Ur. 106. HbonnementS'Redlngungen: Nbonncmenjs» Prciz pränumerando: Bierteljährl. Z,30 Mk., monaU. 1.10 Mk�. wöchenllich W Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. SonnlagS. numnier mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- SIbannement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungZ. Preislistc. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Tänemarl, Holland. Italien. Lureniburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30» Jahrg. Crldiclnt tZgllch. Verlinev Volksblctkt. vle snseltlonz-Lediihs betrögt für die scchsgespaltenc Kolonel. zeilc oder deren Raun, M Pfg.. für politische und gewerlschastlichc Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 00 Pfg. „Aletne Anzeigen", das fettgedruilte Wort 20 Pfg.> zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsien bis t> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozIaMlnidlirat Berlin". N O Zcntralorgan der rozialdcniokrattfchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SSI. 68, Lindenstrasse 6g, Fernsprecher: Amt Moritzplab, Nr. 1983. Sonnabend, den 3. Mai 1013. Expedition: SSI. 68, Lindcnatrasse 69« Fernsprecher: Amt Morikplass. Nr. 198t. Alf dem Aege zur Lösung? Tie Botschafterkouferenz hat sich auf Montag vertagt. Tic Verhandlungen sind nicht abgebrochen worden und Oester- reich hat den Befehl zum Einmarsch nicht gegeben. An diese Tatsachen muß man sich zunächst halten und ihr Gewicht wird auch durch all die offiziösen und offiziellen Ver- Wahrungen der Wiener Regierung, an der Situation habe sich nichts geändert, nicht gemindert. Es ist doch so, daß Oesterreich, trotzdem es erklärt hatte, die Botschafterkonferenz nur deshalb abwarten zu wollen, um anderen Mächten Gelegenheit zu geben, sich seinem Vorgehen anzuschließen, nun doch noch abwarten zu wollen scheint. Das ist freilich auch das einzig mögliche, denn alles andere wäre mehr als je jetzt eine unverantwortliche Friedens- störung. Gewiß hat die Botschafterkouferenz noch keine definitive Lösung gebracht. Sicher hat auch der König Nikita in seiner Antwort auf die Note der Mächte aufs neue seinen Trotz bewiesen. Trotzdem haben sich für eine andere als die gewaltsame Lösung neue Aussichten ergeben. Rußland hat seineu Entschluß wiederholt, auf der Räumung Skutaris durch Montenegro zu bestehen. Und der montenegrinische Bcvoll- mächtigte in London hat der Botschafterkonferenz mitgeteilt, daß Montenegro bereit sei, Skutari zu räumen, wenn es dafiir anderes Gebiet erhalte. Nun erklärt man zwar in Wien, daß man alle territorialen Kompensationen ablehne, daß mau höchstens iiber wirtschaftliche Zugeständnisse mit sich reden lassen wolle, aber auch erst dann, wenn Skutari geräumt sei. Aber im Ernste wird wohl auch die Wiener Regierung vor dem unverantwortlichen Leichtsinn zurückschrecken, wegen solcher Bagatellen die europäische Krise zu verlängern und zu verschärfen. Komplizierter wird freilich die Situation durch die Er- eignisse in Albanien. Albanien für die klerikale Missions- tätigkeit zu gewinnen, das ist ja eines der treibenden Motive der Wiener Politik. Und in den Dienst dieser klerikalen Be- strebungen sucht ja der Vatikan mit Hilfe des Bündnis- Vertrages auch die„protestantische Kaisermacht" zu stellen. Und nun muß die österreichische Thronfolgerpartei sehen, wie der Handstreich Essad Paschas dieses Ziel zunichte zu macheu droht. Daher die eifrigen Verhandlungen mit Italien, die, nach den Wieiwr Meldungen, erfolgreich sein sollen. Was man iiber den Inhalt dieser Verhandlungen hört, klingt allerdings äußerst seltsam. Während all dieser Monate haben wir es zum Ueberdruß zu hören bekommen, daß die Habsburger Monarchie in edler Selbstlosigkeit die Selbständig- keit der Albaner fordern müsse, um diese Nation vor der Unterdrückung durch andere zu bewahren. Die Heiligkeit des Nationalitätsprinzips dulde keine andere Lösung. Bevor aber noch dieses edle Ziel verwirklicht ist, soll Albanien zerstückelt und fremder Macht unterworfen werden. Freilich nicht der der verruchten Balkanstaaten, sondern der der edlen Beschützer, Oesterreichs und Italiens. Ganz offen wird über die Teilung des Raubes unterhandelt. Oesterreich soll Nordalbanicn, Italien Südalbanien zu seiner„Interessensphäre" machen. Noch klingen uns die schönen Worte von nationaler Freiheit in den Ohren und schon kündigt sich die Wirklichkeit der Ranb- Politik schamlos an. Freilich sehr einfach wird dieser Raub nicht vollzogen werden. Ganz abgesehen von den schweren militärischen Opfern, die namentlich die Eroberung Nordalbaniens, das eine natürliche Festung ist, fordern würde, wäre das Teilungs- geschäft zwischen Oesterreich und Italien nicht sehr einfach. Italien würde das tveit. kultiviertere Südalbanien erhalten mit dem Hafen von Valona, der die Straße von Ltranto und damit die Adria sperrt; Oesterreich ein wildes Gebirgsland, von dem es durch die feindlichen Slawenstaatcn getrennt Wäre. Daß Italien auf solchen Plan einginge, wäre schließ- lich zil verstehen. Wenn aber die Wiener Herren eine solche Politik einschlagen sollten, so nur in der Hoffnung, daß es sich um ein Provisorium handelt, dem die definitive Aus- einaudersetzung mit Italien folgen müßte. Tie Politik Teutschlands wäre von allen guten Geistern verlassen, wenn sie die Ausführung eilies solchen Planes nicht init allen Mitteln zu verhindern suchte. So dauert die Krise, wenn auch nicht in gleicher Schärfe, noch immer fort, llnd wird so lange fortdauern, solange die Mächte und insbesondere Oesterreich ihre eigennützige Ein- wischungsversuche nicht aufgeben. Weder um Skutari noch Albanien brauchen sich die europäischen Völker im geringsten Zu bekümmern. Und es wäre höchste Zeit, wenn endlich ihr Unwille über die Unfähigkeit und Gewissenlosigkeit der -Diplomatie energischeren Ausdruck fände. Die Botfchafterkonferenz. Vertagung auf Montag. London, l. Mai. Die Botschafter sind etwa um 3 Uhr 30 Minuten zur Konferenz im Auswärtigen Amt ein- getroffen. Die Sitzung war um 5 Uhr La Minuten b e- endet. Der russische Botschafter verließ als erster, der östcrreichisch-ungarische als letzter die Konferenz. Die in bezug auf eine etwaige Auflösung der Bot- schafterkonfercnz ausgesprochenen Befürchtungen haben sich nicht erfüllt. Der österreichische Botschafter hat sich, nachdem die übrigen Botschafter das Foreign Office verlassen hatten, einige Zeit mit Sir Edward Grch unterhalten. Kurz darauf zeigte das Foreign Office an, daß sich die Botschafter kommenden Montag wieder vereinigen werden. Inzwischen Iverden die Botschafter ihren Regierungen über die heute getroffenen Ent- scheidungen Mitteilung machen. Sin Zusgldicl, mö.qlicb. Tic Haltung Rußlands. London, I. Mai. Eine Information des Reuterschcn Bureaus besagt: Obwohl betreffend die dcni monte- n egrinischen Delegierten Popo witsch anvertraute Mission Stillschweigen beivahrt wird, glaubt man, daß die ihm telegraphierten Anweisungen derart sind, daß sie einen Ausgleich möglich machen. Als erheblicher Fortschritt wird der Umstand betrachtet, daß Montenegro selbst habe durchblicken lassen, daß es bereit sei, Skutari zu verlassen und daß die Ausdrücke seiner heute vormittag bei den Mächten eingegangenen Antwort eine gemäßigtere Haltung zeigten. Wie das Rcutersche Bureau weiter erfährt, hat Rußland Oesterreich- Ungarn eine neue Mitteilung gemacht, in der es seinen Entschluß wiederholt, auf der Räumung Skutaris durch Montenegro zu bestehen. Ruß land hoffe, daß, wenn irgend eine Macht es für notwendig halten sollte, neue M'aßregeln zu ergreifen, man sich bemühen werde, wenigstens eine andere Macht zur Teil nähme daran zu bewegen. Günstige Auffassung in London. Loudon, 1. Mai. Das„Rcutersche Bureau" erfährt: Wenn auch, soweit festgestellt iverden kann, keine e n d- gültigeEntscheidung erreicht wurde, erzielte die Bot- schaftervereinigung dennoch ein w i ch t i g e s E r- gebnis, indem sie bewies, daß sie noch intakt ist, und indem sie eine weitere Zusammenkunft für Montag verein- barte. Der sehr starke Beweis versöhnlicher Stimmung Monte- »egros bildet einen wichtigen Faktor für die Lage. Einige Botschafter iveniastens stehen unter dem Eindruck hiervon und hoffen, daß es bis zum Montag möglich sein dürfte, durch Mittel der Diplomatie den Anschauungen der Mächte Hinsicht- lilp der Durchführung ihrer Entscheidung über Skutari ent- gegen zu kommen und auch für jeden annehmbare Mittel zur Befriedigung der Wünsche Montenegros zu finden. Tie Botschafter erörterten auch die F r i e d e n s f r a g e. Es heißt, die Mächte werden in allgenieincn Umrissen die Friedensbedingungen entwerfen, um sie den Kriegführenden vorzulegen, während die Ausfüllung mit Einzelheiten den Delegierten vorbehalten bleiben soll, sobald sie in London zusammentreten. Andauernde Unsicherheit. London, 2. Mai.(P r i v a t t e I e g r a m m d e s „P 0 r w ä r t s".) Tie letzte Sitzung der Botschafterkouferenz hat die Gefahr kriegerischer Verwicklungen kaum verringert. Zwar hört und liest-man Wohl Ansichten, daß die Lage hoff- nungsvoller sei. Man weist auch darauf hin, daß die durch die Vertagung gewonnene Zeit Gelegenheit biete, auf Grund der von Montenegro gemachten Zugeständnisse zu einer di- plomatischen Lösung der Frage zu kommen. Toch in gut unterrichteten Kreisen sagt man. daß Oesterreich nun, da es bestimmt weiß, daß die Ententemächte keine militärischen Maßregeln gegen Montenegro ergreifen werden, allein vor- gehen wird. Tie„Times geben heute Oesterreich eine e r n ste War- n u n g und weisen darauf hin, wie die Monarchie schon einmal im Jahre 1859 durch übereilte Schritte zu Schaden kam, die Lombardei verlor und ihre Stellung in Teutschland und Europa erschütterte. Damals hatten die Mächte Cavour bestimmt. die Forderungen Oesterreichs anzunehmen. Aber c.m Abend desselben Tages, au dem Cavour die Annahme der österreichischeii Forderungen auf allgemeine Abrüstung nach London und Paris telegraphierte, habe Graf Bgol ein lllti- matum nach Turin geschickt. Dadurch sei Oesterreich als der Angreifer gebrandmarkt worden und habe sich alle Sympa- thien verscherzt. Beruhigtere Auffassung in Wien. Wien, 2. Mai.(P r i v a t t c I c g r a m m des.,V 0 r w ä r t s".) Trotz der offiziösen Erklärung, daß an der Situation nichts ge- ändert sei, herrscht hier eine beruhigtere Au ffassung und die Hoffnung gewinnt Boden, daß eine Lösung auf diplomatischem Wege erreicht werde. Tie bürgerliche Presse ist geteilter Auffassung. Während die offiziösen und christlich-sozialen Orgaue die Lage pessi- mistisch burtcilen, geben andere der Meinung Ausdruck, daß noch cnc friedliche Lösung aus der Krise gefunden werden könnte. Ter österreichische Ministerrat. Wien, 2. Mai.(W. T. B.) Ter heutige Minister r a t dauerte von 11 bis gegen llhr. In hiesigen maßgebenden Kreisen betrachtet man die Situatiii» vom östcrreichisch-ungarischen Stand- Punkt aus als unverändert, da man der Ansicht ist, daß nur eine vorbehaltlose Unterwerfung Montenegros unter den Willen der Mächte Zwangsmaßnahmen unnötig machen könnte. Eine Unterwerfung ist bisher aber nicht crfolgtz auch liege kein Anzeichen dpfür vor. Montenegros erste Antwort. Paris, 1. Mai. Die Agence Havas meldet aus. London: Montenegro betont in seiner Antwort an die Mächte seine Nachgiebigkeit ihnen gegenüber und fügt hinzu, die Einnahme von Skutari stelle in keiner Weise eine Herausforderung auf ihre vorhergegangene Entscheidung dar. Montenegro bedauere jedoch, die in Aussicht genommene Abgrenzung Albaniens noch nicht zu keimen- Montenegro beziehe sich auf die Mitteilung der Balkanverbündeten an die Mächte vom 24. April und behalte sich vor, der Skutari- frage im Laufe der Friedeiisunterhaudluiigen näher zu treten, wenn die Balkanverbiindelen mit den Mächten über die endgültige Abgrenzung Albaniens verhandeln würden. Sin neuer Bckritt in Cctinjc. Köln, 2. Mai. Wie die„Kölnifchc Zeitung" aus Berlin erfährt, hat in der gestrigen Sitzung der Botschasterver- cinigung anscheinend die Mitteilung des niontenegrinucksu Delegierten Popowitsch eine Rolle gespielt. Tiefe Mit- te'lung soll, allerdings wohl in einigermaßen perklausulicrter Form, die Möglichkeit der Räumung Skutaris behandelt haben. Man wird nähere Angaben abwarten müssen. Jedenfalls hat die von dem montenegrinischen Tele- gierten in der Sitzung der Botschaftervereinigung abgege- bene Erklärung den Anlaß dazu gegeben,»ochmaks cincn schleunigen Schritt in Cctinjc vorzuschlagen. Dieser Schritt soll, wie man annimmt, eine endgültige A e u ß e r u u g der montenegrinischen Regierung über ihre Absichten Hinsicht- lich Skutaris herbeiführen. Ein U l t i m a t n m scheint der Vorschlag nicht einzuschließen, über die Aufnahme des Vorschlages bei den Kabinetten, vor allem in Wien, ist einstweilen noch nichts bekannt. Essad Pascha. Athen, 2. Mai.(Meldung der Agence d'Athencs.) Aus Korfu wird gemeldet, EssadPascha habe in Tirana eine Regierung gebildet, die Autonomie Albaniens unter t ü r k i- s ch e m P r 0 t e k t 0 r a t proklamiert und die türkische, nicht die albanesische, Flagge hissen lassen. Essad Pascha habe an den grie- chischen Metropoliten von Ditpazzo einen Brief geschrieben, in dem cc erklärt, die albanesische Regierung erkenne in der Person des Metropoliten die Autorität der orthodoxen Kirche an, die er schützen werde. Essad schließt mit der Erklärung, daß die albanesische Rc- gierung keineswegs Griechenland feindlich gesinnt sei. da sie ja als Nordgrenzc von Epirus die Linie anerkenne, die bei Chimara beginnt. Die Friedensverhandlungen. Konstantinopel, 1. Mai. Die Note der Mächte, welche heute überreicht worden ist, enthält noch nicht die Bedingungen für den Präliminarfrieden. Sie ist sehr kurz und ersucht nur um sofortige Einstellung derFeindseligkcitcn, Um Bezeichnung der Friedcnsdelcgierten und der Stadt, wo die Dclegierlen zusammentreten sollen, um die Friedenspräliminarien aus Grund von Bedingungen, die vorher von den Mächten festgestellt werden würden, zu unterzeichnen. iilsr der Generalstreik ein Erfolg? Brüssel, 29. April.(Gig. Ber.) Die Maschinen singen wieder ihr dröhnend Lied: in den Essen leuchtet wieder die Glut. Im Borinage, im Centre, in Eharleroi, in Gent, in VcrvierS, im Lütticher Gebiet dampft wieder nach fast vierzehntägigcr Rast der schwarze Wald der Schlote. In Antwerpen tänzeln die Krane wie nur je. Belgien hat wieder sein gewöhnliches Arbcitsantlitz. Da und dort klingt noch ein Echo vom Generalstreik nach. Matz- regelungen, Ranküne der Unternehmer gegen die Streikenden von gestern. Kinder der Streikenden ziehen heim. In manchen Orten sind auch noch die.kommunistischen" Suppen in Betrieb. Das ist, äußerlich genommen, alles, was noch an den RiesenauSstand ge- mahnt. DaZ heißt: da sind noch die Zeitungen. lind in ihnen rumort der Generalstreik noch ganz munter; sie haben ihn noch lange nicht ge schluckt, zumal in der klerikalen Presse geht es jetzt zu wie bei Valentins Tod: Man schilt und rauft, man schreit und ficht; war der Generalstreik ein Erfolg? Im Grunde war das für die klerikale und rein kapitalistische Presse von allem Anfang an keine„Frage". Der Generalstreik war für sie schon tot. noch ehe er geboren war. Als am ersten Streiktage, wie auf ein Glockenzeichen, eine Armee von Ml? MO den Fabriken, Werkstätten, Schächten Steinbrüchen, Glasbläsereien den Rücken gekehrt hatten, da war es sofort ein ausgemachtes„Fiasko". Und das Fiasko ward im selben Mag gröher als die Zahl der Streikenden wuchs, zu 400 000, vielleicht zu 450 000 anschwoll. Das Eisengerippe der Krane im Hafen von Antwerpen sah stumm zum Himmel; Fabriken mußten schließen, weil ihnen das Rohmaterial ausging. Kohle und Eisen, Herz und Hirn der Industrie, blieb tote Masse. Ter Generalstreik hatte die Industrie von Berviers bis Tournai hinüber lahmgelegt Aber die klerikale Presse— besonders groß war darin das Brüsseler „XX e Siecle"— schrieb Tag um Tag, daß die Masse der Ar- beiterschast aus den„Bluff" des Generalstreiks nicht eingehe. Was verschlägt's, daß auf den„Bluff" zwei Drittel der in- dustriellen Arbeiterschaft Belgiens geantwor tet hatte? Und weiter: War es überhaupt ein„General"streik?- Mit Nichten, sagt die klerikale Presse. Denn es gab jeden Morgen frisches Gebäck, Tram- und Eisenbahnen verkehrten, die Warenhäuser standen offen und in den Ministerbureaus wurde gearbeitet. Stimmt. Aber was wollte die Arbeiterpartei? Dem Publikum den Morgentaffee verderben? Tie Bourgeoisdamen verhindern, sich Schleier und Handschuhe zu kaufen? Herrn von Brogucville etwa durch Stillesetzung seiner Bureaus zur Verzweiflung treiben? Ter Streit war— die ganze Welt weiß es— weder gegen das Publi kum, noch direkt gegen das Unternehmertum gerichtet, sondern ausschließlich gegen die Regierung. Er hatte nicht den Zweck, den Schuster der T-Gasse und den Bäcker des V-Platzcs zur Arbeitseinstellung zu veranlassen, sondern die Arbeiter der Großindustrie. Hat diese gefeiert? Wir haben seinerzeit die Ziffern gebracht über die Streikenden der Kohlenreviere und der Metallindustrie, wo alle großen und größten Betriebe— siehe Coeke rill, wo mit Ausnahm« einer Abteilung und diese nicht komplett alles streikte— stillgesetzt waren. Und weiter: Textilarbeiter, Stein arbeiter, Glasbläser— die Glasarbeiter der berühmten Kristalleric von Val St. Lamberg—, es war schlechthin ein Triumph. Schließ- lich setzten die noch zögernden Diamantarbeiter von Antwerpen ein. Aber mehr als das: der Streit hat in seinem Verlaus Hunderte und Tausende von Arbeitern kleiner und kleinster Be- triebe gleichsam automatisch mitgerissen und sich auf Branchen aus- gedeht, auf deren Beteiligung selbst die Optimisten der Streik- bcwcgung nicht gehofft hatten. Besonders Brüssel brachte in dieser Hinsicht überraschende Resultate, wie ja überhaupt die Haupt- stadt einen vollen Erfolg gebracht hat— allen albernen Lügen der Klerikalen zum Trotz. Hier waren es nicht nur die Fabriken der Vororte, sondern eine Fülle von Kleinbetrieben, deren Arbeiter, hingerissen von der Streikwoge, hinter den anderen nicht zurück- bleiben wollten in dem Kampfe für das Recht aller. Kürschner, Wagenbauer, Damenschneider, Bronzearbeitcr, Lithographen, Fein- Mechaniker usw. usw., keine Branche war unvertreten, etliche bis auf heu letzten Mann komplett. Und die städtischen Arbeiter? Nur ein Bruchteil konnte seine Solidarität bezeugen; aber man weiß, daß .es, keines großen Aufwandes bedurft hätte, die Reihen dieser noch zu verstärken. < Aber die klerikale Presse hat die Tatsachen geleugnet, wie sie Ziffern fälscht. Um die Wucht der proletarischen Demonstration zu verkleinern, hat sie sich, nachdem ihr Woeste in der Kammer da- für das Beispiel gegeben, eine eigene Jndustriestreikstatistik zurecht- gemacht, wonach nicht zwei Drittel der industriellen Arbeiterschaft im Streik gestanden haben sollen, sondern nur die Hälfte, wenn nicht noch weniger. Ten Gipfel der— Originalität erreicht wie immer das„XX s Siecle". Es rechnet schlankweg die 500 000 —»landwirtschaftlichen Arbeiter dazu, wodurch sich der Prozentsatz der Streikenden allerdings vermindert. Ein ander- mal werden die Kinder, die Frauen, die Beamten, Unternehm«! aller Kategorie», die Heimarbeiter mitgezählt— natürlich mit demselben niederschmetternden Resultat für den Generalstreik. Hält mau sich an die offizielle Statistik, an die Ziffern z. B. deZ statistischen Atlas, so zeigt sich folgendes Ziffernbild. Es kommen für die Berechnung des Prozentsatzes der Streikenden in Betracht die dort angeführte Ziffer von 682 000 industriellen Ar- heitern. Hiervon wären aber logischerweise abzuziehen die 100 000 Frauen, auf die sich schlechthin die Agitation für einen Streit zur Abschaffung des Pluralvotums nicht erstrecken konnte. Nehmen wir die von der Unternehmerstatistik zugegebene Ziffer von nur 400 000 Streitenden, so sieht dieses Resultat wohl kaum wie ein „Fiasko" aus.— Nimmt man andererseits die vom„XX« Siecle" als Basis für die Berechnung angeführte Ziffer von 773 260 in der Industrie beschäftigten Personen an, so sind von ihr 175 753 Arbeiterinnen, davon 65 438 Heimarbeiterinnen sind, abzuziehen, und eS bleiben sonach 598 260 industriell beschäftigte Arbeiter, wo- von wieder 36 000 in der Heimarbeit Beschäftigte. Und damit kommen wir wieder auf unsere ursprüngliche Feststellung zurück. wonach sich bei einer nur redlichen Handhabung selbst des von dem klerikalen Blatt angezogenen Ziffernmaterials ergibt, daß min- bestens zwei Drittel der industriellen Arbeiterschaft Belgiens am Generalstreit beteiligt waren. Ob diese Tatsache ein Erfolg oder ein„Fiasko" zu nennen ist, wird für einen Nichtklerikalen nicht all- zuschwer entscheidbar sein.— Vermerken wir noch, daß nach einer offiziellen Unternehmcrstatistik, die sich in ihren Berechnungen an die Hauptzweige der Industrie hält, 7l Proz. der industriell beschäftigten Arbeiter am Generalstreik beteiligt hat. Aber der Krakeel der- klerikalen Presse tobt nicht minder um den politischen Erfolg des Generalstreiks, den sie rundweg mit Rull einschätzt. Die Arbeiter hätten mit ihrem Streik poli- lisch nichts erreicht. Herr v. Broqueville, behauptet sie dreist, hätte nach dem Streik nicht anders gesprochen, nichts anderes versprochen, als v o r dem Streik. Also: der Streit war umsonst. Die Regierung habe nicht nachgegeben. W i r haben hier die Tagesordnung Masson-Liebaert, ohne ihren Wert zu überschätzen, gewür- digt. Selbst dcc auf die Zweideutigkeit und diplomatische Subtilität der Broquevilleschen Vcrsöhnungspolitik nicht Eingeschworena wird aus einem einfachen Vergleich der Ministerworie vor und nach dem Generalstreik feststellen können, daß die Tagesordnung Masson- Liebacrt etwas ausspricht, was auszusprechen sich die Regierung bis zum 14. April offen oder verblümt geweigert hat. Am 12. März, nach der Zurückziehung des Generalstreiks, nach der Komödie mit den Bürgermeistern erklärte Herr von Broqueville: Die Kommission werde sich ausschließlich mit der Prüfung des kommunalen und provinziellen Wahlrechts beschäftigen. In der Kam- Mission werde man— in der belgischen Politik bewegen sich jetzt alle Formeln in Bildern— keinen„Konversaiionssalon" für die Verfassungsrevision finden.— In der Streikwoche, als die 400 000 »der-töQ 000 in den Straßen standen, erklärte der Kabinettschef, daß die Kommission bei der Berätung des lokalen Wahlrechts zu einer Formel gelangen könne, die auch für das Kammerwahlrechb maß« gebend werden könnte. Diese Formel hätten die Deputierten vor die Wähler zu bringen.„Wer unter uns— sagte Herr von Brocpce- ville wörtlich— würde sich dann widersetzen, daß die Revision gc'- macht würde?"— lind diese Erklärung ist in die Tagesordnung Masson-Liebaert aufgenommen, die einstimmig angenommen wurde und mit der sich der Ministerpräsident ausdrücklich einver- standen erklärte. Daß der Gencralftrcik, auch der siegreiche, nicht zur sofortigen Revision führen könne, daß nur ein Zugeständnis dieser Art werde erreicht werden können, haben führende Genossen schon vor dem Streik ausgesprochen. Daß ein Teil der Arbeiterschaft gleichwohl mehr erwartet hatte und das parlamentarische Resultat als ungenügend betrachtet, ist angesichts des großartigen Verlaufs des Streiks begreiflich genug— gehört aber auf ein anderes Blatt. — Immerhin zeigt der Streit in der klerikalen Presse um die Mi- nisterworte und ihre Deutung, wessen sich die Arbeiter zu dcrschen haben, wenn sie nicht auf ihrer Hut find. Mögen die Klerikalen an dem parlamentarischen Votum drehen und» deuteln fo viel sie wollen und Herrn von Broqueville, da es ihnen Spaß macht, als Sieger feiern. Wie hoch und niedrig man den parlamentarischen Erfolg aber einschätzen mag: die belgischen Proletarier— der verflossene Generalstreik ist just ein Beispiel dafür— perdeu diesen Erfolg zu hüten und für ihr Recht zu nützen verstehen. Ueber diesen Erfolg bleibt aber der belgischen Arbeiterpartei noch der andere, höhere und unverlierbare: daß das belgische Proletariat den Gegnern und der ganzen Welt die Macht der Arbeit demonstriert, die Wirksamkeit des mctbodischen Generalstreiks erwiesen, im letzten Grunde also gezeigt hat, was das Pro- letariat vermag, wenn sein starker Arm nur will! In diesem Sinne besonders: welch ein Erfolg, dieser belgische Generalstreik. »* « Tic Wahlrrchtskommtssion. Brüssel, 2. Mai. Auf eine Anfrage in der Kammer erklärte der Ministerpräsident, daß die Kommission zum Studium der Wahlrechtsfrage int Laufe des Monats Mai eingesetzt würde. politilcke(leberlicbt. Berlin, den 2. Mai 1913. Herrenhaus gegen Abgeordnetenhaus. Tie hohen, edlen und erlaubten Herren im preußischen Ober- haus toben ihre Redeluft ganz gehprig auS. Sie klagen fortwährend, daß die Vorlagen aus dem Abgeordnetenhaus so spät an das Herren- haus kommen; sie selbst halten aber die Gesetzgcbungswaschine nur 'ehr langsam im Gang, und man wird noch in die Pfingsiwoche hinein tagen müssen. Zur Beratung stand heute zunächst das Ausgrab ungs- g e s e tz, und es ist ja eigentlich nicht zu verwundern, daß sich die im Herrenhaus zusammei�ebrachten gesetzgeberischen Fossilien so ausführlich und ausgiebig mit den Fossilien und prähistorischen Dingen, die etiva noch im Erdreich verborgen liegen und durch Aus- grabung oder Zufall ans Tageslicht gefördert werden, beschäftigen. Bei der Beratung gewannen agrarische Einflüsse die Oberhand. Weil man die Leute auf dem Lande nicht in unangenehmen Verkehr mit den Behörden bringen wollte, nahm die Mehrheit des Herren- Hauses die Bestimmungen der Vorlage, welche eine Anzcigepflichl bei Gelegcnheitsfunden und das Ueberlassen solcher Funde an den Staat enthielten, aus dem Gesetz heraus und vereitelte so den Hauptzweck der ganzen Aktion. Tie Borlage muß nunmehr noch einmal an das Abgeordnetenhaus zurück, falls es die Regierung nicht vorziehen sollte, sie zurückzuziehen, da sie doch nicht ihren eigentlichen Zweck zu erfüllen imstande ist. Ter zweite Teil der Sitzung wurde mit der Beratung der neuen O st markenvorlage auZKefüllt. Zwei polnische Granden sagten ehr scharfe Worte über die ganze preußische Polenpolitik. Herr Skorzewski nannte das Enteignungsgesetz verfassungswidrig und beschuldigte die Regierung der Willkür. Natürlich verteidigte der Finanzminister Lentze die Regierung gegen diese polnischen Borwürfe. Seine Beweisführung lief darauf hinaus, daß, nachdem einmal das Enteignungsgesetz zustande gekommen sei, niemand mehr dagegen zu mucksen wagen dürfe. Herr v. Chlapowski geriet wegen der ja letzthin erfolgten Anwendung des Enteignungs- gesetzes derartig in Harnisch, daß er mit dem Sozialdemo- k r a t i s ch w e r d e n für sich und seine großgrundbesitzerlichen Kol- legen drohte. Alz Helfershelfer der Regierung traten der Posencr Oberbürgermeister W i lm s, der frühere Kultusminister Studt und ein Herr v. Selchow auf, der den polnischen KleruS für die Stärke der großpolnischen Agitation verantwortlich machte. An die Seite der Polen stellten sich die katholischen Grafen Droste und Oppersdorfs. Die Beratung wurde noch nicht zu Ende geführt-und wird morgen fortgesetzt._ Das Echo der Krouprinzenworte. Das Bekenntnis des Kronprinzen zur„Weltanschauung" des Gardeleutnants hat überall Befremden und Kopfschütteln erregt. Nur die Presse der Panzerplattenpatrioten und Munitionsinteressenten hat ihre helle Freude an der Auf- fassung, daß„das Schwert bis zum Untergange der Welt immer der letzten Endes ausschlaggebende Faktor sein und bleiben werde." Was in Jahrhunderten sein wird— um gar nicht einmal von den Zeiten zu reden, in denen unser Erdenball sich in eine Schlacke verwandeln wird— kümmert natürlich unsere Prozentpatrioten verteufelt wenig, sie interessiert nur die Gewinnchance der Gegenwart, und da hoffen sie, daß der Thronfolger i h r Mann sei. ihr Profit- bedürfnis befriedigen werde. Wir wollen gern annehmen, daß der Kronprinz es keineswegs auf die Anerkennung der„P o st" abgesehen hatte, jener Leute, die vor noch nicht allzu longer Zeit seinem gekrönten Vater den Ehrentitl„Oiuillauma le tiwido"(„le tirnide" ist Ungefähr das Gegenteil von „Löwenherz") gegeben hatten, weil er nicht die unsägliche Marokkoassäre dazu benutzt hatte, um einen Krieg zum Vor- teil etlicher kapitalistischer Beutejäger heraufzubeschwören. Wir wollen vielmehr ohne weiteres annehmen, daß ihm bei seinen ungewohnten literarischen Anstrengungen das Tempe- rament mit dem Verantwortlichkeitsgefühl durchgegangen ist. Aber ein Kronprinz— zumal einer, der seine 30 Lenze bereits hinter sich bat— darf sich eben in seinen lite- rarischen Bekenntnissen nicht gehen lassen wie der jüngste Leutnant. In Frankreich geben denn auch gerade d i e Zeitungen, die für die dreijährige Dienstzeit eintreten, ausführ- lich die bedenklichen Ansichten des Kronprinzen wieder. Das „Echo de Paris" und andere nationalistischen Blätter er- blicken darin einen Beweis, für die in den maß. gebenden Kreisen in Deutschland herrschende Aus». fassung der politischen und wirtschaftlichen Fragen. „Exzelsior" schreibt:„Nicht ohne Sorge sieht man dem Augenblick entgegen, in welchem der Kronprinz be- rufen sein wird, das Schicksal Teutschlands zu leiten. Bisher hat er noch nichts von der Friedensliebe gezeigt. der sein Pater so ausrichtig ergeben ist."„Paris-Midi" niacht auf den Umstand aufmerksam, daß der Kronprinz ge- sagt habe, Teutschland müsse seinen Platz an der �s-onne n o ah e r o b e r n, woraus zu schließen sei. daß dieser Platz augemblücklich noch von anderen besetzt sei.„Wer sind denn d i e f e a n d e r e n?" fragt das neugierige Blatt. Ter Berliner Korrespondent des„Echo de Paris" meint:„Man kann stiilden, daß der junge Prinz ziemlich stürmisch veranlagst ist und daß das deutsche Schwert die Achse seiner Träume bildet. Zwischen Kelch und Lippe und zwischen Schwert isrnd Blut bleibt ja allerdings noch ein gewisser Raum. aber die j ch n e i d i g e n Worte des Kronprinzen sollten bei uns doch»beachtet werden." Ter Kronprinz ist immerhin erst etliche 30 Jahre alt. ?a sein Buch �doch Wilhelm II. gewidmet ist und auch sonst Erfahrenere von seiner Absicht Kenntnis erhalten haben müssen, ist es unL unbegreiflich, daß man ihm nickt etwas m c h r Z u r ü ck l> ä I t u n g zur Pflicht gemacht hat! Friedenskundgeb«.ng im elsast-lothrmgifchen Landtag. Nachdem bereits in»einer der letzten Sitzungen das elfaß-loth- ringische Parlament seien' Stellung zu den neuen Wehrvorlagen kundgegeben hatte, wird eK in seiner nächsten Sitzung auch seine Meinung über einen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich äußern. Aur der Tagesordnung der am Dienstag, den 6. Mai stattfindenden Si�ung steht ein gemeinsamer Antrag aller Fraktionen, gezeichnet vow den Fraktionsvorsitzenden und dem Präsidenten der Zweiten Kammer, der dahin geht: Die Kammer wolle beschließen, den Herrn Statthalter zu ersuchen, die Vertreter E I s a ß- L o t h r i V g e n s im Bundesrat dahin zü instruieren, daß sie sich mit Entsch iedenheit gegen den Gedanken eines Krieges zwischen Teutschland upG Frankreich wenden und den Bundesrat veranlassen, die Mittel unl' Wege zu prüfen, welche ge- eignet sind, eine Annäherung zwischen Teutschland und Frankreich herbeizuführen, weil in ihr ein Mittel l erblicken ist, wodurch dem Rüstungswettkampf zwischen dpn europäischen Kultur. Nationen Einhalt geboten werden kann. der „Himmelschreiende Miststäude"'bei der Steuer- einschatzung. Ans dem Wahlkreise Jnsterburg-Gumbinnen wird> „Hartmigschen Zeitunz" geschrieben: „Was sich bis jetzt bei allen Versammlungen in gleichem Maße feststellen läßt, ht die Entrüstung in kleinen und mittleren jagrarischen) Kreisen über die himmelschreienden Mißstände bei der Sleuereinschätzung. In einem Orte des Landbezirks Jnsterburg wurden u. n. die Ausführungen des fortschrittlichen Redners über die Steuereinschätzung dahin richtig gestellt, daß der kleine Mann nichl vier- bis fünffach höher im Erlrag aus einem Hektar eingeschätzt sei, als der Groß- grundbe sitzer. sondern sehr häufig mehr denn sechsmal höher(!!> Dazu komme noch, daß bei der Aufteilung des Grundbesitzes ui früherer Zeit die großen Güter durchweg die besten Grundstücke vorweg nahmen und- daß die kleineren Besitzer sich mit dem mehr oder iveniger wertlosen Boden begnügen mußten. Und wer war eS. der uns diese inleres' anten Fest- stellnngen gab? Ein alter, in der Landwirtschaft und in seinem Amt ergrauter und erprobter Gemeindevorsteher, der in der Ausübung feiner Tätigkeit jahrelang die Mißstände kennen zu lernen die allerbeste Gelegenheit hatte.. Es sind die„Edelsten und Besten der Nation", die „Stützen der Gesellschaft, die in dieser Weise in Staat und Gemeinden vorgehen.