Ur.»S. Hbonntmcnfs-Bedingungcn: Bbnnncmcnlä, Prns vränumcrnnd»: Lirrtcljährl. Z,Z0 Mk, �>o,iall. 1,10 Mk, wöchkntlich 28 Pfg. frei ins HanZ. Iriiizcliic Nuuimcr 5 Pfg. Sonntag�. nmnmct mit iHiifttietlct Sonnlagö- Scilagc.Die Neue Well' 10 Pfg. Posl. «iionnement: 1.10 Marl pro Monat. eingetragen m die Post-Aeitung�. Vreisliste. Unter Kreuzband für T cutsibland und Oesterreich< Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mari pro Monat. Poslabonnements nebmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Atalien. Luxemburg. Portugal, Nuttiänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. vlchelil tsgNch. Vevlinev Volksblstk. die Insertion!-Lebilhi' NefrZgt für die scchsgcspaltene Kolonel» »eile oder deren Raum«0 Psg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versaunnlungs. Anzeige» 30 Pkg. »Ateine Zsnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 setlgedruikle Worte?, jedes weitere Wort 10 Psg. Ctellenaesuchc und Cchlasstellenan- zeigen das erste Wort 1» Psg., jedes weitere Worts Psg. Worte über 15 Puch- flaben zählcii für zwei Worte. Jnseraie für die nächste Nummer nlügen bis l» Uhr nachmittags in. der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Delegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Rerllg". Zcntralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands. Redaktion: 8 Tl. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Bioritzplatz. Nr. 198». Freitag, den A3. April 1013. Expedition: 8TL 68, Lindenatraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1381. ig. Sestel'i'eich! Ja, leben wir denn in einem Tollhaus? WaS ist denn geschehen, daß der Friede bedroht sein, daß ein Weltkrieg aus- brechen sollte? Tic Montenegriner haben Skutari erobert! Und wenn schon? Man lasse sich doch nicht durch nichtsnutzige Phrasen das Gehirn benebeln, nicht durch das aufgeregte Getue dummer Sensationsjournalistcn die Ruhe rauben. Das fehlte ja wirklich noch, daß über die hochwichtige Angelegenheit, ob dieser armselige zusammengeschossene Trümmerhaufen montenegrinisch oder albanisch werde, auch nur e i n Blutstropfen mehr vergossen würde. Es gibt nichts, was für die europäischen Völker- gleich gültiger wäre als. Skutari. Hat denn irgend jemand auch nur den geringsten Grund gehört, warum dieses Nest nicht montenegrinisch werden darf? Weil die Majorität seiner Einwohner albanisch ist? Selbst wenn dies richtig wäre, tvann hat man sich in diesem Kriege, der längst zu einem blutigen Eroberungszuge geworden ist. um das Ztationalitäts- Prinzip gekümmert? Und jetzt sollen große Nationen ins Ver- derben gestürzt werden, weil es in Oesterreich, dessen Existenz die dauernde Vergewaltigung des Nationalitätsprinzips be- deutet, den Machthabern gefällt, die Heiligkeit der albanischen Nationalität zu Proklamieren? Aus Wien wird telegraphiert und die deutsche Presse druckt eS gläubig nach, in Oesterreich fei die öffentliche Mei- nung aufs. äußerste erregt und fordere energische Maßnahnien. Und die„Vossische Zeitung", die noch an demselben Tage, als der infame Prochaska-Schlvindel entlarvt wurde, die Ermordung des Konsuls verkündete und nach Sühne gerufen hatte, bringt auch jetzt wieder, entgegen den Interessen des deutschen Volkes, einen Brandartikcl um den andern. Lug und Trug! Zivio und Slava, hallt es in Agram und Prag durch die Straßen, und die österreichische Polizei hat alle Hände voll zu tun, um die Fahnen von den Häusern herabzuholen,, die Verstimm- lungen aufzulösen, die Demonstrationen auseinanderzusprengen, die die Freude der österreichischen Slawen über die„Nieder- läge" der österreichischen Diplomatie bekunden. Und die Deutschen in Oesterreich? Taufende Deutsche sollen auf die Schlachtbank geführt werden, um ein elendes Städtchen den Montenegrinern zu entreißen und den Albanern zu ver- schaffen. Das svll ein Hochziel deutschnationaler Politik sein? Deshalb sollen vielleicht noch unsere Arbeiter hin- ausziehen für Kaiser und Reich, für Skutari und Albanien, für den klerikalen Thronfolger Oesterreichs und den vorläufig noch anonymen König von Albanien? Die österreichische Erregung wird in den Nedaktionsstuben der Wiener Zeitungen fabriziert, die mit Ausnahme der „Arbeiter-Zeitung" samt und sonders vom Ballplatz abhängig sind und von den Wiener Korrespondenten deutscher Zeitungen, die vom Ballplatz und zum Teil auch von der Deutschen Botschaft in Wien, die nicht i m m c r s 0 tv i l l, w i c es die vernünftigere Politik der Berliner Zentrale es erfordert, ihre Informationen empfangen. In Wirklichkeit ist es außer der offiziösen nur eine ganz kleine Schar von gewissenlosen Schreiern, die in diesem allcrncucstcn österreichischen Patriotismus machen, vor dessen Folgen die Völker Oesterreichs— Deutsche und Slawen— um alles in der Welt aber verschont bleiben wollen. Und von dieser Politik darf sich die deutsche um keinen Preis ins Schcpptau nehmen lassen. Die europäischen Mächte haben die Zugehörigkeit Skutaris zu Albanien proklamiert. Die österreichische Re- gierung fordert ungestüm, daß dieser Beschluß Montenegro aufgezwungen werde. Die Zugehörigkeit Skutaris ist gleich- gültig: nicht gleichgültig aber ist der Friede Europas. Und der wird durch jede llebercilung, durch jedes gewaltsame Vorgehen, durch jede separate Aktion einer einzelnen Macht nur gefährdet. Was jetzt nötig ist, ist Zeit, Zeit zum Ver- handeln, Zeit, um die Grundzüge einer geni eins amen Aktion zu finden. Tic darf durch Oesterreich nicht gestört werden, ebensowenig wie durch ein Abspringen Rußlands. Bleiben die europäischen Mächte einig, so ist die Skutarifragc ungefährlich. Gefahren beschwört diejenige Macht herauf, die wird zum Friedensstörer, die jetzt auf eigene Faust sich bon den anderen trennt. Die Pflicht der Regierungen � und mit in erster Linie der deutschen— ist es jetzt, solche Separataktion, deren Anfang oder deren Ende man nicht kennt, zu verhindern. Die forderungen Oesterreichs. London, 2t. April. Tas Renterschc Bureau erfährt: �ie Z i r k u l a r n 0 t e O e it e r r e 1 ch- u � �(i x it a an die Mächte besagt: Oesterreich-llngarn kau» es nicht ge- K» t t e n, daß die Lage, die durch den Einzug der Monte- ilegriner i« Skutari geschaffe»»st, jo bleibt, wir sie ist, da das Prestige der Mächte verletzt worden ist. So lädt Oester- rcich-Ungarn die Mächte ein, einen Entschluß zu soffen über die S ch r i t t r, die zur Wiederherstellung des Prestiges unternommen werden sollen. Ocstcrreich-Ungarn erklärt, falls die Mächte einen schnellen Entschluß nicht fassen könnten, so würde es gezwungen sein, selb st Sicherheiten dafür zu schaffen, daß die Entscheidungen der Mächte r c- spcktiert werden und daß Montenegro Skutari räumt. Gut unterrichtete österreichische Kreise halten die Lage nicht für gefährlich. Man erklärt, daß es sich nicht um eine rein österreichische Frage handele. Tie Entscheidung, welche ganz Europa hinsichtlich Skutaris getroffen hat, ist Montenegro in aller Form mitgeteilt worden; die Schiffe sind entsandt worden, vermutlich doch, um dieser Entscheidung der Mächte Achtung zu verschaffen. Man betont, daß die so ernst erwogenen Bcschlüffe Europas nicht durch einen Akt Montenegros abgeändert werden können, welcher diese Bc- schlüffc direkt verletzt. Ter österreichische Gesichtspunkt ist der, daß es die erste Sorge Europas ist, die Räum u n g Skutaris ohne Verzug durchzusetzen. Tie Fragen betreffend das Angebot einer Kompensation für Montenegro können später besprochen werden. Tic österreichische Note war bis Mitternacht in London nicht bekannt; der Premierminister Asquith hatte noch keine Kenntnis von derselben, als er auf dem Bankett der ausländischen Preffcvereinigung sprach. Zusammentritt der Botschafter. Wien, 24. April. Nach den an hiesiger zuständiger Stelle aus Cctinje eingetroffenen Nachrichten soll König Nikolaus fest entschloffen sein, Skutari nicht zu räumen. Nachdem Oesterreich-llngarn den Mächten seine Vorschläge be- zäglich Skutaris mitgeteilt hat, ist bereits für Freitag eine Sitzung der Botschafterreunion in London anberaumt worden, damit im Sinne de? Vlorschlages deS Wiener Kabinetts die Entscheidung der Mächte in kür- z e st c r Frist erfolgen möge. Tie Botschaftcnvcrcinigung in London hat gestern einstimmig beschlossen, den Regierungen vorzuschlagen, es sei Montenegro aufzufordern, Skutari unverzüglich zu räumen. Die Auffassung in England. London, 24. April. Tic offiziöse„W c st m i n st c r Gazette" schreibt: Tie Verbündeten hoben grundsätzlich die Vcrmitteluug der Mächte ongenomnien. Tie Vermitte- lung kann nur auf einer Abgrenzung Albaniens, die Skutari einschließt, basiert werden. Wenn König Nikolaus auf Skutari bestehen sollte, würde er nicht Jpek, und Serbien nicht Djakowa bekommen, und Oesterreich würde vielleicht den S a n d s ch a k N 0 v i b a z a r wieder besetzen. Tie Mächte sind demnach nicht ohne Hilfsmittel. Wenn sie z u s a in in e n- halten, werden sie ihr Z i c l 0 h n c g r 0 ß e S ch w i c.r i g- leiten erreichen, aber die Lage duldet keinen weiteren A u f s ch 11 b. Natürlich wären wir der A n w e n d 11 n g v 0 n Gewalt gegen Montenegro äußerst abgeneigt, aber das Ansehen Europas steht auf dem Spiele. Wenn König Nikolaus den Mächten erfolgreich Trotz bietet, douii müßten wir für diese Generation auf jede weitere Kooperation zur Erhaltung des Friedens verzichten. Eine Rede des englischen Ministerpräsidenten. London, 24. April. Bei einem Bankett des Vereins der Aus- wärtigen Journalisten hielt Premierminister Asquith eine Rede, in der er unter anderem sagte: Die Großmächte, von denen mehr als eine bei der Umwälzung des alten Regimes in der Tstrkei stark und direkt interessiert ist, haben gemeinsam für einen ehren- vollen Frieden untereinander gawirkt und soweit erfolgreich gewirkt. Ihre Vcrmitie'.iing ist, wie wir hoffen, jetzt wenigstens im Prinzip von den kriegführenden Parteien angenonimen worden. Ich sage nicht, daß nicht schwierige Punkte auftauchen könnten— und ein solcher Punkt steht heute sehr augenfällig vor uns— Punkte, die auch jetzt noch der- selben Eigenschaft der Nachsicht, der gegenseitigen Ver- ständigung und Anpassung und der Bereitwilligkeit bc- dürfen, spezielle Interessen und Empfindlichkeiten dem beherrschen- den Ziele der gemeinsamen Erreichung eines daucr- haften Frieden? unterzuordnen, und ich denke, wir können ohne übertriebenen Optimismus hoffen, daß früher oder später, ober lieber früher als später, wir das Ziel er- reichen werden, nach dem wir so lange und so mühevoll gestrebt haben. Die„Times" schreiben: Die Mächte, einschließlich Ruß- l a n d s und besonders auch Englands haben in bemerkenswert gutem Glauben gegen Oesterreich-llngarn gehandelt. Oester- rcich. Ungarn darf sich darauf verlaffen, daß die Mächte es auch in der Frage von Skutari tun werden. Die Haltung Eng- lands bleibt selbstverständlich dieselbe, wie sie nach den Erklärungen von Sir Edward Grey ist. Wir sind mit den anderen Mächten übereingekommen, daß ein autonomes Albanien bestehen soll, zu dem Skuiari gehört. Wir beabsichtigen, an diesem Ab- kommen festzuhalten. Europa wird die Mittel finden, um sein wohlüberlegtes und einstimmiges Urteil gegen olle, die ihm widerstreben möchten, durchzusetzeit Ter unbeugsame König. Wien, 24. April. Tic„Südslawische Korrespondenz" meldet aus Ce t i n j e: Der König, welcher von einer jubelnden Men< schenmenge vor dem Konak gefeiert wurde, sagte in einer An- spräche: Die großen Opfer, die das Land für Skutari gc- bracht hat, sind nicht umsonst gebrächt worden. Skutari sei vonheuteab montenegrinisch. Der endliche Besitz dieser Stadt werde dem Lande zu neuer Blüte verhelfen. Den ihn bc- glückwünschendcn Gesandten der Balkanstaatcn erklärte der König, der Fall Skutaris habe eine neue Situation geschaffen, mit der man überall werde rechnen müssen. Tie Begeisterung des ganzen Laädes über die Einnahme sei ebenso tiefgehend, als cS die Erschütterung sein werde, wenn man daran denken sollte, Skutari Montenegro wieder abzunehmen. Niemand könne heute in Montenegro wagen, diesen Gedanken auszusprechen. Weder die Regierung noch der König würden beim Volke Gehör finden. Wenn Europa noch immer daran denken sollte, Skutari, für das Montenegro fast verblutete, ihm neuerlich zu entreißen, werde Europa auch die Aufgabe haben, diese Operation selbst durchzuführen. Wiener Stimmiingsniackie. Wien, 24. April. Sämtliche Blätter befassen sich mit der durch/ die Besetzung Skutaris geschaffenen Lage und verlangen von der Regierung sofortige energische Maßnahmen gegen Montenegro, entweder mit oder ohne Europa. Das offiziöse „F r e m d e n b l a t t" gibt sich der bestimmten Erwartung hin, daß sich Europa nunmehr endlich entschließen werde, nach dem Versagen der bisherigen Maßnahmen auch schärfere Mittel anzu- wenden, um die Verletzung des Presiige wieder gut zu mächen und den Widerstand Montenegros zu brechen. Südslawische Kundgebungen.� Wien, 24. April.(P r i v a t t e l e g r a ni m d e s„Vor- wärt§".) In D a l m a t i e 11 hat eine wahre Verfolgungs- ära gegen alle großslawischen Sympathiekundgebungen ein- gesetzt. Es wurden Professoren wegen Herausgabe einer Gedichtsammlung des Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung angeklagt, wegen Teilnahme an Versammlungen diszipliniert, ein Advokat wurde wegen Hochverrots in Untersuchung gezogen und gleichzeitig von der Advokatur enthoben. Ein Staatsanwalt, der sich weigerte, gegen einen Notar Anklage zu erheben, wurde seines Anites entsetzt, ebenso der Notar selbst. In R a g u s a wurde eine Reihe jüngerer Leute unter Polizeianssicht gestellt; dabei hat die Militärverwaltung in Dalmatien ihre Herrschaft so rücksichtslos eingerichtet, daß die Gemeinden sich mit einem Notschrei an die Zivilregierung des Landes gewendet haben. Tschechische Tmcnostrationen. Prag, 23. April. Eine von den Tschechisch-Radikalcn heute cincberufcne Versammlung zur Feier des Falles von Skutari wurde polizeilich verboten. Mehrere hundert Teil- nchmer wurden von der Wache zerstreut. Es fanden daran an» schließend Umzüge durch die Hauptstraßen und die Vorstadt Weinberge statt unter Hochrufen auf Montenegro nnd Absingen allslawischcr Lieder. Ein Abgeordneter versuchte wieder» holt, Ansprachen an die Menge zu halten, wurde aber von der Polizei verhindert. Mehrere Ansammlungen wurden zerstreut und ungefähr dreißigVcrhaftungcn vorgenommen. Die Waffenruhe. Konstantinoprl, 24. April. Amtlich wird gemeldet, daß die Waffenruhe zwischen den Türken und B u l- garen unter den bereits geltenden Bedingungen bis zum 4. Mai mittags verlängert worden ist. vgz ende des Gcncralltreihs. Brüssel, 24. April.(Privattelegranini d c s„V 0 r- wärt s"). Ter außerordentliche Parteitag ist heute ziisamnicngetretcn und hat die bereits gestern mitgc- teilte Resolution des Streikkomitees angenommen. Die grau- diosc Manifestation des belgischen Proletariats ist zu Ende. Einmütig und geschlossen wie sie in den Kampf gegangen. werden Belgiens Proletarier die Arbeit wieder aufnehmen, bereit, wenn es sein muß, die scharfe Waffe, die sie heute niederlegen, wieder anzuwenden A n s c e I e referierte und empfahl die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit, da die Fortführung des Streiks keinen größeren Erfolg als den bereits er- reichten verspräche. Einige Redner sprachen für die Fortsetzung des Streiks, die gestern auch von den Versammlungen in dein Borinage gefordert worden war. Andere forderten eine radikalere Fassung der Resolution und kritisierten, daß der Kongreß nicht schon vor der Dienstagssitzung der Kammer einberufen wurde. Alle erklärten aber eine einmütige Durchführung des Kongreßbeschlusses fiir notwendig. Vanderveldc und MMst r e e verteidigten die Haltung der Fraktion und des Streikkomitees. Sie legten die politischen und moralischen Errungenschaften des Generalstreiks dar, der sich als Kampfmittel beivährt habe. Vanderveldc sprach sehr wirkungsvoll. Er betonte. man solle s i c g c s f r 0 h an die Arbeit zurückkehren. Der Stocf des TkreM, M« BerfassungSredision* auf parlamentarischem Wege zu eröffnen, sei durch die Bildung einer Kom- Mission erreicht. Und noch wichtiger als der Parlamentarische Erfolg sei der Eindruck, den der imposante und friedliche Streik auf die öffentliche Meinung ausgeübt hat und seine besondere Bedeutung für die Machtbildung und das Klassenbewußtsein der Arbeiterschaft. Also stecken wir den Degen wiederum mit Ehren in die Scheide, um ihn, sobald es nötig ist, wieder hervorzuziehen.— Genosse D e st r S e sprach im Schlußwort in demselben Sinne und feierte die Solidarität und Disziplin, die die Arbeiter gezeigt haben. Die Abstimmung ergab bei 1200 Teilnehmern Vierfünftelmehrheit für die Wiederauf- nähme der Arbeit. Darauf schloß der Vorsitzende Furnemont den Kongreß mit der Aufforderung zu weiterem einigen Kampf. Morgen wird die Arbeit wieder aufgenommen werden. wenig nach der Bibel richten und wissen, was die Linke tu t't »läßt drum seine Rechte nicht llschtrSgllche; zum Krupp-Krad). Uns wird geschrieben: Der wuchtige Angriff Liebknechts im Reichstage gegen die Vcschäftspatrioten wird ja wohl seine Folgen haben— hoffentlich recht bald—> und so dürften schon jetzt einige weitere Randglossen zu der Geschichte nicht unwillkommen sein. Die Kruppsche«Werksleitung" läßt also durch das Wolfffche Bureau erklären, daß sie die Verfehlungen ihres Untcrbeamten «selbstverständlich mißbillige". Hat die Werksleitung aber auch erklärt, daß sie diese Verfehlungen nicht gekannt habe? Die Werks- leitung?> Wer ist denn dieses geheimnisvolle Etwas? Nun, eine Gesellschaft von ein paar Dutzend Köpfen: Direktoren, stellvertre- tcndcn Direktoren, Direktoriumsassistenten, Prokuristen, und wie sie alle heißen mögen, von denen jeder sein eigenes Arbeitsgebiet hat, das gegen das seiner Mitköpfe scharf abgegrenzt ist. Der eine macht Kanonen, der andere Eisenbahnräder, der dritte verkauft die Kanonen» der vierte die Räder, andere tun anderes und einer schwebt über dem Ganzen. So ist also nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich, daß von der großen Zahl die Hälfte oder noch mehr tatsächlich von den Bestechungen, die der Berliner Beamte beging, nichts wußten. Da aber bei Krupp zwei Dcrechtigle zusammen eine rechtsgültige Unterschrift abgeben können, so ist eine Erklärung, daß die«Firm a" Krupp ahnungslos wie ein Lamm gewesen sei, tatsächlich leicht gemacht. Und doch muß irgendwo eine verantwortliche, leitende Person- lichkeit gewesen sein, die von den Geheimberichten Brands über das Konkurrenzmaterial Kenntnis gehabt hat. Versetzen wir uns einmal in die Lage eines solchen Unterbeamten, wie Brand es gewesen sein soll, bei irgend einer Fabrik. Sein dienstlicher Ver- kehr mit Behörden läßt ihn die Möglichkeit erkennen, Einblick in geheime, für seine Firma wertvolle Akten der Behörde zu gewinnen. Selbstverständlich reicht sein Gehalt nicht aus, um Schmiergelder davokr abzugeben, das brauchte die Firma gar nicht erst in den Zeitungen zu erklären. Es würde diesem Beamten, bei aller Liebe für seine Firma, natürlich auch gar nicht einfallen, auch nur einen Pfennig seines kargen Gehalts auf Nimmerwiedersehen für die Mllionengesellschaft zu opfern. Aber wie macht es denn in solchen Fällen ein geschulter Beamter? Nun, er legt den kleinen Betrag, dessen eS im einzelnen Fall bedarf, zunächst aus seiner Tasche vor. Ist zufällig Ebbe darin und die Sache dringlich, so läßt er sich .Vorschuß geben, was leicht zu machen ist. Er braucht nur zu einem der„zuständigen" Interessenten zu gehen, erzählt diesem von seinem Plan, der setzt seine Unterschrift auf die Vorschuß- quittung, worauf die Kasse jeden Betrag sofort auszahlt. Hat der Mann dann seine Geheimnisse ergattert, so läuft er damit freude- strahlend wieder zu seinem«Zuständigen" und präsentiert ihm zugleich ein ausgefülltes Formular, worin er etwa noch vorhandene ?luslagcn für„Repräsentationszwecke" oder.Reisen"„liquidiert". Diese«Liquidation" muß nun wieder von einem«Zuständigen" beglaubigt sein, da sonst die Kasse keinen Pfennig zurückerstattet. Solche Untcrschriftsberechtigung hat noch lange nicht jeder höhere Beamte, man muß dazu schon ein wirklicher höherer" sein, von wo es bis zur„Werkslcitung" nicht mehr weit zu sein pflegt. Sollte also die gerichtliche Untersuchung in einem solchen Falle ergeben, daß der betreffende Untcrboamte Schmierbcträge— es brauchen gar nicht einmal sehr hohe zu sein— wirklich ausgegeben hat, dann steht ebenso unerschütterlich fest, daß irgendwo ein„Ver- antwortlichcr" darum gewußt, d«c Gelder angewiesen und— i geschwiegen hatl Selbstverständlich wird in jeder Fabrik alles geheime Material über Konstruktionen der Konkurrenz, das man erschlichen hat, recht ausgiebig verwertet. Solche interessante Sächelchcn läßt man sich doch nicht entgehen! Man gibt doch nicht das Schmiergeld aus, um dann den kostbaren Schatz unbesehen im Schrank irgend eines Herrn v. T. zu vergraben! Die Stücke zirkulieren, natürlich„streng vertraulich", bei den Chefs aller in Betracht kommenden Konstruk- tionsabteilungen; da werden sie bcäugelt und bekrittelt, mit dem Vergrößerungsglas besehen, nachgerechnet und— nachgeahmt. Sollte also die gerichtliche Untersuchung in einem solchen Falle ergeben, daß ein„unterer" Fabrikbcamter sich fremde Konstruk- tionsgcheimnissc zu verschaffen gewußt hat, dann ist ebenso uner- schüttcrlich, daß auch irgend ein.Höherer" darum gewußt und— geschwiegen hat! Von größter Wichtigkeit ist bei jeder Fabrik das Bureau, wo die Berkaufspreise festgesetzt oder— bei Krupp— dem deutschen Volke diktiert werden. Von diesen Preisen hängt der Profit der Gesellschaft ob, und es ist in der Regel ein«Leitender", der diese Preise macht. In derartigen Preisbureaus auf großen Fabriken ist man hinter jeder Preisangabe der Konkurrenz her, wie der Teufel hinter einer armen Seele. Sollte also die gerichtliche Untersuchung in einem solchen Falle ergeben, daß ein„Unterbeamter" durch Bestechung sich Preis- angebote der Konkurrenz verschafft hat, dann ist ebenso unerschütter- lich, daß irgend ein besonders hoher„Verantwortlicher" gerade diese Gchcimakten sehr gündlich durchgesehen, mit seinen eigenen Listen verglichen und— geschwiegen hat! Aus dem Charakter der erschlichenen Dokumente werden also die Richter stets folgern können, in welcher Richtung sie nachzu- forschen haben. Handelt es sich um militärische Geheimnisse, so brauchen sie natürlich nicht erst lange vor der Abteilungstür an- zuklopfen, wo die Eiscnbahnräder gemacht werden. Die da drinnen fitzen, die wissen„selbstverständlich" nichts. Es wird Sache der Oeffentlichkeit und des Reichstages bor allem sein, darüber zu wachen, daß die Richter ihre Schuldigkeit tun und vor keiner noch so vernehmen Türe Halt machen! �"f® Tie„Firma" Krupp aber mag getrost weiter erklären, daß sie„die Verfehlungen ihres Untcrbeamten selbstverständlich miß- billige", und die Direktoren A. und B. können weiter ableugnen, was im Ressort ihrer Kollegen F. und Z. vorgekommen ist. Da man dem Volle die Religion erhalten will, muß man sich selbst ein Im Ableugnen gestehen fiel � Herr Geheimrat Hugenberg, Vorsitzender des Direck toriums der Aktiengesellschaft Krupp, früher im preußischen Finanzministerium(es gehört zü den sehr pfiffigen Gewöhn- heiten dieser Firnia, sich frühere hohe Staatsbeamte zu mieten), hat einem Vertreter der„Kölnischen Zeitung" sein Herz ausgeschüttet, und Wolffs Telegraphenbureau beeilt sich natürlich, diese Erklärungen weiterzuverbreiten. Und was sagt der Herr? Er verrät zunächst seine Wut über Liebknecht, spricht von einer Hypnotisierung der öffentlichen Meinung, um schließlich zu erklären: „Man legt in der Presse mit Recht auf die Tatsache Wert. daß die öffentliche Meinung schon bei der Nachricht Mißbehagen cmpsindet, daß die Firma Krupp sich von ihrer Berliner Vertretung Geheimberichte erstatten läßt, ein Wort, an das sich neben anderen Vorstellungen überall leicht die der Gefährdung der Sicherheit des Reiches und dergleichen anschließt. Ja— da mutz ich nun sagen: Wenn man sich etwas näher in die Eigenart unseres Essener Betriebes versetzt, so müssen diese Vorstellungen bald verblassen. Dutzende von verschlossenen Briefumschlägen, die Geheimberichte enthalten, werden uns täglich auf den �Tisch gelegt.— Geheimberichte sind unser täglich Brot, und da / alle inländischen Bewaffnungsfragen als geheim gelten, kann ver- nünftigerweise niemand etwas dabei finden, wenn auch die frag- liehen Berliner Berichte Geheimberichte waren." Dns ist alles! Man glaubt im ersten Moment an einen schlechten Witzl Also bei Krupp sind viele Geheim- berichte, also... also kann sich offenbar die Firma auch durch Bestechungen von Beamten Geheimberichte, die nicht für sie, sondern für die Heeresverwaltung allein bestimmt sind, verschaffen? Oder was will der Mann sonst sagen? Er hat eben nichts zu sagen und sein hilfloses Stammeln verrät nur heillose Verlegenheit der Firma. Veteranen-„fiirlorge". Die gekündigte Nordd. Allg. Ztg." teilt mit, daß der an- I Gesetzentwurf über die Gewährung von Veteranenbeihilfen vom Bundesrat an- genommen worden sei. Die Vorlage sieht eine Erhöhung der Beihilfen um 23 Prozent vor, will also statt der bisherigen 120 M. künftig 130 M. gewähren. Stirbt der Beihilfenempfänger, so soll die Witwe noch einen Vierteljahresbetrag in Höhe von 37 Mark 30 Pfennigen erhalten. Tie Beihilfe soll jetzt gewährt werden, sobald dauernde Unterstützungsbedürftigkeit vorliegt. Auf den Nachweis der Erwerbsunfähigkeit will man wegen des hohen Alters der Veteranen(die ja auch bereits zum mindesten starke Sechziger sind) verzichten. Auch soll die Frage Würdigkeit und der politischen Betätigung der Veteranen völlig ausgeschaltet werden. All diese zuletzt ausgeführten Dinge sollten sich längst von selbst verstanden haben. Es wäre ja auch ein Skandal ohne gleichen, wenn man Veteranen deshalb dem Hungertode preisgeben wollte, weil sie etwa sozialdemokratisch wählen l Die Erhöhung der Unterstützung ist aber leider gänzlich unzulänglich geblieben. Von 12 M. 30 Pfennigen monatlich, also vierzig Pfennigen täglich kann kein Mensch satt werden, von Wohnung und Kleidung ganz zu schweigen. Deshalb hatte die sozialdemokratische Partei auch bereits im Jahre 1893 beantragt, die Veteranenunterstützung auf 360 M. pro Jahr festzusetzen. Für hoch- betagte, vielfach völlig erwerbsunfähige Veteranen wären 30 M. monatlich auch wahrhaftig kein allzu üppiger Dank des Vaterlandes gewesen l Namentlich angesichts der Ricsenfordcrung von 1230 Millionen neuer Militärausgaben für bloß drei Jahre wäre die von den Sozialdemokraten geforderte Summe wahrhaftig nicht zu hoch gewesen. Aber die besitzende Klasse schanzt die Millionen lieber den Kriegsliefe- ranten als Extraprofite zu, als daß sie zugunsten der Veteranen den Krupp und Konsorten daS blühende Gc- schüft verdürbe l__ politircbe Qebcrficbt» Berlin, den 24. April 1913. Neue Niederlagen der Militaristen.