Ur. 94. flbonnemen U-Bedi ngungen: NbonnementZ■ Preis pränmnerarido' BiertcljShrl. ZLV Mk, mona«. I.IV Mk, wöchentlich 28 igfg. frei ins Haus. Einzelne Kummet 5 Pfg. Sonntags. nrnnmer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post. Wonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Pretsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn SA) Mart, für daS übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. vschtlirt tSgndj. Verlinev Volksblstk. Die TnfertlonS' Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zcilc oder deren Raum w Pfg. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlmigs-Anzcigen M Pfg, „kleine Mmeigen", das settgedruckle Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort lo Pfg. 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Dann konnten wir im„Vorwärts" nachweisen, daß das Rüstungs kapital sich zu einem Geheim bund kartelliert hat, um seine ungeheuren Monopolprofite aus den Steuer zahlern des deutschen Volkes noch zu steigern. Und jetzt hat Liebknecht an zwei aufeinander folgenden Tagen den Rüstungstreibern und Prozentpatrioten, den eigentlichen Ur hebern der neuen Hecresvorlage, die Maske vom Gesicht go rissen und gezeigt, wie die Milliardenfordcrungen zustande kommen und wie die Milliarden verwandt werden. Da sind die Deutschen Munitions- und Waffenfabrikcn, die falsche Nachrichten in die französische Presse lanzieren, um so die deutsche Regierung zur Beschleunigung des Rüstungs- tempos zu veranlassen. Der Beweis ist von uns schon lange und unwiderleglich geführt worden, aber da derHerrKriegsminister den Vorfall gleichgültig abzutun beliebt, wollen wir der Oeffent- lichkeit das Beweisstück nochmals ins Gedächtnis zurückrufen. Ter Brief der Firma hat folgenden Wortlaut: Personalakten. Abschrift. Bl. 15. Herrn...... Paris. ®. 8236. (G.— Geheimregistratur.) Wir drahteten Ihnen, soeben:.Bitten unseren heutigen Brief in Paris abwarten". Grund dieser Depesche war, daß wir die Aufnahme eines Ar- tikels in einer der gelesenstcn französischen Zeitungen, möglichst im .Figaro", durchsetzen möchten, welcher folgenden Inhalt haben soll: .Die französische Heeresverwaltung hat sich entschlossen, die Neubewaffnung der Armee mit Maschinengewehren erheblich zu beschleunigen und die doppelte Anzahl als zuerst beabsichtigt, zu bestellen." Wir bitten Sie, alles aufzubieten, um die Aufnahme eines der- artigen Artikels zu erreichen. Hochachtungsvoll Deutsche Munitions- und Waffenfabrik. von Gontard. Posegarten. So wird ein Teil des Profits dazu ver- wandt, um hüben und drüben gegen bares Geld nationale Stimmung zu fabrizieren, die notwendig ist, neue vernrehrteAufträge z u c r ha l t e n! � Aufträge aus dem In- und aus dem Auslande, ganz gleich. Denn das Rüstungskapital ist international. Und bei dreier Jnternationalität kommt das Ausland noch welt besser weg. Denn die auswärtige Regierung steht nicht so unmittelbar unter dem politischen Einfluß dieser Prozentpatrioten. Deshalb liefern Krupp, deshalb lieferl D i l l i n g e n an das Ausland bedeutend billiger als an Deutschland. Hoffentlich nicht auch besser, obwohl die Qualitätsprüfung im Ausland sicher sehr streng ist. Das sind aber die offenen Wege, die uns ja bekannt sind. Viel schllmmer aber ist das, was Liebknecht jetzt auf- gedeckt hat. Berliner Bureau der Firma Krupp hat man sich durch Bestechung Geheimberichte zu verschaffen gewußt, die sich zum Teil auf die Konkurrenz, zum Teil aber auch aus neue Konstruktionen beziehen, die die Militärverwaltung einführen will. Die Firma Krupp, zu deren Jubiläumsfeier der Kaiser selbst die Festrede hielt, die uns als eine natwiiale Institution, der Verehrung aller Patrioten würdig, unausgesetzt gepriesen wird, diese Firma, deren Macht und Größe aus den Lieferungen beruht, die niit deii deutschen Steuergelderii bezahlt werden, verschafft sich durch Bestechung Geheimberichte von größter Wichtigkeit! Der Kriegsminister hat vergeblich versucht, diese ungeheuerliche Tatsache zu verdunkeln. Er hat entschuldigend gemeint, es handele sich nicht um den Verrat militärischer Geheimnisse. Liebknecht hat aber auch nicht behauptet, daß die Firma oder deren Angestellte militärische Geheimnisse Ausland ausliefern wolle. Aber ist es denn nicht ungeheuerlich genug, daß gerade von. solcher Seite militärische Geheiinnisse, die nur für die Kriegsverwaltung bestimmt sind, dieser entrissen und dem privaten Profitbedürfnw dienstbar gemacht wird? Und an dieser Tatsache kann nicht gerüttelt werden. Mit den A b l e u g ii u n g s v e r s u ch e n aus Essen braucht man sich ja gar nicht erst zu beschäftigen, die kann die anständige Presse kaum als bezahltes Inserat aufnehmen. Aber der Kriegsmini st er täte allerdings gut daran, den Ver- such aufzugeben, die Verteidigung der Firma zu übernehmen. Das ist nicht seines Amtes, dazu ist er nicht da! Und wenn er meinen sollte, den Fall damit erledigen zu können, daß irgendwelche untergeordnete Beamte der Firma als Sündenböcke in die Wüste geschickt werden, so dürfte das diesmal ckaum gelingen. Denn Herr v. D e w i tz, der frühere Offizier, der die Geheimberichte aufzubewahren hatte, ist kein untergeordneter Beamter der Firma Krupp. Und Herr v. Dewitz ist an der Sache offenbar doch stark beteiligt, ist er doch eine Zeitlang in Unter- suchungshaft gewesen und nach Feststellung des Tatbestandes nur gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Es muß also ver- langt werden, daß endlich gründlich in das Treiben der Rüstungslieferanten hineingeleuchtet werde. Und nötig wäre es, daß der Reichstag eine parlamentarische U n t e r s u ch u n g s k 0 m m i s s i 0 n einsetzte, die mit aller Energie den dunklen Schlichen nachginge und gründliche Auf- klärung schüfe. Radikale AbhilfeDann freilich nur die Ver- wirklichung unserer Forderung bringen, die R ü st u n g s- i n d u st r i e n zu V e r st a a t l i ch e n. Liebknechts Enthüllungen wirken deshalb so aufreizend, weil es sich um eine Industrie handelt, die ohnehin wie keine andere mit Riesenprofiten arbeitet, um eine Firma, deren Be- sitzer das größte Einkommen Deutschlands bezieht. Und diese Reichsten der Reichen wenden solche Mittel an, um diesen Profit noch zu steigern! Marx behält wieder einmal recht: „Für hundert Prozent stampft das Kapital alle inenschlichen Gesetze unter seinen Fuß. Dreihundert Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst ans Ge- fahr des Galgens. Wenn Tumult und Streik Profit bringen, wird es sie beide enkouragieren. Beweis:«Schmuggel und Sklavenhandel," und die Rüstuy gstr eib ereien setzen wir hinzu. Liebknecht hat sein Material schon vor einiger Zeit dem Kriegsminister übermittelt. Er hat in diskretester Weise gehandelt, mit aller Rücksicht auf die Interessen Deutsche lands. Er hat erst gesprochen, nachdem das Untersuchungs ergebnis im wesentlichen feststand, die Oeffentlichkeit unter- richtet werden mußte. Diesen Mann hat Herr v. Kar- d 0 r f f, während er in den Reichstag fuhr, um dort dem deutschen Volke einen wertvollen und dankenswerten Dienst zil leisten, im Abgeordnetenhause einen Agenten des Auslandes genannt. Herr v. Kardorff, der Sohn eines blutigen Gründers, das Mitglied einer Partei, die nichts anderes ist, als die politische Agentur der Prozentpatrioten, Rüstungstreiber und Scharfmacher! Daß diese Schamlosig- keit möglich war, daß sie im preußischen Landtag möglich war, das kann dem deutschen Volke auch zeigen, welche Schmach das Dreiklassenwahlrecht bedeutet, welche Aufgabe es erfüllen muß, wenn es im Reiche Ordnung schaffen will. Es hängt eben alles zusammen, der Prozent- Patriotismus und die Herrschaft einer kleinen Clique von Junkern und Großkapitalisten über Preußen und über Deutschland. Und die Enthüllungen Liebknechts entlarven nicht nur die Geschäftspraktiken, sondern auch die politischen Praktiken, mit denen das deutsche Volk betrogen wird! Der Krupp-Skandal vor dem Reichstag. Aus dem Reichstag wird uns geschrieben: Wie eine Bombe schlugen die Enthüllungen, die Genosse Lieb- k n e ch t gestern im Reichstag über die Geschäftspraktiken, welche von Beauftragten der Firma Krupp getrieben werden konnten, ein. Herrschte schon gestern im Reichstag, als in später Stunde Lieb- knecht seine Ausführungen beendet hatte, allgemeine Verblüffung und Verdutztheit bei den bürgerlichen Parteien, so fuhr der Schlag, den diese Enthüllungen für die Firma Krupp selbst bedeutete, außer- halb des Reichstags nicht minder kräftig nieder. Sofort spielte der Telegraph von Berlin nach Essen und von dort nach Berlin. Und schon in den Berliner Morgenblättern konnte man eine auffällig diplomatisch gehaltene Beschwichtigungsnote der Firma Krupp finden. Auffallen muß dabei insbesondere, daß diese„Erklärung" sich vielfach mit den Erwiderungen des Kricgsmiuisters im Reichs- tag deckt.« Die gestrigen völlig unzulänglichen Erklärungen des Kriegs- Ministers boten Genossen Liebknecht nicht allein Veranlassung, son- dern machten es ihm zur Pflicht, seine Veröffentlichungen über diese Skandalaffäre kapitalistische» Gcschäftsunvcrfrorcnhcit fortzusetzen. — Wieder gehörte dem sozialdemokratischen Redner das Ohr des Hauses und mit schneidender Schärfe und zweifclsfrcier Deutlichkeit hob Liebknecht hervor, daß es sich bei dem Spionieren des Krupp- schen Agenten nicht allein um Erlangung rein geschäftlich bedeüt- samer Mitteilungen handelt, sondern daß militärische Gc- Heimnisse preisgegeben wurden. Wurden doch bei dem Herrn v. D e w8 tz in Essen, dem die Verwahrung dieser Geheim- berichte als außerordentlich wertvolle Dokumente unter allen Ga- � rantien dichtester Geheimhaltung von der Firma Krupp übertragen wurde, Berichte über Neukonstruktionen von Waffen und Kriegs- Material gefunden. Besonders kennzeichnend für das Verhalten der Untersuchungs- behörden in dieser Angelegenheit aber ist auch das Bemühen, neben den wirklichen Schuldigen auch die Personen zu ermitteln und zu. verfolgen, die für Bekanntwerden dieser Affäre sorgten. Mit Recht erklärte Liebknecht, daß er allein durch dieses illoyale Manöver gegen seine Gewährsmänner sich berechtigt fühle, jede Rücksicht gegen die Firma fallen zu lassen. HiO mit aller Entschiedenheit forderte er, daß der Kriegsminister nicht nur gegen die„unteren' Schuldigen, sondern auch gegen die allmächtige Firma Krupp selbst vorgehe. Außerordentlich treffend trat unser Redner dann noch die öden Lobhudeleien des Kriegsministers auf die Firma Krupp, der da» Deutsche Reich so viel zu verdanken haben soll, mit der passen- den Gegenfrage ab. was denn die Firma Krupp dem deutschen Volk zu verdanken Habel? Die Hunderte von Willionen Mark�Ver- mögen dieser Firma stammen doch aus dem deutschen Volke und aus dessen ärmsten, schwer arbeitenden Schichten I Es war ein schwerer Tag für den K r i e g s m i n i st e r. Man sah es ihm an und hörte es noch mehr aus seinen verlegenen Redensarten, die in stereotyper Weise immer wieder betonten: Man solle mit dem endgültigen Urteil über die Firma Krupp noch so lange warten, bis die Untersuchung und das Verfahren abge- schlössen sei. Das wiederholte der sonst so selbstbewußt auftretende Heeresgewaltige in resigniertem Ton immer und immer wieder. Eindruck machte der Kricgsminister damit nicht, nicht einmal bei den bürgerlichen Parteien. Mochten dieselben auch ihre Presse der Firma Krupp bereitwillig zur Verfügung stellen, hier im Hause selbst mußten ihre Redner— bei aller Reserve im endgültigen Urteil über diese. Berössentlichungen— zugestehen, daß.bereits das Feststehende völlig genüge, den Kriegsminister zur energischsten Weiterverfolgnng der Sache zu verpflichten. Nur die Nationallibc- ralcn, diese Vertreter des Großkapitals par Exzellcnzc, erklärten, vorläufig überhaupt noch nicht ans diese Angelegenheit eingehen zu wollen. Selbst die Konservativen hielten mit ihrer bedingten Ver- urteilung solcher korrumpierenden Geschäftsmanipulationcn nicht zurück; für die Freisinnigen schloß sich ihnen Herr D o v e an, Herr B raba nd fühlte sich ossenbar mehr als Reserveoffizier, denn als Volksvertreter und suchte dem Kriegsminister zu assistieren. Seine Partei hat sich bemüßigt gesehen, diesen sonderbaren Helden in der „Vossischen Zeitung" zu desavouieren. Der erste Zcntrumsredner, Dr. P s s 1 f s e r, fand sogar äußerst scharfe Töne gegen den Kriegs« .minister ugd nicht minder gegen die Firma Krupp. So ging denn auch, heute diese Debatte mit.eincm� glänzenden Erfolg' der'Sozialdemokratie aus, die. wieder einmal, die'CTrsV war, die in wirklich vaterländischem Interesse' in ein kapitalistisches Wespennest stach. �\ Noch diesen Debatten und nachdem dem schwer aufatmenden Kriegsminister das Gehalt endlich bewilligt worden war,: senkte sich die Sonnabendsstimmung über das Haus, das hintereinander die einzelnen Kapitel des Heeresetats bis zum„Bckleidungsamt" er- ledigte.— Eine eingehende Kritik ließ Genosse K u n e r t dem Militär- j u st i z w e s c n zuteil werden, und Genosse Stadt Hägen unter- stützte ihn darin mit der Anführung eines besonders krassen Falle» militärischer Willkürmaßnahmen gegen einen entlassenen Soldaten. Vor allen Dingen begründete Abg. Kunert aber eine Resolution unserer Fraktion, durch welche die Heeres- und Morineverwaltung zur Veröffentlichung statistischen Tatsachenmaterials über die ge- samte Militärjustiztätigkeit aufgefordert wird. Die Resolution wurde angenommen. Genosse P i n k a u nahm sich beim Kapitel„Gcneralstab und Berwaltungsamt" den Interessen des LithographengewcrbeS an, während Genosse Z u b e i l wieder eine reiche Fülle leider allzu berechtigter Klagen der Zivilmusikcr über die unlautere Konkurrenz der Militär musiker vortragen mußte. Dabei rückte unser Redner die Beschwerde in den Vordergrund seiner Ausführungen, daß die Klagen de Zivilberüfsmusikcr jetzt noch weniger Beachtung bei der Militärbehörde finden, als früher.— Bei dem Kapitel „Bekleidungsämter" brachte Genosse Bohle die Lohndrückerei, die durch das Siratzburger Bckleidungsamt gefördert wird, zur Sprach«, während Genosse I a e ck e l die Militärvcrioaltung aufforderte, bei den Vergebungen von Tuchbestellungen vor allen Dingen die Firmen zu berücksichtigen, die den bei ihnen beschäftigten� Arbeitern an- ständige Arbeitsbedingungen gewähren und die mit den Textil- arbtitern Tarifverträge abgeschloffen haben. Danach wurde die Verhandlung abgebrochen. Am Montag geht es in der Beratung des MilitäretatS weitem Der Generalstreik. Der Zweideutige und der Brutale. 0. P. Brüsiel, 18. April.(Von unserem Spezial- korrespondenten.) � Der Generalstreik wächst zu tragischer Größe hinan. Aber Regierung und pfäffische Mehrheit bleiben un- fähig, sie zu verstehen und verharren in einer Stupidität, die einmal schlau, das anderemal kraftmeierisch sein»vill. Und ihre Unfähigkeit verdammt das Parlament in schicksalsschweren Tagen zu einem byzantinischen Gezänk. Da ist schon vor allem das Formale: kein Mensch in Belgien, ob reich oder arm. Mann oder Frau, jung oder alt, denkt an etwas anderes als an den Streik. Aber die Kammer kommt nur auf einem Umweg dazu, über ihn zu sprechen. Die Krise, die das ganze Wirtschaftsleben der Nation ersaßt, packt ihre Opfer direkt— das Parlament nimmt nur mittels einer Geschäftsordnungs- Debatte von ihr Notiz, weil die klerikale Mehrheit aus Prinzip dabei bleibt, auf der Tages- ordnung die Militärreform zu lassen, um die sich im Augen- blick keine Katze kümmert. In dieser Debatte wird nun aller- dings von nichts als vom Generalstreik gesprochen, aber wie? Die Jämmerlichkeit des Ministerpräsidenten zwingt die Redner der Opposition dazu, sich tagelang mit der Wahrhaftigkeit und Charakterfestigkeit dieses Herrn zu beschäftigten, der heute das zurücknimmt und verleugnet, was er gestern gesagt hat; jetzt den Friedfertigen, dann auf einmal den unerreichbar Autori- tären mimt und nie zu einem klaren, vor der Nation bindenden Wort zu bringen ist. Zwanzigmal hat man die bekannte Szene mit den Bürgermeistern wiedererzählt, durch Zeugen aufgeklärt, interpretiert— man sollte sie am Ende, nach der Methode der modernen Strafuntersuchung„rekon- stituieren". Aber zu diesem früheren Roßtäuscherstreich des Herrn de Broqueville kommt ein neuer. Anr Mittwoch hat der Ministerpräsident gesagt, er habe nichts dagegen, daß die zur Beratung des Gemeinde- und Provinzialwahlrechts zu be- rufende Kommission auch die Revision des Wahlrechts f ü r die gesetzgebenden Körperschaften in Er- wägung ziehe, vorausgesetzt, daß das Land erst in die Gesetzlichkeit(als ob der Generalstreik etwas Ungesetzliches wäre!) zurückgekehrt sei. Das klang immerhin wie ein halbes Versprechen— es war noch nicht die offene Tür, aber doch� eine Hand auf der Klinke. Gestern aber wollte der Ministerpräsident diese stenographisch aufgefangene, vom reaktionären„Patriote" wie ein geschichtliches Dokument wiedergegebene Erklärung nicht gelten lassen und verkündete, der stenographische Text„entspreche nicht seinen Gedanken", und was nicht in den„Annales parlamentaires" sei, sei nicht auf der Welt. Aber dem wahren Gebieter der Mehrheit, Herrn Woeste, war auch das letzte glimmende Fünkchen einer Friedens- Hoffnung ein Greuel untz so setzte er seinen brutalen Stiefel darauf, indem er Uebergang zur Tagesordnung forderte. Unter dem Schein einer kameradschaftlichen Unterstützung erteilte er dem Ministerpräsidenten eine Lektion der Tücke, hinter den: Schild, den er ritterlich vor ihn hielt, versetzte er ihm einige kräftige Püffe. Woeste erklärte offen, die' von Broqueville erwähnte Studienkommission werde keine über das Gemeinde- und Provinzialwahlrecht hinausgreifende Kom- petenz haben. Daß man dort auch über die Verfassungsrevision sprechen werde, sei unvermeidlich» doch nur, weil sich der menschlichen Zunge nicht gebieten lasse. Aber die Revision sei den Möglichkeiten einer unbestiinmten Zukunft vorbehalten. — Und dieser höhnischen Herausforderung ließ Herr Woeste eine Kette verlogener und unflätiger Schmähungen des Gene- ralstreiks folgen. Ein wohlmeinender Liberaler. Herr M a s s o n. pflanzte heute am Grabe der Ausgleichsversuche die Hoffnung auf. Er beantragte eine Resolution, worin die Kammer von der vorgestrigen Erklärung des Ministerpräsidenten Kenntnis nimmt. Von der Erklärung nach dem stenographischen Wortlaut. Aber. Herr Broqueville hat seine Worte dementiert, sein Gebieter Woeste sie desavouiert. Welchen Wert haben sie noch? Am Dienstag wird sich Herr Broqueville noch einmal erklären. Aber was bedeutet in dieser Stunde die parlamentarische Apothekerwage der halben Ja und Nein, was das Versah- nungsöl. das mit dem Tropfenzähler zugemessen wird? In Belgien hat das Proletariat das Wort. Der immer mächtiger auflodernde Streik antwortet der Reaktion — der zweideutigen und der brutalen. eine Kundgebung der IbziaUrtircben fraktion. Brüssel, 13. April.(Privattelegramm des„Vor- w ä r t s".)- Die Parlamentsfraktion erläßt an die belgischen Arbeiter ein Manifest, in dem es heißt: Angesichts der Ver- tagung der Kammer sei eine Ausdehnung des Streiks und ruhiger Charakter notwendiger als je. 400(XX) Streikende verdienen Glückwünsche und Dank. Friedliche Unbeweglichkeit sichert Macht und Sieg. Hoch der Generalstreik! Infolge des Setzerstrciks erscheint der„Peuple" ab Sonnabend in Lille in der Druckerei des„Reveille du Nord" in gewohntem Format und in der Aufläge von zwei oder vier Seiten unter Verwaltung und zugunsten des Streik- komitees. Die Streiklage. Brüssel, 19. April.(Privattelegramm des„Vor- wärtS".)� In Brüssel sind heute 1999 Streikende mehr zu verzeichnen. Sonst ist die Situation unverändert. Der Brüsseler Seherstreik ist vollkommen durchgeführt, mit Ausnahme von fünf bürgerlichen Zeitungen, drei liberalen und zwei klerikalen, die heute nachmittag erschienen. Der Setzerverband berät über zu ergreifende Maßregeln. Die französischen Sozialisten für den belgischen Generalstreik. Paris, 17. April.(Eig. Ber.) Die„Humanite" veröffentlicht einen Aufruf der Verwaltungslommisfion der gecinigten sozialisti- fchcn Partei, der eine Sammlung für die Streikenden Belgiens eröffnet. Die Parteikasse selbst widmet 1099 Frank. Erwähnt sei hier auch, daß die Generalversammlung des Pariser deutschen sozialistischen Lcseklubs schon am Vorabend des Streiks einen wöchentlichen Extrabeitrag beschlossen hat. üeirng des Kraheels! Die französische Regierung hat in N a n c h ihre Unter- suchungen abgeschlossen und den der deutschen Regierung er- statteten Bericht offiziell bekannt gegeben. Nach ihren Er- Mittelungen sind irgend bemerkenswerte Zusammenstöße weder in dem Cafö, noch in der Lothringischen Bierhalle, noch auf dem Wege zum Bahnhofe vorgekommen; dagegen e r n st e r e und bedauerlichere Belästigungen im Wartesaal des Bahnhofes und in dem Eisen- bahncoupce. Die Hänseleien begannen in dem Caf6, fanden ihre Fortsetzung in der Bierhalle und dann in der Verfolgung der zum Bahnhof sich begebenden Deutschen durch eine Gruppe von 15 bis 20 Radaubrüdern, die aber keinerlei tätlichen An- griff verübte. Erst aus dem Bahnhofs und in dem Waggon selbst wurden die Deutschen tätlich insultiert. Jedoch erklärt die französische Regierung, daß diese Tätlichkeiten durch die Bahnbeamten und Polizisten nicht bemerkt worden seien. Beamte und Polizisten hätten vielmehr alles getan, um die Reisenden zu schützen und die Exzcdcntcn fortzuweisen. Ins- besondere betont die Erklärung der französischen Regierung, daß sich unter den Exzedenten keine Militärperson befunden habe. Die Radaubrüder selbst hätten sich vielleicht aus dem sehr gemischten N a ch t s ch>v ä r m e r t u m zusammen- gesetzt, das sich nach der um 1 Uhr erfolgenden Schließung der Lokale in dem Bahnhofsrestaurant zu treffen Pflege, wo der Betrieb um 1.40 Uhr wieder eröffnet werde. Trotz dieser Feststellungen hat die französische Regierung folgende Maßregeln beschlossen: 1. Die beiden Schutz- l e u t c, die sich in der Sonntagnacht auf dem Bahn- hose befanden, werden abgesetzt werden. 2. Es werden Maßnahmen zu einer Umgestaltung der Nancyer Polizei unverzüglich geprüft Iverden. Diese Maßnahmen werden im Interesse des Dienstes die Versetzung des Zentralkommissars und des Spezialkom- m i s s a r s nach sich ziehen. 3. Der P r ä f e k t des Departe- ments Meurthe-et-Moselle wird, da er es verabsäumt hat, den Minister des Innern von sich aus unverzüglich zu unter- richten, in ein anderes Anit berufen werden. Diese Sühne genügt den Franzosenfressern noch nicht und der konservative„Reichsbote" bemerkt dazu:„Dies sind Maßregeln, die innere französische Verwaltungöangelegenheitcn betreffen. Die deutsche Regierung kann sich hiermit in keiner Weise zufrieden geben, sie muß strenge Bestrafung der wirklich Schuldigen und eine förmliche Ent- schuldigung der ftanzösischen Regierung verlangen, sonst ist das Ansehen des Reiches schwer geschädig t." Die Antwort der deutschen Regierung, die noch aussteht, wird hoffentlich vernünftiger sein. Wir wenigstens sind durchaus der Meinung, daß die künstlich auf- gebauschte Affäre van Nancy damit als völlig erledigt an- gesehen werden sollte! Alle weiteren Versuche, Konflikte zwischen Deutschland und Frankreich zu inszenieren, müssen als frivole Hetzmanöver gebrandmarkt werden, als perfide Versuche, die skandalöse Blamage der Dillinger und Essener Prozcntpatrioten zu be- mänteln! Solche Manöver sind freilich allzu durchsichtig! Der Fall Krupp ist tausendmal wichtiger für das Ansehen und die Ehre der deutschen Nation als die Pöbeleien von zwanzig oder dreißig Nachtbummlern in Nancy! Aber auch von den Friedrichshafener Luftfiotteupatrioten wollen wir den läppischen Hader nicht wieder anfachen lassen! Wenn jetzt aus Friedrichshafen gemeldet wird, daß Graf Zeppelin einen Ausschuß zusammenberufcn habe, der als „Luftgericht" die Vorgänge in Luneville wachrufen solle, so nehmen wir zur Ehre des schwäbischen Grafen an, daß er durch dies„Gericht" lediglich das UnVerschulden seines Kapitäns für das Ueberfliegen des ausländischen Grenzgebietes feststellen will. Denn daß das„Gericht" Kritik an dem Verhalten der französischen Behörden üben sollte, wäre eine An- maßung und ein Unfug, gegen den von vornherein nicht energisch genug protestiert werden könnte! Wir haben genug und übergenug des Krakeels! Das Volksgericht gebührt vielmehr«nsercu Prozent- patrioteu! * Die endgültige Erledigung der Nancy-Affäre. Paris, 19. April. Eine Note der„Agcnce Havas" besagt: Der deutsche Botschafter v. Echoen hat dem Minister des Aus- wärtigen, P i ch o n, eine Mitteilung gemacht, aus der hervorgeht, daß die politische Seite des Zwischenfalls von Nancy für beide N e g i r r u n g e n erledigt ist. Lsitle voll in Gadlnen. Die„Bosfische Zeitung" fährt mit Leitartitelgeschütz auf, um die höfischen Leute zu verteidigen, die in bei Angelegenheit des kaiserlichen GuteS Eadinen durch grobe Mißgriffe ihren Herrn und Meister in arge Situationen gebracht haben. Erwiesen sind vor aller Welt die unwahren Informationen, die man in Sachen des Pächters Sohst dem Kaiser gemacht hat. Ebenso bekannt ist die heftige Abweisung. die die Cadinischen Anwälte des Kaisers bei ihrem Versuch, den Pächter entgegen den kontraktlichen Abmachungen„hinaus- zuschmeißen", durch die Gerichte erfahren haben. Gleichwohl will Tante Voß ihre Hand für eben dieselben Personen ins Feuer legen, die die Vorgänge bei der einstigen Uebernahme von Cadinen zu verwirren und die üble Behandlung der Verwandten des ehemaligen Besitzers von Cadinen zu beschönen krampfhafte Versuche unternommen. Die„Vossische Zeitung" übernimmt gläubig alles, was ihr die in dieser Angelegenheit angegriffenen Personen vorsagen. Sie wiederholt die Behauptung, der Kaiser habe Cadinen„gekauft", es liege nicht, wie unser Parteigenosse Gradnauer im Reichstag aus- geführt hat, eine Schenkung vor, es sei auch nicht richtig, daß arme Verwandte unberücksichtigt geblieben seien. Es soll sich danach nichts von dem, wa§ Dr. Rosenfeld im Berliner Stadtverordneten- kollegium und Dr. Gradnauer im Reichstage behauptet haben,„ernst- Haft und loyal aufrechterhalten lassen". Welches aber sind die Beweise, die der..Vossischen Zeitung" genügen, um den RauSreißer zu machen für die schwer kom- promittierten Cadiner? Sie beruft sich auf den von unserer Seite selbstverständlich nie bestrittenen Kaufvertrag und wiederholt die von Gradnauer selbst im Reichstage vorgebrachten Geldbeträge, die bei der Uebernahme des Gutes an den Landrat a. D. Virkner vergütet wurden. Dagegen unterläßt es die „Vossische Zeitung" durchaus, sich über den wirklichen Wert des Gute« Cadinen Rechenschaft zu geben. Da beruft sie sich ein- fach auf eine ganz willkürliche und unmögliche Schätzung des Pro- fefforS Ballod und auf eine polizeiliche Mitteilung aus Elbing. Die „Vossische Zeitung" dürfte doch schließlich irgend einen Sach- verständigen in ihrer Nähe haben, der sie unterrichten könnte, daß cZ lächerlich ist, ein Gut von mehr als 7999 Morgen mit zum großen Teil ausgezeichneten Bodenstücken— die Erfolge der kaiser- lichen Bewirtschaftung beweisen es!— samt Gebäuden, deren Brand- kasscnwert 581999 Mk., betrug auf etwas über 799999 Mk. zu bewerten. Jedermann, der auch nur im geringsten Kenntnis von landwirtschaft- lich benutztem Boden in Deutschland hat, weiß, daß ein Preis von 299 M. für den Morgen guten lehmigen Bodens ein ganz außer- ordentlich mäßiger Preis ist.'Die Schätzung der„Vossischen" bezw. des Herrn Ballod-Katzengrimm macht auf den Morgen, einschließlich aller Gebäude und der Forst, nur zirka 190 M. aus. Wie will ferner die„Vossische Zeitung" den D a n�k e S b r i e f des Kaisers an Birkner für das Angebot dcS Gutes begreifen. wenn nur ein gewöhnliches KaufverhällniS vorliegen soll? Es ist einfach unsinnig, anzunehmen, der Kaffer könne im Falle eines ge- wohnlichen Kaufgeschästcs ein eigenhändig gezeichnetes und von Herzlichkeit und Dank überströmendes Schreiben ergehen lassen, wie es hier vorliegt. In dem Schreiben des Kaisers heißt es:„Durch die hochherzige Betätigung Ihrer treuen patrio- tischen Gesinnung tief gerührt, erkläre ich mich zur Annahme Ihres Anerbietens freudig bereit". Und an anderer Stelle: ES drängt mich. „Ihnen schon jetzt in einen königlichen Dank von Herzen auszusprechen". Wenn die.Vossische Zeitung" „ernsthaft und loyal" verfahren will, dann muß sie zugestehen, daß der Kaiser bei der Uebernahme von Cadinen gewußt hat, daß ihm ein erhebliches Geschenk überwiesen werden solle. Andern- falls konnte er solches Schreiben unmöglich entsenden. Und wie will sich die gute„Vosfin" mit der Berufung Birkners ins Preußische Herrenhaus abfinden? So entschieden ein System, das solche Berufungen möglich macht, überhaupt zu ver» urteilen ist, so wäre doch die Berufung gerade im Falle Birkner vollständig unbegreiflich, wenn nicht der König von Preußen einen ganz besonderen Dank zum Ausdruck bringen wollte. Nicht günstiger liegt es für die„Voss. Ztg.» beziehungsweise für deren Hintermänner hinsichtlich der Behauptungen, daß„arme Verwandte" nicht vorhanden seien. Es liegt kein Anlaß vor zu forschen, ob einige Verwandte de? verstorbenen Birkner im Jahre 1999 aus dem Nachlaß seiner Schwester irgend etwas geerbt baben. Es besteht die Tatsache, daß eine sehr unbemittelte Hauptmanns» witwe, die von 69 M. monatlicher Pension leben muß, sich vergeblich bemüht hat, die Anwälte des Kaisers zu einer Absindung zu ver- anlassen. Diese Frau ist vielmehr aufs allerschärffte abgewiesen und schließlich mit Gefängnisstrafe bis zu 6 Monaten wegen„Oueru- lierens" bedroht worden. Es ist bewunderungswürdig, wie leicht in gewissen Fällen die „Vossische Zeitung" zu überzeugen ist! veikehrskeinde. Undank ist der Welt Lohn. Dieselben Parteien, denen die preußische Regierung jeden Wunsch von den Augen abzulesen sich bemüht, wenn es sich um reaktionäre Pläne handelt, bereiten der Regierung Schwierigkeiten, sobald diese einmal einen Kulturfort- schritt anzubahnen willens ist. Das hat sich vor Jahren bei der Kanalvorlage gezeigt, und das zeigt sich jetzt wieder bei der beab- sichtigten Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahn, mit der sich das Abgeordnetenhaus am Sonnabend beschäftigte. In ihrer Vorlage vom Jahre 1912 fordert die Regierung 59 Millionen Mark zur Einrichtung elektrischer Zugbeförderung auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis die Kommission ihre Beratungen beendet hatte, genau so wie bei der Kanalvorlage setzte auch hier die Verschlep- pungspolitik ein. Und das, was die Kommission zutage gefördert hat, bedeutet eine wesentliche Verschlechterung der Regierungs- vorläge. Anstatt der 59 Millionen sollen nur 25 bewilligt werden, der elektrische Betrieb soll sich nur auf die Stadt« und Ringbahn, nicht aber auch auf die Vorortbahnen erstrecken und die Tarife sollen erhöht werden. So will es die Kommission, die in ihrer Mehrheit aus Vertretern des schwarz-blauen Blocks besteht. Aber den Ver- kehrsfeindcn genügt das noch nicht einmal, sie wollen die Vorlage noch weiter verhunzen. So beantragen einige Herren vom Zen- trum, die Einführung des elektrischen Betriebes einstweilen über» Haupt abzulehnen und statt dessen 8,6 Millionen zur alsbaldigen Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen und 3 Millionen für Versuche mit elek- irischen Betriebsmitteln zu bewilligen uni» außerdem durch eine Aenderung des ZwcckverbandsgesctzeS dem Zwcckverband Groß- Berlin neue Lasten aufzubürden. Obwohl der Minister rund heraus erklärte, daß die Regierung die Verantwortung für die Bewältigung des Verkehrs nicht mehr tragen könne, obwohl er den interessierten Lokomotivfabrikantcn als den eigentlichen Gegnern der Elektrisierung gehörig den Text las, und obwohl er zur Beruhigung der Verkehrsfeinde ausdrücklich betonte, daß die Regierungsvorlage keine grundsätzliche ist, daß sie keinesfalls den ersten Schritt zu einer allgemeinen Elektrisierung der Staatseisenbahnen bedeutet, fuhren die Pappenheim und Kon» sorten das schwerste Geschütz auf. Die Gründe, die sie anführten, können freilich vor der Kritik nicht standhalten. Es stimmt einfach nicht, daß so unverhältnismäßig viel Kapital in der Berliner Stadtbahn investiert ist, es stimmt nicht, daß Berlin vom Staate so bevorzugt ist. All das führt man an, um seine Voreingenommen- heit gegen Berlin zu verbergen. Man gönnt den Berlinern keine guten und billigen Verkehrsverhältnipe, die billigen Vororttarife sind den Feinden der Großstadt ein Dorn im Auge. Bei jeder Gc- legenhcit jammert namentlich das Zentrum über das großstädtische Wohnungselend, aber dasselbe Zentrum scheut sich nicht, höhere Vororttarife zu verlangen, um auf diese Weise den Arbeitern das Wohnen in den Vororten unmöglich zu machen und das groß- städtische Wohnungselend zu vermehren. Mit guten Arguwenten traten für die Vorlage Abg. Schmie- ding(natl.), Abg. K r e i t l i n g(Vp.) und ganz besonders Genosse Hoffmann ein. Letzterer stellte sich grundsätzlich auf den Bodcn der ursprünglichen Regierungsvorlage, erklärte aber, daß er der Not gehorchend auch für die Aenderung der Kommission eintreten werde, damit wenigstens etwas erreicht wird. Scharf rechnete er mit der Verkehrsfeindlichkeit der ionservativ-klerikalen Mehrheit nnp mit deren Haß gegen Berlin ab, und mit guten Argumenten wandte er sich gegen jede Tariferhöhung, deren Ucbcrflüssigkeit auch vom finanziellen Standpunkt aus er schlüssig bewies. politische Ucbcrücht. Berlin, den 19. April 1913. Eine Kolonial-Kreditbank. Die Vorlage betreffend Errichtung einer landwirtschaftlichen Kreditanstalt für Deutsch-Südwestafrika ist soeben dem Reichstag zugegangen. Die Anstalt soll unter dem Namen..Landwirtschaft?