__ Tie Schönheit der Treiklasscnwahl. Daß die Agrarier keine besonderen Freunde von Steuern sind, die sie selbst bezahlen sollen, ist bekannt; es sei nur er- innert an den Vorsitzenden des Bundes der Landwirte. Frei- Herrn v. W a n g c n h e i m, der es fertig brachte, eine Zeit hindurch überhaupt keine Steuer zu bezahlen. Daß solche Agrarier aber trotzdem als Höchslbesteuerte gezählt werden und in der ersten Klasse wählen können, ist eines der vielen Rätsel, die das Dreiklassenwahlrecht zu lösen gibt. Ein solcher Fall wird dem„Berliner Tageblatt" aus Liegnitz gemeldet: „Der betreffende Rittergutsbesitzer nevnt nach Angaben des Schlefischen Güteradreßbuches eine Fläche von 430,8 Hektar sein eigen, und zwar 390,1 Hektar Acker, 14,5 Hektar Wiese, 13 Hektar Holz, 2,5 Hektar Garten und 10,7 Hektar Wege usw. Auf dem Gute ist eine Branntweinbrennerei, eine Dampfmollerci und eine namhafte ostpreußische Zuchtherde vorhanden. Der Grundsteuer» reinerttag ist mit 14 737 M. festgesetzt. Und doch ist der Besitzer zur StaatSsteuer nicht veranlagt. Für die Bildung der AbteilungS- liste zur LandtagSwahl ist ihm wie jeder zur Staatsemkommensteuer nickt veranlagten Person an Stelle dieser Steuer ein Beitrag von 3 M. in Ansatz gebracht. Das Geheimnis, weshalb der betreffende Großgrundbesitzer als der Höchstbesteuerte des UrWahlbezirks gilt, löst sich dadurch, daß ihm 1567,31 M. in Ansatz gebracht worden sind, von denen er jedenfalls eine lächerlich geringe Summe wirk- lich bezahlt. Der Oberinspektor dagegen, der auf dem Rittcrgute tätig ist. bezahlt fast 150 M. Staatssteuern, wählt aber in der dritien Abteilung." Ein Einkommen muß dieser Agrarier natürlich haben, wovon sollte er sonst leben? Allein in den Steuererklärungen nehmen die Wirtschaftsunkosten einen breiten Raum ein. und dann bleibt in der Regel zum Zwecke der Versteuerung nicht mehr viel übrig. Das ist das„gute, alte Preußen" das die Agrarier nicht angetastet wissen wollen. Wie gut. dast der Frost überall hauste. Auf diesen Ton ist ein Artikel in Nr. 17 des.Landwirtschast- lichen Wochenblattes für Baden" vom 26. April gestimmt, in welchem die bekannten Frostschäden besprochen werden. Am Schlüsse heißt es bezeichnenderweise; „Was einigermaßen tröstend wirken kann, ist die Tatsache. daß ganz Mitteleuropa vom Frost heimgesucht wurde, was d,e Preisbildung so beeinflussen dürste daß der Ausfall einigermaßen ausgeglichen dürste.". �. ES sind doch Gemütsmenschen, diese Herren Agrarier I Sirenen sich, daß der Frost überall den gleichen Schaden angerichtet hat. Die Hauptsache ist ihnen, daß die Preise steigen. Was diesem offenen Prositbekenntnis noch besonderen Re.z der- leiht, ist der Umstand, daß es von der B a d i s ch e n L a n d w irt. schaftSkammer. also einer staailichen Behörde, ausgeht. Geheime Wühlarbeit des Bundes der Landwirte. Die Konservativen und Nationalliberalen haben in Schleswig. Holstein ein Wahlbündnis abgeschlossen. Der Bund der Landwirte erkennt dieses Wahlbündnis wohl an, im geheimen aber sucht er di« Position der natiernallibernlen Partei zu unterwühlen, um sie««« dem Sattel zu Heden. Dafür zeugt ein als streng vertrau- l i ch bezeichnetes Zirkular, das der Vorstand des Bundes im Kreise Tondern an seine Vertrauensleute versandt hat. Der Kreis Tondern, den der Nationalliberale Dr. Schifferer jetzt im preußischen Abgeordnetenhause vertritt, gehört zu den Kreisen der meer» umschlungenen Provinz, die nach dem konservativ-nationalliberalen Abkommen für die kommende Wahl siir die national» liberale Partei reserviert tvorden sind. In dem Zirkular werden die bündlerischen Vertrauensleute aufgefordert, trotz- dem nach dein Wahlabkommen kein bündlerischer Landtags- kandidat aufgestellt werden soll, doch dahin zu wirken,„daß mög- lichst viele bündlerische Wahlmäaner in den UrWahlbezirken gewählt werden, damit unsere Macht den anderen Parteien » o r Augen geführt wird". In einer Klasse, wo die Bündler die unbedingte Macht haben, sollen nur bündlerische Wahl- männer gewählt werden, dort wo sie über eine beachtenswerte Minderheit verfügen, sollen die nationalliberalen Vertrauensmänner veranlaßt werden, den Bündlern eine ihrer Macht entsprechende Zahl von Wahlmännern zu überlassen. Weigern sich die Nationalliberalen, darauf einzugehen dann sollen die Bündler erst recht dafür sorgen, daß bündlerische Wahlmänner gewählt werden. So unter- höhlen die Bündlcr die Stellung der nationalliberalen Partei. Zwar sollen die bündlerischen Wahlmänner für den nationalliberalen Kandidaten stimmen, aber es ist klar, daß sie bei konsequenter Ver- folgung dieser Taktik allmählich die Nationalliberalen in die Ecke drängen werden. Den Nationalliberalen wird die konservative und bündlerische Freundschaft Tod und Verderben bringen! Eine Wahllüge vor Gericht. Bei der letzten ReichstagSwahl tobte der Kampf im Wahlkreis Kaitowitz-Zabrze ganz besonders scharf, wo der Kandidat der Polen von den Sozialdemokraten hart bedrängt wurde. Bei der Stichwahl fehlten dem Kandidaten der Sozialdemokratie, Genossen Biniszkiewicz, 5000 Stimmen gegen den Kandidaten der Polen, Sosinski, den Führer der Polnischen Berufsvereinigung. Ter Wahlkanipf wurde von den Nationalpolen mit den schmutzigsten Mitteln geführt. Man scheute nicht vor dem Versuch zurück, dem Genossen Biniszkiewicz die Ehre zu rauben. Vier Flugblätter wurden im Wahlkreise verteilt, worin unserem Genossen vorgeworfen wurde, daß er 30 000 M. von den Hakatisten erhalten habe, daß er käuflich sei, die Mutter Gottes angespien habe und selbst Bebel hätte ihn einen Lügner genannt. Unterschrieben waren die Flugblätter vom Pfarrer Lex, Doktor Hiller, Rechtsanwalt v. Kobylinski und mehreren Arbeitern. Weil viele der polnischen Wähler diese Verleumdungen glaubten, forderte das sozialdemokratische Wahlkomitee Biniszkiewicz auf, die Unterzeichner der Flugblätter zu verklagen. Seit nahezu einem Jahre schwebre der Prozeß, der mit einer glänzenden Rechtfertigung unseres Genossen endete. Am 30. April standen sich die Parteien vor dem Amtsgericht zu Kattowitz gegenüber. Vor Eintritt in die Verhandlungen erklärten die 1s Angeklagten, daß sie zu einem Ver- gleich bereit seien. Sie sagten durch ihren Vertreter: Wir sind überzeugt, daß die dem Privatkläger Biniszkiewicz in den zur An- klage gestellten Druckschristen, insbesondere die Vorwürfe der Un- lvahrheit, des Worlbruches und der Bestechlichkeit unzutreffend sind. Nach einem Wortgeplänkel zwischen dem Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt Lühtenstein, und dem Verteidiger der Angeklagten wurde der folgende Vergleich geschlossen: „Die Angeklagten, welche die Verantwortung für die in- Iriniinierten Druckschriften nicht übernehmen, erklären, daß ihre Namen ohne ihr Wiffen unter die Druckschriften gekommen sind, und daß sie den beleidigenden Inhalt der Druckschriften nicht billigem Die Angeklagten, welche die Verantwortung für die Druckschristen übernehmen, erklären, daß sie die in den Druckschriften enthaltenen Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehmen. Sie erklären insbesondere, daß die gegen den Privatkläger erhobenen Vorwürfe und Beschuldigungen, insbesondere der Porwurf der Un- Wahrheit und des WortbrucheS und der Bestechlichkeit jeder Grund- läge entbehrten und der Hitze des Wahlkampfes entsprungen sind. Die Angeklagten zahlen eine Buße von 50 M. und sämtliche Kosten. Die Angeklagten verpflichten sich, den Vergleich auf ihre Kosten in sechs, in der polnischen Sprache erscheinenden Zeitungen Ober- fchlesiens zu veröffentlichen." Der Ausgang des Prozesses wird ein wertvolles Material sein bei der Verhandlung des Protestes über die Gültigkeit der Wahl deS Llbg. Sosinski. Ter„starke Mann" kandidiert. Herr Jordan v. Ä r ö ch e r, dessen Mandat der Reichstag für vngültig�erklärt hat, wird bei der bevorstehenden Ersatzwahl im Kreise Salzwedel-Gardelegen wieder kandidieren. Sein Haupt- sachlichster Gegner ist der«einstige Beamte d-S RcichSvcrbandeS flcgen die Sozialdemokratie, spätere Antisemit und jetzt vorläufig nationalliberälc Dr. Böhme. Ein Znchthausurtcil. Das Kriegsgericht der ersten Marineinspektion in Kiel verurteilte die Matrosen Hallensleben und Pommer vom Schulschiff„Friedrich Karl" wegen militärischen Aufruhrs zu je fünf Jahren und einemTag Zuchthaus, Ausstoßung aus der Marine und Ver- setzung in die zweite Klasse des SoldatenstandeS. Die Verurteilten hatten auf einem Straßenbahnwagen einen Unteroffizier, der ihre Namen feststellen wollte, zuerst beleidigt und dann mißhandelt.— Dieses Schreckensurteil bedeutet die Vernichtung zweier Menschen- leben, denn wer fünf Jahre im Zuchthaus gesessen hat. ist geistig und physisch ruiniert. Und das wegen einer unbedachten Handlung, die bestimml auch i,, nicht völlig nüchternen Zustand verübt worden ist. Trotz alledem will man noch etwa ein Jahrzehnt warten, bis dem Reichstage eine vernunftgemäße Reform des WilitärstrafrechteS zugehen soll.__ der Kerner Konferenz schreibt die Pariser radikale.. L a n t e r»i e": „Diese Konferenz wird nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn es den Franzosen gelingt, unsere Nachbarn von den friedlichen Absichten Frankreichs zu überzeugen, und wenn unsere LandSleutc ihrerseits mit der Ueberzeugung heimkehren, daß Deutschland keinen Krieg sucht. Die Berner Konferenz kann natürlich nicht die furchtbaren Fragen lösen, welche die beiden Länder trennen, es wird ihr sogar schwer fallen, an eine Erörterung dieser Fragen heranzutreten. Aber in der Atmosphäre deS Mißtrauens und des Grolles, in der wir leben, ist es schon von Bedeutung,, daß französische und deutsche Parlamentarier zu einem Meinungsaustausch zusammen- kommen, der von llcbclwollcn und Unaufrichtigkeit frei ist." Italien. Ein parlamentarisches Panama. Rom, 30. April. Die P a r I a m e n t a r i f ch c Kommission. welche zur Untersuchung der be.m Bau des Justiz- p a l a ü c s in Rom vorgekommenen Unrcgelmäßigkcitcn gebildet war bat beute den Bureaus des Senats und der Kammer lhren Bericht vorgelegt. Tic Schlußsolgerungen dieses Berichtes betonen, daß strafrechtliche Veranlwortlichkeit wegen Bestechung von Letten dcr Bauunternehmer vorliegt, namentlich bei der Firma Borelli. Moralische mehr oder weniger schwere Vcrant- btortlichkcit trifft die Deputierten Guarracino, Abig- «nie. Bruniastst Moscg. Tymmaso. diö früheren Deputierten Pru- nicardi und Poli sowie einige Staatsbeamte. Politische mehr oder weniger schwere Verantwortlichkeit tragen die früheren M i n i st e r Ferraris, Luigi, Branca, Lacova, Zanardelli, der frühere Unterstaotssckrctär Pozzi und der Deputierte Luzzatto. Tic Kammer beschloß, den Bericht der Kommission am 6. Mai zu de- sprechen. Tie Untcrsuchungstommission hat die Akten der Justiz- behördc für ein eventuelles strafrechtliches Einschreiten übermittelt. Ter Deputierte Abignente hat seine Temission als Präsident dcr Budgettommission der Kammer gegeben, um sich unbehindert ver- teidigen zu können, desgleichen haben mehrSrc von dcr Kommission getadelte Deputierte die Absicht ausgesprochen, sich gegen die gegen sie erhobenen Anschuldigungen zu verteidigen. Portugal. Tic Unruhen in Lissabon. Lissabon, 1. Mai. Ter strenge Gewahrsam, in dem die wegen Beteiligung an den letzten Unruhen verhafteten Offiziere gehalten wurden, ist gemildert worden. Der Mannschaftsbestand der Regimenter und Kriegsschifsbesatzungcn, dcr vorsichtshalber erhöht worden war, wird vorläufig noch nicht herabgemindert. Tic Ruhe im Lande ist nirgends gestört. England. Gcwoltmaßregeln gegen die Suffragette». London, 1. Mai. Annie Ä e n n y, eine Anhänger in des F r a u c n st i m m r e ch t s, ist heute in Dover verhaftet wor- den, als sie von Frankreich zurückkehrte. Sie wurde dem Polizei- gericht in Bowstrcct vorgeführt unter der Anklage, zum Zwecke böswilliger Sachbeschädigung an einer Verschwörung teilgenommen zu haben. Tie Verhandlung wurde auf morgen vertagt. Ter Gerichtshof weigerte sich, die Angeklagte gegen Bürgschaft frcizu- lassen. In H e n d o n ist ein Wagenschuppen in Brand gesteckt wor- den. An dcr Tür war ein Plakat angeheftet, das die Worte trug: Stimmrecht! Stimmrecht! Stimmrecht! Hütet Euch! Die in den Burcauräumcn dcr Sozialpolitischen Union ver- hafteten Frauen wurden gestern nachmittag dem Gericht vorgeführt. Ter Vertreter dcr Anklage erklärte, er wünsche die Oeffentlichkeit zu warnen: Wenn jemand in einer Rede die An- hän gerinnen des Frauen st immrcchts in ihrem Vor- gehen ermutige, iverde gegen ihn eine Strafverfolgung ein- geleitet werden. Der Drucker, dcr etwas für die Sache der Frauen- rechtlerinnen verösfentlichc, mache sich strafbar, ebenso jeder, dcr etwas für die Fonds der Frauenrechtlerinnen zeichne. Die ange- klagten Frauen wurden ohne Zulassung der Bürgschaftsstellung wieder dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. London, 2. Mai. Trotz der amtlichen Warnung wird die Zei- tung„The Suffragette" noch weiter verkauft. Der Geschäftsführer Drcw von dcr Victoria House Printing Company, welche diese Woche das Blatt druckte, ist heute verhaftet worden. Marokko. Verlustreiche Kämpfe. Paris, 1. Mai. Aus Rabat wird gemeldet: Oberst M a n g i n verließ das Lager von Ainzerge in dcr Nacht des 28. April in der Richtung nach Sidi Ali-bu-Bahin, um die Harka dcr Schloe zu ver- jagen; die Abteilung kam 1 Uhr nachm. in Sidi Ali an, das von dichten Waldungen umgeben ist. Es war von zahlreichen Vcrtci- digern besetzt. Nach einem heftigen Kampfe nahm die Infanterie das Torf, Aber der Feind kehrte in. großer. Zahl zurück.. Tic französische Abteilung machte einen heftigen Angriff, vertrieb den Feind von den umliegenden Höhen und verfolgte ihn, indem sie ihm schwere Verluste beibrachte. Der Kampf endete um 8 Uhr abends. Tie Aufständischen flohen nach allen Rich. tungen. Tie Franzosen hatten 18 Tote und 41 Verwun- d c t e. Tie Zahl der gefallenen Feinde ist beträchtlich. Dcr Kampf spielte sich in dcr Gegend ab, die sich für El Hiba erhoben hat. Hften. Tag Attentat von Hanoi. Poris, 29. April.(Eig. Ber.) Das Bombenaltcntat von Hanoi, dem zwei französische Majore zum Opfer gefallen sind, wird von dcr Presse in verschiedenem Sinne kommentiert. Einige Blätter schreiben es ohne weiteres dem Einfluß einer von China her be- tricbcnen„revolutionären" Agitation zugunsten des Prinzen Kuong-De, eines Angehörigen dcr älteren Linie dcr in Annam herrschenden Dynastie zu. In diesem Sinne ist auch die offizielle Note redigiert, die sich ausführlich über die„annawitische revolu- tionäre Partei" verbreitet, die von„gewissen chinesischen Revolu- tionärcn" Ratschläge und Hilfsgelder erhalte. Mit Recht warnt die „Humanite" davor, dieser Darstellung zu trauen, die den Intrigen dcr europäischen Finanz gegen die chinesische Republik zu dienen scheint.' Interessant ist, daß man aus dem offiziellen Bericht er- fährt, daß das Attentat vom 26. April nicht das erste ist. sondern schon am 2. April ein einheimischer Provinzgouvcrncur von einem Unbekannten durch eine Bombe getötet worden ist und daß die Polizei am 24. März 8 schlecht verfertigte Bomben an verschiedenen Orten aufgesunden hat. Es ist natürlich unmöglich, jetzt schon über die Natur und die Ursachen der Konspirationen in Annam Klarheit zu bekommen. Aber et ist bekannt genug, daß in dieser Kolonie Zündstoff reichlich vorhanden ist. Die gemäßigte Presse gibt darüber bessere Aufschlüsse als die radikale. Das kommt daher, daß die angenehmen Posten dcr frauzösischen Verwaltung, vor allem dcr des Gencralgouvcr- neurS, mit den Günsttingen der jeweilig herrschenden Partei besetzt werden und in diesem Fall der Mißerfolg gegen die Radikalen aus- gespielt werden kann, besonders gegen die verschiedenen radikalen Kolonienminister und den früheren Generalgouvcrncur K l o b u- k o w s k i, einen tnpischen Blockdcmokraien, dcr sich in vulgärer „freidenkerischer" Schönrederei genug getan und im übrigen in der Kolonie das meiste beim Alten, d. h. Ueblen gelassen hat. Bcson- ders verhaßt ist das drückende Alkoholmonopol, das franzö- fischen Brennern eingeräumt ist. Immerhin hat gerade Klobu- towSki seine Aufhebung zugesagt, aber der jetzige Gouverneur S a r r a u t, ein ehemaliger südfranzösischer Journalist und poli- tisckier Adjutant Elemcnccaus, hat es vor 14 Tagen auf weitere 10 Jahre erneuert. Neben dem Steuerdruck wirkt indes zweifellos auch die politische Rechtlosigkeit dcr Eingeborenen mit, die Unzufriedenheit im Land zu mehren. Im letzten Februar hat wohl der Gencrolgouverncur im Regierungsrat von Hanoi einen Reiormeniwurf für die Ver- tretung dcr Eingeborenen unterbreitet. Er sieht aber eine Zentral- Versammlung nur für die Kolonien, die schon an das Vertretungs- systcm„gewöhnt" sind und für die anderen nur eine Provinzial- Vertretung vor. Und in den Teilen, wo die„Kultur" noch nicht fortgeschritten ist, sollen die„Delegierten" von der Verwal- tung ernannt werden! So klein dieses Zuckerbrot ist, die Peitsche ist ihm vorangegangen. Am 3l. Dezember bat Herr Sarraut für.Jndochina Zusatz- und Abänderungsbc st immun- gen zum Code Pönal(Strafgesetzbuch) erlassen, die dcr Rc- gierung besondere Vollmachten zum Einschreiten gegen„Komplotte" und„Gehcimbündc" geben. Aus dem ganzen ergibt sich, daß die kapitalistische Republik zur angeblichen Kultur- und„Erziehung;"- arbeit in Eingcborcnensolvnien ebenso unfähig ist, wie kapitalistische Monarchien, Hus der Partei. Aus den Organisationen. Tic Krciskonscrenz für den 7. sächsischen Rrichstazswahlkreis iMcißen-Riesa-Grotzcnhain) konnte auch für das vcrstojsene Ge- schästsjahr auf erfreuliche Fortschritte zurückblicken. Tic Mit- glicdcrzahl ist in dein zu großen Teilen ländlichen Kreise auf 6539 gestiegen. Darunicr sind 900 weibliche Mitglieder. Die Ein- nahmen bclicfcn sich aus 35 930 M., die Ausgaben auf 20 909 M., so daß ein Kassenbcftand von 15 020 M. vorhanden ist. Vier oll- gemeine Flugblätter in einer Gesamtauflage von 164 500 Exemplaren und 16 000 Agitationskalcnder wurden neben einer Anzahl Flugblätter zu den Gemeindewahlcn verbreitet. 37 öffentliche und !60 Mitgliederversammlungen fanden statt, außerdem zwei Ge- meindevertretcrkonsercnzen und eine Anzahl FrauendiskiissionS- abende. Tic Zahl der Gemeindevertrcter stieg von 134 auf 146. Ein Antrag, die Delegierten zur Landcsversammlung und zum Parteitag mittels Urwab! zu wählen, fand Annahme. Dagegen wurde die Gründung eines Wahlfonds nach lebhafter Debatte mit großer Mehrheit abgelehnt. Tie Eniwickelung dcr„Volks- zeitung" für den 7. ReichstagSinahlkreis war eine sehr günstige und berechtigt zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft. 8o2iale3. Was das Versicherungsgcschäft abwirft! Tie von den Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften be- gründete Volksvcrsichcrung lenkte vcrdicnstlicherwcise die Aufmcrk- somkeit aus daS private Versicherungswesen. In weiten Kreisen wurde bekannt, daß dieses Gewerbe für die Unternehmer riesenhafte Gewinne abwirft. Daraus erklärte sich auch die beispielslosc Wut, die dcr Plan einer gemeinnützigen Volksversicherung in den Kreisen dcr Interessierten entfachte. Allerlei Projekte, mit denen man der Volksversicherung das Wasser abgraben wollte, tauchten auf. Aber der Enthusiasmus erlahmte bald. Zwar verkündete man stolz und kühn, ans rein politischen Gründen sollten für eine Konkurrenz- volksvcrsichcrung große Opfer gebracht toerdcn. Jedoch, wenn es beißt, auf Profite zu verzichte», kühlt die Begeisterung immer ab. Sollen gar Zuschüsse geleistet werden, dann ist es mit dem Eifer für das„Volkswohl" vollends aus. Auf eine aus dem Bürgertum geborene Volksversicherung, die in so uneigennütziger Weise arbeiten würde wie die gewcrkschaftlich-konsumgenoffenschaftliche Einrich- tung, wird man vergeblich warten. Nun wird aber nicht nur bei dcr Lebens- und Volksversicherung, sondern auch bei dcr Feuer- und sonstigen Versicherung ein Bomben- geschäft gemacht. In hübscher Weise veranschaulicht das der letzte Abschluß der Oldcnburgcr Versicherungsgesellschaft, die neben dcr Feuerversicherung auch die Einbruchs- und Glasverjicherung be- treibt. Das Jahr 1912 brachte der Gesellschaft einen Gewinn von 452 185 M. gegen 415 503 M. im Vorjahre. Auf jede Aktie im Nennwerte von 1500 M. werden 135 M.(im Vorjahre 125 M.) Dividenden verteilt. Das erscheint nicht übermäßig hoch; macht die Ausschüttung doch nur 9 Proz. aus. Aber die Sache hat einen Haken. Auf jede Aktie sind nur 500 M. eingezahlt worden! Die tat- sächlich gezahlte Dividende beträgt demnach nicht 9, sondern 27 Proz.— Das private Versicherungsgejvcrbc ist eine der wider- lichsten kapitalistischen Schmarotzerpflanzen, die ausgerottet werden sollte. Wird denn nun endlich die pon den Gewerkschaften und Kon- sumgcnossenschaftcn begründete Voltsversicherung ins Leben treten, endlich die nach dem Gesetz erforderliche Genehmigung deS Prjvat- aufsichtsamts erteilt werden? Oder verzögert sich die Genehmigung�. ertcilung durch privatkapitalistische Treibereien? Wie agrarische Betriebe revidiert werden. Von den Fabritinspcktoreu wurde früher vielfach behauptet, daß sie bei Revisionen ihr Kommen anmelden, sie haben das energisch bestritten, daß aber die Revisoren der landwirtschaftlichen Berufsgcnossenfchaften ihre Kontrollgänge anmelden, ist jetzt wenig- stens für das Königreich Sachsen erwiesen. Denn die„Volkszeiiung für Meißen" ist in der Lage, folgendes Zirkular, das ihr ein günsti- ger Wind zugeweht hat, zu veröffentlichen: Hierdurch wird bekannt gegeben, daß demnächst eine Befichti- gung sämtlicher landwirtschaftlicher Betriebe ihreS Wohnortes b«. irefss Durchführung der geltenden UnfallverhütungSvorfchriften durch den zuständigen technischen Aufsichtsbeamten erfolgen wird. ES liegt im Interesse eines jeden DctriebsunternehmerS, vor derselben etwaige Mängel i» seinem Betriebe zu beseitigen, da- mit der Vorstand nicht zur Bestrafung infolge mangelhafter oder fehlender Unfallverhütungseinrichtungen veranlaßt wird, auf die er im Interesse der Gesamtheit aller versicherten Berussgenossen nicht verzichten kann. Landwirtschaftliche Bcrufsgenvssenschaft für das Königreich Sachsen, gez. Dr. Becker. Wenn die Bcrufsgcnosscnschaft ihre Revisionen in solcher Weise ankündigt, dann ist es lein Wunder, wenn die Agrarier Heina Schutzvorrichtungen anbringen. Das hat ja Zeit, bis die Revision angetü-rrdigt ist. Ist sie vorbei, kann man sie ja wieder wegnehmen, denn den neuen Besuch erfährt man ja wieder rechtzeitig. Unter solchen Zuständen ist es kein Wunder, wenn die landwirtschaftlichen Uniallzisfern sehr hoch sind. „Ehrenämter" in dcr Berussgurossenschaft. Zu unserem Artikel unter dieser Spitzmarie vom 12. April erhalten wir folgende Zuschrift: Ebcrswalde, den 26. April 1913. An die Redaktion des„Vorwärts", Berliner Volksblatt Berlin. SW. 68. Auf Grund des si 11 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 ersuchen wir die Redaktion um kostenfreie Aufnahme fol- gender Erklärung in die nächste Nummer des Vorwärts. In Nr. 86 des„Vorwärts" bringen Sic einen Artikel, über- schrieben„Ehrenämter in der Berufsgenossenschaft", welcher von falschen Voraussetzungen ausgeht und geeignet ist, ein falsches Licht auf den Vorsitzenden dcr Sektion 11 und die Wahl- kommisfion zu werfen. Herr Maurer- und Zimmermeifter Büsschcr hat auf Grund der geführten und revidierten Bücher für seine Tätigkeit als Vorsitzender dcr Seition II die im Vergleich zu der zu leistenden Arbeit gering« Summe von 3595,30 M. im Jahre 1910, von 3510,70 M. im Jahre 1911 bezogen. Die Bezüge vom Reichsvcrsichcrungsamt und der Genossen- schaft gehen dcr Sektion 11 nicht? mi uiid sind lediglich Auslagen, die für Reisekosten. Logis und Verpflegung gezahlt worden sind und keinem Beamten als Einkommen angerechnet werden können. Die Wohlkommission hat-.nit voller Ucberlegung Herrn Maurer- und Zimmermeifter Büsschcr als Sektions-Vorfitzenden wieder in Vorschlag gebracht. Derselbe hat seit dem Jnkraft- treten der Unfallverstcbcruna vor 30 Jahren, ohne auf Vorgänge fußen zu können, die Scktionsvcrwaltung organisiert und dieselbe so geleitet, daß sie von den 4 Provinzialscktionen die am dilligsten arbeitende ist. Die Fortdauer seiner Tätigkeit in der SektionS- Verwaltung ist um so mehr erwünscht, als die neue ReichSver- ficherungsordnung mannigfache neue VerwaltungSformcn bringt, deren Einführung damit in den besten L>änden ist. Der Wahlvorstand der Sektion Ik der Nordöstlichen Baugeiverks-Berufsgenossenschaft. Hammer. R. Ney. P. Schmidt. Tie Zuschrift, die unsere Mitteilung lediglich bestätigt, unter- scheidet sich von unserer Darlegung in dcr Auffassung darüber» wie ein„Ehrenamt" bes-basfen sein und wer zu ihm berufen sein soll. Wir zweifeln nicht, daß unsere Auffassung weit über die Kreise der Arbeiter hinaus, insbesondere von den kleineren llnttzv« nehmern vollinhaltlich gebilligt pird, GewerbfcbaftUcbea. Von den Scharf machern in den Cod getrieben! atm 24. April war im.Vorwärts' am Schluß der Berliner Nachrichten folgende Mitteilung zu lesen: �.Vermißt� wird seit Sonntag der Dachdecker August Schulz, Buschingstr. 25 wohnhaft. Derselbe besuchte am Sonntag eine Versammlung, von der er nicht mehr heiingekehrt ist. Da er schon lange arbeitslos ist. wird befürchtet, daß er sich ein Leid an- angetan hat... Das hat sich leider bestätigt. Man findet Mitteilungen gleicher Art leider beinahe alltäglich in den Tageszeitungen. Sie sind eine Folge der heutigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Hier liegen die Dinge aber so, daß der Dachdecker August Schulz nicht etwa wegen vorhandenen Arbcitsmangels im Dachdeckergcwerbe keine Be- fchäftigung hat finden können und deswegen ans Verzweiflung Hand an sich gelegt hat, sondern August Schulz ist ein Opfer der Vcr- folgungswut der Scharfmacher im Tachdcckcrgcwcrbc geworden. Der Dachdecker August Schulz hat in dem letzten Jahrzehnt eine eigentliche Arbeitslosigkeit nicht kennen gelernt. Er war bei dem Dachdeckermeister Oswald H a l b s g u t h. Andreasstr. 40, seit 1901 beschäftigt und erfreute sich hier der größten Hochachtung auf feiten des Arbeitgebers sowohl wie auf feiten seiner Kollegen. Die Dinge erhielten dadurch eine Wendung, daß sich August Schulz im der- gangenen Jahre bei der Lohnbewegung der Dachdecker auf die Seite feiner Kollegen stellte. Als einer der besten Kollegen und Genossen widerstand er den Lockungen seine? Arbeitgebers, als Arbeitswilliger tätig zu sein. Diese rechtschaffene Handlungsweise trug ihm den Haß der Unternehmer ein. Vergeblich hat August Schulz sich bemüht, wieder an den Ort seines früheren Wirkens zu- rückkehren zu dürfen. Stets erhielt er die höhnische Antwort: »Bedaure sehr, es ist alles besetzt." Es wäre ihm wohl möglich gewesen, Beschäftigung zu erhalten, wenn er der Forderung der Unternehmer, Mitglied der gelben Organisation zu werden, Folge geleistet hätte. Das brachte aber der Mann, der seit 1839 dem Zentralverband der Dachdecker mit seinem ganzen Herzen angehörte, nicht fertig. So war er denn verbannt von der Stätte, wo er über 10 Jahre tätig gewesen ist. Aber nicht nur verbannt von dieser Stätte, auch alle anderen Türen waren dem Acrmsten verschlossen. Nie- mand wollte ihn einstellen. Gewiß gehört Schulz nicht mehr zu den Jungen, er inar bereits 62 Jahre alt. Für sein Alter war er aber noch verhältnismäßig rüstig. Dieser eine Fall, welcher einen so traurigen Ausgang ge- Nammen hat. ist typisch für die Zustände, wie sie gegenwärtig im Dachdeckergcwerbe von Berlin herrschen. Unbeschreiblich ist der Terrorismus, der Hohn und der Spott, den die Unternehmer gegen- wärtig anwenden. Niemand wird in Berlin in Arbeit genommen, der nicht Mitglied der gelben Organisation ist. Ganz unverblümt sagt man den Dachdeckern:„Wir hätten wohl Arbeit, aber Mitglieder vom Zcntralvcrband stellen wir nicht ein." So wandern denn, die Dachdecker von einem Unternehmer zum anderen. Arbeit bekommen sie jedoch nirgends, statt dessen stets die gleiche ablehnende Antwort. Berlin und Clmgcgcnd. Achtung, Glasbläser und Glasarbeitcrinncn! Bei der Firma Jsola, Schlesische Straße 26, Fabrik für Tewargefäße, sind ernste Differenzen ausgcbrochcin Wir ersuchen daher alle.Kollegen und Kolleginnen, strengste Solidarität zu üben und keine Arbeit bei der Firma anzunehmen. Die Tarifbrwegung der Färber- und Wäschcrbranche verläuft bis jetzt zugunsten der in Frage komnienden Arbeiterschaft. Mehrere Betriebe haben schon Zugeständnisse gemacht; es haben Lohn- crhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen stattgefunden. Weitere Erfolge stehen in Aussicht. Auch der Verein der Färbereien und chemischen Waschanstalten Berlins und der Vororte wird sich in seiner nächsten Sitzung damit beschäftigen, ob es für die ganze Branche nicht vorteilhafter wäre, wenn für alle hier in Groß- Berlin existierenden Färbereien und chemischen Waschanstalten ein Tarifverhältnis bestände, um der Schmutzkonkurrcnz namentlich der auswärtigen Firmen einen Damm entgegenzusetzen. Es würde das auch tatsächlich für die Unternehmer sowie für ihre Arbeiter- fchaft vorteilhafter sein. Arbeiter, Raucher! Fragt bei allen Euren Zigarreneinkäufen nach den grünen Plakaten. Dieselben sind nur dann echt, wenn sie mit Alwin Schulze unterschrieben sind. Ucbt Solidarität! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. DeuvIcKes Reich. Die Bäckergesellen in K o t t b u s streiken. Sic fordern Ab-' schasfung des Kost- und Logiszwanges, 22 M. Wochenlohn, 11 stündige Arbeitszeit und für Betriebe mit einem Gehilfen alle vier Wochen, für Betriebe mit mehr als zwei Gehilfen' alle 14 Tage einen 36stündigen Ruhetag. Wegen dieser überaus bescheidenen Forderungen wurden die Gehilfen von der Innung in den Streik getrieben! Doch nicht alle Meister verhielten sich ablehnend. Zwölf haben bereits den, Tarif bewilligt, in den nächsten Tagen werden weitere folgen. Als erste Streikbrecher traten Soldaten auf. Bei einem Meister, der die Lieferung für die Kaserne hat, arbeitet vom ersten Strciktage an ein Mann in Uniform. .Die Innung hat auch den Rabattsparverein mobil gemacht. Dieser beschloß, allen Meistern, die die Forderungen der Bäcker- gehilfen bewilligen, die Rabattmarken zu entziehen. Diesen Be- fchluß faßte der Vorstand ohne Zutun der Mitglieder. Streik im Brcslauer Bäckereigewerbe. Nachdem die Breslaucr Bäcker-Jnnungsprotzen durch nichts zu bewegen waren, auf dem Wege friedlicher Verhandlungen vor dem Gewerbegericht und vor dem Oberbürgermeister den bescheidenen Forderungen der Bäckergehilfen um Ausbesserung der Löhne und Abschaffung des Kost- und Logiswescns entgegenzukommen, sind diese am 1. Mai in den Streik getreten. Fast die Hälfte der Gesellen hat die Arbeit niedergelegt. 61 Meister mit über 70 Gesellen haben die Forderungen sofort bewilligt. Zentrale Verhandlungen im Baugewerbe. Am 30. April wurden die Verhandlungen zu Ende geführt. Außer den bereits gemeldeten Bezirken und Landcsteilcn, für die eine Verständigung erzielt worden ist, wurde in den letzten Tagen solche noch erreicht für das gesamte Süd-Baycrn und für den Elsaß. Alle übrigen Bezirke, vornehmlich das mitteldeutsche Gebiet, in dem wohl geringe Angebote gemacht wurden, und das ganze rheinisch- westfälische Gebiet, für das überhaupt kein Angebot erfolgt war, blieben unerledigt. Die Unparteiischen erklärten, ihre Vorschläge am 1. Mai fertigzustellen und den Parteien zu überreichen, was dann in sehr später Abendstunde geschehen ist. Einleitend zu den Vorschlägen bemerkten die Unparteiischen, daß es bezüglich der gecinigtcn Lohngebietc im vollen Umfange bei der Einigung bleiben solle. Für die meisten strittig gebliebenen Gebiete bringen sie eine Lohnerhöhung von 4 Pf. aus 3 Jahre in Vorschlag, die sich in einigen größeren Orten um 1 Pf., also auf S Pf. erhöht und in vielen Orten, auch in den meisten rheinisch- westfälischen Jndustricortcn noch um 1 Pf-, also au? 3 Ps. vermin- dert. Für die Staffelung ist, soweit nicht eine Abweichung deson- ders vermerkt ist, folgender Grundsatz aufgestellt: 5 Ps. Lohnerhöhung: 2, 2, 1 Ps. sur jedes Bertragsjahr; bei 4 Pf.: 2, 1, 1 Ps. und bei 3 Pf.: 2, 1 Ps. Wo Zweifel über die gegenwärtigen Grund- Verantw. Redakt.: Alfred. Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw�? löhn« bestehen, sollen letztere durch die bisherigen zweiten Instanzen festgestellt werden. Bezüglich der Verringerung der Disserenz zwischen den Löhnen der Maurer und denen der Hilfsarbeiter heißt es in den Vorschlägen, daß dort, wo die Differenz mehr als 12 Pf. beträgt, der Lohn für Hilfsarbeiter am 1. April 1915 allgemein um 1 Pf. erhöht werden soll. In ähnlicher Weise sollen auch etwaige vorhandene Unterschiede zwischen den Löhnen der Maurer und denen der Zimmerer ausgeglichen werden. Ueber die Verkürzung der Arbeitszeit heißt es, daß dort, wo eine solche auf 9% Stunden für nötig erachtet wurde, sie am 1. April 1915 eintreten soll. Dafür soll ein Lohnausgleich von 2 Pf. gewährt werden. Nach diesem Vorschlage sollen eine Vcr- kürzung der Arbeitszeit erhalten: Freiburg-Br.. Halle-S., Karls- ruhc-B., Cassel, Tarmstadt, Tortmund, Duisburg, Essen, Mainz und Stuttgart. Ueber die zugedachte Lohnaufbesseruizg lassen sich übersichtliche Angaben erst nach genauer Ordnung machen. Nur wenige Orte heben sich über den Rahinen einer Lohnsteigcrung von 4 Pf. bincms. Vornehmlich sind es die Orte: Freiburg, Halle und Karlsruhe mit 7 Pf., Bergedorf, Brcnien, Hemelingen, Cassel, Darmstadt, Dort- mund, Grömitz, Duisburg Essen, Mainz, Stuttgart und Wefer- lingcn mit 6 Pf., Leipzig, Halle II, Görtitz, Lieguitz, das ober- schlesische Industriegebiet, Waldenburg-scht., Oppeln, Storgard- Pommern Stettin. �Spandau, Rostock-Warnemünde, Schwerin-M., Flensburg, Kiel, Oldenburg-Gr., Lübeck, Braunschweig Hildcsheim, Nürnberg, Negcnsburg, Pforzheim, Mannheim-Ludwigshafen, Frankfurt-M., Höchst, Offenbach, Helgoland, Köln, Düsseldorf, Grün- sladt, Alt-Rahlstedt, Ochsenzoll, Ouickborn, Schnelsen und Wedel mit 5 Ps. In wenigen Ausnahmen kommen noch einige Orte für Hilfsarbeiter oder Zimmerer mit 5 resp. 6 Pf. in Betracht. Alle übrigen Orte werden nach den Porschlägen der llnparteüschcn mit 4 resp. 3 Pf. abgefunden werden. Unter den letzteren Satz fallen fast alle Orte in Brandenburg, Hannover, Mecklenburg, Thüringen und dem großen rhcinisch-wcstfälischcn Industriegebiet. In diesem Gebiet soll die Staffelung meistenteils sogar nur 1, 1, 1 Pf. be- tragen. Am 6. Mai abends 6 Uhr sollen die Parteien ihre Erklärung über Annahme oder Ablehnung der Vorschläge abgeben. Zu de» Streikbrecherkrawallen in Solingen-Wald. Am Mittwochabend beschäftigte sich in Wald bei Solingen eine öffentliche Versammlung mit den Krawallen, die durch die Streik- brccher der Firma Rautenbach in Wald verursacht worden waren. Etwa zweitausend Teilnehmer hatten sich eingefunden. Sie erhoben Protest gegen die Polizeibehörde, die gegen die Revolver- Helten nichts unternommen hat, dagegen das Streitpostcnstehcn verbot und zum Schutz des bestreikten Betriebes zwei Dutzend Polizeibeamte zur Verfügung stellte. In der Versammlung wurde einwandfrei festgestellt, daß die 60 bis 70 Streikbrecher wenigstens 3000 Liter Bier geliefert erhalten hatten. Die Weiterlicserung von Bier wurde auf Wunsch des Gewerkschaftstartells von Solingen von der betreffenden Brauerei eingestellt. Einige Bäcker, Metzger und Kolonialtvarenhändler erklärten in der Versammlung, den Streikbrechern nichts mehr liefern zu wollen. In der Bersamm- lung wurde festgestellt, daß die Firma Rautenbach den Streik- blechern Revolver mit Munition zum Preise von je 10 und 12 M. geliefert hat. Dieser Betrag wird den Arbeitswilligen ratenweise vom Lohn wieder in Abzug gebracht. Im Hofe des Be- triobcs finden regelmäßig Schießübungen statt. Fest- gestellt wurde ferner in der Versammlung, daß der Polizeibeamte Leineweber und andere Beamte von den Streikbrechern gc- treten und geschlagen wurden. Der Helm des Polizcibcomtcn Leineweber flog dabei auf die Straße. Eine ganze Reihe von Zeugen haben dies gesehen.' Trotzdem wurde gegen die Streikbrecher nichts unternommen, obwohl der Polizei der Name des Täters mitgeteilt worden ist. Die Versammlung erhob auch Protest gegen die Bericht- crstattung der bürgerlichen Presse. Eine große Anzahl von Abonnenten des„Tageblatt" und der„Solinger Zeitung" erklärten, diese Zeitungen abbestellen zu wollen. Seit drei Tagen berichtet diese Presse nichts mehr über die Vorgänge, während die auswärtige bürgerliche Presse nach wie vor in der unerhörtesten Weise gegen die Arbeiter Stellung nimmt. Gegen den Geschäftsführer des Metallarbeitcrvcrbandcs ist Anklage wegen Beleidigung erhoben worden. Charakteristischer- weise ist die Strafanzeige auch von dem Polizeibeamten Leine- Weber mit unterzeichnet worden. Bon einer Strafanzeige gegen die Streikbrecher, die diesen Beamten mißhandelten, hat man bis jetzt aber noch nichts gehört. Die Lage im oberschlesischen Streikgcbiet ist noch die gleiche. Die Zahl- der Ausständigen kann immer noch auf 80 000 geschätzt werden. Tie Unternehmer rechnen damit, daß die Polnische Bcrufsvcreinigung keine Unterstützungen auszahlen kann. Eine Konferenz sämtlicher Vertrauensleute der Polnischen Vereinigung beschloß aber, fest im Ausstande weiter zu beharren. Tie Führer glauben, daß sie den Streik siegreich durchfechten wer- den. Die Hoffnung der Unternehmer wird sich nicht erfüllen, und die ans Hungern gewöhnten Bergarbeiter werden es noch längere Zeit aushalten. Das Streikkomitee veröffentlicht im„Dziennik Slasti", dem Organ der Nationalpolcn, einen Aufruf an die Streikenden. Es heißt darin: „Wißt, Ihr Herren, das Volk der Bergarbeiter fühlt es, daß es Eigentümer dieser Erde und Schätze ist, die es für Euch beraussördcrt. Es fühlt es, daß Ihr das Volk vernachlässigt habt und das Volk vernichten wollt. Während die Bergarbeiter in Westfalen und im Wurmrcvicr höhere Löhne erhalten, sind die Verhältnisse in Obcrschlesien himmelweit anders, und Ihr zieht die Profite aus den schlafenden Opfern. Weil das Volk erwacht ist, sagt Ihr: der Kamps sei eine Politik der Polnischen Partei. Ihr schreibt den Klatsch, daß England das Volt unter- stützen werde; aber wer weiß, ob es nicht Tatsache wird. Denn um den oberschlesischen Bergarbeiter aus der Knechtschaft zu erlösen, würde selbst der Chinese mit seinen Groschen nicht zurückbleiben.' Wir rufen den Bergarbeitern zu: Haltet Euch! Denn wenn Ihr den Kamps einmal begonnen, dann müßt Ihr ihn auch beendigen. Fort mit der 13-Stundcnschicht! Fort mit den schlechten Löhnen! Ter oberschlesischc Bergarbeiter ist ein guter und geschickter Arbeiter, und ihm gebührt dasselbe, was die Bergarbeiter in den anderen Revieren Deutschlands haben." Tatsache ist es, daß sehr viele Bergleute nach Frankreich abwandern. Obgleich im Streikgcbiet alles rubig ist, wird die Polizei täglich verstärkt. Gestern wurden aus Breslau Pferde von den Kürassieren hcrtransporticrt. damit die Hamburger und Danzigcr Schutzleute hoch zu Roß das Industriegebiet bewachen. Auch die Zcchenbcamtcn sind vereidigt worden, und haben nunmehr polizeiliche Gewalt. Weil die Unicrnchmcrblättyr auch gar keinen Steinwurf oder Totschlag von feiten der Streikenden bringen können, bcbauptcn sie, die Streikenden üben einen Tcrrorismus durch die Post aus. Die„Kattowitzer Zeitung" schreibt: „Drohbriefe von Streikenden. Mehrere Bergwerksdirektoren erhielten Briefe, in denen ihnen mit dem Tode gedroht wurde. Die Staatsanwaltschaft hat Untersuchung eingeleitet." Können denn die Unternehmer gar keinen Attentäter auf- treiben? Dann könnte doch die Regierung sofort ihre Wünsche erfüllen! Von den Eisenbabnwagcn, die mft Kohlen nach Ober- schlesien kommen, sind die Abgangszettel abgerissen, damit der Herkunftsort nicht zu erkennen ist. Tie Konkordiagrube verösfent- licht ihren Jahresbericht. Darin heißt es:„Wir sind in der an- genehmen Lage, in diesem Jahre über recht gute Gewinnziffern 'rd.Glockr.Lerd'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanjtatt berichten zu können. Der GeMM beträgt 5 792 972,25 M., gegen 4 416132,42 M. im Vorjahr, ist also um 1376 839,83 M. höher und ermöglicht uns, die Ausschüttung einer Dividende von 20 Proz. vorschlagen zu können.