Ur. 104. nbonncmcnts-Bedingunaen: Abonnements- Breis pränumerando: »ierteljährl. ZL0 Mb. monatl. UV Tel.. wöchentlich W Pfg. frei ins HanS. Einzelne Nummer S Pig. EonnlagS- Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue ZLelt" 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post, AeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,80 Marl, für daMübrige ZluSland 4 Marl pro Monat. MostabonnementS nebmen an: Belgien, Tänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. eichelnl tigNch. Verlinev VolksblAlk. vie snkeft!on5-LedM,s beträgt für die fechSgespaltenc Kolonel- zeile'' oder deren Raum 00 Big., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammIiNigS Anzeigen:i0 Pfg/ „Alcine Hnzeigen", daS settgedruchic Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedriiclte Wortes, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche mid SchlafftelleNa«- zeigen das cojt» Wort 10 Psg.. jedes weitere WortöPfg. Worte über töPuch. ftabeii zähle» für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer nutsse» bis s Ilhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die ExpeditiiM ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „Sorialdeniolirat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifcben Parte» Deutfcblands. Redaktion: 8Tl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moriliplatz. Nr. 1983. Mittivoch, den 30. April 1013. Expedition: 8W. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Das Spiel mit öem Uoikrfrieden. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Verzweifeln wäre; Äonig N i k i t a ist der Gebieter Europas, und in feinen Händen ruht' Re Entscheidung über Krieg und Frieden der Kulturnationen! Das ist das glorreiche Ergebnis der euro- päischen Diplomatenkunst, das ist vor allem das herrliche Er- gebnis der österreichischen Politik. Vergebens wäre die Frage, was in aller Welt der Besitz Skutaris bedeute— die österreichischen Offiziösen selbst versichern uns, es handle sich gar nicht um Skutari, sondern um das Prestige, uni die Ehre Oesterreichs. Als hätte eine Regierung nicht bereits die Ehre verloren, die einen Prcsiigekrieg, den ruchlosesten aller Kriege, begönne! Weil sich die österreichischen Diplo- niaten in ihrem Drange, Albanien zu katholizieren, in eine Sackgasse verrannt haben, soll Gut und Blut für eine Sache eingesetzt werden, von der die österreichische Regierung selbst erklären muß. sie sei au sich gleichgültig, berühre in keiner Weise ein Lebensinteresse des Staates. Es i st einfach toll. llnb dabei ist heute die albanische Politik Oesterreichs noch sinnloser geworden. Jener Essad Pascha, der uns als heldenmütiger Verteidiger Skutaris geschildert worden ist, dem der Orden pour ls merite beinahe sicher schien, der hat sich, wie man jetzt weiß, mit dem König Nikita verständigt, den früheren Kommandanten der Festung ermorden lasten, die Festung den Atontenegrinern übergeben und sich dafür selbst zum König des von Oesterreich so heiß gewünschten autonomen Albaniens pro- klamicrt. König Essad und König Rikita sind sicher ebenbürtige Herrscher, sie verstehen sich vortrefflich, und da ist es denn kein Wunder, daß der neue König auch seinen Beitritt zum Balkanbuud verkündet, dem er als Morgenßabe Skutari darbringt. Doch was als Operette beginnt, droht tragisch zu enden, wenn die österreichischen Klerikalen dem mohammedanischen Prätendenten ihre künftige Mstsionsstätte gewaltsam entreißen »vollen. Essad im Verein mit Dschawid Pascha verfügt über cine militärische Macht, die in dem zerklüfteten, wcgloscn Berglande einen nicht zu unterschätzenden Faktor bildet. Was der Guerillakrieg in Albanien bedeutet, das haben ja die Türken immer wieder erfahren, bis sie sich zuletzt an dem Versuch, die wilden Stämme zu unterwerfen, verblutet haben. Aber nicht nur um das militärische Problem handelt es sich. daS schließlich die Großmacht so oder so bewältigen würde. Jeder Versuch in Albanien vorzugehen, ruft sofort Italiener auf den Plan. Schon erklärt Italien eine Sonderaktion Oesterreichs»vcgen Skutari nicht zugeben zu können; es will auch dabei sein, nicht um Skutari den Montenegrinern zu nehmen— Italien steht diesem Problem sehr gleichgültig gegenüber— sondern um Oesterreich zu be- aufstchtigon; ein Bundesgenosse aus Mißtrauen heute, viel- leicht morgen der Feind. ?lll diese Gefahren schrecken aber anscheinend die Wiener Regierung nicht mehr. Ihre Offiziösen versichern, daß Oester- reich nicht länger mehr warten, sondern handeln werde. Alle militärischen Maßnahmen zum Einmarsch seien getroffen, der Ehef des Generalstabcs zur Abreise nach Eattaro gerüstet. Etwas ruhiger sieht man die Situation in andern Haupt- städten an. Für eine österreichische Separatakrion herrscht er- sichtlich nirgends Stimmung. Die BermittelungSversuche dauern fort, man spricht noch immer von.Kompensationen, von einer gemeinsamen militärischen Demonstration Oester- reichs. Italiens und Englands. Rußland aber kündigt ernste Schwierigkeiten an, wenn Oesterreich sich von den übrigen Mächten trennt. Doch ob die Stimme der Vernunft in Wien noch Gehör findet, ob bis Donnerstag, wenn die Botschafterkonfcrcnz wieder zu- sammcnkommt, eine Lösung gefunden ist, oder ob vorher schon Unwiderrufliches geschieht, das weiß man nicht. Und daß man es nicht weiß, nicht weiß, ob wegen des Größen- Wahnsinns der kleinen serbischen Stämme, wegen Abenteurer wie Nikita und Essad, die verantwortlichen und unverantwort- Uchen Beherrscher der Wiener Hofburg das Signal geben, daL den(Stein ins Rollen Abringt, das ist fürwahr eine Schande und eine Schmach für die, die heute noch die Geschicke der Völker in ihren unfähigen Händen halten. Dir internationale Situativ».' London, 29. April.(Privattelegramw des "B 0 r w ä r t s".) Tie verschiedensten Geruch,? über dir Bor- aus der gestrigen Gesandtenknnfcren.', sind im Umlauf. Während die einen die baldige Auslösung des europäischen Konzerts vrophrzeirn, sind andere Ulcht geneigt, zu glauben, daß Oesterreich auf eigene Faust das durchsetzen will, was ihm von ganz Europa versprochen worden ist. TaS Geschrei der Wiener offiziösen Presse scheint auch nicht im Einklang zu stehen mit dem Gebaren des öfter- reichischen Gesandten in London. So schreibt die„Times" heute, daß man nach der letzten Bvtschastcrkonscrciiz nicht den geringsten Grund hat, anzunehmen, daß der österreichisch- ungarische Gesandte von der bisher ciugciiommcncn ver- nünftigcn Haltung abweichen wird. Weiter meint das Blatt, daß sich Oesterreich das eigene Vorgehen in der albanischen Frage nur für den Fall vorbehalten habe, daß alle Mittel, das Urteil Europas zu erzwingen, fehlschlügen. Die n ä ch st c Aktion Europas, so meint das Organ des Aus- wältigen Amtes, hänge notwendigerweise von der A n t w 0 r t ab, die Montenegro auf die letzte Note der Mächte geben werde. Ter dem Herrn Popowitsch von der montenegrinischen Rc- gierung übersandte Protest wird als nichtssagend behandelt. Preissturz an der Londoner Börse. London, 23. April. lPrivattelegramm dcS.Vor- wärts'.) Die Meldung aus Wien, daß Oesterreich beschlossen habe, selbständig gegen Montenegro vorzugehen, weil die von der gestrigen Botschafterkonferenz angenommene Resolution die Ehre und Interessen Oesterreichs nicht gewährleiste, hat auf der Börse großen Preissturz hervorgerufen. vas Srgebnis der Kotfcbafterkonferenz. Rußland warnt vor ernsten Schwierigkeiten. London, 29. April. Wie das Reutersche Bureau erfährt, war die gestrige Konferenz der Botschastervercinigung die längste, welche bisher stattgesunden hat. Sie dauerte von 8'/z Uhr bis G3/i Uhr. Der Sitzung, bei der Staatssekretär G 1 e h den Borsitz führte, warm Besprechungen des österreichisch- ungarischen und des russischen Botschafters mit Grey vorausgegangen. Es ist ein beruhigendes Moment in der jetzigen Lage, daß für Domierstaguachuiittag eine weitere Koufereuz angesetzt ist und daß, um einen Aus- druck von amtlicher Seite zu brauchen,„selbst jetzt kein Grund zum Pessimismus vorhanden ist". In Ermauge- lung einer bestimmten Information über die Entscheidungen der Konferenz, falls überhaupt entscheidende Beschlüsse gefaßt wurden, lassen Andeutungen aus gut informierten Kreisen die Annahme Berechtigt erscheinen, daß es, nachdem sich die Botschafter mit ihren Regierungen ins Einvernehmen gesetzt haben, bis zur nächsten Sitzung ermöglicht werden könnte. O e st c r r c i ch- Ungarn die von ihm gewünschten Mitteilungen über das zu machen, was die Mächte zunächst zu tun bereit sind. Man hat den Eindruck, daß der letzte Schritt Essad PaschaS die Lage ernstlich verwickelt, aber doch gehen über die möglichen Folgen dieses Schrittes die An- sichten so sehr auseinander, daß es unmöglich ist, im allgemeinen zu sagen,>vic er angesehen lvird. lieber einen Punkt freilich herrscht völliges Einverständnis, daß dieser Schritt nämlich das Ergebnis eines U e b e r e i n k 0 m m e n S mit Montenegro war, ein Ausgang, der in diploma- tischen Kreisen nicht allzu große Verwunderung erregte. In diesen Kreisen hatte man von Anfang an vermutet, daß hinter dem Einzug der Montenegriner in Skutari weit mehr stecke, als bekanntgegeben wurde. In gut informierten österreichischen Kreise«'wird hier kein Hehl daraus gemacht, daß das Widerstreben der Botschafter, weiteren Schritten gegen Montenegro zuzustimmen, ein Gefühl der Gereiztheit verursacht hat. Vor der Sitzung der Botschafter wurde geäußert, Ocsterreich-llngarn würde heute noch einmal fragen, welches die Entscheidung der Mächte sei. Wie erklärt wurde, teilt Oesterreich-Ungarn nicht die Ansicht anderer Mächte, daß durch Hinauszögern etwas zu gewinnen sei. Es ist im Gegenteil der Meinung, daß ein Aufschub irgendwelcher Schriite, für den sich Europa angesichts der Herausforderung Montenegros entschließt, die Lage nicht nur für Europa selbst, sondern auch für König Nikolaus noch s ch w i e r i g c r gestaltet. Cesterreich-Ungarn kann daher einer Hinauszögerung auf unbestimmte Zeit nicht zustimme». Durch seine benachbarte Lage ist es unmittelbar interessiert und, obwohl es angesichts seiner Beziehungen zu Montenegro nicht zum A e u tz c r st e u zu gehen wünscht, ist es sich doch klar, daß e t lv a s von bestimmter Art geschehen muß. Einfache Flotten- demonstrationen haben sich als nutzlos erwiesen, und Bt 0 n t e n c g r 0 wird, falls es Slptari nicht räumen will, dazu gezwungen werden müssen. Es wird indessen nicht angenommen, daß dies mit Waffengewalt geschehen müsse, doch würde jede militärische Aktion, die notiveirtug werden sollte, von solcher Art sein müssen, daß ver Erfolg gesichert seinjvird. Dies wäre in der Kürze der österreichisch- ungarische(Standpunkt, wie er heute nachmittag dargelegt wurde, Was Rußland anbetrifft, so wird erklärt, daß es not- wendig sei, darauf zu sehen, daß die Entscheidungen Europas anerkannt würden, und es wird- wiederholt. daß Rußland noch immer die Stell ung beibehalte, w e l ch e s gemeinsam mit den anderen Mächten eingenommen habe, daß aber ernste Schwierigkeiten cntstcht» würden, wenn Oesterreich allein vorgehe« sollte. Die Nachricht, daß Erbprinz Danilo Skutari mit der Armee verlassen habe, wurde den Botschaftern kurz vor Beginn der Sitzung durch das Reutersche Bureau übermittelt., Zuerst wurde angenommen, diese Meldung könne bedeuten, daß König Nikolaus endlich doch im Begriffe sei, sich den Ansichten der Mächte anzuschließen, später aber war der allgemeine Eindruck der, daß die monteue-- grinischen Truppen entweder nach Cent in je oder Anti- vari gingen, um einem etwaigen Vorrücken zu begegnen oder, was für wahrscheinlicher gehalten wurde, um den Tarabosch und die Gegend von Boi?ana zu besetzen, welche che Montene- griner letzthin als Entschädigung für den Verlust Skutaris gc- fordert haben. Oesterreichs selbständiges Vorgehe». Wien, 29. April. Tic„Neue Wiener Abcndzesiuug" meldet: Bekanntlich hat sich Oestcrreich-Ungarn s r e i c H a n b vorbehalten für den Fall, daß die Botschastcrvcrcinigniist nicht die Anträge Oesterreich-Ungarns genehmigen sollte. Dieser Fall i st j e b t r i n g c t r/ t c n, nachdem in der gestrigen Botschastcrvereinignng in London eine Einigung nicht erfolgt ist. Diese Feststellung kennzeichnet die Situation. Gegenwärtig findet ein sehr reger Mcinüngsanstausch zwischen W i» n und Rom statt. Ministerkonferenz in Wien. Wien, 29. April. Heute mittag f'lind eine Konferenz der gcmcinsnmc» M i u i st c r statt, an der auch der Gcncralstabs- chcf Freiherr Klonrad v. Hötzcndorff teilnahm., Sin österreicbiscbes Ultimatum an Montenegro? Wien, 29. Apzsil. Bon autoritativer Seite wird dem Korrefpondentcu der„Frankfurter Zeitung" mitgeteilt, daß Oesterreich-Ungarn ein Ultimatum morgen an Montenegro abgehen lasten wird. Die Botschaftemnnion am Donnerstag m liste zeigen, welche Mächte sich dem Schritte Oesterreich- Ungarns anschließen werden. Tie Botschafterkonferenz wird Donnerstag zur Entscheidung gezwungen. Wien, 29. April. Tie„Wiener Allgemeine Zeitung" meldet: In der am Tonnerstag stattfinhei�en Sibnng der Botschastervereinignng in London wird sich cntschei- den, ob und welche Mächte an den von Oesterreich Ungarn eventuell, nämlich für den Fall, daß der König von Rtontenegro nicht unbedingt nachgibt, zu unternehmenden Z w n n g s m a ß r c g c I n teilnehmen werden. Italien gegen cine Scparataktion OestcHleichs. Wien, 29. April. Bon besonderer Seite wird der „Neuen Freien Presse" ans Rom gemeldet: Tic italienische Regierung wirkt mit allem Nachdruck für ein gemeinsames Borgchr» der Mächte n»d ist gegen die lieber- tragung eines europäischen Mandates an eine einzige Macht. Ebenso sucht man mit aller Energie Montenegro zur Nach- giebigkcit z» bewegen. Wie es heißt, hat der König von Italien selbst bei seinem Schwiegervater, König Nikita, dringliche Borstcllungen erhoben. Tic Antwort der montc- negrinischen Regicriing wird für morgen erwartet. Sollte Montenegro sich weiter weigern, die Forderung der Mächte a»f Räumung Skutaris zu erfüllen, so wird ans Grund eines europäischen Rk a n d a t e s eine Intervention durch Or st erreich- Ungarn, Italien» n d Eng- l a n d erfolgen. Montenegro und Serbien. Wien, 29. April. In den Kreisen der Balkandiplomaten erklärt man. daß Serbien verpflichtet und bereit sein werde, Montenegro, sobald es von. Oesterreich- Ungarn angegriffen lverden sollte, diesem W a f f e n h i l f c zu leisten. Mpn spricht sogar davon, daß auch die anderen Balkanstaaten dazu verpflichtet seien, doch lvird in anderen Kreisen die entgegen- gesetzte Meinung ausgedrückt.•" Ter Streich Estad Paschas. Koustautinovcl, 29. April. Die Tatsachc, daß Essad Pasckia sich zu!».König von Albanien proklamieren konnte, wird als neuer Beweis der merkwürdigen Situation Europas angesehen. Taß Estad Pascha in vollstäudigcr U e b e r ein st i m m u n g mit Montenegro ui-d Serbien vorgegangen ist, gilt hier als unumstößlich. Man versichert, baß Essad seinen Vorgänger Hassan Riza nur darum töten ließ, um seinen Plan durchzuführen. Es gill als ansgeschlosicii, daß die Atbanier seine Proklamation zum König ratifizieren. i?1 Tie Pforte verhält sich dem Borgehen Estads gegenüber äußerst skeptisch. Der II instand, daß die serbischen Truppen in Alessio Essad Pascha begeistert empsingcn und er mit scinent Heer sich auf dem Wege nach Turazzo befmdei, zeigt zur Genüge, welche Kräfte hinter Essad Pascha stehen. Eine der markantesten Persönlichkeiten unter den Politikern Albaniens erblickt in dem Staatsstreich Essad Paschas ein Auscinandcrsallcn Nord- und Eudalbaniens und den bevor.> stehenden albanischen Bürgerkrieg. V Mtet zur Maifeier! Dcmonftricrt für üölkerfrieden und Völkerfreiheit! Die Ifeemvorlage in der Budget* homtnilfion des Reichstages. In der Dienstagssitzung war der Staatssekretär n. Iagow erschienen. E» wurde deshalb zunächst über die auswärtige politische Lage debattiert. Genosse o s k e erörterte das deutsch-belgische Problem, die vielfach gehegte Annahme, daß Belgien im AriegSfalle an der Seite Frankreichs fechten werde, bestreiten wir Sozialdemokraten: aber starke Besorgnisse sind in Belgien vorhanden, Deutschland werde gegebenenfalls an greifen. Tie dcntsch-belgischen Beziehungen könnten eine loesent liche Besserung erfahren, wenn die deutsche Regierung klipp und klar erklären würde, alle Befii>rchttingen in Belgien seien g r u n d los, solange auch andere Biächte die belgische Neutralität rcspck Herten. Staatssekretär v. I a g o w erklärte, Teutschland halte an der Neutralität Belgiens fest. Mehr habe er nicht zu sagen.— Genosse Ledebour erklärte, die Antwort des Staatssekretärs g e n Ü g e n i cht. Es sei zuzugeben, daß die Annahme in Belgien ganz falsch ist, aber der falsche Glaube wird genährt durch die all deutschen Hetzereien. Wenn Teutschland keinen Angriff auf Belgien plant, muß doch die Annahme bestehen, Belgien schlage sich auf die Seite Frankreichs. Belgien würde einfach wirtschaftlich Selbstmord begehen, wenn eS so verfahren wollte. 1570 babe Belgien vom deutsch-französischen Kriege infolge seiner Neu tralität den größten Nutzen gehabt. Tie Befürchtungen in Belgien müßten beseitigt werden..* Genosse Scheidemann: Das beredte Schweigen de b ü r ge r l ich e n a r t e i e n zeigt, daß die Verteidigung und Begründung der Militärvorlage nicht mit der auswärtigen politi schen Lage geführt werden kann. Ist denn keine Möglichkeit für die Tiplematie vorhanden, Oesterreich zu einer verständigen Politik zu veranlassen? Oesterreich hat eine sehr törichte Politik getrieben Allerdings, wenn man selbst so viele Fehler, besonders in der inneren Politik macht, wie Teutschland es tut, kann man anderen Staaten schlecht Vorhaltungen machen. Unsere Diplomatie muß Mittel und Wege finden, die Situation auf dem Balkan so zu ge stalten, daß weitere Verwickelungen nicht entstehen. Früher hat man Rüstungsvorlagen mit dem Hinweis auf England begrün det. jetzt sind wir in ein besseres Verhältnis zu England gekommen Kann man dasselbe Verhältnis nicht auch mit Frankreich er- zielen? Staatssekretär Iagow hat. Gelegenheit, den Beweis zu liefern, daß er ein wirklich erstklassiger Staatsmann ist, wenn er auf da« große Kiel einer deutsch-französischen Verständigung hin- arbeitet. Er kann sich dabei auf S0 Prozent der Bevölkerung stützen. Wie denkt der Staatssekretär über die Verstand i» gungSkonferenz, die Pfingsten in Bern zusammentreten chi$? Wenn durch solche Konferenzen nur eine einjährige Rüstuitgs- pause erreicht werden könnte, jubelt in Frankreich und Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung auf.— Staatssekretär v. Jagow Biel Neues kan ich nicht sagen. Wir wünschen den Frieden und wollen auch mit Frankreich schiedlich und friedlich auskommen Wir mußten aber doch mit der Möglichkeit eines Angriffes auf Teutschland rechnen.— Genosse Noske weist auf die hetzerische Tätigkeit einer gewissen Presse hin. Die werktätige Bevöl- kerung will keinen Krieg, sondern Ruhe, Arbeit und Erwerb. Die Wehrvorlagen bringen keine nennenswerten Ber schiebungen der Wehrkraft, da hüben und drüben gerüstet wird.— Abg. Prinz C a r o l a t h begrüßt zwar die Berner Konferenz, aber was soll dort geschehen? Man wird schöne Reden halten und sich Selbstverständlichkeiten sagen. Die Konferenz halte ich für aus- sichtslos. Genosse Frank: Aus Frankreich sind zur Konserenz 120 Par lamentarier aygemeldet, von denen die Mehrheit bürgerlichen Parteien angehört. Eine solche Zusammenkunft ist von hohem mo- raiischem Wert. Genosse Frank behandelte sodann die Skutari frage. Wie kommt das Wolffsche Depeschenbureau gestern zu der Nachricht, die Montenegriner hätten mit ihrer Hauptmacht Skutari geräumt?. Ferner will Oesterreich gegen Montenegro aggressiv vor. gehen? Staatssekretär V. I a gow: Der östereichisch-montenegrinische Konflikt geht dAweil Deutschland gar nichts an.— Genosse Ha a s e: Krupp traktiert! /„Wer gut schmiert, der gut fiehrt", sagt ein altes Sprichwort, das heutzutage nirgendwo so sehr gilt, als bei der großen und kleinen Industrie. Man schmiert oder läßt sich schmieren, wie das Geschäft eS verlangt! Vor wenigen Jahren noch wurde bei Krupp in Essen ein Beamter Äi.all und Fall entlassen, weil er sich.von Lieferanten der Firma hatte schmieren lassen. Wie peinlich für die Herren, die damals so strenge Richter waren, daß sie„nun selbst der Sünde bloß sind�I Freilich muß man mit dem Schmieren vorftchtig sein, denn nicht jeder läßt sich von einem Wohltäter bares Geld in die Hand drücken. Aber ein großer Herr hat viel« Mittel, um wohlzutun. Wie heißt's doch im„Faust"?..... traktiert sie immer mitPastet- chcn und Wein!" TaS„Traktieren" ist wohl bei keinem Privat- unternehmen der Welt zu solcher Vollkommenheit ausgebildet, wie gerade bei Krupp. Hunderte und Tausmde besuchen alljährlich die Essener Fabrik, die meisten in amtlichem Austrag. Da werden sie in einem eigenen Prachthotel der Firma, dem«Essener Hof", ein» guartiert und Ströme von Sekt ergießt der Himmel über sie und Scharen von gebratenen Tauben läßt er den Glücklichen in den Mund fliegen. Anderen Morgens, werden sie dann in eleganten Zweispännern abgeholt und zur Fabrik gefahren. Oft sieht mau ganze Trupps von Wagen die Straßen Essens durcheilen, beispiels- weife, wenn eine Kriegsschule zur„Besichtigung" der Fabrik kommt. von EngerS, von Hannover, von anderswo her— der Nachwuchs deS deutschen Ofstzierkorps. Sehr hübsch ist es. zur Mittagsstunde solche Frcmdenrundfahrten zu beobachten. Heitere Freude glänzt auf allen Gesichtern, denn die Arbeit ist getan, der Rundgang durch die sfpbnk. an den glühenden Schmelzöfen vorbei, durch die Reihen der halbbekleideten, schweißtriefenden und nch abrackernden Feuer- arbeiter, war anstrengend und so eigentlich gar nicht nach ihrem Geschmack. Aber jetzt geht die Fahrt zum„Essener Hof" und sie wissen: Krupp läßt sich nicht lumpen! Ein prächtiges Mittagsmahl ist bereit, der Sekt kaltgestellt, die Zigarrenkisten sind geöffnet und der HauSphotogroph der Fabrik hat schon seinen Apparat vor der Gartenterrass« aufgebaut, um die übliche ErinnerungS-Gruppen- aufnähme der Teilnehmer zu machen! Daß die Balkankrise und speziell die Affäre mit Montenegro nichts mit den Beratungen über die Heeresvorlage zu tun haben soll, ist unrichtig. Die Art, wie der Staatssekretär die belgische Frage be- handelt hat, kann keine Beruhigung schaffen. Prinz Carolath hat sonst immer die Verständigung zwischen den Nationen angestrebt. Warum jetzt nicht mehr? Fürchtet er für die Rüstungen? KriegSminisier v. Heeringen betont, der Glaube an die deutsche Friedfertigkeit könne nicht erzwungen werden. Weiter gab der Minister vertrauliche Erklärungen ab.— i Abg. Müller- Meiningen erörterte die Propaganda des Wehrvereins. Andere Generale urteilen z. B. ganz anders als der General Keim, aber sie trauen sich nicht, ihre Meinung zu sagen, weit sie Schwierig. keiten in gesellschaftlicher Beziehung fürchten. Auf die Frage des Geossen Ledebour, welcher Art die neue> sten Beschlüsse der. Londoner Botschafterkonferenz in der Skutari- frage seien, antwortete Staatssekretär v. Jagow, er habe noch keine Nachricht aus London, worauf Ledebour antwortete, zur Zeit der Postkutsche wäre eine solche Antwort verständlich ge- wcscn, nicht aber heute. Wie die Stellung Oesterreichs zur Skutari- frage sei, das zu wissen, sei notwendig. Ebenso müsse die Äom- Mission erfahre», was die Regierung sich unter dem Begriff sla- Wischer Gefahr vorstellt. Ist Herrn v. Jagow bekannt, daß zwischen Oesterreich und Bulgarien ein Vertrag abgeschlossen worden ist? Staatssekretär v. Ja g o w antwortete, von einem solchen Vertrage sei-i h m nichts bekannt. Genosse Ledebour erklärte, diese Unkenntnis sei doch ganz erstaunlich. Wir müssen über die öfter- reichiscke Politik schon deshalb unterrickitet werden, weil zwischen den beiden Staaten weitgehende KriegSvcrpflickitun- g e» bestehen. Entweder weiß der Staatssekretär Jagow wirklich nichts, oder er sagt nicht, was er weih.— Genosse S ü d e k u in fordert als wichtige deutsche Aufgabe, mit Belgien ins Reine zu komme». Das sei von größter Bedeutung für beide Länder. Deutschland müsse alle» vermeiden, um die aus natürlichen Grün- den in Belgien vorhandene Neigung zu Frankreich noch zu ver- stärken. Bei der gestrigen Depesche des Wolfffchen Bureaus handele es sich entweder um ein Börsenmanöver, oder um den Versuch, zu verhindern, daß gestern noch im Reichstage die Regierung wegen der Skutarifrage zur Rede gestellt würde. Was gedenkt die deutsche Regierung zu tun, um zu einem besseren Verhältnis zu Frank- reich zu gelangen? Als früher die Sozialdemokratie eine Ver- ständigung mit England gefordert hatte, wurde ihr ablchneiid geantwortet. Jetzt ist bereits eine wesentliche Verbesserung der Be- Ziehungen eingetreten.— Staatssekretär v. Jagow schweigt. — Genosse Noske erklärt, es müsse den peinlichsten Eindruck cr- wecken, daß der Staatssekretär einfach immer nur sage: Ich weiß nichts! Mir ist nichts bekannt! Trotzdem müsse er die weitere Frage stellen: Sind Oesterreich und Italien verpflichtet, im Ver- hältniS ebenso ihr Heer zu verstärken wie Deutschland? Auf Kosten Deutschlands könne doch nicht die militärische Kraft de« Drei» bundes allein festgelegt werden.