Nr. 96. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Streuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 30. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 1983. Genossen und Genossinnen! Noch Der 1. Mai, der Weltfeiertag der Arbeit, naht. imposanter als früher muß das Proletariat seine Maifeier in diesem Jahre gestalten. Das Proletariat hat zum Schuhe für Leib und Leben der Arbeiter seit vielen Jahren wirksameren Arbeiterschuh, vor allem den Achtstundentag verlangt. Die Antwort war Hohn und Spoff. Staff verbessertem Urbeiterschutz gab es neue Steuern auf Lebensmittel und unentbehrliche Gebrauchsgegenstände. Die Arbeiterschaft forderte gegenüber dem behördlichen und Unternehmerterrorismus Sicherstellung des Koalitionsrechts. Man drohte dagegen mit weiterer Einschränkung, ja geradezu mit Bernichtung des Koalitionsrechts. Dienstag, den 22. April 1913. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Folgen des Krupp- Krachs. Die Treibereien gegen den Kriegsminister. Der arme Kriegsminister scheint sich durch sein Verhalten in der Krupp- Affäre recht unsanft zwischen zwei Stühle gesetzt zu haben. Im Reichstag hat es bei allen Parteien Unwillen und Erstaunen hervorgerufen, daß der Herr Minister, in dem Moment, wo er alles Wesentliche der Liebknechtschen Enthüllungen zugeben mußte, den Patriotismus der Firma zu preisen begann. Die Angriffe des„ Lok.- Anz." beweisen aber, daß Herr v. Heeringen den mächtigen Protektoren der Firma, dessen Beziehungen ja bis in die aller höchsten Kreise des Hofes und der Armee reichen, noch zu wenig getan hat War man im Reichstag geneigt, das merkwürdige Lob der Firma Krupp der notorischen Unbeholfenheit des Ministers zugute zu halten, so zeigt sich jezt deutlich, daß dies Urteil falsch und für den Kriegsminister noch zu günstig gewesen ist. geheuren Einfluß der Firma sehr genau kennt, sich von vornVielmehr suchte offenbar Herr v. Heeringen, der den unherein zu decken. Daß dieses Bestreben vergeblich gewesen ist, tann Herr v. Heeringen aus dem bereits erwähnten Die Arbeiterschaft forderte mehr Fürsorge für die Artikel des Lokal- Anzeiger" erkennen. Wieder spricht das Kranken, Invaliden und Veteranen, und ausreichende Hilfe sonst so regierungsfromme Blatt im Namen der Armee. für Witwen, Waisen und Säuglinge. Die Antwort lautete: Sriegsministers. Herr v. Heeringen hätte besser getan, Und es fordert nicht weniger als den Rücktritt des Das Reich hat kein Geld, denn es braucht seine Mittel für die Vertretung der Heeresvorlage einem Nachfolger zu übermehr Soldaten und Mordwaffen. So werden die Kulturauf- lassen, dessen Autorität durch keine Sünden der Vergangenheit geschmälert sei. Und dann heißt es: gaben vernachläffigt. Schier ungeheuerliche Summen müssen für Zwecke der Kriegsvorbereitungen aufgebracht werden. Seit Jahren jagt eine Rüstungsvorlage die andere. Bald handelt es sich um Heeres-, bald um Marinevorlagen. Und dem Beispiele Deutschlands folgen die übrigen Großftaaten Europas. Die Laften, die in diesem Jahre dem deutschen Bolte aufgebürdet werden sollen, sind unerhört. Nicht weniger als weitere 136 000 Soldaten werden gefordert. Frankreich, das nicht in der Lage ist, sein Heer in der gleichen Weise zu vergrößern, will aus Anlaß des deutschen Vorgehens einen Uusgleich dadurch herbeiführen, daß es wieder zur dreijährigen Dienstzeit zurückkehrt. Hüben und drüben also gesteigerte Borberzifungen zum Kriege. Unsere Maifeier fällt in die Zeit des preußischen Landtagswahlkampfes und fie foll benutzt werden, um Sturm zu laufen gegen die Feste der preußischen Reaktion. Entschloffener und rücksichtsloser als jemals muß deshalb der 1. Mai in diesem Jahre zu einer wuchtigen Demonftration des Proletariats werden. 4 Genoffen und Genoffinnen! Bereitet die Mai- Demonftrationen vor! Sorgt dafür, daß die diesjährige Maifeier alle früheren Veranstaltungen bei weitem übertrifft. Eindringlicher denn je zuvor muß es den herrschenden Gewalten in die Ohren gellen: Wir fordern volle ftaatsbürgerliche berechtigung! Alles für die Firma! So ficht man sich jetzt vor die Tatsache gestellt, die in der preußischen Armee mit ihrer vielgerühmten Disziplin bisher fast als unmöglich gehalten worden ist, daß Armeekreise eine Ministerstürzerei gegen den Kriegsminister betreiben. Die Tat sache ist zwar nicht mehr ganz neu, und der Kriegs minister ist es auch nicht allein, gegen den sich derartige mili. tärisch politische Quertreibereien richten. Sieß es doch in der„ Täglichen Rundschau", die diesen Quertreibereien schon längst ihre Spalten geöffnet hat, vor einigen Monaten, als man im Kriegsministerium die Vorarbeiten für die neue Wehrvorlage bereits in Angriff genommen hatte:" Das Kriegs. ministerium schläft." Derartige aus Armeetreisen stammende Kundgebungen gegen den Kriegsminister und gegen das gesamte Kriegsministerium sind höchst unerfreuliche Erscheinungen der neueren Zeit, auch wenn sie nicht so lebhaft an das politisch- militärische Jungtürtentum erimern würden, dessen Erfolge" wahrlich nicht zu einer Nachahmung im Deutschen Reiche anreizen können. Glaubt man etwa besonders dadurch, daß der Fall Krupp und die freundschaftlichen Beziehungen des Kaisers zur Familie Krupp sind ja bekannt so scharf und eingehend hervorgehoben wird, in deutsch- jungtürkischen Kreisen die Uebersendung der feidenen Schnur" beschleunigen zu können? " Es wird abzuwarten sein, welchen Erfolg diese Bestrebungen, den Kriegsminister v. Heeringen und mit ihm viels leicht auch noch einige andere hohe Offiziere aus dem Kriegsministerium zu stürzen, haben werden. Wir wollen in dieser Beziehung nicht prophezeien. Aber das glauben wir gegenüber den Stimmungen in Armeetreisen", wie sie der„ Berliner Lotal- Anzeiger" befundet, als eine Stimmung aus politischen Kreisen bezeichnen zu dürfen, daß mit derartigen politi. schen Kundgebungen aus militärischen Kreisen. der Armee selbst und insbesondere dem Zu standekommen der Wehrvorlage ein schlechter Dienst erwiesen wird." Daß der Kriegsminister auf die Anschuldigungen des Abg. Liebknecht gegen die Firma Krupp trok prinzipieller Verwahrungen doch näher einging, obwohl die Angelegenheit zurzeit bei den Gerichten anhängig ist, wird kaum noch mit irgendwelchen Nebenabsichten zu entschuldigen sein. Er scheint nicht bemerkt zu haben, daß es der Sozialdemokratie mur darauf ankam, durch stundenlanges Debattieren über Dinge, von denen einstweilen nichts Zuverlässiges bekannt ist, eine starke Suggestion auf die öffentliche Meinung und auf die Ges richte auszuüben, die mit der Prüfung der Angelegenheit befaßt sind. Sehr merkwürdig berührte es auch zu hören, In der Tat, wir sind in Deutschland zu daß der Kriegsminister mit Herrn Liebknecht, diesem 3uständen gekommen, wie sie etwa zur Zeit enragiertesten Feinde des preußischen Heeres, einen förmlichen der Affäre Dreyfus in Frankreich bestanden Paft einging, um ihn dazu zu bestimmen, sein Material gegen haben. Der Einfluß hoher Armeekreise auf die Strupp der Deffentlichkeit einstweilen vorzuenthalten. Wir müßten Regierung und die entscheidende Stelle" ist ein ganz uns über die Stimmungen in Armeetreisen sehr außerordentlicher geworden, und dieser Einfluß täuschen, wenn diese seltsame, aber wohl berbürgte Stunde wirkt zusammen und parallel mit dem des aus dem Reichstage nicht allenthalben mit ungläubigem Rüstungsfapitals. Beide Einflüsse vereinen sich jetzt, Staunen aufgenommen werden sollte." um im Fall Krupp zu retten, was zu retten ist. Die rüstungskapitalistische Presse hat den Auftrag erhalten, Liebknecht und die Sozialdemokratie zu verleumden und zu beschimpfen, und die Regierung soll gezwungen werden, so viel wie irgend möglich zu vertuschen. Krupp ist mächtig und weit und hoch hinauf reicht der Einfluß der Firma. Und alles für die Firma das ist gegenwärtig die nationale Parole! Soweit die Hintermänner des„ Lot.- Anz." Die Bedeu tung dieser Angriffe wird noch durch eine Erklärung an der Spize der die da lautet: „ Nordd. Allg. Zeitung" unterstrichen, Berliner Montagsblättter beschäftigen sich mit einem Artikel des„ Berliner Lokal- Anzeigers", der in der Tat dadurch auffällt, daß er im Zusammenhang mit den Reichstagsverhandlungen über die Kruppiche Angelegenheit völlig beplacierte Angriffe auf den Kriegsminister v. Heeringen richtet. Auf den haltlosen Vorwurf, daß dieser mit dem Abgeordneten Lieb Inecht einen Baft eingegangen sei, scheint sich uns eine Antwort zu erübrigen." Und doch wird alles vergeblich sein. Die Anftrengungen der Patriotarden beweisen aufs beste, daß an der Wahrheit der Enthüllungen Liebknechts nicht im geringsten zu zweifeln ist. Das weiß das deutsche Volf, und diese Ueberzeugung kann nicht mehr erschüttert werden, ob die Vertuschungsversuche nun gelingen oder ob die Regierung den Mut aufbringt, die Wahrheit rücksichtslos an den Tag zu bringen. Das frivole Spiel. Die letzte Bemerkung ist schon deshalb richtig, weil der Abg. Liebknecht natürlich weder Grund noch Neigung hatte, übrigen finden wir die Erklärung recht schichtern. Aber mit Herrn v. Heeringen einen Pakt abzuschließen. Im Aus Frankfurt a. M. meldet uns ein Privattele freilich, die Regierung weiß genau, welch mächtige gramm: Die Frankfurter Zeitung" nimmt zu den EntKreise sich hier im Interesse der Firma hüllungen unseres Genossen Liebknecht im Reichstage in einem LeitGleich- rupp und im eigenen an die Arbeit der artifel Stellung. Sie schreibt u. a.:„ Um ein Dokument von ebenso Minister stürzerei gemacht haben. Hat fie doch großer fulturhistorischer, wie staatshistorischer Bedeutung sind wir die Macht dieser Kreise zu fühlen bekommen, als sie gegen damit bereichert worden. Freilich um eines, zu dessen Kennzeich die eigene beffere Ueberzeugung zur Einbringung der nung kein. Wort der Entrüstung zu scharf sein kann. Der Reiche Heeresvorlage gezwungen wurde. tag hat ja mit einer Einmütigkeit, die von der VertuschungsWir fordern den Achtftundentag! Wir fordern befferen Arbeiterfchutz! Wir fordern gefichertes Koalitionsrecht! Wir erheben proteft gegen das Wettrüften! Nieder mit der neuen Deeresvorlage! Boch die Sozialdemokratie! Doch der Völkerfrieden! Berlin, den 21. 2pril 1913. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. In Wirklichkeit hat der Krupp- Skandal in diesem taftit der reaktionären Presse wohltuend absticht, und Miniſterſtürzungsversuch einen neuen geboren. Zeigt die fittlich das einzig Reinliche in dieser ganzen Affäre ist, sich doch auch darin die politische Diktatur, die sich sein Urteil über die von dem Abg. Liebknecht aufgedeckten Prakgewiffe hobe Kreise der Arme e anzumaßen wagen. tiken in der Rüstungsindustrie gefällt. Er hat insbesondere der Daß dem so ist, muß selbst ein so reaktionäres Blatt wie die Firma Krupp jetzt wohl flargemacht, was wir bereits am SameGermania" bestätigen. Das führende Zentrumsorgan tag an dieser Stelle geschrieben haben, daß nämlich alle Erschreibt: Die Stimmungen in Armeetreisen"... darin liegt das charakteristische Merkmal dieser ganzen Kundgebungen gegen den Kriegsminister v. Heeringen. Im„ Berliner Lokal- Anzeiger" befand sich auch der Artikel„ Die Forderungen der Armee" vor Bekanntwerden der Militärvorlage, worin der Kriegsminister offenbar von militärischer Seite angegriffen wurde, und als der Kriegsminister sich dagegen wehrte, hieß es auch, dieser Artifel sei aus der Voltaseele heraus" geschrieben worden. Aber mit derartigen Versuchen, den Verdacht der Urheberschaft von den wirklichen militärischen Urhebern abzulenken, wird man kein Glück haben. Wer die Stimmungen in Armeetreisen" richtig zu beurteilen glaubt, wird diese Stimmungen auch kennen, und er kann sie nur kennen, wenn er selbst den Armeetreifen angehört. " klärungen und Versicherungen der Firma jeht gar nichts mehr nüßen, daß vielmehr jetzt der Tatbestand schonungslos aufgedeckt werden muß, und daß nur aus einer solchen schonungslosen Untersuchung Klarheit über Schuld oder Nichtschuld der Firma gewonnen werden kann. Aber der Reichstag hat sein Interesse, wie uns scheint, allzuschr auf den Fall Krupp konzentriert. Das Gebaren der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken ist dadurch in seinen Debatten allzusehr in den Hintergrund getreten, und doch ist es nötig, dieses Gebaren in das hellste Licht der Oeffentlichkeit zu rüden. Denn dieser Fall ist, wenn möglich, noch skandalöser und gefährlicher als der andere. Das schallende Gelächter des Reichstags sei die einzigrichtige Antwort auf die Erklärung des Kriegsministers für den Brief der Deutschen Waffenund Munitionsfabriken gewesen." Nach einer Schilderung des Vorgehens der Geschäftsinter- essenten und der Hctzprcsse hüben und drüben fährt das Blatt fort: »Man kennt diese Methode. Aber zum ersten Male ist mit den, Briefe der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken jetzt wohl ein Fall dokumentarisch erwiesen, in dem tatsächlich das ganz gc- wohnliche Geschäftsinteresse der Nüstungsindustrie den Anstoß zu solchen Rüstimgsdebntten geben sollte oder gegeben hat. Zum ersten Male stehen die Zusammenhänge, die man bisher nur kombinierte, unumstößlich fest, ist es für aller Augen klar erkennbar, daß tat- sächlich mit dem Glück, dem Frieden und dem Wohl- stände der Völker ein frivoles Spiel getrieben worden ist, bloß damit einige industrielle Unteilf. nehmen vermehrte Bestellungen erhalten. Beschämen- dcrcs für unsere großkapitalistische Kultur, wie für das gegenwärtige politische Verhältnis der europäischen Völker konnte wohl nicht fest- gestellt werden. Aber damit kann der Fall unmöglich erledigt sein. Schon die Verwaltung der Gesellschaft müßte jetzt aus absolute rcst- lose Klarstellung drängen. Im Aufsichtsrat der Deut- schen Waffen- und Munitionsfabriken sitzen die Vertreter allererster deutscher Banken, so der Diskontogesellschaft, der Dresdener Bank u. a.; auch der Fürst Guido Henckel v. Donn e rs m a r ck und der Vizeadmiral | zur Disposition Hans Sack sitzen darin. Unendlich wichtig ist es ;■ jetzt, daß das deutsche Volk unbedingt Aufklärung haben muß. Wir wollen wissen, ob noch andere Briefe gleichen Charakters in den � Geheimarchiven der Rüstungsuntcrnchmungcn verborgen sind! Wir wollen wissen, welche Fäden von diesen Unternch- mungen zu den Hetzern des Rüstungswahnsinns diesseits und jenseits der Grenze führen! Wir wollen wissen, wie die berühmte 18l3-Stiinmung dieses Jubel- jahres finanziert worden ist! Also eine parlamentarische Unter- snchung, das ist das einzige, was die Luft wieder reinigen kann. Aber natürlich nur eine Untersuchung, die wirklich etwas aufzu- decken vermag. Darum verlangen wir nach den Beispielen anderer Länder die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungs- kommission mit richterlicher Kompetenz, die das Recht hat, die Vor- lcgung des Beweismaterials zu verlangen, die Z c u- gen eidlich zu vernehmen und deren Aussagen, genau wie der Richter, nötigenfalls auch zu erzwingen. Es ist eine von den vielen Rückständigkeitcn unseres konstitutionellen Lebens, daß wir solche parlamentarischen Untersuchungskommissioncn mit richtcr- lichen Kompctezen noch nicht kennen, und daß deshalb die Enqueten, die der Reichstag fordert, regelmäßig auslaufen wie das Hornberger Schießen; weil die Interessenten nur das Neben- sächliche aussagen und das Wichtigste verschweigen, da sie zur Aus- sage nicht gezwungen werden können. Das hat sich schon oft gerächt. Ter jetzige Fall aber ist so kraß, daß er unbedingt nötigt, auch auf diesem Gebiete mit dem alten Mißbrauch zu brechen und zur Aufdeckung diejenigen Methoden anzuwenden, die in fortgeschritte- ncren Ländern selbstverständlich wären und die allein zum Ziele führen können." Auch wir haben sofort die Einsetzung einer solchen parlamen tarischen Untersuchungskommission gefordert, und es wird mitgc teilt, daß auch das Zentrum eine entsprechende Resolution im Reichstag eingebracht hat. Nachmittag in Brüssel zu einer gewaltigen Demonstration. Die Streikenden bildeten Spalier. Tic Situation in Gent. Gent, 21. April.(Privattelegramm des„Bor wärts".) Heute haben allein in Gent 1000 Arbeiter, hauptsächlich Bauarbeiter, die Arbeit niedergelegt. Die Arbeitsruhe im Hafen ist vollständig. Wenn der Streik fortdauert, müßten auch die wenigen noch arbeitenden Fabriken infolge Kohlenmangel ihren Betrieb einstellen. Auch 200 Ausstellungsarbeitcr, größtenteils deutsche, sind in den Streik getreten. Lachen rechts! Das internationale Rüftungskapital am prangen London, 21. April.