— Beschwerden und Wünsche. Aus dem Reichstage. Tie nahe bevorstehende Pfingstvertagung des Reichstages in Verbindung mit deni Abschluß der Etatberatungen wirft ihre Schatten voraus. Das zeigt sich zunächst in einer stärkeren Besetzung des Hauses. Da in den letzten Tagen inancherlei Abstimmungen zu erwarten sind, haben die Fraktionen ihre Reserven mobil gemacht, wodurch das Haus in allen seinen Teilen zivar voller aber auch unruhiger ist. Aber nicht nur das Gaus ist be- wegter als an gewöhnlichen Tagen, auch die Tagesordnung quillt über vor Beratungsgegenständen, die noch vor Tores- schluß unter Dach und Fach gebracht werden sollen. Aller Voraussicht nach wird es aber nicht gelingen, dem Plane bürgerlicher Treiber gemäß die Ferien schon am Sonnabend beginnen zu lassen. Die sozialdemokratische Frak- tion hat jedenfalls keine Veranlassung, einiger Tage Ferien wegen die Beratungen gewaltsam abzukürzen und ihren Red- nern Daumenschrauben anzulegen. Ani Anfangs der Donnerstagssitzung wurden Reste vom M i I i t ä r c t a t aufgearbeitet. Auch dieser letzte Tag brachte der Militärverwaltung wieder Niederlagen auf Niederlagen. Eine längere Debatte knüpfte sich an den Be- schluß der �udgctkoinmission, die vollständia ü b e r f l ü s s i- gen Kom Mandanten st ellen von Karlsruhe und Darmstadt zu streichen. Tie sozialdemokratische Fraktion beantragte außerdem durch den Genossen Schöpflin noch die Streichung des Konimandanten der sächsischen Festung Königstein. Ter Kriegsminister kämpfte mit dem Mute der Verzweiflung um die gefährdeten Positionen, seine mili- tärischen Verbündeten aus den anderen Bundesstaaten eilten ihm zu Hilfe, auch einige bürgerliche Abgeordnete traten für die Beibehaltung der ebenso kostspieligen wie unnützen Ver- sorgungsstellen ein. Doch der Liebe Müh war umsonst. Mit starker Mehrheit lehnte der Reichstag die Kom- m a n d a n t e n st e l I e n ab. Hoffentlich lletvinnt er später noch mehr Mut zum Handeln. Beim Allgemeinen Pensionsfonds holte sich der sächsische Militärbevollmächtigte noch eine besondere Niederlage: aus eine Beschwerde Erzbergers gab er eine in der Form reichlich— sagen wir höflich: kühl-abweisende und kurze Antwort. Erzberger verbat sich unter dem donnernden Beifalle seiner Fraktion diese Art der Erledigung von Be- schwerden. Wir wünschten nur, das Zentrum brächte solche trotzige Entrüstung nicht nur dann auf, wenn es Mücken zu seihen gilt. Wenn es„auf das Ganze geht", weiß diese Partei leider stets rechtzeitig wieder den Kurs im Kielwasser der Regierungspolitik zu finden. Von unserer Seite wurden beim Pensionsfonds beson- ders die Interessen der Kriegs- und Militärinva- l i d e n vertreten. Genosse Sachse begründete einen An- trag, wonach die den Kriegs- und Militärinvaliden bewillig- tcn Renten nach erfülltem 60. Lebensjahre nicht mehr gekürzt oder entzogen werden dürfen, und der ferner verlangt, daß die Renten der Unteroffiziere und Geineinen der Lebens- mittelteuerung wegen erhöht werden sollen. Genosse Hügel führte beweiskräftiges Material für die Notwendigkeit ge- wissenhafter Prüfung der Gesuche uni Unterstützungen an. Unser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Beim Etat für den Rechnungshof wies Ge- nosse Rauch auf einige interessante Fälle hin. aus denen zu erkennen war, daß die Regierung bei höheren Beamten nicht sonderlich ängstlich mit der Bewilligung von Zuschüssen ist; er fragte auch, ob die Beamten bei solchen Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln auch ihres Wahlrechts verlustig gehen. Er erhielt auf die neugierige Frage leider keine Antwort. Beim Etat für das R e i ch s s ch a tz a m t entwickelte sich eine längere Debatte, die sich über verschiedene wichtige und interessante Punkte erstreckte. Genosse Stolle kritisierte das volksfeindliche System der Einfuhrscheine. Genosse H o f f m a n n- Kaiserslautern begründete als Gegenzug aus einen Antrag der Nationalliberalen, wonach auch die Aus- landsweine gleich den Jnlandsweinen versteuert werden soll- ten, einen Antrag, der die wünschenswerte Gleichheit beider Weinarten durch Aufhebung der Besteuerung von Inlands- weinen herbeiführen will. Genosse Emme! wandte sich gegen die Eingriffe des Reichsschatzamts in die finanzielle Bewe- gungsfrciheit der Gemeinden. Die Debaire geht am Freitag weiter. Abgeordnetenhans. Am Donnerstag verabschiedete das Abgeordnetenhaus neben einigen kleinen Vorlagen auch den Gesetzentwurf über innere Kolonisation und Landesverbesserung. Die für diesen Zweck geforderten 2S Millionen wurden unter Ablehnung deS bereits erwähnten fortschrittlichen Antrages bewilligt. Dagegen stimmten außer den Polen, die der Befürchtung Ausdruck gaben, daß die Kolonisationsgelder im antipolnischen Sinne verwendet werden könnten, auch die Sozialdemokraten, deren Redner, Genosse L e i n e r t sich zwar für die Mittel zur Verbesserung der Domänen, aber gegen die Mittel zur inneren Kolonisation aussprach, weil das, was hier angestrebt wird, nur dem Namen nach, aber nicht der Tat nach eine innere Kolonisation ist. Mit Nachdruck betonte er, daß diese Art innerer Kolonisation nur dein Großgrundbesitz zugute komme, und daß die Voraussetzung einer wirklich gemeinnützigen inneren Kolonisation die Demolratisierung der Gemeinde-, Kreis- und Provinzialordnungen sowie de« LandtagSwahlrechtS und die Beseitigung der Privilegien des Großgrundbesitzes sei. Am Freitag stehen kleinere Vorlagen, Initiativanträge und Petitionen auf der Tagesordnung. Herrenhaus- Frühling. Die Listen der in diesen Tagen in den fashionablen Berliner Hotels abgestiegenen Fremden weisen verschiedene hochadelige Namen und großartige Titel mit dem Zusatz„M. d. H." auf. Es ist die große Zeit der Erlauchten, Edlen und Geehrten angebrochen, wo das Herrenhaus den Etat nach noch so gründlicher Debatte nur im ganze» annehmen oder ablehnen kann. Sie werden syn schon an- nehmen, können sie doch mit dem homogenen Staatsministerium vollauf zufrieden sein. Besser könnte es für die geborenen und er- nannten Gesetzgeber schließlich auch nicht niehr werden, selbst wenn nach der putzigen„B. Z."-Meldung Herr Trott zu Solz Herr« von Dallwitz ersetzen sollte!— Heute Donnerstag versammelt« man sich übrigen? auch schon und das löbliche Tun bestand darin, daß man zur Abhilfe gegen die Wohnungsnot in Griesheim bei Frankfurt a. M. der Ueber- tragung der bekannten lex AdickeS zustimmte— nicht ohn« daß der Paladin der Heiligkeit des Eigentums, der Herr v. Buch, seine Bedenken strapaziert hätte. Dann nahm man das Gesetz über die AuSnützung der Wasserkräfte der oberen Weser zur Elektrizität»- gewmnuiig an. Die Erledigung einer Anzahl von Petitionen bot nichts Be- merkenswertes. Es handelte sich dabei nicht um Eigentum, Thro» und Altar.- Ter Marine-Verständigungskonzern und seine Leiter. Auf unsere Enthüllungen der sauberen Praktiken des Marine-Verständigungskonzcrns in Nr. 88 des„Vorwärts" (vom 14. April) hat der Leiter des Bureaus dieser Nüstungs- patrioten-Vereinigung. Herr Direktor G. G u t h e i l endlich eine Entschuldigung gefunden— vielleicht getrieben von den Interessenten, doch nicht ganz stillzuschweigen Aber was sollte Herr Guthcil erwidern? Bestreiten läßt sich weder, daß der geschilderte Marine-Verständigungskonzern bestebt, noch daß er in der Weise operiert, wie wir dargelegt haben: so ist Herr Gutheil denn auf jene faule Entschuldigungs- niethode verfallen, wie sie von Schuljungen angewandt wird. die bei einem Apfel- oder Birnendiebstahl ertappt werden. Wie diese sich damit herausreden, daß erstens die Aepfcl nur klein gewesen seien, zweitens gar nicht mal aut geschmeckt hätten und drittens auch andere Jungen schon Aepfel�ge- stöhlen hätten, so entschuldigt auch Herr Gutheil die Aus- Nutzung des Marinefiskus durch die Interessenten seines Bureaus damit, daß and?re Gruppen von Großindustriellen sich noch viel höhere Profite bei Marine- und Militärliese- rungcn zu verschaffen wüßten, ferner sein Konzern in man- chen Jahren nur geringe Mengen von Stablsoringuß- Materialien für die Marine geliefert hätte, und �drittens zeitweilig schon höhere Preise verlangt worden waren als in den letzten Jahren. Doch wir wollen unseren Lesern die in ihrer Naivitak geradezu köstliche Entschuldiguna des Herrn Direktors G. Gutheil nicht vorenthalteii Er erklärt:. „Die Angelegenheit ist in der sozialistischen Presse ganzlujj entstellt zur Tarstellung gebracht worden. halte es der Ma. rinebchorde gegenüber für meine selbstverständliche Pflicht, dort die erforderliche Aufklärunq»u aeben. Es handelt fich um eine Vereinbarung, wie' si- i.2, wirtschaftlichen Leb«., se.t viel«. Jahren ganzallgemeinüb!ichu"vin Kestalt der großer«« 5?ct55ii5c und Siindikatc tu öHcc Oeffentlichkcit Bclannt sind. Ich verweise nur auf das Kohlensyndikat, den Rohetsenverbawd, das Sehifssbaustahlkontor und viele andere. Als ein derartiges Syndikat war auch der frühere Stahl- Formgutzverbnnd anzusehen, der indessen seit einigen Jahren nicht mehr besteht, und an dessen Stelle auf einzelnen Gebieten des früher geeinten Gesamtgebietcs Einzelverständigungen, wie die hier berührten, fortleben. Von einer Ausbeutung des Käufers kann weder in diesem, noch in analogen Fällen auch nur im cnt- ferntesten die Rede sein. Ter Stahlformgutz ist von jeher infolge der zahlreichen Stahlgießereien ein so umstrittenes Gebiet ge- Wesen, daß eine äußerst ntaßvolle Preispolitik eine selbstverständliche Voraussetzung jeder V« r st ä n d ig u n g i st. In der Tat liegen denn auch die Preise überall, auch da, wo solche partielle Verständigungen als Ueber- bleibsel des alten Stahlformgußverbandes vorhanden sind, erheb- lich unter dessen früheren Listenpreisen. Es ist nickt einleuchtend, inwiefern ein« Verständigung über ein relativ so kleines und nebensächliches Gebiet, wie eS der Stahlformguß für Schiffbau darstellt, irgendwie anders zu werten sein soll, als etwa das, allgemein als eine segensreiche Einrichtung an- erkannte Schiffsbaustahlkontor. Uebrigens handelt es sich in vorliegendem Falle, wie oben schon angedeutet, um insgesamt ganz unerhebliche Mengen, deren Jahreswert in keinerlei Verhältnis zu der in der Presse durch- gerechneten Beispielszahl steht. In dem durch besonders lebhaften Bedarf an Schiffbaumaterial ausgezeichneten Jahre 1312 betrug der Gesamtumsatz nur etwa eine halbe Million Mark." Das Gerede charakterisiert sich selbst zur Genüge als Ver- legenhcitsausrede. Wir konstatieren also nur: 1. Tie von uns gekennzeichneten Praktiken seines Marine- Verständigungskonzerns vermag Herr Gutheil nicht zu be- streiten. 2. Herr Gutheil bestätigt, daß andere Militär- und Marinelieferanten es noch weit ärger treiben. Die Vertagung des Reichstages. Der Seniorenkonvent des Reichstages beschäftigte sich am Donnerstagnachmittag mit den Geschäftsdispositionen. Es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß das Plenum mit seinen Arbeiten so weit fertig wird, daß am Sonnabend die Pfingstferien be- ginnen können. ES ist jedoch fraglich, ob bei der Geschäftslage nicht über den Sonnabend hinaus noch Plenarsitzungen nötig sind. Die Budgetkommission wird bis zum 30. April tagen und die Militär- vorlagen beraten.— Die Budgetkommission hatte am Donnerstag eine vertrauliche Sitzung über die Wehrvorlage. Da auch die auswärtige Politik in die Besprechungen gezogen wurde. nahm an der Sitzbng auch der Reichskanzler teil. W�ozu wir Bezirkskommandos haben. Tic vorjährige und die neue Wehrvorlage enthalten ganz erhebliche Aufwendungen für die Bezirkskommandos. Da werden Landwehrinspektioncn geschaffen, die Zahl der Bezirks- osfizicre, der Schreiber usw. wird vermehrt, obwohl die zu leistende Arbeit nicht wesentlich zugenommen hat. Das gilt wenigstens für die rein militärischen Aufgaben der Bezirks- kommandos. Aber es ist schon zur Genüge bekannt, daß die Herren Bczirksoffiziere ihre Aufgabe auch darin erblicken, bei Kontrollversammlungen den Werber für die.unpolitischen" Kriegervereine zu spielen und die Reservisten und Landwchrleutc. die ihren: Lockruf nicht folgen, mit allerlei Liebenswürdigkeiten zu bedenken. Trotzdem scheinen die Herr- schaften aber noch über viel überflüssige Zeit zu verfügen, sie stellen nämlich nicht nur ihre Zeit und Kraft in den Dienst des Jungdeutschlandbundes, sondern auch die der ihnen unterstellten Mannschaften und Schreiber. Folgendes uns zugeflogene Dokument beweist das: Jungd«utschlandbu»d. Vertrauens m an>t imBczirk III. Armeekorps. Berlin-Schöneberg, den 10. März 1913. General-Pape-Straße Landwehrdienstgebäude. Mit aufrichtiger Dankbarkeit können wir den verehrten Mit- gliedern des JungdeutschlandbundcS im Bezirk des III. Armee- forps die Mitteilung machen, daß die gewährten Jahresbeiträge nützliche Verwendung gefunden haben und daß unsere märkiscko Jugend für die ihr cntgegengebrackte selbstlose Liebe empsänglich ist, begeisterungssähig für alles Schöne und Gute und darum auch später bereit zu sterben für König und Vaterland. Ter Jungdeutschlandgedanke hat in unserer lieben Provinz Brandenburg mächtig Wurzel geschlagen, denn bereits in dg Städten und Ortschaften wirken mit einem festen Stamme von beinahe 5000 Jugendlicher im Alter von 14—19 Jahren in selbstloser Aufopferung über 400 deutsche Männer, die mit ihren Jungens Wanderungen unternehmen, dabei die Liebe zu Volk und Vaterland wecken, mit ihnen Krieg», und Sportspiele, Ge- ländeerkundungen, Marsch, und Lauf-, Abkoch. und Lagerübungen aibhalten, die sie lehren, den Feind zu finden, ihn anzuschleichen, zu sehen, zu hören und zu handeln, ihren Mut zu stählen, Ka- meradschaft zu pflegen und deutsck)« Lieder zu singen, die mit ihnen turnen und schwimmen, ihnen von Deutschlands Helden erzählen. Mit vollem Vertrauen auf eine ebenso günstige Weiterent- Wickelung treten wir am 1. April 1913 in unser zweites Geschäfts- jähr ein. hoffend, daß unsere alten Mitglieder unS weiter treu bleiben und uns neue zuführen. �eu Jahresbeitrag für 1913/14 bitten wir unter Benutzung per anäegcnden Postanweisung gütigst zum 1. April 1913 ein» zahlen zu wollen.. v°° Kassenbericht. Kassenabschluß vom 13. 12. 1912. Einnahmen: Jahresbeiträge der Vereine und Mitglieder... 2192.l0 M. Zinsen................, 29,95„ Ausgaben: Unterstützungen an bedürftige Jung- deutschland-Vereine...~ VerwaltungS- insbesondere Druckkosten Porto.••*"".'••... Reisen zu Propagandazwecken, zum Halten von Vortragen u. Beiwohne« von Hebungen der Vereine.... Sonstiges � � raffelnden Phrasen der Jungdeutschlandbund seine Erziehung I zur Kasernenkultur betreibt, ist auch ein unwiderleglicher' Beweis dafür, daß der Reichstag alle neuen Forderungen für die Bczirkskommandos glatt abzulehnen hat. 2222,05 M. 580,— M. 216,12, 40,98. 199,65 18,30 Konservative Redakteure. Der„Reichsbote" veröffentlicht eine Erklärung über die Eni- laffung seines Chefredakteurs.„Persönliche Meinungsverschiedenheiten", heißt es da,„zwischen dem Ausscheidenden und dem VerwaltungsauSschuffe sowie dem Geschäftsführer unseres Verlages, insonderheit die heutige Nichtübereinstimmung in der Form und Art, politische und kirchliche Fragen zu behandeln, haben unS zur Annahme der Kündigung veranlaßt. ES bleibt wie bisher bei einem lediglich freiwilligen Anschluß an die konservative Partei, soweit freie Ueberzeugung es zuläßt. Darum entspricht die Behauptung einiger Blätter, daß die Schrift- leitung des„Reichsboten" nunmehr in ein Abhängigkeits- Verhältnis zu der konservativen Partei eintreten soll, nicht den Tatsachen. Ebenso ist die weitere Behauptung, daß der Rücktritt des Herrn Dr. Kropatscheck eine Folge seines Eintretens für die Erbschaftssteuer sei, nicht zu- treffen d." Diese Erklärung wird wohl nur ungläubigem Lächeln begegnen. In Wirklichkeit bietet Herr v. Heydebrand alles auf, um über die konservative Presse seine politisch« Dil- t a t u r zu errichten. Deshalb müssen unabhängige Herren wie Dr. Kropatscheck das Feld räumen oder werden wie Herr Adam Röder, der von Stuttgart an ein ganz bedeutungsloses kon> servativeS Organ in Hannover geht, in unbedeutende Stellungen abgeschoben. Auch unabhängige Mitarbeiter konservativer Zeitun- gen beginnen die Wirkung des politischen Boykotts zu verspüren, der über alle verhängt ist, die mehr sein wollen als die Sprachrohre des konservativen Führers. �«stand am 1. 1. 1913 1065,05 M. 1167,—. Summe wie oben: 2222,05 M. *) Tie Bezirkskommandos I— IV Berlin haben in zuvor- k-mmendster Weise die kostenlose Herstellung des größten Teiles der Umdrucke usw. übernommen, wodurch die sonst sehr bedeuten- de« Ausgaben für Propagandazwecke, Mitteilungen an die V«r- eine usw. zugunsten der Kasse vermieden find. Ten Komiwando« sprechen wier hierfür unser« herzlichsten Tank aus. Haushalte r. B a r n c w i tz. Oberstleutnant. Oberstleutnant. Es ist zehn gegen eins zu tvetten, daß auch die anderen �ezirkskommandos genau so vorgehen wie die vier Berliner. Das pbenstchendtz Dokument, das beweist, mit welch Die anhaltische Wahlrechtsvorlage wurde nach dreitägiger Debatte in zweiter Lesung angenommen. Die Regierungsvorlage ist noch in verschiedenen Punkten ver- schlechter: worden. Die Zahl der privilegierten Mandate wurde beispielslveise von 27 aus 29 erhöht. Auch die Einkommensgrenze, die die Wähler der ersten Abteilung von den Wählern der zweiten Abteilung scheidet, setzte man auf 3600 M. fest. In der Regierungs- Vorlage war ein Einkommen von 3000 M. als Grenze vorgesehen. Eine kleine Verbesserung besteht darin, daß in Zukunft alle Reichsangehörigen, die drei Jahre in Anhalt ansässig sind, wählen könncil. Nach der Regierungsvorlage sollten nur die anhaltischen Staatsbürger das Wahlrecht haben. Selbstverständlich wurden alle sozialdemokratischen und frei- sinnigen Verbesserungsanträge abgelehnt. Die Wahlrechts- debatten trugen einen sehr heftigen Charakter. Am Montag hielt der fortschrittliche Abgeordnete Dr. Cohn längere Reden. Das paßte der Mehrheit und der Regierung nicht. Der Swatsminister gab bekannt, daß er sich infolge des Verhaltens des Dr. Cohn ge- nötigt sehe, eine Revision in der Geschäftsordnung des Landtages zu beantragen, die solche.Obstruktionsreden" unmöglich mache; und die konservativ-nationalliberale Mehrheit jubelte dem Minister zu. Den größten Spektakel gab es aber am Dienstag. Dar konservative Abgeordnete v. Krosigk warf dem Abgeordneten Dr. Cohn folgende Schimpfwotite an den Kopf: „Verleumder, Kommissionsschwänzcr, Bruch- schwätzer". Ferner forderte er die Regierung auf, gegen den freisinnigen Abgeordneten Günther, der Lehrer im Seminar in Döthen ist, wegen seiner antimonarchischen Gesinnung ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Ter Abg. Günther hat nämlich da?„Verbrechen" begangen, einen Antrag zu unter- schreiben, der dem Herzog von Anhalt dos Recht nehmen will, daS Präsidium des Landtages zi� ernennen. Die gemeine De« nunziation des Junkers v. Krosigk rief bei der Opposition große Entrüstung hervor. Der fortschrittliche Abg. Artl warf dem ehemaligen Blockbruder vor, daß er ein Nachkomme jener adeligen Straßenräubcr sei, die Fürstcnmorde inszeniert hätten. Regierung u»d Feuerbestattung in Bayern. Dem ultramontancn bayerischen Ministerium ist vom Schöffen gericht München bestätigt worden, daß eS sich eines Rechtsbruches schuldig gemacht hat. Da nach einer vor einigen Monaten gefällten Entscheidung deS VcrwaltungsgerichtShofeS die Feuerbestattung in Bayern zulässig ist, hat sich die klerikale Regierung auf andere Weise zu helfen gesucht. DaS Ministerium des Innern erließ nämlich schikanöse, oberpolizeiliche Borschrifteu, die u. a. bestimmen, daß der Verstorbene seine Verbrennung eigenhändig schriftlich verfügt haben muß. Die eigenhändige Unterschrift auf einem gedruckten Formular, wie eS die Feuerhestattungsvereine für ihre Mitglieder verwenden, genügt nicht. Der für das BcstattungSwesen in München zuständige Rechtsrat Hörburger war nun von der Zentrumspresse beschuldigt worden, er habe sich in zwei Fällen gegen diese Bestimmung vergangen. Um die Sache zum AuStrag zu bringen, erstattete Recht?- rat Hörburger gegen sich selbst Anzeige. Am 19. April kam der Fall vor dem Schöffengericht München zur Verhandlung. Es er- kannte auf Freisprechung mit der Begründung, die in Frage kommenden Bestimmungen seien gesetzlich unzulässig.— Es wird wohl nicht eine Regierung zu finden fein, der in solcher Weise ein Rechtsbruch nach dem andern nachgewiesen wird. Ter Konflikt in der Besoldungsfrage. Straßburg, 24. April. In der Zweiten Kammer stand heute u. a. der Entwurf eines Besoldungsgesetzes zur Be- ratung. Nach kurzer Debatte gab Staatssekretär Freiherr Zorn v. Bulach folgende Erklärung ab: „Die Regierung bedauert, daß die Zweite Kammer sich nicht veranlaßt gefühlt hat, die Beschlüsse der Ersten Kammer, soweit sie die Regelung der Gehälter der höheren Beamten betreffen, einer näheren Prüfung zu unterziehen, da die vorgeschlagene Rege- lung für die Regierung annehmbar erscheint. Die Regierung muß nach wie vor daran festhalten, daß auch die höheren Beamten entsprechende Berücksichtigung finden, und daß eine Herabsetzung der Bezüge der höchsten Beamten nicht in Betracht kommen kann." Demgegenüber verharrte die ZweiteKammer auf ihrem bisherigen Standpunkt und votierte einstimmig für die Besol- dungSordnuiig in der bisher von ihr vertretenen Form. Eine Fustizdcbatte im württembergischen Landtage. Tin heißer Tag war für den württembergischen Justizminister v. Schmidlin der 23. April, an dem in der Zweiten Kammer die General- debatte über seinen Etat stattfand. Die Redner der bürgerlichen Parteien begnügten sich zwar in der Hauptsache damit, an Einzelheiten deS Etats ihren Witz zu üben, mehr Richterstellen zu verlangen, eine gehaltliche Besserstellung der Justizbeamten anzustreben, über schleppenden Geschäftsgang zu klagen und dergleichen mehr. Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse Mattutat, zer- gliederte im Gegensatz zu den bürgerlichen Kritikern das innere Wesen der Justiz.' wie sie in Württemberg geübt wird. An einer Anzahl Urteile und sonstiger Rechlshandlungen und Unterlassungen zeigte er, daß die„Unparteilichkeit" der Rechtspflege auch in Würltem- berg Chimäre ist, daß vielmehr auch im Schwabenlande Klassenjustiz empörendster Art geübt wird. In den schärfsten Worten brandmarkte er insbespitb?« da» ungeheuerliche Urteil gegen den früheren Nedalteur der Göpplnger„Freien VolkSzeitung" Dr. Thalheim er wegen Preßbeleidigung, ein Urteil, das zur Evidenz beweise, daß sich die Richter nicht nur von RechtSerwägungen leiten ließe». Nur die parteipolitische Haltung des Verurteilten könne die Höhe der Strafe erklären. Mit den TerroriSmuSinärchen der bürgerlichen Parteien räumte unser Refereut gründlich auf, um alsdann zu zeigen, wie der größte Terrorismus der Unternehmer gegen Arbeiter und auch gegen Berufskollegen, schwarze Listeii, Materialsperre usw. von den bürgerlichen Gerickten liberal geduldet wird. Die bürgerlichen Redner, vor allem der Zentrumsredner suchten den sozialdemokratischen Redner zu widerlegen, seine Anklagen abzuschwächen. Der Erfolg ließ aber sehr zu wünschen übrig. Die Debatte wird am Mittwoch fortgesetzt.__ China. Anleiheintrigen. London, 21. April,(ffiig. Ber.) Seit einiger Zeit betreiben die „Times" und einige andere Blätter desselben Schlages eine syste« inatische Propaganda gegen die chinesische Republik. In Berichten von ihren Korrespondenteu aus Peking wird die Lage der chinesischen Republik in den schwärzesten Farben gemalt. DaS alles hat nur den Zweck, den Kredit Chinas zu untergrabe», die Londoner Finanz abzuschrecken und das chinesische Volk dem Fünsmächtesyndlkat in die Falle zu treiben. Der Spezialkorrespondent deS„Daily Telegraph", der diese Treibereien nicht mitmacht, deckt in einem Telegramm aus Peking vom 20. April die Manöver auf, mit denen die internationale Diplomatie gegen China operiert. Nach seiner Darstellung machte China den fünf Mächten das Anerbieten, den Sir Richard Dane zur Verwaltung der Salzsteuer zu ernennen, wenn dem Lande«r- laubt würde, direkt mit den Bankiers der fünf Mächte zu verhandeln. Die Mächte nahmen das Anerbieten nicht an und machten unmög- liche Gegenvorschläge, nach denen die Kontrolle der chinesischen Finanzen im wesentlichen von den Gesandtschaften ausgeübt werden würde. Diese Lösung schlug China sofort ab und erklärte sich bereit, den alten Sechsmächtevertrag zu unterzeichnen, wenn der Zinsfuß auf 5 Proz. festgesetzt werden würde. Darauf erschienen nun letzte Woche die Gesandten Englands, Frankreichs und Deutschlands im chinesischen Auswärtigen Amt und forderten, daß folgende Bedingungen sofort angenommen werden würden: Die Finanzleute der fünf Mächte sollten instruiert werden, eine An- leihe von 25 Millionen Psund zu 5 Proz. zu gewähren, wenn die von den Mächten vorher schon in Borschlag gebrachten Beiräte für die Salzsteuerverwaltung angenommen würden. Im letzten Augen- blick stellte Rußland jedoch eine neue Bedingung. China sollte nämlich von den Provinzen die Zustimmung erhalten, daß in Zu- kunft der ganze Ertrag der Salzsieuer der neuen Salzsteuerverwaltung zufließen soll: keiner Provinz soll erlaubt sein, daran zu rühren Der Korrespondent bemerkt hierzu: „Nach der Ansicht unabhängiger Zuschauer sind keine Worte stark genug, um die ungerechtfertigte Art zu kennzeichnen, in der die Diplomatie gegen eine schwache Nation der öffentlichen Meinung zum Trotz handelt. Es ist allgemein bekannt, daß während man diese Politik in Peking verfolgt, das heißt während man aus politischen Gründen China eine gewisse Anleihe aufzwingen will, das Auswärtige Amt die Bankiers in London benachrichtigt, daß Chinas Lage so gefährlich ist, daß mau unmöglich Anleihen abschließen kann; so setzt man die diplomatischen Vertreter instand, den Chinesen die Versicherung zu geben, daß niemand außer den Bankiers der fünf Mächte fähig und willens ist, Geld zu leihen." Der Korrespondent schreibt, daß China durch die Erhöhung seiner Ein« und Ausfuhrzölle ausgezeichnete Sicherheit für inter- nationale Anleihen bieten kann. Er schließt mit den Worten:„Das schließliche Resultat kann noch sein, daß die Salzquellen in Szechuan und die ungeheuren Solenvorräte in Chihli und anderen Küsten» Provinzen von russischen, deutschen, franzöfiscken und britischen Schild- wachen sicher behütet werden, um sich die Pfennige zu sichern, die aus einer ehrlichen Bauernschaft herausgepreßt werden, um die schändliche Boxerindemnität und die durch alle Kunstgriffe auf- gezwungenen offiziellen Anleihen abzubezahlen." Soziales. Fiskalische Bcrufsgenosscnschaftcn. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in welchen Berufs- genojseiischaftcn überhobcne Renten von den Verletzten mit aller Gewalt einzuziehen suchen. Früher kannte man dies in der Praxis nicht. Die Berufsgenossenschaftcn freuten sich ihre? Sieges und schlugen ihre Forderungen einfach nieder, wenn die Verletzten auf Aufforderung den überhobenen Betrag nicht freiwillig zurückbezahlt haben, wie dies ja auch bei den Krankenkassen höute noch der Fall ist. In letzter Zeit ist aber bei den Berufsgenossenschaften eine andere Praxis eingeführt worden. Man rechnet mit der Tatsache, daß viele qualifizierte Arbeiter heute mehr als 1500 M. pro Jahr verdienen und beschlagnahmt einfach den Lohn, wenn der Verletzte nicht gutwillig die Rente zurückzahlt. Ob nun der Verletzte dadurch seine Arbeitsstelle wieder verliert, durch die Lohnbeschlagnahme dem Arbeitgeber denunziert wird, daß er überhaupt einen Unfall er- litten hatte, ist der Berufsgenossenschaft egal. Sie hat nur daS Ziel im Auge, ihre paar Mark wieder zu erhalten. Das ganze Vorgehen ist entschieden zu verurteilen, zumal man ja weiß, welches Glück die Berufsgenossenschaftcn in letzter Zeit haben. Die Rechtsprechung an den ObervcrsichcrungSämtern und erst recht am Reichsversicherungsamt hat sich entschieden zugunsten der Perufsgenossenschaften verschlechtert. Tarunter haben natürlich die armen Verletzten sehr zu leiden und sollten sich die Berufs- genossenschaften nur ihres Sieges freuen, die paar Mark den Ver- letzten ruhig lassen. Hat aber jetzt ein Verletzter wirklich am Ober- Versicherungsamt gesiegt, die seitherige Rente weiter zugebilligt erhalten, so schreibt ihm die Berufsgenossenschaft schnell, daß sie Rekurs gegen das Urteil erhoben, daher die Rente nach dem Urteil des Oberversicherungsanites vom Tage des Termins zu zahlen habe. Dem Verletzten wird sogar der gute Rat gegeben, den Mehr- betrag der Rente ja recht gut aufzuheben, damit im Falle eines Unterliegens am Reichsversicherungsamte der Berufsgenossenschaft der überhobene Betrag sofort wieder zurückgezahlt werden könne. Und in der Tat. es gibt Verletzte, welche aus VorsichtSgründen den Mehrbetrag zurücklegen. Während also die Berufsgenossenschaft die Mehrzahl der Verletzten Wochen-, ja monatelang auf Rente warten läßt, ist sie bei der Verkündigung des eingelegten Rekurses schnell bei der Hand, braucht aber wieder sehr lange Zeit, bis sie endlich die Abrechnung dem Verletzten schickt. Natürlich verbrauchen die meisten Verletzten die ausgezahlte Rente, legen sie also nicht zurück, wie die Berufsgenossenschaft es wünschte. Würde nun daS Reichsversicherungsamt schneller arbeiten, in einigen Wochen den Rekurs erledigen, so wäre die ganze Frage nicht so wichtig. ES ist aber Regel geworden, daß die Rekurse jetzt erst in 8 bis 10 Monaten erledigt werden. Eine layge Zeit, in welcher sich der Rentenbetrag auf 80 bis 100 M. unter Umständen anhäufen kann, der dann als überhoben bezeichnet wird, wenn die Berufsgenossenschaft gc- siegt hat. Dem Verletzten ist es rein unmöglich, solche Beträge wieder aufzubringen, er wird gepfändet, schließlich der Lohn beschlag- nahmt und verliert seine Arbeitsstelle. Gegen dies Vorgehen der Berufsgenossenschaftcn kann mir rin scknellerez Verfahren etwas helfen. GewevklchaftHcbes. Du centralen Verhandlungen im Baugewerbe Bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen am 22. April �in ReickMagsgcbäude in Berlin fand zunächst eine Aus- einaudcrsctzung der Parteien über die von den Unternehmern verlangte Weiterführung des Vertrages statt. Begründet wurde das Verlangen damit, daß in weiteren Gebieten eine Verständigung erzielt worden wäre, wenn nicht von den Ar beitern vielfach eine Forderung auf Verkürzung der Arbeits zeit unter Ist Stunden gestellt wäre, was nach der früheren Erklärung der Unparteiischen zu dem Vertragsmuster un zulässig sei. Durch diese Forderung seien die Unternehmer überhaupt von Angeboten abgehalten wordeil. Tic Unter- üehm er verlangten eine Erklärung der Unparteiischen, wie ihr Vorschlag über die Arbeitszeit aufzufassen sei. Von den Arbcitcrvertretern wurde hervorgehoben, daß nach ihrer Auf fassung der Meinungsstreit über die Erklärung der Uw parteiischen zur Arbeitszeitverkürzung gar keine Veranlassung gebe, den Vertrag nach zu verlängern. Es habe sich durch die Verhandlungen gezeigt, daß die Unternehmer in den in Be tracht kommenden Bezirken überhaupt keine Angebote machen wollten' denn nachdem man in emzelnen Fälleil die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit habe fallen lassen, nur um zu Angeboten zu gelangen, sei dann von den Unterilehmerii die Erklärung erfolgt, Lohnerhöhung gibt es für die Vcrtragsdaucr bis 1916 nicht. Auch lasse das provozierende Auftreten einiger Unternehnlervereine, die init Entlassungen vorgehen oder Lohnherabsetzungen ankündigten, »venu die Arbeiter sich nicht gefügig zeigen, eine Verlängerung des Vertrages nicht zu. Schließlich könne man sich auch aus dem Grunde nicht darauf einlassen, weil dadurch die m einer erheblichen Anzahl erfolgten Einigungen in der Luft hängen und die vereinbarten Lohnerhöhungen nicht zur Auszahlung gelangten. Um hierin inöglichst Klarheit zu sckaffen, ge langten die Unparteiischen zu nachstehender Erklärung, der unter der ausdrücklichen Bekundung der Arbeitervertreter über die gegenteilige Auffassung zur Verkürzung der Arbeits- zeit von beiden Seiten zugestimmt wurde. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Aus dem Wortlaut des Z 2, Nr. 2, der VertragsschcmaS ergibt sich, daß über eine Herabsetzung der Arbeitszeit ohne Zu- ftimmung der Arbeitgeber nur unter der Loraussetzung ber. handelt werden könne, daß zehnstündige Arbeitszeit besteht, und zugleich besondere schwierige Verhältnisse vorliegen. Die örtlichen Vereinbarungen über Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzung treten, soweit sie bis zum 1. Mai getroffen sind, am 2. Mai in Kraft, soweit sie nach dem 1. Mai getroffen sind, erhalten die Vereinbarungen über Lohnerhöhungen zu dem gleichen Zeitpunkt rückwirkende Kraft. Tie Vereinbarungen über sofortige Arbeitszeitverkürzung sind mit Beginn der der Verein- barung folgenden ersten Lohnperiode durchzuführen. Die bisherigen Verträge ivcrden bis auf weiteres verlängert. Beide Parteien haben ihren vollen Einfluß einzusetzen, daß irgend- welche Zwangsmaßnahmen, insbesondere Streits und Aus- spcrrungen, unterbleiben bczw. sofort eingestellt Werden. Tie örtlichen Verhandlungen, die zurzeit noch im Gange sind oder auf den Wunsch beider Parteien vereinbart werden, sind bis längstens den 30. April zu beendigen. Soweit eine Ver- ftändigung nicht erzielt wird, finden unter Leitung von Un- .parteiischen Sonntag, den 27. April, zentrale Verhandlungen in Werlin nach Bezirken statt." Tie Verhandlungen haben damit ihr Ende erreicht. Tie Parteien versuchen, noch die gegenseitigen Tifferenzpunkte festzustellen und am 27. April und den darauf folgenden Tagen findet die Fortsetzung der Verhandlungen statt, in der die Vorschläge über die strittigen Punkte in den einzelnen Bezirken zu erwarten sind. Bis dahin haben die einzelnen Orte noch die Möglichkeit, sich zu einigen, wenn sie wollen. Ueber die letzten Vorschläge, die von den Unparteiischen dann nach dem 27. April gemacht werden, werden dann die General- Versammlungen der Organisationen entscheiden. Berlin und Umgegend. Achtung, Bauarbeiter! Von verschiedenen Seiten werden Vutzer teils nach Frankfurt a. M., teils direkt nach Hanau ge- sucht. Tabci wird erklärt, daß es sich um'die Ausführung größerer Innenputzarbeften in ncucrbautcn Kasernen handelt. Verschwiegen wird aber völlig, daß es sich um Strcikbrecherdicnstc han- delt, die die Betreffenden leisten sollen. Tatsächlich liegen die Tinge dort so, daß die im Malervcrband orgairisierten Tünchcr und Weißbindcr, die in Mitteldeutschland die Jnncnputzarbeit sonst �ausführen, von den Unternehmern ausge- sperrt sind und an ihre Stelle jetzt die verlangten hiesigen Innen- Putzer treten sollen. Unter solchen Umständen erwarten wir von jedem Kollegen, daß er solche Arbeitsangebote auch im eigenen Interesse ablehnt. Ebenso warnen wir Maurer und Hilfsarbeiter vor Arbeits- angeboten nach Stolp in Pommern, wo unsere Kollegen wegen Er- ringung eines Stundenlohnes von 30 Pf. schon S Wochen im Kampfe stehen. Deutscher Bauarbciter-Verband __ Zweigverein Berlin. Friseurgehilfenkonfercnz. Der erste Agitationsbczirk des Verbandes der Friseurgehilfen hielt dieser Tage im Gewerkschattshaus zu Berlin seine Icchres- lonfcrenz ab. Tie Zweigvereine Berlin, Brandenburg, Burg, Cott- bus. Luckenwalde, Magdeburg, Potsdam und Stettin, sowie die Zahlstellen Eöpenick, Eharlottenburg, Lichtenberg, Neukölln und Weißensee, sowie der Hanptvorstand hatten Vertreter entsandt. Aus dem Bericht der Bezirksleitung, der schriftlich vorlag, ist zu cnt- nehmen, daß die Mirgliederzabl im verflossenen Fahre von 008 auf 736 gestiegen ist. Die im Verhältnis zur Mitgliederzahl hohe Auf- nahmeziffer(623) zeigt, daß von einem festen Stamm in der Friscurgehilfenorganisation nicht die Rede sein kann, so daß die Organisation, will sie nur ihre Mitgliederzahl halten, eine Agita- tionsarbcit leisten muß, die gar nicht im Verhältnis zu ihrer Stärke steht. Trotz dieses erschwerenden �Umstandcs ist die Zahl der voll- zahlenden Mitglieder gestiegen. Im Jahre 1910 verzeichnete man 405 Vollzahler, lOU deren 452 und 507 im Jahre 1912. Das weitere Wachstuni der Organisation ist aus der Tatsache ersichtlich, daß im 4. Quartal 1912 die Zahl der Vollzahlcr auf 576 gestiegen war. Die Berliner Bewegung leidet sehr unter dem Zuzug junger unaufgeklärter Kollegen aus der Provinz, die gar zu leicht Lohndrücker Igerden, sowie unter der Zersplitterung, die von den kleinen Lokalvereinen betrieben wird; bestehen doch nicht Wemger als 12 solcher Vereine am Orte. Außerordentlich schwer hält es auch unter den Damenfriseuren, sowie den Arbeitern und Arbeite- rinnen der Haarbranche Aufklärung zu verbreiten, obwohl die Aus- bcutung in diesen Spezialgebieten die sonderbarsten Blüten treibt. In Brandenburg ist die Jnteressenlosigkcit sojjrotz, daß es im vergangenen Jahre keinen Schritt vorwärts ging. In Burg konnte mit Unterstützung des Gewerkschaftskartells eine Zahlstelle gegründet werden, die dank der solidarischen Beiätigung der orga- nisierten Arbeiterschaft ihre Lebensfähigkeit schon erwiesen hat. Von Luckenwalde ist das nämliche zu sagen. Tie Zweig- vereine Frankfurt a. O., Rathenow und Potsdam 'formen 5« fehlenden Kräfte wegen nicht recht vorwärts kommen. Eine Zahlstelle, die zu Anfang des Jahres in W e i ß w a s s c r de- stand, wurde leider nicht gehalten. Außer Berlin hatten die Zweigvereinc Cottbus, Magde- bürg und Stettin mit Lohnbewegungen zu tun. Tic reaktiv- nären Machenschaften der Zünftler in den Zwangs- und freien Innungen und sonstigen Meisterkorporationen, die alle auf die „Dämpfung" einer Lohnbewegung hinzielen, erschweren die Durch- führung der Lohnbewegungen außerordentlich. Ehe mit einem ge- richtlichen Einspruch gegen die zu Unrecht erfolgten Beschlüsse der Innungen etwas erreicht ivcrden kann, ist das Interesse an einer Lohnbewegung bei den Gehilfen meist abgeflaut. Wenn man alle diese Umstände berücksichtigt, wenn man weiter bedenkt, daß die zu Gewinnenden meist sehr junge Leute sind, die bei dem Kost- und Logiszwang unter ständiger Beeinflussung ihrer Prinzipale stehen, wenn man weiß, daß die Löhne außerordentlich niedrige sind fes iverdcn teilweise noch 4— 5 M. gezahlt, und wenn man daran denkt, daß die unter solchen Verhältnissen lebenden jungen Leute 13— 14 Stunden pro Tag im Geschäft stehen müsien, dann wird es einem verständlich erscheinen, daß trotz der umfang- reichen?lg!iaiionsarbciten der Erfolg ein so minimaler ist. Den agitatorisch Tätigen wird es unter solchen Umständen beinahe zur Unmöglichkeit, an ihre Kollegen hcranzukomnren. Es erscheint dann auch begreiflich, wenn die organisierten Friseurgehilfen immer und immer wieder an das Solidaritätsgefühl ihrer Klassengenossen appellieren, wenn sie die organisierten Arbeiter immer wieder er- suchen, in den Barbiergeschäften nach der Organisationszugehörig- kcit der sie bedienenden Friseurgebilfen zu fragen und diese Leute über die Notwendigkeit der Organisation aufzuklären. Das Fazit dieser Friseurgchilfeiikonsercnz ist denn auch dies- mal wieder: Das Bcstebende tonnte nur erreicht, kann nur ge- halten und verbessert Ivcrden durch die unermüdlichste Agitations- arbeit und die fernere Unterstützung durch die organisierten Ar- bciter. Die Gcwerkschaftskartelle des ganzen Bezirks werden deshalb ersucht, die Frisenrgehilfen in ibrer Ägitationsarbeit zu unter- stützen; wegen Ueberlassung von Material setze man sich eventuell mit dem Vcrbandsvorstand Berlin dl. 113, Bornholmcr Straße 89, in Verbindung. Achtung, Zigarcttenmacher! Lautz telcgraphischcr Nachricht ist Streik in Bern. Aller Zuzug ist streng fernzuhalien. Arbeiter, Raucher, kauft nur dort Euren Bedarf an Zigarren ein, wo das grüne Plakat, unterschrieben mit Alwin Schulze vorhanden ist. Uebt Solidarität! Der Vertrauensmann der Tabakarbeitcr. Dcutlchcs Reich. Die Bäckergesellen der brandenburgilchen Provinzstädtc sieben vielfach in Lohnbewegungen. In Cottbus und in Cberswaldc steht der Ausbruch des Streiks unmittelbar bevor. In der Hauptsache richtet sich der Kampf gegen das Kost- und Logiswcsen. Die Innungen lehnten jede Verhandlung ab. In C o t t b u s, wo bereits vor Ostern die Forderungen an die Innungen geschickt worden waren, erklärte der Obermeister anfänglich, einer Verhand- lung prinzipiell nicht abgeneigt zu sein, als aber das Ostergeschäst beendet war, benachrichtigte er die Organisationsleitung, daß es der Innung gar nicht einfalle, sowohl über die Forderungen selbst als auch mit der Vertretung der Gesellen zu verhandeln. Hier wie auch in Cberswaldc wurde die Berinittelung d>cs Einigungs- amtes zurückgewiesen. In Luckenwalde handelt es sich um Durchführung mini- malcr Verbesserungen des Tarises. Dort, wo seit drei Jahre» das Kost- und Logiswesen tariflich beseitigt ist, forderten die Gesellen eine Lohnzulage von 3 M. Tic Innung legte einen Tarif vor. der bei 9 M. Wochcnlohn das Kost- und Logiswcsen wieder einführen wollte. Selbstverständlich erklärten die Gesellenvertretcr übercin- rimmend, daß davon gar keine Rede sein könne, nachdem das bc- rüchtigte Shstem seit drei Jahren beseitigt sei. Treibe es die Innung zum äußerste», so babe sie damit zu rechnen, daß die Ge- sellcn eventuell auch den 36 stündigen Rubctag verlangen, was sie zunächst nur in der Voraussetzung unterlassen habe, daß eine Lohn- crhohung erfolge, die den Minimallohn von 20, 21 und 22 M. um 3 M. erhöhe. In Hennigsdorf bei Berlin finden am 27. April Per- Handlungen über eine Neugestaltung des geltenden Tarises statt. Tort handelt es sich neben der Beseitigung der letzten Reste des Kost- und Logiswescns ebenfalls uni eine Lohnerhöhung und Rege- lung der Arbeitszeit. Dort besteht bereits seit etwa 9 Jahren ein Tarif mit den Bäckermeistern. Hoffentlich gelingt es, auch wieder zu einem Tarif zu kommen. Zuzug nach diesen Orten, besonders aber nach Cottbus und Cberswaldc, wo der Streik unmittelbar bevorsteht, ist fernzuhalten. Ter Streik in Oberschlcsien. Das Streikkomitee hat gestern einen Aufruf veröffentlicht, in welchem das noch arbeitende Maschincnpersonal aufgefordert wird, die Arbeit niederzulegen. Tic Eisenhütten in Kattowitz beziehen jetzt ihre Kohlen außerbalb Schlesiens und haben die Arbeit wieder aufgenommen. Aus mehreren Bergwerken arbeiten die Steiger und das untere Bcamtcnpcrsonal. Auch beschäftigen die Grubenvcrwaltun�en Knaben im Alter von 14—15 Jahren, was gesetzlich verboten ist. Es kam daher auch schon zu einigen Unglücks- allen. In dem Bezirk Nikolau hat die Polizei einige Vcrsamm- lungcn der Streikenden verböten. Die Polizei handelte hier an- gcblich auf Befehl des Lamdratsamtes. I« der Höchcrlbraucrei zu Kulm(Westprü, die gegen 100 Personen beschäftigt, bat das Personal am 22. April die Arbeit niedergelegt, weil die Beiriebsleitung sich durchaus nicht dazu ver- stehen wollte, über die eingereichten Forderungen zu unterbandeln. Tie kürzeste Arbeitszeit ist dort noch 11 Stunden bei 13stündiger Präsenzzcit. dazu lit noch die ganze Sonntagsarbeit gratis zu leisten. Die Löhne betragen bis zu 65 M. monatlich. Tie Forderung einer zehnstündigen Arbeitszeit und 20 M. Wochenlohn wird niemand als unberechtigt bezeichnen können, aber die Firma, die viel Export bat, lehnt sogar jede Verhandlung ab. So blich den Arbeitern nichts übrig, als die Arbeit niederzulegen. Eine Lohnbewegung der Sattler in Bremen bat bei der straffen Organisation in Verbindung mit der günstigen KonjunkUlr am Orte einen günstigen Verlauf genommen, obnc daß die Ar- bester genötigt waren, zu streiken. Tic Mindcsrlöhne wurden er- höht, eine Lohnzulage von durchschnittlich 10 Proz. durchgeführt und noch sonstige Verbesserungen getroffen. Während die Verhand- lungcn mit den Unternehmern ziemlich glatt von statten gingen, setzten die Jnnungsincister den Forderungen der Arbeiter Wider- stand entgegen. Bis auf drei Herren ignorierlen sie die Einladun- gen des Obermeisters, hielten aber vollzählig besuchte Gebcim- sitzungcn ab, in denen sie die Abmachungen der drei Meister mit der Lobnkommission umstießen und einen schlechteren Vertrag aus- arbeiteten. Ihr Vorhaben scheiterte an der Einigkeit der Arbeiter. Um einen Streik zu vermeiden, erklärten die Jnnur.gSmcister sich zu Lohncrböhnngcn bereit. Diese Lohnbewegung umfaßte alle Branchen des Gewerbes. � Mahregelungen in einer Zichorienfabrik. In der Zichorienfabrik der Firma Georg Josef Scheuer in Fürth sind seit dem 11. Februar d. I. die im Fabrikarbeitcrverband Organisierten entlassen worden, obgleich zu dieser Zeit noch ein Tarisverhältnis mit der Firma bestand. Ter Tarifvertrag war von der Organisation am 1. Februar ordnungsgemäß gekündigt worden und lief am 23. Februar ab. Am 8. Februar wurde der Firma ein neuer Vertragsentwurf zugestellt und am 11. desselben Monats erfolgte daraus die Entlassung der Organinertcn. Grund zu diesem Vorgehen soll angeblich ein Zusammenstoß zwischen Un- organisierten und Organisierten im Betriebe sein, der sich aber wochenlang vorher ereignete. Me Bemühungen de? Organisation, die Differenzen durch Verhandlungen aus dem Wege zu räumen, scheiterten. Ein Ver- mittelungsvörschlag des Herrn Regicrungsrals Kroellcr und dcZ Vorsitzenden des Gcwerbegerichts Fürth fand ebensowenig die Zu- stimmnng der Firma wie der Vorschlag, dem Einigungsamt de« Gewerbcgerichts den Streitsall zur Erledigung zu übertragen. Der Vergleichsvorschlag des Herren Regiernngsrates Kroellcr und de? Vorsitzenden des Gewerbcgerichts Fürth ging in der Hauptsache dahin, daß die Organisation auf die Wiedcreinstellung des seiner» scits an dem Auftritt hauptsächlich beteiligten organisierten Ar» bciters verzichten sollte; alle anderen Entlassenen sollte die Firma wieder einstellen. Ueber den Abschluß eines neuen Tarifs sollte nach der Wicdereinstellung verhandelt werden. Obgleich die Orga» nisation mit dem Inhalt des Vorschlages nicht völlig einverstanden sein konnte, nahm sie an; die Firma scheuer dagegen lehnte ihn ab. Nach ihrem ganzen Verhalten will sie die Organisation auS dem Betriebe fernhalten, um die früheren ungeregelten Arbeits- Verhältnisse wieder einzuführen.— Das Gewcrkschaftskartell in Fürth hat mit Zustimmung der Organisation den Boykott über die Vroduktc der Firma Scheuer verhängt. Tie Firma Georg Josef Scheuer besitzt außer in Fürth nach Betriebe in Magdeburg und Schönebeck a. Elbe, sie war bisher auch Lieferant verschiedener Konsumvereine. Ter Magdeburger Betrieb wurde von der Firma Robert Brandt erworben; hier wird insbesondere die Brandt» Cichorie hergestellt._ Die Klempner und Installateure von Mannheim-Lud» w i g s b a f c n und Pforzheim sind ausständig. In den ersteren Orten hatten die Meister den Tarif gekündigt und unzureichende Zugeständnisse gemacht; in Pforzheim boten sie gar bis zu 6 Pf. pro Stunde locnigcr Tariflohn, tsie begründeten diese Lohnkürzung damit,„daß dieser reduzierte Lohn nur für neu einzustellende Gesellen in Frage käme". Wir möchten nur sehen, wie bald die jetzigen Gehilfen durch„ncueingestallte" ersetzt worden wären, wenn die Arbeiter einen solchen Vorschlag akzeptiert hätten. Daß der durch seinen Arbciierhaß bekannte Untcrnehmcrverband der Edelmctallindnstrie in Pforzbcim.den Kleinmcistcrn--Schutz und Hilfe" verspricht, nimmt nicht weiter Wunder. Bei den Malern macht er es ebenso. In der Bügclciscnfabrik in Neuenbürg bei Pforzheim streiken die Schleifer und Polierer. Dieser Betrieb gehört zu denen, die die allerschlcchtcsten Lohn- und Arbeitsverhältnine mit in ganz Deutschland aufzuweisen haben. Von obengenannten Or- ten ist also Zuzug von Arbeitern der einschlägigen Bcrusskategoricn strengstens fernzuhalten. HnsUnd. In der Glasmosaikfabrik Feoloff zu Petersburg befinden sich die Arbeiter in einer Lohnbewegung. Zuzug ist sernzuholtcn. Die Firma steht mit der deutschen Glasmosaik-Gcsellschast Puhl u. Wagner in Treptow in Verbindung, so daß die Gefahr besteht« daß dort Strcikarbcit verlangt wird. e Versammlungen.# Zentralverband der Schuhmacher. Tie Zahlstelle Berlin hielt am Mittwoch ihre Quartals-Gcncralvcrsammlung ab. Den Ge» schäftSbcricht erstattete Hamann. Für die Arbeiter der mcchani- scheu Ringfabriicn ist im Frühjahr eine Tarifbcwcgung durchgeführt worden, die im wesentlichen von Erfolg begleitet war. Der Referent forderte die Anwesenden auf, in allen den Fällen, wo die festgelegten tariflichen Bestimmungen nicht eingehalten werden, sich an die Arbeiterausschüsse zu wenden, die mit den in Betracht kommenden Fabrikanten Rücksprache nehmen lverden. Sollte daraufhin keine Abhilfe erfolgen, so sollten die Mitglieder sich direkt mit ihrer Organisation in Verbindung setzen, deren Auf» gäbe es sein wird, die erforderlichen Schritte zu tun, um dem Tarif Geltung zu verschaffen. Des weiteren unterbreitete Redner der Vcrfammiung einen Vorschlag des Ortsvarstandes, wonach bei den Firmen I. G o l d in a n n, Köpcnicker Str. 126; Hamann, Michaelkirchstr. 15; G r o tz in a n n, Adlershof, die bestehende Sperre aufgehoben ist. Dieser Vorschlag könne um so eber die Zustimmung der Versammlung finden, als die Sperre ihre Wirkung nicht ver- fehlt hätte. Auch sollten die Mitglieder mit den letzten Resten der früheren Unsitte des„Schweinemachens"(das Vorauobezahltnehmen von noch nicht abgelieferter Arbeit) nunmehr endgültig brechen, da hieraus sich allerlei Unzuträglichkcitcn ergäben.— Den Kassenbericht gab Bend ig. Einnahmen und Ausgaben bilanzivren mit 22 906,15 M. Ter Mitgliederbestand beträgt 2877.— Tie Ver» sammlung stimmte nach kurzer Debatte dem Vorschlag des Vor- stände» zu, so daß damit die genannten Betriebe nicbt mehr ge- sperrt sind. Ter Vorsitzende richtete sodann an die Anwesenden noch die Aufforderung, sich recht zahlreich an der Maiversammlung zu beteiligen.___ LrCtztc IVachrlcbtcn. Tic Friedensverhandlungen. London, 24. April.(W. T. B.) Das Reutersche Bureau er- fährt, daß die Beschlüsse der Botschafter die letzte Antwort der Verbündeten als eine annehmbare Grundlage für die Friedenspräliminarien erkennen ließen, und die krieg- führenden Mächte aufforderten, selbst in Verhandlungen einzutreten. Ties ist den Botschaftern in Konstantinopel und den Vertretern der Mächte tn den Balkanstaaten telegraphiert war- den. Hiesige Bolkankreise bringen ihre Ucbcrraschung und eine gewisse Besorgnis über den Vorschlag der Mächte zum Ausdruck. daß jetzt wieder Friedensverhandlungen zwischen der Türkei und den Verbündeten begonnen werden sollen. Es wird betont, daß, wenn man diesen Weg einschlage, vorherzusehen sc!, daß Sch'wic- rigieiten und Verzögerungen entstehen würden mit der Möglichkeit einer Erneuerung der V-rschlcppungsmcthodcn. die im vergangenen Dezember im«st. James Palast zur Anwendung gelangt seien. Man habe gehofft und erwartet, daß die Mächte als Vermittler sich selbst anschicken würden. Bedingungen zu ent» werfen auf Grund der Anschauungen der Kriegführenden und der Mächte, wie sie bereits aus den verschiedenen ausgetauschten Noten bekannt geworden seien, und daß, wenn diese Bedingungen ent- werfen und von den Kriegführenden genehmigt seien die letzteren nach dem historischen Beispiel früherer Verträge zur Untcrzeich» »ung aufgefordert würden. Freie Bahn für'd�RüstungSkapital. London, 24. Äpnl.(W. T. B.) U nt c r b a u s. Der Libe» rale C o w a n fragte, ob Premierminister Asauith aufmerksam ge- worden sei auf die im Deutschen Reichstage aufgestellten«ehaup- tungcn, daß gewisse Munitionsfabrikantcn systematisch ver- suchten, durch die Presse und auf andere Weise die öffentliche Mci. nung zugunsten von Rüftungssteigernngen zu beeinflussen, und ferner, ob Asquith zur Sicheruno acacn ähnliche Gefahren in England die V e r st a a t I j ch � � g d c r b r i l i s ch e n Waffen, fabriken in Erwägung zsiben wolle Asquilh erwiderte, ex habe die Zeitungsberichte über' die Anaclcacnheit gelesen. Den zweiten Teil der Frage müsse er verneinen. Schwere Äesselexpiosion"�� des„Imperator". Hamburg, 24. April.(P k) Eine Unglücks fahrt war die erste Fahrt des Rrcsendampfers Jinverator" von der Werft nach dem Liegeplatz tn Cuxhaven Heute avend fand an Bord des Schifft, e.nc Explos.o» im Maschinenraum statt. Acht Heizer wurden verbrüht, �re, von ibnen erlitten so ,chwere Brand. wunden, daß chr Zustand zu Besorgnissen Anlaß gibt. Ueber die Ur- fachen der Katastrophe ist bisher noch nichts bekannt. Lerantw. Redakt.: Alfred Wielrpp, Neukölln. Inseratenteil veranttv.: rtGiockc.Berl-in. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. u 0«rla«Sa»itaU Paul Singer i Co., Berlin S VV. Hierzu 4 Beilage««. UuterhaltungSbl. Dr. 99. 30. Aahrgavg. 1. Sfilnjf des Jutniirtf Kerlim lolteWiitt. Frrstilg, 25. Apck 1913. Zum Kandwgsnmhlkampf. Das infame Nahlrecht. ■�ic Fülle der Widcrsinnigkciten, der aufreizenden Un- gcrechtigkeiten des preußischen Dreiklassen>vahlrechts ist kaum gu erfassen. In den nachfolgenden Zusammenstellungen dringen wir es in seiner tollsten Verhöhnung des Volkes zur Darstellung. Die Wähler sind in drei Abteilungen von der- schiedener Größe aber mit demselben Einfluß auf das Gesamt- resultat eingeteilt. Nach den Ergebnissen der Wahl von 1908 ergibt sich folgendes reizende Bildchen: I. Klasse II. Klasse Hl. Klasse 293 402 Wähler gleich 1065 240 Wähler gleich 6 324079 Wähler Woraus sich dann ergibt, daß 1358642 Wähler I. und II. Klasse doppelt so viel gelten, wie 6 324 079 Wähler IH. Klasse! Die 6 324 079 Wähler der dritten Abteilung sind dem- nach total einflußlos. *» * Es entfielen auf: Vi aller Urwähler 7 sozialdemokratisische Abgeordnete 1»* 104 ullramontane, Ii»„ 152 konservative, 1 s» /, 65 narionalliberale In»„ 17 polnische, Va„, 36 freisinnige V« 60 sreikonservative Die beiden konservativen Gruppen, mit nur 16,4 Proz. der Urwähler, verfügen über 218 Mandate, die Sozialdemo- kratic mit 22,9 Proz. der Urwähler bekam nur 7 Mandate. Jeder konservative Wähler hatte 44 mal so viel Wahlrecht als jeder sozialdemokratische Wähler. »* * Auf je einen Abgeordneten entfallen: ' Einwohner Urwähler im Stadtkreis Berlin..... 170012 40 217 im Regierungsbezirk Düsseldorf.. 135 875 29 672 Arnsberg.. 132 060 28144 Potsdam.. 116 494 27 672 Köln.... 103 809 23 101 -. Königsberg. 62 446 12 006 KöSlin... 60613 10778 Liegnitz... 50 630 12 252 «» Stralsund.. 55117 10 893 .« Sigmaringen. 34 141 5 721 In Signiaringen besitzt jeder Urwähler ein sechsfach größeres Wahlrecht als der Urwähler in Berlin! » Noch toller kommt die Benachteiligung auf der einen, die Bevorzugung auf der andern Seite zum Ausdruck. Der auf einen Abgeordneten entfallende, in dem betreffenden Bezirk aufgebrachte Steucrbctrag ergab: im Stadtkreis Berlin....... 5 325 100 M. ,. Regieruiigsbczirk Düsseldorf... 3 347 600, Potsdam.... 2 710 000„ ,, Arnsberg.... 2 567 500, Köln..... 2 322 700„ ,, Guinbinncn... 785 600„ „, Posen..... 607 300, Allenstein.... 469000, Köslin..... 463 300, Siginaringen.. 