Pr. 103. Abonnemcnts-Bcdingunacn; ilkonr.kmcntS- PrnZ pränumcrandl'! kirrteljährl. S.M Ml, monotl. 1,10 Sit,, wöchentlich 28 Psg, frei ins Hau?. Einzelne Nuinmci: 5 Pfg. Sonnlag?- Hümmer mit illustrierter Sonntog?- Leilage-Die Neue Welt" 10 Pfg- Post. Abonnement:},10 Mar! chro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunaö- VreiSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2M) Marl, für da? übrige Ausland 4 Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Däneniarf, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, «lunänien, Schweden und die Schweiz, 30. Jahrg. Die InfertionS'GebüIfr Cettägl für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg„ für politische und gewerlschaslliche Verein». Und LersaininlungZ-Anzeigen 00 Pig. „Meine Anreisen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgednickt- Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Echlafstellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort ä Pfg. Worte über 1Z Buch. ä laben zählen für zwei Worte. Inserate iir die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachniittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geofjnet, vlchtllit täglich. Vevlinev Dolksblnkk. Telegramm- Adresse: �«7iZ!«icm»dlZt sstlll»-, �entralorgan der foztaldemokratifcbcn Parte» Dcutfchlands. Rcdahtton: 8Äl. 68, Lindctistrassc 69. Fernsprecher: Amt Morikplan. Nr. 1S83. Dienstag, den Ä0. April 1913. Expedition: SM. 68» Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Morikplah, Nr. 1384. Killtet zur Maifeier! vemoultriert für völkerfrieclen und Völkerfreiheit! Line unwürdige Hetzjagd. Nertngung des Reichstags. Kurz vor 9 Uhr abends hat der Präsident deS Deutschen Reichstags die Verhandlungen geschlossen und die Abgcord- neten mit guten Wünschen zum Pfingstfest cutlassen. Die Plenarsitzung hatte um 3 Uhr begonnen. Seit 19 Uhr früh hatte aber schon die Budgetkommission gesessen, so daß deren zahlreiche Mitglieder und mit ihnen viele andere Abgeordnete eine nahezu 1 1 stündige Arbeitszeit hinter sich hatten. beider ivurdcn sie für diese ansehnliche Arbeitsleistung nicht einmal durch ein dankbares Haus entschädigt. Es war im Gegenteil eine Qual, den Schlußverhandlungen des Reichstags als gewissenhafter Abgeordneter beizuwohnen. Das Haus ivar zwar dauernd voll besetzt, weil' eine namentliche Abstimmung die andere schob. Aber das HauS war zugleich unglaublich unruhig und unaufmerksam und ungebärdig. Das kam daher, daß die meisten Abgeordneten den Reisekoffcr in der Hand trugen, wenn sie ihn auch in Wirk- kcit in der Garderobe abgegeben oder schon zur Bahn expediert hatten. Jedenfalls waren ihre Gedanken und Wünsche vielmehr „bei Muttern" als im„hohen Hanse" und bei seinen wichtigen Aufgaben, und daher hörten sie fast gar nicht zu, wenn nicht gerade irgend ein kleines Sensatiönchen ihre Neugier fesselte. Sie führten nnt einer selbst im Reichstage ungewöhnlichen Zwanglosigkcit Privatgespräche, die sie von Zeit zu Zeit durch ein gemeinsames Hallo unterbrachen, wenn zu ihrem Aesgcr noch ein Abgeordneter— es war fast immer ein sozialdemokratischer— die Tribüne bestieg und das Wort er- griff- Tie sozialdemokratische Fraktion muß in Zukunft noch besser als bisher dafür Sorge tragen, daß durch solche un- wiirdige Treiberei der Parlamentarismus des Deutschen Reiches nicht noch mehr als bisher herabgcdrückt und in seiner Be- deutung entwertet wird. Wenn durch den Senioren- konvcnt lange Zeit zuvor, wenn sich ein bestimmter Geschäftsgang noch gar nicht voraussagen läßt, Fristen vorgesehen»Verden, so dürfen solche Vorherbcstimmungen nicht als tabu betrachtet werden, und die Ab- geordneten können nicht verlangen, daß einer unerfindlichen Vereinbarung zuliebe die Verhandlungen des Reichstags in ein Prokrustesbett gezwängt und geivaltsam verkürzt werden. � Tie sozialdemokratische Fraktion hat sich am Montag Vicht daran hindern lassen, zu sagen, lvas zu sagen notwendig war,»vie sie es auch als ihr besonderes Verdienst betrachten kann, daß die sechsstündigen Montagsverhandlungen nicht auch noch durch erhebliche„Einsparungen" am Sonnabend so nebenbei im Handumdrehen mit erledigt»vorden sind. Von allgemeinerer Bedeutung»vor am Montag eine Er- orterung, die Genosse L e n s ch hervorrief, indem er den Staatssekretär des Reichsjustizamtes»vegen der Behauptung des Reichskanzlers interpellierte, er. Bethmann Hollweg, habe sich an den Staatssekretär des Reichsjustizamtes mit der Bitte gewandt, gegen einen Artikel der„Leipziger V 0 1 k s z c i t u n g"»vegen Gotteslästerung einzuschreiten. Ter Reichskanzler hatte damals in seiner Rede eine Reichsverbandsphrase über die augebliche Religionslosigkeit der Sozialdemokratie zu der scinigcn gemacht und sich auf einen Zwischenruf hj,,„nt der echten Burcaukraten- gelvissenhaftigkcit, die den obersten Beamten des Deutschen Reiches ziert, herausgeredet, daß er Beweise für seine Behaup- tungen zu Dutzenden aus der sozialdemokratischen Presse liefern könne: Herr Bethmann Holllveg hat seitdem aus- reichend Zeit gehabt, die Beiveise beizubringen. Er hat aber augenscheinlich keine gefunden. Als Genosse Lcnsch, dessen „Leipziger Volkszeitung" von ihm besonders genannt»vorden war, sofort nach seiner Behauptung bei ihm Nachfrage halten ließ, redete sich der Reichskanzler durch seinen Ziviladjutanten Wahnschaffe heraus. Der Herr versuchte auch am Montag, den Reichskanzler»weder rein zu waschen. Es gelang ihm aber nicht, cbcnsotvcnig vermochte er seinen gottgctvollten Vorgesetztön von dem harten Vorwurfe zu erleichtern, daß er die in größter Deffentlichkeit aufgestellte objektiv untvahre Behauptung bisher noch nicht Zurückgenommen habe. Eine freilvillige Rettungskolontte unter Führung des trafen v. W e st a r p suchte die für Herrn Bethmann Hollweg ttstchlich peinliche Sache auf das tote Gleise einer kleinen ��Zialistendebatte über Religion zu schieben. Es bekam den Herrschaften ihr unglücklicher Versuch aber so schlecht,»vie es nch gehörte. Besonders Genosse Haas e fand vortreffliche Präzise Worte, um gegen das alte Manöver der Gegner, we Religion mit der Kirche gleichzustellen und den Kampf der Sozialdemokratie gegen die politische Institution der Kirche m einen Kampf gegen die Kirche umzufälsche»». Eine erregte Debatte entfesselte ferner das Bemühen der Nationalliberalen, die in der ztveiten Lesung von Zentrum und Sozialdeinokratcn gestrichene Stelle eines s c ch st c n Reichsanwalts zu retten. Tie Genossen Heine und H a a s e legten die sachlichen Gründe dar. die die Sozialdcmo- kraten zur Ablehnung der Staatsantvaltfchaft im allgemeinen und der geforderten Stelle im besonderen zlvingen. Juter- essant war der Verhalten des Zentrums. Durch keine noch so harte Bemerkung und durch kein freundliches Zureden ließen sich die Herren verlocken, auch nur ein Wort zur Be- gründung ihrer ablehnenden Hltung zu sagen. Sie haben eben keine sachlichen Gründe. Sie genossen schtveigcnd und kalt ihre Rache an den Staatssekretär des Neichsjustizamts, der ihnen in der Jesuitenfrage ein»venig zu nahe an ihre einp findlichen Hühneraugen geraten war. Natürlich konnte diese Verärgerungspolitik des Zentrums für die Sozialdemokratie kein Grund sein, an ihrer grundsätzlich ablehnenden Stellung dem Neidhsjustizauit und den» Reichsgericht zuliebe abzn- weichen. Dafür sind zu allem Ucbcrfluß die Beziehungen der Sozialdemokratie zur klasscnstaatlichen Justiz— sagen»vir: zu intim! Wenn man die Gefängnisstrafen, die die Mit- glieder der sozialdemokratischen Fraktion in ihrem Parteilcbcn abgesessen haben, zusammenzählen würde, dürfte wohl ein halbes Jahrhundert herauskommen. Beim R e i ch s e i s c n b a h n a m t brachten die Genossen B a u d e r t und Ulrich die berechtigten Beschwerden der Kleinstaaten gcgeit die preußische Hegemonie im Eisenbahn- Wesen bore Zum P 0 st e t a t nahm sich Genosse Z u b c i l noch einiger Wünsche der Postunterbeamten an. Vier namentlich Abstimmungen zwangen die Abgeord neten zur Anwesenheit bis zum Schluß. In dreimaliger Ab stimi»rung wurde die in verschiedenen Positionen des Etats auftretende Osimarkenzulage abgelehnt: durch die vierte namentliche Abstiirrmnng fiel der sechste Rcichsanivalt. Ter Reichstag hat jetzt einige Wochen Ferien. Zunächst tagt aber noch die Budgetkommlssion, die auch»nieder einige Tage vor Beginn der�Plenarversammlungcn Ende Mai zu- sammentreten wird. Sic berät die W e h r v 0 r l a g c 1», und daher wünschte der Präsident ihren Beratungen noch ausdrücke lich den besten Verlauf. TaS deutsche Volk unterstützt diesen Wunsch nicht. Es »vllnscht nicht, daß immer neue Millionen und Milliarden für den Militarismus verschleudert werden, während die »vichtigsten Kulturaufgaben Not leiden müssen. Der soeben in dritter Lesung und damit endgültig beratene und gegen die Stiinmen der Sozialdemokratie angenommene Etat des Deutschen Reiches beweist erneut, daß leider noch immer nicht der Wille des Volkes das oberste Gesetz in Deutschland ist. £$ wird weiter verhandelt. Tic heutige Sitzung der Botschafterko ufere uz sollte, wenn es nach dem Geschrei der Ballplatzofsiziösen ge- gangen wäre, bereits eine Entscheidung in der Skutarifragc bringen. Entlveder, so erklärten die Aufgeregten in Wien, müßten von den Botschaftern gcivaltsame Maßnahmen be- schlössen»oerden oder Desterrcich»verde allein einmarschicrei». Tic Botschafter aber haben ihre Sitzung a u f m 0 r g e>1 v c r- tagt und in London versichert man, daß kein Grund zum Pessiluisn, us vorhanden sei. In der Tat sollte man in Oesterreich einsehen, daß außer den Wiener und Bcr- liner offiziösen Schreibern niemand in der ga»»zeu Welt eine geivdltsame Sonderaktion Oesterreichs billigen könnte. Wie iminer die Skutarisrage aus der Welt geschafft werden»vird, sie darf nur auf friedlichem Wege erledigt werden. Für die Ehre der klerikalen Hofkamarilla Oesterreichs soll kein Menschenleben geopfert werden. Das Drängen Oesterreichs. Köln, 28. April. Ter„Kölnischen Zciknng"»vird aus Wien gemeldet: Ter Londoner Botschaftcrvcrcinigung liegt ein Verlangen Oesterreichs vor, in Cctinjc durch die dortigen Gesandten die s 0 f 0 r t i g e Räumung S k u- t a r i s ungesäumt und schroff zu verlangen und im Wcigc- rungssalle ein m�i l i t ä r i s ch e s Vorgehen der Mächte zu bcschliesien. Sollte sich die Botschaftcrvercinigung gegen eine gemeinsame Aktion aussprechen, so würde Oester- reich-Ungarn allein oder zusammen init den dazu bereiten Mächten dem Willen Europas Geltung verschaffen. Tie Botschafterkonfcrcnz. London, 28. April. Wie das Rcuterschc Bureau erfährt, verließen die Botschafter Oesterreich-Ungarns und Ruß- lands die heutige Sitzung zusammen und hatten eine längere Besprechung, ehe sie sich trennten. Tie Sitzung der Botschaf- � tervcreinigung wurde auf»norgen 3� Uhr nachmittags V e r � tagt. Das Auswärtige Amt bewahrt große Zurückhaltung, erklärt aber, daß selbst jetzt kein Grund zum Pcssi- »n i s m u s vorhanden sei. Die Vorstellungen in Cetinje. Wien, 28. April. Nach hier vorliegenden Melduirgei» ist gestern, wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, in E e- t i n j e der K 0 I l c k v s ch r i f t erfolgt, durch den Montenegro aufgefordert wurde, Sk 11 taridcu Mächten zu übergeben. Tie Antwort lautete, daß es der inontenegrinischcii Regierung mit Rücksicht auf die Ostcrscier- tage im Augenblick nicht möglich sei, eine Entschließung zu fassen. Ter Wortlaut der Mitteilung. London, 28. April.(Reuter.) Nach einer Mitteilung des montenegrinischen Delegierten Popowitfch lautet die Note der Mächte folgendermaßen: Wir haben die Ehrr, gemeinsam der Königlich montcnegrini- schen Regierung zu erklären, das, die Einnahme S k u t a r i s in keiner Weise die Entschließung der Mächte in bezug aus die Nord- und Nordostgrcnze Albaniens ändert, und daß daher die Stadt Skutari in möglichst kurzer Frist geräumt werden und den Mächten ii hergeben werden muß, welche durch die Kommandanten der internationalen Seestreitkräfte ver- treten sind. Die Königlich montenegrinische Regierung wird auf- gefordert, eine schnelle Antivort auf diese Mitteilung zu machen. Popolvitsch fügte hinzu, er habe Befehl von seiner Rc- gierung bckoiiimcn, formell gegen diese ungerechte und grausame Forderung z u p r 0 t c st i e r e n und von neuem die Mächte zu ersuchen, die Angelegenheit zu prüfen. Es fei eine Lebensfrage für Montenegro, daß Montenegro in gleicher Weise behandelt werde, wie die anderen Verbündeten. Tic montenegrinische Hauptmacht verläßt Skutari. Wien, 28. April. Tie Montenegriner haben nach Erlaß einer Proklamation, über deren Inhalt»och keine Mel- düngen vorliegen, mit ihren Hauptkrästcn unter dem Erb- Prinzen Danilo Skutari verlassen und sind nach Norden ab- marschiert. Fünf Bataillone find in der Stadt zurückgeblieben. Die bloße Verschärfung der Blockade hält man hier um so mehr für kein wirksames Mittel, da Montenegro von Serbien mit Lebensmitteln für zwei bis drei Monate versorgt ist. Essad Pascha. Wien, 28. April. Skrcits so gut wie sicher ist, baß Skutari nur infolge von Verhandlungen kapitulierte, und es mehren sich die Anzeichen dafür, daß Essad Pascha einen Pakt abgcschlosien hat, demzufolge er den Drin als Grenze zwischen Montenegro und Albanien anerkennt, so daß also Skutari an Montenegro fallen würde. Wofür ihm Montenegro behilflich wäre, sich zum Ober- ha upt, Fürsten oder König von Albanien zu proklmniercn. Oesterrcichischc Kriegsbegeisterung. Ein köstlicher Vorfall wird aus Agram gemeldet: Die kroütische Landesregierung kündigt gegen bii; Redaktion ihres Amtsblattes„Narodni Rovine" ein Verfahren an, weil das Amts- blatt gestern im nichtamtlichen Deik einen Artikel veröffentlichte, Welcher die Besetzung S k u t a r i s durch die Montenegriner in Worten höchsten Jubels feiert. Die Landes- rcgicruiig erklärt, daß sie diese Schreibweise streng verurteilt. Gleichzeitig verfügte die Landesregierung eine Präventiv- zensur für in- und ausländische Druckschriften, Broschüren, bild- liche Darstellungen, Ansichtskarten und geographische Karten über aktuelle Balkanfragen, in denen die Politik der Monarchie einer abfälligen Kritik unterzogen wird. Essed Paschas Aussichten in Albanien. Pari?, 28. April. Der Minister des� Acutzercn Pichon cmp- fing heute nachmittag Ismail Kemal Bei, den Leiter der provisorischen Regierung von Albanien. Ismail Kemal erklärte einem Berichterstatter: das Vorgehen Essad Paschas läßt sich nur mit den Worten„Verrat und Wahnwitz" kenn- zeichnen. Verrat, weil er Albanien durch die Preisgabe Ekutaris enthauptet hat, Wahnwitz, weil er uns im Hinblick auf die Bcr- Handlungen über die Grenzen Albaniens in die schwierigste Lage versetzt hat, weil er die Unabhängigkeit unseres Landes in schnöder Weise gefährdet und dem Willen Europas entgegengehandett hat. Ich bin überzeugt, daß die albancsische Bevölkerung Essad Pascha keine Gefolgschaft leistet und daß auch ein großer Teil einer Truppen von ihm abfallen wird. Unsere Unabhängigkeit erheischt die Integrität des Landes, die auch von Oesterreich ge- ordert wird. Wir wollen mit aller Welt gut stehen, mit Oester» reich ebenso wie mit unseren slavischcn Nachbarn.— Ismail Kemal Bei reist heut« nach London, um der Botschafterkonscrenz die Gesichtspunkte der provisorischen Regierung Albaniens darzulegen. Die tzeemvorisge in der Budget' Komminion. Am Moniag vormittag trqt die Budgctkommission des Reichs- tage» zur Beratung der Heercsvorlage zusammen. Zur geschäft- lichen Behandlung erklarte der Vorsitzende, Abg. Spahn, daß sowohl die Heeres- wie die Tcckungsvorlage einer zweiten Lesung unterzogen werden müsse. Erst solle die Hecresvorlagc vorgenommen werden und dann auch in erster Lesung die Dcckungsvorlage folgen. Abg. Schiffer erhob namens der Nationallibcralen gegen«ine zweite Lesung lebhafte Bedenken. Bisher sei das nicht üblich gewesen, und eine zweite Lesung hindere die schnelle Erledigung; konzentrierte Behandlung sei notwendig.— Abg. F i s ch b e ck schloß sich den Bedenken Schiffers an. Eine zweite Lesung könne nur verhindern, daß am l. Oktober die Hccresvorlagen in Kraft treten können. Eine Verkoppelung der Wehr- und Teckungsvorlage sei nicht zu empfehlen. Genosse H a a s e erklärte sich namens der Sozialdemokraten für zwei Lesungen. In welcher Reihenfolge die zweite Lesung vor- genommen werde, muffe abgewartet werden.— Abg. Graf Westarp trat für den Vorschlag des Vorsitzenden ein. Die zweite Lesung sei schon deshalb notwendig, weil die Gestaltung der Wchrvorlage von der Gestaltung der Deckungsvorlage abhängt. — Abg. Erzberger beantragte schriftliche Berichterstattung an den Reichstag.— Abg. Speck(Z.) forderte, daß das Protokoll der Konimission allen Mitgliedern des Reichstages zugängig gemacht wird. Er für seinen Teil werde nicht die Zustimmung zur Wehrvorlage geben, wenn nicht auch gleichzeitig die Dcckungs- Vorlage erledigt wird. Der Kriegs mini st er betonte, daß die Regierung den aller- größten Wert darauf lege, daß die Gesetze noch im Juni verabschiedet werden, weil sonst die Hcercsborlage am 1. Oktober nicht durchgeführt werden kann, infolge der bei einer späteren Verabschiedung eintretenden technischen Schwierigkeiten. Die Kommission beschloß hierauf im Prinzip, zwei Lesun- gen eintreten zu lassen. Abg. v. P u t l i tz erläuterte als Berichterstatter kurz die in der Borlage enthaltenen Forderungen.— Gen. H a a s e beantragte, daß eine Generaldebatte stattfinde, die angesichts der großen Trag- weite der Vorlagen dringend geboten sei.— Dieser Forderung stimmte die Kommission zu. Abg. Müller- Meiningen glaubt aber, daß die Erörterung allgemein-politischcr Fragen dabei aus- geschlossen werden könne. Dieser Auffassung widersprach Genosse Lcdebour. Abg. v. P u t l i tz wünschte vom Kriegsminister Auskunft, ob die Heeresverwaltung glaubt, die geforderten Mannschaften auch ausheben zu können.— Abg. Erzberger verlangte, daß zuerst darüber debattiert wird, ob überhaupt die Vermehrung notwendig ist, und wenn ja, ob das Menschenmaterial dazu vorhanden ist. In . der geheimen Besprechung haben die Teilnehmer wirklich nicht viel neues erfahren. Er stehe aber auf dem Standpunkt, daß die Hceresvorlage notwendig ist, weil Rußland stark gerüstet hat und heute in sehr schneller Zeit eine Mobil- machung durchführen kann. Früher war man der Meinung, daß bei einem Kampfe nach zwei Fronten, Teutschland Frankreich werde schlagen können, bevor Rußland seine Mobilmachung durch- , Mühren vermag. Das hat sich nun geändert. Um die Ostgrenze vor dem Einmarsch der Russen zu wahren, ist die Heeresvermchrung notweirdig. Tie Grenzkorps müssen schon im Frieden kriegsgeuräß ausgestaltet sein. Die Jnfanteriebermehrung ist erforderlich; frag- "Äch-vleibt die Vermehrung der Kavallerie um 6 Regimenter. Die Verwaltung habe noch vor wenigen Jahren Abneigung gegen die Kavallerievcrmehrung gehegt. Wichtig sei chic Frage der Retruten- Ziffern. Heute seien, nach früheren Angaben der Militärverwaltung, W lXXI taugliche Pflichtige vorhanden, die nicht ausgehoben werden. 63 000 Mann sollen aber fortan jährlich mehr ausgehoben werden. Es fehlen also etwa 40 000 Mann. Wie sollen die beschafft werden? Soll cttva auf militärisch nicht leistungsfähige Mannschaften ge- griffen werden? Genosse Haase: Wir haben uns zu fragen: ist die Vor- läge notwendig? ApH wir Sozialdemokraten wünschen nicht, daß im Kriegsfälle unsere Ostsccprovinzen von russischen Kosaken über- schwemmt werden. Aber wenn man auch den Ernst der gegen- wältigen politischen Lage zugibt, kann gesagt werden: die Hecrcsvermcherung ist nicht nötig! Ucbrigens wird die politische Lage von der Regierung zu Unrecht so schwarz gemalt. Wenn es wahr fein sollte, daß Italien sich weigern würde, im Kriegsfälle Truppen auf einen österreichisch- russischen Kriegsschauplatz zu senden, was habe dann der Drei- b u n d für einen Wert?, Und wenn die österreichische Armee so schlecht sein sollte, wie sie oftmals geschildert wird, mühte Deutsch- land die hauptsächlichsten Opfer bringen und am meisten bluten. Von der durchaus friedlichen Gesinnung der deutschen Regierung sei auch die Sozialdemokratie überzeugt. Warum aber denn die . sortgesctzten Rüstungen, die immer wieder neue Beunruhigung unter den Boilern hervorrufen? ES liegt auch lein einziger Beweis dafür vor, daß Franlreich einen Angriff gegen Deutschland plant. Allerdings ist in weiten Kreisen des französischen Volkes die Befürchtung vorhanden, Deutschland werde zum Angriff schreiten. Darum müsse die deutsche Regierung alles tun, um diese ungerechtfertigte Befürchtung zu zerstreuen. In England herrschte lange Zeit die gleiche Auffassung, die jetzt anscheinend im Schwinden begriffen ist. Eine Verständigung bahnt sich an. Wir Sozialdemokraten sind bisher immer verhöhnt worden, wenn wir einer solchen Verständigung das Wort redeten. Zwischen Teutschland und Fraickreich muß ein durchaus friedliches Verhältnis angestrebt werden. Die Haltung der reichsländischen Bevölkerung sowie die neue Verfassung für die Reichslande haben bereits wesentliche Dienste geleistet. Kommt es zwischen Deutschland und Frankreich zu einer aufrichtig friedlichen Politik, so schwindet die russische Gefahr. Die Erledigung der Luneviller Affäre ist ein erfreuliches Vorspiel. Genosse Haase erörterte dann die gemeingefährliche Tätigkeit des Deutschen Wchrvercins. Ist die Bekauptuna dieses Vereins wahr, daß Deutschland im Kriegsfälle die Neutralität Belgiens nicht respektieren werde? Aus maßgebenden belgischen Kreisen wird uns versichert, daß dort diese Befürchtung allgemein gehegt wird. Hier müsse beruhigende Auf- klärung geschaffen werden.— Sodann kam Genosse Haas« auf die Situation auf dem Balkan zu sprechen. Von einem einigen Balkanbund, der militärisch gegen den Dreibund in Betracht kommen kann, könne nach den neuesten Vorgängen nicht mehr gesprochen werden. Dazu kommt Rußlands Engagement in Ostasicn und Japans Haltung, so daß Rußland stets für Ostasien große Truppcnmassen gebraucht.— Wenn die Regierung mit der Hecresvorlagc die allgemeine Wehrpflicht durch- führen will, sei dazu erklärt: Die Sozialdeurokratic ist stets für die Durchführung des Scharnhorftfchen Gedankens der allgemeinen Wehrpflicht eingetreten. Aber mit dem System des stehenden Heeres ist dieser Gedanke— schon aus finanziellen Gründen— gar nicht durchführbar. Schlüssige Beweise dafür, daß die zwei- oder dreijährige Dienstzeit notwendig ist, außer man verfolgt damit Nebenzwecke, wie z. B. die Armee vgr allen Dingen gegen den„inneren Feind" kriegsbereit zu machen, sind nicht geliefert worden. Ob die ungeheuren Truppen- Massen auch einst werden operieren können, wagt kein Mensch zu behaupten. Von der größten Bedeutung ist der Geist der Truppen; die Zahl hat nicht die Bedeutung, die man ihr momentan beimißt. Notwendigkeit ist auch der Nachweis, ob nach Annahme der Vor- läge nicht eine große Zahl von � Leuten eingestellt werden muß, die den Anforderungen des Krieges nicht gewachsen sind. Ter Kriegsminister verwies, solveit die Erörterung der politischen Lage in Frage kommt, auf die beiden vertraulichen Bc- sprechungen in voriger Woche. Deutschland hege gegen niemand aggressive Pläne; das beweisen die letzten vierzig Jahre. Den Frieden könne nur ein starkes und schlagfertiges Heer sichern. Ein Krieg würde am allerschwersten die Arbeiterklasse treffen.— Vertraulich äußerte sich sodann der Minister über Italien und betonte ferner, daß die österreichische Armee als sehr bedeutender Faktor angesprochen werden dürfe. Die Beschleunigung der Mobilmachung sei ein Hauptpunkt bei der neuen Vorlage. Die ziffernmäßige Ueberlegenheit Frankreichs und Rußlands müsse gleichfalls beachtet werden. Man könne nicht immer behaupten, der dcuffche Soldat scheue auch die ziffernmäßige Ueberlegenheit des Gegners nicht. Das habe eben auch eine Grenze; die Zahl spreche mit. Scharnhorst würde sich im Grabe umdrehen, wenn er Haase hören könnte. Zu Scharnhorsts Zeit habe es Preußen mit Milizarmeen als Gegner zu tun gehabt; heute aber stehen Deutschland erstklassige Truppen gegenüber. Wenn die Sozialdemokratie jeden tauglichen Mann zur Vaterlandsverteidigung heranziehen will, sei das ja schön; aber es set dann ein Verbrechen gegen die Leute, wenn man ihnen durch zu kurze Dienstzeit die Fähigkeit vorenthalten wolle, ihre Aufgabe auch gut durchführen zu können. Vor 100 Jahren mochte es mit nur in kurzer Zeit ausgebildeten Soldaten gehen, heute sei das ausgeschlossen, denn die Aufgaben und die Anforderungen sind gc- wachsen. Die Ausbildung, nicht die ziffernmäßige Ueberlegenheit, werde stets der deutschen Armee ihre große Bedeutung verleihen. Abg. M ü l l e r- Meiningen erklärte, um den inneren Wert der deuffchen Armee noch mehr zu heben, haben die Volksparteiler in Resolutionen eine Reihe von Forderungen gestellt. Es sei crforder- lich, daß die Regierung sich wegen der Neutralität Belgiens er- kläre.— Abg. Müller erörterte ausführlich die Frage, ob die Heeres- Verstärkung bei Beachtung der bisherigen Qualität des Mann- schaftsersatzes durchgeführt werden könne; ebenso müsse die Frage der Verpflegung der Armee im Kriegsfalle besprochen werden. In Offizierskreisen werden lebhafte Zweifel gehegt, ob die Heerführer der großen Truppenmasscn auch die erforderliche Qualifikation bc- sitzen. Generalleutnant Wandel besprach ausführlich die Möglichkeit, die geforderten Soldaten aus den Militärpflichtigen herauszuholen. Er sprach dabei den recht bemerkenswerten Satz aus:„Wenn mehr Soldaten gebraucht werden, erklären die Aushebungsbehörden mich mehr Leute als„tauglich". Die Zahl der Pflichtigen wachse von Jahr zu Jahr, folglich(?) auch die Zahl der Tauglichen. Heute müssen viele Taugliche der Ersatzreserve überwiesen werden, weil sie nicht gebraucht werden. 1893 wurden von je 1000 Pflichtigen 256 ausgehoben. Denselben Prozentsatz im Jahre 1913 voraus- gesetzt, können von den vorhandenen 1 321 000 Militärpflichtigen 338 000 Mann ausgehoben werden. Diese Zahl ist aber ohne Ouali- tätsverminderung sehr leicht noch zu erhöhen. Abg. Graf MiclczynSki erklärte, wenn die Polen eine oppositionelle Haltung einnehmen, sei das nicht verwunderlich, bei der Behandlung, die ihnen zuteil wird. Aber er stehe auf dem Standpunkt, daß auch die Polen die Pflicht haben, die Forderungen der Regierung ernstlich zu prüfen. In der weiteren Debatte wurde von einem Abgeordneten dar- gelegt, daß die russische Gefahr außerordentlich übertrieben sei. Wohl stehen geivaltigc Truppcnmassen in Rußland auf dem Papier; in-Wahrheit sieht es aber ganz anders aus. Außerdem habe Rußland in dem Moment des Kriegsausbruchs sofort mit der Revolution zu rechnen.— Ter Kriegsmini st er gab die Schwierigkeit zu, die bei der Führung der heutigen großen Truppen- massen besteht., Auch in Deutschland habe man eingesehen, daß zur Ausbildung der Armeeführcr weit mehr getan werden müsse. Die systeniatische Heeresgliederung und die Tätigkeit, jeden Truppen- fiihrer bis zum Bataillonskommandeur zur größten Selbständigkeit zu erziehen, helfe dem Mangel ab. Daß in Deutschland ein bedenk- licher Uebelstand hinsichtlich der Armeeführung bestehe, sei unzu- treffend. Genosse Lcdebour forderte die Anwesenheit des Auswärtigen Amtes, das vor allen Dingen zu den Auslassungen des Wehrvereins gegenüber Belgien Stellung nehmen müsse. Redner verbreitete sich dann eingehend über die Tauglichteit. die offensichtlich im Durch- schnitt sich verringern werde.— Genosse L e n s ch behandelte die russische Militärtüchtigkcit. Rußland sei einfach unfähig zu einem Offensivkrieg gegen Deutschland. Wenn Rußland Offensivkriege führen will, richtet es seine Stoßkraft gegen die Türkei, gegen Persicn, oder betätigt sie in Ostasien, nmtmermehr aber gegen große europäische Staaten. Was die Regierung über Rußland ge- sagt habe, sei das denkbar dürftigste gewesen. Wir Sozialdemo- traten bestreiten die Möglichkeit eines Krieges nicht. Wir wissen, daß wir in einem Zeitalter leben, in welchem die Kriegsgefahr nicht von der Tagesordnung verschwindet. Wenn die Regierung, wie sie ja eifrig betont, mit all ihren Rüstungen nur die Dcfensivkrast Deutschlands verstärken und heben will, dann müsse sie mit dem jetzigen Militärshstem brechen und zur Volkswehr übergehen, die das höchste Maß militärischer Kraft der Landesverteidigung darstellt. Die gegenwärtige Militärvorlage bedeutet den Anfang des Zusammenbruchs des Systems der stehenden Heere. Es ist unhalt- bar, die lange Dienstzeit eines Berufsheeres mit der allgemeinen Wehrpflicht zu verbinden. Um einen Krieg erfolgreich durchführen zu können, brauche auch Deutschland die Begeisterung der Massen. Aber die imperialistische Politik, Marokko oder Skutari vermögen Begeisterung nicht zu wecken. Da? große Heer mit langer Dienst- zeit soll den herrschenden Klassen auch als Instrument gegen den „inneren Feind" dienen. Der Sozialdemokratie unter solchen Um- ständen zuzumuten, sie solle das Messer schleifen Helsen, mit dem man ihr droht, die Kehle abzuschneiden, sei geradezu absurd. Abg. Erzberger forderte vom Kriegsminister Antwort, ob jetzt bei den Rekrutenaushebungen vermieden wird, daß in den Bezirken, wo die Aushebung zuerst vorgenommen wird, unge- wöhnlich viele„Taugliche" zum Militärdienst bestimmt werden, lediglich um die genügende Zahl von Soldaten zu erhalten.— Generalleutnant Wandel glaubt diese Befürchtung zerstreuen zu können. So werde nicht verfahren werden.