— Staatssekretär v. Jagow hülltesichauchdiesenFragengegenüberinSchwei- gen, so daß Genosse Ledebour die Frag« aufwarf, ob denn die Regierung überhaupt Anfragen deantworten will? Eine Ant- worterfolgteaber nicht. Damit war die Debatte über die auswärtige Politik beendet, die allgemeine Beratung wurde wieder aufgenommen, die Genosse Noske einleitete: Wer wirkliche Reformen im deutschen Heerwesen will, muß sie in die Vorlage hineinarbeiten, nicht aber Resolutionen fassen. Die neue Vorlage schasse wiederum Lücken, und eS werde nicht lange dauern, bis die Regierung die Ausfüllung auch dieser Lücken fordere. Wenn der Kriegsminister 'agt, man müßte auf glle Eventualitäten gefaßt sein, so stimme die Sozialdemokratie zu. Aber die neue Militärvorlage trage dem nicht Rechnung, sondern nur die Allgemeine Wehrpflicht auf der Grundlage der VolkSwchr. Die Heeresvermehrung mit der langen Dienstzeit sei enormer Schaden für die Bolkswirtschast und habe auch zur Folge, daß die Zahl der ausländischen Arbeiter in Deutschland vermehrt Iverde, besonders in der Landwirtschaft. Ernstlich müsse überlegt werden, ob die deutsche Volkswirtschaft die Lasten ohne schweren Schaden ertragen kann. Mir ist von unterrichteter Seite gesagt worden. Ein eigenes„FremdenführungS-Bureau" unterhält Krupp zur Führung und Unterhaltung seiner Gäste. Aber das sind beileibe keine gewöhnlichen Fremdenführer! Kavaliere sind'S, zum großen Teil ehemalige Offiziere! Sic erkalten von der Kasse einen be- timmten Betriebsfond vorauSbezahtt, von dem sie die kleinen, laufenden Trakticrbtträge für die Gäste sofort auslegen können, und über dessen Verwendung sie allmonatlich abrechnen müssen. Größere Auslagen werden nachher„liquidiert" oder einfachf Kruppsche Rechnung angekreidet.� ES kommt vor, daß sich selbst hohe Offiziere von diesen„Fremdenführern" auf Krupps Kosten in de» cinstc» Weinrestaurants und— BarS der Stadt herumschleppen, oder zur Abwechselung auch mal nach Düsseldorf, Köln oder sogar nach Berlin mitnehmen lassen! Ter„Fremdenführer" hat dabei natürlich den versteckten Auf- trag, seinen Sckützling nach Möglichkeit auszuhorchen, über Vor- gänge bei den Behörden, bei der Konkurrenz, kurz über alles, was die Firma Krupp irge:rdwie geschäftlich interessieren könnte.... Ter Geheime Rat Hugenberg, TirektoriumSvorsitzender bei Krupp, hat diese Art von Betätigung in der„Kölnischen Zeitung" zwar als das„Sammeln von Informationen" bezeichnet— wie schön st doch so ein Fremdwort, das klingt doch gleich viel anständiger!— Aber der Zweck hinter solchem Tun ist doch der gleiche! Wie leicht kann sich in vorgerückter Nachtstunde, bei den verführerischen Klängen der Barmusik einmal so ein Ahnungsloser verplappern. oder sogar seinem freigebigen Führer, her ja selbst Offizier, also Kamerad" ist. einmal ein Schriftstück zeigen, das ihm zu ver- traulicher Behandlung gegeben ward! Am anderen Tag schreibt dann der Fremdenführer einen geheimen Bericht an das Kruppsche Direktorium über das, was er am Abend zuvor erlauscht hat.... Ter Geheime Rat Hugenberg aber verkündet stolz, daß er alle ölchen Geheimberichte, die ja nur zum„Kleingeschäft" gehörten, überhaupt nie gelesen habe... und dabei gehört besagtes Fremdenführungsbureau" sogar zum„Ressort" des besagten Ge- Heimen RateSl Noch schlemmerhaficr, als in dem„Bureau für Fremden- ührung" geht es im.Abnahmebureau" zu. Hat irgendein Staat Geschütze bei Krupp bestellt, so entsendet er einen oder mehrere Beamte— meist wieder Offiziere—, die für längere Zeit ihren Aufenthalt in Essen nehmen und die Fabrikation des bestellten Ma- terigls überwachen, damit nicht etwa ein Teil, der aus Stahl ge- man werde in Zukunft den letzten tauglichen Mann auf dem Lande ausheben, dagegen sich einiger Reserve auferlegen, soweit die industrielle Bevölkerung in Betracht komme. Wie soll zwischen den einzelnen Landesteilen inbczug auf Pic Stellung von Rekruten ein Ausgleich stattfinden? Bestimmte'-Gebiete, wo die Heimarbeit vorherrscht, ist die Bevölkerung körperlich zurückgegan« gen. Diese Gebiete können»ickit denselben Prozentsatz an Soldaten stellen, wie die Gebute mit besseren Verhältnissen. Es ist doch Tatsache, daß die Anforderungen an die körperliche Beschaffenheit schon zweimal auch in Teutschland herabgesetzt worden find. Generab Wandel bestreitet, t«ß die ländlichen Bezirke bei der Rekrutenaushebung stärker herangezogen werden sollen. Es bestehe keine Sorge, daß Schwierigkeiten bei der Beschaffung des nötigen Menschenmaterials cnljtehen könnten. An der Körpergroße von l,b7 Meter festzuhalten, liegt kein Anlaß vor, weil auch die kleineren Leute sich als sehr brauchbar erwiesen haben. — Abg. Müller- Meiningen glaubt nicht, daß genügendes voll brauchbares Menschenmaterial vorhanden ist. Es scheint auch un» ivohrscheinlich, daß jetzt noch jährlich 63 000 taugliche Rekruten auS- gehoben werden können. Statt 03,1 Prozent müssen wir in Zukunft 65,1 Prozent der militärpflichtigen Mannschaften ausheben und komme» damit französischer» Verhältnissen nahe. Von Aerzten wird versichert, daß Augen- und Herzfehler heute nichi mehr in not- wendigem Maße berücksichtigt werden.— General Wandel verteidigte die Art der Aushebungen gegen die Angrisfe des Abg. Müller-Meiningen.— Gcu. Schcidemann trästt eine ausführ- liche Statistik vor, aus der zu entnehmrn ist, daß 63 000 wirklich taugliche Leute nicht zu finden sind. Zur Ucberweisung an die Ersatzreserve blieben dann nur noch einige Mannschaften übrig. Von 1875 bis 1910 hat sich die Bevölkerung über 51 Proz. vermehrt. Wenn auch die Sterblichkeit sich vermindert hat, so bat sich noch lange nicht die Militärtauglichkcit erhöht.— Generalarzt Schulz wendete sich in längeren Darlegungen gegen die Ausführungen ScheidemannS,-ebenso General Wand«!..—- Gen. NoSfe: Bisher sind doch tatsächlich viele Leute mit körperlichen Mängeln eingestellt worden. Z. B. ist in Chemnitz ein Mann ausgehoben worden, dem die Bcrus»genossenschaft Rente zahlt, weil der Mann verminderte Erwcrbsfähigkeit hat. So werden geistig minderwertige Leute eingestellt. Wenn in Sachsen Tausende von Leuten mehr eingestellt werden sollen, wird der Ausfall sicher wieder durch Ausländer gedeckt. Das ist eine Schädigung unserer Volkswirtschaft. Wir unterschätzen die Gefahr nicht, die durch den Einbruch russischer Soldatenholden im Osten Teutschlands entstehen könnte. Aber wir glauben, die von un« vorgeschlagene Webrverfassung bedeutet den besten und größten Schutz gegen die russisch« Gefahr. Ter Kricgsminister erklärt, es werde unmöglich sein, den Sozialdemokraten die Notwendigteit der HcereSvermehrung beizubringen, und wenn di« Kommission»och zwei Jahre verhandele. — Abg. Gröber wirft die Frage auf: wie kommt et, daß trotz deS angeblichen UeberschusscS an Tauglichen seit Ende der 50 er Jahre eine hohe Zahl von Leuten eingestellt worden ist. deren Dienstuntauglichkeit dann beim Militär sich herausstellte? — Gen. Ledebour besprach die Ursachen der allgemeinen Erscheinung ziDrehmender Erkrankungen. Sie sind in der rapiden industriellen Entwicklung ohne genügenden sozialen und hygie- nischcn Schutz zu suchen. Wenn der Ariegsminisler erklärt, die Debatten hätten keinen Wert, weil man sich gegenseitig nicht über- KMgen könne, so müsse doch betont werden, daß im Parlament vor dem deutschen Volke debattiert werden muß. Und auch die bürgerlichen Parteien nebst der Regierung haben die Verpflichtung, vor dem Volke im MeiniingSauelausch und durch eine scMüssige Beweisführung die Heeresvorlage zu vertreten. Gen. S ü d c k u m behandelte die Tauglichkeitsfrag« nochmals eingehend, worauf der Schluß der Generaldebatte eintrat. Die Per mehrung der Infanterie wurde gegen die sozialdemokratischen Stinimen und die des Elsässer�Haegy angenommen. Es folgte die Beraiung der Kavallerie ver mehrung. Gen. Noske bclämpfte die Vermehrung, deren Notwendigkeit nicht nachgewiesen ist. Von den bürgerlichen Parteien nahm ni ch t ein wackt werden sollt«, auS plundrigem Gußeisen gefertigt t�ird, kurz. damit alle Teile die im Lieferungsvertrag geforderte Güte besitzen. Ten Verlehr mit diesen fremden„Abnehmern" besorgen die An- gestellten des Krupp'schen„AbnahmebureauS", die fast ohne AuS- nähme ehemalige Offiziere sind. Auch Herr v. Dewitz gehörte zu diesem Bureau. Die Tätigkeit dieser Beamten besteht in der Haupt- sache eben in dem„Verkehr" mit den Abnehmern, die sie zu der Werkstatt begleiten, wo daS gerade zu besichtigende Material lagert, und denen sie auch sonst möglichst an die Hand gehen sollen. DaS heißt also wieder nichts anderes als:„Pastetchen und Wein!" Glaubt so ein Abnehmer einmal etwas bemängeln zu müssen, dann läßt sich so was ja auch am besten mit einem„Kameraden", beim gemütlichen Glase Wein und der rauchenden Zigarre besprechen! Traktieren— Schmieren— das wächst«ruf demselben Holz- wenn auch der Name etwa« anders klingt! Ter jährliche Etat der Traktiergelder geht bei Krupp in die Hundertausende, wenn man alleö in allem nimmt, mit den Gehältern für die Traktier« beamtcn, den Kosten des Hotels usw. Diese Traktierunkosten werden selbstredend auf die Geschützpreise aufgeschlagen, die t-ie Steuerzahler nachher zu tragen haben. Der Geist aber, der hinter diesem Tün lauert, da» ist doch nichts anderes, als der Geist der Korruption! Ein preußischer Beamter oder Offizier, der dienstlich oder halbdienstlich bei Krupp zu tun hat, sollte sich doch schämen, auch nur eine Zigarre sich do» diesen Geschäftsleuten schenken zu lassen! Da wäre doch wahrlich ei» strenges Verbot aller in Betracht kommenden Militär- und Marincbehördcn dringend notwendig! Tie Gerechtigkeit gebietet allerdings, hier einzuschalten, daß smon mancher Besucher Krupp? daS aufdringlich« Trakrierwesen als unwürdig empfunden hat. Aber was will das besagen, wenn tausende Beamte und Oft'zier« der Versuchung weichen- in unwichtiger Sache scheinbar—.die ober doch den bösen Geist des Systems erfahren haben und spater einmal, in einer ernsten Stunde, vielleicht gänzlich erliegen werden. wie eben der neueste„Fall Krupp" bewiesen hat!—. Der Geheime Rat aber, der nicht ei" bißchen pharisäerhaft se,n will, mag ruhig erklären, daß„traktieren" und„bestechen zwei«. lei sei. und daß auch weiterhin„die Mittel der Firma Krupp, große und kleine, die zur Bestechung von höheren und mittleren Beerten verwandt se,n sollen, nur in der Einbildung deS Herrn Lrsdkneqj vorhanden seien," JÄsSttecba# Wort, auch der Ariegjminister hielt eZ nicht für nötig, nur ein Wort zur Begründung zu sagen.— Selbst die Volksparteiler stimmten ohne Debatte der Ka- valleriedermehrung zu. Ohne Abstriche wurde auch die Vermehrung der Artillerie beschlossen, sowie der Pioniere, der Verlchrstruppen und des Trains. Die Mehrheit beabsichtigt, wenn möglich, in dieser Woche noch die HeeoeSvorlage zu Ende zu beraten. Bei der weiteren Beratung sprach der Kriegsminister über die Kavallerie. Wenn auch recht vor- sichtig, doch recht deutlich deutete der Äriegsminister eine spätere K a v a l l e r i e v e r m e h r u n g an. Ilm tZ Uhr, nach einer mehr» maligcn lebhasten GeschäftSortmungSdebatte, in der Graf W e st a r p und Dr. Semlcr sogar anregten, eventuell am kommenden Freitag und Sonnabend noch zu tagen, trat Vertagung ein. Gegen die Pressionsversuche wendeten sich unsere Genossen energisch und betonten, es sei einfach unerhört, jetzt eine solche Durch- peitschungtmethode anzuwenden, die auch mit allen Ab» machungen unter den Parteien in sckroffem Widerspruch steh« und einen gröblichen Versuch darstelle, gegebene Abmachungen brutal zu brechen. ** ♦ Zeiltrumsoitttagc zur Wchrborlagc. ?aS Zentrum hat nun in der Budgetkommisjion dcS Reichs. iagcs ebenfalls eine Reihe von Anträgen gestellt. Di« Mannschaften des BeurlauvtenstandeS sollen möglichit nur in dcn Wintermonaten zu Uebungen einberufen werden. Ferner werden Anordnungen verlangt, wonach: 1. Die Soldaten mindestens durchschnittlich jährlich vier Wochen Urlaub erhalten können', 2. der Urlaub für die berittenen Wajjc» in erhöhtem Um- fange gewährt wird; .">. dles« Urlaubszcilcn für die aus der Landwirtjchast stom» Menden Soldaten tunlichst in der Erntezeit erteilt werden. Tie UnteroffizierSprömie soll nach neunjähriger Dienstzeit lW» M. betragen und nach l2jährigcr Dienstzeit auf 150fl M. steigen. Außerdem werden Matznabmen gefordert: 1. zur Verringe. rung der Burschen; 2. zur Beseitigung des strengen Arrestes als Disziplinarstrafe. Familien, die mindestens drei Söhne beim Militär gehabt haben, sollen für jeden weiteren Sohn, der eingezogen wird, eine Aufwandsentschädigung von 240 M. pro Fahr erholten. Fedriu Soldaten soll jährlich einmal eine freie Reise aus der Garnison nach seiner Heimat zugestanden werden. Die entstehen- den Kosten werden auf 1600 000 M. veranschlagt. Größere Spar- samkcit und Beschränkung des riuxus in der Armee werden gc. fordert, und schließlich wird der Reichskanzler ersucht, Anordnungen zu treffen, nach welchen nur solche Unternehmer dcn Zuschlag auf Lieferung von Staatjausträgen erhalten, die: ,) dcn Arbeireru das Koalitionsrccht unangetastet lassen; b) bei Einsendung von Offerten gleichzeitig ein Verzeichnis der bei ihnen bezahlten Löhne mit einreichen; c) keine geringeren Löhne bezahlen und keine schlechteren Arbeitsbedingungen stellen, urie in gleichartigen Staatsbetrieben oder gleichen privaten Unterirehmungcn. die nicht für Heer und Marine arbeiten; d) eine EinigungS- und Schiedsinjtanz schaffen, die de- rechtigt und verpflichtet ist, bei ausbrechenden Tifferenzeu die Vermittlung zu übernehmen.> Politifcbc üebcrficbt. Berlin, den 29. April 1913. Die Jekundärbahnvorlage. Die Beratung der Zekundärbahnvorlage, mit der sich das Abgeordnetenhaus auch am Dienstag beschäftigte, ist für eine ganze Reihe von Abgeordneten die einzige Gelegenheit, ein- mal etwas von sich hören zu lassen. Mitglieder des Hauses, die die ganze Session durch Abwesenheit glänzen oder, wenn sie anwesend sind, den Geschäften kein Interesse entgegenbringen, erscheinen plötzlich auf der Bildfläche, um für ihren Wahlkreis diese oder jene Zugverbindmig zu verlangen, die von ihnen oder ihren Vorgängern seit Jahren vergeblich ge- fordert sind. Es soll sogar Abgeordnete geben, die diessibe Rede seit 25 Jahren halten, ohne daS harte Herz des Mi- nisters zu criveichcn. Ilm so größer ist der Eindruck, den sie damit auf ihre Wähler erzielen, die. wenn die betreffende Bahn nach ivciteren 23 Jahren doä) noch gebaut wird, dem inzwischen längst verstorbenen Abgeordneten noch im Tode ihren Dank abstatten. Wie alljährlich, so wurde auch diesmal wieder in ödem Einerlei die endlose Reihe von Wünschen vorgetragen. Die Vertreter der Regierung müssen all die Reden geduldig über sich ergehen lassen. Da haben es die Abgeordneten doch besser. Wer nicht gerade selbst spricht oder als nächster Redner zu Worte konimt, flüchtet aus dem Sitzungssaal, der denn auch einen recht öden Eindruck macht— das getreue Spiegelbild der Debatten. Am Mittwoch soll die Beratung beendet werden. Tie Erlauchten und Edlen. Das Herrenhaus hatte heute eine lange Debatte über Jugenderziehung. Man weiß, waS das bedeutet: Oede Schimpferei auf deu Ilmsturz und auf die Jugendverführung der Sozialdemo- kratie. Zugrunde lag der Unterhaltung ein Antrag des Grafen Rantzau, der die Ausdehnung der Schulpflicht bis zum sech- zehnten Lebensjahr fordert und ernste Erwägungen darüber verlangt. wie die Jugend länger als heute einer heilsamen Zucht und Ord. nung unterworfen werden kann. Der Kultusminister von Trott zu Solz zeigte viel Sympathie für den Antrag, soweit man sich von seiner Durchführung eine Bekämpfung der Sozial- demokratie verspricht. Er machte nur gehorsamst darauf oufni»rksam, daß Preußen schon jetzt außerordentliche hohe Mittel aufwendet, um die.patriotische" Jugendpflege in die Hand zu nehmen. Die Au»- dehnung der Schulpflicht auf da» 16. Lebensjahr ist ihm aber vor- läufig zu teuer. Das Herrenhaus lehnte darauf hin den Antrag. soweit er die«»«dehnung der Schulpflicht fordert, ab. nahm aber den ersten Teil, der die kräftigere Anwendung des Bakel« verlangt sim Antrage heißt das:.heilsame Zucht und Ordnung) an: Dieser Debatte voraus ging eine längere Erklärung des Kultusministers über den Fall Anton v o n W e r n e r. Herr Werner. der Fabrikant patriotischer Vchlachtenschinken. hatte bekanntlich behauptet. daß die Regierung aus Rücksicht auf Frankreich gegen die Ausstellung einiger Schlachtenbildcr Werners auS dem deutsch- ira». zofischen Kriege politische Bedenken erhoben habe. DaS scheint nun nach der Darstellung d-S Kultusministers in der Tat nicht der Fall gewesen zu sein. Räch ausgiebigen Berhandlungen über die Universität Münster wurde dann aucki noch einige» über die Volksschulen gesogt. Ein echter preußischer Landjunker. Herr v. Klitzing. beschwerte sich über die hohen Unterhaltungskosten, die er als Schul- Patron zu zahlen hat. Er jammerte über die S ch u l p a l ä st e aus de», Lande und über die viel zu nobel und geräumig ausge- statteten Klassenzimmer. J» später stund« wurde noch der Etat deZ Ministerium» de» Innern in Angriff genommen. Der neue Berliner Obekbürgermeijter V e r m u t h hielt dabei seine Jungfern» rede und fordert« im Interesse der Verwaltung städtischer Irren- Häuser nach verschiedenen Richtungen eine Reform des Jrrenrecht«. Der sattsam bekannte Graf Mirbach belobte in den höchsten Tönen die Scharfmacher- und Antiwahlreformrede; die der Minister v. Dallwitz unlängst im Abgeordnetenhaus gehalten hat. und die ganz au» de» Seele de» edlen Grafen gesprochen war. Tie weitere Etatsberatung wurde auf Mittwoch vertagt. Ei« Grostharzogtum als Morgengabe? Dem„Berl. Tagebl." wird aus Gmundcn, dem Sitz des Herzogs von Eumberland, gemeldet: .Aus hiesigen unterrichteten Kreisen verlautet, daß die Thron» besteigung des Prinzen Ernst August von Braunschweig im Bundesrat eine gesicherte Sache sei, daß ferner die bereits erwähnte Erweiterung Lüneburgs aus hannoverschem Gebiet der Wirklichkeit entspreche und der Prinz den Titel.Herzog zu Braun- schweig und Großherzog von Lüneburg" führen werde." Preußen ist zwar ein höchst seltsamer Rulturstaat und sein Parlament steht vielleicht. Ivas moderne Kulturanschau- ungen anbetrifft, noch unter der russischen Duma; aber dennoch vermögen wir kaum zu glauben, daß ein großer Landfetzen von Preußen losgerissen und dem Prinzen Ernst August geschenkt werden"soll— nur weil er die Tochter des preußischen Königs heiratet. Im Mittelalter war es allerdings Sitte, daß die deutschen Fürsten ihre Staaten als Privatbesitz betrachteten und davon ihren Schwiegersöhnen, natürlichen und unnatürlichen Söhnen, manchmal auch ihren Günstlingen männlichen und»veiblichen Geschlechts, größere oder kleinere Ländercicn zuteilten: doch so viele Ileberrestc sich aus mittel- alterlicher Zeit im Preußenstaat erhalten haben, ganz ohne Einfluß sind doch auch auf ihn die modernen Staatsauffassnngcn nicht geblieben. Zudem hat bei der Landverschenkung auch der preußische Landtag und ferner, da doch jedenfalls der neue Bundesstaat„L ü n e b u r g" Sitz und Stimme im Bundesrat haben soll, auch dieser und der Reichstag ein Wort bei diesem Geschäft mitzureden._ Deutscher Handelstag und TeckungSvorlage. Der Ausschuß dcS Deutschen H a n d e l S t a a S hat sich mit den Gesetzentiviirien zur Deckung der Wehrvorlage beschäftiot und, wie selbstverständlich ist, zu deu DeckungSvorschlägen fast dieselbe Stellung eingenommen wie der Hansabund. In der Besprechung wurde dem einmaligen Wehrbeitrag als einer außergewöhnlichen Maßregel grundsätzlich zugestimmt. In bezug auf die Heraufsetzung der unteren Vermögensgrenze von 10 000 auf 20 000 M. gingen die Meinungen auseinander. In bezug auf die Heranziehung der Ein- kommen zu dem Wehrbeitrag sprach sich der Ausschuß mit großer Mehrheit für eine Herabsetzung der Grenze von SO 000 auf 20 000 M. auS. Weiter war der Ausschuß der Ansicht, daß die Heranziehung der Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien als einzige der nicht physischen juristischen Personen nicht gerechtfertigt und die darin liegende Doppelbesteuerung mit Entschiedenheit zurückzuweisen sei.__ liebet den Kopf des Reichstages. Man schreibt uns: Der.Vorwärts" hat in seiner Nr. 93 darauf hingewiesen, daß anscheinend schon jetzt Ofstziere sür Stellen, die die neue Militär- Vorlage erst schaffen soll, ernannt werden, obwohl die Vorlage vom Reichstage noch nicht durchberaten, geschweige denn genehmigt ist. Wie steht«S nun mit den Mannschaften? Bekanntlich sollen schon im nächsten Herbst 63000 Rekruten mehr in die Armee eingestellt werden. Sie müsse» vorher gemustert und ausgehoben werde». Nun fand aber auch in diesem Jahre die Musterung der Rekruten im März und April statt, und die Aushebung wird in der Zeit zwischen Ende Mai und Anfang Juni vor sich gehen. Man darf wohl mit ziem- licher Sicherheit annehmen, daß die Ersatzkommissionen und Ober- ersaykommissionen angewiesen werden, auch die vom Reichstage noch gar nicht genehmigten 63 000 Rekruten mit zu mustern bezw. mit auszuheben. Wäre e» ander», so müßten im August und September nochmals Musterungen und Aushebungen stattfinden. Davon wird man aber nichts hören. So ijt eS gekommen, daß zur nämlichen Zeit, in der die neue Mililärvörlage erst offiziell bekannt gemacht wurde— es war am 28. März— die Bezirkskommandeure und die Zivilvorsitzenden der Eriatzkommissionen schon ihre Koffer packten, um die 63 000 Rekruten mustern zu können, über die der Reichstag noch nicht ein einzige» Mal beraten hatte. Und wenn der Reichstag die Vorlage bis Ende Mai nicht bewilligt hat, so kann e» geschehen, daß 63 000 Relruien ausgehoben, also auf die Truppen verteilt werden, noch ehe der Reichstag sie bewilligte. Diese Situation wäre dem Kriegsministerium vielleicht doch nicht ganz angenehm. Und darum soll der Reichstag die Vorlage durchpeitschen. Es ist ja sehr charakleristisch, daß dem Reichstag auch bei dieser einzig dastehenden Militärvorlage zugemutet wird, daß er sie schon am l. Oktober des Jahres, in dem sie ihm vorgelegt wurde, in Kraft treten lassen soll. Da sie ihm erst Ende März zuging, bleiben für die Beratungen deS Parlaments und für die mili- tärischen Vorbereitungen, die die Durchführung der Vorlage erheischt, nur sechs Monate. RüstungSknpital und Zentrum. Der badische ZentrumSführer Geistlicher Rat Wacker bedauerte dieser Tage in einer Versammlung, daß die Machinationen der Armeelieferanten nicht von einem bürgerlichen Reichstagsabgeordneten aufgedeckt wurde». Warum mußte eS gerade wieder ei» Sozial- demokrat sein? so fragte bekümmert dieser sanatische Feind der Sozialdemokratie. Run, die GieSbertS und Genossen, die sich der Kaiionen firma Krupp' als Verteidiger förmlich an den Hals warfen, waren siiberlich nicht die Berufenen, um daö lichtscheue Gebaren der Rüstzeuafabri» kanten an den Pranger zu stellen. Man hätte sich in ihren Kreisen vielleicht besonnen, ob nicht die Kenntnis der Praktiken der Militär- lieferanten gegen ein paar Jesuiten eingehandelt werden könnten. Bom braven Freisinn. Die Parteileitung der Breslau er Freisinnigen gibt in der dortigen bürgerlichen Presse diese Erklärung ab: „Gegenüber den von gegnerischer S«ite zu durchstchtizein Zwecke verbreiteten Gerüchte,» erklären wir nochmals und end- gültig, daß den für die Liberalen gewählten Wahlmäniiern von uns unter keinen U m ständen das Ansinnen gestellt werden wird, für einen Abgeordneten der sozialdemokratischen Partei zu stimmen. Das liberale Zentral-Wahlkomitee." Tiefer kann sich wohl kaum eine Partei in Furcht und Feigheit demütigen, als eS hier der Freisinn vor den Konser- vativen tut. Gott verlästt die Seinen nicht. Der bisherige Chefredakteur des„Reichsboten", der. wie wir meldeten, vom Verwaltungsausschuß dieses Blattes wegen feiner Haltung zu der sogen, lioeraleu Richtung im Evangelischen Bund und zu der konservativ-klerikalen Blockpolitik abgesägt worden ist, wurde vom Evangelisch-lutherischen Schulverein sür das Königreich Sachsen zum Generalsekretär gewählt und hat die Wahl sn« genommen._____ Tie Wahrheit über die Geraer Kommunalpolitik. Im Oktober l9Ü wurden von dem verantwortlichen Redakteur des„Geraischen Tageblatts", Dombrowski. eine ganze Reihe Un» Wahrheiten über die sozialdemokratische GemeinderatSmeHrHeit in die „Liberale Korrespondenz" lanciert, die seither trotz aller Richtig- stellungen vielfach bei Kommunalwahleu gegen die Sozialdemokratie ausgebeutet werden. Von diesen Unwahrheiten sind bereit» einige amtlich widerlegt worden. So wurde auch in der letzten Gemeinde- ratssitzuug wieder ein solcher Fall erledigt. In der„Liberalen Korrespondenz" war damals folgende Wendung zu lesen: � „... Ein besondere» Kapitel veansprucht die Beamienpolitik der Sozialdemokratie. Hier tritt daS Bestreben ziemlich klar zutage, sich einen gefügigen Apparat zu schaffen. Sie sägte zunächst einen ihr unbequem eu B a u r a t a b(waS ihr aber nicht zum Vorwurf gemacht werden soll)..." Bon unserem Geraer Parteiblatt, der„Renßischen Tribüne", wurde schon damals festgestellt, daß die Wiederwahl des BaurateS abgelehnt worden sei, weil u. o. aucH ein Führer der Liberalen schwerwiegende Bedenken gegen seine Wiederwahl vor- gebracht hätte. Ter Fall ging dann auch in die Reichsverbands« presse, die ihn zu einem„Schandblait sozialdemokratischer Partei« geschichte" stempelte. Run hat sich der Gemeinderat zum wiederholten Male mit den „Verdiensten des unbequemen BaurateS" befaßt. Beim Umbau ikts Schlachthofes, den jener Baurat noch vorbereitete und zum Teil auch noch leitete, werben jetzt Nachbewilligungen in Höhe von 189 000 M. gefordert, die größtenteils auf die ganz mangelhaste Bauleitung jenes BaurateS zurückgeführt werden. In der letzten Gemeinderatssitzung wurden diese Nachforderungen be- willigt und nicht nur von unseren Genossen, sonder» auch von bürgerlichen GemeinderatSmitgliedern schärfste Kritik an dem System des Baurats Marsch geübt. Alle bürgerlichen Redner waren mit unseren Genossen darin einig, daß der„abgesägte, unbequeme Bau- rat" die Hauptschuld an diesen Vorkommnisse» trage. Ein bürger- liche» GemeinderatSmitglied. zudem Fachmann, stellte fest, daß die p Kostenvoranschläge zum Schlachthofunibau in einer ganz traurigen Verfassung herausgegeben worden seien. ES sei doch sicherlich verwerflich, wen» nach dem Skizzenbuch, statt nach ordentlichen Plänen ge- arbeitet worden sei. Darauf wurde eine sozialdemokratische Resolution mit allen gegen nur zwei bürgerliche Stimmen tMittelständler) angenommen, in der bedauert wird, daß vom Stadlrat, der mit dem Baurat ver« anlworllich für die Ueberschreitungen ist, gesunde B e r- waltungSgrundsä?