Ur. 109. Abonnements-Bedingungen: tiSonnemcntä- Preis pränumerando: Werteljährl. 3,30 3Rf., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. ewzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustricricr Sonntag?- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Zldonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen ni die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 250 Mark, für daS übrige Ausland i Mark pro Monat. Postabonncnicnts nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Mlmänicn, Schweden und die Schweiz. CrldKlnt tZgllch. 30. Jahrg. Die TnFerticnS' Gebühr beträgt für die sechsgcspaltcnc Uolonel- "eile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versanimlungs-Anzeigen 80 Plg. „Ateine Hnztigtn", das settgedrurlte Wort 20 Pfg. l zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- siaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer»lüstcn bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöfsnef, Nevlinev VolkesblAtt. Telegramm- Adresse: „Sozialdtaitliriit Rcrllu'. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morittplatt, Nr. 1983. Die Shutaril König 31 i I i t q hat also doch dem Drucke der europäischen Mächte nachgegeben und die Entscheidung über Skutari bedingungslos den Mächten überlassen. Man darf erwarten, daß die Räumung der Festung unverzüglich erfolgen wird. Ter B 0 t s ch a f t c r k 0 n f e r e n z lag der Verzicht bereits vor. Sie hat ihre Befriedigung über die neue Tat- fache Ausdruck gegeben und sich dann auf Tonnerstag ver- tagt, um, wie es in dem kurzen Bericht über die Sitzung heißt, über die Zukunft der Stadt Maßnahmen zu beraten. Die Zukunft Skutaris ist aber unlöslich verknüpft mit der Zukunft Albaniens, und so darf man wohl an- nehmen, daß die Botschaftcrkonferenz auch die albanische Frage als eine gesamteuropäische ansieht, die ihrer Regelung untersteht und nicht dem Ermessen von Oesterreich und Italien allein. In der Fortdauer der Konferenz darf man zugleich ein Zeichen erblicken, daß auch in der albanischen Sache in den nächsten Tagen nichts Endgültiges geschehen, fondern die Beschlüsse der Botschafterkonferenz abgewartet werden. Tie Hoffnung, daß trotz aller Vorbereitungen der öfter- lreichisch-italienische Raubzug nach Albanien vermieden werden wird, ist allerdings nicht sehr groß. Aber sie braucht noch nicht aufgegeben zu werden. Dem Prestige der österreichischen Machthaber(bei vernünftigen Menschen ist es allerdings schon längst und für immer zum Teufel gegangen) ist durch die Räumung von Skutari nach allen Regeln der diplomati- fchen Etikette vollauf Genüge geschehen. Die österreichische Regierung kann also, wenn sie will, endlich in vernunftige Bahnen einlenken. Ter saubere Plan, Albanien aufzuteilen, findet im eigenen Lande starken und sich vermehrenden Wider- fpruch. Man empfindet es doch selbst in den bürgerlichen Kreisen als zu verrückt, daß Oesterreich mit den größten Opfern an Gut und Blut das barbarische Nordalbanien er- obern und dafür Italien Südalbanien und damit die Herr- schaft über die Adria ausliefern solle, mit der sicheren Aus- ficht, früher oder später darüber in einen schtvercn Konflikt mit dem jetzigen Bundesgenossen zu geraten. Tie Stimmung für das albanische Abenteuer ist daher in Oesterreich beträcht- lich gesunken. Umgekehrt wächst in Italien die Gier, die neue Beute, die sich so unverhofft darbietet, zu erringen. Und so hat wiederum einmal das Bild gewechselt. D i e G e f a h r der Friede nsstör un g durch Oe st erreich ist heute etwas geringer und dafür die durch Italien um so größer. Aber eine so eingreifende Bcsitzverschiebung an der odriatischcn Küste berührt auch aufs stärkste die Interessen der anderen Mittelmeermächte, Frankreichs und Englands. Und so gewinnt die Nachricht des„Temps" an Wahrschein- lichkeit, daß die Tripelen tentc und vor allem England flesen jeden Versuch einer österreichisch-italienischcn Sonder- aktion in Albanien protestiert habe. Würde ein mili- tärisches Eingreifen in Albanien notwendig, um die Ordnung herzustellen, so dürfte dieses nur international sein. Gegen den Willen der Tripelentente wird nun Italien wohl nicht so leicht zu handeln wagen, so sehr es auch die Aussicht auf den Raub locken mag. Tie deutsche Regie- r u n g aber müßte von allen guten Geistern ver- lassen sein, wenn sie nicht alles daran setze, die beiden Bundesgenossen von einem Abenteuer abzuhalten, das sie untereinander verfeinden, die schwersten Gefahren für den europäischen Frieden herbeiführen und Teutschland in Ver- Wickelungen hineinreißen könnte, bei denen auch nicht das geringste deutsche Interesse in Frage käme. Vas Ergebnis der Botfcbafterhonferenz. London, 5. Mai. Tie Botschaftcrkonferenz hat sich heute nachmittag Uhr auf Donnerstag vertagt. Das Rcuterschc Bureau empfing nach der Sitzung vom Auswärtigen Amt� folgende Mitteilung: Tie Tatsache, daß der König von Montenegro das Schicksal Skutaris in die Hände der Mächte gelegt hat, gereicht den Regierungen der Mächte zur g r 0 ß c n Befriedigung. Tic Mächte werden jetzt erwägen, welche Abmachungen für die Zukunft hinsichtlich der Stadt getroffen werden sollen. Die Räumung Skutaris. London, 5. Mai. Das Rcutcrfchc Bureau ist zu der Erklärung ermächtigt, daß König Nikolaus von Monte- uegro sich cntschlosien hat, Skntari zu räumen. Tic Nachricht in Oesterreich. Budapest, 5. Mai. In der heutigen Sitzung des Ab- geordnetonhaufcs ergriff Ministerpräsident L u k a c z vas Wort zu folgender Mitteilung: Dienstag, den 0. Mai 1913. rtfe beendet. Die Regierung hat eine Mitteilung von außer- ordentlicher Wichtigkeit erhalte», weShalb ich mich für verpflichtet halte, dem geehrten Abgeordnetenhausc zur Kenntnis zu bringen, daß nach der erwähnten Mitteilung unseres Gesandten in Cetinje der König von Montenegro beschlossen hat, die Großmächte von der bedingungslosen Räumung Skutaris zu verständigen. Der Ministerpräsident schloß: Ich brauche nicht zu sagen, daß dieses erfreuliche Resultat dem cnt- schlossenen Schritte zuzuschreiben ist, welchen die Monarchie in dieser Frage getan hat. �Lebhafter Beifall. Eljcnrnfe, stürmische Rufe: Es lebe der König!) Ich habe die Ehre, gleichzeitig die Mitteilung zu mache», daß die Monarchie mit derselben Entschlossen- heit, die sie bisher bekundet hat, fordern wird, daß diese in Aus- ficht gestellte Räumung nunmehr unverzüglich auch tatsächlich erfolgt. jLanganhaltcndcr Beifall. Eljenrufc.) Nachdem der Ministerpräsident diese Erklärung abgegeben hatte, wurde der Ministerrat, welcher gleichzeitig mit der Sitzung stattfand, fortgesetzt. Die Auffassung in Wie». Wien, 5. Mai. Der hiesige Standpunkt wird dahin gekennzeichnet, daß selbstverständlich nur bedingungslose Räumung Einfluß auf die Entschließungen Europas haben könne, und daß die Räumung tatsächlich unverzüglich ins Werk gesetzt werden müsse, andernfalls Oesterreich-Ungarn Sorge tragen werde, daß es nicht bei der Ankündigung bleibt. Was Albanien anbetrifft, erklärt man hier, daß das Interesse Oesterreich-Ungarns und Italiens fortbesteht, das zur Herstellung der Ordnung in diesem Lande bestehende Programm von den beiden Mächten durchzuführen. Man weist dabei darauf hin, daß zlvar die Meldungen über das Vorgehen Essad Paschas in Albanien ausschließlich aus montenegrinischen und griechischen, also interessierten Quellen stammen, deren Bestätigung abzuwarten sei, die aber jeden- falls das Bestreben der Nachbarn Albaniens beweisen, dieses zu einem Intrigen Herd zu machen. Der Kronrat in Cetinje. Paris, 5. Mai. Nach einer Blättermeldung aus Cetinje fand gestern unter dem Vorsitz des Königs Nikolaus eine außerordentliche Beratung statt, au der alle Minister und Generale teilnahmen. Die Mehrheit der Generale habe sich dafür ausgesprochen, daß die Regierung die Forderungen der Mächte betreffend Skutaris erfüllen möchte. Das M i n i st e r i u m habe seine Demission gegeben. Es werde dies allgemein als ein Beweis dafür angesehen, daß die Anhänger der Räumung Skutaris das Uebergewicht bc- halten hätten. Nach einer anderen Meldung habe der r u s s i s ch c Gesandte in Cetinje im Auftrage Ssasonoivs von neuem mit der größten Entschiedenheit den König Nikolaus zur Nachgiebigkeit gedrängt, der König habe auch end- lich eingesehen, daß ein weiterer Widerstand unnütz und ge- fährlich sei. Tic Demission angenommen. Eeiinje, 5. Mai. König Nikolaus hat die Demission des Kabinetts M a r t i>1 0 w i t s ch angenommen. Tic Begründung des Verzichts. Cetinje, 5. Mai. sAmtlich.) Die Krise bezüglich der Forde- rung nach Räumung der Siadt Skutari ist in dem von den Groß- mächten gewünschten Sinne g e I ö st worden. Da sich Montenegro einer großen Pression Europas gegenüber befand und keine Möglichkeit sah, daß es durch einen verlängerten Widerstand gelingen könnte, aus dieser Krise siegreich hervorzugehen, hat es gestern den Mächten nachgegeben und erklärt, das Schicksal Skutaris in die Hände der Mächte zu legen. Der König hat sich im letzten Momente zu diesem schweren Schritte entschlossen. Der König ist tief überzeugt, hierdurch seinem Lande und seinem Volke gegenüber ein großes Opfer für den allgemeinen Frieden zu bringen, ein Opfer, welches einmütig von allen Seiten, sogar unter Androhung des Verlustes der llnabhängigkeit Montenegros, von ihm verlangt wurde. Bei seinem Entschlüsse ließ sich der König auch durch Rücksichten auf seine Verbündeten leiten, indem er befürchtete. daß, wenn er bei seinem Widerstande beharrte, er ihre mit so vielen Opfern erkauften Siege gefährden könnte. In der vergangenen Nacht hat der König durch Vermittelung des englischen Gesandten an Sir Edward Grcy eine Depesche gesandt, welche in Kürze folgendes besagt: Meine Regierung hat in ihrer Note vom 39. April die Gründe ihres Verhaltens in der Skutarifrage dar- gelegt. Dieses Verhalten war durch die unerschütterlichen Grund- sätze der Gerechtigkeit geleitet. Noch einmal verkünde ich mit meinem Volke meine durch die Geschichte und durch die Eroberung geheiligten Rechte. Meine Würde und die Würde meines Volkes gestatteten mir nicht, isolierten Aktionen nachzugeben,»nd deshalb lege ich daS Schicksal Skutaris in die Hände Europas. Die Mitteilung im Lbcrhausc. London, ö. Mai. Oberhaus. Viscount Morlei) machte dem Hause Mitteilung von dem Entschlüsse Montenegros und bemerkte, dieser Entschluß beseitige das, tvas während der letzten fünf oder sechs Tage die ha u p t s ä ch 1 i ch st c und g e- jährlich st g Schwierigkeit gewesen fei. Der.Entschluß Expedition: SM. 68» Länäenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moriüplatz, Nr. 1984. habe Europa von dieser Schwierigkeit befreit, und er glaube, daß das Haus mit ihm darin übereinstimmen werde, daß dieser Entschluß weise gewesen sei im Interesse der Monte- negriner selbst, ebenso wie der übrigen Palkanstaaten und sicher- lich des europäischen Friedens. Italien wiegelt ab. Rom, 5. Mai. Ucber den Entschluß Montenegros, das Schicke sal Skutaris in die Hände der lNächte zu legen, bemerkt die „Tribuns", daß die Mächte nur das Londoner Protokoll über die nördlichen Grenzen von Albanien anzuwenden haben, in dem ver- langt wird, daß Montenegro Skutari zu räumen hat, das wahr- scheilich die Hauptstadt des neuen Staates sein wird. Das Blair sagt: Man kann die Gefahr eines Vorgehens Oesterreichs gegen Montenegro wohl als beseitigt betrachten, wenigstens was die Skutarifrage anbelangt. Bezüglich der Frage über die O r d n u n g im Innern Albaniens hatten Oesterreich und Italien im Prinzip beschlossen, dort ein Okkupationskorps zu landen, um den norinalen Zustand wiederherzustellen und dem neuen Staate die Kraft zu verschaffen, die ihm fehlt, um ihm die Achtung vor den Grenzen zu sichern, die ihm die Londoner Konferenz borgezeichnet hatte. Das Vorgehen wurde beschlossen infolge des Gerüchtes, daß Essad Pascha sich zum König von Albanien proklamiert habe und daß Dschavid Pascha auf Valona marschiere, um es zu besetzen. Aus den heute cingelauscnen Nachrichten geht hingegen hervor, daß Essad Pascha seine Truppen einschiffen will und Dschavid Pascha gezwungen sein fvird, dasselbe zu tun. Der Großwesir hat seinen Generalen befohlen, unverzüglich in das Osmanische Reich zurückzukehren. Es ist wahrscheinlich, daß diese, wenn sie erfahren, was sich gegen sie in Tarcnt und Dalmatien vorbereitet, sich be» eilen werden, ihre friedlichen Absichten kundzugeben. Wenn ferner