— Abg. Gröber hegte ebenfalls lebhafte Zweifel gegen die Behauptung, es feien viele überschüssige Taugliche vorhanden. Wenn das 1893 noch der Fall gewesen sein mag, so hätten sich inzwischen doch die Verhält- nisse ungünstig verändert durch die fortschreitende Jndustriealisic- rung. Die Verwaltung müsse einen Nachweis auch darüber vor- legen, wieviel Soldaten in der Vergangenheit deshalb wieder von der Truppe entlassen werden mußten, weil sie den Anstrengungen des Dienstes nicht gewachsen waren. Stelle man in großer Zahl Mindertaugliche ein, werde sofort wieder die Zahl der Soldatenmitzhandlungen steigen. Hier müsse eine genaue Prüfung eintreten. Hierauf wurde die Beratung bis Dienstagdormittag abge- brachen. Die Genossen Ledebour und Haase verlangten die Anwesenheit des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes. Der Vorsitzende teilte mit, Herr d. Jagow könne jetzt unmöglich dauernd an den Verhandlungen teilnehmen, weil die auswärtige politische Lage seine Anwesenheit im Amte erfordere. Hierauf verlangten unsere Genossen die Vertagung der Beratung, bis der Staatssekretär in der Kommission erscheinen kann. Die Kommission einigte sich schließlich dahin, daß Herr v. Jagow morgen(Dienstag) zu Beginn der Sitzung in. die Kommission gebeten wird zur Er- örterung der allgemeinen politischen Lage. Pe. Von den sozialdemokratischen Kommissions- Mitgliedern sind vorläufig folgende Anträge eingebracht worden: „Die besonderen Vorschriften, durch die das Gardekorps und die sonstigen E l i t� f o r m a t i o n c n inbezug auf Rekrutic- rung, Ausstattung und Uniformierung sich von den übrigen Truppenteilen unterscheiden, werden aufgehobc n." „Für jede Waffengattung ist ausschließlich eine c i n h c i t- I i ch e F e l d u n i f o r m zulässig." „Während der Dauer der Dienstpflicht im stehenden Heere sind die s amtlich e n Mannschaften ein Jahr zum ununterbrochenen Dieust bei der Fahne verpflichtet." Die Volkspartei verlangt in Resolutionen folgendes: „Der Reichskanzler wird ersucht, dahin zu wirken, daß end- lich die zugesagten Ersparnisse gemacht werden, insbesondere u. a.: durch Einführung einer kricgsgemäßen, einfachen und cinbei'- lichen Unisorm für Krieg und Frieden; durch den Ersatz von aktiven Offizieren für alle Stellen, für welche die Felddicnst- tauglichkcit nicht mehr die unbedingte Voraussetzung ist, durch inaktive Offiziere; durch Reform unseres Pcnsionierungssystems in dem Sinne, daß Offiziere, die für ihre Stellen noch vollkommen geeignet sind, nicht deshalb pensioniert werden, weil ihr Nachmann sie übersprungen hat." „Die Bestimmungen der Wehrordnung, betreffend Befreiung vorn aktiven Heeresdienst infolge bürgerlicher Verhältnisse sind in rücksichtsvoller Weise auch in Zukunft anzuwcnde»." „Der Reichskanzler wird ferner ersucht, dahin zu wirken, daß alles getan wird, zur erfolgreichen Bekämpfung der Sol- datcnmißhandlungen, insbesondere auch durch Reform des mili täuschen Beschwerderechts: daß bei der geforderten Revision des ehrengerichtlichen Verfahrens geAen Offiziere die Verhältnisse der nicht mehr dem aktiven Militarstande angehörende Personen in einer dem Rechtsgefühl entsprechender Weise und unter An- erkennung ihrer allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte geregelt werden: eine Erleichterung und Abkürzung der Dienstzeit für das stehende Heer durch spätere Einstellung oder frühere Entlassung der Mannschaften eintritt; daß eine gesetzliche Verkürzung der Dienstzeit für das stehende Heer, entsprechend der besseren geistigen und körperlichen Ausbildung der Jugend, vorbereitet wird; daß keinerlei Privilegierung einzelner, bestimmter Trup- penkörpcr(Garde usw.) nach Garnisonsart, Avancement usw. stattfindet: daß in allen deutschen Bundesstaaten die Wehrfähig- leit der Jugend durch eine bessere körperliche Ausbildung- ge- hoben wird; daß alle Verbände, die der körperlichen Erziehung der Jugend sich widmen, in dem Bestreben unterstützt werden. durch systematische körperliche Uebung die schulentlassene Jugend für den Heeresdienst vorzubereiten." polltilcbe deberHcht Berlin, den 28. April 1913 Eisenbahnwünsche im Landtage. Das Abgeordnetenhaus nahm am Montag zunächst in dritter Lesung den Gesetzentwurf betr. die Abänderung des Gesetzes über die Eisenbahnnnternehmungen unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung an. Zwar ersuchte der Minister, von der Beratung des Entwurfs Abstand zu nehmen, da die Unterschiede zwischen den Ansichten der Regierung und dem Hause so groß sind, daß an eine Einigung doch nicht zu denken ist, aber die konservativ-klcrikale Mehrheit schlug die Warnung des Ministers in den Wind, sie ist entschlossen, der Regierung ihren Willen auf- zuzwingen. Ist auch der Anlaß nur geringfügig, so ist dieser Vorgang doch symptomatisch für das Machtbewußtscin des Junker- Parlaments. Den Rest der Sitzung füllte die Beratung der Sekundär- bahnvortage auS. Die Regierung fordert 541 Millionen zur Erweiterung, Vervollständigung und vcssercn Ausrüstung des StaatSeisenbahnnetzcs. Aber auch nach Vollendung dieser Bahnen gibt cS in Preußen immer noch zahlreiche Gegenden, die cii-cr besseren Verbindung bedürfen, und da eS für jeden xkrci» einige oder einen Vertreter gibt, die vor den Wahlen noch schnell das Bedürfnis empfinden, sich ihren Wählern in empfehlende Er innerung zu bringen, so ist das Ende der Debatte, in der nur lokale Wünsche geäußert lverden, und zu der sich nicht wcniger als 80 Redner gemeldet haben, vor Mittwoch nicht zu erwarleu. Aus der Redaktion des„Reichsboten". Zu dem Rücktritt des Chefredakteurs des„ R e i ch s b o t e n" Dr. Gerhard Kropatscheck von seinem bisherigen Posten wird der ultramontanen„Köln. Volksztg." aus Berlin geschrieben: Der Chefredakteur des„Reichsboten" Dr. Kropatscheck hat seine Stellung niedergelegt. Wie eine Erklärung des Verwaltungs- ausschusseS besagt, soll jetzt die Knmpfesweise des„Reichsboten" „ruhiger und fachlicher" werden. Der wahre Anlaß der Differenzen ist vor allem die Stellung des Dr. Kropatscheck zum Evangelischen Bund, die dem mittelparteilichen Konzern Büxenstein-Schröter- v. Schwerin, der auch schon auf die..Kreuz-Zeitung" seinen Einfluß ausgeübt hat. mißfiel. Neuerdings wurde die politisch wie religiös liberalisierende Richtung des Evangelischen Bundes vom Reichs- boten" belämpst. Als der Aufsatz eines namhaften Evangelischen über den Evangelischen Bund auf Anordnung des Ge- schäftSleiters(!) der G. m. b. H.) des„Reichsboten" ntchl aufgenommen wurde, legte der Chefredakteur lofort seme Stellung nieder. Uns interessiert die Sache infofern, als der ..Reichsbote" bei entschiedenem Festhalten des evangeltfchen Stand- Punktes sich unter Kropatscheck? Leitung doch von aller konfessio- nellen Verhetzung fernhielt. Voraussichtlich wird gerade wie an die„Kreuz-Zeitung" ein mittelparteilicher An Hanger des Herrn Schröter als Nachfolger berufen werden. Hinter dem Vorgehen des VerwaltungsauSschusies der G. m. b. H. des„Reichsboten" stecken, wie wir in einem Artikel der letzten Montagsausgabe des„Vorwärts" bereits dargelegt haben, tiefere Gründe; aber richtig ist, daß die Ablehnung deS Artikels eine« geistlichen Mitarbeiters durch den Geschäftsführer Richard George den äußeren Anlaß zu dem Abgang des Dr. Kropatscheck bildeten. Herr Kropatscheck ist Anhänger der sogenannten.positiven" Richtung dss Evangelischen Bundes, welche die Nachgiebigkeit der Konservativen gegen die römische Politik des Zentrums verwirft und eine größere Berücksichtigung der evangelischen Interessen fordert, während die Mehrheit des Verwaltnngsausschusses wünschte, daß der„Reichsbote" die heutige konservativ- klerikale Block- Politik unbesehen gutheißt und mitmacht. Daneben spielen freilich, wie schon erwähnt, noch allerlei andere Gründe mit, und es ist deshalb, wie die„Kölnische Volkszeitung" andeutet, auch ziemlich wahrscheinlich, daß einer der Günstlinge des Herrn Schröter, des Generalsekretärs der konservativen Partei, zum Nachfolger Kropat- schacks ernannt wird._ „T rücken Sie den Herren in der Regierung die Faust ins Auge!" An diesen Ausspruch eines der Berggewaltigen in der Berliner Ministerstürzer-Konferenz, die seinerzeit gegen die beabsichtigte Einführung der Sichcrheitsmänner im Bergbau heftig opponierte, wird man erinnert, wenn man die Ausführungen liest, die auf der am Sonnabend in Essen abgehaltenen Hauptversammlung des Zcchenverbandes dessen Geschäftsführer v. Lo ev enstein gc- macht hat. Mit Bezug auf die Stellung des Vereins zum Leuchtölmonopol und die in der Antwort des Reichsschatzsekretärs vertretene Ansicht, daß das heftig angegriffene Buch des Regierungsrats Kestner keinerlei staatssozialistische Anschauungen enthalte, sagte der Herr nach dem Bericht der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung", diese Ansicht könne als Beweis dienen, daß im Reichsschatzamt das Bewußt- sein der Grenze bereits völlig geschwunden sei, an der der Staats- sozialismus seinen Anfang nehme. Jedenfalls eröffne sich mit dieser Crrlärung des Reichsschatzsekretärs ein Ausblick, der die weitere ruhige EntWickelung unseres gesamten Wirtschaftslebens ernstlich bedroht erscheinen lasse und es allen wirtschaftlichen Organisationen zur Pflicht mache, die gesetzgeberische Tätigkeit des Reiches be- sonders kritisch zu prüfen. Dazu sei um so mehr Anlaß vorhanden, als die Stellungnahme so mancher mit hohen Reichs- und Staats- stellen betrauten Persönlichkeiten zur Sozialdemokratie leider nicht so scharf umgrenzt sei, wie man es als im Staatsinteresse liegend für nötig erachten müsse. Die in den letzten Jahren vielfach geübte Taktik, durch vertrauensvolles Entgegenkommen der Sozialdemo- Tratie die Grundlagen ihres Einflusses zu entziehen, habe sich, wie an einer Reihe von Beispielen, u. a. Einführung der Sicherheits- männer, nachgewiesen wurde, für völlig verfehlt erwiesen. Leider sei ober nach den letzten Erklärungen des Staatssekretärs nicht damit zu rechnen, daß man aus der Erfolglosigkeit all der Ver- söhnungsversuche auch die nötigen Folgerungen ziehen würde. brauch der Dienstgewalt in einem Falle zusammen z u s e ch s Wochen gelinden Arrestes. Zur Bcgründmtg des Urteils wurde die Oeffentlichkeit wieder ausgeschlossen. Hauptmann Köhler verzichtete auf das Rechtsmittel der Berufung, Feldwebel Kremin gab noch keine Erklärung ab. Zur Beschaffung des Anklagematerials in diesem umfangreichen Prozeß hat ein Kriegsgerichtsrat eine größere Anzahl Reisen in zum Teil recht entfernte Orte unternehmen müssen, um die in- zwischen entlassenen Reservisten selbst zu vernehmen. Diese Leute waren nun zu bestimmten einzelnen Tagen der Verhandlung als Zeugen geladen und aus weiter Ferne erschienen, so daß der Prozeß ganz bedeutende Kosten verursacht hat. Zentrumsdemagogie. In Süddeutschland sind die Zentrumslvählcr keineswegs begeistert für die Militärvorlage und die Rede Häuslers hat dort ein lebhaftes Echo erweckt. In Kleukheim bei Staffel- stein(Oberst.) nahm eine Zentrumsversammlung, in welcher der Pfarrer Würzberger referierte, gegen die Heeresvorlagen Stellung. Der Pfarrer fand recht kräftige Töne und rief nach einem neuen Windthorst, der„die Spahnschen Zylinder- und Mummelgreise samt ihrer„Staatszeitung" abdanken" läßt. Es wurde eine Resolution angenommen, nach der die Ver- sammelten in der Wehrvorlage„die Zusammenbruchs- bescheinigung der unsteten Rcgierungspolitik der letzten 25 Jahre" erblicken. Die Deckungsvorlage wirke durch ihre sozialwidrige Struktur aufreizend. Die Zcnstumspartei wird gewarnt, zu dem„folgenschweren Parteifehler der Reichs sinanzreform noch den der Abstoßung der Landwirtschaft zu fügen". Es ist die alte Geschichte: Während daS Zentrum im Reichstag der Regierung alles bewilligt, treiben die Pfarrer Opposition, um das katholische Volk in Stim- «»ung zuhalten!__ Ein dummer Spast Wie der„Frankfurter Zeitung" von ihrem Karlsruher Kwr. rcspondenten gemeldet wird, ist die dortige Polizeibehörde von Berlin aus ersucht worden, anläßlich des Besuches des Kaisers bc- sondere Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Tie Karlsruher Polizei- b: Hörde hat diesen Gerüchten zwar keine Bedeutung beigemessen, aber es für nötig befunden, verstärkte Maßnahmen zu treffen. Auf Grund dieser Gerüchte findet auch die Tatsache ihre Erklärung, daß der Kaiser am Sonnabend nicht mit dem Sondcrzug, sondern im Automobil nach Karlsruhe gefahren ist. Wahrscheinlich hat sich ein Witzbold mit dem Warnungsbrief »inen faulen Spaß gemacht, um die Polizei zu necken. Mild bestrafte Soldatcnmisthandlung eines Leutnants. Der Leutnant de Maigiöre vom Infanterieregiment Nr. V2 in Braunschwcig hatte eines Tages zwei Korporalschaften beim ato'6"" recht empfindlich„gekniffen". Er ließ die Leute erst 10 Minuten, darauf noch annähernd 30 Minuten in der Kniebeuge stehen und Gcwehrübungen machen. Einer der mißhandelten tru3 don dieler Behandlung erhebliche gesundheitliche Rachteile davon. Das Kriegsgericht verhandelte den Fall hinter verlchlonenen Türen und verurteilte den Leutnant zu zehn Tagen Stubenarrest. Der grostc militärische Misthandelungsprozeff vor dem Thorner Kriegsgericht ging heute nach zehntägiger Ver- Handlung zu Ende. Der Hauptmann und Kompagniechef vom 170. Jnfanterie-Regiment Artur Köhler wurde zu sechs Mo- noten Festungshaft und der Feldwebel Otto Kremin von der 1. Kompagnie des genannten Regiments zu sechs Wochen gelinden Arrestes verurteilt. Wie aus der Urteilsverkündigung hervorging, war Hauptmann Köhler in nicht weniger als 221 Fällen von Vergehen gegen verschiedene Paragraphen deS Militärstrafgesetz- buches sowie wegen fortgegesetzten Vergehens gegen die§§ 115 und IIS angeklagt. Davon erfolgte Freisprechung: Wegen vor- schriftswidriger Behandlung Untergebener in 104 Fällen, wegen Rißhandlung Untergebener in 2 Fällen, wegen Mißbrauch der Tienstgewalt in einem Falle, wegen Vergehens gegen§ 147 in b Fällen, wegen Abhalküng eines Untergebenen von der Beschwerde !17 1 in einem Falle und wegen unrichtiger dienstlicher Meldung (§ 138) in 2 Fällen. Dagegen wurde Hauptmann Köhler ver- urteilt einmal wegen fortgesetzten Vergehens gegen§Z 115 und 116: Bestimmung Untergebener zu strafbaren Handlungen durch Mißbrauch der Dienstgewalt bzw. versuchte Bestimmung, sodann wegen vorschriftswidriger Behandlung Untergebener in 62 Fällen, wegen Mißhandlung Untergebener in 45 Fällen, wegen Mißbrauch der Dienstgewalt in 3 Fällen und wegen mangelhafter Beauffich- tigung Untergebener bzw. Unterlassung der Verfolgung strafbarer Handlungen von Untergebenen in 2 Fällen. Für diese zu- lammen 114 Straffälle erachtete der Gerichts- bof sechs Monate Festungshaft als ausreichende «ühne. Feldwebel Kremin wurde freigesprochen von der Anklage der Mißhandlung Ilmergebener in 3 Fällen, der vorschriftswidrigen Behandlung in einem Falle und wegen Vergehens gegen S 147 und toegen Verbrechens gegen§ 87(tätlicher Angriff gegen einen Vor- llchetzten) in je einem Falle. Dagegen erfolgte seine Verurteilung wegen Mißhandlung Untergebener in 58 Fällen, wegen Vorschrift�. widriger Behandlung Untergebener in 3 Fällen und wegen Miß- tagskandidat für den Wahlkreis Marburg-Frankeiiberg-Kirchhain und öfter Delogierter auf den Parteitagen. Schneider ist Mitte der achtziger Jahre von Marburg nach Hannover übergesiedelt und ist seit Oktober vorigen Jahres in Hamburg, für und Dienst- größere frankreieb. Der Kampf um die dreijährige Dienstzeit, Paris, 27. April.(Eig. Ber.) Der Kampf gegen die Wiedereinführung der dreijährigen zeit in Frankreich nimmt von Tag z» Tag Dimensionen an. Die nationalistischen Elemente, die anfangs eine Durchpeitschung der Regierungsvorlage er- hofften, verdoppeln ihre Anstrengungen, seitdem sie sehen, daß der von der sozialistischen Partei im ganzen Lande veranstal- tete Versammlungsfeldzug und das von der„Hu- manit6" im Auftrage des Parteivorstandes veranstaltete Referendum einen außergewöhnlich starken Erfolg haben. Jetzt schon stehen zweimalHunderttausendUnter- s ch r i f t e n auf der zur Durchführung des Referendums von der„Humanit6" im Lande verbreiteten Protestliste gegen die dreijährige Dienstzeit. In der Provinz wie in Paris finden seit Wochen täglich zahlreiche sozialistische Versamm- lungen statt. Die dreijährige Dienstzeit ohne jede Einschränkung wird im Parlament keine Mehrheit finden, das steht heute schon fest. Die bürgerlichen Linksradikalen, die den Ausschlag geben, sind immer noch auf der Suche nach einer Formel, die ihnen erlaubt, dem Militarismus Konzessionen zu machen, ohne ihre bisherige Parteipolitik bloßzustellen. Sicher ist aber, daß sie unter allen Umständen für die Einführung längerer und obligatorischer Urlaubsperioden eintreten wer- den. In der Armeekommission, die vorige Woche ihre Ar- beiten wieder aufgenommen hat, hat Jaurös dem Kriegs- minister Etienne nachgewiesen, daß er in dem statistischen Material, das der Kommission unterbreitet wurde, 85 000 Manu„vergessen" hätte. Das stärkste Argument der Reaktion ist und bleibt natür- lich die deutsche Heeresvorlage. Portugal. Massenvcrhaftungen. Lissabon, 27. April. Achtunbvierzig verhaftete Militärpersonen sinö an Bord des geschützten Kreuzers„Republica", ungefähr hundert Zivilisten und andere verhaftete Militärpersonen nach dem Kastell von Sao Jorge gebracht worden. Die Mehrzahl der Verhafteten gehört der Radikalen Republikanischen Vereinigung an. Ein sorgsamer Ueberwachungsdienst ist von Polizei und Bürgergarde zur Verteidigung der Republik eingerichtet worden. — Es wird versichert, daß mehrere Syndikalisten in der Prcwinz Alemtejo, in der ein Landarbciterstreik in Vorbereitung begriffen ist, verhaftet worden sind. Wie es heißt, sind Haftbefehle gegen mehrere Offiziere der Marine und. der republikanischen Garde erlassen worden. Einige Offiziere sollen bereits festgenommen sein. In der Vorstadt Alcantava sind zwei Bomben explodiert. Die Truppen sind in den Kasernen konsigniert. China. Opposttion gegen den Anleihevertrag. Peking, 27. April. Wie Reuters Bureau erfährt, hat der Vizepräsident des Senats gestern, bevor der Anleihcvertrag unter- zeichnet wurde, den Vertretern der Banken mitgeteilt, daß die Mitglieder der Opposition in den beiden Häusern die Anleihe als nicht regelrecht zustande gekommen betrachten, und daß sie mit der Begründung dagegen protestieren würden, sie müsse einem neuen Parlament vorgelegt werden. Die Regierung ist der Ansicht, daß die am 26. September 1912 erfolgte Zustimmung der konstituieren- den Versammlung zu dem ursprünglichen Uebereinkommen, das von der«echSmächtcgruppe vorgeschlagen worden war, noch bin- dend sei, und daß, da es den: Abgeordnetenhause bisher noch nicht gelungen sei, einen Präsidenten für das Parlament zn ernennen, es tatsächlich noch nicht konstituiert sei. Die Kuomintangpartei wird voraussichtlich den Versuch machen, den Abschluß der Anleihe zu annullieren als Zeichen ihrer Macht Juanschikai gegenüber, dessen wachsende Macht sie mit Mißtrauen erfüllt. Die„TimeS" meldet aus Peking vom 27. d. M.: Der Grad der Empörung der revolutionären Partei über die Anleihe kommt darin zum Ausdruck, daß Dr. Sunhatscn den Konsuln in Schanghai förmlich mitgeteilt hat, daß die Vollziehung der Anleihe ohne Teilnahme der Nationalversammlung einen Bruch zwischen Süden und Norden herbeiführen würde. Die Drohung ist nicht ohne Bedeutung, da man Grund zu der An- nähme hat, daß die Revolutionäre gemisse vorbereitende militärische Maßregeln ergriffen haben. mnen. Sturmzeichen aus Jndochina. Paris, 28. April. Die„Agence Havas" meldet aus Saigon: Am Sonnabendabend 7 Uhr schleuderte ein Annamit in Hanoi (Annam) eine Bombe, durch welche zwei französische Hauptleute getötet, vier Europäer und fünf Eingeborene verwundet wurden. Der Attentäter hat die Flucht ergriffen. Der Gouverneur von Jndochina, Sarrut, erließ einen Aufruf, in welchem er an die Besonnenheit der Franzosen appelliert. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Nach einem Telegramm des Gouverneur» von Jndochina an den Minister der Kolonien wird der Anschlag auf Parteigänger des Fürsten Cuongte zurückgeführt. Ter Anschlag wurde in Werk- zeugfabriken Cantons und Hongkongs vorbereitet, in denen sich revolutionäre Chinesen befinden, welche die aufrührerischen Annamiten beraten und unterstützen. Auch die Täter selbst kamen aus Canton und Hongkong. Ein unbekannter Eingeborener hatte schon am 2. April durch eine Bombe den Thuangfu der Provinz Thaihinh auf die gleiche Veranlassung hin getötet. Außerdem hatte die Polizei schon am 24. März in Saigon und Cholon acht Bomben entdeckt. Hu9 der Partei. Ein Parteiveteran. Am 26. April feierte in Hamburg der Genosse V. H. S ch n e i- der seinen 70. Geburtstag. Schneider ist in Marburg geboren. Er berief dort am 29. Mai 1 8 6 9 die erste sozialdemokratische Volksversammlung ein, leitete dieselbe und loar von dieser Zeit an unablässig in der Partei tätig. Schneider lvar mehrmals Reichs- Totenlistc der Partei. In Baden-Baden starb nach langem Krankenlager im Alter von 66 Jahren der Genosse Theodor Lutz, in Süddeutsch- land und bei den älteren Parteigenossen bekannt unter dem Namen „der rote Apotheker". Theodor Lutz, Apotheker und Stadtrat in Baden-Baden, wurde am 16. April 1847 in dem württembergischen Schwarzwaldstädtchcn Neuenbürg als Sohn eines Rechtsanwalts geboren. Er besuchte die Lateinschule seines Heimatsorts, später das Gymnasium in Stutt- gart, absolvierte seine Lehrzeit als Apotheker in Ehningen und studierte dann in Tübingen weiter. Dort machte er die Bekannt- schaft mit dem nachmaligen französischen Sozialistenführer Vaillant. Kurz nachdem das Sozialistengesetz in Kraft getreten war, trat er und mit ihm gleichzeitig seine drei Brüder zur sozial- deuwkratischen Partei über. Im Jahre 1879 übernahm Lutz die kleine Landapothekc in Odenheim bei Bruchsal. Das Oertchen wurde dann die Zusluchts- stätte mancher verfolgter und erholungsbedürftiger führender Parteigenossen. Theodor Lutz übernahm damals auch den gefahr- vollen Posten eines..Zwischenexpedienten" der sozialdemokratischen Feldpost. Der Aufenthalt in deni weltabgeschiedenen Odenheim ließ ihm auch Zeit zur Schriftstellerei. Er pflegte besonders das politisch-satirische Gedicht. Später gründete Lutz in Stuttgart ein Sanitätslager zum „Roten Kreuz". Hier stand er in einer lebhaften politischen und Parteibewegung im Vordertreffen. Der„rote Apotheker" ist in ganz Württemberg als bewährter Agitator und Redner hervor- getreten. In Stuttgart hatte er außerdem Haussuchungen, behörd- liche Verfolgungen und geschäftliche Drangsalierungen zu erdulden, die ihn in seiner wirtschaftlichen Existenz stark bedrohten. Im Frühjahr 1889 gründete Lutz ein neues Geschäft in Baden- Baden, das sich infolge seiner Tüchtigkeit nach und nach zu einem weitbekannten, renommierten Unternehmen entwickelte. Als Reichs- tagskandidat des 8. Wahlkreises, einer der stärksten Zentrums- domänen, erzielte er von Wahl zu Wahl sich steigernde Erfolge. Das Vertrauen der Parteigenossen entsandte ihn mehrfach zu deut- scheu Parteitagen und zum Internationalen Kongreß in Paris. Später wurde er in Baden-Baden ins Stadtverordnetenkollegium und im Jahre 1911 als Stadtrat gewählt. Theodor Lutz gehörte im Jahre 1903 für kurze Zeit als Vertreter von KarlSruhe-Land dem badischen Landtag an. Die Partei wird das Andenken des alten Kämpfers in Ehren halten._ Aus den Organisationen. Ueber erfreuliche Erfolge im verflossenen Geschäftsjahr konnte der Vorsitzende des sozialdemokratischen Vereins für den 13. fach- fischen Reichstagswahlkreis in der am 27. April ab- gehaltenen Generalversammlung berichten. Neben 21 allgemeinen Versammlungen und 18 Frauenvcr- sammlungen, die von der Leitung aus arrangiert waren, sind noch 114 öffentliche und 530 Vereinsversammlungen der Ortsvercinc abgehalten worden. Nicht weniger als 1 106 000 Flugblätter, ohne die diversen Handzettel für Versammlungen, gelangten zur Ver- breitung: dazu kommt die unentgeltliche Verteilung von Broschüren. In 66 Gemeinden und in der Stadt Leipzig war die Organi- sation beteiligt an Kommunalwahlen. 17 neue Mandate hat die Organisation errungen. Demgegenüber steht infolge der neuen Bestimmungen der sächsischen Landgemeindeordnung, welche den „Forensen" gewaltige Vorteile bieten, ein Verlust von 8 Mandaten. An 78 Orten sind jetzt 184 sozialdemokratische Gemeindever- treter vorhanden. ES. verbleiben noch rund 81 Gemeinden, wo die Bresche noch gelegt werden muß. Die Gemeindewahlen erforderte» einen Aufwand von 1267 M..... Eingerichtet wurden 5 BildungSkursa in Bezirken, die, im zweiten Semester ihren Fortgang nahmen und sich eines regen Besuchs erfreuten. Dasselbe ist der Fall bei den 12 Außenkursen. die in den äußeren Ortschaften des Wahlkreises über das Partei- Programm abgehalten wurden. Für die Lehrer dieser Kurse wurde die Summe von 1947 M. verausgabt. Für Neuanschaffungen und Reparaturen von Büchern in den vorhandenen reichhaltigen Bibliotheken wurden 14 035 M. aufgewendet. Dem Parteivorstand wurde eine Summe von 30 000 M. überwiesen, das sind 28,2 Proz. der Einnahmen. Daneben laufen die Ausgaben für den Bezirksvorstand respektive der Landesorganisa. tion Sachsen in Höhe von 12 100 M. Für Agitation wurden 15 732 M., für Druckkosten 9173 M., für das Organ der Frauen 4444 M., für Broschüren 1791 M. verausgabt. Der Mitgliederbestand der Organisation beläust sich gegen- wärtig auf 34 090 und war am 1. April um 1722 höher als am 1. Juli 1912. Sehr groß waren im Verhältnis zu früheren Jahren die Zahl der gestellten Ausschlutzanträge, was zurückzuführen ist auf die Gründung gelber Zwangsorganisationen. polizeiliches, Seri ehrliches ulw* Gift aufgehobenes Urteil. Vor einiger Zeit halte das Schöffengericht in Saalfeld in Thüringen den Genossen Redakteur Zorn vom„Saalfelder Volts- blatt", der den Vorsitzenden der Meininger Ortsgruppe des Jung- deutschlaudbuudcs. Major Lacroix, durch eine Notiz beleidigt haben sollte, freigesprochen. Die vom AmtSonwalt hiergegen eingelegte Bc- rufuirg hatte zur Folge, daß die Strafkainincr in Rudolstadt das freisprechende Urteil aushob und den Genossen Zorn zu zwei Wochen Gefängnis undzurTragnngderK ästen ver- urteilte. Der Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis be- antragt._ Vom Polizcikamps gegen die Maifeier. Tie Polizeiverwaltung in Düsseldorf hat den vom Vor- stand des sozialdemokratischen Vereins beantragten Maiumzug wegen angeblicher Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verboten. Diese„Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" glaubt man darin erblicken zu können, daß bei dem lebhaften Straßenverkehr am Himmelsahrtstagc die Demonstration von weiten Bevölkerungs- Schichten, zumal bei den starken politischen Gegensätzen, als provo- katorisch empfunden würde und Zusammenstöße zu befürchten seien. Sodann glaubt die Polizei die gute Stadt Düsseldorf auch dadurch gefährdet, daß„nach dem Aufrufe des Parteworstandes die in den letzten Jahren im kleineren Maßstabe veranstaltete Maifeier in diesem Jahre, soweit erkennbar, als Massenkundgebung gegen das preußische Wahlrecht und gegen die Hccresvorlagc geplant ist." In den Nachbarorten Düsseldorfs scheint man in dieser Frage weniger ängstlich zu sein, als die Düsseldorfer Polizei. In Ben- r a t h, Hilden und Ratingen sind die Maiumzüge genehmigt worden. Der Bürgermeister von A r t e r n(Bez. Halle a. S.) verbot den Umzug mit der allgemeinen Redensart, daß es sich bei der Mai- dcmonstration um„eine Provokation der bürgerlichen Gesellschaft handelt, wodurch leicht Ausschreitungen entstehen." Ganz ähnlich scheint der Bürgermeister von Könnern im Saalkrcis über seine Bürger zu denken. Er verbot für dieses Jahr den Umzug, weil die große Menschenmenge den Verkehr störe n und auch auf weite Kreise beunruhigend und er- regend wirken wird. Wenig Kopfschmerzen hat dem reichsverbändlerischen Bürger- meister von E i l e n b u r g, Dr. B e I i a n, das Verbot gemacht. Ein einziger Satz, in dem behauptet wird, daß die Bevölkerung beunruhigt und erregt würde, genügt zum Verbieten des rcichsgesetzlich erlaubten Umzuges. Gewerkfcbaftlicbeö. Das obcrfcblcnrchc Streikgebiet. Wallen wir essen Fleisch m,d> Bro!, müssen wir es borgen; will es auch bezahlet sein> lassen wir Gatt sargen. Ansre Kleider, Strumpf und Schuh samt den Grubcntittcl, und was sonst gehört dazu sind geborgte Mittel. Dieses alte Bergmannslied kennzeichnet den Geist und die Lebenslage der oberschlesischen Grubenarbeiter. Und da- bei ist Oberschlesicn ein reiches und fruchtbares Land, reich an Kohle und gutem Ackerboden. Es nimmt in Teutschland an Kohlenreichtuin die zweite Stelle ein. In keiner Provinz des preußischen Staates gibt es so bedeutende Grundbesitz- komplexe, wie in Schlesien. Und mitten in der Pracht der Natur und den größten und reichsten Industrieunternehmun- gen stehen die arinseligen Strohhütten, die von Rauch und Ruß schmutzig gewordene Wohnhäuser der Bergarbeiter. Malerische Winkel nennt man so etwas in Berlin lV. Als ich in Breslau in den Eisenbahnwagen stieg, immer standesgemäß vierter Klasse, kam ich in eine wenig noble Ge- scllschaft. Es waren Streikbrecher, die ein Agent irgendwo angeworben hatte. Er unterhielt die Gesellschaft mit aller- Hand Späßen, und die„Arbeiter" saßen auf den Bänken und rauchten, spieen aus und tranken ihren Wudki; dabei wurde eine Pfeife von mehreren benutzt, die keine eigene hatten. Und beim Ausspeien zielten sie nach meinen schwarzen Stiefeln, als wüßten sie, daß ich ein Sozialdemokrat bin. Mehrere machten es sich bequem! Zogen die Schaftstiefel aus und bald duftete das Abteil im lieblichsten Proletarier- Parfüm. Und doch darf man über die Lebensgcwohnheiten der Streikbrecher nicht spotten, denn es sind die Helfershelfer der vom Streik beschützten Grubcnbaronc. Während im Abteil eine dumpfe Luft herrschte, lachte durch das Fenster die liebliche Natur. Grüne Wiesen, fruchtbare Aecker mit fußhohem Getreide und üppiger Hochwald. Doch bald ändert sich das Bild. Hinter Oppeln sieht man die grauen Zclnentfabriken und Kalkbrennereien, und von Gleiwitz an sind überhaupt alle Naturreize vorbei. Man sieht nur Schornsteine und Fabriken, und die Luft ist grau von Rauch. Ruß und Dampf. Ter Kapitalismus hat unser Zeitalter um eine Erscheinung bereichert, er schuf in seinem Gebiete ein Rauch- und Rußbad für die arbeitenden Menschen, eine Wohltat für die darbenden Kapitalisten. Für den Neuling gibt es im Streikgcbict viel Intcr- essantes zu sehen, aber wenig Schönes. Bcuthen und Katto- Witz haben ja einige schöne Straßen, aber dazwischen uud ringsumher iin weiten Land schivarzrote Fabriken, Schorn- steine, Grubenbahnen und Schutthaufen. Wenn jetzt auch immer nur einige Schornsteine der Gruben rauchen, so qualmen doch die Essen der Hüttenwerke, und man hat keinen freien Blick in die Ferne. Natürlich sieht der Ackerboden auch nicht besser aus. Was sollte auch hier gedeihen. Selbst das Gras und Moos ist schmutziggrün und die Rasenflächen der Berliner Baustellen sind dagegen noch wahre Paradiese. Und doch ist es für die Streikenden eine Erholung, auf den Chausseen herumzubummeln. Wenn die Sonne scheint. dann lagern sie rechts und links vom Wege, rauchen, erzählen, und recken ihre Glieder. Seit einer Woche haben sie keinen Schnaps kaufen können, denn die Destillen sind geschlossen, und das erfreulichste: keiner murrt darüber. Die staubige Arbeit ist also die Ursache, daß der Arbeiter seinen letzten Groschen für Schnaps ausgibt. In den Dörfern ist jetzt olles lebendig. Tie Männer sehen aus den Fenstern, die Frauen sitzen vor der Tür auf der Treppe, verwarten die Kinder oder nähen und flicken Nirgends Zank, Streit; hier und da hört man die Harmonika, die einzige Freude der hier Lebenden. �. Während früher die Polen auf eine deutsche Frage keine Antwort gaben, antworten sie jetzt besonders höflich und freundlich; es ist zu fühlen, jeder ist hier willkomnicn, denn die Grubenarbeiter haben plötzlich das Lachen verlernt, sind stolz auf die Eucheit und Macht ihres Kampfes, und der Bergmann als Spaziergänger hat andere Stimmungen und Gefühle, als der zwölf Stunden unter der Erde arbeitende. Ter Streik in Obcrschlesien ist eine Kulturtat ersten Ranges, weil die Arbeiter aus den Wegen dehr Duldsamkeit herausgekommen und Männer wie Frauen einige Tage zu ihrer Erholung haben. Die Arbeiterbewegung hat in Obcrschlesien begonnen, und selbst die Frauen nehmen daran teil; sie besuchen die Versammlungen, sind aufmerksame Zuhörer und stimmen dem Redner mit vielen Zwischenrnfen zu. wenn er Not und Elend der Bergarbeiter in beredten Worten schildert. Wenn ich so durch die D ö r s e r und Straßen pilgere und die ernsten und doch immerhin heiteren Mienen der Männer und Frauen betrachte, dann sage ich mir, hier fehlen Bücher, Bücher, denn die Bergarbeiter haben jetzt Zeit und Lust zum Lesen. Und mag der Streik ausfallen, wie er will, das eine wird bleiben, daß die Lebensgewohnheiten der Bergarbeiter andere werden, und sie müssen es. um das Joch der adligen Grubenbarone abzuschütteln. Ter Boden ist ge- pflügt, jetzt heißt es säen. Aach einigen Meldungen, ss- sollen ans dem Berg- und Hütten- verein stammen, soll die Zahl der Streikenden 86 000 Mann be- tragen, jedoch ist diese Zahl unbedingt zu hoch. Auf der Iohannagrube und der Brandenburggrube befindet sich ein Teil der Masch, nisten im Ausstand. Auf den Galmei- merken haben heute 900 Mädchen die Arbeit niedergelegt. In Laurabütte haben sich 50 Arbeiterinnen ebenfalls der Streikbeweguna angeschlossen! Auf den fiskalischen Schächten in Königshüttc streiken 21 bis 22 Proz. der Belegschaft. Auch auf den fiskalischen Gruben in Zabrze hat der Streik an Ausdehnung bedeutend zugenommen. Aus Poremba sind 50 Bergleute nach Frankreich abgefahren. Auf der Konkordiagrubc verunglückte am Donnerstag ein 15 Jahre alter Hilfsschlepper; er wurde von einer Lokomotive erfaßt. Er erlitt eine starke Quetschung des Kopfes und wird mindestens ein Vierteljahr im Lazarett zubringen müssen. Die Wagenstößer erhalten einen Tagclohn von 2 M. Kerlin und Umgegend. Vom Generalkommando des Gardckorps erhalten wir folgende Zuschrift: »Das Generalkommando teilt mit Bezug auf§ 11 des Preß. gesetzes vom 7. 