Ur. 86. HftonncmentS'Bcdingungcn: Abonnements- Preis pränumerando: Werteljährb 3L0 Ml, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 ißfg. frei ins HanS, Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Bellage.Die Neue Well' 10 Pfg, Post. Wonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-ZcitungS- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn ii£0 Marl, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat, Postabonnemems nehmen am Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Lllcheim kZgNch. 30. Jahrg. Die TnfertionS'Gebübr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zelle oder deren Raum 60 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersnmmlungs-Anzeigen öl) Psg, „Kleine Mnictgcn", das scttgedrultte Wort, 20 Pfg, szulässig 2 fettgedru-kt- Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstcllenau- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer uiüiseit bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition obgegcben werden. Die Erpedition ljt bis 7 Uhr abends geöffnet. evliner Volltsblcttk. �entralorgan der rozialdcm okrati fchcn Partd Dcutfcblands. Telegramm- Adresse: .Lssiölilcmslllsi lletiin". R.cctakTion: 8Äl. 68» binden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplati, Nr. 198Z. Sonnabend, den 1Ä. April 10 t3. CxpedNion: 8M. 68» Idndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt AtoriNPlatt, Nr. Zar Dialektik des Militarismus. Der Glaube au die Zahl ist ein trügerischer Wahn. v. Bernhardt. Tie immanente Dialektik ist das Hauptbewegungsgesetz der menschlichen Gesellschaft. Wenn etwa von der immanenten Dialektik des Kapitalismus gesprochen wird, denkt man an seine Ueberwindung von innen heraus. Unter dem Gesichts- Winkel der dialektischen Entwicklung betrachtet, wird jede Macht- erweiterung des Kapitalismus gleichzeitig zu einer Macht- schmälerung, denn jede neue Fabrik zerstört selbständige Klein- betriebe, Proletarisiert kleinbürgerliche Existenzen und rückt den Zeitpunkt näher, wo der proletarisierten Mehrzahl der Mensch- heit-eine winzige großkapitalistische Minderheit gegenübersteht, die von jener zu expropriieren ist. In diesem Sinne erzeugt der Kapitalismus seine eigenen Totengräber. Aber daS Gesetz der dialektischen Entwicklung gilt auch für Teilerscheinungen der so vielgestaltigen kapitalistischen Welt und wirkt sich nicht zuletzt am Militarismus aus. Da nun stellt gerade die neue Heeresvermehruug einen beträchtlichen Schritt auf dem Wege dar, auf dem die Ueberwindung des Militarismus von innen heraus erfolgt. Nicht in dein Sinne nur, daß jede neue Belastung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines Volkes neue Schichten in die Feindschaft gegen das ganze System hineinreißt und auch nicht in deni Sinnt! allein, daß die Beglückung neuer Zchntausende mit dem Drill des Exerzierplatzes unsere Werbearbeit unter dem jungen Volk erleichtert. Die„Kreuz-Zeitung" hat bekanntlich die Heeres Verstärkung auch aus innerpolitischen Gründen freudig be grüßt, weil sie soundsoviel junge Leute mehr als bisher der „revolutionären Propaganda" entziehe. Das ist ein echter und rechter konservativer Köhlerglaube. Wer schon Sozialist ist, wenn er in den bunten Rock gesteckt wird, den vermögen weder die von einem Kriegsgerichterfundenen berühmten„schmerz losen Ohrfeigen" noch hundert Kniebeugen mit Gewehrstrecken in einen strammen Hurrapatrioten zurückzuvcrwandcln und wer, unberührt von der Gedankenwelt der modernen Arbeiter bewegung in die Kaserne kommt, findet ans der Mannschafts- stube Kameraden, die sich gern der Aufklärungsarbeit unter ziehen, und auf dem Exerzierplatz die Bestätigung der eben gehörten Theorien. Auch mit der neuen Heeresverstärkung wird der alte Grundsatz nur aufs neue bestätigt werden, daß die Kaserne die beste Vorschule für die Sozialdemokratie ist. Aber nicht davon soll hier weiter die Rede sein, sondern von einigen militärtechnischcn Dingen, aus denen sich die Bc deutung der Heeresvermehrung von 1913 für die Heber- Windung des Militarismus von innen heraus ergibt. Das interessanteste und wertvollste militärwissenschaftliche Werk seit langem ist Bernhardis„Vom heutigen Kriege".*) Der General der Kavallerie z. D. v. B e r n h a r d i ist zwar in allen möglichen Vorurteilen der militaristischen Zunft be fangen, er ist ein Draufgänger und Kriegsfreund, der die seiner Ansicht nach unausbleibliche Entscheidung mit den Waffen möglichst schnell herbeiführen möchte, aber er ist ein zu kluger Kopf und zu sehr Wissenschaftler, um nicht die Bc denklichkeiten zu erkennen, die im Frieden wie im Krieg mit der„rage du nombre", dem Zahlenwahnsinn und den Massen- Heeren verbunden sind. Das Charakteristikum der modernen Kriegführung ist für Bernhardt das Massenaufgebot. Kriege um frivoler oder dynastischer Zwecke willen— warum das„oder", Exzellenz? Ein dynastischer Krieg ist immer ein frivoler Krieg!— werden seiner Meinung nach dadurch zur Unmöglichkeit, daß alle Schichten des Volkes von einem Kriege in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch verschlingt die Vorbereitung des Krieges im Frieden heute, im Zeitalter der Massenheere, weit unerhörtere Summen denn je, und die Mobilmachung führt „eine ungeheure Erschütterung des ganzen wirtschaftlichen Lebens" herauf. Besonders ein unglücklicher Krieg kann zum völligen wirtschaftlichen Ruin eines Staates führen. Vor allem aber liegt„vom rein militärischen Standpunkt aus in dem Anwachsen der Heeresmassen eine gewaltige Erschwerung aller militärischen Tätigkeit". In dieseni Zusammenhang stellt Bernhardt fest, daß mit der wachsenden Größe der Heere der taktische Wert der Truppen allmählich abnimmt, selbst der der Linicntruppcn. Je größere Massen für den Krieg aufgestellt werden, je mehr Mannschaften daher im Frieden ausgebildet werden müssen, desto schwieriger wird es, geeignetes Aus- bildungs« und Führerpersonal bereitzustellen. Für den Krieg werden die Linientruppen nun noch durch Abgabe an Offizieren und Unteroffizieren für Neuformationen um so mehr geschwächt, je zahlreicher diese Neuformationen sind. So mutz der innere Halt der Truppe abnehmen und schließlich offenbar ein Moment eintreten, wo der Borteil der Zahl dem taktischen Truppenwert gegenüber nicht mehr zur Geltung kommt. Das ist ein Stück dialektischer Entwicklung! Man rüstet und rüstet, fügt Bataillon zu Bataillon und wenn man stolz ist auf Ziffern, mit denen kein anderer Staat aufwarten kann, stellt sich heraus, daß das an Zahl stärkere Heer das an Ge- fechtswert schwächere ist, weil gerade durch seine Größe die •) Friedrich v. Berhardi. Vom heutigen Kriege. Verlag E. S.! Mittler u, Sohn. Berlin 1912. Zwei Bände. i j Ausbildung— bedingt durch alle Mängel der Ausbildung im � militaristischen Heer, die bei einer Volkswehr von selbst fort- fielen— immer schlechter geworden ist. Jeder Denkende wird sich fragen, ob Deutschland diesem Moment noch fern I steht, oder ob wir ihn nicht gar schon überschritten haben, zu- j mal'bei der Exklusivität des Offizierkorps und der sozial schäbigen Stellung des Unterofftzicrkorps das gesamte Aus- . bildungspersonal weder quantitativ noch qualitativ den ge- j stellten Ansprüchen genügt. Aber, fährt Bernhardt fort, es ist ferner durch die 1 Massen eine Erschwerung der Kriegführung selbst gegeben. Die einzelnen Armeen nach einem einheitlichen Gedanken zu bewegen,, ist ebenso schwierig wie der Eisenbahntransport und die systematische Bewegung sehr großer Massen, ihre Ver- pflegung, der Munitionsersatz, die Sicherung der Verkehrs- Wege und derleichen mehr. Vor allem aber zeigt sich in der Art der Verpflegung eine rückläufige Bewegung. Die Söldner- Heere des 18. Jahrhunderts waren auf die Magazin- Verpflegung angelviesen, da man die jederzeit zur Desertion Bereiten nicht zum Furagieren und Requirieren ausschicken konnte. Im Gegensatz zu diesen schwerfälligen Heeren, denen ihr Operationsradius durch die nachgeführteu Magazine bestimmt>var, besaßen die Revolutions- Heere und napoleonischen Armeen eine ungeheure Beweglich- keit, weil ihre Soldaten— keine gepreßten oder geworbenen Söldner, sondern Landeskinder, die wußten, tvofür sie sich schlugen!— sich durch Furagieren und Requirieren aus dem Lande nährten, und diese Art der Verpflegung war denn auch bei den Armeen der allgemeinen Wehrpflicht während des neunzehnten Jahrhunderts gang und gäbe. Aber die Massen-, die Millionenheere des zwanzigsten Jahrhunderts müßten bei dem Requisitionssystem schmählich verhungern. Hier ist wieder die Magazinverpflegung das Gegebene, die Heere haben wieder ihre Leichtbeweglichkeit eingebüßt und sind leicht, wenn die Proviantzufuhr abgeschnitten wird, ungeheuren Katastrophen ausgesetzt. llcberhaupt treten bei den Massenheeren der Gegenwart Katastrophen viel leichter ein als früher. In der Schlacht ist der Mann ganz aus sich gestellt. Bernhardt schildert eine solche Schlacht: Der Einfluß der Führer, soweit er durch Befehle vermittell wird, i st gering. Die Ausdehnung ist viel zu groß, der Gefechtslärm'zu stark, die zitternde Erregung aller Nerven zu gewaltig, als daß die Stimme sich Gellung verschaffen könnte. Mühsam von Mann zu Mann werden die uvtigsten Weisungen in den langen Linien weilergerufen. Auf den näheren und end scheidenden Gefechtsentsernungen wirkl nur noch das Beispiel der Vorgesetzten. Aber die feindlichen Geschosse halten eine fürchter liche Auslese, denen vor allem die Führer zun: Opfer fallen, die sich am meisten bloßstellen müssen. Da versagt jede Ein- Wirkung auf die Mannschaften, die Verbände ver- »tischen sick, jeder steht auf sich allein; der Mann als solcher tritt in die Erscheinung, nicht mehr der Mann, der zum Siege geführt wird, sondern der Mann, der selber siegen will. Fast für die gesamte Gefechtstätigkeit ist er auf sich selbst angewiesen. Ob aber die Dressur zum.Kadavergehorsam, die aus „innerpolitischen Gründen" im Bannkreise des preußischen Militarismus beliebt wird, geeignet ist, solche selbständig handeln- den Soldaten zu schaffen, ist eine Frage, die B e r n h a r d i, der natürlich von dem Milizsystem nichts wissen will, weder stellt noch beantwortet. Er tveiß nur, wenn es schief geht, geht es gründlich schief. Wo große, zusammengedrängte Massen ein- mal der Führung aus der Hand gehen, Ivo sie in panische Zustände verfallen, wo die Verpflegung in größerem Um- fange versagt und der Geist der Unbotmäßigkeit in den Scharen Herr wird, da werden solche Massen nicht nur widerstandsunfähig gegen den Feind, sondern sie werden sich selbst und der eigenen Heeresleitung zur Gefahr werden, indem sie die Bande der Dis- ziplin sprengen, den Gang der Operationen willkürlich stören und damit die Führung vor Aufgaben stellen, die sie zu lösen außer- stände ist. Der Krieg mit modernen HeercSmasscn ist also unter allen Umständen ein gewagtes Spiel.... Sehr richtig! Zieht man nun noch in Betracht, daß Bernhardt— sehr mit Recht!— auf Schritt und Tritt betont, daß die geistigen und moralischen Faktoren in einem Heer ausschlaggebend sind, so wird man nicht gerade be- haupten können, daß die sehr sachverständigen Ausführungen dieses Militaristen für den Militarismus im allgemeinen oder für die neue Hecresvorlage im besonderen in die Wagschale geworfen werden können. lisch immer Skukari. Optimismus in London. London, 19. April. Wie das Reutersche Bureau erfährt, herrscht in diplomatischen Kreisen hinsichtlich einer befriedigenden Lösung der Schwierigkeiten mit Montenegro und der Möglichkeit eines � baldigen Friedensschlusses steigender Optimismus. Die heute abend abgegebene Erklärung, daß der Ausblick freundlicher sei, basiert auf der Tatsache, daß Italien und Rußland, wie man weiß, in Cetinjc Schritte tun, um Montenegro eine Art von Entschädigung anzubieten. Die genaue Art dieser Vorschläge ist jedoch in London nicht bekannt. Weiter- hin ist in den letzten Tagen in London ein mächtiger, wenn auch inoffizieller Einfluß am Werk gewesen, um den Boden für offizielle und formelle Schritte vorzuberciten, die vielleicht eine bessere Ver- ständigung zwischen den Mächten und Montenegro herbeiführen wrden. Bis jetzt ist allerdings keine offizielle Aeußerung von Cetinjc gekommen, doch ist angedeutet worden, daß mehr Sympathie und guter Wille von feiten der Mächte vielleicht einen starken und schnellen Wechsel in der öffentlichen Meinung Montenegros herbei- führen werde. Ganz abgesehen von der Frage Skutäris hat die kürzliche Entscheidung der Mächte hinsichtlich der neuen Grenze Montenegros in Cetinjc Erregung hervorgerufen und ein Gefühl der Verzweiflung verursacht. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß durch den inoffiziellen Meinungsaustausch, der im Gange ist, eine Entschädigung gefunden � werden wird, welche die össent- liche Meinung Montenegros beruhigen tönte. Die Politik der russischen Regierung. Petersburg, 19. April. Das Ministerium des Auswärtigen veröffentlicht ein ausführliches Commumque, in dem es seine Balkanpolitik den Chauvinisten des eigenen Landes so- wohl als den Balkanstaaten gegenüber zu rechtfertigen sucht und aus die großen Verdienste hinweist, die es sich erworben habe, indem es den Balkanstaaten die Frucht ihrer Siege zu sichern bemüht war. Dann kommt das Communique auf die S k u t a r i f r a g e zu sprechen und sagt: Im Verfolg langer und hartnäckiger Verhandlungen und gegenseitiger Zugeständnisse, durch welche Prizrend, Jpek, Djakowa und Dibra für die slawischen Staaten gewonnen wurden, glaubte Rußland die Annexion von Skutari an Albanien zngc- stehen zu müssen, ein Zugeständnis an die Aujrechterhaltuiig des Friedens, dessen Erschütterung aus diesem Anlasse absurd hätte erscheinen müssen. Es ist bekannt, daß Skutari eine rein alba- nesische Stadt und der Sitz eines katholischen Erzbischofs ist. Die Montenegriner sind schon unfähig, einige tausend katholischer und muselmanischer Albanesen, welche seit Lö Jahren in den Grenzen Montenegros wohnen, sich zu assimilieren. Folglich würde die Annexion eines Teiles vom Sandschak und diejenige von Skn- tari lediglich die Wirkung haben, Montenegro durch die- Einver- leihung einer geringen Anzahl vo»i.Montenegrinern und von hnndertauselid Menschen anderen Blutes, anderer- Sprache.und anderer Relegion zu schpächen,.was Montenegro in die Gefahr bringen würde, ein montenegrinisch gefärbtes Albanien zu werden. König Nikolaus hat die Verpflichtung, welche er übernommen hatte, Rußland von dem Beginn des Krieges vorher zu bc- nachrichtigen und seine Zustimmung einzuholen, nicht erfüllt. Trotzdem lieh ihm der Kaiser großmütig seine Hilfe, indem er der montenegrinischen Bevölkerung Hilfsmittel und Beistand zusagte. Als die Frage von Skutari gelöst war, wurde der König freundschaftlich davon in Kenntnis gesetzt unter Hinweis auf die schwere Verantwortung, W er auf sich nehme, wenn er weiterhin seinen Widerstand fortsetze. Dann wurde ihm der Rat erteilt, sich den Beschuldigungen, persönliche Ge- sichtsp unkte zu verfolgen, indem er die Montenegriner nutzlosen Massakres preisgebe, zu entziehen. Als diese Schritte bei König Nikolaus erfolglos blieben, wurde es klar, daß er' mit der Einmischung Rußlands, der Großmächte und einem europäischen Krieg rechnete. Die russische Regierung konnte also nicht dagegen sein, daß Maßregeln ergriffen wurden, die sich nach der Weigerung des Königs Nikolaus, sich dem Beschlüsse der Mächte zu unterwerfen, als notwendig erwiesen. Die kaiserliche Regierung verliert nicht die Hoffnung, daß Montenegro seine hartnäckigen Bemühungen einstellen wird, in der Erwägung, daß der Eigenliebe Montenegros vollkommen Genüge getan ist, wenn es sich dem Willen Europas unterwirft. Tie ruf- fische Regierung kann nicht von ihrem Standpunkt abgehen, daß ihre Verantwortung vor dem russischen Volke in erster Linie die Pflicht in sich schließe, kein russisches Blut zu vergießen, wenn nicht die Interessen des Vaterlandes es erfordern. Die slawische und orthodoxe Großmacht Rußland hat niemals mit Hilfeleistung und Opfern für ihre slawischen Brüder gespart, aber diese letzteren ihrerseits haben auch die Pflicht— welche übrigens unsere Presse ihnen nicht immer im Gedächtnis zu halten weiß— die Ratschläge zu respektieren, mit denen Rußland keinen Mißbrauch treibt, und sich zu erinnern, daß, wenn wir stolz auf ihre Erfolge sind, diese doch nicht hätten erreicht werden können ohne Rußland, welches ihnen das Leben gab und welches ihnen sowohl in der Freude wie im Schmerze noch immer nötig ist, bc- sonders auch, um die Einigkeit unter ihnen ausrecht zll erhalten, ohne welche diese Völker weder Kraft noch Stärke gewinnen können. Diese Beziehungen Rußlands zu den slawischen Völkern schließen jede Feindseligkeit gegenüber anderen Staaten und Völkern aus. Die Verschiedenheit der Rassen braucht durchaus nicht zu einem Gegensatz unter den Rassen zu führen. Man kann nicht gut zugeben, daß die Sache des Friedens dabei gewinnen würde, wenn man eine Rasse einer anderen, welche sich ihres Rechts bewußt ist, entgegenstellt. Die innere Kraft Rußlands hat nicht nötig, von Besorgnissen zu Drohungen überzugehen, welche nicht der Ausdruck der Stärke eines Volkes sein würden. Es ziert sich noch! London, 11. April. Nach einer Information des Reuter- schen Bureaus hat der Minister des Aeußern in C e t i n j e erklärt, daß Montenegro weder ein Vorschlag unterbreitet worden sei, noch Verhandlungen der Mächte mit Montenegro über eine territoriale oder finanzielle Entschädi- gung eröffnet worden seien. ' Eine Mahnung Bulgariens. Paris, 11. April. Dem„Temps" wird«ms Cetinje gemeldet: Ter bulgarische Gesandte habe heute die montenegrinische Regierung ersucht, die Belagerung von Skutari aufzu� heben; König Nikolaus habe ablehnend geantwortet. Eine Heldentat der Flotten-Internationale. Cetinje, 11. April. sMeldung der Sgence HavaS.) Ein «chiff der internationalen Flotte hat in den Gewässern von Anti- vari die U a ch t drS K ö n i g S N i k o l a u S, welche Mehltransporte eskortiert hatte, aufgebracht. Serbischer Boykott gegen Oesterreich. Wien, 11. April. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Belgrad: iZn einer Versammlung sämtlicher kommerzieller Kammern des Landes wurde nach kurzer Debatte ein- ü immig beschlossen, wegen der Haltung Oesterreich- Ungarns in der albanesischen Frage gegen die Monarchie den Boykott zu proklamieren und die Verbündeten aufzu- fordern, sich ihm anzuschließen. Das Elend der Mobilisierten. Immer schärfer ertönen die Hilferuf« der«ingezogenen und zum Schutz der Balkangrenzen verwendeten Reservemänner. Die Arbeiterpresse veröffentlicht trotz aller Konfiskationen immer wieder Soldatenbriefe aus den schauerlichen Barackenlagern und Wanzenburgen, die die österreichischen Truppen nach und nach dem der montenegrinischen Gegner ebenbürtig machen werden. In dem häufig von Felsstürzen heimgesuchten Hinterland von Catiaro war eine Baracke so angelegt, daß bei dem nächsten Felssturz acht Mann zu formlosen Massen zermalmt wurden, die man erst nach Sprengung des Felsens bergen konnte. Beim Feldjägerbataillon in Bojiste, Herzogewina, gab es eine Massenvergiftung infolge ver- dorbcnen Essens und von den patriotischen Sammlungen für die Grenztruppen kamen auf jeden Mann— ein Schluck Likör und in mehreren Raten zusammen 2 Kronen 33 Heller. Dabei grassiert unter den Soldaten in Sarajewo der Scharlach, die Unterbringung der Syphilitiker ist skandalös, Desertionen sind häufig, die Arreste sind überfüllt. Ein WirthauSstreit zwischen angetrunkenen„84ctn", Wiener Soldaten, und der Patrouille forderte zwei Todesopfer und brachte einigen Soldaten schwere Kerkcrstrafen. Und im Teplitzer Bezirk ereignete es sich dieser Tage, daß die hungernde Familie eines seit dem Dezember im Süden festgehaltenen Reservisten wegen der schuldigen Steuern gepfändet wurde.„Wenn die Schwalben wieder kommen"— da werden die Minister schauen, wie der Patriotismus gewachsen sein wirds Legen dk Forderungen des lUilitarisinus. Jrreude Generale. Man schreibt unS: Generalleutnant Wandel sagte im Reichstage, im Jahre 1803 fei an den bis dahin gültigen Bestimmungen über die Militärtauglichkeit nur das eine geändert worden, daß in der Körpergröße etwas heruntergegangen wurde. Hier irrt der Herr General sich. Damals wurde an den Anlagen der H e e r- ordnung, die die Bestimmungen über die Tauglichkeit enthielten, viel mehr korrigiert. Die Aenderungen waren so zahlreich, daß sie mehrere Seiten in Druckschrift ausmachten. Der Herr Kriegsminister v. H e e r i n g e n hat im Reichstage rühmend hervorgehoben, in der Friedensdienstordnung werde aus- drücktlch betont, daß die AuSbUdung der Truppen nur dann richtig fei, wenn sie so geschehe, wie der Krieg es erfordere. Er wollte auf diese Weise den Beweis dafür liefern, daß das Paradewesen in der deutschen Armee immer mehr eingeschränkt werde. Der Satz, auf den Herr v. Heeringen so stolz ist, stand aber auch schon in dem 1888, also vor 2S Jahren ausgegebenen Exerzierreglement für die Infanterie und hat dennoch verdammt wenig geholfen. Er bildete den Schluß des II., vom Gefecht handelnden Teiles des Reglements und lautete: .Ihre snämlich der Truppen) Ausbildung ist nach richtigen Gesichtspunkten erfolgt, wenn sie da« kann, was der Krieg er- fordert, und wenn sie auf dem GefechtSfeld nichts von dem wieder abzuft reifen hat, was sie auf dem Exerzierplatz erlernte." Der Satz war. sogar größtenteils sehr fett gedruckt. Dann aber kam etwas zum Schreien Komisches, nämlich der HI. Teil des Reglements, der nicht weniger als 17 Seiten hindurch von der ver Landsturm von 181). I, Wie die Landwehr ist auch der Landsturm eine Schöpfung des Jahres 1813. Mehr noch als jene drückt dieser dem genannten Jahre das Gepräge einer gewaltigen Volkserhebung auf und weniger noch als die Landwehr verleugnet der Landsturm seine Geburtsurkunde, die das Datum der großen französischen Revolution trägt. Wie die Bauernbefreiung in Preußen eine schwächliche Nachahmung der Bauernbefreiung in Frankreich, wie die Hardenbergsche Reform- -gesetzgebung eine schwächliche Nachahmung der Vorfassung des Königreichs Westfalen und diese wieder eine Vcrwäffcrung der französischen Verfassung, so war die Landwehr von 1813 ein Ab- klatsch der Ziationalgarden bon 1781 und 1792 und der Landsturm von 1813 eine Kopie der„levee cn masse", des Massenaufgebots bau 1793. Freilich sind Verschiedenheiten im einzelnen uirverkenn- bar. Während die französische Konstituante 1791 Dubois.Crauces auf die allgemeine Wehrpflicht abzielenden Borschlag glatt ver- warfen hatte, und die Nationalgarden sich überwiegend aus Frei- willigen zusammensetzten, schloß die preußische Landwehrordnung in der Tat die allgemeine Dienstpflicht in sich. Während in Frank- reich Linientruppen und Nationalgarden sehr rasch zu einer Ein- heil verschmolzen, blieben Linie und Landwehr in Preußen streng voneinander getrennt. Während das Massenaufgebot der Republik in Wirksamkeit trat, konnte die dem preußischen Landsturm zu- gedachte Rolle schon deshalb nicht erfüllt werden, weil sich die Kriegsgcwitter sehr bald aus den Grenzen der preußischen Man- archie verzogen. Aber trotz aller Unterschiede ist der revolutionäre Ursprung von Landwehr und Landsturm über allen Zweifel er- haben. Wo Scharnhorst über sein Landwehrprojekt spricht, ge- braucht er einmal geradezu den Ausdruck Natioualgardc und der Freiherr vom Stein schrieb schon 1811:»So verabscheuungöwürdig der revolutionäre Wohlfahrtsausschuß war, so sehr verdient er Nachahmung und Bewunderung bei seiner Aufstellung und Eni- Wickelung der Streitkräfte der Nation." Was der Landsturm leisten sollte, war der Volkskriegen seiner ursprünglichsten und auch in seiner wildesten Gestalt. Seit 1899 auf dem Schlachtfeld von Jena und Auerstädt der Zusammenbruch jener Armee des achtzehnten Jahrhunderts, die, aut Mietlingen Parade handelte. Hier schrieb das Reglement selbst Dinge vor, die die Truppen auf dem Gefechtsfelde wieder abstreifen müßten, wollten sie nicht furchtbare Prügel bekommen. Im Exerzier- reglement von 1996 ist die gleiche lustige Inkonsequenz zu be- wundern, nur ist der bewußte schöne Satz jetzt einfach durchschossen gedruckt. � Herr bon Heeringen bestritt auch, wie sich allerdings von selbst versteht, die Richtigkeit der Bebauplung des Abgeordneten H a euS ler. daß zum Siege vor allem Schießfertigkeit und Marsch- lüchtigkeit gehören. Nach dem jetzigen KriegSminister genügt schon die Disziplin. Im Kriege muß allerdings Disziplin vorhanden fein, aber sie hilft wenig, wenn mit ihr nichr die vom Abgeordneten HaeuSler genannten Eigenschaften gepaart sind. Da Herr v. Heeringen die Marschtüchtigkeit offenbar nicht zu den ausschlaggebenden Faktoren deS Krieges rechnet, wollen wir ihm schnell erzählen, was in der F e l d d i e n st o r d n u n g der deutschen Armee vom Jahre 1999 über die Marschtüchtigkeit steht. Da heißt eS: .»Der weitaus größte Teil der KriegstStig- keit der Truppen besteht im Marschieren. Der Marsch bildet die Grundlage aller Operationen; auf seiner sicheren Ausführung beruht wesentlich der Erfolg a l l e r U n t e r n s h m u n g e n. Oft ist schon entsch eidend, daß eine Heeresabteilung zur rechten Zeit schlagfertig auf dem ihr angewiesenen Platz eintrifft." WaS sagen Sie jetzt, Exzellenz von Heeringen?" Knndgebnugeu gegen die Wehrvorlage. Die Rüstungs- und Kriegstreibereien fanden in den letzten Tagen wieder in einer großen Anzahl von Städten scharfe und einmütige Verurteilung. Protestversammlungen wurden abgehalten im Wahl- kreise Hanau 23, im Wahlkreise Wiesbaden 2l, im Wahlkreise Höchst a. M. 29, im 8. sächsischen Wahlkreise(Zwickau, Krimmitschau und Werdau) 8, ferner im Wahlkreise Wetzlar, rm DillkreiS usw. polltircbc Qeberficbt. Berlin, den 11. April 1913. »Wer vieles nimmt, wird manchem etwas nehmen." Aus dem Reichstage. Der gegenwärtige Schatz- sekretär, Herr Kühn, ist— von seiner Unersättlichkeit und Rücksichtslosigkeit als geldheischende Amtsperson abgesehen— ein freundlicher alter Herr, der unnötige Aufregmigeit ver- meidet. Um so nrehr überraschte er am Freitag den Reichs- tag durch einen reellen Witz, der frei nach Goethe an Goethesche Einfachheit erinnert. Als Graf Posado wsky wieder ein- mal von der ihm nunmehr als Abgeordneten zustehenden Gedankenfreiheit Gebrauch machte und in krausen Gedanken- sprüngen über das Erbrecht des Staates der gegenwärtigen Regierung einige Streichhölzchen zwischen die Beine warf, rechtfertigte Herr Kühn die Vorlage der Regierung'mit milden Bemerkungen, die er mit dem munteren Sätzletn abschloß: »Wer vieles nimmt, wird manchem etwas nehnien." Das ist fürwahr eine Passende Inschrift für das Reichs- schatzamt. Sie eignet sich schließlich auch als Ersatz für die noch immer fehlende Inschrift des Reichstagsgebäudes. Denn vieles haben die Reichstagsmehrheiten dem deutscheu Volke, und zwar in erster Linie den arbeitenden Massen, von jeher abgenommen. Daß jetzt endlich die bürgerliche Mehrheit vor der Notwendigkeit steht, auch manchem aus ihren Kreisen, aus den Reihen der Besitzenden etwas zu nehmen, ist eine unausbleibliche Phase der Entwickelung. Wir Sozialdemo- traten werden ihre Durchsetzung beschleunigen belfen. Genosse Emmel brachte am Freitag die sozialdemo- kratische Auffassung zur Geltung. Vor ihm hatten der Volks- parteiler v. P a y e r mit kritischen Argumenten gegen die verschiedenen Steuervorschläge, der Reichsparteiler v. Gamp mit langweiligen polemischen Ausführungen gegen die Sozialdemokraten und der Graf Pofadoivskv gesprochen. Genosse Emmel wies die Angriffe gecjen die Sozialdemokratie wirksam zurück. Besonders cindringllch und schlagkräftig�ivar seine Entgegnung auf den Grafen Westarp, der am Tage vorher die Heranziehung der Gewerkschaften zu den Kosten der Wehrvorlage verlangt hatte. Tie Beiträge, die die Ge- werkschaften seit ihrem Bestehen und von Jahr zu Jahr in höherem Maße für die Wehrhaftigkeit deS deutschen Volkes leisten, sind unendlich weit höher und wertvoller als der Wehrbeitrag, zu dem jetzt endlich die Wohlbabenden, Reichen und Allerreichsten genötigt werden sollen. Ohne die Gewerk- schaften und ohne � die zahlungsfreudige Opferwilligkeit der bestehend, nichiö vom Bürger und von der umgekehrt der Bürger nichts wußte, aller Welt so offenbar geworden war, hatte mehr als ein Volkskrieg durch seine Erfolge den Blick auf diesen neuen Weg zum kriegerischen Heil hingelenkt. Als Napoleon nach seinem eigenen Wort am Tajo die Engländer bekämpfte, wiesen ihm die spanischen Guerillas die Zähne und hier in einem zähen, grau- samcn und blutigen Bandenkrieg gegen ein von Pfaffen aufge- stacheltes ingrimmiges Volk verblutete sich zum erstenmal die Kraft der sieggewohnten französischen Bataillone umsonst. Dieser spa- nische Volkskrieg war in Teutschland mit nicht geringer Spannung verfolgt worden und mancher deutsche Offizier machte sich auf, um an der Seite der Spanier zu kämpfen und brauchbare Erfahrungen über die Taktik eines Volkskrieges mit heimzubringen. Größere Begeisterung noch begleitete den Aufstand der Tiroler gegen Bayern und Franzosen, der in seinem innersten Wesen ein stockreaktionärer Kampf des Mittelalters gegen das neunzehnte Jahrhundert, aber in seiner militärischen Form ein revolutionärer Volkskrieg gegen einen fremden Eindringling war."Auch unter den geweihten Fahnen der Tiroler kämpfte manch preußischer Offizier und ein junger Beamter in Hardenbergs Verwaltung, Jakob Bartholdy, sammelte