(Privattelegramm des„Vor wärts".) Die Enthüllungen Liebknechts haben in � tzggland gewaltiges Aufsehen erregt. Nur wenige Blätter haben die Angelegenheit bis jetzt kommentiert, doch befindet sich heute ein bemerkenswerter Leitartikel im„Daily Chronicle". Das Blatt schreibt: Die krönende Ironie in der Aufführung dieser Firmen� die von der Ausbeutung des Patriotismus leben, besteht darin, daß sie selbst von Patriotismus frei sind.„Chronicle" warnt aber davor, zu glauben, daß diese Einflüsse sich nur in Deutschland geltend machen.„Hier gibt es in Eng l a n d zum Beispiel die Herren Vickers und Maxim, die in Italien für die italienische Regierung DreadnoughtS bauen. In der Arithmetik unserer Flottenliga werden diese Schiffe als solche gezählt, gegen die unsere Regierung bauen muß, und so sichert dann eine patriotische Forderung neue Dreadnoughts, die für die Herren Vickers und Maxim oder ihre Kollegen vom Schiffbaukartell neue Bestellungen bedeuten." Es wird dann auf KeAechnIichkeit hin- gewiesen, die zwischen der Agitation der deutschen Panzerplatten- Patrioten und den englischen Jingos vor dem Burenkriege besteht. Auch damals habe man die englische Presse systematisch bearbeitet, falsche Nachrichten aus anderen Hauptstädten zu verbreiten gesucht und erfolgreich eine starke nationale Strömung auf die Mühlen der Kriegshetzer geleitet. Der Artikel schließt mit den Worten:„Die gegenseitigen Beziehungen zwischen der britischen Admiralität und den große» Kriegsschifsirmen sind nicht weniger intim(als die zwischen.Krupp und deutsche Regierung), hoffen wir, daß sie nicht dieselben schlimmen Merkmale aufweisen, aber erkennen wir an, daß sie diese fast notwendigerweise aufweisen müssen, wenn nicht un- ablässig acht gegeben wird." Der„Figaro", das Pariser Blatt, das in dem Brief der„Deut- schen Waffen- und Munitionsfabriken" genannt worden ist, stellt die Frage, wann ein Artikel der in dem Schreiben bezeichneten Art in seinen Spalten erschienen sei. Diese Frage ist für uns recht nebensächlich. Uns interessiert nicht, ob der Versuch beim „Figaro" oder einem anderen Blatt damals gelungen ist, sondern daß er von der deutschen Rüstungsfirma unternommen wor- den ist. ver Generalstreik in Belgien. Tie zweite Strcikwochc. Brüssel, 21. April.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Der Beginn der zweiten Woche zeigt eine weitere AusdehnungdcrArbeitsruhe. JnAnt- w e r p c n streiken jetzt auch die D i a m a n t a r b e i t e r. In (Jenire, Verviers, Liittich, Gent, Charleroi, Alost und Brüssel ist der Zuwachs besonders in der Schneiderei, im Baugewerbe, im Metall- und im Buchgewerbe zu verzeichnen. Brüssel hat jetzt über 30(IM Streikende, davon 8000 Metallarbeiter. Auch die La t e r n c n a n z ü n d e r haben für morgen ge- kündigt. In den sonstigen Bezirken ist die Situation des Streiks unverändert. Die heutige Demonstration in S e r a i n g verlief großartig und ruhig. Das Polizeipräsidium von Gent meldet, es habe nie so wenig Uebertretungen zu verzeichnen gehabt, wie in voriger Woche. Die Brüssel erThcater nahmen in voriger Woche 50 Proz. weniger ein als sonst. Ter Güterwagen verkehr vom Kohlenzentrum nach La Louviere hatte normalerweise 2600 Wagen täglich; dieser Per- kehr ist auf 50 Wagen täglich zurückgegangen. Die Beerdigung des radikalen Abgeordneten und Vor- kämpfers d Pfennig abgegeben. Um wenigstens einen Teil der Mehrkosten decken zu können, laden wir eine kleine Zahlangesehener Firmen zur Insertion ein. Wir bitten Sie im Jnter- esse der großen und wichtigen Sache, Ihre Mitwirkung dabei nicht versagen und gleichfalls eine Anzeige aufgeben zu wollen. Wird doch bei der gewaltigen Auflage des Ka- lenders und seiner Verbreitung durch ganz Deutschland diese Mitwirkung auch kaufmännisch von besonderem Erfolge sein. Berlin, den 18. April 1913. Der Aud'chutz: Zedlitz, v. Loebell, sechandlungspräsident a. D. Wirklicher Geheimer Rat. Mitglied deS Ülbgeordnetenhauses. Oberpräsident a. T. Vertreter der Parteien: M. Erzberger. Paul Fuhrmann, v. Dewitz. Graf Westarp." Herr Richard Nordhausen, der Allerweltsjournalist, wird also ein„großes nationales" Ausklärungsmittel schaffen— selbstverständlich gegen hohe Bezahlung. Deshalb heran ihr Armee- und Marinelieferanten, gebt schöne Anzeigen auf und berappt hohe Jnsertionsgebühren, damit die Kosten gedeckt werden und noch ansehnliche Extraprofite abfallen. Hoch das Vaterland und der Profit! Wie man sieht weckt das Beispiel der Leipziger„Illustrierten Zeitung" Nachahmung— denn das Geschäft bringt etwas ein. Gin örtermchirch- bulganfchcr Geheim vertrag. London, 21. April. Tie„Daily Mail" läßt sich aus Belgrad melden, daß zwischen Oesterreich und Bulgarien ein geheimes Ab- kommen bestehe, demzufolge sich beide Staaten gegenseitige Hilfe- leistung zu sichern, falls einer von ihnen in kriegerische Berwicke- lungen mit Serbien geraten sollte. Dieses Abkommen sei durch die Indiskretion eines untergeordneten diplomatischen Beamten bc- kannt geworden. Diese Bestimmung sei auf Anregung König Ferdinands einem bereits bestehenden Vertrage zwischen Oester- reich und Bulgarien gelegentlich eines Besuches des Zaren Ferdinand im vergangenen Sommer in Ungarn hinzugefügt worden. Der erste Vertrag stammt bereits aus dem Jahre 1908, aus der Zeit, als Oesterreich Bosnien und die Herzegowina annektierte. Bei dieser Gelegenheit war es gewesen, daß Zar Ferdinand von der Sobranje die Ermächtigung forderte, ohne vorherige Zu- stimmung des Parlaments Staatsverträge abzuschließen. Abzug der Serben von Skutari. Wien, 21. April. In San Giovanni di Medua herrscht, der „Neuen Freien Presse" zufolge, große Bewegung. Di« serbischen Belagerungstruppen von Skutari rücken staffelweise mit Gepäck und Artillerie ein und bereiten sich zur Einschiffung auf di« griechische Transportflotte vor, welche sie über Saloniki befördern wird. Freigabe türkischer Kriegsgefangener. Konstantinovcl, 21. April. Die Pforte hat die von Griechenland aufgestellten Bedingungen für die Rücksendung der Kriegsgefan- genen angenommen. 5000 Kriegsgefangene werden in Mersina an Land gesetzt werden. Griechenland wird seine Truppen von Chios zurückziehen. Eine Sitzung der serbischen Skupschtina. Belgrad, 21. April. Skupschtina. Bei der VerHand- lung der Gesetzesvorlage, wonach das für 1912 angenommene Budget auch für 1913 bewilligt wird, erklärte Der Finanzminister, daß die Regierung infolge des Krieges und der hierdurch verur- sachten außergewöhnlichen Verhältnisse in der staatlichen Admi- nistration außerstande wäre, den Staatsvoranschlag für das laufende Jahr aufzustellen. Der Minister ersuchte deshalb die Skupschtina, das vorjährige Budget auch für das Jahr 1913 zu bewilligen. Der Jungradikale Draskowic vedvieS namens seiner Partei da-auf, daß das Vorgehen der Regierung dem Geiste der Verfassung und dem Finanzgesetz widerspreche, weshalb die jungradikale Partei gegen die Vorlage stimmen werde. Der sozialdemokratische Abgeordnete Katz- lerowic kritisierte in scharfer Weise die innere und die äußere Politik der Regierung und wies auf die Gefahr hin, welche durch eine übermäßige Bevorzugung der Armee, insbesondere des Offi- zierkorps, für die Zivilstaatsgewalt entstehen könne. Der gegen- wärtige Balkanbund sei offenkundig auf sandiger Grundlage aufgebaut worden. Serbien müßte die Jni- tiative zu einer demokratischen Konföderation der Balkan st aaten ergreifen. Der Parteiführer der Nationalisten Vcja Velkovic lehnte die Vorlage aus Mißtrauen gegen die auswärtige Politik der Regierung ab, welche besonders in der Frage des Bünd- ni s s e s mit Bulgarien sich als planlos erwiesen habe. Ministerpräsident P a s i t s ch führte aus, daß die Regierung im Geiste der Verfassung regiere. Eine Einberufung der Skupschtina während des Krieges sei nicht möglich gewesen. Die Regierung beabsichtige nicht, nach Bewilligung des Budgets die Session der Skupschtina zu schließen. Der Ministerpräsident müsse entschieden die tapfere serbische Armee, insbesondere das Offizierskorps gegen die Angriffe in Schutz nehmen, die der Abgeordnete Katzlerowic gegen sie gerichtet habe. Die auswärtige Politik Serbiens sei folgerichtig und nicht planlos. fU'r Mrflltimgl Die Vorstände der deutschen und der französischen Friedens- gesellschaft werden sich in einem Aufrufe an die Oeffentlichkeit, eine Verständigung über die Rüstungsbeschränkung herbeizu- führen. In dem Aufruf heißt es: Enorm ist seit Jahrzehnten die Steigerung der Rüstungslasten. Die fünf Mächte, die heute im Dreibund und im Zweibund gruppiert sind, hatten im Jabre 1890/97, zurzeit, da der Zwei- bund abgeschlossen wurde. Militär- und Marinebudgets in der Höhe von reichlich 2>/z Milliarden Mark, fast gleich- mäßig auf beide Mächtegruppen verteilt. Schuldzinsen und andere Nebenetats nicht gerechnet. Heute, nach 16 Jahren, ist diese Rüstungslast auf nahezu fünf Milliarden jährlich an- gewachsen: die Verteilung auf Dreibund und Zweibund ist die gleiche geblieben. Die weitere Rüstungsvermehrung, die heute den Völkern zu- gemutet wird, ist so u n g e h e u e r I i ch wie noch niemals irgend eine zuvor. Noch niemals aber ist es auch so einleuchtend ge- wesen, daß diese riesigen Anstrengungen ihren Zweck vollkommen verfehlen. Ist es nicht ein Gebot des gesunden Menschenverstandes, sich dahin zu v e r st ä n d i g e n, daß man gleichzeitig und gleich- mäßig auf Maßnahmen, die einen so furchtbaren Druck erzeugen und die noch dazu sofort durch Gegenmaßnahmen unwirksam ge- macht werden, verzichtet? Jeder Vernünftige erkennt: So können die Dinge auf die Dauer nicht weitergehen! Jeder empfindet heute mehr als je die Sinn- und Nutzlosigkeit dieses Rüstungswettkampfcs. Und doch ergeben sich Millionen unserer Mitbürger darein, wie in ein unabwendbares Fatum. Ist das würdig politisch mündiger Nationen? Wenn die Regierungen und Parlamente sich nicht entschließen, diesen Weg zu gehe«, so wird man zu spät erkennen, wie berechtigt unsere Mahnung war. Die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Fraglich bleibt vorerst nur, ivann die bürgerlichen Friedensfreunde von den Worten zu Taten übergehen und die Rüstungsvorlagen verweigern lverden. frankreicb. Eaillaux gegen die dreijährige Dienstzeit. Paris, 21. April. Der frühere Ministerpräsident Eaillaux hielt vor seinen Wählern in Prevclles(Departement Sarthe) eine Rede, in der er erklärte, er könne die Militärvorlagen. besonders das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit, nicht als Dogmen ansehen. Er lehne den von den Sozialisten befürworteten Gedanken einer Milizarmec ab, aber ebenso sei er ein Gegner einer B e r u f s a r m e e. Er sei ein Anhänger der Idee des Volkes in Waffen, welches in der Zeit der Gefahr bereit sei, das Vaterland in Reih und Glied mit der aktiven Armee gegen den Angreifer zu verteidigen. Man müsse sich das Beispiel der Balkan- armee vor Augen halten, die mit Soldaten, von denen die jüngsten über 35 Jahre alt waren, Adrianopel eroberten. Zum Schluß forderte Eaillaux die Abschaffung aller Ungleichheiten und Vor- rechte, die unter dem Schutze der bestehenden Wehrgesetze entstanden seien. Er wolle von den Bürgern für den Militärdienst nur die unerläßlichsten Opfer verlangen. Er werde alle Vorschläge be- kämpfen, die in der französischen Armee eine Aristokratie schaffen könnten. Lelgien. Ein Volksfreund. Brüssel, 20. April.(Eig. Ber.) Während das belgische Prole- tariat seinen grandiosen Kampf für sein Recht auSsicht, kommt die Nachricht vom Tode Paul Jansons, her aufrecht und tapfer Zeit seines Lebens für diese» Recht und alle anderen demokratischen Forderungen die Kraft seines Wortes und seiner politischen Person- lichkeit eingesetzt hat. Aller billigen, demagogischen Phraseologie ab- hold. Hot Janson den demokratischen Ideen und einem rein empfun- denen demokratischen Ideal seine ganze Kraft gewidmet und fast in allen großen Kämpfen— insbesondere für daS Wahlrecht und die freie Schule, den obligatorische» Unterricht, für die persönliche Dienstpflicht, gegen den politischen Klerikalismus und die Macht der Kirche— wegbahnend und mutvoll hervorgetreten. Daß daS belgische Proletariat heute, mitten im wogenden Kampf Paul Jansens gedenkt, daß die streikenden Kämpfer hinter seinem Sarge gehen, einer der ihren Dank und ehrenvolles Erinnern des Proletariats aussprechen wird. daS zeugt mehr als jede Lobeshymne von der Anerkennung des Volkes für Leben und Arbeit des Ver- storbenen. Janson wurde 73 Jahre alt. Er gehörte der Kammer mit Unterbrechungen seit 1877 an. Seit 1912 war Janson„Staats- minister". Janson war einer der angesehensten, berühmtesten Advokaten Belgiens und alle großen Prozesse sind mit seinem Namen verbunden. Auch als Verteidiger suchte er nur dem Recht und dem Rechten zu dienen. Unvergeßlich aber wird Janson vor allem dadurch bleiben, daß er als einer der Ersten, wenn nicht als Erster das Privilegien- Wahlrecht bekämpft hat. Lhina. Eine Wendung in der mongolischen Politik. Die Besserung der politischen Situation in China, die An- Näherung zwischen China und Japan, der Rücktritt der Vereinigten Staaten von dem Sechsinächtekonzern und die damit eingeleitete Annäherung zwischen der chinesischen und der nordamerikanischen Republik— alle dies« Momente haben bereits eine gewisse Wen- dung in der mongolischen Frage herbeigeführt. Ter Hutuchtu in Urga, das geistliche und politische Oberhaupt der Mongolei, daS vornehmlich als Werkzeug der russischen Eroberungspolitik dient, hat sich bereits einverstanden erklärt, mit der chinesischen Regierung in Unterhandlung zu treten. Andererseits sucht auch die Pekinger Regierung einen versöhnlichen Ton anzuschlagen, um den Konflikt mit der Mongolei aus friedlichem Wege zu schlichten, und so der rufst- scheu Politik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Usber diese Wendung in der mongolischen Politik schreibt die Petersburger „Rjetsch", die in diplomatischen Dingen gut unierrichtet ist, fol- gendes:„Die Nachgiebigkeit des Hutuchtu, der bisher alle Unter- Handlungen mit China entschieden ablehnte, erklärt sich zsfenbar durch innere Verwickelungen in der Mongolei, verstärkt durch die Streitigkeiten unter den Fürsten und verschärft durch die Beziehun- gen zwischen dem Hutuchtu und den Fürsten, die mit seiner Politik unzufrieden sind. Tie oppositionelle Bewegung hat in der: letzten Zeit einen bedrohlichen Umfang angenommen; viele Fürsten drohen dem Hutuchtu, daß sie sich China anschließen werden. Andererseits drückt auch die mongolische Bevölkerung, die unter den erhöhten Steuern und Rekrutenaushebungen zu leiden hat, ihre Unzuftiedcn- heit mit der neuen Lage aus und will zu den früheren Mrhäli- nissen zurückkehren. Es heißt ferner, daß die nach Petersbuez cnt- sandte außerordentliche Gesandtschaft, die jetzt zurückgekehrt ist, die Erwartungen des Hutuchtu getäuscht und ihn zu dem Einschluß gebracht hat, mit China in Unterhandlungen zu treten." Mrokko. Verlustreiche Kämpfe. Paris, 21. April. Wie aus Merada von gestern gemeldet vird, hat eine französische Kolonne eine 2000 Gewehre starke Harkvy. die sich in der Nähe des Postens von Necklila gesammelt hatte, zerstreut,. Das Lager der Harka wurde zerstört. Ter Feind hotte zahlreiche Tote. Auf feiten der Kolonne wurden vier Man n getötet und 17 verwundet, darunter zwei Offiziere. Hm Induftric und Ftendel Wilsons Thronrede und der neue Zolltarif. Die Aussichten für ein persönliches Regiment sind unter de'« neuen demokratischen Regime in Washington nicht übel. Die new: Zolltaril-Bill, die dem 63. Bundeskongreß am 8. April in den Augenblick seiner Eröffnung zuging, wird von Freund und Feint der Maßregel als„Administrations-Bill" oder direkt als„Wilson- Bill" bezeichnet, und der neue Herr des Weißen Hauses, Präsident: Woodrow Wilson, hat eine mehr als hundertjährige Tradition bei-. feite gesetzt, indem er sich in eigener, allerhöchster Person zur Ver- lesung seiner Zolltarifbotschaft nach dem Kapital begab. Die Parteigegner nicht nur, selbst„originale Wilson-Leute"— worunter man die Macher der Wilson-Kandidatur im demokratischen Nominationskonvent versteht— sprechen von einer„Thronrede" Wilsons vor versammeltem Parlamente