Ur. 100. flbenncmcntS'Bcdingungcn; JlionnemimlS. �rciä pränmncrmido: SicclcljöljrL 3,30 monall. 1,10 Mk. wnckenlliÄ 28 Pfg, frei ins Saus. einzelne Nummer S Pfg. Sonntaa-"- nummet mit illustrierter Sonntaa� Seilage„Die Neue Bell" 10 Pfg. Post. ilbonneinent: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliite. Unter Kreuzband für Deutschland«ld Oesterreich- Uewam 2£0 Marl, füp das übrige AuÄand s Marl pro Manat. Postabonnements nebmen an: Belgien. Tänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Porwgal, Ruminien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die TnfertionS'Gebübr kietrSgt für die sechsgefpaliene Kolonel- geile oder deren Kaum W Pfg,, für politische und gewertichaftliche Vereins. und Bersammlungs-Anzeigen U> Pfg, „Uieinc)sn:«izcn"/daS seltgedruckte Wort 20 Pfg. I zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellena». zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes Iveitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buch. ä laben zählen für zwei Worte. Inserate iir die nächste Nmnmer ntüssen bis » Uhr nachinittagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet. ctlchtisl tiglKi). Verlinev Volksblott. Telegrainni- Adresse: „ZsöisitiemekttU sielliii". 1� 0'v'S Zentralorgan der fozialdcmohratfrcbcn Partei Deutfcblands. Redaktion: 8Ll. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moriffplasi, Nr. 1983. Expedition: 8LI. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Skutari und der europäische friede. Aus Wien wird uns vom 24. April geschrieben: Wird der europäische Friede der ernstesteu Gefährdung, der er seit dem Ausbruch des Balkankrieges ausgesetzt lvar, gewachsen sein? Denn darüber, daß mit dein Fall Skutaris der Friede aus die schwerste Probe gestellt lvird, und daß er nur bewahrt werden kann, wenn der Friedenswille aller Groß- mächte ehrlich gemeint und echt ist, herrscht nirgendwo ein Zweifel. Wohl klingt es*>ic ein sinnloses Märchen, daß der Friede der europäischen Menschheit von der nwntcnegrini- scheu Zwergnation in Frage gestellt werden soll, daß die Frage nach dem Besitz des zerschossenen und zertrümmerten skutari die europäischen Millionenheere in Belvcgung setzen könnte-, aber die Unnatur und Verlogenheit der Mächte- gruppierung in Europa ist so bösartig, daß auch ein tleincr Anlaß sie zum Entladen bringen kann. Es klingt wie die Verleugnung aller Vernunft, aber es ist dock) so: über Krieg und Frieden in Europa entscheidet nun König strikita! � Tie gräßliche Verwickelung, die nun durch den Fall Skutaris entstanden ist. hat ihren Urgrund natürlich in der abgcschniacktcn Politik, die sich Oesterreich für die Balkandinge erkoren hat, imd an der es, ic offenkundiger die Fehler werden, um so eigensinniger festhält. Oesterreich hat für sich ans alles verzichtet und seine Forderung wurde, nachdem die Niederlage der Türkei besiegelt war, jenes selbständige Albanien, voil dem es sich für die weitere EntWickelung Wunderdinge verspricht. Das selbständige Albanien soll den Serben den Zugang zum Meere verrammeln- tveiter soll es ober gegen die großferbischen Pläne, die bekanntlich auf Bosnien zielleu, ein Gegengewicht liefern. Fn diese albanische Politik hat sich Oesterreich so verrannt, daß ihm heute die Abkehr und Umkehr sckncr unmöglich ist, daß diese, natürlich vom Standpunkte der Großmacht betrachtet, einer piaralischen Niederlage gleichkäme. An der Forderung, daß Skiltari dein künftigen Albanien zufalle, hängt das Prestige der Großmacht: und wenn die politisckien Fragen cininal zu Prestige- fragen geworden sind, hat die Vernunft ausgespielt. Ob sich Oesterreich damit noch einverstanden erklären könnte, daß Skutari bei Montenegro verbleibe, ist, wie sich die Dinge entwickelt haben, eine theoretische Frage: sicher ist, daß Oester- reich ans das albanische Skutari incht verzichten wird. Wohl stehen die vielen Völker Oesterreichs, wenn sie nicht gradans für Serbien und Montenegro Partei nehmen, wie es die Tschechen und die Südslatven offen tun. der ganzen Sache mit völliger Gleichgültigkeit gegenüber: und die angeblickte Erregung und Entrüstung der Bevölkerung wird ausschließlich von den deutschbiirgerlichen Zeitungen beigestellt, von denen die meisten dem Ballplatz hörige Zci- mit Ausnahme des maßgebendsten, nämlich des alten Kaisers, mit Ausnahme des inaßgebensten, nämlich des alten Kaisers, das Gefühl haben, eher schon zu viel nachgegeben zu hOen, eher zu schuiach gewesen zn sein, so ist an eine nüchterne Erwägung der„Bedeutung" der Skutarifrage in Oesterreich nickst mehr zu denken. Daß Skutari Montenegro weg- genommen wird, dies ist, so über alle Maßen töricht es auch �icint, heute für Oesterreich eine Ehrenfrage. Ta aber die Wahrscheinlichkeit, daß sich König Nikita plötzlich zu der Alis- saßung bekehren werde, der Klügere gebe nach, sehr gering ist, so ist der Konflikt unausweichlich. Er ist mit der Eroberung ??tt �a- Was aber nun? ~r!l nch damit und hofft darauf, daß ja über die skutarifrage Europa schau entschieden, sogar auch erklärt habe, daß an diesem Beschlüsse die Eroberung Skutaris nichts zu ändern vermögen werde. Wie steht es aber in Wahr- heit um diefe Einmütigkeit Europas? Wem Skutari ge- hören solle, das ist für die Großmächte, ausgenoimnen natürlich Oesterreich, eine ganz gleichgültige Sache. Selbst Italien, das doch chi der Gründung Albaniens als Kompagnon mit- beteiligt ist, ll>nrc.e es ohne Schmerz sehen und ohne Bc- dauern geschehen. tasten, daw Skutari den Montenegrinern verbleibt. Jene Eungimg üoer Skutari bedeutet nicht mehr, als daß die Großmachte der österreichischen Forderung, der Forderung, aus der Oesterreich eine Bedingung, ohne die es nicht geht, geiiiacht bar, zugestimmt haben. Daß aber ihr Herz daran hänge, oaß Skutari albanisch! verde, daß sie es nicht aushalten wurden, ivenn Skutari an Montenegro fällt, das zu meinen wäre eine kindliche Ueberschätzung jenes Beschlusses der Botschafterkonferenz. Wohl tut die Ballplatz- presse nun w, als v&.JP�r..-Homg von Montenegro, weil er sich jenem Beschlüsse nlcht fugte, ganz Europa herausgefordert hätte, und sie schildert oie„Blamage Europas" in den dicksten, nur eben dieser zugellofen Presse eigenen lieber- treibungen. Aber die �ache ist doch so, daß sich, der intcr- nationalen Flottendemonstration ungeachtet, Montenegro nicht gegen Europa/daß es�ßch nur gegen die Macht auf- gelehnt hat, die allein aus �rutari eine Herzens- und Ehren- fache macht, daß es sich gegen Oesterreich aufgelehnt hat, daß also in dem Handel nur Oesterreich der Blamierte ist. Ist es also wahrscheinlich, daß die Großmächte einer bewaffneten Intervention zustimmen werden: daß ihre ja schon im all- gemeinen sonderbar geartete t-lnigust standhalten werde, wenn Montenegro mit Gewalt zum Einlenken gebracht wer- den müßte? Denn darauf, daß Montenegro die Festung, an deren Eroberung es das Blut seines ganzen wasscnfähigcn Volkes gewendet, hat, nun freiwillig räumen werde, daß es i nnn verzichten werde, weil seine Wafsenehre hergestellt ist, � ist doch ernstlich nicht zn hoffen: hohle Prestigepolitik treiben 'diese kleinen Völker nicht. Skutari kann Montenegro mit der stärksten Drohung nnmittelbarcr Gewalt, vielleicht sogar nur mit Gewalt abgtiioimneii werden f aber dabei kann zwischen den Großmächten eher wilder Streit entbrennen, der zum Kriege führt, als daß sie ihre Einigkeit bewahren, die den Frieden verbürgt. Und in Oesterreich will man diesmal nicht warten. Ein Zögern der Großinächte, die die Exekution in Cetinjc ver- schleppt und erschwert, könnte demnach leicht dazu führen, daß Oesterreich selbständig handelt, also in Montenegro einmarschiert. In Oesterreich, wo man ja sti Einbildungen allezeit groß ist, bildet man sich jetzt ein, seine Entrüstung gegen Montenegro ivcrde von ganz Europa geteilt. Aber das ist natürlich schau heute nicht der Fall, denn der Erfolg bringt iinmer Beifall ein und lpirbt Freunde: und deshalb steht die Sachlage nach der Eroberung Skutaris ganz anders, als sie vorher stand, und das Urteil würde wahrscheinlich noch ganz anders aiissallcn, ivenn Oesterreich, die Militärmacht von fünfzig Millionen Menschen, das kleine Bergvolk überfallen und ihm den durch Tapferkeit und Ausdauer errungenen Sieg entreißen ivollte. Niemand würde dann Oesterreich als den Wahrer der Ehre Europas ansehen, weit eher seine Schergenrolle verurteilen, ans der heraus es das kleine und entkräftete Volk vergewaltigt. Ein Krieg Oesterreichs mit Montenegro wäre ein Unternehmen, das die Großmacht lächerlich macht und das ihr in der ganzen Welt, insbesondere in der slawischen, die letzten Sympathien rauben müßte. Aber ivürde es bei diese m Kriege verbleiben und ist die Gefahr wirklich so ausgeschlossen, wie es die guten Oefterreichcr meinen, dst auf das Wort Siastonows schwören, daß dann Rußland stille bleiben, dem Uedersall des von ihm innner ganz besonders begönnerten montenegrinischen Volkes durch Oesterreich gleichmütig zusehen würde? Gerade weil sich die Dingo, wenn einmal der Stein ins Rollen gekonnnen, sogleich in ihrer ganzen.Schärfe ausrecken, darf man hoffen, daß sich die unlöslich verwickelte Skutarifrage doch irgendwie noch schlichten lassen wird. Aber daß Oesterreich seinen eigenen und den Frieden Europas wegen des erbärmlicheil skutari anss schwerste gefährdet, zeigt uns, wohin eine Politik gc- raten muß. die von Einbildungen ausgeht und abseits von den realen Interessen seiner Staatlichkeit ein glänzendes Lügen- leben führen möchte. Optimismus in London. London, 2ö. April. Wie das Neutersche Bureau erfährt, wurde nach Empfang der österveichisch-uiigarischen Zirkular- note an die Mächte beschlossen, heute nachmittag unter Vorsitz des Premierministers eine Sitzung der B 0 t s ch a s t e r v e r- e i n i g n n g abzuhalten, um über die Lage zu beraten. In diplomatischen Kreisen herrschte gestern kein Pessimismus. Im allgemeinen, kam die Ansicht zum Ausdruck, daß mit gutem Willen und mit Geduld sich a l l c s befriedigend werde ordnen laste». Im Laufe des gestrigen Nachmittags wurde»in amtlichen Kreisen bekannt, daß gewisse Son- d i erg ng c n im Gange seien, und daß ein inossizicllcr Meimingsanstailsch stattgefunden habe. Das Ergebnis davon sei, daß guter Grund zn der Annahme vorbanden sei, daß M ante n eg r d e r(futsche tönug der Mächte hinsichtlich Skutaris beipflichten ivcrde. Bernhigendc Versicherungen in Wien nnd Berlin. Bei einer Berliner Großbank ist folgende Depesche aus Wien eingegangen: Wir crsobren an niaßgcbendster Stelle, daß durch den Fall von Skutari, mit»reichem übrigens hier gerechnet wurde, keine A c n d c r u ic g in der äußere 11 Politik eingetreten ist, und insbesondere tcin Anlaß zu einer Acndcrung der bestehen- den Einigkeit der Großmächte geschaffen wurde. Die Großmächte bleiben nach wie vor bei dem Beschluß, daß Montenegro Skutari nicht erhält. Vorstehende Mitteilung wird auch an amtlicher Stelle in Berlin vollinhaltlich bestätigt. Tic Ursachen der Kapitulation. Konstantinopel, 24. April. Das Kriegsunnisterium hat van dein Kommandanten der Festung Skutari, Essad Pascha, ein Telegramm erhalten, wonach der Kommandant infolge der Er- sch öp fu n g der L e ben s m it! c l v 0 r r ä te genötigt gewesen sei, die Befestigungen zn räumen und die Festung unter gewissen Bedingungen dem Kommandanten der montenegrinischen Armee auszuliefern. Tie Linicntruppen und die Reservisten hätten die Feld-, Gebirgs- und Schncllftuergeschutzc mit sämtliche» Munitions- Vorräten mit sich genommen und tvürden über San Giovanni dt Mcdua abmarschieren. Vetinje, 25. April. Amiltch.) Die Montenegriner halten alle Stellungen besetzt. In Skutari befanden sich 26000 Mitmt N i z a m s und 5000 Bäschibostiks, welche ihre Stellungen ruhig aber gedrückt verließen. Die Blockade. Getinjc, 24. April. Wie das Pressebureau miiteilt. hat der englische Gesandte aus Ersuchen des Kommandierenden der intcr- nationalen Floilc heute die Regierung von Montenegro bcnach- richtigt, daß die Blockade bis nach dem Hafen von Durazzo ausgedehnt werde; Schisse, die sich in den betroffenen Gc- wässern bcfiiidcii, würden 24 Stunden Zeit haben, um auszulaufen. Tic Friedensverhandlungen. Köln, 25. April. Wie die„Kölnische Zeitung" aus Berlin meldet, hat die Botschastervereinigung den Ba l ka n r c g i e- r u n g c n vorgeschlagen, sie mögen die Namen der Friedens- unterhändcr und den Ort angelten, an welchem die Friedens- Verhandlungen stattfinden sollen. Tie Verwüstungen des Krieges. London, 24. April. Unterhaus. Gegen Ende der Sitzung umchtc der Abgeordnete Herbert auf das furchtbare Elend auf- mcrksam, das in Mazedonien, T h r a z i cn und Albanien herrsche. Alle Hilfe, die bisher gebracht worden sei, sei unzu- reichend gegenüber der ungeheuren Ausbreitung der N 0 t. Er machte den Vorschlag, daß die Regierung die notleidenden Personen aus Kriegsschiffen von Saloniki nach Aegypten befördere und Getreide für die Darbenden sende. Er regte auch an, daß die Regierung eine kleine Unterstützung zur Linderung der Not gc- luährc. Parlamcntsuntersekretär Acland erwähnte, daß in England 400 000 Pfund Sterling aufgebracht worden seien. Es sei zweifellos, daß die Notlage fortdauern werde, und er wende sich an das englische Volk, damit es seine Hilfeleistung fort- setze. Wenn, wie er hoffe, die Wolken sich gänzlich verzögen, und die Mächte, die in den Besitz dieser neuen Gebiete träten, sich an die zivilisierten Nationen der Welt um Hilfe bei der Bekämpfung des Elends, das durch den Krieg verursacht worden sei, wendeten, so würde sich die Regierung einer neuen Lage gegenüber sehen. Tic Frage der Neutralität würde sich dann nicht mehr erheben, weil der Friede wieder hergestellt sei, und die Regierung würde zu er- wägen haben, ob sie sich nicht mit den anderen Ländern zn bcr- einigen habe, um die schrecklichen Verwüstungen des Krieges wieder gut zu machen.(Beifall.) England nnd der Uüftungsfchwindel. London, 22. April,((fitj. Bcr.) Die Enthüllungen des Genossen Liebknecht und die Veröfscntlichnng der Toku- mente im„Vorwärts" haben in England ein ungeheures Aufsehcn erregt. Jedermann spricht davon und nach englischer Sitte bringen alle Zeitungen das Bildnis des Vertreters von Potsdam mit mehr oder minder ausführlichen Eharaktcr- fkizze». In allen demokratischen Kreisen begrüßt man die Enthüllungen als einen'wuchtigen Schlag gegen den Volks- ausplündernden Iinperialismus. Man ist sich vollkomiucn bewußt, daß die Niederlage, die den Prozentpatrioten bei- gebracht worden ist, nicht allein dem deutschen, sondern auch dein englischen und französischen Volke zugute kommen wird und daß es jetzt die Hauptaufgabe der Völker ist, den gemein- samen Feind auf dem Trab zn halten, damit er nicht zn Atem kommen kann. �0 schreibt die„Daily News":„Herr Lieb- tiiccht hat dem Steuerzahler, ob er nun Brite, Deutscher oder Franzose sei, ein Tokninent in die Hand gegeben, das allen Demokratien Europas eine Gelegenheit zur Rettung biete» mag." Während die demokratischen Organe Englands un- verhohlen ihrer Freude über die Entwickelung der Tinge kundgeben, möchten die imperialistischen Organe die Sache am liebsten verschweigen. Wenigstens enthalten sie sich jeden Kommentars. Sie sympathisieren mit den in Schwulitäten geratenen Gesinnungsgenossen jenseits der Nordsee; sie fühlen: rn-i res agitur(Um deine Sache handelt es sich). Nur die chauvinistische'„Daily Mail" versucht heule in diimm-dreister Weise einen Besprecht, ngsvcrsnch. Die Stimmung, die die weit verbreiteten Ausführungen Liebknechts im Reichstage in dem denkenden Teile des englischen Volkes erzeugt hat, kommt dem Blatte, das augenblicklich für die Einführung der all- gemeinen Wehrpflicht und die Schaffung einer englischen Luftflotte agitiert, die noch einmal so groß sein soll ivie die deutsche, sehr ungelegen. Die Bewaffnung aller unserer jungen Leute mit Gewehren ist ein Geschästchen, das sich hören läßt und für das man sich schon eine Reihe Zeitungen und Krakeeler halten kann, so ungefähr schrieb vor einiger Zeit der Londoner„Economist", in dessen Spalten die finanzielle Seite der internationalen Rüstungen in der letzten Zeit eingehend besprochen wird. Und daß es sich bei dem Lnstmilitarismns nicht allein um Lnftschiffe. sondern auch um eine ganze Menge anderer Lieferungen handelt, das führten vor etwa zwei Monaten die„Times" in einem dem kapitalistischen Herzen wohltneiiden Leitartikel ans. Nizn kommen die Sozialdemokraten und werfen uns einen Knüppel zwischen die Beine. Das muß verhindert weisen. Der Artikelschreiber der„Daily Mail" setzt sich also hin nnd sucht an der Hand der Liebknechtschen Enthüllungen zn beweisen. daß Teutschland in Europa der Störenfried ist und England und Frankreich nur die unschuldigen Lämmer sind, die sich verteidigen müssen. In charakteristischer Weise hebt er an: „Man hat in der Vergangenheit oft den Verdacht gehegt, daß die Kriegsstimmung in Teutschland künstlich gemacht wird." Auf der folgenden Seite des Hetzblattes steht in zentiineter- großen Buchstaben die Sensation des Tages, nämlich:„Ge- fahr! Das Haupt der Flotte sagt es.— Prinz Louis über den feindlichen Einfall.— Flotte allein unfähig, ihn zu ver- hindern.— Was die Admiralität braucht.— Ein geschultes Heer muß immer im Lande sein."— Es fehlte nur noch: „Gefahr! Ter Profit ist in Gefahr!" Doch in Blättern, die nicht in der Atmosphäre des Imperialismus und der Rüstungsspekulation leben, findet sich eine ganz andere Beurteilung der Lage. Sie sind sich wohl bewußt, däß dies nicht nur eine deutsche Angelegenheit ist. Schon gestern bemerkte dies die„Daily Chronkle" und heute schreibt die„Daily News":„Es wäre ein schwerer Irrtum, die von Dr. Liebknecht im Reichstage gemachten Enthüllungen über die Art, in der deutsche Rüstungsfabrikanten ihre tod- bringende Industrie gefördert hoben, so zu betrachten, als ob sie nur Teutschland und seine Steuerzahler angingen..... Tie Beziehungen zwischen unseren eigenen Kriegsdiensten und den Rüstungsfabrikanteu sind notorisch und gestalten sich fortwährend intimer durch die Ernennung früherer Beamten zu Direktoren der Gesellschaften. Es ist müßig, sich bei den Interessierten selbst zu beklagen: sie sind Versuchungen aus- gesetzt, die wiederholt als unwiderstehlich geschildert worden sind. Nur der Steuerzahler kann einen wirksamen Widerstand leisten. Auf seine Furcht spekulieren die Lorinbläscr in jedem Falle. Für ihn werden seine Kollegen auf der anderen Seite der Grenze eingeladen, irgendein Zeichen, sei es auch das leiseste, von sich zu geben, daß sie kriegerisch und aggressiv gesinnt sind. Für ihn werden wir in unserem eigenen Falle mit Geschichten über Luftflotten beunruhigt, deren Teile ge- räuschlos über unsere Inseln fliegen und— ohne Unfall und Störung und in keiner greifbaren und erkennbaren Gestalt in die große Leere zurückkehren, aus der sie kamen. Er ist nun schon lange Zeit ziemlich erfolgreich genarrt worden und er hätte weiter genarrt werden können." Tann folgt die schon zitierte Stelle über die Rettung, die sich dem Steuerzahler der drei westeuropäischen Staaten setzt bietet. Tie ganze demokratische Presse Englands und nicht zu- letzt die junge Arbeiterpresse zollt dem Genossen Liebknecht die höchste Anerkennung für seinen mutigen Angriff auf die Rüstungspotrioteu. Der„Taily Citizen" schreibt:„Tie Rüstungsfabrikanten treiben eine verruchte Politik: aber diese ist nicht verruchter als die, von der sie lebt— als die Politik, die Länder in feindliche Lager zu verwandeln. Wenn diese Politik größere Sicherheit gewährte, ließe sick) vielleicht noch etwas dafür sagen. Aber sie hat die Sicherheit zerstört. Sie ist nichts als eine verpestende politische Schwäre." Und der „Taily Herald" sagt:„Wir zweifeln nicht daran, daß noch viele andere Enthüllungen folgen werden. Teutschlands kleiner Haufen wird in anderen Ländern zu Nachforschungen ermutigen. Die Arbeiter anderer„Großmächte" werden an- sangen, die Motive ihrer eigenen„patriotischen" Militaristen und Rüstungsschreier mit kritischen Augeii� zu betrachten." Einem ähnlichen Gedanken gibt das in Siidengland sehr populäre liberale Abendblatt„The Star" Ausdruck, in dein zu lesen ist:„Wir hoffen, daß die liberale Partei nicht die Bedeutung der spannenden dramatischen Darstellung der Rüstungsskandale in Teutschland verkennen wird, die Europa dem Mute und dem Patriotismus des Herrn Liebknecht im Reichstage verdankt.... Ter britische Leser, der bei der Er- zählung voll gewaltigen deutschen Luftflotten oder von Batterien wunderbaerer deutscher Geschütze erbebt, sollte sich fragen, wer voil der weiteren Vermehrung der britischen Rüstungen infolge dieser Lärmmacherei profitiert, und yr wird dann imstande sein, zu erraten, wer diesen„patriotischen" Lärm inspiriert." �# London. 24. April.(Eig. 3er.) Ter„Labour Leader" schreibt diese Woche zu den Ent- hüllungen Liebknechts:„Das britische Volk ist durch diese Ent- hüllungen sehr entrüstet: aber wir sagen gerade heraus, daß sich die britische Regierung und die britische Nation in der Gewalt eines R üftu n a s t r u st s befindet, der ebenso mächtig und antipatriotisch ist wie der deutsche. Wir werden die Tatsachen anführen, die diese Behauptungen rechtfertigen. Es gibt jetzt nur cille Rüstungssirma in Großbritannien, die sich außerhalb des Bereichs des Rüstungstrusls befindet, näm- lich: die Firma Scott in Greenock. Ter Trust hat erst ganz kürzlich die„Thamcs Shipbuilding Works" zugrunde ge- richtet und wird sich sicher bemüheil, die Firma in Greenock zugrunde zu richten oder zu absorbieren. Vickers Ltd., John Brown and Co., Ltd., Armstrong, Whitlvorth and Co., Ltd., und die übrigen Gesellschaften sind in Wirklichkeit nur ein Konzern und monopolisieren den britischen Markt vollständig. Tie Regierung ist ihnen preisgegeben und sie benutzen das von ihnen besessene Monopol, um das britische Volk ohne Erbarmen zu schröpfen. Vor 14 Tagen wiesen wir aus die gewaltigen Profite, die von Armstrong, Whitworth and Co. gemacht werden, hin. Es wurde im letzten Fahre ein lieber- schuß von 877 099 Pfund erzielt, was die Verteilung einer Dividende van 12� Proz. frei von Einkommensteuer für die gewöhnlichen Aktien ermöglichte: 100 000 Pfund wurden der Reserve überwiesen, 333 850 Pfund wurden ans das Konto des nächsteil Jahres überschrieben und das Kapital wurde verwässert, indem mau jedem Aktienbesitzer auf fe vier Aktien in seinem Besitz eine fiktive Aktie gab. Dieser Profit wurde auf Kosten der Nation und der Arbeiter gemacht. Dieser große Trust beherrscht nicht nur Großbritannien, sondern ist auch im Begriff, die Rüstungen in der ganzen Welt bald in seine Kontrolle zu bringen.� Auf britischen Werften baut er Kriegsschisse für Japan, Chile, Brasilien, die Türkei und Griechenland. Auf seinen Wersten im Mittelländischen Meer baut er Kriegsschisse für Spanien, Italien. Desterrefch und Rußland. In Kanada richtet er Betriebe ein. in denen eine kanadische Flotte erbaut werden soll. In Rußland baut er Kriegsschiffe auf seiner eigenen Werft zu Nicolaieff und über- wacht die Arbeiten auf den Rcgierungswersten. Viele dieser Konzerne stehen unter der direkten Kontrolle des Trusts: in anderen Fällen sichern sich die Firmen des Trusts die Kon- trolle durch den Aktienbesitz. Europa ist in zwei bewaffnete Lager geteilt. Auf der einen Seite stehen Großbritannien, Frankreich und Rußland, auf der anderen Teutschland. Testerreich und Italien. Ter britische Rüstungstrust bedient gerade so wie der deutsche beide Parteien. Er baut Kriegs- schisse in Barrow und Elswick für die britische Flotte: er baut Kriegsschiffe in Genua und Venedig für die italienische Flotte. Wenn je ein europäischer Krieg ausbricht, werden die Kanonen der von demselben Trust hergestellten Tread- noughts gegeneinander gerichtet sein." Die„Thames Shipbuilding Works", von dem im obigen die Rede ist, war ein Londoner Konzern, der vor noch nicht langer Zeit in Konkurs geriet. Damals wurden, wie in un> seren Spalten ausgeführt wurde, die Geschäftspraktiken des englischen Rüstungstrusts von dem Direktor des bankerotten Geschäfts. Herrn Hills, in der Presse ausgedeckt. Herr Hills wies nach, wie sich die Trustfirmen der Zuneigung der Ad- miralität erfreuen, wie diese Firmen der englischen Regierung die Aufträge viel teurer anrechnen als den ausländischen i Mächten, wie sie mit den den Steuerzahlern erpreßten Steuergroichen die selbständigen Firmen, die sich um aus- läirdische Aufträge bewarben, jedesmal unterbieten konnten. Herr Hills versuchte noch monatelang, die Gesellschaft zu rekonstruieren. Aber um dies mit Aussicht auf Erfolg zu be- werkstelligen, hätte die Regierung der Werft einen Auftrag geben müssen. Doch dies zu tun, weigerte sich die Regierung beharrlich. Sie konnte eben nicht und suchte ihre Abhängig- keit von dem Rüstungstrust durch allerhand faule Ausreden zu verdecken. Tie Angelegenheit erinnert lebhaft an ein Theaterstück von Bernhard Shaw. Tort sin„Major Barbara") kommt ein gewisser IXndershaft vor, Teilhaber der Rüstungsfirma Undershaft und Lazarus. „Die Regierung Ihres Landes!" ruft Undershaft aus. „Ich bin die Regierung Ihres Landes— ich und Lazarus. Glauben Sie denn, daß Sic und ein halbes Dutzend Dilet- tauten wie Sie, die in einer Reihe in der dunnnen Quatsch- bude sitzen, die Firma lludershaft und Lazarus regieren können? Nein, mein Lieber: Sie werden tun. was sich uns bezahlt macht. Sie werden Krieg führen, wenn es uns paßt, und den Frieden halten, wenn uns der Krieg nicht paßt. Sie werden gusfiudig machen, daß unser Geschäft gewisse Maß- regeln erheischt, wenn wir diese Maßregeln beschlossen haben. Wenn ich etwas verlange, um meine Dividende auf der Höhe zu halten, werden Sic entdecken, daß mein Verlangen eine nationale Notwendigkeit ist. Wenn airderc Leute etwas ver- langen, um meine Dividende herabzudrücken, werden Si-e die Polizei und das Militär aufmarschieren lassen, und als Gegenleistung werden Sie die Unterstützung und den Beifall meiner Zeitungen genießen und das Vergnügen haben, sich einzubilden, daß Sie große Staatsmänner sind. Die Rc- gicrung Ihres Landes! Geh hin, mein Junge, und spiel mit Deinen Wahlausschüssen und Leitartikeln und historischen Parteien und großen Führern und brennenden Fxagen und dem Rest Deiner Spielsachen. Ich gehe zurück in mein Kontor, um die Musik zu bezahlen und aufspielen zu lassen." politifcbc Ckberftcbt Berlin, den 25. April 1913. Reste. Aus dem Reichstage. Die Freitagsitzung war aus- schließlich der Aufarbeitung von Resten gewidmet. Da sie schon um 12 Uhr begann, war ausreichend Zeit für die Erörterung einzelner Angelegenheiten, für die sicherlich auch die nötige Aufmerksamkeit und Zeit vorhanden ge- Wesen wäre, wenn nach dem anfänglichen Plane auf alle Fälle am Sonnabend hätte Schluß gemacht werden müssen und die dritte Beratung des Etats deshalb noch mit auf der Tagesordnung der Frcitagsitzung gestanden hätte. Bei der zweiten Beratung der Ergänzung des Etats- Entwurfs für die Schutzgebiete brachte Genosse N o S k e die beabsichtigte Verschleuderung von zehn Millionen Reichsgcldern für die Errichtung einer Land- w i r t s ch a f t s b a u k in D e u t s ch- S ü d w e st a f r i k a zur Sprache. Die große Summe ist eine Liebesgabe für Leute in Südwest, die die Flügel des Pleitegeiers rauschen hören und sich durch die Gelder des Reiches vor der drohenden Gefahr schützen wollen. Mit Recht verlangte unser Genosse, daß die Millionen lieber zu wirMchen Kulturzwecken an- gewandt werden sollten, und daß die Ansiedler sich dann durch vernünftige Wirtschaft und genossenschaftliche Hilfe selbst helfen müßten. Beim Etat für das Reichsschatzamt entspann sich eine längere Debatte über die Veteranenfürsorge. Der Schatzsekretär brach zwar der bürgerlichen Kritik schnell deren ohnehin nicht sonderlich scharfe Spitze ab, indem er den Le- schluß des Bundesrats, die Veteranenbeihilfen zu erhöhen, dem Hause offiziell mitteilte. Aber unser Genosse Raute ersparte der Regierung doch nicht die notwendigen bitteren Bemerkungen über die bisherige Versäumnis des Bundesrats und über die völlig unzureichende Erhöhung der Sätze. Vor allen Dingen lockte Genosse Raute noch einmal den Schatzsekretär heraus, da er einige Zweifel in das Versprechen setzte, daß in Zukunft nicht mehr nach der„Würdigkeit" der Veteranen geforscht werden soll. Herr Kühn setzte sich noch einmal ausdrücklich für dieses Ver- sprechen ein. Eine schwere Beleidigung der Sozialdemokratie leistete sich bei dieser Gelegenheit der konservative Rittergutsbesitzer Siebenbürger. indem er das jahrzehntelange Eintreten der Sozialdemokraten für die Erhöhung der Veteranen- beihilfen zuerst als Farce und n a ch einer Ermahnung des Präsidenten sogar als �„gemeinen Schwindel" bezeichnete. Sachlich mit diesem Herrn über die Angelegenheit zu streiten, lohnt nicht, �ivohl aber verdient er eine öffentliche Stäicpung für den Sauherdeuton, mit dem dieser nicht- adelige„Edelste und Beste" den Reichstag zu verunzieren beliebt. Beim Titel„Prägekosten" redete Herr Arendt einiges Unerhebliche über die Jubiläumsdcnkmünzcn und Herr O e r t c l einiges noch weniger Erhebliche über die 25 Pfennig- Stücke. Er nannte sich und Arendt die politischen Väter dieser sonderbaren Münze. Man begreift jetzt, warum sie so plump und häßlich aussieht, und warum sie kein Mensch mag. Bei solchen Vätern! Ganz unerwartet knüpfte sich an den Etat der All- gemeinen Finanzverwaltung eine lauge und teilweise recht lebhafte Debatte über die G c t r e i d c z ö l l c. Es war ein kleines Vorpostcngeplänkel für die späteren Zolltarif- Verhandlungen. Unser Genosse Stolle hatte„an- gefangen", aber �alle Parteien beteiligten sich an den Erörterungen. Sogar der Baucrnbündler H e st e r m a n n, der keine Rede halten kann, ohne sich auf sein praktisches Bauerntum zu berufen, steuerte eine seiner üblichen pathetischen Deklamationen bei, die ihm stets einen unfreiwilligen Heiter- keitsersolg sichern. Als er sich nicht scheute, ein Privat- gespräch, das er mit dem freisinnigen Abgeordneten K r ö m e r, einem echten Bauersmann, im Eisenbahncoups gehabt hatte, zu entstellen und öffentlich auszunutzen, versetzte Herr Krömer ihm dafür mit einige:! kurzen, kräftigen Worten eine wohlverdiente schallende Ohrfeige. Eine Reihe anderer Sachen, darunter auch die erste Be- ratung des Entwurfs über die Aenderung des Wahlreglements (einheitliche Wahlurnen) wurde debattelos erledigt. Abgeordnetenhaus. Die Ueberemstimmung der Konservativen mit dem Zentrum, die in den großen politischen Fragen so oft zum Schaden des Volkes zutage tritt, zeigt sich auch bei minder bedeutenden Fragen. Einen neuen Beweis hierfür erbrachte am Freitag im Abgeordnetenhause die Beratung einer Petition des Magistrats von Neukölln, die sich Igegen die Eingemeindung von Treptow nach Berlin richtet. Die Verhandlungen zweichen Treptow und Berlin sind noch lange nicht abgeschlossen, und tchoir kommt der Magistrat von Neu- kölln, der sich ja von jeher durch seine reaktionäre Gesinnung aus- gezeichnet hat, und sucht mit Hilfe des reaktionären Dreiklasjen- Parlaments die reaktionäre Gesinnung in ihrem Widerstand gegen Eingemeindungen zu stärken. Natürlich mit Erfolg. Auffallend war es schon._ daß die erst Verhältnis- mäßig spät eingelaufene und erst vor drei Wochen von der Gemeindekommrssion beratene Petition mit ungewöhnlicher Eile auf die Tagesordnung kam. Andere Petitionen harren schon seit Jahresfrist ihrer Erledigung, ohne öaß das Abgeordneten- haus dazu Zeit findet. Die Eile, mit der diese Petition zur Be- ratung gelangte, erklärt sich wohl daraus, daß es den Gegnern einer Eingemeindung größeren StuS darauf ankam, noch schnell vor Schluß des Landtages einen Vorstoß zu unternehme:,. was ihnen denn auch mit leichter Diühe gelungen ist. Die konservativ-Ileritale Mehrheit ging über die guten Gründe unseres Genossen Hirsch und des FortschrittlerZ Cassel, die beide energisch für die Ein- gemeindung von Treptow nach Berlin einträte:,, mit eleganter Hand- bewegung hinweg und überwies die Petition der Regierung zur Bc- rücksichtigung. Da sich auch der RegierungSvertreter im Sinne der Petenten aussprach, dürfte der Plan der Eingemeindung von Treptow nach Berlin endgültig als gescheitert anzusehen sein. Beide Ge- meinden sind sich zwar einig, aber die gesetzgebenden Körperschaften haben es anders beschlossen. Auch ein Zeichen, wie es um die Selbst- Verwaltung bestelll ist! Von den übrigen Petitionen, mit denen sich das HauS beschäftigte, verdient besondere Beachtung die des Schutzverbandes gegen die Bäckereiverordnung in Berlin um Verlängerung der Dispense auf die Standdauer der Häuser oder bis zum größeren Umbau derselben. Der einzige Redner aus dem Hause, der sich der Interessen der Bäckereiarbeiter annahm und für einen ausreichenden Bäckereiarboiterfchutz eintrat, war unser Genojfe Ströbel. Allen anderen von der äußersten Rechten bis zur bürgerlichen Linken gilt die Wahrnehmung der Sonderintereffen einiger HauZagrarier mehr als die Wahrnehmung des ArbeiterschutzeS. Die zahllosen Mängel, die amtlichen Darlegungen zufolge die Besichtigungen der Bäckereien ergeben haben, lassen die bürgerlichen Abgeordneten kalt, ja. sie bekommen eS sogar noch fertig, den Sozialdemokraten, wenn sie die Mißstände zur Sprache bringen, Vorwürfe daraus zu machen. Da- durch, daß die Mehrheit gegen den Widerspruch von sozial- demokratischer Seite die Petition der Regierung zur Berücksichtigung überwies, obwohl die Regierung den Hausbesitzern heute schon weil entgegenkommt, bewies sie ihre grenzenlose Arbeiterfemdlichkeit. Am Sonnabend stehen Initiativanträge und Petitionen aui de« Tagesordnung.