Kr. 97. flbonncmcnts-Rcdingungcn: BSonnemeiüä. Preis pränumerando: vierteljährl. Z.Z0 Md, monatl. l.lv Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags. nunimer mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Ein-fetragen in die Post-Zeitungs. Prclsliste. Unter Rreuzbond für Deutschland und Oeilerrcich- Ungarn £20 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postobonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Iichrg. kklcheint täglich. Verlinev VollisblsK. vle TnferflonS'GebDty- beträgt für die sechsgespaltene Koloncl- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bercins- und BersammlungS-Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere»ort 5 Pfg. Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsten bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition obgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdcinolirat Rtrlli". Zcntilorgan der rozialdemokrattfcbcn partd Dcutfchlands. Redaktion: 8 AI. 68, Lienstrassc 69. Fernsprecher: Amt MorUtz, Nr. 1983. Expedition: 8AI. 68» �.indenstuasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984» Die belgihe Regierung auf dem Rückzug vor dem(Generalstreik. Ginfetzung einer SI)lrecl)tskommi!non. Ein erster Erfolg i.'rrungcn, die Klerikalen und ihre Regierung haben deungeheueren Druck, den der imposante Streik ausgeübt hat: a ch g e b e n müssen. Was sie so lange verweigert habe müssen sie nun zugestehen: eine Kommission wird eingesetz die das Provinz- und Kom- munalwahlrecht studieren solliud, wenn sie eine bessere Formel findet, dann würde, so das Resultat der Parlaments- Wahl von 1914 günstig ausfäl einer Verfassungsrevision und Wahlrechtsreform kein Widerstd mehr geleistet werden. Es ist eine sehr verklculierte Formel, ein sehr vor- sichtiges Zugeständnis, ein Hees Versprechen— nicht mehr. Aber hinter diesem Zugestänis steht eben der macht- volle Zwang des G ee r a l st r e i k s. Er hat der Verfassungsrevision jetzt trotz ledem den Weg gebahnt, und daß dieser Weg gegangen wem muß, dafür steht eben die Macht der Arbeiter kl sse ein, die sich in diesen Tagen so wunderbar offenbaihat. Was immer der außer- ordentliche Parteitag beschlien wird, der am Donnerstag zusammentritt, der Erfo des Generalstreiks steht heute schon sc und das tapfere belgische Proletariat hat in seine Rukeskronc einen neuen Lorbeer- zweig geflochten. Die entscheidende Kam ersitz ung nahm folgenden Verlauf: Brüssel, 22. April. Die Ärmer stimmte heute über den An- trag des Liberalen Masson.er am Freitag gestellt wurde, ab/ Die vorgeschlagene Tagesordnui wurde von den Katholiken dahin motiviert, datz nicht die Erklärigen, die der Ministerpräsident vorige Woche abgegeben hat, sondern ine sämtlichen Erklärungen, die er in der letzten Zeit über die Nhlreform in der Kammer gemacht hat, als Basis für die Tagesonung aufgefaßt werden. In dieser Tagesordnung heißt es, daß ee Kommission eingesetzt werden soll, die das Problem der Proviz- und Kommunalwablen studieren soll und, wen» s eine bessere Formel als die gegenwärtige finpet, könnt sogar für die Parlaments- Wahlen im Jahre 1914 di neu zu wählenden Abgeordneten ihre Wähler um ihre Meinui befragen. Sollten die Wähler sich im Sinne einer Revision ausspchen, danu würde sich wohl niemand einer Berfassungsrevifion widsetzen. Die Katholiken beantragten ferner, den General st rei zu mißbilligen. Der erste Teil der Tapäordnung wurde mit allen Stimmen, ohne die Stimme des Minist Präsidenten, der sich ihrer enthielt, weil seine eigene Regierungiur Abstimmung stand, angenommen. Der zweite Teil der Tagesoriung wurde mit allen Stimmen gegen die Stimmen der Sozialdemiralen und bei Enthaltung von zwölf progressistischen Stimmen azenommen. Die ganze Tages- 0 r d n u n g wurde hierauf nt 133 gegen 2 Stimmen bei 38 Slimm- entbaltungen der Sozialdemstaten angenommen. Die Sitzung wurde hierauf vertagt. Die �Zuffassung der belgileken Eenoffen. Ein Afruf der Fraktion. Vrüssel, 22. Apri(P r i v a t t c l e g r a in in des „V 0 r w ä r t§".) Führade Genossen meinen, daß angesichts der parlamentarischen Konstellation und der Haltung der Liberalen der Generalstrik den gewünschten Erfolg d» r ch a u s e r r e i ch t Hat, da der V e r f a s s u n g s- r e v i s i 0 n jetzt der parlamentarische Weg geebnet ist. Die Annahme des Amendements Libaert, das den Streik mißbilligt— der Klerikae hat den Passus aus einem früheren Vermittelungsantrag de< Liberalen Hhmans entnommen— wird lediglich aufgefaßt ils eine Rückzugskanonade der Regierung. Die parlamentarisfhe Fraktion der Arbeiterpartei erläßt folgenden Aufruf an die Arbeiter: „Die Kammer hat soeben durch einstimmiges Votum die Er- klärung der Regierung guigeheiße», deren Bedeutung die Vertreter der Arbeiterpartei bereits am 18. April anerkannt und betont hatten. Unter diesen Nmtänden ist die Fraktion einstimmig der Meinung, daß die Arbeiterpartei beraten muß. Das Streikkomitee wird am Mittwochvonnittag zusammentreten, um über den Antrag auf Einberufung des außcrordent- lichen Parteitags für Donnerstag nachmittag zu beraten." Der Aufruf schließt: Die Streikendcu mögen mehr als je i» Treue znr Wahlrechtssache verharren und keiner möge die Arbeit wieder aufnehmen, b,S das Ziel erreicht ist.' Die steigende flut. Brüssel, 22. April.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Zahl der Streikenden beträgt jetzt über 459 999. In Brüssel traten heute 1999 Gas- und andere Gemeinde- «beiter ebenfalls in den Streik, sie werden durch Pioniere •fetzt.— Die Brüsseler Zeitungss etzer haben be- schlössen, Maßregeln zur voll ständigen Durchführung des Streiks zm treffen. Infolgedessen sind nur zwei Nachmittagsblätter erschienen. Am Sonntag vormittag wurde in den Straßen Brüssels die erste Nummer des in Lille gedruckten Strcikbulletins der Arbeiterpartei(Lulle bin äe la Greve Generale), das als Ersatz für den vom Setzer- streik betroffenen„Peuplc" dienen soll, ausgeboten. Das „Bulletin" erscheint in großem Format auf zwei Seiten, kostet 5 Cent. Pro Nummer und enthält nur auf die Streikbewegung bezügliche Nachrichten und Artikel. In dem flandrischen Jndustriestädtchen Renaix haben die Arbeiter von zwei großen Textilfabriken, wo bis jetzt weitergearbeitet wurde, gestern die Arbeit niedergelegt. Die Zahl der Streikenden in Renaix beträgt ungefähr 6999. Heute nachmittag fand in Charleroi eine großartige Demonstration statt, an der alle streikenden Arbeiter des Reviers, ungefähr 69 999 Personen, darunter ein Viertel Frauen, teilnahmen. Im Zuge wurden Hunderte von Fahnen, darunter einige der Liberalen, mitgeführt. Fröhliche Zuversicht erfüllte die Teilnehmer. Der liberale Bürger- meister hatte die Demonstration erlaubt, nachdem das örtliche Streikkoniitee erklärt hatte, es stehe für ihren ruhigen Charakter und für die Aufrechterhaltung der Ordnung ein- Mehrere Hundert Ordner des Streikkomitees haben den Auf- zug begleitet. Zwischenfälle waren nicht zu verzeichnen. Die Stadt hatte ein ganz sonntägliches Aussehen. Im Lütticbcr Revier. Brüssel, 21. April.(Eig. Bcr.) Auch im Lütticher Revier findet man die für die wallonischen Jndustriebezirke charakteristische Kombination von Bergbau, Schwer- eisenindustrie und Glasfabrikation. Hier herrscht indessen die Metallindustrie vor; die Hochöfen von Seraing, die Walzwerke und Stahlgießereien von Tilleur, Cugree und Angleur geben der Gegend das Gepräge. Als Ziel der Fahrt, die ich gestern von Lüttich aus durch das Revier unternahm, hatte ich mir Seraing gesteckt. Seraing ist der Sitz der berühmten Cockerillwerke, die für Belgien dieselbe Ve- deutung haben wie Krupps für Teutschland, und der größten Glas- fabrik Belgiens, der Cristallerie du Bal Saint Lambert. Ich wollte jedoch Lüttich nicht verlassen, ohne zunächst dem dortigen Volkshause, nach dem Namen des dort hausenden sozial!- frischen Konsumvereins„La Populaire" genannt, einen Besuch ab- zustatten. Tos etivas düster und unmodern aussehende Gebäude, an dessen Stelle sich übrigens in höchstens ein paar Jahren ein neues Volkshaus erheben wird, gehört an sich nicht zu den inter- essantesten der zahllosen Volkshäuser, die es in Belgien gibt. Wenn man dennoch von seinem Besuch einen nachhaltigen Eindruck mit- nimmt, so ist das hauptsächlich auf das Interesse zurückzuführeli, das es als Stätte der Füsilade vom. 3. Juni vorigen Jahres wach- ruft. Damals hat bekanntlich eine Abteilung Gendarmerie aus einer Entfernung von etwa 30 Meter auf die von einer Demon- stration zurückgekehrte Menge im Innern des Cafes, dessen Türen sämtlich verschlossen waren, mehrere Salven abgegeben, durch die drei Arbeiter getötet und etwa vierzig verwundet wurden. Ueber dreihundert Gewehr- und Pistolenschüsse sollen dabei abgegeben werden sein. Die Verwaltung hat die durchlöcherten Scheiben der Glastüren, soweit sie nicht überhaupt von den Äugeln zertrümmert worden sind, zwischen anderen Glasscheiben einfassen lassen, damit sie nicht auseinander fallen und noch lange zeugen von dem abscheu- lichen Meuchelmord, der hier geschehen. Zahllose kleine runde Löcher klagen diejenigen an, die hier durch geschlossene Türen auf eine wehrlose Menge geschossen haben. Auch im Innern des Cafes sind noch zahlreiche Spuren der Schießerei zu sehen. Auch hier findet man überall dieselben Löcher in Spiegelscheiben und im Holzwerke. Im oberen Stockwerke sind die Bureaus der gewerkschaftlichen Organisationen eingerichtet; dort erhalten wir von den Funktio- nären der Metall- und Bergarbeiter des Reviers alle Wünschens- werten Informationen über den Umfang und die Organisation des Streiks, an dem jetzt im Lütticher Revier allein über 79 999 Ar- bester beteiligt sind, von denen etwa 39 999 Bergarbeiter und die übrigen zum größten Teile Metallarbeiter sind. Alle Genossen, mit denen wir sprechen, geben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß die Bewegung einen derartigen Umfang angenommen habe, der die gehegten Erwartungen erheblich übertreffe. Besonders erfreulich aber sei die Tatsache, daß der Streik durchaus ruhig verlaufe und daß bis jetzt nirgends ernsthafte Zivischenfälle vorgekommen seien. Das ist im Lütticher Revier besonders bemerkenswert, weil hier der Streik nicht so absolut allgemein ist, wie etwa im Boriuage. Es gibt zwar nicht genug Streikbrecher, um die Betriebe im Gange zu erhalten, aber immerhin reicht ihre Zahl aus, damit ihre An- Wesenheit provokatorisch Wirte und den Unternehmern und Behörden einen Vorwand liefert zu einer weit umfassenderen Mobilisierung von Militär und Gendarmerie, als die, die ich im Borinage ton- staticren konnte. Bei den Lütticher Bergarbeitern ist der Streik tatsächlich all- gemein, wie übrigens in allen Revieren— man kann sagen, daß von den 149 999 belgischen Bergarbeitern nur ein Teil der Steiger und die für die Instandhaltung der Gruben behördlich requirierten Arbeiter setiva 39 per Grube) an der Arbeit sind. Bei den Metall- arbeitern sind die Schwierigkeiten deswegen etwas größer, weil man es hier— besonders in der Schwereisenindustrie— mit Riesenbetrieben zu tun hat, die nicht nur eine ziemlich buntscheckige und zum Teil aus Ausländern bestehende Arbeiterschaft beschäftigen, sondern deren Unternehmer auch dank ihrem großen politischen Ein- fluß über eine Macht verfügen, die sich nur mit der des Mittelalter- lichen Feudalismus über seine Hörigen vergleichen läßt. Die ge- werkschaftliche Organisation 3. B. begegnet bei Cockerill und den anderen Eisenmagnaten des Bezirks genau denselben Schwierig- ketten, die der Deutsche Metallarbeiterverband bei Krupp in Essen zu überwinden hat. Erst seit zwei Jahren ist es dem belgischen Metallarbeitcrverband dank einer gründlichen Modernisierung seiner Agitations- und Organisationsmethoden gelungen, nach zwei Jahr- zehnten erfolgloser, mit Brotraub und Verfolgung Hunderter be- strafter Versuche, in diesen Riesenbetrieben festen Fuß zu fassen; die Zahl der organisierten Lütticher Metallarbeiter ist infolgedessen im Laufe der jüngsten zwei Jahre von 1599 auf etwa 17 999 ge- stiegen. Indessen ist es auch hier gelungen, den größten Teil der un- organisierten Arbester mit in die Bewegung hineinzuziehen. Der Sekretär der Metallarbeiter, der uns begleitete, führte das folgende, in dieser Hinsicht charakteristische Beispiel an: In der Gewehrfabrik Lochet stehen die Arbeiter schon seit 19 Monaten im Ausstand. Es ist inzwischen der Direktion gelungen, 159 Streikbrecher aufzu- treiben. Diese haben sich schon am Montag aus eigenem Antriebe der Bewegung angeschlossen und streiken nunmehr wie ein Mann mit! Die Unternehmer setzen Himmel und Erde in Bewegung, um die Streikenden'zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Eine ganze Reihe von Bergwerksgesellschaften haben den in den zum. Werke gehörigen Häusern wohnenden Arbeitern zum 1. Mai die Wohnung gekündigt. Andere Werke, die staatlich anerkannte Bd- triebskassen für Jnvaliditätsversicherung und Alterspension haben, drohen damit, daß sie die Zahlung des Unternehmeranteils an der Versicherungsprämie einstellen werden, was angeblich(gesetzlich ist dies nicht zulässig) die versicherten Arbeiter um ihre Unter- stützungs- und Pensionsrechte bringen sollte. Die originellste Me- thode hat die Direktion der Cockerillwerke gesunden, die den bei ihr beschäftigten Streikbrechern nicht nur einen Lohnzuschlag be- zahlt, sondern sie auch noch jeden Morgen mit Schinkenbrötchen und Wein traktiert und ihnen für ihre Frauen Zuckersachen zum Naschen mitgibt— Vorteile, auf die allerdings mehr als 99 Proz. von den Arbeitern dieses sonst nicht gar so sehr auf das Wohl seiner Arbeiter bedachten Betriebes verzichtet haben.> Die Fahrt von Lüttich nach Seraing führt an den Hochöfen, Kohlengruben, Stahlgießereien, Walzwerken und Metallsabrike« aller Art vorüber, die das ganze Maastal bis gegen Huy hinaus, das 39 Kilometer von Lüttich entfernt ist, füllen. Auf der bis Seraing reichenden, 8 Kilometer weiten Strecke liegt ein Werk am andern. Vom Wagen aus kann man in die Gießereien und Walz- werke hineinsehen: es ist überalj so gut wie menschenleer. Rur an den Hochöfen wird gerade genug gearbeitet, um die Oese» nicht ausgehen zu lassen,!vas siir die Unternehmer allerdings von sehr großem Wert ist, denn das Wiederanmachen eines erloschenen Ofens soll, wie mir ein Genosse versicherte, etwa 159 999 Frank kosten. Die Streikbrecher, die hier arbeiten, werden nicht aus den Betrieben herausgelassen, wo für sie besondere Schlafstellen ein- gerichtet sind.. Es ist gerade um die Mittagszeit. Hier und da schlüpfen Streikbrecher aus den Toren der Fabriken und Werke heraus. Vor jedem Tor steht eine 29 bis 39 Mann starke Abteilung Infanterie, mitten aus der Straße patrouillieren Gendarmen. Das belgische Strafgesetz verbietet nämlich das Streikpostenstehen in jeder, auch in der harmlosesten Form; der berüchtigte§ 310, der noch weit schärfer ist, als der Z 153 der deutschen Gewerbeordnung, bestraft außer mit Geldstrafen mit Gefängnis von 14 Tagen bis zu 6 Mo- naten jede Person, die Arbeitswillige entweder durch Drohungen und Eiuschüchterungeu oder durch Ansammlungen in der Nähe der Betriebe belästigt, oder die sich an den Stellen aushält, an denen die Arbeitswilligen auf dem Gange nach und von der Arbeit vorübergehen müssen. Dieser Paragraph, der schon zahllose unserer gewerkschaftlich tätigen belgischen Genossen auf Monate ins Ge- fängnis gebracht hat, ist es, der den patrouillierenden Gendarmen die Handhabe bietet, den Streikenden und ihrer Familie sogar den Aufenthalt vor der Tür ihrer Wohnung zu verbieten, wenn die „Arbeitswilligen" dort vorüberziehen müssen. Das Cockerillwerk in Seraing ist mit Militär vollgepfropft. In den Hauptstraßen spazieren überall Gendarmen, die mit ihren Bärenmützen und stumpffinnig-brntalen Gesichtern geradezu kosakisch aussehen, bis zu den Zähnen bewaffnet, zu Zweien herum, um Ansammlungen und Zuwiderhandlungen gegen den§ 319 zu berhiuderii. Man kann der Arbeiterbevölkerung des Lütticher Reviers kein schöneres Zeugnis der Kaltblütigkeit und eisernen freiwilligen Disziplin ausstellen, als daß man konstatiert, daß trotz dieser geradezu empörenden Provokationsmaßregeln und dem glühenden Haß, den die belgischen Arbeiter den Gendarmen nach- tragen, bis jetzt nicht die geringste Ruhestörung vorgekommen ist. Die.�tfu�iffragen von Seraing sind' trotzdem mit Streikenden gefüllt, die gemütlich ihre Pfeife rauchend herumspazieren und sich nur davor hüten, Ansammlungen zu bilden oder etwa vorüber gehende Streikbrecher auch nur in einer Weise anzuschauen, die den Gendarmen Anlaß zum„Eingreifen" bieten könnte— denn das belgische Reichsgericht hat ja entschieden, daß auch ein„drohender Blick" als eine Zuwiderhandlung gegen§ 310 zu bestrafen ist! Ein parteiganössischer Stadtrat von Seraing— denn diese Gemeinde von 42 000 Einwohnern wird von den Sozialisten der- waltet, die alle Sitze bis auf einen im Stadtverordnetenkollegium innehaben— führt uns in eine Volksschule, die gerade— es ist l Uhr mittags von den Kindern verlassen worden ist. Mit be- rechtigtem Stolz zeigt er uns zunächst die überaus freundlichen und gesunden, in allen Ecken mit Pflanzen und Blumen geschmückten Schulräume. lieber dem schwarzen Brett hängt eine mit einer roten Schleife geschmückte Bergarbeiterlampe— als ein Symbol dafür, daß in diesen von den Sozialisten kontrollierten Volksschulen den Kindern die Ehrfurcht vor der Würde der proletarischen Arbeit gelehrt wird.„Wollen Sie nun sehen— fragt unser Begleiter was die Eltern unserer Schüler lesen? Und er holt aus einem Pult die Zeitung hervor, in der das Vormittags-Butterbrot gc wickelt war. Es ist der„Peuple". Sämtliche Pulte der einen Reihe werden auf diese Weise durchgenommen. Hier kommt der„Peuple" dori der„Reveil dcS Ätetallurgistes"(die belgische Metallarbeiter zcitung), etwas weiter die„Tribüne" idas örtliche Wochenblatt der Partei) zum Vorschein— kein einziges bürgerliches Blatt ist darunter. Ein Nebengebäude der Schule ist für die Schultinderspeisung eingerichtet. In: Hinblick auf den Generalstreik hat die Stadt Verwaltung die Einrichtung dieser als ständig geplanten Anstalt so beschlemiigt, daß sie gerade am Montag, den 14. April, zum ersten Male funktionieren konnte. KOOV Kinder— ganz gleich welche Schule sie besuchen, ob die klerikale Klosterschule oder die gemeindliche Volksschule— bekommen hier zu Mittag unentgeltlich Suppe und Brot. Die Portion Suppe ist allerdings so zubereitet und bemessen, daß sie mit dem hinzugegebenen Stück Brot eine vollständige Mahlzeit darstellt. Die Herstellungskosten betragen denn auch etwa 21 Centimes(17 Pf.) pro Portion. An dem Tage waren für die 6000 Portionen u. a. gebraucht worden: 27ö Kilo Rind- und Schweinefleisch, 50 Kilo Bcinfleisch, 500 Kilo Kartoffeln, 30 Kilo Sellerie und 200 Kilo trockene Erbsen. Tie Gemeindearbeiter in Seraing streiken alle, bis auf die im Wasserversorgrrngs- und Gesundheitsdienst Beschäftigten. Die Arbeiter der Elektrizitätszentrale— ein Privatbetrieb, der samt- liche Ortschaften des Jndustriereviers mit elektrischem Strom der- sieht— streiken ebenfalls bis auf 29 Handlanger, denen 28 Pioniere und 26 Infanteristen, letztere zur lleberwachung, beigegeben worden sind. Ter nächste Besuch war für die Kristallfabrik des Vail Saint Lambert in Aussicht genommen. Hier wird zum ersten Male ge- streikt, und zwar so gut wie vollständig; von den 3600 Arbeitern sind 'auui 100— meist junge Mädchen, die mit Reinigungsarbeiten beschäftigt sind— an der Arbeit geblieben. Hier erlebten wir ein gar lustiges Reportageabenteuer. Trotz der strengen Bewachung am Hoftore gelang es mir, zusammen mit zwei anderen Genossen, i» den Gebäudekomplex einzudringen. Die Erzählung, wie das möglich war, will ich den Lesern sparen— genug, es gelang uns dank einem erheblichen Aufwand au Unverfrorenheit, einigen Schwierigkeiten in der telephonischcu Verbindung zwischen dem Portiergebäude und dem Direktionskontor und einem gewissen Mangel an Uebereinstimmung zwischen den Orders, die die Fabrik- partjers und denen, die die überwachenden Ulanen erhalten hatten. Wir zogen geradezu unter dem Schutz des Militärs ein, konnten uns den stilliegenden Betrieb in aller Gemütsruhe ansehen und wurden erst herausgeschmissen, nachdem wir von einer Gruppe über- wachender Ulanen und jugendlicher Streikbrecher ein paar photo- graphische Zeitaufnahmen gemacht hatten! Wenn man uns nur noch fünf Minuten dagelassen hätte, so hätten wir mitten in der Fabrik für die uns umstehenden Soldaten eine Versammlung mit der Tagesordnung:„Ter Kampf der Arbeiter und die Armee" halten können. Auf der Rückfahrt, die per Eisenbahn vorgenommen wurde, bemerkten wir. daß in allen Bahnhöfen Militär einquartiert ist, das mit der lleberwachung der Bahnstrecken beauftragt ist. Die Wartesäle sind in Feldlager umgewandelt, überall spazieren Schild- wachen auf und ab. Die Haltung der Soldaten kontrastiert übri- genS scharf mit der der Gendarmen. Als das Militär in Seraing einzog, wurde eS von den Arbeitern mit Rufen:„Es leben die Sol- aten l" empfangen, und das Benehmen der Soldaten der Arbeiter» bevölkerung gegenüber läßt auf gegenseitige Sympathie schließen. Auf jede Frage, die ich an die Schildwache stehenden Soldaten rich- tele, bekam ich eine freundliche Antwort, und es kam mir vor, als ob diese Freundlichkeit besonders darauf zurückzuführen war. daß ich den grünen Knopf der Wahlrechtskämpfer im Knopfloch stecken harte.— Als der Zug, der mich zurück nach Brüssel führen sollte, in den Bahnhof einfuhr, faßte mich der Stationsvorsteher verstohlen bei der.Hand und sagte mir in einem Tone, als erfülle er eine moralische Pflicht:„Mein Herr, ich bin kein Sozialist, und werde es auch vermutlich nie sein; aber lassen Sie mich Ihnen sagen, daß die Ruhe und Würde, womit die Arbeiterschaft für ihre Sache kämpft, mich mit Bewunderung erfüllt. Ich habe noch nie etwas so.Großes erlebt." Ztoitllreich und die Berner Konferenz. Aus Paris wird uns geschrieben: Die deutsckj-französische Berner Verständigungskonferenz. die am 11. Mai stattfindet auf Einladung einer Anzahl schweizerischer Nationalräte aller Parteien, ist in den letzten Tagen von der französischen Presse sehr lebhaft besprochen worden. Wenn man bedenkt, daß es seit 1870 der erste Versuch in dieser Richtung ist, der in Bern gemacht werden soll, so ist es begreiflich, daß sich die französische Presse aiisangs etwas zurückhielt. Gerade weil Frankreich aus dem letzten Krieg besiegt hervorging, ist seine Presse peinlich darauf bc- dacht, nichts zu tun. was dejn Land als eine offene oder per- steckte Demütigung gegenüber dem siegreichen Teutschland ausgelegt werden könnte. Uild so klar es von vornherein war, daß es sowohl den schweizerischen Veranstaltern der Konferenz als ihren deutschen Freunden um nichts weniger zu tun war. als um irgendeinen Frankreich gegenüber unfreundlichen Akt, so sehr zögerte anfangs die bürgerliche Presse aller Richtungen. Wie in Deutschland, so war es im ersten Augenblick nur die sozialdemokratische Partei, die ihre volle Zustimmung aus« sprach. In der lebten Woche hat sich nun ein erfreulicher Umschwung vollzogen. Eine ganze Anzahl großer ra- dikaler Organe, wie die„Petite Republique",„L'Evönement", die„Lanterne", die nationalistisch gefärbte„Action" und vor allem das offizielle Organ der radikalen Partei, der„Ra- dieal", sprachen sich in längeren Ausführungen günstig über die Konferenz aus. Am überraschendsten war es wohl, daß sogar ein reaktionär-nationalistisches Organ, wie der„Eclair" des Herrn Jndet, sich zwar etwas pessimistisch über das Endresultat. aber lobend über die Idee ausließ. Ende letzter Woche traten auch einige„offizielle" Körperschaften auf den Plan: die parlameiitarische Schiedsgerichtsgruppe unter dem Vorsitz des bekannten bürgerlichen Friedens- apostels, des Senators d'Estournelles de Constant, und dann der Genera�lrat der Provinz Ns&re. dessen Vor sitzender der Senatspräsident D u b o st, also eine der wichtig sten Persönlichkeiten Frankreichs ist. Diese Kundgebungen veranlagten auch die zwei größten Kapitalistenblätter Frank- reichs, den„Temps" und das„Journal des Debats", die sich bisher darauf beschränkt hatten, die Mitteilung vom Stattfinden einer Konferenz zu geben, ihre Meinung darüber zu äußern. Das„Journal des TebatS" tadelt zwar den Beschluß des Geueralrats der Asöre. in dem es eine Schwächung der Propaganda für die Neurüstungen erblickt, sagt aber nichts gegen die Berner Konferenz selbst. Ter„Temps' spricht sich jedoch offen zustimmend in fast überraschend-freund ticher Weise aus. In eiiiem längeren Artikel setzt er aus- einander, daß trotz des historischen Ereignisses, das die zwei großen Nationen trenne, ihre wirtschaftlichen Be- Ziehungen sie einander nähern und daß deshalb solche Verständignngskonferenzen keineswegs zu verwerfen sind. Er weist darauf hin, daß zwar die deutschen Abgeord neteic aus die Geschicke ihres Landes keinen entscheidenden Einfluß haben— wünscht jedoch der Berner Konferenz vollen Erfolg und warnt nur davor, sich dabei zu große Ziele zu stecken: ihr Gelingen hänge ganz davon ab, ob man die Aktion auf ein ihr zugängliches Terrain beschränke. Jedenfalls geht aus diesen Aeußerungen hervor, daß die mächtige Großbourgeoisie, die hinter dem„Temps" steht, einer Verständigung nicht abgeneigt ist. Es liegt an Teutschland, ihre Herbeiführung nicht zu verhindern, wie es dessen re aktionäre Elemente zweifellos wünschen. gröbliche lliißachtung des Reichstages durch die liiilitärautoltratle. Ilm für den Chef des Militärkabinctts im teuersten und vor- nehmsten Teil Berlins eine Dienstwohnung nebst anschließenden Bureauräumen zu erhalten, hat sich das Kriegsministerium in einen unglaublichen Grundstückshandel eingelassen. Dieser ist mit einem Grundstücksspekulanten v. Winterfeld abgeschlossen worden.— In der Dienstagssitzung der Budgetkommission deS Reichstags stand die saubere Angelegenheit zur Beratung. Sie brachte dem KricgSministerium, wie auch dem Reichsschatzamt und dem Reichskanzler eine schwere Niederlage. Schon der Referent Abg. Erzberger beantragte, die diesen Handel be- treffenden Titel im Etat abzulehnen. In einer ebenso scharfen loie sachlich begründeten Rede geißelte Genosse S t ü ck l e n das Vorgehen der Militärverwaltung. Genosse Stücklcn führte folgendes aus: Das Kriegsministerinm hat in der letzten Zeit Grundstückstransaktionen der bedenklichsten Art vorgenommen. Die Grundstücke Prinz Alörechtjtr. 6, König- grätzer«tr. 121 und das Gebäude des Militärkabinetts, Behren- rraße 66, wurden für den Preis von 6 724 000 Mk. an den Bank- )irettor v. Wintcrfeld abgelassen. Winterfeld verpflichtete sich dafür, auf Rechnung des Kriegsministeriums die Grundstücke Wilhelmstr. 78, neben dem Palais des Reichskanzlers, ferner oas Grundstück Piktoriastr. 34 zu kaufen und außerdem 440 000 M. herauszuzahlen. Auf dem Grundstück Viktoriastr. 34 befindet sich eine Villa, die dem Chef des Militärkabinetts als Dienstwohnung überwiesen werden sollte. In den Garten neben dieser Villa ist ein Haus gebaut worden, das 19 Geschäftsräume und 2 Wohnungen zu 5 resp. 6 Zimmern für zwei Sekretäre und 8 Wohnungen für „lnterbeamte enthält. Alles ist ziemlich fertig, ohne daß der Reichstag befragt wurde. Der Militärverwaltung war bekannt, daß der preußische Fiskus auf die Grundstücke Prinz- Albrechtstr. 6 und Königgrätzer Str. 121 reflektierte. Ter Agent von Winterfeld hat nun diese beiden Grundstücke, die ihm mit 3Zb Millionen Mark angerechnet werden, dem preußischen Fiskus üt 6 Millionen Mark angeboten. Ihm würden 2 600 000 M. zu« 'ließen. Tie preußischen Steuerzahler wären damit mn 2 600 000 Mark geschädigt. Das Grundstück Wilhelmstr. 78, neben dem Pa- lais des Reichskanzlers, sollte von einer Möbelfirma gekauft und bebaut werden. Daß dort keine Tischlerei errichtet worden wäre, ergibt sich schon aus der Höhe der Grundstückspreise. Die Sorge des Reichskanzlers, daß er durch störende Geräusche in seiner Tätig- teit behindert werde, ist vollkommen hinfällig. Wie kommt aber die� Heeresverwaltung dazu, um dem Reichskanzler gefällig zu sein, dieses Grundstück zu kaufen? Tie Kommission müsse einen dicken Strich durch dieses geradezu ungeheuerliche Geschäft machen. >. Winterfeld möge sich mit seinen Entschädigungsforoerungen, die in die Millionen gehen, an jene Personen halten, die ihm völlig unbefugte Zusicherungen gegeben haben. Redner bittet, die Zu- t im mutig zu diesen verfassungswidrigen Handlungen zu ver- weigern, die Schuldigen mögen den Schaden tragen. «chaysekrelär Kühn glaubte nach dieser Darstellung dem Kriegsministerinm zu Hilfe eilen zu müssen. Ter Landtag habe erst neuerdings Wert auf das Grundstück gelegt, das an das Land- tagsgebäüoe angrenze; früher habe Preußen das Angebot, dieses Grundstück zu erwerben, abgelehnt. Tie Verwaltung wollte mit dem Grund, tückshandcl erreichen, daß neue Kosten bei Schaffung der Drenstwohnung für den Chef des Militärkabinetts nicht ent- tehen. TaS wurde auch erreicht durch die vorgeschlagene Regelung. — Ein Regierungsbaumeister bestritt, daß v. Winterfeld einen strikten Auftrag erhalten hat. Es seien ihm„nur" Unter- lagen für den Bauplan zu dem Bau in der Biktoriastraße gc- geben worden. Man müsse aber immerhin mit der Möglichkeit rechnen, daß der FiskuS eiuen etloaigen Prozeß verliere und die zu machenden Aufwendungen dann in die Millionen gehen werden. Darum sei es materiell vorteilhafter, der RcgierungSforderung zu- zustimmen. Diese Darlegungen riefen in der Kommission große Erregung hervor. Abg. Liesching forderte die Ablehnung. Der Reichs- tag müsse fest bleiben, um der Regierung zu beweisen, daß sie ohne Parlament solche Transaktionen nicht unternehmen dürfe.— Genosse N o s k e betonte, die Verlvaltung habe unter Mißachtung oes Reichstags gehandelt, in der Hoffnung, der Reichstag werde auch diese Zumutung nicht zurückweisen. TaS Parlament würde sich einer groben Pflichtverletzung schuldig machen, wenn es seine Zustimmung geben würde. Hier müsse rücksichtslos eingegriffen werden.— Slbg. Erzberger gab einen Brief von v. Winterfeld bekannt, in welchem W. behauptet, er habe von den kompetentesten Stellen bestimmten und klaren Auftrag zur Erwerbung der frag- lichen Grundstücke und zu dem Bau in der Biktoriastraße erhalten. Tie Baupläne sind vom Kriegsministerium ausdrücklich genehmigt worden.(Lebhafte Erregung in der Kommission.) Ter Reichs- tag sei von der Regierung in schwerster Weise brüstiert worden. Die glatte Ablehnung der ganzen Transaktion des Kriegs- Ministeriums sei zwingende Pflicht des Parlaments.— Schatz- fekretär Kühn schließt daraus, daß der Reichstag ja annehmen oder ablehnen könne, daß von einer Brüskierung nicht gesprochen werden kann. Ihm wurde aber sofort erwidert, daß der Entfchä- digunqsanspruch des Spekulanten v. Winterseld im Betrage von 2.6 Millionen Mark bestehen bleibt, der. falls der Fiskus den Prozeß verliert, entloeder vom Reich oder von Preußen getragen werden müsse.— Kriegsminister v. Hecringen versuchte glauben zu machen. V. Winterseld habe keinen bindenven Auftrag erhalten, es bestehe nur eine moralische Verpflichtung zur Ent- schädigung, falls der Reichstag dem Grundstücksgeschäft die Zu- stimmung versage. Vor deNilitärkabinett sei das Kriegs- Ministerium nicht zu Kreuze xchen, sondern habe geglaubt, ein vorteilhaftes Geschäft abzuschl!,. Gegen dledreiStnen der Konservativen iv u r d e sodann der v o: s ch l a g e n e G r u n d st ü ck s- Handel abgelehnt. Zur Beratung stand danngende Resolution des Zentrums, die als eine Lex Krupp angehen werden kann: „Ter Reichskanzler wirducht, zur Prüfung der gesamten Rüstungslieferungeiür Reichsheer und Ma» r i n e eine Kommission berufen, zu welcher vom Reichs- tag zu wählende Mitglieder Reichstags uno«achverständige zuzuziehen sind; ferner, denricht der Kommission den gesetz- gebenden Körperschaften midrschlägen zur Beseitigung et- waiger Mißstände mitzuteilei Unsere Genossen beantragt der Kommission das Recht zur zeugenerdlichen Vernehmung zuben. Dagegen wendete sich der Nationalliberale« e m l e r, daber für die Kommission ein- trat, weil durch sie unbegründetorwürfe aus der Welt geschafft werden können. Die sozialdeuratische Forderung, die die, Gc- ncssen Lcdebour und L i e l e ch t begründeten, bekämpften alle bürgerlichen Parteien.