und werfen ihm billige Nachahmung monarchischen Pomps vor. Der nordamerikanischen Riwublik fehlt bekanntlich die Institution der Ministerpräsidenten. wie überhaupt eine offizielle Berührung der Minister mtt der Volksvertretung. Wilson will nun offenbar sein eigener Minister« Präsident sein, wie er schon sein eigener Zolltarifausschuß gewesew ist. Er geht dabei ein persönliches Wagnis ein. Der parlamen- tarische Mißerfolg eines Zolltarifgesetzes, für das er sich selber in so dramatischer, um nicht zu sagen, sensationeller Weise eingesetzt hat, würde jetzt eine persönliche Niederlage des Präsidenten be- deuten, und wie viele Klippen das Tarifschifflein im Kongreß zu fürchten hat, weiß Wilson am besten, weshalb er bereits von vorn- herein mit der„Berufung ans Volk", daß heißt, mit einem schweren Parteikrach bei den Wahlen von 1916, droht. Tie Gefahr lauert im Oberhause des Bundesparlaments, dem Senat, im Volke ..Millionärskammer" genannt. Jeder einzelne dieser Dandes ist Sachwalter irgendeines Trusts oder der in seinem Staate die längste Pfeife rauchenden kapitalistischen Jnteressenten-Clique, und so alt der amerikanische Schutzzoll ist, so lange sind auch die Tarifsätze schließlich immer von den schachernden und mogelnden Ehrengreisen des Bundessenats normiert worden, unter gebieten» der Mitwirkung ihrer kapitalistischen Vettern aus dem Lande, die als„Zeugen" in den öffentlichen Parlamentsverhören zum Tarif- gesetz— auch eine spezifisch-amerikanische Einrichtung, die natür- lich in der Praxis nur den kapitalistischen Interessenten zugute kommt— wochenlang das Kapital umlagern. Und die„Woll- und Zuckcr-Senatoren" haben dem Präsidenten, der sein eigenes Tarif- gesetz machen will, bereits ihre Absage geschickt. Der Wilsonsche Entwurf hob jeden Zoll auf Rohwolle überhaupt auf und«- mäßigt den Zuckerzoll um 25 Proz., wobei vollständige Zollfreiheit des Zuckers bis zum Jahre 1916 vorgesehen ist. Zucker- und Woll- zölle sind aber, neben den Wollwarenzöllen des berühmten „Schodule"(Klasse G des Aldrich-Tarifes), die heiligsten Güter der amerikanischen Protektionswirtschaft, und die(demokratischen!) Senatoren der Zucker- und Wollstaaten verteidigen„ihre" Zölle denn auch mit wütenl�r Entschiedenheit, wie sie für die Wahrung der Konstitution, der Unabhängigkeitserklärung oder die Erklärung der Menschenrechte nie und nimmer ins Zeug gehen würden. Die New Uorkcr„World", das Hauptorgan der demokratischen Partei, spricht denn auch bereits von Parteizcrklüftung und Parteiverrat. Es bereitet sich zurzeit, wenn sich die hauptsächlich beteiligten Par- teien darüber auch noch nicht klar sind, ein Kampf der radikalen Demokratie mit dem Oberhause des Parlaments, ähnlich dem An- stürm auf die englische Lordskammer vor, und einen ganz wesent- liehen Schritt in der Richtung einer Beschränkung der Senats- Prärogative bringt schon der Wilsontarif mit der Bestimmung, daß der Präsident befugt sei, Handelsvertragsverhandlungen anzu- knüpfen und die so zustande gekommenen Verträge nur der ein- fachen Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses bedürfen, um Gesetz zu werden. Bisher war es das exklusive Recht des Senats, Verträge mit auswärtigen Mächten zu ratifizieren, und zwar war dazu Zweidrittelmehrheit erfordert. Bekanntlich fcheiter- ten hieran die Friedens- und Schiedsgerichtsverträge des Präsiden- ten Taft. Das Hauskomitee, das den Zolltarifentwurf formell „einberichtet"— dem Hause zur Annahme unterbreitet— hat erklärt, in klarem Englisch, das an Llohd George anklingt, der Senat sei„nicht direkter Vertreter der Mehrheit des Volkes der Vereinig- ten Staaten". Uebrigens ist es wahrscheinlich, daß in Zeit von einem Jahre eine Verfassungsänderung zustande kommen wird, die jenes mächtige Bollwerk der Trustintcrcssenten und der politi- scheu Reaktion zu Falle bringt, und zawr einfach durch Einführung der direkten Volkswahlen zum Senat, der bisher bekanntlich eine Art Telegatenversammlung der einzelstaatlichen Parlamente bildet. Für das nichtamcrikanische Publikum, soweit es nicht, wie die Arbeiter, an dem innerpolitischen Fortschritt in der großen Republik ideellen Anteil nimmt, ist der weitaus wichtigste Punkt in der„Wilsonbill" natürlich der Uebergang zur HandelSver- tragspolitik. Der Aldrichtarif nahm noch von sämtlichen handeltreibenden Völkern des Erdballs ohne weiteres alle und jede Vergünstigung in Anspruch, die diese sich nach dem vertraglich fest- gesetzten Verhältnis von Leistung und Gegenleistung gegenseitig eingeräumt hatten, und im Weigerungsfalle konnten die erpresseri- scheu Reaktion zu Falle bringt, und zwar einfach durch Einführung ist es der reguläre Tarif des Zollgesctzes, der als Maximaltarif gedacht ist, wobei der Präsident bei gehörigen Zugeständnissen seitens anderer Nationen Ermäßigungen eintreten lassen kann. Ueber den allgemeinen Charakter des Tarifs als einer„Abwärts- revision" der alten Zollsätze ist die deutsche Presse bereits durch das Kabel unterrichtet; auf die Details weiter einzugehen, erübrigt sich bisher, da keine amerikanische Tarifbill in ihrer Original- sassung Gesetz wird, und hiervon wird auch die„Wilsonbill" trotz des oratorischen Donners vom Throne keine Ausnahme machen. Ein Telegramm meldet weiter: der demokratische A u s i ch u ß des Repräsentantenhauses hat mit überwältigen- der Mehrheit die gesamte Tarifrevisionsbill mit nur wenigen, unbedeutenden Aendcrungen angenommen. Die Bill wird am Montag durch Underwood im Repräsen« tantenhause wieder eingebracht werden. Underwood glaubt, die Annahme der Bill bis zum 11. Mai voraussagen zu können. Gew�hrcbaftUcbes. Berlin und Umgegend. Scf/lsung, Bauarbeiter! In der..Morgenpost" sucht ein Herr Chr. F>!.angold Maurer und hauptsächlich Putzer nach Holstein. ohne dcnn Ort näher zu bezeichnen. Den sich meldenden Arbeitern wurde t.ei Antritt der Reise Neustadt in Solstein als Arbeitsort bezeichn»'t. Jetzt stellt sich aber heraus, daß die verlangten Ar- beitskrrjlste als Streikbrecher nach dem Ostseebad Grömitz sollen. wo Meaircr und Hilfsarbeiter seit Wochen im Streik stehen, um ihre LiSoenslage den verteuerten Verhältnissen entsprechend auszu- bessern. Ilster Hinweis aus obige Tatsache warnen wir alle Maurer, Putzert und Hilfsarbeiter davor. Arbeilsangebote nach Holstein. besonl»!rs nach Neustadt und Grömitz anzunehmen, da sie nur als EtreitK Lecher gebraucht werden sollen. Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes Zweigverein Berlin. lj istenmacher! Recht eigenartige Verhältnisse herrschen in der Kiste». fabrik von Hermann G r a m sch, Dresdener Straße 97. Die Firn»a, die 1912 den Vertrag ohne Arbeitsniederlegung anerkannte, versi/ chic in letzter Zeit verschiedentlich den Tarif zu umgehen. 3 Im Lohnreduzierungen vornehmen zu können, ließ die Firma durch. Heinzelmännchen zwei Drittel der Arbeit des Nachts fertig- stellen, wodurch den dortselbst beschäftigten Kollegen die Arbeit ent- zogis.i wurde und sie gezwungen waren, die Arbeit niederzulegen. Zust besseren Durchfuhrung ihres Vorhabens ließ die Firma die Feiester mit Brettern vernageln und leistete auch der Portier des HatiseS durch Verprobiantierung usw. der Dunkelmänner der Firima in jeder Weise Vorschub. Die Firma, die erklärt, mit ihren alten Arbeitern zufrieden zu sein, jedoch die den Arbeitern zustehenden Löhne nicht bezahlen wiff., muß wohl der Meinung sein, mit Leuten der vorbezeichneten Aric ihren Betrieb auf die Dauer besser aufrecht erhalten zu jköemen. Ter Betrieh ist für organisierte Kollegen gesperrt. _ Die Branchenleitung. Deutkcbes Reich. Vo« der Kampfesweise der Unternehmer im Binnenschifferstreik. Der Unternehmerverband für das Binnenschifsahrtsgelverbe Konnte in seinen offiziellen Erklärungen zum gegenwärtigen Binnenschifferstreik nicht oft und laut genug der Oeffentlichkeit erklären, mit welchen„unfairen" Mitteln und„verwerflichen" Maß. nahmen die Organisation der Binnenschiffer und deren Streik- leitung zum Streik„verleitet" und die Streikenden selbst zum Ausharren im Streik„terrorisiert" habe. Und er fügte stets mit der üblichen Selbstüberhebung hinzu, daß die Chancen in diesem Kampfe für die Reedereien im Streikgebiet so günstig ständen, daß sie ihrerseits nur mit„offenen Karten" und den„einwandfreiesten Mitteln" den Kampf führten. In seiner regen Phantasie ließ der Unternehmerverbano streikende Binnenschiffer als des„Streik- terrors überdrüssige" Arbeitswillige täglich scharenweise zu den be- streikten Reedereien abschwenken. Wie sehr ihm aber in Wirklich- keit das Feuer auf den Fingern brennt, das beweist die in der Tat, unfaire Kampfesweise der am Streik beteiligten Reedereien. Als neuester Beweis diene ein Zirkularschreiben, das die„Neue Oder- Elbe-Reederei" von Breslau aus unter dein 16. April an streikende .Steuerleute versandte, ein Schreiben, das verdient, der breiten Oeffentlichkeit wörtlich bekannt gegeben zu werden. Es lautet: Neue Oder-Elbe-Reederei. Breslau a. O., den 16. April 191Z. Herrn Steuermann....... Nachdem von Ihrem Verband beschlossen worden ist, daß die Herren Steuerleute die Arbeit wieder aufnehmen können, ersuchen wir um gefl. Mitteilung, ob Sie nun eben- falls zur Arbeit bereit sind, wir werden Ihnen dann sagen, ob wir von Ihrem Anerbieten noch Gebrauch macheu können. Erhalten wir keine umgehende Antwort, nehmen wir an, daß Sie auf eine Beschäftigung bei uns verzichten. jj.. Achtungsvoll Neue Oder-Elbe-Reederei, G. m. b. H Handschriftlich ist der Satz hinzugefügt:„Ten Jahrlöhnern haben wir geschrieben, sofort anzutreten." Mit diesem schreiben erreichte eine der größten bestreikten Oderreedereien unstreitig den Gipfel der unanständigen Kampfes- weise. In der gewissenlosesten Weise operiert hier eine bestreikte Reederei unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, nur um ahnungs- kose Streikende, die in ungezählten, weit verstreuten und ent- legenen Dörfern leben, zum Streikbruch zu bewegen. Es sei des- halb ausdrücklich festgestellt, daß der Transportarbeiterverbano nie- mals und an keiner Stelle beschlossen hat, daß die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen können. Der Bergarbeiterstreik in Oberschlesien. Die Preß-Eentrale meldet unterm gestrigen Datum aus K a ttow i tz: Die Zahl der streikenden Bergarbeiter in Oberschlesien be- trägt heute öS 666 Mann. TaS Streikkomitee behauptet sogar, daß 65 666 Bergarbeiter die Arbeit niedergelegt haben. Auf mehreren Gruben find 166 bis 1S6 Bergarbeiter bei der heutigen Früh- schicht eingefahren, um im Innern der Bergwerke die Wasser zu überwachen und Neberschwemmungen und Wasserstürze zu der- hüten. Mehrere Bergwerke haben heute die Nachtschicht einge- stellt. Auf anderen Gruben hat man das Personal der Nacht- und Tagschicht zu einer Schicht vereinigt und läßt täglich nur einmal einfahren. Das technische Personal arbeitet noch vollzählig, doch besteht die Aussicht, daß auch sie sich dem Streik anschließen werden. Auf dem Bergwerk Eminenz in der Ortschaft Dombio bei Kattowitz besteht die Gefahr der Neberschwemmung. Unter dem Beamtenpersonal des Bergwerks Eminenz ist es wegen An- schlutz an den Streik zu Mißverständnissen gekommen. Auch ist ein höherer Beamter dieses Werkes plötzlich entlassen worden. Auf Anordnung der Polizei sind ab heute früh im Streikgebiet alle Schönten geschlossen. Heute vormittag ist vor der Bismarckhütte ein Streikposten verhaftet worden, Werl er unter den Arbeits- willigen agitierte. Ter Geist unter den Streikenden ist, wie die in der Streikzentrale einlaufenden Nachrichten aus den Streik- gebieten besagen, ein ausgezeichneter. Die örtlichen. Tarifverhandlungen im Zimmerer- gewcrbe sind noch nicht allerwärts beendet, obwohl die hierfür festgesetzte Frist bereits verstrichen ist und neue zentrale Verhandlungen in- zwischen begonnen haben. In einer Reibe von Orten haben wieder- holt Verbandlungen stattgefunden, wobei nichr selten die Unter- nehmer ihre Angebote um einiges erhöhten. Vereinzelt, z. B. in Schleswig-Holstein, haben sich auch die Bezirksleitungen der Unternehmer- sowie der Arbeiterorganisationen auf nochmalige Verhandlungen geeinigt für einen großen Teil jener Orte, wo die bisherigen Angebote der Unternehmer unmöglich die Basis für eine friedliche Verständigung abgeben können. In diesem Falle sind von den Bezirksleitungen Vorschläge formulierl worden, die den wei- leren Verhandlungen als Unterlage dienen sollen. Ob in diesen Orten eine Einigung möglich sein wird, hängt natürlich von dem guten Willen der Unternehmer ab. Für einen Teil Bezirke haben die örtlichen Verhandlungen von vornherein unter Leitung von Un- parteiischen stattgefunden. Die daran geknüpften Hoffnungen auf eine leichtere und schnellere Erledigung haben sich indes nicht er- füllt. Das trifft sowohl auf das gesamte Gebiet des Mitteldeutschen Unternehmerverbandes zu, als auch für Nordbapern. Für 'Mitteldeutschland haben am Schlüsse der Verhandlungen die Unparteiischen für sämtliche in Frage kommenden Orte Vor- schlüge gemacht, die den Parteien zur istellungnahme unterbreitet werden sollen. Leider sehen diese Vorschläge zum Teil nur ganz minimale Verbesserungen vor, so daß auf ihre Annahme längst nicht allerwärts zu rechnen ist. In ähnlicher Weise ist auch in Thüringen der Versuch zur schnelleren Regelung gemacht worden. Er ist jedoch gescheitert, weil die von dem unparteiischen Verhandlungsleiter formulierten Vor- schlüge den Forderungen der Arbeiter in so geringem Maße ent- gegenkamen, daß die Bezirksleitungen der Arbeiterorganisationen nicht in der Lage waren, irgendwelche Zusagen zu machen. Auch für die Orte, für welche in der verflossenen Woche Ver- Handlungen stattgefunden haben, lauten die Angebote der Unter- nehmer in ihrer großen Mehrzahl nicht günstiger als die bereits vorliegenden. Nur wenige Orte machen eine Ausnahme. Zu gar keinem Ergebnis führten die Verhandlungen für Bielefeld, Blankenburg_a. H., Brunsbüttel, Brunshaupten, Duisburg, Gütersloh, Helmstedt, Herford, Lübtheen, Mülheim a. Ruhr, Lberhausen, Oderberg(Mark), Parchim, Potsdam, Pretzsch, Schöningen, Sbwedt a. O. und Wesel. Für alle diese Orte lehnten die Unternehmer jegliches Zugeständnis ab. Eine Arbeitszeitverkürzung, die aber erü im dritten Jahre eintritt, ist nur siir Danzig erwirkt worden, und zwar von zehn auf neuneinhalb»stunden. Unter den Lohnangeboten finden sich wiederum auch solche mit 1 Pf. für die Vertragsdauer: wie für Feldberg, Fürstenberg, Lübs i. M., Malchow, Plan und Woldegk. Auf 2 Pf. lauten die Auge- böte für Bötzow, Finsterwalde, Friedland i. M., Großwockern- Teterow, Güstrow. Königslutter, Ludwigslust, Malchin, Neubranden- bürg. Neustrelitz, Pößneck, Ouerfurt, Schweinfurt, Stade, Sulingen, Tambach, Waren und Wismar. Die überwiegende Mehrzahl der Angebote beträgt 3 Pf.. Hierunter fällt vor allen ein großer Teil der mecklenburgischen Zahlstellen, wie Boitzenburg, Brüel, Crivitz, Dargun, Dassow, Gnoien, Grevesmühlen, Hagenow, Klütz, Krakow, Marlow, Neubukow, Neuklosler, Neustadt, Penzlin, Ribnitz, Röbel, Roslock-Warnemünde, Schönberg, Schwann, Schwerin, Stargard. Stavenhageu, Sternberg, Sülze, Tessin, Warin, Wittenburg und Zarrentin. Für alle Orte verteilen sich die 3 Pf. durchweg auf einen Pfennig für jedes Jahr. Ebensalls 3 Pf. betragen die An- geböte für das oberschlesische Industriegebiet, ferner für Bad Kis- singen, Droyßig, Fallersleben. Gera, Husum, Ilmenau, Kauf- beuren, Langensalza, Lindau, Lützen, Merseburg, Mühlhausen in Thür., Preetz, Pyritz, Waltershausen, Wittenberg, Zahna unö Zeitz. 4 Pf. sind zugestanden für Eisenberg, Eßlingen, Göppingen, Komp- ten, Lübeck, Naumburg, Neustettin, Ratzeburg, Stargard i. P., Weida und Zörbig. 5 Pf. für Bamberg, Bischofswerda, Dippoldis- walde, Faurndau, Gadebusch, Kamenz, Königsbrück, Lüneburg, Memmingen, Neukirch, Neustadt a. Orla, Osterode i. Ostpr., Soh- land und Stettin. In allen Fällen verteilen sich die Zugeständnisse auf die ganze Vertragsdauer. Für Dürrenberg, Forchheim, Großenhain, Nossen, Nürtingen, Radeberg und Rehna lauten die Angebote auf 6 Pf. Sie verteilen sich mit einer Ausnahme(Dürrenberg) mit je 2 Pf. auf das ein- zelne Jabr. 7 Pf. sind geboten in Borsdorf, Dresden, Nienburg a. S., Riesa und sebnitz. 