AilfklSrung des Todes de» Gymnasiasten Ernst Tiemann aus Charlottenburg ist noch keineswegs gelungen und eS ist nach dem gegenwärtigen Stand der Angelegenheit immer noch nicht ganz gewiß, daß Tiemann wirklich das Opfer eines Mörders geworden ist. Die unter dem Verdacht der Beihilfe an dem behaupteten V«- brechen in Rummelsburg in Pommern verhaftete Elise Heinrich hat ihr Geständnis bereits widerrufen. Die ganze Sache bleibt»ach wie vor mysteriös. Bei ihren Angaben vor dem Unter- suchungsricht« hat sie sich allerdings in Widersprüche verwickelt, zum Teil auch Dinge ausgesagt, die, irnc bereits feststeht, der Wahrheit nicht entsprechen. Die Akten sind gestern von Stolp an den Staatsanwalt am hiesigen Landgericht III eingeliefert worden. Die behördliche Untersuchung wird natürlich mit größtem Eifer betrieben und alle bisherigen Ermittelungen des Privatdetekttvs werden peinlich nachgeprüft. Zu welchem Ergebnis diese Prüfung führen wird, läßt sich noch nicht sagen. Eine Freundin der Heinrich, eine gewisse Longe, auf die sich die Ver- haftete berief, ist bereits ermittelt, doch vermochte sie keinerlei Be- kundungen über ein Verbrechen zu machen. Der mysteriöse Schulz konnte noch nicht aufgefunden werden. Die Charlottenburger Kriminal- Polizei steht der ganzen Angelegenheit immerhin noch skeptisch gegenüber. Die von einigen Blättern gebrachte Meldung, daß der hiesige Staatsanwalt, der erst gestern in Besitz der Akten ge- langt ist, die Exhumierung der Leiche des Tiemann bereits an- geordnet habe, ist falsch. Von anderer Seite wird gemeldet: Die Heinrichs hat ihr Geständnis tatsächlich bereits widerrufen. Sie bc- hauptet jetzt, die früheren Angaben nur unter dem Druck des angeb- lichen Wöbelfabrikanten Schwarz und aus Furcht, daß er das Ver- löbnis wieder aufheben könnte, gemacht zu habe». Das wäre ihr um so unangenehmer gewesen, als sie mit ihm schon wochenlang öffentlich als mit ihrem Bräutigam verkehrt habe. Zu den Drohungen mit der Aufhebung des Verlöbnisses sei noch hinzu- gekommen, daß Schwarz sie wiederholt durch Verleitung zu starkem Alkoholgenuß beeinflußt habe. Em tödlicher Unfall ereignete sich gestern nachmittag w dem fertiggestellten Neubau der Buchdruckerei Elsner A.-G-, Oranien- straße 140. Einem Wjährigen Maler, der unten im Fahrstuhlschacht die Schienen strich, wurde vom Kontergewicht des plötzlich in Be- wegung gesetzten Fahrstuhls der Kopf buchstäblich abgerissen. Durch welche Umstände dieser bedauerliche Unfall entstanden ist, muß erst die nähere Untersuchung ergeben. Seinen Verletzungen«legen ist gestern im Paul Gerhardtstist das 0 Jahre alte Söbnchen Walter des Zimmermanns Pohl aus der Türkenftr. 10. Der Kleine wurde am Dienstagnachmittag von einem Straßenbahnwagen der Linie 20, der nach Tegel zu fuhr, überfahren. Ehe der Führer den Wagen zum Stehen bringen tonnte, war das Kind erfaßt und umgestoßen worden. Es geriet unter den Schutz-. rahmen und wurde hier mit einem Beckenbruch und schweren inneren Verletzungen hervorgezogen. An deren Folgen verstarb es gestern. Die Leiche eines neugeborenen Knaben wurde gestern vormittag vor dem Grundstück Sckissbauer-Damm 24 aus der Spree gelandet. Um den Hals war dem Kinde, das völlig unbekleidet war. eine starke■ Schnur gewickelt. Nach dem Befunde scheint eS jedoch mit dieser nicht erdrosselt worden zu sein. Wahrscheinlich war die Leiche in Papier eingewickelt und mit Bindfaden verschnürt worden. Das Papier hat sich dann im Wasser gelöst und die Schnur um den Haie des Knaben gewickelt. Zur Feststellung, ob das Kind bei der Geburt gelebt hat od« getötet worden ist, wurde die Leiche dem Schauhauj« überwiesen. Ein Konzert veranstalten am Soimtag, den 13. April, im großen Saale der Brauerei„Friednchshain" die Thiloschen Chöre, deren Leistungen bei dem Arrangement in der„Neuen Welt" aus Anlaß des Preußentages so begeistert aufgenommen wurden. Mitwirkende sind Konzertsängerin Frl. Meta Zlotnicka(Sopran), Berliner Konzerthausorchester(Franz v. Blon). Eintritt 00 Pf., an der Kasse 76 Pf. Saalöffnung 6 Uhr, Beginn deö»tonzerts präzise 0 Uhr. Kinder unter zehn Jahren haben'keilten Zutritt. Die akademischen Uitterrichtskurse«vollen Männern und Frauen Gelegenheit zu gründlicher Ausbildung in den elementaren Unter- richls fächern bieten. Vor allein sollen die Hörer richtig schreiben. sprechen und rechnen lernen. Personen unter 18 Jahren können nicht aufgenommen werden. Das Unternehmen steht politisch und religiös auf durchaus neutralem Boden. Den Unterricht erteilen Studierende der Berliner Hochschulen. Ein aus ihrer Mitte gewählter Borstand leitet das Unternehmen unter Mitwirkung der Vertrauensleute der Hörer. Zür Erteilung des Unterrichts wie für die Verwaltung wird keinerlei Enischädigung gewährt. Der Unterricht wird erteilt in Deutsch. Rechnen. Stenographie. Schreiben, Erdkunde und Cheniic. Unterrichtslokale sind: 1. Gemeindeschule GipSstr. 23a, nahejdem Bahnhof Börse. 2. Friedrich-Werderschc-Obcttealschulc. Niedcrwall- straße 12, am Spittelmarkt 3. Fortbildungsschule Langestr. 31, am Schlesischen Bahnhof. 4. Geincindeschule Pantstr. 17, am Bahnhof Wedding. 6. Realgymnasium, Kaiscr-Friedrich-Str. 203—210, in der Nähe de? HermannplatzeS(Neukölln). Anmeldungen werden angenommen: 1. Pankstr. 17 am 18. April, abends 8—10 Uhr. 2 Gipsftr. 23a am 17. und 22. April, abends 8—10 Uhr. 3. Langestr. 