— A G o t h e i n wünschte aber eine parlamentarische Enquete. Aoinderen Kommissionen fürchtet er, daß sie der Vertuschung len könnten. Ter sozialdcmo- kratische Antrag wurde abgelehtder Zentrumsantrag gegen die volksparteilichen«timmung angmmen. Bei Beratung des Baues tegischer Bahnen trat Genosse Q u a r ck lebhaft für die Intern der Stadt Rüdesheim ein. die durch eine Brücke über deilhein geschädigt wirb. Damit war die Beratung des Militäret beenoet. politische[cberficht. -rlin. den 22. April 1913. „Wohlvlend". Aus dem Reichstag Wenn die häufige Wieder- holung einer Behauptung eine irgschaft für die Sache selbst wäre, so gäbe es keine wohollenderc Behörde als vie Militärverwaltung. Ter hagerellzu hagere Generalleutnant Wandel, der die Militärwstätten vor dem Reichstage zu vertreten hat, kann keine R> hallen, in der er nicht be- teuert, daß die Militärverwaltu die vorgebrachten Wünsche und Beschwerden„wohlwollen! prüfen werde. Was die Militärverwaltung als Arbeitgcr nur immer tut, sie tut es aus Wohlwollen. Aus Wohlwm gibt sie niedrige Löhne, aus Wohlwollen behandelt sie Arbeiter ichlecht, aus Wohl- wollen verweigert sie den Arbein das Koalitionsrecht, aus Wohlwollen übt sie den schärsn politischen Terror, aus Wohlwollen steckt sie ihren guteKindern Zuckerbrot zu, das sie aus dem Betriebsfonds bezal aus Wohlwollen wirft sie uiibequenic Arbeiter aufs Ttraßoflaster. Die ganze Dieiistaqsitzung:s Reichstags wurde aus- gefüllt mit Erörterungen der Ztände in den Militär- Werkstätten. Von allgemeimm Interesse war eine Mit- teilung des Abgeordneten Mür-Meiningen, daß einem Handwerkerverein, nachdem er di Ausschuß zur Forderung der Bestrebungen paterländischeplrbeitervereine beigetreten war, 170 M. Zuschuß gewährt woen sind. Doch hat sich der Verein zum Tank dafür jeder fwn Betätigung, sogar des Petitionsrechts an den Reichstag.egeben müssen. Selbst die Nationalliberaleu legten gegen sche Korruptionsgelder Ver- Wahrung ein. Von der sozio ldemokratischenssraktwn sprachen die Ge- nassen Böhls und Büchner. Gegen die ttzlcn! Das Abgeordnetenhaus nahm am ienstag zunächst in nament- sicher Abstimmung mit 149 gegen 1! Stimmen die Vorlage b-- treffend Bewilligung von 25 Million zur Einführung deS elektrischen Betriebs auf der Berliner Sta- und Ringbahn an. Dafür 'timmten Fortschrittler, Sozialdemokren, der größte Teil der Nationalliberaleu und Freikonfervativ, während vom Zentrum und den Konservativen die Mchrzahbagegen waren. Wenn auch nicht das erreicht ist. was die Regier»; ursprünglich vorgeschlagen hatte, so ist doch wenigstens der Anfangnit einem technischen Fort- chriit gemacht, und der schwarzblaue Zlock hat eine empfindliche Niederlage erlitten. Hierauf wandte sich daS Haus zi Beratung der neuen O st« marke»Vorlage, eine? neuen Kapfgesetzes gegen die Polen, daS die nette Summe von 175 Milonen verschlingt. In der Debatte wurde im wesentlichen das mderholt, was in der ersten Lesung und was bei früheren Polendebcten gesagt war. Regierung, Konservative, Freikonservalive und Naonalliberale glauben den Kampf gegen das Polentum mit den tzeldern der Steuerzahler ühren zu müssen, aber je mehr Milliarde der Kampf kostet, desto mehr wird das Deutschtum in den Ostmcken zurückgedrängt, weil daS polnische Element naturgemäß sich m so enger zusammen- chlietzt. Diese Absonderung der Polen vc den Deutschen, über die die Regierung so wehmütig jammert, ist icht die Ursache, sondern die Folge der heutigen Polenpolitik, und>ald wird eS sich zeigen, daß auch die neuen Millionen nichts dgegen auszurichten vermögen. An der Stellung der Parteien bat sich natürlich seit den letzten Polendebatien nichts geändert. Entschieden Gegner der Polenpolitik ind außer den Polen und den Sozialdemocaten, in deren Namen Genosse Borchardt sich prinzipiell zu dm wichtigen Ostmarken- problein äußerte und die Haltung der tarteien kritisierte, daS Zentrum. Zu de» lauen Gegnern, die ztm mit den Zielen der Polenpolitik einverstanden sind, aber die Kittel nicht billigen, gehören die Fortschrittler, deren Widerstand fcilich von Jahr zu Jahr chwächer wird. So gelangte denn auch diese Vorlage nit der gleichen Mehrheit wie alle bisherigen Polenvorlagen in zweite: Lesung zur Annahme. In Berbiudung damit wurde eine Resolutün der Budgetkommission angenommen, die zur Stärkung deS deqsschen Handels« und Ge- Werbestandes im Osten eine beschleunizte Besiedelungstätigkeit. Förderung des Staatskredits, bessere Ausbildung der Gewerbe- treibenden, Förderung des gewerblichen Genossenschaftswesens und Seßhaftmachung deutscher Gewerbetreibe»der in eigenen Hausern verlangt. Ob das helfen wird?.„, Die dritte Lesung der Polenvorlage findet ain Mittwoch statt. — Hieran schließt sich die zweite Lesung der MeliorationSvorlage Die Dillinger Hüttenwerke. Die„Köln. Ztg." hatte die Tatsache, daß diesem deutschen Rüsnmgsunternehmen auch Franzosen als Aufsichtsrate an- gehören, damit zu entschuldigen versucht, daß die Gründung der Werke zu einer Zeit erfolgte, als Lothringen noch zu Frankreich gehörte. Von den Beratungen des AufsichtsrateS über Kriegsmaterial würden die französischen-l'mglieder ausgeschlossen. Dazu schreibt nun der frühere Regierungsrat Äartin dem„Berl. Tagebl.": „ES besteht keine zwingende Notwendigkeit, zwei französische Herren, von denen der eine französischer Reserveoffizier ist, in den A u f s i ch t Z r a t der Dillinger Werke zu wählen, zumal das französische Kapital in der General- Versammlung in der Minderheit ist. Man hätte schon vor 15 bis 20 Jahren, als die Dillinger Werke sich in erster Linie auf die Anfertigung von Panzerplatten für die deutsche Marine und den deutschen Festungsbau legten, von der Wahl französischer Reserveoffiziere und Staatsbürger absehen sollen. Das deutsche Handelsgesetzbuch legt einem Aufsichtsrats- Mitglied die Pflicht auf, sich eingehend mit dem ihm anvertrauten Betrieb zu befassen. Noch nack dem Tode des Königs Stumm vor 1s Jahren leitete der Borfitzende des Auffichtsrates die Generalversammlung und den Aussichtsrat in fr an z ö sis ch e r Sprache. Diese Tatsachen werden durch kein Dementi aus der Welt geschafft." Und daß die französischen Kapitalisten aus den deutschen Steuergeldern Mstungsprofite beziehen, erst recht nicht.___ Das Rüstungskapital. Unter dem Titel.Ganz wie bei uns" schreibt die„Franks. Ztg." Eine vortreffliche Parallele zu den Praktiken in der beut- schen Rüstungsindustrie spielt sich gerade in England ab. Dort hat die„Daily Mail", die schon seit langem eine Riesen- Propaganda für den Luftschiffbau(und damit für sich selbst I) betreibt, das Rathaus für ein großes Meeting am 5. Mai gewonnen, in dem der Lord Mayor, unterstützt von Balfour, Lord Roseberh, Lord Roberts und anderen, die Parole„zwei zu einS in der Luft" propagieren soll. Dagegen wendet sich nun der angesehene Londoner.Economist" in sehr ernster Weise, indem er u. a. folgendes schreibt: Voriges Jahr um diese Zeit wurde das Marconi- System der drahtlosen Telegraphie ausposaunt(booweä) als ein großes Mittel der Reichsverteidigung. Jetzt fängt die Bö r s e an, von einem Lustschiff- Boom zu sprechen, dessen einzige Basis die Ausficht sein wird, daß riesige Geldsummen aus den Taschen des Publikums in die Taschen bestehender oder projektierter Luftschiffgesellschaften übergeleitet werden. Auch der Gutgläubigste könne nicht leicht meinen, daß die absurden Berichte von den über der englischen Ost- küste schwebenden deutschen Luftschiffen aus rein patriotischen Motiven fabriziert und verbreitet werden. Es sei schon bekannt, daß Luft- schiffanlagen von Unternehmern geplant sind, die mit der Admiralität und dem Kriegsministerium in Verbindung stehen und die sich deren Aufträge sichern wollen.... Man sieht, die Methoden sind diesseits wie jenseits des Kanals die gleichen!_ Tie Stellung des Kriegsministers. Die„National-Zeitung" schreibt: „Zu Gerüchten über eine Erschütterung der Stellung des Kriegs- Ministers v. Heeringen hören wir, daß man sich in parlamenta- rischen Kreisen die schwierige Position des Kriegsministers nicht ver- hehlt, aber trotz mancher Meinungsverschiedenheiten seine energische und auch geschickte(?I) Vertretung des Militäretats durchaus an- erkennt. Das Verhalten dcS Kriegsministers im„Fall Krupp" wird als völlig einwandfrei angesehen und man ist der Anficht, daß er in dieser peinlichen Affäre in jeder Hinsicht seine Schuldigkeit getan hat. Die gegen Herrn v. Heeringen aus Anlaß der Liebknechtschen Enthüllungen gerichteten Angriffe erscheinen um so weniger angebracht: als man zu'wissen glaubt, daß der Kriegs- minister bereits vor einiger Zeit sein Entlassungsgesuch eingereicht habe und nur den Wunsch ausgesprochen habe, noch die Wehrvorloge vor dem Reichstag zu vertreten." Gegen die Bachemiten wendet sich Graf Oppersdorffs Wochenschrift„Klarheit und Wahr- heit" in ihrer neuesten Nummer mit besonderer Schärfe. Das Blatt weist im Anschluß an eine Polemik der„Kölnischen Volks- zeitung" gegen die konservativen„Dresdener Nachrichten" auf die ehrliche Art hin, in der die„Kreuz-Zeitung", v. Heydebrand u. a. die Konservativen als evangelische Partei charakterisieren, während die herrschende Richtung im Zentrum nicht genug Mut und Ehr- lichkeit besäße, das Zentrum als die Partei zur Vertretung der katholischen Interessen gelten zu lassen. Das Oppersdorffsche Blatt schreibt: „Man darf getrost sagen: In Fragen der Weltanschauung haben die Konservativen den Opportunismus jenes Kölner M i m i- C h r i st e n t u m s sowie jede Art von Heuchelei immer stolz verschmäht." Die„Kölnische Volkszeitung" hatte sich dagegen gewandt, daß die sächsischen Konservativen den protestantischen sächsischen Land- tagsabgeordneten Landgerichtsrat Dr. Mangler wegen seiner Rede zum Jesuitengesetz desavouiert haben. Die„Kölnische Volkszei- tung" legte eine„warme Lanze" ein für die„Freiheit der eigenen Ueberzeugung" des konservativen Politikers. Dazu schreibt„Klarheit und Wahrheit": „Wir lehnen es ab, uns hier neben eine(!)„Kölnische Volks- zeitung" hinzustellen. Denn jenes rheinische Zentrumsblatt h a t längst das moralische Recht verloren, im Namen der Freiheit politischer Ueberzeugung das lei- feste Wort zu sprechen. Gerade„Köln"(die herrschende Bachem-Richtung in: Zentrum) verfolgt ja jede Meinung, jeden Mann, der über den politischen Charakter der Zentrumspartei oder über die Taten ihrer Führer eine andere als die ganz spezielle Bachemsche Sonderansicht hegt und äußert, verfolgt sie öffentlich, am meisten heimlich, immer in maßloser, in terra- ristischer Weise und mit unauslöschlichem Haß. Da sind Im- Parität und Intoleranz längst biszur Grimasse und bis zum Anfall gesteigert! Riag auch als mildernder, aber trauriger Umstand behauptet werden, daß„Köln" physisch, intellektuell und moralisch zusammenbräche, müßte es heut« die nackte Wahrheit, neben sich gestellt, vertragen oder gar selbst aussprechen." Was Graf Oppersdorfs da über den Terrorismus der Herr- schenden Zentrumsrichtung gegen die A:U>ersmeinenden im eigenen Lager sagt, ist kein leeres Gerede. In der skrupellosesten Weise haben die um Porsch. Bachem. Trimborn usw.. die Roeren. Bitter, Oppersdorfs. Kaufmann. Schölten usw. terrorisiert und aus ihren Wirkungskreisen hinausgedrängt, beschimpft und verleumdet. Em neuer deutsch-französischcr Grenzzwischenfall. Kaum daß sich die Gemüter über den programmwidrigen Abstecher des„Z IV" nach Frankreich beruhigt haben, ist durch einen erneuten Besuch des deutschen Luft- Militarismus in Frankreich neue Erregung ge- schaffen worden. Diesmal war es kein„Zeppelin", sondern eine deutsche Mikitärflugmaschine, die sich über die Grenze verirrt hatte und um Vz8 Uhr am Dienstag bei A r r a c o u r t in Frankreich, drei Kilometer jenseits der Grenze, gelandet war. Das Flugzeug, ein Euler-Doppeldecker, das mit zwei Offi- zieren in Uniform bemannt war, war um 5 Uhr worgens mit noch drei anderen Flugmaschinen in Darmstadt aufgestiegen, um Ni e tz zu erreichen. Während eins der Flug- Zeuge wegen des böigen Wetters nach Darmstadt zurückgekehrt war und zwei andere Maschinen unterwegs landeten, wurde die vierte Maschine über die französische Grenze verschlagen, wo sie aus Benzinmangel niederging, um erst jetzt ihre Irr- fahrt zu bemerken. Natürlich wurde der Fall sofort von den herbeizitierten militärbehördlichen Instanzen untersucht. Da sich heraus- stellte, daß di e Maschine offenbar nur durch den starken Wind abgetrieben worden!var, erfolgte die Freigabe des Flugzeugs., Nichtsdestoweniger hat dies erneute Vorkommnis begreiflicherweise den Unwillen der französischen Behörden erregt. Wie die offiziöse Agence Havas mitteilt, hat sich der Minister- rat bereits mit der Angelegenheit befaßt und beschlossen, den französischen Botschafter in Berlin zu beauftragen, bei der deutschen Regierung Schritte zu tun, um ähnliche Zwischenfälle für die Zukunft zu vermeiden. Der Botschafter Cambon hat ferner den Auftrag, die deutsche Regierung auf die ernsten Unannehmlichkeiten aufmerksam zu machen, welche sich bei häufiger Wiederholung solcher Landungen an der Grenze ein- stellen müßten. Die beiden Regierungen sollen übrigens schon seit einiger Zeit in Verhandlungen eingetreten sein, um ein Reglement auszuarbeiten, das ftir die Zukunft solche sich allenfalls einstellende Unfälle der Luftschiffahrt nach festen Regeln erledigt. Besser natürlich wäre es, wenn solch unerwünschte Besuche nach Möglichkeit unterblieben. Bei der gegenseitigen nötigen Vorsicht, bei gewissenhafter Beobachtung der Luft- strömungen und Berücksichtigung der Witterung(z. B. dem Nichtauffteigen bei Nebel) wäre das auch durchaus zu machen. Kommt trotzdem ein Ueberfliegen der Grenze vor, so wäre auf beiden Seiten größte Kaltblütigkeit geboten! Registriert zu werden verdient auch ein Dummerjungen- streich, der von 13— W deutschen„Pfadfindern" verübt wurde, die— trotz wiederholter Zurückweisungen französischer Zollbeamter— mit Kokarden und Fahnen über die Grenze zogen, offenbar um zu beweisen, daß„teutsche" Jugend jede „gallische" Abgeschmacktheit nachzuäffen vermag. Hoffentlich sorgen die deutschen Behörden dafiir, daß ähnliche Lächerlich- leiten künftig unterbleiben.__ Ein Parteitag der Nationalliberale» des Rheinlandes tagte am Sonntag in Elberfeld. Obgleich die Tagung öffentlich und mit großer Rellame angekündigt worden war, daß die Parade- Pferde der Partei. Bassermann und Stresemann, reden würden, war der Stadthallensaal nur halb gefüllt. Das Interesse an den national- liberalen Wackelrän�en ist also ein recht mäßiges. Bassermann war nicht erschienen. So nahm als erster Redner gleich Dr. S t r e j e- mann das Wort zu seinem Vortrage über die politische Lage. Er pricS den Imperialismus und die neue MUitärvorlage. Die nationalliberale Partei kenne nur einen bedingungslosen Patriotismus, und es liege ihr fern, ihre Zustimmung zu der Heeresvorlage etwa von der Erfüllung von Parleiforderungen abhängig zu machen. Dann sprach der Landtagsabgeordnete Oertel, ein Land- Pfarrer aus dem Hnnsrück, über die Möglichkeit, der nationalliberalen Partei neuen Boden zu gewinnen. Der nationalliberale Gedanke sei wohl noch zugkräftig, aber leider fehle die Begeisterung. Es seien in der Partei wohl Offiziere, aber keine Mannschaften vorhanden. Kein Wahllreis sei mehr sicher.„Bornehme Naturen" zögen sich aus den Wahlkämpfen zurück und wo d a S Geld eine Rolle spiele, sinke das Niveau der Erwählten. Man gehe trüben Zeiten entgegen. Ein Kompromiß mit der Sozialdemokratie sei ganz und gar ausgeschlossen. Die Sozial- demolratie iei die größrs Gefahr, weil sie eine Macht darstelle, die aus dem Born der' Wissenschaft einen tiefen Trunk getan habe. Ihr wobne eine tiefe sittliche Kraft inne. Deswegen sei auch in den Städten nichts für die Nationalliberalen mehr zu holen. Aber auf dem Lande lägen die„Wurzeln der nationalliberalen Kraft", das Land sei der„Jungbrunnen des Liberalismus". Mit der Versicherung, daß die Gegner den Rhein nicht haben sollten, schloß auch dieser Redner. In der Diskussion erhob ein Redner Widerspruch dagegen, daß die Sozialdemokratie geistig überwunden werden müsse. Dann ließ man das Vaterland und die Wackeltanzpartei hochleben und sich das„Festessen" gut schmecken. Am Tage vorher fand ein nationalliberaler Ver- tretertag statt, auf dem in einer Resolution zur Wahlrechts- frage den Abgg. Friedberg und Schiffer für ihre„meisterhaften Reden" Anerkennung ausgesprochen wurde. Ein Delegierter aus Düsseldorf regte an,„die Sozialdemokratie in ihren eigenen Versammlungen zu bekämpfen". Ein tapferer Vorsatz, von dem man wünschen möchte, die Nationalliberalen setzten ihn in die Tat um. Berlin-Breslau. Bekanntlich fühlten sich die patriotisch-freisinnigen Stadtverord- neten von Berlin unter Führung der echt freisinnigen Männer Cassel und M o m m s e n in ihren patriotischen Gefühlen tief verletzt, als unsere Genossen im Stadtparlament ihre Teilnahme am Jahrhundertfeierrummel ablehnten. Unseren Genossen wurde von den Freisinnigen unter Beifall der Mehrheit der Versammlung Mangel an Patriotismus und Vaterlandsliebe vorgeworfen. Die freisinnig-patriotische Erregung schlug sogar noch im Dreiklassenhause ihre Wellen. Dort fanden die Freisinnigen einen noch günstigeren Resonanzboden für ihren Patriotismus. Die jubelnde Zustimmung war Balsam auf die patriotischen Wunden des Freisinns. Zu einer ganz gleichen Auseinandersetzung über mangelnden Patriot isnius und Vaterlandsliebe kam es in der letzten Stadtverordnetenversammlung in Breslau, nur mit dem Unterschied, daß dort die Blauschwarzen dem Freisinn gegen- über den Vorwurf erhoben. Den Anlaß dazu gab die Bewilligung von 3600 M. für Bücherprämien aus Anlaß der Jahr- Hundertfeier. Der freisinnige Stadtverordnete Prof. Wohlauer bat um Bewilligung der Summe und fügte hinzu, daß die Auswahl der Bücher so getroffen sei, daß der Jugend Sinn für Freiheit, Unabhängigkeit und Duldsamkeit beigebracht werde. Da den Blauschwarzen die anzuschaffenden Bücher in bezug auf Patriotismus und GeschichtSverfälschuiig nicht ganz stubenrein er- schienen, protestierten sie gegen die Auswahl der Bücher unter be« sonderer Betonung der Vaterlandsliebe und machten den Frei- sinnigen den Vorwurf des n, angeln den Patrio- t i s m u s. Die Freisinnigen waren zunächst wegen dieser„schweren Verdächtigung" ganz aus dem Häuschen, schließlich sagte aber der Referent den Blauschwarzen folgende Wahrheiten: „Ich halte es unter meiner Würde, fortwährend offen t- lich nur meine Vaterlandsliebe zu betonen. (Große Unruhe bei den Blauschwarzen) Was Sie(zu den Blauschwarzen) betätigen, ist nicht Vaterlandsliebe, sondern Hurrapatriotismus."(Beifall bei den Libe- ralen. Unruhe bei den Blauschwarzen) Der Streit, wer den eigentlichen Patriotismus in Erbpacht ge- »ommen bot, tobte noch eine ganze Zeitlang. Schließlich wurden die 3600 M. für die anzuschaffenden Bücher bewilligt. Unsere schöne Mikitärjustiz. . Ein Fabrikant Graf aus Rodenkirchen bei Köln machte im vorigen Jahre eine Eingabe an den Kriegsminister, in der er be- hauptete, sein Sohn sei beim 25. Infanterieregiment in Aachen bei einer Felddienstübung derartig gcschuhriegelt worden, daß er sich ein schweres Lungenleiden zugezogen habe. Daraufhin wurde die «ache untersucht, und die Folge war eine Anklage gegen den Unteroffizier und jetzigen Sergeanten K a tz e k wegen vorschrists- widriger Behandlung Untergebener. Katzke stand jetzt vor dem Kölner Oberkriegsgericht, Er hatte gelegentlich emer Uebung in der Nähe von Aachen eine Kompagnie geführt und die Leute nach den übereinstimmenden Zeugenaussagen in unmenschlicher Weise gequält. Die Leute hatten etwa dreiviertel Stunden ununterbrochen laufen, sich hinlegen, aufstehen und wieder laufen müssen. Teile der Mannschaft mußten diese Uebungen in einem Holzschlage machen, Ivo sich verschiedene Soldaten Verletzungen zuzogen. Wenn eS nicht schnell genug ging, mußte ein Gefreiter, der hinterher lief, die Soldaten„aufmuntern". Als die Leute schließlich in Schweiß gebadet waren, befahl der Unteroffizier hinlegen! Er ließ sie dann ungefähr eine halbe Stunde auf dem gefrorenen Boden liegen und Entfernungen schätzen. Trotz dieser Feststellungen kam das Oberkriegsgericht zu einem Freispruchc. Der Sachverständige Oberstabsarzt Dr. Renncrt sagte in seinem Gutachten, diese Uebung„müsse nicht unbedingt" die Ur- fache für das Lungenlciden de§ Soldaten Graf sein! Das Gericht begründete den Freispruch damit, dein Angeklagten könne nach der langen Zeit nicht mehr mit Sicherheit nachgewiesen werden, daß er seine Untergebenen„mit Absicht' vorschrists- widrig behandelt habe. Sollte sich diese„Rechtsprechung" bei den Militärgerichten ein- bürgern, so werden Verurteilungen wegen vorschriftswidriger Bc- Handlung recht bald zu den seltensten Ausnahmen gehören! Verlängerung des MaffenftiUftandes. Konstantinopcl, 22. April. Die Waffenruhe, die laut der mündlichen Verabredung morgen abläuft, soll für die Türkei, Bulgarien und Griechenland in einen zweinionatigen Waffen st illstand um- gewandelt worden sein._ Oeftcirddi. Ein österreichisches Panama. In Wien ist eine merkwürdige Provisionsaffäre des früherenKriegsministersRittervonAuffcn- b e r g aufgedeckt worden, die mit dem Verkauf von Zehn- taufenden von Gewehren und Millionen von Patronen an Bulgarien vor dem Kriegsbeginn zusammenhängt. Die Sache ist noch zu dunkel, um zu erkennen, ob am Ende der Kriegs- minister selbst direkt an der Angelegenheit beteiligt ist. Jedenfalls aber haben eine Reihe von Mittelsmännern eine Menge Geld daran verdient, daß Oesterreich auf solche Weise zu den Erfolgen der Balkanstaaten beigetragen hat, gegen die es nachher wieder eine Mobilisierung vornahm! Und dazu kommt, daß in einer Versammlung in Nordböhmen der Wiener demokratische Abgeordnete Zenker mitgeteilt hat, daß die Heeresverwaltung vor einigen Monaten einige Zehntausend- Landwehrhosen an die russische Militärverwaltung verkauft hat. Und jetzt, wo man die österreichischen Reservisten mobili- siert hat, kommen massenhafte Klagen darüber, daß die eigenen Staatsbürger in zerrissenen und dünnen Kleidern den Stra- pazen des Winters an den Reichsgrenzen ausgesetzt waren. Schließlich hätte es noch dahin kommen können, daß die mit österreichischen Landwehrhosen bekleideten Russen die eigenen Landsleutc niedergeknallt hätten. foivland. Ein Notschrei der politischen Gefangenen. Die sozialdemokratische Dumafraktion hat dieser Tage folgende Mitteilung über die Zustände in der Schlüsselburger Bastille erhalten, in der vorzugsweise die zur Zwangsarbeit(Katorga) ver- urteilten politischen Gefangenen interniert sind: „Die politischen Katorgagefangenen in Schlüsselburg bitten die sozialdemokratische Fraktion dringend, ihre Aufmerksamkeit auf die schwere Lage der Gefangenen zu lenken und die russische Gesell- schaft von der Dumatribüne von Nachstehendem in Kenntnis zu setzen: Die Karzerstrafe ist in Schlüsselbnrg zu einem System er- hoben. Man wird dort für jede Kleinigkeit eingesperrt, keine Krank- heit rettet vor der Karzerstrafe. Selbst Kranke, die an Epilepsie, Herzerweiterung, Tuberkulose usw. leiden, kommen in den Karzer. Als im Juni v. I. ein Prolest der Gefangenen wegen der Durch- peitschungen und der grausamen Behandlung stattfand, brachen viele von den zum Karzer Verurteilten noch vor Ablauf der 30tägi- gen Straffrist zusammen. Einige Gefangene, wie z. B. Sapo- shnikow, Engelhardt, Lawgmin und Pismentschuk mußten von der Administration nach dem Spital geschafft werden. Den vollständig kranken Gefangenen Skorodnmow schaffte man nach 28tägiger Karzerhaft erst dann ins Spital, als er bereits einige Tage voll- kommen hilflos dalag. Nach einiger Zeit starb er. Kurze Zeit vorher starb Saposhnikow, dem die eisernen Fesseln erst dann ab- genommen wurden, als die Todesagonie bereits eingetreten war. Dies sind keineswegs die einzigen Todesfälle, die durch den Karz" beschleunigt oder hervorgerufen wurden. Hierzu gehört auch der Tod der Gefangenen Sikorsky, Timofejew, Budanow, Jefimow, Kurashow u. a. Eine spezielle Untersuchung könnte ein sehr langes Verzeichnis solcher Todesfälle ergeben. 20— 30 Tage Karzerhaft siird eine alltägliche Erscheinung. Von den befragten 63 Personen (47 politischen und 16 Kriminalgefangenen) sind 50 bloß im Jahre 1912 2463 Tage im Karzer interniert gewesen.... Nicht selten werden die Gefangenen im Karzer geschlagen. Dies geschah z. B. mit Kudasheiv und Lawgnin, bei dem letzteren in Gegenwart und unter Beteiligung des Direktorgehilfen KubiS.... Der Direktor empfängt die neu ankommenden Gefangenen mit den Worten:„Bei mir ist es so: weniger als 30 Tage(Karzer) bekommt niemand, dann folgen 100 Rutenschläge, und wenn Euch das Leben über- drüffig ist, habt Ihr Handtücher."(Es ist nicht bekannt, ob der Gefangene Popkow, der, nachdem er von einem Aufseher halb tot geschlagen wurde, sich im Jahre 1911 erhängte, diesen Rat befolgt hat.)„Eine Kugel kostet 3 Kopeken!" heißt es auch bei dem Di- rektor. So groß ist seine Sicherheit, daß seine Handlungen straflos bleiben." Zaristische Schandjustiz. In Od e s s a wurden dieser Tage 7 Personen wegen Zugehörigkeit zur Odessacr Gruppe der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei Rußlands zum Verlust aller Rechte und zur lebenS- länglichen Deportation nach Sibirien verurteilt. In G r o d n o verurteilte die Gerichtskammer den Angeklagten Smolitschansty wegen Zugehörigkeit zum„Jüdischen Arbeiterbund" und wegen Verbreitung von Flugblättern zum Verlust aller Rechte und zur sechsjährigen Zwangsarbeit! Die» sind die typischsten Fälle aus der gerichtlichen Verfolgung der Sozialdemo- kratie nur für wenige Tage. Und nun ein Gegenstück: Der Regierende Senat in Petersburg fällte in diesen Tagen sein Urteil in der KasiationSklage der Schutz- leut« Wasnewsty und Machmatfch von der Detektivabteilung in Snwalki(Polen), die wegen systematischer Folternngen der Ge- fangenen zu 6 und zu 2 Monaten Haft verurteilt worden waren. Die Folterungen zeichneten sich, wie vor Gericht festgestellt worden war, durch außerordentliche Grausamkeit aus. So wurden die Gefangenen beim Verhör mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen, auf spitze Nägel gesetzt usw. Der Senat hob da» Urteil kraft des Amnestie- Erlasses Pom 6. März auf! Russische.Gerechtigkeit! GewerhrcbaftUchca. Die Canfrerbandlungen im deutfehen Baugewerbe. Die Beratungen zur Feststellung eines Tarifvertrages im Baugewerbe haben am Dienstag im Reichstage unter Vorsitz der Unparteiischen Dr. Prenner, Rath und v. Schulz wieder.begonnen. Die Unparteiischen haben den Parteien Vorschläge unterbreitet, über die die Parteien gesondert Stellung nehmen werden.___ Berlin ikvJ Omgegfcnd. Der Kampf der Berliner Maler. Eine Mitgliederversammlung des Malerverbandcs füllte am Montagabend den großen Saal der„Neuen Welt". Die Verbands- leitung gab einen Bericht über die gegenwärtige Situation. Da- nach kann es nicht zweifelhaft sein, daß sich die Arbeitgeber mit der Aussperrung ins eigene Fleisch geschnitten haben. Ihre Absicht, den Verband finanziell zugrunde zu richten, wird nicht gelingen. In vielen Städten sind bereits korporative Verträge abgeschlossen, wodurch sich die dortigen Arbeitgeber außerhalb ihrer Zentral- Organisation gestellt haben. Also das Gegenteil von dem, was die Scharfmacher beabsichtigen, ist eingetreten: von der Organisation der Arbeitgeber bröckelt Stück für Stück ab, während die Organ! sation der Arbeiter ungeschwächt den Stampf fortsetzt. Auch in Berlin ist die Situation für die Arbeiter keineswegs ungünstig. Zirka 300 Einzelverträge sind abgeschlossen und eine Reihe von Arbeitgebern, die mit Rücksicht aus ihre Organisation keinen formellen Vertrag abschließen mögen, Isaben die Forderungen der AiBeiter anerkannt. Rund 2500 Mitglieder sind zu den neuen Be- dingungen in Arbeit, Ivährend noch 1200 Streikende und Aus- gesperrte vorhanden sind. Wenn ein Teil der Berliner Arbeitgeber sich noch unnachgiebig zeigt, so ist das nicht etwa ein Zeichen von Kraft und Selbstbewußtsein, sondern die augenblicklich herrschende ungünstige Konjunktur erleichtert ihnen ihre Haltung. Wer keine Arbeitskräfte braucht, der kann sich wohl den Anschein geben, als ob er aussperrt. Doch wie die Bäume de� Scharfmacher nicht in den Himmel wachsen, so werden auch die Momente, welche das Verhalten der Arbeitgeber augenblicklich noch begünstigen, ihr Ende erreichen. Aushalten im Kampf bedeutet für die Arbeiter die Ge- währ des Sieges. Daß die in den Kampf getriebenen Arbeiter aushalten werden. darüber ließ der Verlauf der Versammlung keinen Zweifel. Kampfesfroh und sicgessicher war die Stimmung der Versammelten. Nicht nachgeben, ehe unsere Forderungen erfüllt sind. Wir kämpfen für unsere Organisation und für die Verbesserung unserer Verhältnisse. Das war die Meinung, welche allgemein zum Aus- druck kam. Durch eine einstimmig angenommene Resolution erklärte sich die Versammlung einverstanden mit dem Standpunkt, den ihre Vertreter bei den letzten Verhandlungen eingenommen haben. Ferner besagt die Resolution, daß die Kollegen in dem ihnen auf- gezwungenen Kampfe so lang« aushalten werden, bis die Unter- nehmer ihnen annehmbare Bedingungen zum Abschluß der Be- wegung geboten haben. Auf Antrag der Verwaltung wurde noch beschlossen, daß den Streikenden und Ausgesperrten am 1. Mai wieder ein Mietzuschuß von 12 M. für Verheiratete und 8 M. für Ledige gezahlt wird. » In den»Kammersälen" berichtete zu derselben Zeit Herr Malermeister K ru s e seinen zum Teil erschienenen Mitgliedern des Verbandes der Malergeschäfte von Berlin über�den Stand der Aussperrung in Deutschland. Der schtvachbesetztc toaal zeigte, daß die Berliner Malermeister den Glauben an die Strategie der Arbeitgebervcrbanbsführcr zu einem sehr bedenklichen Teil ver- Jpren haben. Obgleich die Ausgesperrtenziffer ganz geivaltig nach- gelassen hat und die Zahl der zu den neuen Bedingungen arbeitenden Gehilfen ständig zunimmt, behauptet Herr Kruse mit eiserner Stirn, daß die Zahl der Ausgesperrten nach wie vor die gleiche.Höhe habe. Es muß die Führer der Berliner Maler- meisrer doch ganz gewaltig schmerzen, daß die Leitung der Ge- Hilfenschaft jeden ihrer noch so schlauen SöHachzüge durchkreuzt. Schon glaubten die Arbeitgeber, die Berliner Hauswirte gegen die Malergehilsen mobil gemacht zu haben, als ganz unerwartet den Haus- und Grundbesitzern von der Leitung des Gehilfenverbandes die Wahrheit über die Aussperrung durch die Zeitungen bekannt- gegeben wurde. Diese itundgebung hat die Herren vom Arbeit- geberverband doch ganz eklig verschnupft. Herr Kruse erklärte in seinem Referat, daß es doch geradezu unerhört sei, daß die Haus- und Grundbesitzerzeitungen von Berlin ein solches Inserat bringen. Die Wahrheit soll eben die Oeffentlichkeit nicht erfahren. Des weiteren gab Herr Kruse seinen Zuhörern bekannt, daß er mn 15. April eine Konferenz beim Minister des Innern gehabt habe, da der Minister gern wissen wollte, wie es mit der Aussperrung stehe. Er(Kruse) konnte nun nicht anders, als wie dem Herrn Dr. Caspar an der Hand der vom Arbeitgeberverband bekannt- gegebenen Ziffern den Nachweis zu führen, daß die Aussperrung nach wie vor sich auf gleicher Höhe bewegt. Darauf habe Herr Dr. Caspar geantwortet:„N a, dann müssen wir eben lv arten, bis der Ucbermut des sozialdemo- k r a ti s ch e n G e h i l f e n v e r b a n d e S gesunken i st l" Die Führer des Arbeitgeberverbandes können versichert sein, daß eher Herr Kruse ein altes Weib loird, als daß die Gehilfen den Mut verlieren in diesem von jenen Herren frivol angezettelten Kampf. Mit Bravour behauptete Herr Kruse in einer Versammlung am 4. März d. I.. daß die Aussperrung nicht langer als 14 Tage dauere, dann sei der Kamps von den Arbeitgebern gewonnen. Na, Herr Kruse, wie wird Ihnen denn, nachdem die Aussperrung nun die siebente Woche dauert. Welche Zer- fahrenheit bei � den Arbeitgebern besteht, das belveist der Um- stand, daß die Schiedssprüche der Unparteiischen, wonach der Lohn in diesem Jahre um 2 Pf. steigen soll, von den Berliner Maler- meistern mit überwältigender Majorität angenommen wurden. Herr Kruse behauptet aber dreist und gottesfürchtig, daß eine Lohn- erhöhung nicht möglich sei. Täglich erblicken neue Malerfirmen das Licht der Welt und tragen zur Rettung des Handwerks bei. In dieser Not hat Herr Kruse die Anwesenden auf den 23. April vertröstet. Da findet eine Verhandlung unter Beteiligung der bisherigen Unparteiischen und des Vorsitzenden des Bauarbeitgeber- Verbandes, Herrn Heuer, statt. Es ist zwar sehr schön, immer in der Hoffnung zu leben, daß die Gehilfenschaft nun bald am Boden liegt, aber allgemach sollten die Herren Malenneister doch diese Hoffnung aufgeben. Wenn die Arbeitgeber den Frieden wollen, so können sie ihn jederzeit haben. Aber von einer Niedermetzelung der Arbeiterorganisation kann keine Rede sein. Die Arbeiter lassen sich die Friedcnsbedingungen nicht diktieren. Der Streik im„Hackepeter". Münzstraße, dauert, wie wir auf verschiedene Anfragen mitteilen, unverändert fort. Organisierte OiaitwirtsgeHilfen haben den Betrieb nach wie vor zu meiden. Verband der Gastwirtsgehilfen. Erfolgreiche Zimmcrerbewegung. In N o w a w e s forderten die Zimmerer eine Erhöhung des tundenlohnes von 70 auf 78 Pf. Bei den Verbandlungen boten e Arbeitgeber 3 Pf. Zulage und zwar auf drei Jahre verteilt. ieS lehnten die Zimmerer ab und legten am 16. d. M. die Arbeit eder. Jetzt ist es zu einer Einigung gekommen und zum Abschluß aes Vertrages. Der Stundenlohn beträgt sofort 72 Pf. und vom April 1314 ab 74. vom 1. April 1915 ab 75 Pf. Der Vertrag lt bis zum 31. März 1918. Diesem Ergebnis stimmten die ireikenden zu. Heute, Mittwoch, wird die Arbeit wieder auf- nommen.