- dank für Deutsch-Südwestafrika" als eine selbständige juristische Person des öffentlichen Rechts mit dem Sitze in Windhuk errichtet werden. Das Grundkapital der Bank beträgt zehn Millionen Mark, die vom Schutzgebiet aus der Schutzgebictsanleihe oder aus einem an deren Stelle tretenden Reichsdarlehn zur Verfügung gestellt werden und von denen fünf Millionen zunächst in der Vorlage angefordert worden sind. Die Bank darf ferner Schuldverschrei- bungen auf den Inhaber bis zum zehnfachen Betrage des Grund- kopitals ausgeben. Zweck der Bank ist die Gewährung landwirt- schaftlichen Bodenkredits bis zu 50 Proz. des Grundstückswertes so- wie kontrollierten landwirtschaftlichen Meliorationskredits bis zu zwei Drittel des nach durchgeführter Melioration vorhandenen Grundstückswertes. Die Bank kann sich mit Kapital bis zu einem Zehntel ihres Grundkapitals an einem genossenschaftlichen Per- sonalkreditinstitut beteiligen oder ein solches. errichten. Die Rück- zahlung der Darlehen erfolgt durch Amortisation von jährlich 1� Prozent und. wenn der Darlehcnsbetrag über 59 Proz. deS ur. sprünglichen Grundstückswertcs hinausgeht, von 2 Proz. Zum Vorstand der Bank gehören außer zwei beamteten Mit- gliedern mehrere vom Landesrat aus den Bewohnern des Schutz- gebiets vorgeschlagene Personen. Die Geschäftsführung wird durch den Gouverneur des Schutzgebiets beauffichtigt. Preußische Kulturschande. Das Verdienst, die preußische Kultur um ein Schand» bild bereichert zu haben, gebührt wieder einmal der B�res» lauer Polizei. Gegenwärtig verbüßt Genosse �cro» w i g, der Parteisekretär für Breslau-Land, eine gegen ihn in seiner Eigenschaft als Wahlkontrolleur bei der letzten Reichstagswahl wegen Hausfriedensbruch erkannte Strafe von 4 Monaten Gefängnis im Zellengefängnis gn W o h l a u. In einem am Montag in Breslau swttsnche», den Prozeß soll Srowig als Zeuge vernommen werden. Aus diesem Anlaß wurden am Freitagabend mit dem Gefangenentransportwagen von W o h l a u nach Breslau befördert. Bei der Ankunft in Breslau mußten seine auf dem Bahnsteig anwesende Frau und einige Genossen sich davon überzeugen, daß Srowig wie ein ganz gemeiner Verbrecher mit noch einem anderen Gefan- genen zusammengefesselt durch Breslauer Polizisten vom Bahnsteig nach dem Gefangenentransportwagen a b g e- führt wurde. Die„Sicherheitsmaßnahmen" gegen Srowig sind um so skandalöser, wenn man erstens berücksichtigt, daß Srowig nicht wegen ehrenrühriger Vergehen bestraft wurde und zweitens, daß die gegen ihn erkannten vier Monate Gefängnis bereits am 3lZ. April verbüßt sind. Aus dem hessischen„Heyls"-Reiche. Die hessischen Behörden sind eifrigst bemüht, die ostelbischen Zustände in ihr geliebtes Hessenland zu importieren. So hat sich die Hochwohlweise Bürgermeisterei der Stadt Worms gestattet, für das Stadtgebiet kurzweg die verfassungsmäßig garantierten staatsbürgerlichen Rechte vorläufig zu suspendieren. DaS Komitee zur Organisation des Kirchenaustritts hatte für Freitagabend 3% Uhr in Worrets Etablissement eine öffentliche Versammlung einberufen, in der Herr Redakteur Joseph Münk aus Mainz über das Thema:„Der Kirchenaustritt, eine Forderung der Vernunft und des Gewissens!" sprechen sollte. Zu dieser Ver» sammlung sollte durch Plakate, die an den Plakatanschlagsäulen der Stadt angeschlagen werden sollten, eingeladen werden. Am Montag, den 14. April, nachmittags, verständigte der Vertrauens- mann des Komitees in Worms, Arbeitersekretär Stefanski, den zuständigen städtischen Beamten telephonisch davon, daß er ihm die Plakate am Dienstag bringen werde, und der Beamte erklärte, lwtz sie dann vom Mittwochvormittag an angeschlagen werden könnten. Dienstag früh lieferte Herr Stefanski die Plakate ein, die auch entgegengenommen wurden. Am Mittwochvormittag wurde Herrn Stefanski von nichtamtlicher Seite mitgeteilt, daß die Stadt- Verwaltung die Genehmigung zum Anschlag der Pla- kate versage! Herr Stefanski setzte sich sofort mit der Stadwerwaltung in Verbindung, und auf seine Anfrage hin erst wurde ihm amtlich mitgeteilt, daß tatsächlich Herr Beigeordneter Mctzler, der für die Plakatangelegenheiten zuständig ist, den Anschlag der Plakate nicht erlaube! Als Stefanski den ablehnenden Bescheid des Herrn Metzler er- halten hatte, wandte er sich, da Oberbürgermeister Köhler nicht sprechen konnte, an Herrn Bürgermeister Dr. Webers. Dieser aber wies ihn wieder an Herrn Metzler, der allein zuständig sei in der Sache. Als Herr Stefanski darauf bei diesem vorstellig werden wollte, ließ ihn Herr Metzler überhaupt nicht vor, sondern ließ ihm durch einen Sekretär mitteilen, wenn er sich be- schweren wolle, möge er sich an das Kreisamt wenden! DaS tat Stefanski sofort; am Mittwochnachmittag wurde er vom Kreisrat empfangen, der seine Beschwerde zu Protokoll nahm und versprach, die Angelegenheit möglichst schnell der Bürger« meisterei vorzutragen, damit diese eine Erklärung abgebe. Seine weiteren Schritte müsse er sich vorbehalten. Durch dieses Verhalten der Herren Metzler und Webers ist glücklich der rechtzeitige Anschlag der Plakate verhindert. Herr v. Kröcher parlamentsmüde? Jordan v. Kröcher, der starke Mann, der einst der Sozial- demokratie die Vernichtung androhte, hat es aufgegeben, dieses Ziel zu erreichen. Im preußischen Landtage hat er längst den Präsidentensitz verlassen, weil er mit den 6 So- zialdemokraten nicht fertig zu werden vermochte, und nun will er, nachdem sein Mandat kassiert worden ist, auch nicht wieder in den Reichstag zurückkehren. Wie von national- liberaler Seite berichtet wird, gedenkt er für die bevorstehende Nachwahl nicht wieder zu kandidieren. Der starke Mann verschwindet unverrichteter Dinge von der Bildfläche— die Sozialdemokratie aber bleibt. Verhaftete Anarchisteu. Bei der politischen Polizei in Köln war die Mitteilung ein- gelaufen, daß ein anarchistisches Flugblatt„Krieg gegen den Krieg I" verbreitet werden solle, vornehmlich an Arbeiter, wenn diese früh- morgens zur Arbeit gingen. Infolgedessen wurde die ganze Stadt burch Kriminalpolizisten und Schutzleute in Zivil, zum Teil als Maurer, Bauarbeiter usw. verkleidet, bewacht. Es wurden sieben Personen wegen der Flugblattverbreitung verhaftet. In der betreffenden Druckschrist sollen die wehrfähigen Männer anfgesordert worden sein, im Falle eines Krieges dem Ruf zur Fahne nicht Folge zu leisten._ In den Armen liegen sich beide... Die schwulstigen Phrasen des nationalliberalen Aufrufs zu den"amtagswahlen finden eine liebliche Jlluftrierung durch die in den jüngsten Tagen perfekt gewordene Verbrüderung der Natronalliberalen mit den Konservativen in H a n n o v er-L i n d e n. Die hannoverschen Konservativen haben den Nationall'.bcralen ihre Unterstützung bei den kommenden Land- tagswahlen unter der Bedingung in Aussicht gestellt, daß die Nationalliberalen bei per nächsten Reichstagswahl von der Wahl eines fortschrittlichen Kandidaten Abstand nehmen und für die Wahl eines„vaterländisch gesonnenen unparteiischen Einigungs- kandidaten" eintreten würden. Statt diese Unterwerfung von sich zu weisen, haben die Nationalliberalen, grundsatzlos wie sie nun einmal sind, das Angebot der vereinigten Reaktionäre angenommen. Sie versuchen zwar, das Geficht zu wahren, indem sie erklären, sich die volle Entschlirßungsfreiheit über die Stellungnahme zu späteren Reichstagswahlen vorbehalten zu wollen, aber was von dieser „Entschlicßungsfreiheit zu halten ist, zeigt der weitere Wortlaut der vom Vorstand des ftationalliberalen Vereins veröffentlichten Erklärung, worin es heißt: „Der Vorstand des Vereins gibt gleichzeitig— unberührt durch das konservative Pkthlangebot— die Erklärung ab, daß er sich außerstande sieht, erne fortschrittliche Kan- didatur für die kommende Reichs tagswahl in Hannover. Li n d e n w, e der zu unter st utzen, nach- dem die Fortschrittliche Volkspartei in Hannover einen durchaus ungerechtfertigten Angriff aus den Besitz der nationalliberalen Landtagsmandate unternommen und obendrein der nationallibe- ralen Partei den verletzenden Vorwurf gemacht hat, daß sie bei der Reichstagswahl 1312 im Wahlkreise Hannover-Linden nicht ihre Pflicht in der Unterstützung der fortschrittlichen Kandidatur getan habe." Die Konservativen haben also erreicht, was sie wollten. Selbst- verständlich waren sie mit dieser Erklärung völlig zufrieden, und sie keiltrn sich denn auch, den braven Nationalliberalen ihren Dan! für die Bereitschaft zum brüderlichen Zusammengehen bei der nächsten Reichstags wähl durch die Versicherung abzustatten, daß sie im Landtagswahlkreise Linde« den nationalliberalen Kandidaten gegen den sozialdemokratischen wählen, sich in Hannover aber jedes Eingreifens in den Kampf der beide» liberale» Parteiea enthalten würden. Damit ist die nationalliberal-konservative Verbrüderung in Hannoder perfekt. Daß die Nationalliberalen würdige Bundes- genossen sind, beweist' schon jetzt die Tatsache, daß sie d e m R e i chs- verband gegen die Sozialdemokratie die Füh- rung ihrer Wahlagitation übertrage» haben. Vor der Wehrabgabe zu drücke» suchen sich gegenwärtig an der badisch-schweizerischen Grenze deutsche und schweizerische Kapitalisten. Bei den Banken in Basel und Zürich sind bereits nichts weniger als 1b0 Millionen Mark nieder- gelegt worden, die man der deutschen Wehrabgabe als Vermögens» objekt entziehen will. Wenn die Prozentpatrioten bezahlen müssen. reißen sie aus! Ein herrliches Zeugnis für den Hurrapatriotismus. Ein Skandal. Die Opfergabe macht den patriotischen Geldsäcken arge Schmer- zen. Jeder möchte dem andern den ersten Platz einräumen. Man erinnert sich auch, daß manche der zu den glücklichen Besitzenden gehörenden bisher nur durch Wcitherzigkeit im Nehmen sich aus- zeichneten und die Seligkeit des Gebens gern andern überließen. Und man verlangt die Einbeziehung dieser Bevorrechteten in den Kreis der Opferpflichtigen. Besonders das Organ der rheinisch-westfälv schen Großindustriellen, die„Rheimsch-Westfälische Zeitung" legt gegen die Steuerfreiheit der F ü r st e u und Reichsun mittel- baren los. Unwirsch lehnt das Blatt einen Versuch der„Nord deutschen Allgemeinen Zeitung" ab, die Steuerfreiheit der Fürsten mit ihrem Charakter als Träger der Steuerhoheit zu verteidigen. Es wird dabei der Verdacht ausgesprochen, daß sich tatsächlich Fürsten weigerten, den von den Besitzenden zu leistenden Wehrbeitrag eben, falls zu zahlen. Den Patriotismus der Opferbereitschaft hält man nur heilsam für das gewöhnliche Volk. Das Organ der Kohlen- und Stahlkapitalisten verlangt nun aber auch— mit vollem Recht— die Heranziehung der e h e m a l i gen Reichsunmittelbaren zur Steuerpflicht. Man muß gestehen, die Kohlenkönige haben Ursache, den Reichsunmittelbaren nicht gewogen zu sein. Einem von ihnen, dem Herzog v. Aren- b e r g, der sein Geld meistens in seinem anderen Vaterlande, in Belgien, verzehrt, sind viele Gruben in erheblichem Maße tribut, pflichtig. Als ehemalige Reichsunmittelbare genießen die Aren- berge Steuerfreiheit und sind gleichzeitig berechtigt, Steuern zu erheben. Das gilt z. B. von der Bergwerks- steuer, die der Staat nicht aufgehoben, sondern nur außer Hebung gesetzt hat. Der Staat verzichtet auf die Steuer, aber die Reichsunmittelbaren, in Westfalen die Arenbergc, folgen nicht solchen Spuren. Die Steuer wird als Abgabe von der För derung erhoben. Für die im Gebiete der Steuerhoheit der Aren- berge— Recklinghausen— liegenden Gruben macht die Abgabe jetzt zirka 2 Millionen Mark pro Jahr aus. Sie steigt noch weiter. Auch der Staat, als Bergbautreibender in dem genannten Bezirk, ist dem Mitgliede der belgischen Kammer, dem Herzog von Arenberg, mit der Bergwerkssteuer abgabenpflichtig. Mit dem Zopf der Steuerhoheit der Reichsunmittelbaren und ihrer Steuerfreiheit hätte längst aufgeräumt werden sollen. Das verlangt nun auch das Blatt der Kohlenfürsten. Es verweist darauf, daß Arbeiter, die Werte schaffen für die Allgemeinheit, von ihrem geringen Ein- kommen Steuern zahlen müßten, in Thüringen gar schon bei einem Einkommen von 400 M. Da sei es ungehörig, die Reichen— die nichts leisten, sondern nur schmarotzen— jetzt auch von der Opfergabe frei zu halten. Mag hinter dem Lärm der Kohlenbarone auch nur das Motiv stecken, durch Heranziehung der Fürsten und Reichsunmittelbaren J>ie Leistung der anderen zu ermäßigen— in der Sache mutz man ihnen zustimmen: Die Steuerfreiheit der sogenannten Edelsten der Nation ist ein aufreizender Skandal. Verhandlung vor dem Thorner Kriegsgericht von besonderem Jntoesse sein.. �. Angeklagt sind der Hauptmann Kohler und Feldwebel Kremiu vom Infanterieregiment 176, 1. Kompagnie. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, sich in 30 0 Fällen an Untergebenen vergangen zu haben. Die Oeffentlichkeit wurde„wegen Gefährdung der Disziplin" während der ganzen Verhandlung ausgeschlossen. Somit ist es unmöglich gemacht, zu kontrollieren, welche Scheußlich- leiten die Angeklagten begangen haben. Die Fälle der Mißhandlungen liegen bis zum Jahre 1966 zurück. Nach Thorn zur Verhandlung sind 137 Zeugen geladen, wäh- rend 366 weitere Zeugen der weiten Entfer- nung wegen im übrigen Reich, in der Haupt- fache im Rheinland vernommen worden sind. Soweit Einzelheiten an die Oeffentlichkeit dringen, geht daraus hervor, daß Hauptmann Köhler bereits üm Jahre 1968 wegen Mißhandlung zu 13 Tagen Stubenarrest verurteilt Wurde, in der Haupt- sache dafür, weil er einen Soldaten mit dem eigenen Säbel beim Parademarschüben derart in die Kniekehlen s ch l u g. daß er sofortz usammenbrach. Auch im Jahre 1916 soll eine weitere Bestrafung erfolgt sein, ohne daß diesem Hauptmann das Recht, Soldaten auszubilden, genommen oder auch nur beschränkt wurde! � � �. Von den Zeugen wird erzahlt, daß der Hauptmann und sein Feldwebel im Charakter wie ein Ei dem andern gleichen. Der Hauptmann Köhler behauptet auch, von den Mißhand- lungen selbst nichts gewußt zu haben und sucht für etwa vor- gekommene Fälle die Unteroffiziere verantwortlich zu machen. Letztere geben aber an. zu den Taten durch Haupt- mann Köhler veranlaßt worden, ja selbst von ihm miß- handelt worden zu sein.. Eine nette Charakterisierung unseres MMarismus! Ter Berliner Magistrat gegen den Abg. v. Gamp. Der Abgeordnete v. Gamp hat gestern in der Sitzung des Abgeordnetenhauses dem Berliner Magistrat vorgeworfen, daß der Grundsatz der Gleichmäßigkeit bei der Veranlagung der Abgeordneten verlebt werde, indem namentlich die Mitglieder der konservatwen Parteien von der Stadt Berlin zur Steuer herangezogen würden, während eine Reihe von Abgeordneten anderer Parteien von der Steuer frei geblieben seien. Der Berliner Magistrat weist diese Anschullngung entschieden zurück. Er erklärt: „Soweit hierin der Vorwurf der mangelnden Objektivität der städtischem Steuerbehörde gegenüber erhoben werden soll, muß er als jet�v Begründung entbehrend zurückgewiesen werden. TS wird dazu bepmerkt, daß es der Abgeordnete Rickert gewesen ist, bei dem zunächsü durch höchstgerichiliche Entscheidung die Verpflichtung zur Steuerzahlung in Berlin festgestellt wurde. Diese Entschei- oung ist für die Besteuerung der Abgeordneten grundlegend ge- Wesen. Demgemäß werden sämtliche Abgeordnete, bei denen das Vorliegen t incS hiesigen Wohnsitzes als Voraussetzung der Steuer- Pflicht festgestellt wird, zur Steuer herangezogen. Falls bei den rund 700 000 Steuerzahlern Berlins unter denjenigen, die der Wachsamkeit der Steuerbehörde entgehen, sich auch Abgeordnete befinden sollten, würde die Steuerbehörde für deren Namhaft- machung nur dankbar sein können. Indessen ist nicht außer acht zu lassen, daß der Begriff des steuerlichen Wohnsitzes juristische Schwierigkeiten, nicht unerheblicher Natur enthält." Opfer der Militärjustiz. Eine erorbitame Strafe wegen einer im Schmerze begangenen Handlung verhängte wieder einmal das Kriegsgericht in Halle a. S. gegen den Füsilier-Gel haar von dem Regiment Nr. 3S. Der noch junge Rekrut erhielt am Nachmittag des 17. März beim Bajo- nettfechten von einen: alten geübten Gegenfechter einen derben Swtz gegen den Unternrm, so daß ihm das Gewehr aus den Händen fiel. G. litt damals an erfrorenen Händen und hatte seinen Gegner gebeten, nicht so derb zuzustoßen. Als das Gewehr am Erdboden lag. forden� der aufsichtsführende Sergeant den Ge- stoßenen auf, den Kampf weiter zu führen. G. nahm in seinem Schmerze das Gewehr abär nicht wieder auf, sondern rief erregt: „Ich lasse mich nicht-wieder stoßen." Wegen dieses Vorganges hatte sich nun der unglückliche Mensch eine Anklage wegen ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung und Beharrens i» Enge- horsam zugezogen. Er erklärte weinend, daß er sich bei der vor versammelter Mannschaft begrmgenen Weigernng nichts Schlimmes gedacht habe und sich über dip Folgen seines Tuns nicht klar ge- wesen sei. Da? Kriegsgericht verurteilte de« Mann aber zu der gesetzlich niedrigst zulässigen Mrase von 43 Tage» Gefängnis.— O welche Lust Soldat zu sein!� Militärmisthandlun�eu i« Kvv Fälle«! Man schreibt uns aus Th�rn: In der Zeit des überschwenglichen Patriotismus und des Bewilligungseifers für neue� Heeresvorlagen dürfte eine Die Hntwort der ßaUtanftaaten. Sofia, 19. April. Es verlautet, daß nunmehr auch die Antwort Montenegros hier eingetroffen ist: sie enthält die bedingungslose Zustimmung zu den Vorschlägen der Großmächte. Es bleibt also noch eine Verein- barung über einige textliche Aenderungen unter den Ver- bündeten durchzuführen, namentlich betreffend die Grenzen Albaniens, die Aegäischen Inseln und die Kriegsenffchadl- gung, worauf die Antwortnote den Großmächten s o- fort überreicht werden soll, was vielleicht noch heute, spätestens aber morgen erfolgen wird. franferdd). Die Provinz gegen den Militarismus. Paris, 17. April.(Eig. Ber.) Die Militaristen, die auf die glatte Annahme der dreijährigen Dienstzeit hofften. geraten imnier mehr in die bekannte Stimmung der betrüb- ten Lohgerber. Die Tagung der Generalräte läßt die Ab- neigung der Provinz gegen das dritte Kasernenjahr deutlich hervortreten. Nur wenige Departements verttewngen stimmten dem Plan der Regierung voll zu. In etlichen anderen hat der Einspruch des Präfekten die Verhandlung des Gegen- standes vereitelt, aber zahlreich genug waren die. die sich über ihn hinwegsetzten und ihre Meinung kundgaben. Sie wird siir die Deputierten eine nützliche Anleitung sein— sie muß aber auch besonders in D e u t s ch l a n d interessieren, weil sie dem verlogenen Geschwätz der Hetzpresse von einer chauvinisti- schen Erregung des französischen Volkes cm unbestreitbares Dementi entgegensetzt. Zu den von uns schon gemeldeten Beschlüssen sind fol- gende hinzuzufügen: Im Departement I s d r e nahm der Generalrat. nackjdem er den vom Präfekten geforderten Uebergang zur Tagesord- nung abgelehnt' hatte, niit 33 gegen 3 Sttmmen eine Reso- lutton an. worin er das Parlament ausfordert, Wege zur Einrichtung der internationalen Schieds. ge richte für die Beseitigung der internationalen Konflikte und zur Einschränkung der Rüstungen zu finden. Bis dahin erklärt sich der Generalrat gegen jede unge- rechtfertigte Verlängerung der Dien st zeit, solange die Unzulänglichkeit der zweijährigen nicht nachge- wiesen sei. Ein Abänderungsantrag. der das Vertrauen zur Regierung in Hinsicht auf die Bemessung der Militär- Forderungen ausdrückte, wurde mit 18 gegen 11 Sttmmen abgelehnt. Im Departement O i s e nahmen 17 von 33 Räten außer- halb der offiziellen Sitzung eine Resolutton an. die fordert, daß sich das Parlament bei der Prüfung der Militär- Vorlage nicht von der nationalistischen Strömung beeinflussen lasse. Im Departement Saüne-et- Loire wurde eine von sozialistischen und radikalen Vertretern, darunter dem ehemaligen Minister D u b i e f. eingebrachte Resolution, die den Unterschied zwischen der Vaterlandsliebe und de in provokatoris chen Chauvinismus be- wnt und die Wiederherstellung der dreijäh ri- gen Dienstzeit ohne Nachweis ihrer Unentbehrlichkeit entschieden zurückweist, einer Kommission über» wiesen. Der Anttag des Präfekten auf llebergcmfl zur Tagesordnung wurde mit 16 gegen 14 Stimme» abge- lehnt. Im Departement Sarthe brachte der Präfekt den gleichen Antrag gegen eine Resolutton ein, die die Kammern auffordert, die demokrattschen Prinzipien des Gesetzes von 1963 nicht außer acht zu lassen und die Wiederherstellung der B e r u f s a r m e e zu verhindern. Die Resolution wurde mit einer Begründung des ehemaligen Ministerpräsidenten Caillaux zurückgezogen, aber die Generalräte aufgefor- dert, sie außerhalb der Sitzung zu unterzeichnen. 2 2 R e- publikaner, darunter Caillaux, der Senator Estournelles de Co»staut und die Deputierten A! a m, Boutti6 und Laroche taten dies, desgleichen ein Konservativer. Für die dreijährige Dienstzeit haben sich hauptsächlich die Departements mit reakttonären oder gemäßigten Mehr- heiten ausgesprochen. Die Sozialisten haben in den General- raten zumeist nur eine ganz geringe Vertretung. Dort, wo sie stärker ist, wie im industriellen Norden, steht sie starken klerikalen und gemäßigten Gruppen gegenüber. Es sind die demokratischen Kleinbürger und Bauern, deren Sttumir in den Beschlüssen der Generalräte zum Aus- druck kommt. 6e werfe fcbaftUcbea. ßergarbeltcrftmh in Obertckleklen. Ter Beginn des Bergarbcitcrstrciks war bisher von der polnischen Bcrussvercinig-ung fiir den 21. April bestimmt. Plötzlich wurde dann aber ain 18. April an allen Schächten ein Flugblatt verbreitet, in dem für den 19. April zum Streit aufgefordert wird. In dein Flugblatt heißt es unter anderem: ..Die Zeit ist gekommen, wo die Bergarbeiter sich aus dem kapitalistischen Zangemoerk befreien müssen... Wenn wir uns nicht mit Hilfe des Streiks eine bessere Lage erkämpfen, dann werden die Unternehmer in der Zukunft anstatt mit Geld mit Ochsenziemern auszahlen... Es muß ganz energisch den Unter. nchmern in die Augen geschaut und mit ihnen über langjährig zugefügtes Unrecht abgerechnet werden... Gemeinschaftlich soll die Arbeit niedergelegt und nicht eher wieder aufgenommen werden, bis die Unternehmer die Forderungen bewilligen. Die Unternehmer haben aber sogar beschlossen, die Forderungen zu bewilligen, nur wollen sie sich erst überzeugen, ob auch alle Berg- «rrbeiter in den Streik treten... Dem Bergarbcitcrkampf ein: Gottcöglück!" TaS Wolffsche Bureau verbreitet über den Umfang des Streikes folgende Zahlen: Bei der heute früh um 6 Uhr bc- gönnen Frühschicht fehlten infolge des für heute verkündeten Streikes folgende Belegschaften: Bei den Gieschegruben 1305, bei der Heinitzgrubc 330, bei der Königin Luise niemand, bei der der Kattowitzer Aktiengesellschaft gehörenden Florentiner- grübe 4-10, bei der Myslowitzgrube 339, der Karl Segens- gimbe 266, der Neuprzcmsa 231. der Preußcngrube 336, den Schaffgottschgruben Paulus und Hohenzollern 719, Johann 399, den Hohenlohegruben Margarethe 268, Oheim 1290, bei den Balleftremgruben Brandenburg 89. Casiellengo 848, den Fürst Hcnckel Donnersmarckgruben 199, den Graf Henckel Donnersmarckgruben 43), der Konkordiagrube niemand, den Rpbniggruben Emma und Römerschacht 1291, den Fürst Pleßgruben Brand 288, Prinzengrube 19. Heinrich Glück 191, Neuglück 136, bei den Borsigwerkgruben Hedwig Wunsch 195, Karsten Centrum 633, Eminenz 236. Im Ganzen st r e i- k c n 19 899 Man n._ Berlin und Qmgegcnd. Die Mitzständc bei der �firma Bechstein. Tie Betriebsvcrhältni ss e in der Pianofabrik C. Bechstein nuter der jetzigen Betriebsleitung! lautete das Thema, mit dem sich eine vom Deutschen Holzarbeitcrverband nach dem großen Saal des Etablissements„Süd-Ost" einberufene Betriebsvcr- sammlung obiger Firma beschäftigte. Ten Anlaß gaben die in letzter Zeit wieder recht häufig vorkommenden unbegründeten Ent- lassungen von alten, jahrelang beschäftigten Arbeitern. Des öfteren schon mußte sich die Oeffentlichkeit mit der Person des Betriebsleiters, Herru� Hannmann, befassen, besonders wäh- rend des 17wöchigen Streiks der Flügelzusammensetzer. An diesen Kampf knüpfte auch der Referent an und beleuchtete dann die Wirkungen des Streiks während des letzten Jahres. Anscheinend ergebnislos verlaufen, hatte er aber doch der Betriebsleitung ge- zeigt, welche. Unmenge von Unzufriedenheit sich in der Arbeiter- schaft aufgespeichert yattc. Um dieser Unzufriedenheit Einhalt zu tun, wurden im Laufe des Sommers fast allen Branchen die Löhne erhöht. Der Versicherung des Herrn Hannmann nach allerdings aus reinem, arbeiterfreundlichen Herzen, beileibe nicht unter dem Druck der Organisation. Wie aber das arbeiterfreund- liche Herz des Herrn Hannmann aussah, sollte sich bald zeigen. Die Angst vor der Organisation fing an zu wirken und alles, was in den Verdacht kam, an der Aufstellung der Forderungen mit- schuldig zu sein, flog. Bis zu persönlichen Beschimpfungen steigerte sich der Groll des Herrn Betriebsleiters. In einem Fall wurden drei Arbeiter von ihren Branchenkollegen beaustragt, einer Entlassung wegen vorstellig zu werden. Mit erhobener Hand wurde ihnen die Kontortür gewiesen.„Solche Lümmels komm e n in meine Fabrik" rief in höchster Wut der erst Löjährige, Herr, als er ihnen die sofortige Entlassung verkündete. Erst in Moabit wurde Herrn Hannmaun klar gemacht, daß auch ein Be- triebslciter die Grundregeln des Anstandes beherrschen muß. Leider verzichtete das Gericht auf die Vernehmung der Zeugen. Den beschimpften Arbeitern war es daher nicht ntöglich, der Oeffent- lichkeit ein wahrheitsgetreues Bild ihres Beleidigers zu bieten. Auf ganze 10 M. Geldstrafe ev. 2 Tage Gefängnis lautete das Urteil. t f Aber nur nicht nachlassen, dachte Herr Hannmann, und so fielen nach und nach 2 6 Arbeiter dem arbeiterfreundlichen Herzen dieses Herrn zum Opfer. Es sind unsere besten Arbeiter, klagten die Abteilungsmcister; es nutzte nichts, sie mußten raus. Interessant ist die Beschäftigungsdauer der Gemaßregelten. Es waren 7 Arbeiter 1—3 Jahre. 11 Arbeiter 4—10 Jahre, 1 Arbeiter 12 Jahre, 3 Arbeiter 14 Jahre, 2 Arbeiter 15 Jahre, 2 Arbeiter 17 Jahre beschäftigt. Für die Art der Maßregehmgen nur ein Beispiel: Ein Flügelzusammensetzer, der mitgestreikt hatte, aber wieder eingestellt war, erwies einem verstorbenen, langjährigen Mitarbeiter die letzte Ehre. Die Kollegen hatten ihn beauf- tragt, den Kranz der Organisation zu tragen. Sofort wurde dieses Vergehen, trotz lOjähriger Tätigkeit, mit Entlassung bestraft. Eine wohl unerwünschte Wirkung hatte jedoch dieses Maß- regelungsfieber. Bis vor wenigen Jahren war_ Bechstein im Flügelbau Alleinbeherrscher des Marktes. Wohl versuchten es auch in Berlin einige Firmen mit der Fabrikation, aber stets war es der Matrgel an geübten Arbeitskräften, der einer schnellen Fortent- wickelüng dieses Industriezweiges hemmend im Wege stand. Das ist nun anders geworden und erstaunlich rasch vermehren sich die Betriebe, die Flügelbau betreiben, so daß deren Zahl wohl schon über 26 sein dürfte. Gern werden die geübten und erfahrenen Arbeiter eingestellt. Es weiß der größte Teil der Abnehmer heute auch schon, daß nicht der Name, sondern die G e w i s s e n h a f t i g- keit und die Erfahrung des Arbeiters zum größter. Teil mit maßgebend sind für die Güte des Instruments und daß nun, wo diese Vorbedingungen gegeben, auch in anderen Fabriken Flügel hergestellt werden, die sich in Ausstattung, Güte und Ton- fülle mit einem Bechsteinflügel messen können. So recht scheint Herr Bechstein dem Taktgefühl seines ersten Betriebsleiters im Umgang mit den Arbeitern nicht mehr zu trauen, denn er hat ihm einen Gehilfen zugesellt, zu dessen Hauptaufgaben es zu ge- hören scheint, die Arbeiter bei der Arbeit zu beobachten. Durch die Art, wie das geschieht, haben die Arbeiter das Empfinden, im Zuchthaus zu fein. Dieser'zWeite Geschäftsleiter heißt Auten- r i e d und ist der Berliner Arbeiterschaft schon durch seine frühere Tätigkeit in Leipzig bei der Firma Zimmermann bestens emp- fohlen. Herr A u t e n r i e d hätte die Lachsalven hören sollen, die einige Proben �seiner Fachkenntnisse in der Versammlung her- vorriefen, sein Selbstbewußtsein wäre auf den Geftierpunkt ge- funken. Tie Firma Bechstein hat eben Pech mit ihren Betriebs- leitern. �... Harte Worten mußten sich auch einige m der Versammlung anwesende Arbeiter sagen lassen, die ihren Arbeitsbrüdern in heim- tückischer Weise den Strick drehen. Unter Hinblick auf die ganze EntWickelung der Arbeiterbewegung bewies der Referent über- zeugend, daß es auch der Firma Bechstein mit diesen kleinlichen Mitteln nicht gelingen werde, die Arbeiterschaft von dem einmal gefaßten Ziel abzudrängen. Die jetzt abgeschlossene Tarifbewe- gung in der Holzindustrie beweise wieder, wie mächtig gerade durch viele Kämpfe der Deutsche Holzarbciterverband geworden ist, wie es ihm gelungen ist, den Unternehmern die Gleichberechtigung der Arbeiter abzutrotzen. Nur der Zusammenschluß aller Klavier- orbeiter im Deutschen Holzarbeiterverband biete Gewähr dafür, dem Herrenmenschentum bei Bechstein ein Ziel zu setzen. Die Versammlung gab ihr Einverständnis mit den Ausführungen Aus- druck, indem sie in einer einstimmig angenommenen Resolution schärfften Protest erhob gegen das brutale Vorgehen der Betriebs- leitung und das von ihr begünstigte Spitzelsystem. Deutscher Buchbindcrvcrband. Eine Versammlung der Buch» binderbranche der Zahlstelle Berlin beschäftigte �sich am Freitagabend mit den Tarifverhältniffen in den Berliner Betrieben und speziell mit den Verhältnissen in der G r ö ß b u ch b i n d e r e i Lüderitz u. Bauer. Da 66 Proz. der Angehörigen der Branche organisiert sind, konnten alle maßgebenden Firmen zur Anerkennung des Tarifcs gebracht werden. Immerhin lasse die D u r ch f ü h- rung des Tarifes manches zu wünschen übrig, besonders bereite die Firma Lüdcritz u. Bauer fortwährend Schwierigkeiten, so daß die Firma durch das Schiedsgericht verurteilt werden mußte, die tariflichen Bedingungen einzuhalten. In einem Falle ist es solcher Differenzen wegen zum Streik gekommen. In der Lehr- lingsfragc hat die Firma sich ebenfalls nicht an den Vertrag gekehrt, sind doch bei Lüdcritz u. Bauer bei 73 Gehilfen 23 Lehrlinge beschäftigt, obgleich nach den tariflichen Bedingungen nur 15 Lehrlinge beschäftigt werden dürften. Mit Hilfe der Lehr- lingsarbcit sei die Firma in der Lage� billiger zu arbeiten. In der Versammlung wurde weiter zur Sprache gebracht, daß die V o r w ä r t s- B u ch h a n d l u n g bei der Firma Lüderötz u. Bauer jährlich für 76— 86 666 M. Buchbinderarbeitcn herstellen lasse. Man hoffe, daß die Vorivärts-Buchhandlung ihren Einfluß ausübe, um die Firma zur Einhaltung der tariflichen Bediugungezi anzuhalten, oder aber ihre Aufträge an Firmen zu geben, die abgeschlossene Tarife auch respektieren. Noch sehr erregter, teilweise recht per- sönlicher Debatte wurde die folgende Resolution einstimmig ange- nommen: Die Branchenvcrsammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem tarifwidrigen Verhalten der Firma Lüdcritz u. Bauer. Die Versammelten beauftragen die Tarifkommission, geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Firma zur rückhaltlosen Durch- führung des Vertrages zu zwingen. Insbesondere wird die Tarif- kommission ersucht, mit der Leitung der Parteibuch- Handlung in Verbindung zu treten, damit diese ihren Einfluß als nennenswerte Auftraggeberin geltend mache oder aber ihre Arbeiten an solche Firmen gibt, die nicht nur dem Namen nach, sondern als ehrliche Tarifkontrahentcii bezeichnet werden können. Zu Kandidaten der Branche zum Verbandstage wurden aufge- stellt die Kollegen O. Wienicke, P. Herzog, Lucic Krzymin, P. Rüger und A. Schnabel. Als Mitglied zur Agitationskommission wurde Kollege Neubauer gewählt. fAuf Anfrage teilt uns die Leitung der Buchhandlung Vorwärts mit, daß ihr von den in der Versammlung vorgetragenen Beschwer-' !xn über die Firma Lüderitz u. Bauer keine Kenntnis gegcbest worden ist. Sie konnte, wie sie mis mitteilt, um so weniger, den 19. vormittags 11 Uhr. Militär-Etat. 'pri l, Dritter Tag. Wg. Dr. Pfeiffer(Z.). Die Beteiligung franzS fischen Kapitals am D i l I i n g e r Werk ist Tatsache, erklärt sich allerdings wohl aus der historischen EntWickelung des Werkes. Der vom Abg. Liebknecht vorgebrachte Fall der Waffen- und Muni- tionsfabrik ist hier bereits früher besprochen worden, und hat sich als wahr herausgestellt. Was Herr Liebknecht aber über die Firma Krupp vorgetragen hat, ist im höchsten Maße beschämend.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist darin soviel des Hoch- befremdlichen und Bedauerlichen, daß es auch durch die gestrigen Erklärungen des Kriegsministers und den in der Presie heute früh mobil gemachten Peschwichtigungsrat nicht aus der Welt geschafft werden kann.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir sino auch nicht so naiv, uns an den immer an der Strippe bereit gehaltenen und schleunigst hervor- gezogenen„U n t e r b e a m t e n" zu halten. Für die Qualität dieses Unterbeamtcn wird ein treffender Maßstab sein die Höhe d e r S u m m e n, die er zu zahlen in der Lage war.(Sehr richtig! bei den Sozialbemokraten.) Sobald die Untersuchung abgeschlossen ist, wird das Kriegsministerium alle Energie aufwenden müssen, um solchen Zuständen ein Ende zu machen. Im übrigen� bin ich einverstanden mit dem, was Herr Liebknecht gestern gesagt, und Herr Gans Edler zu Putlitz noch unterstrichen hat, nämlich, daß es unbestreitbare Taffache ist, daß durch Zetir- lungen des Großkapitals Kriege entstanden sind. Werden die Fäden so fein gesponnen, wie Herr Liebknecht es gestern ausein- andergesetzt hat, so ist es hohe Zeit, daß das Parlament dreinfährt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Der Kriegsminister hat gestern zum Schluß das Hohe Lied der Firma Krupp gesungen. Wie wird mir da? Der Abg. Müller- Fulda hat 1901 nachgewiesen, daß es den Amerikanern gelungen ist, von der Firma Krupp für Panzer- platten eine Ermäßigung zu erreichen, die das Deutsche Reich nicht erreichte.(Lebhaftes Hört! hört!! Herr Erz- berger hat gezeigt, daß im Jahre 1911 erst nach dem Eintreten anderer Firmen in die Konkurrenz eine Ermäßigung bei der Firma Krupp erzielt worden ist. Der Kriegsminister hat gestern lediglich zurückgewiesen, daß durch die Klüngeleien, von denen Herr Liebknecht gestern gesprochen hat, der Verrat mili- tärischer Geheimnisse begangen sei. Herr Liebknecht hat aber auch davon gesprochen, daß in diesen Versuchen, Geheimnisse zu erlan- gen, sehr bedenkliche Konkurrenzmanöver zu erblicken sind, und das halten wir nach den ftüheren Erfahrungen mit der Firma Krupp für durchaus wahrscheinlich.