337 600. Die Steuerleistung, auf einen Abgeordneten berechnet, ist in Berlin sechzehnmal größer als in Sigmaringen. Und dieses Gemisch von Bosheit und Gemeinheit wird nur darum aufrecht erhalten, darum von den Junkern und ihrer Sippe wie ein Heiligtum verteidigt, weil es die Werte schaffende Be- völlerung rechtlos macht. Nieder mit dem Instrument der AuS- beutung und Unterdrückung! Die fkivalangellellten und die Candtagswahlen. Wie bei den NeichZtagSwahlen, so machen auch jetzt bei den Landtagswahlen die bürgerlichen Parteien die größten Anstren- gungen, um die Stimmen der Privatangestellten zu gewinnen. Zu Hilfe kommt ihnen dabei ja das famose öffentliche Wahlrecht. Die Unternehmer wissen ja auch den Angestellten gegenüber ihre Wirt- schaftliche Uebermacht für ihre politischen Zwecke rücksichtslos zu ge- brauchen. Demgegenüber ist es notwendig, mit allem Nachdruck den Angestellten das wahre Gesicht der bürgerlichen Parteien und deren Haltung in Angestelltenfragen zu zeigen und ihnen zu beweisen, daß die Sozialdemokratie als Arbeitnehmerpartei die einzige konsequente Vertreterin ihrer Interessen in den Parlamenten ist. Betrachten wir nun einmal die Haltung der bürgerlichen Parteien zu zwei Fragen, die die'Angestellten gegenwärtig besonders lebhaft beschäftigen. Im November vorigen Jahres ging dem Reichstage ein Gesetzentwurf zur Neuregelung der Konkurrenzklausel« bestimmungen für die Handlungsgehilfen zu. Die Verbände der Angestellten stehen allgemein auf dem Standpunkt, daß die Konkurrenzklausel, diese schwere Fessel für das Fortkommen der Angestellten, unter der besonders die Handlungsgehilfen und Techniker zu leiden haben, gänzlich zu beseitigen ist. Schon bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfes im Plenum des Reichstages standen hinter dieser allgenreinen Forderung der Angestellten geschlossen nur die Sozialdemokraten! In der ReichStagSkommission führten dann die verschiedenen bürgerlichen Parteien einen Eiertanz auf und schließlich stimmten für das völlige Verbot der Konkurrenz- klausel auch hier geschlossen nur die Sozialdemo- kraten! Und nun setzte das Feilschen um die einzelnen Bestimmungen der Regierungsvorlage ein. Hierbei bot sich immer dasselbe Schauspiel. Mit Energie nahmen sich die Sozialdemokraten der Interessen der Handlungsgehilfen an, während die einzelnen bürgerlichen Parteien schwankten, wie schwache Rohre im Winde. Ergötzlich war es, zu sehen, wie der nationalliberale Handlungsgehilfe Marquardt, Vorstandsmitglied eines bürgerlichen Handlungs- gehilfenverbandes, fortwährend, von seinen Partei- freunden verlassen, gezwungen war, mit der Sozial- demokratie zu stimmen. Was schließlich aus der Vorlage werden wird, ist heute noch nicht abzusehen. Fest steht aber heute schon, daß das so lang ersehnte und mit so großem Nachdruck von allen Angestellten geforderte völlige Verbot aller Konkurrenz- klauseln nicht erreicht wird. Bestenfalls werden die heute für die Handlungsgehilfen bestehenden Vorschriften über die Konkurrenzklausel einige Verbesserungen erfahren, während die Techniker und die sonstigen Angestellten und Arbeiter sich auf lange hinaus noch mit den gegenwärtig für sie geltenden gesetzlichen Bestimmungen bescheiden müssen. Dafür können sich die Angestellten bei den bürgerlichen Parteien bedanken! Die zweite gegenwärtig wieder im Vordergrund des Interesses der Angestellten, besonders der Handlungsgehilfen, stehende Frage ist die Neuregelung der Sonntagsruhebestimmungen. Der Zentralverband der HanhInngSgehilfen hat soeben ein von Paul Lange geschriebenes Werk:„Die Sonntagsruhe in Kontoren und Läden' herausgegeben, das eine instrukrive Geschichte der ganzen Sonntags- ruhebewegung enthält. Es bietet eine Fülle von Material über die zwiespältige Angestelltenpolitik der bürgerlichen Parteien. Ganz be- sonders interessant ist eine Episode aus dieser Geschichte, die sich nach Erlaß der heule»och geltenden Vorschriften der Gewerbeordnung im Jahre 1892 abgespielt hat. Die Vorschriften traten in der Zeit einer wirtschaftlichen KrisiS in Kraft. Den schlechten Geschäftsgang dieser Zeit legten aber einfältige oder böswillige Unternehmer der erfolgten Einschränkung der SonntagSarbeit zur Last. Statt diese Angriffe aus das neue Gesetz abzuwehren, stritten sich die bürgerlichen Par- teien darum, wer die Schuld an seinem Zustandekommen trage. In einem konservativen Flugblatt zur ReichStagSwahl hieß es: „Wer ist es aber gewesen, der diese Sonntagsruhe seinerzeit befürwortete? Es war die liberale Partei, die eS tat, und jetzt will man uns dazu verleiten, einen Vertreter dieser Partei in den Reichstag zu wählen, damit er uns noch mehr Lasten auf- bürden hilft.' Die„Freisinnige Zeitung' erwiderte darauf: „Die Bestimmungen über die Sonntagsruhe sind aber von der Regierung in dem dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwurf enthalten gewesen. Wie stimmt damit die gleichzeitige Empfehlung des koiffervativen Kandidaten als eines„regierungsfreundlichen". Keine Partei ist so leidenschaftlich für die Bestimmungen über die Sonntagsruhe eingetreten, wie gerade die konservative Partei.' Die Hetze gegen die neuen gesetzlichen Bestimmungen hatte leider den Erfolg, daß die Verwaltungsbehörden ans eine strenge Durch- fllhrnng der Sonntagsruhevorschriften verzichteten. So schränkte der preußische Minister für Handel und Gewerbe seinen Sonntagsruheerlaß vom 10. Juni 1392, in dem es unter anderen: hieß:„Ohne besonderen zwingenden Grund werden demgemäß die Arbeitsstunden sich nicht ü b e r 2 U h r oder äußerstenfalls 3 Uhr nachmittags hinaus erstrecken dürfen.. dahin ein, daß er den Regierungspräsidenten nahelegte, die Sonntagsverkaufsstunden bis nachmittags 3 oder 4 Uhr zuzulassen. Bei einer Reichstags- debatte im Jahre 1893 waren es dann auch wieder nur die Sozialdemokraten, die durch den Abgeordneten Bebel die laxe Handhabung der Sonntagsruhevorschristen scharfer Kritik unterzogen. Dos preußische DreiNassenparlament dagegen, in dem damals die bürgerlichen Parteien hübsch unter sich waren, rührte sich nicht, um das Zurückweichen des preußischen Ministers vor den Schreiern gegen die Sonntagsruhe zu kennzeiche» und für die Handkitngsgehilfen einzutreten. ES ist den bürgerlichen Parteien im Preußischen Landtage auch nicht eingefallen, für eine weitergehende Einschränkung der jetzt seit über 20 Jahren geltenden reichsgesetzlichen SonntagSruhevorschriften zu kämpfe», obwohl§ 105h der Gewerbeordnung den einzelnen Bundesstaaten hierzu die Hand- habe bietet. Seit Jahren wird von der Reichsregierung immer wieder offiziös und offiziell die Neuregelung der Sonntagsruhebestimmungen in Aussicht gestellt. Im vorigen Jahre erschien ein Vorentwnrs. Aber noch heute warten die Handlungsgehilfen vergeblich auf die für die gegenwärtige Session des Reichstags ganz bestimmt ange- kündigte Gesetzesvorlage! Die Zustände, die heute in bezug auf die Sonntagsruhe bestehen, erfahren eine gute Illustration durch das in dem schon oben erwähnten Werke des Zentralverbandes der Hand- lungsgehilfen abgedruckte Ergebnis einer Umfrage bei einer Reihe von Städten in allen Teilen des Deutschen Reiches. Davon keimen 23 Städte bis heute überhaupt noch keine orts statutarische Regelung der Sonntagsruhe, darunter Städte wie Hamburg, Altona und Esse n. Die im Wortlaut abgedruckten Ortsftatuie weisen zum Teil ganz haarsträubende Dinge auf. Sie alle sind zustande gekommen unter Mithilfe der Vertreter der b ü r g e r- l i ch e n Parteien in den S t a d t p a r I a m e n t e n. Da, wo die Sozialdemokratie in den Stadtparlamenten die Mehrheit oder großen Einfluß hat. finden wir die für die Handlungsgehilsen günstigsten Ortsstatute, so in Frankfurt a. M. und Offen- b a ch a. M. So sehen wir, daß die bürgerlichen Parteien überaus schlechte und unzuverlässige Vertreter der Angestelltenniteresien sind, daß dagegen die Sozialdemokratie überall ihren ganzen Einfluß für diese Angestelltenforderung einsetzt. Diese Erscheinung, die anch noch an anderen Angestelltenfragen demonstriert werden könnte, ist nicht etwa eine zufällige. Sie erklärt sich aus dem Wesen der einzelnen Parteien. Jede der einzelnen politischen Parteien vertritt mehr oder weniger aus- gesprochen die Jntereffen einer bestimmten Bevölkerungsschicht. Die Konservativen sind die ausgesprochenen Ver- treter des Großgrundbesitzes. Die Nationalliberalen stiio die Vertreter der Jndustriegewaltigen, des mobilen Kapitals. Die Freisinnigen finden ihre Hauptstütze im Kleinbürger- tum. Im Jentrum wiegt daS konservativ-agrarische Element über. Die Soziaide niokratie schließlich ist die ei n zig st e konsequente Vertreterin der Jnter- essen der lohnarbeitenden Bevölkerung. In ihr vereinigen sich alle, die auf ihrer Hände Brot angewiesen, sind. Nur sie ist ihr Anwalt. Auch die Angestellten gehören ihrer ganzen wirtschaftlichen Stellung und Lage nach zu dieser Partei, die nich� Die Kinder kommen. Brüssel, im April 1913. Am Montagmittag kam hier aus Verviers eine Anzahl Kinder Streikender an. und bereits eine Stunde vor Eintreffen des Zuges hielt eine dichte Menschenmenge den Platz vor dem Bahnhof besetzt. Um 11 Uhr ejn Demonstrationszng am Bahnhof vorüber, und das war das gefundene Fressen für alle Sensationsgeier. Auf den Dächern der Droschken und Autos hockten sie zu zweit und zu dritt, machten einander die Plätze strittig, fuchtelten in höchster Auf- regung mit den Armen, drehten' ihre Kurbelchen und knipsten und knipsten. Vor dem Zug, den die Menge erwartet, läuft vorerst noch ei» anderer ein, und es ist m, höchsten Grade possierlich zu sehen, wie sich die einzelnen Passagiere, die er auf den Platz speit, der uncr- warteten Volksmasse gegenüber anstellen. Die einen fassen die Sarve mit Ruhe ans. mischen sich unter die Menge und ziehen— soweit das augenblicklich geht— jh�s Weges: die anderen zittern vor Sensationsgier und recken die Hälse wie Kanarienvögel—„ach, wenn es doch irgend was gäbe!'—; die dritten endlich stutzen, stehen wie angewurzelt, bekommen kreidebleiche Nasen vor Schreck und blicken sich hstfemchend nach Schutz für Leben und Eigentum um. Inzwischen ziehen die Demonstranten ruhig ihres Weges fürbaß, gemächlich, aber sest geschloffen, wie die Arbeiterschaft Berlins seinerzeit nach Treptow zog. Die Menge schwillt mehr und mehr an. die Balkons und Fenster zum Platz hinaus sind dicht besetzt, eine Frau mit einem Milchkarren kommt nicht mehr weiter so, Herr Jagow. warum sind Sie nicht hier?!), in fünf Minuten läuft der Zug ein, und die Klnogeler in der Höhe kurbeln immer wütender. Sonst herrscht musterhaste Ruhe, die Menge steht ernst, voll Würde und wartet. Das verschwindend geringe Polizeiausgebot sieht untätig zu, ahne die Ubsicht. irgendjemand in preußischem »asernenhofton anzubrüllen und unwillkürlich drängt sich einem der «ergleich auf zwischen diesen«einstweilen jedenfalls!) besonnenen. dernünftigen Leuten und irgendeinem xbeliebigen, dickbäuchigen, preußischen Wachtmeister, der sich— folglich also den Staat— schon beim Anblick einer Gruppe von zwanzig Menschen in seinen allerh eiligsten Empfindungen provoziert und verletzt fühlt. Nun muß der Zug konmlen. Da plötzlich entfaltet sich einem Banner gleich über den Häuptern ber Menge ein riesiges Plakat, an Stangen von zwei Männern «etragen,— nun ist es völlig aufgerollt,— aller Augen blicken barauf hin—, und in leuchtend roten Buchstaben ruft es über den vlutz, weithin über die tausendkopsige Menge:„Lieo venue aux enkanta des nos arnis grevistes ä la provinoe!"(„Ein Willkomm den Kindern unserer streikenden Freunde in der Provinz!') In diesem Augenblick ist es, als packe es die Maffe wie ein elektrischer Strom, wie eine urgewaltige heiße Melodie, die sich-hoch über de» Platz erhebt und hinausschwingt weithin über das ruhende Land, als reichten sich in diesem entrolllen Banner da drüben Zehn- tausende, Hunderttausende im Kampfe geeint die schwieligen Bruder- Hände. ... Die Kinogeier hüpfen wie besessen auf ihren Droschken- dächern umher— Donnerwetter, Hochkonjunktur!... sie schwitzen wie sieben Bären und sind vollkommen außer sich.... Am Bahnhof gehen die Flügeltüren auf, ein Passagier tritt herans, zwei, drei, ein Schwärm-- und plötzlich— urplötzlich braust es über den Platz in stürmischen, nicht endenwollenden Hochs, in Bravorufen und Händeklatschen— aus Tausenden von Kehlen der einstimmige Ruf:„Hoch der Streik! Vivo la greve! Vivo la greve!'..." Die Kinder kommen. Sie kommen und»lachten ein bißchen verdutzte Gesichter über diesen ihren kleinen Persönlichkeiten bereiteten Empfang... viel- leicht haben sie einmal irgendwo gehört, daß devote Untertanen in ähnlicher Weise ihre Fürstlein enipfangen... aber als alles ihnen ringsum zuwinkt und zujubelt, da scheint ihre Kinderseele mit einem Male die Größe des Augenblicks zu erfassen, und sie bekommen frohe, strahlende Gesichter. Die Ordner nehmen sie in die Mitte, das Banner schwenkt ein und setzt sich an die Spitze und im Triumphzug geht eS den Boule- vard du Nord hinab. So begrüßt das Proletariat die Kinder seiner Brüder. Heber ein ruhendes Land reichen sich Zehntausende die Hände. Und Mütter geben ihre Kinder her... Werner Peter Larsen. Landtagawäbler. Wähler A.: O, ich bitte tausendmal um Verzeihung. Ich habe Sie ivohl auf de» Fuß getreten... Wähler B.: Bitte, bilte. A.: Pfarrer Kohlbanch— ist niein Name. B.:, Petersen. A.: ES ist ein solches Gedränge... B.: Kein Wunder, bei der dritten Abteilung! A.: Ob urair lange wird warten müssen? «.: Ich weiß nicht. Ich habe schon gewählt. •21.: Aber die Wahlhandlung hat doch eben erst begonnen? B.: Ich gehöre zur ersten Abteilung! A.: Vermutlich sind Sie interessiert, welchen Fortgang die Wahl nehmen wird? B.: Nee, ich will mir nur den Rummel'n bißchen ansehen. ES macht mir immer Spaß, wenn ich so sehe, wer alles in der dritten Klasse wählen muß. A.: Ja, nicht wahr, es ist ein Mangel, daß nran den Gebildeten nicht größere Rechte eingeräumt hat. ES ist ja leider nicht immer der Fall, daß sich Bildung mit Besitz vereint, wie bei Ihnen. B.: Na, wissen Sie, offen gesagt: meine Bildung ist auch nicht viel wert. Ich Hab nicht mal'»e höhere Schule besucht. A.: Nu», so haben Sie offenbar später nachgeholt, die Lücken nach Kräften ausgefüllt... B.: Dann war ich jetzt nicht Wähler in der ersten Abteilung. Nee, hör'n Sie, mit Bildung kann inan nicht reich werden. A.: Gewiß, was man so Bildung»ennt! Da bin ich durch- aus Ihrer Ansicht. Die einseitige Ausbildung der VerstandeSkräfte ist nicht das Rechte. Sie sind geiviß auch der Meinung, daß es viel niehr auf die Herzensbildung, auf die Charakterbildung an« komnlt.... Hm. Freilich, wenn man die meffen oder wägen könnte k Wie wollen Sie denn das machen? Heute, wo die Religiosität so im Abnehme» begriffen Angesichts der Massenflucht auS der Landeskirch«.,. Ich habe drei Kirchensenster gestiftet. Seh'n Sie, solche Bestrebungen, die müßt?» durch ein be- vorzugteS Wahlrecht belohnt werden. Denn ich meine, der Besitz al» materielle Macht und die Kirche als geistige Macht... die müßten doch, miteinander verbündet, ivohl ankommen können gegen alle schlechten Elemente. B.: Sehr schmeichelhaft für mich. Aber ich muß mich nun empfehlen. Habe die Ehre, Herr Pfarrer. A.: ES war mir eine große Ehre. Auf Wiedersehen. Wähler C: Guten Tag. Herr Pfarrer. Wähler A.: Guten Tag, Herr Doktor. Wähler CS.: Aber was hatten Sie denn mit dem Manne zu reden, Herr Pfarrer? Wähler A.: Wieso? Wie nieinen Sie das, Herr Doktor? Ein angesehener Mann offenbar! sehr reich; hat in der ersten Abteilung gewählt. Wähler C.: Kennen Sic den Mann? Wähler A.: Nein. Das heißt... Wer ist eS denn? Wähler C.: Das ist der Bordellbesitzer Petersen. ist A.: B.: A.: Ä': A.: mir in speziellen Angestelltenfragen ihr zuderlässtger Vertreter ist, sondern auch darüber hinaus ihre politischen und sozialen Verhüll- niste verficht. Die Parole der Angestellten sollte daher am IS. Mai lauten: Wir stimmen für die Sozialdemokratie! Nieckei' eine Cragödie i» einer Garde havallerieitaierne. > Ein Rekrutenmißhandlungsprozetz ähnlicher Art, wie er erst vor wenigen Tagen vor dem Oberkriegsgericht des Gardekorps zur Ab- urleilung gelangte, kam gestern vor dem Oberkriegsgericht des III. Armeekorps zur Verhandlung. Während es sich bei dem erste ren Prozeß um Mißhandlungen im Regiment Gardedukorps handelte, kamen' diesmal solche im III. Garde-Ulanen Regiment zur Sprache. Das Opfer der Ausschreitungen, der Garde-Ulan Bussian von der 4. Eskadron des Regiments, hat einen Tod gefunden, der nicht völlig aufgeklärt werden konnte. Eines Nachts wurde er von Kameraden vor seinem Bett tot aufgefunden Bussian, der Sohn eines Schlächtermeisters, trat im Jahre 1307 als Freiwilliger bei der 4. Eskadron des III. Garde-lllanen-Re gimcnts ein. Es dauerte nicht lange, so erhielten die Eltern von dem Sohn Briefe, in denen er sich über furchtbare Miß bandlungen seitens des Stubenältesten und eines alten Dkannes bitter beschwerte. Die Schreiben wurden immer häufiger. Es sei hier ein AuSzug aus einem dieser Schreiben wiedergegeben. Busfian schreibt u. a.: .Jetzt schlagen sie mich schon alle. Ich werde noch ganz verrückt. Ich weiß gar nicht, wo ich hin soll, und ich weiß nicht, was aus mir geworden ist. Den ganzen Tag weine ich. Ach, mein Goit, hilf mir! Mein Vater, ich bin verloren! Mit der Peitsche schlagen sie mich. Der Gailing setzt mir furchtbar zu. Liebe Eltern, kann ich Euch noch einmal wiedersehen? Und dann geh ich in den Tod!" Die Mutter des Rekruten fuhr um Weihnachten nach Potsdam, um die Sache dem Vorgesetzten zu melden. Ihr Sohn bat sie aber inständigst, davon abzulasten.„Mutter," sagte er,„wenn Du es meldest, dann siehst Du mich morgen nicht mehr wieder! Dann gehe ich ins Wasser! E S wird dann nicht besser, son- dern viel schlimmer!" Frau B. tat eS denn auch nicht. Dies ging so etwa ein Jahr hindurch. Da erhielt der Vater dcS jungen Mannes eines TageS die Nachricht von dem Tode seines Sohnes. Bussian hatte sich am Abend des 20. Ottober 1310 nüchtern und in guter Stimmung zu Bett gelegt. In der Nacht vernahmen andere Kameraden das Stöhnen eines Menschen, das von starken Schmerzen zeugte. Darm erfolgte das dumpfe Aufschlagen eines Körper? und hierauf toar es still. Schnell machte man Licht an und sah Busfian als Leiche. Der mittlere Körper lag rückings über einen Schemel hinweg und der Kopf und die Beine hingen zur Erde herunter. Ein hinzugerufener Stabsarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Untersuchung über den Anlaß des Vor- ganzes mutzte wieder eingestellt werden. Der alte Vater des B. ist der Ansicht, daß sein Sohn da? Opfer der früher an ihm be- gangenen rohen Mißhandlungen geworden ist. In der gestrigen Sitzung gab der Verhandlungsführer der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Fall nicht aufgeklärt sei. Die Notschreie, die der Rekrut an seine Eltern sandte, waren nicht unbegründet gewesen. Die Untersuchung ergab, daß er von zwei Leuten in der rohe st en Weise mißhandelt wor- den war. So hatte ihn der Ulan Engel, ein alter Mann, häufig an der Wand zwei Minuten lang auf den Kopf stellen lassen. Hielt der Mißhandelte dies nicht aus und knickte zusammen, so schlug und trat E. erbarmungslos auf ihn ein. Außerdem traktierte E. den Rekruten, der etwas geistesschwach war, mit Faust schlagen, Backpfeifen und durch ander« rohe AuS schreitungen. Oft schlug er so heftig auf sein Opfer ein, daß es zu Boden stürzte. Auch mit dem Reitstock schlug er ihn. Der Gefreite Gailing stand in den rohen Ausschreitungen um nicht viel nach. Er war Stubenältester und lieh den B. fast ständig Stubendienst verrichten. Er versetzte ihm Faustschläge ins Gesicht und schlug mit der Reitpeitsche auf ihn ein. Mit den Füßen pflegte er den Rekruten auch vor die Brust und gegen das Schienbein zu treten. Auch hier trat der Reitstock in Tätigkeit Ferner mußte B. dem Gefreiten die Sachen reinigen, ihm Essen holen usw. Als er ihm einmal in der Kantine etwas geholt hatte, traf ein Offizier auf der Treppe den Rekruten und fragte ihn. für wen er das Essen hole. Er erwiderte, für Gailing. worauf ihm der Offizier befahl, das Essen wieder in die Kantine zurückzu- Der neueste Sezessionskonflikt. Die Jury und der Vorstand der Berliner Sezession wollen gegen den Kunstkritiker und den verant- wörtlichen Redakteur des„Berliner Tageblatts" Beleidigungsklage erheben. Zum Zwecke: die Unwahrheit der Unterstellung zu beweisen, als ob Herr Catfircr die Jnry beeinflußt habe, alle die Künstler, die gegen seine Präsidentschaft gestimmt haben, abzulehnen. Wir betonten bereits gestern, daß eine Klarstellung durch die Sezession notwendig ist.(D6 es gerade eine Klage sein muß und noch dazu gegen zwei Personen, ist eine andere Frage.) Eine große Anzahl von Mitgliedern der Sezession ist diesmal von der Aus- stellungSjury abgelehnt worden, Künstler, die jahrelang in der Sezession ausgestellt haben, unter ihnen besonders eine Anzahl derer, die gegen Cassirers PräsidenBchaft gewesen sind. Genannt werden u. a.: Pottner. der es vorzog, das eine zugelassene Werk zurückzuziehen, Herstein.G. von Finetti, Bischoff- C n l m, beide Oppler, Oppenheimer, Westphal, Neu- in a n n. Daß unter den betroffenen Künstlern große Erregung herrscht, daß sie auf die Idee kommen, man wolle sich an ihnen rächen— ist ja sehr begreiflich. Eine andere Frage ist eS allerdings, ob Herr Cassirer Einflüsse auf die Jury auszuüben vermag, Slevogt, der Juryvorsitzende, ist in den Augen aller derer, die ihn näher kennen, viel zu unabhängig und stolz, um sich zu dergleichen herzugeben. Er soll nur von dem Wunsche beseelt sein, junge Kräfte in der Sezessionsausstellung sich regen zu lassen, und ohne Rücksicht der Person seines Amtes walten. Hoffentlich wird die erforderliche Klarheit bald geschaffen. Den zurückgewiesenen Künstlern freilicki wird man das Recht zugestehen müssen, irgendwie die zurückgewiesenen Werke der Oeffentlichleit zu unterbreiten. Daraus, daß sie in der SezesstonSauSstcllung nicht vermißt werden, folgt noch nicht, daß die emgemchten Werke minder- wertig sind._ Die Pflicht einer Künstlergruppe wie der«ezesston. auf Qualität zu halten und dem Nachwuchs ihre Pforten zu öffnen, bleibt daneben unantastbar bestehen. GYldendalS Kapitulation. Zu der bereits gemeldeten Gründung einer neuen Äinogesellschaft durch den danischen Verlag Ghldendal wird uns geschrieben: Als der Verfasser dreier Zeilen einmal mit einem dänischen Historiker die belebteste Promenadeiistraße Kopenhagens hinunter ging, wurde er plötzlich von seinem Begleiter am Arm gepackt.,„ � � „Sehen Sie sich cinnial diesen Torweg an! lind dann er- schauern Sie bitte in Ehrfurcht!" Ich fghjnir den Torweg an,, aber irgendein schauer der Ehr- bringen. Er kam dann ohne Essen z« G. zurück und nun stürzte sich der letztere über ihn her, schlug ihn zu Boden und trat ihn mit Füßen, so daß der Mißhandelte weinen mußte. Auch mit der Kette wurde B. öfter geschlagen. An seinen Armen konnte man bla,ue Flecke beobachten. Auch auf andere Weise wurde der Rekrut schikaniert. So warf man ihm einmal kurz vor dem Appell die Stiefel in einen Eimer Wasser. Ein andermal bekam er viör Tage hintereinander keinen Kaffee. Als die Klagebriefe des Sohnes nicht aufhören wollten, siihr der Vater schließlich nach Potsdam und sprach, wie er in der gestrigen Verhandlung als Zeuge bekundete, mit dem Wacht- meister Rudolf darüber. Er sagte ihm, sein Sohn werde viel geschlagen und er wolle gern aus eine andere Stube. Ter Wachtmeister habe darauf erwidert, das könne nicht sein. Sein Sohn mache nur Flausen.„M eine Dreijährigen sind feine Leute!" meinte der Wachtmeister. Und es geschah nichts. Erst später kam alles zur Kenntnis der Vorgesetzten und der Ge- richtsbehörde. Dem Wachtmeister wurde vorgeworfen, strafbare Handlungen Untergebener nicht gemeldet zu haben und außerdem wurde ihm zur Last gelegt, sich dadurch einer Anmaßung einer Dienstbeftignis schuldig gemacht zu haben, indem er über den Re° kruten Bussian ein halbes Jahr Kasernenarrest ver- hängte. In der gestrigen Verhandlung bekundeten Zeugen, daß es sich sogar um ein Jahr gehandelt habe. Der Schwadron- ch e f erklärte, er habe nichts davon gewußt, daß in der Eskadron mißhandelt worden sei, und der Wachtmeister habe ihm auch nichts gemeldet. Er wäre sonst zweifellos eingeschritten. Auch von der Verhängung des Kasernenarrestes über B. wisse er nichts. Der Ulan Engel erhielt für seine rohen Mißhandlungen gegenüber dem Bussian drei Monate und zwei Wochen Gefängnis, während Gailing mit sechs Wochen Mittelarrest davonkam. Gegen den Wachtmeister Rudolf, der bereits aus dem Regiment ausgeschieden ist, war in erster Instanz nur wegen der unter- lassenen Meldung auf sechs Wochen gelinden Arrest er- kannt worden. Dagegen wurde er wegen Anmaßung einer Befehls- befugnis freigesprochen. Das Oberkriegsgericht des III. Armee- korps bestätigte gestern dies Urteil. ** • Der Prozeß hat wieder das typische Bild deutschen Kasernenelends und deutschen Kasernenroheit entrollt. Und zahllos sind die Tragödien, die sich täglich hinter den Kasernenmauern abspielen, ohne daß sie durch eine Gerichts- Verhandlung an die Oeffentlichkeit kommen. Es ist ja doch nur leere Spiegelfechterei, wenn im Reichstage der Kriegs- minister mit toten Zahlen eine Abnahme der Soldaten- Mißhandlungen beweisen will. Nein, die Mißhandlungen ind nur perfider und heimlicher geworden: es wird mehr als rüher an die„erzieherische" Beihilfe der„alten Leute" appelliert. Und immer wieder tritt bei solchen Prozessen, besonders aber, wenn es sich um die Garde handelt, hervor, daß die Offiziere keine Ahnung davon haben, was in der Kaserne vorgeht. Es ist geradezu zum Lachen, wenn im Reichstage und sonst in der Oeffentlichkeit die Herren Generale mit ihren Fachkenntnissen über den„inneren Dienst" imponieren wollen. !Vo lernen denn die Herren Offiziere das eigentliche Kasernenleben und all seinen Kleinkram, mit dem man aber die Leute bis aufs Blut quälen und zur Verzweiflung bringen kann, kennen? In den paar Wochen, die sie in der Kaserne als Avantageur und dergleichen zubringen, steht ihnen ein Putzer zur Verfügung, sie essen im Kasino, kurz die ganze Misere des Kasernen- und StalldiensteS bleibt ihnen erspart. Haben sie erst den Offiziersrock angezogen, dann besteht ihr innerer Dienst in der Teilnahme an Appells, Stuben- und Stallrevisionen, nstruktionsstunden und dergleichen. Ist diese Tätigkeit nach >chema I' absolviert, dann überlassen sie das Feld wieder den Unteroffizieren und„alten Leuten". Daher auch die ständige Erklärung der Herren Offiziere vor den Kriegs- gerichten, daß sie von Mißhandlungen nichts gewußt und nichts gemerkt haben. Die neue Wehrvorlage wird die Kasernierung des deutschen Volkes ins Riesenhafte steigern. Wie die Dinge heute liegen, ist damit auch eine Zunahme des Käser tienelends und der Käser ncnroheit ver Kunden. Das Wort des Generals Jomini, des berühmten Taktikers unter Bonapartes Heerführern:„Les basses rnisires de la caserne dernandent plus de courage que les perils de la guerre"(„Das kleinliche Kasernenelend erfordert mehr Mut als die Gefahren des Krieges") trifft ganz besonders für das deuffche Heer zu. Und dieses Kasernenelend und diese Kasernentragödien werden so lange anhalten, bis die Mehrheit des deutschen Volkes erkennt, daß nur durch die Verwirklich.ung der sozialdemokratischen Milizforderung die Kasernenbarbarei endgülfig aus der Welt geschafft wird. Hus der parteü poHsetUdits, ßcrichtlicbes ulw. Kleinstaatliche Rechtsprechung. Tos„V o l k s b l a t t" für K o b u r g brachte unterm 13. Fe« vruar d. I. eine Unfallnotiz, an welcher die Bewertung geknüpft war:„Der die Unfallstelle gerade passierende Herr Medizinalrat Dr. Martinet lehnte die erste ärztliche Hilfe mit dem Bemerken: „er habe keine Zeit" ab und fuhr mit seinem Geschirr fort."— Durch diesen Satz fühlte sich der Arzt beleidigt und stellte— nicht etwa P r i v a t t I a g e, sondern der Staatsanwali erhob„im öffent» lichcn Interesse" Anklage gegen den verantwortlich Zeichnenden deS „Volksblattes", Genossen Joh. Müller. Das Schöffengericht erkanme unter Ablehnung des beantragten Wahrheitsbaveises auf eine Geldstrafe von 100 M.; da, wie der Vorsitzende, Assessor Seip v. Engelbrecht, ausführte: die Aussage des Arztes zur Verurteilung genüge, selbst wenn der vom Angeklagten angebo» tene Zeugenbeweis dessen Behauptungen bestä» tige! Das Landgericht Meiningen wird zu entscheiden haben, ob diese Begründung stichhaltig ist.— T-em Schöffengericbt Koburg ist in der letzten Zeit schon des öfteren widerfahren, daß seine Urteile gegen die Arbeiterbewegung in der Berufungsiitstanz eine sehr erhebliche Korrektur erfuhren. So wurde am Dienstag durch Zurückziehung der eingelegten Revision vor dem Oberlandesgericht Jena ein freisprechendes Urteil des Landgerichts Koburg rechtskräftig, nachdem die erste Instanz zu einer Verurteilung bei „LolkSblattS" zu 100 M. Geldstrafe gekommen war. furcht wollte sich durchaus nicht einstellen. Es schien mir ein Tor- weg zu sein, wie Torwege so im allgemeinen sind.— „Hier sind nahezu alle großen skandinavischen Dichter hindurch gegangen", fuhr mein Begleiter fort.„Die I. P. Jakobsen, Drach mann, Ibsen, Björnson, Lie, Kielland haben hier ihre Manuskripte hineingetragen. Sie haben den Eingang zum Verlag Gyldeudal vor sich." Nun wurde auch mir der Torweg interessant, denn der Ver lag Gvldendal hat in der Tat die großen Geister Skandinaviens in einer Weise in sich vereinigt, die ihm etwas Ehrwürdiges gibt. Und nun kommt aus Kopenhagen die Nachricht, daß in dieser festen Burg des Kinowesens eine„Dänische Filmfabrik" gegründet worden ist, der unter anderen Etatsrat Hegel und Direktor Peter Nansen angehören, die beide zu den leitenden Männern de? Verlags Gvldendal gehören. Auch der bekannte sund schätzenswerte) dänische Mäcen Brauereibesitzer Kar I Ia c o b s e n ist beteiligt. Das Aktienkapital beträgt eine halbe Million Kronen und der geschäftliche Zioeck der Gesellschaft ist: die literari- schen Schätze, die in den Räumen des Verlags Gyldendal aufgestapelt liegen, in Filme umzu- schreiben. Daß auf diese Weise ein schöner Batzen Geld verdient werden kann, glauben wir gern. Dem dänischen Kulturnamen aber macht das häßliche Unternehmen wenig Ehre, und mit der früher aller- dings vorhandenen Ehrwürdigkeit des Verlags Gyldendal ist es vorbei. Die Dänen haben eine sprichwörtliche Redensart, die eine un- gerechte Spitze gegen uns Deutsche enthält.„Was tut der Deutsche nicht ums Geld", pflegt man zu sagen. In Zukunft wird man in einer für die Dänen sehr peinlichen Weise fragen dürfen:„Was verschlägt einem alten dänischen Verlag die kulturelle Ehrwürdig- keit, wenn eS Geld zusammenzuscharren gilt?" Das Ainowesen hat sich übrigens in Kopenhagen darum so stark entwickelt, weil das wirkliche Theater danieder liegt. Aus demselben Grund haben dort oben immer die Varietebühnen eine unverhältnismäßig große Rolle gespielt. Die Berliner Theaterdirektorcn mögen gewarnt sein. ?totizen. — Im Deutschen Schauspiel hause spielt Harry Walde» jetzt das Gegenstück zu feinem Prinze» aus„Alt-Heidel- berg"— den„König" in der französischen Burleske der Drei- Jugendbewegung. Zurechtgewiesene Polizeibeamte. Wir berichteten vor einigen Wochen über die Vorgänge, die sich in Neukölln bei der Verhinderung einer Jugendversamm. lung abspielten, und wir teilten auch mit, in welcher Weise da- mals sich einige Polizeibeamte Uebergriffe erlaubten. Die Beschwerde gegen das Verhalten der beteiligten Polizeibeamten ist von Erfolg begleitet gewesen, denn der Genosse Rosenfeld, wcl- cher im Namen des Genossen Pieck und S ch ö n l a n k gegen die Beamten Beschwerde erhoben hatte, hat jetzt von dem Herrn Polizei- Präsidenten in Neukölln einen Bescheid erhalten, aus welchem wir einige allgemein interessant« Stellen mitteilen wollen. Genosse Rosenfeld hatte u. a. zum Gegenstand der Beschwerde gemacht, daß der Polizeileutnant, welcher die Sistierung Schön- lanks anordnete, den Kriminalbeamten anwies, eventuell zuy Knebelung zu schreiten.» Hierzu sagt der Polizeipräsident: „Diese Anweisung war nach Lage der Sache nicht erforder- lich, ich vermag sie deshalb auch nicht zu billigen und habe des« wegen das Weitere veranlaßt." Weiter war Gegenstand der Beschwerde die Unterbringung der sistierten Genossen in den Zellen deS Polizeireviers und die besonders lange Zurückbehaltung Piecks auf der Wache. Hierzu bemerkt der Polizeipräsident: „Daß die Sistierten in den Zellen untergebracht!