I Ur. 95. ( 5 Pfennig) MotttltgS ltUSg Stlte( S Pfennig) Abonnements-Bedingungen: Abonnements« Preis pränumerando: Llerte5iährl. SM Mk, monotL 1,10 Ml. wächentliib 28 Psg. frei ms Haus, Einzelne Nmnmer 5 Pfg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Weit- 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn LchO Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnements nehmen mr Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweiz. CrichelDt täglich. 30. Jahrg. Die Inlertions-Gebüljf beträgt für die fechsgespaltenc Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gcwerlschastliche Vereins- und Versammlnungs-Anzeigen 80 Psg. „Uteine Nnretgen". das fettgedruille Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wtttere Wort 10 Plg. Stellengesuche und Schiafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. ledcs weitere Wort L Psg. Worte über 15 Bucki- Staden zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen blS > Uhr nachintttagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition rjt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Abreffe: „SozIaldciDOkrat Berlin'. Zcntralorgan der rozialdcmokrat» fehen partci Dcutfcblands. Rcdahtion: 8Ll. 68, Linden ftraße 69. Fernsprecher: Amt Morippla«, Nr. Ti>8Z. Montag, den 21. Ztpril 1913. expedittont 803. 68, Lindenftraße 69. Kern'vrrelier: Amt Moritiplnti, Nr. t t>5!t. Aas ist? Aas tvirü lein? Von Karl Liebknecht. Die Wege des Kapitals sind nicht im mindesten wunderbar. Mit der gleichen naturgesetzlichen Notwendigkeit, die das Wasser den Berg hinuntertreibt, strömt das Kapital an den Ort des höchsten Profits. Ihm moralische Skrupel welcher Art immer ansinnen, hieße dem Wasser zumuten, bergan zu laufen oder dem Felde zufliegen. Aber die Wege des Kapitals sind dennoch wunderbar. Nicht in ihrer Gesetzmäßigkeit, sondern in ihrer unerschöpf- lichen Mannigfaltigkeit. Wie wirkt sich die Kapitalmacht je- weils aus, wie setzt sie sich in soziale oder politische Macht um, die wiederum wirtschaslich dem Profit- nutzbar ist? Verbor- gene Maulwurfsgänge, geheime, geheimste Kanäle, ein weit verzweigtes unterirdisches Röhrennetz leiten in politische Par- teier., die zu einem guten Teil geradezu die Ausgehaltenen gewisser kapitalistischer Jnteressentengruppen sind, leiten in allerhand scheinbar unabhängige, oft sich höchst idealistisch ge- bürdende Vereinsorganisationen, leiten vor allem auch in die Presse. Oft auf Schleichwegen, die selbst den Stipendiaten unbekannt sind. Brutal, robust, voll zynischen Hohns gegen alle Argu- »nente und Methoden einer sozusagen feineren Gesittung, wie der Militarismus selbst, diese konzentrierte, systematisierte Roheit der Gewalttätigkeit,— so ist die Rüstungsindustrie. Ungeheuerlich in ihren Kräften, unersättlich in ihren An? sprächen, leidenschaftlich in ihrem Profitwillen. Gefüttert mit den sauren Groschen der Armen, die sie in süße Millio- nen für Geldsürsten wandelt. Umflossen von dem Heiligen- schein eines teils philisterhasten, teils marktschreierischen, teils in trüben Spekulationen entarteten„Patriotismus", dessen heuchlerische Verächtlichkeit vielfach so weit geht, daß die Heuchelei aufhört, bewußt zu sein. Und nicht gedeihend bei Glück, Freiheit und Frieden der Völker, sondern bei Zwie- tracht, Kriegsgefahr, Krieg, die ihre Nahrung bilden: je mehr Völkerhaß, um so mehr Profit! Durch ihr innerstes Wesen international, weit über alle Landesgrenzen hinaus solidarisch im Interesse an der gegenseitigen Verhetzung der Völker, die innere und äußere Skrupellosigkeit des Kapitalis- mus übergipfelnd. Und voll Interesse gerade an einem be- stimmenden Einfluß auf die Politik, vor allem auf die äußere, auf die Staatsgewalt und alle politischen Machtfaktoren, durch die das heillose Feuer des Völkerhasses geschürt, der„Gefahr" friedlicher EntWickelung entgegengewirkt werden kann, die aber gleichzeitig die höchst opulenten Austraggeber sind. Kein Band irgend welcher moralischen Rücksicht könnte fest genug sein, um die von solcher Psychologie vorangetrie- denen wilden, eigensüchtigen Profitinstinkte des Rüstungskapitals zu hemmen. Jeder Damm wird überflutet, den ldcht�Geschäftsklugheit aufrichtet. Die Erfahrung bestätigt diese theoretisch selbstverständ- ßche Auffassung. Die Treibereien der englischen Kriegs- Industrie sind bekannt. Die Pulverringskandale nicht minder. Vor wenigen Tagen erst ist in Italien Herrn Cresta, frühe- rem Präsidenten der italienischen Handelskammer in Paris, gerichtlich bescheinigt worden, daß er während des lybischen Krieges zwar bei patriotischen Kundgebungen allen voran glänzte, sich aber zugleich„redlichste" Mühe gab, durch Waffenlieferungen an den türkischen Feind ein gutes Ge- schüft zu machen. Und nun: Deutschland in der Welt voran! Freilich die Skandale um den Panzerplattenkonzern, um Dillingen, d. h. Königs Stumm Nachfolger, um die Muni- tions- und Waffenfabriken, um den dreimal gebenedeiten Krupp sind nur Symptome eines allgemeinen Krebsleidens der. heutigen Gesellschaftsordnung, über alle Staatengrenzen hinaus. Schwer ist es und fast stets nur durch einen Glückszufall möglich, in das Geheimkabinett des Kapitalismus so hinein- zuleuchten, wie es uns in den letzten Tagen und Wochen vergönnt war. � Wütend ballt die Sippe der Vaterlands- feindlichen Patrioten die Fäuste, vor allem über die Auf- deckung des Kruppschen Reptilienfonds. Krupps Ehre— Deutschlands Ehre! Krupps Schande Deutschlands Schande! Im Augenblick, wo der schlüssige Beweis erbracht wird, welche furchtbaren Gefahren das ge- meinschädliche Treiben der in Glanz und Glück sitzenden Rüstungsindustriellen über die Völker heraufbeschworen hat und heraufbeschwört, wird das hohe Lied ihrer patriotischen Leistungen gesungen. Und die Macht jener großen Unter- nehmungen müßte einige dutzendmal kleiner sein als sie ist, wenn nicht bereits an allen Ecken und Enden die Beschwichti- gungshofräte, die Verwirrungshandlanger und die Ver- wschungskünstler am Werke wären. Und doch steht alles fest wie ein Fels. Und doch ist das Spiel für jene trotz aller unlauteren und durchsichtigen Manöver verloren. Das Selbstverständliche und Pflicht- gemäße wird geschehen müssen. Daß es geschieht, ohne Schonung, rücksichtslos und radikal, darüber gilt's zu wachen. Das Erste aber und Wichtigste ist: Alle Voraussetzungen für ein friedliches Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland sind bei gutem Willen gegeben. Die Wehrvorlagen in beiden Ländern bilden das einzige ernste Hindernis, wenn man die künstlich aufgebauschten Episoden von Nancy, Besoncon, Lun6ville u. s. f. beiseite läßt, die wiederum aus der durch die Heeresvorlagen überhitzten Atmosphäre zu er- klären sind. Auch diese Zwischenfälle sind in einer Weise ge- löst, wie sie anständiger, vornehmer nicht gedacht werden kann. In beiden Ländern wächst die Abneigung gegen den Rüstungs- Wahnsinn trotzalledem; trotz all der Machinationen der Rüstungsinteressenten und militärischen Karrieristen. Es gilt einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Die Annäherung an den Gedanken einer maritimen Verständigung mit England hat sich vollzogen. Der psychologische Moment für eine Rüstungsverständigung zwischen Frankreich und Deutschland ist gekommen. Die Völker- können und wollen nicht mehr weiter auf der bishrigen Bahn, die im Abgrund endet, enden muß. Am wenigsten, nachdem den Chorführern des Patriotismus die Maske abgerissen ist. Die Berner Zusammenkunft steht nahe bevor. Werden die bürgerlichen Parteien wenigstens zu einem Teil— in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse und jedenfalls im Interesse des Volkes— mitzuarbeiten bereit sein an dem heiligen Werk des europäischen Friedens? Werden die Regie- rungen, wird die deutsche Regierung, gewarnt und gewitzigt, die Kraft und den Mut finden, um sich loszureißen aus der Umstrickung der alldeutschen Schreier, der Offizierskamarilla, der Krupp und Genossen? Wird sie endlich dem stürmischen Drängen der großen Masse des deutschen Volkes nachgeben und einer Vermittelung zwischen den beiden größten Militär- staaten des europäischen Kontinents zustimmen, deren Ergeb- nis eine stärkere Sicherung des Weltftiedens, der Sicherheit und Kultur beider Länder sein wird, als alle Kanonen von Schneider-Creuzot oder Krupp? Sei' Nahlkechtsstreik in keigien. Brüssel, 20. April.(Privat telegramm des „V 0 r w ä r t s".) Der General st reik nimmt an Umfang z u. Die städtischen Gasarbeiter in Brüssel erklärten, daß sie sich dem Wahlrechtsstrcik au schließen würden und haben für Dienstag ihre Kündigung eingereicht. Der Bürgermeister will Vorkehrungen treffen, um die Fortdauer des Dienstes zu ermöglichen. In der Vor stadt St. Gilles ist ein partieller Gasstreik ausgebrochen. In Antwerpen haben 3000 lokalorganisierte Diamant' arbeiter sich der Streikbewegung angeschlossen. Auch sonst wird für morgen ein» weitere Ausdehnung des Ant- werpener Streiks erwartet. Der Sekretär der Metallarbeiter des Bezirks Seraiug, Lahaut, ist verhaftet worden. In den Hauptstraßen L ü t t i ch s fand heute eine grandiose Wahlrechts- demon st ratio n statt. Vandervelde und de B r 0 u- ck e r e sprachen zu den Massen. Morgen manifestiert das C e n t r e, am Dienstag werden in C h a r I e r 0 i die Streikenden an dem Begräbnis des Demokraten I a n s 0 n, eines Vorkämpfers des Wahlrechts, teilnehmen. Vandervelde wird bei der Leichenfeier sprechen. Der Setzerstreik. Brüssel, 20. April.(P r i v a t t e l e g r a in m des „V 0 r w ä r t s".) Die Zeitungssetzer haben den Streikbeschluß ihres Verbandes nicht innegehalten. Alle bürgerlichen Zeitungen sind heute erschienen, dagegen der „Peuple" nicht. Die desorganisatorische Haltung der Zeitungssetzer kam heute in einer Sitzung des Buchdrucker- Verbandes mit dem Streikkomitee zur Verhandlung. Es wurde die Weiterführung des Zeitungssetzer- streikes beschlossen; die Streikbrecher sollen aus der Orga- nisation ausgeschlossen werden. Sollte das Nichterscheinen der bürgerlichen Blätter nicht erreicht werden können, so soll auch der„Peuple" hergestellt werden. Man erhofft jedoch eine Wendung, da die ausnahmslos organisierten Stereo- typeure das Nichterscheinen der Blätter möglich machen können. Die Schuld an der verworrenen Situation wird dem Bureaukratismus und dem Zünstlertum des Verbands- komitees der Buchdrucker zugeschoben, das den Druck der Streikbulletins und dringender Proklamationen verweigerte. KriegsiDinilteriiiiD und Infcratcn- geichast. „D i e Presse ist in dem Entwickelungsstadium, auf welchem sie angelangt ist, der gefährlichste, der Wahre Feind des Volkes, ein um so gefährlicherer, als er verkappt auftritt." So äußerte sich- vor 50 Jahren Lassalle über die kapita- listische Presse. Seitdem sind die großen„anständigen" Blätter noch weit mehr als damals zu„industriellen Kapitalanlagen" geworden, über deren Haltung im politischen Kampf in erster Linie das Geschäftsinteresse ent- scheidet. Den Beweis dafür hat diese Presse in letzter Woche aufs neue erbracht, indem sie gewissenlos ihrer Leserschaft den vom„Vorwärts" in der letzten Montagsausgabe ge- lieferten Nachweis unterschlug, daß im Deuffchen Reich ein „Marine-Verständigungskonzern" besteht, der sich die schöne Aufgabe gestellt hat, die Preise für die zu den Flottenbauten des Reichs benutzten Schiffsbaumaterialen in die Höhe zu treiben und auf diese Weise den Staatssäckel, das heißt in letzter Reihe die Steuerzahler, zu schröpfen. Sicherlich� haben die letzteren, denen demnächst ein neues Steuerbukett zugedacht ist, alles Interesse daran, zu wissen, wie die aufgebrachten Summen verwandt werden und wieviel von diesen Summen als Extraprofit an den Händen der Heeres- und Marinelieferanten hängen bleibt. Doch unsere anständige bürgerliche Presse, die sogenannte entschieden liberale wie die konservative, denkt darüber, wie ihre Unter- schlagung beweist, ganz anders. Wenn gewisse kriegshetzerische Blätter ihren Lesern vorzuenthalten suchen, wie die großen vaterländischen Prozentpatrioten sich aus Staatskosten_ hohe Gewinne zu verschaffen wissen, finden wir das begreiflich, denn manche dieser Blätter vermögen die Subsidien der be- treffenden Industriellen und Lieferanten nicht zu entbehren, wenn sie nicht alsbald ihr Erscheinen einstellen wollen._ Sie erhalten nur so lange Unterstützungen, als sie die Kriegs- trommel schlagen und täglich aufs neue beweisen, daß Deutsch- lands Ehre erfordert, Heer und Flotte unablässig zu ver- mehren. Aber es sind nicht nur diese Blätter, die den er- brachten Nachweis ihren Lesern verschweigen, auch die links- liberalen Blätter von der Couleur des„Berliner Tageblatt" haben fast sämtlich von den Praktiken der ehrsamen Stahl- fabrikanten keine Notiz genommen— denn auf die großen Inserate der betreffenden Werke und der mit ihnen liierten großen Finanzinstitute möchten auch sie nicht gern verzichten. Doch nicht nur so manche an den Lieferungen für Heer und Marine beteiligten Firmen arbeiten mit Hochdruck an der Schürung des Rüstungsficbers unter Aufwendung recht beträchtlicher Geldmittel: auch das Kriegsministe- rium stellt zu diesem Zwecke seine Dien st e zur Verfügung. Da ist dieser Tage eine besondere „Deutsche Wehr-Nummer" der Leipziger„Illustrierten Zci- tung" erschienen, reich mit vaterländischen Bildern ausge- stattet(zum Preise von 2,50 Mk.)— nach der eigenen An- gäbe des Verlages(I. I. Weber in Leipzig) dazu bestimmt, „auf das deutsche Volk einen tiefen Ein- .druck" zu machen, das heißt für die Heeresvorlagen Stim- mung zu machen. Diese Nummer, für die außer �Professor Hans Delbrück eine große Anzahl von Generälen � und anderen hohen Militärpersonen längere Beiträge_ geliefert haben, ist— eine für die von der Kriegsvartei hinter den Kulissen betriebene Agitation höchst charakteristische Tat- fache!