31 am 18. und 22. April, abends 8 bis 10 Uhr. 4. Neukölln. Kaiser-Friedrich-Str. 208-210 am 21. und 23. April, abendS von 8—10 Uhr. Am 19. und 26. April, abends 8 Uhr. finden im Saale des Zentralarbeiisnachweises. Gormannstraße 13, allgemeine Hörerp«- fammlungen statt, in denen nähere Mitteilungen über die Art d-S Unterrichts und die Organisation gemacht werden. In diesen Ver- sammlungen werden auch Anmeldungen entgegengenommen. Bei der Anmeldung ist eine einmalige Gebühr von 50 Pf. für den Besuch jedes Kurses sowie 26—30 Pf. für Lehrmittel zu entrichten. Beginn des Unterrichts am 6. Mai. Schluß.- Anfang August- Zeuge» gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 0. März diekes Jahres, vormittags 11� Uhy«u der Ecke df- Lhchener und Danziger Straße ein Mann von dem Anhängewageu der elektrischen Straßenbahn herabgeschleudert wurde, werden gebeten, ihre Adresse bei Ludwich Zech, Graunslr. 33 I, abzugeben. Wer ist der Tote? Am 5. d. Mtö. ist im Walde bei Hessen- Winkel ein unbekannter Mann aufgefunden worden, der anscheinend Selbstmord durch Vergiften begangen hat und bisher noch nicht rekognosziert werden konnte. Der Unbekannte ist etwa 65 Jahre alt, 1,05 Meter groß, untersetzt, hat graues Haar und Spitzbart, volles Gesicht, hohe Stirn, bläue Augen, dicke Nase, lückenhafte Zähne, kleine Hände und Füße. Bekleidet war er mit schioorzein steifem Hut._ graugestreiftem Anzug. schwarzen Schnallenstiefeln, grauen Strümpfen, blau- und weiß- gestreifter Krawatte und weißem Oberhemd. Er hatte zwei Kassen- fälfiffd. einen Schlüsielring mit ß Schlüsseln, einen Teelöffel, zwei weiße Tnscheiiliichcr, J. M. gezeichnet, eine gelbe Sicinbuchse. zwei Bücher, ein Portemonnaie mit 2 3);. und eine silberne llhr mit Nickelkette bei sich. Die Leiche befindet sich in der Leichenhalle zu Rahnsdorf. Nachricht über die Persönlichkeit des Toten erbittet die Kriminalpolizei, Zimmer 34g Hl. zu den Akten 1371. IV. 7. 13., auch nimmt jedes Polizeirevier Mitteilungen entgegen. Quittung. Für den Verein Arbeitcr-Jugendlicim gingen bei dem linier- zeichneten ein: Von den Kollegen der Firma Groß, Auloinobilbctrielie. geiellschast 28, öv. Märzkranzübcrschuß von den Arbeitern u. Arbeiterinnen der Dcutawcrlc 57,—. Kranzüberschuß v. d. Koll. d. Firma W.©mit, Abt. Stchr 3,00. Kranziibcrsch. o. d. Brauern d. Böhm. Brauhauses 3,—. Infcratübersch. vom K. Kreis, Bez. 75t! t.10. Sammlung Schaepc 3,10. Ueberschuß vom Märztranz v. d. Arbeitern der Oryr-Motorenwcrlc 39,95 Durch Zielisch 12.—. Ucbdrschuß einer Kranzspende der D. W. M. durch Fritz Hofsmanii 6,50. Von de» Packern der Firma F. H. 14.05 Von den Kollegen der Finna A. Kreutzer 7,80. Kranzübersch. vom Gesamtpersonal der Firma Bauni u. Scholz 8.—. Von den sreiorganisiicrteu vausdiciicrii der Firma Peel u. Kloppenburg anstatt Märzkranz 10,—. 6. Kreis Bez. 566 7,—. Von d. Kall. d. Maschinenfabrik(Jon, in Weißcnsee 30,—. Kranzübersch. v. Fahrpersonal d. erchulthcißbraucrci. Abt. 2 3,95. Von d. mechan. Werkstatt(Zlucrgcscllschast, 24,95 Bezirk 278 durch Heinrich Boche 2. Durch Jaeck 20,—. Märzkranziamml. v. d. Koll. d. Firma H. Hauplner, Luisenstr. 53 16,35. 4. Kreis, v. d. Arbeitern d. Firma Hebdc II. Krah 20,—. 4. Kreis Bez. 407, Teil I u. Il 8,—. 4. Kreis, Arbeiter der Tischlerei A. Szvnkowski 50.—. 4. Kreis Abt. 31 75,—. 2. Kreis Zablnachl!0,—. 2. Kreis Zahimorgen 5,10. Von d. Arbeiten! d. Firma Beugers n. Söhne durch P. Böhui 53,—. R. 3,—. Str. 3,—. Von den Koll. der GaSrevier- inspektian 2l 9,73. Arbeilcr-Rads.-Bund„Solidarität" Abt. 5 2,—. Aus der Bierkassc der Modelltischlerei A. Moldenhaucr, Ackcrstraße, sür die fugend 256,—, S. R os ens eld, An der Spandancr Brücke la. Vorort- Nadmehtem I» der Charlottenburger Ttadtverordnctenversammlung erfolgte am Mittwoch zunächst die lZinfüHrung des in einer Erfaß- wähl neugewählten Stadtverordneten Dr. Fcilchcnfeld iLib.i " sowie des netten Stadtshndikus Stadtrat Dr. S e m b r i tz k i, der bis dahin in Königsberg-Ostpr. dieses Amt wahrgenommen hat. Die Vorlagen, mit denen sich die Versammlung zu beschäftigen hatte, sind fast durchweg ohne allgemeines Interesse. Hervor- zuHeben ist die Annahme einer Magistratsvorlagc betreffend den Erweiterungsbau im Kaiser-Friedrich-Erholungshcim im Ostscebad Horst. Es handelt sich um die Erweiterung dieses von dem Verein für Ferienkolonien errichteten Gebäudes von 100 auf 150 Plätze- Dem Verein fehlen zu den Kosten noch 30 000 M., die die Versammlung ans Antrag des Magistrats bewilligte. l An einen Ausschuß von 15 Mitgliedern ging die Magistrats- vorläge betreffend Aufhebung des Wochcnmarktcs auf dein Witten- vergplatz. Eine dringende Magistratsvorlagc betreffend Ausnahme einer Anleihe von 10 Millionen Mark wurde debattelos genehmigt. Der Magistrat hat durch diese Vorlage die Ermächtigung erhalten, van der für die Durchführung des Bismarckitraßeii-UmernchmenS genehmigten 12 Millioncn-Anleihc einen Betrag von 10 Millionen Mark im Wege eines Darlehens von der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte aufzunehmen. Das Darlehen ist zu 4% Proz. zu verzinsen und planmäßig zu tilgen. Als einmalige Vergütung fordert die Reichsversicherungsanstalt I- Proz. des Kapitals. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete die zweite Lesung des sozialdemokratischen Antrages:„Der städtische Arbeitsnachweis hat sich während der gegenwärtigen A u s s p e r- rung im Malergewerbe jeder Art der Ärbeitsvcrmittelung zu enthalten, die als Parteinahme zugunsten einer Partei er- scheint." Mit Rücksicht darauf, daß der Bürgermeister Dr. M a i e r auf Grund der eingeleiteten Untersuchungen zugab, daß in der Tat ein Hilfsarbeiter, der ohne dazu befugt zu sein, die Funktion eines Vermittelungsbeamten ausübte, einen Arbeitsuchenden nach seiner Zugehörigkeit zur Organisation gefragt hat, und mit Rücksicht darauf, daß der Bürgermeister dieses Vorgehen scharf mißbilligte, der- zichteten unsere Genossen auf eine weitere Debatte und bean- »ragten, ihren Antrag durch die Aussprache in der ersten Lesung sür erledigt zu erklären. Tie Versammlung trat diesem An- trage bei. Ein sozialdemokratischer Antrag, der den Magistrat ersucht, mit den in Betracht kommenden Arbeiterorganisationen erneut in Verhandlungen über Abschluß eines korporativen Arbeitsvertrages einzutreten, wird auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung ge- setzt werden.__ Neukölln. Neber einen empörenden Vorgang, der sich am Montag, den 7. April, nachmittags gegen llhr, vor dem Feuerwehrdepot- gebäude, Donau- und Erkstraßen-Ecke, abspielte, teilt uns ein Leser des„Vorwärts" folgendes mit: Wie alltäglich versammelten sich am Montag etwa hundert Arbeitslose vor dem Feuerwehrdepotgebäude an der Erl- und Donaustraßen-Ecke. um den nachmittags zur Ver- teilung gelangenden Arbeitsnachweis abzuholen. Als eine Frau, deren Ehemann im Krankenhause liegt, mit ihren Kindern sich in die Schaar der Arbeitslosen einreihen wollte, wurde sie plötzlich von einem der dort postierten Schutzleute des Polizeireviers 3, Anzen» g ruber-. Ecke Donaustraßc, heftig am Arn, gezogen, daß ihr das Jackett in Stücke riß. Im nächsten Augenblick trat auch schon ein zweiter Polizeibeamler hinzu und jetzt wurde die Frau über den Straßendamm nach dem Polizeirevier geschleppt. Ein im nächsten Hausflur stehender Mann, der aus die Frau beruhigend einredete und dieselbe ersuchte, mitzugehen, wurde gleichfalls mit nach der Wache genommen. Dasselbe Schicksal widerfuhr einem jungen Mann. Obwohl sich die in Hast Genommenen legitimieren konnten, wurden sie in die Zelle gesperrt und längere Zeit einbehalten. Soweit die Mitteilung. Verwundert muß man sich stagen, was die Polizei veranlaßt, in so rigoroser Weise gegen Arbeit- suchende vorzugehen. Wirkt die Tatsache, daß eine Anzahl Polizcibeamte harmlose Arbeitslose, deren einziges Streben ist, Beschäftigung zn erlangen, gleich Rekruten in Reih und Glied stellt und bewacht, sckion auf- reizend, so muß gegen das uns geschilderte Vorgehen der Beamten entschieden protestiert werden. Daß durch das Ansammeln zahl- reicher Arbeitsloser auch nicht die geringste Störung hervorgerufen wird, zeigt sich am besten in der Berliiw«, Ecke Weichselstraße, wo gleichSfalls die tägliche Ausgabe deS ArbeitSmarkws erfolgt. Dort steht nur ein Polizeibeamter von der Polizeiwache der Hasen- Heide. Wie uns versichert wird, verläuft die Ausgabe der Blätter hier in bester Ruhe und Ordnung. Vielleicht überlegt es sich der Vorsteher der Polizeiwache des 3. Reviers einmal, ob die Beamten sich nicht etwas rationeller verwenden ließen. Zudem scheint unö eine eindringliche Mahnung an die Beamten zur Ruhe und Be- sonnenheit den, Publikum gegenüber dringend am Platze. Tie Zwangsumschulunge» von Gemeindcschultindcrn haben zu Beginn dieses Sommerhalbjahres wieder ,n manche Familie großen Verdruß hineingetragen. Infolge Platzmangels in den Gemeinde- schulen ist die Schulverwaltuug genötigt, überzählige Kinder dahin abzuschieben, wo die Ueberfüllung minder groß ist. In den ersten Tagen des neuen Halbjahres kehrt so manches Ki>, daheim mit der die Eltern überraschenden Mitteilung, daß es plötzlich in eine andere Gemeindeschule überwiesen worden ist. Das geschieht auch dann, wenn die Eltern gar nicht die Wohnung gewechselt haben. Kinder der 28. ch u l c, am Maricndorscr Weg. waren schon bei Schluß des Winterhalbjahrs gelehrt worden, daß sie nach den Oster- sericn. vom Beginn des Sommerhalbjahrs ab die ö. S ch u l c in der Knefebeckstraße zu besuchen hätten. Sic taten das dann auch; nachdem sie aber vier Tage hindurch in dieser Schule am Unterricht teilgenommen hatten, wurde hier eine neue Umschulung vor- genommen. Diesmal wurden Kinder der 6 Schule, auch solche, die eben erst von der 28. Schule gekommen waren, an die 12. S ch n l c in der Thomasstratze abgeschoben. Doch ist auch hier die lieber- sllllung so arg. daß z. B. in einer Klasse lll 61 Kinder hineingesteckt werden mußten. Vielleicht ist diese zweite Ilmschulung noch nicht die letzte, da eine Frequenz von 61 Kindern in einer Klasse III unmöglich dauernd aufrechterhalten werden kann. Eltern schütteln verwundert den Kopf, wenn sie sehen, wie ihre Kinder in dieser Weise hin und her geschoben ivcrden. Ja, dafür sind es ja auch„nur B o l k s s ch u l k i„ d c r"! Todcsspmng im Fieberwahn. Der 34 Jahre alte Postschaffner Karl Bcitze ans der Wipperstraße 23 lag seit einiger Zeil lrank danieder. In den letzten Tagen fieberte er auch stark. In der ver- gangcnen Nacht um 1 llhr bat er seine Frau, die an seinen, Bette ivachle, daß sie ihn, etwas zu essen geben möge, da er plötzlich großen Hunger verspüre. Als die Frau daraufhin in die Küche ging, sprang er aus dem Bett, riß das Fenster auf und stürzte sich ans die Straße hinab. Durch diesen Sturz aus der im dritten «tockwerk belegenen Wohnung erlitt er so schwere innere und äußere