Essad Pascha sich mit Kemal verständigt und Dschavid Pascha seine Truppen nach Anatolien abgehen läßt, so würde sich die Bedeutung der österrcichisch-italienischen Expedition bedeutend verringern, wenn sie nicht überhaupt vermieden wird. Italien hat keinerlei Eroberungspläne, da es ein außerordcnt- lich friedlicher Staat ist, der nur verlangt, seinen Handel und seine Industrie entwickeln zu können. Niemand wäre glücklicher als Italien, wenn sich nach Regelung der Skutarifrage die Beun- ruhigung über die Sicherheit im Innern Albaniens legte, welches bereits eine anerkaniite provisorische Regierung hat, der man, wenn sie die Kraft dazu hat, die Aufgabe und die Ehre überlassen könnte, die Verwaltung des neuen Staates zu organisieren. Definitiver Waffenstillstand. K 0 n st a n t i» 0 p e l, 5. Mai. Zwischen der Pforte und den Balkanverbündetcn wurde die Einstellung der Feindseligkeiten bis zum Friedensschluß nunmehr definitiv vereinbart. Rußland als Schiedsrichter. London, 5. Mai. Nach einer Meldung der»Daily Mail" aus Sofia hat die bulgarische Regierung nunmehr, dem Allianz- vertrage entsprechend, Rußland als Schiedsrichter über die Differenzen wegen Verteilung der eroberten Gc- biete angerufen. Die russische Regierung hat das Anerbieicn angenommen und man hofft daher, daß die Streitigkeiten auf gütlichem Wege beigelegt werden dürsten. Ei» Schiffskampf. Konstantinopcl, 4. Mai. Nach einem im KriegSministerimn ein- getroffenen Telegramm vom 1. d. M. wurde ein feindliches Kriegsschiff, als es sich der R e e d e von G ü l n a r an der Küste Kleinasiens näherte, durch die Küstenbatterien heftig b c- schössen. Das feindliche Schiff ging zurück und erwiderte das Feuer. Das Gefecht dauerte eine Stunde 23 Minuten. Das feindliche Schiff erlitt am Vorderteil und am Backbord B e s ch ä d i« g un gen, seine Kanonen am Vorderteil und am Steuerbord wurden zum Schweigen gebracht.__ Urbeitei'seioölicher Ikbmifcr. Ans Bayern wird uns geschrieben: Pas trop de zlde (nur nicht zuviel Eifer) mahnt ein französisches Sprichwort. Sollte der Philosoph aus dem Ministerfauteuil, der sprachge- wandte Freiherr von He'rtling von dieser Mahnung nie etwas gehört haben? Jedenfalls hat er sie bisher immer in den Wind geschlagen. Wären wir seine Freunde, wurden wir ihm raten, für den künftigen Teil seiner Regierimg sich dieses sran- zösische Wort zum Motto zu setzen. Der erste Teil der wenig glorreichen Hertliugschen Rc- gierungszeit hebt an mit der Einschränkung des Koalitions- rechtes der Eisenbahner, es reiht sich an das Iesuitenschauspiel mit folgendem Satyrspiel, um abgelöst zu werden von größtem Eifer für die Militär- und Decknngsvorlage, und nun kommt ein neuer Erlaß, der die Entrechtung der Eisenbahner zu einer vollkommenen machen soll.?kll das ist begleitet von höchstem Ungeschick, der für diese Zwecke besonders gegründeten„Baye- rischen Skaatszeitung", die bei Freund und Feind schärfster Kritik und durchaus chcrechtigter Abneigung begegnet. Diese Kombination von Staatsanzeiger. Norddeutscher Allgemeiner Zeitung. Osservatore Romano in bayerischer Sancc vermag keiner ihrer Aufgaben zu genügen, am allerwenigsten der, den Ruhm des bayerischen Ministerpräsidenten wirksam zu ver- breiten. Tie Politik des Herrn Bethinan Hollweg, wie die des Kardinal-Staatssekretärs, wie der Herren Erzbischöfe und— im geziemenden Abstände die des bayerischen Ministerpräsiden- ten, dann aber noch die aller klerikalen Organisatoren bis hin» unter zu den so wackeren christlichen Arbxiter-Sekretären zu bertreten, das ist die schwierige Nufgabe, die dieser bayerischen Staatszeitung gesetzt sind. Aber nicht bloß die so überaus amtliche Staatszeitung hat solche Aufgaben. Freiherr, von Hertling selbst entzieht sich keiner noch so niedrigen Dienstleistung, die die klerikalen Ar- beitersekretäre von ihrem Minister verlangen. Allgemeines Erstaunen hat es erregt, daß dem Verband des süddeutschen Eisenbahn- und Postpersonals durch eine be- sonders scharfe terroristische Maßnahme jede Entwicklungs- Möglichkeit durch die Verhinderung des Beitrittes neuer Mit» glicder abgeschnitten werden soll. Unter den bisherigen Mit gliedern will man Furcht und Schrecken erregen, ihnen soll die Flucht aus der Organisation nahegelegt werden. Zahlreiche Arbeiter, insbesondere Metallarbeiter, verlassen gut bezahlte Arbeit, um bei schlechteren Löhnen in den Werkstätten der bayerischen Eisenbahnverwaltung unterzukommen, weil sich ihnen da der Weg eröffnet, Heizer, dann Lokomotivführer zu werden, in Beamtenstellungen zu gelangen und sich am Lebens abend vielleicht einer Pension zu erfreuen. Man löst zlvar die Organisation nicht auf, schneidet ihr aber den Zufluß neuer Mitglieder ab, läßt sie als den obersten Vorgesetzten nicht genehm erscheinen. So sollen die Arbeiter, die eine Uebersetzung in den Fahrdienst, ein Aufsteigen in die Bcanitenstellungen er warten, veranlaßt werden, dieser Organisation den Rücken zu kehren. Auf diese hinterlistige Weise soll die Eisenbahner- organisation einfach entkräftet und unmöglich werden. Diesem Ziele streben die klerikalen Arbeitcr-Agitatoren und auf ihre Veranlassung der Eisenbahnminister Seidlein und der Mi- Nisterpräsident Hertling nach. Was sollen diese neuesten gehässigen Maßnahmen der bayeriichen Regierung bezwecken? Herrn Hertling und dem wohl verschlagensten Manne in feinem Ministerium, dein Herrn Eisenbahnminister Seidlein, zuzumuten, daß sie ledig- lich, uni ihre Abneigung gegen das Koalitionsrecht an einem untaugliche,: Objekte festzustellen, eine gehässige Maßnahme beschlossen haben, wird niemanden einfallen. In der bayerischen Eisenbahnverwaltung weiß man so genau wie in den Kreisen der Arbeiterschaft, der fozialdemo- kratischen wie der christlichen, daß dem Süddeutschen Eisen- bahnerverband schon durch die erste Drohung des schwarzen Ministeriums jeder Wille zur selbständigen Vertretung von Arbeiterinteressen genommen wurde. Ganz aus eigener Initiative zu größter Ueberraschung der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten hat der Süddeutsche Eisenbahnervcr- band in einer Erklärung allen Wünschen der Regierung Rech- nungjjetragen. Sicherlich tvar die Erklärung den Eisenbahnern durch den Terrorisnius der klerikalen Regierung ab- gezwungen worden. Der Zwang hat gründlich gewirkt, seit dieser Erklärung ist nichts geschelien, was im Widerspruch mit ihr gebracht werden kann. Tie Mitglieder wußten, daß ihr Verband nichts anderes mehr sein könne, sein wolle und sein werde als ein harmloser Unter st ützungsverein, wie es deren im Gebiete der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung Hunderte geduldete, ja von der EisenbahnverNmltung geförderte Vereine gibt. Die Mitglieder des Verbandes schieden aus den Reihen der kämpfenden Arbeiterschaft, überall ließen sie sich aus den Listen der sozialdemokratischen Vereine streichen. Das preußische Ideal war erreicht. Und nun diese gehässige Maßnahme, die in dem Organ des Herrn von Pichler, des einflußreichsten bayerischen Zentrumsführers, in der„Donauzeitung", eine„mutige Ver- sügung des Ministeriums",„eine Radikalkur" genannt wird. „Das Zentrum", was festgehalten werden muß,„ist an der Sache nur insofern beteiligt, als es die F o r d c r u» g, die jetzt Wirklichkeit geworden ist, schon läng st aufgestellt ha t." Man wird sich also merken, daß die Zentrumspartei den Terrorismus gegen die Eisenbahner nicht nur billigt, sondern als ibr besonderes Verdien st verzeichnet sehen will. Dieselben Zcntrumszeitungen und Zentrums- arbeitersekretäre, die sich über jede Einschränkung der christ- lichen Gewerkfchastsagitation entrüsten, die noch am Tage nach dein neuesten Terrorismusstreiche der bayerischen Regierung auf das schroffste in einer Nürnberger Bezirkskonfercnz der bayerischen Arbeitervereine in Nürnberg gegen„die Unter- drückuirg des Rechtes auf Arbeit und Gesinnungstcrrorismus durch schwarze Listen und Reverse" in einer Resolution pro- testiert haben, jubeln dem Ministerium Hertling zu, weil es den noch nicht schwarzen Eisenbahnern die weitere Entwickelung der Organisation unmöglich machen will. Das Wort vom zweierlei Recht tritt uns da aus sozialem Boden eigenartig entgegen. Vor Tische las man anders. In einem München-Glad- ba'cher Flugblatte, das noch jetzt unter Zentrumsarbeitern verbreitet wird, heißt es: «Am wichtigsten erschien ihm(dem. bayerischen. Zentrum) die endliche Durchführung der Grundforderung der Bediensteten und Arbeiter nach Sicherung und weiterem Ausbau der Koalitionsfreiheit. CDcr Sperrdruck und Fettdruck an dieser Stelle findet sich bereits im Flugblatt!) Ten dahingehenden Forderungen gab es zuletzt noch kräftigen Ausdruck in den gleich nach Zusammentritt des Landtags 19bö gestellten wirtschaftlichen Anträgen.... Um so kräftiger bekämpfte das Zentrum im /' Landtage Versuche einzelner Staatsverwaltungen, den Bedien- vfteten und Arbeitern ihr Vereinigungsrecht nutzlos und unwirt- sam zu machen. So kann es mit Stolz darauf hin- /"weisen, daß den Berufsvercinignngcn dcr Bc- dien st et cn und Arbeiter in Bayern größere .. Bewegungsfreiheit gestattet ist, als in manchen anderen Bundesstaaten." Nun billigt aber die ganze Zentrumspresse— selbst die ihristlichen Gewerkschaftsblätter wagen keinen Widerspruch— den Terrorismusakt von Hertling und Genossen. Der schärfste Terrorismus, die Erdrosselung des Koalitions- rechts, die ausnahmegesetzliche Behandlung der Arbeiter sind gestattet, wenn es sich um.Arbeiter handelt, die die christ- liche Organisation gerne erfassen möchte, aber nicht erfassen kann. Trotz der Geheimrcgierung des Herrn Seraphin Pichler. der großen Zentrumsleuchtc, über das Eisenbahn- Wesen in den Zeiten Frauendorfers wie noch mehr in denen des Herrn von Seidlein, haben die mannigfachen Bevor- zugungen der Angehörigen des s ch w a r z e n b a y e r i s ch e n Eisenbahnervcrba udes doch nicht etilen ununterbrochenen Mitgliederrückgang in dieser Organisation zu ver- hindorn vermocht. Trotz aller Unannehmuchketten, die dem süddeutschen Verbände in den Weg gelegt wurden, machte diese Organisation, nachdem sie zuerst ein wenig ziiriickgegangen war, wieder nicht unerhebliche Fortschritte, sollte das so weiter gehen, so müßte die Leitung des Bayerischen Eisen- hahnerverbandcs, die die intimsten Beziehungen zu den Spitzen der Klerisei und der Eiseichahnverwaltung pflegt. damit rechnm, daß sie Hank der Unfähigkeit der Leitung ganz � in den Hintergrund gedrängt werde, daß selbst die rückgrat lose Süddeutsche Eisenbahnerorganisation immer noch die Eisenbahner mehr anziehen werde wie die klerikale sich auf ihre Protektion so viel zugute tuende Verbindung der Eisen- bahner. Es steht recht traurig um die christliche Gewcrtschafts- organisation, trotz des fördernden Eifers höchster geistlicher ivic weltlicher Stellen. Wer die bayerische Zentrumspresse zu verfolgen hat, der kann den Zusammenhang zwischen dem Mitgliederrückgange der schwarzen Eiscnbahnerorganisation und dein Erlasse des bayerischen Ministeriums nicht in Abrede stellen. Und doch möchten wir glauben, daß hier nicht der einzige Anlaß für diesen die Zentrumspartei neuerdings bemakelnden Erlaß zu suchen ist. Eine neue Gefahr erwächst der Zentrumsgewerkschaft der bayerischen Eisenbahner durch den Plan der Libe- r a l c n, die in Regensburg zusamniengekommen waren, um die Gründung einer liberalen Eisenbahnerorgani- sation zu besprechen. Wir können nicht abschätzen, wie groß die Erfolge dieser Gründung sein können, sicherlich ist sie dem Ministerium Hertling sehr unbequem, das eben seinem End- ziele nahegekommen zu sei» vermeinte und neue Hemmnisse der Entivickclung seiner schwarzen Eisenbahnerorganisatioii vor sich sieht. Es ist wohl mehr als ein zeitliches Zusammenfallen, daß der bayerische Erlaß die Oeffcntlichkeit fast zur gleichen Stunde beschäftigt, wie die Umfrage der Reichs- r e g i e r u n g in Sachen der Jesuiten. Die Intimi- tät zwischen Reichskanzler und bayerischem Ministerpräsidenten ist zwar noch nicht alt, aber sehr kräftig. Einen brillanteren Sekundanten in der inneren Politik kann sich der Reichs- kanzler gar nicht wünschen wie den Freiherr» von Hertling. Niemand wirkt mehr für die Ausgleichung preußisch-bayerischer Differenzen, wie der frühere Präsident der Zentrumspartei, der nun statt des trockenen Brotes der Opposition im Reiche wie im Lande an vollbesetzter Tafel mit den allerhöchsten Herr- schatten speisen darf. War es die Politik der Crailsheim und Podewils, das Wittelsbacher Haus und die Selbständigkeit Bayerns zu sichern, indem man, wenn auch in sehr bescheidener Weise, den Wünschen des Volkes eiügegenzukommen suchte, iu- dem mau auch, natürlich unausgesprochen, den Gegensatz gegen das Preußen des Treiklassenwahlrechts und des Junker- tums pflegte, so sucht das Haupt des bisher partikularistischeu bayerischen Zentrums, Regierung und Verwaltung Bayerns allen preußischen Wünschen und Methoden anzubequemen und dafür den Verzicht auf die letzten Ueberbleibsel des Kultur- kampfes auszutauschen. So sollen dem Klerikalismus die freiesten Entwickeluugsmöglichkeiteii und die innigste Ver- knüpfung mit allen Autoritäten verschafft werden. Deshalb soll das System Breitenbach übertragen werden auf die bayerischen Staatseisenbahnen, deshalb zerstört man schamlos das, was vom Koalitionsrechte noch durch die Macht einer Verwaltung zerstört werden kann. Tie bayerische Staatsregierung weiß sich in dieser Politik der Wiedergewinnung der Jesuiten, der Durchsetzung der klerikalen Forderungen eins mit ihrer Presse, auch eins mit ihren Arbeitersekretären. deren Parteiaufgabc die Zersplitte- rung der Arbeiterbewegung bleibt. Die„Münchener Post" macht es sehr wahrscheinlich, daß der P r i n z r e g c n t Ludwig sich beim Erlasse gegen den süddeutschen Eisenbahnerverband höchstselbst stark betätigt bat. So muß wieder eine der so kostbaren bayerischen Jllu- sioncn den Weg aller Illusionen gehen. Das bayerische Staatsininisterium wurde wegen seiner Verletzung des Koalitionsrechts nur von der fozialdemo- kratischen Presse angegriffen. Aber diese Hiebe saßen, so daß ich die bayerische.