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) In der Frage der Beurteilung der Diedenhofener Ka plane stimme ich mit Herrn H a e g y überein. Zum Wort habe ich mich ursprünglich nur gemeldet, um den Klagen der Zivilberufsmusiker Ausdruck zu verleihen. Es ist sehr bedauerlich, daß der Kriegsminister diesen geplagten Leuten das Gesuch um eine Audienz abgeschlagen hat.(Hört! hört! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Kriegsminister auch nur einen kleinen Teil der Petitionen der Zivilbcrufsmusiker erfüllen würde, würden sie ihm dankbar durch das Land blasen:„Wir winden dir den Jung- fern kränz mit veilchenblauer Seide."(Stürmische Heiterkeit.) Abg. Gotting(natl.): Auf die Enthüllungen des Abg. Lieb- knccht einzugehen haben wir vorläufig keinen'Anlaß. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir müssen Aufklärungen ab- warten über die Person des Täters und seinen Zusammenhang und seine Macht innerhalb der Firma. Allerdings werden wohl nach den Erklärungen des Kriegsministers noch genug bedauerliche und beschämende Tatsachen übrig bleiben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Na, also!) Wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, werden wir mit unserer schärfsten Verurteilung solcher Dinge nicht zurückhalten. Kriegsminister v. Hrcringe«: Abg. Pfeiffer hat auf Annoncen der Militärmusiker hingewiesen. Nach den Bestimmungen sind solche Anzeigen in kurzer sachlicher Form zu halten. Was den Fall Krupp anlangt, so ist es ja selbstverständlich, und das Verhalten des Kriegsministeriums in der Vergangenheit beweist das aus- drücklich, daß die Heeresverwaltung all solche Praktiken, die im Falle Krupp in Frage kommen können, auf das schärfste miß- billigt und daß die Heeresverwaltung keinen Augenblick zögern wird, sobald die Ermittelungen dafür den erforderlichen Anhalt er- geben haben, der Angelegenheit näherzutreten. Abg. Dovc(Np.): Die gestrigen Mitteilungen des Abg. Lieb- knecht haben ein� derart peinliches Aufsehen innerhalb und außerhalb des Hauses erregt, daß es doch wünschenswert ist, die Momente, die schon jetzt einer Besprechung unterzogen werden können, nicht mit Stillschweigen zu übergehen.(Sehr richtig! links.) Zumal in einer Zeit, wo dem Volke so große Lasten für das Heer auferlegt werden sollen, mutz es doch außerordentliches Be- dauern erregen, wenn festgestellt ist, daß interessierte Firmen sogar mit Benutzung der Auslandspresse für H e e r c s v e r in e h r u n g e n Stimmung mache n. Auf jeden Fall muß die Heeresverwaltung alles tun, um zu verhüten, daß solche Dinge in Zukunft wieder vorkommen können.(Sehr richtig! links.)— Was den Fall Krupp anlangt, so ist das Er- freuliche dabei, daß der Kriegsminister seine Schuldigkeit getan hat. Allerdings bleibt ihm wohl noch ein tveitcr Spielraum, in Zukunft seine Schuldigkeit zu tun. Auf den Fall selbst gehe ich nicht ein, da ich die Einzelheiten nicht kenne. Der strikte Beweis, daß die Firma um die Praktiken des Berliner Beamten g e- wüßt hat, scheint mir noch nicht erbracht. Die Frage der Verstaatlichung dieser Industrie kann man doch nicht so aus dem Handgelenk lösen. Der Kriegsminister hat die technischen und ge- schästlichen Bedenken dagegen schon angedeutet. Aufgabe der Militärverwaltung wird es vor allem sein, gegen die leider nur zu verbreitete Erscheinung im Heere energischer vorzugehen, daß die Art der Behandlung abhangig gemacht wird von irgendwelchen Zuwendungen an Unteroffiziere usw.(Sehr richtig!) Dieses Schmierwesen muß überall auf das schärfste bekämpft werden. Auf alle Fälle muß der vorgetragene Fall Veranlassung geben, auch Konkurrenzfirmen heranzuziehen und alles mögliche zu tun, um derartige Dinge unmöglich zu machen.(Sehr richtig!) Tat, einzig Erfteuliche an der Sache ist, daß der Kriegs- minister seine Schuldigkeit getan hat. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Der Herr Kriegsminister hat mir gestern zunächst mit einem naffonalökonomischcn Gallimathias geantwortet, auf den näher einzugehen ich keine Veranlassung habe. Er hat dann gemeint, es seien Geheimnisse irgend welcher Art in dem hier fraglichen Fall Krupp nicht verrann worden. Es sind Geheim- Bisse verraten worden. Das müßte dem Herrn Kriegsminister bekannt sein. Auch müßte er wissen und unterscheiden, ob es sich Kmidekt um den Verrat militärischer Geheimnisse au«neu fremden Staat oder um den Verrat militärischer Geheimnisse an eine Privatperss«.(Hört! hört!) Verrat letzterer Art ist unzweifelhaft geschehen auf Anstiftung, auf Bestechung durch Kruppsche Angestellte. Meine Herren, das ist bereits nachgewiesen. Die Firma Krupp hat eine große Anzahl von Geheimberichten über allerhand Dinge, die sich zum Teil nur auf die Konkurrenz beziehen, zum Teil aber auch auf Konstruktionen(Hört! hört!)— neue Konstruktionen, die die Militärverwaltung und die Konkurrenz einführen will—, eine große Zahl solcher Geheimberichte in ihren Geheim- fächern in Essen gehabt.(Hört! hört!) Diese Geheimberichte sind zu einem großen Teil anch beschlagnahmt worden. Ich habe eine Anzahl von Abschriften dieser Geheimberichte in meinen Händen. Ich will sie dem Hause in diesem Stadium nicht zur Verfügung stellen. Ich habe dem Herrn Kriegsminister das höchste Maß von Loyalität bewiesen, indem ich ihm von diesen mir zugegangenen Papieren einige in der Form, in der sie mir zugegangen sind, überantwortet habe. Meine Herren, es sind keine Geheimnisse, die verraten worden sind— sagt der Kriegsminister. Die ganze Angelegenheit ist von der Firma Krupp als das Geheimste, Intimste behandelt worden. Von der Firma Krupp sind diese Aktenstücke einer ganz besonderen Person überantwortet worden, die die besondere Auf- gäbe gehabt hat, diese Geheimnisse zu bewahren. Der Herr Kriegs- minister sagt, es sei nicht erwiesen, daß höhere Kruppsche Beamte mit bei der Angelegenheit tätig seien. Wir sind daran gewöhnt, daß die Methode befolgt wird, die Kleinen preiszugeben, die kleinen Diebe zu hängen und die großen laufen zu lassen— eine sehr ritterliche Methode! Gehört aber etwa der Herr von Dewitz in Essen zu den Kleinen der Firma Krupp? Der ist der Verwahrer dieser ganzen Dinge gewesen; in seinem Schrank sind vom Berliner llntcrsuchungsrichtcr diese Geheimberichte beschlagnahmt worden. Aber es sind die Kleinen, auf die man alles abwälzen möchte, damit die Firma Krupp rein dastehe, damit man ihr weiterhin Aufträge von Reichs wegen zuwenden kann, damit die Ehre des Deutschen Reiches, die mit der Ehre der Firma Krupp merkwürdig versippt zu sein scheint, gerettet werde!(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Ich habe selbstverständlich vom Herrn Kriegsminister keinen Dank erwartet. Aber daß der Herr Kriegsminister in seinen Ausführungen glaubte, der Firma Krupp noch einen Dank abstatten zu müssen für ihre großen patriotischen Leistungen, das mutete doch ein wenig eigenartig an!(Zustimmung und lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten.— Unruhe.) Vielleicht ist der Herr Kriegsminister, der ja jetzt etwas daran gewöhnt ist, an patriotischen Zentenarfeiern teilzunehmen, dabei durch die Gewöhnung hingerissen worden; er konnte nicht anders. Ohne Krupp kann man ja alle die patriotischen Ruhmeslieder auf Deutschland gar nicht singen, wie sie in den Kriegervereinen, im Fungdeutschland-Bund, in allen den Militärvereincn usw. gesungen werden. Wenn einmal Krupp zusammenstürzt, dann hat unser deutscher Patentpatrioffsmus einen schweren Schlag erlitten. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man braucht nur ein- mal zu betrachten, wie sich die Presse zum Teil heute stellt. Die „Dcuff'chc Tageszeitung" registriert die gestrigen Vorgänge mit der Bemerkung:„eine schwere Beleidigung"— ich weiß nicht, vielleicht sogar:„eine Verleumdung der Firma Krupp". Das ist die Art, wie--(Abg. Dr. Oertel erhebt sich von seinem Platze.— Große anhaltende Heiterkeit.)— Lassen Sie es sich nur einmal geben!(Abg. Tr. Oertel: Tos steht nicht darin!)— Ich werde es Ihnen gleich zeigen,(Zurufe.— Glocke des Präsidenten.) Auch die„Tägliche Rundschau" reagiert in einer höchst verwerf- lichen Weife auf diese Dinge, indem sie dasjenige, tvas ich hier vor- gebracht habe, in einem Entrefilet in einer geradezu schnoddrigen Weise verhöhnt, während es die Entschuldigungsmeldungen breit und auffällig wiedergibt. Das ist auch so ein Organ, das sich nicht genug tun kann im patriotischen Geschrei, ein Organ, von dem man so sicher wie zweimal zwei vier ist sagen kann, daß auch, ohne daß es vielleicht die Betreffenden wissen, die geheimen Kanäle jener Rüstungsinteressentcn dort hineinleiten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Kriegsminister hat die Frage aufgeworfen, wieviel wir doch der Firma Krupp in Deutschland verdanken. Ich werfe die Gegenffage auf: Was verdankt die Firma Krupp dem deutschen Volke?!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Kricgsminister hätte sich doch einmal die Frage vorlegen sollen, ob die Leistungen der Firma Krupp nich� rechtgut bezahlt worden sind(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemoikraten), und ob die Hunderte von Millionen, die jetzt in den Händen dieser Firma sind, nicht aus den Taschen der Aermsten der Armen des deutschen Volkes entnommen worden sind.(Lebhaftes Sehr tvahr! bei den Sozialdemokraten— Unruhe rechts.) Die Firma Krupp sollte dem deutschen Volke danken, daß es diese Firma so hat blühen, wachsen und gedeihen lassen, wenn auch zu einem großen Teil recht widerwillig. Die Firma Krupp als patriotische Firma! Ist Ihnen bielleicht erinnerlich, Herr Kriegs, ninister, daß an, 29. April 1868 Herr Friedrich Krupp, Gutzstahlfabrikant zu Essen im Kreise Duisburg, an einen gewissen Napoleon Hl. von Frankreich einen Brief gerichtet hat, der in den bekannten„Briefen'deut- scher Bettelpatrioten" abgedruckt ist, in dem es heißt: Ermutigt durch das Interesse, welches Eure erhabene Majestät für einen einfachen Industriellen und die glück- lichen Ergebnisse seiner Bemühungen und seiner unerhörten Opfer bewiesen haben, wage ich von neuem, mich Aller- höchstderselben mit der Bitte zu nahen, geruhen zu wollen, beifolgenden Atlas anzunehmen. Er enthält eine Saimn- lung von Zeichnungen verschiedener in meinen Werkstätten eingeführter Gegenstände. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß besonders die vier letzten Seiten, welche die Guß- stahlkanonen darstellen, die ich für verschiedene hohe Regierungen Europas angefertigt habe, einen Augenblick die Aufmerksanlkeit Eurer Majestät auf sich lenken dürften und meine Kühnheit entschuldigen werden. Mit dem tiefsten Respekt, mit der größten Be- wunderilng — man könnte hinzufügen: und mit der Hofftrung auf recht zahl- reiche Bestellungen—(Sehr gut I und Heiterkeit bei den Sozial- demokraten). bin ich Eurer Majestät untertänigster und ergebenster Diener. (Heiterkeit und Zurufe von den Sozialdemokraten.) Und damit Sie auch wissen, unter wessen Segen die Firma Krupp sich darauf entwickelt hat, will ich Ihnen die Antwort Napoleons III. verlesen. Sie lautet: Der Kaiser hat mit vielem Interesse den Atlas emp' fangen, und Seine Majestät haben den Befehl gegeben. Ihnen für diese Mitteilung zu danken und Ihnen zu wissen zu tun, daß Seine Majestät lebhast den Er- folg und die Ausdehnung einer Industrie wünschen, welche die Bestimmung hat, der Menschheit beträchtliche Dienste zu er- weisen. (Zurufe und Lachen bei den Sozialdemokraten.) Es ist nur noch notwendig, daß in das Kruppsche Wappen ein Heiligenschein aufgenommen wird, in dem der Name Napo- leon III. einzuschreiben wäre.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Kriegsminister hat nicht nur der Firma Krupp den besonderen patriotischen Dank auszusprechen sich für verpflichtet gehalten, sondern er ist sogar so weit gegangen, mir einen kleinen Vorwurf zu machen, daß ich die Sache vorgebracht hätte; es würde das nicht dienlich sein für die Untersuchung, meint er. Wenn etwas bewiesen hat, daß es notwendig war, die Sache jetzt borzubringen, bann ist es die Art. wie der Herr Kriegsminister mir gestern gc- antwortet hat, und die Tatsache, daß der Herr Kriegsminister gestern zugegeben hat, baß ihm jener unerhörte Brief der Deutschen Munitions- und Waffensabrik bereits seit zwei Jahren be- kannt tvar, und daß er dennoch gegen diese Firma nichts unter- nomnicn hat, obwohl dieser Brief doch iu der Tat ein mindestens sehr starkes Stück auch für die stärksten Nerven der stärksten Geschäftspatrioten darstellt. Wie nötig es war, dieses Material hier vorzubringen, beweist aber weiter eine andere Tatsache. Nämlich die Untersuchung, die in der Hauptsache geschlossen ist, ist nunmehr auch gekehrt worden gegen denjenigen, von dem man den Verdacht hat, daß er mir die Mitteilungen gemacht hat. Das ist eine altbewährte Methode in Preußen: wenn ein Mißstand aufgedeckt wird, dann wird vor allem auch eingeschritten gegen den, der ihn aufgedeckt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nachdem ich als Zeuge vernommen worden bin in einem Verfahren, das dienen soll der Ermittelung, der Feststellung, ob irgendeine Person als Ueberlieferer dieses Materials in Frage kommen kann, sehe ich mich allerdings der- pflichtet, auch meinerseits mit aller Rücksichtslosigkeit vorzugehen. Im übrigen muß ich darauf hinweisen: der Untersuchungszüvcck kann nicht mehr gefährdet werden, denn alles Material i st bereits in den Händen der Richter, alles ist beschlag- nahmt; es kann sich jetzt nur noch darum handeln, die rechtliche Oualisilatioii zu finden für die Handlungen; das Tatsächliche liegt bereits fest in den Akten. Aber etwa mit diesen Mitteilungen so lange zu warten, bis die Heeresvorlage unter Dach und Fach sein würde, das konnte mir natürlich nicht beikommcn, um so weniger, als ich und alle meine Freunde und jeder Einsichtige vielleicht nach diesen Enthüllungen noch mehr als bisher wissen, daß es in der Tat gegenwärtig keine größere Gefahr für den europäisckien Frieden gibt— das muß immer wiederholt werden— als die französische und deutsche Heercsvorlage.— Und die deutsche Heeresvorlage ist unzweifelhaft, genau wie die französische Heeresborlage, zu einem sehr wesentlichen Teil das Produkt der patriotische» Wühlarbeit jener Sorte verächtlicher Geschäftspatriotc», von denen ich gesprochen habe.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Das Gemeinwohl hat»icin Vorgehe» gefordert, hat mir zur Pflicht gemacht, die gemeingefährlichen Praktiken der Rüstungsintercssenten aufzudecken! Ich habe gestern gesprochen von der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik, von den D i l l i n g e r Werken, von Krupp. Der Herr Kriegsminister hat Krupp halb oder dreiviertel in Schutz genonunen und noch dazu vcrherr- licht; er hat in bezug aus die Waffen- und Munitionsfabrik zu- gegeben, daß er nichts getan hat, und auch nicht gesagt, daß er etwas zu tun gedenke, und über Dillingcn hat er gänzlich geschwiegen. Ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich daraus die Schlußfolgerung herleite, daß die erforderliche Energie zum Ein- greifen beim Herrn Kriegsminister noch nicht vorhanden Ist, daß er denjenigen Standpunkt, über'den meiner Ansicht nach gar nicht diskutiert werden kann, weder in einer Verwaltung, die auf Rein- lichkeit hält, noch in eineni Parlament, das auf Reinlichkeit hält, bisher noch nicht mit der wünschenswerten Sicherheit eingenommen hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dabei ist die Sache von einer viel größeren Bedeutung, als nur durch den Namen Krupp angedeutet wird, oder durch die Namen Krupp, Waffen- und Munitionsfabrik, Dillingen. Ich habe im Beginn meiner gestrigen Ausführungen auf den Panzer p I a t t c n k o n z e r n hingewiesen. Es ist Ihnen be» kannt— das pfeifen ja die Spatzen von den Dächern; hier sitzen ja viele Herren, die über dieseDinge besser Bc- scheid wissen als wir—, daß die Rüstungsinteressentcn untereinauder allgemein kartelliert sind. Es ist weiterhin bekannt, daß Krupp der führende Name, die führende Macht in der Rüstungsindustrie ist. Wenn nun dasjenige, was ich hier vor- getragen habe, bei der Firma Krupp, der angesehensten aller dieser Fabriken, borkommt und nicht mehr bestritten werden kann, was für ein Licht wirft das dann auf die gesamte deutsche Rüstung»- industrie? Wessen haben wir uns zu versehen bei den übrigen Unternehmungen, die auf demselben Gebiete liegen? Die aller- größte Vorsicht ist geboten; das allergrenzenloseste Miß- trauen. Der Kriegsminister müßte eine allgemeine Enquete einleiten, die in der rücksichtslosesten Weise allen Firmen gegen» über durchgeführt würde. Denn wenn das bei Krupp und bei der Waffen- und Munitionsfabrik passiert ist, dann garantiert uns niemand dafür, dann spricht vielmehr eine gewisse Wahrscheinlich- keit— möchte ich fast sagen— dafür, daß die andern Firmen in ihren Geschäftspraktiken nicht wesentlich anders, anständiger als diese beiden großen Firmen sein werden. Ich habe von dem -Herrn Kriegsminister vermißt, daß er diese a lilgeme« ne Konsequenz gezogen hat. Daß der Konzern der RüstungZ- interessenten nicht nur ein deutscher Konzern, sondern ein intcr- nationaler ist, darauf weist ja bereits der Borgang Dillingen hin. Ich darf auch darauf hinweisen, daß die Firma Krupp mit ihrer vollen Firma, vollkommen unverschleiert, in Oesterreich- Ungarn an einem größeren Konzern teilnimmt, also über die Grenzen Deutschlands hinaus. Daß es sich um eine Sache von prinzipalster Bedeutung für das Wohl des Vaterlandes handelt, das dürfte doch wohl außer Zweifel stehen. Was habe ich nachgewiesen? Ich habe dargetan, daß die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik in der ausländischen Presse falsche Nachrichten verbreitet, um auf diese Weise in Deutschland Stimmung für eine neue Heeresvorlage zu machen. Ich habe nach- gewiesen, daß die Firma Krupp in Essen mit Bestechung, mit dem Mittel des Verrats militärischer Geheimnisse arbeitet, und daß sie damit bereits s e it Ja h r e n arbeitet, und zwar mindestens unter Kenntnis und auf Betreiben sehr hoher An- gestellter dieser Firma. Das sind Dinge von allergrößter Bedeu- tung, die dazu führen müssen, daß die Stellung des Reichstages zu der Frage unserer Rüstungen und der Art, wie die erforderlichen Materialien aufgebracht werden, sich gegenüber der Ber- gangenheit wesentlich verändert. Die Bestechlichkeit— darauf möchte ich hinweisen— der unteren oder oberen Beamten der Militärverwaltung fördern, wie es die Firma Krupp getan hat, das ist wahrlich keine Kleinigkeit. Das heißt diese Beamtenschaft korrumpieren. Das heißt diese Beamten doppelt zugänglich machen etwaigen Bestechungen auch aus dem Auslände.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das ist wohl kaum eine„hochherzige Betätigung patriotischer Gesinnung", für die ein solcher Dank hätte abgestattet werden müssen, wie ihn gestern der Herr Kriegsminister abgestattet hat.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Diese Leute, wie sie in der Firma Krupp, wie sie in der Waffen- und Munitionsfabrik, wie sie in dem Werke Dillingcn das große Wort führen und die diese Geschäftspraktiken ausüben, das sind die- selben Leute, denen der größte Teil der jetzt neu geforderten Milliarden aus den Taschen des Volkes gezahlt werden soll, das sind dieselben Leute, in deren Taschen jährlich ungezählte Millionen flössen, das sind dieselben Leute, die gleich- zeitig den Hauptprofit auS unserer heutigen Militärvcrfassung, aus den heutigen kapitalistischen Zuständen ziehen, und die als die schlimmsten Scharfmacher die Massen ber Bevölkerung gewalt- tätig niederhalte«, das sind die Rufer zum. Streit in ber Unterdrückung ber Bevölkerung, die Hauptschreier nach Zuchthaus- und Ausnahmegesetzen.(Stür. Mischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das sind dieselben Leute, die der Sozialdemokratie den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit zu machen sich erdreisten. Diese Mufterpatriotc« dürften gerichtet sein mit ihrem Gebaren, das an Hoch- und Landesverrat mindestens grenzt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)' Ich habe, indem ich mein Material hier vorgebracht habe, meine Schuldigkeit getan. Ter Herr KriegSmini st er wird seine Schuldigkeit zu einem großen Teil noch zu tun haben; es darf nichts verschleiert und nichts vertuscht werden. Es handelt sich hier um ein Panama, schlimmer als ein Panama. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir wollen abwarten, ob die Regierung die nötige Energie finden wird, um auch der allmächtigen Firma Krupp gegenüber und dieser ganzen allmäch- ligen Kapitalsclique gegenüber mit der nötigen Wirkung einzu- greifen, und wir wollen abwarten, ob auch die Mehrheit dieses Reichstages die erforderlichen Schlußfolgerungen ziehen wird, die im Interesse des deutschen Volkes, im Interesse des europäischen Im Kwinsge. Mit der Südbahn nach Möns, in den Borinage, inS Land MeunierS, zu beiden Seiten von Steinbrüchen unterbrochen, hell« grüne Frühlingswiesen, junges Blattwerk an Baum und Strauch. Mittendrin da und dort kleine Fabrikgebäude, Papierfabriken. Aber die Luft ist über ihnen klar, kein Rauch steigt auf. Zwischen Brüssel und Möns, auf der Weghälfte Braine-Le-Compte. Wir stecken den Kopf aus dem Wagenfenster. Es stimmt. Der Tunnel ist militärisch bewacht. Die Regierung, Gott sei Dank, denkt an alles. I» MonS besteigen wir den Wagen und beginnen unsere kleine Rundtour durchs„schwarze Land", in dem gegenwärtig SO 000 Berg- und Metallarbeiter die Hände gekreuzt haben. Sie gehören mit zu den ungeduldigsten enthusiastischsten Wahlrechtskämpfern des Landes, diese„BorainS", deren markige Typen die ganze Welt aus den Bronzen Meuniers kennt. Sie gehörten zu jenen auch, die am Tage nach den Juniwahlen in aufwallendem Zorn das Werkzeug hingelegt haben. Die Proklamation des jetzigen Genecalstreiks war für sie das ersehnte Kampfsignal. Man hat uns die beiläufige Ziffer der Spareinlagen genannt, die die Borinage- arbeiter bei ihrer Gewerkschaft für den Generalstreik gemacht haben. Auch sie zeigt das Ausmaß der Begeisterung und den Heroismus der wallonischen Bergarbeiter an: vom kargen Lohn Sou um Sou zurückzulegen, durch Monate und Monate, damit der Kampf für ihre Würde und ihr Bürgerrecht auf Wochen gesichert sei.— Die BorainS können ausharren im Kampfe. Das hörten wir, so oft wir auch die Frage an einen Streikenden oder an einen Gewerkschaftsfunktionär richteten. Ah, der Borinagel Man reibt sich wahrhaftig die Augen und glaubt an Verzauberung. Ist es denn wirklich das„schwarze Land?" Die Sonne tritt zwischen Regenschauern hervor und wir schauen in die eigenartige, etwas schwermütige Landschaft hinaus, wo Terril an Terril— die, pyramidenartig aufgehäuften Schutthalden— oft grün überwachsen und manchmal schon bewaldet, steht. Wir sehen die roten Häuser in Grün gelagert, mit hellgelben und hellgrünen Fensterläden, sehen die langen trüben Zeilen der einförmigen, geschwärzten Bergarbeiterhäuschen. Und wir sehen die Kohlen werke! Eins am anderen, größere, kleinere, riesige wieder mit palastartigen Werksgebäuden. Aber ein rätselhafter Schlaf liegt auf diesem bunten Bilde voll Natur- und Arbeitspoesie. Kein Rauch, wohin wir schauen! Munter schauen die Schlote in die Luft— aber kein brauner Qualm kommt aus ihrem Innern.... Rein und klar die Luft über allem! Still die Sträßchen, die Werke vereinsamt, verlassen. In den Vizinalbahnen, in Trambahnen, wo es sonst von Arbeitergestalten wimmelt, fast keine Seele. Tie Arbeit schlaft, feiert. Wie Sonntagsstimmung liegt'S überm Land. Fehlt nur, daß die Glocken läuteten. Der Borinage ist verzaubert. Die Luft ist klar, nicht Rauch noch Leben in der ganzen Weite. « Friedens gezogen werden müssen.(Stürmischer wiederholter Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Heeringen: Ich habe gestern gesagt, daß, so- weit ich das Ergebnis der Untersuchung überhaupt zurzeit kenne, Landesverrat oder Verrat militärischer Geheimnisse, die die Sicher- hcit des Reiches gefährden, nicht in Frage kommen. Dabei bleibe ich. Ueber die Untersuchung selbst kann ich mich nicht äußer n. Erstens geht sie mich überhaupt nichts an, und zweitens weiß ich auch tatsächlich nicht, wie sie im Augenblick steht. Was das Verhalten der Waffen- und Munitionsfabriken be- trifft, so hat sie allerdings vor etwa 3 Jahren einen Artikel in die französische Presse lanzieren wollen, der aber nach den Er- k l ä r u n g e n der Generaldirektion damals lediglich den Zweck hatte, bestimmte Anhaltspunkte über die Absichten der französischen Heeresverwaltung durch die Herausforderung ihrers Widerspruchs zu erhalten.(Lachen links.) Fest steht, daß diese Fabrik niemals irgend einen Einfluß auf die Entschlüsse der beut- scheu Heeresverwaltung betr. Ausstattung mit Maschinengewehren, um die es sich damals handelte, gehabt hat.— Mit den D i l l in« ger Werken stehen wir in keinerlei geschäftlicher Verbindung. Was den Fall Krupp anlangt, so mochte ich nochmals bitten, warten Sie die Untersuchung ab. Für den Verdacht, daß irgend etwas vertuscht wird, haben Sie keinen Grund. Die Untersuchung liegt in den Händen preußischer Gerichte und das Ansehen preußischer Gerichte bürgt dafür, daß olj i« c A nf e h e n der Person untersucht wird.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich unterscheide mich von dem Abg. Liebknecht dadurch, daß ich mein Verdammungsurteil zurückhalte, bis Klarheit durch die Untersuchung geschaffen ist, und daß ich auch die Verdienste der Firma nicht verkenne. Abg. Oertel(k.): Der Versuch der Waffen- und Munitions- fabrik, auf die öffentliche Meinung in Frankreich einzuwirken, ist nicht nur als höchst unglücklich, sondern auch als recht töricht zu bezeichnen. lRufe bei den Sozialdemokraten: Weiter nichts!) Ich hoffe, daß diese Fabrik künftig etwas vorsichtiger vor- geht.(Große Heiterkeit und ironisches Sehr gut! bei den Sozial- deniokraten.) Daß sie sich auch etwas vaterländischer verhalten wird. Ich will nur einige Worte zur Haltung der„Deutschen Tageszeitung" zum Fall Krupp sagen. Der Abg. v. Putlitz hat bereits gestern uiunnwuiiben erklärt: Wenn die Mitteilungen des Herrn Abg. Dr. Liebknecht richtig wären, wenn der Nachweis geführt ist, daß die Firma Krupp oder höhere Beamte an diesen Machenschaften beteiligt sind, könnten wir kein genügend scharfes Wort der Verurteilung finden. Unbedingt können wir die Verurteilung heute noch nicht aussprechen. Denselben Standpunkt hat die„Deutschs Tageszeitung" vertreten. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ueberschrift!) Sic hat geschrie- ben:„Der ganze Reichstag ist sich wohl darin einig, daß wenn die Beteiligung der Direktion der Firma Krupp an diesen Dingen sich herausstellen sollte, die erforderlichen Konsequenzen der Firma gegenüber gezogen werden müssen, und daß kein Wort der deutschen Sprache scharf genug sei, um derartige Verfehlungen zu kennzeichnen. Auch das, was jetzt schon feststeht, ist peinlich und bedenklich genug."(Hört! hört! rechts.) Schärfer und entschiedener kann man sich wohl in diesem Augenblick nicht aussprechen. Nun hat allerdings der Schlußredakteur des Blattes dem Artikel die Ueberschrift gegeben:„Eine schwere Beleidigung der F i r m a K r u p p. Ich gebe zu, daß ich statt dessen geschrieben hätte„Eine schwere Beschuldigung". Das wäre klar und korrekt gewesen.(Sehr richtig!) Aber die Herren vom„Vorwärts" haben ja wohl auch schon die Erfahrung gemacht, daß sie irgend einen unglückseligen R e d a k t e u r nicht vollkommen an der Strippe halten konnten.(Heiterkeit.) Herr Liebknecht wies dann auf uns hin: Hier säßen die Kenner des Panzerplatten- konzerns. Ich selbst habe keine Ahnung von den Machcnschaf- ten dieses Konzerns.(Zuruf rechts.) Meine politischen Freunde legen Wert darauf, daß ich dabei auch für sie spreche. Ich unter- schreibe, was gestern Herr v. P u t l i tz sagte, in der B c r g a n g e n» h e i t wären bisweilen Kriege durch großkapitalistische Machenschaften veranlaßt worden. Er hat hinzugefügt, daß für das Deutsche Reich diese Gefahr nicht bestehe, insbesondere nicht in diesem Zeitpunkt. Die Notwendigkeit der Hecresverslärkung liegt so auf der Hand, daß es dazu großkapitalistischer Machenschaften nicht bedarf.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Braband(Vp.): Niemand wird hier den Anwalt der Firma Krupp spielen wollen, wir hoffen, daß es nur an dem mangelnden Urteilsvermögen des Beamten gelegen hat, wenn Erste Station Jemappes, eine Gemeinde von 14 000 Ein« wohnern. Der Regen strömt nieder, ein Flüchten ins Maison du Peuple von Jemappes. ES ist eben Streikversammlung und wir be treten den großen Festsaal, wo die Menge schon Kopf an Kopf steht. Der Leiter der Versammlung nötigt uns, auf der Tribüne Platz zu nehmen. Das erste, worauf unser Auge fällt, sind die kleinen Jungen, die um die Tribüne gruppiert sind. Kappen tragen sie wie die großen Arbeitsbrllder. Arbeitsbrüder, in der Tat: denn die kleinen Jungen sind— Berg- arbeiter und Glasbläser. Im Laufe der Versammlung hörte man, daß sich Eltern gefunden haben, die ihre Kinder während de« Streiks in einer Seidenfabrik arbeiten lassen, was mit lautem Protest auf« genommen wurde. Wahrlich, auch ein herrliches Zeiche» des kapita- listischen Zeitalters: Kinder als Streikbrecher im Wahlrechts- kämpfe.... Wir— der Sekretär der belgischen Bildungszentrale und ich, die wir die kleine Tour gemeinsam machen— werden vom Vorsitzenden der Versammlung als Freunde und Genossen vorgestellt— denn die Bergarbeiter sind mißtrauisch und keiner darf in ihre Versammlung, der sicki nicht als Streikender legitimiert. Sie halten sich an die Parteiparole: Achtung vor den„Pourbaix"— vor der Spitzelgarde, die den„ftiedlichen Streik" umlauern. In der Versammlung werden verschiedene Mitteilungen gemacht, Mahnungen erteilt und schließlich wird über die Kammerfitzung be- richtet. Auffallend ist die zwar wallonisch-icmperamentvolle, aber doch ruhige Haltung der Versammlung. Ein Zwischenruf und wieder Ruhe. Die Diskussionsredner melden sich nicht zum Wort, sondern sprechen einfach aus der Menge heraus, was den ganzen Verhandlungen etwas Familiäres, einen Charakter von Bonhomie gibt. Von nächster Woche soll ein Versuch mit Suppenausspeisung gemacht werden. Wenn nötig, soll zur Zeit auch hier die Versorgung von Kindern in die Hand genommen werden.(Aber man hört allenthalben, daß die BorainS sich dem widersetzen. So lang Brot im Haus ist. bleiben unsere Kinder da, erklärte unS mehr als eine Bergarbeiterfrau im Laufe unserer Rundfahrt. Und die Väter denken ebenso.) Wie in allen Streikversammlungen, wird auch in dieser der Alkoholboykott gepredigt. Ihr müßt nichts trinken, Ihr seid im Volkshaus, wo es keinen Trinkzwang gibt. Spart Euer Geld, nehmt ein Glas Kaffee höchstens— ein friedlicher Streik muß auch ein A l k o h o l st r e i k sein, sagt der Berichlerstatler. Eine andere Mitteilung bezieht sich aus eine gesetzliche Bestimmung, die den Unternehmern das Recht gibt, in bestimmten Fällen, wenn die „öffentliche Sicherheit' es gebietet, durch Intervention der Regierung Arbeiter zu requirieren. Es müsse vorgesorgt werden, daß diese Bestimmung nicht dazu benützt werde, durch Requisitionen den Kampf der Arbeiter zu schwächen. Wir verlassen die Versammlung und weiter gehts nach Quaregnon. Dasselbe Bild, wenig Leute in den Srraßen. Die Bergarbeiter halten sich streng an die Parole: Bleibt zu Hause, meidet die Straße und Ansammlungen. Auch die Volks« Häuser sind fast leer, wenn nicht eben Versammlungen sind. Die Borains find daheim, bestellen ihr Haus, ihr Gärtchen, spielen in er glaubte, im Sinne der Firma zu handeln.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Eine Aeußerung des Abg. Liebknecht mutz uns vorsichtig machen. Es klang aus seinen Worten heraus nicht nur die völlig berechtigte Empörung über Mißstände, sondern nebenbei auch der Wunsch, aus diesen, wären sie zutreffend, gewiß bedauerlichen Vorgängen Kapital zu schlagen für seine grundsätzlichen Anschauungen.(Unruhe und Zurufe bei den Sozial- dcmokraten.) Die Schlußfolgerung: Wenn eine Firma etwas Un- rechtes tut, werden es wohl alle tun, lehnen wir ab.(Abg. Lede- bour: Sie rutschen noch unter die Konservativen herunter! Heiterkeit.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Ich bitte den Kriegsminister, sich über die Untersuchung a u f d e m L a u f e n d e n zu halten und uns möglichst rasch und vollkommen zu unterrichten. Kriegsminister v. Heeringen: Ich bin dazu gern bereit, soweit das Gericht es für angängig erachtet. Abg. Dr. Hegenscheidt(k.): Herr Liebknecht hat, um der Heeresvorlage Schwierigkeiten zu bereiten(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten), es so dargestellt, als ob die Rüstungsinteressenten die Urheber der Wehrvorlage seien. Dagegen legen wir Verwahrung ein. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die Ueberschrift d es Artikels der„Deutschen Tageszeitung" war zweifellos geeignet, einen Leser irre zu führen, der die Presse nur flüchtig durchgehen kann. Dafür ist die Zeitung verantwortlich. �Abg. Oertel: Sehr richtig!) Aus den angeführten Tatsachen Schlußfolgerungen zu ziehen, war meine Pflicht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es handelt sich um gefährliche Symptome, die es notwendig machen, daß mit einem eisernen Besen ausgefegt wird. Wir hoffen, daß das geschehen wird.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Die vorliegenden Resolutionen werden angenommen, darunter eine Resolution A l b r e ch t vom vorigen Jahr, wonach kein Angehöriger des Heeres aus rcli- giöser oder politischer Ueberzeugung zurückgesetzt werden darf.—. Der Titel„Kriegsminister" wird bewilligt. Zum Kapitel Militärjustizverwaltung liegt eine Resolution A l b r e ch t(Soz.) vor, wonach die Kriminalstatistik für Heer und Marine ausgedehnt werden soll auf folgende Punkte: Hast- und disziplinarische Arrcststrafen; Ausschluß der Oeffentlichkeit bei der Hauptverhandlung; Einjahrig-Freiwillige; Angehörige der dem Militärrecht unterstellten Gendarmerie: Summe der Freiheitsstrafen innerhalb jeder einzelnen Straf, art und Gesamtsumme aller Freiheitsstrafen, Selbstmorde und Selbst- Mordversuche. Abg. Kuncrt(Soz.): Die Militärsustiz greift tief ein in unser ganzes Volksleben. Es ist der juristische Niederschlag des ganzen militari- stischcn Geistes und Milieus. Für dieses Militärjustizwesen können wir die Kosten nicht bewilligen. In Zriedenszeiten erstreckt sich daS Militärrecht aus eine Million, in Kriegszeiten auf fünf Millionen Personen. Es ist ein Ausnahme-, ein Sonderrecht, weit schlimmer als das Jesuiten» g e s e tz. Dieser Zustand ist unerträglich. Ich könnte eine lange Reihe Einzelfälle aufführen. Ungefähr 14 000 Verurteilungen hat das statistische Jahr 1011 gebracht. Darunter sind eine große Menge sehr schwerer Strafen. 