Berletziiugen, daß er iot auf den, Bürgersteigc liegen blieb. Der Verstorbene hinterläßt seine Frau mit zwei Kindern. Dachstiiblbrand. Gestern nachmittag wurde die Neuköllner Feuerwehr nach der Hermannsiraßc 91 gerufen, wo der Tachstubl deS Hauses in größerer Ausdehnung in Flammen stand. Da sich eine starke�Rauchentwickelung geltend machte, erfolgte anfangs der Lösch,,„griff iiber� eine mechanische Leiter. Im ganzen wurde auS drei Rohren Wasser gegeben, die von einer Dampfipritze gespeist ivurdcn. Nach einstündiger Arbeit war der Brand unterdrückt, doch zogen sich die Aufräumungsarbeiten dann noch längere Zeit hin. Der Dachsiubl ist fast vollständig eingeäschert worden, lieber die Ursache des Feuers war nichts festzustellen. Unfälle sind bei den Löscharbeitcn nicht vorgekommen. Lichterfelve. Der vom Gemeindcvorstanb im vergangenen Monat heraus- gegebene Verwaltungsbericht der Gemeinde für 1912 enthält eine Reihe wichtiger Mitteilungen. Zunächst bescheinigt er die Notwendigkeil deS mit vieler Mühe und nicht ohne geheimen Widerstand einzelner Gemeindevorstandsinitglieder ins Leben gerufenen kom- munalen Fleischverkauf. � In den beiden Monaten November und Dezember sind 27 473 Pfund Fleisch auf den Wochenmärklen durch die Gemeinde verkauft worden. Der Umsatz ist bis Anfang Februar 1913 auf 47 857 Pfund gestiegen. Ebenso hat sich der öffentliche Verkauf billiger Seefische durchaus bewährt und die Beibehaltung dieser Ein- richtung ist im Interesse der minderbegüterten Bevölkerung aufs lebhafleste zu wünschen. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahre 29 279 Pfund. Die Bevölkerungszahl des Ortes betrug Ende 1912 43 300. An dem allgemeinen Rückgang der Geburtenziffer Parti- zipiert auch Lichterfelde, und zwar mit 17,5 auf je 1000 Einwohner pro 1912 gegen 18.3 im Vorjahre. Die ge>undheitlichen Ver- Hältnisse des Ortes sind durchaus günstig; sie finden in der Ver- Minderung der Sterbesälle von 10,0 pro Mille der Bevölkerung gegen 11,5 deS Vorjahres ihren Ausdruck. Allerdings trägt hieran die sogenannte„GesuiidheitZkommission" keine Scbuld, die während des ganzen Jahres zwei ganze Sitzungen abgehallen hat: den Re- kord in der Mindestzahl der Sitzungen erzielte jedoch die„Friedhofs- kominission". die nur einmal zusammentrat und deren Schlummer durch den Titel genügend gerechtfertigt erscheint. Von speziellem Interesse sind auch die Zahlen bezüglich der Stimmberechtigten bei den Gemeindewahlcn und die prozentuale Beteiligung der einzelnen Klaffen an der Wahl. Dabei muß zunächst festgestellt sein, daß die Verschiebungen in den einzelnen Klassen im verflossenen Jahre sich plutokratischer gestaltet haben. Die Wähler der ersten Klasse haben sich um zehn vermindert: von 236 aus 226: die zweite Klasse hat nur ein Plus von 26 Wählern g, verzeichnen(1557 gegen 1531 im Jahre 1911) während die dritte Ilasse einen Zuwachs von 267 Wählern zu verzeichnen hat(6343 gegen 6076). Die Wahlbeteiligung ist bei den l-cuten mit dem größten Besitz und der höchsten Bildung a», miserabelsten; nur 13,93 Proz. der Stimmberechtigten übten ihr Wahlrecht aus. Das ist eine vortreffliche Illustration zu der von bürgerlicher Seite oft gehörten Phrase von dem„staatsbürgerlichen Pflichtgefühl" und der „politischen Reise" der Angehörigen der besitzenden Klasse. In der zweiten Klasse wählten 27,01 Proz. und in der dritten 33,72 Proz. der Stimmberechtigte,,. An, stärlslen ist die Wahlbeteiligung in den Bezirlen mit dichterer Ärbeiterbevölkerung. Der zweite Be- zirk(umfassend Chaussee- und die angrenzenden Straßen) wies eine Wahlbeteiligung von 42.71 Prozent auf. Ein Kavitel von besonderer Bedeutung bildet das Unterrichts- nnd Bildungöwesen. Es bestehen am Orte vier höhere und fünf Ge- meindeschulen. Tie Zuschüsse betrugen im Jahre 1912 insgesamt 529 755 M., im Verhältnis zu den Gemeindeschulen erfordern die höheren Schulen den Löwenanteil. Was für diese in mehr als reich- Echem Maße aufgewendet wird, müssen die Gemeindeschulen aus allen Gebieten des Schulbetriebes entbehren. Aus die enormen Unterschiede zwischen den Kosten, die ein höherer und ein Gemeindeschüler der Kommune verursachen, haben wir erst jüngst hingewiesen. An den höheren«chulen amtieren 93 Lehrkräfte bei einer Schülerzahl von 2292, während in den Gemeindeschulen 82 Lehrkräfte sür 3628 Schüler in Frag« kommen. Auf eine Lehrkraft der höheren Schulen kommen demnach 24, aus eine der Volksschule 44 Schüler. Ein ebensolcher Unterschied besteht auch in der Oualität der rein technischen Einrichtungen in den höheren und den Gemeindeschulen. Während in den ersteren durchweg alles von guter Oualität ist, sieht es in den Volksschulen etwas anders auS. So ist z. B. vor einiger Zeit in der Turnhalle der vierten Gemeindeschiile (Komniondantelistraße) ein Schüler bei der Uebung an einer Leiter abgestürzt, weil diese infolge der schwachen Holme zerbrach; ein anderer war rechtzeitig abgewrungeu. Wir wissen nicht, ob der Gemeindevorstand von diesen Dingen Kenntnis hat; es wäre dringend zu raten, die Turngeräte in den Gemeindeschulen einmal einer gründlichen Prüfung zu unterziehen, um die Schüler und schließlich auch die Gemeinde vor Schaden zu bewahren. In den engen, dumpfen und unzureichenden Räumen des Armen- Hauses waren im Jahre 1912 9 Familien mit 25 Köpfen und 13 Einzelpersonen unlergebrachl. ES wird endlich Zeit, die Armen in anderen, menschenwürdigeren Räumen