— größtenteils im Kriegsministerium geschrieben und redigiert worden. Aber damit hat sich unser auf strengste Korrektheit haltendes Kriegs- Ministerium nicht begnügt; es hat außerdem eine Mahnun'g an die„für die Armeelieferungen und die Landesverteidigung in Betracht kommenden Industrien" gerichtet, in welcher diesen empfohlen wird, die Gelegenheit zu Reklameartikeln und Annoncen in der betr. Wehr-Nummer zu benutzen. Freilich war das Kriegsministerium so vorsichtig, diese Mahnungen nicht selbst zu vertreiben, sondern ihre Versen- dung der Leipziger Verlagsbuchhandlung zu überlassen. Indes die Lieferungsinteressenten haben auch ohnehin den ihnen auf diesem Umwege erteilten Wink recht deutlich ver- standen; denn nicht weniger als 130 Großfolioseiten der schönen Wehr-Nummer sind mit Reklameartikeln und An- noncen bedeckt, Manche Firmen haben sich die Befolgung der kriegsministeriellen Aufforderung eine recht ansehnliche Summe kosten lassen, denn ihre„Beiträge" umfassen mehrere Seiten und enthalten eine Anzahl prächttger Illustrationen. Was tut nicht ein guter Pattiot— alles zum Nutzen des teuren Vaterlandes—, zumal wenn er vermeint, sich dadurch das Wohlwollen eines hohen Kriegs- Ministeriums erwerben zu können! Zum Beweis für unsere Mitteilungen drucken wir nach- stehend ab: 1. d i e für die Armeelieferanten be- stimmte Aufforderung des Kriegsministe- riums, 2. das von der Leipziger Derlagsbuch- Handlung unter Beifügung dieser kriegs. ministeriellen Inseraten- Aufforderung an die Lieferanten gerichtete Schreiben. KricgSministerium. Ministerialabteilung. Nr. 811/2. 13. Z. 1. Berlin W. 66, den 23. Februar 1913. Leipziger Str. 5. Die am 10. April erscheinende Sondernummer der Leipziger Illustrierten Zeitung ist in entsprechend prächtiger Ausstattung ausschließlich' der deutschen Wehrmacht gewidmet und wird mit Unterstützung des Kriegsministeriums in Berlin bearbeitet. Es wird im Interesse der Vollkommenheit der Nummer als dringend erwünscht bezeichnet, daß die für die Armeclicferungcn und für die Landesverteidigung in Betracht kommenden Industrien diese Gelegenheit benutzen, die EntWickelung ihrer Betriebe, ihre heutige Bedeutung und Leistungsfähigkeit in möglichst erschöp- fendcr Weise zur Darstellung zu bringen. Die Ministerial-Abteilung des Kriegsministeriums ist bereit, jede gewünschte Auskunft zu erteilen. Hoffmann, � Major und Abteilungschcf. den Verlag der Illustrierten Zeitung in Leipzig. Rcudnitzerstr. 1— 7. Illustrierte Zeitung. Erscheint seit 1843. Leipzig, März 1913. Verlagsbuchhandlung von I. I. Weber. Betrifft: Wehrnummer der Leipziger Illustrierten Zeitung. Das deutsche Kricgsniinistcrium bezeichnet es in der ein- liegenden Kundgebung als dringend erwünscht, daß die für die Armeelieferungen und für die Landesverteidigung in Betracht kommenden Industrien die EntWickelung ihrer Betriebe, ihre heutige Bedeutung und Leistungsfähigkeit in der Wehrnummer erschöpfend schildern. Wir laden Sie infolgedessen ein, sich mit einem gut ausgestatteten Veitrag über Ihre Beziehungen zu Heer und Landesverteidigung zu beteiligen. Die Aufnahme müßten Sie bezahlen; die künstlerische und literarische Aus- stattung wird von uns kostenlos beraten. Die mit vielen Buntdrucken prächtig ausgestattete Wehr- nummer wird bei dem deutschen Volke einen tiefen Eindruck machen und im Auslände ein enormes Aufsehen wachrufen; ist sie doch mit dem deutschen Kriegsministerium, das für den glän- zenden redaktionellen Teil u. a. bislang unveröffentlichten Ma- terial zur Verfügung stellte, gemeinsam bearbeitet, und erscheint sie doch- ferner in jenen Tagen, in welchen die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Veratungen des Reichstages über die neue Militärvorlage gerichtet ist. Da die Wehrnummer bereits am 10. April er. erscheint, so könnte die Aufnahme Ihres Beitrages nur bei umgehender An- Meldung erfolgen. Wir bitten Sie daher um postwendende Mit- teilung, ob Ihnen eine persönliche Besprechung genehm ist. Hochachtungsvoll Geschäftsstelle der Illustrierten Zeitung. Einliegend: Kundgebung. Postkarte. Der Herr Kriegsminister hat in den letzten Reichstags- sitzungen verschiedentlich mit großer Emphase das korrekte Geschäftsverfahren des Kriegsministeriums betont. Wir gestatten uns, an ihn die bescheidene Anfrage zu richten, ob er auch das Redigieren von Reklainenummern illustrierter Zeitungen und das Annoncenaquirieren als zur korrekten Amtstätigkeit seines Ministeriums gehörend betrachtet!_ KaltwailcHlrabl nach yricdrichshafen. Die Affäre von Nancy ist nun trotz deS wüsten Lärms unserer Hetz- und Prozentpatrioten offiziell beigelegt. Frankreich hat nicht gezögert, Deutschland jede Genugtuung zu geben für den Exzeß chauvinistischer RowdhS, die der zivilisatorischen Ehre Frankreichs so schwere Unehre gemacht hatten. Damit sollte nun aber auch die Affäre beendet sein, und die Hüter der deutschen National- ehre hätten tausendfach begründetere Ursache, nun erst zumal Alockenfilm. .,. Dieweil beS Menschen Fürrecht Lachen ist. Rabelais. Wir verstehen die Familie v. Jagow nicht mehr. Der eine ist, nachdem er sich seinerzeit in Moabit durchaus nicht so senti- mental gezeigt hat, plötzlich ein Muster aller Sentimentalitäten geworden und befiehlt unter Mißachtung des Spruches:„Komm den Frauen zart entgegen!" eine Sicherung der Hutnadelspitze, uw doch seine Schutzleute ihre weit gefährlichere Säbelfpitze un- geschützt tragen dürfen wenigstens' wenn's mal irgendwie los- geht! Und der andere erst?!! Ja hat der Herr Staatssekretär des Auswärtigen Amtes denn jedes Gefühl für nationale Ehre verloren, daß er nicht fühlt, was siebenundsechzig Millionen Deut- scher stürmisch von ihm heischen. Schon sind acht Tage seit den unerhörten Vergewaltigungen des Deutschtums in Nancy verstrichen und noch immer nicht ist die Kriegserklärung erfolgt, noch immer stehen die deutschen Bataillone diesseits der Grenze, noch immer nicht kreist Herr Oertel, Sprengbomben herabwerfend, mit einem Doppeldecker um die Türme von Notre Dame! Jagow, schläfst Du? Eine unerhörtere Beschimpfung alles dessen, was irgend schwarz- wciß-rot angestrichen ist, als in Nancy läßt sich überhaupt nicht vorstellen. Ueberhaupt, was heißt Nancy? Nanzig, Nanzig, Nanzig heißt die Stadt, deutscher Boden ist es eigentlich, auf dem das Deutschtum angespien worden ist, deutscher Boden, den man 1871 den ff-f-Welschen nur aus Gnade und Barmherzigkeit gelassen hat. Das fällt dreifach schwer für die Beurteilung der Affäre ins Gewicht. Ebenso ist eS ein erschwerender Umstand, daß eS Studenten waren, die mit dem Schlachtruf: Sauerkrautesser! hinter den Ver- tretern des Germanentums hergezogen find. Die Mächte des Um- stürze? erstreben auch in Deutschland eine Politisierung des Studen- ten. Wohin das führt, zeigt der Nanziger Fall. Wir loben uns, angesichts dieser zügellosen Ausschreitungen französischer Akade- miker, den biederen deutschen Studiosus Spund, der seinen Maß- krug und sein Deutschtum hochhält und mit den alten Germauen eins ist, die immer noch eins tranken. Sein ganzer politischer Ehrgeiz erstreckt sich darauf, daß gut eingeschenkt ist. Aber diesen leichten Franzosen geht natürlich der Begriff der Bettschwerejucht ein. Sie sitzen, bei Zuckerwasser und Limonade, bis früh um Fünfe gründlich abzurechnen mit den Kriegstreibern und Kriegsspeku- lanten, deren Praktiken soeben zum namenlosen Erstaunen und Entsetzen des ahnungslosen deutschen Michels enthüllt worden sind. Angesichts dieser Enthüllungen berührt die Geschäftigkeit um so peinlicher, mit der die Firma Zeppelin jetzt den ebenfalls völlig erledigten Fall von Luneville wieder aufzuwärmen und zu einer neuen Konfliktsquelle zu machen sucht. Denn das famose ..Luftgericht", das in Friedrichshafen auf Veranlassung des Grafen Zeppelin zusammentreten wird, und das fast völlig aus A n g e- stellten und Interessenten der Firma Zeppelin besteht, soll nicht nur eine Ehrenrettung der Besatzung des Z. 4 bringen und den verhängnisvollen Ausflug über die Landesgrenze als un- abwendbares luftnautisches Fatum hinstellen, sondern auch noch nachträglich Kritik üben an dem Verhalten der französischen Be- Hörden! Schon jetzt werden von Friedrichshafen aus Nachrichten in die Welt gesetzt, in denen den französischen Behörden die schwersten Vorwürfe wegen ihres Verhaltens gemacht werden, in- sonderheit deshalb, weil sie sich nicht die Gelegenheit hätten ent- gehen lassen, durch rücksichtslose Nachforschung hinter alle kon- ftruktiven Geheimnisse der Zeppeline zu kommen. Wir erheben nochmals energischen Protest gegen diesen neuen Versuch einer schamlosen chauvinistischen Hetze! Warum blieb denn der„Luftkreuzer Z. 4" nicht aus deutschem Gebiet? Warum warteie mau, wenn man ihn nicht zu steuern verstand, nicht günstigeres Wetter ab? Warum überflog man fran- zösische Festungen und Truppenplätze? Wenn man aller gebotenen Vorsicht zum Trotz die abenteuerlichste Fahrt unternahm, hat man auch keine Ursache, über die Folgen zu zetern. Haben die fran- zösischen lustmilitaristischen Kreise die günstige Gelegenheit zur Auskundschaftung. der Geschäftsgeheimnisse der Armeelieferungs- firma Zeppelin benutzt, so haben sie nur getan, was ihnen das Interesse ihres Landes zu gebieten schien. Es ist geradezu lächerlich, wenn die Firma Zeppelin so tut, als sei ihr Luft- fahrzeug als deutsches„Privateigentum" genau zu respektieren ge- Wesen wie anderes Privateigentum. Nein: die unfreiwillige Zeppelinexpedition stand d r i n g e n d st unter dem Verdacht völkerrechtswidriger Spionage, und es war noch ein Akt internationaler Liebenswürdigkeit, daß das verdächtige Fahr- zcug so rasch wieder freigegeben wurde! Im übrigen muß auch das einmal rücksichtslos ausgesprochen werden: Die Firma Zeppelin hat zu allerletzt Ursache, noch inter- nationalen Krakeel zu verursachen. Haben doch ihre geschäftlichen und politischen Agenten mit ihren aufschneiderischen Verherrlichun- gen des Gefechtswertes der.Luftkreuzer" wahrhaftig nicht wenig zur Zufpitzung der Beziehungen zu Frankreich und England und zum Einbringen so ungeheuerlicher Luftforderungen beigetragen, wie sie in der abenteuerlichen Wehrvorlage enthalten sind. Zeppelin hat seinerzeit die 6,2 Millionenspende erhalten, so daß er es wirklich nicht nötig hätte, das Reklamegoschäft der hetzenden Prozent- Patrioten mitzumachen. Wenn er und seine Berater durch aller- Hand Gründungsmanöper, beispielsweise an der Delag, es fertig gebracht haben, ihr Unternehmen über Erwarten bald in erneute inanzielle Schwierigkeiten zu bringen, so sollte man wenigstens den Geschäftstrick a la Dillingen verschmähen, durch künstlich entfachten Chauvinismus und künstliche Rüstungssteige- rung ein ExtrageschZft zu machen! Der Name des schwäbischen Grafen hatte bisher einen guten Klang. Möge er sich hüten, die Oefsentlichkeit zu nötigen, seinen Namen in einem Atemzug mit gewissen Prozentpatrioten nennen zu müssen! poUtifcbe debcrlicbt. Berlin, den 20. April. Das böse Gewissen. Eine besonders giftige Notiz bringt die„Nordd. Allg. Ztg." über den belgischen Generalstreik. Das Blatt der unter der Diktatur der preußischen Junker stehenden Regie- rung schimpft also los: „Der General st reik in Belgien lastet nun schon fast eine Woche auf dem Lande und schädigt gleichermaßen die Arbeitnehmer wie die Arbeitgeber. Gewaltige wirtschaftliche Werte werden Tag für Tag vernichtet, weil eine Minderheit der Bevölkerung darin den besten Zwang zur Durchsetzung einer politischen Förderung sieht. Es ist nicht nur eine törichte, sondern auch eine verbrecherische Demonstration, die sich da auöwbt, und deren Ende noch nicht abzusehen ist. in den Cafes und lauern, bis sie harmlose deutsche Geschäftsreisende in Rudeln überfallen und massakrieren können, denn nur dem kühnen Widerstand der Vertreter des Germanentums mit Regen- schirmen ist es zu danken, daß sie nicht in Stücke zerrissen auf dem Bahnsteig liegen blieben. Daß aber diese Vertreter des Germanentums Sachsen waren, 'macht die Angelegenheit zu einem nicht wieder gutzumachenden Bruch des Völkerrechts. Man bedenke: Sachsen! Nach der Statistik der friedlichste Völkerstainm der reisigen deutschen Nation! Sachsen, deren angeborene Gemietlichkeit noch gemildert ist durch den Genuß des weltbekannten Kaffees! Und solche Sachsen wagt aufgescheuchter welscher Pöbelwahn zu attackieren, zu injurieren, zu blessieren! Die Röte der Scham würde uns ins Gesicht steigen, wenn Rot nicht eine zu anrüchige Farbe wäre. Was völkischen Wesens ist, was völkisch empfindet, waS völkisch aussieht sogar, muß verlangen, angesichts dieser wilden Freveltaten, daß Frankreich mit Krieg überzogen, Paris(mit Ausnahme des Moulin Rouge, bitte I) dem Erdboden gleich gemacht, Nanzig annektiert und Raymond Poincare im Triumphzug durch Sachsen geführt wird. Aber Jagow scheint zu schlafen. Da macht uns Herr v. Bethmann Hollweg erheblich größere Freude. Er hat im Reichstag gegen die Angriffe so eines jüdischen Sozialdemokraten auf S. M. scharf Stellung genommen und betont, daß wir die„finsteren Mächte des Unglaubens" einfach nicht dulden können. Die Herren Sozzen irren sich wie gewöhnlich, wenn sie das auf sich beziehen.