Nr. 107. flbonnemenfS'Redinguns«!): Zlboimsments- PreiZ pränumerando! Werteljäkrl. Z.ZV Ml., monatt.!,I0 3RI., wöchelxtlick 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung-- Bmäliitc. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mari, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemari, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. £fM?ft»t ttgNch. � P, Berliner Volksblnlk. 30. Jahrg. vie snlertisnz-eebilh? beträgt für die fechSgespaltene Kolonel. geile oder deren Rannr W Pfg., für politische und gewerischasiliche Vereins- Und VersminnlungS-Anzeigen 80 Pfg, „Kleine Anreizen", das fetlqedruiite Wort 20 Pfg,(zulässtg 2fetlge0rucite Worte), iedes weitere Wort 10 Pig Stellengesuche und Schlasstellenan- »eigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über löBuch, ftnbcn zahlen für zwei Worte. Jnseraie sin die Nächsie Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedirion lit bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: »ZszUIiIliMlllZl Rtrlin", Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morissplatz, Nr« 1983. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Morissplatz, Nr. 1981. Der Krieg in nächster üähe. Wien, 3. Mal(P r i v a t t c l c g r a m in des„V 0 r w ä r t s".) Wenn sich bis Montag nicht etwas vollzieht, was die internationalen Verhältnisse von Grund aus ändert, wird Dienstag der Krieg ausbrechen. Wohl ein kleiner Krieg, denn es nicken große Militärmächte in Albanien ein — aber was aus dem kleinen Krieg werden wird, wenn König Ilikita nicht iin letzten Augenblick Vernunft annimmt, das weiß niemand und niemand wird dafür die Bürgschaft übernehmen wollen. Wie sich die Dinge entwickelt haben, wird selbst ein voll- ständiges Nachgeben der Montenegriner den Einmarsch in Albanien nicht mehr aufhalten können. Und auch die sofortige Räumung Skutaris würde die bewaffnete Intervention der Adriamächte, die so gut wie beschlossene Sache ist, nicht mehr hindern können. Oesterreich. Ungarn und Jta- licit sind nämlich übereingekommen, AI- bauten zu besetzen. Oesterreich ist die Okkupation Nordalbaniens überwiesen, Italien wird in Südalbanien einnicke». Es kennzeichnet das vollständige Fiasko der österreichischen Politik, daß Oester- reich-Ungarn gerade das tut, was es für Jahrzehnte als die eigentliche Gefahr, als die stärkste Bedrohung seiner Lcbensinteressen in der Adria erachtet hat und dem zu be- gegnen eben jener Pakt mit Italien geschlossen worden ist, von dem es sich die Illusion des selbständigen Albanien ver- spricht: daß es nämlich Italien nun selbst nach Valona führt und ihm die Beherrschung über die Straße von Otronto ausliefert. Daß es Italien verwehrt werden müsse, sich in Südalbanien festzusetzen, weil diefc Festsetzung die Herrschaft über das adriatische Meer bedeuten würde, das war bisher ein Dogma in Oesterreich, und derjenige, der an diesem Glaubenssatz hätte rütteln wollen, der hätte in Oesterreich riskiert, als Hochverräter von �Oesterreichs berechtigten In- teressen gescholten zu werden. Und nun hat Oesterreich den Italienern diese Besetzung selbst vorgeschlagen und bettelt bei Italien, es möchte doch mit nach Albanien gehen und über- liefert ihm dann Südalbanien als berechtigte Jisteresscn- sphäre! Welch lächerliches Ende einer törichten Politik! Aus zwei Gründen muß Oesterreich auf die aktive Mit- Wirkung Italiens dringen.- Erstens könnte es den Krieg mit Montenegro nicht übernehmen, wenn es durch die Teil- nahnie Italiens nicht gedeckt wiirde. Da sich die Schwarz- gelben in die alberne Ehrenfrage nun vollständig verrannt haben, so müssen sie ihretwillen nun auch das Opfer auf sich nehmen, Italien die verlangten Konzessionen zu, machen. Und Italien hat wirklich alles ausbedungen. Es greift nur die Vorteile auf und iiberläßt das Schergenanit gegenüber Monte- negro den dummen Oesterreichern. Italien erklärt nämlich, daß montenegrinische Gebiete nicht genommen werden sollen, daß sich die Straferpedition ausschließlich auf die Räumung Skutaris beschränken müsse. Italien wird an dem Krieg gegen Montenegro keinen Teil haben und auch die„Befrei- ung" skutaris den Lcsterreichern überlassen. Auf der anderen Seite hat sich, wie ja vernünftige Leute längst boraussagten, die„Begründung" des selbständigen Albaniens als eine effektive Unmöglichkeit herausgestellt und nach dem Handstreich Essad Paschas ist sie erledigt. Tie Skutarifrage ist eigentlich nur ein Vorwand und die Sach- läge steht in Wahrheit so, das, Albanien zwischen Oesterreich und Italien aufgeteilt werde» soll. Wohl wird die Teilung in zwei Interessensphären, die Oesterreich befolgt, dainit begründet, daß sonst das Land in völlige Anarchie versinke» müßte und daß sonst die Solda- teska. die iin Norden Essad Pascha befehligt, die Kultivierung unmöglich macht! Aber man kommt leichter nach Albanien hinein als heraus. Wenn einmal der Krieg ausgebrochen sein wird, wenn für die„Befreiung" Opfer gebracht sein werden � welche wenigstens im Norden nicht gering sein werden—, so wird die Beendigung nicht so leicht möglich sein. Und ob es bei der Teilung in Jnterssensphären bleiben wird, ist mehr als fraglich. Wird die Okkupation Albaniens, die heute von Oesterreich und Italien anscheinend im Ein- vernehmen beschlossen ist, zur Tat, so bildet sie für die Zu- kunft die scliwerste Gefahr. Auch 1861 waren Preußen und Desterrcich in der Befreiung �-chleowig-Holsteins einig und dann folgte 1866. Wer weiß, was auf die Gemeinsamkeit des Besitzes Albaniens folgen wird! Tie Bcfreierrolle Oesterreichs m Albanien endet nun da- wit, daß der Krieg gegen die Albaner beginnt. Ter Feldzug gegen Montenegro, der Skutari den Albanern verschaffen soll, wird auch als Krieg gegen Essad Pascha gesiilpri werden, gegen jene Albanesen also, die sich von der schwarzgclben Protektion losgesagt haben. Ein nettes Ende der Befrei- ungsrolle, aber ein echt österreichisches Ende. Die für den Frieden so gewichtige Frage ist nun, ob es Montenegro auf den Krieg ernstlich ankommen lassen oder ob es, wenn die Oesterreichcr einrücken, also in letzter Stunde nicht doch noch nachgeben und einlenken wird. Daß ein Krieg mit Montenegro unter Uinständen ein langwieriges Geschäft werden könnte, in dessen Verlauf es zu Zwischenfällen kommen könnte, die Rußland zur Einmischung veranlassen würden, ist leider nicht unwahrscheinlich. Und dann würde die große Gefahr für den europäischen Frieden durch die schwarzgelbe Duniniheit entfacht sein. Aber Oesterreich ist verrückt geworden. Und um sein sagenhaftes Ansehen zu wahren, rennt es der fürchter- lichcn Gefahr entgegen. Es bereitet den Krieg in allen Ge- bieten vor, vor allem g>e g e n d i e e i g e n e n B ii r g e r. In Bosnien und Herzegowina sind heute sämtliche verfassungsmäßigen Freiheiten süspen- d i c r t worden, der militärische Absolutismus hat feine Schreckensherrschaft begomren. Tie Verhängung des Aus- nahmezustandes in D a l m a t i e n ist beschlossen und nach und nach wird der Belagerungszustand in ganz Oesterreich herrschen. Die Untcrdrückungs- und Vcrgewaltigungsrolle würde Oesterreich auch besser Passen, als die Befreierrolle, niit der es in Europa und insbesondere den verbündeten Reichen gegenüber so lange geblufft hat. Belagerungszustand. Sarajewo, 3. Mai. Heute ist der A u s n a h m c; u st a n d für Bosnien und die Herzegowina proklamiert worden.— Durch die Ausnahmevcrfngungen werden einzelne Bestimmungen des Landesstatuts suspendiert, Einschränkungen bezüglich des Paß- und Mcldcwescns und der Freizügigkeit eingeführt, die Zivilpersonen unter die Militärgerichtsbarkeit gestellt und Einschränkung und Neberwachung des Telegraphen- und Telephon Verkehrs angeordnet. Ebenso ist die Verhängung des Ausnahmezustandes über D a l m a t i e n und des Kriegszustandes über Kroatien unmittelbar bevorstehend. Belagerungszustand aus den griechischen Inseln. Athen, 3. Mai. Ein heute veröffentlichtes königliches Dekret der- hängt über alle Inseln des Aegäischen Meeres, die von Griechen- land besetzt sind, den Belagerungszustand. Einberufung der Skupfcbtina. Cetinjc, 3. Mai. Aus amtlicher montenegrinischer Ouelle. Die Regierung hat im Einvernehmen mit der Krone beschlossen, die Skupschtina für den nächsten Donnerstag zu einer außerordentlichen Session einzuberufen. Nicht ganz hoffnungslos. London, 3. Mai. Das Reutcrsche Bureau erfährt: Der Vorschlag, den Montenegro am Mittwoch zur Lösung der Skutari-Frage gemacht habe, lasse, obwohl Monte- 11 e g r 0 der Räumung Skutaris z u st i m m c, er- kennen, daß es einer Art Zusicherung hinsichtlich seiner territorialen Wünsche bedürfe. Es scheine so, als ob O e st e r r c i ch- ll n g a r n nicht die einzige Macht sei, welche eine territoriale Entschädigung für aus- geschlossen halte, und diese Mitteilung' habe in monte- negrinischen Kreisen aufs neue niederdrückend gewirkt. Aber man lasse selbst in den Kreisen, i» denen man eine territoriale Entschädigungjiir unmöglich erkläre, durchblicken, daß nach der Räumung Skutaris irgendeine Grenzberichtignng ins Auge gefaßt werden könne. Im Hinblick darauf, daß Montenegro sei n e Neigung bekunde, s i ch den Wünschen der Mächte zu fügen, glaube man, daß es nicht schwer sein dürfte, irgendeine alle befriedigende Formel zu entdecken. Im gegenwärtigen Moment aber sei kein Anzeichen dafür vorhanden, daß eine solche Formel gefunden sei, und deshalb bestehe auch kein Grund, zu glauben, daß Skutari geräumt werde» würde. Londoner Auffassungen. London» 3. Mai.(Privattelegramm des«Vor- wärt s".) Ter Text der montenegrinischen Antwort auf die Note der Mächte enthält wenig oder nichts, was die Ansichten über einen dcvorjtchenden Rückzug Montenegros rechtfertigen könnte. Es wird deshalb die Ansicht geäußert, daß der montenegrinische Meschäfis, träger P 0 p 0 w i t s ch mündlich größeres Entgegenkommen be- wiesen habe. Heute verlautet, daß Popoivitsch der englischen Re- gicrung folgenden Vorschlag unterbreitet habe, der der Botschafter- konfercnz mitgeteilt worden sei: Montenegro würde Skutari räumen gegen folgende Zugeständnisse: Eine Grenzberich- tigung soll bei Podgoritza erfolgen; Montenegro erhalt den See von Skutari, sowie die Benutzung des Bojanaflusses. Die Hoffnung, daß König N i k i t a Skutari freiwillig oder gar ohne Bakschisch räumen werde, wird als sehr gering betrachtet. «Daily Chronicle" sucht heute die Negierung zu bewegen, im Verein mit Frankreich und dem Dreibund diie montenegrinischen Hafenstädte und San Giovanni di Medua zu besetzen. Das Blatt meint, daß diese Operation leicht sei und unblutig verlaufen werde und den Trotz des Zwergstaates brechen müsse. Das werde auch die den Balkanvölkern und dem europäischen Frieden gefährliche Österreichisch-italienische Intervention abwenden. Ter neue alba- ncsische Staat müsse unter die Vormundschaft ganz E u r 0-t p a s gestellt werden. Militärische Maßnahmen. Rom, 3. Mai. In längeren Anssührungen präcisiert die offiziöse„Tribuna" den Standpunkt der italienischen Regie- rung folgendermaßen: Weder die Arniee Essad Pascha noch die Tschawids haben Verbindung miteinander, daher leuchtet die Notwendigkeit ei», die Ordnung in Albanien wieder herzustellen. Es ist von den Mächten als selbständiger Staat geschaffen worden,.und es wäre deshalb zu wünschen, daß alle Mächte gemeinsam die Ord- nung mit ihren Truppen wiederherzustellen, wie sie es in Chincr und in Kreta getan haben. Aber im Unterschied zu China und Kreta sind hier zwei Mächte, nämlich O e st e r r c i ch- Ungarn und Italien, an dem albanischen Problem mehr beteiligt, als die übrigen. Es ist möglich, daß die Mächte die undankvare Mission auf Oesterreich-Ungarn und Italien abzuwälzen wünschen; Oesterreich-Ungarn hat sich bereits dazu angeboten zu handeln, Italien wird nicht Nein sagen können. In Voraussicht neuer oder ernsterer Ereignisse indessen, welche eine Intervention Jta- l i e n s in Südalbanien verlangen könnten, hat der K r i c g s m i n i st c r verfügt, daß die zur Bildung eines Armeekorps erforderlichen Trnppencinheitcn vervollständigt werden. Es dürfte e i n e D i v i s i 0 n genügen, aber es muß eine Reserve bereit sein, wenn die Erpedition beschlossen werden sollte. So müßte, um das Land nicht ganz zu entblößen (16(1 666 Mann stehen in Libyen) eine Jahresklasse einberufen werden, diese Klasse ist indessen bisher nicht eiuberufei� worden, weil es wahrscheinlich ist und zu hoffen steht, daß die innere Lage Albanisus sich nicht in einer Weise ver- schlimniert, die eine Intervention notwendig macht. Was die Flotte anbetrifft, die nur erforderlich ist, um die Operationen bei der Ausschiffung der Truppen zu unterstützen, so ist sie bereit, ebenso die erste Division, welche die zur Besetzung von Merg bestimmten Truppen, dorthin geleitet hat und nach Italien zurückgekehrt ist. Desgleichen meldet man aus Spezia, daß das gesamte auf Urlaub befindliche, zum Bezirk Spezia gehörende Personal wieder einberufen ist. Es handelt sich, wiederholt die„Tribuna", um V 0 r s i ch t s- maßnahmen, weil noch nicht alle Hoffnung verloren ist, daß die bisher schwerwiegenden albanischen Fragen auf der Londoner Konferenz und in Albanien sell'st ihre friedliche Lösung finden. Oesterreich und Italien gegen Essad Pascha. Rom, 3. Mai. Der Ageiizia Stefani wird aus Wien gemeldet t Aus Anlaß der Meldung eines Pariser Blattes, daß Essad Pascha die Grenze von Epirns, so wie sie von Griechenland fest- gesetzt worden sei, anerkannt habe, ivird versichert, daß O e st e r- reich-Ungarn und Italien sich darüber verständigt hätten, daß sie alle Handlungen Essad Paschas und alle seine Bereinbarungcn mit den an Albanien angrenzenden Staaten als null und nichtig erklärten. Rückzug der serbischen Truppen. Belgrad, 3. Mai. An der Küste N 0 r d al b a n i c n s sind die serbischen Truppen bis auf 300 Mann, die noch in San Giovanni di Mcdua stehen, zurückgezogen worden. Mo�ki- tcncgri nischc Truppen haben die Küstcnplätze bis zum Drin besetzt. Fünftausend Mann sind in Alcssio. Tos„Alldeutsche Tageblatt" ersucht uns um die Feststellung. daß es vom Ballplatz völlig unabhängig und schon seit Monaten mit Ucberzeugung gegen die Kriegshetze aufgctrctc« Großgörfcftcn. Schlechte Führung der Armee vom Grafen Wittgenstein, Mangel an allen Ideen von unserer eigentümlichen Lage, und in der Schlacht selbst keine Leitung des Ganzen: was war da GrojjeZ zu erwarten. Scharnhorst. Am 2. Mai wurde in der Ebene von Lützen von den Verbündeten Preußen und Russen ein Hauptschlag gegen ?!apolcons Armee unternommen, aber der blutige Tag endete mit einer bösen Niederlage. Schon in früheren Artikeln ist an dieser Stelle gezeigt worden, wie durch die zögernde, fast landeSvcrräterische Haltung Friedrich Wilhelms lll. und seiner Hofschranzen die kostbarste Zeit unnütz vertrödelt und verbummelt wurde und wie man, hätte man nur gewollt, die Entscheidungsschlachten im Stromgebiete des Rheins statt in dem der Elbe hätte schlagen können; viel teures deutsches Blut wäre dadurch erspart worden. Aber auch nachdem Napoleon die Kriegserklärung Preußens mit ein paar höhnischen Worten quittiert batte, auch nachdem die Würfel endlich gefallen waren, ging, wo die Lage rasche Entschlüsse und schnelle Ent- scheidungen heischte., im Bannkreis der beiden Potentaten alles im gemächlichen Schweinstrab vor sich. Der schier un- crmüdlichc Scharnhorst, der nun die Krönung seines mühe- vollen Werks endlich, endlich vor Augen sah, ärgerte sich noch in Breslau die Galle ins Blut, da ihm bei seinen Plänen die Bosheit und Dummheit Hemmnis um Hemmnis entgegen- baute. Während die alte Schlafmütze Kutusoff am liebsten an der Weichsel stehen geblieben wäre, war es sein Streben, die preußisch-russischen Streitkräfte, deren beide Flügelkorps von Wittgenstein und Blücher befehligt wurden, möglichst schnell an der Elbe zu konzentrieren, dann aber durch Streif- korps die Gegend zwischen Elbe und Weser zu beunruhigen und„den Jnsurrektionskrieg in Niedersachsen und West- falen zu beleben und zu unterhalten." Noch immer betonte er, von den alten Gamaschenknöpfen nach wie vor angefeindet, bei jeder Gelegenheit seinen Lieblingsgedanken, „die Völker in das Interesse zu ziehen, weil ein sicherer Erfolg durchaus nicht von der stehenden Armee allein erwartet werden darf". Was um die Zeit etwa des„Aufrufs an mein Volk" der Oberst Tettenborn, ein russischer Parteigänger badischer Her- kunft, bekannt als ein Bruder Leichtfuß und als wenig skrupel- voller Abenteurer, mit Hamburg ausführte, entsprach freilich nicht Scharnhorsts Absicht und Neigung. Am 12. März hatte die letzte französische Truppenabteilung Hamburg, das ja seit zwei Jahren in das napoleonische Kaiserreich einverleibt war, mit der Mahnung an die Hamburger verlassen,„Sr. Majestät dem Kaiser auch fernerhin treue Anhänglichkeit zu bewahren". Aber als am 17. März die ersten Kosaken durchs Steintor sprengten und am Tage danach Tettenborn an der Spitze seiner Haupt- macht feierlichen Einzug hielt, kannte der Jubel der Bevöl- kerung keine Grenzen und freudig bewegt lagen sich auf offener Straße der steifleinene Patrizier und der branntweinduftcnde 5!osak in den Armen. Doch als der erste Rausch verflogen, machten sich die Spuren eines Katzenjammers sehr bald bemerkbar. Die Halskrausen des hochivohllöblicheu Senats hatten wieder das Stadtrcgiment übernommen und drehten sich auch jetzt so ohne alle Hast und Sorge, so behaglich im alten Zirkel, als habe es nie eine Revolution und nie eine napoleonische Zeit gegeben und als könnten die Franzosen die Stadt gar nicht von neuem llebrohen. Mit jedem Mann und jedem Groschen, die für die Verteidigung Hamburgs nötig waren, trieb man eine un- würdige Knauserei und gerade die reichsten Handelsherren zögerten am längsten, che sie in den Beutel griffen. Schlimmer aber war vorläufig die Art, in der— unbeschadet aller Vcr- brüdcrungsszenen— die„Befreier" mit den„Befreiten" um- sprangen. Tettenborns Reiter führten sich auf wie in einer er- obcrten Stadt, die dem Zarenreich eingegliedert werden sollte: der Stadtschlüssel wurde nach Petersburg geschickt und die neugebildcte hanseatische Legion mußte dem Zaren Treue schwören. Wer aber gegen das brutale Säbelregiment Tettenborns auf- zumnckcn wagte, dem knallte sofort der Kantschu um die Beine und nur verstohlen wagten die Bürger einander zuzuflüstern: kein noch so kostbares Hauptquartier französischer Generale sei der Stadt so teuer zu stehcu gekommen, als dieses russische— ein Vorgeschmack alles in allem von dem, waS es überhaupt mit den„Freiheitskriegen" auf sich hatte. Während aber im Hauptquartier der verbündeten Heere über diplomatischen Tüfteleien und militärischen Rangstreitig- Testen gerade immer das Notwendigste versäumt wurde, setzte Napoleon Alles au Alles, um zunächst wieder Herr des nord- westlichen Deutschlands zu werden, da dieses" reiche Gebiet »icht nur den Krieg nährte, sondern auch ein Bollwerk gegen qnglische Landungen war und sein Besitz einen Druck auf das noch verbündete Dänemark ausübte.. Hier im Norden ließ er Davoust operieren, er selbst rückte durch Mitteldeutschland zur Elbe vor. Die schon die verneinende Antwort vorwegnehmende unwillige Frage:„Kann ich Armeen aus der Erde stampfen bei diesem Manne schien ihr nur ein Ja folgen zu können. Kaum hatte er den Brand Moskaus im Rücken und>var in Paris wieder angelangt, so war es, als hätte er mit einer Wünschelrute Frankreichs Boden berührt. Zwar ging hier und da schon ein deutliches Murren durch das ausgesogene Land, aber auf seinen Wink strömten doch die Rekruten herbei, stellten doch die Bauern ihren letzten Gaul, füllten sich doch»vieder die geleerten Kassen, lind Friedrich Wilhelm und Alexander grinsten einander noch ver- legen an. unschlüssig, waS denn eigentlich zu tun sei, da marschierte eS schon wieder auf den westdeutschen Landstraßen, Regiment um Regiment, Armeekorps um Armeekorps, und die Frühlingssonne gleißte aus den Adlern der jungen Garde wie nur einst die Sonne von Austerlitz auf denen der alten. Nicht nur Napoleons Genie, Tatkraft und Organisationstalent, sondern auch die verschiedene wirtschaftliche Entivickelungsstufe des Anmarschgeländes brachte die Franzosen in den Vorteil: in Westdeutschland vorzügliche steinerne Fahrstraßen, auf denen die Kolonnen leicht und sicher vorwärts marschierten; im Ostelbischen Moräste und kaum passierbare Feldwege, die alle Truppenbewegungen eher hemmten denn förderten. Im Rücken der verbündeten Armeen, deren schwächsten und auch unwilligsten Teil die Russen bildeten und die nun doch zur Elbe vorgerückt waren und Dresden besetzt hatten, lagen noch Spandau, Wittenberg und Torgau als von den Franzosen besetzte Festungen. Ein Angriff Kleists auf Witten- vcrg scheiterte, Spandau fiel am 20. April. Bei Magdeburg aber stand der Vizeköuig von Italien mit nicht unerheblicher 'Streitmacht, willens, sich mit der Hauptarmee Napoleons zu vereinigen, die auf der alten Heerstraße Fmuksurt-Eisenach- Leipzig heranrückte. Scharnhorsts einfacher, aber genialer Plan war. daß die Blüchersche Armee, vereint mit der Witt- gensteins, über den Vizekönig herfallen solle, der beiden zu- sammen zweifellos unterlegen war. War er geschlagen, so sollten die Sieger links schwenken, den Harz umgehen und sich auf der Straße von Eisenach nach Frankfurt aufftellen. Dann mußte Napoleon sein Heer teilen und gegen zwei Fronten wenig aussichtsvoll kämpfen, einmal gegen Blücher und Wittgenstein und dann gegen das russische Hauptheer, das an der oberen Elbe stehen zu bleiben hatte. Aber eben weil der Plan einfach und genial war, mißfiel er den Gamaschenknöpfen im Hauptquartier höchlich. und Scharnhorst drang nicht durch. Statt dessen erging sich der neue Oberbefehlshaber, Graf Wittgenstein, der den sterbenden Greis Kutusoff abgelöst hatte, Ende April in theoretischen Haarspaltereien über all die Möglichkeiten, die der Anmarsch des Feindes bieten könnte.— Auf jeden Fall war er, der mit neunzigtauscnd Manu zwischen Halle und Leipzig stand, entschlossen, dem mit stärkeren Kräften heranrückenden Feinde möglichst schnell eine Schlacht zu liefern. Der Plan, das letzte Weißenfels und Leipzig ver- bindende Stück der genannten Heerstraße anzugreifen und hier die Marschkolonnen Napoleons anzugreifen und zu durch- schneiden, war letzten Endes so übel nicht:„Die Idee zur Schlacht," urteilte später Gneiseau.„war gut, die Anlage Wdr schlecht". Die Morgenstunden des 2. Mai waren für den Angriff bestimmt, aber die Strategen des Hauptquartiers wußten nicht nur Zeit und Raum nicht richtig zu berechnen, sondern die beiden Potentaten bestanden auch auf ihrem kindischen Wunsch, ihre Truppen vor der Schlacht noch einmal in Parade an sich vorüberziehen zu sehen! So war es glücklich Mittag geworden, ehe der erste Kanonenschuß fiel. Um eine Art Festungsviereck, das durch die Dörfer Groß- und Kleingörschen, Rahna und Kaja gebildet wurde, ging der Kampf. Wie wilde Tiere verbissen sich die Gegner ineinander und zähneknirschend erkannte Napoleon, der schon weiter auf der Straße nach Leipzig war und auf das Gcschützfeuer hin mit verhängten Zügeln aufs Schlachtfeld zurückkehrte, daß ihm hier andere Preußen als die von Jena und Auerstädt ent- gegenstanden. Die vier umstrittenen Dörfer wurden von den Preußen und Russen genommen und wieder verloren, aber wiedergenommen und aufs neue verloren,— hin und her wogte der wütende Kampf. Hätte die Schlachtleitung in den entscheidenden Augenblicken die russischen Reserven heran- gezogen, das Geschick des Tages wäre wohl anders gefallen, aber von einer eigentlichen Schlachtleitung war bald keine Rede mehr. Wittgenstein war lediglich bemüht, den Kaiser Alexander, der sich in den dicksten Kugelregen stürzen wollte, am Rockschoß zurückzuhalten.„Jnmittelst", erzählt Alexanders Adjutant Wolzogen,„kommandierte eigentlich niemand oder vielmehr jedermann: der Kaiser, d'Audrey, Diebitsch, Blücher, Scharnhorst, ja, selbst die Generaladjutanten des Kaisers— am allerwenigsten aber Wittgenstein, der gar nicht einmal recht ivnßte, wie die Brigaden und Regimenter standen." Kein Wunder, daß bei allem Ungestüm, mit dem namentlich die Preußen vorgingen, bei aller Zähigkeit, mit der sie sich hielten, die Schlacht verloren wurde. Die Verluste waren entsetzlich: die der Franzosen bc< zifferten sich auf 18(XX) Mann, die der Preußen auf 8(XX), während die Russen sich geschont und nur 2(XX> eingebüßt hatten. Die preußische Garde hatte die Hälfte ihres Bestandes gelassen, es gab Bataillone mit nur einem oder zwei Offizieren. Als die Stacht gekommen war, wetterte in der Nähe des Monarchen ein Manu herum, der verzweifelt rief:„Soll all das Blut hier umsonst geflossen sein?" Das war Blücher, und seine Worte schallten so laut über das Schlachtfeld hin, als riefen sie den beiden Gottesgnadenmännern zu: Durch Eure Lässigkeit ist es umsonst geflossen! EtolitilcKe Qeberfscbt* Berlin, den 3. Mai 1913. Talm-Salm und— Leinert. Im Herrenhaus wurde am gestrigen Sonnabend die Ost- markcnvorlage angenommen. Im GcwisscnStamps zwischen der Gegnerschaft gegen dos polnische Volk und der gegen die Ansicdlung deutscher Bauern siegle die Treue zum Bollzugsausschuß der ge- borencn und ernannten Gesetzgeber zur Regierung und man nahm ihre Vorlage an. Bezahlen werden ja die Proleten die Kosten der vtermanisierungspolitik. Den Oberbürgermeister von Blomberg. Herrn M i tz l a f f ärgert es, daß d»e vom Land vertriebenen Polen in die Städte ziehen. Er verlangte deshalb, daß die Regierung auch da was tue. So ein kleines Gesetz, das den Polen in den Städten verbietet, Häuser zu besitzen und Schuhe zu besohlen, hätte ja im Landtag sicher Aussicht auf Annahme. Die Wut der Herrschenden über die Arbeitcrjugcndbewcgung und das Scheitern aller Bestrebungen, die Arbeiterjugend ihrer Klasse zu entfremden, fand, ihren Ausdruck in einer Rede des be- kannten Generals v. B i s s i n g. der bei der Denkschrift über diese Bestrebungen— die die Arbeiter mit ihren Steucrgroschcn bezahlen müssen— verlangte, daß ein noch ganz anderer Zwang auf die Jugend ausgeübt werde» müsse. Das Gesetz über die innere Kolonisation gab zu einer kleinen Debatte über die Förderung der Viehproduttion durch den Großgrundbesitz Anlaß. Der Herr Fürst zu Salm-Salm will von der inneren Kolonisation nichts wissen und, beruft sich auf-- den Abgeordneten Leinert zum Zeugen dafür, daß der land- wirtschaftliche Großbetrieb für die Viehzucht und Fleischvcrsorgung besser sei. Der Herr Fcrscht vergißt dabei nur, dciß moderner landwirtschaftlicher Großbetrieb von einem dcmokatischcn Staat zum Wohl des Volks und zur Sicherung seiner Flcischversorgung zu erschwinglichen Preisen nicht zu verwechseln ist mit demMonopolderWuchcrzöllner! Das Gesetz wurde natürlich angenommen. Es ist so geartet, daß es der hochmögenden Junkcrschaft nicht wehe tun und die hohen Ftcischpreisc nicht hcrabdrücken kann. Der Rest war das Eiscnbahnanlcihegcsctz, von einer Erörterung lokaler Eisenbahnangelegenheiten anmutig umrahmt. Montag: ElektrifizierungdcrBcrlincrStadt-, Ring- und Vorortbahn. Steuermogeleien der Großagrarier. Die„positiven" Landpastorcn des„Reichsboten" fühlen sich arg verschnupft durch die Tatsachen, daß sie oft viel höhere Steuern bezahlen müssen als die adeligen Rittergutsbesitzer' in ihrer Nach- barschast, aber bei den Landtagswahlcn nur in der dritten oder zweiten Klasse wählen-können, während die großagrarischen Steuer- drückcbergcr in der ersten Klasse wählen. Schon vor einigen Tagen brachte der konservative„Rcichsbote" die Zuschrift eines Pfarrers, in der die Abzugspräris bei der Steuerveranlagung der Junker scharf kritisiert wird. Der Kritiler berief sich dabei auf seine gut konservative Parkigesinnung und meinte, daß mit einer solchen Praxis im Interesse der konservativen Partei gebrochen werden müsse, denn die dadurch hervorgerufene Mißstimmung sei nicht nur begreiflich, sondern auch berechtigt. Die letzte Nummer des„Reichsbotcn" vom 3. Mai bringt nun abermals drei Briefe von konservativen Pfarrern, die die Aus» führungcn ihres Amtsbruders bestätigen und neues Material über junkerliche Steuerschwindclcicn beibringen. In dem einen Brief heißt es, daß„weder der Pastor noch irgendein anderer verstehen, daß der Großgrundbesitzer oder-Pächter gegenüber anderen Ständen oft eine sehr reichliche und glänzende Leben S- Haltung bat— Kutscher, Bediente, viele Mädchen, Gärtner, Förster usw. zu seiner Bedienung—, Wild, die schönsten Garten. früchte und-Blumen umsonst, Milch, Butter. Eier, Fleisch u. a. sehr billig— und die Steuerabzugspraxis es ihm gestattet, nicht selten weniger Einkommen st euer zu zahlen wie der Beamte oder Gswerbetreibende mit sehr mäßigem Ein» kommen, die alles das entbehren müssen. Diese Stände haben das Gefühl, daß die Steuerabzugspraris die Großgrundbesitzer und. -Pächter bevorzuge". Ein anderer Pfarrer schreibt:„Im Anschluß an manche Zu» schristcn, die der„Rcichsbote" veröffentlicht hat, möchte auch ich darauf hinweisen, daß es geradezu peinlich und bedrückend ist, wenn bekannt wird, daß ein Rittergutsbesitzer, der bisher mit 527 M. Ei»kommen st euer angesetzt war, es durch R e k l a- m a t i o n dazu bringt, auf 6 7 M., sage„siebenundsechzig Mark". herabgesetzt zu werden. Und wie lebt der Rittergutsbesitzer und ivas gönnt er sich alles. Daß er an seinem Vermögen, das auf Hunderttausende und mehr geschätzt wird, besondere Einbuße erlitten habe, ist nicht bekannt geworden. Es muß durch die famosen Abzüge, die auf Haushaltung usw. gemacht werden, erreicht worden sein. Daß derartiges die niederen Klassen der Bevölkerung, wenn sie es hören, sehr verbittern muß, ist begreiflich; man kann sich selb st eines großen Unwillens darüber nicht enthalten." Im gleichen Stil sind die anderen Zuschriften an den„Reichs« boten" gehalten. Das konservative Pastorenblatt hat bisher ver- sucht, die Steuerdrückeberger zu verteidigen. Das will aber ein Geistlicher jetzt nicht mehr gelten lassen. Er schreibt am Schlüsse seines Brieses, gegen den„Rcichsboten" gewandt:„Nein, der Amtsbruder hat Recht, es ist ein ganz wunder Punkt, der der konservativen Sache schiveren Schaden tut. Der Kern unserer konservativen Wähler, die Landwirte, gelten als Drückeberger, die man nicht fassen tonn oder will. Leider trifft es nur allzu ofk zu. Der Schaden ist sehr groß." Die Wilhelmshavencr Polizeiattacke. Ueber� die bereits berichtete Polizeiattacke der Wilhelms» havener Schutzleute am Tage der Maifeier wird uns von dort berichtet: Als etwa 3000 Versammlungsbesucher das auf oldenburgischem Gebiet belegene Versammlungslokal„Tivoli" verließen, um sich zu zerstreuen und in losen Gruppen nach ihren Behausungen abzu» biegen, zeigte sich hundert Schritt vom Lokal entfernt eine Schutz. mannökette, die den harmlosen Weitergang der Passanten hinderte. Als sich die Masse, da nur eine Seitenstraße frei war, staute, zogen die zehn Schutzleute blank und fuchtelten den umstehenden Gruppen mit dem Säbel vor dem Gesicht herum. Der Polizei- kommissar, ein noch sehr jugendlicher Mensch, gab nun den Befehl zum Räumen der Straßenkreuzung. Beim Anblick der blanken Säbel wurde natürlich die Menge etwas aufgeregt, zumal Frauen und Männer mit kleinen Kindern an der Hand oder auf dem Arm in den vordersten Reihen standen. Eine Anzahl besonnener Ge» nassen suchte die hinleren Massen zum Zurückgehen zu bewegen. Jetzt gab der Kommissar zum dritten Male den Befehl zum Ver» lassen der Straße, was bei der Ileberräschung, mil der die Absper- rung gekommen, nicht sofort möglich war. Im salben Augenblick schlugen aber auch schon die Schutzleute auf die Zu» rückdrängcnden ein und es ist bezeichnend, daß fast aus- schließlich die verletzt wurden, die, im Rück gehen begriffen, den Polizisten den Rücken zuwandten. Blindlings wurde darauf losgeschlagen und gestochen. Ein paar Fami» lien väter, die an jeder Hand ein Kind führten, erhielten H iebe ins Gesicht und über die Schulter. Einem anderen wurde der Arm bis auf die Sehnen durchschlagen, während wieder einige von den