„Staatszeitung" in einem dreibesternten, also hochoffiziöscn Artikel gegen unsere Verteidigung des Koalitionsrechts wenden mußte. Freilich, was da vorgebracht wurde, erweist erst recht die Fadeuscheinigkeit und Gehässigkeit der Gründe. Was der„Weckruf" in Berlin geschrieben haben soll, der übrigens die Süddeutsche Eisenbahnerorgani- sation nur wegen des Zukreuzekricchens sehr energisch be- handelt hat, soll die Maßregel begründen, dann daß das Ver- bandsvrgail der Eisenbahner in der Fränkischen Verlags- anstalt und Buchdruckcrei gedruckt lvird, wo auch manche Aktiengesellschaft drucken läßt. Solche Gründe wurden für den Bruch des Koalitionsrechts angeführt. Tie Perle der Verteidigungsschrift der Ludwig, Hertling, Seidlcin u. Comp. ist die Anführung des �— Genossen Legten. Ter Ver- teidigungsartikel der„Bayerischen Staatszcitung" beginnt mit dem Hinweis auf das Wort Karl Legiens auf dem Mannheimer sozialdemokratischen Parteitag: „Um das Getriebe der Staatsbahn lahm zu legen, bedürfen wir einer Organisation der Transportarbeiter; wir bedürfen in erster Linie einer Organisation aller Eisenbahner." Iii diesem Sinne sei der Süddeutsche Verband des Eisen- bahn- und Postpersonals tätig. Eine einfackie Vergleichung mit dem Mannheimer Parteitagsprotokoll zeigt nun aber, daß der Schreiber des Staatszeitungsartikels, der sich als eine Kundgebung des Ministeriums gibt, mit dem Zitat eine ganz gewöhnliche Fälsch» ilg begangen hat. Wir stellen zum Beweise einfach das Zitat der„Staats- zeitung" mit dem Wortlaut des Protokolls nebeneinander: .StaatSzeitung": «Um das Getriebe des Staates lahmzulegen, bedürfen wir einer Organisation der Transport- arbeiter; wir bedürfen in erster Linie einer Or- ganisation aller Eisen- bahner." Protokoll: «Um das Getriebe deS Staates lahmzulegen. bedürfen wir in erster Linie der Organisation der Transportarbeiter..und diese, insbesondere die Eisen- bahner, fehlen uns in der Organisation. Und glaubt man denn wirklich,... daß nun die Leute sich durch die Idee des politischen Massenstreiks für unsere Bewegung gewinnen lassen. Ich glaube es nichtl" Welchen Tanz hätte Herr v. Hertling als Universitäts- Professor einem Studenten gemacht, der nach dieser Methode eine Aristotelesstelle ausgelegt hätte. Ter hätte sich wohl nicht lange in seinem seminar gehalten. Aber seine Staats- zeitung darf fälschen, wenn das dem frumbcn bayerischen Ver- bände zugute koinmen kann. Unh dabei ist doch all die liebe Mühe umsonst, die Politik der Hertling und Genossen nützt den christlichen Gewerkschaften doch nichts, während sie der Sozialdemokratie mehr fruchtet als Eintrag tut. Die Sozialdemokratie hat durch die neuerliche Maßregelung des Süddeutschen E i s c n b a h n c r y c r b a n d e s keinen Mann und keine Organisation verloren. Sie bat die Schwachen und Schwankenden beim ersten Windstoß von sich absallen gesehen und sie wciiu ihnen keine Träne nach. Aber wirhabengeradedurchdieseArbeiterpolttik des Zentxums und seiner. Regierung weit mehr gewonnen, als wir verloren haben. Der Gegensatz gegen die staatlichen Autoritäten, die Ueberzeuguna, daß wir von ihnen nichts erreichen können, die Notwendigkeit des schroffen Gegensatzes gegen die Landesregierung ist heute mehr denn je Gemeingut der bayerischen Arbeiterschaft geworden. Manche Illusionen, denen sich ein Teil unserer Ge- nossen noch vor Jahr und Tag hingegeben hat. sind zerstört, sie werden immer gründlicher zerstört durch die Taten des Ministeriums Hertling. Wir glauben, es nützt in letzter Linie mehr der Sozial- demokratie als der eigenen Partei. politische CleberllcKt. Berlin, den 5. Mai 1913. Verteuerung ist immer gut! Am Montag beriet daZ Herrenhaus die Vorlage über die Ein- führung des elektrischen Betriebes auf der Berliner Stadt- und Ring- bahn. Die Fassung des Abgeordnetenhauses— daß also die Wannseebahn nicht mit elektrisiert wird— wurde einstimmig an- genommen. Z» der Debatte zeigte sich große Einmütigkeit darüber, daß es.gut und löblich sei, die„enorm billigen" Tarife zu ver- teuer». Offenbar soll e-Z die Liebe zum Landleben erhöhen, daß den Berlinern die Flucht aus den Steinwüsten der Großstadt verteuert wird. Aber soweit denkt man nicht. Verteuerung ist eben immer gut und nützlich— nur wenn dem Sorquittener die Steuerbehörde unangenehm wird, dann ist es ein Skandal! UebrigcnS ist es recht eigenartig, daß der Herr Oberbürger- meister von Berlin. Mermuth, kein Wort des Protestes gegen die Fahrpreiserhöhung fand. Auch sonst gefiel sich der Ver- treter Berlins in abstrakten„wissenschaftlichen" Ausführungen, die völlig das vermissen ließ, was man von dem Wortführer Berlins erwarten darf: einen kräftigen Ton über die Zustände, die man so viele Jahre dem Berliner Bahnverkehr auferlegt hat und die die Drei- klassenjunker am liebsten verewigt haben würden! Der Rest der Sitzung war der Verabschiedung des Gesetzes über den Ausbau der mittleren Oder gewidmet. Graf Zedlitz-Trützschler beweinte den angeblichen Ruin seines Fideikommisses durch das Staubecken von Ottmachau— aber um der Gemeinnützigkeit willen opfert er sogar das Fideikommiß. Hoffentlich tut's nicht zu weh! Mit der Annahme einer Resolution zugunsten einer Schiffahris- Verbesserung für die Strecke Stettin— Swinemünde schloß die Sitzung. die vielleicht die letzte dieses Landtages war. Herrn Cassel ins Stammbuch. Wir lesen im Maiheft des.Türmers": «Die Jahrhundertfeier ist verrauscht. Die Feste sind gefeiert. Eine kritische Anmerkung muß nun gestattet sein. Die Sozialdemokraten haben sich von ihrem Standpunkt aus in zahlreichen Artikeln und Broschüren mit dem Jahr 1813 be- faßt; die Teilnahme an der offiziellen Feier aber haben sie ab« gelehnt, und infolgedeffen ist ihnen in vielen Organen all« nationale Ehre, alle nationale Kultur, alleS nationale Gefühl abgesprochen worden. Zum Teil in sehr starken Ausdrücken. Es ist nun gewiß ein sehr ernstes Zeichen unserer inneren Eni- Wickelung, daß wir uns nicht einmal in solchem Jahre einmütig zu« sammenfinden können. Wem die Schuld für diese EntWickelung auf- gebürdet werden muß. kann weder noch soll es an dieser Stelle untersucht werden. Wir begnügen uns mit der sorgenschweren Tatsache. Rachdem wir aber die Tatsache hingenommen haben, fragen wir:«Ist es notwendig, daß unter so bewandtcn Umständen die verschiedenen Schichten unseres Volkes mit künstlichen Mitteln noch weiter auseinandcrgeriffen werden i Ist es notwendig, die oben erwähnte, sehr ernste Tatsache noch zu vergiften?" Vergiftet aber hat man sie, wie eine kurze Betrachtung lehren wird. Wer sich nicht an irgendwelche Entgleisungen dieses oder jenes Redakteurs halten will; wer das politische Bild in seinen Haupt- zügen betrachtet, muß einräumen, daß die Sozialdemokraten aus demokratischen Gründen der offiziellen Jahrhundertfeier fern- geblieben sind. Das Jahr 1813 hat auch für den bürgerlichen Historiker ein doppeltes Gesicht, je nachdem man die nationale Erhebung gegen Napoleon oder die innerpolitischen Zu- stände betrachtet, die nach dem Kriege dem preußischen Volke geboten wurden.. Für die Sozialdemokraten sind diese innerpolitischen Zu- stände entscheidend gewesen. Der nationalen Volkserhebung haben sie, sowohl in Artikeln als in Broschüren, alle Ehre an- gedeihen lassen. Wenn die Dinge aber so liegen, kann man ihnen vielleicht demokratischen Radikalismus vorwerfen, niemals aber nationale Würdelofigkeit. Man kann ihren Radikalismus geißeln, wie man nur immer will. Wenn man ihnen aber nationale Enipfindungs- losigkeit unterstellt, wo sie als D e m o k r a t e n handeln, fälscht man ihre Motive. Dadurch aber wird die vorhandene Situation in ganz über« flüssiger Weise verschlimm er t." Tie Zähmung der konservativen Presse. .......—«k— Hinauswurf verschiedener Redakteure aus den Redaktionen der„Kreuzzeitung" und des„Reichsboten" das Bestreben der konservativen Parteileitung stecke, die konservative Presse derart zu disziplinieren. daß sie den von oben herab ausqcgcbcnen Losungen aufS Wort folge. Zu derselben Meinung kommt jetzt auf Grund Berliner Erkundigungen die klerikale „Köln. Volkszeitung"; nur meint sie, daß nicht der Abgeordnete von Heydebrand der eigentliche Regisseur des an der„Kreuzzeitung" vorgenommenen Reinigungsverfahrens sei, sondern andere noch„höhere" Personen die Hand dabei im Spiele hätten. Sie schreibt: „Oder ist der wahre Urheber noch höher hinauf zu suchen? Auch davon wird hier und da gemunkelt. Um das zu verstehen. mutz man freilich in die Geschichte der konservativen Partei zurückschauen. Die konservative Partei ist immer davor bewahrt worden, eine rein gouvernementale Partei zu werden, we,I sie das Glück hatte, eine unabhängige Presie zu besitzen. Me oft schäumte Bismarck in den Kulturkampfsjahren und der Gründerzeit von Zorn über, wenn die.Krcuzzeitung' sich seinem Willen widersetzte! Es gelang ihm aber nicht, die Selbständig. keit des Blattes zu brechen und cS an den Regierungswagen zu spanne». AlS im Jahre 1887 daS Kartell gegründet wurde, machte die„Kceuzzcitung" bei den Wahlen zwar mit, nahm dann aber bald wieder die Opposition auf. indem sie sich weigerte, das „Kartell als politisches Prinzip" anzuerkennen. Ter konservativ« Führer v. Helldorf(Bedra) war rein gouvernemental, eS gelang ihm aber nicht, den KrcuzzeitungSflügel unterzukriegen.... Hat sich daS jetzt alles geändert? Die Geschichte mit der „Kreuzzeitung" war schon halb wieder vergessen, als die Attacke auf den„ReichSbotcn" erfolgte, durch welche alles wieder auf- gerührt wurde. Jedenfalls ist jetzt erreicht, daß man für den Fall eines poli- tischen Wechsels, einer plötzlichen Schwenkung die k o n s e r- vativePresse fest an derKandarehat. Gesetzt also den Fall, es beliebte der konservativen Parteiführung, nach links ab- zumarschieren und so etwas wie den Bülowblock wiederher- zustellen, so hätte sie von der früheren alt- konservativen oder christlich- konservativen Richtung in der konservativen Presse keine Schwierigkeiten zu besorgen, denn die gibt es zurzeit nicht mehr. Ueber die Gründe hält man eS nicht für nötig, der Oeffentlichkeit Rechenschaft ab- zulegen, denn man kann eS doch kaum für eine ernsthafte Be- gründung ansehen, wenn auf die Frage, weshalb an Stelle konservativ-orthodoxer Redakteure Männer angestellt wurden, die in religiöser und politischer Beziehung Mittelparteiler sind, die Auskunst gegeben wird, das sei aus„verwaltungstechnischen" Ur- fachen geschehen. Allem Anschein nach handelt es sich um Vorbereitungen für Zulun ftspläne. Man will eine Presse haben, die erforderlichen Falles nicht durch christlich- konservative„Vorurteile" davon abgehalten wird, einzuschwenken, wie es gewünscht wird."