___________ Zerantw. Redalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Jnseratentett verantw.: veutlcbes Reich. Neue Verhandlungen für das Binnenschisfahrtsgewerbe. Zwischen dem Unlernehmerverband, dem Deutschen Transport- arbeiter-Verband und dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer sollen zur Beilegung des Streiks am Donnerstag die Ver- Handlungen in Berlin wieder aufgenommen werden. In der Leimfabrik in Schönebeck a. d. Elbe ist ein Streik aus- gebrochen. Tie Firma sucht Arbeitswillige in Berlin. Auf ein Inserat in der„Berliner Morgenzeitung" haben sich eine Anzahl von Leuten verleiten lassen, nach Schönebeck zu fahren, sind jedoch wieder abgereist, als sie von der Tatsache Kenntnis erhielten, daß sie Arbeit�lligendienste leiiten sollten. Man lehne alle Angebote für derartige Betriebe ab, wenn sie aus Schönebeck an der Elbe oder auch nur aus der Gegend von Magdeburg kommen. Die Handels- und Landschaftsgärtnrr Königsbergs sind in den Streik getreten, da die Arbeitgeber ihre bescheidenen For- derungen nicht bewilligten. Verlangt wird in der Handelsgärt- nerei ein Wochenlohn von 19 bis 22 M. ohne Kost und Wohnung. Wo heute die Abschaffung von Kost- und Logis noch nicht möglich ist, sollen bei Gewährung der Wohnung 17 bis 20 M., bei Ge- Währung von Wohnung und Kost 7 bis 10 M. gezahlt werden. In der Landschaftsgärtnerci werden 40 bis 45 Pf.'Stundenlohn bei im Sommer zehn-, im Winter mindestens achtstündiger Arbeitszeit gefordert. Ueberstunden und Sonntagsarbett sollen mit 10 Pf. Ausschlag bezahlt werden. Die Arbeitszeit soll vom 1. März bis 31. Oktober 11� Stunden und in oer übrigen Zeit 10 Stunden be- tragen. An Sonntagen sollen naturnotwendige Arbeiten geleistet werden; jeder zweite Sonnlag soll frei sein. Tie Klempner und Installateure Königsbergs haben bei ihrer diesjährigen Lohnbewegung ohne Streik recht ansehnliche Vor- teile errungen. Die Stundenlöhne werden ab 1. April 1913 um 3 Ps., ab 1. April 1914 um 2 Pf., ab 1. April 1915 um 1 Pf. er- höht. Für den Fall, daß für das Baugewerbe zu Königsberg die 9 stündige Arbeitszeit vertraglich festgelegt wird— im Baugewerbe haben sich Unternehmer und Arbeiter bereits dahin ge- einigt— tritt diese Arbeitszeit mit demselben Tage auch für die Klempner- und Jnstallateurbranche in Kraft. Die Arbeiter dieser Branche erhalten dann als Lohnausgleich für die Verkürzung der Arbeitszeit eine weitere Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde. Die Klempner erhalten außerdem die bisher schon in der Installateur- brauche bezahlten Zuschläge für Schmutzarbeiten usw. Für Ar- beiten außerhalb der Werkstatt, die mehr als zwei Kilometer vom Mittelpunkt der Stadt entfernt ausgeführt werden, wird eine halbe Stunde, bei mehr als drei Kilometer bis zur Ringstraße wird eine Stunde extra pro Tag vergütet. Ter Bergarbeiterstreik in Oberschlefic». Die Preß zentrale meldet r K a t t o w i tz, 22. April. Es streiken heute 75 000 Bergarbeiter. Ein empsindlicher Mangel an Kohlen beginnt sich bemerkbar zu machen. Zwar sind 150 000 Tonnen Kohlen aufgespeichert, aber es sind dies sogenannte Staubkohlen. Die Eisenhütte Martha in Kattowitz hat heute ihren Betrieb eingestellt, ebenso die Borsigschen Eisenwerke bei Beuthen. Auf der Eisenhütte Julia bei Beuthen hat man einen Teil der Oefen außer Betrieb gesetzt. Die Bäcker in Kattowitz klagen über Koblenmangel und behaupten, das Backen bald ganz einstellen zu müssen. Im Laufe des Vormittags wurden in dein Streikgebiet einige Streikposten verhaftet. Die Gruben- vorstände halten heute mittag in Kattowitz eine Versammlung ab, um zu dem Streik Stellung zu nehmen. Jnnungs-TerrorismuS. Die Breslaucr Klcmpnerinnung ver- langte von den Baullempnergehilfen, daß diese einen von der Innung ausgearbeitelen Lohntaris unlerschreiben sollen, im Weigerungsfalle würden alle organisierten Bauklempner am Sonn- abend, den 26. Avril ausgesperrt. Diesen Jnnungs-Terrorismus beantworteten die Bauklempner mit der sofortigen Niederlegung der Arbeit. Am Streik sind über 300 Bauklempner beteiligt. Tie örtlichen Berhandlungen im Baugewerbe. In der letzten Woche der für die örtlichen Verhandlungen statt- gegebenen Frist ist bis zum 18. April in noch über 100 Tarif- gebieten verhandelt worden. In den meisten Fällen ist es zu einer Einigung nicht gekommen, weil, wie schon in den vorauf- gegangenen Verhandlungen, die Unternehmer entweder gar kein Angebot machten oder doch ein so winziges, daß damit �ein Tarifvertrag nicht zustande zu bringen ist. In mehreren«tädten in Pommern und in Hannover haben die Unternehmer sich geweigert, zur Verhandlung zu erscheinen, weil sie angeblich aus dem Arbeit- geberbund ausgeschieden sind und mit der Tarifbcwegung nichts mehr zu tun haben wollen. In anderen Fällen sind die Unter- nehmer stillschweigend von den Verhandlungen fortgeblieben. In A n k l a m wurde aus der Verhandlung nichts, weil ein Hilfs- arbeiter als Vertreter des Bauarbeitervcrbandcs daran teilnehmen sollte, was den Unternehmern nicht paßte. In wenigen anderen Städten haben die Unternehmer inzwischen eingesehen, daß sie mit ihrem Angebot einen Frieden nicht erkaufen können. Sie haben sich deshalb verbessert oder haben wenigstens die Absicht bekundet, daß es noch geschehen soll. So wurde in Stuttgart das Angebot von 3 Pf. inzwischen auf 6 Pf. erhöht. In A l t d a m m, wo die Bauarbeiter durch die Brüskicrung in den Streik getrieben wurden, sind jetzt 4 Pf. geboten. Aus gleichem Grunde soll in Braun- schweig noch einmal verhandelt werden. In Thüringen, wo die Angebote überhaupt als erbärmlich geringfügig zu bc- zeichnen sind, ist auf Veranlassung des Vorsitzenden des Bczirks- unternehmerverbandes der Versuch gemacht worden, die Angebote der Unternehmer zu modifizieren. Gescheites ist dabei allerdings auch nicht herausgekommen, denn über 1 Pf. des bereits Gebotenen gingeil die neuen Angebote nicht hinaus. Im Maiiigebiet, wo ebenfalls so gut wie nichts geboten war, haben die unparteiischen Herren, die dem dortigen Bczirksschicdsgericht vorstehen, unvcr- biudlich Vorschläge ausgearbeitet, die aber den berechtigten Aus- gleichsfordcrungen der Arbeiter in diesem Gebiet auch noch nicht gerecht werden. Von den Berhandlungen, in denen eine Einigung erzielt wurde, sind hervorzuheben im Königreich Sachsen: Dresden, Pirna, Borna und Riesa mit 7 Pf. Lohnerhöhung, Meißen für einen Teil des Gebietes cbensalls mit 7 Pf., sonst 6 Pf., Großen- Hain, Nossen und Radeberg ebenfalls 6 Pf., D i p p o l- d i s w a l d e 6 Pf. für einen Gebietsteil, sonst 5 Ps., in Rötha Pf., in W u r z e ii 4 Pf. und in Naunhof 10 Pf. Im Magdeburger Bezirk sind in. C ö t h c n 7 Pf. bc- willigt worden; Vertrag ist abgeschlossen. In F ö r d e r st c d t einer mit 6 Pf. Lohnerhöhung und in Lauche einer mit 5 Ps. Ju Nienburg sind ebenfalls 7 Ps. bewilligt. Im W e s e r g e d i c t ist nachträglich auch in Delmenhor st eine Einigung erreicht. Bewilligt sind 5 Pf. Lohnerhöhung und Pf. Ausgleich für die Verkürzung der Arbeitszeit; also 9 Pf. Lohnerhöhung. In Gauderkesce und Wildes Hausen sind 5 Pf. vereinbart worden. In S ch w c tz a. O. und in M e v e wurden 5 Ps. geboten und in P r.- S t a r g a r d 6 Pf. In allen Orten wurde eine Einigung erzielt. In Podejuch wurde ein Vertrag abgeschlossen auf ein Jahr mit 5 Pf. Lohnerhöhung. In S ch l e s w l g- H o I st e i n wurde in G l u ck st a d t ein Tarifvertrag abgeschlossen mit 6 Pf. Lohnerhöhung und einer Ver- kürzung. der Arbeitszeit von wöchentlich 3 Stunden. Zu dem An- gebot in Hamburg(5 Pf. für 1913) haben bereits die Unter- nehmcr und der Zweigvcrcin Hamburg des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes Stellung genommen. Die ausgearbeiteten Vorschläge wurden angenommen. Soweit Berichte vorliegen, ist bis zum 18. Aprrl von den über 900 ablaufenden Tarifverträgen, an denen der Deutsche Bau arbeiterverband beteiligt ist, über rund 500 örtlich verhandelt wor den. Eine Lohnerhöhung wurde geboten in 146 Fällen bis zu 2 Pf. für die dreijäbrige Vcrtragsdaiier, in 143 Fällen 3 Pf., in 42 Fällen 4 Pf., in 127 Fällen 5 und über 5 Pf. Eine Verkürzung der Arbeitszeit von Vi Stuiidc in der Woche wurde vereinbart in 25 Tarifgebietcn, von 1 cstuildc in 20 Tarifgcbietcn und über 1 bis 3 Stunden in 18 Tarifgebieten, lieber 3 Stunden wurden vereinbart in einem Tarifgcbiet. Eine Einigung unter den Par- teien wurde erzielt in 106 Tarifgcbieten mit 71 924 Mitgliedern des Deutschen Bauarbcitervcrdandcs. In 391 Tarifgebieten mit 171 509 Mitgliedern wurde eine Verständigung nicht erreicht. Wie bereits gemeldet, soll in einer am 22. April beginnenden Fortsetzung der zentralen Verhandlungen der Versuch gemacht werden, die sehr zahlreichen und sehr großen verbliebenen Tiffe- renzpunktc zu erledigen. Abgelehntes Unternehmerangebot im Hamburger Zimmerergcwcrbe. Die Zimmerer in Hamburg-Altona haben in einer überfüllten Ver'ammlung am Montag das Zugeständnis der Unternehmer, den Lohn in diesem Jabre um 5 Pst, nämlich nach Tarnabschluß mn 3 Pf. und am 1. Oklober um 2 Pf. zu erhöhen, abgelehnt. Sie verlangen ein weiteres Entgegenkommen in der Lobnfrage, eine Verkürzung der Arbeitszeit und vor allem die Erhöbung des Lohnes der ungelernten Einschaler bis auf den Lohn der Zimmerer. Staatsbeamte als Handlanger der Unternehmer im Schifferstreik.' Beim Straßenbau am Großen Wasserfall bei Schandau (Sächsische Schweiz) hatten zwei jüngere organisierte Schiffer, die natürlich mit am S ch i f f e r st r e i k beteiligt waren, Arbeit ge« fanden. Vor einigen Tagen erschien nun, wie aus Schandau be- richtet wird, der Amtsstraßenmeister S ch ö n b e ck und erkundigte sich bei dem Straßenwärter, ob beim Straßenbau auch strei- kende Schiffer beschäftigt seien. Als das der Straßen- Wärter bestätigte, mußte er die beidcnSchiffer auf Au- ordnung des AmtSstraßenmeisters wieder entlassen. Beiden wurde erklärt, daß organisierte Schiffer, die am Streik beteiligt seien, nicht beschäftigt werden dürfen: gleichzeitig wurde ihnen angedeutet, daß sie weiter beschäftigt werden könnten, wenn sie aus dem Schifserverband auS- treten würden. Das haben die beiden Schiffer jedoch abge- lehnt und lieber die Arbeitslosigkeit dem Verrat an ihrem Verbände vorgezogen. Das unerhörte Eingreifen dieses Amtsstraßenmeisters würde aber von größerer Bedeutung, wenn sich bewahrheiten sollte, was dieser erklärte. Er begründete nämlich sein Verhalten damit, es sei vom Ministerium die Verfügung gekomme rr, keinen streikenden Schiffer zu beschäftigen. Die sächsische Regierung hat alle Veranlassung, eine Ausklärung darüber zu geben, ob diese ungeheuerliche Behauptung zutreffend ist. Schweigen wäre allerdings auch eine Antwort. Dann würde die Sache sicher den Landtag beschäftigen, wo die sozialdemokratischen Vertreter Auf- klärung fordern werden.___ Hetzte Nacbncbten. Elsaß-Lothringen und die Wehrvorlagc. Straßburg, 22. April.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer interpellierten die Sozial- demokraten die Regierung über die Stellungnahme der elsaß- lothringischen Bundesratsvcrtreter bei der Abstimmung über die Wehrvorlage. Staatssekretär Zorn von Bulach verlas eine Mitteilung des kaiserlichen Statthalters, wonach die elsaß- lothringischen Vertreter im Bundesrat für die Lorlage ge- stimmt haben aus Gründen defensiver Natur und„im Interesse der Ehre des Reiches". Die Sozialoenwkraten brachten darauf eine Resolution ein, in der die Haltung der Regierung nicht ge- billigt wird. Dieselbe wurde in namentlicher Abstimmung mit 37 gegen 12 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen abgelehnt. Das Zentrum und die lothringische Gruppe stellten in einer Resolution das Bedauern fest über die Instruktionen der Bundesratsver- treter, die der Mehrheit des lothringischen Volkes nicht entsprächen. Diese Resolution wurde mit 47 gegen 5 Stimmen angenommen. Die bedrohliche Entwickelung der Rüstungen. London, 22. April.(W. T. B.) Im englischen Unterhaus äußerte sich heute bei der Besprechung der Voranschläge für die Einkünfte des Jahres 1913/14 der Schatzkanzler Lloyd George folgendermaßen: Die Einnahmen des letzten Jahres überstiegen den Voranschlag um 1600 000 Pfund Sterling, aber der Nach- tragsetat war so ungewöhnlich erheblich wegen des Wechsels in unserem Schiffsprogramm, der durch den sehr er n st haften Wechsel in den deutschen Plänen hervorgerufen war. Die Gesamtsumme der Nachtragsfor derungen betrug 4671000Pfund, die jedoch infolge der Ersparnisse und Ucber- schüssc aus den laufenden Einnahmen gedeckt ivcrde» konnten. Die Ausgaben des letzten Jahres betrugen 188 622 000 Pfund, die Einnahmen 188 802 000 Pfund Sterling. Der Loranschlag für die Ausgaben des Etatjahres 1913/14 beläuft sich auf 195 640 009 Pfund Sterling. Die größte und unfruchtbarste Zunahme in den Ausgaben fällt auf Rüstungen, die seit 1 8 6 1 u m 46000000 Pfund Sterling gestiegen sind. Ich sehe keine Aussicht. daß diese bedrohliche Entwickelung ein Ende nimmt. es sei denn, daß eine Acnderung in der Haltung und der Politik der beteiligten Nationen eintritt. Was das laufende Jahr an- betrifft, so muß ich weitere 7 500 000 Pfund csterling aufbringen. Zu den Aussichten für den Handel bemerkte L l o v d George, das beunruhigende Moment sei heute die Störung im Osten; diese verzögere den Eingang neuer Bc- stellungcn in hohem Maße. Tie Geschäftsleute warteten die Ereignisse ab, che sie neue Unternehmungen in Angriff nähmen. Dies geschehe nicht aus Furcht vor dem gegenwärtigen Konflikt. sondern aus Furcht, daß er sich ausdehnen könnte. Lloyd George erklärte dann, es sei ihm mitgeteilt worden, daß auf dem Festland in höchst ungewöhnlicher Weise Bargeld angesammelt werde und daß, wenn man Frankreich, Teutschland und Oesterreich zu- sammennehme, ungefähr 60 Millionen Bargeld aus Furcht vor der Zukunft angesam mclt worden seien. Roch cinc Stimme für den Weltfrieden. Washington, 22. April.(Meldung des Reuterschen Bureau».) Tie Vorentwürfe des Staatssekretärs B r y a n für eine weit- umfassende F r i e d e i�S b e w c g u ng werden wahrscheinlich morgen informell dem Senatskomitee für Auswärtige Angelegen- heiten vorgelegt werden. Bryan ist seit einiger Zeit damit be- schästigt gewesen, seinen Ideen über den Weltfrieden Gestalt zu geben. Dem Vernehme»„ach will er eine Reihe die Welt um- fassender Verträge cinpfehlen,„ach denen alle Streitigkeiten einem Schiedsgericht unterbreitet und die Rüstung cn bc» schränkt werden sollen. Wie es heißt, will er auch vorichlagen, daß, sobald vitale Fragen der Untersuchungskommission unter» breitet worden sind, kein Land, welches in der �ireitsragc Partei ist, irgendwie seine Rüstungen verstärken oder weitere Kriegsvor» bereitungen treffen soll, bis die Kommission das Ergebnis ihrer Untersuchung bekanntgegeben Hai. Th. Glocke, Bert'n. Druck u. Vertag: Vorwärts Buchvr. u Lertagsansialt Maul Smger 4- Co., Berlin LW. H.erzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl, Nr. 97. 30. Jahrgang. t StilW des.Fmiirls" Kttlim UÄsM. ptttDii4,33.|;tU19l3. ZUM �andtagswahlkampf. Slai)lrc(bt$fanfarcD von hinten. Die fortschrittliche Losung für den Wahlrechtskanipf hat dor einigen Tagen der fortschrittliche Abgeordnete Lipp- mann mit rückhaltsloscr Offenheit verraten. Sie lautet: Wahlrechtsfanfarcn„von hinten". Das besagt: wir Pfeifen auf den Wahlrechtskanipf, wir.. doch wir wollen das duftige Manneswort des fortschrittlichen Abgeordneten nicht noch in drastischeres Deutsch übersetzen. Bezeichnend war auch die Situation, in der das freisinnige Wort fiel. Es ging um den preußischen Polizeietat. Genosse Leinert hatte in vernichtender Anklagerede alle reak- tionären Schandtaten des Junkerpreußens noch einnial anein- andergereiht. Die Rechte lachte und johlte— aber mancher von ihnen bebte auch vor Wut über die schmerzhafte Ab- strafung, und dem Polizeiminister selbst flog wiederholt die Röte des Grimmes und der Scham über Gesicht und Glatze. Ein paar Mal Vernahm man auch aus dem Hintergrunde der linken Seite des Hauses seltsame Laute, etwa wie das Bellen eines aufgescheuchten Rehbocks, so daß man sich entaunt umwandte. Und plötzlich schoß der fortschrittliche Volksvertreter L i p p m a n n nach vorne, um sich zum Wort zu melden— nicht gegen die Reaktion, sondern gegen die Sozialdemokratie, deren Redner vom Freisinn kein Sterbenswörtchen gesprochen hatte. Bevor er das Wort erhielt, krähte der Polizeiminister eine lange, wie man merkte, seit Monaten vorbereitete wüste Scharfinacherrede gegen die Sozialdemokratie in den Saal. Die Rechte brüllte vor Vorgnügen. Das hätte jeden wirk- lichen Liberalen stutzig gemacht— Herr Lippmann jedoch ließ sich in seineni Erstschluß, der Sozialdemokratie in den Rücken zu fallen, nicht irre machen. Außer dem Minister wetterten noch drei, vier andere Reaktionäre gegen die Sozialdemokratie; aber das reizte den„Fortschrittler" Lippmann nur noch an, sich dieser edlen Kumpanei zuzugesellen. So machte er unter anderem der Sozialdemokratie den unglaublichen Vorwurf, daß f i e durch ihre Wahltaktik den Sieg des Junkertums vor- bereiten helfe! Herr Lippmann erhielt sofort durch den Genossen Ströbel die gebührende Antwort. Welche Art von Mut gehöre dazu, daß ein Vertreter der Partei, die sich den nationalliberalcn Wahlrechtsfeinden als Wahlverbündete unter den schwach- vollsten Bedingungen an den Hals geworfen, aber jedes Zusammengehen mit der Arbeiterschaft abgelehnt, der Sozial- demokratie Stärkung der Reaktion vorwerfe! Ucberhaupt: leuchte es denn dem Freisinn nicht endlich ein, daß eine wirkliche Wahlreform nicht durch elende Schachermacheien mit den Perfidesten Wahlrechtsgegnern erlistet und erschlichen, sondern einzig durch den Druck von außen, durch den Volks- stürm erzwungen werden könne? Worauf wolle denn eigcnt- lich der Freisinn noch warten, um endlich auch einmal feine Wahlrechtsfanfaren ertönen zu lassen?!.. Hier rief der wackere FortschrittSkämpc Lippmann höhnisch dazwischen:„Ja, von hinten!" Dem Freisinn fällt es also gar nicht ein, sich des Wahl- rechts wegen irgendwie aufzuregen. Mögen die Wahl- entrechteten, die Proleten, für das Wahlrecht kämpfen— der Freisinn schläft ruhig weiter. Er schließt sogar— angeblich der Wahl„reform" wegen— mit den Nationalliberalen einen Pakt gegen die Arbeiterklasse, er verbrüdert sich also mit einer Partei, die zwar das Bettelgeschenk des ge- Heimen und direkten Wahlrechts machen, zugleich aber auch die absolute U ebermacht des Geld'sacks bis zum letzten Wahlkreis festlegen will durch Beseitigung der Trittelung nach UrWahlbezirken! Und wenn die so empörend geäffte, so maßlos provozierte Arbeiterklasse verlangt, daß der Freisinn sich statt dessen am ehrlichen Kampf um das gleiche Wahlrecht beteiligen, auch seinerseits zum Volkssturm auf- rufen soll, so antwortet ihr Wortführer hämisch: Jawohl, wir werden auch die Wahlrechtsfanfaren blasen— von hinten! Wohlgemerkt, das Wort vom Blasen der Wahlrechts- sanfaren hat kein Sozialdemokrat geprägt, sondern das große Licht der Nationalsozialen und später des Fortschritts, Herr Naumann! Schon vor sechs, sieben Jahren gestand er. daß das tatenlose Zusehen und die parlamentarische Schacher- Politik die Demokratisierung der preußischen WahlrechtSschmach nicht vorwärts brächten. Das Volk müsse eben aufgerüttelt, auf die Schanzen gerufen werden. Nicht nur von der Sozial- demokratie: auch das liberale Bürgertum müsse endlich die Wahlrechtsfanfaren blasen. All die Jahre der blutigsten Volksverhöhnung hindurch fand das Wort Naumanns kein Echo. Jetzt endlich, ein Paar- Wochen vor der Wahl, hat Herr Lippmann die frei- sinnige Parole aufgenommen: Ja, Wahlrechtsfansaren— aber von hinten. Das Dreiklaffenhaus schüttelte sich minutenlang bor Lachen über die neueste Variante der Naumannschen Losung. Man wand sich förmlich in Lachkränipfcn, man konnte sich gar nicht wieder beruhigen. So deutlich hatte es denn doch noch kein Dreiklassenmann den betrogenen Wählermassen dritter Güte zu verstehen gegeben, daß man auf ihr Drängen und Fordern Pfeift—„von hinten"! So sieht der Fortschritt aus, sein„demokratischer" Nachwuchs! Im Reichstage Herr Brab and, im Landtage Herr Lippmann! Landtagswähler, gebt diesem Freisinn am 16. Mai die Antwort!_____ IPreußiiches Schuldend. Ueberfüllte Klassen kommen in den sogenannten „höheren" Schulen nicht vor, dafür aber desto mehr in den Volks- schulen. Die Zahl der Schüler, die in preußischen Schulen eine Klasse besuchen, beträgt in den Volksschulen., 66 Mittelschulen.... 31 höheren Mädchenschulen 23 höheren Knabenschulen. 18 Allerdings ist das Bild, das diese Durchschnittszahlen bieten, nicht ganz richtig. Die auffallend niedrige Klasseiifrequcnz der höheren Knabenschulen kommt nur deshalb heraus, weil in den obersten Klassen der Gymnasien usw. oft nur 8 bis 9, ja noch weniger Schüler an- zutreffen find. Sobald einmal das Einjährigenzengnis erreicht ist, gehen die meisten ab. In den unteren Klassen findet man auch in den Gymnasien, Obcr-Realschulen usw. nicht selten 30—40 Schüler. Aber der Abstand von den Volksschulen,. in denen schon die DurchschnittSziffer 56 beträgt, ist doch noch groß genug, zumal wenn man bedenkt, daß weitaus die meisten Volksschüler auf dem Lande wohnen, und daß in den Dorfschulen die Klassenfrequenz meist erschreckend hoch Äst. ES gab in Preußen bei der letzten Zählung im Mai 1911 insgesamt rund 6 600 000 VolkSschüler(Knaben und Mädchen), davon nur 2'/% Millionen in den Städten, über 4 Millionen auf dem Lande. Gerade auf dem Lande müßte demnach für gute Schulen gesorgt werden, denn dort wird der größte Teil unserer Jugend unterrichtet. Aber wie sieht es da aus! Rund 2 200 000 Kinder gehen auf dem Lande in Halb- tagsschulen, einklassige Schulen usw. Nun gilt eine einklassige Schule amtlich erst dann als„überfüllt", wenn sie mehr als 80 Kinder be- herbergl, eine HalbtagSschnle gar erst dann, wenn sie mehr als 120 Kinder zählt! Trotzdem kommen noch enorm hohe Zahlen auf die in solcher Weise„überfüllten" Klaffen. In einklassigen Schulen befanden sich in Klassen mit 81—100 Kindern., �. 45 500 Kinder 101-120..... 2 890, In Halbtagsschulen mit über 120 Kindern waren. 44 300 Kinder In den übrigen Schulen gilt eine Klasse als überfüllt, wenn sie mehr als 70 Kinder zählt. Es gingen in solche Schulen in Klassen mit 71—100 Kindern... 809 000 Kinder 101—120,... 48500, 121—150„... 6900: über 150„... 1100„ Alles zusammengerechnet, ergibt sich demnach folgende Tobellei In Klassen mit über 70 Kindern waren(rund) 958000 Schüler, davon in Klassen mit über 100 Kindern(rund) 103 000 Schüler „ 120„„ 52 000. „ 150., 1100 Interessant ist noch festzustellen, wo diese Zustände am schlimmsten sind. In Klassen mit mehr als 80 Schülern(d.h. nur in den Schulen, ivo amtlich die Ueberfüllung erst bei 81 anfängt) waren eingeschult im Regierungsbezirk Marienwerder.. 4969 Kinder, Durchschnitt pro Klaffe 87 Posen.... 4765,„»» 88 Gnmbinnen.. 3725„„. 87 Trier. Danzig. Münster. KöSlin. Allenstein 3234 2317 2143 2111 2051 87 89 86 88 85 In den übrigen Schulen, wo die Ueberfüllung schon bei 71 an- fängt, waren in derart überfüllten Klaffen eingeschult im RegierungS- bezirl: Oppeln... 55 063 Kinder, Durchschnitt pro Klaffe 73 Düsseldorf.. 23 712..„„ 73 Trier Posen... Arnsberg Münster.. Köln... Aachen.. Marienwerdcr 22 010 16 476 14 008 13 562 13 547 11516 7 675 74 76 75 73 74 74 75 Wo also Junker und Pfaffen am unumschränktesten herrschen, ist das preußische Schulclend am größten i kUichstag. 146. Sitzung. Dienstag, den 22. April 1913, nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratStisch: v. Heeringen. Kurze Anfrage. Abg. Dr. Hcckschcr(Lp.) fragt an: Sind der Reichsregierung- Nachrichten über die Ermordung des deutschen NeichSangehörigcn Hans Arp in St. Cruz zugegangen? Hat die Neichsregterung bereits Schritte nnternömmcn, um eine Bestrafung der Schuldigen und cffvtr Sühne herbeizuführen? Geh. Legationsrat Dr. Lenz: Der Deutsche Hans Heinrich Arp ist nach einem Streit mit einem Mexikaner getötet worden. Das Auswärtige Amt hat die Gesandtschaft, in Mexiko angewiesen, auf die Durchführung deS Strafverfahrens hinzuwirken und EntschädigungS- ansprllche geltend zu machen. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet und der Name des flüchtigen Täters ermittelt worden. Militär-Etat. Fünfter Tag. Die Beratung wird fortgesetzt bei den Kapiteln„Artillerie und Waffenwcsen, technische Institute". Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Bei Besprechung der Intet« pellation über die Koalitionsfreiheit der Arbeiter in den Militär- kleines feuilieton. Eine Nachtvcrsammlung der Schriftsteller. Die»»eisten Schrift steller sind Lohnarbeiter, sie erhalten für ihre Arbeit nur einen Teil de» Ertrages, wenn sie nicht auch ihre eigenen Unternehmer sind. Der Verleger deS Buches oder der Zeitung— es kann auch anonymes Akrienkapital sein— streicht den größeren Teil des Wertes ein. Freilich ist gerade beim Bücherverleger nicht zu leugnen, daß er durch eigene Arbeit an der Bekanntmachung und Ver- breituag der Bücher, durch da- Risiko, wenn er unbekannte Schrift- steller verlegt, einen begründeten Anspruch auf einen Teil des Ertrages erheben kann. Und darum wird eS, wie Robert Breuer in feiner vortrefflichen Untersuchung der Gattung„Schrift- stellet" Montag nacht in dem neuen Kino-Theater am Nollendorf- platz sagte, darauf ankommen, die Eruagsverteilung zu deS Schriftstellers Gunsten zu bessern, und daS ist natürlich nur durch Organisation»nöglich. Man sieht also, daß es sich in der Nachtversammlung der Schrift- steller nicht um etwas„Literarisches" von der Art handelte, daß etwa zwischen Kaffeehauscliquen und über die Verleger geschimpft worden wäre. Es war ganz einfach ein Anfang zu einer sozial- politischen Aktion ans He.mna dieser geistigen Arbeiter, die dcr „Schutzverband Deutscher Schriftsteller" betreiben will. Ueberhaupt— KaffcehaaScliqueu, Schimpfen auf Verleger und so! Weise Männer in geruhig-r Situation erzählen vielleicht manch- mal noch, daß es so was vor zwanzig Jahren gab. als sie jung »oaren und die zungen Poeten eine Welt zu gestalten dachten; andere Teilnehmer jener Zeit erzählen hinwieder nichts mehr von ihr. weil sie zum Beispiel inzwischen verhungert oder verspießert sind. Jedenfalls das amerikanische Berlin von 1913 hat keine Zeit mehr für solches Mimaiur-lZnrn-üer latin; Geld verdienen und keine Zeil verloren! heißt der neupreußische kategorische Imperativ. Daneben gibt cS aber eine, wie man erst bei solchen Anlässen »nerkt, völlig eigene, völltg andere, völlig abgeschlossene Welt geistiger Arbeiter, die gar nicht für Unternehmer arbeiten und gar nicht ve- strebt sind, kapitalistischen Mehrwert zu steuern und zu häufen, deren Sinn erfüllt ist von dem großen Jnteressenkampf der letzten, unerlösten Lolkskla'se.'n dem auch ihre Sache mit ausgekämpft wird.'.. Ihre Sache! Denn, wie H e r m a n n Wendel dariat, muß der Schriftsteller Schutz b o m Staate heischen: Schutz gegen Ausbeulung, gegen Schundhonorare, gegen unsittliche Verträge, die das geistige Schaffen in die Lelbeigeiischaft des Unternehmers nieder« zwingen. Zwar sprachen einige Redner davon, daß das Publikum der Abonnenten. Inserenten und Bücherkäufer die Schriftsteller heraus- hauen müsse. Aber. Ihr Herren, wollt ihr wirklich die starken Arme d«« Rentiers Mudicke herbeirufen?! So bleibt denn wirklich nur der Ausblick auf den freie» Staat, d« den freien Schriftsteller, den»Motor der Unruhe", nicht mehr mit dem Haß des preußischen Mandarinenstaateö scheel mustern wird. Dazu, daß dieser freie Staat werde, können die Schriftsteller viel beilragen! Wir und die andercit. Unter dein Eindruck des Generalstreiks schreibt man uns aus Brüssel: Nennt uns meinetwegen Pharisäer. Ja, Gott sei Dank, wir sind nicht wie diese da. Ich sehe ein Volk auS Gruben. Hütten und Docks heraus- kommen, in der freier gewordenen Luft tiefen Atem schöpfen, nach lichten Horizonten ausblicken mit beglückten, stolzen Augen. Vierhunderttausend Menschen, die zwei Sprachen sprechen und von denen jeder seine besondere Last und jeder irgend eine andere Verkümnierung von einer gewalttätigen, raubgierigen und cmpnndungs losen Gesellschaft für sein Leben aufgeladen bekommen hat. Und durch alle diese Vierhunderttausend weht eine Hoffnung— sie alle führt ein Wille. Ihre Hand ist friedlich, aber ihre Seele gehört einem heiligen Kampf. Und sie sind mehr denn gerecht. Fordern sie doch ein gleiches Recht— sie, die Ueberlegenen— sie, die doppelt berechtigt sind, lveil sie zum ungeschriebenen Gesetz der Unterdrückung keinen Zugang haben und weil die Zukunft der Menschheit auf ihre glühende Jugend gestellt ist.... Und im Gewittecsturm. durch den ich erfrischt schreite, weht mir ein verlorenes Zeitungsblatt zu. Und ich sehe darin ein langes und breites von einem betrimkenen Zank, der sich draußen irgendwo zu- getragen, von wüsten Gassenbuben und wichtigtuenden Schoppen- steuern, die übernächtig Schimpfworte gewechselt haben, von auf- brüllenden Journalen, von ausgeregten Ministern und lausenden Botschaftern. Und ich lese von Völkern, die zittern, weil sie nicht sicher sind, ob nicht für Gassenbuben und Schoppenstecher zwei große, schaffende, denkende, lebensfrohe Narioncn das Bad ausgießen müssen— ein mit Blut bis zum Rand gefülltes Bad. Und da fühle ich, wie tief unter mir und meinen Genossen jenes kindisch verbrecherische, eitle, kräftezerstörende Treiben ist, das sie Politik nennen. Und in dem stämmigen Blämenweib, das da mit dem stillen langen Zug durch die Straßen schreitet, sehe ich mehr zukunftschauende Staalsweisheit als bei eueren Journalisten, Pro- fessoren. Ministern und Monarchen. Ja. Gott sei Dank, wir sind nicht wie diese da. Gott sei Dank, wir verstehen nicht einmal ihre Stimmen mehr. Notizen. — Die Ehrengabe für Arno Holz wird jetzt von einer Anzahl namhafter literarischer Persönlichkeiten in einem eigenen Aufruf unterstützt, in dem eS kurz und bündig heißt:„Es ergreift und beschämt unS, einen um das deutsche Schrifttum der letzten dreißig Jahre im höchsten Grade verdienten, schon um dcr Reinheit seines nur der Kunst ergebenen Strebens willen belounderungs- würdigen Dichter in Not zu wissen." Wie mißlich Holz' Lage ist. wird jetzt auch ziffernmäßig an der Hand seiner schriftstellenschen Einlnnste seit drei Jahrzehnten anschaulich gemacht. Zwanzig Jahre lang flössen ihm aus dichterischer Arbeit'im Durchschnitt jährlich bloß etwa hundert Mark zu. Für eine Reihe wertvoller Schriften erhielt Holz keinen Pfennig Honorar. Was dann später die mit Oskar Jerfchke verfaßten Stücke an Tantiemen abwarfen, reichte nicht aus, die vordem gerissenen großen Löcher zu stopfen. — Die LandeSanstalt für Wasserhygiene hat in Dahlem ihr eigenes Haus bezogen und bei der Gelegenheit auch den neuen Namen erhalten. Die Zwecke des Instituts, das früher Versuchs- und PrnfungSanstalt für Wasserversorgung und Abwässer- beseitignng hieß, sind in diesem älteren Namen ausgedrückt. Die mannigfachen Aufgaben der Anstalt lverdcii mit der zunehmenden Industrialisierung immer lvichtiger, besonders die Frage der Ver- unreinigung der Wasserlänfe durch industrielle Anlagen haben für die ganze Volkswirtschaft große Bedeutung. — Eine Fe st seiet der Urania findet anläßlich ihres 25 jährigen Bestehens am Dienstag, den 29., abends 7 Uhr statt. Nach einer Ansprache Prof. FoersterS wird Prof. Donath über die physikalisch-experimentelle Tätigkeit der Urania in den 25 Jahren ihres Bestehens sprechen. Vom 28. April bis 4. Mai finden Fest- vorttäge aus den verschiedenen naturwisjenschaftlichen Gebietep, die die Urania vertritt, statt. Eine umfangreiche Denkschrift berichtet über die Entwicklung und über die Ziele des Instituts. — Eil! n e uc r Op ernko mp o n i st. Im Hamburger Stadttheater fand die Uraufführung eines musikalischen Erstlings- Werkes, der zweiaktigen Oper„Der Heilige" von Max Wolfs. ein junger Frankfurter, statt. Sie gestaltet einen asiatisch-legendären Stoff mit inusikalisch-exotischeu Mitteln. Der Text, den der Korn- ponist selbst verfaßte, wird als unzulänglich bezeichnet, die Musik aber findet trotz ihrer Mängel ernsthafte Beachtung. — Wolf-Ferrari arbeitet wieder an einer leichten Spiel- oper, deren Stoff er aus Moliöres„Die Liebe als Arzt" ge- nommen hat. — D a s S i n n b i I d der Liebe. Die bürgerlichen Braun- ichweiger Blätter sind von der hobenzollerisch-welsischen Allianz in einen merkwürdigen Taumel versetzt worden. Besonders die Horn- burger Tage haben eine Plünderung der feuilletonistischen Vorrats- kammern hervorgerufen. Bei der Fülle von Poesie, die dabei auf- gewendet wurde, passiert natürlich gern ein kleines Malheur. Die „Vaterland. Aolkstzg." zitiert« zustimmend aus den„Braunschweiger Neuesten Nachr." folgenden schönen Passus: „Maiglöckchen und Rosen schmückten die Tafel am Tage, da Herzog und Kaiser Händedruck und Friedenswunsch austauschten. Sinnig wählte man sie, daß sie die Bedeutung des Tages verkündeten. Die Hosen— das Sinnbild der Liebe, die in den jungen, lebensfrohen Herzen der Fürstenkinder erblühte und die Alten mit ihrem Zaubcrbann umspann, daß auch sie über Hemmung und Hindernis hinweg den Weg zueinander fanden. Die Maiglöckchen— die frohen Frühlingsboten nsw." Sehr sinnig, nicht wahr Z ttüriftäiieit haben Ivir berlangt, eS solle die politische Selb« ständigkeit und Unabhängigkeit der Arbeiter gewährleistet werden. Wie notwendig da-Z ist, und war, zeigt der Erlaß, den ich schon in der Budgerkoinmission zur Sprache gebracht habe, der vom 9. November 1912, also vier Wochen bor unserer Jnter- pellation' zum Schutze der Koalitionsfreiheit der Militärarbeiter datiert ist. Es handelt sich um den Bund der Handwerker. Lrts-> verein Spandau, der um 170 M. zur Förderung von Bildungs- bestrebungen gebeten hatte. Da er dem Ausschuß zur Förderung der Bestrebungen vaterländischer Arbeitervereine(Förderungsausschuß) beigetreten ist. find ihm die 170-M. gewährt worden, und die Feld- zeugmeisterei bemerkt, daß sie in Rücksicht auf die Zugehörigkeil des Bundes zu dem reichstreuen Förderungsausschuß sich nicht ablehnend Verhalten wolle, den übrigen Arbeitervereinen, die dem Förderungs- anSschuß nicht angehören, würden solche� Gesuche nicht bewilligt werden.(Lebhaftes Hört! hört! links.) seit der Zugehörigkeit deS Bundes zum Förderungsausschuß sei derselbe nicht unliebsam hervorgetreten.(Lebhaftes Hört l hört!) Ob man ihm auch in den nächsten Jahren eine Unterstützung für ähnliche Zwecke geben würde, würde von dem weiteren Verhalten deS Bundes auch in etwaigen Petitionen an den Reichstag abhängen.(Lebhaftes Hört! hört! links.) Vom politischen Standpunkt ans muß gegen solches S ch m i e r g e l d e r u n w e s e n energisch Front gemacht werden. Dieser Erlaß stellt auch die denkbar schärfste Provokation des Par- laments, einen Vorstoß gegen die Petitionsfreiheit dar. Etatsrechtlich müssen wir fragen, aus welchen Fonds werden denn diese Gelder bezahlt? Man sagte uns in der Kommission. eS seien Wohlsahrts- ausgaben.»(Lebhaftes Lachen links.) Wir danken für solche Wohl- fahrtsausgaben zu rein politischen Zwecken.(Lebh. Zustimmung links.) Diese Bezahlung für gute Gesinnung sollte von allen Parteien energisch verurteilt werden.