Schutzleuten mit dem Säbel ins Gesäß oder in die Beine gestochen wurden. Sechs P' e r s o n e n sind auf diese Art erheblich verletzt und arbcits. unfähig g e w oX d e u. Lebensgefahr liegt bei ftämin vor. Außer diesen Personen wurden noch eine Reihe weiterer leicht vcr. letzt, auch wurde einigen der Anzug durch die Polizcisäbcl. ruiniert. Zu betonen ist, daß sich bei der Attacke zwei Schutzleute mit besonderer Bravour betätigten, während etwa vier andere Wohl den blanken Säbel vor sich hinhielten, aber im übrigen da? Publi- kum nur dringend auf den Ernst der Situation aufmerksam machten. Als die Schutzleute blank gezogen hatten, sollen, und sind wohl auch, einige Rufe gefallen, unter ihnen auch:„Hoch die Sozimldemo- kratic!" Die Polizei gibt indes in ihrem an die hiesigen bürger- lichen Zeitungen abgegebenen Bericht an, daß auch der Ruf:„Nieder mit dem Kaiser!" gefallen sei. Wir halten dieses in dezng auf das Publikum für unmöglich und möchten nur wünschen, daß die Polizei einen solchen Rufer namhaft machen könnte. Außer den Polizeibeamten glaubt kein Mensch daran. Sehr bezeichnend für die ganze Sache ist, daß troß des Blutbades keine ein» zige Verhaftung, nicht eiar mal eine Sistierung vorgenommen worden ist. Wie reimt sich dieses zu- sammen? Festgehalten zu werden verdient, daß für die Polizeibeamten auch nicht die geringste Gefahr eines Angriffs vorlag, daß infolge der plötzlich erfolgten Absperrung besonders für die vorderen Reihen ein rasches Zurückweichen nicht möglich war, baß harmlose, un- bewaffnete, zur Besonnenheit mahnende Familienväter mit Kindern an der Hand mit dem blanken Säbel ins Gesicht geschlagen wurden und daß dieser Weg, der nur zu einem Teil auf WilhclmShavencr (preußisches) Gebiet führt, seit Jahrzehnten von Spaziergänger- trupps passiert wurde. Auch ist damit kein Demonstrieren auf Wilhelmshavener Gebiet verdtmdcn, sondern lediglich ist cS eine Abkürzung des Weges nach den Rüstringer Vergnügungslokalcn am Ende der Stadt, in die man nach der Versammlung pilgerte. Auch stimmt es nicht, wenn das Wolftsche Bureau von einem Umzug berichtet, der trotz Verbots die preußische Grenze überschreiten wollte. Es war gar kein Umzug geplant. Ebenso borniert ,st es. wenn eine andere bürgerliche Korrespondenz von einem Werfen mit Mauersteinen meldet. Wo in dieser Straße Mauersteine aus- zufinden sind, wird Geheimnis bleiben. Auf jeden Fall verdient das rücksichtslose Vorgehen der Polizei allerschärfstc Rüge, denn von einer wirklichen Provokation der Polizei durch die Massen kann keine Rede sein. Oftprcnftischc Bcteranenspende. Im vorigen Jahre wurde in ganz Ostpreußen von HauS zu HauS für die lOOOY bedürftigen ostprcußischcn Veteranen ge- sammelt. Man wollte ihnen in diesem Jahk« aus Anlaß der Jahrhundertfeier eine„Ehrengabe" spenden. Nicht imr die B«. wohner. sondern auch die Gemeinden gaben Geld. Insgesamt ist eine Summe von 4 00 0 00 M. eingekommen. Man glaubte all» gemein� das Geld werde unter die bedürftigen Veteranen verteilt werden. Daran denkt aber der Oberpräsident nicht. Er will das Kapital vielmehr zinsbar anlegen. Tie Veteranen sollen nur einen Teil der Zinsen erhalten. Und zwar sollen in jedem der ostprcußischen Stadt- und Landkreise nur drei Veteranen jährliche Unterstützungen bekommen. In Ostpreußen würden danach von den 10000 unterstützungsbedürftigen Veteranen nur 117 etwas aus der..Veteranenspende" erhalten. Ter Rest der Zinsen soll zum Kapital geschlagen werden, und wenn die Veteranen gestorben sind, soll das ganze angesammelte Kapital der Landesversichcrungsanstalt Ost- Preußen zufallen! In den KriegcrvcrcinSkreisen ist helle Empörung gegen diese Pläne des Oberpräsidenten ausgebrochen. Alle Veteranen haben eine Unterstützung als Jahrhundertgabc erwartet, und nun sollen sie leer ausgehen. Der Vertretcrtag des Kreiskriegerverbandes Königsberg hat deshalb gegen den Plan des Obcrpräsidenten Protest eingelegt. Tie Geber würden nie mit einer Kapitalisierung ein- verstanden sein. TaS Elend unter den Veteranen sei groß. Viele Hunderte von berechtigten Unterstützungsgesuchen seien eingelaufen, und die Bittsteller rechneten sämtlich mit Bestimmtheit darauf, aus der Vetcranenspende ein« größere Unterstützung zu erhalten. Ter Vorstand des Regierungsbezirks-Kriegerverbandcs Königsberg wünscht daher, daß alle bedürftigen Veteranen bis zum Tode Unterstützungen aus dem Kapital erhalten sollen. Der Operpräsident hat nun die Entscheidung des— Ministers deS Innern angerufen. Di« Kriegervereinler sind aber auch damit nicht zufrieden. Sie erklären, daß der Minister mit der Angelegen- heit nichts zu tun habe, Ostpreußen allein habe über die Art der Verwendung der Veteranenspende zu entscheiden. Tie Vorgänge sind wieder bezeichnend für das„soziale Emp- finden" der preußischen Beamtenhirarchie. Die Veteranen hungern; aber die..Veteranenspende" soll kapitalisiert werdenl Kann man die Veteranen noch schlimmer verhöhnen? Und doch ver- langt man, daß das Volk da? patriotische.Geschwätz der„Vater- ländischen" ernst nehmen soll. Wie man den atmen Winzern half! In der preußischen Junkerkammer lobte vor einigen Tagen ein braver ZentrumSmann die gute Regierung öffentlich ob ihrer großen Fürsorge für die notleidenden Winzer und knüpfte daran die Bitte, daß bald wieder nachgeholfen werden möge. Das gute Wcinjahr 191 1 sei von dem so schlechten Jahre 1912 abgelöst worden »nd daher wieder große Not im Lande. Natürlich ist daS nichts als Wahlmachc. um den Winzern zu zeigen, welche Mühe sich das Zentrum besonders um die Erhaltung des armen Winzerstandes gibt. Wie sieht aber die Winzerhilfc in Wirklichkeit aus? Dafür haben wir einen sehr guten Beleg in Gestalt des Berichtes des Landesausschusses an den soeben beendeten Kommunallandtag des Regierungsbezirkes Wiesbaden. Bekanntlich hatte man vor zwei Jahren mit großem Tamtam Millionen für die armen Winzer be- willigt und sich dafür in den Tagesblättern öffentlich loben lassen, daß Regierung und Kommunallandtag sich so der armen Winzer angenommen hatten. Unsere Genossen im Kommunallandtage wiesen aber schon damals darauf hin, daß es doch in erster Linie darauf ankomme, daß gerade die ä r m st e n der Winzer, die sonst keinen Kredit mehr hätten, sofortige Hilfe erhielten, wenn man die ganze Aktion,„die Winzer in ihrem Nahrungszustand zu er- halten", wirklich ernst nehme. Diese Mahnungen wurden als„selbst- verstandlich" bezeichnet. Jetzt erfleht man aber aus dem amt- lichen Bemchte, wie die Hilfe für die armen Winzer eigentlich aus- sah. To der Herr Oberpräsident Rechnungsablage verlangte und auch von den„Grundsätzen Kenntnis" haben wollte,„nach welchen die Gewährung von Beihilfen und Darlehen an die Winzer er- folgte", so war man wohl oder übel gezwungen, Farbe zu bekennen, und die Landräte berichten wie folgt. Ter Landrat von Rüdes- heim teilt mit: „Tie Rückzahlungspflicht des Kreises gebot die Forderung unbedingter Sicherheit. Wir konnten deshalb nach Lage der Verhältnisse mit sonst üblichen ein- fachen Bürgschaften uns nicht begnügen, da dies »u einer jede Sicherheit ausschließenden gegenseitigen Bürgschaft der Winzer geführt haben würde, und stellten deshalb das Verlangen, oaß die Gemeinden die Bürgschaft für rechtzeitige Zahlung von Kapital und Zinsen zu über- nehmen hatten.... Eine getvisse Enttäuschung der Winzer war unverkennbar. ES war nicht erwartet toorden, daß die zinsfreien Darlehen nur in so be- schränkte in Maße und lediglich für die Bewirt- schaftun g der Weinberge im laufenden Jahre gegeben werden konnten, daß überhaupt keine größere S u m m e zu Beihilfen ohne Rückzahlungspflicht bewilligt worden loar. In dieser Beziehung eine Bewilligung eintreten zu lassen, aus den 15 Proz. Nachlaß an dem Darlehen, war unS leider nicht möglich, da dieser Nachlaß als Reserve für etwaige im Laufe der Jahre wohl unausbleibliche Verluste der Gemeinden zurückgestellt werden muß. Da nun selb st verständlich die Ge- meinden auch ihrerseits eine Sicherheit für ihre Bürgschaft verlangten, blieben von oer Notstandsaktion alle diejenigen von vornher- ein ausgeschlossen, die an der äußersten Grenze ihrer Kreditfähigkeit angelangt waren, und eine Sicherheit nicht mehr bieten konnte n." Der Landrat deS Kreises St. Goarshausen berichtet: „Die Gewährung von zinsfreien Darlehen erfolgt nur an solche Winzer, für welche seitens der Ge. meinden die Bürgschaft für pünktliche Rückzahlung der gewährten Darlehen übernommen wird. Die Kreisvertrc- tung hat ein ander es Verfahren grundsätzlich ab- gelehnt. In mehreren Weinbaugemeinden haben die Gc- meinden die Uebernahme der Bürgschaft eintreten lassen, in anderen haben sie dies abgelehnt, auch haben manche Winzer auf die Gewährung von Dar- lehen verzichtet." So half man den armen Winzern, um sie ihrer Scholle zu er- halten. Wer an der„äußersten Grenze seiner Kreditfähigkeit an- gelangt war", erhielt überhaupt kein Geld, obschon die Millionen doch in erster Linie für diese Leute vorgesehen waren. Um das Maß voll zu machen, hat man den Gemeinden zugemutet, auch noch die Bürgschaft für rechtzeitige Zahlung von Kapital und Zinsen zu übernehmen. Wer aber die Gemeinden des RheingaueS kennt, wird wissen, daß dann erst recht die armen Winzer um ihre Hilfe kommen mußten. Ein armer Winzer, der an der„Grenze seiner Kreditfähigkeit" beinahe angelangt ist, erhält eher zwei Bürgen einer Bank oder Kasse gegenüber, als die Unterstützung des ganzen Gemeinderates. Engherzig und überängstlich wird da Wochen- und monatelang über den Fall beraten und dann unter lebhaftem Be- dauern erklärt, daß die Gemeinde unmöglich die Garantie über- nehmen könne. Weiter spielen in einer kleiner Dorfgemeinde sehr vft auch persönliche Fragen mit. selbst wenn der arme Winzer nicht auch noch politisch verdächtig ist. All« die von den Wohltaten der Regierung und des KreiseS aus- geschlossenen Winzer hat man auf einen guten Herbst vertröstet, der auch tatsächlich im Jahre 131t kam und im darauffolgenden Jahre inj wieder durch einen desto schlechteren abgelöst wurde. Die armen Winzer sind daher heute noch viel schlechter daran, alS im Jahre 1910, in dem sie die Hilfe des Staates erflehten. Djc wirklich notleidenden Winzer hatte man aber von der Staatshilfe künstlich ausgeschlossen, weil die Gemeinden die Bürgschaft ab- lehnten, andere haben vorher abgelehnt, weil sie ihr Schicksal kannten und den bemittelten Winzern hat man billi- gcs Geld auf Staatskosten gegeben! Tie Furcht der Wahlmogler. Die rechtsstehende bürgerliche Presse macht die weitere Ocffent- lichkeit auf eine Reichsgerichtsentscheidung aufmerksam, nach der sogenannte Wahlkontrolleure vom Wahlvorsteher auS dem Lokal gewiesen werden können, wenn sie„die Wahlhandlung stören", Es wird an einen Fall angeknüpft, in dem ein sozialdemokratischer „Wahlkontrolleur" mit dem Wahlvorstand Differenzen wegen dessen Wahlleitung bekam, aus dem Lokal gewiesen und. weil er sich zu gehen weigerte, wegen Hausfriedensbruch und Beleidigung zu vier Monaten Gefängnis vcrurieilt wurde. Das Reichsgericht hat, so- weit die Gefängnisstrafe in Frage kommt, das Urteil bestätigt. Und die bürgerliche Presse teilt dieses Urteil nun mit der Ausforde- rung mit, die Wahlvorsteher möchten bei der bevorstehenden preu- ßischen Landtagswahl ähnlich gegen unliebsame Wahl- tontrolleurehandeln. Die Herren müssen doch ein recht schlechtes Gewissen haben, daß sie einer Kontrolle der Wahlhandlung mit solchen Mitteln be- gegnet zu sehen wünschen. Die Wahlmogclei scheint ihnen zu den ebenso berechtigten Erbeigcntümlichkciten Preußens zu gehören wie die Stcuermogelei._ Jofepk(Inger gestorben. Am Freitag verschied in Wien im 85. Lebensjahre Professor JosephUnger, Präsident des österreichischen Reichs- gerichts. Unger war einer der bedeutendsten, vielleicht der bedeutendste Rechtslehrer der Gegenwart. Sein System des österreichischen Privatrechts, auf dem Studium Savignys beruhend und über ihn hinausgehend(erschienen 1858 bis 1864), war eine schöpferische, umwälzende Tat. An Stelle des Klaubens an Worten und Deuteln an Buchstaben stellte Unger das Schöpfen aus der geschichtlichen EntWickelung und den Zweck des Rechtsinstituts. Später hob Unger fort- schreitend die wirtschaftliche EntWickelung noch mehr in den Vordergrund. Die Wiener Universität stand weitaus an der Spitze der Rechtswissenschaft, als das Dreigestirn Unger, Jhering. Glaser dort dozierte. In wachsendem Maße lenkte der Verstorbene auf die soziale Seite des Rechts seine Aufmerksamkeit. Als Herrenhausmitglied stand er in allen sozialen Fragen auf der radikalen Seite. Unter dem Mini- sterium Auersperg war Unger Sprechminister. Als reak- tionäre Ziele zur Ebnung des Taafferegiments eingeschlagen wurden, nahm Unger„ohne Charakter als Charakter" sofort seinen Abschied. Seit 1881 stand der Verstorbene an der Spitze des Reichsgerichts. Daß dies Gericht im Gegensatz zum Deutschen Reichsgericht den raktionären Strömungen, soweit gesetzlich möglich, widerstand, ist nicht zuletzt seinem Einfluß zu verdanken. Jüngst zitierten wir ein unter seinem Vorsitz gefaßtes Urteil, das die Lex Falkenhayn, die Vor« gängerin des preußischen Hausknechtsparagraphen, niit ver- nichtender Schärfe als richtigen Verfassungsbruch kenn« zeichnete. Gäbe es viele Richter, die mit so unbeugsamem Rechtsgefühl wie er die Rechtsprechung mit dem Recht zu identifizieren suchten, so stände es besser mit dem Akisehen der Richter._ Qngam. Die politische Lage.-- Budapest, 3. Mai.(Eig. Ber.) Am Montag soll der ungarische Reichstag wieder zu- sammentreten, vorausgesetzt, daß bis dahin der kriegerische Konflikt nicht völlig zum Ausbruch gekommen ist. An den innerpolitischen Verhältnissen hat sich in den letzten zwei Monaten nicht viel geändert. Der Reichstag ist, nachdem er die reaktionären Gesetze durchgedrückt hatte, in die Ferien ge- gangen, ohne dem Ausgleich zwischen Opposition und Re- gierungspartei einen Schritt näher zu treten. Die Regierungspartei hat keine Lust, den Weg der gewaltsamen Politik zu verlassen, und die bürgerliche Opposition macht eine Ver- ständigung davon abhängig, daß alle Maßnahmen, die seit dem vorigen Jahre getroffen sind, rückgängig gemacht iverden. Dabei kann aber nicht verhehlt werden, daß die bürgerliche Opposition einen Ausgleich sehr gern sehen würde. Die Bundesgenossenschaft mit ber Arbeiter« klaffe wirb ihr langsam unheimlich, sie braucht nur vorläufig die Arbeiter noch, sonst wäre es vielleicht schon zu ejner Trennung gekommen. Im Programm der Opposition be- findet sich daher auch noch die Forderung einer Revision des Wahlrechts, aber mit dieser Forderung ist es der Opposition nicht ernst. Kann sie unter günstigen Bedingungen wieder Einfluß auf die Rcgierungsgeschäfte erlangen, dann wird sie diese Forderung skrupellos fallen lassen und mit der Reaktion gemeinsam die Arbeiter bekämpfen. Ueber diese Situation geben sich die Arbeiter gar keiner Täuschung hin, und obwohl sie die Bündnistreue der Opposition gegenüber wahren, sind sie diesen Leuten gegenüber genau so vorsichtig als gegen die Regierung. Es ist nicht anzunehmen. daß der neue Tagungsabschnitt des Reichstags schon eine Aendernng dieser Situation herbeiführt.____ Hus der Partei. Eine Kundgebung der englische» Sozialisten. Der Vorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands sendet uns folgende Resolution: Der Vorstand sendet den Genossen der Deutschen Sozialdemokratie die herzlichsten Glückwünsche zu ihrem entschlossenen Kampf gegen den Militarismus und für den Weltfrieden. Insbesondere drückt der Vorstand seine Genugtuung aus über Liebknechts Enthüllung des gewissenlosen und verräterischen Treibens der Panzerplattenpatriote», die die Staatsverwaltung zu korrumpieren versuchen und aus eigensüchtigen Profitinteressen den Haß zwischen den Nationen, besonders zwischen Deutschen und Franzosen geschürt haben. Aus den Organisationen. Der Stettiner Parteiverein gibt soeben seinen ge« druckten Geschäftsbericht heraus, der— da nach dem neuen Organi« sationSstatut das Geschäftsjahr der Partcivereine am 30. März ab- läuft— sich allerdings nur auf neun Monate erstreckt. Seit dem 1. August 1910 hat der Verein einen Sekretär angestellt. Die Mit- gliederziffer erhielt in der Berichtszeit einen Zuwachs von 309 — 16,56 Proz. männlichen und 108— 23 Proz. weiblichen Mitgliedern, insgesamt vermehrte sich also die Mitgliedcrzahl um 477 Personen, das siud 17,6 Proz. Tic Höchstzunahme in den letzten 12 Jahren lvar die des Wahljahres 1912, in welchem der Verein um 487 Mitglieder wuchs. Ter Verein hat also in den letzten neun Monaten sich fast ebenso gut vermehrt als in dem seinem Wachs- tum am günstigsten Jahre in 12 Monaten; 3181 Mitglieder gehören ihm jetzt au, darunter sind 578 Frauen. Die Vereins- einnahmen bezifferten sich, inklusive eines Kaffenbestandes von 5549,94 M., auf 15 773,84 M. Die Ausgaben beliefen sich infolge der h'mgestaltung der Parteiarbeit auf 13 115,21 M., so daß der Kassen bestand auf 2654,03 M. herabschmolz. An den Bezirksvorstand wur�e»! 1303,17 M., an den Parteivorstand 1742,90 M. abgeführt. polizeiliches, gerichtliches ufw, Der staatsgefährliche Kinderumzug. Wie bereits mitgeteilt, hat die Polizei in Halle a. S. dies- mal den.Maiumzug, der im Vorjahr in musterhafter Ruhe und Ordnung d or sich ging, wegen„Gefährdung der öffentlichen Sicher- heit" verbergen. Aber damit hat man sich noch nicht zufrieden- gegeben. T iesmal hat die Polizei sogar einen seit Jahren bei der Maifeier unO den Parteifesten üblichen Lampionumzug, den die kleine n Kinder bei Eintritt der Dunkelheit unter Vor- mitritt einer h Musikkapelle durch drei das Arbeiterlokal umgrenzende, nur einige hundert Meter lange Seitengassen veranstalteten, wegen „Gefährdung de r öffentlichen Sicherheit" verboten. Am Spätabcnd des 30. April A'urie dem Vorsitzenden des Maifcierkomitecs der ablehnende Bescheid zugestellt, der folgende Begründung enthielt: „Nach Wir hnung des Maiumzuges am Vormittag steht zu erwarte», daß der mit der Maifeier aufs engste verbundene Kinderumzug Mich von einer mehr als zur unbedingten Aufsicht der Kinder erstwderlichen Anzahl Erwachsener begleitet werden würde. Unter dewt Deckmantel einer Kindcrbelustigung bedeutet auch dieser AmzüZ nichts anderes als eine zielbewußte Kund- gebung zugunsten 1'cr Maifeier und der in diesem Jahre mit ihr verknüpften Hera.ebforderung zur rücksichtslosen und wuchtigen Demonstration gelten die den Reichstag beschäftigende Wehr- Vorlage«nd daS preußische Landtagswahlrecht. Bei dem An- stoß, den außerhalb der sozialdemokratischen Partei Stehen.de an diesem Vorhaben nehmen würden, ist es geeignet, die öffentliche Sicherheit zu gefährden." Mit diesem Dokuml'.ut echtpreußischen Polizeischarfsinns dürfte die Hallesche PolizeibehiXrde wohl alles bisher Dagewesene über- troffen haben. Interessant ist nur das Geständnis, daß die Sicher- heit nicht durch den eigentlichen Kinderumzug gestört werden könnte, sondern durch außerhalb Oer Arbeiterschaft stehende sogenannt« „Patrioten". � � Soziales* Zum hssesinderecht. Dem minderjährigen Dienfhknecht M. in Oberwessa bei Weißen- felS hatte fein Arbeitgeber, des Gutsbesitzer Edwin Schrecker in Groöbitz, Kreis Weißenfels, als Schlafraum eine Kammer an- gewiesen, in der es vor Wanzen u»'d anderem Ungeziefer nicht aus- zuhalten war. Deshalb ging der.junge Mensch öfter über Nacht zu seinen etwa eine Stunde entfernt wohnenden Eltern. Als er dies eines Abends wieder tun wollte, wurde er von dem Dienst- Herrn geschlagen und in den Schlafrar'im.eingesperrt. Wegen dieser Behandlung verließ der Dienstknecht anderen TageS den Dienst und erstattete gegen den Prügler Strafanzeige wegen Mißhandlung und Freiheitsberaubung. Nun trat der Amtsvorsteher in Tätigkeit. Er.verfügte' in der Zeit von August bis Dezember v. I. fünfmal, daß der Knecht den Dienst bei dem Gutsbesitzer binnen Stvei Tagen wieder auf« nehmen solle. Jeder Verfügung war die Androhung einer Geld« strafe von 30 M. eventuell drei Tagen Haft beigefügt. Ebenso war in den nachfolgenden Verfügungen die vorher angedrohte Geldstrafe festgesetzt. Weil der Knecht die Geldbetröge nicht bezahlen konnte, wurde Haft gegen ihn festgesetzt. Leider hatte der junge Mann unterlassen, gegen den Rückkehrbefchl das Verwaltung?- srreiwerfahreki ein'züleitcn.'•->• Im November ließ der Erste Staatsanwalt in Naumburg a. S. sich auf den gegen den Prügler erstatteten Slrafantrag hören: Gegen den Landwirt sei Anklage wegen Freiheitsberaubung er- hoben. Dagegen sei abgelehnt, wegen Beleidigung und Körper- Verletzung gegen ihn«inzuschreiten. Nach Z 77 der Preußischen Gesindeordnung könne das Gesinde, wenn es die Herrschaft durch ungebührliches Betragen zum Zorn reizt und alsdann von ihr mit Scheltworten oder geringen Tätlichkeiten behandelt wird, dafür keine gerichtliche Geimgtuung fordern. Dies fei bei dem Knecht aber der Fall. Er habe den Angeschuldigten dadurch zum Zorn gereizt, daß er wiederholt die Nacht über weggeblieben und infolge- dessen am nächsten Morgen zu spät zur Arbeit gekommen sei. Der Staatsanwalt sollte wissen, daß das durch§ 77 der Gefindeprdnung der Herrschaft eingeräumte mittelbare Züchtigungsrecht durch Art. 05 des EinführungSgefetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch be- seitigt ist mid daß unter allen Umständen im vorliegenden Fall der Dienstherr im öffentlichen Interesse anzuklagen war. Der un- wissende Minderjährige hatte leider Beschwerde nicht erhoben. Wie wurde eS mit der Slntiagc gegen den Gutsbesitzer wegen FreiheitSberaubniig? Die Strafkammer des Landgerichts in Raumburg a. S. sprach ihn frei. Und wie kam das? In der Verhandlung wurde fest- gestellt, daß der Gutsbesitzer„Gewalt angewendet und den Knecht eingesperrt hatte, weil dieser sich seinem Willen nicht unterordnen wollte." Aber der Agrarier„brauchte wegen der Enrtearbeiten den Knecht notwendig*.... Wenn dieser aber den Abend zu seinen Eltern lief, um am anderen Morgen, nach einem Marsch von sechs Kilometern, tvieder zur Arbeit zu erscheinen, dann sei er müde. Da? Gericht glaubte auch die zeugeneidsiche Bekundung des Dienst. inechteS, er sei wegen des massenhaft in der Schlafkammer vor- handenen Ungeziefers nachts öfter nach Hause gegangen« nicht als zweifelsfrei betrachten zu dürfen: Weil er nicht oft und nach« drücklich genug über die Belästigung beim Arbeitgeber, nach dessen Angaben, vorstellig geworden sei. Der Anwalt des Angeklagten tat die Klagen de» Knechtes über das Ungeziefer mit dem geschmack- vollen Scherz ab: Wenn die Wanzen sich vollgesoffen hätten, ließen sie den Knecht in Ruhe und er könne dann ruhig schlafen. DaS Gericht kam zu der Auffassung, der Gutsherr hätte ge- glaubt,„er fei berechtigt, so zu handeln, er könne den wider. strebenden Willen des Knechtes brechen und ihn zwingen» die Haus- orbnuug und die Arbeitszeit innezuhalten". Er habe sich demnach nur geirrt über feine Rechte aus dem Vertragsverhältnis..Ist das aber der Fall, so hat ihm, als er den Knecht einsperrte, das Bewußtsein gefehlt, er handle widerrechtlich. Fehlte aber, wie das Gericht überzeugt ist, dem Angeklagten das Bewußtsein der Rechts- Widrigkeit seiner Handlung, so konnte ein wesentliches Merkmal des Tatbestandes des§ 239 des Strafgesetzbuches nicht festgestellt werden. Das mußte notwendig die kostenfreie Freisprechung des. Angeklagten zur Folge haben." Bon Ungeziefer gepeinigt, der Freiheit beraubt, verprügelt und dann noch wiederholt ins Loch, weil er die Strafe für Bollzug eines RückkehrbefehlS, der unbedenklich aufgehoben wäre, wenn der junge Mann nicht leider auS Unkenntnis Rechtsmittel dagegen ein- zulegen unterlassen hätte. Ist bei solcher den Menschen herab- würdigenden Rechtlosigkeit Leutenet erklärlich? Dringend möchten wir Eltern abraten, ihre» minderjährigen Kindern, Söhnen oder Mädchen, die Genehmigung zn landwirtschaftlichen oder Gesinde- diensten zu erteilen. Nur dann ist die Rechtlosigkeit gemildert, wenn durch Vertrag alle Gründe, die den gewerblichen Arberter zum Austritt berechtigen, auch für das Gefnide vereinbart werden, und wenn ferner schriftlich nach Art des von dem Berein der Haus- angestellen vor Jahren gemachten Vorschlages die'Anwendung der Gesiudeordunng und des Ausnahmegesetzes gegen Gesinde vom Jahre 1854 ausgeschlossen wird. Gewerhrcbaftlicbea* Berlin und Ilmgesend. Die Zimmerer für den Tarif. Dekanntlid) hatten die Arbeiter des Berliner Baugeivcrl öes den Schiedsspruch des Einigungsamtcs abgelehnt und zugleich g �fordert, daß die Verhandlungen noch einmal aufgenommen wcrder/i sollten Das ist geschehen und das Resultat dieser Beratungen ist-'m einem Vorschlag des Magistratsrats v. Schulz niedergelegt, b it besagt Tie Tarisverträgc ioerden auf drei Jahre Verl, an gerb Auf die Dauer dieser Verträge werden die Stunden löhne aller Kategorien von Arbeitern um 4 P f. erhöht, uns> zwar: am t, August 1313 um 2 Pf. und am 1. Oktober 1914 um weitere 2 Pf. Allen anderen Abändernngsanträgcn, mit A? rsnahmc der- jenigcn, über die die Parteien sich bereits verständigt haben, wird nicht stattgegeben. Mit diesem Vorschlage beschäftigte sich am Fusttag eine Dele- gicrtenversammlung des Zimmererverbandes. Witt berichtete und teilte u. a. mit, daß Herr Heuer, der Vorsitzende des Berliner Verbandes der Baugeschäfte erklärt habe, daß ve diesen Vorschlag seiner Organisation zur Annahme empfehlen werde, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Arbeitnehmer: bis zum 3. Mai ebenfalls ihr Einverständnis mit dem Anerbieten bekunden würden Die Schlichtungskommission der Berliner ZahjTstelle der Zimmerer hat dazu Stellung genommen und sich einstimmig für Annahme dieses Vorschlages erklärt. Der Borstand r/nd die Schlichtungskommission seien zu diesem Beschlutz gelav.gt, weil sie es nicht glaubten verantworten zu können, in Anbetracht der jetzigen Ber iiner Bauverhältnisse den Mitgliedern di,e Ablehnung des Voo schlags zu empfehlen. Es gelte vor allem, eine feste Lohnbasis für Berlin zu schaffen und eine Entloh�nungsgrcnze nach unten hin zu erziehen. Nach längerer Debatte, in der eine Anzahl Redner den Vor schlag scharf bekämpften, stimmte die Versammlung mit Zwei- drittelmchrhcit demselben zu. Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Jirma Höring, llsedomstratze 17, dauert fort. Die Firma ist eifrig bemüht Ar- bcitswillige heranzuziehen, die sie, ha es sich meist um ungelernte Leute hemdelt, von zwei Monteuven der Nollcschen Maschinen- fabriken aus Weißensels anlernen läßt. Doch bietet die Firma auch den arbeitswilligen Elementen recht minimale Löhne, wes- halb sie an Ihnen auch nicht stiel Freude erleben dürfte. Nur der arbeitswillige Maschincnzwjcker GanSloweit erhält einen Ehrenlohn von 36,33 M., während ihm bisher nur 33,33 M. ge- zahlt wurde. Leider wird«ist.» hier wieder den Streikenden der Kampf durch die Polizei erschw et, indem diese auf Grund der Aus- sagen arbeitswilliger Elemente über angebliche Bedrohungen, das Streikpostenstchen unmöglich macht. Die Kollegenschast wird des- halb um strengste Solidarität ersucht. Zentralverband der Schuh- macher, Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Klempner! Die Firma Ger ecke, Wassertorstr. 4ö, hält die im vorigen Jahve abgeschlossene Vereinbarung nicht inne. Die Firma lehnt jede Vechandlung ab. Die Kollegen befinden sich im Streik, der Betrieb ch't daher gesperrt. Zuzug ist streng fern- zuhalten. Deutscher Mctallarbeiter-Verband, Ortsbcrwaltung Berlin. Achtung, Tabakarbieitcr! Der Zigarrenfabrikank Radke, N.. Veteranenstr. 27, hat. seinerzeit den für Berlin geltenden Lohntarif mit der Orgauisaticm des Deutschen Tabakarbeiterverbandcs abge- schloffen. Er hat denselben durchbrochen und ist die Fabrik infolge- . dessen als gesperrt zu betrachten. Arbeiter! Rcpucher! Kauft Euren Zigarrenbedarf nur dort ein, wo das grüne Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, vorhanden ist. Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Achtung, G/astwirtsgehilfen! Unter Hinweis auf die im Jnse- ratenteil besinnliche Anzeige, teilen wir mit, daß der Betrieb .Hackepeter", Münzstraße 23, Jnh. Martin, für organisierte Ge- Hilfen vor wie nach g e s p e r r t ist. Verband der Gastwirtsgehilfen, Ortsverwailtung Berlin._ Arveäterfragen in der Berliner Damenkonfektion. Das Löjährige Regierungsjubiläum des Kaisers wird nach- gerade dazu benutzt, um den größten Unfug als eine.schöne Kund- gebung zur Gedächtnisfeier des Regierungsantritts unseres Kaisers" zu bezeichnen. Tie Zwischenurcister der Damenkonfektion beabsichtigen, mit dieser Motivierung die Organisierung der bei ihnen beschäftigten Heimarbeiterinnen in die Wege zu leiten. Sest Jahren ist auf diesem Gebiete vom Verband der Schneider und Schneiderinnen alles Mögliche unternommen und bei dem großen Konsektionsarbeiterstreik im Jahre 1311 von den Zwischen- meistern die Mithilfe in Aussicht gestellt worden. Allein damals ist eS bei dem Versprechen geblieben. Neuerdings wollen die Zwischeumeister die Heimarbeiterinnen selbst organisieren, und zwar in der Weise, daß der Zwischenmeister die Beiträge für die Or- ganisation zahlt. Dies soll in folgender Weise geschehen: Mit den Fabrikanten wird ein Vertrag abgeschlossen, wonach der Zwischenmeister einen Ausschlag von 15 Proz. auf seinen Ver- dienst erhält; von diesen 15 Proz. erhält die Arbeiterin 13 Proz. Das soll so aussehen, als ob die Arbeiterin den größten Teil der Lohnzulage erhält und der Zwischenmeister noch die Beiträge zu wohltätigen Zwecken an die Organisation der Heimarbeite- rinnen zahle. In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß der Zwischenmeister zunächst einmal 10 Proz. Aufschlag auf seinen bisherigen Verdienst und außerdem 5 Proz. auf seine Gesamteinnahme erhält. Denn bei den bisherigen Löhnen haben die Zwischenmeister doch auch verdient, und wenn sie für sich nun 15 Proz. beanspruchen, während die Arbeiterinnen 10 Proz. erhalten sollen, so heißt das nichts anderes, als daß die Zwischenmeister für sich die größere Hälfte der Lohnaufbessc- rung verlangen. Um diesen genialen Plan durchzuführen, wollen sie die Arbeiterinnen organisieren. Mit der bestehenden Organi- satio«, dem Verband der Schneider und Schneiderinnen, würden sie solche Geschäfte nicht machen können; daher erweist es sich als notwendig, eine besondere Organisation der Arbeiterinnen zu schaffen. Diese Organisation soll eine Wohlfahrtseinrichiung sein und .Zuschüsse zum Krankengeld. Unterbringung in einem Gesundungs- und Erholungsheim, Alters- und Jnvalidenunterstützungen usw. gewähren". Der Beitrag soll während der Zeit der Be- schäftigung 5 Pf. die Woche betragen. Außerdem wird damit gerechnet, daß die Unternehmer ebenfalls Zuschüsse ge- währen. Ein solcher Plan hört sich beinahe menschenfreundlich an. Zu bedenken ist dabei allerdings, daß mit 5 Ps. pro Woche keine großen Sprünge zu machen sind. Dies könnten die Zwischenmeister leicht aus den Abrechnungen der Krankenkassen und der Gcwerk- schaften ersehen. Allem Anschein nach sind sich die Zwischenmeister hierüber auch im Klaren, denn an die Gewährung der Unterstützung ist die Bedingung geknüpft, daß„ein Anspruch auf Unter- stützung aus den Wohlsahrtseinrichtungen nur zuerkannt werden kann, wenn sich die Notlage in der Zeit der Beschäftigung einstellt". Bei der ausgedehnten stillen Zeit in der Damenkonfektion wird unter diesen Umständen die Ge» 'Kerantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Jnseratentetl verantw? Währung einer Unterstützung ebenso oft«ntrekn, wie etwa eiue Heimarbeiterin das große Los gewinnt. Die ganze Geschichte soll auch nichts wester bezwecken, als daß die Heimarbeiterinnen den Zwischcnmcistern die Kastanien aus dem Feuer holen. So äußert sich schon ein Zwischenmeister in der „Damenkonfektion" und erklärt, welche Vorteile für den Zwischen- meister dabei herausspringen. Er rechnet sich aus, daß er dabei pro Woche und Arbeiterin 1 M. erzielt und davon ganz gut 3 Pf. Beitrag zahlen könne. Das ist die richtige Verteilung, wie sie den Zwischen meistern gefällt: die Arbeiterin 5 Pf., der Zwischenmeister 95 Pf. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Arbeiterinnen den Zwischcnmeistern behilflich sein. Wäre es ein ehrltchcs Geschäft, was die Zwischen- m ei st er vorhaben, so würden sie nicht hinter dem Rücken des Schneiderverbandes mit den Fabri- kanten verhandeln, um die Lohnfragc in der Kon- fckiion zu ordnen. Neuerdings werden nämlich wieder ganz im Geheimen Verhandlungen wegen der Lohnfrage in der Damen- konfektion geführt und zu diesem Zweck müssen die Heimarbeitc- rinnen organisiert werden. Daß eine große Anzahl Heimarbeite- rinnen im Perband der Schneider organisiert ist, scheint man vcr- geffen zu haben, obwohl man 1311 die Hilfe des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen gern in Anspruch nahm. Gegenüber diesen Organisationsplänen der Zwischenmeister wird der Verband der Schneider und Schneiderinnen seinen Grund- sätzen treu bleiben und eine Lohnregclung, wie sie die Zwischen- meister jetzt herbeiführen wollen, obwohl sie dieselbe 131 1 ablehnten, nach wie vor verwerfen. Grundsätzlich muß gefordert werden, daß der Lohn in Einzelbcträ- gen sc st gesetzt wird. Dabei können die Zwischen- m ei st er den Arbeiterinnen die ihnen zustehende Lohnaufbesserung geben und ihnen das Zahlen der Beiträge allein überlassen. Die Art. wie die Zwischenmeister die Arbeiterinnen für ihre Zwecke verwenden wollen, ist ein Unfug. Dem entgegen zu arbeiten, wird sich der Verband der Schnei- der angelegen sein lassen und dahin wirken, daß für die Arbeite rinnen, sowohl als die Arbeiter, Lohntarife eingeführt werden, auf Grund deren sie der fragwürdigen Wohlsahrtseinrichtungen der Zwischenmeister nicht mehr bedürfen.. Deutkchcs Reich. Zur Aussperrung im Malergewerbe. Ter Unternehmerverband beweist immer mehr, daß er bei In- szenicrung seiner Machtprobe seine Kräfte und seinen Einfluß bc- deutend überschätzte. Schon sind eine große Reihe Städte ab- gefallen; 73 Städte haben überhaupt nicht ausgesperrt und es mehren sich die Lohngebietc, wo die Aussperrung völlig erlischt. Dort entsteht für die Unternehmer die Gefahr, daß bei günstiger Gelegenheit die Gehilfen auf den Abschluß eines Tarifvertrages drängen, wenn inzwischen kein Rcichsiarifvcrtrag zustande kommt. Und dabei wird die sicher noch zu erwartende Sommersaison, nach- dem das Frühjahrsgeschäft durch die Aussperrung gründlich vcr- pfuscht wurde, gute Helfersdienstc leisten, dazu kommt, daß in weiten Gebieten des Reiches von den Meistern ein neuer Tarif- abschluß gewünscht wird um wieder zu geordneten Verhältnissen und zu einer Sicherheit vor plötzlichen„Ueberrumpelungen durch die Gchilfenorganisationcn" zu kommen, die man den Meistern jähre- lang«ls den besonderen Wert des Tarifvertrages gepredigt hat. Ein Teil der Unternehmer aber, besonders in Norddeutschland und im Rheinland, treiben die �charsmacherei in unsinniger Weise weiter. Meist sind diese Scharfmacher allerdings Meister, die nichts zu verlieren haben. Die Zwangsmaßnahmen gegen die Unter- nehm er, die nicht in das Horn der �Scharfmacher blasen, werden trotz der Erklärung des Ministers v. Spdow im preußischen Ab- geordnetenhause ungehindert fortgesetzt, wenn auch mit recht ncga- tivem Ergebnis, denn die Aussperrung läßt sich künstlich und mit ungsetzlichen Mitteln nicht stützen. Ebenso wie auf die Entscheidungen der Aufsichtsbehörden pfeifen die Zwangsinnungcn, die von Scharf- machern des Arbcitgebervcrbandes geleitet werden, auf die er- wähnte Ministererklärung, nach der die Zwangsbeschlüsse der Innungen und die dadurch verhängten Strafen ungesetzlich sind. So beschloß u. a.— nach den Debatten im preußischen Avgeord- netenhausc'— die Düsseldorfer Zwangsinnung folgendes: ..Die Jnnungsversammlung hält an dem Beschluß vom 13. März ausdrücklich fest, und erweitert ihn dahin, daß auch das Unterzeichnen der Sondertarife gegen die Staetdcsehre vcr- tötzt und von der Innung verboten wird. Für die Uebcrtrctung stescs Beschlusses wirb die statutengemäße Strafe von 23 M. estgesetzt." Wir würde man zetern, wenn Arbeiterorganisationen ebenso Gesetze und Regierungserklärungen verhöhnen würden. Die Scharfmacher der Unternehmerverbände aber find trotzdem in den Ministerien gern gesehene Gäste, von denen sie sich, wie das Ministerium des Innern, periodisch einseitig Bericht über die Aussperrung im Malergewerbe erstatten lassen. Und aus Grund 'olcher durch einseitige Berichte gebildeter Auffassungen werden schärfere gesetzliche Maßnahmen gegen die Arbeiter vorbereitet.— Der Kampf im Malergewerbe liefert wertvolle Illustrationen zu diesem Kapitel._ Tchwindeltelegramme. Die Sehnsucht einiger Unternehmer, den oberjchlesischen Bergarbeiter streik in einem Blutbade zu ertränken, wird hoffentlich unerfüllt bleiben. Obwohl die Unternehmerblätter sich alle Mühe geben, Nachrichten über Terrorismus und Krawalle zu bringen, müssen sie selbst zugeben, daß der Ausstand mit s e l t e- n e r Ruhe geführt wird. Nachdem der Streik nahezu 14 Tage gedauert hat, geht dk erste Schwiichclnotiz über einen Streik- krawall in die Welt hinaus. Der»Kattowitzcr Zeitung" wurde aus amtlichen Quellen gemeldet:.Streikende bedrohten einige Gendarmen mit Steinwürfen. Darauf erschoß ein Gendarm einen der An- greiser." H i e r v o n i st k e i n W o r t w a h r. In der Nähe des Vorfalles war wohl eine Versammlung, aber der Angeschossene hatte an der Versammlung nicht teilgenommen. Er ist ein arbeits- cheuer, etwas irrer Mensch, der sich vom Fischfang ernährte. Er stand an einem Teich und fischte mit einem Korb. Ein berittener Gendarm kam hinzu und verbot ihm das. Der Fischende schützte ich mit seinem Korbe vor dem Pferde; im Verlauf des Renkontres zog der Gendarm blank und versetzte dem Manne mehrere Hiebe. Schließlich griff der Beamte zum Revolver; von drei Kugeln traf eine den Oberschenkel des Gegners. Der Fischende war niemals Bergmann und, daher auch nicht am Streik beteiligt. Er ist in der ganzen Gegend als ein U n z u r e ch n u n g s- 'ähiger bekannt. Der Vorfall ist ein Beweis dafür, daß Poli- zisten, welche die Ortsverhältnisse und Menschen nicht genau kennen, leicht großes Unheil anrichten können. Die Streikenden denken gar nicht daran, sich provozieren zu lassen, sie stehen fest in Muster- hastcr Ruhe._ Boykott über Düsseldorfer Brotfabriken. Seit einigen Wochen stehen die Arbeiter in den Brotfabriken in Düsseldorf in der Lohnbewegung zur Durchführung eines Tarifvertrages und Anerkennung des Koalitionsrechtes. In neun Betrieben mit 35 Arbeitern ist es auch den Organisationen gc- lungen, Tarifverträge abzuschließen. Vier Fabrikanten wefgerrt sich jedoch nicht nur, die Forderungen anzuerkennen, sie wollen auch wie bisher den Arbeitern die Zugehörigkeit zur gewerkschaftliches Organisation verbieten. Gegen diese Firmen haben die organi- sierten Arbeiter den Boykott verhängt. Wie bei allen Wirtschaft- lichcn Kämpfen sich die Polizei in liebevoller Weise der Unter- nchmer annimmt, so auch hier. Die Boykottleitung hat zur wirk- samcn Durchführung des Boykotts an alle Brotgeschäste, die nur boykottfrcies Brot verkaufen, Plakate verabfolgt. Die Polizei» behörde wies jedoch die Schutzleute an, die Plakate aus den Schau- fenstern entfernen zu lassen. Aus Antrag der Unternehmer erließ außerdem das Landgericht eine einstweilige Verfügung, nach der den Organisationen verboten tvird, die Geschäfte zu veröffentlichen, die boykottfreie Ware verkaufen. Ter Beschluß des Landgerichts wird damit begründet, daß die Organisationen von den in den boy- kotticrten Brotfabriken beschäftigten Arbeitern keinen Auftrag er- hielten, eine Tarifvorlagc an die Unternehmer cinzurcichen, „unter diesen Umständen verstoße der Boykott gegen die guten Sitten". Zu dieser Anschauung kam wohl das Landgericht, weil ein Fabrikant von seinen Arbeitern ein Schriftstück unterzeichnen ließ, das er nachdem in der Tagespressc veröffentlichte, wonach die Arbeiter erklärten, sie hätten den Organisationsvcrtrctern keinen Auftrag gegeben, einen Tarifvertrag einzureichen. Tatsache ist jedoch, daß die Arbeiter dieser Firma ebenfalls in der beschließen- den Versammlung waren und dafür st i m m t e n, daß die Tarifvorlage an die Brotfabrikantcn eingereicht werde. Tic.Kölnische Zeitung" frohlockt über diese einstweilige Per- fügung des Düsseldorfer Landgerichts und bemerkt dazu:„Darüber hinaus hat aber dieser gerichtlich festgestellte Fall eine symptoma- tische Bedeutung, weil er zeigt, daß die Gewerkschaften in vielen Fallen in bewußter Weise eine reine Machtpolitik betreiben, ohne dabei auf die Interessen der beiden beteiligten Kreise, der Arbeiter und der Unternehmer, zu achten." Das ist die Wahrheit auf den Kopf gestellt. Vor Gericht wurde gar nichts festgestellt, das wird erst geschehen müssen, weil sich die Arbeiterorganisation die Ver- fügung nicht so ohne weiteres aushängen läßt. Solange die Unter- nehmcr den Arbeitern das Koalitionsrecht verwehren, hat auch die organisierte Arbeiterschaft keine Ursache, solchen Unternehmern die Ware abzukaufen. Ausland. Streikbewegung in Spauien. Wie uns ein Telegramm aus Saragossa meldet, sind dort die Metallarbeiter allgemein in den Ausstand getreten, auch in den übrigen A r b c i t s z w e i g e n ruht teilweise die Arbeit. Die Mitglieder der katholischen Organisa» t i o n e n arbeiten weiter._ Lohnbewegungen in Amerika. Die Zugführer und Eisenbahnbcdienstetcn der Eastern R a i l r o a d s haben beschlossen, eine Abstimmung zu veranstalten, ob sie infolge der Weigerung der Gesellschaften, Lohnerhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu gewähren, in den Ausstand Preten sollen. Sechs- bis achttausend Arbeiter der Seidenweberei von Jersey City sind in den Sympathiestreik für die Ar- beiter von Paterson, die sich seit einiger Zeit im Ausstand befinden, eingetreten._ Letzte Ttachrichten. Fcldzugsplane. Wien, 2. Mai.(W. T. B.) Wie die„Neue Freie Presse" aus diplomatischen Kreisen erfährt, sind die V e r h a n d- lungen zwischen der österreichischen u n d der italienischen Regierung noch nicht abge- schlössen. Italien ist bestrebt, die bevorstÄiende Aktion nur ans albanischen Bechen zu beschränken, um jeiÄ Komplikation zu vermeiden. Militärische Kreise in Wien vertreten dagegen die Ansicht, daß sowohl aus politischen wie aus mili- tärischen Rücksichten es unumgänglich notwendig wäre, die Aktion gegen Skutari auch zugleich auf montenegrinischem Boden durchzuführen. Man glaubt, daß die militärische Operation von beiden Mäch- ten gleichzeitig ins Werk gesetzt werden soll und längstens Mitte nächster Woche beginnen wird. Bis dahin wird auch die Frage entschieden sein, ob dann die Schiffe der De- monstrationsflotte von den übrigen Mächten zurückgezogen werden oder nicht._ Serbien wird schwankend. Wien, 2. Mai. kW. T. B.) Wie die„Neue Freie Presse" aus Belgrad berichtet, ist die Stimmung in Serbien er- regt und die Haltung Serbiens zu den kommenden Ereignissen wird davon abhängen, ob Ministerpräsident Pasitsch stark genug sein wird, die nationalistischen Strömungen, die für eine aktive Unterstübung Montenegros sind, einzudämmen. BiS heute zeigt die serbische Regierung keine Neigung, sich durch Monte- negro in einen Krieg mit Oesterreich-llngarn verwickeln zu lassen, schon mit Rücksicht darauf, daß das Verhältnis zu Bulgarien noch immer ungeklärt ist. Tie Haltung Bulgariens. Sofia, 3. Mai.(W. D. B.) Das Regierungsorgon „Mir" bezeichnet die in gewissen europäischen Blättern ver- breiteten Gerüchte, wonach die bulgarische Regierung die Verpflichtung eingegangen sei, Montenegro bei der Durch- führung seines Aktionsplanes in Albanien im Vereine mit diesem oder jenem albanesischen Führer und in direktein Widersvruch mit dem unzweideutig kundgegebenen Gesamt- willen Europas zu unterstützen, als jeder Begründung entbehrend. Religionsstreitigkeiten auf dem Berge AthoS. Paris, 3. Mai.(W. T. B.) Ter„Temps" meldet anS Saloniki: In einem Kloster auf dem Berge Athos sind in- folge eines religiösen Zwistes zwischen Klein- und GroßrussenUn ruhen ausgebrochen. Mitglieder der Großrussenpartei wurden von ihren Gegnern eingesperrt und ihre Güter geplündert.- Die russische Botschaft in Konstantinopel ersuchte den Patriarchen um die Erlaubnis, ein Kriegsschiff nach dem Berge Athos zu entsenden und daselbst Truppen zu landen, um Ordnung zu schaffen. Der Patriarch verweigerte dies mit der Begründung, daß die Klostcrvorschristen die Landung fremder Truppen verbiete. „™. �'tische Prophylaxe. London, S. Mai.(SB. T. 23.) Der AnHanger de» Frauen� stimmrechts. Lansburh, der bis vor kurzem dem Unterhause als Mitglied der Arbeiterpartei angehört hat. erhielt heute vom Polizeirichter den Befehl, die Summe von zweitausend Pfund Sterling als Sicherheit dafür zu hinterlegen, daß er Ruhe halten werde. Lansss»�, w...»,.„h hiefe Summe zu stellen und Haft verurteilt. Lansbury erklarte, daß er gegen o,eseß Urteil Berufung einlegen werde. Man gcltatwte ihm, Prozeß, ......_ bürgschaft zu stellen und beließ ihn auf freiem Fuß. Wh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Berlagsalistalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Hierzu 6 SSrilägatT 9..<07. ckz-h-M-. i Kejlage des„Kmarts" Kerlim NolksdlR Zum KandwgsmatMampf. Arbeiterichut? im ilbgeorcknetenhsuie. Zu den von den Dreiklassenmännern arg mißhandelten Arbeitern gehören vornehmlich auch die K o h l e n g r ä b e r. Der Bergbau untersteht dem Landtggc. Zur die scit�langcn 'Iahren aus den Tiefen der gequälten Bcrgsklaven herauf- honenden Rufe nach Schutz für Gesundheit und Leben haben die bürgerlichen Parteien kein Ohr. Jeder angekündigte Berg- arbeiterschutz erwies� sich später als eine Verhöhnung der �chutzbedürftigcn. Steine statt Brot hat man ihnen gegeben. So konnte es denn nicht ausbleiben, daß die Zahl der ll u f a l l v e r l e tz t e n im Bergbau immer geivaltiger an- schwoll. Riesengroß ist bereits das Heer der K r ü p p e l, das der Bergbau ueferte. Folgende Aufstellung nach den Angaben der Berufgenossenschaft gibt darüber den urkundlichen, Empörung auslösenden Beweis. Bemerkt mag noch werden, daß Preußens Bergbau ca. 90 Prozent aller Bergarbeiter Deutschlands >1911: 838 274), auf welche sich die Angaben beziehen, umfaßt. Es wurden gemeldet: Unfälle pro 1000 Arbeiter 65,45 72,49 94,28 103,48 126,45 126,70 133,69 136,79 Unfällen sind 1886 1890 1895 1900 1905 1907 1909 1911 Unter überhaupt 22 497 28 879 40 616 58 471 81 871 92 455 109 489 114 669 schweren Schwere u. tödliche Unfälle überhaupt 2 265 6,59 3 402 8,54 4 906 11,39 6 894 12,19 10 066 15,55 11 381 15,54 12 596 15,38 12 200 14,55 solche zu verstehen, bei denen der Verletzte 13 Wochen nach dem stlnfalltage die voll- ständige Arbeitsfähigkeit noch nicht wieder erlangt hat. Im letzten Berichtsjahre ist die Zahl der schweren Unfälle etwas gesunken. Das ist aber keine Folge verminderter Unfall- gefahr, sondern das Resultat einer Verschlechterung in der Unfallrechtsprechung. Es werden Verletzte trotz erheblicher Schäden für vollständig arbeitsfähig erklärt. So sinkt die Zahl der Schwerverletzten, die Berufsgenossenschaften sparen, und die Arbeiter sind betrogen! Trotz der Renten- quetscherei zeigt sich auch für die schweren Verletzungen seit 1886 eine erschreckende Steigerung. Auf 1000 beschäftigte Arbeiter berechnet stieg die Zahl der Unfälle überbaupt um.. schweren Unfälle um.. Das sind erschreckende Resultate. Ohne eine andere Zusammensetzung des Landtags wird diesem Zustande im Bergbau kein Einhalt f boten. Der Schutz der Bergarbeiter verlangt eine türmung der Junkerburg! 109 Proz. 120. Lewerbeinipektoren über die wir!- ichsstliche Lage der Arbeiter. Nicht von vollen Kompottschüsseln, wohl ober von sozialen Nöten in weiten Schichten des Volkes sprechen die Mitteilungen der Preußischen Gewerbeaufsichtshcamtcn. Die herrschende, andauernde Teuerung spielt eine verhältnismäßig große Rolle in den Berichten für 1912. Wohl wird über nominelle Lohnsteigcrungen berichtet; aber sie reichten nicht aus, um die Verteuerung der Lebenshaltung. das Resulkat unserer berühmten nationalen Wirtschaftspolitik, auszugleichen. Der Segen der konscrvativ-ultramyntan-national- liberalen Zoll- und Steuerpolitik macht sich nun in einer ungemein drückenden Belastung der gewerblichen Gütcrerzeugung bemerkbar. Arbeiter und Industrielle, vorwiegend die Kleingewerbetreibenden und Handwerker haben die Suppe auszulöffeln, die dem Volke von der Zollwuchermehrheit aingebrockt worden«ist. Trotz enormer Steigerung der Produktion hat sich für die Klcinunternehmer die Lage wenig odcw gar nicht gebessert, und die Arbeiter mußten viel- fach bei Ausdehnung der Arbeitszeit die Lebenshaltung einschränken. Ter Notstand, bei allgemein glänzender Konjunktur, würde noch viel schärfer fühlbar geworden sein, wenn nicht Unternehmer, Kommunen, Behörden, private Vereinigungen, besonders Konsum- vereine durch besondere Organisation in der Beschaffung von Lebensmitteln, der Teuerung etwas entgegen gearbeitet hätten. Den Schilderungen all solcher Bestrebungen widmen die Beamten einen verhältnismäßig breiten Raum. Die Tätigkeit der Konsum- verein« findet dabei mehrmals besonders lobende Erwähnung. Aber trotz aller Bemühungen auf diesem Gebiete lastet die Teuerung wie ein Alp auf der von der Hand in den Mund lebenden Bc- völkerung. Der Berichterstatter aus dem Kölner Bezirk konstatiert: „Pie günstige Lage des Arbeitsmarktes brachte zwar allen Gewerben reichliche Beschäftigung und hohe Löhne; die erhebliche Verteuerung der Lebensmittel, insbesonderes des Fleisches, wurde dadurch aber kaum ausgeglichen." Das Urteil des Beamten von Aachen lautet lakonisch: .,... Die besseren Löhne wurden aber durch die weitere Steige- rung der Preise für die notwendigen Lebensmittel, namentlich Fleisch, wieder ausgeglichen." Den Beamten ist es nicht gestattet, sozial« Betrachtungen zu pflegen, vielleicht würde man weit mehr von ihnen aus den Tiefen des wirtschaftlichen Lebens vernehmen. Aber auch die einfachsten Tatsachenmitteilungen weisen die Erzählungen über den sozialen Aufstieg des Proletariats und die Harmonie der Interessen zwischen Ausbeuter und Ausgebueteten ins Reich der Fabeln. Gewiß, die Junker, die Liebesgabenschlucker und die Großindu- striellen, hielten gute Ernten, brachten Riesengewinne heim; aber der übrige Teil der Bevölkerung, die fleißigen Schaffer, sie hatten lediglich mehr Arbeit. Das war ihr Anteil an dem Ertrage reicher Ernten und gesteigerter Warenproduktion. Es ist eine bittere Ironie des Geschickes, daß die königlichen Aufsichtsbeamten mit einfachen Tatsachenmitteilungen die schärfste Kritik an der Wirt- schaftspolitik der Regierung und der Lebensmittelwucherparteien üben. Man höre nur noch, was der Beamte von Düsseldorf sagt: .... Aber auch dort, wo die Löhne, wie in der dauernd gut beschäftigten Großeisentndustrie und der chemischen Industrie, eine mäßige Steigerung erfuhren, machte sich die fortgesetzte, erheb- liche Verteuerung fast aller Lebensmittel in empfindlicher Weise bemerkbar." Textilarbeiter sind, wie man vernimmt, vielfach bei dem„Mangel an lohnender Arbeit in harte Be- drängnis geraten". Der Beamte von Arnsberg berichtet, daß sich trotz Lohn- ethöhungen die wirtschaftliche Lage der Arbeiter„kaum gün- stiger gestaltet habe". Aus Münster hört man, daß„von einer befriedigenden Lebenshaltung der Arbei ter... nicht gesprochen werden könne". Und der Berichterstatter des Aufsichtsbezirks Hildesheim bemerkt, daß als Folge der Teuerung, obwohl die Löhpe gestiegen seien, in der Lebenshaltung der Arbeiter„eher ein Rückgang als eine Verbesse- rung" eingetreten sei. Daß die empfindliche Verteuerung der Lebensmittel die Vorteile flotter Beschäftigung und aufgebesserter kleines Feuilleton. Am Sarge des Leibgardisten. Den Kaiser und den Kanzle» hat Erich Schmidts Ableben zu Beileidstelegrammen der- anlaßt, die mit auffallendem Eifer dem Urteil der Zukunft vor- «reifen. Ein Ewigkeitswert geradezu wird dem Toten beigemessen. Der Kaiser, der mit besonderer Betonung die repräsentativen Talente des hofmännisch gewandten Professors herausstreicht, Wjreibt seinem Namen einen„ehrenvollen Klang in der gebildeten Welt bei Alt und Jung für alle Zeiten" zu. und der Kanzler spricht von dem„feinsinnigen Interpreten unserer klassischen Literatur, dessen Einfluß auf die gebildete Welt noch in Genera- turnen tiefgreifend fortleben" werde. Aber liest man die Nekro- löge, die dem Toten von den Zeitungsschreibern dieser sogenannten gebildeten Welt alsbald gewidmet wurden, so wird durchaus nicht demerkbar, daß der Hieb des Sensenmannes ein so über die Massen hervorragendes Stück der geistigen Existenz des Volkes getroffen haben kann. Was sie an Erich Schmidt in langen Spalten rühmen, ist in erster Linie und fast nur der gesellig-bewegliche Mensch, der am Trinktisch der Germanistenkneipe die Verbindung mit jungen und alten Schülern frischzuhalten liebt. Diese Erinnerungen an die'gute Kameradschaft mögen jedem, der sie erlebte, heilig bleiben, aber sie berühren doch nur Nebemverte privater Natur. Wo bleibt der Hauptwert, der den Gesamtcrtag des Lebens heraushebt? Sollte im Augenblicke des Todes als das Beste an einem Menschen, dem angeblich die Zukunft gehört, nicht gerade dieser Ertrag vor allem anderen die Sinne beschäftigen? Daß es nicht geschieht, ist ein beredtes Zeichen, daß Erich Schmidts Arbeit derartige Zu- kunftswertc nicht gezeitigt haben kann. Mt dem Verloschen der unmittelbar persönlichen Wirkung tritt als Fazit dieses Gelehrtendaseins nur ein Vergangenheitswert zutaHe. Ileht ihn nicht erst heute, aber aus bem besonderen Anlaß drängen seine Umrisse sich stärker betont auf. Erich Schmidt war eine Säule verschwuiidener Pracht. Vermeintlicher Pracht, sagen wir heute. Mit ihm sank der Typ des neudeutschen Literatur- gelehrten der siebziger Jahre, der die Persönlichkeitsphrase mit Makartfarben leuchten ließ, der auf Wirklichkeit ausging und doch nicht unter dw Oberflache drang, der mit den Taglebendigen Fühlung suchte und doch niemals ans Innere der dieses Lebendige bewegenden Kräfte herankam. Erich Schmidt war ein natürlicher Sprößling der Zeit, d»e von den Opportunitätsorgien des National- liberalismus gezeichnet ist. Diese Zeit patzte sich mit willigem Byzantinismus dem Erfolge des Tages an und machte sich über die großen Denker und Dichter der deutschen Vergangenheit her, um sie zur eigenen Verherrlichung dem neuen Tage anzupassen. Alle wurden sie prophetMche Verkünder des Bismarckreichs, das ge- kommen war: der Pveußenlonig Friedrich und die deutschen «lasfiker, und Lesfing insbesondere, wurde von Erich Schmidt an- geschaut, als ob er ein Streber und Fürst»nknecht gewesen wäre, ganz ebenso wie die neudcutiche Leibgarde bei Hohenzollern, die d:-K Eharakterzüge für selbilverftandliche Merkmale des Männer- stolzes nahm. Dieser Seiten des Lcsfingbuches von Erich Schmidt «uß man' gedenken, wenn der Kanzler von dem„feinsinnigen Interpreten unserer klassischen Literatur redet, dessen fortdaucriidc Wirkung auf die.gebildete Welt sich seinem Sehcrgeiste zeigt. Die frommen Wünsche des Kanzlers sind gewiß zu verstehen. Aber was bedeutet Schmidts Lessiiigbiographie über den engeren Kreis der Literaturfachgelehrtcn hinans, die sich an dem Kärrner- fleiß erbauen und ein Beispiel nehmen, den ihr Meister, der nie einen Königbau groß zusammenfassender Geisteskraft aufführen konnte, in jenem Werke bewies? Ein Buch ist es, dem keinerlei Volkstümlichkeit gelang.� Gerade ein Lessingbuch ließ sich mit der Auffassung, die Erich Schmidt und sein Lehrer Wilhelm Schcrer von Literaturgeschichte hatten, nicht schreiben. Die Schererschule wußte ichts von dem Zusammenhange der literarhistorische» mit der allgemeinen historischen Entwickclung. Sie wußte nichts von den ökonomischen und politischen Grundlagen der Gesellschaft. Wenn sie von sozialen Interessen sprach, meinte sie die gesellschaftlichen Interessen des bürgerlich- aristokratischen Salons. Aber der Scherersche Kreis hat nun in Erich Schmidt den Mann verloren, der als seine beste Kraft galt, und in einem Nachrufe wird fest- gestellt, sein Tod bedeute auch die Schicksalsstunde für die in Scherers Namen ausgedrückte Methode der Literaturbetrachtung. Damit freilich wird keineswegs schon der Weg auf den Literaturlehrstuhl der Berliner Universität frei für eine Methode objektiver Erfassung ter Werte geschichtlicher Bewegung, die in Persönlichkeiten und Werken der dichterischen Literatur sichtbar werden. Auf der Tafel, die sich bereits mit den Namen von An- wätern für den vakanten Professorenstuhl füllt, taucht sofort als besonders beachtbar auch der Name Gustav Roethes auf, und der bedeutet hochgradigen nietzscheanischen Pcrsönlichkeitsaristokratis- mus, der zwischen Masse und Kultur eine unüberbrückbare breite Kluft gähnen sieht. Da diese Anschauung alle Möglichkeiten schafft, den Byzantinismus mit dem Lockenbrenner bürgerlicher Wissenschaft modern aufzufrisicren. stände es um die Chancen des Professors Roethe in der Tat nicht schlecht. Was an der.Alma rnater Berlins besondere Chancen haben will, muß von gestern oder noch älter sein. Diese Norm gehört immer noch zu den heiligsten Gütern der Nation. Die Leipziger Ausstellung. Die Internationale Baufach- Aus- stellung in Leipzig, monumental in Ziel und Umfang, wurde gestern eröffnet. Alles, was mit Bauen und Wohnen zusammenhängt, soll sie zeigen: alle erdenkbaren Baustoffe, ihre Verarbeitung und Ver- Wendung, Baumaschinen und Baumethoden, die wissenschaftlichen Hilfsmittel für die Baustoffprüfung. Unfallverhütung. WohnungS- Hygiene, Wohiinngskunft, Städtebau. Verkehrsanlagen, Ingenieur- konstruklionen, Probleme der Bodenpolitik und hunderterlei anderes. Die architektonische Herrichtung der Ausstellung bleibt nach dem ersten Eindruck hinter der Aufgabe, die die große Absicht ihr stellte, zurück. ES gelang nicht, das mächtige Ausstellungsgelände planmäßig zu gliedern, und den Hallcnbauten fehlt es sehr an der Kraft, die mehr als handwerksmäßigen Durchschnitt geben könnte. Eine Leistung, die den großen Baukünstler verrät, ist die Beionhalle von Wilhelm Kreis. Sie soll zeigen, daß mit einem so modernen Material wie Beton genau dieselbe Wirkung erzielbar ist, wie mit dem Stein, den die Alten beim Bau des Pantheon verwenden mußten. Der Konlurrenz des Beton, dem Eisen, hat der Berliner Bruno Taut nebenan ein Monument errichtet, das_ in einem gewissen Gegensatz zu diesem Experiment Wucht und Schönheit zu entfalten sucht durch die Heraus- arbeitung der ganz neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die in dem Material als noch ungelöst schlummern. Vorläufig ist die Ausstellung aber bis auf die Bauten noch in unfertigem Zustande. Es wird Löhn«„wieder aufgehoben" habe, wird uns aus Hannover berichtet. Den erwähnten Umständen schreibt der Beamte von Schleswig es zu, daß die teilweise zu verzeichnenden Lohnaufbesserungen „größtenteils wieder ausgehoben" wurden. Nach Ansicht des Be- amten aus dem Landespolizeibezirk Berlin hatten die Arbeiter „ihren Anteil" an der guten Konjunktur, beeinträchtigt habe ihn „die ungünstige Lage des Lcbensmittclmarktes". Dagegen sagt wieder der Beamte von Potsdam: die Lage der Arbeiter sei trotz der von den Unternehmern zugestandenen Lohnstcigerung„keine bessere geworden". Tic Beamten aus den östlichen Aufsichtsbezirken registrieren wohl die Bestrebungen zwecks Milderung der Teuerung, aber fast durchweg schenken sie sich Mitteilungen über die wirtschaftliche Lage der Arbeiter. Die Junker werden mit solcher respektvollen Zurück- Haltung zufrieden sein. Es sagt aber auch schon genug, daß die Inspektoren, die aus den allermeisten Bezirken über eine sehr flotte industrielle Tätigkeit zu berichten haben, nichts von einer Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter zu melden wissen. In dieser Negation liegt eine scharfe Kritik unserer wirtschaftlichen Verhältnisse. Lediglich aus Hildesheim wird berichtet, daß die politischen Verstimmungen und Konflikte eine Verschlechterung der Wirtschaft- lichcn Lage gebracht haben. Dagegen wird aus Königsberg bekannt, daß nicht nur Handel und Industrie allgemein, sondern auch die sonst vielfach daniederliegenden Baugewerbe sich guten Geschäfts- ganges erfreuten. Auch die Löhne seien gestiegen: im Maschinen- bau 3 bis 5 Proz, in Ziegeleien bis 10 Proz. Hier läßt der Beamte aber auch d>e Kehrseite sehen:„Doch hat die Lebenshaltung der Arbeiterbevölkerung trotz der Lohnerhöhung infolge allgemeiner Steigerung der Lebensmittelpreise und der Wohnungsmietcn namentlich in den Städten keine Aufbesserung erfahren." Die Urteile und' Feststellungen der Beamten sind zu überein- stimmend, als daß sie noch durch die Schönfärberei der Anwälte der Lebensmittelwuchcrpolitiker erschüttert werden könnten. Die Zahlenjongleure der Agrarier und des Neichslügenverbandes dürften ihre Versuche, durch Rechenkünste eine großartige Besserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter der Oefsentlichkcit vorzu- täuschen, als aussichtslos einstellen. Allen Demagogen und Char- latanen des Agrariertums— auch denen in den hohen Regionen der Regierung— kann man mit den Berichten der königlich preußischen Gewerbeinspektoren gründlich um die Ohren schlagen. Die Unternehmer kouiUen trotz der ungünstigen Verhältnisse als Resultat der Lebensm ittelteueruug, die ein Ansteigen der Selbst- kosten im Gefolge hatte, immer noch befriedigende Gewinne heraus- schlagen: einmal durch Steigerung der Verkaufspreise, weiter durch eine gesteigerte Ausbeutung der Arbeitskraft. Die darauf ein- gestellte Sucht kommt zum Teil in der über die Mehreiisstellung von männlichen Arbeitern hinausgehend« Vermehrung der schlechter entlohnten weiblichen und kindlichen Arbeitskräste in die Erschci- nung. Weiter machte sie sich in der Einlegung von Ueberstunden und der intensiveren Ausnutzung der Arbeitskraft bemerkbar. Viel- fach kamen die Aufsichtsinstianzen den Wünschen der Unternehmer cmtgegen, indem sie in ziemlich weitgehendem Maße die Ueber- sthreitung gesetzlich festgelegter Maximalarbeitszeiten für Arbeite- rinnen und Jugendliche, sowie eine sehr ausgedehnte Sonntags- arbeit gestatteten. Ueber den Umfang der noch durch keine Bestimmungen be- grenzten Ueberzeitarbeit liegen nur aus der Eisengroßindustric die schon in Nr. 96 des„Vorwärts" mitgeteilten statistischen Angaben vor. Die Unternehmer waren mit der leider noch erlaubten maß- losen Ausbeutung der envachsenen männlichen Arbeiter und den gestatteten Ausnahmen von dem begrenzten Ausbcutuygsrccht noch nicht zufrieden. Sie betrieben die Piwfitiiiacherci unter Mißachtung der Gesetze und Verordnungen. Tnrüber liegen verschiedene bc- merkenswerte Angaben vor. In einer Marmorschleiferei im Arns- berger Bezirk waren 7 Arbeiterinnen im Lause mehrerer Wochen verschiedene Male von 6 Uhr früh an den ganzen Tag, die folgende noch eine gute Weile dauern, bis ein Gang durch die noch leeren Hallen sich lohnt. Einwurf: Zeh» Pfeuuig. Mit Schokolade fing es au. Der Hosenmatz reckte sich aus den Zehenspitzen und ließ seincii Groschen in dem Schlitz verschwinden, um in ei» jämmerliches Geschrei auszubrechen, wenn da? gußeiserne Ungetüm sich nicht rührte und rüttelte und seinen Inhalt für sich behielt. Dann kam der Vater, wies den Kleinen milde aus die Inschrift hin: Fest am Griff ziehen I und dann ging es. Die Schokolade schmeckte oft nach Seife. Darum ging man dazu über, Seife direkt aus Automaten hervorspringen zu lassen— Einwurf: Zehn Pfennig! Nach der Seife kamen Streichhölzer an die Reihe, Pralinees, Zigarren. Reclambändchen— das Automaienrestaurant blühte auf, die Demokratisierung des Kaviars. Auch die Reichspost machte mit. Sie verkauft Briefmarke». Postkarten und ein gewisses Quantum Elektrizität mit Telephon- anschluß aus Automaten— Einwurf: Zehn Pfennige. Die städtische Gasanstalt beteiligte sich. Niemand schloß sich aus. Versenke deinen Groschen dort, wo zu lesen steht: Einwurf: Zehn Pfennig! und du erhältst, was dein Herz begehrt: ein paar Stücke Klosett- papier in handlichem Format, oder fünf Minuten lang die Stimme Carusos, oder was du immer willst! All das aber waren irdische Güter, die schließlich von Rost und Motten gesteffen werden. Doch nun ist auch das ewige Heil aus dem Bauch eines Automaten zu erwerben, denn als ich dieser Tage aus einem Zigarrenladen trat, fiel mein Blick auf einen Automaten, der grün war wie die Hoffnung. Was weiter! dachte es in mir, Zigarren! Schnupftabak! Streich- Hölzer! und ich wollte mich entfernen. Aber ein Schild bannte mich. Das verhieß:.Für zehn Pfennige das neue Ti�sta- ment und die Psalmen." Und darunter noch einmal ein- dringlich: Einwurf: Zehn Pfennige I Wo der Apparat steht, verrate ich nicht. Warum nicht> Je nun, sonst geht der Herr Geheimrat Cassel dreimal am Tage vorbei, wirft mit ostentativer Geberde, damit ihn alle? Volk sieht, zehn Pfennige in den Schlitz und nimmt stolz das Testament heraus, das neue Testament! Auf die Psalmen legt er weniger Wert. Theater. K gl. Schauspielhaus:.Zwischen den Schlach- t e n",„Die Neuvermählten" von B j ö r n s o n. Der Björn- son auf der Höhe seines Schaffens, der Dichter religiöser Zweifel- fragen und mächtiger sozialer Kämpfe(im Doppcldrama„Ueber unsere Kraft"), gehört mit seinem großen Landsmann Ibsen zu zcnem Bereich moderner Kunst, deren andauernde Nichtbeachtung eine Besonderheit des Kgl. Schauspielhauses darstellt. Was jenseits des umfriedeten Geheges klassischer Dramatik liegt, mutz durch aus- giebige Harmlosigkeit, durch einen Mangel von Beziehungen zu alle dem, was als Lebendig-Neues interessiert, legitimiert sein, wen- es die geweihten Pforten dieser Bühne passieren soll. Die Regel bestätigt sich auch diesmal wieder.