_ Karl Schräder. In Berlin ist heute der frühere Reichstags- und Landtagsabgeordnete Eisenbahndirektor a. D. Karl Schräder im 79.Lebensjahre an einer schweren Lungenentzündung gestorben. Der sogen, entschiedene Liberalismus hat damit den letzten bekannteren Politiker verloren, der noch immer an den alten demokratisch-liberalen Traditionen und Idealen der Jugendzeit festhielt und von dem unter den jüngeren liberalen Epigonen herrschenden Opportunismus nie etwas wissen wollte: ein Mann der alten liberalen Schule, in seinen Anschauungen, in seiner vornehmen Zurückhaltung, in seinem ganzen Gebaren. Am i. April 1834 in Wolfenbüttel geboren, studierte Schräder zunächst Jura, wurde dann Mitglied der braunschweigischen Eisenbahndirektion und trat darauf im Jahre 1872 in die Direktion der Berlin-Anhaltischen Bank ein, in der er bis zum Jahre 1883 verblieb. Seitdem widmete er sich ausschließlich der Politik. 1831 zum ersten Male für den 1. braunschweigischen Wahlkreis in den Reichstag gewählt, vertrat er später Danzig, Landsberg-Soldin und zuletzt Dessau-Zerbst. Bei der letzten Wahl kandidierte er nicht mehr. Möglich, daß ihm, der wiederholt durch die wachsende Sozialdemokratie aus der Stichwahl und damit aus seinen Kreisen verdrängt wurde, eine Wiederwahl in Dessau-Zerbst aussichtslos erschien. Jedenfalls äußerte er, als man ihn bewegen wollte, eine Kandidatur auch im Jahre 1912 anzunehmen:„Meine Wiederwahl würde doch nur bald eine Ersatzwahl notwendig machen." Schräder gehörte im Reichstage anfangs der liberalen Ver- einigung, einem abgesplitterten linken Flügel der Nationalliberalen, an. Er machte die Fusion mit der Fortschrittspartei im Jahre 1834 mit und als die Fortschrittspartei im Jahre 1893 wieder in die Frei- sinnige Volkspartci und in die Freisinnige Vereinigung zerfiel, blieb er bei der Freisinnigen Vereinigung, bei der er bald eine führende Stellung einnahm. Der Bülowblock im Jahre 1907, der die Freisinnigen an die Seite der Junker führte, war ihm recht unbequem. Er stand ganz auf dem Boden Theodor Barths, nur daß er nicht, wie Barth, die Konse- quenzen aus seiner Beurteilung der Blockpolitik zog, sondern beim Freisinn blieb. Im April 1907 hielt er als Vorsitzender der Frei- sinnigen Vereinigung auf dem Delegiertentag dieser liberalen Grupp einen Vortrag, in dem er offen erklärte, eS sei keine Aussicht bor- Händen, daß durch den„nationalen Block" der Liberalismus irgend welchen Nutzen haben werde. Durch die Niederlage der Sozial- demokraten habe die linke Seite im Reichstage eine wesentliche Schwächung erfahren und schon deswegen sei stir liberale Forde- rungen wenig Hoffnung vorhanden. Sie wollen sich ihr Pferdegefchäft nicht verderben lassen. Kürzlich nagelte der„Vorwärts" fest, daß die ilandwirtschafts- kammer für die Provinz Brandenburg ganz offiziell die Landwirte aufforderte, mit ihren Pferdeverkäufen bis zum Herbst zurück- zuhalten, in jener Zeit käme das große Geschäft mit dem Militär- fiskus, der 40 000 Pferde brauche. Darob entrüstet sich jetzt das Verbandsorgan der zünftigen Agrarier, der„Bund der Landwirte". eine ganze Spalte lang. ES wehrt sich dagegen, daß wir dem deutschen Kleinbauern—„die großen Grundbesitzer werden eines solchen RateS kaum bedürfen" ineint der„Vund der Landwirte"— in daS selbstverständliche Geschäft kritisch hinein- fahren. Mit vielem Aufwand von Redereien über die Gefährlichkeit der Zwischenhändler wird die Notwendigkeit dieser Mahnung der Landwirtschaftskammer verteidigt. Zum Schluß heißt eS:„In die Million enge Winne, die sonst in die Taschen der Zwischen- Händler fließen würden, können sich der FiSkuS und die deutjchen Züchter teilen..." Ilistere landbündlerischen.Junlsr find doch wundersame Patrioten! Wie Soldaten zum Desertieren gebracht werden. Vor dem Königsberger Kriegsgericht hatten sich zwei Grenadiere wegen Fahnenflucht, Preisgabe von Dkenstgegenständen und Dieb- stahlS zu verantworten. Sie gaben an, eines Sonntags wären sie bei der Befehlsausgabe als schmutzig befunden und nach der Stube geschickt lvorden, um sich zu reinigen. Sin Unteroffizier wäre ihnen nachgegangen, hätte ihnen den Befehl gegeben, sich nackend auS- zuziehen und ihre Kameraden mit den Worten:. K i e k t euch mal die Schweine an" hergerufen. Der Unteroffizier hätte dann befohlen, sie mit Bürsten und Seife abzuwaschen!! Der Pizescldwebel wäre aber schließlich gekommen und hätte die Prozedur verboten. Diese ihnen angetane schwere Kränkung, sowie die f o r t g c s c tz t e schlechte Behandlung haben sie zur Flucht veranlaßt. Das Gericht erkannte auf Freisprechung von der Anklage des Diebstahls. di verurteilte die Angeklagten nur wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe und wegen Preisgabe von Dienstgegenständen und erkannte auf je drei Wochen Mittelarrcst. Die Suffragettes vor 6eHcht. London, 5. Mai. Vor dem Polizeigcricht fand heute die Verhandlung gegen die der Verschwörung angeklagten Suffragetten rmd zwei Helfershelfer männlichen Gc- fchlcchtS statt. Ter Staatsanwalt machte neue erstaunliche Enthüllungen. Er erklärte, die Polizei habe in der Wohnung des einen Angeklagten den Brief eines gewissen Buckner aus Hamburg gefunden, der die skizzicrung eines Planes zu cnt- halten scheine, in den Theatern. Vartetös und Konzcrthallen Sprenapulvcr auszustreuen. Ein zweiter Brief bezieht sich auf einen Anschlag gegen eine Schiffswerft wobei ein Schaden von.20000 Pfund angerichtet werden sollte. Zur Ausführung dieses Verbrechens sollten Männer verwendet werden,-ver StaatSamvalt teilte nnt, daß die öffentliche Anklagcbehördc Erivägungcn über die recht- liche Stellung der Personen anstelle, welche Beiträge zum �affragettenfondS gestiftet hätten und deren Schecks mit -lleschag belegt seien. Vier minderjährige Angeklagte wurden Legen Bürgschaft freigelassen. fratikreicfo. Tie Zurückbehaltung der Reservisten. Paris, 0. Mai. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß ein regierungstreuer Deputierter in einer der nächste» Kammer- sitzungen den Ministerpräsidenten über die gestern in Eacn angekündigte I u r ü ck b eh a l t u n g der am l. Oktober freiwerdenden Jahresklasse interpellieren werde. Dem Ministerpräsidenten werde hierdurch Gelegenheit ge- boten werden, sich über diese Frage eingehend zu äußern, um von der Kammer ein unzweideutiges Votum zu erlangen. In Regie- rungskreisen ist man überzeugt, daß die überwiegende Mehrheit der Kammer dieser geplanten MaßnaHliie ihre Zu» st i m m u n g erteilen werde. Die Deputierten, die soeben mit ihren Wählern in Berührung getreten seien,.hätten die Erkenntnis er- langt, daß die Bevölkerung von der Notwendigkeit des ihr auf- erlegten Opfers durchaus durchdrungen sei.(?) Die Beratung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit selbst dürfte kaum vor dem 2 0. Mai beginnen. Portugal- Deportation der Verhafteten. Lissaio«, 5. Mai. Etwa hundert Offiziere, Unter- offiziere und Zivilisten, die als schuldig an den Ereignissen des Sonntags festgenommen worden waren, sind ans dem als Hilfs- Ireuzer verwendeten Paketboot«Cabo verde" nach Angra (Azoren) eingeschisft worden, Ivo sie abgeurteilt werden sollen. Andere, deren Schuld noch nicht feststeht, bleiben in Lissabon, wo sie entweder freigelassen oder in der Festung gefangen gesetzt werden sollen. englancl. Das Frauenstimmrecht. London, 6. Mai. Unterhaus. Gemäß ihrem Versprechen, das die Regierung bei der Zurückziehung der Wahlrechtsvorlage in der letzten Session gegeben hatte, bot die Regierung heute Gelegenheit zur Erörterung des Gesetzentwurfs betreffend das Frauenstimm- recht. Eine zweite Lesung derVorlage wurde voneinemLiberalen bean- tragt und von einem Unionisten unterstützt, während ihre Zurückweisung von einem Unionisten vorgeschlagen und von einem Liberalen unter- stützt wurde. Man erwartet, daß Premierminister Asquith gegen den Gesetzentwurf und Staatssekretär G r e y für ihn sprechen wird. Die Abstimmung, deren Ergebnis mit Spannung entgegengesehen wird, wird morgen abend vorgenommen werden. Rußland. Die„Nowoje Wrcmja" als käuflich entlarvt. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Skandalöse Enthüllungen werden in den letzten Tagen in der russischen Presse über die„Nowoje W r e m j a" veröffentlicht. Ueber die demoralisierende Wirkung dieser einflutz- reichen Zeitung war man in den gebildeten Kreisen Rußlands von jeher sich einig. Was man aber jetzt erfährt, gehört schon in ein anderes Gebiet und� beleuchtet die Gesinnungen des Redaktions- stabcs der„Nowoje Wrcmja" derart, daß niemand mehr an die Uneigennützigkeit seiner„kämpfenden" Mitarbeiter glauben wird. Aus den eigenen Reihen kommt die schwere Anklage. Ein ehe- maliger langjähriger Publizist der„Nowoje Wrcmja", S n c s s a- r c w mit Namen, plaudert solche Einzelheiten aus, daß das im nationalistischen Fahrtoasser schwimmende Hetzorgan hilflos dasteht. Man erfährt daraus, daß die„Nowoje Wrcmja" für die Privat- firma Wcstinghaus die stärkste Propaganda gemacht und für sie städtische Aufträge zu erwirken gesucht hat, um dann als Entgelt dafür von der Firma die Anstellung mehrerer naher Ver» wandter zu erzielen. Die Vermittelung bei den Anstellungen hatte laut seinem eigenen Bekenntnis der genannte Snessarew selbst, der gleichzeitig im Wcstinghaus diente und für die„Nowoje Wrcmja" Brandartikel gegen Finnland und— r— für Westinghaus schrieb. Aus den Enthüllungen von Snessarew erfährt man des weiteren, daß die hervorragendsten Redakteure der„Nowoje Wrcmja" ihren publizistischen Einfluß ausgenützt haben, um durch Erlangung von Konzessionen immense Geldsummen zu verdienen. So hat der Redakteur M. Su w o r i n dank seiner Position in der „Nowoje Wrcmja" vom Ministerium für Staatsdomänen im Jähre 1910 eine Naphthakonzession erlangt und dieselbe an Nobel für 30 000 Rubel verkauft. A. Stolypin. der Bruder des der- storbenen Premiers, hat seinerseits die Bestätigung einer Bank erlangt, die sich bis zu seinem Eingreifen vergeblich darum bemüht hatte; unmittelbar darauf erhielt er in derselben Bank einen hohen Verwaltungsposten. So zählt der Herr Snessarew das Sündenregister der„Nowoje- Wremja"-Männer nacheinander auf. Und er mutz es ja wissen, da er noch bis vor kurzem nicht nur in der Redaktion, sondern in der geschäftlichen Leitung(im Ausschuß) des Blattes eine maß- gebende Stellung innegehabt hat. Wegen persönlicher Differenzen aus der„Nowoje Wremja" zurückgedrängt, nimmt er jetzt Rache. Gewiß kein vornehmer Charakter! Allein, was er der Oeffentlich- keit übermittelt, sind Tatsachen, Tatsachen, deren Kenntnis auch für die nichtrussische Welt von Bedeutung ist. Gilt doch noch immer in den Augen vieler unzulänglich informierter Europäer die „Nowoje Wremja" als der Ausdruck Rußlands. Möge man also davon Kenntnis nehmen, welcher Art dieses hetzerische Organ ist! Ratti. Wahlunruhen. Port au Prince, 5. Mai. Infolge der Wahl des Senators Michel Oreste zum Nachfolger des verstorbenen Präsidenten Tankred Auguste kam es in den Straßen der Stadt während der Beerdigung des verstorbenen Präsidenten zu einer Schießerei. In der Kirche entstand hierdurch eine Panik. Viele Leute wurden verwundet. Es gelang zwar den Truppen, die Ordnung wieder herzustellen, aber das Schießen begann später von neuem. Präsident Oreste hat unverzüglich energische Maßnahmen ergriffen, um Unruhen zu unterdrücken. Er erflärte, daß er die Ruhe mit allem Nachdruck aufrecht erhalten werde. Der Gouverneur der Stadt, der während der Präsidentenwahl daS Parlamentsgebäude angegriffen hatte, aber zurückgeschlagen worden war, hat die Flu cht ergriffen. Mit Rücksicht auf die Lage in Port au Prince hat S. M. Kreuzer„Bremen" Befehl erhalten, sich dorthin zu begeben.. Em der Partei. Respekt vor dem serbischen Proletariat. Eine überaus wirkungsvolle Demonstration veranstalteten ain 1. Mai die Genossen in B e l g r a d. Trotzdem fast die ganze männliche Bevölkerung Serbiens im Alter von 18 bis 55 Jahren sich unter den Waffen in fremdem Land befindet, hatte der Parteivorstand der serbischen Sozialdemokratie beschlossen, wie alljährlich den 1. Mai durch ArbeitSruhe zu begehen. Der Verlauf der Demonstration strafte die Pessimisten, die da glaubten, daß unter dem Kriegsdruck die Feier Fiasko machen würde. Lügen. Von 6 Uhr an sammelten sich die Demonstranten auf einem Platze und um 8 Uhr setzte sich ein Zug von 7000Personen in Bewegung. Dur ch die Straßen Belgrads donnerten die Rufe:„Es lebe der Frieden! Es