„Finstere Mächte des Unglaubens" richtet sich natürlich gegen Cassel und Genossen, denn Glaube an den Talmund— Aberglauben— Unglauben I Nichts einfacher als das! Und es war höchste Zeit, daß Bethmann diesen Herrschaften die Stirn geboten hat, die da glauben, mit einem Gang in die Nieolaikirche sei es abgetan. Ent oder weder! Ein Drittes gilt hier nicht! Und wir haben gar keine Lust, uns unser schönes völkisches Blut durch diese finsteren= schwarzgelockten Mächte des Unglaubens versauen zu lassen. Um so mehr müssen wir uns auf die Hinterbeine setzen als täglich Tinge vorkommen, die geeignet sind, den Gutgesinnten einen geradezu panischen Schrecken einzujagen. Da sind in Frankfurt ain Main einem Sudelfritzen von sozialdemokratischen Redakteur wegen Beleidigung der erhabenen Person S. M. vier Monate Ge- fängnis aufgebrummt worden. Bravo! Bravissimo! Da capol Aber jedes royalistische Gemüt muß sich aufs tiefste über die An- maßung erregen, mit der das Gericht den Vergleich S. M. mit der leider davongejagten portugiesischen Majestät für eine Beleidi- Wenn neuerdings nach den letzten Kammerverhandlungen wieder behauptet wird, die Schuld an der Verlängerung liege nur an der Regierung, da diese nicht ihre Zustimmung zur UeSerweisung dos politischen Wahlrechts an eine Kommissionsberatung geben wolle, so ist das einfach ein Beharren auf der Idee des General- streiks als eines politischen Nötigungsmittels. Ganz abgesehen von der Frage, ob eine solche Kommission ange. bracht oder auch nur möglich ist, bleibt die Tatsache de- stehen, daß es im höchsten Maße verwerflich ist, mit Zwangsmitteln die Entscheidung beeinflussen zu wollen." Lüge und Frechheit! Lüge ist die Behauptung, nur eine Minderheit verlange das gleiche Wahlrecht. Hinter der belgischen Wahlrechtsforderung steht genau wie hinter der preußischen die überwältigende Majorität der Bevölkerung, die nur durch ein infames Wahlunrecht an der Durchsetzung ihres Willens gehindert wird. Ein Wahl- unrecht, das die herrschende Minderheit nur durch das Zwangsmittel der bewaffneten Macht aufrechtzuerhalten im- stände ist. Frechheit ist es, wenn das Regierungsblatt die gran- diose, aufopferungsvolle, heroische und trotz aller Provokation so völlig ruhige Manifestation des belgischen Proletariats eine verbrecherische zu nennen wagt. Nein, ein Verbrechen haben jene herrschenden, klerikalen Terroristen begangen, die das belgische Volk zur AiMiendung dieses Mittels ge- zwungen haben. Aber wer kann auch von den offiziösen Skribenten Ver- ständnis verlangen für den herrlichen Idealismus, für die bewunderungswürdige Disziplin, für die opferbereite Ent- schlossenheit. die der Niesenstreik offenbart hat. Spricht doch aus dem Wutanfall des Regierungsblatts nur die Angst der preußischen Reaktion, das belgische Beispiel könnte auch in dem Lande der Dreiklassenichniach die W a h l r e f o r ni. die die Thronrede vergeblich ver- sprachen hat, zur wichtigsten und dringendsten Aufgabe der Gegenwart niachen. Einen unerhörten Uebergriff aber begeht das Blatt der Regierung durch Einmischung in die inne- ren Angelegenheiten eines auswärtigen Staates. Der Uebergrifst ist um so krasser, als die Einsetzung der Ver- fassungskommission nicht nur eine Forderung der Liberalen und Sozialdemokraten, nicht nur die der belgischen Bürger- meister ist, sondern vom Ministerpräsidenten selbst schon so gut wie zugesagt worden war— wohl auf den Wunsch des belgischen Königs hin— und nur von der klerikalen Majorität unter Führung Woestes bisher verhindert worden ist. Der Haß gegen das gleiche Wahlrecht hat bier das Re- gierungsorgan gegen die elementarsten völkerrechtlichen Pflichten blind gemacht. Vergeblich. Soll man sich wirklich erst noch mit den AbleugnongS- versuchen der Firma Krupp beschäftigen, mit den HclfcrS- Helferdiensten, die ihnen die schmutzige, von den Rüstungsinter- essenten ausgehaltene Scharfmacherpresse zu leisten versucht? Hört man es doch aus dem verlegenen Stammeln der Erklärungen, die Krupp verschickt, deutlich heraus, daß sie nichts zu sagen wissen. Ihr Berliner Agent Brandt war natürlich nur ein untergeordneter Unterbeamter ohne Mittel, er konnte also gor nicht bestechen, sein Gehalt erlaubte es nicht. Und Herr v. Dewitz, der hohe Beamte. in dessen Schränken die Geheimberichte beschlagnahmt wurden, ist natürlich völlig unbeteiligt. Merkwürdig ist nur eines: Warum sagt die Firma nicht, daß sie keine Geheimberichte besessen hat, daß keine Beschlagnahme stattgefunden hat? Zweiselt jemand, daß, wenn sie diese einzig entscheidende Erklärung ab» geben könnte, sie diese nicht längst abgegeben hätte? Und was ihre Preßmeute, dieses Krupp zeug, sich an Beschimpfungen unseres Genossen Liebknecht leistet, das ist doch wahrlich nicht erst der Er- wähnung wert. Die anständigen Menschen denken anders. So schreibt der fortschrittliche Abgeordnete Heyn, sehr im Gegensatz zu dem un» glaublichen, von seinen eigenen Parteigenossen verurteilten Ver- halten seines Kollegen Braband im Reichstage, in der„Vossischen öeitung": „Ick bezweifle auck, ob irgend jemand im hohen Hause auS den gestrigen Apsführungcn des Kriegsministers hat schlichen können, er wisse das, was er nach den positiven Angaben des Herrn Liebknecht über den Verrat von Geheimnissen, über die Tätigkeit des Herrn v. Dewitz tatsächlich gewußt hat; nein, gung erklärt hat. Majestät bleibt Majestät, ganz gleich ob im Amt, ob emeritiert! Es ist ja das von Gottes Gnaden, das die Majestät ausmacht und dieses von Gottes Gnaden kann nicht aus» gelöscht werden, ivenn eine Pöbelhorde den Jnhaoer von Gottes Gnade auf ein Schiff packt und wegschwimmen läßt. Daß ein preußisches Gericht!>as nicht einzusehen vermag, ist für alle wahren Patrioten ein tief betrübendes Zeichen der Zeit� Aber in Recklinghausen erst— ol o! o! Tvrt ist ein Berg- mann zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er einem Lehrer nachgerufen hat: Eulenburgl Das ick, gerade heraus gesagt, ein Justizmord! Gewiß, Sein« Durchlaucht auf Liebenberg waren vielleicht manchmal ein wenig zu scharmant, wie das Hoch- geborenen in ihrer Leutseligkeit leicht widerführt, gegen Schiffer- knechte und ähnliche Leute niederer Herkunst, vielleicht waren Durchlaucht auch bor Gericht in Gedanken mit so hochwichtigen Staatsaffären beschäftigt, daß ihre Aussagen nicht ganz genau der unter Plebejern üblichen Wahrheit entsprachen, aber ein Schul- meister, ein Steißtrommler hat sich unter allen Umständen auss höchste geehrt und geschmeichelt zu fühlen, wenn er mit einem ganz Blaublütigen, einem Eulenbnrg man denke: ein Duz- freund des Kaisers!— verglichen wird. Dem Schulmeister gebühren zwei Monate Gefängnis und fünfundzwanzig hinten drauf, Peil er nicht sofort die Hacken zusammen genommen, die Hände an die Hosennaht gelegt und mit einem dreimaligen Hurra für die un- verdiente Ehrung quittiert hat. Aber die Zeit ist eben aus den Fugen! Das sieht man auch daran, daß die Prinzessin Luise von Koburg eben aus ihrem vierundvierzigsten Prozeß, den irgend ein Fritze von Gläubiger gegen sie angestrengt hat. als zweite Siegerin her- vorgegangen. Man denke sich: eine Prinzessin, eine Königstochter. ist so bescheiden, sich mit zwölf Sonnenschirmen für die lumpig« Summe von 2860 Frank zu begnügen.— Das macht noch nicht 260 Frank für jeden Schirm!— und läßt außerdem den Schirm- krauter in dem beglückenden Bewußtsein, daß er der Gläubiger einer Königstochter sein darf. T-ieser Prolet aber geht hin und klagt. Und das haben schon dreiundvierzig Proleten vor� ihm getan und werden sicher noch dreiundvierzig nach ihm tun. Freches Ge- sindel! Welch ein Unterschied zwischen der Königstochter im Märchen.und dieser Königstochter, der bald zum fünfzigsten.Aale — wegen des Jubiläums mit einem Blumenstrauß!— der Gerichts. Vollzieher schüchtern errötend naht. Was für Zeiten! Was für Zeiten! Der konservative August. eiite Nei'he von Abgeordneton sind der Meinung, der Herr K r i e g m i n i st c r habe dem Reichstag nicht ganz klaren Wein eingeschenkt. Und wenn auch das wahr ist, was der Abg. Liebknecht behauptet, daß die Untersuchung auf den aus- gedehnt ist, den man in Verdacht hat, ihm, Liebknecht, die be- tressenden Mitteilungen gemacht zu haben, dann sage ich: man hat allen Anlast zu trauern und sich zu schämen, dast solches im deutschen Vaterlande möglich ist." „Die Völker sollten diesseits wie jenseits der Grenze endlich begreisen, dast in der in beiden Ländern getriebenen nationa- lrsttschen Verhetzung eine gute Portion niedrigsten Geschästsinter- esses sich verbirgt. Und sie sollten, wenn man ihnen so eifrig und mit so glühenden Worten den Chauvinismus und den Hast gegen den Nachbarn predigt, für solche Apostel immer den Argwohn bereit haben:„Für welche Firma der Rüstungs- industrie mach st du jetzt wohl geschäftskundige Reklame?" Aber wir dürfen uns nicht täuschen. Ungeheuer ist die Macht And der Einslust des Rüstungskapitals und es wird alles aufbieten, um die Spuren seiner Taten zu verwischen. Und dagegen gilt es auf der Hut zu sein. Tie Post hetzt weiter! Dem freikonservativen Scharfmacherblatte ist die friedlich- schiedliche Beilegung des Zwischenfalles in Nancy sichtlich unan- genehm. Da die schöne Gelegenheit, einen frisch-sröhlichen Krieg mit dem französischen Erbfeinde vom Zaun zu brechen, wieder einmal verpaßt ist, müssen die„Post" und ihre Hintermänner sich damit begnügen, den Franzmännern auf wirtschaftlichem Gebiete den Krieg anzusagen. Auf ein Reklameschreiben einer Pariser Parsümeriefabrik an den Abg. v. Dirksen, die Berliner Zweig- Niederlassung der Firma mit seinem Besuche zu beehren, druckt die .Post" in ihrer Sonntagnummer folgende Antwort v. Dirksens ab: „Auf Ihr mir heute eingehendes Ersuchen um meine Kundschaft erwidere ich Ihnen ergebenst, daß Sie sich hierfür einen recht ungeeigneten Zeitpunkt ausgesucht haben. In einem Augenblick, wo Landsleute von uns in Lüne- ville und Nancy den Anpöbelungen französischer Volksmassen wehrlos ausgesetzt gewesen sind, sollte jeder Deutscher und jede Deutsche soviel Ehrgefühl haben, Ihr Land mit seinem Besuch und seiner Kundschaft zu verschonen. von Dirksen, Wirklicher Geheimer Rat, Mitglied des Abgeordnetenhauses." Man sieht, die Chauvinisten arbeiten sich gegenseitig in die Hände, denn zur gleichen Zeit verlangen einige französische Hetz- blätter den Boykott deutscher Waren. Der im Anschluß an das Schreiben Dirksens ausgesprochene Wunsch der„Post", dast dieses vortreffliche Beispiel recht rege Nachahmung finden möge, wird aber wohl nicht in Erfüllung gehen. Dafür werden schon die Damen der Hochedlen sorgen. Wie sollen sie sich sonst in guten Geruch setzen? Scherls Rache. Die kräftige Abschüttelung, die der Kriegsminister im Neichstag dem„Berliner Lokalanzeiger" wegen des Artikels „Die Forderungen der Armee" zuteil werden liest, hat das Scherlblatt unter die M i n i st e r st ü r z e r getrieben. In seiner Wochenumschau richtet das Organ für politische Brunncnvergiftung nach bewährten Mustern einen hinter- hältigen Angriff gegen Herrn v. Heeringen. Nach Ansicht der Strategen aus der Zimmerstraste hätte der Kriegs- minister besser getan, zum Zylinderhut zu greifen und sein Amt einem Nachfolger zu überlassen. Am ärgsten aber hat Heeringen es mit dem Scherlblatte verschüttet, weil er„mit Herrn Liebknecht, diesem enragiertesten Feinde der preußischen Armee, einen förmlichen Pakt einging, um ihn dazu zu bestimmen, sein Material gegen Krupp der Oeffentlichkeit einstweilen vorzuenthalten". Wir wissen den Schmerz der militaristischen Hinter- männer des Scherlblattes vollauf zu würdigen. Ist ihnen durch die Aufdeckung des deutschen Panama manches schöne Konzept verdorben worden.__ Gegen die Beschuldigung des Chauvinismus. Paris, 20. April. Bei dem jährlichen Wohltätigkeitsfest der Lehrer-Voreinigung hielt Mini st erpräsident Barthou eine Rede, in der er u. a. sagte: Diejenigen beurteilen Frankreich falsch und verkennen unser Land, die es hin- stellen als fähig, ich weist nicht welches chauvinisti- s ch e n Angriffs. Die öffentliche Meinung und die französische Presse sind unter entscheidenden und schwierigen Umständen eins darin gewesen, zu zeigen, in welchem Matze sie kaltes Blut und das Gefühl ihrer Würde zu wahren verstehen. Man muß es sehr laut sagen, dast wir, in dem wir solche Beispiele geben, zu denen gehören, die von niemandem Lektionen zu empfangen haben.(Beifall.) Allzu oft hat ein C hau- d i n i s m u s, wie man ihn uns zu Unrecht vorwirft, sich j e n- leitz der Grenze gezeigt. Frankreich ist dem Frie- den ergeben, aber es will nur einen Frieden unter Wahrung seiner Würde, seiner Interessen und seiner Rechte und nicht unter Aufgabe seiner Erinnerungen, seiner Vergangenheit und seiner zwll:>atorischen Mission. Nikita spielt Abdankung. Paris, 20. April.(P.-C.) Der„Temps" meldet aus Cetlnie: Vor einigen Tagen herrschten hier starke Mei- nuno-söcnchiedenheiten zwischen dem König von Monte- n e g r o und seinen Ministern. Am Freitag gaben mehrere Minuter dem König gegenüber der Meinung Ausdruck, dast es ihm ivegen seiner Haltung in der Skutariaffäre nicht länger nwgnch sein werde, die Krone zu tragen. Der König schloß s'.Ä. �em an und erklärte sich zur Abdankung bereit, fall» der Kronprinz die Nachfolge annehmen wolle.