Ur. 93. HbonnementS'Bedtnsungeo: TOotmemeruä. Preiz pränumerando: «iertelMrl. 330 SXf., mmaiL 1,10 MI, wöchenUich 26 Pfg. frei ms HauS. Cinjelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Vellage.Die Neue Teil* io Pfg, Post. «bonncment: 1,10 Marl pro Monat. EwAetragen in die Post.Zeilung-Z. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn aav Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Poftabonnemems nehmen am Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal kumättieii, Schweden und die Schweij. 39. Jahrg. die snielAon!- Gebühr CchSgiofüt die sechsgespaltene Kolonel. »elle oder deren Raum 00 Pia., für fanu,*..— v-----~- erfdsclDt täglich. MM Vevlinev Volksblnkk. oas fettgedrurlie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über ISBuch- staben zählen für zwei Worte. 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So sehr es die politische Vernunft geböte, gerade in letzter Stunde noch neue Provokationen der Arbeiterklasse zu vermeiden, so sehr geht doch den Gewalthabern von Geldsacks Gnaden das Temperament durch, wenn ihnen etwas allzusehr wider den Strich geht. Und daß sozial- demokratische Redner das hohle Geschwätz tönender Wahlreden der„staatserhalienden" Parteien durch vernichtende Tatsachen- schilderungen stören, das vermag der herrschende Klüngel nun ein- mal nicht zu vertragen. So kam es denn am Freitag im Junkerparlament zu Szenen, die an die allerschlimmsten Zeiten des Kröcher- und Srffa-Rcgi- ments erinnerten oder sie womöglich gar übertrumpften! Nachdem der erste Teil der Sitzung beherrscht, worden, war durch eine fulminante Wahlrede des Abgeordneten Schiffer, deren Kolo- phoniumblitze die Phantasmagorie einer nationalliberalen Frei- » heitsschlacht vortäuschen sollten, erreichte die Debatte ihren wirk- lichen Höhepunkt in der sozialdemokratischen Rede, die den reaktiv- nären wie auch den liberalen Phrasendunst unerbittlich ausein- ander riß und erbarmungslos in die Abgründe der bürgerlichen Verlogenheit und Verkommenheit hineinleuchtete. Unser Redner befleißigte sich dabei der sorgsam abgewogensten, peinlichst parlamentarischen Form, um nur die Tatsachen sprechen zu lassen, deren Stimme allerdings in die Ohren gellte. Und um diese Tatsachen zum Verstummen, zu, bringen, sohlte und lärmte das Dreiklo ssenhauS im Chorus, wie seit langem nicht, sekundierte ihm mit ungeahnter Willfährigkeit der„objektive�, der„Versöh- nunsS"präsidcnt Schwcrin-Löwitz. der gar nicht wisderzuerilennst» war und Herrn Kröcher weit, üherkröchertel Und als stach"dem veitten, gänzlich unmotivierten Ordnüngs- ruf der Präsident das Haus beftagte, ob dem sozialdemokratischen Redner das Wort zu entziehen sei, hatten selbst die Nationallibc- ralen, wie Herr v Kardorff später ausdrücklich feststellte, gegen den unerhörten StrangulierungSakt nichts einzuwenden! Die Wahlen rücken eben näher. Der Kampf entbrennt mit aller Stücksich tslosigkeit. Da offenbart sich die mühsam verhaltene Brutalität der Geldsackmänner mit aufpeitschendster Rücksichts- losigkeitl Zur Verhandlung stand der Polizeietat. Im Polizeistaat Preußen hat die Polizei naturgemäß das erste und das letzte Wort. DaS ist schon rein äußerlich wieder einmal zum Ausdruck gekommen bei der dritten Lesung des Staatshauohaltsetats, die das Abgeord- netenhaus am �Freitag beendet hat. Um Polizeiwirtschaft und um Polizeigeist hatte sich im wesentlichen die Generaldebatte gedreht, mit der die dritte Lesung begann, und Polizeiwirtschaft und Polizei. geist standen im Mittelpunkt der Debatten, mit denen die dritte Lesung schloß. In flammender Anklagerede entwarf Liebknecht ein vorzügliches Spiegelbild des modernen Preußens und seiner Machthaber. Ganz besonders unangenehm war der Mehrheit der von unserem Genossen angetretene Beweis des Terrorismus der bürgerlichen Parteien auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet, vor allem des Terrorismus des unter dem Schutz der preußischen Junker gegründeten pommerschen Bauherrnverbandes, sowie seine Kritik des Reichsverbandcs. der den Gegnern der Sozialdemokratie ihre„geistigen" Waffen liefert. Wiederholt gab die Mehrheit ihrem Unwillen in. beschimpfenden Zurufen Ausdruck, in Zurufen, die im Dreiklassenparlament zwar an der Tagesordnung sind, aber als parlamentarisch nicht bezeichnet werden können. Als aber unser Redner gebührend antwortete, ereilte ihn der präsidiale Ordnungsruf, dem, weil er die Person des Kaisers in angeblich ungehöriger Weise in die Debatte zog, bald ein zweiter folgte. Das war für die konservativ-klerikale Mehrheit das Signal, eine Probe des von ihnen schon so oft betätigten Terrors an den Tag zu legen. Wie auf Kommando setzten fast nach jedem Satz. den unser Redner aussprach, Beleidigungen ein, und als Lieb. tnecht auf Grund dieses kindischen Verhaltens das Haus mit einer Kinderstube verglich, da rief der Präsident Graf Schwerin, dem Drängen der Radaubrüder folgend, den Redner zum dritten Male zur Ordnung und das HauS entschied, daß es ihn nicht weiter hören wolle. So wurde unser Genosse durch Gewalt an seinen Ausführun. gen verhindert, aber in agitatorischer Beziehung wird diese neueste Gewalttat des Junkcrparlaments noch reichere Früchte für uns zeitigen, als die beste Rede es könnte. Das Verhalten des Präsidenten Graf Schwerin bei dieser Episode bedeutet einen Sieg der brutalen Mehrheit des Abgeord- uetenhauses über den Präsidenten, der sich früher bemüht hatte, eine gewisse Objektivität walten zu lassen, der aber jetzt genau so wie seine Amtsvorgänger sich nicht mehr als Präsident des Hauses, fondern als Präsident der Mehrheit zu fühlen scheint. Die Sozial- demoiralje ist wieder einmal schutzlos der Willkür ihrer Gegner preisgegeben, die preußische Polizeiwirtschaft feiert auch im Par- lament ihre Orgien. Abgeordnete der Rechten dürfen sozialdemo- lvatische Abgeordnete beleidigen, so viel sie wollen, sozialdemokrati- sche» Abgeordneten ist eS verboten, mit gleicher Münze heimzuzahlen. Kur weiter fol UnK soll ez recht seiul Die vofung heißt jetzt: Wähler heraus! Iltilitäretat und Prozentpatriotismus! Enthüllungen über die Firma Krupp. Die K r i t ik-d e r Heeresverwaltung nahm in der heutigen Sitzung des Reichstags ihren Fortgäpg. In einer ebenso scharfen wie humoristisch glücklichen Weise reihte Genosse Stücklen einen Mißstand dem anderen an. Vor- weg erklärte Stücklen die Zustimmung unserer Fraktion zu der Forderung nach freien Urlaubsfahrten für Soldaten, aber, so fügte unser Redner hinzu, man müsse den Soldaten auch> einen Rechtsanspruch auf einen jährlichen Urlaub geben. Ebenso werden wir für die Gleichheit aller Kon- fessionen bei der Beförderung� von Einjährigen zu Offizieren eintreten. Dann ironisierte Stücklen in glücklichster Weise die von der Heeresverwaltung abgefaßte Denkschrift über das Offizierszulagew essen im deutschen Heere; er kritisierte aufs- schärfste die unpassende Verwendung von | Soldaten als'Sauwärter und Hundekoppler in der Offiziers- ! reitschule in. Hannover, fernev das Adjutantenunwesen der Fürsten und die Großmäuligkeit und säbelrasselndePolitisiererxi � aktiver und pensionierter Offiziere. Auch auf den Fystnachts- alarm der Straßburger Garnison kam Stücklen zu sprechen und schloß dann � seine Ausführungen mit der Versicherung, daß wir das Heer und seine Einrichtungen so lange bekämpfen werden, als das Militär von den Herrschenden in erster Linie | als eine Waffe zur Bekämpfung der aufstrebenden Arbeiter- ! schaft und der Niederhaltung des kulturellen Fortschritts des � Volkes angesehen und verwendet wird. Nervös auf seinem Stuhle hin und her rückend, dann wieder mit seinen Nessortsoffizieren kurz konferierend, hörte v. Heeringen diese Ausführungen an. Nach ihrer Be- endigung schnellte er empor, rückte, sich irr militärische Positur und polterte sein? abgehackten Sätze, in den Saal hinein. Es war ein köstlicher Witz, den sich der Kriegsminister dabei leistete, als er in vollster Ueberzeugungstreue die Behauptung aufstellte: die Saujagd der Offiziere aus der Reitschule.in Hannover sei beileibe kein feudales Jagdvergnügeu, sondern eine Notwendige-.militärische Dienstleistung, die. die Offiziere in den Stand setzen soll,„ein.im Gelände, selbständig sich fort? bewegendes Objekt" durch alle Schwierigkeiten im Terrain hinweg verfolgen zu lernen.- Zuerst war man über dieses Er- klarungskunststück baff,. dann aber brach eine stürmische Heiterkeit auf den Bänken der.Linken aus. Im übrigen be- stritt v. Heeringen jede Berechtigung der geübten Kritik; seiner Ueberzeugung nach ist alles vortrefflich im Heere bestellt, zu dessen Aufgabe in erster Linie auch gehöre,, daß die jungen Leute in den Kasernen vor allen Dingen zu„guten, patriotisch gesinnten Landsleuten" erzogen werden. Die Folge davon sei dann von selbst gegeben, daß auch die Bekämpfung der Sozialdemokratie und ihrer Bestrebungen zu den Pflichten der Armee gehöre. Lebhafter Beifall der bürgerlichen Parteien quittierte diese Sätze und versuchte, die sonstige Dürftigkeit der kriegsministeriellen Rechtfertigungsversuche zu verdecken. Dann plätscherte die Diskussion weiter, insbesondere nach- dem auch beim Zentrum und bei den Nationalliberalen der Bann des Schweigens gebrochen war. Die bürgerlichen Redner erschöpften sich in kleinen Nebensächlichkeiten ohne ein Wort ernster Kritik an den militärischen Erundeinrichtungen.zu finden, höchstens, daß der elsaß-lothringische Redner eine grundlegende Äenderung des Milirärgerictitsveriahrens verlangte. Große Aufmerksamkeit fand dagegen Genosse Lieb- k n e ch t mit seiner Charakterisierung des Prozentpatriotis- mus. Liebknecht verwies da zunächst auf den Beeinflussungs- versuch, den die Deutsche Munitions- und Waffenfabrik bei der französischen Presse unternommen hatte und besprach dann einen noch unbekannten Fall der Firma Krupp- Essen. Ein Berliner Agent dieser Firma bemühte sich unter großem Geld- aufwand, militärische Beamte zur Preisgabe militärischer Geheimnisse, von Preisangeboten der Konkurrenz und von zu erwartenden Neuvergebungeu von Aufträgen zu. veranlassen. Die vom Kriegsminister eingeleitete Untersuchung führte zur Verhaftung mehrerer Zivil- und Militärbeamten. Aus diesen Fällen müsse mit aller Konsequenz von neuem gefordert werden, daß bei der Versorgung des Reiches mit Hreres- und Marinematerial die Privatindustrie überhaupt ausgeschlossen und die Herstellung von Kriegswerkzeug nur in Eigenbetrieben des Reichs vorgenommen werden sollte. Damit würde zugleich den fortgesetzten Kriegs- und Rüstungstreibereien der daran l geschäftlich interessierten Kreise der Boden entzogen sein. Noch hielt die Spannung, in die diese Ausführungen das Haus versetzt hatten, an, als der K r i e g s m i n iE e r sich zu einer lendenlahmen Entgegnung gegen diese schweren An- schuldigungen gegey die Haupt-Militärlieferanten erhob. Alle Schuld für die KruPP-Gescbichte schob v. Heeringen auf einen „unteren" Beamten dieser Firma, deren Verantwortlichkeit an dieser Sache noch nicht erwiesen sei. Dann aber sang der Kriegsminister der Firma Krupp ein Hobes Lied für ihre Tüchtigkeit, der allein das deutsche Heer seine Waffenüber- legenheit über andere Armeen verdanke. Diese ungemein de- Plazierte Lobhudelei der noch im Banne eines schweren Ver- dachtes stehenden Privatfirma verdutzte selbst die Parteien der Rechten, die diese Ausführungen mit eisigem Schweigen an- hörten... l Morgen wird Liebknecht dem Kriegsminister die erfor- derliche Antwort erteilen. i SozialdemolsratnclK Steuerpolitik. IL Finauzreform, nicht Eiuzelmaßregeln! In feiner Rede über die Deckungsvorlagen hat der Reichskanzler ein Geständnis abgelegt: Nicht eine Finanz- reform' bedeuten die Steuervorschläge der Regierung, sondern eine Reihe von Einzelmaßregeln, um das viele Geld herbei- zuschassen. j Spottet seiner selbst und weiß nicht wie! Offener kann man die Unfruchtbarkeit und Ideenlosigkeit der herrschenden Bureaukratie schon gar nicht mehr aussprechen als es Herr v. Bethmann Hollweg getan hat. In immer kürzeren Ab- ständen kommt die ReichSregicrung mit neuen Steuern. Nach dem Raubzug der halben Milliarde hätte man umso eher auf eine Schonzeit der Volkskraft rechnen können, als die gute Konjunktur die Einnahmen des Reiches anschwellen ließ. ! Statt dessen kommt jetzt, nachdem in der Zwischenzeit die Reichswertzuwachssteuer und die ganz unzulängliche Brannt- weinsteuernovelle verabschiedet worden ist, die Regierung mit neuen Steuervorschlägen, die nicht nur nicht die dringend notwendige Neuordnung der Reichsfinanzen enthalten, sondern jede künftige Reform aufs äußerste erschweren. Denn die Re- gierung verlangt vom Reichstag nichts weniger als den Verzicht auf seine Finanzhoheit, seine Abdankung zugunsten der Landtage. Sie gibt damit jenes Minimum an Reichs- einheit preis, das selbst Bismarck unerläßlich schien. Bismarck wehrte sich stets, wenn auch mit imnier geringerer Energie, dagegen, das Reich zum Kostgänger der Einzelstaaten zu machen. Aber als preußischer Junker von allen schlechten Instinkten des BesitzfanatikerL erfüllt, wollte er von direkten Reichssteuern nichts wissen. In dieser Abneigung gegen direkte Steuer» bestärkte ihn noch ein politisches Motiv. In der Bewilligung direkter Steuern, deren Höhe alljährlich ver- schieden festgesetzt werden kqnn, ist recht eigentlich die'Macht eines Parlaments verankert. Indirekte Steuern sind, wenn sie einmal bewilligt sind, ein für allemal festgelegt, das Parlament, hat auf ihre Erhebung keinen Einfluß mehr(es sei denn, daß es zur Budgetverwcigerung, also zum Konflikt mit der Regierung sich entschließt), jede Abänderung bedarf der Zustimmung der Regierung. Ganz anders ist der Einfluß des Parlaments bei direkten, veränderlichen Steuern. Hier kann es alljährlich im Etat den Satz feststellen, der vom Ver- mögen oder vom Einkonimen zu erheben ist. Es hat die Ein- nahmen in der Hand, damit aber auch eine ganz andere Macht gegenüber der Regierung. Von den Zeiten des Verfassungs- kouflikts her aber hatte Bismarck einen Abscheu vor jedem wirk- samen Budgetrccht der Volksvertretung. Deshalb suchte er die Reichsfinanzen ausschließlich auf indirekte Steuern und Monopole aufzubauen. Gegenüber der immer wieder- holten Lüge, daß verfassungsmäßig die indirekten Steuern dem Reich, die direkten den Staaten gc- hörten, kann nicht nachdrücklich genug auf die wahren Motive— das sind die Steuerscheu der Besitzenden und der Abscheu der regierenden Bureaukratie vor einem wirksamen Budgetrecht des Reichstages— hingewiesen werden, die das Finanzsystem des Reiches zu einer Ausplünderung der Massen gestaltet haben. Der Aufbau der Reichsfinanzen auf indirekten Steuern und Zöllen ist nur allzu sehr gelungen; dagegen scheiterten die Monopolpläne und von diesen auch der rationellste und be- deutungsvollste, der der Reichseisenbahnen. Preußen wand die Eisenbahnen dem Reiche aus der Hand und schuf sich da- mit ein wirtschaftspolitisches Machtmittel ersten Ranges, das Rück- i grat nicht nur seiner Finanzen, sondern auch der Wirtschaft- lichen Beherrschung der kleineren Bundesstaaten. l Das Dogma aber, das den Herrschaftsinteressen der Bureaukratie uud den Besitzinteresscn der Agrarier und Groß- kapitalisten entsprungen war. blieb im wesentlichen bestehen, bis es die Steuerrevolte der leidtragenden Massen bei den letzten Wahlen endlich vernichtete. Die Besitzsteuervorschläge der Regierung bedeuten aber politisch keineswegs eine Abkehr von dem bisherigen System; sie sind nur ein durch die politische Situation erzwungenes Ausfluchtsmittel, ein elender Notbehelf, eine Karikatur auf eine wirkliche Finanzreform. Statt einer wirklichen direkten Besitzsteuer mit beweglichen, jährlich nach, den wechselnden Bedürfnissen veränderlichen, vom Reichstag festzulegenden Sätzen sollen wir eine Ver- edlung und Erhöhung der Matrikularbeiträge erhalten. Ganz abgesehen von der polittschen Ungeheuerlichkeit, daß damit der Reichstag auf die Besitzbesteuerung verzichten und diese durch die Landtage bestimmen laffen soll, läßt der Vorschlag alle bishengen Unzuttägkichkeiten unseres Reichsfinanzsystems bestehen. Es bleibt die Starrheit der einen, die Zufälligkeit der anderen Einnahmen erhalten. Unveränderlich ist die Summe der Matrikularbeittäge. Zufällig der Eingang aus den indiretten Steuern und dem Postbetrieb. In Zeiten guter Konjunktur schwellen die. Einkünfte rasch an. Die Decke wird weiter, die Staatsaufwendungen wachsen, der Militarismus erhebt neue Ansprüche, der Etat wird gestteckt. Die gute Konjunttur aber ist nicht ewig. Sobald sie nachläßt, verschwinden die Uebcrschüsse. aber die Ausgaben bleibe». Das Defizit ist da. So ist unserem, auf indirekten Steuern und fixierten Beiträgen der Bundesstaaten aufgebauten Reichsfinanzsystem der periodische Wechsel von Einnah meüber- schüssen und Defizit immanent und seine Folge ist die unsolide Anleihewirtschaft, der jetzt die Ruinierung des Anleihemarktes ein moineMaires Halt geboten hat. Den Gegensatz zu diesem schon rein finauztechnisch völlig verfehlten System bildet das englische. Ter preußische Geheime Oberfinanzrat Schwarz schildert es folgendermaßen: Wenn das neue Budgetjahr beginnt(am 1. April), sieht das ganze Land mit größter Spannung der Budgetrede des Schatzkanzlers entgegen. Das scheint fast verwunderlich, weil ein großer Teil des Budgets schon bekannt ist: Ter Kriegs- und der Marineminister haben ihre Sonderbudgets schon vor» gelegt, der Finanzminister auch das Budget des Zivildienstes. Neben diesen Ausgaben lassen sich auch die voraussichtlichen Einnahmen berechnen. Tie Verwendung der Ueberschüsse des Vorjahres ist gesetzlich festgelegt, sie müssen zur Schuldentil- gung verwendet werden. Gewisse Kosten, wie die Zivillisle, die Schuldenverzinsung usw., die alljährlich wiederkehren, scheiden aus der Beratung aus, sie werden aus den sogenannten konso» lidierten Fonds bestritten. Alles ist somit aus dem Wege geräumt, was von der Hauptfrage ablenkt. Wenn sich nun voraussehen läßt, daß die im nächsten Jahre zu erwartenden Einnahmen die Ausgaben übersteigen, so fragt man: Wie wird die Regierung diesen Ueberschuß ver- wenden? Wird sie weitere Schulden damit tilgen? Wird sie neue Ausgabenzwecke vorschlagen, die in der Luft liegen? Wird sie etwa die jüngst eingeführten Alterspensionen er- höhen? Oder wird sie die Steuerlast ermäßigen? Wird sie big Tee-, Tabak- oder Zückerzölle, wird sie den Satz der direkten Steuern herabsetzen. Oder will sie diese Sätze noch erhöhen, um die Rüstungen, zu vermehren? Und wenn dann der Schatzkanzler aus seiner Toga Krieg oder Frieden für den Steuerzahler herausholt, das Budget veröffentlicht hat, so sind alle Blätter erfüllt von dem„Budget auf den ersten Blick", worin in einigen Hauptziffern das Er- gebnis der Staatswirtschaft und der Regierungspläne dem Leser mit einer Uebersichtlichkeit und Einfachheit vorAugen tritt, daß selbst der Laie mit Leichtigkeit ein Bild darüber ge- Winnen kann, wie die Finanzen seines Staates abgeschnitten haben und im komnienden Jahre geführt werden sollen. Ver- folgt man diese Veröffentlichungen der Presse, so bekommt man den Eindruck, daß jeder Mensch aus der Straße�in der Lage sein müßte, einen Fragesteller über die Lage der Staats- sinanzen aufzuklären, daß hier in der Tat die Möglichkeit der Mitwirkung des ganzen Volkes an der finanziellen Eni- Wicklung des Landes wie nirgends anderswo ermöglicht ist, hier wirklich ein politisch reifes und mündiges Volk Einblick in die öffentliche Staatskasse, wie in den eigenen Geldbeutel, zu gewinnen in der Lage ist. So die englische Budget- und Steuertechnik. Ganz anders bei uns. Wir haben ein unübersichtliches Bruttobudget. Wir haben keine beweglichen, direkten Steuern. Was eingehen wird, kann höchstens erraten oder prophezeit werden. Sind doch die Einnahmen bestimmt worden durch Gesetze, wie das Zucker-, das Tabak-, das Bier- oder Branntweinsteuergesetz usw., die vor Jahren oder Jahr- zehnten beschlossen worden sind. Ist die Konjunktur gut, dann geht's zur Not und vielleicht bekommen die Veteranen noch o Millionen, wenn- die außerordentliche Vermehrung der Rüstungsausgaben in diesem Jahr sie übrig läßt: herrscht aber Depression, dann ist das Elend da, die Ausgäben müssen gleich jetzt, wo sie volkswirtschaftlich am nützlichsten find, ein- gsschränkt werden, für Kulturaufgaben ist kein Pfennig übrig und für den Militarismus kann eine neue Anleihe sorgen. Wie leicht dagegen das englische Softem Schwierigkeiten zu überwinden vermag durch den Wechsel im Satz der Ein- kommensteuer, beweist die Tatsache, daß England durch sie zum großen Teil sogar die ungeheuren Kosten des Krimkrieges und des Transvaalkrieges zu decken vermochte. Während in normalen Zeiten vom Pfunde Einkommen 4 bis 6 Pf. gezahlt werden, betrug der Satz im Transvaal- krieg 1 Schilling 2 Pence(1901/02) und 1 Schilling 3 Pente (1902/03), im Krimkrieg 1 Schilling 4 Pente, betrug später wieder bloß 11 bis 12 Pente und wurde in den letzten Jahren infolge hoher sozialer Aufwendungen wieder angespannt. Die Finanzreform Lloyd Georges gestaltete das System durch relativ stärkere Heranziehung des müßigen Renteneinkommens aus. ohne es im Wesen zu ändern. Dieses System kennt weder die chronische Defizitwirtschaft noch auch die erdrückende Staatsschuld, es kennt nicht nur steigende, sondern auch fallende Steuerlasten, was uns ganz fremd ist. An ihm gemessen, ist unser Finanzsystem unbeholfen und unsinnig. Und dieses System leistet zugleich eine wertvolle p o l i- tische Erziehungsarbeit. Es führt jedem Abgeord- neten jedes Jahr seine Verantwortung für die Steuersätze vor Augen. Das uferl«se Anwachsen der Rüstungsausgaben fände auch in Deutschland einen ganz anderen Widerstand. wenn jede Ausgabenvermehrung in den erhöhten Sätzen von Besitzsteuern sofort fühlbar würde. Daher ja auch der Widerstand der Regierung. Deshalb greift sie eben zu den veredelten Matrikularbeiträgen. Denn dadurch bekämen nicht nur die Privilegienlandtage die Steuer- Hoheit des Reichstags übertragen: die bürgerlichen Parteien des Reichstags würden ihre Verantwortlichkeit in Zukunft noch leichter tragen können. Sie beschließen neue Militär- ausgaben und decken sie durch Erhöhung der Matrikularbei- träge. Die neuen Steuern aber werden in den Landtagen beschlossen. Und was immer die Heroen im Dreiklassenparla- lnent Preußens beschließen, das Dreiklassenwahlrecht bewahrt sie davor, von dem Volke zur Verantwortung gezogen zu werden. Von dem Besitzsteuervorfchlage der Regierung(von der Loskaufsumme des Wehrbeitrages abgesehen) ist also keineswegs eine politische Erziehung unserer Besitzenden zur Sparsamkeit zu erwarten. Umgxkehrt: er bedeutet für die Zukunft eine weitere Entlastung der bürgerlichen Parteien deS Reichstags von ihrer politischen Verantwortung, eine weitere Erleichterung für den Militarismus, seine Ansprüche durchzusetzen. Aus all diesen Gründen ist die Sozialdemokratie bereit. sich für eine wirkliche Fmanzreform mit aller Kraft einzu- setzen. Sie schert sich dabei keinen Pfifferling um ver- staubten staatsrechtlichen Plunder. Der föderalistische Cha- rakter der deutschen Verfassung, der allen Reaktionären mit Herrn v. Bethmann Hollweg an der Spitze plötzlich ein so hohes Gut dünkt, er ist nur ein Ueberrest der unglücklichen deutschen Vergangenheit, der politischen Zerrlssenhelt und Fremdherrschaft. Aus dieser Not machen die Reaktionäre eine Tugend, nicht aus„Verfassungstreue", sondern aus Haß gegen das gleiche Wahlrecht, aus dem der Reichstag hervor- geht. Die Verfassung weiß aber nicht das geringste davon, daß das Reich nicht direkte Steuern einführen und selbst er- erheben dürfe, lind es ist einfach eine Fälschung, wenn etwas goderes behauptet wird. Die liberalen Parteien hätten also Gelegenheit, die neue Steuernot des Reichs dazu zu benutzen, um endlich eine gründliche Finanzreform zu erzwingen, eine Finanzreform, die die härtesten Uebel der blauschwarzen Zoll- gesetzgebung beseftigt, der künftigen Erhöhung der in. direkten steuern einen Rmgel vorschiebt, die Finanz- Wirtschaft des Reichis von den Bundesstaaten um abhängig macht,_ die Macht des Reichstags mehrt. Zum Rückgrat der Reichsfinanzen müßten Besitzfteuern werden: eine Einkommensteuer mit jährlich festzulegenden Sätzen, zu deren Ergänzung und gerechter Ausgestaltung eine Reichsvermögens- und Erbschaftssteuer einzuführen ist. Die Regierung ist in einer Zwangslage, von den Libe- ralen hängt es ab, ob sie diese benutzen wollen zu einer Re- form, die sie bei den letzten Wahlen feierlich versprochen haben..___ Der Gcneralttrcil?. Hnlchwellen cles Streiks.— Hnlchluß der Buchdrucker. Brüssel, 18. April.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Heute ist eine weitereAusdehnung des Streiks in Brüssel, Antwerpen. Seraing zu melden. In Brüssel ist die Zahl von 26000 Streikenden erreicht. Im übrigen ist die Situation unverändert. Man erwartet, daß die Zahl der Streikenden bis Montag stark zunimmt. Alle bisher veranstalteten Demonstrationen sind dank der Ruhe und Disziplin der Streikendrn ohne ernstere Zwischenfälle verlaufen. Der einzige' ernsthafte Zwischenfall, der bis jetzt vor- gekommen ist, hat sich am Mittwoch in Löwen ereignet. Dort haben betrunkene Studenten der katholischen Universität auf spazierende streikende Arbeiter Revolver- s ch ü s s e abgegeben, ohne jedoch jemand zu treffen. Die Arbeiter haben sich ruhig verhalten und die Polizei benach- richtigt. Gegen die jugendlichen Revolverhelden ist vom Rektor der Universität die Untersuchung eingeleitet worden. Die Brüsseler Schriftsetzer und Buchdrucker, deren Orga- nisation bisher die Teilnahme am Streik abgelehnt hat, de- schloffen am Donnerstag mit großer Majorität, in den Streik einzutreten. Die Zeitungssetzer legten um Mitternacht dje Arbeit nieder. Auch imParteiorgan„Le P e u p l e" wird gestreikt, das Blatt wird durch ein kleines Streikbulletin ersetzt. Me BrülTel im Generalftreik ausriebt. Brüssel, 17. April.(Eig.