lebe die Föderation der Balkanrepubliken! Es lebe die internationale Sozial- demokratie!" In musterhafter Ordnung bewegte sich der Zug durch die Straßen, ein wirkungsvoller Protest gegen den menschenmordenden Krieg. Das bürgerliche Belgrad war frappiert. Es sah mit langem Staunen die langen Kolonnen der Demonstranten vorüberziehen. Das böse Gewissen hatte die Herrschenden dazu getrieben, die Straßen um das Parlament durch Gendarmerie und Militär zu besetzen. Ruhig und würdevoll zog der Zug neben den ausgestreckten Gewehren der Militärmacht vorüber. In den Versammlungen, die während der Demonstration arrangiert wurden, verlangten die Redner die sofortige Beendigung des Balkankrieges, Schließung des Friedens und die Föderativrepublik der Balkan st aaten. So wurde der 1. Mai zu einem glänzen- den Triumph der serbischen Genoffen, ein Triumph für die gesamte Internationale._ Die ungarische an die russische Sozialdemokratie. Der Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei in Ungarn hat die Zuschrift der sozialdemokratischen Dumnfraktion folgender- maßen beantwortet: Werte Genossen! Der Parteivorstand der ungarischen Sozialdemokratie entbietet seinen brüderlichen Gruß den sozialdemokratischen Abgeordneten der Reichsduma und dem russischen Proletariat, welches inmitten chauvinistischen Ansturms und dem Wüten des Absolutismus zu Trotz die Fahne der internationalen Solidarität und der Volksfreihcit hochhält. In der schweren Stunde, in welcher wir mit der Möglichkeit rechnen muffen, daß die Intrigen unfähiger Diplomaten, die Beute- gier kapitalistischer und militaristischer Cliquen vor der Entfesselung eines Weltkrieges nicht zurückschrecken: ist es uns ein Bedürfnis, Ihnen sagen zu können, daß die Bevölkerung Ungarns dem russischen Volke gegenüber nur die Gefühle der Brüderlichkeit hegt und daß sie mit allen ihren Kräften gegen einen Krieg protestiert, der nicht ein Krieg der Völker, sondern einer der Dynastien, der Kapitalisten und Bureaukraten wäre. Das Volk Ungarns ist ffch deffen klar bewußt, daß die Hinder- nisse seiner Entwicklung nicht in fremden Ländern, sondern hierzu- lande zu suchen sind. Es ist überzeugt, daß die Arbeiterflaffe ihre wahren Interessen nicht durch einen Krieg, sondern nur durch die Führung eines ununterbrochenen KlasienlampfeS fördern kann. Die Arbeiter Ungarns haben es gelernt, die Unterdrückten und Aus- gebeuteten aller Nationen und aller Sprachen als ihre Brüder, die Ausbeuter und Unterdrücker auch der eigenen Nation als ihre ge- schworenen Feinde zu betrachten. Keine Regierung, keine herrschende Klaffe hat das Recht, die Rolle des Beschirmers der Freiheit eines fremden Volkes sich anzu- eignen, am wenigsten dann, wenn die elementarsten Forderungen der Demokratie und der Freiheit in dem eigenen Lande mit Füßen getreten werden. Wir ersehen aus Ihrer Zuschrift, daß Sie hinter der Maske der Begeisterung für die Freiheit der Balkanvöller die echte Fratze des russischen Zarismus wohl sehen. Wir versichern Sie, daß es auch in Ungarn außerhalb eines engen Kreises der Herrschenden keinen einzigen Menschen gibt, der der österreichisch- ungarischen Monarchie die Berechtigung zuspräche, als Anwalt der nationalen Autonomie und Freiheit eines Volkes, nämlich der Albanen, aufzutreten. Und es gibt auch keinen, der es glauben würde, daß die Prinzipien der nationalen Freiheit und nicht die Förderung der dynastischen, agrarischen und klerikalen Interessen die österreichisch-ungarische Diplomatie auf einen Weg drängten, der zur Gefährdung des Weltfriedens führen mußte. Will die Regierung Ungarns für die nationale Befreiung wirken, so muß sie sich nicht nach Albanien bemühen: die nationale Unter- drückung zehn Millionen Staatsbürger nichtmagyarischer Nation würde dem nationalen Befreiungsdrange— wenn er � nur echt wäre— einen weiten Betätigungsraum bieten. Will sie für die Freiheit wirken, so muß sie auch nicht nach Albanien: sie findet im eigenen Lande Millionen industrieller und landwirtschaftlicher Proletarier, die die Fesseln der politischen Rechtlosigkeit und des wirtschaftlichen Elends nur grollend tragen. Die Er- eigniffe des letzten Jahres beraubten nicht nur den ungarischen Scheinkonstitutlolialisnms der letzten Feigenblätter, sondern haben auch die letzten Fäden der Zusammengehörigkeit zwischen dem Proletariat und den herrschenden Klaffen zerrissen. Nur durch die ständige Aufbietung der bewaffneten Macht, durch den offenen Absolutismus in den von den Südslawen bewohnten Ländern, durch den verkappten in dem engeren Ungarn kann sich die Regierung und die herrschende Clique einem schrecklichen Volksgerichte entziehen. Die Regierung eines solchen Landes hat nicht nur nicht das Recht, sondern wie wir hoffen wollen, auch nicht den Mut einen Krieg zu provozieren, dessen Ende unabsehbar. Wir bieten alles auf, was in unserer Macht steht, um durch die Kriegsbereitschaft der sozial- demokratischen Arbeiterschaft die Kriegslust der Herrschenden zu bekämpfen. Und unsere Arbeit ist nicht ganz erfolglos. Wir ersuchen Sie, dem russischen Proletariat und auch der ganzen russischen öffentlichen Meinung bekanntzugeben, daß in der territorial größeren Hälfte der öflerreich-ungarischen Monarchie: in Ungarn nicht nur die sozialdemokratische Partei, sondern die ganze Bevölkerung den Krieg mit Rußland oder mit einem der Balkanländer mit allen Kräften bekämpft. In unserem Kampfe gegen die Kriegshetzer leistet uns Ihre Zuschrift die besten Dienste, denn mit Ihren Argumenten können wir die in der offiziösen Presse verbreitete Legende über die Kriegslust der ganzen rusfischen Gesellschaft wirksam widerlegen. Mit brüderlichem Gruße Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Ungarns. polüeUictus» ßmchtlichea ulw. Gebessert entlassen. In die preußische Freiheit zurückgekehrt ist Genosse Schröder, Redakteur der Danziger„Volkswacht", der mit einer geringfügigen Unterbrechung seit dem 12. August vorigen Jahres das gastfreund- liche Brot'der Frau ThemiS genoß. Die Behandlung Schröders im Gefängnis war. von der ersten Zeit abgesehen, verhältnismäßig milde. Doch mußte unser Genosse von den acht Monaten seiner Straf- fünf in einer kleinen dunklen Zell- verbüßen. Auch daß Schröder das Abonnement einer Zeitung erst nach Verbüßung von 50 Strastagen gestattet wurde, ist beftemdlich. Am 15. Mai über- nimmt Schröder wieder die Redegierung des Danziger Parteiblattes. Die Justiz gegen unsere Presse. Die neueste Opferliste zeigt einen erheblichen Verlust an. Es sind im Monat April nicht weniger als 32 Urteile gegen Redakteure der Arbeiterpresse beziehungsweise Beteiligte gefällt worden. Im ersten Vierteljahr 1913 kamen 45 Preßprozesse bei den Gerichten zum AnStrag. Das Ergebnis für die Justiz war bei den 45 Pro- zessen. daß 3995 Mark Geld« und 14 Monate G-fängniSstrafe Heraus- kamen, jetzt sind bei den 32 Prozefien in einem Monat, worunter drei Freisprechungen, die Genossen insgesamt mit 4290 Mark Geld- und 18 Monaten und 3 Wochen Gefängnisstrafe bestraft worden. Somit in vier Monaten 8286 Mark Geld-, 2 Jahre L Monate 3 Wochen Gefängnis st rase. GewerkrchaftUcbea. Das Cdacbatum der britilcken 6cwerhrchaften. f London, 3. Mai.(Eig. Ber.) Ter letzte Regicrungsbericht über die Gewerkschastsbe- jvegung in Großbritannien, der soeben erschienen ist, bildet ein interessantes Dokument, da er sich mit dem für die eng- lische Arbeiterschaft so bedeutungsvollen Jahr 1911 besaßt. Es war das Jahr der großen Transportarbeiterstreiks, deren wichtigste Nachwirkung das Anschwellen der Gewerkschafts- bewegung war. Im Jahre 1911 hatten die registrierten Ge- wcrkschaftcn 2 378 9o7 Mitglieder. 269 999 mehr als vor zehn Jahren. Nur etwa die Hälfte aller bestehenden GeWerk- fchaften find registriert, aber die registrierten Organisationen haben � 89 Proz. der Mitglieder. Tie EntWickelung der registrierten Gewerkschaften veranschaulicht folgende Tabelle: Die Ziffern in dem letzten Jahre(1911) enthalten Ab- Züge verschiedener Art(im ganzen 168 199 Mitglieder), die in den vorhergehenden Jahren nicht gemacht wurden, so daß also das Anwachsen der Mitgliederzahl in dem Sturm- und Drangfahr in Wirklichkeit weit größer war als oben an- gegeben ist. Allein 12 große Gewerkschaften gewannen 274 769 neue Mitglieder. Zehn dieser Gewerkschaften sind Organisationen der Transportarbeiter und der ungelernten Arbeiter(General Labourers). Unter diesen 12 Gewerkschaften befindet sich nicht der Verband der Seeleute und Matrosen, der im Jahre 1911 um beinahe 59 999 Mitglieder wuchs. 12 der registrierten Gewerkschaften hatten im Jahre 1911 mehr als 59 999 Mitglieder. Tie größte war der Verband der Bergarbeiter Durhams mit 132 914 Mitgliederir.(In- zwischen haben sich drei Eisenbahnerorganisationen zu einem Gesamwcrband zusamniengeschlossen, der heute beinahe 299 999 Mitglieder umfassen und die größte englische Ge- wcrkschaft sein wird.) Das Einkommen der Gewerkschaften betrug im Jahre 1911 3 679 588 Pfund. Das inacht 1 Pfund 7ff> Schilling auf das Mitglied. An Unterstützungen wurden pro Mitglied durchschnittlich 19 Schilling bezahlt. Bei den Buchdruckern, die in dem Jahre in London einen langen Kampf führten, waren die Beiträge besonders hoch, sie beliefen sich auf vier Pfund pro Mitglied. Das Vermögen der Gewerkschaften betrug 6 326712 Pfund und war um 454 872 Pfund höher als im Jahre 1919. Tie reichsten Berufe waren: Bergarbeiter....... 1855 231 Pfund Metallarbeiter, Schiffbauer usw. 1 687 190. Tertilarbeiter....... 833 053, Transportarbeiter...... 814 193„ Heber die Anlage der Gewerkschaftsgelder wird ange- geben, daß zwei Drittel entweder in Bargeld oder Bank- depositen vorhanden waren, während ein Drittel in Staats- ?»dep Gemeindepapieren angelegt war. v.. Berlin und Hmgegcnd. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Delegiertenwahl für die Generaloersaminlung in Breslau wurden am Sonntag insgesamt 10 713 Stimmen abgegeben. Davon waren 10230 gültig. Gewählt wurden folgende 5tollegen: Bahls, Bauer, Bothe, Bredow, Deibrich, Devigneux, Dewitz, Erler. Franke, Frieß, Fritze, Fuchs, Gerecke, Gierth, Göyky, Grabow, Gräber, Grail, Groß- köpf, Hab all, Hirsch, I s m e r, I e r h, Kampfert, Kaßner, Koch, C., Köhler, Kraus, Künzel, Lauke, Liesack. Müller, H., Müller, K., Nelkner, Nieswand, Pan nicke, Papke, Radke, Richter, Samereier, Schrodeck, Stricker, Thiele, Vogeler. Bei der Wahl der Revisoren wurden' die Kollegen D rüg er und Gries wiedergewählt._ Die Ortsverwaltung. Zur Tarifbewegung im Baugewerbe Groh-Berlius. In Ergänzung unserer Notiz vom Sonntag, den 4. Mai, können wir mitteilen, daß auch die Maurer, Hilfsarbeiter und die Sektion der Betonbrauche dem von Herrn Magistratsrat v. S ch u l z ge- machten Vorschlag zugestimmt haben. Der Abstimmung gingen drei große Versammlunge» voraus, in welchen über die neuerdings vor sich gegangenen Verhandlungen Bericht erstattet wurde. Die Referenten empfahlen— hierbei dem Willen des Ber- trauenskörpers folgend— die Annahme des Vorschlages. In der Diskussion wandten sich mehrere Redner gegen das Angebot, da es nur in unvollkommenem Maße den Forderungen entgegenkommt. Sollte es dennoch angenommen werden, dann heißt es die Lieihen schließen, um bei den nächsten Verhandlungen, welche voraussichtlich in eine Periode günstigerer Konlunktur fallen werden, das zu erstreben, was jetzt vorenthalten worden ist, Der Verband der Baugeschäste wird heute Dienstag, S. Mai, zu der Frage Stellung nehmen. Tie Tarifbewegung der Mühlenarbeiter. Die Mühenarbeiter nahmen am Sonntag die Antwort des Arbeitgeberverbandes� auf die Eingabe der Arbeiterorganisation ent- gegen. In einem schreiben an den Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter teilte der Unternehmerverband der Mühlenindustrie im Austrage der ihm angeschlossenen Mühlen mit, daß diese i n allen Fragen, welche das Arbeitsverhältnis betreffen, nach wie vor nur mit ihren eigenen Arbeitern zu ver- handeln wünschen. In der Diskussion äußerten alle Redner ihre Entrüstung über diese Antwort. Es wurde erklärt, daß dieses Verhalten weiter nichts als eine Verschleppungstaktik darstelle. Man habe lange genug ge- wartet, jetzt heiße es handeln. Die meisten Redner verlangten, daß am Montag morgen die Arbeit niedergelegt werden müsse, die Unternehmer hätten lange genug Zeit gehabt, eine Entscheidung zu treffen. Bei den jetzt gezahlten Löhnen könne kein Arbeiter seine Familie