>ver Kronprinz weigerte sich auf eine Anfrage jedoch sehr energisch. Demnach bleibt also die Sachlage un- verändert, und man fragt sich, ob das Anerbieten über- Haupt ernst gemeint gewesen sei, und ob nicht das Ganze nur em � ch e i n m a n ö v e r gewesen ist, um die öffentliche Meinung zu täuschen. Das Befinden des Papstes. Rom, 20. April. Noch einem heute morgen ausgegebenen KrankheitSbcricht der Acrzte Marchiafava und Amici vor- brachte der Papst bereits den vierten Tag fieberfrei. Infolge der Besserung der Bronchiencntzündung nehmen die Kräfte des Patienten allmählich wieder zu. Zkr BerprbeiterUrelk in Oberfcljlefien. Dank der Untätigkeit des Ministers, der es bekanntlich abgelehnt hat, perimttelnd einzugreifen, wenn nicht beide Teile, Unternehnier und Arbeiter, seine Bermitte- lung anrufen, ist. wie bereits gemeldet, am Sonnabend im ober sch lesischen Berg re vier der Streik aus- gebrochen. Die Ausstandsbewcgung, an der in überwie- gendem Maße polnische Arbeiter beteiligt sind, hat einen g e- waltigen Umfang angenommen. Etwa 30 000 A r- heiter haben sich sofort dem Ausstande angeschlossen, von weiteren 10 000 bis 15 000 Arbeitern wird erwartet, daß sie Montag früh in den Streik treten.. Die Behör- den haben umfangreiche Maßnahmen gegen etwaige Ans- schreitungen getroffen, doch kam es bisher nirgends zu Ruhe- störungem Ueber die Streikbewegung wird uns telegra- phiert: Kattowitz, 20. April. Heute nachmittag fanden im oberschle- fischen Streikrcvier 58 Versammlungen statt, trotz des heftigen Unwetters wird die Teilnehmerzahl auf 30 00V geschätzt. In R u d a sprach der bekannte polnische Führer, Land- tagsabgeordneter Korfanth, unter stürmischem Beifall vor über S000 Anwesenden. Hus Groß-ßerlin- Zur Landtagswahl im Berliner Landtagswahlbezirke. Die Funktionäre im 10. Landtagswahlbezirk beschäftig- ten sich gestern mit der Kandidatenfrage und kamen ein- stimmig zu dem Ergebnis, den Genossen Dr. Hermann Wehl als Kandidaten einer demnächst einzuberufenden öffentlichen Wählerversammlung für den 10. Landtagswahl- bezirk in Vorschlag zu bringen. Das Ende des Hospitaliten. Aus dem Hospital Buch erfahren wir von einem Todesfall, der unter den Insassen der Anstalt großes Aufsehen erregt. Am Freitag wurde der Hospitalit Heinrich Ullrich, der bereits das 70. Lebensjahr überschritten hatte, in der Panke als Leiche ausgefunden.?lus Aeutzerungcn, die er vorher getan haben soll, wird geschlossen, dast er Selbstmord verübt und sich ertränkt habe. Der Aufenthalt in der Anstalt soll dem alten Mann da- durch verleidet worden sein, daß die Beköstigung ihm dauernd An- last zur Unzufriedenheit gab. Uns ist bekannt, daß in der Tat von zahlreichen Hospitaliten der Anstalt Buch über die. ihnen gereichte Beköstigung bitter geklagt wird. Dieser Selbstmord ist übrigens seit kurzem schon der zweite in dem Hospital. Ueber den Anlast des ersten ist uns noch nichts mitgeteilt worden. Schweres Bootsunglück. Ein Bootsunglück, das zwei Kindern den Tod brachte, ereignete sich am gestrigen Sonntag auf der Dahme. Von Köpenick aus hatte der Schlosser R. Aermrich mit mehreren Freunden eine Segelpartie unternommen, an der auch vier Kinder teilnahmen. Bei mästigem Winde war das Boot„Frida" vom Klubhaus„Segelklub Fratcrnitas" abgefahren, gegenüber G r ü- nau aber wurde es von einer plötzlich einsetzenden starken Böe gepackt und zum Kentern gebracht, so dast es sofort unterging. Das Unglück geschah in der Nähe des Bootshauses vom„Segel- klub Ahoi", und es wurde von hier aus bei der Rettung der In- fassen deS gekcntertcn Bootes tatkräftige Hilfe geleistet, doch bei zweien der Kinder kam die Hilfe zu spät. Die 7 und 0 Jahre alten Kinder des an der Partie beteiligten Maurerpoliers H. Brückner waren bereits bewußtlos, als sie aus dem Wasser gezogen wurden, und die von einem Arzt angestellten Versuche, sie ins Leben zurückzurufen, blieben ohne Erfolg. Aermrich soll ein erfahrener Segler sein, der den Segelsport seit 20 Jahren betreibt. Gekentert sind am Sonntag zahlreiche Boote infolge der ein- setzenden Böen. Auf dem Müggelsee kenterte ein Segelboot mit 5 Personen. Auf dem Warmsee zwei Segelboote. Sämtliche In- fassen wurden gerettet. Auf dem Wannsee leisteten die Motor- boote„Elise" und„Rotkäppchen" wirksame Hilfe. Heiratsschwindler finden immer wieder ihre Opfer. Leider wird ihnen ihr Treiben durch die Leichtgläubigkeit und Vertrauensselig- keit mancher Mädchen und Frauen sehr er- leichtert. Soeben sind wieder drei Heiratsschwindler, der„Lokomotivführer", der„Ingenieur" und der„Monteur", von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. Als„L o k o m o t i v- f ü h r e r" trat ein 36 Jahre alter Maurer Paul Kroll auf, der in der Uniform des Eiscnbahnbeamten den heiratslustigen Mädchen und Witwen besser gefallen wollte. Einladungen in Familien benutzte er dazu, die Bräute oder die künftigen Schwieger- Väter anzuborgen oder zu bestehlen. Erst ein Schwindel anderer Art führte zu seiner Verhaftung. Noch gefährlicher war der „I n g e n i e u r", ein 60 Jahre alter Schlosser Friedrich Ziffer. Bräuten schwindelte er vor, dast ein österreichisches Werk ihn nach Berlin gesandt habe, um„Kientöppe" zu bauen, oder dast er mit glänzendem Vertrag nach Argentinien gehen sollte. Waren vertrauensselige Bkäute in ihren Beziehungen zu ihm unvorsichtig gewesen, so kam er mit„Geldverlegenheiten" und drohte wohl auch mit Enthüllungen. Einigen Mädchen nahm er Tausende von Mark ab, bis eine der Betrogenen endlich ihr falsches Schamgefühl überwand und durch Anzeige die Festnahme des Schwindlers und Erpressers ermöglichte. Erpresserisch ging auch der„M o n t e u r" vor, ein 37 Jahre alter Metallarbeiter Her- mann S ch i l k e. Er suchte Bekanntschaften durch Zeitungs- anzeigen und brachte Fabrikarbeiterinnen um die sauer ersparten Groschen, die sie sich für die Aussteuer zurückgelegt hatten. Mit dem Gclde, das er dem einen Opfer abgenommen hatte, trat er bei der nächsten Braut als gutgestelltcr Monteur auf. Dann schwindelte er Verlust der Stellung vor und lebte auf Kosten der Braut, indem er Bloßstellung vor der ganzen Fabrik androhte und sich die Hälfte des Wochcnlohnes geben liest. Auf eine Anzeige hin verfolgte die Polizei die Inserate und konnte ihn festnehmen. Die Polizei vermutet, dast das gefährliche Treiben dieser drei Schwindler noch nicht völlig aufgedeckt ist. Betrogene Mädchen und Frauen können sich bei der Kriminalpolizei(Zimmer 103 im Polizeipräsidium) melden., Um zwei Rebhühner. Wegen zwei Rebhühner wird eine 21 Jahre alte Frau C. aus Tcplitz in Böhmen durch öffentlichen Aushang und öffentliche La- dung in Zeitungen vor den Kadi in Berlin verlangt. Dieser Haupt- und Staatsaktion, weswegen Polizei, Zollbehörde und Staatsanwalt in Bewegung gesetzt werden, liegt folgender Lorfall zugrunde: Frau C. ist befreundet mit der Familie eines hiesigen Hauseigentümers. Für Logisbesuch zeigte sie sich erkenntlich, indem sie ein paarmal aus ihrer böhmischen Heimat einiges Wild schickte, das dort billiger ist als in Berlin. Das erste Mal ging auch alles gut. Die zweite Sendung aber, zwei Hasen und zwei Rebhühner, kamen nicht mehr in die Hände der Berliner Freunde. Die ahnungs- lose junge Frau sandte wieder zwei Hasen und zwei Rebhühner, ohne zu wissen, daß sie hiermit etliche Paragraphen der preußischen Jagdordnung in Verbindung mit einigen Beschlüssen des Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg übertrat. Bei der Zoll- rcvision kam die llebcrtretung an den Tag, Hasen und Hühner wurden beschlagnahmt und zugunsten der Staatskasse öffentlich vcr- steigert. Damit war aber die Sache erledigt. Die Berliner Freundin schrieb nun an die Böhmin, wie es den Hasen und Hühnern exgangen war und meinte, unter diesen Umständen Ware es wohl besser, die Sachen in Böhmen zu behalten, weil die Sendungen ocn beabsichtigten Zweck ja doch nicht erfüllen könnten- Die Böhmm liest sich aber nicht abhalten, im Januar die Sendung noch einmal zu wiederholen, sei es, dast sie das Schicksal der vorigen und cen Rat der Freundin schon vergessen halte, sei es, dast sie meinte, in Preußen könne die Schonzeit doch nicht ewig dauern..>in 8. Januar dieses Jahres kam wieder ein Paket auf dem Zollamr in der Klosterstraste an. Als die Hauseigentümerin auf Benacy- richtigung erschien, um sie abzuholen, öffnete der Beamte� oe- dächtig das Paket, sah aus Hasen und Hühner und dann aus die Tabelle, entdeckte, dast die Hühner noch Schonzeit hatten, beschlag- nahmte diesen Teil der Sendung und gab nur die Hasen herau... Auf den Rat. auch die Hühner durch Äauf� bei der ofseiitlicgc'i Versteigerung noch zu erwerben, verzichtete die Frau. Damit war es aber diesmal nicht abgetan. Ein Polizeibeamter erschien und veranstaltete ein längeres Verhör. Die ganze Geschichte auf dein Zollamt dauerte drei Stunden. Bald darauf begann auch noas ein Nachspiel. Ter Hausbesitzer erhielt eine Ladung zur gericht- lichen Vernehmung nach der Neuen Friedrich-Straste und spater nach Moabit. Hier soll sich, wie es in den ösfentlichen Ladungen heißt, am 20. Mai wegen der zwei Rebhühner Frau C. aus Böhmen in der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht Bcrlin-Mitte vcr. antworten. Sie selbst ist öffentlich geladen unter der Verwarnung, daß bei ihrem unentschuldigten Ausbleiben dennoch zur Haupwer- Handlung geschritten werden �wird., Das Gericht wird juh wohl ohne die Beklagte behelfen müssen. Die Wasserfahrt auf den Konservenbüchsen. Ein interessantes Fahrzeug konnte man gestern auf dem Müggelsee beobachten. Es war dies eine Erfindung eines Berliner Fensterputzers. Zahllose leere Konservenbüchsen waren in einer Länge von etwa vier und m einer Breite von etwa einem Meier zusammeiigelötct und durch Drähte verbunden. Darüber lag ein Eiscngestell. das einen Padde- apparat enthielt. Eine rohe Kiste diente als Sitz jur den seltsamen Ruderer. Das eigenartige Fahrzeug bewegte sich«cht sicher und ziemlich flott auf dem See. Der Erfinder beabnch.igt, da-� Boot auch mit einem Propeller zu versehen, um es mit dessen.�i.le fortzubewegen. Ein schwerer Straßenbahuunfall ereignete sich am Sonntag. abend vor dem Hause Rittcrstr. 6. Dort geriet ein Mann unter einen Straßenbahnwagen der Linie 13. Von dem �cgutzrahmeii wurde der Aermste zur Seite gestoßen. Mit dem linken llrm ge« riet er unter ein Vorderrad, wodurch der Arm abgefahren wurde. Der Verunglückte blieb besinnungslos liegen. In bewutztlosem Zustande wurde er von dem Krankenautomobil der Feuerwehr nach dem Krankenhaus am Urban geschafft. Bei der GcwerbcgerichtSwahl in Oberschöneweide wurden gestern 6110 Stimmen abgegeben, davon hat Liste I(Hiriche) 401 Stimmen. Liste II(Christen) 167. Liste III(Freie Gewerkichaften) 4582. Liste IV(Gelbe) 667 Stimmen erhalten. Es und 10 Kandi- baten zu wählen. Es erhielten die Freien Gelverkschaften 8, oie Hirsche 1, die Christen keinen, die Gelben 1. Die Tarifücweguug im Nohrlegergewerbe. Bekanntlich ist es bei der Lohnbewegung der Rohrleger zu einem Zerwürfnis zwischen Wicssnthal, dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverb an- des, und dem Berliner Verein dieses Verbandes gekommen. In- folgcdessen hat der Berliner Verein die Bewegung ohne Wiesen- thal, ja im Gegensatz zu ihm durchgeführt, lieber den Verlaus der Bewegung wurde am Sonntag in einer sehr stark besuchten, in Kellers Saal abgehaltenen. Versammlung der Rohrleger und Helfer berichtet: Nachdem die Verhandlungen mit den Unternehmern keinen Erfolg gehabt hatten, wurde das Einigungsamt angerufen. Es hat am 16. d. M. einen Schiedsspruch gefällt, der für eine drei- jährige Bcrtragsdauer den Rohrlegern eine Erhöhung der Mindest- löhne um 4 Pf.(2 Pf. am 1. Oktober 1913 und weitere 2 Pf. am 1. Oktober 1014) und den Helfern eine solche von 3 Pf.(2 Pf. und 1 Pf. an den genannten Zeitpunkten) zubilligt. Außerdem bietet der Schiedsspruch in einigen anderen Punkten Verbesserungen ocr bisherigen Arbeitsverhältnisse._ Die Verhandlungskommission empfahl die Annahme hC» Schiedssprucbes— obgleich er nicht alle Wünsche der Arbeiter er- fülle— mit Rücksicht auf die ungünstige Geschäftslage und weil im Falle der Ablehnung Wiesenthal einen Vertrag auf Grund des Schiedsspruches abschließen und dadurch neue Z e r s p l r t t e- rungen der Arbeiter betreiben würde. Uebrigens bringe ja der Schiedsspruch Verbesserungen der bisherigen Verhältnisse. S i e r i n g vom Deutschen Metallarbeiterverband empfahl eben- falls die Annahme des SchiedLspnick?es und bemerkte: wenn ein Vertrag aitf Grund desselben abgeschlossen werde, dann würden aucy die im Deutschen Mctallarbeiterverbande organisierten Rohrleger und Helfer dem Vertrage beitreten. Sie erwarten, daß ihnen dann auch eine Vertretung in der Schlichtungskommission zugestanden werde.— Die Versammlung hatte nichts dagegen einzuwenden. Im Verlauf der Diskussion betonten mehrere Redner unter allgemeiner Zustimmung, daß Wiesenthal, der in dieser Bewegung nur noch 31 Mann hinter sich habe, für die Berliner Rohrleger vollständig abgetan sei. Zur Charakterisierung Wiesen- thals wurde noch mitgeteilt: Ein Vertreter der Unternehmer habe bor dem Einigungsamt erklärt, jetzt nehmen die Rohrleger nur ihre eigenen Interessen wahr. Zu Wiesenthals Zeiten �sei es anders gewesen. Wiesenthal habe immer volles Verständnis für die Interessen der Arbeitgeber gehabt. Die Versammlung beschlost gegen eine kleine Minderheit die Annahme des Schiedsspruches und beauftragte ihre Ver- tretung, auf Grund desselben einen rechtsverbindlichen Vertrag vor dem Gcwerbegcricht abzuschließen. fyctztc Nadmdrtcm Le Man?, 20. April. Ein Vorfall, der in den beteiligten Kreisen das größte Aufsehen hervorrief, hat sich gestern hier er- eignet. Während des Unterrichts stellte in dem hiesigen Gymna- sittm der Professor der Pbysik, Dephau, plötzlich seinen Vortrag ein und begann über Politik zu sprechen, indem er seinen Hörorn seine anarchistische Ideen vortrug. Nach Be- cndigung des Unterrichts zerriß der Professor auf der Straße ein Plakat, auf dem für die dreijährige Dienstzeit Propaganda gemacht wurde. Speyer, 20. April. Der unter Spionageverdacht vcr- haftete französische Pionieroffizier de la Merle ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden, da sich für Spionage keinerlei Anhaltspunkte ergeben haben. Budapest, 20. April. Die Ortschaft I a n o s ch a k wurde durch eine Fcuersbrunst zu einem großen Teile eingeäschert. 60 Wohnhäuser nebit den dazu gehörigen Wirtschaftsgebäuden sind ein Raub der Flammen geworden. Zahlreiches Vieh kam in den Flammen um. Der angerichtete Schaden ist sehr be- deutend. München, 20. April. In einem Hausgange der Reichen- bachstraße hat in der Nacht zum Sonnwg der Metzger Hager seine frühere Geliebte, eine Kellnerin, durch Messer st iche getötet und deren Begleiter, einen Wirtssohn, durch Messer- stiche schwer verletzt. Ter Täter wurde sofort fest- genommen. Das Motiv ist Eifersucht.' Paris, 20. April. Der„New Dork Herald" meldet aus London: Im Ministerium des Auswärtigen ist ein Telegramm des enalischcu Botschafters aus K o n st a n t i n o p e l eingetroffen, welches besagt, dast di- Verwaltung von Batum die Stadt K o n st a n t i n o P e l als choleraverscucht erklärt hat. London, 20. April. Leutnant Evans, einer der Teilnehmer an der Expedition Scotts ist in der letzten Nacht an Bord des Dampfers„Tranto" gestorben. Theater. Kontag, den 21. April 1913. Anfang T'/j Uhr. Königl. Opernhaus. Madama Buttcrfly. Königl. Schauspielhaus. Ariadne aus Naxos. Deutsches. Der lebende Leichnam. kouiggratzer Strahe. Macbeth. älnjano 8 Ubr. Urania. In den Dolomiten. »tammerspiele. Frühlings Erwachen. Lrksi»». Das Konzert.