>nd, miß- billige ich; es hätte vielmehr für sie ein anderer Raut-. oerfügbau gemacht werden können. Ebenso war es nicht unbedingt erforder» lich, den Pieck auf der Wache zu behalten, bis über den Verbleib seiner Akten Weisung(vom Polizeipräsidium) eingetroffen war. Richtiger war es, Pieck nach Feststellung seiner Personalien sofort zu entlassen. Auch in dieser Beziehung habe ich das Erforder» liche veranlaßt." Angesichts dieser, auch von dem Herrn Polizeipräsidenten»u Neukölln als solchen, anerkannten Uebergriffe einiger Polizei- bcamten möchten wir besonders auch mit Rücksicht auf die heute abend stattfindenden Berliner Jugendver- sammlungen das dringend« Ersuchen an die Polizei richten, der Arbeiterjugend gegenüber die Gesetze zu beachten und Ruhe zu bewahren. Krach in der Deutschen Turnerschaft. Der Ausschuß der Deutschen T u r n e r s ch a f t hat über die Köpse der Mitglieder den korporativen Anschluß der Deutschen Turnerschaft an den Jungdcutschlandbund beschlossen. � Dieser Anschluß hat nun innerhalb der Deutschen Turnerschaft eine starke Protestbewegung hervorgerufen, In Stuttgart nahm am Sonntag ein außerordentlicher Turntag des 11. Kreises der Deutschen Turnerschaft(Württemberg und Hohenzollern) zu dem Anschluß und dem Jungdcutschlandbund Stellung. Obgleich alle einflußreichen Führer der Deutschen Turner» schaft aufgeboten worden waren, und selbst die Zentralleitung den Geschäftsführer, Prof. Rühl, entsandt hatte, gelang es nicht, den Widerstand zu brechen. Es kam zu äußerst hefttgen Debatten Männerfirma Eaillavet, Fl«» u. A r ö n e. Da» ausgelassene Stückchen, in dem die Gastrolle eines balkanischen Königs in Paris dazu dient, die Streberei republikanischer Größen zu verspotten und die Abenteuer dieses Hengstes mit ihren legirimen und illegitimen Frauen erotisch auszubeuten, hat im Lessing« Theater seinerzeit das Defizit verhindern helfen. Im Schauspielhause vergröbert man die Pilanterie bedenklich und zieht die Sache zu sehr in die Länge, so daß trotz W a l d c n s sprungkräftigem Draufgängertum unh Else Gala fr öS. humorvoller Mischung von Naivität und Koketterie, trotz einiger guten Chargen(Paul und vor allem Paul ig) da» Ganze etwas abgestanden wirkt, wie das ganze Genre es läno« iit. Fort- ins Metropol!«»fliyi*- — Vorträge. Im Verein für Verbesserung der Frauenklcidung spricht am 28. April, abends 8 Uhr im Märlifchen Museum Frau Helene Dihle über: Historische Erinne- rungen zur Einführung einer deutschen Nationaltracht. Lichrbilder werden den Vonrag illustrieren. Eintritt frei. — Kunilchronik. Der moderne Bund(Schweiz) zeigt auf der fünfzehnten Srurm-Ausstellung, Königin-Auauiiaitraße 51, die Werke seiner Mitglieder: HanS Aip. Wilhelm Eimmi Wall« Helbig. Hermann Huber. Paul Klee. Oscar Lülbv Albert Pfister. Die Ausstellung wird Sonnabend eröffnet. — Der Verein Naturschutzpark(Sitz in Stuttgart) versendet soeben seiiien neuesten Jahresbericht aus dem hervor« gehoben sei. daß der Verein im dritten Jahre'seine« Bestehens die Mitgliederzahl von 14 OVO erreicht und seinen Park in der Lüne- burger Heide auf 10 500 Morgen vergrößert Hai — Die B l u m e n st a d t in der Gen'ter Welt-AuS- stellung. Die Weltausstellung, die am 26 April in Gent eröffnet werden soll, erhält ihr hervorstechendes lokales Ebaraktergepräg« durch die gleichzeitige Eröffnung des BlumenfesttaaeS. den das als .Blumenstadt' berühmte Gern alle 6 Jahre veranstaltet, um der Welt die unbegrenzten Möglichkeiter, fein« Blumenzucht vorzuführen. Die diesjährige Veranstaltung ist besonders reich aebalten. Außer dieser Spezialblumenichau, der.Floralie' wird die Weltaus, tellung selbst ober beredtes Zeugnis für die Leiitunasfähigkett der„Blumen- stadt" ablegen.' 8 — Allerlei vom Kino In der Denkschrift, dre der Deutsche Bühnenvereiu dem Reichstag eingereicht hat. wird angeführt, daß m den letzien Jahren wegen der Krnolonlurrenz 29 Theater eingegangen und 1600 Menschen brotlos geworden seien. — Der polnische Dichter S i e n k i e wie z verklagte die italieni,che Firma, die seui-n Roman Quo vadis verfilmte, auf Bezahlung von einer Million Schadenersatz, weil sie den Film ohne seine Erlaubnis in» Ausland verkaufte.— Man sieht die Sache bringt etwas ein. in der von der� Opposition kräftig gegen die Vergewaltigung der Ritglieder durch den Ausschuß protestiert und daS chauvinistische Treiben des Jungdeutschlandbundes abgelehnt wurde. Die Redner konnten sich auf zahlreiche Urteile von Geistlichen, Lehrern und Leitschriften stützen, in denen der verderbliche Einfluß des mili- Zaristischen Geistes und des Kriegsspiels, das im Jungdeutschland- Bunde gepflegt wird, gekennzeichnet lvurdc. Es wurde auch mit Ber Abzweigung eines großen Teils der Mitglieder der Deutschen Turnerschast gedi�obt nnd die Gründung eines besonderen Turn- Verbandes in Aussicht gestellt. In allen Tonarten suchten die Fübrer der Deutschen Turnerschaft, darunter bezeichnenderweise auch zwei volksparteiliche Politiker, die Opposition zu beschwichtigen. U. a. wurde auch als Lohn für eifrige Mitarbeit im Jungdeutsch- landbund das Wohlwollen der staatlichen Behörden in Aussicht festellt. Pros. Rühl glaubte mit dem Zugeständnis beruhigen zu önnen, daß formelle Fehler gemacht worden seien; er erklärte ober kategorisch, der vollzogene Anschluß an den Jungdeutschland- bund werde unter allen Umständen aufrechterhalten. Trotzdem erlitt die Führung eine schwere Niederlage. Ein von den Führern empfohlener Antrag, auszusprechen, daß der Anschluß so aufzufassen sei, daß der Jungdeutschlandbund der Deutschen Turnerschast das Recht der Mitarbeit gäbe, nicht aber auch die Pflicht dazu auferlege— wurde mit 299 gegen 276 Stimmen abgelehnt. Angenommen wurde dagegen mit 342 gegen 229 Stimmen ein Antrag, der die Beschlußfassung über die Anerkennung des Ausschluhbeschlusscs solange aussetzt, bis der nächste ordentliche Deutsche Turntag Beschlutz gefaßt hat. Diese Gährung in der Deutschen Turnerschast wird hoffent- lich dazu beitragen, den Arbeitern, die der Deutschen Turnerschast noch angehören, die Augen darüber zu öffnen, wohin die Reise geht, und sie zum Anschluß an den Arbeiterturnerbund zu bewegen. Em Indurtnc und FtendeU Ein ehrlicher Rüstungstrciber. Die Verteidigung der Wehrvorlage in dem von uns bereits erwähnten Bericht der Dortmunder Handelskammer hat auch bei Kaufleuten und Industriellen Widerspruch gefunden. In dem ..Dortmunder General-Anzeiger" ist aus diesen Kreisen gegen die Stimmungsmache für Rüstungsausgaben Protest erhoben worden. Im gleichen Organ erhebt nun dagegen ein ehrlicher Fabrikant seine Stimme und drückt der Handelskammer seinen Dank für ihr Eintreten für— das Geschäftsinteresse aus; er schreibt: ..Wie in den Vorjahren sind auch dieses Jahr wieder öffent- lich Beschwerden erhoben worden, daß in dem Berichte beispiels- weise ein wenig für die Wehrvorlage eingetreten wurde. Aber wo leben wir denn und wo soll der Handelskammerbericht Be- � achtung finden? Mitten im Jndustriebezirk, wo die Ge- schösse, die Rüstungen und die Kanonen und was sonst dazu gehört, angefertigt werden, wo die Kohlen für die Kriegsschiffe aus der Erde geholt werden und uns viel Geld einbringen." Wir wünschten, alle Rüstungstreiber sprächen so offen die Motive für ihre„gut patriotischen" Bestrebungen aus. veber den Anteil der Solinger Waffenindustrie an der Hecresvorlage schreibt die rheinische bürgerliche Presse:„Wird die HcereSvorlage der Reichsregierung angenommen, so wird auch die Solinger Wafsenindustrie hierdurch weitere Beschäftigung er- halten. Bei einer Vermehrung des Friedensbestandes unseres Heeres um 6S 999 Mann entsteht— wenn auch nicht gleich im ersten Jahre— ein Bedarf von annähernd 399 999 neuen Seitengewehren für die Fußtruppen, da außer der ersten Bewaffnung ein vierfacher Ersatz in Gewehren und Waffen vor- handen sein muß."— Schon jetzt ist nach diesen Berichten die Solinger Waffenindustrie so gut beschäftigt wie selten zuvor. Der Gesamtbedarf der überall schwer rüstenden Heere der ganzen Welt ist groß. Umfangreiche Neuaufträge einzelner Staaten der- stärken diese günstige Lage. Recht eilig ist die rumänische Re- gierung mit einem verhältnismäßig großen Auftrag in Kavallerie- und Artilleriesäbeln, der in spätestens vier Wochen ausgeführt sein muß, so daß die hieran beschäftigten Arbeiter Ueberstunden leisten müssen. Neuerdings hat auch die russische Regierung einen be- deutenden Auftrag in blanken Waffen untergebracht und fast auf alle Waffenfabriken verteilt. Die Nllstungsmilliarde in Frankreich. In der Budgetkom- Mission des französischen Senats wurde nach dem„Börsen-Courier" erklärt, daß das Budget für das laufende Jahr einen Fehlbetrag von mindestens 299 Millionen aufweist. Für das Budget für 1914 werde das Defizit aller Voraussicht nach mindestens 369 Millionen betragen. Deshalb würden zur Herstellung des Gleichgewichts des Staatshaushalts 1914 neue Steuern in Höhe von mindestens 369 Millionen und außerdem für die Bedürfnisse der K r ie g He r w a l t u n g eine Anleihe von einer Milliarde erforderlich sein. Steigerung der Eisenausfuhr. Durch die politische Situation hat das Wirtschaftsleben mancherlei Hemmungen erfahren. In einzelnen Industrien ist unzweifelhaft durch den Balkankrieg ein Rückgang in der Beschäftigung eingetreten, andere wieder scheinen völlig unberührt. So weist die deutsche Eiseneinfuhr für den Monat März Ziffern auf, die von einer erneuten sprunghaften Aufwärtsentwickelung zeugen. Im Dezember v. I. war die größte Ausfuhr(566 000 Tonnen im Werte von 116 Millionen Mark) er» reicht worden. Der Januar hatte einen erheblichen Rückgang, der Februar nur eine geringe Besserung gebracht. Im März ist aber die Eisenausfuhr um 199 999 Tonnen auf 693 999 Tonnen ge. stiegen; der Wert erhöhte sich von 195 auf 127 Millionen Mark. Der Stahlwerksverband urteilt über die gegenwärtige Lage des EisenmarkteS sehr zurückhaltend. In seinem Bericht heißt es: Halbzeug. Nach der Ende Februar erfolgten Frei gäbe des Verkaufs für das zweite Vierteljahr haben sich die inlän dischen Berbrrucher größtenteils für diesen Zeitraum eingedeckt, wobei die verkauften Mengen den Bezügen der Vormonate ent- sprachen. Der Abruf war befriedigend. Die günstige Lage in sämtlichen mit dem Schiffbau in Verbindung stehenden Industrien behauptet sich, und die Schiffswerften sind im allgemeinen bis weit in das nächste Jahr hinein gut besetzt. Auch bei den Kon- struktionswerkstätten und Maschinenbauanstalten liegt genügend Arbeit für das laufende Jahr vor— alles Umstände, die zu der Erwartung berechtigen, daß die tiviuslust sich allmählich wieder heben wird, zumal auch die alten Absa/üsse bei vielen Abnehmern zur Neige gehen.— Eisenbahnmaterial. In schwerem Ober- baumaterial wurden von den preußischen Staatsbahnen Nachtrags- bestellungen für das Etatsjahr 1913 aufgegeben, so daß der Gesamt- bedarf an Schienen, Schwellen und Kleineisenzeug für das laufende Etatsjahr den des Vorjahres erheblich— um rund 134 999 Tonnen — übertrifft. Mit Klein- und Nebenbahnen wurden in den letzten Monaten ebenfalls beträchtliche Mengen abgeschlossen.— Form- eisen. Ter Jnlandsabsatz ist zufriedenstellend; doch beobachtet der Handel für neue Geschäfte infolge der immer noch unbeftiedi- genden Lage deS Baugeschäfts, namentlich an den größeren Plätzen, weiter Zurückhaltung. Ein stärkeres Hervortreten der Kauflust dürfte erst mit einer günstigeren Gestaltung der Geldverhältniffe und einer besseren Auffassung der gesamten politischen Lage zu erwarten sein. Auf dem Auslandsmarkt liegen die Verhältnisse ähnlich wie im Inland«, Der Abruf befriedigt, doch ist man auch hier in bezug auf neue Käufe zurückhaltend. Rückgang der Kohleuproduktion. Nach dem Bericht deZ Rheinisch- We st fälischen Kohlensyndikats sind die Gesamtförderung und der Absatz deS Syndikats im März gegen den Februar d. I. zurückgegangen. Pro Arbeitstag betrug die Kohlen« förderung nur 343 gegen 345 Tausend Tonnen, der Absatz nur 286 gegen 288 Tausend Tonnen. Ebenso ging der Versand in Koks um 3 Tausend, in Briketts um 299 Tonnen pro Arbeitstag zurück. Der Bericht erklärt diesen Rückgang durch die in den Tagen vor und nach dem Osterfest stets bemerkbar werdenden Abschwächungen der Förder- leistungen der Zechen sowie durch die der vorgeschrittenen Jahreszeit entsprechende Abnahme des Verbrauchs für den Hausbrandbedarf. Daß die Ursachen aber auch in einer A b s ch w a ch u n g der Kon- junktur zu suckien sind, beweist die Tatsache, daß das Syndikat die Beteiligungsanteile für(den wesentlich zu industriellen Zwecken verwendeten) Koks von 85 auf 89 Proz, herabgesetzt hat. Man rechnet also im Syndikat für die nächste Zeit mit einem weiteren Minderverbrauch._ Spiel und Sport. Arbeiter- Wanderbund„Die Naturfreunde�. 1. Besuch der Schleusenanlagen des Großschiffahrtsweges Berlin-Stettin. Eberswalde— Schleusenankagen— Niederfinow, Abs. Stettiner Fernbahnhos 5,5S vorm. (Sonntagskarte Z, Klasse Eberswalde,) 2, Frohnau— Forsthaus Zühlsdorf— Birkenwerder. Abs. Stetfiner Vor« ortbahnhos 6,45 vorm, 3. Wildpark— Ferch— Michendors, Abs. Bahnh, Friedrichstraße 6,17 vorm. 4, l�kursion der Naturwissenschaftlichen Abteilung nach Fmkenkrug. Ais, Lehrter Bahnhof 7,29 vorm. 5. Motivtour der Photoabteilung nach Potsdam— Werder. Treffpunkt 7,39 vorm. Potsdamer Bahnhos, 6. Kaulsdorf— Köpenick. Abs. Schlesischer Bahnhos 1.89 nachm. Gäste willkommen, Arbeiter- Wanderverein„Berlin". Sonntag, den 27. April: Wanderfahrten nach I. Gr-Benitz— Kl,-Benitz— Riwand— Bagow— Pawesin— Wachow— Gr.-Benitz. Abfahrt 7 Uhr Lehrter Hauplbahnhos, II, Eichkamp— Picheiswerder— Kladow— Gatow— Sakrow— Wannsee. Treffpunkt 8—''1,9 Uhr Bahnhof Eichkamp. Außerdem veranstaltet der V erein während der Psingstseiertage eine dreitägige Wanderfahrt nach dem Ricsengebirge. 1, Tag, Krummbübe!— Schneekoppe— Spindelmühl, 2. Tag. Elbgrund— Zackcniall—Schreibcrhau— Kynast. 8, Tag, Hirschberg und die Talsperren,— Ferner findet eine Dreitagetournach Lagow—KonigSwalde—Zielenzig— Frankfurt a.O.—Lebus— Kllstrin statt.— Parteigenossinnen und Genossen, welche sich an den Touren beteiligen wollen, werden gebeten, am Mittwoch, den 30. April, abends 8 Uhr, im VereinSkotal F. Wählisch, Skalitzer Straße 22, zu erscheinen. Arbeiter- Touristcnverein„Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin, Sonntag, den 27. April, Wanderungen: l. Lehnitz— Bernöwe— Nassenheide, Abs, Stettincr Bahnhof 5,59 nach Lehnitz,— II. Rchseldc— Wüste- Sicversdors— Märkische Schweiz— Gr,- Klobichsee— Dahmsdorf, Abs. nach Nehselde(Fernzug) Schlesischer Bahnhos 7,99. Gäste willkommen. Arbeiter- Radfahrer- Bund„Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 27. April, l, bis 5. Abt. 6 Uhr: Saarmund. 12 Uhr: Nowawes(Singer).— 6. bis 11. Abt. 7 und 12 Uhr: Straus- berg(Hungriger Wols).- 6. Abt. 12 Uhr; Zühlsdorf(Leffcntliche Per- sammlung bei Piepenhagen). Starts an den bekannten Stellen. Turnverein„Eiche", Köpenick. Am Sonntag, den 27, Avril, findet auf dem neuen Turnplatz vor dem Elektrizitätswerk da» gemeinsome An- turnen aller Abteilungen statt. Anfang nachmittags 2'/, Uhr.— Freunde und Gönner der Turnerei sind herzlich willkommen. Märkische Spielvereiniguilg, Bezirk Gross-Berli«. Am Sonn- tag, den 27. April, nachmittags 4 Uhr. veranstalten die Arbeiteriuni- und Sporlvereine ein Provaganda-Fußballspiel zweier geübterer Mannschaften der Nordvcreine gegen die Südvereine auf dem Turnplatz ln Reinickendorf, Thuner und Rutlistraße. Der Eintritt zu diesem Spiel beträgt diesmal 25 Pf. für Erwachsene; Schüler, sowie die Jugcndmitglieder der an- geschlossenen Vereine zahlen 19 Pf, Die Einnahme soll verwendet werden zur Anlegung eines besonder«: Sportplatzes, da bekanntlich die bürgcr- lichen Verbände ihre Plätze für Arbcitersportveranstaltungen gesperrt haben, Um recht rege Unterstützung dieser Veranstaltung durch die sporlliebende Arbeiterschaft wird darum gebeten, H. Weltmann Nachfolger Stefan Esders BERLIN C Kaiser-Wilhelm-Str. 41-42 Spandauer Strasse 70-71 Anzüge em- Lindzweireihig-Neueste- Dessfnsund Moefeile M. 1 9- 25- 32- 39- m.45.- 55- 65- 75- Grössfes Spezialhaus für vollst ändige Heppen-, Damen- und Kinder-Bekleidung |i Jünglings- und Kinder-Anzüge, Damen-Kostüme und Ij H Paletots, Röcke, Blusen,]upons, Morgenröcke, Damen- || und Mädchen-Kleider, Schuhe, Hüte, Herren- und V |i Damen-Wäsche, Krawatten, Handschuhe, Stöcke, Schirme|| ..... Grosse Auswahl □ Billigste Preise H A.Werihemi U Leipziger Str. ISA— ISO 138— 137 Bahnhof Platx G. sn. b. H. Rosenthalcr Strasse Oran!en«Strasse Versand-Abteilong: Leipzigerstr. 132/137 Wurstwaren ■{p* Rotwarst...... m 55, 85 pr. Landleberwarst..... m 1.00 kein« Leberwurst... 1.20 Pasteten-Leberwurst 1.25 Baucrnmcttwurst...»--ck 1.25 �aztlwurst.......»«.»1.10 Teewurst........ pt«.» 1.30 Zervelatwurst.....»m.» l.ZO Salamiwurst......»«.» 1.30 RolbdilnRcn l.SO rv König-Str. am Freitag und Sonnabend: Bachobst DRiio»owMOiiRi Moselwein Bordeauxwein iaU. Fluch* Gemisch1. Batkob«™ 40, 50 p,, g RaKaOU.■ WorMMIiTgtr.... �."tS Kalif. Pflaumen 22, 28,38,45 k f j c IL lr 1 Ji M. 1 91 1 Remlcher... 82». 80 Pf. Entstelnt-Pflaumcn m. 50, 58 pt W OCliOliOmÜG> 1 909 Conzcr oud. 95 pr. 92 Pf. KaIirorn.Binienpfd.38, 48, 58 pt. �[JeutMher Kakao m 65p,. ,.00 W loll??™™---- J'.e Jl? Kahforn. Aprikosen Hd.65, 80 pt y Block-Schokolade.. piua SO pt. U Lieserer.... 1.35 1J2 Kaliforn. Pfirsiche Pf». 42, 52». p HaushaIt-SchoRoIadcpa.70,80pf. H DKäi»» AmeriK.Ringäpfclpfimd42,52pt M Vanille-Schokolade 1.20, 1.30 y KIlclIlWGin Bohräpfel...... pfm»» 55».== Ankerbrot........ Pf«»» 70 Pf. oheiu«». �ueoo«».»«1«)'afi. beimFi. Italienische PrönellenpfondSO n.■ Aaa der•'*««»« Konditor*: m J 911 Maikammcrer 72 vl 70 pi. Kirsdu�P�eo.«�« y Sandtorten y Kaliforn. Kirschen 1.40 W stück 45 Pf.> 1907 Jugenheimer 1.15 1.12 CBiiiiiciiiiniBiaiii� Frisches Fleisch Kabeljau 0''n 64nz. Fischen Seelachs oh- � ,n ganz' lOpf. Schellfisch...... Pfund 22 Pf. Rotzungen....... pfund 15 pf Schoilenru 20, Fr. Zander 68 pr. Vi FL bei 10 Fl. 1909Lcs Bcssannes90pf. 88 Pf. 1 907 Castillonnais 95pf. 93 pt 1 909 Crii du Marin 1.05 1.02 1 906 Beaufils-BIayel.l 5 1.10 1907Bcychevclle 1.30 1.25 Diverse Weine loIU. Flasche■/, Fl. hei 10 Fl 1 909 Saint Mathleu fie„t (roter Naturwein). P■ 1909 Saint Barbara rot75pf.73 pt Fein. alt. Tarragona 1.00 95». Douro- Porttvein I 1.55 1.50 Kalbfleisch Keule u. Rüchen im GaI?:� 95 p? Kamm u. Bug. prund 75. 80 pr Brust Pfd. SOpl Spitze p». 95 pr. Sc hb3 eine fleisch Schmhen Im Ganzen. Pfund 80 Pf Kotelettes p». 95, Eisbein 60 pf. Kamm, Schuft, PÖK*111?� 85 pr. Rüchenfett p». 65 pf.,5 Pfund 3.10 Kassel. Rippespeer L Ä 90 pf EetotUcKbis 2Pfd� gQpf NltteUtttcK] QQ Ochsenfleisch Schmorfleisch Pfund 85 Pf., 1.00 Roastbeefpfd 1.00, ohne KÄ 1-40 Brust u. Fehlrippe. Pfund 75 pf. Kamm Pfd. 70, Querrippe 65 pf Australisches Hammelfleisch worsiitfllcKe Qualität Keule u. Rüchen im Gapnf� 90 pr Kotelettes....... stück 15pf. Diche Rippe..... Pfund 85 pf. Dünnung........ Pfund 70pf. Fische soweit verbanden LachS in ganzen Fischen. Pfund 63 Pf Lebende Hechte.. pfnnd 1.08 Lebende Plötzen. pfund 35 pf. Leb. Karpfen ScS95 s�a 1.00 Leb. Krebse Mandel 45pf.bis4.00 Soweit vorhanden Junge Gänse pfund 0.95 u. 1.15 Enten......... 2. 15 bis 2.75 Brathühner.... 1.60 bis 2.65 Suppenhühner.. 1.60 bis 2.65 Masthühner.... 2.95 u. 3.25 m PouletS gefroren........ 1*60 W Frische Eier.... Mandel 85 pf. y Frische Trinheier Mandel HO W □iiB □OD DOD □□□ Theater und Vergnügungen reeitng, 25. April 1913. Anfang VI, UBt, Königs. Opernhaus. Cavalleria rusticana. Bajazzi. Königs. Schauspielhaus. Der ZprampuZ. Deutsches. Der lebende Leichnam. Anfang 8 Udr. Ilrania. lieber den Brenner ngch Venedig. Kammerspiele. Mein Freund Teddh. Scfüng. TantriS der Narr. Deutsches Schauspielhaus. Alf. SehilleF-TheaterO.lS: Freilag, abends 8 Uhr: Gyges and sein Ring-. Sonnabend, abends 8 Uhr, (»eographle nnd Idebe. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Geographie nnd Idcbc. Westen?. Wiener Heidelberg. Theater des Blut. Berliner. Filmzauber. KöniggrStzer Straße. Die 5 Frank- surler. Kleines. Professor Bernbardi. Deutsches Opernhaus. Tante Si- mona. Schleier der Pierrcite. Schiller D. GygeZ und fein Ring. «tharlottenburg. Klein Dorrit. Komödienhans. Hochhcrrfchaftliche Wohnungen. Kurfürsten. Oper. Das Farmer- Mädchen. Metropol. Die Kino-Königin. Trianon. Madame X. Residenz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchen. Montis Operetten. Der Zigeuner- primaS. Luise«. Vor 100 Jahren. Rose. Khritz-Pyritz. Herrnfeld. Die Schonzcitjäger. LiebeSprobe. Cafino. ArturS Flitterwochen. Wintergarten. Spezialitäten. ReichShalleu. Stettiner Sänger. Walhalla. Parole Walhalla. Ansang S'lt Uhr. Theater am Nolleudorsplatz. Extrazug nach Nizza. Ariedr.-Wilh. Schauspielhaus. Grigri. LuftspielhanS. Majolika. Folies Caprice. Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy. Ansang 8'/, Uhr. ReueS Volkstheater. Julia. Ansang 9 Uhr. Admiralspalaft. CiSballett: Flirt in St. Moritz. Berliner Eispalast, Lebende GS- skulpturen. » �» Sternwarte. Jnvalidcnstr. 57— 62. Vontsebes diebansplelbans H Uhr: Alt- Heidelberg. (Karl Heinz.,, Harry Waiden.) Schiller-Theater"Vür0 Freitag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Sonnabend, abends 8 Uhr: (Zum c r st e n Male): Zyvei Wappen. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: König Kear. Sonnlag. abends 8 Uhr: Zwei Wappen. BerlHier Theatej. 8 Uhr: Fiimzauber. Theater in ilerKöniiBrötzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Thealer des Westens. 8 Uhr(.VoWtüinliche Preise-): Wiener Rint. Sonntag 3'/, Uhr: Der liebe Auguslin. TheateramKoilendorfplatz An allen Tagen der Woche 8'/, Uhr: Rzctranng nach Nizza. Sonnabend nachm. 3'/,Uhr: 4. Sluff. der Opernschule d. Stcmschen Konserv. Mis öpsretten-Theater ((t. Neues Theator). Amt Norden 1141. Abends 8 Uhr: Der Zigeunerprimas. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Neu! Jaffi Burleske von Meysel. Anfang 8, Sonntags 7'/, Uhr. Residenz-Theater. Abends 8 Uhr; Die Frau Präsidentin. (Madame la Präsidente). Morgen und folgende Tage: Die i'ran Präsidentin. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. hinsen-THoater Freitag, abends 8 Uhr: Benefiz für Frl. Clara Bracco: Bor 100 Jahren. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zaza. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Bor 100 Jahre». Sonntag, abends 8 Ubr: Zaza. lOSE=THEATEn urtei Str. 132. 1■ I 8 Uhr. -Piritz. ü Grojze Frankfurter Anfang Ji Kyritz Posse m. Gesang in 3 Akten von Willen. Sonnabend, rralbm. 3 Uhr iSchüler- Vorstellung): Wilbein» leit. Zlbends b Uhr: Wilhelm Teil. Tanbenstrave d8/AS. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Ohr: UederMrenner nectiVeneiüg Admiralspalast Ei8«Arena Abends 9 Uhr: Das sensationelle Eisballctt Flirt in St. Moritz. Die kleine Charlotte. Bis 6 Uhr und von KP/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. Wein- und Bier- Abteilung. 10-8 Uhr Eintritt §0PI. OUiSjküufg m iSer CjUtSjt<£ütxjS(cJl.'. c &*6u. tLCÜirf-UJRcd 'JJ 3 29 PI. Passage-Panoptikum DUR SKELETTMENSCH Das Wunder atavistischen Ver- seneidens. I.EBEXD! FUSSKÜNSTLERSARTON Der armlose PAGANINI Alles lebend!-ME Alles ohne Extra-Entree! Folies Capriee. Die Novitäten: • Die Bank.• • 8 ein letzter Wille. 9 9 Der Cowboy.• Slniang 8'/, Uhr. Borvert. 11— 2J16r. MM Täglich bis inkl. Mittwoch 30. April präzise 8 Uhr abends: Schonzeit- Jäger. Liebesprobe. Vorverkauf 11—2(Theaterkasse). Ab Donnerstag, den I.Mai 1913: fiese blossen._ Jh™* Mauerstraße 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstrafle 90/91. Großes]>oppeI- Konzert, Philharmonisches Biasorchester 1 aus Mailand. Dirig. Maestro L o r e-t o T e s o n e. Musikc. des 1. fiarde-Dragon.-Regts., Dirig. Oberni. Baarz. Anfang 8 Uhr. Kintritt 50 Bf. Anfang 8 Uhr. Der mC1omu bleibt bis auf weiteres gedfinet» Utetropol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operelle in 3 Akten von Jnl. Freund und G. Otonkowski. Musit von �Tean fillbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz.. M BseiunaDQ J. Giarapietro G. Thielselier l liorliert l BaM i. Russka Ly Winter Trianon-Thealer. Täglich 8 Uhr: MgljWS X. Sonntag 3 Uhr: Per selige Toupinei, Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Montag, den 5. Mai: Der urkomische Poisenschlager: Arturs Flitterwochen u. das glänzende ersttlass. Programm. Sonntagnachm.: O. diese Männer. Schluß der Saison: Hontag, S�Mai. Voigt-Theater. Badstraste 58. Freitag, den 25. April 1913: Die Tochter des Herrn Fabricius. Schauspiel in 4 Alten von A. Wllbr andt Kassen erössn. 7 Ubr. Ansang 8'/, Uhr Walhalla-Theater. Weinbergsweg 19/20. Täglich 8'/, Uhr Parole; Wallralla! Große Ausslattuiigsposse. Vorzugskarten hoben täglich Gültigkeit. Ilieztsi XönigZtsitt-CssiDn. Ecke Holzmar«. u. Aleranderstraxe. I Minute v. Bahnh. Jannowitzbrücke leb komm« von Boi-vn WJ* und das erstklassige Spezialitäten-Programm. u/ur den Inhalt der Juierare Nderniininr die Redaktion dem Publikum gegenüber kriuertri Vezacktmortung. �«mtwsrtlich�'sle�kNmr: Alsretz Wiclepp, Reukölln. Für de» gnseratentetl verantw-i Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:«orwärt, Kuchdruckerei». BerlagSanjtatt Paul Smger Berlins«. "■ 2. Iriliiiif ii« Jotmürtü" Inlinft Pollisliliitl Reichstag 143. Sitzung. Donnerstag, den 24. April 1013. nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratStisch: v. Heeringen. Zunächst steht noch ein zurückgesetztes Kapitel deZ Militär-Etats (Gouverneure. Kommandanten und Platzmajore) auf der Tages- ordnung. Die Kominission deantragt, die K o>n m a n d a n t e n von Karlsruhe und D a r m st a d t vom 3». September an fort- fallen zu lassen; der Kommandant des Truppenübungsplatzes Darmsladt soll vom 1. Oktober ab zugleich Kommandant in Darm- sradt sein und in dieser Stelle ein Burcaugeld von 180 M. jährlich erhallen. Kriegsminister v. Hecringen: Der Antrag der Kommission ent- spricht nicht den Staalsverträgert. die mit Hessen und Baden bei der Gründung des Reiches geschlossen worden sind. Icki bitte Sie dringend davon Abstand zu nehmen und uns die Möglichkeit zu geben zu freien Vereinbo,eungen mit den beiden Staaten, so daß die gewünschte Regelung f,„ Jahre 1914 eintreten kamt. Hessischer Buitbcsr�Bebollniächtigtcr Dr. Freiherr von Bicgclebcn und� badischer Bundesrats bevollmächtigter Ministerialdirektor Dr. Nieser berufen sick� ebenfalls auf die Militärkonventionen dafür, daß die Kommandantenstellen in Karlsruhe und Darmsladt nicht einfach vom Reichstag z„ streichen sind. Ein Aytrag Albrecht lgoz.) verlangt weiter die Streichung des Koniniandnpten von Königstein a. d. Elbe. Abg. Schüpflin srhäd/iche �Jtäschezu Unserem Parteigenossen � Ferdinand lSaanch V nebst Gemahlin W • s % die Herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. 3SA Der Bezirk 322. Todes-Anzeigen SozialiiemokratiselierWaliivereiD I.il.4.BEri.IleiEhsta8si'alilkreis. Frankfurter Viertel.(Bezirk 381.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genvsie, der Musiker Karl fflrstnow Höchste Straße 20. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freilag. den 25. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zenwal- Friedhofes in Friedrichzselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht -1313 Der Vorstand. . ZeDtralverfaand dsr ZiviltDuslker üEutsctilands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Ksii Fürstenow am Dienstag, den 22. April an Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Freitag, den 2S. d. Mi»., nach. mittag« fl.�Uhr aus dem Zentral- wiedhos in Frtedrtchsselde statt. Um rege Beteiligung ersucht Zentral- Web- und Slerbekasse der fleutschED Wapbaner. Nachruf. hiermit den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied GuiM Sclmappup om 18.«fnl•" M-»--,»«« verstorben ist... Ehre seinem Andenken. »8/1 Die Lrtsvertvaltung. Danksagung» X Verwanden und Bekannten, mdere den Angestellten de,. Auergesellschast und dem tützungsoerein der iTchmiede ie zahlreichen Kranzspenden i herzlichsten Dank. b3ev Wwe.»linoq. fErband dsr BnrEanangestellten Ortsgruppe Groß Berlin. Den Mitgliedern zur gefl. Kennt- niS, daß unser Kollege Wilhelm West Krankenkassenangestellter(Allgem. O.-K.