— Die Aktionäre können zufrieden sein; wenn der Arbeiter mehr fordert, ruft man Gentzgrme ins Land. und die Regierung stützt die Wünsche der Grubennjagnaten. Ter Schutz des � 193 des Strafgesetzbuches für dea Gelverkschaftsangestellten. Vor dem Schöffengericht in Schiltigheim bei Etraßburg i. E. hatte sich der Ortsangestellte für Stratzburg des Verbandes der Brauerei- und MüHIenarbeiter wegen Beleidigung des Brauerei» direktors K l e i n k n c ch t zu verantworten. Die Beleidigung wurde erblickt in der Kritik, die der Angeklagte dem Direktor wegen seines Verhaltens den organisierten Arbeitern gegenüber und wegen der fortgesetzten Umgehungen des Tarifvertrages in der Presse ange-- dcihcn liefe. Durch Zeugenaussagen wurde vor Gericht festgestellt, daß das vom Angeklagten gegen den Direktor Kritisierte zutraf und daß der Direktor allen Anschreiben der Organisation gegenüber taub blieb.— Es blieb also kein anderer Weg übrig, als zur Vcr» öfscntlichung der Mißstände und zur Kritik des ganzen EebahrcnS der Leitung der Brauerei zu schreiten, um auf diesem Wege Llbhilsc zu erlangen, bevor zum letzten Mittel, zum Streik gegriffen wurde. Der Angeklagte hotte sich nur in der Form vergriffen. Er nmrde deshalb zu der hohen Strafe von 200 M. verurteilt. Ter Schutz des 8 103 Str.-G.-B. wurde ihm versagt, wobei wohl die Ansicht des Gerichtsvorsitzcndcn ausschlaggebend gewesen ist, der da nie in ich daß die Arbeiter in erster Linie ihre Interessen: selb st wahrnehmen müssen. Wenn dieses Urteil Schul« machen sollte, kann der Gcwerk» schaftsangestellte bei Vertretung von Arbeiterforderungen den Unternehmern gegenüber nie mehr in Wahrnehmung berechtigter Interessen handeln. Man muß beachten, daß der Angeklagte als Gwcrkschaftsangestcllter den von der Brauereileiwng fortgesetzt durchbrochenen Tarif mit verhandelt, mit abgeschlossen hat, daß cv also in doppelter Eigenschaft: als Vcrtragsabschlicßendcr und als Geschäftsführer des Arbeitcrverbandcs die Interessen der Arbeiter wahrzunehmen, dem Tarif Geltung zu verschaffen und Verstoße gegen ihn abzuhelfen hatte; daß er ferner auf seine Beschwerden gar keine Antwort erhielt, oder daß trotz Zusage keine Abhilfe er- folgt«. In diesem Fall dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zu versagen, heißt die Aufgabe und Tätigkeit der Organisation und ihrer Angestellten völlig verkennen. "Ziigenäbetvegimg. Dir sckweizerische Jugendbewegung. Tie Mitgliederzahl der Schweizer Jungburscben» o r g a n i s a t i o n ist seit dem verflossenen Jahr von 493 auf 763 gestiegen. Sie zählt zurzeit im Gebiet der deutschen«chweiz 19 Sektionen, von denen vier besondere Mädchengruppen ein- gerichtet haben. Der Sitz der Zentrale und die Seele der ganzen Bewegung ist Zürich. Das Organ der Organisation ist die „Freie Jugend", die Genosse W. Münzenbcrg redigiert. Sic erscheint monatlich in einer Auflage von 3500 Erenr- plaren. Im vergangenen Jabr wurden insgesamt 42 500 Exem» plarc von ihr abgesetzt. Die Einnahmen der Zentralkasse betrugen im letzten Jahr 3679 Fr., die Ausgaben 3479 Fr. Ter Vermögens- bestand ist 1 135 Fr. Die Sektion Zürich gibt im Verein mit dem Zentralvorstand alljährlich ein Jahrbuch heraus, das einen umfassenden Ucberblick über die Tätigkeit der Zentrale und der ein- zelncn Sektionen gibt. Nebenbei enthält es belehrende und für die- Jugend leicht verständliche Artikel, kleine Erzählungen, GedichK» und Gedcnksprnchc, nebst einer Anzahl Bilder. Die d r i tft e all- gemeine Dclcgiertenversammlung der Schweizer Jungburschenorganisation, die während der Lsterfeiertagc in Zürich tagte und mit 52 Delegierten beschickt worden war, Hai auch eine Statutenabändcrung beschlossen, nach der die Mitglieder, die das 20. Altersjahr erreicht haben, nur beratende Stimme be- sitzen und in die Partei eintreten müssen. Ein Hauptaugenmerk wird der Bildungsarbeit gewidmet. Durch Veranstaltung von wissenschaftlichen und belehrenden Kursen und Vorträgen er- höht sie das Wissen ihrer Mitglieder, durch Verbreitung guter Literatur zu billigerem Preis steuert sie der Schundliteratur und in Wort und Schrift kämpft sie gegen den Mißbrauch geistiger Ge- tränke an. Musik-, Gesangs-, Rezitationsvorträge, Spiele, Theater. aufsührungen und in der guten Jahreszeit hauptsächlich kleinere und größere Ausflüge in die an landschaftlichen Schönheiten so reichen Schweizerberge sorgen für die Unterhaltung und gesundheit» liche Stärkung der Mitglieder. Die Sektion Z ü r i ch hat im letzten halben Jahre sehr energisch den Kampf gegen die sensationellen Auswüchse des Kinematographen aufgenommen. Sie schloß in der Folge mit dem Inhaber des größten Züricher Lichtspielhauses einen Vertrag ab, wonach dieser Sondervorstellungen für die Arbeiter- jugend zu einem Einheitspreis von 20 Rappen veranstaltet, bei denen nur einwandfreie Films zur Aufführung gelangen. Bei alledem vernachlässigt die Schweizer Jungburschcnorganisation eine andere Hauptausgabe nicht: den rücksichtslosen� Kampf gegen die gewissenlosen Ausbeuter der Jugend» lichen! Die Mitglieder der Sektion Zürich haben im bergan- genen Jahr dreimal geschlossen vor den Buden von Lehrlings« schindern demonstriert. Allerorts entfalten die sozialdemokratischen Jungburschen eine lebhafte Propaganda für die Schasfung eineZ eidgenössischen Lehrlingsgesetzes. letzte Nacbricbtcn. Französische Parlamentarier über die Konferenz. Paris, 2. Mai.(Privattelegramm des..Vor» wärt s".) Tie Parlamcntsgruppe für Schieds» g e r i ch t e nahm in zahlreicher, auch von mehreren Sozialisten besuchten Versammlung einstimmig eine Resolution an, worin erklärt ist, daß die Berncr Konferenz nicht alle franko- deutschen Streitfragen, sondern nur jene behandeln soll, wo ein Einvernehmen am leichtesten zu erreichen ist und jede nicht verciicharte Intervention vermeiden. Tie Resolution protestiert weiter gegen die chauvinistische Hetze hüben und drüben. Eine Delegation der Gruppe soll Mittel dagegen suchen und die Regierungen zu bewegen suchen, wenigstens den Versuch einer Unterbrechung der Rüstungsvermehrungen zu machen: ferner die Regierungen verpflichten, in Konflikts- fällen freundliche oder juristische Lösungen anzuwenden. Tie Gruppe forderte weiter, daß die Berncr Delegierten die Frage der Konstituierung eines Studicnkoinitees für Frank- reich und Teutschland gemeinsam interessierende Fragen, das in dringenden Fällen zur Schlichtung zusammenträte,'prüfen. Tic Umkehr zur Vernunft. m.. u r.. Wien, 2. Mai.(W. T. B.) Die„Neue Freie Prepe erhalt von besonderer Seite aus Paris folgende Mitteilungen: Tie Situation scheint sich heute etwas günstiger darzustellen. ES ist nickt ausgeschlossen, daß König Nikolaus von Montenegro an. gesichls der sehr ernsten Ratschläge, welche ihm durch die Vertreter der Tripelententemäckte zuteil geworden sind, es doch nicht zum äußersten kommen jassen werde. Man hofft, daß man ein AuS. kunftsmittel finden werde, um König Nikolaus zum Nachgeben zu bewegen. PmISlngeröiEo.,BerlinL�V. Hierzu 5 Seilagen«.Unterhaltungsbü Nr. 106. 30. Jahrgang. 1. Stilajt im„Amiirls" Kerlim AlksblR Sonnabend, 3. Mai 19 l3. Der Verlauf der Maifeier Tie aufstrebende Arbeiterklasse hat lviedcr einmal die Ehre der Kultur gerettet. Während die besitzende Klasse in allen Länbern nichts kennt und auf nichts anderes sinnt, als auf die Verbesserung des Vernichtungsorganismus, Militarismus genannt, hat die Arbeiterklasse durch ihre M a i k u n d- g e b n n g bciviesen, daß auch noch Kulturkräfte in den Nationen lebendig sind, daß nicht alles Hirn und alle mate- rielle Leistungsfähigkeit aufgebraucht wird für die Werke der Zerstörung. Das internationale Proletariat hat nicht erst abgewartet, was die erhabene Weisheit des diplomatischen Kollegiums in London zusammenbrauen würde. Es hat millionenstimmig durch seine Kundgebung in allen Ländern dargetan, daß das Volk der Arbeit, das wahre Volk, die Masse der Nation, auf die läppischen und täppischen Händel im Balkan und innerhalb der Botschafterkonferenz pfeift und nur ein Ziel wahrhaftiger Diplomatie und redlichen Patriotismus kennt: Äie Erhaltung des F r i e d e n s, die B e s ch r ä n k u n g der blutigen Kriegshändel auf den Balkan! Und was auch die Redner in den Massenversammlungen ausführen mochten, so stürmisch sie auch die Woge des Beifalls umbrandetc: dem Orkan war nichts zu vergleichen, der ausbrach, wenn die Rebner die Friedensliebe der Volksmassen beteuerten und den energischen Willen der Volksmchrheit betonten, jeder Kriegs- Hetze und jedem Kriegsabcnteuer mit äußerster Kraftanstrengung entgegenzutreten! Selbst innerhalb bürgerlicher Kreise war ja die Stimmung überaus flau. Jedermann, mit Ausnahme höchstens der all- deutsch total vernagelten Uebcrpatrioten, empfand es als Tollheit, daß Skutari oder irgend eines anderen albanischen Fetzens oder auch des angeblichen Prestiges der Wiener Konfliktsschürer wegen Europa in ein unabsehbares Massen- morden gestürzt werden sollte. Der Einsatz, so hörten wir manchen Bourgeois bedenklich dozieren, müsse doch in einem gewissen Verhältnis zum Ge- winn stehen. Zu geiuinncn sei aber bei solch sinnlosem Aben- teuer höchstens Blamage, während der Einsatz an Gut und Blut ganz ungeheuerlich sei. Von Kriegsbegeisterung sei auch nirgends eine Spur zu entdecken; und ein Krieg, der ohne den nationalen Furor, ohne zustimmendste Begeisterung der breiten Massen geführt werde, sei schon von vornherein halb verloren. Gar nicht zu reden von dem, was möglichertveise im Hintergrund solch eines unpopulären, in seinem Ausgang ungewissen Krieges lauern könne... Das war selbst die Ansicht gar manches Angehörigen der besitzenden Klasse. So verstand es sich vollends von selbst, daß die moderne Arbeiterklasse ihren Protest gegen die Kricgstreiberei noch viel entschiedener formulierte und noch viel energischer zum Ausdruck brachte... Und die Maidemonstrationen wiesen diesmal noch g e- waltigere Beteiligung auf als sonst. Gewiß: der Feiertag begünstigte den Massenbesuch— dafiir aber hatte es diesmal an einer besonderen Agitation für die Mai- demonstration gefehlt. Die ganze Zcitstimmung, die Empörung gegen die Kriegs- und Rüstungshetzc und der preußische Wahlkampf ersetzten um so reichlicher die spezifische Mar Parole. Oder vielmehr: in der Kundgebung gegen die Kriegs Hetze und die Drciklasscnschmach fand der Gedanke des 1. Mai einen so prägnanten und seiner Kulturmission so entsprechenden Ausdruck, wie er packender niemals hätte formuliert werden können. Im ganzen Reich, in ganz Europa war der Verlauf der Maifeier glänzend. Dieselbe Friedens- und Verbrüdcrungs idee, die die deutsche Arbeiterklasse beseelte, scharte die Massen auch in E n g l a n d, in Frankreich und nicht zuletzt in Oesterreich zusamulen. Haben die letzten Enthüllungen über die perfiden Praktiken des Rüstungskapitals bewiesen, wie international das von der Volksverhctzung sich mästende Ausbeutertum ist, so hat der 1. Mai 1913 gezeigt, wie inter- national auch der Kampf des Volkes gegen die gewerbsmäßigen Kriegsbrüller und Mstungsinteressentcn geworden ist. Und die proletarische Internationale ist doch solider als die goldene Internationale! Die Demonstration in Groß'Berlin. Maien tag! Eine tropische Glut liegt über der Weltstadt. Durch die feiertagsstillcn Straßen weht ein sengender Odem, mit bleierner Müdigkeit in den Gliedern schleichen die Menschen dahin. Lust, Schatten, Kühle, heischt ihr lechzender Blick. Die Pferde treuen schwerfällig und schläfrig ihren Weg, ihre Hufe drücken tieie Spuren in den weichen Asphalt. Keine Wolke am Himmel. Er- barmungslos prallen die glutheißen Strahlen der Maisonne vom stahlblauen Gewölbe, als wollte der Frühling seinen Triumph über den bärbeißigen Winter bis zur Neige auskosten. Schade, daß am gestrigen Tage nicht irgendeine höfische oder militärische Beran- staltung vor sich ging, wie schön hätten die Blätter vom Scherlschen Schlage im schönsten Byzantinerstil berichten können: Äaiserwetter ivars, richtiges Kaiserwetter! Nun, da die organisierte Arbeiter- schaft ihr VölkersrühlingSfest feierte, wäre es nicht vermessen, von einem„echten Volkswetter" zu sprechen, das den Tausenden und Abertausenden den Weg zur Freude machte, daß sie Mittags in die von den Gewerkschaften einberufenen Versammlungen schritten. Sicherlich war es einer der schönsten Maientagc, die das Berliner Proletariat in den öö Jahren der Maifeier begehen konnte.— Als dann die Kraft der Sonne gebrochen war und die Dämme- rung auf leisen Sohlen über das Häusermeer schlich, begann es sich in den Arbeitcrquartieren der Rcichshauptstadt abermals zu regen. Das Proletarierrescrvoir leerte sich und schickte Ströme von Men- scken nach den verschiedensten Richtungen. Weiß leuchteten die Frauen- und Kinderklcidcr und buntfarbige Blumen aus den Hüten und in den Händen hoben sich fröhlich aus dem vielgestaltigen Gc- wimmel. Das Ziel all der vielen, die die Höfe und Hinterhäuser, die Straßen und Gassen verließen, waren die großen Gartenlokale mit ihrem prächtigen Baumbestand, wie man sie in diesen Gegen- den noch vorfindet. Jene Lokale, die nur über Saalbetrieb ver- fügen, blieben fast gänzlich verwaist und verlassen. Um so bcängsti- gendcr gestaltete sich das Leben in den großen luftigen Bicrgärtcn. Die Festredner sprachen meist im Garten, wo die Temperatur sich zum Reden besser eignete. An einzelnen Stellen vereitelte aber die fürsorgliche Polizei ein so staatsgefährliches Untersangen mit der Motivierung, daß nur für die Säle die Erlaubnis zum Reden er- teilt worden sei. Im Garten dürfe nur referiert werden, wenn alle Jugendlichen unier 18 Jahren aus dem Garten entfernt würden. Das sozialdemokratische Empfinden, das proletarische Klassen- bewußtscin einte die Massen zu Tausenden und Abertausenden. Wenn auch überall für Unterhaltung der verschiedensten Art gesorgt war nach dem Worte:„Wer vieles bringt, wird jedem etwas brin- gen", so war doch der Pulsschlag der sozialdemokratischen Beloc- gung in allen Veranstaltungen zu spüren. In erster Linie natürlich in den Festreden, in denen ja die Ereignisse der neuesten Zeit: der Rüstungswahnsinn, das Europa bedrohende Kricgsgespenst und anderes Stoff genug boten, um den Widersinn der kapitalistischen Welt zu kennzeichnen. Auch sonst gab es im Festprogramm neben manchem alltäglichen auch zahlreiche Hinweise aus die Gedanken- weit des modernen Proletariats. Hierher gehören vor allem die Vorträge der Arbcitergesangvercine, die überall dankbare Zuhörer fanden. So saß man in ungetrübter Festfreude beisammen bis in die späten Abendstunden. Als erste räumten die Familien mit kleineren Kindern das Feld. Wieder bekam die Straße das Gepräge der Maifeier. Da blinkten zu Hunderten die roten Lichter der Stock- laternen mit der Inschrift:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Kinderhände trugen die roten Leuchten, Kindcrherzcn trugen frohe Erinnerungen an einen Festtag heim und Vatcraugcu schauten hoffnungsfreudig auf den Nachwuchs und die Zukunft des Proletariats. »» * Die Veranstaltungen der Gewerkschaften. Am Friedrichshain erhielt die festliche Stimmung dieses wunderbaren Frühlingstages schon vormittags ihre besondere Weibe durch das Maifest der Arbeiter. Tie Metallarbeiter hatten die weiten Räumlichkeiten des Braucrcictablissements Friedrichs- Hain für ihre Demonstrationsversammlung ausersehen. Schon lauge vor Beginn der Versantmlungsstunde strömten die aus allen Stadtgegcnden herbeigeeilten Berufsangehörigen beiderlei Ge- schlcchts in der am Park entlang führenden Straße zusammen, wo sich der Strom über die zum Lokal emporführenden Freitreppen in Garten und Saal ergoß. Ter Ansturm wollte kein Ende nehmen und verstärkte sich noch besonders, als einige Branchen, die sich vor- her gesammelt hatten, in langem Zuge herankamen. Der polizeiliche Versuch, einen dieser längeren Züge unterwegs zu zerteilen, miß- lang. Indessen sollen einige Sistierungen dabei vorgekommen sein. Am Lokal selbst Wurde der Aufmarsch nicht gestört. Er wirkte impo- sant in seiner Ruhe. Tie Versammlung wurde auf Grund des§ 3 des Vereinsgesetzcs durch den Leiter Cohen in den riesigen Garten verlegt, da der große Saal mit seinen Galerien doch nur einen kleinen Bruchteil all der erschienenen Taufende fassen konnte. Bis in den äußersten Winkel füllte den weiten Garten die Menge Viele tausend Köpfe wandten sich der Tribüne zu, als von dort der Sänger- chor„Wedding" die herrliche Weise des Liedes: „Ich warte Dein, wenn über braune Felde? Der erste Hauch des Lebens wieder weht".. ertönen ließ. ,C, Volkes Freihcilstag, ich warte Dein!" To schloß das Lied, lind durch brausenden Beifall gab die Menge kund, wie sehr mit ihrer Sehnsucht und ihrem Streben die Verse übereinstimmten. Rcichstagsabgcordnetcr Robert Schmidt bielt darauf das Referat. Ter Rede Schmidts folgte stürmischer Beifall. Bei Abstimmung der Resolution erhob sich ein Wald von Händen zum Schwur, im Sinne der Entschließung zu wirken. ..Tord Folcson", das aus dem Norwegischen übernommene und von II t h m a ii n komponierte Lied ertönte. Jbm folgte die„Inter- nationale". Dann ein von Cohen ausgebrachtes, bieltausendstimmig aufgenommenes Hoch auf die internationale sozialistische Arbeiter- bewcgung, dessen Schall der Wind weit in den Hain hineintrug. Nun leerte sich langsam der Garten. Die Holzarbeiter sind es seit jeher gewohnt, den 1. Mai so gut wie vollzählig durch Arbcitsruhe zu seiern, ohne sich um den Wider- stand der Unternehmer zu kümmern. Wenn aber der Arbeiterfcier- tag zufällig auf einen gesetzlichen Feiertag fällt, dann kann man nicht durch Arbeitsruhe demonstrieren. Es gibt keinen Widerstand zu brechen, es herrscht keine Kampfstimmung, So kam es, daß die Maifeier des Holzarbeitcrvcrbandes diesmal merklich schwächer be- sucht war als in früheren Jahren, wo den Unternehmern die Ar- bcitsruhc abgetrotzt werden mußte. Während sonst vom Kottbuscr Tor bis zur Hasenheide sich ein Zug feiernder Holzarbeiter an den anderen reihte, bot», das Straßenbild diesmal das gewohnte sonn- tägliche Aussehen. Av und zu bewegte sich ein Zug von Holz- arbeitern durch die von Spaziergängern und Ausflüglern bevölkerten Straßen nach dem Versammlungslokal, der„N e u e n W c.l t". Wenn auch die Zahl der Besucher um einige Tausend geringer war als in den vorhergegangenen �Jahren, so war es doch eine stattliche, viele tausend Köpfe zählende Schar, die sich pflichtgemäß eingefunden hatte, den ausgedehnten Garten bevölkerte und im csaale mit großem Interesse der Festrede des Genossen Silberschmidt folgte, der in überzeugenden Worten der Bedeutung des Tages gerecht wurde. In der B o ck b r a u e r c i am Tempelhofcr Berg hatten sich die Vauarbeitcr in großen Scharen eingefunden; der große Saal und auch der weite Garten waren bis auf den letzten Platz besetzt. Gleich einem wogenden Meer fluteten die Menschen aneinander vorüber. Einsam nur wandelte ein Polizeioffizier vor dem Lokal auf und nieder, verwunderten Blickes die unabsehbaren Züge der heran- strömenden Menschenmassen musternd. Als Genosse Hanke die Versammlung eröffnete, standen und saßen im Saal und im Garten sicherlich 6000 Bauarbeiter, von denen auch viele ihre Frauen mit- gebracht hatten. Mit wachsendem Interesse lauschten die Zuhörer den Ausfüy- rungen des Genossen Simon Katzen st ein, der mit. zündendem Temperament, anknüpfend an das Frühlingsfeft der alten Völker, die Idee des Maifestcs und dessen Entstehung schilderte. Tosender Beifall folgte den prächtigen, gehaltvollen Ausführungen des Refe- renken. Unter dem brausenden Gesang der Marseillaise trennten sich die Anwesenden. Die Maivcrsammlung des ZentralverbandeS der Zimmerer tagte in der Brauerei K ö n i g st a d t. Genosse Dr. M o s c s referierte unter großem Beifall. Tic Zahl dicr Besucher, darunter eine ganze Anzahl Frauen, betrug 1S00. Die Dachdecker und Berufsgenossen hielten ihre sehr gut be- suchte Maivcrsammlung, an welcher auch sehr viele Frauen teil- nahmen, bei Fritz Wilkc in der Sebästianstr. 30 ab. Nach dem vorzüglichen Referat des Genossen F c n d c I gelangte die Resolution einmütig zur Annahme. Die Maiversammlung der Töpfer tagte im großen Saale des Gewerkschaftshauses und war voll besucht. Das Referat des Genossen Artur S ch in i t und die allgemeine Resolution fanden allseitige Zustimmung. Ter Gesangverein der Töpfer sang. Die Versammlung des graphische» Gewerbes im Lokal„Berliner B o ck" wurde von der„Typographia" mit dem Liede„Gruß an den Mai" eingeleitet. Dann erhielt Genosse M a s s i n i das Wort zum Referat. Großer Beifall zeigte, daß die Anwesenden mit dem Referenten gleicher Ansicht waren. Zum Schluß wurden noch die Lieder„Frühlingssturm" und„Empor zum Licht" vorgetragen. Tic Kürschner versammelten sich in den M u s i ke r s ä I c n, Kaiscr-Wilhelm-Straße l8in. In einem st ü irrigen Referat schilderte der Genosse K I ü ß die Bedeutung des 1. Mai und geißelte die Maßnahmen der herrschenden Klassen. Auf die neue Forderung der Regierung, das stehende Heer um 140 000 Mann zu vcrinebrcn, müsse die Antwort des Proletariats sein: Tic gewerkschaftlichen und politischen Organisationen um Vj Million neuer Rekruten zu vermehren. Die über 400 Personen starke Versammlung zollle dem Referenten reichen Beifall. Die Feier der Steinarbeiter wies ebenfalls einen Massenbesuch auf. Der große Saal und die Galerie der G e r in a u i a-P ra ch i- s ä l e waren dicht gedrängt besetzt und namentlich die Frauen� der Vcvbaiidsmitgtieder waren zahlreich vertreten. Tic zündende Fest- rede des Rcichstagsabgeordneten Lcdcbonr fand stürmischen Beifall, nicht minder auch die Freiheitsgesänge des Männergesang- Vereins„Lerche". Der Vorsitzende schloß die imposante Feier mit dem Wunsche, das nächstjährige Jubiläum der 25. Wiederkehr der Maifeier in derselben Stärke zu begehen. Die Handels- und Transportarbeiter hatten sich sehr zahlreich in den„Ko n k or dia- F e st s ä l cn" eingefunden. Im Saal lauschten etwa 3000 Personen dem Referat des Genossen S t r ö b c l, das mit starkem Beifall aufgenommen wurde. Fast ebensoviel Be- sucher, die der geräumige Saal nicht mehr zu fassen vermochte, be- völkertcu die anstoßenden Garten- und Hofräume. Die beiden Maiversammlungcn des Verbandes der Fabrik- arbeiter wurden von zirka 1000 Personen besucht. Die Vildhaiicr aller Brauchen waren in der Alhambra zur Maifeier erschienen. Genosse Wissel! begründete die Maiforde- ruug. Außcbordcntlich überfüllt war die Versammlung der Sattler und Portefeniller, die im großen Saal der„A r in in- Halle n" stattfand. Das Referat hatte der Genosse Büchner über- nommen, der in seinem Vortrage ein scharf umrissenes Bild der heutigen Zustände entwarf. Mit lebhaftem Beifall dankten die Versammelten dem Referenten und mit einem brausenden Hoch aus die gesamte Arbeiterbewegung wurde die eindrucksvolle Kund» gcbung geschlossen. Die Maidemonstration der Maler fand im Saale von SV Ii ein statt. Die überfüllte Versammlung, die der Absperrung verfiel, wurde durch einen erhebenden Gcsangsbortrag des Arbciter-Gesagg? Vereins„Neu Erwacht" eingeleitet. Der Redner, Genosse D i t t m c r, verstand! es, in seinen packenden Ausführungen den momentanen Kamps im Gcwcrve mit den Forderungen der Inter- nationale zu verbinden und erntete demonstrativen Beifall. Nach einem weiteren Lied durch„Neu Erwacht" schloß die wohl bisher imposanteste Maidemonstration der Maler. Die von zirka 800 Anwesenden besuchte Maivcrsammlung des Verbandes der Steinsehcr usw. in den S o p h i c u s ä> e n nahm mit Begeisterung die Ausführungen des Referenten Genossen Dr. W e h l entgegen. Nach Annahme der Resolution verpflichteten sich die An- wcscndcn, nach wie vor dafür einzutreten, den noch fernstehenden Teil der Bcrufsaiigehörigen der Organisation, dem sozialdemokra- tischen Wahlvercin, sowie der Konsumgenossenschaft zuzuführen. Die Versammlung der Vovtsbaucr in der Stralaucr Allee war gut besucht. Die Anwesenden lauschten aufmerksam auf die Aus- führungen des Rcfcrcnteu W. Richter und spendeten seinen tresf- lichcn Worten großen Beifall. Die Versammlung der Arbeiter in der Nahrungs- und Genuß- mittclbranche war stark besucht. Genosse Hulitschke hielt ein außerordentlich fcssclndes Referat. Genosse Börner als Vorsitzen- der verwies darauf, daß in Anbetracht des Wetters und der Eigen- art der Arbeitsverhältnisse die Gastwirtsgchilfen nicht in der Ver- sammlung anwesend sein können, des weiteren die Brauerei- sind Mühlenarbcitcr eine vcsondcre Versammlung abhalten. Würden diese in der Versammlung sein, so wäre der Saal nicht in der Lage, die Tciliichmcr zu fassen Tic Bäcker, Konditoren und vcrw. Berufe hielten in den Ma- r i n c. s ä l c n eine überfüllte Versammlung ab. Der Bäckcrgesang- verein„Morgengrauen" leitete die Versammlung mit dem gerade jetzt zeitgemäßen Arbeiter-Vaterlandsliede ein. Rcichstagsabgcord- nctcr Genosse Zuteil hatte das Referat übernommen. Reicher Beifall lohnte am Schluß den Redner. Tie Versammlung wurde mit dem vom Gcsaiigvcrcin prächtig vorgetragenen Liede„Der erste Mai" und mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung geschlossen. Tic Versammlung der Brauerei- und Mülilcnarbeiter in H a- verlands F e st s ä l c n, Neue Friedrichstr. 35, wo Genosse Link referierte, war von über 1000 Personen, darunter zahlreichen Frauen, besucht. In der Versammlung wurde bckanutgegcbcn. daß die Löwcndrauerci, Abteilung II, Berlin, Hochstr., 20 Flaschen- kcllcrarbcitcrn gekündigt hat, weil dieselben sich geweigert haben, am 1. Mai zu arbeiten. Die Versammlung der Maschinisten und Heizer �!m Lokal „A r m i n h a l l c n" war sehr gut besucht. Gcuoffc Scheffel referierte. Nachdem der Vorsitzende noch zur eifrigen Beteiligung an der Landtagswahl aufgefordert, schloß er die Versammlung mit einem Hoch auf»dic Sozialdemokratie. Au der Versammlung der Grmeindcarbcitcr in den A n d r c a s- s ä l e u nahmen 2500 Personen teil. In zündenden Worten fcwrtc Genosse Dr. B r c i t s ch c i d die Bedeutung des Tages. Die Sängerschaft der Gemcindearbcitcr trug zur Hebung der Feststimmung bei. Die Schneider, Schncidcrinnc» und Wäschearbeiter hatten sich in zwei starkbesiichten Versammlungen in Kellers Neue Philharmonie und im ölhsium, Landsberger Allee, ein- gefunden. Tie Ausführungen der Referenten Sabbath und S ch ä r t l fanden lebhaften Beifall. Die Versammlung in Kellers Neue Philharmonie wurde durch Gesangsvorträge des Gesangvereins Luisenstädtischer Mannerchor eingeleitet und beschlossen. Tic Versammlung der Hutmachcr usw. war von ungefähr 500 Personen besucht. Eingeleitet und geschlossen wurde sie durch Gc- sangsvorträgc des Hutmachcrgcsangvcrcius„Einigkeit". Refcrcntin war die Genossin Klara Wehl, die reichen Beifall erntete. In der Versammlung der Schuhmacher, welche im Schwcizer-Garten am Friedrichshain stattfand, hatten sich nahezu 2000 Personen cingesuudeiu Das Referat des Genossen ©afienöäd; luic Mch die bat bor Gcsang-Zabteilung dcs Schu'h innchcrverbandes vor�tragencn Acsänge wurden mit reichem Bei fall entgegengenommen. Tie Maifeier des Zentralverbandes der Glasarbeiter und-Ar beitcrinnen fand in de'ai(5omcniussälen, Mcmelerstr. 67� statt. Bei Eröffnung der Vcrsamnrlung brachte der Gesangverein der Glasarbeiter ein F.'.ejheitslied> zu Gehör. Das Referat hatte Genosse I. K n o l l übermommen. Er erntete reichen Beifall der überfüllten Versammlung In den P r a ch t s ä l»e n„A l t- B e r I i n" feierten die Hand lnngsgehilfen, Lagerhalter und Kaufleute ihren ersten Mai. Beide Säle vermochten die Venfammlungsteilnehmer nicht zu fassen, so dag noch eine große Airzeihl im Garten verbleiben mußten. Der Referent der ersten Verstümmlung, Genosse Erich Kuttner, gc staltete dge Maifeier zu cirvr Jahrhundertfeier für den großen Phi losophen Fichte, den Philost'phen der Freiheit. Reicher Beifall be lohnte die Ausführungen tres Referenten. In der zweiten Ber sammlung sprach Genosse Krün che. Auch die Ausführungen dieses Referenten wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Mit einem Hoch auf die internationale'Frbeiterbewegung wurden beide Vcr- sammluugen geschlossen. Die Versammlung der Textilarbeiter tagte in den Pracht s ä l e n„A l t- B e r l i u". Anwesend waren öOO Personen. Ge iiosse Schräder referierte. Bei Eröffnung und Schluß der Ver sammlung sang der Männergesamgverein„Textilia". Die bei Sch m i d t in her Pringen-Allee abgehaltene Versamm- lung der Lederarbeiter erfreuüe sich in diesem Jahre eines ganz besonders guten Besuches. Nicht alle konnten im Saale aufgenommen werden, so daß ein Teil der Varscrmmlungsbcsucher außerhalb dcs Saales bleiben mußte. Ten mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag hielt Genosse Frank'-o. Der Gesangverein„Gesund- brunner Harmonie" trug durch setimen schönen Gesang dazu bei, die Versammlung festlicher zu gestalderr. Der Verband der Buchbinder tagte im Restaurant„Königs- bau k", Große Frankfurterstr. 117. Saal und Garten lbaren über füllt. Im Saale referierte Genosse Max Schütite, im Garten Genosse Eugen Brückner. Zirka 500 Teilnehmer zählte die Versammlung der Kupfer- schmiede in Obiglos Festsälen. Der Referent, Genosse Hecht, er- lcdigte sich seiner Aufgabe in l'A Stunden und wurde durch reichen Beifall belohnt. Der Gesangverein der Kupferschmiede verschönte die Feier. Die Versammlung war nach dem Garten verlegt. Tie stark besuchte Maiversammlung der Porzellanarbeiter fand im Saal 1 des Gewcrkschaftshauses statt. Nach einem Referat des Gen. Joh. Schnaider- Charlotbenburg wurde die Resolution der Gewerkschaftskonimission verlesen und einstimmig angenommen. Durch den Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" wurde die Versammlung in stimmungsvoller Weise eingeleitet und beendet. Ter Verband der Tapezierer tagte bei W e n>d t in der Beuth- straßc. Zur Einleitung und zum Schluß trug der Männerchor „Norden" je ein Lied vor. Tie Rede des Gcnoiscn Sp l i cd t über die Bedeutung des 1. Mai wurde mit großem Beifall aufgenommen. Anwesend waren 800 Personen. Die Maifeier in den Tororten nahm gleichfalls einen imposanten Verlauf. Die von der Char- lottenburger Gewcrkschaftskommission eingebrupenen Mittagsver- sammlungen waren von ungefähr 2000 Personen besucht. Im großen Saale dcs„Volkshauses" sprach Genosse. Dr. Bruno Bor- ch a r d t in temperamentvoller Weise über die Bedeutung des Tages, mährend im Garten der Genosse Reichstagsabgeordneter Eduard Bernstein unter dein stürmischen Beifall der Anwesenden refe- riertc. Außerdem sprach noch der Genosse Lehmann im Garten. In Neukölln sprachen vor drei überfüllten Versammlungen in Bartsch' Festsälen, den BürgersAen und Felsch' Gesellschastshaus die Genossin Zietsch sowie die Genossen Börgel und Hart- mann unter lebhaftem Beifall der Besucher. Die Gesangvereine Neuköllner Männerchor, Schneeglöckchen und Melodia erhöhten durch ihre Mitwirkung die Stimmung des Tages. Schöneberg. Hier sprach in den Rathaussälen vor gutbesuchter Versammlung Genosse Obst. Vor und am Schluß des Vortrages brachte der Schöneberger Männergcsangverein zwei stimmungsvolle Lieder zu Gehör der Versammelten. Einen ausnahmsweise starken Besuch wiesen die Versamm- lungen in Lichtenberg auf. Im Eafc Bellevue sprach vor etwa 2 0 0 0 Versammelten Genosse Rössel, während bei Schwarz, wo Oieiwsse D üw e l l referierte, etwa 1500 Personen anwesend waren. Beide Versammlungen wurden durch Vorträge der Arbeitergesang- vereine eingeleitet und beschlossen. Die Versammlung in Obcr-Schöneweide, in der Genosse Z c r- nicke das Referat hielt, war von zirka 1000 Personen be- sucht. Nach Schluß der Versammlung bildete sich ein imposanter Temonstrationszug bis zum Marktplatz; hier brachten die Teil- nchmer Hochrufe auf ein Wahlrecht aus, worauf sich der Zug auf- löste. An der Versammlung in Lichterfelde nahmen 250 Personen teil. Das Referat hielt Genosse H e i n i g. Die in Rcinickendorf-Ost und-West stattgefundenen zwei Ver- sammlungen waren von 10 00 Personen besucht. Für die Orte �Steglitz und Friedenau war eine gemeinsame Versammlung im Steglitzer Birkenwäldchcn anberaumt, die einen imposanten Besuch aufwies. Das Referat hielt Genosse Silli er. Einleitend und am Schluß brachte der Gesangverein einige stim- inungsvolle Lieder zum Vortrag. In Strclau referierte vor gutbesuchter Versammlung Genosse L a n g h a m m e r. Vor über 1 0 0 0 Versammelten referierte in der von der Gc- werkschaftskommission Tcmpelhof-Maricndorf-Maricnfclde einberu- fcnen Versammlung in Laars Gesellschastshaus, Maricndorf, Gc- nasse Langnitschke. Nach dem mit großem Beifall aufge- nommencn Vortrage und einem Lied der Gesangvereine Marien- dorf-Tempelhos setzte sich ein Festzug mit Musik in Bewegung. Da die Hauptverkehrsstraßen nicht überschritten werden durften, mutzte die Teilnehmerschaft dieselben Straßen wieder zurückmarschieren. Zehlcndorf(Wannfeebahn). Hier sprach Genosse D ä u m i g unter lebhaftem Beifall der Versammelten. In Grünau referierte Genosse Schulz- Neukölln unter großem Beifall über die Bedeutung dcs Tages. Im benachbarten Bohnsdorf sprach Genosse Sonnen b u r g- Fricdrichshagen. Seine Ausführungen lösten am Schluß bei den Versammelten lebhaften Beifall aus. Der Gesangverein Allegro- Berlin verschönte die Feier durch den Vortrag zweier stimmungs- voller Lieder.