ernähren, das habe ein Unternehmer selbst zugegeben. Zuletzt erteilte die Versammlung der Verbandsleitung de» Auf- trag, den Ärbeitgebern mitzuteilen, daß die Arbeiter es ablehnen, Verhandlungen mit den Unternehmern zu pflegen, diese Aufgabe viel- mehr ihrer Verbandsleitung übertragen. Die Glasarbeiter und-arvcitcrinncn bei der Firma Jsola. Schlefische Str. 26, sind nunmehr zur Abwehr der Maßregelung von 6 Kollegen in den Streik getreten. Obwohl der Versuch gemacht wurde, Verhandlungen herbeizuführen, stellte sich die Firma auf einen ablehnenden Standpunkt. Wrr erwarten nun- mehr, daß alle Kollegen und Kolleginnen strengste Solidarität üben und bei der Firma keine Arbeit annehmen. Auch die ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen werden ersucht, dort keine Arbeit anzunehmen, denn die Firma wird den Versuch machen, sich durch Heranziehung von solchen über Wasser zu halten. Hoch �ie Solidarität. Die Ortsverwaltung. I. A.: A. Schröder. Kerantw. Redakt.: AlfreVWielepp, Neukölln. Lnseratenteik verantp� Veutlcbes Reich. Neue Tiffereuze« in der Binnenfchiffahrt. Tie Schiffahrtsgesellschaften haben den antretenden Mann- schaften Verträge vorgelegt, nach denen zwar eine Lohnerhöhung von 5 M. pro Monat bewilligt wird, doch soll sie erst bei guter Führung am Jahresschluß zur Auszahlung gelangen. Das Deckpersonal weigert sich, die Verträge anzuerkennen, so daß die Wiederaufnahme der Arbeit nicht gleichmäßig vor sich geht. Eine Reihe von Firmen hat die Arbeitswilligen sofort entlassen und ihr altes Personal zu den neuen Bedingungen eingestellt. Welchen Umfang die neuen Differenzen annehmen werden, läßt sich noch nicht genau feststellen, immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß noch einige Tausend Deckleute weiter im Ausstande verharren. Die in den Hannoverschen Brotfabriken beschäftigten Bäcker stehen in einer Lohnbewegung. Sie fordern eine tägliche llstündige Arbeitszeit bei einem Wochenlohn von 26 Mark, die Anerkennung des gewerkschaftlichen Arbeitsnachweises, eine anderweitige Regelung der Bezahlung der Ueberstunden und Gewährung von Ferien. An der Bewegung sind beteiligt 121 beschäftigte Personen. Durch Verhandlungen war es möglich, in neun Betrieben mit 68 Beschäftigten diese Forderung durch Abschluß eines Tarif- Vertrages zur Anerkennung zu bringen. Eine am 2. Mai stattgefundene Versammlung beschloß dann, in allen Betrieben, in denen die Forderungen bisher noch nicht anerkannt wurden, die Arbeit niederzulegen. Diesem Beschluß kamen 35 der Beschäftigten sofort nach, 68 konnten zu den neuen Bedingungen in Arbeit bleiben und 18 Personen blieben stehen als Arbeitswillige. Von den Streikenden konnten sofort mehrere bei den tariflreuen Firmen in- folge Mehraufträge wieder in Stellung gehen. Das Gewerkschafts- kartell zu Hannover beschloß, über die nichtbewilligenden Firmen den Boykott zu verhängen. Streik in der Buchbinderei und Kartonnagenfabrik von Bufch u. Tolle in Arnstadt. Weil die Gehilfen nicht mehr mit Hungerlöhnen bis herab zu 16 M. wöchentlich und die Arbeiterinnen mit 4,50 M. zufrieden sein wollen, streiken dreißig Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Firma. Der Unternehmer erklärte, nicht mehr zahlen zu können und be- hauptete, es seien ihm von anderen Arnstädter Fabrikanten schon Vorwürfe gemacht worden wegen der von ihm bezahlten„hohen Löhne".� Dabei sind fast in allen Arnstadter Betrieben und Industrien die Löhne dank der kräftig aufblühenden Gewerkschafts- bewegung in den letzten Jahren wesentlich gestiegen und über- treffen die bei Busch u. Tölle gezahlten erheblich. Zu der „hohen" Entlohnung kommt bei Busch u. Tölle noch die Be- Handlung des Personals durch den einen Chef und die Werkführer, die geradezu unerhört genannt werden muß.— Eine merkwürdige Rolle spielen bei diesem Streik die Gutenbergbündler der Firma und ihr würdiger Faktor und Bundesgenosse A l b r e ch t. Letzteren sah man am Montag, den 23. April, mit dem Obergelben, dem Streikbrecherlieferanten aus der Fabrik kommen, allwo der Plan der Lieferung von Streikbrechern geschmiedet worden war. Ein Gutenbergbündler bezeichnete die Buchbinder als Lumpen. Tie Druckerlehrlinge müssen auf Anweisung des Bundcsagitators Albrecht Streikarbeit in der Buchbinderei bezlo. der Kartonnageabteilung verrichten. Und dabei geberden sich die Gutenbergbündler bei jeder sonstigen Gelegenheit als die Verfechter der Tarfgemeinschaftsidee. Hier unterstützen sie aber eine Firma, die grundsätzlich den Buchbindern, Kartonnagearbeitern und Holzarbeitern— letztere streiken deswegen auch— einen Tarif- vertrag verweigern._ Ter Bergarbeiterftreik in Oberschlesien. Aus dem oberschlcsischen Streikgebiet schreibt unS unser Korrespondent: Je länger der Streik dauert, um so größer wird die Zahl der Ausständigen. Heute haben wiederum 3000 e i.t er die Arbeit niedergelegt. In Kn u r ow sind 417 Mann der Belegschaft nicht eingefahren. Sie standen heute morgen 500 Meter vom Dorfe entfernt auf der Landstraße, als Gendarmen ankamen und die Leute mit der blanken Waffe auseinandertrieben. Einer erhielt einen Hieb an den Kopf, und einem andern wurde das Fahrrad zertrümmert. Darauf wurden die Arbeiter vier Kilometer weit nach Schomold getrieben. Von den 120 000 Bergleuten des oberschlesischen Reviers ist anzunehmen, daß mindestens 75 Proz. streiken. Das stimmt auch mit den Angaben über den Rückgang des Äohlenversandgeschästcs übercin. Die„Deutsche Bergwcrkszeitung" schrieb am 1. Mai: „Die Versandzissern sind etwa auf ein Drittel zurück- gegangen." Ferner bemerkte das Uniernchmerblatt:„Bei Aus- bruch des Streiks glaubte man allgemein, daß er sich nur auf wenige Tage beschränken würde, worin man sich indes getäuscht hat, da in der abgelaufenen(also der ersten) Woche auf fast allen Gruben ein stetig steigender Prozentsatz von Bergleuten der Arbeit fernblieb, der am Schluß der Woche den Höchstbestand erreicht haben dürfte. Es fehlten an mehreren Tagen durchschnittlich 50 Proz. der Belegschaft und darüber." Wie die Königliche Bcrgwerksdirektion Zabrze mitteilt, be- trug die Zahl der Ausständigen auf den fiskalschen Werken: auf Köngsgrube 933— 14 Proz. der Belegschaft, auf Königin-Luise- Grube 3455= 49 Proz., auf der Bcrginspektion Bielschowitz 2853= 61 Proz., auf Knurow 417= 20 Proz. der Belegschaft. Auf den anderen Gruben fehlten heute früh: Concordiagrubc 358, Hedwigs- Wunschgrube 1378, Ludtvigsglückgrube 475, Castcllengogrube 1234, Brandenburggrube 1465, Graf-Franz-Grübe 153, Abwehrgrube 850, Wolfganggrube 883. Auf der Wolfganggrube hat die Zahl der Streikenden nachgelassen. Auf dieser Grube werden mit die n i e d r i g st e n Löhne gezahlt. Ter Schichtlohn betrug: für die Hauer 4,08 M., für die sonst unter Tage Beschäftigten 4,12 M.. für die über Tage Beschäftigten 3,23 M„ für die jugendlichen Arbeiter 0,90 M., für die Arbeiterinnen 1,28 M., bei zwölf st ündigcr Arbeitszeit.— Wenn man bedenkt, daß die Wagcnfüllcr täglich 30 Wagen füllen müssen— jeder mit 18 Zentner Kohle— für einen Schichtlohn von 3— 1 M. in der drückenden Hitze eines Bergwerks, dann wird jeder den Berg- arbeitcrn bei ihrem Streik einen Erfolg wünschen. Wenn fügend»- liche Arbeiter für 90 Pfennig Schichtlohn die 20 Zentner schweren Wagen mitunter sehr steile Wege hinaufichieben. so ist das eine wahre Sklavenarbeit. Weil die oberschlesischen Arbeiter bisher jeder Organisation -erngeblieben sind, zwingt einige der Hunger, wieder in die Grube zu gehen, um einige Pfennige zu verdienen. Doch diie Mehrzahl hält aus, und wäre es auch ohne Unterstützung. Die Kasse der polnischen Berufsorganisation steht nicht gerade sehr günstig, und das ist die Hoffnung der Unternehmer. Doch hat die polnische Ver- einignng beschlossen, am 6. Mai die erste Unterstützung auszuzahlen. Der Bergarbcitervcrband zahlt die Unterstützung am 5. Mai aus. Auf den Eisenwerken und Zinkhütten ist nur noch wenig Kohle; halten es die Arbeiter noch einige Wochen aus, dann müssen die Unternehmer nachgeben. Bis jetzt denkt die Mehrzähl der Streiken- den gar nicht daran, die Arbeit wieder aufzunehme», ohne Erfolge errungen zu haben. Unverständlich ist es. daß die Regierung und? die Kommunen dem Kampfe zusehen, ohne vermittelnd einzugreifen. Harte Gerichtsurteile gegen Streikende. Die Gerichtspraxis, daß. während eines Streiks die harmlosesten Bemerkungen gegenüber Arbeitswilligen als Bedrohungen angesehen und dementsprechend hart bestraft werden, kommt jetzt wieder im Krefelder Färberstreik zu unrühmlichen Ehren. Es sollen bereits eine 'Ttz.Glocke.Berl'N. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. ii Verlagsanstalt ganze Anzahl Klagen erhoben worden sein. Einige kamen schon zur Aburteilung, wobei sich auch hier wieder zeigte, daß die Göttin Justitia zur Zeit des Streiks hitzigere Auffassungen über solche Ber- brechen hat, als bei kühler Ueberlegung in späterer Zeit, nach bc- endetem Streik. Als Beweis dafür folgende zwei Fälle. Als ein Arbeitswilliger aus einer bestreikten Färberei in Krefeld kam, wurde er von dem Streikposten stehenden Färber Heinrich E. angesprochen und gefragt, ob er die Arbeit wieder aufnehmen wolle. Als der Arbeitswillige die Frage der Wahrheit entgegen verneinte, hatte E. geäußert:„Das wolle er auch nicht hoffen". Hierin erblickte das Schöffengericht in der Verhandlung am 3. Mai die „Bedrohung eines Arbeitswilligen" auf Grund des § 153 der Gewerbeordnung und verurteilte E. zu einer Woche Gefängnis.— Dasselbe Gericht hatte in voriger Woche einen streikenden Färber, der zu einem Arbeitswilligen sagte, daß er es wohl noch bereuen werde, Ivenn er seinen Kollegen in den Rücken falle, sogar zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen beide Urteile wird Berufung eingelegt. Tlusland. Der Achtstundentag der italienischen Marmorarbeiter! Rom, den 3. Mai.(Eig. Ber.) Nach mehrwöchentlichem Streik haben die Arbeiter der Marmor- Werkstätten von Carrara die Arbeit wieder aufgenommen und zwar nach der Eroberung des Achtstundentages! Sowohl die Taktik des Streiks als die Schlutzabmachung mit den Unter- nehmern dürfte von internationalem Interesse sein. Ursprünglich er« streckte sich der Streik um den Achtstundentag auf die drei größten Marmorzentren Italiens, nämlich auf Carrara, Massa und die Region Versilia. In Massa und Versilia sind aber die Marmorarbeiter wenig organisiert und auch wenig im wirtschaftlichen Kampfe erfahren, während von denen von Carrara das gerade Gegenteil gilt. Es wurde daher, um eine Schädigung der ganzen Bewegung zu verhüten, von der Arbeiter- kanimer von Carrara das Abkommen getroffen, daß sich die Marmor« Unternehmer(es handelt sich um die Werkstätten und Sägereien, nicht um die Arbeiter der Steinbrüche) von Versilia und Massa ver- pflichteten, die Bedingungen anzunehmen, unter denen seinerzeit der Streik in Carrara beigelegt werden würde; für diese Zugeständniste nahmen die Arbeiter von Versilia und Massa die Arbeit wieder auf, was den Vorteil hatte, daß die Unternehmer von Carrara durch die Konkurrenz der beiden anderen Zentren empfindlich geschädigt wurden, während die Arbeiter dieser Zentren durch Fortdauer ihre? Ver- dienstes in der Lage waren, den Kollegen von Carrara finanziell beizustehen. Jetzt haben nun die Industriellen von Carrara unter den folgenden Bedingungen nachgegeben: Die Arbeiterkammer von Carrara verpflichtet sich, den Achtstundentag auch von den Unternehmern von Versilia und Mafia zu erzwingen; falls diese sich weigern, wird �in ihren Betrieben sofort der Ausstand proklamiert, und eventuell werden ihre Werk- stätten in Verruf erklärt werden. Gelingt es trotzdem nicht, den Achtstundentag auch in diesen Zentren mit schlechter gewerkschaftlicher Organisation durchzusetzen, so werden die Arbeiter von Carrara für die Dauer eines Jahres sich zu der Arbeitszeit verpflichten, die die Bewegung von Versilia und Massa als Endergebnis erzielt. Bleibt es aber in dem ganzen Marmorrevier bei dem durch die Arbeiter von Carrara erkämpften Achtstundentag, so soll dieser Vertrag zehnjährige Dauer haben. Diese Taktik stellt einen klugen Versuch dar, den Jnteressenkonflikt konkurrierender Unternehmer auszunützen und einer schwach organi- sierten Arbeiterschaft die Vorteile der besser organisierten zuzuwenden. letzte IHachrichtcm Tic Stimmung in Paris über den Ausgang der Skutarikrisc. Paris, 5. Mai.