___ Bilde Künstler» rede nicht! Das sagten sich gestern. Freitag, auch die Herren Herren im Herrenhaus und sie nahmen 2'A Stunden lang unentwegt und treu die Anträge ihrer Petitionskommission an. um eine Anzahl von Eingaben zu erledigen. Es war danach I Großes Wohlwollen fanden Petitionen gegen Bcamtcnkonsumvcreine und Beamtenbau- gcnoffenschaften und gegen den„Hausierhandel" der Berliner Warenhäuser. Billig wohnen und kaufen wollen— so was! Ach wo! Also— Ueberweisung zur Berücksichtigung! Morgen. Sonnabend, beginnt die E ta t sb c r a t u ug -~ Dreiste Stimmungsmache. Die Budgetlommission des Reichstags verhandelte am Freitag wiederum vertraulich über die Währvorlage». An der Sitzung nahmen auch der Kriegsminister und Unterstaatssekretär Wahnschaffe teil. Am Montag wird die Kommission bei§ 1 per Vorlage die Beratung beginnen. Eine Generaldebatte wird nicht stattfinden. lieber diese vertraulichen Sitzungen— deren Vertraulichen recht überflüssig ist— werden in der bürgerlichen Presse allerlei Stimmungsbcrichtc veröffentlicht, denen zufolge der„Ernst der Erklärungen" der RegierungSvertreter großen Eindruck gemach: und die sofortige Verhandlung der Wehrvorlagc bewirkt habe. Tas ist Schwindel und unverschämte Stimmung��che. Wir sind sicher, daß die Abgeordneten nichts erfahren haben, ums sie nicht schon vorher wußten oder wenigstens hätten wissen ton- nen. und die Beratung der Wehrvorlagen zu beginnen, waren die bürgerlichen Partei schon vorher entschlossen. Also man verschone die Oeffcntlichkeit in Zukunft mit solchen Fabeln. Ter Reichstagswahlkampf im Wahlkreise Ost- und West-Stcrnberg. Am 9. Mai findet die Nachwahl statt. Die Konservativen haben den im Kreise ansässigen Hauptmann und Großgrundbesitzer von B o tz aufgestellt, die Antisemiten FabrikmUen Froh- lich aus Steglitz, der den Kreis von l903 bis Z907 ch: Reichstage vertrat. Für die Liberalen kandidiert der Redakteur Heile-Bcrlin. Ter sozialdenwkratische Kandidat ist Gcwerkschaftssekrciär Schüning-KarlShorst. Bei der Hauptwahl im Borjahr erhielten von Kaphengst ikons.) Öl-tS, Fröhlich(Antisemit) 3427, Schüning lSoz.) 3333 und Roßbach(Forftchr.) 607 Stimmen. Bei der jetzigen Nachtvahl ist auf eine wesentliche Stimmcnbcrschiebung zu rechnen, denn es dürfte den Konservativen kaum gelingen, ihre Stimmen- zahl zu behaupten, da der verstorbene Abgeordnete v. Kaphengst im Kreise sehr beliebt war und seine Wahl mehr feiner Person qls seiner Partei galt. Ter Wahlkampf hat ziemlich heftig eingesetzt. Die Konservativen hielten in allen Orten Versammlungen ab; auch die Fort schrittler entfalten eine äußerst rührige Tätigkeit und werden web- ein besseres Wahlresultat erzielen. Tie Antisemiten haben'1 Erscheinen angekündigt und bringen sich zur Hilfe die Herren Wilhelm Bruhn, Ludwig Werner/ Dr. Werner-Gießen. Miw- Marburg, den Lehrer Holz und noch ein Dutzend Antisemiten mit. Tie Antisemiten hegen die Hoffnung, in Stichwahl zu kommen, und dann, wie 4903, zu siegen. Die Konservativen rechnen ebenfalls auf eine Stichloahk' und zwar mit den S o z i a l de n: o- k raten. Hiernach haben sie denn auch ihre fiampfcSB*1'6 Clr! gerichtet. Satten wir 4912 acht Säle zur Verfügung. 1" icv ein Lokal. � Unsere Versammlungen müssen deshalb unter freien. Himmel stattfinden, und auch hierbei werden unseren Genoiwn allerlei Schwierigkeiten gemacht. In einem Orte, in dem bei der letzten Wahl hauptsächlich sozialdemokratische Stimmen aosegeden worden sind, wurde die Versammlung einfach wegen logcnaunter Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verboten. Trotz«« vurffn wir auf Stimmenzuwachs rechnen, und zwar obgleich mehrere Hundert sozialdemokratischer Wähler— Schiffer und Schnitter nicht zu Hause sind._ Zentrums-Anwälte dcÄ Rustmtgskap'tals. In der„Rheinisch-Wcstfälischcn Zeitung" � �pp- Vasall aus Anlaß der neuesten Krupp-Affäre die Forderung: Firma möge aus ihrer bisher beobachteten„vornehmen politischen Neutralität" heraustreten. Wenn beispielsweise-veer von Bohlen und Halbach oder einer seiner höheren Beamten im ReichK. tage gesessen Aätte, jo wäre es. ein KeiHtes gewesen� die Liebknecht� scheu Behauptungen zu widerlegen! Tie Essener»Voltszeitung das führende Zentrumsorgan im Ruhrgebiet, gerät über diesen Vorschlag in große Aufregung, vermutlich fürchtet sie, der Krupp. sche RcichStagskandidat könnte sich, was ja naheliegt, den Essener KreiS aussuchen, der gegenwärtig im Besitze des Zentrumsabge ordneten GieSbcrts ist. Das Blatt sucht deshalb der Firma klar. zumachen, daß sie sich gar nicht selbst zu bemühen brauche, waS zur Verteidigung notwendig ist, das besorgt auch— AieSbcrtS! Hören wir das Airgebot deS Zentrumsblattes: »Ein Vertreter der Firma Krupp soll Mitglied des Reichs tagS wezdern Warum nicht? Nur soll es gerade nicht als Vcr treter von Essen sein und ferner darf es nicht ermöglicht werden durch Verletzung der verfassungsmäßig garantierten Wahlfreiheit. Aber auch jetzt hat nichts im Wege gestanden, daß die Firma im Reichstage verteidigt wurde. Es braucht nur der gegenwärtige Vertreter Essens, Herr Abg. Giesbcrts, von der Firma mit dem notwendigen Verteidigungsmatcrial versehen zu werden. Ter Vorsitzende des Tircktoriums, Herr Gehmmrat Hugenperg,.-ist- ja.noch in der nachdem Herr 2Tc v k n e ch t gesprochen, nach Berlin gefahren und war am ZlSSUen Verhandlungstagc dort anwesend. Weshalb hat er die Hilfe des Herrn Giesberts nicht in Anspruch ge- nommen? Wenn auch der Partcistandpunkt der beiden Herren ein verschiedener ist, so würde das nicht gehindert haben, daß Herr Giesbcrts mit dem ihm eigenen Geschick die Zache klar ge stellt hätte, sofern sie sich klarstellen ließ. Besser hätte Herr Hugenderg es auch nicht gekonnt, im Gegenteil wiirbc er als Partei viel weniger Eindruck gemacht haben. Unser dringender Rat gebt dahin, daß die Firma ihre poli- tische Neutralität noch mehr als bisher wahrt. Bei der Struktur des Reichstags bat sie den größten Borteil davon. Ter Artikel trägt das Signum des Chefredakteurs Haukamer und es ist nicht anzunehmen, daß dieses Angebot ohne die persön- liche Zustimmung Giesberts geschrieben worden ist. Wenn die erste Leuchte der christlichen Arbeiterbewegung sich so vor aller Welt als Agent des Rüstungskapitals charakterisiert, dann brauchen die kleineren Münchcn-Gladbacher Zcntrumslichter sich nicht mehr zu genieren, offen kapitalistische AnechtSdiensic zu leisten. Im übrigen zeigt auch die Notiz, wie ernst es dem Zentrum mit dem Erzbcrgerschen Antrag ist, die M i l i t ä r l i e f e r u n g S- g e s ch ä f t c von Reichstags wegen einer Prüfung zu unter- ziehen.— Tie alte Komödie, bei der die Kanonen- und Panzer- plattenlicferanten eher noch Fürsprecher als Kritiker im Zentrum finden. Der Kultur-Ttandal von Breslau. Zum skandalösen Fall der Fesselung des Partei sekretärs Genossen S r o tv i g ist noch nachzutragen, daß die öffentliche Kritik geholfen hat. Srowig ist auf dem Rück' transport in die Anstalt nicht mehr gefesselt worden. Seine Bitte an den Vorsitzenden des Gerichts, vor dem er sich wegen einer geringfügigen Uebertretung verantworten mußte und die sogar mit seiner Freisprechung endete, doch dafür zu sorgen, daß er beim Rücktransport nicht wieder gefesselt würde, wurde damit abgetan, daß dies Sache der Staatsanwaltschaft sei. Wie jetzt bekannt wird, ist die Fesselung des Genossen Srowig weder in den Akten vermerkt, noch vom Gefängnis direktor in Wohlau verfügt worden. Srowig wurde vom Gefängnis Wohlau nach dem Bahnhof Wohlau uugefesselt geführt. Mit ihm im Eisenbahn- Ge fangenen- Transportwagen befanden sich»och zehn männliche und vier weibliche Gefangene sowie zwei Kinder. Unter den zehn Männern befanden sich auch zwei Zuchthäusler. Von allen Gefangenen wurden nur fünf gefesselt. darunter Srowig! Als nach der Ankunft auf dem Bahnhofe in Breslau die Fesselung vorgenommen werden sollte, wurde SrowigsName als er st er aufgerufen. Genosse Srowig bat den auffichtsführenden Polizeilcutnant unter Hinweis auf seine nur noch elf Tage dauernde Strafe und der Geringfügigkeit des Objekts. wegen dessen er angeklagt fei. in höflicher Weise von der Fesselung Abstand zu nehmen. Dieser Wunsch wurde mit dem ausdrücklichen Bemerken:„Die Fesselung ist an geordnet!" rundweg abgeschlagen. Da in den Akten nichts von einer gefesselten Uebev führung des Genossen Srowig steht, diese auch nicht vom Direktor des Wohlauer Gefängnisses angeordnet war, wird die alle Instanzen durchzuführende Besch»verde wohl Auf klärung darüber bringen, wer die Schuld an dem s k a n' dalösen Vorfall trägt. Bündlerschwindel. Der natioualliberale Abg. S i e g hat c» abgelehnt, den vom nanonalliberalen Vertretertag in Hannover angenommenen Antrag der Landtagzstaktion zu unterschreiben, der sich gegen irgendwelche Verhandlungen mit der Sozialdemokratie wendet. Diesen Umstand benutzt das in Danzig erscheinende bündlerische„Westpr. Bollsblatt dazu, lolgenden hahnebüchenen Schwindel in die Welt zu setzen: ~•"lv3, toje lann Herr Sieg sich gegen ein Paktieren mit der Sozialdemokratie aussprechen? Er verdankt ja seine Wahl in den gierchstag den Graudenzer Sozialdemokraten! Und es ist ein offenes Eeyeimms. daß die Sozialdemokraten in Graudenz vor der Stichwahl ihre.vor der Hauptwahl gehabten Unkosten" in Höhe von'000 M erstattet bekommen haben von den Rational- liberalen, xue Polen wollten erst in der Stichwahl gesiegt haben. Die Rationalliberalen aber zählten das Geld den Genossen vor- b e r auf den>a»ch. Wir können feststellen. erlogen ist daß diese Zeitteilung Wie der Militarismus Mittclstandsexisteuzen vernichtet. Die Stadtverwaltung in L ö b a u(Sachsen) war vor kurzem in schwere Rot geraten, dem, ste konnte kein Land zu einem Exerzier- platz für das zugesngre �zagerbatailloi, bekommen. Auch ein agrar- konservativer Rittergul--bcnyer, der über riefige Landflächen verfügt. lehnte ab, für den Exerzierplatz �and herzugeben. Jetzt hat mau nach längerem Drängen endlich eme Anzahl Guts- und Feldbesitzer in Rosenhain bei Löbau veranlaßt, ,hr Land zu veräußern. Die kon- servativen.Dresdener Nachrichten bemerlen zu der Meldung über diesen Berkauf:.... »Die Felder gehören fast nur kleineren Grund- besitz er n, die üw'? jst" von ihrem Besitztum trennen und auch nicht l«, cht Arbeitsersatz für die eigene, nun unterbundene Arbeit der Feld- bestellung finden können. Deshalb müßte ihnen ein höherer Satz als der,"bliche Feldpachtpreis geboten werden." Die kleinen Landwirte werden also von denselben Leuten, die sonst die MittelstandSrettung imr»o un Munde führen, in ihrer Existenz entwurzelt. AlteS Kulturland, wird zu militärischen Zwecken festgetreten und der �avdwlrtichaft entzogen.� Aehnliche Erfahrimaen hat man auch in Dresden gemacht, Wo auf Kaditzer Flur eine Kaserne für eine �uftschisserabteilung mit «grenzendem Flugplatz errichtet werden soll. Dazu mußte man Land von kleinen Bauern und Gärtnern ankaufe», das die Quelle der Existenz dieser Leute Ivar. Einige haben sich durch den angebotenen Preis zum Verkauf verlocken lassen; andere haben sich aber verzweifelt gewehrt und er- klärt, sie ließen sich nur mit Gewalt ihr Land und ihre Existenz nehmen. Doch ivenn cS sich um den Militarismus handelt, kennt man keine Rücksicht. Den Leuten ist bedeutet worden, daß sie enteignet werden würden, falls sie nicht nachgeben._ Wieder einer. In dem Spionageprozeß gegen den früheren Handlungsgehilfen Eduard Kohler aus Breslau und dessen Ehefrau vor dem Reichs- gericht wurde in später Abendstunde da? Urteil gefällt. Der An- geklagte Kohler wurde wegen Verrats militärischer Geheimnisse unter Anrechnung der noch nicht verbüßten Gefängnisstrafe von drei Monaten wegen Urkundenfälschung, die er im Januar d. I. in Breslau erhielt, zu 7 Jahren und 1 Monat Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht, seine Ehefrau wegen Beihilfe zur Spionage zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Alieäeraufnakme der Hrbcit in Belgien. Brüssel, den 2o. April.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Aus der Provinz lvird allenthalben von der Fortdauer der Disziplin auch bei der Arbeitsaufnahme berichtet, obwohl bc- sonders die Bergarbeiter des Hennegaues den Erfolg in der Kammer als ungenügend erachten. Besondere Disziplin be- weist das Centre. wo heute die Bergarbeiter größtenteils die Arbeit aufnahmen, oblvohl die dortigen Kongreß- delegierten beauftragt waren, für das Weiterstreiken zu stiminen. Im Borinage»vurdc die Arbeit teilweise lvieder aufge« nommen, die vollständige Aufnahme auch bei den Bergarbeitern wird für Montag erwartet. Teilweise»vurde die Arbeit auf- genommen auch in Antlverpen und Charleroi. Der Bürger- meistcr von Antwerpen dankte für die bewahrte Ruhe. In Ramur, Lüttich, Seraing, Gent, Vervicres»vurde die Arbeit fast allseitig ausgenommen. Bei denjenigen Liitticher Unter- nehmcrn, die Maßregelungsabsichten zeigen. lvird»vciter gc- streikt. In Brüssel ist die Aufnahme der Arbeit normal verlaufen. Heute erschien der„Peuple"»vieder. Die Ver- teilung von Streiksuppen»vird bis nächste Woche fortdauern. fraukreiek. Ter Kampf um die dreijährige Dienstzeit. Paris, 25.� April. Der Hecresausschuß der Kammer hat mit 16 gegen 7 Stimmen bei» Grundsatz der Unveränderlich- keit der Effcktivbcstände angenommen. Von den sieben Ab- geordneten, die sich dagegen aussprachen, sind drei geeinigte Sozialisten, darunter I a u r v s. und vier sozialistische Radi- kale, darunter General P e d o y a. Dolland. Zu den Wahlen. Amsterdam, L4. April.(Eig. Ber.) Heute hielten die drei verbündeten klerikalen Parteien ihre separaten Generalversamm- lungen ab, zur Beratung der Frage, ob sie für die kommenden Parlamentswahlen ihr Bündnis fortsetzen sollten. Wie zu erwarten »var, deantwpxtet jede der drei Parteien diese Frage bejahend, die katholische und die-„antirevoluttonäre".kleiubürgerlich-protestan tische, mit. Stimm cneiMeij, die christlich-historische(junkerlich protestantische) Partei mit 133 gegen 15 Stmmen. Auch in dieser Parte: machte sich atso nicht die namhafte Opposition fühlbar, die die liberale Presse erwartet hatte. Zwar ist es sehr leicht möglich, daß die Minorität sich als eine gesonderte Partei konstituieren wird, die bei den Stichwahlen den Liberalen Hilfe bringen kann. Die drei Parteivcrsammlungen fanden hinter verschlossenen Türen statt. Ter Oestentlichkcit übergeben ist nur die Rede, womit der Exminister Dr. Kuhpcr den antirevolutionärcn Parteitag eröffnete. Sie war ganz auf die Verpfasfung der Schule und auf die reli giöse Verhetzung der Skation gerichtet— wiederum ein Zeichen, unter welchen Schlagwort«» der Wahlkampf hauptsächlich geführt werden würde—, wem: nicht die Sozialdemokratie dabei wäre. Die..Staatezcitung" meldet, daß als Tag der Hauptwahlen für die Zweite Kammer der 17. Juni, alz Stichwahltag der 2Z. Juni festgelegt worden ist. Rußland. Tic Furcht der Hcrrschcuden. In den herrschenden Kreisen Rußlands nehmen zusehends die Besorgnisse zu, die sich ihnen angesichts der trostlosen inneren Lage und der steigenden revolutionären Welle aufdrängen. Einer der klügsten Köpfe der Reaktion, Menschikolv, schreibt in der »Nowoje Wremja" aizläßlich der revolutionären Lrbeitcrmani festationeu in Petersburg folgendes:„In der Residenz und in den größten Städten sammelt sich eine düstere und rachsüchtige Natur gewalt an. die immer häufiger, zunächst durch Demonstrationen auf den Straßen in die Erscheinung tritt. Tie Arbeiter ma- növrieren, die Arbeiter üben sich in ihrer Rolle,— wer bürgt dafür, daß der Vorhang nicht steigt, und daß wir nicht Zeugen eines»virklichen revolutionären Schauspiels»verde,:?" Auch in den anderen BevölkerungSklassen sieht der konservative Schrift, stellcr keinen Lichtblick. Die Bauern seien bis aufs äußerste be drängt und lauschen deshalb gerne den revolutionären„Hetzreden". Auch in der Armee und Flotte hätten sich revolutionäre Bazillen eingenistet. Ueberall gäre cS; überall sei der Haß, die Erbitte- rung,' der Wunsch � nach einer Ausbesserung der materiellen Lage groß.„Gibt man dem Volte nicht Land, so kann man Unmög- lich gegen die revolutionäre Stimmung im Volte ankämpfen." Tie Erkenntnis der ungeheuer zugespitzten inneren Lage ist,»vie er- sichtlich, bei einigen Vertretern der Reaktion vorhanden. Tie Praxis jedoch spitzt diese Gegensätze immer mehr zu und bereitet den Boden für eine neue Revolution. Amerika. Gutgemeinte Weltsriedensplöne. Washington, 24. April. Staatssekretär B r h a n entwickelt« heute vor dem diplomatische» Korps seinen Friedensplan ür eine allgemeine Friedensbewegung, der bald die Grundlage für VertragSverhandlunge» sein werde. Bryan er- klärte, er woll- den Diplomaten gegenüber sich nicht auf Einzel- heilen einlassen, weil Einzelherten Sache des Einvernehmens zwischen den vertragschließenden Nationen wären und in den ein» zelnen Fällen verschieden sein dürften. Die Erklärung, die ich dem diplomatischen Kvrps unterbreite, sagte Bryan. bezweckt nur. den Grundsatz aufzustellen, nämlich, daß der Präsident Wünscht, ein Ucbcreinkommen mit jeder Nation auf Untersuchung aller»vie auch immer gearteten Fragen zu erzielen. TieseS Ucbercinkommen ist als Ergänzung der jetzt bestehenden und etwa später abzu- schließenden Schiedsgcrichtsverträge gedacht. Tie be- stehenden Schiedsgerichtsverträge nehmen einige Fragen von dem Schiedsspruch au§. Das von dem Präsidenten vorgeschlagene Ab- kommen beäbsichugt, diese Lücken zu schließen und keinen Streit übrig zu lassen» welcher ohne vorhergegangene Untersuchung einen Krieg verursachen könnte. Ter Zeitraum für die Untersuchung gehört zu den Tingen, die in den einzelnen Verträgen verschieden sein können. Jede Partei behält sich selbst das Recht vor, unab- hängig zu handeln, nachdem der Untersuchungsbericht vorgelegt Worden ist, aber cS ist nicht toahrscheinlich, daß eine Nation den Krieg erklären wird, nachdem sie die Gelegenheit hatte,»vährend der Untersuchung mit der gegnerischen Nation zu verhandeln. Brhan schloß: ob oas vorgelegte Abkommen seine Hoffnung er- füllen werde oder nicht, sicherlich werde cS wenigstens einen Schritt auf dem richtigen Wege sein, nämlich zum Weltfrieden. Em der Partei. beschlossen, die nach dem nahe- Zweierlei Maß. Der»sozialdemokratische Verein in Lübeck hat diesjährige Maifeier u. a, durch einen Festzug gelegenen, am 1. April d. I. eingemeindeten Dorfe Moisling zu begehe». Er ersuchte deshalb beim Polizciamt um die Erlaubnis, daß sich der Zug auf dem Marktplatze aufstellen und von dort durch die Stadt nach dem Festort begeben dürfe. Die Polizei- behörde gestattete jedoch den Abmarsch deS Fest« zugeS vom Marktplätze nicht, sondern schrieb dafür einen Platz vor, der sich außerhalb der inneren Stadt befindet. Zur Be- gründung dieses Verhallens führte das Polizeiamt aus. daß ein solcher Zug in der inneren Stadt eine Gefahr süx die öffentliche Sicherhett bilde. Nun ist es interessant, zu wissen, daß die gleiche Polizeibehörde, die in dem Maifestzug der Arbeiter eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit erblickt, obwohl die werltätige Bevölkerung dieser Stadt noch stets sich musterhaft verhalten hat, es den Krieger- vereinen erlaubt, vom Marktplatz au» Aufzüge zu veranstalten, und noch vor wenigen Wochen einen großen Jahrhimdertfeierrummcl nicht nur duldete, sondern förderte, durch den der ganze Verkehr in der Stadt lahmgelegt wurde. Man kann daraus erseien, daß auch ii: Lübeck die Arbeiterschaft mit anderem Maß gemessen wird, als das Bürgertum.__ Jntcnmtionalc Solidarität. Aus Petersburg lvird uns geschrieben: Gleich nach Beginn des belgischen Generalstreiks veröffentlichte die sozialdemokratische Dumafraktion in den Arbeiterblättern eine Sympalhieerklärung für da-5 belgische Proletariat und forderte alle Arbeiter auf, die Streikenden nach Kräften zu unterstützen. Aus ihren eigenen Mitteln zeichnete die Fraktion 100 Rubel als Unter- stützung für die streikenden Genossen. Dieser Aufruf der sozialdemo- kralischcn Fraktion fand sofort Wiederhall bei den Petersburger Ar- beitern. Auf zahlreichen Fabriken und Werken fanden Arbeiter- Meetings statt, auf denen beschlossen wurde, einen Teil deS Wochen« lohneö nach Belgien zu senden. Sind die Beschlüsse der Petersburger Arbeiter durch die Ein« stellung des belgischen Generalstreiks auch gegenstandslos geworden, so bleiben sie dennoch ein schönes Zeichen der internationalen Soli- darität der russischen Arbeiter. Mit dem Erwachen ihrer eigenen Bewegung»verde» sie sich immer lebhafter der Bande bewußt, die das Proletariat oller Länder zu einer großen Kampfgenossenschaft vereinigen. polizeiUches, ßmchtUches ulw. Ein Rattenkönig von Prozessen. Gegen die verantwortlichen Redakteure der„Breslauer Volkswacht", die Genossen Förster und OkonSkh. tvizrden am Donnerstag vor der ersten Breslauer Straflammer unter Vorsiy deS bekannten LandgerichtSdirektörS Mundry nicht weniger als sieben B e le i d i g u n g§ proz e-s je verbandelt. S«ch«mal fühlten sich N e i ch s v e r b ä n d l e r und einmal da» Schöffen- gericht Landeshut beleidigt. Für das letztere hatte der Landgerichtspräsident in Hirschbcrg Strafantrag wegen eines Artikels gestellt, der sich mit der Rechtlosigkeit der Land- arbeitcr beschäftigte. In dem Artikel war die vom Schöffengericht Landeshut gegen einen Landarbeiter wegen Beleidigung eines Inspektors ausgesprochene Gefängnisstrafe von drei Monaten als eine unglaublich hohe bezeichnet worden. Darin, tmd daß in dein Artikel toeiter behauptet»vurde, die Land- arbeiter sind rechtlos und stehen noch unter dem Vieh, sollte dem Schöffengericht LandeShut gegenüber der Lorwurf der Klassen- sustiz liegen. Selbstverständlich»var mit der Rechtlosigkeit der Landarbeiter deren Stellung unter die Gesindeordnung gemeint. Trotzdem sahen die Richter darin den Vorwurf der bewußten Rechts- beugung und erkannten auf 300 Mark Geld st rase. Der Staatsanwalt beantragte drei Wochen Gefängnis. Die nächste Verhandlung richtete sich gegen die Genoffen F ö r st e r und O k o n s k Y. OkonSsky war aus einer ReichSverbondS- Versaminlung mit drohenden Worten gewiesen worden und hatte diesen Borgang in entsprechender Weise glossiert. Dadurch fühlten sich der ReichSverbändlcr AmtSvorsteher Dr. Kauf a auS PilSnitz bei Breslau und der ReichSverbandS-Sekretär Dr. Dörr beleidigt. Im öffentlichen Interesse erhob der Staatsanwalt Anklage. Die Reichs- Verbändler-Ehre wurde von den BrcSlauer Richten: mit S00 Mark bewertet. Der Staatsanwalt beantragte sogar noch 100 Marl mehr. Ein anderer Artikel beschästigte sich mit der Behandlung der Ausländer auf dem Gute des Amtsvorstehers Dr. K a u s a in PilSnitz. Die als Zeugen geladenen Galizier, die das Material zu dem Artikel lieferten und den Gewährsmann der .Volkswacht" selbst in einen Raum führten, in dem eine Galizierin als Wöchnerin lag und der auch andere» männlichen Ar- beitern als Ilnterlunftsraum diente, versagten in der Vcr- Handlung vollständig. Jetzt auf einmal fanden sie auf dem Gute des Herrn Kausa alles in schönster Ordnung. Und das, trotz- den: eine Landsmännin von ihnen fünf Tage nach ihrer Entbindung auf die Hilfe der Hebamme warten mußte. Der Staatsanwalt war derselben Meinung»vie die Galizier Alles war in musterhafter Ordnung. Er beantragte gegen Genossen OkonZky als Verfasser de» inkrimimerten Artikels sieben Monate, gegen Genossen Förster als Berantworilichcn fünf Monate Gefängnis. DaS Gericht erkannte bei OkonSky auf drei Monate Gefängnis, bei Förster auf 300 Marl Geldstrafe. Die letzte Verhandlung richtete sich wieder gegen die beiden vorhergenannten Genossen. In einem Artikel der.Volkswacht" war von der schlechten Behandlung der Landarbeiter auf einem anderen Gute die Rede und dabei ivar einleitend darauf hingewiesen worden, daß die„Volkswacht" erst kürzlich Gelegenheit hatte, auf die Zustände auf dem Gute des Herrn Kausa hinzuweisen. Durch diesen Hinweis fühlte sich Herr Kausa abermals beleidigt. Wie in allen übrigen Prozessen wurde auch hier im öffentlichen Jntcressc geklagt. TaS Gericht hielt den Borwurf auch für schwer beleidigend und erkannte eaen Förster auf 200 Mark Geldstrafe. OkonSky. der mit dem lbfajsen de» Artikels auch nicht das geringste zu tun hatte, wurde freigesprochen. Der Staatsanwalt beantragte trotzdem aber 200 M. Geldstrafe. In allen stzben Beleidigungsklagen«kannten die Breslau« Richter auf inSgeiamt 1300 M. Geldstrafe und 3 Monate Gefängnis. Beantragt waren insgesamt 1000 M. Geldstrafe und 14 Monate und 3 Wochen Gefängnis._____ Drei Monate Gefängnis. Genosse Rauch wurde als Verantwortlicher der.Zittau er VolkSzeituug" vom Landgericht Bautzen wegen„Verächtlich- machuug kirchlicher Einrichtungen" zu drei Monaten Gc- ' ä n g n i S verurteilt. DaS Verbrechen ivar in einem Artikel gefunden worden, in dem eine Anekdote für die nasionale Jagend» fiirsorge scharf kritisiert wurde. GewerkfcbaftUcbes. Im Oftcn tagt es! (Eig. Scr.) 1913, das Jahr der„patriotischen"(srinnerungs- feiern, orrngt eine neue Armee für die proletarischen Kämpfer- scharen. In Oberschlesien, der Provinz der Tuldsamteit, erwacht die Kampfeslust. Noch sind die Arveitermassen nicht geschult, noch wird es Niederlagen geben; aber der Wille ist erwacht, die Lebensverhältnisse zu verbessern, zu erhöhen. Jahrzehntelang haben die oberfchlesischen Grubenarbeiter gehofft und geharrt und jetzt ist der Geduldsfaden gerissen. Und selbst die polnischen Arbeiter wissen, wie heute gekämpft wird. Ruhe, Zähigkeit, Ueberlegung und Solidarität muß der Soldat der Revolution besitzen, um siegen zu können. Keine Repolte, kein blauer Montagsstreit kann zum Ziele führen. Und beinähe mustergültig ist die Durchführung der Streik- bewegung. Es beginnt zu tagen, und das Vertrauen, das die adligen Grubenherren bei den Arbeitern statten, übarträgt sich nun aus die Führer der Organisationen. Mit der Herrschaft der Unternehmer und der Pfaffen wird cS jetzt vorbei fein. Wenn. in der Grenzprovinz Oberfchlesien, der Durchgang der imaust geklärten Arbeiter aus Rußland und Galizien, durch ven Streik ein Stamm heranreift, der den Organisationsgedanken fest ersaßt bat, dann ist die moderne Arbeiterschaft auf dem Wege, eine Provinz zu gewinnen. Gestreikt wurde schon oft in Oberschlesien, aber die Streiks waren imsticr bedeutungslos. Nach dem Lohntag wurde hier und da ein Streik begonnen, und wenn das Geld alle war, dann ging man eben wieder zur Arbeit. Heute liegen die Verhältnisse anders. Die Regierung war den Streikführern behilflich, indem sie seit Montag die Destillen geslchosscn hat; sie glaubte vielleicht, die Arbeiter würden um des lieben Schnapses willen die Arbeit wieder aufnehmen. Aber gerade das Gegenteil ist der Falll Run stehen die Arbeiter an den Straßeneeken und, wie ich es gestern gesehen habe, gehen sie niit der Flasche zum Brunnen und holen sich einen frischen Trunk. Und sie haben beinahe eine kindliche Freude, wenn sie die leeren Eisenbahnwagen ansehen, die auf den Schienen stehen. Freilich, der polnische Arbeiter wird, erst lernen müssen, wirt- fdiaftliche Kämpfe durchzuführen; denn dazu gehört vor allen Tingen, Niederlagen ertragen. Doch bis jetzt stehen sie alle fest und hoffentlich werden sie durchhalten. Diese Ausdauer haben die Grubengewaltigen nicht ertvartet, und die armen Steiger sind zu bedauern, die unausgesetzt Wasser pumven müssen, damit die Gruben nicht ersaufen. Tie polnische Vereinigung, die den Streik begonnen hat, ohne den alten Verband zu informieren, führt eine kühne Sprache und sie fordert heute in einem Flugblatt die Ma- fchinisten und Heizer auf, am Freitag alle Maschinen stehen zu lassen und keinen Fuß über die Türschwelle der Grubeneinfahrt zu fetzen. Tie Stimmung hält die Massen zusammen und die Grubenbesitzer werden mit ollen Möglichkeiten rechnen müssen. Wie überall, versuchen sie jetzt die Arbeiter einzuschüchtern. Die Hohenzollern-Grube verschickt Briese mit folgendem Inhalt: „Sie sind unbefugt aus der Arbeit fortgeblieben und haben sich anscheinend dem Streik angeschlossen. 1l m« i e und Ihre Familie vor größere in Schaden zu bewahren, machen wir Sie darauf aufmerksam, daß Sie Jbre Entlassung aus der Arbeit zu gewärtigen haben, falls Sie länger als drei Tage rechtswidrig von der Arbeit fortbleiben. f§ 8 und 5 Nr. 1 1 der Arbeitsordnung.) Wir machen Sie ferner daraus aufmerk- sam, daß uns nach � 8 der Arbeitsordnung �das Recht zuiteht, Ihnen in diesem Falle zur Deckung unseres«chadens den Lohn von 8 Schichten abzuziehen. Selbst wenn Sie aber später zur Arbeit angenommen werden, haben Sie zu gewärtigen, daß sie die Kinderzulage und die Wohnungsbeihilfe verlieren und sich diese Prämien erst im Laufe der Jahre erwerbeil müßten." Tie Kinderzulage beträgt im Monat drei Mark; ein„großes Gnadengeschenk" der Unternehmer! Tie Mut der Zechendarone ist gewaltig. Im heutigen „Beuthener Tageblatt" steht eine patriotische Verdächtigung, die in«m beim letzten Streit im Ruhrrevier auch dem Bergarbeiter- verband anhängen wollte. Das Blatt schreibt: „Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Unterstützung der oberfchlesischen Streikbewegung von den Grubenbesitzern Englands stammt, die an einem"langandauernden Streik in Oberschlesien das größte Interesse häben, weil sie dadurch die infolge des englischen Grubenarbeiterstreiks seinerzeit verlorenen Absatzgebiete für englische Kohle wieder zu erobern hoffen." Also der Streik brennt den Unternehmern schon an den Fingern, und je brutaler und gemeiner ihre Handlungsweise ist, um so mehr sehen es die Arbeiter, daß die Grubengewaltigen für „ihre" Arbeit nur ein startes Herz haben. Am 24. April cr. ist die Königsgrube in Königsbütte und die Lhtrandagrube in Antonienhütie teilweise stehen geblieben. Auf der Schlesiengrube bei Bcuthen fO.-Schl.) sind die paar Mann, die gekommen sind, nach Hause geschickt worden, weil sie sagten: es lohnt sich nicht, die Leute einfahren zu lassen. Auf der Preußengrube in Mislowitz haben schon die Steiger Kohle gefällt und der Bergverwalter hat die Wagen von der Schale abgezogen. Zu den Leuten hat der Bergverwalter gesagt, daß sie gar nicht wisse», wie es unter Tage aussieht; wenn sie es wüßten, würden sie die Arbeit sicher aufnehmen. Bis jetzt streiken 60 909 bis 63 000 Mann. * Kattowitz, 25. April. Tie Zahl der Streikenden ist heute viel größer als gestern. Auf dem Bergwerk Oheim und auf Eminenz bei Kattowitz und auch auf mehreren Werken bei Beuthen bat das Ma- fchinenperfonal die Arbeit niedergelegt. Auf einigen anderen Berg- werken wiederum hat das Maschinenpersonal erklärt, in den Ausstand einzutreten, falls die Grubenverwaltungen bis zu dem morgigen Tage seine Farderungen nicht annehmen. Tie Grubenverwaltung Hohenzollern bei Beuthen erklärte sich bereit, den streikenden AI:- heitern eine Erhöhung des Lohne» um 15 Proz. zu gewähren. Auf dem Bergwerk Laura bei Königshütte haben sich gestern drei Unglücksfälle ereignet. Drei galizische Arbeiter, welche aushilfsweise arbeiteten, wurden verletzt.— Ter Bericht der Polizei aus Beuthen bestätigt, daß die Streikbewegung im Beuthener Revier zugenommen hat. �_ Berlin und Umgegend. Achtung, Gastwirtgehilfen! Die in den Zelten III und IV be- schäftigten Angestellten haben einen günstigen Tarifavschlutz erzielt. Außer einer zehnprozentigen Lohnerhöhung wurde auch eine Rege- lung der Arbeitsnachweisfrage erreicht, so daß für die Plazierung jetzt nur die Arbeitsvermittelung des Verbandes>it lirage kommt und der gewerbsmäßige Stellenvermittler ausgeschaltet wurde. In Betracht kommen inklusive der benotigten Hilfskräfte 40 bis 50 Personen. Ter Erfolg ist um so nennenswerter, da genannte Betriebe im Herzen von Berlin liegen. Tie Differenzen mit dem Inhaber deS„Hackepeter". Grüner Weg und Andreasstrahen-Ecke. Herrn Dobbek, sind noch nicht erledigt. � Die seitens des Herrn Dobbek gewünschten VerHand- lungen haben zwar stattgesunden, scheiterten sedoch an bestimmten Forderungen des Unternehmers, auf welche die Organisation nicht eingehen konnte. Differenzen mit Herrn Gleichfalls unerledigt sind die Martin.