« vielfach außer acht gelassen worden seien und für die Zukunft sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen dürsten. Der Stadtrat hatte vorher erklärt, daß» e Z nicht wieder vorkommen solle".— Erwähnt sei»och. daß derselbe Stadtrat gegen unser Parteiblatt Strafantrag gestellt und auch eine Geldstrafe von 30 M. gegen den Verantwortlichen erzielt bat, weil dieser dem Bourat u. a.»Saum- seligkeiten" vorgeworfen hatte.___ Portugal. Eine Regierungserklärung. Lissabon, 29. April. In der Abgeordnetenkammer hat der Ministerpräsident folgende Erklärung abgegeben: Tie Regierung hat alle Anstifter der Bewegung und ihre Pläne gekannt. Stck hätte einschreiten können, bevor irgend eine. Handlung zur AuS- führung gekommen war, aber sie hat es nicht getan, damit jeder- mann die verbrecherischen, dem Vaterland und der Republik feind- lichen Absichten klar sehen könnte. Die Regierung hatte gehofft, daß die Agitatoren eine angreifepde Haltung einnehmen würden, die energische Maßnahmen gerechtfertigt hätten, aber sie haben sich vollständig feige gezeigt. Alle militärischen und polizeilichen Organe haben in patriotischer Weise mit der Regierung zusammen- gearbeitet. Die Regierung hat den Herd der Bewegung erstickt _>md angeordnet, das Prozeßverfahren zu eröffnen.—- Tie Kammer nahm darauf einstimmig eine Tagesordnung an, in welcher der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird.— Der Senat hat die in der Kammer abgegebene Erllärung der Regierung eben, falls angenommen. Den Blättern zufolge hatten die Anstifter der Bewegung gegen die Regierung die Liste eine« neuen Ministeriums vorbereitet, dessen Vorsitz Magalhaeslimo übernehmen sollte. ES wurden neue Verhaftungen vorgenommen. Lissabon. 29. April. In der verflossenen Nacht wurden vor der Kaserne dcS 13. Infanterieregiments zwei Bomben geschleudert, die Materialschaden anrichteten.— Dreizehn Arbeiter, die Soldaten für die Bewegung zu gewinnen suchten, sind verhaftet worden. Hticn, Die Gärung in Jndochina. Poris, 29. April. Der bekannte Forschungsreisende Bonvalo erklärte einem Mitarbeiter des„Echo de Paris": Diese« Komplott de» anamitischen Thronprätendenten ist nur ein Borwand. Di« tiefere Ursache der Unzufriedenheit, von der Jndochina erfüllt ist, ist darin zu suchen, daß wir seit 20 Jahren alles tun, um un« die Sympathien der Eingeborenen zu entfremden. So hat die kürzlich erfolgte Erneuerung des Altöholmonopols große Entrüstung hervorgerufen. Ich will nicht behaupten, daß dieses Monopol in einem Zusammenhang mit dem Anschlag von Hanoi steht, aber cS ist eine von den vielen Ursachen des Hasses der Eingeborenen gegen uns. DaS französische Volk weiß nicht,>vaS in den meisten unserer Kolonien vor sich geht. Es ist nicht sehr erbaulich. Zu dem in Hanoi verübten Boinbenattentat wird von mehreren Blättern bemerkt, daß die vor einiger Zeit von einem französischen Kolonialbeamten vorgenoimnenen Ausgrabungen in dem Grab- tempel des anamitischen Kaisers Tüdük KveifelloS viel dazu beigetragen haben, den Haß der Eingeborenen gegen die Franzosen zu steigern. Ter Führer der zweifellos gegen die Franzosen ge- richteten Aufstandsbewegung, Prinz Schüong-de, ist ein Abkömmling des Kaisers Tüdük. Cfrina. Ter Anloihekonslikt. Peking, 28. April.«Meldung des Reuterschen Bureaus.) Im «enat wurde die Unterzeichnung der Fünfmächteanleihe einer weit- gehenden Kritik unterworfen, da der Vertrag dem Senat nicht vorgelegt worden sei. Eine Kommission zur Prüfung der An- gelegenheit ist eingesetzt worden. Tie Kuomintangpartei erklärte, die Annahme ausländischer Ratgeber bedeute eine ausländische Kontrolle. Die Kuomintangpartei vertritt vermutlich etwa ein Prozent der gesamten Bevölfcrung, während die Anhänger Duan- schikais einschließlich seiner Armee etwa zehn Prozent der Bevöl- kcrung repräsentieren. Ter übrige Teil der Nation, dessen Interesse an der Regierung aus der Höhe der Steuer und auf. der Erhaltung der Ordnung beruhe, würde zweifellos Duanschikai unterstützen» falls cs zu einer Kriiis lamc. Die Regierung wartet die Eni« Wickelung mit Aulje ab, GewerkfcbaftUcbea. Streikbrecher find keine„Rerren"! Ter Genosse B t e n n e r vom Braunschweiger„Volks- freund" war wegen Beleidigung von acht Straßenbahn- angestellten angeklagt, die im vorigen Jahre bei dem Straßen- bahnerstreik in Königsberg von Brannschwcig kamen, nm Streikbremerdienste zn verrichten. Da? Schöffengericht und auch die Strafkammer hatten auf Freisprcchimg erkannt, mit der Begründung, daß in den beanstandeten Ausdrücken„Raus- rcißer" imd„verwerflicher Verrat" nicht Beleidigungen, sondern sachdienliche Bezeichnungen erblickt werden müssen. Das Dberlandes�ericht Hingegen deduzierte, daß eine beleidigende Absicht 19 dem fraglichen Artikel enthalten sei und verwies die Sache zu/ nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück. In der erneuten Verhandlung kam die Strafkammer dann zu einer Verurteilung: es verhängte die Verhältnis- mäßig sehr hohe Geldstrafe von AX) M. über den Genossen Brenner. Aus derllrtcilsbegründnug Vcrdicntcrivähnt zu werden, daß auch der wiederholte Gebrauch des Prädikates„Herr" oder die„Herren" als- beleidigend erachtet wurde. Das Gericht vertrat die Ansicht, daß es s 0 n st nicht üblich sei, unter solchen Umständen die Leute mit„Herr" anzu- reden. Die gerichtlichen Auffassungen über Strcikbrechcrbeleidi- gingen werden inimcr sonderbarer. Werden die Herrschaften ihrer Tätigkeit entsprechend, �beim richtigen Namen genannt, so läuft scmand Gefahr, wegen Beleidigung bestraft zn werden. Werden sie als„Herren" bezeichnet, so empfindet das Gericht selbst, daß dieser Titel wohl doch nicht die Qualität dieser dem Staate nützlichen Elemente und auch sonst toohl nicht ihrer Würde entspricht. Denn es ist„nicht üblich", unter solchen Umständen einen solchen Menschen mit Herr zu titulieren— so in diesem Falle das Gericht. Im Rechtsstaate Preußen ist kein Mensch so leicht zu be- leidigen, tvie die geheiligte Person des Streikbrechers. Berlin und Qmg-egrnd. Nach dem Streik in der Berliner Herrenkonfektion. Am Montagabend fand im„Elysium", Landsberger Allee, eine zahlreich besuchte Versammlung der Hcrrcnkonfcktions- schncidcr statt. In derselben sollte festgestellt werden, inwieweit die Arbeitgeber die getroffenen Vereinbarungen einhalten. Eine große Anzahl Beschwerden wurde vorgebracht, wonach einige Firilicn die tarifliche Bezahlung nicht geleistet haben oder sonst Dlsfe- renzcn vorlagen. Wegen der Durchführung des neuen Lohntarifs waren schon eine Anzahl Streitfälle seitens der Ortsverwaltung mit den Arbeitgebern erledigt worden. Mit wenigen Ausnahmen erhielten am Tage der Arbeitsaufnahme alle Arbeiter und Ar- bciterinnen wieder Arbeit zugeteilt. Noch nicht wieder beschäftigt werden bei der Firma Peel u. Cloppenburg 0 Arbeiter, bei der Firma Adalbert S t i or eine Arbeiterin und bei Leine- Weber tö Arbeiter. Auf der Werkstättc der Firma P e e k und Cloppenburg werden nach den Darlegungen der dort Be- schäftigten zurzeit an die im Zeitlohn Beschäftigten sehr hohe An- sorderungen gestellt. Tic hieraus«isbcsondcre.in der Hosen- abteilung sich ergebenden Differenzen werden von den Angestellten der genannten Firma ganz allgemein durch die Entlassung der be- treffenden Arbeiterinnen erledigt. Die Arbeiter der Firma St i c r geben ebenfalls den Angestellten die Schuld wegen der Beschwerden bezüglich der Nichtbezahlung des Tarifs sowie der LLeigrrung, die eine Arbeiterin zu beschäftigen. Wie in der Ver- sammlung mitgeteilt wurde, haben in den letzten Tagen noch weitere Verhandlungen mit der Firma Pect u. Cloppenburg wegen der Gewährung von Ferien stattgefunden. Die Geschäfts- Inhaber haben dabei einen ablehnenden Standpunkt eingc- nommen und dies damit begründet, daß sie nicht nur den Werk- fiattarbcitcrn Ferien gewähren könnten, während die Heimarbeiter davon ausgeschlossen sein sollten. Tic Heimarbeiter erhalten bei einigen anderen Firmen bereits Ferien, so bei Herpich Söhne nnd Leineweber. Die letztere Firma weigert sich dagegen überhaupt, den Tarif anzuerkennen und tarifliche Löhne zu zahlen. Sic ist im Gegenteil der Ansicht, daß sie die Schneiderei auch mit ungelernten Arbeitern betreiben kann. Diews Ver-« fahren der Firma Leineweber ist als Lohndruck anzusehen, � da sie ungelernten Arbeitern niedrigere als die tariflichen Lohn- sätze zahlt- � Tie Versammlung beauftragte die Verwaltung, geeignete Schritte zur Abstellung der Beschwerden zu unternehmen, lieber den Erfolg der zu diesem Zwecke gefaßten Maßnahmen soll dem- nächst in den Gcschäftssitzungcn Bericht erstattet werden. Achtung, Töpfer! Wegen Beschäftigung von Unorganisierten und Nichteinhaltung des Tarifs sperren wir hiermit dkc Firma Hermann Franke. Wilmersdorf. In Frage kommt zurzeit der Bau in der Franz-Josefstraßc, Weißensee. Die Verbandsleitung. Die Metallarbeiter der Deutschen Post- und Eisenbahn-Ber- kchrswcsen A.-tzl- Staaken bei Spandau befinden sich, wie schon mitgeteilt, im Streik. Die Firma versucht nun alle möglichen Elemente als Arbeitswillige heranzuziehen. Deren Tätigkeit bei der Firma kann die Interessen der Streikenden scdoch in keiner Weise schädigen. Außer den hinlänglich bekannten„Kaczma- r c k s" und ,.H i n z c g a r d 1 st e n" arbeitet die Firma mit dem gelben Werkverei». So ist man schon zur Gründung einer gelben Sumpfpflanze gekommen, deren Gedeihen sich die Direktion an- gelegen sein läßt. Zur Leitung dieses gelben Vereins hat man einen Arbeits- willigen berufen, dessen früheres Verhalten denselben schon sehr stark mit dem Strafgesetz in Konflikt gebracht hat. So ist er mit zwei Iahren Gefängnis sowie einem Jahr Arbeitshaus wegen Zuhälterei vorbestraft. Ferner beschäftigt die Firma Elcmestte, die wegen Messerstecherei sowie Eiubruchsdicbjtabl mehrere Male bestraft sind. Zur Bewachung dieser Leute stellt dxr Staat dem Unternehmen fünf Gendarmen unter Aufsicht eines Wachtmeisters. welche aus der Ilmgegend herangezogen worden sind, zur Ver. fügung. lieber das so ruhige Dörfchen ist eine Art Bclagerungs- zustand verhängt worden. Tie Streikposten verhalten sich ruhig und selbstbewußt. Sie lassen sich von den Arbeitswilligen nicht provozieren und auch durch die rlnwcsdnhcit der fünf Gendarmen nicht stören. Der Streik steht für die Arbeiterschaft günstig. Jeder Zuzug ist daher fern- zuhalten. Arbcitersreuudlichc Blätter werden um Abdruck gc- beten« Die Streikleitung. Deutliches Reich. Zentrale Bcrhandlungcn im Baugewerbe. Tie Verhandlungen, die seit dem 27. April in Berlin im Reichs- kagsgedäude fortgeführt und voraussichtlich die ganze Woche dauern werden, Häven für eine ziemliche Anzahl von X a r i f g c- bieten eine Einigung zwischen den Parteien gebracht. So sind völlig geregelt die Tarifgcbietc in Ostpreußen. In Wesipreutzen ist die Regelung bis auf ganz unbedeutende Gebiete ebenfalls erfolgt, in der Hauptsache auch i» Posen und Pommern, und im Königreich Sachsen überall bis ans Leipzig und Vororte. In der Provinz Sachsen und in Anhalt liegt für l6 Tarifgebietc eine Einigung.vor. Leider sind die Versuche, zu einer Einigung zu kommen für beide Mecklenburg, für Thüringen, Schlesien und Brandenburg auch diesmal ohne Erfolg geblieben. Für diese Pro- 'Verantw. Redakt.:»lfred Wrclepp, Neukölln. Inseratenteil vcrantw.: dinzen resp. Landesteile sowie für alle anderen Tarifgebiete, in denen eine Einigung nicht erfolgte, werden voraussichtlich zum Schluß der Woche Schiedssprüche der Unparteiischen zu erwarten sein. Ueber die Annahme resp. Ablehnung der Schiedssprüche haben dann die Organisationen zu entscheiden. Zu diesem Zwecke haben der Deutsche Bauarbeitcrverband und auch der Zimmererverband für die kommende Woche ihre Generalversammlungen in Berlin einberufen, so daß mit Bestimmtheit damit zu rechnen ist, daß die Entscheidung über Krieg oder Frieden im Baugewerbe noch vor den Pfingstscicrtagcn fallen wird. Der Verband der Steinfetzer im Jahre ISIS. Das Jahr 191L war für den Verband der Steinsetzer ein Jubiläumsjahr. Auf einem Kongreß im Jahre 1886 beschlossen, ist der Verband ioi Jahre 1887 ins Leben getreten— allerdings nicht als eine auf der Klasscnerkenntnis ihrer Mitglieder beruhende Organisation, sondern als ein zünftiger„Gesellenschaftsverband", dessen vornehmste Aufgabe sein sollte,„das Strolchwesen, das sich Steinsetzgeselle nennt und unser Gewerbe so sehr in Mißkredit bringt, zu beseitigen" und„ein geregeltes Gcsellemvesen über ganz Teutschland zu schaffen". Erst fünf Jahr« später erklärte sich der Verband offiziell als eine auf dem Boden des wirtschaftlichen Kamp- fes stehende gewerkschaftliche Organisation, wenn auch damit der Zunftgeist noch lange nicht überwunden war. Welcher Kämpfe es bedurfte, diesen Geist— besonders in der Zentrale des Ver- bandes: Berlin— zu beseitigen, das ist anschaulich geschildert in der kürzlich im Verlage des Verbandes erschienenen Geschichte der Berliner isteinsetzer-Gcsellenschäft. Der Verband hat nach seiner Reorganisation im Jahre 1892 dann allerdings in wirtschaftlicher Beziehung glänzend nachgeholt, was er vorher versäumt hatte. Und auch der Bericht für 1912 be- weist, daß der Verband ein würdiges Glied der deutschen Gcwerk. schaftsbcwcgung ist. Es kam ihm dabei zustatten, daß— mit Ausnahme von Grotz-Berlin— das Jahr 1912 ein für das Stein- setzcrgcwcrbc außerordentlich günstiges war. Der Jahresbericht ver- weist u. a. darauf, daß nach den Berichten der deutschen Stein- industricbetriebe, soweit sie sich in Händen von Aktiengesellschaften befinden, die Steinbrüche, die sich mit der Herstellung von Pflaster- steinen befassen, vielfach gar nicht in der Lage waren, die ange- forderten Mengen rechtzeitig liefern zu können. Beiläufig eine treffliche Illustration zu der angcbticheu Notlage der deutschen Steinindustric, in der sie sich durch das Nichtvorhandensein eines ZollschutzcS gegenüber der schwedischen Pflasterfteincinfuhr befindet. Gegen den Pftasterstcinzoll führt der Verband der Steinsetzer seit Bestehen dcs�Zolliarifes einen energischen Kampf, weil durch einen solchen das Steinsetzgewerbc ruiniert würde. Ter Verband führte im Berichtsjahre nicht so umfangreiche Kämpfe wie in den früheren Iahren. Bei einer Mitgliederzahl im Jahresdurchschnitt von 19 939(Vorjahr 19 796s führte der Ver- band insgesamt 68 Bewegungen mit 3998 Beteiligten, von denen nur zlvci mit 52 Beteiligten ergebnislos Verliesen und zwar je ein Angriffs- und Abwehrstreik. Erreicht wurde durch die Bewegungen nnd Lohnkämpfe: Arbeitszeitverkürzung für 671 Beteiligte 1142 Stunden pro Woche, Lohnerhöhung für 2993 Beteiligte 9935 M. pro Woche. Von den Bewegungen waren 9 Angriffs- und 7 Ab- wcbrstreiks. 32 Bewegungen ohne Arbeitseinstellung verliefen mit Erfolg. Tarifverträge bestanden am Jahresschluß 121 für 1239 Betriebe mit 12 694 Beschäftigten, wovon 19117 Verbandsmit- glieder ivaren. Es sind demnach durch den Verband die Lohn- nnd Arbeitsbedingungen für nahezu drei Viertel aller Bernfsangchöri- gen(mit Ausnahme der Hilfsarbeiter) tariflich geregelt. Unter den Tarifverträgen befinden sich zahlreiche, die ganze Provinzen oder größere zusammenhängende Wirtschaftsgebiete umfassen. Tie stetige Entwickelung des Tarifwesens im Steinsetzgewerbe hat dazu geführt, daß im Jahre 1912 die Verhandlungen zur Anbahnung eines Rcichstariss, die schon seit Jahren geführt worden sind, zu cincin gewissen Abschluß gelangt sind. Bemerkt muß werden, daß es hier die Arbeiter gewesen sind, die zuerst und zwar schon vor 12 Jahren, den Gedanken des Reichstarifs aufgeworfen haben. Der Vcrbandstag hat dem beiderseitig vereinbarten Vertrage gegen eine kleine Minderheit zugestimmt. Zwei statistische Erhebungen über den Stand des sanitären Arbcitcrschutzcs in den Jahren 1919 nnd 1912 beweisen, daß in dieser Hinsicht noch mancherlei zu wünschen übrig ist— aber auch, daß der Stand des Arbeitcrschutzcs durchweg da am besten ist, wo es auch um die Organisation am besten bestellt ist. Eine Statistik über die Lohn- und Arbeitsbedingungen im Bereiche des gesamten Verbandes, die auch die Regiebetriebe umfaßt, beweist, daß nnt ganz vereinzelten Ausnahmen die Regiebetriebe noch immer hinter den meisten Privatbetrieben zurückstehen nnd daher immer noch nur als„M u st c r b e t r i e b c" wie sie nicht sein s 0»l c n, ausgesprochen werden können. Die Finanzlage des Verbandes bat sich in vorzüglicher Weise gehoben. Das gesamte Vermögen des Verbandes belicf sich am Jahresschluß auf 356 351 M. Verausgabt wurde u. 0. für Streiks 48 885 M., Gematzregeltenunierstützung 1927 M., Fachorgan mit fachtcchnischcr Beilage„Die Straße" idic bei den Mitgliedern sich einer großen Beliebtheit erfreut) 21 999 M.. Agitation 47 579 M., Reiscuntcrstütznng 2998 M., Notfalliintcrstütznng 4366 M., Rechts- schütz und Gcrichtskosten 2819 M., Krankcnuntcrstützung 21897 M., Stcrbcuntcrstützung 11 959 M. Ein neues Heim der Bielefelder Metallarbeiter. Die Verwaltungsstelle Bielefeld des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes hat vor einiger Zeit ihr neues Heim,„die Eisenhütte", dem öffentlichen Verkehr übergeben. Tic Bielefelder Verwaltungsstelle der'' Metallarbeiter zählt gegenwärtig 8599 Mitglieder. Von den ca. 18 999 im Gewerkschafkskartcll vereinigten organisierten Arbeitern stellt sie allein ungefähr fünfzig Prozent. Ihre Entwickelung ist mit Riesenschritten vorwärts ge- gangen. Im Jahre 1992 kaum 1999, heute 8599 Mitglieder, von dem einen Gedanken der Zusammengehörigkeit und Solidarität be- scclt. Die Burcauräumc waren bis zum Jahre 1996 in einem Mietshause untergebracht, doch erforderte die immer steigende Mit- gliederziffer eine Vergrößerung, die dadurch erzielt wurde, daß ein in der Marktstraße gelegenes Haus erstanden und entsprechend ein- gerichtet wurde. Auch diiffe Räumlichkeiten konnten den gesteigerten Anforderungen nicht standhalten und so entschloß sich die Verwaltung im Jahre 1912, einen Neubau zu errichten. Dieser Bau ist jetzt fertiggestellt, und es darf von ihm behauptet werden, daß er in bezug aus Schönheit der Linienführung und inneren Ausgestaltung jedenfalls eines der schönsten Gebäude darstellt, welches von Arbeitern für Arbeiter errichtet wurde. Die Tuffsteinsassad» macht in ihrer Läilge von nahezu 29 Metern und ihrer ruhigen Durchführung einen geradezu imposanten Eindruck. An den etwas hervortretenden Pfeilern des Erdgeschosses sind rechts und links in künstlerischer Ausführung verschiedene Embleme plastisch herausgearbeitet, die aus die per. schiede-.'-� Berufe der M-tallarbeitcr K�wcisen. Die"brigen vier Pfcilcr'vcrsinnbildticheff die Solidarität der Arbeiterschaft, Froh- sinn und Unterhaltung, das eifrige Streben nach Wissen und Er- tenntnis und schließlich den Kampf der Arbeiterschaft im all- gemeinen. Die im Erdgeschoß bctindlichcn Räume dienen Rcstauratfons- nnd Pcrsammlungszwccken. Im ersten Stockwerk befinden sich die Geschäftsräume des Deutschen Mctallarbcitcr-Vcrbandcs. Hohe Glasjchaltcr gestatten de» mit der Auszahlung der Unterstützung und Abfertigung der Arbeitslosen betrauten Beachten ein ungestörtes und sicheres Arbeiten. Im zweiten Stockwerl sind die Bureaus Pcs Verbandes der Braucreiarbeiter, des Tertilarbciter-Bcrbandes. des Handlungs- gehifen-Pcxbandes. sowie des Arbeiter- und Gewerkschaftssekrcta- riats untergebracht. Tie Zentral-Arbeiterbibliothek mit angrcn- zendem Lesezimmer und das 0. 159 Personen fassende Jugendheim befinden sich ebenfalls hier. Im Dachgeschoß sind zwei Wobnungen 'iH.Glilte, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. ti Verlagsaifjtali für den Wirt und den Hausmeister, sowie einige andere Zimmer eingerichtet. In jedem Stockwerk stehen Sitzungszimmer für die einzelnen Korporationen zur Verfügung. Alles in allem hat Herr Architekt Alwin Hans ein Kunsiwer? von hohem architektonischen Wert geschaffen. Stukkateure und Putzer!'In Schlawe in Pommern steheir die Bauarbeiter im Streik.— Von den Unternehmern wird nun versucht, die Putzarbeit von Stukkateuren und Putz"» fertigstellen. zu lassen. Wir warnen hiermit unsere Kollegen davor, Arbeits- angebote nach Schlawe anzunehmen, da die nach dort Angeworbc- neu nur als Verräter an ibren Klassengenossen diene» sollen. Die Sektionsleitung. I. A.: August Dieterich. Der Streik in Oberschlesien dauert unverändert fort. Die Pol- nische Berufsvcreinigung hielt dieser Tage 21 Versammlungen ab. Die Versammlungen waren meistens unter freiem Himmel und jede von über 2999 Personen besucht. Ueberall wurde beschlossen, weiter im Ausstand zu bleiben, und besonders die in den Maschinen- betrieben Beschäftigten wurden aufAlssordert. mitzustreiten. Auch kommen täglich neue Meldungen, daß Maschinisten in den Streik treten. Die Zabl der sircikcndcn Maschinisten soll 3299 betragen. In den Huldschinsthschen Werken und in der Ober- schlcsischcn Eisenindustrie, Ober- und Unterwerk, sind in einigen Abteilungen Feierschichten wegen Koblenmangcl eingc- legt worden. Die Streikbewegung wird immer stärker. Am Sonn» abend sind auf Delbrücks ch acht in Makoschau 729 Mann von 833 nicht eingefahren. Auf Brandcnburggrubc streiken 84 Prozent, auf Wolfganggrube 57 Prozent, auf Graf Franzgrubc 76 Prozent, auf Castcllcngrubc 81 Prozent. In Kattowitz ist heute die Zahl der Streikenden um 4—599 Mann größer. Auf der Concordiagrube fehlten 378 Mann. Die Kauflcutc sammeln für die Streikenden. Es sollen schon größere Beträge zusammengekommen sein. Je ruhiger die Bergleute den Kampf durchführen, desto mehr Schutzleute werden nach Oberschlcsicn geschickt. Aus Tanzig, Ham» bürg, Breslau sind wiederum Schutzleute in Kattowitz eingetroffen. Der Streik in der Höchrrlbrauerei zu C u l m in Westprenßen dauert unverändert fort. Alle Bemühungen der Streikleitung, mit der Direktion zu verhandeln, scheiterten. Auch eine Kom- Mission der Arbeiter wurde abgewiesen. Die Direktion verlangt, daß jeder einzelne Arbeiter bei ihr um Wiedcrcinstcllung bittet. Das lehnen die Arbeiter natürlich ab. Am Sonntag, den 27. April, kam ein Streikbrccheragent mit 24 Mann aus Hamtzurg. Als diese Nachricht im Orte bekannt wurde, war eine Völkerwanderung nach dem Bahnhof zu beobachten. Diese Streikbrecher, die von Polizei und Gendarmerie in Empfang genommen wurden, em- pörten die Bevölkerung, besonders auch die Frauen. Es kam zu einigen Zusammenstößen: schließlich wurde sogar Militär zum Schutze der lieben Arbcirswilligen mobil gemacht. Bedenkt man, daß die Brauerei diesen Arbeitswilligen 27 M. pro Woche und freie Verpflegung gewährt, so ist es unverständlich, daß sie den streikenden Arbeitern nicht einmal 2 9 M. bewilligen will.— Zuzug ist von Culm fernzuhalten. LrCtzU Nachrichten« Tic Friedensverhandlungen. London, 29. April.(W. T. B.) Das Rcuterschc Bureau erfährt: Mit Rücksicht auf die in Balkankreiscn geäußerte Befürchtung, daß die Wiederaufnahme der direkten Verband- langen zwischen den Verbündeten und der Türkei eine Ver- zögerung erleiden werde, sind gegenwärtig zwischen den Re- gicrungen der Großmächte Verhandlungen im Gange, um die Friedensgrundlagen vorzu» bereiten, die dann der Billigung der Äriegfiihrendcu unterbreite werden sollen. Desavouierung Effad Paschas. Konstantinopcl, 29. April.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.» Korresp.-Bureaus.) Amtliche, der Pforte nahestehende Kreise er» klären, keine Kenntnis von dem Schritt Essad Paschas zu haben, den sie offen mißbilligten. Die Pforte hat an ihre Botschafter ein Zirkularschrcibcn gerichtet, in welchem sie in aller Form die Gerüchte dementiert, daß Essad Pascha in Ilebercinstimmung mit der türkischen Regierung gehandelt habe und erklärt, daß sie sein Vorgehen lebhaft tadele. Gefährliche Marschleistungen. Straßlmrg i. E., 29. April.(W. T. B.) lieber den Ausgang eines heute vom Infanterieregiment Nr. 132 unternommenen ll c b u n g s m a r s ch e s Straßburg-Wanzcnau-Hoerdt und zurück (45 Kilometer) waren heute in der Stadt übertriebene Gerüchte verbreitet. Danach sollten über 199 Mann auf der letzten Marsch- strecke innerhalb der Stadt marschunfähig geworden sein. Man sprach sogar von acht Toten. Tatsächlich- s i n d c i n i g e 4 9 M a n n infolge der großen Hitze schlapp geworden, von denen meh» rere, wie verlautet, wegen Hitzschlagverdachts in da? Lazarett eingeliefert wurden. Zu bemerken ist, daß die Leute gegen Mittag in B i w a k st c l l�n g abgekocht hatten.