5. 1874 zu den, Artikel im„Vorwärts" vom 16. 4. 13, überschrieben:»Gewerkschaftliches.— lind abermals Soldaten als Streikbrecher"— nachfolgende Berichtigung mit: Die 3 Füsiliere, welche am Sonntag, de,� 13. April dS. Js. nachmittags gegen Entgelt im Ratskellerrestaurant zu Charlotten- Berantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: bürg aushalsen, taten dies freiwillig und nur mit Wissen ihres Feldwebels. Es hat weder eine Kommandierung stattgefunden noch wußten andere Vorgesetzte darum. Ter Kompagniechef hat, als er am nächsten Morgen davon erfuhr, sofortige Abstellung angeordnet. Der kommandierende General: IIb Freiherr von Plettenberg." Wir freuen uns, aus dieser Zuschrift zu ersehen, daß die Bc- rcitftellung von Soldaten für solche Zwecke von einigen höheren Kommandostellen affenbar als nicht unbedenklich angesehen wird. Hoffentlich wird auch der Feldwebel als Arbeitswilligenvermittler einmal der Vergangenheit aiigehören. DeutTchcs Reich. Tic Maschinisten und Heizer zum Streik in der Binnenschiffahrt. Tie Verhandlungen mit den Unternehmern in der Binnen- schiffahrt haben bekanntlich nicht den gewünschten Erfolg gebracht, trotzdem auch M: Maschinisten und Heizer, um den Weg zum Frieden zu ebnen, ihre ursprünglichen Forderungen reduziert hatten, lieber die Frage der Nachtruhe kam es zu einer Vcrständi- gnug, indein beide Parteien crilärtcn, die gesetzliche Regelung an- zustreben und der Regierung geeignete Vorschläge zu unterbreiten. Eine Einigung über den Tarif scheiterte an der Lohnfragc; die Ilntcrnchmcr wollten über ihr altes Angebot, monatlich 5 M. für alle Stromgebiete zuzulegen, nicht hinausgehen. Durch den Vor- sitzenden der Maschinisten und Heizer wurde erklärt, daß eine taris- liche Vereinbarnng nur aus folgender Grundlage zustande kommen könne: Für die Elbe wird die Zulage van 5 M. akzeptiert, unter der Voraussetzung, daß die zweite �Lohnklasse für die Heizer in Wegfall kommt. Bei den Eilgüter-Tchiffahrtsrecdereicli tritt eine Zulage von 10 M. für Maschinisten gnd Heizer in Kraft; auf der Oder eine Zulage von 5 M. sofort und eine weitere Zulage im dritten Jahre, deren Höhe noch zu bestimmet ist, jedoch mit der Maßgabe, daß der Hcizerlohn nicht unter dem der Bootsleute zurückbleibt.— Die Unternehmer halten diese Vorschläge für un- annehmbar und bestehen auf den ihrigen. Infolgedessen kann es zu einem tariflichen Verhältnis mit dem Zentralverband_ der Maschinisten und Heizer nicht kommen. Die Arbeit wird wieder ausgenommeii. Ter Kampf mit den Reedereien ist jedoch damit nicht zu Ende, jetzt beginnt der Kleinkrieg, der Kampf in Permanenz._ Der Fabrikarbeiterverband im Jahre 1S1Ä. Das abgelaufene Geschäftsjahr stand erfreulicherweise ober- mals im Zeichen des Ausstieges. An, Schluß des Jabrcs 1012 betrug die Zahl der männlichen Mitglieder 181 273, die der weib- lieben 26 324, insgesamt zählte der Verband also 207 597 Mitglieder. Die Zunahme beträgt gegen das Vorjahr 18 154. Prozentual stieg die Zahl der männlichen Mitglieder um 0,58 Proz., die� der weiblichen um 12,15 Proz. Entsprechend dieser Entwickln,� ist auch das finanzielle Ergebnis ein günstigeres als im Vorjahr. Tic Ein- nahmen der Hauptkasse betrugen 4 337 531 M. An Unterstützungen lmirdcii verausgabt 2 003 810 M. Davon cntsallen aus Erwerbs- losciiiintcrstützung 1 307 822 M.. auf Streiks- und Gemaßrcgeltcn- linterftützung 654 000 M. An Gesamtausgaben verzeichnet die Hauptkasse 3 336 575 M. Ter Kasscnbestand betrug am Schluß des 4. Quartals 3150 078 M. Außerdem hatten die Lokalkassen ins- gesamt einen Bestand von 861 580 M. Das Vcrbandsvermögcn bc- trug am Jahresschluß 4 012 558 M. Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen sind im Jahre 1012 insgesamt 601 zu verzeichnen. Davon konnten 443 ohne Ar- beitscinstellniig erledigt werden. Angriffttrcils waren waren 04, Adwehrstreiks 40 und Aussperrungen 24 durchzukämpfen. 84 Proz. aller Bewegungen waren erfolgreich, davon 74 Proz. ohne Arbeits- cinstellung. Bei den Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung wurde erreicht: für 13 402 Beteiligte eine Arhcitsverkürzuug von 30 010 Stunden pro Woche/außerdem für 39 642 Personen eine Lohnerhöhung von 60 220 M. pro Woche. Insgesamt wurde er- reicht eine Arbeitszeitverkürzung für 15 661 Personen von 44 681 Stunden die Woche und ciuc LUinerhöhung für 45 605 Personen von 79584 M. die Woche. Lohnkürzungen wurden abgewehrt für 1067 Personen von zusammen 2372 M. die Woche. Tie Kosten für alle Loblibeivegungsn betrugen für Haupt- und Lokalkasscn znsam- men 795 084 M. Tic tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeits- bcrhältnijsc hat 1912 eine wesentliche Erweiterang erfahren. Tie Zahl der abgeschlossenen Verträge betrug am Schluß des Jabres 369 sim Vorjabr 3011. die Zahl der in Betracht kommenden Be- triebe 611 1480) und die Zahl der unter Tarif Arbeitenden 35 425 120 850). Das abgelaufene Jahr kann für die in das AgiiationZgebiet dcS Fabrikarbeiterverbandes fallende Arbeiterschaft als ein erfolgreiches gebucht werden. Ties koustarieren zu können, ist umso er- freulicher, als es sich um meistens ungelernte Arbeitskräfte handelt, nntcr denen die Agitation erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden hat._ Ter Bund deutscher Dekorationsmaler und die Lohn- bewcgung im Malergewerbe. Ter Bund deutscher Dekorationsmaler c. V., Sitz München, hat mit den Gehilfenorganisattonen einen Tarifvertrag für das deutsche Bundesgebiet abgeschlossen. Wenn der Bund bei dieser Lohn- belvcguiig eine Sonderstellung eimrahm und selbständig in Tarif- Verhandlungen eintrat, so bat dies, wie der Bund in einer Zuschrift an die Presse erklärt, seine Ursache darin, daß der Bund trotz wiederholten Ersuchens vom Hauptvcrband deutscher Arbeitgeber- verbände im Malergemerbe zurückgewiesen wurde. Da somit keine Anssicht bestand, an der Schafsung eines Tarifes mitwirken zu könneil, sah sich der Hauptvorstand des Bundes veranlaßt, selb- ständig vorzugehen. Die Verhandlungen des Bundes mit den Ge- Kilfen-Orgamsationen begannen mit dem Zeitpunkte, als die Schiedssprüche dxr Herren Unparteiischen gefällt waren und diese von den Gehilfen-Organisationen als angenommen erklärt wurden. Auf Grund dieser Schiedssprüche führte der Bund die Tarifver- Handlungen und buchte diese auch zum Abschluß. Ter Haupt- Vorstand des Bundes deutscher Dekorationsmaler hat gewissenhaft geprüft, als er sich entschloß, selbständig einen Vertrag mit den Gehilfen abzuschließen. Der Bund deutscher Dekorationsmaler konnte einem raschen Vertragsabschluß um so leichter zilstimmen, als bei der gegenwärtigen�Lolmbewegung nickst mehr die Lohnsätze und die Arbeitszeit den Streitpunkt bilden, sondern lediglich die Einführung des paritätischen, oder des kommunalen Arbeitsnach- iveises zum Teil die Ursachen sind, welche zur Aussperrung führten. Der Bund ist schon durch sein Programm Gegner der Jnnungs-, vesp. der Vereinsarbeitsnachwcise. Er ist Anhänger der unpacteiisch geleiteten amtlichen oder kommunalen Arbeitsnachweise. Infolge- dessen ist die Frage über den Arbeitsnachweis für den Bunv deutscher Dekorationsmaler erledigt. Das Vorgehen des Arbeit- gebervcrbandcs im Malergewerbe ließ dem Bund keinen anderen Weg übrig, als selbständig zu Imndeln. Ter Hauptvorstmid des Bundes weil nach gegebener Sachlage gezwungen, seine Mitglieder vor den Schäden einer verkehrten und ziellosen Tarifpolitik zu schützen und schloß infolgedessen den Bundestarif ab. Kampfesweise des pommerschen Bauherrenverbandes. In Stolp streiken die Bauarbeiter. Als das terroristische Ver- halten. des pommerschen Bauherrenverbandes kürzlich im Reichstage zur Sprache kam, nahm der konservative Abgeordnete v. Wenden die Terroristen in Schutz und erklärte, der Verband sorge für das Wohl der Arbeiter. Wie diese Sorge um das Wohl der Arbeiter aussteht, erhellt am besten daraus, daß der Unternehmerverband zunächst die Einwohner ausforderte.„Ausschreitungen" der Streikenden sofort zu melden. Damit noch nicvt genug, treibt er Bau- arbcitcr, die anderwärts Arbeit bekamen, wieder aus der Arbeits- stätte heraus. Bei dem Rittergutsbesitzer B r e y er- K r a m p e waven zwei Maurer beschäftigt, die von ihm folgendes Schreiben erhielten: Krampe, den 23. NprA 1913. An die Maurer R. und St.! Bei Ihrem Eintritt in meine Arbeit haben Sic mir aus- drücktich versichert, daß Sie nicht der sozialdemokratischen Partei angehören und mit dem gegenwärtigen Maurcrstrcik in Stolp nichts zu tun hätten. AuS ganz zuverlässiger Quelle erfuhr ich nun, daß diese Ihre Angaben unwahr sind. Als Mitglied des pommerschen Bauherrenverbandes ist es meine Pflicht und mein Wunsch, die von sozialdemokratischer Seite ausgebenden Streiks der Banhandlverkcr in jeder Weise zu bekämpfen und sie nicht zu unterstützen, indem ich den Ihren bisherige» Arbeitgebern gegen- über streikenden Leuten, Arbeit und Verdienst zuwende. Ich ent- lasse Sie daher aus meiner Arbeit und sende Ihnen beifolgend den rückständigen Lohn. B r c y c r. Dieser Agrarier, der von Höflichkeit und Anstand gegen Arbeiter nicht angekränkelt zi� sein scheint, zeigt sich hier als willsäbriger Helfer der Herren Sckarftnacher, um auf die von ihnen beliebte Art und Weise für das Wolst der Arbcitcr zu sorgen. Die eist- lassenen Maurer gebären übrigens der sozialdemokratischen Partei gar nicht an und batten auch mit dem Streik nichts zu tun. Also die Sorge des Bauuntcrncbmerverbandcs für das Wohl der Arbeiter dehnt sich auch aus nicht am Streik Beteiligte aus! In der Deutschen Erdölindustrie zu Grabow lMeckleuburg) haben sämtliche Arbeiter wegen sortgesctzicr Maßregelungen die Arbeit niedergelegt.— Zuzug ist fernzuhalten. Immer wieder Unternehmerterrorismus! Die Arbeiter der Wilhelmshiitte in Altwasser in Schlesien hatten schon seit längerer Zeit eine Verkürzung der bisherigen 60stündlgen Arbeftszeit und emc entsprechende Lohnerhöhung ge- fordert. Die Betriebsleitung beantwortete diese Forderungen mit Maßregelungen einzelner Arbeiter. So wurden binnen kurzer Zeit vier Arbeiter, die 13, 8. 7 und 5 Jahre bei der Firma beschäftigt waren, obne Grund entlassen. Als alle Versuche, eine Einigung herbeizuführen, fruchtlos blieben, reichten die Schlosser, Schmiede und eine Anzahl Maschincnarbeiter aus drei Abteilungen des Be- triebes ihre Kündigungen ein. Es streiken seit dem 21. April 1013 55 Mann. Die Firma versucht nun, Ersatz für die Streikenden zu bekommen, da durch den Streik eine Betriebsstockung binnen kurzer Zeit eintreten muß. Jedoch sind bis setzt diese Versuche erfolglos geblieben. Nun hat der Verband der Metallindustricllen, jedenfalls auf Veranlassung der Direktion der Wilhelmshütte folgendes Rund. schreiben an die Firmen der Eisen- und Metallindustrie Deutsch- lands versandt: Gcsamtvcrband Tentschcr Metallindustrieller. Nr. 1413. Rundschreiben Nr. 58 pro 1013. Berlin, den 0. April 1913. Bei der Firma Wilhelmshiitte, Aktiengesellschaft für Ma- schinenbau und Eisengießerei, Altwasser Schl., haben am 5. April 1013 die in der Anlage aufgeführten Arbeiter infolge einer vom Deutschen Mctallarbciterverband eingeleiteten Lohn- bewegung die Kündigung eingereicht. Wir bitten, diese, sowie alle von der genannten Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen Gcsamtvcrband Deutscher Metallindustrieller. In einer bcilicgaiicn Liste mit dem Vermerk„Zu Nr. 58 pro 1013" siist> die Namen nebst Angabe der Streikenden bczw. welche gekündigt haben, aufgefübrt. Also nicht nur den Streikenden, sondern auch den andern Ar- bcitern, die noch bei der Firma beschäftigt sind, wird die Möglich- kcit genommen, wo anders Arbeit zu erhalten. Die Situation für die Streikenden selbst ist eine günstige. Der Streik wird, wenn die Versuche der Firma, Arbeitswillige zu bekommen, rcsultatlos bleiven, mit Erfolg beendet werden können. Deshalb wird um Fernhaltiina jedes Zuzugs von Metallarbeitern nach der Wilhelmshüttc in Altwasser gebeten. Utz.Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bucbdr.u VcrlagsanüaU Letzte rfacbrichten. Weltfritdensstimmung in Amerika. Wasbington, 28. April.(W. T. B.) Präsident Wilson ist optimistisch g e st i m m t hinsichtlich der Möglichkeit eines Er- folgcs der Pläne des Staatssekretärs Bryan für eine Welt- umfassende Friedensbewegung. Ter Präsident äußerte heute informell die Ansicht, daß die Pläne Bryan s ausgeführt werden könnten, denn er glaube, die Stimmung in der Welt begünstige die Förderung der Friedensidec. Wilson erklärte ferner, er habe bereits günstige Aeußerungeir über das Projekt von Mitgliedern des diplomatischen Korps erhalten. Ter Vorschlag des Staatssekretärs sei überall freundlich auf- genommen worden. Tic Unruhen in Lissabon. Lissabon, 28. April.(W. T. B.) Die Verhafteten, welche heute auf der Polizcipräfektur verhört worden sind, haben erklärt, daß sie im Interesse der Republik gehandelt hätten. Ein Unteroffizier vom 5. Infanterieregiment hat infolge des Scheiterns der Bewegung S c l b st m o r d begangen. Fünf Ver- schworen« sind in Oucluz bei Lissabon in dem Augenblicke ver- hastet worden, als sie in die Artillcrickaserne einzudringen der- suchten. Ter Kapitän zur See Ecrejo ist verhaftet worden, weil er einen Handstreich auf die Quartiere des 2. und des 16. Jnfa"' tcrie-Regiments versucht hatte, der allerdings mißglückte. In dem Sitze der Radikalen Federation sind 183 sorgfältig hergestellt« Bomben vorgefunden worden. Neue Unruhen in Mexiko. Washington, 28. April.(W. T. B.) In Mexiko sind zwischen Huertas und Diaz' Anhängern Reibungen entstanden, und beide Parteien bilden jetzt bewaffnete Feldlager. Hucrta hat die Infanterie im Nationalpalast ver- stärkt, während Diaz einen großen Teil der Artillerie auf seinem dreißig Meilen von der Hauptstadt entfernten Besitztum z»- sammengezogcn hat. Der Kriegsminifter befindet sich im Besitz der Zitadelle, in der der Rest der Artillerie liegt. Schlussakt der Dabendorfcr Mordasfärc. Leipzig, 28. April.(W. T. B.) Das Reichsgericht verwarf die Revision des Brunnenbauers G u st a v K o l b e, der vom Schtourgcricht Berlin II am 15. März d. I. wegen Todschlags, vc- gangen an dem Sckrctariatsasfistenten Franz Bchm am � �"ober 1009 in Dabendorf, zu 1o Jahren Zuchtbaus und 10 Johrcn Ea.- Verlust verurteilt worden war.'' Ein misslungencr Banditenstreich. Paris, 28. April.(2g. x. cg\ Heute nachmittag drangen zehn Banditen in den Bahnhof von Chavllle der Versailles ein und verwundeten den Stationsvorstand, vex. ließen jedoch den Bahnhof, als sie sahen, daß dort keine Gelder vorhanden waren. Ein neuer Höhcnrckord. Reims, 28. April..W � Ter Qff'zicrft'eger B r o c a r d hat mit zwei Passagieren'aus"einem Eindecker eine Hohe von 2 3 00 Metern erreicht uud damit emen n c u c n W e l t- rekord aufgestellt. Der Flug dauerte eine Stunde So Minuten. Paul Singer ä: Co., Berlin L W. Hierzu 4 Beilagen u.Unterhaltungsbll Nr. 103. 30. Iahrgaug. 1. Iciltgc des Jttntlf fictlintr WksdlM Diellslag, 29. April 1913. Zum Kandtagswahlkampf. Des Zentrums liiedergang. DaS Zentrum hat sich immer mehr zum Volksfeind ent- Wickelt. Das beweist es auch auf dem Gebiete des Militaris- mus. Sogar in die Organe der Arbeiter tragen die Partei- diktatoren ihren Riistungsfanatismus hinein. Die„Westd. Arbeiterzeitung" z. B., ganz zu schweigen von der aus- gesprochen parteipolitischen ultraniontanen Presse, kultiviert einen Rüstunaseifer, der wirklich schon an Hhsteric grenzt. Er stellt den reinen Hohn dar auf die christlichen Grundsätze: .Liebet eure Heinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen" und„Du sollst nicht töten!" Daß sich � das Haupt der München-Gladbachcr und der .Westdeutschen", Herr Gicsberts, nun auch als Hand- langer der Prozcntpatrioten benutzen läßt, paßt vortrefflich zu der EntWickelung der sogenannten Volks- Partei.— Um den krassen Gegensatz zwischen dem Zentrum von damals, unter Führung Windthorsts, und dem Zentrum von heute, dem Hausknecht verbrecherischer kapitalistischer Interessen» darzustellen, seien einige Auslassungen über den Militarismus aus danialiger Zeit an das Licht gezogen. Mallinckrodt niachte am 14. April 1874 im Reichstag fol- gende Ausführungen: „Man sagte früher, der Leib sei zu schmal und die Rüstung sei zu groß für Preußen, wenn aber erst Deutschland geeinigt sei, dann würden sich die Dinge ändern: die Lasten würden leichter zu tragen sein. Und was ist die Wahrheit? Wir haben m e h r Rekruten, wir brauchen mehr Geld, wir fordern längere Dienstzeit, und Deutschland, das geeinigt, das wandelt sich jetzt insgesamt ür einen Militär st aat um, und die Folgen davon sind nicht ausgeblieben und werden nicht ausbleiben. Der Begriff des Militarismus nimmt mehr und mehr Gestalt und Fleisch und Blut an. Die ungeheure Summe der fünf Milliarden— wieviel ist heute davon übrig? Wieviel davon ist verwendbar gefunden worden für andere als militärische Zwecke? Man hat Eisenbahnen gebaut, aber Eisenbahnen in erster Linie als Militärbahnen. Meine Herren, wenn es sich heute um ähnliche Frage» handelt, joeim es sich in einem oder dem andern größeren One um einen Streit handelt über Bahnhofsanlagen und dergleichen,— gar häufig sind es militärische Gesichtspunkte, die sich den Forderungen des bürgerlichen Jntereffes entgegenstellen. Sehen Sie sich um in der bezahlten B e a m t e n w e l t, in dem Subalter»personal,— überall begegnen Sie alten Soldaten, und die Rücksichten auf die Armee nehmen auch für jenes Gebiet einen der ersten Plätze ein. Sehen Sie sich um in der Richtung des Unterrichts,— auch da findet sich in der Armee, dem Militärstaate, das Ideal, welches schon der Jugend vorgezeichnet wird. So durchdringt der militärische Gedanke alle Verhältnisse des Volkes." Freiherr v.� S ch o r l c m e r- A l st war es, der am 11. Januar 1873 den Rüstungseifercrii im Reichstag zurief: .Unter dem Medaillon des Gründers unseres Militärsystems, des Generals Scharnhorst, im Foyer dieses Hauses stehen die Worte:„Alle Bewohner des Staates sind geborene Verteidiger desselben". Hüten»vir uns, daß dieser Satz sich nicht umkehrt in die Worte:„Alle Bewohner des Staates sind gc z lo n ii g e ii e Verteidiger desselben". Schorlemer sagte den Pfiffigen, die immer von der sogenannten R i s i k o p r ä m i c fabulieren, folgendes: ,DaS Militärbudget ist sozusagen das Faß der Danaide n, wir werfen in jedemJahre neue Millionen hin- ein, aber ausfüllen können wir es nicht. Erschöpft wird nur der Säckel der Steuerzahler. Ich halte es aber auch für bedenklich, gerade in Aussicht ans kommende Kriege, daß schon durch die Leistungen für die Armee im Frieden und zu Kriegsrüstungen die Finanzen erschöpft lverden. Der alte Montecuculi war ein sehr weiser Mann; er hat den Grundsatz aufgestellt, zum Krieg- führen gehören drei Dinge: nämlich erstens Geld, zweitens Geld und drittens Geld, und deshalb müssen tvir dafür sorgen, daß wir im Frieden nicht schon unsere finanziellen Kräfte erschöpfen. Das wird n, ir niemand beweisen, daß eine Armee wie die jetzige dauernd erforderlich sein wird. Und wäre sie das, dann wäre das für Deutsch- land wahrlich eine traurige, sehr entsetzliche Perspektive. Denn imnier in diesem Feldlager zu bleiben, in dem wir uns heute befinden, das wäre gewiß kein normaler Zustand. ... Ich bin der Ueberzeugung. daß nicht allein Deutschland, fondern ganz Europa mehr und mehr sich zu einem Feldlager ausbildet, und daß es eine Torheit ist, das nicht anerkennen zu wollen. Der Versuch, diese Feld- wger zu perpetuiercn, wie es jetzt... gemacht wird, kann nicht genug bekämpft werde n." Was würde der von den Ultramontanen fast wie ein Heiliger verehrte von Schorlemer Alst sagen, wenn er die Miinchen-Gladbacher Staatsmännchen in ihrer Pose als Säbel- Häßler und Militärbegeisterter bestaunen könnte! Keine Partei trägt größere Verantwortlichkeit für die wüste, auf Völkerverhctzung und entsetzliches Unglück heraufbeschwörende Kriege gerichtete Rüstungstollheit als das Zentrum. Die Partei, die angeblich die Religion der Liebe vertritt, sät Haß, treibt Völkerverhctzung, fördert den Masscnmdrd! oitelbiicher Junkerpatriotismus. In den sogenannten.Ostmarken" soll augeblich d»S Deutschtum bot den andrängenden Polen in großer Not sein, und 725 Millionen Mark aus dem Steuersäckel des preußischen Staates sind bereits verpulvert, weitere 230 Millionen Mark bewilligt, um es aus dieser Not zu retten. Wie aber benehmen sich in dieser Zeit der schweren Not die Junker, die großen Grundbesitzer, die sich stelS als die allein wahren und echten Patrioten hinzustellen lieben? Darüber hat einer der ihren in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses gar seit- same Dinge aus der Schule geplaudert. Herr v. Wentzel aus Belcncin in der Provinz Posen, Fidei- kommißbesitzer und Landschaftsrat, also ein Vollblutagrarier, hat am 14. April d. I. bitter darüber Klage geführt, daß die Posener An- siedelungslommission eigentlich gar keine polnischen, sondern nur noch deutsche Güter laufe(so weit es sich um großen Grund- besitz handelt). Der deutsche Großgrundbesitz werde allmählich dezimiert. Und zwar würden jetzt nicht verschuldete und schlecht situierte Besitzer aufgekauft— denn die seien längst fortgezogen, ihre Besitzungen befänden sich längst in den Händen der Ansiedelungskommission. Sondern heute kämen die vermögenden, zahlungsfähigen Besitzer heran. Erstaunt wird da jeder fragen: warum verkaufen denn diese vermögenden Herren ihren Besitz? Warum halten sie nicht aus auf dem angeblich so heiß umstrittenen Boden der„Ostmark", wie es doch ihre patriotische Pflicht wäre— wenn nämlich die Dipge dort im Osten wirklich so lägen, wie unsere„nationalen" Polenfresser behaupten!— Nun, für ihre Abwanderung gibt Herr v. Wentzel aus Belencin drei Gründe an, die ihrem ostelbischen Junker- Patriotismus ein wunderbares Zeugnis ausstellen. Der erste Grund: sie hätten keinen Verkehr mehr; was hätten sie denn dann noch auf dem Lande, wenn sie nicht eine einzige Familie hätten, mit der sie verkehren könnten? Wir wollen nicht rechten über den Hochmut, der darin liegt, daß die Herren die Ansiedler, die anstatt der früheren Großgrundbesitzer in ihre Nähe kommen, nicht als ausreichenden Verkehr gelten lassen. Wir stellen nur fest: vor die Frage gestellt, ob sie.im Interesse des Deutschtums" auf ihrem Grund ausharren und dabei das Opfer eines etwas einsameren Lebens auf sich nehmen wollen, schwanken diese.Patrioten" keinen Augenblick, das„Deutschtum" im Stich zu lassen und das kleine Opfer— sich zu ersparen. Der zweite Grund: Die hohen Preise fielen sehr ins Ge- wicht; dabei kämen sie ja sehr viel besser weg. Dies hat der Land- wirlschastsminister ausdrücklich bestätigt, indem er es beklagte,.daß manches Gut in der Provinz Posen, welches sich in deutscher Hand befand, gegenwärtig zerschlagen oder in polnische Hände über- gegangen sei." Früher habe sich die Ansiedelungskommission be müht, nicht von Deutschen, sondern nur von Polen zu kaufen. Aber was habe sie damit erreicht? Die deutschen Besitzer, denen sie die Güter nicht abgenommen, haben.eigentlich regelmäßig" bald darauf doch verkauft, und zwar sehr oft an Polen, um die hohen Preise, die gute Konjunktur auszunutzen.— Patriotismus ist eine schöne Sache; aber wenn man gutes Geld kriegen kann, so ist das für diese.Patrioten" doch noch schöner. Endlich der dritte Grund; er ist der schönste von allen: wenn ein vennögender Großgrundbesitzer, der bisher einen erklecklichen Betrag an Einkommensteuer aufgebracht habe, seinen Besitz an die Ansiedelungskommission verkaufe, und der würde nun an 40—(TO Ansiedler aufgeteilt, so zahlten diese kleinen Leute so gut wie gar keine Steuer, und der ausfallende Betrag müsse von den am Ort verbliebenen Nachbarn bezahlt werden. Diese erhöhten Steuern seien ebenfalls für viele Großgrundbesitzer ein lebhafter Anreiz zu verkaufen. Ja. wer soll denn auch.Patriot" bleiben, wenn er zur „Stärkung des Deutschtums" höhere Steuern zahlen muß? fluch eine Dorfschule. Den traurigen Zustand der ländlichen Volksschulen Preußens— obivohl in ihnen weitaus die meisten Kinder des Volkes, nämlich über vier Millionen, unterrichtet werden— haben wir in der letzten Zeit mehrfach geschildert. Die Ge- rcchtigkcit gebietet anzuerkennen, daß die preußische Unterrichts- verivaltung und die herrschenden Klassen, in deren Dienste sie arbeitet, recht gut wissen, wie eine Schule ausgestattet sein muß, um gutes zu leisten, und daß sie. hin und wieder auch eine Dorfschule zum Gegenstände ihrer liebevollsten Sorgfalt machen. Eine solche„Dorfschule" ist z. B. das auf Staats- kosten unterhaltene I o a ch i m s t h a l s ch c G y m n a s i u in, das vor ein paar Monaten von Berlin hinaus aufs Land ver- legt worden ist. Wie es da aussieht, darüber wußte der Unterrichtsminister am 8. April d. I. iili Abgeordnetenhause unter anderem folgendes anzugeben. Das alte berühmte Gymnasium sei in das Freie, in eine kleine Stadt, in einen märkischen Kiefernwald, an einen schönen märkischen See ver- legt worden.