„Hackepeter", Münzstraße 20. Beide Betriebe sind für organisierte Gehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgebilfen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Anschließend an den Versammlungsbericht der Buchbinder in Nr. 94 des„Vorwärts" vom 20. April wird von der„Vorwärts"- Buchhandlung behauptet: „Die„Borwäris"-Buchhaiidlung habe um so weniger an nehmen können, daß bei der Großbuchbinderei Lüderitz n. Bauer Tarifdifferenzen bestehen, als ja selbst der Buchbinder-Verband bei der genannten Firma seine Festschrift habe herstellen lassen." Temgegenüber erklären wir, daß diese Mitteilung auf einen Irrtum beruht. Richtig ist, daß vor fünf Jahren die Zahlstelle Berlin des Deut schen Buchbinder-Vcrbands ihre Festschrift in der Buchdruckerei Janiszewski drucken ließ, und daß diese Firma die genannte Arbeit zur Fertigstellung an die Firma Lüderitz u. Bauer weiter- gegeben hatte. Seit jener Zeit aber werden alle Druckarbeiten unsererseits an die„Vorwärts"-Druckerei vergeben. Tie Tariftommissioii der Buchbinder. An der Tatsache, daß die Festschrift des Verbandes bei der Firma Lüderitz u. Bauer hergestellt wurde, ist nach dieser Zuschrift wohl nicht zu zweifeln. Achtung, Friseurgehilsen! Tie von uns gebrachte Notiz der Neuköllner Zwangsinnung ist dahin zu berichtigen, daß nicht diese den Beschluß gefaßt hat.>iur solche Gehilfen zur Prüfungskom- Mission zuzulassen, die die Meisterprüfung gemacht haben, sondern es ist eine Anordnung der Aufsichtsbehörde, die sich anlehnt an die Bestimmungen der Gewerbeordnuiig. Unsere daran geknüpfte SÄlußfolgerungen erübrigen sich damit. Tariflich gc- regelt ist: Hitzer, Elbinger Straße 71; N i sse l, Schivelbeincr traße 13. Verband der Friseurgehilfen. DeutlcKks Reich. Tic neuen �Verhandlungen im Binncnfchifserstreik, die am Donnerstag stattfanden, führten noch nicht zum Friedens- schluß. Tie Arbeiter hatten sich bereit erklärt, auf der Basis der bekannten Vorschläge vom Januar zu berhandcl». Es wurde auch eine Einigkeit über die Frage der Nachtruhe, ebenso über die Tarif- dauer erzielt. Wegen der Lohnerhöhung kam es ober zu keiner Einigung. Ter Transvortarbciterverband nahm die Vorschläge für die Elbe und die märkischen Wafferitraßen an. wonach der Lohn um ö M. pro Monat erhöht werden soll; für den Stromlauf der Oder soll jedoch mit Beginn des dritten Tarifjahres eine Steigerung insofern eintreten, als der Lohnsatz von 110 M. er- reicht wird. Dies wäre immer noch 10 M. weniger als auf der Elve. Da hierüber keine Einigung erzielt werden konnte, wurde in eine weitere Beratung der anderen Tifferenzpunkie nicht eingetreten. Ter Transportarbeitcrverband wird am Sonnabend eine Generalversammlung abhalten, die dazu Stellung nehmen soll; der Zentralverband der Maschinisten nimmt im wesentlichen die gleiche Stellung ein. „Bombcnattentat" streitender Binnenschiffer. Die Presse der Scharfmacher bringt die Nieldung, auf dem Schleppdampfer„Magdeburg"' hätten ausständige Heizer eine prengkapsel durch den Schornstein in den Feuerraum des Schiffes werfen und dadurch eine Explosion des Schiffes hervorrufen wollen; sie hätten aber das Ziel verfehlt. Bier ausständige Heizer wurden verhaftet. Hierzu wird uns aus Magdeburg gemeldet: Die von der bürgerliche» Presse verbreitete Geschichte ist, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, maßlos übertrieben. Während die bürgerlichen Blätter als Tatsache mitteilen, daß der Täter den Sprengkörper durch den Dampferschornstein in den Feuerraum werfen und dadurch eine folgenschwere Explosion berbeiführcn wollte, weiß ein polizeiofsizich'cr Bericht aus Magdeburg nur zu melden, daß der Täter„vermutlich die Abficht hatte". Nach diesem selben Bericht entbielt die Sprengpatrone„vermutlich" einen außerordentlich gefährlichen Sprengstoff, nämlich«chieß- baumwollc. Die bürgerliche Presse behauptet aber schon schlankweg. daß die Ladung der Kapsel so stark war, daß sie zweifellos den Untergang des Dampfers berbeigeführt haben würde, wenn sie explodiert wäre. Tie Meldungen sind also lediglich auf Permutun- gen aufgebaut und können um so leichter in die Welt gesetzt werden, als die Polizei alle vier Beteiligten inhaftiert bat, so daß sie nicht in der Lage sind, sich gegen die Beschuldigungen zu wehren. Von der mit so viel Lärm in Szene gesetzten Geschichte wird schließlich nichts weiter übrig bleiben, als daß es sich um einen zwar törichten, aber doch recht harmlosen Streich gehandelt hat. Achtung! GastwirtSgehilfen! Infolge der zurzeit in London und anderen Großstädten Englands bestehenden Streik- und Lohnbewegungen der Kellner und Köche werden die deutschen Kollegen dringend ersucht, Solidarität zu üben und nicht nach London zufahren. Wie uns mitgeteilt wird, vermittelt der D. K. B. Streikbrecher: meidet die Bureaus des D. K. B. auch in Deutschland. Verband der GastwirtSgehilfen, Berlin Zk. Gr. Hamburger Str. 18/19. Die Klempner in Hamburg-Altona haben am 23. April dem Abschluß eines Tarifes auf drei Jabre mit knapper Mehrheit zugestimmt. Der Lohn steigt um 3 Pf. sofort und um 2 Pf. am l. Ottober d.I. auf 80 Pf. pro Stunde. Die Arbeitszeit beträgt wie bisher neun Stunden. An den esonnabenden ist um 5 Uhr Arbeitsschluß. Ueberstunden werden mit 29 Pf., Nacht-. Sonn- und Festtagsarbeit mit 30 Pf. Aufschlag pro Stunde bezahlt. Für be- sonders gefährliche und schmutzige Arbeiten, die im Tarif näher be- zeichnet find, wird ein Zuschlag von 10 Pf. pro Stunde gezahlt. JungauSgelernte erhalten im ersten Jahr 55 Pf., im zweiten Jabr 58 Pf. Stundenlohn. Bei Arbeiten, die über 4.5 Kilometer weit entfernt liegen, wird das Fährgeld, bei über 7,5 Kilometer auch die Wegezeit bezahlt. Bei auswärtigen Arbeiten wird ein Zehrgeld von 2 M. für Lcdige und 3,50 M. für Verheiratete gewährt.. 'Lerantw. Redakt.: Alfred Wirlrpp. Neukölln. Inseratenteil verantw. llnler ähnliehe Jugendheime anders oelfandelt würden, wie daS in der Brunncnstraßc, und als cr crllaric, darauf nicht näher eingehen z» wollen, weil cS sich hier um eine unpolitische Versammlung handele, löste?er überwachende Beamte die Versammlung auf, weil diese, wie er sagte, nach den bishcrigen Ausführungen eine politifche sei. Wohl oder übel mußten die Versammelten den Saal,'» den der Ueberwachende alsbald eine ganze Anzahl B e a m t e er- scheinen ließ, verlassen. Ilnter Gesang zog man in langem«nge nach der Oranienstragc. um dann den Weg nach dem GcwcrkschnNS- Haus einzuschlagen. In dessen Nähe kam es zu Sprenguugsvm- suchen durch eine Kette bildende Schutzleute, was eimgc lebhafte Szenen veranlaßte.� Mehrere Personen wurde» sistiert und rn Gewerkschaftshaus sogar ein Jugendlicher geknebelt abgefuhrr, wo- den starken Unwillen von Passanten und Gästen hervorrief. Eine in dell..Andre°s Festsälen" zurückgebliebene.Frühstücks- tasche kann bei M. Weber. Koppenstraßc 99, Ouergebauoe n, tn Empfang genommen werden. letzte N�cbricBteti* Die Friedensverhandlungen. Sofia, 25. April.«Meldung des Wiener K- Tefegn-sorre- spondcnzburcaus.) Morgen nachmittag oder übermorgen.�rd ei« Kollektivschritt der Gesandten der Großmächte betreffend den Aß. schluß eines Vorsriedens erwartet. Der Vorsriede soll in London von den dortigen Balkandelegierten oder den Gesandt«» unterzeichnet werden._____■_ Paul Singer i Co., Berlin SWTl&ieraii 5 Beilagen u.AnlcrhaltungSp� Sonnabend, 26. April 1918. Der belgische Parteitag. Brüssel, 24. April.(Gig. S3cr.) Ter außerordentliche Kongreß setzte sich aus denselben Delegierten zusammen wie der vorige, der den Generalstreik beschlossen hatte. Vor dem Maison dn Peuple und drinnen» im Gass herrscht sichtliche Bewegung. Man diskutiert in Gruppen die Kammervorgänge, wertet ihre politische Bedeutung, bespricht die Stimmung der Arbeiter in der Provinz, das voraus- sichtliche Votum des Kongresses. Ten Vorsitz führt Deputierter Furnemont, der die Bedingungen und Umstände, untev denen der Llongreß zu- sammentritt, in Erinnerung bringt. Als erster Redner spricht Berichterstatter Anscrle: Ich spreche in diesem Augenblick, das Herz bewegt von tiesster Freude über das herrliche Schauspiel, das uns unser Generalstreik gegeben— eine Freude, die Sie alle mitfühlen. Um unseren Erfolg ganz zu ermessen, vergleichen wir die heutige Situation nnt der vor dem Streik, da die Regierung erklärt hatte: ich mache wasich will. Die Arbeiterschaft hat ihr Wort von damals wahr gemacht: Ihr werdet euch mit unserem Leben, mit dem Wahlrecht be- schäftigen, ob ihr wollt oder nicht. Manche von uns glaubten nicht an den Generalstreik: nun er ist grandioser, Herr- l i ch e r geworden, als wir zu hoffen wagten. Die Regierung mutzte ihren Rückzug antreten. Man hoffte auf einen blutigen Streik, auf eine Zerschmetterung des Sozialismus, auf eine Spaltung des Pro- letariats. Keine dieser Hoffnungen ist in Erfüllung gegangen. Die Arbeiterklasse hat durch ihre Ruhe, durch ihre Einigkeit und Würde die Bourgeoisie zur Bewunderung gezwungen, sie hat demonstriert, datz wenn daS Recht des Volkes nicht anerkannt wird, Belgien nicht zur Ruhe kommen tvird. Unvergleichlich steht dieser Streik in der Geschichte des Pro- letariatS da, der nicht wie der englische der Streik einer Profession, sondeni ein Streik aller Korporationen der grotzen Industrie war- DaS belgische Volk hat mit seiner Disziplin der ganzen Welt ein Beispiel gegeben. Die Rechte glaubte den Generalstreik ignorieren zu können und gab sich den Anschein, in der Beratung des MilitärgcsetzcS fortfahren zu wollen. Aber es hat sich erfiillt, was unser Wille w»r, datz die Kammer zu keiner Beratung kommen werde, solange die 430000 in den Stratzen stehen... Und das Recht des Proletariats war in den 10 Tagen der einzige Gegenstand, der die Kammer beschäftigte. Der Minister wollie nicht reden, aber der erste Stotz hat genügt, ihn so zum sprechen zu bringen, datz er mehr sagte, als er sagen wollte. Für mich ist die Erklärung des Ministerpräsidenten vom 17. April, die die Resolution Masson festhält, entscheidend und nicht ihre Interpretation durch Liebaert. Was bedeutet diese neben dem Schweigen Woestes?— Wir haben erreicht, datz die gestrichenen Sätze Broquevilles wieder aufgenommen werden mutzten. Das war der erste Sieg der Revision. sBeifall.) Die Armee deS Proletariats hat die e r st e Befestigung ihreö Adrian opel erobert. Neue Kämpfe stehen uns bevor: sie sind mit der Einsetzung der Kommission ebenso nötig, wie sie mit der Revision nötig gewesen wären. Wir spielen nicht mit der furchtbaren Waffe des Generalstreiks— die Gegner sollen uns nicht zwingen, sie noch einmal anzuwenden, in einer neuen vcrgrötzerten und voni Autor ver- besserten Auflage.(Heiterkeit.) Drei Aufgaben stehen dem Streikkomitee bevor, das als nationales Komitee des allgemeinen Stimmrechts fortbestehen tnutz: 1. Die Geschichte des Streiks zu schreiben. 2. Den weiteren Kampf zu leiten. 2. Zu verhindern, datz auch nur ein einziges Streikopfcr falle. Wehe den Unternehincrn, wenn sie Matzregelungen wagen sollten I Wie ein Mann würden wir uns erheben. (Donnernder Beifall.) Halten Sie iveiter an der Disziplin und hoch das Wahlrecht!(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion. Simon(Namur): JÄ glaube, unsere Fraktion hätte sich de,! Absiuumung enthalten können.(Starker Beifall.) Ich will kein Mitztrauensvotum. aber bedauere die Lauheit der Deputierten, und mochte nicht, datz sich diese wiederhole. Wir sollten ihnen ein imperatives Mandat für die Zukunft mitgeben. Wir haben indes auch die Mangelhaftigkeit unserer Organisation erkannt. Jedenfalls mupen wir aber einmütig von diesem Kongreß heimkehren. Vaiidcrvclde: Ich glaube, datz viele die Meinung Simons " und verstehe sie. Aber ich fühle mein Herz heute freier als 5"?«, �ari- Sie werden geschlossen, wie sie die Arbeit ver- wpen haben, zu ihr zurückkehren. Wenn einzelne Gruppen den Rainps vis zur Erschöpfung fortsetzen wollten, würden sie nur das coTCi»!!S!ne ,n �°sahr bringen. Wa3 jetzt toichiig ist. ist, ob wir die plualeyr zur Arbeit mit dem Bewutztseiu der Niederlage oder dem eines vouvrachteu grotzen Werkes beschlietzen. Die Meinungen daruver tchemen uns geteilt. Merkwürdig, datz unsere Gegner über oas Rciultat des Generalstreiks weit einhelliger denken. Aaturuch.«»sere belgische klerikale Presse gesteht ihre Niederlage nicht ein und wird auch m den nächsten Tagen M fayren. uns als Besiegle hinstellen. Aber lesen Sie nur die Bench r Korrespondenten der konservativen Presse deS Aus- lands, wie„Times und„Journal deS Debats". DaS eine Blatt sagt, die Ehre vreses Kampfes seien geteilt, das andere spricht uns einen„halben tiieg zu. Wir werden diesen halben Sieg vollenden. Wenn ,ch ,uich zu den Resultaten des Streiks be- glückwimlche, loinme ,ch„(cht in tien Verdacht einer persönlichen V or c i ii g e li o nun e ii p c: i. Ich, der gegen den Streik gestimmt hat, könnte cS feinen fflefuttoorteru überlassen, über Erfolg oder Erfolg- losigkeit zu dislulicren. i mch den gewonnene» Ergebnissen aber sage ich:„Jch-.der Gegner des Streiks, hatte unrecht und Sie lind es, die recht hatten. Haben Sie vielleicht die sofortige Lersapungsrevliion erwartet? DestrSe und die anderen haben sich von der Unmöglichkeit einer solchen Wirkung Rechenschast gegeben und als da» �.lel die Durchsetzung des StudiuniS der R e v i s i o n S f r a g e bezeichuet. Nun, in einigen Tagen wird die Kommission ernannt werden und wir werden da» Mandat, daS uns die Resolution Masion gibt, dort zu erfüllen wissen. Man hat uns Depuiiertcn eine zu grotze Höflichkeit de» Verhaltens und eine zu geringe Energie u» Parlament und weiter Eigenmächtigkeit gegen- über der Arbeiterklaffe vorgeworfen. Nun, wir waren durchaus nicht grötzeres Verdienst erworben, al» durch eine lärmende Opposition mög lich gewesen wäre. Man hat uns gefragt: Warum habt ihr noch das nationale Streikkomitee nach der Einbringung der Resolution Masson einberufen? Daraus antwortete ich: Gerade dies hätte im Lande den Eindruck der Schwäche gemacht und viele zur Rückkehr zur Arbeit veranlaht. Man wirft uns vor, datz wir für die Resolution Masson ge- stiuuut, haben. Aber das tönneu uns nur diejenigen vorwerfen, die unsere Reden zu dieser Nesoliltion nicht gelesen haben. Ich habe im Parlament im Namen unserer Fraktion erklärt: Wir stimmen für die Resolution, weil sie die Erklärungen des Ministers zur Kenntnis nimmt, aber ich habe ausdrücklich hervorgehoben, datz die Entscheidung über den Ausstand nicht in unseren Händen liege. Wir sind nicht die Herren des Proletariats, wir sind die D i e n e r des Volkes. Wir haben unseren Platz in der Kampfreihe eingenommen, als wir bei der Abstinimung über den Streik unterlegen waren. Heute stehe ich an der Seite Ansecles und Destroe». Drei Gesichtspunkte kommen bei der Bs- urteilung de» Generalstreiks in Frage. Der erste, � der parla- m entarische, ist am ivenigslen wichtig. Der Streik war im Parlament ein Tauziehen zwischen der Rechten und der Linken. Auf beiden Seilen standen grotze Kräfte hinter den Kämpfenden. Dort die der klerikalen Reaktion, des Kapitalismus und der Staatsgewalt— hier die öffentliche Meinung, die Gewalt der Gerechtigkeit und vor allem der Streik der Arbeiterschaft. Im Grunde war Broaneville schon seit dem Sturm im letzten Juni zur Nachgiebigkeit ge- stimmt und mit ihm waren die klarblickenden und gemätzigtcn Ele- mcnle der Mehrheit bereit, sich mit der Revision zu beschäftigen— toenn auch erst nach den Wahlen von 1914. Aber diese Mehrheit der Minister und der klerikalen Parlamentarier schreckte vor den 30 gefrätzigen Krokodilen der äutzerste» Rechten zurück. Herr Brogue- ville war wie Don Juan zwischen den zwei Geliebten. Aber da» Proletariat lietz sich mit Beschwichtigungen nicht abspeisen. Er sollte klar sprechen, lind wir dürfen heute mst Zuversicht sagen: Aus der kleinen Kommission wird die grotze Re- Vision komme». Wichtiger sind aber die politischen Resultate. Wieviel haben wir doch während der neun Monate unserer Aktion in der öffentlichen Meinung gewonnen! Man hatte uns totgeglaubt, weil wir in den Wahlen den erwarteten Erfolg nicht errungen hatten. Aber wir haben statt der schlechten Waffe des Pluralvotums die neue de» Generalstreiks angewendet. Vergleichen Sie doch die Situation von heute mit der vor neun Monaten! Wir baben erreicht, datz jene unter den Katholiken, die mit der christlichen Demokratie reckmen müssen, nachgeben. Drittens sind die sozialen Gesichtspunkte iuS Auge zu fassen, und in dieser Hinsicht mutz uns der Streik mit Stolz ersüllen. w p ü r e n S i e n i ch t a l l e, wie w i r g e w a ch s e n sind! Wir dürfen heute das Haupt höher als je erheben. Herr Woeste hat gesagt: entweder wird der Streik friedlich oder schreckenerregend sein. Aber unser Streik war beides. Nie sind tvenigcr Leute verurteilt und arretiert loorden, nie die Gendarmen in ü tz i g e r gewesen, lind wegen der Furchtbarkeit fragen Sie nur die grotzen Unternehmer und Herrn Liebaert. Herr Earton de Wiart— der Justizminister— sagte uns: Sie haben da» i-chlvert unklug aus der Scheide gezogen und werden es ohne Ehre wieder zurückstecken. Aber wir haben' es nicht unklug gezogen und stecken es nicht ohne Ehre zurück. W i r kennen jetzt das Mittel, das das Proletariat an- wenden kann, wenn ihm sein Recht von der herrschenden Gewalt vorenthalten wird. Und so sage ich wie gestern Anseele im Streikkomitee: Halten wir unsere kommu- nistischen Suppen bereit.(Stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall.) Delsant(Borinage) ist von der Rede VanderveldeS nicht überzeugt; wir haben zu wenig erreicht. Wir im Borinage nehmen dieses Resultat nicht an; gestern hat unsere Föderation die Fort- setzung des Streiks einstimmig beschlossen. Ein halber Sieg genügt uns nicht. Im vorigen Jahr haben wir im strengsten Winter sieben Wochen im Streik ausgehalten und einen dargebotenen halben Sieg abgelehnt. DaS Resultat des Generalstreiks entspricht nicht den Anstrengungen. Wir sind nicht erschöpft.� Wenn Sie den politischen S t r e i k � aufgeben, geben Sie nur acht: er wird als Streik für den Lohn fortdauern. Die Bewegung hat uns aber auch gezeigt, datz e» noch etwas Wichtigeres gibt als Sparbücher: die Gewerkschaft. Ihr müssen wir alle unsere Energie widmen. Thonet(Huy): Wir sind nicht Sieger, denn die Resolution Masson mit der Phrase Broquevilles gibt im» keine Garantie für das Studiuni de» KammerwahlrechtS. Der Kongreß hätte früher einberufen werden sollen. Auch hat das nationale Streikkomitee sein Recht überschritten, als es die Wiederaufnahme empfahl. (Beifall bei einem Teil der Versammlung.) Ich beantrage Vertagung der Abstimmung. Bandcrsmissc»(Parteisekretär): Eine Vertagung ist unmöglich, da wir auch mit der unorganisierten Masse rechnen müsse«, die nicht weiter in Ilngewitzheit bleiben kann. Verhindern lvir, datz ein»ener Kongretz eine Tatsache konstatieren mutz, die wir heute setzen können. Ter Vertagungsautrag wird abgelehnt und beschlossen, nur noch Äontrarcdner und als einzigen Proredncr Destroe zuzulassen...... Volkacrt; Wir musien die Resultate des Kongresse» einst i m m i g anerkennen, darüber ist kein Zweifel möglich. Aber ich sehe keinen Erfolg des Streik». Bon der autzerparlamentarischen Kommission hat Anseele auf dem letzten Kongretz mit Ironie ge- sprachen. Wir müffe» Vorkehrungen treffen, damit wir nicht hinters Licht gestihrt werden. Die Fraktion hat die Wirkung des General- streiks nicht genug ausgenutzt. Eine Fortsetzung de» Streiks halte ich nach dem Beschlutz des Streikkomitees für unmöglich. Ich be- dauere aber diesen Bcschlutz. Die Rückkehr zur Arbeit mutz einmütig geschehen. Die Kom- Mission aber soll weiterbestehen bleiben— nicht nur als eine Kom- Mission für daS allgemeine Wahlrecht, sondern auch als Kommission des Generalstreik» und berufen sein einen neuen Generalstreik ziy: Durchsetzung der Revision selbst zu organisieren. Dcsträc: Die Einigkeit stellt sich heute als oberstes Gesetz mit solcher Eindringlichkeit dar, datz alle sie anerkennen. «eicn Sie auch da gerecht mit den Deputierten und dem Streik- komitec. Volkaert meint, wir hätten uns betrügen lassen und hält mir eine herausgerissene Stelle ans einem Artikel vor, in dem ich das Gegenteil gesagt habe von dem, was er behauptet. Wir müssen die Situation unter zwei Gesichtspunkten betrachten. Erstens unter dem de» Streiks selbst, zweitens unter dem seiner Resultaie. Vergleichen Sie unseren Kongretz mit dem von 1902, Ivo wir besiegt, wut- und schmerzersüllt den Rückzug beschlietzen mutzten. Na- türlich hatte unser Streik seine Gefahren. Er konnte innere Spaltungen, er konnte Blutbäder und die Rache der Unternehmer zur Folge haben. Und dennoch trat ich dafür ein, datz sich das Proletariat erhebe— trotz aller Gefahre». Heute bestreiten Sie die Resultate und feilschen mit den Deputierten um ihren Wert. Aber das ist nebensächlich— Hauptsache dagegen, ob die Arbeit wieder aufgenommen iverden(oll. Und darin find fast olle einig. Mit der Einmütigkeit einiger Orte im Borinage Tann man keinen Generalstreik machen. Wenn die Wallonen marschieren wolle», so ist e» doch notwendig, datz es die anderen auch wollen. Denken Sie an die vielen Nichtorganisierten! Es handelt sich nur darum, ob die Rückkehr zur Arbeit ungeordnet, isoliert, oder auf eine Parole der Arbeiterpartei erfolgen soll, wie die Niederlegung der Arbeit.(Beifall.) Denken Sie serner an den Ein- stütz der Pres s e. Bei einer Fortdauer des AuSstands, würden die ' liberalen Zeitungen, die Sie noch zu lesen fortfahren ihn totschweigen— sie haben setzt schon Zeichen von ltngeduld gegeben— und die Klerikalen würden weiter lügen und entstellen. Ich denke da nicht so sehr an die liberalen Artikel, wie an die Reportage der liberalen Presse. Unsere eigene Presseist noch schwache wir hätten also einen Streik mit einer uninformierten oder getäuschten Masse zu führen. Die Rückkehr zur Arbeit ist also notwendig. Aber in welchem Gefühl sollen wir sie vollziehen? Resigniert, wütend oder in Sieger- laune? DaS scheint eine Frage des Temperament». Aber man dari »ichtS übertreiben. Wir dürfen der Arbeiterklasse nicht das Gefühl deS BetrogenseinS geben. da» ungerechtfertigt wäre. Warum übersehen Sie über den parlamentarischen Meiiilichkeiteii und den Nuancen ministerieller Erklärungen die Hauptsache? Betrachten Sie doch die Hauptsache, die jedermann sehen kann! Die prachtvolle Begeisterung, den Mut, die Disziplin unserer Bewegung! Bonaparte antwortete einem österreichischen General, der, als er' mit ihm im Namen der Republik verhandeln wollte, die hochmütige Frage stellte: „Was ist das, die Republik?" mit den Worten:„Die Republik ist die Sonne. Blind ist, wer sie nicht sieht." So dürfen auch wir von der Arbeiterklasse heute sagen:„Jhre Macht i st w i e d i e Sonne, und wer sie nicht sieht, i st blind!(Stürmifcher Beifall.) Der G e n e r a l st r c i k hat uns in 0 Tagen mehr g e g e b e n a l s 1 0 I a h r e P r o p a g a n d a. Er hat unsere ehe- dem so oft leerstehenden Volkshäuscr gefüllt, unS über die engen Sonderinteresscu, die früher oft. in den Gewerkschaften überwogen, erhoben, er hat seine Kämpfer als Arbeiter zusammengeführt. Und er hat die Frage der politischen Gleichheit gestellt, die die Regierung nicht stellen wollte. Man hat von ihr überall gesprochen: auf der Bahn, im Cafb, in der Familie— sogar im Parlament. (Heilerkeit.) Dort sicher nicht allzu klar aber das ist eben das Parlament. Es ist doch seltsam, datz just diejenigen, die Sympathien für den AntiparlamentariSmuS haben, von den Parlamentariern so viel verlangen!(Großer Beifall.» Ich meine tvohl, datz die Liberalen uns einen schlechten Dienst erwiesen haben, al» sie unS zwangen, Stellung zu nehmen, ehe der Streik noch seine volle Wirkung geübt hatte. Wir haben die Erfahrung gemacht, datz ein Generalstreik, in dem die öffentlichen Dienste nicht einhezogcn sind, erst nach 14 Tagen oder nach einem Monat das ganze wirtschaftliche Gelriebe des Landes erschüttern kann. Wir konnten aber nichts gegen die Interventionen der Liberalen machen— ich protestiere nur gegen die Zumutung Volkaert-, als ob die Resolution Masson mit unserem Einverständnis beantragt worden fei. Wir haben im Parlament immer erklärt, datz der Generalstreik nicht von uns. sondern von der Arbeiterklasse ab- hänge. Hätten lvir uns bei der Abstimmung über die Resolution Masson enthalten sollen? Wäre die Zweideutigkeit der Eni- Haltung würdig gewesen, in einem Augenblick, wo 400 000 Arbeiter im Streik standen? Oder den Kongretz einberufen sollen— für jede einzelne Tagesordnung: Woeste, Libnert und etwaige weitere? Die Kritik unseres Verhalten» ist notwendig— c» wäre traurig, wenn heute ein einstimmiger Bcschlutz ohne gründliche Diskussion gefaßt werden würde. Der kleine Zusatz Libacrts, der den Generalstreik verurteilt, scheint mir weniger bedeutend als das Schweigen Woeste» und alle Verkleidungskünste der Niederlage. Haben Sie erwartet, datz die Rechte mit ihrer Mehrheit von 16 Stimmen uns um Verzeihung bittenwürde? Hätten wir eine siegreiche Insurrektion durchgeführt, hätte uns eine Resolution Masson nicht genügt. Aber Sie wollten sricd- lich bleiben— da war nur ein Ausgleich möglich. Broqueville öffnet heute die Tür des„Salon»", wo man„plaudern" soll. Worüber? Ueber das Gemeinde- und Provinzialwahlrccht? Nein, über die Frage in ihrem ganzen Ilmsang. Wozu aber überhaupt� eine Kommission, wozu eine gemeinsame Formel? Glauben Sie wirklich, datz eS sich da nur um das Gemeinde- und Provinzialwahlrecht handelt? Dieses könnte doch die Rechte mit ihren 16 Stimmen Mehrheit allein beschließen. Zweidrittel- Mehrheit braucht sie nur für die Verfassungsrevision. Sollte Broqueville sagen: Ich bin hcsiegt? Die Hauptsache ist: Er hat nach- gegeben. Eine Kommission wird sich versammeln. Man sagt, sie sei schon versprochen gewesen. Nun, ich lege Broquevilles Ver- sprcchungen keinen Wert bei. Wir aber haben jetzt ein einstimmiges Votum deS Parlaments. Vergleichen Sie unsere heutige Situation mit der von 1902. Dürfen wir nicht stolz sein? Wir haben 400000 in den Kampf gebracht, auch die, die gegen den Streik gewesen ivaren. Unsere Disziplin hat sich glänzend hewährt und kein Tropfen Blut ist geflossen. Der Kampf fürs allgemeine Wahlrecht geht weiter. Wir singen in der„Internationale" von der „lutto� finale"— vom letzten Kampf. Aber eS gibt keinen letzten Kampf. In der WahlrcchtSkommission wird das Gespenst de» möglichen neuen Generalstreiks präsidieren. Halten lvir unsere Einigkeit aufrecht für künftige Kämpfe.(Brausender Beifall, der den Eharaktcr einer Ovation für den Redner annimmt.) Die Diskussion wird geschlossen. GS liegen außer der Resolution des Streikkoinitecs zlvei Resolutionen vor, von denen die eine gleichfalls die Aufnahme der Arbeit nur mit einer radikaleren Begriinduiig vorschlägt, die andere, von zwei Te- legierten eines Brüsseler Vororts gestellte, deantragt die Fort- setzung dcs� Streiks. Bei der Abstimmung ergibt sich eine sehr große Mehr- heit— etwa vier Fünftel— für die Resolution des Streik- komitees. Ter Vorsitzende schließt die ohne Unterbrechung bis halb vier Uhr nachmittag fortgeführte Sitzung mid einer An- spräche, worin er die geschichtliche Bedeutung des Generalstreiks würdigt und zur Bereitschaft und Ginigkeit für neue Kämpfe auffordert. Die Laittltags-Aahibemgiing. Ter nenntc Landtagswahlbezirk hatte zum Tonnerslag abend eine öffentliche Wählcrversammlung nach dem Swincmündcr Gesell schaftshaus, Swine- Münder Straße 42, einbernfc», die außerordentlich stark besucht war. Kopf an Kopf standen und saßen die Zphörcr und lauschten den temperamentvollen Ausführungen des Kandidaten, Genoffen «tröbel. der in einem einstündigen Vortrag ein wahrheits- getreues Bild von dem Dreiklatzenparlament und dessen Taten cnt- war?» Bei der Kennzeichnung �cr bürgerlichen Parteien hob der Redner besonders das schmähliche Verhalten der Freisinnigen her- vor. die er in ihrer ganzen politischen Jämmerlichkeit charajtcri- sicrtc. Mit einem zündenden Appell an die Anwesenden, alles ein- zusetze», uni dem Willen des arbeitenden Volkes auch im prcu- tzischen Parlament Geltung zu verschaffen und die Alleinherrschaft der bürgerlichen, volksfeindlichen Mehrheit zu brechen, schloß Ge- nosse Ströbel unter dcni stürmischen Beifall der Versammlung seine eindrucksvolle Rede. Tic Versammlung deS zehnten Landtagswahlbezirks die in der Hussitenstratzc 40 stattfand, war ebenfalls sehr gut be- sucht. Bis auf den letzten Platz war der Raum besetzt, als Ge« ttoffin Klara SB c l) I ba§ SBort nahm, um in eiucr gut ge- gliederten Rede die Zustände Preuhcn-Teutschlands unter spezieller Berücksichtigung einer in allen Punkten nur zu berechtigten Kritik zu unterziehen. Ruf eine Fülle von aufreizendem Tatsachen- Material gestützt, konnte die Rednerin nur allzuleicht ihrem auf- merksamen Auditorium zeigen, unter welch schändlicher Beschrän- hing und Entrechtung das arbeitende Volk heute noch zu leiden bat. Die Enthüllungen über das verbrecherische Treiben unserer Prozentpatrioten ermöglichte es der Rednerin auf drastische Art darzulegen, wie der Patriotismus dieser Kreise aussieht. Auch ihre Ausführungen wurden mit begeistertem Beifall aufgenommen. Beide Versammlungen wurden, nachdem die Aufstellung der Wahlmänner erledigt war, mit einem Hoch auf die Sozial- dcmokratie geschlossen. Strafbarer versuch am untauglichen Objekt. Im Juli 1911 war ein Soldat namens Nürnberger von seinem Regiment in Hanau zu Verwandten nach Berlin beurlaubt. Nach Ablauf des Urlaubs kehrte Nürnberger nicht zu seinem Regiment zurück, sondern kaufte sich in Berlin Zivilklcidcr, die er heimlich mit der Uniform vertauschte und diese versteckte. Dann ging er zu seiner Großmutter und teilte ihr mit, daß er nicht ivicder zum Re- giment zurückkehre. Vergebens versuchte die Großmutter den jungen Mann zur Rückkehr zu bewegen. Da dies nicht gelang, wurde von dritter Seite ein gewisser Wohland herbeigeholt, der in der schwierigen Angelegenheit Rat geben sollte. Wohland stand in Be- zichung zu Anarchisten, er wurde aber von diesen als eine verdäch- tige Persönlichkeit betrachtet, der man nicht trauen dürfe. Wohland schickte den Militärflüchtling zu Kielmeper nach der Redaktion des ilnarchistische» Blattes„Der freie Arbeiter". Kielmeyer lehnte jede Unterstützung des Fahnenflüchtigen ab. Während Kielmeyer mit Nürnberger sprach, erschien der Buchbinder Böttcher und bald darauf seine damalige Braut Fräulein Ludwig. Diese gewährte dem Nürn- bcrger Obdach in ihrer damals von ihr nicht benutzten Wohnung. Wach einigen Tagen reiste Nürnberger, für den einige Anarchisten ein paar Mark gesammelt hatten, nach Hamburg und von da nach Düsseldorf, Elberfeld und Krefeld. Iluch in diesen Orten wandte sich Nürnberger um Rat an Mitglieder der anarchistische» Födera- tion. deren Adressen er sich in Berlin verschafft hatte. In Krefeld machte Nürnberger, um sich Geld zu verschaffen, einen äußerst ein- iältigcn Erprcssungsversuch. Dabei wurde er festgenommen. Nach- dem Nürnberger seinem Truppenteil überliefert war, wurde durch Militärärzte festgestellt, daß er geisteskrank ist. Da ein Geistes- kranker für seine Handlungen nicht verantwortlich gemacht iverden kann, wurde Nürnberger vom Militärgericht von der Zlnklage der Fahnenflucht freigesprochen und aus dem Heere entlassen. Gestützt auf die Angaben des Geisteskranken, hat die Staats- auwaltschaft ein Strafverfahren eingeleitet gegen die Personen, mit denen Skürnberger nach der Desertion in Beziehung getreten war. Zeh» Personen, sämtlich Anarchisten, wurden unter Anklage gestellt, dem Nürnberger Beihilfe zur Fahnenflucht geleistet zu haben. Slm 19. Februar 1912 sprach das Gericht sämtliche Angeklagte frei. Größtenteils deshalb, weil sie nur durch den Geisteskranken belastet waren und dessen Zeugnis natürlich nicht beweiskräftig ist. Die Augeklagten Kiclmcyer, Böttcher und Fräulein Ludwig hielt das Ge- richt zwar für überführt, Beihilfe geleistet zu haben, aber auch sie wurden freigesprochen, weil ein Geisteskranker keine Straftat be- gehen und deshalb von einer strafbaren Beihilfe leine Rede sein kann. Das Reichsgericht hat das von der Staatsanwaltschaft angefoch- tcne Urteil, soweit es die genannten drei Angeklagten betrifft, auf- gehoben mit der Begründung, es könne möglichenfalls ein strafbarer Versuch am untauglichen Objekt vorliegen. Nachdem hierauf ein anderer Termin vor dem Landgericht ver- tagt worden war, fand am Freitag die erneute Verhandlung vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I statt. Hier stellten die An- geklagten den Sachverhalt so dar: Kiclmcyer hat auf das bestimm- teste jede Unterstützung des Fahnenflüchtigen abgelehnt. Böttcher hat aus der Unterhaltung zwischen Kielmeher und Nürnberger ge- hört, daß dieser ein Deserteur war, hat sich aber nicht um ihn be- kümmert. Fräulein Ludwig wußte überhaupt nicht, daß es sich um einen Fahnenflüchtigen handelte, als sie dem Nürnberger ihre Woh- itung zur Verfügung stellte. Denn ihr war gesagt worden, Nürn- derger sei ein arbeitsloser Gesinnungsgenosse. Später, als Fräu- lein Ludwig von Nürnberger selber erfuhr, er sei desertiert, hat sie versucht, ihn los zu werden und da ihr dies nicht gelang, wandte sie sich um Rat an Kielmeyer. Dieser ersuchte sie, mit dem in der Nähe wartenden Nürnberger in ein bestimmtes Restaurant zu gehen, wo- hin er, Kielmeyer, später folgte. Hier wurde unter den anwesenden Anarchisten eine Sammlung für Nürnberger veranstaltet, worauf dieser die Reise nach Hamburg autrat. Andere Beziehungen zu dem Deserteur oder sonstige, seine Flucht befördernden Handlungen konnten den Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Der Staatsanwalt hielt die von den Angeklagten angegebenen Beziehungen zu Nürnberger dennoch für ausreichend, um die Straf- barkcit der Angeklagten zu begründen. Sie hätten einen strafbaren Bei such an einem untauglichen Objekt begangen. Er beantragte gegen die Angeklagte Ludwig die Mindcststrafe von einem Monat, gegen Kielmeyer und Böttcher je zwei Monate Gefängnis, die durch die viermonatige Untcrsuchnngshast als verbüßt gelten sollen. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Hnlpert, ging der juristischen Konstruktion, durch die den Angeklagten eine Handlung rein mensch- lichen Mitgefühls als strafbarer Versuch angerechnet werde» soll, scharf zu Leibe. Unter anderem sührte er aus: Als ein unglücklicher Zufall den Flüchtigen mit den Angeklagten zusammenführte, da war dessen Straftat bereits vollendet. Es konnte ihm also keine Beihilfe niehr geleistet werden. Diese Auffassung entspricht dem früheren Standpunkt des Reichsgerichts. Später hat das Reichsgericht dann einen anderen Standpunkt eingenommen und erklärt, die Fahnen- flucht sei ein Dauerdrlikt, wer einen Fabnenflüchtigen auch nach der Flucht unterstützt, mache sich der Beihilfe schuldig. Durch diesen Standpunkt des Reichsgerichts ist jeder Deserteur zu einer dauernden Gefahr für jeden Staatsbürger geworden. Wenn ein Mann, der müde und hungrig auf der Landstraße herumirrt, an die Tür eines LaudmanneS klopft, um ein Stück Brot oder ein Obdach für die Stacht bittet und dabei mitteilt, er fei vor zehn oder zwanzig Jahren desertiert, aber noch nicht gefaßt, so würde der Landman». der den hungernden Obdachlosen nicht ohne Erbarmen auf der Straße der- schmachten ließe, sich nqch der Auffassung des Reichsgerichts einer— strafbaren Beihilfe zur Fahnenflucht schuldig machen.— Im bor- liegenden Falle haben die Angeklagten nichts Strafbares begangen. Wenn sie trotzdem verurteilt werden, so würden sie der wechselnden Auffassung des Reichsgerichts zum Opfer fallen. Bis zu der neueren Entscheidung des Reichsgerichts konnte jeder das tun, was die Angeklagten dem Deserteur gegenüber getan haben und was jeder anständige Mensch im gleiche» Falle getan haben würde. Jetzt kann jeder Staatsbürger in die Lage kommen, den Wechsel in den Anschauungen des Reichsgerichts mit seiner Freiheit büßen zu müssen. Um so vorsichtiger sollte man deshalb in den tatsächlichen Feststellungen sein. Was hat die Angeklagte Ludwig getan? Nichts weiter, als daß sie einem Obdachlosen Unterkunft gegeben hat. Und das soll der Tatbestand des§ 141 sein? Da muß ich sagen: Mir graut vor solcher Auslegung. Tic Angeklagten Kielmeyer und Böttcher haben alles getan, um jede Beziehung zu Nürnberger zu meiden,«ollten sie ihn etwa anzeigen? Dazu sind sie nicht ver- pflichtet. Noch gilt das Wort:»Der größte Schuft im ganzen Land das ist und bleibt der Denunziant". Es steht nicht im Gesetz, daß man verpflichtet ist, eine solche Schufterei zu begehen. Für das hier in Frage kommende Delikt gibt es keine Anzeigepflicht. Weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen zu einer Verurteilung gegeben, deshalb beantrage ich die Freisprechung der Angeklagten. Das vom Vorsitzenden, Landgerichtsrat Lampe, verkündete Urteil ging dahin: Die Fahnciislucht ist ein Dauerdelikt. Es ist erst be- endet mit der Rückkehr, mit der Ergreifung oder mit der Entlassung des Betreffenden aus dem Heere. Keiner dieser Fälle liegt hier vor. Da der Fahnenflüchtige geisteskrank war und für seine Handlung nicht vranimortlich gemacht werden konnte, liegt keine Beihilfe zur Fahnenslucht vor. Zlber es kommt in Frage, ob die Angeklagten einen Versuch au einem untauglichen Objekt begangen haben. Das ist nachgewiesen bezüglich der Angeklagten Kiclmeyer und Böttcher. Beide wußten, daß es sich um einen Deserteur handelte. Kiclmeyer hat der Angeklagten Ludwig gesagt, sie solle mit dem Deserteur in das Rcstaurationstokal gehen, Kielmeher ist auch selbst dahin- gegangen. Auf die Frage, ob er sich an der dort für Stürnberger veranstalteten Sammlung beteiligt hat, hat er die Zlntwort verweigert. Das Gericht schließt daraus, daß er sich beteiligt hat! Da- durch hat er sich schuldig gemacht. Auf Grund des nahen Verhält- nisses, in dem die Angeklagte Ludwig zu Böttcher stand, nimmt das Gericht an, Böttcher hat die Ludwig veranlaßt, den ihm als Descr- teur bekannten Nürnberger in ihre Wohnung aufzunehmen. Das ist auch daraus zu folgern, daß Böttcher zur Angeklagten Ludwig sagte, Niirnberger sei ein Arbeitsloser, obwohl er wußte, daß er Deserteur war. Die Angeklagte Ludwig hat von dem Augenblick an, wo sie erfuhr, daß der Mann, den sie beherbergte, ein Deserteur war, alles getan, um sich seiner zu entledigen. Sie hat sich also eines strafbaren Vrsuchs nicht schuldig gemacht. Aus diesen Gründen hat das Gericht Kielmeyer zu zwei Monaten, Böttcher zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt und die Angeklagte Ludwig freigesprochen. Die gegen Kielmeyer und Böttcher erkannten Strafen gelten als durch die Untersuch»uigshaft verbüßt. So hat also die große Aktion, welche die Staatsanwaltschaft gegen zehn Personen einleitete, mit der Verurteilung von zweien geendet. Und diese Verurteilung konnte auch nur auf Grund einer dem schlichten Menschenverstand unfaßbaren juristischen Kon- struktion zustande kommen. Freilich haben die beiden Verurteilten nicht nur, sondern auch sechs der im ersten Prozeß bereits Frei- gesprochenen über vier Monate in Untersuchungshaft sitzen müssen. Doch das lvird dem„guten Bürger" nicht aufregen. Waren doch die Angeklagten Anarchisteil, denen man ein Verbrechen an dem dreimalgeheiligten Militarismus zur Last gelegt hatte. Ist in Preußen wirklich Recht und Justiz eins t Soziales* Altpensionäre und Rentenempfänger. Kurz vor den Landtagswahlen erinnern sich auch die meisten bürgerlichen Parteien der großen Ztot der Altpensionäre, die in den teueren Zeiten mit ihren Renten nicht mehr auskommen können und verlangen„schnelle Hilfe des Staates". Die Hilfe soll womöglich noch vor den SLahlen kommen. Wenn nur die Spannung bis zu den Wahlen anhält, dann ist ja der Ztveck erreicht. In Wahrheit lümmern sich aber die Herrschaften verflucht wenig um das Schicksal der Altpensionäre. Denn sonst hätte man denselben zur Zeit ihres aktiven Dienstes schon einen angemessenen Lohn oder Gehalt auszahlen lassen, nach dem sich ja bekanntlich die Pen- sion richtet. Stramm königStrcu mußte aber der Bahnbeamte, Obcrschaffiwr usw. sein, damit er seine 199 M. pro Monat aus- gezahlt erhielt. Seine Klagen über Itutcrernährung, Kummer und Sorgen wurden nicht beachtet. Wer sich öffentlich beschwerte, war ja— Sozialdemokrat. Kein Wunder, daß die Mehrzahl der Alt- Pensionäre heute Renten bezichen, die in gar keinem Verhältnis zu den heutigen Teuerungsverhältnissen stehen. Und dann die Berechnung der Pensionen selbst. Die lange Wartezeit, bis man endlich für die niedrigen Gehaltsklckssen, die ja heute am meisten unter der Not zu leiden haben, das Endgehalt erreichen ließ. Und ist die Pension doch nur ein Teil des Gehalts. Statt 1999 M. Gehalt oder Lohn erhält der Invalide des Staates oder der Ge- meinde nur 199— 999 M. Pension pro Fahr ausgezahlt. Tie höhe- ren Klassen der Beamten und Offiziere haben es da bekanntlich besser. Ihre Pensionierung erfolgt schon im jungen Dienstalter. Der Eutlassene nimmt dann seelenvergnügt eine Stelle in der Privatindustrie an, die womöglich sehr hoch dotiert wird, weil der „Altpensionär", der seine„Vergangenheit".„Beziehungen" usw. gut ausnutzen kann, für die Firma ein guter Fang ist. Warum nehmen die Werke der Großindustrie mit Vorliebe ehemalige Mi- nistcr und hohe Staatsbeamte in ihre Direktion? Weshalb nimmt z. B. Krupp mit Vorliebe sehr hohe Offiziere in seinen Dienst? Tie Herrschaften haben„gute Verbindung" und sind dann die fürstlichen Gehälter Nebensache. Und trotzdem zählen diese Herren auch zu den Altpensionäreu, die heute unter der Teuerung so sehr „leiden".?luf alle Fälle ist also ein großer Unterschied zu machen. zwischen denjenigen Altpensionären, die als Invalide der Arbeit in Pension gegangen sind, gar keinen Nebenverdienst zu ihrer kargen Rente erzielen können und denjenigen Pensionären, die in jungen Jahren aus rein dienstlichen, ja unbegreiflichen Gründen Pension erhalten und zu ihrer Pension oft zehnmal höhere Gehälter noch lustig weiter beziehen. Es wäre also ein Skandal, wenn man diese Herrschaften zu den notleidenden Slltpensionären rechnen würde. Wenn man aber jetzt aus rein taktischen Gründen sich des trau» rigen Loses der Altpensionäre erinnert und schnelle Hilfe des Staates fordert, so sollte mau den Wahtmacheru vorhalten, daß sie nicht allein an der kargen Pension schuld sind, sondern auch durch ihre Zoll- und Wucherpolitik künstlich den Wert des Geldes herab- gesetzt haben und so es den Altpensionärcn unmöglich machen, mit der Rente auszukommen, die sie vor 19 Jahren z. B. noch als ausreichend ansehen mußten. Wer vor 19— 15 Jahren in Pension ging, konnte bei bescheidenen Ansprüchen gut sagen, daß seine Pen- sion ihm einen Lebensabend sichert, der nicht aus Not und«argen besteht. Daher auch die Ruhe vieler Staatsbeamten im Dienste über ihre kargen Gehälter, das Streben recht lange im Dienst zu bleiben, gm eine höhere Gehaltsstufe zu erklimmen. Wer bor 15 Jahren mit einer Pension von 890 M. z. B. verabschiedet wurde» hungert heute förmlich, weil ihm die Regierungsparteien mit samt der Regierung, für die er durch dick und dünn immer gegangen ist, künstlich seinen Lebensunterhalt verteuert haben. Wenn wir auch energisch für die Erhöhung der heute völlig unzureichenden Pensionen eintreten, so versäumen wir doch nicht, den hungernden Altpensionären in die Ohren zu schreien, daß eigentlich die Parteien an ihrer großen Notlage schuld sind, welchen sie bei den jetzigen Wahlen wieder zum Sieg« verhelfen sollen. ZBenn mau aber im Prinzip sich dazu bekennt, die Lage der Altpensionäre zu bessern, durch die Gesetzgebung für eine Erhöhung der Renten einzutreten bereit ist, dann kgnn und darf dicS aber nur dann geschehen, wenn man sich auch der Lage der armen Invaliden erinnert, die ja heute noch viel größerem Elend aus- gesetzt sind als die meisten Altpensionäre, deren Schicksal jetzt den herrschenden Parteien bekanntlich so„nahe" geht. Man beachte nur, daß ein Altpensionär z. B. eine Rente von 999— 890 M. bezieht, aber auch mit diesem Betrag nicht mehr auskommen kann. weil man ihm eben den Lebensunterhalt verteuert hat. In einer viel schrecklicheren Lage befinden sich ober die armen Invaliden, denen man vor Jahren eine Rente von Null bis 129 M. pro Jahr angewiesen hat und trotz dieser Hungerrcnte immer„noch am Leben find". „Unbegreiflich!" wird auch der Statistiker der Versicherungsanstalt und des Reiches sagen. Richtet sich die Pension des Beamten nach seinem Gehalt oder Dienstalter» so muß der invalide Arbeiter mit einer Rente zufrieden sein» die mit seinem wirklichen Lohn oder Verdienst gar nichts zu tun hat. Die höchste Lohnklassc war und ist bekanntlich auch heute noch, trotz der neuen Gesetzgebung. nur 1159 M. Mag der Versichertc auch pro Jahr 1899 M. ver- dient haben, er bekam auch nur seine Rente nach der 5. Löhnllasse, welche früher und heute mit 1159 M. Jahrcsvcrdicnst endete und früher 26 Pf. und heute 18 Pf. Wocheubeitrag verwenden läßt. Die Höhe der Rente richtete sich aber nach der Zahl der verwen- deten Beitragsmarken und dem immer gleichbleibenden Staats- zuschuß von sage und schreibe 59 M. pro Jahr für alle Renten, ob hoch oder niedrig. So gibt es heute noch„Zlltpensionäre" unter den Jnvalidenversicherten, die mit einer Reine von sage und schreibe 129 M. pro Jahr oder 1V M. im Monat auskommen müssen, weil sie eben schon Invalide geworden sind, als sie nur 299— 300 Marten verwendet hatten. Die Hungerrente ist aber in der Zwischenzeit um keinen Pfennig gestiegen, wenn sich auch die Preise der Lebens- mittel in der Zwischenzeit um 25 Proz. erhöht haben. 2k i keinem Gcsetzeswcrk hat man an die traurige Lage der Invaliden gedacht, sondern nur neue Bestimmungen geschaffen, die es ermöglichen, einige Mark Rente pro Jahr mehr zu erreichen, wenn man recht lange warten kann oder hohe Zusatzbciträge verwendet, die auf jeder Sparkasse besser angewendet wären. So hat mau gar nicht an die Invaliden gedacht, die heute, im Teuerungsjahr 1913, mit einer Monatsrente von 19 M., ja sogar, wie es bei Frauen der Fall noch ist, mit 9 M. Reute pro Monat auskommen sollen. Tabci sollte man aber auch nicht vergessen, daß die meisten Invaliden der Arbeit nichts oder nur sehr wenig zu ihrer kargen Rente verdienen können. Tritt der Ossizier mit Schneid in die Privatindustrie ein, um neben seiner Pension noch hohe Gehälter zu verdienen und arme Arbeiter zu quälen, so werden früher und auch heule bei dem kranken Arbeiter alle crdentlichcn Kunstgriffe angewendet, um diesem die Rente vorzuenthalten. Erstens hat der Gesetzgeber keine „Majorseckc" für den invaliden Arbeiter, sondern wahrhaft dra» tonische Bestimmungen, die erst eine Jiwatidität befürworten. Zweitens kann der Invalide wenig oder gar nichts zu seiner Rente verdienen. Deshalb sollt« sich der Staat, und Zwar in erster Linie, auch der invaliden Arbeiter erinnern. «Zasserstands-Rachrichten der Landesanstalt für Gewöss-rlunde, milg-t-lll vom Berlwcr Dctlcrbureau Wasserstand M c m e t, Tilsit P r e g e l, Jnslerburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krossen Frankiurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby Magdeburg am �feit >i. 4. 23. 4. cm1) cm 491 228 200 227 153 126 133 51 36 32 -86 172 HO 4-1« +33 +18 -19 +32 +13 +20 +10 +6 1-10 +1 +11 +12 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau») • Rathenow») Spree, Sprembcrg») „» BeeSlow Weser, Münden .. Minden hei n, MarimilianSau . Kaub » Köln Neckar, Heilbrono Main, Hanau Mosel, Trier »)+ bedeutet WuchS,— Fall.—») Unterpegel. teure Zeiten erfordern sparsames Aittichatten Jltö A:&******■%** llnä billig, nahrhaft und wohlschmeckend. i V ÄZTk vi. ui K 1 Würfe? für 2-3 Teller 10 Pf.— Mehr als 40 Sorten. Verlangen Sie aber bitte ausdrücklich Suppen. 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Sstock 18?� Kieler Sprotten............. p/und 65 pl Sardellen.......... ca.i pfund-r>ose 63 p'- Matjes-Heringe....... stock 19, 15p I Sardinen in Bei..... vc-e 38, 45?'- fett i Pfund. mager( .Pfund I 1 Pf. SchinHenspBcK........ 1.20 Kaffee Äd:65, 70, 75 Kakao............. p�d 65, 95 Äpfelwein................ 3 naschen SIpf. IC 5.25 ¥ 3.25 1.95 x �olzmöbel, zusammenlegbar Stühle...... 1.95, 2.90, 3.50 Tische putte ca. s-xso cm 4.50 Tische pi»«« ca. soxto cm 3.25 Bänke.................... 5.25 Korb-Stuhl�1 und Rückenpolster. 7.25 Korh-Sessel ,, mit Wulst........ 11.25 Liegestühle... 1.95 Liegestühle mit Ariulehne..... 6.75 SeSSel mithoher Lehne........... 6.25 wöchentliche Teilzahlung Eine Marh liefere elegrante fertige Herren-Moden vollständiger Ersatz für Mass ' Mass-Anfertigung Feinste Verarbeitung Garantie: tadelloser Sitz J. Kurzberg MASS- Schneiderei Nur: Im Zentrum; Igi Ostene Im Norden: »MiOM Strosse 36 FronkMer Allee 166 Aelolchendoner Str. 6 L I. 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Zwar haben sich die Juristen der preußischen Regie- rung bemüht, durch allerhand Auslcgungskünstc zu„beweisen", daß der Rcchtsbruch kein Rechtsbruch ist, aber sie haben damit nur das eine bewiesen, daß ein im Sinne der Regierung„tüchtiger" Jurist alles„beweisen" mutz, was man ihm aufträgt. Es lohnt nicht, aus diese Künste nochmals einzugchen. Dagegen sind neuerdings im Landtage Dinge zur Sprache gekommen, die den Rcchtsbruch in so eklatanter Weise zeigen, daß sie vor der Wahl die weiteste Vcr- breitung verdienen. Am 9. April d. I. verhandelte die Budgctkommission des Ab- gcordnctcnhauscs über die Denkschrift der Posencr Ansicdelungs- kcmmission für das Jahr 1912, und hat darüber schriftlichen Bericht erstattet. Da lasen wir nun aus Seite 3 ihres Berichts: „Als vor ungefähr 29 Jahren... bei der Errichtung von Rentengütern Polen zur Ansiedelung gekommen seien, habe die Regierung alsbald dafür gesorgt, daß das nicht mehr geschehen könne." Weiterhin erfahren wir aus dem Bericht, daß die Regierung den Ansiedlern bei Strafe verbietet, polnische Arbeiter zu bcsckäf- ngcn. Da aber die Ansiedler nicht immer genügend deutsche Ar- bester finden und deshalb doch manchmal Polen beschäftigen, wird die Strafe von 199 M.(!) in so rigoroser Weise angedroht und auch verhängt, daß die Klagen darüber jetzt schon ins Abgeordneten- Haus dringen. Man halte also fest: Tic Regierung hat in bestimmten Fällen polnische Bürger des preußischen Staates gehindert, sich anzusiedeln, und sie hat in anderen bestimmten Fällen ebensolche Bürger gehindert, ihr Brot als Arbeiter zu erwerben. Nun bestimmt die deutsche Reichsvcrfassung(in ihrem ?lrtikcl 3), daß jeder Angehörige eines jeden Bundesstaates überall im Deutschen Reich„zum festen Wohnsitz, zum Gewerbebetriebe, zur Erwerbung von Grundstücken und zum Genutz aller bürgerlichen Rechte zuzulassen" ist, und zum Schluß ist ausdrücklich hinzugefügt: „Kein Deutscher(d. h. kein Bürger des Deutschen Reichs) darf in der Ausübung dieser Befugnisse durch die Obrigkeit seiner .Heimat oder durch die Obrigkeit eines anderen Bundesstaats beschränkt werden." Weiter bestimmt das Frcizügigkcitsgesetz— ebenfalls ein Gesetz des Deutschen Reichs— daß jeder Bundesangchörige das Recht hat, überall im Deutschen Reich„Grundeigentum aller Slrt zu erwerben", und am Schluß fügt es gleichfalls die Klausel hinzu: „In der Ausübung dieses Rechts darf der Bundesangchörige ... weder durch die Obrigkeit seiner Heimat noch durch die Obrigkeit des Ortes, an welchem er sich aufhalten oder nieder- lassen will, gehindert oder durch lästige Bedingungen beschränkt werden." Die letzten Worte drücken das aus, was man im gewöhnlichen ■Leben schikanieren nennt: die Obrigkeit darf den Staatsbürger nicht durch lästige Bedingungen schikanieren. Nun mag man über die allgemeine Gültigkeit der Polengesetzc denken, wie man will— soviel steht unbedingt fest: wenn die Obrigkeit in einzelnen be- stimmten Fällen den Staatsbürger hindert, sein Brot zu erwerben oder sich anzusiedeln, dann schikaniert sie ihn; dann tut sie genau das, was jene beiden Reichsgesetze ihr verbieten. Ter sozialdemo- kratische Redner hat deshalb am 22. April diese Tinge im Abgc- ordnctenhause zur Sprache gebracht. Und was antwortete die Regierung? Wie rechtfertigte sie ihre Verstöße?— Gar nicht! Ter Minister hatte bis �4 Uhr noch nicht gefrühstückt und war gerade hinausgegangen. Ter arme Mann! An den Tagen, wo die Verstöße gegen das Recht geschahen, wird er hoffentlich gefrühstückt haben, und vielleicht sogar sehr gut. Wir aber wollen es allem Volke sagen, daß zu der Zeit, als die Regierung Rechenschaft ablegen sollte für jene Verstöße, der Minister notwendig frühstücken mutzte! ?um Religionsunterricht In der VolKsichule. Tie Verteidiger der bestehenden„Ordnung" erzählen bekanntlich immer aufs neue, daß die Lehrer behaupten, ohne Religionsuntcr- richt in der Volksschule nicht auskommen zu können. Besonders tun sich die sogenannten Freisinnigen mit solchem Gerede aufdringlich hervor, obivohl bekanntlich der Unglaube im Liberalismus eine viel größere Rolle spielt als in der Sozialdemokratie. W i r sind der Religion gegenüber neutral, weil wir jede echte Ueberzengung achten; die Liberalen— soweit sie sich nicht„oben" beliebt machen wollen— hasten das Spötteln über Religion für ein wichtiges Propaganda- milicl. Gegenüber jenem Gerede hat nun Genosse Borchardt bei der erchuldcbatte im Landtage den Brief eines im Amte befindlichen Lehrers verlese», der die wahre Meinung vieler Lehrer über den Religionsunterricht wiedergibt. Da der Parlamentsbericht solche Dinge �selbstverständlich nur sehr verkürzt wiedergeben kann, seien einige Stellen aus dem Briese hier mitgeteilt. Es heißt darin u. a.: „Ich bin seit vielen Jahren innerlich ganz frei von allem kirchlickzen Unwesen und muß doch täglich selbst all diesen Unfug kultivieren. Sic, der Sie von Jugend auf gewöhnt sind, so zu sprechen und zu handeln, loie Sie denken und fühlen, können sich unmöglich in die Stiminung hincinver- setzen, tüc unscreinen beherrscht. Es kommt dazu die breit- nende Scham darüber, daß, oblvohl man die Lüge und Hcuche- lei verabscheut, man doch selbst täglich lügen und heucheln muß.... Sie sollten sich mal dcit Lehrstoff in Religion für die Grundklasse ansehen. Ja, selbst lvenn wir überzeugt sind, daß dieser vätoff für Geist und Geinüt der Kleinen untauglich ist, so müssen wir unser vorgeschriebenes Pensum eben erfüllen, um es bei der Revision Vorlveiscn zu können...." Tie Bibel sei ciil Buch, das den Kindern gar nicht in die Hände gegeben werden dürfte. Dann: „Von Kindern, die nach allem Neuen, Unbekannten lüstern sind, kann man nicht crlvarten, daß sie den ethischen Inhalt eines Buches zu ergründen suchen; sie suchen eben nach dein, tvas sie geschlechtlich erregt. Bor allen Dingen bitte ich Sic, immer wieder z n betonen, daß der R e l i g i o it s u n t c r r i ch t nicht in die Volksschule gehört. Wcnit auch bei allen möglichen Gelegenheiten die berüsencn oder auch nicht berufenen Vertreter der Lehrer- schalt Ntit einem großen Aufwand von sittlicher Entrüstung in Abrede stellen, daß dahingeheude Bestrebungen unter den Lehrern vorhanden sind, so ist das doch eine unumstößliche Tatsache. Tie an der Spitze der Lehrervereine stehenden Kvllegen sind in dieser Frage nicht maßgebend. Wenn sie behaupten, die Lehrerschaft Ivolle den Religionsunterricht be- halten, so tun sie das entweder aus Zwecknmßigkeitsgründen oder aus Unkenntnis der tatsächlich unter den Lehrern Herr- scheuden Stimmung. Mau muß selbst Lehrer sein und es tagtäglich von Kollegen hören, wie sie über ihren eigenen Religionsunterricht urteilen, um einen Begriff davon zu be- kommen, wie weit verbreitet unter den Lehrern der Wider- Wille gegen diese Art von religiöser Unterweisung, wie sie von uns täglich betrieben wird, heute schon ist. Gewiß gibt es viele, die über den Wert oder Unwert dessen, tvas sie lehren, gar nicht nachdenken. Statt ihre Arbeit mit der eines Arztes zu vergleichen, der das, tvas er seinen Patienten verabreicht, daraufhin prüft, ob es ihnen auch immer zu- träglich ist, begnügen sich so viele Lehrer mit der Rolle eines Kochs, der weiter rnchts zu tun hat, als die ihm zugewiesenen Materialien möglichst kunstgerecht und schmackhaft zuzu- bereiten..... Tie größten Feinde unseres Standes und die schlimm- stcn Verbrecher an der Volksschule und an unserer lieben Jugend sind diejenigen Lehrer, die da sagen. Nas geht's mich an, ob das, was ich lehre, wahr ist. ob es der geistigen und sittlichen Entwickelung der Jugend förderlich ist oder nicht? Dafür, daß ich täglich meine Schüler belüge, und meinen Vorgesetzten gegenüber heuchle, bekomme ich ja be- zahlt. Und daß ich dann und wann zur Kirckfe gehe, auch jährlich mindestens einmal das Abendmahl über mich ergehen lasse, das gehört eben auch zu meinem Amt. Wie oft habe ich schon solche lästerlichen Reden, nur in noch viel drastischeren und frivoleren Worten hören müssen! Ja, es gibt Kollegen unter uns, die jeden auslachen, der sich über alle diese Tinge über- Haupt noch Gedanken macht und schwere Gewissensbcdenken durchzukämpfen hat, so oft er in seine Religionsstunde geht. Sic sagen: die Welt, in diesem Falle die Behörde, will ja betrogen sein, also betrügen wir sie." Es sei■ liervorgehoben, daß bei Verlesung dieses Briefes die Herren vom Zentrum und von den konservativen Parteien sich in Ausbrüchen der Entrüstung förmlich überschlugen— aber nicht Eni- rüstung darüber, daß so viele Lcbrcr lügen müssen, sondern darüber, daß es einer wagt, die Wahrheit zu schreiben. lUicbstag. 149.' Sitzung. Freitag, den 25. April 1913, mittags 12 Uhr. � Am Bundesratstisch: Kühn. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Kurze Anfragen. Abg. Dr. Weilt(Soz.): Ist der Herr Reichskanzler in der Lage. Auskunft darüber zu geben, ob Verhandlungen zwischen den in Neukamerun berechtigten Ko n z ession s g esellscha ste n und den Verbündeten Regierungen über die künftige Stellung der Gesellschaften geführt worden sind und welches Ergebnis diese Vcr» Handlungen gehabt haben? Direktor im Reichskolonialamt Gleim: Abmachungen sind bis- her nicht getroffen lvorden; aber gelegentlich der Verhandlungen, zu denen die Vertreter der Gesellschaften aus Neukamenm in der vorigen Woche in Berlin waren, sind sie auch an die Regierung herangetreten, um mit ihr Verhandlungen anzuknüpfen. Die Kolonial- Verwaltung hat sich unter Darlegung ihres dem Reichstag bekannten Standpunktes dazu bereit erklärt und sieht nunmehr den Anträgen der Gesellschaften entgegen. Abg. Dr. Mumm(Wirtsch. Vg.): Ist der Herr Reichslanzter bereit, Auskunft über den ergebnislosen Verlauf der Brüsseler Spirituosenkonserenz 1912 zu geben? Direktor im Reichskolonialamt Gleim erividert, daß sich Frank« reich in der Frage der Abgrenzung der Verbotszone ablehnend ver- halten habe und auch in der Frage der Zvllerhöhmig nur geringe Zugeständnisse gemacht habe. Es folgt die zweite Beratung des Ergänzungsctats für die Schutzgebiete. Abg. Noske(Soz.):' Es ist charakteristisch, daß scheinbar keine der bürgerlichen Parteien es für nötig hält, auch nur ein Wort darüber zu verlieren, daß in Vielem Etat 19 Millionen zur Verfügung gestellt werden für einen Zweck, über den in der Kommission Einmütigkeit gc» herrscht hat. daß es sich um i u sehr gewagtes Geschäft handelt. ES soll in Deutsch-Südwestafrika eine Laildwirtsckaftsbank mit diesem Geldc errichtet werden. Da ein großer Teil der Leute, die sich in Südwestafrika angesiedelt haben, wieder einmal vor der Pleite stehen, soll ihnen das Reich 19 Millionen borgen. Das ist nur insofern ein Fortschritt gegen früher, als die Gelder wenigstens nicht mehr geschenkt werden. Daß bei dieser Gründung ein großes finanzielles Risiko für das Reich vorliegt, gibt die Denkschrift der Regierung selbst zu. Zur Förderung der ivirtschaftlicheu Entwickelung Südwestafrikas würde es viel mehr beitragen, wenn man Mittel zur E r s ch l i e ß u n g von Wasserquellen aufwenden würde. Wenn eS gilt, in kleines feuilleton. Tie geistige Entwaffnung. In dem Streit um die drei jährige D i e n st z e i t, der jetzt in Frankreich tobt, läßt sich auch die akademische Jugend vernehmen. In der-„Monatsschrift der Ber- emigung der Staatsstudenten", dem Organ der Universität Lille, laßt einer der Hauptmitarbeiter des Blattes, ein Rechtsstudent, sich asto vernehmen: _„Man vergißt wohl heute zu sehr, daß die außerordentliche Vcr I tü'9- Heeres uns in verhängnisvoller Weise einer Militär Herrschaft zuführt und daß vielleichr, gerade in dem Augen- !ro i/s0 die Sorgfalt der republikanischen Negierung die .vcacht des Säbels genügend gewachsen sein wird, ein Cäsar er- Ichemen konnte, der die vollendete Entwickelung auslöscht und uns stf ��otie hineinreißt. Also, Gesetzgeber, habt acht! ES hanoeu pq nrcht nur darum, die äußere Gefahr zu vermeiden, mau mub Uch ebenso und besonders gegen jene Männer des Säbels schützen, die ihre Stunde erwarten, unr sich auf den Thron zu nhwmgcn. Sturze» wir nicht von der Charybdis in die Scylla. Andere. Gerahren. Man beklagt sich über die Ber- ödung oer seider. Ein verlängerter Aufenthalt in den Garnlionstadteii wird aber das Hebel wachsen lassen, unter dem unsue Landwirt, chast �idet. Man sucht überall Mittel gegen dw Entvölkerung Aber heißt nicht, die Soldaten ein Jahr länger /n der Rajern« Häven, den Zeitpunkt ihrer Heirat um ein Jahr hinaus, chieoen k Tragt nian nicht dadurch zu der Verringerung der Geburtenziffer bei. opfert man nicht die Zukunft der Gegenwart? Die Stärkung der Raste wurde sich, wie mir scheint, besser vor- bereiten lasten durch Langsame und ftuchtbare Bemühungen." Nach dlcwn allgememcn Erwägungen werden die speziellen studentische» Interessen betrachtet: „Für alle �„„�ijjFen Studien ist Euer Gesetz eine K a t a st r o p h 5- k.tPü- Abänderungen vornehmt. Ihr wißt besser wir,, daß die Stärke der Waffen nicht allein die Größe eines La�e- ausmacht. Deutschland hat sich zu dem Range einer ersten Macht""�.�ch die Stärke seiner Soldaten nnd die Klugheit-''ne- Geuerafftabes emporgeschwungen, sondern noch mehr durch einen bewun�rnswurdlg organisierten Universitätsunter. richr, durch seine �lehrten, seine Professoren und Rechtslehrer. Ihr wollt das Baterland durch eme jahireich«, wohlgeordnete, stets bereite Armee verteidigen. Beeidigt es ebenso und besonders durch seinen geistigen Ruhm. Suyn nicht, um den Forderungen der Stunde zu genügen, mdem Ihr da« ganze Land mit Flinten und Kanonen bewaffnet, die g-'st'ge Entwaffnung durch!" Aus de» letzte» Tagen des belagerten Stutari. Nach den Schilderungen des aus dem monleuegrinischei, Kriegsschauplatz weilenden italienischen Korre,poiid�iten B,t-tti l>at die Bevölkerung Siutaris in den letzte» Tagey io ,archtbarc Hungerqualen durch- leben müssen, daß die Uebergave� cer �c,lung auch � Sturm unaufschiebbar gewesen wäre, ärmeren BevoUcrungöklasscn besaßen keine NahrungSnuttel mehr, der Proviant der Gyrmson war so zusamincngcschmolzeii, daß die größte Sparsamkeit für die Besatzung als Gesetz gelten mußte. So konnte es nicht» ausbleiben, daß es manchmal sogar zu Handgemengen kam; wenn für die Soldaten Fleisch verteilt wurde, suchte die verzweifelte Zivilbc- völkcrung mit Gewalt etwas davon zu erlangen. Einige Bewohner starben bereits Hungers und viele von ihnen setzten sich durch Fluchtversuche aus der Stadt der Gefahr aus, erschossen zu werden. Bezeichnend für die Notlage der ärmeren Bevölkerung ist die Gc- schichte von zwei kleinen Jungen, die vor kurzem eines Morgens ins serbisckic Lager gebracht wurden. Die Knaben waren 12 und 13 Jahre alt. Die unglücklichen Ellern in Skutari mußten schließ- lich erkennen, daß sie nicht mehr imstande waren, ihre Kinder auch nur notdürftig zu ernähren uno vor dem Hungertodc zu retten. Sie begleiteten die Knaben aus der Stadt und sagten ihnen:„Wenn Ihr bleibt, werdet Ihr gewiß wie wir sterben. Ihr seid klein, mager und gelenkig. Ihr werdet sicher unbcmertt durch die Postenlinie schleiche» können; oder man wird vielleicht Mit- leid mit Euch haben und Euch durchlassen." Schluchzend trennten sich die beiden Kinder von ihren Eltern, sie gehorchten und ivandtcn sich auf den Triiifluß zu. Stuf Befehl Essad PaschaS durften nur Mohainniedancr die Brücke passieren. Tie beiden Knaben waren katholisch erzogen, aber um ihnen die Flucht zu ermöglichen, hatten sie die Eltern am Tage vorher zur mohammedanischen Religion übertreten lassen. Die Kinder kamen auch glücklich über die Brücke und gelangten in die Umgebung pon Brdica. Tort nahmen sie die Rolle von Hirten an, kamen bis an die Sckzanzcnstclluiig der Türken, verkrochen sich schließlich in eine Grube und schmierten sich Gesicht und Kleider mit Lehm ein, um weniger sichtbar zu sein. In der Nacht krochen sie dann vor, und es gelang ihnen auch, glücklich ourch die Postenlinie zu kommen. Aver irgendein Gc- räusch niußtc die Wachen dock, alarmiert haben, einige Schüsse sielen, glücklicherweise ohne' zu treffen. Als der Morgen graute, sahen sich die Kinder vor der serbischen Linie. Ein weißes Tuch schwingend liefen sie auf die serbischen Truppen zu: sie lvarcu gerettet. Aber ob ihre Eltern in Skutari die letzten Tage noch erlebten, das wissen sie nicht und werden es vielleicht nie erfahren. Humor und Satire. Belgien' Es sind die deutschen Patrioten Der Kunde gänzlich abgeneigt: Mt Streiken haben diese Roten In Belgien wirklich was erreicht. Es läßt sich leider nicht verhindern Des Streike« Recht, ganz absolut. Soll dadurch der Prosit sich mindern, So ist das schon on sich nicht gut. Doch dann ersc wird die Sache kritisch, Daß dumpf Altar und Thron erkrackn. Wenn der Prolet sich gar politisch Durch Streik im Staate mausig macht. Es wächst die Angst, die nameiilose. Wenn solches inan in Belgien sieht. Die Furcht entlädt sich in die Hose: Was wird, wenn das bei uns geschieht? Bei uns ist ja die Meinung erblich, Und sie zu haben pure Pflicht: Der Streik ist, wenn schon, rem gewerblich, Politisch— gibt'S ihn einfach nicht! Dem Patrioten brennt die Backe. Da füllt ihm ein von ungefähr, Daß Bethmann mit dem großen Sacke Jetzt schnorren geht fiir's Müllitär. Und hier erholt sich von dem Schrecke Der Bürger und er geht zu Bier. Er hat erkannt dc§„Opfers" Zwecke: EL lohnt sich und er ist dafür! Michel. Notizen. — K u n st ch r o n i k. Die Jury der deutscheu Künstlerbund« Ausstellung zu Mannheim erkannte den Billa-Romana- Preis(je cm Jahr freier Aufenthalt in Florenz und Beihilfe von je 2999 M.) dem Bildhauer E. Stephani- Berlin nnd dem Maler K. Caspar- München zu. — H e l l e r a u m a ch t S ch u l c. Das preußische Unterrichts- Ministerium hat den Professor Thiel von dem Akademischen Institut für Kirchenmusik in Berlin-Charlottenburg für vierzehn Tage nach Hellcrau entsandt, um Einsicht in die inusikerzieherische Methode JaqucS-Dalcroze zu nehmen. Zun, gleichen Zweck weilt der Refercut des ciiglischen Kultusminifterimns für den Musikunterricht in Hellerau. — Der aller neue st e Offen Bach. Aus vergessenen Werken Jacques Offenbachs hat Leopold Schmidt reizvolle Melodien gesammelt und für eine burleske Operette„Die Heimkehr de? O d y s s e u s" verwendet, deren Text von Karl Ettlinger und Erich Motz stammt. Die Urauffi'ihnmg fand im Frankfurter Opernhause statt. — Plattdeutsche Wörterbücher. Die Vereinigung von Freunden der niederdeutschen Sprache und Literatur, die den „Ouickborn" herausgibt, sammelt Beiträge zu einem honchurgischen Wörterbuch. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die alten platt- deutschen Ausdrücke des Handwerks, des Handels, des Schiffbaues und der Schiffahrt gerichtet, in denen sich zum großen Teil auch ein kerniger niederdeutscher Humor wiederspiegelt. Die Veränderung der Arbeitsmethoden in neuester Zeit bringt viel altes Sprachgut außer Gebrauch und bringt es in Gefahr, vergessen zu werden. Auch ein mecklenburgisches Wörterbuch ist in Arbeit. — Meteoritenfund. Bruchstücke eines Meteorsteu iin Gesamtgewicht von 2799 Gramm wurden au der bayerisch-öster- reichischen Grenze bei ReuhauS am Inn über einen Raum von 399 Meter verstreut gefunden, Tcuischland wichliqe Kulturaufgaben zu fördern, bält das Reichs schatzaint den Daumen auf dem Beutel. Hier werden 1« Millionen au eine ganz beschränkrc Anzahl von Personen gegeben. Die Hoffnung, das; Siidwestasrika ein groffcs Besiedelungsland werden könne, ist wie eine Seifenblase geplatzt. Nur recht kapitalkräftige Leute können dort vorwärts kommen. Deshalb sollte man diese EntWickelung ihren Weg gehen lassen. Was hier vorliegt, ist eine Finanzgebarung, die man gegenüber der steuerzahlcndc» Bevölkerung des Reiches nicht verantworten kann, die allen Grundsätzen einer soliden Geschäftsgebarung ins Gesicht schlägt. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Etat wird bewilligt. Hierauf»vird die Beratung des Etats des ReichsschatzamtS fortgesetzt. Der von der Kommission gestrichene Direktor wird fast einstimmig b e iv i l l i g t. Beim Titel„Beihilfen für Veteranen" gibt Abg. Arnstadt sk.) der Genugtuung Ausdruck, dag die Beihilfen endlich erhöht werden sollen. Man soll doch den Veteranen gegen- über weitherziger sein. Reichsschatzsekretär Kühn: Ich kann mitteilen, dag der Bundesrat gestellt dem Entwurf zur Erhöhung der Veteranen- beihilfen feine Z u st i m m u n g gegeben hat. sAllfeitigeS Bravo!) Abg. Bruckhoff(Vp.) gibt seiner Freude über die Mitteilung des Schatzsekretärs Ausdruck; seine Partei wird gern an dem Zustande� kommen des Entwurfes mitarbeiten. Abg. Pospicch sPole) beschwert sich über Zurücksetzungen polnischer Veteranen aus politischen Gründen. Abg. Zürn Das ist beschämend für das Deutsche Reich.(Sehr richtig! bei den Sozial- destlokraten.) Die„Würdigkeit" des Veteranen soll ja nach dem neuen Entwurf nicht mehr geprüft werden) es ist unbegreiflich, dag eine solche Bestimmung überhaupt in das frühere Gesetz hinein- kommen konnte, denn bei der Einziehung zum Kriege hat man nach der Würdigkeit nicht gefragt. Nach dem neuen Entpiurf soll ja die politische Gesinnung nicht mehr geprüft werden. Die Bot- schaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Man wird in diesem Jubeljahr die allen Veteranen für ihre Tapferkeit feiern, aber nur in Worten. Die Not der Veteranen aber beseitigt man nicht, denn»ich der ncue.Eutwnri gelvährt nicht solche Hilfe, wie sie notwendig wäre zur Ehre des Deutschen Reiches.(Bravo! bei den Sozialdemokraten... Reichöfchatzsekretär Kühn: Wir sind stets bemüht gewesen, eine Differenzierung der Veteranen nach der politischen Gesinnung aus- zuschalten.— Die Klagen wegen Nichtgewährung der Beihilfen erweisen sich bei näherer Prüfung meist als u n b e r e ch(Tg t. Abg. Koßmanu(Z.): Man sollte die Veteranenbeihilfe auf 180 Mark erhöhen. Auch sollten die berücksichtigt werden, welche während des Krieges in der Heimat als Handwerker Dienst taten; auch sie haben Opfer gebracht. Abg. Sicbeubürgcr(k.)t Auch ich meine, nran sollte die Beihilfe auf 180 Mark erhöben. Die Bedürftigkeit sollte stets ohne iveiteres anerkannt werden, wenn das Einkommen unter 1000 Mark beträgt. Der Abg. Schöpflin brachte einen Fall vor, in dem der E h r c n f o l d bei Auszahlung sofort gepfändet wurde. Das ist doch gesetzwidrig; der Abg. Schöpflin hätte doch Schritte dagegen unternehmen sollen. Weiter verlangte der Abg. Schöpflin die Erhöhung der Beihilfe auf OSO M. Dabei bewilligen die Sozialdemokraten nicht einmal die Steuern, aus denen auch nur der Ehrensold von 120 M. bezahlt wird. Ihr Vorgehen ist also eine Farce, ein plumper Versuch des Stimmen- f a n g es.(Präsident Kacmpf erklärt diesen Ausdruck für un- passend.) Dann will ich einen passenderen Ausdruck wählen und ticS Vorgehen der Sozialdemokraten für gemeinen Schwindel er- klären. /Unruhe bei den Sozialdemokraten, Zuruf: Frechheit! Präsideut Kacuips ruft den Redner zur Ordnung). Der Redner klagt dann über die ungenügenden Pensionen der alten Offiziere, die an den Kriegen teilgenommen haben.(Präsident K a e m p f ruft den Redner zur Sache, worauf dieser die Tribüne verläßt.) Abg. Schöpflin(Soz.): Herr Siebenbürger hat sich erlaubt, unser Eintreten für die Veteranen als Farce und gemeinen Schwindel zu bezeichnen. Bisher war es Sitte im Reichstag, die Motive der Parteien nicht zu v e r- dächtigen. Alle Parteien haben sich eingesetzt, um die Regierung in dieser Angelegenheit schneller vorwärts zu treiben, und einer Partei gemein?» Schwindel hierbei vorzuwerfen ist ganz unglaublich. Aber der Angriff verliert dadurch jede politische Bedeutung,' daß er von eineni Htrrn wie Herr Siebenbürger ausgeht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dove: Der Ausdruck ist vom Präsidenten bereits gerügt; ich bitte also, nicht weiter darauf einzugehen. Nach weiteren Bemerkungen der Abg. Rupp(Wirtsch. Vgg.), Panly-Cochenl(Z.) und Werner- Hersfeld(Antisemit) wird der Titel bewilligt. Beim Tit< l Prägekosten wünscht Abg. Dr. Arendt(Rp.) stärkere Ausprägung der Jubiläums� dcnkinünzen. Abg. Oertcl< k.): Ich teile mich in der Vaterschaft des 25-Psennig- ftücks mit dem Abg. Arendt. Das ist zwar physiologisch nicht möglich(Heiterkeit), wohl aber politisch. Als ich das 25-Pfennigstück erblickte, mußte ich inir sagen: so habe ich mir das Kind allerdings nicht gedacht.(Heiterkeit.) ES wäre viel beliebter, wenn es an- ständiger'geprägt wäre.(Sehr richtig!) Reichsschatzsekretär Kühn: Die llnbeliebtheit der 26-Psennigstiicke hängt wohl weniger mit ihrer Fornr zusammen.(Lebhafter Wider- spruch.) Ihr» frühere Art der Verwendung hat sich überlebt. Die Fünfmarkftücka scheinen dagegen an Beliebtheit zuzunehnien. Abg. Dr. Oertel n f u h r s ch e i n f y st e m dem Volke die Preise noch mehr. Durch dies System leiden auch die Müller; das Ausland wird mit billigem Getreide versorgt, während im Inland Getreide ge braucht wird. Den Nutzen haben davon die ivenigen Groß- g r u n d b e s i tz e r, die Getreide- exportieren. Auch von den Getreide- zöllen hat die große Zahl der kleinen Bauern, 76 Proz. der gesamten Landwirtschaft, keinen Nutzen, weil sie ihr Getreide nicht vcrkaufeit sondern selbst verbrauchen.(Sehr ivahr! bei den«ozialdemokraten.) Wir müssen alles tun, um dies System der Schutzzölle und der Einfuhrscheine zu Fall zubringen zum Segen dcS arbeitenden Volkes.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Kanin ik.): Ich habe gestern nicht von den früheren Gctreideprcisen, sondern nur von den augenblicklichen gesprochen, die sehr niedrig sind. Das hat der Herr Abg. Stolle selbst zu- geben müssen. Redner verteidigt weiter das System der Einfahr- icheine. Darin hat ja Herr Stolle recht, daß die kleinen Bauern kein Getreide verkaufen können, aber wir müssen auch die vielen inittleren Bauern schützen. Das ist im allgemeinen Interesse not- wendig.(Bravo! rechts.) Abg. Fegtcr(Vpt.): Daß das Einfuhrscheinsystem seinen Zweck nicht erfüllte, haben wir in früheren Diskussionen eingehend bewiesen, und wir haben ja auch einige Beschränkungen dieses Systems er- reicht; aber die Einfuhrscheins müssen noch weiter beschränkt werden. Die Behauptung dcS Grafen Kanitz. daß an den Zöllen der kleine Grundbesitz ebenso interessiert ist, wie der große, ist ganz unhaltbar- Der kleine Grundbesitz ist vielmehr vor allem an der Aufhebung der Futter mittelzölle interessiert; ihr Fallen liegt im Interesse der g e s a m t e n B e v ö I k e r u n g, die dann billigeres Fleisch erhalten würde.— Aus der Geschichte soll man lernen. Aber Graf Kanitz und seine Partei haben nichts aus der Geschichte gelernt. Leistet man vernünftigen Reformen der wirtschaftlichen Gesetzgebung dauernd Widerstand, so werden wir eine Zeit erleben, in der schließlich die Zölle mit einem ein- zigen Strich beseitigt werden.(Bravo! links.) Abg. Dr. v. SchulNe-Gacvcrnit!(Vp.) tritt für den Schutz der einheimischen Weine durch Weinzölle ein. Tie deutschen Weinzölle werden langlebiger fein als die deutschen Getreidezölle. Abg. Graf Kanin(k.): Ich bedauere, daß der Vorredner nicht schon 1801 im Reichslage war. Damals haben seine politischen Freunde gegen die Erhöhung der Weinzölle gestimmt.(Hört! hört! rechts.) Wenn unsere Wirtschaftspolitik nicht im Interesse der Bauern läge, würde ich nicht hier an meinem Platze stehen, denn die große Mehrzahl meiner Wähler sind kleine Bauern.(Bravo! rechts.) Abg. Stolle(Soz.): Bei unserer dichten, industriellen Bevölkerung sind wir auf Zufuhr von Ge'treide aus dem Auslande angewiesen. Und hat unser Volk nicht das Recht, billiges Brot zu verlangen?! Wenn Graf Kanitz betont, daß er von Bauern gewählt ist. so verweise ich ihn darauf, daß auch in Ost- und Westpreußen die Sozialdemokratie immer mehr Anhänger auch auf dem Lande gewinnt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gothcin(Vp.): 1801 haben nicht nur>oir, sondern auch daS Zentrum und sogar ein Teil der Rechten gegen die Erhöhung der Wcinzölle gestimmt.(Hört! hört! links.) Inzwischen sind ober die Weinbauern Hernde durch die Getreidezölle und die dadurch herbeigeführte Verteuerung ihrer Lebenshaltung in eine große Notlage geraten und bedürfen des Schutzes. Graf Kanitz hat sehr einseitige Zahlen angeführt, die nur für ganz minderwertigen Weizen gelten können. Anderer Weizen notiert in Königsberg mit 175 M.(Hört! hört! links.) Redner polemisiert weiter unter großem Lärm der Rechten gegen einzelne Aeußerungen deö Grafen Kanitz. Abg. Hcstcrmann(Bauernöund): Die durchschnittlichen Getreide- preise sind keinesioegs zu hoch gewesen. Die Einfuhr- scheine sind nötig, denn Deutschland produziert nicht so viel Ge- treibe, wie wir brauchen; die deutsche Landwirtschaft kann es aber, wenn sie rentabel gestaltet wird.(Beifall rechts.) Wenn die kleinen Bauern dem Rezept des Abg. Fegter folgten, so wären sie verratzt. Gerade der kleine Grundbesitz ist verschuldet und braucht daher den Z o l l s ch u tz.(Zurufe bei der Volkspartei.) Ja- wohl, Herr Kollege Krämer, Sie haben mir ja neulich in der Eisen- bahn selbst gesagt, die Getreidezölle können wir nichl a u f h e b e ik.(Große Heiterkeit rechts, Unruhe links.) Abg. Fegter(Vp.) polemisiert unter großer Unruhe des Hauses gegen die Abgeordneten Graf Kanitz und Hestermann. Natürlich können wir die Zölle jetzt nicht mit einem Streich abschaffen, aber Zollen wird und muß dieses unvernünftige Wirtschafts- ' y st e m.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Graf Kanitz(k.) bestreitet, daß seine Angaben über die Getreidepreise einseitig waren, und daß das Schutzzollsystem an der Verschuldung der Landwirtschaft schuld sei. Abg. Krämer(Bp.): Ich habe dem Kollegen Hestermann im Eisenbahnconpv lediglich gesagt, vorläufig sind wir nicht ;ür die Ailfhebuug der Getreide zolle, sondern würden uns mit der A u f h e b u n g d e r F u t t e r m i t t e l z ö l l e begnügen. Uebrigens ist nicht üblich, Privatgci'präche in die Leffcntlichkeit zu zerren und parlamentarisch zu verwerten.(Lebhafte Zustimmung links.) Hüten Sie sich alle und fahren Sie niemals mit dem Kollegen H e st e r m a n n in einem Coups.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Hestermann(Bauernbund): Ich habe ganz l o y a l er- zählt(Widerspruch links), was mir Kollege Krömer erzählt hat, In meinem Wahlkreise hat ja die Volksparlei auch ein Flugblatj verbreitet mit der Dorderung: Erhaltung der Getreide- zölle.(Hört! hört! rechts. i Die Debatte schließt. Die Resolution der Kommission wird angenommen. Fast einstimmig angenommen wird auch eine Resolution a u m a n n(Z.) auf Erhöhung der W e i n z ö l l e. Der Rcsi des Etats wird debattelos bewilligt, ebenso das Etatsgesetz. ' Auf Antrag der G e s ch ä f t S o r d n u n g s k o m m i s s i o n wird die Genehmigung zur Einleitung von Privatklageverfahren gegen einige Abgeordnete versagt. Der Antrag B a s s e r m a n n(natl.) betreffs Ileberweisung der Wahlprüfungen an eine gerichtliche Behörde wird der verstärkten Geschäftsordniiiigskommission überwiesen. Die Uebereinkunft zwischen Deutschland und Rußland zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst wird in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen. Ebenso der Entwurf einer Bekainilmachung über die A e n d e r u n g des Wablreglements(Einführung von Wahlurnen). Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Sonnabend 10 Uhr.(Veteranenbeihilfe; Schutz- truppengcsetz; Abänderung der Besoldungsordnung; dritte Lesung des Etats.) Schluß'/i7 llhr.__ Mgeoränetenbaus. 175. Sitzung. Freitag, den 25. April 1013, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Schorle in er. Einige Rechnungs fachen werden ohne Debatte erledigt. DaS Ruhrreinhaltungsgesetz, da? eine Zwangs- genoffenschaft zur Reinhaltung der Ruhr und ihrer Nebenflüsse schafft, wird nach kurzer Debatte in zweiter Lesung angenommen, ebenso eine Vorlage, die den bereits bestchendeu R u h r t a l- sperrenvercin tu eine öffentliche Genoffenschaft umwandelt, um ihm eine gesicherte rechtliche und finanzielle Grundlage zu geben. Einstimmig angenommen wird ein von dem Abg. Dr. P a ch- nicke«Vp.) begründeter Antrag der Budgetkommissioii. die Staats« regierung um eine angemessene Erhöhung der Ilnterstütznngsgeldcr und Belohnungen für die Diener des A b g c o r d n e r e n- Hauses zu ersuchen. Der Berichterstatter macht hierbei auf die überlangen Sitzungen des AbgeordnetenbaufcS aufmerk- sam, die die Arbeitskraft aller Beteiligten ungemein in Anspriich nehmen. Es folgen die Petitionen in Sachen der Eingemeindung von Treptow nach Verlin. Der Magistrat in Neukölln wendet sich gegen diese Eingemeindung. (Die Kommission beantragt Ileberweisung zur Berücksichtigung.) Der Bürgerverein in Treptow ist für die Eingemeindung.(Soll durch den Antrag zur ersten Petition als erledigt gelten.) Abg. Hirsch-Berlin(Soz.) begründet den Antrag, über die Neuköllner Petition zur Tages- o r d ii u n g überzugehen, einmal damit, daß die Verhandlungen zwischen Treptow und Berlin noch gar nicht abgeschlossen sind. Man will durch ein Volum des Landtages den Widerstand der Rc- gierung gegen Eingemeindungen stärken. Bevor die Gesetzgebung spricht, müssen erst die anderen Instanzen, vor allein die be- teiligten Gemeinden sprechen. Die Petition könnte fast als bc- stellte Arbeit erscheinen. Ans der Petition klingt die Furcht heraus, Neukölln löniite durch irgenwelche Maßiiahmen Berlins später einmal auch zur Eingemeindung ge- z w u n g e n werden. Diese Furcht ist ganz unbegründet. Wir wissen ja gar nicht, ob Berlin überhaupt Neukölln haben möchte. Und es kann doch keine Gemeinde gegen ihren Willen eingemeindet werden. Wenn eimiial die wirtschaftlichen Verhällnisse die Ein- gemeindung notwendig machen, wird sich ihr auch Neukölln nicht widersetzen können. Nach unserer Meinung kann das Problem„Groß- Berlin einzig und allein durch eine Eingenieindung großen Stils gelöst werden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Widerstände dagegen sind ausschließlich auf politischem Ge- biete zu suchen. Man fürchtet, daß die Sozialdemokratie in der Verwaltung eines solchen Groß-Berlin einen zu großen Ein- fluß bekommen würde, deshalb verhindert man die Eingemeindung. — Wir haben beim Zweckverbandsgesetz Anträge gestellk, um auch daS V o l k S s ch u I-. das S t e u e r w e i e n. die S o z i a l p o l i t i k und andere Fragen in die Zweckverbandsaufgaben einzubezieben. Das haben Sie abgelehnt, aber selbst Sie sehen jetzt ein. daß unsere Anträge, den richtigen Weg wiesen. Man hat in der Kommission eine Erweiterung der Aufgaben des Zweckverbandes verlangt und die Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge von damals damit begründet, daß man den neuen Verband nicht vor- zeiiig mit allzuviel Aufgaben überlasten wolle.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) lind noch konsequenter hat der Regierungs- kommissar sich für die Erweiterung der Aufgaben des Zweckverbandes ausgesprochen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn daS Abgeordnetenhaus lediglich der Willensüberein- stimmuug der zunächst Beteiligten folgen will, so darf es doch auch nicht dieser Willensübereinstimmung sich entgegenstellen, und wenn es nach dem Berichterstatter v. Brande nstein die höheren allgemeinen Gesichtsvunkte gelten lassen will, dann darf es mindestens einer Ein- gemeindung von Trevtow in Berlin keinerlei Schwierigkeiten in den Weg legen,(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Dr. Eonze lehnt die Eingemeindung Treptows nach Berlin namens der Regierung ab. Abg. Caffcl(Vp.) tritt für die E i n g e in e i n d u n g ein, die W Interesse von Treptow und Berlin liegt und wendet sich unter deni Lärm der Rechten wiederholt gegen die V o r e i n g e n o m rn-e n h e ife der Mehrheit zum Schaden Berlins. Abg. Dr. v. Krics(k.) bestreitet diese Voreingenommenheit und macht Berlin einen Vorwurf daraus, daß cS nur Freisinnige zu unbesoldeten Stadträten nehme. Abg. Lüdickc(fk.): Daß wir nicht voreingenommen sind gegen Berlin, haben wir bei der Elektrisierung der Stadtbahn gczistg'- Treptow wäre viel leichter»ach Neukölln einzugemeinden. Seine Eingemeindung nach Berlin lehnen wir ab. Abg. D?>i>" e t e n. Von der Regierung sind d-r BesurchlU" über die Wertv-rm.ndermig der Häuser durcb d,e Backereiverord'iM'g als mächtig ubertrieben erklärt loorden! Die»ackermeist-r'°u°n auch soiisl sehr b-wstet sein, nun, es besteht im Backttgewerb««och eine Arbeitszeit von 82 Stunden'» Boche.<0°/- hört! bei den Sozialdemolraten.) DaS Verbot de-- Warenau�ragenz durch die Kl n d e r war höchst zeitgemäß. Und da-'oll -u viel sein! Der Dispens wird««mer gewahrt. ooer man konnte in der Kommission selbst mir ßaiize öS Salle sorgfältig_ auS ganz Berlin heraussuchen, wovon. her nur 19 Fälle schließlich übrig blieben, mit denen Man-ß ten begründen will. Nur in zwei Fällen hat man erklart, da? nach Ab- lauf der ein weiterer Dispens mcht mehr ertem werocu löitKC. Die Regierung hat in der Aominijsion nachgewiesen, das in diesen beiden Fällen daZ Verbot läng st schon hätte erfolgen müssen. Sogar einen Bäckermeister führt man zugunsten der Petition an, der von ihr gar nichts wußte! Das ist Ihr berühmtes Material! Das Interesse einer kleinen Handvoll Bäcker- meisler ist für Sie ausschlaggebend, aber auf Leben und Gesundheit der Arbeiter kommt es Ihnen nicht an. Die Petenten erklären, daß die Bäckermeister doch staatSerhaltende Elemente seien, aus die deshalb doppelt Rücksicht genommen werden müsse. Nu», die Arbeiter, ob Sozialdemokraten oder nicht, können die Durchführung der ohnedies lückenhaften Arbeiterschutzbestimmungen verlangen. Herr G i e S b e r t S. der jetzt lächelt, hat einmal fast genau so gesprochen wie ich jetzt UÄ hat auch erklärt, daß das Verlangen dieser Petition weit mehr in dem Interesse der Hauseigentümer als in dem der Bäckermeister selbst liege. Heute aber unterstützt das Zentrum den ÄommissionSantrag. Auch die Regierung erklärt, daß die Haus besitzer allein hinter der Petition stehen. Herr M u g d a n hat 12 Bäckereien besichtigt und gut gefunden, soll das ein Beweis sein gegen die generelle Untersuchung, während die Regierung in der Kommission s ch a u d e r h a s t c E r g e b n i s s e mitgeteilt hat? Sie hat die Gesundheitsschädlichkeit der niedrigen, schlecht gelüfteten, mit dem Fenster im Straßenniveau liegenden, finsteren und daher in i t Ungeziefer überfüllten B ä ck e r e i e ir anerkannt, die mitunter iogar als E n t I ü f t u n g s s ch ä ch t c für Klosette dienen müssen. sHort! hört!) Sie hat den Staub und Schmutz, die Muffigkeil der Mehlkainmern hervor- gehoben, die bei vorher angemeldeten Revisionen festgestellt ivurden. Wie mag es da im gewöhnlichen Gang der Dinge aussehen. ES verlangt ja niemand ein rigoroseres Vorgehen der Regierung bei der DispeiiSerteilung und Verweisung. Es ist nachgewiesen, daß über ein solches Vorgehen nicht zu klagen ist. Um so mehr wäre es ein Beweis fanatischer Arbeitcrfeindlichkeit, wenn Sie dem Kom- missionsantrag folgen und die Petition zur Berücksichtigung über- weisen wollten l tBravo i bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hammer sl.) erklärt die Rede des Vorredners als bloß aus dem Hasse der Sozialdemokratie gegen den Mittel- stand und die Hausbesitzer hervorgegangen. Die Konsumvereins» bäckcrcien ruinieren ja auch zahllose selbständige Existenzen. Schmutzereien sind Ausnahmen und kominen auch in Konsumvereins- bäckereien vor, so nach gerichtlicher Feststellung in Magdeburg. sBeifall rechts.) Abg. Dr. Bell sZ.): Die Gegnerschaft der Sozialdemokraten beweist, daß die bürgerlichen Parteien auf dem richtigen Weg sind. Die Sozialdemokratie ist mittelstandsfeiildlich. Abg. Dr. Schröder-Kassel snatl.) spricht ini Sinne des Kom- missionsantrag?. Abg. Dr. Mugdan sVp.): ES handelt sich ja nur um einige bauliche Bestimmungen und um die Einschränkung der Willkür der Aufsichtsbehörde. In allen Versammlungen wird mir dieses Klosettrohr entgegengeschleudert, es hat schon eine historische Berühmtheit erlangt, ist aber doch nur ein Einzelfall. Tie Debatte wird geschlossen. Abg. Ströbcl(Soz.): Alle Redner haben auf uns losgepaukt und jetzt s chjt e i d e» Sie uns die A n t Iv o r t ab. Damit kennzeichnen Sie Ihr Vorgehen als Versuch eines elenden Wählerfaugs.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ter Konililissionsantrag wird gegen die Stimmen der Sozial- demolratcn angenommen. Eine Buchdruckervereiniguug in F l a t o w sWestpr.) ersucht um Dezentralisation staatlicher Druckausträge. Das wird der Regierung zur Berücksichtigung übcrivieseu, nachdem außer einigen bürgerlichen Rednern Abg. Hirsch-Berlin sSoz.) darauf hingewiesen halte, daß zwar die Berücksichtigung kleiner Druckereien an sich wünschenswert sei, aber bei Massenauflageir in erster Linie mit den Steuergeldern wirtschaftlich verfahren werden müsse. Hauptsache sei, daß stets mir tariftreue Druckereien bedacht werden, und daß die ganze Sache nicht als MitielstaudSretterei betrachtet werde, wie das von den bürgerlichen Vorrednern geschehen sei. Sonnabend ll Uhr: Kleine Vorlagen, Anträge, darunter Antrag S t r o s s e r: Garten deZ Abgeordnetenhauses. �chluß 5 Uhr. Parlamentarisches. Wieder ein beanstandetes Ncichstagsmandat. Die WahlprüfungSkommission des Reichstages beschloß, die Ent- scheidung über die Gültigkeit der Wahl des Abg. Reck im Wahl- kreise Lyck auszusetzen und über die behaupteten Unregelmäßigkeiten Beweisjm erheben. Die Wahl dieses Abgeordneten ist vorzugsweise durch Spendung von Schnaps zustande gekommen, und Liberale und Konservative, die beide Protest und Gcgenprotest ein- gereicht haben, streiten sich nun darum, wer den Wahlern den meisten Schnaps gespendet hat.__ Hüs Industrie und F)andd. Die vertrustete Wissenschaft. Bei der zweiten Lesung der Regierungsvorlage betreffend Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahnen im Preußischen Abgeordnetenhause am19. d. Mts. machte der Abgeordnete v. Pappen- heim hinsichtlich der von der Kommission gehörten Sachverständigen nach dem stenographischen Bericht folgende bemerkenswerte Aus- führungen: „Bon der Nennung der Namen(der Sachverständigen) sehe ich namentlich deshalb ab, weil bei der Vernehmung dieser Sach- verständigen eine auffallende Erscheinung insofern zutage trat, als die Autoritäten, die wir auf elektrischem Gebiete um ihre Aeuße- rungen und sachverständigen Urteile baten, fast jedeSnial den Wunsch äußerten, diese ihre Stellungnahme nicht in der Oeffentlichkeit zu betonen oder sie selbst dabei zu nennen, weil sie bei dem über- mächtigen Konzern, der hinter dieser Regierungsvorlage unzweifelhaft stand, für ihr weiteres Fortkommen in ihrer Wisenschaft und in ihrem Gewerbe Schaden zu erdulden hätten." In der elektrotechnischen Industrie ist es also bereits so weit gekommen, daß außerhalb der großen Konzerne stehende Sach- verständige persönliche Nachteile befürchten, wenn sie eine von den geschäftlichen Interessen der Elektrokonzerne abweichende Meinung öffentlich äußern._ Wagciimangcl und Bergarbeiter. In dem Jahresbericht des Vereins für die bergbauliche» Interessen des Oberbergamtsbezirks Dortmund ist eine ausführliche Abhandlung über den Wagcnmangel im Rubrrevier, seine Gründe und Folgen sowie über die Möglichkeit der Abstellung des Mangels enthalten. Von besonderem Interesse sind die Aussührungen, die sich auf die Verluste beziehen, welche die Bergarbeiter durch den Wagenmangel erlitten haben. Danach mußten an Kohle. Koks und Briketts vom 1. September bis 31. Dezember 19l2 1,22 Millionen Tonnen gelagert werden. Infolgedessen mußten 233 800 Arbeiter je eine volle ächlsiündige Schicht feiern, 174 294 Arbeiter mußten vorzeitig ausfahren, was einen Stundenausfall von rund 2 Millionen Stunden bedeutete. Der rechnungsmäßige Gesamtausfall an vollen Schichten wegen des Wagenmangeis betrüg 484 989 Schichten und der Lohnverlust der Bergleute unter Zugrunde- legung einer Lohnsumme von ö,10 M. für eine Schicht 2,47 Millionen Mark. Wie in dem Bericht iveiter ausgeführt wird, beschränkt sich der gesamte Lohnausfall der Bergleute nicht nur auf die Folgen der vollen Feierschichten und der vorzeitigen Ausfahrt, sondern er ist wegen der noch weit bedeutsameren, häufig stundenlangen Untätigkeit in der Grube erheblich größer. Reine und Hüttcnzechen. Nach den Mitteilungen de» Dort« munder Bergbauvereins konnten im vergangenen Jahre auch die reinen Zechen ans der Besserung der wirtschaftlichen Lage Nutzen ziehen. Die Forderung deS Kohleiishndikats verteilte sich in den Jahren 1911 und 1912 auf die beiden Zechengruppen wie folgt: �... 1911 1912 Zunahme Forderung jn Mgignen Tonnen in Proz. Reine Zechen.... 59,9? 65,53 9,32 Hüttenzechen.... 27,14_ 28,76 5,97 Kohlensyndikat... 87,09 94,29 8,27 Danach war die absolute und prozentuale Steigerung der Fördening bei den reinen Zechen größer als bei den Hüttenzechen. Die durck, ökonomische und betriebstechnische Momente sowie durch die Shndikatssatznngen begründete Sonderstellung de: Hüttenzechen wird dadurch natürlich nicht erschüttert. Briefkasten der Redaktion. Tie luristische SprcAstuude findet Ltndenstratze LS, vorn vier Trepdcn — F a I, r st u l, l—, wochcntä glich von t>,d bis 7'.-, Uhr abends, EonuadendS, von iVi bis L UI)t abends statt. Jeder s»r den Bricftastcn bestimmten Äasragc ist ein Buchstabe und eine Zabi als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Ansragcn, denen keine Abonnementsguittung beigefügt ist, rcrd-n nicht beantwortet. Eilige Fragen trage mau in der SPrechstundc vor. R. H. 16. In solchen Fällen besteht ein Anspruch aus Alimenten- Zahlung' nicht. Der Inanspruchgenommene ist jedoch beweispslichlig.— •6. A. 69. Nein, Sie können Schadenersatz beanspruchen.-- W.®. 4. 1. Ja. 2. Nein.— B 100. Nein, sosern nicht im Statnt etwas anderes bestimmt ist.— Kopenhagener Strasse. Die Eintragung war zulässig. Es kommt in solchen Fällen das mutmaßliche Einlommeu des jetzt lausenden Stcuerjahres zur Veranlagung. Für die zwölf Wochen können Sic noch nachträglich Steuererlaß beantragen.-~> W. W. 643. Noch niemals Parteigenosse Lichtenberg. Wenden Sie sich an das Anatomische Institut zu Berlin, Luisenstraße 56.— 3061. W. Vor Ablauf von 3 Monaten muß die Klage beim Schössengericht eingereicht sein. Soscr» beide Parteien im selben Gemcindcbcziri wohnen, muß der Klage ein Ver- fahren vor dem ischiedsniann vorausgehen.— 33. K. Britz. Der llntcr- slützungsanjpruch bleibt bestehen. Es ist aber ratsam, sich vor Stattsinden des Umzugs mit der Berliner Armenverwaltung in Verbindung zu setzen. — Piontkowo 4. 1. ES muß schriftliche Vollmacht eingereicht werden. Die Unterschrist braucht nicht beglaubigt zu seui. 2. Bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Sic wohnen. 3. An das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser verstorben ist. 4. In solchen Fällen ist von dem zuständigen Psarramt ein Totenschein einzufordern. P. 8. 100. Eine SchadcnScrsatzklagc gegen die Stadtgemcinde Berlin erscheint aussichtslos. Dagegen verspricht eine Klage gegen die Kroße Berliner Straßenbahn eher Aussicht aus Erfolg. Es erscheint ratsam, sich mit einem Rechtsanwalt in Verbindung zu setzen.— E. W. 1888. 1 bis 4, Die Direktrice in einem derartigen Geschäft ist zwar keine kauf- männische Angestellte, wie Sie annehmen, jedoch nach überwiegender Recht- fprechung eine Angestellte im Sinne des§ 133a der Gewerbeordnung. Für diese kommt die Vorschrift über Beschränkung der Arbeitszeit aus§ 137 der Gewerbeordnung nicht in Frage. Dies selbst dann nicht, wenn in dem Betrieb in der Regel mindestens 10 Arbeiter beschäftigt sind. Eine Straf- anzeige erscheiM daher aussichtslos. 5.«ie sind ivahlbcrechtigt. Haben die Wählerlisten in Ihrem Ort bereits ausgclegen und haben Sie für den Fall der Richteintragung Einspruch in der AuslegungSsrist nicht erhoben, so läßt sich jetzt nichts mehr tun. H. R. SO. a) Geldstrafe, für den Fall der Nncintreibbarkeit enl« sprechende Haststrafc. b) Wenn eine Verkürzung der Steuer stattgesimden hat, mit dem 4—10 fachen Betrage der Verkürzung, andernfalls mit dem 4— 10 jachen Betrage der JahrcSstcuer, um welchen die Steuer gekürzt weiden sollte. Die Mindeststrafc ist 100 M. Ist die unrichtige oder un- vollständige Angabe zwar wissentlich, aber nicht in der Absicht der Steuer- hmierziehuug erfolgt, Geldstrafe von 20—100 M.— Wagner. 1. Bei Unterhalls an sprächen ist die Grenze von 125 M. nicht gegeben. ES kann auch der darunterliegende Betrag gepfändet werden. Außerdem sind die Ersparnisse und sonstigen unentbehrlichen Sachen beschlagnahmcsähig. 2, 3 und 4. Derartige Rechte stehen Ihnen ohne Zustimmung des Vor- mundes und der Kindcsmuttcr nicht zu. 5. Für den Fall, daß Sic der gesetzlichen Unierhallspslicht nicht genügen, können imgünstige Folgen ent- stehen. 6. Nein. lteuräci).« M Hl Ii Hl IL ü \ Z Ä Ii Neuheit; Neuheit: B Neuheit: C Neuheit: D Neuheit:£ Neuheit: Neuheit: 0 Neuheit; ff Neuheit:/ Keubelt: K QgSkelt-Anzüqe, 1 reihig] lein Geinu»tcrter Buetskin. _seMreitt_und kariert........,.««— �arMrer«Jf»'11.�«leeittoe kammgarv- fl v-™"Jiel len Eflekleo... Lt M- 30«. 50«. SrcÄ. M«. 3ackett-Anzüge,2reihig| Nr. 3 Haltbarer Buckskin in gestreift. 71 m und karierten Mustern.......... �__* Nr. 5* Dunklo Kammgarnart In vielen 7/\f Mustern, sehr baltbar.......... Nr 7. Spez.