„ �. Nowawcs. Die beiden Verzammlungen, welch« nachmittags um 2'A Uhr im„Volksgarten" und in den„Deutschen Festsälen" statt- fanden, waren je von etwa 300 Personen besucht. Im ersteren Lokal referierte Genosse R a d t k e- Neukölln, im zweiten Genosse H e i n i g- Groß-Lichtcrscldc über die Bedeutung des Weltfeiertages für die Arvcticrklasse...... Britz. Tic bei Raddatz, Ehauueestrage, tagende öfscntliche gut- besuchte Versammlung folgte den Ausfuhrungen des Genossen Jöck mit lebhaftem Interesse. r., Schmargendorf. Hier referierte vor gutbesuchter Versammlung Genosse Jo Hansen.' Die Ausführungen dcs Redners fanden großen Beifall...... Königs-Wusterhauscn. Die hier tagende Versammlung war von etwa 5 O O M ä n n c r n u ii d F r a u e n besucht. Das Referat, welches Genosse M a h l e r übernommen hatte, wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Im Friedrichsthal bei Oranienburg sprach vor gutbesuchter Versammluiig ReichStagsabgeordnetcr Genosse Stadthagen. Zossen. Am Frühausflug nach Dabendorf beteiligten sich 150 Personen. Im Haackersckcn Lokal hatten sich die Dabendorfer Ge. nassen eingesunden, um ein angesetztes Referat über die Bedeutung dcs Tages zu hören; leider blieb der Referent aus. Am Nach- mittagsumzug durch die Stadt sowie au der Abendfcier beteiligten sich 400 Personell, ein Beweis dafür, daß auch der Maigedanke in unserem Städtchen immer tiefere Wurzeln schlägt. Eichwalde. Die Teilnahme an dem erstmalig genehmigten Um zuge war befriedigend. Auf die große Mehrheit der Bewohner machte das Ereignis einen starken Eindruck. Das Referat hielt unter lebhaftem Beifall Genosse Barth. In Spandau brachte die Maifeier die gesamte Polizc auf die Beine. Während dieselbe in großer Zahl mit umgeschnalltem Revolver am Wasserturm vergeblich ans die Teilnehmer an dem verbotenen Festzug wartete, versammelten sich die einzelnen Ge- werkschaften in ihren Lokalen, um in Gruppen nach Pichelsdorf zu marschieren. Als in der Klosterstratze die Zahl der Demonstranten auf über 2000 Personen angewachsen war, erschien plötzlich zu allgemeiner Heiterkeit die Polizei unter Anführung eines Kam- missars in größerer Stärke zu Rad und zu Pferde und geleitete die Maifeiernden getreulich bis zur Heerstraße. Zu besonderen Zwischenfällen kam es nicht. Die Maiseier selbst fand unter starker Beteiligung in Pichelswerdcr in der üblichen Weise statt. Potsdam. Hier nahm die Feier einen glänzenden Verlauf Das Referat hielt Genosse Dr. Karl Liebknecht. Eggersdorf-Bruchmühle. In der hiesigen gutbesuchten Maiver- sammlung referierte die Genossin Dem m n i n g vor einer an- dächtigen Zuhörerschaft. Lichtenrade. Die Versammlung war für hiesige Verhältnisse gut besucht. Das Referat hielt Genosse A. Mohs. In Waidmannslust sprach Genosse W i l k e vor einer zahlreichen Zuhörerschaft. Besondere Anerkennung fanden hier die guten Ge sangsvorträge des Gesangvereins Anakreon-Berlin. Alt-Glienicke. Eine von zirka 3 00 Personen besuchte Ver- sammlung tagte nachmittags 2 Uhr im„Terrassen-Restaurant". Die Referentiii, Genossin Berta L u n g w i tz, erntete mit ihrem Vor- trage reichen Beifall. Der nach der Versammlung veranstaltete Maiumzug ging ohne Zwischenfall vor sich. In Nicderschönhausen-Nordend waren die Versammlungen so. Wohl mittags wie abends überfüllt. Am Umzug beteiligten sich an- nähernd 1000 Personen unter Vorantritt einer Musikkapelle. Durch besondere Schneidigkeit zeichnete sich ein Gendarmeriewachtmeister aus. Dank dem besonnenen Verhalten der Genossen kam es zu keinem Zusammenstoß. Weitere Versammlungen fanden statt in Mühlenbeck, wo Ge- nasse Max T h i e m e sprach. In Rüdersdorf-Kalkberge referierte vor 300 Zuhörern Genosse Alwin Schulze. In Herzfelde behan- delte Genosse I a k o b s e n die Bedeutung des Tages. Auch die Nachmittags- und Abendveranstaltungen verliefen in allen Orten in würdiger Weise. Sie Maiseier im deiche. Heber den Verlauf der Maifeier im Reiche gingen uns folgende Berichte zu: Hamburg. Die Zahl der Teilnehmer am Festzugc nur an nähernd abzuschätzen, erscheint unmöglich, da von mittags 1 Uhr, wo die Spitze des Zuges pünktlich vom Lerchenfeld abmarschierte, nahezu drei Stunden vergingen, bis die letzten Kolonnen sich in Bewegung setzen konnten. Auf der ausgedehnten Festwiese am Forsthos bei Barmbek traf die Spitze des Zuges mit der alten roten Parteisahne, der unzählige Banner von Gewerkschaften usw. olgten, kurz nach 21A Uhr ein. Abends fanden in den größeren Sälen der Stadt festliche Veranstaltungen mit Ansprachen usw. tott. Auch auf der Festwiese war nachmittags von 3 Tribünen aus in kurzen Reden auf die Bedeutung des Tages hingewiesen worden.— Auch die Arbeiter der Nachbarstädte begingen das Mar fest durch großartige Demonstrationszüge. Tic Teilnehmcrzahl in Altona wird auf 18 000, die von Wandsbek auf 5000 geschätzt. In der Provinz Pommern hatten die Behörden in verschie- denen kleinen Orten Aufzüge gestattet, die eine zahlreiche Beteili- gung aufzuweisen hatten. In Stettin war ein Umzug der ViaifSiernden vom Polizeipräsidenten verboten worden; dafür hatten die einzelnen Gewerkstbaftsverbände einen zwanglosen Morgenspaziergang beschlossen. Tie Genossen trafen sich in ver- chiedenen Gegenden der Stadt, und zogen zur bestimmten Zeit zu dem gut eine Stunde entfernten Eckerberger Wald. Durch den gemeinsamen Aufbruch wurde erreicht, daß sich, besonders im Mittelpunkt der Stadt, ein imposanter Demoustrationszug bildete. Der Zug wuchs bis auf 7000— 8000 Teilnehmer an. Nach einer kurzen Ansprache im Walde ging es im geschlossenen Zuge zur Stadt zurück, wo zwei große Versammlungen stattfanden.— Die Ztachmittagsvcranstaltungcn waren glänzend besucht. Lübeck. Die Morgcnvcranstaltung zählte etwa 1000 Personen. Im Festzug marschierten 7000 Teilnehmer. Tie Maifeier in zahl reichen Nabarortcn wies außergewöhnlich starke Beteiligung auf. Wismar. Das Zusommentreften der Aiaiseicr mit Himmel- fahrt ermöglichte in Mecklenburg eine sehr große Beteiligung, die ich auch in den kleinsten i-städten zeigte. Rüstringcn. Die Vormittagsversammlung ivar von etwa 3000 Personen besucht. Ein Spaziergang der Bersammlungsbesucher nach dem anderen Stadtteil wurde, da der Weg über preußisches Gebiet führt, von der preußischen Polizei gestört, die sich, wie alljährlich, in tarkem Aufgebot an der preußisch-oldenburgischen Grenze postiert hatte. Als sich die Menge staute, zogen die preußischen Polizisten blank und verletzten mehrere Personen, zwei dar- unter erheblich. Frankfurt a. O. Der Morgenausslug wies 800 Teilnehmer auf. Nachmittags fand eine starkbesuchte Feier statt. Kottbus. Ter Morgenausslug begann hier schon sehr früh; um 8 Uhr wurde bereits eine Versammlung abgehalten, die 2200 Personen zählte. Kalau-Luckau. 20 Versammlungen, die sämtlich eine starke Beteiligung auswiesen, fanden im Wahlkreise Kalau-Luckau statt. Allerorts fanden die Manifestationen gegen die Kriegshetzereien, die Wehrvorlagc, für den Arbciterschutz und die Erringung des gleichen Wahlrechts in Preußen begeisterte Aufnahme Ibei der Bevölkerung. In Vetschau wurde dem Wirt des„Schützenhauses", der dem Kartell sein Lokal für die Feier überließ, durch das BezirkSkom- mando eröffnet, daß die Aushebung der Gestellungspflichtigen in einem Lokal nicht stattfinden könne.— Und das, obwohl der Kriegsministcr v. Hecringen noch kürzlich im Reichstag seine Miß- billigung über solche Maßregelungen ausgesprochen. Fürstenwaldc. An der Feier beteiligten sich ungefähr 3000 Personen. Luckenwalde.' T-er Morgenausflug wies«ine außergewöhnliche Beteiligung auf. Im benachbarten Woltersdors waren drei Garten- lokale von den Teilnehmern überfüllt. Mittags fand eine große Versammlung in einem Garten der Stadt statt, und nachmittags wurden Feierlichkeiten in zwei Lokalen abgehalten. Magdeburg. Etwa 10 000 Personen machten heute bei Herr- lichem Wetter einen Ausflug. Ein offizieller Umzug war nicht genehmigt. Bei� der Rückkehr nach der Stadt gestaltete sich der Zug zu einer glänzenden Straßendemonstration, die keine Störung durch die Polizei erfuhr. Am Nachmittage fanden zwei große Ver- ammlungen statt.— In fast allen Orten deS Regierungsbezirk» Magdeburg veranstalteten die Genossen Ausflüge, die überall einen glänzenden Verlauf nahmen. Halle. Die Hallesche Polizei hatte sich die Maifeier wieder zu einer Kraftprobe ausgesucht. Im vergangenen Jahre veranstalteten die Genossen einen Umzug, der mustcrhatt verlief. Dies Jahr wurden schon die Gewerkschaften, die von ihren BersammlungS» lokalen in losen Zügen nach dem Boltspark wandern wollten, von der Polizei auseinandergetrieben. In den Ver- 'ammlungen wurde das Verhalten der Polizei auf» schärfste ge- geißelt. Stürmische Entrüstung rief die Mitteilung hervor, daß die Polizei sogar einen Lampenumzug der Kinder wegen Gefahr- dung der öffentlichen Sicherheit untersagt hatte. Nach Schluß der etwa 6000 Mann fassenden Versammlung sperrte» die Polizei das Versammlungslokal ab und ließ nur kleine Grippen von 10 bis 15 Mann nach der Stadt wandern. Es kam dabei zu stürmischen Auftritten: die Polizei nahm eine ganze Anzahl Verhaf- t u n g c n vor. Tie Maifeier in Bremen nahm einen imposanten Verlauf. Auf dem sehr großen Spielplätze der westlichen Vorstadt, in jenem Stadtteile, wo das Gros der Arbeiter wohnt, versammelte sich morgens früh zwischen 7 und 8K> Uhr eine mindestens 20 000 Köpfe zählende Menge. Mit polizeilicher Erlaubnis wurden von drei Tribünen herab kurze, die Bedeutung der Maifeier würdigende Ansprachen gehalten. Arbeitersänger sangen einige Kampflieder, und dann marschierte die gewaltige Menge durch verschiedene Straßen der genannten Vorstadt und der inneren Stadt zum Bürgerpark, wo sich der imposante Zug auslöste. In Tüsseldorf veranstalteten die Genossen anstatt des ver- botencn Maiumzuges einen zwanglosen Spaziergang durch die Stadt. Polizei war nicht zu sehen. Nachmittags fanden Ausflüge und abends in 16 Lokalen Festlichkeiten statt. Die Beteiligung an allen Veranstaltungen war trotz des schlechten Wetters sehr groß. In den Vororten von Düsseldorf: Benrath, Ratingen und Hilden verliefen die von der Polizei genehmigten Maiumzüge unter zahl- reicher Beteiligung musterhaft. Im Wahlkreise Neuß-Grevenbroich fand vormittags eine sehr stark besucht« Versammlung statt. Die Abendfestlichkeiten waren gut besucht. Im Wahlkreise Müncken-Gladbach vereinigte ein Maispazicr- gang die Genossen des Kreises. Die Versammlungen und Festlich- keiten waren bedeutend stärker besucht als in früheren Jahren. Coburg. An dem Demonstrationszug beteiligten sich zirka 1200 bis 1400 Teilnehmer: die Straßen der Stadt waren dicht besetzt, zwei Musikchöre marschierten im Zuge, den Radfahrer mit gc- schmückten Rädern erösftieten. Das Versammlungslokal, die Ver» einsbrauerei, war überfüllt. Gera. Die Maiseier zeigte hier eine verhältnismäßig schwache Beteiligung. Es waren nur zirka 1000 Personen bei der Vor- mittagsdenionslrattoii. Die Nachmittagsversammlungen wurden durch Gewitter beeinträchtigt. Erfurt. Der Morgenausflug zählte 5000 Personen; nach- mittags fanden Veranstaltungen statt. Die Polizei verhielt sich reserviert.. � � �. Saalfeld. Die Maifeier verlief glänzend. Am Nochmittags- festzug nahmen 1000. an den weiteren Veranstaltungen 2500 Per- sonen teil. > Kassel. Ein Festzug war polizeilich verboten. Die Versamm, lung war von 1500 Personen besucht. Frankfurt a. M. Die Maifeier vollzog sich dieses Jahr unter riesiger Beteiligung. Am frühen Nachmittag waren 10 Versamm- lungen. Nach Schluß dieser Versammlungen zogen die. Teilnehmer in den Stodtwald. Die Polizei ließ den imposanten Zug unbc- helligt und hatte auch nichts dagegen, daß von den Massen Arbeiter- lieder gesungen wurden. Das gemeinsame Fest im Stadtwald verlief ungestört. Im Bezirk Frankfurt a. M., zu dem die Orte Höchst, Wies- baden. Hanau usw. gehören, fanden 49 Versammlungen statt. Teilweise war ein außerordentlich starker Besuch auszuweisen. In einzelnen Orten fanden Umzüge statt. Die Nachmittagsfeicrn per- liefen durchgängig würdig. Harburg. Die Versammlung war von 6000 Mann besucht. Görlitz. Hier fand ein Umzug statt, der über 3000 Personen zählt«. Nach dem Umzug sanö eine Versammlung statt. Guben. Der Festzug mit zirka 3000 Teilnehmern verlief ohne Störung. Duisburg. Die Versammlung war von etwa 10 000 Personen besucht und ist glänzend verlaufen. Solingen. Eine Versammlung unter freiem Himmel war ver- boten. ES fanden dann zwei große Versammlungen statt, die von 3000 Personen besucht waren. Am Ausflug nahmen 2000 Per- sonen teil. Elberfeld. Vormittags fanden in Elberfeld und Barmen zwei überfüllte Versammlungen statt. Die Lokale tvarcn abgesperrt. Nachmittags veranstalteten die Maifciernden einen gemeinsamen AuSflug. Trotz der trüben Witterung beteiligten sich daran viele Tausende. Abends wurden die üblichen Feierlichkeiten abgehalten. Essen. An den Morgenausslügen im Stadt- und Landkreis Essen beteiligten sich zirka 30 000 Personen. Eine große Zabl ammelte sich im Stadtpark. Die überraschte Polizei versuchte rasch die Tore dcs Stadtparks zu schließen; nunmehr aber gingen die Demonstranten durch die Leckalitäten dcs städttschen Saalbaucs nach dem Park und nun bequemte sich die Polizei, die Tore wieder zu öffnen. Mittags marschierten die Genossen in geschlossenem Zuge zurück. Die Polizei versuchte 10— 12m-al die Demonstranten aufzuhalten. Das gelang nicht und schließlich rückte eiiw berit- tcne Abteilung mit blankgezog« ii e m Säbel an Ob Personen verletzt sind, ließ sich bisher nicht feststellen. Bochum. Es fanden Ausflüge in verschiedenen Bezirken statt, deren Gcsaintteilnehmcrzahl 10 000 betrug. Obwohl die Polizei überall in Bereitschaft stand, verlief die Demonstration friedlich Recklingbausen. Die Vormittagsversammlung war von 4000 Personen besucht. Der Redner hatte aber kaum 20 Minuten ge- prochen, als eine Anzahl Gendarmen anvückte, die die Massen auseinandertrieben, da an Festtagen vormittaas kein« Versammlungen stattfinden dürsten. Dresden. Eine einheitliche Feier war infolge der Verweise- rung des städtischen Äusstellungspalastes unmöglich geworden Es fanden daher in 11 großen Sälen Veranstaltungen statt. In langen Zügen unter Vorautritt der Musik zogen die Genossen nack, den Festplätzen. Am Abend fanden zahlreiche Kommerse statt. Leipzig. Die Maifeier wies eine außerordentlich starke Beteili- gung auf. In den Mittagsstunden versammelten sich die Demon- tränten m 13 Lokalen, die sämtlich überfüllt waren Ganz be- anders stark war die Beteiligung der Frauen. Von den Ver- ämmlungslokalen aus zogen die Demonstranten nach dem im Westen Leipzigs gelegenen großen Meßplatz und von dort in ge- schlossenem Zuge durch die«tadt nach dem Brauerciaarten in Stötteritz. Im Zuge spielten zwölf Musikchöre Tie Zabl der De- inoiistrauten wird auf 500 00—60000 acschätzt die Zahl der Gesamtteilnehmer aus 90 000, da sich viele schon vorher'auf den grossen Festplatz begeben hatten, der bei Eirnreften des" Zuges bereits stark besetzt war. Das große Lokal vermochte die Massen nicht zu 'assen. Im Brauerelgarten fanden nachmittags zwei Bersamni- lungen statt, in denen d,c Genossen G et, er und Heinrich Lange sprachen. Mittweida i. Sa. Die Festzugsteilnehmer sammelten sich an drei verschiedenen Punkten der Stadt und trafen auf dem Markte zusammen. Die Teilnehmerzahl am Festzug betrug rund 1600 Perionen. Dem Festzug voran wurde von 2 Männern ein großes Transparent getragen, welche» die Aufschrift hatte:„Wir wollen den Achtstundentag, wir protestieren gegen den Krieg- wir kampicn für Freiheit und Recht!" Der große Schützenhausgarten war der Endpunkt des Festzuges. Weit über 2000 Personen hatten sich dort eingefunden. Chemnitz. Ein zirka zwei Stunden langer D-monstrations. zug, an dem schätzungsweise 50 000 Personen tetlnahmen. fuhrt« die Chemnitzer Arbeiterschaft am Vormittag nach dem Sportplay ,n Altendorf. Tort fanden drei Versammlungen statt. Zehn. touscnde bildeten in den Straßen Spalier. Zittau. Im ersten sächsischen Wahlkreise fanden ,n'3 Bezirken vormittags Ausflüge, nachmi taa« Versammlung» und Kommerse statt.- Im zweiten und dritten sächsisch-n Wahlkre.se wurden gleichfalls zahlreiche Morgenausflüge abgehakten« an denen sich z. B. in Bautzen IIVO Personen, in den Jndustrieorten des zweiten Kreises auch viele Tausende beteiligten. Breslau. Die beiden Vormittagsversammlungen waren außer ordentlich stark besucht. Am Nachmittag fanden in den drei größten Gartenlokalen der Stadt große Volksfeste statt, die von über 7000 Personen besucht waren. Wie in früheren Jahren war auch dies- mal wieder die gesamte Breslauer Polizei unnötigerweise in Dienstl bereilschaft. In der näheren und weiteren Umgegend Breslaus fanden über 30 Aestversammlungen statt, die sämtlich gut besucht waren. Eine bisher noch nie dagewesene Beteiligung wiesen die Mai Versammlungen im oberschlesischen Streikgebiet auf. Schon lange vor Beginn sperrte die Polizei die meisten der Lokale wegen Ueberfüllung. Die gesamte zurzeit in Oberschlesien anwesende Polizei war auf den Beinen. Stuttgart. In ganz Württemberg wies die Maifeier eine imposante Beteiligung auf. Fast alle Mitgliedschaften der Landes- organisation, auch die kleinsten, hatten besondere Feiern veran- staltet. Zahlreiche Frühausslüge, verbunden mit Demonstrations- Versammlungen, führten am Vormittag schon die Genossen zu- sammen. In den größeren Städten, so besonders in Stuttgart, wurden Riesenumzüge veranstaltet. An den Stuttgarter Umzug schlössen sich drei Versammlungen an. Die Versammlungen in Heilbronn, Cannstatt, Eßlingen, Göppingen und in anderen Mittel- städten waren durchgängig sehr gut besucht. Bayreuch. Eine Versammlung unter freiem Himmel zählte 2500 Teilnehmer. Daran schloß sich ein riesiger Festzug. Mannheim. Die Frühversammlung zeigte 6000 Teilnehmer. Im Landbezirk Mannheim fanden am Nachmittag 16 Versamm- lungen, im Landbezirk Heidelberg 10 Versammlungen statt. Freiburg i. B. Die Maiveranstaltungen in ganz Oberbaden wiesen überall große Beteiligung auf. In Konstanz, Singen, Rheinfeldeu, Lörrach fanden zum ersten Male Umzüge statt. Mainz. Ein Demonstrationszug zählte 5000 Personen. Fünf überfüllte Versammlungen schlössen sich an. Strasburg i. Elf. Vormittags fanden fünf Versammlungen statt. Ein für die Stadt Straßburg geplantes gemeinsames Fest im größten Saale der Stadt mußte verlegt werden, da der neue Gouverneur dem Wirt mit dem Militärboykott drohte, falls er sein Lokal den Sozialdemokraten zur Verfügung stellte. Die Abend- veranstaliungen nahmen unter diesen Umständen einen demon- strativen Charakter an. Im übrigen Elsaß verlief die Maifeier nicht minder imposant. Der Umzug in Mülhausen zählte zirka 3000, die Versammlungen 10 000 Teilnehmer. In Saargemünd veranstalteten die Genossen einen Arsflug, und um den Familien die Teilnahme zu ermög- lichen, werden Wagen für den Transport der Kinder gemietet. Die Maifeier in Metz wies gleich starken Besuch wie in den anderen Städten auf. Im übrigen fanden in Stratzburg-Land und in den übrigen elsaß-lothringischen Kreisen eine Menge lokaler Veran- staltungen statt. Gocha. Im Herzogtum Gotha fanden 22 überfüllte Versamm� lungen statt. In der Stadt Gotha wies ein TemonstrationSzug über 3(00 Teilnehmer auf, obwohl dieser Umzug durch ein kurz vorher zicdergegangenes Gewitter beeinflußt war. Jena. Die VormittagSversammlung auf der Grafenmühl insel wies 4000 Teilnehmer auf. Ein Festzug, in dem neben den Baunem der Arbeitervereine auch die rote Fahne des sozialdemo- kratischm Vereins wehte, bewegte sich mit vier Musikchören durch die Stcvt. Köligsberg. Maifeier sehr stark besucht. Tilsit Umzug mit Fahnen Versammlungen in Memel, Rastenburg, Ragnit. Wirzburg. Versammlung von 3000 Personen besucht. � Mmchen. Die Stadt München hat noch nie ein solches Massew aufgebo gesehen, als es die Maifeier auf die Straße bracht«. In 10 Zügm marschierten die Arbeiter mit ihren Familien von den äußeren Vierteln durch die Stadt nach dem Areal der ehemaligen Parsifahalle, wo drei Rednertribünen aufgeschlagen waren. Die Züge fwrten rote Fahnen und entsprechende Embleme mit. Auf dcm Fefplatz wurden die Versammlungsreden eingeleitet durch Lieder ds Arbeitersängerbundes. Nachmittags fanden Festlichkeiten in fünf irotzen Lokalitäten statt. Nüriberg. Der Festzug war sehr imposant. Die Feswcrsamm lung fand in dcm zum ersten Male benutzten Waldpart hinter der Gartenstwt mit über 30 000 Teilnehmern statt. Es redeten Süde- kum, Sützeim und Rechtsanwalt Hofmann aus Hof. Die Stim- mung wa ausgezeichnet. Tarirtmdt. Die Maifeier wurde begangen durch einen Morgen- spaziergai> mit anschließendem Demonstrationszug von 2000 Per- fönen durf mehrere Hauptstraßen. Rcuß i. L. Die Maifeier in Greiz gestaltete sich zu einer ge- waltigen Dmonstration, nicht nur für die Maiforderuugei,. sondern auch gege die geplante Wahlentrechtung. In zwei überfüllten Versammlungen wurde gegen dieselbe protestiert. Nach den Verscnmlungen schlössen sich die Bersammlungsbcsucher zu einem Dmonstrationszug zusammen und durchzogen mehrere Straßen dc Stadt nach Reinsdorf und S ch ö n f e l d. An dem Zuge veteiigten sich zirka 2500 Personen. Vieles, d. Am Morgen beteiligten sich am Spaziergange durch die Stadt 000 Personen. Im östlichen Westfalen und in beiden Lippe fandn noch 22 Ausflüge und Versammlungen statt. Köln, �ic Maifeier im Kölner Bezirk wie in den Städten der südlichen Reinprovinz wies allenthalben riesigen Andrang der Ar- bcitermassc auf. Die Demonstration, die in Köln unter freiem Himmel st cj finden sollte, wurde dadurch vereitelt, daß kein Besitzer wagte, daserforderliche Gelände herzugeben. Aehnlichc Ursachen machten ach ein gemeinsames Volksfest am Nachmittag unmöglich. Es fanden>aher in Köln und zwei Vororten vier überfüllte Ver- sammlunge statt; die Abendfeiern wurden in Lokalen abgehalten. Hannotr. In Hannover-Linden veranstalteten die Genossen einen Aussig nach den Parkanlagen der alten welfischen Sommer- rcsidenz Hewnhausen. Im Anschluß daran wurden drei Versamm- lungen untr freiem Himmel abgehalten. Die Polizei hielt sich völlig fern. Tie Nachinittagsfcstlichkeiten vereinigten die Genossen in sieben Ertenlokalen. Sie litten etwas unter andauernden Gc- wittern. Liegnitz Eine glatte Ueberrumpclung der Polizei, die den Maiumzug wrooten hatte, gelang hier unseren maifeicrndcn Ge- nosscn. Siweranstalteten am Morgen Ausflüge nach vier Nachbar- dörfern. W Uhr brachen die Ausflügler gleichzeitig zur Rückkehr auf; die Zye trafen stch vor den Toren der Stadt und nun mar- schirrten 200 Mann, geschmückt mit roten Abzeichen, quer durch die ganze Sta! nach dem Gewerkschaftshause. Dort fand eine über- füllte Bersmmlung statt. Die unerwartete Strahcndemonstration erregte übcall das größte Aufsehen. Dortmud. An der Maifeier beteiligten sich schätzungsweise 50 000 Mrlchc": an der Versammlung unter freiem Himmel nahmen et* MOOO teil. Altenb�z. Maifeier wurde eingeleitet durch eine Zu- sammenkuns der Örvetter der Stadt und der umliegenden Ort- schaften. V wo die goldverzierten Zunfthäuser, das prunkvolle gotische Rathaus, der historische»Maison du Roi" stehen, landete der Zug. Der Platz war für die Zugtcilnchmcr, die Sänger und Musikanten für die Festkantate reserviert. Um sechs Uhr traf der letzte Teil des Zuges ein. Bald darauf setzten Hunderte Kindcrstimmcn ein, Frauenstimmen folgten, dann der Männerchor und schließlich im ubelnden Finale der wogende Schwall des Ensembles. Dem eurigen Festgesang folgte, von allen jubelnd mitgesungen, die Internationale. Italien. Rom, 2. Mai.(Privaticlegramm des„Vorwärts".) Die Mai- fcier wurde mit völliger Arbeitsruhe ohne Zwischenfall begangen. Es wurden imponicrciide große Umzüge in Rom, Mailand, Turin und vielen anderen Städten veranstattet. Der Tramvcrkehr und die Zeitungsdruckereien ruhten. Auch wurde durch Demonstrationeil der FriedenSSWille des Proletariats gegenüber der europäischen Kriegsdrohung bekundet. Spanien. Barcelona, 2. Mai. Gelegentlich des t. Mai fanden hier drei Volksversammlungen statt, die jedoch alle ohne bemerkens- werte Zwischenfälle verliefen. Abends gegen 7 Uhr fielen auf dem Catalonja-Platze drei Schüsse. Man sagt. Karlisten hätten auf Radikale geschossen. Verwundet wurde niemand; Verhaftungen erfolgten nicht. Holland. Amsterdam, 2. Mai.(Privattelegramm des„Bor- wärt#'.) In Holland nahm die Maifeier ihren gewöhnlichen Verlauf. Festabende und Umzüge in den verschiedenen Städten des Landes wurden von den sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Organisationen gemeinschaftlich veranstaltet. Die Teilnahme war infolge des Feiertages noch stärker. In Amsterdam fanden dieses Mal drei von verschiedenen Stadtteilen aus sich nach dem „Osterpark" begebenden Umzüge statt, wo ein gemeinschaftliches Meeting unter freiem Himmel die Feiernden vereinigte. Ein feiner, naßkalter Regen beeinträchtigte leider die Festtagsstimmung. Ruhland. Riga, 1. Mai. Aus Anlaß des 1. Mai legten die Ar- b e i t e r in mehreren Fabriken die Arbeit nieder und versuchten am Abend eine Kundgebung zu veranstalten. Die Polizei zerstreute die Menge und nahm mehrere Ver- Haftungen vor. Ein Polizeioffizier wurde durch Stein- würfe am Kopfe verletzt. Em Induftnc und Bändel. Kartellbestrebungen im Schiffsbau. Gleich den übrigen Lieferanten von Rüstungsmaterialien wird auch von den Schiffsbaugesellschaften der Weg von Ver- einbarungen zum Zweck der Preishochhaltung beschritten. Wi» die Stettiner Vulcan-Werke in ihrem Geschäftsbericht mitteilen, haben im vergangenen Jahre Verhandlungen mit dem Ziele der Syndikatsbildung stattgefunden. Als dieje Bestrebungen scheiterten, versuchte der Vulcan mit vier an- deren Werften durch Einreichung einheitlicher Preisofferten bei der Ausschreibung eines deutschen Kriegs- schiffes einen größeren Prgfit zu.erzielen. Es heißt darüber im Geschäftsbericht: „Wir haben im Herbst 1012 uns über die ungesunde Wirt- schaftslage unserer Industrie mit den anderen deutschen Werften besprochen, um durch einen Zusqmmenschluß die Erzielung besserer Arbeitsbedingungen zu sichern. Es hat sich aber leider ergeben, daß, wenn auch alle unter den geschilderten Widrigkeiten— einige noch intensiver als wir— zu leiden hatten, der Syndikats- gedanke einzelnen Werftgesellschaften noch zu fremd war und als ein Bewegungs- und Entwickelungshemmnjs empfunden wurde. Nach dem Scheitern dieser Verhandlungen ist dann noch Anfang dieses Jahres bei der Submission um ein deutsches Linienschiff von vier Werften der Versuch gemacht worden, durch Abgabe eines durch Vergleich selbständig aufgestellter Kalkulationen ermittelten einheitlichen Preises die Jnbaugabe eines solchen Ob- jektes mit einem überaus bescheidenen Gewinn anzustreben." Es ist natürlich nicht Schuld der Werften, daß aus diesem Plan eines Schiffsbau-Äinges. der sich den Waffen- kartellen ebenbürtig anreihen würde, nichts geworden ist. Durch die Mitteilungen des Vulcan wissen die Steuerzahler aber, daß die Werften sich auf dem gleichen Wege der Profit- treiberei befinden wie die Kanonen-, Gewehr- und Muni- tionslieferanten. Die 5llagen des Vulcan über schlechten Geschäftsgang erfuhren eine eigentümliche Beleuchtung durch die Tatsache, daß die Werke außerordentlich gut beschäftigt sind. Nach dem Geschäftsbericht sind in Arbeit befindlich noch geblieben bezw, neu hinzugekommen: Das Linienschiff„Ersatz Kurfürst Frie- brich Wilhelm", acht Hochseetorpedoboote und die Kaiserliche Aacht„Ersatz Hohenzollern" für die Kaiserlich Deut- s ch e Marine; ein großer Panzerkreuzer und sechs Tor- pedoboote für die Königlich Hellenische Marine; dxr große transatlantische Passagierdampfer„Imperator", ern Fracht- und Passagierdampfer für den Panamadienst und ejn Passagierdampfer für den Soebäderdienst für die H a m- burg-Amerika Linie, Hamburg; die Fracht- und Passagierdampfer„Sierra Nevada" und„Sierra Cordoba" (inzwischen abgeliefert) für denNorddeutschenLloyd, Bremen: der Fracht- und Passagierdampfer„Cap Trafalgar" für die Hamburg-Südamerikanische Dainpfschiffahrts-Ge> sellschaft, Hamburg; der Fracht- und Passagierdampfer „König Frederik VIII" für det Forcnede Dampskibs-Sels- kab Aktieselskab, Kopenhagen; der Eisbrecher„Zar Michail Feodorowitsch" für das Russische Handels-Ministerium, St. Petersburg; Schifssturbinen und Maschinenanlagen für acht Torpedoboote und einen Kreuzer für die Kaiserlich Russische Marine, soloi'e verschiedene Schiffskessel, Schiffsmaschinen, vierzehn stationäre Dampfturbinen bis zu 26 060 XIV. Einzellcistung, zwei Kompressormaschinen, vier Transformatoren, außerdem 112 Lokomotiven. Wenn trotzdem der Bruttogewinn von 3,96 auf 1,88 Millionen gesunken ist und außerordentliche Abschreibungen notwendig wurden, so müssen dafür besondere Gründe maß- gebend sein. Neben der Preissteigerung der Rohmaterialien durch die Rohstofssyndikate sind offenbar technische Feh- ler bei der Konstruktion dafür verantwortlich zu machen. Jedenfalls sind die„Verluste" des Vulcan derart hoch, daß die Werke nur 966 666 Mark oder KProzent(statt 11 Pro- zent wie im Jahre 1911) an die Aktionäre zahlen können. Schnelle Entwickclung russischer Banken. Die EntWickelung der St. Petersburger Aktienbanken ist aus nachstehenden von dem Kaiserlichen Generalkonsulat in St. Petersburg mitgeteilten Zahlen ersichtlich: 1903 1907 1912 in Millionen Rubel Aktienkapital... 119 159 321 Reserven.... 36 58 154 Depositen..... 437 545 1648 Vor dem Jahre 1903 bestanden in St. Petersburg die Asow» Donbank, Diskontobank, Jndustriebank, Internationale Privatbank, Russenbank, Sibirische Bank, Wolga-Kamabank. Nordische Bank und Russisch-Chinesische Bank. Neu hinzugekommen sind die Russisch- Französische und Russisch-Englische Bank mit je 5 Millionen Rubel Kapital. Das ist ein ganz außerordentlicher Aufschwung, der weniger auf die Gründung neuer Banken wie auf die EntWickelung der schon bestehenden Institute entfällt. Die Bankkonzentration macht also in Rußland nicht geringere Fortschritte als in Westeuropa. Gleichzeitig gelangt auch die schnelle Aufwärtsbewegung der russischen Industrie indirekt in diesen Bankenziffem zum Ausdruck. Die Papiererzeugung eine der größten Industrien. Die größten Industrien, die in Deutschland gewaltig- Massen an Werten erzeugen. sind die Steinkohlenerzeugung, die Roheisenproduktton und die Zuckererzeugung. Zu ihnen ist im letzten Jahrzehnt auch die Her- stellung von Papier gekommen und bildet jetzt eine der größten Bestandteile der heimischen Produftion. Es wurden im Jahre 1910 im Reiche erzeugt: Tonnen Wert in Mark. Steinkohlengewinnung-»» 152 827 800 1526 604 000 Roheisenerzeugung....» 14793600 802851000 Zuckererzeugung/..... 1880 621 544163198 Papier- und Pappeproduktion. 1 790 783 472 568 321 Beinahe eine halbe Milliarde Mark Wert betrug die Produftion, die dabei in starker Steigerung begriffen ist. Denn gegen 190S wurden nicht weniger als 13,7 Proz. Papier mehr erzeugt. 'M Eier..70,80 Kortoffeln,?: 75 Pf. Pf. Die mit bezeichneten Artikel sind von der Zusendung ausgeschlossen Tafelbutter ff............... Pfund 1,28 Frische Gurken..... stuck 30, 40�- Kopfsalat...................... Kopf Spinat....................... 2 Pfund lApt Junge Mohrrüben........... Band ZO?-. Junge Kohlrabi.............. Bund 25� Rabarber........................ Bund 5?� ÄJandorf&e Spittelmarkt Belle-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Lebensmittel Wurstwaren Cervelat- oder Salamiwurst.... Pfand 1,35 Teewurst..................... Pfand 1.10 ff. Leberwurst............. Pfand 1.1© Landleber- od. Rotwurst I Pfand 95?f. Rouladenwurst............. Pfand Ign. Zwiebel- od. Rotwurst..Pfand 55 pp. Speck p/ünd 78 pt. Specks 95 pf. Nusschinken................. Pfand 1,35 Soweit Vorrat. Verkauf nicht an Wiederverkäufer. Lebensmittel nicht am Spittelmarkt, Kaffee V» Pfand-Paket 65,70,75pt' Kakao.................... Pfand 65,95Ff. Haushalt-Schokolade...... Pfand tzgpf. Kronen-Keks.................. Pfand HO? Backobst(Spezial-Mischung) Pfand 45pf. Pflaumen...................... Pfand 23 pf Gemischte Marmelade..... Pfand 28". [ Frischer Spargel Pfand 25, 45 8 Puddingpulver 28p Vanlllen-Sauoen-Pulver 3?� 20� Hlmheersaft 95,?ia-'ck° 50 Apfelwein................ 3 Flaschen 95pf. Bowlenwein................«asche 78? Johannisbeerwein........ Fia-ch- 80? Frischer Maltrank""" nMSS"- .'Frisches Fleisch Schinkenspeck pfd 1.20 pf. Schweineschinken SS Schweinebauch.�7 5*. Kalbsbrust oder Kamm..Pfund M 'pf. Kalhsbug.......... Suppenfleisch Schmorfleisch Pfand 00 65 .Pfund 1 Pf. mit Knooh. ..... Pfand 35 Pf. Rilckenfett.......................... 60» Kassier.......................—85» Sessel mit sitz. � 35 EisenmöbeE Stühle..... 195,2.45 Tische Ä cm 6.50 Bänke..... 5.25,6.25 Fussbänke... 70 pi. Schweizer Käse....Pfand 35, 95 Pt Tilsiter Käse................. Pfnnd 35?.. Limburger Käse........... Pfand 5© p-. Brie-Käse..................... Pfund 55pi. Zitronen............ Dntzend 35, 45 p� Ananas................. Pfand 75, 35". Austral-Aepfel....... Pfand 30, 4© 1 Korb-Stuhl � nnd Rückenpolster. /,25 Holzmöbel, zusammenlegbar Stuhle...... 