75 Jahre Zuchthaus sind verhängt worden, einmal Todesstrafe. Auffallend ist, daß die rein militärischen Delikte der Desertion und der Insubordination, des Mißbrauchs der Dienstgewalt und Mißhandlungen zugenommen haben. Ich stütze mich dabei auf amtliches Material. Eine Ab- »ahme hat stattgefunden, wenn man die Jahre 1900— 1911 den Jahren 1900— 1905 gegenüberstellt, auf dem Gebiete der Jiisub- ordinationsprozesse und der Mißhandlungsprozesse. Eine kleine Zunahme ist zn verzeichnen beim Mißbrauch der Dienstgewalt, eine erschreckende Zunahme bei den DescrtionS- d e l i k t c n. Für die Höhe der Bestraftrngcn fehlt es an sicheren statistischen Unterlagen. Daher verlangen wir solche in unserer Resolution. Schätzungsweise kann man feststellen, daß für Des er» tion seit Bestehen der Armee 33 090 Jahre Gefängnis verhängt worden sind; ebenso viel etwa für Insubordination. Zu- sammen sind also mindestens 50 000 Jahre Strafen nur für diese beiden Deliktarten verhängt worden.(Hört! hört! bei den Sozial» demokraten.) Für alle Deliktarten muß man mit wenigstens der Nähe im Freien eine Art Kugelspiel, besSäftigen sich mit ihren Kindern, lesen Streiknachrichten. Kommt man durch die Straßen, sieht man die Arbeiter an ihren Fenstern, die Frauen auf der Schwelle, die Kinder vor dem Tore. Und die Gendarmen und Soldaten kauern. Pfeifen rauchend, Karten spielend in ihren Schlupf« winkeln, in der Mairie oder wo sie sonst untergebracht sind. Kein Betrunkener ist zu sehen, die Wirtschaften stehen leer. Eine Dis» ziplin, eine Würde der Haltung, die immer wieder zu neuer Bewunde- rung hinreißt. Von Quaregnon, wo eS 5000 Streikende gibt, nach Horn«, ins dortige VolkShauS. Alles streikt. Kein Zwischenfall. Ruhe. Disziplin. An der Charlonnage de Gd. Hornu vorbei weiter nach Paturages. Dieselbe Stille wieder. Im Volkshause drei, vier Arbeiter.„Wo sind die Streikenden?" fragen wir.„Alles zu Hause, bei Weib und Kind in häuslicher Tätigkeit. Wollen wir welche be» suchen?"— Wir sind natürlich gerne einverstanden. In einem ver- schlafenen Gäßchen, wo das Grün aus allen Ecken guckt, machen wir Halt, klopfen an. Freundlich werden wir, vom Verwalter des Volks» Hauses vorgestellt, aufgenommen. Die kleine Vorderstube ist blank und freundlich. Wir werden nach der Küche gebeten, wo gerade das Mittagbrot dampft. Tie Kinder sitzen vor den Tellern und lachen uns lustig zu, während sie die Kartoffeln in den Mund schieben. „Die Kinder? Ach, die bleiben bei uns. Es wird reichen. Wir haben ja für den Generalstreik gespart." Und er zeigt uns ein Sparbuch vom Syndikat.„Und die Frauen sind zuftieden mit dem Generalstreik?" fragen wir. Die Frau lächelt.„O ja, uns ist er recht."— Das ist alles, was sie sagt. Aber wie viel ist dieses brave, tapfere«o ja", das für sie und die Tausende Frauen bedeutet, auf den kargen Lohn verzichten, Entbehrungen auf sich zu nehmen für einen politischen Kampf— der Männer. Ein SolidaritälSait, vor dem sich mancher laute, großmäulige frauenrcchtlerische Akt verstecken kann. In einer anderen Bergarbeilcrwohnung treffen wir die In» fassen gerade beim— Tunchen und Tapezieren ihrer kleineu Behausung. In, müssen doch den Streik ausnützen, lacht die Frau gemüilick. Wir stellen wieder die Frage, ob die Frauen für den Streik sind.„Freilich", sagt sie, und die andere HauS» bewohnerin stimmt redselig bei. Und man plaudert über frühere Kämpfe der Bergarbeiter, über Kommendes. Und auch hier wieder: Mut und Freude für den Kampf, Hingabe an das Ideal. Opfer» freudigkeir„Ein wunderbarer Streik", so sagte uns ein Partei. funltionär,„wie er noch nicht zu seben war". Dieses Wort klingt in uns, wie wir durch den sinkenden Abend von Möns wleder nach Brüssel fahren, aus dem toten Kohlenland in die lebendige Groß- stadt. Wir läcbeln, da wir Soldaten auf den Wiesen sehen. � Wie klein und armselig erscheinen die Interessen und die Bedürfnisse, Furcht und Hoffnung der Herrschenden angesichts dieser einzigartigen Willenskundgebung des belgischen Proletariats, daS nicht nur mit den Ziffern seiner Slreikarmee, sondern ebenso durch seine wunder» bare Disziplin und KampfeSwürde der sozialistischen Internationale und schließlich allen, die Sinn für Größe haben» Bewunderung ab» ringen muß. � � 100 Jahrtausenden an Zuchthaus- und Gefängnisstrafen rechnen von 1868 bis 1912. Bei den drakonischen Strafen ist es erstaunlich, dag noch io viel Insubordinationen vorkommen. Die menschliche Natur J-iistt sich eben nicht ganz entseelen. iSehr wahr! bei den Sozialde- mokraten.) � Genau auseinanderhalten muh man die Mißhand- hingen selbst und die Prozesse darüber. Eine große Zahl von Miß- Handlungen, etwa 20 Prozent, werden aus disziplinarischem Wege erledigt, sehr viele, sicher die Mehrzahl bleiben gänzlich ungesühnt. Man kann also nicht aus der Abnahme der Zahl der Mißhand- lungsprozege den Schluß ziehen, daß auch die Mißhandlun- gen abgenommen hätten. Tabula rasa mit den Mißhandlungen würde lnan machen, wenn man nicht nur den Schuldigen, sondern auch den höheren Vorgesetzten entlassen würde. Notwendig ist auch ein wirkliches Beschwerderecht zur Ausrottung der Miß- Handlungen. Ferner muß den �Mißhandlungen gegenüber das Notwehrrecht anerkannt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zu- genommen hat in hohem Maße auch die Desertion, und das ist eine scharfe Verurteilung des Militarismus. Die allgemeine Zunahme der Delikte von 1901 bis 1911 ist eine Bankrotterklärung der A b s ch r e ck u n g s t h e o r i e n des Militärgerichtsverfah- rens. Unserer Resolution, welche die Ausdehnung der Kriminal- statistik für das Heer und die Marine wünscht, kann jeder unbe- schadet seines Parteistandpunktes zustimmen und ich bitte um ihre einstimmige Annahme. Im letzten Punkt der Resolution verlangen wir statistische Angaben der Selbstmorde und Selbstmordversuche. Auf jeden Tag des Jahres entfällt ein S e l b st m o r d. Der Pro- zentsatz der Selbstmorde ist 14 mal höher als bei der Zivilbevöl- kerung. � Eine lückenhafte Statistik ist nutzlos. Palmerston hat ein- mal gesagt, es gibt drei Arten von Lügen, die Notlüge, welche die mildeste Form ist, dann die viel schlimmere bewußte Lüge, die schlimmste Lüge aber ist die Statistik. Deshalb verlangen wir in unserer Resolution eben die Verbesserung der Statistik. Weiter ver- langen wir eine Reform des Militär st rafgesetzbuchs; es muß dem Zibilstrafrecht nicht nur�angepatzt werden, sondern einfach durch dasselbe ersetzt werden.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Notwendig ist, wie ich vorhin schon sagte, ein wirk- liches Beschwerderecht und ein Notwehrrecht der Mannschaften, G e- walt muß mit Gewalt abgewehrt werde n�kön- ne n. Das hat hier früher auch der Kaplan Dasbach gefordert, und das fordern auch eine Reihe namhafter Militärjuristen. Dem Buchstaben nach existiert jetzt schon ein Notwehrrecht, es wirch aber nicht zur Geltung gebracht.— Ein Unfug ist der häusige Ausschluß der Oeffentlichkeit aus sog.„Interesse des Dienstes", wodurch die Oeffentlichkeit zu einem Schein herabgedrückt wird.— Auch mit dem Strafvollzug steht es sehr schlimm, bei ihm fehlt voll- ständig die Humanität. Wir haben noch den strengen Arrest mit Dunkelzelle, Holzpritsche und Hungerkur. der eine die Gesundheit in höchstem Maße schädigende Barbarei und Folter ist. Der Grund aller Uebel unseres Militärgerichtsverfahrcns und unserer Militärjustiz liegt darin, daß wir in einem Klassen- staat leben, der ein Abbild auch im Militärstaat, diesem Staat im Staate findet. Daher haben wir auch beim Militär eine Klassenjustiz. Sie zeigt sich in den milden Strafen ftir Vor- gesetzte, in strengen für die Mannschaften, sie zeigt sich darin, daß nu r für die Mannschaften die Strafe des schweren Arrestes ver- hängt wird. Durch 40 jährigen parlamentarischen Kampf haben wir eine wesentliche Acnderung nicht erreichen können; sie wird auch erst erreicht werden, wenn die ganze Wucht einer starken Volksbewegung sich dafür einlegt und an die Tore der Regierung und des Parlamentes klopft. Dann wird man nachgeben unter dem Zwange drastischer Mittel; dann aber wird es für die bürger- lichen Parteien und für die Regierung zu spät sein.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Stadthagcn(Enz.): Ich will hier den Fall eines Soldaten zur Sprache bringen, der gern Soldat wurde, sich beim Militär ein Fußleiden zuzog und dem nicht geglaubt wurde, daß er krank war. Da er dem Befehle, Klimm- züge zu machen und zu marschieren, trotz größter Anstrengungen nicht nachkommen konnte, wurde er wegen Gehorsamsver- Weigerung angeklagt und in 1. Instanz zu 4, in 2. Instanz zu sechsMonatenGefängnis verurteilt. Im Gefängnis wuvde von neuem, da ihm nicht geglaubt wurde, daß er krank sei, ein E r- mittelungsverfahren wegen Simulierens ange- stellt; hierbei erst wurde man darauf aufmerksam, daß er wirklich krank sei, und es wurde ein Wiederaufnähmeverfahren betrieben. In diesem unterlag die Sache der Begutachtung des Wissenschaft- lichen Senates. Dieser hat mit anerkennenswerter Klarheit sich über das fehlerhafte Verfahren der unteren Aerzte ausgesprochen und das Obeririegsgericht hat den Mann im Wiederaufnahmever- fahren freigesprochen und ihm eine Rente zugebilligt. Irren ist menschlich, aber es darf nicht vorkommen, daß Aerzte, weil sie eine Krankheit nicht erkennen, erklären, es liegt Simulation vor. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Als der Mann nach Haus kam und im Krankenhaus keine Aufnahm« fand, wurde er eines schönen Tages plötzlich von einer Militärpatrouille ab- geholt und ins Lazarett gebracht, ohne daß der Familie von seinem Verbleib Mitteilung gemacht wurde.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich frage, wie derartiges möglich ist. Der Mann war durch die Behandlung, die er erfahren, auch an den Rand der Geisteskrankheit gebracht worden und wurde vom Lazarett ins Irrenhaus'gebracht. Von hier hat die Familie, die sich an den Kricgsminister wandte, ihn ja frei be- kommen und er führt jetzt einen Kampf um die ihm zu- - r-6/1 e � e Ii t e. Ader ich frage noch einmal, wie ist derartiges �ll-ich iSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sicherlich ist es auch nicht der einzige Fall, in dem krank Geschlagene für Simu- lanten erklart und bestraft werden. Gegen die schuldigen O f f i- ziere und Aerzte muh mit aller Strenge vorge- 9 nn ge ii werden. Waren sie sich der Tragweite ihrer Handlungen nicht bewußt, so müssen sie rücksichtslos als ungeeignet aus ihren Stellungen entfernt werden, andernfalls muß strafrecht- l i ch geg�n ne eingeschritten werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Tie Resolution Albrecht auf Erweiterung der Kriminalstaftstik wird angenommen. Zur i'iesolution der Kommission bezüglich des Verzichtes der Fürsten auf uberfluftige Adjutanten bemerkt Kriegsminlfter v. Herringen: Bis zur dritten Lesung wird sich die Sache nicht mehr erledigen lassen. Abg. Dr. Sva.>n(Z.)- nicht hindern, die Re- solunon a n z u n c y m e n; der Kriegsminister muß dann wenig- stens den Versuch machen, die Sache bis zur 3. Lesung zu erreichen. Die Resolution wird angenommen. Beim Kapitel»General st ab und Vermessungs- w e se n" bsdauert Abg. Pinkau(Soz.)' daß Angestellte der Militärverwaltung dem schwer leildenden litho- graphischen Gewerbe unlautere Konkurrenz machen, indem sie LS Prozent billiger arbeiten als nach dem Tarif.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)�-�e J��lwnisation hat sich vergeblich bemüht, eine Abstellung dieses Mimmndes jU erreichen, sie hat nicht einmal eine Antwort vom Kriegsminister erhalten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es folgt Kapitel Geloverpflegung der Truppen. Abg. Zubeil(Soz.): Trotz alles Wohlwollens, das der Reichstag den Zivilberufs- Musikern entgegenbringt, scheitern alle Versuche, sie gegen die Kon- kurrenz der Militärmufiker zu schützen, an dem Wider- stand der Militärbehörden. Nach der Bewilligung der neuen Mili- tärvorlags wird diese Konturrenz noch schlimmer werden, die Zahl der Militärmusiker wird dann noch zunehmen. Der Reichskanzler hat den Verband deutscher Mufrker an den Kriegsminisler verwiesen. Trotzdem hat ihn dieser einfach als �uft behandelt. Die Bestimmungen für die Militärmusiker sind gut, werden aber nicht durch- geführt. IS Millionen Mark erzielen die Militärkapellen im Jahre. Manche Militärkapellmeister, Musikmeister und Obermusik- meister haben Einkommen von 20000 M. Daher haben sie großes Interesse an der lässigen Handhabung der Bestimmungen. Dies hohe Einkommen erklärt sich durch die Ausbeutung der Militärmusiker; sie erHaltenjAnteil an jeder Tätigkeit ihrer Musiker für Private. Vor dieser Schmutzkonkurrenz müssen die Zivilmusiker geschützt wer- den. Dafür sollten all die Parteien eintreten, die sich immer als «chutztruppe der Kleinen und Schwachen aufspielen. Ein Eingehen aus eine Eingabe des Vereins der Berliner Musiker lehnte das Generalkommando des Gardekorps und das Kriegs- miuisteriumab mit der Bemerkung, der Verein möge erst nach- weisen, daß er den größten Teil der Zivilberufsinusiker vertrete. Daß dieser Nachweis überhaupt nicht zu erbringen ist, hat das Statt- stifche Amt dem. Verein bestätigt. Die einzige Hoffnung der Zivil- berufsmusiker ist nun der R e i ch s t a g. Da sie jetzt der Ange- stelltenversicherung unterstellt sind, werden sie von den Lokalbesitzern noch weniger gern genommen, als die Militärkapellen, für die kein Versicherungsbeitrag zu leisten ist. Die Uniformen wer- den aus den Steuern deS Volkes aufgebracht, Sie dürfen nur zu militärischen Zwecken benutzt werden. Ihre Ausnutzung zu gewerb- lichen Zwecken sollte der Reichstag verbieten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Musik- und Obermusikmeister haben einen Verein gebildet, um die Konkurrenz unter sich mehr einzuschränken und die Kon- kurrenz gegen die Zivilberufsmusiker mehr auszudehnen. (Hört! hört!) Die Stadtkapelle in Bautzen, die von 1901 bis 31. März dieses Jahres bestand, ist jetzt durch die Schmutzkonkurrenz der Militärkapellen verdrängt worden. Die Militärkapellen be- treiben ihr Gewerbe im Umherziehen selbst, über die Grenzen Deutschlands hinaus. Ich behalte mir vor, im nächsten Jahre ein- gehcnderes Material vorzubringen, wenn inzwischen nicht Abhilfe der Mißstände erfolgt,(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Generalleutnant Wandel: Das Ministerium ist in eine ernste Prüfung der Frage eingetreten, die ergeben hat, daß ein Grund zu ernsten Beschwerden der Zivilberufsmusiker nicht vorliegt. Generalleutnant Leuckhart v. Weißbach: Der Fall Bautzen liegt anders, als es der Abg. Zubeil darstellte. Die Zivilmusikcr stellten dort so hohe Forderungen, daß die Stadt sie nicht erfüllen konnte. Die Stadt hat sich dann an die Militärmusiker gewandt, die aber abgelehnt haben. Abg. Zubeil(Soz.>r Daß die Militärmusiker nicht versicherungspflichtig sind, weiß ich. Ich habe nur festgestellt, daß die Saaltnhaber, die solche Kapellen anstellen, die Militärmusiker auch deshalb vorziehen, weil sie dann oen hohen Persicherungsbettrag für die Zivtlberufs- musiker sparen. � Das Kapitel wird bewilligt. Es folgt das Kapitel Bekleiduugsämter. Abg. Böhle(Soz.): Im Straßburger Bekletdungsamt werden die Arbeiter wegen geringer Vergehen hart bestraft. Die Arbeiterausschüsse haben nichts zu sagen. Man hat dort jetzt eine andere Arbeits- Methode eingeführt, bei der man die Arbeiterinnen noch mehr drückt; eine ganze Reihe von Sachen werden nicht mehr direkt den Arbeiterinnen als Heimarbeit mitgegeben, sondern sie werden dem katholischen Frauenbund übergeben, der die Arbeit um 20 Pf. billiger machen läßt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der evangelische Frauenbund hat die Heber» nähme dieser Arbeit mit der Begründung abgelehnt, er wolle nicht Lohndrücker sein.(Hört! hört!) Noch schlimmere Lohndrückerei treiben die Zwischenmeister.— Bei dem Bekleidungsamt Breslau klagt man über schlechte Behandlung der Schuh- macher, die durchschnittlich nur 3,7ö M. täglich verdienen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten)— Bei der Einstellung von Oekonomie-Handwerkern sollte mit der nötigen Vorsicht verfahren werden, damit nicht, wie es geschehen ist, kranke Leute eingezogen werden. Generalmajor Staads: Das Bekleidungsamt Straßburg sucht keineswegs Lohndrückerei zu treiben; bei Vergebung von Arbeiten verlangt es von den Meistern die Bezahlung angemessener Löhne. — Beim Bekleidungsamt Breslau betrugen 1910 die durch- schnittlichen Löhne der Schuhmacher nicht 3,7S M., sondern 4,20 M., und 1911 stiegen sie auf 4,42 M. Abg. Duffner(Z.) bestreitte, daß der katholische Frauenbund in Straßburg Lohndrückerei treibt, und klagt über die Zuweisung von Arbeiten an die S t r a f a n st a l t e n. Abg. Jockel(Soz.): Ihr Tucb sowie ihre Leinen- und Baumwollstofte bezieht die Militärverwaltung von Fabriken, die besonders schlechte Löhne zahlen. Sie hätte die Pflicht, nur mit solchen Fabriken in Verbindung zu treten, die die in der Branche üblichen Löhne zahlen und Tarifverträge mit ihren Arbeitern abgeschlossen haben. Die österreichische Heeresverwaltung stellt recht weitgehende For- derungen der Art an ihre Lieferanten. Noch viel schlimmer ist natürlich die Lage der Heimarbeiter, die für die Militär- Verwaltung arbeiten. In Schlesien gibt es heute noch etwa 4000 Handwcber, die auf die Militärlieferungen angewiesen sind. Da hätte das Reich die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß diese Leute wenigstens so viel haben, daß sie an Leib und Seele gesund bleiben können. Es besteht dort eine Innung der Hanv- Weber, die die Aufträge vom Bekleidungsamt erhält. Der Verdienst dieser Weber ist äußerst gering. Junge Weber verdienen neun, zehn Mark die Woche. Es kommt dort im Gebirge tatsächlich noch vor, daß Leute ver- hungern. Das ist eine Schmach in unserer Zeit ungeheuren Reichtums. Beseitigen kann die Militärverwaltung natürlich nicht die Not und das Elend, das ist im kapitalistischen Zeitalter un- möglich. Aber lindern kann sie die Not, indem sie die Löhne etwas aufbessert. Angesichts des Miillonenetats der Militärverwaltung würde das nicht ins Gewicht fallen.. Tut die Militärverwaltung das nicht, so ist sie mitschuldig an dem großen Elend der Weber.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Generalmajor Staads: Die Handweber werden nicht direkt beschäftigt, sondern die Arbeiten werden an die Handwebergenossen- schatten vergeben. Die Weiterberatung wird auf Montag 2 Uhr vertagt. Schluß 5 Uhr.__ Hus der Partei. Totenliste der Partei. In Chemnitz starb ein alter Parteiveteran, der Genosse Hermann Litzner. Mit der Enwicklung der Arbeiterbewegung in Chemnitz ist sein Name aufs innigste verbunden. Schon während der Zeit des Ausnahmegesetzes stand er im Vordertreffen. Er or- ganisierte den ersten Tischlerstreik in Chemnitz. In der Partei wie in der Gewerkschaft(dem Holzarbeitcrverbänd), ganz besonders in der Genossenschaftsbewegung hat er, vom Vertrauen der Genossen getragen, in lange» Jahren unermüdlicher Wirksamkeit sein Bestes geleistet. Ueber zwanzig Jahre gehörte er dem Vorstand des All- gemeinen Konsumvereins an. Genosse Lißner war als tüchtiger Arbeiter zwanzig Jahre lang in dem Chemnitzer Staatswerkstätten- betriebe beschäftigt, bis er im Jahre 1911 wegen des Besuchs einer Eisenbahncrversammlung gemahregelt wurde. In der Genossen- schaft fand er einen neuen Wirkungskreis, bis ihn der Tod abrief. Ehre seinem Andenken._ Parteiliteratur. Dichtung und Wahrheit über 1813.(Sozialdemokratische Fluß- schriften Nr. 19.) Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin S'W. 68. Preis 10 Pfennig. In Massen bezogen billiger. Personalien. Genosse EmilSonnemann(Jürgen Brand), der gemaßregelte Bremer Volksschullehrer, ist vom Sozialdemokra- tischen Berein in Bremen mit einem Jahresgehalt von 2000 M. in den Dienst der Jugendbewegung gestellt worden. Daneben gibt Geiwsse Sonnemann eine Korrespondenz„Aus Natur und Gesellschaft" für die Parteipresse zur Förderung unserer Jugendbewegung heraus.______ Hus Industrie und ftandeL Tie Moral als Spekulationsmittel. Aus London wird uns geschrieben: Der schrecklichste der Schrecken in England ist das zeitweilige Erwachen des puritanischen Leuen zur Erkenntnis seiner mora- lischen Vollkommenheit. Dann wehe dem Byron oder dem Oskar Wilde oder irgend einem kleineren Sündenbock, den er sich zur Bc- friedigung seiner moralischen Entrüstung erkoren hat! Erst wenn das Opfer zermalmt und sein blutiges Fell der staunenden Welt als Beweis für die Erhabenheit der puritanischen Sittlichkeit ge- zeigt worden ist, legt sich die Wut. Ein derartiger Paroxysmus der moralischen Entrüstung bewegt die englische Welt nun schon seit eingen Monaten. Es handelt sich um den sogenannten Mar- coniskandal. Man spricht von Ministern, die ihre Stellung zu Spekulationszwecken mißbraucht haben, von einem englischen Panama, von einem stinkenden Morast, in den die englische Politik geraten sein soll. Die Wort- und Sinnverrenkungskünstler haben Unglaubliches geleistet, so daß ein Mensch, der sich nicht von Ge- fühlsaufwallungen bemeistern läßt, laut auflachen möchte. Denn ihm mutz es scheinen, daß es sich im Grunde genommen bei der ganzen Sache um nichts anderes handelt, als um den Streit zweier Börsencliquen, von denen die eine es verstanden hat, einen mora- lischen Entrüstungssturm gegen die andere zu cutfesseln, um ihr einen wertvollen Regierungskontrakt zu entreißen. Der Ursprung und namentlich die Entwicklung des Marconi- skandals sind etwas verschlungen, lassen sich aber in Kürze wie folgt kennzeichnen. Im vorigen Jahre schloß die englische Marconi- gesellschaft für Funkentelegraphie mit der britischen Regierung einen sehr wertvollen Kontrakt ad, um den sich auch ein einflußreiches Syndikat, das die Patente des Erfinders Poulscn besitzt, bewarb. Nach dieser Abmachung sollen in allen Teilen des britischen Welt- reichs Funkentelegraphenstationen nach dem System Marconi er- richtet werden. Vor der Zeichnung des Vertrages setzte eine wilde Spekulation in Marconiaktien ein und Millionen sollen in dieser Börsenaktion den Besitzer gewechselt haben. Doch auch die Baisse- spekulanten hatten ein Wort mitzureden und wurden von den Ver- fechtern des Poulsensyndikats naturgemäß kräftig unterstützt. Wie der Direktor der Marconigesellschaft behauptet, hatten sich die Poul- senleute das Ziel gesetzt, die Ausführung des Marconikontraktes zu verhindern. Zu diesem Zwecke fing man an, mit Dreck zu werfen. Es verlautete, daß Minister ihre Kenntnisse von dem ge- planten Abschluß mit der Marconigesellschaft dazu benutzt hätten, um Marconiaktien aufzukaufen und sie während der Hausse wieder zu verkaufen. Man flüsterte sich die Namen des Schatzkanzlers, des Postministers und des Justizminiers zu. Man wollte wissen, daß die Verwandten des PostMinisters in Marconis spekuliert hätten, und den Justizminister verdächtigte man durch die Be- tonung der Tatsache, daß sein Bruder Direktor der englischen Mar- conigesellschaft ist. In der Journalistik waren es hauptsächlich- zwei Blätter, die die Verdächtigung aus dem Versteck betrieben; die Zeitschrift des halbverrückten Jingos Maxse und eine Wochen- schrift, deren Eigentümer jetzt wegen Bigamie, Betrug und wer weiß, was sonst noch, vor Gericht steht. Die Regierung sah sich schließlich genötigt, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß einzusetzen. Der erste Teil der Untersuchung fiel für die Gegner der Mar- conigesellschaft sehr schlimm aus. Nicht den Schatten eines Be- weises konnten die vernommenen Zeugen für die Anschuldigungen vorbringen, die man sich einander zuflüsterte. Der Hauptzeuge, ein gewisser Herr Lawson, der die Führung des Feldzugs in der Zeitschrift des Herrn Maxse(National Review) übernommen hatte, versagte in geradezu jämmerlicher Art. Nicht nur mußte er zugeben, daß alle Gerüchte nur auf Klatsch beruhten, sondern es wurde ihm auch nachgewiesen, daß er in Marconiaktien selbst auf Baisse spe- kuliert habe. Besser erging es den Gegnern der Marconigesellschaft im zweiten Teile der Tragikomödie, als die Minister vor dem Untersuchungsausschuß erschienen. Hier rückten plötzlich der Schatz- kanzler und der Justizmimster mit dem Geständnis heraus, daß sie im vorigen Jahre Aktien der amerikanischen Marconigesellschaft, die mit der englischen nichts zu tun habe, gekauft hätten. Im Unter- haus hatte einige Monate vorher der Justizminister Hand aufs Herz erklärt, daß er nicht in Aktien der englischen Marconigesellschaft spekuliert habe. Weshalb er damals nicht gleich das Geschäft mit den amerikanischen Aktien, das wohl die Grundlage aller Gerüchte ist, erwähnte, ist ein Rätsel. Die Ankläger der Minister wollten nun die Ausrede, daß die amerikanische Marconigesellschaft mit der englischen nichts zu tun habe, nicht gelten lassen. Sie sagten, es könne der amerikanischen Marconigesellschaft nicht gleich sein, daß die englische das Monopol für Funkentelegraphie im englischen Weltreich erhalten habe; das müsse ihre Aussichten und den Wert ihrer Aktien beeinflussen. Man formulierte eine neue Anklage gegen die Minister. Auch im Parlament regten sich jetzt die zahl- reichen Feinde des Schatzkanzlers. Aber Lloyd George wies den Konservativen die Zähne und drohte ihnen: Wenn ihr mit dieser Sache kommt, werde ich einmal aus der Schule plaudern, daß euch Hören und Sehen vergeht. Der dritte Akt, der vor einigen Tagen anfing, findet die Poulsenleute wieder in kopfloser Flucht. Die Marconigesellschaft hat den Spieß umgekehrt. Ihr Direktor, der Bruder des Justiz- Ministers, sagte vor dem Untersuchungskomitee aus, daß Gerüchte im Umlauf seien, nach denen sich ein Syndikat auS den an den Poulsenpatenten interessierten Personen zum Zwecke gebildet habe, die Ausführung des Marconikontraktes zu vereiteln. Er nannte auch die Namen zweier konservativer Parlamentsmitglieder, von denen behauptet wird, daß sie die Sache der Poulsenleute verträten. Die Affäre wird sich vielleicht noch einige Wochen hinziehen; doch wer nicht auf den Kopf gefallen ist, muß schon jetzt einsehen, selbst wenn er den wilden Entrüstungssturm mitgemacht hat, daß die ganze Sache eine Mache der Spekulanten ist, die die Minister an- schwärzten, um ihten Gegnern einen fetten Happen zu entreißen. Patriotismus, öffentliche Moral: alles kommt dem Kapitalismus recht, wenn er damit ein Geschäftchen machen kann. Woermann A.-G. Die Woermann-Linie soll mit einem Kapital von 20 Millionen Mark in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. In den Aufsichtsrat tritt u. a. Ballin von der Hapag ein. Die gesamten Aktien werden von den bisherigen Kommanditisten übernommen werden._ fraueti-Lelcabctide. Nieder-Schönhausen-Nordend. Dienstag, den 22., S'/a Uhr, bei Rettig, Blankenburger Str. 4: Vortrag der Genossin Minna Reichert. Wittenau. Montag, den 21, S1/- Uhr, im Lokal von Wittchow, Oranienburger Straße. Marktpreise von Berlin am 18. April 1013, nach Ermittelungen des lönigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,3S bis 20,50, mittel 20,08—20,22, geringe 19,80—19,94. Roggen, gute Sorte 16,33— 16,35, mittel 16,29-16,31, geringe 16,25—16,27(ab Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 16,20—16,80, mittel 15,60—16,10, geringe 15.00—15,50. taser, gute Sorte 17,60—19,80, mittel 16.60—17,50 ssrei Wagen und ab ahn). Mais(mired), gute Sorte 14,90— 15,20. Mais(runder), gute Sorte 15,40-15,60.- Richtstrvh 4.60. Heu' 5,60-7,00. M a r k t h a l l e n p r e i I e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Klcinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,20— 3,00. 60 Stück Eier 3.00—4,80. 1 Kilogramm Karpjcn 1,20-2.40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,20-2,60. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3�0, Bleie 0,80-1,40. 80 Stück Krebs« 1,75—40,00. m A.Werlheim T MONTAG BIS MITTWOCH Kleiderstoffe ßlockkaros schwarz-weiss». Mtr. Wollbatist!*:kn n 1.25 V/viln reine Wolle, in schönen Farben, 1>1 C 1 UllC ca. 110 cm breit..... Mtr. l.T'D Voilekrepp!V. 1.75 Koslfimsloff 1.90 Kammgarn 3.25 Halbseid. Eolienne'I'u™»"«« 3.40 Waschstoffe Baumwoil-Musselin ZtU�mr. 42?t. Bedruckter Voile Muss?ehmef Mtr. 75 Pf. Einfarbiger Voile 1.45 Frottestoff cma.eI;!?cUmndbr�tr.ei.ftMtr. 1.90 Ein"Posten Damen-Paletots zum grossen Teil aus engl. Stoffen 49.00 EXTRA- PREISE 1.10 Damen- Konfektion Batistkleid rÖcUbxr6item garniert............. Damenkleid vTie.Tef'üTert reich bekurbelt......... Damenkleid �Un"6 mft Kurbelei, mod. kunstbestickter ......................... PKttasUrloirl RU8"wollenem russeKieia yoilet auf japon- seide. 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Während die Regierung 50 Millionen gefordert hatte, beantragt die Kommission, zur Vorbereitung elektrischen Betriebes auf den von Stadt- und Ringbahnzügen befahrenen Strecken 2 5 M i l» lionen zu bewilligen. Weiter verlangt die Kommission eine Denkschrift über die Ergebnisse von Versuchsfahrten mit Trieb- gestellen, über die zu wählende Stromart, ihre Erzeugung und Verwendung, sowie über die Wirtschaftlichkeit elektrischer Zugförde- rung aus weiteren Berliner Vorortbahnen. Nach dem Kommissions. ontrag soll bei den Tariferhöhungen auch auf die Verzinsung und Tilgung des ganzen bisher für die Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen aufgewendeten Kapitals bedacht genommen werden. Ein Zentrumsantrag will die Regierung ermächtigen, zur als- baldigen Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf diesen Bahnen 6,62 Millionen Mark und für Versuche mit elektrischen Betriebs- Mitteln 3 Millionen Mark zu verwenden. Minister der öffentlichen Arbeiten v. Breitcnbach führt aus, daß die Verkehrssteigerung den elektrischen Betrieb unbedingt not- wendig mache, sonst könne überhaupt die Verantivor. tung für den Betrieb nicht mehr getragen werden. sHört! hört!) Die bisherigen Lieferanten der Zugkraft, die Lokomotivfabrikcn, haben aber einen Sturm gegen unser Beginnen entfesselt, obgleich die Interessen dieser blühenden Industrie gar nicht gefährdet sind. Von einer allgemeinen Einführung des elektrischen Betriebes auf den ganzen Staatsbahncn ist schon aus militärischen Gründen gar keine Rede. Wir erwarten vom elektrischen Betrieb eine Steigerung der Sitzplätze pro Stunde von 11700 auf 24 400. Statt 24 Züge im Höchstfall werden wir 40 Züge fahren können. Das kann ein nochso verbesserter Dampfbetrieb nicht leisten. Vcr. ftärkter Dampfbetrieb wäre ausserdem um 18 Millionen teurer, selbst ohne Kohlenpreissteigerung. Alle Weltstädte mussten zum elektrischen Betrieb übergehen. Am ziveckmässigsten wird Wechselstrom sein. Vieles spricht dagegen, die Stromlieferung den grossen Elektrizitats- werken zu übertragen, da sonst ihre Macht noch bedeutend gestärkt »ürde. Eigene Stromerzeugung wird besser sein. Die Tarif. erhöhung ist unentbehrlich. Wir stimmen den KommissionSbcschlusscn, die die Wannscebahncn und die Etettincr Vorortlinien ausscheiden, fürs erste zu. Ten Zentrumsantrag lehne ich ab. �Zum SAsvh betont der Minister die grosse Bedeutung Berlins für das Wirt- schaftsleben des ganzen Reiches und Staates, appelliert an die führenden Elcktrizitätsfirmen, ihren Weltruhm nicht durch Profit- Wut erschüttern zu lassen und ersucht um Annahme des Gesetzes. Abg. v. Pappcnheim(k.). will keineswegs eine Verkehrsvcr- besserung verschleppen, will auch nicht Dampfintcrcssenten vertreten, wirft aber der Regierung vor, von einem grossen Konzern beeinfluht zu sein. Wir sehen nicht klar über die Kosten, um so weniger, als auf Verlangen der Heeresverwaltung alle Einrichtungen des Dampf. betriebes nebenher bereitgehalten werden müssen. Diese schwer« finanzielle Belastung mahnt uns zu grösster Vorsicht, und es ist auch noch nicht sicher, dass der Telcgraphcnbetrieb durch den elel irischen Bahnbetrieb nicht gestört werden wird. Der Redner polemi siert unter dem immer lebhafteren Beifall der Rechten immer schärfer gegen das Gesetz und sagt schliesslich, dass man doch erst einmal die vielen, seit Fahren zurückgestellten Wünsche aus dem Lande erfüllen solle, statt so sehr viel für Berlin zu tun.(Grosser Beifall rechts.) Oberstleutnant Grorner vom Grossen Generalstab der Armee erklärt, dass die Heeresverwaltung nach eingehender Prü- fung keine Bedenken gegen die Einführung des elektrischen Betriebes im Rahmen der Vorlage habe. Unterstaatssckrctär Michaelis vom Finanzministerium bemüht sich, den Abg. v. Pappenheim darüber zu beruhigen, dass das Finanz- Ministerium der Vorlage zugestimmt hat. Die Meliorationsbahnen im Lande werden nicht darunter zu leiden haben. Eine Verzinsung des Anlagekapitals der Stadtbahn würde von uns sogar mit Freuden begrüßt. Abg. Schmieding-Dortmund tritt für die Beschlüsse der Koni Mission ein. Abg. Dr. Wiirmeling(Z.) spricht für die Mehrheit seiner Partei gegen die Vorlage und tritt für den Zentrums«»- trag ein, zunächst nur 9,6 Millionen z u bewilligen. kleines feiaUcton , Was sie denken. Der Oberlehrer Friedrich Wilhelm Schulze Inhaber der Landwehrdienstauszeichnung zweiter Klasse; er selber leider militärdienswntauglich) pflegt seinen Sekundanern den altpreussischen Patriotismus ins Herz zu pflanzen, indem er an den entscheidenden Momenten der Geschichte den Männern an der spritze die Schädeldeckc aufklappt und in ihre erhabenen Gc- hineinleuchtet. Etwa so:„Als am 18. Januar 1871 der -ii rbcn noch König, jetzt schon Kaiser, im Spiegclsaal ®�Iofse4 dastand, umgeben von seinen Paladinen, • on Hcilrufen der deutschen Bundesfürsten, da ge- �,1 h'tteren Zeit, da er mit seiner teuren, acht so lange »» ricncn Mutter, der uns ewig»nvergcsslichen Königin „Js•" Schneegestöber vor dem korsischen Werwolf fliehen �iinlcin der Rührung stahl sich in sein Auge.