hier im Tiroler Ausstand als österreichischer Landwehr- leutnant die wertvollen?lnregungen für die Organisation des Volkskrieges, die er später trefflich verwenden konnte, denn er wurde 1813 der eigentliche Verfasser des preußischen Landsturm- edittes. Schon 1899 war. eben unter dem Eindruck der spanischen und der Tiroler Erhebung, in deutschen Gauen die Hoffnung rege, daß bald ein Sturm des Volkes die fremden Eroberer aus dem Lande fegen würde, aber was von einzelnen Tollköpfen meternom. mcn wurde, diesen Sturm zu entfesseln, mußte elend und kläglich scheitern. Vergeblich suchte Oberst Dörnberg Hessen und West- falen aufzustürmen und dein»König Lustik" an den Kragen zu gehen, vergeblich unternahm es Leutnant Äatte. sich der Festung Magdeburg durch einen Handstreich zu bemächtigen, vergeblich rief Major Schill bei seinem verwegenen Loßbruch die Deutschen auf: »Ziebet die Sturmglocken! Alles greife zu den Waffen— Sensen und Piken mögen die Stelle der Gewehre vertreten," vergeblich suchte auch der Herzog von Braunschweig mit seiner schwarzen Schar die Volksmassen mit fortzureißen— noch war, weil die Macht der Fremdherrschaft noch allzu ungebrochen war, der Zeit- Punkt für eine Volkserhebung in Deutschland nicht gekommen. Ohne 1812 kein 1813? Was aber für die Volkskriege wie auch für die Putschversuche von 1899 kennzeichnend war, daS war zum mindesten ebenso sehr organisierten Arbeiter gäbe es keine so leisiungsfähisie In- dustrie. wie sie Deutschland hat, und keine solche geistig und körperlich aufstrebende Arbeiterschaft. Denn auch die schwachen Anfänge der Sozialgesetzgebung und des Arbeiterschutzes verdankt die deutsche Arbeiterklasse in erster Linie sich selbst. Tie letzte Rede des Tages hielt der Nationalliberale Roland. Lücke, ein praktisch und theoretisch geschulter Finanzmann, der nach interessanten Ausführungen über den Gold- und Sitberbestand des Deutschen Reiches zn den ein- zelnen Steuervorschlägen eingehend Stellung nahm. Für oie politische Lage am bedeutsamsten war seine Erklärung. daß seine Partei an einer Erbanfall- oder Reichsvermögens- steuer festhalte. Wenn gestern sein Parteifreund Paaschs er- klärt habe, daß es die eine oder die andere dieser beiden Steuern sein könne, so hätte er persönlich auch nichts dagegen, wenn beide Steuern zusammen beschlossen würden, Die Konservativen warfen dem Redner bei diesen Worten gerade keine freundlichen Blicke zu. Wie vielen Mitgliedern der nationalliberalen Partei aber daS Herz erbebte, als einer ihrer Radikaleren diese bestimmte Erklärung abgab, ließ sich äußerlich nicht erkennen. Vielleicht zeigt es sich später. Gegeu die proletarische Jugendbewegung. Die Debatten über das Kapitel.Jugendpflege" des Kultus- etatS, die sich daS Abgeordnetenhaus am Freilag leistete, bewegte sick in den gewöbnlichen Bahnen. Nur daß in diesem Jahre mit Rücksicht darauf, daß der Fonds von 1>/z Millionen auf 2>/z Millionen erböht ist, um auch die weibliche schulentlassene Jugend zu ver- blöden, viel über die Erziehung der jungen Mädchen gesprochen wurde. Im übrigen aber hielten es die Redner der beiden konser- vativen Parteien, deS Zentrums und der Nationalliberalsn wie all- jährlich für angebracht, die proletarische Jugendbewegung, wie sie sich in ihren Köpfen darstellt, in Grund und Boden zu rennen. Allerdings ohne Erfolg. Genosse Hirsch wies in l'/zstündiger Rede nach, wie verlogen die Angriffe gegen die sozialdemo- kratische Jugendbewegung im Hause und außerhalb desselben sind, mit wie vergifteten Waffen Regierung und Mehrheilsparteien die Sozialdemokratie bekämpfen und wie wohl sich unsere Partei dabei fühlt, wie unsere Jugendbewegung von Jahr zu Jahr an Boden gewinnt. Hierauf hielt unser Redner den Parteien, die so sehr in sittlicher Entrüstung über die sozialdemokratische Jugend- literatur machen, einen Spiegel vor Augen, in dem sie ihre eigene Schundliteratur, die sie der Jugend bieten, genau betrachten konnten. Die Anklagerede dcö Genossen Hirsch blieb nicht ohne Wirkung. in einer Anwandlung von Scham bat ein Vertreter der Mehrheit darum, daß gewisse Lieder in Zukunft aus einem bürgerlichen Jugendliederbuch entfernt werden, um den Sozialdemokraten keinen Anlaß zur Kritik mehr zu bieten. Angesichts der Talsache, daß der preußische Kriegsminister in der Budgetkommission deS Reichstags die Förderung der staatlichen Jugendpflege durch die Heeres» Verwaltung bestritten hat. verdient ein von dem Genossen Hirsch mitgeteilter Erlaß über den Zusammenhang zwischen Militarismus und Jugendpflege Beachtung, Nebenher gingen Angriffe auf den Ausschuß der Lehrerschaft zur Prüfung von Jugendschriften, Angriffe, deren Urheber der bc- kannte Verlag von Scholz in Mainz und sein literarischer Beirat Herr Kotzde sind. Unser Redner war in der Lage, durch Briefe zu beweisen, daß dieser Verlag noch vor wenigen Monaten daS größte Gewicht darauf gelegt hat, mit der Sozialdemokratie in Fühlung zu treten, um auf diese Weise besiere'Geschäfte machen zu können. Daß die 2V, Millionen schließlich bewilligt wurden, bedarf ebenso wenig der Erwähnung, wie daß man dem Genossen Liebknecht, der als einziger noch auf der Rednerliste stand, daS Wort abschnitt. DaS ist in der preußischen Duma selbstverständlich. Am Sonnabend hofft man. die zweite Lesung des KultuSetatZ zu beenden.__ Staat und Papstkirche. Der Papst hatte vor feiner schweren Erkrankung eine neue Enzyklika vorbereitet, die die.Freiheit der Kirche", das heißt die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat behandeln sollte. Sein geschwächter Gesundheitszustand hat diese Absicht verhindert; doch hat Pius X. daraus vor einer Woche einen Auszug verle>cn lassen, aus dem folgende Stelle besonders interessant ist: „Die Kirche, diese große religiöse Gesellschaft von Menschen. die im gleichen Glauben und in der gleichen Liebe unter der obersten Leitung deS römischen Pontifex leben, hat einen Zweck. der höher und von jenem anderer bürgerlicher Gesellschaften unter- schieden ist, denn diese suchen das zeitliche Wohl zu sichern, während wie das Interesse, das sie unter anderem bei den preußischen Militärreformern erweckten, die Abneigung, auf die sie in den Kreisen der GotteSgnadentümler stießen. Verpönt war hier der Begriff Volk, verrucht der Begriff Aufstand und wo beide in einen zusammenflössen, waren für die Versechter der Legitimität, selbst wenn der VolkSausstand für die alten Gewalten aufflammte, alle Höllenhunde entkettet. So schaute der österreichische Franz, der nicht umsonst in seinen Mußestunden Vogelbauer lackierte, war doch sein Land selbst ein großer Käfig mit engen Gitterstäben, dem Volkskrieg in Tirol mit Unbehagen zu. und lieh, sobald die Gc- legenheit kam, die für seine Sache Kämpfenden schmählich im Stich. Mehr noch sah seine Frau Maria Ludovica in dem- bayerischen König von Napoleons Gnaden einen„angestammten Monarchen" und in dem Streben der Tiroler, sein Joch abzuwerfen, ein hoch- verräterisches und revolutionäres Unternehmen. Ganz entsetzt schrieb sie an den Erzherzog Johann:»Leider leben wir in einem Jahrhundert, wo unter dem Deckmantel des Patriotismus man stets die Achtung für den Monarchen und feine Gewalt zu vermindern sucht." Als der Gamaschenknopf von Dörnberg nach dem Schci- tern seines tollkühnen AufstandsversucheS vor seinem Landesherrn erschien, für den er sein Leben gewagt, dem Kurfürsten von Hessen- Kassel, dem berüchtigten Seelenverkäufer, da reichte ihm der als einzige Anerkennung für seine Tat mit verächtlicher Geringschätzung eine Tausenguldennote hin! Uich der preußische Friedrich Wtl- Helm— wie könnt es anders sein!— war ganz außer sich über Schills Streich und tobte wie ein Korporal über die»Jusub- ordination". In den Schillschcn hat er auch zeitlebens nie etwas anderes gesehen als Deserteure und als den elf standrechtlich er- fchossenen Offizieren in den dreißiger Jahren in Wesel ein Denkmal gesetzt werden sollte, Hot er sich nur mit dem äußersten Wider- streben die Zustimmung abgepreßt. M diese matten und niederen Seelen ahnten in einem dumpfen Selbsterhaltungstrieb den Zusammenhang der Volkserhebungen mit der großen Revolution und empfanden nichts als das Gefühl der Bestürzung darüber, daß die Völker aus eigenem zu handeln wag- ien. Aber auch höher gestimmte Seelen waren der Revolutions. ahnungen voll.„Einer großen und allgemeinen Revolution kann Europa nicht entgehen, es mag Sieger bleiben, wer da will. Von dieser großen und allgemeinen Revolution würde selbst eine allge- meine Insurrektion der deutschen Völker nur ein Vorläufer sein." So der geniale Clausewitz am 21. Mai 1899 an seine Braut. Der Landsturm von 1813 sollte so etwas wie dies« Insurrektion der Völker sein. sio die Vervollkommnung der Seeleu für die Ewigkeit zum Ziele hat. Die Kirche ist ein Reich, daS keinen anderen Herrscher als Gott selber anerkennt, das eine Mission hat, welche so hoch ist, daß sie jede Grenze über- st e l g t und alle Völker jeder Sprache und jeder Nation in einer einzigen Familie vereinigt. ES geht daher nicht an, anzunehmen, oder auch nur sich vorzustellen, dast daS Reich der Seelen jenem der Körper unterworfen, da st die Ewigkeit Instrument des Zeitlichen und dast Gott selb st Sklave des M e n i ch c n sei. Die Kirche hat von Gott selbst die Mission. zu lehren und ihr Wort soll zur Kenntnis aller ohne jedes Hindernis gelangen, keine Einmischungen sollen ihr Beschränkungen auferlegen dürfen. Die Kirche hat die Pflicht, gegen jedenaufzu stehen, der in widerrecht- licher Einmischung oder ungerechter Usurpation, in ihr Gebiet einbrechen will. Wehe dem. der daS Gegenteil lehrt und in die menschliche Gesellschaft die Unordnung und die Verwirrung trägt! Die Kirche hat daS Recht zu besitzen, weil sie eine Gesellschaft von Menschen und nicht von Engeln ist, sie bedarf der materiellen Güter, die ihr von der Frömmigkett der Gläubigen zugekommen sind.* ES ist die alte Lehre, dast die katholische Kirche ihre Gewalt von Gott hat und der Papst der Statthalter Christi ist. während die Staatsgewalt menschlicher Art ist— deshalb kann wohl die Kirche dem Staat Vorschriften machen, nicht aber die Staatsgewalt der Kirche. Bürgermeisterwahl in Frankfurt a. M. Tie Stadtverordnetenvers am mlung in Frankfurt a. M. nahm am Freitag in geheimer Sitzung die Wahl eines zweiten Bürgermeisters, vor. Der bisherige zweite Bürger- meister Grimm hatte sein Amt aus Gesundheitsrücksichten nieder- gelegt. Er ist schon seit Monaten mit dem früheren ersten Bürger. meister Adickes aus städtischen Diensten geschieden. Für AdickeS wurde bekanntlich der frühere Oberbürgermeister von Barmen, Voigt, einmütig von der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Die Wahl des zweiten Bürgermeisters wurde nicht so leicht voll- zogen. Um sie wurde ein hartnäckiger Kampf— allerdings mehr hinter den Kulissen— geführt. Und wegen dieser Bcgleit- erscheinungen bei der Wahl verdient diese auch austerhalb Frank- furts Beachtung. Zwei Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei kamen als aussichtsreiche Kandidaten für den Lürgermeisterposten in Frage: Stadtrat Dr. Suppe und Stadtverordneter Rechtsanwalt Dr. Heilbrunn. Stadtrat Suppe, der frühere Vorsitzende dcS Frankfurter Gewerbegerichts, dürste auch außerhalb Frank- furts bekannt sein. Sein Name hat einen guten Klang: er hat sehr soziales Verständnis und steht politisch ziemlich weit links. Darum stieß schon seine Wahl zum Stadtrat auf graste Wider- stände; Oberbürgermeister Adickes suchte sie zu verhindern. Anfangs wurde Suppe allgemein als der aussichtsreichste Kau- didat bezeichnet; die freisinnig-dcmokratischen Zeitungen traten auch für ihn ein. Unterdessen wurde aber in freisinnigen Finanz- und Juristenkreisen eine andere Kandidatur vorbereitet: die des Stadtverordneten. He i l b r u n n. Suppe war diesen Kreisen zu radikal und zu sehr„Proletarier*, zu wenig repräsentationsfähig. So kam die Kandidatur Hcilbrunn zustande. Bei der Abstimmung in der fortschrittlichen Stadtverordnetenfraktion fielen auf Heil- brunn 13 und auf Suppe 11 Stimmen. Und im Wahlvorschlags- ausschust der Stadtverordnetenversammlung erhielt Heilbrunn eben- falls die Mehrheit. - Stadtverordneter Heilbrunn, der in die Frankfurter Hochfinanz hineingeheiratet hat, gehört zu den rechtsstehenden Fortschritilern. Ev hat sich in der Stadtverordnetenversammlung sehr häufig als freiwilliger Magistratsvertreter, als Unterstutzer der Adickeschen Politik und als heftigster Bekämpfer der Sozialdemokratie hervor- getan. Die„Qualifikation" zum Bürgermeister hatte er also. Die eifrigsten Verfechter seiner Kandidatur waren die rechtsstehenden Fortschrittler, an ihrer Spitze der Landtagsabgeordnete F u n ck und der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Justizrat Dr. Friedleben. In der Zeitungskampagnc— die„Frankfurter Zeitung" und„Kleine Presse* enthielten sich nun einer Parteinahme, während andere bürgerliche Zeitungen, an denen Heilbrunn finanziell beteiligt ist, für diesen eintraten— wurde Heilbrunn besonders als der Rechtsliberale im Gegensatz zu dem linksstehenden Suppe bezeichnet. Damit wurde versucht, die Na- tionalliberalen für Heilbrunn zu gewinnen. Dieser Versuch, Heilbronn mit nationalliberaler Hilfe durch- zubringen, �ist jedoch gescheitert. Wie uns ein Privattelegramm meldet ist Stadtrat Dr. Suppe im ersten Wahlgang mit 38 Timmen zum zweiten Bürgermeister gewählt. Stadtverordneter Heilbrunn erhielt 18, Stadtrat Bleicher 14 Stimmen. Unsere Genossen stimmten geschlossen für Suppe, ebenso trat ein Teil der Fortschrittler und Mittelständler für ihn ein. So ist Suppe mit ein paar Stimmen Mehrheit trotz aller Schiebungen und Anfeindungen auS dem eigenen Lager doch gewählt worden. Rckrutenmisthandlungen auf Befehl. Das OberkriegSgerickit des GardekorpS hatte sich mit einem «igcnarligen Ankla'gesall von Rekrutenmisthandlung zu bes-bäsiigen. Am l I.Februar fiel es einem Offizier der 1l. Kompagnie des Garde- iüsilierregimems beim Belreien der Stube 97 auf, dast die Mannschaften alle erschöpft und niedergeschlagen waren. Er ging der Ursache auf den Grund und stellte fest, dast die Leute auf Befehl des Füsilier? Förster eine ganze Stunde hindurch „geschliffen* worden wären. Förster batte als Stubenältester die Rekruten fortwährend hin- und hergejagt. Sie mustten über die Veiten hinwegspringen, unter die Betten kriechen, Schemel ausstrecken, in der Kiiiedeugs verharren usw. Einem, der eineir Schemel ausstreckte, stellte der Stubenälteste auch noch einen Eimer Wasser auf den Schemel. Es blieb dem Förster nichts weiter übrig, als die Misthandlungen, die eine Stunde hindurch gewährt hallen, zuzugeben. Er behauptete aber auch, dast er vom Unteroffizier Chemnitz den Besthl erhallen habe, die Mannschaften zu„schleifen". An zwei Abenden habe der Feldwebel die Stube nicht in Ordnung befunden, und aus diesem Grunde habe der Unteroffizier die Leute ordentlich herannehmen wollen. Die Untersuchung bestätigte diese Angaben. Der Umeroifizier war sogar wiederholt aus die Stube gekommen, um nachzusehen, ob der Befehl, bei dem er dem Förster einen„verstäiidnisvollen" Blick zugeworfen hatte, richtig ausgeführt werde. Am Abend vorher hatte sich der- selbe Vorgang aus Anordnung des Unteroffiziers bereits einmal auf Stube 97 abgespielt. Chemnitz wurde als Anstifter zu vier Wochen und Fölster alS der ausführende Teil zu drei Wochen Mittel- a r r e st verurteilt._ „Bloh so gesagt!" Wie ernst«S die sogenannten Fortschrittler in ihrem Kampf um die Uebertragung des ReichtagSwahlrechtS auf Preuhen meinen, lehrt der Verlauf einer LandtagSwählerveriammlung, die kürzlich im reichstreuen ManSseld stattfand. Nachdem der fortschrittliche Bezirksparteisekretär Schwilgin in der Absicht, Stimmenfang zu treibe», die Tätigkeit der beiden bisherigen konservativen Abgeord- neten v. Hessel und Arendt in Grund und Boden gedonnert und cm jämmerliches Klagelied über den— Terrorismus der Sozialdemo- kratie(im berüchtigten ManSseld!) heruntergeleiert hatte, wandte sich der Führer der Nationalliberalen in ManSseld gegen die zu weit gehenden Forderungen seines fortschrittlichen Verbündeten. Vor allen Dingen bekämpfte er mit aller Entschiedenheit die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preusten. Sofort beeilte sich der freisinnige Parteisekretär zu erklären, er hätte das blost so gesagt, denn die Ausführung und die Möglich- keil der Erfüllung der Forderung läge noch in sehr, sehr weiter Ferne! Also, weil die Einführung des Reichstagswahlrechts vorläufig nicht zu erreichen sein soll, treten die tapferen Fortschrittler, und zwar auch nur dort, wo der groste Bruder zur Rechten ihnen da» erlaubt, so radikal auf. Herr Schwilgin ist wenigstens ehrlich genug, die Wahrheit einzugestehen. Tas kommt davon! Bor der Reichstagswahl 1912 stiftete der konservative Reichstags- kandidal im Wahlkreise Grüuberg-Freystadt Geheimrat B e u ch e l t für die Stadt 200 090 M. Darüber wurden Loblieder in allen Tönen angestimmt. Aber trotzdem wurde der freigebige Herr Ge- beimrat nicht gewählt, sondern mustte den Wahlkreis einem Sozialdemokraten überlassen. Heute hört man nichts mehr von Lobliedern. Das ist begreiflich, wenn man erfährt, dast der Herr Geheimrat sein Geschenk an die Stadt auf— 50 000 M. reduziert hat. In der Wirklichkeit ist der Stadt aber gar nichts oder sehr wenig geschenkt worden. Der konservative Geheimrat war auch schon lange Jahre Pächter der Grünberger städtischen Oderwald- jagd, für die er 30 0 0 M. Pacht bezahlte. Dieser Tage ist die Jagd meistbietend neu verpachtet worden. Das Meistgebot gab ein Berliner Kommerzienrat mit 7 800 M. ab, also 430 0 M. mehr, als Herr Beuchell in Grünberg lange Jahre gezahlt hat. Dem konservativen Spender dürfte also gar nicht schwer gefallen sein, der Stadt Grünberg 60 000 M. al§„Geschenk" zu überweisen. Der Gesundheitszustand des Papstes hat sich nach den Meldungen aus Rom wesentlich gebessert, so dast gestern Pius X. daS Bett auf eine Stunde verlassen und im Lehn- stuhl zubringen konnte. Heute früh 7 Uhr 40 Min. statteten die Doktoren Marchiaiava und Amici ihm einen Besuch ab und blieben bis 8 Uhr 20 Min. bei ihm. Sie stellten fest, daß dai Allgemein- befinden zufriedenstellend ist. Die Temperatur hält sich unter 37 Grad. Oeftermeb. Landcsbankerott in Bohincn? Die Landesverwaltung von Böhmen ist trotz des natür- lichen Reichtums dieser wichtigsten Provinz Oesterreichs schon seit Jahren in den größten Bedrängnissen. Die deutsche Minderheit des auf einem Geldsackswahlrccht beruhenden Landtags übt nämlich schon seit sechs Jahren Obstruktion, um die tschechische Mehrheit zu nationalen Zugeständnissen zu zwingen. Infolgedessen sind die Finanzgesctzc abgelaufen, verschiedene notwendige Finanzreformen konnten nicht durch- geführt werden. Die Dinge haben sich nun derartig zugespitzt, daß die Reichsregierung erklärte, dem Lande Böhmen nicht mehr die bisher geleistete> Beihilfe gewähren zu können. Es ist auch naheliegend, daß die ungeheuren Kosten der Mobiii- siernng und Kriegsvorbereitungen alle Mittel des Staates an sich ziehen. Ungefähr Mitte Mai dürfte das Land Böhmen vor die Notwendigkeit geslellt sein, seine Zahlungen, zum Beispiel die Lehrergehälter usw.. einzustellen._ Es wird dann wahrscheinlich der Landtag aufgelöst und ein Regierungs- kommissar eingesetzt werden. Indessen heißt es, daß unter den deutschen Parteien selbst große Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen seien, da ein Teil zum Einstellen der Obstruktion rät. Bemerkenswert ist noch der Umstand, daß durch die Hinausziehung der dringend notwendigen Gehaltserhöhung der Lehrer sich die Obstruktionsparteien um ihre besten Agitatoren gegen die Arbeiterbewegung bringen, denn die geschädigten Lehrer wenden sich von diesen Parteien ab, die die Schuld an ihrer wirtschaftlichen Schädigung trägem * ♦ * Scheitern der Einigungsverhandluuge«. Prag, 11. April. Die Verhandlungen, die bezweckten, eine so- genannte wirtschaftliche Session des böhmischen Landtages zur Erledigung der Lehrcrgehältcr und der Sanierung der Finanzen des Landes zu ermöglichen, sind heute in einer gemeinsamen Sitzung von Vertretern der deutschen und tschechischen Abgeord- neten endgültig gescheitert. Schweiz. Gcmciudewahlen und Volksabstimmung. Zürich, 9. April. jEig. Ber.) In den meisten Gemeinden des Kantons Zürich finden am nächsten Sonntag die Gemeinde- Wahlen statt, im Zeichen des Majoritätssysiems, das die Vergewaltigung der Arbeiterschaft überall da bedeutet, wo sie noch nicht die Mehrheit besitzt, was leider erst in wenigen Gemeinden der Fall ist. Nur in der Stadt Zürich finden die Wahlen zum ersten Male nach dem Proporz statt, aber nur für den großen Stadtrat. Der Groste Stadtrat zählt 125 Mitglieder, für die die Parteien auf insgesamt 5 Liften 377 Kandidaten aufgestellt haben, wovon 95 Sozialdemokraten, 09 Freisinnige, 57 Bürgerverbändler, 76 Demokrateu und 54 Christlichsoziale sind. Die Wahlen in Zürich stehen im Zeichen des General- st r e i l s. den die Bürgerlichen zu ihrer Wahlparole machten. Der Große Stadtrat hat darüber in vier großen Sitzungen verhandelt und die bügerlichen Scharfmacher taten alles, um das Bürgertum gegen die Arbeiterschaft bczw. die sozialdemokratische Partei aufzu« reizen. Sie haben durch ihre Hetzereien aber auch die Arbeiter auf- gepeitscht, lind da die bürgerlichen Scharsmacher die General- streikdcbatte mn einem von ihnen gegen die sozialdemokratischen Stimmen gefaßten Beschlust beendigten, der den Stadtrat zum Schutzengel der Streikbrecher machen will, so weist nun auch die gesamte Arbeiterschaft,>oas für sie auf dem Spiele steht und was sie von einem, wiederum in seiner grohen Mehrheit scharfmache- rischen Großen Stadtrat zu erwarten hat. Gleichzeitig sinder im Kanton Zürich am nächsten Sonn- tag auch die Volksabstimmung über mehrere Vorlagen statt. Sittlichkeitsheuchlcr und Steuerdefraudanten laufen mit zwei Jnitiativbegehrcn Sturm gegen Bestimmungen des neuen kanto- nalen EinsührungsgesetzeS zum eidgenössischen Zivilgesetz, das'erst am 2. April 1911 beschlossen worden ist. Nach dem Einführungs- gesetz wird das Konkubinat geduldet, wenn die Eheschließung wegen eines in der Gesetzgebung des Heimatstaates begründeten Hindernisses numöglich ist. Heuchlerisch« Moralsexen nehmen aber daran„Aergernis"; auch die Furcht vor der Vermehrung der Armenlasten infolge solcher Verhältnisse spielt dabei mit, und so haben sich auch Regierung und Kantonsrat, die so kurz zuvor sich für die Duldung erklärten, der reaktionären Initiative angc- schloffen! DaS zweite Jnitiativbegehrcn zeigt die gleichen Sittlichkeits- Heuchler als Förderer der Steuerdefraudation. Früher schon wurde beim Tode der Mutter ein« amtliche Inventur vorgenommen, um die Rechte vorhandener Waisen zu wahren. DaS erwähnte neue Einführungsgesetz dehnte diese amtliche Jnventari- sation auch aus den Todesfall des Vaters aus. Unsere bürgerlichen Biedermeier wollen nun mit ihrem Ansturm gegen diese Neuerung die allen reichen Steuerbetrügern unbequeme amtliche Jnventari- sation überhaupt beseitigen, weil sie in vielen Fällen jahrelang geübte Steuerbetrügereien an den Tag bringt. In rührenden Worten wird der durch die deutschen Agrarier so berühmt gewor- dene Familiensinn als wuchtiges Argument gegen die amtliche Jnventarisation ausgespielt. Regierung und KantonSrat beschlossen, in diesem Falle den Stimmberechtigten die Verwerfung des Jnitiativbegehrens zu empfehlen. Im Gegensatz zu der Verschlechterung der beiden Initiativ- begehren bringt die eigentliche Gesetzesvorlage betreffend den Zivilprozetz moderne Verbesserungen. Wir erwähnen davon nur die Ersetzung des..Armenrechts" durch„Unentgeltliche Prozeß- führung", die Erweiterung des Rechts zur Zeugnisverweigerung behufs Wahrung des Berufsgeheimnisses, die Gleichberechtigung beider Geschlechter in den Schiedsgerichten� Belgien. Belagerungszustand in Sicht. Brüssel, 10. April.(Gig. Ber.) Das Resultat einer gestrigen Ministerratssitzung verheißt den Belgiern für die Zeit des Streiks den Belagerungszustand. Nach einem klerikalen Blatt sind dort unter anderem folgende Ordnungsmaßnahmen festgesetzt worden: Alle Truppen der Hauptstadt und der Provinz Hennegau, die zu Uebungen nach dem Manöverfeld von Beverloo ab- rücken sollten, bleiben bis nach dem Streik an Ort u n d S t e l l e., Von Sonnabend an werden Infanterie- und Kavallerie- abteilungen den Bürgermeistern der Jndustrieorte, insbesondere im Heunegau und in der Provinz Lüttich zur Verfügung gestellt werden. Die Provinzgouvcrneure haben den Auftrag erhalten, sich mit den Kommissaren der Arrondissements, mit den Distrikt- chefs der Gendarmerie, den Truppentommandanten und allen anderen Lokalbehörden ins Einvernehmen zu setzen, um alle notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu treffen. Die Gcndarmeriebrigaden, die sich in Regionen befinden, in denen keine Unruhen zu befürchten sind(die Herren Minister„befürchten" also schon in ihrer voraus- schauenden Ungeduld für gewisse Regionen Unruhen, obwohl alles, insbesondere die Maßnahmen der Partei selbst, auf einen friedlichen Streik hoffen und schließen läßt), werden zur Verstärkung der Gendarmerie in den Industriezentren herangezogen werden.— Bei den täglichen Rundgängen wird immer je ein Gendarm von einem Soldaten begleitet werden. Der Gendarm wird amtshandcln, der Soldat unterzeichnen.— Gegebenenfalls wird der Minister auch au die nichtaktive Bürgergarde für„erneute Fälle und bestimmte Orte" appellieren.— Schließlich die Versicherung der Minister, „daß für das ganze Land energische Matznahmen getroffen wurden, um den Arbeitern, die nicht am Streik teilnehmen wollen, die Freiheit der Arbeit zu sichern." Andererseits lesen wird in der„Etoile Beige* von folgenden Details: Morgen werden 300 Gendarmen aus Flandern nach Gent zur Verstärkung der dortigen Brigade abgehen.— In V e r v i e r s treffen die Behörden bereits ihre„Präventiv"- maßnahmen. Die„Garde civique"— Bürgerwehr— wird inspiziert. Ställe für die Pferde der Gendarmerie werden vorbereitet. Die Gendarmeriebrigaden aus den ländlichen Bezirken haben bereits„überschüssige" Mannschaft nach Ver- viers geschickt.