(Sehr richtig! links.) Wir erwarten, daß ein solcher Mißbrauch von Staatsgeldern nicht geduldet wird. Generalleutnant Wandel: ES handelt sich nicht um einen Erlaß, sondern um eine Erklärung einer untergeordneten Behörde, die ihre Meinung über die Zweckmätzigkeit oder llnzweckmäßigkeit der Bewilligung ausgesprochen hat. Das Kriegsmini stemm hat dazu keine Stellung genommen, es hat die Summe bewilligt lllnruhe links, Zurufe rechts: Kolossale Summe!) und zwar ohne Rücksichtnahine auf die politische Gesinnung. Die Auffassung des Vorredners, dnß.es.sich um Schmiergelder handelt, kann ich nicht teilen. Die Militärverwaltung gewährt solche Unterstützungen allen Vereinen, die aus nationalem Boden stehen.(Lebhafte Zwischenrufe links.) Die Militärverwaltung hat auch gar nichts zu verbergen, den Ausdruck, cS handle sich um „Schliche der Militärverwaitung", muß ich mit allem Nachdruck zurückweisen.(Bravo! rechts.) Das Geld ist a u s d e n B e t r i e b S- s o n d s entnommen, die im Etat bewilligt sind, da wir für solche Wohl- fahrtszwecke keine besonderen Mittel haben.(Zuruf links: Schöne Wohl- fahrtSzwecke!) ES sind im Jahre 1912 an eine Reihe von Vereinen solche Summen bewilligt, z. B. für Kinderspielplätze, für Mädchen- heim, für Haushaltungsunterricht im Mädchenheim, für I ü n g- lings- und Jungfrauenvereine(Hört! hört! links)— das ist ein vollkommen neutraler Verein.(Lebhafte Heiterkeit links.) Wir stehen auch mit dem Rechnungshof in Verhandlung, ob es sich nicht empfiehlt, z» diesen guten Zwecken(Lebhafte Zwischenrufe links) die Gelder auf einen besonderen Etalstitel zu übernehmen. Abg. Jcklcr(natl.): Meine politischen Freunde halten es für falsch, daß die Militärverwaltung für politisches Wohlverhalten solche Summen ausgibt.(Lebhafte Zustimmung links.) Wenn General Wandel sagt, jede Organisation auf staatStreueni Boden erhalte diese Summe, so ist es verwunderlich, daß der Erlaß noch nicht zurück- gezogen ist.(Zuruf des Abg. Behrens.) Halten«sie, Herr Ab- geordneter Behrens, eS für Aufgabe eines Arbeiterführers, sochmier- gelber anzimehmen? An den Lohnklassen der Militärverwaltung ist allerlei auszusetzen. Eine Petition des Deutschen Militärarbeiler- und Handwerkerverbandes klagt über ungerechte Entlohnung. Die alten Stücklohnpreise sind völlig unzureichend, sind eS schon seit 20 Jahren gewesen und müssen daher abgeändert werden. Die Arbeiteransschußmitgliedcr müssen vor willkürlicher Entlassung geschützt sein und Einfluß haben auf die Arbeits- und Lohn- bedingungen. Es muß ein StaatSarbeiterrccht geschaffen werden. Die Verwaltung muß tolerant sein und verhindern, daß ihre Arbeiter der Sozialdemokratie anheimfallen. Abg. Schwarze-Lippstadt(Z.) bringt eine Reihe von Arbeiter- wünschen vor, bleibt aber auf der Tribüne unverständlich. Generalleutnant Wandel: Die Heeresverwaltung wird fort- gesetzt die Wünsche der Arbeiter und Handwerker wohlwollend prüfen. Die Stücklöhne müssen vor ihrer Abänderung eingehend auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Für den Urlaub der Arbeiter und Handwerker sind wir dauernd besorgt. Die Arbeiterausschüsse werden stets über Abänderung der Arbeitszeit gehört und meist gehört, wenn eS sich um Abänderung der Lohnordnung handelt. Abg. v. Graefe(k.): Die Treibereien gegen den KciegSminister im„L o lal- A nz e i g e r" rühren, wie ich zuversichllich annehme, nicht aus den Kreisen der Armee her.— Da mein Freund Pauli'dem Reichstage leider nicht mehr angehört, wie ich hoffe, nur zeitweilig (Heiterkeit links), will ich an seiner Stelle die matzvollen Petitionen der Handwerker dem Kriegsminister enipfehlen. Namentlich die Regelung der Stücklohnfrage scheint mir noch recht verbesserungs- bedürftig. Die Angriffe des Abg. Mllller-Meiningen gegen den Bund der Handwerker, daß er Schmiergelder angenommen habe, weise ich zurück. Der Staat hat das Recht und die Pflicht, nur solche Leute in seinen Dienst zu nehmen, die ihn anerkennen.(Beifall rechts; Unruhe links.) Abg. Wcinhausen(Vp.): Die leitenden Personen im Bunde der Handwerler gehören der konservativen Partei an, ebenso viele Mitglieder. Darum muß man den Bund als konservativen Verein bezeichnen. Wenn Generalleutnant Wandel jetzt den Militärarbeiter- verein als nationalen Verein bezeichnet, dann sind die Maßregeln der Militärverwaltung gegen ihn nicht zu erklären.— Der Redner enipfiehlt dann die freisinnige Resolution, die Verhältniswahl für die Arbeiterausschüsse, Bezahlung der Wochenfeiertage, tarifliche Löhne, bessere Urlaubsverhältnisse sowie bessere Pensions- und Ruhe- gebaltsbestimmungen fordert. Gerade jetzt, wo durch die Heeres- Verstärkung auch neue Arbeitermassen in den Betrieben eingestellt werden müssen, sei eine neue bessere Regelung aller dieser Fragen notwendig.— Auch in den technischen Instituten wollen die Klagen speziell der Techniker nicht verstummen. Der Grund dafür ist, daß Techniker auf die Erledigung der Beschwerden keinen Einfluß haben. Abg. Behrens(Wirlsch. Bg.): Herrn Jckler erwidere ich, daß ich selbstverständlich gegen die Zahlung von Schmiergeldern an Organi- sationen bin) aber Herr Jckler möge sich an seine nationalliberalen Freunde im westdeutschen Industriegebiete wenden, die Schmier» gelber andiegelben Vereine zahlen. Daß an die Gewährung der Gelder Bedingungen geknüpft worden sind, die mit dem Zweck der Bewilligung nichts zu tun haben, muß allerdings entschieden gcmißbilligt werden.— Der Redner erklärt dann eine Revision der Arbeitsordnung für wünschenswert. Abg. Böhle(Soz.): Hinsichtlich der Lohnverhältnisse in Straßburg muß ich anerkennen, daß die Löhne seit meiner letzten Beschwerde um 10 Pf. gestiegen sind. Die städtischen Arbeiter in straßburg haben indessen bessere Löhne. Die Militärverwaltung richtet sich nicht nach der städtischen Verwal- tung. sondern nach Privatbetrieben, bei denen sie nach den Löhnen fragt, und zwar nimmt sie auch die Betriebe mit den schlechtesten Löhnen in die Umfrage mit auf. Dadurch kommt es, daß die städtischen Arbeiter bis zu 133 M. mehr jährlich haben wie die Militärarbeiter. Die Arbeiter verlangen mit Recht die Gründung einer Pensionskasse. Die Verwaltung macht aber zu hohe Ansprüche auf Beiträge seitens der Arbeiter. Generalleutnant Wandel hat Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der� Arbeiter bei der Regelung der Arbeitsordnung zugesagt. Wir müsten das Resultat abwarten. Gerade in S p a n d a n konnte die Verwaltung Zu- Wendungen an de» Arbeiterverein machen, handelt es_ sich doch um einen konservativen Bezirk. In der Denkschrift über die Zuwendungen ist ja auch gesagt, daß es sich um einen vaterländischen Verein � handelt. Darüber bitt ich mir ganz klar, daß mir reichstreue Vereine unter« stützt worden sind, in Städten, wo die Arbeiter im Verdacht stehen, sozialdemokratisch gewählt zu haben, sind solche Unterstützungen nicht gezahlt worden. Wir halten das für eine Korruption schlimmster Art.(Zustimmung links.) Die Mittel sind auS den Betriebsfonds genommen. Da muß man doch fragen, wo blieb denn der Rechnungshof?(Sehr wahr I) Mein �Kollege Büchner hat gestern nach dem Verbleib der Straf- g e l d e r gefragt, die den Arbeitern abgezogen werden. Auch hierüber wird Piilitärverwaltimg Aufschluß geben müssen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Militärverwaltung tritt in diesem Jahre d e m R c i ch S t a g kräftiger entgegen. So erkläre ich mir den Erlaß des bayerischen Ministeriunis, wodurch den Staatsarbeilern das Koalitions recht nnterbunden wird. Die klerikale Presse verteidigt natürlich diesen Erlaß, der Gesinnungslumperei im allerhöchsten Maße erzeugt. General Wandel hat dann auch auf den Erlaß gegen den bayerischen Militärarbeiterverband Bezug genommen und gemeint. der neuere Erlaß habe den früheren außer Kraft gesetzt. Das ist nicht richtig, denn die Bestimmungen des alten Erlasses sind ja sämtlich in dem neuen auch enthalten. Wir verlangen, daß die Ar- beiter ohne Zugehörigkeit zu einer Partei in die st aatlichen Betriebe eingestellt werden, und daß die Berwaltung sich nicht�darum kümmert, was sie außerhalb des Betriebes treiben,(sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) In Straßburg freilich sucht die Militärverwaltung Betriebs- Versammlungen, die die Arbeiter selbst einberufen, zu hinter- treiben, sogar mit Hilfe der Polizei.(Hört! hört!) Dadurch lassen sich die Arbeiter aber nicht in die christlichen Organisationen hineintreiben, den Borteil von solchem Vorgehen der MÜitärverwal- tung haben ivir.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schirmcr(Z.) wünscht Sicherstellung der Arbeiter in ihren Bezügen und in ihrem Dienstverhältnis. Redner tadelt die Sozial- demokraten, daß sie nicht auf die Gefährdung des Koalitionsrechtes hingewiesen hätten, die in der fortschrittlichen Resolution liege. Abg. Dr. Müllcr-Meiningen(Vp.): Generalleutnant Wandel hat gestern in der Budgetkommission gesagt�— und alle Parteien haben sich mit größter Schärfe gegen den Standpunkt der Regierung gewandt—: Jeder nationale Verein, der nicht absichtliche Oppo- sition mache, erhalte die Zuwendung. DaS Bedenkliche daran ist, daß dadurch jede Opposition unterdrückt werden soll. Gestern lehnte General Wandel die Abgabe einer Erklärung ab und heute erklärte er, er habe erschöpfende Auskunft gegeben. Auch die Jugendbewegung wollen Sie auf diese Weise stärken. Gerade als Freund der Jugendbewegung warne ich dringend davor, in sie ein politisches Moment hineinzutragen. Angesichts des Vorstotzes gegen das Bndgetrecht des Reichstages, das mit der Villa in der Viktoriastraße gemacht wird, haben wir allen Anlaß, ängstlich darüber zu wachen, und deshalb müssen wir gegen eine derartige Verwendung von Mitteln auf das schärfste Verwahrung einlegen. Der Rechnungshof hat eben- falls die Pflicht, solchen Verschiebungen und Verschleierungen entgegenzutreten.(Bravo I links.) Generalleutnant Wandel: Der Erlaß der Feldzeugmeisterei ist feit einigen Wochen beseitigt.(Zuruf links: Aber er besteht noch.) Bestehen Jilieb er insofern, als eine Betätigung in frieden- st ö r e n d e in Sinne nicht geduldet werden kann.(Zustimmung rechts, Unruhe links.)— In der Budgctkommission wurde gestern verlangt, diese Ausgaben für mehrere Jahre anzugeben und das ist so schnell nicht möglich.—. Bon Verschiebungen und Verschleierung zu sprechen hat der Abgeordnete kein Recht. 1904 haben wir zum ersten Male mit dem Rechnungshof über die Sache verhandelt und er hat erklärt, es sei nichts dagegen einzuwenden. 1912 hat der Rechnungshof die Sache wieder aufgenonimen, und wir verhandeln mit ihm, ob nicht ein besonderer Etatstitel dafür zu schaffen ist. Von Verschiebung und Verschleierung kann also keine Rede sein. (Bravo! rechts.) Abg. Büchner(Soz.): Generalleutnant Wandel hat wiederholt auf die Friedens- störer in der Arbeiterschaft hingewiesen. Die Friedensstörer sitzen ganz wo anders.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Jede Arbeiterorganisation ist nur zur Verbesserung der Existenz- bedingungen dex Arbeiter da. Unsere Frage, wo die Strafgelder der Militärarbeiter bleiben, ist unbeantwortet gebkieben. Wir ver- muten, daß die Zuwenchingen an die Vereine auS diesem Fonds gemacht werden, der dann ein Korruptionsfonds wäre. Meine Gewährsmänner würde ich schon nennen, wenn ich nicht fürchten müßte, daß sie sofort entlassen werden. Die Ansicht, daß ein Unter- schied zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern gemacht werden müsse, ist nicht berechtigt, denn die technischen Fort- ' ch r i t t e verwischen den II n t e r s ch i c�> so vollständig, daß die ungelernten Arbeiter nach ganz kurzer Zeit dieselbe Arbeit leisten wie die gelernten. Daß die Konservativen, wie aus den Worten des Abg. v. Graefe hervorging, sich um die Spandauer Arbeiter sehr kümmern, hat seinen Grund, denn die Arbeiter sind für die konservative Wahlagitation sehr gut zu gebrauchen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Nr. 1 der fortschrittlichen Resolution können wir nicht zustimmen, denn wir verlangen un- beschränktes Koalitionsrecht für die Arbeiter.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Generalleutnant Wandel erklärt, daß die Strafgelder der Militär- arbeiter in die Darlehns- und Unterslützungskasse für die Arbeiter fließen, asto von einem Korruptionsfonds keine Rede sein könne. Abg. Dr. Hegenschcidt(Rp.): Angesichts der Teuerung ist es berechtigt, daß die Staatsbetriebe Lohnerhöhungen an die Arbeiter gewähren; aber die Handwerker soll man dann auch nicht leer aus- gehen lassen. Man sollte immer daran denken, daß die Staatsbetriebe Musterbetriebe sein sollen. Abg. Büchner(Soz.): Ueber die Strafgelder erhalten die Arbeiter, die sie zahlen, keinen Aufschluß. Wir müssen verlangen, daß dies geschieht.(Zu- ssimmung bei den Sozialdemokraten.) Die beiden Kapitel und einige weitere Titel werden bewilligt. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 2 Uhr. Schluß 7>/z Uhr.____ Mgeoränetenbaus. 172. Sitzung. Dienstag, den 22. April 1918, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Schorlemer. Haus und Tribünen sind stark besetzt. Die Vorlage über die E i n f ü h r u n g d e S elektrischen Betriebes auf den Berliner Stadt» und Ring- bahn st recken wird in der KonimissionSfasiung, also unter Aus- scheidung der Wannseebahn und der nördlichen Vorortlinien vom Slcttiner Bahnhof, durch namentliche Abstimmung mit 192 gegen 143 Stimmen angenommen.(Lebhafter Beifall links.) Von den 443 Mitgliedern des Hauses haben sich 335 an der Abstimmung beteiligt. Geschloffen stimmten nur die Fortschrittler und die Sozial- demokraten für den Kommissionsbeschluß, für den auch die Dänen und die Polen mit einer Ausnahme eintraten. Alle anderen Parteien waren geteilt. Vom Zentrum und den Konservativen stimmt ein zroßer Teil gegen die Vorlage. Der Zentrumsantrag, den Zweckverband zu den Kosten heranzuziehen und überhaupt nur 9.6 Millionen zu bewilligen, ist durch die Annahme des Kommissions- beschlusseS erledigt. Gegen die Linke wird die Resolution an- genommen, daß bei der Tariferhöhung ans die Tilgung und Ver- zinsung des Anlagekapitals der Berliner Bahnen bedacht genommen werden soll. In dritter Lesung wird das Gesetz ohne Debatte ver- abschiedet. Es geht nun an das Herrenhaus. Die neue Ostmarkenvorlage verlangt 173 Millionen Mark für Ansiedelung, davon 100 Millionen für Besitzbefestigung und 23 Millionen für Forst- und Domänenankäufe. Eine Resolution der Budgetkommission verlangt von der Regie» rung Stärkung des deutschen Handels- und Ge- werbe st andes im O st e n durch beschleunigte BesiedelungS- tätigkeit, Förderung des Realkredits, bessere Ausbildung der Gewerbe- treibenden, Förderung des gewerblichen Genossenschaftswesens und der Seßhaftmachung deutscher Gewerbetreibender in eigenen Häusern. Die Budgetkommission beantragt weiter, bei der Kenntnisnahme der Ansiedelungsdenkschrift für 1912 die Regierung aufzufordern, nicht einseitig die?t a i f f e i s e n o r g a n i s a t i o n zu fördern. Abg. Winckler(k.) stimmt deni Gesetzentwurf zu und wünscht nur eine gewisse Vorsicht bei Enteignungen.(Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Zimmer(Z.) lehnt namens seiner Partei die Vorlage ab. Was hat man erreicht? Die deutsche Hand hat 1396 bis 1911 gegenüber der polnischen 104000 Hektar verloren und man hat einfach die polnische Bevölkerung, die man ja doch nicht ausrotten kann, in die Städte gedrängt. Im Reich sagt man. man könne für die Heeresvorlage keine Anleihe auf- nehmen, um den Geldmarkt nicht zu belasten, und hier wirft man für diese nutzlose Politik Millionen auf den Markt! Abg. Glätzcl(natl.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zur Vorlage und zur ganzen Ostmarkenpolitik. Abg. v. Kardorff ffk.) ebenso; er will aber auf die schweren Angriffe eingehen, die wegen der Polenpolitik gegen die«taatS» regierung und die Landtagsmehrheit gerichtet wurden. Der Redner zitiert unter fortwährenden zustinimenden Rufen der Polen die scharfen Ausfälle der polnischen Presse. Dann protestiert der Redner gegen eine die Enteignung verurteilende Resolution des g a l i- zischen Landtags und erklärt, daß die berechtigten Shm- pathien für die Dreibund durch solcbe Einmischungsversuche in innerpreußische Angelegenheiten nicht gestärkt werden.(Lebh. Zustimmung recbts.) In England würde die polnische P r e s s e für solch wüste Angriffe Hunderttausende an G e l d st r a f e n be- zahlen. Hoffentlich bekommen wir auch in Deutschland solche Gesetze?(Hört! hört! links.) Der Redner wendet sich dann noch gegen die volnische Agitation der katholischen Geistlichen und wünscht baldige Einbringung deS Parzcllierungsgesctzes.(Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.— Zischen bei den Polen und Sozialdemokraten.) Abg. Kindler(Vp.) begründet einen Antrag, die 173 Millionen für innere Besiedelung in ganz Preußen zu verwenden und wendet sich gegen die antipolnische Ausnahmegeseygebung. Landwirtschaftsminister Dr. Frhr. v. Schorlemer ersucht um An- nähme des Gesetzes und beschuldigt die polnische Geistlichkeit, nicht nur die polnischen Gefühle wach zu halten, sondern auch die deutschen katholischen Geistlichen zurückdrängen.(Große Unruhe im Zentrum.) Ohne die Tätigkeit der Ansiedlungskommission wäre noch weit mehr deutscher Besitz an die Polen verloren worden. Von den 88 926 Bauern in der Provinz Posen sind 41 239 deutsche und 47 687 Polen. 1912 hat zun, erstenmal der deutsche Besitz zugenommen. Das Parzellierungsgesetz kommt in der nächsten Zession. Auf das Enteignungs verfahr en selbst hat die Regierung nicht eingewirkt. Das Ziel der Ostmarkenpolitik ist nicht die Ver- drängung der Polen, sondern die Stärkung des Deutschtums, so daß diese Provinzen dauernd deutsche Boden werden.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Trampczynski(Pole) wendet sich gegen die Beschuldigung. daß der Klerus polnisch-nationale Agitation betreibe. Den Boykott haben die Deutschen eingeführt. Der Land rat von Kar» d o r f f ist dabei nicht ganz unbeteiligt.(Hört! hört! bei den Polen und im Zentrum.) Die Ruthenen in Galizien haben 4000 Volks- schulen, aber wir Polen in Preußen haben gar keine! Finanzminister Dr. Lcntze rechtfertigt die preußische Polenpolitik als nationale Notwendigkeit und die Anwendung de» Enteignungsgesetzes, die erfolgt sei zur Abrundimg bestehender Güter. Abg. Borchardt(Soz.): Unter der Abrundung eines Gutes hat man bisher immer ver» standen, daß anstoßende Grundstücke dazu gekaust werden. Jetzt sagt der Minister, e-Z genüge irgend eine räumliche Beziehung. Also wohl auch zwischen den Gütern in Posen und dem Monde schließlich?!(Sehr gut! bei den Polen und Sozialdemokraten.) Im Verlaufe eines Jahres haben wir 4 bis 3 Polengesetze gemacht. Die Regierung gibt zu, daß diese die Absonderung der Polen und Deutschen gegeneinander fördert, daß mehr An- siedelungsgüter von Deutschen, als von Polen angekauft werden. Herr Viereck klagt sogar über die zunehmende Tüchtig» keit der Polen.(Lebhafter Widerspruch des Abg. Viereck.) Sie klagen im Bericht der Budgetkommission über das Zurückweichen des deutschen Gewerbes vor den Polen und erklären e-s durch die zunehmeilde Tüchtigkeit der Pole». Also bedauern Sie nach dem Logikunterricht des humanistischen Gymnasiums die zunehmende Tüchtigkeit der Polen.(Hört! hört! und Sehr gut! bei den Polen und Sozialdemokraten. Widerspruch des Abg. Viereck.) Ja, da muß die spätere Juristerei Ihre Logik wieder ausgelöscht haben I(Große Heilerkeit links.— Abg. Viereck ist nämlich Land» gerichtspräsident in Ostrowo.) Das vernichtend st e Urteil über die Erfolge der Polen« Politik fällte in der Kommission der konservative Abg. v. W 6 n tz e l. Er erklärte u. a., daß die deutschen Großgrundbesitzer verkaufen, wenn sie keine angenehmen Nachbarn mehr haben. 100 Jahre nach dem großen Opferjahr bringen sie nicht einmal mehr das Opfer des gesellschaftlichen Verkehrs!— Dan« verkaufen sie wegen der hohen Güterpreise, sagt der konservative Herr, und wenn die Ansiedelungskommisfion auch deutschen Besitz nicht kaufen wollte, so würde der deutsche nationale Besitz schließlich zu guten Preisen den Polen verkauft.' Und der dritte Gtimd ist, daß die R a ch b a r» schaft kleiner armer Ansiedler die Steuern der Groß- grundbesitzer erhöhen, deshalb verkaufen sie I Das ist der Nationa» liSmuS der Großgrundbesitzer.(Hört! hört I links.) Während sonst bei steigender Produktivität der Wert des Produkt» sinkt, steigen die Güterpreise und Produktenpreise infolge der agrarischen Wirtschaftspolitik und trotz der Steigerung der Pro» duktivilät. Die Nationalliberalen sind zwar m Worten gegen diese schädliche Politik, auch Herr v. W e n tz e l, aber doch schließen sie den seit dreißig Jahren gemachten Fehlern auch diesen neuesten wieder an, weil sonst— nach Herrn p. W e n tz e l— die Polen eS al» Zeichen der Schwäche auslegen könnten! Wenn selbst die Polcnpolitik so erfolgreich wäre, als sie erfolglos ist, müßten wir sie aus Gründen des Rechts und der Moral ver» werfen.(Sehr wahr! links.) Aber Recht— und die Rede des Abg. v. Kardorff, der hier erklärt bat, er könne das Hetzen nicht leiden. Ach. wenn Ste den größten Hetzer sehen wollen. gucken Sie doch nur in den Spiegel!(Sehr gut! links). In seiner Rbde am 31. Januar hat er förmlich im Blutrausch einen indianischen Kriegstanz aufgeführt und wörtlich gehetzt zum militärischen Angriff aus das Volk auf der Straße! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und dieser Herr v. Kardorff klagt über Hetzer! Recht ist ja nur der Ausdruck der Machtverhältnisse, aber Sie verstoßen mit Ihrer Polenpolitik sogar gegen dieses Gesetz! Wird doch amtlich festgestellt, daß die Ansiedler bei Strafen von 100 Mark polnische Arbeiter nicht beschäftigen dürfen und daß die Polen von den Rentengütern ausgeschloffen bleiben. Endlich, der Justizminister hat ja den Verfassungsgrundsatz . Alle Preußen sind vor den Gesetzen gleicht dahin ausgelegt, baß sie deswegen in den Gesetzen nicht gleich seien. Die ganze Polen- Politik verletzt klar und deutlich die R e i ch s v e r f a s s u n g, die Be- stimmung, daß daS Recht der Freizügigkeit und deS Grunderwerbs auch die Behörden des Heimatsstaates nicht verletzen dürfen! Wie will die Regierung den unerhörten Bruch der Reichsverfapung recht- fertigen?!(Sehr wahr! bei den Polen und Sozialdemokraten.) Die ganzen Ansiedelungswirtschaften stehen nach 27 Jahren An- siedelungSpolitik noch nicht auf eigenen Füßen— ist das die hoch, gelobteKulturblüte?! Und wie wird die deutsche Ostmark- bevölkerung korrumpiert! Der Herr v. L e ck o w hat ein von der AnfiedelungSkommisfion erworkeneS Gut gekauft, wozu er in jimeur früheren Zeitpunkt nicht das nötige Geld gehabt halte. Der Staat hat deshalb das Gut für ihn gekauft, den Treuhänder für ihn gemacht, damit ihm das Gut nicht verloren gehe. Aus unseren Steuergroschenl (Hört! hört! bei den Sozialdenlvkraten und Polen.) Was war der wahre Grund dieses Dienstes der Regierung für den Herrn V. Leckow? Es heißt ja, daß er in früheren Jahren in Berlin Bortäuzcr bei Hoffefien gewesen wodurch er sich hohe und höchste Gunst erivarb; er prahlte mit den Briefen und anderen Gunstbeweisen, die er er- halten hatte. Ilnd er soll von dem Gut Koniecko gesagt haben: »Aufgeteilt wird das Gut nicht, ich werde mir doch nicht die Ansiedler so nahe auf den Leib setzen!" Dann fuhr er nach Berlin und dann laufte der D o ni ä n e n f i s k u s da-Z Gut für ihn. Er erhielt es außerordentlich billig. Was hat die Re- gicrung zu dieser tollen KorruptionSge schichte zu sagen? Ist sie wahr? Und ivenn ja, will Maninil eisernem Besen aus- kehren? iHiirt I hört I bei den Polen und Sozialdemokraten.) Der Redner verliest dann die beiden Flugblätter deS D c u t s ch c n Wahlausschusses in S ch w e tz zuni Zweck der Fernhaltung der Polen von der Wahl und zur Verhinderung ihrer Beteiligung an der Wahl. Schwindeleien, Rtogeleien, Hinterlist und Tücke werden da als im Interesse des Deutschtums bezeichnet. Das ist eine Schän- dung des Deutschtums, die wir mit Verachtung zurückweisen! (Lachen rechts.) Wir sind auch Deutsche(Erneutes Lachen rechts)— uns unterscheidet von Ihren Leuten, daß die Deutsche zu ihrem eigenen Vorteil sind.(Beifall bei den Polen und Sozialdemokraten.) Will aber endlich das Zentrum,, das doch immer so schöne Reden gegen die Polenpoliük hat, nicht endlich seinen großen Ein- t fluß aus die Regierung gebrauchen, um diese Dinge unmöglich zu machen? I Sehr zweifelhaft ist die H a l t u n g des Freisinns, der durch Dr. W i e m e r ja einmal erklärt hat, daß er mit den Zielen, nur nicht mit den Mitielir der Polenpolitik übereinstimme! Ilnd obwohl die die Reichsgesetze verletzende Polenpolitik doch zweifellos in den Reichstag gehört und der Freisinn dies früher immer anerkannt hat, hat der Freisinn bei der Enteignungs- interpellation im Reichstag mit der Rechten den Spieß umgedreht und den Eingriff Preußens ins Reichsrecht als einen Eingriff des Reichs in preußische Angelegenheiten hingestellt. Das war voll- ständige Gefolgschaft für die Rechte! Wenn in Galizien die Ruthenen unterdrückt werden, so werdeil ste gleich dem polnischen Volk unterdrückt von den polnischen Adligen, von den polnischen Junkern! Der polnischen Fraktion ver- hilft die Polenpolitik dazu, dem polnischen Proletariat die Klassen- gegensätze zu verhüllen, wovon das polnische Ausbeutertum, Bour- geoisie und Ade!, den Lorteil hat.(Lachen rechts.) Wir werden bei den Landtags wählen diese Verhältnisse aufdecken und was an uiis liegt, soll geschehen, damit an Stelle der Herren Polen polnische Sozialdemokraten in den Landtag einziehen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten, Lachen bei der Mehrheit.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. v. Kardorff(fl.) erklärt persönlich, die Boykottgeschichte des Abg. v. Trampczhnski für unrichtig und daß die ihm vom Abg. B o r ch a r d t in den Mund gelegten Aeußerungen von Liebknecht getan seien. � Abg. Borchardt(Soz.) stellt unter Rennung der Spalten des stenographischen Berichts fest, daß Herr v. Kardorff die betreffende Stelle gesprochen. Abg. v. Kardorff(fk.): Ja, ich habe aber doch nur Wilhelm Liebknecht zitiert, daß der Sozialismus den bürgerlichen Parteien gegenüber keine Sache der Theorie, sondern eine Sache sei, die auf der Straße, auf dem Schlachtfeld auSgefochten werde.(Große Heiter- keit bei der Mehrheit.) Abg. Borchardt(Soz.): Ja, aber ich habe doch weiter zitiert, daß der Staat seine Macht- mittel gegen die Sozialdemokratie aufwenden und daß der ruhmreiche Offensivgeist der Armee in die Regierung einziehen solle; und das hat Herr v. Kardorff gesagt!(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten— Lachen und Unruhe bei der Mehrheit.) Abg. Graf Praschma(Z.) bedauert, nun nicht die Anfrage wegen des GntSkanss für Herrn v. Leckow stelle» und sich mit dem Abg. Borchardt nicht mehr befassen zu können.(Zurufe der Sozialdemokraten: Sagen Sie das ihren Freunden, die Schluß ge- macht haben!)' Die Vorlage wird unverändert� gegen die Fortschrittler, Polen, Dänen, das Zentrum und die Sozialdemokraten a n g e- nommeu, ebenso die Resolution, die Denkschrift wird zur Kenntnis genommen und die Hierzu gestellte Resolution beschlossen. Mittwoch 11 Uhr: Petitionen, Gesetz über innere Kolonisation. Schluß 6 Uhr.__ parlamentarircbcs* * Wahlprüfungen. Die Wahlprüfungskommission des llkeichstagcs beschäftigte sich am Dienstag erneut mit der Prüfung der Wahl des Genossen Haupt. Das Plenum des Reichstages hatte seinerzeit die Wabl zur nochmaligen Prüfung an die Äommiffion zurückverwiesen. Es kam erneut zu längerer Diskussion über die schon früher von uns ausführlich geschilderten Fälle Möckern und Groß-Wudicke. Die Kommission blieb jedoch in ihrer Mehrheit bei ihren früheren Be- schlüssen. wonach den, Genossen Haupt in Möckern LS stimmen abgezogen wurden, während in Groß-Wudickc, trotzdem die amtliche Beeinflussung durch eidliche Zeugenaussage festgestellt wurde, keinerlei Folgerungen gezogen wurden. Es sind nun noch die Nachtragungen und Streichungen in der Wählerliste zu prüfen, was auf Mittwoch vertagt wurde. Nach den bisherigen Beschlüssen ist mit der Ungültigkeitserklärung zu rechnen. Im Wahlkreise K a tt o w iz- Z a b r z c ist der polnische Abg. S o s i n s k i gegen unseren Genossen B i n i s z I i c w i c z mit einer Rkehreit von öbvz Stimmen gewählt worden. In den vorliegenden sieben Wahlprotesten sind amtliche Wahlbeeinflussung, unzulässige Kanzelagitation und das Eingreifen der Äriegervereine als Protest- gründe ausgeführt. Das alles reichte nicht aus. um die große Mehrheit Sosinskis zu beseitigen, und so wurde die Wahl für gültig erklärt. Auch die Wahl des in Neuste ttin gewählten konservativen Landrats v. Bon in mußte für gültig erklärt werden, weil der vorliegende Protest infolge des großen Stimmenvorsprunges die Wahl nickt erschüttern konnte. Zur Wahl des Grafen v. Oppersdorfs' wurde erneute Beweiserhebung beschlossen. Ein umsanglicher Protest mit mehr als 60 Punkten liegt gegen die Wahl des in Oletzko-Lyck gegen den Nationalliberalen Koch gewählten konservativen Gutsbesitzer Reck vor. Auch bei dieser Wahl spielte der schnaps als Agitationsinittel eine große Rolle. Daneben laufen grobe Unregelmäßigkeiten in den Wahllokalen, wie Auslegen von konservativen Stimmzetteln. Agitation im Wahl- lokale. Kontrolle der Wähler usw. Auch eine Reihe Stimmenkaufe werden behauptet. Die weitere Verhandlung darüber wurde auf Mittwoch vertagt.___ Kraftfabrzeuge und Unfälle. Bei der ersten Zählung der Kraftfahrzeuge im Deutschen Reich — 1. Januar 1907— wurden 27 026 Kraftfahrzeuge ermittelt, von denen 25 811 zur Personen', 1211 zur Lastenbeförderung, dienten. Die Zählungen sind inzwischen alljährlich wiederholt worden und haben, wie ivir dem neuesten Vierteljahrsheft zur Statistik deS Deutschen Reichs elttnehmen, folgendes Ergebnis gehabt: Die Zahl der Krastfährzeuge insgesamt betrug am 1. Januar 1907; 27 026, 1908: 36 022, 1909: 11727, 1910: 19 011, 1911; 56131, 1912: 6ö 150, 1918: 77 789. Die Zahl der Kraftfahrzeuge ist also in 6 Jahren ans fast daS Dreifache angewachsen. Die Zahl der Last- fahrzeuge ist relativ noch schneller, nämlich auf mehr als ba-3 Sechsfache gestiegen. Sie betrug 1907: 1211, 1909: 2252, 1911: 1203, 1913: 7701. Von den 70 085 am 1. Januar 1913 gezählten, vorzugsweise der Personalbeförderung dienenden Kraftfahrzeugen, standen 1031 im Dienste öffentlicher Behörden, 7031 dienten als Droschken oder Omnibusse dem öffentlichen Verkehr, 26 678 einem Gewerbebetrieb, 685 landwirtschaftlichen Zwecken, 8219 fanden in anderen Berufs- zweigen, z. B. für Aerzte und Feldmesser, Verwendung und nicht weniger als 26 108 Kraftfahrzeuge, also 37,7 Proz., dienten Vergnügungs- und Sportzwecken. Die Kraftfahrzeug- Unfall st ati st ik ergibt ein beklagenswertes Anschwellen der U n f a l l z a h I e n. Die Lastfahrzeuge und die schweren Maschinen sind an den Unfällen relativ am meisten beteiligt. Die Gesamt- zahl der an den Unfällen beteiligten Kraftfahrzeuge be- trug im Jahre 1906/07 5079, im Jahre 1908/09 6123, im Jahre 1910/11 8931 und im Jahre 1911/12 10 864. Die Zahl der Unfälle ist etwas niedriger als die Zahl der Autos, weil an einigen Unfällen mehrere Kraftfahrzeuge teilnahmen. Sie betrug im Jahre 1911(1. Oktober 1911 bis 30. September 1912) 10 105. Durch diese 10105 Unfälle wurden 5542 Personen verletzt und 442 getötet. Von den Verletzten waren 7,3 Prozent Führer, 18,9 Insassen und 73,8 dritte Personen. Auf 100 Fahrzeuge zur Personen beförderung entfielen 12,6, auf 100 Fahrzeuge zur Laste n beförderung 16,0 Unfälle. Die Fahrzeuge mit mehr Pferdestärken waren zahlreicher an den Unfällen beteilig! als die leichteren. Eine Ausnahme machen die Personen kraftfahrzeuge mit über 40 PS. An den Unfällen im Jahre 1911/12 waren von den P e r s o n e n fahrzeugen getrennt nach der Kraftleistung der Maschinen in Pferdekräften beteiligt: Krafträder...... mit 1 Proz. ihrer Anzahl, Kraftwagen bis zu 8 PL„ 9,5„„„ von 8—16 ,,„ 16,5. „ 16-10„„ 26,2. „ mit mehr als 10„„ 18,0„ An den Unfällen waren von den K r a f t fahrzengen, ebenfalls getrennt nach der Maschinen, im Jahre 1911/12 beteiligt: Krafträder...... mit 3,3 Proz. ihrer Anzahl, Kraftwagen bis zu 8 PS mit 13,6„ von 8—16„„ 17,1» . 16-10 ,,„ 19,1..... mit über 10»„ 25,1» Sehr stark war die Beteiligung der Droschken und Omnibusse an den Unfällen. Es waren beteiligt die vorwiegend im Dienst öffentlicher Behörden(Post-, Heer-, Marine-, Gemeindeverwaltungen) stehenden Personenkraftwagen mit 15,6 Proz. ihrer, Gesamtzahl, die Droschken und Omnibusse mit 65,7 Proz., die Autos für Gewerbebetriebe mit 8,1 Proz., die land- und forstwirtschaftlichen Zwecken dienenden Kraft- wagen mit 5,3 Proz., die für Aerzte, Feldmesser usw. bestimmten Wagen mit 6.0 Proz. und die vorwiegend Vergnügungs- oder Sportzwecken dienenden Kraftwagen mit 13,2 Proz. ihrer' Gesamt- zahl. Der Landes polizeibezirk Berlin zählte am 1. Ja- nuar 1913: 6182 der P e r s o n e n beförderung dienende Kraftfahr- zeuge. Von diesen dienten vorwiegend dem Dienst öffentlicher Be- Hörden: 97: eS fanden als Droschken oder Omnibusse Verwendung: 2133; dem Gewerbebetrieb dienten 1755, landwirtschaftlichen Betrieben 2192 Kraftfahrzenge wurde» von Aerzten, Feldmessern usw. benutzt, 2003 Fahrzeuge dienten vorwiegend Vergnügungs- und Sportzwecken. L a st kraftfahrzeuge befanden sich am 1. Januar 1913 in Berlin: 1127. Von diesen fanden 126 im Dienst öffentlicher Behörden und 1301 in gelverblichen Betrieben Verwendung. Von den 10 105 Unfällell im Deutschen Reich entfiel auf den Landespolizeibezirk B e r l i ir eine sehr hohe Zahl, nämlich 3272, also fast Ve aller Unfälle. An diesen Unfällen waren 3709 Kraftfahrzeuge(2985 Personen-, 271 Lastautos, 16 blieben unermittelt) beteiligt. 