©er.) Der erste Ruck der Streik- bewegung— und schon stockt der Atem deS ganzen gewerblichen und industriellen Lebens. In allen Industriezentren stehen die Stätten der Arbeit verlassen. In heiterer Klarheit stehen die Schlotenbündel deZ Borinage.des Centre. CharleroiS, LüttichS da und der Hafen, die Kraft- und ArbeiiSquelle de« Lande« liegt öde, in soldatischer Hut. Die offiziellen Ziffern übersteigen in einzelnen ffällen sogar die durch die Streikbureau« festgestellten. Man versteht, daß die Arbeiterklaff«, jeder Mensch, der Blick und Sinn für diese einzigartige Volkserhebung hat. voll bewundernder Freude über diesen Generalstreik ist, der erst am Anfang steht, und der Streik nach den Erfahrungen der Vergangenheit und der Natur der Bewegung nach noch Tausende in den nächsten Tagen mitziehen wird. Und die Treulosen, die sich von ihren Brüdern in diesem heldenhaften, gigantischen Kampfe trenncn, werden bald.gezwungene" Streikende sein, denn die Aufträge in der Industrie hören auf, die Kohle geht au» und da« Material... Und Brüsiel? In der Luxusstadt Brüsiel merkt man nicht« vom Streik— so erzählt man wenigsten« dem Ausland. Aber auch in Brüsiel gibt e« ein Blatt, do» den Lesern in einer immerhin originellen Form .beweist", dah e« in Brüsiel keinen Generalstreik gibt und daß man in den Straßen Brüsiel« nicht« davon sieht. Da« Blatt— e« ist da« klerikal«„XX. Siscle'— bringt nämlich täglich ein Bildchen mit eine» Ansicht von den Boulevards, von einem Markt oder sonst einen Ausschnitt oder einem Gebäude der Stadt. Steht die Stadt nicht noch auf ihrem alten Fleck? Gibt e« nicht Gemüse und Fische auf dem Mark?? Geben die Leute nicht auf die Börse? Sitzen sie nicht in den Cafs»? Also, bitte meine Herrschaften, wo ist der Generalstreik in Brüsiel? Machen wir also einen Spaziergang durch die Stadt. Nehmen wir un« morgen« einfach eine Tram und fahren wir ganz einfach ein bißchen die inneren Boulevards hinunter. Beim Nordbahnhof. bei der Börse, an den belebten Ecken dringt ein be- täubende« Geschrei an unser Ohr. Dutzende Camelot« rennen, stürzen zu den Tramway«, fliegen zu den Basianten. den auSge- streckten Händen die Morgenausgabe unsere« Parteiblatte«. de« .Peuple" zu reichen. Gibt e» einen Brüsieler, der in diesen Tagen den.Peuple" nicht liest? Gebend, stehend, in der Tram, im Aura, im Omnibu« sitzend, liest jeder die rosa Morgenausgabe de» sozialistischen Tageblattes. Ueberflüsfig zu sagen, daß der.Peuple' in einer noch nie erreichten Riesenauflage erscheint. Fahren wir von der Börse zum sozialistischen Bolkshau«. Die Verordnung de« Volkshause« gebietet: keine Ansammlung der Streikenden vor dem Gebäude. Und wirklich: stehen ein paar Leute vor dem Ha»»pteingang, gleich konunt einer von dem sozialistischen UeberwachungSauZschuß. ein Genosie-Polizist und ersucht auseinander- zugehen. Aber keine Verordnung kann Verbindern, daß ein ununter- brochene» Menschengewoge, ein GeWoge von— Streikenden entsteht, auf- und niedersteigt, bald in« Volkshau« eintritt— nicht ehe der Eintrelende feine Streik- oder Partei- Mitgliedskarte vorgezeigt hat. denn seit dem Streik find da« Maison du Peuple und seine sämt- lichen Filialen als Privatlokale erklärt— bald da« Parteiblatt oder die Plakate oder die Ausschritten an der Front lesend verweilt. Treten wir in da« Cafs de« VoUSHause«. vielleicht so gegen die Mitlag«zeit. Streikende sitzen an den Pichen, plaudern, rauchen, lesen und trinken— eine Limonade, eine Milch, einen Kakao— denn Alkohol gibt e« hier keinen zu kaufen. Wollen wir in den Lesesaal hinauffteigen? Ter Lesesaal ist eine vom Deuischen Arbeiterverein in« Leben gerufene, nunmehr aber in Gemeinschaft mit der belgischen Partei verwaltete Einrichtung. Jetzt mußte derLesesoalim.Salleblanche" im ersten Stock eingerichtet werden, denn die Streikenden kommen jetzt lesen, Dutzende und Dutzende Zeitschristen liegen in dem großen Saal, den wir gestern nachmittag angefüllt von Streikenden, be- sonder« jungen Leuten, fanden. Riesenpakete von Broschüren und Zeitschristen liegen aus einem großen Tisch, auf Bänken. Die Brüsieler bürgerliche Presse schickt je vv Exemplare hierher. 2S Exemplare bleiben im Lesesaal, 25 wandern in die Lororle-VoUShäuser. ES ist S llhr nachmittag«. Steigen wir noch ein paar Stock- werke höher hinauf in den Festsaal. Der Saal ist .bummvoll". Was eS gibt? Nun, man spielt ein bißchen Beethoven für streikende Metallarbeiter, Handschuhmacher, Buchbinder. Lilho- graphe» oder vielleicht Kürschner oder vielleicht Sattler oder Bau- arbeiter. Dann werden Gedichte gelesen, e« wird gesungen, ein« Schauspielerin vom Brüsieler Schauipielhau« deklamiert usw. Vor« gestern begann die Konzertserie für die Streikenden im Brüsseler Vollshau«. De Broucksre hielt dabei eine.Gelegen» deits'rede über die erzieherischen Wirkungen de« Generalstreikes.... Wollen wir in die Volkshäuser und Installationen für die „Loups cominunists"— die Slreiksuppe— nach den Brüsieler Vor- orten gehen und sehen, ob es Streikende in der Luxusstadt gibt? Wir waren in Molenbeek, in Anderleckt, in Stbaerbeek— wir werden noch andere sehen. Vor Riesenbotticken stehen die Genoisinnen und schöpfen die appetitliche Streiksuppe— 10 Centimes den Lirer an die mit .Bon«" und den Streilkarten versehenen Streikenden. Dutzende Kinder stehen da, pon den Eltern geschickt,. halten Kannen und Kännchen für die dampfende Flüssigkeit hin: Hunderle Männer, alte Frauen, Kinder. Immer stürmen neue nach— wir müssen flüchten. Es gibt keinen Generalstreik in Brüssel? Dann wollen wir ein» mal ein bißchen spazieren gehen und uns anschauen lassen, uns zeigen, sagten sich die streikenden Metallarbeiter. Buchdrucker, Litbographen usw. usw. Und man zog in geordnet--» Zügen ein bißchen durch die Stadt, im guten Sonntagsgewand, dieKop-ae auf dem Kopf. Vielleicht hört mau UN« nicht, sagten sich t>« Streikenden und begonnen ein bißchen aufzuspielen und die Jnrcr- rationale zu singen. Seither sieht man einmal da. einmal dort die Streikenden aufziehen, durch die bekannte lange.Pasiage" prome« nieren, wo ihre Tritte recht pathetisch zu den Dominospielern und Zeitungslesern der Cafös hineindröhnen. Kurz und gut. wie die zirka 130 Kontrollbureau« für die Streikenden ergeben haben, gibt es augenblicklich— b-s auf weiteres— 25 000 Streikende in der.Luxnsstadt Btiisicl". Aber wir wetten, daß der Berichterstatter des klerikalen.XX. Sietle" noch keinen gesehen hat. Die Kammerfitzuug. Brüssel, 13. April. In der heutigen Kammersiyung versuchten die Liberalen die Basis für«ine Verständigung zu finden, indem sie den Vorschlag machten, man sollte die Erklärungen de« Ministerpräsidenten vom Monat März als Basis für eine Tages- ordnung annehnien. Die MehrheilSparteien schlugen durch ien Deputierten Woeste eine Tagesordnung vor, die einfach die Er- klärungen der Regierung billigt und zur Tagesordnung übergeht. Man schlug seitens der Liberalen eine Suspension der Sitzung vor, damit die Parteien sich beraten könnte». Die Regierung lehnte dies ab. Auch waren anscheinend die Sozialdemo, traten zu einem solchen Zugeständnis nickt bereit, so daß die Sitzung unter allgemeiner Erregung bis zum Dienstag ver» tagt wurde. Militär nod Streikende. Brüssel, 13. April. In C h e r a t t e bei Lüttich, wo sämtliche Berga, beiler streiken, kam eS gestern nachmittag am Eingang eine« Bergwerks zu Ansammlungen. Eine Abteilung Kavallerie suchte die Streikenden zu zerstreuen, sie machte sogar von der Waffe Gebrauch und gab eine Salve ab. verletzte aber niemand. Im übrigen war gestern im ganzen Lande alle« ruhig, eS fanden nur einige Verhaftungen von Streikenden stall, die Arbeitswillige belästigten. Tie Brüsseler Demonstration.— Einschränkung de» Eisen- bahnverkehrs. Brüssel, 18. April.(Privattelrgramm de»„Bor- wir t tz".) Heute«achmittag fanden massenhaft besuchte G e w r r k- schaftSversammlunge« statt. Tarauf durchzogen die Streikenden in geschlossenen Zügen die Stadt. Zv ischenfille siad nicht zu verzeichnen. Im Brüsseler Lorort Sä aerbeck streiken dir Laternenanzünder. Ter Güterverkehr auf den E i f eu b a h n e n ist bebeutend eiageschrämt. Heute wurden etwa 170 Güterzüge abgeschafft. Tie StaatSeisrnbahnrn erleidea durch den Mangel an Gütern und Reisenden ua«e- heure Berlnste. Einlenken Iflontenegros. Nikita gibt»ach. Wie», 13. April. Die„Politische Korrespondenz" meldet aus Belgrad: Man hat hier Anhaltspunkte dafür gewonnen. daß in der Haltung Montenegros zu der Skutari- frage ein den Wünschen Europas entsprechender p v»- schwung sich zu vollziehen beginnt. Die Erwartung sei begründet, daß zwischen der Einsicht von der Vergeblichkeit weiterer Versuche, den Willen der Mächte�hinsichtlich SkutariS umzustoßen, und dem Entschluß, aus Skutari Verzicht tz, leisten, nur eine kurze Zeitspanne liegen werde. Das moiue- negrinische Volk werde diesen Verzicht zweifellos als eine herbe Enttäuschung empfinden, jedoch werde der König Mittel und Wege finden, die Gemüter zu beruhigen, so daß keine nachteiligen Rückwirkungen auf die innere Lage von Monte- negro eintreten würden. Paris, 13. April. Von besonderer Quelle»fad C etinj e gemeldet,' daß der König eine Px» m a t i o n an das Volk vorbereite, in der er auseinandersetze. daß er infolge des Abzuges der serbischen Truppen ge- zwungen sei. die Belagerung von Skutari auf» z u h e b e n. Die Eutschädigung. London, 17. April. Da« Reuierscke Bureau erfährt, die Mächte hätten im Prinzip beschlossen, Montenegro eine durch die sech« Mächte gemeinsam garantierte Anleihe von 80 Millionen Frank anzubieten, deren Modalitäten noch nicht festgesetzt seien. Die Waffenstillstandsbcdinguuge». Koustautiuopel, 17. April. Offiziell wird mitgeteilt, daß infolge eines mündlichen Abkommens die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen der türkischen und der bulgarischen Armee unter folgenden Bedingungen beschlossen worden ist: l. Bei Tschat aldscha und bei Bula ir werden die Feindseligkeiten bis zum 23. April eingestellt. 2. Wenn die Friedensverhandlungen in diesem Zeitraum nicht zum Ziele führen, so kann die Frist durch Vereinbarung v er- l ä n g e r t werden. 3. Von beiden Parteien wird eine Kom- Mission bestimmt werden, die eine neutrale Zone zwischen den beiden Heeren festsetzen wird. 4. Im Falle der Wieder- aufnähme der Feindseligkesten müssen beide Parteien dies 49 Stunden vorher mitteilen; die Stunden rechnen von 8 Uhr abends des Tages der Mittestung an. 5. Während der Dauer der Einstellung der Feindseligkesten wird sich die ottomamsche Flotte der Verproviantierung des bulgarischen Heeres zwischen dem Golf von Saros und der Küste des Schwarzen Meeres Nicht widersetzen./ Unruhe» i» Armemeo. Aollfta»ti»»Pel, 13. April. Armenische Blätter meldeten. daß infolge von Uebergriffen der«endarm er re st, Hadjin die Bevölkerung in Furcht und Schrecken verletzt worden sei. Dazu erklärt der Minister deS Innern tu csneni ComvumiquS, daß ein Gendarmeriesergeant in der Trunkenheit eine Frau und zwei Zivilisten mit seinem Bajonett angegriffen habe. Soldaten, welche den Sergeanten zur Wache führten, hätten sich un- angemessen gegen die Bevölkerung benommen, und e§ sei eine Panik entstanden. Tie Ruhe sei jetzt wiederhergestellt. Die Sol- daten seien bereits vor ein K r i e g S g e r i ch t g e st e l l t worden und würden streng bestraft werden. Privatnachrichten zufolg« herrscht auch in Adana Panik unter der Bevölkerung._ politifcbe deberHcht. Berlin, den 18. April 1313. Tie Bcrner Zusammenkunft. Wie aus Paris telegraphiert wird, hat die französische Gruppe der interparlamentarischen Union auf Einladung des schweizer Nationalrats beschlossen, sich auf der am 11. Mai in B e pn statt�ndenden Besprechung deutscher und französischer Parlamentarier über die Einschränkung der gegenseitigen Rüstungen vertreten zu lasten. i:- Natioualtiberale Kandidatenschmerzeu. Im Wahlkreise Saarbrücken» Otrweiler- St. Wendel wollen die Nationalliberalen aus demagogischen Gründen neben zwei Vertretern der Großindustrie einen Arbeiter, den Grubenschlosser Pick, als Kandidaten aufstellen. Den recbts gerichteten Elementen paßt jedoch der Ardeiter nicht und sie bemühen sich, an sein« Stelle einen Berg- rat Giani zu scvieben. Die.Saarbrücker Zeitung" ist entscbiedene Gegnerin dieses Planes, dessen Durchführung nach ihrer Ansicht nur demonstrieren würde, daß.die Bürgerschaft nix to seggen* habe. Da« Blatt fürchtet von dem Plane direkt ein AuS-dem-Saltelheben der Nationaltiberalen im Saartal.— Dagegen tritt die.Saar- und Blieszeitung" für die Bergratkandidatur ein, während die.Neun- lirchencr Volkszeitung" sich folgendermaßen gegen den Plan wendet: .Die Großindustrie hat zwei Mandat- zugesichert erhalten; sie mutz auf daS dritte verzichten. Die Person de« Herrn Giani in allen Ehren! er ist ein durchaus liberaler Mann mit den großen Verdiensten um da» öffentliche Wohl. Aber er ist Beamter; die fiskalischen Saargruben sind im Landlage durch den Handel«» minister und die Kouimissare des Staate« ausreichend vertreten. Wir erinnern an den Oberbergrat Lohmann. Als er einst al< Abgeordneter Wünsche vortrug, dt« der Leitung der Bergabteilung nicht ganz genehm waren, fiel er— die Trepps hinauf und konnte in den idyllischen Bergen und Tälern des HarzeS darüber nach- denken, daß es de« öfteren zweckmäßiger ist, avS seinem Parla- menlarischen Herzen eine Mördergrube zu machen." Schutz den Steuerhinterziehern. Die Erhebung des Wehrbeitrage» setzt eine das ganze Reich umfassende Veranlagung der Vermögen vorau». Daß in den ein- zelnen Staaten bedeutende Teile des Vermögens der Besteuerung hinterzogen werden, ist eine bekannte Tatsache, die ihre Bestätigung auch darin findet, daß in dem Entwurf über den Wehrbeitrag au»- d rückt, ch Straflosigkeit zugesichert wird für die seither Hinterzogen«» Eteuexbeträge, wenn nur der Steuerhinterzieher jetzt sein Ver- mögen richtig angibt. In den letzten Wochen sind große Kapitalien in das Ausland gewandert, um dort zinjbringend angelegt und der Erfassung durch den deutschen Wehrbeitrag entzogen zu werden. DaS hat zu dem Gedanken geführt, den pridaten Geldinstituten «ine AuSkunftSpflicht aufzuerlegen über alle Transaktionen, die sie in den letzten Monaten vorgenommen haben. In kapitalistischen Kreisen Hai dieser Vorschlag Angst und Schrecken Hervorgerufen. DkjJB ost'.� ausgerechnet ds«..H.rgGegen Schulkinder der gehobenen Volksschulen(Mittelschulen) ist bei fortgesetzterZuwiderhandlungundErsolglosig- keit der Arrest st rasen die Verweisung an dre niederen Volksschulen bei uns zu beantragen." Diele Verfügung richtet sich in erster Linie gegen die Schüler, die bisher unter der Aufsicht von erwachsenen und erfahrenen Turnern in Arbeiterlokalen geturnt haben. Ferner will man die Kinder treffen, die an Mittwochnachmittagen unter Aufsicht einiger Arbeiterfrauen im.Tivoli" in Dessau an harmlosen GesellschaftS« spielen teilgenommen haben. Di« Regierung bebauptet, daß mit diesen Arrangements«in« politische Beeinflussung der Kinder erfolgen soll. Diese Verfügung, die auch j e d e B e t e i- ligung der Kinder an Arbeiterfesten verbietet, er- pffnet nette Aussichten für die Quälerei der»Arbeiter und ihrer Kinder. Im anhaltischen Landtag wurde die Regierung». Verfügung von dem sozialdemokratischen Abgeordneten Voigt scharf kritisiert. Dagegen erklärten sich die Konservativen, National- liberalen und Fortschrittler mit dem RegierungSulas ein- verstanden. Di« anhaltisch« Arbeiterschaft ist über den Erlaß sehr erbittert. Sie will sich aber die unpädagogische Wühlarbeit der anhaltischen Schulregierung nicht gefallen lassen. Sie wird Mittel und Wege finden, den gegen sie gerichteten Bestrebungen wirksam zu begegnen. Noch eine„Schweinerei". Ter Kammerherr v. O l d e n b u r g hat in einer Bündler- Versammlung in Sckilochau gesprochen und sich dabei auch recht freimütig über die Zeit des Bülowsblocks geäußert. Bei der Erörterung der neuen Steuervorlagen gab er dem Reichstag die Signatur, er sei das radikalste Parlament der Welt. Tann meinte der Kammerherr nach der„Königsbcrger Hartungschen Zeitung": „Fürst Bülow war ein sehr kluger Mann, die« konnten am besten diejenigen beurteilen, welche wußten, wie wenig er eigent- lich verstand. Er hat sieben Jahre regiert unb hat stets die Menschen gefragt, wa« er tun solle. Die» ging solange gut. wie er die richtigen Männer fragte. Hinein fiel er erst, al» er sich bei der Erbschaftssteuer von dem Abg. Bassermann vor- rechnen ließ, daß er ein« Majorität pon fünf Stimmen hätte. Damit war es nicht«. Daher sein Abgang. AI» Bülow den Reichstag auflöst«, da machte daS Zentrum «ine Machtprobe, und als eS zur Auflösung kam, ging ich zu Bülow. Er sagte:„Sie sind ein ehrlicher Mann, wa» wird aus der Sache?" Ich gratulierte ihm zu seinem Entschluß und sagte:„Wenn der Preuße einen Ruck in die Kandare bekommt, dann geht der Schwanz in di« Höhe." Später, als der Erfolg da war. sagt« er zu mir:„Sie hatten recht, der Schwanz ist in die Höh« gegangen."(Große Heiterkeit.) Mein Groll gegen die Nationalliberalen rührt von damals her. als die un« bei der Finanzreform plötzlich im Stich ließen, trotzdem man erst in der Kommifston mit uns ging. In meiner parlamentarischen Tätigkeit bin ich zu der U Überzeugung g«. kommen, daß wir. wenn wir ausgeschaltet wurden, schlecht« Ge. schäfte nicht gemach: haben. Zum Beispiel bei Beratung der elsaß-lothringischen Verfassungsfrage haben wir nicht mitgemacht. da wir al» Parlamentarier sowohl al» Privatmänner dachten. e» wäre eine Schweinereü.. Eine Schweinerei ist'S, daß das Junkerpack das deutsche Volk am Gängelbande führen und noch verhöhnen kann, Die Erhöhung der württembergische« Zivilliste angenommen. Kaum acht Tage nach der ersten veröffentlichen Ankündigung der Forderung don SSO 000 M. zur Erhöhung der Zivilliste wurde diese Forderung bereit» unter Dach gebracht. Am 11. April er- schien di« Vorlage, am 16. fand die erste Beratung statt; am 16. erfolgte die Annahme in der Kommission unb am 18. April wurde sie im Plenum endgültig mit 67 bürgerlichen gegen 14 sozialdemo- kransche Stimmen angenommen. In der zweiten Beratung hatte zunächst nur die Volkspartei das Bedürfnis, ihre Zustimmung zu entschuldigen. Abg. v. G a u ß erklärte, wenn frühere Führer der Volkspartei republikanische An- schauungen vertreten haben, so habe das nur für jene Zeiten ge- gölten. Die Stellung zu dieser Frage hänge von den politischen Situationen und von den Verhältnissen der jeweiligen Zeit ab. Im Hinblick auf die liberale Politik d«S jetzigen König» stimme die Volkspartei für die Erhöhung der Zivilliste.— Genosse Keil, der mit einer scharfen Kritik des eingeschlagenen Verfahrens die übri- gen Parteien und die Regierung zum Reden zwang, nagelte die demokratisch« Prinzipienfestigkeit der Volkspartei fest. Mit solcher Eile sei selten ein Gesetz angenommen worden, wie diese», obgleich in dem Wahlprogramm keiner einzigen Partei von der Erhöhung der Zivilliste ein Wort stand. Mit der Erfüllung der Wahlver. sprechiingen habe man weniger Eile. Di« Bevölkerung habe ein moralische» Recht auf die Erhaltung der Anlagen, von denen man nicht wisse, aus welchem Wege sie in den Besitz de« Hofe« gelangt seien. Noch nie sei eine Erhöhung der Zivilliste von den bürger- lichen Parteien einstimmig angenommen worden, obgleich bei den früheren Vorlagen noch kein Sozialdemokrat mitwirkte. Wenn jetzt zum ersten Male kein bürgerlicher Abgeordneter gegen die Vorlage stimme, so spiegele sich darin die EntWickelung der bürgerlichen Parteien wieder, bei denen Männerstolz vor Königsthronen ausge- starben sei. Internationales Lumpengesindel. Zu den vielen militärischen Vorgesetzten und KriegervereinS- Agltatoren. die he, jeder Kontrollversammlung ihre Vor- gcsetztengewalt benutzen, um Propaganöa für die Krieger» vereine zu machen und donnernde Reden gegen die Sozialdemo- krane zu halten, gehört auch seit einer Reihe von Jahren der Be- zirkskommandeur Major v. C h o p p i u S vom Bezirkskommando m � l eg n i �. der ti an ArastauZo Lücken gegen bie Sozialdemo« kratie niemals fehlen läßt. Bei der diesjährigen Frühjahr«. kontrollversammlung hat der Herr Major zweifellos seinen Höhe- Punkt in der Beurteilung der Sozialdemokratie erreicht. Wie immer hielt er vor versammelter Mannschaft seine übliche Agitationsrede für die Kriegerverein« mit reichlich gespickten AuS- fäven gegen die BolkSverhetzer ynd BaterlandSfeinoe. Sodann beklagte sich der Herr Major bitter darüber, daß von den paar hundert Reservisten nur ein InappeS Dutzend den Weg zu den Kriegervereinen gefunden hätten. Statt dessen treten sie jedem Lumpenverein bej. Erst wenn den Mannschaften im Kriege einmal die Granaten um die Nase gepfiffen sein werden. dann wird nach Meinung des Herrn Major« ein anderer Geist über sie kommen. Schämen müßt« sich jeder Deutsche über dg» internationale Lumpengesindel usw. usw. usw. Hurra! Hurra! Hurra! Daß nach solchen Kraftleistungen und Beschimpfungen der deutschen Aibeiterschaft da» Hurra auf Wilhelm II. recht dünn klang, wird wohl auch den Herrn Major darüber belehrt haben. daß er tauben Ohren gepredigt hat. Unter dem Schutze der militärische« DiSziplinargeSak! kann der Herr Major auch in Zukunft solche Reden halten, er kann auch weiterhin den größten Teil des deutschen Volkes ungehin, d e r t beschimpfen. Er ist sicher, daß ihm niemand in die Parade fährt. Aber vielleicht versucht der Herr Major v. ChoppiuS, seine Aeußerungen über das internationale Lumpengesindel und die Lumpenvereine einmal als Z i v i I i st zu wiederhole«. Die- selben Leute, die seine früheren und seine letzte Rede ruhig aiv- hören mußten, weil sie unter militärischem Kommando standen. würden ihm dann eine Antwort zuteil werden lassen, die ihm daS Wiederholen so schwerer Beleidigungen der deutschen Arbeiterschaft ganz gründlich perleiden würde! Guten Appetit. In den Germaniasälen, Chausscestraße, hat dieser Tage eine Versammlung der gelben Bäckergesellen sich mit den Debatten des Abgeordnetenhauses über die Läckereiverordnung und deren Hand- habung beschäftigt und unter Berufung auf die Autorität de» Herrn Dr. M u g d a n erklärt, die Kellerböckereie» seien nicht in dem Maße gesundheitsschädlich, daß sie zu untersagen seien. Weiter hat sich die Wer- sammlung erdreistet, von»zahlreichen Unwahrheiten" In der bekannten Broschüre Bebels zu sprechen. Da diese Behauptung bereit» schlagend widerlegt ist, genügt eS. ihre erneute Wiederholung einfach niedriger zu hängen. Dagegen wird es unsere Leser inter- essieren, daß die Aeußerungen MugdanS über die Kellerbäckereien schon lange vor dem 22. Februar, an dem er sie tat, von amt» l i ch e r Seite ein« Beleuchtung erfahren hat. die er sich nicht hinter den Spiegel stecken wird. Am 22. und 23. Januar ist nämlich in der HandelSkommifsion des Abgeordnetenhauses über eine Petition deS famosen.Schutz- verbände« gegen die Bäckereiberordnung" verhandelt worden. Die Petition bebauptet«. daß bei strenger Einhaltung der Bäckerei- Verordnung 2000 Bäckereien in Berlin geschlossen werden müßten! dadurch würden 100 Millionen Mark dem.Nationalvermögen" per- loren gehen. Der Vertreter der Regierung stellte demgegenüber fest. daß e» im LandeSpolizeibezirl Berlin 2777 Bäckereien gebe, von denen nur 667 so stark von den Vorschriften der Verordnung abweichen, daß sie keinen dauernden Dispen» erhalten könnten. Bon ihnen liegen 621 im Keller und 46 im Erdgeschoß. Wie e» nun in diesen Kellerböckereie» aussah, davon machte der Herr Regierungsvertreter Mitteilungen, bei denen einem die Haare zu Berge stehen können. Wir wollen au» seinen Angaben nur einiges hier wiedergeben. Da die Räume niedrig sind und die Fenster sich nnr mit Schwierigkeit öffnen lassen, so habe bei den Besichtigungen in vielen. Bäckereien übermäßige Hitze und bedenklich schlechte Luft geherrscht. Wurden aber die Fenster geöffnet, die ja vielfach tiefer al» die Straße liegen, so habe sich häufig Straßen- schmutzüberMehl, Teig und halbfertigeWarever- b r e i t et. Ordentliche Beleuchtung gabs im Keller natürlich auch nicht, und so habe.anscheinend niemand den Schmutz und das Ungeziefer wahrgenommen, dessen Be- seitigung oft in ekelerregender Weise vernach- l ä s s i g t" worden sei. In vielen Backräumen. sogar über den Backtischen, hätten sich Abfall- und Klosettröhren befunden, di- nicht einmal immer dicht gewesen seien. Sogar Pissoir» mitten in den Arbeitsräumen habe es gegeben, und Klosetts dicht daneben, so daß sie n u r d u r ch d i e A r b e i t S- räume gelüftet werden konnten. Solche Räume seien natürlich nicht nur für die darin hergestellte Dackware schädlich, sondern auch für die Gesundheit derer, die darin arbeiten müssen. höchst nachteilig. Es se,en denn auch sogar von den Bäcker. meistern, die selbst mitgearbeitet haben, viele vor der Zeit arbeitsunfähig geworden. Und diese Dinge seien festgestellt worden in Bäckereien, die ohne Ausnahme vorher wußten, daß sie revidiert werden sollten! Herr Dr. Mugdan hat am 22. Februar bekanntlich gesagt, daß er nicht etwa unsaubere Zustände in den Bäckereien verteidigen wolle; nur gegen die baulichen Bestimmungen der Verordnung wende er sich. Nun ist hier amtlich nachgewiesen, daß die Un- sauberkeit mit den baulichen Zuständen aufs engste zusammen- hängt. Endlich noch eine Kleinigkeit, die den Charakter deS preußischen Dreiklassenhause« wieder einmal grell beleuchtet: trotz dieser haar. sträubenden Enthüllungen fand die Petition, die sich gegen die Bäckereiverordnung wendet, im Schoß« der Kommission— in der mehrere Fortschrittler saßen— nur Verteidiger und wurde schließlich einstimmig zur Berücksichtigung überwiesen!! Di« Sozialdemokratie hat keinen Sitz in dieser Kommission. )Ziis der partei. .Die Maifestzeitung 1S13" «langt soeben in unserem Berliner Parteiverlage, ber Buch- andlung Vorwärts Paul Singer T. m. b. H., Berlin ZW. 68. zum Versand. Der Verlag hat sich bemüht, dle Zeitung in textlicher wie illustrativer Hinsicht gut auszustatten. AuS dem textlichen Inhalt erwähnen wir folgendes:.Am Rande des Weltkrieges" von Hermann Wendel.—.Au« eigener Kraft" von Paul Umbreit—„Demonstriert durch die Wahl" von Heinrich Ströbel.—.Mai- Landwehr" von Kurt EiSner.— „1863—1918" von Georg Gradnauer.—.Pfingstlied", Gedicht von Georg Weerlh.—„Maienbrond", Gedicht von F»anz Diederich. Das Titelbild stammt von Arnold Döcklin. ES verleiht den Schrecken de» Kriege» wirkungsvollen Ausdruck, während da» große Mittelbild, da« von dem Pariser Künstler I. Alfieri geschaffen ist, den befreienden Ideen de» Sozialismus gewidmet ist. Die„Maizeitung" kostet wie alljährlich 10 Pf. und ist durch alle Buchhandlnngeit. Spediteure und Kolporteure zu beziehen. Für Groß-Berltn erfolgt die Ausgabe am 25. April. Parteiliteratur. DaS Wahlrecht und die Parteien.(Sozialdemokratische Flug« schristei! Nr. 18.) Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 63. Preis 10 Pfennig. Organisationen erhalten bei Bezug jeder der beiden Schriften für Massenverbreitung billigere Preise. Polizeiltches, Ocricbtllche« uft», Low Polizeikampf gegen die Maifeier. Der Polizeipräsident zu Steltin hat die erbetene Ge- nehmigung zu einem Umzug der Stettiner Maidemonstranten per- weigert, mit der Begründung, daß.gelegentlich früherer Demonstra« lionen gemachter Erfahrungen di« dringend« Befürchtung recht- fertigen" sollen,.daß durch den Umzug die öffentliche Sicherheit ge» iährdet" werde. Der Polizeipräsident wäre allerdings sehr verlegen, sollte er seine Behauptung auch beweisen, denn nie haben sich Mai- demonstranten etwas Ordnungswidrige« zuschulden kommen lassen. Deshalb müssen auch noch andere Grunde herbeigeholt werden. Die Beteiligung an dem Umzug werde eine sehr starke sein, und da« Ziel des Ausflug« am HimmelsahrlStage auch von zahlreichen an- deren Ausflügler» aufgesucht werden. Deshalb meint die Sielliner Polizeiweishett:.Die an sich unter den hiesigen großstädtischen Verkehrsverhältnissen zu beiürchtende Gefahr für die öffentliche Sicherheit durch einen politischen Demonstrationsumzug wird durch dies« letzteren beide» Umstände noch wesentlich erHöhr". Gewerfefcbaftllcbea. Sine neue Niederlage des JMiUtansmus. Der Streik der Kutscher und Arbeiter der Speditionsfinna C. Faust jun. in Stralsund wurde erfolgreich beendet. obgleich der Firma zwanzig Infanteristen zu S t r e i k b r e ch e r d i e n st e n zur Verfügung gestellt wurden. Neben den neun Mann, welche die Wagen der Firma durch Stralsund führten, waren der Firma noch 10—12 Soldaten Zur Verfügung gestellt worden, die auf dem Hof eines Waren� Hauses einen Waggon mit Geschirr ausladen mußten. Die Arbeiter erzielten eine Wochenlohnerhöhung um 1 M., nebst Regelung der Arbeitszeit und Ueberstundenbezahlung. Jedenfalls erweist dieser Fall aufs neue, daß die neue Militärvorlage baldigst bewilligt werden muß, damit solche Niederlagen unseres tapferen Kriegsheeres künftig ver mieden werden. verlln und Umgegend. Die Tarifbcwegung der Berliner Zimmerer. In der am Donnerstag abgehaltenen Zählstellenversammlung berichtete der Vorsitzende Witt: Die am 8. Januar und am 6. Marz in der Schlichtungskommission stattgehabten Verhand� lungen hatten kein Ergebnis. Die Arbeiter beantragten einige Verbesserungen des alten Vertrages. Hauptsächlich forderten sie eine Erhöhung des Stundenlohnes um 8 Ps. unter der Boraus- setzung, daß der neue Vertrag bis 31. März 1916 abgeschlossen wird. Die Unternehmer erklärten, sie könnten keine Lohnerhöhung bewilligen. Sie lehnten nicht nur diese Forderung, sondern auch alle anderen Anträge der Arbeiter ab bis auf einen: Ulenhorst bei Köpenick in das Vertragsgebiet aufzunehmen. Nach den ergeb- nislosen Verhandlungen haben beide Parteien das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen. Die hier am 2. und 3. April ge führten Verhandlungen eirdeten mit einem Schiedsspruch des Eint gungSamtes. der den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 3 Pf. auf drei Jahre verteilt, zuspricht. Die übrigen Anträge der Arbeiter hat das Einigungsamt nicht anerkannt. Eine Konferenz der Be- zirkSführer des Zimmererverbandes hat erklärt, sie wünsche einen neuen Vertrag, aber der Schiedsspruch sei unannehmbar, jedoch seien die Zimmerer zu weiteren Verhandlungen bereit und er- warten von ihren Vertretern, daß sie annehmbare Verbesserungen durchsetzen. Die Unternehmer haben sich zu erneuten VerHand. lungen bereit erklärt, ein Verhandlungstermin ist bereits festgesetzt. Die rege Diskussion ließ keinen Zweifel darüber, daß die Berliner Zimmerer mit dem, was der Schiedsspruch bietet, durch- aus nicht zufrieden sind und daß sie ein besseres Ergebnis unbedingt erwarten.— Die Versammlung lehnte den Schiedsspruch ein stimmig ab und beauftragte ihre Vertreter, an den erneuten Veo Handlungen teilzunehmen. jetzt infolge der Arbeitsniederlegung keineswegs diese Zugeständ- uisse für später noch auftecht erhalten." Daß die in Stolp gezählten Löhne niedriger sind als die, die anderweitig gezahlt werden, geht schon daraus hervor, daß gerade deswegen die Bauarbeite'' die Arbeit eingestellt haben. Das Inserat ist aber gleichzeitig ein wichtiges Doküment; es erbringt die Bescheinigung für das hinterlistige Treiben der Hirsche. Es wird in der Annonce nämlich weiter ausgeführt: „Der Umstand, daß die Hirsch-Dunckerschen Bauarbeiter den Tarifvertrag angenommen haben, beweist, daß unser Arbeits- vertrag keine unbilligen Forderungen enthält. Durch den Vertrag mit der Hirsch-Dunckerschen Partei sind wir in der Lage, unsere Betriebe aufrecht zu er- halten, zudem der ständige Nachschub von Arbeitskräften dieser Partei uns in den Stano setzt, alle uns zugehenden Aufträge nach wie vor ohne jede Störung in gewohnter Weise zu er- ledigen. Wir bitten die Behörden und das bauende Publikum, sich durch anders Lautende, von feiten der Arbeitnehmer aus- gesprengte Gerüchte keineswegs irreleiten zu lassen, sondern uns die Aufträge von Bauarbeiten nach wie vor übermitteln zu wollen und von dem Streit eines Teils der hiesigen Bauarbeiter und Zimmerer gar keine Notiz zu nehmen." Also die Hirsch-Dunckerschen haben sich als Hintzegardiften in die Tretmühle der Bauunternehmer einreihen lassen! Ein zweites Inserat hat folgenden Wortlaut: „Trotzdem die streikenden Bauarbeiter genau wissen, daß sie sich durch Belästigen der Arbeitswilligen strafbar machen, ist es gestern zu mehrfachen Ausschreitungen gekommen. Wir machen die Verbandsleiter der Ortsgruppen für die Handlungen ihrer Leute verantwortlich und zeigen ihnen hierdurch an, daß wir jeden uns bekannt werdenden Fall unnachsichtlich zur Anzeige bringen, wobei wir auf die§8 123 bis 125 des Strafgesetzbuches hinweisen. Wenn die Vorstände der Bauarbeiterverbände so wenig erzieherischen Einfluß auf ihre Leute ausüben, müssen sie sich nicht wundern, wenn wir die Polizeimacht in verstärktem Maße in Anspruch nehmen werden. Wir verbitten uns energisch jede Belästigung der Hirsch-Dunckerschen Arbeiter. Das bauende Publikum bitten wir in jedem Falle der.Belästigung, sei es durch Tätlichkeiten, durch Redensarten oder durch Ansammlung von Trupps Streikender, uns sofort zu benachrichtigen, damit wir unverzüglich für Abhilfe sorgen können. Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe zu Stolp." Die Polizeibehörde läßt sich sicher nicht zum zweiten Male die Anweisung geben, sie wird bei dem geringsten Vorkommnis.dem Unternehmcrverband zu Willen sein. Um so mehr müssen die Ar- beiter Bedacht darauf nehmen, sich durch nichts provozieren zu lassen. Die Korbmacher der Grünbranche stellten Anfang April Forde rungen von 19 und 15 Prozent. Es wurde mit den Meistern mehrere Male verhandelt. Die letzte Verhandlung fand am Diens- tag, den 15. d. M., statt. Bei den ersten Verhandlungen kam es nicht zu einer Einigung, die Meister erklärten sich bereit, 5 Proz. zu bewilligen. Eine Branchenversammlung lehnte es einstimmig ab, daraus einzugehen, war aber damit einverstanden, daß noch ein. mal verhandelt wurde. Sollten da die Meister den Forderungen nicht näher kommen, so bliebe uns nur der Streik übrig. Am Donnerstag gab dann der Branchenleiter W i n k l e r den Bericht von der letzten Verhandlung. Er führte aus, daß es gelungen sei, den Meistern noch weitere 5 Proz. abzuringen, so daß nun auf den Artikel, wo 15 Proz. verlangt wurden, 19 Proz. bewilligt sind. Da, wo 19 Proz. gefordert wurden, sind 8% Proz. bewilligt. Außerdem wurden bei Reparaturen und auch bei anderen Artikeln noch Vorteile er- rungen. Die Arbeitszeit ist auf 52 Stünden festgesetzt. Ferner wurde. der Arbeitsnachweis des Verbandes anerkannt. Die Kom> Mission schlug der Versammlung vor, das Erreichte anzunehmen. Winkler führte noch aus, daß die Meister auf einen Vertrag nicht eingegangen sind. Sie wollten einen solchen abschließen bei einer Zulage von 5 Proz., würden sie mehr bewilligen, müßten sie auf einen solchen verzichten. Bei schlechter Konjunktur würden sie wieder abzuziehen versuchen. Die Versammlung erklärte sich gegen 2 Stimmen mit dem Erreichten zuftieden. Sie erklärte ferner, alles daran zu setzen, um die noch Fernstehenden heranzuziehen und das Erreichte auch bei d e n Meistern zur Durchführung zu bringen, die noch nicht bewilligt haben. Die Bewegung ist somit noch nicht abgeschlossen, denn ein Teil der Meister hat sich an den Verhandlungen nicht beteiligt. Bis jetzt ist bei der Firma K i r s ch k e, Gerichtstr. 86, die Arbeit niedergelegt. Herr Kirschke erklärte sich bereit, bei verschiedenen Arbeiten zuzulegen. Er lehnt es aber strikte ab, bei dem Haupt artikel, dem Ballonkorb, etwas zu bewilligen. Der Betrieb ist des halb von Korbmachern zu meiden, bis sich auch dieser Herr über zeugt hat, daß der jetzige Lohn seiner Arbeiter einen Aufschlag verträgt. Die Direktion der Schultbeiß-Brauerci teilt uns unter Bezug. nähme auf unsere gestrige Notiz über den Schifserstreik mit, daß sie den Dampfer„Martha" am 19. Februar des Jahres ver kauft hübe und daß seitdem auch der Kavitän des Schiffes aus den Dien st en der Schultheißbrauerei ausge- schieden sei.— Wir hätten natürlich der Schnltheißbrauerei nicht Erwähnung getan, wenn wir das wußten. Den zahlreichen Schiffern, die dem Durchschleusen der„Oppeln" zusahen, war diese Tatsache nicht bekannt. Man wunderte sich um so mebr, den Kapitän der„Martha" auf dem Vordeck sn i ch t Verdeck!) der „Oppeln" als Arbeitswilligen zu sehen, als allgemein angenommen wurde, daß die„Martha" längst in Dienst gestellt sei. Daß dieses Schiff der Schultheißbrauerei nicht mehr gehört, war niemanden bekannt. Der Inhaber des„Hackepeter", Münzstr. 29. Herr Martin, behauptete anläßlich des Streiks der Kellner, daß er hauptsächlich deshalb Tarifgegner sei, weil er vom Verband untaugliche Ar- beitSkräste erhalten habe. In Wirklichkeit sind nur bezüglich der Plazierung immer dann Meinungsverschiedenheiten entstanden, wenn der Arbeitsvermittler Leute zu Martin plazieren sollte, welche gar nicht der Organisation angehörten und nur deswegen Mitglied der Organisation werden wollten, um eine Stelle bei Martin in Anspruch nehmen zu können.'Oft waren diese Leute gar keine Fachleute. Welchen Wert Herr Martin auf die Fachkenntnisse der bei ihm beschäftigten Kellner legt, beweist wohl am besten der Um- stand, daß er zurzeit zum Geschäftsführer einen Obsthändler gc- macht hat und einen ehemaligen Polizeibeamten als arbeits- willigen Kellner beschäftigt. Auch unter den übrigen Arbeitswilligen befinden sich Leute, die dem Gewerbe bisher keine Ehre machten. Der Betrieb ist für organisierte Gehilsen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin I. veurlcbeo Reich. Vom Bauarbeiterstreik in Stolp i. Pomm. Die Baugewaltigen in Stolp sind durch die Arbeitsnieder- legung der Bauarbeiter in große Schwierigkeiten geraten. Das beweisen am besten die krampfhaften Anstrengungen, die sie machen, um die organisierten Arbeiter schmählich zu verdächtigen und ihr eigenes Verhalten in ein möglichst rosiges Licht zu rücken. Um ihren Schwinde! an den Mann zu bringen, benutzen sie den Inseratenteil der Provinzblätter. In einem großen Inserat„An die Behörden und das gesamte bauende Publikum" macht der Unternehmerverband für das Baugewerbe die Arbeiter für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich. Er sagt: „Die ihnen hierorts zugebilligten Lohnzulagen sind höher, als wie sie bisher die übrigen örtlichen Verhandlungen in Deutschland gezeitigt haben. Diese Lohnerhöhung haben wir im Interesse der Erhaltung des Friedens zugegeben, während ftir_ Itranto. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.� Schadenersatz an den Arbeitswilligen. Das Oberlandesgericht Naumburg hat in einer«chadenersatz- klage eines Arbeitswilligen gegen drei M'glieder des Verbandes der Brauerei, und Mühlenarbciter in Erfur. zugunsten des Klägers entschieden und im Prinzip den Schadenersatzanspruch für berechtigt erklärt; die Höhe der Summe soll von der Vorinstanz, dem Er- furter Landesgericht, festgesetzt werden. Die Beklagten sollen verschuldet haben, daß der Kläger Otto Klaus im Jahre 1911 aus der Malzfabrik Eisenberg in Erfurt entlassen wurde und bisher in seinem Beruf keine Arbeit ge- fundcn hal. Der Kläger verrichtete bei einem Streik, der bei genannter Firma im Januar 1911 wegen Lohndifferenzen entstand, Arbeits- willigendienste. Nach Wiederaufnahme der Arbeit entstanden Reibe- reien zwischen den organisierten Arbeitern und den Arbeitswilligen. Nach den Zeugenaussagen machte sich der Kläger Beschimp- fungen und Tätlichkeiten gegen die Organisier- t e n 1 ch u l d i g. In den gerichtlichen Enischeidungsgründen wird dieses provokatorische Auftreten des Arbeitswilligen als harmlos bezeichnet. Anders wird dagegen vom Gericht der Umstand be- messen, daß der Kläger eines Tages einen Knüppel mit einem daran befestigten Zettel fand, der die Auffchrift trug:„Mit diesem Knüppel wirst Du hinausgehen." Das sei ein wichtiger Beweis für den Terrorismus der Beklagten. Die Fabrikinhaber bekun- beten, sie. Hätten befürchtet, es könne zur erneuten Arbeitseinstellung kommen, weil ihnen von dem Malzmeister und einem Obermälzer die Mitteilung gemacht wurde, daß die Leute große Abneigung be- kündet hätten, mit Klaus zusammenzuarbeiien. Auch sei bei einer Unterhandlung mit zwei der Beklagten die Bemerkung gefallen: wie es mit der Entlassung des Klaus stände. Diese Aeußerung wurde übrigens von den Beklagren entschieden bestritten. In der Begründung des Urteils wird u. a. gesagt, daß das Vorgehen der Beklagten ein Verstoß gegen die guten Sitten sei. Als Beweis dafür wird angeführt, daß sie einen Druck auf die Fabrikbesitzer ausübten. Weiter wird gesagt: Mögen diese auch dem Drucke zu rasch nachgegeben baben, und wäre es auch im Falle der Nich:entlassung nicht zu dem befürchteten Ausstand gekommen, so ist doch die Entscheidung nicht dem freien Willen der Fabrikanten entsprungen.—— In der Erbitterung darüber, daß Kläger den Streik nicht mitgemacht habe, hätten die Beklagten in sittenwidriger Weise die freie wirtschaftliche Betätigung des Klägers sowie die des Fabrikanten gehemmt. Das eröffnet ja herrliche Perspektiven für die Arbeitswilligen! Sie brauchen zu ihrer Arbeitswilligkeit sich nur der nötigen„Harm- losen" Ruppigkeit zu befleißigen; wird ihnen dann mit Gleichem gedient und auch Abneigung gegen sie gezeigt, und„befürchtet" der Unternehmer dann noch, daß es zur Arbeitseinstellung kommt, dann ist die Situation geschaffen, die den Arbeitswilligen und den Unternehmer in der freien wirtschaftlichen Betätigung henimt. Da könnte sich bald eine Spezies Arbeitswilliger— so eine Kolonne Hintzescher Siebenmonatskinder— heranbilden, die ihre ganze Tätigkeit darauf beschränken, ruppige Vorarbeit zu machen, zu dem Zweck, auf Kosten organisierter Arbeiter zu leben. Die moralische Reife dafür hätte diese Kolonne, und den Beweis zu führen, daß sie anderweitig Arbeit nicht bekommen, würde ihnen nicht schwer fallen.___ Snzhles Das ReichS-KerfichernnsSamt erhob wetteren Beweis durch ver« nehmung mehrerer Zeugen und forderte dann Herrn Geheimen Medizinalrat Dr. K. auf, ein Obergutachten zu erstatten. Dieser Obergutachter erklärte in seinem Gutachten:„Es ist festgestellt. daß R. aus mindestens 19 Meter Höhe abstürzte, 6 Meter tiefer auf ein Schutzdach auffchlug und dann noch 4 Meter herab auf den mit. Steinfliefen belegten Erdboden fiel. Die Gewalteinwirkung auf den Brustkorb kann durch■ einen solchen Sturz eine recht erhebliche sein, ohne daß die Haut infolge ihrer Elastizität und aus dem Sleichen Grunde auch die elastischen Rippen äußerlich erkennbare Zeichen einer Quetschung tragen. Außerdem ist ein solcher Sturz aber auch geeignet, lediglich durch die Erschütterung des Brust- korbes eine Schädigung des Lungengewebes herbeizuführen, zumal hier, wo gewisse Abschnitte der Lunge erkrankt und leichter ver- letzbar waren. Der von den beiden Herren Vorgutachtern gestellten Forderung der Notwendigkeit des objektiven Nachweises einer Schädigung bezw. Zerreißung von Lungengewebe durch den Unfall kann ich nicht beitreten; insbesondere bin ich nicht der Ansicht, daß im vorliegenden Falle eine solche Schädigung das Auftreten von Bluthusten sofort oder ganz kurze Zeit nach dem Unfälle hätte herbeiführen müssen. Zwar ist festgestellt, daß R. im März 1999 an Bluthusten gelitten hat; solchen beobachten wir aber nicht selten vorübergehend bei Lungentuberkulose im Beginn, ohne daß das Leiden hieran anschließend stetig fortschreitet, häufig tritt ein Still- stand des Prozesses ein."....„Wenn nun auch plötzlich in Form der galoppierenden Schwindsucht zum Tode führende Verschlimme- rungen anfangs beschränkter tuberkulöser Lungenerkrankungen, ohne daß ein Unfall den Anlaß gibt, keine Seltenheiten sind, so steht doch im vorliegenden Falle fest, daß R. in direktem Anschluß an den Unfall aus einem arbeitenden, voll erwerbsfähigen Mann zum schwer lungensüchtigen wurde, der an den nun unaufhaltsam fortschreitenden Leiden innerhalb vier Monaten zu Grunde ging." Geheimer Medizinalrat Professor Dr. K. kam dann zu dem Schluß, daß mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. daß der Tod mit dem erlittenen Unfall in ursächlichem Zusammenhang zu bringen ist. Das ReichS-Bersscherungsamt erkannte darauf de« Anspruch der Hinterbliebenen dem Grunde nach für gerechtfertigt an und verurteilte die Genossenschaft zur Zahlung der Rente. Das Streitverfahren hat schließlich zugunsten der Hintcrblic- benen sein Ende erreicht. Aber— wie kommt es, daß in Arbeitern angehenden Dingen immer und immer wieder Aerzte als Gut- achter sich finpen, die das nicht zu erkennen vermögen, was in hunderien von Fällen, bei denen nicht Arbeiter interessiert sind, als allbekannt anerkannt wird? Können die Herren sich noch immer nicht zu der Änsicht durchringen, daß auf Arbeiter dieselben Natur- gesetze Anwendung finden wie für nicht der Unfallversicherung Unterstellte?___ Die Ortsgruppe Berlin der Gesellschaft für Soziale' Reform veranstaltet Freitag, den 25. April, abends 854 Uhr. im großen Saale der Viktoria Brauerei. Lützowstr. 111/12, eine Versammlung. in der Professor Dr. E. Francke, der Herausgeber der„Sozialen Praris", über„Bestrebungen und Erfolge des internationalen Ar- beiterschubes" sprechen wird. Dieser Bortrag dürfte gerade jetzt auch in weiteren Kreisen das lebhafteste Interesse erwecken, da der chweizerische Bundesrat diejenigen europäischen Regierungen, die die beiden internationalen Staatsverträge vom 26. September 1996 über das Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen und das Verbot des weißen(gelben) Phosphors in der Zündholzindustrie abgeschlossen haben, sowie diejenigen Länder, in denen überhaupt Arbeiterschutzgesetze bestehen, zu einer neuen Konferenz nach Bern eingeladen hat. die im September d. I. stattfinden soll. Auf dieser Konferenz soll ebenfalls durch internationale Staatsverträge daS Verbot der industriellen Nachtarbeit für jugendliche Arbeiter aus- gesprochen und eine Höchstarbeitszeit für die in der Industrie de- i'chäftigten Frauen und jugendlichen Arbeiter bis zum vollendeten 18. Lebensjahre ausgesprochen werden. Folgen eines Betriebsunfalls'? Wie schwer die Erlangung der Unfallrente den Hinterbliebenen oft gemacht wird, zeigt wieder folgender Fall. Der Maurer Gustav R. rutschte am l6. Juni 1919 auf einem Neubau von einer Bohle, stürzte aus zirka 12 Meter Höhe und____ HU........ schlug dann auf Asphaltboden auf. Die Aerzte stellten als Unfall- � die Vorschläge mit Vorbehalten annehmen, welche zusammen letzte ffecbrlchtcn. Erster Erfolg des Generalstreiks., Brüssel, 18. April.(W. T. B.) Sozialistische Deputierte und Senatoren fordern die Arbeiter, in Ruhe weiter zu streiken, denn ein erster Erfolg sei dadurch erzielt, daß die Kammer über das Problem, das den Streik veranlasste, berate. Vielleicht bringe die Sitzung der Kammer am Dienstag eine Lösung. Deshalb ser ein Beharren im Streik erforderlich. Die Sühne für Nancy. Pari«, 18 April.(Meldung der„Agence HavaS".) Ter Mi« nister des Innern hat auf Grund des Berichts des Staatsrats Ogicr und nach Besprechung mit dem Ministerpräsidenten folgende Straf. maßnahmen verfügt: 1. Die beiden Polizeibeamten, welche sich Sonntag nacht auf dem Nancyer Bahnhof befanden, sind abgesetzt. s. Es werden Maßnahmen zur Umgestaltung der Ranchcr Polizei unverzüglich geprüft werden. Diese Maßnahmen werden im Jnter. esse des Dienstes die Absetzung der beiden Nancher Polizeikom« missare zur Folge haben. 3. Der Präfekt des Departements Mcurthe et Moselle erhält, weil er es verabsäumt hat. den Minister des Innern aus eigenem Antrieb e und unverzüglich über den Vorfall zu untcrichtcn, ein anderes Amt. Der Minister des Aeußern, Pichon. empfing heute den deut« schen Botschafter. Frhrn. v. Schoen. uns teilte ihm die von oem Minister des Innern getroffenen Strafmaßnahmen mit. In hiesigen amtlichen Kreisen glaubt man. daß damit der Zwischenfall erledigt sei._ Bulgariens Stellung zu den Friedensbedingungen. Sofia, 18. April.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Sobranje beantwortete Ministerpräsident Teschow die Anfragen bezüglich der Annehmbarkeit der Friedensbeding» ungen der Mächte sowie betreffend die Haltung der serbischen Behörden in Mazedonien gegenüber der bulgarischen Bevölkc- rung. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung werde folge Verletzung des Kopfes, des rechten Oberschenkels und der mit den Vorbehalten der Verbündeten nicht so beicliaffen seien ..,�.4.-.«-» fTl. � 1 i.� Z Wm 1 0.O, f I.VPi« 4<~n n r« � � v, CU i_* p t.<"v-.'''. 11.« rechten Seite fest. Am 12. Oktober 1919 verstarb R. Der von den Hinterbliebenen bei derNordöstlichcn BaugewerkS- Berufsgenossenschaft S. 1 geltend gemachte Anspruch auf Eni- schädigung wurde abgewiesen, weil die bei dem Unfall erlittenen Verletzungen mit seiner tödlichen Erkrankung und seinem Ableben in keinem ursächlichen Zusammenhäng ständen. Gegen den ablehnenden Bescheid der Berufsgenossenschaft legte die Witwe bei dem Schiedsgericht für Arbeiterverstchcrung für den Stadtkreis Berlin Berufung ein. Die Gutachter, Sanitätsrgt Dr. H. und Professor Dr. W-, erklärten:„daß weder mit Sicherheit noch mit ausreichender Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, daß der Unfall auf das bereits vorhandene Lungenleiden des R. verschlimmernd eingewirkt und dadurch eine Beschleunigung des Todes herbeigeführt hat." Daraufhin wurde die Berufung der Witwe vom Schiedsgericht zurückgewiesen. Diese Entscheidung wurde durch das Rechtsmittel des Rekurses beim ReichS-Bersicherungsamt angefochten. Geltend gemacht wurde. daß R. seit 1898, abgesehen von kleineren Unterbrechungen bei ein und demselben Arbeitgeber beschäftigt war, daß er bis zu seinem Unkall, wie jeder andere Maurer auch, seine doch immerhin schweren Arbeiten ohne Einschränkung verrichten konnte. Auch habe der be- handelnde Arzt Herr Dr. Sch. den Zusammenhang des zum Tode führenden Leidens de§ R. mit dem Unfall für gegeben erachjet. da zum mindesten der Unfall auf ein bei R. bestehendes Lungenleiden verschlimme, nd gewirkt habe. ! dass sie den Abschluß des Friedens verhindern könnten. Mehr könne er vorläufig nicht sagen. Auf die zweite Anfrage er- klärte Teschow: Es ist wahr, dass wir Klagen erhalten haben von bulgarischen Bürgern, welche gehindert werden, gewffie Gegenden, die von Serben besetzt sind, zu besuchen, lerner Klagen bulgarischer Zeitungsredaktionen, deren Blatter in dem von den Serben besetzten Gebiete keinen ZulaU Nnden sowie Klagen der bulgarischen Bevölkerung der Stadt und des Bezirks Egripalanka. Ueberzeugt. daß die Regierung des verbündeten Serbiens diese Tatsachen werde zur Kenntnis nehmen wollen, haben wir sie ihr mitgeteilt und das Ber- sprechen einer Untersuchung erhalten. v Ucberfall eines serbischen Transports._ Wien. 18. April.(SB. T. B.) Wie die„Südslawische Korre. spondenz" aus UeSküb meloet. ist zwischen Kumanovo und Palanka ein serbischer Waffen, und M u n i t i o n s t r a n s p o rt von bulgarischen Komitatschis über falle n worden. Es entspann sich ein erbitterter Kampf, wobei achtzig s-r» bische Soldaten getötet und verwundet wurden. Die bulgarischen Verluste find unbekannt. Der Waffentransport »»n»..»....-...««............___ ftel in die Hände der KomitatlckiiS.-- G>»>ke.B«ri'n. Druck u. Veclaa: VorwärtSLu-t-dv. a �erlagsaunaU� Paul»Singer a Co., Berlin L1V. Hierzu b Beilagen u.unlcrhaltungzbt Kr. 93. P. Jahrgang. 1. Ifilajt des Jutiiiirte" firtlinrt lolMlatt. Aonnabend, 19. Apnl 1913. Reichstag» 143. Sitzung. Freitag, den 18. April 1913, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. H e e r i n g e n. Militär-Etat. Zweiter Tag. Der gestern eingebrachte Schlutzantrag des Abg. Graf Westarp(k.) ist zurückgezogen. Abg. Gotting inatl.) wünscht angesichts des UmstandeS, daß so viele Hauptleute an der Majorsecke scheitern müssen, bessere PensionSverhältnisse für sie. und klagt über den Mangel an Militär- ärzten. der bei der Ueberfüllung des ärztlichen Berufs nur aus dem Umstand zu erklären sei, daß die Militärärzte sozial nicht den Offi- zieren gleich geachtet werden.— Abg. Sperlich öenosslaee» des IZii-Seiiriis. W v M «S Z eetzee— Unserem Parteigenossen M Gaomer«n« Gemaliliii zur Silberne» Hochzeit die berzlichsten Glückwünsche und ein dreisaches Hoch 1 8931 Wahlverein Mederbarnlo Bezirk Kanlsdorl. Todes-Anzeigen SozialdemokratiseherWalilvereiii I. ISJerL ReiebsUgs-Wahlkreis. 3ün 9.«vril verstarb unser Genosie, der Chauffeur Fritz Homrigbaosen Wethenburger Str. 60. Ehre seine«»»denken: Die Beerdiaung hat Freitag nachmittag aus dem itädlischen Friedhose w griedrtchsselde statt. gesunden. 927/L S>«r Vorst and. SozialdeinokratiseherWalilTereiD für ScööflEberg. Bezirk 5. Am Dienstag verstarb d löhlich unser langjähriges und tätiges Mitglied, der Maurer Hermann 8dirödter Ghre seinem Andenten! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1«. Alpril. nach. mittag« 4 Uhr. von dar Halle de« neuen Schöueberger ftädlischen Friedhofe«(Blanke Holle) ou» statt. Um rege Beteiligung ersucht löse Der Vorstand. Treffpunkt sür Mitglieder de» Gesangvereins.Schöneberger Männerchor- beim Gastwirt Fintel '<.4 Uhr. UeulZelier BanarbelterTertaiiil. Zwclgvereln Berlin. 31m 16.?tt>rU starb unser Mit« glied, der Maurer gemsov LebrSUter (Bezirk Schöneberg). Ehre seine« Andenke»'. Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Apnl. nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen. halle de«»weiicn«chöneberger GcmcindcsriedbojcS in der Syth. strage auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 142/5_ Der Vorstand. lentralierbantl Ser Maschinisten i. Heizer sowie Berulsj. DeutscM. Geschiftsslelle Grab Berlin. Bezirk Schöncderg. Am Dienstag, den lö. April. l erstarb unser Mitglied, Kollege Wilhelm Moschner Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am ronntag, den 20. April, nach« aittag« 4 Uhr, von der Leichen- alle de« Frredhoses in Lichtcrselde. langestrage, aus statt. 