-Marke BS sehr fein gemust. 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Ml anderer gewertlielier Irlleiter (kleinerer Versicherungsverein auf üegenseitigkeif) (früher ,,E. H. 3 In Hamburg") In Hamburg. Mitglieder- Versammlungen der örtlichen Bcrwaltungsfiellen: Herlin A: Am Sonntag, den 27. April, vorm. 10 Uhr. im Lolal von Wählisch.«kalitzer Sir. 22. Herlin B: Am Sonntag. Scn 27. Avril, vonn. 10 Uhr, im GeWerk- schaftshause. Engeluscr 15, Saal 3. Berlin Cs Am Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, bei Habel. Bergmannstr. 5—7. Berlin B: Am Sonntag, den 27. April, vormillags 10 Uhr, in der PaNenhoscr-Braucrci. Turmstr. 25/20. Berlin F: Am Sonntag, den 27.'April, vormittags 10 Ubr, bei Herr» Feibel, Kolberger Str. 23. Berlin F: Am Sonntag, den 27. April, vormittags 10 Uhr. im Lokal von P. Obiglo, Schwedter Straße 23/21. Berlin ti: Am Sonntag, den 27. April, vormittags 10 Uhr. in Manns Aortuna-Iälen. Slrausbcrgcr Straße 3. Berlin H: Am Sonntag, den 27. April, vonn. 10 Uhr, bei Reidhardt, Görlitzer Straße 58. Berlin J: Am Sonntag, de» 27. April, vorm. 10 Uhr, im Restaurant H. Greive. Romintcner Straße 2. Berlln-Banmsebnienvreg: Am Sonnabend, den 20. April, abends S'L Uhr, Bei Erbe» Baiimschulenstraße. Ecke der Ernststraßc. Berlin-Britz:'Am Sonnabend, den 26. April, abends 8 Uhr, bei ZUz. Werderstraße, Ecke der RungiuSstraßc. Berlin-Fiebtenberg: 2!in Sonntag, den 27. April, vorm. S Uhr, bei Pieckenbage». Scharnwederstr. 60. Berlin-Sebiineberg: Am Sonntag, den 27. April, vorm. 10'/. Uhr, bei E. Ebrecht, Meininger Straße 8, im Tunnel. Fkariettenburg: Am Sonntag, den 27.'April, vormittags 10 Uhr, im VolkShauS, Rosinenstr. 3. Xenbblln: Am Montag, den 28. AprS, abends 8 Ubr, im Lokal von «lb. Schmidt, Rentcrstr. 23. TagcSordnilng: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal 1912 und vom 1. Quartal 1913, 2. Wahl der OrtSverwaltung und der BeitragssamnUer. 3. Verschiedene Kasscnangclcgcnhcitcn. Außerdem in Berlin€} Vortrag dcS Herrn<*. Berner über; „WohnungSreform". In den Verivaltungeu Verlin-Baumschulonwcg, Verlin-Vrin. Berlin Schönebcrg und Eharlottenburg fällt bei Punkt 2 der Tagesordnung die Wahl der Beitragssammler fort. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersuchen 4/1 Die Lrtsverwaltui 184/1 tungen. iiigemeine Kranken-». Sterbekasse der- deutschen Drechsler -------- und Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg). Mitglteber-Uersammlimgen am Sonntag, den S7. April 1913, vorm. 1« Uhr: Bezirk A: Gcwcrtschastshaus, Saal 10. ,, B: Restaurant Filiert, Kottbuscr Straße 19. „ C:. Bartsch, Alte Aalobitr. 18-19. „ B;„ Hniuiuel, Sophien str. 5. Tages-Ordnung: 1. Gcschäjtiichcs. 2. Abrechming vom Fahre 1912 und 1. Quartal 1913. 8. Unsere Generalversammlung am 13. Mai. 4. Wahl der Delegierten. 5. Verschiedenes._____ 39/5 Medizinal-Verein fSr Berlin uiid Umgegend. Sonntag, den 27. April, abends 6 Uhr, in Siegels Festsälen, Große Frankfurter Str. 30: 1. Vortrag des Herrn Dr. Sontbelm über; „Kimgrs Mtnsmrte über Klutverluste". L. Mitteilungen über Zwecke und Ziele dcS Vereins. biäste willkommen. Der Borstaud. F. A.: Btto liaeiala, Vorsitzender, 285/7__ vcrlin-Wcißeiiscc, Berliner Allee 55. sterbänä dcrBrauercl- u. tiliilsknarbeitcr und verwandter Berufsgenotien.«T AeschäslSstclle:<2. 54, MuIackstr. Ist.— Fernipr.: Ami Norden 4518. Sonntag, de» 37. April, nachmitt. 2 Uhr. im GewerNchaftshans, Engelufer IS, großer Saal: Genkrat-Norsammtung. Tagesordnung: 1. Geschäsls- und Kaisenbericht vom 1. Quartal 1913. 2. Beschluß- sossung über die Neuordnung der Entschädigung für Zahlst elleninbaber und Vertrauensmänner. 3. Berbandsangelegenhetten. Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte legitimiert zum Eintritt ohne Buch oder«arte kein Zutritt. Das Erscheinen aller'»titglieder ist angesichts der wichtigen Tagesordnung unbedingt erforderlich. 43/0*_________ Die Qrtsverwaltung. Allgemeine Ortskrankenkasse für Neukölln. Einladung -u der am Montag, den s. Mai, abends 8 Uhr. und am Dienstag. den 6. Mai. abendö 8 Uhr, m den Pastage-Nestsälen zu Renkölln, Bergstr. 151, stattsindendc» Anßemiieirtl. Genml-Ntchmiuliing. Tagesordtiung: 1. veschlußsassung über die neuen KchseiisaS/u, gen nach d«l Vorschristen der Reichsoel sicherung.-ordmmg. 2. Beschlußsaiuntg über die Dienstordnung der Kaffenangeslellten. Zur Beachtung: Die den Delegierten zugesandte EinlaDung gilt als Lcgitimalion und ist beim Eintritt in die Versammlung zur Emtragmig in die Präsenzliste vorzuzeigen. Woh,mngS°eranderung-n sind der Kasse so. fort mitzuteilen. Delegierte, welche die Wahibarlen verloren haben, sind auS der Generalversammlung ausgeschieden. � Sir weisen besonders darauf hin. daß die Generalversammlung am 0. Mai als Fortsetzung der Generalversammlung vom o. Mm zu betrachten ist, da der Umsang der Beraiungsgegeiisländc eine �oAsetziing erforderlich «acht.»�lll Sie« k Sil«, den 25. April 1913. Ber Kassen vorstand. Fiedler. Vorsitzender. Zalewski, Schriftführer ßeffentüehe politische Versammlungen. Achtung! Polen. Achtung! Whier des s.. 6. und 7. Landtags-Aadikreiles. KioSe peinisciie VeülSveiesMlenx am Sonntag, den Ä7. April, nachm.'Z Uhr, in der„Konkordia", Androasstraßc 61 Tagesordnung: .. Diu Landtagswahlen und das polnische Volk. R e f e r c n!: Redaktcnr Tcofil Blott, Kattowltz, 2. Freie DiSkussiotl. Bas Agitation.komitee 213/11« P. P. S. der Polnische» Sozialdemokratische» Partei Berlins. Ter Einberufer! Albln Czlczak, Gerichtstraste 36. Deutscher Metallarbeiter-Verband NtwaltungsSettt Lrrlin C 54, finirnör. 83-85. Bcrwaltuug: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Am Norden 1239. 9714. Montag, den 38. April 1913. abends 8 Uhr: Sranehen- Versammlung der Werkzeugmacher, Einrichter, Zigaretteiimaschinenführrr, Scharf» schleifer, sowie sämtl. in d.Buchdruckcrcimaschinen-Fabr. beschäft.Kollegeu in dm Arminhallen, klommandantmstr. 58.59. Tagesordnung: 187/5 1. Vortrag des Genossen Dr. Julius Moses: »Tie Arbeiterschaft nnd der Geburtenrückgang.« 2. Reu- und Ersatzwahlen der»lgilationskommisflon. 3. Branchen- und VcrbondSangcl'cgenheitm. - Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.—» In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir zahl- reichen Besuch. Die QrtSvcrwaltung. "Reklame, Angebot § I « • I I I • i MeijugendiiGheßlocke S »US Picotgeflecht mit reicher Aehren- J gamitur und BuJgarenabschluss % I « I » » I Spiüelmarkt Utile rfUiancedttato� SttJitfütteaUatäe T&unmnAUä&&e l�oühuierTlamrtv -�Ke«Vtt«rtLcher R-dakkut: Alfred LSiclrpP, Neukölln. Zur Maifeier frei. Schulstraße 52. Humorist Holz. 75/2 Orts- Krankenkasse der Suchbinder und vtrto. Gewerbe m Kertt». Am Mittwoch, den 7. Mai 1913, abend- 8 Uhr, findet die Fortsetzung dkr 270/12 ordontllcbcn CeneraHfersanrniluiig vom 29. April 1913 in«Silkes Feit- sale». Sebaftionitrahe 39, ftali. Tagesordnung: ixunki 4 der Tagesordnung der Ge».-Bcrs. vom 29. April er. »H. Gottesmann, Vorsitzender. F. Kccfc, Schrijijührcr. Orts-Krankenkasse der Lackierer. Sonntag, den 4. Mai 1913 vormiltagS 10 Uhr: eaml-Valsammlnng im Restaurant.Audreas-Garten", AndrcaSstr. 20. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 1912. 2. Bericht der Revisoren. 3. Erhöhung der Beiträge. 4. Bestätigung der Satzungen zur ReichSversicheruugSorduung. 5. Verschiedene Kasscnangclcgcnhcitc!:. Ber Vorstand. 550b � Robert Ziubler, Vorsitzender. Neu eröffnet: Unier den linden 5/6 .►■"r, Vm»!' Einheitspreis 1 050 für Damen o. Herren M. Luxusausführung 1 �50 lür Damen und Herren M. JLv/ Fordern Sie Masterbuch V Salamander Sdiuhges. m. b. H., Berlin Zentrale: W8, Friedrichstrasse 182 I. W8 Friedrichstrasse 182 2. W8 Unter den Linden 5/6 3. SW Friedrichstrasse 221 4. SW Friedrichstrasse 204 5, N Friedrichstr. 118/19 6. C Königstrasse 47 7, W Potsdamer Strasse 5 8. C Rosenthal er Ter 9. W Tauentiienstrasse 15 10. N Badstrasse 20 11. W Martin-Lulher-Sirasse 2 12. NO Gr. Fraokfoiter Str. 102 13. S Oranienstrasse 42 14. NW Turmstrasse 9 15. Charl.Würoersdorfer Str. 126 16. Steglitz, Schloss• Strasse 20 17. Friedenau, Rheinstrasse 1—3 18. Spandau, Breite Strasse 30 19. Potsdam, Nauen er Strasse 24 20. Neukölln, Bergstrasse 4 bei wöehßntlich�r �&§sb]ung schon von � -- IMfcan.. sich eleQontc y ncleh Maass beim Fachrnann su beschaffen. Garantie /är tade££csen Silz} Keu enofFnt»!- 1" noHbusersfr/4\ü__ » yt/rmstirtssf i ct'Ptkten derjldkke', Großer pflanzen-Verkauf. Wegen Änstosnnq einer bentschcn Baumschule: Rosen, S°-Imgpflanzen. Obstb-rum-,»eerensträucher, Ziersträucher. Nadelholzer, Blum'-vstauden uslv. � Gesunde Ware, sabclhast billig! Am Bnbnbok Atexiioder-- platz. Gontardstrastr. vis-a-vis Pauoramaftraste. Ze-tralmarkthallr. Monats�Ga r d e p o b e Von Kavalieren getragene Ulster, Jackett-, Rock-. Frack-, Smoking-Anzüge, teils auf Seide gearbeitet, sowie _________ großes Lager in neuer eleganter Herren- Garderobe chönste Ausflugsort? Wggeu llmbsu m besonders billigen preisen. T linkischer g Prinzßnstr.Ti)»oJ** Bnferatenteil vergntUlS Glocke, Berlin. 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Leider erfährt man aus solchen Gerichts- Verhandlungen selten etwas darüber, wie bei so einem Zögling, an dem die Fürjorgccrziehcr ihre Kunst versucht hatten, die innere Gntwickclung zum Verbrecher sich vollzogen hat. Tie inneren Gründe, die einen jungen Menschen trotz allen AcsserungSversuchcn auf die Bahn des Verbrechens drängten und auf ibr ihn festhielten, interessieren ja ein Gericht wenig, wenn über seine Straftat ab- geurteilt werden soll. Bon der im Strausbcrger Burschenheim befolgten Erziehungsmethode meinen die für die Leitung der An- ftalt verantwortlichen Personen, daß sie ganz besonders geeignet fei, eine Besserung zu erzielen. Aber der Fürsorgezögling Wollen- wcbcr oder der vor zwei Monaten wegen Brandstiftung verurteilte Fürsorgezögling. der gleichfalls aus der Strausbcrger Anstalt cnt- flohen war, sind sicherlich keine Erzichungsfrüchte, die diese Anstalt sich als Erfolg buchen könnte. Wir haben aus Anlaß jenes früheren Falles einiges über die Strausbergcr Erziehungsmethode mitgeteilt, über Prügel- crekutionen, bei denen manchmal Blut floß, über lange Arreststrafen bei Wasser und Brot, die in schweren Fällen in dunkler Zelle verbüßt werden mußten. Bis heute ist uns weder von der Anstalts- direktion eine Gegenäußerung auf unsere damaligen Mitteilungen zugegangen, noch in der Presse eine Antwort zu Gesicht gekommen, die unsere Airgaben bestritten Härte. Dürfen lvir aus dieser Schweigsamkeit den Schluß ziehen, daß nichts bestritten werden kann? Wir gehen doch wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß die für das Fürsorgeerziehungswcscn und im besonderen für das Strausberger Burschenheim zuständigen Behörden unsere Mit- teilungen geprüft haben. Soll weiter der Anstalt gestattet werden, daß sie sogar Dunkelarrest verhängt. Dunkelarrest mit der vom Standpunkt des Erziehers höchst anfechtbaren Verschärfung, dem Arrestanten auch die Wohltat der Arbeit vorzu- enthalten? Ein früherer Zögling des Burschenheims sagt aus, daß selbst der gewöhnliche Arrest, den er dort zu kosten bekommen hat, wegen des Mangels an Tätigkeit von ihm als schwere Strafe empfunden wurde. Ruhelos und in wachsender Erregung sei er in seiner Zelle auf und ab gegangen, deren Länge für drei bis vier Schritte ausreichte. Seine einzige Beschäftigung war die, daß er dabei— die Hosen festhielt. Dem„fluchtvcrdächtigen Arrestanten werden nämlich die Hosenträger abgenommen, so daß schon bei jedem Gehversuch die Hosen herunterrutschen müssen, wenn sie nicht festgehalten werden. Derselbe Zögling sagt aus, daß im Arrest �mänchcr sich allerdings noch mit einer anderen„Beschäftigung" unterhalten habe. Er meint eine gewisse Art, sich„mit sich selber zu beschästigen", die wir hier nicht näbcr bezeichnen lnollen. Auf dem Allgemeinen Fürsorgccrziehungstag von 1910 bat der Pastor Brcdcrcck, der Leiter des Strausbcrger Burschenhcims, zu dem Tkema der Behandlung schwer erziehbarer Fürsorgezöglingc unter anderem ausgeführt, daß die Einzelhaft ein wirksames Abschreckungsmittel sei. Sie kann, wie man sieht, leider auch ein Mittel sein zur Angewöhnung von Dingen, vor denen jeder Erzieher junge Leute bewahrt sehen müchtc. Zu dem System. mit Abschreckungsmitteln zu arbeiten, passen auch die Prügel- erekutiancn. Auf unsere Frage, was alles da mit Prügeln be- straft wird, wurde uns unter anderem gesagt, daß auch mal ein Zögling geprügelt und hinterher noch auf ein paar Tage in den Arrest gesteckt worden sei. weil er aus der Speisenkammer c i n paar Stücke Brot entwendet hatte. Ein reichlich xius- gewachsener Mensch stiehlt ja wohl nicht trockenes Brot, wenn nicht der Hunger ihn dazu treibt. Gibt es denn fiir die Erzieher der strausbcrger Anstalt kein wirksameres Mittel als Hiebe, um einen Mundraub zu verhüten? Auf solche und ähnliche Anklagen zu schweigen, ist ein be- gucmer Ausweg.'Wir werden aber nicht müde werden, immer wieder auf Mängel und Mißgriffe hinzuweisen, die' uns aus dieser Für- sorgcerziehungs-Musteranstalt und aus anderen Anstalten ihrer Art bekannt werden. Mancher Anstalt täte es not, daß sie mit eisernem Besen ausgefegt würde. Partei- EtogelegenKeiten. .. Morgen Sonntag, den 27. April, früh 8 Uhr. findet emnn.ieglich der 19. u. 20. Abteilung eine Flugblattverbrcitung statr Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Landtagswahlbezirk. Sicustag, den 29. April 1913, abends 8 Uhr: Zwei öffentliche Wahlcrversammlungcn: lm.«rmshof", Perleberger Str. 2b. und in der Patzenhofer-�rmierei, Turmstr. 23/20. Tagesordnung:„Die preußischen J1"- Referenten; ReickSiagSabgeordneter Ledebour und �anvtagsabgeordneter Adolf Hoffmann. Diskussion. In beiden �mammwngen: Ansprache des Kandidaten des 12. Landtagswahlbezirks Eugen Ernst. Neukölln. Sonntqa früh findet eine Flugblatt- Verbreitung, vol len �okalen der Urwahlbezirkc ans statt. Diese Arbeit mutz gründlich gemacht werden, sei deshalb jeder Genosse zur Stelle. , Schönebcrg. Am Sonntag, den 27. d. Mts.. vormittags 8 Uhr, von den bekannten �.okalen aus: F I u g b l a t t v e r b r e i t u n g. Am Montag, den.8. d. Mts.. sindet abends 8 Uhr eine Volksversammkung i» der Schloßbrauerei, Hauptstr. 122, statt, in der der LandtagSkandldat Genosse Otlo Hue über „Preußen Politik reierieren wird. Die Genossinnen und Genossen wollen für Massenbesuchs agitieren. Lickiterkeldc. Sonntag, den 2<. April, früh 8 Uhr, in allen Be- zirkelt Flugblattverteilung zu der am 29. April bei E. Richter, Ehausseestr. 104. stattimdeiid-u�Versamml.,ng. Dlier-Schöneweidc. Am Sonntag, den 27. April, nachmittags 2 Uhr. stnbcl für~ota[ tion Schneider am Lstfriedhof eine öfteickllch füber-Schonewoiper Genosse?. Welche sich an der Verlammlung beteiligen w°llen..nüsi-'- 12 Uhr 1o Minuten vom Marktplatz.Edison- straße« nach Friedrichsfelde fahret. Weiücusee. Am Dienstag, den 29. April 1913, abends 8% Uhr, findet im Schlotzrestaurant, Berliner Allee, eine Landtags- wählerversa»t in l u n g statt. Das Referat bat Genosse D ä u m i g- Berlin übernommen. Da in dieser Versammlung die Wahlmännerkandidaten normiert werden sollen, wollen die Landtags- Wähler vollzählig erscheinen. Tcmpclhof. Die Parteigenossen wollen sich am Sonntag, den 27. d. Mts., vormittags 8 Uhr, zur Erledigung einer wichtigen Wahl- arbeit an den bekaimten Stellen einfinden. Wilmersdorf. Zu der am Montag, den 28. April, in den „Prachtsälcn des Westens" stattfindenden Versammlung findet Sonntag eine H a n d z c t t cl v er l c i l irn g statt. Tie Parteigenossen finden sich hierzu morgens 8 Uhr in ihren Bczirks- lokalcn ein. Alle Mann zur Etcllcl Der Vorstand. Schmargendorf. Sonntag, den 27. d. M., morgens 7 Uhr: Wich- tige Flugblattverbreitung vom Restaurant„Waldkatcr" aus. Pankow. Morgen Sonntag von 8 Uhr ab: Flugblatt- Verbreitung von den bekannten Stellen aus, zu der am Montag. den 28. April, abends 8V° Uhr, bei Roczycki, stattfindenden Versamm- lung, in welcher die Genossin Zietz.Parteivorstand) über„Die Frauen und die Landtagswahl" sprechen wird. Mahlsdorf(Ostbahn). Sonntag, den 27. April, früh 7 Uhr: Flugblatlverbreitung von den bekannten stellen aus. Erkner. Am Sonntag, den 27. April, nachmittags 2'/z Uhr, findet in Fangschleuse im'Restaurant„Secblick"(Jnh. Max Hiller) eine große öffentliche Wählerversammlnng statt, in der Reichstags- abgeordneter Artur Stadthagen über die preußischen Landtags- wählen referieren loird. Parteigenossen, sorgt fiir regen Besuch. Biesdorf. Morgen Sonntag, den 27. April, früh 8 llhrs vom Restaurant Haak aus: Flugblattverbrcitung. Nachmittags>/z3 Uhr im Restaurant Exner: Besprechung der Urwähler des zweiten Urwahlbezirks zwecks Aufstellung der Wahlmänner. _ Schöiicichc und Umgegend. Heute abend S1/, Uhr in Fichtenau, Gesellschaftshaus, kombinierter Zahlabend. Tagesordnung: Die Technik der Landtagswahlen. Tegel. Am Sonntag, den 27. April, nachmittags 3 Uhr: Oeffent- liche Versammlung in H e i I i g e n s e c. Die Genossen und Ge» nossipnen von Tegel werden gebeten, recht zahlreich an der Ver- sammlnng teilzunehmen. Treffpunkt: Restaurant Dewitz, Schloß- straße. Abmarsch nach Heiligensce Punkt 1 Uhr. Zeesen bei Königswustcrhauscn. Am Sonntag, den 27. April, nachmittags 3 Uhr, findet für den UrWahlbezirk Eallun eine Wähler- Versammlung bei P. Behreud im Gasthof„Zur Palme" statt. Die Orte Krummensee, Eallun, Körbiskrug und Zeesen wollen sich recht zahlreich daran beteiligen. Schcnkcndorf bei Königswusterhailsen. Am Sonnabend, den 20. April, abends 8 Uhr, für den UrWahlbezirk Schenkendorf: Wähler- Versammlung bei Otto Paetsch. Senzig, Lindowbrück, Lindow und Gussow. Am Soimtag, den 27. April, nachmittags 1 Uhr, in Senzig beim Gastwirt A. Wingert, Chaussecstraßc: O e f f c n t l i ch e W ä h le r v e r s a mm lun g. Sie- serenl: Genosse K l n ß. Tagesordnung: Wer regiert in Preußen? Nachher freie Aussprache. Ausstellung von Wahlmännern. Schönwaldc- Schöncrlinde lBezirk Pankow). Soniltag, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr, öffentliche Versammlung unter freiem Himmel am Gonnsee-Schöncrlinde. Genosse Küter-Rarlshorst wird über das Thema:„An einem Königswort soll man nicht drehen und deuteln" sprechen. Parteigenossen agitiert für regen Besuch. Pankow« Genossen, welche die Versammlung besuchen, treffen sich mittags 1 Uhr an der Nordbahn, Wollanckstroße. Für Radfahrer ist der Start: Marktplatz, mfttags l2f 2 Uhr. Klostcrfrldc-Wnndlitz-Basdorf. Sonntag, den 27. d.M., ge- meinsamer Zahlabend aller. Orte nächnrittagS 1 Uhr, im Scekrug, Jnh. Klein zu Wandlitz. Vortrag deS Genossen Kubig-Pankow: „Technik der Landtagswahl." Bernau. Soimtag, den 27. April, nachmittags 3 Uhr, findet in Prenden auf dem Grundstück des Herrn Karl Seeger, an der Lanker Chaussee gelegen, eine öffentliche Wählerversammlung statt. Referent: LandtagSkandidat Genosse H a e ni s ch. Die Genosscil, welche mit- fahren, treffen sich um l'/., Uhr am Schützeuhaus. berliner I�aebriedten. Tic Wißbegier der Polizei ist unstillbar, wenn sie der Sozialdemokratie gilt. Immer wieder sucht die Polizei über die sozialdemokratische Partei„hinten herum" rauszukriegen,>vas sie. amtlich nicht erfahren kann. Neucsteus richtet ihr Interesse sich auf die Frage,>v c r d i e Bczirksführer sind., Schon bei dem letztentlarvteir Polizeispitzel Bruns war aufgefallen, daß er nach den Adressen von Bezirksführern forschte. Er benutzte dazu den Porwaud, ein nach dem be- treffenden Bezirk verzogener Genosse sollte hier aufgesncht werden. Als er dabei sein eigenes Wahlvereinsmitgliedsbuch vorwies, verriet er die eigene Adresse, wodurch dann seine Entlarvung möglich ivurdc. Selbstverständlich ist mit dem Trick der Äufsuchnng eines„verzogenen Genossen" nun nichts mehr zu machen. Doch die Polizei scheint es für unerläßlich zu halten, sich ein Verzeichnis der Bezirksführer anzulegen. Um die Adressen zu ermitteln, laufen jetzt auch Kriminalbeamte umher, von deren Fragerei mancher sich vielleicht mehr Erfolg als von der Spitzelet eines gewöhnlichen Achtgroschenjungen verspricht. Aus dcni Rcichstagswahlkrcis Berlin IV erfahren wir, daß in mehreren Bezirken die Ä r i m i n a l b e a m t c n der zuständigen Polizeibureaus zu den G a st w i r t e n der Ssft h l a b c n d l o k a l c gekommen sind und nach den Adressen der B e z i r ksfüh rer gefragt haben. Es kann als zweifelsfrei festgestellt gelten, daß die Wißbegierigen nicht etwa auch hier nur Spitzel, sondern richtige Kriminal- beamte ivaren. Iii den ims mitgeteilten Fällen haben die Beamten sich nicht erst als solche vorgestellt, sondern ohne weiteres darauflos gefragt, wie wen» sich das von selber so verstände. Sie waren den betreffenden Gastwirten als Kriminalbeamte ihres Reviers. bekannt und dürsten selber angenommen haben, daß man sie kenne. Auch ihnen braucht auf solche Fragen keine Auskunft gegeben zu werden. Daß sie ihnen ver- weigert wird, erwarten wir von allen, die es angeht. Die Polizei hat kein Recht, eine derartige Auskunft zu fordern. Vergleichung mit der Vereinslifte gebraucht muß wohl ein Irrtum sein. Seit Geltung des neuen Vereins gesetzes hat die Polizei keine Mitgliederliste derWahlvereine mehr, so daß es nichts mehr zu„vergleichen" gibt. Möglich ist aller- dings, daß sie auch unter dem neuen Bercinsgesetz noch die nötigen Informationen über die Vereinszugehörigkeit bestimmter Personen durch ihre Spitzel erhalten hat. Der Beamte, der„ver- gleichen" wollte, hatte bei dem Gastwirt kein Glück. Aber m einem anderen Zahlabcndlokal des Reviers ivurde dem selben Beamten leider von der Frau des Gastivirtes die Adresse des Bezirkssührers genannt, weil sie sich nichts dabei dachte. Ein anderer Beamter, der in einem anderen Teil des Reichstagsivahlkreises Berlin IV auf die Bezirksführerjagd ging, machte die sonderbare Angabe, er frage„aus eigenem Interesse". Auch hier darf als festgestellt gelten, daß eS sich nicht uni einen Achtgroschenjungen, sondern um den angestellten Kriminalbeamten des Reviers handelt. Der Gast wirt zeigte für das„eigene Interesse" des Besuchers ebenso wenig Verständnis wie für ein etwaiges amtliches Interesse der Polizei— und ließ ihn abfallen. Was bezweckt die Polizei mit diesen Be- mühungen V Hat sie für iyte Kriminalbeamten nichts Wichtigeres zu tun? Wenn ihre Wißbegier sich etwa in ganz Berlin in derselben Weise betätigen will, dann haben die Kriminal- bcamten ein tüchtiges Stück Arbeit zu leisten. Erfolg werden sie freilich nirgends mehr haben, nachdem durch diese Mit- teilung der uns bekanilt gewordenen Fälle die Gastwirte gc- warnt worden sind. Wir warnen aber auch ganz allgemein, irgendeine Auskunft auf solche Fragen zu geben. Wahrscheinlich wird auch in Wohnungen der Versuch gemacht werden, nach den Adressen von Bezirksführcrn zu forschen. Besonders F r a u e n, die allein zu Hanse sind, gehen nur zu leicht auf so etwas ein. Also: Vorsicht gegenüber Wißbegierigen! Neue Strecke mid neue Linien bei der Strastculiahu. Die Straßenbahn wird die Ncubaustrccke in Lichtcrfclde, Unter den Eichen bis zur Drakeftraßc am Sonnabend, den 26. April, eröffnen. Die neuen Gleise werden dazu benutzt, um die Linien vom Zoologischen Garten und vom Potsdamer Platz dahin zu verlängern. Es ivird jeder zweite Wagen der Linien F und E bis zu dem neuen Endpunkt durchgeführt. Es werden so zwei ganz neue Linien Bahnhof Zoologischer Garten— Kaiscrallee— Steglitz— Lichterfclde-West und K Potsdamer Platz— Schöneberg— Steglitz— Lichterseide West eingerichtet. Die neuen Linien verkehren alle 15 Minute». j ergänzt sich aber mit der Linie E zwischen Steglitz und dem Zoo zu einem Betrieb von 7'/» Minuten, ebenso die neue Linie K mit E zwischen Steglitz und dem Potsdamer Platz. Die Fahrpreise betragen für die ganze Strecke der beiden neuen Linien je 26 Pf. Teilstrecken zu 15 Pf. sind Lichter- felde— Wilmersdorf, Berliner Straße. Asternplatz— Zoo, Lichter- feldc— Rathaus— Schöneberg und Schloßpark Steglitz— Pots- damer Platz. Zehnpfennigstrecken tverden Drakeslraße— Friedenau, Asternplatz— Wilmersdorf, Berliner Straße, Rönne- bergstraßc— Zoo, Drakestraße— Käisereiche, Asternplatz— Schöne- berger Rathaus und Käisereiche— Potsdamer Platz. Preisermäßigung fiir russisches Schweinefleisch. Der Magistrat hat gestern beschlossen, vom nächsten Montag (28. April) ab eine Preisermäßigung des russischen Schweinefleisches eintreten zu lassen.. Von Montag ab Ivird das Pfund koste»: Spitzbein, frisch oder gepökelt 20 Pf., Kopf mit Fettbacke 45 Pf., Dickbein, frisch oder gc- pökelt 35 Pf., Rückenfett und Liesen 05 Pf., gehacktes Schweinefleisch 70 Pf., Schulterblatt und Bauch 75 Pf., Schinken 85 Pf., Zunge, frisch oder gepökelt 90 Pf., Rückenfett, geräuchert 90 Pf.. Kamm und Schuft:95� Pf., Koteletts 1,00, Leber 1,00., Schnitzel 1,20; das Stück Herz und Lunge zusainmeii 50. Pf„ Herz allein 25 Pf. In der Angelegenheit' des Wrsthafens fand gestern eine längere Besprechung in der Eisenbahndirektion statt, an der die Oberbauräle >suadicaiii und Lehmann, RegierungS- und Baurat Schlesinger. Regierungsrätc«chrader und v. Schaevcn und andere Ver- treter der Eisenbahn, sowie als Vertreter der Stadt Berlin Geheimer Baurat Krause, Magistratsrat Dr. Simonsohn und Magistratsbaurat Zaar teilnahmen. Nachdem für den Eisenbahn« anschluß des Hafens die allgemeinen Grundlagen festgestellt sind und auch die Genehmigung des Ministers der öffentlichen Arbeiten gefunden haben, wurden von den städtischen Vertretern verschiedene bedeutsame Einzelfragcu zur Erörterung gebracht. Insbesondere verlangten sie, daß der Westhafen in gleicher Weise wie dies für den Osthafen vorgesehen ist, mit einer Tarifstation versehen werde. Die Herren der Eisenbahndireition sagten wohlwollende Berückfichtigung zu. lieber die Tarifstation wie auch über andere Fragen ist eine ministerielle Entscheidung einzuholen. Fahrpreisermäßigung zum Besuch der Internationalen Baufach-Ansstellnug Leipzig ?as Sächsische Finanzministerium hat sich mit den maßgcben- den stellen der deutschen- Bunoesstaateii, die ein eigenes Eisen- bahmietz besitzen, ins Einvernehmen gesetzt, um eine Fahrpreis- crmäßigung für Arbeitnehmer, Verbände usw. zum Besuch der Internationalen Baufach- A n§ st c II u n g herbeizuführen. Ter preußische Eifenbahnminister hat daraufhin in einem Erlaß in Aussicht genommen, die gleichen Fahrpreisermäßigungen ii» i v\» ,-> 7,"i-irtt Sni» Ol".. a rj.— TC.....:..... r �...„ setzungen hierzu vorliegen. Es ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß infolge der sozialen und wirtschaftlichen Bestrebungen der Internationalen Banfach-Ausstellung auch die übrigen deutschen Staatsciscnvahnvcrwaltungcn für VerkchrscrlcichtcruNgcn Sorge tragen werden. Zu dem Absturz eines Soldaten vom Gouvernements- gebändc wird uns heute von einem Augenzeugen berichtet, daß seiner Mei» iiung nach von einem Selbstmord keine Rede sein könne. Auf dem Dache des Gebäudes seien am' Donnerstag Wohl 10—20 Soldaten sichtbar gcweseu. Es sei beobachtet worden, daß der abgestürzte Soldat in dem Augenblick, als er das Gleichgewicht verlor, von der Hand eines Sergeanten festgehalten werden sollte. Der Sergeant habe aber den Mann nicht mehr erfassen können und das Unglück sei geschehen. Ter Abgestürzkc sei sofort aufgehoben worden, wobei ,anf eine entrüstete Acußcrung eines Augenzeugen hin von»tilftg i- scher Seite zwar sofort von einem Selbstmord des Soldaten gc- sprochen worden fei, aber die ganze Situation ließ nur auf einen Unfall schließen. Es wird in der Tat genau festzustellen sein, zu ivelchcm Zweck die Anzahl Soldaten auf dem Dache des Gebäudes sich aufgehalten hat. Eigenartige Entdcckuug von Schaufenstereinbrechcru. Tnrch eine Verkettung von Zufällen wurden gestern drei Schaüfenjtereinbrechcr entlarvt und unschädlich gemacht.'In der Nacht zu gestern wurden bei eiueni Friseur in der Linienstraße wertvolle Zöpsc ans dem Söiaufcnstcr gestohlen. Tic Tieoc hatten ein Stemmeisen an die Ecke der großen Scheibe angesetzt und diese dann gesprengt. Das Gctlirr der Scheibe ivecktc den Friseur. Als er auf die Straße eilte, sah er, daß seine Auslage schon geplündert war. Sein Verdacht fiel aus zwei sunge Burschen, die noch ganz in der Nähe die Straße entlang gingen. Er nahm sie fest und übergab sie der Polizei. Die Burschen hatten zwar nichts von dem' gestohlenen Gut, es lag aber die Vermutung nahe, daß sie die Beute einem entkommenen Helfershelfer zugesteckt hatten. Beide Bcicucrtcn unter Tränen ihre Unschuld', ouch später auf dem Polizeipräsidium, Ivo sie als kaum aus der Schule entlassene Burschen aus der Provinz, die sich ohne Arbeit und Wohnung in Berlin aufhielten, festgestellt wurden. Während sie nun getrennt im Gewahrsam saszcn, führte die Rcvierpolizei einen großen Trupp Menschen vor. die sie aus einer ausgchobenen Kascheirune zur Fest- stellung der Persönlichkeiten nach dem Präsidium gebracht hatten. Ter ganze Trupp wurde auf die beiden Zimmer verteilt, in denen je einer der verdächtigen Burschen saß. Als nun einer von diesen zu erneuter Vernehmung vorgeführt wurde, teilte er weinend mit, daß zwei von den Männern, mit denen er in dem Zimmer zu- fammen gewesen sei, bei dem Eindruck beteiligt gewesen seien. Er erzählte jetzt, was er bisher aus Furcht verschwiegen hatte, daß er und sein Freund in einer Kneipe gehört hätten, wie drei Männer davon sprachen, daß sie ein..Ding drehen" wollten, daß sie beide dann diesen Männern aus Neugierde nachgegangen und so Zeugen des Eindrucks geworden seien. Dann zeigte er auch die beiden Männer im Zimmer, und es ergab sich, daß einer von ihnen ein der Kriminalpolizei schon längst bekannter Schaufenftereinbrecher Karl Sckmidt war. Jetzt durchsuchten Beamte die Wohnung der Ee- liebten des Schmidt, bei der sich dieser aufzuhalten pflegte, und fanden dort in der Tat die gestohlenen Zöpfe. Einen hatte sich das Mädchen schon aufgebunden. Die beiden Männer aus der Ka- schemme rälimten jetzt den Einbruch ein. Ten dritten Mann aber wollten sie nicht kennen. Auch dieser war jedoch bald entdeckt. Ter zweite Bursche, der jetzt aus dem Gewahrsam geholt wurde, um mit dem ersten entlassen zu werden, bekundete unter Tränen, daß er einen der Einbrecher in seinem Zimmer gesehen habe. Der Be- zeichnete entpuppte sich als der dritte Mann, ein Arbeiter Karl Ramin, der schon ebenfalls wegen Schaufcnstereiickruchs vorbestraft ist. Schmidt und Romin hatten einen unbescholtenen Menschen in der Kaschemme zur Mittoirkung überredet. Alle drei wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ueber eine schwere Mißhandlung eines jungen Arbeiters wird berichtet: Die Mißhandlung eines jugendlichen Arbeiters hat in der K ö n i g i n- A u g u st a st r a ß e große Auftegmrg hervorgerufen. In dem Obstgeschäft von Eduard Strohkorb, Königin- Augustastraße 18. kam es am Donnerstag zu einer erregten Aus- einandersetzung zwischen dem Geschäftsinhaber und dem Ivjährigen Hausdiener Wilhelm Döring. Weil der Hausdiener gekündigt hatte, erklärte ihm Herr Strohkorb, jetzt könne er sofort gehen. Döring holte sich Rat auf dem Polizeibureau und wurde dort belehrt, daß er bei der vereinbarten dreitägigen Kündigungsfrist nicht sofort entlassen werden dürfe. Als der junge Mensch seinem Arbeitgeber die» meldete und vertagsgemäß Kost und Logis bis zum Ablauf des dritten Tages beanspruchte, scheint Strohkorb in Wut geraten zu sein. Was dann folgte, darüber sind in der Nachbarschaft schlimme Gerüchte in Ilmlauf. Nach Schluß des Geschäftes lieh Herr Strohkorb sich dazu hinreißen, den Hausdiener zu schlagen. Er hieb ihn ins Gesicht, stieß ihn mit dem Kops gegen ein Regal, warf ihn zu Boden und schlug immer wieder auf ihn ein. In- folge des Geschreies, das aus dem vcrschloffenen Laden kam, sam- melte auf der Straße sich eine beträchtliche Menschenmenge an. Ein anderer jugendlicher Hausdiener des Geschäftes und nachher auch noch ein Bewohner des Nachbarhauses riefen Polizei herbei, aber diese konnte zunächst sich nicht Zutritt zu dem Laden verschaffen. Als ihr endlich geöffnet wurde, fand sie den jungen Menschen in einem Zustande vor, der seine sofortige Ueberführung in daS Elisabeth-Krankenhaus nötig machte, wo eine Zersplitterung des rechten Backenknochens und eine schgvere Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Ter Verletzte soll noch am Freitag in den Mittagstunden bewußtlos gewesen sein. Gegen Strohkorb ist Anzeige erstattet worden. Seinen Verlesungen erlegen ist der am Tonnerstag früh in Johannisthal abgestürzte Flieger Abramowitch. Ter junge Mann war erst 24 Jahre alt Eine große Troueroerfammlung hatte sich am Tonnerstag auf dem Reinickendorfer Gemeindefriedhofe in der Humboldtstraße ein- gefunden, um dem verstorbenen Genossen Max Kiesel die letzte Ehre zu erweisen. Man sah viele ältere Genossen aus der Berliner Parteibetocgnng sowie eine große Zahl engerer � Berufsgcnossen, die gekommen waren, den toten Freund zu Grabe zu geleiten. Tic Trauerfeier.wilvde eingeleitet durch Trauerweisen, die der Gesang- verein..Norden" vortrug. Genosse Waldeck Manaffe würdigte in beredten Warten die Tätigkeit des um die Arbeiterbewegung so verdienten Genossen, der verhältnismäßig früh aus seiner Wirksamkeit und von der Seite seiner rührend um ihn bedachten Gattin gerissen wurde. Ansprachen am Grabe dursten nicht gehalten werden. 