151 Kraftfahrzeug- führer suchten sich ihrer Feststellung durch die' Flucht zu ent- ziehen, darunter 21 mir Erfolg. Gerichtliche Strafverfahren wurden gegen 519 Führer der Kraftfahrzeuge eingeleitet. Bei den Unfällen im Landespolizeibezirk Berlin lvurden 13 4 3 Personen, darunter 33 Führer, verletzt, 75(darunter ein Führer) getötet. An den Unfällen waren beteiligt: 2112 Droschken oder Omnibusse, 586 Fahrzeuge, die vorwiegend für Vergnügungs- oder Sport- zwecke Verwendung finden. 83 für gewerbliche Zwecke, 23 für Aerzte, Feldmesser usw., 31 für den öffentlichen Dienst bestiminte AutoS. Die Ursachen der Unfälle werden in der«ptatistik nach den in den Anzeigen sehr summarisch ohne Eingehen auf die eigent- lichen Unfallsgrüllde gemachten Angaben registriert.' Danach waren in 46,7 Proz. die Gründe nicht festzustelleli, in 10,6 Proz. soll zu schnelles Fahren oder Uitterlassen des Warnungssignals, in 23.9 Proz. ungeschicktes, unvorsichtiges oder vorschriftswidriges Verhalten der Führer, in 10,8>.Proz. Unachtsamkeit der Geschädigten den Unfall veranlaßt haben. Die enorme Unsallzahl fordert dringend, daß den tiefer liegenden, eigentlichen Ursachen der Unfälle nach- gegangen werde. Es ist der Vorbeugung künftiger Unfälle— wie bei Eisenbahnunfällen— mit der Behauptung wenig gedient, der Führer sei schuld. Viel wichtiger ist die Frage, worauf beruht die Schuld deS Führers? Wie lange hatte er Dienst? Wie stand es mit seiner Ruhezeit? Die Erhebungen über die Verhältnisse im Fuhrwerköbetrieb haben unzweifelhaft ergeben, daß eine Mindestruhezeit und eine Höchstarbeitszeit im dringendsten Interesse des Verkehrs liegt. Die..Schuld" des Führers beruht oft auf der durch zu lange Arbeitszeit herbeigeführten Uebermüdung. Eine höchstens achtstündige Arbeitszeit und ausreichende Ruhezeit liegen noch mehr im öffentlichen Interesse als in dem der Fahrzeugführer. Hier sollte der Gesetzgeber endlich eingreifen. Wie soll ohne ausreichende Ruhezeit daS Maß von Geistesgegenwart und besonnener Ent- schlossenheit ermöglicht iverden, das vom Führer eines AutoS noch mehr als von dem anderer Gefährte mit Recht ver- langt wird? Der Gesetzgeber, der die Festlegung einer Höchstarbeitszeit und Mindestruhezeit auf dem Gebiete des Verkehrs- Wesens unterläßt, wird zum Mitschuldigen, zum Hauptschuldigen an den durch den öffentlichen Verkehr jährlich wachsenden ungeheuren Opfern an Menschengesundheit und Menschenleben. Eine Regelung der Arbeitsverhältnisse der Wagenführer ist un- endlich wertvoller zur Herabminderung der Unfälle als polizeiliche Reglementierungen, die, mögen sie noch so zweckmäßig gestaltet setzi, niemals die tiefer liegenden Ursachen verhüten können, die zu einer Vernachlässigung der Ordnungsvorschriften und zur Herabminderung der Geistesgegenwart, Aufmerksamkeit und Entschlossenheit führen, deren ein Wagenführer in seinem uird im öffentlichen Interesse dringend bedarf.____ Eine Konferenz der Gemerkschoftsvorkände fand am Montag im Gewerichaftshause statt. Der Reichstagsabgeordnete Genosse Gustav Bauer, der auch Mitglied des Auf- sichtSrates der Versicherungsgesellschaft„Volkssürsorge" ist? hielt einen Vortrag über„Wesen und Zweck des von den Gewerkschaften und Genossenschaften beschloyenen Äersicherungsunternehmens„Volks- sürsorge". Redner leitete seinen Vortrag mit einer Darstellung über Entstehen, Zweck, Wesen und Umfang der vorhandenen Volks- Versicherungen ein, um dann mit erschöpfender Sachkenntnis ein großzügiges und übersichtliches Bild von der ge- planten„Völksfürsorge" zu entwerfen. DeS weiteren schilderte er, daß sich sofort nach dem Bekanntwerden des neuen Problems von interessierter Seite Strömungen geltend machte« und sich bereits zu Gegengründungen verdichtet haben, die nach dem Muster der„Volkssürsorge" organisiert sind und de» Zweck verfolgen, alle„nationalen Arbeiter" um sich zu scharen. Es habe sich hier also gezeigt, daß allein schon das Auftauchen der„Volks- sürsorge" bewirkt habe, was vorher alle Beschwerden gegen die auf kapitalistischer Grundlage aufgebauten Versicherungsgesellschaften nicht bewirken konnten, indem nunmehr Regierung und Behörden daran gehen, das Volksversicherungswesen in gemeinnützigem Sinne zu beeinflussen. DaS werde zur Folge haben, daß von selbst scho« eine Scheidung der Versicherungswilligen eintritt, da die Regierung und die in Betracht kommenden Kreise alles aufbieten werden, die Indifferenten für die nationale Versicherung einzusaugen. Andererseits rechnet die„Volkssürsorge" in erster Linie damit, Angehörige der Arbeiterbewegung für sich zu gewinnen, wenngleich sie außerhalb derselben Stehende nicht ablehnen will. Nachdem der Referent noch Borschläge betreffs der Beitrags« kassierung gemacht hatte, setzte eine sehr rege Diskussion über den letzteren Punkt ein. Bauer hatte dem Gedanken Aufdruck gegeben, daß die Gewerlschaftskassierer auf ihren Gängen zu den Mitgliedern zugleich auch die Beiträge für die„Volkssürsorge" mit einkassieren könnten� und an der Hand von Beispielen die technische Möglichkeit dieses Systems erläutert. Von nachfolgenden Rednern sprachen mehrere gegen diese Art der Kassierung starke Bedenken aus und begründeten dieselben mit den voraussichtlichen großen Schwierigkeiten, mit denen dieselbe zu rechnen haben würde. Von anderer Seite wurde zugegeben, daß die Frage der Bei- tragskassierung eine sehr schwierige sei und reiflich überlegt werden müsse, daß aber dem Kassieren durch die Gewerkschaftskassierer gegen- über dem Einholen der Beiträge durch freiwillige Funktionäre der Vorzug zu geben sei. Einig war man insofern, als von einer Beschlußfassung ab- gesehen wurde, damit die Frage erst noch in voller Ruhe in den einzelnen Gewerkschaflsvorständen geprüft werden könne, che man zu einem abschließenden Urteil gelange. Hus der Partei. Kommunalwahlerfolg. In dem bei Oberstem a. d. Nahe im Fürstentum Birkenfeld ge« legenen Orte Tiefe»stein beteiligten sich unsere Genossen zum ersten Male an der Gemeindcratswahl mit dem Erfolg, daß alle fünf sozialdemokratischen Kandidaten gewählt wurden. Landtagstandidaten-Aufstellung in Mannheim. Durch Urabstimmung wurden die Genossen Geiß, Süß» kind, Kram er, Böttger und Lehmann als Kandidaten nominiert. Vier Kreise sind sicher, der dritte Stadtkreis, in dem Genosse Lehmann kandidiert, erscheint dagegen ziemlich aussichtslos. poliieilicbes. Sericktlicbes uhv. Der beleidigte Staatsanwalt. Wegen Beleidigung des Staatsanwalts Tr. Schläger hatte sich am Montag vor der Strafkammer der verantwortliche Redakteur des„Hamburger E ch o", Genosse Ernst K ö p ke, zu verant- Worten. Am lt. Dezember v. I. hatten sich die Genossen Köpke und August Winnig wegen gemeinschaftlicher Beleidigung der Ossizicrc und Unteroffiziere der Armee zu verantworten. Genosse Winnig hatte im„Echo" ein kleines Feuilleton,„Osterode" betitelt, veröffentlicht, das die Verzweiflungstat des Musketiers Ehmers- leben in Osterode, der erst den Hauptmann Rcetsch und dann sich erschossen hatte, psychologisch zu erklären versuchte. Die damalige Vcrhaicdlung gestaltete sich sehr interessant, standen doch als lite- rarischc Sachverständige Richard D e h m e l und Jacob Loewenbcrg den Angeklagten zur Seite. Beide erklärten über- einstimmend, daß das Feuilleton literarisch sehr wertvoll sei, und daß man aus demselben eine beleidigende Absicht nicht heraus- lesen könne. In seiner verantwortlichen Vernehmung erklärte Ge- nosse Köpke, daß er den zur Anklage stehenden Artikel als ein literarisch wertvolles Feuilleton betrachte, in dem er eine Beleidi- gung nicht erblicken könne. Im besonderen erklärte er, daß er das Feuilleton erst n a ch b c r, als die Zeitung schon gedruckt war, gelesen habe. Diese Aussage stand mit der von Kopie in der Vor- Untersuchung gemachten etwas in Widerspruch. Er hatte nämlich' in der Voruntersuchung zu Protokoll gegeben, daß er die angeklagte Arbeit für ein Erzeugnis dichterischer Phantasie gehalten habe,, Genosse Köpke befand sich aber in einem Irrtum, der entschuldbär ist, da er sich während der Voruntersuchung zwecks Vcrbüßung einer dreimonatigen Freiheitsstrafe im Gefängnis befand und auch dort die Protokollicrung erfolgt>var. Auch Genosse Emil Krause, dein die Bearbeitung des Feuilletons obliegt, sagte in der Verhandlung unter Eid aus, daß mit Sicherheit anzunehmen sei, daß Ge- nosse Köpke das Feuilleton vor Drucklegung nicht gelesen habe. Der Staatsanwalt Dr. Schläger bezeichnete in seinem P l a i- doyer die neue Erklärung des Genossen Köpke als Feigheit, die ersonnen sei, sich vor der strafrechtlichen Verfolgung zu schützen. Bei der Urteilspublikation führte der Landgcrichtsdirektor Dr. Goocrts aus, daß das Gericht die zur Verhandlung stehende Angelegenheit ohne Sachverstand entschieden hätte, da eine gewisse Einseitigkeit in der Auffassung bei den Sachverständigen doch ver- treten sei. �Auf die rein literarische Frage käme es auch gar nicht an. Der Schluß war, daß Gciwsse Köpke zu 4 Monaten G c- fängnis und Genosse Winnig zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt ivurdc. Da der Verlauf des Prozesses in mehr als einer Beziehung charakteristisch für unsere„Rechtsprechung" war, wurde ihm nach einigen Tagen noch eine Besprechung im„Echo" zuteil. Und in diesem Artikel, der überschrieben war:„Die„Feigheit" des Herrn Staats- anwalts", wird die erneute Beleidigung, weswegen Genosse Köpke' sich zur verantworten hatte, erblickt. In der Uebcrschrift in dem „Echo"-Artikel fehlten damals bei dem Wort„Feigheit" die An» führungszeichen, so daß die Staatsanwaltschaft der Ansicht ist, daß durch den Satz dein Staatsanwalt Feigheit vorgeworfen lverdcn sollte. Genosse Köpke, wie auch der Lokalredakteur Genosse Pcrner bekunden aber übereinstimmend, daß auf dem Manuskript das Wort„Feigheit" in Anführungszeichen gestanden habe und in der Setzerei diese Zeichen vergessen worden seien. Der E-taats- anwalt hielt jedoch diese Einrede für belanglos und beantragte, den Genossen Köpke zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten zu verurteilen. Rechtsanwalt Dr. Herz-Altona trat für die kostenlose Freisprechung ein, da Lköpke in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Monate n. Stadträtlichc Scheu vor der Maifrier. In Riesa(Sachsen) wollte die organisierte Arbeiterschaft am 1. Mai unter anderem eine Versammlung unter freiem Himmel auf dem der Stadt gehörenden Schützenplatzc abhalten. Die hierzu nachgesuchte Genehmigung wurde jedoch vom Stadtrat mit der Begründung verboten, es sei eine Störung des Verkehrs und der öffentlichen Sicherheit zu befürchten. Da der Platz aber 10 000 Quadratmeter groß ist und die«straßc 50 Meter entfernt von der Stelle, wo die Versammlung stattfinden sollte, vorübergeht, da ferner alljährlich ohne Störung fiir den Verlebe dort Schützen- feste unter massenhafter Beteiligung stattfinden, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Riesacr Stadtrat nicht eine Gefahr für Ver- kehr und«Sicherheit, sondern nur die wiaifeier selbst gefürchtet und deshalb allein die Genehmigung versagt hat.- Die preußische Justiz und dir Presse. Selten hat sich die Justiz so— na, sagen wir, Widerspruchs» voll— gezeigt, wie in einem langwierigen Preßprozetz gegen das „V o I k s b l a t t" in Mühlhausen i. Thür. Die Genossen Martcwitz und G c ß n e r waren vor einigen Monaten von der Strafkammer in Mühlhausen wegen Lehrerdeleidigung zu 100 bezw. 20 M. Geldstrafe verurteilt worden. Sie hatten die harten Züchtigungen der Schulkinder kritisiert und konnten vor Gericht einen umfangreichen Wahrheitsbeweis antrete». Damals kam die» «Strafkammer zu dem Ergebnis:„Der Inhalt des Artikels sei im Wesen tlichen wa h r". Lediglich wegen der Ausdrücke: „Eine bc�ichtenswcrte Prügelleistung" und„prügelnder Pädagoge" wurde auf Strafe erkannt, weil darin eine formelle Beleidi* Hung liege. In d'er Begründung des Urteils wurden die Züchte» gungen des Lehrers äuherst abfällig kritisiert! auch sagte das Gericht, daß sehr mißliche Schulzustände enthüllt worden seien, die die Schulbchörde abstellen müsse. Auf die eingelegte Revision hob das Reichsgericht diestr Urteil auf. In der Entscheidung hieß es, die Strafkammer möge erörtern, ob die als beleidigend angesehenen Bezeichnungen in- folge des geführten Wahrheitsbeweises nicht tatsächlich gerecht fertigt seien. In der neuen Verhandlung stand die Strafkammer nunmehr bor der Wahl, entweder auf Freisprechung zu erkennen oder zu einem anderen Ergebnis der Beweisaufnahme zu kommen. Und die Mühlhauser Strafkammer konnte sich nicht zu der Ueberzeugung durchringen, daß die Redakteure einen verurteilenswerten Miß stand mit Recht kritisiert und sich damit Dank und natürlich Frei fprechung verdient haben; um dem Reichsgericht gerecht zu werden formte sie sich eine andere Bewertung der Beweisführung. E* standen die gleichen Zeugen wie bei der ersten Verhandlung bor Gericht; sie machten die gleichen Aussagen und vielfach noch ein- drucksvaller als zuerst. Die Strafkammer aber verkündete dies mal: das Gericht hält den Beweis der Wahrheit nicht für er bracht Die früheren Strafen wegen formaler Beleidigung er schienen nun angemessen aus dem neuen Grunde. Um das Bild dieses aparten Falles zu vervollständigen, sei erwähnt, daß es zudeni noch dieselben Richter waren, oie sich auf so graziöse Art selber widerlegt haben. Hm Induftm und Kandel. Kartellbestrcbungen in der Textilindustrie. Die Bestrebungen innerhalb der Textilindustrie nach Kartell- zusammeuschlüssen und Ausbau der bestehenden Kartelle und Kon- ventioncn hatten im Jahre 1912 wiederum Erfolge zu verzeichnen Die Kartellbestrebungen in der Textilindustrie sind noch nicht alt. Bis etwa zum Jahre 19<1S wurde ollgemein angenommen, daß die Textilindustrie für Bildung von Konventionen, Kartellen oder Sym dikaten ungeeignet sei. Seit jenem Jahre sind jedoch diese Bev cinigungen wie Pilze aus der Erde gewachsen und es gibt heute keine große Branche mehr, welche solche nicht aufzuweisen hätte. Am stärksten kartelliert ist die Samt» und Seiden» i n d u st r i e. Hier ist der Zusammenschluß, nach Branchen ge trennt, ein vollständiger. Das Jahr 1912 brachte insofern einen Fortschritt, als die gesamte deutsche Seidenbandindustrie einschließ- lich der auf deutschem Boden fabrizierenden Baseler Bandfabri- kanten vereinigt werden konnte. Die Bergischen Fabrikanten sind im„Verband der Seidenindustrie Deutschlands", die Baseler Fa brikanten im„Verband der oberrheinischen Bandfabrikanten" zu- sammengcschmiedet worden. Beide Kartelle stehen unter einer Lei- tung. Mit den Händlervercinigungen sind Kartellverträge abge schlössen. Das bestehende Kartell der Seidenfärber, welches wiederum dem„Internationalen Verband der Seidenfärbereien" angeschlossen ist, wurde weiter gekräftigt durch den Zufammenschluß einzelner Unternehmungen innerhalb des Kartells. So haben sich drei rechtsrheinische Färberei- und Appreturuntcrnehmungen der Scidenindustrie, nämlich Alexander Schlieper-Vohwinkel, I. H. Laag Düsseldorf und.Hildener Stückfärberci G. m. b. H., auf welch letztere die französische Färbereifirma Gillet maßgebenden Einfluß besitzt, zu einer Aktiengesellschaft verschlMlzen. Im linken Rheinland haben sich drei andere große Aus- rüstungsbetricbe in Krefeld zu einer Interessengemeinschaft zu- sammengetan. Jeder Betrieb bildet für sich eine Aktiengesellschaft unter Leitung ihrer bisherigen Inhaber. In die Aussichtsräte treten jedoch wechselseitig die Inhaber der befreundeten Unternehmungen ein. Die gegenseitige Kontrolle ist damit gaPntiert. Eine neue Konvention bildeten die Cord-Ausrüstungs- a n st a l t e n. Sofort bei der Gründung wurde beschlossen, daß diejenigen' Fabrikanten, die ihre Fabrikate bei Nichtkonventions- Mitgliedern ausrüsten lassen, einen Preisaufschlag von 22 Proz. zu zahlen haben.— Der Sitz des Verbandes ist M.-Gladbach.'Die deutschen Verb and ftoffabrikanten haben sich unter dem Namen„Verein der Verbandsstoffabrikanten Deutschlands" zu einem Preiskartell zusammengeschlossen. Sehr viel Staub wirbelte die Gründung der„D e u t s che n T u ch k o n v e n t i o n" auf. Die Bemühungen maßgebender Tuchfabrikanten, eine Konvention zu bilden, datieren viele Jahre zurück. Alle Versuche sind bisher gescheitert. In der Tuchfabrikation gibt es noch zahlreiche kleine Existenzen, Leute mit wenig Kapital, mit wenigen Webstühlen und oftmals mangelnder kaufmännischer Routine. Die Konvention stellte sofort neue Zahlungsbedingungen auf, lei Rabatt. Gegen diese Bestimmungen liefen die A b n e h m e r Sturm. Der„Verband der deutschen Detailgeschäfte der Textil- branchc", der„Arbeitgebcrverband der Herren- und Knabenklcider- sabrikantcn" sowie die Grossisten erhoben Protest. Nach umfang- reichen und langwierigen Verhandlungen ist eine Einigung zustande gekommen. Die Gründung der Tuchkonvention führte zur Gründung einer ganzen Anzahl Verbände der Abnehmer. Es wurde ge- gründet die„Vereinigung deutscher Tuch-Großhändler". Die Ver- einigung hat sich mit dem„Verbände deutscher Tuchgroßhändler und verwandter Branchen e. B." in München, welcher die Mehr- zahl deutscher Tuchversender umfaßt, zu solidarischem Handeln vertraglich verpflichtet. Des weiteren wurde«in Verband der Grossisten gebildet. Der„Verband der Fabrikanten halbwollener (englischer) Stoffe", welcher Ende März in Berlin gegründet wurde, sowie die Gründung des„Verbandes von Damen-Konfek- tions- und Kostümstosfen" ist gleichfalls auf die Errichtung der „Tuchkonfektion" zurückzuführen. Beide Verbände arbeiten mit der ersteren Hand in Hand. Das sehr fest gefügte Kartell der Jutcindustrie, der„Verband der Juteindustriellen Deutschlands", bewies auch im Jahre 1912 seine Kraft. Es hat die dem deutschen Textillose-Konzerng gehörigen Patente aus Herstellung eines Juteersatzstoffes käuflich erworben. DaS Jutekartell will damit den Gefahren einer technischen Umwälzung in der Branche die Spitze abbrechen. Es verhindert mit dem Ankauf, daß der Textillose-Konzern auf Grund der ihm gehörigen Ersatzstoff- Patente selbst zu fabrizieren beginnt und damit infolge seiner großen Billigkeit die seitherigen Juteerzeugnisse teilweise vom Markt verdrängt. Mit einem vollständigen Sieg des„Verbandes der deutschen Vercdclungsan st alten für baumwollene Ge- web e", Leipzig, endete der Kampf, den dieser Verband mit seinen Auftraggebern ausgefochten hat. Der Verband bestimmte, daß ab 1. März alle Rechnungen mit einem sogenannten„Schutzskonto-Auf- schlag" in der Höhe von 33�h Proz. zu versehen seien. Dieser Auf- schlag brauchte nicht gezahlt zu werden, wenn der Auftraggeber feine gesamten Verbandsartikel den Mitgliedern des Verbandes zur Veredelung überweist. In ziemlich schlauer Weise suchte das Kartell seine Kunden einzufangen. Es teilte denselben durch ein Rundschreiben einfach folgendes mit:„Läßt der Auftraggeber den Betrag des„Schutzskonw-AusschlageS" bei Regulierung der Fak- iura unberücksichtigt, so gibt er damit die Versicherung, daß er in der Tat all seine Austräge in unseren Verbandsartikeln ausschlietz- lich den unserem Verbände angehörenden Ausrüstungsanstalten zu- teilt. Er übernimmt zugleich die Verpflichtung, im Falle der Zu- Widerhandlung gegen diese Zusicherung den Gesamtbetrag der im Laufe der letztvorhergehenden 12 Kalendermonate bei allen Ver- bandSanstalten unberücksichtigt gelassenen Schutzskontobeträgen dar an den Verband zu bezahlen." Die Grossisten wehrten sich. Sie bildeten einen„Zentral- verband der Baumwolltvaren-Grossistcn" und verlangten, daß der„Verband der Veredelungsanstalten" als Gegenleistung nur für Mitglieder des„Zentralverbandes der Groffisten" ausrüsten dürfe. Andere Auftraggeber sollten mit einem Preisausschlag von 60 Proz. bedacht werden. Der Preisauf« schlag könne auf 33ih Proz. reduziert werden bei solchen Kunden, deren Beitritt zum„Zeukralverband" seitens des letzteren als wünschenswert bezeichnet werde. Beide Verbände, der„Verband der Veredelungsanstalten" wie auch der„Zeutralverband der Baumwollwaren-Grossisten" wollten also mittels Preisaufschlägen die außenstehenden Äerufsgenoffen in die Verbände zwingen.— Der„Verband der Veredelungsanstalten" lehnte die Forderungen ab. Die Baumwollwaren-Grossisten waren genötigt, ihren Wider spruch gegen den„Schutzskonto" aufzugeben. Ter„Verband der Veredelungsanstalten" erreichte damit, daß die außerhalb seiner Reihen stehenden 0 Appreturanstalten gezwungen waren, sich der Konvention anzuschließen. Aschinger. Die A s ch i n g e r A.- G. in Berlin macht in ihrem Geschäfts- bericht ausführliche Mitteilungen über wesentliche Betriebs erweitcrungen im vergangenen Jahre, lieber die allgemeine End Wickelung berichtet sie:„Das verflossene Geschäftsjahr hat unter der Einwirkung der politischen Ereignisse, ganz besonders aber unter dem noch immer anhaltenden hohen Preisstand der Roh Produkte, zu leiden gehabt. Speziell die F l e i s ch p r e i s e haben eine nie gekannte Höhe erreickt und naturgemäß ein außer gewöhnliches Anziehen auch der Preise für Fische, Geflügel, Wild und Wildgeflügel zur Folge gehabt. Wie auf allen Wirtschafts- gebieten hat auch hei uns die gleichfalls zunehmende Verteuerung oer übrigen für die notwendigsten Lebensbedürfnisse erforderlichen Gegenstände Mehraufwände für Löhne usw. veranlaßt, was die Verwaltungs- und sonstigen Betriebskosten ganz wesentlich steigerte. Wenn es unS trotzdem gelungen ist, ein befriedigendes Resultat zu erzielen, so hat dazu in allererster Linie unser bedeutend ver mehrter Umsatz beigetragen, nicht zum geringsten aber auch unfcr neuer Zentralbetrieb, der Ende März in vollem Umfange aufgenommen wurde und im Laufe des JahrSS eine erfreuliche Entwickelung gezeigt hat." Der Äetriebsbruttogewinn stieg von 3,33 auf 3,42 Millionen, die Betriebsunkosten von 0,5-i auf 0,61 Millionen, der Reingewinn von 0,33 auf 0,38 Millionen. Die Abschreibungen wurden in gleicher Höhe bemessen, wie im Vor jähre. An Dividende werden wiederum 240 000 Mark oder 3 Proz. gezahlt.__ Gegen die deutsche Getreideeinfuhr. Auf dem Kongreß für Handel und Industrie ist beschlossen worden, die Frage der Einfuhr deutschen Getreides nach Rußland auf der nächsten Tagung zur Debatte zu stellen, nachdem ein eingehendes Referat hierüber gehört worden war. Der Referent wie» darin nach, daß dank dem jetzt be tehenden Handelsvertrage deutsches Getreide immer mehr sich Ehr gang verschaffe und infolge des deutschen E i n f u h r s ch e i u- Systems sich Märkte in Finnland, in den Ostseeprovinzen und Polen geschaffen habe. Als bestes Abwehrnüttel wurde von dem Referenten der Einfuhrzoll auf Getreide empfohlen und die Einverleibung Finnlands in das russische Zollgebiet. Helier die Konjunktur äußerte sich im englischen Unterhause Schatzkanzler Lloyd George bei Einbringung deS Etats: Das letzte Jahr war für den britischen Handel so günstig wie kein anderes vorher. Die Flut deS Handels stieg so hoch, daß sie die drei großen und ernsthaften Hindernisse, den Kohlenstreik, die schlechte Ernte und den Balkankrieg mit all feinen Verwickelungen überwand, mit welchen er Europa bedrohte._ Soziales» Ein„schlechtberatener" Bürgermeister. ,, Im schönen Hessenlande ist wieder ein neuer„Skandal", welcher die Provinzialblättchen mehr beschäftigt, als der ver- lixte Krach in den landwirtschaftlichen Genossenschaften. Die brave„Dieburger Provinzial-Zeitung" tischte ihren guten Lesern die Schreckenskunde auf, daß in der Gemeinde Groß- Zimmern, einem Nachbarstädtchen mit 4000 Einwohnen;, der Bürgermeister ssamt Gemeinderat auf. Kosten der Gemeinde einen leibhaftigen Sozialdemokraten zu einem Vor- trage gewonnen habe, der auch am Sonntag, den 13. April d. I. 'tattfand. Darob großes Entsetzen, Wehklagen und— De- nunziationen.... Der Sachverhalt war folgender. Bei Beratung deS Vor- anschlages für 1911 wurde von der Gemeindevertretung ge- wünscht, daß auch Mittel für einen Vortrag über die Ein- ührung in die neue Reichsversicherungsordnung eingestellt würden. Diesent Wunsche wurde von dem gesamten Gemeinderat zugestimmt und der Bürgermeister beauftragt, einen geeigneten Redner zu gewinnen. Im Frühjahre 1912 schrieb nun der Bürgermeister schon an den bekannten Justizrat Dr. Mayer-Frankenthal, um denselben als Referenten ür den beschlossenen Vortrag zu gewinnen. Trotz mehrmaliger Anftage antwortete der Justizrat nicht. Als dies im Gemeinderat zur Sprache kam, schlugen unsere Genossen vor, als Referenten unfern Genossen Ed. G r ä f- F r a n k f u r t a. M. für den Vortrag zu gewinnen, da doch Gräf diese Materie auch gut beherrsche, als jahrelanger Vorsitzender der großen Orts- krankenkasse zu Frankfurt a. M. auch große Erfahrung ge- ammelt habe. Einstimmig wurde nun vom Gcmeinderat der Beschluß gefaßt, bei Genossen Gräf anzuftagen, ob der den Vortrag halten wolle. Als Gräf zusagte, ließ das Groß- herzogliche Bürgermeisteramt große Plakate drucken und an öffentlichen Orten in dem Städtchen anschlagen, daß am Sonntag, den 13. April, nachmittags 4 Uhr, Herr Arbeiter- ekretär Ed. Gräf aus Frankfurt a. M. einen Vortrag über die neue Reichsversicherung s- r d n u n g halten würde. Da als Einberufer der Ver- ammlung der Großherzogliche Bürgermeister mit vollem Namen zeichnete, so war das Entsetzen der Schwarzen .ehr groß, die eine solche Sache einfach nicht für möglich gehalten hätten. Nun setzte die Zeitungspolemik ein. Es schrieb die„Dieburger Zeitung" von„salon- und regie- rungsfähig gemachten Gemeinderäten", die auf Kosten der Gemeinde sogar einen„sozialdemokratischen Agitator" nach Groß-Zimmern kommen lassen zu einer Versammlung, in welcher der Bürgermeister den Vorsitz führe. Doch half das Geschrei nichts mehr. Die Versammlung war nun einmal beschlossen und zwar unter ausdrücklicher Zustimmung sänit- licher Vertreter des Zentrunis im Gemeinderat, die natürlich jetzt den Kopf ganz gehörig dafür gewaschen bekamen. In großen Massen strömten Arbeiter und Bürger in die Ver- ammlung, um den Worten des Genossen Gräf zu lauschen. der in fast zweistündigem Referate die ueue Gesetzgebung besprach. Zum Schluß sprach ihm der Großherzogliche Bürge». meister, ein Gegner unserer Partei, für das ausgezeichnete und von großer Sachkenntnis getragene Referat unter all- gemeiner Zustimmung den Dank der Gemeinde noch aus. Das war denn doch zu viel. Und weiter lärmen die Provinzialblättchen. Zu ändern ist aber an der Sache nichts mehr. Die Versammlung hat stattgefunden, war großartig besucht und hat ihren Zweck voll und ganz erreicht. Ja man wünscht sogar, daß im Spätjahre eine weitere Versammlung auf Kosten der Gemeinde stattfinden solle, in welcher der Bürgermeister wieder den Vorsitz sichren wird. Jedenfalls wird der Ort Groß-Zimmern bis dahin noch an seiner Stelle tehen.__ Schiedsgericht für Angestellte. Im gestrigen„ReichSanzeiger" wird amtlich bekannt gemacht, daß zun» Borsitzenden deS Schiedsgerichts für die Angestellten- Versicherung der Verwaltungsdirektor des Bezirksausschusses in Berlin Wagner, zu semem Vertreter der RegierungSrat v. A st« r bestellt ist. Die Geschäftsräume des Bezirksausschusses befinden sich Jnvalidenstr. 62._ Pvlizeiassistentin für Altona. Frau Dr. Schapiro, die bekannte Polizeiassistentin in Maittz, wird in Kürze ihre Tätigkeit nach Altona verlegen. Die städtischen Kollegien hatten die Stelle einer Polizeiassistentin ausgeschrieben. Unter den Meldungen, die einliefen, befand sich auch die Bewerbung der Frau Dr. Schapiro, die dann vom Ragistrat angenommen wurde. Vom Kinberclend auf dem Lande. In der„Lehrerzeftung für Ost» und Wcstpreußen" läßt sich ein Lehrer über das Schülermatcrial auf dem Lande ausführlich aus. Er schreibt, so oft er mit Kollegen über die Leistungen der Schüler gesprochen hätte, so oft sei ihn; geklagt worden, daß es immer schlechter gehe. Die Kinder würden im allgemeinen schlvcr- fälliger, denk- und arbeitsfauler. Die Arbeit des LehrerS sei eine fchwierigerc geworden und siehe in keinem Verhältnis zu dem Er- folg. Der Lehrer erzählt nun, daß er sich die Frage vorgelegt habe, woran der geringe Erfolg seiner Arbeit liege. Er hat dann schließlich mit seinen Schülern eine Untersuchung vorgenommen und ihnen folgende Fragen gestellt; 1. Wann stehst Du 2. Wann gehst Du schlafen? 3. Was ißt Du zum ersten Frühstück? 4. Wie oft ißt Du zu Mittag Fleisch? 6. Was ißt Tu zum Abendbrot? 6. Schläfst Tu allein oder mit Geschwistern zusammen? 7. Wer arbeitet noch vor der Schule? Der Lehrer schreibt, die zahlenmäßigen Feststellungen würden trügen, weil manche Antworten aus Unlvissenheit— besonders bei den Kleinen— oder aus Scham— wie bei manchen größeren Schülern— verschwiegen worden wären. Er teilt nun aus seinen Ermittelungen mit: Die meisten Schüler stehen zwischen 6 und 7 Uhr auf und gehen schlafen zwischen 8 und 9 Uhr. Da doch meistens alles, was zur Familie gehört, in einem Zimmer schläft, wachen die meisten Schüler schon auf, wenn die Erwachsenen aufstehen, zwischen 4 und 6 Nhr. Einige ÄTiaben standen schon um 4 Uhr auf, darunter auch ein neunjähriger, um ihren Vätern beim füttern zu helfen. Allein schlafen die wenigsten; die Mehrzahl schiäst mit Geschwistern zu- sammen. Zum ersten Frühstück wird überall Kaffee und Brot ge- nossrn, und zum?lbcndbrot genießen viele Brot und Kaffee. Nur drei Kinder meldeten sich, die zum Frühstück und Abendbrot Suppe hatten. Dieses waren— Besitzcrkinder. Aus früheren Erfahrungen weiß ich, daß Kinder auch ganz nüchtern in die Schule kommen. Fleisch wird mehr gegessen als ich annahm, oder ich bin getäuscht worden, und das ist leicht möglich. AnS den Ergebnissen stelle ich zuerst fest: Der Schlaf bringt unseren Kindern nicht die Erholung, die sie nötig haben. Die Vorbedingung für einen guten, er- quickenden Schlaf ist reine Lust. Die ist in den wenigsten Woh- nungen zu finden. Ich denke besonders an die Arbcitcrwohnungen. Und ist das ein Wunder? Ein Zimmer, und meistens noch klein. und darin wohnen, schlafen, kochen, waschen.... Und wie im» gesund ist das Zusammenschlafen mehrerer Personen! So erklärt es sich, daß die Kinder bcine Erwachen matt und müde sind. ÄuS den Ergebnissen stelle ich weiter fest: Die Ernährung unserer Schulkinder ist keine gesunde; viele sind unterernährt,... DaS liegt an den ganzen Verhältnissen. Oft ist es. wie z. B. im Sommer, die wenige Zeit, die die Zubereitung eines ordentlichen Mahles hindert: Da kommt die Mutter abends aus der Arbeit; Kaffee ist noch da, Brot auch, und das Abendbrot ist fertig. Und welche Folgen haben diese ungesunden Verhältnisse für die Kinder? Sie sind fast durchweg blutarm und infolgedessen schläfrig, träge, gleichgültig..... Was kann zur Beseitigung dieser Ucbel getan werden? Es müßten vor allen Dingen gesunde W-hnungSverhältnisse geschasfen werden. Mtanche Arbeiterwohnungen sind kaum als solche zu bc» nennen. ES müßte jede Familie nOndestenS zwei Stuben haben. Wohl gibt es schon viele Wohnungen, in denen neben der Stube wenigstens eine Kammer ist. Besser wäre es wohl, wenn die Küche von der Stube getrennt wäre. Darüber werden aber wohl noch viele Jahre vergehen, bis diese Aenderung durchgeführt sein wird. ES ist das Paradies der Junker, aus dem diese Schilderung entworfen ist. In agrarischen Blättern wird das platte Land als — Jungbrunnen der Bevölkerung gepriesen, wo eine Jugend heranwachse, dje voll Kraft und Gesundheit strotze.� Die Dar- legungen des Landlehrers, dem die Junkerblätter die Sachkenntnis unmöglich absprechen können, belveisen aber, unter welch trau- rigen Zuständen die Landarbeiterjugend auswächst. Da gibt der Staat IVa Millionen Mark jährlich für die„nationale Jugend- pflege" aus, damit die Jünglinge mit Jungdeutschland-Uniformrn, Trommeln, Pfeifen und Fahnen versehen und zu— Hurra- Patrioten erzogen werden können. Unterdessen verkommt die Ar- beiterjugend auf dem Lande, weil sie ungenügend ernährt wird und in„Wohnungen" hausen muß, die jeder Beschreibung spotten. Die ungeheuerlichen Mißstände auf dem Lande zu beseitigen, dazu haben weder Junker noch Regierung etwa? übrig. Ter Gewerbe- rat für Gumbini.rn und Allenstein schreibt übrigens in dem soeben erschienenen amtlichen Bericht: Gelegentlich eines Vortrages über gewerbliche Kinderarbeit, den ein Gewerbeinspektor auf einer Kreislehrerkonferenz abhielt, klagten die Ortsschulinspektorrn bc« sonders über die starke Anstrengung der Kinder durch landwirt- schastliche Arbeiten, namentlich vor dem Vormittagsunterricht. Ostelbische Zustände!__ eingegangene Druchfcbriftoi. März. Heft 16. Wochenschrist. Gegründet von A langen und L. Tboma. Einzeihest 50 Pf. März-Verlag, München Fanale, Gedichte rheinischer Lyriker. 1,50 M., gcd. 2 50 M- C- Stetster, HeidAbera. Geschäftsbericht 1911 und 1918 deS Verbände» der verg- arbetter Deutschland». Sitz Bochum. 2SS S und Anhang. Gelbst. verlaa in Bochum.' Da» Baterland in Gefahr: Bon Dr. St. ffltHer 10 Ps. Deutschlands Großloge in Hamburg 30. WitterungSüberücht vom 28. April 1919- StoNonea lös! tesl la�! ii 8? Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M Manche Wien 768 NNW IbSÄSO 76» NW 766 NO s766O 767'NO Weue, Lwolkenl LDunsl 1 halb bd. 1 heiter 4 heiler 1 wölken! «i?> s" h wS, » taltonen f' aparandai 765|SS clerZburg 766 NND 765' SSW «euer Scilly Aberdecn Paris 76.1 SSO 2 wolkig IsNebel 2 halb bd. 1 wolkenl' 1 bedeck! ** c* ti «4 -1 7 10 7 12 Wetterprognose für Mittwoch, den S»- W"l 1918. Vielsach heiter, nachts sehr kühl am Mittag mild bei mäßigen nird» lichcn Winden; keine oder unerhebliche Niedeftchläge. ~ tri t n e r Wetterbureau. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für d«« Inseratenteil veranrw.; Th. Glocke, Berlin. Drucku-Berlag: Vorwärt» Buchdruckeret«. VerWgsenstaU IpauTZmeer' Kerlin SÄ Nr. 97. 30. Jahrgang. 2. KtilM des Joraürts" Derlim öultiülilnll Muoch. 