„Zwischen den Schlachten" und die früher viel gespielten„Neuvermählten" des jungen Björnson dürfen ganz gewiß als unbedenklich gelten. Das Norweger Helhenstück in einem Akt, das einiger menschlich freundlicher Perspektiven nicht entbehrt, erhebt sich in der Prüm- tivcn Art der psychologischen Motivierung und des Aufbaues wenig über das bekannte Genre dpr Germancndramen. Man vcrstebr kaum mehr den Erfolg, ben dieses Werk einmal geftinden. Die Aacht unL iroch den nächsten Tag bis abends 7 Uhr mit Schleifen von Marmorplatten beschäftigt worden„-. Eine Arbeiterin l)atte am Mittag des zweiten Tages die Arbeit einstellen müssen weil die Kräfte versagten". Wegen dieses groben Vergehens gegen Schutzgesetze und Arbeitcri.nnengcsundheit erkannte das Gericht auf die fürchterlich hohe Strafe von 10» M. gegen den Fabrikanten und von 200 M. gegen den Werkmeister. Eine freche Umgehung des KinderschutzgesetzeS wird aus dem Bezirk Münster gemeldet. In fast rührend anmutender Naivität schildert der Beamte sie also: „Einige Webereibesitzer in einem kleinen entlegenen Orte g e st a I teten(!) 40 schulpflichtigen Kindern an den schulfreien Nach- Mittagen und des Abends nach der Schulzeit den Zutritt zu den Wcbsälen, damit(!) sie bei ihren Eltern das Weben erlernten. Wenn die Kinder auch keinen Lohn erhielten, so unterlag es doch keinem Zweifel, daß sie gesetzwidrig beschäftigt wurden. Weiter bemerkt der Beamte in seiner Harmlosigkeit: es sei keine Bestrafung erfolgt, weil der Unternehmer„offenbar" nicht die jugendlichen Kräfte ausnutzen, sondern nur für einen Nachwuchs sorgen wollte. Wie leicht man doch in dem Geruch der Arbeiter srcundlichkcit kommen kann; man muß nur, ohne Bezahlung zu leisten, verbotswidrig— ausbeuten. In den frommen Gegenden bekundet man in der Technik der Ausbeutung doch immer noch da» größte Geschick und das skrupelloseste Raffinement. Der Beamte auS dem Herrschaftsbereich der Klerikalen und frommen Unternehmer, aus Oppeln, konstatiert, daß dort die Löhne aller- dings sehr niedrig seien; dafür erfreuten großartige— aber vielfach doch mit Mißtrauen betrachtete—„Wohlfahrtseinrichtungen die Arbeiter. Sie werden mit Verheißungen gefüttert! Dafür scheint man gegen Paschagelüste sehr große Milde walten zu lassen. ES bandelt sich ja nur um arme Arbeiterinnen. Der Beamte von Münster teilt folgendes mit:.Jn einem größeren Betriebe mußt« ein Meister, der dort schon 2S Jahre beschäftigt Hwr. wegen sittlicher Vcrgehungen gegen Arbeiterinnen entlassen werden; während in einer anderen größeren Anlage ein Beleidigungsprozeß, der aus gleicher Veranlassung gegen den Meister angestrengt worden war, mit einem Vergleich endete. Der Meister blieb in seiner Stellung." Daß die Mitarbeit verheirateter Frauen immer größeren Um- fang annimmt, läßt die Mitteilung eines Beamten erkennen. Er ermittelte unter den Heimarbeiterinnen Frauen von Beamten. Er hörte dann, daß auch in diesen Kreisen das Mitverdienen der Frau ziemlich allgemein geworden sei. Sicher nicht zum Vergnügen dualen sich die Frauen in der gewerblichen Arbeit ab; sie ist der Ausfluß wirtschaftlicher Not als Errungenschaft unserer herrlichen Wirtschaftspolitik. Verlegung oder lelbitäodige Versammlung. Tie vercinsrechtlich bedeutsamen Anklagen gegen die Genossen Nussow und Persch beschäftigten am Freitag das Kammergericht. Als am 10. Mai 1L12 die Berliner Sozialdemokratie in über- füllten Versammlungen gegen die Maßregelung deS Abgeordneten Julian Borchardt im Landtage protestierte, fanden solche Versamm- lungen auch im Stadttheater Alt-Moabit und in den Pharus- sälen statt. l � In den Phorussälrn füllten sich alsbald die beiden vorhandenes «äle und der dazu gehörige Garten, der völlig umfriedet ist und mit dem unteren Saal auch durch Fenster, Türen und eine Frei- treppe verbunden ist. giuffow, der hier im Auftrage des Ein- berufcrs Fischer die Leitung hatte, hatte diejenigen, welche in dem im ersten Stockwerk befindlichen Saale keinen Platz erhielten, erst in den unteren Saal und die weiter Uebrigbleibenden in den Garten verwiesen. Der Verlauf gestaltete sich nun so, daß Russow mit der Polizei und dem Referenten Liebknecht in den unteren Saal zog, nachdem oben das Referat gehalten und die Resolution angenommen worden war, und nachdem Rckssow erklärt hatte, die Versammlung gehe unten weiter. Liebknecht sprach, die Resolution wurde an- genommen und Russow erklärt«, die Versammlung gehe nun im Garten weiter, wohin sich dann Leiter, Referent und Polizei- beiden Hauptrollen wurden von den Herren von Ledebur und M ü l d h o f e n markig-kraftvoll gesprochen; die schwierige Figur der Inga überzeugte in der Verkörperung durch Fräulein T h i m i g toenig. Viel persönlicher und wärmer wirkte, durch ausgezeichnete Darstellung unterstützt, die kleine altfränkisch-IiebenSwürdige Ko- mödienplauderei der„Neuvermählten". Köstlich brachte V o l l m a r die Mischung von närrischer Schrullenhaftigkeit, steifer Würde und Gefühl in dem Familienoberhaupt heraus; anschaulich nuanciert spielte Frau Nuscha Butze die wehleidige Mama, Fräulein HeiSler da« aus Pietät verstockte Töchterchen und Clewing den romanhaft idealen, unentwegt geduldigen Gemahl. ckr. Rotizen. — Der Arbeitergesangderein Stockholm Wirt» auf seiner Reise nach Deutschland am Donnerstag Berlin besuchen und abends in der„Neuen Welt" singen. Es werden von bekannten skandinavischen Komponisten Peterson-Berger, Söderman, Otto LIson, Grieg u. a. mit Liedervertonungen vertreten sein. Ter zweite Teil des Programms bringt Lieder der leichten und lustigen Muse Bellmans, zuletzt werden schwedische Volks- und Tauzlieder gc- boten. Der Chor, der von Axel Nhlander dirigiert wirb, hofft in Deutschland zu beweisen, daß ein Arbeitergesangverein den schwedi- scheu Männergesang eben so würdig unb wirksam zu vertreten Weiß» wie etwa die hier bekannten Studentensänacr von Upsala. — Bühne nchronik. Die Kurfürsten-Oper wird, wie nunmehr endgültig feststeht, kein Sommerspiel mehr veranstalten. Herr Dahl, der die Spielerlaubnis wegen finanzieller Unzulänglichkeit nicht erhalten konnte, hat auf die Aufführung feines Schwankes ver« zichtet, obgleich die Bühnengenossenschaft sich für sein Unternehmen einsetzte. DaS Theater wird also bis zum Herbst geschlossen und alsbald für die Zwecke des Theaters der Sozietäre umgebaut werden. — Die Ausstellung der Refüsierten. Die von der AuSstellungSjury der Sezession refüsierten Mitglieder der Sezession (freilich nicht alle) und eimg« Gäste dazu haben Kurfürstendamm 21« eine Protestausstellung veranstaltet,«ertreten sind u. a. Pottner, Herstein, Neumann, Schocken, Meseck, Finetti, Bischof-Kulm, Oppen- heimer und Oppler. — Ein deutsches Musikfest findet vom 21.— 29. Juni i. IS. in Berlin statt. Der Allgein. Deutsche Musiker-Verband veranstaltet zu dem Fest sieben große Konzerte, von denen sich fünf nach den Darbietungen und den Eintrittspreisen im Rahmen der Berliner Philharmonischen Konzerte bewegen werden. Der Magi- strat Berlin hat beschlossen, das Musikfest gegen Hergabe von 2000 Freikarten zu den Volkskonzerten mit 5000 MI. zu unterstützen. — DiePapierausstellung. in der die gesamte Papier- und Druckindustrie gezeigt wird, wurde heute in den Räumen der Philharmonie eröffnet. Sie soll bis zum 14. Mai dauern. — F l o r i a n Z a j i c. der als Virtuose und als Lehrer her- t>orrageiü>e Geiger, feiert heute seinen 60, Geburtstag. In ganz jungen Jahren kam er aus seiner böhmischen Heimat als Konzert- meister nach Deutschland; in Berlin machten lxie Singakademiekonzerte ihn bekannt. Als künstlerischer Leiter der Sonntagskon- zerte des Schillertheaters hat er sich ein besonderes Verdienst um die Pflege der Kammermusik in Berlin erworben. — Das Gedicht„Dissonanz" in der Unterhaltung!. Heilage vom j. Mai ist von Hanz Kyser verfaßt. beamter begaben. Liebknecht sprach im Garten wieder, die Resolu- tion wurde wieder angenommen und dann die Versammlung mit dem üblichen Hoch geschlossen. Russow wurde nun angeklagt erstens wegen Uebertretung des § 5 des Vereinsgesetzes, weil durch die Anmeldung bei der Polizei nur eine der in den Sälen des Etablissements abgehaltenen öffent lichen politischen Versammlung gedeckt sei. Die in dem zweiten Saal abgehaltene Versammlung sei als selbständige, nichtangcmel detc zu betrachten. Zweitens warf d«e Anklage Russow vor, daß er im Garten eine selbständige öffentliche Versammlung unter freiem Himmel ohne Genehmigung abgehalten habe.(Uebertretung des §?.) Persch, der vom Einberufcr Fischer bestimmte Leiter der Ver sammlung in Alt-Moabit, wurde wegen Uebertretung des Z 7 an geklagt, weil er im Garten des Etablissements eine selbständige öffentliche Versammlung unter freiem Himmel abgehalten habe, ohne die Genehmigung dazu zu besitzen. Hier waren wegen Ueber- füllung des Saales die weiter Erschienenen in den ebenfalls völlig umfriedeten Garten des Lokals, der durch Fenster und Türen mit dem Versammlungssaal verbunden ist, von Persch verwiesen wor den. Auch der Garten war bereits vor der für den Beginn der Versammlung festgesetzten Zeit völlig besetzt. Genosse Hirsch hielt sein Referat erst im Saal und dann im Garten. Im Saal, sowie im Garten wurde die Resolution angenommen. Ein Schluß der Versammlung war im Saal nicht ausgesprochen worden, sondern er wurde erst nach der Abstimmung der Resolution im Garten aus- gesprochen. Das Landgericht sprach bekanntlich als Berufungsinstanz beide Angeklagte völlig frei. Die Staatsanwaltschaft legte beim Kammergericht Revision ein. Der Oberstaatsanwalt am Kammergericht trat der Revision bei und rügte sowohl Verletzung des Z 5, als auch des§ 7 des Vereinsgesetzes. Ihr trat Rechtsanwalt Wolfgang Heine entgegen. Das Kammcrgcricht verwarf in beiden Fällen die Revision der Staatsanwaltschaft, so daß es bei der Freisprechung im vostcn Um- fange verbleibt. Gründe: Was im Falle Russow(Pharussäle) die besondere Frage angehe, ob die Anmeldung Fischers für die Verhandlung in zwei Sälen dieses Lokals genügte, so stehe allerdings das Kaimnergericht auf dem Standpunkt, daß derartige Versammlungs- anzeigen genau und bestimmt sein müßten und daß, wenn mehrere Versammlungen in einem Lokale stattfinden sollen, dies aus der Anzeige hervorgehen müsse. Dagegen habe aber das Landgericht auch gar nicht verstoßen. Das Landgericht habe geprüft, ob die Anzeige des Parteisekretärs Fischer genügend bestimmt gewesen sei. Und es sei auf Grund tatsächlicher Erwägungen zu der Annahme gelangt, daß sie jedenfalls so bestimmt gewesen sei, daß der An- geklagte Russow sich für gedeckt halten konnte für die Abhaltung in zwei Sälen des Lokals. Deshalb sei Russow in diesem Punkte mit Recht von der Anklage der Uebertretung des Z 5 des Vereinsgesetzes freigesprochen worden. Beide Angeklagte gehe nun die weitere Frage an, ob die Ver- anstaltungen in den Gärten der beiden Lokale selbständige Ver- sammlungen unter freiem Himmel(§ 7) gewesen seien oder ob es sich um eine zulässige„Verlegung" der richtig angezeigten Saal- Versammlungen gemäß Z 8 handele. In dieser Frage sei davon auszugehen, daß es sich beim§ 8 um eine Befreiungsvorschrift handele, die erst im Laufe der parlamentarischen Verhandlungen in das Gesetz hineingebracht worden sei. Ter damalige Abgeordnete Kohl habe in der ersten Lesung in der Kommission den Antrag ge- stellt, daß öffentliche Versammlungen in einem mit dem Versamm- lungslokal zusammenhängenden Hof oder Garten nicht als öffent- liche Versammlungen unter freiem Himmel gelten sollten. Gegen den so zum Ausdruck gebrachten Gedanken habe sich damals niemand direkt ausgesprochen und auch die Regierung habe keine Bedenken dagegen zum Ausdruck gebracht. In der zweiten Kommisstons- lesung tauchte dann für jenen Gedanken die jetzige Fassung des Z 8 auf, wo zum ersten Mal die Befreiung abhängig gemacht wurde davon, daß die Versammlung in den Garten„verlegt" werde. Kohl und andere hätten sofort dagegen Front gemacht, weil das zu Weiterungen führen könnt«, die die Absicht des ursprünglichen Ge- dankens vereiteln könnte. Darauf habe der damalige Staatssekretär die Erklärung abgegeben, daß der Gedanke liberal behandelt werden sollte. DaS Wort„verlegen" solle nur zum Ausdruck bringen, daß die Versammlung von vornherein ernsthaft im geschlossenen Raum beabsichtigt und nicht nur zum Schein dahin einberufen gewesen sei. Das sei nach der Auffassung der Staatsbehörden, denen nicht widersprochen sei, der Hauptgrund für die jetzige Fassung des 8 8 gewesen. Ganz dieselben Erklärungen habe der Staatssekretär im Plenum auf Bedenken KohlS abgegeben. Daraus fei zu entnehmen, daß die Regierung mit dem Worte„verlegen" den gesetzgeberischen Gedanken, der mit dem ganzen Antrag zum Ausdruck gebracht werden sollte, nicht scheitern lassen wollte. Dieser Gedanke sei aber der, daß eine Versammlung, die ernstlich für einen geschlossenen Raum geplant war, in einem mit diesem Versammlungsraum zu- sammenhängenden umfriedeten Hof oder Garten abgehalten werden könne, ohne zu einer Versammlung unter freiem Himmel zu wer- den. So habe auch daS Landgericht den§ 8 ausgelegt, indem es hier auf Grund der tatsächlichen Feststellungen eine Verlegung in die Gärten gemäß 8 8 annahm. Also falle auch in dieser Hinsicht dem Landgericht kein Rechtsirrtum zur Last. Die Freisprechung sei gerechtfertigt._ Cclcp!)onscl)mcrzen. Gegen den Rechtsanwalt Dr. Paechter, der durch seine viel- fachen Prozesse gegen die Postbchörde bekannt geworden ist. richtete sich eine umfangreiche Anklage wegen Beleidigung mehrerer Tele- phonbcamtinnen, welche gestern vor dem Schöffengericht Berlin. SchSneberg zur Verhandlung kam. Es handelte sich um zwei ver- schi ebene Anklagen, die seinerzeit durch Gerichtsbeschluß miteinander verbunden worden waren und schon einmal dasselbe Gericht be- schaftigt hatten. DaS Schöffengericht kam damals zu einer Ver- tagung, da beschlossen wurde, den Angeklagten Dr. Paechter. durch den Gericktsarzt Dr. Strauch auf seinen Geisteszustand nach der Richtung hin untersuchen zu lassen, ob er nach voraufgeaangener schwerer Reizung in einen Zustand verfalle, bei dem die freie WillenSbestimmung ausgeschlossen ist. Bekantlich hatte sich Dr. Paechter schon einmal vor mehreren Jahren wegen Beleidigung mehrerer Telephon. beamtinnen zu verantworten. Er wurde damals zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Postbehörde entzog ihm daraufhin den Telephonanschluß, der ihm erst jetzt im Dezember v. IS. auf seine vielfachen Beschwerden und Klagen wieder gewährt wurde. Den Grund zu der Entziehung des Anschlusses bildeten die jetzt zur Anklage stehenden Beleidigungen der Beamtinnen, die Dr. P. nach jener ersten Verurteilung ausgestoßen hatte. Es handelte sich auch jetzt wieder um eine Blütenlese verschiedener Schimpfworte: Am 19. Oktober soll D. Paechter zu der Telephonistin Schultze u. a. geäußert haben:„Reden Sie nicht so unverschämtes Blech, Sir L-mel Sie! Am 11. November, soll Dr. P. die Telephonistin Ahlers„Sie Kamel!" tituliert und an demselben Tage zu der Telephonistin Groth:„Das ist nicht wahr, Sie schwindeln!" ge- sagt haben. Am 15. April äußerte Dr. P. zu der Telephonistin KallieS:„Machen Sie. daß Sie von der Leitung kommen, Sie Kamel!"— In dem zweiten Anklagefall soll der Angeklagte zu zwei Postbeamten, als ihm der Anschluß abgeschnitten wurde, geäußert 'haben:„Was denkt sich denn die Postdirektion, die hak ja ein! Rechtsempfinden wie die Hottentotten!" In der gestrigen Verhandlung gab der Angeklagte die Hotten� tottenäutzerung zu, bestritt aber mit aller Entschiedenheit sich der Beleidigung schuldig gemacht zu haben. Nur in einem Fall habe er tatsächlich gesagt:„Sie schwindeln." Hierzu habe er auch alle Veranlassung gehabt, denn an jenem Tage sei ihm in einer Viertelstunde neunmal erklärt worden, die von ihm verlangte Leitung sei besetz!, trotzdem er gleich darauf festgestellt habe, daß von den, betreffenden Apparat aus in der vorangegangenen stunde überhaupt nicht gesprochen worden war. Tie weiteren Schimpf- warte müsse er ganz entschieden bestreiten. Zu jener Zeit hätten auf dem hier in Frage kommenden Amt Lützow(früher Ami Ki, die unglaublichsten Zustände geherrscht. Auf dem Amt wurden während der Dienststunden allerhand Allotria getrieben. Schließlich habe sich herausgestellt, daß der dort amtierende Telegrapheninspekwr Kessel mit 25 Beamtinnen jenes Amtes intime Liebesverhältnisse angeknüpft habe. Kessel flüchtete schließlich und wurde entlassen, während der betreffende Telegraphendirektor strafweise nach Straß- bürg versetzt wurde. Die zu den Anklagesällen vernommenen Telephonistinnen be- stätigten die in der Anklage behaupteten Beleidigungen und er- klärten ziemlich übereinstimmend, daß sie die Stimme des Rechts- anwalts Paechter genau erkannt haben und gerade ihm gegen- über sehr aufmerksam gewesen seien, da sie ihn schon als sehr auf- geregten Teilnehmer kannten, der sehr leicht ungezogene Be- merkungen machte. Der Angeklagte bestritt das Wiedererkennen seiner Stimme, insbesondere in dem Fall, wd die Beleidigung gelegentlich eines Verlangens zum Anschluß am die Nummer des Justizrats Schönlank gefallen sein soll; letzterer werde bekunden, daß an jenem Tage absolut keine Veranlassung zu einem tele- phonischen Gespräch mit ihm vorgelegen habe. Ter Angeklagte statte noch eine Anzahl Zeugen gestellt, welche nach seiner Be- hauptung bekunden sollen, daß die Damen aus dem Amt Lützow allerlei Hokuspokus trieben und sich diebisch darüber amüsierten, wenn ein Telephonteilnehmer sich recht ärgere. So sei es vor- gekommen, daß. wenn ein Mann namens Cohn verlangt wurde, sämtliche im Gebiet des Amtes wohnenden Cohns � verbunden worden seien und dann von allen Seiten der Ruf„Hier Cohn" erschallte, was den Damen eine unbändige Freude gemacht haben soll. Das Gericht sah von weiterer Beweiserhebung ab. Der medizinische Sachverständige Gerichtsarzt Tr. Strauch gab sein Gutachten dahin ab: Es bestehen keinerlei Zweifels an der vollkommen geistigen Gesundheit des Angeklagten, doch sei er infolge seines ungewöhnlichen Entwicklungsganges und der Ab- Hetzerei, die ein Rechtsanwalt in Berlin talsächlich zu überwinden habe, etwas nervös. Das Telephon sei nach seinen ärztlichen Erfahrungen ein schweres Moment zur Erzeugung von Reizen, die die Nervosität auslösen. Die gesundheitlichen Schädigungen des Telephons seien gar nicht zu unterschätzen, denn schon ein phlegmatisch veranlagter Mensch könne am Telephon leicht das seelische Gleichgewicht verlieren, wenn er jetzt, wo er nicht mehr, wie früher, die Kurbel drehen kann, ganz hilflos vor dem Apparat steht und keinen Anschluß findet. Der Sachverständige erwähnte einen Fall auS seiner Praxis, in welchem ein Arzt direkt infolge des Telephonärgers in geistige Krankheit verfallen ist. Die durch das Telephon auf die Menschen einwirkenden Reize seien oft ganz besonders �schrecklich.— Der Staatsanwalt Assessor Döring hielt sämtliche zur Anklage stehenden Fälle der Beleidigung für er- wiesen und beantragte eine Gesamtgeldstrafe von 225 M. DaS Gericht erkannte au; 260 M. Geldstrafe eventuell 26 Tage Haft. Smdns- Deining. Schutz gegen Schutzleute. Ein nächtlicher Vorfall auf der Polizei- wache hatte gestern vor der 10. Strafkammer deS Land- gerichts I unter Vorsitz deS Landgerichtsdirektors Günther ein gerichtliches Nachspiel. Wegen Körperverletzung im Amte �»var der Schutzmann Karl Reimer angeklagt.— Der Angeklagte hat an dem Chinafeldzug zur Unterdrückung des Boxer- aufstandes und später an den Kämpfen in Südwestafrika teil- genommen und galt allgemein als ein sehr tüchtiger und besonnener Soldat. Durch verschiedene Krankheiten, wie Typhus und Ruhr, wurden seine Nerven stark mitgenommen, so daß er aus der Truppe ausscheiden mußte. Er wurde dann im Jahre 1910 hier alS Schutzmann angestellt und dem 7. Polizei- revier zugeteilt.— In der Nacht zum 13. Oktober v. I. gegen 2 Uhr entstand vor dem Hause Chausseestraße 2 am Oranienburger Tor ein Auflauf, den der Schutzmann Fiedler zu zerstreuen suchte. Er wurde hierbei von dem hinzu- kommenden Angeklagten Reimer unterstützt, der die an- gesammelten Leute wiederholt vergeblich aufforderte, weiter zu gehen. Als der unter der Menschenmenge befindliche Koch Ernst Noack nicht sofort der Aufforderung Folge leistete, erhielt er von Reimer einen Stoß vor die Brust, daß er zurück- taumelte. Noack verbat sich diese Behandlung; als Antwort hierauf erklärte ihn der Angeklagte für s i sl i e r t. Mehrere Personen, darunter der Buchdrucker Krüger, ein älterer ruhiger Mann, boten sich dem Noack als Zeugen an und folgten dem Schutzmann, der seinerseits den Noack, als er sich ein- mal kurz umdrehte, mit der Faust vorwärts stieß. Auf der Polizeiwache erklärte Reimer dem Noack und seinen Begleitern:„Ihr bekommt alle, wie ihr gebacken seid, ein Strafmandat, dafür werde ich schon sorgen!" Als Noack erwiderte, daß der An- geklagte zum Glück nicht darüber zu entscheiden habe, sondern der Richter, sprang Reimer auf ihn los und versetzte ihm einen Stoß vor die Brust, so daß Noack zwischen dem Bett des Telegraphisten und der Tür zu Boden stürzte Da N. ein Bruchleiden hat, verspürte er noch tagelang nach dem Vorfall heftige Schmerzen im Leib.— Die Schutzleute Klein und Pohle, die Zeugen dieses Vorganges waren blieben völlig ruhig und besonnen, einer äußerte sogar dabei zu dem Angeklagten!:„Aber Kollege, was machen Sie denn!"'— Die beteiligten Zeugen wurden auch prompt mit einem Strafmandat bedacht. Das Schöffen- gericht kam jedoch zu einer Freisprechung, da' das Zeugnis des jetzigen Angeklagten nicht als ausreichend angesehen wurde. In der gestrigen Verhandlung machte der Verteidiger des Angeklagten geltend, daß der infolge der Strapazen der Feldzüge nervös und leicht erregbar gewordene Angeklagte durch die Vorgänge auf der Straße in einen gewissen Er- regungszustand geraten sei, welcher ihm dann, als jene Aeußerung fiel, bedauerlicherweise auf einen Moment Besonnenheit geraubt habe.— Das Gericht nahm diesen Gründen auch von'~ Abstand, zumal sich der' � habe. Das Urteil lautete deshalb nur auf Geldstrafe. Wie hätten� Strafart und Strafmaß gelautet, wenn em Arbeiter einen Schutzmann oder aar einen Arbeitswilligen so behandelt hätte, wie hier völlio arundlos ein Schutzmam» einen Arbeiter? a s die auS Hinter verschlossene« Türe« wurde gestern wieder vor dem Landgericht Berlin l(Straf, fiim m er 12) ein®rnai»fc___ SM» UnßC�rtt» öcgcit die Gesetze" verhandelt. Angeklagt war als Verantwortlicher Ketxrkteur des anarchistischen Blattes„Der freie Arbeiter" ein Uhrmacher Albert Köbke wegen eines Artikels, der unter der lleberschrift.Der blutige Wahnsinn" sich hauptsächlich gegen de» Krieg wandte und die Kriegsgreuel vom Balkan als Beispiel an- führte. In dem Artikel sah die Staatsanwaltschaft vermutlich eine Aufforderung, den Kriegsdienst zu verweigern, daneben wohl auch eine Aufforderung zum Generalstreik, den ein Staatsanwalt nur unter der Voraussetzung gesetzwidrigen Kontraktbruchs für möglich hält. Vor Eintritt in die Verhandlung beantragte, wie in solchen Prozessen üblich, der Anklagevertreter Staatsanwalt Hcintzmann, wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und der Staats- stcherheit die Oeffentlichkeit auszuschließen. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Weinberg, wandte sich gegen diesen Antrag, dem jede Begründung fehle. Tic Oeffentlichkeit der Verhandlung sei un- entbehrlich gerade in politischen Prozessen, wo Anschauungen über Staat und Gesellschaft in Frage kommen, die den zurzeit herrschenden Anschauungen entgegengesetzt sind. Auch für die Justiz sei es bedenklich, die Oeffentlichkeit immer wieder für Prozesse, wie dieser hier, auszuschließen. Wolle das Gericht etwa doch dem An- trage des Staatsanwalt stattgeben, so möge es mindestens die Ver- tretung der Presse zulassen. Tas Gericht fürchtete mit dem Staatsanwalt, daß die öffentliche Ordnung und die Staatssicherheit ge- fährdet werden könnte. Es schloß die Oeffentlichkeit aus, auch für die Vertretung der Presse. Oesfentlich wurde, nach dreistündiger Verhandlung und Be- ratung, das Urteil verkündet. Ter Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängnis beantragt, das Gericht erkannte auf einen Monat Ge- fängnis. Aus der Urteilsbegründung war nicht zu vernehmen, ob auch wegen Aufforderung zum Generalstreik verurteilt worden war. Die Begründung äußerte sich besonders über die antimilitaristische Tendenz des Artikels. Strafschärfend falle ins Gewicht, daß der Artikel zu einer Zeit veröffentlicht worden sei, wo— so sagte der Vorsitzende die Völker erregt waren, es in jedem Augenblick zu einem Kriege kommen konnte, alles wie auf einem Pulverfaß saß. Der Schluß des als so gefährlich erachteten Artikels lautete— wie man aus den vom Vorsitzenden wiedergegÄenen Zitaten ersah—: „Frieden um jeden Preis!" Durch Ausschluß der Oeffentlichkeit und Pressung in Straf- gesetze wird man Ideen nimmer bekämpfen können. Derartiges reizt weit mehr auf, als irgendwelche Artikel es je könnten. Versammlungen. Die Mißstände in den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken lautete das Thema einer vom Deutschen Metallarbciterverband für alle in den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, Kaiserin. Augusta-Allee, beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen einberufenen Betriebsversammlung, die überaus stark besucht war. Siering referierte. Nach einer allgemeinen Einleitung über die Waffen- und Munitionsfabrikation im ganzen, gab der Referent eine Darstellung der Mißstände, die in dem oben ge- nannten Betriebe vorhanden sind und dringend der Abhilfe harren. Ein Betrieb, der von StaatSaufträgen lebe wie dieser, sollte eigent- lich ein Musterbetrieb sein. Derselbe sei aber alles andere als dies. Mit der Gesundheit der dortselbst beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen werde Raubbau getrieben. Die Arbeiter müßten sich fürchten, sich krank zu melden, wenn sie nicht ihr« Arbeitsstelle verlieren wollten. Ein Arbeiter habe sich tatsächlich schwer krank solange hingeschleppt, bis er starb. Tie Arbeit werde zum größten Teil in Akkord vergeben und fast keine Woche vergehe, wo nicht versucht werde, Abzüge vor- zunehmen. Ein Betrieb, der 32 Proz. Dividende verteilen könne, sollte nicht in dieser Weise vorgehen. Es wäre gut gewesen, wenn bürgerliche Abgeordnete in dieser Versammlung erschienen wären dann blieben sie nicht einseitig von den Verhältnissen in diesem Betriebe unterrichtet. Tie Mißstände seien der Direktion schon längst unterbreitet worden, indes wäre Abhilf« nicht erfolgt, viel mebr sei den Arbeitern bedeutet worden, wem eS nicht passe, der könne ja gehen. Betragen doch die Einstellungslöhne für Arbeiter 37V> Pf. und für Arbeiterinnen 22 Pf. pro Stunde, während die Schlosser SS Pf. erhalten. Redner fübrte noch eine Reihe weiterer Mißstände besonders auch solche sanitärer Natur an. ES wäre gut wenn die Gewcrbeinspektion sich diesen Betrieb einmal etwa« genauer ansehe wie bisher. Redner schloß unter großem Beifall der Versammlung mit der Aufforderung, alles zu tun. um diesen Zuständen ein Ende zu bereiten. Vor allem empfahl er dringend, die Organisation straffer auszubauen, nur so könne den Praktiken der Betriebsverwaltung wirksam entgegengearbeitet werden. Die Diskussion bestätigte bas« was Siering vorgebracht hatte, vollauf. Nachstehende Resolution fand einstimmige Annahmet Die im Saale der fironenbrauerei tagende Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Deutschen Waffen, und Munitionsfabriken bedauert, daß die schon so oft gerügten Miß- stände im Betrieb immer noch nicht beseitigt sind. Die Versammelten beauftragen eine Kommission, unverzüg- lich bei der Direktion vorstellig zu werden und von der Direktion die Abstellung der Mißstände ju verlangen, insbesondere wünschen die Arbeiter und Arbeiterinnen: Erweiterung der Gardcrobenräume, Erweiterung der Wasch- einrichtuna. Größere Sauberkeit im Betriebe, reines Wasser zum Waschen, Warmwasscr zum Waschen, Sauberhalten und wieder- holte Reinigung der Abortc, Staubsaugevorrichtung in der Sand- bläscrci und Härtcrei usw. Ferner ertvarten die Versammelten eine Erhöhung der Ein- stellungslöhne und eine Zulage für Lohnarbeiter, da die Löhne in keiner Weise mehr den heutigen Lebensbedingungen entsprechen. -op iund von Die CClocden-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Atignon. Montag: Siegfried. (Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Samson und Dalila Mittwoch: Don Juan. Donnerstag: Das Rheingold. Freitag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Die Fledermaus. Sonntag: Siegfried.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Sylva Carmen.(Anfang Tl, Uhr.) Könlgl. Schauspielhaus. Sonntag: Ariadne aus Naxos. Montag: Ton Carlos.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Doktor Klaus. Mittwoch: Die Neuvermählten. Zwischen den Schlachten. Donnerstag: Der große König. Freitag: Die Neuvermählten. Zwischen den Schlachten. Sonnabend: Artadne aus Naxos. Sonntag: IslL. Montag: Ariadne aus NaxoS.(An- sang 7>/z Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittaa 3 Uhr: Fidclio. Abends: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Montag: Eugen Onegm. Dienstag und Mittwoch: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Donnerstag: Martha. Freitag und Sonnabend: Der Mikado. Sonntag: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Montag: Der Mkado.(?ln sang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der lebende Leichnam. Montag: Sommernachtstraum.(Anfang 8 Uhr.) Dienstag, Mittwoch. Donnerstag: Der lebende Leichnam. Freitag: Der blaue Bogel. Sonnabend, Sonntag Montag: Der lebende Leichnam.(Ansang 7>/, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Mein Freund Teddy. Montag: und sein Ring. DienStag und Mittwoch: Die Einnahme von Bei Zoonn Donnerstag: Der Arzt am Scheidewege. Freitag: Der! der Schwachen.(Anfang 71/, Uhr.) Sonnabend: Die Einnahme Berg- oo- Zoom. Sonntag:' Der Bund der Schwachen. Montag: Einnahme von Berg- op- Zoom.(Ansang 8 Uhr.) Lesfiiig-Thcater.«onntag: Erziehung zur Ehe. Tod und Leben. Montag: Gespenster. Dienstag: Roscnmontag. Mittwoch: Hedda Gabler. Donnerstag: Gespenster. Ireitag: Die versunkene Glocke. Sonnabend: John Gabriel Borknum. Sonntag: Erziehung zur Ehe. Tod und Leben Montag: Das Prinzip.