2lb»r die Beweise der Anhänglichkeit und Dankbarkeit häuften sich am Grabe in Form von zahlreichen Liebeszeichen zu erheblichem Umfange. Die Genossen von Reinickendorf, die Tabak- arbeiter Berlins, der Verband der Fabrikarbeiter, zahlreiche Freunde und Bekannte legten prachtvolle Kränze nieder. Auch der Wahlverein des 6. Kreises hatte es sich nicht nehmen lassen, seinem früheren langjährigen Organisationsleiter einen schönen Kranz als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für sein Wirken im 6. Kreise niederlegen zu lassen. Bon einem Schlächterwagen überfahren wurde gestern mittag in der Badstraße, an der Buttmannstraße, ein aus der Schule kommendes Kind. Es wurde zu Boden geworfen, das linke Hinter- rad des Wagens fuhr über das Bein des Kindes. Die schnell herbei- gerufene Mutter brachte daS Kind nach der Unfallstation. Die er- regt« Meng« hatte nicht übel Lust, die rücksichtslosen Fahrer zu lynchen. Achtung, falsches Geld. Falsche Fünfmarkstücke sind gegen- wärtig in vielen Orten der Mark im Umlauf. Die Falschftücke sind anscheinend von Berlin aus in den Verkehr gebracht worden. Tie Nachahmungen sind ziemlich sorgfältig ausgeführt, haben eine gute Prägung und zeigen nur im Gewicht und in der Färbung geringe Abweichungen, die aber nur bei genauerer Prüfung wahr- genommen werden. In Eberswaldc. Heegermühle. und anderen «tädteu uno Ortschaften sind in letzter Zeil zahlreiche derartige Falsifikats angehalten worden. Auch falsche Drei- und Zweimark- stücke sind wiederholt ausgetaucht. Auf gräßliche Weise Selbstmord beging gesiern nachmittag die 28 Jahre alte Ehefrau Marie des Eisenbahnarbeiters Kaz- m i c r c z a k aus der Feurigstr. 68 zu Schöneberg. Tie Frau war seit einiger Zeit sehr nervenleidend. In den letzten Tagen zeigten sich auch Spuren von Geistesgestörtheit, Gestern vormittag wurde sie dieserhalb vom Kreisarzt untersucht. Dieser ordnete an, daß die Kranke in eine Irrenanstalt untergebracht werden soll. Davon wollte die Fran jedoch nichts wissen. Nachmittags, während ihr Mann im Dienste war, übergoß sie ihre Kleider mit Petroleum und steckte diese dann an. Sofort glich sie einer Feuersäule und bald darauf war ihr ganzer Körper bis zur llirkenniltchkcit verkohlt. Von dem Lichtschein war im Hause nichts gesehen worden. Die Flammen griffen auch nicht weiter um sich, weil die Bedauerns- werte sich mitten in die Stube gestellt hatte. Erst als der Mann von seiner Arbeit nach Hause zurückkehrte, fand er seine Frau tot auf. Tic Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schau- hause in Schöneberg gebracht. Ter Ruberverein„Vorwärts", der jetzt in Stralau, Tunnel- straße 17, sein Bootshaus hat. führt nunmehr auf den: städtischen Grundstück gegenüber dein Pläntevwald nach ocn Plänen des Architekten Hans Hahn-Charlottenburg ein neues großes Boots- baus aus. Das von der Stadt gepachtete Grundstück hat eine Wasscrfront von 70 und eine Tiefe von 30 Meter. Die Länge des Bootshauses beträgt 46 Meter. Es ist Play für rund 120 Boote vorgesehen, die Garderobenräumc reichen für 500 Mitglieder aus. Der größte Teil der rund 40 000 M. betragenden Bausumme ist in den zehn Jahren, in denen das Projekt vorbereitet wurde, von deif Mitgliedern inarkweise zusammengebracht worden. Wenn keine unvorhergesehenen Umstände eintreten, kann daZ neue Boot-- Hausham IS. August in Betrieb genommen werden. Tins aller Melt. Tie Explosion auf dem„Imperator". Wie bereits gemeldet wurde, find am Donnerstag durch un- vorsichtiges Umgehen mit Benzin mehrere Arbeiter an Bord des auf der Unterelbe liegenden Dampfers„Imperator" verunglückt. Der Unfall hat sich nach dem nunmehr vorliegenden genauen Bericht wie folgt zugetragen: Einer der Arbeiter hatte unbcfugterweise sein Taschenfeucrzeug aus einenr Benzinbehälter gefüllt. Er verbrannte sich beim Probieren des Feuerzeuges und warf das brennende Feuer- zeug fort. Dadurch entzündete sich die Umhüllung des Bezinbehälters. den die Arbeiter vergebens versuchten, aus seiner brennenden Umhüllung herauszuziehen. Während dieser Bemühungen geriet das in dem Behälter befindliche Benzin in Brand und verletzte die in der Nähe befindlichen Leute teilweise schwer. Von den bei der Explosion verunglückten Arbeitern sind zwei gestorben, bei drei Schwerverletzten ist damit zu rechnen, daß stündlich der Tod eintritt. Eine bemerkenswerte Flugleistung. Der französische Flieger Gilbert, der mit seinem Eindecker Donnerstag früh 5 Uhr 7 Minuten in Villacoublay aufstieg und 1 Uhr 30 Minuten in Vittoria in Spanien landete, hat den von Daucourt mit feinem 860-Ltilometer-Flug Paris— Berlin auf- gestellten Rekord um 100 Kilometer geschlagen. Gilbert hat übrigens um 3 Uhr 30 Minuten seinen Flug fortgesetzt, um noch an demselben Tage Salamanea zu erreichen. Um 1 Uhr 30 Minuten wurde er über Burgos gesichtet. ES verlautet, daß er bei Medina del Campo gestürzt sei, jedoch keine Verletzungen erlitten habe. Ei» Eaunerrekord. Die»Franks. Ztg." schreibt: Die Welt ist in ihrem Urteil immer etwas voreilig. Vor nicht zu langer Zeit glaubte man, daß der Hauptmann von Köpenick nicht mehr zu überbieten sei, bis dann einer aufstand und der Welt bewies, welch ein Stümper in seinem Fach der gute„Hauptmann" sei; eine Wache von ein paar Mann ist ja nichts gegen eine ganze Garnison von 18000 Mann.... Run aber haben»n Petersburg zwei Gauner den Ruhm aller irgend nennenswerten Gauner in den Schatten gestellt, so daß gegen- wärtig also Rußland den Weltrekord aus diesem Gebiete hält. Die beiden Petersburger Gauner müssen aber auch wahre Genies in ihrem Fache sein, denn sie haben eS zuwege gebracht, monatelang in Petersburg eine Art Konkurrenzunternehmen der städtischen Straßenbahn zu betreiben. Die Sache war im Grunde höchst einfach. Die für daS Unternehmen erforderliche Frech- heit besaßen die Herren Gauner im umfangreichsten Maße. Das rollende Material besorgten sie sich von der Straßenbahn, indem sie einfach einen Straßenoahnwagei,..entlehnten". Die Uniformen eine» Wogenführers und eines Schaffners waren auch leicht zu be- schaffen— also die Reise konnte beginnen. So kutschierten die beiden mit dem gestohlenen Wagen, der merkwürdigerweise— merkwürdig vielleicht aber nur für nichtrussische Europäer I— gar nicht vermißt wurde, in der russischen Hauptstadt herum, machten ein Bombengeschäft und freuten sich ihres angenehmen Da« sein?. Dank d« angenehmen Emrichtung, daß auf der Petersburger Straßenbahn sich monatelang kein Kontrolleur sehen läßt, waren � sie auch der Sorge, daß man Ein- blick in ihr„Geschäft" bekommen könnte, enthoben. Dieser Tage aber hat die beiden unternehmungslustigen Brüder dennoch daS Geschick in Gestalt eüieS Revisors erreicht. Der Mann muß ein Neuling, ein Anfänger gewesen sein, der noch keinen Einblick in die Tiefen des BetriebSreglementS gewonnen hatte und es mit den Dienstvorschristen lächerlich genau nahm. Da etwas nicht stimmte, verlangte er von dem Pseudoschaffner Rechenschast. Doch der wußte sich zu helfen. Mit Hilfe seines Kompagnons fesselte er den neugierigen Revisor, und dann fuhren die beiden mit„ibrer" Straßenbahn auf und davon. Draußen, vor dem Tor. ließen sie den Wagen stehen und kehrten dem Schauplatz ihrer Erfolge den Rücken. Kleine Notizen. Eiu schreckliches Unglück ereignete sich in Marggrabow a (Ostpr-). In der Werkstatt eines Schlossermeisters sollte ein Acetylen- apparat gereinigt werden. Als der Meister sich einen Augenblick entfernte, zündete einer der beiden Lehrlinge, trotz des ausdrücklichen Verbotes, ein Streichholz an. Die im Apparat zurückgebliebenen Gase entzündeten sich und beide Lehrlinge wurden bei derErplos iongetötet. Gefährliches Spiel. In der Ortschaft HoloSko in Galizien der« suchten zwei Gymnasiasten aus einer Blechbüchse eine Bombe anzu» fertigen. DieBüchje explodierte, beideGymnasiasten wurden tödlich verletzt. Straßciidahnzusammcustosi. Auf dem Fröschenteich in Mühlheim a. Ruhr stießen zwei besetzte elektrische Straßenbahnwagen infolge falscher Weichenstellung aufeinander. Drei Beamte wurden schwer verletzt. Ein Reisender kam mit leichten Kopfverletzungen davon. Die Wagen wurden schwer beschädigt. Der verschollene Freiballon. Ueber den Verbleib des am Sonntag- vormittag auf dem„Großen Forst" bei Kassel aufgestiegenen und seitdem verschwundenen Ballons„Ilse" und seines Führers, des Kaufmanns Franz W e y l a n d. ist noch immer nichts be- kann t. Die von dem Äurhessischen Verein für Luftschiffahrt auf die Auffindung des Ballon- und seines Führers ausgesetzte Be- lohnung ist von der Familie des Vermißten nunmehr auf 1000 M. erhöhl worden. Ei» schwerer Unglücksfall ereignete sich Freitagabend auf dem Grundstück der Pommerschen Provinzialrasfinerie in Stettin. Dort glitt au- bisher noch nicht festgestelller Ursache ein Förderwagen vom Gleise und siel aus den gerade vorübergehenden Auffeher P ü n g e l, einen Mann von etwa vierzig Jahren, der dabei zu Boden geworfen wurde und-am Kopf so schwere Quetschungen erlitt, daß nach wenigen Augenblicken der Tod eintrat. Smgegangene Drucklchrifreu. Katholizismus und Jesuitismus. Bon v. Dr. H. Koch. 62£. — Konstantin der Grolle und das Chrifteutum. Von D. Dr. H. Koch. 49 g.— Durch Albanien und Montenegro. Bon H. Grolhe. 224 S. M. Mörike, München.„ Einiüvruna in die Rechtswissenschaft. Von Prof. Dr. G. Rad« bruch.(Vissenichajt und Bildung Bd. 79,) Leinenband 1.25;!R. Quell« uno Meyer. Leipzig.. � Die Miftersolge in der Polenpolittk. Von Baron K. Pulilamer. 50 Pf. K- Curtiu-5, Berlin W. 35. Deutscher Geschichtskalcndcr für 1913. 3. Hest. Halbjährlich 6.Hefte 6 M. F. Meiner, Leipzig. Di». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Äwu 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. Cafe Kuhwald Woltersdorfer Schleuse d. Erkner. Herrlichster Ausflug für Vereine und Gesellschaften. 5S0b Fritz Holldorf. Melcbe famllknzcttfchnft gehört In das Baus des Hrhelters? Der alte Liebknecht hat gesagt:„ein Hrbrtter ohne BUdungsbedörfnU ist ebenso selten, als ein Bourgeois mit Bildungsbedürfnis." Sin Arbeiter und eine Arbeiterin ohne Bildungsbedürfnis ist wie ein fflensch ohne Kopf. Bildung schafft höhere LShne, schafft höheren Genuß ins ärmliche Leben, ermöglicht den Hrbeitem die Vertretung ihrer RUIXeninterelTen auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet, Parlamenten usw. Hla ungewöhnliches Bildungsmittes wird Die l�ete (wöchentlich 15 Pfennige) von viclcnpartcirtclUn empfohlen und gefördert. (Harum? ttXeil sie aus einer sozialen Xdee entstanden ist. Die„Lese" will die Geilt esschätze unseres Volkes für alle frei und lebendig machen. Sie ist ein Kommunismus des Griftes. Schöne und kostbare Bücher waren bisher nur für die Reichen da. Dem armen und arbeitenden Volke wurde(wie es bei den Lebensmitteln noch der-fall ist) der schlimmste Schund vorgeworfen. Nun bietet die Zeitschrift„Lese" für wöchentlich nur 15 Pfennige das BerrUehste aus der Geisteswelt aller Völker und Zeiten in«echsei und fülle. Zum erstenmal schreiben hier alte und neue Dichter für das einfache Volk— für den Hrbeiter. Neben einem Bauptmann, Dehmes, Ben dtetl kommen Naturwissenschaften (ßölfchc, fendrich), Cethnik(Colin Roß), Soziales(Levenstein, Diedcrich), Reisebeschreibungen, Memoiren usw. Besonders reich Und die Beiträge! „(Hie es im Volke dichtet" und „Soziale Lyrik", worin zahlreiche Männer und frauen aus dem werktätigen Volke zu Worte kommen und mancher Hrbeiter- Dichter entdeckt wurde. erhält jeder Hbon- rvoimuos nentvons-f'-�«' (ein Jahrgang) zwei hübsch ausgestattete Iahresbücher, die im Buchhandel allein z M- holten. 19« wird als erstes Buch ausgegeben: „Der ßaldamus und feine Streiche" von Oskar(Qährlc, worin dieser wunderbar packend schildert, was er als Landstreicher, fabrikarbeitcr, fremdenlegtonär und deutscher Rekrut erlebte. uni» fräh»? OUtiicJs«; ßerulirchein, Bei der Buchhandlung Vorwärts. Berlin SW- 68' Lindenstratze 69 abonniere ich auf Die Lefc ut wöchentlichen Lieferungen für 13 Pf. 4rDJSv?. Außerdem erhalle ich zwei gut ausgestattet-»?-� bei-Abnahme von 52 Heften des Jahrgang-�- vollständig lostenlos, bei 26 Heften ein»uw- Name;..».«»»»»»»..»»-..... Ort u. Datum:.................'** Straße......................... Wen» niemand zu Hause, wo ist da» fcam* abzugeben?............ Todes-Anzeigen SozialdeniokratiscberWaliivereiD U 4. ßerl. ReielistagswaMIffeis. Landsberger Viertel. Bezirk 389. Den Mtgiiedern zur Nachsicht, daß unser Genosse, der Friseur �rtur Kleina Tilsit er Straße 65 gestorben ist. Estre seine« Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 26. April, nachmittags 4V> Uhr. von der Leichenballe des Zentral-FriedhoseZ m Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/5 Der Borftand. ZMlteivlilNllWtiel' Wabfoerein liir Idederbarnim. Bezirk Borsigwalde-Wittenau. Ten Mitglieder» zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer jMbvni Engel Wittenau. Ludarser Str. OS, ge. swrbe» ist. Ehre seinem Sludenkeu! Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. April, nachmittags 3>/,Uhr. von derLeichenballedes Gemeinde- Fried hoseS Wittenau aus statt. Rege Beteiligung erwartet 56tb Der Borstand. öeMber IraiüDilarbeiier-Verband. Bezirksvorwaltung GroB-Berlin, Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Roll. kutscher Max Cornelius von am 24. d. Mts. im Atter 24 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. MiS.. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des neuen JohanniS-Kirch- hojcs in Plößensee aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kohlen- tutscher frieclricd am 24. v. Mts. im Zllter 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. Mts.. nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des DankeS-Kirchhojes in Reinickendors-Best(Blanlesttaße) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 64/16 Hie Bezirksverwallung. Ely von Verband der Gastwlrtsgebmen. Lrtöverwaltnng Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Karl �lbreckt am 25. April im 41. Lebensjahre verstorben ist. , Fernsp. Kg8t.l3708 Erscheint 2 mal wöchentlich. Bezugsquellen-Verzeichnis. 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Mertins, Keichenbargerst. 168. Mühlstcff Spandau, Bismarrkslr. 5. Fliti Mülle, Gräfestr. 4. Alfred Müller, Brunncnstr. 87. Roman Nowak, Wienerstr. 8. Friedridi Oste, Madaistr. 10. Herrn. Proell, Nonnendamm. Friedrich Probst, Andreasstr. 51 Bäckerei„Nordstern" Ind.: Gust. Müller Filialen i. verschied. Stadtteilen Chormerstr.85 j FIl.Ackerstr.l I Clemens Weise, Jablonskistr. 1 WllhelmaAndrea�r. 32. Otto Winkler, Nannynstr. 73. E. Wolif, Grüner Weg 75. �__B�eMStalteir"M � Arkona-Bad, Anklamer-Str. 34. Landsbergeritr. 107 Gollnowstr. 41. Bürgerüad � Canitz-Bad, Münzstraße 2. lontral-iail Anz"��. 2-, | Neukölln, 1 Münnhenerstr. 51 Bad Frankfurt, Gr. Frkft.Str. 136. Lieferant sämtl. Krankenkassen BadFriedridisbain.Undsb.AlIeMSS Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. Kaiser-Friedrichs-Bad, Chsrl.a.Eh, in früher Munsel, WzUstr. 70/71 NationaI-Bad,'Brunnenstr. S. Bad Ostend KÜ" Passage- Bad cammra" Reform-Bad, Wiener Str. KS. SÜeSia sridesischeStr! 3™ U fiKtonia- Bad Kottbuser Damm 75 V Friedrich Wilhelmsbad Chausseestr. 87. R. Bänke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenickerstr. 70. Lange, A. E., Brunnenstr. 167. Liepe, Schöneberg, Groaewjldsir.SO. Meyer,P.,Nlillii.,BerIinerstr.49— 50 J. Oh. Pollmann, Lolhrmgentr. 69. DoifliA Ä Seydelstral!? 15. I\Clt-llC( Fl. Lief.allcrKassen 7arPinhn Weinbergsweg 1 Aldi ClllUd Drog.,hyg. Artikel. c Beleucht.'Gegenst Büttner, A-, Danzigerstr. 96. ßnnfft üeiciientergerstr.iyfi Ii Ulis Ii Aitiniral8lr.38 ll. 13 z F. Risleben, Samariterstr. 11. Arthur Roemer, Kottl). Damm 101 Walter Rohr, Anklameratr. 26. Max Sander, Dunkerstr. 23. Otto Schmidt, Adalbertstr. 27. Helnr. SchubertBoxh.ChauBS.5/6 SikorsklAVeilcnaee.HeineiadorhratT.ll R. Schade, P aIiss-St.9 Fil. O u.NO Paul Sorge, Proskauerstr. 21 Rieh. Schenkel; 98. P. Sdiinauer, Anklameratr. 15. Paul Schulz, Hufelandstr. 2 H* SplUmann, Grüner Weg 115. Oustar Taapltz, Prinzen-Allee 61. Carl Tennert, Schlesiacheatr. 19. F. Ttedemann, Bflxh.-K., Raatatr 47. TnnSinn Filialen in allen Stadt- lUrOdfl teilen. Josef Ullrich, Manteuftelstr. 103. Volksbrot, LG. id. y. Otto Wagnitz, Müllerstr. 28 Ludwig laller, fiülfiWslr. 37. Fritz Wahl, Koppenstr. 46 K. Walter Jr., Löwestr. 18 Reinb. Assmas, Gcrichtstr. 10. Gustav Bersug, Weidenweg 80. BronuBDstr.lBSWHFw�ge.! A. Diepow, Tauroggenerstr. 12. Prinz Hnndjeriestr.ZNkl G. Wolff. Klahn,H.,Nkll!i.Ksi8er-ftiedriclis1.23« nDcscDBlK'üiOy., Hermannst. 119. Kröning» Adler-Drogerie. Bamitrstr.7. P.Lehrke,KotaraserDamm81-82;Vatfiia Alfr. Marsch, Culmstr. 37. Rathaus-Drogerie.Mlla-noaagstr. 24. " Neukölln G. R- Prenzel. Frinzunstr. 103«5«!� Fr. Schlnssnuss, Liebauer3t"rr22. Hugo Schnitz, Müllerstr- 166 a.. Hyg.Gumroiw., Photogr.-Artikel. MllM.sZ KaÄidll. Obcrschdjweide Willi i-lminrnhofsir. 46 Erich Preufl Drogn, trg.Sammiwar., Seifen liiiligst. Werder-Drogerie, Briti.Rndowersl. 5a Zobel, Georg, N, Aekeratr 50 c Bettfedern u. Betten G. Behrend8,Neiik. 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Verbandstag der Zivilmusiker macht es den Ver- bandsmitgliedern zur Pflicht, in allen Fällen, wo sich unsere Arbeitgeber weigern, die Beiträge zur Invaliden- ünd Krankenversicherung zu entrichten, die rechtsprechenden Instanzen, Ver- sichcrungsamt, Oberversichcrungsamt, Aufsicbtsbehörde anzu- rufen, und darauf zu dringen, daß endlich Klarheit über die Ver- sicherungspflicht der Zivilmusiker geschaffen wird." Dann referierte F a u t h- Berlin über .„Tic Versicherung der Privatangcstelltcn." In längeren Ausführungen gab Redner wertvolle Fingerzeige, wie sich die Musiker zu dieser Versicherung zu stellen haben, ueie Generalversammlung beschließt, die Beiträge ihrer Beamten zu dieser Versicherung ganz, und die Beiträge zur llnterstutzungs- cinrichtung der modernen Arbeiterbewegung zur Hälfte auf die Verbandskasse zu übernehmen. Für die Beschwerdekominission berichtet M e i er- Lübeck; seine Ausführungen erstrecken sich auf den Ausschluß eines Mitgliedes, der im Hauptberuf Bildhauer ist und von dieser Organisation ausgeschlossen ist. Ucber „Tic Militärkonkurrcnz in Theorie und Praxis" sprach Vorsitzender F a u t h- Berlin. Tie Ausführungen des Red- ners sind in folgender Resolution zusammengefaßt: „Seitens der Militärvcrwaliung sind in neuerer Zeit wieder- holt Kundgebungen ergangen, in denen stets die Behauptung wiederkehrt, daß seitens der Regierungen alles geschehen sei, den berechtigten Beschwerden der Zivilmusiker bezüglich der Militär- konkurrenz Rechnung zu tragen und daß infolge der von der Militärverwaltung getroffenen Matzregeln berechtigte Be- schwerden von den Zivilmusikern nicht vorgebracht werden können. Demgegenüber sieht sich der ö. Verbandstag des Zentral- Verbandes der Zivilmusiker Teutschlands genötigt, erneut fest- zustellen, daß die Erklär unge-n der Regier ungs- Vertreter den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechen. Zwar mag zugegeben sein, daß die ergangenen Ministcrialerlasse den Zivcck verfolgen, den allerärgsten Miß- ständen abzuhelfen. In Wirklichkeit aber stehen die Bcstimmun- gen dieser Erlasse vielfach nur auf dein Papier, da die darin den Regiments- usw. Kommandeure«? gegebenen Befugnisse, Aus- nahmen zuzulassen, sehr weitgehende sind und davon der aus- gedehnteste Gebrauch gemacht loird. In der Tat ist es weder in bczug auf die'Verdrängung von Zivilmusikern aus ihren Stellungen durch die Militärkapellen noch in bezug aus die Enthaltung der tarislichcn Löhne ein nennenswerter Fortschritt zugunsten der Zivilmusitcr in die Er- schcinung getreten. Ter Verbandstag kann nur aufs tiefste bedauern, dag die Militärverwaltung sich als so unzulänglich und unzutreffend in- formiert i» dieser Frage erweist. Er ist aber auch nach wie vor davon überzeugt, daß eine wirkliche Besserung nur herbeigeführt werden kann durch ein gänzliches Verbot des gewerblichen Musi- zierens der Militärkapellen und macht es daher jedem Musiker zur dringenden Pflicht, alles einschlägige Material zu sammeln und mit allem Nachdruck bei Gesetzgebung und Regierung auf Erlast eines solchen Verbots hinzuwirken." In der Debatte wurden haarsträubende Dinge von der Militär- konkurrenz vorgetragen. So soll doch sogar im Jahre 1911 das in Altona in Garnison stehende Thüringische Infanterieregiment •m,"n Ballhaus„Flora"(Altona) anläßlich einer Maskerade «n Verkleidung als„Damcnkapclle" gewirkt haben Die Mitglieder des Zentralverbandes hatten diese Zumutung des Besitzers abge- lehnt: die Militärmusiker aber führten den Auftrag au� Die Resolution fand einstimmige Annahme. Tic Verhandlungen wurden dann auf Freitag vertagt. Serickts- Leitung. Polizeitatcn im„Rechtsstaat" Preußen. Ter Polizeisergeant Nirdcrmchcr in Schildcschc bei Biete- seid betrat am 11. November 1911, abends gegen 11 Uhr, das Lokal des Wirtes Lücking daselbst und gebot Feierabend. Es waren noch Gäste da. Der eine ging alsbald, der andere, ein Arbeiter, trank noch sein Glas Bier. Ter Wirt machte den Beamten unterdes darauf aufmerksam, daß es in einer Nachbarwirtschaft mit dem Feierabend offenbar nicht so genau genommen werde. Darauf ging der Beamte hinaus, kam aber gleich zurück und traf Lücking und den Arbeiter bereits vor der Tür. Er ließ es geschehen, daß sein Hund den Wirt anfiel und ihm die Hosen zerriß. Vorhaltungen deswegen beantwortete der betrunkene Beamte damit, daß er den Ar- beiter zweimal in die Gosse stieß. Dieser bat nun den Wirt, ihm Schutz zu gewähren. Ter Wirt nahm ihn mit ins Haus und versuchte dann die Tür abzuschließen. Hieran suchte Niedernieyer ihn zu hindern. Ein anderer Polizeibcamter war inzwischen herbeigekommen. Beide drangen nun mit ihren Hunden in das Haus. Tort wurden die Hunde auf die beiden genannten Personen und auf Frau und Kinder des Wirtes gehetzt; Niedermeyer hatte seinen Säbel gezogen und schlug blindlings um sich und verwundete den Wirt und den Arbeiter an mehreren Stellen erheblich. Er hörte damit erst auf, als der Arbeiter einen Stich in die Brust bekommen und schreiend zur Vorsicht gemahnt hatte. Bei dem zweifelsfreien Tatbestande wurde allgemein an- genommen, daß die Polizeibeamten alsbald ihres Amtes ent- hoben werden würden. Darin täuschte man sich. Denn nicht gegen die Beamten wurde vorgegangen, sondern— gegen die, die von ihnen und besonders von Niedermeyer in so un- erhörter Weise Angegriffenen. Aber das Schöffengericht würdigte die Taten der Polizei- Helden nach der klaren und unanfechtbaren Beweisaufnahme so, wie sie es verdienten, und die Angeklagten wurden frei- gesprochen, obwohl die Staatsanwaltschaft Verurteilung be- antragt hatte. Die„objektivste Behörde der Welt" gab sich damit aber nicht zufrieden, sie bemühte die Strafkammer des Bielefelder Landgerichts. Hier wurden der Wirt, seine Frau und der Arbeiter, die in so brutaler Weise von dem Beamten geschlagen, gestochen und von den Hunden zerrissen worden waren, obendrein mit Geldstrafen von 199, 59 und 59 M. bedacht. Tie dagegen eingelegte Revision hatte Erfolg: das Ober- landesgericht wies die Sache zu neuer Verhandlung an das Landgericht zurück. Die Strafkammer hat nach neuer Verhandlung jetzt auf Freisprechung erkannt. Die Staatsanwaltschaft allerdings hielt auch in diesem Stadium daran fest, daß die Angeklagten verurteilt werden müßten, ja ihr genügte bei dem einen eine Geldstrafe noch nicht einmal, sie beantragte gegen den Wirt eine Woche Gefängnis. Werden jetzt die Polizeibeamtcn angeklagt werden? Preußen soll ja doch ein„Rechtsstaat" sein, freilich ein Rechts- staat mit Trciklassenwahlrecht. Richter und Arbeiter. Von welchem Geiste manche Recht sprechende Richter heute Ar- bcitern mit aufrechtem Sinn gegenüber erfüllt sind, zeigte am Mittwoch eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Erfurt. In einer Brauerei hatte der erst seit vorigem Herbst angestellte Ma- schinenmeister Friedrich Eichhorn den schon 13 Jahre in dem Betriebe beschäftigten Maschinisten G. in Gegenwart einiger Kol- legen„den frechsten und faulste» Arbeiter" genannt. Bei den nach- folgenden Verhandlungen mit der Direktion nannte der so schlver gereizte Arbeiter G. den Eichhorn einen gemeinen Lügner. Es kam zur Klage des Eichhorn gegen G. wegen Beleidigung: letzterer erhob Widerklage. Dem G. wurde' von dem Direktor vor Gericht ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt: der Mann besitze aber ein starkes Nnabhängigkeitsgefühl, wie es selbständigen Arbeitern eben eigen iit. Schön in der Verhandlung nun meinte der amtierende Amtsrichter Dr. Krause:„Es fei beiannt, dast die Leute hcutc mit Glacehandschuhen angefastt ivcrdci, Iv-Ilten." Schließlich wurde der den Arbeiter zuerst beleidigende Maschinenmeister Eichhorn freigesprochen, ihm wurde der§ 193 zugesprochen; dagegen erhielt der von jenem erst gereizte Arbeiter G. 20 M. Geldstrafe. In der mündlichen Begründung des Urteils erkannte der Vorsitzende an, daß G. als tüchtiger Arbeiter anzusprci�cn fei, doch habe Eichhorn als Vorgesetzter bei seinem energischen Vorgehen nicht jedes Wort auf die Goldwage legen können. In derartigen Situationen«nüsttcn die Arbeiter den Mund halten, wenn ihnen ein Vorgesetzter Vor- Haltungen macht. Wo ist bei einer solchen Rechtsprechung noch ein Unterschied zwischen dem Arbeitsvertrag freier AkenschoO und dem Kadaver- gehorsam auf dem Kaserncnhofe zu erkennen?. Ungültigkeit ciircr Gcmcindcvcrordnctcnwahl. Bei einer Gemeindcverorimetenwahl in Mastrup, die 1911 stattfand, standen sich die Hofbesitzer Knudsen und Krack als Kandi- daten. gegenüber. Da sowohl bei der Hauptwahl, wie bei der cn- gcrcu Wahl Stimmengleichheit herrschte, so mußte das Los ent- scheiden. Es entschied für Krack. Die Gemeindevertretung erklärte nun unter dem 19. August 1911 dessen Wahl aus irgend einem, hier nicht interessierenden Grunde für ungültig. Nun wurde eine neue Wahl ausgeschrieben, und zwar für den 28. August, wo die lltägigc Klagesrist, die Krack zustand, noch nicht abgelaufen war. Aus verschiedenen Gründen nahm mau an, Krack würde oder habe auf eine Klage verzichtet.' Bei der Wahl am 28. August standen sich nun svieder Krack und Knudsen als Kandidaten gegenüber. Und wieder mußte dies- mal das Los entscheiden. Es fiel jetzt aber auf Knudsen. Auch dessen Wahl wurde angefochten, und zwar deshalb, weil in der Einladung zur Wahl das Wahllokal nicht angegeben worden war. Tie Gemeindevertretung erklärte auch die Wahl Knudsens für un- gültig. Knudsen klagte nun auf Gültigkeitscrcklärung seiner Wahl, in- dem er geltend machte, die Nichtangabe des Wahllokals habe vor- liegend nicht geschadet, da doch alle Wähler erschienen seien. Der Krersausschuß zu Hadcrslcbcn, der Bezirksausschuß zu Schleswig und jetzt das Obcrvcrwaltungsgcricht wiesen die Klage ab. Das Obcrverwaltungsgericht führte zur Begründung aus: Das Obervcrwaltungsgericht stehe auf dem Standpunkt, daß im Falle der Ungültigkeitserklärung einer Wahl die neue Wahl nicht eher stattfinden dürfe, als bis die Frist zur Erhebung der Klage gegen den Beschluß der Gemeindevertretung oder einer Stadtverordneten- Versaminlung abgelaufen sei. Das sei hier nicht beachtet worden. Werde die Neuwahl, wie hier, nach Ungültigerklärung der vor- herigen Wahl innerhalb der Frist anberaumt, so müsse auch die Neuwahl für ungültig erklärt werden. Vernunft wird Unsinn. Das Sprengswffgesctz bedroht mit der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis den. der Dhnamitpatronen ohne polizeiliche Genehmigung im Besitz hat. Der Bergmann Adolf Rischen hatte einige Tynrnnitpatronen gefunden, sie erst in der Erde vergraben und dann wieder an den Fundort gebracht. Das Landgericht Wiesbaden verurteilte ihn zur Mindeststrafe, weil nach dem Wort- laut des Gesetzes auch der vorübergehende Besitz unter Strafe gc- stellt sei. Gegen das Urteil legte der Verurteilte Revision ein. Ter Reichsanwalt beantragte am Donnerstag Verwerfung der Rc- Vision. Das Reichsgericht erkannte jedoch mit folgender verstän- digen Begründung auf Aufhebung des Urteils und vermies die Sache an das Landgericht zurück. Tie Urteilsgründc lauteten: Wie das Reichsgericht in einer früheren Sache ausgeführt hat, ist das Erfordernis einer vernunftgemäßen Rechtsanwcndung, daß die Vorschrift des 8 9 des Sprengstoffgesetzes nicht unter allen Um- ständen buchstäblich angewendet werden kam«. Das trifft nach Ansicht des Senates auf den gegenwärtigen Fall zu. Es muß erst noch klargestellt werden, ob der Angeklagte die Patronen weg- genommen hat, um sie sofort zu vernichten und dadurch ein Unglück zu verhüten. Wenn er in dieser Absicht die Patronen vergrabön und inöglichst rasch vernichtet hat, so würde auf diesen Fall die oben erwähnte Ansicht zutreffen. Es kann unmöglich die Absicht des Gesetzgebers sein: daß jemand, weil er lediglich Dynamit in die Hände nimmt, um es zu vernichten, trotzdem strafbar sein soll,' weil er es in diesen wenigen Augenblicken in Besitz gehabt hat. Festzustellen ist allerdings noch, ob er die Patronen nicht länger als notwendig in Besitz gehabt und sich dadurch strafbar gemacht bat. So hat das Reichsgericht in diesem Fall mal der Warnung Vernunft nicht Uilsinn werden zu lassen, Rechnung getragen. Das ist der Registrierung wert.__ Urteil in der Wilmcrsdorfer Totschlagsaffäre. Tic Beratung der Geschworenen in der Anklage gegen den Architekten Waldemar dauerte bis gegen 11 Uhr abends. Das Urteil konnten wir deshalb nicht mehr in der ganzen Auflage mit- teile», wir holen dies hiermit nach. Die Geschworenen bejahte» nur die Frage/ ob der Angeklagte schuldig, den Fabrikanten Her- mann Heinzc durch Fahrlässigkeit getötet zu haben. Da§ Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von 6 Mo- naten der Untersuchungshaft. Muß die Mutter den Bater des unchclichcn Kindes neniicn? Die Mutter eines unehelichen Kindes ist nicht verpflichtet, dem Vormundschaftsgericht den Namen des Vaters des Kindes anzu- geben. Gibt sie aber einen falschen Namen bewußt an, so macht sie sich nach einem am Donnerstag vom Reichsgericht gefällten Erkenntnis nach 8 169 des Strafgesetzbuches strafbar. : Jerusalemer Str. 32"SS .Verkaufsstellen In allen Stadtteilen AWM, § als billigste Einkaufsquelle f. Herren-u. Knabengarderoben ist die Deutsche Bekleedungs-Gesellschaft, weil die Käufer durch das Verkaufs- System Settetötostovpms jCuUetv erhebliche Ersparnisse machen und vor jeder Uebervorteilung geschützt sind. Gemäss ihrer beim Amtsgericht niedergelegten Statuten ist die Deutsche Bekieidungs-Gesellschaft an obige Vertriebsart gebunden und macht sich strafbar, wenn sie mehr als 100/o auf d. Selbstkostenpreis schlägt Deutsch Belileiduhs-Gesellschafi ¥ Vertrieb von Herren- und Knaben-Garderobe 00 Turmstrasse 80 Gr.FrankfurterStr.4 27 Chausseestr. 27 Neukjlln, Bergstr. 7-8 (Neben kleinem Tieisarten)(Eeke Fruchtstrasse) tNahe der Invalidenstrnsse)(Ecke Prins-Handjery-Strasse) Jedes Wort 10 Pfennig. 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Verband der ciast�irtssebilken, 31/11*___ Zweiflvereici der Cai6-Assgeslelllgn__________ SJerMpal-Kackepeter Martin Inhaber: Mönzstrafie, Ecke kaiser-Wiltielm- Straße, ist wegen Nichtanerkennung der L�a>">atioit für organisierte Gastwirtögehilfe»«esperrt. � �kschäftigte» Kellner gehören g e l v e» Organitatiauc! a.» Platinabfälle, Gramm 5.70, Alt« gold, Silber, Zabngebiffe. Stanniol. Oueckstlber kauft höchstzabiend Blümel, Schmelzerei, Auguititraffe 19 III.+3* Zahngrbisse, Goldjachen, Silber, fachen, Platinabsälle, sämtliche Metalle höchstzahlend. Schmelzerci Christionat Köbenickenttaffe 20 a(gegenüber Manteuffellttaffe). 59/1* Zahugebijse, Plattnabfällc, Gold- einkaus, Silber, Quecksilber, Stanniol höchstzahlend Schmelzerci Müller, Tellowersttaffe 10. 531b* Zahngebiffe, Zahn bis 1,00, Platinabsälle, Goldankaus, höchst- zahlend.Geldkontor', Alle Jakob- straffe 140. 202/3 Zaliiigcbtffc, Zahn bis 1,25(komm- selbst). Platina 5.80,«lNgold. Allsilber Goldschmied Bruckard. 