162/9 i»e Oeschiftsatelleaverwallung Allen Verwandten. Bekannten. Aenoifinnen und Geuofien die ttaurige Nachricht, das> wem lieber Mann und auter Bater, Schwieger- oater. Groß- und Urgrohvater Vilbelm deolzeb im 83. Lebensjahre am 17. April >913 nach schweren Leide» eni schlafen ist. Im Namen der Hinterbliebenen Onkar Jentnois, Admttalstr. 22. Die Ginäscherung erfolgt am Sonntag, den 20. d. Mt»., mittags >2 Uhr, im Krematorium, Gericht- strafe« 87/38. 424b SozialdemokradseberWalüferein L U. Beri Reichslagswahlkreis. Den Genossen und Genosfinnen hiermit zur Kenntnis, daß unser langjährig«? Mitglied, der frühere �chdnkwirt Wilhelm dentscb (Bezirk Iii») gestorben ist. Ehre feine« Andenken: Die Gwäscherung findet am Sonntag, den 20. Apri 12 Uhr, im Krematorium, 9erii (träfet 87/38, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 206(12 Per Yarut-upd. Verband der Tapezierer. Filiale BerUn. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe unser Kollege EBrnanuel Ritter am 16. April»ach langer Krank. hell gestorben tft. 178/6 Ehre feine«»»denken k Die Beerdigung findet am lg. d. Mi«., nachmittag« 3'/, Uhr, aus dem Friedhose in schönholz statt. Die OrtSderwaltung. Deutscher HolzarbeilenerbaiuL Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Paul Glienke Rüdersdorf er Str. 7, im Alter von 33 Jahre» gestorben ist. Ehre feine»»«denken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, de» 10. April, nachm. 2'/, Uhr, von der Halle in Ähren«. felde au» statt. 82/1 Um rege veteMgirng erfucht DI« OrUverwaltung. lenköUn Nachruf. «m 9. April verstarb infolge eine» Unfalles unier eifriger Partei. genoffe, der Maler .Joseph Orzego (Stetnmetzftr. 80, 18. Bezirk.) Ehre seine««»denke»! 236/19 Der vorstand. raurige Nachricht, er Mann, unser Hiermit die tta daß«ein lieb« Mann, uns« lieber Bat«, d«»erkmetst« Gustav krtel am 13. April an den Folgen eine» Un alles ianlt entschlafen tft. Um stille Teilnahme bitten »ran Ertel nebst Dochter, Kottbuscr Damm 8. Beerdigung findet am -onnabend. den 19. April, nach. mittags 5 Uhr. von der Leichen. d-s neue» gakobi. Kirch- fi�fiH-rn�mst���t�a� Verveltungsstelie Serlin. Den Kollegen zur Rackricht, dafe uns» Mitglied, per Schlosser ?sul Richter Reinickendorf- West, Wachdolder- strafte 42, am 16. d. Mi«, an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19 tlpril, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- halle des Aemeinde-FriedboieS in Reinickendorf, Humboldtstrafee. auS statt. Rege Beteiligung erwarte! tlS/16 Die Örtsverwalturo. Danksagung. ür die überaus aufrichtige Teil- nähme bei der Beerdigung unsere» liebe» Bruders, Schwager», Onkel» und Bräutigams Wsnnci Statt« sprechen wir hiermit unsere» tief- gefühlten Dank au«. 426b Uns Hoffmann geb. Staffa. Paol Heffwann. Martha Heyn ai« Braut. Geöffnet iß-e Uhr dutyhffümqi itt e 1 JJ 3 Ebitritt SO PI. 20 PL Die reelisten nncl billigsten Möbel and Polaterwaren erhält man zn Kassapreisen in der eeit 36 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Schale, Reiehenberger StraSs 8. Größte Auswahl in allen Holz- und Stüarton mit zenn- fähriarer Garentie.(6 Proz. KasBaskonto.l Ev. auf Ratenzahlung Mohrenstnäfa. Örf rankfurter�tr 11 5. Ml« de fferinffsten Nutzen wovon(Ich Jeder überzenffen daruzkter sshr»Iszant» Kenbettea... 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Für den ünseratenteU verantw.: Th. Glocke. Verltn. Druck u.>Lertag:«orwän»«uchdrutteret u. Verlagsanstalt Paul Trnger u.Co, Berlin SW. •AU4«**. Nr. 93. 30. Iahrgaug. 2. SeilM des Jonnärts" lerlinet DcksM Zonkabend, 19. ApÄ 1913. Hbgeordnetenbaue« 169. Sitzung. Freitag, den 18. April 1913, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. D a l l w i tz. Ministerium deS Innern. Abg. Schiffer(uatl.) polemisiert gegen die letzthin gemachten Ausführungen des Ministers des Innern gegen eine Wahlrefor m. Die Volksvertretung musi den Willen des Volkes unverfälscht der- treten, das preußische Volk ist reif, seine Geschicke s e l b st in d i e H a n d zu nehmen. Deshalb hat die Thronrede von 1910 die Notwendigkeit einer Wablresoim anerkannt. Zwischen der Thron- rede und der Haltung des Ministers besteht aber eine Dissonanz. Er erhält immer nur den Beifall der Wahlrcchtsgegner. aber nicht der Wahlreformfreundc. l Zustimmung links.) Auch auf anderen Gebieten verkennt der Minister die Wahrheit, daß die Freiheit ein Volk erzieht. Die Kommunen werden in unwürdiger Weise bevormundet, nur bei der F l e i s ch n o t durften sie aus eigenem Säckel die Not lindern. lHeiterkeit links.) Aber sonst bringt man ihnen kein Vertrauen entgegen, übenrägt ihnen nicht die Polizei, was auch der Wohnungsgesetzentwurf zeigt. Wann wird endlich mit dem Wust der Polizeiverordnungen aufgeräumt? Die Bürger werden als Untertanen behandelt, das ist mit einem konstitutionellen Staat unvereinbar. Die Macht der Behörden muß eingeschränkt werden, viele Verärgerung würde dann vermieden. Der Geist der inneren Verwaltung ist unmodern. Unser Volk muß Licht und Luft bekommen, so müssen wir die Jahrhundertfeier begehen!(Lebhafter, wiederholter Beifall links.) Minister v. Dallwitz: Die Regierung kann jetzt am Schluß der Legislaturperiode nicht auf alle diese interessanten theoretischen Ausführungen eingehen. Eine Verminderung der Zahl der Polizei« Verordnungen wünsche auch ich. aber ob der gesetzgeberische Weg dazu geeignet ist. ist zweifelhaft. Den Wohnungsgeletzentwurf hat das Staatsministerium noch nicht beraten. Die Wohnungspolizei ist in weitestem Umfange den Kommunen überlassen, aber das kann man nicht im ganzen Staat tun. weil die Verhältnisse zu verschieden sind. Die Sicherheitspolizei muß der Staat behalten.(Beifall rechts.) Die allgemeine Aufficht über die Kommunen ist von Jahr zu Jahr geringer geworden und wird den.Großstädten gegenüber überhaupt nicht mehr ausgeübt.(Lebhafter Widerspruch links.) Eine weitere Beschränkung läge nicht im Interesse der Kommunen selbst.— Vor zwei Tagen habe ich mich gar nicht gegen jede Wahlreform und überhaupt nichl über die Wahlrefonn ausgesprochen, sondern nur, veranlaßt durch den Abg. Leinert, dargelegt, warum Preußen au einem abgestuften Wahlrecht festhalten muß. Zur Wahlreform im allgemeinen Stellung zu nehmen, hatte ich am Schluß dieser Legislaturperiode keinenAnlaß. l Lebh. Zustimmung rechts— stürmischer Widerspruch und Zurufe links.) Ich hatte dazu um so weniger Anlaß, weil die Stellungnahme der Regierung von mir wiederholt in nicht mißzuverstehender Weise hier vorgetragen worden ist.(Sehr richtig! rechts.) Erst im vorigen Jahre habe ich auf eine Rede des Abg. Dr. P achnicke ausgeführt, daß die Regierung ernstlich bemüht gewesen sei, das in der Thron- rede gegebene Versprechen einer organischen Fortentwickelung des bestehenden Wahlrechts zu verwirklichen.(Lachen links.) Um einer Legendenbildung vorzubeugen, habe ich ausdrücklich festgestellt, daß die Wahlrechtsvorlage der Regierung vollkommen den Intentionen der Thronrede und den ihr vom Fürsten B L l o w gegebenen Erläuterungen entsprochen habe. Da diese Vorlage an dem Widerstreit der Meinungen in diesem Hause gescheitert ist, mstß die Regierung das» Recht für sich in Anspruch nehmen, nach eigenem pflichtmäßigen Ermessen darüber zu befinden, wann ihr der Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Wahlreform geeignet zu sein erscheint.(Sehr richtig I rechts. Lebhafter Widerspruch links.) Dr. F r i e d b e r g hat diese Stellungnahme der Regierung als Zeichen der Schwäche gedeutet.(Sehr richtig! links.) Dem muß ich entschieden widersprechen. Daß diese Stellungnahme der Regierung vielmehr durchaus berechtigt ist, ergibt sich schon aus der einen Tat- fache, daß die Verhandlungen des nationalliberalen Parteitages in Hannover erst kürzlich deutlich gezeigt haben, daß-selbst innerhalb der nationalliberalen Partei die Ansichten über kleines feiulleton. Das Kino als Antreiber. Das famose Taylor- oder, wie es in Deutschland mit Recht genannt wird, daö Hetzvogt-System treibt immer tollere Blüten. Hat da eine große Fabrik in den Bereinigten Slaalen in ihren Werkstärten einen eigenen Kinemalographen an« geschafft, mit denf sie, wie kapitalistische Zeitungen freudig erzählen, bisher.bemerkenswerte Resultate" erziejtc. Der Kinematograph wird in folgender Weise für dos Unternehmen verwendet: Man Photo- graphiert den Arbeiter stiährend der Ausführung eines Werkstückes. Jede einzelne seiner Bewegungen und jeder Handgriff werden auf dem Film registriert. Bor dem Apparat ist auch eine llhr aufgestellt, die genau die Zeit abmißt, die für jede Bewegung des Arbeiters nötig ist. Diese Uhr besitzt nur einen Zeiger, der in sechs Sekunden um das Zifferblatt herumgeht. Als Modell wird— natürlich I � ein tüchtiger Arbeiter ver- wendet, besten Tätigkeit vorbildlich erscheint. Der Film, der auf diese Weise zustande kommt, wird dann in den Werkstätten den Arbeitern auf einer Leinenfläche vorgeführt, so daß sie aus den Bildern des Kinematographen die tüchtigste Ausnützung ihrer Arbeits- kraft ersehen können. Eine Arbeit, die früher 37 Minuten in An« spnich nahm, kann, wie der Kinematograph nachweist, in 9 Minuten ausgeführt werden. Zum Schluß der Beschreibung des Apparates und dessen Anwendung heißt es:.Dieser Zeitgewinn bedeutet für den Arbeiter«ine Erhöhung seines Lohneinkommens, denn bei der Arbeit nach dem kinematographischen Borbild erhöht sich sein Ver« dienst um zirka 20 Proz." Um wie viel schneller der Arbeiter bei dieser-Ausbeutungs« Methode verbraucht wird, zeigt der Apparat allerdings nichl an. Zwei Brücken. Aus München wird uns geschrieben: Die leb- tüchtige, arbeits« wie genußfrohe Kunst- und Bicrmetropole an der Isar, München, die geistige Zentrale des Südens, der demokra- tische starke Gegenpol gegen alle borussisch-reichsdeutsche Ilniformie. rung und Paragraphierung des Geistes und Gemü-s. steht jetzt im Zeichen der Brücke. Da ist zunächst die„Brücke" Wilhelm Ost- Wolds, der großzügig« Versuch der internationalen Organisierung der geistigen Arbeit nach dem Prinzip des geringsten Energie- Verbrauchs.«-. Die Führer der Bruck«, die eine internationale Anstalt ist, aber ihren Hauptsitz in München hat— es sind Ostwald. Exner-Wien und W. Bührer— haben auf der kürzlich abgehaUenen Jahresver« sammluna ihre Plane und Gedanken zur Erreichung des hohen Kulturziels: geistige Arbettsvereinigung, Organisation des Wissens �und Wirkens, entwickelt. Em„Brückenwarter" Dr. S a a g e r Prä- gisiert diese Gedanken klar wie folgt:„Die geistige Arbeit der Gegen- wart befindet sich am Beginn des Ucbergangs zur organischen Bin- dung. zur höheren Vergesellschaftung, die— wenigstens zurzeit— die erstrebenswerteste Form der Kulturentwickelung darstellt und die sich durch das bewußte Zusammenwirten hoch entwickelter Individuen 'n spezialisierter Betätigung äußert. Dieses Zusammenwirken in Zweckmäßigster Form herbeizuführen, bedarf«s einer Art von lei- tendem Gehirn, eine Funktion, die die„Brücke" zu übernehmcn haben wird. Freilich darf der Ausdruck Gehirn nicht, wie nahe uegt. Mißverstanden werden: es handelt sich dabei keineswegs etwa m eiue Bevormundung der Gesamtheit. Die.Brücke" hat nur den die bei einer Wahlreform zu verfolgenden Zwecke und Ziele in leiner Weise geklärt sind.(Stürmische Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. Krhr. v. Gamp(srk.) polemisiert gegen die Natioyallibe- ralen, die nicht den Mut hätten, für einen größeren Schutz der Arbeitswilligen einzutreten und kraftvoll gegen die Sozialdemokraten auszutreten. Ferner verlangt er eine Aenderung des Kommunalsteuergesetzes und wirft der Stadt Berlin vor, daß sie nichtkonservative Abgeordnete, die in Berlin wohnen, nicht zur Steuer veranlagt habe, i Unruhe liuls.) Abg. Dr. Pachnicke(Vp.) weist diese Verdächtigung zurück und bespricht die einseilige Tätigkeit der Landräle für die Konservativen. Er wendet sich weiter gegen die gesetzgeberische Un« fruchtbarkeit des Ministeriums des Innern seit der Amts- sührung deS Herrn v. Dallwitz und schildert hauptsächlich die Untätigkeit aus dem Gebiete des Wahlrechts. Von der Lösung der Wahlrechtsfrage hängt alles ab und eS wird sich bei ihr zeigen, wer in Preußen mächtiger sei, der preußische König oder der preußische Junker.(Beifall links.) Abg. v. Mizcrski(Pole) kritisiert die Schilanierung seiner Lands- leute durch preußische Behörden. Besondere Erregung habe die Auf« lösung einer Versammlung deS landwirtschaftlichen Vereins in Posen hervorgerufen. Minister». Dallwitz: Es handelte sich nicht um eine geschlostene Vereinsversammlung, sondern um eine öffentliche Versammlung und der Streit unterliegt gegenwärtig dem Oberverwaltungsgericht. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Aesthetisch betrachtet, war die Rede Dr. Schiffers ein Genuß— aber nationalliberale Reden und Taten! Die Nationalliberalen für Selbstverwaltung und S e l b st r e g i e r u n g, sie, die sich stolz die Väter der feudalabsolutistischen Kreis- und Provinzial« ausschüsse nennen I! lieber die Haltung der Nationalliberalen zur Wahlreform hat ja Herr Gamp ganz Richtiges gesagt, indem er ausführte, wie zersplittert die Nationalliberalen sind und daß ein großer Teil von ihnen auf dem jede Wahlreform'verneinenden Standpunkt der Freikonservativen stellt!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Am unterhaltendsten war die Rede des Abg. v. Gamp, Er brachte hier seine Steuerreklamation vor, als ob dieses so vielbeschäftigte Haus der Steuersenat deS Oberverwaltungsgerichts wäre. Aus höchstpersönlichen Portemonnaieinteressen hat er die schärfsten Angriffe gegen den Berliner Magistrat gerichtet— gestern aber haben Sie sich entrüstet, weil ich im Interesse deS Volkes, aus idealen Gründen ein Reichsgerichtsurteil kritisierte. Ihre Portemonnaieinteressen aber gestalten Ihnen, die n n- erhörtesten Verdächtigungen gegen den Berliner Magistrat zu richten. Das ist eben Ihre Auffassung vom Staat, in dem nur Ihre Geldsackinteressen maßgebend sein wollen. DaS Volk, so sagt v. Gamp, will einen besonder? verschärften Arbeitswilligenschutz. Zum Volk gehören für Sie eben nur die Junker, Scharfmacher und Getreidewncherer und ihre Werkzeuge! (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Pachnicke hat ihm ja schon erwidert, wie der Reichstag diesen.Willen des Volkes" ge wertet hat! Mit der kaninchenhaften Fruchtbarkeit des Polizeipräsidenten». Jag»« an Polizeiverordnungen, deren er gestern wieder drei geworfen hat(Heiterkeit), mit den skandalösen Dingen bei der Kasseler Polizei, die doch die Spatzen vom Dach pfeifen, will ich mich nicht befassen. Man hat die beiden Volksbühnen in Berlin unter die Zensur gestellt— der Minister sagte, daß sie nicht belästigt werden sollen, nur die junstische Akkuratesse des Ministers erforderte das! Run man hat seitdem erkannt, daß es sich nur um eine Unfreundlichkeit de§ Ministers gegen eine der Kunst für Arbeiter dienende Einrichtung handelt. Das beweist auch das Vorgehen gegen das Karsreitagskonzert des Volkschors, das den vielfach religionslosen Arbeitern geistliche, ernste Musik vor« führen wollte. Die Aufführung des Oratoriums.Der hl. Franziskus" wurde verboten— das sei nicht rein geistlich! Ebenso gmg eS mit der.„hl. Elisabeth" von Liszt.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Erst die.Seligpreisungen" von Cssar Franck konnten primitivsten und wenigst geistigen Anteil zu systematisieren und da- ourch aus dem Weg zu räumen. So wird die notwendige Gleich» machung und Bindung nicht ein Hindernis, sondern im Gegenteil eine bedeutende Erleichterung und Förderung für die höhere Geistes- arbeit herbeiführen, und die führende Einzelpersönlichkeit wird sich noch freier als bisher betätigen können, da sie nicht mehr durch den Ballast mechanischer Vorarbeit behindert lst." Die Dienstbarinachung und Freimachung„höherer Individuen" für die Gesamtheit durch Spezialisierung und mechanische Eni- lajtung der geistigen Arbeit, das ist ein haher.Kulturgedankc. Es >st vor allem ein rein demokratisches Prinzip. Einige praktische Arbeitsergebnisse der„Brücke" sind bis jetzt: die Schaffung weniger Einheitsformate für Kuverts und Druck- schriften zur Erleichterung des Weltverkehrs im Austausch von Druck- und Schriftwerken; die Gründung einer zentralen Auskunftsstelle für alle wissenschaftliche, geistige und künstlerische Arbeit(in München ist ein Teil der Auskunftsstelle, das„Keller-Steiningerschc Musik- archiv" bereits benutzbar und erfüllt alle Erwartungen). Weitere Ausgaben der nächsten Zukunft werden sein: die Organisation der Reklame, Einheitlichkeit der Buchführung, fruchtbringendere Ver- Wertung der Liebhabcrtätigkeit, besonders des Sammeltriebes. Die „Brücke" sucht außerdem gewisse Geldsummen aus Stiftungen usw., die bisher mir Privilegierten zuflössen, der Gesamtheit nutzbar zu machen. Dient die Ostwaldsche„Brücke" dem Leben, so dient die G r o ß- hesseloher Brücke dem Tode. Das ungeheure rote Ziegel- dauwerk, das in 40 Meter Höhe die blaugrüne, silbern schäumende Karwändcltochter, die Isar bei dem Vorort Großhesselohe überbrückt, ist seit einigen Monaten das gemeinsame Ziel der meisten Münchener Selbstvlördcr.„Ein Sprung von dieser Brücke macht sie frei" und unten suchen die bei Tag und Nacht zum„Selbstmörderdienst" ab- kommandierten Babnbeamtcn und Streckenwärter das zerschellte Gerippe auf dem bleichen Kalkgeröll, wenn nicht der mitleidige Strom die Leichen der Lebensbankerotteure bis zum Wehr am nächsten Elektrizitätswerk mitführte. Zum anderen Ufer donnern oben auf der Brücke die Eisenbahnzüge. Für die Liebespaare, De« fraudanten, gescholtenen Dienstmädchen, sitzengebliebenen Gymna- siasten, bankerotten Kleingewerbler gab es kein„anderes Ufer". Für diese Gehetzten und Unklaren war die Brücke nicht der Weg zur Straffung deS geistigen Seins, nur das Sprungbrett ins Nir- wana... m. Ernste Lektüre treiben. J.i Briefen Gustave Flauberts aus den sechziger Jahren, die der„März" in seiner neuesten Nummer veröffentlicht, finden wir den Ausspruch:„Unter ernste Lektüre treiben, verstehe ich nicht Bücher lesen, die schwierige Gcgenstänve behandeln. Sondern gut gemachte und besonders gut geschriebene Bücher lesen und sich zugleich über die Darstellung Rechenschaft geben. Sind wir Romanschriftsteller oder Ackerbauer?" Der Ackerbauer ist der Sklav der Scholle, in die seine Arbeit sich einwühlt, und die Schtverc der Arbeit geht in sein Wesen und Be- wegen über; der Romanschriftsteller aber hat die Schollenschloere des Stoffes überwunden: er packt das Leben, das er spiegeln will, aus der Höbe überlegener geistiger Freiheit. Die Kunst seiner Darstellung begreisen, heißt diese freie Höhe erklimmen und als neuen Besitz des Lebens erobern. Wir frischen daS gute Wort FlaudertS für die Gegeiuvart auf. aufgeführt werden. Aber nachher hat der Polizeipräfident mitgeteilt, daß daS künftig nicht mehr stattfinden dürfe, weil— auch nach Ansicht des Ministers— in der.Neuen Welt" geistliche Musik nicht aufgeführt werden könne. Sie wollen also die Arbeiter verhindern an: Karfreitag geistliche Mufik zu hören, was Sie doch eigentlich wünschen müßten! In der Rotsche» der preußischen Polizei graut dem Minister vor dem Namen.'„Neue Welt", weil dort schon sozialdemokratische Versammlungen stattgefunden haben und eine sozialdemokratische Zeitschrift so heißt. Nun billigen Sie nur dieses Vorgehen, dann machen Sie sich vor der ganzen Kulturwclt mit- verantwortlich mit Herrn v. Dallwitz und Herrn v. I a g o w. Die gestrigen Entladungen des Abg. v. Wenden bezöge» sich auf das Brandenburger Reichsverbandsurteil, weil dort ein« mal gesagt ist, daß der Vorwurf, wider besseres Wissen gehandelt zu haben, nicht erwiesen sei. Verschwiegen hat er, daß das Urteil dem Reichsverband Lügen, Injurien, Be- ichimpfungen..be weislose Unterstellungen atte« stiert!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Von ü Punkten des Reichsverbandsurteils hat er nur e i n e n erwähnt— in der Beschränkung zeigt sich der Meister!(Heiterkeit links.) Herr V.Wenden, der wohl Mitglied des Reichsverbands ist, den man hier nicht bei seinem wahren Namen nennen darf(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten), ist bei dem Rettungsversuch selbst in den Sumpf gefallen! Statt gestern zu entkräften, daß der Pommersche Bauherren- verband ein Scharfmacherverband zur Terrorisierung der freien Arbeiterbewegung ist, hat er vom Terrorismus der Sozialdemokraüe gesprochen— aber mit kläglich dürrem Reichsverbandsmaterial. (Abg. v. Wenden: 117 Urteile!) Ach, bringen Sie doch die 1000 Ruhrstreikurteile auch! Diese Urteile mit heftigen Worten der Richter gegen die Arbeiter, die nicht die Unparteilichkeit der Richter beweisen— was wollen sie beweisen in unserem Klassen- staat mit unserer Klassenjustiz! Wenn wir ein Urteil unserer Gerichtshöfe vorweisen können, das den Anschauungen der Arbeiter recht gibt, ist es für uns in weitem Maß eine Autorität, weil es nicht gefällt ist unter Klassen- Vorurteilen, sondern nach ihrer Ueberwindungin schweren inneren Kämpfen l Was wollen dagegen die von Ihnen produzierten Urteile besagen, die unter dem Strom der Klassenvorurteile entstanden sind! (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. W e n d e n hat dem Abg. Hirsch auch Schmähwort« nachgesagt, weil Hirsch Ausdrücke gebraucht hat, die hier im Hause gang und gäbe sind.(Unruhe rechts.— Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Haben wir je so kräftige Schelt- und Schimpf- Worte, solch' konzentrierte Lösungen von Schimpfereien verwendet, solches Schnellfeuer von Beschimpfungen eröffnet, wie der Minister deS Innern gegen die Bemnten, die sozialdemokratisch gewählt haben I(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Welchen Charakter der Pommersche Bauherrenverband in Wirklichkeit hat, zeigt folgender von ihm am 6. März d. I. ver- schickte Brief: »Euer Hochwohlgeboreu I Nicht vorhersehbare Umstände haben die ersten Besprechungen über die Ziele unseres Verbandes nicht zu dem Ergebnis führen lassen, das besonders im Hinblick auf die gemdchten Erfahrungen erwartet worden war. Es ist deshalb eine neue Zusammenkunft angesetzt.... Die Vorverhandlungen zu den neuen Tarif- vertrügen nehmen nach den Pressemeldungen einen i m ni c r günstigeren Verlans, so daß mit ziemlicher Sichcrheir der Ausbruch eines großen Streiks für den 1. April z« erwarten ist. Bis dahin wird der Pommersche Bauherrenverband gerüstet dastehen." ES wird also hier als ein günstiger Verlauf der Verhandlungen bezeichnet, daß mit ziemlicher Sicherheit der Ausbruch eine« großen Streiks zu erwarten ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Leiwng dieses Verbandes hat also die unerhörte Frivolität (Lachen rechts), den Ausbruch eines großen Bauarbeiterstreiks als einen günstigen Verlauf hinzustellen, und daraus geht hervor, daß der Verband systematisch auf den Ausbruch de» Streiks hingearbeitet hat. Das ist nun eine Ihrer patriorischen Or- Eine Biertelmillion für Kleister. Da wundern sich die Reisenden, daß ihr ganzer Koffer mit Kleister beklext ist! Aber wo soll denn die Behörde mit all dem Zeug anders hin, als auf die schön sauber gehaltenen Gepäckstücke der Reisenden? Denn eS.wird bei den Eisenbahnen viel Kleister verschmiert und über die Menge des bei den preußisch-hesstschen Eisenbahnen gebrauchten Klebestoffes erfährt man Genaueres aus einem Bescheide deS preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten auf eine Eingabe wegen Verwendung deutscher Kartoffelfabrikate. Danach verbraucht die genannte Eisen- bahnverwaltung im Gepäck- und GüterabsertigungSverkehr alljährlich nicht weniger als 1 100 000 Kilogramm Klebestoff im Werte von 220 000 M. SV Proz. des Kleisterstoffes besteht auS Sichelleim und fast der gesamte Bedarf wird aus inländischen Fabrikatm be- stritten.__ Notizen. — Gerhart Hauptmann läßt sich nunmehr mit Orden behängen. Das hat in der Sammlung seiner persönlichen Schwächen allerdings noch gefehlt. Gleich von zwei Seiten her, aus Bayern und aus Griechenland, sind den Knopflöchern seiner ManneSbrust die klimpernden Spielzeuge zugeflogen, und der Dichter der.Weber" hat sie keineswegs abgelehnt. — Der Schutzverband deutscher Schriftsteller veranstaltet am 2l. April, abends 11 Uhr. im.CineS" am Rollen- dorfplatz 4 eine öffentliche Kundgebung. Es sind neun Redner vor- gemerkt. Platzkarten durch daS Bureau Linkstr. IS. — AusstellungSchronik. Die Eröffnung der inter- nattonalen Baufach-AuSstellung Leipzig 191S findet am 3. Mai statt. — DirektionSkrise im Münchener Lustspiel- hause. Eugen Robert, der Begründer des ach so schnell verkrachten Berliner Hebbcltheaters, hat die Direktion des Münchmer Lustspiel- Hauses, das er mit Erfolg geleitet hatte, infolge Differenzm mit den Geldgebern niedergelegt. — Die Darstellung des Elends ist verboten! Der Stadtrat zu Annaberg in Sachsen hat die Aufführung von R o s e n o w s Bergarbeitertragpdie.Die im Schotten leben" untersagt. Die Gewerkschaften wollten daS Stück>il» VolkSvor< stellung im Stadttheater aufführen lassen. Ihr gutes Recht auf Volksvorstellungen hatten sie eben erst siegreich geltend gemacht. — Blinde im Telephondien st. Da bei Blindm der Gehörsinn besonders scharf entwickelt ist, hat man vor einiger Zeit in Baltimore Blinde als Telephonisten angestellt. Der veftuch hat sich vollauf bewährt. Nun wird auch die Telephongesellschast New DorkS dem Beispiel folgen. — Der Arbeitergesangverein Stockholm wird mit 70 Sängern ansang.Mai eine Konzertreise nach Deutschland unternehmen. Der Besuch gilt Berlin. Dresden. Bremen und Ham- bürg. Das Berliner Konzert findet am Donnerstag, dm 8. Mai, in der„Reuen Welt" statt. DaS Programm enthält fast ausschließlich skandinavische, meist schwedische Lieder. — lleberreste einer altrömische»Töpferei auS dein ersten vorchristlichen Jahrhundert lourden bei Z w c i b r ü ck c n in der Rheinpfalz eindeckt. Die Namen zahlreicher Töpfer, die dort arbeiteten, und die Beziehungen der Fabrik zu den römischen Fabriken in Bergzabern und auf dem Eschweiler Höf komttm fest« gestellt werden. ganksati'onen, die in gemeingefährlicher Weise ikre>l Pa« iriotiSmuS durch BrolloZmachung zehnlausender Arbeiter betätigen ivill. Al-5 ich diese unerhörte Frivolität vortrugt �haben Sie noch gelacht.>Hört i hört! bei den Sozialdemokraten. i Ich konstatiere, dast die Rechte dieses Hauses dieses srivole Vorgehen des Bauhcrreilvcrbandes gebilligt hat und somit die Verantwortung siir eine solche Scharfmacherpolilik mit trägt!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Damit vergleiche man aber Ihre Ausrcgung über die Aus- schrcitungeit einiger angetrunkener Leute in Nancy.