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rostnen. Abends und an den übrigen Tagen: Filmzauber�(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Köuiggrätzer Strasse. Sonntag: Das Buch einer Frau. Montag: Macbeth.(Ansang 7>/, Uhr.) Dienstag: Die süns Frank- jurter. Mittwoch: Das Buch einer Frau. Donnerstag: Brand.(Ansang 7st, Uhr.) Freitag: Die süni Franlsurter. Sonnabend: Das Buch einet Frau. Sonntag: Die süns Frankfurter. Montag: Das Buch einer Frau. (Ansang 8 Uhr.) Kleiucs Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Lottchens Geburtstag. Der llnverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Allabendlich: Prosessor Bern- Hardt.(Ansang 8 Uhr.) . Tbcatcr des WcftenS. Sonntagnachmittag 3'/< Uhr: Der liebe Augustin. Abends: Der Frauenfresser. Montag bis Freilag: Wiener Blut. Sonnabend, Sonntag und Montag: Der Vogelhändler.(Ansang 8 Uhr.) Moutis Lperetteu. Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Deutsches Schauspielhaus. Sonntag und Montag: DerKöni Dienstag und Mittwoch: All, Heidelb erg. Donnerstag: Der König. Frei- tag: Der König. Sonnabend: Alt-Heidelberg. Sonntag und Montag: Der König.«.Ansang L Uhr.) Lnstspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Cornelius Voß. Allabcnd- lich: Majolika.(Ansang 8'/, Uhr.) Schiller. Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. Abends: Zwei Wappen. Montag: Klein Dorrit. DienStag: Zwei Wappen. Mittwoch: Der Andere. Donnerstag: Geographie und Liebe. Freitag: Geschwister. Elga. Sonnabend: Klein Dorrit. Sonntag: Zwei Wappen. Montag: Gyges und scm Ring.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends: Geographie und Liebe. Montag: Geographie und Liebe. Dienstag: GygeS und sein Ring. Mttwoch: Geographie und Liebe. Donnerstag: Klein Dorrit. Frettag: Zwei Wappen. Sonnabend: Wolkenlratzer. Sonntag: Die Wildente. Montag: Kiew Dorrit(Ansang 8 Uhr.) � �Residenz- Theater. Allabendlich: Die Frau Präsidentin.(Anfang Friedrich» Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Allabendlich: Das garmermädcheu.(Ansang 8l/4 Uhr. Sonntags 8 Uhr.) Trianou-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinell Allabendlich: Madame 3k.(Ansang 8 Uhr.) Neues Volks. Theater. SonntagnachmMag 8 llhr: Die Hex«. Abends sowie Montag: Ernst sein. Dienstag: Die Hexe. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Ernst sein. Sonnabend und Sonntag: Komg Krause.-(Ansang 8'/, Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Puppchen.(Ansang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplatz. Allabendlich: Extrazug nach Nizza. (Slnfana S1/* Uhr.) Rose-Theater. Allabendlich: Bonaparte und seine Frauen.(Ansang gj i �* ' Luiseu-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Und hätte der Liebe nicht.. Abends: Die zärtlichen Verwandten. Montag, Dienstag und Mittwoch: Zaza. Donnerstag und Freitag: Die zärtlichen Verwandten. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die drei Schwestern Randols.(An- sang 8 Uhr.) Urania-Theater. sonntagnachmittag 4 Uhr: �Hohenzollern"- Fohrlen. Abends: Tie Nordseeinsel Sylt. Montag bis S-onntag: Die Nordseeinsel Sylt. Montag: Unbestimmt.(Anfang 8 Uhr.) Komödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das StijtungZfest. All- abendlich: Hochherrschajtliche Wohnungen.(Ansang 3 Uhr.) Falles Caprice. Allabendlich: Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy.(Ansang 8st4 Uhr.) �. Löliigstadl-Kasino. Täglich: Spezialltaten.(Ansang 8 Uhr.) Admiralspalast. Cisballett: Flirt in St. Moritz.(Ansang 3 Uhr.) Verlincr Eispalast. Lebende Eisslulpturen.(Ansang 3 Uhr.) Casino- Theater. Sonnlagnachmittag 4 Uhr: Die Hochstaplerw. Abends: Arturs Flitterwochen. Montag: Arturs Flitterwochen.(Ansang 8 Uhr.)__ Hus aller Melt. Tampferkataftrophc auf dem Missisfippi. Eine schwere Dampferkatastrophe hat sich auf dem Mississippi ereignet. Bei N a t ch e z im Staate Mississippi ist der dreistöckige Dampfer„Konkordia" mit der dort über den Strom führenden Brücke zusammengestoßen und gesunken. 2 S P e r s o n e n, die sich in Kabinen befanden, konnten nicht mehr gerettet werden und er- tranken. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß infolge des Hochwassers dieTichle Oeffnung zwischen Wasserspiegel und Brücken- decke nicht mehr für die Durchfahrt des außerordentlich hoch gebauten Dampfers ausreichte._ Tynamitattcntat auf einen Eisenbahnzug. Aus Mexiko wird gemeldet, daß die Anhänger des Rebellen- generals Zapata bei Lacascade einen Zug mit Dynamit in die Luft gesprengt haben, in dem sich auch eine Anzahl hoher Regierungsbeamten befand. 4b Personen würden bei dem Attentat getötet. Die Zahl der Verwundeten übersteigt hundert. Eiligst aufgebotene Rurales, die sofort an den Schau- platz der Schreckenstat abgingen, vermochten nur noch mit den in die Berge geflüchteten Aufständischen einige Schüsse zu wechseln. Die Heirat auf Probe. Der Oberste Gerichtshof im Staate New York hat, wie die „Daily Mail" meldet, die Zulässigkeit der sogenannte Probeheirat anerkannt. Ein junges Mädchen von 17 Jahren war mit einem Schutzmann der New Dorker Polizei verheiratet worden. Sie ver- langte jetzt die Scheidung, weil ihr, wie sie sich ausdrückte, d i e Probe nicht zugesagt habe. Das Gericht hat zu ihren Gunsten entschieden und die Ehe gelöst. Eine Kostprobe Ehe, die nicht zusagt, ist wirklich daS aller- modernste. Wenn die Schöne schon in den Flitterwochen des Ehe- glückeS überdrüssig wird, dann ist eS wahrlich ratsamer, unbemannt zu bleiben. Kleine Notizen. Absturz eines französischen Militärfliegers. Der Flieger-Unter- offizier B e l l i n i ist«onnabend vormittag auf dem Flugplatz von St. Cyr abgestürzt. Die Verletzungen Bellinis waren so schwere, daß er nach wenigen Minuten verschied. GutShcrr und Bauern. In dem russischen Dorfe Sabolotje begannen Bauern infolge eines Streites wegen ihrer Dienstbarkeit das Haus des Gutsbesitzers Swartschewski mit Steinen zu bewerfen. Swartschewski und zwei seiner Söhne feuerten dar- auf Schüsse ab, wobei ein Bauer getötet«id zwei schwer verwundet wurden. Die empörte Menge drang in das Haus ein, verprügelte Swartschewski und entwaffnete seine Söhne. Die gegen Abend eingetroffenen Behörden stellten die russische Ordnung wieder her. Neue Ausschreitungen der Frauenrechtlerinnen. Sonnabend' in aller Frühe steckten Anhängerinnen des Frauenstimmrechts den neuen Flügel der öffentlichen Schule in Ashlest bei Aberdeen in Bran�d. Der Schaden wird auf 800 Pfund Sterling geschätz!. In der Nähe des Schulgebäudes fand man Flug, schriften für das Frauenstimmrecht zerstreut umherlieoen. kür das Pfings Die diesjährige Auswahl von modernen Sommer- Schuhwaren in den Geschäften der alten Stiller-- Firma ist von ganz ungewöhnlichem Umfang und von besonderer Preiswürdigkeit! 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Der bekannte günstige Wind hat der„Leipziger Volks- zeitung" die folgenden Rundschreiben auf den Schreibtisch getragen: Kriegsmarinc-Ausstellung Aapitänleutnant d. R. Mumm in Oldenburg i. Gr. Euer Hochwohlgeboren! llnter meiner Oberleitung und Verantwortlichkeit werden seit November 1904 in Mittel- und Süddeutschland KriegSmarine-Ausstellungen, mit welchen eine Ausstellung von Kulturerzeugnissen, völkerkund- lichen Gegenständen und Mineralien aus unfern Kolonien verbun- den ist, zu dem Zwecke veranstaltet, das Interesse und das Verstand. nis für unsre Kriegsflotte und unsere Kolonien auszubreiten. Ein Ausstellungskatalog liegt an. Das Ausstellungsgut ist mir vom Herrn Staatsekretär des ReichömarineamtS zur Verfügung gestellt worden. Diese Ausstellung wird nun vom dort veranstaltet Euer Hochwohlgeboren bitte ich: 1. für das Auf. und Abbauen der Ausstellung 1 Unteroffizier und 10—12 Mann zur Verfügung stellen und S. anordnen zu wollen, baß das unterstellte Militär in die Aus- stellung geführt wird. Der Besuch geschieht kompagnie- weise; für jede Kompagnie oder Abteilung wird eine Stunde festgesetzt. Das Eintrittsgeld beträgt für jede Kompagnie 10 Mark. Der Leiter der Ausstellung übernimmt die Füh- rung und erklärt die Gegenstände. Es bedarf wohl weiter nicht der Erwähnung, daß eine solche Veranstaltung gerade für das Militär außerordentlich lehrreich ist. ES sei besonders auf die großen, künstlerisch ausgeführten und sehr wertvollen Schiffsmodelle sowie auf Torpedo, Seemine, Granaten, Kartätschen, Schrapnells, Pulversammlung, Maschinengewehr, das im Feuer vorgeführt wird, Maschinenkanonen, Revolverkanonen, Schnelladekanonen usw. verwiesen. Sämtliche Gegenstände, mit Ausnahme der Schiffsmodelle, befinden sich in kriegSbrauch- barem Zustande. Die Ausstellung hat einzig und allein den Zweck, das Interesse und das Verständnis für unsre Kriegsflotte in die weitesten Schichten des Volkes hineinzutragen. Der volkserzieherische Wert der Ausstellung ist sehr bedeutend. Der Herr Staatssekretär des Reichsmarineamts wird hierüber sowie über mich und die Aus- pellung Auskunft zu geben auf Anfrage bereit fein. « S" berhindern, daß Militärabteilungen mit Schulen, die sämtlich, geschlossen erscheinen, Vereinen usw. zusammentreffen, ist f® wünschenswert, daß die Besuchsstunden des Militärs rechtzeitig vor Eröffnung der Ausstellung bekanntgegeben werden. SertenS der.Ausstellungsleitung wird für die etwaigen Dr enstbeschadigungen, welche sich infolge der Arbeiten er- geben, nach Matzgabe der gesetzlichen Bestimmungen Grantie über- pommen. Bittend, mir möglichst bald Antwort nach Kriegsmarine-Aus- Mung senden zu wollen, zeichnet mitvorzüglicher Hochachtung KriegSmarine-Ausstellung Kapitänleutnant d. R.Mumm in Oldenburg i. Gr. . Euer Hochwohlgeborenl ��.Unter meiner Oberleitung und Verantwortlichkeit werden seit 1904 in Mittel- Und Süddeutschland Kriegsmarine-AuSstellungen zu dem Zwecke veranstaltet, das Interesse und das Verständnis für unsre Kriegsflotte und unsre Kolonien auszubreiten. Ein Aus- stellungskatalog liegt an. Das Ausstellungsgut ist mir vom Herrn Staatssekretär des Reichsmarineamts zur Verfügung gestellt worden. Diese Ausstellung wird nun vom,. deranstaltet werden. Euer Hochwohlgeboren bitte ich, den unterstellte» Schulen den Besuch der»lusstellung zu empfehlen und die Regelung des Besuchs gütigst in die Hand nehmen zu wollen. Ueberall geschieht die Einladung dpr Schulen durch die Schulverwaltungen, welche einen Plan aufstelle», in welchem die sämtlichen Schulen verzeichnet, sowie Tag und Stunde angegeben sind, die für den Besuch der betreffenden Schule in Frage kommen. Sodann werden auf Grund dieses Planes Rundschreiben an die Schulleiter nach anliegendem Muster der» schickt. Euer Hochwohlgeboren bitte ich, dort gütigst in gleicher Weis« verfahren zu wollen. Den Besuchsplan bitte ich mir zusenden zu wollen. Bei Aufstellung des Planes bitte ich in der Weise ver- fahren zu wollen, daß der Besuch durch Schulen am ersten Aus- I?..M-Werktage früh beginnt und in geschlossener Kette während �"blichen Unterrichtszeit durchgeführt wird, daß jede volle Schule, 8, zwei Abteilungen lin obere und untere Klassen), die i».«.Ü13 besucht, und daß für jede Abteilung die Besuchszeit Ui �"llsschulen auf IVi Stunden, für andre Schulen ans lf< Stiin- den beschränkt wird. gestatte ich mir auf das anliegende Muster de? snunMchteibenä zu verweisen. «iiÜrtt. in c. n")bl weiter nicht der Erwähnung, daß es von hoher »r tlm8 � lchon in der heranwachsenden Jugend das tailsf unsre Kriegsflotte und unsre Kolonien zu wecken. ■f,am wirksamsten durch den Anschauungsunterricht er- reicht, w e ihn meine KriegSmarine-AuLstellung bietet. Die Stadt- schulo-rwaltung m..... wird über den erzieherischen Wert wa mi>rS»n, � zu geben auf Anfrage bereit sein. „ hun* im iiÄ.■,JlIr bie Schulen der Stadt, sondern auch der Umgebu 0 von mindestens einer deutschen Meile in Frage"mmen- Ich bttte auch diese Schulen mit in den Plan auf- zunehmen, r;.'e ochnlen der Umgebung eignen sich die Nach- Mittagsstunden am besten. Hier können jedoch stets mehrere Schulen aui d cielbe Zeit angesetzt werden, da diese Schulen beson- Vers die erlernt liegenden erfahrungsgemäß nur schwach erscheinen. Ich bitte ausdru ch �hlerauf hinweisen zu wollen, daß der Besuch der Ausstellung nlckl nur den oberen Klassen, sondern allen Schul- -indern, als» auch den Kleinen zu empfehlen ist. Die Erklärungen werden die Ausnahme- und Fassungsfähigkeit der Kinder cnt- sprechend eingerich et. Jck� bitte, jeder Klasse einer Schule einen Katalog zu Überwegen, hiernach erforderliche Anzahl Kata- löge stelle ich aus Wunsch zur Verfügung. Auch die Fachschulen bitte ich zu berücksichtigen. baldige Entscheidung bittend, zeichnet mit vorzüglichster Hochachtung Oberleutnant d. Seewehr. Ausstellungsleiter. Kriegsmarine-Ausstelliing Oberleitung. Kapitänleutnant d. R. Mumm _ Ausstellungsleiter: Oberleutnant a. D. Schapler Euer Hochwohlgeboren! Ilm das Verständnis und Interesse für D.'isdilonds Reichs- Marine in immer weiteren Kreisen auSznbreiü r. wird unter Ober- leitung des Herrn KapitänlentnantS d. R. Mumm in der Zeit vom.... im..... eine Kriegsmarine-Ausstellung veranstaltet, mit welcher eine Ausstellung von Kuliurerzeugnissen, völkerkundlichen Gegenständen und Mineralien sowie Sämerien aus unseren Kolonien verbunden ist. Die Ausstellung ist täglich von 10—1 und 3—10 Uhr geöffnet. Ich erlaube mir zu bemerken, daß die Ausstellung besonders wert- voll und belehrend für die arbeitende Bevölkerung ist. Auch ver- suchen wir während der Borträge die Zlrbeiter sozialpolitisch zu be- rinflussen, was nicht ohne Wert für die Arbeitgeber ist. Uin dies zu erreichen, ist das Eintrittsgeld(SO Pfg.) für Ar- beiter und deren Angehörigen auf die Hälfte ermäßigt, wenn der Vertrieb der Arbeiter-Vorzugskarten(a 25 Pfg.) von den Fabriken und sonstigen Betrieben in die Hand genommen wird. Auch Euer Hochwohlgeboren werden gebeten, daS Unternehmen und seinen patriotischen Zweck zu fördern, indem Sie für Ihre An- gestellten eine entsprechende Anzahl von Vorzugskarten unverbind- lich abfordern lassen und den Vertrieb der abgeholten Karten gütigst veranlassen und unterstützen. Arbeiter-VorzugSkarten können vom Tage der Eröffnung ab jederzeit an der Ausstellungskasse in beliebiger Anzahl bezogen werden, gewünschtenfalls können sie auch zugesandt werden. Nicht- verkaufte Karten werden ohne weitere- zurückgenommen. Die Ab- rechnung kann später erfolgen, möglichst jedoch bis zum vorletzten Ausstellungstage. In entsprechender Weise ist bisher an allen AuSstellungsplätzen verfahren worden. Zu bemerken erlaube ich mir, daß an vielen AuSstellungsplätzen die Herren Arbeitgeber die entnommenen Arbeiterkarten zu einem weiter ermäßigten Preise, teilweise auch unentgeltlich ihren Ar- beitern oder Arbeiterinnen überließen. In der Ausstellung werden täglich mehrere Vorträge gehalten und daS Maschinengewehr im Schnellfeuer vorgeführt. Mit vorzüglicher Hochachtung Oberleutnant zur See a. D. AuSstellungsleiter. Es handelt sich um die zurzeit in Leipzig befindliche Kriegsmarineausstellung. Wir sehen hier die Mittel, durch die der Besuch erzielt wird. Daß die Soldaten und die Schul- jugend der Ausstellung zugeführt werden, wird als selbstver- ständlich vorausgesetzt. Denn welche Behörde würde nicht die Gelegenheit ergreifen wollen, den Mordspatriotismus zu fördern. Die Arbeiter sind ja nicht so einfach zu komman- dieren. Deshalb sucht die geschäftstüchtige Ausstellungslei- tung sie durch die Unternehmer zu fassen. Denen wird dann anpassungsfähig versichert, daß die Arbeiter zozialpolitisch be- einflußt werden sollen. Interessant wäre eS, zu erfahren, wie das Verhältnis des Unternehmers zu der Negierung ist. Der„Leipziger Volkszeitung" wird versichert, daß es ein reines Privatgeschäft des Herrn Mumm ist. Wie reimt sich das aber mit der Tat- fache zusammen, daß der Herr nebenbei auch Zollinsepktor ist? Läßt ihm sein Aint zu solch ausgedehntem Nebenerwerb Zeit? Und wie kommt es, daß das Relchsmarineanrt. wie Herr Mumm versichert, ihm die Ausstellungsgegenstände zur Verfügung stellt? Und daß ihm die Stadt Leipzig den Saal des Städtischen Kaufhauses für über vier Wochen unentgelt- lich zur Verfügung stellt? 30. GtNtralvtrsmmluug des Verbandes der Kergarbeiter Veutschlands. Hannover, den 2. Mai. Den Bericht der StatntenberqtungSkommisfton erstattete heute Witzmann-Saarbrücken. Die Kommission hat B e i- träge und UnterstützungS-Einrichtungen nach ihren bisherigen Be- stimmungen im wesentlichen belassen. Dem Beschluß der General- Versammlung folgend, schlägt sie aber vor, eine neue Beitragsklasse von 60 Pf. für alle Mitglieder, die freiwillig diesen Beitrag zahlen wollen, zu schaffen. Für diese Beitragsklasse sind natürlich auch erhöhte Unterstützungen vorgesehen. Mitglieder unter 17 Iah- reu sollen pro Woche 10 Pf. Beitrag zahlen. Die Höhe der Unter- stützungeil für diese jugendlichen Mitglieder soll vom Vorstand fest- gesetzt werden. Mitgliedern, die wegen ihrer Verdandstätigkeit Frei- heitsstrasen erleiden und eine Fennilic zu unterhalten fychen, kann der Vorstand fiir diese Zeit eine Unterstützung bis zur Höhe der Streik- bezw. Gematzregelten-Unterstützung bewilligen. Die Bestimmungen über das Sterbegeld sollen eine Aen- derung erfahren. Das Sterbegeld soll in der Klasse a(Beitrag 30 Pf.) 20 bös 00 M. betragen, in der Klasse b(40 Pf.) 25 bis 100 M., Klasse c(50 Pf.) 30 bis 110 M. und in der neuen Klasse ck (60 Pf.) 35 bis 120 M. Die Bestiiiimungeii über die Generalversamlung sollen dahin erweitert werden, daß sämtliche Mitglieder deS Aktionsausschusses (einschließlich Verbandsangestellte) bei Abstimmungen über taktische Fragen Stimmrecht haben. Bisher hatten die Angestellten nur ein Stimmrecht, wenn sie ein Mandat hatten. Dem S t r e i k r e g l e»i e n t soll folgender neue Absatz einge- fügt werden: Ein Streik gilt nur dann als beschlossen, wenn min- bestens drei Viertel der in Frage kommenden Mitglieder bezw. Delegierten sich dafür erklärten. Bei der Abstimmung über die Frage, ob ein Streik fortgesetzt werden soll, ist eine Zweidrittel- Mehrheit erforderlich.— Die Streitunterstützung soll in den drei ersten Beitragsklassen in der bisherigen Höbe bestehen bleiben, in der neuen 60-Ps.-Klasse 17. M. nach einjähriger Mitgliedschaft, 12 M. nach 26 wöchiger. 10 M. nach 13 wöchiger und 8 M. unter 13 wöchiger Beitrogsleistung betragen. Ferner soll für jedes der Schule noch nicht entwachsene Kind, für welches das Mitglied den Unterhalt bestreitet, ein wöchentlicher Zuschuß von 1 M. bei einer Mitgliedschaft von 52 Wochen, bei weniger von 50 Pf. pro Woche bezahl; werden. Tie Kommissionsvorschläge werden, bis auf die über die Streik- Unterstützung, nach geringer Debatte von der Generalversammlung akzeptiert. Ueber die Streikunterstützung entspann sich eine längere Erörterung. Den Redner» sind die bisherigen Sätze zu hoch, auch soll unter" 13 wöchiger Mitgliedschaft keine Unterstützung bezahlt werden. Von einem Vorstandsmitglied wurde die letzte Forderung bekämpft und betont, daß,>venn Mitglieder unter 13- oder 26 wöchiger Beitragsleistung bei einein Streik keine Unterstützung erhielten, der Vorstand die schwersten Vorwürfe bekomme. Schließ- lich wurde dieser Paragraph mit einer Reihe AbänderungSanträge an die Kommission zurückverwiesen. Die Generalversammlung wählte dann 23 Delegierte zum nächsten Gewerkschaftskongreß und 13 Delegierte zum interiiatio- nalen Bergarbeiterkongreß. Ueber Konzentration, Syndikatspolitik und Verstaatlickiungsfrage im Bergbau' referierte hierauf Otto Hu e-Bochum. An der Hand eines reichen Zahlenmaterials zeigte er, wie die Konzentration im Bergbau sich rapid entwickelte. Nur wenige Hundert Großindustrielle hätten den Hauptanteil an den Ergebnissen� der Bergindustrie. Die Zahl der Werke geht zurück. In noch größerem Maße ist aber die Konzen- tration des Besitzes vor sich gegangen. Zum rheinisch-westfälischen Industriegebiet gehören elf Unternehmergruppen, 32 Prozent der Gesamtbelegschaften, auf denen 350 000 Arbeiter beschäftigt sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die gesamten Unternehmer in einem Trust vereint sind. Genau wie in Amerika konzentriert sich das Kapital auch bei uns in nur tvenige Hände. Es ist eine Irre- führung der öffentlichen Meinung, wenn man es so darstellt, als ob in Deutschland die Zusammenziehung des Kapitals sich noch nicht so Vollzoegen hätte wie in Amerika. Bei uns sind diese Konzen- trationen nur verschleiert. Hue schildert dann die�Gründung der Kartelle und Syndikate, durch die zweifellos eine größere Stabilität auf dem Markte erzielt werde. Die Kartelle könnten aber auch ein Hemmnis des Fortschritts sein. Es stehe fest, daß eS Kartelle und Syndikate gebe, die Patente aufkaufen und eine Verbilligung der Produktion hintertreiben. Durch die Syndikate Ivird die Macht der Unternehmer gegenüber der Arbeiterschaft außerordentlich ver- stärkt. Die Zahl der Kartelle und Syndikate ist in den letzten Jahren riesig gewachsen. Und mit der Kartellbildung geht eine Preissteigerung konform. Die Preise der Kohlen sind in der nächsten Nähe der Zechen am höchsten. Im Auslände werden die niedrigsten Preise genommen trotz der hohen Frachten.' Die Werke mußten 1912. im Ruhrgebiet an das Syndikat eine Abgabe von 1,10 M. pro Tonne entrichten, während der Beitrag für die soziale Versicherung nur 80 Pf. pro Tonne be- trägt. Durch diese Aftgave an das Syndikat wird ermöglicht, daß an das Ausland billiger geliefert werden kann. Die Kartelle heben auch den Zwischenhandel auf. � Sie monopolisieren den Handel und die Schiffahrt. Gegenüber Unter- nehmern, die sich dem Syndikat nicht anschließen wollen, wird der scharffte Terrorismus ausgeübt. Würden die Arbeiter ihn in der- selben Weise ausüben, kämen sofort die Rufe nach dem Staats- anwalt. Der Referent zeigte dann, wie enorm in den letzten Jahren die Gewinne der Unternehmer gestiegen und wie gering die Löhne in die Höhe gegangen sind.(Wir brachten bereits im Vorbericht darüber einige Zahlen.) Tie Preise wurden ganz erheblich ge- steigert, ohne daß eine Notwendigkeit hierfür vorlag. Die Preis- steigerung 1912 muß als eine ungeheure AuSwucherung deS Volkes bezeichnet werden. In den Löhnen kommt die Preissteigerung nicht .zum Ausdruck, die Mehrgewinne fließen fast ungekürzt in die Taschen der Grubenherren.— Die Entwicklung der Kartelle und Syndikate ist nur möglich gewesen durch die Berglverksordnuug. durch die den Unternehmeni ungeheure Werte geschenkt wurden. Notwendig ist ein Einschreiten der Gesetzgebung. Die beste Rege- lung ist eine Expropriation der Bergwerfsbetricbe, damit dem Volke das wiedergegeben wird, was ihm von den Kapitalisten ge- nommen wurde.(Lebhafter Beifall.) Redner unterbreitete folgende Entschließung, um deren An- nähme er bat: „Die Bildung von Kartellen, Syndikoien und schließlich trust- artigen Werksvereinigungen in der BergwerkSindustrie ist eine natürliche Folge der durch die neuzeitliche Beragesetzgebung ganz besonders begünstigten großkapitalistischen Jndustrieentwicklung. Es ist auch nicht zu verkennen, daß die Regelung der Produktion und deS Verkaufs seitens der Werkskartelle usw. den Marktver- Hältnissen eine stabilere Gestalt gegeben hat und somit den Existenzbedingungen der Arbeiterschaft, im ganzen genommen, nicht schädlich war. Die neueren Vorgänge in der Bergwerks- industrie, namentlich die gemeingefährliche Gründerwirtschaft in der Kaliindustrie, die ohne Rücksicht auf die übrigen inländischen Jndustriereviere sich vollziehende große Vermehrung der Schacht- anlagen im Emscher-Ltppe-Gebict, die hierdurch in größte Nähe gerückte Gefahr der Stillegung einer Reihe Zechen im südlichen Ruhrrevier, serner die in einem unnatürlichen Verhältnis zu der Selbstkostensteigerung stehende, syndikatSseitig vorgenommene Preissteigerung, überhaupt der von den Werkskartellen auf die von ihnen abhängigen Arbeiter und Verbrauchern ausgeübte starke Druck beweisen, daß es hoch an der Zeit ist. die Gesetzgebung zum Schutze der heimische» Bodenschätze und der wirtschaftlich Schwachen eingreifen z» lassen, llnter der wohl selbstverständlichen, aber nach den Erfabrungen in gewissen Staatsbetrieben notwendigerweise ausdrücklich zu betonenden Voraussetzung, daß den Arbeitern und Beamten die»nbeschränkie Freiheit der gc- werkschaftlichen Vereinigung garantiert wird, erklärt die 20. Ge- neralversammlung des BergarbeiierverbandeS abermals, daß sie in der Verstaatlichung der Bergwerksbetriebe die geeignetste Matz- regel zum Schutze der durch die sich anbahnende riesenkapitalistische Trustbildung schwer bedrohten Gemeininteressen erblickt." Die Resolution Hue fand einstimmige Annahme. Die Wahl des Vorstandes und der Redakteure ergab die einstimmige Wiederwahl der angestellten VorstandSmit- glieder und der Redakteure. Für den B e ratun g s a u S fch u ß wurden acht Kameraden und siir den KontrollauSfchuß sieben Kameraden gewählt. Die Statutenberatungskom Mission berichtete hierauf erneut über die Festsetzung der Bestimmungen über die Stre.ikunterstützu»g. Die Kommission hat den Wünschen der Tele- gierten insolveit Rechnung getragen, als die älteren Mitglieder mehr berücksichtigt iverden sollen. Dem Vorschlag, den Mitgliedern unter 13 Wochen keine Unterstützung zu gewähren, konnte die Kommission nicht zustimmen. Nach ihrem Antrag soll mm die Streik- Unterstützung betragen: Bei einer Beitragsleistung in Klasie a Klasse b Klasse c Klasse st 10 M. 12 M. 14 M. 16 M. 9„ 10. 11. 12, 7. 8. 9„ 10, 5. 6„ 7„ 8. von über 52 Wochen von 26 bis 52 Wochen. von 13 bis 26 Wochen, unter 13 Wochen Mitglieder, die dem Verband mindestens 156 Wochen(3 Jahre) ununterbrochen angehören, erhalten in allen Klassen pro Woche 1 Ai mehr. Die Generalversammlung stimmte diesem Vorschlage ohne De- hatte gegen wenige Stimmen zu. Das geänderte Statut wurde en bloc e i n st i m m i g angenommen. Es tritt am 1. Januar 1914 in Kraft. Bei Beratung der noch nicht erledigten Anträge wurde be- schloffen, die Beiträge zur Angestelltenverstöherung ganz auf die Hauptkasse zu übernehmen und zur Unterstützungsvereiiii- guiig die Hälfte des Beitrags zu entrichten. Das monatliche Alt- fangsgehalt der Lokalbeamten wurde von 140 auf 150 M. erhöht. Damit waren die Arbeiten der Generalversammlnng beendet. Vorsitzender Husemann schließt den Kongreß mit einem Re- sumee über die vollzogenen Arbeiten und mit einem Hoch auf die Organisation. Die Delegierten singen eine Strophe des internationalen Knappenliedes:„Glück aus, Kameraden, durchNacht zum Licht!" Die nächste Generalversammlung tagt 1915 in H a l lc a. s. WallerftandS-Na-hrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Velteiburcau Wasserstand M e m e I. Tilsit Vregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen . Frankkurt Warthe, Schrimm Landtberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saal», Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub , Köln Neckar, Hetlbronn Main. Hanau Mosel, Trier ') 4- bedeutet DnchS,— Fall.—*) llnterpegel. Noch in letzter Stunde raten wir Ihnen, Ihren Bedarf zu Pfingsten an Hera-, Jünglings-, Knaben- und Sport- Bekleidung Jeder Irl bei der H. K. 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Ein Produkt der Umwälzung der Gesellschaft durch das Kapital, ist die moderne Arbeiterschaft von Hans aus mit dem bürgerlichen Parteiwesen eng verflochten. Ihre Trennung davon, ihre Ver- selbständigung als Klasse und Partei, unablässig gehemmt durch die Rückschläge, welche die Fortschritte der Proletarisierung und die Ver- schiebungen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsgruppen in ihr auslösen, ist ein großer historischer Prozeß. Nichts natür- licher, als wenn er sich unter harten Kämpfen nach innen und außen vollzieht. Daß die Regierungen sich in diese eindrängen� daß sie wie durch andere Polizeitaten die einsetzende Arbeiterbewegung durch Spitzel und verwandte Ehren- männer im Lebenskeim zu korrumpieren und zu vergiften trachten, ist im Grunde gleichfalls selbstverständlich. Wie immer aber sich die Anfänge einer Arbeiterbewegung darstellen, im politischen Dasein der betreffenden Arbeiterschaft kommt ihnen ähnliche Bedeutung zu wie im Einzelleben der Stunde der Geburt. Es wäre nicht allein für die deutsche Arbeiterschaft kein Kompliment, es wäre für sie eine Tatsache von großer geschichtlicher und nach wie vor von großer politischer Bedeutung, stünde segnend an der Wiege der stärksten und führenden Arbeiterpartei der Welt der Reptilienfonds, hätte ein Spitzel Bismarcks die fortgeschrittensten Elemente der sozialistisch denkenden Arbeiter Deutschlands lange Jahre am Narrenseil führen können. Dieser Legende als erster den Boden entzogen zu haben, gehört zu Mehrings bedeutsamsten wissenschaftlichen und politischen Verdiensten, und wenn er die Tat, die seine Parteigeschichte begonnen hat, nun- mehr durch eine Sammlung der wichtigsten politischen Aufsätze und Reden Schweitzers vollendet, so wird ihm dessen die klassenbewußte Arbeiterschaft Deutschlands Dank und Anerkennung wissen. Daß es langer Zeit und scharfer Kontroversen bedurfte, ehe die Ansicht von Schweitzers politischer Integrität sich durchzusetzen ver- mochte, erklärt sich au-Z den Nachwehen der schweren Kämpfe, die die Eisenacher Richtung init den Lassalleanern um Anerkennung und Gleichberechtigung hat führen müssen. Immerhin bleibt die Tatsache verwunderlich. Denn an sich genommen, liegen die Dinge einfach genug. Als Lassalle auftrat, hatte die liberale Bourgeoisie Preußens jedem ernsthaften Kampf wider Königtum und Junkertum entsagt, hatte sie die Grundforderung der Demokratie, das allgemeine und gleiche Wahlrecht, restlos preisgegeben, den Verfassungskonflikt in theoretischem Gezänk versumpfen lassen. Demokratie war nur mehr als soziale mögliche die Arbeiterschaft allein imstande, ein Klaffeninteresse hinter sie zu stellen. So schuf Lassalle die Anfänge einer deutschen Arbeiterpartei: den Allgemeinen dentschen Arbeiter- derein. Zwei politischen Gruppen sah er sich gegenüber: den Kon- servativen, die sich im Besitze der Staatsmacht befanden, und der noch alle Schattierungen des liberalen Bürgertums in sich schließen- den Fortschrittspartei, die die Werbegebiete einer Arbeiterpartei, die ndustriellen Städte beherrschte. Die gegebene Politik war. unter Ausnutzung der scharfen Jnteressenkonflikte im bürgerlichen Lager und unter voller Wahrung der eigenen politischen Selbständigkeit die Konservativen wider die Fortschrittler und diese wider jene auszu- spielen. Da aber die Fortschrittspartei sich gegen jede Minderung ihrer Gefolgschaft aufs lebhafteste wehrte, � im Fortgange des Ver- fassungSkonflkktes immer schamloser ihre Klaffeninteressen wider die Ar- beiterschaft besorgte, die Berechtigung einerArbeiterpartei nicht nur bestritt sondern ihre ersten Regungen rücksichtslos in die Erde zu stampfen suchte, sah sich Lassalle zu entsprechender scharfer Abwehr gezwungen- Zugleich suchte er Bismarck und die Konservativen im Sinne einer nationalen und freiheitlichen Politik vorwärts zu treiben, erkannte er doch, daß in der deutschen Frage die Initiative bei Preußen liege, daß dieses, um die Partie wider Oesterreich und die Kleinstaaten zu gewinnen und die liberale Opposition vollends zu entwaffnen, sich gezwungen sehen werde, das allgemeine und gleiche Wahlrecht auszuspielen. Es war die angesichts der Politik der Fortschritts- Partei einzig mögliche Politik, wenn man nicht zugeben will, daß die Begründung einer sozialen Demokratie noch nicht am Platze, die Erweckung der Arbeiterschaft zu politischer Selbständigkeit ver- fcüht gewesen. Unter den schwierigsten Umständen hat Schweitzer diese Taktik Lassalles fortgesetzt und zum Ziele geführt, hat er die Versuche, die Lassallesche Schöpfung zu einem Werkzeug Bismarcks zu machen, vereitelt und den Allgemeinen deutschenArbeitcrverein zu einem festen Fundament der deutschen Arbeiterbewegung ausgebaut. Aber eben das. was seine starke Seite ausmacht und worin seine historische Bedeutung beruht, ist von seinen