(Privattelegramm des„Nor- wärt s".) Montenegros Rückzug wird hier b e g r ü ß t, weil er Italien und Oesterreich den Vorwand einer albainschen Intervention nimmt. Unverkennbar würde eine Jnter- vention aus die Opposition der Ententeniächte stoßen, auch die Treibereien Essads seien kein V o r w a n d zu einer Jnter- venlion.„Tebats" meint, Albanien, wo die Anarchie Jabr- hunderde lang herrsche, könne noch einige Wochen warten, bis Europa ihm eine Regierung oktroyiere. Ismail Kemal sei ebensowenig zu seinem Vorgehen berechtigt wie Essad. Drin- gend erforderlich sei, daß die Londoner JSnteittevertreter eine internationale Besetzung Skutaris durch Flotte ndetachc in ents durchsetzen, um damit kundzugeben, daß Europa nicht die einseitige Regelung der Skutari- frage wolle. Diese Auffassung entspricht offenbar den Mei- nungen hiesiger leitender Kreise, die über die russischen In- trügen, denen Jswotkis Organ, der„Temps", dient, verstimmt waren.__ Tcr Aufstand in Marokko. Rabat, 5. Mai.(W. T. B.) Tic Kolonne Mangin lagerte am 27. und 28. April bei Aliberahim im Tal des Umerrebia mrd zerstreute die aus den benachbarten Höhen versammelten Feinde. Ein am 28. April abends vom Feind unternommener erbitterter Gegenangriff wurde zurückgeschlagen. Am 29. April lockte Mangin den Feind durch eine» vorgetäuschten Rück- zug nach sich und schlug ihn dann in die Flucht, bei der viele Tote zurückgelassen wurden. Auf französischer Seite wurden fünfzehn Tote, darunter ein Offizier, und 25 Verwundete gezählt. Ter Feind hat sich entmutigt in die Berge des Atlas zurück- gezogen.__ Ein vcrcitcltcr Bombenanschlag. London, 3. Mai.(W. T. B.) Auf einem Postamt im Südost- bezirk Londons wurde unter Briefen beim Sortieren eine Sendung ohne Adresse gefunden, die ein« N i tr o g l h z« r i n b o m b e«nt- hielt. Die Ladung war stark genug, um das Gebäude, in dem mehrere hundert Mann arbeiteten, in die Luft zu sprengen. Man vermutet einen Anschlag von Anhängerinnen des Frauenwahlrechts. Gemildertes Urteil gegen Gvmpers und Genoffen. Washington, 5. Mai. Der Appcllgcrichtshof des Distriktes Columbia hat das Gerichtsurteil der unteren Instanz aufgehoben, welches Samuel Gompcrs� Frank Morrison und John Mitchell, die Führer des amerikanischen Arbeitervcr» bandes, der Mißachtung des Gerichtes schuldig sprach, weil sie den Namen der Ducks-slovc and Range-Gesellschast in St. Louis auf die von dem Verband vor mehreren Jahren herausgegeben� schwarze Liste gesetzt hallen. Die Strafen wurden demgemäß ermäßigt: bei Gompers von einem Jahre Gefängnis auf 30 Tage, bei Morrison von sechs Monaten Gefängnis ans eine Geldstrafe von 500 Dollar und bei Mitchell cbciisalls auf 500 Dollar Geldstrafe. Ter Ober- richter, der diese abweichende Ansicht vertrat, drückte die Meinung aus, das Urteil der uutercu Instanz müsse abgeändert werden. � Tics, glaubt man, werde weiteren Berufungen den Weg öffnen. faul Singer 4Co.,SöerRnSW, Hierzu3LelI«�enö7RnterbaltünM7 fem saito i. Keilllge Ks„VorMg" Kerlilltt AIKglllM. Zum Kandta; echt preuklicher I'srlzmentzrizmu!. Tie preußischen Konservativen wird niemand in dem Verdacht Iwben, daß sie Enthusiasten das Parlamentarismus wären. Ihr Wahlspruch, den sie allen Versuchen, parlamentarische Zustände in Deutschland einzuführen, entgegensetzen, ist und bleibt das alte bewährte:„Und der König absolut, wenn er unfern Willen tut!" Nur wenn er gegen die Portcmonnaieintercsscn der regierenden Lunker handeln möchte, wie beim Mittellandkanal, der uns billige- res Getreide schaffen könnte, wie bei der Wahlrechtsreform oder in jener schon sagenhaft gewordenen und längst überholten Zeit, da der König erklärte, den Brotwucher des Großagraricrtnms nicht mitmachen zu wollen— nur in solchen Fällen erwacht auch in der Treiklassenmchrhcit so etwas wie der Stolz eines Parlaments, und der Wille, den verfassungsmäßigen Einfluß des Landtags durchzu- setzen und dann haben des Königs verantwortliche und faßbare Ratgeber böse Tage bei den Patcntmonarchisten, die sonst die Treue zum Thron gepachtet haben. Dann schlägt Rabe von Pappcnheim mal auf den Tisch und ein Minister ist alsbald gewesen und staunend blickt das unkundige Ausland auf das unvermutete Schauspiel des starken Parlaments der starken Männer, die nach jenem Junker weniger Intellekt brauchen, als sie keine Nerven haben dürfen! In Wahrheit ist die unbedingte Königstreue der Schwarz- blauen ja nur ein Geschäft aus Gegenseitigkeit. Sie stützen den Thron, solange sie auf ihn ihre Interessen stützen können. Oft genug ist das durch die Tat bewiesen worden und niemand im Lande kann darüber noch getäuscht werden. Wenn weite Kreise urteilsfähigerer Schichten so tun, als wären sie von der Wahrheit der„patriotischen" Beteuerungen überzeugt, so nur deshalb, weil sie selbst Teilhaber an diesem Gegenseitigkcitsverhältnis sind, das dem zwischen Staat und Kirche, zwischen dem ausbeutenden Kapital und der Herzensgcmeinschast der Mühseligen und Bcladenen ver- zweifelt ähnlich ist. Wir sehen also, wie es um den parlamentarischen Geist der Mehrheit dieses Preußenparlaments bestellt ist. Trotzdem tut sie gegen die Minderheit, als ob die Ehre des Parlamentarismus in ihre Hand gegeben wäre. Es ist zwar gang und gäbe bei den Junkern, die Redner der Opposition, also vor allem die Sozialdemokraten in rüpelhafter Weise anzuflegeln— man erinnere sich daran, wie setzhin einer von dieser Sorte im Reichstag dem Abgeordneten Davidsohn zurufen zu müssen glaubte, daß D. noch immer dieselben Hosen trage, wie damals, als er nach Berlin kam sHeiterkeit!!) Uder daß letzthin im Landtag, als Liebknecht feststellte, daß der Minister sich eben entfernt habe, die Rechte geistvoll rief:„Können Sie ihm das verdenken?"— aber wehe dem Oppositionellen, der mit gleicher Münze zu antworten wagte, wehe dem Polen, der die verfassungswidrige Rechtsungleichheit gegen seine Polengenossen als eine Schande bezeichnet, wehe dem Sozialisten, der von der Bolksfeindlichkcit dieser volksfrcmden Machthaber zu sprechen wagte! Da hagelt es Ordnungsrufe, die die Konservativen nun auch bei dem Herrn Grafen v. Schwerin durchgesetzt haben, da wird vom Stuhl des Präsidenten erklärt, daß man Kardorffs Beschuldigung igegen Liebknecht, daß �r dne Interessen des Auslandes vertrete, zwar gerügt, Ströbcls Brandmarkung dieses junkerlichen lieber- griffs aber zur Ordnung gerufen haben würde. Und wenn dann der Sozialist erregt remonstriert, weil der Präsident zwar dem freikonscrvativen Lnndrat, nicht aber auch ihm Aufcgung zugute balten will-— da schneidet man ihm das Wort ab, noch che der Wrüllchorus von rechts den gewünschten Erfolg erzielt hat. Besteht also der cchtprcußischc Parlamentarismus einmal darin, daß ihm gegenüber sogar die Regierung manchmal noch moderner erscheinen muß, so findet er seine würdige Vollendanig in der brutalen Unterdrückung der Minderheit, der Opposition, die die Volks- Mehrheit vertritt, der man nicht zugestehen will, daß sie ein Subjekt � v!♦ der Gesetzgebung sein dürfe und der man zum passendsten Zeichen dieser Mißachtung sogar die Vertretung in den wichtigen Kom- Missionen des Hauses, vor allem in der Budgetkommission ver- weigert. Anders kann dieser Parlamentarismus erst mit der r a- dikalcn Aendcrung seiner Grundlagen, des Wohl- rechts werden! k'l'eukiiche Sozialpolitik. Tic Gewerbeaufsicht ist, der Verfassung zum Hohn, nicht rcichsgesetzlich geregelt. Sie ist Landessachc. Kein Wunder, daß sie in Preußen als sozialpolitische Bremse dient. Das bißchen gesetzlicher Arbcitcrschutz verschlechtert unzulängliche Aufsicht in erheblichem Maße. Die nachfolgenden Angaben aus dem Berichte der königlichen Gewerberätc und Fabrik- inspcktorcn bezeugen das in hinreichend ausgiebiger Weise. In Preußen wurden im Jahre 1912 von den der Aufsicht unterstehenden Betrieben nur ö 1.0 Proz. revidiert, 2 534 685 ungesetzliche Ueberstunden für Arbeiterinnen erlaubt, 1 389 393 Stunden Sonntagsarbeit gestattet. 24,6 Millionen Stunden Uebcrarbcit in der Eisengroßindustrie ermittelt. Verstöße gegen die Schutzbcstimmungen wurden in 9529 Betrieben ermittelt, wegen der Nebertretungen 2015 Unter nehmer bestraft. Die meisten Urteile lauteten auf 1 bis 3 M. Geldstrafe. Bei der Aufsicht wirken keine Arbeiterkontrolleure mit; man weigert sich solche einzuführen. Wohl gibt es einige weibliche Hilfsorgane aber keinen einzigen selbständigen Aussichtsbeamten. So arbeitet das Dreiklasscnparlament? Dilfidenlenhindcr in Preußen. Zwar bestimmt das Allgemeine Landrecht, daß Kinder, die in einer anderen Religion, als sie in den öffentlichen Schulen gelehrt wird, nach den Gesetzen des Staates erzogen werden sollen, dem Rc- ligionsnntcrricht in derselben beizuwohnen nicht gehalten werden dürfen. Zwar gewährleistet der Artikel 12 der Verfassung die Frei- hcit des religiösen Bekenntnisses. Zwar sagt die Verfassung, daß der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte unab- hängig von dem religiösen Bekenntnisse ist und. daß den bürgerlichen und staatsbürgerlichen Pflichten durch die Ausübung der Religions- freihcit kein Abbruch geschehen darf. Aber über diese Zwirnsfäden des Allgemeinen Landrechtes und der preußischen Verfassung setzt sich die Unterrichtsverwaltung spielend hinweg, indem sie D i s s i- denten zwingt, ihre Kinder am Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Vor Lv Jahren stand die Unterrichtsverwaltung ans einem vernünftigeren Standpunkt. In einem Erlaß des damaligen Kultusministers v. B e t h m a n n H o l l w c g aus dem Jahre 18öö ist ausdrücklich gesagt, daß Tissidcntenkindcr von der Benutzung des in der öffentlichen Schule erteilten Religionsunterrichts frei zu lassen sind sobald nachgewiesen wird, daß sie außerhalb der Schule Religionsunterricht erhalten, und es wird hinzugefügt, daß als solcher Religionsunterricht der von dem Prediger der bc- treffenden R c l i g i o n s g c s c l I s ch a f t erteilte Unterricht anerkannt wird. Dieselbe Haltung beobachtete der Kultusminister Falk in seiner Verfügung vom Jahre 1872, wonach Schüler, welche in einer Religion erzogen werden solle», für die im allgemeinen Lchrplan der betreffenden Anstalt Unterrichtsstunden nicht ange- setzt sind, ohne weiteres dispensiert werden sollen, sowie in einer kleines feuUleton Für Ueberseerciscndc! Bekannt sind die beiden Fälle, wo arme, deutsche Schiffsjungen deswegen nicht unterstützt werden konnten von deutschen Konsulaten, weil sie keine Erlaubnisscheine zum Desertieren bei sich hatten, wobei sie doch selber zugaben, desertiert Zu sein. Im folgenden sei ein anderer Fall erzählt,, der nicht weniger lehrreich ist: Es war ein furchtbares Unglück passiert, ein Ozeandampfer war tn der Nähe der Küste von Südamerika gestrandet. Frau und Kind und Mann und Maus, alles ging unter, nur gerade zwei Deutsche konnten sich retten, weil sie zufällig Nachtwandler waren und sich tm Augenblick der Katastrophe im Takelwcrk ergangen hatten. � Wie das für Nachtwandler sich gehört, hatten sie nur gerade jeder das Hemd auf dem Leibe. Ein Schäfer erbarmte sich ihrer und riß seinen Mantel in zwei Teile und gab jedem die Hälfte; so angetan mit Hemd und halbem Schäfermantcl erschienen sie auf dem deutschen Konsulat: „Haben Sie Ihre Geburtsurkunde?" frug sie der Beamte. „Aber wir sind doch...." „Ich verstehe, Sie meinen: es untersteht keinem Zweifel, daß Sie geboren sind, auch weiß ich, daß Sie Deutsche sind, denn Sie sprechen einen tadellosen Dialekt, aber es wäre doch gut gewesen — immerhin, das Konsulat wird Sic unterstützen, denn Sie sind in hiesiger Gegend ohne diese Unterstützung verloren. Wollen Sie dillc Ihre Impfscheine vorlegen." Die beiden wurden blaß und grün: ..Wir bedauern...." „Was, Sic haben keine Impfscheine— keine Impfscheine!" — Mit gehobener Stimme:„Meine Herren, ein Deutscher, der keinen Impfschein bei sich hat. gilt nicht mcbr als Deutscher und hat jedes Recht auf eine vaterländische Unterstützung verloren." So sprach der gestrenge und korrekte Beamte, drehte den Beiden den Rücken zu und ging. Allsogleich kam ein schwarzer Diener und geleitete die Beiden vor die Türe, die sich hinter ihnen schloß. So mußten sie elendiglich zugrunde gehen. F. S. Der Regisseur. Unter den so verschieden betitelten Referaten des Regiekongresses barg sich durchweg das Bedürfnis, über das Wesen des ThealerregisseurS einmal theoretische Klarheit zu schaffen. Man erinnerte daran, daß man vor einem guten Jahrhundert unter einem Regisseur einen Finanzbeaniten verstand, daneben'„auch beim Theater" einen Angestellten mit ähnlichen Funktionen und daß selbst heute noch von dem Gros des Publikums wie der Kritik die Regie- «rbeit als die des„Tapeziers" angesehen wird. Die Ursache dieser Verkennung liegt zunächst darin, daß der Zuschauer den Regisseur Vicht in seinem eigentlichen Wirken, l andern nur in seinen Wirkungen kontrollieren kann. Hier läge der Vorschlag imhe, die Kritik gelegentlich «uch zu den Proben zuzulassen. Ferner ist die Bedeutung des Regisseurs •l« eines selbständigen produktiven Faktors der Aufführung dem heuligen Zuschauer zuerst durch dre Ausstattungskünste Max Rein- Hardts ins Bewußtsein gedrungen, der sich nun aus dem Dekoration?