__ Wie Deutschenhedcn rntstehen. Stuttgart, 29. April.(W. T. B.) Die„Württembergcr Zsi- tnng" meldet aus Paris: Vor der neunten Strafkammer batte sich heute der an der Pariser Universität immatrikulierte deutsch« Student Karl Haag aus Stuttgart zu verantworten, dem zur Last gelegt wurde, in der Nackt vom 25. auf den 26. April in einem Boulevard-Cafe beleidigende Acußcrungen über Frankreich getan und dadurch eine allgemeine Prügelei ver- anlaßt zu hoben. Besonders streng wurde ihm vorgehalten, daß er gesagt habe: Von Euch niederträchtigen Franzosen st ecke ich sechs auf mein Bajonett und röste sie lebendig. Obgleich Haag sich mit Trunkenheit, die auch von Augenzeugen bestätigt wurde, entschuldigte, hielt dos Gericht es für angemessen, ihn zu zwei Monaten Gefängnis und 195 Francs Geldstrafe zu verurteilen. Tie gcnassiihrte Polizei in Jndochina. Paris, 29. April.(38. T. B.) Zu dem Bombenanschlag von Hanoi wird gemeldet, daß der Kolonialminister den Oberresrdcnten von Annam, Mahe, welcher die Ausgrabungen im Grabtempel des Kaisers Tüdük angeordnet und dadurch unter den Eingeborenen Erbitterung hervorgerufen habe, abberufen Hat- Als bcmer- kenswcrt wird weiter berichtet, daß die f r a n z ö j> 1 cb c 4 0 1 1 z e j in Jndochina, welche über zahlreiche eingeborene A n g c b e r verfügt, über das von longer Hand vorbereitete.Komploft nicht unterrichtet war. ES scheint, daß die Angeber für die Sache der Verschwörer gewon neu sind. HauISlngeczCo.,Berl�'V/I�H:erzu3�ftlagcn u.llntcrhaltu»>»dl. Ztr. 104. 30. Jahrgang. 1. Stilnjf Ks Jotniärts" öttlintt BilhtilJtt. M«». 30. April 1913. Znm Kandtagsmtthlkampf. NoSenivucher in Brenken. Riesenhafte Mehreinnahmen, Steigerung der Grundstüctsprcise und Wachs« der Hypothekenlasten, das ist das Resultat unserer Junlerpolink. Angeblich um einen Notstand der Landwirtschaft zu mildern, schanzen sich die Junler bei allen möglichen Gelegenheiten Liebesgaben auf Kosten der Allgemeinheit zu. Die Mehreinnahmen erlauben dann eine Steigerung der Bodenpreise. Die Beutcpolitiker verkaufen die vaterländische Scholle, sacken Riesengewinne ein. Der nächste Besitzer nuitz ein größeres Anlogekapital verzinsen, die Hypothekenlasten wachsen, die Not der Landwirtschaft ist dauernd. Nach einer Berechnung von Walter Rotkegel stiegen in dem Zeit- räum von 1835 bis 1333 die Preise der Güter in der Größe bis 23 Hektar um 11—13 Prozent von 20„ 100 ,.„ 23 über 100„„ 34—36 Noch viel tollere Preissteigerungen, bei denen die Junker viele Millionen„verdienten", kommen in den Käufen der Königlichen Ansiedelungskonrmission für Westprcußen zum Ausdruck. Tie von der Kommission erworbenen Güter kosteten: insgesamt pro Hektar M. M. 1886... i 4 335 346 601 1836.... 1034610 673 1908.... 7 446 482 1 257 1909,... 18 044 564- 1 324 1910.... 10 627 769 I 349 Seit 1886— bis 1910— hat die Ansiedelungskommisfion für insgesamt 262 26S 377 M. Güter erworben. Den Durchschnittspreis, der 1886 erst 601 M. betrug— 1888 sogar nur 589 M.—, hat das planmäßige Hinauftreiben der Preise durch die patriotischen Junker auf einen Durchschnittssatz von 994 M. pro Hektar für daS gesamte in den 25 Jahren erworbene Terrain hinaufgetrieben. Unter dein Deckmantel der Stärkung deS Deutschtums im Osten»rächen die Junker genau solche patriotischen Geschäfte wie die Panzerplatten- nationalen mit dem RüstungSrummel. Die agrarische Politik kann natürlich zu keiner„Entschuldung der Landwirtschaft' führen, sie läßt die Hypotheken immer mehr anwachsen. Die Mehreintragungen waren größer als die Löschungen: im Jahre 1900 um 396 Millionen Mark .. 1904, 407 „„ 1905. 469 „. 1906„ 51f>„„ „, 1907„ 556„„ ,„ 1908. 584 .. 1909„ 640 Wenn die LiebeSgabenpoliliker eine ordentliche Steigerung der Bodenpreise durchgesetzt haben, dann verkloppen sie die„heimatliche" Scholle und der nächste Besitzer kämpft wieder für neue Liebesgaben zur„Erhaltung der nationalen Landwirtschaft". Allein im Jahre 1909 wechselten 65 924 Güter oder Teile davon den Besitzer— nur in Preußen! Bei 6459 Besitzveränderungen war daS Terrain über 20 Hektar groß. ES gibt keine gemeinere und frechere Plünderung des Volkes als durch die Junkersippc, die mit dem Drciklasscnwahl- recht ihre Herrschaft dauernd zu erhalten sucht. Von den Verschrobenheiten des Srei- hlsiienutshlrechts. Dic Wahlbezirke für die Wahl der Wahlmänner zur Preußischen LandtagSwahl werden bekanntlich nach der„Seelen- zahl" gebildet. Bei Feststellung der Seelenzahl werden natürlich auch die Nichtivahlberechtigten mitgezählt. Auf je 230 Seelen muß ein Wahlmann kommen, ganz gleich, ob unter diesen Seelen viele oder ivenigc Wahlberechtigte sind. Die wenigen Wahlberechtigten, die in Bezirken mit einer großen Zahl Ztichtwahlberechtigtcr wohnen, erlangen hierdurch eine Verstärkung ihres Wahlrechts. In F r a n k s u r t a. M. ist bei der diesmaligen Wahl � ein Bezirk gebildet, der 1717 Seelen zählt, aber nur 47 Wähler aufweist. ES ist der Bezirk, in dem das st ä d t i s ch e Krankenhaus liegt. Außer dem Krankcnhause gehören noch acht Häuser, durchweg mit wenigen Einwohnern zu dem Bezirk. Diese 47 Wähler wählen in drei Klassen sechs Wahlmänner. Wie man das Dreiklassenwahlrccht betrachtet, immer ist es vollendeter Unsinn. eiienbshner und Candkagswahlen. Die bevorstehenden LandtagSwahlcn wecken überall von neuen, den Ingrimm des Proletariats über ein Wahlrecht, dessen Nichtswürdig- keit zu kennzeichnen beinahe Wortvcrschwendung wäre. Keine Arbeiter- gruppe hat aber wohl mehr Ursache als die E i s e n b a h n c r, den schimpflichen TcrrorismuS zu verwünschen, deck" mit dem elendesten aller Wahlsystcmc unlöslich verbunden ist. Die Eisenbahner sind bei diesen Wahlen dazu auserkoren, die Schutztruppe der „OrdnungSpartcien" zu bilden und durch die Wahl eines staats- erhaltenden Wahlmannes noch der Regierung dafür zu danken, daß diese sie ihrer gesetzlichen Rechte beraubt hat und sie ungenügend entlohnt. Die Regierung weiß sehr wohl, waS sie bei den öffentlichen Wahlen an den Eiscnbahnbediensteten hat und mit einer erfrischenden Naivität ist ihnen die Abhängigkeit, in der sie die Oc ff entlich- keit der Abstimmung hält, durch jenen Ministererlaß vom 13. Fe- bruar 1894 zu Gcmüte geführt worden, der ausdrücklich bestimmte, daß nur bei den genau kontrollierbaren LandtagSwahlcn für die versäumte Arbeitszeit eine Lohnvergütung gewährt werden solle, daß aber für die ReichStagStvahlen mit geheimer Abstimmung zum Erlaß einer solchen Anordnung kein Bedürfnis bestehe. Dieser Erlaß soll ja nun später geändert worden sein,' geblieben und verschärft worden ist aber der wirtschaftlicheJ Iv ang im Eisen- bahnbetricbe, an den hier unter Hervorhebung der wichtigsten Daten erinnert werden soll. Als Mitte der neunziger Jahre auch die Eisenbahner sich gewerkschaftlich zu organisieren suchten, griff sofort die Eisenbahnbehörde mit einer vom 14. Juni 1897 datierten Per- fügung ein, die sämtlichen Angestellten und Arbeitern im Betriebe der Staatseisenbahnverwaltung die Mitgliedschaft im Verbände der Eisen bahn erDeutschlands verbot mir der Androhung, daß jede Zuwiderhandlung gegen diese Androhung sowie jede Unterstützung der Bestrebungen des BerbandeS, die auch in dem Halten des„Weckrufs der Eisenbahner" zu sehen sei, unnachsichtlich Entlassung im KllndigungSwcge zur Folge haben werde. Die Eisenbahnbehörde machte sich bei dieser Gelegenheit den Scherz, zu betonen, daß das Verbot im„wohlverstai, denen I n t e r- esse" der Angestellten und Arbeiter verfügt worden sei. Sollte diese Begründung überhaupt einen Sinn haben, dann konnte es nur der sein, daß die Behörde als Arbeitgeber freiwillig ihren Untergebenen die Borteile zukommen lassen werde, die organisierte Arbeiter sich mir Hilfe ihrer Organisation zu erringen suchen. Prüfen wir an der Hand der Tatsachen, auf tvclche Weise dies ge- schehen ist. Zunächst machte der Eisenbahnminister— Thielen hieß er da- mals— sich durch eure große nationale Tat einen Namen. Er gab im Mai 1898 einen Erlaß heraus, wonach bei den im Eisenbahnbetriebe notwendigen Arbeiten deutsche Arbeiter bevorzugt?— ei, bewahre!— ivonach deutsche Arbeiter im Gegenteil n a ch Möglichkeit nicht b e s ch ä f t i g t w e r d e n sollten. Die wesentliche Stelle dieses, den Agrariern zuliebe kundgegebenen Aktenstückes lautet: „Zur Milderung des in der Landwirtschaft herrschenden Arbeiter- mangels würde es beitragen, wenn zu den Eisenbahn- Neubauten, bei denen die Arbeitsgelegenheit naturgemäß nur eine vorübergehende ist, wenigstens in gewissen LandeSteilei, in größerem II in fange als bisher ausländische Arbeiter herangezogen werden könnte n." Natürlich nutzten die unteren Regicrungsorgane in ihrer Junker- freundlichkcit diesen Erlaß sofort ans, und so ordnete der Landrat v. Hirschhausen durch öffentliche Bekanntgabe an, daß bei den im Kreise notwendigen Eisenbahnncubauten ortsansässige Arbeiter nicht angenommen würden. Handelt cS sich bei dem hier erwähnten Erlaß deS Eisenbahn- Ministers im allgemeinen um eine drastische Art deS Schutzes der deutschen Arbeit in Stadt und Land, so sorgte Herr Thielen in einer iveitercn Kundgebung an die Eisenbahn- dircktionen, die vom 4. März 1899 datiert war, dafür, daß den Eisenbahnangestellten beileibe nicht durch Gewährung von zu viel freier Zeit Gelegenheit zum Nachdenken über ihre Lage gegeben lverde. Der Erlaß beziveckte„die wirtschaftliche Regelung des Dienstes des Bctriebspersonals" und gab Anweisung, wie für den Fall, daß ein Dienst ohne Ueberanstrengung nicht mehr geleistet werden könne, die notwendige Dicnstcrleichterung nicht ohne weiteres durch Herab- s c tz u n g der Dauer der Dienstschicht herbeigeführt zu werden brauche. Jin Gegenteil. ES stehe„nichts entgegen, des Nachts längere Dien st schichten einzulegen".„Hierdurch wird auch die Möglichkeit geboten, den Dienst, wie dieS von einer könig- lichen Eisenbahndirektion in Anregung gebracht worden ist, an den Wechseltagen ohne Einstellung von Ablösern in der Weise zu regeln, daß beim Dienstwechsel ein beispielsweise sonst achtstündiger Dienst auf zehn oder zwölf Stunden verlängert wird.' Diese Anordnung, die entsprechend abgeändert auch für weitere Dicnstzweigc erlassen wurde, erregte besonders um deswillen Be- fremden, weil zu jener Zeit sich mehrere Eise»bahn Unfälle ereignet hatten, deren Ursache»nt hoher Wahrscheinlichkeit auf eine II c b c r b ü r d u n g des Personals zurückzuführen war. Natürlich stellten die sozialdemokratischen Abgeordnete» die Ausbenterpolitik im Preußischen Eisenbahnbetriebe gebührend an den Pranger. U. a. ge- schah dies in der Reichstagssitzung vom 12. März 1901. Ein höherer Eisenbahnbcamter quälte sich daraufhin vom Bundesrats- tisch aus um den Nachweis, daß gerade in den späteren D i e n st st u u d c n des Bewicbspersonals am wenig st e n Unfälle sich ereigneten. Mittlerweile mühte sich der Eisenbahnminister weiter um die Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbcdi ngungen feiner Untergebenen. Ein Erlaß vom Sommer 1901 verfügte, daß zur Verminderung der Betriebsausgaben der preußischen Eisenbahncm daS Personal verringert werden müsse, und daß. sei es durch Lohureduktion, durch Einführung des S tü ckl pH y e£ anstelle des Tage- und Stundenlohnes oder durch Ersetzung m ä n n- l i ch e r Arbeitskräfte durch billigere weibliche ebenfalls gespart werden müsse. Die sozialdemokratische Presse, die tvie die vorhergehenden Dokumente, so auch diesen Erlaß dem Urteil der Oeffentlichkeit preis- gab, nahm natürlich wiederum pflichtgemäß die Interessen der be» drängten Eisenbahnarbeitqr Ivahr. Dafür wurde ihr in einer offiziösen Kundgebung vom 23. September 1901 die folgende Volks, ivirtschaftliche Weisheit entgegen gehalten: kleines feuiUeton. Feste Justav, Deutschlands Eichel Das Profil Erich Schmidts, deZ Berliner Literaturprofessors, hat für dieses Semester abgesagt. Vertreter: Roethc, Gustav. Professor und Damenfresser. Da daS Kolleg SchnridlS den Anschein eines Mädchenpensionats hatte, so fragt sich, was tut der andere mit den Jungfrauen. Wird er sie hinauswerfen oder wird er sie nicht hinauswerfen? Dies die große Frage. In diesem Fälle ist nichts verloren. Beide Prvfessores sind keine Leuchten, sondern Nachtlichter, und ob die jungen Damen.— die weniger Studentinnen sind als eben... junge Damen,— den Zuckerseim des einen und den Bierbaß des anderen genießen, kann uns gleich sein. Was uns aber nicht gleich sein kann, ist, daß cS im Belieben des einzelnen UniversitätsprofesiorS steht, Damen zum Kolleg zuzu- lassen. Der Professor wird vom Staat bezahlt und Hot seine Arbeit zu leisten. Wer da im Auditorium sitzt, hat ihn nicht zu kümmern, denn alle seine Zuhörer find von der Universität ausdrücklich zu- gelassen. Niemand ist von der Straße hereingelaufen, er kann sich also nicht beschwere», vor Laien lesen zu müssen. Frauen sind zum Studium zugelassen. Wenn man sie aber zu- läßt, wenn man ihnen das Geld abnimmt, dann sorge man dafür, daß bezahlte Lehrkräfte das tun. wofür sie ihr Geld bekommen. Die Damen und Mädchen aber sollte man nicht so lange warten lassen, bis auch Roeihe, Gustav den Zug der Zeit begriffen hat. Denn daS dauert bei dieser Sor:e immer ein bißchen lange. Die neue franzöfische Polarrxpedition. Noch in diesem Soimner soll eine Polareypedition Frankreich verlassen, die unter der Führung von Julius v. P a y e r, dem Sohn des berühmten Polarforscher», stehen und von der französischen Regierung und verschiedenen Gesell- schaften unterstützt werden wird. Das Ziel ist Franz-Josepb- Land, dessen Entdeckung Julius v. Payer dem Aclteren zu danken ist. Die neue Expedition will ursbesondere den Rand des PolarbeckenS im Nordosten von Franz-Joseph-Land erkunden und dann genauere Er- Mittelungen über die Ausdehnung dieses Becken und den Kontinental- fockel in diesem Teil des arktischen MeereS erzielen. Ein Besuch des Nordpols wird nicht mrt Bestimmtheit geplant, gilt aber als Neben« zweck. Drahtlose Tclegraphie und zwei Aeroplane werden den Forschern zur Verfügung stehen. Der Baukünstler des BierpalasteS. G a b r i e l S e i d l. der am Sonntag gestorbene� Äkllnchner Architekt, ist, wie alle seine Zeit- genoffen, auS der Schule der historischen Stile hervorgegangen. Die Renaissance war der ergenurche Nährboden serner architektonischen Phantasie, aber er hat stch aus allem angeeignet, was ihm brauch« bar erschien. Er, war al,o. wenn man will, ein Eklektiker. Aber seine ganze Baukunst atrnet eine io natürliche Gesundheit, Heiterkeit, Formen- und Lebensfreude, ne geht so instinktiv auf das Zweckmäßige zu und versteht die Baumasie» so genial zu organisieren, baß seine Schöpfungen einen reinen Genuß bereiten. Die Bewegung. unserer Architektur, die auf dre dcutfche Aenaisiance zurückgriff, ''. te anfangs der siebziger �ahre ern. Die Münchner deutsche Kunjtgewerbe-AuSstellung von 18(6 stellt ihren Markstein fjor. Der damals noch mcht dreißigjährige Seidl erschien 0vt mit einer Inneneinrichtung, einem.deutschen Zimmer", daS im Renaissancestil gehalten war. Er war selbst so etwas wie eine deutsche Renaissancenatur, linerschöpflich reich an Ersuidung, von heilerer Lebensfreude erfüllt und beherrscht von einer natürlichen inid uilbändiaei» Lust, alles zu beleben und künstlerisch zu bewegen. Diese Eigeiuchasleu befähigten ihn, einer der Führer der neuen Münchener Baukunst zu werden. Neu-München und Gabriel Seidl sind uutrenntich iinieüiander verbunden. Seidl schuf das als Bau- gruppe außerordenitich geschickt angelegte RirnstlerhanS nnd schließlich das riesige Skationolinuseuni, nnd er Ivar der Schöpfer jener iiioderncil Münchener Keller, die im Leben der Jsarsladt eine so erhebliche Rolle spielen I Er hat als erster jene großen WirtSräume zu schaffen ver- standen, die der inodcrne Bierpalasibelrieb brauchte. Durch die geschickteste Raumeliiteilung, durch die glänzende Verweudimg von Farbe und Ornament verstand er. diese Räniiie so sein»nd so be- baglich zu gliedern, daß ein ganz neuer, inoderncr WirtShaustypuS sich daraus bildete. Tic(lemeiilgesährlichen Wolkenkratzer. Nach stadtamtlicher Zählung giebt es im Innern der Stadt New Jork, auf der JiiselManhattaii näm- lich, gegewärtig neun Häuser mit mehr als dreißig Stockwerken, sechzig, die über zwanzig Geschosse zählen, und 1160 von mehr als zehn Stock- werken. Ein Mitglied des Ausschusses erklärt hierzu in dem aiyt- lichen Berichte, daß diese als feuersicher bezeichneten Bauwerle mit ihren Treppen und Aufziigschüchten als wahre Feuerherde zu betrachten seien, die nur auf das Streichholz warten, um in Flammen aufzu- gehen, so sehr sind ihre Räume mit brennbaren Stoffen vollgepfroft! Diese Teufelsösen dankt die Bevölkerung von New Dorl der Profitgier des Bodenkapitals. Die Wolkenkratzer sind eine Wirlung der dauernd steigenden riesigen Grundstückspreise. Preise von sieben- bis zehn- tausend Mark für den Luadralsuß sind in den Hauptgcschästsgebielen New Doris keine Seltenheit: die Preise gehen sogar noch darüber hinaus. So treibt der Bodenwuck»er die Technik zu ihren Luftbauten. die mit 55 Stockwerken bereits bis zu 260 Meter aufwärts gelangt sind. Ei» französisches Wciberdorf. In der Gemeinde Froiffy im Departemenl Oise übertrifft die Zahl der Frauen die der Männer so sehr, daß bier fast alle Aemter in den Händen von Frauen liegen, vom Stadtsekretär bis hinab zum Briefträger. Tie In- haberin des Postamies von Froissy beschäftigt drei Telegraphistimicn; Briefträger ist ein junges Mädchen. Dasselbe Bild begegne! dein Be- sucher am Bahnhof, auch hier ist das Amt des Stationsvorstehers in den Händen einer Frau,� die dabei zugleich als Billett- Verkäuferin und als Bahnsteigschaffnerin tätig ist. Eine andere Frau wirkt als Feldhülerin, und sogar die Pflichten des Standesamtes sind in diesem französischen Weiberdorfe einer Frau übertragen, die nach altem Brauche an HeiratStagen mit der Trommel durch die Straßen des Dorfes zieht und an jeder Ecke die neue Eheschließung� verliest. Vor kurzem wurde auch eiii neuer Stadtrat gewählt, dessen Mitglieder nur aus Frauen bestanden hätte, wenn der Präsekl die Wahl nicht auf Grund der bestehenden Gesetz- als ungültig erklärt hätie. Die Männer deS Dorfes sind mit der Tätigkeil ihrer Frauen sehr zufrieden, wenn auch hin und wieder kleine Reibereien nicht ausbleiben. So protestierten sie einmal gegen die Fxau, die in dem Dorfe das Rasiermesser Hand- habt; aber als inan daraufhin einen Gesellen anstellte, der die Herren der Schöpfung mehr schnitt als rasierte, opferte man alle Vorurteile und ließ sich künftig wieder von der»Friseuse" von Froissy rasieren und den Bart scheren. Humor unv Satire. Der Pascha von Januschau mit dem Roßschwcif. Herr v. Oldcnburg-Jaiiusckian hat jüngst in einer Wählerversamm- lung erzählt, er hübe seinerzeit Biilmv zur Neichstagsauflösmig mit den Worten gratuliert:„Wenn der Preuße einen Ruck in die Kan- dare kriegt, dann geht der Schwanz in die Höhe!" Als der Erfolg da war. habe Bülow gesagt:„Sie hatten recht, der Schwanz ist in die Höhe gegangen." In der„Jugend" wird dieses Wort folgender- maßen besunge». nach der Melodie:„Wenn der Bräutjam mit de Braut in de Wälder seht..." Wenn der Preuße eenen Ruck in de Kandare kriegt, Und der Januschauer seine Mauldiarrhoe kriegt, Ja I— Dann seht der Köh(queue) Mächtich in de Höh! lind der Schwanz, der hinten mächtig in de Höhe jeht, Zeigt am besten, ob der Kopp de rechten Weje jeht: Stramm durch diim und dick, Det is hechstcr Schick, Det is Oldenburger Ferdc-Politik! Wenn der Preuße aber stutzt und jar de Ohren spitzt, Denn nur feste uff de Weste mit de Sporenspitz' Und'n Ruck durchs Maul I Dann pariert der Jaul! Und dann ivird oocki eenem Dämelack, wie Bielow war, Mit der Zeit sojar der richtje Ferde-Standpunkl klar, Und er sagt am End: „Domieriapperment, Dieser Oldenburjer Schwanztrick is patent!' Notizen. — Eine Meistersiilger-Aufführung ohne Ein- rittS preise, die der ganzeli Form nach als Bolksvorstcllung gedacht ist, veranstaltet das Magdeburger Stadttheater. Diese Wagner Ehrung wird sich sehr vorteilhaft von dem großen Trubel der übrigen Feiern abheben, Sie sollte vorbildlich wirken, — Das Frankfurter Heine-Denkmal, das in den Friedberger Anlagen auf städtischem Grunde stehen soll, wird, wie gestern entschieden wurde, ein Werl deS Berliner Bildhauers Georg Kolbe sein. — P a p y r u§- F o r s ch u n g. Der Plan, ein wiffenschast- liches Wörterbuch zu den Papyrus-Ilrkuliden zu schaffen, wird ver- wirklicht iverdeii. Wissenschaftliche Körperschaften in Heidelberg und Straßburg haben ihn im Verein mit privater Hilfe durch größere Geldspenden gesichert. — Neuer Sprengstoff, Professor d'Arsonval in Paris teilte in einem Vortrage über flüssige Gase mit. daß es ihm ge- klingen sei. einen neuen Sprengstoff herzustellen, indem er Ruß mit flüssigem Gas durchtränkte. Die Sprengkraft dieses Stoffes, mit dem jüngst in einem Steinbruch Versuche vorgenommen wurden, übertreffe die deS Dynamits um das Zehnfache. — Ausgrabungen in Mesopotamien. Die Oppen- hcimsche Erpediiion in Zentral- Mesopotamien hat die Ausgrabung des Teil Halaf, dieses für die noch wenig bekannte hctlischc Kulturperiode wichtigen Ruinenhügels, erfolgreich fortgesetzt. Ein neuer Palast von riesigen Dimensionen wurde bloßgelegt. Der Jnnenhof allein mißt über 30 Meter«n Geviert und ist von mehreren Zimmer- reihen umgeben. In einen» gewaltigen zähfesten Lehmziegelmassiv, das aufgebrochen wurde, fand man große Frauenstatuen aus Basalt. »Die Aufrechterhaltung durch die gesamte wirtschaftliche Lage nicht mehr berechtigter hoher Arbeitslöhne für eine geringe Zahl von Arbeitern auf Kosten der Allgemeinheit würde für die Mehrzahl der Arbeiter die Verlängerung eines wirtschaftlichen ZustandeS bedeuten, bei dem Arbeitsgelegenheit und Arbeitsverdienst fich stetig mindern müssen." Im Sommer 1S02 machte Herr Thielen seinem Nachfolger Budde Platz. Eine bittere Enttäuschung überkam den Teil der Eisenbahnarbeiter, der von dem Ministerwechsel auch einen System- Wechsel erhofft hatte. Nicht nur. daß der Kampf gegen die Organi- sationsbestrebungen unentwegt weiterging, wurde dieser Kampf auch vom politischen und gewerkschaftlichen auf das g e n o f f e n f ch a f t- l i ch e Gebiet übertragen. Ein neuer Erlatz legte den Angestellten nahe, von der Beteiligung an Konsumvereinen die Hand zu lassen. Mit dieser Maßnahme sollte den Jnnungsbrüdern und Mittel st andSrettern eine Freude bereitet werden, doch wirkte die Drangsalierung derart verbitternd, daß selbst die hoch- konservative„Krenzzeitung* am 25. Juli 1904 meinte, sie könne sich nicht damit befreunden, daß die Beamten, die doch auch zum Mittelstande gehörten, plötzlich nicht mehr das Recht haben sollten,„sich ebenso zum gemeinschaftlichen Einkauf ihrer Lebens- bedürfnisse zu organisieren, wie die Detaillisten sich zum gemeinsamen Einkauf ihrer Waren organisieren". Die weitere Sozialpolitik des preußischen Eisenbahnministeriums bestand darin, daß in der hier gekennzeichneten Weise die Freiheit der Eisenbahner immer mehr unterbunden wurde. Neue Erlasse kamen, die sich abermals gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter. gegen die Beteiligung an Konsumvereinen, gegen die Mitgliedschaft an als ordnungsfeindlich markierten Organisationen richteten. Daß diese Maßnahmen die Gesinnung der Beamten im staatstreuen Sinne geändert hätten, werden die Interessenten der heutigen Ordnung um so weniger behaupten wollen, als erwiesen ist, daß die Lohn- Verhältnisse der Eisenbahner in Preußen um ein gutes Stück schlechter sind, als in anderen deutschen Staaten. Während 1911 in Württemberg die Bahnunterhaltungsarbeiter 1037 M., die Arbeiter im Abfertigungsdienst 1401 M. und die Arbeiter im Werkstättendienst 1607 M. Jahresarbeitsverdienst hatten, stellte sich dieser Verdienst bei den in Betracht kommenden Arbeiter- kategorien in Preußen nur auf 853, 1285 und 1407 M. Unter Würdigung der hier wieder in Erinnerung gebrachten Tatsachen, werden die Eisenbahner von neuem bei den Landtags- wählen zwangsweise die Sozialdeinokratie niederzustimmen haben. Mit welchen Gefühlen die Unglücklichen an den Wahltisch treten, braucht hier nicht geschildert zu werden. Nur die Hoffnung bleibt, daß die bevorstehenden Wahlen die letzten sind, bei denen ein un- haltbares, verrottetes Wahlsystem Hunderttausende von Wählern zur Gesinnungsheuchelei verurteilt. Hus der parteL Aus den Organisationen. Euie Konferenz für den Wahlkreis Düsseldorf tagte am 27. April in Düsseldorf. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht ist zu«ntnebmen, daß der Verein jetzt 7388 Mitglieder zählt, davon 1495 weibliche. Tie Mitgliederzahl stieg im letzten Geschäftsjahre i9 Monates um 272.— Zur Landtagswahl wurden von der KrciSkonfcrenz die Genossen Peter Berten, Redakteur, und Heinrich Jäker, Gewerkschaftsangestelltcr, einstimmig als Kandidaten für den Landtagslvahlkreis Düsseldorf aufgestellt.