„Es sind dort eine Reihe von Villen ge- baut, so daß in jeder eine Zahl von Schülern unter Aufsicht einer für diese Zwecke ausgewählten Dame und eines Lehrers eine Häuslichkeit finden." O diese glücklichen Dorfschüler, die an dem schönen märkischen See in Villen wohnen können! Wie viel da wohl der Staat für jeden einzelnen ausivenden»nag? Wir wette»», in dieser„Dorfschule" gibt es keine überfüllten Klassen! Die amerikanische rariworiage. Sofort bei seinem Amtsantritt hat Präsident Wilson sein als Kandidat im Wahlkampf abgegebenes Veriprechen eingelöst, eine Herabsetzung der amerikanischen Hochschutzzölle vorzunehmen. Ehe noch der demokratische Präsident den Kongreß eröffnete. in deffen beiden Häusern»un demokratische Mehrheiten herrschen, war dem Abgeordnetenhause bereits die vom Finanzausschuß vorbereitete Tarifvorlage zugegangen. Wenn sich die Hoffnungen des Vorsitzenden des Tarifausschusses Underwood erfüllen, würde die Vorlage bereits Mitte dieses Jahres Gesetz sein und danrit deir seit 1808 bestehenden nach Payne und Aldrich benannten Hochschutzzolltarif abgelöst haben. Daß die neue Vorlage nun wirklich mit dem demokratischen Programm Ernst machen und die Schutzzölle vollkommen abbauen würde, war nicht z» erwarten und ist natürlich auch nicht geschehen. Wenn trotzdein fcl Produzentenkreisen der Vereinigten Staaten ein jämmerliches Klage- Geheul angestimmt wird und die Prophezeiungen über den völligen der amerikanischen Volkswirtschaft infolge der angeblich ein- setzenden Ueberschwemmung des Marktes mit europäischen Waren nicht aufhören wollen, so erklärt sich das einfach daraus, daß auch dort die Kapitalisten nicht ein Titelchen ihres Profits und ihrer ge- schützten Position aufgeben»vollen. Aber das nimmt lvenig von der grundsätzlichen Bedeutung der Vorlage' In keinem kapitalistischen Großstaat ist seit Jahrzehnte» der von der Regierung und der Parlamentsmehrheil gestützte Versuch unternommen worden, die Hochschutzzollpolitik durch eine gemähigte unter besonderer Berücksichtigung der Konsumenten- interessen zu ersetzen. In diesem Versuch— mag er bisher auch erst auf dem Papiere stehen und nur durch die Worte eines Staats- mannes moralisch gestärkt sein— spricht sich der Erfolg der Pro- paganda aus, die von den Konsumenten gegen die Kapital- macht her vertrusteten Produzenten geführt worden ist. linier dem Druck der Teuerung ist der Unwille gegen alle Forderungen kapitalistischer Konsumentenausbeutung gewachsen. Diesem Druck gibt die Tarifvorlage nach, wenn sie in Zukunft die Einfuhr von Fleisch, Mehl, Brot. Milch. Sahne, Kartoffeln, Mais, Maismehl, Salz, Schweinen, Fischen völlig zollfrei lassen will. Der Zuckerzoll soll jährlich um 25 Prozent herabgesetzt werden und vonlSIS an soll Zucker völlig vom Zoll befteit sein. Außer denRahrungs- mittel» werden— immer vorausgesetzt, daß die Vorlage Gesetz wird— auch folgende für den Lebensunterhalt notwendige Artikel ohne Zollbelastung eingeführt werden: Kohlen, Brenn- holz, Schuhe, Stiefel, Rohwolle, Nutzholz und Holzwaren. Leder und Sattlerwaren, Leinen, Soda, Essigsäure, Schwefel- säure, Zement, Eisenerz, Stahlschienen, Stacheldraht, Band- eisen, auch Druckpapier und Holzbrei. Diese Ermäßigungen kommen in erster Linie den amerikanischen Konsumenten zugute. Europa führt von allen diesen Artikeln so gut wie gar nichts ein. Die Zollherabsetzungen sind also in erster Linie für solche Waren vor- geschlagen worden, bei denen die amerikanischen Produzenten keine Konkurrenz zu fürchten haben. So sollen auch Schreibmaschinen, Näh- inaschinen, Kontrollkassen, Schriftsetzmaschineen zollfrei eingehen dürfen. An grundsätzlicher Bedeutung und an Wert für die Konsumenten verliert die Zollaufhebung dadurch nichts. Das gilt auch für die Zollherabsetzungcn, die Wollwaren, Papierwaren, Eisen- und Metallwaren, Haus- und Küchengeräte Maschinen betreffen. Auch hier, insbesondere für Automobile, Motor- und Fahrräder, Maschinen jeglicher Art(wovon die für landwirtschaftliche Zwecke völlig zollfrei sind), ist die ameri- kanische Produktion so leistungsfähig, daß sie ausländische Konkurrenz nicht zu fürchten hat. Soweit bisher zollfreie Waren unter Zoll gesetzt werden sollen, handelt es sich hauptsächlich um Luxuswaren(Pelze, Diamanten, Ebelsteine), ferner Gewürze, Kohlenteeröle, Anilin und Anilinsalze und ähnliches. Als Gegenmaßregel soll auch Weizenmehl aus Län- der», die auf amerikanisches Mehl einen Zoll gelegt haben, verzollt werden. Sieht man die Liste der Zollbefreiungen und Zollherabsetzungen durch, so fällt dabei aus, daß der neue Tarif die Einfuhr von Roh- stoffen und Halbfabrikaten erleichtert zu dem auch vom Präsidenten Wilson ausgesprochenen Zweck, die Wettbewerbsfähigkeit der ameri- kanischen Industrie durch Verbilligung der Rohprodukte zu steigern. Der Underwood-Tarif wird in der Tat der weiter verarbeitenden Industrie Amerikas sehr zugute kommen. Der Schutzzoll auf Stahl und Stahlwaren tvird um mehr als 50 Proz. herabgesetzt. Die Textilindustrie würde sich noch größerer Erleichterungen erfreuen. Was die Handelsbeziehungen Amerikas zu Deutschland anbetrifft, so urteilen die deutsche Industrie und der deuffche Export im all- gemeinen skeptisch über den Wert der llnderwood-Tarifvorlage. Die Zollbefreiung der Lebensmittel hat natürlich für den deutschen Export keine Bedeutung. Aber für die Baumwollindustrie, Papierindustrie, Wollindustrie, Eisen- und Maschinenindustrie und die chemische Industrie würden wesentliche Exporterleichterungen eintreten. Beträgt doch jetzt unter den weit höheren Zollsätzen der Wert der Einfuhr aus Deuffch- land: für Strumpfwaren 13,4 Millionen, Handschuhe 5 Millionen, Baum- Wollgarne 3,6 Millionen, Papierwaren 10 Millionen, feine Mesierwarcn 5,5 Millionen, Musikinstrumente 4,8 Millionen, Haus- und Küchen- geräte 1,9 Millionen, wollene Frauenkleider 0,6 Millionefi, Zement 0,7 Millionen, Leinen 0,7 Millionen, Sattlerwaren 0,9 Millionen, Holzwaren 0,6 Millionen, Eisenbahnschienen 0,49 Millionen» Blei- stifte 0,8 Millionen, Mineralwasser 0,49 Millionen. Für wichtige deutsche Ausfuhrartikel(z. B. Chlorkali, Kinderspielzeug, Teerfarb- öle. Spitzen. Porzellan) sind allerdings keine Zollermäßigungen geplant. Von größerer Bedeutung als die Freisetzungen und Zoll- ermäßigungen ist indessen für die Staaten, mit denen Amerika in Handelsbeziehungen steht, die grundsätzliche Aenderung, daß die Zollsätze Höchstsätze darstellen und weitere Ermäßigungen durch Handelsverträge zugelaffen sein sollen. Bisher war der amerikanische Tarif völlig autonom. Der Präsideirt hatte keinerlei Befugnis zum Abschluß von Handelsabkommen. Jedes Einfuhrland war daher jederzeit durch einseitige»md willkürliche Zolländerungen bedroht, die jede sichere Kalkulation für die ein- führenden Firmen störten. Das veranlaßte natürlich auch die übrigen Staaten, amerikanische Waren von der Einfuhr ganz auszuschließen oder mit den allgemeinen, durch keinerlei Verabredungen ermäßigten Zollsätzen zu belegen. Würde Amerika jetzt nach europäischem Muster Handeisverträge abschließen, so eröffnete es sich damit für seine Waren den Markt in anderen Ländern. Aber auch die europäischen Staaten erhielten die Möglichkeit, durch Kompensationen ihnen unerwünschte Zollsätze zu differenzieren. Alle diese Vergünstigungen werden in ihrem Werte erheblich ab- geschwächt durch die Beibehaltung der Zollschikanen, die eine dauernde Quelle diplomatischer Verwickelungen zwischen Amerika und den Einfuhrländern bilden. Der Anlaß dazu bietet die Grund- bestimmung auch des neuen Tarifes, daß die Zölle vom Werte (nicht nach der Quantität) der Ware erhoben werden. Differenzen über die Wertbestimmung der Waren zwischen Zollbehörde und Importeuren werden daher nie aufhören. Ilm eine Kontrolle über die Wertdeklarierung zu gewinnen, findet sich im Zollgesetzentwurf die Bestimmung, daß dem Schatzamt der Einblick in die Geschäftsbücher und ähnlichen Dokumente des Im- Porteurs zu gestatten ist,»vidrigenfallS die Einfuhr völlig ver- boten ist. Gegen diese Bestimmung hat Deutschland gleich Oesterreich und England Protest erhoben, der sich auch dagegen richtet, daß die Einfuhr deutscher Waren auf amerikanischen Schiffen zollbegünstigt erfolgen soll. KrirfKaften der Redaktion. Sie lurlstischc eprtfljftun&t fwfctt Ltndenstravces, v»» die««redden — Fahrstuhl—, wochentäglich doo ty, bis 714 Uhr»dendS,«»«nabcudS, bon 414 dis 0 Uhr abends statt. Jeder skr den Brtcslaften bcsttmmtea A-irage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizusagen.«rirstichr Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine«bonnrmentsqnittnng beigefügt ist. »erden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der«»rechstnnde vor. R. B. 11. Die Abzahlungen für die Nähmaschine sind nicht abzuas- sahig. Dagegen können die Beiträge zur JWanlcn- und«uvalidenversiche. rang der Frau in diesem Falle gekürzt werden.— Bö. 179. Halten wir stir unzulässig. Sie können aus Beleidigung klagen, sallS eine gütliche Aus- sorderung nicht Erfolg hat.— W.(2. 53. An einen Notar. Die Kosten richten sich nach der Höhe deS Objekts.— Sch. 29. Die vollstreckbare Ausfertigung des Urteils können Sie dem Gerichtsvollzieher zum Zwecke der Zwangsvollstreckung übermitteln. Falls die Sachen nicht gesunden werden, können Sie Ableistung des Offenbar-ungseides fordern. Dir Kosten der Reise zum Zwecke der Beiwohnung bei der Zwangsvollstreckung würden Sie nicht erstattet verlangen können.— A. D. 16. Soweit ersichtlich, besteht kein Rücksorderungsrecht.— H. I. 67. Ja.— 31. Sch. 5. Sie haben keine Verpflichtung, aber auch kein Recht, in die Angelegenheil einzu- greisen.— I. 2. 33. 1. Ja. 2. Ja, da sür den Fall, daß der Vertrag eingereicht wird, Stempelitrasc zu erwarten lst. 3. Füns Mark. 4. Jeder Teil die Hülste— Streitfrage. Für ein Kind kann nichts gekürzt werden/ Anspruch aus Ermäßigung um eine Steuer- sluse tritt erit ein, wenn zwei Kinder vorhanden find.— 31. T. 13. Es bleibt nur Klage bei dem Pariser Gericht übrig. ~_ r"_______ Of«« rttt Sir» Ö1»-!»»»? rt � T» Lumögencgr, m oejicn Joeöici vn- �iwmsici. uuMiwi-ut" mi. vsie niuncn u Verhandlungstermin durch eine mit schriftlicher Vollmacht versehene Perso vertreten sein.— Drcptow 187. Das Mädchen hat Alispruch aus stände- gemäße Aussteuer.— W- Gr. Das ist möglich, zurzeit ist noch nicht Näheres bekannt.— Bö. Seh. 38. Nein.— O. P. Nr. 10. 1. und' Sic haben Anspruch aus Befreiung für die Zeit der Arbeitslosigkeit. Richte Sie ein Gesuch an den Borsitzenden der Beranlagungskommisfion. 3. Neir Aehtnng! Gewerkschaften. Achtung! OeffenflieHe politische Versammlungen am 1. Mai Sämtliche Versammlungen finden mittags 12 Uhr mit Hilfsarbeitern und grauen statt. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Die Bedeutung des 1. Mai. ßlitfVr Ausflug mit Frauen nach Friedrichshagen am Müggelsee. Treffpunkt um 8 Uhr im GewerkschaftZ- hau»; Abmarsch um Punkt Sll, Uhr nach dem Schiefischen Bahnhos. Richtellnehmer am AuZslug schließen fich der Versammlung der Glasarbeiter an.' Glllsarbetter, Glllsschleiftr, Glasblaser. Hilfsarbeiter vlld Arbeitemuen. Stile, Menieler Straße 67. Reserent: Genosse I. Snoll. Treffpunkt um 10'/, Uhr bei Lohanu» Neue Jakobstraße 26. Abmarsch U'/. Uhr. «nphischrs«emrbe.»-»-»--»-»»w--'"» Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, BuchdruckereihUssarbeiter und Arbeiterinnen, Schristgießer, Photographen, Stereotypeure, Lithographen und Steindrucker, Zylographen, Notenftecher, Formstecher und Tapeten« drucker kommen in der Gruppenversammlunz zusammen. Haadlullgsgehilfen and-Gehilsinnka, Kaafleute aad Lagerhalter, sn d°n Pr°chtsAen Alt-Berlin, Blumenstraße 10. Referent: Genosse Erich Kuttner. Handels-, Transport- nnd Aerbehrsgeioerbe. � Ehrensache eine« jeden Kollegen muß eS sem, für einen Wirklich guten Besuch dieser Versammlung zu sorge». Erscheint wie immer in Massen, Lederbearbeitnng. Gruppenversammlung bei Schmidt. Prinzenallee 8Z. Referent: Genosse Aromke. Kr»»mi- und Whikuurd-itn. � Nuhruug«-»ud«enußMelgeiundt. �»-"Wi-AML 5U'ra": Fleischer. Treffpunkt 11 Uhr bei W S ch tler, Elisabethftraß« 11. GaftwirtSgehilfen, Eaf�augeftellte. Hoteldiener, Friseure, Barbiere, Gärtner. Musiker, Tabakarbettcr uud Arbeiteriuneu, Zigarrensortierer gehen direkt in die Versammlung. Schneider nnd Schneiderinnen. Wäsche- nnd Kraloattenarbtitkrinnen nnd Zaschneider. gm„Elysium". Landsberger Allee so. Reserent: Genosse Sabath und in»Keller« Philharmonie«, Köpenicker Straße 96/37. Referent: Genosse Schärtl. Zihhalteott»ud N-Wd-chdrs-r. Käldn md«oBbitorra.»» � Holls Iteiu- uud kipsdildhuuer»ud Wodrllrure.», d-r.»l».»«---, Straße IS. Reserent: Genosse Rudolf Wiffell. Sootsbaner. Im ArbeitSnachweiClokal, Stralauer Allee 17«. Reserent: Genoffe Richter. begeben fich in die ihnen am nächsten gelegenen Versammlungen. HüHthtr treffen sich vormittag« 10>/, Uhr im Restaurant des Gewerkschaftshause« und gehen m die yolltyri Bersammlung der Holzarbeiter nach der»Reuen Welt«. Kllchbiuder and öllchbiuderei-Arbeitermuea. Treffpunll: Buchbinderbrauche 10 Uhr bei Berch, RÄerstr. 7S. Kartonbrauche 10 Uhr im Gewerkschaftshause, Engelufer IS. LuxuSPaPierbrauche 10 Uhr im»Furstenhof«. Söpenicker Straße 137. Deutscher Kuuordete-JWmud.««• llachdetber. In seih Wilres FeftsSle», Sebastianstr. 39. Reserent: Genoffe Robert Kendel. S Versammlungen im»Englische« Garte««. Alexanderstr. 27«. Referenten: Genoffe Fkvltttul0kllkl. Adler-Harburg und Genoffe Kamp-Bieleseld. kemiud-urdttter. � HolMdritir. �"•"TgSJ, Bürstenmacher. Treffpunkt vormittags 10 Uhr, bei P r e u ß, Holzmarktstraße 85. Hutmücher, Klumell-, Fedelllarbettn vvd-Arbtiterilllleil. Hupserschmiedt. Bei Obiglo. e�mtbta Str. 23/2«. Referent: Genoffe Hecht. ßörschller. In den»Mustkersälen«, Kaiser�vilhelm-Straße IS». Referent: Genoffe»lstst. Maler uvd Lackierer, s«.«««*«»ewau*«, H-wh-ide w/is.-»«w«»-«.««<»«. Metallarbeiter. � � � Maschimfle- aud Seipr.�dn..M.M"� Schllhlllareil-Alldll�rit. Im»Schweiz er Garten«, Am FriedrichShai» 29/32. Referent: Genoffe Saffendach. Pori-Itouurdrst-r uud Schild-muler. Sattler und �ortesemller. In den»ArmInhalleu-.Kommandaat-nstrSS�e. Ref.: Gen.O. vstchn«. Tt-inartioilor In den»Germania-Prachtsälen«, Ehauffeestr. 110(großer Saal). ZUNIUironUT. Referent: Genosse Georg Ledebour. Steiusetzer, Rammer aud Steiuhauer. 30 btn 0/18 Tapezierer. In«Wendts FeftsSle»".»euthftraß« 21. Referent: Genosse F.«pltedt. Teitilarbeiter. In den„PrachtfSle»«t.»erlk»«, Blumen str. 10, Reserent:»enoffe Karl Schräder Theater- mtd Kiaa-Augestellte b-g-ben �« dt- ihnen«» nächst«, geiege«-» versammlung-n. Töpfer. Im„ GewerkschaftSha»«"(großer Saal), Engelufer 1». Referent: Genoffe«. Schrnit. Zimmerer. In der„Braueret KSuigstadt", Schönhauser Alle« 10. Reserent: Genosse Dr. SRoseS. Alls in LsrUn stattfindenden Versammlungen gelten dnreh dieses Inserat als genügend angemeldet Außerdem finden in Cirroß- Berlin noch folgende Versammlungen der Unterkommissionen zur Gewerkschaftskommissiou Md anderer Vororte statt: Pankow. In RoczickhS Gesellschaftshau». Kreuzstr. 3/s. Referent: Genosse«chltchtsng. Schöneberg. 2» den»Renen RathauSsäleu«, Neimuger Str. S. Referent: Genoffe Ernst Obst« Tegel. In Trapps FeftsSle«, Bahnhosstr. 1. Referent: Genoffe«.«aha. Tenchelhof-Mariendorf-Marienfelde. SSi, �Äeistensee. In»Schloff Weißensee«, ztölligS-Thaassee 1/4. Refereat: Genoffe«udle»,«. Steglitz- Friedenau. Im»Birkenwäldchen«, Schützenftraße. Ref-rrst: Genosse sillter. Ober-Schöneweide. In»Moerners Blumengarten«. Referent: Genoffe H. Zerutcke. Hennigsdorf a. H. Referent: Genosse Stahl. Alt-Glienicke. Bei Rode«dusch. Rudow« Str. 5t Restrent: Genosse Emil Süd««. Bruchmühle. Königs-Wusterhaufe«. s».»>«» Ädlerstzot« Nachmittag« 2 Uhr bei Wöllstein, Bismarckstr. 2«. Referent: Genosse H. Weber. Im»BolkShause«. Rosinenstr. 3(großer und kleiner Saal). Referenten: die Genossen E. Bernstein und H. Lehmann. Erkner. Im Lokal»Zum alte« Krug«, Inhaber Degebrodt. Reserent: Genosse Klingler. Groh-Lichterfelde. Vormittag« S Uhr bei Richte�. Chansseestr. 101. Reserent: Genosse Llm»«»Penicker Gesellschaftshau««. Inhaber JariuS, Grünauer Str. 31. Referent: Sh0h?eNIt». Genosse Max Groger. Vormittag« S Uhr: Zusammenlunft m KonradS FeftsSlen, griedrichftr. 137 �ri00r»awljag*.»l. idaleibst Bücher abstempeln). Um 9 Uhr: Gemeinsamer sapazrergang nach Ravenstein. »«ersammlungen: JmSass»Bellevue«. Hauptstr. 1. Reserent: G-nosseW. Rössel. !�,lty»öNVLrg. Im Restaurant P. Schwarz. Möllendorsslr. 25/26. Reserent: Genosse W. Düwell. Im»Earlshof«, Inhaber Mahnte. Charlottenstratze. Genosse Litfi». Referent: Nieder-Schönhaufen Reinickendorf-Oft. s«.G«bad«. Refidenzstr. ss. Referent: Genosse Mirus. Reinickendorf-West. �'�»�sse«�-. � W°ld.traß. Neukölln. i�srsx,"ü. teE. Ä?ÄS.n9.Ä straße 147. Reserenten: die Genossen Ztetz. Stühmer, I. Hartman». Schenkendorf. Bei Otto Putsch. R-sereut: Fr. Rettz. Die Anmeldung der Versammlungen der Bororte haben die Funktionäre der einzelnen Orte in der ortsüblichen Weise zu bewirken. Die Bureaus der Versammlungen werden beauftragt, über die Zahl der Versammlungsbesucher der Redaktion des„Vorwärts", Lmde«. straße 69, schriftliche Mitteilung zu machen. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommifsto« Berlins uud Umgegend. Alwin Körst«, Eogelnfer IS I. der sozialdemokratischen Aahivereine am Donnerstag, den 1. Mai 1S13. Nachmittags- and Aliead-Neranstattungen. Tagesordnung in den Versammlungen: vie kecleutuiiK cles l. Mai. Caje Qärhter, Holsteiner Ufer 27/28. Berliner Sockbrauerei, Tempelhofer Berg. KUems 7est8äle, Hasenheide 13/15. Keue Welt, Hasenheide 108— 114. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Sndwig, Treptow, Am Treptower Park. Boekers Gesellsehaftshans, Weberstr. 17. Brauerei Triedrickshain, Am Friedrichshain Nr. 16—23. Berlin. ZKentes Volksgarten,(JnH. W. Schröter, Lichtenberg, Röderstr. 28/29. Blgsium, Landsberger Allee 40/41. Konzert* und Testsäle, Koppenstr. 29. Scktveizergarten, Am Königstor. ftiklmanns Tkeater, Schönhauser Allee 148. Skrater-Tkeatcr, Kastanien-Allee 7—9. Obiglos Testsäle, Schwedter Str. 23/24. Borussia'Säte, Ackerstr. 6/7. Kastanienwäldeben, Jnh. Walter, Badstr. 16. Zosej Trankes Testsäle, Badstr. 19. Boekbrauerei, Abt. 11, Chausseestr. 64. Voigt-Theater, Badstr. 58. Volksgarten-Theater, Badstr. 8. ?hams-5äle, Müllerstr. 142. Brauerei Tatzenkojer, Turmstr, 25. Stadt-Tkeatcr, Alt-Moabit 47/49. Stioabiter Gesellsckaftskans, Wiclesstr. 2\. Snsel-Kestaurant, Plötzensee. Referenten: Dr. A. Bernstein— Otto BQchner— Klara Bohm-Schuch— Wilhelm Dentzer— Oskar Ewald— Richard Fischer— Franz Gaida— Paul Hirsch— Karl Jahn— Martha Jeetze— Hermann Kuntze— Wilhelm Kubig— Willi Kühne— Joachim Klüß— Paul Litfin— Andreas Mirus— Anna Nemitz— Wilhelm Pfannkuch— Oskar Riedel Fritz Ruf— Max Saffen— Karl Thlellcke— Georg Ucko— Hans Weber— Hermann Weise— Walter Zimmermann. W ahlkreis T elto w- Beeskow- Storkow- Chart Ottenburg;. Aklersstof. wailstcln, Bismarckftr. 24. s\it-©iirtmkc. Bodenbiuch, Rudower Str. 54. Kaumschul-NW-g. 8aae»�fmf"ÄcfSa78.h,laf,' Kohttskorf. vin» K»hi, Raddat«, Chauffeestr. 39. Charlotte« bürg, voikshao», Rostueustr. s. �ÖfeUtlk. Stadttheater, Wilhelmftrafte. Dabendorf. R-»»Ker. Dienodorf. Restaurant Xnm Scharmtttzelsec, CtdjlOalbe. Witte» WaId»ehl»nQhei». (Ör.-Deste«» Restaurant Sielnicke. ö�r-'ftrltf rrfr ho Wahrendorf, Baekestr. 7. tyr. Konzert und Tanz bei Rrpel, Berliner Straße 12S und E. Richter, Chauffeestr. 104. d�mnOtt. Dnchautrour, Gravelotte. Dalbe. Karl Schnlue. Johannisthal. Elndenhof, Friedrichftr. 60. Königs-Mnsterhausen. Wedh%™h,iÄaa.. Gemeinsamer Spaziergang nach Siene Rühle(Tormann). CaNkttrii). Prochatzka, Viktoriastr. 41. Kicht-nr-d- M-ri-nfrldr."aSS'sSÄ"' Max Barth— Hermann Clajus— Wilhelm Conrad■ Lange— Bruno Lieske— Albin Mohs— Mariendorf. R. Eaar, Chauffeestr. 305. Mitteumalde. Ern*tt)?i™™nn' ittW Äwn Deukblln. Verelnsbraneref. Uieder-Schönemeide. Keptnnsham. Referenten: - Agnes Fahrenwald— Theodor Glocke— Julius Grunow— Kurt Heinig- Leo Ostrowski— Minna Reichert— Regina Rüben— Hermann Sonnenburg Ült•****<***«#* Ernst Schmidt, Wilhelmftr. 41/48 und Xiomaioes. Singer, Priesterstr. 31. Deterokorf. Restaurant Schwelzergarten. Schenkendorf, ott® putsch. Schmargendorf. Schützonhan», Huudelehleftraf,«. Schölleberg. Schlofibranerel, Hauptftr. 122/124- Steglih-Sriekena«. Birkenwäldchen, Tchiitzcnftraße. ®eltOtt». Restaurant Ronow, Berliner Str. 16. Tempelhof. Wilhelm»garten, Berliner Str. 9. Treptow.«�I�«««ell»chatthan». Treptow« Mamtlee. FUrstenhof, O. Ackermann. Mtlttterokorf. Viktorlagarten, WilHelmSaue. Zernsdorf-Friedersdorf. iM giSSSln. Paul John— Richard KOter— Paul - Genosse Tost— Fritz Voß. Wahlkreis Niederbarnim. Sern an. Franz Salzmann, Basdorfer Straße. Sirkemoetker-Dorgokorf. B�nw�er�HlluM�ss. Sorftgtoalke. Borslgwalder Fcstsüle,«onradstr. 42. Srnchntiihle. Hangrlgev Wolf, Bötzsee bei Eggersdorf. Erkner. Alter Krag, Jnh. Degebrodt. FrONl.-Kuchholz. Kühne, Berliner Str. 39. Friekrichsfelke. Volksgarten, Prinzen. Briekrichöhagett. Eiskeller, Friedrichstr. 96/97. Srtekrichothai. Zn den vier Elnden. Hermskorf-Glienicke. Serifeike. Goldener Stern, Hanptstr. 57. Hohen-Uenenkorf- Dergfelke- Stolpe. Waldschünke, am Bahnhof Stolpe.~ Sohen-Schötthaufe«. Weder, Wilhelmsberg. Sarlolyorft. FUr»tcnbnd, Jnh. Bartels. Saulokorf. wilder Eber, Gieseftraße. itlkirttltiU-rt Schwarzer Adler, Irl �llljieuoerg.€of<5 Itellevac, Hanp Panl Schwarz, ilJlüttc Mohlsdorf. Elnke, Grunowstraße. MüHleubeik-DuchHor�. witwe ateyer. flteker-SchÖtthatt fett. Bänke, Charlotteustraße Gber-Schönemeike. wuheiminenhof. Oranienburg. Waldhan» Sandhansen. Uattkmtt Zu"1 Knrtürst, Berliner Str. 102. Roczyckl, Strcuj/tr. 3/4. frankfurter Chaussee 5. »tstr. 2. endorffstr. 25. Deinickenkorf-Ost. 14 ..».______ 50/51. ReinickenkortHM.*a>avn' DofentHal. MUbrodt,»ronprinzenstr. 15. Ilöutgeutal. Marx,««rwolfstr. 12. Ditkerokorf. Mlßler, Kalkberge. Schulstr. 45. Schöneiche. snüiIfcSChIoß' 9loue"borf' Rahnsdorfr» Stralau. M»rkgr»fen»üle, Markgrafendamm. Gamm, Bahnhofstr. 1. R. Klippenstein, Spandauer Str. 4. Waidmanuslust. Schwelzerhan», Tiauastr. 25. Wetßensee. SchloU WelBensee. Mitte»au. Scholz, Hauptstr. 65. Molterokorf. Referenten: Hermann Barenthin— Martha Demmning— Robert Fendel— August Gebert— Joseph Hartmann— Max Hecht— E. Hegewaldt— Max Jakobsen— Karl KnoII— Karl Klingler— F. Künstler— H. Langhammer— Berta Lungwitz— Franz Marks— Richard Maroke— Karl Melle— Wilhelm Nitschke— August Pattloch— Albert Regge Artur Stadtbagen— Franz Stimming— Hermann Spieckerraann— Wilhelm Schenk— Max Schütte— Alwin Schulze— Max Thieme— Franz Wendel— Hermann Wilke Adolf Zeuner. Die �bendjeiern sind zusammengesetzt aus fe strecken, kd0N2ert-)Zuffükrungen, turnerischen Aufführungen» Gesangsvorträgen ckes �beiter-Sängerbunckes, Darbietungen ckes Hrbdtcr-Radfahrcrbuncies sowie Spesialitäten-Vor s teliungen. Anmeldungen der Festreden sind durch die Kreise resp. Orte zu bewirke«."Wp/ Uerband lozlaldemokratlfcber vahlvereiiie Berlins und Umgegend. Holzarbeiter! Die Mai-Bersammlimg findet um 12 Uhr mittags„Neuen Welt", in der ff Hasenheide 108— 114, statt. Referent: Reichstags-Abgeordnctcr Genosse Lilbersckinitlt, Die Mitglieder der einzelnen Branchen treffen sich vormittags 10 Uhr in folgenden Lokalen: Bürstenmacher 6ei§ol4mQrn" Bodenleger iM en3Cl3 Rahmenmacher 6ci Y��islS'22 Schirmmacher 6d«0[ämal� Stellmacher 3,0|cn' Stockarbeiter fici K%e1'«üIjmar"' $K(»i*>%rtVSi>v'm Gewrrkschaftshaus, Enge!- «ergoioer usa IS. Restaurant. Zialaustearbeiter-"WV«-» Kammacher bei W alter, Adalbertstr. es Knopfmacher b" m�ior-' Laden- und Kontor-Tischler im»Englischen Garten«, Alcxanderstr. 27c. Die Holzarbeiter von Weihenfee, Lichtenberg und Friedrichsfelde nehmen an den in diesen Orten stattfindenden Versammlungen teil.— Die Kollegen von Wcihensee der- sammeln sich um 10 Uhr im„Prälaten", Lehderstr. 122. 82/10 Die Ortsverwaltung. Mlttmch, den 30. April 1913, abends OValljjt, im Gewerkschastshause, Saal 5: IM" Branchen- Versammlung"Mff der Miih In-, Mil-WMs ml-liinit Tagesordnung: 1. Bericht vom 1. Quartal 1913. 2. Beratung der Anträge zur General- Versammlung. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. � 3" Anbetracht der überaus wichtigen Tagesordnung wird rrwattet, daß dir Kollegen Mann für Mann in dieser Bersammlnug erscheine». RH« Branchenleltnng. Verband der Jltaler, Saekierer, Unstreieher Bureau:' Melchiorftraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl". Nr. 4787. Filiale Serlin. USW. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9. Fernsprecher: Amt Norden 6798. Heute Dienstag, de» 29. April, abends 8 Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide: Mitglieder BVersammlung Tagesordnung: Weitere Mahnahmen zur Lohnbewegung.— Stellungnahme zum nächsten Bcrbandstag. Mitgliedsbuch oder Streikkarte legitimiert.— Das Erscheinen aller Kollegen wird erwartet. Am 1. Mai versammeln sich die Kollegen um 10 Uhr vormittags in den Kontrollstellen. Die Kollegen der Küchenmöbel- Branche treffen sich vormittags 9'/z Uhr in den „Musikersälen", Kaiser-Wilhclmftr. 18m. Die Versammlung am 1. Mai findet mittags 12 Uhr in Kliems Festsälen, Hasen- Heide, statt. 139/4_ Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Amtsbezirk Berlin- Oberschöneweide. Am Dienstag. 6. Mai 1913. nachmittags 5'/. Uhr, findet int Lokale des Herrn Wnrncke Hierselbst, Wil- helminenhosstraße, eine .A.11II ci-<»i>dc atllcl»« Generai-Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Kaiseumitglicder statt. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Beratung aus der Ordentlichen Gcncralvcrsaminlung nom 29. April 1919 über die Ab- änderung des KchscnstawtS auf (Srond der Bestimmungen der ReichsoersicherungSordnung. 2. Verschiedenes./ Als Legitimation gilt die Ein- ladungskarte! Berlin- Oberschöncwcide, 25. April 1919. 270/19 'Voi'staiid. Tchueider, Listuer, 1. Vorsitzender. Schristsührer. Orts- Krankenkasse für das IBierbraueraewerfce zu Berlin. Mittwoch, den 7. Mai 1913, abendS 8 Uhr, in den Mustkcrsöle«, Kaiser-Dilhelmstr. I8111, Hos parterre, kleiner Saal: Auherordentliche GeneralTersammlung Tagesordnung: 1. Ersatzwahlen zum Vorstande (2 Arbeitgeber« und 3 Arbeitnehmer. Stellvertreter)..„ 2. Beratung und Beschlußsassung über die neue Kassensatzung nach der Reichsverficherungsordnung. Als Legitimation dient die zu dieser Versammlung jedem Delegierten zu- gehende Einladungskarte. Um recht pünttliches und zahlreiches Erscheinen wird gebeten. vor» Vor-istaad. Otto Ullrich, Vorsitzender. 270/20 ReukersWerke - 3 Bände 4 Mark■ Bud�aaMung Votroätfe_* u.«omuuiui/mct,*»»» � � ftcumici.-. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Fürten Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku-Verlag: Vorwärt« wuchdrucksrei�mVVrlägsaiijmlt PausSmger u.Co., Kerlin SW. Deutscher Metallarbeiter-Verband Vemaltungsstelle§trlm C 54, Fimeustr. 83-85. Kassierer: Arbeitsnachweis: Amt Norden 185. Am Norden 1239, 9714. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Mittwoch, 30. April, abends 8 Uhr, in den Andreas-Feftsälen, AndreaSstraste 21: Große Versammlung sämtlicher in den Knopfhetrikbea beschäftigter Arbeiter u. Arbeiterinuea. Tagesordnung: 117/6 1. Vortrag der Genossin G. O a n n a über: Was sollen die Arbeiter und Arbeiterinnen von der Getvcrkschaft wissen? 2. Diskussion. 3. BctriebsangclegenHettcn und Verschiedene� Kollegen und Kolleginnen! ES soll in von Beispielen gezeigt werden, wie einige schriften umgehen, waS das(Besetz vorschreibt und welche Anwendung cS finden sollte. Da dieser Vorirag für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Knopjbctricbe wichtig ist, dars leiner sehlen. Nach der Bersanimluiig: Gemütliches Beisammensein. Adle Oi-tsverwaltang. dieser Versammlung an Hand Arbeitgeber die Gcwerbevor- Tod u. Teufel t T t Relchei's Wanzen' Reichers Schwaben' Fluid„Radikal" tütet ble Raulen auf der Stelle u. Ist absolut "!$' ftedenb. M. SO Pf.. 1, 2, 3. Sitetfl.5. Sprühappar. SOstzf.u. 1.51) Totale restlose Vernichtung der Brut. 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SHcfercutinncn sind die Genossinnen Frau Dr. Wehl, Frau M. Wurm und Frau Luise Zieh. 213/6*_ Ter Einbcrufer: f. Hoffmann, Königsberger Straße 28. 9. Berliner Sandtagswahlbezirk. Dienstag, den«9. April 1913, abends S1/« Uhr: 2 öffentliche frauen-verlammlungen in den Alll»-G»lviA, Schönhauser Allee 130 und bei Badstraße 19. Tagesordnung: Welche Kedenlnng habe» die Laildlagswahlen für die tmen? 2. Diskussion.' 200/4» Referenten sind: Landtagsabgeordncter Genosse Ströbel und Genossin AegittN AubeN. Das Landtagswahlkomitee. I. A.: P. Dobrohlaw, Schliemannstr. 39. »-- 4. Landtagswahlbezirk. Dienstag, den 29. April 1913, abends 8 Uhr: Vfakler-Vsrssmmlungen in folgenden Lokalen: Rabes Festsäle, Fichtestr. 29. .Hosjäger-Palast, Hasenheide 52/53. Habels Brauerei, Bergmannstr. 5/7. Berchts Rittersäle, Ritterstr. 71/75. TageSorduung in alle» Versammlungen: Das preußische Volk und die Landtagswahlen. 2. Diskussion.— 8. Aufstellung der Wahlmänner. Referenten: Sr. AlfrsÄ Ssrnstsin, Davidsohti, Seid,?oefzseh. 200/1* Das Wahlkomitee. I. Sl.: Gustav Häusicr,?lle>andri>icnsir. 109. 12. Landtsgswusilhe�irk. Dienstag, den 29. April, abends 8 Uhr: Zvei öffentliehe Wählerversanimlungen im„Artushof", Perleberger Straße 26 und in der Pateenboker Brauerei, Turmstr. 