Nr. 91. nbonncmcntS'Bcdingungcn: Abonnement-■ Preis fcräraanetimbo; «iertchährb S30 if»., monoli. 1,10 Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag?. nununer mit illustrierter Sanntag«. Beilage.Die Nene Well" 10 Pfg. Post. Slbonnement: 1,10 Wart pro Monat. Eingetragen in die Poit. Zeitung?. Preisliste. Unter Kreuzband ,ür TeuNchland und Oesterreich. Ungarn ÜöO Marl, für baS übrige JluSIanb ? Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Ruinämcii. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. ceschewl tZgllch. Verlinev Vol�sblÄkk. Sie Inlertlonz-Ledilhr beträgt für die sechsgespaltene Kolanel. zeilc oder deren Raum 00 Pfg., für polltische und aewerlschaftliche Berein?< und Berfammlungs-Anzeigen 80 Plg. ,, kleine Hnreigen", da? fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte?, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellninr zeigen das erste Wort 10 Plg., jede? ivciterc Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- itabcn zählen für zwei Worte. fZiilerule für die nächste Nummer müssen bis k Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ljt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm.Adresse: „S»lald(Di»krat RcrliB". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfcblands. Redahtion; SRI. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Anrt Moritzplasi, Nr. 1983. Expedition: 8Rl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplah. Nr. 1984. 5o3jal leiht, um in Preußen nicht nur die Wahlen zu knebeln, son- dern auch den gesetzgebenden Körperschaften Deutschlands von hier auL ihren Willen aufzuzwingen. Dies Spiel, das wir schon so oft erlebt haben, wieder- holte sich am Mittwoch bei der dritten Lesung des Etats des Finanzministeriums. In theatralischem Aufzuge, der selbst Herrn Dr. Friedberg als wohlbereitetes Schaustück erschien, er- hoben sich nach einander die Vertreter der Konservativen und der Frcikonservativen, um im Verein mit dem Finanzminister L e n tz e gegen eine sozialere Gestaltung der dem Reichstage vorliegenden Wehrvorlage mobil zu machen. Daß die beiden konservativen Parteien, denen sich später ihr schwarzer Block- btuder anschloß, in einer Reichsvermögenssteucr die größte Gefahr für den Geldbeutel der Besitzenden erblicken und daß sie sie deshalb mit allem Nachdruck bekämpfen, ist nicht neu. Aber daß auch der verantwortliche Leiter der preußischen Finanzen die demagogischeHetze mitmacht, daß er dies Gespenst einer Ab- hängigkeit der Einzelstaaten in ihren Finanzen vom Reich an die Wand malt und davor warnt, die bisherige finanzielle Selbständigkeit der Einzelstaaten in ihren Finanzen preiszugeben, das ist geradezu unerhört. Es beweist das in gleichem Maße die Abhängigkeit der preußischen Regierung von dem schwarzblauen Block wie die Wandlungsfähigkeit des Herrn Lentze. der sich in noch kürzerer Zeit als sein Vorgänger Miqnel vom Nationalliberalen zum Hörigen des Bundes der Landwirte gemausert hat. Im übrigen freilich besteht zwischen den beiden Ministern keine Aehnlichkeit, denn Herr v. Miqnel war, wie man auch sonst über seine Tätigkeit denken mag, ein geistreicher Mann. Es ist ein Verdienst unseres Genossen Liebknecht, daß er in einer zwar kurzen, aber treffenden Rede der Katze die Schellen umhing und so die schwarzblauen Parteien zwang, wiederholt ihrer Abneigung gegen die Heranziehung des Be- sitzes Ausdruck zu verleihen. Die Reden, die die Herren auch jetzt wieder gegen eine Reichsvernlögenssteuer und eine Reichs- crbschastssteuer vom Stapel ließen, werden uns in dem bevor- stehenden Wahlkampf ebenso gute Waffen sein, wie vorher bei der Beratung des Etats der Bergverwaltung das Auftreten des Handelsministers gegen die oberschlesischen Bergarbeiter, deren Interessen sich L e i n c r t energisch angenommen hatte. Beim Etat des Handelsministeriums rechnete Borchardt mit dem Fortschrittlcr Mugdan lvegcn seines Eintreten gegen die Bäckereiverordnung ab und zeigte an der Hand amtlichen Materials, wie kulturwidrig und gesundheitsgefährlich die Zu- stände in manchen Bäckereien sind. politische(leberliedt. Berlin, den 16. April 1913. Für die Reichscrbschaftssteuer. Neben dem Hansabund hat nun auch der Bund der In- d u st r i e l l e n in einer erweiterten Sitzung seines Großen Aus- schusses zu den Wehr- und Deckungsvorlagen Stellung genommen. Im Sinne der Referate der früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Stresemann und Dr. Weber(Direktor der Mittel- deutschen Kreditbank) erklärt die dazu angenommene Resolution die einmalige Vermögensabgabe für„z u l ä s s i g", wünscht aber keine Wiederholung dieses durch außergewöhnliche weltpolitische Ereignisse bedingten außergewöhnlichen Schrittes. Der Bund spricht sich weiter scharf gegen die Doppelbesteuerung der Aktien- gesellschaften und der Versicherungsgesellschaften aus und fordert bei der Besteuerung eine gleichmäßige Behandlung aller Gewerbe- zweige, um so mehr, als für die Landwirtschaft unbilliger- weise besondere Erleichterungen vorgesehen seien. Der vor- geschlagenen Veredelung der Matrikularbeiträge kann der Bund nicht zustimmen, da für die Einführung einer allgemeinen Besitz- sieuer durch die einzelstaatlichcn Bundesparlamente keine Gewähr gegeben sei. Nach Ausfassung des Bundes kann als direkte Reichs- besitzsteuer lediglich die Reichscrbschaftsstcuer in Frage kommen. Ter gemilderte Majestätsbeleidigungsparagraph. Frankfurt a. M., 16. April.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Genosse W i t t r i s ch, der verantwortliche Redakteur der„Frankfurter V o l k s st i m m c", Wurde wegen Beleidigung des Deutschen Kaisers von der Strafkammer zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staats- anwalt hatte sechs Monate beantragt. Die Beleidigung soll in einer Notiz über die Affäre des Pächters Sohst enthalten sein. Die Verhandlung fand unter völligem Ausschluß der Ocffentlichkeit statt. Die„gemilderte" Anwendung des Majestätsbeleidigungs- Paragraphen Wurde von den bürgerlichen Parteien als eine Errungenschaft der Blockära hochgepriesen. Wie es mit dieser „Milderung" poliftsch unliebsamer Angeklagten gegenüber be- stellt ist, zeigt das Frankfurter Urteil. Als die„Post" im vorigen Jahre von„ljuilleaunie le Timidc" und„le valeureux poltron" schrieb, hat sich kein Staatsanwalt gerührt. Hier handelte es sich aber um einen Sozialdemokraten und da mußte wieder einmal bewiesen werden, daß in Preußen- Deutschland alle vor dem Gesetze gleich sind. Eine Dcmcutierung Wilhelms II. Die„Norddeulsche Allgemeine Zeitung" schreibt: »In der Sitzung der Berliner Stadtverordneten am Donners» tag den 10. d. M., hat bei Erörterung eines Vermächtnisfalles der sozialdemokratische Stadtverordnete Dr. Nosenfeld sich erlaubt, den Monarchen in die Erörterung hineinzuziehen, nnd zwar unter gleichzeitiger Verwendung falscher. längst widerlegter Angaben. Der Redner bemerkte nämlich:„Vor einigen Jahren starb ein mit Glücksgütcrn reich gesegneter Mann, der auch arme Verwandte hinterließ, zu seinem Erben aber einen mit irdischen Gütern überhäuften Mann einsetzte. Der glückliche Erbe war der preußische Landesherr, der bekanntlich das Gut Cadinen geerbt hat, und derselbe. Mann, der darüber als Landesherr zu ent- scheiden hat, ob bei einer solchen Gelegenheit nahe Verwandte berücksichtigt werden sollen, hat bei der Zuwendung, die ihm geworden, nahe Verwandte nicht berücksichtigt."— Die Oeffentlichkeit wird auf solche Weise mit einer halt» losen Klatscherei behelligt, zu deren Entstehung nicht der geringste sackilickie Anlaß erkennbar ist. Vor geraumer Zeit schon hatten wir(„Norddeutsche Allg. Ztg." Nr. 117 vom 10. Mai 1905) dargelegt, daß das Gut Cadinen im Jahre 1808 in das Eigentum des Kaisers übcrgegailgen ist. ES geschah auf Grund eines Ver- trageS, inhaltS dessen als Gegenleistung vie Uebernahme der mehr alS eine halbe Million betragenden Hypotheken und sonstigen Lasten, die Zahlung einer reiflichen jährlichen Leibrente an den Vorbesitzer und endlich die Entrichtung eines dem Werte deS lebenden und toten Inventars entsprechenden Kapitals stipuliert wurden. Hier« nach handelte eS sich weder um Erbschaft noch Schenkung oder ähn» lichcs, sondern um einen Bertrag, worin Leistung und Gegenleistung genau festgesetzt waren." Diese.Dementierung" wird am besten durch das Schreiben Wilhelms II. widerlegt, das dieser an den Voreigentümer des GnteS Cadinen am 1. September 1303 gerichtet hat: Sie haben mir in der Immediateingabe vom 20. August d. I. die auch von Ihrem verewigten Bruder gehegte Absicht kund- gegeben, Ihre Begüterung Cadinen mit Rehberg und Scharfen« berg sowie Kickelhoff Vorwerk und Mühle in meinen Besitz über- gehen zu lassen. Durch die hochherzige Betätigung Ihrer treuen, patriotischen Gesinnung tief gerührt, erkläre ich mich zur Annahme Ihres Anerbietens freudig bereit. In- dem ich mir alle weiteren Maßnahmen dieserhalb vorbehalte, drängt eS mich, Ihnen schon jetzt meinen Königlichen Dank von Herzen auszusprechen und die bereitwillige Erfüllung Ihrer geäußerten Wünsche zuzusichern. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König gez. Wilhelm R. So schließt man nicht Verträge, so nimmt man„hochherzige" Schenkungen entgegen. Es mag sein, daß die Cadiner Schenkung auch noch in Vertragsform vollzogen worden ist. Das ändert aber nichts an der Hauptsache: Wilhelm II. hat Cadinen geschenkt erhalten, und Verwandle des früheren Eigentümers haben trotz ihrer Bitte keinerlei Absindung erhalten.__ Noch ein Orden für Herrn v. Senden. Der Flügeladjutant des Kaisers, Oberst Freiherr v. Senden, dessen Eiienbahnabentener so unliebsames Aussehen bei dem Zivil- pack erregt hatte, der aber trotz seiner„Schweinerei" mit einem preußischen Orden bedacht worden war. ist nunmehr auch noch durch einen bayerischen Orden ausgezeichnet worden. Er hat, wie aus München gemeldet wird, den Militärdienstorden dritter Klasse erhalten. Ob der Ehrgeiz des Herrn dadurch freilich befriedigt sein wird, bleibe dahingestellt. Möglicherweise wird dieser Erstklassige bei dem Empfang des drittklassigen Ordens wieder einmal ärgerlich schnarren:„So eine Schweinerei!" Vie fViecUimusncKten. London, 15. April. Das Reutersche Bureau er- fährt, daß, obwohl bis zum Abend»och keine amtliche Nachricht von dem Abschluß des Waffen st ill- st an des eingetroffen war, man in amtlichen und diploma- tischen Kreisen glaubt, daß der Friedensschluß b c- vorsteht und daß man annimmt, die Friedensdelcgierten würden sich in kurzer Zeit wieder in London versammeln. Hakki Pascha, welcher kürzlich hier wegen der türkisch-persi- schen Grenze verhandelt hat, soll zusammen mit Reschid Pascha und Naby Pascha zu türkischen Friedensunterhänd- lern ernannt werden. Am Nachmittag wurde gemeldet, daß Nowakowitsch im Begriff ist, von Belgrad nach London ab- zureisen', ob Venizelos in der Lage sein wird, Athen zu ver- lassen, wird bezweifelt. In bulgarischen Kreisen ist noch keine Nachricht darüber eingetroffen, ob Dr. Danew wieder nach London kommen wird. Unruhen in Armenien. Konstantinopel, 16. April. Das Ministerium des Innern veröffentlicht folgendes Commnnique: Armenische Blätter haben ein dem armenischen Patriarchat zugegangenes Telegramm aus B i t l i s veröffentlicht, wonach sich der dortigen türkischen Bevölkerung große Erregung bemächtigt habe, verursacht durch ein von Unbekannten verübtes Verbrechen, das Armeniern zuge- schrieben werde. Vier Armenier seien verwundet wor- den und in der Stadt herrsche panikartiger Schrecken. Nach einem Telegramm des Malis von Bitlis über diesen Vorgang wurde ein Türke in Bitlis aus bisher unbekannten Gründen von neun Armeniern getötet. Daraufhin zogen die Verwandten des Getöteten in größter Auflegung an der Spitze eines VolkshaufenS vor den Regicrungskonak und verlangten die strenge Bestrafung der Schuldigen. An die Versicherung, daß die Regierung alles Mögliche tun werde, kehrte sich die Menge nicht, sondern verlangte die sofortige Hinrichtung der Mörder. Schließlich brachten sie den Leichnam des Getöteten bor den Konak und erklärten, die Leiche zurücklassen zu wollen, ohne sie zu begraben. Die Behörden er- griffen die entsprechenden Maßnahmen, die Menge wurde zer- streut und der Leichnam von der Bevölkerung bestattet. Später wurden Verwandte des Getöteten eine? der Mörder namens Ave- bis habhaft, mißhandelten ihn, seine Frau, seine Mutter und noch eine Person, die zur Hilfe geeilt waren. Zwei dieser Angreifer wurden verhaftet, der dritte entkam. Es sind strenge Maßnahmen ergriffen worden, um ihn festzunehmen und die Ordnung auflecht- zuerhalten. Nach einem weiteren Telegramm des Malis von BitliS sind acht des Mordes beschuldigte Armenier verhaftet worden. Der Persische Golf. Konstantinopel, 16. April. Die Pariser Nachrichten, wonach zwischen der Pforte und England ein Abkommen über den Persischen Golf abgeschlossen wurde, werden hier als verfrüht betrachtet. Der Fall Palitsch. Belgrad, 16. April.(W. T. B.) Wie dem serbischen Preß- bureau aus Djakowa gemeldet wird, unterzeichnete die gemischte K o m m i s s i on, die den Fall Palitsch untersuchte, am 15. d. M. ein Protokoll, in dem festgestellt wird, die Kommission habe keine überzeugenden Beweise dafür gefunden, daß Palitsch im Gefängnis auf Veranlassung der montenegrinischen Behörden geschlagen und mißhandelt wurde. Auch sei kein Beweis da- für erbracht worden, daß Palitsch von seiner montenegrinischen Militäreskortc mit Vorbedacht ermordet wurde. Die Kommission konnte nichts feststellen, was die Angaben der montenegrinischen Behörden, daß Palitsch einzig und allein infolge eines Flucht- Versuches erschossen wurde, entkräftet hätte. Die Kommission ver- folgt jetzt ihre Aufgabe weiter und prüft die Angelegenheit der Bekehrungen zur Orthodoxie. Schweiz. Volksabstimmung und Wahle«. Zürich, 14. April.(Eig. Ber.) Die Sittlichkeitsheuchler und Stcuerdefraudantcn haben in der Volksabstimmung des Kantons Zürich gesiegt. Die Streichung der gesetzlichen Bestimmung über die Duldung des Konkubinats wurde mit 53 170 gegen 25 973 und die Abschaffung der amtlichen Jndentarisafton in Todesfällen mit 45 374 gegen 32 820 Stimmen beschlossen. Mit der Abschaffung der amtlichen Jnvcntarisation nicht nur im Todesfall der Mutter, die neu eingeführt war, sondern auch im Todesfälle des Vaters, die seit langer Zeit bestand, ist die Dahn frei gemacht für alle reichen Steuerbetrüger, die nun nicht mehr be- fürchten müssen, daß nach ihrem Tode ihre tatsächlichen Ein- kommenS- und VcrmögenSverhältniss« amtlich ermfttelt werden müssen. Die Zibilprozcßor dnung ist mit 58 140 gegen 15 002 Stimmen angenommen worden. Die Wahlen haben in den Gemeinden außerhalb der Stadt Zürich an den bisherigen Vertretungsverhältnissen der Parteien in den Behörden wenig geändert. In der Stadt Zürich hat die erste Wahl nach dem Proporz unserer Partei nicht den von manchem Genossen erwarteten Gewinn an Mandaten gebracht. Sie eroberte zu ihren bisherigen 49 Sitzen im Großen Stadtrat nur weitere vier neue, so daß die Fraktion nun 53 Mann stark, womit sie zwar die stärkste unter allen Fraktionen ist, aber mit 8 Stimmen unter der Mehrheit bleibt. Unsere vier Vertreter im neungliedrigen Keinen Stadfla! sind mit 12 330 bis 13 781 Stimmen wiedergewählt worden, Hfriha. Vom Kolonialkrieg der Italiener in Tripolis. Rom, 15. April. Die„Agenzia Stefan:" meldet au! Bcnghasi: General d'Alessandro ist am 13. an der Spitz« einer mobilen Kolonne von Infanterie, Kavallerie und Artillerie aus Benghasi aufgebrochen, hat schnell die Linie unserer Forts überschritten und nacheinander die Oasen Giok el Seghir und Gtok el Kebir besetzt, darauf griff er das Lager der Beninabeduinen ent- schlössen an und nahm es mit Sturm; die Beduinen, zur Flucht gezwungen, zerstreuten sich noch verschiedenen Richtungen und überließen unfern siegreichen Truppen das Lager mit einer großen Menge von Munition, Lebensmitteln und Material. Um 8% Uhr nachmittags wehte unsere Fahne über dem brennenden Lager. Unsere Verluste an diesem Tage betrugen vier Tote und 45 Verwundete; der Feind ließ 5 0 Tote auf dem Schlacht- fcldc zurück, viele andere und zahlreiche Verwundete hatte er mit sich genommen; 50 Beduinen wurden gefangen genommen. Benghasi, 15. April. Am Morgen des 13. April machten Patrouillen der in Tolmetta gelandeten Truppen einen Auf« klärungsmarsch nach Merg zu. Sie schlugen dabei die Beduinen, die sich ihnen entgegenstellten, in die Flucht. Die Beduinen haften 20 Tote und zahlreiche Verwundete. Auf italienffchcr Seite wurden drei Askaris getötet, acht verwundet. General d'Alessandro ist mit einem Teile seiner Truppen nach Benghasi zurückgekehrt; andere Truppenteile unter dem Befehl des Generals Marghieri blieben in Benin«.— Int Lager von Benina explodierte ge st ern ein Geschoß, das am 13. April ab- geschossen ivorden, aber nicht geplatzt war. Durch die Explosion wurden ein Offizier und drei Soldaten getötet und mehrere Soldaten verwundet. Sen>erklckaftlickes. folgen cles cl?riftlicken llevronismus. Der christliche Terrorismus im Kauchfe der Färber der �eideniudustrie in Krefeld hat einen christlich organisierten Färber namenS Karl P i ck ni a n n in den Tod getrieben. P. Mar einer jener christlich organisierten Färber, die es nnt ihrer Arbeiterehre nicht vereinbaren konnten. Streikbruch zu begehen. Trotz einer 14jährigen Zugehörigkeit zum christlichen Textilarbeiterverband weigerte sich dieser, dem alten Manne weiter Streikunterstützung zu zahlen. P. konnte es nicht iiber sich gewinnen, aus seiner.Organisation, die ihm infolge lang- jähriger Zugehörigkeit ans Herz gewachsen war. auszutreten oder Streikunterstützung bei den: Deutschen Textilarbeiter- verband in Anspruch zu nehmen. Die Unternehmer und die christlichen Führer bearbeiteten den Manu. Da es in der Familie an Brot fehlte, drängte seine Frau zur Arbeit. Am Montag, den 14. April, vormittags, äußerte P. zu Streikenden:„Was soll ich nun tun? Hineingehen will ich nicht. Unterstützung bekomme ich auch nicht mehr, lieber- treten mag ich nicht, und meine Frau drängt mich. Streik- brecher zu werden. Ich gehe jetzt hin, hänge mich auf, oder gehe in den Rhein."(Sinen anderen Ausweg fand der Mann aus seinen? Gewissenskonflikt nicht. An demselben Tage abends wurde P. von einen? Hafenarbeiter als Leiche aus dem R h c i?? gezogen! Verlin unci Qmgcgrns. Ter Berliner Militärsattlcrtarif ist nun auch in den Span- dauer Betrieben eingeführt und van den Unternehmern durch protokollarische Erklärung vor dein Gcwerbegericht aner- kcmnt. Dieser Porgang ist insoscn? von Bedeutung, als vor zwei Jahren die Sattler�der Finna Billep die Einführung dieses Tarifes trotz Illwöchigen Streiks nicht erreichten, da die Behörden dem Fabrikanten die Lieferungsfristen verlängerten. Die N-ahschuhmncher beschäftigten sich in einer Versammlung mit dem Streik der Münchener schukmachergehilien, der nun schon bis in die fünfte Woche dauert. Bekanntlich hatten die Schuhmacher dort auf dcu bestehenden Dam Aufschläge gefordert, die als minimal zu bezeichnen sind. Die Herren Schuhmachermeistcr glaubten aber, durch Lohnabzüge lund zwar bei 70 Positionen einzelne Positionen sogar bis 100 Proz.f die Forderungen der Kollegen illusorisch zu machen. Zivei Perhandlungen vor dem Einigung samt(Gewerbegericht) mußten ergebnislos verlaufen, da die Arbeitgeber nur Lobuzulagen von 2 bis 4% Proz. gewähren wollten, diesen Zulagen stehen aber die erwähnten bedeutenden Ab- zöge gegenüber Da begründeter Verdacht besteht, daß die Bcr- liuer schubmachermeiiter Streikarbeit anzufertigen versuchen werden, ist Borsicht dringend geboten; jede verdächtige Arbeit ist sofort in? Bureau zur Meldung zu bringen. Zum Kellncrstreik im„Hackepeter", Münzstraße 20, sei mitgeteilt, daß die bis gestern im Hause eingerichtete fliegende Polizei- wache wieder� in ihr stanimquartier verlegt worden ist. Ebenso wurde die Straßenbahnhaltestelle, welche Herrn Martin zuliebe verlegt war, wieder dem Verkehr übergeben. Dagegen bleiben die Kriminalbeamten und die mit Gummiknüppeln versehenen Ar- bcitswilligen unter Führung des Herrn Franz Kuhn im Lokal. Mit dem Inhaber des neu eröffneten„Hackepeter", Ecke Aildreasstraße und Grüner Weg, Herrn Tobbek s früher König- säle), haben auf dessen Wunsch Verhandlungen stattgefunden. Zu einer Einigung kam es jedoch nicht. Beide Betriebe sind für orga- nifierte Gehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfcn, Ortsverwaltunz Berlin. Bei der„Deutschen Post- und Eiscnbabnvcrkehrswesen A.-G." in Staaken bei Spandau streiken die Arbeiter. Da fort- gesetzt falsche und irritierende Berichte über den Streik in die Presse lanziert werden, so veröffentlichen wir nachstehend die Ur- fache zu den Differenzen bei der Firma: In letzter Zeit hatten sich in einzelnen Abteilungen Mißstände eingestellt, welche den Arbeiterausschuß veranlaßten, zwecks Ab- slcllung derselben bei der Betriebsleitung vorstellig zu werden. Es befaßte sich denn auch eine Meisterkonfcrenz mit der Betriebs- lcitung mit den vogerbrachtcn Mißständen. Statt dieselben nun aber zu untersuchen und abzustellen, beobachteten die Meister auf Grund der borgedrachtcn Beschwerden die Vertrauensleute und Ausschußmitglieder systematisch bei der Arbeit, um Grund zur Entlassung zu finden. Hierbei tat sich der Meister K o n r i tz be- sonders hervor, der den in seiner Abteilung beschäftigten Per- trauensmann in jeder Weise schikanierte und provozierte, so daß sich dieser veranlaßt sah, diescrhalv den Meister Kon ritz'zur Rede zu stellen. Dadurch fühlte sich derselbe nun beleidigt und bedroht und der Vertrauensmann Wurde entlassen. Zur Charakteristik des Meisters K o n r i tz sei noch mitgeteilt, daß er vor Jahresfrist bei einer Akkordstreitigkeit einen Arbeiter mit dem Revolver bedrohte. Die Firma legte damals dem Arbeiterausschuß nahe, die Affäre nicht an die Oeffenilichkeit ge- langen zu lassen. Zwecks Wiedereinstellung des Vertrauens- mannes verhandelte der Arbeiterausschuß mit der Betriebsleitung und es wurde auch eine Einigung dahin erzielt, daß derselbe bei einen? anderen Meister weiter beschäftigt werden sollte. Als sich der Vertrauensmann aber am anderen Tage zur Arbeit meldete, weigerte sich der betreffende Meister, ihn einzustellen. Nach aber- maliger Verhandlurig mit der Betriebsleitung erklärte dieselbe nun, daß die Meister es ablehnten, den Entlassenen wieder einzustellen. Sollte die Betriebsleitung dennoch gezwungen werden, den Per- trauensmcmn wieder einzustellen, so würden sämtliche Meister ohne Einhaltung der Kündigungsfrist ihre P o st c n verlassen. Als jede Aussicht aus Wiederein- stellung des Vertrauensmannes geschwunden war, trat die gesamte Arbeiterschaft der Fabrik mit Zuftiounnng der Ortsvcrwaltung des 'Metallarbeilerverbairdes in den Streik. Am Tage der Beschluß- fassung des Streiks wurde noch kurz vor Feierabend ein Mechaniker, der auf Montage geschickt werden sollte, aber erst die Persammlung abwarten wollte, auf der Stelle entlassen. Tie Firma versucht nun unter allerlei falschen Vorspiegelungen, der Streik sei beendet usw.. Arbeitswillige heranzuziehen. Der Streik steht für die Ar- bater äußerst günstig. Mit den Streikbrechern, die sich ange- funden haben, meist unbrauchbaren Elementen, kann die Firma nichts anfangen. Genau so geschlossen, wie die gesamte Arbeiter- schaft den Streik begonnen hat, wird sie ihn auch fortsetzen. Die Streikenden ersuchen nun darum, jeden Zuzug fernzuhalten und inachen die Bielefelder Arbeiterschaft besonders darauf aufmerksam, weil versucht wird, dort Arbeitswillige anzuwerben. Arbeiter- freundliche Blätter werden um Nachdruck gebeten. Dentfebes Kelch. Von den örtlichen Darifverhandlungeu im Zimmerer- gcwerbe liegen bis jetzt die Ergebnisse yor aus 5101 Orten mit 47 080 Zimmerern, von denen 35 024 Berbandsmitglieder sind. Da an der diesjährigen Tarisbeweguttg 12 943 Orte mit 75 117 Zimmerern i darunter 57 144 Verbandsmitglieder) beteiligt sind, fehlen mithin iwch die Ergebnisse für 4752 Orte urit 25 037 Zimmerern, von denen 10123 dein Zentralverbande angehören. Tie Angebote der UntemeHrner bewegen sich im wesentlichen in dem gleichen Rahmen wie die bereits in der vorigen Woche mit- geteilten. Die Vermutung, daß den örtlichen Organisationen der 1' nternehmer durch Beschlüsse ihrer Bezirksveroände die Grenzen der Angebote genau vorgeschrieben sind, hat sich im weiteren Per- lause der Verhandlungen bestätigt. Nur wenige Gebiete sind davon ausgenommen. Ans den entschiedensten Widerstand stößt die Forde- Berantw. Redakt.: Alfred Wiclcpp, Neukölln. Jnseratent«! verantw.; rung aus Verkürzung der Arbeitszeit. Nur vereinzelt sind Zugeständnisse gemacht worden. So ist für Rogasen die zcbn- ftündigc Arbeitszeit bewilligt; dort wurde bisher noch elf Stunden gearbeitet. Für Christburg, Laueuburg i. Pommern, Riesenburg und eagard aus Rügen soll die zehneinhalbstündige Arbeitszeit durch die zehnstündige abgelöst werden. Für Amberg und Ingolstadt verkürzt sich die Arbeitszeit von zehn aus neuneinhalb Stunden, und für Bargteheide, Emden und Plauen i. V. von zehn auf neun- einhalb Stunden. In Bargteheide soll die ncuneinhalbstündige Ar- beitszeit am 1. April 1914 eintreten, in Plauen am 1. April 1015 und in Emden am 1. Oktober 1915. Für eine große Anzahl Orte halten die Unter- n e h m e r mit jeglichem Angebot zurück. So ist für nachfolgende Orte nicht das geringste Zugeständnis gemacht worden: Anklam, Castrop, Celle, Crcfeld. Creuzburg, Dortmund, Essen, Eutin, Flottbek, Frankenthal, Freising, Friedrichsort, Geestbach!, Halberstadt, Hameln, Heidelberg, Kaiserslautern, Landshut, Lübbenau, Lndwigshafen, Maimbeim, Marne, Mcldars, Meuselwitz, Mörs, Mücke??berg, München-Gladbach, Neuhaldcnsleben, Ober- Hausen, Oldenburg, Pforzheim, Reinbeck, Schleiz, Schwartau, Schwarzenbek, Senstenverg. Sprcmberg, Springe-EIdagscn, Stendal, Wedel und Welhelmshaven. Die Lohnangebote sind sehr verschieden. 