— Ferner nahm die Krciskonfcrenz Stellung zur Behandlung der Heeresvorlagc im Reichstag- und stimmte einer Reso- kirtion einmütig zu, in welcher der RcichstagSfrattion Aitcrkcnmmg für ihre schneidige Bekämpfung der Heeresvorlage ausgesprochen irnd der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die Fraktion auch scharfe Waffen zur Anwendung bringt, um die Vorlage zu Fall zu bringen, und dabei auch nicht vor der parlamentarischen Odstrut- tion zurückschreckt. Im ersten sächsischen Wahlkreise(Zittau-Ostritz) stiegt die Mitgliederzahl im letzten Geschäftsjahre von 1877 auf 1949. Darunter befinden sich 155 Geiwssinnen. 1579 Genossen und Gc- nossinucn sind auch gewerkschaftlich organisiert. In 32 Orten gibt es 95 sozialdemokratische Gemeindevertoeter. Ein Bildungsausschuß besteht seit längcrem für den Kreis, und ein Kreisjugendausschutz wurde gegründet. Die Zahl der Leser der„Arbeiter-Jugcnd" stieg von 194 auf 262. Eine Zentraltnbliothek, die neben einigen örtlichen bcstebt, wurde erweitert auf 1710 Bände. Der zweite sächsische Reichstagswahltreis sLöbau-Bernstadt) zählte am Schlüsse des Geschäftsjahres 2238 Mit- gliodcr; davon sind 161 weiblich. Tie Zunahme beträgt 152 Mit- gliedcr. Der Wahlkreis hat sechs Jugendausschüffe. Die Zahl der ..Arbeiter-Jugcnd"-Abonnenten stieg von 250 auf 325. 79 sozial. dcrnokrotisckc Gemcinderatsmitgliedcr wirken im Kreise; 15 mehr als im Vorjahre. Die Bibliotheken wurden allenthalben erweitert. Zwei Unterrichtskurse wurden abgehalten. An die Bildungsausschttsse richtet der Zentralbildungsausschuß(Berlin SW. 68, Lindenstr. 3) bierdurch die dringende Bitte, die Fragebogen über die örtliche BilduvgSarbcit umgehend an ihn einzusenden. polizeUiches, ßerlchtUchcs ufw, Ter gepfändete Grabstein. Ter Nürnberger Rechtsanwalt und Zentrumsabgeordneie Graf Pestalozza fühlte sich durch einen Artikel der„Fränkischen T a g e s p o st" in Nürnberg beleidigt und stellte gegen den vcr- antwortlichen Redakteur Gen. Schneider Beleidigungsklage. In dem Artikel war geschildert, wie ein frommer Nürnberger Rechts- anwalt(der Name des Zentrumsgrafen war gar nicht genannt) ■v einen Grabstein pfänden ließ und wie sich der Gerichtsvollzieher weigerte, die Pfändung durchzuführen. Es war ferner geschildert, wie sich der fromme Rechtsanwalt über den pietätvollen Gerichts- Vollzieher beschwerte, jedoch in allen Instanzen abgewiesen wurde. An diesen Sachverhalt war eine Reihe Bemerkungen geknüpft, die als eine formale Beleidigung angesehen wurden. Genosse Schneider wurde deshalb zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. Der Zentrums- graf konnte aber nicht hindern, daß aktcnmäßig festgestellt wurde, daß ein frommer Zentnimsanwalt alles daran setzt, um im Auf- trage eines Gläubigers auf dem Kirchhof einen Grabstein zu pfänden. Beleidigte Tuellfexe. Vom Chemnitzer Schöffengericht wurde der Verantwortliche der..V o l k s st i m m e" zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. Die freie Studentenschaft der Technischen Hochschule in Dresden ist in einen Konflikt mit den korporiertcn Studenten geraten, der sogar zur Relegation des Vorsitzenden der Freren Studenten, des Grafen Wedel, führte. Letzterer sprach in einer Studentenversammlung. wo sich die korporierten derart benahmen, daß Wedel an das Sprich- wart vom vielen Lachen erinnerte. Der Student Mühlig und zwei andere Studenten forderten Wedel auf Säbel, was dieser als prin- zipteller Gegner des Duells ablehnte. Die..Voltsstimme" ge. brauchte nun in einer Rotiz den Ausdruck..Bildungslümmel", worauf Mühlig klagte. Das Gericht kam zur Vcbmutung, daß es der„Bolttstimme" nur darum zu tun gewesen sei, den Klassenhaß zu schüren! Die Polizei pfeift auf das Gesetz. lieber das Treiklaffenrecht in Preußen wollten die polnischen Gsnossen in einer öffentlichen Versammlung ihre in Breslau Lohnenden Lenchsleute in ihrer Muttersprache unterrichten. Nach 8 12 des ReichsoereinSgesetzes ist der Gebrauch einer fremden Sprache naeb Ausschreibung eines Wahltcrmins zu den gcsetzgeben- den Körperschaften überall gestattet, nur in Breslau nicht. Hier hatten die polnischen Genossen die Rechnung ohne die Polizei ge- macht. Gleich nach Eröffnung der Versammlung verbot der über» machende Kommissar, polnisch z u sprechen. Er habe vom Präsidenten den Befehl, die Versammlung sofort auf- z u l ö s c n, tvcnn auch nur ein Wort polnisch gesprochen werde. Gegen das Verbot der polnische» Sprache wird natürlich Be- schwerde eingelegt werden. Bevor diese aber erledigt ist, sind die Landtagswahlen längst vorüber. Aber schließlich ist das Vorgehen des Polizeipräsidenten auch nur ein Stück Agitationsarbeit, sehen die Polen dock daraus, wie es in Preußen mit„Recht und Gesetz" bestellt ist. Ein solcher Anschauungsunterricht tut im Wahlkampfe auch seine Dienste. Vom Polizeikampfc gegen die Maifeier. Tic Arbeiterschaft von Mülheim am Rhein beabsichtigte zur Feier des ersten Mai einen Umzug durch die Straßen Mülheims. Das Kartell der Gewerkschaften wurde beauftragt, bei der Polizei die notwendige Genehmigung nachzusuchen. Jetzt langte beim Kar- tcllvorsitzendcn diese Antwort der Mülhcimcr Polizeiverwaltung ein: Mülheim a. Rh., den 23. April 1913. Auf das gefällige schreiben vom 17. d. M. teile ich Ihnen mit, daß die Erlaubnis zu dem Umzug am 1. Mai aus folgenden Gründen versagt werden mutz: Ter l. Mai fällt in diesem Jahre auf einen Feiertag(Christi Himmelfahrt) und ist deshalb bei dem geplanten Maiumzua eine besonders große Beteiligung unter Zuzug aus den benachbarten Orten zu erwarten. Unter Berück- sichtigung der hier bestehenden politischen Gegensätze und des demonstrativen Charakters eines Maiumzuges ist dabei eine Gc- fahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten— vgl.§ 7 des Rcichsvcrcinsgesetzcs. gez. Dr. Löhe. Tie Mülheimer Arbeiterschaft wird alles tun, daß die poli- zcilichc ProphezeihuAg einer„besonders großen Beteiligung" ein- treffe. * Von der Polizeibehörde des Thüringer Arbciterstädtchcns Schmalkalden ist da? Maifest der organisierten Arbeiterschaft mit folgenden kleinlichen Einschränkungen genehmigt worden:„Es dürfen keine politischen Fragen besprochen werben, auch über die Landtagswahl darf nicht geredet werden. Ferner darf kein Hoch auf die Sozialdemokratie ausgebracht werden." ksudbsu sn der Arbeitskraft. Tas älter der Fabrikarbeiter. Hebet das Alter der männlichen Fabrikarbeiter haben die preußischen Gewcrbeaufsichtsbeamtcii im vergangenen Jahre Er- Hebungen veranstaltet. Leider erfolgen sie nicht nach ganz ein- heitlichcn Gesichtspunkten und es fcblcn sristematischc Zusammen- stellungcn. Immerhin erlauben die Darstellungen, nach Industrie- gruppcn in den einzelnen Aufsichtsbczirken, gewisse Rückschlüsse. Im allgemeinen zeigt sich, daß die Altersklassen von 20 bis 40 Jahren den größten Anteil an der Gesamtzahl stellen; er schwankt, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, zwischen 5 0 bis 7 2 Prozent. Die höheren Altersklassen find in der Textil- industrie verhältnismäßig am stärksten vertreten. Dre Beamte von Aachen führt die Erscheinung darauf zurück, daß die Arbeit in den Tuchfabriken so leicht sei, daß sie„auch von älteren Leuten noch bequem geleistet werden kann" und andererseits die Eisengroß- und Maschinenindustrie mit ihrer flotten Beschäftigung die„Ab- Wanderung junger kräftiger Leute" zur Folge hatte. Die Er- klärung hat mindestens noch ein Manko. Sic mutz ergänzt werden durch die Feststellung, daß die niedrige Entlohnung in der Textil- industrie zu der Abwanderung reizt, die älteren Leute von der Großindustrie aber nicht eingestellt werden. Diese verfügt über einen Stamm an die Scholle gefesselter Arbeiter. Werkswohnungen und Pensionskasscn bilden den Knebel. Wie diese den Arbeiter wehrlos und unterwürfig machen, ist ja sattsam bekannt. Trotz der Hörigkeitsfesseln ist in der Großindustrie der Anteil der höheren Altersgruppen an der Gcsamtarbeiterschaft gering. Die Wohl- fahrtseinrichtungcn sollen die Arveiter an die Werte binden, diese selbst aber betreiben die Abstoßung von verbrauchten Kräften in ganz systematischer Weise. Das und ein verhältnismäßig niedriges Durchschnittsalter der Stahlarbeiter enthüllen die Tarstellungen der königlichen Aussichtbeamtcn. Wir geben zunächst eine Uebcr- ficht, die das Alter der Arbeiter in den Bezirken Arnsberg, Düffel- dorf und Oppeln veranschaulicht. Tie in Betracht kommenden Werte der Großindustrie umfassen rund 1 630 00 Arbeiter. Von je 100 der Beschäftigten gehören zu den Altcrsgrtchpen: Arnsberg Düsseldorf Oppeln bis 20 Jahre 19,2 17.4 25.3 von 20—45. 65,3 71,2 60,0 über 45. 15,5 11,4 14.2 . 55. 5,3 2,7 3.8 Die Altersgruppen bis 45 Jahren stellen demnach 8 3 bis 9 0 Prozent der Gesamarbeiterschast. Die älteren Personen sind wohl in der Hauptsache noch mit Arbeiten beschäftigt, die keine volle Arbeitskraft verlangen— Portiers. Wächter usw.— und niedriger entlohnt werden. Die Feststellungen sagen noch gar nichts über die Ursachen der typischen Erscheinungen. Wirklich wertvolle? Material bedingt die Erweiterung der Untersuchung auf den Um- fang des Arbcitcrwechscls und über das Alter dck: Entlassenen. Zweifellos schiebt man in vielen Betrieben, in denen die Arbeits- kraft schnell verbraucht wird, die Leute nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder ab, verjüngt planmäßig das Durchschnittsalter der Gesamtarbciterschaft. Die Ausgemergelten können sehen, wo sie bleiben. Bon erheblichem Einflüsse ist auf jeden Fall die Gesund- heitsgefährlichkeit des Betriebes für das Alter der in ihm bcschäf- tigten Personen. Für den großen Anteil der Jugendlichen gibt der Beamte von Oppeln folgende bemerkenswerte Erklärung:„Nach dem 16. Lebensjahr wenden sich die jungen Leute in großer Zahl der Eisenindustrie zu. die sie um so lieber aufnimmt, als diese Arbeiter nicht mehr den verschärften Schutzbcstimmungcn unter- warfen sind." Weniger umschrieben soll das heißen: weil die jungen Leute fast unbeschränkt ausgebeutet werden dürfen, sind sie be- gebrte Objekte. Die Altersgruppe von 16 bis 20 Jahren ist denn auch mit dem höchsten Anteil, 19,51 Proz,, an der Gesamtzahl beteiligt. Daß die raubbauartige Ausnutzung der Arbeitskrast in der Eisengrotzindustrie— mit ihren„normalen" Arbeitsschichten von 12 Stunden und einem ausschweifenden Ueberschichtenunwesen— die älteren Jahrgänge ausmerzt, bestätigt ganz offen der Beamte von Düsseldorf.„Zweifellos stellt ein großer Teil der in der Großindustrie vorkommenden Arbeiten an die Körperkraft der Arbeiter so hohe Anforderungen, daß nur in der Volltraft der Jahre stehende Leute sie überhaupt und auch diese sie nicht für lange Dauer zu leisten vermögen. Ein erheblicher Prozentsatz der Arbeiter ist daher schon aus diesem Grund« nach verhältnismäßig kurzer Zeit genötigt, zu einer anderen weniger anstrengenden Tätigkeit überzugehen."— Nach Ansicht des Beamten werden Ar- beiter, die das 40. Lebensjahr überschritten haben, in der Groß- industrie nicht eingestellt. Wo die Abgeschobenen bleiben, darüber liegen Angaben nicht vor. Der Beamte meint, ein großer Teil suche später ein Fortkommen als Wirte, Grünkramhandler und dergleichen. Aus den Zusammenstellungen des Arnsbergcr Beamten sind noch folgende Resultate von Interesse: Den größten Anteil der Jugendlichen, bis 16 Jahren, weisen die Glashütten mit 13,1 Proz. und die Maschinenfabriken mit 10 Proz. auf: auch die Gruppe— 16 bis 20 Jahre— ist hier am stärksten, uitf zwar mit 18,2 rcsp. 19,7 Proz., vertreten. In den Kalt- und Zementwerken weisen diese Altersklassen nur 1,5 Proz. für die unter 16 Jahre alten und 15,4 Proz. für die 16 bis 20 Jahre alten Arbeiter auf. In den Nähnadelfabriken machen diese Gruppen 3.6 und 11,5 Proz. der Gesamtheit aus. Hier sind 43,8 Proz. aller Tötigen über 40 Jahre alt, in den Kalk- und Zementwerken nur 21,8 Proz., int den Maschinenfabriken und Eisengießereien sogar nur 18,6 Proz, In den letzten Bcrufszwcigen sind demnach die Arbeiter früh ver» braucht und ältere Personen stellt man nicht ein. Die Ergebnisse der Erhebung, so wenig vollkommen sie sind, ein schwer ins Gewicht fallendes Argument für den von den Unter-, nchmcrn wütend bekämpften Hüttcnarbcitcrschutz— der noch fehlt — stellen sie zweifellos dar. Eine Bestätigung der Eingangs kon- staticrten Tatsache des starken Anteils der älteren Jahrgänge an der Textilindustrie finden wir in den Feststellungen des Beamten von Liegnitz. Das Gleiche gilt von Breslau. Von den Handwcberir waren 66,72 Proz. über 50 Jahre, 15,54 Proz. sogar über 70 Jahre alt. Von den Fabrikarbeitern im Regierungsbezirk Breslau waren nur 16 Proz. über 45 Jabre alt, nur 3,4 Proz. hatten das 60. Lebensjahr überschritten. Die Textilarbeiter vegetieren länger; der bis zum äußersten augestrengte Hüttenarbeiter sinkt trotz höbcrcr Löhne und besserer Lebenshaltung früher in die Grube. Diese augenscheinliche Tatsache zeigt sehr deutlich das Mörderische der Arbeitsverhältnisse in den Eisenwerken. Auffällig gering sind die höheren Altersklassen in einzelnen Bezirken in den Buchdriickcreien vertreten. Im Bezirk Marien, Werder waren nur 41,6 Proz. der Buchdrucker über 40 Iahe alt; im Bezirk Hildesheim 12,3 Proz., in Berlin, bei den Handsetzern, aber 30,1 Proz. Eine sehr interessante Ucbcrsicht gibt der Beamte von Minden. Sie betrifft Zigarrcnarbeitcr, nach Fabrikbetrieben und Heim- industrie gesondert. In den Fabriken sind die Altersstufen bis 29 Jahre mit 67,5 Proz. von der Gesamtzahl der Beschäftigten ver, treten; in der Heimindustrie sind es nur 33,5 Proz. Hier über, wiegen dann die Altersgruppen von 30 bis 40 Jahre mit 34,6 Proz.. die in den Fabriken nur 17,7 Proz. ausmachen. 9,6 Proz. sink» hier über 45 Jahre alt, in der Heimindustrie 22,2 Proz. Für die Altcrsgruppicrung in den verschiedenen Berufen unä für das statistische Durchschnittsalter sind selbstverständlich ver, schicdene Umstände bestimmend. In der. Eiscvgroß-, Maschinen-, Zement- und der chemischen Industrie stellt mau im allgemeinen nur unter 40 Jahre alte Leute ein und hei der E!«stcllung wird« noch gut nach der Konstitution und dem Gesundheitszustände der Bewerber ausgewählt. Aber auch in anderen Fabriken bezeugt man für ältere Leute keine Vorliebe; sie werden, wie in der Tabak-- industrie, in die Heimarbeit abgeschoben. Was die Abgeschobenen an eigene Arbeitskraft schon eingebüßt haben, das muß in der Heimarbeit durch die Heranziehung der Familienangehörigen wieder ersetzt werden. Das gewonnene Gesamtbild läßt Erkennen, daß die Fabrik, arbeit die Menschen schnell verbaucht. Das Bestreben der Unter, nehmer, sich der abgearbeiteten Kräfte zu entledigen, gibt anderen Gewerben, in denen an die Körpcrkrästc nicht so hohe Anforde, rungen gestellt werden, die willkommene Gelegenheit, über einen großen Stamm von Arbeitern zu verfügen, den man mit geringen Löhnen abspeist. Die Feststellungen der' Gcwcrbcinspcitorcn verdienen auch im Hinblick aus die neue Wcbrvorlage eine besondere Beachtung. Die Fabriken bevorzugen gerade die Arbeitskräfte mit dem dienstsähi- gen und noch nicht dienstfähigen Alter. Nun sollen 130 000 Mann aus der am meisten begehrten Altersgruppe alljährlich mehr ein, gestellt werden. Im Bezirk Düsseldorf stehen in der Großindustrie den 17.4 Proz. der noch nicht Zwanzigjährigen 18.64 Proz. der Altersklasse von 20— 25 Jahre gegenüber, im ArnÄbcrgcr Bezirk gehören dieser Gruppe 16 Proz. aller Beschäftigten an. Die Groß, industriellen treten aber doch mit großer Energie und noch größerer, Hoffnung auf Profit aus den Militärlieferungen für die Heeres- Verstärkung ein. Ihre Durchführung muß die Nachfrage nach jungen Arbeitskräften steigern. Da die Kopfzahl nicht mehr aus, reicht, wird man das Manko durch noch schrankenlosere Ausbeutung der vorhandenen Kräfte auszugleichen suchen. Der Widerstand, gegen den so dringend notwendigen Arbciterscknitz findet einen neuen Impuls. Jetzt schon treibt man in der�Eisengroßinduftrie einen gefährlichen Raubbau; die Webrvorlage steigert die Gefahr der Degeneration des Fabrikproletariats. Das Wettrüsten hilft die Volkskraft verwüsten. Offiziell und rüstungsbegeisterungsvost nennt man's: Stärkung und Wchrhaftmachung! Em Industrie und Kandel. Politische Verstimmung ist seil einigen Tagen wieder das Kennzeichen der Börse. In den Monaten des ersten Ouartals hatte das Wirtschaftsleben infolge der beruhigenden Rachrichten über den Ausgang des BalkankriegeS eine Besserung erfahren. Die erneute Gefahr kriegerischer Verwickelungen legt sich jetzt wieder lähmend auf das Geschäftsleben. Die Folge dieser Zurückhaltung sind Kursrückgänge an den Börsen. Im Ultimo- verkehr gaben gestern an der Berliner Börse Montanaktien bis drei Prozent nach. Nicht viel geringer waren die Rückgänge in Aktien von Transportgesellschaften. Auch die Aktien der ElektrizitätS- gefellschasten sanken im Kurse. Staatsanleihen, sowohl heimische wie die der Balkanstaaten, wurden ebenfalls von Kursrückgängen be- troffen. Am Kassamarlt waren die Kursabschläge erheblicher. Nur die Aktien der Deutschen Waffen» und MunitionS» f a b r i k e n stiegen um fünf Prozent auf daS Gerücht hin, daß eins Kapitalserhöhung dieses Unternehmens geplant sei. Pulver. Die Hochkonjunktur der Waffenindustrie ist den Vereinigten Köln- Rottweiler Pulverfabriken, die in enger Interessengemeinschaft mit den Deutschen Waffen» und MunitionS- fabriken stehen, im vergangenen Jahre sehr zugute gekommen. Der Umsatz der Gesellschaft stieg in einem Jahre um 6 Millionen, von 19,73 auf 27,79 Millionen. Diese Steigerung ist durch den ver- mehrten Bedarf für Kriegszwecke verursacht worden; sie stammt im wesentlichen aus Lieferungen rauchlosen Pulvers für das Ausland. Der Absatz in Jagd- und Sprengpulver und ähnlichen Fabrikaten hielt sich dagegen in den Grenzen des Vorjahres. Tie Fabrikanlagen in Düneberg und Rottweil mußten infolge der Mehranforderungen er« weitert werden. Trotz des Mehrumsatzes wird unter Fabrikations- gewinn nur eine Steigerung um 466 000 M. ausgewiesen. Offenbar sind hohe innere Rückstellungen vorgenommen worden. Trotzdem erfuhr der Reingewinn eine Steigerung um 1 Million auf 3,68 Millionen. Än Dividende werden 3.3 Millionen oder 20 Proz. ausgeschüttet(2 Proz. mehr als im Vorjahre), ferner an Tantiemen 263 000 M. In der Bilanz ist nach Angabe der Ver- waltmrg die Bewertung der Bestände und Vorräte in gewohnter vorsichtiger Weise vorgenommen worden. Trotzdem weift das EffektenbeteiligungSkonto eine Erhöhung um£.2 Millionen auf. Solcher Zuwachs ist nach dem Bericht in der Hauptsache auf den in Gemeinschaft mit Kartellfteunden unternommenen Erwerb von neuen verschiedenen Sprengstoffgesellschaften zurückzuführen. Köln-Rottweil gehört bekanntlich dem internationalen Kartell von Pulver- und Sprengstoffen an, deren Satzungen den gemeinsamen Ankauf von Fabriken der gleichen Branche durch die Kartellmitglieder vorschreibt. Die Ausdehnung der grossen Montankonzerne ist keineswegs abgeschlossen. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit wird dabei von Rheinland-Westfalen nach dem Saar- und Moselgebiet und Luxemburg verlegt, die sich durch großen Erzreichtum auszeichnen. Auch Krupp erwirbt dort Gelände für neue Anlagen. Ueber die Bc- deutung dieser Ausdehnungen für den Eisenmarkt äußert sich die .Rbeinisch-Westsälischen Zeitung" in ihrer letzten Wochenübersicht recht pessimistisch: Die ProduItionZvermebrung itt Lothringen scheint mit den letzt- erachteten großen Anlagen von Thyssen in Hagendingen und Gelsen- tirchen in Esch keinesfalls abgeschlossen zu sein, sondern noch lustig weiter zu gehen. Der Gutehossnungshutte ist jetzt für ihr Gelände bei Diedenhofen der� Eisenbahnanschluß bewilligt worden und damit der erste greisbare schritt für die Errichtung eines weiteren großen Werkes erfolgt. Ebenso besteht kein Zweifel mehr, daß die Firma Krupp sich zwischen Maiziores und Woippy ein größeres Gelände gesickert hat, zweifellos auch für industrielle Anlagen. Pessi- mistisch angelegte Geister in der Industrie prophezeien speziell für lothringisch-luxemburgischeS Eisen in der kommenden Periode einen starken Preisfall, da mit einer Mehrproduktion von rund löOOOO Tonnen im Monat nach Inbetriebnahme des Burbach-Eich- Düdelinger Werkes gerechnet werden muß. Gelse nkirchen wird sich in Esch auf �.-Produkte im wesentlichen beschränken, vielleicht auch schwere Stabeisendimensionen herstellen. Das Stahlwerk T h y s s e n dagegen hat neben seinen Walzwerken für �-Produkte seit drei Wochen bereits ein Feineisenwalzwerk in Betrieb. Bei der Leistungsfähigkeit der Anlagen ist mit einer erheblichen Produktion zu rechnen, die Aufnahme am Markt sucht und dies nur init entsprechend billigen Preisen bewirken kann. Auch die älteren Werke im Minette-Revier erweitern unaufhörlich ihre Pro- duktion und errichten neue Hochöfen. Wenn alle die bis jetzt ge- planten Neuanlagen(wobei übrigens auch der Ausbau von Jules C o l l a r t u. C i e. in Steinfort zu einem gemischten Werk nicht vergessen werden darf, dessen Verwirklichung von den Feiten u. Guillaume Lahmeyer-Werken betrieben wird), wenn alle diese Projekte in die Tat umgesetzt sind, so kann es gar nicht ausbleiben, daß eine wesentliche Verschiebung in den Wettbewerbsverhältnissen des Minette-Neviers eintritt, und die mit weniger guten Erzen arbeitenden Werke alsdann gegenüber den günstig gestellten einen schweren Stand haben werden. Die gegenwartige Lage des Eisenmarktes faßt die„Rhein.- Wests. Ztg." in solgendes Urteil zusammen: „Die Beschäftigung ist noch gut, die Berkaufstätigkeit ist seit Monaten gleich Null, die Zukunftsaussichten wenig hoffnungsvoll, wenn auch nicht ganz aussichtslos. Ckricdts- Leitung. Ter Hausarztverein unter Anklage. § 367, Ziffer 3 des Strafgesetzbuchs bedroht den mit Strafe, der ohne polizeiliche Erlaubnis Gifte oder Arzneien, soweit der Handel damit nicht freigegeben ist, zubereitet, feilhält, verkauft oder sonst„an andere überläßt". Diese Bestimmung sollte der Eisendreher Hagen als erster Vorsitzender des 2006 Mitglieder umfassenden Bezirksvcreins Moabit des Verbandes der Hausarzt- vereine, Sitz Berlin, übertreten haben. Der Bezirksverein bezweckt gleich dem ganzen Verbände, für die Familienangehörigen der krankenversicherungspslichtigen Vereinsmitglieder unter anderem Nährpräparate und in den Apotheken erhältlich« Fertigpräparate möglichst engros zu beschaffen und sie den Mitgliedern zum Selbst- kostenpreis abzugeben. Für den Verein aus den Mitteln des Vereins(aus den Mitglicdcrbeiträgcn) hat nun Hagen an 100 ver- schiedene Sorten solcher Präparate aus Apotheken, chemischen Fabriken und Drogerien beschafft und er hält in seiner Wohnung von jeder Sorte 10 bis 13 Stück vorrätig. Die Mitglieder des Vereins Erhalten dort, was sie brauchen, zum Selbstkostenpreis mit einem kleinen Prozentausschlag, der als Ersatz dient für die. Mehrauswendungen, die dem Vorsitzenden aus der Besorgung und Auslieferung der Präparate, der Beleuchtung und Reinigung der Wohnung und dergleichen erwachsen. Das Landgericht I verurteilte, wie unseren Lesern erinnerlich, den Angeklagten wegen Uebertrctung des 8 367, Ziffer 3, des Straf- gesetzbuchs, unter der Feststellung, der Angeklagte habe die vier Arzneimittel, die für den Handel nicht freigegeben seien, an „andere überlassen". TaS Landgericht stellte sich im Gegensatz zu Entscheidungen des Kammergerichts aus den Jahren 1881 und 1898 ans den Standpunkt, daß als ein Ueberlassen an andere ganz allgemein die Ucbertragung der Verfügungsgewalt zu verstehen sei. Darum sei es, meinte das Landgericht, ganz gleichgültig, ob die Mitglieder etwa einen privatrcchtlichcu Anspruch ans die für den Verein aus ihren Beiträgen beschafften Mittel hätten. Das Kammcrgcricht, bei dem Hagen Revision einlegte, hob am Montag das Urteil des Landgerichts auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Gründe: Das Rammcrgericht sei von seiner früheren Auf- fafsung, wonach eine derartige Mittelabgabe durch einen Verein an seine Mitglieder kein Anlassen an andere im Sinne von{j 367, Ziffer 3, wäre, abgegangen. Das Kammcrgcricht nehme jetzt an, daß unter einem Ueberlassen an andere jedes Inverkehrbringen solcher Mittel zu verstehen sei. Und unter einem Jnvcrkehr- bringen sei, wie aus tz 367, Ziffer 3, hervorgehe, ein Abgeben im Handel oder im handelsähnlichc» Verkehr zu verstehen. Darunter würde nicht fallen, wenn ein Hausherr Mittel an seine Familien- Mitglieder oder an seine Dienstboten abgebe. Aber es falle dar- unter, wenn ein Verein, wie hier, solche, im großen angekaufte Medikamente an Leine Mitglieder abgebe, mit Ausnahme des Falles, daß der Vorsitzende von vornherein durch einzelne bestimmte Mitglieder den Auftrag erhalten hätte, bestimmte Mittel in der Apotheke usw. anzuschaffen und ihnen zu übergeben. In diesem Falle wäre von einem„Ucverlpssen an andere" gemäß iz 367, Ziffer 3, nicht die Rede. Erwerbe aber der Vorsitzende Präparate für den Verein und lasse er sie dann nachher erst aus Bestellung an die einzelnen Mitglieder ab, die sie brauchen, dann liege ein„Uebcr- lassen an andere" vor: Das scheine hier der Fall zu sein. Das Landgericht müsse sich aber nochmal mit der Sache beschäftigen. Zunächst habe es die Vcrjährungsfragc nachzuprüfen.