« Deutsches Schauspielhaus. Ein idealer Gatte. Theater des Westens. Wiener Blut. Berliner. Filmzauber. «Ueincs. Vroscssor Bernbardi. Deutsches Opernhaus. Der Frei schüp. Schiller«. Elga. Geschwister. Ghnrlotienburg. Klein Dorrit. Komiidicnhaus. Hochherrschaslliche Wohnungen. Kurfürsten- Oper. Das Farmer- mndchcn. Mctropol. Die Kino-Känigin. Trianan. Madame Z. Residenz. Die Frau Präsidentin. Tlialin. Pupvchen. Moutis Operetten. Der Zigeuner- Primas. Luisen. Zaza. Rose. Die gräsite Sünde. Herrnfeld. Die Schonzeitjäger. Liebcsprobe. Casiuo. Arturs Flitterwochen. 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Benedict Schwarzer, Berlin C., Dircksenstr. 36, Ecke Kaiser-Wilhelm-Str. 2L Berautw. Redakteur: Carl Leid. Berlin. Inseratenteil veranw.t Th. Glocke, Berlin. Druck ü. SÖerloß: Vorwärts Äuchdi. ll. Berlagsanstalt Paul Singer Sc Berlin SW. 1 �»«2. Ar. 95. 30. Zahrgaug. KeilM Ks JotMtts" Sttliiift lolUIntt. Punks, 21 Jpril 1913. frfcdcnstaubc und Schutzengel. Comafref(y, /�o?el rl 'Ein Vöglein kam von Westen her And wollt' vom Frieden singen: Deutschland und Welschland soll nichts mehr Zu blut'gem Zwiste bringen. Am Grenzbaum hält der Schutzmann Wacht: „Wat will die welsche Taube? Der Wind pfeift kalt, jieb man bloß Acht, Im Reich der Pickelhaube!" Den Browning raus und losgeknallt— Vorbei war's mit dem Singen. Dann tat er's rupfen allsobald And gierig es verschlingen. So sucht man aller Welt zum Trutz Den alten Käß zu wahren.— Das ist der Frieden st aubenschutz Im Lande der Barbaren! Wpfe am l�önigspiat�. Äraetke. Er ist schlechthin ein Superlativ: trocken, trockener, Kraetkel Er ist so trocken, daß das Gerücht geht, in seiner Nähe dürfe wie in den Wäldern, die die Sommerhitze ausgedörrt hat, wegen der Feuersgefahr nicht geraucht werden. Ein typischer Bureaukrot des wilhelminischen Zeitalters. Trocken, um wieder auf die hervorstechendste Eigenschaft zurückzukonimen, nüchtern, schwunglos. Dabei ein hartge- sottener, abgebrühter Verächter des Parlamentarismus, wie nur je ein Köckeritz und Jtzenplitz. Trotzdem er Kraetke heißt. Einfach Kraetke. Die großen Gesichtspunkte verachtet er auch. Ihm genügt es, daß er in diesem Jahre 572 3W Briefmarken mehr vcr- kauft lzat als ini vergangenen, und er weist auf dieses Plus mit einem gewissen edlen Stolz hin. Sonst kehrt er in seinen Reden immer wieder mit schier qucrulantenhafter Beharrlich- keit zu der Behauptung zurück, daß er keine Sozialdemokraten in seiner Verwaltung dulde. Wenn ihn auch niemand danach gefragt hat. In der Budgetkommission setzt er sich für die „festen Verhältnisse" der Telephonbeamtinnen ein. Kraetke ist Junggeselle, er meint aber natürlich nur die Anstellungs- Verhältnisse. Der Staatssekretär des Reichspostamts bat einen Schnurrbart wie Ziethen aus dem Busch und einen Haarwuchs wie Moltke. Diese Lichtung auf dem Schädel ist ein Stiin- mungsbarometer. Wenn nämlich im Reichstag gutgezielte Hiebe auf ihn niedersausen, beginnt sich der nackte Schädel langsam zu röten, wird röter und noch röter und leuchtet schließlich über den parlamentarischen Gefilden wie ein un- wahrscheinlich purpurner Mond. Dann kocht Herr Kraetke innerlich vor Wut. Abends in seinem einsamen Bett zieht er eine baumwollene Nachtniütze über dieses sein Barometer, murmelt noch einnial hartnäckig:„Sozialdemokraten dulde ich nicht in meiner Verwaltung", dreht sich nach der Wand und träumt von den Briefmarken, die er morgen verkaufen wird. Grüne, rote, blaue. Oertcl. Wenn das so weiter geht, wird die konservative Partei jählings mit einem Initiativantrags hervorbrechen, daß im Reichstag ein Flaschcnzug angebracht wird, um ihren belieb- testen und beleibtesten Sprecher auf der Rednertribüne zu der- stauen. Unter Brüdern hat er seine zwcihundertundsünfzig Pfund Lebendgewicht— es brechen fast der Bänke Stützen! Einen notleidenderen Sachwalter hätten die notleidenden 'Agrarier gar nicht finden können. Wenn er am Rednerpult erscheint, verbreitet sich im hohen Hause eine Stimmung, wie nach einem erlesenen Sektfrühstück und hier und da schnalzt einer in der Riickerinnerung mit der Zunge. Wie vor einem erlesenen Sektfrühstück, denn der Mann, der an hohen Sonn- und Feiertagen in seiner„Deutschen Tageszeitung" herzbrechende Kapuzinaden losstöhnt und sie— der Schalk!— mit den berühmten Hennessy-Kognaksternen*** zeichnet, ist an Werktagen ein amüsanter Plauderer. Der Spruch des ollen Lateiners, daß der Geist sich den Körper forme, ist nie schmählicher zu schänden geworden, als bei diesen zwcihundertundsünfzig Pfund. Hier steckt der Geist eines Kolibris in dem Leib eines Mastodonts. Ein beweglicher, geschmeidiger, ein Florettgeist in einem Korpus, der nur auf dem Präsidentenstuhl der Gastwirtsinnung von Kötzschcnbroda nicht auffallen würde. Herrn Oertels Witz ist meist sehr naheliegender Art und mancher würde sich schämen, solche Banalitäten hinzulegen, aber er weiß sie, unterstützt von der unerhörtesten Gemütsruhe, wirkungsvoll loszuwerden. Er hat eine Spezialität. Wie eine Spinne im Netz sitzt er und lauert auf Zwischenrufe. Wenn der Zwischenruf das Netz durchreißt, hat er ihn nicht gehört. Aber wenn ein Zwischenrufer im Netz zappelt, um- wickelt er ilm langsam und behaglich mit glitzernden Fäden und saugt ihm das Blut aus. Herr Müller-Meiningen etwa taumelt ins Netz. Kaum ist ihm der Zwischenruf entfahren, hört er seinen Freund Oertel:„Gerade Herr Müller-Mei- ningen wird mir darin folgen können____" Und bleiches Entsetzen malt sich auf Herrn Müller-Meiningens Zügen, denn er weiß: jetzt kommt eine der abgefeimten Bosheiten, mit denen Herr Oertel so oft in den stenographischen Berichten den Klammervermerk (Große Heiterkeit) erzielt. Klaubart. „Märchenhaft!" ruft die höhere Tochter, wenn sie den ganzen Umkreis ihrer seelischen Ergriffenheit zeigen will. Märchenhaft schön, märchenhaft reich, märchenhaft tugendsam, die Steigerung märchenhaft läßt sich vor jedes Beiwort setzen, das ins Abenteuer- liche gesteigert werden soll. Warum sagt die bewußte höhere Tochter nur niemals märchenhaft arm, märchenhaft elend? Wahrscheinlich, weil sie sich in den Atärchen ebensowenig aus- kennt, wie im Leben und schon damals lediglich darauf gehorcht hat, ob sie sich am Ende kriegen, so wie sie auch jetzt, im Gärstadium der Heiratsfähigkeit, dies Problem als die Angel aller Geschehnisse betrachtet. Im Märchen sind die Leute entweder spottschlecht oder rührend gut, Engel oder Teufel. Der gute König und der böse Zauberer, die brave Prinzeß und die böse Stiefmutter, lauter Extreme, die zu den in ungebrochenen, derben Farben gemalten Bildern eben ge- hören, die man Märchen nennt. Das Volk oder Kinderliebe, Volks- tnmliche Dichter ohne Aainen haben sie erfunden, mit primitiven Vorgängen gefiillt und einer treuherzigen Moral dienstbar gemacht. Es ist eine Idealwelt, wo auf der letzten Seite das Gute siegt und das Böse unterliegt, das sich viele Seiten hindurch recht tüchtig und wirkungsvoll erwiesen hat. Engel und Teufel, wobei die letzteren natürlich die Interessanteren siird, eine Welt ohne die vermittelnden Uebergänge, ohne die Schattierungen all der Bös-guten und Gut- bösen, die im Leben herrschen. Es ist aber ganz bös, wenn die Märchen Wirklichkeit werden. Es ist immer ein Zeichen schlimmer Zeiten, wenn die Vorgänge, die das Volk spielerisch als Abschreckung erfunden hat, auf einmal als letzte Nachrichten in den Zeitungen auftauchen. Vor ein paar Jahren war es so beim Falle des Oberleutnants Hofrichtcr in Wien. Er hatte, ganz wie die böse Königin dem Schneewittchen etucn vergifteten Brief schickt, bevorzugten Kameraden das Gift ins Haus gesandt, mit der Farbe und dem Versprechen des Lebens geschmückt, als Medikamente, die auch dem frühzeitig Müden neue Lebenskraft geben sollten. Es war ein sprachloses Entsetzen damals vor solch hemmungsloser Gewissenlosigkeit, die in jungen, kräftigen Menschen nichts als Vordermänner sah. Jetzt kommt ein neuer, vielleicht noch erschreckenderer Fall, weil man für seine Entmenschtheit keinen Grund sieht, iveil hier Opfer gefallen sind, deren Tod dem Mörder kaum Gewinn brachte. Der Fechtlehrer und Chemiker aus Liebhaberei Hopf in Frankfurt ist unter dem Verdacht verhaftet worden, seine zwei früheren Frauen ermordet zu haben und an seiner derzeitigen dritten einen langjährigen Mordversuch gemacht zu haben. Blaubart! Blau- bart bis in alle Einzelheiten, von dem verbotenen Zimmer, das die Frau nie betreten darf, wenn sie nicht den Tod verwirken will, bis zu der Schlutzwendung, daß die dritte Frau gerettet und Blau- bart getötet wird. Zuerst war Hopf Drogist, dann Hundezüchter, dann Artist, dann Landwirt, dann Fechtlehrer. Und Ivährcnd all dieser Zeit wohl- bewandert in Giften und der Wissenschaft von den Bazillen. Draußen unter den Menschen zeigte er sich als breitschultriger, kräftiger, tüchtiger Biedermann, der sein Geld verdient, zu Haus forschte er in der Lehre von Gift und Ansteckung und mordete. Schon nach dem Tod seiner zwei ersten Frauen raunte das Gerücht von Gift und Mord. Mit ein paar dieser so leicht zu konstruieren- den Beleidigungsprozesse schlug er die Wahrheit nieder. Dann zog er mit seiner dritten Frau in seine Vaterstadt Frankfurt zurück. Er war ein gesuchter Fechtlehrer, ein ganz guter Ehe- mann, wenn er auch viel von zu Hause weg war oder weg zu sein schien. Denn im Parterre seines Hauses lag hinter einer verbor- gencn Tapetentür ein nur ihm bekanntes Zimmer, gefüllt mit Gift- proben und— vor allem— mit Bazillenkulturcn. Hopf mordete mit dem ganzen Apparat moderner Medizin. Er ließ sich(was unglaublicherweise an keine'behördliche Erlaubnis gebunden ist, die doch zu jedem Taschcnterzerol notwendig ist) Cholerabazillen ans) Wiener Laboratorien schicken und, wie die Hausfrau beim Metzger verlangt:„Aber von der Lende!", so verlangte dieser Menschen- schlächter:„Aber aus den Cholerabaracken von der Tschataldscha- linie!" Diese unheimlichsten Gäste des Balkanwahnsinns behcr- bergte Hopf in dem verschlossenen Zimmer, zusammen mit seit- samen Requisiten geschlechtlicher Ausschweifungen, all den Werk- zeugen eines Sadisten. Geschlechtliche Perbcrswn und Mordtrieb auf wissenschaftlicher Grundlage! Herr Hopf war eine reine Ba- zillenkuljur all der bösen Keime, die in einer überreizten Zeit von Schwächling zu Schwächling fliegen. Zwei Frauen hat er getötet, die dritte liegt schwer leidend, zerrüttet von den verbrecherischen Einwirkungen auf ihren Körper. Er hat gestanden, ihr Gift gegeben zu haben, Krankheitskeime hat er der Gesunden eingeimpft, jeden Tag wohl mit dem Auge des Fachmanns Puls und Aussehen beobachtet, die Dosen verstärkt oder abgeschwächt, je nachdem ihm der Prozeß zu schnell oder zu langsam ging und all das dreimal, bei drei Frauen. Bei der ersten hat er eine Lebensversicherung herausbekommen. Das mag also anfäirg- lich sein Grund gewesen sein. Aber dann kam die Lust einfach am Zerstören, dieser geheimnisvolle Zwang. Leben zu vernichten. So wie heute Recht aufgefaßt und Recht gesprochen wird, ist diesem Blaubart das Schafott sicher. Vwle mögen eine Befricdi- gung darin findeb, den Mörder ermordet zu sehen. Wer ist hier überhaupt noch eine Frage, daß ein unheilbar Kranker seinen henunungslosen Instinkten gefolgt ist wie ein Schlafwandler? Alles um diesen Mann ist schrecklich, seine geschlechtlichen AuS- artungen. sein Morden mit dem Rüstzeug, moderner Wissenschaft. sein Drang, immer wieder zu heiraten und immer wieder zu töten. Aber viel gefräßigere Bazillen, als die seiner Cholerakulturen, hatten doch längst an seinem Hirn, seinem Geist sich festgesogen, und tvaS von ihm blieb und handelte und mordete, war das Schcinbild eines Aienschen, täuschende Maske, aus deren Augcnlöchcrn die schwere Not unheilbaren Leidens starrte. Varl Pauli. JJur eins sollte dieser Sachse nicht tun: in pathetischem Pa. triotlsmus machen. Das wirkt so. als wenn er. den Hut dort- hin geschoben, wo andere Leute das Genick haben, durch den schönen grünen Wald marschierte und sänge:„Ich bin en Breitze, gennt ihr meine Farben?" Erzbergcr. �„Stoßt den Zapfen aus— Gott bewahr das Haus!" Denn Herr Erzberger redet. Er redet oft, er redet gern und niemand hört ihn lieber reden als Herr Erzberger. Er ist kein Genie, beileibe nicht, und wenn er einmal nicht mehr ist. wird ihn die Zentrumspartei durch eine Schreib- Maschine ersetzen. Die auch fleißig ist, aber den Vorteil hat, daß sie nicht reden kann. Herr Erzberger besitzt den zähen Fleiß derer, denen es der liebe Gott nicht im Schlafe gibt. Darum hat er auch den Reichshaushaltsplan unter dem Kopfkissen liegen, und beim Morgengebet memoriert er zwi- schm je zwei Perlen des Rosenkranzes ein paar Etattitel der Schutzgebiete. Er ist ein parlamentarischer Rechnungsrat. Er ist zum Platzen voll mit Zahlen, und stößt der Präsident mit der Formel:„Herr Abgeordneter Erzberger hat das Wort!" den Zapfen aus. so rinnt alles wahllos heraus.(Gott bewahr das Haus!) Aber Herr Erzberger weiß nicht nur alles, er weiß sogar alles besser. Die Materie ist noch nicht erfunden, über die er nicht mit Sachverständnis und in schwäbischeni Dialekt reden könnte. Er redet über Leben und Tod, Krieg und Frieden, Himmel und Hölle, Kind und Kegel, er redet über Baum- wollkulturen und Rotzkrankheit, Schwiegermütter und lenkbare Luftschiffe, Wasserklosetts und unsterbliche Negerseelen, er redet über Nordpol und Südpol, Ofsiziersgarderoben und Missionare, er redet über das Mögliche und Unmögliche, er redet überhaupt, er redet an sich, er redet, redet, redet(Gott bewahr das Haus!)... und man merkt ihm die Sachkenntnis an: bei unsterblichen Ncgerseelen, bei Wasserklosetts usw. usw. usw. usw. usw. usw. usw. Wenn der Zentrumsstier mit gesenkten Hörnern in Oppo- sition gegen die Regierung steht, ist der Abgeordnete für Biberach- Waldsee- Leutkirch- Wangen unbezahlbar. Dann schwäbelt er, weil's demokratischer klingt, um drei Grade stärker, legt Kraftworte ein. enthüllt feste drauflos und es fehlte nicht viel, so stürzte er Minister. Er ist natürlich ein strammer Verfechter parlamentarischer Rechte, läßt sich aber von Zeit zu Zeit durch einen Kriminalschutzmann das Pult im Reichstagssitzungssaal ausnehmen. Er kann so, er kann aber auch so. Wenn es einen Himmel gibt und Herr Erzberger— auch dieser Schwarze hat eine unsterblich? Seele!