uilterzubringen, wobei der Dezernent des Arnienweiens höchstwahrscheinlich aus nicht wenig Widersland bei einer Anzahl Geineindevertretcrn stoßen wird. Kaufmanns- und Gewerbegericht(beide auch für Teltow) sind In- ftitutionen, die hier nicht allzuhäusig in Anspruch genommen werden. So hatte das Gewerbegericht zwölf, das Kaufmannsgericht nur neun Mal unter Zuziehung von Beisitzern zu verhandeln. Die Summe der anhängigen Streitsachen betrug 196 gegen 189 im Jahre 1911. Lichtenberg. Eine Jugeudfeier findet am Sonntag, den 13. April, nach- mittags l-/., Uhr, im Lokal„Schwarzer Adler". Frankfurter Chaussee 5/6. statt. Mitwirkende: Berliner Lolkschor(Dirigent Dr. Ernst Zander); Herr Otto Wiemer, Rezitation: Herr Emil Eichhorn, Ansprache. Da dieser Nachmittag ein genußreicher zu werden verspricht, ist das Er- scheinen eines jeden jugendlichen Arbeiters und jugendlichen Arbeiterin sowie deren Eltern und Freunde der Arbeiterjugend unerläßlich. Eintritt sür Jugendliche unter 18 Jahren frei. Erwachsene 30 Pf. Billetts sind in den Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaften und bei W. Schulz, Kronprinzenstr. 47, erhältlich.- Wannsee. In der letzte» Gcmeindevcrtretcrsitzung wurde über den Erlaß eines OrtSstatut's betreffs Reinigung der öffentlichen Wege beraten. Die Reinigung soll von der Gemeinde ausgeführt und mit einer Haftpflichtversichernngsgesellschast ein Vertrag abgeschlossen werden. zu den Kosten werden dann die Grundbesitzer herangezogen. Weiter wurde über die Eingemeindung forstsiStalischen Geländes zu BebauungSzwecken verhandelt. Der Zweckverband hat darauf hingewiesen, daß das betr. Gelände als Wald bestehen bleiben soll. Mit diesem Bescheide will man sich aber nicht zufrieden geben. lieber die Ausgestaltung der hiesigen Krankenkasse in eine allgemeine OrtSkranke, ikasie„ach der neuen ReichsversichermigSordliung wurde beschlossen, die weiteren Schritte der Kasse zu übertragen, da genügend Mitglieder vorhanden sind und die Zahl ständig wächst. Bewilligt wurden zu Kirchenlonzerten 200 M., und für die frei' willige Feuerwehr 300 M. Ober-Schöncweide. Aus dem Bericht über das Gewerbe- nnd Kaufmannsgcricht sür 1912 ist folgendes zu entnehmen(die in Klammern beigefügten Zahlen bezichen sich auf das Kaufmannsgcricht): Es tourden 182(30) Klagen anhängig gemacht, davon von Arbeitnehmern 1 77(28), von Arbeitgebern 4(2). In einem Falle handelt es sich um Differenzen zwischen Arbeitern eines und desselben Unternehmers. Zur Erledigung der Klagen waren 251(36) Termine nötig, die in 58(26) Sitzungen abgehalten wurden; die größte Zahl aller Klagen 124(18) wurde in einem Termin zur Entscheidung gebracht. Erledigt wurden von den Klagen 58(9) Fälle durch Vergleich, 5(1> durch Anerkenntnis, 12(2) durch Klagezurücknahmc, 41 durch Ver» säunmisurteil. 19(3) durch Verurteilung nach dein Klageanträge. 15 durch teilweise Verurteilung„ach dem Klageanträge, 22(8� durch Abweisung. 4> l) durch IInzuständigkeitZcrklärung, 6(2) durch Nichterscheinen der Parteien. Geklagt wurde in der Mehrzahl der Fälle— 110— wegen der Leistungen aus dem Arbeftsverhältnis, in 64 Fällen wegen gesetz» widriger Eintragungen in Zeugnissen, Arbeitsbüchern u>w. bezw. deren Nichlbehändigung. Beteiligt an den Klagesachen war das Baugewerbe und die Fabriken mit je 54, Gastwirte mit 13, Maler mit 12, Fuhrwerks- betriebe mit 8, Bäcker und Konditoren mit 7 Klagen. Die an dem Gericht mitbeteiligte Gemeinde Niederschönewcide war mit 61(14) Klagesachiin vertreten. Wie wir noch hören, ist dem Einspruch gegen die A r b e i t g e b c r l i st e für die bevorstehenden Beisitzerwahlcn insofern stattgeqeben worden, als aus der Wählerliste alle Werk- sührer oder Meister aus den großen Werken gestrichen wurden, welche dort als Arbeitgeber figurierten; nur die Obermeister sollen weilcrgesührl werden. Rahnsdorf. Tie Gcmeindctzkrtrctunq beschloß in ihrer letzten Sitzung die Einführung einer Biersteuer, deren Ertrag aus rund 1700 M. beziffert wurde. Ausschlaggebend für die Einführung dieser»-teuer: scheint zu sein, daß der Gemeindesteuersatz aus 100 Proz. bestehen bleiben kann, damit Rahnsdorf den umliegenden Gemeinden etwas voraus hat. In der darauf folgenden Etatsberatuug teilte denn auch der Gemcindevorstcbcr mit, daß durck» größte Sparsamkeit und Vermeidung unnötiger Ausgaben es möglich gewesen sei, mit dem bisherigen Stcuerzuschlog von 100 Proz. auszukommen. Gerechnet wird damit, daß noch in diesem Jahre WilhelmShagcn der Ge- meinde Rahnsdorf cingcuieindet wird. Ter Etat balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 126 000 M. Tic Einnahmen betragen aus den Steuern rund 67 000 M.; veranschlagt ist die Eemeiiftc- cinkommcnstcucr mit 16 000 M.. die Grundwertstcuer mit 35 000 Mark, die Umsatzsteuer mit 10 000 M., die Wertzuwachs- und Bier» stcuer mit je 1750 M.. der Zuschlag zur Gewerbe- und die Hunde» steucr mit 1000 M. bezw. 1200 M. Angenommen wird, daß in diesem Jahre von den verauslagten Pflasterkostcn, die zur Aus- schließung eines ausgedehnten Geländes aufgewendet wurden, der Gemeinde zirka 15 000 M. zurückerstattet werden. Für Gebälter und Dicnstbczüge stellt der Etat 14 000 M. in Ausgabe. Neben sächlichen Verwaltungskosten, die 3000 M., und Verwaltung des Amts und Standesamts, die 6000 M. erfordert, sind für Kreis- abgaben 6000 M. und für Straßenreinigung und Jnitandhaltung der Promenaden 13 000 M. vorgesehen. Tie Ausgaben für die Schule haben keine Veränderung erfahren, dagegen sind für die Verwaltung des Friedhofes in diesem Jahre 1600 M. ausgeworfen worden. Im Laufe des Jahres sollen die Residenzstraße in Rahns- dorf-Mühle sowie die Straßen aus der Insel in Heffenwinkel reguliert. die Zugangswege voni Bahnhof Wilhelmshagen nach Hessen- winket und die Stege in der Bahnhofstraßc in Rahnsdorf-Mübl« neu hergestellt und die schon früher beschlossene Versorgung der Hauptstraße mit Gas ausgeführt werden. Kalkbergc- Rüdersdorf. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst beschäftigten tick die Verordneten nochmals mit der Angelegenheit betr. Anschluß an das projektierte Kreiswasserwerk. Aber auch diesmal wurde keine Einigung erzielt. Die Sache wurde schließlich zur nochmallgen Durchberatung an die Wasserwerlskommission zurückverwiesen.— Der Brückenbau hat eine Mehrausgabe von rund 8000 M. ver- ursacht. Diese soll durch Entnahme von 10 000 M.�auS dem EleltrizitätswerksfondS gedeckt werden. Der Rest dieser»summe soll für Pstasterkosten Verwendung finden.— Der Antrag, den Kindern der höheren Klassen der hiesigen Volksschule unentgeltliche Badegelegenheit in der Haaseschen Badeanstalt am Kalksee zu verschaffen. wurde angenommen. Diese Einrichtung kommt ungefähr 250 Kindern zugute. AlS Abfindung beansprucht der Badeanstaltsbesitzer 130 M. 11. a. wurden noch dem Bürgerverein für Reklamezwecke 250 M. zur Verfügung gestellt. Bei dieser Gelegenheit wurde angeregt, daß auch die Stratzenbahnverwaltung etwas Reklame für den Ort machen. möchte, da sie zu diesem Zwecke gute Gelegenheit hätte. Darauf entgegnete der«iraßenbahndirektor Koepisch, daß dadurch natürlich ein stärkerer Verkehr bewirkt werden würde und die Benzolbahn denselben dann nicht bewältigen könnte,»schoi, während der Öfter» feiertage hätte der Verkehr nur mit knapper Not bewältigt werden können. Diese Arguinenticrung klingt sehr sonderbar. Bei der Be- sprecbung der Bahnangelegenheit wurde der Vorschlag gemacht, die Straßenbahn elektrisch auszubauen, da es mit dem Benzolwese«. wie die Erfahrungen bereits bewiesen haben, eine recht heikle Sachs sei, Diretror Koepisch meinte, daß sich der Kostenpunkt des elektrischen Betriebes mit dem des Benzolbetriebes etwa gleichstellen würde. Natürlich wäre der elektrische Betrieb aber ein viel sicherer.— Bor- läusig sollen die Resultate der Experimente auf Verbesserung des Benzolwesens abgewartet werden, die gegenwärtig ein Konsftukteu» der Deutzer Riaschinenfabrik unternimmt. Pankow. Die Gcmcindeverirctcrsitzung stumme in ihrer Sitzung am DienStag der Errichtung einer neuen stelle für eine wissenschaftliche Lehrerin an der neuen Äiädchen-Mittelschule zu.— Ferner erklärte sich die Vertretung damit einverstanden, daß bei Schadlosbaltung der Armenverwaltung an hiesigen Kostpstegelindern zufallenden größeren Mitteln ein Betrag von.300 M.� reserviert wird, der im Bedarfsfalle für Ausbildung der Kinder für ihren späteren Lebens- beruf oder ähnliche nützliche Zwecke Verwendung finden reip. ihnen mit Eintritt der Großjährigkeit ausbezahlt werden soll.— Zu einer erheblicheren Debatte gab die Mitteilung deS Bürgermeisteis Veranlassung. daß es ihm gelungen sei, durch Vermitteln!, g der LandeS- kunsikommissioi, vom KullnSminister die geschenkweise Ueberweisung eines plastischen Kunstwerkes zur Aufstellung in, hiesigen Bürgerpark zu erwirken. Das Werk entspricht einem Werte von etwa 12 000 M.» es werden der Gemeinde nur die Kosten der Aufstellung zur Bc- dingung gemacht, was etwa 2000 M. erfordern dürfte. Von bürger- licher Seite wurde der Wunsch ausgesprochen, daö Werk nicht im Bürgerpark sondern an einer anderen geeigneten stelle im Orte zur Aufstellung zu bringen. Dieser Vorschlag fand jedoch kerne Gegenliebe, da säst allgemein der Bürgerpark als der geeignetste Ort an- gesehen wurde und außerdem die Ueberweisung ausdrücklich für den hiesigen Bürgerpart erfolgt ist. Es wurde denn auch demgemäß be- schlössen und für die Ausstellung die Summe von 2000 M. bewilligt. — Dann stimmte die Vertretung noch einen, Verlrage mit der Ge» meinde Blankenfelde zu, nach welchen, letzterer Wasser vom Pankower Wasserwerk auf die Dauer von 20 Jahren zum Preise von 20 Pf. pro Kubikmeter geliefert w-rden soll.— Hieraus geheime Sitzung. RowaweS. Die Genlcindevcrtrctung bewilligte m geheimer Sitzung gege» die Stimmen unserer Genoffen ö00 M. für den ouä Anlaß de» bevorstehende» Regierungsjubiläums des deutschen Kaisers zu bildenden Beteranensonds. Unsere Genossen hatten beantragte den am Orte wohnenden etwa 30 Kriegsveteranen eine einmalige Unter- stutzung von je 20 M. zu gewähren, so daß die Gesamtausgabe 600 M. betragen hätte. Die Veteranen hätten es gewiß auch lieber S eschen, wenn ihnen die beantragte Summe bewilligt worden wäre, att daß die 500 svi. einem Fonds zufließen, dessen Zinsen, auf die große Zahl der Bedürftigen verteilt, ja nicht mehr als einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeuten werden. Sitzungstage von Titadt- und Gcmcindcvertretungcn. Buckow. Heute Freilag. den lt. April, abends 7'/. Uhr, im Hermann Ilcihrbeckschen Lokale, Dorsslraße. Diese Sitzungen sind öfsentlich. Jeder Eemcindcanxchörigc ist bc> rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jüijs aller Alelt. Der Segen des Rungerjahrcs. Au§ Trier wird uns geschrieben: Wie alljährlich finden um diese Zeit in Trier die großen tLeinversteigerungen