8 Pf., verteilt auf drei Jahre, soll Danzig erhalten, weil dort, wie schon erwähnt, die Arbeitszeit sich um eine halbe Stunde verkürzen soll. Sämtliche bisher erzielten Verhandlungsergebnisse sind der- einbarungsgemätz den die zentralen Verhandlungen leitenden Un- parteiischen zugestellt worden. Achtung, Arbeitsbrüder! Streik in Krefeld! Seit acht Wochen stehen in Krefeld 2366 Färbereiarbeiter im Streik, um sich eine bessere Existenz zu erkämpfen. Die von den Arbeitgebern gemachten Zugeständnisse reichten nicht aus, um die Differenzen friedlich beizulegen. Tie Christenführer haben den Streikbruch proklamiert und treiben ihre Leute in die Betriebe. Doch ein großer Teil derselben hat diesen.Auch".Arbeiterver- tretern die Gefolgschaft versagt und kämpft mit den freiorgani- sierten Arbeitern weitern. Die Polizei ist rege in Tätigkeit, um die nützlichen Elemente zu beschützen. Etwa 366„Hintzebrüder" sind als Streikbrecher herangezogen worden. Da diese jedoch nicht ausreichen, haben die Arbeitgeber Agenten in alle Teile Deutschlands geschickt, um Arbeitswillige zu werben. Dies ist auch schon in mehreren Fällen gelungen. Ja, sogar or- ganisierte Arbeiter(vor allem Fabrikarbeiter) sind darauf hinein- gefallen und sind durch diese Agenten nach hier geschleppt worden. Wir machen daher an dieser Stelle noch ni als darauf aufmerksam und ersuchen alle Arbeiter, sich unter keinen Umständen von irgendeinem Agenten anwerben zu lassen und nach Krefeld zu kommen. Arbeiter, übt mit Euern kämpfenden Arbeitsbrüdern Soli- darität! Der Streik ist noch nicht beendet.— Die ausländische Presse wird um Nachdruck gebeten. Ter Vorstand des Deutschen Textilarbeiterverbandes. Der Münchener Bäckerstreik beendet. Ter Vorstand und die Vertrauensmänner der Bäckerorgani- sation haben bescklossei«' den streikenden Bäckern und Konditoren zu empfehlen, aus taktischen Gründen den streik abzubrechen. Die Arbeit soll unter den vom EinigungSamt des Gewerbegerichts festgelegten Bestimmungen, soweit der Ruhetag und die Lohnsätze in Frage kommen, aufgenommen werden. Eine Versammlung der Streikenden beschloß am Sonnabend gegen 16 Stimmen die Arbeit wieder aufzunehmen._ Ter Hutarbeiterverband im Jahre 1912. Seit Ausbruch des Balkankrieges ist die Konjunktur in der Hut- und'Filzwarenindustrie wieder ungünstiger geworden. In- folgedessen besteht in den Hauptorten der Strohhutindustrie ein fühlbarer Arbeitsmangel. Von der Arbeitslosigkeit werden be- sonders die Strohhutnäherinnen betroffen, auf die 1912 rund 5666 Fälle Arbeitslosigkeit mit 246 666 Tagen entfallen. Trotz der widrigen Umstände stieg die Zahl der weiblichen Mitglicoer von 4768 auf 5259 und die der männlichen von 5565 auf 5829, das ergibt eine Steigeruig der M itgliederzahl von 16 213 auf 11688. Die Einnahme des Verbandes bezifferte sich auf 244 862, die der Nebenkassen des Verbandes �Jnvalioen-, Frauensterbe- und Lokal- lassen) auf 46 964 M., zusammen 285 767 M. Die Gesamtausgaben betrug: Verband 186 622 M.. Nebenkassen 43131 M., insgesamt 223 753 M. Die fakultative Jnvalidenkasse hatte 7563 M. Einnahme und 13 981 M. Ausgabe. Es wurde u. a. verausgabt für: Arbeitslose am Ort und auf der Reise 61 363 M., Umzugsunter- stützung 4166 M., Streiks und Gemaßregelte 9356 M., Kranken- geld 46 147 M., Sterbegeld 4645 M., Jnvaliderninterstützung 12 782 M., Notfallunterstützung 6166 M. Am Jahresschluß 1912 blieb Kassenbestand 368 762 M.. hiervon entfallen auf den Ver- band 282 968 M. und auf die Nebenkassen 85 734 M. Lohnbewegungen mit und ohne Streiks führte der Verband 121 mit 6963 Beteiligten. 16 Bewegungen mit 139 Beteiligten waren erfolglos. Erreicht wurde pro Woche: Arbeitszeitverkürzung mr 253 Beteiligte 336 Stunden, Lohnerhöhungen für 1412 Be- teiligte 3924 M.. Lohnaufschlag für Ueberarbeit für 3812 Betei- ltgte. Abgewehrt wurde: eine Arbeitszeitverlängerung für 65 Be- teiligte von 325 Stunden wöchentlich. Lohnabzüge für 336 Be- teiligte 1339 M. Von den geführten vier Abwehrstreiks mit 366 Beteiligten war einer mit 16 Beteiligten ohne Erfolg. Werden zu den hier vermerkten Lohnbewegungen noch die Erfolge gezählt, die jährlich zweimal bei den Lohnregulierungen am Beginn der Saison erzielt, aber von der Statistik nicht erfaßt werden, so läßt ich der Schluß ziehen: Der Verband hat seinen Mitgliedern nennenswerte wirtschaftliche Vorteile gebracht und sie in den Wechselfällen des Lebens gegen Not und Elend geschützt. 8o2iales. KornhauSgenossenschaft und Handelskammerbeiträge- Tie Deutsche Kornhausgenossenschaft zu Janowitz war von der Handelskammer zu Bromberg zu Handelskammerbeitrögen heran- gezogen worden. Sie klagte und beanspruchte Freistellung von den Handelskammerbeiträgen, indem sie geltend machte, sie gehöre zu den landwirtschaftlichen Genossenschaften, die nach fj 3 des Handels» kammergesetzes ausgeschlossen seien vom Wahlrecht und� von der Beitragspflicht. Nach dem Statut verfolge die Genossenschaft den Zweck, die Felderzeugnisse der Mitglieder bestmöglich zu verwerten und auf Wunsch die eingelagerte Ware bis zum Verkauf zu beleihen. Ter Bezirksausschuß wies die Klage ab. Er stellte fest, daß nach dem Statut neben Landwirten und Grundbesitzern auch Nicht- landwirte Mitglied der Genossenschaft werden könnten, z. B. Gr- iwssenschaften. Bei dieser Sachlage könne die Deutsche Kornhaus- genossenschaft nicht als landwirtschaftliche Genossenschaft im Sinne des 8 3 des Gesetzes angesehen werden und müsse Beiträge zur Handelskammer leisten. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte dieser Tage dies Urteil mit folgender Begründung: Es müsse davon ausgegangen werden, daß die Bestimmung über die landwirtschaftlichen Genossenschaften, die das Gesetz enthalte, eine Ausnahmebestimmung sei und daß deshalb das Statut der Genossenschaft strikte ausgelegt iverden müsse. Nach dem Statut sei nun auch solchen der Beitritt möglich, die nicht selbsterzeugende Landwirte seien. Nach dem Verzeichnis seien auch tatsächlich nicht alle Mitglieder selbst erzeugende Landwirte. Es sei darum keine landwirtschaftliche Genossenschaft im Sinne der frag- lichen Bestimmung des Gesetzes. Uebrigens würde zu dieser An- nabme schon die Bestimmung im Statut genügen, wonach nicht alle Mitglieder selbst erzeugende Landwirte sein brauchen. fetzte Nachrichten. Was sagen unsere Chauvinisten dazu? Köln, 2s. April.(W. T. B.) Wie der„Kölnischen Zeitungaus Paris gemeldet wird, hat der Generalrat des Depar tcments Jsere. dessen Hauptstadt G r e n o b l e ist, auf An- regung seines Vorsitzenden, des Senatspräsidenten D u b o st. sich zugunsten einer deutsch-französischen Annäherung sowie für strenge Ähndung der Ausschreitungen von Nancy a. sge- sprachen. Es sei übrigens bekannt, daß die Universität Grenoble sich gegenüber den deutschen Studenten immer gastfreuiwl'.ch ver- halten habe. Ueberrcichung der Antwort der Balkaustaaten. Belgrad, 21. April. Die Antwort der verbündeten Balkanstaaten auf die Mcdiationsvorschläge der Mächte ist deren Vertretern heute überreicht wordcw Tie Antwortnote spricht den Großmächten den lebhaften Tank für ihre Mitteilung aus, deren vier Punkte angeführt werden, und erklärt: Tie verbündeten Balkanstaaten stellen fest, daß die oftgenannten Bedingungen, unter welchen die Mächte zustimmen, als Vermittler behufs Abschluß des Frie- dens mit der Türkei zu intervenieren, ein wenig von jenen abweichen, welche sie in ihrer Antwort vom 3. April formu- liert haben. Von dem aufrichtigen Wunsche beseelt, die angebotene Vermittelung zu erleichtern und ihrem Ziel zuzuftihren, er- klären die verbündeten Staaten, indem sie die Großmächte neuerlich bitten, deir Grundsatz der K r i e g s e n t s chä d i- g u n g zuzulassen, daß sie diese Vermittelung annehmen, in- dem sie sich vorbelsalten, im Laufe der Verhandlungen mit den Großmächten jene Fragen zu erörtern, die sich auf die Inseln des gesamten Albaniens beziehen. Ein griechischer Vorschlag. London, 21. April.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat die griechische Regierung die Mächte benachrichtigt. daß sie bereit ist, die N e u t r a l i s i e r u n g des ganzen Küstengebietes zuzulassen, daß jetzt von den Griechen besetzt ist und sich von Korfu bis zur Gramalabucht erstreckt, wo die für Albanien vorgesehene Grenze hindurchgehen soll. Die griechische Regierung schlage vor, daß die von ihr für die Bevölkerung der von den Griechen besetzten Gebiete beantragte Volksabstim- m u n g unter oer Aufsicht von Delegierten stattfinden solle, welche die Mächte zu ernennen hätten. Die griechische Regierung erinnere daran, daß in dem Vertrage über die Abtretung der Jonischen Inseln durch Großbritannien be- stimmt sei, das Korfu neutrales Gebiet bleiben solle und daß auf dem Verlangen Oesterreich-Ungarns die auf der Insel Vido gegenüber Korfu errichteten Forts geschleift worden seien; infolge- dessen könne Korfu niemals als Flottenbasis dienen, wie Italien befürchte. Augenblicklich befinde sich auf Korfu kein einziges mo- dernes Fort. Die griechische Regierung mache auch noch geltend. daß Frankreich die Inseln an der Meerenge, obgleich sie befestigt seien, nicht als Drohung auffasse und daß auch Italien niemals in den letzten 56 Jahren den Besitz Korsus durch Griechenland als eine Drohung betrachtet habe. Tie griechische Regierung hoffe, daß die Mächte und die Verbündeten die Frage der Grenzen südalbaniens und diejenigen der Aegäischen Inseln von neuem prüfen würden. Wieder ein vcrirrtcs Flugzeug. Paris, 21. April.(W. T. B.) Aus N e u f ch a t e l wird ge- meldet: Ein französisches Militärflugzeug, welches von einem französischen Offizier in Uniform gelenkt wurde, tan- d e t e gestern abend auf der Hochebene von Wavre bei N e u f ch a t e l. Der Militärflieger war gestern früh in Js (Departement Obermarne) ausgestiegen und nach einer Zwischen- laudung in Tijon weitergeflogen, um in Belfort zu landen, ver- fehlte jedoch den Weg und überflog, von Wolken eingehüllt, den Murtener, Bieler und Neufchateler See. Nach 5er Landung bei Wavre zerlegte der Flieger sein Flugzeug und kehrte heute früh mit der Eisenbahn nach Frankreich zurück. Ein grausiger Mord. Hamburg, 21. April.(W. T. B.) Heute nachmittag wurde, rn ihrer Wohnung in der Jägerstraße die 48jährige. von ihrem Manne getrennt lebende Ehefrau Heinrich, geborene Martin,»m-öeiie in i i durchschnittener Kehle tot aufgefunden. Es feblt ein auf eine größere Summe lautendes Sparkassenbucy. 4.e. Täter ist nicht ermittelt._ Ein Verschollener Ballon. Kassel, 14. April.(W. T. B.) Ter Ballon„Ilse", der gestern früh>216 Uhr auf dem„Großen Forst" bei Kassel unter suhrung des Kaufmanns Weiland vom kurhessischen Verein für«aiftichlfi- fahrt aufgestiegen war, gilt seitdem als verschollen. DreRach- barortschaften sind um Hilfe bei den Nachforschungen ersucht worden. Zugzusammenstosi. Jekatcrinoslaw. 21. April.(W. T. B.) Zwischen den Stationen Rasdory und Pihmenaja fand beute ein Zusammenstoß zwischen einem Schnellzuge und einem Güterzuge statt. Ute �okomotwen, zwei Personenwagen und ein Güterwagen wurden beschädigt, jä P ass agiere verletzt. Perantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil Veranttv.: LH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstag� AaulSingerchEo., Berlins w. Hierzu s Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 96. 30. Jahrgang. 1 KtilU des Joniöttf Kerl« loMIntt. Diettstag, 22. Apck 1913. �.eickstag. 145. Sitzung. Montag, den 21. April 1913, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch; t>. Heeringen. Militär-Etat. Vierter Tag. Die Beratung beginnt beim Kapitel „Garnison verwaltungs- und Serbiswesen". Abg. Werner(Hersfeld, Antis.) wünscht eine Besserstellung der Kasernenhofinspektoren. Abg. Jckler(natl.) bemängelt die Art der Vergebung von Arbeiten durch verschiedene Garnisonverwaltungen. Abg. Pauly-Cochem l Zentrum) wendet sich gegen die Berück- sichtigung ausländischer Firmen bei den Arbeiten zur Unter- Haltung der Gebäude. Zur Bedeckung sollte nur deutscher Schiefer verwendet werden. Abg. Dr. Beizer sZ.) verteidigt die Zulage für die Offiziere der Besatzung auf Burg Hohen zollern, die von den Abgg. S t ü ck l e n und G o t h e i n zu Unrecht bemängelt seien. Weiter wünscht der Redner, daß nach H e ch i n g e n ein Bataillon verlegt werde. Abg. Dr. Neumann-Hofer sVp.) klagt darüber, daß die Kom- mandenre der Truppenübungsplätze den Wünschen der umwohnenden Bevolkeruns- zu wenig Rechnung tragen, speziell bezüglich der Grasnutzung. Abg. Rnpp-Baden(f.) wünscht Reformen auf dem Gebiet der ServiSvergütung; speziell für Pferde sei die Vergütung viel zu niedrig. Abg. Schmidt-Meißen lSoz.): Beim letzten Herbstmanöver in Sachsen wurde der Güter- verkehr wochenlang auf mehreren Stationen völlig gesperrt; es trat in Riesa vom 9. September bis zum 13. Oktober eine Ver- kehrsstockung ein. Das geht weit über das Maß des Zulässigen hinaus. Die Militärverwaltung sollte darauf Rücksicht nehmen, daß in Deutschland auch einige Leute existieren, die das Geld ver- dienen m ü s s e n, das die Militärverwaltung verbraucht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Koßmann(Z.) klagt über Manöverschäden; die Flurschäden werden zu spät und zu niedrig abgeschätzt. Generalleutnant Staads: Die Heeresverwaltung ist dauernd und nachdrücklich bestrebt, die Abschätzung der Flurschäden zu beschleunigen und gerecht zu gestalten.— Bei den Manövern ist die Schulung des Eisenbahnpersonals außerordentlich wichtig und die Heeresverwaltung ist der Eisenbahnverwaltung dankbar, wenn sie dieser Aufgabe in weitem Maße entgegenkommt. • Das Kapitel wird bewilligt. Es folgt das Kapitel„Militär- b a u w e s e n". Abg. Wcilihauscn(Vp.) wünscht Etatisierung der Bautechniker und Bauunterbeamten. Generalleutnant Staads: Die Militärverwaltung steht dieser Anregung sympathisch gegenüber; ein entsprechender Antrag ist aber früher von der Budgerkommission abgelehnt worden. Abg. Hubrich(Vp.) wünscht Besserstellung der Bausekretäre. Das Kapitel wird bewilligt. Es folgt das Kapitel „M i I i t ä r m e d i z i n a l w e s e n Abg. Hoch(Soz.): Schon anr 11. Januar habe ich die Militärverwaltung auf die Typhusepidemie in Hanau hingewiesen. Aus ihrer Antwort sowie aus der mir in der Budgetkommission erteilten habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß sie die Vorgänge nicht mit der notigen Gründlichkeit untersucht hat. Die Ucberlragung der Krankheit soll durch eine als Kartoffelschälerin beschäftigte Frau erfolgt sein, aber Ilnsauberkeit in der Küche soll nicht geherrscht haben. DaS ist n i ch t r i ch t i g. Es wurde polnischer Salat angefertigt, zu dem sehr viele Kartoffeln zu schälen waren, und den Salat ließ man über Nacht stehen. Das ist schon sehr bedenklich. Große Lieferanten verdienen sehr viel an der Militärverwaltung, kleine Lieferanten aber werden von ihr sehr gedrückt. Das Essen beim Eisenbahnreginieut war schon monatelang vor Ausbruch der Epidemie sehr schlecht geworden; die Verstorbenen halten schon monatelang vorher in Briefen an ihre Verwandten darüber geklagt. Die Lebensmittelpreise sind in Hanau sehr hoch. Trotz- dem kauft die Militärverwaltung Leberwurst für 55 Pf. das Pfund,(tzörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Dafür kann keine gute Ware geliefert lverden. Es ist gesagt worden, die An- zeichen, daß es sich um Typhus handelte, sind in Hanau sehr spät kleines fcuilleton Die �patriotische Kunst" wirkt herausfordernd! Es hat sich in Preußen etwas begeben, das bei dem unbeteiligten Dritten sebr viel Schmunzeln erwecken wird. Anton von Werner, der nationale Stiefelmaler, und die„hohe Stelle", die bei uns in allen offiziellen Kunstdingen entscheidet, waren bisher ein Herz und eine Seele. Anton redete in der Akademie gegen die Sezession, und die„hohe Stelle" zeigte sich unerbittlich gegen die Rinnsteinkunst. Und dieser vmf nrn?;j»n VintrtntifHhem Uiuiueil. UCIU l»-1" OULMIUUIII jCICll und der von ihm bevorzugte Akademiedirektor 70 Jahre alt wird und die nationale Woge berghoch geht! Welch' eine Wendung! Die„Voss. Zeitung", die diesen amüsanten Beitrag zur Hos- geschichte beisteuert, verrät auch dft Motive: Man findet eben diese Wernerschen Bilder, die der König von Preußen seinerzeit angekauft hat, herausfordernd und aufreizend und nimmt zarte Rücksicht auf die Stimmung der westlichen Nachbarn. Die„Weltgeschichte" ist doch manchmal nicht ohne Ironie! Die Hofkreise bekehren sich zu unserer Anschauung, die in den Schlachtenbildern immer sehr wenig Kunst und sehr viel chauvinistische Hetze gefunden hat. lind die Patrioten zetern, von der zahmen Bossin angefangen, ob der Unterdrückung berechtigter nationaler Empfindungen und allzu ängstlicher Rücksichtnahme auf die nationale Eigenliebe— anderer. Kncchtseligkcit unten und oben. Die sächsische Königsstadt an der Elbe tut sich etwas darauf zugute, daß ihr Name im Leben so vieler großer Künstler genannt werden mutz, und mit schier gewerbs- mäßigem Eifer wird an der schon legendär gewordenen Ueberliefe- rung weilergesponnen, Dresden sei so eine Art Elysium der Künstler gewesen. Aber immer treibt von Zeit zu Zeit ein kräftiger Wind- stoß den dicken blauen Dunst dieser Legende auseinander. Das ist jetzt wieder einmal der Fall und zwar von zwei Seiten her auf einen Zug. Zwei Dokumente, aus alten Papieren an den Tag ge- holt, bezeugen, wie sehr die Männer, deren Namen heute großen Klang haben, in Dresden unter drückender Stickluft litten. Der Hundertjahrstag der Geburt Richard Wagners bringt verschollene Einzelheiten aus des Meisters Dresdener Tagen ans Licht. Empört über das höfische Regiment stürzte sich der königlich sächsische Kapellmeister in die Revolution. Er hat sich später bemüht, über diese Episode seines Lebens zu schweigen, aber der Steckbrief des Dresdener Stadtgerichts, das ihn zu den„besonders gefährlichen Individuen" rechnete,.stempelt seine Rolle immerhin deutlich ab. Er erkannt worden. Das ist keine Erklärung. Ist der Grund etwa der, daß viele Militärärzte in jedem kranken Soldaten zunächst einen Betrüger und Simulanten sehen, was schon vielen braven Soldaten das Leben gelostet hat?