allen Widersachern im Kampf um die Führung der deutscheu Arbeiterwelt, wie es in der Natur solcher Gegensätze liegt, verkannt, ist der Anlaß geworden, seinen Charakter als Politiker zu mißdeuten. Die der Sammlung der Aufsätze und Reden vorangestellte Ein- leitung Mehrings entwirft in knappen und gedrungenen Strichen ein Bild von Schweitzers Werden bis zum Beginn seiner Tätigkeit in der Redaktion des„Sozialdemokrat". Von größten: Gewicht für sein politisches Denken ward zumal das Studium Macchiavellis, dessen historische Stellung der Leser in scharfen Rissen analysiert findet. Bei Riacchiavelli offenbarte sich Schweitzer unverhüllt daS Wesen des Klassenregiments; hier schöpfte er die Erkennttris, daß das gesellschaftliche Recht auf WillcnSpotenzen fußt und Macht- Verhältnisse registriert, daß im Kern der Klassenherrschaft, wie be- schaffen immer ihre staatsrechtliche Form, der diktatorische Wille, die Despotie der herrschenden Klasse steht. Ein zweites großes Erkenntnis- element bildete für Schweitzer dann die deutsche Frage selbst, zufolge ihrer gänzlichen Verworrenheit, des Gewirrs sich kreuzender dynastischer Interessen und der unsagbaren Jämmerlichkeit und Feigheit der liberalen Bourgeoisie in der Tat eine hohe Schule für den politischen Denker. Nur eine Revolution, getragen von der Arbeiterklasse, ver- möge die Uebel und Beschwerden der Nation von Grund aus zu heben. Solle Deutschland die mächtigste und entscheidende Groß- macht Europas, der Herzschlag des Weltalls werden, dann dürfe ihm kein Dorf und kein Flecken, wo Deutschs wohnen und deutsche Sprache erklinge, fehlen. An diesem großdeutsch revolutionären Standpunkt hielt Schweitzer zeitlebens fest. Daneben freilich er- wuchs ihm bald die Erkenntnis, daß jenes Alldeutschland-zunächst eine Unmöglichkeit sei. daß die erste Initiative in der deutschen Frage von den preußischen Bajonetten kommen werde. So war die An- näherung an Lassalle ein konsequenter Schritt auf der Bahn seiner bisherigen Entwickelung. lieber das nationale gelangte er zum sozialen Problem, in dessen Studium er sich mit Eifer stürzte. Hat er auch die Theorien Lassalles nicht eigentlich weiter entwickelt, so war er doch auf Jahre hinaus der konsequenteste, der am klarsten und schärfsten blickende Vertreter des Sozialismus auf deutschem Boden. War Lassalles taktische Wendung durch die Umstände erzwungen, so ließ sich doch gegen einzelne seiner Maßnahmen, sofern sie die gebotene Grenze überschritten, mancherlei einwenden. Auf diesem letzteren Wege nun schritt die Gräfin Hatzfcldt fort. Daß sie mit Ab- ficht den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein reaktionären Zwecken, hat dienstbar machen wollen, darf als ausgeschlossen gelten. Aber sie drängte doch bewußt nach rechts, und der gute Glaube, in dem sie sich befand, ändert nichts an der Tatsache, daß, wäre sie mit ihrer Politik im Vereine durchgedrungen, die Lassallesche Bewegung in der deutscheu und damit in der für die ganze Folgeentwickelung entscheidenden Frage auf Bismarcks Politik festgelegt gewesen wäre. Sie begann damit, hinsichtlich der schleswig-holsteinischen Frage Verwirrung zu stiften, iiwcm sie die Abstimmung über eine von Lassalle, wenn überhaupt, so nur beiläufig erwogene Resolution verlangte, die Preußen zur Annexion der Herzogtümer Schleswig unJ) Holstein aufforderte. Sie steigerte die Verwirrung, als die deutsche Frage zum Waffengange zwischen Preußen und Oesterreich drängte, inden: sie die ohnehin vorhandene Vorliebe der Mehr- heit der Arbeiter für Preußen im chauvinistischen und preußisch- partikularistischen Sinne zu schüren trachtete. Sie trieb die Ver- wirrung auf den Gipfel, als sie bei den Wahlen zum konstituieren- den Reichstag außer mit einem wüsten Pamphlet mit einem Wahl- Programm aufwartete, das die helle Freude der Junker und der eben entstehenden Rationalliberalen auslöste: Durch Einheit zur Freiheit! Neben diese Tatsachen halte man jetzt die klaren und lichtvollen Abhandlungen Schweitzers in Mehrings Sammlung über die schleswig-holsteinische Frage; halte man die trotz einzelner verfehlter Wendungen streng logische und durch den Gang der Gc- schichte bestätigte Beweisführung der vielbetufenen Bismarck- artikel, daß die Initiative in der deutschen Frage von preußischen Bajonetten kommen müsse, als der neben den Fäusten des Prole- tariats einzig in Teutschland noch aktionsfähigen Macht; halte man die Sicherheit, womit Schweitzer nach dem Kriege betont, ent- scheidende Ereignisse hätten stattgefunden, die nicht mehr rückgängig zu machen seien, so daß Berlin das Machtzentrum bilde, auf das fortab eingewirkt werden müsse; halte man die Energie, womit Schweitzer danach strebt, durch Wort und Tat, aus dem neuen Wahlrecht die scharfe Klinge des Proletariates zu machen! Wo damals in den Reihen der Arbeiterschaft die Vertreter einer Bis- marckpolitik standen, ist in keiner Weise zweifelhaft, so wenig cö zweifelhaft ist, daß Schweitzer es war, der ihr Spiel durchkreuzte. Niemand, der die politische Situation vor und nach dem deutschen Krieg nach ihren immanenten Gesichtspunkten und die Tatsachen vor Sliigcn beurteilt� kann und wird den Vorwurf wiederholen, Schweitzer sei Bismarcks gekaufter Agent gewesen. Noch immer bestanden in den Städten enge Beziehungen zwischen den bürgerlich-radikalen Elementen und der anhebenden sozialistischen Bewegung. Waren beide doch mitunter auf lokalem Boden selbst noch in gemeinsamer politischer Organisation vereint, um gemeinsam politische Aktionen wider die Gegner zu führen. So bedeuteten die Versuche einer Wiederauffrischung der reinen Demo- kratic für die junge Bewegung keineswegs ein ungefährliches Be- ginnen. Zumal da das Streikjahr 1833 den Ansichten des bürger- lichen Radikalismus auch in der Arbeiterschaft neue Nahrung gab, wie denn die Bewegung der Arbeiterschaft in Sachsen durch das Cheuinitzer Programm in der Tat zunächst im Sinne der bürger- lichen Demokratie liquidiert ward. Auch im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein besaß jene Richtung ihre Vertreter, erhoben sich dahinzielcnde eindringliche und gewichtige Stimmen, und zwar unter den Arbeitern selbst. Schweitzer trat allen Versuchen und Bestrebungen dieser Art mit der gleichen Entschiedenheit und mit der gleichen Geschicklichkeit entgegen, wie der Politik der Hatzfcldt. Seine Abhandlungen über das Wesen der bürgerlichen Demokratie gehören zu dem Klarsten und Lichtvollsten, was je über diese Frage geschrieben worden. Die Wählen zunt konstituierend ett Reichstag wie im Herbst des Jahres 1867 zeigen ihn ferner trotz mancher Fehlgriffe ebenso als den Begründer der Wahltaktik, wie bald darauf als den Begründer der parlamentarischen Taktik der deut- schen Sozialdemokratie. Daneben ward er nicht müde, die Grund- lehre des Klassenkampfes in den verschiedensten Variationen zu vermitteln und zu beleuchten. Die Leser von Mehrings Schweitzer- buch finden da manches goldene Wort, das auch bei der heutigen Generation noch vollste Beachtung verdient. Mit feinem historischen Takt hat Mehring die Periode dott 1863— 1868, in der Schweitzers unvergängliche Verdienste nm die deutsche Arbeiterbewegung liegen, vorwiegend berücksichtigt und in den Mittelpunkt seiner Sammlung gestellt. Die Auswahl ist frei- lich nicht erschöpfend und kann es nicht sein. Es liegt im Wesen! der Zeitungsaktion, sich meist über eine große Anzahl von Einzel- stücken zu verzetteln, sich oft zu wiederholen, Einzelheiten des Tages als bekannt vorauszusetzen, die einer späteren Zeit nicht ohne wer- tercs geläufig sind und sich ihr nur durch eingehende Situation?« schilderungen würden verständlich machen lassen. Mehring hat die hierin liegende Klippe zu vermeiden gewußt, hat es verstanden« das Wesentliche herauszugreifen, ohne Wichtiges auszulassen, ohne merklich zu wiederholen und ohne in den Anmerkungen zu den ein- zclnen Kapiteln weitschweifig ins einzelne gehen zn müssen. So beschränkt schon die Art der Auswahl die Anmerkungen auf daS verhältnismäßig geringste Maß, in denen der Leser im übrigen feingczcichnete Sitnationsbilder findet. Im Vorbeigehen erledigen sie eine freilich unerläßliche und sehr wesentliche Aufgabe: das Gewebe der Vorwürfe, Legenden, Indizien und selbst von ärmlichem Klatsch restlos zu zerstören, das die Zeit allgemach um Schweitzers Person und Wirken gewunden hat. Es ist Mehrings offensichtliches Bestreben, Licht und Schatten gerecht zu verteilen und nur an ein- zelncn gelegentlichen Wendungen merkt man, wie groß die lieber- windmrg des Autors gerade in diesem Punkte ist, wie vieles auch an berechtigtem Groll er hat hinuntcrwürgen müssen, um zu dem objektiven Gemälde seiner Darstellung zu gelangen. Eine besonders wertvolle Beigabe der Anmerkungen ist der in sie verstreute Briefwechsel zwischen Schweitzer und Marx, den Laura Lafargne vor ihrem tragischen Hingange Mehring übermittelt hat. Teils wird zusammengestellt und ergänzt, was sich bereits an anderen Stelle» publiziert findet, teils neues gegeben, das helleres Licht auf die Anfänge der Lassalleschen Bewegung und die Stellung wirft, die Marx zn ihr und ihren ersten Führern eingenommen hat. Die Artikel Schweitzers über Koalitionen und Streiks finden sich über mehrere Kapitel verteilt, wie ja in der Tat Schweitzers Stellungnahme in diesen Fragen keine einheitliche gewesen ist. Die in der Sammlung veröffentlichten Abhandlungen bewegen sich frei- lich noch in der fortschrittlichen Linie, fortschrittlich im Sinne der Gruppen von Handwerkern und Manufakturarbeitcrn, die sich vor- wiegend im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zusammenfanden. Wenn Marx an'der speziellen Organisatioysform der Lassallescben Gewerkschafte:: herbe Kritik geübt hat, so darf man angesichts des geschichtlichen Verlaufs der deutschen Gewerkschaftsbewegung heute sagen, daß jene Kritik nun in bedingtem Maße berechtigt war. DaS Statut der Lassalleschen Gewerkschaften ist nicht von Schweitzer, son- der» von Arbeitern selber, vor allem von Fritzsche, geschaffen und entspricht der Struktur bestimmter Arbcitergruppen der 6fl er bis 86 er und selbst bis in die 96 er Jahre. Als die ephemere Erschci- nung des Allgemeinen Arbeiterunterstützungsvereins zusammen- brach, erstand die Organisationsform der Lassalleschen Gewerkschaften urwüchsig wiederum aus der Arbeiterschaft selber heraus. Auf sie gestützt, führten die Maurer und Zimmerer Berlins jene Lohn- kän:pfe, die die politische Eroberung der Hauptstadt vorbereiteten. Die Erfolge der Lassalleschcn Organisationen zudem, deren Kern die Baubcrufe, sind keineswegs geringer als die der Eisenacher Or- ganisationen, die sich um die Gewerksgenosscnschaft der Weber und Textilarbeiter gruppierten. Die Ueberlcgenhcit der Eisenacher auf gewerkschaftlichem Gebiet ruht nicht in der speziellen Form der gewerkschaftlichen Organisation, sondern darin, daß sie die Gesamt. bcdcutung einer Gewerkschaftsbewegung für die Arbeiterschaft richtig erkenncp, die ihr änneivohncnde einigende Tendenz scharf herbor- heben, ihre Selbständigkeit gegenüber der politischen Bewegung mit allem Nachdruck verfechten und vor allem die diktatorische Spitze eines der Leitung der Partei völlig unterstcklten Gewerkschaftsverbandes ablehnen. Da Mehring die Artikel Schweitzers über die KoalitionS- frage auch aus dem Grunde aufgenommen, weil an der letzteren die Schattenseite seines Wirkens zutage tritt, mag es gestattet sein, für eine Neuauflage den Wunsch auszusprechen, die einschlägigen Abhandlungen in ein Kapitel zusammenzufassen und durch wenige Artikel aus der Zeit des Arbeiterschaftsverbandes und der allge- meinen ArbeiterunterstützungSkassc zn ergänzen. Alles in allem gibt Mehrings Schweitzcrbuch ein treffliches Bild von Schweitzers Person, Politik':::tt> Bedeutung. Es erschließt der heutigen Generation eine lange verschüttete und für die Gesamt- bewegung höchst wichtige Literatur, kommt einem Bedürfnis ent- gegen, das an und für sich längst hätte befriedigt sein sollen. Für den Politiker bildet das Buch eine Quelle reichster Belehrung und kann den Parteigenossen nicht angelegentlich und eindringlich genug zur Lektüre und zum Studium empfohlen werden. H. Laufenberg. Stoffe VSnVAl deutsch-eng!. Neuheiten für Kerpen und Kanten. Einaelverkanf 2u gelten billigen Preisen. M-lgemur. WsIr.Jji. IIIWtItuiliimillltlilllls-OldlOI Stadlb.- n. Vprortstation. Neu erschlos-. Gelände, 1 Min. T.Babnli. beginnend □Rute von 1 2 H. an KostCDfr*»'« Auskunft bei uns. Vertreter W. Lehmann in unserm V c r k a u f s- koreau Kaulsdorlg » Uckermarhstrassc 3. U" MO 43, Nene Könlfl»Ü*-l® "Sprecher: Königstadt 6376 eschalile a Nitsche Achtung! 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S3. 3.KandtagswahN»ezirk. Am Dienstag, den O. Mai 1913, ============== abends 8 Uhr===== in den Arminhallen, Kommandantenstratze 38-39 und bei Graumann, Naunynstraße 27: WM" Zwei'MW öjjeull. Wählerversammlungen. Tagesordnung! 200/13 „Die preußischen lauMugsninlltn!" Rcsercnten: ReichStagSabg. Otto Lüetiner und Stadtverordneter Or» liurt Rosenfeld» = Disknssion.= In beiden Vcrsatnmlungen: Ansprache des Kandidaten �IlSOÄOI' CrlOCk©* Das Landtagswahlkomltee. I. A.: August Vöhl, Naunynstr. 30. vierter caMagsmhIbeÄrk. ViSklsr Vsrssmmlunx am Dienstag, den 6. Mai, abends 8 Uhr, im„Hofjäger-Palast", Hafenheide 3Ä/33. Tagesordnung: - Der Freiheitskampf in Preußen. 2. Diskussion. Referent: Landtagskandidat Nn, Alfp, Bernstein. Das Wahttomitce. I. A.: Gustav H äußer, Alexandrinenstraße 109. 5. s.Anäts88WAksbe?irk. Dienstag, den 6. Mai 1913, abends 8 Uhr: Hroßo öffentliche Landlagswähler-Yersammlung in der„Urania66, Wrangelstraße 10/11. Tagesordnung: Die bevorstehende Landtagswahl. Referent: Landtags-Abgeordneter Holtmann. 200/ls« Das Wahlkomitee. 7. Landtagswahlbezirk Dienstag, den 6. Mai, abends 8V2 Uhr: Drei öffentl. Wähler- Versammlungen in folgenden Lokalen: „Prachtsäle des Ostens", Frankfurter Allee 151/152. x„Elyfiuw", Landsberger Allee W-U. x Krauerei Friedrichshain, Am Friedrichshaiu IßÄ. Tagesordnung in allen Versaminlungen: „Das prenstifche Bolk nnd die Landtagswahlen!" Referenten sind die Reichstagsabgeordneten: Silberschmidt, Otto Wels und �ritz Zubeil« Ansprache des ßanbibatcn bes 7. Lanbtagsivalilbmrlis Paul NIi*»vk. 200/14* Wähler dcS 7. LandtagSwahldezirlS I Erscheint Mann für Mann in diesen Versammlungen I Das Wahlkomitee. 9. Landtagswahlbezirk Dienstag, den 6. Mai, abends 8% Uhr: in den Lokalen MS8S1S. Schönhauser Allee 130.— SÜstmilchs Testsäle, Bornholmer Straße 7.— Lwinemünäer lleseNsebsftsbsus, Swinemünder Str. 42. Trankes Testsäle, Badstraße 19. i Der Kampf um dcn preußifchen Candtag. 2. Diskussion. Refererenten: Redakteur Karl Leid, Redakteur Hans Weber, Stadtverordneter Emil Böske, Schriftsteller Emil Eichhorn. 200/11* Das Landtagswahlkomitee. I. A.: P. Dobrohlaw, Schliemannftraße 39. IS. LanäisgswaMsÄrk. Dienstag, den 6. Mai, abends 8'/z Uhr, in den CnSrinamaiüälSn, Chausseestraße 110: Orosse öfientliche Wähl er Versammlung:! Tagesordnung:-- „Der Preußische Landtag." Referent: Dr. Hermann Wehl. Proklamierung eines Kandidaten für den 10. Landtagswahlbezirk. Die Frauen des 10. Landtagswahlbezirks werden aufgefordert, sich zahlreich an der Versammlung zu beteiligen. Das Wahlkomitee. I. A.: S. Joseph, Stromstr. 36. 1. 2. 200/15 Sechster Landtagswahlbezirk Dienstag, den 6, Mai, abends 8V2 Uhr, in den üLoasert- und Festsälen, Koppenstraße 29, früher Kellers Ftstsile: «sg Große öffentliche— Wähter'Versammlung. Tagesordnung: 1 Preußen als Hemmschuh« Deutschen Reich. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse t�h. fechcidontailll. 2. Freie Diskussion._ Landtagswähler! Erscheint in Massen zu dieser Versammlung. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. ffty*'' L- A.: rrltn Nnt, KopemikuSfir. 3. Wjjljltr des 11. LMllßS-Wchlbejirllg! Dienstag, den S. Mai, abends 8 Uhr: 2 öffentliche Whler-verfammlungen in den Pharus-Sälen, Müllerstrasie IIS und in den Kösliner Festsälen, Köslwer Str. 8. Ist Prenste« ein rückständiger Staat? Referenten: Stadtverordneter Theodor Fischer und Landtagsabgeordneter Dr. Karl Liebknecht. Mittwoch, den 7. Mai, abends 8'/z Uhr: Oeffentliche Aähler-verfammlung im Kastanienwäldchen(Inhaber Walter), Badstrahe 1«. Referent: Landtagsabgeordneter Dr. Karl Liebknecht. In allen Versammlungen: Freie Diskussion. Die rranen sind zu diesen Versammlangen ebenfalls eingeladen. 200/12* Das Wahlkomitee. I. A.: sselsdelek Hüffler, Sochstädi« Str. 16. Charlottenburg. Mittwoch, den?. Mai 191», abends S'/a Uhr, im Volkshause, Rostnenstrahe S: Oeffentt. Volksversammlung. Referent: Kandidat Stadtv. kritz Zietschs 1. Huf zur Caudtagsmal)!. 2. Diskunion. Manner und Kranen l �eigt durch Massenbesuch der Versammlung, datz Ihr mit d«W stehenden Wahlrecht nicht einverstanden seid. �_..... 280/7 Das Wuhlkomltea. 12. Sandtagswahlbezirk. � Mittwoch, den 7, Mai, abends Uhr: ifrntl. Diihlerxechmmlmz im Saale des Cafe Gärtner, Holsteiner Ufer 27/28. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten n» HfSollCGIllSUllV* über: Das„gute, alte Preußen!" 2. Diskussion. 3. Ansprache desKandidaten für den 12. Landtagswahlbezirk EUCpGH E V�HSia 200/17* Zahlreichen Besuch erwartet Das sozialdemokratische Wahlkomitee. I. A.: Alfred Paersch, Oldenburger Str. 10. EandtagS'Wahlkreis KenkSlln- Sehoneberg. Montag, den 6. Mai, abends 8Vs Uhr, in Neukölln bei vartsed, Hermannstraße 49: öelkntlielie ZrMemerzsmmImli. Tagesordnung: Die fraucn und die&andtagswahl* Referentw: Genossin ZlstUllUv HVorm. 200/10 — Diskussion.— Genossinnen, Frauen, Arbeiterinnen! Erscheint in Massen in dieser Ver- sammlung. Beweist, daß es Euch ernst ist, den Wahlrechtskampf mitzuführen. Legt Protest ein gegen Eure Rechtlosigkeit! Da» Xiandtagswahlkomitee. I. A.: Hermann Badtbe, Neckarstr. 3. Acht»«!,!? n! v I?» Achtung! Aähler des 12. LanütagsivahIbeziriK(Ifloakit). Dienstag, den 6. Mai, abends 8'/- Uhr: M polnische Volks-Versammlung im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclesstr. 24. Tagesordnung: . vis liMggMlilkn und das polnisclie Volk. 200/16» S. Freie Diskussion. Referent: F. Podemski. Die �eltatl»n»kommi»»lOn P. P. Z. der Polnischen Sozialdemokratischen Partei Berlins. Ter Einberufcr: Albin Czixak, Gerichtstrahe 26. Es ist Pflicht der Genossen, ihre polnischen Kollegen und Bekannten"W» auf diese Versammlung hinzuweisen. Deutscher Tabakarbeiter-Verband i Ortsverwaltnng Berlin.- Dienstag, den 6. Mai, abends S'/a Uhr, bei Boeker, 0. Weberstr. 17: �Utgltcder-Verfammlung Tagesordnung: 1. ttonsnmvereinswesc« und Bolksfürsorge. Gcnosie ZUrn». 2. Abrechnung für das 1. Quartal. 3. Verschiedenes. Genosse Mini» spricht an Stelle des verhinderten Holl. Gauleiter llentreoiiel. WM" Das Erscheine» aller Mitglieder ist Pflicht. Bltglledabnch xllt als Legitimation. Beiträge werden am Saalcingang entgegengenommen. 187/7» Die Drtsverrraltnng. Dvolgvereln Berlin. Sektion der Qips- und Zenientbranche. Montag, den 5. Mai, abends 81/, Uhr. im.Marinehans*, ?tm Kollnischen Pari(au der Jannowitzbrücke); Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Neuwahl des SelNonsleiters. 2. Verschiedenes. gÜr Mitgliedsbuch legitimiert.-7WZ 112,3' Zahlreichen Besuch aller im Gips,»»d Betoubaugeiverbe beschästigten Kollegen erwartet__ Der Vorstand. Steinarbeiter Dienstag, den 6. Dal, abends 8 Chr. im Gewerkschaftshanse, Engcluscr 15: Versammlung aller w der Gesteinbranche beschäftigteu Arbeiter. Tagesordnung: . 1. Bericht des BorflandeS.-■ Vorschläge zu Ergänzungen und?lZ. Änderungen des Schristhauertarijs. Da die Nächsten larifverhaudlungc» i« eine Zeit fallen, in welcher nur wenige Uollege» in der Branche beschästigt sind, ist es notwendig, dast alle Kollegen an den jcnigeu Beratungen tcilnehm cn. niJS Die Orts Verwaltung. Orts Krankenkasse der Kürschner und verwandte» Gewerbe zu Berlin. Anverordentllebe General-Yersammlung am Freitag, den g. Mai 1913, abends 8'/, Uhr, w den Musiker> Festsälen, Kaiser-Wiihelm-Str. 18 m. Tagesordnung: Beratung und Beschlnstsaflnug über die neuen KaffensaNungcn gemäst den Bestimmungen der Rcichsversicherungsordnung. Iii Anbetracht der wichtigen TagcS. ordnung wird um pünktliches Er- scheinen dringend ersucht. 271/11 Die zugesandte Einladung legitinnerl, ohne dieselbe kein Einlaß. Der Vorstand. C. Fritze, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Schuhmacher. Montag, den S. Mai, abends 8'lt Uhr: Außerordentliche General-Versammlung der Vertreter ta Lokale Weberstraste 17. Tagesordnung: 1. Beratung und Beschlußsassung über die Satzung nach den Bestimmungen der Rcichsversicherungsordnung. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Berlin, den 3. Mai 1913. Gez.: A. Bendig 271/10 Vorsitzender. Orts- Krankenkasse für den Amtsbezirk Blankenfelde m Kerlm-Uasenthal. Am Donnerstag, den 13. Mai, abends 61/, Uhr, findet im Lokale des Herrn W. Schneider in Berlin- Rosenthal, Prinzenstr. 1, die Ordentliche General-Versammlung statt, wozu die Herren Vertreter hiermit ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung pro 1312. 2. Bericht der Rechnungsprüsungs- kommission und Entlastung de? Rendanten. 3. Beamtcnpersonal- sacheu. 4. Erledigung etwaiger schriftlich eingegangener Anträge. 5. Beratung und Beschlutzfassung über die, neuen Kassensatzungen nach den Vorschriften der ReichSversicherungs- ordnung. 271/8 Als Legitimation ist die schriftliche Einladung mitzubringen. Der Vorstand. I. V.: Schneider, Vorsitzender. der Orts-Krankenkasse Drechsler und oerivaudtru Gewerbk zu Berlin. Am Donnerstag, den 8. Mai ISIS, abends 7'/, Uhr, findet im Gewerkschaftshanse, Engeluser 15, Hos rechts Part., die sOssGOt�Uni] der General-Versammlung vom 2. Mai 1913 statt. 724b Tagesordnung: Beratung und Beschlutzsasiung über den Statutenentwurs nach den Bt stimnmngen der ReichSverfichttungZ ordnung. Der Vorstand. X 91.:® u it a d S t e b t, Vorsitzenb. Gemeinsame Orts- Krankenkasse sür Mariendorf und Umgegend. Am Donnerstag, den IS.Mai 1913, nachmittags 6'/» Uhr, im Lokal„Schwarzer Adler", Berlin-Manendors. Chaussecstr. 43: AnßerordentUche General-Versammlung. Tagesordnung: Beratung und Beschlutzsasfung über die neue Kassensatzung aus Grund der Bestimmungen der RcichSversiche rungsordnung. Bei der Wichtigkeit der Tagcsord- nung ist vollzähliges und recht- zeiliges Erscheinen der Herren Ver kreier sehr erwünscht. Berlin-Mariendors, 4. Mai 1313. Der Vorstand. 271/12 äug. leip, E. Seile, Schriftsührer.__ Vorsitzender. ■■■■■■BSBSSSBSBBBSBSS»k f ÖR. v. M. 6,-" an 1 Petershoicn IIIIIIIIIBIIBIIDIIIBIIIIIIIIIIIIBIimillll ■Neu erschlossenes Gelände, be-■ ■ Klonend ca. 7 Min. v. Babnh.» J Fredersdorf, Strecke Strausberß;. 1 n Kostenfreie Auskunft b. u. Yer- J treter Fühle j. u. Verkanfs- b pavillon a. Babnb. Fredersdorf. 1 tliesctialKe& tlltsciie,[ ; BERLIN, Neue KSnigstr. 16.■ � Fspr-Amt; Königst 6376. � �hlBBBBBBBBBBBBBBBBBBBI*� tseler m Die == Verwaltung Berlin.—= Bezirks- und Branchen- Vertrauensmänner» Verband der Sattler und Portefeuiller. _= Ortsyerwaltung Berlin. Tie nächsten Branchenversammlungcn finden an solgcndeu Tagen statt: Gtschirr-Kraiiche: Fäm aus. jlortefeuillts- uud Reiseartikklbrauche: s�uhr�°'' bei Granmann, Naimhnstratze 27. MiWr-Kranche: Mittwoch, den 7. Mai, abends S Uhr, w den Prachtsälc» Alt-Berlin, Blumenstr. 10. Linoteumleger u. Teppichnäher: m®ai' bei Weihnacht, Grünstr. 21. IDagen�randje: MitUvoch, den 7. Mai, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engeluser 15. Gstumöbtl- u. FtderMolStrer:*,T4: � im Graphischen BereinShause, Alexandrinenstr. 44. Zahlreichen Besuch dieser Versammlunge» erwarten 158/ 18 Die Branche nleltnoxei». Versammlungen fallen am Mittwoch aus. Achw»!,! Arbeitslose. Acht««,,! Wegen des großen Andranges im paritätischen Ard-its- Nachweis ist für die arbeitslosen Kollegen, die im Osten und Nordosten wohnen und bei der Arbeitsvermittelung noch nicht an der Reihe sind, in der Zorndorfer Straße 47, Hof parterre, eine Kontrollstelle errichtet worden, in der sich die Arbeitslosen täglich in der Zeit von 9 bis 11 Uhr vormittags die Ärbeitslosenkatte ab- stempeln lassen können._ Drechsler-, Treppengeländer- und Luxnsmöbel-Branche. Montag, den S. Mai ISIS, abends S'/z Uhr: == Brauchen-VcrfaiutiiUmg= im Königstadt-Kasino, Holzmarktsir. 72. Tagesordnung: 1. Der Abschluß deS Vertrages mit den Treppengeländerfabrikanten. 2. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Bezirk Ober-Schöneweide. Dienstag, de««. Mai, abends 8Vz Uhr, bei Warnecke, Wilhelminenhofstr. 18: Mitglied er-Versammlung. Tagesordnung: 1. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. 2. Verbands- angelegenheiten. 82/15 Die Ortsverwaltung. Ii! M Verwaltungsstelle Kerlin. c 54, Funenstr. 83—8? Verwaltung Telephon: Amt Norden 1987. »affierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 971. Montag, den F. Mai 1913: Bezirks- Versammlungen für die geismte Oerwaltungsitelle Berlin in folgenden Lokale«: NOrtlöNI PbaroBsüle, Müllerstr. 14S. abends 8-/, Uhr. NgrstöN' VeBttriUe, Schwedter Strostc SS, abends NvrdLN I Vrankc» Vestshle. Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. Bnisflan*„Swlnemönder GeseUscbaftshaas", Swine- nOrQcD. mündcr Strafte 42, abends 81/, Uhr. Tegel! nflllcrs Restaurant, Berliner Str. 84, abends S Ubr. Nloohil» Roahlter Gesellschattshans, Wiclesstr. 24, MDaUll. abends 8-/, Uhr. Veeleo«od SedOoederg: JÄiTSinWfS!: OSteD* ConieniosBtUe, Mcmelec Strafte 67, abends 8>/, llhr. Licblenlierj; SrÄ J- 71- Stralau-Rommelsborg: SK UlniRnMoaa• Pcnkerts Festsftle, Berliner Allee 251, M eiUcOScC. abends 51/. Uhr. Slidenbezirke:"Sr."""/"''110' SüdOSt I Waldemarstr. 75, abends 81/, Uhr. NeilkÖlln* �elU)iS' Sncfcbedstr. 118, abends Charlotteuburg: volkshans, Rosinenpr. 3, abend! 8-/, Uhr. Steglitz I Albrechtshof, Albrechtstr. 1a. abends 8'/, Uhr. Köpenick n. Friedrielishagen: Schönerlinder Str. 5, abmds 8'/, Uhr üderseköneveide,»iedersekönevelde. �oksnvis- Ihol» Ilirin» Prochowskl, Ober-Sch«ue- 11131 U. UUiy.. weide, RathanSstr. 13(gegenüber der Pvft), _, abends 8'/, Uhr. Spandau I Dort-' reststtle, Shtrftr. 21, abends 8-/, Uhr. Tagesordnung f« allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-MW Zahlreicher Besuch wird erwartet. 117/12 Die Ortscerwaltnng. verband der Schneider. Sebastianstraße 37/38. Filiale Berlin. Tel. Amt Moritzplatz 9737. Werte Kollegen! Am Montag, den 5. Mai, abends S'/a Uhr, findet im Lokal Gabriel u. Jäger, Zehdenicker Str. 10, die regel- mästige Sitzung für die Zwischenmeister der Hosen-»nd Westeubranche statt. Wir bitten, zu dieser Sitzung bestimmt und pünttlich zu er- scheinen und für guten Besuch Sorge zu tragen. 163/15 Die KommlBBion. Andreas- Festsäle Telephon: Königstaot 3520.———- Andrcasstr.»I. empfiehlt den geehrte» Vereinen und Gewerkschaften seine Säle zu Bersammlungeu und Festlichkeiten. Kulante Bedingungen. - Einige Sonnabende und Sonntage noch s r e i. ü. Borgmann& F. Scholz. M J| MW W MM WWW SA Jii« W W? MW MW Kut ZsAeiäetpaka- Paletots in schier endloser Auswahl(auch für starke Damen) viele schöne Farben, modern garniert und äusserst kleidsam 8.75 9.75 11.25 1350 15.75 17.50 19.75 Verantwortlicher Redakteur: Alfred MclePP, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Eo� Berlin Vr. 107. 30. IahtMg. 4. SkilW de« Joriüiirls" Kerlim WWIulf. 4, Um 1913, . AirtichaMicher Wochenbericht. Ztene Hemmungen. Nur wenige Wochen der Erholung sind dem nun seit länger als einem halben Jahr unter politischem Druck stehenden Wirtschafts- leben Europas gegönnt gewesen. Der Handstreich Essad Paschas, die Besetzung Skutaris durch Montenegro und Oesterreichs Aeutze- rungen wahnwitziger Prestigesucht haben in der vergangenen Woche von neuem alle Gefahren heraufbeschworen, die der wirtschaftlichen Entwicklung durch einen Ballankrieg drohen. An den Börsen, in deren Aklienkursen sich die Bewertung der industrielle» und kommerziellen Profitaussichten ausdrückt, herrschte Kaufunlust. Die Wertpapiere, die an den Markt kamen, wurden daher nur mit Kursverlusten aufgenommen. Neben den Aktien ge- werblicher Unternehmungen verloren auch Staatsanleihen, die Frank- reichs, Deutschlands und Oesterreichs kaum minder als die der Ballanstaaten. Diese Furcht vor Schädigungen des Wirtschaftslebens durch neue militärische Operationen auf dem Balkan und gar unter Beteiligung europäischer Grosistaaten wurde in Amerika nur wenig geringer empfunden, als in Europa. In New Dork gaben die Börsenkurse ebenso nach wie in London, Paris, Wien, Berlin und Frankfurt. Die Hemmung des Wirtschaftslebens durch' die Gefahr öfter- reichischen Vorgehens gegen Montenegro zeigte sich nicht minder deuilich auf dein Geldmarkt. Während zu Anfang der Woche Wechsel noch mit i3l8 Prozent von Privatbanken verzinst(diskontiert) wurden, stellte sich der Diskontsatz am Ende der Woche auf 6 Prozent- Tägliches Geld stieg in der gleichen Zeit von 3— 3Vz bis auf 6— ö'/s Prozent. Noch vor kurzer Zeit hatte man auf eine Diskontermäftigung der Reich�bank gehofft, da der Metall- und Goldbestand der Reichsbank gestiegen und die Ansprüche der Industrie an das Institut zurückgegangen waren. Der Reichsbankausweis vom 23. April hatte zum erstenmal einen Gold« bestand von 1 Milliarde konstatiert. Aber am 30. April war dieser Bestand bereits wieder um-40,8 Millionen zurückgegangen. Zugleich > wuchsen die Passiven der Reichsbank durch vermehrte Notenausgabe um 207 Millionen. Die Summe der steuerfreien Noten war damit weit überschritten. Hatte am 23. April die Reichsbank noch über eine steuerfreie Notenreserve von 83,3 Millionen verfügt, so steckte sie am 30. April bereits in einer Steuerpflicht von 218,3 Millionen. Diese vennehrte Inanspruchnahme des Kreditinstituts vernichtet jede Hoffnung auf eine Ermäßigung des Zinsfußes und damit eine Erleichterung aller wirtschaftlichen Verhältnisse in naher Zeit. Auch bei den Zentralnoteninslimten in England und Frankreich ist eine Verschlechterung eingetreten. Neben der Industrie leiden unter den schwierigen Kreditbedingungen besonders Staats- und Kommunalverwaltungen, die ihren Geldbedarf durch Anleihen decken wollen. Die kurze Zeit einer Geldmarktbesserung, die durch die prozentige Diskontermäßigung der Bank von England dokumentiert wird, war von den Finanzbehörden sofort zur Aufnahme von Anleihen benutzt worden. Durch die neuerliche Geldverteuerung sind sie wiederum gezwungen, ihre Kreditansprüche ganz zurückzustellen, oder sie unter wesentlich teueren Bedingungen zu befriedigen. So hat Hamburg die Emission seiner Anleihe verschoben. Anleihen, die in den letzten zwölf Wochen zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt wurden, haben bereits unter dieser veränderten Lage gelitten. So hat die öfter- reichische Anleihe einen Mißerfolg erlitten, für den noch als Er- klärung die geringe allgemeine Kreditwürdigkeit Oesterreichs heran- zuziehen ist. Die halbjährige Mobilisation hat Oesterreichs Finanzen vollends zerrüttet. Die Anleihen des schwarzgelben Staates stehen denn auch nicht viel höher als die der Türkei. Wenn man von der Lähmung des Wirtschaftslebens durch die Balkanereignisse spricht, kann man nicht an den Preisherabsetzungen auf dem Eisenmarkt vorbeigehen. An der Düsseldorfer Montan- börse wurden in der vergangenen Woche Preise gezahlt, die um 2 bis 5 M. pro Tonne unter denen der Preise vor 14 Tagen standen. Auch die Börsenpresse Westdeutschlands konstatiert in ihren Situütionsberichten fortgesetzt Zurückhaltung der Käufer, Rückgang der Austräge, Ermäßigungen der Preise. Zu dieser Auffassung stehen in gewissem Widerspruch die statistischen Nachweise über Rekord- ziffer« in der Produktion und dem Export von Montanerzeugnissen. Die gegenwärtige flotte Beschäftigung der großen Bergbau- und Hüttenunternehmungen wird aber von keiner Seite bestritten! nur für die nächste Zeit wird ein deutlich merkbares Abflauen erwartet, wenn die politische Situation nicht sehr bald eine endgültige und deutliche Klärung erfährt. Für die A r b e i t e r hat der Balkankrieg ganz empfindliche Schäden gebracht. Die Zahl der Arbeitslosen ist so groß, wie ick keiner der bisherigen Konjunkturperioden. Sie sank zwar im Monat März etwas gegen den Februar d. I. Aber diese Besserung bleibt hinter der des Vorjahres zurück. Der„Arbeitsmarkt" teilt folgende Zahlen für den Vergleich mit früheren Konjunkturperioden mit. In den Monaten Februar und März kamen auf je 100 offene Stellen Arbeitsuchende:' 1899 1900 1906 1907 1912 1913 Februar 111,1 113,1 120,4 120,7 125,3 131,4 März 89,3 99,8 100,9 95,5 110,7 118,9 Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, daß der Andrang von Arbeitslosen in diesem Jahre größer ist als im vergangenen Jahre- Die Beschäftigung der Industrie muß also eine schlechtere sei»! die Konjunktur des Vorjahres ist zurzeit rückläufig- Auch gegenüber den früheren Konjunkturperioden steht die gegenwärtige an Intensität nach. Vielleicht tritt durch die Beseitigung der politischen Wirren eine Besserung ein. Jedenfalls ist die Be endigung aller Streitigkeiten und die feste Bürgschaft eines nahen Friedens die Voraussetzung für eine mögliche Hebung des Wirtschafts lebens. Die Arbeiterschaft hat an den finanziellen Lasten, die ihr durch die neuen Kriegsrüstungen aufgebürdet werden, genug von den politischen Ereignissen des letzten JahreS zu leiden. Daß ihr auch noch die Möglichkeit der Beschäftigung und deS LobnerwerbS geraubt wird, gehört zu den empörendsten Folgen des Balkankrieges, Hunderttausende von deutschen Arbeitern liegen heute um der Un- fähigkeit der europäischen Diplomatie und der eigennütziger Jnter- essen einiger Grotzstaaten willen auf dem Pflaster. csmUagswHIervei'isminliinge». Frauenversammlungen im vierten Wahlkreise. Im E l h s i u m, Landsberger Allee, der bekannten Vcrsamm- lungsstätte des Berliner Nordosten, hatte sich trotz der für den April ungewöhnlichen Sommerhitze eine große Anzahl Frauen ein- gefunden, um für ein besseres Wahlrecht zum preußischen Landtag zu demonstrieren. Wie interessiert die Frauen an den Vorgängen in Preußen sind, zeigte die Aufmerksamkeit, mit der die Anwesenden die Ausführungen der Referentin, Genossin Wehl, folgten. Einen historischen Rückblick auf die Vorgänge vor hundert Jahren werfend, zeigte die Rednerin, wie wenig Veranlassung das preu- tzische Volk hat, die Regierung dieser Zeit zu feiern. Im toeitereu Verlauf ihrer Ausführungen ging die Rednerin auf die Tätigkeit des preußischen Landtages ein und bewies die Notlocndicflcit, daß auch die Frauen ihre ganze Kraft ci»ctzcn müssen fm einen guten Verlauf der Wahl und darüber hinaus für eine Abänderung des jetzigen Wahlrechts.