— Für Eharleroi und die Nachbargemeinden wird für Montag die Bürgerwehr konsignicrt, um,»wenn die Umstände es erfordern", den Dienst anzutreten. Das ist so das Vertrauen, das die Regierung der belgischen Arbeiterschaft für ihren Streik, den sie unter allen Umständen friedlich zu erhalten willens ist, entgegen- bringt. Während der Brüsseler Bürgermeister erklärte, vor- läufig nicht an die Wirtschaftsbesitzer, die„CabaretierS" usw. wegen eines zeitigen Schlusses ihrer Lokalitäten heranzutreten, weil das die Bevölkerung unnütz alarmieren könnte, trifft die Regierung, ohne auch nur den mindesten Anlaß für ein solches Vorgehen, alle Vorbereitungen für einen förmlichen Belagerungszustand. Auch eine„Bcruhigungs"taktik! Die letzten Tage und Stunden, die der Arbeiterpartei und den Streikkomitees bleiben, werden um so energischer und fieberhafter dafür ausgenützt, um die Streikenden mit dem unerschütterlichen Bewußtsein zu erfüllen. daß der Generalstreik allen Herausforderungen, allen„Maß nahmen", allen versteckten und offenen Antrieben der klerikalen Presse, das Gegenteil zu provozieren, zum Trotz, friedlich bleiben muß. Die Arbeiterschaft kämpft für ihre Würde und das gleiche Recht und nicht für eine Ordnungsretterei- Apotheose dcS KlerikaliSmuS. •« • Das Brüsseler Gemcindckollegium hat be- schloffen, die Kinder von Streikenden, die in Brüssel Aufnahme finden, in den Brüsseler Gemeindeschulen aufzunehmen. Aufnahme belgischer Kinder in Frankreich. Paris, 11. April. Der hiesige Allgemeine Arbeiterverband hat dem Hauptausschust der belgischen Syndikate mitgeteilt, dast die französischen Arbeiter bereit seien, für die Dauer des belgischen Ge- samtausstandes eine Anzahl von Kindern belgischer Arbeiter bei sich aufzunehmen. Ein gleiches Anerbieten haben der Syndikatsverband des SeinedepartementS und der Verband der Bergleute der Departe- mentS Nord und PaS de Calais gemacht. Christliche Streikbrecher. Die christlichen Gewerkschaften versenden Rv chschreibeu an die Unternehmer, worin diese gebeten werden, ihre Betriebe während des Generalstreiks offen zu halten, und machen sie auf die Arbeits- nachweise der christlichen Gewerffchaften aufmerksam, die Arbeitt- willige zur Verfügung haben. <3c werfc rcbaftli cbes. 25 Jakre„Grapbifchc prcITe". Die„Graphische Presse", daS Organ des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe, blickte am 1. April auf ein Löjähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlaß erschien die Nr. 14 in festlichem, zweifarbigem Gewände. Technisch und inhalttich ist diese Jubiläumsnummer recht gut ausgestaltet. Die Titelseite bringt in einer modernen Ein- fassung die Wappen der verschiedenen im Verbände vertretenen Berufe und ein Festgedicht. Dann werden die Vorläufer der „Graphischen Presse" besprochen, die„Lithographia", ein Organ, das sich hauptsächlich mit fachtechnischen Fragen be- schäftigte und 1861 in Hamburg gegründet wurde, und der„Sene- felder-Bund".Der erste Kongreß derLithographen und Steindrucker Deutschlands und Oesterreichs, der Ende November 1873 in Würzburg stattfand und die Gründung des Sencfelder-Bundes, eine Gewerkschaftsorganisation ähnlich der heutigen— zur Folge hatte, faßte auch den wichtigen Beschluß, ein Organ zu gründen, um die Interessen der Lithographen und Stcindrucker den Unternehmern gegenüber in der Oeffentlichkeit zu vertreten. Die ersten Nummern dieses„Senefelder-Bund" waren ganz im sozialistischen Sinne redigiert; jedoch mackte sich da- gegen sehr bald eine starke Opposition geltend, so daß der Redakteur sein Amt niederlegte. Die Vereinigung Senefelder- bünd wurde dann zu einer reinen Unterstützungskasse umgewandelt, die sich 1605 wieder mit der 1890 gegründeten Gewerkschaftsorganisation„Verband der Lithographen, Stein- drucker und_ Berufsgenossen" verschmolz. Nachdem das Sozialistengesetz gefallen war, entstanden in einigen größeren Druckorten Lokal- und Fachvercine, und um diese Bewegung zu fördern und chr einen einheitlichen Charakter zu geben, gründete der unterm Sozialistengesetz aus Leipzig ausgewiesene Stein- drucker Konrad Müller in Uebereinstimmung mit den Leipziger Berufskollegen die„Graphische Presse", deren erste Nummer am 1. April 1888 erschien, und zwar wurde sie dann 14 tägig in einem Umfange von vier Seiten gedruckt bei einem Abonnementspreis von 1 M. pro Quartal. Doch hatte sie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Polizeiliche Schikanen und die Knappheit der Mittel niachten ihr das Dasein schwer. Die ersten Nummern wurden in einer Auslage von 1500 ge- druckt, davon waren nur 706 Abonnenten; die übrigen wurden zur Agitation verwandt. Seit 1902 ist die„Graphische Presse" Verbandseigentum, damals wurde sie in 8400 Exemplaren vierseitig gedruckt; jetzt erscheint sie wöchentlich in einer Auf- läge von 20 500, acht Seiten stark. Der Verband der Lithographen, Steindruckcr und der- wandten Berufe hat eine große Entwickelungsgcschichtc hinter sich. Nachdem er sich 1905 mit der Ünterstützungskasse „Senefelderbund" verschmolzen hatte, nahm er bald weitere selbständige Berufsorganisationen aus und zivar: den „Deutschen Lithographenbnnd" 1907, den„Verband der Porträtphotographen" 1908 und den„Verband der Form- stecher und Tapetendrucker" 1909. Für diese, im verschmolzenen Einheitsverband vertretenen Berussgruppcn sind in der „Graphischen Presse" Spartenteile eingerichtet, die die be- sonderen Berufsinteressen vertreten. Seit 15 Jahren wird der„Graphischen Presse" noch eine, jetzt alle 14 Tage er- scheinende fachtechnische Beilage„Graphische Rundschau" bei- gegeben und seit fünf Jahren— seit Gründung der Lehrlingsabteilung— gibt der Verband auch noch eine be- sondere Jugendzeitung„Graphische Jugend" heraus, die von dem Redakteur Barthel der„Graphischen Presse" mit redigiert wird. Alle diese Entwickelungsphasen werden eingehend in der Festnummer der„Graphischen Presse" geschildert, der sich am Schlüsse noch eine Uebersicht über die Organe der Bruder- organisationen der ganzen Welt anschließt. Alles in allem ersieht man, daß diese Verbandszciiung eine ganz bedeutsame Entwickelungsgeschichte durchgemacht hat und stets bestrebt war, den Lithographen, Steindruckern und verwandten Berufsgenossen die rauhen Wege ans gewerk- schaftlichcm Boden zu ebneu. Möge ihr das in Zukunft noch mehr gelingen zum Nutzen deS ganzen graphischen Gewerbes. Berlin und Qmgegcnd. Ter Schiedsspruch von den Berliner Bauarbeitern abgelehnt. Die im Deutschen Bauarbeiterverband organisierten Maurer, Bauhilfsarbeiter und Betonarbcitcr nahmen am Donnerstagabend in drei stark besuchten Versammlungen Stellung zu dem erfolgten Schiedsspruch. Bei den Maurern sprach Hanke, bei den Hilfs- arbeitern Schilling und bei den Betonarbeitern H a e s c. Die Referenten schilderten den Gang der Verhandlungen mit den Unternehmern und deren Ergebnisse. Diese Verhandlungen, die vor dem Einigungsamt des Berliner Gewcrbegerichts-unter dem Vorsitz de» Magislratsrats v. Schulz stattfanden, endeten mit einem Schiedsspruch für das Maurer- und Betonbaugewevbe, nach ' dem den Arbeitern eine Lohnerhöhung von insgesamt 3 Pf. zugesprochen worden war. Unter den obwaltenden Umständen mußten die Arbeitervertreter erklären, daß sie dem Schiedsspruch ihre Zustimmung nicht geben könnten. Die Redner betonten auch, daß es das erstemal sei, daß ein solcher Schiedsspruch gefällt werde, obgleich die Arbeitnehmer ausdrücklich gesagt hätten, daß sie die Annahme dieses Schiedsspruches ihren Mandatgeberil nicht empfehlen könnten. (Lebhafte Zustimmung.) Tie Ausführungen der Referenten gipfelten in einer Resolution, die besagt: Das Wesen des Tarifvertrags bringt es mit sich, daß wäh- rend seiner Dauer etwa eintretende Schwankungen der Kon- junktur nicht berücksichtigt werden können. Verpflichten sich die Arbeltgeber, während der Dauer eines Tarifvertrages einen be- stimmten Lohn zu zahlen, so verpflichten sich demgegenüber die Arbeitnehmer, keinen höheren Lohn zu fordern, selbst wenn die Konjunktur und damit die Lage des Arbeitsmarktes ihnen dies unschwer ermöglichen würde. Unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse müssen die Ar- beiter besonders beim Abschluß langfristiger Tarifverträge vor- aussetzen, daß zum mindesten die während der letzten Vertrags- Periode etwa eingetretene Verteuerung der Lebensmittel und Ge- brauchsgegenstände des Arbeiterhaushaltes in einer Erhöhung des Lohnes zum Ausdruck romint. Diesen gerechten Forderungen entspricht der'Schiedssvruch nicht, den das Einigungsamt des Berliner Geiverbegerichts unter dem Vorsitz Des Magistratsrats v. Schulz in der Vertragsbewcgung für das Mauccr-, Zimmerer- und Beronbaugewerbe gefällt Hai. Während schon im Jahre 1907 dasselbe Einigungsamt den Maurern und Hilfsarbeitern in dem damals gefällten und von den Arbeitern abgelehnten Schiedsspruch eine Lohnerhöhung zu- gesprochen hat, die vom 1. April 1909 an den Lohn der Maurer auf 8tt Pf., den der Hilfsarbeiter auf Pf. festsetzte, soll nach dem jetzigen Schiedsspruch dieser Lohn erst am 1. April 1914 er- reicht werden, unter völliger Außerachtlassung der in den da- zwischen liegenden fünf Jahren geschaffenen Steue'gesetzc, die eine wesentliche Verteuerung des Arbeiterhaushaltes mit sich brachten. In Erwägung aller dieser Umstände muß die am 1. April kämpfen waren 239 Wn griffsstrciks mit 10169 Beteiligten, 1918 tagende Generalversammlung des Deutschen Bauarbeiter- IIb Abwchrstreiks mit 3065 Beteiligtcit und 3t Aus- Verbandes, estveigverein Berlin, Sektion der Maurer, diesen s perrun gen mit 2906 Beteiligten. Ganz od-w teilweise er- Schiedsspruch ablehnen, unbeschadet ihrer vrinzipiellcn Stellung folgrcich waren von den Angriffsstreiks 80 Proz. mit 81 Proz. zum Tarifverträge� Zugleich beauftragt die Versammlung die der Beteiligten, von den Abwehrstreiks 70 Proz. mit 82 Proz. der erreichen. Ter„Hackepeter unter Polizeiaufsicht. Zum Streik der Kellner im..Hackepeter", Münzstr. 20, Jnbaber,.._ Martin, wird mitgeteilt, daß sich Herr Martin die erdentlichstc I deren Abwehr erfolglos versucht wurde, verzeichnet die s Mühe gibt, den c-lreik als unberechtigt hinzustellen. Herr Martin statistik nur eine Arbeitszeitvcrlängerung um durchschnittlich steht immer noch gern recht viel Polizcibeamtc im Lokal. Am' �'----— v Donnerstag verließen nach 12 Uhr abends 26 uniformierte Poli- zisten den Betrieb, welchen sie bis dahin überwacht hatten. Dazu kamen noch die zahlreichen Kriminalbeamten und Achtgrofchcn- jungen. Das Lokal gleicht infolgedessen viel mehr einer großen Polizcstvachtstube als einem Restaurant. Auch unter den Arbeits- willigen befindet sich ein weggejagter Scbutzfnann. Eö ist also zur- zeit niemandem möglich, Speisen oder Getränke anders als unter Polizeiaufsicht im Martinschen Lokal zu genießen. Statt der früheren 1s Kellner sind jetzt kaum die Hälfte tätig. Ter Betrieb ist nach wie vor für organisierte Gehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsvevwaltung Berlin I. Tarifbcwegung in den Färbereien und chem. Wäschereien Groft-Berlins. Die Ortsvcrwaltung Berlin des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes versandte im Austrage der organisierten Färberei- Arbeiterschaft an 36 Betriebe am 10. d. M. den Entwurf cincS Tarifvertrages. Tie Lohn- und Arbeitsverhältnisie in dieser Branche sind den heutigen Verhältnissen durckaus nicht angepaßt, und ließe sich nur auf tariflicher Grundlage ein gesundes und für beide Teile befriedigendes Verbältnis schaffen. Innerhalb sechs Tagen sollen die i'lntworten der Firmen einlaufen. Vorsicht, Maler!.Hierdurch warnen wir unsere Kollegen vor einem gewissen Max Thcuerkauf. Derselbe gab sich für einen Bruder des Kollegen Richard Wagner(Hauskassierer) aus— und versuchte unsere Kollegen zu Dummhesten zu verleiten und zur„Sabotage" anzuhalten. Verband der Maler und Lackierer. Achtung, Töpfer! In der geitrigen Nummer des„Berliner Lokalanzeigers" werden Töpfer(Ofensetzer) nach G r e i s s w a l d gesucht. Wir weisen daraus hin, daß kein Kollege nach Greifswald gehen daxf, da sich unsere. Kollegen dort seit einigen Tagen im streik befinden. Tie Verbandsleitung. DeukTcKes Reick). Ter Verband der Bureauangcstclltcn im Jahre ltNIS. Nach dem vorliegenden Geschäftsbericht steigerte der Verband seine Mitgliederzahl im verflossenen Jahre von 6598 aus 7653. An Beiträgen wurden 107 318 M. eingenommen, außerdem wurden 12 600 M. durch Buchhandel- und Bcrlagsgcschäftc vereinnahmt. An llntcrstützungen wurden 25 436 M., für die Vcvbandszeitschristcn 34 769 M. ausgegeben. Das Vermögen des Verbandes beläuft sich auf 67 528 M. Dazu kommen noch 272 978 M. Vermögen der Penfionskassc des Verbandes._ Ter Tcutsche Holzarbeiterverband im Jahre 1912. Der Deutsche Holzarbeiterverband hat sich, wie die soeben ver- ösfentlichte Abrechnung erkennen läßt, auch im Jahre 1912 in ge- sunder Weise fortentwickelt. Der Verband zählte am Jahresschluß 196810 Mitglieder, das sind 14 060 mehr als am Schluß des Borjahres. Der Mitgliederzuwachs beträgt 7,7 Proz. Im Jahre 1911 hat die Zunahme 10,7 Proz. betragen. Tos verlang- samte Tempo der Mitgliederentwickelung findet seine Erklärung in dem ungünstiger gewordenen Geschäftsgang, der die Zahl der Ar- beirslosen bedeutend anschwellen ließ. Tie monatlichen Arbeits- losenzählungen, bei welchen die Zahl der am letzten Tage eines jeden Monats arbeitslosen Mitglieder festgestellt wird, lassen die Konjunkturschwankungen deutlich erkennen. Im Jahre 1912 war die Arbeitslosigkeit durchgängig größer als im Jahre 191 1. Wäh- rend im Jahre 1911 an jedem Tage des Jahres durchschnittlich 2,49 Proz. der Vcrbandsmitglieder arbeitslos waren, stieg die Ar- beitslosenziffer im Jahresdurchschnitt 1912 auf 3,15 Proz. In der angegebenen Mitgliedcrzahl sind 7103 weibliche und 1116 jugendliche Mitglieder entbalten. Bei ersteren be- trug die Zunahme 844 oder 13,3 Proz. Bei den Jugendlichen be- trug die Zunahme 293. Als jugendliche Mitglieder mit der Hälfte des Vollbeitrages werden ungelernte Arbeiter bis zum Alter von 17 Jahren geführt; Lehrlinge nimmt der Holzarbeiterverband nicht aus. Hat die Mitgliederzunahme auch nicht ganz den gehegten Er- Warlungen entsprochen, so zeigt die Fluktuation der Mitglieder einen erfreulichen Rückgang Man berechnet die Fluktuation, indem man zu dem stand am Jahresbeginn die Zahl der im Laufe des Jahres aufgenommenen Mitglieder addiert. Mit dieser Zahl vergleicht man die Zahl der Mitglieder, die im Lause des Jahres verloren gegangen sind. Im Jahre 1912 wurden 51 370 Mitglieder aufgenommen, das gibt mit den 182 750, die zu Be- ginn des Jahres vorhanden waren 234 120. Da aber am Jahres- fchlutz nur 196 OjO Mitglieder vorhanden waren, sind im Laufe des Jahres 37 310 durch Austritt, Ausschluß, durch den Tod, oder Ein- tritt zum Militär wieder verloren gegangen. Das sind 1 5, 9 Proz. der Mitglieder, die vorhanden gewesen wären, wenn der Verband keine Verluste zu verzeichnen gehabt hätte. Diese Flukrnation be- trug im Jahre 1908 noch 25,6 Proz., seither geht sie, von geringen Schwankungen abgesehen, andauernd zurück, sie betrug 1909 21,6 Proz., 1910 22,1 Proz., 1911 16,8 Proz. Wenn die Fluktuation immer noch ziemlich hoch ist, so gelingt es dein Verband doch in steigendem Maße die gewonnenen Mitglieder zu halten. Die gestiegene Arbeitslosigkeit bat die Ausgaben des Verbandes für Arbeitslosen- und Reiseunterstützung, auch die für Kranken- Unterstützung beträchtlich anschwellen lassen.. Insgesamt beträgt die Summe, die den Migliedern des Verbandes ans der Hauptkasse und den Lokalkasscn in Gestalt von Unter st ützungen wieder zugeflossen ist 3 6 7 6 1 8 0 Mark. Aus die einzelnen Unter- stützungszioeigc verteilt sich diese Summe folgendermaßen: Reisennterstützung Arbeitslosenunterstützung... Streikunterstützung..... Krankenuntersiützung.... Gemaßrcgellenunterstützung.. Sterbegeld........ Umzugsunter slützung.... Notfallunterstützung.... Rechtsschutz....... Einen wesentlichen Rückgang haben 140 133 13 M. 1389 486,79„ 876 242,40, 989 633,53„ 71 587.17„ 65 610,—» 47 609,96. 72 755,—, 23 122,92„ nur die Ausgaben für Streikunterstützung erfahren, die im Jahre 1911 eine außerordcnt- liehe Höhe erreicht hatten; hat doch der im Jahre 1911 geführte Streik in Hamburg allein mehr als 1% Millionen Mark gekostet. Infolge der Verminderung der streikkosten hat das Verbands- vermögen eine beträchtliche Steigerung erfahren. Einschließlich der Bestände in den Gau- und Lokalkassen verfügte der Ver- band am Jahresschluß über 7221570 M. Nicht so ganz umfangreich als in, Vorjahr waren die Lohn- bewegungen, die im Jahre 1912 geführt wurden; immerhin weist die Streikstatistik 961 Lohnbewegungen mit 51449 Be- teiligten auf. Im Jahre 1911 waren 956 Lohebewegungen mit 62 796 Beteiligten geführt worden. Die überwiegende Mehr- zahl der Lohnbewegungen, nämlich 543 Angrisssbewegungen mit 35 140 Beteiligten und 33 Abwehrbewegnngen mit 769 Beteiligten, konnten obnc Kampf durchgeführt werden. Von den Lohn- streiks und den Aussperrungen ist es der Unternehmer, der den Zeitpunkt deS Kampfes bestimmt. Trotzdem ist auch der weitaus größte Teil der Abwehrkämpfe von den Arbeitern mit Erfolg ge- führt worden. An Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, 3 bis 4 Stunden pro Woche für 37 Personen und eine Lohnkürzung pm durchschnittlich 1,39 M. für 137 Personen. Daneben wurde neben einer erfolgreichen Abwehr von Ver- schlechterungen an positiven Erfolgen erzielt: Für 3 1 382 Per» fönen eine Arbeitszeitverkürzung um durchschnittlich 2 Stunden pro Woche und für 37782 Personen eine Lohnerhöhung um durchschnittlich 2,0 4 M. pro Woche. N:cht ganz uninteressant" dürfte die Feststellung sein,-daß diese Lob.?« erhöhnng den Beteiligten zusammen eine Erhöhung ihrer Wochen- einnahmen um 77 378 M. bringt: in einem Jahre beträgt also die Lohnerhöhung ca. 4 Millionen Mark, selbst wenn man von den sonstigen Erfolgen der Lohnvewcgungcn abseben und man an» nehmen wollte, was aber in Wirklichkeit durchaus nicht zutrifft, daß die gesamten Streiktosten zur Erzielung dieser Lobstcrböbung verwendet worden wären, würden diese Kosten durch den erzielten Erfolg reichlich aufgewogen. Die Beiträge, welche die Arbeiter an ihre Gewerkschaft zahlen, tragen also scbr reichliche Zinsen und der Deutsche Holzarbeiterverband insbesondere bat nickt nur durch sein Wirken im Jahre 1912, sondern auch tu sehr augenfälliger Weise durch die eben beendete große Tarifbewegung bewiesen, daß er es verftebt, mit verhältnismäßig geringen Mitteln große Erfolge für seine Mitglieder zu erringen._ Zum Tapeziererstreik in Nürnberg. Die Nürnberger Tapczierermcistcr bemühen sich unter'Au,- bietung aller Mittel, die streikenden Gehilfen zur Anprkcnnung des Untcrnehmertarifs zu zwingen. Ter alte Tarif wurde vom Unter» nehmervcrband mit der Motivierung gekündigt, das Gewerbe fei nicht imstande, den bisherigen Tarif länger einzuhalten. Die Ge- Hilfen nahmen den Kampf auf und stellten Forderungen an dia Unternehmer. Ter Kampf ist ein sebr hartnäckiger und währt schon etwa sechs Wochen. Da alle Versuche, Arbeitswillige u, größerer Zahl nach Nürnberg zu ziehen, bisher scheiterten, so ver- suchen die Unternehmer jetzt, in Pressenotizen es so darzustellen, als fei der Streik beendet. Dadurch hoffen sie, leichter, namentlich aus Oesterreich, arbeitslose Tapezierer nach Nürnberg zu be- kommen. Ausdrücklich sei scitgestellt, daß an eine Beendigung des Kampfes so lange nicht gedacht wird, so lange sich die Unternehmer nicht entschließen, den von den Gehilfen aufgestelllen Forderungen entgegenzukommen.— Vor Zuzug von Tapezierern nach Nürnberg muß dringcnd gewarnt werden. Der Kamps treibt übrigens recht eigenartige Blüten. Weil es nicht gelingen will, Arbeitswillige zu bekommen, hat der Bäuerische Schntzvcrband für das Tapezicrergcwcrbe selbst seine Mannen auf- geboten. Klcinmeiüer aus anderen bayerischen Städten kommen nach Nürnberg. In Kolonnen von 3—4 Mann arbeiten sie ab- wechselnd bei den Unternebincr», die durck, den Kampf am meisten im Druck sind. Nach einigen Tagen reisen die Meister wieder in die Heimat zurück, und eine neue Meisterkolonne übernimmt den Arbcitswilligcndienst. Sogar der Vorsitzende des Schutzverbandes. der in München Inhaber eines größeren Betriebes ist, ist an dieser Kolonncnarbcit vcteiligt. Durchs das Meistcranfgebot aus dem ganzen Lande glauben sie die streikenden wankend machen gu können. Nutzen wird dieses Beginnen des Schutzverbandes gar nichts; es beweist nur, daß das Gewerbe die geringen Forderungen der Gehilfen sehr wohl tragen kann, wenn�sich die Unternehmer den sehr teuren Luxus dieser eigenartigen Streikbruchmcthodc ge- statten können. �_ Ter Streik der Münchcncr Bäcker und Konditoren nimmt einen recht günstigen Verlauf. In der ersten und zweiten Nacht des Streiks standen annähernd 209 Bäckereien still, weil die Bäcker- meister keine Streikbrecher bekommen konnten. Sie suchen sich übrigens auf folgende Art zu helfen: In jedem Kleinbetriebe, der mit Maschinen versehen ist, arbeiten aus der Nachbarschaft 3 ins 5 Kleinmeister unter Zuhilfenahme ibrer Verwandten, der Ver» käuferinncn und der Dienstmädchen dieser Bäckereien, sie er- zeugen gemeinsam einen kleinen Teil der Backware, den sie in ibren Geschäften brauchen. Die hergestellte Ware nr allerdings kein„Meisterstück", sondern sieht so erbärmlich aus. dag auch das bürgerliche Publikum sie zurückweist. Eine Bäckerei arbeitet Mit 12 Studenten als Streikbrecher, in anderen Betrieben bcbclsen sich die Meister vereinzelt mit Inhabern kleinerer Geschafle, die xruhcr Bäcker waren.„........ Der Streik wirkt so. daß jetzt 224 Bäckermeister mit->80 Ge. Hilfen die Forderungen bewilligt haben: also mehr als ein-drittel der Bäckereien von München sind zum Nachgeben gezwungen wor. den. Streikbrecher von auswärts konnten lrotz der Wcrbetätig» keit von Agenten nur fünf hcrangeschafft werden. In den großen Gastwirtschaften, in denen Urbeitcr verkehren. spielen sich in der Frühstücks- und Mittagspause recht interessante Austritte ab, weixi, die Gäste geschlossen an den Wirt das Ver- langen stellen, boykottfrcies Gebäck anzuschaffen oder aus den Ver- kehr seiner Gäste verzichten zu müssen. � Das Gcwcrbegericht München hat an die Streikleitung die An- frage gestellt, ob die Streikenden auch jetzt noch zu Verhandlungen und zum Abschluß eines korporativen Tarifvertrages bereit ivären, was von der Streikleitung bejaht wurde. Einerlei, ob»och eine Einigung zustande kommt oder nicht: die nächsten Tage schon dürfte eine für die Streikenden außerordentlich erfolgreiche Beendigung des Kampfes bringen.— Tic Streikenden babcn sich bisher mustcr- bast verhalten und durch Flugblattvcrbrcitung sortwährend für Aufklärung unter der Bevölkerung gesorgt!— Zuzug nach München ist auch ferner noch zu vermeiden! j+etzte Nachmbtcn. Ter kaiserliche Gnadenfonds noch einmal gerettet. strahburg, 11. April.(W. T. B.) Tic Zweite Kammer hat in ibrer Nachmittagssitznng oie dritte Lesung des Etats beendet und den letzteren mit allen gegen die Stimmen der Soziatdemo- traten angenommen. Den bemerkenswertesten Punkt in der Be- ratung bildete die Abstimmung über den kaiserlichen Gnadenfonds. Nachdem dieser gemäß einem Abändcrungsantrage des Zentrums und der Fortschriitler wieder in den Etat eingesetzt war, gelangte er mit 27 gegen 19 Stimmen zur?lnnahmc. Ei» abgeblitzter Tbronanwärter. Wien, 11. April.(W. T. B.s Der Präsident der provisorischen Regierung von Albanien Jsmael Kcmal erklärte in der albanischen Korrespondenz, der Hauptzweck seiner Europareise mit Jssa Bol- jetinatz sei, gegen die Lostrennung Kossowos von Albanien zu protestieren und Europa aufmerksam darauf zu machen, daß wegen der grenzenlosen Rot in Albanien sofort nach Räumung des Landes von den fremden Truppen eine umsasseirdc Hilfsaktion eintreten müsse. Kemal erklärte ferner, daß er dem Herzog von Montpensser. der ihm seine Absicht, sich um den albanischen Thron zu bewerbe«, mitgeteilt habe, seine Unterstützung verweigert habe. vttäntw. Rebakt.:«lsr-d Wieievv, Neukölln. Inseratenteil berantw.: Ab. Glocke. Berl.n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buwor. u Verlagsanstalk VaulSingeraEo..BerlinLW. Hierzu 4 Beilagen mUnterhaltungSbl.' 91.86. M. Z-Hrzm-. 1. Reichstag. 137. Sitzung. Feitag, den 11. April ISIS, nachmittags 1 Uhr. Am BundeZratStisch: Ä ü h n. Die Veratung der Deckungsvorlagen wird fortgesetzt. Abg. v. Pnycr(Vp.): Der einmalige Wehrbeitrag hat im ab- gemeinen eine freundliche Aufnahme gefunden. Auch wir erheben keinen prinzipiellen Widerspruch dagegen. Freilich lvird er in der Kommission e r b e b l i ch umgeändert werden. Einig war man auch darirt, datz eine B e s i tz st e u e r die-Zmal die Lasten auf- bringen müsse. Damit ist aber die Einigkeit auch schon zu Ende. Die Sozialdemokratie hat zu erkenucn ge- geben, sie werde, obwohl sie Gegnerin der Wehrvorlage ist, an der Gestallung der DeckungSvorlagcn positiv mitarbeiten: das Zentrum aber verlangt, das; dieselbe Wkehrheit und zwar eine bürgerliche, die Dcckungs- und die Wehrvorlage bewilligen mutz. Das ist eine ganz unhaltbare Forderung, die zu ganz lächerlichen Konsequenzen führen mutz. lSehr richtig! links.) Nun zu den Vorlagen. Um zu der V e r st ä r k u n g' des K r i c g s s cb a tz e s itr Gold und Silber Stellung zu nehmen, reidbt das Material nicht aus lSehr richtig! bei der Volksparlei), zumal die Sachverständigen diametral entgegengesetzter Meinung sind. Bei den Deckungsvorlagen sind die für die lausenden Ausgaben die wichtigsten. sSebr lvabr l bei der Volkspartci.) Sie bieten aber nichts als das herkömmliche Bukett der verschiedensten Steuerentwürfe, durch nichts zusammengehalten als durch den Gesichtspunkt, datz sie alle mehr Geld bringen sollen. Das Erb- recht des Staates wird nicht so viel bringen, als die Schöpfer der Vorloge glauben; besser wäre es, alle die Erbschaften stark anzufassen, die ohne Testament an den Fiskus fallen würden. Mit dein Weiterbe st che n der Zucker st euer werden wir uns abfinden; mit ihrer Ermätzigung wird es noch gnte Weile haben. Dagegen finden wir uns nicht ab mit dem Weiterbeslehen deS Reichszutchlags auf den U m s a tz st c m p e l. Der Grundstücks- markt ist durch das Wertzuwachssteuergesetz ohnehin schiver genug belastet; hätten wir gewutzl, wie es wirken würde, so hätte wohl niemand im Hause ihr zugestimmt. Wie kann der Schatzsekretär sagen, Handel und Verkehr werden nicht geschädigt, wenn der Ab- schlutz der Versicherungsverträge mit 30 Millionen Mark mehr belastet wird I Weiftl die Einzelstaaien zu sehr Widerstand leisten, so wird schlietzlich auch ihre E i n k o ni m c n st e u e r angetastet werden müssen.<2chr Ivahr I bei den Sozialdemokraten.) Die Reichs- Vermögenssteuer geht ihren Weg. Die Verweisung auf 1313 halten wir nicht für angebracht. So edle Gefühle, wie sie damals zutage getreten, sollte inan nicht als V o r s p a n n ausnutzen zur Durch- bringung von Heeresfordcrungen, deren Notivendigkcit doch erheblich problematischer ist.«Sehr wahr! links.) Nichtig ist ja, datz es sich dabei um eine Besitzsteuer handelt. Der Hanptwert dieser Steuer kleines feuiUeton. Homburger Kaisertage. Die bürgerlichen Blätter, die den Raum, die Zeil und die Leser dazu haben, melden:„In Homburg verlebt man jetzt goldene Tage. Ter Kaiser bat angeordnet, datz der Bedarf der Hofhaltung ausschsietzlich von Hamburger Geschäftsleuten bezogen wird und datz keine Bevorzugung stattfindet. Bei dem Einkauf von Obst. Backware und Fleischware wird täglich ein anderer Geschäfts- mann berücksichtigt, so datz keiner zu kurz kommt" Dafür laufen diese Sechscrrenlicrs auch der Prinzessin nach, wo ste sie zu"sehen bekommen, und umlagern die Geschäfte, in denen die Hoheit kauit— denn das habe» sie noch nie gesehen... Palriolismus— schön. Aber während sie demütig den Landes- Herrn grützen. wachen sie ängstlich darüber, datz der Nachbar Cbristeinicke auch nickt ja etwa ein Paar Stiefel mehr zu besohlen bekommt als sie selbst. Und man hat sie durchaus richtig cintaxicrt, als man jene Ver- fügung herausbrachte. Denn sonst hätte das Hurraaah! auch nicht so schön laiu aeklungen, und die Zeilnngen hätten nicht so schmalzige Anikel gebracht, und all die kleinen Bürger wären nicht so prograinmätzig aus dem Häuschen geraten, als ihr geliebter Kaiser einzog. Zn Wiesbaden ist es so, und sieht man scharf hin— überall. Tbealer. Königliches Schauspielhaus: Veit Stotz, Schauspiel von Tim Klein. Ein Stück, wie sie zu Dutzenden geichrielen werden von, regsamen, vielseitig talentierten jungen Leuten, die ihren durch Bildung und Lektüre unterstützten guten Willen, was zu dichten, für die Verheitzung dichteriichen Könnens halten. Es gibt da Einfälle, die, so lange sie im Lichibereiche der Gedanken schweben, nicht so übel scheinen, denen leider nur gar kein Vermögen, sie in lebendig wirkende Gestaltung umzusetzen, zur Seite steht. Dem jugendlichen Autor hatte wohl etwas ivie die Idee eines Künstlerdramas, dessen Held in ungezähmter Leidenschast deS Schaffensdranges und von dem Hockgefühle seiner„Einzigkeit" bc« rauscht, jeden Sinn für die Gebote menschlich bürgerlichen Rechts Verliert und seine lleberhebung tragisch bützen mutz. Aber Held und Schicksal, in dem jenes Allgemeine sich vollzieht, die Organe poetischer Verbildlichung entbehren wie der Dialog(von wenigen Ansätzen abgesehen) vollständig ages eigene intimere Interesse. Wenir im Anfange noch im Tenor eindrucksvollere Wendungen an- klingen, verläuft sich die Geschichte je länger destcr mehr in ein Gewirr langweilig-gleichgültiger Begebenheiten. Veit Stotz, der zur Reformationszeit lebende Nürnberger Bildschnitzer. der Scköpser deS berühmten Englischen Grutzes in der dortigen St. Lorenzkirche, figuriert� bei Kleilr als Urkundenfälscher aus Kunstbegeisterung! Der alte sterbenskranke Bürgermeister, der zur Besöroerung seines Seelenheils ein frommes Bildnis stehlen will, neigt dazu, einem Welschen, dem Konkurrenten Veits, die Arbeit zuzuweisen. Veit aber, überzeugt, in einem solchen Werk sein Höchstes »u erreichen, benutzt des allen Mannes Sterbestunde, um ihm daS Ks„Nsmiirls" i'fdinci j ist, datz sich im Kopfe der Besitzenden der Gedanke festsetzen muh, datz jeder neuen Wehrforde rung eine Wehr st euer folgen mutz, wie die Thränen auf die Zwiebel(Heiterkeit), dann werden wir sicher ruhigeren Zeiten entgegengehen.(Sehr richtig! links.) Die Staffelung wird ja sicher beschlossen werden. Richtig wäre auch eine Rücksicht auf die Kinderzahk Die'Doppelbesteuerung der Aktiengesellschaften ist ganz un- berechtigt. Sic soll in letzter Stunde auf Betreiben agrarischer Kreise gegen den Willen der Verbündeten Regierungen hineingekonnnen seien.(Hört! hört! links.) Datz sich in dem Entwurf andererseils auch eine Begünstigung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes befindet, ist ja nur selbstverständlich.— Datz die B u» d e s s ü r st e n an sich von Reichssteuern befreit sind, steht keineswegs fest. Im übrigen handcli es sich hier nicht um eine juristische, sondern eine moralische Frage.(Sehr wahr!) Der Entschlutz der Fürsten, sich auch als Steuerzahler wie jeder andere zu betrachlen, ist im Volke mit grotzer Freude und Dankbarkeit aufgenommen ivorden. Dreiviertel dieser Freude würde aber verschwinden, wenn die Fürsten etwa nur bereit wären, im Gnadenwege ein von ihnen selbst zn bcmcssendeS Scherslein zu den Ausgaben der Webrvorlage beizutragen. Man sollte im Jnteresjc der Beteiligten selbst vorsichtig auf diesem Ge- biete sein.(Sehr wahr! links.)— Den Beratungen der Kom- Mission sehen wir nach den Erfahrungen mit der letzten Finanz- reformkommission nicht mit g rotzein Vertrauen entgegen. Wir werden aber unser möglichstes tun, um Unheil zu verhüten und um die Lasten gereckt und auch mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Folgen dieser Belastung zu verteilen.