(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Weiter sollte doch auch in solchen Fällen die Militärverwaltung sich mit der Zivilverwaltung ins Benehmen setzen, damit keine Uebertragung der Krankheit auf die Zivilbe- völkerung stattfindet. Zum Schluß bitte ich, den Leuten, die ihre Kinder auf so schreckliche Weise verloren haben, einen ange- messenen Schadenersatz zu geben. Es handelt sich um 20 Leute, deren Gesuche man wohlwollend prüfen sollte.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Generalarzt Schulz: Die Typhusepidemie in Hanau ist auf eine Reihe verhängnißvoller Umstände zurückzuführen, auf den Genutz eines Kartoffelsalates, in den durch eine Kartoffelschälerin Typhus- bazillen hineingebracht waren; eine llnsauberkeit in der Bataillonsküche kann zur Entstehung der Massenerkrankung nicht herangezogen werden. Klagen über schlechtes Essen sind an die Ver- waltung nicht gekommen. Wenn der Vorredner sich beklagt, daß die Krank- heit so spät erkannt wurde, so bemerke ich ihm, daß sehr häufig Typhus erst nach der zweiten Woche erkannt wird und jeder gewissenhafte Arzt wird sich hüten, die Diagnose zu schnell zu stellen.— Dem Vorwurf, daß viele Militärärzte in jedem kranken Soldaten zunächst einen Simulanten sehen, muß ich mit allem Nachdruck entgegen- treten.— lieber die gegenseitigen Mitteilungen von Erkrankungen zwischen Zivil- und Militärbehörden bestehen gesetzliche Vor- t ch r i f t e n, die in Hanau jedenfalls auch befolgt worden sind.— Die Unterstützungsgesuche werden durchaus wohlwollend ge- prüft werden. Abg. Hoch(Soz.): Ich bedaure sehr die Art und Weise, wie die Militär- Verwaltung meine Ausführungen behandelt. Die Herren wollen offenbar aus den Hanauer Vorgängen nichts lernen,(wehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dabei handelt es sich um Dinge, die sich an anderen Stellen leicht wiederholen können, wenn nicht bessernd eingegriffen wird. Was ich hier vorgetragen habe, stützt sich auf durchaus einwandfreies Material. Der Vertreter der Militärverwaltung erklärt hier aber einfach: e s steht nicht in den Akten, also existiert es nicht. Ich will keineswegs meine Vorwürfe auf sämtliche Sanitätsoffiziere ausdehnen, aber es steht fest, daß sie auf sehr viele dieser Aerzte zutreffen. Kriegsminister v. Heeringen: Es ist eine selbstverständliche Pflicht der Militärverwaltung, daß sie für die Gesundheit der Soldaten sorgt. Ebenso selbstverständlich ist es, daß wir bei einem so traurigen Fall, wie dem Hanauer, den Ursachen nachgehen. Es muß aber bestimmt in Abrede gestellt werden, daß hier eine Schuld der Ver- waltung vorliegt. Wir haben die Vorgänge untersucht, schon ehe der Abg. Hoch mit seineu Angriffen kam. Wenn Abg. Hoch uns bestimmte Angaben macht, so werden wir sie prüfen, aber niit so allgemeinen Angaben kommt man nicht weiter. Wenn der Abg. Hoch von den niedrigen Preisen für die Speisen sprach, so kann das doch bei dem Kartoffelsalat nicht in Betracht kommen, und Kartoffelsalat ist doch an und für sich ein ganz schönes Essen.(Heiterkeit.) Den Angriffen gegen unsere Sanitätsoffiziere muß ich entschieden entgegentreten.(Beifall rechts.) Abg. Hoch(Soz.): Ich muß nochmals betonen, daß ich meine Angaben hier auf Grund einwandfreien Materials gemacht habe. Aber man kann hier sagen, was man will, die Herren ivissen das immer besser, obwohl sie nicht die Fühlung mit den Soldaten haben, die wir haben. Ich habe nicht bloß allgemeine Angaben gemacht. Allerdings darf ich es nicht wagen, dem Kriegsminister die Briefe vorzulegen, die mir zugegangen sind, das ist nicht möglich bei der Rücksichtslosigkeit, mit der heutzutage gegen alle diejenigen bor- gegangen wird, die im Verdacht stehen, Sozialdemokraten zu sein, oder sozialdemokratische Abgeordnete zu in forinieren. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Titel wird bewilligt. Beim Kapitel„Pferderationen für die kommandierenden Generale", wo die Budgetkommission Abstriche vorgenommen hat, ersucht Kriegsnlinister v. Heeriuge», die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Die Beschlüsse der Budgetkommission würden eine c r- hebliche Verminderung des Einkommens der komman- dierenden Generäle bedeuten. Abg. Edler Gans zu Puttlitz(kons.) erklärt, daß seine Partei für die Wiederherstellung der Regierungsvorlage stimmen werde. war keiner von den vielen, die dem ortsüblichen elbflorentiner Lakaientum mit Leib und Leben verfielen. Er war ein Forderer, dem das Lebensziel der bloßen Streber, der Fraß aus der Königs- krippe, nicht genügte. Seine Künstlerschaft wollte sozial bauen, und weil er oben auf blöden Stumpfsinn stieß, wurde er zum politischen Ankläger. Das hat ihm der seile Servilismus der Krippenseelen mit dicken Haßstrichen angekreidet. Unter anderen ein Dr. Schäfer, der in einem jetzt wieder ausgegrabenen Jahrbuch„Freie Gaben für Herz und Gemüt", das 1855 erschien, eine bhzantinisch geschriebene Abhandlung über den sächsischen König Friedrich August IL veröffentlichte. Aus diesem Aufsatze erfährt man, daß Wagner in den politischen Klubs der Revolutionszeit aus seinem Herzen leine Mördergrube machte: er ging dern Königtum niit offenem Angriff zu Leibe. DaS eben wurde ihm von Schäfer schwer verdacht. Höhnisch bezeichnete er den Hofkapellmeister als einen Menschen, der„in seiner übersprudelnden Genialität aus Gnade und Barmherzigkeit den König wenigstens noch zum Präsidenten der neuen projektierten sächsischen Republik machen wollte". Aufgeregt nagelte er die Tatsache fest, daß„Leute, die des Königs Brot esse n", gegen diesen in den Vereinen redeten. Das war freilich ungeheuerlich für die grünweißen Krippenschnorrer, und zu vermerken ist nur noch, daß diese Sippschaft noch heute in Elb- florenz wunderbar blüht und gedeiht und jeder kräftig gesunden Luftbeweguug im Kunstleben die Ventile verstopft. Wie damals in Dresden das freie Ausleben der Kunst gehemmt wurde, erfährt man auch aus dem Konzept eines Briefes, das sich in einem Notizbuch des Dichters Otto Ludwig fand. Es stammt offenbar aus dem Jahre 1845, war an Ludwig Bechstein in Meiningen gerichtet und wird erst jetzt bekannt. Von Ludwigs Trauerspiel„Die Rechte des Herzens" ist darin die Rede. Eduard Devrient interessierte sich dafür und empfahl es der Generaldirektion des Dresdener Hostheaters in den letzten Tagen seiner Amtierung als Ober- regisseur; er legte dies Amt, wie Ludwig sagt, nieder„vielfältig gekränkt und behindert im tüchtigsten Streben, die gefallene theatralische Kunst wieder zu erheben", auch er also einer von denen, die von der Dresdener Kunstmisere weggeschreckt� wurden. Das Drama Ludwigs wurde aber trotz Devrients Fürsprache von der Dresdener Bühne abgelehnt und zwar aus Gründen, die der Dichter schon vorweg bedacht und befürchtet hatte. Das Stück war in die Zeit nach dem Polen- aufstände der dreißiger Jahre verlegt und barg Erinnerungen an die Stimmungen, die das polnische Flüchtlingstum schwärmerisch verherrlichten. Das eben verlegte ihm den Weg auf die Dresdener Bühne. Denn auch in Dresden bauchrutschte man vor dem russischen Machthaber, dem Hort des in Revolutionsängsten fröstelnden Ab- solutismuS, und so kam's, daß, mit Ludwigs Worten, die Polen in dem Trauerspiel für Konterbande angesehen ivurdcn:„an diesem Hof, der so ganz an Rußlands Steiß sich festgesogen hat, daß nicht der Name eines russischen Herrschers, ja nicht einmal ihr Titel»Die Majestät von Rußland" oder»Der Abg. Noske(Soz.): Ich bin erstaunt darüber, daß der Kriegsminister für die Wieder- Herstellung der Regierungsvorlage eintritt. Die neue Rüstungs- Vorlage ist in erster Linie durch die Treibereien gewisser militärischer Kreise verursacht worden. Der Reichskanzler hat an die O p f e r w i l l i g k e i t der bessergestellten Kreise angesichts der Heeresvorlage appelliert. Wenn irgend eine Gruppe von Angehörigen der besitzenden Klasse in Deutsch- land Anlaß hat/ bei dieser Gelegenheit opferwillig zu sein, so sind es die kommandierenden Generäle, für die sich der Kriegs- minister aber jetzt ins Zeug legt, weil ihnen zugemutet wird, einen geringen Teil ihrer hohen Beziige zu opfern.(Lebhafte Zustimmung links.) Diese Herren, die ein jährliches Einkommen b'-s zu 60 000 M. haben, könnten doch wohl das Opfer von 900 M. bringen.�(Sehr richtig I links.) Der Reichstag hat allen Anlaß, an den Beschlüssen der Budgetkommission festzuhalten.(Lebhafter Beifall links.) Der Titel wird gegen die Stimmen der Rechten nach den Beschlüssen der Budgetkommission angenommen. Beim Kapitel„Verwaltung der Ltemontedepots" bemerkt Abg. Schmidt-Meißen(Soz.): Der Abg. H a e u s l e r hat darauf hingewiesen, daß an den hohen Offizierstellen Millionen erspart werden könnten. Statt dessen spart die Militärverwaltung bei den Arbeitern der Remontedepots. In Sachsen existieren drei solcher Verwaltungen; dort erhalten die Arbeiter im Sommer 1,90 M. pro Tag(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), im Winter 1,50 M.(Hört! hört I) Entsprechend sind die Löhne aller Kategorien. Die Arbeitszeit beträgt 10—13 Stuuden. Bei diesen Löhnen müssen die Arbeiter sich für ein Jahr verpflichten, und müssen schriftlich anerkennen, daß sie sich der Gesindeordnung unterwerfen (Lebhaftes Hört! hört!). Natürlich reicht der Lohn nicht aus, und die Frauen müssen mitarbeiten, und das benutzt die Militär- Verwaltung, um die Frauen zu ganz eleu denBedingungen zu beschäftigen. Besonders traurig ist die Lage der Arbeiter bei Krankheit; da erhalten die männlichen Arbeiter 75 Pf.(Hört! hört!), die Frauen 25 Pf.(Hört I hört!) Bekommt die Militärverwaltung denn zu diesen Löhnen Leute? Nun, sie beschäftigt in Massen ausländische Arbeiter(Hört! hört!), das ist der S ch u tz der nationalen Arbeit, von dem hier immer die Rede ist. Die Militärverwaltung sollte schleunigst für Remedur sorgen.(Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Sächsischer Generalmajor v. Weixdorf: Die Löhne bei den Remontedepots werden nach den Dienstanweisungen festgesetzt und richten sich nach den in der Hingebung der Depots üblichen Sätzen. Auf die llsbertreibungen des Vorredners brauche ich wohl nicht näher einzugehen.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schmidt-Meißen(Soz.): Der Bundesratsvertreter war nicht i m st a n d e, auch nur eine der von mir angeführten Tatsychcn zu widerlegen.(Sehr toahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe ihnen ja die üblichen Sätze mitgeteilt, und es ist schlimm, daß die Militärbehörde sich danach richtet, um den Landwirten nicht Konkurrenz zu machen. Dabei werden von den Landwirten diese Löhne an Ledige gezahlt, von der Militärverwaltung dagegen an Verheiratete.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Beim Kapitel„Umzugs- und Reise- sowie Trans- p o r t k o st e n" ergreift das Wort Abg. Roste(Soz.): Der Reichstag muß Verwahrung einlegen gegen ungerechtfertigtes Hin- und Herschicken von Truppen und gegen die Verwendung von Soldaten f är n i ch t mi l i t ä r i s ch e Zwecke. Um derartiges scheint es sich bei der Verwendung von Pionieren auf der S a a l b n r g zu handeln, die dort nicht mit modernen In- strumenten, sondern mit solchen a I t r ö m i s ch e r S o l d a t e n Schanzarbeiten ausführen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Das ist eine Verwendung von Soldaten für private Liebhabereien des Kaisers. Auch die Heranziehung der R a t h c n o w e r Husaren nach Berlin zu einer privaten Familienangelegenheit ha: nichts mit dem Dienst zu tun. Wir haben kein Geld, um es für unnütze Zwecke zu verpulvern, und wir müssen uns verbitten, daß die Söhne des Volkes im Soldatenrock als Paradetruppen für Prinzen und ihre Bräute verlvendet lverden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten,) Gegen solche Verschleuderung von Reichsmitteln muß der Reichstag prolestiercn. Würde der Kriegsminister die Stimmung im Volke kennen, so würde er gegen solche Verwendung von Reichsmiltcln Einspruch erheben.(Beifall(bei den Sozialdemokraten) Kaiser von Rußland" den Weg nehmen darf vom Munde des Schauspielers zum Ohr des Publikums." So spie der Ingrimm eines Dichters dem Dresdener Hof auf die Schwelle. In eben diesem Briefentwurf an Bechstein sagt Otto Ludwig: „Ich sehe ein, daß ein dramatischer Poet seine eigenen Stücke sehen muß, um gefördert zu werden." Er mußte aber vorderhand auf diese Gelegenheit noch verzichten, seinem andrängenden, aufbegehrenden dramatischen Talent die wichtigste Schulung zu bieten. Die Knechtseligkcit des sächsischen Hofes lvar so grenzenlos groß, daß sie auch den schlicht-natürlichsten Wünschen künstlerischen Lebens Luit, Licht und Boden mißgönnte. Ludwigs derber Satz von den höfischen Steißsaugern merkt sich gut. Im Kapitel„Dresden und die Kunst" wird das Wort fortan Dienste tun. Musik. Ein großes Wagnis unternahm die Dresdener Volks« Singakademie, als sie im großen Saale der Brauerei Fried- richshain am Sonntag nachmittag Beethovens„Misoa solemnis" zur Aufführung brachte. Dieses Werk stellt dem Chor dermaßen heikle Aufgaben, daß es selbst für die bestdiszipli- nierten, tüchtigsten Chöre eines der allerschwierigsten Probleme bleibt. Man konnte also wohl dieser Aufführung durch einen Volkschor mit einigen Befürchtungen entgegensehen. Aber es zeigte sich, daß alle Befürchtungen grundlos waren. Was der Dresdener Chor hier darbot, ist hoher Anerkennung wert. Dieser trefflichen Leistung gegenüber lvird jeder Sachkundige von der Arbeitskraft und dem künstleri- schen Ernst der Dresdener Gäste eine hohe Meinung haben müssen. Hier wurde der Beweis geliefert, daß keine künstlerische Aufgabe, so schwer sie sein möge, einem Volkschor unüberwindliche Hindernisse in den Weg stelle. Die Männerstimmen des Chors find den frischen, kräftigen Frauenstimmen keineswegs gleichwertig. Es mutz das Bc-' streben des Chorleiters sein, die stumpfen, glanzlosen Tenöre, die matten Bässe durch geeignelercs Material zu ersetzen. Durch diesen Mangel an Glanz kamen einige der ekstatischen Höhepunkte um ihre volle Wirkung. Nichtsdestoweniger bleiben die Sicherheit des Chor- ensembles, die Klarheit der Stimmenführung und die sein abgetönte Nuancierung zu bewundern. Der Leiter, Musikdirektor Johannes Reichert, hat sich mit diesen in langwieriger und mühsamer Arbeit erreichten Ergebnissen (das Programm spricht von 80 Chorproben zu diesem Werk) als ein berufener musikalischer Erzieher, als eine starke, treibende Kraft und als eine Persönlichkeit von künstlerischer Kultur erwiesen. Auch die Solisten trugen das Ihrige bei zum Gelingen der Aufführung. Die Altistin Frl. v. Nor m a n n und der Tenorist Emil Enderlcin taten sich besonders hervor. Frl. Gerlrude Sachse war die Sopran- Partie anvertraut, der Bassist Herr Rudolf K r a t i n a war noch in letzter Stunde für den behinderten Herrn Zettmayr eingesprungen. Das Berliner Blüthuer-Orchester führte den wichtigen instrumentalen Teil gut aus. Kriegsminister v. Hceringen: Das Rathenolver Husarenregiment hat niic dem früheren hannoverschen Königshaus ganz besondere persönliche Beziehungen, und des- wegen hatte seine Heranziehung in dem Moment, wo der Stamm- Halter der königlichen Familie in die preußische Armee eintreten sollte, einen besonderen politischen Zweck. sSehr richtig! rechts.»