1.95, 2.90, 3.50! Tische Platte ca. ssxso cm 4.50 Tische mtc ca. 50x70 cm 3.25 Bänke.................... 5.25 Liegestühle... I.95 Liegestühle mit Armlehne. 2.50 Verkaufsstelle für Abonnementsmarken der Grossen Berliner Strassenbabn und der Allgemeinen Berliner Qmnibus-Aktien-Geseilschaft SeSSel mithoher Lehne moderna Formen* neue Muster ,.19.- 25.- 32.- 39.- 45,- 55.- 65.-«75. f vi schicke Fassons .23.-27.-33.-39.- 45:52:58:65: J5: Große i-ief Knaben- u. Jünglings- Konfektion, Burschen- Anzüg., Knaben-Stoff- u.Wasch-Anzügenetc. onats-Garderobe Von Kavalieren getragene Ulster, Jackett-, Rock-, Frack-, Smoking-Anzüge, teils auf Seide gearbeitet, sowie großes Lager in neuer eleganter Herren• Garderobe wegen Umbau zu besonders billigen preisen. Türkischer, Prinzenstf.79«.w Zentralto inod.BeiTeBeMeil!i!i L: Aiene Friedrlclstr. 35 an her Zentral-Matihalle II.; Tnrnistr. 67, I. 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Geöffnet von»-7| hl.. sonst gebe ich jedem m SciDlaj, lies t Iii, liis5sBjlagJ.15Jaii(|. eine Schwarzmalerei Groß© 42 X SO CITi mit eleganter Aufmacbn2> sich in dieser Zeit eine Matt-Aufnahme bes:lk. o |f| 1Ian achte genau««' ü? n.Ausfährnng meiner Gratisbildr••• Kerantwortlicher Retxlktetrr: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Jnferatenteilverantw.iTh. Glocke, Berlin. Druck».Verlag.-Vorwärts Buchdruckerei s. Verlagsanstalt Paul Singer».Co., Bern SMt Kr. 106. 30. Iahrgavg. 2. KW im Jotiünrto" Krlititt UcksM Zonnabtnd, 3. Mai 1913. Las will die Sozialdemokratie? Die Sozialdemokratie fordert das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht zu allen gesetzgebenden und Vcrwaltungskörperschaften: hie Sozialdemokratie fordert die Beseitigung des Herrenhauses mit feinen willkürlich ernannten und„geborenen" Gesetzesgebern. Nur ein aus dem gleichen und ge- Heimen Wahlrecht hervorgegangener Landtag soll die Gesetze machen; die Sozialdemokratie� fordert die Abschaffung aller Lorrechte der Adclskastc, der Fürsten und Rcichsunmittelbarcn; die Sozialdemokratie fordert die Trennung der Kirche vom Staat; die Sozialdemokratie fordert die llnentgcltlichkcit des Schul- Unterrichts� einschließlich der Lehrmittel. Die Kosten soll der Staat tragen. Nur die geistig dazu ver- anlagten Kinder, diese aber auch alle, sollen auf _. Achten des Staates die höheren Schulen besuchen'. die Sozialdemokratie fordert die Schulspeisung für bedürftige Kinder; die Sozialdemokratie fordert die Beseitigung der geistlichen Schnlanfficht; die Sozialdemokratie fordert die llebcrnahmc der Armenlastcn auf den Staat; die Sozialdeniokratie fordert die Abschaffung der Gutsbczirke; die Sozialdemokratie fordert den Ans bau der Fabrikinspektion; Anstellung von Kontrolleuren aus den Kreisen der _ Arbeiter, von diesen selbst erwählt; die Sozialdeinokratfe fordert Abschaffung der Gcsindeordnung und Ausdehnung der Geiverbcordnung auf alle gegen Lohn beschäftigte Arbeiter und Arbeiterinnen; die Sozialdemokratie fordert volles Vereins- und Lersamnilnngs- � recht für die Landarbeiter; die Sozialdemokratie fordert Krankcnvcr'icherung für alle in ländlichen Betrieben Beschäftigten, ferner für die � Pächter und kleinen Bauern, soivic deren Frauen; die Sozialdemokratie fordert Steuerfreiheit für alle Einkommen bis 1300 M.; allmähliche Erhöhung der steuerfreien Grenze bis auf 3000 M.; von da an mäßig ein- setzende und stark progressiv ansteigende Einkommen- steuer; die Sozialdeniokratie fordert Verstaatlichung des gesamten Medizinalwcsens; die Sozialdemokratie fordert obligatorische Hcbammenhilse; die Sozialdemokratie fordert die Bcamtenverantwortlichkcit; die Sozialdemokratie fordert die Demokratifferung des gesamten Staatswesens. km freien Felde bei Hannover. „�Gebaut wird er doch!' So war das K ö n i g Z w o r t über den Mittellandkanal, der das Meer und den Rhein mit der Elbe und dem deutschen Osten verbinden sollte. Gebaut wurde er doch nicht. Es darf nichts geschehen, was etwa gar die Einfuhr des argentinischen Weizens verbilligen könnte. Der Profit der Junker darf in ihrem Preußen nicht geschmälert werden. Die Kanal- rcbellen von einst sind wieder'in A m t und Würden, höher stehen sie als jemals zuvor k Sie' haben gesiegt: im freien Feld bei Hannover versumpft der glorreiche Mittellandkanal! Her mit dem Denkmal ins freie Feld bei Hannover:„Hier endigt der vom König, aber nicht von den Junkern gewollte Mittellandkanal!" 5echkec Verbaudstlig des Zentralverblindes der Fleischer und Kerufsgenlilsen Deutschlands. Dresden, 30. April. Ten Bericht der Beschwerdekommission gab Gayer-Köln; die Beschlüsse der Kommission wurden angenommen; danach wurde der Ausschluß Becker- Leipzig unter gewissen Bedingungen wieder rückgängig gemacht; andere Ausschlüsse und verweigerter Rechts- schup wurden zu Recht bestehend erachtet. Für die Ztatutenberatungslommission berichteten Schäfer- Berlin und T e ch a n- Hamburg. Tie Debatte über diesen Bericht war sehr ausgiebig; sie erstreckte sich auf die Unterstütznngscinrich- tungen, auf die Znsammensetzung der Schiedsgerichte usw.— Am Arbeitslosen unter st ützungs-Re g u l a t i v wird eine neue Klaffe angefügt, die für männliche Mitglieder nach der Mit- gliedschaflsdancr von 416 Wochen pro Tag 1,60 M., auf die Tancr von 6 Wochen iin Gesamtbeträge von 54 M.; für weibliche Mit- gliedcr nach 260 Wochen pro Tag 1 M., ans die Dauer von S Wochen im Gesamtbeträge von 30 M. betragen soll. Tie K r a n k c n n n t e r st ü tz u n g wird insofern geändert, daß für ältere Mitglieder die Bezüge etwas erhöbt, für jüngere etwas ermäßigt werden. Ferner wird zu dieser Materie beschlossen: Bei jenen Mitgliedern, welche bei Krankheit den Lohn weiter erhalten, beginnt der Bezug der Erwerbslosenunterstützung erst mit dem Tage, wo die Weiterzahlung deS Lohnes aufhört. Die Karenz- zeit gilt in solchen Fällen als erledigt, wenn der Lohn mindestens acht Tage weiter gezahlt wird. Wird der Lohn für weniger als acht Tage weiter gezahlt, so werden diese Tage mit in die Karenz- zeit eingerechnet. Als neuer Unterstützungszlveig gelangt die Sterbeunter- st ü tz u n g zur Einführung. Beim Todesfall eines Mitgliedes kann den Hinterbliebenen: Ehegatten, Personen, die in häuslicher Gemeinschaft mit dem ver- storbenen Mitglicde gelebt haben, unmündigen Kindern, Eltern und Geschwistern, letzteren jedoch nur dann, wenn sie zu dem Verstorbenen in einem Fürsorgeverbältnis gestanden haben, ein Sterbegeld gewährt werden, und zwar nach folgenden Sätzen: Für männliche Mitglieder: Nach Entrichtung von 5'2 Wochenbeiträgen 23 M. ..... 104„ 35„ „ 156, 45. „ 260„ 60. „„„ 364„• 3„ . 320„ 90„ Weibliche und jugendliche Mitglieder erhalten die Hälfte der Unterstützung von den für männliche Mitglieder gezahlten Sätzen. Dieselbe beträgt h'z der festgesetzten Beerdigungsbeihilfe für mann- liche Mitglieder. Ebenfalls gelangt eine Umzugöunterstützuilg zur Einführung. Diese Unterstützung geschieht in Form eines Darlehens auf ein Jahr und lan» nur einmal im Jahre erhoben werden. Besteht die Mitgliedschaft ein Jahr nach Empfang einer als Darlehen gegebenen Umzugsunterstiiyung noch fort, so erlischt nach dieser Zeit das Darlehen. Scheidet jedoch das Mitglied innerhalb eines Jahres nach dein Unterftützungsempfang'aus, so ist es verpflichtet, die erhaltene Unter- stütznng zurückzuzahlen. Die Umzugsunterstützung beträgt bei 25— 50 Kilometer bis zu 10,— M. 30— 100„„„ 15,—„ 150„„„ 20.—„ 200„„„ 25,-„ 250„„„ 35,—„ bei größeren Entfernungen 40,—„ Verheiratete weibliche Mitglieder erhalten bei einem Beitrag: von 25 Pf. die Hälfte der vorstehend angeführten Grundsätze. Sind beide Ehegatten Pkitglied dcL Verbandes, so wird bei einem Um- zuge das statutengemäße Umzugsgeld für beide bezahlt. Das Um- zugsgeld ist möglichst erst am Änzngsort auszuzahlen. Die Reise Unterstützung wird um den letztstchcndcn Absatz ver- bessert. Dieselbe wird gewährt: bei einer 13wöchenil. Mitgliedsch. pro Tag u. Zahlst. 1 Ms bis 22 M. bei einer 32wöchcntl. Mitgliedsch. pro Tag u. Zahlst. 1 M. bis 30 M. Ferner beauftragt der VcrbandSiag den Hauptvorstand, im Laufe der kommenden Geschäftspcriode die hier geäußerten Wünsche in bezug auf Staffelung der Beiträge zu prüfen und eine Vorlage in Verbindung mit dcmentsprechcndcr Neuregelung der Unter- stützungcn anszuarbeilen und diese der vor dem kommenden Verbandstag stattfindenden Gaulcitcrkonfcrenz zur Beratung zu unter- breiten. Tic Mhalisrcgulicrung wurde nach läugcrcr Debatte, an der sich auch Genosse Bauer, Vertreter der Gcucraikommissiou, be- teiligic, wie folgt geregelt: Das Grundgehalt aller Beamten beträgt nach de» Beschlüssen des Stuttgarter Gewerkschaftskongresses 2000 M. und soll für den Hauptvorstand bis 3000 M., für die Orts- und Gaubeamtcu bis zu 2600 M. steigen. Dazu soll ein Wohnungszuschuß von 10 resp. 5 Ml pro Monat gewährt werden. Tie Steigerung soll während der ersten drei Jahre je 100 M., während der folgenden Jahre je 73?N. betragen. lieber die gelbe„mcistcrtrcuc" Grselleiibewegung sprach Berg m a n n- Berlin. In seinem instruktiven Referat kam zum Ausdruck, daß die gelbe Organisation dem Zentralverband nirgends groß geschadet, stellenweise aber sehr genutzt hat. Nag' Redners Ansicht hat der gelbe Verband seinen Höhepunkt über- schrkttcn. Zur Orientierung über die geplante„gewerkschafilich-genosserm schaftliche Volksfürsorge" hielt Genosse Bauer-Berlin ein erläuterndes Referat, wofür ihm reicher Beifall gezollt wurde. Tie Berichterstattung über den verflossenen Gewerkschafts- kougreß wird von der Tagesordnung abgefetzt. Tie Wahlen der Verbandsbeamten ergeben die Wiederwahl von Henfel als Vorsitzenden und Krause als Kassierer. Als Re daktcur wird Bergmann- Berlin gewählt- und die Kollegen immer mehr in dem Verband zu vereinen, danii: das Gros der Fleischer in die Lage kommt, ihre Lohn- und Arlieits- bcdingungcn durch die Kraft ihrer Organisation zu verbessern. Serickts- Reitling. Zum§ 153 der Gewerbeordnung. Vor dem Schöffengericht Havelbcrg hatte sich in der vergangenen Woche eine größere Anzahl streikender Binnenschiffer, Maschinisten und Heizer wegen angeblicher Verletzung des ß 133 der Gewerbeordnung zu ver antworten. Tic sämtlichen Angeklagten wurden durch den Rechtsanwalt D r. H c i n c m a n n- Berlin vertreten. Dieser legt dar, von der Anwendung dieses Paragraphen könne schon deshalb keine Rede sein, weil der Streik, gegenüber dem Mißbrauch, die Binnenschiffer bis zur Erschöpfung zu br schäftigen, lediglich das Ziel verfolgt habe, ihnen eine f ü n f- st n n d i g e N a ch t r n h e zu gelvähren. Darauf aber hätten die Angestellten nach der Gewerbeordnung und dem Bürger- lichen Gesetzbuch einen gesetzlich crzwingbaren Rechtsanspruch. Es sei unzulässig, die Arbeiter durch Ueberanstrengung gesund hcitlich zu Grunde zu richten. Diesem Standpunkt ist auch das Reichsgericht gefolgt. Es habe jüngst dieSchlafwagengesellschaft zu vollen: Schadensersatz verurteilt, weil ein Schlafwagen schaffncr. dein keine ausreichende Nachtruhe gewährt worden sei, durch Ueberanstrengung an seiner Gesundheit schwer geschädigt wurde. Der Streik habe somit nur Forderungen zun: Gegenstände, auf die die Arbeiter einen Rechtsanspruch hätten. Der Streik bezwecke somit nicht die Erlangung g ü n st i g c r Lohn- und Arbeitsbedingungen, mithin scheide die Anwendung de»§ 133 ohne Wetters ans. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen durchweg an und erklärte den § 153 für unanwenddar. Infolge dessen wurde eine Reihe Angeklagter ohne weiteres freigesprochen, bezüglich anderer, bei denen möglicherweise Nötigung vorliegen könne, erklärte sich das Schöffengericht für unzuständig. Die Gründe des Urteils gingen dahin:„Es handelt sich um einen Schifferstreik, in den: die Streikenden zur Zeit der geschilderten" Vorfälle nur noch die Gewährung einer regelmäßigen fünfstündigen Nachtruhe forderten. Ist aber d:e Forderung der Streikenden lediglich noch die Gewährung einer fünfstündigen Nachtruhe, so fordern die Arbeitnehmer nur etwas, worauf sie gemäß§ 318 Abs. 1 B. G. B.. K 120» G.-O. bereits einen gesetzmäßigen Anspruch haben. Denn wenn der Unternehmer die Dienstleistungen„so zu regeln hat", daß der Arbeitnehmer„gegen Gefahr für... Gesundheit so weit geschützt ist. als die Natur der Dienstleistung es gestattet"({; 018, Abs. 1 B. G. B), so ist er zweifellos privatrechtlich ohne Rücksicht auf fehlende oder entgegenstehende Partcivereinbarnng verpflichtet, dem Arbeitnehmer eine regel Liemes feuUleton „Bilder vom Kricgi-schauplatzc." Da ist im Verlage Köhler in Minden ein Buch erschienen: ,.K r i c g s a r c u c l". Um es vor- wegzunehmen: schleckst, ungeschickt vcarbcilet. in unmöglichem Deutsch geschrieben. Aber es hat ein Gutes. Unter den vielen Ab- bildungen, die anmuten wie Illustrationen zu..Waldemar, der Originalräuver deS Spessarts oder das blutende Herz"— unter diesen Abbildungen sind ein paar Photographien vom Kriegsschau. platz. S. 43:„Tie Bollstreckung des Todesurteils". S. 41: Letztes Gebet vor der Hinrichtung", S. 79:„Verwundeter türkischer Soldat aus dem Operationstisch". Das ist es. Das wird viel zu wenig bei uns gemacht. Solche Photographien sollten massenhaft gebracht werden. Berichte, ffr- Zählungen, Telegramme: es wird so viel gelogen. Aber hiergegen gibt es keine Zweifel, kein Abstreiten ist da möglich— das war so! Dieses Ding, das ganz in weiß, in einer weißen Zipfelmütze, an einem Baume bammelt, ist ein Mensch, und die Umformen da herum gehören Menschen, ja, man sollte es kaum glauben, aber �»4- 5,1 nkll? n/>S'•Tlr T.X.____ r• v � El.«. ii*iS rtfnij-n- wie wujiuujiuencDtc Mo.:u(an muß der Komitatschis einmal gesehen haben, nm die messerstechenden Zuhälter und Bandcnsührcr. die Frauen gciwlzüchtigt haben, die rauben, die alles totschlagen, angefeuert von besoffenen Psasfcn, nicht mehr ernst zu nehmen. Was da unten getrieben wird, das ist kein Krieg. Tos ist ein? unendliche Reihe von Verbrechen, die um ihrer selbst willen verübt werden, nicht einmal um dieses Handels willen, den wir btsher als„Politik" in den Blättern vorgetischt bekommen. Mehr Bilder! In einer großen Bertiner Zeitung sind dieser Tage Photo- graphiett aus dem Balkan eingetroffen, die natürlich nicht ver- ofsentlicht wurden. Da wh man. mie in den Stachelverhauen die Leichen hingen, die nicht mehr herauszubekommen waren, da sah man die toten Pferde mit den verfaulten Leichen der..Helden" darunter.-- Das sollte man immer und immer wieder ver- öffentlichen!! So sollte man zeigen: das kann dir blühen und deinem Bruder und deinem Mann, wenn es eiilinal den internationalen Waffenfabriken einfallt, die Vaterlandsliebe aufflammen zu lassen! Das Recht der Regisseure. Von der Vereiniguiig künstlerischer Bühnenvorstände einberufen, tagte gestern im Motivhaus zu Ehar- lottenburg der erste d c u t s ch c R c g i e k o n g r e ß. Den Kern der Erörterungen, die den critcn �ei: der Tagesordnung ausfüllten. bildete die Frage nach dem Recht der Regisseure. Dr. Karl Heine, der Vorsitzciidc dcs Kongresses, sagte, die Regie sei heute noch ein zaunloses Feld, auf dem jeder ungestört ackern und Früchte ein- geimsen könne. In mehreren Reden wurde die wichtige Rolle des Regisseurs gekennzeichnet, der zwischen Thcaterlcitung und Schau- spielerschaft sieht und die Umsetzung der Arbeit des Dichters in die schauspielerische Leistung künstlerisch veraiiiwortungsvoll au eitt- scheidender Stelle zu regeln Hai. Dr. Karl Hagemann kennzeichnete an Beispielen den grundlegenden Regiceiufall. Leopold Jeßncr, ein Schüler Karl Heines, sprach in kTrnig geformten Sätzen seine Meinung über die künstlerische Bedeutung des Regisseurs, der kein Bureaukrat sondern ein ernsthafter Kenner der Pspche des Schauspielers sein müsse, aus. Rechtsanwalt Dr. Roscnfeld ging den juristischen Inhalt der Frage durch. Der Entwurf zum Reichs- theatergesetz läßt den Regisseur völlig außer acht. Tie Arbeit des Regisseurs ist gesetzlich nicht geschützt, aber sie könne auch nicht geschützt werden, und sie sei auch nicht schutzbedürfttg und schütz- würdig. Tie Besprechung der Schutzsragc förderte keine Gesichts- punkte zutage, an die die Gesetzgebung erfolgreich anknüpfen könnte. Auch die Forderung, den grundlegenden Regieeinsall zu schützen, eröffnet keine Aussicht ani eine sichere Regelung. Der zweite Teil der Tagesordnung des Kongresses brachte mehrere Vorträge über die Praxis der Regiearbeit. Eine geophhsskalische Warte wird demnächst in Essen eröffnet werden. Sie ist großzügig organisiert. Die dort regelmäßig au- zustellenden Beobachtungen erstrecken sich weit über den Bereich der meteorologischen Observatorien. So sollen zum Beispiel iiach Angaben der„Frankfurter Zeitung" regelmäßige Mcssuugcn deS Staubgehalts� der Luft und llntersuchungen über die Beschaffen- heu dieses Staube? und über die Polarisatioiisverhältnisse des Himmels sowie photometrische Bestimmungen der TageShclligkeit vor- genommen werden. Ferner werden Richtung und Stärke des Windes in großen Höhen durch Piloiballonaufftiege regelmäßig bestimmt. Daun will mau auch die VentilatiouSverhältnisse bei der Heizung von Krankenhäusern tisio. bestimmen, sowie Untersuchungen über die Beziehungen der Schlagwetter zu den Luststärkeverhöltnisseu anstellen. Ein weiteres Gebiet des Studiums stellt der Einfluß der Feuerungs- kamine und industriellen Anlagen auf die Beschaffenheit der Luft dar. Wetterprognosen für das rheinisch-westsälische Industriegebiet und das untere Sauerland werden nicht fehlen. Eine vorgeschichtliche Waficnfadrik. Eine„Fabrik" aus der Steinzeit, in welcher Waffen und anderes Kriegsgerät hergestellt wurden, ist bei Aberystwilb, in der Grafschaft Cardigan in Süd- Wales, entdeckt worden. Man fand Hunderte von Pfeilspitzen, Hunderte von Lan-enspitzen, Hunderte von Steinen, die als Hämmer, Keulen, Messer und Schabeisen benutzt winden, u. a.; die Pfeil- spitzen besonders sind überraschend gut gearbeitet; sie sind so spitz und scharf, wie wenn sie aus Stahl hergestellt wären. An derselben Stelle fand man Ueberreste von Gefäßen und von Knochen, die so bearbeitet lvurden. daß sie als Behälter benutzt werde» konnten. Ein englischer Forscher hat festgestellt, daß die gefundenen Gegen- stände aus einer Zeit stammen, die unmittelbar der de? Höhlen- menschen folgte. Notizen. — D i e S e z e s s i o tt u n d die I u b i l ä um saus- st c l l tt tt g. Gegenüber den Mitteilungen de» Prof. Kallmorge» läßt die Sezession feststellen, daß ihre Forderung, als gleichberechtigt mit dem Verein Berliner Künstler anerkannt und von der Regierung offiziell eingeladen zu werden, nicht erfüllt wurde und sie daher die Beteiligung an der JubilämnSansstelliiitg ablehnen mußte. — B ü h n e n ch r o n i k. Das geplante Sommergastsvicl in der K n r f ü r st e n o p e r mußte verschoben werden. Die erforderliche SpielerlmtbitiS fehlt noch. Der Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit konnte noch nicht erbracht werden.— Fritz C o r t o l e z z i s ist von Direktor Hagin für die musikalische Oberleitung der Berliner K r o l l o p e r verpflichtet worden. — P i e r p o n t M o r g a n s K u n st s a m m e l w u t wird jetzt ziffernmäßig illustriert. Die Verträge nämlich, die zur Versicherung der Kunstschätze des verstorbenen Milliardärs abgeschlossen wurden, haben eine Höhe von— 23 Millionen Dollars. — Großstadtkultur. Die Eiimahmeit der Pariser Theater im letzten Jahr übertreffen alle früheren Ergebnisse. Die Ein- nahmen der StaatStheater stiegen von 9,3 auf 10 Millionen Frank. die der übrigen Theater von 23,3 auf 24 Millionen. Die Zunahme ist hier also nicht sehr� groß. Dagegen erhöhten sich die Einkünfte der Kinos von 2,3 auf 6,3 Millionen Frank und' die der sogenannten „Cafö-eoncertS" von 6.8 auf 9,2 Millionen Frank. Das typische Bild! — Film dichter Maeterlinck. Das Filmkapital fängt eine Dichterzugkrast nach der andern ein. Eine Pariser Gesellschaft hat jetzt MaSterlmcks„Blauen Vogel" für den Film ausnehmen lassen, und zwar in der Darstellung deS Theaters Rsjane. Wie e? heißt, will Maeterlinck auch den Internationalen Kongreß der Film- Autoren präsidieren, der im Herbst in Paris tagen soll. — Eine Theater sperre. lieber das seit geraumer Jeff wackelnde Stadttheater in Bautzen ist von den vereinigten Organ:- sattonen der Bühnenangehörigen die Sperre verhängt worden. Die Misere des Theaters hängt mit der Gleichgülttgkcit des zahlungS- fähigen Publikums gegenüber ernstgemeinter Bühncnarbeit zu- sammen. E i n M o d e r n i st e n- D r a m a. Der ehemalige Priester und Führer des demokratischen Modernismus in Italien, Abgeordneter Äomolo Murri, hat seinen Konflikt mit der Kirche in einem Drama„Arrestati, o Paolo" behandelt. — Das Privilegium der Steuerzahler. Den Be- wohnern von Nizza kommt die Vergnügungssucht der Fremden teuer zu stehen. Die Blumenschlachten, die aus der Nizzaer Promenade stattfinden, werden ans dem Stadtsäckel subventioniert. Die letzte deranige Schlacht hat aber bei fast einer halben Million Frank Gesannkosten ein Defizit von 140 000 Frank erbracht, und da» müssen nun wiederum die Steuerzahler Nizza? decken. Ihr Privilegium l rvifjige fünfslündigc Nachtruhe zu gewähren. Eine geringere .Nachtruhe ist gesundheitsgcfährlich im Sinne der augeführten Vorschriften, und für die Annahme, daß das Wesen des Schiffahrtsbetriebes der Gewährung einer fünf- slündigen Nachtruhe entgegensteht, liegt keinerlei Anhaltspunkt Nor, da diese durch Einstellung vermehrter Arbeitskräste, Ein- führung häufigeren Schichtlvechsels usw. ermöglicht werden kann und muß. insoweit sie etwa unter den bisherigen Vcr- Hältnissen nicht durchführbar war. Hatten so die Streikenden ans das, was sie durch den Streik erstrebten, bereits einen gesetzmäßigen Anspruch, so handele es sich bei dem vorliegenden Streik um keine„Ver- abrcdung zum Behufc der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen" im Sinne des 152 G.-O.' Tciin es fallen, wie auch das Neichsgericht wiederholt entschieden hat, unter diese Norm nur solche„Verabredungen", die die Er- reichung von Ansprüchen bezwecken, welche den Streikenden nicht schon o h nj: d i c s kraft Vertrages oder Gesetzes zustehen. Erstreben die Streikenden nur die Durchsetzung eines ihnen schon zustehenden, nur noch nicht verwirklichten Rechts, so handelt es sich nicht um die„Erlangung" von günstigen Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern um ihre„Ver- w i r k l i ch u n g". Für die Anwendung des 8 153 G.-O., der auf den j? 152 a. a. O. Bezug nimmt, ist sonach ini vor- liegenden Falle von vornherein kein Raum, ohne daß auf die Frage eingegangen zu werden braucht, ob die Drohungen einen Bestiminungsversuch seitens des Angeklagten darstellen." Start ist es, daß ip solchen Fällen überhaupt Anklage erhoben wird._ Unterschlagungen und Fälschungen eines Ponamtsvorstehers lagen einem umfangreichen Prezcß zugrunde, der mckrere Tage hindurch das Schwurgericht des Landgcrichls III beschäftigte. Unter der Anklage der forlgesetzten Amtsuntersehlagung in Verbindung mit Rcgistemlschung und schwerer Urkundenfälschung hatte sich der frühere Postvcrwaltcr Maximilian Guthmann aus Hohcnschön- hausen vor den Geschworenen zu verantworten. Ter Angeklagte bat im Jahre 1901 die Prüfung als Postasfistent bcstanden. Als im Jahre 1999 die bis dahin bestehende Postagentur in Hohenschönhausen in ein Postaint dritter Klasse umgewandelt wurde, wurde er auf seinen Wunsch hin zum Vorsteher des neuen Postamts ernannt, welches gleichzeitig auch in ein dem Angeklagten und seinen Geschwistern gehöriges Grundstück in Hohenschönhausen gelegt wurde. Dieses Grundstück war bis über den Schornstein hin- aus mit Hvpotücken belastet. Durch den notwendig gewordenen Um- bau für dw Postzwccke und durch die Anschaffung der Innenein- richtung, war G. gezwungen, weitere Kapitalien aufzunehmen, so daß er schließlich an zahlreichen Stellen Zinsen zahlen mußte, die fair mit seinem gesamten Einkommen balancierten. Als er schließ- lieh nicht mehr aus und ein wußte, machte er allerlei Schiebungen mit Postanweisungen, durch die er in die Lage versetzt wurde, die auf den Postanweisungen verzeichneten Geldbeträge längere Zeit zu seiner Verfügung zu behalten und dringende Verbindlichkeiten da- mit erfüllen zu können. Es handelt sich im wesentlichen um ein Hinausschieben der Auszahlung der Postanweisungsbeträge; am letzten Ende ist der Postfiskus mcht geschädigt worden, da alle Bc- träge schließlich vom Angeklagten gedeckt worden sind. Auf Grund wiederholter Bcschwerdeit über Unregelmäßigkeiten im Post- anweisungsvcrkebr nahm Postrat Libbert eine unvermutete Revision vor: es wurde dabei ein Zettel beschlagnahmt, auf dem der An- geklagte über seine Schiebungen gewissermaßen Buch geführt hatte. Da der Angeklagte jene Manipulationen mit den Postanweisungen in so raffinierter Weise vorgenommen hatte, daß selbst bei Ncvi- sionen eine Aufdeckung der Straftaten nur durch einen reinen Zufall möglich war, fand die Verhandlung wegen Gefährdung des Staatsinterrsses zum Teil unter Ausschlus, der Deffentlichkeit statt. Die Geschworenen bejahten die Schuldsrage unter Zubilligung mil- dcrnder Umstände. Das Urteil lautete auf 9 Monate Gefängnis. L-tsch Ze79. Eine Beleidigungsklage, die eines humoristischen Einschlags nicht entbehrte, beschäftigte gestern unter Vorsitz des Gerichtsassessors Hcntze die lt8. Abteilung des Schöffengerichts Bcrlin-Mitte. Als Kläger trat der Rechtsanwalt Dr. Frch gegen den von Rechtsanwalt Schumann vertretenen Schutzmann Latsch auf. Vor einiger Zeit batte sich der Schriftsteller Ludwig Lcvi unter der Anklage der Beleidigung des jetzigen Angeklagten Latsch vor dem Strafrichter zu verantworten. Levi war seinerzeit für eine arme Blumenvcrkäuserin eingetreten, die sortwährcnd Straf- Mandate erhalten hatte, und, da sie nichts besaß, beinahe überhaupt nicht mehr aus dem Gcsängnis herauskam. In einer Beschwerde über den Schutzmann Latsch, die Lcvi aus gutem Herzen für die alte Frau angeiertigl haiic, hatte er den Beamten mit„Latsch der drcitausendsechshundertneunundsiebzigste" bezeichnet. Tic Folge war eine Anklage Wege» Beleidigung. In der damaligen Verhandlung nahm d«: jetzige Kläger Dr. Frey auf ti-ne Art schriftlichen Gut- achtcns Maximilian Hördens Bezug, in dem u. a. gesagt wurde, daß der Name Latsch, in jener Verbindung gebraucht, nur bei zimperlicher Empfindsamkeit als eine beleidigende Redewendung an- gesehen werden könne und das Recht auf einen kitzelnden, nicht beißenden Spott nicht in dieser Weise beschnitten werden könne. Nachdem der jetzige Kläger in seinem Plaidobcr den Namen„Latsch" mehrmals wie„Laatsch" ausgesprochen hatte, trat der Beklagte während der Beratung an Dr. Freh heran und apostrophierte diesen folgendermaßen:„Wissen Sic, was ich in meiner Jugend dagegen gemackt habe? Da habe ich einfach von meinem Fanstrecht Gebrauch gemacht." Hierbei batte er in drobcnder Weise die Faust geballt. Wegen dieser Aeußcrung erhob Rechtsanwalt Dr. Frch die vor- liegende Privatklnge. In der gestrigen Verhandlung wies der Kläger darauf hin, daß er sich seinerzeit keinesfalls in ungehöriger Weise des Namens„Latsch" bedient habe, da er sonst wahrscheinlich vom Vorsitzenden des Gerichts zur Ordnung gerufen worden wäre. Rechtsanwalt Schumann erwähnte unter anderem, daß der Be- klagte, da er endlich der fortdauernden Anulkcrei müde sei, jetzt mit Einwilligung des Polizeipräsidenten von Iagow den Namen „Stahl"- führe.— In der-sache selbst kam aus die vermittelnden Vorschläge des Vorsitzenden ein Vergleich zustande: Ddr Beklagte übernahm sämtliche Kosten des Verfahrens und der Kläger nahm die Klage zurück. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den-t. Mai. vormittags g Uhr. Pappelallee UM 7. Ripdorf,„Jdealpassage", und Tegel, schlicpc- stratze 30: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittag? 11 Uhr, Kleine Fraui- snrter Straße 6: Vortrag von Herr» Dr. A. Bernstein:„Piychologie des Kindes'.— Damen und Herren als Gäste willkommen. Ärbeiter- ZSanderverci»„Berlin'. Sonntag, den 4. Mai: Wanderjahrl nach Köpenick— Kiesgruben Müggelheim— Krumme Laake — Rahnsdorf. Abfahrt 6,53 Uhr Schlei. Bahnhof. Gäste willkommen. »........._______„.------■(Fernzug). II. Melchow"Schwärze. Roniicn'licß, Melchow. Abfahrt Stett. Bahnhos 3,53 Uhr«Fernzug). Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekafie der Metallarbeiter» Filiale Pank o iv. Sonnaber.d. den 3. Mai, abends 9 Uhr: General- Versammlung bei Schröter, glorastr. ö/6. mmmmmmmmam Heici@schloß Kohenbinde. Station Grkner...7, um«utenberg". Fernruf Grkner LGi. Romantisch an Wald und Spree. Vereinen, Gesellschaften sehr zu cmpschlcn. Gr. Saal und Glashallc. 2 Kegelbahnen. Möbl. Zimmer. Gute Küche n. Keller. Eig. Motorbootverbindung mit Erkner. Alb. UHmann. Billige Baekartikel. % Eingegangene Drucklcbnften. 1. Hest des 31. Jahrgangs beben wir bervor: Mars Von der„Renen Zeit' ist soeben das erschienen. Aus dcni Inhalt des Heftes und Merkur. Bon Hermann Wendel.— Die Beziehungen zwischen Kraut- heil und sozialer Lage. Eine Abrechnung mit dem„Sozialhngienircr' Mitgdan. Von Dr. med. S. Trucker.— Militarismus und Volkswirlschast. Von Gustav Eckilci». �Schluß.)— Die Unterdrückung des Süddeutschen Eisenbahncrocrbandes. Von Albert Roßhaupwr(Augsburg).— Literarische Rundschau: Professor Dr. Otto v. Zwicdineck-Südcnhorst, Arbeitcrschutz und Ardeiterversicherung. Von Gustav Hoch. Die„Nene Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstalten und Kolporlcnrc zum Preise von 3,2» M. pro Onartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 2.3 Pf. Vom„Wahren Jacob' ist soeben die 16. Nmirmer des 25. Jahr- gangs 16 Seilen stark zum Preise von 10 Ps. erschienen und bringt u. a. eine Würdigung von Richard Wag« er s Leben und Werken aus Anlax der Feier seines 100. Gebmlstagcs aus der Feder Kurt Eisners. Dem Aussatz ist ein vorzügliches Bild des Dichter- komponisten beigegeben. Ter Preis her Nummer ist 10 Pf. Probcnummcrn sind jederzeit durch den Verlag von I. H. W. Dirtz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart, sowie von allen Buchbandliingen und Kolporteuren zu beziehen. Von der„Gleirhheit', Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen. ist uns soeben Nr. 16 des 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Wir sind die Kraft.— Der schlimmste Feind. Von B. Sellnatt,— Maifeier und Arbeiterinncnintcressen. Von G. H.— Ein mutiger Briff.— Tic Erziehimg der Jugend zur Wehr- hasligkcit. Bon Blathildc Wurm.— Warum fordern wir die Freigabe de» Sonnabcndiw.chnüttags? Von Martha Hoppe.— Das Weib und der Krieg. Von Wilh. Paschel.— Erdrückend« Last. Von.1. K. Die.Gleichheit' erscheint alle t4 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.: unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnemenl 2.60 M. Feinstes Kaiser-Lluszugmehl.. Pfd. 21) Ps. „ Deutsches Auszugmchl. Pfd. 18 Pf. „ Weizenmehl..... Psd. 10 Ps. 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Die Neuvermählten. Zwischen den Schlachten. Deutsches. Ter lebende Leichnam. Kaminerfpiele. Einnahme von Berg-op-Zoom. Slniang 8 Ubr. Urania. Gebirge und Erdbeben. Loiling. Stützen der Gesellschast. Königgräuer Straße. Das Buch einer Frau. Theater des Westens. Der Frauen« scesser. Montts Qpcrette«. Der Zigeuner- Primas. Tcutsches Schauspielhaus. Alt. Heidelberg. Bertiner. Filmzaubcr. »teincS. Professor Bernhard!. Tcutsches Opernhaus. Oberon. Schiller O. Die Jüdin von Toledo. Schiller- tkharlottenburg. Zwei Wappen. Komödienhaus. Hochherffchaftliche Wohnungen. Mctropol. Die Kino-Königin. Trianon. Madame Refideuz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppch'cn. Luisen. Zaza. Walhalla. Parole Walhalla! Wintergarten. Svezialltäten. Caiino. Arturs Flitterwochen. Reichshallen. Stetliner Sänger. Aniang 8'/, Ubr. Theater am Rollendorfplatz. Extraznz nach Nizza. Friedr.- Wild. Schauspielhaus. Das Fakmermädchen. LustiPielhauS. Majolika. Rufe. Napoleon Bonaparte und feine Frauen. Folics Kaprice. Die Bank, sein letzter Wille. Der Cowboy. Ansang S1!, Ubr. NeueS Bolkstheatcr. Enist fem. Aniang 9 Ubr. Admiralspalaft. Eisballett: Flirt m St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—42. Schiller-Theater 0®S: Sonnabend, abends 8 Ubr. IMe JUdin von Toledo. SotMlag, nachmittags 3 Uhr: Da» Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Monlag, abends 8 Uhr. Klein Dorrit. Sehiller-Theater°här; Sonnabend, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Sonntag. nachmiltagS 3 Uhr: König I.ear. Sonnlag. abends 8 Ubr: Keoeraphie nnd I.lebc. Monlag. abends 8 Ubr: Ceogruphle und hiebe. Berlin erTheater. s Uhr: Filmzauber. Theater ia der Konliptzer Straße 8 Uhr: Das Buch einer Frau. TheateramKollendotlplatz Nachm. Uhr: 5. Stuff. der Opernschule b. Slmifchcn Konservatoriums. Abends 8',. Uhr: � Extrazng nach Xizza. Theater des Westens. 8 Uhr(„Volkstümliche Preise'): Ber VogelhUiidler. Sonntag u. Montag 3'/. Uhr: 0er liaba Augustin. jilontis öperetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Abends 8 Uhr: Der Zlzrennerprlina». Besidenz-Theater. Abends 8'l4 Uhr: Die Frau Präsidentin. (Madame la Presideme). Schwank in 3 Alten v. M. Henncquin und P. Veber. Morgen und jolgcnde Tage: Ble 4>auPräsldentln. Trianon-Theater. Täglich 8 Uhr: MadaiHß X. Sonntag 3 Uhr: Der selige Toupinel, Den ts ehe» Sehn n»tp leih au» 8 Uhr: Alt- Heidelberg. (Karl Heinz... Harr/ Waiden.) Urania TanbenatraBe 48/40. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr; „Hohenzollern'*- Kahrten. 6 Festvortrag zum 25jähr Jubiläum der Urania(28. 4. bis 4. 5.): 8 Uhr; Direktor Prof. Dr. P. Sohwahn: „Gebirge und Krdbeben(Erinnerungen an den Untergang von Messina 1908)". � OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Täglich abends 8'/, Uhr: ltS�plel iilli'eil Deßak; Napoleon Bonaparte und seine grauen. Kr. Ausstattgsst. i. 4 Akt. v.Wills u.Lutz l-OCISCHER�SSJ GARTEN � Täglich nachm. 4 Uhr: Gr. Militärkonzert. Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10»T ahren die Hälfte. Jahresabonnements an aUen drei Schalterkassen. Voigt-Theater. Badstrafte 58. Sonntag, den 4. Mai r Be! schönem Welter im Garten. Ansang 4 Uhr. Tie Näherin. Posse m. Ges. i. 4 A. v. Held u. Jacobson. Kosstncröstn 10 Uhr. Ansang 4 Ubr. .Tbk Reederei Kaimt& HertZef« billige Dampfer-Extrafahrten. Am Sonntag. 4. Fernsprecher: Königst. 2062 Mai ab WaiconhPÜPlfO vorm. s Uhr nach Driinau-llrampendurg. Nachm. ki d!5>.IIUI UUIttl z nhx nach Driinau-llrampeadurg-lteue Mllhla. Hin und zurück 70 Ps. � Voranzeige! Prinsst-Fahrten.-«q An allen drei Feiertagen nach Teupitz und Neue Mühle. Am zweiten und dritten Feiertag nach Ziegenhals und Woltersdorfer schleuse. Fahrscheine sind auch vorher im Kontor A. d. Stralauer Br. 4/5 zu haben Akklrl>pl>!