2B. Jftil 1913. Hus dir frauenbcwcgung. vergangene Schrecke»? Aus Wien wird uns geschrieben: Es ist so billig, wenn die gut patriotisch gesinnten„Untertanen" den Krieg als eine unentbehrliche Einrichtung preisen, als ein „Itahlbad" zur Stärkung der Völker. Wenn sie dann auch alles, was der Krieg erfordert: Rüstungskreditc, neue Rekruten, Kriegs- schiffe usw. für notwendig halten, ist das nicht weiter verwunder- lieb. Es sind ja so fröhliche Augenblicke, wenn die Soldaten mit klingendem Spiel durch die Straßen ziehen I Paraden sind eine prächtige Augenweide, und der Anblick von Kriegsschiffen oder wenigstens das Lesen von Beschreibungen darüber lassen das patriotische Herz höher schlagen. Gerüstet zu sein, ist für viele höchstes Gebot. Und die Staaten rüsten unentwegt. WaS hat nicht Oesterreich gerüstet als der Balkankrieg begann? Milliarden wur- den in Molochs Rachen versenkt; aber mit dem Geld ist es nicht genug, auch die sonst heilig gepriesenen Bande der Familie wurden gesprengt, Väter, Söhne, Gatten wurden in die Uniform gesteckt, mit den Mordwaffen ausgerüstet und an die Grenzen geschickt. Wieviel Trauriges, Herzzerreißendes drang„von da unten" zu den Zurückgebliebenen! Milliarden werden dem Volke ausgepreßt, die Söhne des Vaterlandes aber erdulden Höllenqualen, ehe sie noch vor den„Feind" kommen. Das Baterland hat zwar Waffen, aber keine Schlafstätten, keine genügende Nahrung, keine warme Klei- dung für seine Söhne. Und Oesterreich hat keinen Krieg ge- führt, es stand nur vor der Gefahr des Krieges. Indessen tausende arbeitskrästige Männer ihrem Beruf entrissen waren, lag es auf allen anderen furchtbar, als ob der Krieg schon tobte. Die Väter, Söhne und Gatten unter Waffen, die Frauen uird Kinder dem EU!'.& preisgegeben. Der europäische Krieg ist diesmal nicht Tat- fache geworden, die Bevölkerung Oesterreichs aber lebt unter Zu- ständen, als hätte der Feind unter ihnen gehaust und ihnen alles genommen und verwüstet. Hungersnot im böhmischen Erzgebirge, Hungersnot in Mähren und Schlesien. Die Fabriken stehen zwei bis drei Tage in der Woche still. Viele Männer sind noch immer unter Waffen, die Zurückgebliebenen aber leiden Mangel an Ar- bcit. Alle Produktion stockt. Die Textilindustrie ist besonders hart mitgenommen. Es fehlt den Frauen an Brennmaterial, um die paar Kartoffel zu kochen, die sie noch haben. Da erbarmten sich die bornehmen Damen des Elends der Heimarbeiterinnen. Erz- Herzoginnen stellten sich an die Spitze. In: Ministerpalais fand eine Ausstellung der Arbeiten der Heimarbeiterinnen statt. Gehäkelte und geklöppelte Spitzen gab es dort, und die Damen wurden Poesie- voll aufgefordert, Spitzen in Brot zu verwandeln. Und die Tainen kauften mit regem Eifer; die Lager der Hausindustrie- gcscllschaft leerten sich, und es wurde neue Arbeit ausgegeben. Ein Vcrzwciflungsschrei beantwortete diese" Rettungsaktion. In alle Teile des Reiches, wo Spitzenarbeiterinnen sind, wird um einige tausend Kronen Arbeit gegeben. Zehntausende Frauen warten mit ihren Kindern auf diese Verdienstgelegenheit, um sich Kartoffel kochen zu können. Die Fabriken aber feiern noch immer, und die Genossinnen, die in den schwer heimgesuchten Industriegebieten Versammlungen abhalten, berichten über das furchtbare Elend, das durch die Betriebseinschränkungen erzeugt wurde. Zur konstanten Lebensmittelverteuerung verringerter Verdienst durch die Kriegs. gefahr. Erschreckend mußte es daher wirken, als die neue Heeres- vorläge Deutschlands in Oesterreich bekannt wurde. Wenn Deutsch- land seinen militärischen Besitzstand vermehrt, droht da nicht auch Oesterreich eine neue Belastung für den Moloch? Wenn die deut- schen Fürsten mit dem Beispiel vorangehen und auch opfern, so ist das nur in Ordnung; e? handelt sich ja um„ihr herrliches Kriegs- Heer". Sie geben nur das Geld, das schließlich auch von der Arbeit der Völker stammt, das Volk aber soll seine Söhne geben. Indirekt das Geld, direkt Fleisch und Blut. Die Frauen und Mütter aber, um deren Söhne es sich handelt, werden im Staate nicht gehört. Sie werden nur gewertet als Mehrerinnen der Rekruten, als Staatsbürgerinnen sind sie rechtlos. Jede Heeresvorlage, sie mag für die Patrioten der Inbegriff des Notwendigsten sein, bedeutet für die Völker neue Belastungen. Wenn das deutsche Proletariat aufschreit über die neue Heeresvorlage, wenn auch die Frauen in Versammlungen strömen, wenn sie Worte des Protestes sprechen, so fühlen sich die sozialdemokratischen Arbeiterinnen Oesterreichs mit ihnen solidarisch. Auch die Frauen Oesterreichs haben gegen den Krieg protestiert; auch sie haben Protest erhoben, daß durch den auf dem Balkan ausgebrochenen Krieg Oesterreich auch in direkte Mitleidenschaft gezogen werden soll. Tausende von österreichischen Arbeiterinnen haben in Verzweiflung aufgeschrien unter den Wun- den, die ihnen der Balkankrieg geschlagen. Die Furcht vor dem drohenden europäischen Krieg hat wie ein Alp auf allen gelegen. Nun versichert man uns, daß der Friede gesichert sei; die Diplo- maten aller Länder erklären, daß niemand kriegerische Absichten babe; gleichzeitig aber kommt die Heeresborlage in Deutschland, die dreijährige Dienstzeit in Frankreich, drohen neue Rekrutenforde- rungen in Oesterreich. Die Völker aber haben die Kosten dieses be- waffneten Friedens zu trageil. Die Frauen sind die geborenen Gegnerinnen des Krieges. Verkehrte Erziehung kann sie wohl dazu bringen, daß auch sie sich den Notwendigkeiten des Vaterlandes beugen. Kommt es zum Ernst, dann beginnen sie die Dinge anders zu betrachten und nichts als Verzweiflung bleibt zurück. Eine un- ablässige Aufklärungsarbeit muß dafür sorgen, die Frauen zu Vor- kämpferinnen gegen Militarismus und Krieg zu- erziehen. )Ziis der englilcben frauenbewegung. Aus London wird uns geschrieben: Seitdem die Suffra» zettes die Brandstiftung im großen betreiben, können sie nir- gends mehr eine öffentliche Versammlung abhalten. Namentlich in den Londoner Parks, wo gewöhnlich jeder, mag er auch noch das tollste Zeug vorbringen, taglich Gelegenheit hat, sich nach Herzens- lust vor der Oeftenlllchkcit auszureden, läßt man sie nicht zu Worte kommen. An den letzten Sonnlagen kam es dort zu großen Tumulten. Große Menichenmengen versammelten sich um die Red- nerinnen der«WomenS Social and Political Union" und hinderten sie am Reden. Man bewarf die Frauen mit Schmutz und Rasen und hätte sie noch schlimmer mißhandelt, wenn nicht jedesmal die Polizei eingeschritten wäre und die Rednerinnen in Sicherheit ge- bracht hätte. Nun hat der Minister des Innern die Versamm- langen der Susfragettes in den Londoner Parks verboten und er- klärt, daß die Polizei nicht imstande sei, den Nednerinnen der streitbaren Frauenrechtlerinnen den nötigen Schutz angedeihen zu lassen. Daß ein solches Verbot erlügen werden mußte, kennzeichnet zur Genüge den Erfolg der Propaganda der Tat. Eine gewalttätige Propaganda mag entschuldbar sein in Länder», wo das freie Wort untersagt ist; aber in England, wo sich jeder an eine xbelicbige Straßenecke hinstellen und. zu feinen Mitbürgern reden kann, so- I lange er nicht den Verkehr aufhält, ist sie nicht allein unter keinen I Umständen zu rechtfertigen, sondern muß der Bewegung, der sie ' dienen soll, direkt schädlich sein. Brennende Häuser regen keine Gedanken an, sondern erzeugen nur Gefühle der Rache und Empörung. Und wer sich, wie die Gefolgschaft der Frau Pankhurst es tut, als außerhalb des Gesetzes stehend bezeichnet, darf sich nicht wundern, wenn er von gewissen Personen beim Wort genommen wird. Doch nicht allein der Frauenbewegung, sondern auch der ganzen demokratischen Entwickelung kann die Propaganda der Suffragettcs gefährlich werden. Das gegen diese Abteilung der Frauenbewegung erlassene Versammlungsverbot kann in der Zukunft leicht als Präzedenzfall gegen die Arbeiterbewegung benutzt werden. Diese Erwägung sollte die englischen Arbeiter veranlassen, gegen den Entscheid"des Ministers des Innern zu protestieren. Nun liegen aber die Dinge so, daß es die Susfragettes mit den Arbeitern gründlich verdorben haben. Außer enngen exaltierten Personen, die alle Handlungen der„Womens«ocial and Political Union" gutheißen, gibt es wenige in der englischen Arbeiterbewegung, die geneigt sind, in dieser Angelegenheit einen Finger zu riihreu. Mau sieht nicht ein, weshalb man die Frauen in Schutz nehmen soll, die die Versammlungen der Arbeiterparteiler und Sozialisten systematisch stören. Die weiteste gegenseitige Toleranz ist die erste Voraussetzung der Redefreiheit, wie sie in England existiert; wer diese Toleranz nicht übt, kann kaum erwarten, daß mau seine oder ihre Redefreiheit in Schutz nimmt. Der Allgemeine Verband der Vereine für Frauenstimme rcht(dies ist die Organisation, die der Arbeiterbewegung freundlich gegenübersteht und die Kandidaten der Arbeiterpartei bei Wahlen unterstützt) hat seineu Bericht für das Jahr 1912/13 veröffentlicht. Es geht daraus hervor, daß der Verband im ver- gangenen Jahre größere Fortschritte gemacht- hat, als iu irgend- einem vorhergehenden Jahre. Tie Zahl der angeschlossenen Vereine ist von 311 auf III gestiegen und die Mitgliedschaft von 39 498 auf 42 438. Die Propagandaarbeit hat sich in dem Berichtsjahre ver- doppelt. 32 Organisatoren sind für den Verband tätig, der allein im vorigen Jahre über 1999 Versammlungen abgehalten hat. Die Einnahmen der Zentraltassen und der Lokalkassen betrugen im Be- richtsjahr 32 999 Pfd.(799 999 M.). Das englische Handelsministerium veröffentlicht seit einigen Jahren eingehende Berichte über Arbeiterlöhnc und Arbeits- stunden in den einzelnen Erwerbszweigcn. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 1999. Der achte Band ist soeben erschienen. Er umfaßt folgende Erwerbszwcige: 1. Papierindustrie, Buchdruckerei und verwandte Berufe; 2. Töpferei, Ziegelei, Glasfabrikation und chemische Betriebe; 3. Nahrungsmittel-, Getränke- und Tabakfabri- kation; 4. verschiedene kleinere Erwerbszweige. Aus der Masse der Information mögen hier nur die Löhne der Frauen angeführt werden: Ter TurchschnittSverdienst einer weiblichen Arbeitskraft (über 18 Jahre) für eine volle Arbeitswoche war in der Druckerei und der Papierindustrie 12 Schillinge und 2 Pencc; in der Töpferei, Ziegelei. Glasfabrikation und den chemischen Betrieben II Schilling und 19 Pence; in der Nahrungsmittel-, Getränke- und Tabakindustrie 11 Schilling und 2 Pence. In dieser letzten Gruppe von Industrien verdienten fast 38 Proz. der beschäftigten Frauen in einer vollen Woche keine 19 Schilling und nur 18 Proz. verdienten 12 Schilling und mehr! In welch' gräßliche Armut und Er- niedrigung leuchten nicht diese Ziffern hinein und welch' wuchtiges Argument liefern � sie nicht den um ihr Bürgerrecht kämpfenden Frauen!„Ihr Männer," so hört man häufig Rednerinnen in Eng- land sagen,„besitzt politische Rechte und ihr habt es euch nur selbst zuzuschreiben, wenn ihr keinen Gebrauch davon macht; aber wir Frauen müssen uns noch erst das Mittel erobern, um uns aus dem Sumpf zu retten." S&weizcr Hrbeitcnnncnvcrbaiid. In Zürich fand am Sonntag die Delegiertenversammlung des Schweizer Arbeiterinnenverbandes statt, iu der sich die schweizerische sozialdemokratische Partei, der GewerkschaftSbund und die Züricher Arbeiterinnen durch Abgeordnete vertreten ließen. Der Verband zählt 2969 Mitglieder. Das Organ dcS Verbandes,„Die Vor- kämpferin" wurde in zirka 3999 Exemplaren hergestellt. Die Sektionsberichte lassen erkennen, daß die Arbeiterinnenvereine an den Aktionen der gesamten organisierten Arbeiterschaft sich beteiligen und in ihren eigenen Mitgliedcrkreiseu durch Vorträge usw. für Auf« klärung und Pflege der Solidarität sorgen.— Von den B e- s ch l ü f s e n erwähnen 4vir: Auftrag an den Zentralvorstand des Verbandes, mit der Parteileitung über die Auflösung des Verbandes zu unterhandeln. Zur Wahrnehmung der speziellen Interessen der Arbeiterinnenvereine und zur engeren Verbindung derselben unter sich sollten diese ein siebengliedriges Frauenkomitee wählen, das mit der Parteileitung in steter Fühlung zu bleiben hätte. Der Parteileitung sollte die Arbeiterinnensekretärin als Mitglied an- gehören. Aufgabe der Parteileitung wäre es dann, die Agitation unter den arbeitenden Frauen zu fördern. Eine Resolution be- treffend die Einführung der-obligatorischen Krankenversicherung in den Kantonen bezw. Gemeinden und Förderung derselben durch die sozialdemokratischen Vertreter in den Behörden fand einstimmige Annahme. In kurzen Referaten wurden auch die Agitation unter den Arbeiterinnen und die Bestrebungen deS sozialdemokratischen BildungsausschusseS behandelt. KiirgerUcbe Bewegung. Ein Verband polnischer Franenvereine Oberschlesiens soll ge- gründet werden. Wie das„Berl. Tagebl." berichtet, fand vor einiger Zeit in Beuthen eine Polinnen Versammlung statt, die der polizeilichen Auflösung verfiel. Bald nachher wurde nach dem benachbarten Roßberg eine zweite Versammlung einberufen, die ebenso wie die aufgelöste von etwa 1299 Teilnehmerinnen besucht war. Dann wurde der erwähnte Beschluß gefaßt. Mit der Bildung des Verbandes und der Einzelvereine soll sofort begonnen werden, weshalb in nächster Zeit an vielen Orten Oberschlesiens polnische Frauenversammlungen stattfinden sollen.— Die dauernden gesetzlichen und polizeilichen Schikanen gegen die polnische Bevölkerung führen nun auch die polnischen Frauen zum Zusammenschluß, der bisher recht lose war und in der Hauptsache WohltätigkeitSzwecken diente. Leider entfremdet der politische Druck die polnischen Frauen der Arbeiterbewegung und befördert künstlich die Ausbreitung chauvi- nistischer Idee», wodurch das Interesse an der Befreiung vom Wirt- schaftlichen Elend zurücktritt. Tagungen. Hauptversammlung des Verbandes für Hand« Werks mäßige und fachgewerbliche Ausbildung der Frau im Festsaal deS Rathauses zu Charlottenburg. Frei- tag, den 25. April: Erste öffentliche Versammlung, vormittags 9—2 Uhr:„Das Interesse der Industrie an der fachgewerblichen Ausbildung der weiblichen Arbeiterschaft", Referentin: Dr. Rosa Kempf;„Lehrlverkstätten und Schulen in der Textilindustrie", Referentin: Dr. Marie Bernays. Diskussion."Nachmittags 4—7 Uhr:„Schulen für die Wäschekonfektion", Referent: H. Liep- mann. Diskussion.— Sonnabend, den 26. April: Zweite öffentliche Versammlung, vormittag? 9— 2 Uhr:„Das Putzmachergewerbe", Referenten:"Dr. Stephan Gerstel, Jenny Licpmann. Diskussion. „Die Frau im Friseurgewerbe", Referenten: Dr..Käthe Lux, H. Brandt, Friseur. Diskussion. Zutritt ohne Eintrittskarten, Literarifcbes. Die Miidchenfortbildniigsschule, ihre Notwendigkeit, Organisation und ihre Beziehung zur allgemeinen Volksschule von Dr. Ernst Reichel(Leipzig 1913, Quelle und Meyer), Preis 3 M.— Seit Berlin sich eine Pflichtfortbildungsschule geschaffen hat, mehren sich in allen größeren Orten Bestrebungen auf Einführung des� obli- gatorischen Unierrichts für schulentlassene Mädchen. Den Genossinnen und Genossen, die für diese vornehmlich von den sozialdemolratischen Fraktionen unterstützte Forderung arbeiten, wird das vorliegende Buch mancherlei brauchbares Material bieten. Der Anhang enthält eine Zusammenstellung der gesetzlichen Bestimmungen aller deutschen Bundesstaaten über Mädchenfortbilduug, Beispiele von ortsgesetzlicher Regelung und ein reichhaltiges Lileralurverzeichnis. In die Kritik der Reichelschen Einzelfordcrungen für den Ausbau der Mädchen« Pflichtfortbildungsschule kann hier nicht eingegangen werden. Richt- linicn dafür bicien die Schrifieu der Genossen BruhnS(Das Fort- bildungsschulwesen, Berlin 1919) und Heinrich Schulz(Die Schul- reform der Sozialdemokratie, Dresden 1911). Die iu letzter Zeit viel diskutierte Frage, ob die PflichtfoNbildungSschule Berufs- (Fach-)schule oder Elementarschule sein soll, umgeht der Verfasser durch die Forderung, daß jede solche Schule Berufsunterricht und Hauöhaltungsunterricht im weitesten Sinne zu erteilen habe. Bei seinen Einzelforderungen neigt er jedoch dazu, den späteren Beruf des Mädchens als Mutter und Hausfrau allzusehr in den Mittel- Punkt zu stellen. ra. Zur Methodik des Fortbitdungsiinterrichts für Mädchen. Wie leicht der hauswirtschaftliche Unterricht geradezu sich zu einer Ge- fahr für die Mädchenfortbildungsschulen auswachsen kann, zeigt ein uns vorliegendes Lehrbuch für den Zeichen- und Kupsthand- arbcitsunterricht in Atädchen-Fortbildungsschnlen von Gertrud Dümkc(Julius Klinthardt. 1913. 1.29 Mk.) In systematischem Lehrgang unterrichtet das durch zahlreiche gut ausgeführte Ab- bildungen geschmückte Büchlein über Handarbeiten verschiedenster Technik. Aber nur in Berufsschulen der Stickerei- und Näherei- brauche ist es am Platze; in Fortbildungsschulen für Fabrikarbciw- rinnen, Verkäuferinnen erschiene es sinnlos. Es geht viel zu sehr in die Details der schwierigsten Techniken und nimmt keinerlei Rückficht auf Zeit, Geld und Bedürfnisse des Hauptkontingents der Mädchen, die Fortbildungsschulen besuchen. So wichtig es ist, im gesamten Fortbildungsunterricht den Geschmack der Mädchen für die Gestalt häuslicher Gebrauchsgegenstände zu heben, so sehr be- darf es doch der Ablehnung, wenn man die häuslichen Handarbeiten der sonst beschäftigungslosen bürgerlichen Haustochter berufstätigen jungen Proletarierinncn imputieren wollte. Wir wiederholen, zur Anregung für Nadelarbeitcrinncu von Beruf ist das Buch an und für sich ausgezeichnet.— Die Erziehung zum Kadavergehor- sam gegen die Geschäftsleitung und zur Unkollegialität stellt Er« ziehungsdirektor Neubauer in seiner Berufskunde für Ber- käuferinnenschulen(Verlag Klinkhardt, Leipzig und Berlin) in den Vordergrund. Nicht ein Wort findet sich über die gemeinsamen Berufsinteressen weiblicher Angestellter, über Organisation, Ent- lohnung u. dgl. Auch in bürgerlichen Kreisen, die nicht der Frauen- arbeit grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, ist man sich ein?, daß bei den heutigen berufstätigen Frauen Selbstbewußtsein, Sinn für die Zusammengehörigkeit, Interesse für die soziale Seite des Berufs geweckt werden mutz. Aber die Lehrer an den Fort- bildungsschulen betrachten es offenbar nur als ihre Aufgabe, die Mädchen zu stummen, gehorsamen, isolierten Werkzeugen der" Unternehmerwillkür und-ausbeutung zu machen. Der Zweck der weiblichen Fortbildungsschule, der proletarischen Jugendbewegung- Abbruch zu tun, kommt so in der Erziehung? ar t ungeschminkt zum Ausdruck. m. Katbi. Kathi heißt sie und ist vierzig Jahr, Dienen tut sie, seit sie zwanzig war. Kathi hin und Kathi her: „Sag'n Sic, ist das Dienen schwer?" „Ja, es ist halt wie man's nimmt, Je nachdem zu wem man kimmt, Wissen S', Herr, eL waar scho recht, Wenn man.. ....... Kathi! Heut hör'n S' aber schlecht, Rtach'n S' d' Wasch nicht gar so blau.!"— „Ja, gnä Frau, jawohl gnä Frau,"- 1 „Was? die Kathi hat an Schatz, Geh'n S', Frau Maier, so a Katzl"-» „Sie, das treib'n S' ihr aber aus."— „Unverschämt! In u n s e r m HauS, ,11* ..Fertig sind S'? Um halber fünf? Und was lesen möchten S'? Schau!! Stopfen S' lieber unsre Strümps"— „Ja, gnä Frau, jawohl, gnä Frau." „Was, an Ausgang haben S' heut? Nur Verguüg'n woll'n jetzt die Leut! Und um sechs sind S' wieder da, Kathi, hör'n Sie?">— Ja, Gnä, ja," „5krank sind S', Kathi? Jessasua,' Und grab heut sind Maiers da. Nehmen Sie'? nur nicht so g'nan— „Ja, gnä Frau, jawohl, gnä Frau," Gestern ist die Kathi g'storb'n, IS net viel an ihr verdorb'n: Gute Haut, kei bisserl schlau, Ja, gnä Frau, jawohl, gnä Frau. _' Fritz Müller. Dirne«. Ich habe aufgepaßt, wie die Leute das Wort„Dirne" aus. sprechen. Auf den Tonfall konimt eS an. Am mildesten war die Betonung bei der Reinen. Am verächtlichsten bei jenen, welche selber... * Dirnen heißen wir die„schlechten" Frauen. Und wie nennen wir die„schlechten" Männer? Die Sprache hat kein Wort dafür. Warum? Weil dieses Wort bei Frauen eine kleine Sondergruppe trifft. Und bei den Männern...? Ich habe eine Mutter in der Vorstadt ihren kleinen Junge» blutig schlagen sehen. Eine Dirne hob ihn auf, trug ihn an de» Brunnen und wusch ihn rein mit Wasser und mit Tranen. Frltz Müller. Hausfrau. Sie schafft und läuft und zeigt fich'recht nerbö», Ein bös' Gesicht— WaS sie nur haben mag! Bescheiden frag ich, da schreit sie:.HerrjeS! Ich muß doch rüsten für den Feiertag!" Franen. O, die Sonne! Wie schön sie versinkt! Nur leider, es blendet. Dreh den Strandkorb herum— Gehn dort nicht MeherS vorbei? „Dieser Roman ist ein wenig lang."„O bitte, das macht nichts* Ich lese schnell, und— nicht wahr— Lehmanns kennen ihn schon?" Sich doch die Lene! Ist'? möglich! Das Kleid! Schon ganz Demimonde! Frag doch nächstens, mein Kind, wo sie die Dinge bezieht!?.». �öd es-Anzeigen| Siizialdemokratis�lier Wahlversin f. tl. 6. Kerl. Reieiistafswahikpeis VTtn 20. April verstarb unser Genosse tfskar Kauschilri Türlenstr. IG.— Bezirk 773. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 41/4 Uhr, aus dcni städtischen Friedhofe in der Secstraste statt. Am 20. April verstarb unser Genosse, der Arbeiter Hermann Schmidt Beussclstr. 58.— Bezirk 701a. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags i3l, Uhr, uoit der Halle des städtischen Friedhofes in der Müllerstrajje ((s'cfc Seestraße) aus statt. .Um rege Beteiligung ersucht L27p5 Ter Vorstand. Zsacku»«,?. Am 18. April verstarb unser Genosse, der Kesselschmied Ferdiiiani! Hausadowski Mällerstraste 149.— Bezirk 767. Ehre seinem Audenken: Die Beerdigung fand bereits gestern auf dem neuen Nazareth- Kirchhofe, ReinickendorstWcit, statt. �z!MMpai!Ähep Wahlverein iiip Niederhapniin. Bezirk Reinickendorf-West. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse üsx KieseB im Alter von 49 Jahren ver- starben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, aus dem Gemeinde- Fricdhoj, Humboldtstragc, statt. Rege Beteiligung erwartet 240/15 Der Borstand. DeutsehepTabakaplieiler-Veptiand Ortsverwaltung Berlin. Am Sonntag, den 20. April, Mittags 12 Uhr, verstarb'km Krankenhause in Neinickendors unser Kollege� Kiesel. Sein Tod beendete ein jahrelanges schmerzhastes Siechtum. Ehre seinem Audenken: Das Begräbnis � findet Donnerstag, den 24.?lpr!l. nachmittags 4 Uhr, vom Reinickendorfer Gc- mein d csri c dh o sc, R ein! ckend orf-Ost, Humboldtstr. 87/90, aus. statt. Wir erwarten, daß die Kollegen dem um die Arbeiterbewegung so verdienten Manne ein zahlreiches Geleit zu seiner letzten Ruhestätte geben werden. 187/6 Straßenbahnlinien: 28, 32,35,41. Die Qrtslierwnltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder Heinrich HeininghanZ nach langem, schwerem Leiden am 21. April nn 25. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Die trauernden Litern und Oesckwister. 5186 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. April, nach- mittags 3�, Uhr, von der Halle des St. Hedwigs- Kirchhofes, Weißensee, Wörthstraße, aus statt. öeuÄ Transiiorlarlieitep-Verband. BezirksvorwaUung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachrichj, daß � unser Kollege, der Keller- arbeiter.. Heinrich Heininghaus am 21. ds. Mts. im. Alter von 24 Jähren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. Mts.,nach- mittags 3'/z Uhr, von der Leichen- halle des Hedwigskirchhoses in Weißensee, Wörthstraße, aus statt. 64/8 Oie Bezirksverwaltung. öeatselier Bnchhindep-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unsere Kollegin Asina Brandt nach langem Leiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 23. April 1913, nach- Mittags 4 Uhr, auf dem städtischen Friedhof in Schöneberg, Eyth- straße, statt. 23/18 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Vrtsverwaltung. SoziaidemokratiscberWabiverein f.d. i. Kerf. Reichstagswahlkreis, Petersburger Viertel. Bezirk 1491. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schneider WilKeim petsckui! Rigaer Str. 12 gestorben ist.» Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 24. April, nach. mittags 5 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoscs in Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Zentral-kranken- n. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Ortsverwaltung Berlin II. Hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied 511b Max Dräbert am Sonntag, den 20. d. MtS., verstorben ist, Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung smdet heute Mittwoch, den 23. April, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsseldc aus statt. Die Ortsverwaltnng. Deutscher istallarbeitep-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. ' Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Msx Dräbert gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. April, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoscs in Friedrichsfelde aus statt. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schmied Karl Troisdi Rügener Str. 18, am 19. April an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. April. nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Friedcns-Kirchhojes in Nieder-Schönhausen-Nordcnd aus statt._ Den Kollege» ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Dermana Schmidt Beusselstr. 60, am 20. April an Magenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. April, nach- mittags 4'/� Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes, Secstraßc, aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet 117/1 Oie Orlsverwaltung. Zentral-Kranken- önlerstützungs- verein der Schmiede und vcrw. Gewerbe Deutschlands. Zahlstelle Berlin 11. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser kritx Simon Triststr. 52, am 19. d. Mts. ver- starben ist. 235/4 Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. d. Mts., nach- mittags 3'/« Uhr, von der Leichen- Halle des Städtischen Friedhofes, Müllerstraße, aus statt. Oie Ortsverwaltung. Zentralverband der Maschinisten u. Reizer snwieiieruisg. Deutsch!. Geschäftsstelle GroB-Berlin. Bezirk Wedding. Am Sonnabend, den 19. April, verstarb unser Mtalied, Kollege kritx Simon. Ehre seinein Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. ZIpril, nach- mittags Uhr, von der Leichen- Halle des Pbitivpus-Apostel-Ge- nreinde-Kirchhoses, Seestraße, aus statt. ,52/10 Zahlreiche Beteiligung erbittet Oie GesebäitssteMenverwaitung. Sterbekasse für Frauen von Mitgliedern der Zentral- Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer(V. a. G). Ortsvorwaltung Berlin lt. Am 20. April starb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied fm Friederike Schröder im 63. Lebensjahre. 257/20 Ehre ihrem Andenke»: Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 23. ZIpril, nachm. 51/, Uhr, von der Halle des Georgen-Kirchhoses. Landsberger Allee 21—23, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortsverwaltung. Verband d.Genieinde-u. Staatsarb. Filiale Groß-Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Kusiav Paul, welcher im Betriebe Schöneberger Friedhos beschästigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet Donners- tag, den 24. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des zweiten städtischen Friedhoses in der Eich straße aus statt. 33/20 Oie Ortsverwaltung. Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter u. Arbeiterinnen Deutscbl. Ortsverwaltung Berlin. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Mm Röhler am Sonntag im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. April, nach- mittags 4°/. Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhoses" in Buch aus stall. 76/5 Abfahrt� des Zuges 3 Uhr 35 Min. Stettiner Borortbahnh. Zahlreiche Beteiligung erwartet Her Torstand. Kranken- u. Begräbniskasse der Seifensieder undBeruisgecossen. E. H. Nr. 17 Den Mitgliedern zur Nachricht. daß am Sonnabend, den 19. April, unser altes Mitglied -Julius Scheidig nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsseldc aus statt. Um rege Teilnahme bittet 285/2 Ter Vorstand. Allen Verwandten. Bekannten und Freunden zur Nachricht, daß uns unser lieber Sohn Paul peschhe im 20. Lebensjahre am 20. April durch den Tod plötzlich entrissen ist. Ble trauernden Eltern nnd Geschwister. Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle de? Zentral- Friedhofes in Friedrichsseldc aus statt.' 39a Am 21. d. M. starb mein un- vergeßlicher Mann und Valer, der Reslaurateur, srüherer Biersahrer Äupst Reinsch im 53. Lebensjahre. 33 A Die Beerdigung findet am Donnerstag, d.24., nachm.'/»5 Uhr, aus dem Gcchsemanc-Kirchhos in Nordend statt. Im Namen der Hinterbliebenen: Emma Reinsch und Sohn. Für die vielen Beweise herzlicher Terlnahme, welche mir beim Tode meiner lieben Frau zuteil geworden sind, sage ich allen, welche ihr Grab mit Blumen schmückten und ihr das letzte Geleit gaben, den herzlichsten Dank, insbesondere meinen Sanges- brüdern vom Verein„Oberschönc- wcider Liedertafel" und meinen Kollegen von Abteilung Ew. 517b Friedrich Schwerdtfcger nebst Kindern. Ratbcnaustraße 81. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und sür die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeß- lichen lieben Mannes sage ich allen meinen lieben Mieter:: meinen tief- gesühlten herzlichsten Dank. Witwe hedwig Weltz, 7731 Hennigsdorser Str. 8. Fertig am Lager: | QeW-llnzüpe5o;«:36M ... nMügtWöP | Cutaway u. Weste Helder fl!'o. flu- Fertige schwarie K.cidung für Knaben und Jünglinge :: In größter Auswahl:: Feine Maß- Anfertigung :: in ca. 10 Stundea Baer Sohn Kleider• Werke Berlin. Gegr. 1S91. Chau»»ee»liaße 29— 30. II. Bruckenslraße II. Gr. Frankfurter Sir 20. Sehönebcri. Hauotslr. 10. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme am Begräbnis unserer Pflegetochter und die Kranzspenden besonders der Kollegen von der Firma Laue u. Eo. sagen wir allen besten Dank. 509b Blekard Thiel nebst Frau. Stoffe für elegante Maßanzüge, Ulster, Paletots JItr. 4.—, 6.—, 8.— M. etc. Damen- Kostümstoffe, Oamentuche „Neuheiten" Mtr. 2.—, 3.—, 4— M. etc. Loden f. Pelerinen Mti. 1,50. 2,50 M. etc. Schneidermeister, welche unsere Stoße tadellos u. schick verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nebst Zutaten zirka 25,-, 30,— M. etc.• Tuchiager Koch& Seeland G. in. b. H. GtrlmMr. 20/21 KÄ!'.: |MnBTrain>plii| Extra- Ab teil nngr 1 1. Gesch.: Berlin W.. Mohren- 1 Stra8e37a(2. Haus von der| Jerusalemer Straße). Iii. Gesch.; Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. 115(2. Haus| von der Andreasstraße). 1 Sehrgr.Ausw.fert. Kleider, 1 1 Hüte, Handschuhe, Schleier 1 letc. v. einfachsten bis zuml ] hochelegant. Genre z.äuHerst| niedrigen Preisen. 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Fiauenmäntel, Seidenmäntel Gloria, Alpaka, Tuch 22.-. 25.—, 30.— bis 120.- Grosse Auswahl in Geseilschaflskleidem, Röcken, Blusen! Stoffe, Schnitte, Zutaten! vom das Ü6$t6! Sonntag geOflnet 12—2. fURVl SS- III 5136 fMMII-MMl des Warenlagers der Firma Louis Neumark vorm. CJebr. Leyser, Gräfes«. 31 beginnt Donnerstag, den 24. d. H., nachmittags 4 ühr Konkursverwalter Eggers» Wer Ii U ni Vemaltuugsstklle Kerlin. C 54, Finienstr. 83—85. Verwaltung: Kassierer: Arbeite-uachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1283, 9714, Tonnerstag, den S4. Slpril I91Z, abends Wl* Uhr, in den Sophien-Tälen, Sophienstr. 17/18:' Versammlung � Eisen- und Metallgießereien aller in beschäftigten Former n. Berussgenossen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen.4«4ulk Wnschlck. 2. Diskussion.— 3. Abrechnung von unserem Fonds.— 4. Neuwahl des Kassierers und der Revisoren. - CHnc Mitgliedsbuch kein Zutritt.- Filiale Groß-Berlin. Donnerstag, de« 24. April, abends 8°/z Uhr, im Gewerkschaftshaus (groster Saal), Engelufer IZ: General-Urrsammlnng. Tagesordnung: 1. VerbandSangelegenhciten. 2. Kassenbericht für die Zeit Xoi» 1, Januar 1912 bis 31. März 1913. Berichterstatter Kollege Karl Hossmann. 3. Einrichtung und Wahl eines Biidungsausschusscs. 4. Gewerkschaftlich- genossenschaftliche Bcrficherungs- Gesellschaft „Volksfürsorge". Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches! 33/19 4>ie Ortsverwaltang. Tonnerstag, den 24. April 1913, abends S1/» Uhr, im Lokal von Brinkmann(früher Merkowski), Andreasstr. 26: == Branchen-Versaninitung= der Drahtarbeiter Berlins und Umgeg. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Hilpert.— 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. Donnerstag, den 24. April 1913, abends 8�/2 Uhr, in den Borussia-Tälen, Ackcrslr. 6/7: Versammlung=1 aller in den Eisengießereien beschäftigten Putzer und Schleifer. Tagesordnung: 1. Vortrag.— 2. Berussanzetegcnheiten.— 3. Verschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 117/2 Die Ortsvernfaltinix. Möbel, Spiegel und Polsterwaren Julius Krause 40 Kastanienallee 40 Komplette Wohnungs- Einrichtungen zu anerkannt billigen Preisen.* — Gegründet 1884.===== Teilzahlung gestattet. Ein Posten verlieheD gewesener Möbel beileiitent! unter Preis. ii Frauen und Mädchen! Ii Am Freitag, den 25. April, abends pünktlich 9 Uhr, findet in den Passage Millen NeukolSll Bergstraße 151/152 eine Zusammenlmnft zwecks Bildung eines Frauen- udu Mädchen-Chors..... Referenten: Herr Dr. Gutmann, Frau Klara Pohm-Schuch. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht' 59/2 üännerchor, Neukölln. 1! <» •»•♦•••♦©♦eeoeeoeoesoeoooEoeoeoooeoeeoooe Steinarbeiter. Donnerstag, den 24. April, abends 8 Uhr, in den Ariuli»» hallen, Kommandantenstrasze 58/59: Kombinierte Versammlung. Tagesordnung: 1. Viertels ahresb ericht. 2. Stellungnahme zu der demnächst in Kraft tretenden örtlichen Zirbeitslosen-Unterstützung. 3. Stellungnahme zur Maiseier. 171/5" Die Kollegen beider Sektionen sind verpflichtet, an der Ver- am mlnng teilzunehmen. Die Ortsverrvaltang. Orts- Krankenkasse der Maler und verwandten Gewerbe. Einladung zur Onlentl. General-Versammlung am Montag, den 28. April 4913, abends S'/a Uhr, in den„A r m i» h a l l e n Kommandantenstr. 