— Bei den Pionierarbeiten bei der Saalburg handelt es sich um W a l d a r b e i t e n, die in der Kaserne nicht vorgenommen werden können, und die doch für den Festungskrieg ganz unerläßlich sind. Die Ausbildung der Truppen wird dadurch gefördert. (Lachen bei den Sozialdemokraten und Zuruf: Mit altrömischen Waffen I) Ach. das ist ja nur Beiwerk. Also die Ausbildung der Truppen ist gefördert, obne daß der Militärverwaltung Kosten erwachsen sind- denn die Kosten sind aus dem Fonds für die Saalburg bezahlt worden. � Beim Kapitel»Artillerie- und Waffenwesen bespricht Abg. Büchner(Soz.) die Verhältnisse der in den Militärwerk statten beschäftigten Arbeiter und Angestellten. Der Reichstag hat hierzu im Vorjahr fast einstimmig eine Reibe von Resolutionen angenommen. Alle diese Resolutionen hat der Bundesrat entweder abgelehnt oder in den Papierkorb geworfen.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb müssen wir in diesem Jahre mit unseren Klagen wiederkommen. Das ist um so notwendiger, weil die Lohnverhältnisse und die Behandlung der Arbeiter immer noch viel zu wünschen übrig läßt, ja die Verhältnisse werden von Jahr zu Jahr schlimmer. Höhere Löhne sind unbedingt notwendig an- gcsichts der eingetretenen Teuerung. Die Lohnverhältnisse müsse» den veränderten Zeitverhältnissen angepaßt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Man komme uns auch nicht mehr mit einer Rücksicht auf die Privatindustrie. Dort werden schon längst viel höhere Löhne gezahlt als in den Staatswerkstätten. Geht denn die Teuerung spurlos au der Militärverwaltung vorüber? Selbst Frhr. v. Schorleiner, dieser Freund des stark eiweißhaltigen Pferde fleifches für— andere, hatim Landtag gesagt, das Volk müsse sich daran gewöhnen, mehr für die Ernährung aus- zugebe u. Ja, es muß vas Volk erst einmal mehr verdienen, ehe es mehr ausgeben kann.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo' kraten.) Ein besonders fluchwürdiges Systenr in den Staatswerb stätten ist die Akkordarbeit, die für der Arbeiter besteht. Die Akkordlöhne werden ohne Mitwirkung der Arbeiter von den Meistern mit Unterstützung der Mcistcrgünstlinge festgesetzt und oft verdient der Arbeiter im Akkord nicht einmal den Stundenlohn (Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) In D a n z i g nehmen sich viele Arbeiter Arbeit mit nach Hause, nur um überhaupt mit ihren Fainilien leben zu können. Wir verlangen, daß die Akkord- arbeit beseitigt und ein garantierter Mindestlohn festgesetzt wird. Sollte das nicht geschehen, so müßten die Akkordlöhne unter Mitwirkung der Arbeiterausschüsse festgesetzt werden. In Spandau ivird vor allem darüber geklagt, daß, die Meister und Vizemeister die Arbeiter in u n- ni enschlicher Weise zur Arbeit antreiben. Dafür sollen die Meister besondere Gratifikationen erhalten von durchschnittlich mehreren Hundert Mark, im Einzelfall aber b i s LllOO Mark.(Höttl hört! bei den Sozialdcmokraien.) Die Folge dieses Svstems ist eine hohe llnfallziffer und, was das schlimmste ist, werden die Verunglückten noch bestraft.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) ES gibt'Meister, die, ganz gleich uni welches Vergehen es sich handelt, S Mark Geldstrafe erheben. Ein Arbeiter, der einen Offizier nicht gegrüßt hatte, wurde in eine Geldstrafe von I Mark genommen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dos grenzt doch an Größenwahn, denn so etwas passiert ja kaum auf dem Kasernenhof. Dann wird über ungerechtfertigte Recherchen der Spandauer Polizei in den Familien der Arbeiter geklagt und ferner darüber, daß Arbeiter, die seit Jahren in den Staatswerkstätten tätig sind, schon nach einigen Krankheitstagen entlassen worden sind. ?iach den Klagen meines Freundes Dr. Liebknecht im Vorjahre hat»ran den Arbeitern in Spandau ein Schriftstück vorgelegt, in dem es hieß, daß die Klagen unbegründet feien. Die Arbeiter hätte ich sehen mögen, die nicht unterschreiben würden. «Sehr ivahr! bei den Sozialdemokraten.» Sie wären sicher sofort in die Wüste geschickt worden. Später stellte sich heraus, daß da» Schriftstück von zwei Günstlingen eines Mei.sters an- gefertigt war. Der Erlaß der Militärverwaltung gegen das Koalitionsrecht der Staatsarbeiter erinnert an die Sprache der s ch l i m m st e n Scharfmacher.(Sehr wahr! bei den Sozial- deinokrateu.) Es ist ja kein Wunder, daß solche Erlasse kommen. Wenn es in den Staatswerkftätten weniger militärische Vorgeietzte und dafür mehr Männer aus dem praktischen Leben gäbe, dann würde es solche Erlasse nicht geben. Wir verlangen auch für die Staats- arbeiter das volle und uneingeschränkte Koalition?- recht. Ehe Sie das nicht den Arbeitern gewähren, muß der Arbeiterausschuß ein totgeborenes Kind bleiben. Als der Arbeiter- ausschuß vorstellig wurde, die Arbeiter, die auswärts wohner» sollten 5 Minuten früher gehen können, um den Zug zu erreichen, Leider endete die schöne erhebende Aufführung mit einem grellen Mißklang. Die Szenen, die sich beim Verlassen des Saales an den Garderoben abspielten, spotten jeder Beschreibung. Während die Taufende der Zuhörer Kopf an Kopf gedrängt sich schrittweise vor- tvärtsschobcu, drängten viele Hunderte Neuankömmlinge von der Straße her ihnen entgegen. Man lief Gefahr, ohnmächtig und erdrückt zu werden. Es darf nicht vorkommen, daß ein Saal für eine neue Veranstaltung geöffnet wird, bevor er von der vor- hergehenden völlig geräumt ist. Unter den anwesenden Tausenden war nur eine Stimme der Entrüstung über diese Zustände. iL L. Notizen. — Professor Hugo Winckler, einer unserer hervor- ragendsten Erforscher des alten Orients, ist in Berlin— erst 50 Jahre alt— gestorben. Besonders die älteste Geschichte� Baby- lonienS und Assyriens verdankt ihm vieles, und der Einfluß dieses KulturkrciseS auf die Welt Israels ist von ihnr vielfach nachgewiesen worden. Die Wichtigkeit der wirtschaftlichen Grundlagen blieb ihm nicht verschlossen; trotzdem hat er das Weiterwirkcn mythologischer Elemente und besonders der babylonischen häufig überschätzt. Mit dem Spaten hat Prof. Winckler seinen Forschungen glücklich nach- geholfen. Er war an mehreren Ausgrabungen beteiligt, besonders hat er die alte Residenz des wenig erforschten Hethitcrvolkcö Boghazkoi erschloffen und die Hethitcrfrage wesentlich in Fluß gebracht. AIS Herausgeber dcS«Alten Orients", der populäre Zusammenfassungen bietet, bat der Verstorbene auch in weitere Kreise gewirkt. �Theaterchronik. Wegen eines Krankheitsfalles mußte daS Repertoir des Walden-Gastspiels im Deutschen Schauspiel- Haus umgeändert werden. Am Dienstag, Donnerstag und Frei- tag. geht.Alt-Heidelberg", am Mittwoch, Sonnabend und Sonntag die Kurleske«Der König" in Szene. --Ueber Futurismus und den Sinn der neuen Malerei wird Karl Einstein am dritten Autorenabend der ..Aktion", Mittwoch, den 23. Apeil, abends 8l/a Uhr, im Vortrags» saal Austria, Potsdamer Str. 23, sprechen und außerdem aus eigenen Werken lesen. Alfred L i ch t e n st e i n liest Unveröffentlichtes von Andre Gide. — Otto Boehler. der tüchtige, humorvolle Silhouetten- künstlcr ist in Wien gestorben. Sehr bekannt wurde eins seiner Schwarzkunstblätter«Heut spielt der Strauß", das die großen Ton- künstlcr aus zwei Jahrhunderten, lebenstreu mit Hilfe der Umriß- linie charaktecisierk! um den Walzerkönig zusammenführt. — Die dritte internationale Konferenz für Krebsforschung flndet voni 1. bis 6. August zu Brüssel stalt. Zur Beratung koinmen: Die Anwendung der physikalisch- chemischen Verfahren bei der Behandlung des Krebses, die Vacci- nationstherapie der Geschwülste, die örtliche Verbreitung der Krebs- Irankheit und Einrichtungen und Methoden der Fürsorge Krebs- kranker. wurde. ihnen vom Direktor die Antwort zu teil, für die Ar beiter hätte er nichts übrig;(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten) ob die Arbeiter sich die Schwindsucht an den Hals laufen, ist ihm ganz egal.— Weiter möchte ich fragen, ob etwa die Absicht besteht, die Spandauer Gewehrsabrik in eine Motorbau- a n st a l t umzuwandeln; wenigstens ist dort im Auftrag eines Majors ein Motorboot gebaut worden. Sollte eS sich dabei etwa um eine private Arbeit handeln? Nach 8 la der Arbeitsordnung sind von der Einstellung Personen ausgeschlossen, die sozialdemokratischen Bestrebungen huldigen oder den Frieden zwischen den Arbeitern und der Verwaltung stören lvollen. Unterstützt werden von der Verwaltung die gelben Organisationen, in denen in erster Reihe Politik getrieben wird. Wir bestreiten der Militärverwaltung das Recht zu der Bestimmung des ß tu, es geht sie gar nichts an, was die Arbeiter außerhalb des Betriebes tun.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Konseguenz dieser Bestimmung wäre, daß Sie von den Arbeitern auch keine Steuern nehmen und sie nicht zum Militärdienst heranziehen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Beseitigen Sie diesen§ 1a und nehmen Sie unsere Resolution an. Nur dann können die Staatsbetriebe Musterbetriebe werden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Generalleutnant Wandel: Die Löhne in den Militärbetrieben richten sich nach den Löhnen in gleichartigen Betrieben der Privat' industrie. Sie sind auch leineswegs stehengeblieben. Die Festsetzung der Stücklöhne ist genau geordnet und mit allen Kautelen umgeben, die die Arbeiter gegen Willkür schützen. Von einer Antreibere kann gar keine Rede sein; arbeiten muffen die Leute natürlich.- Die Deckblätter der Arbeitsordnung sind durch verschiedene Anträge der Arbeiterausschüsse hervorgerufen; wir find übrigens dabei, eine einheitliche Arbeitsordnung zu schaffen. Die Klagen des Vorredners über die Arbeiterausschüsse sind nicht berechtigt die Arbeiter wünschen sie zu behalten.— Die Frage des Koalitionsrechts und des§ 1a der Arbeitsordnung habe ich bereits in der Kommission erörtert und brauche daher hier nicht noch einmal darauf einzugehen.(Bravo! rechts.) Abg. Trimborn(Z.): Die in den Militärbetrieben auf Privat dienstvcrtrag angestellten Militäranwärter klagen mit Recht, daß sie nicht etatisiert werden, den Bauschreibern, den Kanzleischreibcrn, den Betriebsschreibern und anderen Katagorien ist früher die Etatisterung und damit die Ueberfiihrung ins Beamtenverhältnis in Aussicht gestellt worden. Aber auch in dem diesjährigen Etat ist keine Ver mehrung der etatsmäßigen Stellen erfolgt. Es macht keinen guten Eindruck, wenn wir alle Jahre dieselben Klagen vor- bringen müssen.(Sebr richtig!) Generalleutnant Wandel stellt die Etatifierung verschiedener Schreiberstellen in Aussicht. Abg. Ponschab(Z.) klagt über zu geringe Entlohnung der Feuer' werker. Hierauf vertagt das Haus die Weiierberatung auf Dienstag 2 Uhr(vorher kurze Anfrage). Schluß 7-/« Uhr. )Zbgeorclnetenkaus. 171. Sitzung. Montag, den 21. April 1013, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Ter elektrische Betrieb auf der Berliner Stadt- und Ringbahn. Abg. Ouehl(k.) spricht für die Kommissionsbeschlüsse im Gegensatz zur Mehrheit seiner Freunde und spendet auch den RegierungStechnikern volles Vertrauen. Wenn auf einer Privatbahn solche Zustände vorkämen wie auf den Berliner Stadt- und Ring bahnen, hätte die Regierung läng st einschreiten müssen.(Sehr richtig I links.) Der Redner verurteilt die Stimmungsmache von Vertretern der Dampf- i n d u st r i e. Eine Beeinträchtigung des Telegraphendienstcs ist gar nicht zu befürchten und der elektrische Betrieb würde die jetzigen Zuschüsse zur Stadtbahn überflüssig machen. Eine Tariferhöhung würden die Arbeiter bei dem allgemeinen Rückgang des Geldwertes gar nicht empfinden.-(Oho! bei den Sozialdemokraten.) Ueber den Zentrumsantrag, nur 9,6 Millionen zu bewilligen, beantrage ich namentliche Abstimmung. Abg. Schaube(sk.) erklärt sich namens einer Minderheit seiner Partei gegen die Kommissionsbeschlüffe, weist aber die Beschuldigung, von dcr DamPfindustrie beeinflußt zu sein, zurück. Ueberfüllung mag hie und da vorkommen, aber da wird wohl sehr übertrieben.(Hört! hört! links.) Eine kleine Tariferhöhung würde den Verkehr schon entlasten.(Hört! hört! links.) Abg. Schmcdding/a Uhr, bei Salzmann, Basdorfer Straße: Wählerversammlung. Referent: Genosse Stadthagen. Tagesordnung: Wahlkampf— Wahlrechtslainpf. öerlmer]Vachrichtcn. Eine„Garderobenfrage". Die letzten Töne von Meister Beethovens Jlissa solernnis sind verklungen. Der Beifallssturm ist verrauscht. Das Publikum verläßt den Saal der Brauerei Friedrichshain. Oder vielmehr: Es möchte ihn verlassen. Draußen im Garderobenraum stauen sich die Massen. Unheimlich, ja nicht ungefährlich ist das Gedränge. Doch nicht durch die Schuld des Publikums. Kein böses Wort, kein rücksichtsloses Vordrängen. Man benimmt sich— von verschwindenden Ausnahmen abgesehen— ruhig und besonnen. Und doch ist es da draußen fürchterlich. Jede Bcwegungsfteiheit des einzelnen ist aufgehoben. Man ist nur noch ein unselbständiges Atom einer drängenden, schiebenden, wogenden Masse. Nicht aus eigenem Willen, sondern nur den Bewegungen der Masse, in die man eingekeilt ist, folgend, wird man bald vorwärts, bald rückwärts, bald nach rechts, bald nach links geschoben. Ist man nach dreiviertelstündigem Hin- »und Herwogen endlich in den Besitz seiner Garderobenstücke gelangt, dann gilt es, die Beute mit erhobenen Armen über dem Kopf haltend, sich mit aller Kraft den Andrängenden entgegen nach der Mitte des Raumes durchzuzwängen. Hier wird man wieder vom Sttom der Massen erfaßt und von ihm langsam, sehr langsam dem Ausgange zugeführt. Erst auf der Straße ist man wieder einiger- maßen Herr seiner Bewegungsfreiheit. Am Saume des Friedrichshains. im ricielnden Aprilregen kleidet man sich an.— Man konstatiert: Abgerissene Knöpfe, zerknitterte Kleider, verbeulte Hüte und sonstige unangenehme Kleinigkeiten. Trotzdem atmet man erleichtert auf. denn es ist— ein Wunder kann man es fast nennen— ohne Rippen- bräche abgegangen. So war es am Sonntag, so wird es wohl schon öfter gewesen sein, denn der Saal der Brauerei Friedrichshain ist ja häufig der Schauplatz massenhaft besuchter künstlerischer Veranstaltungen der Läßt sich nichts tun. um die„Garderobenfrage" io zu Wittpahls„sozialdemokratischer Stellennachweis" Wir berichteten in Nr. 89 über einen gewissen Franz Wittpahl �Berlin, Kreuzbergstr. 3, Seitenflügel 3 Treppen), der an Stellung- suchenden verdienen möchte. Er hält es mit den Stellungsuchenden, die selber in Zeitungen annoncieren und dabei ihre Ndressen an geben. Ihnen schickt er Offerten, durch die er sich als Inhaber eines„Stellennachweises" empfiehlt. In Nr. 89 veröffentlichten wir den Wortlaut einer vom 9. April 1913 datierten Wittpahlschen Offert«. Sie war einem Stellungsuchenden zugegangen, der in der„Morgcnpost" annonciert hatte. Die uns vorgelegte Offert trägt die Aufschrift„Franz Wittpahls sozialdemokratischer Stellen- Nachweis" und spricht von„Genossen". Gegenüber dieser edlen Dreistigkeit Wittpahls stellten wir fest, daß er in keiner Beziehung zur sozialdemokratischen Partei steht. Von einem Leser unseres Blattes, der schon im vorigen Jahre als Stellnngsuchcnder an Wittpahl geriet, erfahren wir jetzt noch Näheres über den Geschäftsbetrieb des Mannes. Nachdem der Stellungsuchende in einem bügerlichen Blatt unter Angabe seiner Adresse annonciert hatte, erhielt auch er eine Offerte von Wittpahl. Er ging hin und wurde belehrt, daß er schriftlichen Gesuchen um Stellungen seine Zeugnisse beilegen müsse und bei Wittpahl für 2,50 Mk. fünfzig Abschriften der Zeugnisse haben könne. Der Stellungsuchende ließ sich darauf ein, und für die 2,50 M. wurde dann ein Muster eines Bewerbungsschreibens dazugegeben, sowie die Adressen einiger Firmen, bei denen er sich um Stellung bewerben sollte. Sache des Stellungsuchenden war nun, zu sehen, daß er eine Stellung bekam. Wittpahl hatte ihm die vorausbezahlten Zeugnisabschriften übersandt mit einem Be. gleitschreiben, das bei Bedarf weitere Adressen gegen Zahlung von 30 Pf.