1 Pf. für die dreijährige Bertragsdauer haben zugestanden: Brandis, Burg a. Fehmarn, Burg in Dithmarjche», Czarnikau, Egestorf, Guben, Heide, Leer in Ostfriesland, Mölln, Neuzelle-Fürstenberg, Peine und Sonneberg. In zivei von diesen Orten soll der eine Pfennig im zweiten, in vier Orten gar erst im dritten Jahre gc- zahlt werden. 2 P f. für die Pertragsdauer sind bewilligt worden in Ahrensburg, Beuthen(Bezirk Licgnitz), Eisenach. Eislebeu, Frankfurt an der Oder, Frey bau, Glogau, Gotha, Grünberg i. Schl., Holz- hausen-Pvrmont, Kolmar in Posen, Latowitz, Neusalz, Nienburg a. W., Norderney, Quedlinburg, Sagau, Salzungeu, Sprottau, Suhl, Trier, Uetersen und Wernigerode. In 17 von diesen Orten verteilen sich die 2 Pf. aus das zweite und dritte Vertragsjahr, es tritt mithin im ersten Jahre eine Lohnerhöhung nicht ein. Auf 3 Pf. für die Bertragsdauer lautet das Zugeständnis kür Annaberg. Aue, Bergcdars, Bergcn-Garz ct.AKiigen. Bitterfelo, Bolkenhain, BramsteA» Braunschweig, Burg b. Magdeburg, Delitzsch, Eilenburg, Elmshorn, Garstedt, Hadcrslebcn, Heidenheim, Husum, Lauenburg a. E., Licgnitz, Meinaigen, Neustadt i. Holst., Oschcrs- leben, Pinucberg, Plön, Rendsburg, Salzwedel, ischkcuditz, Schlawe, Sonderburg, Tangermünde, Tübingen, Walsrode und Wanzlebcn. In 22 Orten verteilen sich die 3 Pf. so, daß aus jedes Jahr 1 Ps. entfällt. 4 P s. sind angeboten für Ahrensböck. Altrablstcdt, Apenrade, Augsburg, Elmshorn, Greiz, Hohensalza, Hörnerkirchen, Ingolstadt, .Kolbcrg, Marienwerder, Norden, Nordbaüjen, Appeln, Lsterburg, Penig, Ronneburg, Sagard-Satzuitz a. Rüge», Schmölln, schneide- mühl, Stolp, Straßonrg i. Elf., Tonder» und Wüster. In 10 von diesen Orten sollen in diesem Jahre 2 Pf. fallen, in den übrigen Orten tritt sofort eine Erhöbung um 1 Pf. ein und verteilen sich die restlichen 3 Pf. aus die letzten beiden Vcrtragsjabre. Geringer ist schon die Zahl der Orte, für die das Angebot ans 5 P f. lautet: Altenburg, Brake, Crimmitschau, Culmsee, Deutsch- Eylau, Graudenz, Heibbroim, Köslin, Lübau, Meerane. Neugersdorf, Oberrenuersdorf, Riescnburg, Ruppersdori, Schwandors, Staßfurt, Thorn und Werdau. Auch für diese Orte verteilen sich die 5 Pf. aus die ganze Veriragsdauer. Nur in zwei Orten ist für dieses Jahr eine Erhöhung um 3 rcsp. 4 Ps. vorgesehen, in allen übrigen 1 resp. 2 Pf. 0 Pf., verteilt aus drei Jabre, betragen die Angebote für Ainberg. Aurich, Culm, Emden, Falkenstein. Glauchau, Langen- seid, Marienburg, Reiche ubalb i. V., Rogasen, Schwarzenberg, Treuen. Ulm, Westerland und Zittau. 7 P f. sind angeboten in Bargteheide, Bcrnvurg, Elbing und Zwickau. 8 P f. in Klingenthal, Laucnburg i. Pom., Plauen i. V. und Trittau. Am Schlüsse dieser Woche sollen die örtlichen Verhandlungen beendet sein._ Weiterer Rückgang der Aussperrung im Malergcwerbe. Es geht weiter abwärts mit der großen Aktion der Schars- macher des Malergewerbes. In den letzten Wochen wurden die aus- sperrenden Unternehmer aus die kommende» Verhandlungen ber- tröstet, so daß der Rückgang der Ausgesperrtenziffern etwas ins Stocken zu kommen schien. Doch selbst diese Wirkung ist nicht ganz eingetreten, denn in den Tagen, an denen in Bertin verhandelt wurde, sind die Ziffern der am Kampfe beteiligten Gehilfen(Aus- gesperrte, Streikende und Arbeitslose j von 13 406 am 5. April aus 12917 am 12. April gefallen; das ist seit dem Höchststand am 15. März mit 15 770 ein Rückgang um 2853. Dabei ist zu beachten, daß fortgesetzt Werkstellen aus taktischen Gründen still- gelegt werden; wäre dies nicht der Fall, so würde die Ziffer der am Kampfe Beteiligten noch weit geringer sein. Wenn dcmgegcn- über der Unternehmcrverband behauptet, seine Ziffer von 36 000 sei jetzt aus 38 000 gestiegen, so ist das einfach eine bewußte Irre- sührung der öffentlichen Meinung. So ist es auch versländlich, daß die UMcrnehmerführer den ihnen vom Verband der Maler ange- botencn urknridlichen Beweis über die Richtigkeit der von ihm wöchentlich ermittelten Ziffern nicht angenommen haben. Ihr Zahlenschwindel würde sonst öffentlich festgestellt worden sein._ Zahlreich sind jetzt die A b s ch l ü s s e v o n S o n d e r t a r i f e n. Am 12. April wurden 2774 Unternehmer mit 14604 be- schästigten Gehilfen ermittelt, die unter Sonder- t a r i f e u, größtenteils zu günstigeren Bodingnngen. als die durch die Schiedssprüche normierten, arbeiten. Abgesehen voi� diesen erfolgten korporativen Abschlüssen arbeiten jetzt in vielen Städten fast alle Gebilfen zu neuen Bedingungen. Während dort die Aus- sperrungsmeister ihre Betriebe geschlossen halten, haben die unter Sondertaris arbeitenden sämtliche Ausgesveriücn in Arbeit ge- lwmmen und freuen sich über den flotten Betrieb. Unglaublich ist, was von den Unternohmerfübrern unter den Augen"der Staatsanwälte an Tcrrorismus geleistet wird. Tie Zwangsinnungen treiben ganz ungeniert Jnnnngsstrafen ein, um nichtaussperrende Meister zu terrorisieren. Dabei berufen sie sich aus ihren korporativen Zusammenschluß mit dem Unternehmer- verband, der aber wieder, trotzdem Obermeister der Innung und Vorsitzender des Unicrnehmcrbcrbandes meist in einer Person ver- einigt sind, bei den Bcbördcn es durchsetzt, daß deren Arbeiten nur den Mitgliedern des Unternchmerverbandes übertragen werden. Sie drohen serner Farbenhäiidlcrn, Gerüftbauanstalten usw. mit der sofortigen Entziehung der Aufträge, wenn sie nicht aussperrendeu Unternehmern noch Waren liesern und nicht sofort den Kredit ab- schneiden. Und trotz dieser Gewaltmaßregeln'das klägliche Resultat cer Aussperrung. Aus diese Art wird sicher dem kleinen Anhang derer, die den Kamps vrovozicricii. die Kraft früher ausgehen als dem Verbände der Maler die Finanzen. Als einziger Kamps- prcis für die Unternehmer bleibt ja jetzt nur noch der in Aussicht gestellte Ruin des Malelverbandes übrig. Tie Führer der Unter- nchmer haben dock bei der letzten Verhandlung dem Tarüschema zugestimm:. Und da sie sicher auch gegen das Verlangen der Ole- bilfenorganisationen nichts einzuwenden vermögen, wonach.es an den Schiedssprüchen nichts abzubröckeln gibt und wonach dort, wo die Gehilsen infolge der ja nicht von ibnen gewollten Aussperrung bereits günstigere Bedingungen durchgesetzt haben, diese respektiert werden müssen, so muß das Zwecklose ibres Kampfes wohl bald jedem. Einsichtigen klar werden. Steinarbeitcr-Ausspcrrung. In dem Rciskcschen Basalt- Steinbruche in Kcrzdorf bei Lauban wurden aus Veranlassung des Bruchmeisters 63 Steinbrucharbeiter ausgesperrt, Ter Grund zu der Aussperrung ist die Organisationszugebörigkeü der Leute zum Steinarbeiterverbandc. Alle Versuche des Verbandsvertreters, Genossen Staudinger, die Angelegenheit im Guten beizulegen, IH.EÜocke.Leri-n. Druck u. Lerlaa: Vorwärts Buchdr. u LerlagsanstaU scheiterten an der Halsstarrigkeit des Unternehmers, der sich mit den Maßnahmen, seines Bruchmeisters vollständig einverstanden er» klärt. Zuzug ist streng fernzubaltcu. Husland. Tie Damcitfdmcibcr und Tamcnschnciderinncn in Liverpool haben die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzu» halten. j�igenäbewegiing. Aus der bürgerlichen Jugendpflege. Ter von der preußischen Bnreaukratie künstlich zusammen- geleimte Block aller bürgerlichen Jugcndvereine gegen die prolc- tarische Jugendbewegung will immer noch nicht so ganz zusammen- Valien. Besonders den katholischen Jugcndvereinen vaßt der neue Kurs nicht so recht. Ties zeigt sich wieder deutlich in einem Leit- artikel der klerikalen„Trierischen Landesztg.", in dem die katho- lischcn Eltern auigesordert werden, ihre schulentlassene Jugend aus jeden Fall in die katholischen Jugcndvereine zu entsenden. Nach- dem man vor der freien Jugeridbewcgung. den wilden Klubs usw. gewarnt hat, heißt cs> auch die bürgerlichen Turnvereine seien nicht uberall einwandfrei. Solange das Organ der deutschen Turner- schaft die Kirche angreife und schmähe, hatten die katholischen Jung- linge alle Veranlassung, die größte Vorsicht zu üben. Man dürfe sich nicht mit Protesten begnügen, die doch keine oder wcnigücns nicht die beabsichtigte Wirkung bättcn. Zu wünschen sei deshalb, „daß alle katholischen Turner sich zusammenschließen zu einem großen katholischen Turnerbun d". In verschiedenen Teilen Deutschlands seien die Ansänge schon gemacht, sie hätten gezeigt,„daß man auch gut turnen kann". Den? Schreiber des Artikels gegenüber habe nch ein Knabe, der Ostern aus der Schule entlassen werden soll, geäußert, er ginge in den Turnverein, dorr könne er besser sausen wie im Jngendverein. Und dann heiß? es in dem Artikel wörtlich weiter: „Bei einem Turnerseste ging z. B. die Geschichte Samstag abends mit einem K o m m e r s an, der b'i s gegen 4 bis 5 Uhr morgens dauerte. Beim Sonntagsgottesdienst fehlten dann slübstverständlich 30— 40 katholische Turner; nach- mittags wurde weiter geturnt an Reck, Barren. Pferd und Bier- gläsern, bis abends 8 Uhr 8000 Liter Bier dem vereinten Ansturm erlegen sind; dann fand selbstverständlich abends in den verschiedenen Lokalen Ball statt, der die ganze Nacht hindurch dauerte; Montag abends war wieder Ball. Natürlich waren nicht alle Turner den Anstrengungen dieses „Turnens" gewachsen, gar manchen sah man die Waffen senken und„verwundet" niedersinken. Besonders schädlich ist solches Gebaren den S ch ü l e r i r u p p e n der Turnvereine. Einmal nahm man diese 9— lOjährigcn Kinder bis 12 und 1 Uhr mit auf den Ball/" Ter klerikale Leitartikler schreibt dann weiter, er erwähn« diese Bedenken«so aussübrlich, weil er sicher wisse, daß wieder Best«- Bungen im Gange seien, die darauf hinausgingen, alle Jugend- vereine von der staatlichen Jugendpflege auszuschließen, welche ihren Mitgliedern nicht gestatten, in Turnvereine zu gehen, einerlei ob sie dort Schaden nehmen oder nicht. Gegen ein solches Unter- fangen müsse man ganz energisch Front machen. Die katho- lischcn Jugcndvereine brauchten um die Staats- unter st ützung nicht zu bitten, sondern hätten auch ein Recht ans sie.(I) Mehrfach sei man ihnen gegen- über auch noch im letzten Jahre�sehr ungerecht verfahren. So hätten die Turnvcreinc im Kreise Saarbrücken 1912 sogar 1875 TL, die katholischen Jugendvereine dagegen nur 390 M. erkalten, obwohl die katholischen Jugcndvereine den Turiwcreincn in der Mitglieder- zahl gleich seien. Im Kreise Ottwciler sei das Verhältnis 1555 Mark und 550 M.. obwohl hier die katholischen Jugendvereine mehr Mitglieder hätten wie die Turnvereine. Eine nette Idylle aus der bürgerlichen Jugendpflege! Ein Stück Reinkulmr unserer staatlichen Erziehungsarbeit! Gleich hektoliterweise werden die Hirne der Jugendlichen mit Alkohol ber- blödet, damit sie nur ja nicht zum Denken kommen und sich ihrer Klassenlage nicht bewußt werden. Köstlich sind auch die Beschwerden der christkatholischen Brüder über„ungerechte" Bcbandlung bei der Verteilung der Judasmillioncn des preußischen Staates, die zur Vernichtung der proletarischen Jugendbewegung verpulvert werden. Alle denkenden Arbeiter mögen auch hieraus wieder ersehen, wie nötig die Förderung der proletarischen Jugendbewegung ist. vom belgischen Generalftreik. Gcncralstreikdcbatte in der Kammer. Brüssel, 16. April.(P r i v a t t c l e g r a in»i des >V o r lv ä r t s".) In der Kammer erklärte heute Lau- dervelde, daß sich die sozialistische Fraktion dem Vorschlag Lorands. ein Referendum über die Revision des Wahl- rechts vorzunehmen, anschließe. Tann begrüßte er den Heroismus der für ihr Recht känipfenden Arbeiterschaft. Ter Sozialist Hubin verlangte Vertagung de? M i l i tä r g e s e tz e; es sei unniöglich, in dieser ernsten Situation von der Landesverteidigung zu reden, wo die Doldateu die Streikenden in Respekt halten sollen. A n s e e l e s Rede, die nun folgte, war ein grandioser Aus- ruf an die Arbeiter, den Mut nicht sinken zu lassen, bis das gleiche Wahlrecht errungen sei. Er schloß mit einem Hoch auf den Generalstreik. Als hierauf der Ministerpräsident Broqucville sagte, er habe der Streikdrohung nicht nach- geben können, erhob sich ein unbeschreiblicher Tumult. Der Liberale H y m ä u s rief;„Der Streik war revoziert!" Liberale und Sozialisten warfen dem Ministerpräsidenten in Zwischenrufen' Zweideutigkeit vor.� Vandervelde zeigte dann die perfide Haltung der Regierung bei der Ver- Handlung mit den Bürgermeistern nach der Zurückziehung der Gencralstrciksparole.— Seit gestern befindet sich in dem Gc- bände des Ministeriums vis-a-vis der Kammer ein starkes Aufgebot von Gendarmen, das die Kammer be- wachen soll. Auch im Innern des Kammergcbäudes befindet sich eine starke Bewachung. Ständiges Anschwellen des Generalstreiks. Brüssel, 16. April.(P r? v a t t e l e g r a m in des „Vorwärts".) Tie Streikbewegung ist immer noch. an- st e i g e n d, besonders in den Provinzen Hennegau. Lüttich und Gent, desgleichen sind auch in Brüssel überraschende Rc- sultate zu verzeichnen. Tausende von Streikenden ziehen spazierend mit Musik und Gesang aus den Boulevards durch die Straßen. Dies muß besonders betont werden, da eine gewisse Presse iuimer noch schreibt, in de,?� Straßen Brüssels errege der Streik absolut kein Aussehen. lÖ4 Streik- bureaus funktionieren jetzt in Brüssel. Die Resultate über die Zahl der Streikenden in Brüssel stehen aber noch aus. Bisher sind 24 666 kontrolliert worden, darunter 6666 Me- tallarbeitcr.' Auch die Streikenden in den Provinz mehren lufi. Vrelc Etablissements schließen aus Mangel an Kohle und Material. Sogar die bürgerliche Presse gibt'zu, daß mindestens 325 066 Mann streiken. Die liberale Bourgeoisie und viele kleine Leute aus der Provinz unterstützen die Streiteudeti. In Brüssel werden die kominunalen Betriebe scharf bewacht. In dem Vorort Molenbcek bewachen Gendarmen die Tele- araphilnleiiungeu.________ Paul Singer ifo./B-AN�T'HierzüsLetlageo«.Unterhalt ougs«.' ir. 9i. 30. z-h-g«.-. i. KeillM des 3mMf Kerliller PolkaWött.>?. A»», w.3. Keicbstag. Ui. Sitzung. Mittwoch, den is. April 1913, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. I a g o w. Etat des Auswärtigen Amtes. Dritter Tag. Staatssekretär v. Jagow: lieber den Vorfall in Nancy hat der französische Minister des Acujjern unserem Botschafter in Paris mit- geteilt, dost die bis jetzt vorliegenden Nachrichten der Lokalbehörden einen genügenden Aufschluß nicht geben und daß daher ein hoher Staatsbeamter mit einer strengen Unter- suchung des Vorfalles betraut worden ist. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. Andererseits hat der kaiserliche Statthalter in Straßburg die Uebersendung der von den Lokalbehörden in Metz über den Vorfall aufgenommenen Protokolle in Aussicht gestellt, die wir dann unserem Botschafter in Paris übersenden werden. Unterftaalssekretär Zimmermann: Daß zum Gesandten in Peking nur ein des Chinesischen mächtiger Beamter ernannt wird, wie gestern hier gewünscht wurde, läßt sich nicht immer durchführen. Auch bei anderen Nationen ist daö keineswegs stets der Fall. Wir haben auch mit Herren, die des Chinesischen nicht mächtig waren, sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch die gestern erhobenen Klagen, während wichtiger Vorgänge sei der Gesandtschaftsposten in Konstantinopel unbesetzt gewesen, sind uuberechtigt. Abg. v. Mielzynski sPole): Der Befreiungskampf der slawischen Völker auf dem Balkan verdient Bewunderung. Oesterreich ist ein zum größten Teil slawischer Staat; der Kaiser von Oesterreich scheut sich nicht, wenn er in Galizien ist. polnische Deputationen zu empfangen und ihnen in polnischer Sprache zu antworten. Da- mit vergleube man die bei uns herrschende UnterdrückungSpolitik gegen die Polen. Man spricht soviel von Abrüstung. Notwendig ist eine Abrüstung des Chauvinismus und der Ost- markenpolitik.(Bravo! bei den Polen.) Abg. Bernstein(Soz.): Herr v. Richthofen hat mir entgegnet, die Inseln des Aegäischen Meeres müßten bei der Türkei bleiben, wenn nicht un- erträgliche Zustände für die Türkei geschaffen werden sollten! DaS Gegenteil ist richtig. Kommen die Inseln nicht an Griechen- land, so werden die Zustände für die Türkei unerträglich, dann erleben wir dasselbe Schauspiel, wie bei Kreta. Daß die Inseln an den Dardanellen türkisch bleiben, ist selbstver- ständlich. DaS ist zum Schutze Konstantinopcls unerläßlich, und aus demselben Grunde hätte man Adrianopel den Türken lassen sollen, das nur eine ganz geringe bulgarische, dagegen eine über- wiegend türkische Bevölkerung hat. Weiler ist bestritten worden, daß wir auf Rumänien dringen sollten, seine im Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen gegen die Juden zu erfüllen. Kaum waren die Rumänen nach dem Berliner Kongreß zu Hause, als sie den Vertrag schon zu um« gehen versuchte». Damals erhob die deutsche Regierung Einspruch iHörl! hört! bei den Sozialdemokraten.), und die neue Verfassung, in der Rumänien sich eine Hinlertür entgegen den Bestiinmungen des Berliner Vertrages ossen ließ, wurde von England, Frankreich und Deutschland nur mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf anerkannt. daß man das Vertrauen zu Rumänien auf die loyale Aus- führung des Berliner Vertrages habe. Kaum war die Anerkennung aber vorhanden, so wurden die Versprechungen von Rumänien in den Papierkorb geworfen. Ich glaube, die Realpolitik ist bei denen, die Gerechtigkeit allen Nationen gegenüber vertreten. Was könnten z. B. die Polen für Deutschland sein, wenn Deutschland ihnen gegenüber Gerechtigkeit übte?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Jahrhundertelang sind die Iren Feinde Englands und Freunde aller Feinde Englands gewesen. Nachdem jetzt eine liberale Regierung ihnen die Selbständig- keit gegeben hat, nachdem zwei Drittel des irischen Bodens in das Eigenlunl der irischen Bauern übergegangen ist, auf Grund einer anderen Enteignungsvorlage als der preußischen, auf Grund einer Vorlage, die die L a n d l o r d S enteignet und den Boden dem Volk zurückgegeben hat(Hört! hört I bei den Sozial- dcmokraten), stehen die Iren treu zu England. Im Hinblick auf die Millionen von Iren, die in den Vereinigten Staaten leben und dort einen starken Machtfaktor bilden, ist dadurch auch die auswärtige Position Englands außerordentlich gestärkt worden. So würde auch bei uns eine Politik der Gerechtigkeit den Polen gegenüber eine sehr gute Realpolitik sein.(Lebhaftes Bravo! beiden Sozialdemokraten.) Die Mitteilungen des Staatssekretärs bezüglich des Vorfalles in Nancy werden hoffentlich den Erfolg haben, daß die aufgebauschten Behauptungen verstummen und daß die unwürdige Hetze gegen Irankreicb eingestellt wird. Wenn selbst die ersten Mitteilungen tvahr wären, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß Hundert- tausende von Deutschen unbehelligt in Frankreich leben und arbeiten. Auch waren bei den Vorgängen keineswegs Arbeiter beteiligt, sondern das Publikum eine« Nachtcafös, und für die Taten eines NachtcafvpubllkumS möchten wir doch wohl auch Deutschland nicht verantwortlich machen. Wer den Frieden zwischen den Nationen will, muß dafür sorgen, daß j e d er Stoff zur Verhetzung unterdrückt wird. Wir halten allen Hetzereien gegenüber an dem Grundsatz der Gerechtigkeit und Freundschaft der Nationen fest, und wir sind überzeugt, diese unsere Politik wird den Sieg erringen. (Lebhafte« Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Titel Staatssekretär wird bewilligt. Die Resolution der Kommission betr. die Zulasiung zum diplomatischen Dienst wird angenommen. Beim Kapitel „Gesandtschaften und Konsulate" bringt Abg. v. Licbert(Rp.) einen Fall schwerster Mißhandlung zweier Berliner Schiffsjungen auf dem Schiff.Nereide" vor. Der eine junge Mann ist schließlich in einem Hafen in Chile desertiert. Am One selbst befand sich kein deutsche« Konsulat. Er kam dann zum Generalkonsul in Valparaiso, der ihn aber sofort als er hörte, er sei desertiert, mit den Worten abwies:.Dann kann ich nichts für Sie tun. Wenn Sie gemißhandelt werden, haben Sie sich beim Schiffsführer zu beschweren".(Hört I hört I) Auch von einem deutschen Vizekonsul in einem anderen Ort wurde er aus diesem Grunde abgewiesen. Er iand Schutz bei armen cht' mischen Leuten, mußte aber, da der Schiffslapitän nach»hm suchen ließ, in die Wune fliehen, in Bergwerten arbeiten usw. Währcnddesien war ein Brief, den er an seine» Vater nach Berlin geschrieben Halle, angekommen. Dieser telegraphierte an den Generalkonsul, bekam aber lange keine Antwort. Schließlich wurde der Fall in der Preise m Chil-- bekannt gemacht. Der junge Mann Hörle davon, ging wieder zum Vizekonsul und bat ihn, an den Generalkonsul telegraphieren zu dürfen. Dieser setzte ihm das Telegramm auf, v e r w e i g e r t e ihm aber das Geld dazu (Hört! hört!), so daß er sich es zusammenbetteln mußte. Ganz ähnlich war eS dem aiideren Schiffsjungen ergangen. Die beiden Bäter haben beim Staatsanwalt in Bremen Klage geführt gegen den Kapitan und die Mannschaft. ES heißt, dax der Kapitän die bösesten Bruder schon vom Schiff weg- geschickt habe. Aus dem Fall ergibt sich. daß unsere Aizeionsuln einen Fonds zur Berkugung haben müßten, um solche Notleidende im Ausland unterstützen zu können. Besonders schmerz« lich ist für mich die Brutalität der deutschen Matrosen und die Lieblosigkeit der deutschen Konsuln gegenüber dem humanen Verhalten der einfachen Chilenen. Wirkl. Geh. LegationSrot Schmidt- Targitz: Das Resultat der sofort vorgenommenen Untersuchung dieses Falles liegt noch nicht vor. Der Generalkonsul in Valparaiso erhielt im Oktober 1911 einen Brief, worin sich der eine Schiffsjunge über das Verhalten des Kapitäns und der Mannschaft beschwerte. Dem Kapitän wurde scharfe Weisung gegeben, daß er sofolt Bericht geben solle. In- zwischen war der junge Mann über Bord gesprungen, ohne die weitere Entwicklung abzuwarten.(Große Heilerkeit.) Die Ver- folgung des Falles verzögerte sich nachher, weil er, als er in die Wüste entfloh, seine Adresse nicht zurückgelassen hatte.(Stürmisches Gelächter.) Er hatte doch Zeit gefunden, an seine Eltern nach Berlin zu schreiben. Daß der Wahlkonsul ihm nicht gleich alles zu Gefallen tat, lag wohl an der äußeren Situation. Er stand aber hinter der Person, die ihn aufgenommen hat. Daß er ihm zum Telegraphieren kein Geld gab, lag daran. daß der junge Mann nicht bestimmte Anträge gestellt hatte.(Erneutes stürmisches Gelächter.) Wohl keiner von uns, der so von einer großen Zahl von Leuten überlaufen ist, wie unsere Konsuln im Auslande, würde wohl anders gehandelt haben.(Oho! bei den Sozialdemokraten.) Daß unsere Wahlkonsuln mit größeren Mitteln versehen werden, ist natürlich ein sympathischer Gedanke. Es wird nur schwer sein, festzulegen, wie die Konsuln im einzelnen Falle handeln sollen. Abg. Dave(Vp.): Wenn auch nur ein Teil von dem zutrifft, was Herr v. Liebert gesagt hat, so muß dieser Fall ein Gefühl der Empörung und deS maßlos en Erstaunens hervor- rufe». Die Unterlasiungen. die ja zweifellos vorliegen, sollte man auch nicht damit entschuldigen wollen, daß der hilflose junge Mann nicht alle notwendigen Formalien erfüllte.(Sehr wahr! links.) Wa§ hier zutage tritt, ist der b u r e a u k r a t i s ch e Zopf(«ehr richtig! links.) und der fürchterliche Autoritätsglauben, der in jedem, der entlaufen ist, ohne Rücksicht auf seine Motive einen Mensch sieht, dem er seine Hilfe nicht gewähren darf.(Sehr richtig I links.) Es mag sei», daß unsere Konsuln überlausen werden, auch von vielen, die zu Unrecht desertiert sind, auf jeden Fall aber erfordert es die Menschlichkeit, erst einmal die Sache zu untersuchen.(Bravo! links.) . Abg. Molkenbuhr(Soz.): Wenn der junge Mann so wenig Beistand gefunden hat, so lag das daran, daß er den Eindruck eines armen Menschen machte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In einen, Streit zwischen Schiffsleuten und Kapitänen oder Reedern stellen sich unsere Konsuln in der Regel auf die Seite der Kapitäne. Herr v. Liebert meinte, der Schiffsjunge stehe nicht im Vertrags-, sondern im Lehrverhältnis, bedürfe also besonderen Schutzes. Diesen Schutz hat der deutsche Reichstag bei Schaffung der SccmannSordnung den armen Schiffsjungen aber vor- enthalten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das DiSziplinarverhältniS ist auf den Schiffen so geregelt, daß jeder seinen Vorgesetzten ohne weiteres zu gehorchen hat, der Steuermann dem Kapitän, der Matrose dem Steuermann und der Schiffsjunge dem Matrosen. Da die Schiffsjungen Söhne gebildeter Eltern waren, ist es möglich, daß sie die SeemannSordnung und ihre volle Rechtlosigkeit gekannt haben. Wenn»in Konsul hört, daß ein Schiffs- mann desertiert ist, so hat er nach der SeemannSordnung dafür zu sorgen, daß der SchiffSmann gewaltsam wieder zurückgebracht wird,(Hört! hört! bei den Sozial- demokratcn.) DaS kommt sehr oft vor. Wir haben unS bei der SceinannSordnung alle erdenkliche Mühe gegeben, für diese armen Schiffsleute einen gewissen Schutz durchzusetzen, aber die Mehrheit des Reichstages hat das a b g e l c h n t.(Hört! hört! bei den Sozialdemolraten.) Daß solche Mißhandlungen namentlich der armen Schiffsjungen häusig vorkonimen, ist iedem. der an der Wasserkante zu Hause ist, bekannt. Die BlankcneserSchiffer waren seinerzeit berühmt, daß sie die besten Matrosen ausbildeten, aber auch berüchtigt dafür, daß bei ihnen die f ch l i m m st e n Mißhandlungen vorkommen. Ans den Darlegungen deS RegierungSvertrcterS ging die völlige Unbrholfcnheit deS Auswärtigen Amtes solchen Fragen gegenüber hervor.