«Lachen rechts.) Welche Entrüstung haben Sie, die Sic die Ausweisung Co mpörc- Morels billigten, hier aufgeboten. Aber von der flegelhaften Behandlung des für den Weltfrieden eintretenden Engländers Norman An gell durch einen Teil der Göttin gcr Studenten sprechen Sie nicht! Ter rechtsstehende„Allgemeine Anzeiger" für Erfurt schließt eine Betrachtung über die Behandlung Compere-Morels mit der Behauptung, daß der alte Liebknecht einmal in Frankreich vor den Patrioten habe auf ein Schiff flüchten müssen und sagt weiter:„Wenn es heute dem als fanatischen Antimilitaristen be. kannten jungen Liebknecht auf einer Agitationsrcise in Frankreich einmal ebenso erginge, so würde das ganze vaterländisch gesinnte deutsche Volk den Franzosen Dank da- f ü r w i s s e n!"(Heiterkeit und Sehr richtig! rechts.— Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Run. etwas Schöneres kann ich mir gar nicht vorstellen, als hier in diesem Hause bestätigt zu hören, daß die Prophezeiung des Erfurter Blattes ins Schwarze trifft!— Das ist die Skimmungsmachc, mit der �-ie die Militär- Vorlage, an der nian so viel Geld verdienen möchte iPfui!-Rufe rechts), unter Dach und Fach bringen will. Angst haben Sie vor dem Frieden? Das hat auch die Magdeburger Polizei- t a t bewiesen, mit deren Billigung sich der Minister und der Reichs-' kanzler so bloßgestellt haben, wie wir es nur wünschen können. Ilebcrhaupt Ihre Polemik! Wie sind Sie gestern mit dem Sturm gegen den Reichstag hineingefallen!«Sehr wahr! links.) Sie sind ja Ihre eigenen Totengräber. Vollkommen hoinogcn mit der Ausweisung des solidarisch mir der großen Masse des deutschen Volkes eine Verständigung mit Frankreich anstrebenden französischen Abgeordneten ist die B e- Handlung der Spitzel in Preußen, die hier ihr Eldo- rado haben. Unter v. D a l l w i b und v. I a g o w ist die Spitzelet sehr ins Kraut geschossen. Wir haben ja letzthin einen Polizeispitzel VruHn entlarvt und photographiert. Die Spitzel sind natürlich von Vor- gesetzten a n g c st i f t c t und angewiesen. Nack dem Straf- gesetz ist der Anstifter dem Täter gleichzuachten— deshalb muß sich der Minister von uns d,ic gleiche Hochachtung ge- fallen lassen wie die Spitzel, denn er ist v e r a n t- 10 ortlich für diese Nichtgentlemen.(Lärm rechts, Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Redner zur Ordnung.) Wir halten es aufrecht, daß der Anstifter des Spitzclwesens gleichwertig ist mit den Spitzeln selbst.(Bravo! bei den Sozial- dcmokratcn� Besonders die preußische Arbeiterjugend betrachten Sic als Ihr Freiwild, die Kinder suchen Sie ihren eigenen Eltern zu entziehen. Tic Arbcitcrradfahrer und- T u r n v e r. eine werden auf Anordnung der Zentralbehörde überall gleich- mäßig von Polizei und Gerichten verfolgt, und in den Formularen, die man da benutzt, ist die Herausjagung der Jugend aus diesen Vereine als Hauptzweck bezeichnet, damit sie Ihnen als Beute für Ihren Jugendfang hingeworfen wird. Mit unerhörter Rücksichtslosigkeit Wird in Berlin die Bau- Polizei gegen die Arbeiterjugendheime mißbraucht, während Herr v. Jagow Mitglied eines bürgerlichen Jugendheimvcreins ist. Der Minister hat das alles durch sein Schweigen zugegeben, da ist nichts von dem„juristischen Gewissen", das bei der Unterstellung der Volksbühne unter die Zensur beobachtet wurde!! Am L8. Februar hat man eine Anzahl Berlin. er Jugend- versa nvai l u n g e n brutal ohne jeden Grund ansein- ander gejagt— in Steglitz habeu das die. Radguantisemiten von der Jugendwehr usw. vor 8 Tagen getan, gestern aber konnte unter der disziplinierten Leitung der Sozialdemokratie eine große Diskussion zwischen uns und den Bürgerlichen geführt werden! Und Ihre Jugendpflege? Der„Wandervogel" urteilt über die Pfadfinder des Feldmarschalls». d. Goltz, daß sie mit ihren Beilen und Messern wie Vandalen aussehen.— Arbeiten Sie. blamieren Sie sich so weiter mit Ihrer Jugendpflege— den Erfolg davon werden wir haben. Un- politisch soll die Pflege der Vaterlands- und Königsliebe sein— und die Pflege der Friedensliebe, der Liebe zum Volke nicht auch?! lZnruf rechts: Nein!) Also Völkermord predigen, ist Ihnen unpolitisch, Weltfrieden predigen— politisch! Die doppelte Moral der in Preußen herrschenden Parteien ist aber bekannt genug in der Welt! Ter belgische Anschauungsunterricht durch die ausgesogene, sogar zum Teil onalphabetische, aber be- wundernslvert disziplinierte Arbeiterschaft mutz Ihnen doch was sagen; wie diese 400 000 Menschen in Ruhe und ohne Störung den gewaltigen Kampf durchführe», den ihnen eine gewissenlose Herrschaft aufgczwungcn bat— das will was heißen! Die preußische Wahlrechtsfrage gibt mir zunächst Anlaß, ein Vorkommnis zu besprechen, das in den letzten Tagen mehrfach er- loähnt worden ist. Im Nachbarhaus der Erlauchten und Edlen hat ein H e r r v. B i r k n e r Sitz und Stimme. Er hat einst seine patriotische Gesinnung in hochherziger Weise einem Herrn gegen- über betätigt, den ich hier nicht nennen will.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.— Unruhe.) Für diese hochherzige Bc- tätigung einer patriotischen Gesinnung hat dieser Herr aus einem gewissen ritterlichen Dankbarkeitsgesühl heraus_ dem Herrn v. Birkner einen Sitz im Herrcnhause eingeräumt.(Hört!. hört! bei den Sozialdemokraten.) Aus anderen� Gründen kann man ja nicht Hcrrenhausmitglied werden. In diesen Tagen haben wir nun gehört, daß eS sich bei Herrn v. Birkner nicht um ein Ge- schenk gehandelt, sondern daß er das Gut Cadincn an jene dritte Person verkaust hat. lHört? hört! bei den Sozialdemokraten. — Lebhafte Rufe rechts: Zur Sache!) Ich bin durchaus bei der Sache.(Stürmische Zurufe rechts: Nein! nein!) Ich bin bei der Frage deS Wahlrechts.(Widerspruch rechts.) In Ihrer Unruhe zeigt sich nur Ihr böses Gewissen in dieser Sache.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Weshalb soll ich denn über diese Di'iflC hier nicht reden dürfen? Präsident Graf Schwerin: Es ist unzulässig, Handlungen S r. M a j c st ä t in dieser Weise zu kritisieren.(Lebhafte Zu- shmmung rechts.) Abg. Dr. Liebknecht lSoz.): Ich kritisiere �gar keine Handlungen, ich trage nur Tat- fachen vor.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) AuS dem Kaufvertrag ergibt sich, daß» die Gewährung eines HerrenhauSsitzeS mit zu den geäußerten Wünschen deS Herrn v. Birkner gehört hat. Also gehörte der HerrenhauSsitz zu de« Kaufbedingungen, und damit ist erwiesen, daß in diesem Fall eiu Herrenhaussitz gekauft worden ist.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.— Lärmende Unterbrechungen bei den bürgerlichen Parteien.) Präsident Graf Schwerin: Diese letzten Ausführungen sind durchaus ungehörig und widersprechen der Ordnung deS .Hauses. Ich rufe Sic zum zweitenmal zur Ordnung und mache Sie auf die geschäftsordnungs mätzigen Fol- gen eincö dritten Ordnungsrufes aufmerksam.(Stürmischer Bei. fall rechts.) Abg. Dr. Liebknecht: Tic Wahlrcchtsfragc ist für uns die wichtigste Frage. Wenn der Miniüer sich noch gegen die Einführung des Reickslags- Wahlrecht? für Preußen hat erklären können, so ist das ein Beweis dafür, daß wir noch nicht genug gearbeitet haben, um die Herren mürbe zu �machen und zu dem zu zwingen, wozu sie gezwungen Verde» müsicn im Interesse des preußischen Volkes.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gegen die BeHauphntg. daß die Regierung das Versprechen in ocr Thronrede bereits eingelöst bade, erheben wir schärfsten Protest. Wenn der Minister uns vertröstet bis zu dem Tage, an dem alle bürgerlichen Parteien sich in dieser Frage geeinigt haben, so ist das� eine Vertröstung auf einen Tag, der niemals eintreten wiro.('Sehr richtig! bei den Sozialdenio- kratcn.) Und deshalb sage ich dem Minister, den ich leider gegen- wärtig nicht auf seinem Platz sehe...(Schallende Heiterkeit rechts.) Tiefes Benehmen erinnert wirklich daran, daß man eigentlich in einer Kleinkinderschulc ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.— Lärmende Auftritte rechts.) Präsident Gras Schwerin: Ich rufe Sie zum drittenmal zur Ordnung uiio richte an das Haus die Frage, ob es Sie weiter anhören will.(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten. — Abg. Hoff mann: Das ist provoziert!— Lachen rechts.) Außer den Sozialdemokraten erheben sichnureinigefort- schrittlichc Abgeordnete. Präsident Graf Schwerin: Damit hat das Haus dem Abg. Dr. Liebknecht das Wort entzogen.(Bravo! rechts.— Lebhafte Zurufe bei den Sozialoemokratcn: Es war provoziert!— Lärmende Gegenrufe rechts: Ruhe da drüben!) Abg. Dr. Liebknecht verläßt die Trbiüne mit den Worten: Und wenn Sie noch so viel schreien, das Dreiklassenwahlrecht ist doch vom Tode gezeichnet!(Bravo! bei den Sozialdemokraten. — Lärm rechts.— Abg. H o f f m a n n: Der Chor der Land- rätc!) Abg. Nissen(Däne) spricht über die Behandlung der Heimat» losen in Nordschleswig. Abg. v. Kardorff ifk.): Dr. Liebknecht hat sich zum Anwalt der Interessen des Auslandes gemacht.(Stürmische Rufe der Sozialdemokraten, die den Präsidenten auffordern, den Redner wegen dieser Beschimpfung zur Ordnung zu rufen.— Abg. S t r 3 b e l: Das ist eine Verleumdung!— Lärm.) Jeder anständige Mensch im Ausland wird die Liebknechtschc Rede ebenso einschätzen, wie wir. Tie Wortentziehung war die beste Genugtuung für die schwer gekränkte Ehre des Landes.(Lachen bei den Sozialdemokraten, die wiederholt den Präsidenten fragen, ob er gegen v. Kardorff nicht einschreiten wolle.) Der Redner polemisiert dann gegen Schiffer, der im Lande nur das Gefühl bade hervorrufen wollen, als ob die Be- bürden das Volk am Gängelbano führten. Die von der Sozialdemokratie noch nicht verhetzte Bcvölkc- r u n g hat immea noch Vertrauen zu den Behörden. Will Herr Schiffer noch mehr Unzufriedenheit? Die Polizeiverordnungen werden zum Schuy des Publikums erlassen. Ist der viel- bewitzelte Berliner Hutnadelerlaß nicht ganz vernünftig? Für die Thronrede ist das Staatsministerium verantwortlich, es war u n pa r l a m e n ta r i sch, den König in die Debatte zu ziehen. Wir nehmen unsere patriotische Pflicht viel zu ernst, als daß wir nicht, wenn uns dies richtig erscheint, gegebenen- falls auch eine Politik treiben, die sich mit dem Wunsch des Königs in Widerspruch setzt.(Hört! bört! links! — Zustimmung rechts.) Das ist eben unser Monarchismus! In den 60cr Jahren hatten Königsworte für den Freisinn noch nicht diese Bedeutung, die er ihnen jetzt zuschreibt! Die Angriffe Pach- nickes auf die Landräte beweisen, daß wir Landrätc auf dem rechten Wege sind.(Stürmischer Beifall rechts.) Abg. Dr. Fricdberg(natl.) wendet sich gegen die gehässige Polemik des Abg. v. G a n> p. die eine neue Unfreundlichkeit der Freikonscrvativen gegen die Nationalliberalen sei. Man kann darüber streiten, ob der Wille des Voltes am besten durch das gleiche Wahlrecht zum Ausdruck kommt oder ob die im Volk vorhandenen einzelnen Kräfte besser in Erscheinung treten bei einem abgestuften Wahlrecht. Wir verlangen geheimes und oirektes Wahlrecht als Mindestforderung. Nach dem. was wir heute über die Reformfreundlichkeit der fteitonscrvativcn Partei gehört haben, kann gar keine Rede mehr davon sein, daß National- liberale und Freikonservative in bezug auf die Wahlreform noch irgendwelche engeren Beziehungen hätten.(Na, na! rechts.) Wir sind stets für den Schutz der Arbeitswilligen ein- getreten, die Frage ist nur. ob man ihn durch Verschärfung der Strafbestimmungen herbeiführen oder ihn auf Vermögensrecht- lichem Gebiet schaffen will. Dann weist der Redner die Ucber- Hebung deS Abg. v. Kardorff zurück und erklärt gegenüber dem Minister, daß in allen prinzipiellen Fragen des Wahlrechts die Nationalliberalen einig seien. Wir verlangen das direkte und geheime Wahlrecht, ein abgestuftes Wahlrecht und Vermilderung der plutokratischen Auswüchse und die Beseitigung der Drittelung in den Urwahlbezirken.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.— Beifall bei den Nationalliberalen.) Wenn die Einbringung der Wahlreform nur von der Einigkeit der Rationalliberalen abhängen soll, dann werden wir sie möglichst schnell herbeiführen.(Heiter- keit; Beifall bei den Nationalliberalen.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Präsident Graf Schwerin erklärt, daß er die Worte v. Kar- d o r f f s, Liebknecht habe sich als Agent des Auslandes betätigt, gerügt haben würde, wenn er sie gehört hätte. Dies hätte er getan, obgleich er dem Abg. v. Kardorff die begreifliche Erregung über Liebknechts Rede zugute gekalten hätte. Ten Abg. S t r ö b e l würde er, wenn die Unruhe seinen Zlvischenruf nicht verschlungen hätte, zur Ordnung gerufen haben. Abg. Ströbel(Soz., persönlich): Ich würde die Behauptung v. Kardorffs, daß Liebknecht sich zum-sachrnalter der Interessen des Auslandes aufgeworfen habe, als eine unrichtige Unterstellung bezeichnet haben, wenn ich nicht von seiner Intelligenz eine so Tchbe Meinung hätte, daß er Liebknecht unmöglich falsch verstanden haben kann. Deshalb habe ich gerufen:„Verleumdung!" Der Präsident billigt Herrn v. Kardorss Erregung zu. mir aber nicht. Ich hätte von ihm doch mehr Objcktivi.ät erwartet.(Unruhe rechts.— Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Schwerin: Eine derartige Kritik meiner Hand- lungsweise muß ich mir durchaus verbitten. Ich habe mir genau überlegt, toas ich gesagt habe.(Großer Beifall rechts.) Abg. Rssenow(Bp.) weist scharf die Angriffe- v. Gamps auf den Berliner Magistrat zurück. Abg. v. Gamp erklärt wiederholt. daß er dem Magistrat nicht babe vorwerfen wollen, oaß er nur konservative Abgeordnete zur Steuer heranziehen wolle. Abg. Hoffmann(Soz.) bedauert, verhindert zu sein, auf oie Beleidigungen der Venvaliung der Stadt Berlin durch den Abg. v. Gamp einzugeben und darauf hinzuweisen, daß Slbg. v. G a m p einer der größten Villenbesitzer Berlins ist um» dafür k e i n�p Steuern zahlt.(Hört! hört! links.) Darauf wird der Etat in dritter Lesung erledigt. Eine Ge- samtabstiinmung findet-nicht statt. Einige wasserwirtschaftliche Vorlagen gehen an eine Kom- Mission.. Sonnabends lO Uhr- Einführung des elektrischen Betriebes ans der Berliner Stadt- und Ringbahn. Die hierbei in Aussicht ge- nommenc namentliche Abstimmung soll erst am Dienstag statt- finden.__ Hiis Induftm und Handel» Akkumulatoren. Man ist daran gewöhnt, daß die Gesellschaften, die dem Konzern der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin angehören, in ihren Abschlüssen mehr verbergen als sie mitteilen. Charakteristisch für diese Geheimniskrämerei ist der Abschluß und die Bilanz der Akkumulatorenfabrik A.-S. in Bcrlin-Hagen. Auf der Haben-Seitc des Gewinn- und Verlustkontos werden nur die Ge- Winne aus dem Warenkonto, dem Wohnhaus- und Grundstücks- Erträgniskonto und dem Konsortialerträgniskonto mitgeteilt. Das linternehmen hat Betriebsstäten in Hagen, in Oberschönewcide bei Berlin, in Zehdenick, in Krautscheid im Westerwald und in Hirschwang in Niederösterreich. Wie diese Betriebsstätten im einzelnen arbeiten, erfährt man aus dem Gewinn- und Verlustkonto nicht. Auf der Sollseite des Gewinn- und Verlustkontos werden unter midereN rund IM Rillione» Rark als.Gehälter usw." und als „Diverses" ausgewiesen. In dem �sw." sind wahrscheinlich die T a n i i e m e n der Direkt ören"enthalten, bereu' völie man auf diese Weise überhaupt nicht erfährt. Nur die Tantiemen an den Aufjichtsrat werden im Gcwiniivertcilniigsplan mit 168 000 M. an» gegeben. Da der Aufsichtsrat sich aus 9 Mitgliedern zusammen- setzt, crbäl! ein jedes Mitglied für die ungeheuer anstrengende Arbeit im Durchschnitt ungefähr 18 600 M. Aus der Aufjichts» ratsliste geht, wie ans den AufsichtsratSlisten anderer Elektrizitäts- nnternchmungeai hervor, daß die beiden großen Elektrizitätskonzerne A. E.-G. und Siemens immer mehr zusammenkommen. Von einer Konkurrenz kann man bald nicht mehr sprechen. Der Zusammen- schluß ntinint schon fast die Form eines Gesamttruftes an. In der Bilanz findet sich ähnliche Dunkelheit wie im Gewinn- und Verlustkonto. Zebu Konten sind auf je 1ä M. abgeschrieben, zwei Konten auf je 2 M. und ein Konto auf 1 M. Von einer Schätzung des wirklichen Wertes der Aktiven kann also gar keine Rede sein. Die Aktionäre sind in der glücklichen Lage, 25 P r o z. Dividende zu erhalten. Der Gesellschaft geht es gut, sie hat jetzt fast ein Monopol auf dem Akkumulatorengcbiete. Feuerzeuge werden teurer. In Berlin ist kürzlich ein„Berein deutscher Fcucrzeugiabrikanten und Interessenten" gegründet wer- den, der eine Preiserhöhung für die billigeren Feuerzeuge be- schlössen hat. 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Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Das Konzert. Sonnlog. abends 8 Ubr: Geographie und Liebe. Montag, abends 8 Uhr: Die Geschwister.— Liga. Schfller-Thealer ChCsSen: Sonnabend, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kttnig Lear. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Andere. Montag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. b'eätHchesSchauMpierhan« 8 Uhr: Der Duininkopt. (Harry Waiden.) Theater des Westens. 8 Uhr(.Polkstümliche Preise'): >Viener Blut. Sonntag 3'/, Uhr: Der liebe ftuyustin. Residenz-Theater. Abends 8 Uhr: Die Frau Präsidentin. (Madame la Presideuta). Morgen und jolgende Tage: Die Er» Ii Drü�ldcntl». Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ein Walzer vou Ehopin. iovlis öperetlen-Thealer (sr. Neues Theaten. Amt Norden 1141. Abends 8 Uhr: Der lEigenncrprlman. Sonnt. Nm. 3 Uhr: 0er tidete Lauer. Luisen-'Fkeater Sonnabend, abends 8 Uhr: Vor 100 Jahre» oder: NavoleonS Tieg und Fall. Sonntag, nachmitlagS 3 Uhr: Und hätte der Liebe nicht... Sonntag, abends 8 Uhr(Premiere): Xaza. Montag, abends 8 Ubr: Zaza. 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Operette in 3 Aklcii von Jul. Freund und G. Okottkowski. Mnsil von Scan Gilbert. In Sjtnrgtlc�t v: Dir. Rich. Schultz.. " irl Bacliniann J; Ciampietro G. IhlelscliEF V. Borliept H. Bailot J. Russka Ly Winter Morgen nachm. 3 Uhr: LeiditeCaiallerie u»b Flotte Bursche Passage-Panoptikum DLR SKELETIMENSCB Das Wunder atavistischen Ver- sctieldens. LEBEDTD! FUSSKÜNSTLERSARTON Der armlose PAGANINI Alles lebend!-MW! Alles ohne Kxtra-Entrce! Folies Caprice. Die Novitäten: • Die Rank. 0 0 Mein letzter Wille.» 0 Der Cowboy. 0 Ansang S'l, Uhr. Borverk. 11—2 Uhr. Casino-Theater Lotbringe» Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Montag, den S. Mai: Der urkomische Posse»schlager: trturs Flitterwochen u. das glänzende erstklass. Programm, Soniitagnachni.: Eapas Seitensprung. SchluB der Saison: Montag, 5. Mai. Walhalla-Theater. Weinbergsweg 19/20. Täglich S'/.Ufjt Parole; Walhalla! Graste Ausstattungsposse. Vorzugskarten haben täglich Gültigkeit. Tiieater Königstadt-Casino. 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WaisenbrDcke Abjahrt nachmittags 2 Uhr.— Hin und zurück 50 Ps. Zur Uttum Wüte noch Werder a. 11. Ab Weidcndammcrbrücke vormittags g Uhr. SeAeutMe politische Versammlnngen Achtung! Polen. .■n ätm Konntag. bot SV. Zlpril, nachmittags S'/z Uhr Neuköll«, Hermannftraftc tv: Achtung! . bei Bartacta, Große polnische Versammlung. Tagesordnung: 1. DaS polnische Volk«ab die Landtagswahle«. Referent: Gtalü»!»«. Biblcki. 2. Freie Diskussion. 232/30 DaS Agitationskomitce P. P. S. ber Polnischen Sozialdemokratische« Partei Berlins. Der Einbernfer: W. Zepernick, Neukölln, Knesebecksir. 15. ttr Iii Vemaltullgsstelle Kerlin. C 54, Linienstr. 83—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 182. Arbeitsnachweis Amt Norden 1239, 9714. Montag, den St. April, abends 8 Uhr: Vsnssmnblung- der Mechaniker, Uhrmacher, Optiker sowie aller in den mechanischen Ketrieben beschäftigten Kolleginnen und Kollegen t« de« Arminhallen, Kommaudantenstr. S8/SS (großer Saal). Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 2. Bericht der Branchen- kommiffion und Neuwahl derselben. Montag» den ÄI. April, abends 8'/z Uhr: I�lttgliecker-Versammlung der Elektromonteure und Helser Groß-Kerlias i« de« Mufiter-Aestsälen, Kaiser-Wilhelm-Ttraste t8m (großer Saal). Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Agitatwnskoininission. 2. Diskussion. Z. Neuwahl der Branchenvertreter. 4. Nemrahl der AgitationSkommisfion. S. Verschiedene«. Montag» den 2t. April, abends 7 Uhr: Versammlung aller in der Schraubenbrauche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen i« Granmanns Festsälen, Naunynstr. 27, Tagesordnung: L Bortrag deS Herrn Br. Moses über: „Kindersegen Im Arbeiterhause." Z Diskussion. 3. Neuwahl zur Agitationskommission. 4. Branchen- «mgelegmheiten. WM» Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."MW Zahlreiches und pünktliches Erscheinen zu obigen Versammlungen erwartet �1�14 Die Ortsverwal tan*. ir Verwaltung Berlin. Mitglieder- Yersatnmlungen. Ladeneinrjchtungs- und KontormSbel- Branche. Sonntag» den 20. April, vormittags 10 Uhr» im£nsllschen Garten, Alexauderstr. 27 e, Tagesordnung: t Bericht über die Darifverhanblunge«. L. Diskussion. Z. An- tröge zur Generalversammlung und Ausgab« der Delegiertenkarten. Branche der Vergolder. DienStag, den 22, April, abends 8-/. Uhr, im Gewerkschaft«?«»», Gaal I. Tagesordnung:* 1,»Di« Lohn-«ud Arbettsbedinguuge» der Vergolber aller Orte de« Reiches nach den Feftftelliingen ber Zeutralrommissiou ber Vergolber." Rcserent: Kollege II, Inn. 2. Bericht der Kommission. IHichenmöhel» Branche. Montag, den 21. April, abends« Uhr, im»Gnglischeu Hof". Alcxanderstr. 27«. Tagesordnung: 1..Die Lohn, uud Akkarbaufbessernug t« nuserer Branche." 2. Verbands- und Sra�enangelegenhetten. Bisten» und Vetterrnacher. Dienstag, den 22. April»»13. pünktlich abenbS 8 Uhr, in ben »AnbreaS-Festsälen", AubreaSstr. 26. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenleitung. 2. Stellung»nr Zentral- kommissto». 3. Wahl von 2 VeitragSsammler«. 4. Verbands, und Branchenangelegenheiten._ �2 !>«« größte Abonnementshaus feinster Herren-Moden j. stack* c«. Terisuft Monats-Garderobe direkt an Private. Anzüge und Paletots von 10 M. an. Friedriehslr. 108°»« vis-a-vis der KarlstraBe. Erster Berliner Landtagsffahlliezirk. Sonntag, de« 20. April, mittags 1 Uhr, in der Viktoria-Brauerei, Lützowstr. 111/112(Westen): Oeffentliche Wähler-Versammlung Tagesordnung: W mthlcnkit stniitngwiililcn. Referent: Stadtverordneter Dr. Alfl*Cd Bcmstcifl. Ansprache des Kandidaten, Redatteurs HugO PoetZSCh* Diskussion. Der Abg. Dr. Mugdan ist zu dieser Versammlung schriftlich eingeladen. ISS/IS Das Landtagswahlkomitee. 3. St: Max Appel, Bülowstr. 53. Achtung! Achtung! Kolltgeu Handwerker, Tiestaaarbriter, Arbeitrr, Sinlkraarbriter, Wagra- wäschn usw. im Ktirirkt der Großen Kerlian Aroßraboha! Sonnabend, den 19. April 1S13, abenbS 8 Uhr: Versammlung: in den Sophiensäleu, Sophienstr. 18/19 (großer Saal). Tagesordnung: Warum werden die Handwerker und Arbeiter nicht dnrch einen Arbeiterausschust vertrete«? Referent: Kollege O r t m a n n. — DiSknssio««nb veschlnftfaffung.- Bede Kollegen I E« ist endlich an der Zeit, daß auch da« technische Personal eine lsMeressenvertrewng im Parlament der.«roßen Berlin er' erhilt. BiS jetzt wurde genannte Gruppe als Siieskind behandelt. ES ist deSH-Ib eine Aussprache absolut notwendig und wird erwartet, daß jeder Kollege eS als Ehrenpflicht betrachtet, bestimmt m dieser Versammlung zu erscheinen. Keiner darf fehle»? Mit lollegialem Gruß Deutscher Metallarbeiter-Verbaud. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Ortskrankenkafse Lichtenberg. Giuladung zur ordentliche« General- Versammlung der gewählten Vertreter der OltS- Krankenkasse Lichtenberg zu Montag, den 28. April 1913. abends 8 Nhr, in das Lokal von Gedr. Arnhold (Schwarzer Adler). Frautfurter Chaussee ii. Berlin-Lichienberg. Tagesordnung: 1. Vorlegung deS VerwaltungSberichiS und ZtechnungSabschlusseS pro 1912 und Bericht der PrusungS-Kom- Mission. 2. Vorlegung der Etats pro 1913 a) für das Genesungsheim, b) für die Badeanstalt. 3. Stalutenabänderung betr. die Ver- sicherungSpflicht der Hausgewerbe- treibenden. 4. Beratung und Beschlußfassung über den Llatuteneniwnri nach den Vorschriften der RerchS-Berfiche- rungSordnung. 5. Ersatzwabl für die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Herren Ertelt und Weber, und zwar: a) für ersieren aus den Reihen der Arbeitgeber, b) für letzteren auZ den Rechen der Zlrbeitnehmer. 6. Kassenangelegendeiten. Der Vorstanb. I. A.: O. S e i k e l, Vorsitzender. Grnndbegrisse der Politik, von Friedrich Stampfer. Gebunden 3M. Buchhandlung Vorwärts, Linden. ftraxe 09(Laden). WTiiBcrvt&ßr einen Laden Unfcr den Unden5/5 der ane Sdicrmlrdiqheil dfcfcrariödrnsiTür�afcn, reichen Strasse öüdcL1 ****!& goa ooooa ono oaoonoDQooaoaoooDo OOOQOaOOOOOOOQOOdO o qooo 5�000 onoao garr OOQBO ü 0 Q Q 0 ooooa '/"jQO Odo 6ALAMANDEEL 6CUUHGE:6ELL6CHAFr Ortskrankenkasse der Nadler u. Siebmacher zn Berlin. Sonnabend, den 26. April 1913, abends 8 Uhr, im Lokal von Wollschiarer, Adalbertstr. 21: Ordeiitlielie Generalversanmilinig. Tages ordnung: J. Verlesen der Protokolle. 2. Kassenbericht. 3. Bericht des RechnungsausschusseZ. 4. Beschlußfassung über den Aerzte- vertrag pro 1914. 5. Verschiedenes. Berlin, im April 1913. Ter Borstand. 425b A.A.: Rod. Schmidt, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Handschnhmacher n. verw. Gewerbe. Sonnabend, den 26. April, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Haberland. Linienstr. 73: General-Versammlung der Delegierten jArbeitgeber uud Zlrbeituehmer). Tagesordnung: 1. Kassenbericht teS Rendanten. 2. Bericht der Zicviioren über daS verflossene Aeschäslsjahr. Decharge- erteUung. 3. Verschiedene«. Der Torstand. G. Schmidt, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse für die Amtsbezirke Framö lisch Suchholx s Klanken bürg) und Heinersdorf. Dienstag, den 29. Zlpril 1913, abend« 8 Uhr, im Lokale de« Herrn Roffact(Französisch Buchholz): Ordentliche Frühjahrs- Generalversammlung. Tagesordnung: Befchlußsaisung über die Abnahme der Rechnung deS Jahres 1912. Oer Vorstand. gez. JudiS, Vorsitzender. ovo W Ms Koiä 9* kUt r>ei aViin® sss.i««Ä5r»»5 Ratzt*"9' Bekt«}! --- LÜl' -„ms Ui�' RboV.e Ut»d VWe' Tin'** rob® .der««» k«! BübeV >«»9' ävd«' ZcV* tw oe�pvu«' .tv» u»! ' fieaustteottlKher Redakteur: Wsteh tSitm. Neukölln. Für den SnserateuteU veranw.: kh. Gtake. Berlin. Druck u.«erlag-VorwürU»uchdrucker-i u. Verlagkmstalt Paul Singer u. Co. Berlin A» ! dtxa«hoaS incraHsctf öoäss Smt|ninAi|is«*«jkbll te>® f<4aiJhoa8 ahrtS Sroras.wHl Nr. 98 30. Jakrgavg. 