* ?,e historische Wahrheit weiss es allerdings besser. In ""Glichen Augenblick der Gründung des deutschen £,ai[?r* h,n• öIte Wilhelm verhaltenen und verbissenen Grolles v e ein BZachtmeister, der, bei der Besichtigung hinter dem �-.kac chcs stehend bei einem Biann im zweiten Glied einen ung»puyten Knopf.entdeckt. Und warum? Weil der Gross- herzog von Ba n leine jsuöpfe nicht— pardonl weil der Gross- herzog von jai Hoch»icht auf den Kaiser von Teutschland. sondern..nur aus den Deutschen Kaiser ausgebracht hatte! Jetzt hat. � ��rielmaler Anton v. Werner, der unter den Fittichen des HoycnzollernadlerS Jahrzehnte hindurch preußische Geschichte örwalt bat, seine Memoiren erscheinen lassen, banales Zeug. Weltgeschichte au» der Stiefelperspektivc geseben, aber mit manch einem interessanten Beitrag zu dem. was„sie" in wichtigen Augenblicken denken. . Da ist der � Sedan; das französische Heer geschlagen, eingeschlossen, rettungslos verloren, und General Reille kommt, um die Kapitulation und den Degen NabolconS anzubieten.„Der König Wilhelm", erzahlt Friedrich Wilhelm Schulze seinen Sekun- danern.„war tief erssinmert. und auf seinen heldenhaften Zügen stand der Gedanke geichrieben. daß dieses der bitterste, der härteste Gang für einen alten Kriegsmann sej." Die grausame historische Wahrheit, durch den Mund Anton v. Werners, berichtet aus dem Munde Wilhelms l. selb/r: „Seine Majestät heschrleb das Kostüm des Gene- rals Reille mit allen l�lnzenjelten, machte mir die Bewegun- gen vor, wie Reille mit abgezogenem Käppi, ein Spazierstöckchen 'n der Hand, in die Brustw,che grisf, um das Schreiben Napo- leons herauszuholen, und äusserte dazu mit einer Art der Entrüstung oder Entsetzen:„Und denken Sie. dabei hatte er den llniformrock ganz auf- geknöpft und man �s ah darunter seine weisse Weste.* Für das militärische Auge des Kaiser? anscheinend etwas ganz Unglaubliches. Warum wird der Zweckverband nicht hereingezogen? Die billigen Vororttarife haben in erster Linie den Bauspckulanten Milliarden eingebracht. Ministerialdirektor Dr. Freund legt dar, daß das Zlveckber- bandsgesetz eine Heranziehung des Zweckverbandes zu den Kosten ausschließe. Abg. Dr. v. Woyna(fk.) ist für die Vorlage, denn im Verzuge liege Gefahr für die Betriebssicherheit. Der Staat soll den Strom selbst erzeugen. Traurig ist es, wie sich die Grossindustrie unter. einander bekämpft hat. Minister v. Breitcnbach erklärt, dass die billigen Vororttarife die wünschenswerte Dezentralisation der Berliner Bevölkerung gefördert habe. Von der Einführung deS Normaltarifs, wie sie Abg. Würmelina wünscht, kann doch keine Rede sein. Abg. Kreitling(Vp.) wendet sich entschieden gegen die Be. lastung des clcklrischen Betriebes mit der Tilgung und Verzinsung de? Anlagekapitals, die der Minister in der Kommission zuerst ab- gelehnt hatte und polemisiert gegen die antiberlinischen Ausfüh- rungen der Abgeordneten v. Pappcnheim und Würmeling. Berlin zahlt Vi aller Staatssteucrnl Abg. Hoffmann(Soz.): Ich brauche wohl nicht zu versichern, dass uns weder das Dampf- noch das Elektrizitätskapital beeinflußt hat; bei uns ist nischt zu wollen!(Heiterkeit.) Die VerkehrSzustände haben längst den elektrischen Betrieb notwendig gemacht. Sehen Sie sich doch nur einmal morgens früh die unerhörten, menschen- unwürdigen Zustände auf unseren Stadt-, Ring- und Vor- ortbahnen an und am Sonntag noch den vervielfachten Verkehr. Es ist bewunderungswürdig, daß nicht viel mehr Unglück geschieht. Packen doch die Leute am Sonntag, wo sie bis zu 20 in den Abteilen fahren müssen, die Kinder in die Gepäcknetze, um nur stehen zu können. Mutzte die Bahn Strafen zahlen für Ueberfüllung— die Ueberschüsse würden sich stark vermindern. Im Norden, Osten, Südosten, selbst im Westen und Südwesten ist Ab- Hilfe unaufschiebbar, und wenn das hier für die Ringlxihn als unnötig bezeichnet ssnirde(durch Abg. v. Pappcnheim), so sehen Sie sich doch nur daö Ineinanderivachsen der Stadt und der Vor. orte an, die die Ring- und Vorortbahn längst zur Stadtbahn gc. macht haben. Die Rauch- und Geräuschplagc in den immer dichter besiedelten Vierteln an der Ringbabn spricht doch auch für die Elekirisierung. Wollen die Gegner der Elektrisierung etwa die Verantwortung übernehmen für neue Unglücksfälle nach Art der von Johannisthal und von der Jannowitzbrücke? Wir nicht! Da» Reichsgericht hat letzthin den Fiskus schadenersatz- pflichtig gemacht wegen der unzureichenden Bahnznstände in Berlin. Denken Sie daran, wie 1880 kurze Zeit nach Ablehnung der Bahnhoferweiterung in Steglitz das furchtbare Unglück passierte! Haben Sie den Mut, die Vorlage danach abzulehnen? Die an- gekündigte Tarifcrböhung bekämpfen wir im Interesse aller er- wcrbstätigen Menschen aufs schärfste. Das Anlagekapital mit % Milliarde anzusetzen ist Phantasie— den Boden hat der Fiskus für ein Butterbrot bekommen. Und den Fernverkehr auf der Stadtbahn rechnen Sie gar nicht mit? Und die Bewohner der Vororte werden doch gezwungen, zur Benutzung der Fernzüge er st mal nach Berlin zu fahren. Den F r a ch- tenvcrkehr nach dem Zentralvichhof und der Z e n- tralmarkthalle rechnen Sie ja auch nicht mit. Ein klares Bild kann auch die Regierung nicht geben über die Gebarung der Stadtbahn allein. Die Verzinsung deS aufzuwendenden Kapitals wird durch die Verkehrs st eigcrung gedeckt werden; eine Tariferftühung rechtfertigt sie in keiner Weise. Dazu kommt noch die Ersparnis durch Elektrizität. Da soll aber Berlin um mindestens 8 Millionen Mark zur Ader gelassen werden. Und die eigenen elektrischen Werke des Staates werden auch Ueberschüsse liefern, wie sie das ja auch in privatem Besitz tun. D. A. Schulze führt in der„Welt auf Reisen' aus, daß die Ab- schaffung der 2. Klasse die Tariferhöhung überflüssig machen würde, und Stadtrat Wikander-Schöneberg erklärte, dass ein Wagen 3. Klasse l'TLmal mehr Pcrsoncngeld bringt als ein Wagen 2. Klasse. Wollen Sic am Ende auch, dass der-Fahrpreis von Solingen nach Remscheid die Kosten der Millionenbrücke decken müsse? Nein, Sie wollen einfach Berlin eine neue indirekte Steuer von 8 bis IS Millionen Dann kommt das Zusammentreffen des Sieger? mit dem ge- fangenen Franzosenkaiser. Sicher auch ein weltgeschichtlicher Moment, den Friedrich Wilhelm Schulze sich so denkt:„Der Helden- könig war ganz erfüllt von dem Gedanken, wie doch alle irdische Grösse eitel sei und dem anderen: Welch eine Wendung durch Gottes Fügung!" Der Heldenkönig selber aber erzählte Anton v. Werner: „Der Kaiser kam mir auf der Treppe, die zur Haustür führte, einige Stufen heruntersteigend, mit abgezogenem Käppi und mit einer Verbeugung entgegen. Während ich seinen Gruß erwiderte, bemerkte ich auf der linken Brustseite seines Uniform ein kleines, aufrechtstehendcS Schwert.. ich war ganz konsterniert, hörte kaum, was er sagte und fragte mich nur: was hat das Schivert zu bedeuten? Dieser Gedanke verließ mich auch drin während unserer Unter- reduna nicht und als ich wieder draußen war, war d a S erste, daß ich Perponcher fragte, ob jemand wisse, was das Schwert vorstelle, und ich erfuhr dann, dass es der schwedische Schwertordcn sei!" Da fiel ihm ein Stein vom Herzen, da konnte er wieder ruhig schlafen! Dieser Mann, den in Augenblicken, da andere den eisernen Schwiiiflenfchlag der Weltgeschichte hören, eine ihm nicht zusagende Ehrenbezeugung, ein offener Uniforinrock, ein unbekannter Orden glühend interessieren, heißt Wilhelm der Große! Allerdings nur im engsten Familienkreise. Die blonden Eskimos. Eine Expedition nach dem„Land der blonden Eskimos* wird für dieses Frühjahr von dem isländisch- amerikanischen Sprachforscher Wilhjalmur Stesansson, in Beglci- tung des dänischen Philologen William Thalbitzer, der sick) bereits von 1905 bis 1006 in Angmagsalik auf Ostgrönland zum Studium der eingeborenen Sprache aufgehalten hat, unternommen werden. Ausser der Schiffsbesatzung nehmen im ganzen zehn Wissenschafter an dem Unternehmen teil. Das Ziel ist Viktorialand, eine Insel von der Grösse Irlands, die im Norden von Amerika zwischen Grön- land und der Vcringsstrasse liegt. Sic ist zum erstenmal von weissen Menschen besucht worden, als der isländische Harvard-Student Stesansson dorthin kam und sich ein Jahr unter den Eingeborenen aufhielt. Viktorialand hat. soweit man urteilen kann, etwa 2000 Einwohner, die nicht alle— wie die Eskimos in Grönland und anderen Orts— an der Küste wohnen. Ein grosser Teil von ihnen wohnt vielmehr hoch oben im Lande. Das Merkwürdigste an diesen Eskimos ist aber, daß viele von ihnen blond sind, blaue Augen und helle Augenbrauen haben, und daß sie ferner bedeutend grösser sind, als es Eskimos zu sein pflegen. Dieser Umstand brachte Stesansson auf den Gedanken, daß sie nicht rein eskimoischer Abstammung wären, sondern Nachkommen Eriks des Roten und seiner Leute, die seinerzeit(982 als Geächteter) von Island und Grönland hinüber nach„Winland*, d. h. der kanadischen Ostküste, gelangten. Stesansson hat diese Theorie der.Geographischen Gesellschaft* in London vor» auferlegen.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiterwochenkarten auf 15 Kilometer Entfernung wollen Sie„nur" um 50 Pf. pro Woche verteuern, d. h. um 26 M. pro Jahr, für jedes Familienmitglied, das nach Berlin fahren mutz. 600 000 Menschen wohnen in Berlin in cinräumigen Woh- nungen zu mehr als 5 in einem Zimmcx— da will das Zentrum das Hinausziehen aus dem WohnungSelend noch verhindern. Ach, wären die Berliner alle katholisch— dann hätten Sie vielleicht ein warmes Herz! Dass die Taufende sich am SonnMg draußen auf dem Lande oder auf ihren Parzellen erholen sollen» wollen das Zentrum und die Konservativen erschweren und verteuern. Der Landtag mutz sich einmal das Recht erkämpfen, in die Bc- stimmung der Fahrpreise hineinzureden, die heute Verwaltungs- fache ist. Freilich, dieser Landtag in seinem Hätz gegen Berlin würde es vielleicht noch schlimmer machen als selbst diese Regierung!(Sehr wahr! links.) Das Zwcckverbandsgcsetz ist so schlecht, daß wir ja seine baldige Aenderung vorausgesagt haben. Jetzt wollen Sie es ja ändern— aber nichts indem Sie in der notwendigen Weise die Regelung der Schul- und Armenlasten zugunsten Berlins machen, wo die armen Gemeinden ihre Kranken und Schwangeren einfach hinschicken! Der Zentrumsantrag will der' Regierung das elende Trinkgeld von 3 Millionen bewilligen.„Sieh mal, mehr können wir heute nicht, komm ein ander Mal wieder!* Hat man denn die Vorotzüge nicht deshalb«ingeführt, um den Fernverkehr überhaupt bewältigen zu können? Dafür soll Berlin nun bezahlen. Da mag das Zentrum Berlin nur mit seiner Liebe verschonen! In der Kommission hatte es sogar verlangt, daß das ganze je- mals für Stadt- und Ringbahn aufgewendete Kapital vurch die Fahrpreise verzinst werde. Und das nahm die Kommission an, trotzdem der Minister die Masscnflucht der Fahrgäste voraussagte. So haßt diese Mehrheit Berlin! Ja, ein Antrag verlangte, durch Fahrprciserhöhung für eine solche Verminderung der Frequenz der Bahn zu sorgen, daß keine Betriebsänderung nötig werde! (Hört! hört! links.) Von der Steucrkraft Berlins reden Sie nicht— die lassen Sic sich still gefallen, aber möglichst ohne Gegenleistung auf dem Gebiet des Wahlrechts oder sonstwo. Wir verlangen, daß der Staat den elektrischen Strom selbst erzeuge— unbekümmert um die bereitwilligst gewährten Jnfor- mationen der Interessenten, die einige Kommissionsmitglieder be- fähigten, die ältesten RegicrungSpraktiker als ganz unfähig hinzu- stellen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Privat- kapital sucht durch ein gemischtes System möglichst viel noch zu retten. Darauf dürfen wir uns nicht einlassen. Wenn die Staats- Verwaltung vernünftig vorgeht, kann der Staat gar nicht mit einem eigenen Werk schlechte Erfahrungen machen. Wenn Sie die Regierunastechniker als so ahnungslos hinstellen— warum beantragen Sie nicht ihre Absetzung? Ich, der Sozialdemokrat, mußte Ihnen zurufen:„Haben Sie doch mehr Vertrauen zu den Regie- rungstechnikern!*(Hört! hört! links.) Da müssen sich die Beamten doch recht unfähig vorkommen und denken, dass sie den Staat ruinieren würden, wenn nicht Herr v. Pappenheim auf- passen würde.(Heiterkeit.) Besonders auch die „rote Gefahr" wurde von den Gegnern der Elektrisierung an die Waich gemalt, so z. B. von der„Deutschen volksw. Korr.", die von Beziehungen der goldenen zur roten Internationale sprach, weil wir einem längst zeitgemäßen Vorschlag der Regierung zustimmten. Man wirft uns vor, daß wir der Tariferhöhung zustimmen. Indessen hat der Minister erklärt, daß die Tariferhöhung sowieso kommt— o b Elektrisierung oder nicht! Verhindern können wir sie trotz allem Kampf nicht— da ist sie uns schon mit einer Verkehrs- Verbesserung lieber, die die tägliche Gefahr für tausende Menschen beseitigt. Mit Presseverleumdungen und längst widerlegten Märchen über militärische Gefahren suchte man dem Dampfkapital zu helfen.„Stets ist schlecht und ist verkehrt, was uns bei dem Profite stört!" Fast ein Jahr hat die Berschleppungsmonopolkommission gebraucht, und der Minister selbst mußte sich schliesslich gegen eine vom Berichterstatter vorgetragene„Streitschrift des Lokomotiven- kapitals" wenden!(Hört! hört! links.) Freilich ist dieser Satz in der Korrektur deS Kommissionsberichts gestrichen worden, ohne den Minister danach zu fragen. Wir stimmen für den KommisstonS- getragen und dort eine ganze Anzahl von Anhängern gefunden, während sich Thalbitzer, wenn auch nicht negativ, so doch immerhin skeptisch dagegen stellt und die Möglichkeit eines bündigen Beweises vermißt. Bekanntlich hat schon Fridtjof Nansen vor kurzem die Tradition der ersten Entdeckung Amerikas durch Nordländer um das Jahr 1000, wie sie in verschiedenen isländischen Sagas niedergelegt ist, in das Reich des Mythus verweisen wollen. Durch Stesansson er- hält die alte Auffassung wieder eine wissensck>aftlich« Stütze. Die Expedition, die auf Kosten des kanadischen Staates unternommen wird, ist auf drei Jahre, von 1913— 1910, berechnet, während welcher Zeit die Expeditionstcilnchmer unter den Eingeborenen wohnen werden. Das Schiff der Expedition wird mit drahtloser Tele- graphie versehen werden und beständig Mitteilungen von der Um- Welt durch die drahtlose Station auf Kap Nome, der nördlichsten der Welt, erhalten können. Ausser den sprachwissenschaftlichen Er- gcbnissen rechnet man auch noch auf geologische, die sich auf Fest- stellung der vermuteten Kupferfeldcr auf Viktorialand erstrecken sollen._ Notizen. — Ein neues Filmtheater. DaS frühere Theater Gross« Berlin wird unter dein Namen„CineS- Palast* am Sonnabend von der„CineSgesellschaft* in Betrieb genommen. Zu Beginn der Winter- saison wird der kombinierte Betrieb Varietö und Kino bringen, bis dahin nur Filme. —„Ein neues Oeldruckverfahren*. AuS dem Leser- kreise wird uns mitgeteilt, dass die unter dieser Spitzmarke an- gezeigte Ausstellung im Buchgewerbesaal sich um ein photographi- sches Kopierverfahren und nicht etwa um ein Druckverfahren handelt. F il ch n e r hat den Plan einer zweiten Expedition nach dem neuentdeckten„Prinzregent-Luitpold-Land* nunmehr aufgegeben. Das Expeditionsschiff„Deutschland" wird nunmehr nach Deutschland zurückkehren. — Vorgeschichtliche Funde. In der Ebene nördlich der Wcrra zwischen E s ch w e g e und dem Dorfe Schwebda wurden Reste von Pfahlbauten gefunden. — Konfisziert und freigegeben. DaS Wiener Landgericht hat die Beschlagnahme des im Anzengruber-Verlage er- schienenen militärischen Romans„Die K a s e rn e* von Johann Ferch aufgehoben. Der Roman wurde vor kurzem im Feuilleton der„Wiener Arbeiter-Zeitung* abgedruckt. Er war wegen angeblicher Aufreizung gegen die Armee beschlagnahmt worden. — Cook im Irrenhaus e. Der angebliche Entdecker des Nordpols Cook ist, wie seine Schwester mitteilt, als unheilbar irr- sinnig in eine Privatirrenanstalt in Panama untergebracht worden. Die gegen ihn gerichteten Angriffe sollen nicht zuletzt die Ursache seiner Erkrankung sein. 'tttümg, um aus dem Schiffbruch zu retten, was zu retten ist. Lehnen Sie(nach rechts) die Vorlage ab, so tragen Sie alle Verantwortung für die jedem Kulturstaat hohnsprechenden Zustände auf den Berliner Stadtbahnen und für alle daraus ent- stehenden Unglücksfälle. Vielleicht mutz das Volk erst durch furcht- bare Prüfungen gehen, che dieses reaktionäre HauS beseitigt wird! (Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Lachen rechts.) Montag 1l Uhr: Weiterberatung, kleine Vorlagen. Schlutz 5 Uhr._ Raabanfall auf einen Geldbricflräger. Ter Rauba nfall auf einen Geldbriefträger, der am 4. Dezember borigen Jahres im Stadtteil Moabit grotzes Aufsehen erregte, stand gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts Berlin I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hofmeister zur Verhandlung an. Die auf versuchten Raub lautende Anklage richtete sich gegen den Diener Johannes Freiholz und den Arbeiter Robert Wolff. Gegen den Hauptschuldigen, den Kellner Franz Rost konnte nicht verhan- delt werden, da er inzwischen in Geisteskrankheit verfallen ist. Der Angeklagte Freiholz, ein noch ziemlich junger Mann, war eine Zeitlang bei der Post in Greifswald beschäftigt und lernte dort den ganzen Betrieb, auch den Postanweisungsbetrieb, kennen. Nach seinem Abgang von der Post im Jahre 1909 war er eine Zeitlang beschäftigungslos, kam dann nach Berlin und besucht« hier eine Dienerschule. Später ging er nach Wiesbaden zu einem Grafen Radolin, kurze Zeit nachher war er als Aushilfskellner in Oranien- bürg tätig. Er wurde dann wegen Meineids zu 2 Jahren Zucht- Haus verurteilt. Als nach ihm wegen des Meineides gefahndet wurde, fand er hier Unterschlupf bei dem Angeklagten Wolff, der mit seiner Ehefrau in Scheidung lebt und im Hause Alt-Moabit 34 im vierten Stock des Seitenflügels eine aus einem Zimmer und Korridor bestehende Wohnung inne hatte. Dort beherbergte er den Freiholz, ohne ihn polizeilich anzumelden. Freiholz traf eines Tages den Kellner Rost, den er von Greifswald her kannte und der stellenlos war. Auch dieser hielt sich vielfach bei Wolff auf und soll dort mit Freiholz in einem anormalen Geschlechtsverkehr gestanden haben. Rost sollte sich binnen kurzem in Greifswald wegen einer Straftat verantworten. Er entfloh nach Berlin und trieb sich hier arbeitslos und ohne Mittel umher. Er satzte nun mit Freiholz den Plan, einen Geldbriefträger mittels einer fingierten Postanweisung über 1 M. in die Wohnung zu locken, ihn dann zu überfallen und in der Weise zu berauben, dah Freiholz dem Briefträger öftnen, dann Rost sich auf ihn stürzen, würgen und Freiholz in dieser Situation die Geldtasche des Briefträgers mit einer bereit gehaltenen «chere abschneiden sollte. Der Plan wurde zwischen den beiden in allen Einzelheiten besprochen und sollte schon am 23. November ausgeführt werden. Rost gab eine Postanweisung über 1 M. an den fingierten Adressaten Werner auf, der angeblich bei Wolff wohnen sollte. Als der Geldbriefträger erschien, öffnete ihm Freiholz; der Plan konnte aber nicht ausgeführt werden, da Rost noch nicht zur Stelle war. Sdun wurde der 4. Dezember zur Tat bestimmt. Es wurde wiederum eine Postanweisung auf den Namen Werner auf- gegeben, Rost stellte sich neben der Tür im Dunkel des Korridors auf und wartete auf das Erscheinen des Briefträgers. Als der 53 Jahre alte Geldbriefträger Adam Hoffman«, der seit vielen Jahren bei dem Postamt 87 tätig ist, klingelte, öffnete ihm Rost und ersuchte ihn, näher zu treten, da Herr Werner noch im Bette liege. Der Briefträger blieb jedoch, einer früheren Wei- sung der Postbehörde folgend, vor der Tür stehen. Da er aber nur einen Menschen vor sich sah, trat er schlietzlich doch ein. In dem- selben Augenblick wurde die Tür geschlossen, der Beamte wurde von hinten gewürgt, und zwar fühlte er, datz zwei Hände ihn würgten. Da er außerdem gleichzeitig auf dem Kopf geschlagen wurde, so müssen zwei Leute den Ueberfall ausgeführt haben. Es entspann sich ein Ringen. Der Beamte kam dabei zu Fall und be- gann nun laut um Hilfe zu schreien. Da wurde ihm von Rost der Mund zugedrückt; er bitz den Rost mit allen Kräften in den Finger, so datz er sich auf diese Weise von seinem Angreifer befreit«. Als er'dann weiter um Hilfe rief, entfloh Rost und der Beamte sah auch den Freiholz davonlaufen. Beide entkamen. Freiholz, der den ganzen Plan auf eine Anregung des Rost schob, hatte auf dessen Rat vor dem Ueberfall sich die Stiefel ausgezogen und Filzjxrntoffel angezogen, damit jedes Geräusch mög- liehst vermieden würde; er lief nun barhäuptig und in den Pan- toffeln davon und eilte zunächst zu seinem Onkel, wo er sich mit Hut und Stiefel versah. Er hatte mit Rost ein Zusammentreffen an einer bestimmten Stelle verabredet; er traf ihn aber erst abends zufällig auf dem Wedding wieder und erhielt von Rost Vorwürfe darüber, datz er nicht die Geldtasche abgeschnitten hatte. Freiholz begab sich dann zu seiner Mutter nach Ladeburg bei Greifswald, der er auf Befragen sagte, er habe in Berlin etwas Schweres be- gangen. Die Mutter riet ihm, sich der Polizei zu stellen und Frei- holz befolgte diese» Rat und stellte sich in Hamburg. Bald darauf wurde auch Rost zufällig in Berlin gesehen und hier festgenommen. Er hat bei seiner ersten Vernehmung ein volles Geständnis abgelegt, aber behauptet, datz der ganze Plan von Freiholz ausgegangen sei, was von diesem entschieden bestritten wird. Der Angeklagte Wolff bestritt im gestrigen Termin, irgendwie an dem Ueberfall beteiligt gewesen zu sein. In der Beweisaufnahme bekundete der Überfallene Geldbrief- träger Hoffmann unter anderem: Nach seiner festen Ueberzeugung sei der Ueberfall nicht blotz von Rost, sondern auch noch von einer zweiten Person ausgeführt worden. Das gehe schon daraus hervor, datz, während ihm Rost mit beiden Händen am Halse gewürgt, er gleichzeitig Faustschläge auf den Kopf erhalten habe. Die Behaup- tung des Angeklagten Freiholz, datz er sofort weggelaufen sei, als Rost sich auf ihn iHoffmannj stürzte, sei auch nicht richtig, denn tatsächlich habe sich dieser erst zur Flucht gewandt, als Rost schon auf der Flucht begriffen war. Der Ueberfallene hat bei dem Ringen mehrere Kopfbeulen davongetragen; es ist ihm, als er aus den Finger des Rost bitz, durch die Kraftanstrengungen des Rost, den Finger wieder aus dem Mund herauszubekommen, ein Zahn heraus- gebrochen worden, außerdem hat er einen Nervenchok davongetragen und befindet sich noch setzt auf Krankenurlaub. � Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme sprachen die Ge- schworenen den Angeklagten Frciholz des Raubversuchs unter Ver- sagung mildernder Umstände, den Angeklagten Wolff der Begüusti- gung schuldig. Das Gericht verurteilte den Angeklagten Frciholz zusätzlich zu der in Grcifswald gegen ihn erkannten zweijährigen Zuchthausstrafe zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehr- Verlust. Der Angeklagte Wolff wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt und drei Monate Untersuchungshaft auf die Strafe an- gerechnet.__ 1 Soziales� Fehlurteil des Kaufmannsgerichts. Obgleich die Berufungsinstanzen wiederholt Urteile des Kauf- mannsgerichts, nach welchen sich dieses für Klagen wegen Verletzung der Fürsorgepflicht für unzuständig erklärt, umgestoßen haben, bleibt die l. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts auf ihrem falschen Standpunkt unverändert stehen. Sie hat das am Freitag wieder gelegentlich einer gegen das Bankhaus S. Bleichröder ge- richteten Klage ausgesprochen. Ein früherer Angestellter erhob einen Anspruch auf eine lebenslängliche Rente, weil er sich durch die Zugluft, die in seinem ihm zugeiviesenen Arbeitsraume ge- herrscht habe, ein chronisches rheumatisches Leiden zugezogen haben will. Tic verklagte Bank ließ durch ihren Vertreter bestreiten, datz Kläger durch die Schuld der Bank erkrankt sein könnte. Das Kaufmannsgcricht erklärte, daß es im Gegensatz zu ent- gegenstehenden Urteilen des Landgerichts an seiner Aüsfassung festhalte und den Kläger wegen Nnzustänvigkeit abweise. Derartige Klagen wegen Verletzung der Fürsorgepslicht, die auf eine lebens- längliche Rente abzielen, gehören nicht vor das Kausmannsgericht, sondern vor die ordentlichen.Gerichte. Das Urteil geht fehl. Der Ausbruch stützt sich auf die Be- hauptung, der, Arbeitgeber habe eine ihm aus dem Arbeitsverhält- nis obliegende Pflicht verletzt. Deshalb ist das Kausmannsgericht zuständig._ Haftung deS TheatcrbirektorS. Die Opernsängerin Fräulein Fladnitzer ist seit 1908 Mitglied de? Stadttheaters zu Leipzig. Am 24. Juni 1919 wirkte sie in einer Vorstellung der Oper„Die lustigen Weiber von Windsor" mit; im letzten Akt kam sie als Titania in einem Wagen auf die Bühne gefahren. Beim Sprung aus dem Wagen blieb sie mit ihrem langen weiten Gewand an einer hölzernen Verzierung des Wagens hängen, kam dadurch zu Fall und erlitt eine erhebliche Verletzung am rechten Knie. Sie erhob gegen den damaligen Theaterdirektor Volkner eine Klage auf Schadenersatz, mit der sie Zahlung von 8999 M. und Feststellung begehrt, datz der Beklagte ihr allen weiteren aus dem Unfall noch entstehenden Schaden zu ersetzen habe. Der Beklagte wendete ein: es treffe weder ihn, noch seinen Regisseur Marion, der die fragliche Aufführung geleitet hat, ein Verschulden an dem Unfall; die Klägerin habe dieselbe Rolle schon sechs- bis siebenmal vor dem Unfall iu der gleichen Weise durchgeführt; es sei ihre Sache gewesen, auf die durch die spitzen Verzierungen des Wagen? etwa drohende Gefahr ausmerk- sam zu machen. Vom Landgericht Leipzig ist die Klage abgewiesen worden. Dagegen hat das Oberlandesgericht Dresden den Beklagten ver- urteilt, drei Viertel des Schadens zu tragen, mit einem Viertel aber die Klägerin abgewiesen. Zur Begründung dieser Entschei- dung führt das Oberlandesgericht aus: Der der Klägerin zur Ver- fügung gestellte Wagen war zur gefahrlosen Ausführung deZ Sprunges nicht geeignet. Er hatte eine Höhe von 64 Zentimeter und an beiden Seiten ziemlich spitze hölzerne Schnörkel; die Ab- sprungsöffnung betrug nur 39 Zentimeter. Das ist kaum aus- reichend, um mit gewöhnlicher. Kleidung einen Absprung zu ge- statten. Hier kommt aber noch in Betracht, datz die Klägerin mit einem langen weiten Gewand bekleidet war, und datz sie deshalb um so leichter an einem der Schnörkel hängen bleiben konnte. Die Gefahr fiir die Klägerin war um so größer, als die für den Sprung zur Verfügung stehende Zeit nur ganz kurz wach. Datz der Wagen unter diesen Umständen zum Abspringen nicht geeignet war, konnte dem Regisseur Marion nicht entgehen. Auch der Umstand, datz die Klägerin in der Generalprobe sich selbst erboten hatte, den Sprung auszuführen, enthob den Regisseur nicht der Pflicht, zu prüfen, ob das Abspringen von dem fraglichen Wagen ohne Gefahr war. Andererseits trifft aber auch die Klägerin der Vorwurf eine? eigenen mitwirkenden Verschuldens. Ihrer eigenen Darstellung nach hat sie die Ungeeignetheit des Wagens zur Verwendung bei der Aufführung der„Lustigen Weiber" im allgemeinen erkannt. Ob ihr damals gerade die Schnörkel als das Gefährliche zum Be- wutztsein gekommen sind, ist unerheblich. Sie trifft eine Fahr- lässigkeit, weil sie den Regisseur nicht auf die Ungeeignetheit des Wagens aufmerksam machte. Immerhin ist dieses Mitverschulden der Klägerin geringer zu bewerten als das Verschulden des Re- gisseurs. Es erschien deshalb angemessen, dem Beklagten drei Viertel des Schadens aufzuerlegen, mit einem Viertel aber die Klägerin abzuweisen. Das Reichsgericht hat die Revision am Freitag zurückgewiesen. Die Haftung des Theaterdirektors folgt aus den§Z 618 und 278 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Ein Opfer der Fürsorgeerziehung. Der 16 Jahre alte Arbeiter Richter aus Furth, der trotz seiner Jugend schon wiederholt und erheblich bestraft ist, wurde nach Ver- bützung der letzten Strafe in Fürsorgeerziehung gegeben. Da ist er sehr streng gehalten worden. Dieser Umstand führte den jungen Mann wieder auf den Weg des Verbrechens. Wegen dreier Dieb- stähle hatte er sich jetzt vor der Chemnitzer Strafkammer zu der- antworten. Ein altes Zinkrohr, 5 M. bares Geld und von zwei Gräbern hatte er die zum Schutze der Denksteine dienenden Zink- kästen gestohlen! Er war geständig. Auf Befragen erklärte der An- geklagte, er sei zu einem Werkmeister in Fürsorgeerziehung ge- geben worden, Lohn habe er nicht erhalten, auch keinen Pfennig Taschengeld; seinen Eltern sei es verboten worden, ihm etwas zu geben, und ihm habe man verboten, die Eltern zn besuchen.-Die Mutter habe ihm nur das Essen gebracht. Wenn er geklagt habe, sei ihm gesagt worden, datz er aushalten müsse, sonst käme er in die Anstalt, und da hätte er es dann noch viel schlechter. Hierauf bemerkte der Vorsitzende:„Das wäre ja nicht richtig, wenn das so gemacht worden ist; ein junger Mann mutz doch auch etwas Geld in die Hände bekommen, sonst fällt er der Versuchung anheim. Ich kann es' gar nicht glauben, datz ein Werkmeister so handeln könnte. Ich kann die Angaben jetzt nicht kontrollieren. Sie bringen das wohl blotz vor, um ihre Straftaten in milderem Lichte erscheinen zu lassen." Der Angeklagte beteuerte, datz man ihn so behandelt, wie er es geschildert habe. Das Urteil gegen den jungen Mann lautete wiederum auf 4 Monate Gefängnis. In der Urteilsbegrün- dung wurde gesagt, datz der Angeklagte gemutzt habe, datz er wieder bestraft werden würde. Zu seinen Gunsten.sei berücksichtigt worden, datz er unwiderlegt ohne Geld gelassen und dadurch in Versuchung geraten sei, durch Straftaten sich Geldmittel zu beschaffen. Straf- schärfend aber habe berücksichtigt werden müssen, dah der An- geklagte trotz seiner Jugend schon so oft und schwer habe bestraft werden müssen: eine ganz gemeine Handlung sei aber die Be- raubung der Gräber. Es sei vielleicht möglich, datz bei dem Ver- urteilten durch systematische Einwirkung in der Strafanstalt eine Besserung erwirkt werde. Schlietzlich gab der Vorsitzende dem Ver- urteilten noch zu bedenken, datz er dem Zuchthaus verfalle, sobald er nach der Zurücklegung des 18. Lebensjahres wieder Diebstähle begehe. Diese Schande solle er seinen Eltern nicht machen; er solle in sich gehen und einen ehrlichen Lebenswandel führen und immer arbeiten, dann werde ihn die Versuchung, Straftaten zu begehen, nicht wieder ankommen. Datz er das tun wolle, darüber nahm der Vorsitzenden dem Angeklagten das Versprechen ab. Der letzte Teil nach der Verurteilung wirkte theatralisch. Der junge Mann mag sicher den guten Willen haben, nicht wieder straffällig zu werden, wie er jedenfalls auch bisher bestrebt gewesen sein mag, nicht vor die Strafrichter zu kommen. Waren es aber nicht die besonderen Verhältnisse, die besondere Art der sogenannten Fürsorgeerziehung, die ihn diesmal dem Verbrechen in die- Arme getrieben haben?__ Gerichts- Zeitung Schabenersatz für Pflichtwidrigkeit eines Schutzmanns. Der einzige erfolgreiche Weg zur Vorbeugung gegen Pflicht- Widrigkeiten von Beamten ist meist die Schadenersatzklage. Auch diese ist leider aussichtslos, wenn das Oberverwaltungsgericht eine Pflichtwidrigkeit verneint. Eine erfolgreiche Klage gegen einen Schutzmann und die ihn anstellende Behörde beschäftigte am DienS- tag das Reichsgericht. Die Polizei in M.-Gladbach steht unter städtischer Verwaltung. In der Nacht vom 13. zum 14. März 1999 hatte der Polizei- sergeant F. zwei lärmende Arbeiter auf der Straße angehalten, um ihre Namen festzustellen. Er verhandelte mit den Leuten und kehrte der Straße den Rücken. Zwischen ihm und den angehaltenen Arbeitern befand sich soviel Zwischenraum, datz eine Person zwischen den sich streitenden Parteien bequem vorübergehen konnte. Zur selben Zeit kam der Kläger M., der sich auf dem Nachhausewege befand, auf die Gruppe zu. Er wollte zwischen dem Polizei- sergeanten und den Arbeitern hindurchgehen. Als er in die Nähe des Schutzmanns gekommen war, erhielt er von diesem einen kräftigen Stoß gegen die Brust, so datz er zu Boden fiel und dabei beide Knöchel brach. F. ist deshalb wegen vorsätzlicher Körperverletzung bestraft worden. Der Kläger hat gegen F. sowie gegcst die Stadt- gemeinde M.-Gladbach Klage auf Schadenersatz erhoben. Die Be- klagten wenden zu ihrer Entschuldigung ein, datz der F. in Notwehr gehandelt habe, weil er geglaubt habe, der vorbeigehende Kläger wolle sich in die Streitereien einmischen und ihn angreifen. Den Kläger treffe auch ein Mitverschulden, weil er den Weg so gewühlt habe, datz ver Schutzmann den Verdacht der gewollten Mithilfe be» kommen mutzte. Das Landgericht M.-Gladbach und das OberlandeSgericht Düsseldorf haben die Ansprüche als berechtigt anerkannt und dem Kläger auch ein Schmerzensgeld zugesprochen. Obgleich die Klage auf den im rheinischen Gebiet geltenden code civil gestützt ist, der einen Anspruch auf Schmerzensgeld nicht kennt. Das Ober- landesgericht führt zur Begründung aus, datz der F. die Verletzung des Klägers in schuldhafter Weise herbeigeführt har. Tatsächlich ist festgestellt, datz zwischen dem Schutzmann und den Arbeitern ein solcher Raum frei war, datz eine Person bequem vorübergehen konnte. Ter Kläger hat auch nach der weiteren Feststellung die Richtung gehabt, datz er zwischen F. und den anderen hindurch- gegangen wäre. Datz der Kläger Anstalten gemacht hätte, als wenn er sich in den Streit einmischen, oder den Schutzmann an- greifen wolle, ist nicht dargetan. F. hatte deshalb keinen Anlaß, den Kläger plötzlich gegen die Brust zu stoßen. Diese Handlung hat der Schutzmann auch bei Gelegenheit der ihm von der beklagten Stadtgemeinde aufgetragenen Dienstverrichung ausgeübt. Denn er hat den Stoß gegen den Kläger deshalb ausgeführt, um an der Festnahme der Arbeiter nicht verhindert zu werden. Ein Mit- verschulden ist in dem Verhalten des Klägers nicht zu erblicken. Denn da noch Raum frei war und der Kläger die Richtung bei- behielt um zwischen den Parteien hindurchzugehen, konnte er nicht darauf kommen, daß der Schutzmann annehmen werde, Kläger wolle ihn angreifen. Die Haftung der Stadt ist somit auf Grund des z 1384 code civil gegeben. Die Haftung des F. folgt aus§ 839 B. G. B. Das Reichsgericht hat den Anspruch auf Schmerzensgeld ab- gewiesen, im übrigen aber das Urteil des Oberlandesgerichts be- stätigt und zur Begründung ausgeführt: Die Feststellung des Ober- landesgerichts, daß der Pvlizeisergeant schuldhaft und rechtswidrig den Stoß ausgeführt hat, sei einwandfrei getroffen. Dagegen sei der Anspruch auf Schmerzensgeld uicht anzuerkennen.