(Sehr wahr! bei den Sozial« demokratcn.) ES heißt, der Kapitän hat die schlimmsten Leute schon weggeschickt. Ob das die Schlimmsten waren, fragt sich noch, wahr- scheinlich lvird er die weggeschickt hoben, die ihn b e l a st c t hätten. Die deutsche Regierung wird sich in Acht nehmen, desertierten Schiffern irgendwelche Hilfe zuteil werden zu lassen, daher tverden sich die Wahlkonsuln eben immer auf den Buchstaben des Gesetzes stützen. Wäre an dem Orte, wo der junge Mann desertierte, ein Konsul gewesen, so hätte er ihn sicher wieder auf das Schiff zurückbringen lassen, die Mißhandlungen hätten sich verdoppelt, der junge Mann wäre vielleicht aus Verzweiflung über Bord gc- gangen, und es hätte dann gebeißen: Ein Schiffsjunge ist über Bord gefallen, der Grund hat nicht aufgeklärt werden können. Es war also ein Glück für die jungen Leute, daß an dem Orte, wo sie desertierten, kein deutscher Konsul vorhanden war. Sie haben einmal am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, Untergebener auf einem solchen Schiffe zu fein. Wenn Sie diese Frage näher prüfen, tverden Sie vielleicht bei der nächsten Revision der SeemannSordnung doch dahin kommen, den armen Schiffsjungen etwas mehr Schutz zu gewähren.(Bravp! bei den Sozial- demolraten.) Abg. Dr. Semler(natl.): DaS größte Glück für die Jungen ist jedenfalls gewesen, daß sie einen energischen Vater gehabt haben. Der Fall zeigt, daß unser KonsulatSwesen sehr reform- bedürftig ist. Rechtlos sind die Jungen Gottseidank in Deutsch- land nicht, und wir wollen das gerichtliche Verfahren gegen den Schiffe» abwarten. Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Beitrag für daö Orientalische Seminar" wird die Resolution der Kommission, die seinen Aus» bau zu einer deutschen AuSlandShochschule verlangt, angenommen. Beim Titel.Förderung deutscher Schulen und Unterrichtszwecke" empfiehlt Abg. Kuckhoff(Z.) die Resolution der Kommission, die eine Denkschrift über die deutschen Schulen im Auslande verlangt. Die Resolution wird angenommen. Der Rest des EtatS wird debattelos bewilligt. Es folgt der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei. Hierzu verlangt eine Resolution A l b r e ch t(Soz.) einen Gesetzentwurf, der für die Reichstagswahlen zum Schutze der Minder« Heiken und zum Zwecke der wirklichen Durchführung des gleichen Wahlrechts die Verhältniswahl und eine diesem Wahlver» fahren entsprechende Gestaltung der Wahlkreise einführt. Eine freisinnige Resolution sowie eine der Wirtschaftlichen Vereinigung wünschen die Einführung von Beamten- und Angestellten- auSschüsien. Abg. Dr. Gradnaucr(Soz.): Wir leben im Jahre der Jubiläumsfeiern, nicht nur das Jubi- läum von 1813 wird gefeiert, sondern auch der LSjährige Gedenktag des Regierungsantritts des Kaisers soll festlich begangen tverden. Man hat sich den Kopf zerbrochen, wie das am besten geschehen könne. E« wäre eine nicht üble Idee, all« 2ö Jahre einmal ein Feierjahr einzulegen, an dem keine Rede» gehalten werden, und keine Bankette stattfinden. Wir sehe», daß in den vergangenen 2ö Jahren das wirtschaftliche Leben deS deutschen Volkes sich voll- ständig umgewandelt hat. Dank der Tüchtigkeit und deS Fleißes der Arbeiter, Kauflente, Ingenieure ist die Industrie und der Handel Deutschlands groß geworden, vor allem hat sich aus der Tiefe der Gesellschaft die Klasse der Arbeiter emporgehoben, die Anteil gewinnen will an den Kulturgütern und Einfluß auf die politische Entwicklung deS Landes. Umso schwerer empfindet man. daß die politischen Zustände dieser gewaltigen wirtschaftlichen und kulturellen Umgestaltung nicht entsprechen. Jnbezug auf die S e l b st- r e g i e r u n g ist das deutsche Volk nicht vorwärts gekoinmen, während in anderen Staaten, z. B. in England, der politische Zustand sich den wirtschaftlichen Verhältnisien angepaßt hat. In Deutsch- land ist der Zustand des halben Absolutismus und des Bureaukratismus erhalten geblieben; die konservative Partei, die bei den Wahlen kaum ein Zwölftel der Stimmen erhalten hat, herrscht in Preußen und in Deutschland. Dann braucht der Reichskanzler sich nicht zu wundern, daß in weiten Volkskreisen keine besondere Jubiläums- stimmung vorhanden ist. Das deutsche Volk soll in diesem Jahre persönliche und finanzielle Opfer bringen, aber vergebens fragt man nach der Jubiläumsgabe unserer Herrschenden. (Sehr wahr!(ui den Sozialdemolraten.) Von einem fruchtbaren Vorwärtsschreiten kann man in der Aera Bethmann Hollwcg nicht sprechen, er ist ein Kanzler deS Status quo, des Stillstandes.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) An längst überlebten Einrichtungen soll festgehalten werden. Beider Militärvorlage berief sich der Reichskanzler auf den angeblichen Willen des Volkes. Wo es sich um wirkliche Wünsche deS Volkes handelt, spricht er nur von den roten Stimmzettelhaufen, da widerstrebt ihm die Demokratie im höchsten Maße. Im Januar des vorigen JahreS hat eine ungeheure Mehrheit des Volkes eindringlich den Willen bekundet, es sollte mit der gegenwärtigen Politik ein Ende haben. Aber der Reichskanzler hängt ja nicht vom Volke ab und glaubt diesem Rufe des Volkes nicht Folge leisten zu brauchen, er ist nicht ein Kanzler für die Entwickelung, sondern gegen die Eni- Wickelung,(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Freilich ist nicht er allein schuldig, sondern vor allem die Par- teicn dieses Hauses, und nicht bloß die ehemalige schwarzblaue Mehr- heit, sondern in erster Linie die N a t i o n a l l i b e r a I c n, die nicht den Kanzler entschieden genug vortvärtS drängen. Auf ihrem Parteitag sprach Herr Bassermann am ersten Tage, es seien Garantien für die freiheitliche Entwickelung deS deutschen Volles notwendig. Dann trat aber am zweiten Tag Herr Friedberg mit semen altnationalliberalen Freunden auf, wetterte gegen daS allgemeine gleiche Wahlrecht und trat ein für den sogenannten A r b e i t s w i I l i g e n s ch n tz. Bei den National- liberalen ist, wie sich hier wieder zeigte, eS unmöglich, eine bc- stimmte Farbe festzustellen, sie bilden ein groteskes Gemisch aus den Farben des Hansabundes und denen des Bundes der Landwirte.(Heiterkeit und Sehr gut I bei den Sozialdemolraten.) Der Reichskanzler hält an dem Pro- gramm der Sammlung aller bürgerlichen Parteien nicht fest, sondern hofft immer noch mit dem Dreibund ans Konservativen, Zentrum und Nationallibcralen eine Politik zu machen, durch welche jeder wirklich liberale und demokratische Fortschritt unmöglich wird. Auch bei den Steuer- vorlagen wünscht er daS, und wir werden abwarten, ob die National- liberalen die Anfänge einer gerechten Steuerpolitik dem deutschen Volke versperren. Ich frage nun den Reichskanzler nach der jetzigen Stellung der Reichsregierung zum O r d e n I e s u. Es scheint etwas vorzugchen, man sagt, es würde ein Handel geschlossen zwischen dem Reichskanzler und Herrn Spahn nach der Formel: Soldaten gegen Jesuiten! DaS Zentrum soll Tausende von Offizieren bewilligen, und die Regierung dafür Tausend�« von Jesuiten.(Leb- hafleS Hu! hu! tm Zentrum.) Wir Sozialdemokraten find für die Aufhebung des JesuitengesctzeS, wir wollen eS ober nicht mit 136 000 Soldaten und einer Milliarde neuer Steuern bezahlen,«vir wünschen auch auf diesem Gebiet eine klare Politik und keine Ge- schäflemacherei.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ein solches Handelsgeschäft würde den Tiefstand unserer Politik beweisen. (Sehr tvahr! bei den Sozialdemokraten.) Einige kleine Ver- besserungen, die durch den Reichstag erreicht sind, erkennen wir gerne an, aber alle sind der Regierung erst in langem, zähem Kampfe abgerungen worden. Auch bei dem neuen Zugeständnis der Wahlurnen ist da» der Fall. Wir hätten wirklich einheitliche und gleichartige Urne» aus Reichsmittcln gewünscht, bei der vorgelegten Bestimmung befürchten wir noch mancherlei Schwierigleiten bei den Wahlen. Auch dieser kleine Fort- schritt ist den Sozialdemokraten zu verdanken; sie erinnern sich ja an die beschämende Abhängigkeit de- Staatssekretärs des Innen: von dem preußischen Polizeiminister, die hier auf- gedeckt wurde. Ohne das hätte Herr v. Dallwitz seinen konservativen Freunden die kleine Unannehmlichkeit dieses Zugeständnisses nicht bereitet. Herr Delbrück sollte un» eigentlich dankbar sein, daß wir ihm zu diesem Sieg über die preußischen Konservativen ver- Holsen haben(Lachen recvtS). Sie sehen, wie gerade wir Sozial- demolraten posiiive Arbeit verrichten. Aber bei diesen kleinen Fortschritten kann von einer Abkehr von dem konservativen Kurö gar keine Rede sein. Noch immer haben wir nickt die Herabsetzung der Altersgrenze für die Gewährung der Altersrente von 70 auf 65 Jahre erreichen können. Wie dringend nötig wäre eine Erhöhung oer Witwen- und W a i s e n b c z ü g e, die heute nur ein klägliches Almosen sind. Wie nötig iväre weiter ein erhöhter Wöchnerin» c»schütz, eine großzügige Säuglingösürsorge, eine A u§ g c- stall nn g der Tuberkulosefürsorge, eine ReichS- wohnungSgesetzgebung im großen Etil. Aber in all diesen Fragen heißt eS: Es ist kein Geld da. Die Regierung verlangt jetzt eine Militärmilliarde. Wie wäre es, wenn man auch einmal eine Kulturmilliarde aufbringen wollte.(Sehr gut! bei den Sozialdeniokraten.) Man brauchte nur statt Vj Proz. 1 Proz. zu erheben. Wie steht es weiter mit den Rechten der Arbeiter? DaS Koalitionsrecht wird nicht gesichert, sondern es erfährt fort- dauernde Mißhandlungen. Der Gedanke der Arbeitslosenunterstützung kommt nicht vorwärts. Bei den sozialpolitischen Debatten be- beuleten die Ausführungen deS Herrn Delbrück nichts andere», als daß Schluß mit der Sozialpolitik gemacht werden soll. Das Vereins- und Versammlungsrecht wird fortdauernd beschränkt von Polizeibehörden. Reichs- und Staatsbeamte und Angestellte werden ihres VereinigungS- rech tS'beraubt, die Jugendvereinc, Turn- und Sport» vereine der Arbeiter werden unter die politischen Paragraphen des AcreiuSgesetzeS gezwängt. Das Verhallen der Polizeibehörden in Braunschweig gegenüber unserem französischen Genossen Com- pere Morel ist geradezu eine Schande.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.— Vizepräsident P a a s ch e ruft den Redner zur Ordnung.— Bravo! rechts.) Die Tatsachen werden für sich selbst sprechen. Die Behörde in Braunschweig hat die Ausweisung in der denkbar schroffsten Form vollzogen. Man hat Compöre Morel nicht einmal die Möglichkeit geben wollen, auf dem Bahnhof irgendeine Speise zu sich zu nehmen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man hat ihn i m W a r t e s a a l f e st g ehalten, er durste nicht den Zug wählen, den er wünschte, ihm wurde nicht gcstatlet, die Parteifreunde in Braunschweig zu benachrichtigen, auch seinem Begleiter, einem deutschen ReichSangehörigen, hat man nicht erlaubt, an das Telephon zu gehen, um Mitteilungen über die Maßnahmen der Polizei zu machen, er wurde mit A erHaftung. bedroht, wenn er nicht sofort mir Eompere-Morel mit dem nächsten Personenzuge abfahren würde. (Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Mit welchem Recht laim die Bramischtveiger Polizei einem deutschen ReichSangehörigen der- artiges vorschreiben I Das beweist, wie schlimm eS mit den freiheitlichen Garantien, von denen Herr Bassermann sprach, bei uns in Deutschland noch bestellt ist. Herr v. Dallwitz hat über diesen Fall im Abgeordnetenhause eine jener Reden gehalten, die scharfmache rieben sein sollen, aber von dem größten Teil der deutschen Bevölkerung nur mit einer gewissen Heiter- keit aufgenommen werden können. Er hat den S'/z Millionen sozialdemokratischer Wähler einfach das nalionale Empfinden ab- gesprochen. Sein nationales Empfinden hat er dadurch zum Aus- druck gebracht, daß er neun Zehntel der preußischen Na tion in völliger Entrechtung erhalten will. «Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen hat er die Tat- 'achen vollständig verschoben, wenn er davon sprach, es hätte ein Ausländer gegen die deutschen Rüstungsvorlagen sprechen wollen. An sich wäre das auch noch kein Grund gewesen, mit so kleinlichen Maß- »ahmen gegen einen einzelnen vorzugehen. Man spricht ja immer von der ungeheuerlichen Begeisterung des deutschen Volkes für die Rüstungsvorlagen. Wie kann man da die Meinungsäußerung eines einzelnen Ausländers so tragisch nehmen? Aber die Herren glauben eben selbst nicht an die große Begeisterung im Volke für die Militärvorlage.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen enthielt die Rede Eoinpsre-Morels lediglich eine D a r- stellung der französischen Verhält nistie und einen Protest gegrn den französischen Chauvinismus. Cr wollte den deutschen Arbeitern zeigen, daß es in Frankreich nicht nur solche Chauvinisten gibt, wie sie sich etwa in Nancy gezeigt haben, er ivollte für den Frieden zwischen Deutschland und Frankreich wirken. Unseren Freund I a u r ö s hat man ja hier in Berlin sprechen lassen, nicht in französischer Sprache, sondern damit cS die "eute besser verstehen konnten, in deutscher Sprache(Heiterkeit). Umsomehr kann uns diese kleinliche Polizeimaßnahme gegenüber Compore-Morel nur vor dem Inland und Ausland mit S p/i t t bedecken(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten). Es lväre mir lieb, wenn der Reichskanzler über diesen Fall seine Auffassung sagen ivürde. Allerdings hat Herr v. Dallwitz bereits dem Minister Präsidenten von Preußen vorgegriffen, und so wird es für den Reicht kanzler nicht ganz leicht sein, eine etwa von dem Polizeiminister abweichende Nuance zum Ausdruck zu bringen. Einige Bemerkungen über die Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers. Wie von uns vorausgesagt, haben die Maßnahmen der Regierung �ur Verbesserung der Lebensmittelteuerung keine wesentlichen Er lcichterungen gebracht, die Teuerung hält nach wie vor a n.(Unruhe rechts.) Nicht wir entwerfen Zerrbilder über die Lage der Arbeiter, sondern diejenigen, die immer von der ge füllten Kompottschüssel der Arbeiter sprechen.(Sehr gut! b. d. Soz.) Gewiß haben sich die Löhne der deutschen Arbeiter in den letzten Jahrzehnten gehoben. Das ist von den Arbeitern durch ihren eigenen Kampf gegen die Unternehmer durchgesetzt worden. Aber die Berichte der Gewerbeinspektoren beweisen, daß trotzdem die Lebenslage der Arbeiterschaft sich nicht zu heben vermochte, weil alle Lohnverbesserungen wett gemacht worden sind durch die Verteuerung der Lebenshaltung. Amerika, du hast es besser, kann man heute sagen. Dort herrscht das Prinzip der Volks souveränität, das dem Reichskanzler ein solcher Greuel ist, und auf Grund dieser Volkssouveränität ist jetzt nach der letzten Präsidentenwahl ein starker Umschwung der Schutzzollpolitik zu verzeichnen, vor allem sollen die Lebensmittel verbilligt werden. Um den Ausfall dieser Zölle zu decken, ist eine Steuer auf die hohen Einkommen von 1b 000 Mark an gelegt, die bis 4 Prozent bei dem Einkommen von 100 000 Mark geht. Bei uns warnt der Reichskanzler davor, die Besitzsteuern zur Grundlage der deutschen Reichsfinanzen zu machen. Dabei hat eS sich doch bei all unseren Anträgen nur darum gehandelt, einen ganz kleinen Anfang der Besitzbesteuerung im Reich zur Einführung zu bringen. An eine Beseitigung der gehäßigsten, kleinlichsten indirekten Steuern, wie der Streichholz st euer, der Salz st euer, der Fahrkarten- st e u e r, ist unter diesen Umständen nicht zu denken. Welches sind die Gründe, die den Stillstand der Reichspolitik bewirken? Das Problem der Probleme ist die vollständige Abhängigkeit des Reichs von Preußen und den preußischen Junkern. Die Reichsregierung ist nichts als eine F i l iji l e der preußischen Regierung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Herr D e>l b r ü ck meinte im Januar, preußische Politik und ReichSpolitik könnten nur nach einheitlichen Gesichtspunkten geleitet werden. Gewiß, aber dann muß ckuch das Wahlrecht im Reich und in Preußen dasselbe sein.(Sehr gut I bei den Sozialdemo- traten.> Dank dem Klassenwahlshstem in Preußen geht eS im Reich nicht vorwärts. Preußen erweist sich überall als der Hemm- ichuh des Reichs.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb ist die wichtigste Aufgabe der Gegenwart die Reform des preußischen Wahlrechts. HDrr v. Dallwitz hat ja gestern unter dem Freudengeschrei seiner Freunde einen Lobgesang auf das preußische Wahlrecht gesungen. Ich will hier nicht neue Materialien herbeitragen, um die maßlose Ungerechtigkeit dieses Wahlrechts zu beweisen. Herr v. Dallwiy meinte, das Reichs- tagswahlrecht und das preußische Wahlrecht seien ja 40 Jahre lang friedlich nebeneinander hergelaufen. Er scheint gar nicht gemerkt zu haben, daß seit einer Reihe von Jahren die Frage der preußischen Wahlrechtsrcform im Mittelpunkt aller politischen Kämpfe steht. Dann hat er gesagt, das abgestufte Wahlrecht entspreche durchaus der wirtschaftlichen und kulturellen Gliederung der Bevölkerung. Es entspricht also wohl auch der kulturellen Bedeutung der Kollegen des Herrn v. Dallwitz, daß sie in der dritten W ä h l e r k l a s s e wählen.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) In einem Bezirk, wo ein einziger Mann in der ersten Wählerklasse ist, wählt der Kultusminister von Preußen in der dritten Klasse, in einem anderen Bezirk wählen in der dritten Klasse die Herreil v. Breitenbach, v. Schorl emer, v. Sydow und die Staatssekretäre K r a e t k e und Kühn. Zwei Wähler 1. Klasse eines anderen Bezirks müssen kulturell ganz besonders hoch stehen, denn in der 3. Klasse desselben Bezirks wählen die Herren B e s e l e r, Delbrück und der Reichskanzler(Hört! hört! und Große Heiterkeit). Das belvcist, wie eS um den angeblichen Kulturcharaktcr dieses Wahlrechts steht. Das Versprechen der Thronrede von 1003 ist unerfüllt ge- blieben. Der Reichskanzler könnte dem deutschen Volke keine bessere I u b i I ä u m S g a b e als eine Reform des preußischen Wahlrechts bescheren(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten). Solange das nicht geschieht, mutz das preußische Volk durch eigenen Kampf dieses Ziel zu erreichen suchen. Bei den bevorstehenden Wahlen in Preußen wird c- machtvollen Protest gegen seine schmähliche Entrechtung in Preußen einlegen.. Im Nachbarstaat Belgien kämpft das Volk jetzt einen heldenmütigen Kämpf für ein besseres Wahlrecht durch einen heroischen Generalstreik. Früher oder später wird dasselbe auch bei uns in Preußen der Fall sei».(Hört! hört! rechts.) Glauben Sie nicht, daß auf die Dauer diese maßlose Entrechtung aufrecht erhalten werden kann. Die Zeit wird nicht fern sein, wo es gelingen muß, in dies Wahl- Idstein Bresche zu schlagen, wenn nicht im guten von oben, wenn nicht durch die Vernunft der Regierenden, dann wird der Druck von unten sie dazu zwingen.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Aber auch das Reich ist noch weit entfernt von einer modernen Volksvertretung. Die Regierung scheint geradezu planmäßig bestrebt. den Reichstag möglichst herunterzusetzen. Auf dem deutschen Handelstage hat der Reichskanzler von seineu nahen Beziehungen zum Reichstage gesprochen. Wir haben davon wenig bemerkt. Nur in der letzten Zeit, wo cS sich darum handelt, den Reichstag als B e>v i l l i g u n g s- Maschine für Militär- und Steuervorlagen zu ge- brauchen, ist er im Reichstag erschienen, vorher sind Monate der- gangen, ohne daß wir.den höchsten verantwortlichen Beamte» bei uns gesehen haben. Auch bei Initiativanträgen im Hanse sind die Regicrungsbänke ständig leer. In dasselbe Kapitel gehört der viel beklagte Zustand der zu späten Einberufung des Reichs. tageS. Wir verlangen, daß der Reichstag statt Ende November, einige Wochen früher einberufen wird. Der Einfluß des Reichstages muß wesentlich erhöht werden. Ich will auf all' diese Probleme des parlamentarischen Regimes nicht wieder die eingeheir und nur betonen, daß die jüngste Zeit Notwendigkeit eines Ministerverantwortlichkeitsgesetzes bewiesen hat. Im November 1908 hat Fürst Bülow dem Reichstag und dem deutschen Volk die feierliche Zusage aus dem Potsdamer Schloß gebracht, daß der Deutsche Kaiser in seinem Eingreifen in die politischen Fragen möglichste Zurückhaltung beweisen wolle. Daß diese Zusage nicht gehalten ist, wissen wir alle. Schon im August 1910 haben wir die sogenannte Gottesgnaden rede in Königsberg erlebt, in diesem Jahre eine ganze Reihe von Reden des Kaisers, die mit vielen selt- samen Aeußerungen in politische Angelegenheiten eingegriffen haben. Da ist z. B. die Rede bei der Enthüllung des Coligny-Denk- mals, von der die Zentrumspresse schrieb, daß sie vollständig niit den geschichtlichen Tatsachen in Widerspruch stände.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dann kamen zuletzt die vielen Jubiläumsreden und schließlich die bekannte Rede über' den Petkuser Roggen und über den hinaus- geschmissenen Pächter, die in den weitesten Kreisen Kopf- schütteln erregt hat. Die Aeußerung des Deutschen Kaisers über den Pächter Sohst haben ja eine gewisse Erledigung gefunden.(Vize- Präsident Dove: Diese Dinge haben wohl doch kein öffent« l i ch e S Interesse. Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ich will nur insoweit auf die Vorgänge eingehen, als sie den besonders drastischen Beweis liefern, wie schwierig es bei dem heutigen Regierungsshstem ist, daß�der Deutsche Kaiser vollständig zutreffende Informationen erhält.(Sehr wahr! b. d.«ozialdemokr.) Das erlaubt bedeutsame Rückschlüsse aus die gesamte Art der Be- tätigung des Deutschen Kaisers. Mir scheint der Fall geradezu typisch und deswegen lehrreich zusein. Der Geh. OberregierungSrat V. Etzdorf wird als derjenige bezeichnet, der jene falschen Informationen dem Deutschen Kaiser gegeben hat. Es besteht wohl ein starkes Interesse der deutschen Oeffentlichkeit, zu erfahren, was nun eigentlich mit einem Manne wird, der so unangenehme Wirkungen hervorgebracht hat. Ich habe sehr lebhafte Bedenken zu äußern gegen die Jnfor- mationen, die gerade dieser Herr dem Deutschen Kaiser zuteil werden läßt. Ich glaube, daß darauf auch die Erklärungen zurückzuführen sind, die vorgestern in der.Norddeutschen Allgemeinen" erschienen über die Schenkung des Gutes C a d i n e n an den Kaiser. Diese hochoffiziösen Mitteilungen beruhen wiederum auf einer gröblichen Irreführung der öffent- lichen Meinung.(Lebhaftes Hört I hört! bei den Sozial- demokraten.) In verschiedenen Blättern sind Mitteilungen gemacht worden, daß bei der Uebernohme von Cadinen durch den Kaiser Verwandte des früheren Besitzers eine schlechte Behandlung erfahren haben, daß ihre berechtigten Ansprüche zurückgewiesen wurden. Nun erklärt die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung", es habe überhaupt keine Schenkung staitgefunde», Cadinen sei durch einen Vertrag mit Leistung und Gegenleistung an den Kaiser übergegangen.(Sehr richtig! rechts.) Diese Behauptung der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ist falsch. In einem Handschreiben, das der König von Preußen seinerzeit an den Vorbefitzer deS Gute- von Cadinen sandte, hieß es: .Durch die hochherzige Betätigung Ihrer treuen Patriot schen Gesinnung tief gerührt, erkläre ich mich zur Annahme Ihres Anerbietens freudig bereit. Indem ich mir alle weiteren Maß- nahmen dieserhalb vorbehalte, drängt es mich, Ihnen schon jetzt meinen königlichen Dank von Herzen auszusprechen und die bereitwillige Erfüllung Ihrer geäußerten Wünsche zuzusichern. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn es sich um einen gewöhnlichen geschäftlichen Vertrag handelte, wäre ein solcher Brief wohl nicht geschrieben worden. Ohne Zweifel ist mindestens eine Million als Geschenl gegeben worden.(Vizepräsident Dove: Ich bitte auf die Schenkung nicht einzugehen; eS ist gute parlamentarische Sitte, nicht aus Dinge einzugehen, die nicht politischer Natur sind.) Der Pächter Sohst ist ja in der glücklichen Lage gewesen, daß das an ihm verübte Ilw recht sich herausstellte, und cr ist mit Geld abgefunden worden und hat einen Orden als Pflaster bekommen. Wollte man all den Leuten, denen vom Kaiser Unrecht geschieht, einen Orden gewähren, so würde die Zahl der Orden nicht ausreichen; allerdings haben dw meisten Staatsbürger, die durcki den Kaiser verletzt werden, an einem Orden auch gar kein Interesse.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo kraten.) ' In einer Rede im Landwehroffizierskasinv hat der Kaiser heftige Angriffe gegen die Sozialdemokratie gerichtet, indem cr die Offiziere zum Kampf gegen die finsteren Mächte des Un alaubens und der Vaterlandslosigkeit aufrief. Solche Aeußerungen wären nicht möglich, wenn er nicht andauernd einseitig und unwahr informiert würde. Es gibt nicht nur einen Etzdorf, es gibt sehr viele Etzdorf.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Uns Sozialdemokraten können solche Angriffe ja sehr kühl lassen, wir haben mit den Wirlungen solcher Reden recht gute Erfahrungen ge- macht. Etwas andere- aber ist es, ob der Reichskanzler solche An- griffe auf große Schichten des deutschen Volles für gut und wünschenswert hält. Vizepräsident Dove: Sie haben keinen Beweis dafür, daß große Schichten des deutschen Volkes, besonders Ihre Partei, mit den Mächten des Unglaubens und der Vaterlands- lofigkeit gemeint find.(Schallende Heiterkeit.) Abg. Dr. Gradnauer(fortfahrend): Wer denn? Die Aeußerungen des Deutschen Kaisers gegen die Sozialdemokratie sind um. so merkwürdiger, als der Kaiser wieder- holt Gelegenheit genommen hat, mit Sozialdemokraten in ~erkehr z u treten. Auf seinen eigenen Wunsch hatte er eine Unterredung mit dem britischen Arbeiterführer MacDonald, und die schweizerische Armeeverwallung stellte ihm bei den ichweizerische» Manövern einen Offizier zur Informierung zur Verfügung, der ein„schrecklicher" Sozialdemokrat ist und in sozialdemokratischen Zeitungen militärische Artikel schreibt, also auch einer von den finsteren Mächten des Unglaubens. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich hoffe, dah� von dieser Finsternis nichts a b g e f ä r b.t hat. Vizepräsident Dove: Diese Tatsachen bestätigen, was ich Ihnen entgegengehalten habe.(Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Gradnauer: Der letzte Grund dafür, daß wir in Deutschland mit Ihrer Politik nicht vorwärts kommen, liegt darin, daß auch dieser Deutsche Reichstag lein richtiges Spiegelbild des Volks willens ist. Die Herren vom Zentrum sitzen zum großen Teil hier nur zufolge des ungerechten Wahlverfahrens.(Lebhaftes sehr richtig! links.) Hätten wir nicht das Majoritätssystem und die üble Wahlkreiseinteilung, würden die Herren nicht hiee sitzen. Wir haben eine Resolution auf Aenderung des Wahlverfahrens in Richtung des B e r h ä l t n i S s y st em s und 'iir eine neue Wahlkreiseinteilung eingebracht. Auch hier hängt es von den Nationalliberalen ab, ob wir vor- wärts kommen. Die liberalen Parteien können eine viel größere Macht im Deutschen Reiche bekommen, wenn sie mit Entschiedenheit iir ein besseres Wahliyfiem eintreten würden.>--ie würden dann die Reaktion in die hoffnungslose Minderheit bringen, und wenn sie dann wirklich liberale Politik treiben wollten, würde eS an uns nicht fehlen.(Aha! rechts.) Das VerhällniS- Wahlsystem hat bereits durch eine ganze Reihe von Ländern einen Siegeszug angetreten. Ich bitte also um Zustimmung zu unserer Resolution. Wir Sozialdemokraten sind bemüht, das wirt- schaftlich« und sozialpolitische Leben vorwärts zu treiben. Wir wollen am Ausbau aller unserer inneren Verhältnisse anregend und vorwärtstreibend wirken, die Unfruchtbarkeit der gegenwärtigen Politik wollen wir mit fortwährenden Anregungen beantworten. Unsere Hoffnungen auf die gegenwärtige Regierung sind sehr gering, unsere Hoffnung beruht vielmehr auf der großen sozialdemokratischen Volksbewegung.(Lebhaftes wehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Hinblick auf diese große Kulturbewegung sind wir der Wahrheit des Dichterwortes gewiß: Da-- Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen!(Lebhafter anhaltendender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hvllweg: Ich will mich darauf beschränken, auf einige Fragen, die der Herr Vorredner gestellt hat, zu antworten. Er hat sich bei mir nach dem gegenwärtigen Stand der I e s u i t e n f r ag e erkundigt, seit ich im November v. I. über die Jesuitenfrage hier gesprochen habe, ist das Novum ein- getreten, daß der Reichstag einen Antrag auf Aufhebung des Jesuitcngesetzes angenommen hat. Dieser Antrag liegt dem Bundesrat vor, der noch keinen Beschluß darüber gefaßt hat. Vor der Annahme des Antrags im Reichstage ist die Frage über das Verhältnis des Reichsrechtes zum Landes- recht aufgeworfen worden. Um dieses Verhältnis aufzuklären. hat der Herr Staatssekretär de» Innern, wie er mir mitgeteilt hat, eine Rückfrage bei den Regierungen der Einzelstaaten gehalten. Lediglich darauf bezieht sich diese Rundfrage. Von einem Kuh» Handel, den der Vorredner an die Wand gemalt hat, ist mir nichts bekannt. Weiter hat mich der Herr Vorredner gefragt, wie es mit den Vorgängen in Braun schweig bezüglich des französischen Sozialisten Emnperc-Morel stünde. Die Einzelheiten der Vorgänge in Braunschweig sind mir uubekannt, und wie mir der Herr braunschweigische Bundesratsbevollmächtigte mitteilte. hat auch er noch keine Kenntnis davon.(Lautes Gelächter.) Man wird also noch gegenüber der Darstellung des Herrn Vorredners abwarten müssen, wie sich die andere Seite dazu äußert. Sach- lich ist mein Standpunkt folgender: Wenn die Herren Sozialdemo- kraten glauben, gegen die von uns eingebrachte Wehrvorlage prote- stieren zu müssen und Versammlungen dagegen abhalten, wenn sie die Beranttvortung tragen zu können glauben, Deutschlano dir» jenige Verstärkung seiner Rüstungen vorzuenthalten, welche zur Sicherung unserer Zukunft nötig ist, dann möge» sie eS unter sich abmachen.(Lebhafte Zustimmung rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Wenn sie sich aber dazu fremde Hilfe holen, dann können Sie sich nicht wundern, wenn wir ein Veto dagegen erheben.(Erneute Zustimmung rechts.) Nun hat der Herr Vorredner gesagt, daß Herr Compere-Morel gar nicht gegen unsere Vorlage hatte sprechen wollen, sondern lediglich gegen den französischen Chauvinis mu S. Das wäre ja an sich ein sehr verdienstvolles Werk.(Heiterkeit.) Das gebe ich zu. Aber seine Anwesenheit in einer deutschen Versammlung sollte doch dazu dienen, Ihrer Agitation gegen die Wehrvorlage zu nützen.(Sehr richtig! rechts, im Zentrum und bei den National- liberalen.) Was wir zur Verstärkung unserer Armee tun wollen, darüber kann nur von Deutschen beschlossen werden, und zwar von Deutschen ganz allein.(Beifall rechts.) Wir brauchen kein Mitreden von fremden Herren, mögen sie noch so kom- Petent sein, um ihre Anficht zu äußern oder mögen sie es nicht fein. Dann ist der Vorredner auf den Fall Sohst zurück» gekommen. Ich glaube doch wirklich der Ansicht der großen Mehr. heit des Reichstages in jenem Fall den richtigen Ausdruck zu geben, wenn ich sage, daß der Fall Sohst von S. M. dem Kaiser in einer Weise erledigt worden ist, daß er für uns alle erledigt sein kann.(Lebhafter Beifall rechts.) Ich gehe also darüber hinweg. Ter Vorredner hat ferner behauptet, die Notiz der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über den Vertrag zwisckicn dem Kaiser und dem dcknialigen Besitzer von Co- dinen sei falsch; es handle sich um eine Schenkung. Er hat einen Brief des Kaisers an den früheren Besitzer von Cadincn verlesen. Jch lcnnc den Brief nicht; er wird ja Wohl stimmen, wenn der Vorredner glaubt, ihn öffentlich mitteilen zn können. Ich möchte nur angeben, daß im Kaiserlichen Archiv ein Kaufvertrag vom IS. Dezember 1898 liegt, worin nach ij i gesagt wird: Der Kaiser übernimmt käuflich von Herrn Birkner die und oic Besitzungen. K 2: Der Erwerber übernimmt die sämtlichen Hypotheken"und Grundschulden(Hört! hört!), und§ 5: Der Käufer zahlt eine einmalige Barsumme von 50 000 M. und außer» de meine jährliche Rente.(Hört- hört!) Ick halte also die Mit- teilung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"— ich persönlich habe sie nicht verfaßt, ich weiß aiah nicht, von welchem Ressort sie ausgegangen ist— ich halte diese Behauptung also aufrecht. Im Zusammenhang damit ist der Vorredner ans A e u ß e» rungendeS Kaisers eingegangen und hat sich darüber beklagt, daß der Kaiser in einer Tischrede, die er vor den Landwehrosfizieren von Berlin, ich glalibc am 10. März, gehalten hat, ausgerufen hat zum Kampf gegen die finsteren Mächte des Unglaubens- und d« Vaterlandslosigkeit. Wollen Sie etwa bestreiten, daß solche Mächte bei uns wirken und an der Arbeit sind? Müssen wir nicht tagtäglich in der sozialdemokratischen Presse V e r- höhnungcn des Gottesglaubens lesen.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.— Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.— Rufe bei den Sozialdemokraten: B<»-> weise!) Ich habe keine Pressenotizen hier. Ich könnte sie Ihnen aber zu Dutzenden bringen. Ich habe vor kurzer Zeit ans der „Leipziger Volkszeitung" einen Artikel bekommen, in dem Ein- richtungen des �christlichen Glaubens in einer Weise dargelegt sind. daß ich den Staatssekretär des RcichsjustizamteS gebeten habe, zu prüfen, ov nicht die VoraüS- setzungcn der strafrechtlichen Verfolgung gege» den sind. Aber auch ohne Preßnotizen werde» Sie mir, wenn Sie ehrlich sein wollen, zugeben müssen, daß Sic, trotz aller To» leranz, die Sie predigen— ich spreche nicht von den Herren hier im Hause, sondern von denen da draußen im Lande— unauSge- setzt den Gottesglauben anderer Leute angreifen.(Lebhaste Zu» stimmung rechts und ini Zentrum. Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) Ter ganze Reichstag ist da, glaube ich, auf meiner Seite, i Erneute Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien.) Und ebenso wird immer gegen die V a t e r l a n ds l i c b c in dem Sinne. wie sie die große Mehrheit- des deutschen Volkes versteht, von Ihnen unausgesetzt gelärmt und gespottet. Erinnern Sie sich daran, daß S. M. der Kaiser etwa 8 Tage nach den berühmten Debatten in der Berliner Stadtverordnetenversammlung über die Hundert- jahrfcicr gesprochen hat. Erinnern Sie sich an die Aeußerungen der sozialdemokratischen Redner, erinnern Sie sich an die A n t- warten der Freisinnigen.(Zuruf bei den Sozialdemo- kraten: Cassel!— Lachen bet den Sozialdemokraten.) Und wundern Sic sich da, meine Herren, daß demgegenüber der Kaiser an die sittlichen Kräfte, an den Gottesglauben, an die Gotteszu- verficht erinnert, die die Grundlagen gewesen sind für die Wiedergeburt unseres Volkes vor 100 Jahren. Lebhafte Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien.) Der Kaiser hat damit dem preußischen Volke und dem deutschen Volke aus der Seele gesprochen. und das lassen wir uns nicht durch Ihre Angriffe verkümmern. (Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Abg. Liesching(Vp.): Eine Freude an der ReichSregiernng, so daß wir ihr in allem zustimmen könnten, hat auch meine Partei nicht. Durch die Ausweisung des Herrn Compere-Morel aus Magdeburg und Braunschweig wird solchen Versammlungen, wte den dort geplanten, eine zu große Bedeutung beigelegt; das deutsche Reick würde sicher nicht Schaden leiden, wem, solche kleinliche Maßnahmen unterblieben.«Sehr richtig! bei der Volks- Partei.) Die Kritik an öffentlichen Reden des Kaisers werden wir uns nicht nehmen lassen, und wir bedauern, wenn wir Wahrnehmungen machen, daß er falsch unterrichtet ist, wie im Falle Sohst. Aber ob er das Gut Cadinen geschenkt bekommen oder ge- kauft hat. ist für die Oeffentlichielt gaiiz gleichgültig.(Zustimmung bei der Volkspartci.) Für die Resolution A l b r c ch t werden wft stimmen— haben wir früher doch schon ganz dasselbe verlangt, Verhältniswahl und gerechte Einteilung der Wahlkreise.— Wir wünschen, daß geheime L i st e n über die Beamten endlich be- seitigt werden. Nirgends, wo man sie beseitigt hat, haben sich schlechte Folgen für die Disziplin ergeben. Weiter wünschen wir, daß überhaupt das Disziplinarverfahren gegen Beamte mit Rechts-' garanticn umgeben wird.— Zum Schluß tritt der Redner für die freisinnige Resolution auf Einführung von Angestellten- und Bc- amtenausschüssen ein. Abg. Morawsti(Pole): Wegen der Enteignungspolitik in Preußen hat der Reichskanzler ein A! i ß t r a u e n s v o t u m des Reichstags erhalten. Durch einen Mangel der vSeschäftsordnung hat der Reichskanzler davon keine offizielle Kenntnis erhalten, aber erfahren wird er es schon haben. Es bedeutet eine Mißachtung des Reichstags, daß trotzdem in dieser EnteignungS- volitik munter fortgefahren wird.— lieber die Mißachtung des Vcreinsgcsctzes werden wir eine besondere Erörterung herbeiführen. Die ganze Politik der Regierung gegenüber den Polen, vor allein� der sataatssozialismus der Enteignungspolitik, kommt nur der Sozialdcktiokratie zugute. Die Regierung will nur uns enteignen, die Sozialdemokratie will alle enteignen. Der Geist ist derselbe.(Bravol bei den Polen.) Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.) tritt für einen Antrag auf Bil- dung von Beamtenausschüssen in den Reichsbetriebcn ein.— Der sozialdemokratische Antrag über die Verhältniswahl müßte, wenn er ernst gemeint hätte, nähere Vorschläge enthalten. Es genügt, festzustellen, daß die Sozialdemokraten die ersten sind, an dem jetzigen ReichStagswahlrecht zu rütteln.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Staatssekretär Dr. Delbrück betont die Schwierigkeiten einer Neuregelung des Disziplinarrechts der Beamten. Eine Vorlage werde dem Reichstag wahrscheinlich im nächsten Winter zugehen. Ein V e r ta gu ng s antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Abg. Hüttmann(Soz.): Die Wahlen von 1912 haben unzweideutig bewiesen, wie das Volk über die Politik des Reichskanzlers denkt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Den Arbeitern werden in ihre», Kampf um beffere Lebensbedingungen nach wie vor die größten 'Schwierigkeiten gemacht. Das Vereins- und Versammlungsrecht wird von den unteren Organen ganz im Gagensatz zu den Absichten des Reichstags ausgelegt. Daß gegenüber Ausschreitungen bei Streiks die heutigen Strafbestimmungen mehr als ausreichen, bc- weisen die Erfahrungen im R u h r r e v i c r, wo 39 Jahre Gesang- nisstrafen und 19 345 M. Geldstrafen insgesamt verhängt worden sind.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Von 1296 Anklagen mußten 396 Freisprechungen erfolgen.(Hört! hört! bei bei, Sozialdemokraten.)— Redner begründet des weiteren den Antrag auf Einführung des Verhältnis Wahlrecht? bei den Reichstagswahlen. Der Reichstag würde eine ganz andere Zu- sammensetzung erfahren,_ivenn wir ein wirklich gleiches Wahlrecht hätten.> Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Gliederung der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm verändert infolge der industriellen EntWickelung, die große Masten in bestimmten Gebieten, vor allem in den Großstädten, zusammenführt. Das bedingt mit Notwendigkeit eine andere Wahlkreiseinteilung. '(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber man fürchtet eine Aenderung in dieser Beziehung, um nicht den Einfluß der Sozial- demokratie zu verstärken. Im übrigen bleiben auch infolge des Majoritätswahlrechts über 5 Millionen Wähler überhaupt u n- vertreten. Daher verlangen wir auch eine Bcrücksichti- gung der Minoritäten.(Sehr wahr l bei den Sozialdcmo- traten.)— In der Jesuitenfrage, sagt der Reichskanzler, bat sich seit dem vorigen Jahre nichts verändert. Wir werden ja sehen, wie die Sache sich entwickelt.— Die Behauptung, wir ständen der Religion feindlich gegenüber, hat der Reichskanzler in keiner Weise begründet. In unserer Partei wird Religion zur Privatsache erklärt, in unserer Partei erfährt niemand eine Zurücksetzung wegen seiner religiösen Ucberzeugunge». Aber die Kritik an den kirchlichen Einrichtungen, die sich in keiner Weise mit religiösen Ueberzeugungen decken, werden wir uns auch in Zu- kunft nicht verwehren lasten.— Ter Kaufvertrag über Kadincn, den der Reichskanzler hier erwähnt hat, spricht keineswegs gegen die von Gradnauer gegebene Darstellung. Ter Fall Sahst ist keineswegs für die Ocsfcntlichkeit erledigt. Auch das Wort von der„vollen Kompottschüssel" beweist, wie falsch der Kaiser über die Verhältnisse der Arbeiter und die Ergebnisse der Sozialpolitik unterrichtet wird. 42 Proz. der gesamten preußischen Bevölkerung haben heute noch immer nicht ein Einkommen von 99 9 Mark.(Hört! hört! Isnks.) lieber diese und andere Dinge ist der Kaiser offenbar ganz falsch informiert. Bei der Nachtvahl in Greiz ist dem Wahlgesetz eine falsche Auslegung gegeben worden. Bei Nachwahlen innerhalb eines Jahres soll nach den a I t e n L i st c n gewählt werden. In Greiz aber hat man Wählern, die verzogen waren, das Wählen einfach verboten. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Wirlschafispoliiik des Reichskanzlers' führt uns dazu, die Starken und Mächtigen noch mehr zu stärken, die Kleinen und Schwachen in Gewerbe und Handel und vor allem der großen Masse der Arbeiter noch mehr das Leben zu erschweren. Und das nennt der Kanzler bewährte Wirtschaftspolitik. Wenn man alles versucht, die ge- schlossenc Pfyilanx der Arbeiter gegen diese W'rtschaftLpolitik zu zerstückeln, so kann dos einen Ersolg nicht habe». Auf dem Schlachtfeldc der Arbeit haben H u n d c j t t a u s e u d e Leben und Gesundheit verloren; dauernd sind diese Zahlen gestiegen. Das sind furchtbare Anklagen gegen die Sozialpolitik. Die Arbeiter bilden zusammen mit den Männern der Wissenschaft und Technik die Grundlage unseres Wirtschafts- lebens. durch dessen Aufschwung Deutschland groß geworden ist. Um so unbegreiflicher ist es. daß die Regierung die Arbeiter rechtlos halten will.' Gerade, wenn man aus dem Boden der Ordnung steht, muß man den Wünschen der Massen Rechnung tragen. Statt dessen folgt man den Wünschen der I!, n k e r. Solche Politik kann uns in keiner Weise befriedigen. Wir protestieren gegen diese Rechtlosmachung der arbeitenden Klassen. Tie Mehrheit des Volkes ist nicht nur zum Arbeiten da, sondern das Volk muß auch die Rechte verlangen, die der heutigen Entwickeluug entsprechen. tVravol bei den Soziademokratcn.) Abg. Dr. Gradnauer(Soz.): Die Uebernahme des Gutes K a d i n e n durch den Kaiser soll durch einen Kaufvertrag, nicht durch eine Schenkung erfolgt sein. Die Vorschiebung dieses Kaufvertrages ist eine I r r e f ü b r u n g sowohl der öffentliche n Meinung als auch des Kaisers. Dem Reichskanzler ist doch als Juristen und Landwirt bekannt, daß auch<:chcntungen in Form von Kauf Verträgen erledigt werden. Der von mir verlesene Brief des Kaisers an den Landrat Birkner beweist deutlich, daß das Gut Kadinen o h n e G e g e n l e r st u n g an den Kaiser übergegangen ist.(Sehr richtig! bei den'sozialdcnwkraten.) Uebrigens isi� der Landrat B i r k n e r damals wegen seiner besonders patriotischen Gesinnung in das preußische Herrenhaus berufen wor- den.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Gehörtet das auch zu den Kaufbedingungcn? Ter damalige Wert von Kadinen betrug über 3 Millionen. Die Gegenwerte waren nur so hoch, daß ein erhebliches Geschenk von weit ü b c r c i n c Million übrig blieb. Wenn solche Schenkungen an öffent- liche Körperschaften wie z. B. die Stadt Berlin gegeben werden, S1 dringt die obere Behörde stets darauf, paß etwa vorhandene ngehörrge in anständiger Weise abgefunden werden. Das ist gerade bei Uebernahme von Kadinen nicht geschehen. Alan dem Kaiser offenbar damals� verheimlicht, daß der Landrat aimc Verwandte hatte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Verwandten haben dann eine Abfindung verlangt und sind brutal behandelt worden.(Präs. Kaempf: Ich bitte Sie, diesen Gegenstand zu verlassen, das gehört nicht in den Reichs- tag!)� Jedenfalls sind diese Vorgänge beim Falle Sobst und bei der Schenkung von Kadinen nur Svmptome schwerer llcbelstände, die in den höchsten Regionen herrschen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Diskussion schließt. Ueber die Resolution A l b r c ch t(Soz.) auf Einführung der Vcrbältniswahl und Neueinteilung der Wahlkreise wird, da das Bureau über das Resultat der Abstimmung zweifelhaft bleibt, durch Hammelsprung abgestimmt. Mit ja stimmen 99, mit nein 88 Abgeordnete, das Haus ist also beschlußunfähig. Nächste Sitzung: Tonnerstag 1 Uhr.(Fortsetzung der Beratung, dann Wahlprüfungcn und Militärctat.) Schluß VA Uhr. parlamentanrcbcö. Der Militärctat tu der Budgetkommission des Reichstags. Die Forderung, an die Spitze von weiteren fünf Bezirks- kommandos statt eines Stabsoffiziers einen Obersten zu stellen, führte in der Mittwochsitzung zu einer lebhaften Aussprache über die Tätigkeit der Bezirkskommandeure und der Bezirksoffiziere, wobei aber- malS die ungehörige Behandlung der Mannschaften bei den Kontroll- Versammlungen wie auch die Gesinnungsschnüffelei scharf gerügt wurde. Weiter wurde beanstandet, daß diesen Offizieren auch noch Burschen gestellt werden, deren sie gar nicht bedürfen. Die Forderung wurde abgelehnt. Gewünscht wurde auch, daß jährlich nur eine Koiitrollversanunluug stattfinden soll.— Der sozialdemokratische Antrag, das reitende FeldjägerkorpS zu beseitigen, wurde abgelehnt, ebenso der weitere sozialdemokratische Antrag, die besondere Zulage für die Offiziere des I. Gardcregiments zu Fuß und der Garde du Corps im Gesamtbetrage von 78 242 M. zn streichen. Dabei muß hervorgehoben lverden, daß auch das Zentrum, das vor Wochen mit bombastischen Worten ein Sparprogramm veröffentlicht hat, gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmte! Genosse Liebknecht brachte dann schwere Mißstände im Lieferungswesen für die Truppen zur Sprache. Unlautere Mam- pulationen seien ebenso gan� und gäbe, wie daS Schinicrgelderwcsen. Viele Geschäftsleute wollen deshalb nicht mehr für die Truppen liefern, weil nach ihrer Angabe mit lauteren Mitteln nichts zu machen sei. Es wird behauptet, ohne mit dem Aermel das Ge- fängnis zu streifen, lönne man keine Militärlieferungen ausführen. Es müsse anerkannt werden, daß sich die Verwaltung alle Mühe gibt, dem Unwesen zu steuern, was aber nur durch An- Wendung der schärfsten Maßregeln gelingen werde. Weiter forderte Genosse Liebknecht erneut Auskunft über den Fall Arnold in Spandau.— Der Kriegsminister bestritt auf Grund der ihm gewordenen Informationen, daß gegen Arnold militärischer Boykott angewendet worden ist; die üblichen Maßregeln geschahen aus Gründen der Disziplin. Der Minister glaubte, energisch dagegen Verwahrung einlegen zu müssen, daß, die Ehrlichkeit der Beamten in Zweifel gezogen werde. Zuzugeben fei, daß Versuche, auf unlautere Weise Militärlieferungen zu erhalten, gemacht werden. Ein Lieferant, der dabei erwischt werde, erhalte in der gesamten Armee keine Lieferung mehr. Für die Kavalleriepferde soll die Rauhfutterration um täglich 1 Kilo heraufgesetzt werden. Die Kommission stimmte zu und be- sprach im Anschluß daran die Regelung der Rationen für die Offizierspfcrde. Hus der parteü Totenliitc der Partei. In Karlsruhe starb Genosse Karl Ziegler, der lang- jährige Expeditionsbuchhalter und Leiter des Jnferateiüvesens unseres Karlsruher ParteidlattcS„Volksfreund". Er erlag der Proletarierkrankhcit, gegen die er lange Jahre zähe angekämpft hatte. Nach mehrmonatiger Krankheit kehrte er vor acht Tagen, anscheinend wieder gebessert, an seinen Arbeitsplatz zurück, um aber nach wenigen Tagen erneut auf das Krankenlager geworfen zu werden, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Genosse Karl Ziegler errcickitc ein Lebensalter von nur 43 Jahren. Er machte die kaufmännische Lehre durch und war dann in verschiedenen kaufmännischen Stellungen tätig. 1899 über- nahm er die Leitung des Jnseratcnwesens des..Volksfr." und rührte sie bis zu seinem Tode in treuer Pflichterfiillung. Neben ftincr Berufsarbeit entfaltete er aber auch für die Partei und die Gewertschaften eine reiche organisatorische Tätigkeit. Er hinterläßt eine Witwe mit drei unversorgten Kindern. Die Partei wird das Andenken des Verstorbenen in Ebren halten. Borsicht. Vom Gau Thüringen des Porzellanarbcitcrverbandes wird uns geschrieben: Seit einiger Zeit werden von aus Gräfenroda stammenden Hausierern Terrakottabüsten von Parteiführern und andere Ton- warcnartikel vertrieben. Diese Hausierer beschaffen sich zum Teil mit der'unwahren Angabe, Partei- und Gewerkschaftsmitglieder zu sein, in kleineren Orttn von den Vertrauensleuten die Mitglieder- listen und suchen auf diese Weise mit ihren nicht einwandfreien Manipulationen die einzelnen Mitglieder zum Kaufen zu veranlassen. Nack größeren Orten versuchen diese Leute auf schriftlichem Wege an die Organisaliotisleitungen heraiizukommen und mit den gleichen unwahren Angaben ihre Geschäfte zu machen. Die Partei- und Gewerkschafrsaciiosien wollen deshalb bei derartigen Angeboten Vor- sichl üben und zunächst nähere Erkundigungen beim Vorsitzenden der Zahlstelle des Porzellanardeiterverbandes, Genossen August Fröhlich, Former, in Gräfenroda i. Thür., Bahnhofftraßc, einziehen. Die Partei- und Gewerkschaftsblätter werde» um Abdruck gebeten. Voliseilicbes» Senicbttickes ulw. Tic beleidigten Militöranwiirtrr. Der Reichstag hat in einer Resolution die Reichsregiernug ersucht, erneut die Frage der Ansiedlnng von Militäranwärtern auf Äenlengütcrn zu prüfen. Die„Bosfischc Ztg." hat dazu von mili- tärischcr Seite einen Artikel gebracht, in dem es hieß:„Alle Bc- mühungen der beteiligten Stellen sind aber an der Tatsache ge- scheitert, daß sich zur Ansiedlung geeignete Militäranwärtcr bisher trotz der ihnen gebotenen Bor teile fast gar nicht gemeldet haben... Es liegt dies bor allem tzaran, daß ein Unteroffizier, der 12 Jahre gedient hat. bisher nicht mit seiner Hände Arbeit tätig gewesen i st."— Das.Ham- burgcr Echo knüpfte in der Nr. 178 vom 2. August 1912 an den Artikel des bürgerlichen Blattes eine Betrachtung, in der die Fähigkeiten der Leute, die zwölf Jahre aus dem Kafernenhofc gestanden haben, soweit ein bürgerlicher Bcxus in Frage kommt, angezweifelt wurden. Dadurch fühlten sich die Militäranwärter beleidigt, sodaß der Vorsitzende des Militäranwärtervervandes, d«r Kriegsgerichts- sckrctär Reifencr in Hamburg, gegen den verantwortlichen Rcdok- leur des Echo, den Genossen E. Döring, Prioatklage erhob. Während der gegnerische Rechtsanwalt eine Geldstrafe von 399 M. gegen unseren Genossen beantragte, erkannte das Schöffengericht auf eine Gefängnis st r a f c von 1 Woche. Der Vorsitzende meinte bei der Urteilsbegründung, daß die Schwere der Beleidigung unmöglich durch eine Geldstrafe gesühnt werden könne, Gegen das Wettrüste« protestierte am Sonnabend in Lübeck eine von über 2999 Personen besuchte Versammlung, in der Genosse N o s k c- Chemnitz referierte. Das sozialdemokratische Erkennungszeichen. In H a»» o v.