— kommt hinein, so wird er seinen olympischen Aufenthalt mit einer stundenlangen, eingehenden, detaillierten und sachkundigen Kritik der Zustände in Petri Reich beginnen, aber schließlich doch bean- tragen, den Etat der himmlischen Heerscharen zu bewilligen. All das mit schwäbischer Klangfärbung. Wremer. Schmalz und Pathos und Schmalz. Er ist der schmal? zigste Fortschrittler nicht nur, nicht nur der schmalzigste Ab- geordnete, er ist direkt der schmalzigste Kaukasier. Wenn er beim Morgenkaffee von des Hauses rüstiger Schafsnerin noch eine Schrippe heischt, wird er das mit einer Geste, einem Pathos, einen: Schmalz tuen, als legte er los: „Hochgeehrte Festversaminlurtg!" Herr Wiemer ist.... Aber Herr Wiemer gehört ja gar nicht unter die Köpfe vom Königsplatz. Wenn erst der Kehlköpfe gedacht'wird, dann wird unter den besten(und schmalzigsten) Namen auch der seine genannt. ?�un äefmmä sckaft. Von Karl R o t h e r. Hektar!— Hektar!— Zum Donnerv-etter noch mal, jetzt sagt, wo ist der Hund— ihr Ludersch insamtCfe,— Hektar!— Tischlermeister Ferdinand Köhler rennt in hohen Filzstiefeln kreuz und quer, wie ein aufgestöbertes wildes Karnickel, im frisch gefallenen Schnee seines Hofes umher.— Hektar! brüllt er über den Zaun, die menschenleere Dorfstraße hinauf— hinunter: Hektar! An den Fenstern über der Straße drüben schauen schläfrige®e- sichter in den winterlichen Morgen. Bei Meister Köhler rappelt's wieder, das ist lustig anzusehen.— Hektar!— Aber Hektar, der Hund, meldet sich nicht. Jetzt geht der Alte mit hintenübergeworfenem rotem Kopf schnurstracks zurück, der Werkstatt zu.— Armer Hehrbub, jetzt halt den Daumen fest!— Der Lehrbub streicht gerade eine heiße, nach Leim riechende Farbe auf einen großen Sarg— drei Ellen sechs Zoll lang— im Lichten— als der Wildgewordene gerade eintritt. „Jetzt gesteh, wo ist der Hund, hä, jetzt bei der Hundesperre, hast ihn wieder losgemacht!— Red!— Du Luder, du, soll ich dir eine reinhauen?— Hä!"— Die letzte Frage war absolut unnötig. Bevor der Lehrbub, je nach Belieben, ja oder nein antworten konnte, hatte er die„Rein- gehauene" schon im Gesicht. Immer war's so gewesen. Das war Meister Ferdinand Köhlers rätselhafte Angewohnheit. Wie ein Häufchen Unglück, mit eingezogenem Kopf und krummem Buckel, in der einen Hand den Farbtopf, in der andern den Pinsel, lehnt der Lehrbub, mißtrauisch nach der rechten des Meisters schielend, am Sarg. „Weil das Wetter so sehr gegen die Hundehütt' pfiff, Hab ich's arme Luder losgemacht und in den Spänschuppen gesteckt."— „Und da ist er ausgerissen, nicht wahr?— Du Racker infamter, jetzt bei der Hundesperre— soll'ch dir eine— plauz!— reinhauen — hä?" Um dem Meister die vollauf genügende Wirkung seiner sonder- baren Erziehungsweise einleuchtend klar zu machen, läßt der Bub bloß den Pinsel fallen, taumelt von dem einen Sargeirde zum andern und schwebbert einen hübschen Plansch Farbe auf den Fuß- boden. Den Farbtopf wollte er doch nicht fallen lassen, das hätte mindestens noch eine gegeben— mindestens! „Warte, du. heute sind drei Fuhren in die Stadt zu bringen— dir will ich's anstreichen— die wirst du nun gefälligst allein zerren müssen— verstanden!— Warum haste das Vieh davonlaufen lassen i — O du Luder! Meinst etwan, du seist nur zum Fressen und Dumm- heitenmachen hier und ich bloß zum Strafezahlen für das Hunde-! Vieh!— Drei Fuhren müssen fort— merk's— und der Sarg da muß heut in die Halle— unbedingt— die Leichenfrau will morgen in aller Frühe einsargen— die Seich' läuft— und pich mir auch den Sarg gut aus, das sag ich dir— ihr Ludersch ewigen" Damit geh( der Alte zur Werkstatt hinaus. Zwischen Lehrling und Hund bestand ein inniges Verhältnis. Den ersten nahm Meister Köhler vor einem Jahr— wie er gern sagte— aus Gnad' und Barmherzigkeit— deshalb, weil der Bub elternlos und ziemlich verwahrlost in der Welt herumlief, in die Lehre. Der Hund, eine riesige Dogge, deren Pflege, Füttern und dergleichen dem Lehrling zur Pflicht gemacht wurde, war bald dessen bester Kamerad geworden. Beide zogen gemeinsam Meister Köhlers Möbelwagen, und beide machten auch gemeinsam allerhand Dumm- heiten. Bekam Hektar Dresche, kroch er zum Lehrbub, bekam der welche, ging er zum Hund.— Freud und Leid, beide Seelen teilten in echt brüderlicher Weise, damit keins zu gut und keins zu schlecht davon kam. So war's, daß nun plötzlich die Freundschaft einen tiefen Riß bekam. Der Lehrbub hebt nach des Meisters Abzug den Pinsel wieder auf und streicht den Sarg fertig.— Na, warte nur— denkt er dabei — meinetwegen magst du in Zukunft alle Knochen im Leibe er- frieren, nie werd' ich wieder Erbarmen haben— nie— dreimal bist du mir so schon durchgebrannt— zweimal Hab ich dich gegen Lösegeld vom Schinder gerettet, der Alte zahlt und ich krieg die Dresche. Nie werd' ich Erbarmen mit dir haben— nie— niemals, Hundebiest miserables, ich schwör'S bei allen Lebendigen und ich fchwör'S hier am Rottluf Heiner seinem Sarg.———————— Meister Köhlers Barmherzigkeit läßt den Lehrbub selbigen Tages dreimal den mit allerhand Möbeln hochbeladenen Wagen in die Stadt lästern. Jede Straßensteigung, jede holperig gepflasterte Gasse waren Zeugen der Verwünschungen des Hundes seitens des� geplagten Jungen.— Nie werd' ich Erbarmen haben— nie.— Das war sein einziger Kraftspender, der ihm trotz aller Hindernisse über- winden half. Spät am Abend— die Leute im Dorf schliefen schon— nagelt der Lehrbub allein in der Werkstatt allerlei goldenes Papierzeug an den bald fertigen Sarg. Der Meister war nachmittags schon aus- gegangen, in der Stadt Kunden zu besuchen, und noch nicht zurück. Tie Gesellen schliefen längst, nur drüben im Wohnhaus verriet ein Licht in der Küche, daß die Meisterin noch wach sei. Den Mund voll kleiner Drahtstifte, klappert der Lehrling emsig auf den hölzernen Kasten.— Wo nur der Hund stecken mag! In die Gemeindeschrei- berei, zum Schinder ist Karl gelaufen— niemand wußte Auskunft, keiner hat ihn gesehen.— Wenn nur der Sarg erst an Ort und Stelle wäre.— Allein auf den Friedhof zur Nacht— wenn's nur wenigstens nach Mitternacht wird.— So ein Biest, alle Knochen schlag ich dem kaput.— Solcherlei Betrachtungen stellt der Bub an und haut mit dem Hammer, als wolle er sie zur Bekräftigung extra mit auf den Sarg nageln. Da ruft plötzlich die Meisterin in ängstlichem Tone drüben vom Fenster herüber:„Karl! Karl! komm geschwind— geschwind!"— Daß du mir auch noch die quere kommst, denkt der Bub, meinet- wegen brüll dir die Lunge raus! Trägst auch ein gut Teil dazu bei. daß der Alte so freigebig ist im„Plauzen" mir gegenüber. So räsonnierend geht er und findet die Meisterin, wie sie im Unterrock und ein Licht in der Hand eben zu BettMehen will, vor ihrer im Obergeschoß befindlichen Schlafstubentür. M „Jeses nee, Karl, horch när, da mutz doch jemand in der Stub drinne seil Ganz deidlich klang's vorhin, als ob jemand husten tät." Ganz erschrocken lehnt die Meisterin an der Wand und winkt dem Buben, näherzukommen. Der aber sagt, sie solle nur den Lam- pcnschirm nicht herunterfallen lassen, sie hielte ja die Lampe ganz schief, und geht darauf hinunter in den Hof, am Holzhaufen einen Abschnitt suchend, ein Stück Holz, das geeignet erscheint, mehr seine eigene Sicherheit als die der Meisterin zu wahren.— So bewaffnet kehrt er zurück und findet die Frau jammernd:„Ach Gott, wenn när der Ferdnand erscht heeme wäre, wenn när der Ferdnand erscht da wär.", Kurze Zeit danach kommt denn auch der Meister endlich. Der macht ein sonderbares Gesicht, als er sein Weib im Unterrock, die Lampe in der Hand, und den Lehrling mit einer Latte vor seiner Schlafstubentür findet. Der Meister hat Courage. Nachdem die Geschichte erklärt ist, schließt er ohne Furcht die Türe auf. Da liegt ausgestreckt, den Kopf auf die gewaltigen Vordertatzen gelegt, mitten auf dem Bett des Meisters— Hektar.— Ohne sich zu rühren, nur mit dem Schwanz gemütlich über die ganze Bettbrcite streichend, läßt er ein faules Grunzen hören, wie einer, der damit sagen will— Herr Gott, wenn ich eingeschlossen bin und kein Mensch den ganzen Tag hier heraufkommt, dann kann ich doch nicht raus!— An die Tür kratzen tu ich auch nicht mehr— Gott bewahre?— und übrigens liegt sich's im Bett des Meisters tadellos— schade nur, daß es heut tagsüber nicht so gewettert hat, viel schöner wär's da gewesen. Stille— der Meister schaut die Meisterin an, die wieder den Meister. Dem Lehrbub zuckt's ein paarmal mächtig in der beknüppel- ten Hand und Hektar grunzt faul weiter, immer noch mit dem Schwanz des Meisters Kopfkissen glattbürstend.— Da räuspert sich die Meisterin und findet als Erste Worte:„Horch när, Ferdnand, su ein Wind draußen, da Hot sich gewieß Widder ens gehenkt!" . Eine Stunde später fährt der Lehrbub, neben sich Hektar, brav ziehend, den fertigen Sarg den einsamen, steilen Kirchberg hinan. Dann und wann schaut der Mond durch das zerrissene Gewölk und läßt so die Silhouette des Friedhofes mit den gespenstigen Kreuzen deutlicher erkennen. „Hektar!" sagt der Bub freundlich und strcickKlt dem Tier den Rücken. Der wedelt mit dem Schwänze und glaubt, fester anziehen zu sollen.— Dreiviertel auf zwölf schlägts von der Kirckie herab. „Hektar!"— der wirft den Kopf nach dem Lehrbuben und wedelt, daß der halbe Körper mit wackelt—„komm nur bisse! ran, altes gutes Luder!"-- Schon find die weitzgestrichenen Fenster- scheiden der Totenhalle hinter der Eingangspforte sichtbar— „Hektar, friert dich?— kommt bei mir."— Schwanzwedeln.-- Wie der Lehrling die Pforte aufschließt, hat er den Hund los- geschirrt und zieht, das Tier kurz an sich haltend, den Wagen selbst das Stück über den Friedhof bis zur Halle. „Hektar, komm, jetzt zieh ich, nein, das gibt's nicht, du hast dich genug den Berg herauf plagen müssen, altes gutes Luder! Wie der Lehrbub den Sarg allein, erst das Ober-, dann das Unterteil, in die Halle hineinträgt, hat er's dem Hund fest vcr- sprachen—„Hektar, heut abend schläfst du bei mir— nein, das gibts nicht, bei der Kälte bleibst du mir nicht draußen, niemals — niemals!" proletenwimlch. Die Dampfmaschinen sausen In dumpfen Mauern von Stein; Die Glücklichen da draußen Wandeln im Sonnenschein. WaS surren die Maschinen? Was schrcin sie in die Welt? „Geld verdienen! Geld verdienen! Die Neichen brauchen Geld!" Das schrein die Dampfmaschinen In kalten Mauern von Stein; Viel finstre Leidensmienen Suchen den Sonnenschein. Und einer von den Sklaven Spricht mit verbißnem Mund: „Ach, schlafen möcht ich. schlafen! Ich wollt', ich wär ein Hund!" __ Soli. Der vernebelte Dering. Um 2. September 1928 besuchten zwei Deutsche das„Bouillon- Restaurant"„ä la Tete de Veau" in Belfort. Der eine hieß Her- mann Glaesecke und war Oberlehrer in Plauen i. V. und auch im übrigen ein unbescholtener Mann. Der zweite, der Geschäfts- reisende Moritz Fackler aus Frankfurt a. M., war in Jassy geboren, aber dank der Naturalisation seines Vaters Jonas Fackler, der von Rumänien als Austauschpreuße gegen einen Hohenzollern geliefert worden war, ein deutschex Staatsbürger israelitischen Bekennt- nisseS. Hermann Glaesecke hatte mehrere Höhlen in den Vogesen (WaSgan) nach germanischen Langschädeln durchsucht. Fackler reiste in Westdeutschland und Frankreich für das Haus Zentner u. Fein- gold, Lederwaren— wie schon gesagt in Frankfurt a. M. Sie trafen einander beim Studium der ausgehängten Speise- karte des Restaurants, auf dessen Eingangstür in großen Goldbuch- staben zu lesen war:„Dejeuner 1 Fr. 15" und beschlossen, nachdem sie einander als deutsche Landsleute erkannt hatten, das Mittags- mahl gemeinsam einzunehmen. Dabei geschah abex da» Unerhörte, Als erster Gang war auf der Speisekarte:„Hors d'oeuvres" verzeichnet. Der bedienende Kellner stellte an die beiden Gäste eine Reihe Fragen mit welscher Zungcngeläufigkcit, die aber weder auf Moritz Fackler noch auf Hermann Glaesecke, der doch in seiner Schule gediegenen französischen Unterricht erteilte, Eindruck machte und nur mit einem Kopfnicken beantwortet wurde. Als der Kellner wiederkam, setzte er den Gästen zwei kleine Teller vor. „Ach, da sehn Se mal!" sagte Glaesecke mit einem ebenso diskreten wie gerecht-nationalbewußten Lächeln,„ein Bismarck- Hering!" Aber die Anerkennung blieb ihm im Mund stecken und seine Augen begannen zornig zu blitzen, als sie die Dimension des Fische? wahrnahmen. Glaesecke entschloß sich, für das, WaS er für sein gutes Recht ansah, einzustehen, klopfte mit dem Messer dröhnend ans Glas und sprach zum herbeieilenden Kellner:„Un Bismarck-Hering plus grand!"(Einen größeren Bismarckhering!) Es war offenbar böser Wille und Verachtung des GastrechtS, das doch Urgrund und Keim dcS Völkerrechts ist, daß der Franzose mit erstaunter Miene fragte:„Comment? Comment?"(Wie?), wozu er noch Bemerkungen fügte, die von einwandfreien Zeugen als brüske Bestreitung des Rechts auf Verabreichung größerer Heringe, als naturwissenschaftliche Betrachtung über den Unterschied von Hering udn Walfisch und als eine unfreundliche Jn-Bcziehung° Setzung des Betrags von 1 Fr. 15 und der geltend gemachten deutschen Ansprüche bezeichnet worden sind. Glaesecke wiederholte nun mit vernehmlicher Stimme seine For- derung nach einem größeren Bismarckhering, wobei ihn der weniger sprachkundige Fackler mit den Worten unterstützte:„Un grand Bismarck! Un- grand Bismarck!"(Ein großer Bismarck!) Dieser Ausruf erregte Unwillen unter einigen anderen fran- zösischen Gästen. Sie erlaubten sich abfällige Bemerkungen über die beiden Deutschen. Einer schrie:„A bas Bismarck!"