25/26. Tagesordnung: Die prentzifchen Landtagswahlen. Referenten: Reichstagsabg. G. Ledebour und Landtagsabg. Adolf Hoffwan». Diskussion. In beiden Versammlungen: Ansprecht des Knndidatkn des 12. Znndleisionhlbtsirlls IZiiK/«in RZnin«!. Mäkler des 12. SandtsgswsKUiesdrKs! Srsebewt Wann für Mann in diesen Versammlungen. Das Landtagswahlkomitee. I. A.: Alfred Paersch, Oldenburger Str. ia_ Vorjährige feinste Anzüge. Paletots, schicke Ulster, Gehrockanzügo, Smokings, Fracks auf Seide* 30—70 m. Versandhaus„Germania", *1 Unter den Linden Sil Sonntags von 8-10 u. 12-6 geöffnet Renof in sst das neueste Reinigungsiuittel für beschmutzte Hände. Arbeiter je lichen Abstimmung über die Ostmarkenzulage beim Militäretat, die die Abgeordneten Schultz(Rp.j, Gras Westarp sk.), Bassermann fnatl.), Dr. Müller-Meiningen(Bp.) wiederherzustellen beantragen. Die Ostmarkengulage wird mit 179 gegen 110 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Der Militäretat und der Etat des Reichsmilitärgerichts wird darauf debattelos erledigt. Beim Marineetat wird ein Antrag Bassermann snatl.) auf Wiederherstellung einer in der zweiten Lesung gestrichenen Beamrengehaltsposition im Hammelsprung mit 130 gegen 112 Stimmen abgelehnt. Abg. Albrecht(Soz.): In der zweiten Lesung rügte ich. daß bei der Herstellung der Garderobe auf den Bekleidungsämtern nur 200 männliche und l300 weibliche Arbeirskräfte beschäftigt seien. Der Herr Vizeadmiral Capelle bestritt dies und behauptete. eS seien SOV männliche Arbeiter beschäftigt. Ich muß meine Behauptung aber aufrecht erhalten; ich habe lediglich von demjenigen Teil der Be- kleidungsämier gesprochen, in dem die Kleider hergestellt werden. Ich weiß sehr wohl, wenn man die Schuhmacher und sonstige Oekonomiehandwerker hinzurechnet, daß da noch einige Hundert hinzukommen. Ferner hatte ich angegeben, in Kiel seien von 70 Fivilschneidern, die dort beschäftigt werden, 13 an die Lungenheilstätten verwiesen worden. Auch das bezweifelte Vizeadmiral Capelle, weil er darin einen schweren Vorwurf gegen die Marineverwallung erblicken würde. Mein Gewährsmann teilt mir mit, daß ich niich um zwei verrechnet habe, es find 16 an die Lungenheilstätten überwiesen worden, auch ein sehr erheblicher Prozentsatz. Vier bis fünf sind darunter, die schon zum zweiten Male der Lungenheilstätte überwiesen wurden. Dann habe ich noch folgende Frage an den Staatssekretär zu richten. Der Arbeiierradsahrerbund.Solidarität, der 130 000 Miv glieder zählt, befitzt eine eigene Fahrradfabrit, um seinen Mitgliedern billige und gute Fahrräder zu liesern. das Fahrradhaus.Frischauf". Dieses wird von Fabrikanten und Händlern stark bekämpft, man versucht, der Fabrik die Rohmaterialien RUities fcuületon. Chauvinismus oder Wissenschaft? Die Generalversammlung der Deutschen Chemischen Gesellschaft hat am Sonn- abend drei Ehrenmitglieder gewählt: den Erfinder des Gasglüh- lichtS Auer von Welsbach, den Erfinder des SalvarsanS Paul Ehr- lich und den Chemiker Paul Sabatier in Paris, der mit großen Erfolgen auf dem Gebiete der organischen Chemie gearbeitet hat. Die ersten beiden wurden ohne Widerspruch gewählt, aber der dritte nicht. Gegen ihn erhob sich ein Herr von Löben, ein Chemiker am kaiserlichen Reichsschatzamt. Er meinte, seit Sabatier vorgeschlagen wurde(etwa vor zwei Monaten), hätten sich Dinge abgespielt, die man damals nicht vermuten konnte und die es trotz der wissenschaftlichen Leistungen Sabatiers unangebracht sein Ueßen, einen Franzosen zum Ehrenmitglied der Gesellschaft zu wählen. Der greise Geheimrat Emil Fischer, heute wohl der bedeutendste Chemiker Deutschlands, diente dem Herrn alsbald Sr Gebuhr. In sichtlicher Erregung erklärte er: Die Chemische Elesellichafl habe eS ausschließlich mit der Wissenschast zu tun, chau- vtnistlsche Gesichtspunkte dürften nicht maßgebend sein. Der ��""ftische Vorstoß gegen den.Franzosen" hatte keinen Erfolg; C-avatier wurde getoahlt, aber nicht ohne Widerspruch. Nicht ?».irw f- neun Mitglieder. der wissenschaftlichen Gesellschaft « l cf'. an der m wissenschaftlichen Kreisen unerhörten bie cheit schärfer zu verurteilen ist als chauvinistischer Rada, den unreife Burschen in Weinlaune vollführen. - Massen. Wer von Zeit zu Zeit in Breslau lande.e, hatte den zwingenden Eindruck, daß es mit dieser Stadt nicht recht vormigehe. Sie wuchs wohl an Menschen und Häusern; das Bodenlapital war wie überall in Deutschland fleißig dabe,, Straßen zu ziehen und Terrain zu erschließen. Aber trotz alledem konnte der.srcmdling, der aus Berlin oder aus Frankfurt a. M. kam, oder leivit nur aus Dresden und Leipzig, die Empfindung nicht wswerdmi, daß die östliche Einfallspforte des Reiches sta- gniere. Das-rempo der Stadt hatte mit dem des übrigen Deutsch- lands, mit dem, oas den Reisenden, der etwa von Dormund nach Düsseldorf fahrt, machtvoll umrauscht, nicht Schritt gehalten. Es lag etwas Ww eine ostelbische Lähmung über Breslau. Das müssen wohl auch die«tavtvater so beurteilt haben; darum entschlossen sie sich, die Hochion luncktur Patriotischer Begeisterung, die das �1?(innaen mufet-—.— UItj) zu machen, Natürlich wurde es eine sie*' r.i lUCucm'r iCH:0_------ �- Jahr 1913 �nngen mußte, auszunutzen und etwas zu machen wovon ganz Deunchland sprechen sollte. Natürlich wurde es eine Ausstellung; was hatte es auch anders werden sollen. Die beste Verwaltung, daS gerechteste Wahlrecht, die niedrigste Bclegziffer r.';- s„vr flUnfmCdlim. DtC DDCblte'Piffor £ nallung. W Äuaqireajt, die niedrigüe wciegzlsser x den Wohnraum, die höchste Ziffer für Park- und Gartenland, oaS alles sind keine Attraktionen. Eine Ausstellung aber, die bringt alle Neugierigen auf dte Beine, schafft Zufuhr und Zeitungs- artixel und rückt so, wenn auch auf Kosten eines Defizits, das Verborgene an den hellen Tag. Eine Ausstellung also, patriotisch ge- salbt und mit allerlei Sentimentalitäten gepudert; vor allem aber eine Ausstellung mit der größten Kuppel der Welt. Die größte Spannung, die bisher durch Cnenbeton überwunden wurde. So- zusagen: Eiffelturm. Eme Rieienhalle für zehntausend Menschen; ein Unternehmen, vom Standpunkt der AuSstellungStakftk recht interessant, wichtiger aber als Dokument der architektonischen Entwicklung. Die Stilbildung entscheidet sich eben nicht mehr an den Gz*L.ricT c ivrn an ben__ s.__ abspenstig zu machen. Der Verein.Kieler Fahrradhändler' ver- öffentlicht nun im.Deutschen Automobil- und Fahrradhändler' eine Bekanntmachung, in der er mitteilt, daß ihm auf eine Eingabe an die Truppenteile in Kiel geantwortet worden ist, daß sämt- lichen Beamten, Offizieren und Mannschaften verboten ist, das Fahrradhaus.Frischauf' zu betreten.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Mililär-Etat ist schon erledigt, so daß ich den Kriegsminister hierüber nicht mehr befragen kann; ich frage aber den Staatssekretär des Reichsmarineamts, ob dieses Verbot auch bei den Marinetruppen erlassen ist. Wir protestieren dagegen, daß die Armeeverwaltung sich dazu hergibt, in solche privaten Dinge einzugreifen.(Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Vizeadmiral Capelle: Zum ersten Punkt beziehe ich mich auf meine Ausführungen in der zweiten Lesung; die Zahlen des Abg. Alb recht erfassen nur einen Teil der Arbeiter. Zum zweiten Punkt bemerke ich, daß im Jahre 1911 6 Leute, im Jahre 1912 9 Leute der Lungenheilstätte überwiesen worden find. Ich kann das außerordentlich bedauern, aber«inen Vorwurf gegen die Militär- Verwaltung kann ich nicht darin erblicken. Es ist ja bekannt, daß die Schneider der Lungentuberkulose in starkem Maße unterliegen, lieber den dritten Punkt ist mir nichts bekannt. Abg. Albrecht(Soz.)! Ich muß meine Zahlen in bezug auf den ersten Punkt vollständig aufrecht erhalten. Ich verlange auch gar nicht, daß Frauen überhaupt nicht beschäftigt werden; sie sollen nur nicht solche Arbeit machen, die sonst von Männern hergestellt wird. Mit solcher Arbeit soll man nicht aus bloßen �SparsamkeitSrückstchten Frauen beschästigen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In bezug auf den Krankheilszustand hat Herr Vizeadmiral in der zweiten Lesung ausdrücklich gesagt:.Dieser Vorwurf trifft die Ver- waltung recht schwer.' ES ist also alles vollständig wahr, was ich gesagt habe. Der Marineetat wird hierauf bewilligt. Es folgt der Etat des Reichsjustizamtes. Abg. Dr. Lensch(Soz.): In der zweiten Lesung fühlte der Reichskanzler sich verpflichtet, eine Rede seine? kaiserlichen Herrn zu verteidigen, und glaubte unter anderem folgendes hinzusetzen zu müssen:.Müssen wir unS nicht tagtäglich in der sozialdemokratischen Presse Verhöhnungen des christlichen Glaubens gefallenlassen? Ich habe keine Notizen hier, könnte sie Ihnen aber zu Dutzenden geben. Ich habe vor kurzer Zeit, ich glaube in der.Leipziger Volkszeitung', einen Artikel gesehen, in dem Einrichtungen des christlichen Glaubens in einer Weise dargestellt worden find, daß ich mich an den Staats- sekretär des Reichsjustizomts mit der Bitte gewandt habe, zu unter- suchen, ob da nicht auf strafrechtlichem Wege einzu- schreiten sei.' Was dort über die sozialdemokratische Presse behauptet worden ist, ist objektiv unwahr. Wenn es wirklich der Fall wäre, daß in der sozialdemokrati- schen Presse Einrichtungen des christlichen Glaubens ver- höhnt oder herabgesetzt würden, so würde diese Presse ununter- krochen Gegenstand der Verfolgung wegen Gotteslästerung sein. DaS ist aber so gut wie n i e der Fall, weil eben solche Ver- böhnungen de« christlichen Glaubens in der sozialdemokratischen Presse nie vorkommen.(Gelächter rechts. Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie lachen, lachen Sie damit nur die deutsche Justiz aus(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten), weil sie ihr dadurch den Vorwurf der P f l i ch t v e r- g e s s e n h e i t machen. Ich frage nun den Heren Staatssekretär des ReichSjustizamteS, um welchen Artikel in der„Leipziger Volksztg/'— von der ich bestreite, daß ein solcher Artikel in ihr enlhalten war— oder in welchem anderen sozialdemokratischen Blatt in der Erklärung des Reichekauzler« eS sich gehandelt hat. und welche Ant- wort er auf diese merkwürdige Zumuiung des Reichskanzler gegeben hat.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Sie steht als ein errechnetes Minimum, als eine ins Monu mentale gesteigerte geometrische Funktion. Sie ist tatsächlich mehr Funktion, als Materie, mehr Statik, als sinnlich wahrnehmbare Form. ES hält schwer, dem, der sie nicht sah, eine Vorstellung von diesem Bauwerk zu vermitteln. Der Volkswitz sprach von Gaso meter. Das rrifst ungefähr das Richtige, wenn man sich solch einen Riesenkessel etagenweise von unten nach oben sich verjüngend denkt. Und dann alle Wandungen fort, daß nur das Gerüst bleibt, und durch Glas, durch ein Heer blitzender Scheiben in der Wirkung noch zerbrechlicher gemacht wird. Man muß das einem gewohnte Gefühl für Stabilität vergessen; man kann sich nicht gleich damit abfinden, daß der gittrige Koloß(das einzig passende und doch ganz widersinnige Wort) ungefährdet zu beharren vermag. Noch weit energischer zwingt das Innere der Halle zum Umstellen unserer ge wohnten Empfindungen. Der erste Eindruck ist überwältigend; vielleicht sucht man gerade darum nach einem möglichst ungewöhn- lichen Vergleich. Man möchte meinen, in dem Brustkorb eines vor- sintflutlichen Ungeheuers zu stehen. Ein ChaoS von riesenhaften Gräten hebt sich, wölbt sich, stößt zur Seite, stößt aufwärts; vielleicht wird es im nächsten Augenblick in sich zusammenbrechen, wird unS begraben, uns verschlucken. Eine Konstruktion von solcher Kühnheit ist noch nicht dagewesen; ob sie notwendig war, ob sie eine Förderung der architektonischen Entwicklung bedeutet, wer möchte das entscheiden. Da aber noch immer heroischer Wille Frucht brachte, so darf man Sicherheit erwarten, daß auch diese Halle der Massen, die der Stadtbaurat Berg baute, einen Fortschritt und eine Klärung nicht nur der Eisenbetonkonstruktwn, sondern auch des Kunstgefühls der Zeit bewirken wird. Eins freilich bleibt zu fragen: wo werden die zehn» tausend Menschen ffttS herkommen? Katholikentag, Bündlerver- sammlungen, so etwas gibt eS doch nicht alle Tage. Volkskonzerte sind vorgesehen. Aber auch darüber hinaus gäbe eS ein Mittel, die Halle reichlich zu nutzen: Volksversammlungen ohne Ansehen der Partei. R. B. Die Holz-Sammler. Aus Heidelberg wird uns geschrieben: Unter dem Auftuf für Arno Holz finden sich als Bittsteller so notorische Krösusse, daß folgender Vorschlag vielleicht öffentlichen Beifall findet: Der Schriftsteller Hermann Sudermann, der allein an Theatertanttemen bis 3000 M. jede Woche bezieht, soll eine einzige dieser Wochen für seinen Leidensgenossen zurückstellen.— Maximilian Harden, der ein Jahreseinkommen von zirka 200 000 Mark hat, soll für ein einziges Vierteljahr diejenige Summe schenken, die er an seinen bekanntlich recht minderwertigen Honoraren ge- winnt.— Ludwig Fulda, der nicht nur eine hochrentabe Feder, sondern auch einen Millionär als Vater besitzt, möge ebenfalls eine Ouartalseinnahme abtreten.— Max Liebermann, der reichste Maler, der jemals lebte, von seinem Erbe her Millionär und einer der höchstbezahlten Farbenkünstler, malt vielleicht zugunsten von Arno Holz ein leichtverkäufliches Bild.— Hans Thoma, heute einer der reichsten Leute in Baden, könnte ebenfalls eine Landschaft herschenken.— Siegfried Wagner möge auf seine Tantiemen nur für eine Woche verzichten, Tantiemen, die nur durch die eminente Vorsicht ermöglicht werden seinerzeit in der Wahl seines Vaters. Wozu also noch erst jener langatmige Appell an unsere Nation? Humor und Satire. Herrenhaus. Draußen Lenz und linde Lüste; Neues Hoffen wird gepredigl. Drinnen haben Ahuengrüste Ihres Jtchalts sich emledigt. Abg. v. TrampczynSki(Pole): Einer materiellen Erörterung über die Berfasiungsmätzigkeit des preußischen Enteignungsgesetzes ist der Staatssekretär des Reichsjustizamtes bisher immer aus- gewichen. Doch offenbar nur �deshalb, weil seine Gründe die öffentliche Kritik nicht vertragen.(Sehr wahr! bei den Polen.) Staatssekretär Dr. Lisco: Auf diese Frage kann ich heute nicht eingehend antworten, da ich nicht vorbereitet bin, bin aber gern bereit, im nächsten Jahre ausführlich darauf zu antworten. Was die Anfrage des Abc;. Lensch betrifft, so ist mir bekannt geworden, daß der Herr Reichskanzler durch seinen Vertreter den Herrn Abg. Lensch hat wissen lassen, daß der Artikel, von dem er gesprochen, in der»Leipziger Volkszeitung' nicht gestanden hat.(Hört! hört! rechts.) Ich bin mit dieser Angelegenheit nicht befaßt worden.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Reichskanzler hat deshalb auch von mir in dieser Beziehung keine Antwort bekommen können. Das ist da? einzige, was ich von dieser Sache weiß.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Lensch: Der Herr Reichskanzler hat damals ausdrücklich erklärt, er habe den Staatssekretär des Reichsjustizamts gebeten zu prüfen, ob gegen einen Artikel der»L. B.' sttafrechtlich einzuschreiten sei. Richtig ist, daß der Herr Unlerstaatssekretär Wahnschaffe mir nachher mitgeteilt hat, es handele sich nicht unr einen Artikel der»L. V.'. Aber ich habe den Herrn Staats- sekretär dann allgemein gefragt, welche Antwort er auf die An- regung des Reichskanzlers gegeben hat. Darauf sagte Exzellenz Lisco, er weiß von der ganzen Sache überhaupt nichts. Das ist nun allerdings eine sehr erstaunliche Auskunft. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler be- hauptet hier in öffentlicher Sitzung, daß er mit dem Staatssekretär deS Reichsjustizamtes eine Unterredung gehabt habe wegen eines Artikels— nur den Namen des Blattes hat er in dubio gelassen— und hier muß nun der Herr Staatssekretär LiSco erklären, er könne sich überhaupt auf gar nichts besinnen. Er saß doch daneben, als er gewissermaßen bei diesem Vor- gang zum Zeugen gerufen wurde, hat aber durch keine Miene oder Handlung gezeigt, daß er von der ganzen Sache nichts wisie. Im übrigen habe ich schon Herrn Unter- staatssekretär Wahnschaffe erklärt, ich hielte es für eine Anstands- Pflicht, daß der Reichskanzler diesen Vorwurf, den er in ö f f e n t- licher Sitzung gegen die sozialdemokratische Presse erhoben hat. auch in öffentlicher Sitzung zurücknimmt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich bedauere außerordent- licb, daß der Reichskanzler dieser selbstverständlichen Anstandspflicht nicht entsprochen hat.(Erneute lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Das Urleil über diese Handlungsweise überlasse ich dem Hause und der Oeffentlichkeit.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Unterstaatssekretär Wahnschaffe: Ich kann bestätigen, daß ich am Tage nach der Rede des Herrn Reichskanzlers dem Herrn Abg. Lensch mitgeteilt habe, daß die Bemerkung des Herrn Reichs- kanzlerS auf einer Verwechselung beruhe. Der Herr Reichs- lanzler hat also in loyalster Weise dem Herrn Abg. Lensch gegen- über gehandelt.(Rufe bei den Sozialdemokraten: Er hat die Be- hauptung öffentlich aufgestellt I) Als mir der Abg. Lensch dann nahe legte, ob nicht der Reichskanzler daS hier auch im Plenum erklären würde, habe ich geantwortet: Wenn der Reichskanzler das tun würde, so würde er doch den Vorwurf gegen die sozialdemokratische Preste im allgemeinen nicht zurück- nehmen können.(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten; Rufe: Beweise I) Ich könnte Ihnen eine ganze Menge Material darüber vorlegen(Rufe bei den Sozialdemokraten: Heraus damit.!},- das Material ist da, ich kann es in zehn Minuten bringen. (Rufe bei den Sozialdemokraten: Bitte, tun Sie es nur!) Daß der Staatssekretär Lisco von der Sache nichts w?ij;, ist ja er- klärlich. Es kommt häufig vor, daß die oberste Justizbehörde in die Lage versetzt wird, zu prüfen, ob irgend ein Artikel der sozial- demokratischen Presse mit dem Strafgesetz kollidiert; es wird dann Müßig steh'n zuerst die Leichen Der in Preußen Auserkor'nen; Bald doch, auf ein Glockenzeichen Sammeln sich die Hochgebor'uen. Und nun kann man die Gespenster Ziemlich deutlich unterscheiden: Da sind jene, die das Fenster Des Gesichts mit Glas bekleiden. Dann bemerkt die Witzbegierde Die entschieden grötz're Gruppe Welcher jene Augenzierd« AuS gewichtigen Gründen schnuppe. Wirflich, mancher alte Knabe Weiß das Glas nicht anzupassen Denn er hat im Ahnengrabe Seinen Kopf zurückgelassen. Doch nun aufgepaßt! Denn all� Die behastet sind mit Köpfen, Wollen jetzt im Redeschwalle Sich in Klagen drob erschöpfen Daß die Vögel ihr gemeines Lied zu zwilschern sich nicht scheuen Und daß sich deS Sonnenscheines Gar der Pöbel will erfreuen. FridoNn Witzige Weisheit. In den»M. N. N.' bemerkt Heinz Scharpf: Wenn du einen Menschen durchschaust, macht er sich oft unsichtbar.— Je gerader ein Charakter, desto krummer wird ihm dies oft genommen.— In der.Jugend' meint ein Globetrotter: »Wenn Sie überall lesen.Verboten',.Verboten', dann sind Sie in Deutschland!' Notizen. — Theaterchronik. Das soziale Schauspiel.Kampf' don John Galsworthy, das im vorigen Jahr zuerst in Köln und vor kurzem mit großer Wirkung in Wien— an der Freien Volks- bühne— in Szene ging, wurde vom Berliner Deutscheu Künstler- theater, vom Mllnchener Schauspielhause und Frankfurter Stadt- theater zur Aufführung angenommen. ~ Die Sezession und die JubiläumS-LuS- st e l l u n g. In der sehr opportunistisch gehaltenen Rede, mit der der Kunsthändler-Prästdenl der Sezession deren jüngste Ausstellung er- öffnen ließ, war mit einigem Schmerz gesagt worden:.Die Berliner Sezession ist die einzige deutsche Künstlervereinigung, die von der Feier des 23jährigen Regierungsjubiläums ausgeschlossen ist'. Der Vorsitzend« der JubiläumS-Kunstausstellung Fr. Kallmorgen glaubt dagegen feststellen zu können, daß dte Sezession eingeladen wurde und daß die Verhandlungen sich nur wegen der.unerfüllbaren Forderungen' zerschlugen. — Das Münchner Gärtnerplatztheater spielt vom 16. Mai ab im Lessingtheater die Lannersche Operette Alt- Wien'. — Die russischen Schauspieler organisieren sich. In Rußland haben sich kürzlich die Theaterunternehmer zu- sammengetan. Nun wollen sich auch die russischen Schauspieler Wirt« schaftlich zusammenschließen. Ihr erster Kongreß, der in voriger Woche in Moskau tagte, sprach sich für die Gründung einer Bühnen- geiuch'enjchast nach dem deutsche» Vorbilds aus. eben der preußische Justizminister gewesen sein. Wenn der Reichskanzler zwei juristische Instanzen einmal verwechselt, ist das doch weiter nicht wunderbar.(Sehr richtig! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Ist denn der Justiz- minister gefragt worden?) Präsident Kaempf: Es ist parlamentarisch nicht zulässig, wenn der Abg. L e n s ch dem Reichskanzler Verletzung einer An- standspflicht vorgeworfen hat. fLachen bei den Sozialdeino- kraten.) Abg. Lensch: Ich kann im grohen und ganzen die Darstellung des Unter- staatssekretärs Wahnschaffe bestätigen.(Rufe rechts: Na also). Dann sind Sie sehr bescheiden.(Rufe rechts: Das sind Sie nichtl) Nein, Sie wissen, nur die Lumpe sind bescheiden.(Präs. Kaempf: Diese Bemerkung, Mitgliedern des Hauses gegenüber, ist nicht parlamen- tarisch.) Als Herr Wahn schaffe mir sagte, es werde sich viel Material gegen die sozialdemokratische Presse im allgemeinen herbeischaffen lassen, habe ich ihm geantwortet: Wenn der Reicks- kanzler mit allgemeinen Redensarten kommt, dann würde er die Antwort in öffentlicher Sitzung bekommen, die ihm gebührt. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Den großen Zitatensack kennen wir ja sehr gut: wenn man ihn umstülpt, fällt nichts heraus. Wenn man dieser Sache nähergehen würde, würde es dem Unter- staatssekrelär genau so gehen wie dem Reichskanzler: Aus seinen Dutzenden von Zitaten würde nur eine erweislich unrichtige Behauptung übrig bleiben.(Sehr gut I bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Heine(Soz.): Wenn einer Bescheid weiß darüber, ob in der sozialdemokratischen Presse strafbare Beschimpfungen der christlichen Religion vorkommen oder nicht, so bin ich das. Wenn solche einigermaßen häufig vor- kämen, würde ich es aus meiner Praxis wissen. Ich kann erklären, daß ich in denr fast einen Bierteljahrhundert, Ivo ich Verteidiger sozialdemokratischer Zeitungen bin, ich glaube im ganzen ein oder zioei Fälle von Air klagen wegen Re« ligionsb.e schimpfung erlebt habe(Hört! hört! bei den So- zialdcmokraten), trotzdem doch die Zahl der Leser der sozialdemokra- tischen Presse in dieser Zeit von etwa 10l1<1<)l1 bis auf viele Millionen gestiegen ist. Wenn das wahr wäre, was der Unterstaatssekretär behauptet hat, müßte sich das in den Ziffern der Kri m in a l st a t i st i k ausprägen. Und dann würden sich die Gegner der Sozialdemokratie nicht mit so vagen gemeinen Redensarten begnügen, wie wir sie vom Reichskanzler ge- hört haben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Weil Sie eben gar-nichts zu sagen wissen, hält sich der Reichskanzler nicht für zu gering, in einem Moment der Verlegenheit den Reichsverbandsschimmel zu reiten, aber er verliert dabei Zaum und Zügel.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Soz.) Die vielen Worte des Herrn Unterstaatssekretärs helfen darüber nicht hinweg, daß die Angabe des Reichskanzlers, er habe dem Staatssekretär Lisco einen Fall zur Begutachtung unter- breitet, eine positiv unrichtige war.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) All die Behauptungen der Reichsverbandspresse und Redner über angebliche Verbrechen der Sozialdemokratie sind ja in 909 von 1000 Fällen nicht um einen Funken wahrer als diese Behaupturgen des Reichskanzlers.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Der ganze Vorgang spricht in keiner Weise gegen das Reichsjustizamt, sondern beweißt nur, wie die Reichsregierung immer das Reichsjustizami als bequemes Mittel benutzt, um unangenehme Dingo abzuschieben. Selbst wenn es garnicht einmal wahr ist, wird der Anschein erweckt, als ob das Reichsjustizaml den Reichs- kanzler unterstütze. Also man zeige uns den Artikel. Der Unter- staatssekrelär hat ja Zeil, er möge bis zum nach st en Jahre Mater tal sammeln. Wenn er eS uns dann vorher mitteilt, werden ivir ihn: die Antwort auch nicht schuldig bleiben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokralen.) Staatssekretär Wahnschaffe: Mir ist eben eingefallen, warum es sich handelte. Der preußische Justizminister wurde über die Strasbarkeit einer Zeitungsnotiz befragt, worin mitgeteilt wurde, daß im Rheinland bei einem sozialdemokratischen Masken- fest eine Frauensperson als Ehrt st us verkleidet erschienen sei,(Hört! hört! rechts, Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Ob da§ keine Verhöhnung des Gottesglaubens ist, und ob es dabei die geringste Rolle spielt, ob die Frage an den preußischen Justiz- minister oder an den Staatssekrelär des Reichsjustizamts gerichtet ist, überlasse ich dem Urteil des Hauses.(Bravo I rechts.) Abg. Mnmm(Wirtsch. Vg.): Der Fall ist allerdings überaus kraß. Man hat behauptet, daß jene Frau im Zusammenhange mit kirchlichen Vereinen stehe. Festgestellt ist nur, daß sie einmal Unterstützung erhalten hat. Im übrigen ist der Fall so empörend, daß ich nicht erwartet hätte, daß er von der Linken mit Lachen aufgenommen würde.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Die Frau ist mit der Ueberschrift»Der erste Sozialdemokrat* niit einem Kreuze durch eine Versammlung sozialdemo- Irati scher Natur hindurchgegangen. Abg. Heine(Soz.): Glauben Sie denn, daß, wenn diese Frau wirklich Sozialdemo- kratin gewesen wäre, dadurch, daß sie jemand als ersten Vertreter der von uns heilig gehaltenen Ueberzeugung darstellt, ihn damit hat beschimpfen oder herabsetzen wollen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich bin ja persönlich der Meinung, daß ernste Dinge nicht auf ein Maskenfest gehören, aber von einer Beschinzpfung der christlichen Religion kann hier keine Rede sein. (Lachen rechts. Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Glauben Sie, wir durchschauen die Sache nicht? Der Reichskanzler bat sich eben verhauen, und da wird nun irgend etwas vor- geschoben. Hätte der Reichskanzler damals von dieser Sache ge- wüßt, hätte er nicht von Beschimpfungen durch die Presse gesprochen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der sozialdemokratischen Presse wird die Erörterung religiöser Probleme mit einer Aengstlichkeit vermieden(Lachen rechts), die die Presse anderer Parteien sich nicht auferlegt.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp(k.): Das ist nicht möglich, jeden Tag alles Material bei sich zu haben. Deshalb kann ich auch nicht den Sozialdemokraten mit einer Unzahl don Beispielen. die ganz leicht zu sammeln wären, ins Geficht springen.(Lacken bei den Sozialdemokraten). Nur ein Beispiel, wie solche Fälle sich häufen: Vor kurzem ist der Redakteur Rauch in Zittau wegen Be- schimpfung der evangelischen Landeskirche zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden(Hört! hört! rechts), weil er die Kirche eine staatliche Verdummungsanstalt genannt hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die ganze Art, wie die Frage hier von der Sozialdemokratie behandelt wird, das Gelächter, mit der sie die Erzählung von der Person begleitete, die sich erfrecht hat, als Christus zu erscheinen, beweist, daß zwischen Ihnen und uns, die in Sachen der christlichen Religion auf einem ernfthasten Standpunkt stehen, eine Kluft besteht, die sich durch keine Reden überbrücken läßt.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Abg. Lensch(Soz.): In dem Fall des Redakteurs Rauch handelte es sich um eine Kollekte der christlichenKirche. nicht um den christlichen Glauben. Doch Sie reden vergebens viel, mn zu vertuschen, daß die Behauptung des Reichskanzlers einfach aus derLuft gegriffen war.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Heine(Soz.): Wir betrachten Fragen der Religion ernster als diejenigen, die schlankweg eine Kollekte als Einrichtung der Religion bezeichnen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten, Zuruf rechts.) Gewiß steht im Gesetz beides nebeneinander: Angriffe auf die Religion und An- griffe auf die Kirche. Angriffe auf Einrichtungen derKirche, die vielfach Träger reaktionärer, politischer Unterdrückung ist, werden mir uns niemals nehmen lassen.(Sehr wahr. bei den Sozialdemokraten.) Aber Kirche und Religion sind zweierler. Diese Unterschiebung, dieses Taschenspielerkunststück.(Präsident Kaempf rügt diesen Ausdruck) lasten wir uns nicht gefallen. Graf Westarp hat einen Unterschied gemacht zwischen ernsten Leuten und uns: wir haben ihn noch nie ernst genommen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp: Ich stelle nur nochmals fest, daß es sich in dem Artikel darum handelte, daß die Kirche eine Verdummungs- anstalt genannt wurde. Abg. Haase: Graf Westarp hat vorher gesagt, er wolle nachiveiscn, wie sich solche./älle häufen und hat dann einen Artikel aus einer Zeitung vorgetragen, wonach ein sozialdemokratischer Redakteur wegen Verletzung des§ 166 bestraft worden ist. Wenn ein solcher Fall vorgekommen ist, so beweist das durchaus nicht, daß eine Häufung solcher Fälle im sozialdemokratischen Lager sich zu- getragen habe.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokrckten.) Außer- dem hat sich dieser Fall ereignet nach der Erklärung des Reichs- kanzlers. Er kann ihn also nicht im Auge gehabt haben. Außer- dem ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Tann behauptete Graf W e st a r p, als der Fall der Frau hier vorgetragen wurde, sei auf unserer Seite gelacht worden. Aber das Lachen bezog sich keineswegs an diesen Fall, auf das Verhalten der Frau, sondern darauf, daß man versuchte, einen Vorgang, der mit der Erklärung des Reichskanzlers gar nichts zu tun hat, hier zur Vertuschung des Tatbestandes vorzubringen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich kann mitteilen, daß diese Frau weder der sozialdemokratischen Partei, noch einer Ge- werkschaft angehört, daß sie aber viel mehr Beziehungen zu den Kreisen des Herrn Mu m m hat, als er selbst vielleicht weiß.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Stellung der Sozialdemokratie zu der Frage der Religion ist durchaus klar. Wenn innerhalb der Sozialdemokratie, im Kampf der Parteien gegeneinander, namentlich wenn kirchliche Einrichtungen zum Deckmantel für politische Pläne benutzt werden, Aeutzerungen fallen, die wir selbst nicht billigen können, so kann daraus nie der Schluß gezogen werden, daß die Partei als solche irgendwie reltgionsfeindlich ist. Wenn das von irgendeiner Seite geschieht, so kann es nur geschehen unter Verdrehung der Wahr- h e i t und aus Heuchelei.