3 JcilofK des„Mwmls" Sctlinft WldsdlM Sottaabenii, 19. Jfril 1913. Zur Candtagswal)!. Die Fortschrittliche Volkspartei hatte zu Donnerstagabend eine Versammlung der Wähler für den 6. Berliner Land» tagswahlbezirk nach den Prachtsälen„Alt-Berlin", Blumen- straße 1», einberufen, zu der sich etwa IM) Personen eingefunden hatten, von denen, wie der Vorsitzende konstatierte, die Hälfte zum 8. Landtagswahlbezirk gehörte, den Herr Cassel vertritt. Zu- nächst sprach der Kandidat der Fortschrittler, Herr Professor Cauer. Herr Cauer wies unter anderem darauf hin, dah die bevorstehenden Landtagswahlen auch in materieller Hinsicht von großer Bedeutung wären, weil ein großer Teil der Kosten, welche die neue Militär- Vorlage verursacht, den einzelnen Bundesstaaten auferlegt werden soll. Dadurch hätte nicht der Reichstag, sondern die einzelnen Landtage hätten zu beschließen, auf welchem Wege die neuen Steuern erhoben werden sollen. Er forderte dabei vor allen Dingen eine Schonung des Mittelstandes. Dabei stellte er auch die Be- hauptung aus, daß es nach den Ausführungen des„Vorwärts" zweifelhaf: geworden sei, ob die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages dort für die Erbschaftssteuer stimmen würde, trotzdem diese sich bereits wiederholt dafür ausgesprochen habe. Diese Be- hauptung,� die einen sichtlichen Eindruck auf die Versammelten nrachte, hätte Herr Cauer nicht aufstellen dürfen, da erstens ein bindender Beschluß unserer Neichstagss�aktion noch nicht vorliegt, die aber andererseits wiederholt und namentlich bei der Beratung der jetzigen Militärvorlage, mit allem Nachdruck erklärt hat, daß sie dahin wirken werde, daß die Kosten dieser Vorlage den Be- sitzenden auferlegt werden. Damil fällt auch die weitere Behauptung des Herrn Cauer, daß die Sozialdemokratie mit ihrer Taktik die Nationallibcralen zwänge, die neuen Steuern mit den reaktionären Parteien zu macben. Räch unsarer Meinung würde es im Gegen- teil eher Sarbc der liberalen Parteien sein, mit schärferem Nach- druck als bisher wirkliche Besitzsteucrn zu fordern, als solche un- haltbaren Behauptungen über unsere Partei aufzustellen. Des weiteren beschäftigte sich Herr Cauer auch mit dem gelten- den preußischen Dreiklassenwqhlrecht und seiner öffentlichen Stimm» aögabe, wobei er unsere Partei— nach Fischbeckscher Art— beschuldigte, Terror zu üben. Um. so zahmer waren dann die Forderungen, die er bezüglich Abänderung des Wahlrechts aufstellte. Die geheime und direkte Stimmabgabe waren die einzigen Forderungen, die er an die Gegenwart stellte. Kein Wort über die ungeheuer- liche Bevorzugung des Besitzes durch die Drei- klassenteilung, kein Wort über die Rechtlosmachung der dri-tten Wählerklasse' durch die erste und zweite, kein Wort über die ungerechte Wahlkreisein- teilung wurde laut, wie auch mit keinem Wort das gleiche Wahlrecht erwähnt wurde. Dafür beschwert« er sich aber, daß unsere Partei bei der Nachwahl in Teltow-Beskow nicht die Kandi- datur Traub bedingungslos unterstützte, wobei er dann auch unsere vom Preutzentag bcschlostene Resolution bekämpfte, mit der Be- hauptung, es sei eil« vollständige Verkennung der politischen Ver- Hältnisse, wenn wir unsere Wahlhilfe von solchen Bedingungen abhängig machten. Herr Caner scheint also auch der Ansicht zu sein, daß es Pflicht unserer Partei sei, die Fortschrittler zu unter- stützen, ohne Gegenseitigkeit zu verlangen. Diese gewährt man tnohl den Nationalliberalen und vielleicht am Ende auch noch den Konservativen, aber nicht der Partei, die den Kampf um das allgemein«, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht mit dem größten Nachdruck führt, des Wahlrechtes, das einst als die Hauptforderung der Liberalen gegolten hat. f. Herr Cauer forderte dann noch volle Glaubens, und Ge. wistensfreiheit und Befreiung der Schule von der Aufsicht der - Geistlichkeit. Merkwürdig' war, daß' auch hierbei-kein' Wort über die traurigen Volksschulverhältnisse in Preußen, speziell in den ö st l i ch e n Provinzen fiel. Uebergehend zu den Ereignissen vor IM) Fahren glaubte Herr Cauer seinen Gegenkandidaten, unseren Genossen Adolf Hofsmann, wegen seines bekannten Reneontres mit Herrn Cassel, a n t i s e m i- i n che Allüren vorwerfen zu sollen. Dies hätte er letzterem überlassen sollen, denn wir haben bisher Herrn Cauer einen besseren Gescbmack zugetraut. Den zweiten Teil des Abends hatte Herr C a s s el zu be-, streiten, aber der Inhalt seiner Ausführungen stand in keinem Vor- hältnis zu der aufgewandten Lungenkraft. Scharre Worte fand er gegen die preußische Verwaltungsform und die Art der Steuereinschätzung auf dem Lande. Dabei stellte er auch die Behauptung, auf. daß nach Ansicht zuständiger Stellen die in Berlin bezahlten Steuern dem wirklichen Einkommen und Vermögen der Steuerzahler entspräche. Das dürfte wohl für die Einkommen unter AXK) M.. die vom Arbeitgeber der Steuerbehörde angegeben werden müssen, zutreffen, daß aber in den anderen Schichten nicht gemogelt wird, das dürfte Herr Cassel wohl selbst kaum glauben, denn daran kann auch die Tätigkeit der ehrenamt- lichen Steuerkommissionsmitglieder nichts ändern, weil eine Fest- stellung des Einkommens, wo nicht ausschließlich festes Gehalt in tyrage kommt, kaum möglich ist. Den größten Teil seiner Ausführungen widmete Herr Cassel den Debatten über die I u b i l ä u m s f c i e r n. Es sei weiter nichts als elende Verleumdung, wenn man ihm Bpznntinismus vorwerfe, ob« aar wie der„März" es getan habe, Patriotismus aus Ge- fchästsinteressc. Die Fortschrittler und so auch er, hätten sich, was Vaterlandsliebe und Patriotismus anbelangt, noch von niemand übertreffen lassen. Die Anzapfungen unseres Genossen A. Hoff- Wann erinnerten ihn an die Zeit des Radauantisemitismus. Herr Cassel ging hier noch weiter als Herr Cauer. trotzdem er genau weiß, paß es Kinzig und allein der Sozial- de m o? rä t i e und ih r c r ,A u f klä r u ng sa r b c i t zu danken ist, daß�hicr in Berlin uiid auch anderwärts der A n t i s e m i t i s- m u s Schiffbruch gelitten hat und die breite Masse des Volkes diesen Worthelden dip Gefolgschaft versagt. Zu erwähnen wäre noch, daß Herr Cassel erklärte, bezüglich der Militärforderungen würden die Fortschrittler bewilligen, was als notwendig erwiesen würde. Alle übrigen Ausführungen des Herrn Cassel waren Reine- waschungsvcrsuchc, wobei er seine vermeintlichen Verdienste in einer Art und Weise hervorhob, die nichts von der Bescheidenheit verriet, die ihn nach seinen Angaben zieren soll. Aus einer Mitteilung ging hervor, daß die Fortschrittler die Aufstellung der Wahlmänner für den t>. Landtagswahlbezirk so gut als wie beendet haben und auch in anderer Beziehung ist schon vor- gearbeitet. Man glaubt, dort, den KreiS uns wieder entreißen zu rönnen. An den Anstrengungen unserer Gegner ist zu ersehen, daß jeder Genosse seine volle Pflicht tun mutz, wenn der Sieg unser sein soll. Dies muß er, trotz oder gerade wegen Herrn Cassel, denn ein glänzender Wahlsieg im 6. Berliner LandtaaSwahlbezirk ist die beste und treffendste Antwort, die Herrn Cassel und seiner Partei wegen seiner unfairen Angriffe auf unsere Partei und unfern Kandidaten gegeben werden kann. 10. Landtagswahlbezirk. _ Morgen Sonntag von 8 Uhr morgens an wichtige Flug- vlattverbrntung im ganzen Kreise von den bekannten Bezirks- lokalen. Pi? Beteiligung aller Genossen Md Genossinnen ist unbedingt erforderlich. Montag. Dienstag und Donnerstag große r* � i a m m l u n g e n..Näheres im Annoncenteil WS Vorwärts am Sonntag und Dienstag. � Das Wahlkomitee. 11. Landtagswahlbezirk. Sonntag, den 20. April, früh 8 Uhr, wichtige Flug» blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Alle Genossen und Genossinnen müssen sich beteiligen. ._ Das Wahlkomitee. Partei- Hngelesenbcitcn. Vierter Wahlkreis. Die 81. Abteilung veranstaltet zum Sonn- abend, den 2ü. April, im Rose-Theater.die dritte Theatervorstellung. Zur Aufführung gelangt„Wilhelm Teil". Billetts sind noch zu haben pei D oh nt, Z ig a r re ng e s ch ä st, Liebigstr. 36. Neukölln. Sonntag, den 20. d. M, vormittags: Flugblattver- breitung zur Landtagsivahl von folgenden Lokalen aus: Bunzel, Reuierstraße, Ecke Lenaustraße, Lcbmonn, Tellstr. 8. Wittkowski, Jnnslr. 9. Wois, Kirckihofstraße, Ecke Wippersiraße. Künzel, Kaiser- Friedricki-Slr. 171/172. Sckmeider, Mainzer Str. 6. Rickiter, Weise- siraße, Ecke Mahlower Straße. Gustmann, Steinmetzstr. 78, Weigelt, Steinmetzstr. 93. Flick, Vodestr. 22. Götze, Hermannstr. 114. Wilmersdorf. Für die am Montag, den 21. April, abends 8V„ Uqr, im Viktoriagarten, Wilhelmsaus 114/115, stattfindende öffentliche Wählerversammlung, in welcher Reichstags« abgeordneter Dr, Max O u a r ck- Frankfurt a. M, über„Bolksopfer und Voiksrcchte in Preußen" sprechen wird, erfolgt am Sonntag früh 9 Uhr eine Handzettel Verteilung von den Bezirks- lokalen aus. Treptow-Baumschulcnweg. Sonntag ftüh 8l/? Uhr wichtige Flug« blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Britz-Buckow. Sonntag, 29. April, morgens 8 Uhr, findet von den Bezirkslokalen aus eine wichtige Flugblaltverbreitung zur Gemeinde wähl statt. Da es sich dieSinal um einen Ueber» rumpelungSversuch handelt, müssen die Genossen vollzählig zur Stelle sein. Kein Genosse darf fehlen. Ober-Schöncweide. Sonntag.?en 29. April, von 8 Uhr früh ab: Flugblaltverbreitung von den bekannten Stellen aus zu der am Dienstag, den 22. April, im Wilhelminenhos stallfindenden Ver- sammlung, in welcher Genossin Luise Zietz referiert. Rüdersdorf. Sonntag, den 29. April, nachmittags 3 Uhr, im Lokale des Herrn Volkmann, Schloßstr. 39: Oeffentliche Wähler- Versammlung, Referent ist der Kandidat des Kreises, Parteisekretär Genosse Otto Braun, Nieder- Schöneweide. Sonntag, den 29. April, früh 8 Uhr: Handzettelverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Schöuwalde-Schöiicrlindc, Bezirk Pankow. Sonntag, den 29. cr., gemeinsanier Zahlabend beider Orte nachmittags 4 Uhr bei Schulz, Schönwalde. Vortrag des Genossen Kubig-Paniow:„Technik der Landiagswavl". Reinickcndors-Ost. Morgen Sonntag, von früh 8 Uhr ab: Flugblaltverbreitung. Stralau. Am Sonntag, den 29. April, nachmittags 2 Uhr, im Saale des Herrn Sieinike, Alt-Stralau 3: Oeffeniliche unpolitische Jngendversammlung. Tagesordnung: Zweck und Ziele der freien Jugendbewegung. Referent: Paul S ch w e n k. Lehrlinge, jugend- llche Arbeiter und Arbeiterinnen: Agniert für den Massenbesuch l ßerUner Nacbricbten. Ti erg artenfruhling. Von den Wirkungen der Frosttage ist auch der Tiergarten nicht verschont geblieben. Aber Milliarden junger Knospen sind in die Bresche getreten und� neues Grün und frische Blüten schließen mit erstaunlicher Schnelligkeit die Lücken, die der Frost gerissen hat. Noch fehlt, in der Regel, der Staub und die Hitze, und besonders am frühen Morgen herrscht eine er- frischende Luft auf den gewundenen Wegen. Der Rasen ist ergrünt und Narzissen, Veilchen und �andere Blumen südlicherer Striche, die in den Straßen verkauft werden, wachsen hier lebendig im Gras. Die Kronen der gewaltig aufstrebenden, silbergraüen Stämme der Buchen sind noch völlig kahl. Aber zahlreicher als sie sind im Tiergarten nordamerikanische Ahornbäume, deren Ge- zweig längst mit dem grünen Schimmer der gezackten Blätlchen überflössen ist. Wo es besonders hell goldgelb von den Kronen glänzt, da stehen deutsche Ahornbälime, und der Glanz kommt von ihren Blutendolden� die früher als das Blattwerk die Knospen verlassen haben. Am schönsten ist es neben den Wasserläufen, in deren Ufergebüsch der braune Zaunkönig mit dem keck aufgerichteten (und daran leicht zu erkennenden) Schwänzchen sein maus- artig hin- und herhuschendes Wesen treibt. Pracktvoll ist der Blick über den Goldfischteich, an dessen Ufer die Kastanien ihr Grün ausgeschlossen haben, das sich in leichter Wölbung über die stille Wasserfläche neigt. Ter Spiegel ist gesunken, wie bei einem Grunewaldsee, und auch die Wildenten senken be- denklich die Köpfe über diese Erscheinung. Das Ufer ist bloß- gelegt, und an den Hängen tummeln sich die Vögel des Tier- gartens. Am Goldftschteich muß man eine Scheibe Brot bei sich haben, denn man wird von den Tieren hier förmlich, an- gebettelt. Ganz ungeniert kommen die bläulichen, großen, wilden Tauben mit den weißen Halsflecken auf den stehen- bleibenden Pastanten zu. Sie haben ganz vergessen, daß sie in den naturwissenschaftlichen Lehrbüchern als scheue, wilde Vögel gelten und gehaben sich eher wie gut gemästetes Hans- geflügcl, das friedlich watschelnd über den Rasen zieht und die hingeworfenen Brocken mit größter Selbstverständlichkeit verschluckt. Spaßhaft ist das Be- nehmen der Spatzen, die sich am Galdfischteich sofort in Scharen anfinden, so bald das erste Brotkrümchen durch die Luft fliegt. Sie warten das Herabfallen gar nicht erst ab, sondern fliegen dem nahrhaften Geschoß entgegen und haschen es meist regelmäßig im Fluge, worauf in der Luft oder am Boden noch eine Katzbalgerei nachfolgt. Stets stnd auch Finken bei der Gesellschaft, aber immer kommen sie den Spatzen gegenüber zu spät. Die Amseln, denen ein magerer Regenwiirm lieber ist als die fetteste Brotkrume, kommen ge- wohnlich nicht in Futternähe. Hat nian aber Glück, so fliegt einmal eine zierliche, prächtig gefärbte Blaumeise hinzu, die flink genug ist, sich auch den Spatzen gegenüber ihren Anteil zusichern. Endlich ist alles verfüttert. Wir wenden uns nun zurück auf di? autoüberrollten Straßen und mit. einem letzten Blick ans den prangenden Park und einem weiteren ans die Uhr geht es der Arbeitsstätte zu. Der Zweckvcrband und der Waldankauf. Gegen die Stimmungsmache, die für den Fiskus in Sachen des Ankaufes fiskalischer Wälder unter den vom Fis- kus gestellten, geradezu unerhörten Bedingungen gemacht wird, „Eine sich täglich mehrende. Anzahl von Zeitungsartikeln und Preßnotizen sucht auf den Zweckveebaiid Groß-Berlin dahin ein- zuWirken, daß ex den Bedingungen des«taates für den Uebergang von Waldfreiflächen aus fiskalischem in kommunalen Besitz sich ohne Sträuben fügt, lleberwiegend gehen diese Artikel wohl die Anschauung des Staates wieder. Wenn jetzt aber die Behauptung aufgestellt wird, daß st« zum Teil auch aus Kreisen des Zweckverbandes selbst herrühren, so trifft das jedenfalls für die Berliner Verbandsmitglieder nicht zu. Es ist bekannt, wie weit die Bedingungen des Fiskus von der Annehmbarkeit noch entfernt sind. Die Höhe des Preises, die Zahlungs- bedingungen. das Recht des W i c d e r k a u f s zum Durch- schnittspreise für die Dauer von 399 Jahren, die Schutzlosigke,t des Verbandes gegen die Gefahren der A u s t r o ck n u n g des Grunewalds, die Einengung Groß-Bcrlins in der Nutzung des G e l ä n de s. die unzureichende Bemessung der zu über- tragenden Flächen— das alles sind Klippen, die das Wald- geschäft ernstlich bedrohen. Sie zu beseitigen, ist der Zweckver- band allein nicht fähig. Vielmehr ist der Ausgang der Ver- Handlungen ganz in erster Linie von dem Verhalten des Staates abhängig. Wer also die Aktionsfähigkeit des Zweckverbandes dadurch schwächt, daß er ihn und die öffentliche Meinung fortwährend ass die zur Nachgiebigkeit Verpflichteten hinstellt, bereitet dem Zustandekommen eines brauchbaren Vertrages weit mehr Hin- dernisse, als der, welcher aus die Mängel des bisherigen fiska- fischen Angebots hindeutet. Gerade jetzt, da die Wiederaufnahme der Verhandlungen unmittelbar bevorsteht, ist es von entschei- dender Wichtigkeit, wieder und wieder daran zu erinnern, daß der Staat nicht nur das Recht des nüchtern kalkulierenden Fiskus, sondern auch die Pflicht der Fürsorge für die Gesund- heit einer dichtgedrängten Bcvölkerungsmenge trägt." Wie in vorstehender Kundgebung der Magistrat, so haben auch wir wiederholt auf die Pflicht des Staates hingewiesen, für genügende Erholungsmöglichkeit der Staatsbürger Sorge zu tragen. Gerade die Bevölkerung von Groß-Berlin ist das finanzielle Rückgrat des Staates und der letztere hat deshalb die doppelte Pflicht, auch für die Gesundheit seiner Staats- bürger zu sorgen. Das gesch'eht aber nicht dadurch, daß der Staat die Wälder an Groß-Berlin verkauft und durch diese Transaktion die Eiitwohner Groß-Berlins noch besonders be- lastet, sondern daß der Staat selber die Erholungsmöglichkeit gewährt, nicht aber seine Pflichten auf die Gemeinden ab- wälzt. Wenn der Zweckverband sich bereit erklären sollte, die für Erhaltung der Wälder notwendigen Mittel herzugeben, so dürfte dieses Entgegenkommen als ein äußerst weitgehendes betrachtet werden. Aber dem Staate Wälder abkaufen, die er selber zur Verfügung zu stellen hat. ist ein Ansinnen, das gar nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. Ueber die langsame Arbeit des Kaiserliche» Patentamtes wird schon seit Jahren ständig Klage geführt. Daß diese Klagen nur zu berechtigt sind, kann» man aus einer Statistik ersehen, die sich mit den noch schwebenden Prüfungsverfahren beschäftigt. Bevor ein Patentanspruch nicht genügend geprüft ist,.kann auch. die Erteilung eines Patentes nicht erfolgen. Durchschnittlich gehen jährlich dem Patentamte 40000 bis 4ö0cv Anmeldungen zu, im- Jahre 1912 wareu es 43 815, wozu noch 56 476 Anmeldungen auf Erteilung eines Gebrauchs- Musterschutzes kamen. Von den genannten Patentanmeldungen sind etwa 35000 noch nicht geprüft! Aber auch ans ftüheren Jahren sind noch zahlreiche„Prüfungsrestc" vor- Händen. So schweben aus dem Jahre 1905 noch 10, aus 1906 noch 25. aus 1907 noch III, aus 1908 noch 382 Prüfungs- verfahren. Die Zahlen der letzten Jahre sind naturgemäß bedeutend höher. Aus dem Jahre 1909 harren noch 1685 An- Meldungen ihrer Prüfung, aus dem Jahre 1910 sind 7855 An- Meldungen nicht geprüft und für das Jahr 1911 beträgt diese Zahl 31 915. Dieser bedauerliche Mißstand im deutschen Patenttvesen ist lediglich darauf zurückzuführen, daß trotz des umfangreichen Beanitenheeres der schristliche Verkehr mit den Parentanmeldern zu langsam von statten geht. Das ist an und für sich schon bedenklich, aber nach anderer Richtung hin können wertvolle Erfindungen nicht bekannt werden, weil die nur zu oft unbemittelten Erfinder ihren Antrag zurückziehen müssen, da sie nicht in der Lage sind, die Kosten für den Schutzrechtsstreit aufzubringen. Die eingezahlte Anmeldegebühr geht natürlich verloren. Wenn man bedenkt, daß ini Jahre 1912 dem Kaiserlichen Patentamt aus den Gebühren für Schutz- rechte ein Ueberschuß von nahezu 6'/, Millionen Mark erwuchs, dann ist die Forderung wohl am Platze: eine Reorganisierung des Kaiserlichen Patentamtes in bczug auf den Schriftverkehr mit den Erfindern ist dringend erforderlich. Auch die Aus- kunfterteilung über Schutzfähigkcft nimmt viel zu viel Zeit in Anspruch. Deshalb wird dem Patentamt auch von einigen Bureaus, die sich als Auskunftei für Patentsachen mit den Erfinderrechten große Mühe geben, große Konkurrenz bereitet. Auskünfte, die durch das Kaiserliche Patentamt erst nach Wochen gegeben werden, erteilen diese Auskunfteien schon nach wenigen Tagen. Es sollte doch dasür gesorgt werden, daß das Patentamt auf der Höhe steht. Umleitung von Straßenbahnlinieu. Die Straßenbahn muß wegen Auswechselung der Kreuzungsanlagen auf dem Molken- markt in den Nächten vom 21. /22., 24./25., 28/29. und 29./30. April von 2 Uhr nachts an die Linie 47 über den Köllnischen Fischmarkt, die Breite Straße, den Schloßplatz, die König- und" Spandaurr Straße; die Linien 69 und 74 über den Köllnischen Fischmarkt, die Breite Straße, den Schloßplatz und die König- straße, die Linien 77/78 über den Köllnischen Fischmarkt, die Breite Straße, den Schloßplatz, die König- und Alexandersttatze umleiten. Die Lohufrage städftscher Arbeiter. Der Magistrat genehmigte gestern die Vorschläge der von ihm mit der Revision der Löhne für städttsche Arbeiter beauf- tragten Kommission. Die Gemeindebehörden haben bekanntvüh in den diesjährigen Etat die Summe von 1000000 M zur Erhöhung der Arbeiterlöhne eingestellt. Die Lohnerhöhungen treten mit dein heutigen Tage in Kraft. Welche Arbeiterkategorien im einzelnen bedacht sind, wird leider nicht mitgeteilt. Zwischen dem Kur«t»rsitm ftr d-5 BestattuuzSwesen und dem Berliner Berein für Feuerbestattung ist ti zu einem kleinen Kon. flikt gekommen der darauf zurückzuführen ist, daß der neue Leichen- wendet sich das Nachrichtengmt des Berliner Magistrats in! Verbrennungsofen auf dem städtischen Friedhofe an der Gericht- folgender Notiz: 1 und Adolfftraße nicht vertragsmäßig funktioniert. Der Schor« stein des neuen Krematoriums soll nämlich zeitweise Rauch ent- wickeliu Dieser Konflikt hat, wie in der legten Sitzung des Vereins für Feuerbestattung mitgeteilt wurde, dahin geführt, daß das Kuratorium die Zahlung des R est la u fg e l d c s bezw. der weiteren Ab fchlagszahlungen für di« von der Stadt Berlin zu Übernehmende FeuerbeftattunaSanlage?er- weigert. Wie Direktor Pauly in der fraglichen Sitzung bc- richtete, ist das Auftreten von Rauch bei einigen Einäscherungen zum Gegenstand« eingehender Untersuchungen gemacht worden und auch städtische Sastverstäiidige haben sich mit der Angelegenheit be- schäftigt. Die Hauptursache der unangenehmen Erscheinung soll in der zu geringen Höhe des Schornsteins und darin zu suchen sein, daß der Schornstein an seinem unteren Ende nicht durch daS Dach der sog. Laterne geführt worden sei, sonder» in diese selbst ein- münde. Tie Arbeiten zur Beseitigung dieses UebelstandeS sind bereits in die Wege geleitet worden. Selbstmord eines AicchtsanwaltS. In einem hiesigen Holel erschotz sich gestern der Rechts- onwalt Karl Wollenberg aus Hadelbcrg, ein Mann von ungesähr 60 Jahren. Wollenberg war in einem Hotel der Dorotheenstadt ab- gestiegen. Dort hörte man gestern nachmittag einen Schuh fallen. AIS Angestellte nachsahen, fanden sie die Tür des Gastzimmers der- schlössen. Weil auf Klopfen niemand antwortete, so öffnete der Wirt mit einem zweiten Schlüssel. Tie Vermutung» dag sich der Gast ein Leid angetan habe, bestätigte sich. Wollenberg hatte sich in das.Herz geschossen und war bereit« tot. Ter Revolver lag neben der Leiche. Wie verlautet, war der Anwalt hochgradig neivenleidend und griff in einem plötzlichen heftigen Anfalle zur Waffe. Auf dem Rangierbahuhof verunglückt ist gestern früh der SS Jahre alte Pförtner deS Güterbahnhofe« in der Aingbahnstrasie zu Neukölln Ernst Taetlch. Der Mann überschritt um S>/, Uhr die Gleise, stolperte und fiel, alS gerade mehrere Wagen, die verschoben wurden, herangelaufen kamen. Er sah daZ Unglück vor Augen, konnte sich aber nicht rasch genug mehr erheben. Der erste Wagen packle ihn und die Räder zermalmten ihm den rechten Fufe und die rechte Hand. Die Rangierer nahmen sich deS Verunglückten an und sorgten dafür, daß er nach dem Krankenhaus in Buckow ge« bracht wurde. Den Tod im Wasser suchte und fand gestern vormittag«in noch unbekanntes junges Mädchen. Passanten sahen, wie in der Burgstrahe. gegenüber dem Grundstück Nr. 9, ein ungefähr$5 Jahre olteS Mädchen, dessen Äeu�ereS sie nicht näher anzugeben ver- mögen, auf da« Gitter kletterte und i» die Spree sprang. Sie trafen all« Vorbereitungen, die Lebensmüde wieder au« dem Wasser zu ziehen, doch waren diese vergeblich, denn das Mädchen ging unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Bisher konnte auch die Leiche noch nicht geborgen werden. AuS dem Laudwehrkanal gelandet wurde gestern vor dem Hause Kotlbuser User 9 die Leiche eine« neugeborenen Mädchen«, die in ßlane« Packpapier eingehüllt war. Sie hat wobl schon einige Zeit im Wasser gelegen, denn die fest verschnürte Hülle hatte sich zum Teil schon abgelöst. Geigendiebe haben gestern dem Betsaal der Missionsgemeinde einen unerwünschten Besuch gemacht. Sie lautettcn die Tür auf und erbeuteieii zwei Instrumente mit Bogen und Kasten. Tie eine befand f.ch in einem schwarze» Kasten, die andere, eine hellbraun lackierte, tu einem Papplasten. Loa einem elektrischen Personenzug überfahren und schwer ver- letzt wurde gestern abend der 30 Jahr« alt« Bahnarbeiter L. La»- d o w S k i auS der Goethestr. 4 zu Lichtenberg. LandowSki war Hägen 7M Uhr aus dem Anhalter Personenbahnhof an der: Kreuz- bergstrahe mit mehreren anderen Arbertern. denen er vorstand, rn« �ern Verlegen von Schienen beschäftigt. Äl» ein elektrischer Zug angefahren kam. rief er diesen zu. daß sie wegtreten sollen. Sonderdarerweise entfernte er sich selbst jedoch nicht mit ihnen. Er wurde von � dem Motorwagen ersaht, uuigesrohen und Überfahren. Mü einem Schädelbruch und schweren inneren Verletzungen wurde er mit einem Rünzelschen Wagen nach dem Krankenhause am Urban gebracht, wo er so schwer daniederliegt, daß man an seinem Auf- kommen zweifelt. Zwischen zwei Strahenbahnwage« totgequetscht wurde gestern abend der 74 Jahre alte Postsokretar a. D. Ferdinand Struck au» der Gollnowstr. 