(Ledhafter Bei- fall links.) Abg. Frhr. v. Gamp(sk.): Mit der Vorlage der Wehrbeiträge ist die Zusage einer allgemeinen B e s i tz st e u e r zur Deckung der Militärvorlage erfüllt. Dem stimmen wir zu. protestieren aber dagegen, datz das Reich auch in Zukunft auf alle indirekten Steuern verzichten soll. Das wird namentlich bei Vorlagen, die vor allem den arbeitenden Klassen zugute kommen, nicht möglich sein. Wir sind dem Herrn Reichsschatzsekretär, den ich trotz der Erklärung des Herrn Südekum für den Vater der Wehrbeitragsvorlage halte, für diese Vorlage dankbar. Datz sie seil ihrer Einbringung an Shmpalhie verloren hat, bestreite ich. Im Gegensatz zn anderen Steuern, die immer die Kreise für gereckt halten, die sie nicht zu zahlen brauchen,(Heiterkeit) sind hier gerade die vom Wehrbeiirag Betroffenen gern bereit, ihn zu leiste». Die Feststellung eines Verkaufs- oder Verkehrswcrtes von Landgütern ist meist fast unmöglich, das sollte auch dem Senatspräsideiileu S t r u tz, den Herr Südekum zitierte, bekannt sein. Aus dem Fehlen einer Bestimmung über die Beteiligung der Landes- für st e n an dem Wehrbeitrag darf man keineswegs schließen, datz die Fürsten ohne iv eitere S ver pflichte: sind, ihn zu zahlen. Jedenfalls aber mutz festgelegt werden, datz auch die Landessürsten denselben Wehrbeiirag zu zahlen haben. Einer m a tz v o l l e n Staffelung des Wehrbeitrages stimmen wir zu. Datz die A k t i e n g e s e l l l ch a f t c n in matzvoller Weise zur Be- steuening herangezogen werden, scheint mir bei dem E r n st der Lage, in der ivir uns befinden, durchaus geboten. Herr v. P a y e r klagte bei der Veredelung der Matrilularbei- träge über den Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaten. Dann aber verlangte er eine ReichSvermögenssteuer, die einen viel stärkeren Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaien darstellt. Am besten wäre es, über die Art der Ausbringung der Mittel durch die Einzelslaaten gar nichts in daS Gesetz aufzunehmen; wir bleiben dann auf dem Boden der Verfassung, datz Fehlbeträge durch Matrikularbeiträge auszubringen sind. Eme Veranlagung zur Vermögenssteuer durch das Reich, selbst wenn eine ReichSvermögenssteuer existierte, wäre ganz undenkbar; man kann neben die staatliche Veranlagung nicht noch eine durch das Reich setzen. Höchstens könnte man noch einen Reichsvermögens- stencrkonlrolleur schaffen.— Auch wir kaprizieren uns wie die Nationalliberalen nicht auf eine bestimmte Steuer, die Hauptsache ist auch für uns eine Verständigung zwischen den b ü r g e r- I i ch e n Parteien im Interesse des Vaterlandes.(Bravo I rechts!) Abg. Graf Posadowökp(wild): Es scheint einmütige Absicht deS Hauses, die Deckungsvorlagen nur gemeinsam mit der Wehr- Vorlage zu verabschieden. Ich begrüße das, wie auch die Absicht, dem Besitz die Kosten dieser Vorlage aufzuerlegen. Ich will nur zur Vorlage über das Erbrecht des Staates sprechen. Ich bedaure außerordentlich die Molivierung dieser Vor- Dokument des Auftrags zu entreihen, und stempelt eS mit bürger- mcisterlichem Siegel. Eine gründlich abgeschmackte, ja unmögliche Erfindung, deren plumpe Kriniinalistik bei allen grotzen Vivatredcn auf die Kunst die Möglichkeil der Sympathie mit Veit von vornherein im Keim erstickl. Den Meister freilich ficht das loenig an. Kein Schatten trübt seinen schönen Seelenfrieden, als er sich an daS Werl macht. Bärbclchcn, die Tochter, sein größter Stolz, die er keinem Freier gönnt, steht ihm Modell zu der Maria. Triumphierend zeigt er den Ratsherren und dem verehrten Dürer das glücklich voll- endete Gebilde, die fromme Reinheit in der Jungfrau und des Engels Zügen regt ihn nickt im geringsten zu störenden Vergleichen an. Was er getan, rächt sich ganz äußerlich— dadurch, datz die Affäre schlietzlich doch herauskommt und eine schwere Menge Unheil (unter anderem Mord und Totschlag) stiftet. Nach Nürnberg, aus dem er flüchtete, mit Bärbelchen zurückgekehrt, verleidigt er sich vor Gericht rhetorisch, indem er an die Schönheit seines Werkes appelliert. Ein Betrug, der jener Schöpfung zum Leben verhalf, kann unmöglich mit dem allgemeinen Matz gemessen werden! Natürlich wird er verurteilt. Und da genügend Zeit vorhanden, erlebt man noch zwet weitere szenische Verwandlungen: Veit steht am Pranger; und Veit ersticht sich an der Seile seines Värbelchens, die aus Kummer ob der Schande ins Wasser sprang. Herr K r a n tz n i ck und Fräul. T h i m i g spielten die beiden Hauptrollen gewiß nicht ohne Feinheit, doch ohne datz es ihnen irgendwie gelang, das Manko dichterischer Phantasie in den Figuren aus Eigenem zu ersetzen. Die stärkste Illusion ging vom Dckora- tiven, der ausgezeichneten Wiedergabe des Englischen GrußeS in deS MeijlerS Werkstatt aus. fit. Deutsches Schauspielhaus. Harry W a l d e n zieht jetzt für sein Gastspiel den Fuldaschen„D u m m k o p s" aus den dicken Staubschichten der letzten Biihncnjahre hervor. An seiner Leistung gemessen, dürste bei dieser Wahl der Antrieb, der gleich und gleich gern auf dieselbe Bank zusammenrückt, im Spiel gewesen sein. Fulda gibt in dem„Dummkopf" einen Schwächling an Weltverstand für einen höchst vortrefflichen Burschen aus; er sagt, der Bursche sei einer von den Menschen, die ein Phantasieleben führen, und setzt ihm als Zubehör die Brille absoluter Gutmütigkeit auf die Nase, die ihn gänzlich unfähig zu machen hat, die Nealiiäten des Lebens zu sehen, wie jie wirklich sind. Gleichivobl erklärt ein gesnchtsr Psychiater den io Hergcrichtetcn für geistig durchaus normal. Fulda ver- band die Figur mit einer Handlung, aus der sich allerlei erheiterndes Nebenwerk abspinnen ließ: eine unter absonder- lichen Umständen geerbte Million wird wie eine unwillkommen- ärgerliche Last freudig an eine lauernde Verwandtschaft weggeschenkt, und eben diese Leistung bringt dem kleinen Bankbeamten Justus Häbcrlein den Namen Dummkopf ein. Die Handlung unter- hält mit Schwankeinzelheiten, aber in der Zeichnung der Hauptfigur versagte Fulda vollständig und Harry Walden wiederum war ganz Fulda. Mit sichtbarem Wohlgefallen gab er sich der Gelegenheit bin, den gutherzig-schwachsinnigen Simpel Justus in den seicht- fühligen Tönen einer Marlittanei abzuspielen. Er weiß, daß solche Bettelsuppen ihr bcifalllobendcs Publikum haben. �ctr. 0 lllSllIdti �onnltbtlld, 12. April 1913. läge. Es wird in ihr geradezu ein Z e r r b i l d des deutschen Familienlebens gezeichnet, lediglich aus finanziellen Gründen. (Hört! hört!) Die Regierung sollte vielmehr alles tun, um den bestehenden Uebelständen entgegen zu treten und die Familien- bände zu stärken.(Sehr richtig! rechts, Lachen bei den Sozial- demokratcn.) DaS Anfechlungsreck: cincS Testaments, daS jetzt nur den Erben zusieht, soll dann der Fiskus erhalten. Welch erbitterte Prozesse dadurch zwischen den Erben und dem Fiskus entstehen werden, können Sie sich ausmalen. Im Gesetz ist ferner davon die Rede, datz die Regierung nicht beabsichtigt, auch Verwandten zweiten GradeS und Geschivistern daS Erbrecht zn nehmen. Das ist die Er- klärung der gegenwärtigen Regierung. Alle Regierungen wechseln — dafür bin ich ein lebendes Zeugnis.(Heiterkeit.) ES toerden neue Finanzbedürfnis sc entstehen, sehr bald, verlassen Sie sich darauf(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraren), und dann wird eine neue Regierung vielleicht über diese zarten Bedenken hin- wegkommen und wird sogen, die allgemeine Rechtsauffassung spricht sich jetzt dafür aus, datz auch in solchen Fällen die Erbschaft für die Allgemeinheit in Anspruch zu nehmen ist. Zweifellos nötigen die Kosten dieser Wehrvorlage dazu, die bc- sitzenden Klassen zur Deckung heranzuziehen. Aber auch das, tvas man dem Besitz auferlegen will, hat seine Grenzen, wenn man nicht die E r lv e r b s f r e n d i g l e i t und den S p a r s i n n ernsthaft ge- fährden will.(Sehr richtig! recht-?. Lachen bei den Sozialdemo- kraten.) Wir haben viele Finanzreformen erlebt, das beißt neue Steuern mit dem Namen„Finanzreform".(Sehr wahr! b. d. Soz.) Es werden noch viele Finanzreformen kommen, und wir werden das, was zur Sicherheit des Reiches noiivendig ist, unbedingt bezahlen müssen. Alle Luxusausgaben müssen gestrichen werden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sie selbst haben das früher nicht gemacht!) So weit mein Einfluß reichte, habe ich das immer geian. Die Regierung hätte auch die Pflicht, sehr viel schärfer den Haus- halt der Gemeinden zu kontrollieren(Widerspruch links) und nicht zu dulden, datz sie Anleihen lediglich für Luxus- ausgaben machen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Welche Gemeinden sind denn das?) Ich hoffe, datz wir zu den Wirtschaft- lichen Prinzipien der Zeit vor hundert Jahre» zurückkehren und wirklich in Reich, Staat und Gemeinden Sparsamkeil üben, nicht mit schönen Worten, sondern auch mit Taten.(Bravo! rechts.) Reichsschatzsekretär Kühn: Die Einwendungen des Vorredners gegen die Vorlage über das Erbrecht des Staates werden natürlich geprüft und so weit wie möglich berücksichtigt werden. Was aber die von ihm kritisierte Begründung betrifft, so ist sie nicht neu, sondern hat in demselben Wonlaut schon 19v8/0g vorgelegen, ohne damals angegriffen zn werden. Tie Bemerkungen über das Familien» leben sind einfach die Feststellung einer Tatsache. Die Finanz- Verwaltung findet sich im übrigen damit ab, datz ihr von der Gegen- wart keine Kränze geflochten lverden. Wer vieles nimmt, wird jedem etwas nehmen.(Große Heiterkeit.) Dank kann die Regierung dafür nicht erwarten. Abg. Emme!(Soz.): Die Rede des Grafen Westarp ließ keinen Zweifel darüber, daß von der patriotischen Opferwilligkeit, die er im Munde führt, in s e i n e ni H e r z e n nichts z u f i il d e n ist. Den Konservativen wären indirekle Steuern weil lieber gewesen. Natürlich bemühen sie sich, die Opfer des Grundbesitzes möglichst niedrig zn ge- stalten, und das Zentrum hätte ihnen am liebsten geholfen, wenn nicht die Wahlen von 1312«ine gar so beredte Sprache gesprochen hätten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir Sozialdemo- kraten sind* grundsiitzlichc Gegner indircktcr Steuern, wir wenden uns auch gegen jede Iveitere Belastung der Arbeiter. Die wichtigste Aufgabe des' heutigen Staates ist ja die Aufrecht- crhaltuug der Ausbeutung, dem dienen Justiz, Polizei und Militär. Ich erinnere nur an das Wort vom Schießen auf Bater und Mutter. Die Arbeiter haben also gar keinen An- lab, Lasten für den Staat zu übernehmen. Indirekt zahlen sie ja genügend, da sie ja auch alles das ausbringen müssen, was die Be- sitzenden zahlen, denn der Besitz und das.Kapital allein sind nicht wcrtbildcnd.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Graf W e st a r p wies onf die Steuern der Arbeiter für Partei und Ge- wcrkschaslcn hin. DaS sind leine Steuern, sondern freiwillige Mitgliedsbeiträge.(Graf Westarp: Wer sie nicht zahlt, wird auf die Straße gesetzt!) Dazu bedarf eS doch der Mitwirkung der Kapitalisten; wenn übrigens Arbeiter mit Streikbrechern, Hintzegardisten• und ähnlichen Elementen nicht zusainmenarbeiten wollen, so beweist das nur, datz sie trotz dieses Humvr und Satire. Der bayerische P r c n ß e it r i t t. Wer saust daher auf wildem Gaul? Wer nimmt so voll das große Maul? Und kommt sich als der Klügste vor? Das ist der Herr Generalmajor. Er reitet stramn, und reitet stolz,/ Und mit des„Witzes" Flegelholz Trifft er, bevor maus htndern kann, Den Kamerad und Zentrumsmann. Hallo, das war ein ander DingS l Und sieben Bänke weiter links Da hat es böse aufgeblitzt— Und eine fiel und diese sitzt.' Da holt der Generalmajor Von neuem seine Plempe vor Und haut wie ein Berserker drein—- Und fällt zum zweiten Mate rein. Und aus der linken Ecke wird Dein tapfern Helden so pariert, Datz er sich allsogleich bcfund Wie ein begoss'ner Pudelhund. Kasernenhof und Parlament, Die sind verschieden eminent-- « Dort sperrt man seine Lade auf Und hier bekommt man eine drauf. B a u tz. Notizen. — Theater chronik. Der Verein„Versuchsbühne" bringt ini Neuen Volkstheater am 25. April Hebbels Trauerspiel „Julia" zur Aufführung. »— Theater jenseits der Grenze. In Oesterreich ist S ch n i tz l e r S Drama„Professor Bernhardi"(mit Rücksicht aus die Pfaffen) verboten. Wie hilft man sich? Indem man das Drama in Budapest spielt(als Gastspiel Barnowskys) und die Wiener im Extrazug hinüberbetördert. — Eine moderne Gemäldegalerie in Dresden. In Dresden ist für die modernen Bilder in der königlichen Samm« lung schon lange mehr lein genügender Raum. Mail plant daher einen besonderen Neubau für sie. Der Rät hat jetzt dafür einen Beitrag von 533 303 M. bewilligt. —» Flugpreise. Zum Bewerb um den von der„Daily Mail" ausgesetzten Preis von 233 333 M. für einen Flug über den Atlantischen Ozean meldeten sich nach der„Umschau" der Engländer Gordon und der Deutsche Rilmpler, für den 103 330 M.-PreiS für einen Flug um Britannien Bleriot und Cody. — Zur Erbaltungder Indianer musik wurde jetzt in den Vereinigten Staaten ein besonderes Bureau geschaffen. Die vorhandene Jndianermufik soll gesammelt und in den Jndianerschnlen verwendet werden. genngen Einkommens mehr Ehrgefühl kiab en, alz in den Kreisen der Besitzenden zu finde» ist, die ihr Einkommen mit zweifelhaften Elementen im Spiel vergeuden. (Seht gut! Bei den Sozialdemokraten.) UeBcr 160 Millionen Mark haben die Gewerkschafien an Reise-, Arbeitslosen- und Kranken- imlerstützmig bezahlt.(Zuruf rechts: Und die Gehälter dieser Beamten?> Diese reichen nicht entfernt an das, was der S p i r i t u s r i n g Herrn K r e t h zahlt(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), und was die Direktoren des Bundes der Landlvirte von den K o n s e r b a t i v e n bekommen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Dazu kommen die ungeheuren Borteile, die die Gewerkschaften den Arbeitern durch erfolgreich durchgeführte Lohn- crhvhimgeu gebracht haben. Wir begreifen, dasi die Herren Kon- fervativen sich darüber ärgern. Die Arbeiter haben stets so viel SleinlichkeitSgefühl- gehabt, das) sie sich aus Korruptions- foudS, Kalischmiergeldern usw. nichts haben zuweisen lasten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraicn.) Herr Speck meinte, mein Parteifreund Südekum wolle mit den Stcuerbewiüizungen noch über die Borlage hinausgehen. Dabei hat Südekum keinen Zweifel darüber gelassen, dah uns die Ab- lehnung der Wehrvorlage und damit der D e ck u n g S- Vorlage das lieb st e wäre! nur wenn die Wehrvorlage angenommen wird, wollen wir die Deckung so gestalten, daß die Besitzenden die Lasten tragen.(Zustimmung bei den Sozial- demokraien.) Graf P o s a d o w S k y hat altpreuszifche Sparsamkeit empfohlen. Er hätte sie üben sollen, als er noch im Amte war. Er wies sölbst darauf hin, dah die Regierung sehr bald von neuem Geld brauchen werde. Da hätte er doch die Konsequenz ziehen und die Vorläge ablehnen müssen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Sehr entschiedenen Einspruch erheben wir gegen die V e r- längerung der Zuckersteuer. 1909, als sie zum ersten Male verlängert werden sollte, sagte Graf Schwerin, das sei das stärkste, was er an Wandlungen der Anschauungen erlebt habe (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), eS würde im Lande als eine Verletzung von Treu und Glauben angesehen werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) Jetzt scheint sich sogar Herr v. P a y e r damit abgefunden zu haben. Bei der Besitzsteuer will man alle möglichen sozialen Elemente berücksichtigen, die Zucker- steuer aber, die gerade die große Masse belastet, will man leichten Herzens verlängern. Mit dem Webrbeitrag sind Ivir grundsätzlich ein« verstanden. Dafür, daß auch die Fürsten ihn zahlen wollen, ist Herr von Payer ihnen dankbar. Bon Dankbarkeit kann gar keine Rede sei«, es ist schlimm genug, daß die Fürsten sich bisher von allen Steuern gedrückt haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gerade Herrn v. Payer hätte bei dieser Gelegenheit ein wehmütiges Gefühl be- schleichen müssen, da ja der König von Württemberg soeben in eine Lohnbewegung eingetreten ist, und 320 000 Mk. Lohn- crhöhuug verlangt.(Heiterkeit.) Man macht so viel Aufhebens von dem Opfersinn der Besitzen- den, die ohne weiteres eine Milliarde zahlen wollen. Dabei müssen die Konsumenten, die große Masse, jährlich weit mehr als eine Milliarde au indirekten Steuern aufbringen.(Sehr wahr! de» Sozialdemokraten.)— Den Gesetzentwurf über die Erhebung der Matrikularbeiträge lehnen wir ab. Die Erhebung der Matrikularbeiträge ist im Grunde eine Umgehung des Budgetrechts des Reichstages. Dieser Entwurf überläßt den Einzelstaateu auch die Ausgestaltung des sogenannten Besitzsteuergesetzes. Man kann sich denken, wie es in Preußen und Mecklenburg ausfallen wird. Wer die Junker kennt, weiß, daß sie unter allen Ilmständen die Steuern auf andere abwälzen werden. Das kann sehr leicht geschehen, da in Preußen Einkommen von 900 Mark, im Elsaß sogar von 700 M., in den thüringischen Kleinstaaten selbst von 300 Mark besteuert werden dürfen.(Hört! hört! b. d. Sozialdemokr.) ES ist viel richtiger, daß der Reichstag selbst daS Besitzsteuergesetz macht. Im Jahre 1909 sagte der preußische Finanzminister, eine weitere Erhöhung der Matrikularbeiträge würde Preußen die. Erfüllung von Kulturaufgaben un- möglich machen, und ganz ähnlich drückten sich die anderen Finanzminister aus. Heute aber kommt man wieder mit einer so gewalligen Erhöhung der Matrikularbeiträge. Wir lehnen daS ab, wir verlangen, daß die Ausgaben des Reiches durch eigene Ein- nahmen des Reiches gedeckt werden. Wir können nicht zu- geben, daß die Heranziehung des Bermögeuszuwachses eine Besitz- steuer ist, wir verlangen die Heranziehung des tatsächlichen Ver- tnögenS zu den notwendigen Lasten.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Auf die Einzelheiten will ich nicht eingehen, weil wir das ganze sogenannte Besitzsteuergesetz ablehnen. Verlangt wird ferner die Erhöhung des Reichskriegs- f ch a tz e s. Auch diese müssen wir ablehnen, denn durch die Schaffung eines solchen KriegSschatzeS wird die Kriegsgefahr nur verstärkt.(Sehr richtig!) Man gibt der Regierung da- durch die Möglichkeit, unabhängig vom Gcldmarkr und vom Volks- tvillen einen Krieg zn beginnen. Das wollen wir nicht, sondern wir wollen friedliche Verständigung mit anderen Rationen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch bedeutet diese Vermehrung des Kriegsschatzes eine Verschlechterung des ganzen Geldwesens. Graf Westarp meinte, die Regierung müsse für A u f k I ä r u n g sorgen. Das ist derselbe Ruf, der schon bei den letzten Reichstags- wählen ertönte, als Zentrum und Konservative so in Not waren. Er meint natürlich eine Aufklärung im Rcichsverbandsstil. Wir werden dafür sorgen, daß die Wahrbcit doch durchdringt trotz aller amtlichen Bearbeitung des Volkes.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Graf Westarp verlangte dann die Besteuerung der Gewerkschaften, insbesondere ihrer Kampffonds. Von den Kassen der Arbeilgeber und des Bundes der Landwirte sprach er natürlich nicht. Er folgte damit nur dem alren konservativen (Grundsatz, andere zu belasten und sich selbst vvr Steuern zu drücken. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Tove: Der Ausdruck Drückeberger ist nicht parlamentarisch(Lachen bei den Sozialdemolraten), wie schon früher einmal festgestellt wurde, am wenig st e n, wenn er wie vorher von dem Abg. E m m e l gegenüber den LandcSfürsten ge- braucht wird, die nach der bisherigen LandeSgefetzgebung nicht ver- pstichtet waren, Stenern zu zahlen.(Zuruf bei den Sozialdcmo- traten: Also sich immer drücken durften! Heiterkeit.) Ich verweise also den Vorredner und den Zwischeurufcr auf das par- lamentarisch Unzulässige dieses Ausdrucks. Abg. Emmcl(�oz.): Die Gewerkschaften will man besteuern, aber von der„Toten Hand" spricht man nicht.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wir können nur an neuen Steuern mitarbeiten, wenn die Annahme der Wehrvorlüge sich von un? nicht vermeiden läßt. Auch sind wir bereit, wie Herr v. Payer, an der Schaffung einer Ver- mögens- und Erbschaftssteuer mitzuwirken. Es sollte uns freuen, wenn dabei soviel herauskäme, daß einzelne besonders drückende indirekte Steuern beseitigt werde» können.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) S e l b st v e r st ä n d l i ch l e h n e ii wir alle anderen Steuern außer diesen beiden und eventuell dein Erbrecht des Reiches ab. Ob nun etwas in unserem Sinne zustande kommt, hängt voit den Nationalliberalen und von der Regierung ab. Die Regie- rung wird ja. wie die Erfahrung beweist, jede Steuer an- nehmen, die sie bekommt. Es fragt sich also nur, ob die Nationalliberalen sich von den Rattenfängcrtönen der Rechten einfangen laßen und auch nur mit der Mehcheit.�die die Wehr- Vorlage bewilligt, Steuern zu macheu bereit sind. Täten sie das, so würden sie n l l dem i n S G e s i ch t l ck l a g e n, w a S s i e bei den letzten Wahlen den Wähler» versprochen haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Nationalliberalen, die allein dafür ausschlaggebend sein werden, was für Steuern wir bekommen, ob Steuern, die die Linke des Reichs- tags, oder solche, die der sSwarz-blaue Block macht, bei dieser Gelegenheit zum schwarz-blauen Block abmarschiereil wollen, so ist das natürlich ihre Sache. Aber dann würden natürlich die Wähler das letzte Wort haben und der Appell an die Wähler würde den Nationalliberalen beweisen, daß man nicht solche Ver- sprechungen bei den Wahlen machen darf, um sie bei erster Ge- legenbeii zu brechen. Wir werden jedeiliallS, wie auch die Volks- Partei, in der Kommission den Nationalliberalen Gelegenheit geben, über die Erbschafts- und V e r m ö g e n s st e n e r ab- zustimmen. Die Nationalliberalen brauiben dann nichts zu tun, als die 1912 ihren Wählern gegebenen Versprechungen zu erfüllen. Tun sie das nicht, so werden ihnen die Wähler die Antwort nicht schuldig bleiben,(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Reichsschatzsekretär Kühn: Nach der Rüge des Herrn Präsideuten will ich auf die betreffende Aenßerung des Vorredners nicht mehr eingehen. Ich will nur feststellen, daß nichts den Gedanken des Wehrbeitrages so populär geniacbt hat wie die hochherzige Bereitwilligkeit der Vundesfürsteu(Lachen bei den Sozialdemokiateu), auch ihrerseits nach Maßgabe des Gesetzes zu den Lasten beizutragen. Ferner lege ich Verwahrung gegen die Be- merkung des Vorredners ein, daß es der Regierung ganz gleich sei, welche Steuern schließlich herauskämen. Die Finanzverwaltung hat vielmehr auch darauf zu sehen, ob die bewilligten Steuern den Wirt- schaftlichen Interessen entsprechen und ob das Interesse des Reiches und der Bundesstaaten im allgemeinen dabei gewahrt wird. Abg. Roland-Lücke(natl.): Dem Vorredner kann ich nur er- widern, daß Sie ja ganz genau wissen, was wir wollen. Wir haben wiederholt betont, daß wir für die Bezahlung der laufenden Be- dürfnisse des Reichs nur den Weg einer wirklich allgemeinen B e i i tz st e u e r sehen und daß wir uns unter einer solchen nur vorstellen und vorstellen können die Erbanfall st euer bezw, eine Reichsvermögens st euer,(Hort! hört I und Bravo! links.) Die Regierung muß sich doch darüber klar sein, daß dem Wchrbeitrag, dem A des Alphabets, dasB der Vermögenssteuer folgen muß,(Sehr gut! links.) Wenn die Kataster über die Vermögen und Einkommen erst ein- mal daliegen, wird das ganz natürlich zu den ent- sprechenden Folgen führen. Mein Freund P a a s ch e hat schon gesagt, daß wir uns auf die Erbanfallsteuer nicht kaprizieren, eben- sowenig auf die Reichsvermögenssteuer. Ich gehe noch weiter und sage, eS braucht auch nicht„oder" zu heißen, man kann auch„und" sagen, das beißt, Sie können ja beides machen.(Hefter- keit und lebhaftes Bravo I links.) Wenn Sie die Reichsvermögens- steuer wenig drückend machen wollen, und die Elbanfallsteuer so schonend als möglich, dann gibt es das Mittel, die Ausgaben, die sich schließlich als notwendig erweisen, auf beide Kanäle zu ver- teilen.(Sehr gut! links.) Das Beispiel des WehrbeitraqeS ergibt, daß. um 50 Millionen zu erzielen. 25 Pf, auf lOOO M. oder 25 M. auf 100 000 M. erhoben werden müssen, und wenn weitere 50 Millionen notwendig find, so wird man, um sie zu erhalten, die Erbschaftssteuer noch schonender gestalten können, als das der letzte Einwurf vorsah. Die Reichsvermögenssteuer wird übrigens auf die Bundesstaaten, die ja im Bundesral den Etat feststellen, die erziehliche Wirkung ausüben daß sie bei jeder Ausgabe auf daS genaueste prüfen, ob sie im Interesse des Reiches auch wirklich geleistet werden muß. Für wünschenswert halten wir nach wie vor die Erhebung einer Wehr st euer von den Nicht wehrpflichtigen, soweit ihr Einkominen eine bestimmte Grenze überschreitet.— Bei der Vermögenssteuer wird natürlich auch auf das Einkommeir Rück- ficht zu nehmen sein. Wenn man auch das Scherflein der Witwe besteuern würde, würde das im Auslgnde einen merkwürdigen Eindruck machen. Gerade mit Rücksicht auf unser Ansehen im Auslande werden wir eine Steuer von diesen kleinen Vermögen gar nicht annehmen dürfen.(Sehr wahr I links.) Di« großen Ver- mögen, denen vielleicht gar kein Einlommen entspricht, werden wir natürlich auch etwa durch Schätzung des Verbrauchs erfassen müssen.— Dem Grundgedanken des Gesetzes oder des Erbrechts des Reiches stimmen wir zu. Das Rezept der Veredelung der Matrikularbeiträge ist so viel- seitig und dehnbar, daß man darin eine gerechte Besitzsteuer nicht sehen kann. Der Vermögenszuwachs ist so wandelbar, daß seine Besteuerung auch den ruhigsten Bürger rabiat machen muß.— Den Anregungen des Grafen Westarp auf Erhöhung des Stempels auf ausländische Aktien, der Erhöhung der Talonsteuer werden wir mit großer Reserve gegenübertreten. Natürlich werden wir alle An- regungen recht sorgfältigst prüfen,(Bravo! bei den National- liberalen.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr(außerdeni Petitionen). Schluß 3/47 Uhr. parlamcTitanfcbcSs Militärboykott.— Fürstliche Adjutanten. In der Freitagsitzung der Budgetkommissw» des Reichstages fand zunächst eine allgemeine Aussprache über den Militär- b�o y k o t t statt. Tie Genossen Liebknecht, Stückle n, � ch ö p f l i n und N o ö k e forderten energisch vom Kriegsminister, daß dem groben Unfug' des Militärboykotts ein Ende bereitet wird, der eine schwere Schädigung zahlreicher Existenzen bedeute, �im übrigen eine ungehörige politische Kampfesmaßregel gegen die So. zialdemokratie fei, An einer Reihe drastischer Einzelfälle wurde die Ungoheuerlichieit und der ungemein schikanöse Charakter des Militärvovkotts bewiesen.— Der Kriegsminister erklärte, in Preußen bestehe keine allgemeine Verfügung zur Handhabung des Militävboykotts: die Entscheidung träfen die einzelnen Garnison- ältesten, wobei sie sich von den Polizeibehörden vorher informieren lassen. Er glaube nicht, daß darin eine Aenderung eintreten könne. Ebenfalls zu einer lebhaften Debatte führten die Adju- t a n t e n b c i den Fürsten und Prinzen. Im Etat werden t2 höhere Adjutanten für den Kaiser und 63 Adjutanten für die deutschen Bundesfürsten und Prinzen gefordert, die zusammen allein an Gehalt 464 568 M. beziehen.— Abg. Erzberger wünschte, daß hier eine Verminderung eintrete. Dem stimmten unsere Genossen zu, die gleickHeitig auch beantragten, von den 12 Adjutanten des Kaisers 6 zu streichen.— Ter K r i e g S in i n ist e r wandte sich lebhaft dagegen, daß in diesem Etat schon Streichungen vorgenommen würden. Die Bundesfürsten hätten laut den ubgc- schlossenen Militärkonventionen und sonstigen Staätsverträgen An- svruch auf die Adjutanten. Ohne Zustimmung der Bundesfürsten köimten ihnen diese Adjutanten nicht genommen werden. Scharf wandte sich der Kriegsminister gegen die Streichung von 6 Adju- tanten. Die Streichung würde eine persönliche Spitze gegen den Kaiser bedeuten. Der sozialdemokratische Antrag wurde denn auch gegen die Stimmen unserer Genossen' ab g e I c h n t; die Volks- parteiler enthielten sich der Abstimmung. Der Kriegsminister mußte im weiteren Verlaufe der Debatte zugeben, daß einzelne Fürsten keinen vertragsmäßigen Anspruch auf Adjutanten haben, ebensowenig die Prinzen. Aus Rücksicbt darauf, daß das Fürstlich-Huhenzollernfche Haus zuerst seine Selbständigkeit aufgegeben und dem Landgrafen von Hessen sein Land genommen worden sei, solle man ihnen den Adjutanten nicht nehmen. Die Prinzen wiederum, besonders in ihren jüngeren Jahren, bedürften dringend zweier militärischer Begleiter.— Gen. L e d e b o u r ironisierte es, daß man die Prinzen als des doppelten männlichen Schutzes bedürftig bezeichnete; denn die p r e u ß i f ch e n Prinzen erhalten je zwei Adjutanten, die anderen deutschen Prinzen nur je einen. Wenn wir übrigens durch Bewilligung je eines Adjutanten erreichen könnten, daß alle deutschen Bundesfürsten auf ihre Stellungen Verzicht leisten würden, so wäre dos ein billiger Weg, zum Einheitsstaat zu gelangen. Die Volksparteiler brachte» eine Resolution ein, der Reichs- kanzler möge den deutschen Bundesfürsten und Prinzen nahe» legen, daß sie angesichts der schweren Opfer, die durch Ale neue Militärvorlage dem Volke auferlegt werden, auf zahlreiche persön- liche Adjutanteil verzichten sollen.— Der volksparteiliche Amtrag fand Annahme.— Die Weiterberatung wurde dann auf DienZ- tag nächster Woche vertagt. � Wahlprüfungcn. Die Wahlprüfungskommission des Reichstages befaßte sich am Freitag mit der Prüfung der Wahl des Abg. Kuckhoff im Wahl- kreise Köln-Land. Die früher beschlossenen und angestellten Er-- Hebungen haben in einigen wesentlichen Punkten nicht die nötigen Aufschlüsse über die behaupteten Unregelmäßigkeiten und Vorkomm- nisse gebracht; deshalb wurde beschlossen, noch weitere Erhebungen vornehmen zu lassen und die Gültigkeitserklärung auszusetzen.— Dann wurde die Prüfung der Wahl des Abg. Laser zu Ende ge- bracht. Die Kommission beschloß, die Wahl zu beanstanden und Erhebungen über eine Reihe von der Kommission als erheblich er- achteten"Protestbchauvtungen anstellen zu lassen.