58/59. � Tagesordnung: 1. Rechnungslegung und Abnahme derJahresrechaung für das Jahr 1912. 2. Beratung und Beschluhsassung über die neuen Kassensatzungcn nach/ der Reichsversicherungsordnung(Beschlusi der Generaloersammlung vom4.No- vember 1912.) � 3. Verschiedenes. 510b Der Vorstand. Quali Allgem. Ortskrailkeuknsse für Berlin-Tempelhof. Finlailung zu der am Mittivoch, 30. April 1913, abends Punkt 8h, Uhr, im Restaurant Stuhlman»(Genosscnschastshaus), Berlin-Tempclhos, Dorsslratze Nr. 51, stattsindenden «rdeatllohea venernlverLÄMMlunN. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahrcsrechnung pro � 1912 und Bericht der Revisoren. 2. Wahl eines VorstandsmilgliedeS �Arbeitnehmer). 3. Beratung cventl. Beschlusisassung über den neuen Statutcnentwurs nach den Vorschriften der Reichs- Versicherungsordnung. 4. Verschiedenes. Beschwerden und Anfragen sind spätestens bis Donnerstag. den 24. April er., bei der Kassenvcrwaltung schriftlich einzureichen. 270/1 Der Vorstand der Allgemeinen Oriskrankeukafle für Berlin-Tempelhof. (gez.) Albert George, 1. Vorsitzender. Bekanntmachung. Allgem. OrtsKranKeulillsse Mn-Krit? Mittwoch, den 30. April 1913, abends 8'/, Uhr. findet die Orflentlielie GemlversaMiiiiitg der Vertretet der Herren Arbeit- gcber und Arbeitnehmer im Restaurant A. Raddnh, Berlin-Britz, Chausscestr. 39, statt. Tagesordnung� 1. Abnahme der Rechnung des Vor- jahrcs. 2. Wahl cineS Vorstandsmitgliedes der Arbeitgeber. 3. Wahl einer Kommission zur Be- ratung der neuen Satzungen nach der Reichsversicherungsordiiung. 4. VersHiedencs. Ter Vorstand. 270/3 VI Beuthmann, Vorsitzender. An! TeiizaMung, ohne Äazahiung. = Kein Kassierer.=3 Teppiche, Gardinen, Stores, Portieren, Plüsch-, Stepp- uttb" andere Decken. NKaiiner Hufelandstraste 41i iriaizner, B-lderladcn.' Theater und Vergnügungen Mittwoch, den 23. April 1913. Ansang 7'/, Uhr. Konigl. Dpernhaus. Fidclio. Königl. Tchauipielhaus. Hamlet. Deutsches. Der blaue Vogel. Deutsches Schauspielhaus. Der König. Aniang 8 Ubr. Urania. Paris und die Königs- schlösscr von Versailles. Kai»», erspiele. Einnahme von Berg-op-Zoom. Lessing. Rosenmontag. Theater dcS Westens. Wiener Blut. Berliner. Filmzauber. «öniggräver Strafte. Die süns Frankfurter. Kleines. Professor Bernhardi. Deutsches Dpernhaus. Martba. Schiller Q. Geographie und Liebe. Charlottenburg. Klein Dorrit. Komödienhaus. Hochherrschaslliche Wohnungen. Kursürslc». Lpcr. Das Farmer- Mädchen. Metropol. Die Kino-Königin. Trianon. Madame X. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thaiia. Puppchen. Montis Lperetten. Der Zigeuner- Primas. Luiien. Zaza. Rose. Zopt und Schwert. Herrnseld. Die Schonzeitjäger. Liebesprobe. Casiuo. Arturs Flitterwochen. Wintergarten. Svezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Parole Walhalla. Anfang 8'/, Uhr. Theater am Nollcndorfplaft. Ertrazug nach Nizza. Frievr.. Wilh. Schau, PielhauS. Grigri.. Lustspielhaus. M-iolika. Folies Caprice. Die Bank Sem letzter Wille. Der Cowboy. Aniang S'l, Ubr. Neues VolkStheaier. Ernst sein. Aniang 9 Mr. Admiralspalaft. Eisballett: Flirt in St. Moritz. Berliner Cispalaft skulpturen. »« Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Mslei' des We8lcns? 8 Uhr l �Volkstümliche Preise"): Wiener Blut. «onntag 37. Uhr: Oer liebe Auguttin. Lebende Eis- Sehiller-ThealerO.lS' Mittwoch, abends 8 Uhr: Geographie und Flehe. Donnerstag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Freitag, abends 8 Uhr: Gygcs and sein Ring. Sehlller-Theaier ChabrCn Mittwoch, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Donnerstag, abends 8 Uhr: Cyrano von Bergerac. Freitag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Berliner Theater. « uhr: Filmzauber. Theater in ilerlüöiggrätzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. lOSEfTHEATEI | Große FranKurtcr Str. ,32. Ansang 8 Uhr. Jops uud Schwert. Lustspiel in 5 Akten von K. Gutzkow. Donnerstag: Die qröftte Sünde. Deatsohes iSehaaspielhaas ?VaItialIa-Tlieater. Weinbergsweg 19/20. Täglich 87« Uhr Parole; Walhalla! Grojze AuSstattungSposse. Vorzugskarten haben täglich Gültigkeit. AUmii-uIspsIsst EissArena Abends 9 Uhr: Das sensationelle Elsballett Flirt in St. Moritz. Die kleine Charlotte. Bis 6 Uhr und von 10*/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. Wein- und Bier- Abteilung. II BEREISTER Humor- Quartett Walter Wntzky• N. 58, Oderberger Straße'No. 36 Für den Jutialt der Jnierar« übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüder keinerlei Veranrwortung. u xerlms und Umgegeno Geschäftsstelle: Franz Steinweg, Neukölln, Reuterstr. Telephon 1220. Heute Mittwoch, A3. April, abends 8'/z Uhr: Oeffentl. LanvenKownistrn- Uersammwng Tagesordnung: in Kellers Festsälen, Koppenstr. Ä9(großer Saal). „Die lojililt Kedkiltittig drr fflubfnliolonifii" Petent: Dr. J. Moses. Laubenkolonisten Groß-Berlins! Der erfteuliche Aufschwung, den die Laubenkolonien trotz der Bedrückung durch das Generalpächtertum genommen haben, ist ein Beweis, daß die Laubenkolonien notwendig sind. Die Berliner Mietskaserne zwingt den Minderbemittelten draußen in der Laubenkolonie Licht, Luft und Sonne zu suchen. Laubenkolonisten, erscheint in Massen zu dieser Versammlung! Der Verband der Lanbenkolonisten erstrebt die Beseitigung des Generalpächtertnms. Lanbenkolonisten nnd-Vereine, schließt Euch dem Verband an! Der Verband besitzt: -ig-"« Kolonie»,.......««-«- L-..b°..-F°u°rv°rsich-r....g ff V*- � WJ8-V vidi- Vo-V-Ill- j-l- ♦ aus Grund des Umlageversahrens denwar billigste Versicherung. Auskunft in allen diesbezügliche» Angelegenheiten durch unsere(Seschäftsstelle. 456b» Pachilaud im Norden, Lstcn, Süden. Eigene Landpacht-Genoksenschast E. G. m. b. Verksuie. 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In wirkungs- voller Rede geißelte S t r ö b e l das Nichteiniösen von Königsworten, unterzog die neueren Wahlrechlsreformvorschläge einer gründlichen Kritik und ließ das schmachvolle Verhalten sämtlicher bürgerlichen Parteien Revue passieren. Die Spannung der Zuhörer löste sich in stürmischen Beifall aus. Die Aufstellung der vorgeschlagenen Wahlmänner erfolgte einstimmig und ohne jeden Zwischenfall. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die imposante Vcr- sammlung. Vor einer ebenfalls stark besuchten Versammlung der zehnten Abteilung des 10. Landtagswahlbezirks sprach Genosse Hermann O b st über das Thema:„Der preußische Landtag und seine Be- deutung für das werktätige Volk". Auch O b st verstand es, den An- wesenden die Gedankengänge der Sozialdemokratie zugängig zu machen. Seine Ausführungen schloß der Redner mit dem Appell, daß durch intensive Agitation der Landtagswahlerfolg dem der vergangenen Reichstagswahlen nicht nachstehen möge.— In der daraussolgenden Diskussion ergänzte F r o m k e noch um wesentliches die Ausführungen. Wie der Geldsack in Preußen regiert, zeigt ein von ihm angeführtes Beispiel. Einem Engländer, dessen Vater Deutscher, wurde die Naturalisation verweigert. Aus Anfrage wurde «ihm gesagt: Ja, wenn er nachweise, daß er zirka 30 000 M. Vermögen habe, dann könnte er naturalisiert werden. Gleichfalls unter lebhaftem Beifall brandmarkte Genosse Schröter die schofle Handlungsweise des preußischen Staates gegen die proletarische Jugendbewegung.— Die vorgeschlagenen Wahlmänner wurden ein- stimmig gewählt.___ „6$ sieht in den Akten!" In einer Beleidigungsaffäre, die auf sonderbare Weise entstanden war und aus nicht minder sonderbare Weise vom Gericht erledigt wurde, hör ein Beamter des Berliner Magistrats eine nicht beneidenswerte Rolle gespielt. Der M a g i st r a t s a s s e s s o r Dr. Gräffner vertrat die A r m e n d i r e'k t i o n als ihr Rechtsbeistand in einem Streit mit der Frau eines Arbeiters I., die ein fremdes Kind in Pflege gehabt hatte und nach der durch den Vormund Pastor Pfeiffer veranlaßten Wegnahme des Kindes von der Armendirektion eine Nach- zahlung auf das erhaltene mäßige Pflegegeld einklagen wollte. Ob diese Forderung berechtigt war oder nicht, interessiert im Augenblick ebenso wenig wie die Frage, ob ein hinreichender Grund zur Wegnahme vorgelegen hatte. In dem Rechtsstreit kam es allerdings vor Gericht zu einer Erörterung über die Wegnahme, und hierbei machte Dr Gräffner einige abfällige Be- merkungen über die Familie der klagenden Frau I., unter anderem diese:„Der Ehemann der Klägerin säuft ja!" Als die persönlich erschienene Frau I. den Vorwurf zurückwies, zeigte Dr. Gräffner auf ein Aktenstück, das er mitgebracht hatte, und erklärte: »Hier in den Akten stehts!" Herr I., der sich gekränkt fühlte, reichte gegen Dr. Gräffner eine Beleidigu nasklage ein, aber sie wurde vom Amts- gerichl Berlin-Schöneberg nicht angenommen. In der Be- gründung des ablehnenden, Beschlusses finden sich folgende Aus- führungen: „Der Beschuldigte gibt die Aeußerung dem Inhalt nach na. Der Beschuldigte nimmt auf Berichte in den Armen- und Waisenakten des Magistrats bezug, auf die er seine Angaben in der mündlichen Verhandlung gestützt bat. Diese Berichte beziehen sich allerdings auf die Angelegenheilen eines anderen unehelichen Kindes der Anna K...., auf Käthe K...., während es sich hier um das Kind Martha K. gebandelt hat. Der Be- schuldigte legt jedoch des näheren dar, daß er diese in der irrtüm- lichen Annahme, sie beträfen Martha K...., versehentlich seinem Vortrage zugrunde gelegt habe, und es besteht kein Anlaß, dem Beschuldigten die Richtigkeit dieser Angabe nicht zu glauben, zumal er persönlich gar kein Interesse daran hätte haben können, dem Privatkläger der Wahrheit zuwider Schlechtes nachzusagen. Beruht aber die beleidigende Aeußerung des Beschuldigten auf einem Versehen, d. h. auf Fahr- lässigteit, so liegt eine strafbare Beleidigung nicht vor, da der Begriff der Beleidigung im Slrafrecht vorsätzliches Handeln er- fordert und das Sirafgesetzbuch„fahrlässige Beleidigung" nicht kennt." Es wird sodann in der Begründung noch ausgeführt, daß auch die richtigen Akten ungünstig über die Familie I. urteilen. sNcben- bei bemerkt: Herr I. und seine Gattin erklärten auch die Be- hauptungen der richtigen Akten für unzutreffend.) Schließlich wird dem Beschuldigten zugebilligt, daß er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe, indenr er zur Verteidigung der Armen- direkiion deren Berichte wiedergab. Auch wir sehen keinen Anlaß, zu zweifeln an der Richtigkeit der Angabe des Magistratsassessors Dr. Gräffner, daß er v e r s e h e n t- l i ch falsche Akten zugruiide gelegt hat. Wissen möchten wir aber, wie die Armendirektion über diesen Magistralsasiessor denkt, der bei der Wahrnehmung ihrer Interessen sich eine solche Fahrlässigkeit zu schulden kommen läßt. Freilich hat nichtsieSchaden davongehabt.sondern nur Herr I., der die ihn kränkende Aeußerung hinnehmen muß und obenein noch die Kosten der Klageabwcisung zu tragen hat. Wir möchten aber raten, nun nicht etwa zu glauben, daß bei Be- leidigungen die Fahrlässigkeit immer Straflosigkeit sichert. Würde nicht die Armendirektion zum Schutz ihres Assessors Gräffner mit Erfolg das Gerichl anrufen, wenn der Arbeiter I. infolge einer Personenverwechselung ihn beleidigte? Beachtet stets die Lokallistc! Ferner ersuchen wir die Vorstände und Komitees, bei üllen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, daß das notwendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis des Aev bandcs deutscher Gastwirtsgehilfen bezogen wird.(Ortsverwaltung Berlin, Große Hamburger Straße 18/10. Tel. Amt III, 1813.) Außerdem ist es im cigellen Interesse der Vereine selbst dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, daß das betreffende Lokal später für Arbeitervcrsammlungen verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommissionsmitglicdcr an den Ob- mann der Lokalkommission zu richten, soweit Lokale Berlins und der Kreise Nieder-Barnim, Teltow-Beeskow und Potsdam-Ost- Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des„Vorwärts"; dies bitten lvir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokallistc stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aende- rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Kommissionsmitgliedern bezogen werden. Die Lokaltommission. Vierter Wahlkreis. Außer in der 19. und 29. Abteilung findeff am Sonntag, den 27. April, früh 8 Uhr, im ganzen Wahlkreis eine Flugblattvcrbreitung statt. Johannisthal. Donnerstag, den 21. April, abends 8 Uhr, im „Bürgergarten", Parkstr. 0: Wählerversammlung, Tagesordnung: 1.„Das preußische Volk und die Landtagswahlen". Referent: Redakteur Emil Eichhorn. 2. Aufstellung der Wahlmänner. Herzfeldc. Eine öffentliche Versammlung findet am Sonntag, den 27. April, nachmittags 1 Uhr im„Goldenen Slern", Haupt- straße 57, statt. Reichstagsabgeordneter Genosse H. K ä p p l e r wird über„Die bevorstehende Landtagswahl und Täuschung der unteren Volksschichten" referieren. Genossen! Sorgt für Massen- besuch dieser Versammlung. Röntgcntal, Zepernick, Buch. Morgen Donnerstag, den 24. April! Wichtige Handzeltelverbreitung. Das Material hierzu wird von 7 Uhr abends ab beim Genoffen Theodor Buchholz, Röntgental, Kaiser-Wilhelm-Straße 50, verausgabt werden. Partei- �ngelegendeiten. Tsc neue Lokallistc ist der heutigen Nummer des„V o r w ä r t s" beigelegt worden und wiederum richten wir an die gesamte Arbeiterschaft das dringende Ersuchen, die Lokallistc mehr zu beachten als bisher. Wir können in unserem fortwährenden Lokalkampsc nur Erfolge erringen, wenn wir unsere Hauptwafft. den Lokalboykott, in der wirksamsten Weise benutzen. Jeden. falls dürfen wir niemals bergessen, daß für eine fruchtbringenoe Agitations- und Organisationsarbeit der Besitz freier Lokale die erste Vorbedingung ist. Dies wird uns am deutlichsten bei jeder Wahl vor Augen geführt. Darum ist es unbedingte Pflicht jedes Ar- beiters, alle Lokale zu meiden, die der Arbeiter- schaft zu Versammlungen verweigert werden. Beachtet die Arbeiterschaft diesen wiederholt an sie gerichteten Appell und handelt sie streng danach, so muß es uns gc- lmgefl, alle Lokale, die durch den Besuch der Arbeiterschaft erst ihre Existenz haben, auch zu Versammlungszwecken zu erobern. Wo uns aber Säle zu Versammlungen zur Verfügung stehen, dort können wir das Versammlungsrecht erst wirklich ausnützen, darum ist der Kampf um Versammlungsräume auch ein Kampf um das Versammlungsrecht. Deshalb: JßerUner Nacbricbten. Der unbehelligte Einbrecher. Daß die Polizei überall dort ist, wo sie sehr oft nicht zu sein braucht, haben wir in diesen Tagen der Arbeiterjugendverfolgung zur Genüge feststellen können. Während der höheren Zielen und Kulturidealen nachstrebenden Arbeiterjugend ganz zu Unrecht von der Polizei die größten Hindernisse in den Weg gelegt werden, führen oft Einbrecher ein ungestörtes Dasein. Daß dem so ist, konnte vor einigen Tagen ein Tapeziergehilfe erfahren, der auf dem Boden des Eckhauses Waffertorstr. 25 a, und Brandenburgstr. 64 beschäftigt war. Etwa um �-12 Uhr vormittags gewahrte derselbe, wie sich ein Einbrecher ans den Boden schlich und die Bodentür er- brach. Als der Fremde den Tapezierer vor sich sah, flüchtete er in das Nebenhaus. Der Tapezierer war dem Flüchtigen nachgegangen, der zunächst ans die Straße lief, dann aber, um>eden Verdacht zu verwischen, wieder zurückging, sich in den vierten Stock desselben Hauses begab und dort bei den Mietern Jungbier anbot. Da der Tapezierer in dem Fremden jedoch mit Bestimmtheit den Einbrecher wieder zu erkennen glaubte, verfolgte er ihn weiter. An der Alexandrinenstraße sprach er einen Schutzmann an, um den Einbrecher festnehmen zu lassen. Der Beamte verwies den Verfolger jedoch an seinen Ecke Jakobstraße postierenden Kollegen, der die Festnahme ausführen werde. Flugs begab sich der Tapezierer zu dem Beamten an der Alten Jakobstraße, denselben auf den vermeintlichen Einbrecher auf- merksam machend und zugleich ersuchend, denselben festzunehmen. Aber auch von diesem Beamten erhielt, wie uns der Arbeiter ver- sichert, er einen ablehnenden Bescheid. Der Schutzmann soll ihm er- klärt haben, daß er instruiert sei, an jener Ecke stehen zu bleiben. Der Tapezierer gab auch jetzt die Verfolgung de-s Fremden nicht auf, bis derselbe in der Markthalle der Lindenstraße im Gedränge verschwand. Vielleicht hat der Einbrecher seit dem Tage, an dem er von dem Tapezierer verfolgt, aber nicht verhaftet wurde, erneute Einbrüche verübt— dank der famosen Jnstruklion an die Beamten, daß sie ihre Stelle nicht zu verlassen haben. Wer also einen Ein- brecher festnehmen lassen will, muß sich erst nach dem nächsten Polizeirevier begeben und dort sein Anliegen vortragen. Auf diese Weise können Diebe mit aller Gemütsruhe verschwinden. Ein Werber der Kirche. In der katholischen IIS. Knaben-Gemeinde schule (Skalitzer Straße) hat ein junger Geistlicher durch den Eifer, mit dem er der Kirche zu dienen suchte, wieder einmal das Gegenteil erreicht. Kindern dieser Schule, die für die erste Kömmunion vor- bereitet werden sollen, gibt ein Kaplan den Religions- Unterricht, wie das in katholischen Schulen so üblich ist. Ein paar Schüler der Klasse IV 0 hatten seine Mahnung, fleißig auch die Kirche zu besuchen, nicht befolgt und wollten sich damit entschuldigen, daß die Eltern den Kirchenbesuch nicht gestattet hätten. Der Herr Kaplan belehrte die Jungen, das müßten die Eltern gestalten, und übrigens frage man doch auch die Eltern nicht erst, ob man in die Schule gehen dürfe. Er kündigte an, daß er diejenigen, die nicht zur Kirche kämen, in der Katechismuslehre tüchtig herannehmen und ihnen, wenn sie dann nichts wüßten. Hiebe geben werde. Diese Drohung des Kaplans hat die Eltern eines Schülers so erregt, daß sie sich entschlossen haben, ihren Austritt aus der Kirche zu erklären. Sie wollen dieselbe Erklärung auch für ihren Sohn abgeben, so daß der Kaplan, der ein Werber der Kirche sein wollte, ihr sogleich drei Mitglieder geraubt hätte. Ob diese Wirkung, die er gewiß nicht er- wartet hat, seinen Eifer ein bißchen abkühlen wird? An Tollwut erkrankt? Der 33 Jahre alte Zigarrenhändler Otto Barts aus der Danziger Straße 80, der am 19.� Februar von seinem tollwütigen Hunde gebissen wurde, ist vorgestern, anscheinend an Tollwut erkrankt, nach einer durch den Kreisarzt Oberstabsarzt a. D. Dr. Hüttig vorgenommenen Untersuchung»ach dem Virchow- Krankenhaüse gebracht worden. Die Folge des Vorgangs am 19. Februar'war die für drei Monate über Groß-Berlin und die angrenzenden Kreise verhängte Hundesperre. Wie noch erinnerlich sein dürfte, tvaren am Nachmittag des ge- nanmen Tages zehn Straßenpassanten am Weinbergsweg von einem Hunde angefallen und durch Bisse nicht unerheblich verletzt worden. Der Hund, der schließlich von einem Schutzmann durch zwei Säbelhiebe getötet wurde, war von der Tollwut befallen. Er hatte am Vormittag ohne jede Veranlassung seinen Herrn, der ihn erst kurze Zeit besaß, gebissen und war dann davongelaufen. Der Hund war dann nach seiner Tötung nach dem Tierdepot des Deutschen Tierschutzvereins in der Schickler- straße gebracht worden, wo ihn der Veterinärrar Kreistierarzt Krüger sezierte und Tollwut feststellte. Der Köpf des Tieres wurde nach dem Institut für Infektionskrankheiten gebracht, wo eine genaue Untersuchung erfolgre, die auch die Ansicht des Kreistier- arztes bestätigte. Der Hund stammle aus einem Gebiet nahe der russischen Grenze, wo die gefährliche Hundekrankheit außerordentlich stark grassiert. Die von dem Hunde gebissenen Personen wurden geimpft, und soweit bekannt geworden ist, stellten sich auch bei ihnen mit Ausnahme des Hundebesitzers keine schlimmeren Folgen ein. Der Zigarrenhändler Barts, der erst durch die Steuer- marke als Besitzer ermittelt wurde, unterzog sich leider erst zu einer Zeit der Schutzimpfung, als sich bei ihm schon Lähmungser- scheinungen zeigten. Nach einer späteren halbamtlichen Meldung scheint die Er- krankung des Barts an Tollwut noch sehr zweifelhaft zu sein. Man wird zu einem endgültigen Urteil erst den Abschluß der Untersuchung abwarten müssen. 'Am Bahnhof„Gleisdreieck" der Hochbahn ist die neue über die Potsdamer und Anhalter Außengleise führende Brücke bereits in Betrieb genommen worden, allerdings nur provisorisch. Bisher konnten nämlich die von der Warschauer Straße herkommenden Hoch- bahnzüge nichl umgesetzt werden; sie fuhren abwechselnd auf dem rechten oder linken Bahnsteig vor und traten in derselben Weise auch die Rückfahrt an. Zu dem BeHufe war vor Station„Gleisdreieck" eine Weiche eingebaut worden. Diese ist jetzt hinter den Bahnhof verlegt worden, so daß die Züge nunmehr ordnungsgemäß auf dem Ankunftsgleis ankommen, dann auf die Brücke fahren und zurück, über die neue Weiche, an den Abgangsbahnsteig gelangen. Ei» dreister Raubanfall wurde gestern vormittag in der Wal- deyerslraße auf die Frau des Bäckermeisters Krickel verübt. Ein Mann von etwa 25 Jahren, der feiner Kleidung nach ein herunter- gekommener Reisender zu sein scheint, bat die Frau um eine Unter- stützung. Als ihm diese verweigert wurde, ergriff er plötzlich eine in der. Ecke stehende Holzstange und schlug mit dieser der Frau so heftig auf den Kopf, daß sie lautlos zusammenbrach. Jetzt ging der Verbrecher hinter den Ladenlisch und versuchte die Schublade, in der sich die Kasse befindet, zu öffnen. Hierbei setzte sich plötzlich ein Läulewerk in Tätigkeit, lvorauf der Räuber die Flucht ergriff. Als Meister K., der das Ertönen der Glocke in seiner Backstube gehört hatte, herbeigeeilt kam, fand er von dem Verbrecher keine Spur mehr. Die Überfallene Frau erholte sich bald wieder von dem Schlage, der eine nicht gefährliche Verletzung auf dein Kopf zurück- gelassen hat. und machte dann Anzeige bei der Polizei. Diese stellte sofort Ermittelungen am Tatort an, doch waren diese bisher ohne Erfolg. Der Einbrecher unter dem Bett. Ein recht ungebetener Gast hat dem Schanlioirt K.schen Ehepaar, Frankfurter Chaussee, unan- genehme Minuten bereitet. Nachts wachte Frau K. plötzlich durch ein verdächtiges Geräusch aus dem Schlaf aus und als sie der Nr- fache auf den Grund gehen wollte, sah sie wie ein fremder Mann den Kopf unter ihrem Bett hervorstreckie. Die Erschrockene stieß laute Hilferufe aus, worauf der Ehemann erwachte und Licht anzündete. Inzwischen war der Mann unter dem Bett hervorgekrochen. Es war dies ei» früherer Schlafbursche Brunk, der bei dem Ehepaar gewohnt hatte. Brunk hatte gewußt, daß K. unter dem Kopfklssen stets eine größere Geldsumme verbarg.' Auf dies Geld hatte er es abgesehen, doch war er beim Versuch, die Supmie an sich zu nehmen. von dem Ehepaar gestört worden und schleunigst unters Bett ge- krochen. Ter dreiste Einbrecher entkam in der Dunkelheit. Selbstmord eiiics Oberlehrers. Im Tiergarten hat anr gestrigen DlcNStag nachmittag der 36 jährige Oberlehrer Dr. Ä., Schöneberg, Thorwaldsenstraße wohnhaft, Selbstmord durch Erschießen verübt. Dr. R., der am Helmholtz-Real-Gymnasium in Schöneberg als Lehrer der alten Sprachen wirkte und sich in guten pekuniären Verhältnissen befand, hatte bis gegen 11 Uhr in seiner Klasse Unterricht erteilt, ohne irgend welche Spuren einer seelischen Depression zu verraten. Plötzlich verließ er mitten in der Stunde die Lehranstalt und begab sich in den Tiergarten, wo er seinem Leben durch einen Schuß in die Schläfe ein Ende machte. In be- wußtlosem Zustande wurde der Oderlehrer nach dem Moabiter Krankenhaus gebracht, wo er bald nach seiner Eintteferung verstarb. Auf dem Bahnsteig vom Tode überrascht wurde Montag abend ein noch unbekannter, etwa 50 Jahre alter Man», der seinem Aeußeren nach dem Handwerkerstande angehört zu haben scheint. Der Unbekannte wurde, als er um 6.30 Uhr auf dem Bahnsteig 9 des Schlesischen Bahnhofs stand, um auf den Vorortzug zu warten, plötzlich von einem Herzschlag getroffen. Er sank zu Boden und verstarb auf der Stelle. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Nach den bei dem Toten vorgesundenen Briefen scheint es sich um einen Schlossermeister aus Adlershof zu handeln. Gasvergiftuiig zweier Kinder. Im Hause Meianchthonstraße 10 wurden gestern früh die zehn und zwölf Jahre alten Söhne des Hausbesitzers TschtMmer in ihren Bellen bewußtlos ausgesunden. Aus bisher unaufgeklärter Ursache war der Gashahn im Schlaf- zimmer nicht ordentlich geschloffen worden. Als die Mutter nach den Kindern sehen ivollte, fand sie die beiden bewußtlos in ihren Betten auf. Der zur Hilfe gerufenen Feuerwehr gelang es schließ- Itch nach längeren Bemühungen, sie wieder ins Leben zurückzu- rufen, so daß sie nach dem Pirchow-KraukenhauS übergeführt werden konnten. Schicksalsschlägc haben die im Hause Brunnenstraße 73 wohnende 27 Jahre alte Witwe Zasterow am Montag, den 21. d. M. in den Tod durch Vergiften iml Leuchtgas getrieben. Nachdem im vorigeir Jahr ihr Mann plötzlich gestorben, wurde vor einiger Zeit bei der grau ein Einbruch verübt, wobei den Dieben Wäsche und ver- schiedene Kletdungssiücke in die Hände fielen. Vor einigen Tagen wurde ihr das Sofa wegen rückständiger Steuern im Betrage von 12 M. versiegelt. Dasselbe sollte am Montagabend abgeholt werden; der Gerichtsvollzieher fand aber keinen Einlaß. Als der Beamte gestern früh wieder erschien und die Wohnung öffnen ließ, lag die junge Frau schwarz angekleidet tot aus dem versiegelten Sofa. Sie batte sich für diesen Zweck aus der im selben Hause befindlichen Restauration vorgestern abend 5 einzelne Groschen eingewechselt und dieselben in den Gasautomaten gesteckt. In einem Borortzuge verstorben ist vorgestern ein unbekanuter, anscheinend dem Arbeilersiande angehöriger Mann. Er hatte in Niederschöneweide ein Abteil dritter Klasse bestiegen und wurde, bald nachdem der Zug die Station verlassen hatte, von Unwohlsein be- fallen, er verstarb innerhalb weniger Minuten. Ein hinzugerufener Arzt stellte fest, daß der Tod durch Herzschlag herbeigeführt worden war. Die Leiche wurde nach der Treptower Friedhofshalle gebracht. Der Verstorbene war etwa 35 Jahre alt; Legilimationspapiere wurden bei ihm nicht vorgefunden. Für Rettung aus Lebensgefahr wurde dem vierzehnjährigen Schüler Werner Brömstrup der 11. städtischen Realschule in der Voeckhstraße in der Aula vom Direktor der Schule vor versammelter Lehrerschaft und sämtlichen«Schülern die Rettungsmedaille am Bande überreicht. Der Knabe halte im vorigen Jahre einen achtjährigen Knaben mit eigener Lebensgefahr aus dem Landwehrkanal gerettet. Er war über die Ouaimauer ins Wasser gesprungen und hatte dann den kleinen Wedekind gefaßt und bis zur nächsten Treppe gebracht. Ein 14 Tage alteS Mädchen wurde am 18. April nachmittags h'/z Uhr im Hausflur des Hauses Alvenslebenstcaße IS hilflos aufgefunden. Bei dem Kinde, da5 anscheinend ausgesetzt worden ist und das im Waisendause Aufnahme gefunden hat. befand sich ein Brief, nach welchen! eS Helens Martens heißen soll. Personen, die zweckdienliche Angaben über die Herkunft des Kindes machen können, wollen solche bei der Kriminalpolizei, Zimmer 409 III, oder bei jedem Polizeirevier zu Nr. 1812 IV 33/13 machen. Ter Berbaud der Laubcnkoloniste» Berlins und Umgegend der- anstallet heule Mittwoch bei Keller, Koppenstr. 29. eine große öffent- liche Laubenkolonistenversammlung. in welcher Genosse Dr. Moses über„Die soziale Bedeutung der Laubenkolonien" sprechen wird. Vorort-JNacbncbtein Charlottenburg. Ter Kampf um den Wochenmarkt auf dem Wittenbergplatz. Seit je erfreute sich der Markt, der wöchentlich auf dem Witten- bergplatz abgehalten wurde, der lebhaftesten Inanspruchnahme der Bevölkerung. Auch das Kaufhaus des Westens konnte trotz billiger Ausnahmetage dem Markt keinen Abbruch tun. Doch als jetzt die Abzweigung der neuen Untergrundbahn vom Wittenbergplatz nach dem Kurfürstendamm die Errichtung eines ziemlich umfangreichen Bahnhofbaues auf dem Wittenbergplatz nötig machte, wurde der Raum für den Wochenmarkt wesentlich eingeschränkt. Das bc- nutzten nun die Besitzer der anliegenden Grundstücke, um beim Magistrat die gänzliche Aufhebung des Marktes zu beantragen. Jedenfalls erwarten diese Hausbesitzer, daß durch den Fortfall dieses Marktes— dessen Treiben und Ueberreste den„bornehmen" Charakter jener Gegend, in der nur reiche Leute wohnen und die dem mit irdischen Glücksgütern und viel freier Zeit gesegneten Volksgenossen zum täglichen Korsobummel dient, beeinträchtigen soll— dieser Stadtteil„gehoben" würde. Einen anderen plausiblen Grund hat man wenigstens für den beantragten Fortfall des Marktes nicht erfahren können. Sonderbarerweise ging aber der Migistrat auf diese Anregungen der Hausbesitzer ein und er er- suchte die Stadtverordnetenversammlung um Zustimmung zur Auf- Hebung des Marktes. Das entfesselte jedoch eine lebhafte Gegen- dcwegung in der Bürgerschaft. Vor allem wendeten sich die Frauen mit aller Lebhaftigkeit in Protestversammlungen und Petitionen gegen den Fortsall des Marktes, lind die Protestler hatten Erfolg; denn der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung beschloß, den Wochenmarkt so lange auf dem Wittenbergplatz bestehen zu lassen, bis für denselben in der Nähe ein anderer geeigneter Platz gc- funden worden ist. Eine langgcwünschte Berkehrsverbesserung wird in allernächster Zeit zur Ausführung kommen. Es handelt sich dabei um eine Unterführung des Bahnkörpers beim Bahnhof Charlottenburg. Von der Windscheidstraße aus soll ein Tunnel unter der Bahn eine Verbindung mit der Drohsenstraße schaffen. Damit würde dann endlich einer seit Jahren dringend erhobenen Forderung lveitester Bcvölterungstreise Rechnung getragen werden. Bisher konnte man — wenn man nicht den weiten Umweg durch die Wilmersdorfer oder Holtzendorffstraße wählen wollte— vom Nord- zum Südteil jener Gegend nur durch die Benutzung des Bahntunnels gelangen. Aber hier sorgte der BahnsiskuS für eine dauernde Verärgerung des Publikums. Denn wer den Tunnel passieren will, kann das nur dadurch, daß er sich eine Bahnsteigkarte löst! Ebenso ist ein neuer öffentlicher Uebergang über den Eisen- bahnkörper im Zuge der Neuen Kantstraße geplant. Dadurch wird der südwestliche Teil Charlottenburgs mit dem neu der Bebauung erschlossenen Terrain von Südwestend verbunden und das Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes dem weiteren Verkehr erschloffen. Bedauerlicherweise soll aber auch für diese neue Stadtgegend eine Bebauungsart vorgesehen werden, die eine Ansiedelung von Leuten der mittleren und arbeitenden Bevölkerung so gut wie gänzlich aus- schließen wird. Denn nach wie vor ist der Grundsatz in der Char- lnttenburger Stadtverwaltung geltend, möglichst besitzende Leute heranzuziehen und den nicht zu vermeidenden Zuzug von Arbeitern nach bestimmten Gegenden der Stadt abzuleiten. Tie Durchführung der beiden Bauprojekte erfordert eine Aus- gäbe von 1 190 300 M. Ter Mangel an Schulhäusern, der in unserer Stadt trotz allem lärmenden Selbstlob unserer„Liberalen" über die Errungenschaften ihrer Volksschulpolitik noch immer recht fühlbar ist, findet eine neue Bestätigung dadurch, daß wieder zwei der Stadt gehörende Häuser in der Spreestratze für die Belegung mit Gemeiudeschultlassen um- geändert werden sollen. 20 Klassen sollen in dieser Weise nebst ti Klassen, die in einem gemieteten Privathaus in der Spree- straße eingerichtet werden sollen, untergebracht werden. Das be- deutet die Ausgabe von 66 383 M. für ein Provisorium, das aber leider mit der Zeit zu einer dauerden Einrichtung zu werden droht, da die„liberale" Stadtverordnetenmehrheit vor jeder weiteren Aus- gäbe für Volksschulhäuser zurückschreckt, aus Furcht, mehr als 100 Prozent Gemeindesteuern zahlen zu müssen. Elternvercin für freie Erziehung. Auf die am Sonntag, den 27. dieses Monats im großen Saal des„Volkshauses", Rosinen- straße 3, stattfindende Märchenausführung sei hierdurch besonders hingewiesen. Zur Aufführung gelangt:„Bekämpfter Aberglaube" „Was uns der Wald erzählt". Großes Märchenspiel in 2 Akten, 3 Bildern mit Gesang und Reigen von Berthold Schröder. Auf- geführt von 50 Kindern der Mitglieder. Nach der Borstellung: Gemütliches Beisammsein. Saalöffnung 4 Uhr, Anfang 3 Uhr. Billetts für Erwachsene a 30 Pf., für Kinder a 10 Pf. stich zu haben bei Kunschke, Weimarer Straße 31, Striemer, Kaiserin- Augusta-Allee 44, Grütze Sprestraße 56, Konsumniederlage, Wallst ratze 23,.,Vorwärts"-Spedition, Sesenheimer Straße 1, und im „Bolkshaus", Rosinenstraße 3(Stehbierhalle). Sechs Milchausgabestellc», welche den Müttern die täglichen Wege nach den Säuglingsfürsorge stellen ersparen sollen, befinden sich jetzt im Stadtgebiet von Charlottenburg und zwar von Fürsorgestelle l: Hardenbergstr. 4/3— Apotheke—, II: Ansbacher Straße 18, III: Kamminer Str. 34. IV: Suarezstr. 44, V: Helm- holtzftraße 26, VI: Milchhäusiben Friedrib-Karl-Platz. Im Jahre 1912 wurden in sechs Fürsorgestellen 237 300>/s Liter rohe Kinder- milch in Flaschen verabfolgt, davon 56 257 Liter unentgeltlich, ferner 31 775'/- trinkfertige Portionen, von diesen mehr als ein Drittel ohne Bezahlung, und 4Z22>/z Portionen Eiweißnahrung. Die Verwendung von Bleiweißsarbcn bei städtischen Bau- ausführungen, die nach einem von der Hochbaudeputation der Stadt Charlottenburg im Jahre 1919 gefaßten Beschluß zur Verhütung von Vergiftungen zunächst auf drei Jahre unterbleiben sollte, soll auf weitere drei Jahre vermieden werden, um Erfahrungen zu sammeln. Neukölln. Zwei Gasautomatenplünderer wurden gestem auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Seit einiger Zeit liefen bei der Kriminal- Polizei Anzeigen ein, in denen Schankwirte mittellten, daß ihre Gas- automaten geöffnet und ihres Inhaltes beraubt worden seien. Gestern überraschle ein Wirt zwei junge Burschen ber der Aus- Plünderung seines Automaten und übergab sie der Polrzei. Die beiden Verhasteten entpuppten sich als die 17 Jahre alten Arbeits- burschen Fl. und M. Sie räumten bei der Vernehmung ein, seit mehreren Monaten diesen Spezialdiebstahl betrieben und reiche Beute gemacht zu haben. Am Freitag, den 25. April, abends 9 Uhr. findet in den Passage- sälen, Neukölln. Bergstr. 