(„für Porto und Schreibgebühren") anbot. Außerdem cinpfahl er, in Lesehallen zu gehen und in den Zeitungen nach Stellenangeboten zu suchen, auf die der Stellungsuchende sich dann melden müsse.„Der Erfolg wird ein sicherer sein," schloß Herr Franz Wittpahl. Von anderer Seite sind stns Mitteilungen über eine noch weiter zurückliegende Tätigkeit Wittpahls zugegangen. Er soll früher in Dir schau gewohnt haben. Kennt einer unserer Leser ihn von dort her? Max Kiesel. Ein äußerst rühriger Genosse hat am Sonntag im Reinicken dorfer Krankenhause die Augen für immer geschlossen: Max Kiesel. Von Beruf Zigarrenarbeiter, stürzte sich Max Kiesel schon im jugendlichsten Alter in die proletarische Bewegung. Von leiden schaftlichem Idealismus für die sozialistische Sache erfüllt, vertiefte sich Max Kiesel in unsere Literatur und schuf somit den Untergrund, auf den er später in der Organisation und Agitation bauen konnte Bald sehen wir den Feuerkopf von dem Vertrauen der Genossen ge tragen an die verantwortungsvollsten Stellen in der Partei gestellt. Sein Wirkungskreis war vornehmlich der 0. Berliner Reichstags Wahlkreis. Hier war Max Kiesel gewissermaßen zu Hause. Hier stellten ihn die Genossen an die Spitze der Organisation und jähre lang stand Max Kiesel as Vorsitzender der Wahlkreisorganisation vor. Alle Mühen der Kleinarbeit in der Organisation nahm Kiesel au- sich, wie die große Masse derjenigen, die ungenannt treu und brav Tag für Tag für unsere Ideale wirken und dadurch unsere Erfolge verbürgen. Max Kiesel verfügte über eine gute Redegabe und sehr oft gelang es ihm. durch seine Leidenschaftlichkeit die Massen fort. zureißcn und zu begeistern. So hat Kiesel auch als Agitator unserer Sache, die ihm heilig war. gute Dienste geleistet und auch sein Teil für Ausbreitung der sozialistischen Ideen beigetragen, die rein zu erhalten ihm eine sehr ernste Sache war. Wiederholt sandten ihn die Genossen des sechsten Kreises als Delegierten nach den deutschen Parteitagen und bekundeten dem Verstorbenen dadurch ihr Vertrauen. Aber nicht nur auf politischem Gebiete wirkte Max Kiesel. Eingedenk der Tatsache, daß auch die gewerkschaftliche Bewegung als Mittel für die Befreiung der Arbeiterklasse vom ökonomischen und politischen Joch in Frage kommt, war Mar Kiesel ein eifriger Anhänger seiner gewerkschaft licben Organisation. Gerade er wußte, wie notwendig die Ver besserung seiner miserabel entlohnten Kollegen in der Tabakindustrie und ihre politische Aufklärung war, und deshalb fehlte Max Kiesel bei keiner größeren Aktion der Tabakarbeiter Berlins. Und nicht blas in Berlin wirkte Kiesel, sondern auch weiter hinaus in die Provinz ging seine Tätigkeit, hier wie dort die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation in beredter und überzeugender Weise dartucnd. Aber der Tätigkeit des rastlosen Mannes sollte bald ein Ziel gesetzt werden. Eine schleichende Krankheit zehrte an dem wirkte, und mehr wie einmal sehen wir in dieser Zeit Max Kiesel auf den Brettern, unter Ucberwindung der größten körperlichen Schmerzen seine Kollegen für die Organisation begeisternd. Er wollte sich nicht unterkriegen lassen. Noch am 0. April rafft er sich auf, um in einer Versainmlung in Reinickendorf eine flammende Anklage gegen den Rüstungswohnsinn zu schleudern. Aber die Krankheit fraß weiter. Am Freitagabend mutzte der schwersieche Mann das Krankenhaus aufsuchen und bald darauf raffte ihn der Tod hin. Eine chronische Lungenentzündung in Verbindung mit anderen Leiden ctzte dem Leben ein Ziel. Mit ihm hat ein Mann die Augen für immer geschlossen, welchem die Partei und die Gewerkschaft alles galt und denen er sein Bestes gegeben. Die Genossen, die Max Kiesel gekannt haben, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung.findet am Donnerstagnachmitag 4 Uhr auf dem Reinickendorfer Gemeindeftiedhofe, Humboldtstratze, statt. Ein gefährlicher Kinderfreund treibt in den nördlichen Vororteu sein Unwesen. In Reinickendorf, Wittenau, Borsigwalde lockt ein junger etwa 2Sjähriger Mann Schul- mädchen an sich, die er dann nach entlegenen Stellen führt und sich dort an ihnen zu vergehen versucht. Der Unhold bedient sich stets eines Rades, auf dem er dann schleunigst die Flucht ergreift. Vor- gestern lockte der Bursche in der Rödernallee in Wittenau die neun- jährige Frida Decklage an sich und bot der Schülerin an, sie ein Stück auf seinem Rade spazieren zu fahren. Das Mädchen ging auch auf den Vorschlag ein und der Radfahrer fuhr durch mehrere Straßen nach dem alten Kirchhof. Hier sprang der Mann plötzlich ab, warf das Mädchen zur Erde und versuchte es zu vergewaltigen, Auf die Hilferufe des Kindes, das sich energisch zur Wehr setzte. eilte eine Frau herbei, die sich zufällig in der Nähe aushielt. Beim Herannahen der Frau schwang sich der Bursche auf sein Rad und jagte davon. Glücklicherweise hatte der Unhold seine Absicht nicht ausführen können. Das Überfallene Kind hatte am Halse schwere Würgemerkmale aufzuweisen und mußte in ärztliche Behandlung ge- geben werden. Leider vermag die Kleine keine genaue Personal- beschreibung des Täters zu geben, doch steht es fest, daß in allen Fällen derselbe Täter in Betracht kommt. Arbeiterschaft..__________,_... lösen, daß man ohne Gefahr für Leib und Kleidung seine Garderobe energicvollcn Kiesel und nötigte den ohnehin auch mit materiellen zurückerhält? Unseres Erachtens gibt es ein einfach� Abhilfsmiitel: Sorgen Kämpfenden, seine agitatorische Tätigkeit etwas einzuengen. Man öffne nach Schluß der Veranstaltung nicht alle drei nach der Trotzdem hat Kiesel, der seil fünf Jahren schwer litt, nie ausgespannt. Garderobe führende Ausgangstüren des Saales, sondern nur die In diesem Jahre finden wir den schwer Leidenden immer wieder in Mitteltür und halte die beiden seitlichen Ausgänge geschlossen. Durch(der Agitation für seine Berufsorganisation, in der er als Gauleiter Kaninchenbraten ist auch ohne die Schöneberger Karnickelfann infolge der anhaltenden Fleischteuerung seit Jahresfrist eine Ar- beiterdelikatesse geworden. In zahlreichen kleinen Kaufläden und Gastwirtschaften werden Kaninchen mit und ohne Fell zum Per- kauf feilgehalten. Ebenso stehen Speisen, die aus Kaninchenfleisch zubereitet sind, jetzt vielfach auf den Speisekarten kleiner, vor- wiegend aus Arbeiterkreisen besuchter Restaurants. Die gewerbs- mätzigen Kaninchenjäger, die mit Frettchen oder Flinte arbeiten, haben gute Tage. Sie werden für geringes Entgelt oder oft un- entgeltlich gern auf ländlichen Grundstücken, wo die Kaninchen- plage überhand genommen hat, zugelassen. Auch die Land- bewohner selbst machen sich die Konjunktur zunutze und senden ihre Beute zum Verkauf nach Berlin. Auf dem Tische des Herrn Land- Wirtschaftsministers wird ja deshalb noch lange kein Ragout von Karnickel vertreten sein. Ein gefahrdrohender Wohnungsbrand kam gestern abend in der Warschauer Str. 45 zum Ausbruch und beschäftigte die Feuerwehr anderthalb Stunden. Das Feuer hatte seinen Herd in einer Wohnung des dritten Stocks und führte in kurzer Zeit eine starke Verqualmung der Wohnungen im vierten Stock herbei. Als die Feuerwehr eintraf, war ein Vordringen bis zum vierten Stock über die verqualmten Treppen nicht mehr möglich. Brandmeister Schunck ließ da- her einen Sauerstöffschutzhelm in Benutzung nehmen, und der danrit aus- gerüstete Sappeur drang nach dem vierten Stock vor und sorgte für den Abzug des erstickenden Rauches. Die Mieter des 4. Stocks hatten alle Fenster nach der Straße geöffnet und lehnten sich aus dem Fenster, um frische Luft zu bekommen. Die Wohnungen waren vollständig verqualmt. In der brennenden Wohnung im 3. Stock hielt sich niemand auf. Das Feuer, das Betten und Möbel erfaßt hatte, wurde mit einer Schlauchleitung gelöscht. Hätten die Be- wohner des 4. Stocks die Ruhe nicht behalten, so hätte es leicht zn einer Katastrophe kommen können.' Ein schwerer Sttaßcnbahnunfall hat sich ani Friedrichshain zugetragen. Die zwanzigjährige Verkäuferin Emmh Heinrich, Swinemünder Str. 113 wohnhaft, kam die Straße am Friedrichs- Hain entlang gegangen und beabsichtigte dann nach dem KönigStor einzubiegen. Als sie an der Kreuzung den Fahrdamm überschritt, wurde sie von einem Motorwagen der Linie 74 erfaßt, zu Boden geworfen und eine Strecke mitgeschleift. In besinnungslosem Zu- stände brachte man die Verunglückte nach dem Krankenhause am Friedrichshain, wo neben schweren inneren Verletzungen auch eine Gehirnerschütterung bei ihr festgestellt wurde. Zu dem Goldwarcndiebstahl im Warenhaus Tietz am Alexander- platz wird mitgeteilt, daß der Täter als der 20 Jahre alte Hand- lungsgehilfe Ernst Dicke verhaftet wurde und von der Kriminal- Polizei dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Es war auf- gefallen, daß Dicke nur noch wenige Schmucksachen und trotzdem auch nicht viel Geld mehr besaß. Man dachte deshalb erst, daß er noch einen Teil der gestohlenen Schmucksachen irgendwo versteckt habe. Das ist aber nicht der Fall. Schneller und leichter, als man es für möglich gehalten hatte, ist es dem Diebe gelungen, seine Beute zu Geld zu machen. Der Diebstahl wurde schon eine halbe Stunde nach der Vorübung in der Nacht um l�/a Uhr entdeckt und der Verdacht fiel sofort auf Dicke. Die Kriminalpolizei benachrichtigte un« verzüglich schon am frühcnMorgen alle Juweliere und Altwarenhändler, teilte ihnen auch mit. daß der Dieb Dicke heiße und beschrieb diesen und seme Beutestücke. Trotzdem kauften hiesige Juweliere bald darauf dem Täter, der sich mit seinen Papieren ans den Namen Dicke auswies, alles ab, was er anbot, ohne auf die polizeiliche Warnung zu achten. Sobald Dicke das Geld in der Tusche hatte, bestellte er seine Geliebte durch Rohrpostbrief zum Nachmittag nach einxr Konditorei in der Nähe ihrer Wohnung. Vor dem Stelldichein aber las er abends in einem Cafö einen Bericht über seine Tat und darin eine Bemerkung, aus der hervorging, daß die Kriminalpolizei ihn als Täter kannte. Jetzt kümmette er sich nicht mehr um seine Braut und die Verabredung mit ihr, fuhr vielmehr schleunigst nach einem Vorort und von dort aus nach Hannover. Die Kriminal- Polizei, die von dem verabredeten Stelldichein Kenntnis erhalten hatte, wartete in der Konditorei vergeblich auf ihn. In Hannover warf Dicke mit dem Gelde so um sich, daß er der Kriminalpolizei, die von hier aus schon benachrichtigt war, sofort ausfiel. So wurde er bald ergriffen. Auf offener Straße erschossen hat sich in der Nacht zum Sonn- tag der 18 Jahre alte Arbeitsbursche Willi Eiser aus der Hussiten- stratze 4/5. Eiser war früher ein anständiger und gutmütiger Junge. Nach einem Unfall vor zwei Jahren änderte sich sein Wesen. Damals flog ihm bei der Arbeit ein Stück Holz gegen den Kopf. Seitdem war er zu nichts Rechtem zu gebrauchen. Nachts um 1 Uhr schoß er sich in der Badstratze vor dem Omnibusdepot eine Kugel in die rechte Schläfe und war sofort tot. Verloren. Der ehrliche Finder, welcher am Freitagabend auf Station Lichtenberg-FriedrichZfelde aus Zug 5,38,»letzten Wagen, ein braunes Paket versehentlich mitnahm, wird höflichst gebeten, dasselbe dem Verlierer zurückzugeben, da er ersatzpflichtig ist; der Inhalt ist für jeden anderen tvertlos. Abzugeben an Kurt Schön, Friedrichs» felde, Walderseestr. 74, Seitenflügel U rechts. Zeugengefuch. Personen, welche den Vorgang, der sich am beginnt pünktlich 7, Uhr bei Brochada, Vittoriaftraße.- Am Nach- y reich- Schlesien, einziehen. Seine Wahr, die durch den Tod bes 7. März abends 11 Uhr nach Schluß einer Jugendversammlung in mittag findet dort außerdem Gartenkonzert statt; ferner Kinder- Grafen Sedlnikki notwendig wurde, erfolgte einstimmig. Von der Koppenstraße abgespielt hat, beobachtet haben, werden dringend beluftigungen allerlei Art und Reigenfahren der Arbeiter- Radfahrer. dem Vertrauen der gesamten Wählerschaft getragen, fiel dem Grafen gebeten, ihre Adresse umgehend an Aleg Moltenthin, Koppenſtr. 81, Stolberg das Mandat zu. Die Einstimmigkeit zu erzielen, war Ober- Schöneweide. born IV bei Belling, abgeben zu wollen. Luisentheater. 3aza", die Titelheldin des gleichnamigen richtet wird, der hiesige Grundbesigerverein in der letzten Versamm Friedrich als Herzog von Letschen, der Erzherzog Gugen Für eine Eingemeindung nach Lichtenberg sprach sich, wie be- freilich nicht schwer, denn die Wähler waren der Erzherzog Stücks, haben schon so manche berühmte Wandermiminnen zu Nachdem die kommunalen Vereine in Karlshorst und und der Fürst Liechtenstein. Die drei erlauchten Wähler einer ihret Paraderollen ertoren. Und das ist begreiflich; denn lung aus. darin läßt sich so recht nach Herzenslust mit wenig Talent und Friedrichsfelde sich bereits mit Lichtenberg wegen einer Eingemein- kommen zwar vielleicht das ganze Jahr nicht nach Schlesien, aber viel sittlichem Pathos loslegen". Otty Severa freilich scheint dung in Verbindung gesetzt hätten, sei auch für Ober- Schöneweide was macht das. Sie vertreten den Grundbesitz und das genügt, um dieser Aufgabe noch nicht gewachsen zu sein. Ihre Volfssängerin" eine solche die einzige Möglichkeit, die Zukunft der Gemeinde sicher ihr Wahlrecht zu begründen. Dafür haben rund 300 000 schle= machte manchmal den Eindrud eines soeben aus dem Gi ge- zustellen, zumal auch die territoriale Entwicklung dieses Ortes jische Arbeiter überhaupt tein Landtagswahlfrochenen Badfijches. Gleichwohl zeigte sie im vierten Aufzug, begrenzt fei. recht. Das ist auch nicht nötig, denn die hohen Herren wissen schon, da, wo sie sich mit ihrem Liebhaber Berton auseinandersetzt, Bei der gestern stattgefundenen Wahl der Arbeitgeberbeifiter zum wo den Armen der Schuh drückt. Momente einer erfreulichen Charakterisierungsgabe. Die von Edel- Gewerbegericht wurden für die Liste I( Freie Liste) 92 Stimmen und mut triefende Resignation, die Zaza im Schlußaft zum Ausdruck für die Liste II( Großindustrielle) 152 Stimmen abgegeben. Es ent zu bringen hat, blieb aber doch allzu befangen in den Windeln fallen demnach auf die Liste I vier und auf die Liste II sechs tonventioneller Deklamiererei stecken, als daß sie überzeugen Kandidaten. konnte. Die Regie wird energisch nachhelfen müssen, um aus dem Ensemble was gutes zu machen. Die kleine Edelgard Mandel gab das Plappermäulchen Toto" mit herzerfrischender Unbefangenheit und wurde dafür durch Ueberreichung einiger Süßigkeiten belohnt. Radrennen auf der Olympiabahn. Das am Sonntag verregnete 100- Kilometerrennen um den Olympia Preis( 1500, 1200, 1000, 800 und 700 M.) konnte am Montagabend zu Ende ge= fahren werden. Das Rennen gestaltete sich zu einer Triumphfahrt für A. Stellbrint, der vom 20. bis 40. Kilometer die Bahnreforde drückte, dann aber zu einem Radwechsel gezwungen war. Bon seinem Schrittmacher Strüger gleich wieder in Schwung gebracht, hatte er nur eine Runde eingebüßt, die er vor seinem schärfsten Gegner Nettelbeck voraus hatte. Zepterer gab sich redliche Mühe, seinen Landsmann zu überholen, aber alle Angriffe blieben erfolg Tos, er bleibt bis zum 70. Kilometer mit 460 Meter Abstand hinter Stellbrink. Dann lassen die Angriffe Nettelbeds nach und bis zum Schluß büßt er 1410 Meter ein. Stellbrink hat sich den Bahnrefords wieder bedeutend genähert, kann sie aber nicht unterbieten. Unter stürmischem Beifall fährt Stellbrink seine Ehrenrunde. Von den übrigen Teilnehmern hielt sich Moran am besten, er blieb 3430 Meter zurück, Böschlin 5170 Meter und Ebert gab beim 80. Nilometer das Rennen auf.- Ein vorangegangenes Vorgabe fahren fonnte Rütt als Malmann nicht holen, er endete auf dem aweiten Platz hinter Behrendt( 800 Meter Vorgabe); 3. Finn( 15); 4. Jofiel( 270). Vorort- Nachrichten. Die Abteilungslisten für die Wahlmännerwahlen liegen in den nächsten Tagen in den einzelnen Stadt- und Landgemeinden zu jedermanns Einsicht öffentlich aus. Innerhalb der Auslegungsfrist kann gegen die Richtigkeit derselben mündlich oder schriftlich Einspruch erhoben werden. Die Liſten liegen aus für Wilmersdorf. Am Mittwoch, den 23., Donnerstag, den 24., und Freitag, den 25. April, während der Tagesstunden von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags im Wahlbureau, Gasteinerstr. 