„ Auch in Boelters Festsalcn in der Wcberstra�e waren viele Frauen dem Rufe gefolgt und lauschten den Ausführungen der Refer-mtin, Genossin Wurm, die es vortrefflich verstand, den Frauen ihre Rechtlosigkeit unter de», gegenwärtig. m Wahl« system vor Augen zu führen und sie auszurufen, Seftultcr an Schulter mit den Männern in den Wahlkampf und den Wahl- rcchtskainpf zu ziehen. Der Kampf mutz fortgeführt werden bis zur Erringung des allgemeinen gleichen und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen. Zahlreich waren auch die Frauen nach der„Urania, Wrangcl- straße 10/11 gezogen, nm ihren Protest gegen dieMechtlosigkeit des Proletariats und die Rechtlosigkeit der Frauen insbesondere Aus- druck zu verleihen. So hatte denn Genossin Luise Zictz ein dankbares und aufnahmefreudiges Auditorium, als sie in einem etwa einstündigen Referat scharf und treffend die preußische Dreiklassenschmach in ihrem aufreizenden Gepräge zeichnete. Präch- tige, zu Herzen gehende Worte fand sie, als sie sich an die an- wesenden ZuHörerinnen wandte und sie als Frauen und Mütter, als ProlHarierinnen und Staatsbürgerinnen aufrief zum Kampf gegen Junker und Scharsmacher, gegen die ganze preußische Reak- tion. im Interesse des Volkes und des Fortschritts. Stürmischer Beifall lohnte» je Rednerin am Schlüsse ihrer eindrucksvollen Rede. Der achte Landtagswahlbezrrk hatte zum Mitttoockmbend zwei Frauenversammlungen einberufen. Die eine fand bei Obiglo in der Schivedter Straße statt, wo Rc- dakteur Genosse Hans Weber referierte. Vorher hatte der Kandidat, Genosse Wilhelm D ü w e l l, eine kurze, packende Ansprache gehalten, wonach dann der Referent in einem etwa ein- stündigen Vortrage das Thema:„Die Frauen und die Landtags- mahlen" behandelte. Lebhafter Beifall lohnte den Redner am Schlüsse seiner trefflichen Ausführungen. Nachdem noch Genossin L o h s e einige ergänzende Worte an die Versammelten gerichtet hatte, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Vor einem ebenso aufmerksamen Auditorium sprach Genossin Luise Z i e tz in den„Königsfälcn", Neue Königstr. 26. Auf reichhaltiges Tatsachenmaterial gestützt, zeigte die Rednerin, welches Interesse die Frauen und insbesondere die Arbeiterfrauen an der Zusammensetzung des preußischen Parlaments haben. Nach dem mit starkem Beifall aufgenommenen Referat nahm auch hier Genosse Düwell das Wort zu einer kernigen, überzeugenden Ansprache. Mit einem anfeuernden Schlußwort der Vorsitzenden, Genossin Nehmitz, klang die Veranstaltung in einem begeisternden Hoch für unsere Partei aus. U Keuhelt: 4 Keuheit: B Neuheit: C Neuheit; D Neuheit:1* Neuheit;£ Neuheit! 0 Keuheit: tf Neuheit: J Neuheit: X 3acketi-Anzuqe. 1 reihig Jackett-Anzüge�reihig[Frühjahrs■ Paletots frühjahrs- Ulster 1/ Nr. 50S>. Gemustener Buckskin, fein 10 w gestreift und kariert...........* 0 M' Nr. 504. Pein gestreifter kammgarn- 11 M _art i g e r Stög mit hellen Effekten... fcT K-SOO, Mittelgrau, braun und OÜT 9(1 vr Cheviot mit farbigen Effekten..... JÜ � ®P"iaI-Marke B's Cheviot* IC vr 16 verschiedenen Farbenstellungen.. JO M- X*: en»lische Cheviots" in Cfl � den schönsten Mustern. Direkter Import JÜ Nr. 512. H*rengo oder buntfarbige TO« Cheviots,„Echt engl. k prima Yerarb. V» Nr. 3. Haltbarer Buckskin in gestreift. 71\r und karierten Mustern.......... Li 51" Nr. �5. Dunkle Kammgarnart in vielen 11 Mu ste rn, sc br haltbar.......... LJ Nr. 7. 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Tagesordnung: „Die preußischen Landtagswahlen". Referenten: Reichstagsabgeordneter Otto Büchner und Stadtverordneter Dr. Kurt Rosenfeld. In beiden Ansprache des Kandidaten Th. Glocke.-_ 7. Laudtagswahlbezirk. Heute Sonntag, den 4. Mai, morgens 8 Uhr, von den bekannten Bezirkslokalen aus: Wichttge Flugblattverbreitung.— Dienstagabend: Große Versammlung. Näheres Annonce im„Vorwärts". Das Wahlkomitee. S. Berliner Landtagswahlbezirk. Sonntag, den 4. Mai, früh 8 Uhr, Flugblattver- h r e i t u n g von den bekannten Stellen aus. Am Dienstag, den 6. Mai, abends 8'/z Uhr, finden Versammlungen statt in den Mila- Sälen, Schönhauser Allee 130, Süßmilchs Festsälen, Bornholmer Str. 7, Swine- münder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, und in Frankes Festsälen, Badstr. 19. Referenten sind: Redakteur Karl Leid, Redakteur Hans Weber, Stadtv. Emil Böske, Schriftsteller Emil Eichhorn. Das Landtagswahlkomitee. Zur Lokalliste. Die Berliner Arbeiterschaft wird gebeten, bei Ausflügen nach dem Spreewald, sich wegen Fährleuten usw. an den Genoffen P. Kuschky, Lübbenau, zu wenden. Folgende Lokale stehen der Partei und den Gewerkschaften zu allen Veranstaltungen zur Verfügung: In Alt-LandSverg das Lokal von Merkmann, Strausberger Ecke Poststraße. In Fredersdorf(Ostbaho) das Lokal von O. Kirchner. In Biesdorf-Nord das Lokal von Gustav Berlin. In PichelSwcrder 7.-3. das Lokal.Reichsgarten", Jnh. A. Thiele. In Aiestow bei Trebbin hat das Lokal von Rudolf den Besitzer gewechselt. Der neue Inhaber Alwin Förster stellt dasselbe ebenfalls zur Verfügung. Berichtigung. In Wittenau ist da§ Lokal von Ernst Wittchow, Oranienburger Str. 100 frei und nicht Oranienburger Str. 88/83. In Woltersdorfer Schleuse heißt der Inhaber des Restaurants �Lellevue" Emil Schmitz. In Birkenwerder muß eS heißen: Richardt, Hauptstraße SS, »fitesellschastshaus". _ Die Lokalkommisfion. Laudtagswahlkreis Nieder- und Oberbaruim. Heute Sonntag, den 4. Mai, finden in folgenden Orten Wählerversammlunaen statt. Alt-Laudsberg. 1 Uhr bei Merkmann, Strausberger Str. Blankenburg. 2 Uhr bei Peschlow, Luisenstr. 4. Eggersdorf. 5 Uhr im Lindenhof. Fichtenau. 4 Uhr bei Hannemann, Hauptstraße. Germendorf bei Oranienburg. Glienicke. 4 Uhr bei Glagow, Hattwichstraße, Ecke Dell- Heimstraße. Groß-Schönebeck. 5ft, Uhr, Grundstück des Herrn Max Siebert, am Wege Nach Schluft. Karlshorst. 12 Uhr, Grundstück Tresckow-Allee, Ecke Friedrich- Wilhelm-Straße. Ladeburg. 4 Uhr bei W. Schulze. Laake. 3 Uhr im Waldschlößchen, Jnh. Stockmarm. Mühleubeck. 4 Uhr im Gasthof zur Sonne. Neuenhagen. 4 Uhr bei Fagerstern. Petershageu. 4 Uhr,„Zum Alten Deffauer". Rehfelde. 4 Uhr. Rüdersdorf. 3 Uhr bei Mißler, Schulstt. 45. Ruhlsdorf. 5 Uhr, Grundstück des Herrn Hellm. Gesche, Sophienstädter Straße. Schönow. 6 Uhr. Wandlitz. 4 Uhr bei Lassan. Werneuchen. 2 Uhr bei Schlottke. Wittenau. 2 Uhr bei Eberhard, Lübarser Str. 96. Referenten sind die Genossen: O. Braun, R. Breitscheid, % Buhl. A. Hofer. W. Kubig, R. Küter. Emil Lehmann. Hellm. Lehmann, Dr. I. Moses. E. Rausch. Fr. Schlemminger. Rod. Schmidt, K. Schräder. R. Schwarzburger, P. Schwenk, Hcrm. Sonnenburg, H. Spiekermann. Fr. Spliedt. A. Stadt- Hägen, Fr- Stimming. Fr. Thurm. Schmargend-rs. Heute früh 7Vz Uhr: Flugblattverbreitung vom Nestaurant Waldkater(Warnemünder Straße) aus. Stralau. Am Mittwoch, den 7. Mai. avendS 8 Uhr, in der Alten Taverne". Att-Siralau 2S/26: Große öffentliche Landtags- Wählerversammlung. Referent: Kandidat Genosse Otto Braun. Diskussion._— Maricndorf-Südende. Am Dienstag, den 6. Mai, abends 3'/, Uhr, findet in Laars Gesell, chaftshaus, Chauffeestr. 305, eine öffeniliche Versammlung statt, in der Reichslagsabg. W.Heine über den Kampf um den preußischen Landtag referwren wird. Berlin-Ober-Schöneweide. Morgen Montag, den 5. Mai, von abends 7 Uhr: Karlenverbreitung zu den Urwählerbesprechungen von den bekannten Stellen aus. Die Urwählerbesprechungen der 3. Abteilungen finden am 6. und 7. Mm. die der 1. und 2. Abteilung am 8. und 9. Mai statt. Friedrichshagen. Dienstag, den 6. Mai, abends S'/s Uhr, in Lerchcs Festsälen, Friedrich, tt. 112: Wahlerversammlung. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referenten: Reichsmosabaeordneter D.« t u ck l e n und Landtagskandidat Gutsbesitzer Hoser. 2- Freie AuS,prache. 3. Aufstellung der Wahlmänner. Friedrichsfeldc. Sonntagvormittag Handzettelverbrei- tuug von den bekannten Siellen aus. Betrifft die Versammlung Dienstagabend, in der unser Kandidat Gutsbesitzer H o f e r und unser Reich-lagsabgeordneter Artur Stadthagen sprechen Uwrdeu. Franz.-Buchholz. Am kommenden Dienstagabend 8'/, Uhr spricht iu einer Volksversammlung in.Kühnes Gesellschaftshaus" Genosse Lehmann über die bevorstehenden Landtagswahlen. Borfigwaldc-Wittenml. Dienstag, den 6. Mai, abends 8% Uhr, in den Borsigwalder Festsälen: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Nowawes. Montag, den S. Mai. abends 8'/, Uhr, findet im Lokal von Singer, Priestersir. 31, eine Volksversammluug statt, in welcher die Genoffen Gutsbesitzer Adolf H o f e r- Ostpreußen und Max G r o g e r- Neukölln sprechen werden. Parteigenossen, sorgt für Massenbesuch. Bernau. Zum Besuch der morgen in Lanke stattfindenden Wählerversammlung iü Abfahrt l1/» Uhr vom Schützenhause aus. zu der in Schönow tagenden um 5 Uhr Abmarsch von Salzmann. Abends 7 Uhr in Ladeburg._ ßerliner Nachrichten. Großberlins Städtebauer. Der Ausschutz des ZweckverbandcS zur Neuwahl eines Städte- bauers anstelle des so jäh aus dem Leben geschiedenen Baurats Kiehl hatte zu gestern aus einer großen Reihe von Gesuchen drei Bewerber zur Aussprache eingeladen: Janson, Zinller und Wolf (Schöneberg). Da Zinkler im letzten Augenblicke abgeschrieben hatte, weil er durch Arbeiten für das Jahr 1914 mit Beschlag belegt sei, beschloß der Ausschutz nach Anhörung der beiden anderen Kandi- denen demnächst noch einen drillen Kandidaten zu einer engeren Wahl einzuladen. Der Verkauf von russischem Fleisch durch die Konsumgenofsenschaft umfaßt annähernd die Hälfte der ganzen durch die Stadt Berlin bewirkten Einfuhr. Gegenwärtig werden etwa 699 Zentner Fleisch pro Woche durch die Konsumgenossenschast verkaust. In dem Kühlraum, den die Stadtverwaltung eigens für das russische Fleisch auf dem neuen Schlachthofe eingerichtet hat, erscheinen jeden Wochentag morgens um 6 Uhr ein Geschäftsführer und einige Angestellte der Kon- sumgenossenschaft. um den Tagesbedarf von etwa 199 Zent- nern zu erstehen. In den Kammern des Kühlhauses hängen in Reih und Glied Rinderviertel, halbe Schweine und ganze Kälber. Sie sind bei ihrer Ankunft durch Zollbeamte kontrolliert und durch Tierärzte auf ihre tadellose Beschaffenheit hin untersucht worden. Jedes Stück trägt eine Anzahl von Stempeln, welche die Ware als von der Stadt Berlin eingeführtes russisches Fleisch kennzeichnen. Städttsche Arbeiter, mit weißen Kitteln und Hauben bekleidet, tragen auf kräftigen Schultern ein Stück nach dem andern in den Vorraum und hängen es hier in langen Reihen nebeneinander aus. Ein von der Konsumgenossenschaft angestellter Fleischer mustert die Ware und wählt sie nach dem Bedarf der einzelnen Verkaufsstellen aus. Hier und da rrennt er mit scharfem Messer ein durch den Transport unansehnlich gewordenes Fleischstück los und wirst es zum Abfall, der alsbald vernichtet wird.— Nachdem die Schweinehälften, Rinderviertel und Kälber durch städttsche Beamte gewogen worden sind, werden sie mit dem Fahrstuhl— daS Geschäft wickelt sich im zweiten Stockwerk des Kühlhauses ab— hinunter- defördert, auf Wagen verladen und den Verkaufsstellen zu- geführt. Wenn man eine russische Schweinehälfte neben einer hiesigen sieht, so erscheint diese appetitlicher als jene. Doch das ist nur eine Aeußcrlichkeit. Die russischen Fleischer legen nämlich auf die äußere Herrichtung des geschlachteten Viehes nicht so viel Wert, wie wir es in Berlin gewohnt sind. Sie geben sich keine Mühe mit dem sorgfälttgen Abputzen der Außenseite und können trotz aller Bemühungen der Beauf- tragten der Stadt Berlin nicht von ihrer Methode ab- gebracht werden. Auf die Qualität des Fleisches hat das natürlich keinen Einfluß. Dieselbe ist vielmehr eine durchaus gute. Könnte das Vieh lebend ein- geführt und in Berlin geschlachtet werden, dann würde sich das Fleisch auch äußerlich von dem hiesigen gar nicht unterscheiden. Doch die Einfuhr lebenden Viehes ist ja dank der agrarischen Zollpolitik verboten. Durch diese Zollpolitik sind ja unsere Fleischpreise auf ihre jetzige Höhe gestiegen und sie würden ohne Zweifel noch höher steigen, wenn nicht die Einfuhr des russischen Fleisches einen gewiffen Druck auf die Fleischpreise ausüben würde. Je mehr sich der Absatz des russischen Fleisches ausbreitet, desto mehr ist auf ein Sinken der Fleischpreise im allgemeinen zu rechnen. Die Konsumgenossenschaft hat übrigens noch einen weiteren Schritt getan, um die Bevölkerung mit wohlfeilem Fletsch zu versorgen. Sie hat einen größeren Posten ge- frorencn Hammelfleisches aus Australien kommen lassen. Die Hammel kommen ungeteilt im gefrorenen Zustande hier an. sie werden nach dem Verfahren, welches sich in England seit langer Zeit bewährt hat, langsam aufgetaut. Seit etwa 14 Tagen bringt die Konsumgenossenschaft das austtalische Hammelfleisch zum Verkauf. Es ist Vorsorge getroffen, daß in der Zeit des ftischen Gemüses, wo eine stärkere Nachfrage nach Hammelfleisch einzusetzen pflegt, dem Bedarf Rechnung getragen werden kann. Eingekauft ist das Gefrierfleisch durch die Stadt Charlottenburg. Da sie nicht die Einrichtungen zur Auf- bewahrung und Verteilung des Fleisches besitzt.wie Berlin, so hat die Charlottenburger Stadtverwallung den ganzen Vertrieb der Konsumgenossenschaft übertragen und das Fleisch direkt an die Adresse der Konsumgenossenschaft senden lassen. Aus diesem Grunde hat nun die preußische Zollbehörde, ob- Wohl die Stadt Charlottenburg die Bestellerin und Käuferin des Fleisches ist, nicht die Zollermäßigung gewährt, auf welche die Gemeinden beim Bezüge ausländischen Fleisches Anspruch haben. Die Bureaukraten in der Zollbehörde berufen sich darauf, daß die Konsumgenossenschast die Empfängerin des Fleisches ist und deshalb mußte der volle Bettag des Zolles gewährt werden. So wird also in Preußen dafür gesorgt, daß der arme Mann sein Stückchen Fleisch nicht gar zu billig bekommt. Volkskonzerte des Philharmonischen Orchesters zuBerli« im Sommer 1943. Bekanntlich hat der Magistrat von Berlin im vorigen Jahre dem Philharmonischen Orchester zu Berlin eine städtische Subvention von siebzigtausend Mark gewährt unter der Be- dingung, daß das genannte Orchester die Verpflichtung übernehme, in den Sommermonaten Volkskonzerte zu dem billigen Eintrittspreise von 39 Pf. für ein Konzert in den größeren Lokalen Berlins zu veranstalten. Außerdem waren auch für den Winter 1912/13 fünf Konzerte vorgesehen. Diese Konzerte, über deren Verlauf auch im„Vorwärts" mehrere Male berichtet ist, erfreuten sich das ganze Jahr hindurch eines guten Zuspruchs vornehmlich der Berliner arbeitenden Bevölkerung. Von der Berliner Gewerkschaftskommission, die zu einem Teil den General- vertrieb der Einttittskarien übernommen hatte, sind im verflossenen Jahre insgesamt 29 725 Eintrittskarten mit einer Einnahme von 8917,59 M. umgesetzt worden. An diesem Umsatz nehmen teil die Bureaus unserer Wahlvereiue, die den Vertrieb mit übernommen hatten. Da sich diese Einrichtung bewährt hat, ist dem Philharmonischen Orchester auch für dieses Jahr die obengenannte Summe als Subvention mit den gleichen Bedingungen des Vorjahres zur Verfügung gestellt worden. Die Konzerte werden im Sommer 1913 an folgenden Tagen und Lokalen stattfinden: 2. Juni,„Neue Welt", Hasenheide; 4. Juni, Brauerei Friedrichshain; 11. Juui, Brauerei Königstadt; 14. Juui,„Koukordia- Festsäle"; 18. Juui, „Germania-Säle", Chausseestratze; 20. Juni,„Neue Welt", Haseuheide; 25. Juni, Brauerei Friedrichshain; 28. Juni, Brauerei Königstadt; 2. Juli,„Koukordia-Festsäle" und 5. Juli, „Germania-Säle". Eintritskarten zu diesen Konzerten sind bereits von jetzt ab im Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission, Engel- ufer, Zimmer 13, in den Bureaus der Wahlvereine des 4. und 6. Wahlkreises, in der Zeitungsspeditton von Schmidt, Kirchstraße 14(Vorwärts-Speditton) und im Zigarrenladen von Paul Horsch, Engelufer 15, zu haben. Da der Andrang zum Verkauf bisher ein sehr starker war, wird ersucht, sich baldmöglichst mit Einttittskarien zu versehen. Städtische Beamte und Landtagswahl. Aus dem Rathause wird berichtet:.Hinsichllich der bevorstehenden Landtagswahlen herrscht in den Kreisen der städttsche» Beamten vielfach Unklarheit darüber, ob ihnen die nötige Zeit zur Ausübung ihres Wahlrechts und zur Ausübung des Mandates als Wahlmann von der Behörde gegeben wird. Hierzu kann mitgeteilt werden, daß selbstverständlich von allen Dienststellen der zur Ausübung des Wahlrechts oder eines Wahlmannmandatcs erforderliche Urlaub ohne weiteres erteilt wird. Es sei auch bemerkt, daß an dem Wahltage (16. Mai) sämtliche Berliner Schulen geschlossen sind." Wir nehmen als selbstverständlich an, daß auch allen städtischen Arbeitern am 16. Mai Gelegenheit zur Ausübung ihres Wahlrechts gegeben wird. Vom städtischen Bestattungswcsen. Der freundliche Brauch, die Gräber mit lebenden Blumen in Wafferbehältern zu schmücken, wird auch vielfach zur Schmückung der Urnennischen in den Krematorien beobachtet. Während hiergegen bei den im Freien liegenden Gräbern naturgemäß nichts einzuwenden ist, haben sich bei diicser Art Blumen in Urnennischen des städtischen Krematoriums aufzustellen, Uebelstände ergeben. Das Wasser in den Behältern fault nach einigen Tagen und ver- breitet zusammen mit den verwelkten Blumen in der Halle des Krematoriums einen unerträglichen Geruch. Das Kuratorium für das Bestattungswesen hat sich daher in seiner letzten Sitzung mit der Frage beschäftigt, was hier zur Abhilfe geschehen müsse. Man ist zu dem Beschlutz gekommen, eine Ausschmückung der im Krematorium befindlichen Urnennischen mit lebenden Blumen in Wafferbehältern nicht mehr zuzulaffen. Die Niederlegung lebender Blumen allein bei den Urnen kann natürlich nach wie vor erfolgen. Im übrigen übernimmt auch die Verwaltung gegen Zahlung einer mätzigen Gebühr die Instandhaltung der Urnennischen.(Reinigung von Staub, alten Blumen usw.) Nebenbei sei vermerkt, daß die Deputation noch beschlossen hat, die Anlegung von Steinhügeln, die bisher schon auf dem städtischen Friedhofe in Friedrichsselde nicht stattfinden durfte, in Zukunft auch auf den übrigen städtischen Friedhöfen nicht mehr zuzulassen. Abgelehnt wurde auch ein Antrag der stadtischen Friedhofs- arbeiter auf Einrichtung eines �Arbeiterausschusses aus Grund des Magistratsbeschluffes trotz Befürwortung des sozialdemokratischen Mitgliedes._ Berliner Asyl-Verein für Obdachlose. Im Monat April d. I. nächtigten im Männer-Asyl 14 727 Personen, wovon 7180 badeten, im Frauen-Asyl 2598 Personen, wovon 713 badeten. Arbeitsnach- weis wird erbeten für Männer und für Frauen Wiesenstraße 55/59. Die Buchdruckcr-Fachschule des Vereins Berliner Buch- druckerei-Besitzer, welche als Ersatz der Pflichtfortbildungs- schule anerkannt ist, soll zum Herbst d. Js. geschlossen werden. Es sind deshalb durch das Mimsterium für Handel und Ge- werbe mit der Stadgemeinde Berlin Verhandlungen wegen der weiteren Beschulung der jetzigen Schüler des Instituts eingeleitet worden. Es handelt sich dabei auch um eine nicht geringe Zahl solcher Schüler, für welche Berlin keine Ver- pflichtung zur Erteilung des Pflichtfortbildungsschulunter- richts hat. da diese Schüler nicht in Berlin gewerblich tätig sind. Um diese Schüler aber nicht zu schädigen, hat der Mo- glstrat beschlossen, auch sie zu dem bisherigen Schulgeldsatz der Fachschule in die Pflichtfortbildungsschule aufzunehmen. Die Kosten pro Kopf des Schülers werden sich dabei etwa auf das Doppelte des gezahlten Schulgeldes stellen. Die Stadt Berlin ist demnach bereit, im Interesse der Vororte erheb- liche Aufwendungen zu machen. Razzia auf Menschen im Treptower Park. Mit Eintritt der wärmeren Witterung veranstaltet die Polizei in Parks und an anderen öffentlichen Orlen Razzien, um Obdachlose aufzustöbern und die Personen festzunehmen, die unter vem Verdacht stehen, strafbare Handlungen begangen zu haben. In der letzten Nacht wurden im Treptower Park und im Plänterwald nicht weniger als 80 Personen nach der Polizeiwache gebracht. Nach Feststellung der Wohnung der Sistierten erfolgte Entlassung; während diejenigen, die ohne Wohnung waren, dem Amtsgericht zugeführt wurden. Diese polizeilichen Razzien scheinen geeignet, den Aufenthalt in den Parks erheblich zu beeinträchtigen und auch anständiges Publikum, das am späten Abend in den Parks promeniert, in die größten Ungelegen- heilen zu bringen.___■ Eigenmächtige Verfügung über eine Leiche. Dem Virchow-Krankenhaus machte der Vater eines dort verstorbenen Kindes den Vorwurf, da� dne Beerdigung des Kindes angeordnet worden sei, ohne daß er lelber vorher Kenntnis von dem Tode erhalten hatte. Das Kind war kurz nach der Geburt zusammen mit der schwer erkrankten Mutter dem Birchow-Kranken- Haus zugeführt worden. Es schien sich einige Tage hindurch leidlich wohl zu befinden, so daß der Vater, der zunächst täglich im Kranken- Haus vorsprach, nichts Schlimmes befürchtete.?lls er dann zwei Tage ausblieb und am dritten Tage wieder»ach dem Krankenhaus kam, wurde ihnr ditc gänzlich unerwartete Mitteilung gemacht, daß das Kind inzwischen ge starben und auch schon beerdigt sei. Die Oberschwester, bei der er sich darüber beklagte, daß er keine Nachricht erhalten habe, antwortete ihm, er sei ja am letzten Besuchstag nicht da gewesen. Soll das ettoa eine hinreichende Er- klärung und Entschuldigung dafür sein, daß man den Vater ohne Nachricht über den Tod des Kindes gelassen hat? Der Vater hatte bei der Aufnahme des Kindes und der Mutter vorsorglich im Krankcnhausburcau die Telephonnummer des Betriebes angegeben, in dem er beschäftigt ist und jederzeit erreicht werden kann. Daß er nicht auf die Dauer jeden Tag seine Arbeit im Stich lassen durfte, hätte man sich auch im Krankenhaus sagen können. Von dem Tode des Kindes erfuhr zunächst nur die Mutter, aber unter so sonderbaren Umständen, daß man das un- möglich als eine ausreichende Benachrichtigung der Familie ansehen kann. Die Mutter war schwer krank eingeliefert worden und hat noch jetzt keine klare Vorstellung von den Vorgängen, die sie im Krankenhaus erlebt hat. Sie erzählt, es sei ein Beamter an ihr Bett getreten und habe sie gefragt, ob sie einwillige, daß ihr Kind „wissenschaftlich beerdigt" werde. Es scheint, daß er ihr gesagt hat, er wolle ihre Einwilligung dazu, daß die Leiche vor der Be- crdigung zu wissenschaftlichen Zwecken benutzt werde. Die Frau hat, ohne über die Bedeutung der Sache im Klaren zu sein, eingewilligt— und das scheint dann als hinreichende Zustimmung der Familie angesehen worden zu sein. Der Vater des Kindes ist der Meinung, daß dieses Verfahren einer eigenmäch- tigen Verfügung über-chie Leiche seines Kindes gleichkommt. In- zwischen hat er die noch immer sehr leidende Wöchnerin aus dem Krankenhaus wieder nach Hause genommen, aber wo und wie sein Kind beerdigt worden ist, weiß er bis jetzt noch nicht. Er will durch Beschwerde eine amtliche Erklärung darüber herbeiführen, warum nicht er von dem Tode benachrichtigt worden ist und was mit der Leiche vor ihrer Beerdigung geschehen ist. Ueber die Charlottenburger Oberbürgermeisterwahl gehen durch einen Teil der bürgerlichen Presse falsche Nachrichten, die anscheinend in einer ganz bestimmten Absicht lanciert werden. Obwohl der Ausschuß zur Vorbereitung der Wahl Amtsverschwiegen- heit proklamiert hat, ist die Presie sehr gut von allen Borgängen unterrichtet. An sich halten wir den Beschluß, über die VerHand- lungen des Ausschusses nichts in die Oeffenllichkeit gelangen zu lassen, für durchaus verfehlt. Aber wenn ein solcher Beschluß einmal gefaßt ist, dann hat jedes Mitglied des Ausschusses die Pflicht, sich danach zu richten. Statt dessen nehmen sich anscheinend einige Mit- glieder das Recht heraus, unter Bruch der Amlsverschiviegenheit für ihre Kandidaten in der Oeffentlichkcit Propaganda zu machen. So wird jetzt wieder ein Beschlutz, den vermutlich die liberale Fraktion des Stadtparlaments gefaßt hat, als ein Beschluß des Ausschusses hingestellt, es wird verbreitet, daß der Ausschuß be- schlössen habe, sich an den Oberbürgermeister einer mitteldeutschen Stadt zu wenden, und zwar soll dieser Beschluß einstimmig gefaßt sein. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist auch diese Nachricht irreführend. Der Ausschutz war zwar zum letzten Mittwoch zu einer Sitzung eingeladen, aber auf Wunsch der Vertreter der liberalen Fraktion ist die Sitzung in letzter Stunde abgesagt worden. Ob die Liberalen beschlossen haben, bei dem betreffenden Ober- bürgermeister anzufragen, entzieht sich unserer Kenntnis. Der AuS- schütz jedenfalls hat einen solchen Beschluß nicht gefaßt. Ist 8 9 der Wilmersdorfer Nmsatzsteuerorhnung gültig? Ueber diese Frage hatte das Ober-Verwaltungsgericht in einem Rechts- streit des Maurermeisters Unterspann wider den Magistrat von Wilmersdorf bei Berlin zu entscheiden. U. hatte in der Zwangs- Versteigerung in Wilmersdorf ein Grundstück erworben, auf dem bereits ein Rohbau errichtet war. Der Rohbauabnahmeschein Ivar aber noch nicht erteilt. Mit Rücksicht darauf wurde U. im Hin- blick auf die f;§ 8 und 9 der Umsatzstcuerordnung mit 2 Prozent zur Umsatzsteuer herangezogen. Der§ 8 sieht für unbebaute Grund- stücke eine Umsatzsteuer von 2 Prozent, für bebaute von nur 1 Proz. vor.§ 9 enthält dann u. a. die Bestimmung, daß als„bebautes" ein Grundstück nur dann gelte, wenn darauf zur dauernden Be- nutzung bestimmte Gebäude wenigstens soweit hergestellt sind, daß di« Baupolizei den Rohbauabnahmeschein erteilt hat. U. klagte und wollte nur e i n Prozent Umsatzsteuer zahlen. Der§ 9 sei nicht gültig. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab und das Oberver- waltungsgericht bestätigte am 2. Mai das Urteil. In der Begründung wurde ausgeführt: Der§ 9 habe die Bedeutung, daß er ausspreche/ daß unter gewissen, in ihm umschriebenen Voraus- setzungen ein Grundstück als u n b e b a u t e s zu gelten habe, obwohl, tatsächlich sich Baulichkeiten auf dem Grundstück befinden. Das Gericht nehme an, daß die Gemeinden durchaus befugt seien, in ihren Steuerordnungen solche Bestimmungen zu treffen. Der Z 9 sei somit gültig. Er sei vorliegend auch richtig angewendet worden. Vom Zuge überfahren und getötet. In der?kähe des Bahnhofs Baumschulenweg wurde am Himmel» fahrtstage, abends Uhr, die 48 Fahre alte Ehefrau des Arbeiters Gustav Wendler aus Obcr-Schöneweide schwer verletzt aufgefunden. Anscheinend hatte Frau Wendler mit ihrem vierjährigen Kinde den Bahnhof Baumschulenwcg in der Richtung nach Nieder-Schöneweide verlassen und ist irrtimilich auf den Bahnkistper gelangt, wo sie auf der Kanalbrücke von einem Zuge überfahren wurde. Man fand die Frau besinnungslos vor. das rechte Bein war abgefahren, das linke erheblich verletzt. Das Kind dagegen war unverletzt geblieben und konnte dem Vater zugeführt werden. Frau W. ist inzwischen im Krankenhause»Am Urban" ihren schweren Verletzungen erlegen. Gesellschaft Urania. Die Insel S y l t ist von allen zu Deutsch- land gehörigen Nordseeinseln fraglos die bedeutendste und inter- essanteste. Eine mehrwöchige Badekur in Westerland zu absolvieren, dürfte allerdings für proletarische Volkskinder ein frommer Wunsch bleiben; denn dort kann sich nur vergnüglich erholen und aus- leben, wer Geld hat. Nichtsdestoweniger wird die Wißbegierde be- friedigt durch einen Vortrag über diese„Königin" der Nordsee- inseln. Wundervolle Bilder von ihren Dünen, Kliffs und Kampen, von ihren Hünengräbern, Ringwällen, Dörfern und Strandorten gleiten am Auge vorüber. Wir hören von ihrer Vergangenheit innerhalb der letzten neun Jahrhunderte. Wir sehen die friesische Be- Wohnerschaft im ewigen Kampfe mit dem Meere, begleiten sie in ihre Behausung, die soviel des Reizvollen enthält. Und wen ent- zücken nicht die Dünen, die manchmal die Formationen eines Gebirgs- zugeS zeigen, oder das Wattenmeer, wo einst menschliche Siedlungen standen, von denen nur noch schwache Ueberbleibsel im Grunde zu finden.»Nichts ist beständig, nur die Naturkraft waltet ewig an diesen Stranden! In die Lieblichkeit der Landschaft webt das Meer in Sturm und Stille, in Tageshelle und Nachtdunkel seine gewal- tigen Schönheitssymphonien. Die Bilder vom Badeleben in Wester- land sind, so verlockend sie anmuten, doch nur angetan, um schmerz- volle Empfindungen fti der Seele aller Mühseligen und Beladenen wachzurufen. Auch dorthin hat der moderne Kapitalismus und die Profitgier die Netze gezogen. Und wem das„Bar" in der Tasche fehlt, der mag froh fein, wenn er Sylt im Film zu sehen kriegt und 1 dazu einem, in diesem Falle sehr fesselnden Vortrage über die Wunder jenes Jnsellandes lauschen darf. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermaÄe, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von 5K— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 Uhr und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 617 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Arbeiter-Bildungsschule. Der nächste Vortrag des Genossen Julian Borchardt findet diesen Montag, 5. Mai statt. Es wird dann mit den Schülern vereinbart werden, wann der aus- gefallene Vorträg nachgeholt werden soll. Bon einem durchgehenden Schlächtcrfuhrwcrk umgerissen und überfahre» wurde gestern abend am Weidenweg eine etwa 30 Jahre alte Frau. Sie erlitt einen Beinbruch und mußte nach der Unfall- station in der Warschauer Straße gebracht werden, wo sie einen Notverband erhielt. Seinen Verletzungen erlegen �ist gestern nachmittag in der Charite der Rohrleger Brung Siewert, der, wie schon be- richtet wurde, am vergangenen Mittwoch in der Stolpischen Str. 40 seine Ehefrau aus Eifersucht erstach und sich dann selbst einen Dolch in die Brust stieß. Während die Frau gleich ihren Verletzungen erlag, blieb Siewert noch bis gestern in der Charite, wo er als Polizeigefangencr lag, am Leben. Auch seine Leiche wurde jetzt nach dem Schauhause gebracht. Zeugen gesucht. Personen, welche am 6. März, abends ö'A Uhr, gesehen haben, wie ein Radfahrer an der Kreuzung der Chaussee- und Jnvalidenstraße vom Omnibus 244 umgerissen und überfahren wurde, werden höflichst gebeten, ihre Adresse an Gustav Jaek, Weißensee-Berlin, Charlottenburger Straße 40, III abzugeben. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, daß ein Mann am Mittwoch, den 9. April, nachmittags 3$* Uhr, von einem Auto überfahren ist, als er in Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße Ecke Kantsrrahe mit einer größeren Rolle Linoleum in einen Wagen der Straßenbahn sRichiung Halensce) einsteigen wollte, werden höflichst gebeten- sich recht bald persönlich oder schriftlich bei Fckiu Mulack, Charlottenburg, Pestalozzistr. 81, Stfl. 1 Tr., zu melden. Gefunden wurden bei der Maifeier des 4. Kreises in der Brauerei Friedrichshain zwei Pckttemonnais und bei Ludwigs eine Handtasche. Abzuholen vom Bureau des Wahlvereins, Stralauer Platz 1/2. Verloren wurde bei der Maifeier in Neukölln in der Vereins« brauerei eine goldene Damenuhr, abzugeben in der Spedition Neckarstr. 2. In der Maiversammlung in der Neuen Welt ist ein Damcnschirm stehen geblieben, abzugeben bei Herrmann, Hermann- straße S4._ Ouittnng. Für den Berein Arbeiter-Jugendheim gingen bei dem Unter- zeichneten ein: Kranzüderichuß von den organisierten Arbeitern deS Böhmischen Brauhauses 40,10. Kranzüberschuh von den Arbeitern der Haupiwerlstatt der Gr. Bcrl. Straßenbahn 4,65. Kranzüberschuß vom Bezirk 723. 6. Kreis 3,45. Kranzüberschuß von den Kollegen der Firma K. Flohr 65,05. Statt Märzkranz von den Kollegen der Vullanwcrke 27,70. Von der Tischlerei Siebert u. Lehmann t0,—. Von den Arbeitern der Brauerei Pfefferbcrg 5,15. Aus der Groschenkassc von den Kollegen der Firma Härtung A.-G., Lichtenberg 12.30. Märzkranziiberichuß von den Kollegen der A. E.- G., Turbinensabrik 230,—. Aus der Sechserkasse des 92. Bezirks, 2. Wahlkreis 10,—. Von der 2. Abteilung der Ortsgruppe Berlin des Arbciter-Radfabrerbundes„Solidarität" 9,95, Märzkranz- Überschutz von den Arbeitern und Arbeiterinnen der Teiephonsabrik E, ZwieMsch u. Co.. Charlottenburg, Salzufer 83,40. Von den Kollegen der Firma Froitzheim u. Rudert, Wcitzeusce 6,95, Märztranzüberschutz von den Kollegen der Firma Typograph 15,80. Durch Grouerl B. II 75,—. Ueberschutz einer Kranzspende von den Arbeitern der Firma Ernst Jacob, Marianncnpl«tz 21 36,—. Von den Arbeitern der Firma Gebr. Mechnig 21,10. Von den Arbeitskollegen der Firma Schwartzkovff. Neinickendors 20—. 6. Kreis von Heinrich durch Fröhlich 10,—. Von den Schneidern und Schneiderinnen der Finna Bacr Sohn 30.—. Von den Arbeitern der Deutschen Maschinenvcrtricbsgeselllchast, Chausseeftr. 128/129 31,05. Von den Arbeitern der Firma Arnhcim, Geldschrankfabrit 9,25. Von den Arbeitern der Firma Karl Ade, Bierkasse 15,—. 2. Kreis, Bezirk 64 durch Schwendcriind 5,—. Von einem Freund der Jugendheime 10,—. Von den Fleischergesellen der Firma Aschinger 5,70. Von de» Gesellen der Tischlerei Schacht 4,75. K. R o s e n s e I d, An der Spandau« Brücke la. Vorort- IN ach hebten» Landtagswäblcrverrammlungen. In Zehlendorf sWannseebahn) referierten in einer Wählerver- sammlung die Kandidaten des Kreises, Gen. H o f e r und G r o g e r, über die Bedeutung der bevorstehenden Landtagswahl. In der Diskussion, die nach dem beifällig aufgenommenen Referat statt- fand, unterzog Gen. G ö h r e die schikanöse Wahlbezirkseinteilung des Orts einer berechtigten Kritik. Der Redner forderte die ar- beitende Bevölkerung auf, Jsie Antwort hierauf zu geben, indem sie am Tage der Wahl ihre Stimmen auf die Sozialdemokratie vor- einigen. In Eichwalde behandelte unter großem Beifall Genosse Dr. Are tisch etd das Thema: Die preußischen Landtagswahlcn im Jubiläumsjahr 1913. Unter Verschiedenem brachte Genosse Molkenthin allerlei erbauliche Dinge aus der Gemeindevertreter- sitzung zur Sprache, die einesteils erneut den reaktionären Cha- rakter der bürgerlichen Herren offenbaren, zum anderen aber mich beweisen, daß manche der Herren bei aller Frömmigkeit mit recht unchristlichcn Mitteln gegen einander operieren. In der Diskussion wurde diese Kennzeichnung noch durch einige scharfe Striche ergänzt. In Zossen behandelten gleichfalls die beiden Kandidaten de? Kreises, die Gen. H o f e r und G r o g e r, die preußischen Verhält- nisse. Letzterer konnte noch darauf hinweisen, wie Reichsgcsetze durch preußische Verwaltungsbeamte»n ganz reaktionärer Weise ausgelegt würden. So habe der Amtsvorftcher von Motzen, Herr Dr. Wirth in Zossen, das �ieichsvcreinsgcsetz mißbraucht; durch alle Instanzen erst babe er eines Besseren belehrt werden müssen. Zernsdorf(Kr. Teltows. Zum ersten Male fand in Tannen- reich eine von zirka 400 Männern und Frauen besuchte Bolksver- sammlung statt, in der Gen. Lieske, Berlin, in einem trefflichen Referate die Sünden des Landtags darlegte. Der Gesangverein „Freie Sänger", Zernsdorf, begeisterte die Versammlungsbesucher durch einige Liedervorträge. >*.' Maifeicrversammlungcn fanden, wie uns nachrräglich noch be- richtet wird, statt in Hohenneuendorf, wo Gen. Hegewaldt- Berlin referierte und in Alt-Landsberg, wo Gen. Planke das Referat hielt. Die Genossen von Neuenhagen hatten die Per- sammlung in Alt-Landsberg noch durch mehrere Liedervorträge versck>önt. In Oranienburg fand ein Demonstrationszug mit Musik durch die Hauptstraßen bis zum Versammltmgsplatz statt, an dem sich 600 Personen beteiiigteii. Das Referat hielt Gen. Schenk. Die weiteren Feierlichkeiten mußten diesmal in zwei Lokalen abge- halten werden, da das bisher zur Feier benutzte Lokal die Massen nicht ausnehmen konnte._ Tempelhof. Aus der Gemeindevertretung. In den Kommunalsteueraus- schütz, welche Kommission bisher rein bürgerlich besetzt war. wurde vom Vorsteher Genosse Schmidt vorgeschlagen und gewählt. Der Vorstand scheint nunmehr mit der veralteten Ansicht, Sozialdemo- kraten von den Kommissionen fernzuhalten, gebrochen zu haben.— Tie Mittel zlir Unterhaltung der Freiwilligen Feuertvehr sind auch im Jahre 1912 sehr knapp bemessen gewesen; sie haben nicht aus- gereicht, so daß«ein Defizit von 1700 M. entstanden ist. Mit dieser Nachbcwilligung verknüpfte die Vertretung ein« Neusorderung von 1300 M. anläßlich des in diesem Monat stattfindenden ZOjährigen Stiftungsfestes. E-» wird beabsichtigt, denjenigen Mannschaften, die bisher keinen Rock besaßen, einen solchen zu gewähren. 300 Mark sollen zur Verschönerung des Stiftungsfestes bei- tragen. Die gesamte Summe wurde einstimmig bewilligt. Ver» schiedene Wünsche brachte bei dieser Angelegenheit noch Genosse Schmidt vor. Er regte an, daß der Ucbungsturm, der vor dreißig Jahren gebaut worden sei, den heutigen Anforderungen nicht mehr genüge, da er obendrein nur zwei Etagen besitze. Ebenso sei baS Fcuerwehrdepot sehr dringlich. Der vor dem Schuppen befindliche Uebungsplatz habe sich als unpraktisch erwiesen, da er mit Stcineil gepflastert sei, auf denen die Mannschaften üben sollen, Vorsteher Wiesener erwiderte, daß die Ausbildung und EntWickelung der freiwilligen Feuerwehr mit dem Wachsen der Gemeinde gleichen Schritt gehalten habe. Tic Feuerwache erfreue sich fortlaufend der Fürsorge und Aufmerksamkeit des Vorstandes. Bezüglich der! Nachtwache ständen Neuerungen in Aussicht und Vorarbeiten zum Depot seien ebenfalls vorhanden. Mariendorf könne hier nickst ausschlaggebend sein, da die Gemeinde sich ja auch nicht um die dortigen Steuerverhältnisse kümmere. Der Jahresbericht für 1911 schließt mit einem Ueberschutz vost 122 765,80 M. ab. Eine Mchreinnahme brachte u. a. die Amts- Verwaltung mit 13 419 M. durch Baugebühren und Polizeistrafcn. Die indirekten Steuern brachten 118 124 M. und die direkteit steuern 47 233 M. mehr ein. Mehrausgaben waren erforderlich bei der Kreissteuer 1700 M., bei den Gehältern 2200 M., bei de5 sächlichen Verwaltung 7500 M. und an Porto rund 1000 M. 40 000 Mark mehr erforderte das Kapitel„Insgemein", wovon allein 13 000 M. an zuviel erhobenen Steuern zurückgezahlt werden mußten.— Bezüglich der jüngst beanstandeten Wahl wurde mit- geteilt, daß sich wesentliches bisher noch nicht ergeben habe; auch sei man nicht soweit gekommen, diese Angelegenheit bereits zur Beschlußfassung vorzulegen. Jedenfalls dürfte dies in der nächsten Sitzung geschehen. Wilmcrsdorf-Halensee. Aufhebung der Mannheimer Straße. Der seltene Fall, daß eine bekannte Straße zum wesentlichen Teil dauernd verschwindet, � tritt demnächst in Wilmersdorf ein. Es handelt sich um die Mann- 1 heimer Straße, die von der Mecklenburgischen Straße an de.' ' Ringbahn bis zum Hobenzollcrndamm führt. Sie Jwrchschneidel das sogenannte Fenngeländc, das gegenwärtig zum Stadtpark her-- gerichtet wird. Nachdem jetzt im Zuge der Mannheimer Straße die Barstraße angelegt worden ist, die in der mit vielen Kosten hergestellten Untergrundbahn das Fenn durchquert, ist die Mannheimer Straße für den Verkehr entbehrlich geworden, wenigstens soweit das Gebiet des Parks in Betracht kommt. ES fehlt weiter an Boden, um die Aufschütwngsarbeiten der Fahr- straßen im westlichen Teil des Seeparks fertigzustellen. Die A» betten stocken, können aber fortgeführt werden, wenn der Boden aus dem in Betracht kommenden Teile der Mannheimer Straße entnommen werden kann. Zur Aufhebung des Stratzenteils bedarf es noch eines besonderen wegepolizeilichen Verfahrens; um die Angelegenheit aber im Hinblick auf den Ausbau des Parks möglichst zu beschleunigen, hat die Stadberordnctcn-Versammlung in ihre! letzten Sitzung einem Antrage des Magistrats gemäß die Auf- Hebung der Mannheimer Straße für das Sceparkgclände beschlossen- Die Straße war übrigens immer ein Schmerzenskind der Stadt. Es sind unzählige Fuhren Erde verwandt worden, um sie in Stand zu halten, doch versanken die Massen in dem tiefen Sumpf, dessen Unannehmlichkeiten jetzt durch Errichtung von Anlagen dauernd beseitigt werden sollen. Lichtenberg. Das Uebungslokal des Gesangvereins„Lichtenbcrger Männer- chor" befindet sich jetzt Türrschmidtstr. 48, Robert Kerns Festsäle. UcbungSstundcn: Donnerstags 9 bis 11 Uhr abends. Mariendorf. In der letzten Gemeinbevertretersitzung wurde zunächst an Stelle des früheren Gemeindevorstehers Westphahl die Wahl zum Kreistagsabgeordnetcn erledigt. Im ersten Wahlgang erhielt der Gemeindevorsteher Dr. PriiHß 7 Stimmen, Genosse Reichardt 4 und Direktor Pohmer 3 Stimmen. In der Stichwahl zwisckicn Dr. Prühß und Genossen Reichardt wurde der Gemeindevorsteher mit 7 gegen 4 Stimmen gewählt; die Freunde des Herrn Pohmer hatten drei unbeschriebene Zettel abgegeben. Das Mandat läuft bis zum 31. 12 1913.— Bei der Position Nachbewilligung von Mitteln zum Schuletat für 1912 bemängelt Genosse Zleichardt, daß bei Vergebung von Gemeindearbeiten fast immer die billigsten Offerten berücksichtigt werden; dadurch werden die Arbeiten mangelhaft ausgeführt. Für das Lyzeum werden zur Anschaffung von Bildern, Tischen, Stühlen usw. 1100 M. aus den Ersparnissen des Baufonds bewilligt. Eine weitere Summe von 1600 M. soll zur erstmaligen Einrichtung der Kochküche verwandt werden.— Ein Antrag des Pfadfinderbundes auf Ueberlassung eines Grund- stücks in der Ringstraße 11—17 wurde vom Schöffen Freiherrn von Hünefeld warm befürwortet. Genosse Weber bekämpfte den- selben; er verliest einige Gutachten und Urteile über dt« Pfad- finder, Wandervögel und Jungdeutschlandbündler. Unter allen Umständen verlangte Redner die volle Gleichberechtigung auch gegenüber der Arbeiterjugend. Genosse Reichardt unterstrich die Ausführungen Webers; solange noch mit zweierlei Matz gemessen wird, bestehe keine Veranlassung, etwas zu diesem Zweck zu be- willigen. Der Demonstrationszug am 1. Mai habe bewiesen, daß die Arbeiterschaft nicht als gleichberechtigt anerkannt werde; während der Kriegerverein, Schützenverein und sonstige Klimbim- vereine die Chaussccstraße benutzen dürfen, habe man den De» monstranten dieselbe versperrt. Mit 7 gegen 6 Stimmen wurde beschlossen, den Platz auf ein Jahr den Pfadfindern unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.— Als amtliches Publikationsorgan wurde das„Tcltower Kreisblatt" gegen eine Entschädigung von 163 Mk. bestimmt. Ein dazu vorliegender Antrag des Redakteurs Wegener. die„Mariendorfer Zeitung" als amtliches Organ be» zeichnen zu dürfen, wird, trotzdem derselbe sich verpflichtet, die Bekanntmachungen unentgeltlich aufzunehmen, beinahe einstimmig abgelehnt.— Ein Antrag der patriotischen Vereine will aus An- laß des Regierungsjubiläums auf dem Platze vor dem Rathause einen Denkstein errichten. Genosse Reichardt wendet sich dagegen. — Im Prinzip wurde gegen die Stimmen unserer Genossen be- schloffen, der Aufstellung des Gedenksteines zuzustimmen; daS Komitee soll aber einen anderen Platz in Vorschlag bringen, da derselbe am Rathause nicht dazu geeignet erscheint— Auf Vor» schlag der Stratzenbaukommisston sollen die Straßen 3 und lo mit Asphalt belegt werden. Genosse Reichardt befürwortet die Straße 3 am Gymnasium zu asphaltieren, hingegen die Straße 13. als Zufahrtsstraße am Feuerwehrgebäude, mit Reihenpflastcr zu versehen. Nach einer langen Debatte hierüber wurde dem Vor- schlage des Genossen Reichardt zugestimmt. Eichwalde. Recht nette Zustände scheinen in der hiesigen Gemeinde» Verwaltung zu herrschen. Am Beginn der letzten Gemeindevcrtreler» sitzung verlas der Schöffe Benecke ein Schreiben des Gemeinde» Vorstehers, worin derselbe mitteilt, daß er wegen Nervenleidens der Sitzung nicht beiwohnen könne. Das war für den Schotten Thom Anlaß genug zu beantragen, der Gemeindevorsteher Nahrig möge sich auf seinen Geiundheitszustand untersuchen lasi-n. ob er noch fähig te>. d,e Geschäfte der Gemeinde zu führen. Von dem Er» geb.'is sei eventuell dem Landrat zu berichten. Der«»tra« ivurde a>u,enommen. Es wird bebauplet daß gegen den Gemeindevortteher ciii Kesseltreiben inszeniert sei. weil derselbe anscheinend nicht mehr so mitmacht, wie einige Herren wolle». Eine nicht geringe Rolle soll hierbei auch Herr Nanninger ivielen, gegen den et««erfahre« wegen Holzdieb, tahl anbängig geuiachl worden ist..Der �c.sleher bat m dieser Angelegenheit bercils einige Strab�rbett« zu Pro. lokoll vernommen. Ueber Herrn Nanninger. der Mitglied der Wege. baukommission ist. sind die merkwürdigst�"®"»chte«n Umlauf. die ihre Aufklärung im schwebenden Beriabren finden durtten. Gegen die Gemechdev«tre.erwahl war von dre. Seiten Protest erhoben worden. Herr Baabe hatte gegen die erste, Herr Panitz gegen die erste und die zweite und Genosse Molkenthin gegen die Wahlen aller drei Ableitungen Protest er- hoben. Trotzdem der Vorsitzende das Erkenntnis des Ober- Verwaltungsgerichts, ans welches sich der Protest unseres Genossen und zum Teil auch der des Herrn Panitz stützte, verlas, wurden die Wahlen für gültig erklärt. Am heftigsten setzte sich Herr Naminger für die Gültigkeitserklärung ein. Der Herr meinte u. a.: daß es nichts schade, wenn am Wahlvorstandslisch andere Personen außer dem Vorstand gesessen hätten. Dabei machte Herr N. seinem gepreßte» Herzen Lust, indem er bemerkte, daß die Gesinnunasgenossen des Herrn Molkenthin viel schlimmer verführen. Er stellte sogar die beweislose Behauptung auf, daß in Berlin kurz vor Schluß des Wahlaktes Sozialdcmokraren sich absichtlich so dickt an den Tisch des Wahlvorstandes beranstellen, daß es den spät kommenden Wählern nickt mehr möglich sei, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Auch daß der beim Anfang des Wahlaktes gewählte Wahlvorstand in allen� drei Abteilungen feines Amtes waltete, ohne neu gewählt oder bestätigt zu werden, ist nach Herrn N. unerheblich, trotzdem gerade hierüber eine rechtskrästige Entscheidung des Oberverwaltungs- gerichts vorlag. Der Prorest geht nun weiter, wodurch der Gemeinde Kosten entstehen, die vermieden werden konnten.— Bei Erstattung des Berichts � der Kasscnrevision richtet Herr Nanninger wiederum scharfe Angriffe gegen den Gemeindevorsieher, weil namentlich zum Quartal Mangel an Barmitteln vorhanden sei. Wir müssen es uns schon aus Raumrücksichten versagen, auf den ganzen Kleinkram ein- zugehen, der bei diesem Herrn eine Rolle zu spielen scheint. Der ganze Verlauf der Debatte zeigte nur, daß unter den kleinlich gc- hässigen Anwürfen.verschiedener Personen das Gemeindewohl erheb- ' lich leidet. Die Entlastung des Rendanten wurde angenommen mit kem Zusatz(auf Antrag Nanninger): die Entlastung erstreckt sich nickt ayf den Gememeindevorsteher— der Schöffe, Herr Tbom, erklärte, daß ehe ein Pfennig neu bewilligt wird, die sfinanzen geprüft werden müssen. sfur die eventuellen Mehrkosten der verspäteten Zurückzahlung einer Hypothek soll auch der Gemeindevorsteher haftbar gemacht werden.— Tie Vertretung beschloß, von der evangelischen Kirchengemeinde eine Hypothek von 6000 M. zu Ubernehmen, so daß, wie GetSosse Allritz bemerkte, die politische Gemeinde der Kirchengemeinde dann ins- gesamt 46 000 M. verzinsen muß, ohne die lausenden jährlickcn Bei- Hilfen. Auch wurde bekannt gegeben, daß der Vertreter von Schmidt u. Seegersche Erben die Zahlung der Beihilfe für die höhere Schule im Betrage von 3000 M. für dieses Jahr vor- läufig verweigert. � Als Grund wurde angegeben, daß sich die Schmidt u.�Seegerscken Erben zu bock eingcsckätzr fühlen. Früher bezahlten sie für ihren im Orte belegenen Grundbesitz 8000 M. Grundwcrtsteuer, während sie jetzt 13000 M. zahlen sollen. Die Realsteuern sind für das Steuerjahr 1913 auf S63 Proz. festgesetzt worden. Für Lehrmittel der höheren Sckule wurden 1000 M., für die Volksschule 250 M. bewilligt. Der öffentlichen Bibliothek wurden 250 M. überwiesen. Trevtow-Baumschulenweg. Bei der Maifeier in Baumschulenweg ist ein Korallenarniband verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, dasselbe bei Sauer in Baumschulcnweg. Baumschulenstr. 78, abzugeben. Spanvau. Ein liberaler Turchfallskandidat für die Landtagswahl hat sich nun doch noch in der Person des Staatsarbeiters Helmut Hofer gefunden, der am Freitagabend von den vereinigten Liberalen auf- gestellt wurde. Daß die Liberalen in H. den richtigen Mann ge- funden haben, beweist sein von ihm entwickeltes Programm, wonach er sich auf streng nationalen Boden stellte. In bezug auf Heer, Flotte und Kolonialpolitik habe er die gleichen Anschauungen, wie die nationalliberale Partei. In allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen stehe er auf der Grundlage des Programms der Fortschritt- lichen Volkspartei. Im Falle seiner Wahl wolle er für Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ein- treten, halte aber im Interesse der Staatsarbeiter die Einführung des geheimen und direkten Wahlrechts als Mindestforderung. Selbstmord auf Posten verübte Freitag morgen um 2 Uhr der Garde-Grenadier Hasenkrug bei dem Patronenschnppcn auf dem ehemaligen Festungsgelände an der Streitstraße, indem er sich mit seinem Tienstgewehr erschoß Kurz zuvor soll er zwei Wächtern weinend erzählt haben, daß er das Leben beim Militär nicht länger ertragen könne. Auch hätte er noch eine Arreststrafe zu erwarten. Trotzdem die Wächter dem Soldaten Trost zusprachen, erschoß er sich kurz darauf. Die Wächter, welche durch die beiden abgegebenen Schüsse herbeieilten, erzählten dem wachhabenden Offizier die Aeutzerung des Soldaten, so daß wohl eine strenge Untersuchung zu erwarten ist._ Arbeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben In dieser Woche: Berlin, 1.?lbt. Am Montag Riittei slraße �ö, abends S'/j Uhr. Lichtenberg. Am Donnerstag bei Pickenhagen, Scharnwcbcr- flraße 60, abends 81/, Uhr. Neukölln. Am Freitag Weichselstr. 8, abends S'/j Uhr. S P a n d a n. Am Mittwoch bei Peczilcs, Pichelsdorier Straße 5, abends 8 Uhr. Mariendors. Am Montag bei Löwenhagen, Chausseestr. 27, abends 8 Uhr. N o w a w e S. Am Dienstag in der Fortbildungsschule, abends 8 Uhr. Schöneweide. Ilm Montag bei Schulz, SiemenSstr. 12, abends 8-/, Uhr. Friedrichshagen. Am Donnerstag, Friedrichstraße 60, 2. Hos, abends 8 Uhr._ Jngeudveranftaltunge«. Lichtenberg. Psingstparticn: I. Am Sonnabend, den 10. Mai, abends 7 Uhr Abfahrt vom Bal?nbos Franks. Allee nach Joachimsthal. Fahrgeld 1.40 M. 1. Feiertag: Wcrbellinsec— Jagdschloß Hubertusstock— Askanierburg— Eichhorsl— Prcndcn 2. Feiertag: Üetzdors— Licpnitzsec— Wandlitzsce— Ramcr- see— Briese— Birlenwerder, von dort Rücksahrt. tSesamtlosten sür 2 Tage 5 M. II. Am Sonntag, den II. Mai, srüh 5,44 Uhr. Absahrt vom Bahnhof Lichtenbcrg-Fricdrichssclde nach Tiefensee, von dort nach Gamcnsec— Gamengrnnd— Blumenthal— Lattsee— Jhlandsee— Strausberg— Annathal. Rücksahrt vom Badnbos Strausberg II. Fahrgeld 1,25 M. Genügend Proviant, Trinkgesäß, Schlafdecke und gesunden Humor mitbringen. Ncinickendorf-Lst. An den Psingstscicrtagen findet sür die Ingen'' Rcinickcndorss eing zweitägige Wanderfahrt nach den Naucnschcn Bergen statt. Fahrgeld und Uebe nackten zirka 4 M. Jugendliche, welche daran teilnehmen wollen, können sich bei Ferchland. Provinzstraße, melden. Am Mittwoch, den 7. Mai, 3 Uhr, jindet daselbst eine Teilnehmerzusammcn- kunst statt._ Marktpreise von Berlin am 2. Mai 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,32 bis 21,00, mittel 20,76—20,84, geringe 20,60—20,68. Roggen, gute Sorie 16,40, mittel 00,00—00,00, geringe On.OO— 00,00(ab Bahn). Futtcr- gerstc, gute Sorte 16,20— 16,70, mittel 15,60— 16,10, geringe 15,00—15,50, Haser, gute Sorte 13.00—13,80. mittel 16,30—17,90(jrei Wagen und ab Bahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,20— 15,40. Mais(runder), gute Sorte 15,60-15,80. Richtstroh 4,50. Heu 6,00—7,60. A! a r k t h a I l e n v r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Svcisebobnen, weige 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleiich 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 2.80— 4,80. I Kilogramm Karpien 1,40—2,40. Aale 1.80— 3,20. Zauber 1,40—3,60. Hechle 1,20—2,60. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,20, Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,60—45,00. Wetterprognose für Sonnrag, den 4. Mai 1913. Zunächst vielfach bciter, am Tage wieder etwas wärmer bei mäßigen südlichen Winden; nachher zunehmende Bewölkung und leichter Regen. Berliner Wetterbureau. W % v. Durch die Geburt von Zwilling s-Schweslerchen wurden hocherfreut 24a A. Wartenberg und Fran geb. Riebe, Berlin, Fiirslenbergcr Str. 13. i. ll. 4, 8erl. Reicl!s!2gswa!il!(Fe!s. Frankfurter Vieptcl.(Bczirl382 l.) Den Mitgliedern zur Nachrichl. daß unser Genosse, der Dachdecker �uxust 8ckiik Büschiugflr. 25 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mon- tag. den 5. Mai, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral» Friedhoses in FriedrichSselde aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Fraakturter Viertel. Bezirk 382 II Den Mitgliedern zur Nachricht. tpiß unser Genosse, der Arbeiter jPgu! Moldmann Barnimftr. 47 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Mai, nachmittags 5 Uhr, von derHalle des Parochial- Kirchdoscs, Boxhagcner Chaussee, Ecke Mainzer Slrage aus statt. Um regcBetcfligungwird ersucht. Etirlilzer Viertel. Bezirk 159 I. Den Mitgliedern zur Nachrichl, daß unser tKenosse, der Gastwirt Lrnst Weidner Manteuffelstr. 60 gestorben ist. Göre»einem Andenken! Die Beerdigung findet am D'enAag. den 6. Mai, nachmittags 4 /, Uhr. von der Leichenhalle des OnimauS-Kirchhoscs in Neukölln, Hcrmannstraßc, aus statt. GSrützur Viertel. Baz. 155. Nachruf, Den Milgiicdcni zur Nachricht daß unser Genosse, der Kellner Ercau Marianncnftr. 23, gestorben ist. Ehre seinem Audenke«: Die Beerdigung ,and am 3. Mai aus dem Thomas-Kirchhos fiatl. ,13/3 Der Vorstand. Hänaer-Cesanprein „UeilEFlaiEl ßEriin-WEsc Nachruf. Am Montag, den 20. April. verstarb unser langiahriges Mit- glied Willidm Freidank. Ehre seinem Andenken k Der Borstand. Tauksagun». Allen lieben Freiindcn Und Be- nntcn, insbesondere den Angestelllc» x Firma SchwidlinSky u. Oo., erlin 8, sage ich für die vielen Be. eise herzlicher Teilnahme bei der eerdigung meines lieben Mannes erdurch meinen besten Dank. Fran Witwe E. Send Niedcr-Schöncweide, Sedanstr. 14. SozialtakratisElierWalilvBrEiii Neukölln. Am 2. Mai verstarb unter eifriger Parteigenosse, der Arbeiter �illielm CtöHert (Herrsurthstraßc 33, 21. Bezirk). Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Mai. nach- mittags 2 Uhr. von der Leichenhalle des Gcmeinde-FricdhoscS, Maricndorfer Weg, aus statt. Um zahlreich c Betelligung ersucht 237/3 Ter Borstand. vEutokEi' Bauarbeiterferband. Zweigverein Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bauarbeiter Wilhelm Qöllert am 30. April im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Ehre ieincm Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Mai, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Reu- töllner Gemeinoe-Fnedboscs am Mariendorser Weg auS statt.' Recht rege Beteiligung erwartet 142/10 Ter Boritand. BEUlactiEi' TranspcrtarheilEr-l/EPbanii. Bezirksverwaltung GroB-Bertin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührer �uxust kittelmann am 1. d. M. im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Mai, nachmittags ü'l, Uhr, von der Leichenballe des Marlus-Kirchhojes in Wilhelms- berg aus statt. Feiner den Mttgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeilslutscher kar! Nitschke am 1. d. M. im Atter von 39 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andcnkcu! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Mai. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des neuen Johannis- Kirchhofes in Plötzensee aus statt. 64/14 0!« Bezirksverwailung. Am Freitag, den 2. Mai,»er- starb nach kurzem, schwerem Leiden unsere Kollegin Olxa Rodewald. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Montag, nackmittags 4 Uhr, von der Halle des Biesdorser Fried- hoses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Verkäuierinnen-tlusscliuB Ber Konsumgenossenschaft Berlin _ und Um---- J SozialdEfflokraliseherWaiilvEpeini Grünan. Nach langem, schwerem Leiden I verschied am Freitag, den 2. Mai, l unser braver Genosse, der Boots- j Hauer Franz Brandt | im Alter von 41 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am t I Montag, den 5. Mai, nachmittags! 5 Uhr, vom Traucrbause— I ! Grünau. Köpcnicker Str. 28— I | aus statt. 201/15 J Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. AnzUge, Paletots, Ulster, in allen Farben, hochmodern. Große Auswahl 7711- Anzahlung S M. Wochenrate f M. Kostüme. Röche, Kleider in allen Farben, tiiasen, engjlschc Paletots, engl. Jackctte, Ulster, Stanbmüntcl.— Entzückende — Neuheiten am Lager.— Anzahlung 3 Mark, wöchentlich i Mark Batnen-Moden Zentralvertiaiiilder DaehWerl Verwaltungsstelle Berlin. Llus Verzweiflung über seine traurige Lebenslage freiwillig aus dem Leben geschieden ist unser älieftes Perbandsmitglied, unser Kollege dtagustTvkidz Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Mal, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des j Zentral-Friedhoses in Friedrichs- jelde aus statt. 51/51 Zahlreiche Beteiligung erwartet I Ger Vorstand. Kaadeu- u. Mädchen=Garderobe für jedes Alfer 1. Beiser, Lothmgei' Str. 67 . Fertig: am Laser: GEMMgeso�dM | Cutaway B.lEste®®;|°;§3M. Ueinklelder ll'Jo5: 8m. Fertige pchwarzo K.eldung Knaben und Jünglinge für Allen Freunden und Bekannten 1 I die traurige Nachricht, daß untere 1 gute einzige inniggeliebte Tochter Olxs Rodewald 1 im 17. Lebensjahre plötzlich am I ! am 2. Mai an Magenleiden per- 1 j starben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Gie trauernden Eltern: Wilhelm Rodenald | nebst Fran geb. Machnus. Die Beerdigung findet am I I Montag, 5. Mai, nachm. 4 Uhr, I von der Leichenhalle in Biesdorf aus statt. 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Für die vielen Beweise herzlicher -teilnähme, sowie sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung mcmer lieben Frau, unserer guten �.achter und Schwester Marie Kohl sagen wir allen herzlichen Dank. Richard Kohl. Familie Jfihne. üesellschatts-�nrüxe | auch für Trauer haben wir| stets am Lager. I Gehrock- Anzfige...20-45M.| Rock-Anzüge.. �.18-36„ Frack-Smoking-AnzDge2S-60„ Beinkleider, schwarz 3- 8„ Paletots, schwarz..16-30. Verleihung schwarz Garderobe" Qarderobenhaus Gr. Frankfurter Sir. 116. Heines Werke - 3 Bündr 4 Ulart- Buchstandiunq VormstrfZ Von der Heise zurück. 83/5 Dr. Magnus Birsclifeld. J. Baer ßaiistrJ Ecke Prinz.-Allee Herren- und Knaben- Moden, Bsrufskleidung. 1 Eleg. Paletots. Grolles 1 Stofflager zur Anfertigung nach Mall. Aller- billigste streng feste Preise. Xeu crOITnet. 'W. Isiipiil Hut-Febrik, Skaiilzersir. 131 = GröBtss Spezial-Cesiiiaft= für Seiden- und Filzhüte. Lager In Schirmen und Rlitzcn. TSÖE Heute von 8— 10 und g— B Uhr geöffnet. 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Er zeigte, daß die Vertreter der Sozialdemokratie in der Kommission für die gänzliche Beseitigung der Konkurrenzklausel eingetreten sind und daß sie, nachdem diese Forderung an dem Widerstande aller bürgerlichen Parteien gc- scheitert war, den Entwurf nach Möglichkeit zugunsten der An- gestellten, zu gestalten versucht haben, wobei sie wiederum einen harten Kampf gegen die Vertreter der Unternehmer- und Kapitals- interessen zu bestehen hatten. An der Hand dieser Vorgänge zeigte der Redner, daß die Privatangestellten, wenn sie eine Verschlech- terung des Entwurfes in der zweiten Lesung verhindern wollen, unausgesetzt ihre Forderungen propagieren muffen. Die Haltung der bürgerlichen Parteien zur Konkurrenzklauscl wie überhaupt zu den berechtigten Forderungen der Angestellten müffc die Privat- angestellten veranlassen, ihre Stellung zu den bürgerlichen Par- teien zu revidieren. Sie müßten endlich erkennen, daß ihre In- teressen in loirtschaftlicher und politischer Hinsicht mit den Jnter- essen der Arbeiter zusammenfallen und sich deshalb der Sozialdemo- kratie anschließen. Der zweite Referent, Dr. B re i t s ch e i d, kam nach einer ein. gehenden Betrachtung der allgemeinen wirtschaftlichen und politi- scheu Verhältnisse zu demselben Schluß, wie der erste Referent. Die Privatangestellten seien zum großen Teil noch politisch indifferent, oder sie hielten in Verkcnnung ihrer eigensten Interessen zu den bürgerlichen Parteien. In dein großen Jntercssenkampf der Gegen- Ivart, der zwischen Kapital und Arbeit ausgefochten wird, gehören die Privatangestelltcn zur Arbeiterilasse und in Konsequenz dieser Tatsache müßten sie zur Sozialdemokratie halten, der einzigen Partei, die rücksichtslos die Interessen der Arbeit gegenüber dem Kapital wahrnimmt. � Die Ausführungen der Referenten fanden lebhaften Beifall und ungeteilte Zustimmung in der Diskussion, Ivo auch die Privat- angestellten darauf hingewiesen wurden, daß sie bei den Landtags- wählen ihre Interessen nicht besser vertreten können, als durch ihre Stimmenabgabe für die Sozialdemokratie. Eingegangene Druckfchnfteii. Heimarbeit, ihre Entstehung und Ausartung. Von Of. F. Gokd. schmidt. 1 M. E. Reinhardt, Biünckcn. Tas Frauenbuch. Band I: Frauenberufe und-AuSbildungSstätten. Herausgegeben von Eugenie v.«oben. Gebd. 4,50 M. Stuttgart, Franckhsche Verlagshandlung. Handbuch kür Naturaltensammler. Von Dr. E. Bade. 10 M., gebd. tll M. F. Psennigstorff, Berlin W. 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Eharlottenburg, «ckleslnaer, Herren« Konfektionshaus, Berlin NW, Turmstr. 58. 92 Kerantwortllcher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts tvuchdruckerei n. Verlagsanstalt P-aul Singer U. to� Berlin SM