-71iss!er. Abends 8 Uhr: llle Kino-Königin. Operette in 3 Akte» von JuL Freund nnd G. Okontowsfi. Musif von 4ean Ollbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. IM Bacliniann J. Giarapietro G. Thielscher V. Nortiert H. Bailot J. 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Mai: Ter urlomiidK Posfensehlager t Arlurs Flitterwochen u. das glänzende ersMass. Programm. sonntagnachm.: Tie Hochstapleri«. ScblvB der Saison: Montag, 5. Mai Fsiies Csptiee. Die Novitäten: • Die Bank.• • Sein letzter Wille. D # Der Cowboy.• Ansang 8'/, Uhr. Vorvert. ll-2Uhr. BelchshAllen-Theater Stettilisi 8sngks. Burleske von Messel. Anfang 8 Uhr. _ Jark Beate Sonnabend: Erster Elite-Tag! Doppel- Konzert! Illumination! Monstre-Feuerwerk Entree 1 M- Sals�Mkartcn 3 Bark. wur den Inhalt der Jn.eraie st vernimmt vi« Redatt.on dem Publikum gegenüber ketnerlei Berantwortnng. j ehemaligen Bezirksjührer I Otto Glaser und Frl. Elfriede Brendel I ibie herzlichsten G 1 ü d m ü n i ch c J zur Eheschließung! J Der 822. Bezirk des VI. Kreises. I Todes-Anzeigen f. d. 4. Beri. Reiciisiagswatilkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 332 Ten Mtgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler (ieorz KorcKert Boxbagener Straße 1 gestorben ist. (f-tirc seinem Andenken! Tic Beerdigung findet nm Montag, den 5. Mai. nachmittags 5 Uhr, oon der Leichenhalle des ZentralsriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. »in rege Beteiligung ersucht HV'iS Ter Vorstand. SozialdemokraiisclierWatilverein I.dJ.BErl.ReiEl!Slags-WahIkreis. Slm 30. April verstarb unser Genosse, der Klempner Ludolf I�otileder Schönhauser?lllee72c, Bezirk 575. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem städtischen Friedhose in Zriedrichsselde stallt. Am l. Mai verstarb unser Ge- nosse, der Dreher Otto ktasms Prinz-Eugen-Str. 4, Bezirk 794. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Mai, nachmiltags 2 st, Uhr, von der Halle deS städtischen FriedhoseS. Müller-, Ecke Seestraße, an» statt. Um rege Beteiligung ersucht lde-.r Vorstund. Deutseher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Budolt Rohleder, Schönhauser Allee 72c, am 30. April an üimgenlcibcn gestorben ist. Tie Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Mai. nach- mittags Zst, Uhr. von der steichen Halle de» städtischen FriedhoseS in FriedrichSselde auS statt. Den Kollegen lerner zur Nach- richl, daß unser Mitglied, der Dreher Gllo Blasius, Prinz-Eugen-Str. 4, gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Mai, tiach- mittags 2st, Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen FriedhoseS in der Müllerstraße aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet ll7/ll Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten hie traurige Nachricht, daß meine liebe Frau am l. Mai plötzlich am Herzschlag verstorben ist. __ Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Mai, nachmittag» 5 Uhr, aus dem neuen Zakobi- Kirchhos, Hermannstraße, statt. �oiiis Wildner Schankwirt, Lichtenberg. Friedrich-Karl-Str. 9. Sozialdemokratischer Wahlvereiii für Hiederbamini. Bezirk I.lchtenbcre. Den Mitgliedern zur Nachricht daß unsere Genossin Frau WiBdner verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag. nachmittag» 5 Uhr, aus dem neuen �akobi- Kirchhos in Neukölln. Hermannstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet 14/8 Die Bezirksleitung. Verhand der freien Gast- und Sehaukwirte Deutschlands. 3cblstelle Lichtenberg. Den Mitgliedern die traurige »achricht, daß die im ÄS Ws M« > lötzlich verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag- tachmiltag 5 Uhr aus dem neuen !atodi-Kirchhoi, Neukölln, Her- naimstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 12/15 Die Lresverwaltung. Deutscher Rolzarhelter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Boden- leger Wilhelm Kleinvoxel /Lübecker Straße 37) im Alter von 73 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! � Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 3. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des StahnSdorser Friedhofes aus statt. Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Beizer Eimil Schulz iSchillingstr. 28) im Alter von 43 fahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 3. Mai, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle de» St. Georgen Kirchhofes, Weißen- see. Röldestraße, an» statt. 82/14 Die Ortsverwaltung. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin I. Am Mittwoch verschieb unser Mitglied Wilhelm Crau im Alter von 60 Lahre«. Wir verlieren in ihm einen eifrigen Anhänger unserer Sache und werden sein Andenken in Ehren hallen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Mai, nach- mittags'/z5 Uhr. ans dem alten «t. Thomäs-Kirchhos in Neukölln. Hermamistraße, statt. 31/13 Ter Vorstand. Am 30. April er. verstarb niein lieber Mann, unser guter Vater, der Kellner Wilhelm Brau. Dies zeigen tiesbetrübt an Frau(«ran und Kinder. Die Beerdigung findet Heute Sonnabendnachinittag 4'/, Ubr vom alten THomas-KirchHos, Her- mannstraße. aus statt. V90b Verband der Lithographen. Stein- drucker u. verw. Berufe. �Deutscher Scnefdbcrbunb.) Am 1. Mai verstarb unser Mit- glied, der Stetnbruder EmiS VoSker im 54. Lebensjahre an Magenkrebs Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Mai, nachmittags 3*/, Ubr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in der Müllerstraße, Elke Seestraße, aus statt. 109/11 Ter Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gastwirts Albert Schulz sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. 14» Witwe Verla Bedul? und Kinder. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle GroB-Berlin. Xoohrnf. Am Montag, den 28. April, ist nach langem schweremLeiden unser Kollege, der Gnmmiarbeiter Mann Haberzettl verstorben. Ehre seinem Andenken! 56/15 Die Ortsverwaltung. Tfingstcn im fhdenf --------------- and ruenn Jic noefi. dazu. Salamandcv SäcfcCtzaz�— mdchJ{o(tycnuss! Am Mittwoch, den 30. April, verschied nach langem Leiden unser langjähriger Mitarbeiter, der Kollege �uxu8t Weitzel im Alter von 42 Jahren. Ihm werden ein daueinde» Andenken bewahren Die Kollegen derHafbuchdruckerei Julius Sittenfeld., _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Mai, nach- mittags 3'lt Ubr, von der Leichen- halle des städtischen Friedboss, Müllerstraße, Ecke Seestraße, Ein- gang Mülleritraße, au» statt. 689b Verband der Haler, Lacklerer etc. filiate Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Lackierer Äupst Gelieke fScftion der Lackierer) am 30. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 3. Mai, nach- mittags i'lt Uhr, aus dem städti- scheu Friedhos in der Seestraße statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 139/6 Die Ortsverwaltung Gestern morgen 6 Uhr verschied plötzlich am Herzschlag mein lieber Mann, unser guter Bruder, Schwager und Onkel, der Gast- Wirt Willi. Hermann im 67. Lebensjahre. Dies zeigt allen Freunden und Bekannten tiesbetrübt an Niederlehme, den 1. Mai 1913 l.uise Hermann geb. Orews. Die Beerdigung findet Sonntag, den 4. Mai. nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Dp, Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, MdiÄ 10— 2. 5—7. Sonntajfs 10— 12. Ortskrankenkasse der Ctlb- und Zinngießtt zu Berlin. Mittwoch, den 14. Mai er.. nachmittags S'/j Uhr, findet imGe- werkschafishans, Engelufer 15, Saal 3, eine ADUcrordentliche General-Yersammlung der Vertreter der Kasse statt. Tagesordnung: l. Beratung und Beschlußsassung über das neue Statut der Kassen- sapungen nach den Bestimmungen der ReichSversicherungsordnnng. Die Herren Delegierten werden ersucht, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Berlin, den 2. Mai 1913. Der Vorstand. K91b Wilh. Schutt, Vorsitzender. PIA Papier- Industrie- Ausstellung 3. bis 14. Mai Philharmonie Geöffnet von fO bis 8 Uhr � Täglich Konzert � Von liefere Mark an elesante Fertige Herren- Garderobe Anfertigung nach Mass mit Garantie für tadellosen Sitz JuliusFabian Schneidermeister J. Geßchäft; Gr. Frankfurter Sir. 37' II. Geschäft: Turmstrssse 18'�. III. Geschäft; Kolibuser Sir. 14 sX. 18-1 29-1 30-i A-S 32- 33-i äHI 35-i 36-i 37-m Großer pflanzen-Verkauf. Wege» Auflösung einer deutschen Baumschule: Bosen, Schlingpflanzen, Obstbäume, Beerensträucher, Ziersträucher, Nadelhölzer, Blumenständen usw. — Gesunde Ware, sabelhasl billig!.im Bahnhof Alexander- platz, Gontardstraste, vis a vts Panoramastraste, Zentralmarkthalle. lönrenstrvdrir PfiMSt- TSS Preise! . jr.Tranlyfurrensrr.ii:,_. iin f«„in................ ii'iirtvtiiiiDp] Kostüme H P regulär bis it.—., türU. bw Kostüme EE regulär bis 100.—, fürM. 33 Modell-Kostüme BE regulär bis 2««.—, fürM. JJ Popeline-Mäntel regulär bis 85.—.. für M. JO Alpaka-Mäntel<0 regulär bis 33.—.. fUrM. JO Seiden- Mäntel 1 C regulär bis 80.—.. fürM."fS Leinen-Kostüme iE regulär bis 2 7.—.. fürM. J3 Kleider, leicht, luftig regulär bis 45.—.. fürM. itJ Röcke und Blusen Q50 regulär bis 15.—., fürM 9 Für starke Figuren Passendes in allen Abteilungen vorrätlgl Sonntag geöffnet 1—1»,*—« Uhr. ermSglicbt er. für seine Kleidung Jeden Preis zu zahlen. Wem aber daran liegt, sich billig und.gut zu kleiden und noch de» deutende Ersparnisse zu machen, der decke peinen Bedarf nur bei Klluger& Co., Abonnements* und Verleihhaus eleganter Herrenkleidung. Man erhält dort von leinsten Herrschaften, Doktoren, Kavalieren und Reisenden nur•wenig getragene, nach Mass angeiertigte Anzüge, Paletots. Ulster, Hosen us-w., die®*®en Anschaffungsvrert bis J50 Mark gehabt haben und vielfach auf Seide verarbeitet sind. Es kosten gut erhaltene, nieder tadellos hergerichtete Hoss-flnzüge.. 7.- 12.- 15- IS.- m. Müss-Paleiots.. 5.- 8.- 12- 16.- m. Muss-Ulster... 8.- 12- 18- 20.- M. HOSBIl schöne Streifen 2. 3.25 5. M. 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Eine wichtige Tätigkeit besteht in der Verbreitung von Flug- blättern und Anschreiben an die Wähler. Die'e Arbeit darf r>icht einem kleinen Häuflein eifriger Parteifreunde über- lassen werden. Unsere Genossen sollten sich allgemein in den Dienst der Parteiarbeit stellen. Tann dürfte bei der großen -Fohl organisierter Genossen die auf den Einzelnen eutfalleiide Mühe nur eine verhältnismäßig kleine sein. An die Ge- nossen ergeht deshalb die besondere Aufforderung, an den be- vorstehenden Wahlarbeiten sich recht rege zu beteiligen. 3. Landtagswahlbezirk. Ain Sonntag, den 4. Mai, mor- gcns 8 Uhr, findet für den 8. Landtagswahlbezirk eine Flug- blattverbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Tie Genossen von Neukölln, welche dem 3. Kreis zugeteilt sind, niögen sich nielden bei Fleischmaiin, Annenstr. 26, und bei Dette. Rilterstr. 32. Uin rege Beteiligung ersucht Das Wahlkomitee. 4. Landtagswahlbezirk. Am Sonntag, den 4. Mai 1913, findet eine Flugblattverbreitung von den dekannten Stellen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Das Komitee. 9. Berliner Landtagswahlbezirk. Sonntag, den 4. Mai. früh 8 Uhr, Flugblattverbrcitung von den bekannten Stellen, zu der jeder Genosse zur Stelle sein muß. Das Landtagswahlkomitee. 19. Landtagswahlbezirk. Am Sonntag, den 4. Mai, morgens 8 Uhr. von den bekannten Bezirkslokalen wichtige Flugblottverbreitung. Dienstagabend große Versammlung. Näheres Annonce am Sonntag und Dienstag im Vorwärts. Das Wahlkomitee. II. Landtagswahlbezirk. Morgen, Sonntag, den 4. Mai, wichtige Flugblattverbreitung. Treffpunkt früh 8 Uhr in den Bezirkslokalen. 12. Landtagswahlbezirk(Moabit). Montag, den 5. Mai, abends 7 Uhr, wichtige Flugblattverbreitung: zu der am Mittwoch, den 7. Mai, im Caf6 Gärtner, Holsteincr Ufer 27-28, stattfindeilden Wählerversammluug. Wcißcnscc. Wir ersuchen die Bibliothekleser, die entliehenen Bücher bestimmt heute abend bei Peukert, Berliner Allee 2S1. abzuliefern. Die Bibliothek bleibt auf kurze Zeit geschlossen. Die Be- kanntgabe ihrer Wiedereröffnung erfolgt an dieser Stelle. Die Bibliothekkommission. Steglitz. Morgen, Sonntag, vormittags 8 Uhr, von allen Zahl- obendlokalen aus, wichtige Flugblattverbreitung. Bezirk Stralau. Am Montag, den ö. Mai, abends 8 Uhr, von den Bezirkslokalen aus: Handzettelverbreitung. Wandlitz(Bezirk Pankow). Sonntag, den 4. Mai, nachmittags 4 Uhr, findet im Lokal des Herrn Lassan, Prenzlauer und Bernauer Strahen-Elke. eine öffentliche Versammlung statt mit der Tages- ordnung:.Nieder mir der.Junkerherrschaft Referent: Reichstags- abgeordneter Artur Stadthagen. 2. Diskussion. Die Parteigenossen von Pankolv werden ersticht, an der Ver- sammlung teilzunehmen. Um gemeinsam mildem Pankower Gesang- verein„Liedersreund" in der Versammlung zu erscheinen, wollen sich die. welche an der Versammlung teilnehmen, früh �7 Uhr am Bahn- hos Pankow-Schönhausen einfinden. Fahrt mit der Vorortbahn bis Bernau, für Nachzügler Treffpunkt im.Waldkater" an der Chaussee nach Wandlitz bis S Uhr. Die Agitationskomniission. Lber-Tchöncweide. Eine Volksversammlung unter freiem Himmel findet am Sonntag, den 4. Mai, mittags 12 Uhr, für die Bezirke Friedrichsfelde, � Karlshorst und Ober-«:chönewcide auf dem Grund- stuck an der Treskowallee und Friedrich-Wilhelm-Straße in Karls- Horst statt. Alle Freunde eines gerechten Wahlrechls tverden ersucht. sich an dieser Versammlung zu beleiligeu. Die Ober-Schvneweider Wahlrechtsfreunde und Parteigenossen treffen sich um 11 Uhr an der Eduon- und Waldstrafien-Ecke(Eichenwald). lli/3 Uhr: Spaziergang nach dem Versammlungsplatz. Ferner weisen wir darauf hin. daß die Wahlvereins-Bibliothck von Sonntag, den 4. Mai, bis 1. Oktober 1913 nur an den beiden Wochentagen geöffnet ist. Die Leser mögen dies beachten. Die Bezirksleitung. Blankenfelde, Schildow, Schinfließ(Bezirk Nieder- S w o n h au s e n). Sonntag, den 4. Mai, nachmittags 4 Uhr, findet nr Mühlenbcck im Gasthof zu Sonne(Inhaber A. Barsch), eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Die preußische Volksvertretung im Dreitlassenhaus. Referent: Parteisekretär Genoffe Braun-Berlm.— Diskussion. Die Genossen vorgenannter Orte wollen sich vollzählig an dieser Versammlung beteiligen. Die Schönhauser Genossen, die an dieser Versammlung teilnehmen, treffen sich um 2 Uhr bei Bratvogel, Nordend. Dir Agilationslommission. Rirder-Schönhausen-Nordeiid. Sonntag früh 8 Uhr findet von den bekannten Stellen aus eine Handzettelverbreitung statt zu der am Dienstag, den 6. Mai, abends 8>/z Uhr. im Lokale liiedemil(Jnh. Perichke) geplanten öffentlichen Versammlung, in welcher Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt referieren ivird. Regen Besuch erwartet Das Wahlkomilee. Wilmersdorf. Am D i e n S t a g. denk. Mai, abends 8l/2 Uhr. findet im Johann-Georg-Haus, Halensee, Johann-Georg-Straße 19, eine L a n d t a g s w a h l e r v e r s a m m l u n g statt, in ivelcher Varteisekrelär H. Müller über.Preußens Volks- Vertretung" refeneren wird. öandzettelverte.lung hierzu am Montagabend 7 U h r von den Beztr.slokalen aus. Alle Mann zur Stelle! Der Vorstand. Neukölln. Der dritte Wahlkreis gebraucht am Sonntag, den 4. Mai morgens 8 Uhr, H r l f s I r ä fte zur Verbreitung eines Flnablotles. Die Parteigenossen Neuköllns werden gebeten, sich recht zahlreich zur Versügung ö" stellen Treffpunkte sind die Lokale von Derte. Ritlerstr. 33 und Fleischmaun, Annenstr. 2S. Friedrichsfclde. Die Porteigenosien, die an der Versammlung nr Karlshorst teilnehmen wollen, treffen sich bei Schulz, Lindenpark. Abmarsch pünktlich 11 Uhr. Alt-Landsbcrg. Morgen Sonntag, mittags 1 Uhr: Wählerver- sammlung im Lokal von Merlmann, Strausberger- und Poststraßen- �cke. Resercnt: Stimming-Lichtenberg. Ansprache des Kandidaten Gutsbesitzers Genossen Hoscr. Königs-Wustcrhausc» und Umgegend, Am Sonntag, den 4. Mai, früh 7l/a Uhr. von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung frfr olle Bezirke. Die Genossen, welche den Außenbezirk belegen. »effen sich Sonntag früh 7'/« Uhr am Bahnhof Konigs-Wusterhausen. Am Sonntag, nachmittags 2 Uhr, findet im Lokale Wedhorn eine öffentliche polnische Versammlung statt.— Um 4 Uhr: Wählerversammlung für den Bezirk Deutsch-Wusterhausen und Ragow. Rüdersdorf- Kalkbcrge- Tasdorf. Morgen Sonntag, nachmit- tags 3 Uhr: Wählerversammlung im Lokal von Mißler, Schulstr. 45 (Jnnungshaus). Referent: Alwin Schulze-Berlin. Zeuthen, Miersdorf, Schmöckwitz, Müggelheim. Morgen Sonntag, den 4. Mai, nachmittags 5 Uhr. findet im Lokal von Lindemann, Zeuthen, Dorfstraße, eine öffentliche Landtagswählerversammlung statt. Genosse Joachim Klühs wird über das Thema:.Die Knechtung des Volkes durch den preußischen Landtag" sprechen. Zeuthen, Micrsdorf. Heute abend 6 Uhr: Wichtige Flugblatt- Verbreitung von Barnack aus. Pankow. Morgen, Sonntag, den 4. Mai, von 8 Uhr ab: Handzetrelverbreitung von den bekannten Stellen aus zu der Versammlung am Dienstag, den 6. Mai, in welcher Genosse Dr. Rud. Breitscheid sprechen wird. Karow und Blankenburg. Sonntag, den 4. Mai, nachmittags 2 Uhr, öffentliche Wählerversammlung im Lokale von Emil Peschlow, Karow, Luisenstr. 4. Referent: Genosse Schlem minger. Die Genossen von Franz.-Buchholz werden gebeten, sich daran zu be- teiligen. Treffpunkt: Bahnhos Blankenburg um 1 Uhr.« Nowawes. Eine öffentliche Landtagswählerver- sammlung, wohl die letzte vor den Wahlen, findet am Montag, den 5. Mai, abends 8l/2 Uhr, im Singerschen Saale statt. Das Referat hat der sozialdemokratische Kandidat des Kreises, Gutsbesitzer Genoffe H o f e r(Ostpreußen) übernommen. fkrlirnr JVaebriebten. Der Secfischmarkt der Stadt Berlin soll nach einem Beschluß der Markthallen-Teputation bis auf weiteres bestehen bleiben. Genosse Hiiitze berichtete in der letzten Teputationssitzung über den bisherigen Verlauf des Seefischverkaufs. Infolge der hohen Fleischpreise in den letzten Jahren beschloß die Markthallen-Teputation im Ok- tober 1911 den direkten Bezug von Seefischen. Zum Ankauf wurde in Geestemünde ein Makler bestellt, während der Ver- kauf in Berlin den vereinigten Fischhändlern unter Aufsicht des städtischen Vcrkaussvermittlcrs Meitzer übertragen wurde. Ter Verkauf siirdet jetzt in folgenden Marktballcn statt: Lindenhalle, Halle auf dem Mageburger Platz, Acker- straßc, Dresdener Straße, Andreasstraße, Pücklerstraße, Moa- bit Arminiusplatz, Marheinckeplatz, Wörtherstraße, Wcdding und im Vcrkaufsstand auf dem Viehhof. Als Vcrkanfstage bleiben der Dienstag und Donnerstag, da sich sowohl die Händler als auch die Konsumenten an diese Tage gewöhnt haben. Zum Verkauf gelangen: Schellfisch, Kabeljau, seelachs, Schollen, Rotzungcn, Goldbars. Ter Versuch mit Seemuscheln hat sich nicht bewährt. Die Ver- teilung der in Körben von 66 bis 126 Pfund ankommenden Fische geschieht in einem Stadtbahnbogcn in der Nähe der Zcntralhalle. Die Verkaufspreise regeln sich nach den Einkaufspreisen und zwar derartig, daß ein Aufschlag von 8 M. per Zentner genontmen wird. Hiervon werden zunächst die Kosten für den Transport, Ankauf»sw. gedeckt: dieser Betrag stellt sich auf zirka 3,36 M. per Zentner, so daß den Verkäufern in den Hallen ein Vutzen von 4,36 M. per Zentner verbleibt. Dieser Nutzen wird als auskömmlich angesehen. Die Stände werden von der Markthallenvcrtvaltung unentgeltlich zur Verfiigung gestellt: ebenso wird auch die Reklame durch diese gezahlt. Ter Umsatz betrug im Anfang des Verkaufs 336 bis 466 Zentner pro Woche. Im Laufe der Zeit ist ein Rückgang eingetreten. Seit September vorigen Jahres bewegt sich der Umsatz zwischen 266 bis 236 Zentner pro Woche: weniger nur in den Monaten Januar, Februar, März, wo die Zufuhren in Geestemünde infolge der herrschenden Stürme nur äußerst schwach sind. Am 21. Januar fand überhaupt kein Verkauf statt, da keine Ware eingetroffen war. Die Verkaufspreise selbst sollen 36 Pfennig pro Pfund nicht übersteigen: dement- sprechend hat der Einkäufer in Geestemünde den Verkauf ein- zurichten. Die Ware selbst ist durchweg also als gut und srisch�anerkannt und nur hierdurch ist es möglich geworden, die Seefische als ein gesundes und billiges Nahrungsmittel einzuführen. Von den Vororten beteiligten sich bei Beginn des Winters am Verkauf: Neukölln, Britz, Karlshorst, Trcp- tow, Reinickendorf, Friedrichsfelde. Tempelhof, Marieudorf, während Schöneberg und Wilmersdorf ihren Bedarf selbst direkt bezogen. Von städtischen Anstalten waren es nur einige Krankenhäuser, welche wöchentlich regelmäßig 2 bis 3 Zentner Fische bezogen. Jetzt ist es nur noch das Kranken- Haus am Urban, welches bis zu 2 Zentner die Woche ver- braucht. Beschlossen wurde von der Deputation, mit dem Verkauf in der bisherigen Weise fortzufahren, dagegen in den Mo- naten Juli und August den Vertrieb einzustellen, wie dies auch im Vorjahre der Fall war. Unsere Montagsausgabc und„Ter Strastenhändler". Als Organ der Zeitungs- und Druckschriftenhändler bezeichnet sich ein Druckerzeugnis:„Ter Straßenhändlcr". Wer da meint, daß es sich im vorliegenden Falle um ein Blatt handelt, welches die Interessen der Straßcnhändler, insbesondere in ihrem Kampfe gegen polizeiliche Maßnahmen, vertritt, der irrt sich. Ter„Straßen- Händler" beschränkt sich vornehmlich darauf, durch redaktionelle Hin- weise auf Zeitungen, die im Inseratenteile angekündigt sind, die Händler zu interessieren. Man braucht nur die letzte Nummer vom 39. April anzusehen, so finden wir im Inseratenteile, daß Druck- crzeugnisse wie der„Roland von Berlin",„Berliner Lokalanzeiger", „Berliner Illustrierte Zeitung", die„Deutsche Montagszeitung", „Deutsche Tageszeitung",„Plutus",„Tie Tribüne" usw. dort inseriert werden, lind zugleich werden im redaktionellen Teile. diese Druckschriften besonders empfohlen. Ter„Vorwärts" fehlt im Inseratenteile..Dafür lesen wir aber im redaktionellen Teile folgende Notiz: „Ein„glänzendes" Geschäft. Aus unserem Leserkreise sind in letzter Zeit mehrfache Be- schwerden an uns gelangt, die wir pflichtgemäß im„Straßen- Händler" zur Kenntnis bringen wollen, ohne aus begreiflichen Gründen zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. Tie Kollegen fühlen sich durch die Geschäftsgebarung der Geschäftsstelle des„Vorwärts" benachteiligt, die ihnen von der gewöhnlichen Nummer 3 Exemplare für 19 Pf. mit Re- missionsrecht bis zu 5 Stück, der Montagsausgabe 19 Exemplare für 25 Pf. ohne jedes Re- missionsrecht abgibt. Wir überlassen eS der Kollegenschaft, sich zu dieser An- g-legenheit zu äußern," Zu dieser Notiz wollen wir nur bemerken, daß die Behauptung, unsere Expedition habe unverkaufte Exemplare unserer Montags- ausgäbe nicht umgetauscht, einfach unwahr ist. Wahr ist, daß bis- her anstandslos nichtvcrkaufte Exemplare zurückgenommen worden sind und daß in Zukunft auch Umtauschungen stattfinden, allerdings nach Uebereinkunst. Es soll vermieden werden, daß Händler eine ungewöhnlich große Zahl von Exemplaren nehmen, ohne in der Lage zu sein, auch einen entsprechenden Prozentsatz verkaufen zu können. Nach diesen Gepflogenheiten haben Händler, die nur einigermaßen ihren Absatz übersehen können, keinerlei Risiko auf sich zu nehmen. Und daraus kann es den Zeitungshändlern doch nur ankommen. Wir wissen nicht, welche Händler sich hier noch beschwert fühlen konnten. Allerdings ist das nicht möglich, Zeitungen vom März vorigen Jahres umzutauschen, wie dies kürzlich ein Händler von unserer Expedition verlangte und dann drohte, sich wo anders be- schweren zu wollen. Im Interesse einer geordneten Geschäfts- führungkann derartigen Ansprüchen beim besten Willen nicht Rech- nung getragen werden. Eine Ffdhft durch den brennenden Wald. Tic Passagiere der auf der Nordbahn verkehrenden Züge hatten am Donnerstagabend angstvolle Minuten durchzumachen. Zwischen Löwenbcrg und Oranienburg waren mächtige Stapel frischgeteertcr Schicncnschwcllen sowie größere Strecken des an der Bahnstrecke stehenden Untergehölzes in Brand geraten, durch den die von Stettin kommenden Züge fahren mutzten. Wir erfahren darüber: Als Donnerstagabend der von Kopenhagen kommende Vorzug die Ortschaft Nassenheide, etwa 19 Kilometer hinter Löwenbcrg, passierte, geriet dnrch Funkenauswurf der Lokomotive das am Babndamm stehende Unterholz, sowie das Gras, das durch die Hitze der letzten Tage völlig ausgedörrt war, in Flammen. Die Glut breitete sich schnell aus und erfaßte die riesigen, neben den Schienen lagernden Stapel der frischgcteertcn Holzschwellen, die alsbald in hellen Flammen standen. Die mächiige Glut, die auch auf die Bäume und Sträucher übergriff, war schon auf viele Kilometer zu sehen. Riesige dunkle Rauchwolken stiegen zum Himmel und über den Gleisen lag ein so starker Oualm, daß die Strecke auf 699 bis 799 Meter nicht zu übersehen war. Besonders kritisch wurde die Situation dadurch, daß die Flammen nun auch auf die Holz- schwellen übersprangen, auf denen die Schienen ruhen. Ter erste Zug, der hier durchfahren mutzte, war der Stralsunder Personen- zug, der zahllose Ausflügler aus Löwenberg nach Berlin bringen sollte. Schon bald hinter Löwenberg bemerkten die Passagiere kleinere Brände an der Strecke, die ebenfalls von dem Kopenhagencr Vorzug verursacht worden waren. Drei bis Kilometer vor der Brandstelle sah man dann das Feuer in seinem ganzen Umfange. Der Lokomotivführer war ungewiß, was er tun sollte. Auf freier Strecke durfte er nicht halten, da wenige Minuten später der Kopen- Hagener O-Zug kommen mußte. Nach einem kurzen Aufenthalt und einer Rücksprache mit dem Zugführer entschloß man sich, mit Volldampf durch den Brand hindurchzufahren. Die Passagiere wurden aufgefordert, die Fenster zu schließen, und mit einer Gc- schwindigkeit von 79 Kilometern in der Stunde ging es durch den Brand hindurch. Zum Glück bietet die Strecke an dieser Stelle keine Kurve. Für einige Minuten wurde es völlig dunkel. Der Oualm des schwelenden Feuers schlug gegen die Fensterscheiben, die heiß wurden. Ab und zu aber schlug eine Flamme gegen die Scheiben. Die Abteile der Wagen füllten sich mit einem scharfen, bissigen Rauch, der das Atmen erschwerte. Nach einigen Minuten angst- voller Spannung verlangsamte die Maschine das rasende Tempo und sofort öffneten sich alle Fenster, um frische Luft hereinzulassen. Viel übler war es freilich dem Kopenhagencr O-Zug ergangen, der einige Zeit später die Brandstelle passieren mußte. Der Lokomottv- führer hatte an beiden Armen schmerzende Brandwunden davon- getragen, trotzdem aber seinen Zug sicher durch das Flammenmeer hindurchgebracht. Mehrere Fensterscheiben zeigten Sprünge, der letzte Wagen war sogar in Brand geraten. Die Bahnbeamten in Oranienburg mutzten die brennenden Trittbretter des Waggons mit Sand beschütten, um die Glut zu ersticken. Mehrere Damen hatten Ohnmachtsanfälle erlitten, doch war keiner der Passagiere ernstlich zu Schaden gekommen. Ter Brand, bei dem etwa 2999 Eisenbahnschwellen in Flammen standen und durch den ein allerdings nur kleiner Waldbestand ver- nichtet worden ist, wurde durch die Angestellten der Försterei Nassen- Heide, die freiwilligen Feuerwehren von Rüdersberg, Friedrichstat und Nassenheide erst nach mehrstündiger Arbeit gelöscht. Die Re- paratur der angekohlten Strcckenschwcllcn wurde zum Teil noch in der Nacht vorgenommen. Ein falscher Sittenpolizeibeamtcr treibt in Weißensee gegen- Umriig sein Unwesen. Als vorgestern abend ein in der Berliner Allee in Weihensee wohnendes junges Mädchen unweit ihrer Woh- nung vor einem Schausenstcr stand, um die Auslage zu besichtigen, näherte sich ihm ein elegant gekleideter Herr. Der Fremde lud das Mädchen zn einem Glase Bier ein und die Einladung wurde, da der Kavalier einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck umchte, schließlich auch angenommen. Der Herr begleitete dann das Mädchen bis zu ihrer Wohnung. Als sich das Mädchen verabschieden wollte, zog der Fremde plötzlich eine Blechmarke hervor und erklärte, er sei Kriminalbeamter. Er sei durch die Weißenscer Polizei über den Lebenswandel des Mädchens unterrichtet und beauftragt, eine Haussuchung vorzunehmen. Durch die Androhung sofortiger Per- baftung zwang der Plann die Geängstigte, ihm die Wohnung zu öffnen. Hier wußte der angebliche Beamte die Bedauernswerte sich seinen Wünschen gefügig zu machen, indem er schwere Trohun- gen aussprach. Zwei Tage später erschien der falsche Kriminal- veamte wieder in der Wohnung des Mädchens, ergriff jedoch die Flucht, als dieses um Hilfe rief. Gegen den Wüstling ist Anzeige erstattet worden. - Mord ans Eifersucht. Ter anfangs der 39er Jahre stehende Kaufmann Hans Wcichert war mit der im Jahre 1887 geborenen Verkäuferin Franziska Buch- bolz, die in dem Buttcrgcschäft von Groh in der Kaiser-Wilhelm- straßc. Ecke Neue Fricdrichstraßc, beschäftigt war. von Jugend auf bekannt, später entwickelte sich zwischen den beiden ein Licbesbcr- hältnis. Vor einigen Tagen war es aber zum Bruch gekommen, und das Mädchen, das nun nichts mehr von W. wissen wollte, hatte bereits eine andere Liebschaft angeknüpft. W. hatte dem Mädchen Dienstagabend vor der Haustür aufgelauert und es dort mit dem neuen Liebhaber stehen sehen. Gestern mittag erschien er vor dem Buttergeschäft. ließ das Mädchen herausrufen, und es fand zwischen beiden eine lebhafte Auseinandersetzung statt. Die B. ließ ihren ehemaligen Liebhaber schließlich stehen und wollte sich nach dem Geschäft zurückbegeben. Jetzt zog W. einen Revolver aus der Tasche und schoß dem Mädchen vier Kugeln in den Rücken, den fünften Schutz gab er ans sich selbst ab und verletzte sich am Halse. Das Mädchen schleppte sich noch bis zu dem Geschäft und brach dort be- wußtlos zusammen; es hatte lebensgefährliche Verletzungen erlitten und starb auf dem Transport nach dem Krankenhause. Ter Täter wurde als Polizeigejangener jiaH der AKarits Todessturz. CSiu bedauerlicher schwerer Unglücksfall, dem ein Kindesleben zum Opfer fiel, hat sich am Himmclfahrtstage in der Niederwall- straße zugetragen. Der dreizehnjährige Kurt Thierbach, dessen Eltern in dem Hause Niederwallsir. 34 wohnen, war Donnerstag- abend gegen 8 Uhr auf den Boden des genannten Hauses gegangen uud von dort durch eine Dachluke auf daS Dach geklettert. Infolge eines Fehltritts kam der Änabe zu Fall und stürzte kopfüber auf den Hof hinab, wo er mit zerschmelterten Gliedern blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Der von der Unfallstation am Spittelmarkr hinzugerufene Arzt konnte nur den inzwischen ein- getretenen Tod feststellen. Aus dem Landwehrkanal gezogen wurde am 30. April die Leiche des Dachdeckers August Schulz. Die Verzweiflung hatte den Dreiundscchzigjährigcn ins Wasser getrieben. Schulz war in der Berliner Arbeiterbewegung kein Unbekannter. Keine Partciaktion, keine Flugblattvcrbreitung verging, ohne daß Schulz nicht seinen Mann gestellt hätte. Uebcrall war er. wenn es galt für die Rechte des arbeitenden Volkes einzutreten. Längere Zeit bekleidete Schulz das Amt eines Bczirksführers im 282. Bezirk. Dem Verbände der Dachdecker gehörte Schulz seit 15. April 1890 an und, war einer ihrer Gründer. Schulz ist ein Opfer des Kapitalismus geworden. Als �Dachdecker arbeitete er 13 Jahre bei einer wohlbekannten Bcr- liner Firma, bis im vorigen Jahre die brutale Aussperrung der Unternehmer auch Schulz aufs Stratzenpflastcr warf. Der Unter- nehmer hatte die Arbeitskraft des damals Zwciundisechzigjährigen genug ausgebeutet. Wäre er zum Verräter der Arbcitersachc, wäre er Mitglied der gelben Söldncrtruppe der Unternehmer geworden er hätte weiter arbeiten können. Ein derartiges Ansinnen wies der Alte aber mit Entrüstung zurück. Die darauf einsetzende Arbeits losigkeit und die Befürchtung, daß er als Wjährigcr Mann schwer lich lohnende Beschäftigung finden würde, scheint in ihm den Plan eines gewaltsamen Endes haben reifen lassen. Die Beerdigung findet voraussichtlich am Montag auf dem städtischen Friedhof in Fricdrichsfcldc statt. Weiteres ergeben die Anzeigen im„Vorwärts" in der SonntagnuMmer. Strasienbahnunfall. Ein schwerer Strahenbahnunfall hat sich am Himmel fahrtsage ereignet. Gegen)�4 Uhr nachmittags wollte ein Herr Rudolf Huschnick am Südwcstkorso einen Straßenbahn- tvagen�dcr Linie 80 während der Fahrt besteigen. Er glitt jedoch vom Trittbrett ab und geriet unter den Vorderperron des An- hängcwagcns, und erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels, mehrere Rippenbrüchc und erhebliche Hautabschürfungen. Der Ver- unglückte mußte, nachdem ibm auf der nächsten Unfallstation Not verbände angelegt worden waren, nach dem Schönebcrger slädli scheu Krankenhanfe geschafft werden. Llbgestürzt. Ein verhängnisvoller Unglücksfall hat sich gestern vormittag auf einem Abrißgrundstück am Hausvoigteiplatz zugetragen. Das Dachgeschoß ist bereits abgedeckt und gegenwärtig sind, die Leute damit beschäftigt, das vierte Stockwerk abzutragen. Um von der einen Hälfte zur anderen zu kommen, hatten sie eine große Bohle gelegt. Als gestern morgen zwei Arbeiter über die Bohle hinweg gingen, brach diese mitten durch und, die Verunglückten stürzten in die Tiefe. Arbeitskollegen sprangen schleunigst hinzu und schafften die beiden nach der Unfallstation in der Kronensiraßc und von dort wurden sie nach dem Krankenhaus Moabit eingeliefert. Die Ab- gestürzten, der 3Sjähnge Arbeiter Hermann Prall, Strausbergcr- stratze 3, und der gleichaltrige Gustav Luckwald, Müllerstraße 156, haben beide schwere innere und äußere Verletzungen davongetragen. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden der 17 Jahre älten Friseuse Martha Schwinge aus der Kopenhagener Straße 31 gefunden. DaS Mädchen war am 21. April nachmittags ausgegangen und hatte der Mutter hinterlassen, daß es sich mit seinem Bräutigam treffen wolle. In der folgenden Nacht fand ein Schutz- mann den Hut, die Boa und die Handitasche der jungen Friseuse in der Gurgstraße am Ufer der Spree liegen. Die Mutter der Vor- mißten wollte von der Annahme, daß ihre Tochter ins Wasser gc- gangen sei, nichts wissen, glaubte vielmehr, daß ihr Geliebter, den sie erst jetzt kennen lernte, sie entführt und die Sachen ans Ufer gelegt habe, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Als der junge Mann diese Annahme als durchaus unrichtig nachwies, glaubte Frau Schwinge an die Entführung durch einen anderen Mann, der ihre Tochter kannte und plötzlich seine Stellung aufgegeben hatte. Die Vermutung, daß das Mädchen ins Waffer gegangen ist. hat sich aber jetzt doch bestätigt. Tie Leiche wurde gestern am Friedrich- Karl-Ufer aus der Spree gelandet. Was das Mädchen in den Tod getrieben hat, ist dagegen noch nicht aufgeklärt. Das Apollo-Theatcr von der Eines-Grscllschaft gcpachet. Gestern ist zwischen dem Gläubiger-Ausschuß des Apollo-ThcatcrS und der Cincs-Gescllschaft ein Vertrag zustande gekommen, wonach diese das Apollo-Theatcr auf einige Jahre pachtweise übernimmt. Die Cines-Gesellschaft beabsichtigt, dort ein Kino-Baribte cinzu- richten, d. h. zwischen Barictevorführungen soll die Filmkunst zu Wort kommen. Mit dem Jagdgewehr seines Herrn erschaffen hat sich gestern mittag der 21 Jahre alte Diener Alfred Hirschmann, der bei einer Herrschaft am Viktoria-Luisen-Platz in Schöneberg in Stellung war. Die Polen und die Lmldtagswahlen. Die polnischen Arbeiter haben an den diesmaligen Landtags- Wahlen ein erhebliche« Interesse. Die Nationalpolen versuchen dabin zu wirken, daß die polnischen Arbeiter der Reaktion Dienste leisten durch Stimmenthaltung und so die Interessen der polnischen Arbeiter zu verraten. Dem gilt es entgegenzuwirken durch lebhafte Propa- ganda für die jede Unterdrückung bekämpfenden Sozialdemokraten. ES findet zu diesem Zweck am Dienstag, den 6. Mai, abends Z'/z Uhr, im Moabiler Gesellschaftsbaus. Wiclefstr. 