- M ün d e n hatte die Polizeibehörde von dem Vorstand des dortigen Arbeiter-Turnvereins die Einreichung der Vorstandsmitgliederlistc verlangt, weil der Verein angeblich ein politischer Verein sei. Selbstverständlich blieb dieses unberechtigte Verlangen unerfüllt, und als dann die üblichen Strafmandate er- folgten, kam die Sache zum gerichtlichen� Austrag. Indes das Schöffengericht in Münden sowohl wie die Strafkammer in Göttin- gen sprachen die angeklagten„Sünder" frei. Bemerkenswert ist an diesem Fall vercinsgesetzlicher Willkür die komisch wirkende Be- hauptung des öffentlichen Anklägers vor der Göttinger Straf- kammcr, daß der sozialdemokratische, daher politische Charakter des Mündener Arbeiterturnvereins sich aus dem— Vereinsab- zeichcn ergebe, das ein großes S,„das Erkennungszeichen der Sozialdemokratie", enthalte. Der Ankläger drang mit seiner Weis- heit allerdings nicht durch, aber für die Auffassung gewisser Ver- treter der heutigen Staatsordnung ist dieser niedliche Satz überaus kennzeichnend._ Bom Pöfizeikampfe gegen die Maifeier. In Mölln im Kreise Herzogtum Louenburg haben die Ar- bester beschloffen, am 1. Mai einen Umzug durch die Straßen der Stadt zu veranstalten. Sie ersuchten dazu schriftlich um die Ge- nehmigung�dcs Bürgermeisters. Anstatt dieser ging ihnen jedoch folgendes Schreiben zu: „Auf Ihren Antrag vom 31. März d. I. wird Ihnen hier- durch erwidert, daß Ihnen die Erlaubnis zur Veranstaltung eines öffentlichen Aufzuges durch die Straßen der Stadt am 1. Mai d. I. nicht erteilt werden kann, da Kundgebungen dieser Art geeignet sind, auf weitere Kreise der Bc- Völkern ng b e u n r n h i g c n d und erregend zu wirken, so daß die Befürchtung gerechtfertigt erscheint, daß es z w i s ch c n den Teilnehmern am Umzüge und patriotischen Personen zu Zusammenstößen kommen könne. Aus diesem Grunde ist aus der Veranstaltung des Umzuges, in welchem eine Demonstration gegen die bestehende Arbeits-, Staats- und Gesellschaftsordnung zu erblicken ist, Gefahr für die öffentliche sichcrhcit zu befürchten, weshalb sich nach§ 7 des Reichsvercinsgesetzes die Vcrsagung dieser Veran- staltung rechtfertigt. Die Polizeiverwaltung: Oetkcn. Diese zarte Rücksicht auf die„patriotischen" Kreise berührt um so seltsamer, als der Bürgermeister noch nie Umzüge von „Patrioten" untersagt hat, durch welche etwa die Arbeiterschaft bc- unrubigt werden konnte. Weiter steht fest, daß die Möllner Sozial- demokratie es noch immer verstanden hat, ihre Veranstaltungen in mustergültiger Weise auszuführen, ohne daß es je zu Zusammen- stötzcn gekommen wäre, was man nicht von allen bürgerlichen Feiern sagen kann. Dieses Verbot des Maifestzuges dokumentiert nur, daß auch in Mölln die Arbeiterschaft mit anderem Maß von den Behörden gemessen wird, als das Bürgertum. Die Früchte werden nicht ausbleiben. J_ Scripts-Rettung. Durch Unfall geistesgestört. Eine Art Vorprüfung, ob ein Angeklagter zu Unrecht zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, stellte eine Verhandlung dar. welche gestern die dritte Straffammer des Landgerichts I beschäftigte. Angeklagt wegen Begünstigung war der Malermeister Adolf Herzog.— Der Angeklagte war am 23. Oktober v. I. von derselben Strafkammer wegen Anstiftung zum Diebstahl und gcwcrbs- mäßiger Hehlerei zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die Verhandlung hatte seinerzeit ergeben, daß der Angeklagte nüt- einer Bande gewerbsmäßiger Fuhrwerksdiebc in Verbindung ge- standen und die gestohlenen Pferde angekauft hatte. In dem Re- vifionsvcrfahrcn vor dem Reichsgericht in Leipzig stellte es sich heraus, daß ein Fall von Begünstigung bei der Urteilsfällung ver- gesien worden war. Tie Revision selbst wurde verworfen, jedoch wurde eine neue Verhandlung über den seinerzeit vergessenen An- klagesall angeordnet. Inzwischen hatte es sich herausgestellt, daß der Angeklagte im Jahre 19ll bei den Arbeiten an dem Hause der Firma S. Adam in der Friedrichstraße aus beträchtlicher Höhe vom Gerüst gestürzt war und schwere Kopfverletzungen davongetragen hatte. Von diesem Zeitpunkt an trieb sich der bis dahin fleißige und nüchterne Angeklagte mit sehr zweideutiger Gesellschaft herum und ergab sich völlig dem Alkohol. Die Angehörigen des H. ließen deshalb den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens stellen, da H. offenbar schon geisteskrank war. Zu der gestrigen Verhandlung waren deshalb gewissermaßen als Vorprüfung für die eben- tuellc Wiederaufnahme des Verfahrens als Sachverständige Medi- zinalrat Dr. Hoffmann und der Oberarzt Dr. Körper aus der Kgl. Klinik geladen. Beide bekundeten übereinstimmend, daß- er- hcblichc Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten be- ständen, daß aber ein definitives Gutachten erst nach längerer- Be- obacktung abgegeben werden könne.— In der Sache selbst kam das Gericht aus Rechtsgründcn zu einer Freisprechung. Von der Anklage des Mordversuchs freigesprochen wurde der Biichdriickereibesitzer Paul Grosenick, welcher sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts I zn verantworten hatte. Die Verhandliing entrollte das Bild einer völlig zerrütteten Ehe. Ter Angeklagte hatte im Jahre 1896 geheiratet. Nach seiner Behauptung, die durch dos Zeugnis zahlreicher Personen unter- stützt wurde, loar die Ehe von Anfang an nicht recht glücklich, und zwar hatte dies seinen Grund darin, daß die Frau zu bestimmten regelmäßig wiederkehrenden Zeiten eine starke Vorliebe für den Alkohol in seder Form zeigte. Der Angeklagte mußte sie wieder- holt aus den Schaiikwirtschaften herausholen, wobei es fast jedes- mal zu einem wüsten Skandal kam. Wie der Angeklagte weiter behauptete, sei er wiederholt von seiner Frau mit heißem Wasser vegossen worden, einmal, als er sich von ihr lossagen wollte, habe sie sogar einen Schutzmann geholt und ihn unter der Beschuldigung, er habe sie bestohlen, sistieren lassen. Als er sich endlich von seiner Frau trennte, sei er wiederholt von ihrem Anhang überfallen und verprügelt worden. Tic Verhandlung ergab ferner, daß der An- geklagte einmal seiner Frau einen scharfgeladenen Revolver abgc- nommen und zur Polizei gebracht hatte, nachdem sie ihn damit bedroht hatte. Da ihm wiederholt von Freunden seiner Frau auf-' gelauert wurde, trug er schließlich dieselbe Waffe stets bei sich, lud sie jedoch nur mit Schrotpatrone», um in dem Falle eines er- neuten Angriffs ein Äbwchrmittel zu besitzen. Als der Angeklagte am Abend des 5. Januar d. I. feine Wob nung aufsuchen wollte, traf er vor dem Hause auf seine Frau, in deren Begleitung sich mehrere Männer befanden. Als einer von diesen auf ihn zukam, hob er die Waffe drohend empor und gab, als er einen tätlichen Angriff unmittelbar bevorstehend glaubte, mehrere Schüsse ab, die einen der Begleiter der Frau leicht ver- letzten.— Aus diesem Vorfall entwickelte sich eine Anklage wegen Mordversuchs, da mehrere der dem Angeklagten feindlich gesinnten Leute gesehen haben wollten, daß G. auf seine Frau gezielt habe. -- Vor Gericht bestritt der Angeklagte dies mit aller'Entschieden- heit. Ter gerichtliche Sachvcrstnndigc, Hofbüchsen machcr Barclla, bekundete außerdem, daß es mit der von dem Angeklagten ver- wendeten Munition überhaupt nicht möglich fei. durch einen auf größere Entfernung abgegebenen Schuß einen Menschen zu töten. — Die Geschworenen kamen nach diesem Ergebnis der Verhand- lung, zu der über 49 Zeugen geladen waren, zu einer Vernei nung sämtlicher Schuldffagen, so daß der Angeklagte freigesprochen und sofort ans der Haft entlassen wurde. Ein Werk der Arbeiterklasse! In einer Zeit, wo die herrschenden Kreise die Bevölkerung mit Millionen neuer Steuern belasten wollen, gilt es gerade für die Arbeiterschaft, zur Selbsthilfe zu greifen. Der Einzelne ist|edoch nichts. In der Organisation liegt die Stärke! Das beweisen die Zentralwerke der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Um weiteren Bevölkerungskreisen die Besichtigung der Betriebsanlagen zu ermöglichen, findet Sonntag, den 20. April, vormittags von 10-12 Uhr die zweite Führung durch die Zentralwerke statt und zwar für die Einwohner in Berlin Südost, Süden, Westen und Moabit sowie der in dieser Richtung liegenden Vororte einschließlich Adlershof, AltsQlienicke, Grünau=Bohnsdorf und Niederschöneweide�Johannisthal. Die Konsumgenossenschaft zählt 73000- Sie besitzt; Higeiie Großbäckerei mit 18 Doppelauszugöfen und einem täglichen Mehlverbrauch von über 400 Zentner. Eigene Konditorei, Kaffeerösterei und Selterfabrik.- Zentrallager. Zur Beförderung der Waren dienen 19 Automobile. In den nachfolgenden 104 Verkaufsstellen wird voraussichtlich ein Jahresumsatz von 15 Millionen erzielt. Die Verkaufsstellen befinden sich; In Berlin: NW. Beusselstraße 4—5 Emdener Straße 50 Rostocker Straße 35 Spenerstraße 21 Stendaler Straße 5 Ufnaustr. 16 N. Bornemannstraße 1 Fehrbelliner Straße 54 Gartenstraße 3 Gerichtstraße 3 Adlershof, Bismarckstraße 11 Alt-Glienicke, Rudower Straße 59, Ecke Köpenicker Straße Baumscbulenweg, Baumschulenstraße 93 a Bohnsdorf, Straße 21 Britz, Werderstraße 31 Charlottenburg, Kaiserin-Augusta-Ailee 55 Potsdamer Straße 30 Wallstraße 23 Weimarer Straße 29 Westend, Fredericiastr. 11 Gleimstraße 46 Hochmeisterstraße 16d Hochstädter Straße 6 Hussitenstraße 53 Lychener Straße 19 Nordufer 4 b Prinzen-Allee 85 Prinz-Eugen-Straße 24 Schivelbeiner Straße 9 Soldiner Straße 103 Stolpische Straße 24 Swinemünder Straße 33 Erkner, Königstraße 55 Friedenau, Moselstraße 7 Friedrichsfelde, Caprivi-Allee 44 Friedrichshagen, Drachholzstraße 2 Grünau, Köpenicker Straße 8 Johannisthal, Bismarckstraße 6 Karlshorst, Treskow-AIlee 100 Köpenick, Berliner Straße 5 Borgmannstraße 5 Müggelheimer Straße 48 Togostraße 4 Transvaalstraße 3 Willdenowstraße 30 NO. Bötzowstraße 34 Büschingstraße 12 Naugarder Straße 45 Winsstraße 63 0. Bödikerstraße 7 Grüner Weg 15 Kochhannstraße 14 In den Vororten: Lichtenberg, Boxhagener Straße 24 b Bürgerheimstraße 102 Kronprinzenstraße 1 Mozartstraße 2 Rittergutstraße 22 Wismar-Platz 3 Wühlischstraße 57 Lichterfelde-Lankwitz, Kaiser-Wilhelm-Straße 43 Mariendorf, Kaiserstraße 1 10 Neukölln, Böhmische Straße 47 Emser Straße 33 Friedelstraße 15 Kopernikusstraße 3 Küstriner Platz 4 Liebigstraße 7 Mirbachstraße 26 Pettenkoferstraße 26 Zorndorfer Straße 61 SO. Adalbertstraße 36 Forster Straße 3 Manteuffelstraße 91 Wrangelstraße 65 Herrfurthstraße 6/6a Münchener Straße 39 Steinmetzstraße 107 Weserstraße 28— 29 Wildenbruchstraße 61—62 Nieder-Schonhausen, Kaiser-Wilhelm-Straße 79 Nieder-Schöneweide, Berliner Straße 110 Ober-Schöneweide, Edisonstraße 50 Luisenstraße 12 Pankow, Berliner Straße 47 Wollankstraße 102 Alte Jakobstraße 57—59 Graefestraße 65 SW. Arndtstraße 5 Kochstraße 62 Wassertorstraße 20 W. Goebenstraße 17, Ecke Culmstraße Kurfürstenstraße 17 Reinickendorf-Ost, Holländerstraße 126 Hoppestraße 16 Schöneberg, Apostel- Paulus-Straße 40 Ebersstraße 26 Sedanstraße 82— 83 Südende, Lichterfelder Straße 36 Tempel hof. Berliner Straße 39 Dorfstraße 19—20 Treptow, Graetzstraße 58 Weißensee, Langhansstraße 7 Lehderstraße 62 Wilmersdorf, Augustastr. 3 Die Verhanfsatellen sind geOffnet an Wochentagen von 8 Uhr morgen, bis l Chr nachmittag, nnd von 3 Uhr nachmittag« bis 8 Uhr abends, Sonnabends bis O Uhr abends. Sonntags geschlossen. Eröffnet wird demnächst je eine Verkaufsstelle ElbiOSCP StFäßC 42, YOFCkSträßC 70 und Steglitz� iIbF6CbtSlF3ß6 115. Konsumgenossenselian Ke. Ii» und Umgegend E. G. m. b. H. Zentrale; Lichtenberg, Rittergutstraße 16—26. Herantwortlicher Nedalteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Jür den gnlcratenterl oerantw.: Td.Giockt.Lerl,». Druck u. Lerlag! Lorwart»«uchoruckere, u.«eriagtanftalt Lau,«inaer u.»o, Lerlm SW. Nr. 91. 30. Ilthrgaug. 2. SeilM Ks Jotiitls" Derlim Wksdlslt Donuerstag, 17. Apck 1913. )Zbgeorc1netenkaus. 107. Sitzung. Mittwoch, den IS. April ISIS, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlemer, Sydow. Tie Beratung des Etats. »ei Titel Gestütsverwaltung begründet Abg. v. Oertzen(frk.) einen Antrag, bei der Festsetzung der Remontenpreise die landwirtschaftlichen Interessen mehr zu berücksichtigen; nach kurzer Debatte wird der Antrag an- genommen.— Beim Bergetat besprechen die Abgg. Göbcl(Z.) und Korfanty sPole) oberschlesische Arbeiter- fragen und klagen über zu lange Arbeitszeit, mangelndes Entgegenkommen usw. Handelsminister Dr. Sydow erklärt, dah er zu einem Streik in Oberschlesien die gleiche Stellung einnehmen würde, wie seinerzeit im Ruhrrevier. Die Regierung kann erst vermitteln, wenn beide Parteien eS verlangen. Der Minister spricht dann über die Lohne in Oberschicsien. Die Kündigungen der Arbeiter waren vielfach bloß Zettel mit dem Namen. Als man korrekterweise diese Arbeiter fragte, was sie wollten, haben viele erklärt, daß sie gar nicht zu kündigen beabsichtigt hätten.— Richtig ist, dah in Oberschlesien noch die 8>/z— 10V./,tündige Arbeitszeit besteht; wir wollen sehen, ob wir sie verkürzen können. Aber die Förderungsverhältnisse in Oberschlesien sind so viel günstiger wie in Westfalen und dem Saargebiet, dag eine längere Arbeits- zeit ganz gerechtfertigt ist. Die Löhne sind niedriger als an der Ruhr und Saar, aber dafür liegen auch die Teuerungs- verhältnisie günstiger; es werden auch keine höheren Anforderungen an die Belegschaft gestellt und die Löhne steigen ja auch. Abg. v. Woyna sfk.): Nirgendwo gibt es so viel Arbeiterschutz durch den'Staat wie in Preußen. Der belgische Generalstreik legt uns nahe, große Kohlen- I a g e r anzulegen, um gewappnet zu sein.— Der Unwirtschaftlich« keil des Kalibergbaues entgegenzutreten, haben alle Kreise ein Jnter- esse. Wohlerworbene Rechte sollen aber nicht beeinträchtigt werden bei der Neuregelung des Kaligesetzes.— Auf die Errichtung von Ueberlandzentralcn sollte die Bergverwaltung großes Augen- merk richten und dafür sorgen, daß überall auch Dampfreserven vor- Händen sind. Handelsminister Dr. Sydow: Wir verhandeln darüber mit der Bauverwaltung.— Der Fehler des Kaligesetzes ist, daß es di-, Ent- stehung neuer Werke nicht begrenzt. Dies wird der Hauptinhalt der Kaligesetznovelle sein. Dabei werden sich schließlich auch die Besitzer älterer Verleihungen und die Grundbesitzer, unter deren Boden Kali lagert, eine Beschränkung gefallen lassen müssen. Abg. Leinert(Soz.): Der Minister hat den oberschlcsischen Bergarbeitern zugerufen, sich sehr wohl zu überlegen, ob sie streiken wollen. Wir halten eS für nötig, daß er sich seine Haltung zur Lohnbewegung über- lege, denn das weiß doch jeder, daß die Bergherren niemals eine Vermitielung der Regierung wünschen werden. Wenn man da sagt, beide Teile müßten dte Vermitrelung verlangen, so ist das einfach die Vertretung des Unternehmerstandpunktes! (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Der Minister Hai zwar ein legale? Verhalten der Berg« Verwaltung anerkannt, nicht aber auch ein solches bei den Arbeitern. Das beweist, daß er Licht und Schatten gar nicht gleichmäßig ver- teilen will I Ich betrachte das vom Minister geschilderte und gelobte Vorgehen der Bergverwaltung als einen Terrorismus gegen die Arbeiter, die gekündigt haben. Mit allen hat der Minister oder das Oberbergamt verhandelt— nur mit den Arbeitern nicht. Das Oberbergamt hat den Bcrgherren anheimgegeben, mit den Arbeiter- ausschüssen zu verhandeln— das hat man nicht getan. Im Ruhrrevier haben wir es ja gesehen, daß man den Arbeiterausschüssen gesagt hat: Wir verhandeln mit Euch nur, weil es der Minister wünscht, bewilligt wird aber nichts! In Oberschlesien wird man es nicht anders gemacht haben! Die Lebensverhältnisse gerade im oberschleflschen In- dustriegebiet sind als außerordentlich teuer bekannt. Den Nachweis für das vom Minister behauptete Gegenteil hat er nicht erbracht und seine Bemerkungen sind weiter nichts als eine Recht« Das unermOdUche Ringen. Unter den zahlreichen Sympathiekundgebungen, die belgische Künstler und Dichter dem belgischen Proletariat in dieser Schicksals- stunde gewidmet haben, sind schöne und tiefe Worte Camille Lemonniers. Der belgische Zola hat vor den kämpfenden Massen verheißend und trostvoll ihren schließlichen Sieg und ihre Unüber- wiirdlichkeit aufgerichtet. Sein Bekenntnis lautet: Der Idealismus, au? dem die oberen K lasten sich eine ureigene Tugend gemacht haben, ist wahrlich eine Tugend deö Volke?. Sie umfaßt den Glauben, da? Opfer, die Hingabe, den immer bereiten Heroismus. Sie ist da? Zeichen der hohen Menschlichkeit,� die da? materielle Genießen nicht ersticken konnte und die das tiefe Gefühl der Solidarität beseelt, m der sich das innerste Wesen des sozialen Lebens offenbart. Erkennen wir an, daß das unermüdliche Ringen der niedrigsten Geschöpfe im Laufe der Zeit die moralische Welt gebildet hat. Das Heer der winzigsten Urwesen erbaute die ungeheueren Massen der Festländer, ehe der Mensch darauf erschien. Die Gesellschaft, die morgen sein wird, ist borgeformt in der Seele des Volke?. Die Führer, die Denker, die Baumeister gaben wir die besondere Form dem, waS schon in ihr ist. Camille Lemonnier. Elendsbriefe von Dostojewski. Erschütternde Bilder aus dem Dichterelend entrollen fünf Briefe des großen russischen Roman- dichters Dostojewski, die zum ersten Male in der„Rußkaja Starina" veröffentlicht werden. Es sind dies Schreiben, die der Dichter des „Raskolnikotp" an den Herausgeber mehrerer großer Zeitungen, A. Krajewsk,, richtete. Er befand sich damals in den kläglichsten finanziellen VerHaltmfsen, die Krajewski in rücksichtsloser Weise ausnutzte. Dostojewski war stets ini Vorschuß und mußte den, Betrag, den er schuldete, abarbeiten. In einem Brief fleht er darum, ihm wenigstens lo Rubel ä conto des Honorars zu senden. »Ich ersuche Sie dringend, mir diesen Gefallen zu erweisen. Es ist jetzt eine ganz ungewöhnlich schlechte Zeit. Ich kämpfe mit meinen kleinen Gläubigern wie Laokoon mit den Schlangen; ich brauche momentan 15, nur 15; diese 15 Rubel werden mich beruhigen. Ich werde dann mehr Neigung und Lust zum Schreiben haben; seien Sie dessen versichert! Was sind 15 Rubel für Sie? Für mich bedeutet dieser Betrag schon viel. Denken Sie nur, die ganze Woche sitze ich ohne einen Groschen. Wenn Sie nur wüßten, toie weit ich schon gekommen bin!" In einem anderen Brief verlangt Dostojewski sogar nur Rubel.„Seit ich zum letzten� Male vor 2Va Monaten Geld erhalten habe« bin ich ganz erschöpft. Um meine augenblickliche fertigung der brüsken Abweisung der Arbeiter- forde rungen.(Sehr wahr 1 bei den Sozialdemokraten,) Die oberschlesische Lohnbewegung ist von der polnischen Organi- sation ausgegangen, wird aber jetzt von allen vier Verbänden ver- fochten. Da sollen die Kündigungen von 30 Proz. der Belegschaft nichts besagen? Es hat sich doch oft genug gezeigt, daß die übrige Masse nachfolgt, weil alle eine Verbesterung ihrer Lebenslage erstreben. Der Minister hat statistisch dargelegt, daß die Gesundheits- Verhältnisse in Oberschlesien bessere seien als sonst. Dort besteht aber der Lazarettzwang, und die Arbeiter arbeiten, auch wenn sie krank sind, so lange als möglich!(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Worte des Ministers müsien den U e b e r m u t der Bergherren stärken, aber glücklicherweise stehen diesmal alle Organisationen einig zusammen. Wenn es zum Streik kommt, ge- schieht es unter Billigung des Ministers, denn er hat nichts getan, um die Schädigungen durch den Streik zu verhindern.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Korfanty(Pole) führt aus, daß der ganze Gang der Lohn- bewegung den vom Minister betonten.guten Willen" der Zechen- besitzer als schroffen Herrensiandpunkt erwiesen habe. Damit ist der Bergetat erledigt. Etat für Handel und Gewerbe. Die Abgg. Hammer(k.) und Rahardt(fk.) treten für eine Er- höhung der Fonds zur Förderung des kleingewerblichen Genossenschaftswesens ein und sprechen die Befürchtung aus, daß der Kleinhandel und das Handwerk schlechten Zeiten ent- gegengehen. Handelsminister Sydow wendet sich gegen diese zu pessimistische Beurteilung der Zukunft. Abg. Dr. Ehlers(Vp.) meint trotzdem, daß der mittlere Gewerbe- stand alle Ursache hat, trübe in die Zukunft zu sehen. Auch das deutsche Wirtschaftsleben werde durch die Entziehung der Milliarde Wehrbeitrag geschädigt werden. Die Verwen- dung dieser Milliarde zu unproduktiven Zwecken habe dieselbe Wirkung, wie wenn das Geld in die Erde vergraben würde.(Wider- spruch rechts.) Der Redner führt weiter Klage über die Konkurrenz, die Staat und Kommune dem mittleren Gewerbestand machen. Abg. GiesbertS(Z.) wirft dem Abg. Ehlers mangel- haften Patriotismus vor. Man sehe die Abneigung der Besitzenden gegen das Opfer des Wehrbeitrages. Die Zwangs- innungen unterliegen immer mehr dem Einfluß des sogenannten antisozialen Scharsmachermms. Statt Tarifverträge zu fördern, er- zwingen sie durch Strafen die Aussperrung der zum Tarif- abschluß geneigten Malergehilfen. Hält der Minister solche Strafen für zulässig und die Behörden zu ihrer Zwangsvollstreckung für verpflichtet? Wenn ja, würde sich der Kampf im Malergewerbe außerordentlich verschärfen. Handrlsminister Dr. Sydow: Dieses Vorgehen der Zwangs- innungen ist mir bekannt, es widerspricht aber zwei Paragraphen der Gewerbeordnung, nämlich der Unbe- schränktheit der Arbeitereinstellung und dem Verbot eines Koalitions- Zwanges, Z 152. Die Strafen sind also nicht im Gesetz be- gründet und es ist das auch nicht dasselbe wie in Magdeburg, wo die Bäckerinnung den Abschluß von Tarifverträgen verbot, die einige im Gesetz nicht begründete Verpflichtungen enthalten sollten. Abg. Borchardt(Soz.): Ich freue mich über diese Erklärung des Ministers. Des ge- setzwidrigen Vorgehens der Zwangsirznung müßte sich aber der Staatsanwalt annehmen. Sofern ein Arbeiter nur entfernt in den Verdacht kommt, gegen§ 152 R.-G.-O. verstoßen zu haben, ist die Staatsanwaltschaft sofort da und die Richter verurteilen ebenso rasch. Unkenntnis des Gesetzes kann den Jnnungsmeistern auch nicht zugute kommen. Die Heeresvorlage gehört ja kaum hierher, aber es schadet nicht, auch hier darüber zu reden. Wenn man meint, daß ein starkes Heer den Frieden sichert, darf man auch über die Kosten nicht jammern. Der Patriotismus der kapitalistischen Parteien geht nur bis dahin, wo das Zahlen beginnt. Da be- ginnt sofort das Jammern! Herr GiesbertS halte also ganz recht, aber warum sprach er denn gar nicht von den laufenden K o st e n der Heeresvorlage? Die werden auf alle Fälle wieder die Besitzlosen zahlen müssen. Die Heeresvorlagen werden sich Jahr für Jahr folgen, wohin soll das führen? Sie klagen jetzt schon über den Ader- laß— nun, es werden weitere folgen in allen Ländern. Der Moment muß kommen, wo die Lasten nicht mehr aufgebracht Not zu lindern, wende ich mich an Sie, mir die 10 Rubel nicht abzuschlagen, die meine Wirtin gestern von mir verlangte. Gestern sollte ich bereits ziehen; seit zwei Monaten habe ich noch keine Miete gezahlt. Diese 10 Rubel werden die Frau wenigstens auf kurze Zeit befriedigen. Ich werde dann wieder Ruhe, Beleuchtung und Essen haben, sonst ist es mir unmöglich, auf dieser Welt etwas zu schreiben. Um Gottes willen, lehnen Sie es mir nicht ab!" Wie eine Notiz am Rande dieses Briefes beweist, hat Dostojewski wenigstens die 10 Rubel erhalten. Krajewski verstand es eben vortrefflich, den Dichter in Abhängigkeit zu erhalten. Er gab ihm immer nur kleine Beträge, die gerade dazu ausreichten, daß er sein Leben dürftig fristete, und sorgte dafür, daß er stets sein Schuldner blieb. Vergeblich bemühte sich Dostojewski, aus diesem Netz heraus- zukommen. „Nie werde ich bei Ihnen meine Schuld regulieren können," schreibt er einmal,„wenn wir fortgesetzt in diesem Zustande bleiben, daß ich Geld borgen und es wieder„abschreiben" muß. Machen Sic endlich diesem Schuldensystem ein Ende und gehen wir zu der friedlichen Bezahlung der einzelnen Arbeiten über, die wieder den heiligen 1. des Monats anerkennt!" Zlber darauf trollte sich der skrupellose Geschäftsmann nicht einlassen. Bon der Filmbörjr. Peter Nansen, der den Ruhm seiner Jugend als dänischer Maupassant längst mit der wohlfundierten Realität eines Direitorpostens bei dem monopolisierenden Kopen- bagener Verlag von Gyldendal vertauscht hat und nur bei be- sonders lukrativen Gelegenheiten Rückfälle als literarischer Arbeit- nehmer bekommt, fühlte sich unlängst getrieben, der Verkuppelung von Literatur und Film das Wort zu reden. Eine gewisse Presse, die die pathetisch ablehnende Geste gegen diese?lrt der Unzucht be- liebt, konnte nicht umhin, auch ein deutsches Publikum mit den Ransenschen(scheinbaren) Selbstlosigkeiten zu beglücken. Jetzt kommt für die Ahnungslosen, wie immer in solchen Fällen, der Pferdefuß zum Vorschein. Soeben ist in Kopenhagen eine neue Filmgesellschaft, die soundsovielte, gegründet worden, die mit dem Gyldendalschen Verlage in direkter Verbindung steht und in ihrem Direktorium den Namen des Herrn Peter Nansen aufweist. Seine bisherigen Mißerfolge, die Verschandelung des Jonas Lie, den er dem Kino überlieferte, der gleiche Attentatsversuch gegen Ibsen, den der Sohn im letzten Augenblicke unter dem Druck der öffent- lichen Meinung abwehren mußte, scheinen ihn dazu qualifiziert zu haben. Das neue Unternehmen schreitet denn auch rüstig und keck auf der einmal betretenen Bahn fort: die erste Verfilmung dieses Unternehmens unter Nansenschem Protektorat wird— den Märchen von H. CT. Andersen zuteil werden. Das Baterland der Massai. Die Behörden von Britisch-Ostafrika hatten jüngst beschlossen, den gefürchteten Eingeborenen-Stamm der Massai aus seinen Sitzen bei Laikipia in eine weiter südlich gelegene Reservation zu überführen. Die Massai waren indessen mit diesem unfreiwilligen Wohnungswechsel keineswegs einverstanden. In früheren Zeiten hätten ste� in einem solchen Fall zu Schild und Speer gegriffen und sie wären den Weißen in der männermordenden werden können und wo die Erbitterung schließlich dahin kommt, daß das chauvinistisch verhetzte Volk sagt: Schlagen wir lieber los! So gefährden die Rüstungen den Frieden, statt ihn zu schützen. Gibt es nicht eine billigere und ebenso wirksame Methode, die Landesverteidigung zu sichern? Doch, das ist die M i l i z— aber gegen die sträuben Sie sich, weil man sie nicht so gegen streikende Arbeiter verwenden kann, wie das stehende Heer, was sich z. B. erst im vorigen Jahre beim Bergarbeiterstreik gezeigt hat. Herr M u g d a n bat sich in der zweiten Lesung für den Schutz- verband gegen die Bäckereiverordnung ins Zeug gelegt, fteilich wollte er sich nicht für Unsauberkeit, sondern nur für bauliche Erleichterungen einsetzen, wie er sagte. In der Kommission yat aber sogar der Regierungskommissar als Ergebnis juntlicher Untersuchungen festgestellt, daß diese baulichen Zustände der Keller- bäckereien mit der Unsauberkeit im engsten Zu« s a m m e n h a n g stehen. Wer sich für bauliche Erleichterungen, für dunkle, enge Arbeitsräume ausspricht, fördert damit, ohne es zu wollen, die Unsauberkeit und Gesundheitsgefährlich- k e i t.