— Die Prüfung der Wahl des Abg. v. Ca r m e r- O st e n, Wahlkreis Guhrau- Steinau-Wohlau, führte zu der Auffassung, daß selbst unter voller Berücksichtigung der im Protest vorliegenden Behauptungen die Majorität des gewählten Abgeordneten nicht erschüttert werden könnte. Die Kommission beschloß daher, im Plenum zu bean- tragen, die Wahl für gültig zu erklären. Reichsgesetzliche Regelung des Submissionswesrns. Die 15. Kommission des Reichstages zur Regelung des Sub- missionswesens hielt am Freitag eine Sitzung ab. Zur Beratung und Abstimmung stand die grundsätzliche Frage, ob eine reichs- gesetzliche, allgemeine Regelung des Submissionswesens in Aussicht zu nehmen sei. Die Zentrumsabg. Irl und S i r sprachen sich gegen die reichsgesetzliche Regelung der Sache aus. Sie wollten sowohl den Verordnungsweg, als auch die„guten" Vorschriften über Submissionswesen in den Einzelstaaten beibehalten. Der Abg. Irl führte dabei fast wörtlich aus, daß das in Bayern gut geregelte Verfahren bei Submissionen nicht durch reichsgesetzliche Ziegelung „verpfuscht" werden dürfe. Und der Abg. Sir, ebenfalls vom Zentrum, wollte keine reichsgesetzliche„Verhunzung". Diesen partikularistischen Ausführungen traten unsere Ge- nossen und auch andere Kommissionsmitglieder mit aller Schärfe entgegen. Mit Recht wurde ausgeführt, daß die Mittelständler allemal da versagten, wo eine ernsthafte Entscheidung gefällt werden solle. Gerade die Fortschritte des Submissionswesens in den einzelnen Ländern müßten der Anlaß sein, diese auch in reichs- gesetzliche Formen zu bringen. Die Abstimmung ergab mit 16 gegen 11 Stimmen die Anerkennung der reichsgesetzlichcn Regelung des Submissionswesens. Unsere Parteigenossen stimmten ge- schlössen dafür.< �- Bezeichnend ist, daß dieses Abstimmungsresultat nur dadurch erzielt wurde, daß ein Teil der Kommissionsmitglieder, soweit die- selben dem Zentrum angehörten, ebenfalls für reichsgesetzliche Regelung stimmten und dadurch mehr Einsicht bekundeten, als ihre mittelständlerischen Wortführer.— Zur schnellen Förderung der «achc sollen künftig wöchentlich zwei tsitzungcn stattfinden. HU9 der partei» Zur Lage der unschuldig verurteilten sozialdemoftetischen Tum-. abgeordneten. Anläßlich der sogen. Zarenaninestie vom 6. März wurde das Gerücht verbreitet, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten der zweiten Duma nach Sibirien geschickt und dort in Freiheit gesetzt worden seien. Wie der Petersburger„Lutsch" nun mitteilt, ent- ipricht dies Gerücht nicht den Tatsachen. Aichig ist bloß, daß eine Anzahl der früheren Abgeordneten nach Verbüßung der Zuchthaus- strafe jetzt zur lebenslänglichen Ansiedelung nach Ostsibirien dcpor- tiert worden sind. Hierbei stellt sich folgende ungeheuerliche Tat- fache heraus: Nach' der Verurteilung im Jahre 1907 wurden die stinf kaukasischen Abgeordneten, die Genossen Zcretelli, Lomtatidse, Dsbaparidsc, Macharadse, Dshugeli, die als zur Zwangsarbeit unfähig befunden wurden, in den Gefängnissen des europäischen Rußlands interniert. Laut Gesetz mußten sie aber nqch einjähriger Haft nach Sibirien verbannt werden I Weshalb tat das die Re- gierung nicht? Sie erklärte: sie könne den kranken und schwachen Genossen nicht die langwierige Reise nach Sibirien zumuten— was sie aber nicht hinderte, die Genossen durch ganz Rußland hin- durch nach den südlichen Gefängnissen zu schaffen, �und ihnen die Gefüngnishast von 5 aus 8 Jahre z u erhöhe nl Ties alles geschah ohne jede rechtliche Grundlage, aus Purer admimstra- tiver Willkür, die zu dem Bluturtcil des Gerichts noch diese ab- gcfeimte Schurkerei hinzu tat. Wahlsiege in Argentinien. Die allgemeinen Wahlen von 1912 brachten unseren Genossen zwei Vertreter im Abgeordnetenhause: Alfredo Palacios und den bekannten Gelehrten Juan B. Justo. den Uebersetzer des „Kapitals" ins Spanische. Jetzt haben einige Nachwahlen die kleine Fraktion verdoppelt und sogar einen Vertreter im Senat. der indirekt gewählt wird und einen Einkommenszensus für seine Mitglieder fordert, gebrocht. Die Kammer zählt 86, der Senat 30 Mitglieder. Seit vorigem Jahre ist die Wahlpflicht sowie Schutz gegen Wahlbeeinflussung gesetzlich eingeführt.— Der neue Senator ist Genosse M. Ugarte, ein angesehener Schriftsteller und Redner, der Vertreter der Partei im Internationalen Bureau. Die neuen Abgeordneten: M, Bravo, Sekretär der Partei und früherer Leiter des Tageblattes„Vanguardia"(Vorhut) und Dr. N, Repctto, ein verdienicr Arzt und gegenwärtig Chef- redaktcur.— Der glänzende Wahlerfolg— außer unseren Ver- tretern wurde nur noch ein bürgerlich Radikaler gewählt— wird in den übrigen südamerikanischen Republiken, deren mehrere eben- falls eine aufblühende Arbeiterbewegung besitzen, großen Eindruck machen und anfeuernd wirken. Die brutalen Berfolgungen von 1909 und 1910 haben sich wirkungslos erwiesen. Gestattete Maifrstumzü-ie. Die Stadträte von Zwickau und Crimmitschau haben die Veranstaltung eines Umzuges am l. Mai genehmigt. Auch ist in Zwickau die Abhaltung einer Fest- Versammlung am 1. Mai auf dem Schützenplatz(ein öffentlicher Platz mitten in der Stadt) gestattet worden. polireilicbea, Sericbtlicheg«kw. Verbotener Maiftstiimzug. Auch die Dortmunder Behörde hat die Genehmigung zum Maifestumzug nicht erteilt. Man würde sich nur wundern, wenn sie erteilt worden wäre. An der Sache interessiurt nur die Begründung, die ja nach dem Vereinsgesctz erfolgen muß und sich auch auf Tatsachen stützen muß. Die Dortmunder Polizm be- gründet ihr Verbot aber nur mit Vermutungen. Ter erste Mai fällt auf einen Feiertag, und deshalb wer- den viele Menschen zusammenströmen. In Dortmund bestehen gespannte Verhältniffe zwischen den politischen Parteien, die wegen der Landtagswahl noch verschärft werden- es bestehe deshalb die Gefahr eines Zusammenstoßes mit de n Bürgerlichen. lind dann sollen im Jahre 1911 arbeitet aus einem Neubau von Maifeiernden belastigt worden sein. Endlich verweist die Behörde noch darauf, daß es vor Jahren mit der Polizei zu Zusammenstoßen �e. kommen ist. 4.as ist richtig. Aber die Dortmunder Polizei ist solveit genügend bekannt, daß über diesen„Grund" kein Wort weiter verloren zu werden braucht. Also Gründe, wie sw vom Gesetz verlangt werden, hat die Polizei für ihr Verbot nicht an. geführt. Als„mildernder Umstand" kommt in Betracht, daß das Verbot wohl auf Anweisung von„obcu" erfolgt ist. Prcßprozesse. Polizeiliche Willtürherrschaft in der niünsterlimdi scheu Stadt Buer war Gegenstand einer Verhandlung, die am Mittwoch vor dem Schöffengericht Bochum gegen den verantwortlichen Nedak- teur des Bochumer„Volksblat t", Genossen Pieren- k ä m p er, stattfand. Es wurde erwiesen, daß zwei österreichische Bergleute grundlos verhaftet, auf der Straße und in der Wache schwer mißhandelt worden sind. In einem anderen Falle waren zwei Schutzleute nachts in die Wohnung eines Bergmannes ein- gedrungen und hatten den Mann geschlagen und gewürgt. Die Beweisführung über weitere schwere Angriffe ließ das Gericht nicht zu. Es hielt den Wahrheitsbeweis für erbracht, erkannte aber trotzdem auf öll M. Strafe. Wegen Beleidigung der Schutztruvpe wurde Genosse Fischer als verantwortlicher Redakteur der Stratzburger �..F r e i e n Presse" von der dortigen Strafkaminer zu 100 M. Strafe verurteilt. Landrat und Sozialdemokratie. Im preußischen Landtag wurde kürzlich bei der Beratung des Etats des Polizeiministers u. a. auch das Verhalten des Land- rats v. Trotha in Wittenberg von unseren Genossen einer scharfen Kritik unterzogen. Aus Anlaß des vorjährigen Ge- werkschaftsfestes planten die Gewerkschaftler des Städtchens K e m- berg einen Umzug, der aber vereitelt wurde, weil der Bürger- meister und auf erfolgte Beschwerde der genannte Landrat die Ge- nehmigung versagten. In dem ablehnenden Bescheide wurde der geplante Gewerkschaftsumzug kurzweg als eine sozialdemokratische Demonstration bezeichnet und dann weiter ausgeführt: ..... denn Demonstrationen, wie die in Rede stehende, b e- zwecken stets die Förderung der verbrcchert- s ch e n, auf den gewaltsamen Um stürz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung, auf die Beseitigung des Königtums und die Wehrlosmachung des Vater- l a n d e s gerichteten Bestrebungen der Sozialdemo- k r a t i e. Es muß desbalb auch mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß sie infolge der berechtigten, tiefen Erbitterung, die sie bei dem ehrenhaften, königstreu und patrio- tisch gesinnten, durch sie dreist herausgeforderten und verhöhnten Teil der Bevölkerung hervorrufen müssen, zu Streitigkeiten zwischen dieser und den sozialdemokratl- schcn Elementen führen, welche den öffentlichen Frieden in der von der Polizeiverwaltung befürchteten Weise stören." Der Redakteur, Genosse K a s p a r e k, der im valleschen ..Volksblatt" den Ukas kritisiert hatte, wurde, wie wir seinerzeit mitteilten, von der Halleschen Strafkammer unter Versagung des Schubes des Z 103 zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Dieser Tage hatte sich das Wittenberger Gericht gleichfalls mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Angeklagt war der früher in Neukölln, jetzt in Halle lvohnhafte Parteisekretär Genosse H i l d c b r a n d t, der in einer zur Abwehr des Landrats- entscheideS einberufenen Protestversammlung diesen Herifii in die Schranken wies. Herr V. Trotha fühlte sich schon durch das auf dni EinladungSzcttcln enthaltene Schema:..Darf der Landrat die Mehrheit der Bevölkerung von Kemberg in der Zeit der Teuerung als Verbrecher beschimpfen?" in seiner Ehre gekränkt und stellte Strafantrag. Der Staatsanwalt verhielt sich jedoch ablehnend. Run entsandte der Landrat extra einen stenographiekundigen Gen- darmen nach der Versammlung, damit er feststelle, ob der Redner beleidigende Aeußerungen mache. Nach dem Gendarmcnberichte soll nun Genosse Hildebrandt, der Reichstagskandidat des Kreises ist, dem Landrat den Vorwurf der Feigheit gemacht haben. Ferner soll er noch die Bildung des Landrats angezweifelt und ihm den Vorwurf gröblichster Pflichtverletzung gemacht haben. Der Angeklagte bestritt, sich in dieser Weise ausgedrückt zu haben. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Rosenfeld- Berlin, nahm sich den landrätlichen Bescheid gehörig vor und stellte fest, daß selbst ein preußisches Gericht, nämlich die Torgauer Strafkammer, ganz ent- schieden von dem Bescheide des Landrats abgerückt sei. Obwohl das Torgauer Gericht festgestellt hat, daß der Landrat die Anhänger der Sozialdemokratie schwer beleidigt hat, wurde gegen ihn die Klageerhebung abgelehnt, dafür aber der Genosse Hildebrandl wegen Landratsbeleidigung zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Doch billigte das Gericht in diesem Falle dem Angeklagten den Schutz des Z 103 zu, weil zugegeben werden müsse, daß er sich in ge- reizter Stimmung befunden habe und auch ein gewisses Recht hatte, sich gegen die nach seiner Meinung schweren Beleidigungen zu wehren._ Jugendbewegung Der Polititparagraph gegen die Arbeiterjugend. Vom Schöffengericht T e u ch e r n war der Bergmann Walter Richter wegen angeblicher Uebertretung des.liberalen" Vereins- gesetzcs zu 20 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil er als Vorstand des angeblich politische Ziele verfolgenden Jugendvereins zu Trebnitz kein- Satzunge» an die Polizei eingereicht und Mitglieder unter 18 Jahren in dem Verein geduldet haben soll. Da dem Ver- urteilten von der Existenz eines Vereins, loie sich ihn der Amts« Vorsteher gedacht hat, nicht das geringste bekannt war, legte er gegen das Urleil Berufung ein. Nach zweimaliger, umfangreicher Verhandlung, mußte die Naumbu rger Berufungskanimer auf Freisprechung erkennen, aber nicht, weil sie sich von der Halt« losigkeir der Anklage überzeugte, sondern weil die angeblichen Straftaten de« Angeklagten inzwischen verjährt waren. Das Ge- richt würde, so hieß eS in der Begründung, ohne diesen Umstand zu den, gleichen Ergebnis wie das Schöffengericht gekommen sein, denn von den als Zeugen vernommenen Jugendlichen sei. obwohl sie dem Worte.Verein" so viel als möglich auswichen, immer von.eintretenden und austretenden" Mitgliedern gesprochen worden. Soziales. „Gewöhnung" an Unfallfolgen bei einem"Ojtihrigcn Verlebten. Der am IS. August 1842 geborene Stallmann F. erlitt am 5, Oltobcr 1898 einen Betriebsunfall, bestehend in einer Verletzung des 1-. Brustwirbels, des Rückenmarks und Quetschung der linken Seile. Für die Folgen de» Unfalles erhielt F. von der Fuhrwerks- BcrusSgcnosscnschaft die Bollrente. Im August 19l1 ließ die Bc- rufSgenossenschaft den F. von Herrn Prof. Dr. W. begutachten. Derselbe erklärte:.Es kann demnach kein Zweifel sein, daß F. wieder imstande ist, sich an ausgiebigen Bewegungen seiner Wirbel- säule und an den Verzicht auf das Stützkorsett zu gewöhnen, und daß er jetzt schon zu leichterer Arbeit, soweit si« zunächst im Sitzen erledigt werden kann, fähig ist und bald, je mehr er veranlaßt wird, seiner Wirbelsäule wieder zu vertrauen, auch Arbeit aller Art wird tun können... Berücksichtigt man die Schwere der anfänglichen Erkrankung, die Langsamkeit, mit welcher gerade nach derartigen Erkrankungen der Ausgleich einzutreten pflegt und die lange Tauer der Arbeitsentwöhnung, so wird man besonders zu Anfang mit der Herabsetzung der Rente besonders vorsichtig vor- gehen müssen. Ich möchte deshalb vorschlagen, zunächst nicht weiter als etwa auf 75 Proz mit der Rente herabzugchcn und den Patienten in einem Jahre wiederum untersuchen zu lassen. Es wird dann die inzwischen eingetretene Gewöhnung an die Arbeit auch bei sonst gleichbleibendem Befund berechtigen, voraussichtlich eine wei- tere Einschränkung der Rente vorzunehmen..." Auf Grund dieses Gutachtens beantragte die Brrufsgenossen- schaft Herabsetzung der Vollrente auf 75 Proz. Die Vollrente be- trägt pro Monat 54 M., bei 75 Proz. der Vollrente 40,50 M. Das Schiedsgericht setzte die Rente auf 85 Proz., gleich 45 M. im Monat, herab. Das Gericht nahm auf Grund des Gutachtens des Prof. Dr. W. an, daß der 69 Jahre alte Verletzte bei der langen Zeit, welche der Unfall zurückliegt, durch Gewöhnung ein gewisses Maß von Arbeitsfähigkeit wiedererlangt hat; aber eine Kürzung bis auf den Satz voy 75 Proz. sei zu weitgehend, denn für den Verletzten könne nur eine leichte Handarbeit im Sitzen in Btracht kommen. Gegen diese Entscheidung wurde Rekurs beim Reichsversich«- rungsamt eingelegt und geltend gemacht, daß es doch eine Berken- nung der Tatsachen ist, bei einem bald 70jährigen Manne Gcwöh- nung an Unfallfolgen anzunehmen. F. sei bei der Schwere der Unfallfolgen und seines hohen Alters wegen nicht imstande, seine etwa verbliebene Arbeitsfähigkeit im Grade von 15 Proz. praktisch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verwerten. Ter Rekurs hatte Erfolg. Das RcichsversicherungSamt entschied vor kurzem, daß dem F. die Vollrente weiter zu zahlen sei.„Das Reichsversicherungsamt hat bei dem hohen Lebensalter des Ver- letzten und nach dem persönlichen Eindruck, den er in dem Veo Handlungstermin auf dieses gemacht hat, nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß in seinem Zustande eine wesentliche Besserung ein- getreten ist. Mag auch im Laufe der Jahre eine geringe Aus Heilung der Unfallfolgen stattgefunden haben, so kann doch der jetzt 70jährige Verletzte sich an dies« nicht derartig gewöhnt haben, daß dadurch eine wesentliche Besserung bedingt wird." F. erhält also die Vollrentc weiter. Der Fall illustriert, was cS mit der Redensart:„Für den Arbeiter fei bis an sein Lebens- ende gesorgt", auf sich bat. Welche Verkennung des wirklichen Lebens gibt sich in dem Gutachten des Prof. Dr. W. kund! Jedem Arbeiter ist bekannt, daß schon der gesunde Arbeiter, besonders in Zeiten deS wirtschaftlichen Niederganges, schwer Arbeit findet; wieviel weniger ein Arbeiter in dem hohen Lebensalter des F., der noch dazu schwer an Unfallfolgen zu leiden hat. Selbst wenn F. noch theoretisch als fähig anzusehen wäre, geringe Arbeiten zu leisten— praktisch kommt er für den allgemeinen Arbeitsmarkt tatsächlich nicht in Betracht. Aber, wenn eben eine Besserung in den Unfallfolgen nicht konstatiert werden kann, muß bei einigen Aerzten der Begriff„Gewöhnung" herhalten, um die Rente zu drücken. Provisionsanspruch des Handlungsagenten für ein nachträglich geändertes Geschäft. Kann eine Maklerprovision auch dann verlangt werden, wenn da? Geschäft zwar zustande kommt, die Austraggeberin aber später zurücktritt und eine Entschädigung bezahlt? DaS Reichsgericht hat am Mittwoch ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamin bc stätigt, das der Maklerfirma die Provision von 1 Proz. nicht nur von der gezahlten Entschädigungssumme zuspricht, sondern vom Fakturawert deS Geschäfts. Im einzelnen handelt es sich um folgendes: Die Aktiengesellschaft für Bergbau- und Hllttenbetrieb Phönix, Abteilung Hörder Verein in Hörde, stand seit Jahren mit der Firnia Sch. u. B. in Berlin in der Weise in Verbindung, daß die Berliner Firma für den Phönix Aufträge vermittelte. Als im Jahre 1899 die Schiffswerft„Vulkan" von der Hamburg-Amerika- Linie einen großen Dampfer zum Staken übernommen hatte, wen- dete sie sich an die Berliner Maklerfirma, die ihr jemanden be- sorgen sollte, dem sie den Auftrag weitergeben konnte. Die Bcr- liner Firma gab das Geschäft an den Phönix. Nachdem bereits alle Vorbereitungen getroffen waren, teilte der Vulkan mit, daß die Hamburg-Amerika-Linie den Auftrag wieder zurückgezogen habe. Der Phönix erwäbnte, daß die beteiligten Firmen die Auf- träge bereits in ihr Walzprogramm aufgenommen hätten und begehrte deshalb eine Entschädigung. Man einigte sich auf eine Entschädigung von 86 060 M. Der Phönix behauptet, daß er selbst nur 13 129 M. erhalten habe und wollte deshalb nur von diesem Betrage die Provision bezahlen. Die Berliner Firma begehrte als Handlungsagcntin die Provision von 1 Proz. für das ganze Geschäft von 800 000 bis 900 000 M. Das OberlandeSgericht Hamm verurteilte ihn zur Zahlung von 8152 M. In den Entscheidungsgründen führt das Oberlandes- geeicht unter anderem aus: Die Pflicht zur Zahlung der Pro- Vision an sich ergibt sich aus den 88 84 und 88 des Handelsgesetz- buche». Im§ 88 Absatz 1 ist zwar" bestimmt, daß die Provision für jedes„zur Ausführung" gelangte Geschäft zu zahlen ist. Im vor- liegenden Falle ist jedoch anzunehmen, daß daS Geschäft im Sinne dieser Gesctzesstellc ausgeführt ist. Nicht ausgeführt ist es nur, wenn es vollständig aufgehoben worden ist. Anders aber ist es, wenn nur eine Aendcrung eintritt und durch den Auftrag ein Ge- winn erzielt wird. Im vorliegenden Falle ist der einmal abgc- schlossene Vertrag geändert und gleichzeitig eine Entschädigung von 86 000 M. gezahlt worden. Es ist nicht abzusehen, weshalb der Klägerin die Provision für dieses lukrative Geschäft vorenthalten werden sollte. Hier kommt außerdem in Betracht, daß die Provision vom Reingewinn unabhängig sein sollte, sie ist vom Fakturabetrag zu berechnen und deshalb mit 8152 M. anzusetzen. Verantwortlichkeit für Arbeiterschutzvorschriften. Wegen Ilebcrtrctung der Arbciterschutzbrstimmungen der Ge- Werbeordnung war Herr Pelzinger, der Besitzer einer Gänsemästerei in Weißensee, angeklagt worden, weil in seinem Betriebe Frauen an verschiedenen'Tagen während der Nacht mit dem Rupfen ge- schlachteter, für den Handel bestimmter Gänse beschäftigt worden seien. Der Angeklagte bestritt, daß er mit dem Rupfen der Gänse, soweit jene Frauen in Frage kamen, überhaupt etwas zu tun habe. Es wurde festgestellt, daß Angeklagter das Rupfen der zum Verkauf fertig zu machenden Gänse, von einer kleinen Ausnahme abgesehen, dem Arbeiter Vetter zum Preise von 15 Pfennig Po» Stück übertragen hatte. Vetter beschäftigte aber in den Räumen des Betriebes des Angeklagten mit dem Rupfen der Gänse etwa 10 Frauen, denen er 19 Pfennig pro Stück gab, so daß auf ihn ein Gewinn von 5 Pf. pro Gans entfiel. Der Arbeiter Vetter hatte auch einen eigenen selbständigen Gänserupfbetrieb bei der Behörde angemeldet. Auch meldete er die Frauen zur Krankenversicherung auf seinen Namen an und zahlte die Beiträge. Das Landgericht III verurteilte jedoch al? BcrnfnngSinstanz den Angeklagten Prlzinger, den Inhaber der Gänsemästerei, wegen Uebertretung der Schutzbestimmnngen der Gewerbeordnung. Be- gründend wurde ausgeführt, daß Vetter nicht als selbständiger Gewerbetreibender, sondern nur als Akkordeur anzusehen sei. Vetter sei nach wie vor vom Angeklagten Pelzinger abhängig gewesen und habe seinen Anordnungen unterlegen. Angeklagter habe bestimmt, wieviel Gänse zu rupfen seinen, auch habe er Vetter angewiesen, daß und welche Weihnachtsgratifikationen er den Frauen zahlen solle. Auch komme hinzu, daß die Arbeit des Gänscrupfens nach wie vor in den Räumen des Angeklagten erfolgte. Unerheblich wäre bei dieser Sachlage, daß Vetter einen eigenen Betrieb als Gewerbe angemeldet und die Krankenversicherung besorgt habe, das könne ihn nicht zum selbständigen Gewerbeunternehmer machen. Somit hafte der Angeklagte Pelzinger als der eigentliche BetriebSunternehmcr strafrechtlich für die Nachtarbeit der Frauen. DaS Rupfen der Gänse falle auch nicht in den kaufmännischen Betrieb, sondern in einen gewerblichen Betrieb, in dem in der Regel mehr als 10 Personen beschäftigt wurden. Denn die Tätigkeit deS Gänsc- rupfens diene dazu, der Ware erst die Gestalt zu geben, die sie für den Handel verkehrsfähig mache. Das Kammergericht verwarf am Donnerstag die vom Angc- klagten gegen das Urteil eingelegte Revision. „Ehrenämter" i» der Berufsgenossenschaft. Am 5. Mai v. I. hatten wir auf die eigenartigen Liquidation?- Methoden hingewiesen, deren sich der Maurer- und Zimmermeister Herr Stadtrat Busscher in Everswaldr in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossen- schaft bediente. Wir baden damals festgestellt, daß Herr Busscher es fertig' gebracht bat. bis zu 45 M. Tagcsdiäten zu liquidieren und daß er durch diese Fertigkeit seine Ehrenämter zu recht einträglichen Posten gestaltet«. Ein Artikel der„Baugewerkszeiwng" und seine „Berichtigung" waren Abschwächungsversuche unserer Darlegung, bestätigte» sie aber lediglich. Auch die Genossenschaftsversammlung in Kottbus vermochte Herrn Busscher nicht zu helfen. ES wurde dort zwar betont, daß sein Verhalten nicht strafbar sei— das Gegenteil war von uns nicht behauptet worden—, aber der in. zwischen verstorbene Vorsitzende der Berufsgenossenschast, der Land- tagsabgeordnete Fetisch, mutzte doch zugeben, daß die Liquidationen über doppelte Diäten nicht dem guten Geschmack entsprächen. Herr Stadtrat Busscher zahlte versehentlich doppelt liquidierte Fahr« gelder zurück, die übrigen, durch die Doppelliquidation auf jährlich 6000—8000 M. gesteigerten Diäten behielt er aber ungeschmälert. Man hätte annehmen sollen, daß die Berufsgenossenschaftsmitglieder an dem teuren Stadtrat nicht hängen würden. Das ist, wie aus der Nummer 27 der„Baugewerkszeitung" vom 2. April d. I. her- vorgeht, aber doch der Fall. Es werden darin die Vorschläge des Wahlvorstandes zur Wahl der Vertreter zur Genossenschafts- Versammlung und auch die Vorschläge zur Neubildung des Vor- standes der Sektion II veröffentlicht und unter den vorgeschlagenen Personen steht beide Male Herr Stadtrat�BuSscher an erster Stelle. Es hat also den Anschein, als wolle die Sektion II Herrn Busscher auch fernerhin Gelegenheit geben, seine ehrenamtliche Tätigkeit in der bisherigen Weise auszuüben. DaS charakteristert die Herren, die trotz der Ausführungen von Fetisch den Stadtrat von neuem in Vorschlag bringen, ungemein. Sie heißen damit die dem„guten Geschmack" nicht entsprechende Umgestaltung von Ehrenposten in fette Pfründen ganz ausdrücklich gut. Es charakterisiert aber auch von neuem daS in den Berufsgenossenschaften herrschende System. Marktpreise von Berlin am Iv. April IVIZ. nach Ermittelungen de» königl. Polizeivräiidwms 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,24 bis 20,40, mittel 19,92—20,08, geringe 19,80—19,70. Roggen, gute Sorte 18,22—10,23, mittel 18,18—18,19, geringe 18,10—18,13(ab Bahn). Futter. perste, gute Sötte 16,20— 16,80, mittel 15,60—16,10, geringe 16,00— 15,50. Haser, gute Sorte 17,50—19,70, mittel 16,40—17,40(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mixcd), gute Sorte 14,70—16,00. Mais(runder), gute Sorte 15,30—15,80. Richtslroh—. Heu—. Marithallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Svelsebobnen. weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartosscin(Kleinhdi.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eter 3,00—5,00. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40-2.60. Barsche 1,00—2,40. Schiele 1,60—3,20, Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,40—45.00. Witterungsübersicht vom 11. April 1913. vtattonen swinemde. 748 WNW Hamburg>753!N erlin! 752 NN ranks. a.M 7 80 NN wichen j 738 NN Wien 1754® NN & M N Vetter 1 S 7|S4nec 7wolkcnl 6bc>ter Ichalb bd. 4bcdcckt ZjSchnec es« s" kS* —2 —2 -0 8 0 3 «tattonen nparanda! 748 etersburg 742 Scllly Aberdeen PattS R Still 766 NNW 763 Still 763M Vetter 2chalb 6b. Schnee wolkig bedeckt bedeckt tt ti Sk —9 0 9 1 6 Wetterprognose für Sonnabend, den 12. April 1918. Ziemlich kühl, vielfach heiter, aber noch unbeständig mit geringen Nieder- schlügen und ctwaS schwächeren nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. lassen Sie sieh nicht beirren: � MAGGIS Suppen sind die besten! ■V..V,>VWV"aT�J.rJWWWWtfVWWU,iftfaWVWWWWWWtfWWVWtfVWWVWW 6 HOSEN-TAGE fRHimmmRjwItäiilmtälnlmiliK� Ausnahme-Preise für Herren-, Jünglings- und Knaben Hosen Sonnabend Sonntag Montag 540 Herren-Hosen Herren-Hosen Herren-Hosen Herren-Hosen TT___„ Kammgarn, schwarz mit weißen Streifen,"1 A; rierren- rlosen sehr elegant.................... lu gestreifter Zwirnbukskin....... Kammgarncheviois, in vielen Streifen, sehr haltbar........................ Kammgarn und Cheviots, in den neuesten Streifen....................... gestreifte Kammgarne, mit schmalen und breiten Streifen.................. >60 PAL M. 30 M. 810 M. 80 M. BaenSohn Spczial-Haus größten Maßstabes für Herren- u. Knaben-Kleidung Chaussee straße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 11 Bruckenstraße 11 Schoneberg, Hauptstr. 10 Prompter Versand nach außerhalb: Bund-Umfang u. Schrittlänge erforderlich. 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Z.)(Nachdruck verboten) «2 535 715(5001 303 21>464 563 521 2545 52 33 423 752 522 352 3 353( SOO l 122 215 365 410 51 71 688 881 4441 673 860 813 33 8303 53 472 81 604(400) 871 6332 630 613 820 911 66 7 029 48 81(400) 439 625 906 8000 32 99 170 96 322 763 871 902 9145 866 83 10189 237 416 612 62 658 923 98 11471 91 678 835 922 12169 236 507 82 781 13177 266 324 452 847 975 14020 172 340 88 87 472 662 65 733 1 5220 28 64 365 90 452 95 662 83 649 72 983 88 1 6163 279 404 510 600 1 7157 261 693 841 18311 38 457 600 813 972 1 8038 149 224 339(600) 744 20113 19 892 925 21232 783 867 971(400) 2 2082 III 49 216 607 661 91 797 957 2 3071 278 428 675 767 935(600) 24212 628 71 776 78 982 2S166 333 89 98 474 75 777 942 2 8017 173 484 641 44 786 862 2 7135 326 651 612 747 888 861 28109 378 83 627 983 2 9093 190(600) 617 895 988 30099 251 323 831 919 31095 244 354 91 670 795 863 82142 278 669 71 793 837 49 68 928 8 3069 249 610 668 919 92 3 4044 203 308 9 19 732 48 3 8231(4001 94 410 636 719 851 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Königt. i'rcuss) Klasscnlottcrir 4 Klasse 1. Zichungstag 11. April 1913 Nachmittag Sl»s jede gezogene Skunimer sind zwei gleich hohe Gcloniiie gesallen. und zwar je einer auf die Lvfe j gleicher Nummer tu den beiden Zldleiluugc» I u. II. Nur die Gewinne über 192 SR sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 21 419 44 80 83 821 41 876 851 1048 137 435 43 955 2074 104 241 502 34 790 999 3 193 690 736 891 97 962 4191 339 688 746 5 094 111 286 585 8019 219 88 656 642 749 69(400) 857 7303 84 682 8 049 220 362 614 62 822 956 63 9360 673 (600) 794 808 969 10337 79 479 93 708 51 870 964 11049 91 129 268 715 42 64 932 1 2317 943 1 3103 220 471 852 1 4397 430 641 94 798 887 1 5314 77 87 486 557 1 3238 412 633 770 911 60 1 8019 350 663 719 89«(5001 19704 335 65 20092 131(500! 230 349 483 641 828 920 21162 281 379 82 610 769 814 38 76 979 2 2 326 844 2 304J 468 579 736 24038 479 981 25053 82 238 352 416 92 814 989 2 8460 618 63 95 843 2 7 478 859 945(400) 69 2 8092 99 294 2 8uOS 724 67 844 30177 603 850 901 81026 62 631 765(500) 817 73 924 3 2468 771 33176 256 374 439 712 3 4633 779 3 5 236 44 48 (400) 401 692 3 6057 72 202 5 51 362 693 671 842 3 7012 96 276 373 667 3 6008 18 62 148 705 3 0091 175 214 20 25 644 941 4O033 67 III 344 459 612 909 41.95 702(600) 878 96 420/3 250 465 43117 628 44668 137 242 90 414 642 778 4 5 004 151 390 567 4 6199 220 4 7096 122(3000) 217 773 300 4 8104 90 445 74 601(400) 56 90 678 4 0X34 264 357 821 941 5O100 226 445 73 792 871 98 990 51029 421 669 687 795 5 2060 61 141 98 344 603 46 661 79 801 66 5 3 004 315 474 662 929 5 4 014 675 844 912 5 5 006, 155 265 384 625 837 5 7013(400) 141 298 498 606 31 806 965. 