24, eine öffentliche' Ver- sammlung statt, in der Genosse PodemSki referieren wird. Die Genossen werden gebeten, die in Moabit wohnenden polnischen Ar- bester auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Bolksionzert. Sonnabend abend 8'/, Uhr findet im Moabiter Gesellschastshaus, Wiclefstr. 24, das zweite Volks-Sinfoniekonzert des B l ü t h n e r- O r ch e st e r S statt. Dirigent c Guido v. FuchS. Solist des Abends ist der Harfcnvirtuos Alfred Ernst. Das Pro- gramm enthält u. a.: Haydn: Sinfonie G-dur(m. d. Paukenschlage), R. Wagner: Siegfried-Jdyll. P. Tschaikowsky: Capriccio Italien und I. Strauß: Donauwalzer.— Eintrittskarten 30 Pf. Verloren wurde am I.Mai eine goldene Brosche vom Restaurant Ludwig in Treptow bis Wartannenplatz. Der Finder wird gebeten. dieselbe abzugeben bei H. EaSpary, Marianneuplatz 15. Verloren— Gefunden. Am 1. Mai wurde in der Bockbrauerei verloren 1 goldenes Armband, 1 Spitzeitkragen, 1 Brosche. Ge- sunden 1 Ftchte-Nadel, 1 Kollier mit Photographie. Abzugeben resp. abzuholen bei Gustav Schmidt, Ktrchbachstr. 14. In der Maise st Versammlung derMetallarbetter in der Brauerei F r i e d ri ch§ h a i n tst etn Damenportemonnaie gefunden worden, dasselbe wird dem Eigentümer im Verbands- bureau, Zimmer 2, ausgehändigt.. �. Gesunden wurden bei der Matfeier tn der„Neuen Welt' eine Herrenuhr nebst Kette und ein Trauring. Dte Gegenstände sind abzuholen bei Pohl, Naunynstr. 30 lV. Gesunden wurde am 1. Mai. mittags, in der Grünthaler Straße ein Paket, das Stickzeug nebst Handwerkzeug, sowte Schere, ein Pincenez und ein Portemonnaie mit Inhalt enthtelü Die Gegen- stände sind abzuholen bei Hugo Brandt, Grünthaler Str. 43 v. ptr., m der Zeit abends von 7—8 Uhr. Radrennen in Treptow. Donnerstag, 1. Mai. Vom Wetter begünstigt, verliefen die hauptsächlich den„Fliegern" vor- behaltenen Rennen spannend und ohne Unfall. Rült und Lorenz erwiesen sich ihren Gegnern überlegen: sie belegten sowohl in dem über 10 Kilometer führenden Prämienfahren, wie in dem Zeitfahren über zwei Bahnrunden die ersten Plätze. Die über 10, 20 und 30 Kilometer führenden Dauerrcnnen wurden von dem Berliner Demke und dem Holländer Dickentman bestritten. Demke siegte in allen drei Läufen: in dem ersten überlegen, da der Motor seines Gegners versagte, in den beiden anderen Läufen gab es wiederholt scharfe Kämpfe. Ergebnisse: Malfabrcn für Klasse C. 900 Meter. 1. H. Rabe, 2. 23. Thcis, 3. Kcndelbacher, 4. Vierck. In drei Borläufen 28 Fahrer. Malfahren für Klaisc B. 900 Meter. 1. T e ch m e r, 2. Schwab, 3. Fr. Hoffmann, 4. Kttdela. Zettfahren über 2 Runden. 100, 60, 40, 20, 10, 10, 10 M. Drei. zehn Fahrer fahren einzeln: die Wertung erfolgt nach der benötigten Zeit. I. Rütt 40Ü, Sek., 2. Lorenz 41'/,, 3. Kudcla 42, 4. Schwab 42, 5. Techmer 42'/,. 6.?. Wcgenci 42'/,, 7. Fr. Hoffmann 42'i, Sek.: ferner Pawte 43, Fwn 43'/,, Rudel 44'/,, Tadewald 45, Ehlert 45'/, und Tctzlaff 45'/, Sek. Prämienfahren ohne Schrittmacher. 10 Kilometer. 125, SO, 50, 30 M., ferner 29 Prämien a 5 M. dem ersten jeder Runde. 1. R ü t t in 11 Min. 6'/, Sek., 2. Lorenz, 3. Finn, 4. Kudela. 37 Fahrer werden in einem Lauf abgelassen: nach und nach lichtet sich das Feld, von dem sechs Fahrer dicht geschlossen das Ziel passieren. Match Demke-Dickentman mit Motorsührung. 500, 400 M 1. Lauf(10 Kilometer) 1. Bruno Demke in 9 Mm. 3'/, Sek. 2. P. Dickentman, 2200 Meter zurück. Dickentman bleibt von Ansang an zurück, in der 12. Runde wird er zum erstenmal überholt; da sein Motor versagt, verliert er noch 7 Runden.— 2. L a u s(20 Kilometer): t. D e m k e in 17 Min. 34'/, Sek.; 2. Dickentman, 110 Meter. Spannendes Rennen. Demke geht wieder als erster vom Ablauf, doch Dickentman nähert sich ihm wiederhol!, er kommt indes nicht vorbei.— 3. Lau!(50 Kilometer): 1. Demke in 26 Min. 23'/,«ek.; 2. Dickentman, 1250 Meter zurück Diesmal nimmt Dickentman die Spitze; Demke greift ihn an, doch verliert er bei einem Versuch in der 40. Runde, seinen Gegner zu überholen, den Anschluß und bleibt dadurch zurück: doch bei einem zweiten Vorstoß in der 59. Runde kann er den Holländer passieren, der bis zum Schluß noch 3 Runden verliert. Vorort- Nachrichten. Im Landkagswahlkreise Tchöneberg-Neutolln hat jetzt eine lebhafte Agitation eingesetzt. Liberale sowohl wie unsere Genossen sind mit der Abhaltung öffentlicher politischer Ver sammlungen auf dem Plan erschienen. Ter sozialdemokratische Kandidat des Kreises, Genosse Otto H u c stellte sich vor einigen Tagen den Urwählern Schöncbergs vor. Mehr denn tausend Personen füllten Saal und Garten der Schloßbrauerei. In seinem vielfach durch Beifallskund gedungen unterbrochenen Referat verwies der Redner vorerst darauf, daß den Landtagswahlen von vielen Staatsbürgern nicht das Interesse cittgegengebracht werde, das es verdiene. Wenn im Preußcitvolk« der Geist herrschte, der unsere belgischen Freunde bei ihrem jetzigen Kampfe beseelt habe, wäre dos Schmachgcsctz der Dreiklassenwahl schon läng st über Bord geworfen. Jeder energische Vorstoß zur Besse rung der Verhältnisse wcvd« durch die klcrikal-konservativen Gegen zöge im Landtage vereitelt. Unsere kleine Schar im preußischen Landtage habe sich wacker geschlagen und versucht, der bedrückten Bevölkerung Erleichterung zu verschaffen. Selbst die Freisinnigen hätten sich, besonders in der Wahlrcchtsfrag«, nicht als energische Bolkspartei erwiesen. Tie bürgerlichen Parteien aller Schaiiierun- gen wollen eben die bestehenden Zustände aufrecht erhalten und sie nur hier und da mit Flicken belegen. Während konservative Organe den König selbst zum Wortbruch auffordern, sei die Sozialdemo- kratie die einzige Partei, die für völlige Einlösung des Königs- Wortes bezüglich der Reform des Wahlrechtes für den preußischen Landtag eintrete. Das Zentrum vermenge religiöse Empfindungen mit politischen Tendenzen, um seinen votkSseindlichcn Einfluß auf- recht zu erhalten. Der preußische Landtag, das Parlament der Be- vorrechtigten sei ein Gegengewicht für den ans allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Reichstag. Wolle man im Reichstage einmal wirklich fortschrittliche Arbeit leisten, dann trete der preußische Landtag dazwischen mit seinem kulturfeindlichen Einslutz der Hchd«. brand und Genossen. Ihr Wille sei der Regierung Befehl. Des- halb komme man auch auf dem Gebiete des Arbeiterschutzcs nicht mehr weiter. Wurde doch die Novelle zur Gewerbeordnung, nach zweijähriger Arbeit, einfach auf Kommando der Machthaber im preußischen Landtag als unannehmbar bei Seite geschoben. Seine Wünsche in der Selbstvertvaltung der Krankenkassen hat der preu- tzische Landtag aus Umwegen in das Gesetz gebracht. Welche Le- deutung der preußische Landtag für das deutsche Volk habe, ergebe sich ferner aus seinen Vorstößen gegen das Streikrccht und Streik- pastenstehen, seine Stellung zur Streikjustiz. die sogar Mütter mit rhren Säuglingen hinter Kerkermaucrn setzt, weiter die Stellung zur Heiligkeit de? Eigentums, in Gestalt der bekannten Polen- Politik, die, nach Rezepten preußischer Junker Polen von ihrem alten Besitztum verdrängt; außerdem sei der konfessionellen Ver- hetzung in Rheinland-Westfalen zu gedenken, die ihre Keime durch die Kulturkampfgcsetze gelegt, sowie der Vergewaltigung der Minder- hcit im Falle Borchardt-Leinert. All diese Zustände habe im Jahre 1906 noch der bekannte chrisilich-nationale Arbeiterführer Gicsbcrts gctennzcichnct, indem er erklärte, daß man sich fast schäme Preuße zu sein. Dabei sorge er selbst dafür, daß die Gewalt der Junker und Jndustriebarone erhalten, ja sogar ausgedehnt werde. Das babc der letzte Bcrgarbeiterstreik bewiesen. Der preußische Landtag lasse auch zu, daß die Schätze dieser Erde von einem großkapitalisti- schcn Konzern, den Stinncs, Kirdorf und Genossen ausgebeutet werde, obwohl das Recht des Schürsens Allgemeingut sei. Di« Wucherpolitik des Kohlensyndikats habe ihre Drahtzieher im prcußi. scheu Landtag. Solche Zustände �cien auf die Dauer zwar unhalt- bar, zurzeit bedrücken sie uns aber noch. Das habe selbst der neue Präsident der amerikanischen Republik anerkannt und den Kar- tcllcn. Ringen und Trusts den Krieg erklärt mit dem Hinweis, daß dem Volke bald die Binde von den Augen fallen möge. Das wünschte der Redner auch zum Schluß für Preußens Volk, damit sie ihre Feinde besser erkennen. Anhaltender Beifall lohnic seine trefflichen Ausführungen. Zur Kandidatur bczw. zur Ausübung des eventuell zu übertragenden Mandats gab Huc die Erklärung ab, daß er nicht als Berg- oder Metallarbeiter, sondern als K l a s s e n g c n o s s e die Interessen seiner Wähler zu vertreten gedenke.— Trotzdem vom Vorsitzenden Küter etwaigen Gegnern vollst« Redefreiheit zuge- sichert war. meldete sich keiner. Nachdem noch Genosse Köster zur Diskussion das Wort ergriffen, schloß die Versammlung mit einem kräftigen Appell an die Genossen und Freunde unserer Sache, am Wähltage ihre Pflicht zu tun und so viel als möglich sozialdemo» kratischc Wahlmänner durchzubringen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Mariendorf. Montag, den 5!!»ak, nachmittags 5 Uhr: Außerordentliche Sitzung im Rathaiissitznngssoale. Kafferffraße. Diele Ei Nun gen find Sffcnllich. Jeder Gemcindeangehörig« iü be- rechtigt, ihnen als Zuhiircr beizuwohnen. kommen, und wollen sich diese schon jetzt in der Turnhalle. Bergmannstr. 29, heim Turnwart melden; daselbit wird bereitwilligst Auskunft erteilt. Das Anturnen der Männerabt eilungen dcS Turner- kartells.Rummelsburg- Lichtenberg- FriedrichSfclde- findet am Sonntag, den 4. Mai, nachmittags 3 Uhr, aus dem Turnplatz in Friedrichs. selde.Treskow-Allcc, statt. Geturnt wird: Weitsprung aus dem Stand. Weithochspringen, Speerwersen, Kugelstoßen und lOO Meter» Hürdenlaus. Außerdem werden Wettspiele ausgetragen. Gäste sind herzlich willkommen. Ter Arbeiter-Turnvercin Weisiensce hält ebensallS am Sonntag ans dem Turnplatz Falkenberger Str. 152 sein volkstümliches Anturnen_ ab. Von dem reichhaltigen Programm seien die hochinteressanten Staffettenläuse erwähnt. Gäste, wie immer, herzlichst willkommen. Am Sonntag, den 4. Mai, veranstaltet der Arbeiter- Samariter- verein für Ober-Schöueweide und Umgegend eine Besichtigung der Wohlfahrts-Ausstellung in Charlottenburg(Frauenhoferstr. 11/12) unter sachkundiger Führung. Treffpunkt im Samariterheim, Lber-Schönelvetdc, SiemenSstr. 12, um 12'/, Uhr. Gäste willkommen. Hu 9 aller Älelt. Der Herr Leutnant. Der Kaiser hat seinen künftigen Schwiegersohn, den Prinzen August von Cumbcrland. gleich nach der Verlobung zum Oberleutnant im Rathcnmver Husarenregiment ernannt. Wie die Scherlpresse nun in die Welt hinausposaunt, ist der Prinz am 2. Mai zum e r st e n m a l nach seinem Garnisonort gefahren, um sich dort zu melden und im Kreise der Offiziere zu speisen. Nach der Hochzeit wird der Prinz auch so rasch nicht zum Dienst kommen, so daß man wirklich fragen muß, ob diese Oberlcutnantsstelle nicht als überflüssig gestrichen wcrocir könnte. Todessturz zweier Militärflieger. Ein schwerer Fliegerunfall ereignete sich am Mittwoch- abend in D arm st a dt. Gegen 7 Uhr war Leutnant v. Mirbach mit Leutnant v. B r u n n als Beobachter auf der Flicgerstation mit einem Euler-Doppeldecker aufgestiegen. Die Flieger versuchten anscheinend zu landen, als das Flug- zeug wenige Meter über dem Boden zusammenbrach. Beide Flieger kamen unter den Apparat zu liegen. Leutnant v. Mirbach starb nach 20 Minuten, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Leutnant v. Brunn ist später im Garnisonlazarett seinen schweren Verletzungen erlegen. 8piel und Sport. $ic II. Männer Abteilung des Turnvereins.Fichte« oder Südwest-Abteilung versammelt sich' am Pfingstsvnnabend um'1.3 Uhr am Anhalter Bahnboi zu einer Turnfahrt mit?lbkochen. Die Partie führt in die S ä ch f.- B ö h m- Schweiz. Gäste sind zu dieser Turnfahrt will- Gewitterschäden. Heber dem Murrtale lWürttevtberg) ging Donnerstag nachmittag ein heftiges Gewitter nieder. In Rcnchcnbach wurde ein Sohn des Anwaltes Küblet vom Blitz erschlag e n» während ein anderer junger Mann betäubt wurde. Ferner wuroc in Allmersbach der 18jährige Mechaniker Schön leber und in Haubersbronn(Obcramt Schorndorf) eine Frau,»ie Mutter von sieben Kindern, durch den Blitz getötet.— Bei einem über dem Taunus niedergegangenen Gclvittcr schlug der Blitz in eine hinter dem Herbstbcrgturm gelegene Jagdhütte ein. Dabei wurden 15 Personen betäubt. Zwei Damen auL Frankfurt a. M. wurden schwer verletzt. «» Aus den W o l g a st ä d t c n sind Nachrichten eingelaufen von großen Schäden, die ein Orkan mit darauffolgendem Schnee und Frost angerichtet hat. In Samara,-saratoiv und Ssimbirsk ist eine große Anzahl von Kähnen gc- funken; mehrere Barken wurden von den Ankern losgerissen und mehrere Flöße gesprengt. In Ssimbirsk zerschellte ein klein-r Dampfer. Tic Mannschaft wurde gerettet, dach wird ein Mann vermißft Zu Lande sind viele Häuser beschädigt und ihre Dächer fortgerissen worden._ Erlebnisse in der Apachenkneipe. Ein pramatiscktes Verbrechen, das an die Schilderungen Eugen Sucs aus den„Tiefen von Paris" erinnert, hat sich Mittwoch nacht in einem kleinen Restaurant in dem übelberüchligtcn Viertel der Pariser Hallen zugetragen. Gegen fünf Uhr morgens erschienen zwei elegant gekleidete noch sehr junge Leute in Begleitung zweier Tänzerinnen in dem Restaurant und setzten sich, obwohl das Lokal von zweifelhaften Etenientcn wimmelte, an einen Tisch im Hinte» gründe. Ein Apache trat an die Gesellschaft heran und sagte in dem in dieser Sphäre üblichen Ton:„Na, gebt uns mal etwas zum Besten."„Sehr gern," erwiderte einer der Herren im Frack. Siwcit giitg alles gut. Bei der Zahlung der Zeche ließ jedoch einer der jungen Leute ein dickes Bündel mit Banknoten sehen. Bevor es der Gesellschaft gelang, das Restaurant zu verlassen, waren sie im Augenblick von einem Haufen Apachen umgeben, die m i t M e s s c r n a u f s i e e i n st a ch c n. Die Tänzerinnen slüch- tetcn laut schreiend und holten von der Straße einige Polizisten, die indes zu spät kamen. Wirt und Gäste waren cuis dem Lokal verschwunden, einer der jungen Leute tag von sechs Messer- stichcn durchbohrt tödlich verwundet am Boden, während' sein Begleiter mit leichteren Verletzungen davon- gekommen war. Die Beute der Verbrecher bcläuft sich auf 100 000 Frank. Es handelt sich �bci dem Opfer um den LOjährigen Studenten der Rechte, den Sohn einer bekannten politischen Person- lichkeit. Die Aerzte haben wenig Hoffnung, den jungen Mann am Leben zu erhalten. Trotz eifriger polizeilicher Nachforschungen fehlt von den Räubern jode Spur. Kleine Notizen. Schweres Tampfcrunglück bei Cuxhaven. Dannerstag früh stieß beim Elbefeucrschiff 2 der von Cuxhaven ausgehende englische Dampfer„Mozart" mit dem einkommcnden schwcdiscken Dampfer„Flora" auS Gothenburg zusammen. „Flor a" sank. Zwei S t e w a r d e s s e s. ein H c i z e r und ein Matrose ertranken; der Kapitän, acht Mann und eine Stewardeß wurden gerettet. Großfeuer in Storkow. Auf einem Solzlagerplatz in Storkow brach Donnerstag vormittag ein Feuer aus. das bald eine große Ausdehnung annahm. Ter heftige Wind trieb die Flammen nach einem gegenüberliegenden Hause und setzte es in Brand.->e Orisfeuerwehr und samtliche Wehren der umliegenden Ortichaften eilten herbei, doch gelang es erst noch stundenlangen Bemühungen, den Brand zu löschen. Bei dem Zusammenbruch des Hauses wurde der S ch l o f f e r m c i st e r K a i f c r von der FriedcrSdorfer �11 ehr von herabstürzenden brennenden Balken erschlagen..5 w e: andere Fcucrleute erlitten crhcblickc Ver- l e tz tt n g e n. Ungetreuer Konkursverwalter. Nachdem erst vor kurzem in Rathenow der Konkursverwalter Ernst Marks etwa m. Konkursgelder unterschlagen hatte, wurde am Freitag der KonkurSverivalter Ernst Weidcmann wegen Veruntreuung von etwa 40 000 M. Konkursgelder verhaftet. Automobilunglück in Wladiwostok. Ein Kraftwagen, in dem der Festnngskommandant N i s ch t s ch e n k 0 w m't setner Familie saß, stürzte in der Nähe der Stadt von einer herab. Ter Kommandant, seine Frau und Tochter wurden dabei schwer verlebt, sein Sohn wurde getötet» dem Ehauf.fcur wurden b c i o'e Füße abgert,, cn. Großfeuer in Algier Ein Großfeuer hat in Algier eine Schwefelniederlage am Hafen eingeäschert. Bct den �ofcharbctten wurden ein F c u c r w c h r ha u p t m a n n und c t n �«uer- wehrmann schwer verletzt, wahrend acht Feuer« wehrlxute letchtexe Leiletzunzen dgvontrugciu Beffentliehe politisehe Versammlungen, Schiffseigner, Boots- und Steuerleute, lhei?er und Mafchinitten! Sonntag» den 1. Mai, nachmittags 3 Uhr» Große öffentliche Schifferveriammlung in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 96/97, Ecke Jnselstraße, zu Berlin. Ta gesordnung: Die bevorstehenden preußischen Landtagswahlen am 16. Mai 1613 und ihre Bedeutung sür die Binnenschiffahrt. Referent: Reichstags- und Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Karl Liebknecht. - Z�reie Diskussion.=================== 210/8 Ter Einberufer. H. Herbst» Berlin N. 58, Lettestr. 7. Verkauf nur im Fabrikgebäude! I ■35 Sie sparen Geld! g Übel Möbelfabrik! iH. Walter M.:Willi Maaß, ää ssJ Tel.: A. III. 5157« kauten. Verkauf nur im Fabrikgebäude— eigene N Tischlerei und Polstere!.— AufWunsch Teüsahfung. 35■■Permanente Musterzimmer-Ausstellung.■■ 35 i iiiais- Garderobe! 4—500 getragene Anzüge füt Herren; Smoking, Frack» und Gebrock- Anzüge(auch zu ver- leiben), Sommerüberzichcr sowie v. Kavalieren getragene, sasi neuc Sachen sa.Seide), s. jed.Figur pass. in größter Auswahl z.unübertrojf. billigen Preisen. 1Tr.,desbalbbilliger wieiln Laden. WI[ieIerlaü!n,,TÄ0i3"i tstber Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zemenibranetae. Montag. den 5. Mai, abends 8'/} Uhr. im„Marinehaus«, Am Köllnischen Park(an der Jannowitzbrücke): Mitglieder- Vers ammlung Tagesordnung: 1. Neuwahl des«ektionsleiters. 2. Verschiedenes. M?" Mitgliedsbuch legitimiert.-MZ 142/0' Zahlreichen Besuch aller im Gips» und Betoubaugewerbc beschäsiigtcn Kollegen erwartet Ver Vorwtaud. Verband der Brauerei- u. KQHIenarbeUer und verwandter Berufsgenossen. Sin. Gcschästsstelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher; Amt Norden 4518. Sonntag» den 4. Mai rr.» nachmittags 2 Uhr: Gruppenversammlung Mühlenarbeiter im Gewerkschaftshans, Engclufer 15(Saal I). Tagesordnung: Die Autwort des Arbeitgebcrverbandcs auf die eingereichte Tarifvorlage. Kollege»! ES ist Eure Pflicht, Mann sür Mann in dieser Versammlung zu erscheinen. 43/8 Die Ortsverwaltung. Die(«ruppenlritung. Deutscher Tabakarbeiter-Verband 1 Ortsverwaltnng Berlin.===== Dienstag, den 8. Mai, abends 8>/z llhr» bei Boeker, 0. Wcbcrstr. 17: JVfftglicdcr-VcrfatniiiSiiiig Tagesordnung: 1. Konsumvereinswese» und Volksfürsorge. Genosse Birn«. 2. Abrechnung sür daS 1. Quartal. 3. Verschiedenes. Genosse Hirus spricht an Stelle des verhinderten Koll. Gauleiter Hontzschel. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.-<8*2 Bltglledsbiich gilt als liegltimation. Beiträge werde» am Saaleingang eiltgegcngenommc». iSin* Die Ortsverwaltung. Nach mehrjähriger Ausbildung in d. Chirurgie, Augenheilkunde, inneren Jledizin u. Uro-Dermato- logie habe ich michhiera.Spezial- arzt f. Haut-, Harn- u. Geschlechtskrankheiten niedergelassen. Dr. Robert Kiokow, Potsdamer Str. 32, a. d. Lützowstr. Sprechzeit 12-3. 5-7, Sonntags 11-1. Fernruf: Kurfüi-st 5260. 191/1* Keine Fülolen. wöchentliche Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig und nach Kass! Garantie für tadc!> losen Sitz. Jsms MnMfü 0ranienstr.160L zwischen Horih- u.Oranlenplaiz. j Bitte genau auf Strasse t lu Hausnomnttrzu achten. I Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Keriin. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. c 34. Linienstr. 83/83. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Sonntag, den 4. Mai 1913, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags finden die Wahlen der w Delegierten für den diesjährigen Berbandstag in B r e s l a u sowie der 2 Revisoren für die Ortsverwaltung in folgenden Lokalen statt: Kaeioiwsiüs Restaurant,«. Sehwedlers Restaurant, Ackcrstr. i»». Gbigios Festsäle,»ehwedter««>-.«»«s. Gliesehes Restaurant, Kopcnhagener»tr. 74. Swiuenillnder Cesellschaftshaus, sst?Xtt4«fr Voigts Theater,»«d»�. s«. Fraukes Festsäle,»»d.tr..0. Nebels Restauraut, nax.tr. iab. Funkes Festsäle, Tmutr.«». Krouen-Brauerei, Ait-Moab« 474». Falzenliofer Brauerei, Tarn.»tr. ss«s. Wiemers Festsäle, Bmowstr. s«. Gewerkschaflshaus, KnScinfer 15. Fröhiicbs Restaurant, nookaaer st*.». Nitschkes Restauraut, Beicbenbergc*»t*. s«. Eiekes Restaurant, schönicinstr. 6. SebüDemanns Restaurant, au* jakobst*. 144. Späths Restaurant, Cleorgenkirchstr. 65. Heckers Fesi�.urant, samariterst*. n. Conieuius-Säle, Memeler Sir. 67. Boeker, weberstr. 17. Roll, Sfraßmannsfr. 2». Neukölln, Bartsch, Hermannslr. 40. „ Zibell, Elbest*. 8. Iden, Harzer Str. 88. '' Rüekheiin,»«rg.�.»7. Schöneberg,.Vereinshaus, Haapt««*. 5. Baumsehulenweg, Boches Restaurant, Tempelhof, Wilhelmsgarten, B«*!»»«* st*, s. Charlottenburg, Volkshaus, ao«inenstr. 3. Köpeniek-Friedriehshagen, Lehmann, Köpenick, Buhnhofstr. 44. Stralau-Rummelshurg, Blume, au Boxhagen se. Lichtenberg, Ertelt, piarrst*. 74. Sieglitz, Älbreehtshof, Aibrceht.tr. 1«. Ober- Schöneweide, Warnicke, Wi,.htcr,.,ß,ent8!,of' Ädlershof, Restel, Friedcn.t*. 14. Wildau, Kordaneck, wudane* Hör. Weißensee, Peukert, Benmer aucc-51. Tegel, Beinicke, Bmnow.t*. 23. Reinickendorf, Blende, AngnuWcÄ �e. Spandau, Mudetzky, Bi.marck.t*. s. Pankow, Rozyekl, Kren..tr. 34. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Die Stimmzettel werde» am Eingang zu den Wahllokale» verteilt. Wahlleiter ist der Zkollege �Vilbelm Sicring, Linienslr. 83/85. Montag, den 5. Mai 1913: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden! Pharnasaic, Mnllerstr. 142. abends 8'/, ithr. Norden' �i?fM Fe. taste, Schwebtet Strahe S3. abends Norden! k'rankSa feataSle, Badstr. 19, abends 81/, Uhr. Unwrlan*„Swinemtindcr tieaellachaftabana-', Swine- Ii 61 UCll» münder Straße 4S, abends 8'/, Uhr. Tegel! HSIIera Keatanrant, Berliner Str. 84. abends 6 Uhr. Mnahit« Hoablter(■esellacbattsbans, inuaull. abends 8>/z Uhr. Wirlefstr. S4, BStrla Karlwgarten,«ncsebcckftr. 11.3. abends 6>L Uhr. Westen und Schüneberg: 0S{6n! Comcnlnsattle, Memeler Straße 67, abends 81/, Uhr. Lichtenberg: SÄ" � ErIlst.69 c Auto-Fnhpschulen 1 QUlllfO Frankfurterstr. 44 OullliG Eintr.tägJ., Teilz.gest. � Bfickoragen, Konditop. J Blotiner's ßroßbäckerei Geschäfte In Bapfln, ChaplottenburDi SchSnaberg, Wilmepsdopf.| A�nms, V.Uh-, LecürmiiailenlrTu. Frledr. Bars, Landso. Allee 14G Paul Berger, Mirbachstr. 29 K. Biedermann, Gryphrasstr. 18. Paul Delly, Markusstraße 15. Albert Denkcwi�, Jabloaskistr. 14 Dollwa, Ferdinand Toreiistr. 4 I Ers L_� cheint 2 mal Schentlich. J. Ch. Pollmann, Lothriagerstr. 60 Ppiohp Ä Seydelstraße 15. IVCILllC, H. Lief. aiierKassen � BeleuchT-aeBennt.) Büttner, A., Danzigeratr. 96. | Beaugsquellen-Veraeichnis. C Drogen u. Farben D Reinh. Assmus, Gerichtstr. 10. Gustav Bersug, Weiden weg 80. SWM.Mi.sWMA Prinz Handjeriestr.2Nkl.G. Wölff. KIahn,HMM;llD. Kaiser- a�riedric bat. 236 KDfi52{!et![-Drog.,He™tn»t.ii9. KröningeAdler-Drogerie.Raralerstr.?. P.Lehrke�ottbaserDaiDmSl-SEjrarfüin Altr. Marsch, Culmstr. 37. Rathaus-Drogerie, Ntlln. Donaiistr. 24. llfipma!in8{r.57G.Neukfil,n R. PrenzeL 2rot-Fabrik„Vorwärts" Hermann Ullrich, Köpenick. Franz Faulwetter, MaDteaöeIstr.67. E. Freyer, lilameastr. 72. E. Markussir Georg Genz, Memelerstr. 20 A-BessnerlusrÄr'-38 Gumnior, R. Posenerstr. 16. GSrlng, Hugo Greifswalderst. 225 M. 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Von diesen wird lediglich der Antrag angenommen, daß der Versammlungskalendcr abge- schafft werden soll. Dem Vorstand überwiesen wurde folgender Antrag: ..Alle 14 Tage oder auch monatlich ist eine vierseitige Bei- läge in handlicher Größe der„Bergarbeiter-Zeitung" beizufügen, welche nur ausschließlich Berichte und Abhandlungen auf dem Gebiete der einschlägigen Gesetzgebung, des Berggewcrbegerichts und des Knappschaftswesens bringt, so gestaltet, daß diese in einer Mappe oder dergleichen bequem gesammelt, eingelegt oder geheftet und als Nachschlagewerk dauernd benutzt werden kann. Des weiteren halbjährlich oder jährlich ein Inhaltsverzeichnis, welches das Aufsuchen gewünschter Artikel bedeutend erleichtert." Ueber die Lohnbewegungen berichtete nun das Vorstandsmitglied Witt-Bochum. Er unter- zog die wichtigsten Bewegungen, besonders den Streik der Braun- kohlenbergarbeiter im Jahre 1911 und den der Steinkohlenberg- arbeiter 1912 einer Betrachtung. Der Vcrbandstag in Eisenach habe den Vorstand beauftragt, sich mit der Einführung von Tarif- Verträgen zu befassen. Im Zeitz-Weißenfelscr Braunkohlenrevier wurden ini März 1911 den Unternehmern Tarifverträge eingereicht. Diese lehnten aber die Tarifvertragsvorschläge rundweg ab. Sie lehnten auch ab, darüber in Verhandlungen einzutreten und behaup- teten, im Bergbau seien Tarifverträge unmöglich. Sie wollten die Organisation nicht anerkennen. Am 14. April fand in Leipzig eine Konferenz von Vertretern und Delegierten der beteiligten Örgani- sationen statt, welche beschloß, den Belegschaften zu empfehlen, die Kündigungen einzureichen und zu versuchen, die Forderungen mittels des Streiks durchzusetzen. Die Kündigungen wurden am 24. April eingereicht, und am 8. Mai traten etwa 6999 von den 8599 im Revier beschäftigten Arbeitern in den Ausstand. Die Unternehmer bemühten sich eifrig, Ersatz für die streikenden Ar- beiter in das Revier zu bekommen, doch mit wenig Erfolg. Die Werbetätigkeit der Unternehmeragenten war ziemlich erfolglos, und das Menschenmatcrial, welches sie zusammenbrachten, tvar so minderwertig, daß damit auch nichts anzufangen Ivar. Nichts- destoweniger war der Kampf erfolglos; er wurde nach 14wöchiger Dauer am 14. August abgebrochen. Dieser Mißerfolg lag daran, daß es trotz des ziemlich allgemeinen Streiks nicht gelungen ist, die Braunkohlenproduktion Mitteldeutschlands in erheblicher Weise zu beeinflussen. Was im bestreikten Revier weniger gefördert wurde, wurde in anderen Braunkohlenrevieren, besonders in der Riederlausitz, im Merseburg-Mügeler und im Bornaer Revier, durch Mehrfördcrung herausgeholt� Da die Unternehmerorganisation den bestreikten Werken zur Seite stand und dieselben unterstützte, war unter den obwaltenden Verhältnissen an einen Erfolg nicht zu denken. Die übrigen Braunkohlenreviere aber in den Streik mit hineinzuziehen, war nicht möglich wegen der Schwäche der Or- ganisation in jenen Revieren. Wir werden aber, sagte Witt unter Zustimmung der Generalversammlung, so lange Sturm gegen die Willkürhcrrschaft der Unternehmer laufen, bis sie beseitigt ist. Der Redner ging nun auf den vorjährigen Streik im Ruhrgebict ausführlich ein. Dieser habe gezeigt, wie schädlich die Zcrsplittc- rung der Arbeiterorganisation sei. Er habe aber auch aufs neue bewiesen, daß der christliche Gcwerkvcrein nur zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gegründet wurde. Die Bewegung sei von den Ehristlichen als antinational bezeichnet, um so die öffentliche Mei- nung gegen die streikenden Bergarbeiter einzunehmen. Witt legte die Berechtigung und die Notwendigkeit des Streiks dar und kenn- zeichnete das schmähliche Verhalten der Christlichen— ihre Ver- schleppungsversuchc, den Streikbruch. Ruf nach Schutz der Arbeits- willigen, nach Polizei und Militär— in gebührender Weise. Durch den fluchwürdigen Verrat der Christlichen seien die Bergarbeiter nicht nur um die Früchte des Kampfes gebracht worden, sondern es wäre ihnen ein unberechenbarer Schaden zugefügt worden. Die Unternehmer seien Sieger in diesem Kampfe gewesen. Das hätten sie sich zunutze gemacht und die Bergarbeiter nicht in dem Maße an dem Segen der Hochkonjunktur teilnehmen lassen, wie sie es hätten tun müssen, wären die Bergarbeiter nicht besiegt worden. Wären die Arbeiter der Kapitalmacht unterlegen, dann müßte man sich mit dieser Tatsache abfinden. Aber daß sie unterlegen seien infolge jenes niederträchtigen Verrats, den gewissenlose Arbeiter- Verräter in berechneter Absicht begangen haben, das sei tief be- dauerlich. Das tollste aber wäre, daß die Christlichen die Organi- sationen, die den Streik geführt haben, und besonders den Berg- arbeiterverband, dafür verantwortlich zu machen suchen, daß die Bergarbeiter nicht in genügender Weise an den Gewinnen der Hochkonjunktur teilnehmen. Das wäre doch der Gipfel der Unver- irorenheit. Demgegenüber brauche doch nur darauf hingewiesen werden, daß selbst die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" nach dem ■streit schrieb, der Streik hätte gewonnen werden können, wenn es gelungen wäre, alle Bergarbeiter in den Kampf hineinzuziehen. s. hne den von den Christlichen organisierten Streikbruch wäre der streik ein vollständiger und darum siegreich gewesen. sZustim- mung.) An dem Streik beteiligten sich rund 229 999 Bergarbeiter, und zwar nahmen in der Hauptsache die unterirdisch beschäftigten Arbeiter am Streik teil. Von diesen waren über 79 Proz. am Streik beteiligt. Ter Referent schilderte weiter, wie die Streiken- den und ihre Familien behandelt wurden. Polizeihunde seien auf sie gehetzt worden.(Pfui-Rufe.) Hunderte braver Bergarbeiter und Bergarbeiterfraucn hätten ins Gefängnis müssen, obwohl sie nichts gktan haben; sicherlich viele auf Grund falsch geleisteter Eide. tLebhaftc Zustimniung9 Der Referent zeigte hierauf, wie radikal die Christlichen reden können und wandte sich södann gegen die Kritiker, die sagten, ohne die Christlichen hätte man nicht in den Streik gehen sollen. Was solle man machen, wenn die Christlichen keine Lohnbeivegungcn wollen? Wohl hätte man den christlichen Führern nicht viel zugetraut, aber geglaubt, daß die christlichen Arbeiter in ihrem größten Teil an einem solchen Verrat nicht teil- nehmen. Diche Lohnbewegung sei ein schwarzes Blatt in der Bergarbeiterbewegung. Redner betonte zum Schluß seiner Aus- kübrungen, die verfloucnen Kämpfe hätten die Schädlichkeit der Arbeiterzersplitterung gezeigt. Mögen die Bergarbeiter sich dies merken, mögen sie sich einheitlich organisieren wie ihre Feinde, dann werden wir solche traurigen Vorkommnisse nicht mehr zu beklagen haben. Dann werden wir trotz der Strcikbruchfirma unser Ziel creichen: Die Befreiung der Bergarbeiter von dem kapitalistischen Joch!(Lebhafter Beifall.) In har Diskussion wurde den Ausführungen des Referenten zugestimmt und sie noch ergänzt. Aus den Reden klang eine große Erregung und Em- pörung über die christlichen Taten—„Schurkereien" nannte sie ein Delegierter. Unter lebhaften Pfui-Rufen sagte ein Redner, der Verrat der Christlichen sei so weit gegangen, daß ein christlicher Bruder den sozialdemokratischen Bruder wegen Belässigung ins Gefängnis brachte. Ter Standpunkt der Generalversammlung zu diesem Punkte kam in nachfolgender Resolution zum Ausdruck, die ein- mütige Annahme fand. „Tie Telegieten der 29. Generalversammlung erklären sich mit der Haltung des Verbandsvorstandes vor und während des vorjährigen Streiks ausdrücklich einverstanden. Bei der außerordentlich günstigen Lage des Bergbaues, bei dem Ar- beitermangel und der damaligen Ausschaltung der Konkurrenz der englischen Kohle mußte es selbst ohne Beteiligung des christ- lichen Gewerkvereins gewagt werden, den vom Zechenverband abgelehnten, aber sehr berechtigten Forderungen durch Streik zur Annahme zu verhelfen. Das wäre auch gelungen, wenn die Macher des christlichen Gcwcrkvcrcins nicht durch verlogene, auf- gebauschte Berichte über Terrorismus das Militär hcrbeigc- rufen und die Mitglieder des Gewerkvereins hierdurch und durch sonstige Drohungen größtenteils zum Streikbruch zwangsweise veranlaßt hätten. A>ie Leitung des christlichen Gewerkvercins hat dadurch den letzten Rest des Vertrauens und Ansehens ver- l o r e n. Deshalb wird der Verbandsvorstand ersucht, die jetzt im Wurinrcvier und in Oberschlesien geübte Taktik beizubehalten. Den vom christlichen Gewerkvcrein kürzlich eingeleiteten Schein- Lohnbewegungen ist das allergrößte Mißtrauen entgegenzusetzen. Ter Vorstand soll erst dann mit dem christlichen Gewerkverein wieder gemeinsame Bewegungen machen, wenn der christliche Gewerkvercin durch Tatsachen beweist, daß er es ernst meint und im Bedarfsfälle auch vor Streiks nicht zurückschreckt. Wenn die Leitungen des christlichen Gewerkvercins oder der anderen Organisationen selbständig, ohne unsere Verbandsleitung vorher zu verständigen, mit Bewegungen vorgehen, sollen unsere Mitglieder trotzdem Solidarität üben, wenn es dabei zu Streiks kommt. Aber alle Verantwortung fällt auf die Organisationen, die ohne uns das Vorgehen einleiten." Das Referat über den Punkt: „Die Massenunglückc im Bergbau" hielt Waldhecker- Bochum: Im Jahre 1912 hätten sich die Massenunglücke im Bergbau in geradezu unheimlicher Weise ver- mehrt. Darum habe es der Vorstand für notwendig gehalten, daß die Unzulänglichkeit des Bergarbeiterschutzes auf der Generalver- sammlung hervorgehoben wird. Der Redner erinnert an die ein- zclnen Unglücke in den letzten Jahren. Die Häufigkeit der Massen- kastastrophen stehe im ursächlichen Zusammenhang mit der Kon- junktur. Bei Hochkonjunktur sei die Zahl der Unfälle eine viel größere. Der Schutz der Bergarbeiter gegen Unfallgefahren wäre völlig ungenügend. Auch die Einführung der Sicherheits- m ä n n e r habe nicht dazu beitragen können, um eine weitere Steigerung der Unfallzahlen zu verhindern. Aber nicht die Sicher- heitsmänner seien schuld, daß ihre Tätigkeit noch keine greifbaren Erfolge aufweisen könne, sondern die Werksherren. Pflicht der Aufsichtsbehörde wäre es, die Sichcrheitsmänner zu unterstützen. Das Gegenteil ivärc aber der Fall, nicht unterstützt, sondern ge- drückt würden die Sicherhcitsmänner. Als Mittel, die Tätigkeit der Sicherheitsmäniier zu unterbinden, bezeichnet der Redner: 1. Die Beeinflussung des Arbeitcrausschnsses, daß er die Be- fahrungen der�Sichcrheitsmänner wegfallen läßt. 2. Der Sicherheitsmann wird gegen seinen Willen an eine schlechte Arbeit verlegt, wo er nichts verdient. 