(Nieder mit' Bismarck!) Dieser häßlichen Szene wohnten zwei Staats- becnnte bei: ein junger Telegraphenbote und ein alter Briefträger, die jedoch nicht intervenierten. Einer der Franzosen, ein etwa 14 jähriger junger Mann, trat sogar an den Tisch der Deutschen heran und streckte die Zunge heraus. Glaesecke aber hatte, wie schon ausführlich dargelegt, Hering und nicht Zunge verlangt. Von diesem Augenblick nahm der Streit eine wachsende Heftigkeit an. Dazu trug besonders bei, daß Fackler wegen seines mar- tialischen Aussehens für einen preußischen Gardeoffizier gehalten wurde. Einer der Franzosen äußerte die Vermutung, er habe Spionage getrieben und Festungspläne entwendet. Man entriß ihm seinen Musterkoffer. Glaesecke und Fackler sahen schließlich keinen anderen Aus- weg, als sich nach dem Bahnhof zu begeben. Glaesecke sperrte sich im Wartesaal erster Klasse ein— seine Karte lautete auf die dritte—, an dessen Tür der Bahnhofsvorsteher einen Bediensteten stellte. Fackler hielt sich an einem anderen Ort�verborgcn und sprang erst im letzten Augenblick auf den nach Deutschland ad- gehenden Zug. Sein Musterkoffer wurde ihm nachgeworfen um, erlitt dabei einige Beschädigungen. � Die alles war, wie anfangs bemerkt, am«eptember 1928 geschehen. Am 3. September brachte des„Echo de�Paris" einen wütenden Artikel über eine Bismarckfeier deutscher Provokateure in Beifort. Am gleichen Tag veröffentlicbte die„Straßburger Post" einen geharnischten Protest gegen die Gewalttätigkeit des französisckwn Volkes. Das Wolffsche Bureau telegraphierte 199 Zeilen, die „Deutsche Tageszeitung" widmete dem Vorfall 299, die„Post" 499, die„Tägliche Rundschau" 899. Die Alldeutschen forderten blutige Genugtuung. Konservative, Zentrum, National! ibcrale gaben bebende Entrüstung kund. Einzig das„Berliner Tageblatt" rief schüchtern zur Mäßigung, knüpfte aber an den Vorfall interessante Betrachtungen über das Unrecht, daß den deutschen Bürgern isracli- tischen Glaubens noch immer der Rang des Reserveoffiziers vorcni- halten wird. Es wies ferner in einer geistreichen Betrachtung darauf hin, daß auch Arndt Moritz geheißen habe. Am 4. September wurde die Deputiertenkammer zusammen- berufen. Zufälligerweise war auch der Reichstag beisammen, weil er die kaiserliche Luftjacht noch nicht bewilligt hatte. In Paris wurde Jaures mit dem Ruf: Bismarck! nieder- gebrüllt.. Im Reichstag legte der Reichskanzler dar, daß es sich.?cf™ gegebenen Fall um den schon 1913 don Bethmann Hollweg ilaNl,cy gekennzeichneten französischen Chauvinismus handele und sorverte soforfige Bewilligung von 3 Milliarden Mark und die Erhöhung des stehenden Heeres auf 2 649 990 Mann. �. In dieser süss das Reich so entscheidungsvollen Stunde wagte ein Sozialdemokrat das Wort zu ergreifen. Aber es erschien ein Leutnant und zehn Mann. � Am 5. September erfuhr man. daß die französische Regierung eine Scheinuntersuchung angeordnet habe. Ein Spezialkommipar ließ den Hering amtlich versiegeln und brachte ihn nach 4aris. Am 6. September forderte die deutsche Regierung durch ihren Pariser Botschafter, daß der Präsident der franzosychen Republik mit zwei Ninistern zur Sühne nach Berlin komme, den Hering den Spiel und Sport Arbeiter-Segeln. Zn den schönsten Sports, die es überhaupt gibt, gehört die Segelei. Beim Segeln wird Körper und Geist in gleicher Weise gebildet und erfrischt. Die körperliche Uebung besteht bei diesem Sport nicht aus einer Reihe vorgeschriebener und ausgeklügelter Bewegungen�, ergibt sich rein naturgemäß aus den gcge- benen Situationen. Da diese urplötzlich auftauchen und wechseln können, wird auch die Geistesgegenwart außerordentlich geübt. Und die Berührung mit der Natur, in der dieser Sport allein denkbar ist, erfrischt den ganzen Menschen. Für die Arbeiterschaft hat der Segelsport den einzigen Nachteil, daß er große Opfer von seinen Anhängern fordert. An der„Watcrkant" können diese vermindert werden, indem man die einfachsten Anforderungen an das Material stellt. Man sieht dort häufig Fischerboote oder fischerbootähnlichc Fahrzeuge ArbMern als Ersatz für die teueren Jachten der bc- sitzenden M.'ise dienen. Auf der Havel und Spree kann man zu solchem Ersatz nicht greifen. In jedes Seglers Herz lebt doch ein- mal der Wunsch, sich nicht andauernd von allen Fahrzeugen über- holen zu lasten. Auf der See fährt man fast ohne Konkurrenz, in den Berliner Gewässern aber segelt Boot hinter Boot und der billige und zu Touren gewiß brauchbare Fischerboottyp befriedigt hier nicht. Da ist es denn ein wahres Glück, daß im Rennbetricb der be- sitzenden Klasse Jahr für Jahr Boote abgestoßen werden, deren einziger Fehler darin besteht, daß sie von den allcrneuesten Erzeug- nissen der Schiffsbaukunst überholt wurden. Diese Boote dienen dann in dritter und vierter Hand dem Segelsport der Arbeiter. Der Segelklub„Fraternitas" ist wohl der hervorragendste unter den Klubs, denen auf der Spree Arbeiter angehören. Am Sonntag hielt er auf der Dahme und dem Seddinsee eine interne Regatta ab. 37 zum Teil hochmoderne Boote hatten sich gemeldet und waren mit wenigen Ausnahmen erschienen. Der schlechten Wind- Verhältnisse wegen mußte die Regatta erst um eine Stunde ver- schoben werden. Später gab es zeitweilig allzu viel Wind. Start und iiiel bildete das Restaurant„Sporthaus" in Köpenick. Durch den Start trieben die Boote nur. Bald aber bekamen sie Wind und bei Marienlust bot die gewaltige Flotte, mit halbem Wind segelnd, ein prachtvolles Bild. Im Seddinsee setzten die größeren Boote, um sicher zu fahren, alle Bcisegel. Auf der Rücktour mußte, weil inzwischen der Südwest mehr und mehr über West nach Norden drehte, aufgekreuzt werden. Mit dicken Wolken kamen schwere Böen herauf. Die„Aphrodite" kenterte in der Nähe der Einfahrt zum Sprce-Oderkanal und zwang dadurch auch andere Boote, die zur Hilfeleistung herbeieilten, ihre Chancen zu verscherzen. Tic aus vier Mann bestehende Besatzung konnte gerettet werden. Der Böe fielen auch noch andere nicht zu„Fraternitas" zählende Boote zum Opfer. Die großen Klassen waren inzwischen weit vorausgclaufen und die Flotte zog sich auseinander. Da fetzte eine neue Böe ein. „Mucki" brach ein Want und mußte deswegen in aussichtsreicher Stellung aufgeben, um sich nach Hause schleppen zu lassen. Auch andere Boote gaben auf. Wenn die unter solchen Umständen ge- fahrcne Regatta auch nur ein unklares Bild von der Leistungs- fähigkeit der Boote geben konnte, warf sie doch ein Helles Licht auf die Tüchtigkeit der Regler vom„Fraternitas". Die Resultate sind folgende: 2. Klaffe: Edelweitz-Harrn 4,59.43: 5,13.35. � Klasse: tNarvido-Lotte-Erich: Lotte hatte aufgegeben. Marvido 4,23,ua. Unch 4.33.24. 9. Klasse: Scestern 4,48.39. Viclliebchcn 4,22.57. Früh auf 4,21.23 4.09 Lola 4,15.13. Biaoo 4,31.24. Seerose 4,48.57.' Poseidon 7. Klasse: Gertrud 4,27.02. Liebling 4,25.53. Agate 4,20.07, wurde aber dlstanziert.. Klasse: Hedwig II 3,38,12. LeSmana war am Start nicht erschienen. o£l4e:£e6lJ iI 4'17-2fl- Werner 3.41,21. Triton II 4.15,35. 2. Klasse: Endlich 3,55.15. VcritaS 3,52.41. Die Klassen ö. 5, la, die wegen Hilfeleistung und Zlufgabc ausschieden. starten am 4. Mai.' Leichtathletische Wettkämpfe der Berliner Turnerinnen. Die gestrigen Wettkämpfe auf dem Treptower Turnplatz des Turnvereins„Fichte" zeigten wieder, daß das„schwache Geschlecht" in der Neuzeit dem„starken" immer mehr nacheifert. Trotz obli- gaten„Aprilwetters" mit Sturm; Regen und Kälte lag es wie ein Sonnenschein über dem Platz, als Frauen und Mädchen sich im Springen, Hürdenlauf usw. übten, munter und frisch den Speer warfen oder mit sicherer Hand den Fausrball weit über 30 Meter durch die Luft trieben. Das war ein lustiges Leben und Treiben, deutschen Behörden überliefere und den Kotau mache. In diesem Falle sei die Reichsregierung gerne bereit, die korrekten, ja freund. lxhen Beziehungen zu Frankreich fortzusetzen. Tie französische Regierung lehnte ab. Der deutsche Botschafter verließ Paris. Am 7. September begannen die Feindseligkeiten. 11" Krieg dauerte 9 Jahre. Es blieben auf deutscher Seite �. 7. Tote, 1 683 445 wurden verwundet, 3 285 679 Deutsche beiderlei Geschlechts starben an Seuchen, 9821 an Hunger. Der 5 �t.b'C Volkswirtschaft wird mit 164 Milliarden bemessen. Aber der blieb auf der Seite der Deutschen. Bei der Er- oberung von Paris fiel der versiegelte Hering in ihre Hände. wurde dann bei der Grundsteinlegung des neuen Sieges- denkmals in Berlin in die Erde versenkt. Die Feierlichkeit war sehr erhebend. Sämtliche 128 legitimen Urenkel Wilhelms II. wohnten ihr bei. Müsecke und Fackler haben am Krieg nicht teilgenommen. Aber der erstcre yielt am Tage der Berliner Grundsteinlegung eine An- sprach- an den Kriegervcrein zu Plauen i. V. kie Tochter seines Chefs, Baruch Feingold, mit 80 000 28-* t'�i. Zentner u. Feingold hatten an einer Tornister» lieferung zwei Millionen verdient. Der Widerstand des alten Feingold gegen die Partie brach angesichts der Tatsache, daß Fackler für einen preußii chen Offizjxx gehalten worden war, zusammen. Fackler ließ stw taufen. Bei seinen Kindern stand der greise Berliner Stadtverordnete Cassel Pate. Am 2. Juni 19-17 beschloß der wieder einberufene Reichstag, den 800 000 Kriegsli.validen zur zehnjährigen Feier des Sieges eine außerordentliche Ehrengabe von 100 000 M. zu widmen, um ihnen zu ermöglichen, am nunmehr doppelt denkwürdigen 2. Scp° tember einen Hering auf ihre Kartoffeln zu legen. _____________ O. P. Kleines feuületon. Der Fall Wilde neu aufgehellt. In London wird vor dem Obergericht zurzeit ern Prozetz des Lords Alfred Douglas gegen den Schriftsteller Ransome verhandelt. Douglas ist der Mann, zu dem der Dichter Oskar Wilde die Beziehungen unterhielt, die ihn Mitte der neunziger Jahre ms Buchthaus brachten. Der jetzt ver- bandelte Prozeß rührt die Wlldi.-.!>lare von neuem aus. Ransome wurde verklagt, weil er in emcm Buche über Wilde Briefe ver- ossentlicht. in denen der Dichter die Tragik seines Verhältnisses zu Douglas austlärt. Er er, cheint darin als das ausgebeutete Opfer des Lords. Wilde wollte mit den Briefen sein letztes Werk -De profundis" abschließen, aber mc Briefe wurden bei der Ve» öffentlichung nach WildcS Tode unterdruckt, vor allem nicht beengt durch die bei den Damen allgemein noch so beliebte, aber gesundheitsschädliche Einschnürung der wichtigsten Organe des Körpers. Denn beim Turnen mutz natürlich alles Beengende oder Hemmende wegfallen, wie sollten sonst die eleganten Sprünge oder das schnelle Laufen möglich sein? Die Turnerinnen tragen daher bei ihren Hebungen nur blaue Turnhosen und ge- streifte Sweater, so daß allen Anforderungen der Hygiene Rechnung getragen ist. Bei einer Gesamtboteiligmig von 90 Turnvereinen erzielten die höchste Punllzahl: 1. Schäfer(I.Abt.) 37 Punkte, 2. Borchhardt(I.Abt.) 53 Punkte, 3. Hagen(1. Abt) 52 Punkte, 4. Hennig(3. Abt.) 50 Punkte, 6. Frau Stolle(1. Abt.) 49 Punkte. Höchstleistungen waren: Speerwerfen: Schäfer 20,50 Meter weit. Stabweitspringen: Schäfer 5.t0 Meter, Faustball- Veitschlagen: Frau Stolle 36 Meter, H ü r d e n I a u s(100 Meter 2 Hürden): Hagen 14 Sek. Schauturnen der 8. M.-Abt., 18. und 19. L.-Abt. des Tv.„Fichte". Die 8. Männerabteilung und die zu derselben in engerer Or- ganisation stehende 8. und 19. LchrlingSabteilung des Turnvereins „Ficqte" feierten gestern ihr 15. Stiftungsfest durch ein gelungenes Schauturncm 90 Mann zeigten nach einem Aufmarsch schöne Stabübungen, denen sich Riegen- und Kürturnen an allen Geräten anschloß. Hier fielen die Leistungen der Riege im Freispringen, welche verschiedene Arten de? Sprunges zeigte, auf. Siafettculäufe der Lehrlingsab- teilung. Fechten, Ringen, Keulenschwingen uno Prellsprung der Männer bewies die Vielseitigkeit unserer Arbeitcrturnjugend. Pyramiden fast sämtlicher Teilnehmer und die bekannten Spiele ten das gelungene Turnen. Faustöall. Weißenscc-Schöncberg 3:2(0:0). DaS Entscheidungsspiel um die Meisterschaft von Groß-Berlin hatte zahlreiche Zuschaucr�her- beigeführt. In der ersten Halbzeit führte Schöneberg ein besseres Spiel vor wie Weitzensee, doch gclerng eS Schöneberg nicht, ein zähl- bares Resultat zu erzielen, so daß es mit 0:0 in die Halbzeit ging. In der zweiten Halbzeit zeigte Weitzensee besseres Spiel, so daß cS 3 Tore erzielen konnte, wahrend Schöneberg sich mit 2 Toren begnügen mußte. Damit hat Weißensee die Meisterschaft der 1. Klasse Groß-BcrlinS errungen. Tic Vorrunde zur Meisterschaft der Märkischen Spielvereini- gung sMitgl. d. A.-T.-B.) findet am 1. Juni zwischen Weitzensee und Luckcnwalocr Ballspiel-Verein statt. Weitere Resultere. Allemannia-Friedrichshagen— Verein für Bewegungsspiele- Friedrichshagen 2: 0. Fichte 15— Vorwärts-Reinickendorf 11:0. Radrennen auf der Olhmpiabahn. Tic am gestrigen Sonntag abgehaltenen Radrennen hatten unter der Ungunst des Wetters zu leiden. DaS unfreundliche Grau des Himmels lockte nicht allzuviele nach der Bahn hinaus. Dazu kamen einige Regensefcoucr, die das begonnene 100- Kilo- meterrcnnen unterbrachen und ein späteres Ausfahren wegen der Nässe der Bahn unmöglich mnchUn. Das Dauerrenncn soll heute abend 6 Uhr fortgesetzt werden. Der übrige Teil des Pro- gramms konnte erledigt werden. Hier hatte R ü t t Gelegenheit, sein Können zu zeigen, da er gegen 80 Fahrer in die Schranken trat und im Endlauf über Wegener, Finn und Peter siegte.— Im Zweisitzerfahren belegten Rütt-Peter den ersten Platz vor Kuoela-Wegcncr und Freiwald-Linscncr.— Eine Neuheit war das Rekordfahren über 2000 Meter hinter Motorführung. Die fünf Teilnehmer des Dauerrennens beteiligten sich hieran. S t c l l b r i n k erzielte mit 1 Min. 45)� Sek. die beste Zeit, dann folgten Nettclbeck(1:50�), Boschlin(1:55), Moran(1: 57'/») und Ebert(2: IS�). Der 190-Stundcnkculenschwingcr. Ein australischer Athlet, Tom Burrows mit Namen, gibt gegen- wärtig im englischen Truppenlager zu Aldershot ein Schauspiel ganz eigener Art. Ter Mann scheint an chronischem Stumpf sinn zu leiden, denn er hat sich anheischig gemacht, 100 Stunden lang un- ablässig Keulen zu schwingen und bei dieser an und für sich schon ganz unglaublichen Leistung setzt er sich noch eine� Minimal» gcschwindigkeit von 80 Schwingungen in der Minute,«seit Wochen schon ist er im Training, und er und seine Anhänger sind davon überzeugt, daß er das Wunderwerk vollbringen wird. UeberdieS hat er in Vaneouver schon einmal 82 Stunden lang Keulen geschivun- gen, ohne sich eine Ruhepause zu gönnen und ohne— was noch viel mehr sagen�will!