40. Der alte Herr hatte in der Zentralmarkthalle am Alexanderplatz Fleisch ei-ngekauft. Auf dem Wege nach seiner Wohnung geriet er gegen 7 Uhr in der Alexanderstratze, gegenüber dem Warenhause von Tietz, infolge des starken Verlehr«'so un- glücklich zwischen zwei au« entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagen, daß er zu Tode gequetscht wurde. Verlorene Zeugnisse. Ein Familienvater hat am Dienstag, den 1. April, mittags im oder am Schlcsischen Bahnhof. Ltadtbahnseite. in der Madaistraße oder in der Frnchtslraße bi» zum Küstriner Platz. ein« gelbdecklige LusischiffSbroschüre und ein großes, geöffnete«, an Willmann, Maaßenftraße. adreisierte« Brieftuvert, enthaltend 17 Originalzeuginsse au« den Jahren 1389 bi« 1910 auf den Namen Alfred Wetzel, verloren oder liegen gelassen. Die Zeugnisse sind für den Verlierer unersetzlich, für einen anderen wertlos. Der Verlierer wohnt Posen» Str. 4. Eine Kiudrsleiche wurde am Donnerotag vormittag au« dem Kanal an der Thielen-Lrücke gelandet. Di« Leiche war mit einer blauen Schürze notdürftig bewickelt. Tie Art,' wie die Bergung der Leiche erfolgte, hatte eine größere Menschenansammlung hervorgerufen. Wie man un» mitteilt, versuchten zwei junge Leute mit dem Ruder die klein« Leiche hochzuheben und da die« nicht gelang, hob einer derselben die Leiche an der Schnur hoch, um den völlig nackten Körper an die Böschung zu werken. Hierbei fiel die Leiche gegen den Stein und zurück in« Wasser. Bei einem zweiten Versuch konnte die Leiche geborgen werden. Dies« Art dar Bergung rief im Publikum heftigen Unwillen hervor, um sä mehr als ein Schutzmann als Zuschauer dabei gewesen sein soll. Ein dreijährige» Kind vom Erstickungstod« gerettet. In der achten Morgenstunde wurde gestern die Feuerwehr nach der Gubener Straße 13 gerufen, wo im dritten Stock de« Quer- ncbäudeS auf dem Korridor einer Wohnung in Abwesenheit der betreffenden Familie Feuer ausgebrochen war. Ter Brand mußte schon längere Zeit geschwelt haben, denn die Rauchentwickelung war so stark, daß der vierte Stock und der Boden de« Ouergebäudet bei Ankunft des r. Löschzugcs bereit« vollständig verqualmt war. Während einig» Mannschaften gewaltsam in die brennende Woh- nung vordrangen, sorgten andere Sappeure für den Abzug des er. stickenden Qualme«. In der Wohnung im vierten Stock wurde ein dreijähriger Knabe vorgefunden, der durch den Ranch schon bart mit- genommen war. Zwei Oberfeuermänner brachten das Kind schien- nigst ins Freie, wo e« sich auch nach kurzer Zeit wieder erholte. In der Wohnung im dritten Stock sind Kleidungsstücke. Türen und Teile de» Fuhbooen« verbrannt. Vorort- jSadmcfotem Charlottenvurg. Die Errichtung eine« Kühlraumcs am Fleischschauamt, dessen Fehlen sich bei der Durchführung der von den städtischen Körper- schaften gegen die Lebensmittelteuerung beschlossenen Maßnahmen sehr bemerkbar gemacht hat, beantragt der Magistrat von Charlotten- bürg bei den Stadtverordneten. Eine Kühleinrichtung hat sich nicht nur für die unter städtischer Aufsicht im Fleifchschauamt stattfindenden Seefischderkäufe, sowie für die Abgabe russischen Fleisches an die Charlottenburger Fleischer und den Berkauf ausländischen Fleische« durch die Konsumgenossenschaft alt dringend erforderlich heraus« gestellt, sie wird auch für die unmittelbaren Aufgaben d'eS Fleifchschauamte«, insbesondere der Freibank nützlich verwendet werden können. Lichtenberg. I» der gut dekuchten Generalversammlung deS Wahlvereins er- stattete der BezirlSleiter, Genosse I a f f k e, den Jahresbericht. Die Milgiiederzahl ist auf 62LS(5174 männliche und 1111 weibliche) gestiegen. Tie Wahlen zur'Etadtberordneienversammlung brachten einen vollen Erfolg, sämiliche L2 Mandate der dritten und sechs Mandate der zweiten Abteilung sind von d» Sozialdemokratie be- setzt. Diese Resultate wurden erzielt, troydem durch die Eintragung de« EisenbahnfiSku« in die Wählerliste etwa 500 Wähl» der zweiten in die drlx» Klasse gedräLgi wurden. Eiri» von der soz>..i demokratischen Fraktion eingereichter Protest schwebt beim Bezirks- auSschnß. Bezeitbnend ist, daß auch von bürgerlichen Herren aus dem gleichen Grunde gegen die Richligkeit der Wählerliste Einspruch erhoben wurde, allerdings nur gegen die in der zweiten Klasse von der Sozialdemokratie eroberten Man- date. In dem zum Bezirk gehörenden Alt-Landöberg gelang e« nur. den ersten Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlnng zu entsenden. Au« dem vom Genossen Linke erstaitete» Kassenbericht ist zu erwähnen, daß Einnahme und Ausgabe für die BerichiSzeit (neun Monate) mit 26559,21 M. balancieren und ei» Bestand von 441,33 M. auf neue Rechnung vorgetlagen wurde. An den beifallig aufgenommenen Bericht schloß sich nur eine kurze Ditkussion, die spezielle Wünsche für den Lrtsteil RmnmelSburg zum Ausdruck brachte. Bei den hieraus vorgenommenen Neuwahlen der Bezirk«- leitung wurden gewählt: Otto Jakfk« al« Bezirksleiter. Robert Lenzner als Kassierer und Fritz Thurm als Schriftführer. Zur Unterstützimg der Bezirksleitung wurden noch die Genossen Jüne- mann. Fla de, Peierhansel, Held, Kette. Maserkopf, Richter, Wenier und die Genossinnen Robst und Schulze gewählt. Nach dem Bericht der einzelnen Kommissionen erfolgte auch für diese die Neuwahl, desgleichen wurden die Wahlen von 53 De- legierten zur Kreis- und BervandSgeneraldersammlung vorgenommen. Die Differenzen in den.Prachlsälen' sind beigelegt, ebenso ist da» „Logeukasino" für die Arbeiterschaft frei, so daß Lichtenberg gesperrte Lokale nicht zu verzeichnen hckt. Aus Antrag der BezirlSleitung beschloß die Bersammlnno. die Mitglieder Müller. Kiesewelter, Neu- mann. Brand und Kiese"wegen Nichlbeteiligung an der Stadtver- ordnetenwahl au« der Mitgliederliste zu streichen. Die Stellung- nähme zur Besetzung de» Krei«voistaiideS mußte der vorgeschrittenen Zeit wegen verlagt werden. Mit der Ermahnung an die Genossen, bei der LandtapSwahl alles daranzusetzen, um die Gegner zu Fall zu briiigen, schloß der Vorsitzende die Generaldersammlung. Neukölln. Das Stiftungsfest de«„Arbeiter- Schwiminvsrein« Reukölln' !t heule Sonnabend, den 19. April, i» Gestalt eine«„Heiteren Abend»" in den Hohenstaufen-Festsälen, Kottbus« Damm 78, großer Saal, statt. Auf da« Programm haben wir bereit« in der gestrigen Nummer de§„Vorwärts" aufmerksam gemacht. Tempelhof. Aus»er Gemeindevertretung. Magistratsassessor Ernst Seyfferih- Charlottenburg wurde zunächst al« Syndikn« und besoldeter Schöffe durch den Gemeindevorsteher Wiesen» in sein neue- Amt eingeführt. Zu einer lebhaften Debatte führte da« Projekt der Luise-Henrietten- lchule in de: Germaniastraße. Für die Schul«, welche 20 Klassen zählt und später eventuell zu einem Gymnasium eweitert werden soll, ist eine Direktorenwohnung vou zehn Zimmern vorgesehen. Wenn schon bürgerliche Herren eine derartig« Wohnung als feudal bezeichneten und gegen dies« Verschwendung redeten, so ist es wohl überflüssig zu erwähnen, daß auch von sozialdemokratischer Seite gegen den übertriebenen LuruS energisch Front gemacht wurde. Mit Recht erinnert« Genosse Frantz an ein gegebene« Versprechen, daß bei dem Bau dieser Schule auf die Errichtung einer Kochschule für die oberen Mädchenklassen der Gemeindeschulen Rücksicht genommen werden soll. Vorsorge sei dafür vorhanden, wurde erwidert. Man beabsichtig«, dies« Küche im Keller unterzubringen. Als aber nach einig« Zeit Genosse Frantz erwiderte, daß diese Unter- bringung von der Regierung nicht genehmigt werde und de« weiteren aus Mariendors hinwie«, wo der Kochunterricht auf dem Boden stattfinden soll, blieb man die Antwort schuldig. Der Bau der Wohnung des Direktor« ist aus 40 373 M. veranschlagt. Genosse Schmidt plädierte für die Entfernung der Wohnung des Direktor! au« dem Schulgebäude, da die Verwaltung den Rektoren der Äemeindeswulen ja auch kein« Dienstwohnung anweis«. Dr. Schmidt versuchte wiederholt, unter Hinweis auf Aussagen deS verstorbenen Bürgermeistrr«. eine Umarbeitung des Projektes durch- zusetzen, der Vorsteher Wiesen« wie« aber auf die großen Schwierig- teilen, die ein« derartig« Umarbeitung verursache sowie darauf hin, daß der Lau dränge und da man sich auch bei den Gemeindeschulen nicht an die Grenze» de« notwendigen gehalten, wurde der LuxuSbau, der Über 900000 M. Kosten verursacht mit samt der feudalen Direktorwohnung mit einer Stimme Mehrheit beschlossen. Herr Trenuert entzog sich der Abstimmung durch vorzeitiges Weg- gehen. Gegen die am 80. März«folgte Wahl zur Gemeindevertretung sind zwei Einkprüch« eingegangen. Darunter«ine von Herrn Heinrich Poblenk. dem Vorsitzenden de« HauS- und Grundbesitz«»»»»». In dem Einipruche wird ausgesührt, daß der Gewählte, Schriftsetzer Otlar Ewald, nur zum Schein einen Anteil an dem in Betracht komnienden Haus« der Happeltschen Eheleute aekauft habe, die Kauf- summe zu dem Wert« in keinem Verhältnis flehe und sei geradezu al!«ine Äerhöhnung det Gesetzes zu betrachten. Ihm habe nur daran gelegen, die HauSbesitzerqualifikakion nachzuweisen, umdem Gesetz Genüge zu tun. Auch in dem anderen Eiuipruch wird dargelegt, daß®. nicht al« Angesessener im Kinne deS Gesetzes zu betrachten sei. Nach längeren jnristrschen Ausführungen de! Vorsteher! be- merkte Genosse Schmidt. daß diesmal gewiss» Personen selber httdorgetreten sind, während sie sonst andere vorgeschoben haben, um sich al« Handlanger in Erinnerung zu bringen.(Wober mag nur Herr Pohlenk sein« Kenntnisse schöpfen h Nach längerer Debatte trat Direkior Grökel für ein„vereinfachtes Verfahren" ein und bot. die Wahl für ungültig zu erklären. Vorsteher Wiesen« und Schöffe Seyffnih sehen'für die UngüItigkeitSerklärnna ohne weiteres keinen Grmid. und so wurde die Beschlußfassung über die Gültigkeit der Wahl vertagt, um die Recht«verbSltnisse im einzelnen genau fest. zustellen. Hoffentlich wiederholt die Mebrhrit der Geweindevertreiung nicht noch einmal den v?r«inigen Jahren degangene» Gewattstreich. durch den sie dem Ansehen der Gemeinde nicht genützt hat. „Zum Kurfürst", da« größte Etablissement am hiesigen Ort. in der Berlin« Straße gelegen(früher Kreideweiß), welche« vor etwa anderthalb Jahren neu erstanden ist. hat die Pforten geschlossen. Der Wirt, der da« Lokal der arbeiterschafl nicht zur Verfügung stellte, konnte die etwa 20000 M. betragende JahreSmiet- nicht aufbringen, fetzte erheblich« Summen zu und hatte nun mit ZahlungSschwicrig- ketten zu kämpfen, die seine Exmission zur Folge hatten. Britz. Dir am!6.»pr»-uögrschriebene Gemeindcvertrcicrwahl ist bereit» für Freitag. den 25. April festgesetzt. ES scheint, al« od durch die kurze Frist, welche zwischen der amtlichen Beröffent- lichung u«d dem Wahlie-min liegt, die Sozialdemokratie über» rumpelt werden soll. Diesmal ist auch die dritte Abteilung in zwei Bezirkt zerlegt und die für diese Abteilung in Betracht kommende Mahlzeit ist auf die für die meist anßnhalb des OtteS beschäftigte Arbeii«fchast höchst ungünstigen Stunden von 1—«Uhr nachmittag« festgesetzt. E« müssen somit zahlreich« Wähl«, die ihrer Wahlpflicht genügen wollen, Einbuße an Arbeitsverdienst erleiden. Hat die Gemeindeverwaltung bei Fest» setzung d» Wablzeit diesen für die Wählerschaft als übel empfundenen Zustand nicht, in Betracht gezogen? Die Arbeiterschaft wird nunmehr erst recht eine lebhafte Agitation für die Wahl der sozialdemo- kratischen Kandidaten entfalten. Nieder-Schöneweide. Einen erfreulichen Fortschritt der Organisation konnte in der Generalversammlung des Wahlvereins Genosse Boß bei Erstattung des VorftandsberichtS konstatieren. Danach ist die Mitgliederzahl von 246 auf 808 gestiegen. Darunter befinden sich 54 Genossinnen. Die Zahl der..Vorwärls''-Abonnenten stteg von 867 auf 448. Die Bibiiolhek umfaßt 281 Werke. Allgemein bedauert wurde der schwache Besuch der Versammlungen iowie der sonstigen Ver- anstalmngen. Die Neuwahl des Vorstandes fialie folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Voß. 2. Vorsitzender: Jdigkeir. Kassierer: Frassek. Schriftführer: Frank. Beisitzer: Wegen». Dillen» und Frau Steinke. Revisoren: Bonalowski, Brand und Sagen. Be- ichwerdekommission: Olsen. K. voß und Bindig. Kinderschntz- kommisfion: Frau Scheibelich. LandagitationSkommission: Maßke, Jdigkeit, K. Voß und Ladendorf. Bibliothekar: Hang. Es wurde ferner ersucht, zum bevorstehenden Wahlrechiskanips alle Kräfte an- zuspannen, um ein erfreuliche- Wahtresullat zu erzielen. F-ranzöfisch- Buchholz. Ein braver Genosse, der Tapezierer Emanuel Ritter, ist nach längerem schweren Leiden der hiesigen Bewegung durch den Tod entrissen worden. Ritter hat stet« in den vordersten Reiben deS wirtschaftlichen und politischen Kampfe» gestanden. Und dieier un- «müdliche Siftr de» Verstorbenen wird bei den Genossen stets in ehrender Erinnerung bleiben. Die Beerdigung findet heute Sonn- abend, nachinittags 3'/� Uhr, auf dem Nieder-Schönbau>ener©e- meindekriedhof in Schönholz statt. Die Genossen werden ersucht, möglichst zahlreich an derselben teilzunehmen. Wittenau-Borsigwalde. Zu den bevorstehenden LandtagSwahlen nahm am Sonntag und DienSlag die hiesige Arbeiterschaft in zwei Versammlungen Stellung. Die Referenten G r u n o w und M i r u S zeigten an Bciiiueten den reaktionären Charakter des DreiklassenhauseS. Mit der Aufforderung. kampftssreudig in den Wahlkampf einzutreten, wurden die gut be- suchten Versammlungen geschlossen. PokSda«. Absturz von der«echaukscheu Leiter. Gestern vormittag in d« zehnte» Smnde verunglückte der 18jährige HilfSmonteur des PotS- damer Elektrizitätswerkes Brehme durch Abilurz von der Leiter. B, der ein Jahr beim Werk beschäftigt ist, hatte zur Herstellung der elektrischen Beleuchtungsanlage an dem Eckhaus« Hodizftraße und Kanal die Leiter bestiegen und glitt in Hiuwböhe aus und stürzte auf daS Pflaner. Er zog sich einen doppelten Schenkel- brach zu und wurde bewußtlos in das städtische Krankenhaus eingeliefert. Nowawetz. lieber die bevorstehenden LandtagSwahlen sprach in der am Mittwochabend im Schmidlichen Saale stattgehabten öffentlichen Versammlung ReichötagSabgeardneter Genosse König. Nach einer kurzen historiichen Würdigung der Befreiungskriege und einer treffeirden Krilik der zu palriotisch-chauvinistischen Zwecken ausgenutzten Gedenkfeier behandelte Redner in!>/« flünoigem, von öfteren BeisallS- äußerunge» unterbrochenem vortrage die gegenwärtigen, durch die reaktionäre Junkerherrschaft bedingten Zustände in Preußen und zeigte daran, wie notwendig eine energische Fortsetzung des Kampfes zur Erringung eines gerechteren Wahlrechts ist. Wenn bei der bevor- stehenden Wahl Millionen von iozialdemokrarifchen Slimmen ab- gegeben werden, dann würde da« ein« ernste Mahnung des Volte» an die Regierung fein, das im Jabre 1908 gegebene Königswort endlich einzulösen. Zum Schluß gab der Redner seinem Bedauern über den mäßigen Versammlungsbesuch Ausdruck; er habe in dem Jndustrieort Rowawe««ine Versammlung erwartet, für di« sich der Saal al» zu klein erweisen mußte. Unter Hinweis auf den Riefen» kämpf in Belgien forderte er die Anwesenden auf, für eine Besserung der gerügten Verhältnisse am Orte zu sorgen.— Vor Schluß der Versammlung protestierte der Vorsitzende unter Zustimmung aller Anwesenden gegen die Anwesenheit der Gendarmen. ES soll bei der Polizeibehörde hiergegen Beschwerde eingelegt werden. Sitzungstage von Stadt- uud Gemeindevertretungen. Eggersdorf(Rlkdeibarnim). Heute Sonnabend, den l?. April, abends 8 Uhr, ta Katholhschen Lokale Tiefe Sitzungen find össernlich. Jeder«emeindeanaehitrige i« b«. rechltgi, ihnen«1» Zuhörer detzuwohnen. Huq aller CHelt. Soziales Glend. Au! Göttingen wird un! geschrieben: Während Vater und Mutter auf Arbeit waren, wärmte in dem Lorort« Geismar ein sieben Jahre altes Mädchen seinem kleinen Schwesterchen auf einem Spirituskocher Milch. Die fünfjährige Schwester wollte sich den Koch» genauer besehen und zog ihn mitsamt der Tischdeck« herunter. Der brennende Sptritu» ergoß sich über das Kind, fodaß eS alsbald in Flammen stand und einer Feuersäule gleich auf die Straße lief. Man brachte da! Kind zur Klinik, aber gleich nach der Einlitferung starb e« unter entsetzlichen Schmerzen. In Geismar sind für die nationale Jugend- pflege und andere patriotische Zwecke bereit« sehr große Summen auS öffentlichen und privaten Mitteln aufgebracht worden, aber an eine Kleinkinderbewahranstalt, die in dem zu einem großen Teile von in Göttingen beschäftigten Arbeitern bewohnten Vororte ganz besonders angebracht wäre, hat noch niemand gedacht. Ein böser Reiufall. Da» Haiiviorgan der klerikalen Partei, der Brüsseler„Vinglieme Siöcle" brachte am Mittwoch unter der Spitzmarke„Wie man�in der Provinz streikt" ein Bild, das die Papierfabrik in Limal(Sud- Brabant) in dein Augenblicke zeigt, wo das Fabriktor der Menge der Arbeiter uns Arbeiterinnen Durchgang bot. Nur ist e« ia richtig, daß in dieser Fabrik, deren erzilerikale Direktion nun sorg- sättig gesichtete christliche BerusSsttettbrecher beschäftigt, weit» ge- arbeitet wird. DaS Bild aber, womit da« ftomme Blatt diefe Tat- fache illustrieren will, ist nicht jetzt, sondern bereit« vor mehr al« zwei Jahren aufgenommen worden. Das geht unzweifelhaft daran« hervor, daß auf dem Vordergrund eine Gruppe Bäume steht. die seit zwei Jahren verschwunden sind. Fürwahr. ein« niedliche Illustration der Wahrheitttreu« dieser christlichen Mammondiener.___ SUcinc Notizen. Schwere« Sutomobilungltick. Sl« am Donnerstag ein Saft. automobil der Firma Schneid» u. Co. an« Colmar an einer zwischen Schnierlach und DiedelShauien übenden Abteilung der Colmarer Garnison vorüberfuhr, setzten sich 16 Soldalen auf das Automobil. An«in» abschüssigen Stelle rannte der Wagen gegen einen Baum und überschlug sich. Die 18 Soldaten wurden herabgefchleudert. vier schwer unv acht leichr verletzt. Der Chauffeur blieb unversehrt. In den Flammen umgekommen. In der Nacht zum Frenag kam in einem Hause in S ch r i m m(Posen) Feuer aus. D re, rauen wurden im Schlaft vom Brande uberraichr und verrannten. Selbstmord einer Geisteskranken. Schrecklichen Selbstmord ver- übte am Freitag früh die 58 Jahre alte geistesgestörte Ehefrau des Gewehrarveiters Scheidt in Erfurts Die Frau durchschnitt sitS mit einem Schlächtermesser die Pulsadern an beiden Armen, dann brannte sie sich die Kleider an und lief als lebende Feuersäule in das Untergeschoß des HauseS. Hier brach sie zusammen und war schon tot, bevor die Rachbarsleute irgendwelche Hilfe bringen konnten. Das Räuberwrsen in Rußland. Auf dem Marktplatz in Kiew überfielen zwei Banditen einen Laden und verwundeten durch Revolverschüsse den Ladenbesitzer, seine beiden Söhne, den Verkäufer sowie zwei Vorübergehende. Als Schutzleute herbeieilten, entflohen die Räuber. Einer von ihnen verübte auf der Flucht S e l b st m o r d. Ein Priester als Wcchselfälschcr. Wie Budapester Blätter melden, wurde in Maria Theresiopel der ReligionSlehrer Dr. Franz H ü b n e r wegen Wechselfälschungen in Höhe von über 120 OOO Kronen seiner priesterlichen Funktionen enthoben. Jugendveranstaltunge«. SanlSdorf-Mahisdorf. Am Sonntag Rüdersdorj über Fichtenau, WolrerSdorfer den Sö. April t Ausflur HIcufe. Abmarsch für' nach auls darf Uhr von der Müdle, für MahIZdorf um 7 Uhr von der Bahnhof- ftratze(Ecke Berliner Strafe). Proviant ist mitzubringen. Fahrgeld 45 Pf. Mretreligiöfe Gemeinde. Sonntag, den A). April, vormittags S Uhr. Pappclallee 15-17, Rixdorf,»Zdealpalsagc", und Tegel, Schlieper» ftrahe 30: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Meine Frank- furter Straße ö: Vortrag von Herrn A. Fischer:.Was trennt uns von der Kirche".— Damen und Her- en als Käste willkommen. Allgemeine Arankrn' und Seerbetasfe der Metallarbeiter walklg Zpvolkia 4: bedeckt 2Regen rö« -i5 H» h wi «- taparanda 754 O etcrsburg!76<)jSO Scillh!7S4W Aberdeen �747SW Paris.76lZSSW i bedeckt heiter Swollig walken! Äheiter tt Wetterprognose für Sonnabend, den 19. April 1913. Ziemlich mild, zeitweise heiter, aber veränderlich mit etwaS Rege» und mäßigen südwestlichen Wmden.„,, »erllner Wettervureau. WafferftandS-Nachrichte« der LandeSanftall sür Safferstand Memel. TM P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frantiurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elb«, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs, ........ Wasserstand Saale, Kroch Ith Havel, Spandaus , Rathenow•) Spree, Spremberg') , Beeslow Weser, Münden , Mmden Rhein, Maximlliansau , Kaub . Köln Neckar, Heilbrmm Main, Hanau Mosel, Trier — Fall.—*) Unterpegel. am 17.4. om 134 54 76 76 78 167 256 390 204 212 99 155 92 feit 16. 4. omi) 0 —1 0 —1 ~8 _ 2 -—8 —2 +6 +1 —3 —7 Verkauf zu enorm billigen Preisen Knabenwaschaiizflse pf. Blusen- Anzüge geiireifi« wMch- C£ stoff, 3— 8 Jahre.......... durchweg Blusen- Anzüge WasAsloffe, m vielen 1 65 Mustern, 3— 8 Jahre.......... durchweg;*• gestreikterWsadutoff �>65 mit schöner Garnier un�, 3— 8 Jahre, durchweg;" Blusen-Anzüge gestreifter WasAstoff �.10 mit Ueberkragen, 3—8 Jahre.... durchweg* BluSen— AnZÜge weifie und gestreifte C 25 WasAsloffe, Aermel mit Stick. 3V J, durchweg— � Einzelne Muster-Anzüge*750 9—14 Jahre............... durchweg' Knaben-Wasch- Blusen aus Resten gearbeitet, für 3—8 Jahre 1.45, 95» 70 p. 30 Pf. Kieler u. 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M Haaenke, B»kens» 22 Mitoan II 2 V Moskauers» Ig. Witte. utaX Keks Htnlatlftlrir KeanitVMlicher tMolteot: SlfreyMnq'P. Neilkölln. Für den Lniertttent-t! vemnwx: Z�El»«te.»rttn. Druck u. BerkaS: vorwärt«»uchoruckerel u. v«rläa-«u.ftall Baut Singer u-So. SerliN Dr. 95. 30. Iahrgaug. 4. KeilU des Jmöirls" Strlinn WlksdlM. Zomabexd, 19. April 1913. Im Hingen um die iirbeiteriugend. Zu einer gründlichen Abrechnung mit den bürgerlichen„Freun. ven der Arbeiterjugend" kam es am Donnerstagabend im„Albrechts- Hof" in Steglitz. Bekanntlich hatt� in der Woche vorher in demselben Lokal eine Versammlung für die Jugendlichen stattgefunden, in der Stadtverordneter Dr. Rosenfcld referierte, die aber von den Gegnern nicht nur fortwährend gestört, sondern auch durch Poli- tische Tiraden mißbraucht worden war, in der offenkundigen Ab- ficht, die proletarische Jugendbewegung in polizeilichen Mißkredit zu bringen, tvas ja ohnehin schon in ausreichender Weise der Fall ist. Tatsächlich konnten denn auch die Herren ungestört politisieren und provozieren, ohne von den überwachenden Beamten behindert zu werden, während unsere Redner, sobald fie auch nur irgendein Wort sprachen, das der Polizei„politisch" schien, sofort unterbrochen wurden. Unter diesen Umständen mußte die Ver- sainmlung vorzeitig geschlossen werden. Die bürgerliche Ortspreffe hatte dies als Zeichen der Schwäche ausgelegt, die erwähnte Ver- sammlung am Freitag wird ihr gezeigt haben, daß die Angst nicht aus unserer Seite zu finden ist. Genosse Pieck eröffnete die Versammlung mit einer Rekapi- tulierung dieser Vorgänge und teilte die Bedingungen mit, unter denen die heutige Veranstaltung vor sich gehen sollte. Dem Refe- reuten, Genossen Heinrich Schulz, sowie dem Korreferenten, Professor S t a h I b e r g, Leiter des Reichsverbandes für die west- lichen Vororte, sollten je eine Stunde, den Diskussionsrednern beider Richtungen, die abwechselnd zu Worte kommen sollten, je 111 Minuten mrd den Referenten danach wiederum je eine Viertel- stunde zu ihrem Schlußwort gewährt werden. Schon lange vor der angesetzten Zeit war der Saal dicht mit Menschen angefüllt. Bald standen und saßen die Besucher ein- gekeilt beieinander, immer mehr strömten noch herbei. Als erster Referent nahm Reichstagsabgeordneter Genosse Heinrich Schulz das Wort. Einleitend betonte er, daß in der Art, wie in der vorigen Versammlung von den Gegnern ver- fahren worden sei, eine sachliche Aussprache nicht möglich wäre. Man möge einer Partei ober Richtung angehören, wie man wolle, das eine stehe fest: die Entscheidung in Zweifelsfragen könne nicht durch Lärm und Radau herbeigeführt werden, sondern, nur durch die Güte und Stichhaltigkeit der Gründe. Anstelle der leidenschaft- lichen Erregung müsse heute die ruhige Erwägung treten. Das sei seine und seiner Freunde Absicht und er müsse es den Gegnern überlassen, ob es anders kommen solle. Ausscheiden aus der heutigen Debatte müßten aber zwei Punkte: nämlich die angebliche Religionsfeindschaft und Vater- landslosigkeit resp. unsere Stellung zu Staat und Monarchie. (Rufe: Ahal) Redner präzisiert in knappen sachlichen Strichen die theoretische Auffassung der Sozialdemokratie in diesen beiden Fragen, wird jedoch fortwährend durch Gelächter und höhnische Zwischenrufe unterbrochen. Aach dem Zwischenruf: Was hat denn das mit Jugendpflege zu tun? erwidert der Referent: die Aus- führung-n seien notwendig, um den Verleumdungen zu begegnen, mit denen die freie Jugendbewegung überschüttet werde.(Stür- Mischer Beifall der übergroßen Mehrheit der Versammlung.) Mit gut gezielten Hieben geißelt Redner den erbitterten Kampf gegen alles, was die Arbeiterklasse unternehme und der besonders seit der Entstehung der freien Jugendbewegung alle Grenzen überschreite. Bittere Wahrheiten bekamen die Gegner zu hören, als Genosse Schulz auf die Erziehungs- und Schulfrage einging. Was hier aus berufenem Munde gesagt wurde, war von erdrückender Wucht, und selbst die allerschlimmsten Schreier konnten sich der Wirkung dieser packenden und erschütternden Angklagerede nicht entziehen. Die Arbeiter suchen sich gegen eine derartige verwerfliche Be- «influssung ihrer Kinder zu erwehren, indem sie dieselben im Hause und besonders nach der Schulentlassung in ihrer Weltan. schauung unterweisen. Erst die proletarische Jugend- dcwegung habe die bürgerlichen Kreise auf die Beine gebracht, denn die religiösen Vereine, die schon früher bestanden hätten, waren ohne Bedeutung. Kirchliche und staatliche Behörden werden zu Hilfe gerufen. Peitsche und Zuckerbrot den Jugendlichen gegenüber angewendet. Warum dies alles? Unsere Jugend soll körperlich und geistig geschult und gekräftigt werden durch Turnen, Spiele, Wanderungen, auch Einführung in Kunst, Literatur usw. SS Prozent unserer Jugendschriften sind bürger- lichen Ursprungs, Konzerte und Theateraufführungen ebenfalls. Warum«lso die große Erregung? Und wäre es �wirklich so schlimm, wenn einem Vortragenden wirklich einmal eine politische Wendung entschlüpfte? In bürgerlichen Jugendvercincn werde ja offenkundig und ohne Scheu reine Politik getrieben.(Stürmische Zustimmung.) Ein politischer Agitator, der bei der Jugeno statt zu lehren, agitiert, erweise sich selbst den schlechtesten Dieirst. Jung« Leute seien mißtrauisch und werden leicht verstimmt. Wir sind dagegen, daß die Jugendlichen zu Miniaturpolitikern gepreßt werden.(Lebhafter Beifall.) Wir zwingen die Jugend zu nichts. aber wir geben ihr Gelegenheit, sich aufzuklären. Werden die jungen Leute älter, so finden sie schon allein ihren Weg. Dafür haben wir die..Arbciter-Jugcnd" gegründet. Lesen ist vorläufig noch nicht verboten.(Rufe: kommt noch! Große Heiterkeit.) Die Jugendpflege ist eine Machtfrage! Warum sorgen Sie nicht für die Hebung der Volksschule, wenn Sie es ernst meinen mit der Jugendfürsorge? Warum treten Sie mit uns nicht ein für die Einheitsschule?(Stürmischer Beifall.) Weil Ihnen die Jugend- pflege ein politisches Mittel ist.(Wiederholter Beifall.) Wir mar- schieren weiter und fürchten uns nicht. Ein paar Nachtfröste können daS Kommen des Sommers nicht verhindern und die gegnerischen Machinationen den Sieg der freien Jugendbewegung nicht auf- halten. Mögen die Gegner tun, was sie wollen— es kommt doch alles uns zugute. Für sie gilt Freiligraths stolzes Wort: Ihr hemmt uns, doch Ihr zwingt uns nicht, Unser die Welt, trotz alledem I (Tosender, langanhaltenoer Beifall.) Nunmehr betrat der Korreferent Professor Stahlberg das � Podium. Wer jedoch geglaubt hatte, der Herr würde den Spuren des Vorredners folgen und einen sachlichen, auf Tatsachen aufge- bauten und uiit Gründen belegten Vortrag halten, frei von jeder persönlichen und verletzenden Schärfe, der sah fich grausam ent- täuscht. Allerdings, die erfahrenen Versammlungsbesucher hatten nichts anderes erwartet, als was aus dem redseligen und zitaten- reichen Mund des reichsverbändlerischen Talglichts entströmte. SSach diesem„Referat" konnte man dem Reichsverbande das tief- yefühlteste, aufrichtigste Beileid nicht versagen. Es ist nicht unsere Schuld, wenn wir von der eingehenden Wiedergabe seiner Aus- Wryngen absehen müssen. Es kann uns beim besten Willen •ieokrnb zumuten, daß wir den Inhalt seines Zitatenwerks •"ftaa Lasern unterbreiten werden. Dos dürftige Geranke seiner eigenen Gehirntätigkeit war so kläglich und saftlos, daß der Mann mit dem Professorentitel bei ernsten, denkenden Zuhörern geradezu Mitleid erregen mußte. Wie er aber die teutsche, zottige Mannesbrust herausreckte und unter grotesken Körperverrenkungen seine verstaubten Zitate nebst den plattesten Selbstverständlichkeiten hinausbrüllte, da blieb im Saale kaum noch ein Auge trocken. Als der Redner eine angeblich in der„Arbeiter-Jugend" er- schienene Stelle als„bodenlose Gemeinheit" bezeichnet, bricht ein Sturm der Entrüstung los, der sich nur langsam wieder legt. Als er an die Versammlung gelegentlich eine Frage richtet und eine helle Frauenstimme Nein ruft, ahmt der Redner die Stimme nach und ruft mit dünner Fistelstimme:„Ja!" Diese Kostprobe professoralcr Weisheit und rcichsverbändlerischer Umgangsformen wird wohl genügen, um die„sachliche" Kampfesweise dieser Herren zu kennzeichnen. Den jungen Arbeitern werde beigebracht, daß der Krieg etwas Furchtbares sei.