(Akten- zeichen: lll. 513/12.)_ Betrügerische Manipulationen gegen Gäste im Cafe Abazzia kamen am 6. Januar in einem Privatbeleidigungsprozetz vor dem Schöffengericht zur Sprache. Es wurde festgestellt, datz mit Wissen des Lokalinhabers Mandel und seiner Frau minderwertige Schaum- Weinsorten zu hohen Champagnerpreisen an Gäste verkauft worden sind, datz einem Gast mehr Wein in Rechnung gestellt wurde, als er bekommen hat und datz einem anderen Gast ein» Flasche„Sekt" vorgesetzt wurde, der zur Hälfte aus Selterwasser bestand. Diese Geschäftspraktiken kamen durch den im Cafe Abazzia beschäftigt gewesenen Kellner Jesse zur Kenntnis weiterer Kreise, als Herr Mandel mehrere organisierte Kellner gematzregelt hatte. Die Be- leidigungsklage, welche Herr und Frau Mandel aus diesem Anlaß gegen Jesse erhoben, endete in erster Instanz mit der Freisprechung Jesses, weil ihm der Wahrheitsbeweis für seine Angaben voll- kommen gelungen war. Die Kläger hatten gegen dies Urteil Berufung eingelegt und mehrere Zeugen geladen, die sie von dem Makel, der ihnen durch das Urteil erster Instanz angehängt wird, befreien sollten. Anderer- seits hatte auch Jesse sich auf neue Zeugen berufen, um durch sie noch weiter« Fälle, in denen Gäste des Cafe Abazzia geneppt wurden, zu erweisen. So war für die Berufungsinstanz ein Apparat von mehr als 29 Zeugen aufgeboten. Gestern sollte die Verhandlung stattsinden. Aber zum größten Erstaunen der Prozeß- beteiligten waren die Kläger ausgeblieben, obgleich das Gericht ihr persönliches Erscheinen angeordnet hatte. Frau Mandel blieb ohne jede Entschuldigung dem Gericht fern. Herr Mandel gab an, er sei krank. Der Kreisarzt, durch den das Gericht Herrn Mandel am Tage vor dem Termin untersuchen ließ, konnte keine objektiven Krankheit? merkmale an Herrn Mandel entdecken. Das Gericht hielt hiernach nicht für festgestellt, datz Mandel krank sei. Da weder er noch seine Frau zur Stelle war, so wurde die Berufung der Kläger verworfen. Anscheinend ist dieser Ausgang des Prozesses Herrn Mandel nicht unerwünscht. Nach unserer Kenntnis der Verhältnisse wüvde die zweite Beweisaufnahme noch viel ungünstiger für Herrn Mandel und die Geschäftspraktiken in seinem Cafe gewesen sein wie die Er- Hebungen in erster Instanz. Man kann es deshalb verstehen, wenn Herr Mandel einer erneuten Beweisaufnahme aus dem Wege zu gehen sucht. „Patentgcbiß GaumenloS". Der Dentist Gerhard Koppe in Neukölln hatte sich vor der 3. Strafkammer des Landgerichts II zu verantworten. Er hatte Zettel verteilen lassen, in denen er„Patentgebitz Gaumenlos" und„künstliche Zähne ohne Platte von 3 M. an" anpries. In der Verhandlung wurde festgestellt,'datz der Angeklagte ein Patent nicht besitzt, datz ferner gaumenlose Gebisse für nur 3 M. lediglich aus unechtem Metall hergestellt werden könnten und deshalb die schwersten gesundheitlichen Folgen nach sich ziehen können. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen unlauteren Wettbewerbes und Verstoßes gegen das Patentgesetz zu 59 M. Geld- strafe. Dem Vertreter deS Vereins Neuköllner Dentisten, der Straf- antrag gestellt hatte, wurde die Publikationsbefugnis zugesprochen, Der Schlüsselbund als Wurfgeschoß des Fabrikanten. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte batte sich gestern der Hutfabrikant Zechelius aus der Köpenicker Straße wegen Körper- Verletzung zu verantworten. Der Angeklagte ioll dem Hutmacher- gehilfen Kuhlck einen Schlüsselbund mit solcher Wucht an den Kopf geworfen haben, datz der Gehilfe 19 Wochen lang arbeitsunfähig war. Der Angeklagte bestreitet das. Ed1? If1 der Schlüsselbund versehentlich entfallen. Die Verletzungen habe der Gehilfe sich durch einen Fall auf die Türklinke zugezogen. Rechtsanwalt Theodor Liebknecht richtet* als Rechtsbeistand des Kuhlck an den Angeklagten die Crage, ob er nicht schon mehr Zusammenstöße mit Arbeitern gehabt habe.„Solche noch nicht," erwiderte der Angeklagte. Kuhlck, der als Nebenkläger zugelassen war, und zwei Zeugen bekundeten: Der Angeklagte habe dem Kuhlck die Lampe ausgedreht. Daraus habe sich dann ein Wort- Wechsel entwickelt, in dessen Verlauf der Angeklagte dem Kuhlck zu- rief, er solle sofort aufhören. Der Gehilfe habe hierauf sein Geld und seine Papiere gefordert und fei hinausgegangen, um sich'um- zukleiden. Da habe ihm der Angeklagte eine Tür mit voller Wucht entgegengeschleudert und gleich hinterher sei ihm der Schlüsselbond an den Kopf geflogen. Kuhlck war infolge der Verletzung 19 Wochen lang arbeitsunfähig. Der Amtsanwalt beantragte wegen vorsätzlicher Körperver» letzung 39 M. Geldstrafe. Das Urteil lautete mit Rucksicht auf die bisherig« Unbescholten. heit und auf die Gereiztheit des Angeklagten auf nur 19 M. Geldstrafe.___ WitterungSübersicht vom 19. April 1913. Swinemde Hamburg Berlin Franks. a.Mffö München 1763 Wien 7S3WNW 5woIIcnI ssRegen 4 halb 6b. 4 Regen sheiter Lwolkcnl Haparanda! 753 S Petersburg' 768 s Sctlly 753 WNW Werdeen � 738 NW Paris ft56.SSW 6bedeckt I halb bd. 5 wolkig 3'woMg 4 bedeckt qiooucilii v 1 1 I Wetterprognose für Sonnatag, den 29. April 191Z. Etwas kühler, vielfach heiter, jedoch sehr mibeständig mit wiederholtnt Regenfällen und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbnre»«. J. Baep IWär.awSX Herren- and Knaben- } Moden, Berufskleidung. i Eleg. Paletots. Bredes i Stofflager zur Anfertigung nach MaB. Aller- billigste streng feste Preise. Die reellsten und billigsten Möbel und Polsterwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Scholz, Reichenberger StraBe 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehn- jähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung Technische Kurse Berlin: Ncandcrstraße 3 und „ RntHcnowcr Str. 3. Hochbau, Tiefbau, Maschinenbau, Elektrotechnik. Kgl. Regier.-Baumcistcr a. D. I>r. Werner, Inhaber.* Proipellc frei □ □□ □ □□ (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Bolksbühne. Sonntag, d e n 20. AP ril, nachm. 3 Uhr: Lesstng-Theater. 2. Wleilung(Gruppe 5—8): Glaube und Heimat Deutsch. Schauspielhaus. 5. SIbteilung (Gruppe 19—22): Der Kamps ums Rosenrote. Thalia« Theater. 8./9. Abteilung (Gruppe 36—39): Kulturpalast. Montag, den 21. April, abends 8 Uhr: Deutsche? Schauspielhaus. Abend- abtcilung 14(I.): Ein idealer Gatte. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, den 20. April, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Thcarer: Hamlet. Kammerspiclhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neue? Volks-Theaier: Ernst sein. Komödienhaus: Das Slistungssest. Schiller-Theater G.: Das Konzert. Schiller-Theater Charl.: König Lear. Theater in der Königgrätzer Straße: Hundstag«. Metropol-Theater: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. Neues Theater: Der fidele Bauer. Kleines Theater: LoltchenS GeburtZ- tag.— Der Arzt seiner Ehre.— Der Unverschämte. Trianon-Theater: Der selige Toupwel. Deutsches Opoixbaus: Fidelio. Theater des Westens: Der liebe Augustin. Nachm. 5 Uhr: Brauerei FrtedrichShain: MJssa Bolomnis. Abends 8 Uhr: NeueS VoIIs-Theater: Ernst sein. Abends 81/, Uhr: NeueS Volts-Theater:/ Montag und Mittwoch: Ernst sein. Dienstag und Sonnabend: Die Hexe. Donners- tag und Freitag: Heiden._ Lediller Idealer 0. Themen Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hn» Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Geographie nnd l iehe. Montag, abends 8 Uhr: vle Gewchwiater.— Elga. Sehiller-Thealer Sonntag, nachmittags 3 Uhr: König Lear. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Andere. Wontag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Berliner Theater. »Uhr: Filmzauber. 8 Uhr: Das Buch einer Frau. � tsci,e" fichansplelhau» ® Uhr: Alt-Heidelberg. 'Karl Hein,... Harry Waiden.) ■tolkramMenäochtol? Uhr: Die Studentengräfin. Slficnbs 8-/. Uhr: Extrazug nach Nizza. nachm. 3-/, Uhr: 4. Aufs. der Opernschule d. Sternliben Konserv. Tdealer llez Westens. 8 � ii®0lfätümndie Preise'): "lener Blot. Sonntag 3'/, Uhr: Der liebe Augustin. Resiüenz4heater. Abends 8 Uhr- Bie Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Morgen und solgende Tage: Die Iran Prt»r.lUentin. Sonntag nachmittags z uhr- «in Walzer von Chovi».' Ntti8 6peretten-7Kester (sr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Mends 8 Uhr: Der ZUgennerprin,�. ffonnt.Nm. 3 Uhr: D-er fidele Bauer. Luisen» Theater Sonntag, nachmittags? Uhr: Und hätte der Liebe nicht... Sonntag, abends 8(Premiere): Zaza. Nontag, abends 8 Uör: Zaza. Dienstag, abends 8 Uhr: Bor 100 Jahren »der: Napoleons Stegun�Fall. Voigt-Theater. Badstraste 38. Sonntag, den 20. April 121�: Nachm. 3 uhr: LassallesEDde Abends 7 Uhr: Kagenerösfn. 10 Uhr. Tlrauia Tanbenstrafie 48/49. Wissenschaftliches Theater. Sonntag 4 Uhr: „Hohenzollern"- Fahrten. Abends 8 Uhr: Ueberden Brenner nach Venedig Montag 8 Uhr: In den Dolomiten. U/ « f TT LOGISCHER CARTEN Hentc Sonntag: Einlrill 50 Pf. Kinder unter 10 J ahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär- Konzert Tägl. nachm. 4 Uhr: Gr. Konzert. Neue Jahresabonnements täglich an den Schalterkassen erhältlich. Passage-Panoptikum DER MlMMMI Das Wunder atavislischen Ver- scheidens. EEBEMD! FUSSKÜNSTLERSARTON Der armlose PAGANINI M9 Alles lebend! Alle» ohne Extra-Entree! Trianon-Theater. Täglich 8 Uhr: Madame X. Sonntag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Ktetropol-Tbeaier. Heule nachm. 3 Uhr: LeicbteCaiallerie und Flotte Bursebe Abends 8 Uhr: Die Rmo-Rönigin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okontowski. Musik von Aean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz.. Karl Bacbmaon J. Gianipietro G. Thielscber ¥. Horberl B. Bailot J. Russka Ly Winter 0SE=THEATE (Srosie Franksurter Str. 132. Nachmittags 3 Uhr: Zopf«ud Schwert, ü Abends 8 Uhr: D i e gröftte Sünde. Montag: Die grös?te Sünde. 1 Theater Schonzeit- Jäger. Komödie in 2 Akten von Anton u. Donat Hermleid. Liebesprobe. Plauderei in 1 Akt v. Emst Klein. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11— 2(Theaterkasse). 103..... tzuo vsäis? Die iäuZste Dauer und der sensationellste Erfolg, den je ein Film-Drama in einem Theater hatte. Heute Sonntag: Matinee 3 u. 5 Uhr Abends 7 nnd 9 Ehr. »Lines" Nollendorf-Theater NTollendorfplats 4. Jugend-Ausschuß Neukölln Sonntag, den 27. April 1913, in den Burgersälen, Bergstr. 147 r Frühlingsfeier für die schulentlassene Jugend unter gütiger Mitwirkung der Herren K. Wisseil(Festrede), Armin lilebermann(Cello mit Begleitung), Kurt Lietzmann(Lieder zur Laute), Jnlius Türk(Rezitation). 284/19'* Münnergcsangverein„Fichte-Gcorginia". SaalöSnnng 5 Uhr.— Rauchen verbaten!— Anfang 6 Uhr." Eintritt für Jugendliche frei. Erwachsene 30 Pf. Kartenverkauf: Bergmann. Allerstr. 46; Zirkel, Idealpassage, Fuldastr. 56; Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft.— Ausgabe für Jugendliche nnp im Jugendheim, Fuldastr. 56, Aufgang 8. fereia Berlar Bndilncli-lfiascieMeislEf. Am Sonntag, den 20 April er., findet in den Käumen der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11, nahe Schönhauser Tor, unser □ □ □ □ Ii. Stiftungs-Fest □ □ □ □ statt— Durch Mitwirkung erstklassiger Künstler ist es uns gelungen, ein auserlesenes Programm zustande zu bringen, und glauben wir allen Teilnehmern einen genußreichen Abend garantieren zu können. Die Veranstaltung beginnt präz. 6 Uhr.— Einlas 5 Uhr. — Gäste sehr willkommen. Um rege Beteiligung ersucht 27/14 Die Vergnügungskoramission. Geöflnet 10—8 übr CtuS�aBuugiu�rCUiS�aSiugifaBtmm'�DO' ü�accptii-nmai 1 3 Eintritt 50 Pf. Kinder ZOPI. Exceisior-Lichlspielhaus Neukölln gSstr��-ia Passage i Vom 18. bis 81. April einschließlich: Der fresse-fHtaf Verwegene Intrigen eines Verschmähten. bensations-Drama in 3 Akten. Außerdem: SplelCrMut. Vom 88. bis 84. April einschließlich: Mesalliance Roman aus der Gesellschaft in 2 Akten. Außerdem: Cirroßcr Dreiakter und das übliche hervorragende Programm. II Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBo 90/91. Cnroßes Doppel- Monzert. PhilharmoDisches Biasorchesler aus llailand. Dirig. Maestro Loreto Tesone. Musikc. des Kaiser Frans-Regmts., Dirig. Oberm. Becker. Anfang 41/, Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 41/, Uhr. Der„Clou** bleibt bis Mitte Mai geöffnet. Berliuer Kiudl-Brauerel- Ausschank Hermannstr. 214/18 Neukölln Fernspr.: Neukölln 79. Oekonom: Robert Bergner. Den verehr 1. Vereinen, Gewerkschaften, Korporationen usw. stehen Stile zur Abhaltung von Versammlungen, Konzerten, Festlichkeiten usw. zur Verfügung. 4 Verbands- Kegelbahnen stehen zur Benutzung, Jeden Sonntag im Garten; Großes Extra=Konzerf ausgeführt von den Musikvereinen„Harmonie'1 und„Echo". Anfang 3 Uhr. im Saal: Großer Ball. Restaurant zum Deutschen Sport Jnh. Alb. Müller, Mahlsdors a. Osttah». Berliner Str. 93 cmpsichlt seine neu renovierten Lokalitäten den Arbeiter-Radsahrern und _ Ausflüglern zur gesälugen Benutzung.__ f'Oti JUax KUems festsäls und Sommertheater - Berlin S 69, Hasenheide 13— 15.===== Säle von 100 bis töOOPcrs. sürHochzciten, Festlichkeiten u. Versammlungen. Vollständig der Neuzeit entsprechend eingerichtete Räume. Zum Ausschank gelangt von jetzt ab 8ctllltlhc!B�MärZLTI. Täglich Gr. Theater- und Spezialitäten-Borstellung aus 2 Bühnen. _ Jeden Sonntag: Gr. Ball in allen Sälen.. KB. Gleichzeitig mache ich die werten Vereine daraus ausmerksam, daß noch einige Tage sür die Sommer- und Wintersaison frei sind, auch bitte ich die Vorstände, dieKontralte, soweit dieselben noch nicht abgeholt sind, zu regeln. - Passepartouts und Percins-Freibillette werden jetzt vergeben.== Erössnung des Sommer-Theaters am 9. Mai. I.A.: Adolf Schmidt. Folies Capriee. Die Novitäten: • Die Bank. 9 9 Sein letzter Wille.• 9• Der Cowboy. 9 Anfang 8'/, Uhr. Vorverk. tt— 2 Uhr. Admiralspalast Eis=Arena Abends 9 Uhr: Das sensationelle Eisballett Flirt in St. Moritz. Die kleine Charlotte. Bis 6 Uhr und von 10°/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. Wein- und Bier- Abteilung, Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Montag, den 5. Mai: Der urkomische Possetischlager: AHurs Flitterwoctien u. das glänzende erstklass. Programm. Sonntagnachm.: Papes Seitensprung. SchiuB der Saison: Montag, 5. Mai. fotir. Humorist WQg. Treuer"«Telepti. Nd.(9598) Berlin N.57, Kastanien RUee 46, Restaurant „Zum Hackepeter Gr, Frankfurter Str. 106. Oekonom: Bndolf Hoffmann. Tagesspeisen der nächsten Woche: Montag: Frikassee von Kalb. Fr. Sohweineschinken Dienstag: Kalbs-Roulade... Sauerbraten mit Kloß Mittwoch: Hamburger Bratklops Esterhazy-Rostbraten 0,60 0,60 0,60 0,60 0,60 0,60 Donnerstag: Pökelkamm mit Sauerkohl und Erbspüree.... 0,60 Rinderschmorstück, gespickt 0,60 Freitag: Schlesisohes Himmelreich. 0,50 Kabeljau, gebacken oder mit Mostnchsauoe.... 0,60 Sonnabend: Pökel-Rinderbrust m. Meer- rettigsauce..... 0,60 Wiener Hackebraten... 0,50 Reiehshalleü-Thealer Stettiner Sänger. (Meysel, Britton, Schräder.) Anfang 8 Uhr, Sonntags 7ll, Uhr. Walhalla-Theater. Weinbergsweg 19/20. Täglich 81;, Uhr Parolei Walhaila! Große Ausstattungsposse. Vorzugskarten haben täglich Gültigkeit. Tiieater Königstadt-Casino. Ecke Holzmarkt- u. Aleranderstraßc. t Minute v. Bahnh. 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Für den»nferatentetl verantw.: Th.Gl»cke, Berlin. Druck«.«erlag:«orwärtA Buchdru«erei«.BerwgSanftalt Paul Stnge«»Co, Bert« SM |Ir. 94. 30. Iahrgaug. z. Kilqe iies, Amiirls" Kerliiin NslkslilM. Zoulltag, 20. Apck 1913. Mocken-Spielplan cler Verliner �keater. Königl. Opcrnliaus. Sonntag: Die Dallüre.(ZInsang 7 Uhr.) Montag: Madama Lultcrjly. Dienstag: Tannhäuser. Mittwoch: Fidclio. Donnerstag: Mignon. Freitag: Luvalieria rusticana. Bajazzi. Sonnabend: Die Watlürc.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Manon.(Ansang 'Vi Uhr.) Montag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Königl.. Tchanspielhaus. Sonntag: 1812. Montag: Ariadne auf Naxos. Dienstag: Sin Wassengang. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag: Ariadne aus t>taxos. Freitag: Der KrampuS. Sonnabend: Wilhelm Tell. Sonntag: Der große König. Montag: Prinz Friedrich von Homburg. (Ansang 71|! Uhr., Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelis. Abends: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Montag: Ter Freischütz. Dienstag und Mittwoch: Martha. Donnerstag: Das Mädchen aus dem goldenen Weste». Freitag: Tante Simona. Der Schleier der Piervettc. Sonnabend und Sonntag: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Montag: Martha.(Ansang 8 Uhr.) Tcntsches Theater. Sonntag bis Dienstag: Der lebende Leichnam. Mittwoch: Der blaue Vogel. Donnerstag: Faust, t. Teil. Freitag bis Sonntag: Der lebende Leichnam.(Ansang 7>/, Uhr.) Montag: Faust. L. Teil.(Ansang K'/, Uhr.) Kaminei spiele. Sonntag: Die Einnahme von Berg- ov- Zoom. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag bis Donnerstag: Die Einnahme von Berg-ob-Zoom. Freitag: Mein Freund Teddy. Sonnabend und Sonntag: Die Einnahme von Berg-oh-Zoom. Montag: Der Arzt am Scheidewege.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Tdcater. Sonntag: Der Biberpelz. Montag: Das Konzert. Dienstag: Einsame Menschen.'Mittwoch: Rosenmontag. Tonnerstag: Die Frau vom Meere. Freitag: Tantris der Narr,«onnabend: Das Friedens- fest. Sonntag: Rose Bernd. Montag: Die versunkene Glocke.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Abends und an den übrigen Tagen: Filmzauber.(Anfang 8 Uhr.) Theater in-der Königgrätter Straiie. Sonntag: DaS Buch einer Frau. Montag: Macbeth.(Ansang 7'/, Uhr.) Dienstag: Das Luch einer Frau. Mittwoch: Die süns Frankfurter. Donnerstag: Das Buch einer Frau. Freitag: Die süns Franlsurter. Sonnabend: Das Buch einer Frau. Sonntag: Macbeth.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Die süns Frank- surter.(Ansang 3 Uhr.) Kleines Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Lottchens Geburtstag. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Allabendlich: Prosessor Bern- Harb!.(Ansang 8 Uhr.) Kurfürsten-cper. Allabendlich: Das Farmermädchen.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'lf Uhr: Der liebe Augustin. Abends und allabendlich: Wiener Blut.(Ansang 8 Uhr.) MontiS Lperetten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der fidele Bauer. Allabendlich: Der Zigeunerprimas.('Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag: Alt-Heidelberg. Montag: Ein idealer Gatte. Dienstag: Alr-Heidclberg. Mittwoch: Der König. (Ansang 7°,z Uhr.) Donnerstag: Ein idealer Gatte. Freitag: Der König. Sonnabend: Alt-Heidelberg. Sonntag: Der König. Montag: Ein idealer Gatte.(Ansang 8 Uhr.) Lnstspieihnus. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Cornelius Voß. Allabend- lich: Majolika.(Ansang 8>/, Uhr.) Schiller- Theater«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. Abends: Geographie und Liebe. Montag: Elga. Geschwister. Dienstag: Klein Dorrit. Mittwoch: Geographie und Liebe. Donnerstag: Klein Dorrit. Freitag: Gyges und sein Ring. Sonnabend und Sonntag: Geographie und Liebe. Montag: Der Kompagnon.(Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottcnburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends: Der Andere. Montag: Klein Dorrit. Dienstag: Cyrano von Bcrgerac. Mittwoch: Klein Dorrit. Donnerstag: Cyrano von Bcrgerac. Freitag: Klein Dorrit. Sonnabend und sonntag: Zwei Wappen. Montag: Geographie und Liebe.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagen- loutrolleur. Allabendlich: Die Frau Präsidentin.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theatcr. Allabendlich: Puppchcn.(Ansang 8 Uhr.) Kricdricl,- Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Allabendlich: Grigri. (Ansang 8'/, Uhr.) Neues Volks- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Emst fein. Abends und Montag: Ernst sein. Dienstag: Die Hexe. Mittwoch: Ernst sein. Donnerstag: Helden. Freitag: Julia. Sonnabend, Sonntag und Montag: Emst sein.(Ansang 8'/, Uhr.) Trianon-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Allabendlich: Madame S.(Ansang 8 Uhr.) � Theater am Nollciidorfplah. Sonntagnachmittag S'/j Uhr: Die Studentengräsin. Allabendlich: Extrazug nach Nizza.(Anfang 8'/., Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zopf und Schwert.'Abends und Montag: Die größte Sünde. Dienstag und Mittwoch: Zop� und Schwert. Donnerstag: Die größte Sünde. Freitag: Kyritz-Phritz. Sonnabend: Wilhelm Tell. Sonntag: Kyritz-Phritz. Montag: Zaps und Schwert.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Und hätte der Liebe nicht... Abends und Montag: Zaza. Dienstag: Vor 100 Jahren. Mittwoch: Zaza. Tonnerstag und Freitag: Vor 100 Jahren. Sonnabend und Sonntag: Zaza. Montag: Unbestimmt.(Ansang 3 Uhr.) Urania- Theater. Sonntag: Ueber den Brenner nach Venedig. Montag undDienstag: In den Dolomiten. Mittwoch:.Paris,.Versailles Königsschlösser. Donnerstag und Freitag: Ueber den Brenner nach Venedig. Sonnabend und Sonntag: Von Meran zum Ortler. Montag: Unbestimmt. (Ansang 8 Uhr.) Koniödienhans. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Stistungssest. All- abendlich: Hochhcrrschastliche Wohnungen.(Ansang 8 Uhr.) Falles Eaprice.'Allabendlich: Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy.(Ansang S'/4 Uhr.) Köiiigstadt-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Admiralspalnst. Eisballett: Flirt in St. Moritz.(Ansang 9 Uhr.) Berliner Eispalast. Lebende Eisskulpturen.(Anfang 0 Uhr.) Easino- Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Papas Seitensprung. Allabendlich: ArturS Flitterwochen.(Ansang 8 Uhr.) Herrnseld- Theater. Allabendlich: Die Schonzest-Jäger. LiebeSprobc. (Ansang 8 Uhr.) Metropol-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Flotte Bursche. Leichte Kavallerie. Allabendlich: Die Kino-Königin.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallcu-Theatcr. Allabendlich: Stcttincr Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr.) Walhalla-Theater. Allabendlich: Parole Walhalla.(Ansang 8 Uhr.) Paüagc-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr. WasterstandS-Nachrichten der LandeSanstalt sür Gewässerlundc, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—'') Unterpcgel. B(l)ter Candtag$wal)lbezirH. Oeffentllche Wähler-Versammlung am Dienstag, den ÄÄ. April, abends �/zllhr, in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Der Kandidat Stadtverordneter Wilhelm Dnwell spricht iiber: Die Uolkserhebung lZIZ! Heran, Ihr Männer und Frauen! Beweist durch Massen- besuch der Versammlung Euer Interesse am politischen Leben. 199/u• Das Wahlkomitee. 9. Ittlinet FmdtMliDM Oeffentl WäMeroersammlnngen: 3. and 4. Abteilung: Moutag, den 31. April, abruds 8'/- Wr, m den„Mi!a- sälkn", Schönhailltr Allee 131). Referent: Landtagsabgeordneter Ströbel. 8. Abteilung: Dienstag, den 32. April, abends 8'/- Uhr, m den„Milasalen", Schönhauser Allee 130. Referent! Landtagsabgeordneter Ströbel. K.Abteilung: Dienstag, den 33. April, abends 8'/- Uhr, in Snßmilchs Festjalen, Dornholmer Straße 7. Referent: Redakteur Hans Weber. 17. und 18. Abteilung: Dienstag, den 33. April, abends 8'/- Uhr, in Frankes Festsälen, Dadltr. 10. Referent: Landtagsabgeordnetcr Borchardt. 7. Abteilung: Mittwoch, den 33. April, abends 8'/- Uhr, in den„Milafalen", Schönhauser Allee 130. Referent: Landtagsabgeordneter Ströbel. 8. Abteilung: Donnerstag, den 34. April, abends 8'/- Uhr, im„Swinemiinder Gesellschastshans", Swinenliinder Str. 43. Referent: Landtagsabgeordn.-Ströbel. In allen Versammlungen Tagesordnung: 1. Die preußischen Landtagswahlen. 2. Aufstellung der Wahlmänner. ido/ie Das Landtagswahlkomitce. I. A.: Paul Dobrohlaw, Schliemannstr. 39. �VAtiler-Ver'sammluaxea! 10. Sandtagswahlbezirb. Montag, den 21. April, abends 8>/z Uhr: bei Hussitenstraße Nr. 40. Dienstag, den 22. April» abends S'/a Uhr, in folgenden Lokalen: OlKlKl«, Schwedter Straße 23 Gesellschaftshans, Swinemünder Str. Bockbrauerei, Chausseestraße 68 Bornssiasäie, Ackerstraße 6/7 Crermaniasäle, Chausseestraße 110 Stopliiensäle, Sophienstraße 17/18. Donnerstag, den 24. April, abends S'/a Uhr: bei Krämer, Hussitenstraße Nr. 40. Tagesordnung in allen Versammlungen: Der Preußische Landtag und seine Bedeutung für das werktätige Volk. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Wahlmänner. 199/17» Referenten: Dr Hermann Wehl, Klara Wehl, Karl Leid, Hermann Obst, Emil Schröder, Karl �romke. IIa» soalaldemokratlsche Wahlkomitee. I.&: 3. Joseph» Obmann. Sehoneberg SozialdemoUratischet' Wahlverein. Dienstag» den 22. April 1«!», abends 8 Uhr, in den„Neuen Rathanssälen", Meininger Str. 8: doneral-Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre und Neuwahlen. 2. Stellungnahme gegen das Ge« sellschastshaus des Westens. 3. Die Landtagswahlen. 4. Verschiedenes. Genossinnen«nd Genossen 1 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines IcbeN einzelnen, pünktlich z« erscheinen. tö/9 Das Mitgliedsbuch legitimiert. Der«orstand. UM MUMin■ Mii Filiale Berlin, Andreasstr. i7.=■ Mittwoch bctt 33. April 1913, abends 8 Uhr, in folgenden Bezirkslokalen: Bezirks-Versammlungen. Tagesordnung in allen Versammlungen: Aktions-Ausfchust oder Gewerkschaftsparlament? Diskusfion und Wahl der Bezirksleitungen. Nellkööner Diertel: ÄTJ".' 3'cten" Srnnnkll- Viertel: Filhltllbergtr Diertel: Andreas-Dierlkl: �t0�!talc� 8att8ej Köpenicker Diertel: maurf*. 2. frankfurter Diertel: X"anu.p»;?oc./z Uhr: �litgllcdcr-Tcrfamiiilung für Adkershof, Akt-Gkienlcke und Umgegend im Lokal von Richard Kaul, Adlershof, Bismarckstr. 16. Tagesordnung: 1. Bericht von den ordentlichen Generalversammlungen. 2. VerbandSangelegenheiten, —— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.> ES ist dringende Wicht aller, pünkllich zu erscheinen. Dienstag, den 22. April, abends« Uhr: Versammhing aller in der Flugzeug-Jndustrie Beschäftigten im Neuen Gescllschastshanse(G. Perchner), Treptower Chaustec 14(direkt am Bahnhos Treptow). Tagesordnung: 1. Bericht von der Funktionär-Konserenz über mnser« Lohnbewegung. 2. Diskussion. EmtFahrimch Hmlinrg°, Htlgolllilö �----- m Wort und Kilb Groger Lichtbilder- Vortrag Mittwoch, den 23. April, abends 8 Uhr, im großen Saale des„Stadttheater Moabit", Alt- Jioamt 48. Reserent: W. Richter. ÄClltlinS! des Äla�'eT-Ve�andes! ACtltllliy! Die nächste ordentliche General-Versammlung findet am 2. I u n i dieses Jahres statt.— Anträge hierzu muffen spätestens bis zum 5. Mai bei der Orts- Verwaltung eingereicht sein. IM© Ortaverwaltang;. Ortskrankenkasse der Sattler und verwandten Gewerbe jtuJBerlin. Montag, den 387 April 1018, abend« 8 Uhr: Ordentliche Generai-Versammliing der gewählten Vertreter der Kastenmitglieder u. Arbeitgeber im Gewerbeobattsliaiiee,(Saal 1), Engelujer 15. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das vcrslossene GeschästSjahr, 2, Bericht des RcchnungsausschusteS und Ab- nähme der Iabresrechnung, 3, Bs- ratung und Beschlutzsastung über die neuen Satzungen nach der�ReichS- oersicherungSordnung, tlue die mit velegiertenberle event. Mitgliedskarte versehenen Delegierten haben Zutritt. NB. Ansragen der Mitglieder, wozu die Einsichtnahme der Bücher not- wendig ist, sind drei Tage vorher schristilch beim Vorstande einzureichen. Um pünkilicheS und zahlreiches Er- scheinen ersucht 268/20 Ter Vorstand. ll. kkitsobke, Vorsitzender. Ii. Teichmann, Schrislsithrer. Orts- Krankenkasse der und verwandten Gewerbe zu Berlin. Montag, den 38. April d. I., abends 8 Uhr: könersi-YersaniiniuDg in den BnslkersNlcn, C, Kaiser« Bilhelm-Str. 18m. Tagesordnung: Gemeinschaftliche Sitzung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. 1. Bericht der Kommission zur Prilsung der IahreSrechnung pro 1912. 2. Entlastung deS Rechnmigs- legerS. 3. Beratung und Beschluß. sassung über dt- Abänderung der Kastensatzung nach den Bestimmungen der NelchsoersicherungSordnung. 4. Be- schlutzsastung über die Entsendung von Delegierten zu den im Jahre 1913 stallfindendcn lUankenlaisentagen b-zw. Wahl der Delegierten. 5. Wer. sch.edenes. �, Die Herren Delegierten werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Die zugesandte Legitimation ist am Ein- gang vorzuzeigeii. ?lustünsle über Kassenangelegcn- heiten, welche Einsicht in die Bücher erfordern, lönne» nur im Kasienlokal gegeben werden. Ebenso sind An- sragen, welche beantwortet werden sollen, schristlich bis zum Mittwoch. den 23. April er., an den Vorsitzenden, Linienstr. 5, zu richten. 269/4 Oer Vorstand. Gustav Lubatsch, Vorsitzender. Ortskrankenkasse Hohen-Sctiönhausen. Am Montag, den s«. April 1913, nachmittags 6 Uhr, findet in dem Lokal von Rax Kuli, Berliner Stratze 92. hierselbst, eine Ordentliche General-Versamnilung statt. 268/18 Tagesordnung: 1. Jahresbericht für das Rechnungsjahr 1913. 2. Vortrag des Herrn Dr. ASmy.Serlin über:.Geschlechtskrankheiten und ihre Bekäinpiung. 3. Ersatzwahl tür das fluSgeschledene Vorstandsmitglied Karl BI«ul��(Ar< beitnehmer). 4. Abnahme der JahreS« rechnung. 5. Antrage aus Aende- rungen der Kastmsa�gM ratung und Beschiusisa stmg d-r neuen Satzung nach den � RcichSversicherungSordnung. 7. Vcr- �Ru'�untt 1 und 2 der Tages ord. rtung haben sämtliche Mitglieder Zu- �"�ills die Tagesordnung am 28. April nick-riedigt wird, sindet die Weiler. beratung amMittwoch. den»«- d.M.. nachmittags 6 Uhr, in demselben Lokal statt. Der Borstand. FJch. Petaolt, Vorsitzender. Max«Jawat, SchrtMhrer. Verband der Sehneider, Sehneiderinnen und V?äsehearfaeiter Sentsehlands. Sur.: SeBßflianftv. 37/88. i/Jlirti» ßarfitt I ArbtitSnachw. Joltystr. 7. Tel. Amt Moritzplatz 8737. Z U'»!? KklillI I. z/cl. Amt Köntgst. 8734. Mmg! Damenkonfektion. M-»» Bezirks-VerfammUittgen am Montag, den 21. April, abends 8'/, Uhr für den bei Prcppernau. Pasewaikcr Str. 3; für den in der Ricbeck'Bronerei, granlsuricr Allee 58! für den Bi«r«Ze>n bei Grunze, Schünhauscr Allee t5S; für den bei F. Buer, Badflr. 44; für NeukUIln bei tkockeget, Reutcrstr. 62. Tagesordnung: I. TSie können in der Tamenkonfeltion die Löhne anfgebeffcrt werden'/ Referenten find die Kollegen Bartsch, Höpfner, Kunze, W e i ck e r. 2. DiSkusfion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Srschctnen erwartet 1S3/14 IM« Kommission. Verwaltung Berlin Mitglieder- Versammlungen. Montag, den£!♦ Llpril 191B abendS 5>/t Uhr. Tagesordnung: Kerntung der Anträge zur Generalversammlnng. Zxkhlcr. Sfidivcstcn n. Westen; in Habels Brauerei, Bergmannstr. S/7. Siiden: bei Eicke, Echönleinstr. 6. Silidosten I: im Lokal„Südost-, Waldcmarftr. 75. «lldosten II: im Reicheiibrrger Hof, Reichenberg« Straße 147. Osten I: bei Merkowe ki. AndreaSfN. 26. Osten II: bei Grunwaldt» Mcmcler Str. 67 lComenwsfäle). Tagesordnung: 1. Vortrag des Kenoffen Knttner über:„Die Justiz ia Wirt« fchaftskämpfen-. 2. Diskussion. 3. Beratung der Anträge zur General. Versammlung. Osten III: in den„Prachtsälen des LsteaS-, Frankfurter Allee töt. Oestiielie Vororte: in der Riebcck- Brauerei(früher Löwen« Brauerei), Frankfurter Allee 63. Nordosten: bei Boekcr. Wcberstr. 17. Norden: bei Obiglo, Schwedt« Straße 23. Wedding! und Hoabit: bei Kaczarowski, Ravenöstr. 6. NenkNIIn: bei Kuhner(Jdeal-Kafino), Weichfelstr. 8. Weltkensee: im„Prälaten-, Lchdcrstr. 122. Lautiscdler. Montag, den 581. April, abends 8 Uhr: bei Boekcr, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Bericht der Tariskommisston. 2. DiSIufsion. 8. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. Wir machen die Kollegen daraus ausmerkfam, daß in die!« Dcrfamm« lung die neuen Tarife zur Ausgabe gelangen und ersuchen, da die Tarife nur in dieser Bersammlunz ausgegeben werde», um zahlreiches und pünktliches Erscheinen. - Mitgliedsbuch legitimiert.——— Kuchenmobel" Branche. AbendS 6 Uhr, int„Gngltschcn Hof-, Alexanders«. 27g. Tagesordnung: 1.„Die Loh»- und Akkordaufbesscrung tn unserer Branche.- 2. Verbands« und Branchenangelegenhcitcn. JUctkll- und fabrihtirchkr KSÄi*"'• 9"""" abendS 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Der Wert der Fortbildung sür die Arbeiter'. 2. Unser neuer Bertrag. 3. Verbands« und Berussangelegen- hellen. JVIöbcl- u. 8tuMpoUerer sowie JVIagazinarbdtcr Osten; in den„Fürstcnbrrger Fettsälen-, Frankfurter Allee 106. Südosten: im Märkische» Hof, Abmiralstr. ISo. Norden: im Swinemünder Gcsellschaftshaus, Swincmünd« Str. 42. Dienstag, den 582. April 19IS: Branche der VergoBder. AbendS 8'K Uhr, im GcwerkschaftshanS, Saal h Tagesordnung: 1-»Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Bergolder aller 5"e des Meiches nacb den Feststellungen der Zentralkommisston der Bergolder.- Zicscrcnt: Kollege Iklnn. 2. Bericht der Kommission. BCisKen» und Koffermacher. Pünktlich abends 8 Uhr, in den„Andreas-Fcstfälen-, Andreas- strafte SK. Tagesordnung: der Brancheuleitung. 2. Stellung zur Zentral. kommtssto». 8.«Zahl van 2 Beitragssammlern. 4. Verbands« und vranchenangelegenheitc». Mittwoch, den 58S. April 1913; Kamin-, Haarschmuek-, Kragensläbclienarlieiler und Arbeiterinnen abends pünktlich 8 Uhr. bei Merkowski Rachf., AndreaSstr. 26. Tagesordnuiia die 2. DiSlusfion,.-- � � � v-iu-uj versammtung. � ucioanös« und Branchenangelegenheiten. Jalousiearbeiter �abends 8-/, Uhr bei Boekcr, Weberstr. 17. Die gegcnwärlige Situation im Jalousiegewerbe. Zu dieser Dersammluog ch das Erscheinen all« in der Jalousie« sabrilation bcschajtlgten.irocit« dringend notwendig. Loclenlegei' iaaiV mr' im �werkschaftöhause, Engeluser 14/15, SöQcSotbniinQ; t Brauch enangelegenheuen. 2. Verschiedenes. Donnerstag, de» 5i4. April 1913: l�bmenmacber FÄe 45.�' Ebener Garte», Dresden« Tagesordnung: Bericht üb« die VcrKagsverhandlungen. N-ebm-cK-r' Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2- töericht über die Bewegung d« Grün- oranchc. 3. Brauchenangeiegenhellem > Mitgliedsbuch legitimiert._____ "M Die Ortsvcrwnltnng. 