151/1S2 eine öffentliche Versammlung zwecks Gründung eines Frauen- und Mädchenchors statt. Als Referenten hierzu sind gewonnen Herr Dr. Gutmann und Frau Klara Böhm- Schuch. Siehe auch heutiges Inserat. Schöneberg. An Stelle des im 1. Bezirk der ersten Abteilung bisher amtierenden Stadtverordneten Baumeister Kuznitzky, der sein Mandat niedergelegt halte, wurde gestern Generaldirektor Wolff-Zitelmann mit 26 Stimmen zum Sladtverordnown ernannt. Sein Gegen- kandidat, der von der liberalen Fraktion aufgestellte Berlagsbuch- bändler Springer erhielt 14 Stimmen. Herr Wolff-Zitelmann wird sich wahrscheinlich der Gruppe der Unpolitischen anschließen, der auch der bisherige Vertreter des Bezirks angehörte. Lichterfelve. Die Abteilungsliften zur bevorstehenden Landtagswahl liegen am 24., 25. und 26. April während den Amtsstunden auf dem hiesigen Rathaus aus. Außerdem sind die Listen für den Osten bei Genossen Schiller, Ferdinandstraße 15. für den Westen bei Genossen Fr. Wahrendorf, Bäkestraße 7, einzusehen. Weihensee. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich eine namentlich von Frauen stark besuchte Versammlung, die vom sozialdemokratischen Wahlkomitee für die bevorstehende Landtagswahl einberufen war. Das Referat über das Thema:„Die Frauen und die Landtags- wählen" hielt Genossin Luise Z i e tz- Berlin. Die Rednerin verstand es, in temperamentvoller Weise die preußischen Zustände zu beleuchten. Der bevorstehende Landtagswahlkampf müsse zugleich ein Wahlrechts- kampHeui, in dem die Frauen ihre Kraft einzusetzen hätten. Am Schlüsse ihres mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages legte die Neferentin den Versammelten besonders ans Herz, der Erziehung der proletarischen Jugend mehr als bisher ihr Augenmerk zu widmen. Gegenüber den fieberhaften Anstrengungen unserer herrschenden Klassen, die Jugend mit ihren Ideen zu erfüllen, gelte es, sie in die Weltanschauung des Sozialismus einzuführen. Der Erfolg der Ber- sammlung war, daß 40 Frauen und Mädchen ihren Beitritt für den Wahlverein anmeldeten. Tegel. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst machte der stellver- tretende Vorsteher Herr Reichelt Mitteilung von der Mandats- niederleguna unseres Genossen Lichtenberg wegen Verzug nach Lichtenberg. Auf Anfrage des Genossen Halses, ob die Ergänzungswahl bald erfolgen würde und wie es mit dein aberkannten Mandat des Herrn Wistuba stehe, erklärt Herr Reichelt, daß beide Wahlen möglichst bald vorgenommen werden sollten.— Die Eisenbahndirektion als Aufsichtsehörde der Großen Berliner Straßenbahn verlangt von letzterer die Ein- richtung einer zweiten Endhaltestelle für den starken Sonntags- verkehr und zwar ca. 30 Meter weiter, als die jetzigen Gleise in der Schloßstraße bereits reichen, also mehr nach der Humboldtmühle und dem Ählotzpark zu, in unmittelbarer Nähe der neuen Straßen- bahn nach Heiligensec. Es sollen dadurch die großen Ansamm- lungen der Berliner Ausflügler mehr verteilt und nach zwei Halte- stellen geleitet werden, wodurch ein besseres Mitkommen mit der Bahn erwartet werden dürfte. Bei Besprechung dieser Sache wurden auch Wünsche aus allgemeine Verbesserungen des Verkehrs durch die Straßenbahn geäußert, deren Direktion sich bisher ab- lehnend verhalten hat. Der Neuanlage jener verlangten Halte- stelle wurde schließlich im Prinzip zugestimmt. Ebenso wurde der Regulierung der Gemarkungsgrenze zwischen Gut(Schloß) und Gemeinde am Mühlenflicß zugestimmt.— Nun sollte der von voriger Sitzung zurückgestellte Antrag unserer Genoffen aus Be- willigung von M 000 M. für den Bau einer Volksbade- a n st a l t beraten werden. Genosse H a lf e s gegründete die Notwendigkeit der Anstalt: ihre Schaffung sei schon seit mehreren Jahren gefordert, aber stets mit Rücksicht auf die finanziellen Ver- Hältnisse zurückgestellt worden; man hätte doch im Etat schon eine diesbezügliche Position erwartet, leider sei nichts geschehen. Tie Badeanstalt in der Gemeindeschule sei nur ein Notbehelf im Winter, die Privatanstalten am See genügten den Anforderungen keineswegs; auch müßten warme und Schwimmbäder jederzeit zur Verfügung stehen. Der praktische Arzt Dr. Hennicke trat für ge- eignete Wannenbäder ein, da in den meisten Wohnungen der- artige Einrichtungen fehlten und die Badebedürftigen immer erst nach Berlin fahren müßten. Herr Reichelt ersuchte um noch- malige Zurückstellung, da mit 80 000 M. nicht viel anzufangen sei; er hoffe beim nächsten Etat mit bestimmten Unterlagen kommen zu können. Damit war diese Sache wieder mal erledigt.— Nun kamen eine Reihe Elektrizitätsvorlagen zur Verhand- lung. Zunächst ein Bertrag mit dem Kreise über Verlegung von Starkstromkabeln unter- die Industriebahn, die so angelegt sein müssen, daß die Bahnanlagen nicht beeinflußt werden; die Ueber- wachung geschieht seitens der Industriebahn auf Kosten der Ge- meinde Tegel. So ziemlich alle Rechte sind hier an die Betriebs- leitung der Bahn abzutreten, die Gemeinde erscheint fast nur als leidender und zahlender Teil. In längeren Auseinandersetzungen wandten sich verschiedene Redner gegen diese Art einseitiger Ver- pflichtungen, die die Gemeinde in der Benutzung eigener Straßen hindere. Obwohl hier die Gemeinde in ihren Rechten ge- schmälert erscheint, stimmte man doch dem Vertrage zu in Rücksicht auf die schleunige Ausführung der so nötigen Arbeiten. Ebenso einem Äommissionsantrage auf Vergebung der Kabelverlegung zur Elektrisierung des Ortes an die A. E. G. Kostenanschlag ca. 120 000 Mark für den alten, 12 000 für den neuen Ortsteil an der Real- schule, 23 000 für die Heiligenseer Straßenbahn usw., insgesamt ca. 170 000 M. und 3500 M. für die Ilmformerstation. Von drei Firmen war die A. E. G. mit einem nur geringen Unterschiede die billigste. Die A n l e i h e bedingungen sollen später vorgelegt werden. Ferner angenommen wurde das Ortsstatut über Per- teilung und Lieferung von Elektrizität. Zugelassen wird jeder Lieferant, der den Bedingungen entspricht. Bei unbefugter Ent- nähme von Energie ist eine Mindeststrafe von 50 M. sür� jeden Fall vorgesehen, unbeschadet aller sonstigen rechtlichen Ansprüche an den Entnehmer. Die Bedingungen und Tarife für Lieferung von Elektrizität, Herstellung elektrischer Anlagen und Zulassung von Unternehmern für die Herstellung find nach den Grundsätzen der einschlägigen Korporationen und Behörden aufgestellt und in Berlin und Umgebung eingeführt. Man stimmte auch hier zur schnellen Erledigung der Elektrisierung des Ortes vorläufig zu, um nach späteren Erfahrungen eventuell Abänderungen zu treffen. — Es folgte noch eine vertrauliche Besprechung. In einer früheren vertraulichen Sitzung ist der Aufnahme einer Anleihe von drei Millionen Mark(von der Reichsversicherunasanstalt für Ange- stellte) zu 44h Proz. Zinsen bei Vi Proz. Abschlußprovision(15 000 Mark) und IV Proz. Tilgung zugestimmt worden, da man bei der allgemeinen Geldknappheit billigeres Geld nicht zu erhalten glaubte. Den größten Teil dieser Summe beanspruche der Ankauf des Borsigschen Gaswerls(Aktiengesellschaft) mit 1 890 000 M., der Rest dient zu Straßenverbefferungen. Landkäufen usw. In- zwischen sind der Gemeinde auch noch 6 Baustellen an der Real- schule abgelaust worden und in Bebauung genommen; wie es heißt, soll hierbei sonderbarerweise die Gemeindeverwaltung die Zinsgarantie für die zweitstelligc Hypothek übernommen haben. Herzfelde. Kommunalwahl. Am Sonnabend, den 26. April, nachmittags von 3—6 Uhr, findet im C. Vulprechtschen Lokale, Hauptstraße, eine Gemeindevertreter-Ersatzwahl in der 8. Abteilung statt. Diese ist durch das wegen Verzugs erfolgte Ausscheiden des Ge- meindeverordneten Genoffen Hermann Stoff erforderlich gc- worden. Bon unserer Seite aus ist der Tchuhmachcrmeisler Ge- nosse Karl Schröder als Kandidat nominiert worden. Es ist Pflicht jedes einzelnen Arbeiters, zur Wahl zu erscheinen und für den Kandidaten Schröder einzutreten. Das Mandat darj uns auj keinen Fall entrissen werden? Die Wahl ist vom Gemeindebor- steher in anerkennenswerter Weise auf eine Zeit gelegt, in der wohl jeder ohne wirtschaftlichen Nachteil sein Wahlrecht ausüben kann. Zossen. Ein Stelldichein für die bevorstehende Landtagswahl hatten sich dieser Tage im„Hotel zum goldenen Löwen" die verbündeten Libe- ralen gegeben. Anwesend waren ungeiäbr 150 Perwnen. davon Dreiviertel unserer Parteigenossen. Nach Ansprachen der beiden Kandidaten beleuchtete Genosse Kluß besonders das Verhallen der Nationalliberalen. Treffend wies Redner den Vorwurf, die Sozial- demokratie wäre schuld daran, daß bei der Ersatzwahl in unserem Kreis ein konservativer Abgeordneter gewählt wurde, zurück. Bs- rechtigte Entrüstung riefen noch die Ausführungen eines national- liberalen Herrn Dr. Fuchs hervor, der wohl mehr mit seiner Stellung als mit seinen politischen Kenntnissen prahlen wollte. Z?riedrils,sfelde. Ter Verkauf russischen Fleisches in unserer Gemeinde spielte in den Verhandlungen der letzten Sitzung der Gemeindevertreter eine wichtige Rolle. Nachdem in der voraufgegangenen Sitzung die Dringlichkeit des Antrages unserer Vertreter verneint war, hatte der Gemeindevorstand;etzt, da der Verkauf längst eingestellt ist, endlich den Antrag auf die Tagesordnung gesetzt. Daß er keine Annahme finden werde, war bei dem durchaus reaktionären Charakter unseres Ortsparlaments vorauszusehen. Dennoch ließen unsere Genossen nichts unversucht um das Gegenteil zu erreichen. Namentlich Genosse Pinseler rollte in längeren Ausfuhrungen die ganze Frage noch einmal auf, widerlegte mit scharfen Worten all die Scheingründe der Gegenseite und wies unwiderleglich das immer noch vorhandene dringende Bedürfnis nach. Daß er es ver- standen hatte, allen, denen es anging, das Brandmal auf die Stirn zu drücken, bewies die Entgegnung deS Bürgermeisters, der den hoffnungslosen Versuch unternahm, durch Aufbauschung einiger Belanglosigkeiten den Spieß umzudrehen. Aber wie bereits an- gedeutet, mit dem Vertrieb russischen Fleisches ist es nun endgültig in unserer Gemeinde vorbei. Kennzeichnen müssen wir stur noch das Verhalten des Gemeindevertreters Wolter, der als Schlächter- meister alle Ursache hätte, Zurückhaltung zu üben. Er fügte zu seinen früher abgelegten Proben völliger sozialer Verständnislosig- keit neue hinzu und ging sogar soweit, unsere Vertreter wegen ihres mannhasten Eintretens gröblich zu deleidigen. Bei einertanderen Sache, als es sich um einen Bertragsbeschlutz wegen Beseitigung von Tier- kadavern handelte, sah sich Genosse Ohlert gezwungen, geradezu haarsträubende Dinge von dem hiesigen Hundefänger vorzutragen. Auf Grund einwandfreier Zeugenaussagen soll dieser die eingefangenen Tierer oft lange Zeit ohne Nahrung gelassen haben. Ferner ist beobachtet worden, daß er Hunde durch Knüppel- schlüge tötete. Erregte schon diese barbarische Methode lebhaften Widerwillen, so noch mehr die Behauptung, daß die Kadaver gleich auf demselben Grundstück, in unmittelbarer Nähe der Mädchen- schule, verscharrt wurden. Ter Bürgermeister sagte gründliche Untersuchung zu und die Gemeindevertretung beschloß, in Zukunft die Abtötung mittelst Gift durch einen Tierarzt vornehmen zu lassen. Die Frage, ob Gemeindevertreter für die Gemeinde Liefe- rungen übernehmen dürfen, spielte wiederum eine Rolle, obgleich sie längst als verneint zu betrachten war. Es wird aber immer loieder Sturm gelaufen. Tie einen glauben, daß die gellenden Bestimmungen zu weit gehen, während die andern eine Ver- schärfung fordern. Eine bessere Formulierung soll noch gesunden werden.— Eine Anfrage unserer Vertreter betraf das Verhältnis der Zahl von Militäranwärtern zu der der Zivilanwärter in der Gemeindeverwaltung. Bürgermeister Ungewitter stellte die Sache so harmlos wie möglich dar, denn eS seien nur drei Stellen inebr durch Militäranwärter besetzt, als die gesetzliche Mindestzahl be- trage. Er muhte sich jedoch von Genossen Pinseler sofort an Hand der von der Verwaltung vorgelegten gedruckten Aufstellung nacb- weisen lassen, daß in der Tat von 29 Beamten nur 11 Zivil- anwärter seien. Gegen diese offenbare Bevorzugung mußten wir uns wenden. Einmal, weil den Leuten, die als Lehrlinge in die Verwaltung eintreten und oft weit über 10 Jahre am Orte tätig sind, dadurch fast jede Aussicht auf feste Anstellung genommen wird und ferner, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß die Militär anwärter nach langen Dienstjahren körperlich fast aufgebraucht hier eintreten und— wie es wiederholt der Fall gewesen ist— sehr bald wegen Krankheit u. dergl. mit UnterstichungSgesuchen an die Gemeinde herantreten. Der Bürgermeister sagte zu, sich künstig streng an die gesetzliche Mindestgrenze halten zu wollen.— Vom Genossen Frentzel wurde die Anfrage an den Gemeinde vorstand gerichtet, woher der Ortsausschuß für Jugendpflege das Recht leite, seine Veranstaltungen als amtliche Bekanntmachung zu publizieren. Herr Beigeordneter Eassebaum vertrat die Ansicht. daß der von der Gemeindevertretung eingesetzte Ortsansschuß wohl diese Berechtigung habe. Uns kann es im Grunde genommen nur recht sein, wenn von vornherein jeder Verwechselung mit der prole- tarischen Jugendbewegung durch die amtliche Kennzeichnung vor- gebeugt wird.— Die Beratung der im Elttwurf vorliegenden Ge. schästsordnung wurde der vorgerückten Zeit wegen von der Tage.-- ordnung abgesetzt, denn eine geheime Sitzung, in der unausschicb- bare Beschlüsse zu fassen waren, sollte der öffentlichen folgen. Bruchmühle. Neber die preußischen Landtagswahlrn referierte in einer am Sonntag staitgesundenen öffentlichen Wählerversammlung Genosse P. Brühl. Seine Ausführungen wurden mit großer Aufmerksam- keit entgegengenommen. Hohen- Schönhansen. Den Wahlkampf zum Abgeordnetenhaus eröffnete die Sozial« demokratie mit einer öffentlichen Wählerversammlung, in weliber Genosse P. B r ü h l über„Die preußischen Landtagswablen" referierte. Ausgehend von den Ursachen, welche da§ preußische Dreiklassenhaus geschaffen haben, schilderte er das volksfeindliche Wirken dieses Parlament» und forderte zum Schluß die Versammelten auf, nicht zu erlahmen im Kampf um ein freies Wahlrecht. Reicher Beifall lohnte dem Redner für seine Ausführungen. Genosse Lbermeyer rief die Anwesenden zu reger Tätigkeit für die Wahlen auf. damit auch der Kreis Nieder-Barnim im Abgeordnetenhaus durch die Sozialdemokratie vertreten werde. Nowawes. Tie clcltrischc Straßenbahn, deren Linienführung wegen der Eisenbahnhöherlegung vor zwei Jahren verlegt weiden mußte und die seitdem ihren Endpunkt in der Eisenbahnstraße südlich der Eisen- bahn hatte, fährt seit Ende voriger Woche durch die verlegte Berg- straße und die Lindenstraße b,S zur Weiche vor der Apotheke. Die Weilerführung bi« zum früheren Endpunkt an der Plantagenstraxe wird wohl noch geraume Zeit auf sich warten lassen, da die Jnbetrieb- nähme der übrigen Schienenstrccke erst noch Beseiligung des provisorischen Bahnhofs und Höherlegung des nördlichen Teils der Eisenbahn möglich sein wird. Die Arbeiten an dem neuen Bahnhof schreiten jetzt rüstig vorwärts. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Lichteoberg. Donnerstag, abends ö Nhr, im Rathaus«. Möllcndors. �Marieodors. Donnerstag, den 24. April, nachmittags 5 Uhr, im Rathaussitzungssaal. Kaiseriwaße. Dies« Sitzungca sind»sscntlich. Jeder Aemeindeaogehörige ist be. rechtigt, ihucn als Zuhörer beizuwohnen. �ugenäbevegung. Die neueste polizeiliche Kampfesmeth-de gegen die Arbeiterjugend. Wie an anderen Orten, so find in der letzten Zeit in Königs» b erg wiederholt Jugend-Bersammlungen aufgelöst bezw. verboten worden Am Sonntag sollte Genosse Marckwald einen völlig un-- politischen Vortrag über das Thema:„Der 17. März 1813 und der 18. März 1818" in einer Jugend-Versammlung halten. Im Vor- trag sollten lediglich geschichtliche Tatsachen und ihre Ursachen erörtert werden. Aber der Redner kam gar nicht dazu, mit dem Referat zu beginnen, denn noch ehe er das Wort ergriff. erklärte der Polizeibeamte die Versa m in lung zu einer politischen und forderte alle Personen unter 18 Jahren auf, den Saal zu verlassen. Marckwald erklärte noch, er beabsichtige keine politische Aeuherung fallen zu lassen, doch auch das half nichts. Die Jugendlichen muhten aus dem Lokale, und so fiel denn die Versammlung ins Wasser. Gerichts-Leitung. Tarlehensschwindcl. Der große Betrugsprozeß Jacobs und Genossen, der die Erste Strafkammer des Landgerichts I im Februar und März mehrere Wochen hindurch beschäftigte, hat jetzt vor derselben Strafkammer ein Nachspiel und wird wieder viele 2lage währende Verhandlungen notwendig machen. Damals konnte nur gegen S Personen verhandelt werden, die den Hauptbeschuldigten, den Geldvermittlern Fritz Jacobs und Hans Tübe, in deren betrügerischem Geschäfts- betriebe hilfreich zur Seite gestaitden haben. Und gerade diese beiden Hauptschuldigen„zierteit" damals nicht den Antlageraum, weil Tube nicht aufzufinden und Jacobs nicht verhandlungsfähig war. Inzwischen ist letzterer soweit hergestellt, daß nunmehr das Verfahren gegen ihn fortgesetzt werden kann. Seine Frau und ein Kaufmann Posner wurden am Schluß der ersten Verhandlung zu je 1 Jahr Gefängnis, die übrigen Helfershelfer zu mehr- monatigen Gefängnisstrafen verurteilt. Jacobs betrieb seinerzeit in Rirdorf ein Darlehens- und Hypothekenvermittelungsgeschäft, welches er dann nach der Reichenberger Straße verlegte. Außer- dem hatte Jacobs in der Besselstraße das„Finanzgeschäft Cito" aufgemacht. Das ganze geschäftliche Treiben des Angeklagten war ein schwindelhaftes. Es handelte sich um die Anlockung von Dar- lehens- und Hypothekensuchern durch zahlreiche Inserate, in welchen die Beschaffung von Geld versprochen wurde. Tatsächlich war es Jacobs und seinen Helfserhelfern nur darum zu tun, von den vielen Hunderten von Personen, die den allerverschiedensten Gesell- schaftsklässen angehörten und sich an ihn wandten, die ausbedun- gen Spesen für Einziehung von Auskünften usw. einzuheimsen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. In den meisten Fällen wurde die Behauptung aufgestellt, daß die— wieder von den Helfershelfern des Angeklagten ausgehenden— Auskünfte so schlecht ausgefallen seien, daß ein Tarlehen nicht gewährt werden könne. T« mehrere Hundert Zeugen zu vernehmen sind, nimmt die Verhandlung wieder eine große Ausdehnung an. Das Ergebnis werden wir mitteilen.____ Meineid der Baronesse. Ein umfangreicher Prozeß, in welchem es sich um die Becin- fluffung von Zeugen in dem Meineidsprozeß gegen den vielgenann- ten Kaufmann Hans Steinbock handelt, begann gestern unter Vor- sitz des Landgerichtsdirektors Dr. Günther vor der 1l>. Strafkammer des Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurde die Buch- halterin �qdia v. Roell und der Hypothekenvermittlcr Otto Köhler vorgeführt. Tie Anklage lautete auf versuchte Verleitung zum Meineide. Am 11. Januar d. I. fand vor dem Schwurgericht des Land- gerichts I eine Verhandlung gegen den durch seine zahlreichen zweifelhaften Gründungen von Darlehensbanken bekannten Kauf- mann Hans Steinbock statt, die mik der Verurteilung des St. wegen wissentlichen Meineides zu IM Jahren Zuchthaus endete, die er zurzeit verbüßt. In diesem Prozeß handelte es sich um die Er- örterung recht komplizierter zivilrechtlicher Fragen aus einem Zivilprozeß, der zwischen Steinbock und einem Ingenieur Anton Grünberg geschwebt hatte. In dem Zivilprozeß hatte Steinbock beschworen, daß bestimmte von Grünberg behauptete Abmachungen nicht getroffen worden seien. Diese Angabe des St. stellte sich als anwahr heraus, da sich nach der Eidesleistung ein angeblich ver- loren gegangener Schein wiederfand, aus dessen Inhalt die Un- richtigkeit hervorging. Am Tage vor der Verhandlung gegen Steinbock soll nun, wie die Anklage behauptet, die jetzige Angeklagte v. Roell, die nach der Verhafwng des St. die Rolle einer Geschäftsführerin der von Steinbock gegründeten„Berliner Zentral-Kreditgesellschaft" spielte und die Vertraute des St. war, an den Zeugen Grünberg heran- getreten sein und diesem Geld angeboten haben, damit er zugunsten ves«teinbock aussage. Grünberg ging auch zum Schein auf diese Sache ein und ließ sich sogar von der Angeklagten 300 M. in dar und einen Wechsel�über 200 M. aushändigen. In dem Schwur- gerichtsprozeß gegen Steinbock rief es große Sensation hervor, als Grünberg plötzlich damit hervortrat, daß die jetzige Angeklagte von Roell versucht habe, ihn zu einen: Meineid zugunsten des Steinbock zu verleiten. Fräulein v. Roell, die das Recht hat, den Titel „Baronesse" zu führen, wurde im Gcrichtssaal verhaftet. Das gleiche Schicksal widerfuhr den: Mitangeklagten Köhler, der sich angeblich an diesen das Licht scheuenden Manipulationen beteiligt haben sollte. ■f In der gestrigen Verhandlung bestritten die Angeklagten mit aller Entschiedenheit, sich ircndwie strafbar gemacht zu haben. Die Angeklagte v. Roell behauptete, daß sie seinerzeit der festen Ueber- zeugung gewesen war. Grünberg habe eine falsche Anzeige gegen Steinbock erstattet, und nur um ihn zu veranlassen, die Wahrheit zu sagen, habe sie das Geld gezahlt, welches Grünberg übrigens zuerst gefordert habe. Wir werden über den weiteren Verlauf und das Ergebnis der Verhandlung berichten._ Ein Raubüberfall am Kurfürstendamm beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts III. An- geklagt wegen schweren Raubes waren die 20. bezw. 18jährigen Gelegenheitsarbeiter Hermann Ulrich und Karl Peiszan. Beide Angeklagte sind ihren Eltern entlaufen und haben sich in Berlin herumgetrieben. Peiszan ist kürzlich vom Schöfscngericht Char- lottenburg wegen versuchter Erpressung zu 8 Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte seinerzeit an eine Frau Hart einen mit einem Totentopf und„Dst: schwarze Hand" unterzeichneten Brief gerichtet, ip welchem er drohte, ihr Haus in die Lust zu sprengen, wenn sie nicht sofort 300 M. unter einer Chiffre an ein Postamt in Wilmers- dors sende. In der jetzt zur Anklage stehenden Sache hatten beide Angc- klagte am Abend des 23. Oktober v. I. auf dem Kurfürstendamm die Lehrerin Ellinor Baumann überfallen und ihr eine Handtasche mit Inhalt entrissen. Vor Gericht baten die Rechtsanwälte Nübell und Zeidler, die Angeklagien, die nur ein Produkt mangelhafter Erziehung seien, nicht ins Zuchthaus zu schicken und ihnen dementsprechend noch einmal mildernde Umstände zuzubilligen.— Tic Geschworenen bejahten die Schuldfragen unter Zubilligung milde ruber Umstände. Das Urteil lautre auf 6 bezw. 8 Monate Gefängnis. Patriarchalisches Verhältnis auf dem Lande. Tie Patrimonialgerichtsbarkeit, bei der die Gutsbesitzer An- kläger und Richter in einer Person waren, ist formell beseitigt. Tatsächlich wird sie noch recht oft geübt, wie eine vor dem Schöffen- Bericht in Bötzow(Mecklenburg) dieser Tage stattgehabte Berhand- lung zeigt«. Ein 17 Jahre alter Pferdeknecht Rcnnings war an- sscklagt, den Ziegeleipächter Äenzler mit einem Pantoffel geworfen zu haben. Rennings loar damals Stellmacherlehrling auf dem »■ Plessenschen Gute. Als der Amwantvalt 15 Pf. Geldstrafe be- antragte, erklärte Rennings, daß er wegen dieses Borfalls schon von Herrn v. Plessen mit 50 M. bestraft worden stj. v. Pleffen habe 'hu gleich am nächsten Morgen als Stellmacherlehrling entlassen und ihm gesagt, die 50 M. solle Kenzlcr als Schmerzensgeld haben. Äenzler erklärte, daß er kein Schmerzensgeld erhalten habe. Die Aussagen wurden protokolliert und die Verhandlung vertagt. Da wird sich ja herausstellen, was aus den vom Lohn einbehaltenen 50 M. geworden ist. Die Einbehaltung war auch deshalb unzn- lässig, weil sie gegen das Lohnbeschlagnähmegesctz verstößt. Mus aller Weit. Wer ilt der Christ? Aus London wird uns geschrieben: Einen eigentümlichen Kontrast liefern zwei Reden, die letzten Sonntag von zwei Bischöfen der Staatskirche gehalten wurden. Die erste Rede war die des B i s ch o f S G o r e von Oxford, eines allgemein geachteten Gelehrten und Menschenfreundes. Der Bischof von Oxford hatte die seit Ostern ssteikenden Straßenbahnangestellten der Stadt Oxford zu einer Predigt in seiner Kirche eingeladen. Er sagte in seiner Predigt:„Vor einiger Zeit bildeten die Mitglieder des akademischen Senats einen Ausschuß der moralischen Zeugen. Der Ausschuß, dem ich angehöre, kam zu dem Entscheid, daß das loahre Prinzip unserer Religion, wie es im alten Testament enthalten ist, darin besteht, daß die a n st ä n d i g e B e- zahlung der Arbeit die erste Belastung der Industrie sein muß. Es ist eine Lüge, zu sagen, daß unsere Religion mit diesen Dingen nichts zu tun hat. Gibt es Menschen hier, die unter- bezahlt werden? Gibt es Heime, wo die Menschen an ihren Löhnen nicht genug haben, um sich anständig ernähren und kleiden zu können? Gibt es H�stne, wo die Löhne der Männer dadurch ergänzt werden müssen, daß die Frauen zur Arbeit gehen, wenn sie die Kinder erziehen sollten? Wenn solche Dinge vorkommen, liegt es im Interesse und ist es daS Geschäft der ganzen Gc- ineinde und der Kirche, sich darum zu kümmern, die U r s a ch e zu erfahren und danach zu trachten, daß Abhilfe geschaffen wird. Keine Bewegung in diesem Lande hat im letzten halben Jahrhundert mehr Gutes getan als die Gewerkschaftsbewegung, und im Namen Christi sollten wir jedermann auffordern, unS zu beweisen, daß es nicht im Geiste Christi ist, daß die Menschen zueinander halten. Ich fordere Euch auf, der Bewegung treu zu bleibe il und sie zu stärken." Und nun zu der anderen Rede. Sie wurde gehalten von dem Bischof von Peterborough, einem der reichsten englischen Prälaten, der mit der Aristokratie verschwägert und verschwistert ist. Er sprach in der Westminster Abtei in London über Sankt Georg, den Schutzheiligen Englands, und leistete sich einige bissige AuSsälle gegen die„atheistischen Sozialisten" und „kleinen Engländer"(so nennen die englischen Chauvinisteil die- jenigen ihrer LandSleute, die von imperialistischen Abenteuern nichts wissen wollen). Er sprach von dem materialistischen Zeitalter(und das ein Mann, der jährlich 00 000 Mark zu ver» zehren hat!) und von der Klaffe, die man„fälschlich als Arbeiter- klaffe bezeichnet". Den Arbeitern warf er vor, daß sie sich mehr um ihre Löhne kümmerten als um den Ursprung dieser Löhne, und er sang ein Loblied auf den Militarismus und die von Lord Roberts eingeleitete Bewegung. Die Predigt wird niemand in Erstaunen versetzen, der erfährt, daß die Lieblingsbeschäftigungen dieses Gottesgelahrten Fischen, Reiten und Automobilfahren find. Tic Opiumhöhleu in Frankreich. Der„Matin" veröffentlicht einen langen Bericht, in dem be- hmiptet wird, daß das Opiumrauchen in allen franzö- fischen Kriegshäfen, aber ganz besonders in den Häfen des MittelmeerS, so überhand genommen habe, daß dieses Laster geradezu eine nationale Gefahr geworden sei. So beständen in Toulon allein nicht weniger als 163 Opium- kneipen. Das bemerkenswerteste sei, daß das Opium zum großen Teil aus den staatlichen Fabriken in Jndochina stamme, welche aus der Erzeugung dieses Betäubungsmittels einen jährlichen Stutzen von IVVz Millionen Frank zögen. Dabei werde Opium noch massenhaft heimlich erzeugt und namentlich nach Marseille eingeschmuggelt. In Jndochina habe der Opiumgenuß in unglaublicher Weise zugenommen. Der ehemalig« Deputierte und Marineminister de Lanessan habe seinerzeit als Generalgouverneur dieser Kolonie den kommandierenden General beauftragt, alle Opiumraucher nach Frankreich zurückzuschicken. Der General gab darauf zur Antwort: WaS Sie da von mir verlangen, ist gleichbedeutend mit der Räumung der Kolonie. Kleine Notizen. Schweres Bootsunglnck. In Cuxhaven kenterte Dienstag früh ein Boot der Hanseatischen Baugesellschaft mit sieben Insassen, die sich zu ihrer Arbeitsstätte begeben wollten. Zwei Mann retteten sich durch Schwimmen, die fünf anderen er- tranken. Der„Imperator" festgefahren. Der neue Dampfer der A Park Si Amerika-Lime„Imperator", der Dienstag früh nach der Unterelbe auslaufen sollte, ist bei Altona auf Grund geraten. Abends gegen 6 Uhr mit Eintritt der Flut konnte der Riesendampfer los- kommen und seine Fahrt fortsetzen. Bauunglück. In dem im Umbau begriffenen Tunnel bei Blankenheim der Strecke Halle-Kassel ist Dienstagvormittag ein G e r ü st eingestürzt. Drei Arbeiter sind schwer- verletzt inS Krankenhaus nach Sangerhausen gebracht worden. Schreckenstat emes Wahnsinnige». In Marseille durchschnitt der Dolmetscher Jean Togeola seiner Frau und seinen drei Töchtern die Kehle und tötete sich dann selbst durch einen Rcvolverichuß. Die Tat ist jedenfalls in geistiger Umnachtung ver- übt worden, denn T. war früher bereits einmal wegen eines Wahn- sinnsanfallS in einer Irrenanstalt interniert gewesen. ßriefkaften der Redahtfon. Die{urifUfdie Spreaftimde fiuoct Linden st raße K9, Boen vier Treppe» — F ap r st n» l—, wochcnsti glich von 4>.z bis Uhr abends, Sonnabend», von i'-i bis 6 ilbr abends»all. Jeder für dea Brtestaste» besammlen Anfrage ist ein Bnchsiabe and etne Zahl als Merkzeichen bitzllfüg-n. Briefliche«niwott wird aichl erteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSgnttMng beigefügt ist, i>crd-a nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man t» der Sprechstunde vor. Guckt. Wir nennen Ihnen die Offenbacher Fraucnkasse, Prinzen- striche 66 IV.— DJ. 100. Warum denn nicht?— F. B. SS4. Wenden Sie sich an die Stijtunqsdeputation des Magistrats, Poftstraße 16.— O. G. 4. 1893.— Elberfeld. Krupvstr.«7. Die General kommiifion der Gewerkschaften Deutschlands, Berlin SO, Engeluser 15.— Luftspurt �5. Bäder am Müggelsee, Wannsec. Sonst siebe Adreßbuch.— H B. 73. Beschwerde bei der Oberpustdirewon Berlin C. Köniastrake.— C. K. 65.' Die Zentrattummisfion"der Krankenkassen, Alexander slraße 39—10, wird Ihnen aus Ihre Ansrage gern raten. — Wurche. 1. Den Klub kennen wir nicht. 2. Sagen Sie uns, w welchem Zusammenhang das Wort genannt wird.— E. G. 13. Königswasser löst Gold und Platin aus. Wie aber das Metall zurückerhalten werden kann, müssen Sie schon einen Cbemiker sragen.—®. 1. Im Ministerium für öffentliche Arbeiten, Wilheimstr. 79(Zentralbureau). er. halten Sie gewiß Auskunft.— P. N. 125. In einem Tops mit Kleie, etwas Mohrrübe, wollenem Lappen, zugebunden und warm ausbewahren.— BSasserftands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau t)+ bedeutet Wuchs.— Fall.— � Unterbegcl. Ortskrankenimssk des Maurergeiverbes zn Serlm. C 54, Sophienstraße 6. Einladung zu der am Dienstag, de» 29. April 1313, abends 8 Uhr, im Gewerk- schaftshansc, Engelufer 15, Saal 3, stattsindende« Etileralversammlukg der Vertreter der Kassenmitglieder und Arbeitgeber. Tagesordnung: 1. Vorlegung des Verwaltungsberichls und Rechnungsabschlusses pro 1912. 2. Bericht des Rechnungsprüsungs- ausschusses und Beschlußfassung über die Abnahme der JahreSrcchnung. 3. Antrag aus Bewilligung einer Ent> schädigung für die Kassenmitglieder des Rcchnungsprüsungsausfchusscs. 1. Beschlußfassung über die für die Kasse ausgearbeiteten Statuten nach der Reichsoersicherungs-Ord- nuiig unter Berücksichtigung der Bestimiiiuiigen für besondere Orts- Irankenkassen. 5. Verschiedene Mitteilungen. Falls die Tagesordnung am LS. April er. nicht erledigt wer- den kann, findet die Furtsetmng der Generalversammlung am Freitag, den 2. Mai 1913, abends 8 Uhr, im selben Lokal statt. 507b Berlin, den 22. April 1913. Der Vorstand der Ortskranken- kaffe des MaurergcwerbeS zn Berlin. G. L e m p s u h I, A. D a e h n e, Schriftführer. Vorsitzender. hladsn Sie öloft? Ich fertige davon Anzug od. P Hie tot nach Mass, schick, Soaerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laban di Neue Promenade 8, II.(Stadtb.>Börs.) y H.Pfau, Migia ®c!,ln Direksenstrafie 20 zwischen Bahnhos illexandervlatz und Polizeipräsidium.— Amt Ksd. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkasse». Buctihandlung Vorwärts = Lindensir. 69, Laden=s= Neuerscheimmgcn; Die VeMüM-NuM liir Den preiiseiieo Staat Mit Einleitung und kurzen An» merkungen von Emil Klchlior». Preis 30 Pfennig. flrer teil das ptfisele ßesüiiiereeiit im Geltungsbereiche der Ge- sindeorduung vom 8. November 1810. Preis 30 Pfennig. Ein gewisfenhafler Mensch wartet nicht, bis er sich eine Krankheit zugezogen hat. oder läßt eine lolche nicht erst»Inwurzein, sond-rn beugt weile vor, Indem er von Zoll m Zeit— I am wirlüngSvoUslen tm ffrühjahr— eine grünoltche Biulreir.fgnng vornimmt. I denn gesundes(Blut Ist die Grundlage der Lebenskraft. schtechlcS Blut da- I gegen daS Grundllbei vteler Krankheiten. Ein aiterorobtes, vollkommen I natürliches und durch ieine hohe WirlungSIrafi rühmlichst bekanntes, retitiiches BiulverdesserungSmiUel zur Auffrischung des Biuies u. Läuterung de>,-äste Ist UiB-i- reinigi das B!u! SS I Stoffwechfei anregenden und adicitenden Eigenfchaflei, die ffähigkeil. die Nu! I reiniglciten ausscheidende Nierentäligleii zu beschieuntgeu und aus den ganzen Menschen erieichiernd, gleichsam erneuernd«inzuwillen. Tiescs. wahre und I reelle Naiurmiiiel kann bei allen vollem Vertrauen genommen Ivon unreinem Blute herrüh. Ii! 1 1 werden und hat'(chvn vielen I renden Gesundheitsstörungen VI»»» Tausenden geholfe/i. wie du-ch I glänzende HeUerfoige und deS Lobes voll»»anksagungtm glaubhaft I erwiese» ist. Man versuche es aber selbst einmal am eigen in Leibe und I wird den überaus wohltätigen Elnstub aus die inneren Orgo/re bald wahr- nehmen. 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