400) 5 0020 42 126 (400( 599(790 833 5 9055 139 244 402 647 96 14001 792 896 60156 470 814 01654 786 6 2010 90 173 97 239 302 444 677 738 813 45 593 6 3024 146 436 0 4055 177 406 13 81 832 88 926 6 5 069 273 535 603 794 855 947 0 0 306(10001 46 791 6 7283 98 316 25 627 39 972 6 0055 132 313 767 860 692' 6( 400) 633 7 0094 140 209 363 662 716 67 944 71341 43 460 782 72103 528 679 988 99 7 3145 61 315 30 414( 500) 34 670 741 801 69 7 4 068(«00) 60i 48(400) 83 7 5113 69 6'6 737 55 62 846 62 7 0198 216 554 55(«001 649 815 28 987 7 7 093 213 537 633 740 879 7 8 403(400) 506 58£62 895 7 9111 265 623 603 813 17 80 093 291 323 465(400) 572 98 857 81097 166 316(400) 689 721 835 79 941 8 2078 359 73 628 67 85 8 3 756 954 84008 84 140 43 536 716 836 962 8 5 006 44 337 62 441 700 906 8 8215 66 337 582 0 7 519 24 705 8 8025 355 748 8 9022 241 53« 545 67 80 837 64 9 0235 412 43 678 957 81362 9 2176 84 362 738(500) 0 3 239 686 772 941 83 9 4150 218 382 658 719 0 5179 86 246 86 693 9 6 029 65 646 90 652 883 9 7160 301 4 641 56 753 9 8124 271 338 69(1000) 606 13 796 966 9 8076 172 78 554 56 786(500) 854 10 0026 271 343 433 661 972 1 01023 129 32 51 570 102108 603 746 103934 174 669 834 104007 463 1 05123 75 89 388 90 10 9370 471 678 1O708S 323 528 94 743 108003 80 482£69 692 708 41 10 8261 324 602 SS5 110007(400) 28 251 905 111093 356 430 632 859 112037 143 312 21(1000) 91 641 895(500) 113395 636 114459 520 604 32 868 981 118023 33 430(1000) 5 ,3 96 811 959 116003 448 600 76 812 948 117423 669 665 800 54 945>18269 608 716 119135 84 499(30001 690 760 987 120182 121192 309 605 15 1 22456 616(500) 929 1 23 017 223 514 611 124058 633 752 844 1 2 5 0C0 141 337 411£98 784 390 1280:9 409 84 698 1 2 7 060 293 335 674 700 1 28214 423 58 714 94 889 1 29109 37 342( 500) 641 13 0078 211 78 455(400) 857 1 31078 677 733 888 1 3 2040 154 68 260 724 959(1000) 72 1 33124 633 35 696 1 3 4072 135033 94 26! 88(KWOi 376 633 890 99 1 3 0031 95 122 247 325 77 490 649 830< 400! 13 7091 146 200 37 413 88 96 606 90 13 8502 38 742 911 139198 376 466(400) 672 834 140068 207 63 358 604 755 993 1 41209 493 610 39 809 14 2873 1 44115(4001 231 38 83 98 334 933 14 5 043 638 (400! 717 850 1 4 8020 66 248 50 308 403 521 ,871(400) 72 147199 217 32 647 70 657 885 918 1 48205 479 84 604 701 917 1 4 9166 80 304 88 616 150014 19 1£3 641 646 753 84 83 816 1 51221 322 707 963 1 5 2 023 169 757 901 5 33 15 3 069(400) 74 430 679 838 (500) 953 1 5 4056 212 76 690 895 942 1 5 5 208 76 394 471 518 688 Sil 12 0267 345 157088 364 414 54 520 33 610 995 15B001 35 60 127 205 546 614 38 1 5»409 533 36 843 53(400) 100090 147 43 64 314 411 648 622 855 1 61375(4001 457 95 598(490) 743 869 83 1 62105 327 1 63117 296 327 99 694 942 164 468 627 837 929 1 6 5 212 407 613(400) 703 830 166600 746 167122 210 301 900 20 168193 168143 259 691 601 723 972 170113 454 532 1 71499 629 34 634 721 879 968 17254- 969 173044 84 101 7 86 332 460 537 713 977 174143 432 669 707, 400) 10 9('3 29 1 7 5 043 313 453 803 937 74 178026 102 652 68 1 7 7604 703 54 1 7 058? 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ISO zu 400 SB. I HIZIUB 603 740 1119034 174 569 834 1 04007 463 1 05125 500 ffll, 150 zu 400 3E. Cerar.itoorflidjet Redakteur: Alfred Wiklepp, Neukölln. Für den �nferatentetl veranttv: Tb- VUvcke. Berlin. Drucku.Verlag: Normär:» tfu« �nuferei u BeriaaSauitalt ißaul s'ugct u. üo.,'Berlin SW. Nr. 86. 36. InhrMg. 2. Irilogf des jOTiitlo" Sftlintt MIKsM Zovnabtkd, 12. Apnl 1913. Hbgeordnetenbaus» 163. Sitzung, Freitag, den 11. April. vormittags 10 Uhr. Am Ministertisch: v. Trott zu Solz. Der Kultusetat.— Staatliche Jugendpflege. Mig. Heckcnroth(k.) bezeichnet als den Zweck der Jugendpflege, dem Streben nach Autoritätslosigkeit und schrankenloser Freiheit sowie der Sozialdemokratie entgegenzutreten, und beschul- digt den Hamburger Lehrer W o l g a st, durch das Verlangen nach einer tendenzlosen Jugendliteratur den patriotischen Sinn in der deutschen Gemütsseele anzutasten.(Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Kesternich(Z.) bevorzugt die konfessionellen Jugendorganisationen, die nicht nur Körperkultur treiben, und der- langt, daß bei den Jugendmärschen usw. die Sonntagsruhe im kirchlichen Interesse gewahrt bleibe. An der Verwahrlosung der Jugend ist das Wohnungselend schuld. Minister Dr. v. Trott zu Solz erkennt das Streben der Lehrer- auSschüfse zur Prüfung der Jugendliteratur an, weist jedoch ein- zclne Aeußerungen, die die allerstärksten Bedenken l)ervorrufen, mit aller Entschiedenheit zurück. In der Abweisung tendenziöser Schriften gehen die Ausschüsse zu weit, alle Tendenz kann man nicht ausschließen. Es kommt nur darauf an, ob die Tendenz wertvoll ist. Die Tendenz der Gottesfurcht und Vater- l a n d s l i e b e gehört unbedingt in die Jugendliteratur bincin. Wir überwachen diese Dinge mit größter Aufmerksamkeit und Sie finden in den von den Ausschüssen herausgegebenen Schriften wohl viele patriotische, aber nicht ein einziges Buch eines sozialdemokratischen Lehrers.(Großer Beifall.) Abg. Dr. v. Schcnckendorff(natl.) wünscht eine Ausdehnung und Ausgestaltung der Kinderhorte als wirksame Vorbereitung der Fürsorge für die Schulentlassenen und als Vorbeugung gegen Ver- Wahrlosung. Abg. Hoff(Vp.) weist die Vorwürfe gegen die Jugendschriften- ausschüsse zurück. Durch die Lehrerschaft gehe ein vaterländischer Geist. Aber sie lehne es ab, die Parteipolitik in die Schule zu tragen. Abg. v. Wopna(fk.): Es ist ein Unglück, wenn in einer so wich- tigen Bewegung, wie der Kampf gegen die Schundliteratur für die Jugend ist, die Führung außerhalb Preußens liegt. Abg. Stticzynski(Pole): Die Voreingenommenheit der staat- lichcn Behörden gegen die Polen ist auch auf diesem Gebiet ein Hemmnis für eine richtige Jugendpflege. Polnische Bestrebungen sozialer Natur werden für staatsgefährlich erklärt. Aber es wird den Behörden nicht gelingen, mit solchen Schikanen die polnische Jugend zu germanisieren. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.> Wären wir boshaft, so würden wir beantragen, die Summe für die staatliche Jugendpflege noch bedeutend zu erhöhen, denn je mehr Sie mit Steuergeldcrn die freie Jugend bekämpfen, desto b ej s e r gedeiht sie, genau so, wie Ihre Millionen zur Bekämvfung der Polen nur das polnische Element stärken. Ilm Jugenderziehung handelt es sich Ihnen gar nicht, sondern nur um die Bekämpfung der Sozialdemokratie. Nun, seit dem vorigen Jahr ist die Auflage der Ihnen so ver- haßten„Arbeiterjugend" von 6S t> auf 80 000 gestregen und im nächsten Jahr wird sie hoffentlich 100 000 übersteigen, und das trotz aller Verleumdungen der proletarischen Jugendbewegung. Sie soll angeblich der Jugend die Ideale rauben, während sie sie erst mit Idealismus erfüllt, ihrem Leben einen Inhalt gibt, sie die Schätze der N a t u r, der K u n st und Literatur erkennen lehrt und das nachholt, was die Volksschule leider ver- säumt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie kennen ja die proletarische Jugendbewegung gar nicht und kam pfcn gegen einen Popanz, den Sie sich nach Be- lieben zurecht machen. Im vorigen Jabr bezeichneten Zentrums- redner Gedichte von Schubart, Frciligrath und Heine als elende M ach werke, weil sie die Verfasser nicht kannten. Herr K st e r n i ch behauptete, daß in einer bestimmten Nummer der „Arbeiter-Jngend" ein Schimpfgedicht gegen die Könige enthalten sei. Dieses ist aber weder in der bezeichneten, noch über- Haupt in einer Nummer der„Arbeiter-Jugend" enthalten. Hat Herrn Kesternich vielleicht ein katholisches Blatt vorge- schwebt? Jedenfalls hat er die objektive Unwahrheit gesagt, natür- lich wollte er nicht das HauS absichtlich falsch informieren!— Mit welch verlogenen Mitteln gegen die freie Jugendbewegung gehetzt wird, ist ja allbekannt. Der ,. Reicksbotc" entrüstete sich über ein Jugendliederbuch, in dem eine Parodie aus das Lied„Stille Nacht, heilige Nacht" enthalten sein soll, und am Schluß des Ar- tikels hieß es, danach sei zu begreifen, daß die großstädtische Jugend Verbrecher in ihrer Mitte habe. In dem roten Jugendliederbuch steht aber gar kein solches Gedicht und auch nicht in einem Jugendlicdcrbuch der Freien Turnerschaft! Der Fort- bildungsschullchrer Langenberg in Köln, ein frommer Zen- trumsmann. behauptete in der.Köln. Volksztg.". daß d i e A r- b e i t e r- I u g e n d" die Lehrlinge zum Diebstahl verleite, weil sie eine Geschichte gebracht hatte, in der erzählt wird, wie ein angehender Ingenieur nachts in der Fabrik Zeich- nungen durchpaust. Diese Erzählung ist von— Max Eydth. der Vorsitzender der Deutschen Land- wirtschaftSgesellschaft und Ritter hoher Orden war und sie wird auf Staatskosten massenhaft als Jugend schrift ver- breitet und mit Vorliebe von den Schulen als Prämie für Fleiß und gutes Verhalten gegeben.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.— Abg. Soffmann: Das ist aber ein Reinfall!) ..In einer anderen Zentrumsbroschür« über die Aufgaben der Geistlichen und Gemeinden bei der Jugendpflege wird wörtlich aus der„Arbeiter-Jugend" zitiert, daß sich die freie Jugendbewegung nur vor solchen Jugendvereinen fürchte, die Ideale hätten und das von der„Arbeiter-Jugend" gehaßte Christentum auf ihre Fahne schrieben. Niemals hat dieses Zitat wirklich in der„Arbeiter- Jugend" gestanden! Wenn Sie die Jugend zur Gottesfurcht und frommen Sitte erziehen wollen, so sollten Sie sie erst einmal zur Wahrheit erziehen und das Gebot befolgen:„Ihr sollt nicht falsches Zeugnis reden wider Euren Nächsten I"(Sehr gut! bei d-rn Sozialdemokraten.) Eine große Anzahl politischer Gegner der So- zialdemokratie haben sich genug objektives Urteil bewahrt, um den tiefen Idealismus und den ernsten Willen der freien Jugendbewe- guiig anzuerkennen: so Pastor K i e ß l i n g- Hamburg, auf der Breslauer Generalversammlung des Deutschen Bundes für Mutter- schütz, der praktische Arzt Dr. Bernstein- Leipzig und Pastor Dr. Paul L u t t e r. dieser auf Grund der Prüfung von zwei Jahkgängen der„Arbeiter-Jugends". Sie aber, die Sie noch nie eine Nummer der„Arbeiter-Jugend" g e l e s en haben, schimpfen aus Leibeskräften darüber? Tie„Preußischen Jahr- bücher" kommen zu dem Schluß, daß die Benutzung der Jugend- bewegung zur antisozialistischen Agitation den Klassenkampf nur schüren könne.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In der Budget- kommission ist der Wunsch nach Errichtung von Jugendheimen geäußert worden. Wir haben diese Aufgahe des Staates und der Gemeinden längst erfüllt, nicht auf Kosten der Steuerzahler, sondern mit den groschenweise aufgebrachten Mitteln der Arbeiter. In 208 Orten haben wir Jugendheime errichtet, die 40 000 M. Miete bezahlen, die die jungen Leute dem Kneipenleben entziehen, dern auch neutrale und bürgerliche Zeitschriften für Bildung und Unterhaltung. Ueberzeugcn Sie sich erst davon und dann ur- teilen Sie! Zahllose Unterrichtskursc, künstlerische und wissen- .schaftliche Veranstaltungen. Ausflüge usw. werden veranstaltet und die sozialdemokratische Partei hat für die Bilduugsarheit einen besonderen Ausschuß eingesetzt, der alljährlich ein Verzeichnis emp- fehlenswerter Jugendschriften herausgibt. Nun sind hier die Literaturprüfungsausschüsse der Lehrer an- gegriffen worden, weil sie n i cht immer tendenziöse Lite' r a t u r wünschen. Diese Angriffe stützen sich zum Teil auf das Urteil von Leuten, die aus geschäftlichen Gründen die Prüfungsausschüsse beschuldigen, daß sie sozialdemokratischen Ge- dankengängen zu folgen suchen. Dies behauptet die inl Verlag von S ch o l z�berausgegebene Schrift des Herrn Kotz de. Wieser selbe Verlag Scholz, der die Prüfungsausschüsse der Lehrer bezichtigt, sozialdemokratische Gedankengänge zu verfolgen und der vater- landslosen Gesinnung Vorschub zu leisten, hat bis vor ganz kurzer Zeit noch versucht, seine Verlagswcrke dem Bildungsaus- schuß der sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands zu empfehlen und geradezu flehentliche Briefe an seinen Vorsitzenden geschrieben.(Hört! hört!) Weil das Geschäft mit der sozialdemokratischen Partei nicht zu machen war, geht man nun auf einmal gegen die Lehrer vor.(Hört! hört!) Diese Briefe reichen vom September 1909 bis in den Juli 1912 und der Vorsitzende des Bildungsausschusses wird da wieder- holt um einige empfehlende Worte für die Litera- tur des Verlages Scholz gebeten, die als Zirkular dem Buchhandel bekanntgegeben werden und manches Vorurteil besei- tigen könnten.(Große Heiterkeit und Hört! hört! bei den Sozial- dcmokraten und bei der Volkspartei.) Die freie Jugendbetvegung beschränkt sich allerdings nicht auf den Kampf gegen das Trinken und auf die Körperpflege durch Wanderveranstaltungen usw., sie will die Jugend nicht nur geistig und sittlich, sondern auch materiell heben. Herr Kesternich hat heute von der großen Bedeutung gesunder Wohnungen ge- sprachen. Zhtn, warum haben Sie Ihre Macht nicht ausgenützt, um solche Fortschritte herbeizuführen? Damit ist es nicht getan, daß man dem Volk die Lebensmittel verteuert, dadurch zur Ent- artung beiträgt und schließlich um so mehr von sittlicher und geistiger Hebung spricht. Wenn Sie Patrioten sein wollen, müssen Sie das Los des Volks und seiner Jugend verbessern! Wir haben Sch u tz ko m m U f i o n e n gegen die Kinderausbeutung eingesetzt. Sie sollten uns dankbar sein, was wir nicht verlangen; bekämpfen Sie uns, nur zu, aber je mehr Staats- mittel Sie gegen uns gebrauchen, desto besser wissen wir, daß wir auf dem richtigen Weg sind.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Die freien Jugendvereinc und Jugendheime werden für politisch erklärt wegen völlig unpolitischer Vorträge von Sozialdemokraten oder wegen angeblich politischer Artikel der„Ar- beiterjugend". Die Zeitschriften des„Jungdeutschlandbundes" und Ihrer sonstigen Jugendvereine sind voll von politische», an ti sozialdemokratischen Artikeln, aber das ist natürlich nicht politisch. Würde ein sozialdemokratischer Redner in einer Jugendversammlung ähnliche Dinge behandeln, so würde die Polizei die Versammlung auflösen und(Abg. Borchardt: Dem Redner würde» Handschellen angelegt I— Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mzu stolz brauchen Sie aber auf Ihre angeblichen Erfolge nicht zu sein. In einem Rundschreiben.hes Offizierskorps für den Jungschützenvecband wird zu einem Kommers mit Damen eingeladen; dabei handelt es sich um sechzehnjährige I u n g e n I(Zuruf rechts: Das ist aber nicht in Preußen gewesen!) Ach, was muß da erst in Preußen vorkommen! Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) lieber die Ausflüge des JungdeutschlcmdbundeS äußert sich ein Arzt, daß alle Naturschön heiten nur vom Standpunkt der Tauglichkeit für Feld� dien st Übungen beurteilt werden und schließlich ein Hang zum Räubertum bei den Jungen entstehen mutz. Die enge Fühlung und Teilnahme der Militärverwaltung an der patriotischen Jugend agitation ist bekannt; die Kosten tragen die Steuerzahler. In der Budgetkommission des Reichstags hat der Kriegsminister diese Be- Ziehungen bestritten— nun, ich habe hier einen militäri- schen Geheimerlaß, der diese Beziehungen bis ins einzelne regelt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Systematische lsicschichtssälschung soll die jungen Leute zur„Wahrheit" erziehen! (Der Redner bringt für alle seine Behauptungen Zitate aus patriotischen Jugendschriften vor.) In dem Liederbuch des Arbeits- ausschusseS für Jugendpflege im Regierungsbezirk Merseburg findet man eine Schundballadc„Sa b i n ch e n war ein Frauen- z i m m e r" mit jämmerlichen Knüttelversen und blutrünstigem Inhalt(Zuruf rechts: Das Lied ist aus den Kommersbüchern herausgeschmissen!) und für die Jugend ist es Ihnen also gerade gut genug!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Wir bieten, wobei uns die Polizei allerdings hindert, den Fugendlichen Aufführungen klassischer Stücke, der„patriotische" Jugcndverein in Osterfeld, Ruhrgebiet, aber führt ein Stück auf: „Der Raubmörder Sternickel" und ein anderes„D e r rote Agitator". Wenn wir das täten I Durch Porträge von Offizieren in den Fortbildungsschulen usw. agitiert man für den Pfadfinderbund usw. Der politische Charakter der staatlich geförderten Jugendbewegung ist unzweifelhaft. Ihr stehen Polizei, Eisenbahn- Verwaltung. Militär. Kultusverwaltung und Steuergelder zur Per- fügung; trotzdem werden nicht Sie, sondern wir als Sieger hervorgehen. Gegen eine Erziehung zur wahren Vaterlands- lieb« haben wir Sozialdemokraten nichts einzuwenden, aber die Voraussetzung dafür sind belfere Zustände im Vater- land. Beseitigen Sie die Not des Volkes, anstatt sie immer zu vergrößern! In diesem Sinne aber sind wir die wirklichen Patrioten und die sozialdemokratische Jugendbewegung die Iv irklich nationale. Abg. H e ck e n r o t h hat heute be- hmiptet, wir verspotteten die Taten von 1813. Das haben wir nie mals getan, das ist eine Unwahrheit: toir wenden uns nur gegen tendenziöse Gcschichtsfälschung und byzantinischen Hurrapatriotismus. Wir haben die größte Hochachtung und Ehrfurcht vor all jenen Männern und Frauen, die vor hundert Jahren alles eingesetzt babezi, um das Vaterland zu befreien. Die würdige Feier aber ihres Andenkens wäre, daß das preußische Volk genau so wie die Kämpfer von 1813 sich aufraffte, um die Fremdherrschaft ab- zuschüttelte, sich aufraffte, um die auf ihm lastende Herrschaft abzuschütteln, sich aufraffte, um die auf ihm lastende Herr- sckaf! des schwarzblaucn Blocks zu beseitigen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Würde das Volk so opfermutig sein, wie bor 100 Jahren, so würde es sich aufraffen, um jenem Wahlrecht ein Ende z u machen, das Ihnen die Macht gibt, und es würde dafür sorgen, daß Sie aus diesem Parlament verschwinden und endlich ein freies Preußen errichtet wird, das nicht mehr die von dem Volksganzen aufgebrachten Mittel gegen einzelne Volksklassen verwendet.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Dr. v. Campe(natl.) erklärt, daß Vaterlandsliebe und Treue zu Kaiser und Reich mi� Politik nichts zu tun haben. Die sozialdemokratischen Liederbücher enthalten revolutionäre Lieder. Dafür ist uns unsere Jugend zu gut. Ter„Vorwärts"' hat den nationalen Schwung, der nach der Zcppelinkatastrophe durch das deutsche Volk ging, als patriotischen Rummel bezeichnet; da hat die Sozialdemokratie kein Recht, sich über politische Tendenzen in der Jugendbewegung zu entrüsten. Dann verteidigt der Redner die Lehreransschüffe gegen Kesternich. Abg. Freiherr v. Wolff-Metternich(Z.) meint, daß jeder an- ständige Mensch sich schämen sollte, den unflätigen„ S i m p l i- cissimus" zu lesen.(Zustimmung rechts und im Zentrum.) Der Borromäus-Berein zur Verbreitung guter Lektüre soll vom Staat unterstützt werden. Abg. Rnmdohr(fk.) wendet sich ebenfalls gegen die sozialdemo- Akratischen Liederbücher und geht dann von dem„Großstadt- gcschmeiß" wieder zum Lande über, wo der Sternickelprvzeß die Notlvendigkeit der Jugendfürsorge bewiesen habe. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich war zwar als einziger noch zum Wort gemeldet, brauche aber diesen Schluß nicht zu bedauern. durch den Sie sich wieder einmal gründlich blamiert haben! (Präs. Graf Schwerin: Sie dürfen nicht sagen, daß Mitglieder des Hauses sich blamiert haben.— Abg. Hoffmann: Das dürfen die bloß tun!— Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.— Unruhe rechts.) Die Haltlosigkeit der Ramdohrschen Anschuldigun- gen gegen die sozialdemokratischen Liederbücher ist schon seit Jahren erwiesen. Etat für Kunst und Wissenschaft Abg. v. Goszlcr(k.) ist gegen eine weitere Verlängerung der Besuchszeit der wissenschaftlichen Sammlungen an den Sonntagen im Interesse des Gottesdienstes. An den MuseumSführungen für Abgeordnete haben sich vielfach nur drei, zwei oder über- Haupt kein Abgeordneter beteiligt. Der Redner spricht dann gegen die unreellen Musikschulen. Abg. Dr. Kaufmann(Z.) wünscht mehr Berücksichtigung der ausländischen Malerei in der Berliner Nationalgalerie. Weiterberatung: Sonnabend 10 Uhr. Schluß öVi Uhr. Der SillMge-Domml des Dreiijpschen Flmdes- Gekonmie-Kollegiums. In der Veröffentlichung des Preußischen Landes-Oekonomic- Kollegiums:„Wie kann den Landarbeitern besserer Anschluß in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht geboten werden?" gestattet sich der Verfasser, ein Dr. W. A s m i s, den neuerdings in Mode ge- kommenen Vorwurf der Sabotage gegen die Sozialdemokratie— lies Gewerkschaften— zu erheben. Auf Seite 11 der Schrift wird berichtet: „Am 4. August 1912 ist unter Führung des Verbandes christ-- licher Gewerkschaften im Rheingau ein neuer deutscher Wein- berg-, Wald- und Landarbciterverband gegründet worden, der sich dem Gesamtverbande der christlichen Gewerkschaften angeschlossen hat. Den Anstoß zu dieser Gründung hat die radikale A g i- t a t i o n der Sozialdemokratie, die dort bereits zu u n- erhörten Ausschreitungen, WeinbergSzer- störungenunddergleichengeführthatte, gegeben." Diese Schauermär ergänzt Herr A s m i s auf Seite 15 seiner Broschüre durch eine weitere Behauptung: „Aehnliche Kampfesmittel, nämlich das Abbrennen von Getreidemieten und Töten des Viehs in den Koppeln sind kürzlich von einem Sozialdemokraten in öffentlicher Ver- sammlung empfohlen worden; ein hübscher Ausblick, wo- hin der Klassenkampf st andpunkt schließlich führt." Der Dezernent des Preußischen Landes-Oekonomie-Kollegiums für Arbeiterfragen, Herr Dr. W. A s m i s, mutzte selbstredend ge- nügend Beweise in Händen haben, wenn er derart scharf formuliert den Vorwurf der Sabotage gegen die Sozialdemokratie und, was versteckt in seinen Worten lag, gegen die Gewerkschaften erhob. Man mußte ihn daher veranlassen, mit seinen Beweisen herauszurücken. Der Vorsitzende des Kgl. Pr> Landes-Oekonomie-Kollegiums. Graf v. Schwcrin-Löwitz, wurde ersucht, er möge den Ver- fasser der Schrift veranlassen, die Tatsachen, Ort und Zeit der Ver- sammlung, Titel der Agitationsschriften usw., auf die er seine schwerwiegenden Vorwürfe gründet, mitzuteilen, damit eine Räch- Prüfung ermöglicht kvürde. Darauf kam von dem LandeS-Oekonomie-Kollegium folgende Antwort: „Auf das an den Herrn Vorsitzenden des Kollegiums ge- richtete Schreiben vom 23. Januar d. I. erwidern wir, daß der angeführte Abschnitt auf Seite 11 sich in der Hauptsache auf einen Bericht über die Gründung de?„Deutschen Weinberg-, Wald- und Landarbeiierbundes" aus Ztr. 34 des„Rheinländer" vom 25. August 1912 stützt, welcher hinsichtlich der Weinbergs- zerstörungen mit schon früher veröffentlichten Berichten von anderer Seite übereinstimmt. Die zweite Stelle auf Seite 15 bezieht sich auf Vorgänge in einer Versammlung vom 17. April 1912 zu Sülze in Mecklen- bürg, über die in Nr. 18 der„Deutschen Treue" vom 28. April 1912 kurz berichtet worden ist, und welche uns mündlich ausführ- lich bestätigt worden sind, Wir bemerken noch, daß in den fraglichen Stellen in Heft 11 unserer„Veröffentlichungen" nicht etwa behauptet ist— wie man nach Ihrem Schreiben annehmen könnte—, daß die„sozialdemokratische Partei Deutschlands" oder der„Deutsche Land- arbeiterverband" selber zur Vorübung von Ausschreitungen auf- gefordert hätten.(Unterschrift unleserlich.)" Die hier beigebrachten Tatsachen sind mehr al» dürftig. Schwindelhafte Notizen in zwei Blättchen, die der Oeffentlichkeit völlig unbekannt sind. Im übrigen wich das LandeS-Oekonomie- Kollegium mutig zurück. Wenn Herr A S m i S behauptet, ein Sozialdemokrat habe in äffen tlich er Versammlung die Sabotage empfohlen, muß zweifellos jeder daraus schließen, daß eS sich um eine sozialdemokratische Versammlung handelt, in der ein sozialdemokratischer Redner den Vorschlag machte. Und wenn im Rheingau die„radikale Agitation der Sozialdemokratie" den Erfolg gehabt haben sollte, daß ihre Sabo- tage-Aufforderungen zu den genannten Zerstörungen geführt hatten, dann konnte niemand die Sache anders auffassen, als daß hier der sozialdemokratischen Partei oder dem Verband, der die ge- werkschaftliche Agitation unter den Weinbergs- und Landarbeitern treibt, der schwere Vorwurf der Anreizung zur Sabotage gemacht werden sollte. Die für die Veröffentlichung des Herrn A S m i s verantwortliche Stelle kneift also, wenn sie den unbegründeten Vorwurf nicht so gemeint haben will. Was es niit der Behauptung der„radikalen Agitation" auf sich hat, die zu den Weinbergszerstörungen geführt haben sollte, ist mittlerweile von einer Seite festgestellt worden, die sicherlich nicht im Verdacht steht, sozialistenfreundlich zu sein. Der Vorsitzende des christlich-nationalen Landarbeiterverbandes Franz Freund schreibt in seiner Berbandszeitschrist„Die Rundschau" vom 8. Februar 1913: „Schließlich mag noch Herr Dr. AsmiS dahin belehrt werden, daß die Winzer im Rheinland, von denen er auf Seite 15 ssiner Schrift spricht, die in einer„Lohnbewegung mehrere tausend Weinstöckc"(übrigens ist die Zahl sehr stark übertrieben) ab- schnitten, nicht organisiert waren, also weder einer Gewerkschaft, einem Winzerverein an- gehörten und vom Klassenst andpunkt nichts wußten. ES handelte sich dort lediglich um elend gelohnte Weinbergsarbeiter, die bei der teuren Zeit in der sehr teuren Touristen-Rhcingegend in Unwissenheit und aus Verzweiflung zu dem allerdings vertoerflichen, wahnwitzigen Schritt kamen, als die Weingutsbesitzer ein Entgegenkommen ablehnten.— Soviel steht fest, daß die gewerkschaftlich organisierten Weinbergs arbcitcr. weil sie aufgeklart sind, sich niemals zu solchen wahnwitzigen, zwecklosen Racheakten Hinreisen lassen würden. Auch das Abbrennen� von Äctreidcmieten, Tötung von Vieh, das nach Dr. A. ein Sozialdemokrat in einer Versammlung in Mecklenburg empfohlen haben soll, widerspricht den Grundsätzen einer gewerkschaftlichen Arbeiter- or g a n i s a t i o n." Die Winzer im Rheingau waren überdies von jeher von der Klerisei so gut bewacht und behütet, daß bis zur fraglichen Zeit weder die sozialdemokrätischc noch die gewerkschaftliche Agitation an sie herankommen konnten. Tic Feststellungen bezüglich der von einem„Sozialdemokraten in öffentlicher Versammlung" empföhle- ncn Sabotage ergaben folgendes: In dem mecklenburgischen Städtchen Sülze faikd am 16. April 1912 eine von: Gauverband„Vaterländischer Arbeiter- vereine" einberufene Versammlung statt, in der ein Herr Heuer- Berlin über die Ziele der vaterländischen Vereine sprach. Anderen Tags fand dann eine weitere Zusammenkunft statt, in der die „Gründung" eines vaterländischen Vereins vorgenommen werden sollte. In dieser Zusammenkunft nun ist die Aeußerung von „Mieten abbrennen" von einem Arbeiter gemacht worden, der noch nie geiverk schaftlich oder politisch organisiert war, allgemein dagegen als Querulant und unzurechnungsfähiger Mensch bekannt ist und den man zum Eintritt in den vaterländi- scheu Arbeiterverein aufgefordert und zur Besprechung eingeladen hatte. Das sind die einwandfreie» Tatsachen, die dem Beauftragten des Königlich Preußischen Landes-Oekonomie-Koellgiums dazu dienen mußten, der Sozialdemokratie� und den Arbeiterorganisatio- nen den unerhörten Vorwurf der Sabotage zw machen. Der Versuch zu kneifen, der in der- Antwort auf die Anfrage des sozial- demokratischen Parteivorstaubes unternommen wird, steht auf der- selben Höhe, wie das beredte Schweigen der Scharfmacherblätter auf die neuerdings geschehene Festnagelung ihrer Verleumdungen durch den Vorsitzenden der Gcncralkommission der Gewerkschaften. £Iiis InduTtne und Kandel. Soziales. Rechtsunsicherhcit in Unfallrcutensachen. Bei der Beratung � des' Etats des Reichsversicherungsamtes wurde die Praxis des Rentenfeststellungsverfahrens von dem Ver- treter unserer Partei einer herben Kritik unterzogen. Im An- schluß daran beschäftigt sich in der„Arbeiter-Vcrsorgung" Ma- gistratsassessor Lange-Neukölln mit derselben Frage. Lange er- kennt die Kritik in vielen Fällen als berechtigt an und führt selber folgendes Beispiel für die Verschiedenartigkeit der Rechtsprechung des RcichsversicherungSamtes an: Zwei Kohlenhäner aus dem Industriegebiet hatten vor länge- rer Zeit das erste Glied des linken Daumen? verloren. Beide be- zogen hierfür 10 Proz. Rente, beide erhielten seit einiger Zeit wieder denselben Lohn wie ihre unverletzten Mitarbeiter, beiden wurde auf Antrag der Berufsgenossenschaft die Rente entzogen und über beider Rekurs verhandelte am gleichen Tage das Reichs- Versicherungsamt vor verschiedenen Senaten. Das Resultat war: der eine Häuer erhielt seine Rente wieder, bei dem anderen wurde die Rentenaufhebung bestätigt. Besondere Gründe, die eine ver- schiedenartige Beurteilung desselben Falles gerechtfertigt hätten, lagen nicht vor.