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Vorort-]N acbrichtcn. Aeukjjll«. Tie Ttadtverordnetenversouimlung stimmte in ihrer Sitzung mn TonnerStognachmittng einigen Acnderungcn des Bcbauungs- � planes zu, welche die Geygerstraße>Bcrbindung zwischen Kaiser- Friedrich- und Donemstraßc), die Straße 60, das Wiesenufer de- rrafcn. Die zwischen Reuter- und Mainzer Straße projektierte Straße LIM, soll eine neue Straßen- und Baufluchtlinie und eine kleinere Platzanlage erhalten. Für die künstlerische Ausschmückung des Rat- h a u je s durch Stein und Holzbildhaucrarbeitcn, Malereien usw. wurden 7L 000 M. dcwilligt. In einer eingehend begrüirdctcn Vorlage schlug der Magistrat dar, in der Äaiser-Fricdrichstraße eine Verbesserung der Beleuchtung durch lDOOkerzige Gasniederdrucklampcn und in der Berliner, Berg- rind Hermannstraße durch elektrische Bogen- und Mctallfadenlampcn durchzuführen. Tic gcgwrwärtig noch schwebenden Versuche in einzelnen Teilen dieser olraßen sollen endgültig durch die Teputation der städtischen Werke entschieden werden. Gegen die letztere Absicht wandte sich Stadtv. A b r ach a m, der sowohl aus finanziellen als auch aus ästhetischen Gründen die Entscheidung darüber dem Plenum überlassen wollte. Die Per- sammiung machte diese Ansicht zu der ihren und genehmigte im übrigen die Magistraisvorlage. Für die Einrichtung der im Oktober zu eröffnenden städri- sckcn Badeanstalt schlug der Magistrat vor, die medizinischen Bä�er, insbesondere die Glühlichtbäder mit Massage- und Ab- kichluiigSraum, für beide Geschlechter getrennt, die römisch-irischen Bäder aber vorläufig nur einfach herzustellen und für die Be- Nutzung gcircnnre Badezeiten für beide Geschlechter festzusetzen.-' Stadtv. Tr. Fürst(Soz.s Nxiiibtc sich entschieden gegen letzteres. Tie aus der wie ein medizinisches Kolleg anmutenden Begründung herausleuchtcnde Auffassung, daß römisch-irische Bader für Frauen weniger wichtig wären, sei falsch. Würde man diese Vadeabteilung nur an bestimmten Tagesstunden offen hallen, so liefe dos Inn der Struktur der Neuköllner Bevölkerung darauf hinaus, daß dem wen- aus größten weiblichen Teil derselben die Frequenz unmöglich gc- machr würde. Die Gefährdung der Rentabilität der Anstalt käme gar nicht in Frage, um so weniger, als mit dem bevorsichenden Inkrafttreten der Rcichsvcrsicherungsordnung in Neukölln MIM Ins 2.', llyg Versicherte mehr sein weroeii, die zumeist teure medizunsche Bäder der hohen Kosten locgen entbehren mußten, nunmcbr euer auf Kassenkostcn erheblich die Inanspruchnahme derselben stclgcrn dürften. Es loäre einfach selbstverständlich, daß auch die römisch- Irischen Bäder für beide Geschlechter eingerichtet würde». In d-c gleichen Weise äußerte sich Stadtv. Emmeluth.-vie Magistratsvorlagc, ioelchc nierüvürdigerweise auch in der-r-epula- tioii für die fiädtische Badeanstalt eine Mehrheil gefunden hatte, versuchten Stadtv. Dr. Müller und Bürgermeister Dr. Wctn- r c i ck, zu retten; die vom letzteren vorgetragenen Gründe sprachen aber durchaus für den sozialdemokratischen Antrag.— Siadtv. Conrad(Soz.s wariitc vor der Krähivinkelci der Vckrlagc, da bei einer beschränkten Besuchszeit für medizinische Bäder ein Liefe- rungsvertrag mit der Zentralkommission der Krankenkassen aus- geschlossen sei und gerade dadurch die Rentabilität der Anstalt icideii würde.— Ter sozialdemokratische Antrag wurde darauf gegen die Stimmen der Altbürgerlichcn angenommen. Eine stürmische Gesck?äftsordnungsdebatte rief die borzu- nehmende Wahl der gemischten Deputation»zwecks Aorbcratung für die weitere Ausgestaltung der Schularztorganisation" hervor. Als Stadtv. Dr. Fürst FSoz.) gegen diese unberechtigte Ein- engung der Aufgaben der von der Versammlung bei der Etats- bcratung beschlossenen Deputation sprechen wollte, tourde er durch wjcnde Unterbrechungen und Zwischenrufe von feiten der bürger- lichen Mehrbeit daran gehindert. Stadtvcrordnetcnvorsteher Sander wollte ebenfalls keine Debatte über die Aufgaben der Teputation, sondern nur deren Wabl zulassen, und Bürgermeister Dr. Weinrcich bemühte sich krampfhaft um den Nachweis, daß man der Deputation nur die in der Porlage bezeichnete Kompetenz habe zuweisen wollen.— Die Stadtv. Groger iSoz.) und Dr. Fürst ISoz.) konnten aber aus den Protokollen der Versammlung fest- sicllen, dgß diese eine schuthygienische Deputation habe einsetzen niullen und auf Antrag des Stadtv. Tr. Dietrich bei der Etat- berat ui»g dieser seihst di? Vorbcratung bou Maßnahmen für die Schulzannpflege zugctviesen habe. TaS Tollste an der Sache fei aber, daß der stärksten Fraktion, der Vertretung der Masse der Bürgerschaft, auch»och auf schulhhgienischcu Gebiete-die Mitarbeit beschnitten werden solle, obwohl im reaktionären Preußen die Sozialdemokratie in der Schulverwaltung völlig rechtlos fei. Das beweise wieder einmal, wie die sogenannten Vertreter der Selbst- Verwaltung im Grunde mit der verfassungswidrigen Rechtlos machung der Arbciterbertreter einverstanden seien.— Schließlich gav der Vorsteher an Hand der Protokolle eine widerspruchslos gc- billigte Defmitirm der erlveiterten Kompetenz der Deputation. darauf ivählto die Versammlung 5 Mitglieder in dieselbe, da runter die Genossen Dr. Fürst und Paetzcl. Der Erweiterungsbau der S ch ulc in der Donau sr rage wurde mit 520 000 M. Kosten genehmigt, ebenso die Ein-� bauten von Räumen in derselben Schule und in der am Richard- platz für die Erteilung des Ha u sh altü n g s un t er r i ch t s. Lichtenberg. U»giilti>e Wählerlisten. Ter Vorsteher cröffucie die Vcrhai-d- lungen oer am Donnerstag stattgefundenen Sitzung der Stadt- verordneten mu der Mitteilung, daß die Klage des Genossen John der letzten Stadtvcrordnetcnwahllistcn von dcm-o�ks-msschuß als berechtigt anerkannt worden fei. Er habe ahne mu iche Verhandlung entschieden, der Eisenbahnfiskus und die;!�berger Bqnk seien aus der Liste zu st reichen. Es wage Ncy, ob man nun mündliche Verhandlung beantragen oder die Eniicheidung des Oberverwalrnngsgerichtes herbeiführen wolle. Genosse bemerkte, die Angelegenheit müsse in einer bc- sonderen � S?"0"hande,lt werden. Stadtverordneter»-chachtcl verlangte, zu veiauletzen, d,c Klage weiterzuführen. Genosse John wies darauf hin, daß ein solcher Antrag nur der Absicht auf Vcr- schlcppung entsprungen, ein konnte, um vielleicht noch die nächsten Wahlen aus Grund der alten, ungültigen Listen zu vollziehen. Grauer beantragte, zu beschließen,' sich bei der Entscheidung des Bc- zirkSausschusses zu beruh gen, die Ungültigkeit der Wählerlisten an- zuerkennen. Jetzt have man das wunderbare Sckiauspkl, daß die bürgerliche �aMÜat �iozialdeniokratische Aiandate wegen Un- gültigkeit dermalste e„ a f.� sjch gleichzeitig sträube, die Ungültigkeit der Wählerlisten anzuerkennen! Das sei ein Vorgang, ��.er Ar� auf den Lichtenberg nicht stolz sein könne. Nach längere GqchastsordungSdebatte gelangte in namentlicher Äbinmmung ein.lntrag zur Annahme, der die Bc- rufung an das Oververwaltuiigsgenchl fordert. Ter Wille zur Macht ließ die Bürgerlichen aus Recht und Logik pfeifen. Gu'osse Rössel konstatierte erste Unstrmm'gkcit im PrÄokoll über die Be- schlüsse betreffend dm Festsetzung des t-tats. Aach dem Vorschlage der Etatskommission veschloffe« worden, Pen Arbeitern des Wasserwerkes S Pwz. Lohnzuschlag zu gewähren. Das Protokoll behaupte nun. die Forderung.tei abgelehnt worden. Der Vorsteher schlägt vor, die Sache in der nächsten«itzung durch einen besonderen Antrag zu erledigen. Unsere Genossen verlangten die Einführung von Karlen für die Urwähler zu den Waylmännertoahleu. �vtadt- verordneter Schachtel widersprach dem Antrage, weil Karten Wahlfälschungen erleichterten. Genosse Grauer stellt anHeim, außer den Karten, die der Benachrichtigung und Orientierung dienen sollten, besondere Legitimationskarten zu schatten.,. Dcv Antrag wurde au, aenomincn.— Ter Kommission zwecks Beratung des beantragten Umbaues deS Schulgcbändes in der Prinz Albertstraßc gehören d'e Genossen Linke, John, Pcterhansel und Stötver an.— Als Armen- kommsssar für den 4. Bezirk bestellte die Stadtverordnetenvcrsamm- lung den Buchdrucker Matthes, für dcht 13. Bezirk den Maler Paul Haensler, Frankfurter Chaussee l3l/1pL.— Einer Vorlage, die die Anlegung von besonderen Spielplätzen fordert, stimmte die Ver- sammiung zu. Die Plätze sollen eingerichtet werden: an der Rusche- und Rormanneitstrahe, Ecke Eitel- und Sophienstraße. üirsch- berger- und Krummhüblerstraße und Lückstraße 19. Tie Kosten dafür sind auf 5000 M. berechnet. Genosse Jckffke verlangte, die Plätze auch den Sportvereinen zur Verfügung zu stellen. Genosse Grauer regte an, in der Wnhlheide Plätze einzurichten, auf denen im Sommer Fericnspicle für die Kinder abgehalten werden könnten. — Ferner stand wieder die Frage der Errichtung einer Hypotheken- dank zur Debatte. Unsere Genossen beantragten, die Ueberschüffe dcc Ansialt dem Zwecke des Kleinwohnungsbaues zu widmen, ein Wohnungsamt einzurichten und die Banhandwerkersordernngen bei Gewährung von Hypotheken zu sichern. Stadtverordneter schachte! widersprach der Forderung, den KleinwohnungSban zu fördern, da- mit würde den Grundbesitzern ja eine Konkurrenz eröffnet, ihnen solle aber doch geholfen werden. Genosse Grauer nagelte die Aus lassung gebührend fest. Genosse Rössel begründete die Notwendig keit, das Wohnungswesen zu verbessern. Er schildert dabei Woh beweisen, haß es die Riietcr besser hätten, als wie die Haus- und Grundbesitzer. Diese lehnten dann auch unsere Anträge ab und genehmigten sich— die Hypothekenbank. Auch der Antrag Grauer, Erbbegräbnisstellen im Weichbilde der Stadt nicht mehr zu ver- kaufen, verfiel der Ablehnung durch dieselbe Majorität. Dem auf- gestellten Begräbnisgebührciitarif wurde Zustimmung erteilt. An die Stadt Berlin müssen 139 091 M. zuviel erhobene Grundwert- steuer zurückgezahlt werden. Auf Anfrage erklärte der Mogistrat, daß voraussichtlich beide Zuwachssteuerordnungen für ungültig er- klärt werden würden. Tic Bewilligung von 000 000 M. für d-e Aufstellung eines neuen Gasbehälters erfolgte ohne Widerspruche Laut Beschlutz wird endlich die Gudrunstratzc bis Nr. 2 neu ge- pflastert. Ferner wurde beschlossen, der Pfarrstraße teilweise ein neues Pflaster zu geben.— Dann folgte eine geheime Sitzung mit Personalfragen. Schöueberg. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der Vor sitzende Genosse K ü t e r den auf neun Monate sich erstreckenden Geschäftsbericht. Infolge der namentlich auf dem Baumarkt herrschenden ungünstigen Geschäftslage sowie vieler Verzüge habe die Organisation keine wesentlichen Fortschritte zu verzeichnen. Auch hätte der Besuch der Mitgliederversammlungen häusig zu ivünschen übrig gelassen. Am öl. März d. I. betrug die Mitglicdcrzahl des Wahlvereins 2530, darunter waren 490 weibliche Mitglieder, Voriuärtsleser sind 3050 am Ort. Die seit dem 1. April d. I. ein- geführte Hauskassierung habe bereits einen erhöhten Markenumsatz gezeitigt. Aus dem Kassenbericht deö Genossen Eichelhardt ist zu erwähnen, daß 13 524 Marken für männliche und 3513 für weibliche Mitglieder umgesetzt wurden, die Einnahmen hieraus betragen 6190,40 M, Diverse Einnahmen find 445,24 M. zu verzeichnen. An den Kreis wurden 4749,28 Vi. abgeliefert, die örtlichen Ausgaben betrugen 1836,71 M. lieber die Tätigkeit der Kinderschutzkommission be richtete die Genossin Heide, die ein Nachlassen der Kinderarbeit kon statieren konnte. Der Obmann deS Jugend- und BildungsausschusseS Genosse Maß führte Klage über mangelhaften Besuch der Veranstaltungen. Pflicht der Genossen sei eS, den Veranstaltungen des BildungSauSschusseS erhöhte Unterstützung angedeihen zu lassen. Genosse Peterson von der Lokalkommission macht Mitteilung, daß der jetzige Inhaber vom Gesellschaftshaus deS Westens den Saal für sozialdemokratische Versammlungen nicht hergebe. Die Ver- sammiung beschloß daher über das Lokal die Sperre zu verhängen. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Köter erster, Lazer zweiter Vorsitzender. Eichelhardt Kassierer. Schriftführer Genossin Lazer, Beisitzerin Marie Böhm. Revisoren DornS, Koschenz, Schultze und Zianowski. Für den Kreisvorstand wurde Ehiminsky, KrriSbildungS- und Jugendausschuß Maß und für Groß-Berlin Kiiter in Borschlog gebracht. In die Lokalkommission wurden Jürgens, Knobloch und Peterson gewählt. Als Bibliothekar fungiert Thielike. Jugendheimkassierer ist Berg. Mitglied der Kinderschutz- kommissiou ist Frau Maurer. Zum Schlüsse machte Genosse Küter auf die am Montag, den 23. April, stattfindende Wählerversammlung aufmerksam, in welcher der Kandidat Genosse H u c referiert. Der Frauenleseabend wird wegen dieser Versammlung auf Montag, den 5. Mai vertagt. Martendorf. AuS der Gemcindcvcrtretersitzung. Daß der Beschluß vom 11. November 1912, die Zahl der Gemeindevertreter von 12 auf 21 zu erhöhen, verschiedenen Herren nicht in den Kram paßt, zeigte ein Antrag des«schönen Pohmcr. Derselbe verlangte, daß die Zahl der Schöffen ans 5, darunter ein besoldeter(Syndikus), und die Zahl der Gemeindedertreter aus 18 festgesetzt wird. Zur Be- gründung seines Antrages führte Herr Pohmer aus, daß er nur der Not. nickt dem eigenen Triebe gehorche; nach seiner Meinung seien 12 Vertreter noch zuviel, Genosse Reickardt beantragte, über den Antrag Pohmcr zur Tagesordnung überzugehen; der Beschluß der Gemeindevertretung auf Erhöhung von 24 Vertretern bestehe zu Recht und der Gemeindevorsteher sei verpflichtet, unter allen Umständen denselben zur Durchführung zu bringen. Ter Gemeindevcrtrcter Sauer sprach sich in demselben Sinne� aus. Ter Gcmcinbcvorstchcr suchte nachzuweisen, daß das OrtSstatut, welches eine Erhöhung aus 24 Vertreter bringen sollte, abgelehnt worden sei. Genosse Weber betonte, daß er und seine Genossen seinerzeit nur gegen die Vornahme der Wahlen noch„in diesem Jahre gestimmt hätten. Der Beschluß müsse unter allen Um- stänoen im März 1914 zur Ausführung gelangen. Herr Pohmer zeg chierauf seinen Antrag zurück; derselbe wurde jedoch von den Herren Roack und Kniehose wieder aufgenommen und hieraus abgelehnt. ES stimmten nur diese beiden bürgerlichen Vertreter, sowie der Gemeindevorsteher und die drei Schöffen dafür. In- zwischen war von der Mehrheit, darunter unseren Genossen, ein neuer Antrag gestellt, das Ortsitatut dahingehend abzuändern, daß 6 Schösfcn, daruntei: 1 besoldeter und 24 Vertreter zu wählen sind. Dieser Antrag wurde gegen die vorhergenannte Minderheit nugeliomiuen.— Eine längere Debatte zeitigte auch ein Antrag des Gemeindeborstchcro, der verlangte, für einen Nachtwächter, welcher aus dcm Dienst der Gemeinde. scheidet, eine Polizei- sergcanienstelle einzurichten. Je-s entsteht dadurch eine Mehr- ausgäbe von zirka 700 R. Sowohl Gcmcindevcrrreker Schmidt wie auch Genosse Rcickiardt wandten sich gegen die Errichtung einer neuen PolizeibeanitcnsteUe. Nach seiner(Reichardts) Ueberzeugung have Mariendork zu viel Polizribcamte. das beweise die Vcr- wendung derselben für die Rennbahn und außerdem die über- flüssige Ilebxrwachung von Versammlungen. Der Antrag des Gemeindevorstehers wurde hierauf abgelehnt.— Ein Antrag der Kirchengemeinde, die Kirchensteuer durch die politische Gemeinde stimmen verpflichtet seien. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen.— Tic Einziehung der Gemeinde- steuern für den Ortstcil Süd ende soll so geschehen, daß die Einwohner wie bisher 8 Tage vor dem fälligen Termin dieselben an die zuständige Stelle zu entrichten haben; eS soll damit eine Entlastung der Beamten bezweckt werden. Für das nächste Ouar- tal sind als Einzichungstage der 8., 9. und 10. Mai bestimmt. Wer an diesen Tagen seine Steuern nicht zahlt, ist verpflichtet, dieselben bis zum 15. Mai an die Steuerkaffe in Mariendorf. Rathaus, Äaiserjtraße. abzuführen.— Am Freitag, den 2. Mai, soll an Stelle dos früheren Gemeindevorstehers Westphal die Er- satzwal'l eines Kreistagsabgeordnctcu erfolgen. In drei öffentlichen Landtagsiväylemrsammlungen und zwar in den Lokalen von Haack, ChaUsseestr. 43, Laar, Ehausseestr. 305. und Hanel, Restaurant Marienhöhe, referierten die Genossen S n ck c r, Hu h n und R c i ch h a r d t über die Bedeutung der be- vorstehenden Wahlen.' In allen Versammlungen forderten die Red- ncr die Anwesenden auf, mit aller Energie für die Wahl sozial« oemokratischen Wahlmänner zu agitiere». Hierauf wurden die vorgeschlagenen Wahlmännerkandidaten von den Versammlungen bestätigt. Rudow. Tie Mitgliedcrzahl des hiesigen WahlvereinZ ist, wie der Vor» sitzend- in seinem in der Generalversammlung erstatteten Ge- schäfisbcricht mitteilt, von 35 am 1. Juli vorigen Jahres auf 32 zurückgegangen. Es sei daher Pflicht aller Genossen in eine rege Agitation für die Werbung neuer Mitglieder einzutreten. Tic Ausgestaltung der diesjährigen Maifeier wurde einem Komitee übertragen. Senzig und Umgegend. Die Generalversammlimg des Wahlvereins wählte nach Eni- gegennahme deS Vorstands- und Kassenberichts folgende Genossen als Funktionäre: Johannes Friedewäld, erster Vorsitzender; Otto Krüger, zweiter Vorsitzender; Richard Holzmann, � Kassierer; Karl Lehmann. Hauskassierer: August Lehman», Schriftführer; Beisitzerin Frau Holzmann; Revisoren: Wilhelm Krüger II. Paul Schmohl; Lokal- und Agitation-Zkommission: Otto Krüger. Karl Lebmann, Max Wilde; BildungSausschuß: Johannes Friedewald, Richard Holzmann. Am Schluß der Versammlung nahmen die Genossen noch Stellung zur Maifeier und erledigten einige Vorarbeiten zur Landtagswahl. Spandau. Tic Stadtverordnetenversammlung am TonnerZiag stimmte zunächst der Weiterverpachtung der Freibadeanstalt in der Schäfer- straßc an den Rcstaurateur Berger für die Pachtsumme von 1500 Mark zu. Zu den Vorarbeiten der Rieselfelder.wurden weitere 10 000 M. bereitgestellt. Für Verbesserung der Straßenbeleuchtung nach den Wünschen der Stadtverordneten bei der Beratung des Hauptetats wurde Bc- willigung der Kosten in Höhe von 40 000 M. aus dem Reservc- sonds der Gasanstalt verlangt. Genosse Pieck empfahl die Vor- läge zur Annahme.— Genosse Pieper kritisierte die schlechte Be- lcuchtuiig der Straßen auf dem Nonnendamm; der Bödickersteig und die Hcrzstraße hätten überhaupt keine Beleuchtung, während in einigen anderen Straßen die Beleuchtung nur bis 10 Uhr abends dauere. Stadtbaurat Paul gab zu, daß einzelne Straßen auf dem Nonnendamm gar nicht oder nur sehr schlecht beleuchtet seien. Es handle sich hier um Privatstratzen bzw. Höfe. Es wurde Kam» missionsberatung beschlossen.— Ter Absatz 10ö des Tarifs für den Städtischen Schlachthof, wonach auswärt? wohnende Schlächter die doppelten Gebühren bei Benutzung der Kühlhallen zu zahlen haben, als die hiesigen, wurde ausgehoben. Aus dem Baufonds des Hallenschwimmbades wurden für An- kleidezellen und sonstige Pervcssernnaen im Hallenschwimmbad 8100 Mark bewilligt.— lieber die Errichtung einer zweiten städtischen böhcren Lehranstalt, wobei auch der Wunsch nach einer höheren Knabenmittelschule geäußert wurde, sollen nochmals Beratungen in gemischter Kommission in Gemeinschaft mit dem Kuratorium für höhere Lehranstalten stattfinden. Der Landverkauf an Heiinel rief eine längere Diskussion her- vor.«Stadtverordneter Bcndler betonte, nachdem der Zwcckvcrband zugunsten Spandaus entschieden und auch der Bezirksausschuß seine Zustimmung zum Waldverkaui gegeben habe, beantrage Herr Heimel jetzt einige Aenderungeu des Pertrages zu seinen Gunsten. Zunächst verlange er, daß die Garantiesumme nicht sofort, sondern erst nach dem notariellen Abschluß des Vertrages entrichtet zu werden brauche. Ferner beantrage er eine Aenderung betreffs der Uferstraße, die in einer Breite von 20 Meter vorgesehen ist. Tic Brücken über die Stichkanäle loolle er nur in einer Breite von 9 Meter angelegt wissen, und zwar 6 Meter für den Fahr- dämm und 3 Meter für den Fußsteig. Redner stellte hierzu folgen- den Antrag;„Tic Bürgersteige der Uferstraße sind bei der Regu- lierung in voller Breite der Bürgersteige über etwaige Stichkanäle hinübcrzuführen. Die Fahrdammbrücke braucht nur 6 Meter breit beweglich hergestellt zu werden." Oberbürgermeister Koeltzc hielt die Wunsche Heimels für berechtigt. An die Herstellung der Uferstraße sei in den ersten Jahrzehnten nicht zu denken, da die Stadt die Straße und auch die Ueberbrückungen der Stichkanäle auf ihre Kosten ausführen lassen muß, was Millionen kosten würde. Von einigen Stadtverordneten wurde dem Oberbürgermeister ganz cnt- schieden entgegengetreten. Aus die Herstellung der Uferstraße sei bei früheren Verhandlungen immer großer Wert gelegt worden, und jetzt heiße es. an die Herstellung derselben sei nicht zu denken. Heimel habe doch früher gewußt, daß die Kanäle zu überbrücken seien. Oberbürgermeister Koeltzc bemerkte noch, daß das Publikum gar keine Gelegenheit habe, die Userstraße zu benutzen, weil doch jetzt an der Havel Industrielle Anlagen errichtet werden können. Im übrigen könne ja das Publikum in den verbleibenden 3000 Morgen Wald spazieren gehen. Es seien vielleicht noch weitere Aenderungen des Vertrages zu erwarten.— Der Antrag Bender gelangte zur Annahme. lieber die Magistratsvorlage betreffend Kenntnisnahme des Auszuges aus den Berichten der Schulärzte wurde auf Antrag unserer Stadtverordneten in der Vollversammlung verhandelt. Wie der Referent. Stadtverordnetcr Berlin, mitteilte, hat die Stadt seit 191 l Schulärzte. Dieselben haben innerhalb von vier Wochen die neuen Schüler zu untersuchen. An sämtlichen Voltsschulen ist jede Klasse mindestens zweimal von den Schulärzten zu besuchen. Für die kranken und für die neuaufgenommencn Kinder seien Frage- bogen aufgenommen worden, und über die Erkrankungen der Kinder' seien in 835 Fällen Mitteilungen an die Eltern erfolgt. Leider habe nur ein kleiner Teil der Eltern auf diese Mitteilungen hin chre Kinder in ärztliche Behandlung gegeben. In alle» Schulen sei die Beobachtung gemacht worden, daß die Zahnpslege sehr ver- nachlässig! werde. Die Zgbl der an Zahnfäuliiis leidenden Kinder betrage bis zu 80 Proz. Ter Gesundheitszustand der Kinder fei im aUgeinciiien gut. Das Gegenteil müsse von der 1?. Gemeinde- schule in Hasclhorst festgestellt werden. Hier werde in dem Berickt die höhere Anzahl schwächlicher Kinder auf die geringere Sorgfalt in der Ernährung der Kinder zurückgeführt. Weiter seien die Schulräume sehr verbesserungsbedürftig. Auch die Schulbänke seien erheben, wuroc vom Gemeindevorsteher befürworiei. Tie nicht zeitgemäß. In den Schulräumen befänden sich eiserne Oefen, hcngcmeinde müsse sich vervtlichteu, von dcm Einkommensoll die die Lust verschlechtern. Die Abortanlage befände—--- 31 200 M. 5 Proz. an die G-meindekasse für die entstehenden unhaltbaren Zustande. Die Turngeräte seien so sch rtniosicil zu zahlen. Genosse Weber wendete sich dagegen, während im vorigen Jahre ein Schüler durch einen Splitter d'c bürgerlichen Vertreter den Antrag der Airckengemeinde be- Verletzung zugezogen liabe.— Genosse Pieck kritisi fürworten. Die Herren Schmidt uns Treppens vertraten in ihren Bericht nur in einem Auszüge gegeben werde und Ausführungen die Interessen der Kirchengemeinde so eifrig, daß halte, was dem Magistrat passe. Der erste Bericht ergebe ein recht der Eemeiiideborstehcr dieselben daraus hinweisen mußte, daß sie unerfreuliches Bild van der Fürsorge unserer kranken Kinder. Von uzcht als Vertreter der Kirche, sondern als Gemeindevertreter zu- den 11052 Kindern befänden sich 1320 in ärztlicher Kontrolle. Mdit Augenleiden seien 238 Kinder Beliaftef, Obren-, Nasen-, Mund leiden 372, Herzleiden 42, Lungenlciden 21, Blutarmut 195, Bauch anlage 86, Krämpfe 21, Skrophulosc und Rückgratverkrümmuilg 271, Hautleiden 79. Bon den ncuaufgenominencn 1153 Kindern Mutzten 66 sechs Monate zurückgestellt werden. Tatz die von den Krankheiten der Kinder benachrichtigten Eltern in seltenen Fällen einen Arzt zu Rate ziehen, liege an der Mittellosigkeit derselben. An den traurigen Schnlzuständcn in der fiskalischen Kolonie Hasel Horst übte Redner scharfe Kritik. Bor den Toren Berlins seien die in sogenannten„Musterwerkstätten" beschäftigten Arbeiter nicht in der Lage, ihren Kindern die nötige Pflege angedeihen zu lassen. Um bessere Znstände�in Haselhorsr zu schassen, solle man sich an den Vertreter der«ladt im Reichstage, Reichstagsabgeordnelen Liebknecht, wenden, Genosse Pieck beantragte weiter Anstellung von Schulschwestern, sowie Einrichtung einer Zahnklinik. Genosse Pieper kritisierte unter anderem das Verhalten des Rektors Wintzer, der seinen«chülerit eine schlechte Zensur androhe, wenn sie sich nicht an den Kriegsspielen, beteiligen wollen. Bürgermeister Wolf sagte insbesondere Abstellung der Uebelstände in Haselhorst zu. Nach Erledigung einer Anzahl kleinerer Vorlagen erfolgte Schlutz der Sitzung. Bon einem Tochsttiblbrand ist vorgestern spät abends das große Eckhaus Neucndorfer Str. 17 heimgesucht worden. Tas Feuer Ivilrde von der«traße aus ungefähr um 8?� Uhr wahrgenommen und alsbald wurde durch einen Feuermelder Alarm gemacht. In- zwischen schlugen schon meterhohe Flammen aus dem Eckturm des Hauses empor. Als die Feuerwehr mit dem Automobillöschzug nach 9 Uhr auf der Brandstelle erschien, war der Turm bereits in sich zusammengebrochen. In den angrenzenden Straßen hatten sich inzwischen Tauscndc von Menschen angesammelt. Nachdem die Wehr dann in Tätigkeit getreten war, hatte sie mit Hilfe der gc- wältigen Wassermasscn, die durch den starten Druck der?lutomooil- spritze aus den Dachstuhl geschleudert wurden, die Flammen bald gelöscht. ES ist nur der Turm und zu beiden Seiten eine kleinere Fläche des Daches zerstört worden. Die Aufräumungsarbcitcn nähmen noch mehrere Stunden in Anspruch. Die Entstehungs- Ursache des Brandes ist unbekannt,, ebenso sehlt es:ioch an einer Erklärung dafür, aus welchem Grunde die Ankunft der Feuer- wehr so spät erfolgte. Nowawes. Tic in dein neuen Bebauungsplan für die Großbceren- und die Kaiscr-Wilhclm-Straße an der Einmündung in den Luther- platz vorgesehene Breite von 18 Meter erscheint der Regierung nicht genügend; sie wünscht eine Breite von 26 Meter. Da diese Aendc- rung für die Anlieger eine erhebliche«chädigung bedeuten würde, beschloß die Gemeindevertretung, die Regierung zu ersuchen, es bei der vorgesehenen Breite von 18 Meter zu belassen.— Die verlegte Bergstraße und die Verbindungsstraßc zwischen dieser und der Eisciibahnstratze sollen die Namen Moltkc- bezw. Roonstraße er- halten.— Ter Punkt„Abschluß eines Vertrages mit der Wirt- schaftsgeiwsscnschaft Nowawescr Hans- und Grundbesitzer für Müll- bescitigung über Benutzung des Müllabladeplatzes" wurde auf An- trag des Gemcindeverordneten Reiff abgesetzt, weil die Genossenschaft noch keine Gelegenheit hatte, sich mit dem Vertragsentwurf zu be- fassen.— Beschlossen wurde der Erlaß eines Nachtrages zur Markt- polizeivcrordnung, dessen§ 1 folgendermaßen lautet:„Die Wochen märktc finden in der Priesterstraße von der Linden- bis zur Wall straße an jedem Montag und Donnerstag vom 1. Mai bis 36. Sep straße an jedem Montag und» Donnerstag vom 1.'April bis 36. Sep morgens bis 12 Uhr mittags und an jedem Sonnabend von 2 bis 7 �Ihr nachmittags statt. Fällt auf einen Montag oder Donnerstag ein Festtag, so wird der Markt am nächstfolgenden Tage abge- halten. Der Punkt„Genehmigung von Etatsüberschreitungen für 1912" wurde abgesetzt; er soll zusammen mit der Abrechnung er- ledigt werden. Ter Wahlvcrein beschäftigte sich in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit den Vorbereitungen zur Landtags- Wahl. Nach einem kritischen Rückblick auf die Ergebnisse der früheren Landtagswahlen erörterte der Vorsitzende besonders die Aussichten für die örtlichen Wahlmännerwahlcn, wobei er der Hoff- nung Ausdruck gab, daß es in den meisten Wahlbezirken möglich sein ivird, unsere Wahlmänner nicht nur in der 3. Abteilung, son- dcrn auch in der 2. und vereinzelt sogar in der 1. Abteilung durch- zubringen. Besonders gefährdet erscheine der 15. Wahlbezirk, in dem alle Kraft aufgewendet werden müsse, um nicht auch in der 3. Abteilung zu unterliegen. Tie in der letzten Bezirksführer- sitzung aufgestellte Liste der Wahlmannkandidatcn und der zu Bei- sitzern für die einzelnen Wahlvorständc vorzuschlagenden Genossen wurde von der Versammlung einstimmig akzeptiert.— Den Bericht über die Beschlüsse der letzten Verbandsgeneralversammlung er- stattete Genosse Krähnberg.— Unter„Verschiedenem" machte ein Genosse darauf aufmerksam, daß in den letzten Tagen ein Zlgent einer auswärtigen Firma versucht hat, von Geschäftsleuten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Inserate für ein neueinzurichten- des Bezugsquellenregister im„Vorwärts" zu erlangen. Diese Art von Akquisition sei geeignet, nicht nur das Parteiblatt, sondern auch die hiesige Parteiorganisation in Mißkredit zu bringen. Einige an die anwesenden Gemeindcvertreter gestellte Fragen, die Schul- angelegenhcitcn und Beschwerden gegen die Polizeibehörde betrafen, sollen in der am 21. Mai stattfindenden Versammlung, für die ein Bortrag über kommunale Angelegenheiten vorgesehen ist, bcant- wartet werden. Potsdam. Tas städtische Schulwesen erforderte im Jähre 1912 eine Ge- samtausgabe von 1 181 727 M. Von dieser Summe entfallen auf die Stadt 818 792 M.. vom Staat werden gezahlt 65275 M., von den Schülern selbst werden aufgebracht 251 612,66 M. und aus sonstigen Quellen kommen 16 617 M. Beim Realgymnasium entstanden 137 386 M. Gesamtausgaben, die Stadt zahlte hiervon 68 750 M., was bei 460 Schülern rund 172 M. städtischen Zuschuß pro Schüler ergibt. Die Oberrealschule kostete 159 766 M, städtischer Zuschuß 81 134 M. oder bei 556 Schülern pro Schüler 148 M. Tas Lyzeum kostete 167 496 M., städtischer Zuschuß 89 776 M. oder bei 626 Schülerinnen 145 M. pro Kops. Die Charlottenschula kostete 93 396 Mark, itädtischcr Zuschuß 47 356 M. oder bei 626 Schülerinnen pro Kops 76 M. Die städtische Vorschule kostete 36 656 M., jiädti- scher Zuschuß 5696 M. oder bei 366 Schülern 19 M. pro Kopf. Die Vorschule zur Oberrcalschule kostete 26 346 M., städtischer Zuschuß 7476 M. oder bei 136 Schülern 57 M. pro Kops. Die Gemeinde- schulen kosteten 435 336 M., städtischer Zuschuß 463 336 M. oder bei 4666 Schülern 87 M. pro Kopf. Die gewerbliche Fortbildungsschule kostete 37 496 M., städtischer Zuschuß 26 741 M. Zur Gymnasial, lasse wurde von der Stadt ein Zuschuß von 34 666 M. erfordert. zur kaufmännischen Fortbildungsschule 1275 M., zur Handels- und Gewerbeschule für Mädchen 5666 M. An Pensionen für Lehrer, an Witwen und Waisen usw. wurden 54282,86 M. gezahlt. Jugcndveranstaltuugeu. Lichtenberg. Morgen Sonntag, den 27. April, veranstaltet die Arbeiterjugend eine Spietpartie nach dem Schloßpark in Friedrichsjclde. Treffpunkt nachmittags Ist, Uhr im Jugendheim, Dossestr. 22 Lankwitz. Die Arbeiterjugend von Lankwitz veranstaltet morgen Sonntag, den 27. April, einen Äusstug nach Neu-Babelsberg, Rehbrücke, Zlaputb, Wildpark. Potsdam. Treffpunkt früh Zst, Uhr Bahnhof Lichterfcldc- Qst. Fahrgeld 75 Ps. Freunde und Förderer unserer Sache sind will- kommen. Arbeiterjugend Nowawes. Morgen Sonntag. den 27 April: Tour nach Saarmund. Treffpunkt der Teilnehmer mittags 12—12'/, Uhr im Jugendheim. Abmarsch pünktlich 12'/, Uhr. Am Himmelsahrtstag<1. Mai) Halbtagstour über die Ravensberge nach dem TeusclSsee. Abmarsch srüh 6 Uhr vom Jugendheim. Proviant und Liederbücher nicht vergessen.— Die Arbeitcreltern werden gebeten. ihre erwachsenen Söhne und Töchter aus diese beiden Beranftaltungcn aus- mcrksam zu machen._ Freireligiöse Gciiiciiidr. Sonntag, den 27. April, vormittags 9 Uhr, Pappckallee 15-17. Rixdorf,„Jdealpaffagc", und Tegel, Schlicpcr. straffe 36: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Frank- surter Straffe 6: Vortrag von Herrn Dr. B. Wille:„Ursprung und Bedeutung deS Bösen".— Damen und Herren als Käste willkommen. Allgemeine Kranken- und Stcrbekaffe der Metallarbeiter IE. H. 29). Hamburg.(Filiale Berlin 10): Heute Sonnabend, den 26. April, abends 9 Uhr, bei Fader,«iephanstr. 11: Versammlung. Statutenberatung. Zentral-Kranke» und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer» früher E. H. Nr. 8. Gotha. F i l i a l e Neukölln I. Morgen Sonntag, den 27. Aprll, vormittags 10 Uhr: Mitgliederversammlung bei Gricgcr, Lessmgstr. 9. Kaufmännische Kranken- und Sterbekaffe von 188s.(E. H. 71.) Am Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, in den„Arminhallen", Koni- mandantenstr. 58/59: Ordentliche Gencralversammlunz. Wetterprognose kür Sonnabend, den SK. Aprll 1913. Ziemlich wann, vielfach heiter, aber sehr veränderlich bei mäßigen südlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wette rbureau. Nur Original Seliiliein'ersaöiliii8r,BOF1.300 PatzenMer-Bier, hell, 36FL300 Patzenhofer-BierJenkJOFLS00 Cfcampaper-M-EierJBFLS00 liefert ohne Pfand Amt Kursürst 5019* PanlSchatzel, Yorckstr. 71. 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