11, 2 Treppen. Tempelhof. Vom 24. bis 26. April, im Zimmer 8 des GemeindeHauses, Dorfstr. 42, in der Zeit von 8-3 Uhr. Schöneberg. 1 Reinickendorf- West. Vom Geist der deutschen Universitäten. Wir lesen in der„ Chemnizer Boltsstimme" die folgende Gegenüberstellung: 1848: Jm„ Bonner Wochenblatt" Nr. 82 vom 23. März 1848 findet fich folgendes Inserat: Heute um 10 Uhr vormittag findet in der Münsterkirche ein hochfeierliches Traueramt für unsere zu Berlin im Freiheitstampf gefallenen Brüder statt, wozu sämtliche mitfühlenden Stadt- und akademischen Bürger als Leibtragende ganz ergebenst eingeladen werden. ( Während des Gottesdienstes werden freiwillige Gaben zum Vorteil der Hinterbliebenen gesammelt.)" und 1913: In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genose Bahr den sich über drei Quartale erstreckenden Vorstandsbericht. Hervorzuheben ist aus demselben, daß am 31. März ein Mitgliederbestand von 627 männlichen und 177 weiblichen( i. V. 571 männliche und 177 weibliche) vorhanden war. Der Abonnentenstand des Vorwärts" beträgt 931( 886); die Bibliothek weist 367 ( 349) Bände auf. Der vom Bildungsausschuß im Oktober arrangierte Serienvortrag Vom Urtier zum Menschen" war durchschnittlich von 296 Personen besucht. Zur Frage der Reorganisation der Zahlabende wurde das gemischte Kassierersystem eingeführt, Das Amtsblatt für soziale Arbeit der Berliner Freien Studentenso daß nach dreimonatlicher Restierung Hauskassierung stattfindet. Genosse Bahr mußte leider darauf hinweisen, daß die Beteili- fchaft hat von der Hochbegabten Künstlerin Käthe Kollwit gung an der Parteiarbeit oft zu wünschen übrig lasse, seine Worte eine Propagandakarte herstellen lassen, die eine Arbeitergestalt zeigt. langen in die Mahnung aus, besonders zu den kommenden Landtags- Diese Karte wurde auch am schwarzen Brett der Berliner Universität wahlen der Partei sich zur Verfügung zu stellen, um weitere Bresche ausgehängt. Prompt erfolgte von der Universitätsbehörde der An den Vorstandsbericht Befehl, die Karte zu entfernen in das Dreiflaffenhaus zu legen. natürlich ohne Angabe knüpfte sich eine lebhafte Debatte, in welcher die Redner ihr Ein- von Gründen. verständnis mit dem Bericht zum Ausdruck brachten, jedoch einzelne Wünsche der Berücksichtigung des Vorstandes empfahlen. Tödlicher Grubenunfall. Auf der Zeche Rarolinenglüd bei bom Genossen Bendt gegebene Kaffenbericht schließt mit einer Einnahme von 4216,25 W. und einer Ausgabe von 3511,85 M. ab. Bochum wurde der Bergmann Rambach aus Wattenscheid, der Die Berichte der einzelnen Kommissionen ließen einen wesent im Sumpf mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt war, von dem An Stelle des freiwillig zurücklichen Fortschritt erkennen. Förderkorb vollständig zerniedergehenden getretenen Bibliothekars Genossen Heinrich wurde Genoffe Neu- maImt. Der Tod trat auf der Stelle ein. hoff gewählt. Die Neuwahl der Bezirksleitung soll erst nach der Landtagswahl vorgenommen werden. Der Sigungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Pankow. Dienstag, den 22. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, im RatHause, Breitestraße 24/25. Neukölln. Donnerstag, den 24. April, nachmittags 5 Uhr, im Rats hause, Berliner Straße 63, neuer Sigungssaal( 2 Treppen). Diese Sihungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Aus aller Welt. Hausagrarier- Wünsche. Kleine Notizen. Der Autobanditen Ende. Die Autobanditen Monier, Soudy und Callemin wurden Montag früh 4 Uhr 30 Min. in Paris auf dem Boulevard Arago vor dem Gefängnis de la Santé hingerichtet. Von der Polizei waren große Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Irgendwelche Ruheſtörungen sind nicht bor gekommen. aus Absturz eines französischen Militärdoppeldeckers. Wie Troyes gemeldet wird, tippte ein mit zwei Unteroffizieren besetzter Militärdoppeldecker oberhalb des Lagers von Mailly um und stürzte ab. Die beiden Flieger erlitten schwere Verlegungen. Schweres Brandunglück. Bei einem in der Nacht ausgebrochenen Brande in Fischbach bei Hirschberg i. Schl. ist der Stellenbesitzer Friebe, sein siebenjähriges Kind und die Witive Kriegel umgekommen. Opfer des Flugsports. Wie aus Villacoublay( Frankmont aus einer Höhe von hundert Metern to blich abgestürzt. reich) gemeldet wird, ist am Montag der Offizierflieger DeblaAbsturz in den Alpen. An der Kugeligen Wand bei Tauer mont aus einer Höhe von hundert Metern tödlich abgestürzt. stürzte der Tourist Martin Rigger aus Innsbrud beim Suchen nach Alpenblumen vor den Augen seiner Kinder ab. Der Abgestürzte war sofort tot. Frauen- Lefeabende. Tempelhof. Mittwoch, den 23. d. M., 8 Uhr, im Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9, Vortrag über: Die Frauen und die Landtagswahl." Waidmannsluft. Mittwoch, den 24. April, 8 Uhr, im Schweizerhaus. Genoffin Ottilie Baader über:" Militarismus und die Frauen." Im industriellen Westen herrscht ein großer Wohnungsmangel. Für die Arbeitermassen, die sich dort zusammenballen, werden nicht Briz- Budow. Im hiesigen Wahlbureau, Chausseestraße 50 so viel Wohnungen gebaut, wie nötig sind. Ganz besonders schlimm ( Einwohnermeldeamt) am 24, 25., 26. April, während der Dienst sieht es in Elberfeld- Barmen aus. Während nach einer stunden von 8-1 Uhr vormittags und von 2-4 Uhr nachmittags, Busammenstellung des Statistischen Amtes der Stadt Köln im am Sonnabend von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags. Jahre 1912 in Hamburg 6,9 Proz., in Berlin- WilmersNeukölln. Am Sonntag, den 27. April, von 1-5 Uhr nach- dorf 6,4 Proz. und in Berlin- Schöneberg 3,4 Proz. mittags, am Montag, den 28. April, von 8 Uhr vormittags bis Wohnungen leer standen, waren es in Elberfeld nur 0,6 Proz. 7 Uhr abends, und am Dienstag, den 29. April, von 8 Uhr vor Von diesen sind ein Teil nicht zu bezahlen und ein anderer Teil mittags bis 7 Uhr abends und zwar 1. in der Turnhalle der Gemeindeschule, Weserstraße 12-13, für die Urwahlbezirke 1-24 und nicht zu bewohnen. Die Folge dieser furchtbaren Wohnungsnot ist 70-77; 2. in der Turnhalle des Kaiser- Friedrich- Realgymnasiums, natürlich, daß die Hausbesitzer nicht nur horrende Mieten fordern, Kaiser- Friedrich- Straße 209-210, für die Urwahlbezirke 25-36, sondern sich auch noch sonst allerhand erlauben können. Die Vor62-69, 80, 81, 93-95 und 110-113; 3. in der Turnhalle der Real- schriften, die manche Hausbefizer ihren" Mietern machen, muten schule, Boddinstraße 34-41, für die Urwahlbezirfe 78, 79, 82-92, denn auch sehr oft als Beiträge zu Wizblättern an. Daß in manchen 96-109 und 117–126. Mietsverträgen die Vorschrift enthalten ist, daß alle Bewohner eines Hauses nur von einem Bäcker oder einem Milchhändler ihr Frühstück beziehen dürfen, fällt schon gar nicht mehr auf. Aber selbst für Elberfeld- Barmer Verhältnisse etwas stark ist das, was ein Hausagrarier namens Friedrich Nießen in Barmen, Herzogstraße,„ seinen" Mietern( wörtlich) in den Vertrag schreibt: " In die Erfte zwei Monat bei Antritt der Wohnung die Dede zu tälten, die Zimmer zu tapezieren und die Fußböden zu streichen. Sodann ist zweimal im Jahre GemeinHauspuh und zwar von 15-20 Febr. 15-20 Aug. schaftlich auch ist der Reihenfolge nach die Kellertreppe zu puzen. Marktpreise von Berlin am 19. April 1913, nach Ermittelungen Es wird hier nicht gestattet, daß ein Milchbauer, des fönigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,38 Bäder, Megger oder sonst ein Geschäft es mag heißen wie bis 20,50, mittel 20,14-20,26, geringe 19,90-20,02. Roggen, gute Sorte es will in meinem Hause hereinkommt. 16,28-16,30, mittel 16,24-16,26, geringe 16,20-16,22( ab Bahn). FutterSämtliche Sachen müssen an der Haustüre angerfte, gute Sorte 16,20-16,80, mittel 15,60-16,10, geringe 15,00-15,50. genommen werden. Es darf des Morgens von 7 Uhr und Hafer, gute Sorte 17,60-19,80, mittel 16,50-17,50( frei Bagen und ab Mais( runder), gute des Abends nach 10 Uhr nicht mehr geschellt werden. Die Bahn). Mais( mired), gute Sorte 15,00-15,20. Fußböden in den Zimmern müssen mit klaren Waffer Sorte 15,40-15,60. Richtstroh 4,60-5,00. eu 6,00-7,50. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen gereinigt werden.( Nicht mit Seife.) Die Türen und Fußleisten Linen 35,00-60,00. 30,00-50,00. Speisebohnen, weiße 35,00-60,00. ebenfalls mit klaren Wasser gereinigt. Auch muß jeden Startoffeln( Kleinhol.) 5,00-8,00. 1 kilogramm Rindfleisch, von der Steule Morgen die Treppe und Klosett mit laren Waffer gepugt 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,50-2,00. werden. Es müssen auch der Reihenfolge nach gute Stalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,50-2,40. Butter 2,20-3,00. 60 Stüd saubere Gardinen an die Flurfenster aufgehängt Gier 2,80-4,80. 1 Kilogramm Starpfen 1,20-2,40. Male 1,60-3,20. Bander Hechte 1,40-2,60. Barsche 1,00-2,40. Schlete 1,60-3,20, werden. Der Mieter verpflichtet sich der Hausordnung volII- 1,40-3,60. Bleie 0,80-1,40. 60 Stud Streble 1,75-45,00. ständig nachzukommen. Die Gewerkschaftskommission nahm in ihrer letzten Sizung zu nächst einen furzen Vortrag über die Bedeutung freier Fortbildungskurse für Arbeiter entgegen. Der Unterricht, der sich hauptsächlich auf die weitere Ausbildung im Rechnen, Schreiben, Zeichnen und Lesen erstrecken soll, findet in Charlottenburg, Schloßstr. 2, statt. Dort werden Schüler angenommen. Alsdann berichtete Genosse Henkel aus der Arbeitsamtsdeputation, daß in einigen Fällen ArbeitsLosen die Unterstüßung nicht ausgezahlt worden sei, angeblich weil eigenes Verschulden der Arbeitslosigkeit vorgelegen habe. Wie der Redner im einzelnen nachwies, hat sich diese Annahme als unzutreffend erwiesen. Ein Antrag der Zimmerer, die Abstempelung bon 8-9 und von 12-2 Uhr vorzunehmen, sei angenommen worden. Am 1. Mai soll mittags eine Gewerkschaftsversammlung abgehalten werden. Es fehlten die Vertreter der Schneider, der Austunftsstelle und der Friseurgehilfen. Für den Berein Jugendheim sind eingegangen von den Arbeitern der Firma Mig u. Genest 100 M., von den Brauereiarbeitern der Schloßbrauerei 43 M. Neukölln. Durch einen Sprung aus dem Fenster versuchte sich gestern vormittag die Arbeiterin S. aus der Warthestraße das Leben zu nehmen. Das Mädchen, das in einer Metallwarenfabrik in der Diese Vorschriften des gemütvollen Hauswirtes find nun nicht Juliusstraße beschäftigt war, leidet an Krämpfen und fand trotz aller Versuche feine Heilung. Als es gestern vormittag gegen 11 Uhr etwa für eine Villa oder ein herrschaftliches Haus, sondern für auf der Arbeitsstelle wieder einen Anfall nahen fühlte, eilte es die Proletarierwohnungen. Daß Herr Niessen nicht gut auf Treppe hinauf und sprang aus dem Flurfenster im dritten Stod auf die Milchbauern, Bäcker und Metzger zu sprechen ist und denen den den gepflasterten Hof hinab. Mit zerschmetterter Kinnlade und gebrochenen Beinen wurde die Unglückliche nach dem Krankenhaus in Buckow gebracht, wo sie hoffnungslos daniederliegt. Köpenick. Den Bericht des Vorstandes erstattete in der GeneralversammYung des Wahlvereins der Vorsitzende Heinr. Wizler. Aus dem felben geht hervor, daß die Mitgliederzahl um 29 gestiegen ist. Nach dem Kassenbericht war am Beginn des Geschäftsjahres ein Kassenbestand von 194,54 M., am Schluß desselben ein solcher von 244,44 M. vorhanden. Die Neuwahl des Vorstandes ergab: Wißler als erster, Müller als zweiter Vorsitzender, Kießling Kassierer, Lorenz Schriftführer, Beisiger: Höhne und Frau Schmidt. Neuaufgenommen wurden 11 Mitglieder. Gegen das bisherige Mit glied Tauchert follte ein Ausschlußverfahren eingeleitet werden, weil Derselbe Mitglied des Flottenvereins geworden ist. T. ist indeffen durch Austritt zuvorgekommen, nachdem die Zahlstelle in seinem Lotal aufgehoben ist. Genosse Herbst verwies noch auf die von der Stadt neueingerichtete Zahnklinik, in welcher jedes Kind bis zum 14. Lebensjahr gegen ein Entgelt von 1 M. in Behandlung genommen wird. Zum Schlusse forderte Genosse Schubert zu reger Beteiligung an der bevorstehenden Maifeier auf. Lankwiz. Tempelhof. Die gut versorgten Handelsangestellten lautet bas Thema, über das Genoffe Reichstagsabgeordneter Dr. Duard in einer heute Dienstag, abends 8, Uhr, im Restaurant Stuhlmann, Dorfstraße 50, stattfindenden öffentlichen Bersammlung referieren wird. Wir bitten unsere Genossen, die zahlreich am Drte wohnenden oder beschäftigten Handlungsgehilfen und Gehilfinnen auf diese Bersammlung Verein der Freidenker sür Feuerbestattung. Mittwoch, 23. April, abends 8 Uhr: Bersammlung im" Rosenthaler Hof", Rosenthaler Straße 11/12. aufmerksam zu machen. Stationen Witterungsübersicht vom 21. April 1913. Eintritt in„ sein" Haus verwehrt, hat seine praktische Ursache darin, daß er selbst einen Stolonialwarenhandel betreibt und seine" Mieter deswegen ihre Bedürfnisse bei ihrem Hausherrn zu deden haben. Aber der Mann ist doch immer noch so liberal, daß er wenigstens Swinemde. 763 den Mietern noch das Betreten der Wohnungen gestattet. Und Hamburg 765 S Berlin das ist bei der herrschenden Wohnungsmisere doch wenigstens noch Franks. a. 766 NO ein Vorzug.. Auf Freiersfüßen. München Wien lichen 76523 Better Stationen 3 balb bd. 7 3 Nebel 3 2 mollig 5 Scilly 2 Better WoPo 31880 2wolkenl 2beiter 11 9 Haparanda 758 Betersburg 761 SD 1753 S Aberdeen 758 SGD 3mollig 761 SD 2 bedeckt 1 Dunst 2 heiter 6 Paris 765 WNW 3wolfen! 7 766 SD 2 wolfig Wetterprognose für Dienstag, den 22. April 1913. Bunächst ziemlich heiter, nachts tühler, am Tage mild bei mäßigen füdWinden; später zunehmende Bewölkung und etwas Regen. Berliner Wetterbureau. Der wohlgesinnten Presse und ihrem männlichen und weiblichen Staffeeschwesternanhang ist die schwere Sorge, wen eigentlich der seinem Bolle entronnene Egtönig Manuel freien werde, genommen worden. Aus Sigmaringen kommt die Nachricht, daß der König a. D. sich mit der Prinzessin Auguste Bittoria, der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Tochter des Fürsten Wilhelm von Hohenzollern, verlobt habe. Wasserstand Memel, Tilfit 17 Wafferstands- Nachrichten Wasserstand am feit 20. 4. 19. 4. cm cm³) 432+59 119<-10 148+12 76 354)+48 am ſeit 20. 4. 19. 4. Saale, Grochlitz Havel, Spandau) Rathenow) Spree, Spremberg³) cm 131 47 72 cm ¹) 106 0 Beeskow 79 110 -4 Befer, Münden 186 +8 64 -10 Minden 280 +22 42 +2 30-13 Rhein, Marimiliansau 209 4-9 13 4-5 Stöln 235+20 165 -4 Nedar, Heilbronn Main, Hanau 109-1 161 Mosel, Trier 225 +4 +81 Fall. 3) Unterpegel. ³) höchster Wir freuen uns des Entschlusses, denn es ist immer erfreulich, wenn ein junger Mann, der sich die Hörner abgestoßen hat, an der etwas solideren Ehe Geschmack gewinnt. Und Manuel hat sich die Hörner abgerannt. Wir haben die Zuversicht, daß er, nachdem er die Bregel, Insterburg leichtfertigen französischen Sitten bei der Soubrette Madmoiselle Weichiel, Thorn Dder, Ratibor Gaby studiert hat, ein um so größeres Gefallen an der bausStrossen Frantiurt Ein künstlerisches Programm soll in diesem Jahre bei der Mai- badenen deutschen Tugend gewinnen wird. Durch die enge Ver Landsberg feier am hiesigen Orte geboten werden. Es wirken dabei mit unter bindung mit den deutschen Fürstenhäusern wird voraussichtlich nichts Barthe, Schrimm Nete, Bordamm Leitung des Herrn Hofopernsängers Eugen Wolff Fräulein Eleonore an seiner Außerdienststellung geändert, oder es müßte OldenRangabé, jugendliche dramatische Sängerin vom städtischen burg den Leutnant und die zehn Mann abkommandieren. EIbe, Leitmerig Dresden Theater in Olmüz, Frau Annie Sander vom Deutschen SchauspielBarby Vom Vertrauen der Wähler getragen. Hause in Hamburg, Frau Dr. Klara Wolff, Pianistin von der Königlichen Hochschule für Mufit, Herr Erich Gernsdorff, lyrischer Tenor Mit berechtigtem Stolze kann der österreichische Graf Stol. bom Stadttheater in Düsseldorf, Herr Heinz Sarno, Schauspieler vom Belle- Alliance- Theater in Berlin. Außerdem hat der Männerchor berg- Stolberg als Vertreter des Großgrundbesizes in den Lankwiz- Südende seine Mitwirkung zugesagt. Die künstlerische Feier Schlesischen Landtag, die" Voltsvertretung" für OesterBerantwortlicher Redakteur: Alfrey Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantwo.; Th. Glode, Berlin. Drudu. Berlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW " Magdeburg 1)+ bedeutet Buchs, Wasserstand: 368 cm am 20. um 2 Uhr nachts. Kaub