— Der Verfasser bemerkt dazu: Man kann sich denken, mit welchen Gefühlen diese beiden Männer nach Hause fuh- ren, wie die Erzählungen der beiden auf ihre Mitarbeiter gewirkt haben müssen. Aehnliche Fälle kann jede Berufsgenosienschaf: aus ihren Akten zu Dutzenden auszählen. Neuerdings ist von der Westfälischer» Vereinigung berufS- genossenschaftlicher Verwaltungen ausgesprochen worden, daß die Verletzten verhetzt werden. Mag sein: die„Hetzer" sitzen dann in den Verwaltungen der Berufsgenossenschaften und im Reichs- vcrsichcrungsamt._ Milde Richter. Vor kurzem verhandelte die Strafkammer in Gnesen gegen den Lehrer Lorenz Skowrouski aus Florenthnowo bei Gnesen wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zehn Fällen. Ter Angeklagte, welcher wegen Mißhandlung von Schulkindern bereits früher sowohl gerichtlich als disziplinarisch vorbestraft ist, hat im Juni vorigen Jahres wiederum gegenüber zehn seiner Ob- Hut anvertrauten Kindern das Züchtigungsrecht bei weitem über- schritten. Einem zehnjährigen Schulkinde, Szezesnieck, schlug er eine so kräftige Ohrfeige, daß das Kind ein starkes Nasenbluten bekam. Andere Kinder hat er teils mit der Faust auf den Kopf geschlagen, teils mit einem Peitschenstiel bearbeitet. Zum Teil lagen ärztliche Atteste vor. Das Landgericht nahm nur fahrlässige Körperverletzung in drei Fällen an. Die Fahrlässigkeit wurde da- rin erblickt, daß Skowronski unterlassen hat, die Kinder bei dem Schlagen festzuhalten. Nach der Anschauung des Gnesener Gerichts sind die erheblichen Verletzungen der Kinder nur darauf zurück- zuführe», daß sie sich bei dem Schlagen bewegt und umgedreht habeni Die Strafe ist trotz der Vorstrafen des Angeklagten auf nur 30 Mark festgesetzt. Hierbei mag betont werden, daß die der deutschen Unterrichts- spräche nicht machtigen durchweg polnischen Kinder die Rechen- aufgaben nicht lösen konnten. Ungezogenheiten kamen niemals vor. Es handelt sich um Kinder armer polnischer Arbeiter. Dieses Urteil vergleiche man mit den drakonischen Strafen, welche über unbescholtene Arbeiter wegen Streikvergehen verhängt werden. (Siehe auch erste Beilage.) Industrie und Arbeiter in Belgien. Unser Brüsseler Korrespondent schreibt uns: Mit Rücksicht aus die Ereignisse in Belgien dürfte eine Zusammenstellung über die industriellen Unternehmungen des Landes und die Zahl der in der Industrie und in der Heimarbeit beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen von Interesse sein. Nach den letzten zur Verfügung stehenden offiziellen Ziffern, die allerdings aus das Jahr 1890 zurückgehen und für die Gegen- wart einer ziemlichen Korrektur bedürsten, zählt Belgien insgesamt 330 000 industrielle Unternehmungen lFabriken, Werkstätten. Berg- werke, Steinbrüche u. a.). Bon diesen 330 000 Unternehmungen gehören der eigentlichen Industrie an 236 000. 03 650 Unter- nehmungen arbeiten mit Heimarbeitern und 350 Unternehmungen beschäftigen Arbeiter in den von Unternehmern gemieteten Werk- stätten. Die meisten der Unternehmungen sind im Besitze von Einzel- Personen. Die Zahl dieser Unternehmungen beträgt 234 000. Aktiengesellschaften gibt es— immer nach den alten Ziffern— 1250 und 150 Genossenschaften. 60 Proz. der Arbeiter entfallen auf die Etablissements von Einzelpersonen, 40 Proz. auf Aktien- gesellschaften. Auf die Genossenschaften' kommen nur 2000 Ar- bester. Im Jahre 1896 gab es in Belgien 842 000 Arbeiter, darunter 196 090 Frauen. Die letzten offiziellen Ziffern hierüber stammen ans dem Jahre 1900. Es gab damals 865 353 Arbeiter und 268 237 Arbesterinnen. tDie Resultate der letzten Volkszählung von 1910 sind noch nicht veröffentlicht.) Um das Verhältnis von Heim- und Industriearbeitern fest- zustellen, müssen wir uns wieder an die Ziffern von 1896 halten. Von den damals registrierten 842 000 Arbeitern gehörten 118 000 Personen der Heinmrbeit an, was mehr als ein Sechstel der in- dustriellen Bevölkerung darstellt. Die größten Industriezentren, vom Standpunkt der Arbeiter- zahl besehen, sind Antwerpen, Brüssel, Gent und Lüttich. Gent zählte 42 400, Antwerpen 40 500, Lüttich 38 100, Brüssel 36 WO. Brüssel mit den Vororten 101 948 Industriearbeiter. Seraing(Sitz der Cockerillwerke) zählt 15 500, Herstal 7000, La Couviere 7000, Tournai 7000, Courtrai 6600, Löwen 7400, Namur 6600, Quregnon 6600, Courcelles 6000, Turnhout 6200, Charleroi 5600 usw. 31 Kommunen haben eine Arbeiterbevölkerung von 4W0 bis 3000 Personen. Werkstätten in städtischem Betrieb, Gas, Elektrizität, Wasser- Versorgung, gab es im Jahre 1896 34 in Belgien. Sie verteilen | sich aus 24 Kommunen mit einer Zahl von 1390 Arbeitern. Schutzzoll und Arbeitslohn. Agrarier und Kartellisten behaupten, daß auch die Arbeiter ein Interesse an hohen Schutzzöllen hätten. Denn der Zoll erlaube es der Landwirtschaft und der Industrie, höhere Löhne zu bezahlen und günstigere Arbeitsbedingungen zu gewähren. Der Kampf um den Zolllarif in den Vereinigten Staaten von Amerika hat nun den Anlaß zu einigen Untersuchungen gegeben, die, auf amtliche Er- Hebungen gestützt, sehr deutlich zeigen, wie wenig von diesem Argument der Tchutzzöllner zu hallen ist. Man hat ermittelt, erstens um wieviel die Waren durch die Zölle verieuert wurden, und zweitens, welcher Teil des Warenpreises auf den Arbeitslohn entfällt. So erhielt man die folgenden Ergebnisse: Bei vielen Waren bettägt also die Verteuerung durch den Zoll viel mehr als der Auswand' an Arbeitslohn bei ihrer Herstellung! Damit ist erwiesen, daß der hohe Zoll, nicht der hohe Lohn die Teuerung venschuldet. Damit ist weiler dargetan, daß die Kapi- lalisten den Arbeitern an Löhnen überhaupt weniger auszahlen, als sie dank dem Zoll profitieren. Die Behauplung, daß der Mehr- gewinn, den der Zoll ermöglicht, zur Erhöhung der Arbeitslöhne verwendet werde, wird dadurch widerlegt. Gestützt wird dieses Er- gebnis durch den Vergleich amerikanischer und englischer Löhne. So bewägt z. B. in der Baumwollemnvuswie von Rhode Island, die durch hohe Zölle geschützt ist, der durchschnittliche Wochenlobn 7 bis 8 Dollar, dagegen in der britischen Baumwollindustrie, die keine Schutzzollmauer umgibt, 7,79 bis 8,43 Dollar. Dabei beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit der Banmwollarbeiter in England 55,5, in Amerika'60 bis 66 Stunden in der Woche I Man wird also sehr vorsichtig prüfen müssen, ehe man sich von den Unternehmern ein- reden läßt, daß Zölle auch den Arbeitern frommen! Justenvveranftalnmgea. »rePtow-Baumschulenweg. Aus den heute, Sonnabend, in Sauers Gesellichastsi-.auS stattiindenden Lichtbildervortrag: Eweis. zllge durch die Marl Brandenburg(Vortragender Herr Otto M i e S b a ch) möchten wir hiermit ganz besonders hinweisen. Ansang'/.S Uhr. Nach dem Vorwag: Tanz. Einwittskarten für Erwachsene 20, für jugendliche 10 Ps. sind an der Kasse zu haben.— Zahlreicher Besuch der Arbeiterschast und der schulentlassen«! Jugend wird im Interesse und zur Unterstützung Oer Jugenbewegung bestimmt erwartet. Lichtenberg. Morgen, Sonniagnachmittag Ist, Uhr, findet im Lokal Schwarzer Adler, Franksurler Ebaussec S/6, eine Jugendfeier statt. Mit- wirkende: Berliner VolkSchor(Dirigent Dr. Ernst Zander: Herr Otto Wiemer, Rezitation; Herr Emil Eichhorn, Festrede.— EinWitt sür Jugend- liche unter 18 Jahren srei. Eintrittskarten sür Erwachsene a 30 Ps. find bei SB. Schulz. Kronprinzenstr. 47, und in den Verkaussstellen der Konsum- genosienschasl sowie an der Kasse zu haben. Erkner. Heute Sonnabend veranstaltet der Jugendausschuß w Degebrodts Alten Krug eine Frühlingsseier sür die arbeitende Jugend. Dje Festrede Höst der Reichstagsabgeordnete Karl Giebel. Die hiesige Arbeiter- schast wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. Bneffeaftc« der Redaktion. Die luriftischc Sprechstunde(ludet Ltudenftrahe LS, vor» vier Treppe» —»ahr stuhl—, wochentäglich von t'z» bis 7� Uhr abeudS, SouuadcudS, vou bis L Uhr adendS statt. Jeder sür deu� Briefkasten hrstimmte»«nfruge ist ein Buchstabe und eine Zahl alS Merkzeichen brtzufügca. Brtefltche Autwort wird nicht crtcUt. Anfragen, denen leine AdonnemcntSqutttung brtgefüg» ist, ictitn»ich« beantwortet. Eilige Fragen trage mau tu der Sprechstunde vor. A. P. 25. ES wäre Denunziation bei der Polizeibehörde möglich, von der wir jedoch abraten.— B. i»4. Sticht kranlenversicherungspflichtig, sofern im Privathaushalt tätig.— B. 49. Sosern der frühere Vertrag der Form nach rechtsgültig ist, genügt ein Zusatz, daß die Rechte und Pflichten aus dem Vertrage aus den Erwerber übergeben. Dieser Zusatz müßte vom Veräußcrer, Erwerber und Ihnen unterschrieben sein.— E. B. IVO. Falls in Güte Zahlung nicht erreichbar, raten>o ir von einer Klage ab, da die Vereinbarung nicht nachgewicsen werden kann. P. Neukölln. Ohne Kenntnis der Vcrncherungsbedingungcn nicht zu beantworten.— P. L. 13. Wenden Sie sich an das Polizeipräsidium. F P. 13. Soweit ersichtlich, besteht nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei den Eltern der andern Kinder eine Ersatzpflicht nicht. — G. K. 101. Für die Zeit des verstrichenen Kalenderjahres, also vom 1. Januar bis einschließlich 3t. Dezember 1312.— Abendroth 42. Dem Zweckvcrbande sind derartige Aufgaben nicht überwicien. Die Erledigung derartiger Angelegenheiten verbleibt den Armcnvcrwaltungcn bczw. den Strmenvcrbönden. Wir nehmen daher an. daß es sich bei Ihren Angaben insoivcit nm einen Irrtum handelt. Die Slrmcnvcrwaltung bat allerdings die formale Befugnis zur Beschlagnahme. Das von uns empsoblene Ge- such ist an die Behörde, von der die Beschlagnahme ausgeht, zu richten. Ein Einspruchsrecht steht Ihrer Eousine wegen deren Forderung an die Ehesrau des Unterstützten nicht zu.— G. R. 22. 1. und 2. Ein Unsall liegt, soweit ersichtlich, nicht vor. 3. Die Pension ist richtig berechnet. 4. Ja. sosern es sich um Kinder handelt, die noch nicht 18 Jahre alt sind, und zwar in Höhe von st, des der Witwe zustehenden Bcwages. — Schütz. 1. Die Steuerpslicht endigte mit Dezember 1911. 2. Stein. Verlangen Sie von der Kirchcnbebörde die Rückzahlung. 3. Die Kündigungs- trist müssen Sie imiebaitcn, andernfalls der Unternehmer Anspruch aus Schadenersatz stellen kann.— T. 14. Sic müssen vor Abiaus der 28 tägigen Frist in Lichtenberg Widerspruch erheben.— E. B. 32. Ein Vertrag empfiehlt sich zum Zwecke des besseren späteren Nachweises JbreS Eigentumsrechts.— BS. R. 100. viic können sich noch freiwillig melden. — B. 9)1. 31. Der schriftliche Vertrag hat auch jetzt noch seine Gültig- keit.— 9)tax. 1. und 2. Das Einkommen, ganz gleich in welcher Höhe, wird demjenigen des Mannes zugerechnet. 3. Ja.— 512. 150 M., für den Fall der Bedürstigkeit kann E> Mäßigung bis aus 5 SN. stattfinden. 2. Das Nähere erfahren Sie beim Polizeipräsidium, wohinselbst der Antrag zu richten ist.— A. P. 39. 1. Stein. 2. Nur dann, wenn die Gegen- stände Ihr Eigentum sind. Gehören die Sachen dem Manne, so kann er sür den Fall der Pfändung intervenieren. 3. und 4. Nein. b. Ja. soweit es sich um die nach Erlaß des Urteils fällig gewordenen Beträge handelt und zwar immer die länger als vier Jahre zurückliegenden.— K. 1. Ja. — Bernau. Sofern nicht ortspolizeiliche Bestimmungen vorhanden sind, kann keiner der beiden Teile zur Errichtung des Zaunes gezwungen werden. — H. L. 121. 1. Ja. 2. Falls nachweisbar, haben Reklamationen aus dem Grunde häufig Erfolg. 3. bis 5. Nein. 6. Wenden Sie sich an die SlistungSdeputation des Magistrats.— 909. I. B. 1. Weitcrkleben. Sosern Invalidität vorliegt, tliiin Antrag aus Jnvalioenrente gestellt werden. 2.'I4 des eingebrachten Guts, wozu Kleidungsstücke, Wäsche und Schmuck- sachcn hinzukommen.— I. St. 5. Die angegebenen Taksachen stellen einen Scheidungsgrund nicht dar.— Marie M. 41. Ein Recht, in die Wohnung einzudringen, bestebt nicht.— E. I. 35. Beide.— D. E. 78. Der Zeitraum erscheint etwas kurz; wenn durch Sachverständigengutachten sich Stenovierbedürsttgkett nachweisen läßt, so besteht allerdings Anspruch auf Renovierung. O. M. 451. DaS tonnen ivir nicht wissen. Fragen Sie beim Zwesten Kreise an.— Stammtisch Görlitzer Str. 42. 100 000 M. einschließlich Reprüscntationsgelder.— Moabit 101. Städtische Berkehrsdeputation, Berlin C. 2, Stadthaus, Zimmer 184.— A. 69. Geburisschein ist erforderlich.— Gsolk. Die Frage kann ohne Angabc der Höhe des Per- dienstes und der Kopszahl Ihrer Familienangehörigen nicht beantwortet werden.— W. I. 25. Erst im Lause des TageS.— Steglitz— Deutsch- Nettkow. Eine Klage beim Amtsgericht irns Abänderung des Zeugnisses erscheint durchführbar.— B. B 1. u. 2. Ja.— M. O. 100. i. Die Erwerbung des llnterstützungswobnsitzeS ist für die Erteilung des Armen- atlestes nicht ersorderlich. Der Slntrag kann schon vor Ablauf i>cr ein- jährigen Frist beim Amtsoorsteher gestellt werden. 2. Nein.— I. Pet. 124. Ja.— O. G. 43. Erinnern. Sie nochmals.— A. S. 73. Die Ihnen gewordene Mittelung ist rechtsirrig. Wenn sich aber böswillige Per- letzung der Unterhaltspflicht nachweisen läßt, so wäre das ein Scheiduugs- grund.— K. B. 5. 1. u. 2. Innerhalb zwei Jahren, die Frist deginnend- mit Ende des Kalenderjahres(K 136 und 201 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Aus Grund Ihrer Darstellung kam, der Unternehmer den Bewag zurück- sordern.— Bormund, Bcrlkn-Steglitz. 1. Beschwerde gegen die Ge- D meinde, vertreten durch den Gemeindevorstand beim Kreisausschug zu Händen des Landrats. 2. Der Zögling kann ohne Ihre Zustimmung in die Lehre gegeben werden._ ßnefkaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen HcilslStten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats tu der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen ver Ueberweisung von Frei- «xemplarcn sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht gelicsert werdeil. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. SSasierstandS-Nachricht«, der LandeSanstalt für Gewässerwnde. mUgetcstl vom Berliner Wetterburcaw Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Tborn Oder. Rattbor . Krassen Frankfurt Warth«. Schrimm Landsberg Vordamm Leiwierrtz Dresden Bardo Magdeburg Netze Elbe Wasserstatd Saale, Grochlitz Havel, Svandau») , Rathenow') Spree. Svremberg') ,. Beeskow Weser, Münden , Mmden Rhein, Rkaximstiansau , Kaub , Köln Neckar. Hestbrom» Main, Hanau Mosel. Trier am 10 4. cra 172 61 82 78 35 192 285 400 206 210 89 160 77 s-it 9. 4. cm1) -16 +3 —4 +2 —1 —17 +22 _ o —7 —8 —8 —2 bedeutet Wuchs.— Fall.—'*) Unterpegel. Jedem ein, dass die Deutsche Bekleldungs- Gesellschaft m.b.H. durch ihre Verkaufsart Selbstkostenpreis+i0o/o Nutzen die yprieilhafiesfe Einkaufsquelle fQr Herren- und Knaben-Garderobe sein muss, weil sie gemäss ihrer beim Amtsgericht niedergelegten Statuten verpflichtet ist, sämtliche Herren« Und Knabengerderoben mit einem Nutzen von 1 l) Prozent zu verkaufen Durch diese Vertriebsart machen die Käufer erhebliche Ersparnisse und sind vor jeder Uebervorteilung geschützt Deutsche Bekleidunes Gesellschaft Turmstrasse 80 Gr. Frankfurter Str. 4 Chausseestr. 27 Neykölln.Berestr.TJI (Neben kleinem Tiergarten)(Ecke Fruchtatrae.e)(Nahe Invalldenatra«.«)(Ecke Prinx-Handjenr«traa� ....... NIM-——— UUl,-........"HU'"......""Ii".....................""U"».....""II""...................... mu«"- Hur 10§ SM» berechnet die H K. G. bei allen Waren auf ihren Selbstkostenpreis. Wer seinen Bedarf an Herren-, Jünglings-, Knaben- u. Sportbekleidung jeder Art fertig oder nach Mass bei der H. K. G. deckt, erzielt bedeutende Ersparnisse. Bei einem Lagerbestand von über 600 000 M bieten wir in unseren 4 Geschäften eine nicht zu übertreffende Auswahl in allen Artikeln, Preislagen und Grössen. Herren- Kleid er- Vertriebs■ Ges. 17». Neue Schönhauser Str. 1 I Charl., Wilmersdorfer Str. 165 I Neukölln, KottbuserDamm72 I Moabit, Turmstrasse 73 Ecke Weinmeister- und Münz- trasse| Ecke Berliner und Scharr enstrasse 1 Ecke Lenaustrasse| vis- ä- vis der Emdener Strasse Sonntags von 12 bis 2 Uhr geöffnet!— Katalog und Prospekt gratis und franko! Illllninniiillllllli! ;:"nlllil'll!|!......■.!i:iP,:!.-.iiri'nl|ir.T--n-'!'||>:ni'n1ll;!'1.'....................................................................... l!i:||;!|i:|i;|nni'''IHTi;n;|||'llllli|i!lil!!l§8 rgseee-E** Dem Silber-Jubelpaare,«Ä & unserem freunde u. Kollegen G c AugDStBeckepu.sein.lieli.Frau| T die herzlichsten Glückwünsche iL q zur heutigen silbernen Hochzeit � v.d.Freunden.Berufs- u.Bureau- V Kollegen d. Deutsch. Trar.sport- G, arfaeiter-Verbandes. M I Todes-Anzeigen I I. d. UerLReicbstagswahlkreis. Stralauer Viertel.(Bezirl 333.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Gastwirl fneilrieli BeFrmann Rommtencr Str. 49, geilorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 14. 2Ipi.il, nachm. 5 Uhr, von der Leichendalle deZ Zentral.FriedhoseS in Friedrichs- jclde aus statt. Um rege Betelligung ersucht 2l2/lS Vvi-ntunÄ. Bu�ialdemukratiscderÄMepein AegM. Am 9. April starb unser Mit- glied, der Maurer Ks�I Schmidt Humboldtstr. 20. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. d. Mts., nach- mitlag» 2 Uhr, von der Halle des Steglitzer Friedhoses aus statt. Die Sanger treffen sich an der FriedhosSlapellc. Um rege Betelligung ersucht 201/11 Der Borstand. �enipalvepiisnd der Maschinisten u. Beizer sowie Beruisg. Deutsch). Geschäfsstelle GroB-Berlin. Bezirk Lichtenderg. Hm Mltivoch, den 9. Llprll, verstarb unser Mitglied, Kollege Otto Müller. Ehre seinem Anbeuten! �Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 12. April, nach- millags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des KarlShorster Friedhoses aus statt." izI/S Zahlreiche Betelligung erwartet <-ie Ortdverwaltung. Verhand d. Brauerei- u. Mühlen- arheiter u. yerw.ßerulsgenossen. Zahlstelle Berlin. Dm Mitgliedern diene zur Nach. richt, dag unser Kollege, der Brauer Oskar Thiel sstadtbrauerei) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 12.?lpril. nach» mittags 4 Uhr, auf dem städtischen Friedhof» in Friedrtchsselde statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 43/3 Die Qrtsverwaltung. Kreuzherger fiarinoiiie, Am 8. d. Mts. oerstarb unser treues Milglied Hermsun Greinke. Ehre seinem Andenken! I Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 12. Aprtl, nach- mittags 41/, Uhr von der oaue des Zentral» Friedhofes in Fne» drichsielde stall. �->2/1 Verhand deri-ithographen.8tein- drucker u.?erw. Berule. �Deutscher Senefelderbund.) 21m 10. April verstarb unser Kollege, der Sleindrucker Aslllemsr Sekeve im 45. Lebensjahre an Bruslsell- und Lungenentzündung. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. Slpvil, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Reinickendorser Fried- hoieS in der Humboldtsllage aus statt. 109/10 2Illen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach. richt, dag unser inniggeliebtes iÄnd biesbetd Maaß am T. April durch Unfall plötzlich verstorben ist. 7KA Ernst Tlaall nebst Frau Müllerstr. ISS. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 12. LlprU, nach- mittags 1-/, Uhr, aus dem Stadl. Fnedhos, Müllerstrage, Ecke See- strage. Eingang Seestrage. statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnabme und Kranzwenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaterS 43A Karl Bachstein sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten sowie den Kollegen deS Verbandes der Freien Gastwirte, den Genossen des S. Reichskagswahl- kreises der Bezirke 723 und 724, den Kollegen des Bauarbeiter-Verbandes, Selt'on der Putzer sowie deS Bezirks Moabit und dem Gesangverein ,Un» verzagt" unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterdlieb enen. vaillinaxunx-. Für die erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allersells unseren herzlichsten Dank. ftelma Birnbaum 3366 und Kinder. Für die überaus zahlreiche Teil- nähme bei der Beerdigung der Frau FrlrdvrBrv Behufeld sage im Namen der Hinterbliebenen herzlichsten Dank. Max Mehlhaie. HiK'p W i MZZs kmLgs • 55'" 58� 62� � trofzdem auf begoeme Teilzabicoiq Mark wöchentlich begiiuven.cL ' rertzide Garderobe» .-i/' ■ emwuitf WM bei wöchentlicher Äbgahlung schon von d iMkctn••• sieh elegante Herren- Gardero'be/ fertig u. nach Maass heim Fachmann 2u beschaffen. &cuxinHe für tade£Cosen Sitz. f.GesMftr� erSffml: r *)iotfbuserstr J4.; d?« � Nu*& frage| t/urmsfrasse$z j .. /O M»' Krtr* ft rrr/ e* rt d/eektan cferSrücke Ausnahmepreise •nf 2 Tage für Kostüme Alle Genret! Neueste Fassons! Alle Grossen! Lagerbestand ca. SOOO Stück. rQr Nolellt EffliSssIggtg Ms 60% ■ÄT 15.- 18.- 24- 30- 35,-50.-... 1 50- - 44.- 68— bU 18 Ausnahrae- sonst.... 20.— 24— 80.— Sehr grosse Auswahl in Seidenmänteln. Seiden- Jacstets, Staubmänteln, Uebergangt- Paletots, Kleidern, FöcKen, Blusen in allen Preislagen Sonntag geöffnet 12— 2. 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Ernst Kolbe.0. 112. Weiohselstr.16 Königsbergerstr. 37. |ff. Fleisck-». fforstvares H.Kops, Scislekend.. Seail«autr. 154. IL Kunert, Schönebg. Gothenst.41 A. Lange, Beliickdl.lScktn«ebsriti.llS Rob. Lindiier,«. Wilhelm Liebherr Fr. Llndemann, Emdenerstr. 46. August Lincke, Alte Jacobs». 26. EmU Llndlgkett, klritaslklrtbiir. 8. Lochmann, Mmlplaquetgtr. 32. Wde.igk�u«.b1.' Aug. Maar, Schulstraße 103. Märll.FIelsclikons., HkUs, Vartkg«t.73 M-Haners berger, Sklls.,KtaD«rilrllt Max Metzler, Rigaerstr. 18. R. Müller, Pankow, WoLlankst.lOl Rob. Kortmann, Scigazralderstr. 28, H.NIzdorf,?raakrarterAll.l37,5I10E4b. G. Krüger, Weißenburgerstr. 79. �Bpammoph� S;jpeolim. 1 W.Becher, Chlbg.,Wilaiär«Jorl«r5U 1 27 �Jiausp�T�honaepä�� Xljilljjldt Spandan, Schünew. St. 93 , Emaille, Glas, rorielIaa,linp. c Heppen>APtlkoi J H.Bock, KeaköIlB, Kaiser Friedrlehst. 1 0. Krause, WiIk,,NlkUn.,Herm.-St. 168 Nordring, Brunnenstr. 64. Ad. Mahnke ASnmnel,O.Mirbachst.621Scliiriiig. 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Gerichts-Zeitung „Frau Staatsanwalt Braun". Kredirschlinndeleien en masse lagen einer Ankl� zugrunde, welche gestern die 1. Strafkanrmer des Landgerichts III beschäftigte. Angeklagt wegen Betruges bzw. schwerer Urkuirdenfaeschung war der Amtsanwalt a. D. Ernst Braun und dessen Ehefrau Margarete. _ Der Angeklagte Braun hatte Jura studiert und es bis zum Referendar gebracht. Da cs dann mit dem Examen haperte, ging er zur Amtsanwaltschaft über, bei der er längere Zeit als Anwärter tätig war. Als er auch hier zweimal durchs Examen fiel, war es auch mit dieser Karriere aus. Er geriet in eine sehr schwierige materielle Lage, in der er bald nicht mehr aus noch ein wußte. In dieser Situation soll hauptsächlich die Ehefrau, die sich mehrfach als „Frau Staatsanwalt Braun" oder„Frau Assessor Braun" auf- spielte, ihre Zuflucht zu allen möglichen Kreditschtmndeleien ge- nommen haben. Alle möglichen Leute, gewerbsmäßige Darlehns- geber, Handwerker, ein Gemüsehändler und selbst eine ehemalige Kochfrau, die allein 2000 M. verlor, wurden angepumpt. Schließ- lich nahm die Frau B. sogar zu Wechselfälsch' ngen Zuflucht, indem sie mehrere Wechsel über erhebliche Summen mit dem Namen ihrer Mutter und anderer Personen fälschte. Um sich mit dem Nimbus vermögender Leute zu umgeben, mieteten die Angeklagten am porstweg eine Zwölfzimmerwohnung, für die sogar ein schwarzer Diener engagiert wurde. Zu den Geschädigten gehört u. a. auch die Firma Jonas u. Co., von der die Angeklagten wertvolle Schmuck- fachen entnahmen, die sich eine halbe Stunde später schon im Pfandhause befanden. Außerdem ließ sich die Angeklagte auf ge- fälschte Bestellscheine hin �rcklnucksachen aushändigen, die sie an- gcblich für Bekannte zu besorgen hatte. Bor Gericht behauptete der Angeklagte Braun, daß er infolge aller möglichen Fehlschläge seinerzeit tatsächlich nichts gehabt habe; nur in der Hoffnung auf eine Erbschaft hin sei er verschiedene Kreditgeschäfte eingegangen, die ihm jetzt als Betrug ausgelegt würden. Die Mitangeklagte Ebefrau, die alle Schuld auf sich nahm, war des Betruges geständig. Staatsanwaltschaftsassessor Schröbert beantragte gegen Braun 3 Monate und gegen die Frau Braun l Jahr und 3 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte an, daß die Angeklagten unverschuldet in eine sehr prekäre Situation ge- kommen waren, welche sie dann auf die schiefe Ebene gebracht habe. Das Urteil lautete gegen B. auf 6 Wochen, gegen die Frau B. auf ti Monate Gefängnis; in einigen Fällen wurde auf Frei- sprechung erkannt. Sittenbilder aus Berlin W. wurden in einer Verhandlung aufgerollt, welche die Baronin Caeilie von Schendel unter der Anklage der Kuppelei vor die 4. Strafkammer des Landgerichts II führte. Die Angeklagte ist aus sehr einfachen Verhältnissen hervor- gegangen und auf dem Lande aufgewachsen. Vor einigen Jahren kam sie nach Berlin und wurde hier bald eine bekannte Erschei- nung in den Balllokalen. Vor etwa drei Jahren ging sie mit dem ehemaligen Gutsbesitzer Baron von Schendel eine Ehe ein, so daß aus der ehemaligen„Cilli Schulz" eine„Baronin" wurde. Zu derselben Zeit wurde sie, da die Kriminalpolizei entdeckt hatte, daß sich in ihrer damals Nollendorfstraßc gelegenen Wohnung tolle Dinge abgespielt hatten, wegen Kuppelei zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Sic trat dann zu einer inzwischen ebenfalls wegen Kuppelei vorbestraften Frau Sybilla von Nordhausen in geivisse zarte Beziehungen. Ein« Eifersuchtsszene zwischen den beiden Frauen führte zu einer Prügelei, die später eine Anklage' wegen Körperverletzung zur Folge hatte. Auf eine Anzeige der Frau von Nordhausen, bei der sich die Liebe in gärend Trachengift ver- wandelt hatte, wurde gegen die Frau Baronin Anklage we�en Kuppelei erhoben. Die erste Verhandlung vor dem Schöffengericht ergab, daß die Angeklagte verschiedenen Dämchen aus dem„Palais de Danse" Unterschlupf gewährt hatte. Das Urteil lautete seiner- zeit auf 3 Monate Gefängnis. In der Berufungsinstanz ermäßigte die Straskamnier jetzt die Strafe auf 10 Tage Gefängnis. Der Zusammenbruch der„Kammersäle". Der finanzielle Zusammenbruch des früheren Pächters der Kammersäle, des Restauratcurs Hermann Palm aus Neukölln, hatte gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II ein ge- richtliches Nachspiel. Die Anklage gegen Palm lautete auf Konkurs- vergehen.— Ter Angeklagte, welcher früher Inhaber des be- kannten Cafes Nuhwald in Woltcrsdorfer Schleuse war, übernahm vor längerer Zeit den Restaurationsbetrieb in den„K'ammersälen" in der Teltower Straße, in dem Gebäude der Handwerkerkammer. Trotzdem es sich um ein Riesenunternehmen mit großen Umsätzen handelte, unterließ cs der Angeklagte, eine Eröffnungsbilanz zu Ks Jonirärts" Kerlim! ziehen und überhaupt auch Bücher zu führen, die eine Uebersicht über die jeweilige Vermögenslage gestatteten. Dies hatte zur Folge, daß der Angeklagte, nachdem er längst seine Zahlungs- Unfähigkeit hatte erkennen müssen, noch große Bestellungen auf Kredit machte und dadurch zahlreiche Firmen, darunter viele kleine Geschäftsleute, erheblich schädigte. Nach dem Gutachten des General- sckretärs Cohen vom„Gläubigerschutzverband für Handel und Industrie" beliefen sich die Passiven auf 120 000 Mark, denen so gut wie gar keine Masse gegenüberstand, so daß die Gläubiger fast leer ausgehen. Der Staatsanwalt und ebenso der Vorsitzende des Gerichts be- tonten, daß gegen derartig leichtfertige Geschäftsleute mit aller Schärfe des Gesetzes vorgegangen werden müsse. Das Urteil lautete dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 300 M. Geldstrafe. Mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten wurde von der Verhängung einer Freiheitsstrafe Abstand ge- nommen. Tic Ablehnung einer Frage an den Mitangeklagten ist eine Beschränkung der Verteidigung. Das Landgericht Frankfurt a. O. hat am 8. Oktober 1912 den Oberpostassistenien Friedrich Schüler zu Bceskow wegen Wider- standes und den damaligen Stadtwachtmcister Lebendig wegen Körperverletzung im Amte zu Strafe verurteilt. Am 5. November 1911 gerieten öch. und der Mitangeklagte W. vor einem Wirts- hause in Streit und L. wollte diesen schlichten. Er faßte Sch. an den Arm um ihn mit Gewalt fortzuschaffen, wogegen Sch. sich sträubte. Als Sch. ihn vor den Bauch stieß, zog er sein Seiten- gewehr und schlug mit dessen flacher Seite Sch. auf den Kopf. Auf die Revision des Angeklagten Sch. hob am Montag das Reichs- gericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Ter Verteidiger des Angeklagten hatte gebeten, noch eine Frage an den Mitangeklagten L. richten zu dürfen, aber das Gericht hatte diese Frage ohne weiteres abgelehnt. Stach Ansicht des Reichsgerichts durfte dieses Verlangen nicht schlechthin abgelehnt werden, ehe mcht festgestellt war, ob die zu stellende Frage erheb- lich war. Das Landgericht hätte erst den Verteidiger darüber hören müssen, was er fragen wollte. Da dies aber nicht geschehen ist, mußte angenommen werden, daß der Angeklagte in seiner Verteidigung beschränkt worden ist. Hus aller C&elt. 6iti Gefchäftspatnot am pranget. Aus R o in wird uns geschrieben: Ein in vieler Hinsicht intcr- essanter Urteilsspruch ist soeben von dem römischen Strafgericht gefällt worden. Ein Herr C r e st a, früher Präsident der italienischen Handelskammer in Paris, hat die Zeitschrift„Rassegna dei lavorj publici" wegen Verleumdung verklagt, well dieses Blatt ihn beschuldigt hat, während des libyschen Krieges an patrio- tischen Kundgebungen teilgenoinmen zu haben und gleichzeitig mit der ottomanischen Regierung wegeV des Verkaufs von Kriegsmaterial in Unter- Handlung gestanden zu sein. Der Privatkläger Cresta gab die Tatsache derUnterhandlungcuzu, die übrigens durch zahl- eiche Zeugen außer Zweifel gestell: wurden; angeblich hatte er aber die Unterhandlungen nur getrieben unr dann den WaffeulranSport der italienischen Regierung anzuzeigen und seine Äaperung zu veranlassen. Der frühere Minister des Aeußeren und der jetzige französische Botschafter in Paris, Tiltoni, erklärte vor Gericht. daß er den Cresta als tadelloien Ehrenmann kenne und schätzte und daß die Botschaft, zu der er in regelrechten Beziehungen stand, von seinen Unterhandlungen gewußt habe. Das Begaunern des Feindes scheint offenbar dem Exminister als durchaus ehrenhaft und an- ständige Taktik. Auf Grund der übrigen Zeugenaussagen kam aber das Gericht zu der Ueberzeugung, daß Cresta seine Unterhandlungen, bei denen es sich um Hunderttausende drehte, ausschließlich zu dem Zweck geführt halte, um durch Lieferung von Waffen an den Feind ein gutes Geschäft zu machen. Die drei Angeklagten wurden daher freigesprochen, weil das Gericht den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptungen als erbracht ansah. Ter Kläger wurde zur Tragung der Kosten und Leistung des Schadenersatzes an die Beklagten verm teilt, lvobei man die Kosten aus 19 000 Lire für jeden Beklagten festsetzte und die Bestimmung des Schadenersatzes der Entscheidung des Zivilgerichtes überwies. Es heißt nun, daß nach diesem vernichtenden Urteil Herr Slmnabtlld, 12. Apnl 1913. C r e st a ganz auf die Flagge seines Patriotisums verzichten werde und die französische Staatsbürgerschaft annehme. Was gedenkt aber der Botschafter Tittoni zu tun, nachdem er seine so ganz merk- würdigen Ehrbegriffe unvorsichtigerweise der Oeffentlichkeit preis- gegeben hat? Uebrigens hat der Prozeß nicht nur den Kläger und seinen Eidesbelfer, Tittoni, bloßgestellt, sondern überhaupt die An- schauungen über internationale Ehrlichkeit, die in gewissen Kreisen gang und gäbe sind._ Explosion eines Hochofens. In der Nacht zum Freitag ereignete sich aus dem Eisenwerk der Dortmunder Union eine heftige Hochofenexplosion, die drei Tote, einen Schwerverletzten und zwei Leichtverletzte gefordert hat. Der Hochofen flog b u ch st ä b- lich in die Luft. Die Hochofenmasse, Erz und flüssiges Eisen, wurde nach allen Seiten geschleudert. Die Gewalt der Explosion war so groß, daß die Gießblöcke des Hochofens, d. h. die Vor- richtungen für die Erzmasscn, vollständig verschwunden sind. Der Hochofen selbst ist dem Erdboden gleich gemacht. Ein Arbeiter wurde 50 Meter von der Explosionsstelle cnifernt mit dem Stabe in der Hand auf einer Schlackenhalde gräßlich verstümmelt tot aufgefunden.