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts.) Abg. Zürn(Rp.): Was Herr Haase über die Stellung der Sozialdemokratie zur Religion gesagt hat, kann man in g e- wisser Weise unterschreiben. Aber wie verträgt sich mit dieser Duldung, die Sie hier in Ihrem Programm prokla- mieren, daß Sie öffentlich überall zum Austritt aus der evangelischen Landeskirche auffordern?(Schallendes Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Junck inatl.) begründet einen Antrag auf Wieder- einstellung des in der zweiten Lesung gestrichenen 6. Reichs- anwalts. Abg. Heine(Soz.): Wir lehnen die Stelle keineswegs aus Sparsamkeitsgründen ab, und wir erkennen auch an, was Kollege Junck über das Wachsen der Arbeitslast am Reichsgericht sagt. An unseren Gründen, die ich in der zweiten Lesung auseinandergesetzt habe, hat sich seitdem nichts geändert. Die Rcichsanwaltschaft ist eine Behörde, der gewiß mehr Unabhängigkeit zu wünschen ist. Aber sie hat auch das Maß von Ilnübhängigkeit, das ihr bei der gegenwärtigen Gesetzgebung zusteht, in dem kritischen Fall, den ich angeführt habe, vermissen lassen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: In anderen auch.) Gewiß, in anderen a u ch. Aber dreser eine ist so scharf, daß er genügt. Zu einer Institution, die einen hervorragenden Juristen mo- ralisch so herabdrückt, wie es in dem Prozesse gegen Liebknecht geschehen ist, haben wir kein Vertrauen. Mag sie einmal mehrere Jahre zeigen, daß sie auch anders kann, und dann wiederkommen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Junck(natl.) und Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.) bitten das Zentrum, doch gerade im Hinblick auf diese, unsach- liche Begründung den 6. Reichsanwalt zu bewilligen. Abg. Dr. Haase(Soz.): Wir treiben keineswegs Verärgerungspol. itik, sondern lassen uns von durchaus sachlichen Gesichtspunkten leiten. Je mehr Staatsanwälte amtieren, desto mehr häufen sich die Prozesse. Schon jetzt ist jeder fünfte Mensch in Deutschland bestraft. Wir sollten dafür sorgen, das Institut der Staatsanwaltschaft zu beseitigen, und haben gar keinen Anlaß, es noch zu vermehren. Abg. Dr. Junck jnatl.) und Staatssekretär Dr. LiSco bitten nochmals dringend um Bewilligung der Stelle. Die auf Antrag Junck namentlicke Abstimmung ergibt die Aufrechterhalt nng der Streichung des 6. Reichsanwalts mit gegen 118 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen. Persönlich bemerkt Abg. Thiele(Soz.): Ich bin nicht wegen Gotteslästerung, sondern wegen Pfarrerbeleidigung verurteilt worden, und vorläufig ist der Pfarrer noch nicht der liebe Herrgott. Der Etat wird bewilligt. Beim Etat des Reichsschatzamtes wird die Streichung der Ost markenzulage für den Stationskontrolleur in Posen in namentlicher Abstimmung mit 182 gegen 114 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen aufrechterhalten. Beim Etat des Rcichscisenbahnamtcs klagt Abg. Baudcrt(Soz.), daß das Eisenacher Oberland durch Eisenbahnen nicht aufgeschlossen wird. Die preußische Eisenbahn- Verwaltung verschließt sich leider durchaus der Notwendigkeit, den Verkehrsbedürfnissen der Industrie und Landwirtschaft entgegen- zukomincn. Das Reichseisenbahnamt hat die Pflicht, die Preu- ßische Eisenbahnverwaltung auf diese Notwendigkeit hinzuweisen. Es ist nicht von ohngefähr, daß gerade auf den überlasteten und schlecht eingerichteten Bahnhöfen und Haltestellen in den Thüringer Kleinstaaten sich mehrfach Betriebsunfälle ereignet haben. Es müssen unbedingt Vorkehrungen dagegen getroffen werden. Wenn die maßgebenden Stellen selbst einmal die Verkehrs- misere in den Thüringischen Klein st aaten am eigenen Leibe verspürten, unter der die Geschäftsleute täglich zu leiden haben, würde wohl bald für Abhilfe gesorgt werden. Wären die thüringischen Kleinstaaten preußisch, so würde man sich ihren Wünschen gegenüber nicht so ablehnend verhalten. Aber wir Thü- ringer, die so wie so schon unter einem starken Parasiten- tum zu leiden haben, müssen mit aller Entschiedenheit allen fts- kalischen Ungerechtigkeiten entgegentreten»(Bravo! bei den So- zialdemokraten.), Abg. Dr. Wendorff(Bp).: Auch aus Norddeutschland könnte ich Eisenbahnschmerzen vortragen. Sie haben alle ihren Grund in dem Fehlen einer Reichseisenbahngemein- schaft, der der Präsident des Reichseisenbahnamts nicht länger ablehnend gegenüberstehen sollte. Ebenso wäre eine reichsgesetz- liche Regelung der Dienst- und Ruhezeit der Eisenbahnangestellten dringend erwünscht.(Sehr richtig! links.) Gegenwärtig kommen in Mecklenburg z. B. Dienstzeiten von' 15 Stunden und mehr vor(Hört! hört! links), und man muß sich nur wundern, daß nicht noch mehr Unglücksfälle sich ereignen. Abg. Ulrich(Soz.): Früher glaubte man. das Verkehrswesen des Deutschen Reiches befinde sick in verhältnismäßig guten Händen. Aber ollmählich haben sich die Verhältnisse sehr geändert und die Kleinstaaten haben sehr über den größten Eisenbahnbesitzer in Deutschland zu klagen. Die Ausgaben des Reichseisenbahnamts sind alle nötig, ja/ wir würden diesen Etat gerne noch verstärkt sehen, denn wir wünschen, daß das Reichseisenbahnamt eine regere Tätigkeit entfaltet.~ Zu den früheren Klagen, die ich aus Hessen borgebrachi habe, haben sich jetzt wieder neue gesellt. Der preußisch-hessische Eisen- bahnvertrag bedarf dringend der Revision; leider fehlt in ihm eine Kündigungsklausel, so daß er für die Ewigkeit ge- schlössen erscheint. Tie Revision des Vertrages ist aber unbedingt notwendig, denn Hessen ist danach absolut nicht in der Lage, für eine Verbesserung seiner Eisenbahnverhältnisse selbst zu sorgen. Preußen erfüllt nicht einmal die Bestimmungen des Vertrages. Abg. Werner-Hersfeld(Antis.) bringt Wünsche der Lokomotiv» beamten vor. Präsident des Reichseisenbahnamts Wackerzapp: Eine Regelung der Dienst- und Ruhezeit der Eisenbahnangestellten kann nur von den Einzelstaaten, nicht vom Reich vorgenommen werden.— Gegenüber dem Abg. Baudert mutz ich doch darauf hinweisen, daß die Zahl der Betriebsunfälle beständig zerückgegangen ist. Abg. Baudert(Soz.) weist nochmals auf die elenden und ge- fährlichen Verhältnisse auf Thüringer Bahnhöfen hin. Ein mecklenburgischer Bundesratsbevollmächtigter gibt zu, daß die Gehälter der mecklenburgischen Eisenbahner geringer sind als in Preußen; sie seien eben auf die einfachen ländlichen Verhältnisse in Mecklenburg zugeschnitten.(Lachen links.) Abg. Ulrich(Soz.): Herr Wackerzapp hat sich gewundert,, daß die hessische Regie- rung noch keine Beschwerde geführt habe über die von mir als ge- fährlich bezeichnete Zuganlegung. Es gibt eben Leute, die immer erst die Gefahr erkennen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wir aber wollen dem Unglück vorbeugen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Etat wird bewilligt. Beim Etat des Allgemeinen Pensionsfonds bemerkt der sächsische Generalmajor v. Weißdorf: Abg. Erzber�er hat bei der zweiten Lesung mir Kasernenhofton vorgeworfen, wo- gegen ich entschieden Verwahrung einlegen mutz. Vizepräsident Dove: Die Aeußerung des Abg. Erzberger habe ich so verstanden, daß man aus dem Kasernenhof Beschwerden ohne weiteres abtun kann, weil den Soldaten dort nicht das Recht der Gegenrede zusteht. Das war vollständig parlamentarisch? Kasernenhofton hat er dem Bundesratsbevollmächtigten nicht vor- geworfen. Abg. Erzberger(Z.): Der Herr Präsident hat mich ganz rtch- tig verstanden; auf dem Kasernenhof kann man Beschwerden ohne weiteres abtun, ein Abgeordneter kann verlangen, daß sie untersucht werden. Materiell gehe ich wohl am besten auf die Häu- fung von Verlegenheitsausreden des Herrn Militärbevoll- »nächtigten nicht ein. Der Etat wird bewilligt. Postetat. Abg. Schultz(Rp.): Ich bitte Sie dringend, die Ostmarken- zulage für die Postbeamten zu bewilligen.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Staatssekretär Kractke: Ich kann mich diesem Appell nur warm anschließen.(Bravo! rechts.) Abg. Giesberts(Z.) tritt dafür ein, daß die Stellung der Ober- Postschaffner eine Beförderungsstelle für die Unterbeamten bleibt. Abg. Zubeil(Soz.f: Die Landbrieftröger haben oft soviel Pakete zu tragen, daß sie aussehen wie die Packesel. Entweder müssen mehr Kräfte ein- gestellt werden oder es mutz ihnen irgendeine Art Fuhrwerk ge- stellt»Verden.— Aus Hamburg schreibt mir ein Postbeamter:„Noch nie ist im Reichstag ein so»vahres Wort gesprochen wie in den letzten Tagen, als die unteren Po st beamten als Heloten bezeichnet wurden." Weiter sind mir erneut Klagen zugegangen über Verwendung von Postbeamten zu Zwecken, die»nit ihrem Dienst nichts zu tun haben und über schlechte Behandlung von Beamten. Nicht Dienstfreudigkeit erzielt man auf diese Weise, sondern Knechtsinn, Unzufriedenheit, Verdrossen- heit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Hamburger Postafsistent schreibt, man könnte mit Hoffmann von Fallersleben ausrufen:„Ist denn gar kein Weg, ist denn gar kein Steg, der uns führt aus dieser Sklaverei." Man behandelt die Leute nicht als Beamte, sondern wie auf dem Kasernenhof. In Hamburg ist ein Erlaß herausgekoinmen, wonach Beamte, die infolge Ueberarbeitung krank werden, noch besonders b e st r a f t werden. Ein Beamter, der Vorschläge zur Verbesserung des Dienstes in einem Fachblatt machte, wurde mit 30 M. bestraft; ein anderer»nit 20 M., weil er schrieb:„Die Geheimakten seien das Unglück vieler Beamten." (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im Bezirk des Post- amts 39 in Berlin klagt das Publikum über viel zu späte Ausführung der 6 Uhr-Bestellung. Die Reviere sind dort viel zu groß. Daher ist der Prozentsatz der Erkrankten dort besonders groß.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich er- warte, daß die Postverwaltung diesen Beschwerden nachgeht.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Beck(Heidelberg, natl.) empfiehlt den von allen Parteien gestellten Antrag, der den Po st Hilfsbeamten und den nicht etatsmätzigen Beamten eine Aufbesserung ihrer Bezüge bringt. Abg. Hubrich(Vp.) schließt sich dem Vorredner an. Abg. Dr. v. Chlapowski(Pole) verlangt Ablehnung der Ost. markenzulage. Abg. Baudert(Soz.) tritt für die Posthilfsboten ein und wendet sich gegen die Ostmarkenzulage. Der Etat wird mit den durch obigen Antrag bedingten Aende- rungen bewilligt, die Streichung der O st markenzulage wird in namentlicher Abstimmung mit 176 gegen 104 Stimmen bei 2 Stimmenenthaltungen aufrecht erhalten.' Die Etats der Reichsdruckerei und der Reichseisenbahnen werden debattelos bewilligt. Ebenso nach unwesentlicher Debatte die übrigen Etats und das Etatgesetz. Präsident Kaempf ruft nachträglich den Abg. Ulrich wegen seiner Aeußerungen gegenüber dem hessischen BundeSratsbevoll- mächtigten zur Ordnung. Schließlich wird der Etat in der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag, den 27. Mai, nachmittags 2 Uhr.(Kleine Anfragen. Petitionen.) Schluß 9 Uhr. )Zus Inckuftm und Dandel. Vom internationalen Rnstnngskapital. Die Jnternationalität der Rüstungsindustrie läßt sich sehr gut an den finanziellen Beziehungen der in der letzten Zeit viel« genannten Deutschen Waffen« und Munitionsfabriken A.-G. verfolgen. Die Gesellschaft ist neben mehreren deutschen Rüstungsunternehmen an der lTadrigus nationale d'armes de guerre (N a t i o n a l f a b r i l für Kriegswaffen) in Herstal in Belgien, an der Eoinpagnie anonyme kran�aise pour la kabrication dos roule- ments ä billes(Kugelfabrik) in Paris und der Looietk Metallurgioa Bresciana in Brescia beteiligt. Alle diese ausländischen Unter- nehmen waren recht rentabel; die belgische Fabrik z. B. zahlte in den letzten sechs Jahren 18, 20 und 24 Proz. Dividende. Der Ge- winn aus den Dividenden aller Fabriken, an denen die Deutschen Waffen beteiligt sind, macht daher etwa der gesamten Ein- nahmen aus. Neben diesen direkten Beziehungen unterhalten die Deutschen Waffen noch indirekte zu ausländischen Rüstungsunternehmen. Gleich der Waffenfabrik Mauser und den Dürener Metallwerken, deren Aktien die Deutschen Waffen zum Teil befitzen, gehört die Gesell» ichaftdem Loew e-Konzern an. Ludwig Loewe-A.-G., die in eigener Regie nur noch Maschinen herstellt, besaß früher Waffen» fabriken in Martinikenfelde und in Karlsruhe, aus deren Ber» schmelzung die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken entstanden Neben der Herstellung von Waffen und Patronen betreibt der Loewe- konzern auch die Fabrikation von Pulver, und zwar durch die Vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabriken. Köln- Rottweiler ihrerseits ist an zahlreichen deutschen, russischen, englischen und spanischen Sprengstoffabriken beteiligt. Uebrigens ist in dem Aufsichtsrat der Pulverfabriken auch Krupp durch den Haupt- mann z. D. Dr. Dreger vertreten. Köln-Rottweiler steht nun im engen Kartellverhältais zu der gesamten inter- �nationalen Sprengstoff- und Pulverindustrie. * Erster Vorsitzender des Kartellrates war bisher der vor kurzem ver- storbene Geheime Kommerzienrat H e i d e m a n n, der den Posten eines Aufsichtsratsvorsitzenden sowohl bei Köln-Rottweil als bei den Deutschen Waffen« und Munitionsfabriken bekleidete. Während die Köln-Rottweiler Fabriken mit den Firmen Cramer u. Buchholz in Rönsahl-Hannover und der Kommanditgesellschaft von Wolff u. Co. in Walsrode die Pulvergruppe bilden, gehören zahlreiche Spreng- stofffabrikcn unter Führung der Nobel- Dynamits Trust Company(London) der Sprengstoffgruppe im Kartell an. Neben mehreren deutschen Finanzleuten und Industriellen, säst auch Geheimrat Heidemann im Aufsichtsrat dieser englischen Gesellschaft. Die Machtsphäre des Pulver- und Sprengstoffkartells geht recht weit. In der Hand seines Delegations- rates ruht die Entscheidung über Neueinrichtungen, Vergrötzerungen und Verbesserungen der Anlagen jeder dem Kartell angeschlossenen Fabrik. Von der Zustimmung des Delegationsrates sind sogar Ver- äusterungen von Grund und Boden oder von Werthpapieren ab- hängig. Der Einfluß des internationalen Kartells erstreckt sich Weiler auf die Bilanzaufstellung und Gewinnverteilung. Jede einzelne Fabrik hat ihre Vorbilanzen einzureichen. Auf Grund der eingeforderten Bücher, Belege und Rech- nungen kann der Delegationsrat eine Nachprüfung vornehmen. Er gibt schließlich seine Zustimmung zu der endgültigen Bilanz- aufstellung und der Gewinnverteilung. Daß die Mitglieder des Kartells etwa Herr im eigenen Hause wären, davon kann unter solchen Umständen gar keine Rede sein. Durch Androhung außer- ordentlich hoher Konventionalstrafen verleiht das Kartell seinen Be- schlüssen den erforderlichen Nachdruck. Auf Beteiligung an einem drillen Unternehmen ohne Erlaubnis des Kartellrates ruhten zum Beispiel Strafen bis zu 1'/, Millionen. Diesem Kartell ge- hören seit 1909 sämtliche deutsche Munitionsfabriken an. Durch die Beteiligung an den Köln-Rottweiler Pulverfabriken ist auch Krupp Milglied dieses bis 1925 geschlossenen Kartells. Da die Gesamtgewinne der Kartellmitglieder ganz regelmäßig verteilt werden— die Sprengstoffgruppe erhält ständig 69 Proz., die Pulvergruppe 49 Proz. des Gewinnes,— erhöht jede Rüstungsvermehrung die Profite aller beteiligten Fabriken. Existieren für andere Rüstungsindustrien auch nur ähnliche Verabredungen, so wird es nur zu verständlich, daß in allen kapitalistischen Slaaten unter Mitwirkung und zugunsten dieser Rüstnngskapitalisten gehetzt wird. 137 Prozent Dividende. Die rentabelsten Montangesellschaften Deutschlands find unstreitig zwei Steinkohlenzechen des Zwickauer Reviers, nämlich der Zwickau-Oberhohndorfer Steinkohlenbau-Verein und der Zwickauer Steinkohlenbau-Verein. Dieser wurde im Jahre 1837, jener im Jahre 1854 gegründet. Die Nominalkapitalien beider Gesellschaften sind nach heutigen Begriffen ziemlich gering. Der Zwickau-Cberhohndorfer Steinkohlenbau-Verein verfügt über 765 699 Mark und der Zwickauer Steinkohlenbau-Verein über 346 999 M. Aktienkapital. Nach sehr reichlich bemessenen Abschreibungen und Rückstellungen ergab sich bei diesen Gesellschaften im letzten Jahre noch ein Gewinn von 791 957 Rt. resp. 487 915 M. Die zur Aus- schüttung gebrachte Dividende stellte sich beim Zwickau-Oberhohn- dorfer Steinkohlenbau-Verein auf 93,94 Prozent wie im Vorjahre. Ter Zwickauer Steinkohlenbau-Verein verteilte an seine Aktionäre 137,63 Prozent Dividende gegen 123,2 Proz. im Vorjahre. Natur- gemäß ist der Kurswert der Aktien dieser Gesellschaften ein sehr Hoher. Beide Papiere werden an den Börsen zu Leipzig und Zwickau gehandelt. Am Ende des vorigen Geschäftsjahres wurden die aus 119 Taler lautenden Anteile des Zwickau-Oberhohndorfer Steinkohlenbau-Vereins mit 3659 M. bezahlt. Die zum Nominal- betrage von 46 Talern ausgegebenen Aktien des Zwickauer Stein- kohlenbau-Vereins kosteten gleichzeitig 1589 M. pro Stück. Rüftungsprofite. Die zum Konzern der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken gehörigen Vereinigten Köln- Rott- weiler Pulverfabriken zahlen für das vergangene Geschäfts- jähr 29 Prozent Dividende(im Vorjahre 13 Prozent). Von dem Gewinn werden weiter 1,66 Millionen zu Abschreibungen be- nutzt und 9,79 Millionen auf neue Rechnung vorgetragen. An Stelle des verstorbenen Kommerzienrats Heidemann wurde Kommerzienrat Louis Hagen in Köln zum Vorsitzenden und Geh. Kommerzienrat Tr. Jng. Emil Kirdorf- Gelsenkirchen zum stellvertretenden Vor- fitzenden gewählt._■ Soziales. Wie man Mictspreise hochhält. Aus Barmen schreibt man unS: In einem Stadtviertel Schöne- heck in Barmen ist durch das neue Krankenhaus ein großes Ge- lande aufgeschlossen worden. Die Wohnungsknappheit ist hier durch die rege Bautätigkeit geringer geworden, so daß hier die in Barmen seltene Erscheinung eintrat, daß Wohnungen leer standen. Der Hausbesitzer erniedrigt die Etagenwohnungen deshalb im Preise um 19 M. pro Zimmer und gab dies durch Aushang bekannt. Das dauerte aber nicht lange und das Schild war beseitigt. Aber nicht etwa, weil er die Wohnungen vermietet hatte, sondern: seine„Be- rufskollegen" hatten ihm gehörig zugesetzt und ihm den„Jndifferen- tismus" ausgetrieben. Im gewöhnlichen Leben— das heißt, wenn Arbeiter in Betracht kommen— nennen dieselben Leute das„sozial- demokratische Hetzerei". Gerichts-Zeitung. „Ein deutscher Thronfolger und die Ehrengerichte" war ein Artikel betitelt, der von dem Oberst a. D. G ä d t k e am 15 Juli 1912 im„Kl. I." v-röffentlicht worden war und den Ver- faffer gestern vor die 3. Strafkammer des Landgerichts I.unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Baumgarten führte. Er ,st _____ tt �*.1 V*t» v-a.......: r j-.__ fipfpihmf an haben. Der Artikel war mit r.%. unterzeichnet, er hatte Anlaß zu einer Anklage gegen den verantwortlichen Redakteur des„Kleinen Journals". Karl Noack, gegeben, der den Verfasser nicht genannt hat und zu 899 M. Geldstrafe rechtskräftig verurteilt worden ist. In dem Artikel wurden die Ehrengerichte kritisiert. Die Verhandlung drehte sich wesentlich darum, ob die Ehren- gerichte„Behörden" sind und ob eine Beleidigung vorliege. Beides wurde vom Angeklagten und seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, mit überzeugenden Gründen bestritten. Dennoch kam das Gericht zu folgendem Urteil: Das mili- tärische Ehrengericht ist eine Behörde. Jedermann ist es natürlich gestattet, auch staatliche Einrichtungen sachlich zu kritisieren, eine solche sachliche Kritik, auch wenn sie sehr energisch ist, wird sich eine staatliche Institution gefallen müssen. Die Kritik mutz sich aber von Ehrenkränkungen fernhalten. Dies hat der Angeklagte nicht getan, indem er sagt, die Gutachten der Ehrengerichte„entbehren jedes moralischen Wertes", weil sie von der militärischen Kom- mandogewalt abhängig seien und gemißbraucht werden, indem er ihnen ferner den Vorwurf der Trottelhaftigkeit macht. Was würde der Angeklagte sagen, wenn jemand sagte: Das, was Herr Gädtke publiziert hat, kann nur von heruntergekommenen Trotteln ge- billigt werden? Er würde dies wohl als schwere Beleidigung an- sehen. Der Angeklagte erhebt den Vorwurf, daß die Mitglieder des Ehrengerichts nicht nach bestem Wissen und Gewissen Mecht sprechen. Der Angeklagte hat auch das Bewußtsein der Beleidi- gung gehabt. Der Schutz des Z 193 wird an sich dem Angeklagten zugä-illigt, da er früher lange Jahre Offizier war, der auf Grund des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen ihn einen langjährigen und harten Kampf gegen das ehrengerichtliche Verfahren führt. Er hat dies aber in recht beleidigender Weise und in einem recht hämischen nichtachtenden Ton in dem Artikel getan; es ist dies psychologisch wohl dadurch zu erklären, daß der Angeklagte an seiner eigenen Person mit den Ehrengerichten schlechte Er- fahrungen gemacht hat und nun seiner feindseligen Stimmung hat Ausdruck geben wollen. Zum Strafmatz ist einerseits die Schwere der Beleidigung, anderseits erwogen worden, daß der Angeklagte bei der Abfassung des Artikels geleitet wurde von der subjektiven Ueberzeugung, daß die ehrengerichtliche Institution nicht eine gute sei. Das Urteil lautet deshalb auf 399 M. Geld- strafe, eventuell 39 Tage Haft und Publikationsbefugnis für den Kriegsminister._ Zum Offizier reichten die Geisteskräfte. Einen tiefen Einblick in die bösen Folgen einer schnellen Offi- zierslaufbahn gewährten sechs vor der Strafkammer Halle stattge- habte Verhandlungen gegen den 39jährigen Leutnant a. D. Hermann 5tayl, der wegen Betrugs und Urkundenfälschung in mehreren Fällen angeklagt war. Obwohl der Vater des Angeklagten, ein wohlhabender Fabrikbesitzer, vor Gericht aussagte, sein Sohn habe von Jugend auf alles derartig verkehrt gemacht; da man glaubte, mit ihm sei eS nicht ganz richtig, ließ man ihn die Offiziers- laufbahn beschreiten. Er besuchte drei Gymnasien, dann die Kriegs- schule und wurde mit dem 29. Jahre aktiver Offizier. Sein schnelles Avancement ermunterte den jungen Mann zu Ueberhebungen und unsolidem Lebenswandel. Er wurde luetisch infiziert, litt an einer recht unangenehmen Krankheit und erhielt im Jahre 1998 nach einem ehrengerichtlichen Verfahren seine Dienstentlassung. Sein Vater beglich eine ganz bedeutende Schuldenlast und brachte den Sohn schließlich im Versicherungsfach unter. Da dem jungen Leutnant aber jeder moralische Halt fehlte, vergriff er sich an fremdem Eigentum. Er bestellte unter falschen Angaben allerhand Gegenstände: Pleureusen, Prismenbinokel, goldene Uhren, Lexikons usw., bezahlte nicht und verkaufte die Sachen bald wieder. In einer Nacht verbrachte er in Damenkneipen 379 M. Seinem Vater kostete er in nicht allzu langer Zeit 24 999 M.1 Der Gerichtsvor- sitzende hielt dem Angeklagten eine Strafpredigt mit dem Bemerken, als Offizier hätte man etwas anderes zu tun, als zu saufen und mit Weibern umzugehen. Er wollte nun geisteskrank sein. Die medizinischen Sachverständigen erklärten ihn aber nur für geistig minderwertig.— Beantragt wurden ein Jahr neun Monate Ge- fängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Erkannt wurde auf ein Jahr Gefängnis._ Versammlungen. Die Polen und die Landtagswahl. Zu einer wuchtigen Kundgebung für die Sozialdemokratie ge- staltete sich eine Versammlung der polnischen Wähler, die am Sonntag in den„Konkordia-Sälen", Andreasstr. 64, stattfand. Bis auf den letzten Platz füllten die Besucher den Saal, viele mutzten stehend das Referat anhören, das Redakteur B l o t t aus Katto- witz mit zündender Verve hielt. Der prächtige Frühlingstag hatte nicht vermocht, die polnischen Volksgenossen von ihrer Pflicht abzu- halten. Mit unverminderter Aufmerksamkeit lauschte die Ver- sammlung den Ausführungen des Referenten, der in einer etwa Ishstündigen Rede preußische Zustände, preußisches Wahlunrecht und preußische Junkerbrutalität in trefflicher und temperament- voller Weise kennzeichnete. Der überaus starke Zustrom zu diesen Polenversammlungen zeige mit aller Deutlichkeit, welch natürliches und lebendiges Interesse die polnischen Angehörigen Veranstal- tungeiz entgegenbringen, bei denen ihre Muttersprache angewandt werden darf, und gerade dieser Umstand läßt bei dem unter- drückten Volke die brennende Schmach des unter Mitwirkung des Liberalismus zustande gekommenen Vereinsgesetzes um so auf» reizender durchbrechen. Die Sozialdemokratie kann vom agita- torischen Standpunkte mit dem Resultat der preußischen Unter- drückungspolitik zufrieden sein, denn immer mehr zeigt es sich, daß die polnischen Proletarier sich um diejenige Partei scharen, die als einzige rückhaltlos die Vergewaltigung eroberter Länder und Nationen bekämpft. Der Verlauf der bisherigen Polenversammlungen hat aber auch den Beweis erbracht, wie wenig Anklang die Nationalpolen bei ihren sozialistisch fühlenden Volksgenossen finden. Immer ist ihr Protest, den sie immer erheben, wenn in einer solchen Ver- sammlung ein deutschsprechender Sozialdemokrat sich zum Worte meldete, wirkungslos verpufft. Die sozialistischen Polen ließen sich in ihrem Standpunkt nicht beirren. Auch am Sonntag versuchten wieder einzelne Nationalpolen, unter anderen ein Herr Jan Paluszkiwitz, für ihre Ideen Stimmung zu machen, lösten aber damit bei der Mehrzahl der Anwesenden den stärksten Widerspruch aus. Der genannte Herr behauptete nicht mehr und nicht weniger, als daß die deutsche So- zialdemokratie die polnische Sozialdemokratie unterdrücken und germanisieren wolle. Und Wendel und B o r ch a r d t hätten ihre Reden für die Polen nur gehalten, weil sie die Polen für die Wahlvcrcine ködern möchten. Es war nicht allzu schwer, diese kindlichen Legenden sofort zu zerstören, und der nächste Redner, Genosse R i b i ck i, besorgte dies auf so gründliche und auch sachliche Art, daß nach seinen, mit ...---.------- stürmischem Beifall aufgenommenen Ausführungen den Ratio- das Konzept verdorben war. Ribickischen Rede konnte auch der nalisten in der Versammlung das Konzepts verdorben war. Den tiefen Eindruck der....... Nationalpole Andrejewski nicht zerstören, der seltsamerweise Karl Marx zum Zeugen aufrief, daß für jeden Menschen, also auch für die Polen, politische Freiheit bestehen müsse und die deutsche Sozialdemokratie gemäß diesem Grundsatze den Polen ihre eigene Partei zugestehen sollte. So, wie sie jetzt verfahre, wirke sie ebenso germanisierend wie die deutsche Regierung, darum könnten er und seine Gesinnungsgenossen nicht für die Sozial- dcmokratie stimmen. Die nachfolgenden Redner Wieczonek und Thiel zer-- pflückten logisch und wirksam die irrigen Ansichten der national- polnischen Redner und zeigten im Gegensatz dazu, wie die Sozial- demokratie in Wirklichkeit zur Germanisierungsfrage steht. Ins- besondere konstatierte Thiel an der Hand von Zitaten aus pol- nisch-nationalen Blättern, die die Rede von Borchardt gelobt hatten, daß Borchardt und Wendel die Interessen der Polen weit ener- gischer vertreten hätten wie die polnischen Fraktionen. Die Stim- mung der Versammlung ließ ohne weiteres erkennen, wie sehr die übergroße Mehrheit mit dieser Feststellung einverstanden war. Der Vorsitzende, Genosse Ciscak, unterstrich die Ausfüh- rungen Thiels noch sehr wirksam. Nach sehr ausgedehnter Tis- kussion hielt Referent B l o t t das Schlußwort, wobei er alle Ein- wände und Behauptungen der Nationalpolen zusammenfaßte und einer kritischen Prüfung unterzog. Mit scharfen Strichen legte er den Kern der sozialistischen Weltanschauung dar, rückte er die Stellungnahme der Sozialdemokratie in allen Fragen, besonders in der Polenftage, in das helle Licht der Wahrheit und stellte dem die Haltung der bürgerlichen Parteien, vor allem der polnischen Fraktionen gegenüber, immer von dem stürmischen Beifall der Versammelten begleitet. Gegen wenige Stimmen wurde eine Resolution angenommen, welche die Stellungnahme der sozial- demokratischen Polen festlegt. Gemeindearbeiterverband. In der am Donnerstag abgehalte- nen Generalversammlung der Filiale Groß-Berlin gab der Kassierer Hoffmann den Kassenbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr, welches diesmal fünf Quartale umfaßt.(1. 1. 12 bis 31. 3. 13.) In dieser Zeit ist die Mitgliederzahl von 9214 auf 8661 gestiegen, und zwar sind es 9239 männliche, 395 weibliche und 126 jugendliche. In der Berichtszeit sind 3631 neue Mitglieder aufgenommen, aber die Gesamtzahl ist nur um 447 gestiegen. Dies Ergebnis ist in Anbetracht der geleisteten Agitationsarbeit nicht befriedigend. Im Jahre 1911 betrug die Mitgliederzunahme 1749. Die Ursache der geringen Zunahme im letzten Geschäftsjahre führt der Redner dar- auf zurück, daß die beim Zentralverein für Arbeitsnachweis be- stehende Abteilung für städtische Arbeiter von den Verwaltungen der städtischen Betriebe nicht in Anspruch genommen wird. Da- durch kommt es, daß Arbeiter, die in einem städtischen Betriebe ent- lassen werden, nicht die Möglichkeit haben, in einem anderen städti- schen Betriebe, der Arbeiter einstellen mutz, Beschäftigung finden. Sie suchen also in der Industrie Arbeit und scheiden damit aus dem Verbände. Der finanzielle Erfolg im Berichtsjahre ist günstig. Der Kassenbestand stieg von 69 927 M. auf 75 729 M. Die Gesamtein- nahmen betrugen 367 921 M., die Gesamtausgaben 351 319 M. Der Bestand am Schluß des Geschäftsjahres belief sich auf 75 729 M. Für Unterstützungen wurden ausgegeben: An Streikende 3162 M., Gematzrcgelte 794 M., Sterbegeld 16 252 M., an Kranke 58 195 M., an Arbeitslose 15 292 M., an Notleidende 2623 M., Rechtsschutz 1641 M. Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 73 939 M. Nachdem die Diskussion über den Geschäftsbericht beendet war, beschloß die Versammlung auf Antrag der Filialleitung, einen Bildungsausschutz einzusetzen. In denselben wurden gewählt W r tz k y(Obmann), Daue, Portmann, Scharlau, Dittmer. Wutzky erörterte die Mitwirkung der Gewerkschaften bei der Durchführung der gewerkschaftlich-genossenschaftlichen Versicherung „Volksfürsorge". Im Hinblick auf die kürzlich abgehaltene Konfc- renz der Gewerkschaftsvorstände, wo die Frage, ob die Gewerk- schaftsfunktionäre die Beiträge zur„Volksfürsorge" nebenamtlich kassieren sollen, unentschieden blieb, erklärte sich die Versammlung dafür, daß die Beitragssammler der Gewerkschaften die Beitrags- kassierung für die„Volksfürsorge" übernehmen sollen. Unserm Adolf Scböts � zum 70. Geburtstage ein drei._ Z f-ch-S H°ch! G DieKollepenu.FanilliaL. Hahn, Linienstraße 77. W '»CtCWCMF W Unserem Freund und Genossen, V � Unserem w dem � �I«zr»uiS«i' k�rodUel» � W oedstabe». auch gar nicht möglich, den Arbeitern eine so gesicherte Existenz zu gewähren wie die der Beamten ist. Die Industrie könnte dabei gar nicht bestehen.'Ausgeschlossen ist es allerdings nicht, daß die Stimmung, aus dcr heraus die gelben Organisationen gewachsen sind, noch weiter um sich greift. Ein Ausweg aus dieser Situation ist dcr, daß man nicht durch Gesetze die Macht des Kapitals zu erweitern sucht, sondern daß das Koalitionsrccht der Arbeiter gesichert wird. Wenn man sagt, dcr Terror zwinge zu Maßnahmen gegen die Arbeiter- Organisation, so gibt es ein einfaches Mittel, um den Organisa- tionszwang überflüssig zu machen: Eine gesetzliche Bestimmung, welche die Unternehmer zwingt, mit der Arbeiterorganisation, wenn sie eine gewisse Starke erlangt hat, zu verhandeln. Wenn wir eine solche Bestimmung haben, dann braucht sich die Organisation nicht ängstlich bemühen, daß alles in sie hineingebracht wird. Rechtsanwalt Dr. Heinemann sprach über Tcrrorismus. In cinstündigem Vortrage zeigte er, wie die Unternehmer fori gesetzt bemüht sind, gesetzgeberische Maßnahmen gegen das Koali- tionsrccht durmzusetzen, obgleich dieses Recht durch die Gerichts- Praxis ungemein eingeengt ist und von einem gleichen Recht für Untcrnchcmr und Arbeiter keine Rede ist. Dcr'Arbeiter, dcr einen anderen Arbeiter durch Drohung oder Ehrvcrlctznng veranlaßt, der Organisation beizutreten, wird mit Gefängnis bestraft. Dcr Ulitcv ncbmcr aber, dcr die Arbeiter zwingt, aus dcr Organisation aus: zutreten, kann nicht bestraft werden. Diesen Raub des Koalitions: rechts gestattet dcr Staat. Aber die zu energische Ausübung des- selben bestraft er. Ter Redner illustrierte seine Ausführungen durch eine Reihe von Einzelfällen ans der Rechtsprechung.— Bei einer Besprechung der einschlägigen Bestimmungen des Entwurfs zum Strafgesetzbuch zeigte dcr Redner, daß dieser Entwurf in der Knebelung des Koalitionsrechts noch viel weiter geht als seiner- zeit die Zuchthausvorlage ging. Wenn dcr Enlwnrf in dcr vor- liegenden Fassung Gesetz werden sollte, dann läuft jeder Arbeiter Gefahr, daß Jahre aus seinem Leben gestrichen werden, wenn er von seinem Koalitionsrecht den zweckmäßigen Gebrauch macht. — Gegenüber dem Geschrei nach Schutz der Untcrnchmcrintcreffcn verlangt'die Arbeiterklasse nur G l c i ch h c i t vor dem Gesetz und Freiheit d c r B c w e g u n g. Es ist' ein zu bescheidenes Verlangen, wenn die Arbeiter fordern, man solle ihnen im Streik dasselbe Recht geben, das die Unternehmer in der Aussperrung babcn. Streik und Aussperrung sind nicht gleiche Waffen..Jeder Streik ist eine Waffe dcr Arbeiter im Dienste dcr Zivilisation, denn dcr Arbeiter will durch den Streik für seine'Arbeitskraft, die von seiner Person untrennbar ist, einen höheren Preis erzielen, er will also seine Persönlichkeit vervollkommnen und seinen Anteil an dcr Kultur der Menschheit vermehren. Das ist die Ethik des Streiks. Wenn dagegen dcr Unternehmer aussperrt, so will er höheren Gewinn erzielen an einer Ware, die mit seiner Pcrsön- lichtest nichts zu tun hat. Hier fehlt also das kulturelle Moment des Streiks. Sckon die rechtliche Gleichstellung von Strctt und Aussperrung ist ein schreiendes Unrecht gegen die Arbeiter. Wenn aber darüber hinaus die Durchführung des Streiks crschlocrt wird, so ist das im höchsten Maße verwerflich.— Die Behauptungen von Terrorismus der organisierten Arbeiter sind maßtos über- trieben. Was die Unternehmer als Tcrrorismus bezeichnen, das ist nichts anderes als das leidenschaftliche Verlangen der Arbeiter nach Zusammenschluß, was Bewunderung verdient. Diesen Terra- rismus sollten die Arbeiter nicht ableugnen, sondern als Ruhmes- titcl für sich in Anspruch nehmen. Wenn Gesetz und Rechtsprechung solche Handlungen bestrafen, so heißt das, die Grundlagen dcr geschichtlichen Zusammenhänge verkennen. Mögen die Gegner die Betätigung des Grundsatzes:„Alle für einen und einer für alle" als Tcrrorismus brandmarken, die Arbeiterschaft kann das er- tragen in dem Bewußtsein, daß Selbstzucht und Disziplin not- wendig sind im Kampfe gegen die herrschende Klasse, daß sie gegen die Uebcrläufer aus den eigenen Reihen ankämpfen und sich gegen jede Gemeinschaft mit den Gelben wehren müssen. Beide Vorträge wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. ZO. Geukralvtrlaumiung des Verbandes der vergarbkiter Deutschlands. Hannover, 28. April. Tic zwanzigste Tagung des Deutschen Bergarbeitervervandes begann am Sonntag in Hannover. Die deutschen Berg- arbeitcr, die im Vorjahre durch den Verrat der..christlichen" Kollegen einen schweren Kampf mit der Grubenkapstal abbrechen mußten, kommen zusammen, um einen Rückblick ans die beiden letzten Jahre zu werfen und ihre Organisation zu neuen Kämpfen zu rüsten. � Ter Geschäftsbericht des Vorstandes an die General- Versammlung bringt auf 334 Seiten eine Fülle Materials über den Bergbau und die Bergarbeiterverhältnissc, das über die Berufs- kreise hinaus Interesse erwecken dürfte. Besonders interessant sind die Darlegungen über die Steigerung der Produktion, der Unter- nehrnergcwinne und die Gegenüberstellung der Arbeiterlöhne. Die Geschäftslage im Bergbau war in den Jahren 19l1/l2 außerordent- lich günstig. Die Produktion stieg ständig, sie übertraf»och erheb- lich die des Hochkonjunkturjahres 1007. Gegenüber diesem Jahr stieg die Förderung von Steinkohlen um 33 909 228 Tonnen auf 177 094 917 To., die Brauntohlenfördernng um 19 792 912 To. ans 82 339 583 To., die Koksprodnktiou um 7 203 032 To. auf 29 141070 Tonnen, die Slcinkohlcnbrikcttprodnktion um 1 809 634 To. auf 5 333 651 To., die Braunkohlcnbrikcttproduktion um 6 167 589 To. auf 19 058 050 Tonnen. Diese Zahlen zerstören besser wie alle Worte den Schwindel dcr Führer der..Ehriste»", daß im März 1912 mc Konjunktur zur Führung eines Lohnkampfcs zu ungünstig gc- wesen sei.— Der Bericht bringt auch die Produktionsziffern der hauptsächlichsten Bcrgbauländcr und die Weltproduktion an Kohlen und Roheisen, die ebenfalls eine gewaltige Steigerung zeigen. Amerika hat die weitaus größte Kohcnsördcrung mit 438 Millionen Tonnen im Jahre 1911. An zweiter Stelle steht England mit 276, an dritter Stelle Teutschland mit 245 Millionen Tonnen. Auch dcr prozentuate Anteil Teutschlands an der Weltproduktion in Roheisen ist dauernd stark gestiegen, während dcr Anteil Englands und dcr Bereinigten Staaten sich im Rückgange befindet. Die Kohlen preis? zeigen seit Bestehen des rheinisch- westfälischen Kohlensyndikats eine steigende Tendenz. Am l. April 191� trat eine Preissteigerung der Brennstoffe ein, die den Zechenherren des Ruhrgebietes nach vorsichtiger Schätzung eine Mchreinnahmc von etwa 90 Millionen Mark brachte. Trotzdem hat das rhcinisch-westfälische Kohlcnsyndikat eine Ivcitere Preissieigc- rnng für 1913/44 beschlossen, die de» Zechcnbaronen eine jähr- lichc Mehrcinnahme von ungefähr 60 Millionen sichert. Eni- sprechend der Kohlcnprcissteigerung sind auch die �Gewinne der llntcrnchmcr in die Höhe gegangen. In dem Geschäftsbericht sind die Gewinncrgebnisse von 37 Werten des Ruhrgebiets angeführt. die insgesamt gestiegen sind von 125 024 305 M. im Jahre 1909 auf 196 839 242 M. im Jahre 1912, oder um 71814 937 M. gleich 57,4 Proz. Also eine ganz enorme Steigerung._ Tic Löhne der Arbeiter sind auch nicht annähernd in gleichem Maße gestiegen wie die Gewinnergebuissc. Von 1907 bis 1912 ist dcr Durchschnittslohn sämtlicher preußischer Bergarbeiter nur gc- stiegen van 3,73 M. auf 4,09 M., oder um 36 Pf. gleich 9,6 Proz. pro Schicht. Gegen das Jahr 1911 stieg der Lohn nur um 18 Pf. gleich 4,6 Proz. Im vierten Quartal 1907 hatten die Löhne in fast allen Bcrgrcvicrc» den Höchststand erreicht. Es ging von da an bis Mitte 1909 mit Riesenschritten abwärts und nur ganz langsam wieder aufwärts. Allein durch die Lohnrückgängc haben die Berg- arbeitcr im preußischen Bergbau 191 698 085 M. Lohnverlnste er- litten. Seit 1907 hat sich aber die gesamte Lebenshaltung um mindqstens 20 Proz. verteuert, in gleichem Matze ist die Kanskraft des Lohneinkommcns gesunken. Wären die Jahrcslöhne der Ee- samtbelcgschaft seit 1907 der allgemeinen Verteuerung der Lebens- mittel entsprechend gestiegen, müßten diese bedeutend höher sein als sie in Wirklichreit sind. Weder die Jahrcslöhne noch die Löhne pro Schicht sind entsprechend der Teuerung gestiegen. Dabei ist dcr Wert dcr Arbeitsleistung wesentlich in die Höhe gegangen. Gegen 1896 ist beispielsweise im deutschen Braunkohlenbergbau der Wert der Leistung pro Arbeiter um 980 M., der Jahrcslohn nur um 445 M. gestiegen. Die Arbeiter haben also die höheren Löhne nicht nur durch höhere Wertlcistungen erarbeitet, sondern darüber hin- aus ist den Grubenkapitalistcn noch ein großer Extragewinn zuge- flössen. So nutzen die Zechenbaronc ihre Monopolstellung ans, während sich die Arbeiter im Brnderkampfc zerfleischen und leer ausgehen. In sozialpolitischer Beziehung ist der Verband seit> mehr als zwanzig Jahren bestrebt, bessere Arbeitsbedingungen für die Bergarbeiter zu schaffen, ihnen den größtmöglichsten Schutz vor Krankheit und Ilnfallgcsahr zu erringen. Ganz erfolglos war dieses Streben nicht, doch ist das meiste immer noch zu tun. Deutsch- land marschiert in dcr Vorwärtscntwickclung' seiner Bergbau- industric an der Spitze aller Länder, im Bergarbeitcrschntz dagegen ist es von den anderen Ländern weit überholt. Der Schutz fügend- lichcr und weiblicher Arbeiter ist noch völlig ungenügend. Jin deutschen Bergbau arbeiten 41 000 Kinder unter 16 Jahren, ihre Zahl nimmt ständig zu. Frauen sind rund 12 000 auf deutschen Gruben beschäftigt.— Die Sicherheitsmänncr sollen nach dem Willen der Grubenkapitalistcn nur„weiße Salbe" sein, sie sind infolge ihrer Rechtlosigkeit und Abhängigkeit„weiße Salbe" geblieben. Zur Verminderung dcr Unfälle haben sie in den etwa 2 L! Jahren ihrer Tätigkeit nicht beitragen können, die'Unfälle sind immer weiter gestiegen. Ter Vorstand schildert in seinem Bericht, mit welch beschämenden Mitteln gearbeitet wurde, um den ab- hängigen, rechtlosen Sicherheitsmännern die Ausübung ihres Amtes zu verleiden oder unmöglich zu machen. So ist es erklärlich. daß Deutschland die größten Unfallziffern ausweist. Von 1901 bis 1910 wurden von je 1000 Bergarbeitern im Durchschnitt getötet: Deutschland 2,41, Frankreich 1,69, England 1,35, Oesterreich 1,49 und Belgien 1,03. Im deutschen Bergbau verunglückten 1910 111641 und 1011 114 669 Personen. Davon erhielten keine Eni- schädigung 1910 09 486 und 1911 102 456 Verunglückte. Das Verhalten des GewerkvcrcinS„christlicher" Bergarbeiter bei dem Kampfe 1912 würdigte der Vorstand in einem besonderen Abschnitt. Er kennzeichnet die Treibereien der christlichen Führer also:„Die schlimmsten Scharfmacher und Arbciterfcinde können un- möglich mehr Hetzen und schimpfen gegen die um bessere Existenz ringende, gcknüttelte und gcbüttclte Arbeiterschaft, als es diese so- genannten„christlichen" Arbeiterführer getan haben. Jbr blinder Haß gegen die freie Arbeiterschaft und deren Führer kann von niemand übertroffcn werden. Ihr Verbrechen an dcr Arbeiterschaft ist riesengroß und kinvcrzcihlich. Denn ihr Schlag traf nicht nur die streikenden Bergarbeiter, sondern durch dieses empörende Trauerspiel der von den„Christcnführcrn" heraufbeschworenen Zcr- slcischung der Arbeiter, die nur den schlinnnstcn Ausbeutern und Arbeiterfcindcn zugute kommt, ist die kämpfende, vorwärts drän- gcndc Arbeiterschaft aller Richtungen kolossal entmutigt Warden." Nach weiterer Eharftktcrisicrung der Christen sagt dcr Bericht; „Solange solche skrupellosen„edlen" Seelen den Gewcrkvcrcin leiten oder eine Rolle spielen, ist leider keine Verständigung, keine cinheillichc, offene Taktik möglich." An L o h ii b c w c g n» g c» und Streiks waren die Jahre 1911 und 1912 sehr reich. Aber nicht nur durch die verhältnismäßig große Zahl der geführten wirtschaftlichen Kämpfe hat sich die Be- richtszeit ausgezeichnet, es sind auch große �ind schwere Kämpfe gc- führt worden. Vor allem sind der große Streik der Ruhrbergleute im Frühjahr 1912, ferner die Streiks im Königreich Sachsen, in Schanmburg-Lippe und am Deister zu nennen. Audi im Zeitz- Wcitzcnfelser Braunkohlcnrcvicr ist ein großer, von beiden Seiten mit zäher Hartnäckigkeit geführter Kampf im Jahre 1911 aus- gcfochten worden. Daneben sind noch kleinere Kämpfe geführt. Leider muß aber der Vörständ konstatieren, daß die stattgefnndenen Kämpfe nicht zu den Zielen geführt haben, die sich die Kämpfer gesteckt haben. Tie meisten und besonders die wichtigsteu und größten Streiks mußten erfolglos beendet werden. Tic M i t g l i c d c r b e w c g n n g des Verbandes weist einen Rückgang auf, dessen Ursache in dem vorjährigen großen Streik zu suchen ist. Am Schlüsse des Jahres 1910 hatte der Verband 123 437 Mitglieder, am Schlüsse 1942 nur 114 062. Es ist also ein Verlust von 9375 Mitgliedern zu verzeichnen. An Wcrbekraft hat e? ja dem Verband nicht gefehlt, er hat in den beiden Jahren 75 802 neue Mitglieder gewonnen. Diesen stehen aber 85 177 Austritte gegen- über, die Fluktuation war also außerordentlich stark. Die internationalen Beziehungen des Verbandes haben sich wiederum gebessert. Besonders ist der Verband in nähere Beziehungen getreten zu den französischen und belgischen Berg- arbeiterorganisationen. Nach dem Kassenbericht balanzieren Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1911 mit 4 176 777 M. und 1912 mit 8 925 420 Mark. Die Mitgliederbeiträge betrugen in beiden Jahren 4 432 791 Mark. Der größte Ausgabenpostcn ist der für Streiks mit 3 615 526 Mark in dcr Bcrichtszcit(davon allein 2 092 596 M. 1912). In dcr Periode 1909/10 betrugen diese Ausgaben nur 471 134 M., diesmal also 3 144 392 M. mehr. Tie Gemaßrcgcltenuntcrstützung betrug 184 348 M., Arbeitslosenunterstützung 83198 M., Krankcmmtcr- stützung 706 381 M. Für alle Ilnterstütznngszweige wurde wesent- lich mehr aufgewendet wie in der vorhergehenden Gcschäftsperiode. Das Gcsamtvermögen des Perbandes betrug am 31. Januar 1912 2 644 136 M., es ging im Jahre 1912 um rund eine Million zurück. Die Delegierten dcr Generalversammlung haben eine reich- haltige Tagesordnung zu erledigen Neben den üblichen geschäftS- mäßigen Punkten stehen auch mehrere Referate ans der Tagesord- nung. So wird Heinrich Löfflcr die Massenunglücke im Berg- bau und Otto Huc Konzentration. Shndikatspolitik und Verstaat- lichungS frage im Bergbau behandeln. Neber die Lohnbewegungen referiert Robert Witt. Zu den einzelnen Punkten liegen zahl- reiche Anträge vor. von denen ein Antrag Dortmund erwähnt sein mag. der bei wichtigen Angelegenheiten, wie Massenunglücken usw. die Inszenierung eines DemonstrationSskreiks verlangt. Ein am derer Antrag wünscht, daß sich die Generalversammlung mit der Frage der Verschmelzung sämtlicher Bergarbeiterorganisationen befaßt. Wir wünschen der Bergarbeitertagung besten Erfolg. Mögen ihre Beschlüsse zum Wohle der deutschen Bergarbeiter ausfallen. Sechster Nerballdstag des Zentralverdaudes der Fleischer Deutschlauds. Im kleinem Saale des Dresdener Gewerkschaftshauses trat4 Millionen Mark vom Ausland gezahlter Tarisprämien. In weiterer Linie steht die Unfall- und Haftpflichtversicherung. Die Einnahmen dieser an Tarifprämien erhöhten sich im Jahre 1909 auf 1311 von 91 aus 110 Millionen Mark. Hierzu kommen noch im Jahre 1911 etwa 80 Millionen Mark Einnabmen an Barprämien. Die in der Einbruchsdiebstahl- und Gasschndenversicherung ver- sicherten Werte erhöhten sich von 1909 bis 1911 von 11 aus 13 Milliarden Mark. Für die Transport- und Seeversicherung besteht noch keine Statistik. Die hier versicherten Werte werden aber auf 12 Milliarden Mark geschätzt. Tie Vieh- und Hagelversicherung oll— ein Geschenk an die Landwirtschaft— steuerfrei bleiben. Die Statistiken des AuffichtSamts für Privatversicherung zeigen. daß es im Jahre 1911 eine Prämicneinnahme von 40 Millionen Mark hatte. Die sonstigen Versicherungen(Sturmschäden-, Reise- usw. Versicherungen) brachten noch 4% Millionen Mark Prämicnei„nahmen. Bei sämtlichen der Reichsaufsicht unterstehenden Versicherungs- Unternehmungen(mit Ausnahme der sozialen Versicherung und der Rückversicherungsanstalten) wurden 1909 ans de» in Teutschland abgeschlossenen Versicherungsverträgen tatsächlich 979 Millionen Mark Versicherungsprämien einaenommen. Inzwischen haben sich. wie obige Zahlen zeigen, die Einnahmen noch wesentlich erhöht. Sinqec(an!,!°l!!ir. SI, SAZ?., Spr. 10—2, 5— 3, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl. Teparates Damenzimmer. Eldi SvDE« TRUNK Alb STAMMTISCH UND IM HAUSE Bind unsere Biero, weil reich an Nihretoffen und arm an Alkohol, daher nahrhaft und bekömmlich. Ueberau zu haben in Flaschen, Kannen und 8yphons. BÖ H MÜSCH ES BRAUHAUS KOia Teloph.: Amt KönlgstadtSOSS, 4088(90 ■« jtgSlt Vorwärts-Lesern Rabatt! illÜ letzte Neuheiten, auch Re5'ta 1 Mocquettplüsch®it.m Muster bei naher. Angabe franko EmilLefeyreSlSB Kranzspenden sowie sämtliche Blumenarrangements liefert schnell und billig Faul Gro»«,, Lindenstp.69, Tel. 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Achter Landtagswahlbezirk. Mittwoch, den 39. April, abends L'/z Uhr: Oeffentliche ssrauenvcrsammlungen in den Lokalen Obiglos Festsäle, Scbwedter Straße 23/24, und Königssäle, Neue König- straße 2S(Eingang Wadzeckstraße). Tagesordnung: Die Frauen und die Landtagswahl. Referenten: Frau Regina Rüben und Luise Zietz. Tempelhos. Heute Dienstag, abends S'/o Uhr, finden in den Lokalen.Wilhelmsgarten", Berliner Str. 9: Paul Hennig, Friedrich- Wilhelm-Str. 3ö; Becker, Berliner Str. 41/42; Zimmelh, Moltke- straße 17, und Schrciter, Gottlieb-Dunkel-Str. 39, Bezirksversamm- lungen für die Landtagswahl statt. Niederschimeweide. Heute Dienstag, abends 7 Uhr: Flugblatt� Verbreitung von den Bezirkslokalen aus. Am Mittwoch, den 39. April, abends 8>/z Ilhr: Oeffentliche Wählerversammlung im Restaurant Waldhaus(Jnh. Bock), Berliner Straße. Tagesordnung: Die bevorstehende Landtagswahk. Referent: Genosie Hofer. Motzen. Am Himmelfahrtstag, den 1. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokal I. Puram, Motzener Bahnhof, eine öffentliche Wähler- Versammlung statt, in der der Kandidat, Rittergutsbesitzer Hoser, das Referat halten wird. Rciuickcndorf-Wcst. Heute abend Sll.2 Uhr finden in folgenden Lokalen Wählerversammlungen statt: Gördes Waldschlößchen. Eich- born« Ecke Waldstraßc, Wohlfahrt, Eichbornstr. 18, Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr. 191/194, Otto, Berliner Str. 113/114. Tagesordnung: Aufstellung der Wahlmänner. Berliner Nachrichten. Eine Konferenz der BildunKSausschüffe hatte der Bczirksbildungsausschuß Groß-Bcrlin am Sonntag nach dem Gewerkschaftshause berufen. Ueber die B i l d u n g s- arbeit in Groß-Berlin sprach Genosse D ä u m i g. Die Aufgabe des Bezirksbildungsausschusses sei, Plan und Methode in die Bildungsarbeit zu bringen und an die Massen der Arbeiter heranzukommen, die von den bisherigen Bildungs- bestrebungen nicht erfaßt worden seien. Der Bezirks- bildungsausschuß sei dabei, einen Leitfaden auszuarbeiten, der den einzelnen Bildungsansschüssen bestimmte Vorschläge über die Durchführung der Bildungsarbeit machen solle. Der Leit- faden werde einer zweiten Konferenz vorgelegt werden.— Der Bezirksbildungsausschuß schlage vor, für die theoretisch noch ungeschulten Arbeiter Einführungskurse einzurichten� denen sich dann Vortragskurse für die Fortgeschrittenen. anzuschließen hätten. Den allgemeinen Kursen sollen Spczialkurse folgen aus allen für die Arbeiter in Betracht kommenden Wissens gebieten.— In künstlerischer Beziehung halte es der Bildungsausschuß für seine Aufgabe, den weiten Kreisen, die nicht die Vorstellungen der Freien Volksbühnen besuchen können, den Genutz guter Theateraufführungen zu ermöglichen.— Für Musikaufführungen würden im Leitfaden eine Reihe von Programmen vom Liederabend bis zum Orchesterkonzert vorgelegt werden. Der Bezirksbildungsausschuß lege Wert auf ein Zusammenarbeiten. mit dem Arbeiter-Sängerbund. — Mit der Zeit werde der Bezirksbildungsausschuß auch Besuche der Museen unter sachkundiger Führung veranstalten können. Der zweite Referent Genosse Seidel betonte die Notwendigkeit, die Gefahren der Schundliteratur, be< sonders aufdcmGebietederJugcndschriften, zu bekämpfen. Uni den Käufern eine Auswahl guter Jugcndschriften zu ermöglichen, seien seit Jahren Ausstellungen von guten Jugendschriften und Wandbildern veranstaltet worden. Eine Ausstellung für ganz Berlin genüge nicht. Es müßte mindestens in jedem Wahlkreise eine Ausstellung und in den Landkreisen in jedem Orte eine solche veranstaltet werden. Die praktischen Vorschläge der Referenten wurden in der Diskussion nach den verschiedensten Richtungen erörtert.— Ohne Diskussion wurden die beiden folgenden Referate ent- gcgengenommen. Genosse Sassenbach, der das Thema:„Bekämpfung der Schundliteratur" behandelte, verwies darauf, daß die Verwaltung des Gewerkschaftshauses eine Anzahl guter Schriften zum Preise von 10—30 Pf. angeschafft hat, die in einer Reihe von Ausgabestellen gegen Erlegung des Preises ausgeliehen werden, der bei Ablieferung des Buches zurück- .gezahlt wird. Diese Einrichtung habe sich gut bewährt, sie werde nun dem Bezirksbildungsausschutz übergeben, der sie weiterführen werde. Genosse G r u n w a l d, der über Einrichtungen zur Erleichterung des Bücherkaufs sprach, machte u. a. die Mitteilung, daß die Vorwärts-Buchhandlung auf Anregung des Bezirksbildungsausschusses die Einrichtung ge- troffen habe, daß Bücher— nicht nur solche ans dem Vor- wärtsverlag. sondern auch aus anderen Verlagen— durch die Spediteure des„Vorwärts" bezogen und ratenweise bezahlt werden können, wodurch der Erwerb guter Bücher wesentlich erleichtert worden sei. Damit waren die Arbeiten der Konferenz beendet. Der Vorsitzende Daumig schloß die Konferenz mit dem Wunsche. daß die Aussprache zur Förderung der Bildungsarbeit bei- tragen möge. Tie Sonntagsruhebeftimmungcu erfahren mit dem l. Mai eine Aendcrung insofern, als von diesem Tage ab die Verkaufsstellen nicht mehr von 12—2 Uhr. sondern von 8—10 Uhr geöffnet, aber von 12— 2 Uhr geschlossen sind. Wir ersuchen das kaufende Publikum um Beachtung dieser Aendcrung. Vom feudalen Sport. Wenn ein Kutscher seine Pferde antreibt und sie durch Schläge zum Anziehen nötigt, kann er sicher sein, daß der Tierschußverein eintritt und ihm eine Anzeige und eine darauf- solaende Bestrafung wegen Tierquälerei verschafft. Andere Grundsätze gelten auf der Rennbahn. Hier, wo die Pferde aufs äußerste mit Peitsche und Sporen angetrieben werden. möglichst als erste das Ziel zu erreiche,,, hier tritt kein Tier- schutzverein ein. um sich der gequälten Tiere mizunehmen. Es handelt sich ja auch um die Ausübung des Pferdesports, dca feudalen Sports. Wie weit diese Tierquälerei geht, dafür liefert ein Bericht über das Pferderennen am Sonntag im Grunewald den Beweis. Ja dem Bericht heißt es u. a.: „Einen tiefen Mißklang brachte der von Sister Phoebe ge- wonnene Preis von Großenhain. Lt. v. Sydow hatte hier das Pech, binnen Jahresfrist seinen zweiten guten Steepler zu verlieren. Der alte Citat. der in seiner Glanzzeit Charmanter Kerl genannt, dann aber wieder.zurückgetauft" wurde, kam überlegen in Front galoppierend an der letzten Hürde zu Fall, brach das linke Vorderbein und mußte erschossen werden. Der Verlust zweier so guter Pferde wie Forefather und Citat so kurz hintereinander ist wirklich etwas reichlich und es gehört viel Passion dazu, dem Sport nach solchen Schlägen treu zu bleiben." Zwei Pferde innerhalb eines Jahres in den Tod gehetzt! Das nennt man Sport. Und darüber entrüstet man sich nicht einmal. Nur Bedauern und obendrein Bewunderung über den sportfreudigen Leutnant bleibt übrig! Tic Gesellschaft Normalzeit sendet uns auf unfern Artikel über das öffentliche Ilbrcnwcscn in Berlin eine längere Zuschrift, in der sie darlegt, daß die öffentlichen Uhren sowohl wie private durch ein eigenes Leitungsnetz mitcinaiwcr verbunden feien mit» von ihr genau reguliert würden. Im weiteren versucht sie darzulegen, daß es unwirtschaftlich sei, wenn die Stadt Berlin eigene Leitungen legen würde, um die öffentlichen Uhren zu regulieren. Wir haben uns nicht überzeugen können, daß diese Darlegung zutreffend ist. Die Stadt Berlin wird nach den uns bekannt gewordenen Unter- lagen gut tun, sich von einer Gesellschaft zu emanzipiere» und eine Ordnung des öffentlichen Uhrenwcscns in Berlin herbeizuführen, die schon längst nötig gewesen wäre und auch von den Stadtverordneten seit längerer Zeit verlangt wurde. Protest gegen die Lustbarkeitssteuer. Im Admirals-Theater versammelten sich gestern Interessenten, um über die Wirkungen der neuen städtischen Steuern zu sprechen. Das Ergebnis der Verhandlungen gipfelte in der Annahme fol- gcndcr Resolution: „Die heute im Admirals-Theater versammelten Verbände— Verband Deutscher Lichtspieltheater Erster Woche, Jnternatio naler Varietc-Theatcr-Tirektorcii-Verband, Schutzverband dcut scher Lichtbild-Thcoter, Verein der Saaldesitzcr von Berlin und Umgegend, Interesse»verband des Gastwirtsgewcrbcs und vcr wandtcr Betriebe, Verein der Lichtbild-Thcater Groß-Berlins und der Probinz Brandenburg— haben die Ucbcrzcugung ge Wonnen, daß die am 1. April 1913 in Kraft getretene Lustbarkeits- steucr der«tadt Berlin ruinös ist. Eine Abwälzung der Steuer auf das Publikum hat, wie dies die bisherigen Erfahrungen ge lehrt haben, sich nicht durchführen lassen� Es sind die bctroffe- nen Etablissements selbst, die die hohen Steuern zahlen müssen; da sie dazu nicht imstande sind, ist ihre weitere Existenz nicht möglich. Die genannten Organisationen richten daher an den Magistrat und die Stadtverordneten Berlins das dringende Er- suchen, die Steuer ungesäumt außer Kraft zu setzen." In der Debatte wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß das Obcrvcrwaltungsgcricht die Stcuerordnung'für rechtsungültig er- klären werde, da sie wie eine Vcrmögenskonfiskation wirke. Herr Cassel, der Führer des Kommuimtfreisinns im Roten Hause wurde arg mitgenommen._ Japanische Kultur für preustische Polizei Es wird berichtet:„Die Verteidigungskunst Jiu-Jitsu, die bei der Berliner Kriminalpolizei schon länger mit Erfolg geübt wird, soll jetzt auch bei den Behörden von Charlotten bürg, Neukölln und Lichtenberg eingeführt werden. Der Minister des Innern hat die Ausbildung der Beamten, die dafür in Betracht kommen, in diesen drei Vororten auch uni formierte Schutzmänner, durch den bekannten Jiu-Jitsu-Meister Erich Rahn bereits bewilligt." Bekanntlich ist der Jiu-Jitsu-Kampf den Japanern ent lehnt, die sich dieses rohen Kampfmittels bedienen. Es charakterisiert unser preußisches Staatswesen, daß japanische Äampftegeln den preußischen Polizeibeamten durch besondere Lehrer beigebracht werden muffen. Ueber das Mitnehmen der Hunde teilt der Polizeipräsident mit: Wiederholte schriftliche und mündliche Vorstellungen aus dem Publikum geben dem Polizeipräsidium Veranlassung darauf hin- zuweisen, daß das Mitbringen von Tieren nach der Polizei Verordnung vom 12. Februar d. I. nur in die dem Nahrungsmittel- verkehr dienenden Verkaufsräume verboten ist. In Räume, in denen nur Genußmittel feilgeboten werden, z. B. also in TabakSläden oder Weingeschäfte, können somit Hunde nach wie vor mitgenommen werden._ AuS Angst aus dem Jenster gesprungen. Eine Schrcckensszene, deren Anlaß noch der Aufklärung be- darf, wird uns aus dem Haufe Böttgerstraße 4 berichtet. Am Dienstagnachmittag der vorigen Woche erschien dort ein Mensch von anscheinend 19 bis 29 Jahren, der mit blauer Hofe, blauer Jacke und schwarzem steifen Hut bekleidet war. Aus dem Hof sah er die 19- jährige Frida Schubert, deren Eltern im ersten Stockwerk des Ouergcbäudcs wohnen, aber um diese Zeit nicht zu Sause waren. Er fragte sie:„Bist Du Schubert?" Als sie bejahte, sagte er:„Ich mutz die Wasserleitung nachsehen. Komm mal mit!"„Es ist keiner oben", antwortete sie.„mein Vater kommt erst um'AI nach Hause und meine Mutter ist auch nicht da." Aber er blieb dabei:„Komm mal mit! Ich muß die Wasserleitung gleich nach- sehen." Das Kind ließ sich bewegen, ihn in die Wohnung zu führen. Tort drehte er an der Wasserleitung den Hahn auf uns wieder zu und sah in das Ausgußbecken. Darauf ging er nach dem Korridor, kniete vor dem Gasautomatcn nieder, suchte nach etwas und sagte:..Na. sün Ding habt Ihr ja nicht." Er meinte wohl damit den Gasschlüssel, den er niobt fand. Aus der inneren Brusttasche seines Rockes zog er ein etwa fingerdickes Notizbuch mit braunem Teckel. Suchend sagte er:„Nanu, ich finde ja gar nicht meinen Bleistift." Er fand ihn und schrieb dann etwas in sein Notizbuch.„Habt Ihr in der Stube auch Gas?" fragte er. Als�Frida bejahte, faßlc er sie an der Hand und zog sie nach der Stube. Eine 7jährige Schivester, die mit heraufgekommen war, schickte er weg mit den Worten:„Du kannst Deine Mutter holen." Tann faßte er Frida an den Oberarmen und stellte sie neben das Bett. Jetzt wurde Frida von Angst er- griffen und fing an zu schreien.