(Der Redner verliest zum Beweis die Darlegung des Koni- missars, die von haarsträubenden, ekelerregenden Zuständen spricht und sogar vorzeitiges Arbeitsunfähigwerden von Bäckermeistern, nicht blos von Arbeitern feststellt.) Wird Herr Mugdan nun seine Aeußerungen zurücknehmen? Als ich bei der zweiten Lesung sagte, daß die Zünstler jede Konkurrenz verbieten möchten und warum nicht auch Hausierer und Detailhändler ihr Leben sollen fristen dürfen, da wurde rechts geruien:»Warum nicht auch die Spitzbuben?" Die Hausierer und Detaillisten sind empört darüber und haben unseren Präsidenten um Remedur gebeten. Der Präsident hat geantwortet, daß eS hier im Hause nicht üblich sei, Angriffe auf Stände und Korporationen zu rügen, auch sei der Zwischenrufer nicht bekannt geworden. Nun, den Reichsverband gegen die Sozialdemokratie darf man hier nach den Beschlüssen des Hauses nicht kränken.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn nun das Organ des Zentralverbandes der Handelsleute sagt, daß kein anderes Parlament einen Stand so roh beschimpfen lassen würde, so ist das scharf, aber berechtigt. Wir wollen nun sehen, ob das hier so hochgehaltene Anstandsgefühl den Abgeordneten, der jenen Zwischenruf gemacht hat, nun wenigstens veranlassen wird, sich zu melden!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Ehlers(Vp.) erklärt gegen Abg. GiesbertS, daß mit Hurrapatriotismus gar nichts gemacht sei. Ich bin noch für viel mehr Besitzsteuer wie Sie, ich bin sogar für die Erbschafts- st e u e r l(Sehr gut! links.) Alle Gewerbe sind geschädigt durch die internationale Spannung und wenn Herr GieLbertS das bestreitet, so zeigt er, daß er keine Ahnung hat! Abg. Gixsbertsm preuffn'chen Staate besprach. Der Vortrag, in dem Ströbel dann speziell zum preußischen Wahlkampf Stellung nahm und der aus- klang in einer begeisternden Anfeuerung, alle Energie in diesem Kampfe aufzuwenden, wurde mit großem Beifall ausgenommen. Zu emer wirkungsvollen Demonstration gegen das elendeste aller Wahlsysteme gestaltete sich eine überfüllte LandtagSwählerversamm- lung im zwölften Landtagswahlbezirk. Der Kandidat des Bezirks, Eugen Ernst, verstand e», sich durch sein glücklich angelegtes Referat die Sympathien der Ver- sammelten im Sturm zu erringen. Der jetzige Wahlkampf möge. so schloß er. zugleich ein Wahlrechtskampf sein und mit aller Leiden- schal» geführt werden. Darum auf. im Sturmschritt vorwärts für den Sozialismus!(Stürmischer, langanhaltender Beifall!) Genosse Vieth und Werth sprachen in der darauffolgenden Diskussion unter lebhaftem Beifall im Sinne des Referats. Mit begeistertem Hoch aus da-s ftell- Wahlrecht schloß der Borsitzende Paersch die imposant« P/z Uhr, im Lokale des Herin A. Kube, Dresden erStr. 96(Dresdener Kasino), statt. Tagesordnung: 1. Bericht ocr Rechnunqsprüfungs» kommisfion. 2. Abnahme und Besprechung des Jahresberichts sür daS Ge chäftS« jabr 1912. 3. Ersatzwahl sür daS ausgeschiedene VoislandsmitgliedHerrnH.Ebeling, Arbeitgeber, mit der Awtsdaucr bis eocnt. 39. Juni 1914. 4. Beratung und Beschlußfassung über den Stalulencntwurs nach den Vorschriften der Reichvcrsichcrungs» ordnung. Berlin, den 8. April 1913. 268/14 Oer Vorstand. st. Poppe, 9. Schilling, Vorsitzender. Schriflsührer. Abessiiiier- Pumpen zum Selbstausstellen sür Gartenbesitzer u. Lauben- kolonisten von 8 Ält. au Flügelpumpcu, EarteuspriNen, Filter, Röhre». Schläuche usw. billigst. Erdbohrer leihweise. Kat! Köciilin& Co. Berlin SW., MpL 1676 AlteJakobftr.20 32 Verwaltung Berlin. Mitglieder- Yersatmulungen. Kriilh.' kr Dürften- und PUrlmcher Kertms und!lmgegend Sonnabend, den 19. Aprils abends 8 Uhr, bei IVeiiB, Holzmarktstrafte 65. Tagesordnung: 1.»Tie Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Bürsten- und Pinseliudustrie und wie tvurden dieselben durch die Lrgnuisation b-einflustt.- Rejcrent: Kollege l�vdettlvi-.Schönhcidc. 2. Branchen- angelegenheiten. §t}. Tempelhos, llktienktf, IHotietifelk Sonntag, den 20. April, vormittags 10 Uhr, bei Unrow,(früher Löwenhagcu), Chansscestr. L7. 'Tagesordnung: l.»Tie bevorstehende GewerbcgerichtSwahl.« Referent: Kollege Itroitltopk. 2. Ausstellung der Kandidalew ö. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. jjfjirk Ofte» IL Montag, 21. April, abds. K'/, Uhr sgleich nach Feierabend), bei<�r»nwnl«lt. Memeler Ztr. 67'(ComeniuS-Zäle). Tagesordnung: 1. Bortrag deS Genossen linttnrr über:»Tic Justiz in Wirt- schliftstämpfen". 2. Diskussion. 3. Beratung der Anträge zur General- Versammlung. 81/19 VI««rtsvQrwnltnns. Haiisarzlvereio Charlottenburg. Tonnerstag, den 17. April, abends 8 Uhr, im„Volks- Hans", Rosinenstr. 3: Geffentlichr Uersamminng. Tagesordnung: i. Die Ai deiwkirsll'.idljkitsp�yt in Staat nnd Kommnne. Resercut: Laudtagsabgeordneter l'uul Zlirvel». 2. Die Arbeitklßesundhkitsptlkge in d. Dröletarierfaniilie. Referent: Dr. ,1. SSoscs;. 3. Diskussion eventuell Frogebcantwortung. Eintritt für jedermann frei, 284/17* Oer Vorstanil. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder, "seerstraste" belNt AlttU FreMld. JWAMm erprobt i empfbKen auch wer d.Bezugs quell, iiachgew. Alleiniger Fabrikant: H. Jacobowski, KsakSün. Waadkrliartkil hält stets vorrätig övedlisndlung Vorwärts Lindeuftr. 69. La eu. WM-KelmReiks- WWW Z4verschiedeneHefte s ZVVf. 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Hingegen gedenken sie fast alle in Wort, Schrift und Bild eines Volksteils, von dein sonst an maßgebender Stelle recht wenig die Rede ist: der Frauen! Wie auch sie vor hundert Jahren dein Vatcrlande Opser gebracht, nicht nur an Hab und Gut, sondern wie so manches Mädchen als Soldat mit hinausgezogen sei, wie andere wieder keine Gefahr scheuten, den Hungernden, Dürstenden und Verwundeten Labung und Hilfe zu bringen. Hat aber diese Aufopferung von Preußens Frauen mid Mädchen dazu geholfen, ihnen eine andere Anerkennung zu schaffen, als die ebenso hochtönenden wie billigen Lolch preisuugen? Mit Nichten! Preußens Frauen sind heute noch genau so rechtlos, wie sie vor hundert Jahren waren. ohne Rücksicht darauf, daß ihre wirtschaftliche Lage sich in diesen hundert Jahren vollständig umgestaltet hat. Zwar waren auch schon vor hundert Jahren, als der Kapitalismus in Deutschland gewissermaßen noch in seinen Kinderschuhen steckte, Frauen vielfach erwerbstätig, insbesondere in der Weberei. In einem kaiserlichen Edikt vom Jahre 1112 heißt es:„Weiber dürfen bei verschiedenen Handwerken, insbesondere zur Weberei zugelassen werden. Keinem Gesellen soll es zur Unehre angerechnet werden, in den Werkstätten, wo Weiber beschäftigt werden, zu arbeiten." Und die Hausindustrie der Weberei und Strickerei beschäftigte unterschiedslos Männer, Frauen. Kinder „vom ö. Jahr des Altörs bis ins Grab". Doch erst die groß- kapitalistische Entwicklung, insbesondere der letzten fünfund- zwanzig Jahre, zwang Millionen von Frauen und Mädchen, außerhalb des Hauses als freie Lohnarbciterinnen ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen. In Preußen allein stieg die weibliche Erwerbstätigkeit in dieser Zeit um 102 Proz. Von 18 Millionen hauptberuflich Erwerbstätigen in Prcußeu sind o�U Millionen weiblichen Geschlechts. Rechnen wir alle diejenigen hinzu, die nicht hauptberuflich erwerbstätig find. aber deren Arbeitshilfc nicht entbehrt werden kann, so dürfen wir ruhig von sechs Millionen er- werbstätigcn Frauen in Preußen sprechen. Diese sechs Millionen erwerbstätiger Frauen in Preußen beweisen einmal die llnhaltbarkeit der Behauptung, daß der Mann genügend erwerbe, um seine Familie zu unterhalten, zum anderen, daß die wirtschaftliche Not der Frau nicht niehr erlaubt, nur Hausfrau und Mutter zu sein, was ja, wie die bürgerliche Gesellschaft bis heutigen Tages behauptet, der einzige einer Frau zukommende Beruf sein soll. Aber noch etwas anderes beweisen diese sechs Millionen arbeitender Frauen: daß eS nicht möglich ist, sie noch lange in derselben Rechtlosigkeit, wirtschaftlichen Abhängigkeit und persönlicher Unfreiheit zu erhalten, wie sie bedingt war in der Wirtschaft- lichen und sozialen Stellung der Frau zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Seitdem die Massen der denkenden und arbeitenden Frauen aufgehört haben, nur Magd und Spielzeug des Mannes zu sein, seitdem insbesondere die Proletarierin zu Millionen eingetreten ist ins Erwerbsleben und die wirtschaftliche und geistige Not des Mannes ihrer Klasse teilt, ringt sie um die Gleichberechtigung, die ihr von den herrschenden Klassen unter Begründungen vorenthalten wird, deren Berechtigung aus verflossenen Jahrhunderten stammt, aber heute einen Anspruch auf Gültigkeit nicht mehr besitzen. Trotzdem dicncit sie noch immer dazu, alle Anträge der Frauen auf wirtschaftliche und politische Gleichberechtigung abzulchucii- Nun die preußischen L a n d t a g s w a h l c n bevorstehen, muß sich jede Frau klar darüber sein, welche Bedeutung der Preußische Landtag für sie hat. Vor allem sei daran erinnert, daß nicht nur das hundert- jährige Versprechen aus dem Jahre 181 0-, sondern daß auch das Versprechen des preußischen Königs Friedrich Wilhelms IV. vom Jahre 1 8 1 L und das Versprechen Wilhelms II. in der Thronrede vom Jahre 1908 auf ein besseres Wahlrecht bis heute u u e i n g e l ö st sind. llpd dieses„widersinnige, elende Wahlgesetz", wie Bismarck es nannte, verhindert die Massen der arbeitenden Bevölkerung. die Vertreter ihrer Interessen in den Landtag zu entsenden. lind die Frauen leiden unter den politi'cheu und Wirtschaft- lichen Verhältnissen noch mehr wie die Männer. Tie schlechtere Entlohnung der Frau, auch wenn sie gleichwertige Arbeit verrichtet, erschwert ihr die Lebenshaltung noch mehr als den Mann. Reich und Staat gehen hier dem Privatuntcr-ichmertum mit schlechtem Beispiel voran. In allen Staatsbetrieben ist durchschnittlich der Lohn für die Arbeiterin bei gleicher Arbeitsleistung geringer wie der dcS Mannes. Auch in bezng auf das Koalitionsrccht ist der Preußische Staat reaktionärer Schrittmacher für das private Nntcrnehmer- tum: Staatsarbeiter und-Arbeiterinnen dürfen sich nicht in den freien Gewerkschaften organisieren! Hingegen erstreben die Junker im Verein mit den Nationallibcralen im Preußischen Landtag einen„höheren Schutz der Arbeitswilligen", um mit dem Streikbrecherheer den wirtschaftlichen und politischen Aufstieg der Arbeiterklasse zu hemmen. Der Arbe-tcrinncnschutz. der durch Reichsgcsetzgebung gc- regelt ist, wird durchgeführt von den einzelnen Bundes- stauten. Da in Preußen der Junker und das Großkapital herrschen, tun sie ihr möglichstes, die Schutzbestimmungen unwirksam zu machen. Die preußische Gewerbeaussicht ist unzu- reichend. ES fehlt an Beamte», insbesondere an Beamtinnen, und die, die da sind, dürfen die wirklichen Schäden nicht-aus- decken, sich um die Ursachen von Streiks und Aussperrungen nicht kümmern. Eine Hinzuziehung, von Arbeitern und Arbeiterinnen zur Gewerbeaufsicht lehnen alle bürgerliche« Parteien ab. Seit dem'Jahre 1907 sind die preußischen Eismbahnwcrkstättcn der Gewerbeaufsicht nicht mehr unter- stellt, so daß den Staatsarbeitern selbst dieser geringe Schutz nicht mehr zu teil wird. Als die Sozialdemokraten im Reichstag eine ausreichende Mütter- und Säuglingsfürsorge forderten, die 72 Millionen Mark Mehrkosten verursacht hätte, da war es die preußische Regierung, die dieser Forderung ein„Unan nehmbar" entgegensetzte und dadurch die Ablehnung durch die Mehrheitspartcien herbeiführte. Mitursache der vielen Todesfälle bei Entbindungen ist die geringe Zahl der Hebammen in Preußen. Ende 1911 gab es in Preußen 21 101 Hebammen, durchschnittlich eine Hebamme auf je 1911 Einwohner. Aber die Verteilung ist eine sehr verschiedene. In den sechs östlichen Provinzen zusammen kommen auf eine Hebamme 2269, in den sechs westlichen 1679 Einwohner. Es gibt Kreise, wie der Kreis Adelnau (in Posen), Ivo 53,6 Proz. aller Entbindungen nicht unter Hcbammenbeistand sich vollziehen. Der Preußische Landtag sieht dein tatenlos zu, tut nichts, dem Ucbelstand abzuhelfen, erhebt aber große Klage über den Geburtenrückgang. Allerdings nur aus Angst, die Zahl der Rekruten könnte nicht mehr aufgebracht werden, wenn auch das Proletariat anfange, sich der von Gott gewollten Ordnung, dem Vatcrlande Kanonenfutter zu liefern, entgegenzusetzen. Von einer besseren Entlohnung der Arbeiter, die sie in den Stand setzte, früher zu heiraten und eine vielköpfige Familie auskömmlich zu ernähren, davon wollen Konservative, Zentrum und Nationallibcralc nichts wissen. Und Wiederum trägt der Preußische Landtag die Hauptschuld an der gesamten Zoll- und Steuergesetzgebung. Ter Brot- und Fleischwucher entspringt dem Drängen p r c u ß i s ch c r Agrarier, sie sind schuld an der Grenzsperre gegen Vieh- und Flcischeinfuhr. Der preußische Junker, der die preußisch-deutschc Re- gierung beherrscht, ist es auch, der sich am energischsten der Einführung einer direkten R c i ch s c i n k o in ni e n- � u n d Vermögenssteuer widersetzt. Einen Antrag der Sozialdemokratie, Einkommen bis wenigstens 1500 M. steuerfrei zu lassen, lehnte das Drciklassenhaus ab. In Preußen muß schon ein Einkommen von 900 M. versteuert lverden. Und wenn auch die Frau auf allen Gebieten rechtlos oder minderen Rechtes ist, auf dem Gebiete des Steuerzahlens wird ihr vollste Gleichberechtigung zu teil. Ja. fast noch mehr! Ihr Einkommen wird nicht für sich allein versteuert, sondern es wird dem Einkommen des Mannes hinzugezählt, um so die Steuerschraube noch fester anziehen zu können. Noch weit mehr Gründe ließen sich anführen, weshalb die Frau sich um den Preußischen Landtag kümmern inuß. Jetzt geben ihr die bevorstehenden Wahlen die beste Gelegen- hcit, dieses Interesse praktisch zu betätigen, zu beweisen, daß sie nicht nur reif genug ist, Steuern zu zahlen an den Staat, der sie entrechtet, sondern auch reif genug, gemeinsam mit dem Mann anzustürmen gegen die Hochburg feudalfftischer und kapitalistischer Herrschaft in Preußen: gegen das Drciklasscnlvahl recht! predigten statt Krot. Aus Paris wird uns geschrieben: In der französischen„Gesellschaft" gehört die Religiosität oder wenigstens das Festhalten an ihren äußeren Formen zum„guten Ton". Auch die frei- denierischen Bourgeois bekennen sich immer mehr zier alten For- derung. daß„die Religion dem Volke erhalteir werden muß". Deshalb konnte sich die Nachrichtenpresse in schmöckischen, natürlich mit photographischcn Aufnahmen gcschniückten Artikeln über die „Predigten für Midinetlen", die ein findiger, offenbar die Reklame nicht verachtender Pfaffe vor einigen Tagen gehalten hat, nicht genügen. Wie sinnig, wie graziös, Ivie pariserisch war doch dieser Einfall des Vikars P o p ula i re— die demagogische Bestimmung hat der Brave von der Vorsehung schon im Namen mitbekommen— einige Viertelstundeupredigten in der Kirche von St. Roch den Moden- arbeiterümen aus dem Opernvicrtel zu reservieren! und diesen über- mutig durch das Leben flatternden Wellkindern in typischer Gestalt die„Frivole", die„Geschwätzige", die„Resignierte", die„Rebellin" mit belehrender Warnung vor sündhaften Neigungen darzustellen! Oder barg das anmutige Unternehmen außer der moralischen noch eine andere Tendenz'{ Die„Illustration" schließt ihren Bericht mir der Bemerkung, daß die Teilnehinerinnenan den Predigten jedenfalls m i t in e h r Lust und Liebe in o i e Werkstätte zurückgekehrt fein werden. In der Tat, das war des Pudels Kern! An der Arbeits- frcude mangelts im Modegewcrbe wirklich einigermaßen. In den Wcrkstätlcn der Rite de la Pair. Ivo in ein paar Jahren Millionen- permögen aufgehäuft werde», bekommen die Arbeiterinnen für neun Stunden Arbeit 2 bis 3'/, Frank räglich. Und während der Saison gibts unbezahlte„veillees", Ueberstunden, die zwar vom Gesetz be- grenzt, aber von den Uiilcrnehmcrn willkürlich ausgedehnt worden. Die Gewerbeinspeklorin ist fast nie zu sehen und was sie anordnet, wird nicht ausgeführt. Das AlterversichernngSgesetz wird, wenigstens in den Detailgeschäften einfach ignoriert. Doch schlimmer' noch als die Plage»nd Kümmernis der ArbeitSmonate ist der große Schrecken der Mobearbeitcrinnen, die tote Saison, die drei, vier und fünf Monate im Jahr ausmacht. Man darf ruhig be- Haupte», daß von 100 Pariser Modearbeiterinncn kaum zehn— di? „Premicreö" und die„Mannequilis"(Probiermamfellen)— auch bei allerbcscheidenstcn Ansprüchen pon ihrem Loh» leben können, und selbst diese Ausnahmen sind durch den obligatorischen Toiletten- luruS eingeschränkt. Doch davon erzählt die faule Midinelleu- romantik nichts und wahrscheinlich hat auch Herr Populaire davon nichls gesagt. Woher überhaupt diese plötzliche Sorge um die Erbauung der Modearbeiterinncn? Steht sie etwa mit der Gründung der Modiftiniiengeloerkschaft im Zusammenhang, die eine AufklärungS- und OrganisationSarbeit ver- folgt, die bei der durch die Lektüre der Bourgeoisblätter und die verlogene Sentimentalität der Gasseillyrik verwüsteten Phantasie dieser Proletaricrinilen freilich ungeheuer schwierig ist? Und wenn schon der Herr Vikar seiucn Predigertrieb just vom Modenfach an- gezogen fühlte, warum hat er nicht die Unternehmer ein- geladen und ihnen warnend Typen vorgeführt, wie den Habgierigen, den Brutalen, den Zyniker usw.? Vürgerlicke Bewegung, Ter Wettlauf der Parteien um die Gewinnung der Fraucn kommt deutlich zum Ausdruck durch zwei Veranstaltungen am gleichen Platze: Die Nationalliberalen hielten am 13. April in Köln den„ersten rhelinschen Frauentag der nationalliberalcu Partei" ab. In einem Begrüßungsartikel schreibt die„Kölnische Zeitung" u. a.:„Die nativlialliberale Partei der Rheinprobinz konnte den hier mächtig einsetzenden Bestrebungen des Zentrums nnd der Sozialdemokratie gegenüber, die Frauen für ihre politischen Zwecke und Ziele zu gewinnen, die Augen nicht ver- schließen und mußte mit sich crustlich zu Rate gehen, wie die Fraucn in das politische Leben hineinzuziehen seien." Deutlicher kann man nicht zugestehen, daß man nur durch die Konkurrenz anderer Parteien genötigt, nicht aus Gründen der Gc- rechtigkeit, sich der politischen Betätigung der Frauen angenommen hat. Der Artikel sagt dann, daß die nationalliberale Partei»zm-rit nur eine geringe Anteilnahine der Frauen erfuhr": aber in dein Zeitraum weniger Jahre sei im Rheinland die Organisation der uationalliberalen Frauen„so erstarkt, daß sie den ersten Frauentag nach Köln hat einberufen können". Kunststück in einer Provinz, die sechs Millionen Einwohner zählt! Zur gleichen Zeit hält die Frauenorganisation deS Zentrum?, der„Katholische Frauenbund", in Köln einen fünftägigen„Kursus zum Studium des Sozialismus" ab. Jeden Tag soll„ein ein- schlägigcS Programmwerk des Sozialismus genau besprochen" werden. Die.„Kölnische Volkszeitung" meint, die Not- wendigkeit. daß auch die Frauen„wissenschaftlich in den Geist einer Weltanschauung einzudringen suchen, die heute in den breiten Volksschichten immer mehr Terrain gewinnt", brauche nicht eigens begründet zu werde«: sie liege klar zutage: „Die zerstörenden Tendenzen dieser Weltanschauung inachen ja heute loeder vor der Familie noch vor dem einzelnen Frauenleben halt. Die Frau aber muß die Gefahren kennen, delien ihre heran- wachsenden Söhne und Töchter ausgesetzt sind, wenn sie daheim ein Gegengewicht schaffen und in direktem Gegensatz zu den Verderb- lichen äußeren Strömungen iuiierhalb der Familie den Geist der katholischen Weltanschauung pflegen lvill." Wie die„wissenschaftlickie Entführung in den Geist des So- zialismus" beschaffen sein wird, das kamt man sich vorstellen, wenn man unter den Namen der Vortragenden die frühere Anarchistin, nachmalige Sozialistin und jetzige„M.- Gladbacherin" Fannh I in l e ueben dem Jesuiten Pater C o h a u ß findet.� Jeden- falls zeigt der auf ganz Westdeutschland berechnet� fünftägige Kursus, zu welchen Anstrengungen der vordringende Sieger So- zialiSmus die Klerikalen zwingt. In Spamen erscheint seit kurzem die erste Frauenbcilage einer politischen Tageszeitung.?tach der„Frauenbewegung" wird der„Im- parcial", das größte Tageblatt Madrids, in einer neu eröffneten Rubrik die Frauen aller Gesellschaftsklassen zu Worte kommen lasscir. DaS will etwas sagen in einem Lande, das eine Frauenbewegung noch kaum kennt, und in dem nur eine einzige Frauenzeitung, ein bescheidenes Modeblättchen(„Die Frau in ihrem Hause"), erscheint. jVlutter und Kind. Uneheliche in Norwegen. Die volle rechtliche Gleichstellung der unehelichen und ehelichen Kinder in Norwegen sieht eine Gesetzes- Vorlage vor, die dem Parlament zuging. Tie Vorlage ist eine Er- gänzuug des Gesetzes von 1L92, das dem Vater eines unehelichen Kindes die Verpflichtung auserlegte, die lcdige Mutter zu unter- stützen, und ihm die Bürgerrechte aberkennt, wenn er sich dieser seiner rechtlichen Verpflichtung entzieht. Sie will dem unehelichen Kinde den Namen des Vaters und volles Erbrecht an dessen Eigen- tum sichern. Sie stellt die Schutzfrist der unehlichen Mutter von 18 aus 21 Jahre herauf, setzt sebr strenge Strafen für die Eni- zichung der Alimentationspflicht sowie öffentliche Anklage gegen solche Väter fest und enthält überdies die Bestimmung, daß eine Mutter, die durch Verschulden des Vaters zu einem Kindes- inorde getrieben wurde, eventuell freigesprochen werden kann. Tics Gesetz würde die Praxis in Norwegen nur sauktionieren. In den letzten Monaten haben in mehreren Fällen norwegische Geschlvoreuengericbtc uneheliche Mütter, die wegen.Kindcsmord an- geklagt waren, freigesprochen, und zwar auch in Fällen, wenn bei den Angeklagtelt weder Sinncsverwirrung noch außergetvöhnlichc Rot vorhanden war. In allen diesen Fällen haben die Geschworenen ausdrücklich erklärt, daß sie nicht in der Lage seien, den Buchstaben des Gesetzes zu erfüllen, dck dieses nur die Mutter zur Verant- worlung zieht, aber nicht auch den Vater, dessen Verhalten(aus- gebliebene Unterstützung usw.) die Mitursache zu dieser Tat war. In einem dieser in Ehristiania gefällten Urteile sagte der Obmann der Geschworenen, daß, wenn Vater und Mutter in diesem bc- itimmten Falle angeklagt wären, beide verurteilt toerden müßten, daß aber die Geschworenen es vorziehen müssen, die Mutter— gegen das Gesetz— freizusprechen, che sie das Unrecht begehen, sie allein zu verurteilen. Literanfebes. Frauenarbeit in Württemberg. Tic als Heft 4 der„Sozial« demokratischen Fiauenbibliothek" erschiencue Studie von M. Richter über„die Frau in der Industrie und Landwirtschaft Württembergs" (Verlag Vorwärts, 10 Pf.) verdient nicht nur bei den Genossiinicu im Süden Deutschlands großes Interesse. Gerade in den Wirtschaft» lich zurückgebliebenen Teilen des Reiches läßt sich der Jndustria- lisierungsprozeß der letzten Jahrzehnte bester verfolgen als in den Gegclldeii, die schon vor 30 Jahren vornehmlich industrielle waren. An der Hand der Zahlen aus den Betriebszählungcn von 1882, 189ö und 1907 werden die Wandlungen i» den einzelnen Berufen mit bc- soliderer Berücksichtigung der Frauenarbeit illustriert. Im Schluß- kapitcl erfährt auch die Kinderarbeit auf Grund der Gewerbe- inspektorenberickite� eine kurze Beleuchtung.— Es wäre erwünscht, wenn ähnlickie Zusammenfassungen über die Frauenarbeit weiterer Gebiete veröffentlicht würden. Tic Franc» und der preußische Landtag. AIS Agitationsschrift für die kommenden Laitdiagstvahlen ist als Heft ö der sozialdcmo- kratischen Fraucnbibliothel eine Broschüre unter dem angegebenen Titel von Ma t h i l d e Wurm erschiencii.(Verlag„Vorwärts", Preis 30 Pf.) Die Broschüre zeigt trefflich, weshalb Frauen und Mädchen deS arbeitenden Volkes sich um den preußischen Landtag kümmern müssen. Im Vorwort heißt es:„Arbeiterinnen, lest diese Schrift! Sie schildert Euch, loelche Zusammenhänoe bestehe» zwischen Euren Lebensverhältnissen und der Politik, welchen Einfluß der preußische Landtag auf Euer räglichcs Wohl- ergehen hat und welche Forderungen Ihr zur Besserung Eurer Lebenslage au ihn stellen müßt! Die Arbeiterklasse Preußens kämpft mn ihr Recht, und Ihr, Mädchen und Fraucn, müßt mit ihnen kämpfen um Euretwillen, um der Arbeiterklasse willen, von der Ihr ein Teil seid."-- Aus dem Inhalt heben wir hervor: Das Wahlrecht in Preußen. Frauenarbeit und Frauenlöhuc. Ge- sindeordnung und Koalttionsrecht. Arbeitermnenschutz und preußischer Landtag. Mutter-, Säuglings- und Kinderschutz. Schule, Fort» � bildungsschute und Jugendpflege, Die Frauen und die Steuernot. Die Frauen und das Wahlrecht. Glne Konferenz der Berufscbauffeure, die der Deutsche Transportarbeiterverband nach Berlin berufen bat, wurde am Mittwoch im Gcwerkschaftshause eröffnet. Es sind De- legierte aus den meisten deutschen Großstädten anwesend. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Chauffeure. Der Referent Bender verwies darauf, daß in Deutschland zur Zeit etwa 8(KXK) Automobile im Betriebe seien. Es sei deshalb von großer Wichtigkeit, die Lohn- und Arbeitsverhältniffe dieses sich immer mehr ausdehnenden Berufes kennen zu lernen und auf cine� günstige Gestaltung derselben hinzuwirken. Im allgemeinen beträgt die tägliche Arbeitszeit der Chauffeure 12 bis 13 Stunden, beim Schichtwechsel oft 24 bis 36 Stunden. In der Regel mutz der Chauffeur eine Kaution von IVO Mk. stellen. Das Arbeits- Verhältnis der Privatchauffeurc, das sind diejenigen, welche die herrschaftlichen Luxuswagen fahren, ist in vielen Fällen ein ge- radczu unwürdiges. Der Privatchauffeur muß neben seiner Be- rufsarbeit alle möglichen Dienstleistungen für die Herrschaft ver- richten. Stiefelputzen, Hundewarten und ähnliche Verrichtungen gehören nicht selten zu den Pflichten des Privatchauffeurs. Bei freier Station werden den Privatchauffeuren 40, 50, 60 Mk. monat- lich gezablt. Sie müssen gleich den Dienstboten, jederzeit zur Ver- fügung der Herrschast stehen und haben meist nur alle zwei Wochen einen freien Tag.— Die Droschkenchauffeure haben in .Hamburg eine tägliche Arbeitszeit von 11 Stunden, während in Berlin, Dresden, Nürnberg und München die 12stündige Arbeits- zeit herrscht. In Dresden ist die Arbeitszeit beim Schichtwechsel eine LOstundige. In Hamburg haben die Droschkenchauffeure den 8., in den übrigen genannten Orten den 14. Tag frei.— Die Geschäftschauffeure müssen in der Regel 80 bis 100 Stunden wöchent- lich arbeiten. Der Redner fordert eine gesetzliche Regelung der Arbeitszet. Diese dürfte nicht über 12 Stunden betragen. Das Ziel müsse die achtstündige Arbeitszeit sein, was bei der aufreibenden Tätigkeit des Chauffeurs immer noch lang genug sei. Scharf zu verurteilen sei das bei den Droschkcnchauffeuren bestehende Ent- lohnungSshstem, wo neben einem geringen festen Lohn dem Chauffeur ein Prozentanteil von� der Einnahme gewährt wird. Ein ausreichender fester Lohn müsse gefordert werden. Die Last- Wagenchauffeure werden sehr schlecht entlohnt, bis herab zu 20 Mk. pro Woche. Wo die Organisation festen Fuß gefaßt hat, da sind die Löhne besser. Die Konsumvereine zahlen ihren Lastwagen- führern 36 bis 44 Mk. Wochenlohn bei achtstündiger Arbeitszeit. Was hier möglich ist, das muß auch im übrigen durchgeführt werden können. lieber ArbeitSvcrmittelung und berufliche Ausbildung referierte Becker. Der Redner legte dar, welche Stellung die freien Gewerkschaften zur Frage des Arbeitsnachweises einnehmen und zeigte, daß die von Unternehmern eingerichteten Arbeitsnach- weise in erster Linie der Kontrolle und der Maßregelung der Ar- beiter dienen. Diese Gefahr würde auch die Chauffeure treffen, wenn sie sich den Arbeitsnachweisen der Unternehmer unterwerfen würden. Da der Arbeitsnachweis des Transportarbeitervcrbandes über die besten Kräfte im Chauffeurberuf verfügt und deshalb die Automobilbesitzer in jeder Hinsicht befriedigen kann, so sollten die Kollegen durch rege Benutzung ihres eigenen Arbeitsnachweises zum Ausbau desselben beitragen. Häufig konnte der Arbeitsnach- weis des Verbandes Stellen nach auswärts nicht besetzen, deshalb würde es sich wohl empfehlen, die Arbeitsvermittelung�zu zentra- lisieren und zwar so, daß die auswärts gemeldeten Stellen von Kollegen besetzt weroen, die in den betreffenden Orten wohnen. Hinsichtlich der beruflichen Ausbildung verwies der Redner darauf, daß die Organisation schon in den neunziger Jahren die Errichtung von Fach- und Fahrschulen forderte. 1904 reichte die erste Konferenz der Transport- und Verkehrsarbeiter eine Denk- schrift an die Behörde ein, worin die Notwendigkeit der Errichtung von Fach- und Fahrschulen begründet wurde. Obgleich inzwischen das Automobil einen immer größeren Umfang annahm und die sachgemäße Ausbildung der Chauffeure eine Angelegenheit von allgemeinem Interesse wurde, kümmerten sich die Behörden wenig um diese Angelegenheit. Dagegen wurden von privater Seite Chauffcurschulen eingerichtet, die lediglich den Zweck haben, ihren Unternehmern reiche Gewinne aus den Taschen der Lernenden zuzuführen. Der Redner führte zahlreiche Beispiele dafür an, daß Inhaber solcher Schulen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen den Schülern Hunderte von Mark abgenommen haben. Schülern, die noch gar keinen Fahrunterricht bekommen harten, sind Fahr- Prüfungsbescheinigungen ausgestellt worden. � Anzeigen, welche gegen derartige gewissenlose und ausbeuterische Fahrschulunter- nehmer bei der Staatsanwaltschaft eingereicht wurden, hatten keinen Erfolg. Das neue Automobilgesetz ließ die Hoffnung aufkommen, daß diese Zustände gebessert würden. Das ist jedoch nicht gc- schehen. Obgleich die 1908 abgehaltene erste Konferenz der Chauffeure in einer Petition an den Reichstag alle Schäden des privaten Fach- und Fahrschulwesens klarlegte, ist nichts zur Ab- stellung dieser Mißstände geschehen. Zurzeit bestehen in Berlin 46 konzessionierte Fahrschulen, von denen nur die der großen Be- triebe und Fabriken, etwa sechs, einigermaßen den bestehenden Vorschriften genügen. Alle übrigen sind nur auf Ausbeutung der Dummen zugeschnitten. Nachdem ein Schüler 100— 200 M. für seine„Ausbildung" geopfert hat, erkennt er oft, daß er die not- wendige Ausbildung als Chauffeur gar nicht bekommen hat und auf eine Stellung gar nicht rechnen kann. Durch mangelhaft aus- gehildete Chauffeure wird natürlich die Unfallgefahr bedeutend vergrößert. Die Frage der Ausbildung ist demnach eine der wich- tigsten Fragen des Chauffeurberufs. Im allgemeinen Interesse sowie mit Rücksicht auf die Sicherheit des Publikums und der Berufsfahrer muß die Forderung stets wiederholt werden; Er- richtung von Fach- und Fahrschulen auf paritätischer Grundlage und unter staatlicher oder städtischer Aufsicht. Rechtsanwalt Dr. Gutfeldt sprach über die rechtliche Lage der Chauffeure. Unter anderem kennzeichnete er den unwürdigen Zustand, daß die Privatchauffeure gleich den herrschaftlichen Kutschern der Gesinde- ordnung unterstchen. Ferner besprach der Rodner die Schwierig- leiten, die den Chauffeuren entstehen, wenn sie den ihnen oft wegen geringfügiger Bestrafungen entzogenen polizeilichen Fahr- schein wieder erlangen wollen. Ueber Agitation und Organisation sprach Rettig. Er führte aus, daß die gewerkschaftliche Organi- sierung der Chauffeure große Schwierigkeiten hat. Die Chauffeure rekrutierten sich aus früheren Kutschern. Schlossern. Mechanikern und zum kleineren Teil auch aus anderen Berufen. Die Chauffeure blieben zunächst meist in den Organisationen ihres früheren Be- rufs, soweit sie überhaupt organisiert waren, andererseits gab der neu aufkommende Beruf manchem findigen Geschäftsmann Ge- legenheit, an der Hand eines Fachblättchens oder Arbeitsnachweises Chauffeurvereine zu gründen. So entstand eine große Anzahl kleiner Vereinigungen von Chauffeuren, die keine gewerkschaft- lichen Bestrebungen verfolgen, sondern in persönlichen Interessen und in Sarmonieduselei aufgehen. Neuerdings sind nun wieder findige Geschäftsleute auf die Idee verfallen, die kleinen Vereine zu größeren Gebilden zusammenzuschließen. So entstand der Kraftwagenführerbund und die Deutsche Kraftfahrzeugführerver- einigung. zu denen später noch die Interessengemeinschaft der Chauffeure hinzugetreten ist. Außer diesen Organisationen gibt es noch einige andere. Sie stehen alle auf dem Boden der Har- monie mit den Unternehmern, suchen deren Unterstützung nach und bemühen sich in knechtischer Weis« um dre Gunst der Arbeit- geber. Der Krastwagenführerbund, den man als ein gelbes Ge- wächs bezeichnen kann, hat etwa 1000 Mitglieder in 40 bis 50 Ver- einen Alle diese Organisationen. d,e den gewerkichaftlichen Grundsätzen teils fremd, teils feindlich gegenüberstehen, muffen bekämpft werden, denn sie dienen den Interessen der Automobil- besitzer. aber nicht den Interessen den Chauffeure. Für die Or- ganisation der Chauffeure im Transportarbeiterverband muß elne energische Agitation entfaltet werden. ES gibt ,n Deut,chland etwa 45 000 organisationsfähige Berufschauffeure. Dem TranS- Portarbeiterverband gehören 7585 Chauffeure an. Mit denen, die noch in den Gewerkschaften ihrer früheren Berufe sind, werden 8500— 9000 Chauffeure gewerkschaftlich organisiert sein. Es ist also noch ein großes Feld für die Agitation vorhanden. Wenn auch die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Chauffeure noch ver- hältnismätzig klein ist, so hat der Verband doch schon recht be- achtenswerte Verbesserungen ifirer Lohn und Arbcitserhältnissc er- reicht. Er wird seine Agitation den Bedürfnissen der verschiede- nen Chauffeurgruppcn anpassen und Mittel und Wege finden, um sämtliche Berufschauffcure der Organisation zuzuführen. Tins Induftm und Handel. Banken und Syndikate. Durch den großen Einfluß, den die Banken auf die Industrie gewonnen haben, wird auch das Interesse verständlich, das die Banken an der Syndizierung eines Industrie- zweiges haben. Die Monopolisimmg eines Gewerbes gewährt den Banken die größte Sicherheit, daß die der betreffenden Industrie überlassencn Kapitalien eine sichere Anlage bietet, für die Banken und die Aktionäre, auf deren Geldzufluß die Banken angewiesen sind. Die Banken selbst treiben dahin, daß die von ihnen kon- trollierten Industrien sich kartellieren und syndizieren, und um- gekehrt ist in monopolisierten Gewerben der Einfluß der Banken am stärksten. Ueber diese mannigfachen Fäden in einem Einzelsall unterrichtet eine Notiz eines Petersburger Blattes, das die Beteili- gungen folgender in- und ausländischer Banken an dem russischen Eisensyndikat Prodameta verzeichnet: An erster Stelle der- jenigen Banken, die mit der Prodameta eng liiert sind, steht die Afow-Don-Commcrzbank, indem diese zugleich die führende Rolle bei den nachfolgenden Gesellschaften der Montan- industrie innehat: Bei der Aktiengesellschaft der Sulinischen Fabrik, bei der Bvgoslowskischen Bergbaugesellschast, bei der Tagan- roger Metallurgischen Gesellschaft, bei den Brjansker Werken und bei der Donez-Jurjcwer Metallurgischen Gesellschaft. Bekanntlich vollzogen sich auch die letzten Aktienausgaben der eben aufgezählten Unternehmen lausschließlich des letztgenannten) in der Hauptsache unter Beihilfe der Afow-Don-Commcrzbank. Von ausländischen Banken sind an der Taganroger Gesellschaft belgische Institute beteiligt; ferner ist die Societe Generale in Paris an den Bransker Eisenwerken interessiert. Die St. Petersburger Internationale Handelsbank hat enge Beziehungen zur Nikopol-Mariupol Metallurgischen Gesellschaft und zu der Russischen Gesellschaft der Maschinenfabrik Hartmann. Die Aktien der soeben genannten Unternehmen, die sich in früheren Jahren noch im Auslände befanden, siiid jetzt im wesentlichen in Rußland placiert. Tie Russische Bank für auswärtigen Handel hat ein starkes Interesse an der Moskauer Metallurgischen Fabrik. Die deutsche Bankwelt steht in Beziehungen zur KramatorSki- schen Metallurgischen Gesellschaft, zur Gesellschaft der Sosnowicer Röhrenwerke, zur Gesellschaft des Milowicer Eisenwerks, zum Eisenwerk Puschkin, zur Gesellschaft der Metallurgischen Gefell- schaft B. Hantke. Das Geschäft der Aktiengesellschaft der Libauer Eisen- und Stahlwerke, früher Becker u. Co., liegt ausschließlich in den Händen der Petersburger Privathandelsbank. Der Einfluß der Wehrvorlage auf den Beschäftigungsgrad in den Industrien, die für militaristische Bedürfnisse arbeiten, ist schon jetzt zu spüren. So stieg nach der„Wirtschastl. Correspondenz" bei den Deutschen Waffen- und Munition?- f a b r i k e n die Zahl der Beschäftigten vom Oktober bis März in der Gewehrabteilung von 946 auf 2640, in der Maschinengewehr- abtcilung von 104 auf 353. Trotz dieser erheblichen Vermehrung der Arbeiter wird außerdem noch mit Ueberftunden und Doppel- schichten gearbeitet. Ter amerikanische Tabaktrust sucht jetzt auch in die deutsche Zigarren industrie einzudringen, während er bisher nur Ziga- rettenfabriken kontrollierte. Wie der„Börsen-Courier" meldet, soll der Trust eine 800 Arbeiter beschäftigende Hamburger Zigarren- firma angekauft haben. rau Chausseestr. 113 Ecke htvaildenatraeee Sonntags geschlossen! Lerantwortlichcr Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanjtalt Paul Singer u. Co, Berlin SVL Nr. 91. 30. ZahrgM. 4. KtW ks Lswirts" Kerl« PilUlott. Donnerstag, 17. April 1913.' Die Abgrenzung der örwaljlbezirke für die Candtagswablen hat, nach den Vorschriften des Gesetzes, zu erfolgen unter Be rücksichtigung nicht der Wählerzahl, s ondern der E l n w o h- n e r z a h l. Die Bezirke müssen so beimessen werden, daß ihre Einwohnerzahl mindestens 750, doch u irler 1750 beträgt. Für jede Vollzahl von 250 Einwohnern ist dann 1 Wahlmann zu >vählen, also 3 von 750 an, 4 von 1000 an, 5 von 1250 an, 0 von 1500 an. Als Einwohnerzahl mutz diejenige angesehen werden, die bei der letzten Volkszählung ermittelt wurde. Hierbei wird keine Rücksicht darauf genommen, ob inzwischen die Einwohner sich vermehrt oder vermindert haben. � er, Das führt mitunter zu eigenartigen Folgen in solchen Be zirken, die noch in der baulichen Entwicklung begriffen sind und seit der letzten Zählung eine starke Bevolkerungs- zunähme gehabt haben. Unter den UrWahlbezirken Ber- lins sind diesmal wieder einige, die für die Landtagswahlen von 1913 schon mehrWähler haben, als sie bei der in 1910 vorgenommenen Volkszählung Einwohner hatten. In der neu erschlossenen Gegend hinter dein Bötzowviertel ist der zum Landtagswahlbezirk VII gehörende 765. UrWahlbezirk so abgegrenzt worden, datz nach dem Volkszählungsergebnis ihm nur 763 Einwohner zugeschrieben werden können. Er hat aber jetzt bereits 813 Wähler. Der in derselben Gegend liegende, zu demselben Ämdtagslvahlbezirk gehörende 751. Ur Wahlbezirk hatte in dem ihm jetzt gegebenen Unifang bei der Volkszählung erst 863 Einwohner, heute aber hat er 967 Wäh- ler. Noch ärger ist das Mitzverhältnis in einem Bezirk der Gegend hinter Ringbahnhof„Prenzlauer Allee", in dem zum Landtagswahlbezirk IX gehörenden 980. UrWahlbezirk. Er ist so abgegrenzt worden, datz ihm nach dem Ergebnis der letzten Volkszählung nur 959 Einwohner zukommen, heute aber hat er bereits 1249 Wähler. Astes das mag ans den ersten Blick nur komisch scheinen, doch hat es auch eine sehr ernste Seite. Jedem der hier ge nannten Bezirke konnten nach Matzgabe der Einwohnerzahl von 1910 nur 3 Wahlmänner zugebilligt werden, die auf die drei Klassen zu verteilen sind. Die drei Klassen haben 27, 190, 596 Wähler im 765. Bezirk, 26, 227, 714 Wähler im 751. Be- zirk, 22, 310, 917 Wähler im 980. Bezirk. Da kommt z. B. in der 3. Klasse auf 596 Wähler, auf 714 Wähler, auf 917 W'ä hier immer nur 1 Wahlmann. Nach Matzgabe der gegenwärtigen Wählerzahlen kann man für diese Bezirke bei mätziger Schätzung jetzt Einwohnerzahlen von 3000, 4000, 5000 annehmen, so datz jeder— wenn die gegenwärtige Ein- wohnerzahl berücksichtigt würde— in mehrere Bezirke zu zer- legen wäre. Dementsprechend wären auch die Wahlmänner zu vermehren, fiir das Gebiet des jetzigen 765., 751., 980. Bezirks auf etwa 12. 16. 20. Solche Benachteiligung ender noch in der Entwicklung begriffenen Bezirke finden sich noch mehrfach, doch sind sie nicht immer so arg, wie bei den hier angeführten Beispielen. In der Gegend inner- halb des Ringbahnhofs„Prenzlauer Allee" fällt besonders der zum Landtagswahlbezirk IX gehörende 959. UrWahlbezirk auf, dessen Gebiet bei der Volkszählung 1574 Einwohner hatte und jetzt bereits 1092 Wähler hat. Das normale Verhältnis zwischen Einwohnerzahl und Wählerzahl ist, datz die Wähler zahl rund ein Viertel der Einwohnerzahl beträgt. Hiernach hätte man für eine ganze Reihe von Urlrxrhlbezirken der neu entstandenen Stadteilc, die meist von der Arbeiterbe- Völkern ng bewohnt sind, sehr viel höhere Einwohner- zahlen anzunehmen, so datz ihnen sehr viel mehr Wahlmänner gebührten. Es kommt nun aber auch das vor, datz in manchen Ur Wahlbezirken die Wählerzahl weit unterdemNor malen bleibt. Das ist z. B. da möglich, wo seit der letzten Volkszäh- lnng alte Wohnhäuser durch neue Geschäftshäuser ersetzt wurden, die nur noch vereinzelte Wohnungen enthalten. Be- sonders aber ergeben sich für die Kasernenbezirke— weil ja das aktive Militär als Eimvobnerschaft mitgezählt wird, aber aus der Wählerschaft ausscheidet— ungewöhnlich niedrige Wählerzahlen. Z. B. hat am Tempelhofer Feld der 217. Be- zirk(Jüterboger Strotze) bei 1743 Einwohnern rund 82 Wäh ler, ähnlich in Moabit der 1303. Bezirk(Rathcnower und Kruppstratze) bei 1656 Einwohnern nur 67 Wähler. Diese Bezirke haben trotz ihrer geringen Wählerzahl nach Matzgabe ihrer hohen Einwohnerzahl jeder 6 Wahlmänner zu wählen, während jene in der Entwicklung begriffenen Bezirke mit früher wenig Einwohnern und jetzt viel Wählen? jeder nur 3 Wahlmänner wählen können. Im 1303. Bezirk hat die 3. Klasse 53 Wähler, denen 2 Wahlmänner zugebilligt sind. Im 980. Bezirk aber müssen 917 Wähler der 3. Klaffe sich mit 1 Wahlmann begnügen. Man sieht, datz die U n g l e i ch- bcit der Wahlbezirke zu recht schroffen Gegensätzen führen kann. Noch schroffer stellen sie sich dar. wenn man dabei auch die Klassen miteinander vergleicht. In vielen Bezirken hat bekanntlich die 1. Klaffe nur einen einzigen Wähler, und oft darf dieser Einzige 2 Wahlmänner ernennen. Hier 2 W a h l° männerauilWählcrderl. Klasse, dort 1 W a h l- m a n n a u f 917 Wähler der 3. Klasse! Tie Stimm- abgäbe jedes dieser Einzigen der 1. Klasse kann 1834 m a l s o viel bedeuten als die jedes dieser 917 Wähler der 3. Klaffe. Das ist wirklich eine Prachtblüte des dreiklassigen Geldsacks- Wahlrechts._ Partei- Hngelcgenbeitcn. Trebbin. Am Sonnabend, den 19. April, abends S'/z Ubr, im Slbiitze-ilbauie iW. syronun) Wa blvereinSversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom vierten Quartal 191208. 3. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. 4. Landtagswabl. 5. Vortrag. Dabendorf bei stoslen. Am Sonnabend, den 19. April, abends 9 Ubr, bei Wiese: Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung Reinickendorf-West. Die Generalversammlung konnte am DienS- tag aus besonderen Umständen nicht stattfinden! dieselbe tagt heute abend 8'/z Uhr im Lokale von Wohlfahrt, Eichbornstr. 18. Lerlimr Nacbncbtcn. Bebauung der Wuhlheide. In der Wuhlheide, dem beliebten Ausflugsort der Ber- Rner, werden gegenwärtig umfangreiche Umgestaltungen vor- genommen, denen ein großer Teil des Baumbestandes zum Opfer fallen muß. Die Stadt Berlin errichtet bekanntlich in der Wuhlheide ein großes Wasserwerk und eine Gasanstalt Die Arbeiten für das Wasserwerk sind bereits in Augriff genommen und werden sehr energisch gefördert, weil die neue Riesenanlage, bei der ein neues Verfahren, dem Wasser den Eisengehalt zu entziehen und ein neues Filtriersystem zur Anwendung kommen wird, schon im Jahre 1915 in Betrieb genommen werden soll. Die umfangreichen Brunnenanlagen erstrecken sich von Karlshorst bis zur Nordwestecke der Wühl Heide. Das Gaswerk wird in dem östlichen Teile der Heide er- richtet werden. Die Stadt Berlin hat bereits mehrere Grund- stücke am rechten Ufer der Spree angekauft, um von hier aus Kohlen und Material anfahren zu lassen. Zu diesem Zwecke wird auch ein besonderer Bahnhof gebaut, der der östlichen der beiden geplanten neuen Bahnlinien durch die Wuhlheide angegliedert wird.— Auch ein großer Volkspark soll in der Wuhlheide angelegt werden. Für diesen Zweck ist ein etwa 500 Morgen umfassendes Gelände vorgesehen.— Mit den Ar beiten für diesen Volkspark wird schon in nächster Zeit be gönnen werden. Auch der übrige Teil der Heide, der als Wald bestehen bleibt, wird mannigfache Umänderungen erfahren. Die Wühle, das westlich von Köpenick in die Spree mündende Flützchen, von dem das Woldgebiet den Namen erhalten hat, wird zum größten Teile reguliert werden. Zahlreiche neue Wege werden angelegt und die alten ausgebessert werden. Nach der Fertig- stellung aller dieser Bau- und Regulierungsarbeiten wird sich die Wuhlheide den Ausflüglern in einem ganz neuen Ge- wände darstellen. Wenn auch mancher Reiz des Waldes der- loren geht, so dürfte andererseits die Sicherheit in der Heide, die bisher trotz der größten Bemühungen der zuständigen Polizeibehörden viel zu wünschen ließ, ganz erheblich gesteigert werden._ Das Halte- und Abfahrtszeichen bei der Straßenbahn. Unsere neuliche Notiz über die Unztveckmätzigkeit, das Halte- und Abfahrts- zeichens bei der Straßenbahn durch eine Zugleine anstatt durch Drücken auf einen 5tnopf zu geben, hat uns eine Zuschrift eines Straßenbahnschaffners eingetragen, in der dargelegt wird, daß die jetzige Art des Zeichengebens vermittelst einer Zugleine die praktischere sei. Die elektrische Zeichengebung durch einen Knopf habe manche Nachteile. Es müßten im Wagen eine ganze Reihe solcher Knöpfe angebracht werden, um ein sich notwendig machendes sofortiges Halten des Wagens zu ermöglichen. Dann bestehe die Gefahr der Stromunterbrcchung und des Versagens dieser Zeichen- gebung. Es kommt vor. daß durch starkes Stoßen des Wagens die Klingel sich von selbst in Bewegung setze. Aus diesem Grunde sei die Zugleine praktischer und der" früher schon eingeführten aber wieder abgeschafften Druckknopfklingcl vorzuziehen. Die Be- lästigung des Publikums sei minimal und komme kaum in Frage, wenn wir bestimmt, der hintere Platz„ftei" bleibe. Die Straßenbahnschaffner wünschten die Einführung der Druckknöpfe nicht wieder. Wir nehmen gern von dieser Zuschrift Notiz, da sie von einem Manne kommt, der jahrelang im Dienst Erfahrungen gesammelt hat und eher� in der Lage ist, ein Urteil zu fällen als Laien dies können. Andererseits besteht die Tatsache, daß in verschiedenen anderen Städten noch heute die elektrische Zeichengebung besteht. Der neue Grundlchrplan für Groß- Berlins Gcmeindeschulen wurde, wie das Nachrichtcnamt des Berliner Magistrats meldet, von der Schuldepulation der Stadt Berlin in ihrer letzten Sitzung ein- gehend beraten. Die Vorschläge der Kommission, die zur Beratung des LehrplaneS von der Schuldeputation eingesetzt war, wurden an- genommen. Leider ersieht man aus dieser' Meldung nicht, welcher Art die angenommenen Vorschläge sind. Bekanntlich wird geplant, das A ch t k l a s s e n s y st e m der Gemeindeschule Berlins auf ein der- kappteS Siebenklassensystem zurückzuschrauben, auf ein Siebenklassensystem mit dem Dekorationsstück einer Ober- klaffe. Der Streit um den Spandauer Wald ist nun erledigt. Nachdem die Mehrheit der Zwcckverbands- Versammlung dem ihr vorgelegten Vertrag mit Spandau zugestimmt und sogleich danach die Spandauer Gemeindebehörden ihn in dieser Fassung angenommen hatten, ist jetzt von den beiden Parteien der Vertrag unterzeichnet worden. Die Stadt Spandan muß 3999 Morgen des Stadtwaldes auf 59 Jabre als Freifläche sicherstellen, darf aber dafür das Havel- ufer dem Unternehmer ausliefern, der es zu Industriellen Zwecken ausschlachten will. Auch der Bezirksausschuß hat soeben seine Zu- stimmung zu der Preisgabe des HaveluferS erteilt. Auch ein Beruf. Im„Berliner Lokal-Anzeiger' vom IS. April befindet sich folgende Anzeige: .Rouletteproblem. Aufklärung erteilt nachmittags nach vorher- gehender schriftlicher Anmeldung Baron von Offen- berg, Wilmersdorf, Paretzerstraße 19, L* Wie ein Epilog auf den eben beendeten großen Spielerprozeß Stallmann mutet das Inserat an, auf das sich natürlich nicht wenige, die von der Jagd nach dem Glück leben wollen, melden werden. Fragt sich nur, was der Herr Baron, der anscheinend gar keinen anderen Wirkungskreis finden kann, für die„Aufkärung" nimmt. Er dürste mit dem Verdienst daraus das Rouletteproblem allerdings am sichersten gelöst haben. Vom Schillerpark ist die nördliche Hälfte schon seit längerer Zeit ertiggestellt und dem Verkehr freigegeben. Etwa Mitte Mai soll auch die südliche Hälfte fertig werden, so daß dann die ganze An- läge vollendet lväre. Der Magistrat plant eine kleine EinweihungS eier.____ Grohfeuer kam gestern(Mittwoch) früh gegen i Uhr in Mariendorf in der Fabrik der Deutschen Teerbeton-Werke G. m. b. H. dicht neben der Englischen Gasanstalt zum Ausbruch. Als man die Gefahr be- merkte, hatte der Brand schon die oberen Stockwerke des vier- 'töckigen Fabrikgebäudes erfaßt und die Situation war wegen der benachbarten Gasanstalt äußerst bedrohlich. Außer der Marien- dorfer Feuerwehr eilten in kurzer Aufeinanderfolge auch die Feuer- wehren von Tempelhof, Britz, Marienfelde, Lankwitz, Südende und von der Neuen Photographischen Gesellschaft in Steglitz zur Hilfe- leistung herbei. In erster Linie galt es, die Gebäude der Gasanstalt zu schützen. Mit mehr als 19 Schlauchleitungen wurde gegen das lseuer vorgegangen, aber nur langsam tonnte den Flammen Terrain abgewonnen werden. Die Hauptarbeit verrichtete die neue Auto- dampfspritze der Britzer Feuerwehr, die bei diesem Brande die Feuer- taufe erhielt. Sie legte an einem ziemlich entfernt liegenden Hydranten an führte den übrigen Wehren das Wasser zu. Erst gegen 6 Uhr konnte die Gefahr als beseitigt gelte», so daß ein Teil der Wehren den Brandplatz verlassen konnte. Das Fabrikgebäude ist größtenteils ausgebrannt und die AufräumungSarbeitcn zogen ich noch mehrere Stunden hin. lieber die Ursache des Feuers tvar vorläufig nichts zu ermitteln._ lieber einen mysteriösen Ravbüberfall in Schöneberg wird fol- gendes-berichtet: In der Hauptstraße ließ ein höherer Beamter, als er mit seiner Frau ausging, das Dienstmädchen mit einem kleinen Kinde in der Wohnung zurück. Bei der Rückkehr am Abend klopften die Eheleute vorne au, um das Mädchen zum Aufschließen zu vcr- anlassen. Es kam aber»-cht an die Tür, sondern rief nur bo« der Stube aus, daß es von einem Einbrecher eingesperrt worden sei. Die Leute gingen jetzt die Hintertreppe hinauf und fanden dort die Tür aufstehen. Die Stubentür war mit einer Leiter so verstellt� daß sie von innen nicht geöffnet werden konnte. Das klei«. Kind lag schlafend in seinem Bcttchen. Das eingesperrte, von der Herr- schaft befreite Mädchen erzählte, daß plötzlich ein Einbrecher in der Wohnung erschienen sei. Als sie Miene gemacht habe, um Hülfe zu rufen, habe ihr der Kerl einen so heftigen Schlag über den Arm verfetzt, daß sie vor Schnierz die Besinnung verloren habe. Es er- gab sich, daß für 2999 M. Schmucksachen und Kleidungsstücke ge- stöhlen worden waren. Der Arm des Mädchens ist braun und blau angelaufen. Sonst hat es keine Verletzung. Es ist aber der Krimi- nalpolizei bisher noch nicht gelungen, den Einbruch weiter auf- zuklären, insbesondere festzustellen, unter welchen Umständen urü) mit welchen Mitteln der Einbrecher in die Wohnung hinein- gelangt ist. � Ul»l«HMg von Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn muß wegen Gleisarbenen infolge des BaueS der Untergrundbahn in der Kleist- straße wiederholt verschiedene Linien umlenken. An der Lutherstraße wird die Gleiskreuzung neu eingebaut. Der zweite Teil dieser Arbeiten wird aber nicht, wie vorgesehen, am 18.. sondern in der Nacht vom 28. zum 29. ausgeführt. Dann gehen die Linien 64, 66 und 67 durch die Nürnberger, Kurfürsten- und Schillstraße und zurück wie 77, 78; 89 und 81 in der Richtung Charlottenburg— Berlin über Kurfürstendamm, Kurfürsten-, Schillstraße wie 93/98; A und B in der Richtung Kurfiirstendamm— Linkstraße über Joachimsthaler-, Hardenbergstraße, Kurfürstendamm, Kurfürsten-, Maatzenstraße am Nollendorfplatz, in der entgegengesetzten Richtung vom Nollendorf- Platz über Maaßen-, Kurfürsten-, Nettelbeck- und Kleiststraße. Das Opfer einer Gasvergiftung ist die 79 Jahre alte Klempner- meisterswitwe Wobig geworden, die bei ihrem Sohne, dem Fabrikanten Richard W., im Hause Schlestsche Str. 6, wohnte. Gestern morgen wurde die Greisin, besinnungslos im Bette liegend, von dem Dienstmädchen aufgefunden. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch den infolge Leuchtgasvergiftung eingetretenen Tod feststellen. Nach den angestellten Ermittelungen hatte die alte Frau am Abend vorher gegen 19'/« Uhr ihr Schlafzimmer aufgesucht und beim Zubettgehen den Hahn der GaSampel nur ungenügend abgedreht oder irrtümlich wieder aufgedreht. Ein aufregender Borfall hat sich Dienstagabend in dem Cafs „Der Reichshof" in der Potsdamer Straße abgespielt. Der 26jährige Musiker B., der zuletzt in dem Restaurant„Alt-Bayern" beschäftigt war, hatte mit einem jungen Mädchen ein Liebesverhältnis unterhalten, das jedoch in letzter Zeit getrübt wurde. Borgestern abend besuchte der Musiker das Restaurant.Reichshof'; dort traf er seine Geliebte in Gesellschaft eines jungen Mannes an. B. stellte sie zur Rede und es kam zu einem erregten Austritt. Plötzlich zog der enttäuschte Liebhaber einen Revolver hervor und schoß sich vor den Augen der zahlreichen Gäste eine Kugel in die Brust, die ihn schwer verletzte. B. wurde in sehr bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause am Urban geschafft. Neber die Ermittelung der Todesursache des Gymnasiasten Tiemann in Eharlottcnburg veröffentlicht setzt idie StaatSauwa-ltschaft des Landgerichts III u. a. folgende Erklärung:„Eine Mitwirkung fremder Personen beim Tode des Tiemann muß als ausgeschlossen gelten. Der damals zur Leiche hinzugerufcnc praktisch« Arzt Dr. Stern hat nach der Beschaffenheit der Leiche und insbesondere nach Art und Lag« der Strangulierungsmarke am Halse den Standpunkt vertreten, daß mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlich- kcit Selbstmord anzunehmen sei. Er hat diesen Standpunkt auch heute nicht geändert. Seiner Annahme steht weder der Sek- tionÄbefund noch der sonstige Sachverhalt bei Auftindung der Leiche entgegen. Würgemale oder andere Zeichen von Gewaltanwendung sind an dem Toten nicht wahrgenommen worden, auch nicht vom Hausarzt-der Familie Dr. Volmer. Im Munde haben sich Spuren von Pulver oder Gift nicht gefunden. Die Hände waren nicht ge- fesselt, vielmehr hatte der Tote eine ihm gehörige Schließkette nur um das Gelenk der einen Hand geschlungen, während das andere Ende der Kette lose in den Fingern der anderen Hand lag. Auf- fallend war allerdings, daß die Elisabeth Heinrich nach dem Auf- finden der Leiche nicht alsbald Hilfe herbeigeholt hat. Doch ist eine solche Kopflosigkeit in ähnlichen Situationen von medizinischen Sach- verständigen auch sonst schon vereinzelt wahrgenommen worden. Ein Vkotiv zum Selbstmord war nicht zu ersehen, indessen kommt es häufig vor, daß Selbstmörder ohne erkennbare Beweggründe in den Tod gehen. Dieser schon damals festgestellte und durch die neuen sehr ein« gehenden Erhebungen bestätigte objektive Sachverhalt erfuhr eine Aeudcrung durch dir Angaben, die Elisabeth Heinrich gegenüber dem Privatdetektiv Schwarz gemacht hatte. Die Art und Weise, wie dieses angebliche Geständnis zustande gekommen- und die näheren Ilmständc, unter denen es abgegeben ist, lassen das Ge- ständnis als vollkommen wertlos erscheinen. Die Heinrich hat alsbald nach ihrer Verhaftung vor Gericht ihre Angaben wider- rufen, sie hat damals und ebenso später bei ihrer ersten Vernehmung durch den ersten Staatsanwalt in vollkommen glaubwürdiger Weise dargelegt, daß sie ihr Geständnis Schwarz gegenüber nur gemacht habe, weil dieser durchaus eine gelvaltsamc Tötung des Ticrnann erklärt haben wollte und ihr für den Fall solcher Angaben die baldige Ehe in Aussicht stellte, während er im anderen Falle die Verlobung lösen und sie öffentlich blamieren wollte. Ein raffinirter Betrugsfall beschäftigt zurzeit die Kriminal- Polizei. Der angebliche Ingenieur Bieberstein kaufte bei einer Ber- liner Möbelsirma eine bessere Einrichtung. Er wußte durch ge- wandtcS und sicheres Auftreten Vertrauen zu erwecken, sodaß man seinen Angaben über Heirat ugd Mitgift Glauben schenkte und die Zahlung der Kaufsumme bis nach erfolgter Eheschließung verein- barte. Nunmehr stellt sich heraus, daß der Verkäufer einem Be- trüger in die Hände gefallen ist. 24 Stunden- nach Lieferung der Einrichtung wurde dieselbe am 14. April, morgens zwischen 7 und 19 Uhr, aus der Wohnung Landauer Straße 9(Rüdersheimcr Platz) schon wieder abgefahren, wie festgestellt ist, und mit ihr ist auch der Ingenieur B. seitdem spurlos verschwunden. Emen bösen Abschluß fand eine Rattenjagd in Weißensee. Auf dem Grundstück einer Geflügelmästerei in der Langhonsstraße vcr- mehren sich die Ratten in erheblichem Maße, und zar Vernichtung der Tiere halte die Geschäftsinhaberin ein Tesching angeschafft. Als ein Angestellter Jagd auf die Ratten machte und einen Schuß ab- feuerte, traf er den Sohn der Besitzerin. Der Knabr wurde so e»» heblich verletzt, daß er ins Angusta-Viktoria-Krankenhaus gebracht werden mußte. Deutscher Arbeitersöngeriund, Gau Berlin. In der letzten Ausschußsitzung wurden zunächst die Vereine„Sängerschaft der Gemeindearbeiter'-Berlin und„Vorwärts'-Schöpfurth bei Ebers- walde aufgenommen. Sodann machte der Borsitzende auf das in nälbster Zeit stattfindende Konzert des„Stockholmer Arbeitergesang- Vereins' aufmerksam und ersuchte um recht regen Vertrieb der Billetts. Im Gegensatz hierzu wies er auf den gefaßten Beschluß betreffs des Konzerts der„Dresdener Singakademie' hin. Trotzdem der Verein zum größten Teil aus organisierten Arbeitern be- stehe, habe er sich noch nicht dem Arbeitersängerbunde angeschlossen; er ersuche daher die Sangesbrüder, das Konzert nicht zu besuchen. Hierauf wurde die Einteilung der Vereine zur Maifeier bekannt gegeben. Auch wurden die Bereine ersucht, sich an den Vormittagsversammlungen der Gewerkschaften zu beteiligen. gum TSngerfest. welches am Sonntag, den 27. Jult, im Schloß Mißensee stattfindet, sollen besonders diejenigen Vereine, welche unter einem Dirigenten singen, sich rege an, Einzelgesang beteiligen. Meldungen sind so bald wie möglich an den ersten Vorsitzenden Paul Kupfer, Landsberger Allee 58, einzusenden. Ferner ersucht der Vorsitzende, die Billetts vom Konzert der.Hallenser" Gesangvereine möglichst bis Sonntag, den 20. April, bei I. Steffens, Langenbeck- straße ö, abzurechnen. Ausgeschlossen wurden die Vereine„Esmeralda" und.Becherklang". Im Wissenschaftlichen Theater der Nrania gelangt am Freitag und Sonnabend der Vortrag„Der Vierwaldstätter See und der Gotthard" zur Darstellung, der mit einer Fülle historischer und aktueller Hinweise in glanzvollen Bildern und Wandelpanoramen die Schönheiten und Eigenarten dieses reizvollen Sees der Schweiz. die technischen Wunder der Gotthardbahn sowie die alpinen Reize der alten Völkerstraße über den Gotthard dem Beschauer vor Augen führt. ZirkuS Albert Schumann gibt heute Donnerstag seine Abschieds- Vorstellung. Unmittelbar nach derselben tritt die Gesellschaft die Reise nach Frankfurt a. M. an, woselbst ein auf mehrere Wochen berechnetes Gastspiel stattfindet. An dieses werden sich längere Gastspiele in Düsseldorf und Scheveningen anschließen. Vorort- JVadmcbtem Neukölln. Nachspiel zur Stadtvcrordnetenwahl. Im Mai b. I. fand, wie damals berichtet wurde, eine Stadt- verordnetenstichwahl zwischen dem Maurermeister Genossen Schuch und dem Kaufmann Weber statt. Der Wahlvorstand konstatierte für beide Kandidaten Stimmengleichheit; das Los entschied dann zu- gunsten deS Maurern, eisters S�uch. Gegen die Gültigkeit der Stichwahl wurde aber Protest erhoben, mit dem Hinweis, daß der Wahlvorstand eine für Hermann Schuch abgegebene Stimme Wilhelm Schuch zugerechnet hatte. Die Stadtverordnetenversammlung erklärte darauf die Wahl des Maurermeisters Wilhelm Schuch für ungültig. Dieser Beschluß wurde von unseren Genossen angefochten; der Bezirksausschuß in Potsdam wie? aber die Kläger ohne inünd- liche Verhandlung ab. Gegen diesen Bescheid beantragten die Kläger die mündliche Verhandlung. In der jetzt stattgefundenen Verhand- lung wurden die Kläger wieder abgewiesen. In den EntscheidungS- gründen des Bezirksausschusses heißt es unter anderem: Der Bezirks- auSschuß war der Ansicht, daß es sich hier um die Wahl in einer Großstadt handelt, in der Dinge, lvie die Identität von Hermann Schuch und Wilhelm Schuch keineswegs zu den Selbstverständlich leiten gehören. Die Formen der Stimmabgabe, besonders die klare Benennung des Namens, müssen unbedingt erfüllt werden, um eine gültige Wahl zu erinöglichen._ Steglitz-Friedenau. Für die heute in AlbrcchtShof stattfindende öffentliche Bersamm- lüng, die sich mit der bürgerlichen und proletarischen Jugendpflege beschästigen soll und zu der die Vertreter der bürgerlichen Jugend- pflege geladen sind, scheint im Bürgertum starkes Interesse bor- Händen zu sein. In allen drei bürgerlichen Tageszeitungen Steglitz wird das Bürgertum zu starkem Besuche abgespornt. So schreibt der.Steglitzer Anzeiger" unter der Neberschrift: Pünktlich erscheinen! Die Jugendpflegeversammlung morgen Donnerstag beginnt mit der für Steglitz ungewöhnlich frühen Zeit: 8 Uhr, und zwar pünktlich! Somit muß die Steglitzer Bürgerschaft, die an der Verteidigung ihrer Jugendpflegearbeit ein starkes Interesse hat und deshalb die Versammlung in Albrechtshof in großer Zahl be- sucht, r e ch t fr ü h z eiti g kommen, damit sie nicht vor vollem Saal umzukehren gezwungen ist. Aller Voraussicht wird mit einer frühen polizeilichen Absperrung des Lokals zu rechnen sein. Die Arbeiterschaft wird deshalb eben- falls gut tun, rechtzeitig zur Stelle zu sein! Friedrichsfelde. Neber„Das preußische Volk und die Landtagswahlen" referierte der Kandidat des Kreises, Genosse Otto Braun, in einer öffent- lichen Wählerversammlung. Er wies auf die Ungerechtig» keit des Dreiklassenwahlsystems hin und schilderte die politische Rück- ftändigkeit Preußens. Es sei Sache der Wähler, die bereits in das Junkerparlament gelegte Bresche bei diesen Wahlen kräftig zu er- weitern. Dazu biete auch unser Kreis Gelegenheit. Wenn alle unsere Wähler ihre Pflicht tun, sei Aussicht vorhanden, diesen Wahl- kreis zu erobern. Der Vortrag fand lebhaften Beifall, doch knüpfte sich an ihn keine Diskussion. Genosse Schwenk wies zum Schluß auf die Pflicht hin, am 16. Mai sein Wahlrecht auszuüben. Leider mußte festgestellt werden, daß eine Reihe Personen um ihr Wahlrecht gekommen sind. Sie haben es versäumt, rechtzeitig die preußische Staatsangehörigkeit zu erwerben. Köpenick. Kunst und Proletariat. Der Bildungsausschuß veranstaltet am Freitag, den 18. April, abends 8V4 Uhr, im Lokal von Albert Stippe- kohl, Schönerlinder Str. 5, einen Vortrag über: Kunst und Pro- letariat. Einführung in die Kunst vonr historisch-materialistischen Standpunkt. Hierauf anschließend am Sonntag, den 20. April, vor- mittags um 10 Uhr, in Berlin: Führung und Demonsirationsvortrag durch die Nationalgalerie. Abfahrt S.II vom Köpenicker Bahnhof. Genossen und Genossinnen, welche sich der Führung anschließen wollen, müssen sich, da die Teilnehmerzahl eine beschränkte ist, bis spätestens Freitagabend(Vortrag) melden. Weihensee« In der gut besuchten Generalversammlung des Wahlvereins wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen. Ans der Wahl ging hervor als erster Vorsitzender«chlenimmger, zweiter Vorsitzender Gründler, Kassierer Kaufhold, Schrifrführcr Neumann. Der vom Genossen Schlemminger erstattete Geschäftsbericht zeigte ein be- friedigendes Bild. Die im November provisorisch eingeführte Haus- kasjierung hat sich bereits gut bewährt. Zudem hat sich der Besuch der Gruppenabende geHobe», die Versammlung" beschloß die HauS- kassierung dauernd einzuführen und den Kassierern eine Ent- schädigung von S Proz. zu gewähren. Dem neugegründeten Jugend- verein für Spiel und Sport mutz mehr Beachtung geschenkt werden. Des weiteren wurde ersucht, zum bevorstehenden Landtagswählkampf alle Kräfte anzuspannen, damit in Weißensee lvie bei der Reichs- tagswahl ein erfreuliches Wahlresultat erzielt werde. Genosse Frost gab alsdann seine Mißbilligung über die geradezu unerhörte Milch- Preissteigerung(von 24 auf 30 Pf. pro Liter) der hiesigen Milch- kuranstalt kund. Anstatt daß dieses Gemeindeinstitut in bezug auf Preisbildung vorbildlich wirken sollte, wurde hier das Signal zur allgemeinen Preiserhöhung gegeben; die Folge wird sein, daß auch die Milchhändler am Ort eine Preiserhöhung ihrer Produkte vor- nehmen werden. Pflicht der Gemeindevertretung sei es, ein ganz ernstes Wort hierüber zu reden, zumal bekannt sei, daß die Kundenzahl der Milch- kuranstalt infolge dieser Maßnahmen um über die Hälfte zurück- gegangen ist. Nieder- Schönhausen. Aus der Gemeindevertretung. Am 21. April wird der amt- liche Berkauf von russischem Fleisch eingestellt. Der Durchführung der Straßenbahnlinie 23 stellen sich immer wieder neue Schwierigkeiten entgegen. augenblicklich beschäftigt sich das Ministerium der öffentlichen Arbeilen mit dieser Angelegenheit. Für den Hauswart am Rathaus wurden die Anstellungsbedingungen fest- gesetzt; derselbe erhält 1620 M. Gehalt, freie Wohnung und Heizung. Außerdem 360 M. für eine Hilfskraft. Der jetzige Hauswart hat seine Stellung zum 1. Juli gekündigt; es kommt bei der New besetzung nur ein Militäranwärter in Frage. Genosse Breitmann ersuchte um Auskunft, aus welchem Grunde die Kündigung erfolgt sei. Vom Bürgermeister wurde mitgeteilt, daß der Hauswart eine Erhöhung seines Gehalts beantragt habe, dies sei jedoch von der Baukommission in Anbetracht der schlechten Finanzen abgelehnt worden. Für die Ausbesserung der Bismarckstraßc wurden 500 M. bewilligt. Die Direktion der Siemensbahn hatte in den Abendstunden einen Teil der Anhängewagen in Pankow abgehängt, dadurch kam eS häufig vor, daß sich die Fahrgäste entweder in den Vorderwagen quetschen lassen mußten, oder überhaupt nicht mitgenommen wurden. Die Gemeindevertretung wandte sich beschwerdeführend an die Direktion uud ersuchte um Abhilfe. Die Direktion hat nun in einem Schreiben mitgeteilt, daß wenn sich im Anhänger noch Fahrgäste befinden sollten und der Motorwagen normal besetzt sei, so müsse der Anhänjjewagen mit nach Niederschönhausen geführt werden. In nichtöffentlicher Sitzung wurde mitgeteilt, daß die Turnhalle in der Charlottenstraße nicht mehr ausreicht, es muß daher eine ueue Turn- halle errichtet werden. Unsere Vertreter ersuchten, daß der Bau einer Gemeindeturnhalle vorgenommen werden möge. Mit dieser Angelegenheit soll sich die Baukommission beschäftigen. und Gemeindevertretungen. � Freitag, den 18. April, abends 6'/, Uhr, Sitzungstage von Stadt Friedrichsfelde-Karlshorft. im Schulgebäude an der TreSkow-AI Tiefe Sitzungen find Sffcnllich. Jeder Gemeindeangehörige ist be> rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hub aller Sielt. Der flug Paris— Berlin gelungen! Bereits im vorigen Jahre versuchten mehrere französische Flieger, die Strecke Paris— Berlin an einem Tage zurück- zulegen. Die Versuche mißlangen, wenn es auch Audcmars gelang, binnen zwei Tagen Berlin zu erreichen. Am M itt- w 0 ch unternahmen abermals zwei französische Flieger den Versuch: A u d e m a r s und D a u e 0 u r t. Audemars hatte auch diesmal Pech. Itach einer Zivischenlandung in Dtezieres erreichte er zwar kurz vor 11 Uhr den Flugplatz Wanne, jedoch sah er sich durch die starken Böen verhindert, den Weiterflug nach Berlin fortzusetzen. Nach eüügen Probe- runden gab er um 4 Uhr nachmittags das Unternehmen auf, um am Donnerstag die zweite Hälfte der Strecke hinter sich zu bringen. Mehr Glück als der Morane-Saulnier-Pilot Audemars hat sein Konkurrent, der Borel-Flieger D a u c 0 u r t. der am Mittwoch, um Vzff Uhr von Versailles aus aufgestiegen war, um über Lüttich Berlin zu erreichen. Nach Zwischenlandungen in Lüttich und Hannover traf er um 6 Uhr 39 Minuten glücklich auf dem Flugplatz Johannisthal ein. Die Telegramme besagen: .Hannover, 16. April. Der französische Flieger Dauconrt, der heute früh um 5 Uhr 30 Minuten von Chateau-Fort bei Paris zu einenr Fluge nach Berlin aufgestiegen war. kam um 7 Uhr 40 Minuten französische Zeit in Lüttich an. Um 9 Uhr 30 Min. erfolgte der Weiterflug, worauf der Flieger mn 1 Uhr 5 Minuten auf dem Großen Bult bei Hannover glatt landete. Dauconrt ist um 3 Uhr 38 Minuten zum Weiterfluge nach Berlin aufgestiegen. Johannisthal, 16. April. Der Flieger Daucourt, der heute früh bei Paris aufgestiegen war, ist, von Hannover lom- mend, um 6,39 Uhr auf dem hiesigen Flugplatz gelandet. Daniit ist die in der Luftlinie zirka 909 Kilometer be- tragende Strecke zum ersten Male binnen zirka 18 Stunden durchflogen worden. Die reine Flugzeit ist infolge der Zwischeulandungeu um einige Stunden geringer. Daucourt hat durch seine glänzende Leistung den Preis deS Poinerp-Pokals errungen. Audemars wird sich nunmehr günstigstenfalls mit dem Preis für den ersten Flug Berlin-Paris begnügen müssen._ Die Leiden der Spitzbergen-Expedition. Die norwegische Zeitung„TidenS Tegn" meldet aus Green H a r b 0 u r auf Spitzbergen R 0 t v 0 l d uud die Brüder Julius und Jörgen Jensen find gestern hier angekommen. Stenersen ist mit Kapitän Starrud nordwärts weitergegangen. Rotvold er- zählte, daß er nach der LerabsSiedung von Ritfcher am 19. De- zember mit Eberhard und Stenersen nach Norden abgegangen sei- Eberhard habe sich bei Bangenhook verirrt und sei trotz allet Nalbforschungen und Abfeuern von Gewehrschüssen nicht �wiedergefunden worden. Nach einem zwölfstllndigen ununterbrochenen Marsch bei strenger Kälte hätten sie beide, stark erschöpft, eine Hütte in Monselbay erreicht, welche ohne Dach, Ofen und Fenster gewesen sei. Hier hätten sie drei Stunden auf Eberhard gewartet. Da sie nur etwas Pemmikan hatten und schlecht gekleidet waren, und das Wetter un- zuverlässig war, hätten sie nicht weiter als bis Treurenberg» bucht gehen dürfen. Die beiden Deutschen Dr. D e t m e r S und Dr. M 0 e f e r seien zum letzten Mal am 2. Oktober südlich von Steylehovk auf dem Marsche südwärts mit Schlitten und Hund ge» sehen worden. Rotvold und die Brüder Jensen gebrauchten elf Tage, darunter sechs Marschtage, um von dem Schiffe in Treuren» bergbucht nach Adventbay zu gelangen. Schneesturm in Serbien. Ein furchtbarer Schneesturm herrscht seit 24 Stunden in ganz Serbien und besonders in Belgrad selbst. Der angerichtete Schaden ist unermeßlich, in Belgrad konnten keine Zei» tun gen erscheinen, die elektrischen Leitungen sind zerstört. Die Stadt ist ohne Telefon, ohne Straßen- bahn und ohne Licht. Besonders die Obstbäume haben unter dem Unwetter furchtbar gelitten. Der in den Obstkulturen ent- standene Schaden beläuft sich auf Millionen. Eine hohe Schneedecke von über 60 cm bedeckt beinahe das ganze Land. Kleine Notizen. Selbstmord eines Bürgermeisters. Bürgermeister Leonhard B i t s ch von Erlenbach, einem Ort mit 180 Einwohnern bei Fürth im Odenwald, hat sich am Dienstag erhängt. Da er zugleich den Posten eines AbrechnerS der Spar- und Darlehnskasie bekleidete, wird vermutet, daß bei der Kasse etwas nicht in Ordnung ge« Wesen ist. Blutig endende Lohnstrcitigkeiten. In Warschau kam es zwischen Meistern und Arbeitern einer Baumwollfabrik wegen der Lohnberechnung zu einem blutigen Zusammenstoß. Durch Schüsse wurden zwei Personen getötet und vier verwundet. Es wurden viele Verhaftungen vorgenommen. Brandunglück in einem Bergwerk. Am Mittwoch früh 4 Uhr geriet auf der Schachtanlage Wehrten der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" ein Schachtgerüst in Brand und stürzte ein. Das Gebälk stürzte in den Schacht. Hierdurch wurde die Fördereinrichtung unter- brachen und 15 Bergleute eingeschlossen Einer davon wurde durch herabstürzende Balken getötet, vier Bergleute erlitten geringfügige Verletzungen. Die anderen wurden unversehrt ge- borgen. Ein neues Unglück auf der„Union". Auf der„Union" hat sich am Montag morgen ein neuer Unglücksfall ereignet. Als Arbeiter damit beschäftigt waren, mit einem Eisenkran Eisenteile hochzu- winden, löste sich plötzlich das Seil und der Kran stürzte mit seiner schweren Last in die Tiefe. Drei darunter beschäftigte Arbeiter wurden schwer verletzt, zwei von ihnen muß- tcn sogleich ins Krankenhaus gebracht werden. Drei weitere Ar- beiter wurden leicht verletzt.— llebrigens hat das Grubenunglück, das sich am 11. April auf der„Union" ereignete, nunmehr daS vierte Menschenleben gefordert. Am Dienstag starb im Krankenhaus der Arbeiter Ludwig Gut t lc r. der durch herausgeschleuderte Koks- und Eisenmassen sehr schwer verletzt worden war. Leseabende. Steglitz. Sonnabend, den 19. April, ll2Q Uhr abends, bei Heiz« mann, Florastr.4: Feier des zehnjährigen Bestehens der Frauen- »rganisation in Steglitz. Jugendveranstaltungeu. Neukölln. Freitag, den 18. April, Hohenstaufen> Sälen, Kottbuser Damm 76 abends 3 Ubr, in den roße Jugend- Versammlung". Tagesordnung:„Barum freie Jugendbewegung Referent Herr Redakteur Däumig. Nachdem freie Aussprache. Massen» besuch wird erwartet.__ Arbeiter Wanderbund„Tie Naturfreunde�. Sitz Berlin,-sonntag, den 2V. April: 1. Kartenkunde im Gelände Grunewald. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Grunewald(Rest. Waldhäus). Für Interessenten findet am Freitag, den 18. April, abends 8 Uhr, im Lokal Knörig, An der Stralauerbrücke 8, ein Lichtbildvortrag über Kartenkunde stall. 2. Mclchow-Bogensee-Bernau. ?lbf. Steltiner Fernbhf. 5.59 vorm. 3. BünSdorf-ToniowSidhll-Gr. Besten. Abf. Anhalter Bhf. 6.00 vorm. 4. Baidmannsluft-Tegel. Abf. Stettiner Borortbhf. 1.20 nachm. Gäste willkonmien. Allgemeine Kranken- und Sterbekafie der Metallarbeiter (Cr. H. 29), Hamburg.(Filiale Lichtenberg II(früh. Rummels- bürg),«sonnäbend, den 19. April, abends 8'/, Uhr. bei OSkar Blume, Boxhagen, Ecke der Neuen Bahuhofstraße: Mitgliederversammlung. Statuten- beratung.__ Eingegangene Druckrcbriften. Das WirtShauS zum König PrzemySl. Geschichte von K. H. Strobl. 191 S.— Gertrud Sonnweber. Roman von R. Grcinz. 338 S.— SS war einmal ein Bischof. Roman von Adam Müller- Guttcnbrunn. 334 S. L. Staackmann, Leipzig. Marktpreise von Berlin au, 15. April 1913. nach Ermittelungen des königl Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Beize», gute Sorte 20,36 bis 20,50, mittel 20,08—20,22. geringe 19,80—19,94 llioggcn, gute Sorte 16.38—16,40, mittel 16,34-16,36, geringe 16,30-16,32(ab Bahn). Futter- gerftc, gute Sorte 16,20—16,80. mittel 15.60—16,10, geringe 15,00—15,50. Hafer, gute Sorte 17,60— 19,80, mittel 16,60— 17,50(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mixed), gute lsorte 14,80—15,10. Mais(runder), gute Sorte 15,40—15,60. Richtstroh 4,80—5,00. Heu 5,80— 7,20. Markthalle npreife. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Svciscbohnen. weiße 35.00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchsteisch 1,30—1,80. Schweincsteifch 1,50—2.00. Kalbfleisch 1.40— 2.40. Hammelfleisch 1.50— 2.40. Butler 2.20-3.00. 60 Stück Eier 3.00— 5,00. 1 Kilogramm Karplen 1,20—2,40. Aale 1.60— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,20-2,60. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1.60-3.20, Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 2,00-45.00. Witteruugsubersicht vom 1«. April I91Z. Stationen teil =£1 sH e? rSctter US a II h b* ka «winemde. 763 NNO Hamburg 76 l OSO Berlin 762 S Franks. a.M 763 S« München>764sW Wien ,760W 2 wölken! 2 wolkig l wölken! 1 Dunst> 4 wolkcnl 4, wolkig k tattonen ÜÜ« f ls Iii II * ,8 Letter -f C« 1* Haparanda 765 3 Petersburg 767 Still Scilly 747 SSB Werdern 737 S Paris ,760$ 2wolkenl—8 Nebel 6 bedeckt 2 wolkenl 3, wolkig — 1 11 7 8 Wetterprognose für TonncrStag, den 17. April 1913. Etwas wärmer, vielfach wolkig bei mäßigen füdwcstlichen Binden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. MMW Ist t rein! 5 Sunlichr Seife wird ausrfreng geprüftem, edcltfem Rohmaterial hergeslcUl! IhreQualifäf ist daher immer zuverlässig die beslc! Da sie für alle Zwecke, wo es sich um einwandfreie Reinlichkeit handell", geeignet ist, verwenden nur diese Seife Millionen Hausfrauen jeden Standes! MM � macht 2 rein! ILerantwortlicher Redakteur: Alfreh Mielepp, Neukölln. Für den Fnjeratenlel! verautw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Kuchvruckerei u. Ve ctagsanfratt Paul«inger u. Eo.. Berlin