1 Berl.Kranken-Unter8tötzünos-ii.Begräl)nisverein Gegr. 1892. ffif fiMLU UDd l�ädCiieD. Gegr 1892. Montag, de» 21. April ISlilt, abends S'U Uhr. im„Oewerk- schattshans", Engslufer 15(Saal V); Ordentliche Generaiveriammlung. Tagesordnung: t. Jahresbericht— Bericht der Revisoren und Dechargeericilling. 2. Fest- sctzung d« Entschädigungen für den Vorstand usw. 3. Wahl des Vorstandes und d« Reoisarem 4. Verschiedenes.— Gäste willlommen.' 285/1 Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstanv. I.A.: Uar Tbieie. Borstßend«, 0., Proskaner : Str. 15. l. Zentralkrankenkasse derlapezlerer Freitag, den 25. April, abends 8'/, Uhr: (Quartals- Uersammlungeu. Akltale I: bei LSheig, Marigrasen str. 88, KUtale U: bei Röwer, Elisabethtirchftr. 14. Filiale III;„Geworkschaltshsus", Engeinser 15(Saal 11). TageS-Ordnung: 1.«aftenbericht vom 1. Cnatfal 1913. 2. Meuwahl der Otts« Verwaltungen. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. Recht zahlreicher Besuch ersorderlich. Die Orfsverwaltnngrcn. il echnungs- Abschluß der Gemeinsamen Örtskrankenkaffe für Königswusterhausen u.Umg> für das Rechnungsjahr I91Ä. l-'dutiahmcn. 3)1. 1. Kafsenh«flnnd sür dcn An- fan» �cs ZicchnungsjahreS 'T.aSschlievl.Reseroesoiids) 1353,54 Zmsen von Kapitalien und s onsligcn belegten Geldern sowie Erträge von sonst!« gen BennSgenstellen. 1467,66 3. EinlrittSgelder.... 2SSS,21 4. Gesamlbciträge(Anteile der Arbeitgeber und Ar» bcitnehmer zusammen), auSschließl. Zusatzbeiträge 56906,55 5. Ersatzleistung, f. gewährte Krankenunterstützungen. 8598,95 6. Ersatzleistungen von Be« russgenossenschasten.. 600,16 7. AusgenommeneDarlehnc, Vorschüsse dcSRechnungS- sührcrS....... 1900,— 8. Sonstige Einnahmen.. 299,98 d) Ausgaben. M. 1. Für ärztliche Behandlung 16463,63 2. Für Arznei und sonstige Heilmittel.... 9799,78 3. Krankengelder: a) an Mitglieder... 13505,25 d) an Angehörige der Mitglieder.... 789,50 4. Unterstützungen an Wöch- »«innen...... 1394,35 5. Sterbegelder.... 1229,— 6. Kur- und BerpflcguligS» losten an Krankenanstoll. 10166,91 7. Ersatzleistung, s. gewährte Krantenunterslützung. 1372,10 8. Zurückgezahlte Betträge »nd EtntrlltSgeld«.. 393,61 9. Für Kapitalanlagen, An- lagen bei Sparkassen(Zu» sührunge» zum Reseree- sondS)....... 1467,66 10. Durchlausende Posten, 7060,65 11. Verwaltungsausgaben: a.) persönliche.... 4371,16 b) sächliche..... 1294,45 12. Sonstige. Ausgaben.. 1663.44 13. Summe der Ausgaben (Ziffer 1-12).... 70976,39 73712,05 M. 70976,39 M. 9. Summe der Einnahmen (Ziffer 1—8)..... 73712,05 c) Abschlnil. Summe der Einnahmen(Ziffer a 1—9) Summe der Ausgaben(Ziffer b 1—12). Ergibt für den Schiuff des Rechnungsiahres einen Kassenbestand von...... 2735,66 M. Die reine Jahresausgabe der Kaffe(Summe d« Ausgaben abzüglich der in Ziffern 9 und 10 ausgejührten Posten) betrug m den letzten vorher gehenden drei Jahren, nämlich: 1909. 56312,80 3)1 1910. 59903,78 M. 1911. 70477,85 M. II Termbgensansweis für 8cblali des Rechnnngsjahres 1913. DaS Gesamtoermögen der Kaste setzt sich wie solgt zusammen: M. 1. Altiva:») der Bestand sür den Schluff des RechnungS» jahrcS 1912 laut vorstehendem Abschluß.. 2735,66 b) bar im ReservesondS, Sparkassenbuch... 50389,78 Sumnia 53125,44 2. Passiva waren nicht vorhanden. Nach dem voriährigen Abschluß betrug der Ueberschuß der Aktiva............... 50275,66 Ergibt gegen das Vorjahr an Ilcberschuß der Passiva wenig«................ 2849,78 DaS verfügte Alliovermögcn(� 1, a u. b) verteilt sich wie solgt: 1. Zum ReservesondS gehören nach den stattgesundencn Neb«. Weisungen(Entziehungen)............ 50.389,78 Roch dem vorjährigen Abschluß betrug der ReservesondS 48922,12 Ergibt gegen das Vorjahr an Reservefonds mehr.. 1467,66 2. AIS BetricbssondS verbleiben der Kaste von dem Betrage .& 1, a und b, nach Wzug der Beträge unter 15 Ii an bar 2735,66 Ergibt einen Betriebsfonds von 2735,66 Im Laufe deS Jahres waren ErkrantungSsälle der männlichen Mitglied« 689 mit 13377 Tagen, der weiblichen Mitglieder 353 mll 6216 Tagen, Summe der Krautheitslage 19593. Gcftorben find 13 männliche und 4 weibliche Mitglieder. Die höchste Mitgliedcrzahl war im Juli mit 2755 Personen. Königswusterhausen. den 20. März 19l3. Per Vorstand. H. G r i e ß i n g, Vorsitzend«. 269/7 Bad ilmenaa L Thfirlngtr Walde. 540— 7SOiii. Ausführl. Prosnekt m. Wohnunprsnacliwols koeten- irei ünrcli die bAdcvertretuiiß Jlmenau u. in Berlin Im Veik.- Bureau, Unter«len Lloden 14. Heideschloß Hehenhinde. Station Erkner. ,.Snin Bintenberg�, Fernruf Erkner LLZ. Romanlisch an Wald und Spree. Vereincii, Gesellschasten sehr zu empfehlen. Gr. Saal und Glashalle. 2 Kegelbahnen. Möbl. Zimmer. Gute Küche u. Keller. Eig. Molorbootverbindung mit Erkner. IIb. lledmao n. BuehhandlunI Vorwärts Berlin SWM I-lndcnstr. 69(Laden). Wir empfehlen: Sonntage eines groBstädtischen ü ü Arbeiters in der Natur»:: Von Curt Grottewitz. Vorwort von Wilhelm Bölsche. Buchschmuck und dem Porträt des Verfassers. Broschiert 60 Pf.— Gebunden 1 M. 247/20 Orts-Krankenkasse für das 269 für das 269/13 Bierbrauer gewerbe zu Berlin, Kais«-Wiihelm-Str. 18a. Mittwoch, den 30. April 1913, abends 8 Uhr: Ordentliche Wilhelminenhoro�Ähöneweide, mit graste m Garte» und Saal» empfiehlt sich Vereinen und Gcwerk« schaften zur Abhaltung von Veranstaltungen aller Art._ 3426* MW- 1. Pflnffstleiertag noch frei."WM General-Versammlung der Delegierten in den Musiker-Säle», Kais«-Wil« H«lm-Str. 18m, klein« Saal, Hos Part. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstände«. 2. Bericht der RevisionSkomniission nnd Entlastung deS Vorstandes und des Rendanten. 3. Vorbelprechung der neuen Satzung. Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Einsicht in die Kasten- büchcr oder Akten notwendig ist, muffen mündlich oder schriftlich behufs Beantwortung derselben in der Ge- neralv«sammlung bis spätestens 27. April d. I. dem Borstande mit« geteilt werden. Als Legitimation dient die zu dieser Vcrsammilmg gesandte EinladungS- karte. Um recht pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Per Vorstand. Otto Ullrich, Vorsitzcnd«. Ortskrankenkasse der Schneider, Schneiderinnen u. verwandter Gewerbe zu Berlin Kassenlokal: Sebastianstr. 37/33. Die für das Jahr 1913 gewählten Vertreter der OrtSlrankenkassc d« Schneider, Schneiderinnen und vcr- Wandler Gewerbe zu Berlin werden zu der am Montag, den 28. April 1913, abends 8 Uhr, in WilkeS Festsäle», Sebostiau- strafte 3», stattftndeilden General-Versammlung hiermit eingeladen. Tagesordnung: 1. Entgegennahme des Jahresberichts pro 1912: a) Bericht des Vorstandes; b) Schriftlich« Jahresbericht. 2. Bericht des RechnungsauSschiisseS. Dechargeerteilung. Vorlegung und Beschlußfassung über die den Bestimmungen der Rcichsversicherungsordnung ange- paßle neue Knsseniatzung gemäß dem GencralvcisammlungSbeschluß vom 15. Oktober 1912(Zulassung der Kaffe als desondere Orts- lranlenkasfe. 269/3 Berlin, 19. April 1913. Karl Kaschewski, stellvertretender Vorsitzender. Paul Doritz, Schristiührer. Orts- Krankenkasse d. Ziyarrenmacher, Zigaretten- macher, Zigarrensortierer und deren gewerblich. Hilfsarbeiter zu Borlfn. Mittwack. den 30. April 1913, abends S'/j Uhr: Ordentl. General-Yersamnilung (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) im Restaurant„Roseuthaler Hof-, Roienlhaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Vorlegung des Jahresberichts 1912. 2. Berichl der Kommission zur Vor Prüfung der JahreSrcchnUng. 3. Beratung und Beichlußfasiung üb« den Statutcncntwurf nach cen Vor. jchristcn der RcichSversicherungS ordnung. 4. Beratung über während d« Per sammlung eingegangene Antrüge. 454b Per Vorstand. Orts- Krankenkasse der Bildhauer, Stukkateure und verwandten Gewerbe. Einladung zur erdentl. General-Versammlung am Montag, den 88. April, und Montag. den ö. Mai h. I., abends 6 Uhr, im Gewerkschafts- Haus, Engelufcr 15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahrcsrechnung 1912 und Bericht der Revisoren. 2. Abänderung der Siaiuien, H 13, Abs. II. 3. Geschäftliche Mitteilungen. 4. Beratung und Beschluftfassung der neuen Statu, eu gemäß den Mustersatzungen nach der Bekannt- machung deS Reichskanzlers vom 17. Mär, 1913. Einladungskarte legitimiert. Der Aorstand. 269/12 I. V.: Fritz Waldeher, Vorl. Örtskrankenkaffe der. Stellmacher zu Berlin. Montag, den 38. April 1913, abends 8-/, Uhr, findet im Rosenthaier Hof, Rosen- ihal« Str. 11—12, die --------- ordentllebe>■■ General-Versammlung stall. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung f. das Jahr 1912. — 2. Bericht der Revisoren.— 3. Beratung und Beschlußfassung der neuen Satzung nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung.— 4. Ber« schiedenc Kaffcnangelegenheiten. Per Vorstand. 269/9 I. A.: Fr. Henke» Allgemeine Orts- Krankenkasse zu Berlin. Montag, de» 88. April 1913, abends 7% Uhr. im„MarinehnuS", Brandenburger User 1, 2 Tr.(Ruhmessaay: Ordentl. General-Versammfung zu der die sür 1912/13 gewählten Vertreter hiermit ergebenst cingc- laden werden. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1912. 2. Bericht de« Prüjungs- ausschuffcs und Entlastung des Ren- danten. 3. Umgestaltung des Statuts nach den Bestimmungen der Reichs- Versicherungsordnimg. 4. Die Ver- einigung einer Anzahl Ortskranken- lassen mit der Allgemeinen Orts- irailkenkasse. 5. Antrag von Hilss- arbeiten, aus Gehaltsverbcsserung. 6. Mitteilungen des Vorstandes. B«lin. den 19. April 1913. Der Borftand. 269/11 W. P i e h l, Vorsitzender. Um pünktliches Erscheinen wird dringend ersucht. Frauen-Kegräbnishaffe der in Schristgießereieu be- slhiistigten Arbeiter Keriins Dienstag, den 82. April, abends 6 Uhr: (j eneralversarnrnlung im Lokale von P. Zimmermann, Wtlhelmstr. 8. Tagesordnung: 1. VorslandSbericht. 2. Kasten- bericht und Bericht der Revisoren. 3. Wahl des Vorstandes und der Re< visoren. 4. Verschiedenes. Die»erebrten Mitglieder sind zu dieser Versammlung jrcundlichst ein- geladen. 284/20 Ter Borstand. Orts-Krankenkasse der Klempner. Am Dienstag, den 83. April d. I., abends 8 Uhr, findet im GcwcrkschaftShause, Engeluser 15, Saal 4, die 4395 Generalnersatilmlung der Vertreter der Kastcnmitgliedcr und Arbeitgeber unser« Kasse statt. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Be> richt des RechnungSauSschusseS nnd Dechargeerteilung. 3. Beschlußsastunz über die der R.-V.-O. angepaßten Satzungen. 4. Andere Kastenangc- legenheiten. Der Borstand. Orts-Krankenkaffe Berlin-Weiffensee. Montag, den 28. April er., abends 8 Uhr, im Restaurant„Prälaten- hier, Ljhderstraße 122: Generalversanimlann der Vertreter. Tagesordnung: I. Vorstandsbcricht. 2. Bericht der Rechnungsprüsungslommission und Entlaslungserteilung. 3. Wahl einer Kommission zur Vorbcraiung der neuen Kasscnsatzungcn. 4. Vcr- schiedenes. Evcntl. Beschwerden gtgen die Geschästssührung müssen schriftlich er- folgen und könncii tn der Bersamm- lung nur beanlwortet werden, sofern dieselben mindestens 3 Tage vorhci erhoben worden sind. Zum Eintritt sind nur die mit Legitimation versehenen Vertreter bciechtigl. 269/3 Beriin-Weißenice, 15. April 1913. Ter Vorstand. I.A.: Fuhrmann, Vors. Orts-Krankenkaffe für daö Barbiergewerbe zu Berti». Montag, den 28. April 1913, abend« 9'L Uhr, im»Rosciithalcr Hos-, Rosenthaler Str. 11/12: Generalversammlung. TageSordiiung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Ab» nähme der JahreSrechnulig Pro 1812. 3. Bericht des PrüsungsausslbusseS. 4. Anträge. 5. Kassenangelegenheiten. Zur Xciluahme dercchtigte Delegierte erhalten besondere Einladung. 269/10 Der Borstand. I. Paul Schrolle. 1. Vorst. Orts-Krankenkaffe der Schmiede. Dienstag, den 29. April 1913, abends T'/j Uhr, bei Fröhlich, Muskauer Str. 1: Ordentliche General'Versammlung. 1. Vorlage der Jahr csrechnung 1812. 2. Bericht der Revisoren und An- trag aus Erteilung der Decharge. 3. Verschiedenes. 269/14 Der Vorstand. _ I. A j Ad. Pllgrlm. Vorjährige islnste Anzüge. Paletots, schicke Ulster, Gehrockanziige, Smokings. Fracks auf Seide« 30-70 m. fersmiaiis itnia", 81 Unter den Linden 81 Soantags von 12—2 Uhr geöfine' I Todes-Anzeigen 1 Deutseher ßauarheiterverbanil. Zweigverein Berlin. Bezirk Xorden II. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mtglied, der Maurer Hidtönl Mademann am 17. April verstorben ist. Ehre, einem Andenken t Die Beerdigung sindet am Monsag, den 21. April, nach- mittags 1 Uhr, von der Leichen- balle"des Aethsemane-Kirchhofes, Nieder- Tchönhausen« Nordend, auS statt._ Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, dar. der Putzer Wilhelm Eedrieh am 1 S.April im Alter von öl Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet am Montag, den 21. Zlpril er., nach- mittags lj Uhr, vom Trauerhausc in MahISdors, Walderscestraße 33, nach dem dortigen Gemeinde- sriedhof statt._ Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Bauarbeiter iUiMLt Wobser (Bezirk Norden I) verstorben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. Zlpril er., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Moabitcr KranlenhauseS aus statt; die Beisetzung erfolgt nach- mittags Ist. Uhr auf dem Fried- Hof der Gethfeinane-Gcmeinde in Nicder-Schönhausen-Nordend. Um rege Beteiligung ersucht 142/ö Der Borstand. US. Bert. Reichstags-WaMkreis. Am 19. April verstarb unser Genosse, der Arbeiter �uZust>Vodser Hochmeifterstr. 22— Bezirk 523. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindet am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, vom städtischen Krankenhaus in Moabit aus nach dem Gethsemane-Kirch- Hof in Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/11 Der Borstand. Verkiii! 1 Brauerei- u. Hühien- 8f heiter u. verv/.Geruisgenossen. Zahistella Berlin. ' Den Mitgliedern diene zur Nachricht, dag unser Kollege, der Müller Enttt Seidelmann am 17. d. Mts. im Alter von 69 Jahren gestorben ist. 43/5 Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 2t. April, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des alten ThomaS-Fricd- Hofes in Neukölln, Hermann« stratze 179/185, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Die Ortsverwattung. ima Gesangverein Liedertalel Oher-Sehöneweide. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag am 18. d. M. die Frau unseres sangeZbrudcrS �chverdUeget'. Alma geb. Fickcr verstorben ist. Die Beerdigung sindet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhausc aus statt. Trcffpiinlt der Sänger pünktlich 2'/z Uhr im UebungSlokal. 457b Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag am 18. d. Mts. meine liebe Frau, unsere gute Mutter Anna Schwerdtfeger nach. langem, schwerem Leiden verstorben ist. 458b Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Rathenaustr. 31 aus statt. Irieilrioli Schwerdtfeger nebst Kindern._ Sterbekwsc für Frauen van Mitgliedern der Zcntralkranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. (V.a.G.) Ortsverwaltung Berlin 11. Nachruf. Am 16. April verstarb nach kurzem Krankenlager unser Mit- glied Frau Ida Kremin im 42. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenke«: Die Beerdigung satld am 19. April statt. 257/18 Die Lrtöverwaltnng. Deutscher Metailarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der schleiscr Philipp Brandt Hennigsdorserstr. 5, am 16. d. M. tut Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. Slpril, nach- mittags 4'/�Ubr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes, Müllerstratze, aus statt. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, unser Mitglied, der Schlosser Bndolk Gericke Sleiiimctzstr. 68, verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonntag. den 29. April, nach- mittags 2'/-, Uhr. von der Leichen- Halle des'Luthcr-KstchhoseS in Lankwitz aus statt. De» Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Hermann Eshmann Fredersdorf a. 0(16., am 18. April, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. April, nach- mittags, von der Leichenhalle des Gemeindcsricdhofs in Freders- darf aus statt. Ehre ihrem Andenke«: Rege Beteiligung erwartet 116/18 Die Ortsverwattung. Deutscher franspurtarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Arbeits- bursche KarS SCiersch am 12. April im Alter Von 24 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken: 64/6 Oie Bezirksverwaltung. Banksagune:- Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, sagen Wir allen Verwandten, Freunden, Be- kannten, Kollegen und Kolleginnen unseren herzlichen Dank. 481b Witwe Iberese Hartmann u. Kinder Dresdener Strage 79. Danksagung. Für die bewiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, Herzens- zuken Mannes sage ich allerseits, be- anders den Kollegen, Kolleginnen, dem Wablverein, dem Deutschen Metallarbeiteroerband und dem Ge- nossen Rmtors für die trostreichen Worte am Sarge meines Mannes den besten Dank. 65i!l Wwe. Zlar-ie Vllrlch geb. Bänemann. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, guten Vaters, Sohnes, Bruders und Schwagers ÜCarS Harlma�Ei sage hierdurch allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbe- sondere dem 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis, dem Deutschen Metall- arbeiter- Verband, den Sängern meinen innigsten Dank. 65A Im Rainen der Hinterbliebenen Witwe Ida Hartmann und Sohn. Kortix»m I.»ger! Dehtlidi-MDgeÄ�ZK�� Cutawayu.Weste®®'®°'S Seo.EO,' >65,56 '40,36/6 BeiDkleider 8«. Fertige schwarze Kieidung für Knaben und JüneJinge [:: in größter Auswahl:: | Feine Maß• Anfertigung ;; in ca. 10 Stundea:: Baer Sohn Kleider- Werke Berlin. 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Auch aus anderen deutschen Städten waren Persönlichkeiten, die dort in der Jugendpflege tätig sind, als Gäste anwesend, um Erfahrungen auszutauschen. Der Berliner Stadtschulinspektor Häusler berichtete über den in Berlin-Ost geschaffenen Arbeitsaus schütz für Jugendpflege, der eine Reihe von Vereinigungen für Jugend- pflege zu gemeinsamer Tätigkeit zusammengeführt hat. Diese Organisation, in der die Jugendklubs, der Jüngdeutschlandbund, der Pfandfinderbund, der„Wandervogel", auch Turn- und Sport- vereine und schließlich die kirchlichen Jünglings- und Jungfrauen- vereine sich miteinander vertragen, soll— so hofft man— eine erfolgreichere Einwirkung auf den Nachwuchs des arbeitenden Volkes ermöglichen. Sie will ein Gegen- gewicht gegen die, wie der Herr Schulinspektor sagte,„sozialdemo- kvatische Jugendpflege" sein, von der er mehrfach hervorhob, daß sie gerade in Berlin-Ost am besten gedeihe. Vor allem müsse man danach streben, das Vertrauen der Eltern zu haben. Das sei das Geheimnis des Erfolges der„sozialdemokratischen Jugend- pflege". Der Jugendpflegeausschutz des Berliner Lehrervereins arbeitet gleichfalls Hand in Hand mit anderen Organisationen. So steht er in freundschaftlichen Beziehungen auch zu dem Jungdeutsch- landbund, den er nach Kräften zu fördern sucht. Für den Bund warb in der Versammlung ein Vortrag des Gemeindeschul- lehrcrs E b e r t(8. Knaben-Gemeindeschule, Gipsstratze). Der Jungdeutschlandbund schädige nicht andere Jugdendorganisationen, sondern leiste für sie eine wertvolle Hilfstätigkeit. Er sei, vcr- sicherte der Redner,„kein Verein, der P o l i t i k treibt oder poli- tische Färbung zeigt". In der sich anschließenden Besprechung machte Lehrer Schenk aus Flensburg kein Geheimnis daraus, was die von der bürgcr- lichen Klasse betriebene Jugendpflege bezweckt. Das letzte Miß- trauen gegen den Jungdeutschlandbund müsse schwinden. Es gelte,„eine einheitliche Front zu schaffen zum Kampf gegen die Sozialdemokratie, die sich ihre Jugend, wie sie sagt, nicht nehmen lassen will". Einer der an der Versamm- lung teilnehmenden Offiziere hob herbor, daß der Jungdeutsch- landbund gerade an Jungen heranzukommen sucht, die noch gar keinem Verein angehören. Dem Bund sei es zu danken, daß mancher Junge für andere Vereine gewonnen worden sei. Oft werde der Bund von anderen Vereinen gebeten, thnen Jungen zur Beteiligung an ihren Ausflügen zuzuweisen. Wie man die schulentlassenen Mädchen bearbeitet, das zeigte ein Vortrag der Gemeindeschullehrerin Thommen(76. Mädchen- Gemeindeschule, Muskauer Straße). Sie schilderte die EntWickelung der Jugendklubs, für die von der Schulverwaltung bereitwilligst die Räume samt Beleuchtung kostenlos hergegeben werden. Intet essant ist, daß einige Klubs in den Schulen die ihnen überwiesenen Räume sogar als„Klubzimmer" eingerichtet haben. Ueber die empfehlenswerteste Art, die Mädchen zu behandeln, sagte die Rednerin:„Eine zwanglose Aussprache, bei der man, ich will ein- mal sagen, die Absicht nicht merkt, halte ich für zweck. mätziger." Hinterher klagte sie, datz die Klubs noch mit einer „recht starken feindlichen Gegenströmung" zu kämpfen haben. Es werde versucht, den jungen Menschen das Vertrauen zu den guten Absichten der Schule zu rauben. Einen besonderen Bericht über die Arbeit eines einzelnen Klubs, desjenigen der 261. Mädchen-Gemeindeschule(Greifenhagener Straße), gab die Gmeindeschullehrerin Mittmann, die ihn leitet. Sie ist bemüht, die Mädchen dadurch zu fesseln, daß sie ikDen die Möglichkeit eigener Betätigung schafft. Theaterauf führungen, ein Kostümfest, die Arbeit auf gepachtetem Laubenland seien geeignete Mittel hierzu. Auch Gemeindeschullehrer K a i n(218. Mädchen-Gemeindeschule, Petersburger Platz) sorgt in dem von ihm geleiteten Klub dafür, daß die Mädchen selber sich betätigen können. Er berichtete, datz auch die noch die Schule besuchenden Kinder zur Mitwirkung bei den veranstalteten Abendunterhaltungen herangezogen und diese mit Elternabenden verbunden worden sind. So ein Abend wurde, so hob er hervor, eingeleitet durch den gemeinsamen Gesang: „Herr, deine Güte reicht so weit". Das Vertrauen der Eltern zu gewinnen, gilt auch ihm als wichtigste Aufgabe. Er rühmte, datz sogar die Tochter eines„echten Sozialdemokraten" durch Vermittelung der Mutter, die einem solchen Unterhaltungsabend beigewohnt hotte, für den Klub gewonnen worden sei. co wird's gemacht I Man sieht, wie nett Lehrer und Lehre- rinnen gegenüber der Arbeiterklasse und ihrem Nachwuchs sein können,-ras Vertrauen der Eltern— ja, das möchten sie haben. Mit unleugbarer Kunst werben sie darum. Aber datz die Erfolge spärlich sind, geben sie selber zu. Dw �clirerjchofj- zu noch eifrigerer Werbearbeit für die in „vaterländiichcm gleiteten Jugendvereinen anzuhalten, hat soeben der K u l t u s m i n i st e r die Regierungspräsidenten und die Provinzialschul-oüegien beauftragt. In einer Verfügung vom 14. März sagt er: „Bereits in dem Runderlatz vom 24. November 1901 ist es als erwünscht bezeichnet worden, daß die Lehrer der Volks- schulen ihre m einen Beruf übertretenden Schüler auf geeignete Jugendveremigungen aufmerksam machen. Nachdem inzwischen zufolge meines üiunberlasses pom 18. Januar 1911 die in Vater- ländischem Geist geleiteten Jugcndvereine fast überall weiter ausgebaut sind, erscheint gK jm Interesse der Jugendpflege ge- boten, alle Schuler und Schnlorjnnen während des letzten Schul- jahrcs in geeigneter Weift o�f derartige Veranstaltungen hin- zuweisen und moglichsr wirksam anzuregen, nach der Schul- entlassung solchen �ugendvcreinigungen beizutreten." Gewiß, das ist die Hauptsache daß schon die noch die Schule besuchenden Kinder„in geeigneter Weise" und „möglichst wirksam" bearbeitet werden. Demgegenüber machen wir alle Eltern darauf auftnertsam, daß kein Kind zum Eintritt in solche Vereinigungen gezwungen werden kann. Wahrscheinlich wird man wieder über„sozialdemokratische Verhetzung" schreien, wenn wir angesichts all dieser Bemühungen den Eltern aufs neue die Mahnung dringend ans Herz legen:„Habt Acht auf eure Kinder!" Jawohl, habt Acht auf sie und hütet sie! Haltet sie fern von den Jugendklubs, bewahrt sie vor Jungdcutschlandbund, Pfadfinderbund cksw.! Eltern aus der Arbeiterklasse! Denkt daran, wie man eure eigenen Bemühungen, eine Jugendpflege in eurem Sinne zu treiben, mit dem Mittel der Gewalt zu vereiteln sucht! Ihr witzt's, gegen wen die ganze Jugendpflege sich richtet, die von der Herr- schenden Klasse getrieben wird. Partei- Ungelegenbeiten. An die Bildnngsausschüsse! Am Sonntag, den 27. April, vormittags 10 Uhr, findet im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15, eine Konferenz der Bildungsausschusse von Groß- Berlin statt. Auf der Konferenz sollen vor allem die Kreis- bildungsausschüsse, die lokalen Bildungsausschüsse von Teltow Beeskow und Niedcrbarnim und die Bildungsausschüsse der Berliner Gewerkschaften vertreten sein. Aber auch die Partei un&_ Gewcrkschaftsorganisationen, die noch keinen Bildungsausschutz besitzen, bitten wir, eine Vertretung zu entsenden. Ein Zirkular mit der Ankündigung der Konferenz ist am 10. April an die Organisationen und Bildungsausschüsse der- sandt worden. Genossen, die die Einladung nicht erhalten haben, ersuchen wir, sie nachzufordern. Sie enthält nähere Angaben über die Tagesordnung, über den Umfang der Vertretung der Organisationen und Bildungsausschüsse usw. Wir ersuchen die Partei- und Gewerkschaftsorganisationen und ihre Bildungsausschüsse um allseitige Beschickung der Konferenz. Der Bezirksausschuß Groß-Berlin. 2. Berliner Landtagswahlbezirk. Am Mittwoch, den 23. April, abends'ftlJ Uhr, findet in der Bockbrauerei, Tcmpelhofer Berg, eine allgemeine öffentliche Wählerversammlung statt, in der.Genosse Dr. R. Breitscheid über das Thema:„Ich bin ein Preuße" referieren wird. _ Das Wahlkomitcc. 8. Landtagswahlbezirk. Heute Sonntag früh 8 Uhr findet von den bekannten Bezirkslokalen aus eine Flug- blattverbreitung für die zu Dienstag, abends O'/z Uhr, nach der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10, einberufene öffentliche Urwählcrversammlung statt. Zweiter Wahlkreis. 7. und 8. Abteilung. Heute Sonntag, abends ö Uhr, in Rabes Festsälen, Fichtestr. 29: Unterhal- tungsabend. Vortrag des Genossen Anton Fischer über: Jugend- Heime. Nachdem: Tanz. Eintritt 19 Pf. Neukölln. Die Flugblätter sind zur heuttgen Verbreitung in die Uhrwahlbezirkslokale besorgt worden, die Parteigenossen können sich dort einfinden. Lichtenberg. Zu der am Donnerstag, den 24. April, nach dem „Schwarzen Adler" einberufenen öffentlichen Frauenversammlung findet am Dienstag, den 22. April, abends 7 Uhr, eine Flugblatt- Verbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Treptow-Baumschulcnweg. Am Dienstag, den 22. April, abends 8l/z Uhr, finden zwei öffentliche Wählerversammlungen in Ludwigs Park-Restaurant, Am Treptower Park 26, und Sauers Gesellschafts- Haus, Baumschulenstt. 78, statt. Referenten sind die Genossen Fritz Eberl(Parteivorstand) und Dr. R. B r e i t s ch e i d. Am Montagabend Uhr: Verbreitung der Einladungen zu den Wählerversammlungen von!*« Bezirkslokalen aus. Die Generalversammlung des Wahlvereins fällt der öffentlichen Wählerversammlungen wegen aus; sie findet an einem späteren Termin statt. Mariendorf-Siidcnde. Dienstag, den 22. April, abends 8 Uhr: Drei öffentliche Wählerversammlungen. Für.den 1., 2., S. und 4. UrWahlbezirk bei Haak, Chausseestratze 43; für de» S., 6. und 7. Bezirk bei Laar, Chausseestratze 396; für den 8., 9. und 19. Bezirk bei Hanel, Tempelhofer Straße 57. Tagesordnung; 1. Die Bedeutung der Landtagswahlen und die Technik des Wahlverfahrens. 2. Aufstellung der Wahlmänner. Referenten Fr. Huhn, H. Reichardt, P. Suckor. Die Genossen werden ersucht, für guten Besuch zu agitieren. Rei»ickc»dorf-Wcst. Zu der am Mittwoch, den 23. April, statt- findenden öffentlichen Versammlung wird am Dienstag, den 22. April, abends von 7 Uhr ab eine Flugblattverbreitung vorgenommen. Reinickendorf-Ost. Dienstag, 22. April, abends 8 Uhr, in Uhligs.Kastanienwäldchen", Schönholz 14: Oeffentliche Wählerversammlug. Referent: Landtagskandidat K o n r a d H a e n i s ch. Nowawcs. Mittwoch, den 23. April, abends Uhr, findet im Lokal des Herrn Schmidt, Wilhelmstr. 41— 43, eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Landtagswahl und Aufstellung der Wahlmänner. 2. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung Groß-Berlin. Rosenthal. Dienstag, den 22. April, abends 7 Uhr: Flug- blattverbreitung für alle Bezirke von den bekannten Stellen aus. Waidmannslust. Dienstag, den 22. April, abends S1/» Uhr, im »Bergschloß": Oeffentliche Urwählerversammlung. Tagesordnung: „Die bevorstehenden Landtagswahlen." Referent: Genosse Richard Küter. Bruchmühle. Sonntag, den 29. April, nachmittags 6 Uhr, bei Kutzner: Oeffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung: Die preußischen LandtagSwahlen. Referent: P. Brüh l. ßerlimr f�aebnebten. Das Märchen von der Streusandbüchse. Eine Sandwüste soll die Mark sein � Sie ist ja viel schöner, als die große Welt es glaubt und weiß. Es war einmal... da traf das Dichterwort zu: Und nack allen vier Himmeln gewandt Nur noch Sand... Sand... Sand... Wer weiß oder ahnt wohl, daß Mönche früher die Mark bevölkert haben. Genaues über ihre Einwanderung hat sich auch aus den ältesten Chroniken nicht feststellen lassen. Es ist nur sicher, daß die Cisterziensermönche mit einigen Hundert Kolonisten aus Holland gekommen sind und gegen Ende des zwölften Jahrhunderts in der Mark schon eine ganze Anzahl Feldklöster besaßen. Zinna, Chorin und andere entlegenere Zeugen dieser Klosterzeit sind ja den meisten Berlinern nur dem Namen nach■ bekannt. Zehntausende von Ausflüglern wissen aber nicht, daß die äußerst betriebsamen Mönche, wie einst auf dem ganzen Barnim und Teltow, auch rings uni die Rüdersdorfer Kalkberge geherrscht haben. So grüiideten sie schon 1171 am Ende des Löcknitz- tales, eine Wegstunde hinter der heute unter Obstbäumen idyllisch versteckten Kolonie Alt-Buchhorst, initten im märkischen Sande das Kloster Kagcl, von dem noch jetzt am Kageler See die Fundamente deutlich sichtbar sind. Jetzt wogt und wallt hier im Sommer ein Meer goldener Nehren... und neues Leben blüht aus den Ruinen. Von der Mitte des 15. Jahrhunderts an hören die Nach- richten über die Feldklöster Kagel und Rüdersdorf auf. Tat- sächlich haben die Cisterziensermönche die'Rüdersdorfer Kalk- berge ebenso wie den dreißigtausend Morgen großen Rüders- dorfer Forst lange Zeit bewirtschaftet, bis diese Gebietsteile um 14.50 vom Landesftirsten annektiert wurden. Eine fette Erde statt der früheren Sandwüste I Es wird als sehr Ivahrscheinlich angenommen, daß die ältesten Kolonien am Löcknitzlaufc, insbesondere Gottcsbrück und Mönchswinkel, schon von den Cisterzicnsern angelegt tvordcn sind. Die meisten aber, so auch Fangschleuse, Grünheide und Alt-Buchhorst, stammen erst aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In der niärkischeu Landbevölkerung ist eigentümlicherweise der Glaube verbreitet, daß der„alte Fritz" die Löcknitz habe graben lassen. Das trifft keinesfalls zu. Sie entspringt östlich von Hoppcgartcn, treibt die von den Mönchen gebaute Liebenbergcr Mühle und wählte sich im launischen Spiel der Naturkräfte ihr windungsreichcs Bett offenbar selbst, um die allbekannte tvunderlicblichc Gestalt anzunehmen und ihr berühmtes Tal mit poetischem Schimmer zu verklären... eine reizende Wassernixe, die sich putzt und schmückt im Spiegel der bewundernden Menschheit. Erkner, Fangschleuse, Gottesbrück, Grünheidc, Alt-Buch- Horst... es ist rings an herrlichen Seen eine einzige Kette märchenhafter Schönheit, eine Fülle märkischenen Natur- friedens. Hoffentlich noch Jahrzehnte um Jahrzehnte werden verrauschen, bis die alles nivellierende Zeit auch diesem stillen Erdenwinkel den Glanz der Poesie raubt. Der Zauber tiefster Waldeinsamkeit umfängt den Wanderer. Dicht und hoch steigen die eichenumrauschten Ufer empor, wandeln das sonnige Lachen in weihevoll ernste Stimmung. Und wenn es in klarer Mondnacht aus den Tannen und Eichen tvie aus Harfensaiten tönt, raunen die sagenliebenden Märker: die Mönche gleiten singend im Nachen zu den Klosterruinen... Nein, die Mark ist längst keine Sandwüste mehr. Kraft- volle Geschlechter haben das Werk fremden Blutes fortgesetzt. Die Mönche sind tot, verdorrt, verweht... Der Geist der Natur spricht unvergänglich weiter zu uns. Hinaus denn wieder in das märkische Schönheitsparadies, von dem der Dichter singt: Warm wie aus Tausend und einer Nacht Hat mir der Sommer der Mark gelacht. Auferstanden aus märkischem Sand Ist meiner Heimat Zauberland. Der ärztliche Dienst am Sonntag. Der Grotz-Werlincr Sonntagsdienst erstreckt sich mit dem heuti» gen Tage über den gesamten Norden, Nordosten und Osten Berlins. Die Berliner„Aerzte-Corr." schreibt hierzu: Ein Gebiet, das im Innern von der Stadtbahnli-nie sich bis dicht an die Grenze von Reinickendorf und Pankow dehnt, andererseits den ganzen- Osten und die Stadt Lichtenberg umfaßt, hat sich an den bereits beistehenden und mustergültig funktionierenden Moobiter Aerztedienst ange- schlössen. In einzelnen Bezirken hat der Dienst sogar schon vor dem' offiziellen Termin begonnen, darunter auch in Lichtenberg, wo die Kollegen den Sonntagsdienst bereits auf den ganzen Sonntag aus- dehnen. Auch im Innern Berlins fft, dem historischen Mt-Berlin etwa entsprechend, ein Wezirk Zentrum gebildet, so daß alles, was nördlich der Spree gelegen ist, vollständig organisiert ist. Inzwischen ist auch die der erweiterten Organisation entsprechende, erheblich vergrößerte Dicnstliste in die Hände der Aerzteschaft gelangt und damit zugleich«in neuer Pharusplan, auf dessen Rückseite sich das alphabetische, sämtliche Di.enstbezirke umfassende Stratzenverzeichnis befindet.