— Ferner babe das Landgericht unterlassen, näher darzulegen, weshalb die von ihm angeführten vier Präparate solche Arzeneien seien, die dem freien Handel entzogen wären. Das müsse nachgeholt werden, indem festzustellen sei, ob sie unter das Verzeichnis A der Bundcs- ratsverordnung über das Arzneiwesen fielen. In Preußen ist doch gar zu schön dafür gesorgt, daß die Konsumenten hohe Preise zahlen. Erst allerlei Abmachungen, die ja vielleicht der Verein wird treffen können, soll es bedürfen, um Arzneimittel billiger zu erhalten. Steht die Hochhaltung von Arzneimittelpreisen höher als die Erhaltung der Gesundheit? In der Uhrmgäier-Zwangsinnung, die im April 1012 sich für Graß-Berlin austat, gärt Unzufrieden- heit. Ein Streit, der um die Höhe der Mitgliedsbeiträge cnt- standen ist, wurde gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte (Abteilung 2Qj verhandelt. Der Beitrag war durch das beschlossene und genehmigte Jimungsstatut auf 10 M. pro Jahr bemessen worden, hinterher ermäßigte aber eine Jnnungsvcrsammlung den Beitrag pro 1912 aus 1 M., also für die neun Monate bis Dezember 1912 auf 3 M. Da die Aufsichtsbehörde diese Aendexung für genehmigungspflichtig erklärte, aber ihr die Genehmigung ver- sagie, so stützte der Jnnungsvorstand nach einer vov der Aussichts- behördc empfangenen Anweisung sich auf das Statut und forderte für die neun Monate 7,30� M. Beitrag. Tie wider ihren Willen in die Innung hineingczwuugencn Mitglieder grifscn zu dem Mwehrmittel der Zahlungsverweigerung, worauf der Vorstand JPgen die Opposition mit Zwangscintmbunz vorging. In einer Beschwerde des Jnnungsmiigliedes Uhrmacher Schütz gegen den Vorstand traten die Gewerbedeputation des Berliner Magistrats und der Oberpräsident der Provinz Brandenburg dem Jnnungs- vorstand bei. Auf Rückzahlung des zuviel erhobenen Betrages klagte gegen den Vorstand der in Lichtenberg wohnende Uhrmacher Hermann Ritter, den die Freie Vereinigung der Uhrmacher beauf- tragt hatte, den Streit durchzufechten. Vor Gericht führte der Kläger aus, die Junungsversammluiig habe gemäß§ 93 der Gewerbeordnung de» Haushaltsplan der Innung zu beschließen gehabt und hierbei habe sie nach dem zu erwartenden Geldbedarf auch die Beitragshöhe festgesetzt. Der Eingriff der Aufsichtsbehörde bedeute eine Zwangetasierung, die nach einer Entscheidung der Reichstagskommission nicht mehr zulässig sei. Der Rechtsbeistand des verklagten Jmiungsvorstandes wandte in formeller Beziehung ein, daß nicht Klage, sondern nur Beschiverde bei der Aussichts- behörde zulässig sei, und daß im ersteren Fall die Innung, nicht der Vorstand, hätte verklagt werden müssen. Di« Klage sei aber auch materiell unbegründet, weil das Statut einen Beitrag von 10 M. festgesetzt habe und die Aufsichtsbehörde den als Statuten- änderung anzusehenden Jimungsbeschluß einer Ermäßigung auf 4 M. nicht genehmigt habe. Ter Kläger verwies auf das Statut, wonach der Vorstand die Innung zu vertreten habe, also auch auf Rückerstattung des zuviel erhobenen Betrages verklagt werden könne, sowie auf die Gesetzgebung, die der Jnnungsversammlung die Festsetzung des Haushaltsplanes vorbehalte. Er bestritt, daß überhaupt durch Statut die Beitragshöhe festgesetzt werden dürfe. Zum Zweck schriftlicher Darlegung seiner Beweisgründe wurde die Sache vertagt. 97 900-M.-Nntcrschlag»ngcn. In Täbris»nd Konstantinoprl begangene Unterschlagungen in Höhe von 97 090 M. zum Schaden der„Persischen Teppich-Gc- sellschaft" auf Aktien hatten gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts ll unter Vorsitz des Landgerichtsdirektars Schulz ein gerichtliches Nachspiel. Aus der Untersuchungshaft wurde der Korrespondent Erich Schroeder aus Neukölln vorgeführt, um sich wegen Unterschlagung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung zu verantworten.. Ter Angeklagte war mit einem fünfjährigen Vertrag von der „Persischen Teppich-A.-G." als Korrespondent für Täbris(Persien) engagiert worden und befand sich seit Oktober 191 l dort. Trotzdem er ein scbr gutes Gehalt bezog, geriet er in Schulden, da er in einem in Täbris gastierenden Variete zarte Beziehungen zu einer erotischen Artistin angeknüpft hatte, die große Summen ver- schlangen. Als seine Tilden etwa 1000 M. betrugen und seine Gläubiger drohten, an feine Firma zu schreiben, fälschte er zwei an die Deutsche Bank und den Wiener Bankverein m Konstantinopel gerichtete Briefe mit der Unterschrift des Direkkdrs Gräf der Aktiengesellschaft, in denen er den Banken Anweisung gab,„unserem Herrn Schroeder". der persönlich nach Konstantinopel komme, 3000 türkische Pfun?(zirka 97 000 M.) bzw. 2500 Pfund(zirka 48 000 Mark) auszuzahlen. Inzwischen rüstete er sich in Täbris zur Flucht. Da ihm jedoch jegliches Reisegeld fehlte, um nach Kon- stantinopel zu kommen, unterschlug er zirka 780 M., die er zur Bezahlung der Zollgebühren für gelieferten Indigo erhalten hatte. Er fuhr dann ani 23. Februar d. I. über Schulnia und Tiflis an die Küste von Kleinasien und von dort mit einem Dampfer der französischen Paketfahrtgcsellschaft nach Kon stantinopel. Hier er- bob er bei der Deutschen Bank die 97 000 M. in türkischem Gelde. Die 48 000 M. von dem Wiener Bankverein erhielt er jedoch nicht ausgezahlt, da er eine falsche Stichzahl aus dem Telegramm- schlüssel der Gesellschaft angegeben hatte. Da er die Absicht hatte, über Marseille nach Paris zn fliehen und dann in irgendeinem kleinen italienischen Nest zu verschwinden, überwies er große Beträge an den„Credit lyonnais" und an die„Banca romana" und ließ sich einen Kreditbrief ausstellen. Seine Vorliebe für das Variete bewies er dann noch dadurch, daß er in Konstantinopel in einem Variete eine Artistin gegen Zahlung einer Abfindung von 400 M. an den Direktor loskaufte, um mit dieser gemeinsam nach Berlin zu fahren. Hier ereilte ihn dann sein Schicksal. Er wurde verhaftet, während jene Artistin in bitterste Not geriet und schließ- lich per Schub nach Konstantinopel zurückbefördert werden mußte. Dos Nrteil lautete auf 1 Jahr und 1 Monat Gefängnis unter?lu- rechnung von einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Die Ehe von Schöncbeck-Webcr. Eine unerwartete Wendung trat gestern in dem Eheschcidungs- Prozeß der Frau von Schönebeck-Weber ein, in welchem gestern wieder einmal vor der 14. Zivilkammer des Landgerichts lll unter Vorsiß des Landgerichtsdirektors Dr. Kobel ein Termin stattfand. Der Kläger, Schriftsteller A. O. Weber, hatte erklären lassen, daß er nicht mehr als Kläger auftrete. Zu dem gestrigen Termin waren die dicken Bände der immer noch schwebenden Allensteincr Mordafsäre und ferner die Entmündigungsakten herangezogen worden, in denen sich die Gutachten der Acrzte Professor Dr. Puppe- Königsberg, Gehcimrat Dr. Leppmann-Berlin und des Gerichts- arztes Dr. Marz-Berlii, befanden. Die Rechtsanwälte Dr. Puppe und Nübcll beantragten als Vertreter der Frau von Schönebeck die Nichtigkeitserklärung der Ehe auszusprechen, da das Gutachten des Prof. Dr. Puppe Geisteskrankheit zur Zeit der Eheschließung festgestellt habe und die von dieser Zeit ab abgegebenen Gutachten nicht maßgebend seien.— Die Publikation des Urteils soll in acht Tagen erfolgen, Rohe Lehrlingsschindereien hatte die Strafkammer in Bamberg zu sühnen. Dem Bäckergchilfcn Joseph Bauer war die Ausbildung von vier Lehrlingen übertragen, welche Aufgabe er durch die grausamsten Mißhandlungen der ihm ausgelieferten jungen Leute am besten erfüllen zu können glaubte. Die Lehrlinge wurden fast täglich mit den verschiedenartigsten Instrumenten jämmerlich verprügelt, so mit einem fingerdicken zusamlncngcwundcncn Strick, einem Nudelholz, dicken Stöcken, einem Ledergürtel, einem eisernen Schürkaken, einem Wasser- cimer usw. Dem Lchrliugsschindcr war es ganz gleich, welchen Körperteil er mit diesen teilweise gefährlichen Waffen traf. Die „Sühne" fiel nicht gerade impanicrcnd aus. Während der Staats- anmalt 3 Monate Gefängnis beantragte, erkannte das Gericht nur auf drei Wochen. Es ist schändlich, wenn Arbeiter sich zu solch roher'Behandlung jugendlicher Klassengenossen hergeben: Der- artige Roheiten mögen die Folgen des militärischen Systems sein. Versammlungen. Ter Zcntralverein der Bildhauer(V e r w a l t u'n g s st e l l c Berlin) hatte am Donnerstag eine Gene ralvc r samm- l u n g, in welcher der Geschäftsbericht für das erste Vierteljahr 1913 erstattet wurde. Ter Vorsitzende Boneboldt gab eine Uebersicht über die Tätigkeit des Vorstandes und sührie unter anderem noch aus: An Notstandsunterstützung wurden im ersten Quartal 310 M. ausgegeben, an Umzugszuschuß 30 M. Die Bewegung(Streik) bei Kimbcl u. Fricdcrichscn, die im Quartal bc- endet wurde, hat nicht das erstrebte Ziel, die Entfernung des Werkführers Gallasch, erreicht. Verschiedene Umstände wirkten un- günstig. Auch haben sick die Klcimueistcr wieder als Hcrausrcißcr erwiesen. Aus Anlaß des Streiks ist auch die>Fachkommission, die aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern besteht, zusamnrengetrctsn. Sie konnte nichts ausrichten. Die Zusammenkunft ergab die Not- wcudigkett der Schasftmg einer Geschäftsordnung für die Kommis- von. Eine solche ist letzthin auch gemeinsam durchberatcn worden und. man einigte sich auch über die Grundsätze. Das wesentliche ist, daß der Kommission alle Streitigkeiten zur Schlichtung unter« breitet werden sollen, die in den Werkstätten selbst nicht geschlichtei! werden können und das. Arbeitsverhältnis betreffen. Auch Streitig. keiten mit Zwischcmncisteru und Heimarbeitern sollen der Kam. Mission unterbreitet werden.— Aus der Stein Kran che ist zw berichten, daß der neue Tarif abgeschlossen worden ist.(Die engeren Interessenten können sich über die Einzelheiten des Tarifs aus Nummer 17 der„Bildhauer-Zeitung" informieren.) Der Tarif führt in verschiedenen Punkten eine präzisere Fassung ein, z. B- in bczug aus die Zuschläge nach außerhalb usw. Ter Minimal- lohn von 8 M. steigt»ach dem Tarif ain 1. April 1014 auf 8,30 M. und alle übrigen Löhne erhöhen sich dann um 30 Pf. pro Tag.—• In der A l a b a st e r b r a n ch e ist schlechter Geschäftsgang, der zu Lohndrnckvcrsuchcn seitens der Firmen ausgenutzt wird. Ein eigen- artiges System der„Lohnregulierung" hat die Firma Rosenthal u. Mäder mit Hilfe von isonderverträgen mit einzelnen Kollegen eingeführt. Eine Aenderung dieses Zustandes wird erstrebt und es wird die maßgebende Konimission versuchen, die Verträge zu bc- seitigcn. Da die Verträge nun mal abgeschlossen waren, hat einT erfolgte Vorstellung bisher nichts genutzt. Redner forderte zu lebhafter Beteiligung an der Versammlung am 1. Mai auf. Revisor H i l d e s h e i m berichtete dann über die Kassen- Verhältnisse. Die Zentralkaffe übernahm vom vierten Quartal 1912 ins erste Vierteljahr 1913 ein Saldo von 123,14 M. Einschließlich dieses Bestandes betrug die Ouartalseinnahme insgesamt 11 342,89 Mark. Unter den Ausgaben befinden sich für Streikunterstützung 3001 M., für Arbeitsloseuunterstützung 5488,75 M., für Reiseuuter- stützung 120,50 M., für Kraickeiculitcrstützchig 766 M.— Nach Abrechnung der Gesamtausgabe verblieb für die Zentralkasse am Schlüsse des ersten Quartals ein Bestand von 473,94 M.— Die Lokalkassc hatte zu Beginn des ersten Quartals einen Bestand von 19193,37 M. Einschließlich dieses Bestandes betrug die Ge- samteinnahme im ersten Quartal 23164,3 M. Nach Abzug der Gesamtausgaben verblieb zum Quartalsschluß ein Bestand von 18 603,13 M. Daß der Bestand ein geringerer ist, wie am Schluß des vierten Quartals 1012, erklärt sich aus den Aufwendungen für den Streik. Misbach berichtete darauf über die Gestaltung der Arbeits- vermittelung. Er rügte die Scheu der ledigen Kollegen, Stellungen nach außerhalb anzunehmen, trotz größerer Arbeitslosigkeit in Berlin.— Nach einer Diskussion über verschiedene interne Berufs, angelegenbeiten wurde Otto Schneider zum Schriftführer ge, wählt. Als Btldungsausschutz wurden die vom Vorstand vorge, schlagenen Kollegen Steinschaden, Bönig, Radke unh Regner bestätigt._ Hub aller Alelt.. Selbsterkenntnis. Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Da glaubte man immer, die vorsintflutliche Institution deS preußischen Herren- Hauses sei so mumifiziert, daß die Erlauchten und Edlen Herren unberührt vom Geiste der Neuzeit blieben. Aber es brennt auch ihnen auf den Nägeln. Die Furcht vor der Sozialdemokratie treibt sie zu Handlungen, die eigentlich den Ausschluß aus der konservativen Partei nach sich ziehen wüßtem Einige der Herren sind plötzlich so kinderlieb geworden, daß sie did Schulpflicht der Vo�ksschüler bis zum sechzehnten Lebens- jähre hinaufschrauben wollen. Da loird es wohl nicht lange mehr dauern, und die Herren sind bei der sozialdemo- kratischen Forderung der Einheitsschule und der damit verbundenen Ausdehnung der Schulpflicht angelangt. Auf dem besten Wege dazu sind sie. So sagte Graf Ha eseler in der Dienstagsitzung „Wenn die Jungens und die Mädels mit vierzehn Jahren in die Fabrik gehen, so werden siean Seele und Leib verdorben I" Und Graf v. d. S ch ul e n b u r g machte folgendes Eingeständnis:„So geht das nicht weiter! Wenn wir, die Mitglieder dieses hohen Hauses, vom Vierzeh ntenJahre an unbeaufsichtigt gewesen wären, so wäre aus uns allen nichts geworden. Aus mir jedenfalls wäre sicher nichts geworden." Ganz unsere Meinung. Der Herr Graf hätte nur noch hinzu« fügen sollen:„Und wenn ich hier unter Ihnen sitze, kann ich nichts dafür, denn meine Berufung in das Herrenhaus geschah infolge altertümlicher und gänzlich unberechtigter Privilegien meiner Familie". DaS Eingeständnis des Herrn Grafen, daß aus allen Mit- gliedern des Herrenhauses nichts geworden wäre, wenn sie nicht d!s Glück gehabt hätten, reiche Eltern zu haben, ist für die Arbeiterschaft um so ehrenvoller, als trotz all der widrigen Verhältnisse auS ihren Reihen immer neue Vorkämpfer für die Sache des Volkes erstehen. Und daß der Nachwuchs noch besser werde, ist das eifrige Bestreben der proletarischen Jugendbewegung! Um diese zurückzudrängen, sind nämlich die Herren plötzlich so kinderlieb geworden! Haarsträubende Gefängniszustände. Wie ein Telegramm aus New U o r k meldet, hat die offizielle Untersuchung des Gefängnisses von A u b u r n große Un- rcgelmäßigkeiten und Verfehlungen zutage gefördert. Fast sämtlichen Beamten werden Unterschlagungen und Verletzung ihrer Dienstpflicht vorgeworfen. Nicht weniger als 23 In- haftierte sind während des letzten Jahres durch vorschriftswidrige und geradezu schreckliche Behandlung zum Wahnsinn ge- trieben worden. Als ein typisches Beispiel gilt der Fall einer Frau, welche zum Tode verurteilt tvorden war und trotz- dem als Schwester in der Entbindungsanstalt An- stellung gefunden hatte.___ Kleine Notizen. Ein Uiiglücksauto. Ein aus Bochum kommendes Llutomobil überfuhr am Ullrichschen Tor in S o e st den vierjährigen Sohn eines Arbeiter». Die Insassen nahmen da» Kind in den Wagen, um es in das Krankenhaus zu bringen. In Grandwege überfuhr dasselbe Automobil noch ein sechsjähriges Mädchen. Beide Kinder wjwden ins Krankenhaus gebracht, wo der Knabe gleich nach seiner rkinlieferung verschied, während das Mädchen sich in Lebensgefahr befindet. Ein anderes schweres Automobilunglück ereignete sich Dien?» tag nachmittag auf der Babnstrecke Saarbrücken-Rebach. Ein mit sechs Arbeitern besetztes Automobil geriet in voller Fahrt auf den frisch geschotterten Bahndamm und überschlug sich. Die Insassen wurden hinausgeschleudert und das Automobil voll- ständig zerstört. Ein Fahrgast war sofort tot, zwei wurden lebensgefährlich und die übrigen erheblich verletzt. Schwerer Grubcnunfall. Auf der Zeche„Adolf von Hansemann" in Hörde stürzten zwei Bergarbsiter in den Schacht hinab. Beide trugen schwere Knochenbrüche davon uwd starben auf dem Wege nach dem Hospital. Ein schweres Gewitter mit wolkcnbruchartigem Regen richtete in der Nähe von Kassel und besonders im oberen Fuldatal erheblichen Schaden an. An zehn Stellen schlug der Bjjttz ein. In Oberelsungen wurde ein Haus und in Frankcnberg zwei Bauerngehöste durch Blitzschläge eingeäschert., Smgegangene Dnickfclmften. Handbuch für Heer»nd Flotte. Enzykwpäoie der Kriegslmffen- schasten und verwandter Sebiete. Herausgegeben von G. v. Alten, sort« geführt von H. v. Albert. Lieferung 37—60. Lieferung 2 M. Bong u. Co., Berlin W. 57. Vortrag des Schriftstellers Herrn Robert Breuer: Ton der Kunst der Könige zur Kunst des Volkes in der General-Versammlung heute Mittwoch, den 30. April, im Gewerkschaftshause. T.-O,: Geschäftsborichi. Der KartellTertrag ETrlactaen den beiden Volk abühnen. Diskussion. Nur Mitglieder haben Zutritt zur General-Versammlung gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte. 244/14 Der Vorstand. I. Vertr.: G. Winkler. Her Demaltungsstelle Kerlin. C 54, linienßr. 83—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Sonntag, den 4. Mai 1913, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags finde» die Wahle» der 44 Delegierten für den diesjährigen Verbandstag in B r e s l a u sowie der 2 Revisoren für die Ortsverwaltung in folgenden Lokale« statt: Kaezcrowskis Restauranl,«»venestr. 6. ScbwedleFS Restaurant, Acke«tr.»»». Obiglos Festsäle, schwedtcr str.«»«s. Gliescbes Restaurant, Kopenhagencr»tr. 74. Swinemiinder Gesellschaftsbaus, Voigts Theater,«»�r. s«. Frankes Feslsäle,»adotr. Nebels Restaurant, Maxntr.wb. Funkes Festsäle, T>-Mtstr.«». Kronen-Brauerei, Ait-moab« 47/49. Patzenhofer Brauerei,»s»». Wiemers Festsäle,»m«.er.tr. s». Gewerksehaftshaus, Enscmfer 15. Fröhlichs Restaurant,»n.kanvr str. Mwlnemdnder Straße 49. Hitschkes Restaurant, BcichenberScr»tr.««. Eickes Restaurant, schönicinstr.«. Sehünemanns Restaurant, au« jakob.tr. 144. SpäthS ReStaUrant,«corgenkirchstr, 05. Heckers Restaurant, samariterotr. n. Comenius-Säle, Mcmelep Str. 67. BOCker, Wcbcrstr. 17. ROtt, Straßniannstr. 99. Neukölln, Bartseh, Hcrmannstr. 49. ,, Zibell, Elbc.tr. 8. „ Iden, Har.er Str. 88. Rüekheim,»ce-tr. 97. Sehöneberg, Vereinshaus, nanpt.tr. 5. Baumsebulenweg, Boches Restaurant, B:sSße1,67e.n" Tempelhof. Wilhelmsgarten, Beniner str. 9. Charlottenhurg, Volkshaus, R«.inen.tr.». Köpeniek-Friedriehshagen, Lehmann, Köpenick, Bahnbot.tr. 44. Stralau-Rummelsburg, Blume, AitBo�-gcn ss. Lichtenberg, Ertelt, pf»rr.tp. 74. Steglitz, Älhreehtshof, Aibrecht.tr. u. Ober-Schönevelde. Warnieke, ÄdlerShOf, ReStel, rrleden.tr. 14. Wildau, Kordaneck, wudauer uoe. Weißensee, Peukert, Benmer Auee 951. Tegel, Heinicke, Branow.tr.*8. Reinickendorf, Glende, Angn�fictÄ-Ä� Spandau, Mudetzky, Bi.m»rck.tr. s. Pankow, Rozyeki, Krenz.tr. 34. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Tie Stimmzettel werde« am Eingang zu den Wahllakale» Verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Wilhelm Sierlng, Lmienstr. 83/85. 117/8 Die Ort.verwaltnng. 8. Landtagswahlbezirk Heute Mittwoch, den 30. April, abends 8% Uhr: in den Lokalen Obiglos Festsäle, Schwedter Straße 23/24 und Königssäle, Neue Königstraße 26(Eingang Wadzeckstraße). Tagesordnung: Die Frauen und die Candtagsvahi. Referenten: Frau Bsgina Buben und Frau Luise Riete. Ansprache des Kandidaten Stadtverordneten Wilbeim BÜwelL Freie Aussprache. Genossinnen, Frauen, Arbeiterinnen! Beweist durch Euer Er- scheinen, daß Ihr die Bedeutung deS Wahlrechtskanrpfes erfaßt habt und nicht gesonnen seid, noch länger Staatsbürger minderen Rechts zu sein. 200/3* Der Einberufet:: Adam Bittorf, Fehrbelliner Straße 26. liWtniif 3iipii iltnliüEns! Tonnerstag, den 1. Mai 1913(Himmelfahrtstag): Ausflug nach Ärih'Kuckom. Treffpunkt nachmittags l'/« Nhr im„Karlsgarten", Karlsgartenstr. 6—16. 285/8 Kelchsgarten Pichelsberg bei Spandan. ?lu4flüglcrn, Rodfahrcrii. HerrenPariicn, KremscrPariien emstseblc ich mein herrlich gelegenes Lolal mit Saal und Ausspannung. Für Vereine und Versammlungen. Speisen und Gelränke in bekannter Güte. Um gütigen Zuspruch bittet K55b Inhaber August ThieSe Starnrngeschäfl Berlin, Mittelstr. 20. _ Tel. Zentrum 11 578._ Zentralverband der freien Händler, Hausierer und rernandten Ilernfwgenossen Deutschlands. Sitz: Essen-lSnhr. Ortsvcrwaltung Berlin. Tie Mitglieder treffen sich am t. Mai vormittags S>/. Uhr bei Göttling zur Kontrolle, von dort gcmcinlchastlichcr Abmarsch nach dem nächste» Vcr- sammlun>?Ioka! 6S1b ErV>iemen eines jeden Kollegen ist unbedingt notwendig. __ J. A.: DI,« Ortsvorwaltong. ist der herrlichste Natiirgarte» an der Nordbahn? Nur im Gasthaus liurlkürslindrunnen, LorAStlorli trVirlcilwerder bei M. Meißner. ff Eis! Eis! ff offerieren frei Haus, für das laufende Jahr den großku oder galllen Eiiner sta. 10 Kilo) 38 Pf. den Kleineil oder halben Eimer(ca. 5 sno) 20 Pf. Bestellungen erbitten nach: Kiipcnilker Str. 46/11, Telephon Amt Morihplatz 11281. Rummelsburg.„„ Königstadt 10110. Plötzcnsee.„„ Moabit 1344. Norddeutsche Eiswerke. Orts-Krankenkass e der Stellmacher. Die Fortsetzung der 271/3 Generalversammlung vom 28. April sindel Freitag, den Ä. Mai, abends 8'/, Uhr. im ..Nofcnthalcr Hof-'» Rofenlhalcr Straffe t l— 12, statt. Tagesordnung: Beraiung nnd Bcschlufffassung der neuen Satzung nach den Bestim- mungcn der Rcichsuersichermigs- ordnnng evcnt. Vereinigung m!l der Allgeincinen Ortslrankenkasse der Stadt Berlin. Der Vorstand. Georg Gausing, Fr. Henke, öchviflfühm. Vorsitzender. Ortskrankenkafle für das lZeldseblnledegeweibe zu Berlin. Am Tonnerstag, den hi. Mai er., abeirds 8 Uhr, findet im tiewerk- schaltshanse, Engel. User 15, Saal ö. eine Aufierordcntliche Generai-Versammlung sämtlicher Delegierten statt. Tagesordnung: 1. Beratung und Befchlutzsafsung der neuen Satzung nach der R.-B.-O. 2. Verschiedenes. 271/1 Der Borstand. I. A.: A. Wllke, Vorsitzender. Fort mit Waschbrett und Bürste! Sie schaden damit nur Ihrer Wäsche. Viel bequemer, billiger und besser waschen Sie mit Persil. Die Wäsche wird damit blendend weiss, frisch und duftig wie auf dem Rasen gebleicht. üeberall«rhiltlich, nie lose, nur in Orißin«l-P«l£elen- H das solbstfätig�\ Waschmittel Der grosse Erfolg! HENKEL& Co., DÜSSELDORF. Äuch Fabrikanten der«Ubeliebten HcnkeFs Blcich-Soda. Orts- Krankenkasse 3erlin-Vei]iensee. Aufierordentliche General-Versammlung der Vertreter am 8. und 9. Mai. abends 8 Ubr, im Restaurant„Prillaten" hier, Lehderstr. 122. Tagesordnung: 1. Beratung und Beschtufffaffung über das neue Statut. 2. Antrag auf Gewährung einer Witwenpension. 3. Verschiedenes. Beschwerden gegen die Geschäfts- sübrnng müssen schriftlich erjolgen und tonnen in der Versammlung nur be> antwortet werden, sofern dieselbe» niindestens drei Tage vorher erhoben worden sind. 271/2 Eintritt sind nur die mit Ein- ladung versehenen Vertreter berechtigt. Bcrlin-Weiffensec, den 29. April 1913. Ter Borstand. I.?l.: Fuhrmann. Vorsitzender. GeineiDsainB Ortskraiikeßkässs für Äerlm Wilmersdorf und Umgegend. Zu einer �ußero nfentlichcn General-Versarnmiung laden wir die Delegierten der Arbeit- gcbcr und Kassenmitglieder zum Donnerstag, den 8. Mai ItM?, abends 8'/, Uhr, nach dem Restaurant„Stndtpnrk", Kaiserallee 52/54(kleiner Saal) er- gcbenst ein. 271/5 Tagesordnung: 1. Beratung und Bcschluffsaffung über die Kassensatzinigen nach den Vorschriften der Rcichsvcrsiche- rungSordnung. 2. Verschiedenes. Sofern die Beratungen und Bc- schluffjaffungen in oben benannter Generalversammlung nicht endgültig erledigt werden, findet die Fortsetzung der Generalversammlung änr Dienstag, den IN. Mai 191:1, abends S'i, Uhr, in demselben Lokale statt. Beschwerden und Anfragen, zu welchen Einsichtnabinc in Akten er- forderlich sind, können zur Besprechung nur zugelassen werden, wenn die- selben mindestens drei Tage vorher schriftlich beim Vorstande eingereicht sind. Rur Delegierte dürfen an der Generalversammlung teilnehmen. Berlin-WilmcrSdors. 29. April 1913. Der Vorstand. I. A.: Cübson, Brsil«!, Vorsitzender. Schriftführer. Ortskrankenkasse liip öeh Gewerlielifitrieli der Kaufleute, Kaniielsieute mi Apotiieker zu Berlin. Tonnerstag. den 8. Mai 1913, abends S'/s Uhr, im oberen Saal von Kellers Fest- täten(Neue Plnlharmonie), Kopc- nuker Straffe 98/07: ÄußerorMGeneralversaiiiiiiluiig Tagesordnung 1. Beratung und Beschlufffoffung über die neuen Satzungen der Kasse. 2. Beratung über eine eventuelle Vereinigung mit andere» Kran- lenkasscn. Der Borstand. K53b Richard Nürnberg, Jonao Stahl, Vorsitzender. schrisisülircr. Orts- Krattkenkasse der Schmiede. Donnerstag, den 8. Mai 1913, abends «'/»Uhr. bei Fröhlich, Mus lauer Str. 1: Slnfierordenttichc Geoeral-Versammlüng. Tagesordnung: Beratung und Beschluffsaffung über die neuen Satzungen nach der Reichs- versichcruiigsordnung und über die Kranlcnordnung. 371/4 Der Vorstand. A.: Ad. Pilgrim._______ Dr-Simavaei Spezial-Arzf für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Äpiau 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12._ Nach mehrjähriger Ausbildung in d. Chirurgie, Augenheilkunde, inneren Medizin u. Uro-Derroato- logie habe ich mich hier a.Spczial- arzt f. Haut-, Harn- u. Geschlechtskrankheiten niedergelassen. Dr. Robert Klokow, Potsdamer Str. 82, a. d. Lutzowätr. Sprechzeit 12-3. 5-7, Sonntagf. U-l. Fernruf: Kurfürst 5260. 191/1 Petzenhofen Kottbuser Damm 8. Empfehle m. gutgevflegle» Biere 3�/» Zehntel M K »~ w. Knnncmann. deutsch-engi. Neuheiten für Herren und Damen. Einzelverkauf zu selten billigen Preisen. TucMptur, Mstr.75, pt Siolfe IT.In v.d»1 Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln, Für den Lnseratenteil berantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts ivuchdruckerel a. Verlagsanstalt Paul Singer u-Co� Berlin ZI«. ic. 104. 30. Zahrglmg. 