— blödsinnig zu werden. Das sind so die Aus- wüchse des Sports! Wie eS aber Menschen geben kann, die, um den 100-Stundcnkeulenschwingcr in voller Tätigkeit zu sehen, Eintritt zahlen, wird allen vernünftig denkenden Leuten unbegreiflich er- scheinen! Noch mehr erstaunt wird man sein, daß diese Kraft- Vorstellung gewissermaßen unter den Auspizien der englischen Militärverwaltung vor sich geht. Englische Offiziere haben es näm- lich übernoyrmen, genau darüber zu wachen, daß der 100-Stunden- Theater. Schiller theater O. Geographie und Liebe, Komödie von Björn son. Das halbvcrgcsscne Lustspiel Björn» sonS brachte cS in feiner etwas altmodischen, hier und da an Vene- dix und Moser anklingenden Harmlosigkeit, durch flotte Darstellung getragen, zu einem angenehmen Heiterkeitserfolg. In seinem letz- ten Bühnenwerk, der prächtigen Komödie„Wenn der junge Wein blübt", schildert der Dichter eine Familie, deren gutmütig nach- giebiges Oberhaupt, von der emanzipierten, tcmperailicntvollen Gattin und dem lustigen Töchterchorus regelmäßig überstimmt, durch zeitweiliges Verschwinden den Eigensinn weiblicher Herzen rührt und die stärkere Hälfte sich zurück erobert. In diesem älte- ren Werke zeichnet er, nur sehr viel weniger originell und in An- lehnung an wohlbekannte Typen, das umgekehrte Bild. Die hübsche sanfte Frau Professor Thgesen straft ihren geographie-bcflissenen, cholerischen, zerstreuten Ehegemahl, der sie, in seine Studien ein- gesponnen, ohne es selber recht zu wissen, unleidlich tyrannisiert; sie tritt mit ihrer Freundin eine Reise an.— ein Boykott, der dem streitsüchtigen und selbstbewußten Herrn alsbald die Einsicht ver- schaft, daß Geographie allein— ohne Liebe— den Menschen auch nicht glücklich macht.� Ein Besuch oer Tochter, die er. um bei der Arbeit ungestört zu sein, in Pension geschickt hat: leitet die Sinnes- änderung und Versöhnung ein. Feinere Jronisicrung wechselt mit rein schwankhaften Einfällen. Arthur Menzel spielte den fanatischen Wissenschaftler in vielen Wendungen sehr amüsant und charakteristisch; nur der Unter- ton von Phantasie und Kindlichkeit, das Sympathische, das ihm die Liebe der Frau für alle Zeit gclvaun, kam vor lauter Nervosität nicht recht zum Ausdruck. Die Frau Professor und ihre Freundin waren durch Gertrud Dettmann und Hedwig Pauly an- mutend vertreten. Lueie E n l e r als Dienstmädchen und Marie Gundra als schnupfende Pflegemutter zeigten im Kleinkrieg mit dem gcfürchteten Bücherwurm drastisch-wjrksamen Possenhumor. Vicky P i st o r war ein munter liebenswürdiges Backfischtöchterchen. Humor und Satire. Gesang der Rüstungspatrioten. Frischauf, mein Volk, die Flammenzeichen rauchen, Schon sind die Hctzartikel flott lanciert, Freund Gontard wird den„Figaro" gebrauchen Und Schubert hat die„Post" bereits geschmiert, Krupp läßt sich die geheimsten Akten stehlen Und akkordiert dann mit der Konkurrenz. So, deutscher Esel, kanns nicht weiter fehlen,— Auf, in den Krieg, wenns geht, noch diesen Lenz! Es ist kein Krieg, von dem die Kronen wissen, (Der Kricgsminister weiß auch nichts davon. Wie Krupp um Deutschlands Ehre war beflissen Und auf dem Bauch kroch vor Napoleon.). keulenschwinger seine Schwingungen auch in regelrechter Form äuV- führt.'_ Vom Jahrmarkt des Lebens» Cm glüchUches Land. Preußen ist ein glückliches Land. Mit berechtigtem Neide blickt die ganze Welt auf unsere preußische Kultur. Demokraten und sonstige Königsmörder zwar spotten über unser Wahlrecht, aber sie vergessen ganz, daß das Wahlrecht sich harmonisch dem ganzen StaatSgefüge anpassen mutz. Für die Harmonie des Staates sorgt eine so auserwählte Musterkollektion erleuchteter Geister, daß wir lieber auf das Wahlrecht verzichten, um nur nicht die Leuchten der altpreußischcn Tugenden zu verlieren. Denn um sie beneidet uns die ganze Welt. Wo beispielsweise gibt es einen Mann wie unseren Januschaucr? Er kennt wie keiner die Psyche des preußischen Volkes. Mit der Geradheit, die ihn ziert, gibt er das Rezept:„Wenn der Preuße einen Ruck in die Kandare bekommt, dann geht der Schwanz in die Höhe!" Aber unser Oldenburg ist nur c i n Edelstein in der preußischen Krone. Da haben wir unseren I a g o w, der nach dem gleichen Rezept ver- fährt. Wie sorgt er durch Polizeiverordnungen für das leibliche und geistige Wohl seiner Untertanen! Und wo auf der ganzen weiten Welt finden wir einen so charakterfesten, religiös und patriotisch gesinnten Mann wie u n s er e n C a s s e l? O. wir wissen, warum man uns beneidet! Und nun erst die anderen, die uns niemand nachmachen kann! Der Landrat, der preußische Leutnant, der Schutzmann, die Schor- lcmer, Dallwitz, Lcntzc, kurz: die ganze große Schar der preußischen .Kulturträger. Wenn man den Namen Preußen hört, denkt mar? an sie alle. Sie gehören zu Preußen, wie die Laus zum Zigeunev- Sie opfern sich auf, damit wir sagen können: Preußen, ein glück» lichcs Land! l>ie Craekirng zur Disziplin. In den Debatten über den Militäretat führte der Kriegsministcr v. H e e r i n g e n als Argument gegen die Verkürzung der Dienst- zeit der Soldaten an, daß die jetzige Länge der Dienstzeit not- wendig sei, um sie zur Disziplin und zur Vaterlands- l i e b e zu erziehen. Einen recht sonderbaren Ausfluß der Disziplin konnte man jüngst in Düsseldorf erleben. In der rheinischen Metropole fand am 5. und 6. April eine internationaleAus- st ellung vonHunden aller Rassen statt. Bei derartigen Ausstellungen müssen Wärter die Hunde beaufsichtigen, ihnen Hundekuchen vorlegen, kurz, die Hund« versorgen. Ist der Aus- stcller nicht anwesend, so muß der Wärter die Hunde dem Preis- richtcrkollegium vorführen. Während nun sonst die Wärter Zivil- Personen sind, spielten auf der Düsseldorfer Ausstellung Mann- schaften des We st fäli scheu Ulanen- Regiments Nr. 5in Uniform Hundewärter. Mit einer weißen Binde am Arm, auf der„H u n d e w ä r t e t" stand, versahen sie unter Aufsicht eines Sergeanten ihren Dienst bei den hoch- und» edelgeborenen Kötern. Ein originelles Bild bot es, wie die Ulanen in ihrem Uniformsrock von früh bis spät pflichteifrig für die leiblichen Bedürfnisse der Hunde sorgten. Die nicht scharf genug zu verurteilende Benutzung von Solda- ten als Hundcwärter kann' nicht ohne Kenntnis hoher Militärs er- folgt sein. Gehörten doch dem Ehrenausschuß an: v. Nor- mann-LoShausen, Kommandeur des Wests. Ula- ncn-Regiments Nr. 5, Düsseldorf; Dieffenbach, Ko mmandcurdcr 28. In fantcrie-Brigade, Düffel- dors; v. d. Docken, Kommandeur der 14. Kavallerie- Brigade, Düsseldorf, und Eyzellenz v. Schenk, Ge- neral der Infanterie und General-Adjudant des Kaisers. Wahrscheinlich haben die Herren EhrcnauSschußmit- glicder bei ihrem Interesse für Hundezucht die Ausstellung besucht. Welche Empfindungen mögen sie gehabt haben, als sie sahen, wie Leute, die de? Königs Rock tragen zum Hundewärter dcgra- d i e r t waren. Vielleicht aber haben die Herren— vorausgesetzt, daß sie in der Ausstellung waren— auch keinerlei beschämende Empfindungen gehabt; bürgerliche Besucher jedoch empfanden die Verwendung von Soldaten als Hundcwärter als eine Schmach. Was sagt der Herr Kriegsminister zu der Erschließung eines neuen Arbeitsgebietes für das Militär? Ist der Hundewärter- dienst vielleicht auch eine Schule für Disziplin und Vaterlandsliebe? Nein, heute schallt ein KriegSruf durch die Lande, Wie noch kein Fürst, kein Feldherr ihn ersann: Laß schlachten dich, mein Volk, damit die Bande Gontard und Krupp Geschäfte machen kannl Was kümmern dich die Hügel deiner Leichen, Mein Volk, wenn solcher Preis dem Lande winkt? Doch Eines! Um dies Ziel auch zu crreieben, Verlangt die Staatsraison ganz unbedingt Im Fall des beiderseitigen Entleibens, Wie Vissings Korpsbcfehl es vorbedacht, Daß man die roten Gegner unsres Treibens Und etwa nicht uns selbst unschädlich macht. Fridolin. Notizen. — D i e deutsch-russische Uebereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und K u u st hat den Bundes- rat passiert und geht jetzt dem Reichstage zu. — V e r b e j> e r u i! g des Diphtherieserums? Heber ein neues von Behring hergestelltes Serum gegen Diphtherie ivurdc auf dein Wiesbadener Kongreß für innere Medizin berichtet. Das bisherige Verfahren zur Erreichung der passiven Immunität hat den Nackiteil, daß der erreichte Schutz schon nach wenigen Wochen zu Ende geht und bei wiederHollen Injektionen die Gefahr der lieber- empfindlichkeit feststeht. Beide Nachteile sollen durch daS neue Ver- fahren vermieden werden. — Der wiedererstandene Kaiserpreis. Die beut- s-ben Männergesangvercine rüsten zum Kaiserpreiswettsingen, das im Mai in Frankfurt a. M. aufleben wird. Der Wanderpreis des Kaisers, der den Kölnern bekanntlich von Dieben entführt worden war, ist glücklicherweise neu erstanden.(Was hätte das Singen sonst für einen Sinn?) Man hat eben einen neuen anfertigen lassen, und wenn die Kölner Glück Laben, können sie ihn wieder gewimien— und nochmals stehlen lassen. — Südamerikanische Forschungsreise. Der Frei- burger Privaidozent Koch-Grünberg hat seine Reise zur Er- forschuiig brasilianisch-venezuelaiiischer Grenzgebiete zum Abschluß gebracht und kehrt heim. Sie führte zu bemerkenswerten geographischen und völlerkuiidlicheu Ergebnissen. Der Forscher hatte mancherlei Berührungen mit Indianern von primitiver Kultur, die ohne feste Wohnsitze ivaren, in Horden umherschweiften und nie bis- her einen Weißen sahen. — Der letzte Wagen. Aus dem„Hannoverschen An- Zeiger" fischt der„Simplicissimus" folgende nachahmenswerte Ver- ordnung auf: Bei der zunehmenden Geschwindigkeit der Eisenbahn- züge hat man die Bemerkung gemacht, daß besonders der letzte Wagen der Züge stets ein sehr unangenehmes Schwanken und Stoßen zeigt. Besonders hat sich dieser Uebelstand im Leinctale bemerkbar gemacht auf der Strecke Hannover— Cassel, wo der Schienenstrang den vielen Windungen des Flusses folgen muß. Das Ministerium hat deshalb verfügt, daß der letzte Wagen nicht mehr anzuhängen ist,* fliegerelenä. Nicht weniger als 7Vs Millionen hat die Nationalflug- spende ergeben, und unzählige Millionen sollen von der Heeresverwaltung in den nächsten Jahren für die Fliegerei verausgabt werden. Da sollte man doch meinen, daß nicht nur die Flugzeugfabriken vollauf zu tun hätten, sondern daß es auch den Fliegern an lohnender Beschäftigung nicht mangelte. Aber das Gegenteil ist der Fall: die Flieger klagen über Veschäftigungslosigkcit, elende Bezahlung und unerhörte Zumutungen, die ihnen von den Herren Fabrikanten gestellt würden. Die von ferne so romantisch aussehende, gewinn- verheißende Fliegerei sei für die große Mehrzahl der'Flieger nichts als eine große Enttäuschung und Deniütigung. Für die Zumutung, täglich beim Einfliegen neuer Maschinen oder gar noch unerprobter neuer Typen das Leben zu riskieren, erhalte der Flieger nur ein erbärmliches Gehalt. Mache der Flieger aber„Kleinholz", so kümmere sich der Fabrikant häufig zuerst um den angerichteten Materialschaden, erst zu allerletzt interessiere es ihn, ob denn auch der Flieger heil ge- blieben sei. Auch die von der Verwaltung der Nationalflugspende ausgesetzten Prämien für Dauerflüge nützten der Mehrheit der Flieger nichts. Die festangestellten Flieger der Fabriken könnten sich wohl diese Preise holen, aber wer stelle den engagcmentsloscn Fliegern ein brauchbares Flugzeug zur Verfügung? Die Fabriken holten die ältesten„Kisten" aus dem Schuppen hervor, deren Motor nicht einmal am Stand eine Stundenleistung auShalte und offerierten sie dem Flieger gegen Abtretung von 700 M. des eventuell zu gewinnenden 1000 M.-Preises. Vertraue sich der Flieger einem solchen Seelenverkäufer an und gelinge ihm wirklich ein StundenslAA, so erwarte ihn— nach Abzug der 700 M. für die Flugzeug- fabrik, der Versicherungssumme an die Viktoria und sonstiger Unkosten— ein Gewinn von— 20 M. Das ist die Fliegerromantik! Das sind.die Gewinn- chancen der bei jedem Flug ihr Leben riskierenden„Luft- eroberer". Dabei hat die Verwaltung der Nationalflugspende jetzt einigen zwanzig Fabriken das Recht eingeräumt, bis zum Herbst je fünf Flieger auf Kosten der Flugspende auszubilden, die sich für die Fliegermiliz zu verpflichten bereit sind. Wie diese 100 Flieger später ihr Leben fristen sollen, wenn schon heute die Mehrheit der ausgebildeten Flieger sich ohne Engagenient und Verdienst durchlungern muß, ist völlig rätselhaft. Die Flugzeugfabriken freilich haben den Vorteil davon: sie können sich aus der„Reservearmee" der Flieger die brauchbarsten und gefügigsten Elemente aussuchen! fH» Sunlichr Seife ist die Parole am Reinmachcfag! Alles, was abgewaschen werden darf, verlangt nach der Wohl tat dieser Seife, denn ihr Erfolg istglanzendSie wirkt Wunder vom Keller zum Dach.vom Fussboden zur Decke. Email, Zink. Holz. Linoleum und Oelanstrich scheuert man am besten mit SunlichtSeifen-Lösung. Totol- Ausverkouf wegen Todesfalles Staunend billig: Damen-Konfektion Kleiderstoffe Seidenstoffe Waschstoffe Trikotagen Herren- W äsche Damen- und Kinder-Wäsche Leinen, Baumwollwaren, Inlets Gardinen \ Teppiche JuHib lioock BERLIN N Brunnenstralis 198° Elsasser SlraSe I am Rosenthaler Platz Verkaufszeiten: von 9— Vji und V23— g Uhr Sonntags von 12— 2 Uhr Wegen des kolossalen Andranges in den Nachmittagsstunden empfiehlt es sich, die Einkäufe möglichst vormittags zu besorgen. Stoffe für elesonte HaBanzöge, Ulster, Paletots Mir. 4.—, 6.—, 8.— M. etc. Damen■ Kostümsfoffe, Damentuche .Xeuheiton" Mtr. 2.—, 3.—, 4.— M. etc. Loden f. 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