(Stürmische Unterbrechungen und Rufe: Jawohl! Sehr richtig!) Sie machen die Jugend unzufrieden, wir aber wollen die Jugend für den Staat und daS Volk erziehen und nicht für eine Klasse.'(Teilweiser Beifall.) Genossin Luise Z i e tz meldet sich zur Geschäftsordnung und ersucht, in dem von dem anwesenden Stenographen aufgenommenen Protokoll auch eine entsprechende Feststellung über die beleidigenden und unanständigen Gesten einzufügen, die der Herr Professor sich erlaubt habe.(Allseitige Zustimmung.) Nunmehr folgten die Diskussionsredner, unter denen Genosse Dr. Rosenfeld als erster das Wort-«ahm. Nach dem Ver- halten des Herrn Stahlberg in der letzten Versammlung hätte man erwarten können, daß er etwas zu sagen habe, in seinem heufigen Referat sei aber davon nichts zu merken gewesen.(Lebhaftes Sehr richtig!) Im übrigen widerlegt Redner einige der von Stahl» berg aufgestellten Behauptungen mit gutem SarkaSmus. Bezeich- nend für die Kampfesweise dieser Herren waren die antisemitischen Bemerkungen, die dem Redner entgegengeschleudert wurden. Fest- nageln konnte er aber doch noch, daß Herr Stahlberg erklärt hatte, wenn nichts anderes gegen die freie Jugendbewegung helfe, eben d i e Polizei eingreifen müsse. Ferner stellte er fest, daß der Zwischenruf„Polizeihunde" auf die Tatsache hinweisen sollte, daß Jugendliche eben mit Polizeihunden gehetzt worden seien. Der tosende Beifall, den der Redner erntete, konnte durch die Gegenaktion der Reichsverbandsjünger nicht abgeschwächt werden. Pastor Riemer, der sehr sachlich sprach, bedauerte, daß zwischen der bürgerlichen und proletarischen Jugend eine chinesische Mauer bestehe. Wenn Laffalle noch lebte, dann wäre er, Redner, vielleicht heute auch bei der Sozialdemokratie. Redakteur Korn von der„Arbeiter-Jugend" erklärt: Bei den Angriffen auf dieses Blatt sei niemand kälter geblieben, wie er selbst. Wir�schreiben doch nicht für Studenten oder für die Backfische aus der Tauentzienstraße. Der Herr Professor hat selbst gesagt, daß er die„Arbeiter-Jugend" nicht lese. Er hat den Zu- Hörern eine Eselsbrücke vorgeführt(Große Heiterkeit) und als Wissenschaftler unerlaubte Hilfsmittel benutzt.(Hört! hört!). Mit seiner Stückmethode kann man diel beweisen. ES geht auf keine Kuhhaut, waS an Lügen über dieses Blatt vom Reichsverband in die Provinz hinausgeht.(Sehr richtig!) Die angeblichen gemeinen Zitate haben nie in dem Organ gestanden, find glatt er. funden.(Lebhaftes Hört! hört!). Was soll man bloß sagen, wenn selbst ein Pastor von einer Kreissynode solche �Fälschungen austischt. Wir dürfen bei unserer Jugend nicht einmal über Schubart oder Mozart reden, die Bürgerlichen treiben aber offen und frei Politik. Wenn wir der Arbeiter- fugend sagen: Eure Gegner pfeifen auf das Gesetz, so wirkt daS besser, als theoretische Aufklärungen.(Stürmischer Beifall.) Dr. Brand bemerkt: Die Arbeiter in der Fabrik, wo er tätig sei, ließen fich einen Vortrag, wie Schulz ihn gehalten, nicht ge- fallen.(Gelächter.) Mit Ihrer Jugendpflege erziehen Sie Jugend- flegel!(Lärm und Pfuirufe. Rufe: Das ist Ihre akademische Bildung!) Landtagsabgeordneter P. Hirsch: Nach den letzten AuSfüh- rungen des Vorredners könne man sich vorstellen, welcher Art die Erziehung von diesen Herren ist. Herrn Professor Stahlberg sehe ich heute zum ersten Male, aber dessen Rede habe ich schon oft ge- hört.(Große Heiterkeit.) Er. Redner, habe erst kürzlich im Land- tage nachgewiesen, daß diese Zitate weder in der„Arbeiter-Jugend" noch im Liederbuch, des Turnvereins„Fichte" stehen. Herr Stahl- berg habe Ausdrücke gebraucht, wie sie in anständiger Gesellschaft nicht üblich sind. Es sei keine Kunst, mit Lsh Millionen Mark die Arbeiterjugend gegen ihre Eltern aufzuhetzen. Unsere Arbeit wird der Sieg krönen.(Stürmischer Beifall.) H e n n i g, Gründer des evangelischen JünglingSvereinS, erregt durch sein eAusführungen eine solche Unruhe, daß fast nichts zu verstehen ist. Der Sozialismus komme, eS frage sich nur, welcher, der sozialdemokratische oder der christliche. ES gibt nur eine deutsche Jugend.(Teilweiser Beifall.) Reichstagsabgeordneter Genosse Henke: DaS also sind unsere Gegner. Sie sind ganz so. wie wir sie unS immer vorgestellt haben, nur haben wir uns ein günstigeres Bild von ihnen gemacht.(Große Heiterkeit und Zustimmung.) Wer hätte gedacht, daß ein Professor 1% Stunde vorlesen würde— aus irgendeiner Broschüre. Wir können aber unseren Gegnern dankbar sein, sie haben unS gezeigt, wie sie nackt aussehen.(Stürmischer Beifall. Rufe: Sehr wahr!) Gemeindediakon Bei er: Ich war früher Sozialdemokrat, habe der Partei aber den Rücken gekehrt, als ich gemerkt habe, was dort los ist.(Große Heiterkeit.) Was wir geschafft haben als Jugendpfleger, ist alles ohne Hilfe geschehen. Professor Stahlberg produzierte sich nunmehr in einem Schlußwort, die Versammlung teils unfteiwillig zu HeiterkeitSauS- brüchen hinreißend, teils Entrüstung auslösend. Lassalle würde heute an seiner Seite stehen.(Große Heiterkeit. Rufe: So sehen Sie aus!) Genosse Schulz rechnete in seinem Schlußwort gründlich ab mit diesen Gegnern, ohne dabei in die Sprache und Umgangsformen einzelner Gegner zu verfallen. Was er sagte, war so sachlich und schlüssig, stand so hoch über den Thraden der Herren, daß selbst die Radaugarde des Reichsverbandes ihn schweigend anhörte. Donnern- der Beifall lohnte seine von tiefem Ernst und sittlicher Kraft ge- tragenen Ausführungen. Mit einem brausenden Hoch auf die freie Jugendbewegung schloß die imposante und denkwürdige Veranstaltung. beeinflussung darstelle. In der Kommission wurde seinerzeit die Frage mit 7 gegen 7 Stimmen verneint. Das Plenum des Reichs- tages stellte sich auf den entgegengesetzten Standpunkt und beschloß Beweiserhebung. In der Sitzung vom Freitag lagen die Ergebnisse der Beweiserhebung vor; sie bestätigten im wesentlichen die An- gaben des Protestes, daß Pfarrer die Kanzel zu Wahl- zwecken mißbraucht haben. Unter anderem hat ein solcher geist- licher Herr in seiner Predigt erklärt: Der Temfel im Para- dies sei der erste Freisinnige gewesen. In einem Falle wurden dem Grafen Oppersdorfs 72 Stimmen abgezogen und in einem zweiten Falle soll nochmals Beweis erhoben wirden, weil die Zeugen nicht vereidigt worden waren. Darauf stand die Wahl des konservg)ivL')'" Abgeordneten v. M a s s o w(Königsberg-Land— FischhausenZx Hl Prüfung, der in der Stichwahl gegen den freisinnigen Abger.dnetcn Wagner mit einer Mehrheit von 410 Stimmen gewählt wurde. In den vor- liegenden Protesten werden eine große Anzahl Fälle von Stim«� menkäufen, Bedrohungen von Wählern, wenn sie nicht k o n- s e r v a t i v wählten, wie auch grobe Unregelmäßigkeiten in den Wahllokalen aufgezählt. In einem Orte sind die Wähler vor der Wahl von konservativen Agitatoren derartig mit Schnaps traktiert worden, daß sie ins Krankenhaus ge- bracht werden mußten. Als Zeuge dafür wird die Kran- kenhausleitung angegeben.— Die weiteren Verhandlungen wurden schließlich auf Dienstag vertagt. Der Militäretat in der Vudgetkommissio«. In der Freitagssitzung kritisierte Genosse Liebknecht die Unterstützung der sogenannten nationalen Jugendbewegung durch die Heeresverwaltung und die Ueberlassung von militärischen Ge- bäuden und Ausrüstungsgegenständen. Dazu habe die Verwaltung kein Recht.— Der KriegSmini st er erklärte, eS sei die Pflicht der Heeresverwaltung, die nationale Jugendbewegung zu fördern, eben weil sie nationale Bestrebungen verfolge.— Genosse L ed e- b o u r protestierte ebenfalls lebhaft dagegen, daß die Hecresver- waltung durch ihre Maßnahmen in die parteipolifischen Kämpfe eingreift. Die Verlvaltung habe sich neutral zu verhalten; was sie heute tut, sei ungehörig und müsse bekämpft werden.— Genosse Hoch brachte die Typhuserkrankungen bei dem in Hanau garni- sanierenden Eisenbahnregiment zur Sprache, die den Tod von 20 Soldaten zur Folge gehabt haben. Die Frage müsse auch besprochen werden, ob nicht den Angehörigen der verstorbenen Soldaten eine Entschädigung aus Reichsmitteln zu gewähren sei.— General Stabs erklärte, wenn die Angehörigen der verstorbenen Sol- baten einen Antrag auf Entschädigung stellen würden, sollte eine wohlwollende Prüfung und Erledigung eintreten. Hierauf kam es zu einer längeren Debatte über die Vergeudung von Steuergeldern durch Besichtigungsreisen der Offiziere. Ein Antrag unserer Genossen, rund 90 000 M. von den Reisekosten zu streichen, wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt.— Genosse Büchner monierte es, daß in Staatsbetrieben Sozial- demokraten und gewerkschaftlich organisierte Ar» beiter nicht eingestellt werden sollen. Hier müßte eine Aenderung eintreten, die Verwaltung habe nicht nach dem politischen Bekenntnis zu fragen. Büchner rügte auch das Gratifikationswesen kür Meister in Spandau.— General Wandel erklärte. Sozial- demokraten könnten ihrer„staatsfeindlichen Gesinnungen" wegen nicht in Staatsbetrieben beschäftigt werden. Die Sozialdemo- kratie propagiere ja sogar den Generalstreik für den Kriegs- fall. Es bleibe also bei der angegriffenen Bestimmung.— Genosse Schöpf! in griff die Haltung der Militärverwaltung scharf an und bestritt ihr das Recht, solche Bestimmungen zu erlassen. Ohne Sozialdemokraten könne die Militärverwaltung gar nicht mehr in ihren Werkstätten produzieren. Im Plenum werde die Auge- legenheit noch besprochen werden.— Die Abgg. S e m l e r und Müller- Meiningen wandten sich ebenfalls gegen die Haltung der Militärverwaltung. Eine sozialdemokrafische Resolution, die die Aufhebung der fraglichen Bestimmung forderte, wurde gegen die Stimmen unserer Genossen und der Volksparteiler abgelehnt. — General Wandel gab noch eine amtliche Darstellung der Landung des Zeppelin-Lustschiffts in Luneville.— Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. parlamentarisches. Wahlprüfungskommission des Reichstages. Bei der Prüfung der Wahl des Grafen v. Oppersdorfs (Fraustadt-Lissa) spielte die Frage eine Rolle, ob die mehrfach be- hauptete politische Agitation in der Kirche eine unzuläffige Wahl» ?ugenädeirvegung. Der Kampf um die Jugendbewegung in Württemberg. Der Kampf um die Arbeiterjugend führte in der Donnerstag?« sitzung des württembergischen Landtages zu einer fünf- stündigen scharfen Debatte. Im Ausschuß war die Etatposition von 10 000 M. für Jugendpflege abgelehnt worden, weil die Forderung des Zentrums und des Bauernbundes, neben dem Jungdeutschland- bund und anderen hurrapatriotischen Organisationen den konfesfio- nellen Jugendvereinen Beiträge zu gewähren, von der Regierung und der Linken abgelehnt worden war. Bor der Beratung im Plenum kam ein Kuhhandel zwischen der Rechten, den National- liberalen und der Regierung zustande, wonach die Gesamtsumme auf 15 000 M. erhöht wurde, und hieraus auch den christlichen Vereinigungen Beiträge gewährt werden sollten. Trotzdem dem Antragt von vornherein eine Mehrheit sicher war, gab eS eine große Auseinandersetzung, in der von unseren Genosien Hey mann und Westmeyer die sogenannte nationale Jugendbewegung. besonders aber der Jungdeutschlandbund mit seinen chauvinistischen Tendenzen mit aller Scbärfe bekämpft wurde. Genosie Hehmann wies an der Hand von Tatsachen die innere Hohlheit der auch vom Kultusminister aufgefrischten Behauptung nach, daß die Jungdeutsch- landbewegung parteilos sei. Sie sei nicht? weiter als eine Kampf- organisatton gegen die Sozialdemokratie und sie pflege obendrein in der frivolsten Weise rohe kriegerische Gesinnung in den jungen Leuten. Nicht der Schutz gegen Ausbeutung und sittliche verwahr« losung, sondern der nationalistischen GefinnungSpfleae diene die staat- liche Jugendfürsorge. Diesen Tendenzen wurden dre Leistungen der Arbeiterjugendorganisationen gegenüber gestellt.— Vom nationalliberalen Abg. v. H i e b e r wurde offen zugegeben, daß der Juiigdeutschlandbund eine Abwehrorganisation gegen die Sozial- demokratie sein solle. Dieser Herr machte sich auch wieder einmal das Vergnügen, die angeblich nationale ausländische Sozialdemo« kratie gegen die vaterlandslose deutsche Sozialdemokratie auszuspielen, was ihm aber schlecht bekam, als unsere Redner erwiderten. Mit großer Entrüstung wandte fich Hieber gegen die proletarische Jugend- bewegung, die die Seele des Kindes durch Einflößung des Klaffen- Haffes vergifte.— Die konservativen und Zentrumsredner Huben in dieselbe Kerbe, nur mit dem Unterschied, daß da« genrmm neben dem Hurrapatriotismus die konfessionell-religiöse Jugend- verdummung noch mehr gepflegt wissen will.— Die Bollspartei suchte sich mitten durchzuwinden, indem sie die Erhöhung der Summe ablehnte, einige abfällige Bemerkungen über die Auswüchse der Jungdeutfchlandbewegung machte, zugleich aber auch die proleta- rische Jugendbewegung angriff.— Genosse We st meyer gab ein Bild von der wirtschaftlichen Not der proletarischen Jugend, über die fich die Regierung und die bürgerlichen Parteien keiu« Sorgen machen, und erklärte, daß die proletarische Jugenderziehung allerdings darauf abziele, die Söhne des Volkes dagegen zu schützen, daß sie ihre Haut für die Besitzenden zu Markte tragen müssen. Die Debatte spitzte sich schließlich persönlich zu. DaS Ergebnis war. daß der Antrag auf Erhöhung der ausgeworfenen Summe und auf Be- rücksichtigung der konfessionellen Vereine mit 50 gegen 27 Stimm« der Bollspartei und der Sozialdemokratie angenommen wurde. L Geschäft: Hk Ji■■ B DD>». Geschäft: Swiiileiutk. 1 IraGioAl- MQllmir. 174 am Fo>enthaler PI. D D WW�W�WW W»» ss> �cke Pennsti'asse jib,.uunS a: MiiiiiiMiiikiliiiiinzeii luk«rM» sWMe. Uiiker.kMere». LllriIIlieii' Stue>« un6 XUeKs............ Anzahlung von Mark 19.00 a» Wieder neu aufgenommen!!! E'""'"e c: Herren- and Damen-KonleKtlon. Riesen-Auswahl, bequemste Abzahlung. Nur Neuheiten. Anzahlung von Mark 5.00 an. a Lieferung auch nach auswärts.— Jeder Kunde erhält beim Kauf ein schönes Geschenk! MM.......> 'L/-i1 • W'"■#-f;'' Sonntag von 12—2 Uhr geöffnet. Jedes Wort 10 Pfennig. £"�il?t'edruc,t,e Wort 20 Pfn-(suläsBl« Zfettgedruckte Worte). Stellengetuche und Schlafstellen-Anzeigen ö Pfo.t dat ertte Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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Demnächst wurde der Tischler Äoblitz vom Landgericht Breslau als der zweiten Instanz auf Grund der Nerfrommungsberordnung für die Provinz Schlesien vom 16. März 1964 zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er entgegen den Vorschriften der Verordnung am Bußtag eine öffentliche theatralische Vorstellung und Musikaufführung veran- staltet habe, die nicht zu den am Bußtag nur gestatteten kirchlichen Musiken gehör?. Ferner wurde Genome Rasch als verantwortlicher Geschäftsführer, der das Lokal hergegeben habe, auf Grund einer jOrtspolizeiverordnung vom 1. Juli' 18L1 verurteilt, weil er der Anzeige der Veranstaltung nicht das Textbuch beigefügt habe. Beide Angeklagten legten Revision ein, indem sie geltend mach ten, daß die Veranstaltung keine öffentliche, sondern eine solche des Holzarbeiterverbandes lediglich für Mitglieder, ihre Angehöri- gen und eingeführte Gäste gelvesen sei. Nachdem das üammcr- gericht dann das Urteil aufgehoben hatte, weil der Begriff der ge- schlossenen Gesellschaft nicht richtig gewürdigt war, verurteilte wieder das Landgericht die Angeklagten. Das Landgericht machte sich nunnichr folgende Ausführung des Zwischenurteils des üammergerichts zunutze: Auch sachliche Beziehungen könnten das innere Band herstellen, das der Begriff einer geschlossenen Gesellschaft erfordere. Es seien aber auch Fälle denkbar, daß trotz bestehender sachlicher Beziehungen die Mitglieder eines Vereins eine geschlossene Gesellschaft nicht bildeten. Das könnte zutreffen, wenn die Mitgliederzahl sehr groß, dabei die innere Organisation des Vereins sehr lose und der Erwerb Ivie Verlust der Mitgliedschaft an geringe Voraussetzungen geknüpft und deshalb oft wechselnd sei. Das Landgericht nahm diesen Zu- � stand hinsichtlich der etwa L800 Mitglieder zählenden Zweigstelle Breslau des Deutschen Holzarbeitcrverbandes an und erachtete die Veranstaltung am Bußtag 1911 für eine öffentliche, obwohl nach seiner eigenen Darlegung die etwa 1266 Teilnehmer nur aus Mit- gliedern, ihren Angehörigen und eingeführten Gästen bestanden. In langen Ausführungen konstruierte es den juristischen Bau einer solchen„losen" Organisation, die keine geschlossene Gesellschaft dar- stelle, um dann zu der sogenannten„tatsächlichen Feststellung" zu kommen, daß auch die Teilnehmer der'Veranstaltung keine„ge- schlossene Gesellschaft" darstellten. Hierbei verwendete es auch eine Anzeige in der„VolkSlvacht", in der von den Mitgliedern und Gästen des Holzarbriterverbandcs gesprochen wird, die ein erlesener Kunstgenuß erwarte, und worin Interessenten geraten wird, sich sobald als möglich mit Eintrittskarten zu versehen. Das Gericht schloß hieraus, daß beliebigen Nichtmitglicdern ein„Wink gegeben" Iverden sollte, sich zwecks Teilnahme an der Veranstaltung in den Verband als Gäste einführen zu lassen. Die Angeklagten legten wieder Revision ein. Rechtsanwalt Wolfgang Heine vertrat sie in der neuen Verhandlung vor dem Kammergericht. Er machte zunächst geltend, daß die Folgerung einer öffentlichen Veranstaltung auch insoweit verfehlt sei, als sie auf die Anzeige in der„Volkswacht" gestützt werde. Selbst wenn aber ein„Wink" anzunehmen wäre, sich einfiihren zu lassen, so gebore dazu doch einer, der einführe. Tatsächlich seien aber, wie das Gericht selber sage, außer Mitgliedern und ihren Angehörigen nur eingeführte Gäste zugelassen worden. Tann sei aber der Kreis ein geschlossener gelvesen. Die ganzen übrigen Ausführungen des Urteils erweckten nur den Schein, als sei man den rechtlichen Direktiven des Kammergerichts nachgekommen. So iverdc der Bei- trag von 86 Pf. pro Woche als„leichte. Bedingnng" der Mitglied- schaft mit aufgcsühri, und 2866 Mitglieder als außerordentlich große Zahl, während das Lberverwaltungsgericht in einem Urteil, das das Kammergcricht selber in dem Zwischenurtcil der vor- liegenden Sache mit angezogen habe, den 4566 Mitglieder zählenden sozialdemokratischen Wahlverein Magdeburg für verhältnismäßig nicht zu groß und für eine geschlossene Gesellschaft erklärt habe, obwohl die dort erhohenen Beiträge etwa nur den achten bi» zehnten Teil der hier erhobenen ausmachten. Und dabei feien die Breslauer Bevölkerungsvcrhältnisse ungefähr die gloichen. Dann betrachte daS Breslauer Landgericht die Fluktuation der Mitglieder der Holz» arbeiterorganisation in Breslau bei einem Zugang und Abgang von 156 jährlich l durch Zuzug und Abzug» für sehr erheblich. Nach den Behauptungen des Landgerichts solle das zeigen, daß das Interesse an der Mitgliedschaft gering sei. Ein wunderliches Argu- ment sei das, stehe doch klipp und klar im Statut, daß die weg- ziehenden Mitglieder aus der Zahlstelle zwar ausschieoen, dafür aber in die Zweigverwaltung des Orts überschrieben würden, wo sie hinzögen.— Bon derselben haltlosen Art seien die übrigen Argumente deS- Landgerichts. Im Gegensatz zu seinem Urteil sei aus seinen eigenen tatsächlichen Angaben zu schließen, daß eS sich sowohl bei der Verwaltungsstelle Breslau des Holzarbeitervcrbandcs um eine geschlossene Gesellschaft handele, wie bei der Veranstaltung am Bußtag 1911. Ter Vertreter der Obcrstaatsanwaltschaft erwiderte, daß es sich bei den Darlegungen deS Landgerichts über die Größe des Vereins und die lose Organisation um„tatsächliche Feststellungen" handele, gegen die in der Rcvisionsinstanz nichts zu machen sei. Rechtsanwalt Wolfgang Heine betonte, daß man so weit in bczug auf de» Begriff der„tatsächlichen Feststellung" nicht gehen dürfe. Wollte man das, dann wäre das Kammergcricht überhaupt überflüssig. Daß der Verein 2866 Mitglieder hahe, das sei eine tatsächliche Feststellung. Und Aehnlichcs. Ob aber aus diesen Tat- fachen geschlossen werden könne oder nicht, daß es kein Kreis von innerlich miteinander verbundenen Personen sei, der nach außen abgeschlossen wäre, das müsse der Nachprüfung des Revisionsrichters unterliegen. Das seien eben Folgerungen juristischer Art. Traurig genug sei, daß eine Sache, die nach den eigenen Worten des Vorder- richters einen löblichen bildenden Zweck hatte, womit er das geringe Strafmaß(je 3 M.) begründete, jetzt schon zum fünften Mal ein Gericht beschäftigen müsse. Er, der Anwalt, sehe darin, daß der Vorderrichter trotz der vom Kammergericht aufgestellten Grundsätze wieder verurteilt habe, einen Mangel an Anerkennung dessen, was man dem höchsten Gerichtshof schuldig sei. Milder könne er in diesem Falle sich nicht ausdrücken. Das Kammergericht verwarf dennoch am DienStag die Revision mit folgender Begründung: Der Senat habe sich dem Oberstaatsanwalt angeschlossen, daß auf Grund der tatsächlichen Feststellungen des Landgerichts die Revision für unbegründet erklärt werden müsie. Ob die Schluß- folgerungen, die das Landgericht aus den festgestellten Tatsachen gezogen habe, in jedem Einzelfalle jeder Kritik standhielten, könne dahingestellt bleiben. Denn jedenfalls seien es tatsächliche Er- wägungen und ließen keinen Rcchtsirrtum erkennen. Sie sprächen im Zusammenhange dafür, daß es sich um eine öffentliche Ver- anstaltung bandelte. Im übrigen Hahe sich der Senat der Straf- kammer darin angeschlossen, daß es ivesentlich sei. daß nach den Feststellungen des Landgerichts der Holzarbeitervcrband in der Anzeige in der„Volkswacht" dazu aufgefordert habe, sich als Gäste für diese eine Veranstaltung zu interessieren, wenn man auch nicht zum Holzarbkitcrverband geböre. Es sei auch richtig, wenn nun geschlossen werde: Da der Verein eine große Zahl Mitglieder habe, zu denen viel Familienangehörige gehörten, und da alle diese Gäste einführen konnten, so habe es sick um eine öffentliche Ver- anstaltung gehandelt, die am Bußtag nicht stattfinden durfte. Demnach wäre anerkannt, daß unlogische Schlüsse„tatsächliche Feststellungen" seien, die„ohne Rechtsirrtum" getroffen sind. Mit- hin hätte das Recht mit der Logik nichts zu tun. Ein recht hartes Urteil, da» da das Kammergericht gegen die Rechtsprechung fällt. Leidtragende sind die Arbeiter. SericKts- Deining. Die„gefährdete VtaatSsicherheit� mußte gestern vor Gericht wieder mal dazu herhalten, in einem sogenannten Snarchistenprozetz den Lusfchluh der Oeffentlichkeit zu begründen. Vor dem Landgericht Berlin l fStrafiammer 11) hatte der Bureaugchilfe Berthold Cohn sich zu verantworten auf die Anklage der Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze. Eahn sollte dieses Vergehens sich schuldig gemacht haben in einer Versammlung, die am 2.' Dezember v. I. von der„Anarchistischen Vereinigung,, und von dem Anarchistischen Verband für die Jugend" nach den„Andrcasfestsälen" einberufen worden war. Ueber den Wortlaut der Aufforderung erfuhr man nicht», weil daS Gericht einem sofort von dem Vertreter der StaaSanwaltschaft gestellten Antrag, die Oeffentlichkeit auszuschließen, bereitwilligst stattgab. Von einer öffentlichen Verhandlung sei. meinte Staatsanwalt Heintzmann, eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und der Staatssicherheit zu befürchten. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Weinberg, widersprach diesem Antrag. Die Oeffcnlichkeit bei Gerichtsverhandlungen auszuschließen, sei im Gesetz nur als Aus- nähmefall vorgesehen. Ein solcher Fall dürfe hier nicht als vor- liegend angenommen iverden, denn unmöglich könne die öffent- liche Ordnung und die Staatssicherheit gefährdet werden durch eine Erörterung darüber, wie Cahns Ausführungen in jener Versamm- lung gelautet haben und waS er damit hat sagen wollen. Di« Oeffentlichkeit dör Verhandlutfg sei gerade für politische Prozesse unentbehrlich. Nachdem das Gericht den Ausschluß der Oeffent- lichkeit beschlossen hatte, wurde hinter verschlossenen Türen 3�4 Stunde hindurch verhandelt und dann noch 1 Stunde hindurch über das Ilrieil beraten. Aus der Verkündung des Nrtcils, die öffentlich erfolgte, ging hervor, daß es bei den zur Anklage stehenden Aeußerungen sich um eine Rede gegen den Militarismus und für den Generalstreik gehandelt hat."iiahn hat vor Gericht bestritten, sich einer Auf. forderung zum llngeborsam gegen die Gesetze schuldig gemacht zu haben. Er habe in seiner Rede nur theoretische Ausführungen vor» getragen, und eine geistige Loslösung von den Anschauungen der herrschenden Gesellschaft bezweckt. Dem hat das Gericht sich nicht anschließen können, vielmehr ist es den Bekundungen des zur Ucbcr- wachung jener Versammlung kommandierten Polizrilcutnants ge- folg!, daß seiner Auffassung nach der Angeklagte nicht nur eine geistige Umwandlung, sondern auch einen auf gewaltiame Weise herbeizuführenden Umsturz gemeint habe. Das Gericht hielt den Angeklagten für überführt der Aufforderung zum Ungehorsam gegen dir Gesetze über die Pflicht zur Heeresfolge und— so sagte. die von dem Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Casten gegebene. Urteilsbegründung— gegen die Gesetze zum Schutze deS Privat- eigentums. Das klang fast, wie wenn der Angeklagte zum Dieb- stahl, zur Plünderung usw. aufgefordert haben sollte, aber offenbar war höchstens eine„Aufforderung zum Kontraktbruch" gemench die unsere Gerichte bekanntlich ans einer Aufforderung zum General- streik heraushören. Gegen Cahn, der schon zweimal wegen des- selben Vergehens bestraft worden ist und dem Gericht au» der Strafhast vorgeführt wurde, hatte der StaaSanwalt sechs Monate Gefängnis beantragt. Das Gericht erkannte auf vier Monatc, die in eine Zusatzstrafc von drei Monaten umgewandelt wurden. Die Urtcilsgründe sind gekünstelte, mit dem allgemeinen Rcchttzgcfühl, trotz der rcichSgerichtlichen Rechtsprechung, urwev- einbar. -�.Zcliulmeizler! Di-ssctensr Strasse 4"�«7� ■________. i » i : Neuester Sport-Paletot I 1„Covercoat" die grosse Mode. Fertig am Lager | Mod. 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