2. KeilU des Jotmärfs" ßetlintt WdsM Slitwxch. 30. April 1013. Candtagswäblerocrfammlungcn in den Vororten. I« näher der Wahltermin rückt, desto intensiver sind unsere Genossen«nick in den großen und kleinen Vororten am Werke, die Bevölkerung über den unheilvollen Einfluß, den der«ruf dem Drei« tlassen Wahlrecht basierende Landtag auf unser ges Ps. bezahlen. Ucbcrgchend zu den Anträgen, die zur Bcitragslcistung gestellt sind, betont er, daß an eine Erhöhung des Gnündbci träges nicht zu denken sei, man könne höchstens einer Staffelung der Beiträge näher treten, um auch den ungelernten Arbeitskräften im Beruf die Erwerbung der Mitgliedschaft zu er- leichtern. Im werteren trat er für Pflege des Annoneenwcscns im Fachorgan ein. Für die Presse berichtete H e n s e l, Berlin. Danach ist die Auflage des Fachorgans, der„Fleischer", von 4600 seit September 1912 auf regelmäßig 10 000 Exemplare gestiegen. Diese Eirtwick- hing, sowie die Ausbreitung des Gcsanitverbandes machen nun die Anstellung einer dritten Kraft, eines Redakteurs, notwendig und hat der Verbandstag darüber zu entscheiden. Für den Ausschuß berichtete Schermberger, Hamburg. Diese Ausführungen erstrecken sich nur aus ganz interne Angelegen- hinten und haben deshalb für die Ocffentlichkcit kein Interesse. Tie Verhandlungen werden auf Dienstag vertagt. j Soziales. Zur Konsumgcnossenschaftsbewegung. Genosse Paul Göhre hat in einer 55 Seiten starken Broschüre „Tic Genosscnschaftsbcwcgung der deutschen Arbeiterklasse" sPerlag Kaden u. Cie., Dresden, Preis 50 Pf.) eine kurze gemeinverständ- liche Darstellung der Geschichte der Ärbcitcr-Genosscnschastsbewc- gung und der Beziehungen der Genosscnschaftsbcwcgung zur Gewerkschaft und zur Sozialdemokratie herausgegeben. Tic niaterial- reiche Schrift führt uns bis zu dem Stand und dem Charakter der Bewegung im Jahre 1912. Der Verfasser hebt bei der historischen Wertung der Schultzc- Delitzschcn Vereine und ihrer Bekämpfung durch Lassalle hervor, das erste durchaus gegensätzliche Verhältnis zwischen Sozialdcmo- kratic und Konsumvereinen sei darauf zurückzuführen, daß zu Lassallcs Seiten die.Hauptausgabe war, die Arbeiter zu einem eigenen Klassenbewußtsein ünd zum Willen zu erziehen, sich'als selbständige Klbssc von den anderen abzusondern. Es sei zur Er- -Buchung hiescs höheren. Zwecks erforderlich gewesen, die Arbeiter- klassc unter allen Umständen, selbst auf Kosten der nächsten Zukunft der Konfumbereinsbewegürig, ans der Bevormundung und der Um- armung durch die deutsche Fortschrittspartei zu befreien, die bei der Propagierung des Kousumvcrcinsgcdankcns allerlei parteipolitische Hintergedanken und Jutcrcsscnabsichtcn gehabt hat. Kurz und knapp ist damit— allerdings ohne Hervorheben der Beschlüsse der Internationale 1866 und 1867— das Verhalten der Partei zur Schultzc-Delitzschcn Konsumvercinsbewcgung in ihrer großen Ten- denz geschildert. Ob in der Tat in den 60cr Jahren bis hinein in die 90er Jahrc�dic Partei eine feindliche Stellung zu den Konsum- bcreinen eingenommen hak, läßt sich mit gutem Grunde bestreiten. Ausschlaggebend war— soweit ein Rückblick das erkennen läßt— für ihre Stellung die Erkenntnis, daß eine entscheidende Bedeutung für die Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln der Lohn sklavcrei den Konsumvereinen nicht zukommen kann. Gegenüber der Ucberschätzung der Konsumvereine im Emanzipationskampf war eine Vorsicht, die leicht als Uuterschätzung der Bedeutung der Kon sumvereine gedeutet werden kann, durchaus am Platz. Die Kon sumvereine verschaffen dem kämpfenden Proletariat bessere und billigere Lebensmittel und mancherlei sonstigen Nutzen und sie bilden eine treffliche Schule des Gemcinsinns und demokratischer Verwaltung, wirken also auf sozialistisches Denken und Fühlen ein. Aber das ist erst möglich, wenn ein kämpfendes, klassenbewußtes Proletariat vorhanden. Erst von da ab konnte die Gcnosscnschafts bewcgung eine nicht unwichtige Stelle im Emanzipationskanips der Arbeiterklasse spielen. Es ist daher kein Zufall, daß' innerhalb der Konsumvereins- bewcgung eine Auseinandersetzung zwischen Bürgertum und Ar- beitcrn kommen mußte. Die daraus hindrängenden Tendenzen sind in der kurzen, knappen Schilderung deutlich zu erkennen, die der Verfasser über die Gründung und Entwicklung der Konsum- vereine insbesondere seit Ansang der 80er Jahre gibt. Den Schluß- stein der Auseinandersetzung bildete die Kreuznachcr Tagung 1902, „der Tag von Kreuznach", schreibt Göhre mit Recht,„ist zu einem hohen Glückstag für die Konsumvereine geworden. Ilcberall seit- dem ein überraschend stolzes Aufblühen, ja geradezu ein urwüchsig gesundes Vorwärtsdrängcn auf allen Gebieten, über die sich die rastlose Tätigkeit der Vereine erstreckt!" Die heutigen Arbcitcrkonsumgenosscnschaften spricht Göhre als proletarisch, demokratisch und sozialistisch an und führt das des Näheren aus. lieber die durchaus demokratische Verfassung schreibt er: „Nach der durch das Genosscnschastsgcsetz festgelegten Vcr faffung ist in jedem Konsumverein die Generalversammlung der Mitglieder die oberste Instanz. Sie wählt?lufsichtsrat und Vor- stand, in kleineren Vereinen auch die Angestellten der Betriebe bis herab zur letzten Verkäuferin; in größeren Vereinen besorgen das, aber als ihre Bevollmächtigte, Vorstand und Aussichtsrat, oder auch nur ersterer allein. Demokratisch bestimmt ist auch das Arbeits- Verhältnis in den Vereinen. Da die Angestellten(bis auf die minderjährigen Verkäuferinnen) selbstverständlich stets Mitglieder des Vereins sind, entsteht der interessante Zustand, daß sie, mit den übrigen Mitgliedern zusammen freilich, in den jährlichen General- Versammlungen über die Anstellung respektive Wiederwahl ihrer eigenen Vorgesetzten mit entscheiden. Das ergibt, um so mehr da diese genau wie sie derselben Klassc, eben der Arbeiterklasse ent- stamvicn, ein gegenseitiges Verhältnis bei der Arbeit, das grund- sätzlich von demjenigen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen in Privatbetrieben verschieden ist. Dort fast unbedingte Subordi- Nation(wer nicht pariert, der fliegt!), hier mehr kameradschaft- lichcs Hand in Hand arbeiten(alle sind untereinander„Genossen"). elbstverständlich herrscht auch in konsumgenossenschaftlichen Bc- irickl'cn Disziplin; aber es ist eine solche, die mehr auf Einsicht in den Zusammenhang des Betriebs, als wie auf wirtschaftlichem Zwang beruht. Selbstverständlich gibt es auch hier Vorgesetzte und Uniergebenc. Aber nur so lange der Betrieb geht; danack tritt so- fort wieder die GIcichordniing an die Stelle. Und auch diese Tat- fache wirkt in das Arbeitsverhältnis hinüber: es wird kaum je barsch befoblcn, fast stets kameradschaftlich angeordnet. Und jeder Teil trägt dabei die ihm zugemessene Verantwortung." Nach Anführung der auf dem Parteitage zu Magdeburg und aus dem internationalen Sozialistenkongress zu Kopcn- Hägen gefaßten Beschlüsse ruft der Verfasser die Parteigenossen und Genossinen zum Eintritt in die Konsumvereine ans, um dort jenen sozialistischen Geist zur Geltung zu bringen, der auch für die Konsumvereine schon bisher ein starkes Mittel ihres Fortschritts war und es verstärkt in Zukunft werden kann und muß." Das Buch können wir zur Lektüre und Propaganda' für die Konsumgenossenschaften dringend empfehlen. Es informiert in Kürze über den Werdegang der Konsumvereine und über ihr Ver- hältnis zur Partei. k Lese- und Diskutierklub„Wilhelm Liebknecht�. Heut« | Mittwoch, abends 9 Uhr: Sitzung im Lokal von Eichhorn, Danziger Str. 93. Gäste willkommen. Brtefkaften der Redaktion. Tie lurlstllche Spreaistunde findet Linden st raste KS, dorn vier Treppe» — F a d r st u h l—, wochentäglich»on«4 dis 714 Ustr adends, SonnodendS, von tt4 bis K Uhr abends statt. Jeder für den Brieftaften bestimmten Anfrag« ist ei» Bnchftabe»nd eine Zahl als Mertzctchen bcizafügen. Briefliche Antwort >oird nicht erteilt. Anfragen, denen trine Abonnementsguittnng brigefbgt ist» ocrd-n nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. P. W. 30. Nur dann, wenn im vorgesehen- Guben 3. Lbrc Frage ist bereits im Briefkasten des„Vorwärts" vom 9. April beant- wartet und zwar dahin: Die Höbe der Fnvatidcnrcntc läßt sich nicht bc> rechnen, da Sie die genaue Anzahl der Marken und auch nicht die Lobn- klaffen, in der die Marken gell tet sind, mitgeteilt haben. Der Anspruch bestellt für die Zeit nach Beendigung der 26 Wochen Krankhritsdauer. Tie Fnvalidcnrentc unterliegt der Beschlagnahme wegen Mietsforderungen nicht. — E. K. Nein,— ikonis. Wir rat en von Erhebung einer Privatklage ab,— R. 3. 66. Ohne nähere Kenntnis des Inhalts nicht zu beant- Worten, In der Regel bleibt in solchen Fällen das Testament gültig. 2. Ja. Durch eigenhändige Niederschrift mit OrtSbcicichnilng, Datum und Unter- schrist versehen.— 40. X. 1883. 1. Gewcrbcdeputation, Stralaucr Straße 3/6. 2. Einfache Anmeldung unter Angabe der Höhe des Betriebs- lapitals und der Höbe des voraussichtlichen Reinverdienstes, 3. In Berlin nein,— R. W. Mindestens die Hälfte des Krankengeldes, Antrag ist an die Invalidcnversiwcrungsanstalt zu richten,—'}}. Z. 3. Ein jetzt zu schließender Ehcvcrwag würde die Zahlungspslicht nicht beseitigen. Wenn jetzt anzuschaffende«achen mit Mittel Ihrer Tochter beschafft werden und diese auch als Käuferin auftritt, ist sie Eigentümerin der Sachen, Sie könnte alsdann für den Fall der Pfändung mlervenieren.— A. I. 00. Nein. — F. I. 3. ES besteht� eintägige Kündigungsfrist,— P. Sch. 30. Falls sich nachweisen lüjji, daß Sie bereits am Dienstag arbeitsunfähig krank waren, haben Sie auch für dielen Tag Krankengeld zu beanspruchen,— K. P. 3. Ja,— W. W. 37-38. I. Ja, 2, Das ist möglich,— P. R. 104. 1. Für den Fall, daß ein Verlöbnis bestand und die Gegenseite das Ver- löbnis ohne ausreichenden Grund gelöst hat oder die Lösung verschiüdet hat, kann Rückgabe binnen Jahressrist gefordert werden, 2. Ja. 3. Nach Ablauf der in der Aufforderung gesetzten Frist, die beliebig bemessen sein kann.— E. T. 10. An den Wirt,— F. 3. 31. Das erste Vierteljahr. 3ch. 300. Iii zwei Iahren, die Verjährungsfrist beginnend mit Ende dcS Kalenderjahres,� in dem die Forderung cnistande» ist,— R. L. 11. Die Abzahlungen für die Nähmaschine sind nicht abzugssähig. Falls Ein« kommen Ihrer Frau bei der Veranlagung mitbcrücksichtigt ist, können die Versicherungsbeiträge gekürzt werden,— R. P. 33. Auch nach erfolgter Scheidung bleiben Sie für die lliilcrhaltskostcn haslbar. — C- L. 14. Daß der 30. April mitten in die Woche fällt, ist unerheb» lich. Ob Sie sonst noch Ansprüche baben, läßt Ihr Schreiben nicht erkennen. — 21. K. 6. Der Ehemann ist alsdann zur Zahlung gesetzlich verpflichtet. Witterungsübersicht vom 30. 21pril 1013. Ii Stationen 2- a S| Üfi s Swinemde.,766SSO Hamburg ,761 OSO Berlin 76öS Franks, a.M 76ö! S tili München Vetter Wien 7651«; 766 C9!D 2 heiter 2 Dunst 2 heiler j Dunst 2 wolkcnl 1 wolkcnl «35 s? mS> Stationen Haparanda,770N Petersburg' 773 Still cillh 759; 4 Zlberdec» TolSiiU Paris 7 KINO 4 wolkig 'wölken! 3 bedeckt !wolkig 1 wolkenl! Wetterprogiioie für Nlittwoch, den 30. 2lpril 1013. Vorwiegend heiter und sehr warnt, bei meist schwachen südöstlichen Winden; Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wette.rbureau. Wasserftandö-Nachrichten der Landesa nstolt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berlwer Wetterbureau Wasserstand M- m- l. Tilsit P r e g e l. Jnfterburg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor Kroffcn Frauksurt Warthe, Schrimm , Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden . Bardo . Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) vnterpegel. Feiertage 1 Haupt-Geschäft: Jerusalemer Str. 32-35| Verkaufsstellen in allen Stadtteilen| PiiiiiiuiiniiuiiiiiiiiiiiiiHniiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiininiimraainniiiiiinimiraimiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimmiiiiüiiiiii"1'11111111"13 find die Schuhwarenläger der alten Stiller-Firma in allem, was neu, fchön und elegant ift, fo reichlich ausgestattet, dah jeder Wunfeh erfüllt werden kann! Ganz neue Modelle in Damcn-'Halbschuhen Elegante Herren-Stiefel in ganz neuen Formen iiiiiiii 14s0 16 50 W50 Höchste Leistungen! Todes-Anzeigen SozialdemokratisetierWahlTerein f.il.6.ßErl.Reicj[stags-Walilkrfiis. Nachruf. Am 24. April verstarb unser Genosse, der Maurer �uxust(Zerloft Gl-imstr. 5.— Bezirk 596. (?6rc seinem Andenken! Die Beerdigung sand bereits am Montag aus dem Elisabeth- Äirchhoj in der Prinzen-Allee statt. 22TJ8 Ter Lorstond. Am 2?. April, vorm.*1,9 Uhr, starb nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, der Gastwirt SchuBz im 48. Lebensjahre. 143l Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinter- blicben/m F-rau Berta Schulz. Die Beerdigung findet am Dvnnerstag, nachmittags:i'l2 Uhr, vr>n derHallc dcS Neulöllner Fried- hofeS, Mariendorier Weg, aus statt. | SözialöEinokpatisElier WahJyErein NEukölln. Am Montag, den 28.?lpril ver- starb unser Parteigenosse, der Gastwirt Aibert Schulz (Ziethensir. 77, 19. Bezirk). tkhre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Mai, nach- mittags J'/3 Uhr. von der Leichen- Halle des Geiueinde-Friedhoses, Maricndorfcr Weg, aus statt. Ter Vorstand. vEUlZEtlEP IraaapoptartiEitEi'-VEi'daiill. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kuticher Eimil Borchert am 26. d. Mts. im?llter von 48 Jahren verstorben ist. Ghre seinem Andenken k Tic Beerdigung findet am I Mittwoch, den 8l». d. Mts., nach- mittags 4 Vj Uhr, von der Leichen- 1 balle des Georgen-KirchboseS in I Wcigeujee. Rvlckestraße, aus statt.| Um rege Beteiligung ersucht 64U2 Hie Bezirksverwaituag. Wpal-VEPdaai! iJer Tcpipr ii. BeruisgEnossEn DEutsciilands. Filiale tiroü-lterlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi am 27. Zlpril unser Kollege WiMlm Preußner (Bezirk Neukölln) im 3llter von 46 Jahren an einem Herzschlage verstorben ist. Gbre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet Donner?- tag, den l. Mai 1913, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemkinccfiaedboscs in Neukölln, Maricndorjcr Weg, aus statt. ■ Um rege Beteiligung ersucht iA?" Der Vorstand. VErhand der Bucli- und Stein- drackerBi- HillsaFbEitBr und ÄrbEiiErinrEn Deutschlands. Ortsveru altnng Berlin. i'lm 28. d. Mts. verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied (lULtsv Pfennig im Alter von 44 Jahren. Ehre seinem Andenke»! aie Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Mai. nach- mittags 4 Uhr, aus dem Luther. Kirchho, in Lankwitz-Marienscldc statt. 27/15 DieCrtsverwaining. DeutschEr HolzarbeileFvepband. Filia e Berlin. Den Miiglicdcrn zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Tischler Hennsnn Klabe (Alleuslciner Str. 22) im Silier von 47 Jaliien gcstorbcii ist. Ehre scincin Andenken k Die Beerdigung findet heute Mittwoch. den 30. April nach- mitiagS 5 Uhr, vom Krankenhaus Friedrichsbain aus»us dem St. Bartholomäus- Kirchhose in «eificnscc, Falkenberger«trage, statt. 82/11 vi« Ortsverwaltung. Danksagung. Für die rege Beteiligung an der Beerdigung unseres lieben Eni- ichlasenen, sowie sür die zahlreichen Kranzspenden sagt herzlichen Dank vtrlin, den 29. Zlpril 1913.[6576 Familie Oberscjimidt Am 27. April, 6-/. Uhr. entschlies sonst nach kurzem schweren Leiden im 54. Lebensjahre mem lieber herzensguter Mann, der Gießer- meister Otto Seilte. Dies zeigt ticsbetrübt an Fiise Scntz, Nieder- schöncweide, Sedanstr. 14. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 1. Mai, nachmittags i/,4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhoscs von Ober-Schöneweide aus statt. Üim 28. d. M. entschlief sanst unsere liebe, gute Mutter. Groß- und Schwiegermutter, Witwe Pilz geb. �ViltheiU im 73. Lebensjahre. 656b Dies zeigen liejbetrübt um stille Teilnahme bittend an im Namen der Hinterbliebenen Otto Pilz und' Hans Pilz. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags'/.4 Uhr, vom Trauerhause Weißenburger Str. 68 aus nach dem Georgen- Kirchhof, Landsberger Allee, statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau 40Ä Martha Spaltenstein sage ich hiermit allen Teilnehmern, insbesondere meinen Kollegen und Kolleginnen des K.-W. O., Abt. vk, Saal 12, meinen herzlichsten Dank. Otto Spaltensteiu. Fartitr am Lager: öehroiMnzfige�SßM. MiBHDiügßSMM Cutaway u,WBStB�|°:�M. Beinkleider II IS: 8m. Fertige«chwarze Kteiilung für Knaben und Jüngiinge ;s in größter Auswahl Feine Maß- Anfertigung :: in ca 10 Stunden:: |3aer Sohn Kleider- Werke Berlin. Gegr. 18Ö1. Chausseestiaße 29— 30. 11. Bruckenstraße 11. Gr. Frankfurter Str 20. Schöneber,•. 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Jäbne. Die trauernden Hinterbliebenen Richard Kohl und Tochter, Familie Jähne, Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Jerusalemer Kirchhofes, Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Ustal d. Konsumgenossenschaft Berlins u. Umgegend Eigene Fabrikation I, Kottbuser Straße 1 Tor) Eugen Kehr& Co. Spezialgeschäft rsr Herrenhüte. GroBe Auswahl.— Solide Preise.— Fachmännische Bedienung. Pilifllpn* Prenzlauer Allee 27(a. d. Immanuelkirche). Am Friedrichshain 35(König stör). Georg Gottmann ftzranff. Allee 118a. Gr. Frankfurter Str. ISO. Franks. Allee 162. Hüte, Strohhüte, Panama, Schirme, Wäsche, Krawatten. -- Liieferant der Konsaing;cnoMHenschaft.- Ziehung schon 8. Mai 1913 In Kiel. Schleswig- Holsteinische i Pferde- 3261 Oewinae im Qciaratvsrt tos Mark ät&tl&rie' ewinne im Gesamtwert von Mark eeeee «pcz. 49 Pferde ono 4 Equipagen Mark---l I. Hauptgewina: ein eleganter Vierspänner Mark« Lose I KSk.... 7.°.�°° 10 Mk. 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H ö» i i ch, Müllcrstr. 34a Ecke Utrechter Str., Laben. Bosenthaler und Oranienburger Vorstadt: WUHelst» B a u m a n». RhcinSbergerstr. 67. Laden. Oesandbrunnen: F i i ch e r, Bastianstr. 6, Laden. 8iehöii hauser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagener Str. 22. A dlersbof: Karl Schwarzlose. Bismarckstr. 50. -Alt-OIlenleke: Wilhelm Dürre, Köpenickeritr. 6. Itannisclmlenwcg: H. Hornig, Marientbalerstr. 13, I. Bernan, Böntgental, Zepernick, hiehonow, Schön- brück und Bach: Heinrich Brase, Mühlenstr. 5. Laden. Bohnsdorf, Falkcnbcrg und Falkenhorst: Paul G e n s ch. Bobnsdors. Genossenschastshaus.Paradies'. Fiini'Iottenbnrg: Gustav Scharnbera, Sesenheimeritraße 1 F.Ichnalde, Schmttckwltz: Oskar Mahle, Stubenrauchstr. 99. Erkner, Ken- Zittau: Ernst Hoff mann, Friedrichshagener Chaussee. Fredersdorf-Petersliagen, Eggersdorf: S. H ö s e I b a r t h, Petersbage». Friedenau. Steglitz, Südende, Orc.ß- Ltchterfelde, Eankn itz: H. B e r n s e e. Alsenstr. 5 in Steglitz. Frlodriclishagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Scböneiche, KI.-Schönebeck; Ernst W e r im a n n, Friedrichshazen, Köpe» nicker Straße 18. Grüna»: Franz Klein. Friedrichstr. 10. •lohannisthal, Itadon; Max G o n s ch U r, Parkstr. 6. Karishorst: Richard K ü t e r, Mödelstr. 9, II. Königs- Wastcrhansen, W�lldan: Friedrich B auman», Baliiibosstr. 8. Köpenick: Emst W i ß I e r, Kietzerstr. 6, Laden. Eiclitenbcrg, Frledrichsfclde. Hohenschönhausen: Cito Seilet, Wart enbergstraße 1(Laden). Maiilsdoi-t. Kauisdorf, Biesdori: P. Heßberg, Rauls- dorj, Ferdinandstraße 17. Mai-icndorf: Äiignst L e i p, Cbaufieestr. 296, Hof. Marienfelde: Emil Weinert, Berliner Str. 114 II. �enenhagen. Hoppegarten: Gustav L e y, Wolterstraße. Keuköiln: M. Heinrich, Neckarstr. 2, im Laden; Neukölln, Britz: Rohr, Siegsriedsiraße 28/29. Xieder-Eehnie: Karl Freitag. N ieder-Sehöncweide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, II. > on an es: Wilhelm I a p p e, Lutherstr. 2. 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Kommunalbezirls im Gustav- Behrens-Thealer, Goltzstr. 9, eine Wählerversammlung statt, in dek tstadtverordneter Genosse R. Küter über' die Landlagswahlen referieren wird. Johannisthal.- Die Genossen und Genossinnen treffen sich heuts Mittwoch, abends Vo® Uhr, im Arbeiterheim zur Teilnahme an der Wählerversammlung in Nieder-Schöneweide im„Waldhaus', Berliner tslraße, in welcher der Kandidat des Kreises, Genosse Hofer spricht. Adlershof. Freitag, den 2. Mai, abends 7 Uhr: Wichtige Flug blattv erbreitung. Mariendorf. Heute Mittwoch abend 7 Uhr: Handzettel- Verbreitung von den Landtagswahl-Bezirkslokalcn aus. Petcrshagen-Frcdcrsdorf. Die Genossen, welche an dem Ausflug noch dem Stienitzsee teilnehmen wollen, treffen sich um'/»ll Uhr im Lokal von Appel in PeterShagen. Abmarsch 9 Uhr. Wannsee. Heute Mittwock, abends SVa Uhr, findet im„Fürsten- hos'--- Tas Kind im Müllkasten. Durch einen Zufall ist gestern vormittag ein neugeborenes Kffid, das von seiner Mutter in einen Müllkasten geworfen worden war, vom Tode des Erstickens gerettet worden. Im Hause Bändel- straße 25 in Moabit befindet sich ein großer Hof, der auch zum Nachbargrundstück hinüberg�t. Gestern vormittag gegen 9)4 Uhr kam einer der Berliner..Naturforscher' auf den Hof und entfernte von dem Müllkasten die oberste Schicht Asche. Als er schon einen Teil Asche weggenommen hatte, fand er ein Paket. Als Umhüllung diente eine große Huttüte von der Firma Meyer n. Co. in- der Wilsnackcr Straße 51. Der Mann öffnete die Tüte und fand ein neugeborenes, aber noch lebendes Kind darin. Dieser Vorgang w»r von'einer Krankenschwester, die in ihrer Wohnung zum Fenster hinaussah, beobachtet worden. Sic eilte sofort auf den Hof und nahm das Kiud in Behandlung, kiopstc, schüttelte und massierte es und brachte den Knaben, der bereits das Bewußtsein verloren hatte, auf diese Weise wieder zpr Besinnung. Dann wurde die Polizei benachrichtigt, die bald die nötigen Ermittelungen nach der Mutter einleitete. Der Verdacht, den versuchten Kiiidesmord verübt zu haben, fällt auf eine in der Nachbarschaft wohnende Fabrikarbeiterin, die bis gestern mittag noch nicht ermittelt werden konnte. Nach den ärztlichen Feststellungen hat dos Kind bereits feit Montagabend im Müllkasten gelegen, und es ist als ein Wunder zu betrjichten. daß es nicht erstickt oder durch die heiße Asche, die aus ihm gelegen hat, verbrannt worden ist. Es wurde vorläufig von einer im selben Hause wohnenden Schuhmacherfamilie in Pflege genommen» In der Täugliugsfursorgcstclle 1 findet im Mai wieder pnent- zeitlicher Unterricht in Säuglingspflege statt mit praktischen Uebungen, wöchentlich einmal. Meldungen von 2— i Uhr im Bureau de» Äinderhauses, Blunienstratze 97. Für 1500 W. Schmucksachen erbeuteten Klingelfahrer, die gestern nachmittag der Löitwe eines Oberstabsarztes in der Güntzelstratze zu Wilmersdorf einen Besuch abstatteten. Während die Dame aus- gegangen war und die Wohnung ohne Aufsicht stand, kantelten Diebe die Flurtiir auf und stahlen aus einem Behälter im Schlafzimmer goldene Armbänder, Broschen und Ringe, alle mit Brillanten und Granaten besetzt, eine golden� Damenankeruhr und einige Münzen. darunter einen SiegeStaler, einen Frankfurter Taler und einen goldenen HochzeitStaler. Von den Spitzbuben fehlt noch jede Spur. Wer ist der Tote 7 Um einen Berliner scheint es sich bei einem ungefähr 40 bis 60 Jahre alten Manne zu handeln, dessen Leiche in Frankfurt aus dem Main gelandet wurde. Der Tote trug KleidungS- stücke, die aus Berliner Geschäften stammen und zwar einen braunen Manchesteranzug einen Arbeilerkittel und eine braune wollene Unier- sacke. Auf einem Taschenmesser, das man bei ihm fand, war der Name August Gablitzek eingraviert. Die Leiche, die nach dem dortigen Schauhause gebracht wurde, scheint schon längere Zeit im Wasser gelegen zu haben, denn sie war schon stark in Verwesung übergegangen' und das Aeustere des Mannes kaum zu erkennen. Es kann nur gesagt werden, daß er 1,70 Meter groß ist und dunkel- blondes Haar hat. Eine öffentliche Privatangestelltcnversammlung findet am Mitt- tooch, den 30. April, abends 8Vz Uhr, im„MarinehauS", Am Köllnischen Park(großer Saal) statt. Referenten sind: Reichs- tagsabgeordneter Karl Giebel über.Drohender Ilmfall in der Konkurrcnzklauselkommission". Schriftsteller Dr. Breitscheid über.Die Privatangestellten und die Politik." Alle Handlungsgehilfen, Bureauangestellten, Werkmeister, Zeichner, Techniker und alle sonstigen Privarangestellten werden dringend ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Arbeiter-Bildnuasschule. Der Unterricht in Geschichte(Die deutsche Politik im Zeitalter Wilhelms II.) fällt am 1. Mai aus und findet bereits heute(Mittwoch) statt. Heber die Bedeutung der konsumgenossciischaftlichctt Orgauisotio» im heutigen Wirtschaftsleben referiert heute Mittwoch, den 30. April, abends 8l/, Uhr, in einer öffentlichen Versammlung für Männer und Frauen im.Märkischen Hof", Admiralstr. 