statt. An ihnen ist auch Freiherr v. Schorle in er— Preußens LandwirlschaftS- minister— sehr hervorragend beteiligt. Es kamen am Dienstag die Erzeugnisse aus dem Jahre 1011 zum Verkauf. Wie noch all� gemein erinnerlich, hatte dieses Jahr infolge der anhaltenden Trocken- heit eine ungeahnte Steigerung der Lebensmittelpreise ini Gefolge, so daß es nicht mit Unrecht von weiten Volkskreisen als Hungerjahr bc- zeichnet wurde. Für die großen Weingutsbesitzer und damit auch für den Herrn Landwirtschaftsminister war das Hungerjahr ein wahres Goldjahr. Die Weinernte war so groß, daß die Versteigerung in mehreren Terminen erfolgen mußte. Bereits vor Weihiiachten er- zielte der Herr Minister die Kleinigkeit von etwa 250000 M. aus der Versteigerung, und bei der am 8. d. M. stattgefundenen wurden Ivahre Rekordpreise erzielt. Einzelne Sorten kamen das Fuder auf 5000—8000 M. und Z e l t i n g e r erreichte sogar den Betrag von 10 6 5 0 M. Im ganzen erhielt der Minister für neunzig Fuder 302770 Mark. Eine lveitere Versteigerung im Herbst wird ihm wohl noch weitere 300000 M. bringen, so daß das Hungerjahr 1911 dem Herrn LandwirtschaftZminister einen ganz netten Entbehrungslohn einbringen dürfte. Trotz der großen Einnahmen der Schorlemerschen Gutsver- Haltung scheint der verbleibende Ueberschuß nur sehr gering zu sein, denn sonst wären die Klagen der GutSarbciter über ungenügende Entlohnung ganz verständlich. Haben doch selbst katholische Arbeitervereine öffentlich gegen die geringe Entlohnung der Schorlemerschen Arbeiter protestiert. Da ist es wenigsten» ein Glück, daß der Herr Landwirtschastsminister durch allerlei wohlfeile Kochrezepte und Empfehlung des Pferdefleisches, das seiner Ansicht nach einen günstigen Ei- weißgehalt besitzt, nach besten Kräften zur Hebung der Lage der Arbeiterschaft beiträgt.____ i Appetittvürstchcn. Liebliche Wurstkesselgeheimnisse sind in einem Urteil des Land- gerichts Augsburg festgestellt worden. Es ist nachgewiesen, daß im Schlachthofe die weiblichen Geschlechtsteile der Schweine nicht, wie anderwärts, beseitigt und sofort vernichtet werden, sondern sie werden mit nach Hause genommen und ver- wurstet. Der wegen Nahrungsmittelfälschung angeklagte Metzger- meistcr F r i e d l hat seit fünf Jahren mangelhaft ge- reinigte Geschlechtsteile zur Herstellung von Leber- w ü r st e n verwendet. Er wurde zu einhundert Mark Geldstrafe verurteilt. lind die anderen Kollegen vom Hackstock?, Spionenriccherei. Auf die Straßburger Meldung eines Berliner Blattes, daß man in Colmar private drahtlose Verbindungen mit den« Pariser Eiffelturm entdeckt hätte, und es sich dabei um offenkundige Spionage handele, ist nach einem offiziösen Telegramm aus Straßburg folgendes festzustellen: In mehreren Privathäusern und Schulen in Colmar und Metz haben seit einiger Zeit Physik- lehrer und sonstige Fachmänner Empfangsapparate für drahtlose Telegraphic, also keine Gebestationen, angebracht, um mit diesen Apparalcn die Zeitsignale des Eiffelturms, Feststellung der Mittagsstunden usw. abzunehmen. Für einige dieser Apparate war die Genehmigung der Oberpostdirektion vorhanden, während anderen Besitzern solcher Empfangsstationen, denen die Anzeigepflicht bei der Postbehörde nicht bekannt gewesen ist, jetzt die Auflage zuging, die Apparate zu beseitigen. Bei der ganzen An- gelegenheit handelt es sich lediglich um wissenschaftliche Spielereien.oder Experimente. Anzunehmen, daß es sich um Spionageaktc handelt, liegt kein Grund vor. Kleine Notizen. Selbstmord eines Soldaten. Ein Soldat der dritten Kompagnie dcS 52. Infanterieregiments in Gleiwitz erschoß sich mit seinem D i c n st g e w c h r. das er mit einer Platzpatrone ge- laden hatte. lieber das Motiv zu dem Selbstmord ist nichts bc- kannt. Lebendig begraben. Bei Aufschüttungsarbciten an Bahndämmen in Wanne wurden zwei Arbeiter von Erdmassen verschüttet. Einer der Verunglückten war nach seiner Befreiung e r st i ck t, während der andere lebensgefährliche Verletzungen davon- getragen bat. Ter Alkohol. Eine Bluttat ereignete sich in dem pommerschen Dorfe Radolla am 7. April nach der K o n t r o l I v c r s a m m l u n g. Infolge reichlichen Alkoholgenusses entstand zwischen den Militärpflichtigen ein Streit, der in einer Schlägerei endete. Der Arbeiter Hochschulz aus Fredrichsroda ergriff eine Zaunlatte und schlug damit den Arbeiter H e w e l d t auS Kolkau nieder. Dem Geschlagenen wurde der Schädel zertrümmert, so daß der Tod sofort eintrat. Der Getötete hinterläßt eine Frau mit einem K i n d e sowie seine Eltern, deren Ernährer er war. Der Täter wurde verhaftet. Der Unfug des Böllerschicstens. Bei dem feierlichen Einzüge eines neuen Dechauten der Kirche in O b e r l a i b a ch wurde der GotteSmanu mit Böllerschüssen bewillkommt. Dabei explodierte eil�e Quantität Pulver; drei Kinder wurden so schwer verletzt, daß sie au den Brandwunden starben. Die Mutter des einen Kindes wurde über den schmerzlichen Verlust wahnsinnig, zündete ihr Haus.an und fand den Flammen- t o d. Von sttechts wegen. Wie aus La Rochelle berichtet wird. hat der dortige russische Konsul die gesanite Besatzung des russischen Dreimasters„Baltzer" verhaften lassen, weil die Mannschaft sich geweigert hatte, infolge der schlechten Ernährung w i e d e r a u B o r d z u gehen. Unter der Mannschaft sollen sich auch mehrere deutsche Matrosen befinden. Jugendveranstaltuuge». Arbeiterjugend Nowawes. Am Sonntag, den 13. April, nachmittags Lfl, Uhr: Oefientliche unpolitische Jugendversammlnng in Singers Volks- garten. Tagesordnung:.Die Arbeiterjugend am Scheidewege". Referent: Herr Erwin Reumaini-Adlershos. Nach dein Vortrage freie Aussprache.