*_ Die Uebertragung der Wohnungspolizci an die Stadt abgelehnt. In der Frage der Uebertragung der Wohnungspolizei auf die Stadtgemeindd Berlin, die bekanntlich seitens des Magistrats bei dem Minister des Innern im Hinblick auf die bevorstehende Ein- führung einer Wohnungsaufficht in Berlin beantragt worden ist, ist nunmehr die ministerielle Entscheidung ergangen. Nach dieser hat sich eine„Möglichkeit nicht ergeben, einzelne das Wohnungswesen betreffende polizeiliche Zuständigkeiten aus ihrem engen Zusammen- hange mit den der staatlichen Polizeiverwal- tung in Berlin überwiesenen und dieser aus ge- wichtigen Gründen zu belassenden Polizei- gebieten, vor allem der Bau-, der Gesund heitS» und der Sittenpolizei, loszulösen und unter der Bezeichnung„W ohnungspolizei" einer anderen Behörde zu übertragen:" Der Minister des Innern hat daher den vom Magistrat gestellten Antrag abgelehnt. Nur in einem Punkte will die Staatsregicrung dem Wunsche der Stadt entgegenkommen. Sie erkennt an, datz die Aufgaben des städtischen Wohnungsamts und der Wohnungsaufficht ohne die Befugnis, den beteiligten Beamten den Zutritt zu den Wohnungen in erzwingbarcr Form zu sichern, nicht in vollem Umfange er- füllt werden können, und ist daher bereit, dem Oberbürgermeister der Stadt Berlin die Ortspolizeiverwaltung auf dem Gebiete des Wohnungswesens infoweit zu übertragen, als ihm die Befugnis zustehen soll, innerhalb der durch die Gesetze für die Polizei fest- gelegten Grenzen bei etwaigem Widerstande der Hauseigentümer oder der Wohnungsinhaber, zur Erzwingung des Zutritts zu den Wohnungen gemäß§ 132 ff. des LandeSverwaltungSgesetzeS Zwangsverfügungen zu erlassen. Wenn der Magistrat auch mit Bedauern davon Kenntnis ge» nommcn hat, datz in der Hauptsache seinem Antrage auf lieber- tragung der Wohnungspolizei keine Folge gegeben ist, so hat er doch beschlossen, � von dem Anerbieten des Ministers des Innern Gebrauch zu machen. Die Uebertragung der Ortspolizeiverwaltung in dem angeführten geringen Umfange bietet den Vorteil, datz der Oberbürgermeister den Angestellten des Wohnungsamtes, den Wohnungsinspcktoren und Wohnungspflegern direkt einen öffentlich rechtlichen. Schutz verleihen kann und es sich somit erübrigt, in jedem einzelnen Falle den Königlichen Polizeipräsidenten um Ueber- tragung dieses Schutzes durch eine Bestätigung der von der Stadt bestellten Beamten anzugehen. Es ist unverständlich, warum der Stadt Berlin abgelehnt wird, was einer Reihe anderer Städte zugestanden ist. Es zeigt sich auch hier wieder, datz der Staat eifersüchtig bemüht ist, den Kam- munen keinerlei Bewegungsmöglichkeiten zur Erfüllung ihrer Auf- gaben zu geben. Zur Bauordnung für die Vororte Berlins vom 30. Januar v. I. ist soeben ein Nachtrag erschienen. In dem- selben wird der Geltungsbereich und die Bautlasseneinteilung rücksichtlich mehrerer Ortschaften abgeändert. In Frage kommen u. a. die Gemeinden Berlm-B ritz, Johannistal, Stahnsdorf, Berlm-F r i ed r i ch s f e l d e, Stadt Strausberg usw. Der Nachtrag tritt sofort in Kraft; bereits erteilte Bauscheine verlieren ihre Gültigkeit, sofern nicht binnen drei Monaten die Kellermauern bis zur Erdoberfläche hergestellt sind. Die Schöncbcrger Kauinchenfarm. Gestern nachmittag fand eine Besichtigung der von der Stadt Berlin-Schöneberg subventionierten Anlage des Schöneberger Ka- ninchenzuchtvereins statt. Die sogenannte Schöneberger Kaninchen- farm, welche inzwischen schon viel beschrieben, besungen und kritisiert worden ist und um welche in Fachzeitschriften schon heftige Fehden geführt worden sind, liegt im Schöneberger Südgelände nahe dem Priesterweg hinter dem Matthäikirchhof. Wenngleich sie infolge des eingetretenen Frostes noch keinen sommerlichen Ein- druck macht, so bietet sie doch heute schon das Bild einer aufstreben- den Gartenkolonie. Sie umsaht ein Grundstück von 18 Morgen Gröste, welches mit zirka 28 Ställen und einer Anzahl teilweise architektonisch reizvoll hergestellten„Lauben" besetzt ist und auch Geflügelställe enthält. Jede der Kaninchenzucht dienende Parzelle ist Vi Morgen groß und wird auf � ihrer Fläche zum Anbau von Futter und Gartenfrüchten verwendet. Dazwischen stehen Obst- bäume und Sträuchcr. Die Parzellen werden teils von einem, teils von zwei Züchtern bewirtschaftet. Auf der Farm befinden sich zur Zeit etwa 6 bis 800 Kaninchen, wovon ein großer Teil bereits schlachtreif ist. Bei der starken Fruchtbarkeit der Tiere ist zu hoffen, daß sich die Zahl der zur Schlachtung zur Verfügung stehen- den Tiere in kurzer Zeit so vergrößern wird, daß der in der städ- tischen Seefischhalle, Feurigstr. 4, stattfindende Verkauf regelmäßig erfolgen.und die städtische Verwaltung auch einer eventuellen her- vortretenden starten Nachfrage gerecht werden kann. Obwohl im Auslande das Kaninchenfleisch in richtiger Zubereitung außer- ordentlich geschätzt und hoch bezahlt wird, ist die Güte und Schmack- haftigkeit des Fleisches in Deutschland noch nicht genügend bekannt. Dies liegt zum Teil an der falschen Zubereitung dieses Nahrungs- mittels. Die Stadtverwaltung hat aus diesem Grunde für die un» entgeltliche Verteilung von Kochbüchern, welche geeignete Rezepte enthalten, gelegentlich des Verkaufs der Kaninchen Sorge getragen. Der Verkauf des ersten Quantums schlachtreifer Kaninchen hat am IS. April begonnen. Bezeichnend ist, daß schon einige Tage vor Beginn des Verkaufs eine außerordentlich starke Nachfrage nach dem Kaninchenfleisch auftrat._ Mr Arbeiterwitwen kein Geld in der Kasse? Eine sehr unangenehme Ueberraschung hatten Witwen ehemali. ger Gaswerksarbeiter der Stadt Berlin, als sie am 1. April bei der Stadthauptkasse, wie an jedem Monatsersten, die ihnen zukommende Witwenpenstonen abheben wollten. Sie legten ihre ordnungsmäßig ausgefertigten Quittungen vor, aber man gab ihnen diesmal kein Geld, sondern schickte sie mit leeren Händen heim. Eine Witwe verstand, es sei noch kein Geld in der Kasse, doch er. scheint das nicht recht glaubhaft. Die Frauen wurden zu dem Bureau der Gaswerksverwaltung geschickt, indes auch da konnte man ihnen nicht helfen. Eine hochbetagte Witwe war genötigt, zum Armenvor. steher ihres Bezirkes zu gehen und einstweilen ihn um Beistand zu bitten. Er schoß ihr den Pensionsbetrag vor, forderte aber nach einer Woche das Geld zurück, so daß die hilflose Frau anderswo Geld zu- sammenborgen muhte. Erst nach einer weiteren Woche erhielt sie im Bureau der Gaswerke ihre Penston, anscheinend auch noch nicht aus der Kasse, sondern vorläufig aus dem Portemonnaie eines Beamten, der aus Mitleid mit der Greifin das Geld auslegte. Eine andere Witwe eines Gaswerksarbeiters ist noch in dem Augenblick, wo wir diese Zeilen schreiben, nicht im Besitz der ihr zukommenden Pension. Wir vermuten, daß noch mehr dieser Witwen auf ihr Geld wa rten müssen. Uns ist dieser geradezu skandalöse Zustand ganz unbegreiflich. Hat man vielleicht schon mal erlebt, daß Witwen von höheren Beamten der Stadt oder gar von besoldeten Mitgliedern des Magistrats auf ihre doch sehr viel reichlicher bemessene Penston zu warten gehabt hätten? Ueberfahren und getötet. Von einem Kraftwagen überfahren und tödlich verletzt wurde gestern vormittag der 23 Jahre alte Dekorationsmaler Berkhardt aus der Manteuffelstraße 32. Berkhardt war am Kurfürftendamm in einem Neubau beschäftigt. Als er gestern in der Nähe der Nr- beitsstelle ein Lokal aufsuchen wollte, um zu frühstücken, geriet er beim Ueberschreiten des Fahrdammes vor dem Haufe Kurfürsten- dämm 46 unter ein Privatautomobil, und wuvde so schwer verletzt, daß er besinnungslos liegen blieb. Im Krankenhaus Am Urban, wohin man den Verunglückten brachte, starb er schon zwei Stunden nach der Aufnahme. Berkhardt hinterläßt seine Frau mit einem ein Jahr alten Kinde. Die Leiche» von Zwillinge» wurden in der Fruchtstraße von der Revicrpolizei beschlagnahmt. Dort wohnt eine jetzt noch nicht ganz IS Jahre alte Arbeiterin Emilie K. mit einem Bauarbeiter zusammen. Das Paar wollte schon längere Zeit heiraten, kam aber wegen Mangels an Mitteln immer noch nicht dazu. Aus dem Verhältnis ging vor 1% Jahren ein Knabe hervor, der nach drei Monaten bei der Pflegemutter starb. Am 1. April gebar die junge Mutter Zwillinge, zwei Mädchen, die die Namen Hertha und Else erhielten. Beide waren gesund und kräftig. Nachdem der Vater vorgestern früh zur Arbeit gegangen war, wunderte sich die Mutter gegen 8 Uhr morgens, daß sich die Kleinen noch gar nicht bemerkbar machten. Sie sah jetzt nach und fand beide regungslos in ihrem Bettchen liegen. Beide waren im Geficht blau angelaufen und Schaum stand ihnen vor dem Munde. Ein Arzt, den die Mutter holte, erkannte, daß die Kinder tot waren, die Todesursache aber konnte er nicht feststellen. Die Nevierpolizei beschlagnahmte deshalb die Leichen und brachte sie zur Obduktion nach dem Schauhaufe._ Rad und Hüte gestohlen. Für 1200 Mar! Damenhüte erbeutete ein Dieb gestern im Westen der Stadt auf offener Straße. Der Hausdiener eines großen Putzgeschäftes aus der Königgrätzerstraße hatte den Auftrag, mit seinem Dreirad fünf Hüte abzuliefern. Während er in der Wielandstraße den ersten in die Wohnung der Bestellerin brachte, ließ er sein Dreirad mit den anderen vor dem Hause ohne Auf- sicht stehen. Als er von der Bestellung zurückkehrte, war es mit der Ladung verschwunden. Di« gestohlenen Hüte, alle schwarz und weiß mit Kronen- und Stangenreihern sind 500, 300, 250 und 150 Mark wert. Dazu kommt noch das Rad. Marke Zugvogel, das auch noch 300 Mark wert ist.__ Die Betrügereien eines falschen Kapitäns wurden gestern von der Schöneberger Kriminalpolizei aufgedeckt, die einen 23 Jahre alten Kaufmann Schröder, das Haupt einer schwarzen Bande, die seit drei bis vier Jahren die Geschäftsleute Grotzberlins schädigte, verhastet bat. Die Polizei stellte fest, daß der falsche Kapitan mit dem Begründer einer �chwindelsiüma identisch ist, die, wie vor kurzem berichtet, in der Potsdamer Straße mit der gesamten Bu- reaueinrichtung verschwand. Im Theater„Folies Caprice" fand am Freitag die Erstau f- f ü h r n n g einiger kleiner Einakter statt— dreier Nichtigkeiten, die auf irgendwelche literarische Bedeutung keinen Anspruch er- heben kömbN»; durch die Art und Weife eroer, wie fie dargepellt wurden, das Publikum mehrfach zu anhaltendem, frohen Beifall hinrissen. Die kleine Skizze„Die B a n k" ist allzu derb ge- würzt; aber die beiden Schwänke„Sein letzter Wille" und„Der Cowboy" bieten zwei nette pikant-humoristische Bilder aus dem großstädtischen Wiener und Berliner Leben— natürlich mit einigen saftigen Couplets garniert. Gespielt wurde wie immer recht gut. Vornehmlich verdienen die Leistungen von Siegfried Berrisch, Max Horowitz, Fritz Beckmann und Rita Barre An- erkennung._ Zeugengesuch. Personen, welche in der Nacht vom 10. zum 11. März lMon- tag) gegen X2 Uhr Zeuge des Renkontres zwischen. 2 Schutzleuten und 2 Zivilpersonen vor der Wache in der Wöhlertstraße waren, werden um Abgabe der Adresse an Albert Ouabis, Pflugstr. 16, Quergeb. l, gebeten._ Vorort- JVacbncbtein Neukölln. Die polizeiliche Bevormundung und Drangsalierung der Neuköllner Arbeiterjugend nimmt gegenwärtig Formen an, die die erwachsene Arbeiter- fchaft nicht stillschweigend beobachten darf. Zu jeder un- politischen Jugendversammlung erscheinen starke Polizei- aufgebote, die die Jugend an der Ausübung ihres gesetzlichen Rechtes hindern. Diese willkürlichen Maßnahmen wurden so- wohl gegenüber einer am Sonntag, den 6., wie auch einer am Freitag, den 18. April, veranstalteten Versammlung an- gewendet. Dagegen muß die gesamte Arbeiterschaft protestieren. Gelegenheit hierzu bietet sich in den am Diens- tag, den 22. April, einberufenen vier öffentlichen Versamm- lungen, die in Bartschs Festsälen, Herniannstr. 49, Felschs Festsälen, Knesebeckstr. 48, Hohenstaufen- Festsälen, Kottbuser Damm 76, und Passage-Festsälen, Bergstr. 151, stattfinden. Arbeitereltern I Zeigt, daß Ihr für Eure Kinder ein- tretet, verhelft denselben zu ihren Rechten durch wirksamen Protest in diesen Versammlungen. Erscheint in Massen! Der Beweis außerordentlicher Wertschätzung seitens der Steuer- hehörde wurde dieser Tage einem Bewohner des HauseS Niemetzstr. 3 zuteil. Der Glückliche, ein Lederarbeiter und Vater von fünf Kindern im Alter von 7— 17 Jahren, erhielt für seine 14 und 10 Jahre alten Töchter sowie für seinen 12 Jahre alten Sohn Steuereinschätzungen in Höhe von 12, 9 und 6 M. Da die zur Steuer Veranlagten noch in die Schule gehen und über keinerlei Einkommen verfügen, kann die Steuerbehörde natürlich nichts beanspruchen. Gleichwohl wird der Vater der Kinder in der vorgeschriebenen Frist gegen die Veranlagung reklamieren und die Veranlagungskommission darauf aufmerksam machen müssen, daß irgendein Kobold in den Steuer- listen sein fragwürdiges Spiel getrieben hat. Jugcndfrier. Der Jugendausschuß Neukölln veranstaltet am 27. April in den Bürgersälen, Bergstr. 147, eine Jugendfeier, be- stehend in Gesangsvorträgen, Rezitationen, Liedervorträgen zur Laute und Cellomusik. Namhafte Künstler sowie der Männergesangverein „Fichte-Georginia" haben ihre Mitwirkung zugesagt, weshalb es ein besonders genußreicher Abend zu werden veripricht. Der Eintritts- preis beträgt«0 Pf., für alle unter 18 Jahren ist derselbe frei. Charlvttenburg. Eine neue Säuglingsfürsorgrstelle(VI!) wird mit dem 1. Mai im Südwesten von Charlottenburg, Hör st weg 28, er- öffnet und vom Elisabeth-Frauen-Verein betrieben Wethen. Die Frequenz der sechs vorhandenen Kürsorgestellen hat in der letzten Zeit eine solche Steigerung erfahren, daß sie für den zunehmenden Besuch nicht mehr ausreichen. Im Jahre 1911/12 wurden sie bereits von 4387 Kindern in Anspruch genommen gegenüber 3561 im Jahre 1909, als die sechste Säuglingssürsorgestelle eingerichtet wurde. Die Stadtbezirke werden dann wie folgt auf die Fürsorgcstellen verteilt: Fürsorgeftelle I: Hochschulviertel 7, Innere Stadt 3, 4, 6, 7, Lützow 1, 2, 3, Halbinsel 2; Kürsorgestelle II: Am Kurfürstendamm 1, 2, 3, 4, 5, 6, Hochschulviertel 1, 2, 3, 4, 5, 6, Innere Stadt 1, 2, 8. g, 10. 11. 12. 13. Ostviertel 1. 2. 3. 4. 5, 6, 7. 8; Fürsorgestelle III: Schloßviertel 1, Innere Stadt 5, Lützow 4, Kalowswerder westlich der Sömmering- und Keplerstraße; Fürsorgestelle IV: Schloßviertel 2, 3, 4, 5; Fürsorgestelle V: Kalowswerder östlich der Sömmering- und Keplerstraße, Martinikenfelde, Am Königsdamm nördlich. Am Königsdamm südlich, Am Nonnendamm, Halbinsel 1; Fürsorge- stelle VI: Schloßviertel 6, 8, 9, Am Spandauer Berg, Westend; Für- sorgestelle VIl: Schloßviertel 7, 10, Am Lietzensee 1, 2, 3. Die Sprechstunden finden voan 1. Mai 1913 ab wie folgt statt: Säuglingssürsorgestelle I: Berliner Straße 137: a.) für Säuglinge: Dienstag, Freitag und Sonnabend von 2— 3 Uhr, b) für Kinder vom vollendeten 1.— 6. Lebensjahre: Mittwoch von 2—3 Uhr; Scurglings- fürsorgestelle II: Wilmersdorfer Straße III: a) für Säuglinge: Montag und Donnerstag von 2— 4 Uhr, b) für Kinder vom voll- endeten 1.— 6. Lebensjahre: Dienstag von 2—3 Uhr; Säuglingsfür- sorge stelle III: Scharrenstr. 32: a) für Säuglinge: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 2— 3 Uhr, b) für Kinder vom voll. endeten 1.— 6. Lebensjahre: Freitag von 1— 2 Uhr; säuglingssürsorgestelle IV, Nehringstr. 11: a) für Säuglinge: Montag, Mitt- woch und Freitag von 214— 314 Uhr, b) für Kinder vom vollendeten 1.— 6. Lebensjahre: Dienstag von 214—314 Uhr; Säuglingsfürsorge. stelle V: Kaiserin-Augusta-Allee 102: a) für Säuglinge: Montag. Mittwoch und Freitag von 2— 3 Uhr, b) für Kinder vom vollendeten 1.— 6. Lebensjahre: Dienstag 2— 3 Uhr; Säuglingssürsorgestelle VI: KaiserinaAugusta-'Viktoria->Haus, Mollwitzstraße: a) für Säuglinge: Dienstag und Freitag von 2— 3 Uhr, b) für Kinder vom vollendeten 1.— 6. Lebensjahre: Mittwoch von 2—3 Uhr; Säuglingsfürsorge. stelle VIl: Horstwcg 28: a) für Säuglinge: Dienstag und Sonn. abend von 2— 3 Uhr, b) für Kinder vom vollendeten 1.— 6. Lebensjahre: Donnerstag von L— 3 Uhr. Britz. Mit der am 25. April stattfindenden Gemcindevcrtrctcrwahl be- schäftigte sich die Generalversammlung des Wahlvereins. Der Vor- sitzende geißelte scharf das Verhalten der Gemeindeverwaltung, die anstatt wie in den Vorjahren die Wahlen auf einen Sonntag auf einen Werktag festgesetzt habe. Hierzu komme die für die Arbeiter- schuft völlig ungünstige Wahlzeit. Solche Maßnahmen könnten nur den Zweck verfolgen, der werktätigen Bevölkerung die Ausübung des Wahlrechts zu erschweren. Ganz entschieden müsse man sich auch wenden gegen die kurze Frist, welche zwischen der Ausschreibung der Wahl und dem Wahltermiu liege. Die Spekulation der bürgerlichen Herren, die Sozialdemokratie durch eine solche Ueberrumpelung ins Hintertreffen zu bringen, müsse mit einer umfassenden Agitation für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten beantwortet werden. Wie weiter mitgeteilt wurde, beträgt die Zahl der„Vorwärts"- Leser am Ort 666. Die vom Kassierer gegebene Abrechnung wies eine Einnahme von 605,25 M. und eine Ausgabe von 566,30 M. auf. Mitgliederbestand: 588(männliche 467, weibliche 121.) Der Vorstand und die Kommissionen wurden, abgesehen von einigen Neubesetzungen der Kommissionen, einstimmig wiedergewählt. Wilmersdorf., Die AbtcilungSlisten der 81 UrWahlbezirke liegen am Mitt» woch, den2 3., Donnerstag, den 24. und Freitag. den 25. April, während der Tagesstunden von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags im Wahlbureau, Gasteinerstr. 11, 2 Treppen. zur Einsicht aus. Etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit oder UnVollständigkeit der Abteilungslisten find schriftlich beim Magistrat einzureichen oder im Wahlbureau zu Protokoll zu geben. Am kommenden Freitag, den 25. April, abends von 5—71'., Uhr, findet im Lokal der hiesigen Ortslrankenkasse die Wahl" der Delegierten statt. Da diesmal eine regere Beteiligung drin- g e n d notwendig ist, ersucht die Gewerkschaftsumerkommisfion die Arbeiterschaft, die wenigen Tage zur eistigen Agitation in den Bettieben für die Wahl auszunützen. Ober- und Nieder-Schöneweide. Bei der am gestrigen Sonnabend stattgefundenen Kaufmanns- gerichtswahl erhielt die Liste I(Verein der deutschen Kaufleute) 42 Stimmen(1S10— 55 Stimmen)— 1 Beisitzer, Liste II(Deutschnationale) 103 Stimmen(82 St.)— 2 Beisitzer, Liste III(Leip. ziger) 122 Stimmen(67)— 3 Beisitzer, Liste IV(Zentralverband) 102 Stimmen(38)— 2 Beisitzer. Die Steigerung der Stimmenzahl für die Liste des freigewerkschaftlichen Zentraler- bandes der Handlungsgehilfen bedeutet für diesen einen schönen Erfolg. Mariendorf. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Schwarz den Vorstandsbericht über die verflossenen S Monate. Die Zahl der Mitglieder stieg von 329 männlichen und 88 weiblichen auf 384 männliche und 98 weibliche. Die Zahl der Leser des„Vor- wärts" betrug am 31. März 760. Aus dem Kassenbericht war zu entnehmen, daß 971,39 M. an den Kreis abgeliefert wurden, der Kasscnbestand betrug am Ende des Geschäftsjahres_11,87 M. Bei den Berichten der übrigen Funktionäre wurde bemängelt, daß die Bibliothek zu wenig in Anspruch genommen wird und die Veranstaltungen des Bildungs- und Jugendausschusses teilweise nicht den gewünschten Besuch zu verzeichnen hatten. Die Neuwahl des Vor- standes hatte folgendes Ergebnis: Vorsitzender F. Huhn, Kassierer R. Spannberg, Schriftführer A. Leip, Beisitzerin Genossin Goede, Revisoren A. Singer, O. Weiß und P. Sädler. Zu Bibliothekaren wurden Krüger und Wurzel gewählt. Der vorgerückten Zeit halber» konnte Genosse Huhn nur einen kurzen Bericht der außerordentlichen Verbandsgeneralversammlung geben, hieran anschließend wurden die Genossen aufgefordert, recht eiftig in den WahKampf zur Neu» Wahl des Landtages einzuziehen und auch recht rege an den Wahl, arbeiten sich zu beteiligen. Friedrichshagen. In der sehr gut besuchten Generalversammlung des Wahlverems erstattete der Vorstand Bericht über das letzte Geschäftsjahr vom 1. Juli 1912 bis 31. März 1913. Da der Besuch der Einzelzahl- abende zu wünschen übrig ließ, sind diese im Laufe des letzten Jahres zu einem gemeinsamen Zahlabend zusammengelegt worden. Die Organisation der Unterzahlabende ist beibehalten. Der Besuch des gemeinsamen Zahlabends ist ein guter und das Interesse für die Parteiangelegenheiten ist wieder ein regeres geworden. Genosse Schötzau hat im 4. Bezirk aus freien Stücken die Hauskassterung eingeführt und damit ein günstiges Resultat erzielt. Während am Quartalsschluß im 1. Bezirk bei 131 Mitgliedern 175, im 2. bei 80 Mitgliedern 236, im 3. bei 68 Mitgliedern 117 Monatsbeiträge im Rückstand waren, konnten im 4. Bezirk bei 132 Mitgliedern nur 26 rückständige Monatsbeiträge verzeichnet werden. Insgesamt ge» hören dem Wahlverein 378 männliche uisti 33 weibliche Mitglieder an. 32 Mitglieder wurden durch die Agitation im Februar neu ge» Wonnen. Die Zahl der Vorwärtsadonnenten beträgt 542. Einer Einnahme von 1657,19 M. steht eine Ausgabe von 1341,69 M. gegen- über. Der Bildungsausschutz hatte bei seinen Veranstaltungen (Kursus über Literaturgeschichte im 18. Jahrhundert, zwei Theater- Vorstellungen und einM' Unterrtchtskursus in Stenographie) an Ein. nahmen 1000,24 M,�und an Ausgaben 1150,29 M., mithin ein Defizit von 150,05 M zu verzeichnen. In den Borstand wurden neu gewählt für die ausscheidenden Genossen Reiche, Asmiann und Schulz, die sich nicht wieder zur Wahl stellten, als 2. Vorsitzender''� Korsing, als Schriftführer Dörrwald, als Revisor Ehrlich. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Hierauf er-, stattete Gelasse Tarnow einen eingehenden Bericht aus der Ge- meindevertrAung, über deren Beratungen und Beschlüsse wir unsere Leser im einzelnen unterrichtet haben. In der sich an den Bericht anschließenden Diskussion wurde u. a. die Art des Verkaufs des russischen Fleisches kritisiert und betont, daß gerade der Freitag für die Arbeiterfrauen ein ungünstiger Tag sei, daher sei es be- greiflich, wenn der Verkauf nicht in der gewünschten Weise funktto- niert habe. Des weiteren wurde über Mißhandlungen auf der Polizeiwache Klage geführt. Die Genossen wurden ersucht, von solchen Vorkommnissen den Gemeindevertretern sofort Mitteilung zu machen. Zum Schluß wuvde noch vom Vorsitzenden Genossen Miele emf die LandtagSwahlen hingewiesen und für jeden der zehn UrWahlbezirke ein Bezirksführer gewählt. Rosenthal. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurde'der am 30. März mit großer Mehrheit gewählte Genosse Gahl eingeführt. Gegen die Gültigkeit der Wahl lagen Einsprüche nicht vor.— Bei Neuwahl zu den Kommissionen wurde Genosse Milbrodt in die Straßen- bahn- und Genosse Gahl in die Wassertverkskommkssion gewählt. Der ausgeschiedene Vertreter Genosse Haschcck wurde in die Lebens» mittelkommission wiedergewählt.— Die Pflasterung des Wittenauer Weges wurde dem Steinsetzmeister Langen Hierselbst übertragen.— Für die Gewährung von Freibädern an die Schulkinder � wurden 300 M. ausgesetzt. Gen. Milbrodt wies auf die Wasscrverhältnisse des betreffenden Sees hin und beantragte, das Wasser von der Ge- meinde untersuchen zu lassen, damit Krankheiten vorgebeugt werde. Dem Antrage wurde zugestimmt.— Unter„VerichledeneS" frug Genosse Milbrodt an, wie weit die Angelegenheit betreffs Spielen der Vereine auf dem RathauSgrundstück gediehen iei; er beantragte, daß, da die Freie Tu rnerschaft �gleichfalls um Erlaubnis nachgesucht habe, dieser Punkt auf die nächste Tagesordnung gesetzt werde. Der Gemeindevorsteher sagte die? zu.— Hierauf fand eine geheime Sitzung statt. Tpandan. Volksschule und Kriegsspielc. Für rege Beteiligung an den Kriegsspielen wird jetzt von Lehrern m den Volksschulen eiftig Propaganda gemacht. Hierbei soll sich, wie uns versichert wird, be- sonders der Rektor der 9. Gemeindeichule, Herr Winzer, hervortun. Derselbe soll den Schülern der� 1. Klaffe, die sich nicht an den Kriegs- spielen beteiligen wollten, erklärt haben:„Wer nicht in die Spiel- abteilung eintritt, kann auch im Betragen nicht„gut" bekommen," Herr Rektor Winzer hat gelegentlich einer von der Schuldeputation veranstalteten Erhebung über die Frage, ob es an der Bequemlich- keit der Eltern oder den sozialen Verhältnissen derselben liege, daß eine Anzahl Kinder ohne warmes Frühstück zur Schule kommt, folgende Auskunft erteilt:„Daß die Kinder ohne Kaffee zur Schule kommen, liegt nicht an der Armut der Eltern, sondern an der Mutter oder der großen Knaben selbst, die zu faul sind, rechtzeitig aufzustehen.... Eine Einrichtung der Schule, die betreffenden Kinder mit Kaffee zu versorgen, würde Mutter und Kinder in.ihrer Faulheit bestärken." Viele Eltern sind immer noch der irrtümlichen Ansicht, daß ihre Kinder an. den von den Schulen veranstalteten Kriegsspielen teilnehmen muffen. Demgegenüber möchten wir bemerken, daß die Kinder nicht ge» zwungen werden können, an den außerhalb der Schulzeit und der Schule stattfindenden Kriegsspielen sich zu beteiligen. Im Gegenteil. es können die Eltern nicht genug davor gewarnt werden, ihre jnnder an den oft in Prügeleien ausartenden Spielen teilnehmen zu lassen. Außerdem hastet die Stadt für keine bei derartigen Spielen, die nur der Propaganda für den Jungdeutschlandbund gewidmet find, entstehenden Unfälle. Dies mußte bekanntlich auch ein Spandauer Bürger Sch. erfahren, dessen Sohn sich gegen den Willen der Eltern an einem derartigen Kriegsspiel im vorigen Jahre beteiligte und dabei einen komplizierten Armbruch zuzog. Der Maglsttat bezahlte lediglich aus.Billigkeitsgründen" die Kurkosten, lehnte aber ans» drücklich jeden etwa aus dem Unfall sich ergebenden �chadninjutz. anspruch ab» Hus aller Melt. Sin Kulturdohument. Die Ausweisung unseres französischen Genossen Compere- Morel hat in den weitesten Kreisen Entrüstung hervorgeruseu. Im Reichstage wurde die kleinliche Polizeischikane gegen unseren Genossen in entsprechender Weise gegeißelt. Aus welchem Geist heraus derartige Extratouren der Bureaukratie geboren werden, läßt der Braunschweiger Polizeibericht deutlich erkennen. Dort spiegelt flch die Ausweisung also: P o k i z e i b e r i ch t. In der letzten Nacht meldeten sich neun Personen obdachlos, und eine wurde wegen Uebertretung an- gezeigt.— Der Präsdent des französischen Sozia- listcnkongresses Compere- Morel aus Paris ist gestern aus dem Herzogtum Braunschweig aus- gewiesen worden.— Einem Kochlehrling ist aus unver- schlossenem Schlafzimmer ein Portemonnaie mit 3 M. Inhalt gestohlen worden.— Eine an der Langestraße wohnende Ehefrau ist wegen Hausfriedensbruch angezeigt worden.— Der Verkäufer Ernst Dicke, geb. 14. Mai 1833 zu Barmen, ist n a ch e i n e m Diebstahl von Goldwaren im Werte von 23 00 0 Mark in Berlin flüchtig geworden. Größe 1,68 Meter, kräftig, dunkelblond, bartlos, dicke aufgestülpte Nase. Er war bekleidet mit dunklem Ueberzieher, schwarzem steifen Hut und trug gelben Handstock. Ob spätere Generationen glauben werden, daß dergleichen noch jm 20. Jahrhundert möglich war? Ein Auto i« die Seine gestürzt. Am Sonnabendnachmittag stürzte infolge Versagens des Motors das Privatautomobil der bekannten Tänzerin I s i- dora Duncan in Neuilly über ein Brückengeländer in die Seine. In dem Automobil befanden sich die beiden Kinder der Künstlerin mit ihrem Kinderfräu- lein. Trotz der verzweifelten Anstrengungen der Fluß- Polizei und der Taucher gelang es erst nach dreiviertelstündiger Arbeit, den Ort festzustellen, an dem der Wagen lag, da die Seine hier 10 Meter tief ist. Alle drei Insassen konnten nur als Leichen geborgen werden; der Chauffeur hatte sich durch Schloimmen retten können. Die angestellten Wiederbelebungsversuche bei den Kindern und der Wärterin waren erfolglos._ Nachklänge zum Untergang der Scott-Expedition. Der zweite Offizier der„Terra Nova" Bruce, eiu Bruder der Frau Scott, ist in Plhmouth angekommen und hat einige bis- her noch strittige Punkte über das Unglück der Expedition auf- geklärt. Er sagt, daß die KautschuKorken der Maschen, welche die ftüsfige Nahrung enthielten, durch die Kälte vernichtet wurden, so daß die Flüssigkeiten verdampften. Bruce erzählt weiter, daß Scott sich im letzten Augenblick noch im Befitze seiner vollen Geisteskräfte befunden haben muß, denn sein Tagebuch ist bis zum letzten Augenblick bis in alle Einzelheiten geführt. Das Buch ist bisher nur von Frau Scott gelesen worden, so daß sie allein nur in der Lage ist, über die geschilderten Vorgänge Auskunft zu er- teilen, alle anderen haben das Tagebuch nur durchgeblättert. Die Untersuchung der Leiche des unglücklichen Forschers hat ergeben, daß ihm bereits längere Zeit vor seinem Tode Arme und Beine erfroren waren. Der Agrarier im Arbeitshause. Als„notleidender Landwirt", der durch„schlechte Konjunkturen" Schiffbruch gelitten haben will, stand am Freitag der Agrarier Karl F i n k e von hier wegen— Betteins und Landstreichens unter Anklage. F. genoß eine sehr gute Schulbildung, wurde von seiner wohlhabenden Pflegemutter unterstützt und konnte sich schon im Alter von 23 Jahren ein Gut für 06 000 Mark kaufen. Der Angeklagte, der jetzt 46 Jahre alt ist, will durch ungünstige Kon- junkturen zum Verkaufe seines Gutes veranlaßt worden sein. Seine Pflegemutter hingegen bekundet, er habe sehr schlecht gewirt- schaftet und durch Neigung zum Trunk und liederlichen Le- benswandel sein Vermögen verpraßt. Es wurde beantragt, ihn ins Arbeitshaus zu bringen.— Die Strafkammer verurteilte ihn wegen Bettelns und Landstreichens zu sechs Wochen Haft und Unterbringung im Arbeitshause. Er weist fich zu helfen. Die deutschen Professoren haben seit alter Zeit das Privileg, vergeßlich sein zu dürfen, und sie machen auch jetzt noch davon reichlich Gebrauch. Der„in Gedanken stehen gebliebene Regen- schirm" ist freilich etwas antiquiert, dafür betäftgt sich, wenn man so sagen darf, die Vergeßlichkeit auf einem moderneren Gebiete. Wenigstens findet sich in einem Greifswalder Blatte folgendes Inserat: Da ich unmöglich wissen kann, von welchen Vereinen ich hier Mitglied geworden bin, so' erkläre ich hiermit meinen Austritt aus allen. Professor Dr. F. Engel. Herr Professor Engel hat eine Berufung nach einer anderen Universitätsstadt angenommen. An Mitgliederschwund krankende Vereine seien auf diese anscheinend sehr leichte Akquifition besonders hingewiesen._ Kleine Notizen. Straßenbahnzusammenstoß. Am Sonnabend früh stießen auf dem Roßplatz in Leipzig zwei Straßenbahnwagen der Großen Leipziger Straßenbahn infolge einer schadhaften Weiche zusammen. Fünf Personen wurden schwer, nleh.ne,e««dere leichter verletzt. Bootsunglllck auf der Ostsee. Am Freitagabend find bei Ox- höft die beiden Fischer Abraham und Herber ertrunken. Sic befanden sich in einem Segelboot auf See. Eine plötzlich einsetzende Gewitterbö drückte das Boot um, so daß es voll Wasser schlug. Sofort herbeieilende Fischer fanden nur den Herber aus den Wellen treibend. Von Abraham fehlt jede Spur. Bombenexplosion in Paris. Der Gefangsprofeffor Vucien Sully in Paris erhielt Sonnabendmorgen ein Postpaket, das in Paris aufgegeben worden war. Als er eS öffnete, explo- dierte e i n e B o nr b e, die den Professor, seine Frau, seine Mutter und seinen Sohn sehr schwer der- letzten. Die Polizei hat sofort eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Alle Umstände lassen darauf schließen, daß es sich um den Racheakt eines Unbekannten handelt. Arbeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg» Lehrabend haben in dieser Woche: Spandau. Am Montag bei Pecziles, PlchelSdorser Straße 5, a5en|fo8tD aw'cs. Am Dienstag in der Fortbildungsschule, abends � Schöneweide. Am Montag bei Schulz, SiemenSstc. 12, abends S UIf'rt edrichShagen. Am Donnerstag, Friedrichstraße 00, S. Hos, abends 8 Uhr... � ,, Berlin Heute SonderkursuS bei Schulz, Könlgsgraben 2, von 3 bis ö Uhr nachmittags._ Briefharten der Redahtfon. C. P. 1885. Nein.— R. St. 100. Sie können betet Amtsgericht Dresden die sVermittelung der Auseinandersetzung beantragen. Außerdem hätten Sie gegen Ihre Schwester Anspruch aus Herausgabe der Ihnen persönlich gehörigen Sachen— H. M. Neukölln» 1. Gegen den Beschluß können S-e Beschwerde einlegen. 2. Ja, sosern der Minister Befreiung vom Eheverbot bewilligt.- A. 90 Lobmühlenstraße. Nein Wchiillki« WMmdmz Dienstag, den SÄ. April, abends 8»/, IlHtv im Volkshause, Nosinenstr. 3: General-Versammlttttg. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin KiUItv Dimke*. 2. Bericht bei Bor« standes. 3. Neuwahl des Borstandes. 4. Verschiedenes. == Mitgliedsbuch legitimiert!- De* Torstand. Dr. ■P■■ i med. Karl Heinhardfr spezialärztliche Institute 'für Haut-, Harnleiden, Schwäche Neanderstr. IS. Sprechst. 5-7, Sonntags 10— IL Potsdamer Str. 117. Sprechst. VI— 2 u.'Iß-io Uhr abends. Sonntags 10—1; für Frauen 3—4, Sonntags 11—1. Nachweislich Dauererfolge in frischen und veralteten Fälle«. Man verlange i. eigenen Interesse aufklärende, 18Seiten starke Broschüre mitBeschrcibung der betr. Krankheiteu, ihrer Folgen u.d.versch.Heilmethoden gratis».franko im verschloss. Kuvert. Ldsm.-mikrosleop. Laboratorium für Harn- und Blutuntersuchungen. Ehrlich-Hata-Kuren nach neuestem, erprobtem Verfahren. 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Wie ein riesiges Pyramidenbukett präsentiert sich das Beet, prachtvolle Wohlgerüche, ein echtes„(Zäsur äs mills» ttsurs" um sich verbreitend. Bis spät in den Herbst hinein dauert der Flor; von Mai bis Ottober ein unaufhörliches Knospen und Blühen, bis der Frost die letzten Blüten zerstört.' Preis dieser Ricsenbukctt- Sameniollektion inkb Anleitung M. 3,—. Aeb« dieses Ricsenbuketl, von dem wir in den letzten Jahren ca. 10 000 Stück versandt hüben, sind uns aus allen Ländern Hunderte von begehierteu Anerkennungen zugegangen: z.B. schrieb uns Herr Freiherr V.Nagel, schloß Jttlingen:„Ihr Ricicnbukett ist unaufhörlich in vollem Knospen und Blühen; eS ist das allerschönste und eigenartigste, was ich je gesehen habe.-* Femcr offerieren wir: 30 Pakete erstklassiger Gartengemüsesamen mit Abbild, u. Anweisung zur Behandlung M. 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Bocbwitz, Neukölln, an der Hobrcchtbrücke, verweigert die Anerkennung des Tarifs und der Organisation und ist deshalb sür organisierte Gehiljen bis auf weiteres gesperrt. VerbsnÄ der Gastwirtsgehilfen, M/Z* ZweiBverein der Catfe-AnBestellten Schlafstelle, möblierte, für 2 Herrn bei Plate, Mehnerstraße 14 II. Schlafitelle sür Herrn. Lesser, Urbanstraße 184, Blüchcrplatz, 422b Möblierte Schlafstelle, Koltbuser» straße 2, linker Ausgang III. Frau Najewitz, 130 Gut möblierte«chlaffielle. Wolf, Hagelbergerstraße 36, Seitenflügel II. Ungenierte möblierte Schlafstelle sür 2 Herren bei alleinstehender Dome. Zieichciibcrgerstraße 144, Oucrgebäude III links. 74/3 Freundliche Schlasstelle vermietet Dresdcnerftraße 107/8. vorn II links. Freundliche Schlasstelle, 2 Herren, ber-Löhn, Wünchcber-�rstraße 30, vorn pullrrre. iiso Möblierte Schlasstelle. 2 Herren. 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