-K. Berlin), plötzlich an Blut- stürz»erslorben ist. Ehre seinem««denken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. April, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle in Friedrichsselde au» statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 46/10 lila Ortsverwaltung. illgEniEinE Ortskrankenkasse zu BErlin. Arn 22. April starb plötzlich unser Kollege Wilhelm West im 52. Lebensjahre. Ww verlieren in Ihm emen lieben rechtschaffenen Kollegen, dessen wir in Ehren gedenken werden. vi«»ngastsillen dar Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Berlin. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. April, nach- mittags b Uhr. von der Leichen- ' alle oes städlischen Friedhoss in -riedrichsseldr aus slaw._ Ortskrankeukasse zu Berlin. Am Dienstag, den 22. April, nachmittags 5 Uhr, verschied plötzlich und unerwartet unser Kaffenangestellter Wilhelm West im 52. Lebensjahre. 270/8 Der Verstorbene, der seit dem 17. Juli 1305 in unseren Diensten stand, war em Muster weuester Pfiichterjüllung. Sein Andenken werden«vir in Ehren halten. Der Vorstand. Wildelm Riehl, Vorsitzender. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 26.»lprii, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhall« des städtischen Zentral- Friedhose» in Friedrichsselde ans statt._ SozialdemokraiiscbErWalilverEin Charlottenburg. I Gruppe. Arn 22. April verstarb unser Genosse, der Arbeiter Wilhelm Güter im 69. Lebensjahre. 250/6 �ksire feinem Andenken k Die Beerdigung findet Sonnabend, de» 26. d. Mts., nach- mittag» 4 Uhr. in Stahnsdorf statt. Um rege Beteiligung ersucht Dvr Vorstand. DEDtseherMetallarbeiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Paul Jack Posener Sw. 18, am 23. April an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. April, nach. mittags 3>/, Uhr, von der Leichen- Halle de« Zenwal-Friedhose» w Friedrichsseide auS statt. Rege Beteiligung erwartet 117/4 vis Ortsverwaltung. Am 23. d. M. verstarb nach kurzen, schweren Leiden meine liebe Frau und Mutter meiner Kinder, Tochter, Schwester und Schwägerin Elisabeld Buch geb. Sachse an den Folgen einer Operation. Um stille« Beileid bittet klar Buch und Kinder. Familie Sachse. Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. April, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Weißenseer Gemeindesriedhoss, Rölckeswaße, aus statt._ 5386 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und sür die Kranzspenden bei der Beerdigung meine» lieben Manne», unseres guien Vaters, sagen wir allen Beteiligten besten Dank. Frau Wwe. BedkeiKi 69A nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne» sage ich allen Ver< wandten und Freunden, besonder» den Pächtern der Kolonien All-, Neu- und Nord-Lichtenberg, auch der Kolonie Alpenhöhe sowie dem Gesangverein und Sparverein„Letzter Heller" sür die schönen Kranzspenden meinen herzlichsten Dank. 537b Wwe. Amanda Guthschmidt nebst Kindern. Landsberger Chaussee 160. Danksagung Für die liebevolle Teilnahme und die herrlichen Kranzipenden sazen mir allen, insbesondere dem VI. so- zialdemokralischen Wahlverein, hier- mit unseren besten Dank. 77A Ww. Hsussdowski, nebst Kindern, __ Müllerstraße Nr. 149._ Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie den Herren Kollegen, insbesondere der Berliner Hausdiener- und Packervereinigung sage ich sür die herzliche Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Otto Hatcdort herzlichen Dank. 951 Mari© Matzdorf. Bekanntmachung. Ortskrallkevkasse für den Amtsbezirk Kerlill-Tegtl mit Ausschluß vo« PlStzensee. ®ie Frühjahrs- General-Versammlung wird anberaumt auf Montag, den S. Mai 1913, abends 8 Uhr, nach dem Trapp scheu Saal(Inhaber: ZiegS u. Co.), Berlw-Tegel, Bahnhos- swaße 1/2. Tagesordnung: 1. Vorlegung der JahreSrechnung 1912, daran anschließend Bericht der Rechnungsprüfer und Entlastung deS Vorstandes. 2. Verschiedenes. 270/7 AIS Legitimation ist die schristliche Einladung mitzubringen. Die Herren Vertreter werden um pünktliche« Erscheine,« gebeten. Beriin-Tegei, den U. April 1913. Der Vorstand. Oswald Ar It, Vorsitzender. Karl Müller, Schristsührer. JfAMM erjarobf e. ertpforoen S|| ZMeniMMiMM. auch■werd.Bezugsguell. nachgew. Alleiniger Fabrikant: H. Jacobowekl, Neukölln. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes sage allen meinen lieben Verwandten, Belannteri, Kolleginnen und Kollegen meinen herzlichsten Dank. 5751 Witwe Else Dräbert. Vorjährige feinste Anzüge, Paletots, schicke Ulster, Gebrockanzüge, Smokings, Fracks a.8eide30-70 M. taoiiliaiis Germania LI. Unter den Glnden LI. Achtung! 6—700 Anzüge somit! Sommerpaletots!t.Zllsttl Honatsffarderobe in seinste» Werkstätten Berlins gearbeitet, teils auf Seide, für jede Figur paffend, verkauft zu staunend billigen Preisen Xntknn WnMdi 120®fntit>er®tr. 120. Hochbahnstation KottbusrrTor. Bitte im eigenen Interesse auf Hausnummer zu achten. Abt. II: Hene Garderobe. IN l et I — Ziehung schon 8. 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Ter Eiuverufer:.chlbia Cziczak, Gerichtstrasie L«. 3. Kandtagsmahwezirk Heute Freitag, den SZ. April, abends 8V2 Nhr: Wähler-Versammlungen in den Rittersälcn, Ritterstr. 75, bei Wllke, Sebastianstr. 39, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, Nene Refsonrce, Michaelkirchstr. 39. Tagesordnung: l. Die bevorstehenden Landtagswahlen. 2. Aufstellung der Wahlmänner. Referenten: OsK. Jensch, Paul John, Stadtv. Wilhelm Pätzel, Karl Melle. 199/19 Tatz Wahlkomitee. Sozialdemokratischer Verein im 5. Wahlkreis(Ubieitei!, Wähler- Versammlung! 8. CaodtasswaMtxzirk. Freitag, den 25. April, adeuda 81s llhr, in den„voiOllZ- Sälen", Greifswalder Str. 221/223. Tagesordnung: „Das Landtagswahlrecht und die liberalen Parteien." Referent: Redakteur Hans Weber. 222/3* I. A.: Der Abtellungslührer. l» Zlemalinngsstkile Serlin. C 54, FinirnKr. 83—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1289, 9714. Sonntag, den 27. April 1313, vormittags 3'/, Uhr, im grosten Saal der Brauerei �riedrichshain, Am Friedrichshain 23: Erancbcn- Vcrfainintuiig der Eisen-, Metall- nnd ztevolverdreiier somit Rundschleiser. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Wahl deZ Branchen« Vertreters und der' KommisstonSmitgliedcr. 4. NerschiedencS. ' Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.—— Sonntag, den 27. April 1313, nachmittags 2'/, Uhr, im Lokal„Süd-Qst", Waldemarstr. 73: Branchen- Versammlung der Emaillierer von Berlin nnd Umgebung. Tagesordnung: 1. Vortrag der Kollegin Nstltia MasB über:»DaS Interesse der Krau am öffentliche» Leben". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und DerichiedcncZ. Sonntag, den 27. April 1313, vormittags 10 Uhr, in den Marine-Festsälen» Brandenburger Ufer 1(an der Jannowitzbiücke): iü Branchen-Versammlung== aller in der Mktallindnstrie beschäftigten Maschinenarbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: t Vortrag deZ Kollegen �dalt Valien. 2. Diskussion. 3. Branchen« angeiegenheiten. 4. VeischicdeneS. Sonntag, den 27. April 1313, nachmittags 3 Uhr: ßlitglieder-Verfammlung für Grüna» und Umgegend im Restaurant Falkcnberg, Grünau, Richterstr. 9, am Bahnhof. Tagesordnung: 1. Wie gestalten wir unsere Beitragssammlnng in unsere» Wohnorten? 2. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert.— Der äußerst wichtigen Tagesordnung wegen erwarten wir das Er« scheine» aller Mitglieder. 117/3 D4o Ortsverwaltang. Vcrkanf nur Im Fabrikgebäude! g mm Sie sparen Geld!1 i Ivl Ö bei<«"•' Möbelfabrik 35 a i H.Walter»Willi Maae,!Kis| Tel.; A. III, 5157�. kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebäude— eigene! Tischlerei und Polsterei.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35■■Permanente Musterzimmer-AussteUung.BBi 35 Franz.-engl.-ital.-deutschcZeüungen f. spracht, gortbild. liefert z. Probe gratis C. Lüthy. Ebau�-de-Fonds-.ll< Schweiz, kliria die lig euoerlo sl'eui!isiii!4M!!-8i!i'!e ��»kerst-�ufluhrunzs- für Lerlin nur MM te Weiiniis Weddinplatz, Licbtspielpalast. Zugenclliche Arbeiter u. Arbeiterinnen! Heute Freitag, den ÄZ. April, abends 8 Uhr: Fünf große unpolitische— Jugend= Versammlungen in folgenden Lokalen: Pbamas-Täle, Müllerstr. 142, Ballschmieders Fesisäle, Badstr. 16, Berolina-Festsäle, Schönhauser Allee 28, Ilndnvas-Fsslsalv, Andreasstr. 21, Arminhallen, Kommandantenftr. 58/59. Tagesordnung: Rcserenien sind die ReichSiagSabgcordnctcn: vr. Lodn, l)r. Lrdmann, vr. Trank, Xarl(ZIedel und lfeinrich Schuir. Jugendliche Arbeiter nnd Arbeiterinnen! Erscheint maffenhast in den Versammlungen! Jugend heraus. Besonders die schulentlaffene Jugend ist willkommen! 280/5 Ter. ll/2 .«ottbuier Tamm 22. tpbersw aide. Breit est r. Zt. Dr.Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄPa,Iu 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 3 Bände 4 Btarf• Buchhandlung vorwärts Verantwortlicher Redälteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für'den Jnferätenteil veranuo.: Th-Glocke�Berlin. Druck u. Verlag: LZorwärtD»uchdruckerei u. VerwgSanstalt�Paul Singer u, Co., Berlin Seulscd-öngl. Neuheiten tör Uvi'i'vu uaö Uuiuou. F,iun«>Iverkuuf zu selten billigen preisen. TncHptiii', Yorekstf. 15, pt. SlolTe Ordentliche Generalversammlung der Orts-Krankenkasse der Hufmacher, Hutfournituren- u. Filzwarenverfertiger zu Berlin Ufontac, den 5. Hai 1918, abends 7,|, Uhr, im Restaurant„Armin-Hallen«', Kommaudanteustr. äb/uS), goalL ' Tagesordnung: 1. wahres- und Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren pro 1912 und eventueller Antrag aus Erteilung der Decharge des Vorstandes und des Rendanten. 8. Beschlugfassung über die neue. auszustellende Satzung nach den Be< stimmungen der ReichZoersicherungS« ordnung. 4. Antrag der Beamten um B«- zahlung der vollen Versicherungsbeiträge der Angestellten-Versicherung durch die Kasse. 5. Anstellung von zwei Beamten. 6. Verschiedenes. i 535b Zahlreiches Erscheinen der Arbeil» gebar« und Arbeitnehmer-V-rtretcr erwünscht. Als Legitimation dient die Ein» ladung! Ter Vorstand. <3. Dannheuser, Vorsitzender, Alte Jakchstr. 20/21. Orts- Krankenkasse des Aimmerkrgtwerbts t.§tr!m. Am Sonntag, den I. Mai 1913, vormittags Uhr. r__ findet in Schulz' Ztzestsalen, Am Königs grabe» eine außerorientlGeBeralfersaiiiliiiij statt. Tagesordnung: 1. Beratung der Kassensatzung nach den Bestimmungen der Reichs, vcrsicherungSordwmq. 2. Verschiedenes. �>>40 Der Vorstand. ReulersWerke Nr. 99. 30. IahrgM. 3. KilM ki Jnmiirtü" Strlintt loMlott. |t(it«!J,25. JptillSlS. On Ilvgliickstsg in ZchsniMhsI. Johannisthal hatte gestern seinen Unglückstag. Wieder ein- tnal hat der Tod ein Opfer des Fluges gefordert. Bei einem misj- glückten Sturzfluge verlor der L. V. G.-Pilot, der russische Flieger Dunetz sein Leben, während die russische Fürstin Schakowskoh bei einem Aufstieg mit ihrem Lehrer Abramowitch abstürzte und er heblich verletzt wurde. Wir erfahren über die beiden Unfälle fob gendcs: Der Todessturz Dunetz. Der 31jährige russische Flieger Elia Dunetz, der seit dem 1. April bei der Luftverkehrsgesellschaft als Pilot tätig war, wollte gestern morgen mit dem von Ingenieur Schneider konstruierten Eindecker einen Uebungsflug machen. Dunetz war in Johannis- thal als ungewöhnlich kühner Flieger bekannt, dessen Wagemut vn Tollkühnheit streifte. Er wollte durchaus, dem Beispiele fran zösischer Flieger folgend, Sturzflüge ausführen, bei denen be kanntlich schon zahlreiche Piloten den Tod gefunden haben. Aus diesem Grunde ivar ihm von Ingenieur Schneider verboten worden, bei seinen Flügen Passagiere mitzunehmen, er wollte ihn sogar, eben wegen seiner Tollkühnheit, überhaupt nicht mehr starten lassen Gestern morgen sollte ein Monteur der Luftverkehrsgesellschaft auf Wunsch des Fliegers an dem Aufftieg teilnehmen, doch star tete Dunetz, als der Gehilfe nicht kam, gegen Uhr allein. Nach einem kurzen Fluge erhob er sich wieder und suchte in schnellem Aufftieg Höhen von 1000 bis 1200 Meter auf, in denen er längere Zeit scharfe Kurven beschrieb. Kurz nach � Uhr sah man, daß Dunetz die Maschine zum Gleitflug einstellte, als er sich über der Ortschaft Adlershof befand. Zu ihrem Schrecken bemerkten die vor der Ballonhalle stehenden Offiziere und Kameraden des Russen, daß der Flieger immer steiler niederging, bis der Eindecker in einem Winkel von fast 90 Grad herniederschoß. Mit laufendem Motor und Rückenwind kam der sehr stabile und feste Eindecker bis auf 300 Meter Höhe herunter. Das Flugzeug hatte eine so ungeheure Geschwindigkeit, daß die Untenstehenden das Pfeifen des Windes in den Verspannungskabeln hören konnten. 300 Meter über dem Boden wollte Dunctz den Apparat aufrichten und gab Höhenstcucr. Die Flügel vermochten jedoch dem ungeheuren Druck nicht standzuhalten und klappten beide nach hinten. Eine Sekunde schwankte und taumelte der Eindecker, dann schoß die Maschine genau senkrecht auf den Boden, wo beim Aufprall der Benzin behälter barst, so'daß der Inhalt ausströmte. Als die Ofsizicre und Angestellten der Luftverkehrsgesellschaft herauskamen, fanden sie nur noch einen wirren Trümmerhaufen, in dem Dunetz, der sich festgeschnallt hatte, in sitzender Stellung tot lag. Der Flieger war buchstäblich zerschmettert worden. Die Flügel des Eindeckers waren dicht am Rumpf gebrochen, die Spannkabel bis auf eins unverletzt; auch die Oesen und Bolzen tvarcn in Ordnung. Dunetz, der am 10. Dezember 1882 im Kaukasus geboren ist, war früher Mechaniker und Ivandte sich vor zwei Jahren der Fliegerei zu. Sein Pilotcnzcugnis erwarb er auf dem italienischen Flugplatz Pordeiuwnc auf einem Bleriot-Eindeckcr. Nach einem Aufenthalt in Frankreich kam er nach Johannisthal, wo er bei den Harlan-Flugwerkcn in Dienst trat, und auf deren Eindecker bei der letzten Flugwoche im Oktober vorigen Jahres die zweit größte Höhe mit 2400 Metern erreichte. Seit dem 1. April dieses Jahres war er bei der Luftverkehrsgesellschaft tätig. Der Absturz der Fürstin Schakowskoy und Abromowitch. Schon vor deni Todessturz Dunetz hatte sich gegen 0 Uhr morgens ein schwerer Unfall in Johannisthal ereignet. Die ruf- fische Fürstin Schakowskoh, die mit Abramowitsch kürzlich aus Ruß- land zurückgekehrt ist, hatte sich vor einigen Tagen für ein Schau. fliegen in Koblenz gemeldet und wollte, da sie seit einem halben Jahre nicht mehr geflogen war, noch einige Uebungsslüge machen. Sic benutzte gestern morgen einen normalen Wright-Doppcldecker mit 50 PS. 31. A. G�Motor und wurde von ihrem ehemaligen Lehrer Abramowitsch begleitet. Nach einem Fluge von zwei Runden landete die Fürstin ordnungsmäßig und stieg dann mich einmal empor, um einige Runden zu machen. Als sie die Bahn zum zweitenmal umkreiste, ging dicht vor ihr, etwa 200 Meter von den Rumplerwerken entfernt, eine Taube nieder. Der Doppeldecker bekam die Luftwirbel des landenden Flugzeuges und geriet stark ins Schwanken. Die Fürstin parierte mit der VerWindung, gab aber gleichzeitig zuviel Höhenstcuer, so daß der Apparat sich auf- bäumte und Fahrt verlor. Abramowitsch, der neben der Fliegerin saß, konnte nicht eingreifen, da die Maschine keine Doppelsteuerung besaß. Ter Zweidecker neigte sich schließlich nach der rechten Seite und rutschte aus sechs bis acht Meter Höhe seitlich ab, wobei er mit der rechten unteren Tragfläche hart auf den Boden auftchlug. Die Maschine drehte sich noch einmal im Kreise und blieb dann stehen. Abramowitsch war bei dem mächtigen Aufprall mit dem Kopf gegen den Kühler des Motors geschleudert worden und von seinem Sitz gestürzt, während die Fürstin sich bis zum letzten Augenblick festgeklammert hatte und dann ebenfalls die Besinnung verlor. Das Krankenautomobil brachte die beiden Verletzten nach dem Britzer Kreiskrankenhaus, wo die Aerzte bei der Fürstin eine Brust- und Lungenquetschung feststellten, die jedoch nicht gefähr- sicher Natur sind. Abramowitsch hat dagegen eine so schwere Gc- hirncrschütterung davongetragen, daß man für sein Leben fürchtet. * Die Leiche des Fliegers Dunctz wurde zuerst in die Unfall- station des Platzes gebracht und dann in das Spritzenhaus geschafft, wo sie aufgebahrt wurde. Die Trümmer des Apparate» wurden polizeilich beschlagnahmt. Die Untersuchung durch die Behörde findet heute nachmittag stall. Partei- �lngelegenkeiten. 8. Berliner Laudtagswahlbezirk. Am Sonntag, den 27. April, iriih 8 Uhr, findet von allen Bezirkslokalen aus eine wichtige Flugblattverbreitimg statt. Achtung, 9. Laudtagswahlbezirk. Am Sonntag findet von den bekannten Verbreirungsstellen aus Flugblattverbrcituug statt. Im Interesse der Wahlagitation ist zahlreiche Beteiligung dringende Pflicht aller Genossen. 12. Laudtagswahlbezirk tMoabit». Am Sonntag findet eine Flngblattverbreitung statt, an der die Genossen sich zahl- reich beteiligen müssen. Fohaniiisthal. Die Bibliothek des Wablvcreius befindet sich jetzt im„Arbeiterheiin", Friedrichstr. 01. Die Bibliolheksstunden stnden nicht mehr Sonntags, iondern Sonnabends, abends von Uhr, statt. Außerdem ist die Bibliothek>/, Stunde vor Beginn ver Leseabende und Mitgliederversammlungen geöffnet. Die Ge« »ossm und Genossinnen wollen sich diese Nollz aufbewahre». Alt- Glienicke. Sonnabend, den 20. April, abends 8 Uhr, im .Terrassen-Restaurant" sJnhaber Rodenbusch), Rudower Straße 54: Wählerversammlung. Tagesordnung: 1..Die bevorstehende Landtagswahl." Referent ist der Kandidat des Kreises, Gutsbesitzer Adolf Hofer. 2. Aufstellung der Wahlmänner.— Genossen I Sorgt für Massenbesuch I— Zu dieser Versammlung findet heute Freitag, den 25. April, abends 7Va Uhr, eine Flugblattverbreitung statt, und zwar für den 1. Bezirk von Ritze, Grünauer Straße; 2, Bezirk von Rodenbusch. Rudower Straße; 3. Bezirk von Schäfer, Schirnerstraße. Pankow. Heute, abends 8>/z Uhr, treffen sich die Genossen, die sich zur Uebernahme von Schreibarbeit bereit erklärt haben, bei Larsen, Brehmestr. 47/48, zum Empfang des Materials. Bernau. Sonnabend, den 20. April, abends S'/j Uhr, bei Salz mann, Basdorfer Straße: Mitgliederversammlung. Spandau. Heute Freitag, abends 8l/i Uhr: Große öffentliche Versammlung im.Roten Adler", Potsdamer Straße 0. Genosse Dr. Karl Liebknecht spricht über.Die geheimen Fäden der Firma Krupp und ihre Enthüllungen im Reichs- t a g". Parteigenossen! Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlung. ßcrllner Nachrichtens Aus der Stadtverordnetenversammlung. Den beabsichttgten Reformen in der Fürsorge e r z i e h u n g soll eine neue Erziehungsanstalt dienen. Sie ist für eine fachgemäße landwirtschaftliche Aus- bildung der Zöglinge bestimmt und wird auf dem der Stadt gehöreuden Gutsvorwerk Struveshof errichtet. Die schwachbefähigtcn Zöglinge und andererseits die schwer zu behandelnden, bei denen eine straffe Zucht nötig scheint, sollen in dieser Anstalt eine besondere. Berücksichtigung erfahren. Der Vorentwurf für die Bauten kam aus dem Ausschuß zurück und wurde vom Plenum jetzt debattelos genehmigt. Zu gestimmt Ivurde auch einer vom Ausschuß empfohlenen, auf Beschleunigung abzielenden Resolution. Der Stadt tut in der Tat eine endliche Vermehrung ihrer eigenen Erziehungs- anstalten dringend not. Möge Struveshof ein rühmlicher Gegensatz zu der noch unvergessenen Schmach von Mieltschin werden! Für das Krankenhaus Bethanien will der Magistrat eine Beihilfe von KJOOO M. getvähren. Die Anstalt ist eine Stiftung, sie kann sich aber aus eigenen Mitteln schivcr noch behaupten. Der Antrag auf Beihilfe wird damit begründet, daß sie zum Teil die Krankenhäuser der Stadt entlastet. Bei dieser Vorlage brachte Genosse Bruns zur Sprache, daß aus Bethanien oft von Kranken Klagen über religiöse Unduldsamkeit gekommen find. Auch der Vorsteher M i ch c l e t stimmte dem bei. Stadtrat M o s s e behauptete, es sei jetzt alle Gewähr dafür gegeben, daß künfttg kein Druck mehr auf die Kranken ausgeübt werde. Warten wir's ab! Die Beihilfe wurde bewilligt. Die Wahl des Staatssekretärs a. T. Dr. Dernburg zum Mitglied des Zweckverbandes Groh-Berli« vor dem Oberverwaltungsgericht. Der 8 15 des Zweckverbandsgesetzes vom 19. Juli 1911, durch das der Zweckverband Groß-Bcrlin geschaffen wurde, bestimmt: „Die Vcrbandsvcrsammlung besteht aus dem ersten Bürger- mcister der Stadt Berlin als Vorsitzendem und aus 100 erstmalig vom Minister des Innern, später vom Vcrbandsansschutz auf die Verbandsniitgliedcr(die beteiligten Städte und Kreise sind gc- meint) nach dem Verhältnis der Einwohnerzahl zu verteilenden Vertretern. Die Einwohnerzahl bcmißt sich nach der letzten Per- sonenstandsaufnahme. Jedes Verbandsmitglied muß mindestens einen Vertreter haben. Der Stadt Berlin wird hierbei der erste Bürgermeister nicht als Vertreter angerechnet." In Z 10 heißt es dann im Absatz 1: „In den Gemeinden werden die Vertreter durch die Gemeinde- Vertretungen, in den Städten unter Zutritt des Magistrats, in den Landkreisen(Teltow und Nicderbarnim) durch die Kreistage ge- wählt usw." Der Absatz 2 des§ 10 besagt: „W ä h l b a r sind mit Ausnahme der Beamten des Verbandes alle Angehörigen einer der beteiligten Gemein- den und Landkreise, welche die Wählbarkeit für den Ge- nieindevorstand oder die Gemeindevertretung beziehungsweise den Kreistag besitzen." Ilm die Auslegung dieser letzten Bestimmung in Verbindung mit den vorhergehenden handelte es sich in der bekannten Streit- frage, ob der Staatssekretär a. D. Dr. Dernburg, der in Kolonie Grunewald, also in einer zum Landkreise Teltow gehörigen Ge- mcinde wohnt, d. h. innerhalb des Zweckverbandsgebicts, von einer der dem Zweckverband angeschlossenen Städte, nämlich Schöneberg, zum Mitglieder der Verbandsversammlung gewählt werden durfte. Die Frage ist, ob seine Wahl nach den zitierten Bestimmungen nur möglich gewesen wäre durch den Kreistag des Kreises Teltow, weil er in einem der zum Kreise Teltow gehörenden Gemeinden wohnt, oder ob jedes Mitglied des Zweckverbandes(Stadt oder Landkreis) jeden Angehörigen einer der beteilig- ten Genieinden und Landkreise wählen darf, der die sonstigen Voraussetzungen für die Wählbarkeit erfüllt.— Die Ver- bandsversammlung des Zweckverbandes hatte sich auf den Stand- Punkt gestellt, daß die Bestimmungen so auszulegen seien, daß nur Personen gewählt werden könnten, die zu der wählenden Stadt oder zu dem wählenden Landkreise gehörten. Deshalb war die Wahl Dr. Dernburgs für ungültig erklärt worden. Auf die Klage des Dr. Dernburg hatte sich das Ober- Verwaltungsgericht am 24. April mit der Sache zu beschäftigen. Das Gericht erkannte auf A b w e i s u n g der Klage des Herrn Dernburg. Gründe: Es sei zuzugeben, daß ein unmittelbarer Anhalt für die Entscheidung weder aus dem Wortlaut, noch aus der Entstehungsgeschichte des Gesetzes sich ableiten lasse. Für die Eni- scheidung selbst sei zurückzugehen auf die ganze Konstruktion de' Zweckverbandes Groß-Berlin, die er durch das Gesetz erhielt und die einen gewissen Schlutzpunkt bilde in der EntWickelung der gan- zen ZweckverbandS-Gesetzgebung in Preußen, welche auf den ver- schiedensten Gebieten hervorgetreten sei. Durch diese ganze Ge- sctzgebung ziehe sich als roter Faden, daß es sich um einen korpora- tiven Zusammenschluß der Kommunen handele, die zu vertreten seien in den Berbandsorganen, und daß die Vertretung �erfolge durch Angehörige der einzelnen Verbandsmit-� g lieber ider Kommunen). Es werden in jenen Gesetzen voraus-' gesetzt der Besitz des Gemeinderechtes der Kommunen, die vertreten werde. Das gelte auch für den Zweckverband Groß- Berlin mit einer Abweichung. Nach allem ergebe sich, daß die Vorbedingung für das Mandat die Zugehörigkeit des be- treffenden Mandatinhabers in der Wahl- g e m e i n d e s e i. Da der Kläger zur fraglichen Zeit Angehöriger des Landkreises Teltow zu Grunewald gewesen sei und nicht das Gemcindcrccht in Sttiöneberg besessen habe, so habe er hier nicht gewählt lijerde» können und seine Wahl sei u n g ül t i g. Der Exerzierplatz und die Militärverwaltung. Im Reichstage kam es am Mittwoch zu einer kleinen Debatte über den Exerzierplatz vor dem Schönhauser Tore, weil der Militärfiskus eine Summe von 147(XX) M. zur Errichtung einer Umwehrung des Platzes verlangte. Aus dieser Tatsache scheint die Absicht der Militärverwaltung hervorzugehen, den Platz ün Besitz zu behalten. Es dürfte Wohl bekannt sein, daß der östliche Teil des Exerzierplatzes von der Stadt Berlin vom Fiskus erworben worden ist, und jetzt, einem Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung cnt- sprechend, zu einem Spielplätze hergerichtet wird, der �auch mit Baumpflanzungen versehen wird. Die westliche Hälfte des Platzes ist noch im Besitze des Fiskus. Die Stadt Verlin hat wiederholt den Versuch gemacht, auch diesen Teil des Platzes vom Militärfiskus zu erwerben. Der Fiskus hat aber wiederholt abgelehnt. Er begründete seine ablehnende Haltung, wie das auch im Reichstage Generalleutnant Staads getan hat, damit, daß der Platz für Uebungs- zwecke für das Alexander-Regiment gebraucht würde. Tat- fache ist aber, daß hier nur recht selten militärische Hebungen ausgeführt werden. Wir wissen auch aus anderer Quelle, daß andere militärische.Leiter durchaus nicht den Wert auf diesen Platz legen, wie der Herr Generalleutnant im Reichs- tage das getan hat und durchaus nicht so sehr darauf ver- sessen sind, den Platz dem Fiskus unter allen Umständen zu erhalten. Ist dies aber der Fall, so hätten die 147(XX) M. für Errichtung einer Mauer gespart werden können und der Fiskus hätte sehr wohl der Stadt Berlin den genannten Platz im Interesse einer gesunden Entwicklung der Gegend vor dem Schönhauser Tor übereignen können. Erweiterung der statistischen Berichterstattung. Die vom Statistischen Amt der Stadt Berlin monatlich herausgegebenen Preiszusammcn- stellungen haben neuerdings eine wesentliche Erweiterung erfahren, indem die Berichterstattung auf breitere Grundlagen gestellt, ferner auch auf eine Reihe weiterer Konsumartikcl ausgedehnt worden ist. So werden die V i e h p r c i s- Notierungen— die Berliner Viehpreise sind von maß- gebender Bedeutung für den Viehhandel— in weiten Be- zirken des Landes künftig für jeden Markttag angegeben, während bisher nur die Angaben des Sonnabendmarktcs be- nutzt wurden. Bei der Statistik der Kleinhandelspreise werden außer den höchsten und niedrigsten auch die im D u r ch s ch n i t t aller Markthallen niedrigsten und höchsten Wochen- preise mitgeteilt. Für den Klein- tvie für den Großhandel von Fleisch sind vergleichende, die einzelnen Monate des voraus- gegangenen Jahres umfassende Uebersichten angeschlossen. Dank pem Entgegenkommen der Aeltesten der Kaufmannschaft konnten ferner auch Kleinhandelspreise für Kohlen, Koks und Briketts berücksichttgt werden. Auf Grund der Anschrcibungen der Konsumgenossenschaft Berlin und Unigegend sind endlich eine Reihe von Lebensmitteln, wie Fett-, Fisch-, Fleisch- und Wurstwaren, Früchte, Gemüse, Obst, Kolonialwaren usw., neu in die Berichterstattung einbezogen worden. Von einem der nächsten Berichte ab ist ferner auch die Berücksichtigung des Umsatzes und der Preisvcrhältnisse beim städtischen Seefisch- und Weischverkauf in Aussicht genommen. Zur Lage der Angestellten der Städtischen Straßenbahn. Dieser Tage hatten wir Gelegenheit, die Anlagen der ftädti- schen Straßenbahn zu besichtigen. Wir kamen zu der Ucberzengung, daß die Anlagen mit ihrem Zubehör in iechni scher Beziehung jeden Vergleich aushalten können, und daß die Stadt Berlin gut daran getan hat, wenn auch zögernd und spät, eigene Bahnen zu bauen. Die städtischen Bahnen werden vom Publikum stark-und gern benutzt und entwickeln sich in glänzender Weise. Nur soweit es sich um die soziale Seite der Sache handelt, werden über die Arbeiterpolitik, die von der Verwaltung Betrieben wird, lebhafte Klagen geführt. Aus Kreisen der Angestellten wird uns ge- schrieben: „Das Personal der Werkstatt und Bahnmeisterei beantragte im November 1911 die Einführung der neunstündigen Arbeits- zeit. Als der Arbeiterausschuß im Februar 1912 wegen Erledigung dieses Antrages erinnerte, wurde er durch den Betriebsleiter Dr. Dietrich kurzerhand aufgelöst. In bezug auf die Durchführung der neunstündigen Arbeitszeit erfolgte später der Bescheid, daß der Antrag für den Etat 1913 zur Erwägung zurückgestellt sei. Die Erwägung fiihrte aber auch diesmal nicht zur Berücksichtigung. Die bürgerlichen Stadtverordneten im Verkehrsausschuß lehnten den Antrag ab, weil bei der Großen Berliner Straßenbahn die neunstündige Arbeitszeit auch noch nicht eingeführt sei. Die Be- rücksichtigung der Interessen dieser Privatgesellschaft hat einen ziemlich merkwürdigen Beigeschmack. Der naheliegende Vergleich aber mit den Verhältnissen in anderen städtischen Bettieben muß geradezu zur Mißstimmung unter den Beschäftigten aufreizen. Es verdient nämlich im Ansangslohn pro Woche ein Arbeiter bei der Straßenreinigung für blstündige wöchentliche Arbeitszeit 27,30 Mark, ein Arbeiter bei der Straßenbahn dagegen für OOstündige Arbeitszeit pro Woche 24,00 M. Der Arbeiter der Sttaßenbahn erhält also dafür, daß er pro Woche neun Stunde», also einen Arbeitstag mehr arbeiten muß, 2,70 M. weniger wie der Sttaßen- reiniger. Im Endlohn beträgt die Differenz immer noch 1,80 M. Daß sich die bürgerlichen Herren Stadtverordneten der Verkehrs- deputation hinter die soziale Rückständigkeit der Großen Berliner Straßenbahn verbergen, bringt beispielsweise den Arbeitern eine jährliche Mindereinnahme von durchschnittlich 100 M. Obendrein haben dann dieselben noch 408 Stunden mehr pro Jahr zu fronden. So langsam und schwerfällig der bureaukratische Apparat hier an der Erledigung dieser Frage an sich gearbeitet hat, so schnell und six kann er in Bewegung gesetzt werden, wenn es gilt, dem Streben der gewerkschaftlichen Organisation einen Riegel vorzu- schieben. Auf Anordnung des Betriebsleiters wurde dem.Arbeiter- ausschuß das Ansinnen gestellt, seine Zustimmung dazu zu geben, daß eine gelbe Zeitung im Werke zur Verteilung kommt. Das neugegründete„Offizielle Organ" der„gelben" Angestelltenver- einigungen der Hoch- und Untergrundbahn und der elektrischen Straßenbahnen A.