— Die Nrbeitereltern werde» ersucht, ihre schulentlassenen Kinder auf dies« wichtige Versammlung aufmerksam zu machen und selbst zahlreich zu er- scheinen._ Atbeitertouristcnverein„Tie Naturfreunde«, Ortsgruppe Berlin. t-onntag, den 13. April: Wanderungen. 1. Gr.-Kreutz— Lehnin— Beelitz. Abfahrt nach Gr.-Kreutz VotSd. FernbHs. 5,35.— II. Buch— Gorinsee— Tamsmühlc— Stolpe. Abfahrt nach Buch Stett. Bhs. 6,10.— Gäste willkommen. Arbeiter- Wauderverein„Berlin-. Sonntag, den 13. April: l. Baumblütcntour. Abfahrt 5.10 Potsd. Bahnhof bis Werder— Glindow— P ctzow— Schwiclowsee— Mittelbusch— Ferch— Gr. und Kl. Lienewitz« sec— Mchcndors.— II. Wandcrsabrt nach Grüneberg—Dreetzsee— Grund- mühlc— Ncncndorf— iileuhoi— Seilers Teerofen— Sachsenhausen— Oranien- bürg. Ztbsahrt 7.12«tettincr Hauptbahnhof. Gäste willkommen. Arbeiter BSanderbund„Tic Naturfreunde". Sitz Berlin. Wander- touren: l. Strausberg— Ticsensec. Abf. Schief. Bhs. 6.33 vorm? 2. Zossen— Großbecren. Abs. Potsd. Ringbhf. 6.38 vorm. 3. LudwigSfeldc— Neu- Babelsberg. Abs. Anh. Bhs. 6.15 vorm. 1. Wannsec— Potsdam. Abs. Schles. Bhs. 7.00 vorm 5. Friedrichshagen— Ltöpenick. Abs. Schles. Bist. 1.53 nachm 6. Kindertour; Kaulsdors— Sadowa. Treffpunkt: I. Bhs. Wedding iEing. Neltelbeckpl.) 7.30 vorn:. II. Schles. Bhs. 8.00 vorm. Tentschcr Arbeiter- Abstiuentenbund. Ortsgruppe Berlin. Frei- tag, den t t. April, abends 9 Uhr, im Gewcrkschaftshause, Engelnscr 15 (Saal 5): Versammlung. Vortrag des Genossen Max Hahlcr:„Alkohotisinus und Laubenkolonien". Diskussion. Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter H. 29), Hamburg.(Filiale B a u m s ch u l e n w e g.) Den Mitgliedern, weiche in Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß am Sonn- abend, den 12. April, abends von 8'/,— 10 Uhr, im Lokale von Jul. Schmidt, Kicsholzstr. 22, kassiert wird.- q_ Eingegangene DrudtFcbriften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben daS 28. Heft des 31. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: Die neue Wcbrvorlagc. Von H. Ströbel.— Dictzgcus Werk. Von Ant. Danneloek. — Der Kampf gegen den M ilitarisniuS in Frankreich und der Kongreß in Brest. Von Ch. Rappoport(Paris).— Die Jndepeudent Labour Party. Von I. Sachse(London).— Das Proportionalwahlrecht. Von Z. Lcdcr. (Schluß.) Die„Nene Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» bandlungen, Postanstalten ipid Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das cinzclnc Heft kostet 25 Pf. Tie Flngkunft am Scheidewege. Bearbeitet von Ingenieur E. Neuen. 1,10 M. Selbstverlag Berlin X, Schönhauser Allee 81. Gi» kgl. preusi. Oberkonsistorialrot als Detektiv nnd Psychiater. Von I. Palm. 60 Ps. Selbstverlag in Wllslcben. Tie wciffen Blutkörperchen die Erreger samtlicher Krankheiten. Von W. Crcmat. I M. Verlag„Nutzgeflügclzucht", Berlni-Lichterfeldc. Zur Persönlichkeit. Von Pros. Dr. C. Kindermann. E. H. Moritz, Stuttgart. 2 M., geb. 3 M._ Marktpreise von Berlin am 9. April 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gut- Sorte 20,01 bis 20,20, mittel 19,72— 19,88, geringe 19,10—19,56. Roggen, gute Sorte 16,22—16,25, mittel 16,16-:! 6,19, geringe 16,10—16,13(ab Bahn). Futter- gerslc, gute Sorte 16,20— 16,80, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50. taser, gute Sorte 17,50—19,70, mittel 16,10—17,40(frei Wagen und ab ahn). Mais imircd), gute Sorte 11,70—15,00. Mais(runder), gute Sorte 15,30—15,60. Richtstroh 1,70. Heu 6,00— 7,60. M a r i t h a l l e n p r e i j e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Spciscbohncn, weiße 35,00— 60,00. Linsen 85,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,10. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleis» 1,60—2,00. Kalbftciich 1,10— 2,10. Hammetsteisq 1,50— 2,40. Butter 2,10—3,00. 60 Stück Eier 3,00—5,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40—2,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20, Bleie 0,80—1.60. 60 Stück Krebse 2,10—45.00. Was schenkt die Natur dem Kinde? Von Minna Blanckcrtz. Kart. 1 M. B. G. Teubncr, Leipzig und Berlin. WittcruogSübcrsicht vom 19. April 1913. ktatloneu � e II £ n Mb 5« e,c Stvinemde.1 753ÄSW Hcunburg 755 W Berlin 756 W Franks. a.M'761SB München 762 W Wien 759:W Stationen es iE £§ <= B RÄ ZZ e« >aparandal739SW etersburg 75tzSO Scilly Aberdeen Paris 7V8NN« 762NNW 765SW Vetter 6 wollig 1 Regen 1 wolkig 2:bcdcckt 2bedcckl C* Ii Js i i 8 1 3 Wetterproguoie für Freitag, den II. April 1913. Kühl, zunächst vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und ziem- lich starken nordwestlichen Winden; später zeitweise aufklarend. Berliner Wetterbureau. Ae neuen Unsere Spezialität: Condor-Feient-Herren- Schnürstiefel ohne zu schnüren.— Wunderbar bequem! Hauptpreislagen; II50 1Z50 1550 1750 Schuhwarznfabrikj CjOtWQCl 6* CfC. QbtrGes. fäurg b. TR. SKaialog umsonst 129 Verkaufsstellen im Deutschen Reiche, davon 21 in Berlin und Umgegend: Personal über 2000 C Spliielmarki 19 W, SchÜUiram 19| NW, Bcuisclitravic 29[ N.RelnldendorferStr.ZJ O.AodreaMtrasse 50 Oranlenstrasse 52 Charlo tenburgt 1 Neukölln: Bergttr. 50— Jl C. 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