3. Tie Sichcrheitsmänner werden von den Zechenbeamtcn ge- hindert, Eintragungen ins Fahrbuch zu machen. Tun sie es den- noch, werden sie dafür gerüffelt. 4. Tie Entlassung der Sicherhcitsmänner aus der Arbeit. Nach dem Gesetz kann die Eiitlassung eines Eicherheitsmannes nur bei wichtigen Gründen erfolgen. Tie Bergherrcn finden aber schon„wichtige Gründe", wenn sie einen unbequemen Sicherheits- mann aufs Pflaster setzen wollen; sie haben das in der Praxis un- zählige Male bewiesen. Der Bergbehörde� sind diese Dinge bekannt, sie tut aber nichts dagegen. Statt die Sichcrheitsmänner vor den hundertfältigen Schikanen zu schützen, bläst sie in das Horn der Scharfmacher gegen die Sicherhcitsmänner. Bei dieser Behinderung der Sicherheitsmänner in ihrer Betätigung ist es erklärlich, daß die Zahl der Unfälle fortgesetzt steigt. Nach amtlichen Zahlen fanden Unfälle statt: 1997: 92 455, 1998: 193 977,» 1999: 199 489, 1919: 111 641, 1911: 114 669. Von diesen Unfällen waren mit Todcserfolg: 1997: 1743, 1998: 2951, 1999: 1748. 1919: 1571, 1911: 1689. Von 1912 liegen noch keine amtlichen Zahlen vor, es unter- liegt aber keinem Zweifel, daß im Vorjahre die Unfallziffer eine weitere Steigerung erfahren hat. Der Referent fordert in seinen weiteren Ausführungen aus- reichenden Schutz für die Bergarbeiter, wofür der Erlaß eines Reichsbcrggcsctzes dringend notwendig sei. Der Extrakt der Forderungen ist in einer vom Referenten unterbreiteten Reso- lution niedergelegt, um deren einstimmige Annahme Redner am Schlüsse seines mit Beifall aufgenommenen Vortrages bat.— In der Resolution heißt es: „Die zahlreichen Massenunglücke des Jahres 1912, denen wieder weit über 299 Bergarbeiter zum Opfer gefallen sind, und die erheblich gestiegene Zahl der Einzelunfälle haben zur Evidenz die Unzulänglichkeit des Bergarbeiter schutzcs bewiesen. Es steht zweifelsohne fest, daß die Sicherheits- männcr mit ihren außerordentlich beschränkten B c- f u g n i s s e n außerstande sind, einen wirklichen Berg- arbeiterschuy herbeizuführen. Allein die Tatsache, daß die U n- fallziffcrn in den anderen bergbautreibenden Ländern Europas wesentlich geringer sind als in Deutsch- l a n d, läßt erkennen, daß längst nicht alle Mittel zur Verbesse- rung der Grubcnsicherheit im deutschen Bergbau zur Anwendung gebracht sind. Es ist beschämend, daß Deutschland in puncto Bergarbeiter- schütz hinter dem Ausland zurücksteht. Die Generalversammlung erachtet zur Abstellung der begründeten Beschwerden der Berg- arbeiter zur Sicherung von Leben und Gesundheit sin Bergbau- berufe den Erlaß eines Reichsberggesetzes für dringend notwendig. In dem Reichsberggesetz müg mindestens zwingend festgelegt werden; 1. Die regelmäßige Schicktzcit einschließlich der Pausen in Grubenbetrieben nebst Kessel- und Heizanlagen beträgt acht Stunden inklusive Ein- und Ausfahrt.(Beim unter- irdischen Grubenbetrieb vom Verlassen der Erdoberfläche bis zum Wicderbetretcn derselben.) Vor Betriebspunkten mit einer Temperatur von 22 bis 28 Grad Celsius beträgt die Schichtzeit sieben Stunden, vor nassen und solchen Betriebs- punkten, an denen die Temperatur mindestens 28 Grad Celsius beträgt, sechs Stunden, bei einer Temperatur von 35 Grad Celsius und mehr vier Stunden täglich. 2. Ueber- und Nebenschichten sowie Verlängerung der Arbeitszeit sind nur zur Rettung von Menschenleben oder bei außerordentlichen Betriebsstörungen zulässig. 3. Ueberwachung der strengen Durchführung der zum Schutze der Belegschaften erlassenen Vorschriften durch Werkstontrolleure, die von der Arbeiterschaft in einem all- gemeinen, direkten, gleichen und geheimen Verfahren gewählt werden. Dieselben sind, um sie wirtschaftlich unabhängig zu machen, aus Staatsmitteln ausreichend zu besolden. 4. Bereithaltung einer genügenden Zahl von Rettungs- apparaten und Tragbahren für den Transport der Verun- glückten. Ausbildung von Mannschaften zur Handhabung der Rettungsapparate sowie zur ersten Hilfeleistung bei Ver- letzungen. Die Generalversammlung ersucht daher die Landesregie- rungen und besonders die preußische Regierung, im Bundesrat für die Schaffung eines Reichsberggesetzes zu wirken bzw. die Reichsregierung zu veranlassen, baldmöglichst einen Entwurf eines Reichsberggesetzes dem Reichstag vorzu- legen, in dem die oben gestellten Forderungen Berücksichtigung finden. Sollten die Regierungen sich weigern, diese Forderungen zu erfüllen, so mutz ihnen die Schuld an etwa erfolgenden Massen- Unglücken und an den massenhaften Einzelunfällen beigcineffcu werden." In der Diskussion trat K r a h n- Gladbeck im Gegensatz zum Referenten dafür ein, daß der Verband sich künftig nicht mehr an der Wahl der Sicher- heitsmänner beteiligen soll, da diese an der richtigen Ausübung ihrer Funktionen gehindert seien.— Gegen diese Ansicht wandten sich andere Redner. Es sei ein großer Fehler, wenn man sich an diesen Wahlen nicht beteiligen ivürde. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Zustimmung fand ferner folgender Antrag: „Bei Massenunglücken auf den Zechen haben die Mitglieder, in deren Bezirk die Unglückszeche liegt, am Tage der Beerdigung die Arbeit ruhen zu lassen und dafür zu sorgen, daß nach Mög- lichkcit die Arbcitsruhe in dem betreffenden Bezirk eine voll- ständige ist. Die Bergarbeiter sind aufzufordern, sich geschlossen an der Beerdigung zu beteiligen." Dem Vorstande zur Berücksichtigung überwiesen wurde ein Antrag, der verlangt, daß, wenn Sicherheitsmänncr wegen Unfall- Untersuchungen Lohnausfall haben, ihnen dafür vom Verbände eine entsprechende Entschädigung zu zahlen ist. Den Bericht vom Gewerkschaftskongreß in Dresden gab Gärtner- Hildesheim, der auch kurz auf die Bedeuniiig des Internationalen Bcrgarbeiterkongresscs im Juli in Karlsbad hin- weist. Tie Wahl der Delegierten wird Freitag vorgenommen. Lriekkaften der Redaktien« Xle turistilchc Sprrqftundc findet Linden st raste 69, vor» vier TrepPe» — Fahrstuhl—, ioochentägijch von t'z, bis 71-.. Uhr abends, e-nnabends, von tih biö 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieflastcn bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mcrlzetchc» beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht rrtellt. Anfragen, denen keine Adonncmentsgnittung beigefügt ist, verde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde«or. Fahrstuhl. Kürzung der Miete ist aus Grund der üblichen Miels- Verträge unzulässig.—$. L. 17. Innerhalb Monatsfrist, von der Zu- stcllung des Urteils ab gerechnet. Ob niissichtsvoll. läßt sich ohne Kenntnis des Sachverbalts und der erstinstanzlichen Urteilsgrünoe nicht sagen. 2. Etwa 25 M. 3. und 4. Ja. 5. Ter Aufenthaltsort des Kindes. 6. Da? Gericht, in dessen Bezirk der Beklagte wohnt.— H. 27. Ja, sofern der Perdienst ausreicht.— B. 36. 1. Ihr Mann ist dem Kinde gegenüber unterhaltungspflichtig. Auch hat das Kind nach dem Ableben Ihres Mannes cineu Erbanspruch. 2. Soweit Ihr eigenes Vermögen in Betracht kommt, würden Ihre Kinder vorgehen. Sie haben das Recht, durch Tcsta- meiit zu verfügen. 3. Ja, in Pflege. Ob Adoption möglich ist, läßt Ihr Schreiben nicht erkennen.— R. 9. 1. Unseres ErachtenS ja. Die Mehr- zahl der Gerichte nehmen denselben Standpunkt ein. 2. und 3. Es ist Klage beim Amtsgericht Altona zu erheben.— R. 191. Eine Bestrafung kann nicht erfolgen; jedoch könnte aus Anlrag dcS Vormundes das Vor- mundschastSgericht anordnen, daß das Kind anderweit in Pflege gegeben wird.— F. M. 33. 1. Im Nahmen des Briefkastens nicht zu beaul- Worten. 2. In der Regel wird ein amtsärztliches Gutachten oder ein Gut- achten der Gcsundhcitskommission gefordert. 3. Nein.— L. D. 87. Ja. — M. W. 78. Ja.— Z. G. 222. Eine Beleidigungsklage ist nicht aussichtslos. Die Beschuldigte kommt nicht zuni Schwur.— P. Sch. 2574. Wir halten Sic für verpflichtet, die'Arbeiten zu gestatten. Für den Fall Ihrer Abwesenheit müssen Sic auch den Schlüssel zur Versügung stellen.— P. I. N. Sieuerjahr läuft vom 1. April bis 31. März. Der Entschädigung zugrunde gelegt ivird jedoch in der Regel daS Einkommen des vorausgegangenen Kalenderjahres.- BS. C. 37. 1. Kostenlos 2 Der 28,85 M. pro Woche übersteigende Betrag ist abzugssähig.— Rechtsstreit. Wir halten Sie zur Rückgabe des Mantels nicht für verpflichtet. Im Prozeß müßten Sic allerdings Ihre Darstellung beweisen.— H. I.,;{«. Uiiscrcs ErachtenS ja. Andererseits aber können Sie auch die Prämien verlangen. — K. Z. 10«. Sic winden nur Anspruch aus eine Freipolicc baben Auszahlung erfolgt»ach Ablauf der in der Police sesigesetzte» Zeit bezw. beim Todcssall.— F. F. 181. Ja.— P. 1. Das ist zulässig, auch zweckmäßig um Ihre Rechte ausrecht zu erhallen.- Stcglii, 2298. Nach der Ztovclle zum preußischen Stempelfteuergesetz vom 26. Juni IMS lst die Erhebung emes Stempelbctrages von 5 M. vorgeschrieben. Ob, in- rmeweil und aus welchem Grunde die Polizeibehörden hiervon abweichen, ,st uns nicht bekannt. o v j Das Urteil der Hausfrau laufet: MAGGf Suppen -yA-'-ü'*4 r iSfc' sind eben doch die besten! Kedner Wybert vor HUSTEN HEISERKEIT KATARRH Preis 1MK erhäUlidx ja ApotheKei\ �Drogerien Sdvüfzea I. Geschäft: BrnnDenstr. 1 am Rosenthaler PI. II. Geschäft: - Lechner mmi m Ecke Fennstrasse Abuuuns eiohnunjselnrltlrtungen auf Rredlf Stube und Küche............, Anzahlung von Mark 15.00 an Einzelne Möbelstücke.......... Anzahlung von Mark 5.00 an Herren-, Speise-, Schlafzimmer, bunte Küchen. Riesen-Auswahl, bequemste Abzahlung. B.- Teppiche, Läufer, Portieren, Sardinen Wieder neu aufgenommen!!! c. Herren- und Damen-RonfeKtlon. Nur Neuheiten. Anzahlung von Mark 5.00 an. Lieferuns auch nach auswärts.— Jeder Kunde erhält beim Kauf ein schönes Geschenk! Sonntag von 8—10 u. 2—6 Jedes Wort 10 Pfennig. 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Tic Ztadtvrrordnrtrn-Akrsammlunz hatte sich in ihrer am Mittwoch abgehaltenen Sitzung zunächst mit einer Petition tcr Ortsgruppe der weiblichen Mitglieder der Fort- schrittlichen Bolkspartci Bcrlin-Wilmcrsdorf zu befassen, die das Verlangen in sich schloß, die in Betracht kommenden Damen in der Wohlfahrtspslcgc, besonders in der Armen- und Wäisenpflcge, zu beschäftigen. Der Pctitionsausschuß hatte Ucbergang zur TagcS- Ordnung vorgeschlagen, und zwar, wie cS in dem Bericht heißt,„in Anbetracht dessen, daß durch die Neuorganisation der Armen- und Waiscnpflegc den Wünschen der Petenten nach Möglichkeit Rech- nung getragen ist". Tic«tadtvcrordnctcn-Pcrsammlung beschloß in diesem Sinne, doch ließ die kurze Erörterung, die sich an. die Angelegenheit knüpfte, auf unhaltbare Zustände blicken. Genosse Riedel wies daraus hin, daß die Begründung dcS von dein Pctitionsausschuß gefaßten Beschlusses keine andere Teutung zulasse, als die, daß den weiblichen Mitgliedern der Fortschrittlichen Volks- Partei die von ihnen verlangte Berücksichtigung zuteil geworden sei. Diese dem Anschein nach zugunsten einer besonderen Partcirichtung getroffene Auswahl siebe in befremdlichem Widerspruch zu der Nichtachtung, die der Arbeiterschaft von Wilmersdorf bei der Vergebung der kommunalen Ehrenämter zuteil werde. In allen Nachbargerncinden werden namentlich die Armen- und Waifcnpflegc-Stellcn verhältnismäßig zahlreich von Arbeitern besetzt, in Wilmersdorf warte heute noch der c r st e Ar- beiter auf die Berufung zu einem derartigen Ehrenposten. Wollten Magistrat und Stadlvcrordneten-Vcrsammlung folgerichtig handeln, so müßten sie jetzt die weiblichen Mitglieder des sozial- demokratischen Wahlvcrcins bei der Besetzung der in Betracht kom- inenden Stellen genau so berücksichtigen wie die Damen der Fort- schrillspartci. Daß sachlich gegen die Betätigung der Arbeiterschaft keinerlei Bedenken bestehen, habe die Erfahrung gelehrt und sei vor einigen Tagen noch vom Wilmcrsdorscr Lokalvlatt durch Abdruck eines Zeugnisses der Kieler Stadtverwaltung bewiesen worden, das dem Wirken der Arbeiter im kommunalen Ehrendienst hohes Lob spendete. Vom Magistratstisch aus antwortete niemand auf diese nur zu berechtigte Anklage, und aus den Reiben der bürgerliche» Stadl- verordneten erhob sich einzig der fortschrittliche Landtagsabgcordmctc Büchtemanxt. um die für seine Parteigenossinnen gewiß interessante Erklärung abzugeben, daß die Petition mit der Fortschrittlichen bolkspartci und deren Tätigkeit in keinerlei Bez ichung siehe. Ganz unberechtigte Scnsationsbcrichte knüpften bürgerliche Blätter an einen Vorgang, der sich in aller Harmlosigkeit abspielte. Es stand die Fortsetzung der zweiten Beratung einer Magistrats- Vorlage, betreffend die Bewilligung von Mitteln für die Errichtung c iner Leichenhalle mit Krematorium und einer Urnen- halle auf der Tagesordnung. Als die Angelegenheit in der vori- gen Sitzung beraten wurde, hatte der ncugcwählte Stadtverordnete Heinrich, ein Baufachmann, an den Preisanschlägen, die ihm zu hoch erschienen, mancherlei auszusetzen. Eine neue Beratung der Vorlagen ergab dann den Abstrich von 4500 M.; nach einer Er- klarung dcS Stadtbaurats Müller ist die Differenz einer Un- stimmigkeit zuzuschreiben, die im Magistrat zwischen dem Tiefbau- amt und der Friedhofsvcrwaltung obgewaltet haben muß. Stadt- verordneter Heinrich brachte auch jetzt wieder Bemängelungen vor. die in der Erklärung gipfelten, daß nach seiner Meinung nicht 4500 M., sondern 500 000 M. in der Fricdhofsangclcgcnheit hätten erspart werden können. Hauptsächlich begründete der Redner seine Anschauuiig mit der Behauptung, daß etwa die Hälfte des Fried- bofgeländeS nicht seinem eigentlichen Zweck zugewiesen, sondern für Wege- u» t» P a r k a n l a g c n verwendet werde. Diesen wohl sehr anfechtbaren Ansichten trat Stadtverordneter Leidig mit dem Hinweis darauf entgegen, daß es unmöglich>sachc der Stadtverordneten sein könne, bei jeder Vorlage nachzuprüfen, ob auch, immer die gleiche Güte des Materials vorausgesetzt, die für bestimmte Anlagen benötigten Gegenstände irgendwo billiger als der Magistrat sie beziehe, eingekauft werden könnten. Entweder man setze in den Magistrat das Vertrauen, daß er das Interesse der Stadt nach bestem Wissen und Gewissen ivahrnchme oder man halte den Magistrat für unehrlich, und dann bleibe nichts übrig, als ein Disziplinarverfahren gegen ihn zu beantragen oder den Staats- kommissar in Bewegung zu setzen. Diese rein theoretische Erklärung, der Stadtverordneter Büchtcmann mit der Ansicht entgegentrat, daß Herr Heinrich immerhin sein Wissen im Plenum zur Geltung bringen solle, wurde in bürgerlichen Blättern, wie erwähnt, dahin umgewertet, daß Herr Leidig im Ernst die Aufsichtsbehörde gegen den Magistrat mobil machen wolle. Tic Vorlage selbst fand An- nähme; nur einige Katholiken stimmten mit der Erklärung dagegen, daß ihre religiöse Ucbcrzcugung die Feuerbestattung nicht billige. Tic Vorlage, wonach eine der Villen auf dem Joachimsthal- rhen Gtimiiasialgrundstück an das D c u t s ch c A r ch i b s ü r W e l t- > t c r a t u r unter Widerruf kostenlos abgelassen werden soll, fand die Zustimmung der Versammlung. Die Benutzung ist dem Publi- kum wesentlich erleichtert worden, so werden die Jahreskarten nicht, wie ursprünglich geplant worden, 2 M., sondern nur 50 Pf. kosten Mancherlei Widerspruch fand eine Magistratsvorlage, betreffend die Zustimmung zu Verträgen über die Verpachtung von Reklame- flächen, den Verkauf von Zeitungen und die Aufstellung von Automaten auf den Bahnhöfen der Untergrundbahn, die zum Herbst d. I. in Betrieb genommen werden soll. Stadtverordneter Schröder (Soz.) tadelte zunächst eine Bestimmung in den Verträgen, wonach anstößige oder parteipolitischen Zwecken dienende. Aushänge oder Tarstellungen nicht zugelassen werden sollen. Redner meinte, es sei Sache aller politisch tätigen Stadtverordneten ohne Unterschied, der Parteirichtung, Einspruch dagegen zu erheben, daß der Magistrat z. B. Wahlaufforderungcn mit anstößigen Plakaten auf eine Stufe stelle. Ueberhaupt sei die Angst vor politischen Ankündigungen nur aus jener alten polizeistaatlichen Anschauung heraus erklärlich, die die politische Betätigung der„Untertanen" an sich für verbrecherisch halte. Noch anstößiger sei eine andere Bestimmung, wonach der Buch- Händler aus den Bahnhöfen bestimmte buchbändlerische Erzeugnisse nickt vertreiben dürfe, sobald dncS von der Stadtgemeindc, der de- tricbsührendcn Gesellschaft, der Polizei oder den Aufsichtsbehörden verlangt werde. Ein Protest gegen solche unerhörte Bevormundung sei dringend am Platze. Auch müsse darauf hingewiesen werden, daß er HofbuchKändler Georg Stille, der hier als einer der Re- flektanten in Betracht komme, sein Geschäft in ausgesprochener Feindschaft gegen ibm nicht genehme Parteianschauungen betreibe. Tec..Vorwärts" und andere oppositionelle Blätter seien auf den Eisenbahn- und Untergrundbahnhösen, wo dieser Buchhändler das Verkaufsmonopol habe, nicht erhältlich. Es gehe die Stadt- gemeinde garnichts an, daß die Eisenbahnbehörde den Ausschluß estimmter Drucksachen vom Verkauf vorschreibe; die Wilmersdvrfer Einwohnerschaft habe sich e l» c d c r a r t i g e Zensur zu Oer- bitten Wenn die Stadtverordnetenversammlung Selbstbewußt- sein in sich trage, so habe sie ausdrücklich die Bestimmung in den Vertrag hineinzubringen, dop Drucksachen aus politischen oder reli- giöscn Gründen aus keinen Fall vom Verkauf an den Untergrund- vahnhöfen ausgeschlossen werden durflcn. Stadtverordneter Leidig stimmte dem sozialdemokratischen Redner insoweit bei, als er allein der Stadt die Bahnhosszensur zugebilligt haben wollte. Die Vor- �ge ging an de» Finanzausschuß. � Ter öffentlichen folgte eine geheime Sitzung, in der u. a. die �eeparkangelegenheit eingehend beraten wurde- Neukölln. Aus dem Fenster des vierten Stockes gesprungen ist die in der Hobrechtstraße wohnende Frau B., nachdem sie sich und ihr Kind vorher durch Ersticken zu töten gesucht hatlc. Die LebcnSmiide blieb mit zerschmetterten Gliedmaßen' tot ans dein Pflaster liegen. Itcglitz. Als zweiter Borsitzender des Wahlvcrcins wurde, wie uns nachträglich noch mitgeteilt wird, Genosse Benno Chomse gewählt. Schöneberg. Freie Elternvcreinigiing. Sonntag. 4. Mai: Spielpartie noch Treptow. Tresspunkt morgens 8 Uhr an der Kolonnenbrücke sMilrtärbahnhofi. Montag, den 5. Mai, abends 9 Uhr, bei Ebrcchl: Versammlung. Herzfelde. In der lebten Gcmcindcverlretcrsibung gab der Vorsitzende zu- nächst vom gegenwärtigen Stande der Verhandlungen niit der Märkischen Eleklrizilätswerk-Akliengesellschaft KeimtniS. Ans dem Bericht ging hervor, daß die an dieser Angelegenheit interessierten Ziegelcibesitzer doch mit ihren Forderungen durchgedrungen sind. Der Anschluß auch des hiesigen WerleS an das M. E.-W. wurde in Aussicht gestellt.— Der Antrag betr. Anschluß an das Kreiswasser- wert verfiel ebenso wie der Antrag der Abdeckerei Strausberg wegen Beseitigung von Tierkadavern der Vertagung.— Als Fremdenschulgeld sollen 38 M. pro Schüler erhoben werden.— Für Anschaffung von Turngeräten soll der Schulvorstand Sorge tragen. Kpauvau. Vom Landtagswahlkanipf in Spandau-OsthaveUand war zwi- scheu den bürgerlichen Parteien bis jetzt noch nichts zu bemerken. Tie Konservativen haben wieder Rechtsanwalt Liidickc ausgestellt, scheinen sich aber des Sieges so sicher zu sein, daß sie eine besondere Agitation noch nicht entfalteten. Tie Liberalen haben bisher noch nicht einmal einen Kandidaten aufgestellt. Nur die National- liberalen haben kürzlich eine Versammlung abgehalten, die aber sehr schwach besucht>var und in welcher darüber dislmicrt wurde, ob der Liberalismus sich überhaupt hier an der Wahl beteiligen soll.. Es kam der Wunsch zum Ausdruck, einen Rcnommierarbeitcr der königlichen Institute als Kandidaten auszustellen, weil man sich dadurch eine größere Wahlbeteiligung zugunsten des liberalen Kandidaten verspricht.____ Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung des Vertriebes guter Uuterhaltungslektürc hat das„Gewerkschaftshaus" folgende Einrichtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von lO— 30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung deS Preise« zur Verfügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den nachstehend angeführten Ausgabe- stellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Er hat ent- weder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher behalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Be- trag zu deponieren. Zunächst sind folgende Ausgabestellen- eingerichtet: Antonftr. 34. Zigarrcngcschäsl von KricgSmann. Von 8—8 Uhr, mit 'Ausnahme des Sonnabends. Ulankcnscldcsir. 10. Verband der Schuhmacher. Von 10—1 und 4 bis 7 Uhr mit Ausnahme des Freitags und sonnabends. Brunnenstr. 70. Arbeiler-Ingendbeim. Von 8—1» Uhr. (Slisavcchftr. 11. Verband der Fleischer. Von 10—1 Uhr und 8— 7 Uhr. (Kngelufer 15. GewerlschastSbaus. OucrgcbSude, Erdgeschoß. Zimmer 1». Wochentags von 8— Ssi, Uhr. Engeluser la. Zigarrengeschäst von Horsch. Bon 8— 8 Uhr, mit Ausnahme dcS Sonnabends. Fchmarnstr. hj. Tabakarbcitergenossenschaft. Bon 8—8 Uhr, mit Aus nähme dcS Sonnabends. Gartcnstr. 101. Verband der- Kupferschmiede. Von l»— 1l Uhr und 6-7 Uhr. Gr. Frankfurter Ztr. 136.'Arbeiter-Jugendheim. Von 6—10 Uhr. Kopernitiisstr. II Tabakarbeitergenossenschast. Von 8— 8 Uhr, mit AuZ- nähme des Sonnabends. Lippchner Str. 15. Zigarrengeschäst von Hersorth. Von 8—8 Uhr, mit Ausnahme de« Sonnabends. Manteufselstr. 73. Zigarrengeschäst von Otto Busse. Von 8—8 Uhr mit Ausnahme des Sonnabend«. Mclchiorftr. 36. Verband der Maler. Von 9-1 Uhr. Pappelallec 15/17. Bureau der Freireligiösen Gemeinde. Sonntag« 10—12 Uhr, wochentags außer DomicrSlag von 12— S Uhr. Petersburger Str. 5. Tabakarbeitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Rostockcr Str. 40. Zigarrengeschäst von Berncr. Von 8—8 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabend?, Rotherstr. 1. Zigarrengeschäst von Holm. Von 8—8 Uhr, mit Ausnahme de? Sonnabend». Scharnwcbcrstr. 1. Zigarrengeschäst von Rich. Wunscheck. Von 8—8 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Scdaftianftr. 37/38. Verband der Schneider. Von 9—1 Uhr. Weinstr. 8- Part. Verband der Kürschner. Von 9—1 Uhr und 3—7 Uhr. Wörthcrftr. 32. Zigarrengeschäst von Schlrmer. Don 8—8 mit Aus- nähme de? SomiabenoS. Berein der Frauen und Mädchen der arbeitenden Klassen. Vor und nach jeder Vercinsverjammlung. Bororte: Bernau. Zcntralbibliothck bei R. Wünsche. Sonntags 5—7, Freitags 8 bis 10 Uhr. Birkenwcrdcr. Hauptstr. 90 II, bei Wilhelm Pieper. Wochentäglich zu jeder Zeit. Borsigwalde. Ausgabestelle: Freie Scholle Nr. 4, Max Zachau, Sonntags vormittags. Borhagen-Rummelsburp. Mt-Boichagcn 56. Jugendheim, Von 7>/, bis 9 Uhr. mit Ausnahme des DienStagS. Britz. Wabiverein. Ausgabestelle Restaurant Zilz, Werder str. 28. Sonnabends von 8—10 Uhr. Bruchmühle. Landsberger llhausicc. Ecke Prinz-Heinrichstraße, bei Fritz (Sädickc. DienStagS und Freitags von 9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Eharlotteuburg. Arbeiter-Jugendheim, Rosincnstr. 3. Dienstag, Tonners- tau. Sonnabend und Sonntag von 7—9'/, Uhr. Erkner. Frlcdrichstr. 76 bei Degebrodt. Donnerstags 8— 10 Uhr. Friedrichsfeldc. Prinzenallee 30, Turnhalle. Mittwochs und Sonn- abend» 7'/,— 9'/, Uhr. Friedrichshagen. Drachbolzstr. 2 P.Konsumverein Wochentags mit Aus- nähme von Freitag und Sonnabend. Von 8—1. 3—8 Uhr. Glienicke a. Nordbahn Hauptstr. 5, Zigarrengeschäst von Haberland. Täglich während der GeschästSstunden. »...rmsdorf. Berimcr Str. 23a. Schuhwarcnladen von August Schulze. Wochentäglich während der GeschästSstunden mit Ausnahme des SonnabendnachmittagS. sfelde. Hauptstr. 64 b II bei Willi. Hierchert. Sonntags 9—12 Uhr. cn-Neuendorf. Rnhwaldstr. 46 1, bei Karl Tiedt. Wochentäglich von 4-8 Ubr. Hohenschönhausen. Berliner Sw. 119, bei Dr. Goldbcrg. Täglich von 7—9 Uhr. Kaulsdorf. Adolsstr. 11 II, bei RatschinSki. Montag, Donnerstag und Freitag von 6—8 Ubr. Klosterfclde. Bei Kart Eichler. Täglich. Alt-Landsberg i®üd). Landsberger Chaussee bei Thomas Schmidt. Tag- lich bis 7 Uhr abends. Lichtenberg. Bürgerhcimstr, 94, Arbcitcr-Jugcndheim. Von iO—-7 Uhr. Lichte rfeldc. Bäkestr. 7, Ardeiterbücherei. Sonnabends 8—10 Uhr. Mnblsdorf. Bahnhosirr. 18, bei Thiele. Montag. Mittwoch und Freitag von 6—8 Uhr Mühlrnbeck. Buchhorstcr Straße bei Paul Bruckmann. Sonntags. Lberichöiieweide..Klarastr. 2, Jugendheim. Mittwoch und Sonnabend von 8— 9'/, Uhr. Pankow. Mühlenslraßc 30.„Borwärts"-Spedition. Von 10— 7 Uhr. Brehmcstr. 80. Zigarrengeschäst von Rößner. Von 8—6 Uhr, mit AuSnabmc des Sonnabends. .Kaiscr-Friedrichstr. 88. Ausg. I, Erdgeschoß link?, Buchbnrdcrei Otto Walter. Von 8-6 Ubr. mit'Ausnahme des Sonnabends. Rcinickcudorf-Lst. Ztesidenzstr. 68, Zigarrengeschäst von Neumann. Mo»- lag u. Sonnabend vi? 7 Uhr abend?. „ Rcsidenzstr. 138, Zigarrengeschäst von Trtse. Moirtog und Sonnabend bis 7 Uhr abends. „ Vrovinzsir. 56,„Vorwärt«"-Speditton. Montag und Sonnabend bi? 7 Uhr abends. „ Provinzstr. 74, Bibliothek des WahlvereinS. Montag von 8— lO Uhr.__ Reinickendorf. PSest. Eichbornstr. 87, Zigarrengeschäst von Kiesel. Von 8—6 Uhr. mit Ausnahme des Sonnabends. Räutgeiital. Barbsergeschäst Max Plehn. Täglich außer Sonnabend und Sonntag bis 8 Uhr. Roscntbal-WilhclmSrub. Lindenallee 30, Jugendheim. Täglich 10— 1l u. 8-10 Uhr. � � Rüdcrsdorf-Kaltbcrgc. Rcdeustr. 14 bei Otto Fiebig. Täglich. Gr.-Tchöncbcck. Liebcnwatdc 65 bei Paul Laschin. Sonntag von 10—12 Uhr. Schöncberg. EbcrSstr. 32. Zigarrengeschäst von Dräger. Von 8—6 Uhr, mit'Ausnahme des Soimabends.„ � Schvnerlindc. Haus 39a bei Otto Binder. DienStog und, Freitag von 4-8 Uhr. Schönwaldc. Dorsstr. 18 bei Otto Stcgemann. Wochentags von c-9, Sonntag? von 10—12 Uhr. Stralau. Krächtstr. 16 II. bei Rausch. Montag und Donnerstag von 3'i2 bis 5 Ubr, Sonnabends von 5—3 Uhr. Tegel. Schlicperftr. 30, Jugendheim. Montag und Donnerstag von 8-10 Uhr....„„ Waidmaunsliist. Knrhausstr. 42 I, bei Willi Schulz. Wochentags 3— i, Sonntag 10—1 Uhr._ Weitzcnser. Straßburg> Str. 103, Zigarrengeschäst von Klawitte. Von 8—6 Uhr mit'Ausnahme dcS SomiabcndS. Woltersdorf. Schleusenslr. 55, Zigarrengeschäst von Kroll. Täglich. Zerpenschlcuic-.iiciiir. Bnhnhosnr. 49 bei Karl Grund. SountagS von 10—12 Uhr. Weitere Ausgabestellen werden auf Wunsch errichtet. Musetn, Smmlmigkn, Sthtuswürdigktitrn. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.— Als Feiertage gelten Weihnachten, Lstcrn. Pfinglten, Neujahr, Karfreitag, HimmelS- sahrtstag, Buptag.) Altes und Neues Museum.(Lustgarten.) Geöffnet: an Wochen- tagen(außer Montag) 10—4, im Oktober bis März nur bis 3 Uhr: an Sonntagen(auch an den zweiten Weihnacht?-. Ostern-, Pfingstsciertageii) 12—6, im Oktober und März nur bis 5. im November und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Geschlossen: an Montagen und Feier- tagen(außer den zweiten Feiertagen). Architektur-ÄZIilscum.(Cbariottciiburg, Berlmer Straße 171/172, Technische Hochschule,) Geöffnet: Montag»nd Freitag 10—3, DienStag und Mittwoch 10—12. Geschloffen:" Ml Sonnabend und Donnerstag!2— 3, Sonntag.,, Auöfteltung für Arbciterwohlfahrt.(Lharloltenburg, Jraunhowr- straßc 11/12.) Geöffnet: an Sonn- und Feiertagen t— 5, an Wochentage» (außer Montag) 10—1. am Dienstag und Donnerstag auck abends 6—9. Geschloffen: an drn ersten Weihnacht?-. Osler-, Pfiiigstscccrtagen. Berg- und Huttcnmusevm.(Jnvalidcustr. 44.) An Wochentagen (außer Sonnabend) 12—2, an Sonnlagen 12—6,>m Oktober und März nur bi? 5, im November und Februar bis 4. im Dezember und Januar bis 3. Botanischer Garte».(Dahlem, Königin-Lutse-Straßc 8/8.) E'-wnet nur vom 1. April bis 15. Oktober: unentgelttich»omitag, Dienstag, Min- ivoch, Freitag 2— 7; außerdem an Wochentagen vormittags gegen EmtrittS- getd, wostir der gedruckte„Führer" gegeben wird. Botanisches Piusrum.(Dahlem. Königin-Lilisc-Straße 6/8.) Mitt- woch 10—5, im Oktober bis März nur bis 4. Gisenbalinmuseum, siehe Verkehrsmusemn. Kaiser Friedrich> Museum.(Moubijoustraße.) Geöffnet: an den Wochenlagen(außer Montag) 10--6. an Sonntagen(auch an den zweiten WeihnachlS-, Ostcr- mid Pnngstseicrtage» i 12—6; an Wochen- und Sonntagen(auch zweiten Feiertagen) im Oktober und März nur bis 5, im No- vember und Februar bis 4, im Dezember und Januar bi» 3. Geschloffen: an Montagen und Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen). Zutritt nn- entgeltlich, nur am DienStag und Mittwoch gegen 50 Ps. Kunstgewerbe-Museum.(Prinz-Albrccht-Straße 7.) Besuchszeit wie Beim Alten Museum. Landtagsgebäudo. Wochentags 9—12, außerhalb der Tagung. Landwirtschaftsmuscuin. iJiivalidenstr. 420 Geöffuet: an Wochen- lagen(außer Mittwoch) 10—3, au jedem dritten Sonntag im Monat 11—3. Geschlossen; am Mittwoch mid an Sonn- und Feiertage»(mit Ausnahme de? vritten Sonntag« im Monat)._ Märkisches Museum.«Wallstr. 50/54.) Geöffnet: an Wochentagen (außer Sonnabend) und an Sonntagen(auch den zweiten WeihnachlS-, Oster-. Psingstfciertagcn) 10-3, an den Vortagen vor Weihnachten, Ostern, Pfingsten und am Silvester nur bis 1. Geschlossen: am«onnabcnd und an Feiertagen(außer den zweiten WeihnachtS-, Oster-, Psmgslsciertagen). Mecreskuiideiniiscum.(Georacnstr. 34—36.) Arn Montag, Mittwoch. Sonnabend im Sommer 11—4, im Winter 10—#; am Sonntag im Sommer und im Winter 12—4. National-Galcrie.(Miiscumsinsel). Geöffnet: am Montag, Dicns- tag, Mittwoch, Freitag. Sonnabend 10—6, am Donnerstag 1—6, am Sonntag (auch an den zweiten Wetbnachts-. Oster-, Pfingstseiertagen) 12—6: an Wochen- und Sonntagen(auch den zweiten Feiertagen) im Oktober und März nur bis 5. tut' November und Februar bi» 4, im Dezember und Januar bi» 3. Geschloffen: an Feiertagen(außer den zweiten Weihnacht»-, Oster-. Psingstscieriagcii) Zuirltt unentgeltlich, nur am Donnerstag 1 M., am Freitag und Sonnabend 50 Pf. Naturkuudeninseum.(Jnvalidenstraße 43.) Montag, Mittwoch, DonnerSiag, Soiinabcnd 10—4, im Oktober bis März nur bis 3. Au Sonn- tagen und zweiten Felcrlagen wie beim Allen Museum. Postmuseum.(LeipzigerSlraßc 16/18.) Montag. Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2, Sonntag und an den zweilm Feiertagen 12—2. Raucki-Muscnm.(Werte von Christian Rauch. Klostcrstraße 76.) An Wochentagen 10—4. im Oktober bis März nur bis 3. Rathau«.(Königftraßc.) Täglich(außer Donnerstag und Freitag) 10-3. Reichstagsgebande.(Königsplatz.) An Wochentagen vormittags 9 Uhr, wenn Pteiiarsitzungen stattsinden: vormittags 9, 9>j., 12, 2'/, Uhr, wenn keine stattsinden; an Sonntagen und zweiten Fciirtagen 1 und IV, Uhr: an anderen Feiertagen geschlossen. Eintrittsgeld 25 Ps. Stadthaue.(Jüdenstraße.) Wochentags 10—3, Sonntags 11—2. Zutritt zum Stadthaus tägtich iliientgeltlich, zum Turm gegen 20 Ps.(nur am Montag llnd Donnerstag unentgelttich). Sternwarte im Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags, im Pommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Ubr abend». Für Be. sichtizung der Sternwarle und des'Astronomischen Museums 50 Pf. für Beobachtung mit dem großen Fernrohr IM.. Sternwarte der..Urania".(JnvaNdenstraße 57/62.) Täglich 7'/, bi» 11 Uhr abend». 50 Ps.' Urania, Sammluiigen und wissenschaftliche» Theater.(Taubenstr. 48) Täglich von 10 Uhr vormittag? ab. CintrittSgeld 50 Pf.(sür Abendvor- stcllungcn von 1 M. an). Verkehrs-»nd Baumuseum.(Jnvalidenstr. 5t.) Dienstag. Mitt- woch. Donnerstag. Freitag 10-4, Sonnabend 2—7, Sonntag 11—4. An Feiertagen geschlossen, an zweiten Feiertagen geöffnet wie Sonntag, an daraus solgendeil Tagen geschlossen. Bälkerkuude-Museum.(Königgrätzer Straße 120.) Besuchszeit wie beim Alle» Museum. Zeughaus.('An der Schloßbrücke.) Geöffnel: an Sonntagen und zweiten Feiertagen 12—3, an Wochentagen(außer sonuabend) im Sommer 10—3, im Winter 10—2. Geschloffen: Sonnabend und an Feiertagen (außer zweiten Feiertagen)... �, Zoologischer Garte». Eintrittsgeld nn Wochentagen 1 Mark, an Sonn, lind Festtagen 50 Ps.: Kinder die Hätstc.'Am erste» Sonntag jedes'Monats 25 Pj._ PÄetterproguoic für Sounabrnd. de» Z. Mai um. Ziemlich kühl, zunächst vorherrschend wolkig mit etwas Regen und mäßige» weslltchen Winden; nachher langsam austlarend. eingegangene Druck fchriften. Protokoll der Verhandlungen der ersten Generalversammlung de? Deutschen Landarbeiter-Bcrbandes ISlÄ. 14t S. Selbstverlag Berlin, Wichaeltirchplatz 1. Goethes Werke. Herausgegeben von Ed. Engel. 5 Bände. 8 M. Hesse u. Becker, Leipzig. Aus Natur und Geistesivclt. Bd. 86. Tie neueren Wärme. kraitmaschinen, ll.«Äasmaschilieu. Gas- und Dampsturbiiicn. Bon lli. Batcr.— Bd. 128. Moderne Rechtsproblcine. Bon«Seh.(lilstizrat Pros. Dr. I. Köhler.— Bd. 406. Tic evangelische Mission. Geschichte, Arbeitstveisc, heutiger Stand. Bon S. Laudert.— Bd. 407, Tie deutschen Salzlagerstätten.- Bon Dr.- C. Ricmann.— Bd. 412. Munkatische Kompositionsformen. Bd. I. Die elementaren Tonverbindungcn als Grundlage der Harmonielehre. Von S. G. Kallenberg. Einzclb. 1 Dl., geb. 1,25 M. B. G. Teubncr, Leipzig. Marktpreise von Berlin am ZO. April 1013, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramni Weizen, gute Sorte 20,32 bis 21,00. mittel 20,76—20,84, geringe 20,60—20,68. Roggen, gute Sorte 16,40, mittel 00,00—00,00, gelinge 00,00—00,00(ab Bahn). Futter. gerst«, gute Sorte 16,20—16,70, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00— 15,50. Haser,-gute Sorte-18,00— 19.80,--mittet-18.30—17Z0(srei. Wagen und ab Bahn). BZajz(mixcd). gute Sorte 15,20— 15,40. Mais(runder), gute Sorte 15,60—15,80. Richtstroh 0,00— 0,00. Heu 5,60—7,60. Marithailenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kocheit 30,00— 50,00. Speisebohncn, Meitze 35,00— 60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchsleiich 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1.50—2,40. Butler 2,20-3,00. 60 Stück Eier 2,80— 4,80. 1 Kilogramm Karpjcn 1.40—2,40. Aale 1.80— 3,20. Zander 1.40-3,60. Hechte 1.40-2,60. Barsche 1.00- 2.40. Schleie 1,60-3,20, Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Krebie 1,60—45.00. Hackepeter„Zum Gesundbrunnen" runnenstr. III, Ecke Voltastraße • ist eröffnet.-------- YorzOgiicbe Küclie. Girippflegte Eiere. Täglich Äbeudkonzeri. A I■> i ii Zacher. Samen-Küte Kinder- Knie 7paner-Köte V>T Franz Hennig, 'X Brunnenste. lläkt nn der Änldamer Straße. 5"/„Rabatt Borzcigcrn dies esJnserat. 1813-1913 Buchhandlung Vorwärts SW. 68, liindenntr. 60 (Laden). Zu empfehlen ist: 246/8 Ter Kleingartcu, feine Anlage, Einteilung und Bewirtschaftung von lyiax Hesdörffer. -- Preis brosch. 60 Pf.——— sao? �£812. ms bs ms. Von Tilsit nach Tauroggen.(Kleine Bibliothek Xr. 25 Franz IHeliring. Von Kaiisch nach Karlsbad(Kleine Bibliothek Nr. 26.) Franz Mehrins. Preis jedes Bändchens brosch. 0,75; gebunden 1 Hark. Jena und Tilsit. Ein Kapitel ostelbischer Junkergeschichte v. 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