-G. sollte nach bekanntem Muster an die Be- schäftigten unentgeltlich zur Ausgabe gelangen. Der Arbeiter--' ausschuß und auch eine sehr gut besuchte Versammlung lehnte es natürlich ab, derartige„Geschenke" entgegenzunehmen. Klassisch war die Anschauung eines unteren Angestellten, daß man den Arbeiterausschuß in der Frage eigentlich gar nicht anzuhören gezwungen sei. Man hätte die Sache einfach durch Anschlag er- ledigen können. Wir wissen nicht, welcher höhere Beamte dem Mann die Weisheit eingebläut, daß zwangsweise die Beschäftigten zur Annahme solcher Blätter gezwungen werden können. Wir möchten auch wissen, mit welchem Recht die Verwaltung dazu kommt, sich in den Dienst der gelben Organisation und deren Hintermänner zu stellen." Mit ein wenig gutem Willen ließen sich die Wünsche der An» gestellten erfüllen, ohne daß das finanzielle Ergebnis im allge» meinen allzu sehr leidet. Man braucht es wirklich nicht darauf anzulegen, unter allen Umständen mit großen Ueberschüssen zu Paradieren._ Aus der städtischen Schulverwaltung. Die Tumvereinigung Berliner Lehrer hat die Schuldeputation um Bewilligung von Mitteln für ein großes Spielfest, das auf btt großen Treptower Spielwiese am S. September, dem Tage der Schlacht bei Dennewitz, stattfinden soll, gebeten. Bei diesem Spiel- fest sollen sich auch sämtliche Berliner Knabenschulen durch eine Riege beteiligen. Man beabsichtigt Wettkämpfe. Eilbotenlauf, Barlauf und Schlagball zu veranstalten. Die Schuldeputation hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, die erbeteneu Mittel zu bewilligen. � Ferner beschloß die Deputation die Stiftung eines Wander- Preises in Gestalt einer Jahnplakette für die besten turnerischen Leistungen an den Gemeindeschulen beim Magistrat zu be- fürworten. In der Sitzung referierte außerdem Schulinspektor Dr. Dickhoff Über die Erfolge des Werkunterrichts in den achten Klaffen hiesiger Gemeindeschulen auf Grund der von den Schulen eingegangenen Berichte. Der Werkunterricht hat sich gut bewährt. Ein Anerbieten der Lehrervereinigung für Stenographie(System Stolze-Schreh), unentgeltliche Volksschülerkurse abzuhalten, nahm die Deputation an. Eittdelkuug einer Z?alschmünzerwerkstätte. Dem Treiben eines Falschmünzerpärchens ist die Weißenseer Kriminalpolizei auf die Spnr gekommen. ES war sowohl in Weißen- see als auch in den angrenzenden Nachbarorten und in den nördlichen Stadtteilen Berlins aufgefallen, daß in der letzten Zeit vielfach falsche Ein« und Dreimarkstücke auftauchten. Die Falsifikate waren sehr gut nachgemacht und unterschieden sich von den echten Geldstücken eigent lich nur durch einen etwas bläulichen Schimmer. Den Nach forschungen der Polizei ist eS nun gelungen, die Falschmünzer- Werlstätte aufzuheben. Sie befand sich in der Wohnung des Stratzenbahnschaffner S. in der Berliner Allee. Ohne daß S. selbst die geringste Ahnung davon hatte, wurde, während er im Dienst war, in seiner Wohnung die Fabrikation falschen Geldes betrieben. Ein gewisser Wilhelm Tristall hatte die Ehefrau dazu zu überreden verstanden, daß in der Wohnung eine Falschmünzerwerkstätte ge- schaffen wurde. Auch gab sich Frau S. dazu her, beim Unterbringen der Falsifikate mitzuwirken. Das meiste Geld wurde in Berliner kleinen Geschäften bei unerheblichen Einkäufen umgewechselt. Frau S. konnte gestern in einem solchen Falle ertappt und verhaftet werden. Auch die Verhaftung des Haupttäters erfolgte noch gestern. Frau S. erklärte bei ihrer Verhaftung, daß sie sich wegen mißlicher pekuniärer Verhältniffe zu der Mittäterschaft habe verleiten lassen. Vom Dache des Militär-Gouvernements abgestürzt. In der Straße Hinter dem Gießhause liegt da? Militör-Gou- bernement. Auf dem Dach diese? Hauses war gestern ein Soldat mit dem Ausbessern des Daches beschäftigt. Bei dieser Arbeit stürzte gestern mittag der Soldat ab und blieb schwer verletzt liegen. Er wurde sofort von Passanten in das Kasernement getragen, wo er noch schwache Lebenszeichen von sich gab. In das Garnisons- lazarett eingeliefert, starb der junge Mann bald. Nach einer anderen Mitteilung soll der Soldat vom Dache herabgesprungen sein, Weiler die Rückberufung in die Front erhalten hätte. " Ein» FriebhofSaffäre, die Aufsehen erregt, wird unS aus der Zwölfapostel. Gemeinde bekannt. Bei einer Beerligung auf dem in Schöneberg am Tempelhofer Weg gelegenen Friedhof dieser Gemeinde ist infolge eines Versehens, das anscheinend der Küsterei passiert ist, eS zu einem peinlichen Auftritt zwischen Per- Jonen des Leichengefolges und dem mitwirkenden Pastor gekommen. Eine Frau W. hatte vor einem Jahrzehnt auf diesem Friedhof ihren Mann beerdigen lassen und hatte damals neben seinem Grabe sogleich auch für sich selber eine Grabstelle gekauft, weil sie dereinst an seiner Seite ruhen wollte. Sie verarmte später, aber ihre Grabstelle hütete sie wie einen reichen Schatz, der einmal ihre Zuflucht sein sollt«. Als schließlich auch sie im Alter von 72 Jahren ihre Augen für immer schloß, galt eS ihren Angehörigen als selbst. verständlich, daß sie nur an der Seite ihre? Mannes zur letzten Ruhe gebettet werden könne. In der Küsterei wurde ihnen— wohl im Hinblick auf die bescheidenen Verhältnisse, in denen Frau W. zuletzt gelebt hatte— der Vorschlag gemacht, auf die früher gekaufte Grabstelle zu verzichten und die Leiche an einer anderen Grabstelle bestatten zu lassen, die billiger sei. So könne, sagt« man ihnen,«in Teil des damals bezahlten Kaufgeldes jetzt zurück- erstattet werden, und außerdem seien dann auch die sonstigen Ge- bühren, die noch entstehen würden, erheblich billiger. Der hinter- bliebene Sohn lehnte den Vorschlag ab, und die Beerdigung auf der früher für Frau W. vorbehaltenen Grabstell« wurde unter Bezahlung der hierdurch entstehenden Gebühren vereinbart und bestellt. Als aber die Beerdigung stattfinden sollte und da? Trauergefolge samt einem Pastor die Leiche zu Grabe geleiten wollte, wurde plötzlich bekannt, daß die Gruft nun doch nicht an der vorbehaltenen Stelle bereitet worden sei. Die Nachricht rief bei denen, die von jenen über den Grabstellenaustausch geführten, erfolglos gebliebenen Verhandlungen wußten, begreiflicherweise große Erregung hervor. Dem Pastor sagten sie, daß unter diesen Umständen die Beerdigung verschoben werden müsse. Der aber erklärte, das sei unmöglich, die Leiche müsse sofort und in der für sie hergerichteten Gruft beigesetzt werden. Nach einigem Hin und Her blieb den Angehörigen nur übrig, sich dem Willen deS PastorS zu fügen, und Frau W. wurde darauf an der unrich- tigen Grab stelle beerdigt. Als aber noch an demselben Tage der Küster von dem Vorfall benachrichtigt wurde, bat dieser bestürzt um Entschuldigung deS Versehens und kündigte an, daß schon am nächsten Tage die Leiche wieder ausgegraben und an der richtigen, ihr zukommenden Stelle zur Ruhe gebettet werden solle. Und so geschah es. Am nächsten Vormittag schau- selten FriedhofSarbeiter die zugeschüttete Gruft wieder auf, hoben den Sarg heraus und trugen ihn hinüber nach der vorbehaltenen Grabstelle, wo er dann in die bereits hergerichtete neue Gruft hinabgesenkt wurde. Sie besorgten das ohne besondere Förmlich- keiten in Gegenwart einiger hierzu erschienenen Personen des TrauergefolgeS, das am Tage vorher an der ersten Beerdigung teilgenommen hatte. Das vorgekommene Versehen ist schwer begreiflich gerade deS- halb, weil vorher ausdrücklich über den Anspruch auf die vorbehal- jene Grabstelle verhandelt worden war. Aber noch wunderlicher erscheint unS die an sich ja sehr erfreuliche Fixigkeit, mit der hier die Wiederausgrabung einer Leiche angeordnet und aus- geführt worden ist. Wir haben bisher zu wissen geglaubt, daß eS sehr umständlicher Verhandlungen bedürfe, die Erlaubnis zu einer Wiederausgrabung durchzusetzen. In dem vorliegenden Fall hat aber die Sache, wie man sieht, sich sehr viel rascher und einfacher gemacht. Di« Kosten der Wiederausgrabung sind diesmal nicht den Angehörigen aufgebürdet worden. Die Totenliste der Berliner Partei füllt sich immer mehr. Am Mittwoch ist Genosse Wilhelm West plötzlich durch den Tod den Angehörigen und der Partei entrissen worden. Bis zu seiner Krank- heit diente er der Partei als Funktionär. In Genoffenkreisen war er durch seine Hilfsbereitschaft wohl gelitten. Alle, die ihn kannten, werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle in Friedrichs- felde aus statt. Im S. Kreise schloß der betagte Genosse Johann Schumacher die Augen für immer. Schumacher gehörte ein Menschenalter der Partei an und wirkte stetig in stiller, eifriger Weise für unsere«ache, für die er große Opfer brachte. Der alte Parteiveteran wird heute nachmittag in der Seestraße zur letzten Stüh« geleitet. Eine polnische Volksversammlung findet am Sonntag, 27. April, nachmittags 2 Uhr, in den Konkordia-Festsälen, AndreaSstr. 64, statt, it, welcher Redakteur Genosse Teofil Blott- Kattowitz(Oberschlefien) über das Thema:.Der preußische Landtag und daS polnische Volk sprechen wird. Zu dieser polnischen Kundgebung fordern wir die Genossen auf, ihre polnischen Kollegen und Bekannten zum Besuch dieser Versamm lung zu veranlassen. Verloren gegangen ist am Sonnabend, den 19. d. MtS., nach mittaas Vjö Uhr. einem Arbeiter in der Frankfurter Chaussee ein Schriftsatz, der für den Verlierer von Wert ist. Der Finder wird gebeten, den Schriftsatz bei K. Streiser, Lichtenberg. Wühlischstr. 66, abzugeben. Gefunden. In der Versammlung am Sonntag, den 20. April. in der Viktoriabrauerei wurde ein Stock gefunden. Abzuholen bei Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14. Aus der Spree gelandet wurde vorgestern mittag an der Schleusen- insel im Tiergarten die Leiche eines ungefähr 18 diS 22 Jahre alten Mädchens, das keinerlei Papiere oder Aufzeichnungen bei sich halte, aus denen man seine Persönlichkeit feststellen könnte. Die unbe- kannte Tote ist 1,57 Meter groß, hat blondes Haar, ein rundes Gesicht, eine hohe Stirn, bogenförmige Augenbrauen, vollständige Zähne und trug einen graugrünen Mantel, eine weiße Bluse, einen blauen Rock mit großen schwarzen Knöpfen, einen weißen Unterrock mit Stickereien, schwarze, durchbrochene Strümpfe und schwarze Halblackschuhe. Die Wäsche ist E. M. gezeichnet. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Vorort- I�admcKten. Die Abteilungslisten für die Wahlmännerwahlen liegen in den einzelnen Stadt- und Landgemeinden zu jedermanns Einsicht öffentlich aus. Innerhalb der Auslegungs- frist kann gegen die Richtigkeit derselben mündlich oder schrift- lich Einspruch erhoben werden. Die Listen liegen aus für Charlottenburg am 2 6. u n d 2 6. A p r i l d. I. von 12 Uhr mittags bis 3 Uhr abends und zwar: a) für die UrWahlbezirke 1 bis 147 im Statistischen Amt, Lützowstr. 80, III, I.Eingang, Zimmer 40; b> für die UrWahlbezirke 148 bis 212 im Feuerwehrdienstgebäude, Rankestr. 10. Wilmersdorf. Nur noch heute Freitag, den 26. April, während der Tagesstunden von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittag? im Wahlbureau. Gastemer Str. 11, 2 Treppen. Neukölln. Am Sonntag, den 27. April, von 1�6 Uhr nachmittags, am Montag, den 28. April, von 3 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends, und am Dienstag, den 29. April, von 8 Uhr vor- mittags bis 7 Uhr abends und zwar 1. in der Turnhalle der Ge- meindcschule, Weserstraße 12—13, für die Urwablbezirke 1—24 und 70—77; 2. in der Turnhalle des Kaiscr-Friedrich-RealgymnafiumS, Kaifer-Friedrich-Stratze 209—210, für die UrWahlbezirke 25—36, 62—69, 80, 81. 93—95 und 110—118; 3. in der Turnhalle der Real. schule, Boddinstraße 34—41, für die UrWahlbezirke 78. 79, 82—92, 96—109 und 117—126. 4. in der Turnhalle der Albrecht-Dürer- Oberrealschule, Emser Str. 133/37, für die UrWahlbezirke 114— 116 und 127—155. 5. in der Turnhalle der 19. und 2t). Gemeindeschnle, Stuttgarter Str. 35/38, für die UrWahlbezirke 37—61. Gchöneberg. Sonnabend, den 26. April, nachmittag? von 5 bis 8 Uhr, Sonntag, den 27. April, vormittags von 10— 1 Uhr, Montag, den 28. April, nachmittags von 5—8 Uhr im Zimmer 38 des neuen Rathauses in der Freiherr vom Stein-Straße, Stadtparkseite. Lichtenberg. Am Sonntag, den 27. April von 10 bis 1� Uhr und Montag und Dienstag von 8 bis 3 Uhr im Rathause, Möllendorf- straße 5 und im Stadthause, Türrschmidtstraße. Lichterselbe. Nur noch am 25. und 26. April während der Amts- stunden auf dem hiesigen Rathause. Außerdem find die Listen für den Osten bei Genoffen Schiller. Ferdinandstraße 15. für den Westen bei Genoffen Fr. Wahrendorf. Bäkei'tratze 7, einzusehen Friedenau. Freitag, den 25, und Sonnabend, den 26. im Gemeindebureau, Feurigstr. 8, Zimmer 2. von 8 bis 6 Uhr. Marienfelde. Am 25. und 26. April im hiesigen Amts- bureau, Kaiferallee 20. Zimmer 1, von 3—8 Uhr. Lankwitz. Am 25. und 26. April im Rathause, Zimmer 24. von 8 Uhr morgenS bis 3 Uhr nachmittag?. Stralau. Am 28.. 29. und 30. April, vormittags von 8 bis abends 8 Uhr, im Rathaus Zimmer 5. Treptow- Banmschulenweg. Bis einschlteßlich Sonnabend von 9—3 Uhr im Rathause Zimmer 1(Meldebureau). Johannistal. Im Gemeindebureau, Rathaus, Zimmer 2. am 25. und 26. April, von 8—1 Uhr. Lberfchöneweide. Am 23., 29. und 30. April, in der Zeit von 3—1 Uhr, im Zimmer 10 des AmtShaufeS. Tempelhof. Vom 24. bis 26. April, im Zimmer 8 deS Gemeinde- Hauses, Dorfftr. 42, in der Zeit von 8—3 Uhr. Britz-Buckow. Im hiesigen Wahlbureau,_ Chauffeestraße 60 (Einwohnermeldeamt) am 25., 26. April, während der Dienst- stunden von 8—1 Uhr vormittags und von 2—4 Uhr nachmittags, am Sonnabend von 3 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittag». Die Listen können außerdem von heute abends 7 Uhr ab, beim Genoffen Otto Zilz, Werder Str. 28. eingesehen werden. Eichwalde. Am 25. und 26. April während der Dienststunden im Gemeindebureau, Zimmer 3. Grünau. Nur noch am 25. und 26. April im Gemeindeamts- gebäude, Zimmer 2. von 9—3 Uhr. Pankow. Am 28.. 29. und 30. April in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im Rathause, Sitzungssaal, 1. Stock. Bernau. Am 28., 29. und 30. April im Rathause. Reinickendorf. Von Montag, den 28. bis Mittwoch, den 30. April im Rathause. Hauptstr. 38. täglich von 9 bis 3 Uhr. Schmargendorf. Am 25. und 26. April von 8'/, Uhr morgens bis 7 Uhr abends im hiesigen Rathaus, Zimmer 8. Eharlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich am Mittwoch zunächst mit kleineren Vorlagen, dar- unter der Vorlage des Magistrats betr. Aufhebung des Wochen Marktes auf dem Wittenbergplatz. Tie vom Magistrat beantragte Aufhebung des Wochenmarktes hat große Be- unruhigung hervorgerufen, nicht nur in den Reihen der zahllosen kleinen Händler, deren Existenz dadurch gefährdet würde, sondern auch bei dem kaufenden Publikum, und die dagegen einsetzend« Agitation ist nicht ohne Erfolg geblieben. Denn der mit der Vorberatung betraute Ausschuß beantragte, unter Ablehnung der Vorlage, an den Magistrat das Ersuchen zu richten, den Wochen- markt auf dem Wittenbergplatz so lange bestehen zu lassen, bis in der Nähe ein anderer geeigneter Platz zur Abhaltung des Marktes gesichert ist. Diesem Antrag schloß sich die Mehrheit der Versamm. lung gegen den Widerspruch, des Magistrats, der die Beseitigung des Marktes aus vertehrStechnischen Gründen fordert, an. Mit der Mehrheit stimmten auch die Sozialdemokraten, deren Redner, Genosse Sch e e l. nachdrücklichst hervorhob, daß das Wohl großer Bevölkerungsschichten wichtiger sei. als das Jntereffe wemger Hausbesitzer, die die Läden in der Tauentzienstratze besser vermieten wollen. Von weittragender Bedeutung ist die von der Versammlung beschlossene Regelung der Versicherung der städtischen Angestellte». Hiernach soll den seit 10 Jahren und länaer bei der Stadt beschäftigten Privatdienstverpflichteten behufs Be- freiung von der Versicherungspflicht die vertragliche Zusicherung einer Anwartschast auf Ruhelohn und Hinterbliebenenrente aus städtischen Mitteln gewährt und gewisse' Garantien gegen eine Kündigung geschaffen werden. Für d>e übrigen, dem Versicherung»- gesetz für Angestellte unterliegenden städtischen Privatdienstverpflich- teten werden, solange nicht durch Revision deS NormalbesoldungS- planes eine anderweit« Regelung eintritt, die Beiträge zur Ange- stelltenversicherung in voller Höhe auf die Stadtgemeinde über- nommen. Nach Zurücklegung einer zehnjährigen Befchäftigungs- zeit bei der Stadtgeminde und nach Zurücklegung von 120 Beitrags» Monaten sollen auch diese Angestellten die gleichen Vergünstigungen wie die anderen erfahren. Diese Beschlüsse gelten auch für die städtischen Schwestern, sie finden auf die inzwischen aus dem städtischen Dienst ausgeschiedenen Privatdienstverpflichteten keine Anwendung. Weiter wird der Magistrat ersucht, in Erwägung zu ziehen, welche Privatdienstangestellten, nsbesondere' technische An- gestellte, bei der nächsten Revision des NormalbesoldungsplaneS in ein BcamtenverhältniS übergeführt werden können. Zu lebhaften Debatten, auf die wir wegen ihrer sozialpolitischen Bedeutuirg noch zurückkommen werden, gab die Beratung deS sozialdemokratischen Antrages Veranlassung, durch den der Magistrat ersucht wird, erneut mit den in Betracht kom- Menden Arbeiterverbänden über den Abschluß eines kollektiven Ar- beitsvertrages(Tarifvertrag) für die städstschen Arbeiter und Angestellten in Verhandlung zu treten. Für heute sei nur kurz erwähnt, daß. nachdem Genosse Gebert den Antrag ein- gehend begründet hatte, der Bürgermeister Dr. M a i e r erklärte, daß der Magistrat zu dieser Frage bisher noch keine Stellung ge- nommen habe. Namens der Liberalen machte Stadtv. Dr. M e n e r allerhand Bedenken gegen den Antrag geltend, empfahl aber schließ- lich doch seine Ucberweisung an einen Ausschuß. Mit Rücksicht darauf, daß auch die Unpolitischen sich für Ausschußberatung aus- sprachen, konnte sich Genosse Z i e t s ch in seinem Schlußwort mit der Zurückweisung einiger Argumente der Gegner und einer Dar« legung des Unterschiedes zwischen Privatbetrieben und städtischen Betrieben begnügen. Dem Ausschuß, an den der Antrag überwiesen wurde, gehören auch drei unserer Genossen an. Angenommen wurde serner nach Empfehlung durch Genossen Klick die Vorlage betr. Unterführung der Windscheid- straße unter dem Bahnhof Charlottenburg. Di« Vorlage betr. den Bau der N e u e n K a n t st r a ß e n b r ü ck e ging an einen be- sonderen Ausschuß, ebenso die Vorlage betr. Erbauung eine? KrankenpabillonS in Westend, nachdem Genosse Vogel in der Debatte sich energisch gegen Krankenzimmer für Patienten zweiter Klasse grundsätzlich ausgesprochen hatte. In später Stund« genehmigte die Versammlung schließlich noch die Magistratsvorlage betr. Herrichtung von Schulräumen in der Spree st raße. Genosse Borchardt nahm hierbei Veranlassung, auf die Not- wendigkeit eines schnelleren Tempos in den Schulbauten hinzu- weisen._ Noch ei« sozialdemokratischer Zkreistagsabgeordncter. Bei der am Donnerstag im Kreisgebäude stattgehabten Wahl von zwei Kreistagsabgeordneten unter Leitung des Landrats Dr. B u r s ch wurden von 46 abgegebenen Stimmen im ersten Wahlgange Genosse Gustav M i l b r 0 d t- Rosenthal mit 25 Stimmen und im zweiten Wahlgange der Gemeinde- Vorsteher Dr. Kruse- Rosenthal ebenfalls mit 25 Sttmmen gewählt. Die Wahlmänner von Alt-Landsberg-Liebenwalde hatten im ersten Wahlgange vollzählig für Dr. Kruse, im zweiten Wahlgange jedoch für ihren Kandidaten Bürgermeister Dr. Albert- Liebenwalde gestimmt; er blieb jedoch mit 21 Sttmmen in der Minderheit.— Dem Wahl- bureau gehörte Genosse Hecht und Malermeister George- Rosenthal an. Neukölln. Eine Borwittagsspielpartie im Plönterwald veranstaltet der hiesige Wahlverein am Sonntag, den 27. April. Treffpunkt morgen» 7Vj Uhr am Rathause. Am Sonntag, den 4. Mai, findet eine ?amilienpartie nach den Müggelbergen statt. Treffpunkt morgens Uhr am Rathau«. In den Sommerferien soll eine Zwei-Tage- Partie nach der Märkischen Schweiz veranstaltet werden. Da« Nähere wird noch bekanntgegeben. In Anbetracht der Tatsache, daß der Mangel an geeigneten Spiel- und Erholungsplätzen namentlich in Neukölln von den Kindern in der gegenwärtigen Jahreszeit besonders empfunden wird, wird die Arbesterschaft ersucht, sich recht zahlreich an der Veranstaltung zu beteiligen. Wilmersdorf. Die Delegiertenwnhlen zur hiesigen Ortskrankenkaffe finden heute abend von 6 bis 7'/, U hr im Kassenlokale, Kaiser» Allee 173». statt. Wir weisen nochmals darauf hin. daß eine rege Beteiligung dringend notwendig ist. Die Gewerkschafts-Unterkommiffion. Britz. Zu den hente Freitagnachmittag stattfindende« Gemeinde- vertreterwahlen nahm eine Gemeindewählerversammlung Stellung, in der zunächst Gen. Wenzel ein instruktives Referat über Gemeindepolitik hielt. Alsdann erstattete Gen. Prenzlow Bericht au» der Gemeinde- Vertretersitzung. U. a. rückte der Redner die Arbeiterpolitik der bürgerlichen Gemeindevertreter ins rechte Licht. Zum Schluß ersuchte Prenzlow die Gemeindewähler, bei der heuttgen Wahl auf dem Posten zu sein und daran zu denken, daß jeder sozialdemokratische Vertreter in der Gemeindevertretung für die Arbeiterklasse eine Stärkung bedeute, indem durch ihn die Interessen der Allgemeinheit noch besser gewahrt werden könnten, wie eS bis jetzt möglich ge- Wesen. Hierauf wurden einstimmig die beiden Kandidaten aufgestellt. und zwar für den 1. Bezirk(südlich des Kanals) Gewerkschafts- angestellter Franz G u t s ch m i d t; für den 2. Bezirk(nördlich des Kanals) Schlosser Georg Schröder. Der Vorsitzende ermahnte die Anwesenden nochmals, heute ihre Pflicht zu tun und möglichst frühzeitig zur Wahl zu er« scheinen. Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Genehmigt wurde nach wieder- Holter Koreektur durch den Landrat eine Polizeiverordnung über den Zutritt jugendlicher Personen zu öffentlichen Tanzlustbarteilen. Gemeindevertreter S ch i r m e r lehnte dieselbe mit Recht ab. Von besonderer Bedeutung war die Vereinbarung mit dem Kreis wegen Durchführung des 10 Mimsten-Verkehrs auf der Straßenbahn Linie Händelplatz— Süd an neun Stunden de« Tages. Der bisherige Pendelbetrieb im Mittelstück der Linie unter Ausschällung deS als Verkehrszentrum geltenden HändelplatzeS hat sich als durchaus verfehlt yerausgestellt. Für die infolge des erweiterten Betriebes erforderlichen höheren Auswendungen verlangt der KreiS eine einmalige Abfindungssumme von 25 000 M. AuS der Mitte der Gemeindevertretung wurde darauf äufmerkiam gemacht, daß ein durchgehender Zehnminulcn- verkehr— also nicht nur für neun Stunden— anzustreben lei. Gemeindevertreter P r a u s e. vom Jungfernstieg, betreibt Bezirks- Politik, indem er den Osten gegen den Westen auSzuipielen und die Ausgabe pon 25 000 M. für die Fassung besserer Berkehrsverhältnisse als nicht notwendig hinzustellen versuchte. Dagegen erscheint seine Auffassung. daß auch für die Linie Bahnhof Steglitz— Lichterfelde-Ost die Berhältmife ebenfalls zur Einsührung des ZehnminutenverkehrS drängten, durchaus zu» treffend. Der lachende Dritte bei Verbesserung des Verkehrs der Parkfriedhoflinie ist die Terraingesellschaft Lichterselde, deren TerrainS dadurch an Wert natürlich bedeutend gewinnen, was sie ia ,elbst zugibt. Der Gemeindevorstand hatte sich au« diesem Grunde an hie Gesellschaft gewendet wegen Leistung em«S Zuschusses zu der_ an den Kreis zu zahlenden Summe: sie hat aber strikte abgelehnt. Gegen drei Stimmen wurde die Vorlage des Gemeindevorstandes angenommen.. Ebenso soll auf der Linie Lichterfelde— Stahnsdorf, auf der jetzt nur alle 40 Minuten die Wagen verkehren, der 20 Minutenverkehr durch- geführt werden. Der bisherige Zustand bedeutete auf dieser Linie eigentlich schon mehr ein Verkehrshindernis, das besonders auch für das benachbarte Teltow auf die Dauer unerträglich wurde. Die einmaligen Kosten des erweiterten Betriebes stellen sich auf 12t) M., von denen Teltow 3000 M. übernimmt. Eine längere Debatte entstand bei der Frage der Pflasterung der Sternstrage. Gemeindevertreter Siebenbürger trat mit derselben Wärme für Beseitigung der dortigen prächtigen Allee-Bäume ein, mit der andere Leute die Erhaltung derselben zu verteidigen pflegen. Aus seinen Ausführungen klang ganz unverkennbar der Person- liche Wunsch nach AbHolzung der„unangenehmen" Rüstern durch, weil sie ihn angeblich vor seinem Besitztum genieren. Auch vor der öffentlichen Meinung will er nicht zurückschrecken und er sagte das in einem Tone, der lebhaft au die In- fassen des preußischen Herrenhauses erinnert, ob- wohl er vorläufig nur konservativer Reichstagsabgeordneter ist. Die.öffentliche Meinung" würde die Abholzung der schönen Baum- allee der Sternstrage als einen Frevel au der Natur bezeichnen: es ist schon genug„geholzt" worden in Lichterfelde und so weit wir in- formiert sind, sollen auch die Bäume in der Verlängerten Wilhelm- strage mit der Axt Bekanntschaft machen. Auch hiergegen muß fchärffter Protest erhoben werden. ES' ist erfreulich, baß Herr Siebenbürger mit seiner Anregung kein Glück hatte. Der Verlrag wegen Verpachtung des Ratskellers wird mit der Löwenbrauerei er- neuert, jedoch mit der Abänderung, dag halbjährige Kündigung erfolgen kann, um den so notwendigen Rathausneubau nicht weiter hinausschieben zu müssen. Trevtow-Baumschulenweg. Ucber„die Landtagswahl im Jubiläumsjahr" sprach Reichstags- abgeordneter Genosse Fritz Ebert in einer gutbesuchten Landtags- Wählerversammlung in Ludwigs Parkrestaurant. Redner betonte, dag der preußische Landtag eigentlich nur ein Jnteressenparlament für den Geldsack und den Junker sei, in welches der letztere eigent- lich nur seine konservativen Parteisekretäre, die Landräte, hineinsetze. Durch recht drastische Beispiele zeigte der Referent den Versammelten, daß wer über viel Geld verfügt, in Preußen einhundert-, wenn nicht gar tausendfaches Wahlrecht haben kann. Dagegen haben die Millionen Arbeitsbienen nur das Recht den Mund zu halten und Steuern zu zahlen. Nachdem Ebert noch die von den Besitzenden geübte Steuerhinterziehungen einer scharfen Kritik unterzogen, forderte er die Versammelten auf, an der Beseitigung dieser Zustände mit tätig zu sein. Die Ausführungen des Redners wurden mit leb- haftem Beifall belohnt. Hierauf akzeptierte die Versammlung die zur Ausstellung vorgeichlagenen Wahlmänner. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Versammlung geschlossen. Die Wählerversammlung am Dienstagabend in Baumschulenweg erfreute sich eines guten Besuches. Genosse Dr. Breitscheid zog in seinem fast zweistündigem Referat treffende Vergleiche zwischen den preußischen Junkern von 1806/13 und denen von heute. Er ließ seine Worte ausklingen in die Aufforderung, die kommende Land- tagswahl zur Aufklärung der Mafien auszunutzen. Die sodann folgende Aufftellung der Wahlmänner für die acht Wahlbezirke des Ortsteiles ergab keinen Widerspruch gegen die Vorschläge des Wahl- veretnsvorstandeS. Grünau. An Stelle de? verstorbenen Schöffen Stadelhof wurde der Rentier Ouednow zum Gemeindeschöffen und als Mitglied in den Ausschuh des Wasserversorgungs- und des Kanalisationsverbandes Herr Berke gewählt. Weihensee. Das von der Gemeinde erbaute Ledigenheim soll am 1. Oktober bestimmt eröffnet werden. Es enthält im ganzen 44 Zimmer, davon drei mit je zwei Betten. Die erste Etage ist für Frauen bestimmt, die zweite und dritte für die Männer. Die Preise für die Einzel- zimmer betragen einschließlich Frühstück(Kaffee oder Kakao und zwei Brötchen), Heizung, Beleuchtung, Reinigung und Wäsche(Bettwäsche und Handtücher) pro Monat: in der dritten Etage nach vorn 14 M., nach hinten 13 M., mit zwei Betten je 12 M.; in der zweiten und ersten Etage nach vorn IS M., nach hinten'14 M. und mit zwei Betten je 14 M. Jni Parterregeschoß befinden sich die Aufenthaltsräume für Frauen und Männer getrennt. Auch ist die Unterbringung der öffentlichen Speiseanstalt in dem Gebäude vorgesehen. Im Keller- geschoß ist unter anderem für ausreichende Badegelegenheit gesorgt. Petcrshagen bei Fredersdorf. Die Gemeindevertretersitzung befaßte sich zunächst mit der Prüfung der Einnahmen und Ausgaben für das Stechnungsjahr ISIL/kß. Die Einnahmen betrugen 20S60P0 M., die Ausgaben 18 958,89 M. Der im Vorjahre abgeänderte Bebauungsplan soll jetzt eine nochmalige Abänderung erfahren, und zwar dahin, daß im wesentlichen der vor der letzten Abänderung bestehende Zustand wiederhergestellt wird. Die Sache wurde vorläufig zurückgestellt. Die Zeichnung des von der Gemeindevertretung beschlossenen Baues einer Leichenhalle ist vom Kreisbauamt nicht genehmigt worden. Der Bauunternehmer und Gemeindevertreter P. Lindholz hatte, ohne daß er einen Auftrag hierzu hatte, beim Kreisbauamt eine dem Geschmack des Kreisbaumeisters entsprechende neue Bau. Zeichnung für 100 M. bestellt. Die Zeichnung verursachte bei allen Gemeindevertretern Kopfschütteln. Natürlich wurde dieselbe nicht akzeptiert, die Vertretung beschloß vielmehr, darauf zu dringen, daß die alte Zeichnung genehmigt wird. Bernau. Neber das Thema:„Wahlkampf— Wahlrcchtskampf" sprach am Dienstag Genosse Stadthagen in einer gut. besuchten Wähler- Versammlung. Redner zerpflückte das bestehende Wahlrecht, das wohl dem Besitz, aber nicht der großen Masse der preußischen Be- völkerung Rechnung trägt, und forderte die Anwesenden auf, den so- zialdemokratischen Kandidaten H o f e r, Braun und Ha e n i sch zum Siege zu verhelfen. Lebhafter Beifall folgte den Worten des Referenten. Der Vorsitzende ermahnt« die Versammelten, am Tage der Wahl für die sozialdemokratischen Wohlmänner zu stimmen und sich der politischen Organisation anzuschließen. Gleichzeitig machte er bekannt, daß die geplante Maiversammlung früh 8 Uhr verboten worden, dagegen der Festzug mittags 1 Uhr genehmigt sei. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht wurde die Versammlung geschlossen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Friedrichshagen. Heute Freitag, den 2S. April, nachmittags 5 Uhr, im Rathause, Friedrichstrage 87. Ober-Schvnewcide. Heute nachmittag 5 Uhr in der Schulaizla, Frtschenstrage 13. Diese Sitzungen find iisscntlich. Jeder GemeindeangehSrige ift be. rechttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Eingegangene Druckrdmftcn. Von der„Reuen Zeit« ist soeben das 30. Heft des 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des HefteS heben wir hervor: Zum ~----- bulz.— Mili----------- Znternational dreißiger Jahren, von L. Pumpiansky revier. Von Nil. Osterroth(Waldenburg, Schlefien.— Weiteres zur Frage der Ansiedelung von Landarbeitern. Bon Dr. Wilhelm Wrumach. Die.Neue Zell" erscheint wöchentlich einmal und kst durch alle Buch- Handlungen, Postanstallen und Kolp ort eure zum Preise von 3,25 M pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest tostet 25 Pf. Krieg— mobil 19..1 Von Berlin W, 30. Die preußische Verfassung, ihre Geschichte und ihr Wesen. Von A. Meyer. 30 Pf. Verlagsbnchhandümg(Dornte u. Metz), Hannooer. 2 M., geb. 8 K. Baum, Allgemeine Kranken, und Tterbekasse der Metallarbeiter bedeckt Bwolttg 3wolkig 1 heller Obedeckt Mebel Stationen ni 2 g B- Saparanda Petersburg Scilly Aberdcen Paris 765 767 754 755 756 ßs Q OSO S S RO ft Vetter etter dunst bedeckt wollig llhalb bd ti £k 8 » 9 8 10 Wetterprognose für Freitag, de» 25. April 1913. Zunächst vielsach heiter, cu» Tage ziemlich warm bei mäßige» südlichen Winden; nachher zunehmende Bewölkung mit etwas Regen. "Berliner Wette rburean. Wassi'rstauds-Rachrichte» der LandeZanstalt für Gewässertundc. mllgeterU vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e l, Tilstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbar , Krassen , Frantsurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbh , Magdeburg >)-f bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel.—») An der preußische» Deichsel ist Beschleunigung deS Steigiens zu erwarten, aber nicht bis zu gesährlicher Höhe. II J/* 7 MMS Jahresnmsats: 1902/} ca. 43600 Iii. 1911/12 ca. 300 000 M. 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An- lagen bei Sparkassen oder Banken, Zusüh- rungcn zum Reserve- sonds..... 10. Durchlausende Posten. 11. Verwaltungsausgaben: a) persönliche.... b) sächliche.... 12. Sonstige Ausgaben. 13. Summe der Ausgaben (Ziffer 1—12)... 408172,53 g. 47538,35 51298,71 139815,82 8832,65 8132,80 6214,80 634,99 55494,85 708,35 23614,39 9146,67 2585,17 428878,33 c) Abschluß. Summe der Einnahmen(Ziffer a 10).......... 428878,33 Summe der Ausgaben(Ziffer b 13).........., 408172,53 Ergibt für den Schluß d. Rechnungsjahres einen Kassenbestand von 20705,80 II. VermOgensausweis f. d. Schluß d. Rechnungsjahres 1912 Da» Gesamtvermögen der Kasse setzt sich wie filgt zusammen: M. a) der Bestand für den SchltchxdeS Rechnungsjahres 1912 20705,80 b) Sparkassenbücher.............. 260782,06 Summe.. 281487,86 .. 235531.15 45956,71 Nach dem vorjährigen Abschlüsse betrug der lleberschug... Ergibt gegen daS Vorjahr an lleberschutz mehr...... Zum Reservefonds gehören nach den ftattgefundmen Ucbcr Weisungen................ Nach dem vorjährigen Abschlug betrug der Reservefonds.. Ergibt gegen das Vorjahr an Reservefonds mehr..... Als Betriebsfonds verbleiben der Kasse........ Adlcrshof. de» 24. April 1913. 270/10 Sax Knappe, Borfitzender. 260782,06 205287,21 55494,85 20705,80 Auf Abzahlung Moderne Jackett- Anzüge In allen Farben Husen, Kostüme KostümröcKe Altzahlung Cxold chualitäfe Inf Abzahlung Möbel Möbel Einzelne Möbel Anzahlung von Mark 3 an Komplette •« von Mark 400 bis Mark 5000 Die neuesten Frfibjabrs-Herren-D. Danen- Paletots saubere Konfektion Sdikke Klemer Anzahlung in Kannen, Siphons, Flaschen Uberall khulllch oder Fernspr. Nord. 10370— 10372« Ar. 99. 80. Iahrgauy. 4. KeilW des ,|oriüitts" ßttlinrt MUtt. Irritog, 25. April 1913. Stadtverordneten• Verfamtnlung. 16. Sitzung vom Donnerstag, den 24. April 1öl3, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5*4 Uhr. In den Ausschutz für die Vorlage wegen Deckung der Mehr- kosten für die Mittagsspcisung bedürftiger Gemeindeschulkinder find von der sozialdemokratischen Fraktion Dr. Bernstein. M a n a s s e, Dr. Roscnfeld, Schneider, Tolksdorf deputiert. Den Beitritt der Stadt Berlin zum Schutzverbande für die G r u n e w a l d s e e n mit einem Jahresbeitrag von 30 M. und einer einmaligen Zuwendung von 5000 M. hat der niedergesetzte Sonderausschutz einstimmig gutgeheitzen. Ohne Diskussion beschlietzt die Versammlung in gleichem Sinne. Auch der Vorenlwurf für den Neubau einer land- wirtschaftlichen Erziehungsanstalt in StruveS- Hof(Voranschlag IV* Million Mark) zur Durchführung von Re- formen auf dem Gebiet der Fürsorgeerziehung ist in der AuSschutz» beratung einstimmig zur Annahme empfohlen worden. Der Aus- schütz beantragt, die erste Rate von 100 000 M. zu bewilligen, autzer- dem aber den Magistrat im Interesse einer schnelleren Förderung der recht dringlichen Aufgabe der Reform der Fürsorgeerziehung um möglichst baldige Vorlegung deS speziellen Pro- j e k t s zu ersuchen. Referent ist der Stadtv. Modlcr(A. SL): Von den etwa 200 Zög- lingen sollen 120 landwirlschaftlich ausgebildet werden; ausserdem sollen für 60 Schwachbegabte und für etwa 20— 30 schwer zu behandelnde, renitente Zöglinge entsprechende besondere Veranstaltungen für die Erziehung getroffen werden. Stadtv. Stapf(A. L.) bittet, der Versammlung öfter Gelegen- heit zu geben, die städtischen Bauten in der Umgebung Berlins be- Hufs besserer Information kennen zu lernen. Oberbürgermeister Mermuth sagt Berückfichtigung dieses Wunsches zu.— Die AuSschuhanträge werden angenommen. Stach erneuter Beratung ist der Ausschutz für die Vorlage wegen Verlängerung der Hedemann st ratze von der Wilhelm. zur Friedrichstratze zu dem Vorschlag gelangt, dem Unternehmer Markiewicz 537 000 M. auS städtischen Mitteln auf erste Hypothek zu gewähren. Ausserdem sollen 285 000 M. gegen Auflassung des StrahenlandeS von Friedrichstrahe 229 und Wilhelmstrahe 19 und prundbuchliche Sicherstellung des übrigen Stratzenlandes an den Unternehmer gezahlt werden. Nachdem der Referent Stadtv. Zhlicz(A. L.) dargelegt hat, datz bei einer derartigen Regelung die Stadt keinerlei Gefahr laufen werde, nimmt die Versammlung ohne Debatte die Ausschutz- Vorschläge an.— Die elektrische Beleuchtung des Viktoriaparks soll von jetzt an nicht nur von Mai-September, sondern während des ganzen Jahres, und nicht nur bis HVb Uhr abends, sondern mit der Hälfte der Lampen bis Tagesanbruch erfolgen. Die Versammlung stimmt zu. Von der ab 1. April in Wirksamkeit gesetzten Erhöhung der Tagegelder für die nicht st ändigen Bureaugehilfen von 3,90 auf 4,20 M. gibt der Magistrat der Versammlung Kenntnis. Die Vorlage wegen Verbreiterung der Neuen Pro- menade, der Strasse An der Spandauer Brücke und der Strasse Am Zwirngraben, sowie wegen Ankaufs einer Strahenfläche von 652 Quadratmeter geht auf Antrag B r h(A. 2.) an einen AuSschutz. An das Zeutral-Diakonissenhaus Bethanien, das mit ernstlichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, soll eine stÄttsche Beihilfe von 10 000 M. gezahlt werden. Die Ver- waltung deS Hauses hatte um eine» laufenden städttscheu Zuschutz gebeten. Stadtv. Brun»(Soz.): Wir werden der Vorlage zusttmmen. Ueber die ärzlliche Versorgung und Verpflegung der Kranken dort haben wir nur Gutes gehört. Dagegen sind namentlich früher häusig Beschwerden laut geworden über religiöse Unduldsamkeit und Be- einflussung. Ich richte deshalb an den Magistrat das Ersuchen, datz in Zukunft diese Beeinflussung bei den Kranken, die ihrer nicht be- dürfen, unterbleibt. Vorsteher Michelet: Diese Bemerkung war wohl nicht ganz zeit- gemäss. Es ist in der Zwischenzeit Wandel in der Richtung dieser Wünsche eingetreten, die wir gewiss alle für berechsigt halten. Stadttat M-ssc: Es ist uns eine detaillierte Darstellung der seelsorgerischen Einrichtungen zugegangen, welche unS jede Gewähr gibt, datz von einem Druck oder Zwang auf die Kranken in reli- giöser Beziehung gar keine Rede sein kann. Der Betrag wird bewilligt. Den Verttag, wodurch die Stadt Berlin das Abholen und die Beseitigung der Tierkadaver aus Charlotten- bürg übernimmt, bemängelt Stadtv. Hahn(A. 2.) in derfchic- denen Einzelheiten, speziell bezüglich einer unberechsigten Begunsti- gung CharlottenburgS im Gebührentarif. Da der MagisttatS- Dezernent nicht anwesend ist, beanttagt Redner Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung. Vorsteher Michelet gibt ebenfalls sein Mitzfallen über das Fehlen des Dezernenten zu erkennen. Der Gegenstand wird von der Tagesordnung abgesetzt. Schlutz der öffentlichen Sitzung W Uhr. Die LaMagS'Aahlbemguog. Für den ersten Berliner Landtagswahlbezirk fand am Mittwoch im»Cafe Gärtner" im Hansaviertel eine öffent- liche Wählerversammlung statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung trugen Sänger das Lied:»Empor zum Licht!" vor. Empor zum Licht! das war auch der Mahnruf, der aus den Worten deS sozial- demokratischen-»andtagskondidaten des Bezirks, des Genossen Hugo Poetzich, hervorklang, der das erste Referat hielt, weil der als Referent angesagte Reichstagsabgeordnete Oskar Cohn wegen einer wichtigen Sitzung erst später erscheinen konnte. Der Redner übte unter der Zustimmung der Versammelten scharfe Kritik an dem elenden Dreiklassenwahlrecht. Die.Heldentaten" des Abgeordneten Mugdan, des jetzigen Vertreters des ersten Land- tagSwahlbezirkS, ruckte er in das rechte Licht. Er ermahnte schlietz- sich die Versammelten zu regster Agitation für zahlreiche Wahl- beteiligung im«wne der Sozialdemokratie auch im ersten Wahlbezirk, trotz der hier überwiegenden Plutokratie, die die Eroberung des Lavota�mandatS dieses Bezirks durch die Sozial- demokratie als ausgeichlofsen erscheinen lasse. Durch diesen Um- sind dürfe sich niemand abhalten lassen, denn es sei durchaus not- wendig, datz hinter den Sozialdemokraten, die ins Dreiklassen- Parlament hineinkämen, insgeiamt eine grosse Wählermasse stehe. (Lebhafter Beifall.)... ReichSiagsabgeordneier O->Iar Cohn hielt hierauf sein Re- ferat, indem er eingehend die preutzischen Verhaltnisse in ihren verschiedenster, Beziehungen beleuchtet« und unter anderem darlegte, fcüe laue Freunde von Vol.srechten und wie laue Feinde des Junkertums die Liberalen in ihren Taten seien. Unter grossem Verfall schlotz er mit einer Anieuerung zum Kampf. Herr Dr. M u g d a n. der ichriftlich eingeladen war, war weder erschienen noch hatte er sieb irgenwie schriftlich geäussert. .. An der Diskussion beteiligte sich ein Anhänger der national- Chorälen Partei, Dr. Simon, der einige olle Kamellen aus dem Kampfe gegen die Sozialdemcckratte der Berscrm-mlung zum besten ljob und einige Fragen an den Kandidaten richtete. Er bot so dem Genossen P o e tz s ch Gelegenheit, in seiner ausführlichen Erwide- rung noch weiter aufklärend im Sinne der Sozialdemokratie zu wirken, was ihm den Dank der Versammelten einttug. Genosse OSkar Cohn vervollständigte noch im Schlutzwort die Antwort unter lebhafter Zustimmung der Versammlung. Auch im ueunten Laudtagswahlbezirk veranstalteten unsere Parteigenossen am Mittwoch wieder eine Ver- sammlung in dem neuen, sehr geräumigen Milasaal(Schönhauser Allee), der die sehr zahlreich erschienenen Besucher kaum zu fassen vermochte. Genosse S t r ö b e l sprach zu seinen Wählern. Unter lebhaftem Beifall der Zuhörer zeigte er im Hinblick auf die politische Situation im Reiche, sowie an der Hand einiger Spezialgebiete der preutzischen Verwaltung, wie notwendig es ist, datz die Zahl der sozialdemokratischen Vertreter im Abgeordnetenhause vermehrt werde, weil sie allein entschlossen sind, dem volksfeindlichen Junker- regiment ein Ende zu machen. Wie das Auftreten des freisinnigen Abgeordneten Lippmann im Junkerparlament neulich gezeigt hat. sind die Freisinnigen nicht willens, einen ernsten Kampf für die Verbesserung des Wahlrechts zu führen. Wir müssen deshalb die Freifinnigen, mit denen wir eS ja in Berlin hauptsächlich zu tun haben, in noch grösserer Zahl zur Sttecke bringen, als es bei den vorigen Wahlen geschehen ist. Ter neunte Wahlbezirk ist uns ja sicher. Aber wir müssen auch in den anderen Bezirken, die sich noch in den Händen deS Freisinns befinden, alles daransetzten, um die Mandate diesen unzuverlässigen„Volksvertretern" zu entreitzen und in der Hauptstadt deS Reiches und PreutzenS einen glänzenden Wahlsieg zu erringen. Die Haltung der Versammlung lietz erkennen, datz unsere Parteigenossen entschlossen sind, den Wahlkampf in diesem Sinne zu führen und dem Freisinn eine empfindliche Niederlage zu be- reiten.— Ohne Einwendungen wurden die vorgeschlagenen Wahl- männerkandidaten aufgestellt. Zweiter Landtagswahlbezirk. ..Ich bin ein Preutze!" Mit was für Gefühl und Stolz wir TreiklassenwahlrechtSheloten diesen Satz ausrufen dürfen, legte Ge- nosse Dr. B r e i t f ch e i d in der Bockbrauerei in einer ebenso rhetorisch als auch inhaltlich grotzzügigen Rede dar. Auf die ver- gangencn und neueren preutzischen Geschicke eingehen», konnte B r e i t s ch e i d ein vernichtendes Urteil über unsere„segenS- reichen' Institutionen fällen. Unter die kritische Lupe nahm er das Verhalten der bürgerlichen Parteien zu einer vernünftigen Wahlrechtsreform. Jenseits der westlichen Grenze sehen wir daS belgische Proletariat in einem schweren Kampfe für ein freie? Wählrecht stehen, und wir müssen daran denken, für Preutzen Lehren hieraus zu ziehen. Und an dieser Prüfung soll uns das Geheul der bürgerlichen Parteien nicht hindern. Wie einst unsere Väter für ihre Rechte gekämpft, so heitzt es auch für uns den gewalttgen Wahl- rechtSkampf mit der ganzen Persönlichkeit auSzufechten, und„ein Pfui über den Buben hinter dem Ofen!"(Anhaltender stürmischer Beifall.) Die stark besuchte Versammlung ging mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie auseinander. Im Laufe der vergangenen Woche fand die Aufstellung der Wahlmänner auch in 6 Versammlungen des »elften LandtagswahlbezirkS ihre Erledigung. Am Dienstag, den 15. April, sprach in Funkes Fe st sä Heu Genosse Sassen vor einer überfüllten Versamm- lung. In den Kösliner Festsälen referierte Genosse Poetzsch, Genosse Weber im Vv i gt-Th ea t« r, Badstratze. In wirkungsvoller Weise entledigten sich die Referenten ihrer Auf- gäbe unter ftarlem Beifall, indem dieselben auf die Bedeutung der lommenden LandtagSwahlen hinwiesen und gleichzeitig scharfe Kritik an dem Verhalten der Wahlrechtsfeind« übten. Die Ans- stellung der vorgeschlagenen Wahl mariner erfolgte eiststimmig. In allen Versammlungen hielt der Kandidat deS Kreise», Abg. Dr. Karl Liebknecht, eine kurz gehaltene zündende Ansprache. Genosse Dr. Liebknecht referierte dann am Mittwoch, den 16. d. M., in den Kösliner Festsälen vor einer überfüllten Versammlung. Redner unterzog daS Verhalten deS jetzigen Land- tages einer scharfen Kritik. Unter brausendem Beifall schlotz Redner, indem er auf den kommenden Wahlkampf hinwies. Auch hier wurde die Aufstellung der vorgeschlagenen Wahl- männer einstimmig gutgeheitzen. In den Pharus-Sälen sprach am Donnerstag, den 17. d. M., Genosse R e g g e über die Bedeutung der Landtags- wählen; ebenso Genosse Weise bei Sachon, Müllersttatze. Beide vor überfüllten Versammlungen. Auch hier verstanden es die Redner, die Zuhörer zu fesseln, und ernteten lebhaften Beifall Tie Wahlmänneraufstellung ging ebenfalls glatt vonstatten. Ebenso hielt Genosse Liebknecht in beiden Versammlungen wir- kungsvolle Ansprachen. Anschliessend an diese Versammlungen waren die Frauen deS elften LandtagswahlbezirkS zu einer Versammlung eingeladen, welche am Dienstag, den 22. d. M., in den Pharus-Sälen stattfand und sich zu einer wirkungsvollen Demonstration ge- staltete. Genosse Liebknecht sprach vor 1500 Frauen über die Bedeutung der LandtagSwahlen fnr die Frauen. Unter lebhaftem Beifall endete Redner, indem er auf die Notwendigkeit der Mit- arbeit der Frauen bei den Wahlarbeiten hinwies. Nach einem an- feuernden Schlutzwort seitens der Leiterin Genossin L u n k w i tz wurde die Versammlung geschlossen. Eigentümlich berührte in dieser Versammlung das Verhalten des Kriminalbeamten D e n t l o w. D. vermihte die Anmeldung, da er die Versammlung als polisische betrachtete. Nachdem ihm seitens des Obmannes er- klärt wurde, datz auch für diese Versammlung die gleichen Bestim- mnngen gelten wie für alle übrigen Wählversammlungen, zog er von dannen. Sollte den Untergebenen der Polizei der§ 4 des ReichsvereinSgesetzeS unbekannt sein? 5. Nkrbandstag des Ientralsklbandes der Zirnlinußker Z-eiltschlands. Breslau, 22. April 1913. Der VerbandStag tagt als erster in den Mauern des neuen herrlichen Breslauer Gewerkschaftshauses; derselbe ist besucht von 27 Delegierten, 2 Vorstandsmitgliedern und dem Vorsitzenden des Ausschusses; die Generalkommission lätzt sich durch Genossen Sabath-Berlin vertreten.. Den Vorstund Sbericht erstattet F a n t h- Berlin. Redner bedauert, datz diesmal kein gedruckter Geschäftsbericht herausgekommen ist, es sei ihm aber absolut nicht möglich gewesen, die Zeit für diese Arbeit zu bekommen. Die Lohn- und Ar- beitSverhältnisse haben sich leider, nach der Statistik des letzten Verbandstogcs, nirgendwo gebessert. Die damals aufge- stellte Statistik zeigte, datz über 50 Proz. der Berufsmusiker noch nicht einmal einen Durchschnittslohn von monallich 46 M. haben. Um diesem Elend zu steuern, sei es notwendig, datz die Organisationen in den einzelnen Orten fester wurzeln und eS nicht erforderlich werde, an oen einzelnen Orten zu mehreren Malen Versuche zur Gründung der Organisasion zu machen. Um die Organisation zu fördern, habe der Vorstand für das Königreich Sachsen einen Gau» keiter eingesetzt, eS habe sick aber ergeben, datz diese Institution für den Musikerverband nickrt praktisch fei, da es diesem Beamten kaum möglich sei, an die Kollegen heranzukommen. Es konnten während seiner Tätigkeit im Bezirk nur 35 Mitglieder gewonnen werden. Aller Art Schwierigkeiten stellen sich der Agitation ent- gegen, nicht zum wenigsten wissen di« Musikdirektoren Schwierig- reiten zu bereiten. Redner begründet im weiteren die An- stellung eines Agitationsleiters im Hanptbrrrean, der mit den Gewerkfchaftskartcllen zwecks Sammlung von Adressen der Musiker in Verbindung zu treten habe, um so die einzelnen Kollegen durch Broschüren und Agitationsschriften für den Vor- band zu interessieren und Mitglieder zu werben. Fauth ver- breitete sich dann des längeren über Unstimmigkeiten, die sich Mischen dem Verband und den Kartellen von Leipzig und Bremen abgespielt haben, und wo bedauerlicherweise das Leipziger Kartell sich nicht lobens- und nachahmenswert benahm. T-ch abgesehen hiervon, habe die organisierte Arbeiterschaft den Bestrebungen der Berufsmusiker Verständnis entgegengebracht. Im weiteren bringt Redner die Meinung des Vorstandes zu den zum Geschäftsbericht gestellten Anträgen, die sich auf Agitation, das Fachorgan und auf das Annoncenwesen, sowie auf Ver- waltungSeinrichtungcn beziehen, zum Ausdruck. Seine AuSfüh- rungen klingen aus in der Mahnung, datz die Kollegen aller Orle sich in Zukunft in den Versammlungen mehr mit den Lobn- und Arbeitsbedingungen, mit Angestelltenversicherung, Vcrgnügungs- steuer und dergleichen beschäftigen sollen. Den Kassenbericht erstattete BlanschefSki- Berlin. Nach diesem Bericht stellt sich die Kassengebarung wie folgt: Inklusive eines Kassenbestandes von 11 833.57 M. vom 4. Quartal 1909 hatte der Verband vom 1. Quartal 1910 bis inklusive 4. Quartal 1912 eine Einnahme von 125 146,36 M. Die Gesamtansgabe bettug in dem gleichen Zeitraum 46 840,02 M. Der Kassenbestand betrug am Schlutz deS 4. Quartals 1912 48306,34 M. Unter den Ausgaben befinden sieb für Krankenunterstützung 3713,14 M., Sterbeunterstützung 1255 M., Reifeunterstützung 199,27 Mark, Gematzregeltenuutcrstützung 667,80 M., ausserordentliche Unterstützung 2867,47 M., Rechtsschutz 2258,64 M., Agitation 2270,83 M., Streiks im eigenen Beruf 350 M., Stteiks anderer Berufe 500 M., für die Fachzeitung 4062,35 M. und den OrtSver- waltungcn blieben zur freien Verfügung für lokale Ausgaben 31440,14 M. Der Verband zählte am Ende des Jahres 1912 37 Zahlstellen mit 1885 Mitgliedern. Die Fluktuation der Mitglieder hatte zur Folge, datz etliche Zahlstellen zugrunde gingen. Die weiteren AuS- fuhrungcn erstreckten sich auf Vcrwaltungsangelegenheiten. Der Vorsitzende des Ausschusses, T r u d e 1- Hamburg, gab den Bericht über eine Reihe Beschwerden, icher die der Ausschutz zu entscheiden hatte. Es erfolgte dann die Begründung der zum Vorstandsbericht gestellten Anträge. Unter anderen' hat dt« Zahlstelle Ham- bürg den Anttag gestellt, datz der 5. Verbandstag den Haupt- vorstand beauftragt, geeignete Schritte zu unternehmen, um die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Orgcmi- scttionen, Volks- und GewerkschaftShäusor sowie die VerkehrSbokale der modern organisierten Arbeiter, ausserdem aber auch die ge- sinnungSverivandten Institutionen zu veranlassen, im Bedarfsfalle nur die Arbeitsnachweise unseres Verbandes zu benutzen. Der Vorsitzende Fauth führt« dazu aus, datz die Zurück- setzung der Zivilberufsmusiker ganz von selbst settenS der Kartelle, Volks- und Gewerkschaftshäuser aufhören werde, wenn die Berufs- musiker es allgemein ernst mit ihrer beruflichen Ans- b i 1 d u n g nehmen und sich bemühen, künstlerisch das Beste zu bieten. BreSla«, 23. April. Die Debatte über den Vorstandsbericht, die bereits am DienS- tag nachmittag einsetzte, wurde auch heute früh noch fortgesetzt.-Der Vorstandsvorschlag auf Einstellung eines Bczirksleiters findet bei fast allen Delegierten lebhaften Beifall.— Es lommt weiter zum Ausdruck, datz der Allgemeine Deutsche Musikewerband als das grötzte Hemmnis für die Ausbreitung des Verbandes zu betrachten ist, dem kein Mittel in seiner Bekämpfung zu schlecht sei, und datz eS kaum Worte gäbe, um das schofle Vorgehen dieser Organisasion zu kennzeichnen. Im weiteren werden die Praktiken der Saal- Inhaber erörtert, die sich gegenseitig überbieten, die Tanzbelustigun. gen billig und immer billiger zu gestalten zum Schcrden der Be« rufimusiker.— Eine gründliche Aussprache findet auch über daZ Erscheinen und die Ausgestaltung des Fachorgans statt. E» haben einige Zahlstellen Anträge auf Anstellung eines Redakteurs gestellt. Fauth-Berlin tritt dem entgegen, indem er bezweifelt, datz Personen zur Lösung dieser Frage vorhanden sind, auch ist er der Ansicht, datz mit Anstellung eineS Agitationsleiters der Vorsitzende entlastet wird und dadurch Zeit für das Fachoryan bekommt. Wenn dann von den Kollegen fleitzig mitgearbeitet werde, dann dürfte das Fachorgan balo den gestellten Anforde» rungen gerecht werden. Nach den Schlutzworten deS Vorstandes zum Geschäftsbericht wird folgender Beschlutz gefatzt: Es soll ein A g i t a t i o n s l e i t e r im Hauptbureau zur Agi- tation für ganz Deutschland angestellt werden. Ferner sollen die Ortsverwaltungen Agitationskommissionen errichten, welche die ihnen von den Ortsverwaltungen aufgetragenen Agitationsarbeiten auszuführen haben. Eine Anzahl Anträge, die sich auf die Fach- zeitung, auf das Annoncenwesen usw. beziehen, werden dem Vor- stand zur Berücksichtigung überwiesen. Die Beratung der zum Statut gestellten Anttäge zeitigte folgende Beschlüsse: Im§ 2 des SiatulS, der von der Mitgliedschaft handelt, wird ein Passus hineingebracht, der besagt, datz gewerblich tätige Personen aufgenommen werden» Damit soll den Bandonium-, Zither-, Harfenspielern usw. die Möglichkeit gegeiben werden, die Mitgliedschaft zn erwerben. Der K 6 des Statuts erhält folgend« verbesserte Beftttnmuny: „Arbeitsunfähig erkrankte Mitglieder können während der Dauer ihrer Erwerbsunfähigkeit von der BeittagSzahlung befreit werden. Desgleichen können Miiglieder, welche mindesten? zehn Jahre dem Verband« angehören und während dieser Zeit ihre Beiträge voll entrichtet haben, von der Beitragszahlung befteit werden, wenn sie infolge von Invalidität oder hohen Alters er- werbSunfähig oder stark erwerbSbefchränkt sind." Im letzten Absatz des§ 6 wird bestimmt, datz jene Kollegen, die als Beamte die Pensionsberechtigung haben, nicht zur Mitgliedschaft zugelassen werden; datz dagegen der Aufnähme pensionierter Beamten, die infolge ihrer niedrigen Pen- sio ne n einen Nebenerwerb suchen müssen.nichts entgegensteht. Im weiteren wird� beschlossen, datz in Zukunft bei AnSschlwtz ewe» MitäüedeS ein örtliche» Schiedsgericht, bestehend an» Ber- tretern dev-Parteien und einen vom Vorstand euxmnten»npar- teiischen Vorsitzenden,'fungieren mutz. Ferner wird ein einheitliches EinttittSgeld fit» Neu- und wiederholt Eintretende von 1 M. beschlossen. Die Reiseunterstützung soll für jene Miglieder, die einen Wochenbeitrag von 50 Pf. zahlen, von 5 aus 6 M. erhöht werden. Die Reiseunterstützung, die bisher 3 Pf. pro Kilometer aus- macht, soll auf 2 M. pro Tag festgesetzt und stet» nachträglich anSge. zahlt werden. Nachdem noch einige redäksionekle Aendernngen an einzelnen Paragraphen des Statut» vorgenommen, find alle Anträge zum Statut erledigt und werden die Verhandlungen ans Donnerstag vertagt. Eingegangene Druchrcbriftm. Die Tonntogsrnhe in Kontoren und Laden. Von P. Langk. 38 S. Zkntrnivcrband der HandlungZgehUfen Berlin NW. 23. Der starke Frist. Roman von F. v. Zobeltitz. 1 M. jftonen- Verlag. Berlin SW. 68.. � t «in einheitliches Steuersystem für da» Deutsche Wirtschaft». gebiet. Von Fützenbäus-r. Broich. S M. O. Bechtle, Eizlmgen a. R. Denkschrift anlShlich de»«i jährige» Bestehe»» der Gese» schaft»Urania«»u Berlin. 1888— ISIS, Selbstverlag. 4 Pelerinen-Taae luUiiimiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Twmmm Freitag= Sonnabend= Sonntag- Montag1 Ausnahmepreise für Loden-Pelerinen Sämtliche Lodenstoffe sind vor der Verarbeitung imprägniert worden. 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