„Ruhig, ruhig!" sagte er. indem er auf den Korridor ging und nachsah, ob die Tür geschloffen war. Ehe er zurückkam, rannte das gcängstigte Kind schreiend zum offenen Fcn st er und sprang hinab auf den asphaltierten Hof. Der Schlächter. meister Orschinsti und seine Aicgestelltcn hoben Frida auf, um sie nach der Unfallstation in der Hochstraße zu tragen. Inzwischen hatte der Fremde schleunigst die Schubertschc Wohnung verlassen und war auf die Straße hinausgelaufen, wo er verschwand. Er war vorbcigcftürmt bei der Großmutter des Kindes, die gerade durch den Hausflur kam. aber nicht wußte, was vorgefallen war. Nach der Schilderung, die von ihm gegeben wird, war er nicht schlecht gekleidet. Die Polizei ist bemüht, den rätselhaften Vorfall aufzuklären und den Mann zu ermitteln. Das Kind ist bei dem fiel so glücklich,'daß sie in sitzender Haltung unten anlangte. Sic erlitt dabei keinen Schaden außer einer schmerzhaften Schwellung des Gesäßes. Sic scheint sich dann an dem Gitter einer unter dem Fenster befindlichen Kellertreppe aufgerichtet zu haben, wobei sie sich am Auge eine Abschürfung zuzog. Allen Eltern sollte dieses Vorkommnis eine Warnung'sein. Kindern sollte streng eingeschärft werden, in Abwesenheit der Eltern niemand in die Wohnung hineinzulassen. Am hellen Tage v«n Einbrechern heimgesucht wurde gestern das Zweiggeschäft der Zigarrenhandlung von Richter u. Franke am Knrfürstendamm 46, an der Ecke der Bleibtrcustraßc. Ter Geschäftsführer Kunisch schloß um 19 Uhr vormittags, zu Beginn der Gottesdicnstzcit, den Laden und ging um 1014 Uhr nach seiner Wohnung in der Pfalzburger Straße zu Wilmersdorf, wo er bis kurz vor 12 Uhr blieb. Als er dann zurückkebrte, um das Geschäft für die Mittagsstunden wieder zu öffnen, fand er die Ladentür an der Straße aufgekantelt, obwohl er sie auch noch mit einem Vor- lcgeschloß versehen hatte. Die Einbrecher hatten die Ladcnkasse erbrochen und ihres Inhalts beraubt. Dieser bestand aus 499 M. Losung, 899 M., die dem Geschäftsführer gehörten, und dessen Schmucksachen, die auch noch 699 M. wert sind. Die Waren hatten die Täter, von denen noch jede Spur fehlt, unberührt gelassen. Der Äurfüritendamin ist zu der Tageszeit, besonders gestern bei dem schönen Wetter, sehr belebt. Es muß also unbediirgt jemand gesehen haben, wie sich die Einbrecher an der Ladcntür zu schaffen machten. Die Augenzeugen werden aber wohl gedacht haben, daß ein An- gestellter der Handlung öffne. Vielleicht kann einer von ihnen durch Beschreibung der Persönlichkeiten einen Fingerzeig zur Er- Mittelung der Täter geben. Der Laden hat jetzt binnen acht Jahren achtmal den Besuch von Einbrechern gehabt. Deren Beute war aber bis jetzt immer nur gering gewesen. Auf dem Hrimwegr von der Baumblüte schwer verunglückt ist in der Sonntagnacht um 12 Uhr der 4l Jahre alte Friseur Rodert Süßmann ans der Puttkamerstrahe 23. Süßmann geriet in der Leipzigerstraße an der Ecke der Withelmstraße unter einen Kraft- omnibus der Linie 9. Ein Rad des schweren Wagens zerbrach ihm am linken Bein den Knöchel und den Unterschenkel und quetschte ihm der ganzen Länge nach das Fleisch von dem Beine ab. Der Schwerverletzte wurde nach der Charite gebracht, wo er bedenklich daniederliegt. � Ein schwerer Betriebsunfall trug sich am Sonntagabend gegen 'A9 Uhr am Spittelmarkt zu. Dort tat der Fahrmeister Kudell als Expcditor Dienst. Als er dicht neben dem Vorderperron eines haltenden Beiwagens der Linie 88 stand, fuhr ein nach Treptow bestimmter Zug derselben Linie in der Umfahrungswciche um den haltenden Anhängewagen herum. Dabei wurde der Fahrmeister zwischen dem Motorwagen des in Bewegung befindlichen Zuges und dem stehenden Beiwagen eingeklemmt. K. erlitt Brüche mehrerer Rippen und innere Quetschungen. Der Verunglückte erhielt auf der Unfallstation am Spittelmarkt die erste Hilfe und mußte dann nach dem Lranienhausc Am Urban geschafft werden. Ein weiterer Unfall ereignete sich gegen% 12 Uhr nachts in der Gitschiner Straße. Dort fuhr ein Straßenbahnwagen der Linie 4 auf einen an der Haltestelle vor dem Hause Nr. 94 stehenden Zug der Linie 1 auf. Bei dem Zusammcnprall wurde an dem ange- sahrcnen Wagen eine Sitzban! zerbrochen, eine Stirnwandschcibe eingedrückt und der Puffer verbogen. Eine Frau Langer klagte über Schmerzen im Rücken, ein Herr Henkel erlitt eine Verletzung am Nasenbein. Beide Personen konnten �hrcn Weg fortsetzen. Vorort- JSadmcbtem Neukölln. Das konfiszierte Buch. Bisher galt die Polizei als diejenige Behörde, die in der Kon- fiskation von Schriften usw. oft unglaubliches leistete. Dieser Ruhm scheint ihr jetzt streitig gemacht werden zu sollen durch die Neuköllner Schuldcputation. Während jedoch die Tätigkeit des jöeschlagnehmens der Polizei noch allzu oft in der rückständigen Gesetzgebung eine Stütze findet, übt die Neuköllner Schulbchörde ein solche» Amt aus, ohne jeden Schein von Recht. Das er- hellt aus einem Vorkommnis, welches sich in der VI. Klasse der Gcmeindcschule am Herzbergplatz zugetragen hat. Kurz vor Weihnachten vcranlaßte der Lehrer dieser Klasse die Schüler zum Mitbringen von Märchenbüchern. Am nächsten Tage fehlte der betreffende Lehrer. Seine Vertretung übernahm der Lehrer Bogumil. Die mitgebrachten Bücher sollten Verwendung finden, nämlich zum Vorlesen von Märchen. Da entdeckte dci; Lehrer ein Buch, welches der Bildungsausschuß in seinem Vcr- zeichnis unter Nr. 391 folgendermaßen empfiehlt: Grödsch, Robert, NaukesLuftreiseundandereWun- d c r l i ch k e i t e n. Geschichten für Arbeiterkinder. Zeichne- rische Ausstattung von Robert Langbein. Verlag von Kaden u. Co., Dresden. 1 M. Als Eigentümer ermittelte der Lehrer den Schüler Sch. Das Buch wanderte zum Rektor der Schule. Ter Rektor konstatierte kurzerhand, daß das Buch für die Jugend völlig ungeeignet und der Schundliteratur gleichzustellen wäre. Die Mutter wandte sich an den Rektor wegen Herausgabc des Buches, jedoch vergeblich. Er beendete das Gespräch damit, daß er sagte, sie und ihr Ehemann würden näheres auf schriftlichem Wege erfahren. Kurz darauf erhielt der Knabe ein Ersatzbuch ausgehändigt mit dem Hinweis, daß dieses Buch, da es 4 M. koste, bedeutend mehr — wert— sei, als das vom Vater gekaufte. Auf die von dem Vater des Knaben an die Schuldeputation gegen die Einbehaltung des Buches angestrengte Beschwerde, wurde ihm vom Vorsitzenden der Schuldcputation, Bürgermeister Dr. W c i n r e i ch, folgender Bescheid erteilt: „Das von Ihrem Sohne Edwin in die Schule mitgebrachte und von dem Lehrer Bogumil cinbchaltenc Buch«NauckcS Luft- reife" ist als Jugendlcktüre vollkonnnen ungeeignet. Die Bc- schlagnahmc des Buches muß daher aufrecht erhalten werden. An Stelle des cinbchaltencn Buches überweisen wir hiermit Ihrem Sohne das Buch„Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen". Dr. Weinreich. Daß der Rektor der Schule Schriften des Bildungsausschusscs als für die Jugend ungeeignet hält, sie sogar der Schundliteratur gleichstellt, ist eine Behauptung, auf die wir hier nicht eingehen möchten. Das nötigte uns zugleich Fragen der Weltanschauung und der Erziehung tiefer zu berühren. Wesentlicher erscheint cS uns, die Frage aufzuwerfen, woher die Schule das Recht herleitet, ein Buch cinzubchalten. das Eigcp- tum der Eltern des betreffenden Knaben ist. Abgesehen davon, daß durch die Beschlagnahme des Buches sich die Schule als Vor- mund der Eltern auffpielt, würde der Vater des Knaben bei einer Klage auf Herausgabe des Buches gegen die Neuköllner Schul- deputation bei jedem Gericht durchdringen. Bon eine« Heuwag«« überfahre« und schwer verletzt wurde allszuicarcn nno oe»«a- K.n°'N oc, oem �tm a5at&« tet Kaiser-Friedrich�traß- ein vierjähcwer Ä. ©piaaB aus dem AvlZtcr h«schc g« nicht»«letzt ffisrdtS, Soialfe vurd« fnfcrt 4a hfa ytndtnrntpr'* getragen, wo der herbeigerufene Ar�t Dr. Zacharias eine Zer »nalmung von drei Fingern der rechten Hand und eine schwere Schädelverletzung feststellte. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde das bedauernswerte Kind mittels Krankenautomobils nach dem städtischen Krankenhaus in Buckow geschafft. Die Schädel« Verletzung gibt zu Besorgnissen um das Leben des Kindes Anlast. Nach Angaben von Passanten soll dem Kutscher keine Schuld an dem Unfall treffen, sondern das Kind soll direkt in daS Fuhrwerk hineingelaufen sein. Wilmcrsdorf-Halensee. Bom künftigen Stadttheater. Seit ungefähr fünf Iahreil müht tnan sich in Wilmersdorf um den Bau eines Stadttheaters. Als ein Privatinteressent im Jahre 1908 dem Magistrat den Vor- schlag machte, entweder durch unentgeltliche Hergabe eines Bau- Platzes oder durch Uebernahme der Zinsgarantie für ein in Höhe von 1 299 999 M. bemessenes Aktienkapital der Einwohnerschaft des Ortes zu einem Kunsttcmpel zu verhelfen, schien der Magistrat von höherem Schwung beseelt zu sein. Wenigstens unterbreitete er der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage, wonach ein Ausschuß zur Prüfung der Sache eingesetzt werden sollte. Die Stadtverordnetenversammlung stand zu jener Zeit jedoch dem Plan feindselig gegenüber; als die Angelegenheit am 19. Juni 1999 zur Beratung kam, lehnte sie fast einstimmig mit der Begründung, daß Wichtigeres zu tun sei, als für Theaterzwecke Geld auszugeben, den Magistratsantrag ab. Ter Einwand klang plausibel, denn es fehlten, wie selbst heute noch, so auch damals, manche wichtigere Einrichtungen. Man braucht ja nur an das Krankenhaus zu denken. Bald vollzog sich aber ein beachtenswerter Wandel. Die Stadtverordnetenversammlung befreundete sich allmählich mit dem Plan eines Theaterbaucs, und eine aus fünf Magistratsmitgliedern und zehn Stadtverordneten zusammengesetzte Deputation vcr- handelte mit Herren, die nach dem Muster der Schillertheater, aber von besserem Kaliber, in Wilmersdorf ein Goethe theat er er- bauen wollten. Nun aber wollte mit einem Male der Magistrat nicht. Als am 22. Juni 1919 von neuem der Gegenstand auf der Tagesordnung stand, war der Bürgermeister von allen möglichen Bedenken erfüllt;, die Stadtverordnetenversammlung hingegen schwärmte mit einer wahren Inbrunst für den Theaterbau und fetzt« dem Magistrat zum Trotz einen Ausschuß ein, der den Theaterplan fördern sollte. Der Magistrat blieb aber weiter un- zugänglich, nicht nur dem Plan des Goethethcaters gegenüber, sondern auch soweit andere Pläne, unter denen sich auch eines der Schillertheatergesellschast befand, in Betracht kamen. Alle Bor. schlage privater Gesellschaften lösten sich dann im Laufe der Zeit -m nichts auf; da aber das Kunstinteresse wach blieb, so beschloß eine im Dezember 1911 neugebildete Theaterdeputation, grund- fätzlich von der Unterstützung privater Baupläne abzusehen und auf der Basis, daß ein Theater nur von der Stadt selbst errichtet werden solle, weiterzuarbeiten. Es schien denn nun auch, als ob die Sache ins Lot kommen werde; Der Hohenzollernplatz, auf dem die Stadt ein passendes Grundstück besitzt, schien wie geschaffen für den Bau eines großen Kunst- institutS; ein Bauplan war auch bald fertig, und die RentabilitätS- berechnungen ergaben, daß ein Stadttheater zwar nicht eine werbende Anlage bilden wird, was sie ja auch nicht soll, daß aber immerhin auf eine angemessene Verzinsung gerechnet werden kann, wenn die Stadt ihrem Vorhaben entsprechend für ein erschwingliches Eintrittsgeld annehmbare Theatervorstellungen bietet. Ta nun überdies noch die Errichtung eines Krankenhauses bis zum Jahre 1916 gewährleistet ist und eS den Anschein hat, daß Wilmersdorf auch in den nächsten Jahren zu anderen ihm noch fehlenden�Sin- richtungen kommen wird, so könnte man mit einiger Zuversicht zurz«it auch an den Theaterbau herangehen. Die Stadtverordneten- Versammlung ist sich anscheinend einig über die Zweckmäßigkeit des Unternehmens; und es liegt nur am Magistrat, sich des Eifers zu erinnern, den er anfänglich der Theaterangelegenheit entgegen. brachte und nunmehr den fertigen Plan des Stadttheaterbaues in die Tat umzusetzen, Charlottenburg. Elternvcrein für freie Erziehung. Donnerstag, den 1. Mai (Himmelfahrtstag) findet ein großer Familienausflug nach Pichelswerder statt. Treffpunkt vormittags 9% Uhr vor dem Untergrundbahnhof Reichskanzlerplatz. Abmarsch pünktlich 19 Uhr, für Nachzügler zur Kaffeepause beim„Alten Freund". Vom. Mittwoch, den 7. Mai ab, finden unsere Ausflüge nach der Jung- fernheide wieder regelmäßig jeden Mittwoch statt. Treffpunkt nachmittags 2 Vi Uhr Luisenplatz vor dem Kaiser-Friedrich-Denk- mal. Kasfeekochen im Restaurant„Waldkater" am Tegeler Weg. Jedes Kind hat ein eigenes Trinkgefäß mitzubringen. Auch Nicht- Mitglieder und deren Kinder können an den Ausflügen teilnehmen." Heute abend 8 Uhr im Bolkshause, Rosinenstr. 3 z» Massen- Protcstversammlung gegen die polizeiliche Verfolgung der Arbeiter- jugend. Referent: Reichstagsabgeordneter Dr. Landsberg. Die Ar- beiterschaft wird im eigensten Interesse ersucht, sich recht zahlreich an dieser Versammlung zu beteiligen. Steglitz. Bei de« am Sonntag stattgefundenen Gewerbegerichtswahlen wurde die Liste der freien Gewerkschaften gewählt. Lichtenberg. Eine auherorbentlich stark besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter befaßte sich am Sonntag mit den Versuchen einzelner Verwaltungen, die den Arbeitern gemachten wenigen Zugestand- nisse wieder teilweise zu beseitigen. Bei Gelegenheit der Neu- regelung der Lohnverhältnisse der Kämmereiarbeiter fStratzen- reiniger, Kanal-, Tiefbau- und Parkarbeiter) beschlossen, die städtischen Körperschaften eine Aenderung des Sommerurlaubs. Es sollte in Zukunft nach ein- bzw. dreijähriger Tätigkeit 4 Tage, nach fünfjähriger 19 Tage Urlaub gewährt werden. Diese geringe Ver- besserung scheint es einigen Verwaltungen, besonders der Straßen- rbinigung, angetan zu haben; sie dekretiert einfach, daß die Sonn- tage wohl als Urlaubstage anzurechnen, aber nicht zu bezahlen sind. Da im Betriebe der Straßenreiniguna Sonntagsarbeit regelmäßig geleistet werden muß, bedeutet die Nichtbezahlung der Sonntage einen pekuniären Aussall, zugleich aber auch eine Ver- kürzung des Urlaubs um 1 bis 2 Tage. Gleichzeitig wurde auch Klage erhoben über die Auslegung des Beschlusses der städtischen Körperschaften betreffend die Bezahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld im Krankheitsfalle. Nach den Beschlüssen ..... C*rt i.:.----r> gezahlt lung die WMDPI... P- WWÄren Gesuchen um Zahlung der Differenz die größten Schwierigkeiten be- reitet. Ueber große Willkür erhoben die ElektrizitätSwerkSarbeiter Klage. In der Station Herzbergstratze soll der dortige Meister K. ein sehr strafwütiger Herr sein. �Wegen einer geringen Kleinigkeit wurde ein Arbeiter mit zwei Stunden Lohnabzug gestrast, auf seine Beschwerde soll dem Arbeiter vom Meister der Bescheid ge- worden sein, falls die Beschwerde an die Direktion weiter ge- geben werde, würde er sofort entlassen. Die Versammelten faßten die Beschwerden in eine Resolution zusammen und beauftragten den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, diese den städtischen Körperschaften zu übermitteln. Schöneberg. In Ergänzung des Berichts über die Generalversammlunq des Wahlvereins möchten wir noch mitteilen, daß als zweiter Kassierer Genosse Herder, als zweiter Schriftführer Genosse Heinrich, als Revisoren Doms, Koschenz und Zianowski gewählt wurden. Dem KreiS-Jugend- und Bildungsausschuß gehört Genosse Mohs, nicht — wie es in unserem Bericht hieß— Maß an. In den örtlichen BildungSausschuß wurden gewählt MohS, Berg, Herder. DrewS, Schieferdecker und Aronheim sowie die Genossinnen Fischer, Wickert und PluSkat. Die Bibliothek umfaßt gegenwärtig 813 Bände. �Verantwortlicher Redakteur: Alfrrtz Wieiepp, Neukölls. Für den Marienfelde. Aus der Gcmcindcvcrtrctcrsitzuug. Zunächst teilte der Vorsteher mit, daß die seinerzeit bewilligten b99 M. ans der Gemeindekasse zur Jubiläumsfeier am 25. Mai ausreichen werden. Eine ganze Regiementskapelle ist engagiert, um die Einwohner in die nötige Stimmung für den JubiläumSrummel zu versetzen. Ferner er- wähnte der Vorsteher, daß ein Gerücht im Umlauf sei, wonach er von der Steinsetzfirma Worch u. Co. Schmiergelder erhalten, wo- für die genannte Firma den Zuschlag für die Pflasterung der Dorf- straße bekommen habe. Dieses Gerücht beruhe auf Unwahrheit und er wird jeden, der dies Gerücht verbreite, gerichtlich zur Ver- antwortung ziehen. Bei der ersten Ausschreibung der Pflaster- arbeiten erhielt die im Ort ansäsige Firma Keller den Zusöblag, da sie 12 999 M. billiger war wie Worcb u. Co. ES stellte sich aber heraus, daß die Kaution von 29 909 M. nicht von Keller, sondern von seinem Steinlieferanten gestellt war, aus dem Grunde mußte laut Gemeindebeschluß der Vertrag aufgehoben worden. In der Sitzung zirkulierte ein Artikel aus der„Lichtenrader Zeitung", woaus hervorging, daß bei der Pflasterung in Lichtenrade, welcke auch von Worch u." Co. ausgeführt ist, ganz erhebliche Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Da der Geineindevorsteber in Lichtenrade auch einige Grundstücke besitzt, ist wohl die Entstehung deS Gerüchts auf diesen Umstand zurückzuführen. Bei der Ver- gebung der Hausanschlüsse erhielt die Firma Otto Böhl in Marien- dorf den Zuschlag. Herzfelde. Bei der am Sonnabend stattgcfundenen Gemeindevertretcrersatzwahl wurde unser Genosse Schuhmachermeister Karl Schröder mit 78 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat, Bergarbeiter Matthes, brachte es nur auf 24 Stimmen. In einer gut besuchten Volksversammlung referierte Reichstags- abgeordneter H. K ä p p l e r über„Die bevorstehende Landtags- wähl und Täuschung der unteren Volksschichten". Seine vortreff- lichen Ausführungen wurden von der Versammlung lebhaft applau- diert. Am Schluß der Versammlung konnten für den Wahlverein einige Neuaufnahmen vollzogen werden. Ahrensfelde. Warum müssen sich die Landarbeiter an den Landtagswahlen be- teiligen? lautere das Thema, über das in einer am Sonntag für Ahrensfelde und die umliegenden Orte im Lokal von Schneider am Ostfriedhof tagenden, sehr gut besuchten öffentlichen Versammlung Genosse Schwarzburger, Ober-Schöneweide, referierte. In seinem 1�4 stündigen Vortrag zeigte Redner den zahlreich erschienenen Land- leuten, welchen ausnahmegesetzlichen Bestimmungen sie noch heute unterworfen sind, und forderte die Anwesenden auf, am Tage der Wahl für die Wablmänner der Sozialdemokratie einzutreten. Die Ausführungen des Referenten fanden reichen Beifall. Die Stimmung unter den Landarbeitern berechtigt zu den besten Hoffnungen. Mehrere Neuaufnahmen für die Partei waren ebenfalls zu ver- zeichnen._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindeverttetungen. Diese Sitzungen sind össentlich. Jeder Gemeindeangchörige ist be- rechtigt. ihnen als Zuhörer bciznwohncn. Wilmersdorf.Halensee. Mittwoch, den 30. April, abend! S Uhr, in der Aula der Viktoria-Luisen-schuIe, Uhlandstraße. Tempelhof. Mittwoch, den 30. April, nachmittags 51/, Uhr, im GemeinvesitzungSzünmer, Dorsstr, 42 I. Hus aller Sielt* Hinter Jrrenhausmauern. Daß der Urheber der Straßburger Aschermittwochs-Alarmierung, der ehemalige Zahlmeisteraspirant Wolters, den Militär- und Zioilbehörden als ein höchst unliebsamer Zeitgenosse erscheint, ist be- greiflich. Daher auch das Bestreben, den. Mann als schwer geisteS« krank hinzustellen, obwohl es Leute genug gibt, die da meinen, daß eS mit der Geistesschwäche eine? Mannes, dem eS gelang, fast ein ganzes Armeekorps, die höchsten Behörden, ja sogar einen leibhaftigen Prinzen auf die Beine zu bringen, nicht allzu schlimm bestellt sein könne. Wolters ist nun in der Irrenanstalt Stephansfeld im Elsaß untergebracht. Er wird dort aufs strengste bewacht, und zwar er- streckt sich die Ueberwachung nicht nur auf seine Person, sondern auch auf seine Privatkorrespondenz. Ihm nahestehenden Personen wird ferner auch der Besuch nicht gestattet, so ging ein Brief, in welchem ein Freund Wolters dem letzten mitteilen wollte, daß er ihn zu be- suchen beabsichtigte, aber nicht zugelassen worden sei, an den Ab- sender zurück mit folgendem Begleitschreiben des Direktors der Anstalt: „Anliegendes Schreiben sende ich Ihnen ergebenst zurück mit dem Hinzufügen, daß ich Besuche fremder Personen bei Kranken der Anstalt nicht zulasse, falls nicht eine besondere Veranlaffung vorliegt. Ich bttte, weitere Korrespondenzen zu unterlassen." Die Angst vor dem als„gemeingefährlich geisteskrank" erklärten Urheber des großen Gelächters der Lschermittwochwelt verbietet also schon das Schreiben eines harmlosen Briefes. Hält man, so schreibt unser Straßburger Parteiblatt hierzu, diesen überwachenden Maßnahmen die Tatsache gegenüber, daß der von der Militärbehörde seit Jahren schon für geisteskrank erklärte Zahlmeisteraspirant Wolter bis Mitte März dieses Jahres das bürgerliche Amt eines Bormundes bekleidete, so ergibt sich daraus eine allerhand Gedanken auslösende Konsequenzfrage. Schweres Automobilunglück in Sachsen. Ein Automobilomnibus der Motoromnibuslinie Chemnitz— Annaberg verunglückte Sonntag nachts gegen 12'/, Uhr unweit der Besenschänke bei Burkhardtsdorf. Von den 27 Insassen wurden 25 verletzt, darunter mehrere schwer. Die Schwerverletzten wurden ins Chemnitzer Krankenhaus gebracht. Der Unfall entstand dadurch, daß der Chauffeur beim Versagen des Motors abstieg und wahrschein- lich die Bremsen abzustellen versäumte, so daß der schwere Wagen den abschüssigen Berg zurückrollte, um- stürzte und völlig zertrümmett wurde. Tie Katastrophe der„Ilse". Zu dem in unserer Montags-Ausgabe gemeldeten Unglück des Freiballons»Ilse" aus Kassel werden noch folgende Einzelheiten berichtet:� Am Sonntag, den 29. April, stieg der 39jährige Großkaufinann Wehland, Inhaber der Eisenwarenfirma Fritz Wendt Nachfolger. aus Kassel vom Ballonplatz des Kurhessischen Vereins für Lust- schisfahrt in dem kleinen, 699 Kubikmeter fassenden Freiballon „Ilse" des genannten Vereins auf. Wehland stand vor dem Führer. examen und sollte die vorgeschriebene Alleinfahrt machen. Der Ballon verschwand schnell in 599 Meter Höhe nach dem Kaufunger Walde zu. Am gestrigen Sonntag vormittag durchstreifte der Wald. arbeiter Heinrich Elzmann von dem Forsthaus Güntersberg den Kausunger Wald, der autzeroroentlich unwegsam ist und weder von Ausflüglern, noch von Bewohnern der Gegend begangen wird. Elz- mann hatte vor einiger Zeit nahe der Unfallstelle mehrere Hirsche beobachtet und war auf der Suche nach abgeworfenen Geweihen. Inmitten einer dichten, fast unpassierbaren Tannenschonung sah der Waldarbeiter an dem Stamm einer riesigen Samenfichte mehrere verbrannte Stricke hängen. Der Mann forschte nun weiter und entdeckte 29 Meter weiter auf dem Boden die Ueberreste einer Inseratenteil verantw.: Xh. Glocke, Berlin. Drucku. Verlag: Vorwärt» Ballonhülle, die gänzlich verkohlt waren, sowie einzelne Stücke des Korbes, die ebenfalls versengt waren. In der Gondel, unter den Ueberresten des Ballonstofses, lagen mehrere menschliche Knochen. Einige Meter von der Fundstelle entfernt lag der Registrier- apparat sowie die Mctallteile des VallonringeS. Der Arbeiter eilte nun sofort zur Försterei zurück und meldete, was er gesehen hatte. Daraufhin wurde der Landrat v. Pappcnheim verständigt, der mit einer Kommission von Mitgliedern des Kurhessischen Vereins für Luftschisfahrt in Automobilen an die Unfallstelle eilte. Die Untersuchung ergab schon nach kurzer Zeit, daß der Ballon„Ilse" in 899 Meter Höhe vom Blitz getroffen worden sei, explodierte und mit seinem Führer in die Tiefe stürzte. Durch Nachfrage in der Gegend wurde ermittelt, daß am Sonntag vormittags zwischen 8 und 9� Uhr schwere Gewitter über den Ortschaften Güntersberg, Uschlag und Escherode herrschten. Der Registrierapparat, der fast gar nicht beschädigt worden ist, zeigte in der aufgezeichneten Höhen- kurve eine erreichte Höhe von 3999 Metern an. Weyland hat in dieser Höhe wahrscheinlich das über dem Kausunger Walde tobende Gewitter gesehen und wollte ihm durch eine Hochfahrt cnt- gehen. Er hat seinen gesamten Ballast abgeworfen, da man keinen Sandsack mehr vorgesunden hat. Der Ballon ist jedoch aus irgend einer Ursache plötzlich stark gefallen und in 899 Meter Höhe ist dann die Katastrophe eingetreten. Ter Blitz schlug in die Hülle, das Gas explodierte und d'e Umhüllung sank in sich zusammen und fiel ftl die Gondel, die nun mit rasender Geschwindigkeit zu Boden stürzte. Wcy-and ist wahrscheinlich, da von der Leiche nur noch einige verkohlte Knochen gefunden worden sind, ebenfalls vom Blitz ge- troffen worden. Auf dem Boden dürfte noch eine Explosion statt- gefunden haben, da man mehrere Teile deZ Ballons 09 bis 79 Meter von dein Fundort entfernt entdeckt hat. Merlwürdigorweise hat niemand den Unfall selbst beobachtet, doch ist dies daraus zu erklären, daß bei dem Unwetter keiner der Landbewohner die einige Kilometer entfernt liegenden Häuser verlassen hat und der Wald, wie schon erwähnt, niemals von Spaziergängern aufgesucht wird. Die Ueberreste Weylands wurden am gestrigen Montag nach Kassel überführt. Ter Schutzmann als Dieb. Dieser Tage wurde in Barmen ein Schutzmann Her m. Jasper als Spitzbube entlarvt. Er befand sich in Zivil im Restaurant unseres Genossen Stadtverordneien Schäfer in Unter- Barmen, als das Telephon schellte und eine gegenüber wohnende Bäckersfrau gewünscht wurde. Trotzdem niemand weiter anwesend war, verließ Frau Schäfer die Wirtschaft, setzte aber vorsichlSbalber das an der Kasse befindliche Läutewerk ein. Nach der Rückkehr war die Patentkasse fortgesetzt am Läuten, und der Schutz- mann war entdeckt. Er ist zur Anzeige gebracht, und sind dies« bezügliche Vernehmungen vorgenommen. Den Dienst mutzte er sofort quittieren._ Kleine Notizen. Eine aviatischc Glanzleistung. Der französische Flieger G u i l l a u x, der am Sonntag früh in Bianitt aufgestiegen war, ist am Montag in Kollum in Holland nach Zurücklegung einer Entfernung von 1599 Kilometer gelandet. Er wurde durch das Meer am Weiterfliegen verhindert. Er war noch mit Benzin und Oel ver- sehen. Ei» jugendlicher Selbstmörder. In Clamart bei Paris bat sich ein neunjähriger Knabe, der an einer unheilbaren Krankheit litt, in einem unbewachten Augenblick erhängt.' Man fand einen Zettel bei ihm vor mit den Worten: Ich bin so unglücklich, infolgedessen erhänge ich mich. Zwei Kinder ertrunken. Sonntag nachmittag find in einem Wassertümpel in Speldorf bei Mülheim a. Ruhr zwei Knaben im Alter von 12 und 13 Jahren, die beide des Schwimmens unkundig waren, an einer tiefen Stelle ertrunken, ehe Hilfe gebracht werden konnte. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden. Tödlicher Fliegerunfall. Als der englische Militärflieger Leut« nant H a r r i s 0 n am Montag früh nach Fernborough fliegen wollte, überschlug sich infolge des heftigen Windes der Zweidecker und stürzte aus 359 Fuß Höhe zur Erde. Der Flieger war sofort tot. Bom Zuge zermalmt. Auf der Station Herdorf sRheinprovinz) wurde der Bahnwärter Selbach, der beim Herannahen eines Zuges ein Kind vom Bahngleise entfernen wollte, selbst vom Zuge er- faßt. Dem mutigen Retter wurde der Kopf zermalmt, während daS Kind gerettet wurde. fraucn-Lcfcabende. Alt-Glieuicke. Morgen Mittwoch bei Dilh. Dürre, Köpenicker Str. 6. Genossin Siedet referiert über„Die Krauen. und die LandtagSwahl". Nieder-Schöneweidc. Heute Dienstag S'/, Uhr bei Bengsch, Britzer Straße 17.____ Marktpreise von Berlin am 26. April 1613, nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Wogramm Weizen, gute Sorte 20,08 bis 20,80, mittel 20,44— 20,56, geringe 20,20— 20,32. Roggen, gute Sorte 00,00— 16,30, mittel 00,03—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 16,20—16,70, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50. Haser. gute Sorte 17,80-10.80, msttel 16.70-17,70(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,10—15,80. Mais(runder), gute Sorte 15,60-16.70. Richtstroh 4,00—4,50. Heu 6,00—8,00. Marlthailenpreise. 100 KUogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 80,00—50,00. Speisebohnen, weiße 35,00— 60, Ott Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Klemhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40, Rindfleisch, Bauchfteisch 1.30—1.80. Schwein-fleisch 1,40—2.00. Kalbfleisch 1.40— 2.40. Hammelfleisch 1,50—2.40, Butter 2,20— 3,00. 60 Stück Eier 2,80— 4,60. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2,40, Aale 1,80— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1.40-2,60. Barsch- 1.00—2,40. Schleie 1,60—3,20, Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 1,60—45,00. WitterungSübersichr vom 28. April 1013. Stationen|e„ Ii a i? i Swinemde, 761 SD Hamburg 1 759 Still Berlin j760SO Frankf.a.M 760 Still München 760 SW Wien I762D Wetter 2 wolkenl Dunst 2heiter Dunst 5halb bd. Iwolkig »R c?> f* m2> Stationen Saparanda etersburg Scillh Aberdeen Paris •=.£ ft- |2 s— 774 ONO 768191 749® 752:® 759)$ Wetter \■ Lwolkcnl Iheiter 4 wolkig Zheiter 2 bedeckt ** u «i 8 8 9 8 15 Wetterprognuse für Dienstag, den 29. April 1913. Darm und vorwiegend heiter, bei mäßigen südöstlichen Winden; Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterbureau. WafierstandS-Nachrichten der Landesanftalt sür Gewässeriunde, mitgeteilt vom Berliner Detterbureau Wasserstand M e m e i, Tilsit Bregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor Strossen Frantsurt Warthe, Schrimni LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Lestmeritz Dresden , Barby Magdeburg Dasserfland Saale,----. Hallet, Spandau-) Rathenow') Spree. Spremberg») , Becstow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) llnterpegel.______ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. S», gferli» SM,.