18o, Stadtverordneter Genosse A. Heitmann-Neukölln. Wer durch Selbsthilfe seine Lage verbessern will, erscheine in der Versammlung. Vorort- �acbricdten. Verbotene Maiumzüge. Wie alljährlich so haben sich auch diesmal einige Ortsober- Häupter damit abgeplagt, Gründe für die Ablehnung von beantragten Maifestumzügen anzujühren. Die Priorität im Genialen an Ab- lehnungsgründen gebührt diesmal dein Spandauer Oberbürgermeister Herrn Geheimrat K ö l tz e. Als Chef der Polizei hat Herr Költze die vom Gewerkschaftskartell nachgesuchte Genehmigung zur Ber- anstaltung eines Umzuges mit folgender Begründung abgelehnt: Die Genehmigung zur Veranstaltung des Aufzuges am L Mai wird aus folgenden Gründen versagt: Der Umzug soll am 1. Mai, dem Hiininelfahrtstage, statt- finden, also an einem Tage, an dem ein außerordentlich starker Verkehr sowohl von hiesigen Einwohnern als von auswärtigen Personen auf den öffentlichen Straßen der Sladt stattfindet; dazu kommt, daß die meisten Straßen, die der Zug durchziehen soll, mit Straßenbahnen befahren werden, und daß die Zahl der Motor- und Anhängewagen an diesem Tage auch noch größer ist als sonst. Außerdem ist in dem Aufzuge eine politische Demonstration zu erblicken, der um so größere Bedeutung beizumessen ist, als sie in eine Zeit fällt, in der die Wahlen zum Preußischen Abgeordneten- Hause und die Erörterung der deutschen Wehrvorlage bevorstehen. Der Aufzug ist daher geeignet, die Veranlassung zu Reibereien mit politisch andersgesinnten Personen zu geben. Hiernach ist aus der Veranstaltung deZ Aufzuges Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten' und daher die Versagung der Genehmigung gerechtfertigt.(§ 7 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908.) Költze. Sowohl Stil wie auch Begründung de» Ablehnungsschreibens lasten vermuten, als ob Herr Költze Schul« bei dem Berliner Polizeipräsidenten gemacht hätte. Herrn Költze scheint nicht bekannt zu sein, daß die Gewerkschaften sich die Verbesserung der Wirtschaft- lichen Lage der. Arbeiter zum Ziel gesetzt haben. Wirtschaftliche Forderungen sind es hauptsächlich, wofür sie am 1. Mai demonstrieren. Recht sonderbar mutz eS auch anmuten, daß Herr Költze gerade von den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern Reibereien.mit anders gesinnten Personen" befürchtet, während doch sonst bei patriotischen Festlichkeiten eine solche Besorgnis nicht besteht. Auch der Pankower Amlsvorsteher hat dem von der GewerkschaftSunterkommission Pankow- Nieder- Schönhausen bean- tragten öffentlichen Aufzug die Genehmigung versagt; er hat sich allerdings in seiner Antwort etwas weniger in geistige Unkosten gestürzt wie Herr Költze. Das Ablehnungsjchreiben lautet kurz folgendermaßen: Die von Ihnen unterm 16. April 1913 fHimmelfahrt) nach- mittags 2 Uhr nachgesuchte Genehmigung zur Veranstaltung eines öffentlichen Aufzuges durch die Spandauer Straße, Breitestraße und Berliner Straße wird hiermit versagt, weil der Aufzug zur Gefährdung der öffeetlichen Sicherheit führen lan». I. V.: Stawitz. Beide Schriftstücke sind nur zu betrachten als Dokumente, die den reaktionären Geist unserer Zeit widerspiegeln. Sie find nur ein Beweis dafür, daß die organisierte Arbeiterschaft sich auf dem richtigen Wege befindet.___ Schöneberg. Aus der Stadtvcroidnetenversammlung. Zunächst wurde der an Stelle des ausgeschiedenen Stadtverordneten Äuznitzky neu er- nannte Direktor W o l f f- Z i t c l m a n n eingeführt. Alsdann wurde in die Beratung der Jubiläun�ivorlage eingetreten. Ter Magistrat beantragte: ,1. Die Stiftung von drei Freibetten II. Klasse im Auguste- Viktoria-Krankenhause für Angehörige des Mittelstandes und zwar Schöneberger Bürger, die nicht von der Armeiwcrwaltung unterstützt werden. Der Wert dieser Stiftung ist mit rund 8000 Mark pro Jahr zu bemessen. 2. Als Beitrag zur Beschaffung und Einrichtung des Spiel- Platzes im Norden des Südgeländes zwischen den Straßen 124 und 153 einerseits und der Strgße 123 und dem Begräbnisplatz der Zwölf-Apostel-Kirche andererseits wird ein Betrag, von 150 000 M. aus dem Kämmereifonds bewilligt. D�r Spielplatz soll den Namen..K a i s e r- Ju b i l a u m S- P l a tz" erhalten. 3. Die Gemeindeeinkommensteuer soll mit Wirkung vom Rechnungsjahre 1913 äb von den zurzeit hier wohnenden, das Bürgerrecht genießenden Veteranen der Feldzüge 1864, 1866 und 1870/71, soweit sie in den Steucrstufcn bis zu 1200 M. steuerpflichtiges Einkommen sind, nicht erhoben werden/ Genosse K ü t e r erklärte, daß man gegen Stiftungen im all- gemeinen nichts einwenden könne; wenn jedoch dadurch nur eine einzelne Grippe bevorzugt werden solle, dann könne man eine ge- meinnützige Einrichtung nicht so unbesehen annehmen. Die sozial- demokratische Fraktion beantrage daher, die Worte„für Angehörige des Mitielstandes und zwar" zu streichen. Wenn etwa» gegeben »verde, so muß diE Zlllgemcinbeit gleichen?lntxil baden. Fcrnex empfehle es sich, hei Benennung von Verkehrs- wnfi Spielplätzen eine Namensvereinfachung vorzunehmen. Stadtrat R a b n o w meinte, es sei geradezu ein Bedürfnis, auch für den Mittelstand etwas zu tun. Ter größte Teil der Ar- heiter sei in den Krankentassen versichert, während für den Mittel- stand nichts vorhanden sei und dazu solle diese Gelegenheit benutzt werden.— Stadtrat Licht erklärte, daß, wenn für den Spielplatz ein langer Name gewählt worden, das nur ein Zeichen sei, daß der Magistrat sich wirklich in einer Notlage befunden habe. Der Name sollte die Bedeutung der Stiftung zum Ausdruck bringen, außer- dem sollte mit keiner anderen Gemeinde kollidiert werden.— Hierauf wurden die Abänderungsanträge der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt und die Borlage in der unveränderten Fassung angenommen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte folgende An- frage eingebracht: „WaS gedenkt der Magistrat zu tun, um die noch immer schwebenden Arbeiterfragen zum Abschluß zu bringen?" Genosse Mobs betonte, daß Arbeiterfragen bei dem Magistrat in keinem hohen Ansehen zu stehen scheinen. Obwohl der Ober- burgeriucistcr vor nicht gar zu langer Zeit erklärt habe, daß der Versammlung eine besondere Vorlage binnen kurzem zugehen sollte, sei nichts geschehen. Mit dem Versickern des Wohlwollens sei nichts getan. Vor mehreren Wochen sei im Etatsausschuß vom Oberbürgermeister mitgeteilt worden, daß innerhalb 14 Tagen die Vorlage vorliegen werde. Dabei sei der finanzielle Effekt nur ein geringer: wenn die in der Deputation gefaßten Beschlüsse durch- geführt würden, dann koste die Sache 18 000 M. Von dem Arbeiter. ausschuß werde die Durchbcratung der ArbeiiSordnung innerhalb 4 Tagen verlangt, während der Magistrat über'/, Jahr« gebrauchte, um einfache Beschlüsse in Forin einer Vorlage zu bringen. Es müsse die Arbeiterfrage endlich zum Abschluß kommen. Ober- bürgermcister. D o ni i n i c u s gab zu, daß die Arbeiter mit der Beschwerde im Recht seien, er bedauert, daß die Angelegenheit noch nicht weiter gediehen sei, indessen wären die Avbeitcrverhältnisse so verschieden, daß der vom Magistrat eingesetzte Unterausschuß vollauf zu tun hatte und jetzt erst zu einem Abschluß kommen konnte. Die Vorlage erscheint in den nächsten Tagen. Nachdem sich die Stadtv. Bamberg und Gen. Kütcr hierzu geäußert hatten, war die Debatte erledigt. Die R c ch t S a u S l u n f t s st e I l e soll in das alte Rathaus verlegt werden, da die. vorhandenen Räumlicktciten sich als zu klein erwiesen haben. Täglich kommen 25 bis 30 Personen um Auskunft zu verlangen; infolge der schlechten Luft gehen jedoch viele unver- richteter Sache wieder fort. Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen Kütcr, Blohs, Reiche angehören. Für innere Einrichtung des neuen Rathauses wurden über 525 000 M. verlangt. Genosse Obst bemängelte, daß für die künstlerische LeilMg allein 40 000 M. angesetzt sind, er hält diesen Bc- trag für zu hoch, jedoch werde sich im übrigen an den Summen nicht viel verändern.— Tic Vorlage wurde angenommen.— An verschiedenen Straßen und Plätzen sollen Vcrkehrshäuschcn errichtet werden, die zugleich eine Zcitungsvcrkaufshall«, Wartehalle, einen Gctränkevcrkaus und eine Fernsprechzelle enthalten sollen. Diese Vorlage gelangte ebenfalls an einen Ausschuß, dem die Genossen Bäumler. Hoffmaiin, Peterson angehören. Genosse Bäumlcr wünschte, daß auch gleichzeitig die Errichtung einer Bedürfnisanstalt auf der Insel mitberaten wird. Hierauf erfolgte geheime Sitzung. Friedenau. Die Generalversammlung des Wahlvereins nahm den Bericht des Vorstandes entgegen. Der Mitgliederbestand betrug am Schlüsse des Berichtslahres 304 gegen 283 im Vorjahre. Davon sind weibliche Mitglieder 53(48). Aufgenommen wurden 67 neue Mitglieder. Es zeigen dies« Zahlen, daß die Fluktuation unter den Mitgliedern eine ganz beträchtliche ist; man verspricht sich von der am 1. April eingeführten HauSkassierung eine Wendung zum Besseren. Die Beteiligung der Genossen an den Parteiarbeiten ließ zu wünschen übrig.. Desto erfreulicher ist es, konstatieren zu müssen, daß das Interesse der Genossinnen am Ort am Partei- leben ein außerordentlich reges ist. Dl« Leseabende der Frauen, von denen jeder mit einem interessanten Vortrag ausgefüllt war, erfreuten sich durchweg eines guten Besuches und aufmerksamer Zuhörer. Von dem Bibliothekar wurde über die geringe Benutzung der Bibliothek lebhaft Klage geführt. Tieselbe befindet sich im Restaurant Winkelmann, Rkeinstr. 31; BücherauSgabe ist jeden Sonnabend von 8 Uhr an. Tic Neuwahl des Vorstandes zeitigte folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Rich. Hagen, 2. Vorsitzender Paul Merseburger. 1. Kassierer Gustav Budraß. 2. Kassierer Ernst Förster, 1. Schriftführer Fritz Ruttke, 2. Schriftführer Fritz Götschel. Als Beisitzer wurde die Genossin Tolle gewählt. Ten Bericht von der Berliner Verbandsgeneralversammlung gab der Genosse Paulus. Er bedauerte, darin die Ablehnung per LandtagStandi- datur des Genossen Cohen, während Genosse Richter seine Freude hierüber zum Ausdruck brachte. Ein Vorschlag des Vorstandes, bei der Gemeindeoertreterersatz- Wahl in der dritten Klasse, bei der ein Hausbesitzer zu wählen ist, wegen Mangel eines geeigneten Kandidaten Wahlenthaltung zu üben, fand die Zustimmung der Versammlung. Steglitz. Bei der Gcwerbegerichtswahl der Arbeitgeber wurde die Liste der Gegner gewählt. Ober-Schönetveide. Gemeindevertrctersitzung. Die Vertretung war am Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung berufen worden, um endgültig Stellung zu nehmen zu dem mit der Stadtgemeindc Berlin- Lichtenberg abzuschließenden Vertrage betreffs W a s s e r l i e f e- r u n g und Ausnahme der Kanalisationsabwässer in die Lichten- bcrger Druckrohrleitung. Die Verhandlungen hierüber sind nun endlich bis zum Abschluß gediehen. Die bisherige Kanalisations- anlage, welche auf dem Kohlcbrei-Klärverfahren basiert und an- scheinend nicht für die eingetretene EntWickelung des Ortes be- rechnet war, ist am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt, ebenso das ursprünglich nur für den OrtSteil Ostend angelegte Gemeinde- Wasserwerk. Der für den alten OrtSteil noch bis 1932 geltende mit Rummelsburg abgeschlossene Wasservertrag erfährt wesentliche Er- leichterungen für die Einzelabnehmer, während für das übrige Gebiet die Gemeinde der Stadt Lichtenberg gegenüber als Groß- abnehmer auftritt und ihrerseits den Wasserpreis für die Abnehmer festsetzt. Das Wasserwerk im Ortstcil Ostend wird stillgelegt. Die Vertretung nahm den Entwurf gegen 1 Stimme an, er bedarf jetzt nur nock der Zustimmung der Lichtenbergcr Stadtverordneten. In gewissem Zusammenhange mit diesen Verhandlungen stand eine Erklärung des Gemeindevorstehers, der Verwahrung einlegte gegen die in einer Vcreinsversammlung gemachten Ausführungen des Gemeindcschöffen Herwig; derselbe hat dort einer E i n g e- meindung nach Lichtenberg das Wort geredet und de- hauptct, die Gemeinde stände vor dem Ruin und der Haushalts- etat sei mit Lug und Trug aufgestellt. Genosse M u t h erklärte für unsere Vertreter, daß, wenn schon von einer Eingemeindung zu reden wäre, doch nur eine solche nach Berlin in Frage käme; eigentümlich sei es. so vom Etat zu sprechen, wenn man wie der Schöffe Herwig selbst in der Kommission daran mitgearbeitet habe. Auch müsse dagegen Verwahrung eingelegt werden, wenn Herr Herwig den Ruin der Gemeinde«m Hinblick aus die von den So- zialdemokraten beanti�gte Volksbadcanstalt und die A r- bcitslosenvcrsichebung kommen sehe. Herr Rollen- berg warf dem Schössen Herwig vor, diese Ausführungen nur gemacht zu haben, um seine Person in den Vordergrund zu stillen, vielleicht fiele dabei auch fürs Knopfloch noch etwas ab. Eine Aeußerung dcS Schöffen Kabelitz, daß das Gerede über die Eingemeindung schon das Gerücht von einer Abfindung deS Gemeindevorstehers gezeitigt hätte, gab diesem noch Gelegenheit, seiner Entrüstung über eine solche Verunglimpfung seiner Person Ausdruck zu verleihen. In geheimer Sitzung beschäftigte sich die Vertretung noch mit dem Projekt des Ankaufes des gesamten Terrains zwischen der Kuhnheim- und Spreestraße durch die All, gemeine Elektrizitäts-Gesellschaft. Eine diesem Terrain befindliche Gemeindestraße soll kassiert und dafür von der Käuferin Grundbesitz zur Verbreiterung der Ostendstraße hergegeben werden. Dieser Abmachung wurde zugestimmt mit der Bedingung, daß später eine Spreebrückc im Orrsteil Ostend er» richtet werde. Mit der Friedhofsordnung für den Gemeindefriedhof wird sich auf Antrag der sozialdemokratischen Gemeindevertreter die nächsts Gemeindevertretersitzung beschästigen, da grundlegende Abänderungen beantragt sind. So ist beantragt, die Bestimmung zu streichen, daß in der Berwaltungskoinniission die beiden Ortsgeistlichen auf alle Fälle Sitz und Stimme haben; der Gemeindevertretung soll eS frei stehen, zwei Mitglieder aus der Bürgerschaft zu wählen. Ferner sollen Ü a i e n r e d e n auf dem Friedhof nicht mehr wie bisher einer besonderen Genehmigung vurch die Polizei bedürfen. Für Einwohner. welcke nicht mehr als 1500 M. Jahreseinkommen haben, soll voll- ständige Gebührenfreiheit eintreten, während bisher> auch einem Antrage unserer Genossen entsprungen i nur bei 900 M. der Erlaß der Gebühren sür Grabstelle und Grustherrtchtung eintrat. Beantragt ist ferner die vollständige Streichung der Gebühren für die Genohmigung von Grab- a u S st a t t u n g e n..Was die Gemeinde berechtigt, eine solch« Gebühr, die bei gewöhnlichen Grabstellen im einzelnen di« 6 M. beträgt, überhaupt zu erheben, ist nicht einzusehen. Sodann sollen sämtliche Gebühren, auch solche für die Belegung der Hügel mit Efeu usw. in die Gemeindekasse fließen, und die angemessene Ausschmückung der Halle Sache der Gemeinde sein. In dieser Beziehung ist schon früher auf Anregung unserer Genossen mit dem Friedhofswärter ein Abkommen getroffen, wonach derselbe anerlennt. auf diese Einnahmen keinen Anipruch zu haben. Es sei bei dieser Gelegenheit noch darauf hingewiesen, daß die evangelische Kirchen- gemeinde auch sür solche Beerdigungen, bei denen ein Geistlicher nicht mitwirkt, eine Gebühr erhebt. Mit der Zahlung der Gebühren in die Gemeindelasse sollte die Angelegenheit als erledigt betrachtet werden, denn die Berechtigung der Kirchengemeinde zu diesem Bor- gehen muß bestritten werden. Wannsee. Die seit längerer Zeit abgerissene Badeanstalt am Stölpckensee. um deren Neuerrichtung sich auch unsere Genossen in einer öffent» lichen Versammlung bemühten, ist jetzt im Neubau ziemlich fertig- gestellt und zwar mit einem Kostenaufwand von zirka 10 000 M. Die Gemeinde zahlt in den ersten zwei Jahren einen jährlichen Zu- schuß von 400 M. Pankow. Die hiesige öffentliche Rechtsauskunftsstellc hat im Berichtsjahre 1912 im ganze» 1196 Auskünfte an insgesamt 1167 Rat- suchende erteilt. Von den Auskünsten entfielen auf die Kranken- Versicherung 9, die Unfallvcrsichcrnng 40, die Invalidenversicherung 34, die Gewerveordnung 19, Strafsachen 51, Steuersachcn 18, Unterstützungssacheii 16, das Handelsgesetzbuch 9, die Gesindeord» nung 41, Mietsachen 216, Familien- und Ehesachen 130, Vor- mundschaftssachen 41, Erbschaftssachen 57, sonstige Sachen de» B. G. B. 446. das Mahnverfahren 8 und Verschiedenes 61. Die Rwhtsauskuilstsstelle wurde überwiegend von gelernten und un- gelernten Arbeitern, Handwerkern, KaufleutM und Beamten beiderlei Geschlechts in Anspruch genommen. Bon den 1167 Rar« suchenden waren 52 Unternehmer bzw. selbständige Personen, 6 17 Beamte, Angestellte und Arbeiter und 493 weibliche Personen. Nach Berufen geordnet suchten und erhielten Auskunft /männlich und weiblich zustimmen): 483 Arbeiter, 172 Handwerker, 140 Kauf- leule und Gastwirte, 109 Beamte, 76 Eigentümer und Rentiers. 45 Jngenisure und Techniker, 24 Lehrer. 5 Künstler, 51 Nähe- rinnen, Wirtschafterinnen und Dienstmädchen, 53 gehörten ver- schiedenen Berufen an. Unter den Ratsuchenden befanden sich 44 von auswärts, und zwar aus Berlin. Niederschönhausen, Iran- zösisch-Buchholz, Heincrsdorf und WilhelmSruh-Rosenthal. Tie Aus- lünfte wurden nur mündlich erteilt. Schriftsätze sind im ganzen 74, und zwar ausnahmslos für Unbemittelte angefertigt worden. davon 12 gegeck Schrcibgedühr, die übrigen unentgeltlich. Auch wurden für Unbemittelte eine Anzahl von Streitigkeiten durch Vemittelung der Rechtsauskunftsstelle außergerichtlich beigelegt. Bemittelte Ratsuchende in Rechtsstreitigteiten sind im Berichts- jähre ohne weiteres an Rechtsanwälte verwiesen worden.— Di« Sprechstunden der hiesigen Rechtsauskunftsstelle sind nach w>e vor am Montag, Mittwoch und Frcita- von 6—8 Uhr abends im RathauS. Ttaaken. Die Abteilungsliften für die Landtagswahl liegen noch heute, am 30. April, im Gemeindebureau öffentlich aus. Potsdam. Die letzte Stadtverordnetensitzuvg bewilligte die erforderlichen Mittel zu einer Enteisenungsanlage auf Wasserwerk II im Betrage von210000M. Während sür die Lieferung der EnteisenunASanlage bereits eine Firma ousersehen ist, sollen die Beton- und ivtrstiacn Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Der Stadtv. Ncubert be» antragte, eine schärfere Aufsicht bei den Betonarbeiten auszuüben, damit die Unternehmer bei der Mischung nicht zu viel mogeln können. In der Teltower Vorstadt soll der Wochenmarkt gm Dienstag und Freitag stattfinden.'Der Fleischverkauf ist jedoch vom Polizeipräsidenten untersagt worden.— Für die Wasserrohrverlegung in der Neuen Luisenstratze wurden 4200 M. bewilligt. — Bei den nationalen Gedenkfeiern sollen Prämien an Schüler und an die Mitglieder der Jugendpflege verteilt werden. 800 M. wurden für diesen Zweck bewilligt. Während nach der Magistrats- vorläge patriotische Bücker perleilt werden sollen, wünscht der Pädagoge Dr. Krämer, daß man der Jugend Uniformen bei ibrcn Jugendspielen kaufen solle.(Warum nicht aizch Seitengewehr oder Revolver!) Die Straß« Mischen Hasengraben und Metzstraße, die bisher unbebaut ist, soll reguliert werden. Zu diesem Zweck wurden 60 500 M. bewilligt, welche Summe durch die späteren Anlieger wieder ausgebracht werden wird. Ter Potsdamer Männergesang- verein will zum Sängerwettstreit nach Frankfurt a. M. fahren. wozu ihm jedoch das nötig« Kleingeld fehlt. Trotzdem eS nicht zu den kommunalen Aufgaben gehört, private Geselligkeitsvereine zu unterstützen, bewilligten die Stadtverordneten aus dem Beutel der Steuerzahler 500 M. zu dieser Reise, weil der Männergesang- verein, wie selbst ein Vorstandsmitglied des Vereins erklärte, auch sonst.tanzt, wie der Magistrat pfeift". Jugendveranstaltunge». Lichtenberg. Morgen Donnerstag, den 1. Mai,»«ranstallet die Arbeiterjugend ein« Halbtagespartie nach Sabowa Treffpunkt: Früh Punkt 7 Uhr aus dem Bahnhos Stralau-Rummelsburg Rückiahrt mittag« 12 Uhr. Di- Eltern werden gebeten, ihre erwachsenen Kinder ganz besonders daraus ausmerbam zu machen.. Gleichzeitig»erweisen wir auf unsere beide» Psingsipaltic"--lmag'ge Tour nach Tiefensee, und zweitägige nach Werbcllinsee— Bernau. Nähere Zlngaben im Jugendheim, Doffestr. 22. Marttpretsc von Berlin am 2S~2tt>riI 1913, nach Ermittelungen de» königl. Polizeipräsidiums iqo Kilogramm Weizen, gut« Sorte Zg.qg bis 20.80. mittel 20,44— 2058. geringe'o 20-20.32 Roggen, gute Sorte 00,00— 16,30, jnittel 00,00-00,00, geringe OO.OO-OO.OO(ad Bahn) Futter. gerfte, gute»orte 16.20—16.70. mittel 15.60—16.10, germge 15,00—15,50. Hafer, gute Sorte 17,80-19.80, mittel 16.90-17.70(frei»chjtn und ab �ahn). Mai»(mixed), gute Sorte 10,10—15.30. Mai«(runder). g„,c rtc 15,60—15,70. Richtstroh 0,00—0,00. Heu 0,00— 0,00. Markthallenpreije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen . weitze 35.0G-S0M 2'"' W. Eapsl Hul-Fafcrik, StalilZBrstr. 131 == Größtes Spezlal-Gesebält= für Seiden- und Filzhüte. _ Lager In Soltlrmen and Hdtnen.-MS Morgen. I. Mai, vormittags von 8-10 Ubr geöffnet.~WW> Großer pflanzen-Verkauf. Wegen Auflösung einet deutschen Baumschule: Roten, Schlingpflanzen, Obstbäume. Veerensträucher. Ziersträucher. Nadelhölzer. Blumenstauden usw. — Gesunde War«, sadelhasl billial �.n»»alrnl,«»!.Alexander- platz.(Sontardftraste. diS-a-diS Panoramastrafte. Zentralnrarltballe. Unnshmeitellen für„kleine. ilnzelgen" «erUn€. A. Habnisch. Ackerst r. 171. "W. G. Schmidt, Äirchbachstr. 11. «». R. Haitelbusch. Petersburger Platz 1. Bnttav Bogel. Koppen. ftrckste SS. R. Wengelö. Gr. Jranlsurter Str. 120. L. Zucht, Jmmanuelkirchslr. 12. I. Re»l. Baniimilr. 42. W. Bnumann, Rbeinsberger Sir. 87. H. Fischer. Bastianstr. 8. tiarl MarS. Äreisenbagener Str. LS. I. Hönisch, Müllttstr. 31a. f. Boges, Üsrtzingstr. 37. Zl. Ti . Dechand. Nudeplazstr. 21. SO. s. Cicft. Jnvalidenstr. 124. 2alomo» Joseph. Salzioedelerstr. S. f. Werner. Gneilenausir 72. Tach». Hagelberger Str. 27. t. Friö. Prinzenstr. 3l. H. Sehmann. Kottbuser Damin S. Paul Boöin. Laust, er Pia, 11>b. P. Harsch. Engeluser 12. >14'. 81V. 8. _________ I Adlerehof. Karl Schwarzlose. Litmarckslr. 20. SanniuolinlentUeg. H. Hornig. Marienthalerstr. IS, I. Itorsigwalde. Paul Kienast, Ääuschftr. 10. CKiii-IottcnKnt'g. Gustav Scharnberg, Sesenbeimer Str. I. Orlodi-Iclietltagcn. Ernst Werkmann. Köpenicker Str. IS. Srtlnaa. Franz Klein, Friedrichstr. 10. dvdannletkal. Max Gonschur. Parkstr. 8. Haarladvi-et. Richard Küter. Rödelstr. S, II. Rälipenjelr. Emil Wistler, Kietzerstr. 8, Lade». LIelitenderg. Otto Settel. Warteubergstr. I. >s|eder-Sol>Äne«'elde. Wilh. Unruh, Brückenstr. 10. �ervaereu. Wilhelm Japve. Lutherstr. 2. Odei-SottÄnervelde. Alfred Bader. Wilhelmineuhosstr. 17, Laden. Banlr««-. Otto Risiman», Mstblenstr. 30. RelnicUendort. P. Gursch, Prooinzstr. 88, Laden. KenkUlln. M. Heinrich, Neckarstr. 2. Eonrad, H ermann str. 20. C. Rohr, Siegsriedslr. SS/SS. BnmmeUKnrg. A. Rosentrauz, All-Boxhagen 28. Schünebcrg. Wilhelm Biiumler» Martin-Lulher-Str. 8S im Laden. Spandau,«öppe», Breiiestr. 81. Steglitz. H. Bernsee, Alsenstr. S, Tcmpclhof. Job. Krohn, Borussiastr. 82. Treptow. Robert Grainenz. Kiesbolzstr. IIS, Laden. H'eitteneee. Fuhrmann. Sedanitr.lOö. schillert, Berliner Zilie« SSS. IVllinersdorf. Paul Schubert, Wilhclmtaue 27. ��� Cigateffe irminius-Hallen Bremer Straße 72 78. BSP Htmmelfahrrstog:-MS Gnillös tilsz-VcksdsII Auf. S Uhr.— Groß. Saal m. Bühne Sonnabends srei. Ua» Sebölrol. Ton» Billys Rancher Show ..Stadtpark" Tchideldeiner und Behmstr.-Edr. Das Leben und Treiben aus einer Farm IVlldivest- Amerika« täglich van 4 llhr an. 6962 Manager Georg SüBmilch. Am 1. Mai bleibt auch in diesem Ja K-schäst geschlossen. A r b e i t s- lil n z ü g e Brniinen- >«tr. HÜ. Wilhelm Payr, Maifeier i. Restaurant zur freien Zlnssicht. am Bahnhof Drewil!, 10 Minuten v. Bahnhof NeubabelSbera, herrlicher Waldweg, großer schainger Garten, Kegelbahn, gr. Ball, cnustiehlt allen Genosien Brnno Borm«. 8toffs kur elordtiie MaBanzUgo, Ulttar, Paletot» Mtr. 4.—. 8—, 8.— M. etc. Damen■ Kostüm«toffo, Dameniuohe „Neuheiten" Mir. 2—, 8.—, 4— dl. etc. Loden f. 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Sehiller-Tliealer ChVü?9tt,n" Mittwoch, abends 8 Uhr: Zwal Wappen. Donnerstag, nachmittag« S Uhr: KUnlf I.«ar. Donnerstag, abend« 8 Uhr: Klein Borrlt. Freilaa, abend« 8 Uhr: Bedda«avler. Theater des Vestens. S Uhr l.PoltstümItch« Preis«'): Wiener Blnt. Donnerst, u. Sonntag 3>/, Uhr: Der liebejaugustin. Kontis Operetten-Theater (sc. Neue» Theater). Amt Norden 1111. Abends 8 Uhr: Per Zlgc anerprlma« Residenz-Theater. AbendS 8 Uhr: Die Frau Präsidentin. (Madame 1& Prieidente). Morgen und folgende Tage: Ple Frau Prkaldentfn. Sonntag nachmittag« 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. l-uisea-Idesler. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zaza, OSE'THEATEI Str. Srotzi Franksurl er Anfang 8 Uhr. 132. J lopi und Schveri. U! Lustspiel in 6 Affen von K.«utzkow Lustspiel Donnersta Napoleon Gastspiel Alfr, Qtdak und seine Stauen. Eröffnung deS Garten«: r. Mililärtonzert. ausgessihrt von der vollst,«ap. des Sarde-Kürassier» Regiments. Ansang S Uhr. Reiehshaiien-Theater Stettiner Sanger. Neu! m Burleske von Miyiel. 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V e t laoEäuftaif Vcu f® fng et«• Eo., Berlin SW. ist Wege» Nichtanerkennung der Organisation für organisiertc Gaftwirtsgebilfen««sperrt.— Die zurzeit da beschäftigten Kellner gehöre« gelben Organisationen an.» Verband der Gasttvirtsgehilfen. OrtSoerwalwng Berlin. Möbliertes Zimmer Manteuffel» straffe 49, vorn II. 81/7 Parterrezimmer, gut möbliert, separat, auch zwei, Hollmann- swaffe 36. 634b Licblafstellen. Möblierte, freundliche Schl-isstell- vermictet Dresdenerswage 107/8, vorn II links. 80/16- Schlafstelle sür Herren Wassertor- straffe 63, Hos II rechts. 1-30' Möblierte«chlajstelle, Herrn, je- parat, ruhig. RüdcrSdorserfwaffe 7, vorn I links.-s-42 Möblierte«chlasstclle zum Ersten, 13,00 mit Kaffee, Langestraffe 83, vorn II links, Nähe Ichlejischer Bahnhof. fi2 Schlafstelle zu vermieten. 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