__ Bestialische Banditenrache. Ein Verbrechen von furchtbarer Roheil ist gestern in der kleinen spanischen Stadt Antes verübt worden. Drei Verbrecher über- fielen einen reichen Hausbesitzer, von dem sie Vermuteteten, daß er viel Geld bei sich habe. Sie banden ihn an einen Baum und durchsuchten ihn. Als sie bei ihm kein Geld fanden, gerieten sie in große Wut. Sie stachen ihn mit ühren Messern die Augen aus und skalpierten ihn. Nachdem sie ihn durch mehrere Revolverschüsse getötet hatten, warfen sie die Leiche auf den Schienenstrang, wo sie von einem vorüberfahrenden Zuge furcht- bar zugerichtet wurde. Leider sind die Mlördcr entkominen. Bis jetzt fehlt noch jede Spur von ihnen. Kleine Notizen. Schweres Bauunglück. Bei Bauarbeiten! an dem Forsthause in S ch o e h e n(Niederbayern) ist ein Baugerüst hingestürzt und hat die darauf Arbeitenden in die Tiefe gerissen; dadei sind sieben Ar- beiter schwer verletzt worden. Folgen des Alkohols. In dein Orte Kirchhundem fRhein- land» kam es in einer Wirtschaft zu einer wüsten Schlägerei. Mehrere junge Leute aus dein Dorm Heinsbsrg gerieten mit dem Wirt in Streit. Mehrere Arbeiter hatren für den Wirt Partei ge- nommen, und nun ging man mit Messer» und Knüppeln aufeinander los. Hierbei erlitten sechs Arbeiter schwere Verletzungen. Einer ist an den Verletzungen bereits erlegen, mehrere andere kamen mir blutenden Köpfen davon. Gerädert. Freitagnachmittag wurden auf der Strecke Duisburg» Mühlbcim-Ruhr drei Rotte narbeiter von einem Personen» zug erfaßt. Einer von ihnen wurde buchstäblich in zwei Teile geschnitten. Ein anderer wurde lebenSgefähr- lich verletzt, lvährend ein driller Arbeiter mit leichteren Verletzungen davon kam. Ehcdrama. In K r a u s e n b a ch bei Aschaffenburg schlug der 34jährige Landwirt Heinrich Bauer seine Ehefrau und deren M u r t e r mit einem Beil nieder. Er lief darauf auf das Feld und erhängte sich. Beide Frauen sind tödlich verletzt. Häuslicher Unfrieden soll der Grund zur Tat sein. Ein deutsches Torpedoboot gestrandet. Bei dem gestern vor- mittag herrschenden Nordwcst-Schneesturm ist bei Swinhocft zwischen M i s d r 0 y und D i e v e n 0 w das Torpedoboot V 3 g c st r a n d et. Kurz daraus sind von Swinemünde der Kunst- mannsche Bergungsdampser„Herkules" unter Mitnahme von Marinemannschaften des Panzerkreuzers„Friedrich Karl" und des Kreuzers„Kölir" zur Hilfeleistung nach der Unfallstation abgc- dampft. Um 7 Uhr abends wurde gemeldet, daß die Mann- schaft des gestrandeten Torpedoboots gerettet und in Misdroy gelandet ist. Freireltgtöie Gemeinde. Sonntag, den 13. April, vormittag? 9 Uhr, Pappclallce 1S-17, Rixdors,„Jdcalpassage", und Tegel, Schliepcr- straße 30: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie:„Heinrich Heine".— Damen und Herren als«Säfte lehr willkommen. Allgrinrine Kranken- und Strrbekasse der Metallarbeiter (E. H. 25», Hamburg.(Filiale B e r t i n 5.) Heute, Sonnabend, den 12. April, abends 8l/2 Uhr, Mitgliederversammlung bei Hofsmann, Dragonerstr. 15: slatutenberatung. NeueriJffiaiintien: Magdcb'irg• Halle Posen- Danzlg• Königsberg L Pr. r Was wir unferen gefchätzten Kunden infolge unferer bedeut- famen Umfäfzc an Vorteilen zu bieten vermögen, ftehl als unübertroffen da! Um Verwechslungen zu vermelden achte man genau auf die alte Stiller-Firma! Jcrusalemer Strafe 32-35 Haupt-Preislagen für Damen- u. 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(pap- Der Jahresbericht für 1912 ist erschiene» und laiin im Bureau der Kasse in Empfang genommen werden., 268/8 Konsumverein Oranienburg. Die ausgeichriebene Lagcrhallcrstelle ist besetzt. Allen Bewerbern besten Dank, ioö/I Der Borstand. I. A.: A. Garlipp ist wegen Nichtanerkennung der Organisation für organisierte Gaffwirtsgebilfen xesperrt.— Die zurzeit da beschäftigten Kellner gehören gelben Organisationen an. 31/10* Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin, Berlin Druck u.Verkrci Ädrionri» Puchdruckere' u. Verlagsanstalt Vau» S-näri' u.-verllu SW. Aclitung! Holzarbeiter. Wege» Streik ober tfnliu- differenze» iind gesperrt Bautischlcrei Vioi»,-.»»ndo. Niedomstr. 31, und die Bauten: Wittenau, Ebariottenburg» Sttaße, Fabrik Löwe, Hohenzollerndamm. Bau Boswau und Knau» Zehlendorf. Milte. Beamlenhäuscr und kräpvelbeim, Pankow. Zigarettenfabrik Garbaih. ObcvrcjiöneNieide, Lampen � �ciovti Gulmann, Potsdamer Z»r. 20. Genter. Ecke Luremburger Str. 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Für jeden Landtagswahlbezirk ist nur eine Stelle Händen, an der die Einsichtnahme erfolgen kann. Bei den Abteilungslisten handelt es sich nur darum, fest- zustellen, ob der Wähler mit der richtigen Steuersumme in die richtige Abteilung eingetragen ist. Personen, die in der Ab- teilungsliste fehlen, werden jetzt nicht mehr nachgetragen. iiehntt Cinticht in die dlähkrliftc! Für Neukölln liegen die Wählerlisten aus am Sonnabend, den 12. April, von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends; am Sonntag, den 13. April, von 12 Uhr initwgs bis 5 Uhr abends; am Montag, den 14. April, von vormittags 8 Uhr bis abends 7 /Uhr in der Turnhalle der 17., 33. und 34. Gemeindeschule, Weserstr. 12/13; Turnhalle des Kaiser- Friedrich- Realgymnasium?, Kaiser- Friedricbstr. 209/10; Turnhalle der Realschule, Boddinstr. 34/41; Turnhalle der Albrecht-Dürer-Oberrealschule. Emserstr. 133/34; Turnhalle der 19. und 20. Gemeindeschule, Stuttgarter Straße 36/38. Schöncberg. Hier erfolgt die Auslegung der Listen gleichfalls am Sonn- abend, den 12. April, nachmittags von 1—7 Uhr, Sonn- tag, den 13. April, vormittags von 9— 1 Uhr, und Montag, den 14. April, nachmittags von 1—7 Uhr, im neuen Rathause, Freiherr-Vom-Stein-Slr. 1, Stadlparkseite, Erdgeschoß, Zimmer 38. Außerdem können die Urwählerlisten eingesehen werden für den 1. Bezirk bei Sierat, Neue Winterfeldtstr. 35; 2. Bez.: Folget, Kysshäuierstr. 26, und Schmidt, Martin-Luther-Str. 78; 3. Bez.: Jürgens, Barbarosiastr. 6a; 4. Bez.: O. Schulz, Merseburger Straße 7. und Henkel, Meininger Str. 8; 5. Bez.: P i e h l, Mühlenstr. 8, und Sobotsinski, Ebersstr. 33; 6. Bez.: Wandtke, Bahnstr. 25. und Weinberg. Hauptstr. 4; 7. Bez.: H a u s e r, Königsweg 42, und B a r t n i ck, Siegfricdstr. 3; 8. Bez.: Knobloch, Sedanstr. 53, und Weltner, Gothenstr. 51 9. Bez.: Andreas, Feurigstr. 16, und Dombrowski Cheruskerstr. 28; 10. Bez.: N e u m a n n. Ebersstr. 36, und R a t h m a n n, Tempelhofer Str. 18a; 11. Bez.: Krause, RubenS-, Ecke Begasstraße, und N e V i, Sachsendamm. Lichtenberg. Die Urwählerlisten für die 88 Urwahlbezirke liegen Sonn abend, den 12. April, und Montag, den 14. April, in der Zeit von 8 Uhr srüb bis 7 Uhr abends, und Sonntag, den 13. April, von 10 bis 3 Uhr mittags im Rathause, Möllendorffstraße, und im Stadlhauie, Türrschmidtstraße, zur Einsicht aus. Auch können Ab schristen der Listen vom Sonnabend ab in jedem UrWahlbezirk in den durch Plakate kenntlich gemachten Stellen eingesehen werden. Von den Wählern wird erwartetet, daß jeder der Pflicht, Em ficht in die Liste zu nehmen, nachkommt. Bisher hat sich stets herausgestellt, daß die Aufstellung der Listen nicht immer mit der nötigen Sorgfalt vor sich gegangen ist. Wer daher sich das Wahl- recht sichern will, überzeuge sich, ob er auch in der Wählerliste ver- merkt ist. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liste gebe man sofort im amtlichen Wahlbureau zu Protokoll. Eharlottcnbnrg. Die Urwählerlisten liegen am Sonntag, den 13. April, von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, am M o n t a g, den 14., und Dienstag, den 15. April, von 10 Uhr vor» mittags bis 8 Uhr abends, öffentlich aus und zwar a) für die Stadtbezirke Westend, Spandauerbcrg. Schloßviertel, Lietzensee, Kalowswerder, Nonnendamm, Königsdamm nördlich und südlich, Martinikenfelde. Lützow, Halbinsel und Innere Stadt lUrwahlbezirke 1 bis 147) im Statistischen Amt, Lützowcr Str. 8a, 1. Eingang, 3 Treppen, Zimmer 40; b) rür die Stadtbezirke Hochschulviertel, Kursürstendamm und Ostviertel lUrwahlbezirie 143 bis 212) im Feuerwehrdienst- gebäude Rankestr. 10. Partei- Angelegenheiten. Verband der sozialdemokratischen Wahlvcreine Berlins und Umgegend. Resolution des 4. Reichstags Wahlkreises zur außerordentlichen Verbands- Generalvcr- s a Nl m l u n g am 13. April: Der Beschluß der VcrbandS-Gcneralversammlung betreffend die Ausstellung der Kandidaten zur Landtagswahl vom 20. August 1911 ist aufrechtzuerhalten. Nach diesem Beschluß hat der Landtagswavlbezirk das Recht, sich mit der Nominierung der Kandidaten zu beschäftigen und Vorschläge zu machen. Uebxr diese Vorschläge entscheidet jedoch die Organisation des Rcichöiagswalilkreises endgültig. Finden diese Vorschläge in der Kreis-Generalversammlung keine Alehrheit, so sind in derselben neue Vorschlüge zu machen und zu entscheiden. Erstrecken sich die Laiidtagswahlbezirke über mehrere Reichstags- ivahlkreise, io haben die in Frage kommenden Reichstagswahllreiie gemeinschaftlich»u beschließen. Soweit in ReichStagswahlkreisen ein Delegiertensystem nicht vorhanden ist, crsolgt die Vertretung der daran beteiligten Kreise durch Delegierte und zwar im vollen SiärkeverhälMis ihrer Mit- gliedschafl. Der geschaftsführcnde Ausschuß. 2. Berliner Landtagswahlkrcis. Dienstag, dcu 15. April. 2., 3., 4. Abteilung des t. Reichstagswahlkreises; Versammlung im Schuhmacher- JnnungShaus, Fischerstkaßc 25. Referent: Genosse Dr. Ä. Bernstein. 5. Abteilung des 4. Reichstagswahlkreises: Kreuzberg. Festsäle, Krenzbergstr. 4b. Referent: Parteisekretär Genosse H. Müller. 4. und 3. Reichstagswahlkreis. Sonntag, den 13. April, morgens 8 Uhr, findet im 5. Landtagswahlkreis eine Flugblatt- Verbreitung statt. Die Beteiligung aller Genossen ist unbedingt erforderlich. 6. Berliner LandtagSwahlbezirk und Stralau. Sonntag, den 13. April, von morgens 8 Uhr: Wichtige Flugblatt- Verbreitung. Es ist das Erscheinen aller Genossen unbedingt notwendig. Im 12. Landtagswahlbczirk Moabit) sindet am Sonntag eine. Flugblattvcrbreitung statt, wozu die Genossen sich sämtlich einfinden wollen. Lichtenberg. Die Flugblattverbreitung findet nicht Sonntag, sondern erst Donnerstag, den 17. April, abends 7 Uhr, von den bekannten Stellen aus statt. Johannisthal. Wegen Umzug der Bibliothek fällt am Somitag die Bibkiolhekstunde aus. Die Generalversammlung findet am Mittwoch, den 16. April, statt. Adlershof. Montag, den 14. April, abends 7 Uhr: Flugblatt- Verbreitung von bekannter Stelle aus. Tasdorf-Kalkbergc. Sonntag, den 13. April, nachmittags 3 Uhr, im Restaurant„Weißer Schwan" sPaul Hoffmann): öffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung: 1313—1848—1913. Referent: Kreisvorsitzender Genosse Lehmann-Friedrichsfelde. Maricndorf. Sonntag, den 13. April: Besichtigung der Trep- totv-Sternivarie sBesichtignng des Mondes). Genossen und Ge- nossinnen, welche noch im Besitz von Billetts sind, wollen sich V38 Uhr vor der Treptow-Sternwarte einfinden. Teilnehmer, die noch keine Billetts haben, können solche an der Kasse haben.— Bei bewölktem Himmel findet die Besichtigung am 25. Mai statt. Groß-Schöncdcck-Zcrpenschleusc. Sonntag, den 13. April, nach- mittags 3 Uhr: öffentliche Wählerversammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Herrn Goitl. Stege- mann, Groß-Schönebeck. Liebenwalder Straße. Tagesordnung: 1313—1848—1913. Referent: Kreissekretär Genoffe Brühl-Lichten- berg. Wcißensee. Sonntag, den 13. d. M.: Allgemeine Flugblatt- Verbreitung zur Landtagswahl. Treffpunkt in den Bezirkslokalen.— Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 15. d. M., abends 8�/z Uhr, in der Bergbrauerei, Berliner Allee 211, statt.� Tagesordnung» 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Bezirks- angelegenheiten. Alt-Landsbcrg. Sonntag, den 13. April, nachmittags 3 Uhr: ö f f e n t l i ch e W äch l e r v e r s a in m l u n g im Restaurant Thomas Schmidt, Alt-Landsberg-Süd, Chaussee. Tagesordnung: Die preußische Dreillassenschmach. Referent: Genosse Thurm-Lichienberg. Bruchmühle, Eggersdorf. Am Sonntag, den 13. April, nach- mittags 4>/z Uhr, bei Kutzner in Bruchmühle: Miigliederversamm- lung deS Wahlvereins._ Berliner JHacbricbtem Nicht für Kinder armer Leute? Zur Förderung der Zahnpflege bei Schulkindern hat vor einigen Fahren eine private Vereinigung mit einer Beihilfe aus Stadt- Mitteln sogenannte Schul-Zahntlinilen eingerichtet. Für die Behandlung der Zähne wird in diesen nur für Kinder be- stimmten Kliniken die Jahluiig eines mäßigen Betrages gefordert, wenn die Eltern noch einigermaßen zahlungsfähig scheinen. Bei Bedürftigkeit werden die Kinder unentgeltlich behandelt, wozu die Vorweisung einer vom Schulrektor anSgestellteii Bescheinigung genügt. Wie es einem bedürftigen Kinde in einer Schul- Zahnklinik er- gangen ist, darüber erzählt uns die Mutter sehr Sonderbares. Sie ist eine eheverlassene Frau mit sechs Rindern im Alter von 7 bis 17 Jahren, von denen sie noch vier in harter Arbeit ernähren muß. Ihren zehnjährigen Knaben, der an Zahnweh litt, führte sie nach der Schul-Zahnklinik in der Blumenstraße, um ihm den kranken Zahn ziehen zu lassen. Sie brachte die für bedürftige Kinder übliche Karte mit, die der Schulrektor ohne weiteres ausgestellt hatte. Daß Bedürftigkeit vorlag, war dem Rektor hinreichend be- kannt, aber auch der Klinikarzt hätte dem vor ihn hintrelenden Patienten das sofort ansehen können. Der Junge trug über einem braunen Sweater eine auSgeivachsene Jacke aus weißem Drillich, dazu eine geflickte braune Tuchhose und an den Füßen warme Filzschuhe. Wir selber haben ihn uns jetzt in dieser Kleidung vorstellen lassen und müssen sagen,, daß er darin den Eindruck größter Aermlichkeit macht. Wie mag der Anblick des Jiingen auf den Arzt gewirkt haben? In seinem Sprechzimmer sagte er dem kleinen Patienten:„Geh' mal erst nach Hause, wasche Dich und zjeh' Dir einen anderen Anzug an und andere Schuhe. Dann kommst Du wieder, und dann werde ich Dir den Zahn ziehen".„Host Du denn für die Schule keinen anderen Anzug fragte er. Als der Junge das verneinte, exami- nierte der Arzt weiter:„Hast Du leinen Sonniagsanzug Ader auch das mußte verneint werden. Daraus entließ der Arzt den von Zahnweh geplagten Patienten in da-Z Wartezimmer, wo die Mutter zurückgeblieben war. Diese wurde hier von einer Pflegeschwester belehrt, daß dem Jungen, wenn er nicht sauber ge- waschen und nicht ordentlich gekleidet sei, der Zahn nicht gezogen werden könne. Der Arzt trat selber noch in das Wartezimmer lind wiederholte:„Also, nicht wahr. Du weißt doch. Du hast so zu kommen, wie Du zur Schule gehst. Du wäschst Dich und kommst in einem anderen Anzug und in anderen Schuhen wieder, und dann ziehe ich Dir den Zahn." Die Mutter, die der Arzt wohl noch gar nicht bemerkt hatte, rief ihm jetzt erregt zu:„Wenn ich einen anderen Anzug für ihn hätte, tvürde ich ihm einen anderen, angezogen haben." Der Arzt schwieg und ließ sie mit ihrem Jungen gehen. Die Muller ist empört über das, was in der Schul-Zahnklinik ihrem Kinde und ihr selber widerfahren ist. Mit Recht fragt sie. ob denn diese Klinik nicht für Kinder armer Leute bestimmt sei. Der Anzug, den der Arzt als ungehörig empfand, ist deS Jungen Schulanzug. Bessere Wintersachen hat er nicht, auch nicht für den Sonntag. Er geht auch in Filzschuhen zur Schule, weil er ledernes Schudzeng nicht hat. Die Drillichjacke war erst am Tage vor dem Klinikbesuch gewaschen worden. Daß der Junge selber uit- gewaichen gewesen sei, bestreitet die Mutter. Er habe nur verheult ausgesehen, weil er auf dein Wege zur Klinik vor Schmerzen ge- weint hatte. Als die Mutter später ihr Erlebnis dem Rektor vortrug, war auch er entrüstet.„Wenn der Anzug", sagte er,„für die Lehrer gut genug sein muß, dann kann er gut genug auch für den Arzt sein." Sehr richtig! Allerdings scheint in diesem Punkt die Klinik höhere Ansprüche als die Schule zu stellen. Aus der oben mitgeteilten Aenßerung der Pflegeschwester möchten wir fast schließen, daß eine bestimmte„Kleiderordnung" besteht. Derselbe Arzt soll zu derselben Zeit noch einen anderen Jungen unter Bemängelung seines Aeußeren weggeschickt haben. DaS läßt vermuten, daß Ab- Weisungen auS solchem Grunde in dieser Klinik uiid vielleicht auch in den anderen Schul-Zahnkliniken öfter vorkommen. Nun ist es gewiß an sich berechtigt, daß Kinder nicht in lüderlicher oder schmutziger Kleidung zur Klinik gehen. Doch soll man nicht für Lüderlichkcit halten, was nur Aermlichkeit ist. Zu dem cr- wähnten zweiten Fall einer Abweisung können wir über die Kleidung des Jungen und über die Verhältnisse seiner Familie kein Urteil haben, weil wir nichts Näheres wissen. Aber das wissen wir, daß in dem hier ausführlich geschilderten ersten Fall der Vor- Wurf wegen der Kleidung, so sehr auch der Arzt ihn— vielleicht i infolge einer ihm gegebenen Anweisung— für gerechtfertigt und 1 notwendig gehalten haben niag, tatsächlich ungcrechtfertig war. Solche Mißgriffe sind nur möglich, wo das Verständnis für die Lage der unbemittelten Bevölkerung fehlt. Daß es dem Arzt daran mangelt, müssen wir annehmen; wir könnten uns sonst sein Verhalten nicht erklären. Selbst als der Junge und nachher auch die Mutter ihm sagte, ein besserer Aitzuz sei nicht da, wurde der Arzt nicht anderen Sinnes. Mit derartigen Anschauungen sollte man doch lieber nicht ein Amt an einem Institut übernehmen, das für Kinder der Unbemittelten bestimmt ist. Berlin im Schneegestöber. Der April ist ein launischer Herr. Das konnte man gestern so recht beobachten. Mit hellem Sonnenschein führte sich der Freitag ein, wenn auch mit einem erheblichen Witterungsrückschlag. Bald aber bedeckte sich der Himmel und schließlich setzte ein lustiges Schneegestöber ein, wie wir es in den Wintertagen nicht besser gehabt haben. Ter einsetzende Sturm hat mancherlei Schäden angerichtet. Die Gesundbeter scheinen mit ihrem Geschäft nicht recht zufrieden zu sein. Das läßt wenigstens die Tatsache erkennen, daß die Angehörigen der Gemeinschaft der Gesundbeter jetzt versuchen, die Gesund- beterei auf dem Wege des' Hausierhandels zu betätigen. Man traut seinen Ohren kaum, ivenn man nach dem Oeffnen der Wohnungstür sich einer männlichen oder weiblichen Person gegenüber sieht, die ihre Dienste als— Gesundbeter anbietet. Die Herrschaften lassen sich nicht so leicht abweisen, denn, so behaupten sie, es wird schon jemand in der Familie sein, der an Zahnschmerz, Kopfschmerz, Schtvindelanfällen, Magen- Verstimmung usw. leidet. Für die Heilung werden folgende Forderungen gestellt: Rufen nach Gott, Bnßetun und die Sünden bereuen. Als Heilmittel dienen das Gebet des Gesundbeters, das vermittelnde Gebet zweier Gläubigen und das Gebet des Glaubens mit Handauflegen. So erklärte wenigstens ein Gesundbeter, indem er hinzufügte, daß die Heilung je nach Art des Glaubens sofort eintrete oder einige Zeit auf sich warten lasse. Natürlich ist es darauf angelegt, für die„Gesundbetung" ein Honorar in klingender Münze zu erhalten. Eine Spekulation auf die Dummheit! Von dem Greifer eineS Kraus crfastt und tödlich verletzt. Das Opfer eines schrcckli.ben Unglücksfalles mit tödlichem Ans- gang ist der 45 Jahre alte Schiffer Robert Fabich geworden. F. hatte mit seinem Lastkahn eine Kodlenladung für die Berliner Elektrizitätswerke nach der Zentrale Runimelsburg transportiert. Als die Kohlen mittels eines Kraus aus dem Kahn gefördert wurden, machte sich F. in der Nähe des Greifers zu schaffen. Durch eigene Unvorsichtigkeit geriet cr unter den Greifer, wurde von diesem eingequetscht und so schwer verletzt, daß cr auf dem Trans- Port nach dem Krankcnhause starb. Verhaftung auf dem Postamt V/. 20. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft ist gestern vormittag im Postamt W. 30 in der Neuen Winterfeldtstraße der Direktor Meier der Fackel-Vertriebsgesellichaft in. b. H., Ktirfürstendamm 262, verhaftet worden. Meier wird des Betruges und der Unterschlagung beschuldigt. Die Verhaftung, die durch mehrere Kriminalbeaipte erfolgte, wurde in dem Augenblick vorgenommen, als Meier Brief- schaften, die er nach dem Postamt IV. 30 dirigiert hatte, abholen wollte._ Zu der Potsdamer Mordaffäre wird berichtet, daß die Beschluß- kammer des dortigen Landgerichts gestern mittag gegen den Händler Rudolf Haendcl das Verfahren wegen Raubmordes au Fräulein v. Schönscld eröffnet hat. Ter Tod des Gyiinlasiasten Tiemaiin dürfte sehr bald seine volle Aufklärung stiiden. Die Nachricht, daß die Aerzle auf dem Toten- schein die Möglichkeit eines Verbrechens verzeichnet hätten, ist un- richtig; auf dein Totenschein war als Todesursache nur angegeben gewesen„Selbstmord duich Erhängen". Die Qbvuklion soll auch nichts ergeben, was auf ein Verbrechen hätte schließen lassen. Auch die von einigen Blättern gebrachte Angabe, daß der Bräutigam der Heinrich durchaus keine mystische Person sei, sondern. wirklich existiere und die Heinrich auch in Runimelsburg besucht und mit ihr verkehrt habe, itt unrichtig. Der Polizei ist mitgeteilt worden, daß dieser angebliche BräutigamS... Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Vorlagen wurde m die geheime Sitzung eingetreten. SingeZanoene Dfuckfclmfreu. Ter Kampf ums gute alte Recht(1816— 1819) von A. Lift. Setz. 6 M.(Seite.». Parteigesch, von Dr. Ä. Wahl. 6.) J. C. B. Mohr tu Tübingen. Die GewerkschaftSbeweguug i» Chemnitz t« Iah« tM». St s. Verlag: Gewertschastskartell m Shenmitz, Kortschrittc der Pshcholoqie«ud ihrer Auwendungcu. l. Dd. e. H. gegeben von Dr. K. Marke. Geh. 3 M. B. G. Teubner, Leipzig. Hebbels Werke und Tagebücher. Herausgegeben mit Biographie, Einleitungen und Anmerkungen versehen von Dr. Th. Poppe(Goldene Klassikerbibliothek. Deutsches VerlagshauS Bong u. Co., Berlin W. 57.) Ter Einflnf« deS Privatkapitals auf die bauliche EntWickelung Gron Berliiio. Vortrag von G. Haberland. 67 S. C. Heymann, Berlin. Ztche auf und wandle. Roman von M. Krcher. i M., geb. 5 M. B. Etijcher Nachf., Leipzig. Jahrbuch lOlii der Dresdener Gewerkschaften. 125 S. Kaden tt. Co., Dresden-A. Blinde Liebe. Von R. Dehme!. 2 M., geb. 3 M. F. Lehmann, Berlin W 35. Was ist erlaubt, was ist verboten nach dem Gcsct, gegen den unlauteren Wettbewerb? Von P. Scelow. 60 P. Puttkammcr u. Mühlbrccht, Berlin W 56. Neichsthearergeset,. Gesetzentwurf der Negierung und Gegenentwurf. Bon Rechtsanwalt Dr. L. Seelig. Herausgegeben von der Genosfenschast deutscher Bühncnangchöriger. Mannheim und Leipzig. I. BcnSheimer. 50 Pf. Hamburg und die französische Revolution. Von Dr. H. Lausen- berg. 30 Ps. Auer u. Co., Hamburg. Die diagnostische Bedeutung der Lumbalpunktion. Von Dr. Zl. Hauptmann.(Samml. Hoche. X. Bd. H. 1.) C. Marhold, Halle a. S. Der Kiuematoqraph als Bolksunterhaltuugsmrttel. Von Prof. Dr. R. Gaupp u. Prof. Dr. K. Lange.(100. Flugschrift des Durer-Bundes.) Verlag G. D. W. Callweh, München. Geschichte der deutschen iTtcinseher-Beweguug. Bd. II. Die Berliner Steinsetzcr-Gcscllenschast. Von A. Knoll. 346 S. Verlag de§ Verbandes der Steinsetzer, Pflasterer u. Berussgenossen Deutschlands. Berlin, Engelufer 15. " Ein Kapitel vom spätantikcn und frühmittelalterlichen Staate, Von Dr. L. M. Hartmann. 2 M. W. Kohlhammer, Stuttgart. Abenteuer eines deutschen Handwerksburschen in drei Welt- teilen. Von W. Erdmann. 2 M., geb. 3 M.— Postbriefkaften für trübe Stunden: Das luftige Buch. Von H. Binder und N. Ordemann. 1,50 M., geb. 2,40 M.— Wie sie falle». Bekenntnisse eines Mannes. Von C. W rncr. 3 M., geb. 4 M. I. Baum. Berlin 81V 47. Beit Stoiz. Ein Schauspiel in fünf Aufzügen. Von Tine Klein. 129 Seiten. Verlag Georg Müller, München und Leipzig. Technik des Stellmachers. Fachtechnische Slussätze mit zahlreichen Abbildungen und Zeichnungen für die Stcllmacherei. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbcitcrvcrbaiid. Verlagsanstatt des Deutschen Holzarbeiter« Verbandes, G. m. b. H., Berlin O 2. 3 M. Bericht und Abrechnung für das Jahr Ivl» des Bundes der technisch- industrielle» Beamten. 30 Ps. Jndustriebeamtenvcrlag Berlin XIV 52. Exkurfionsbnch zu« Studium der Bogelfttmmen. Praktische Anleitung zum Bestimmen der Vögel nach ihrem Gesänge. Von Pros. Dr. A. Voigt. Leinenband 3 M.— Werde» und Wesen der Sprache. Von Pros. Dr. L. Sütterlin. 3,20 M., in Leinenband 3>30 M.— Wissenschaft und Bildung. Bd. 109: Geschichte der Philosophie vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Von Pros. Dr. A. Messer.— Bd. 117: Getnndheit und Lcdensklngheit. Von Geh. Sanitätsrat Dr. R. Paasch. — Bd. 118: Tic Textilindustrie. Herstellung textiler Flöchengebilde. Bd. III. Von Geh. Reg.«Rat Dipl.-Jng. H. Glaseh. Quelle u. Meyer, Leipzig. Schillers Flucht von Stuttgart. Von A. Streicher.(Hausbüchern Bd. 46.) 1 M. Deutsche Dichtcr-Gcdächtnisslistung. Hambnrg-Grotzborstcl. Wildnis. Novellen von Coetho Netto, deutsch von M. Brusot. 245 S. Fletschet u. Co., Berlin IV. Seine erste Frau. Roman von K. Die grofte Pantomime. Roman von Auguste tzauschncr. E. Fleischet u. Co., Berlin IV. Der Tabakzoll, feine Erhebung und Rückvergütung. Von Regimmgsrat Dr. Klein. Verlag:„Vereinigte Tabak-Zcitimgen'(Bennigson u. Ehrlich), Berlin IV. 57. Leinencinband 2,50 M. Rrankhritsentstehung»nd Krankheitsverhütung imd geheimntö- volle LebenSäutzer ungen des 5törpers. Von Dr. H. Much, Wü von Curt Kobitzsch. 2,50 M., geb. 3 M. Freih. v. Persall. IM.-' Auguste tzauschncr. 3 M. Sürzburg. Verlag K. LeiZveilierweistel' reelle fertige Garderobe,!»t� King«>» ÄNLt-F«, kirizei» ps'stoi», kinAvI» u-sise 22, 2L, 22, 22 dtzse!» u»«» VlwrreKnrs MaCeuofertJouinS vrnter persönlicher Leitung m soliden Preisen. •mr n von Cooelltchsfts- nad Prornsasden-Aniaren. VorUehcn gewessae V erlellnLVll\a 0»ra»rob«»ovl»«toll»»«."NN IIIIa!H,atir.etüLrn»»arbvlkvt, -— werden billigst»erkauft. 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Tüll 2 Filztuch-Lambrequins 2 Scheibengardinen 2 Fußmatten 21, m Portierensloff 2 Erbslüll-Läufer I Damen-Korsett 2 Korselt-Kinder- Leibchen 2"p izentaschenlücher 4 Taschentücher mü Buchstaben 1 Paar Baby-Ledersliefel I Paar Kamelnaarstoff-Schuhe 1 Paar Filz-Schnalltnstiefel t Paar Damen-Filzschuhe 1 Kinder-Sweater gestricktes Kinderkleidchen (Jolfbluse Bolero-Jäckchen Kopftücner, unterlegt 1 I i 2 1 Taillentuch 2 Kinderhäubchen 95 Pfennig 1 Paar Sweaferhöschen I Multon-Wickelluch 6 Erstlingshemden 6 Unterlagen 3 Wickelbänder 2 Mädchen-Hemden 2 Knaben-Hemden I Satz: 6 Stück Schüsseln u. 1 Bratenplatte I Kaitof einapf mit Deckel, I Platte, 1 Sauctere 2 St. Salz- und Mehlmetzen, 2 Ess g- und Oeitlaschen 6 St. Von aistonnen 1 Satz: 7 St. Milchtöpfe, sortierte Grössen 1 Gewürzetagcre mit 6 Stück Porzellanionnen 1 Aufschniliplatte, 1 Butterglocke, 12 Abendbrotteller 1 Tortenplatte auf Fuß und 1 runde Fleischplatte 3 Stück Blumenkübel 12 Paar Tassen 10 St. dekorierte Kaffeebecher I Waschgarniiur, Steilig 14 Gläser auf Fuß 6 Stück Bierseidel, sortiert 1 Emaille-Mülleimer ra.Schrifi 2 St. Emaille- Schüsseln, tief und flach Ijamaille- Waschgarnitur, 2- und Steilig I Spirituskocher, 1 Kochtopf und 1 Kaffeekanne I Em.-Fenstereimer. 1 Fensterbürste. I Fenstertuch 1 Em.-Büislenhalter,lScheuer- bürste, 1 Scheuertuch 2 Stück Heizrohre 2 Stück Blumenkästen 1 Gießkanne, I Oartenschaufel 1 üazeschrank 1 Wanrikafteemühle, Lotmaß, I Kaffeesieb 1 Kücnenbrett und 2 Stück Kaffee- und Zuckerbüchsen Paar Rollschuhe, verstellbar 1_.____________.... I Pancelbrelt mit Besthing 1 Handtuchhalter oder Hand tuchständer I Zigan enschrank, 1 Bürstenkasten I Feldstuhl, extra stark 2 Kassetten ßriefoogen und Kuverts 1 moderne Damentasche 1 Posten Emaille- geschirr n. Gewicht 4 Pfund SS Pf. Sonulaa IL-? geöffnet I. Fraesikel, Veteranenstrasse, in den bisherigen Geschäftsräumen des IMH.MMnNnctif. Uli xxxxxxxxsisssxxxxxxzmaumzmvxxxmTmH Cafe Leitmeyer Petersburger Str. 91, Ecke Frankfurter Allee Das feiuste Konzert-Cafd des Osteos Täglich: Erstklassiges KünstlersKonzert Möbel Kredit Farbige Küchen u. Polsterwaren Einzelne Möbelstucke A°na5»ärk al011 Petersburger KtruUc SS, »-- erste Etage.-- Anssehneitlen! Wert 5 flark. 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