- 'egisseur w einen wirklichen Schauspielleiter gewandelt hätte. Das ExpansionSbediirfnis einer zum Selbstbewußtsein erwachten Berufsgruppe schont natürlich den Nachbar nicht im geringsten. Wenn demnach gefordert wird, daß der Regisseur den Dramen- text nach Bedürfnis redigieren, die Rollen nach seinen Intentionen besetzen, die dekorativen und technischen Mitarbeiter an der Leine haben darf, dann sinkt der bisherige Direktor zum reinen Verwaltungsbeamten herab. Konsequenlerweise müßte der Regisseur auch die Stücke annehmen und die Schauspieler engagieren. Diese„Degradierung" des Direktorats wäre kein Unglück, da nach neuester Hebung zur Bekleidung dieser Würde lediglich geschäftliche Routine oder Unbedenklichkeit befähigt, während die Kunst genot- züchtigt oder prostituiert wird. Tann aber würde auch der— im Sinne künstlerischer Regie— besserungsbedürftige Autor zu einem Verfertiger von Halbprodukten, die die vollendende Arbeit des � Regisseurs erst verkaufsfertig macht. Auch dieses Ergebnis wäre nicht so entwürdigend, so lange der dramati- sierende Nachwuchs nicht in der Lage ist, seine Kenntnis des praktischen Bühnenbetriebs. statt auS fertigen Aufführungen, aus dem lebendigen Wachstum der Proben zu erwerben. Könnten die Regisseure wirklich,� unter entsprechenden gesetzlichen und Wirtschaft- lichen Garantien für sich selbst, ihren Jdealtyp mit der Vcrantwort- lichkeit für ein so ausgedehntes künstlerisches Rechtsgebiet heran- bilden, dann würden sie nicht nur Schauspielleiter sein, sondern gleichzeitig Führer und Lehrer für den produktiven wie für den kritischen Theaterschriftsteller werden. alc. Der Eisbergjäger. Die Katastrophe der„Titanic" hat bekannt- lich den seefahrende» Nationen den Plan nahegelegt, auf geineinsame Kosten eine Ueberwachung des Nordatlantiichcn' Ozeans zur Fest- stellung der Lage und des Zuges von Eisbergen einzusühren, um die Wiederholung eines so furchlbaren Unglücks zu verhindern. Es wurde auch berichtet, daß England, das ein besonderes Interesse an dieser Frage hat, einen Anfang zur Lösung dieses Problems gemacht hat, indem es ein für den Widerstand gegen Eisdruck geeignetes Schiff in eine schwimmende Beobachtungsstation verwandelt hat. Ueber dieses Schiff, das vor einiger Zeit von Dundee abgefahren ist, werden in der„Nature" einige nähere Angaben gemacht: Die„Scotia", das Schiff der schottischen Südpolarexpedition von 1903, mit Appa- raten für drahtlose Telegraphie für weite Entfernungen ausgerüstet, so daß es mit den Stationen von Neufundland' und Labrador in Verbindung treten kann. Zu seiner Besatzung gehören ein Hydrograph, ein Meteorologe und ein naturwissenschaftlicher Forscher. Mehrere Laboratorien, darunter eins für Meeresbiologie, sind an Bord eingerichtet. Das Schiff führt Flugdrachen mit sich, die Instrumente zur Untersuchung der Luftströmungen und atniosphä- rischcn Erscheinungen mit hochheben sollen. Es wird das erste Mal sein, daß in diesem.Teile des Atlantische» Ozeans derartige Unter- suchungen angestellt werden. Zu den Aufgaben, die auf das Pro- gramm der Mission gesetzt sind, gehört es auch, den Einsturz der Eisberge genau zu beobachten, die Zeit zu bestimmen, in der die Auflösung beginnt, und die Richtungen festzustellen, in denen die Eisberge sich bewegen. Die Beobachtungen, die auf der„Scotia" gemacht werden, sollen durch drahtlose Telegraphie an die Land- Nationen weitergegeben werden, um den großenSchiffsgesellschaften weiteren Verfügung vom Jahre 187ö, wonach �die Dispensation der Kinder von Dissidenten, die in giltiger Form aus der Landeskirche ausgetreten sind, nicht erst von besonderen Bedingungen abhängig gemacht werden darf. Aber schon 1892 setzte die R e a k t i o n ein. Der Kultusminister v. Zedlitz-Trützschlcr verfügte, daß der Vater eines schul- Pflichtigen Kindes selbst dann, wenn er für seine Person einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft nicht angehört, gleich- wohl verpflichtet ist, das Kind, an dem Religionsunterricht in der öffentlichen Volksschule teilnehmen zu lassen, sofern er nicht den Nachweis erbringt, daß für den religiösen Unterricht des Kindes anderweit nach behördlichem Ermessen in ausreichender Weise ge- sorgt ist. Seitdem hat diic Reaktion immer weitere Fort- schritte gemacht. Während sogar der doch gewiß nicht freihcit- lichen Ideen zugängliche Minister Bosse im» Jahre 1893 aus- drücklich erklärte, daß der Zedlitzsche Erlaß auf die höheren Schulen nicht ohne weiteres Anwendung findet, da er sich auf die Vorschriften über den gesetzlichen Schulzwang gründe, welche für die höheren Schulen keine Geltung haben, und während Bosse ein Jahr später seinen Erlaß dahin erläuterte, daß nur bei der Volksschule die Tissidentcnkindcr zwangsweise zum Religionsunterricht heran- zuziehen sind, hat sein Nachfolger sich nicht gescheut, diesen Ge- wisscnszwang auch auf die Kinder auszudehnen, welche öffentliche und private höhere Lehranstalten besuchen. Angesichts dieser von dem jetzigen Kultusminister ausdirücklich gebilligten Haltung wäre es höchste Zeit, daß der Landtag endlich einmal die Befreiung der Dissidcntenkindcr vom Religions- Unterricht gesetzlich fe st legte. Ein dahin zielender von natio- nallibcralcr Seite gestellter Antrag ist leider über die Kommissions- vcrbandlungcn nicht hinausgekommen. Die konservativ-klcrikale Mehrheit de? Abgeordnetenhauses hat es verstanden, die Plenar- bcratung dieser so wichtigen Frage zu hintertreiben. Vermutlich wollten die Konservativen ihren Freunden vom Zentrum die Ilnan- nchmlichkeit, Farbe zu bekennen, ersparen. Soziales. Heimarbeit. Soviel über diesen Zweig kapitalistischer Unkultur geschrieben werden mag, das, was sich lüer an Verbrechen Wider das Volkswcchl versteckt, wird immer nur schwach geschildert. Und doch genügt ein Blick in das unfaßbare Elend, um vom Jammer der Menschheit in den tiefsten Tiefen aufgewühlt zu werden— wenn nicht un- gebändigte Profitgier alles menschliche Gefühl erstickt. Einige Streiflichter auf das Elend der Heimarbeit wirft eine Veröffentlichung von A. Ar. Goldschmidt,„Heimarbeit". Ernst Reinhardt, München 1913. Schandbar niedrig sind die Löhne in der Münchener Kleider- und Wäschckonfcktion. So niedrig,„daß der Arbeitgeber mit dem Zuschuß zu rechnen scheint, der aus der Prostitution zufließt. Tu- zu kommen die traurigen Wohnungsverhältnisse.... So muß der materielle Gewinn aus der Prostitution das Arbeiterdasein zu mildern suchen.... Es sind arme, unglückliche Menschen, die die soziale Organisation so'zur Prostitution zwingt, die so zu ihrem materiellen Elend noch die seelischen Kämpfe auf sich nehmen müssen, die ihre Lebensweise früher oder später mit sich bringen muß." uf Da vernimmt man, bürgerlich gedämpft, das Verdammungs- urteil wider de» Kapitalismus. Der Fluch des Armscins ist kapi- lalistisches Verbrechen. Doch hören wir, oder schauen wir weiter. Aus der Talmkindustrie im Großhcrzogtum Hessen erblickt das geistige Auge diese Bilder: „In einer Stube, die als Aufenthaltsraum für die ganze Familie diente und deren einziges Fenster auf einen Platz vor dem Hause ging, rippte eine Frau mit ihrem dreizehnjährigen Sohne Tabak." „Beim Tabakrippen sitzen in einem mit zwei Betten belegten Zimmer eine Werkmeisterswitwe, ihre beiden Kinder von 14 und zu ermöglichen, die Reiselinien ihrer Dampfer je nach den Ei;° Verhältnissen des Ozeans zu bestimmen. Humor und Satire. Er auch! Slachdem sich nun der PFTA. im Lauf der Jahre etwa? beruhigt hätten,— beginnt jetzt— Gott behüte!— auch der Junge die Feder zu glätten. » So das ganze Jahr Rennen, Kasernenhof, Dienst, die Ställe, Galopp und Trab— da wird man schon ein bißchen weltfremd und rückt von dem Leben ab.... * Zugegeben: Das Schreiben ist nicht so einfach, wie im Pennal, da gab es eben immer eine Drei; aber Zivilisten sind leine Oberlehrer und kritisieren so allerlei. * Also nun soll alle? noch einmal kommen: Krach, laute Reden, Trompetengeschmetter... Wut, Aerger, Schaden, wie damals— bis in die entferntesten Zeitungsblätter? Dazu der Kampf. Proteste, Freude über die endlich errungene Ruhe...? Und nun alles noch mal: polternde Jugend und alleS zertrampelnde Kinderschuhe..? Liegt es im Blut? � Wir hoffen nicht. Aber wenn er so will... gibt es loieder ein sehr umnilitärisches Gezisch! Er mit dem Säbel,— und wir mit der Faust auf den Tisch! I g n a z. Nottze«. — DieneneCharitäilinik. Der Um- und Neubau des CharitökraukenhauseS hat wieder eine neue Etappe erreicht: die erste medizinische Klinik wurde am Montag neu eröffnet. — Neuengageinents desDeut schenOpernhauses. Im Hinblick auf die mit dem 1. Januar 1914 beginnenden Wagner» Aufführungen hat die Direktion eine Reihe Neuengagements ab- geschlossen. Melani Kurt vom kgl. Opernhause ist als erste dramatische, Elisabeth Boehm-van Endert vom gleichen Institut als jugendlich- dramatische Sängerin gewonnen worden. Heinrich Knote, der � bekannte Heldentenor der Müiichener Hofoper, kommt ebenfalls nach Charlotrenburg. Als erste Tenöre sind weiier verpflichtet worden: Paul Hansen aus Kopenhagen und Adolf L ö l t g e n aus Dresden. Neu. aber noch wenig bekannt sind die lyrischen Tenöre Jacob Maikl und Hugo Hermann. Werner Engel. Heldcnbariton, und Jean Müller, Bassist vervollständigen die Liste der Neuengagc- ments. Durch diese Vermehrung des EnsenbleS wird der Gagenetat um 150 000 M. erhöht, in welcher Summe jedoch auch noch Ver- stärknngen von Chor und Orchester eingeschloffen sind. 9 Jahren und eine über 79 Jahre alte in Pflege genommene Frau oft bis 12 und 1 Uhr nachts; einer der Ballen dient der neunjährigen Tochter und ihrer lungenleidenden Schwester von 12 Jahren, der andere der alten Frau, während die Mutter mit ihrem vierzehnjährigen Sohn in einem dunklen, nur durch einen Vorhang von der Küche getrennten Raum in einem Bett schlafen." «Neben einer in einer kleinen Küche mit Tabakrippen be- schäftigten Frau liegt auf dem Küchentisch ein Kind von wenigen Monaten, tvährend ein noch nicht ganz zweijähriges Kind auf feuchten Rippen sitzt und spielt. Ein Pflegekind schläft in der kleinen Nebenkammer...." Der Verfasser, ein Schüler Brentanos, fordert u. a.:„Fest- legung eines gesetzlichen Lohnminimums nach dem Grundsatz, daß für gleiche Leistungen in Haus- oder Fabrikindustrie gleiche Löhne zu zahlen sind." Die jetzigen Bestimmungen über die Heimarbeit seien vollständig untauglich. Ein wirksamer Reformfaktor sei die Organisation der Heimarbeiter. Sie muh die Widerspenstigen zu der Einführung menschenwürdiger Verhältnisse zwingen. Raffgier und Schmutzlonkurrenz bilden das schwerste Hemmnis.„Einige Unternehmer haben mir erklärt, ,sie fänden die Forderungen ihrer Arbeiter vollkommen berechtigt, jedoch könnten sie einzeln wegen der Konkurrenz an dey bestehenden Verhältnissen nichts ändern; auch sei eZ aus Konkurrenzneid unmöglich, alle Unternehmer derselben Branche zum gleichzeitigen Vorgehen zu veranlassen." Da kann eben nichts anderes helfen als ein Gesetz mit Mindest- lohnen sowie scharfen Strafbestimmungen und eine starke Arbeiter- organisation. Man kann dem Verfasser schon folgen, wenn er meint, nur dann, wenn das Gesetz energisch eingreife,„kann die Gesellschaft ein Nichtschuldig auf die entsetzliche Anklageschrift er- warten, die die Geschichte der EntWickelung und Ausartung der Heimarbeit Deutschlands teilweise darstellt." Das Nichtschuldig könnte sich allerdings nur auf die Zukunft beziehen und auch nur bedingt, denn die gesetzliche Regelung der Heimarbeit allein beseitigt noch nicht die aus der kapitalistischen Gesellschaftsordnung entspringende fürchterliche Ausbeutung der Arbeitskraft. Weit über die durch den Kapitalismus bedingte Aus- beutung hinaus fördert und steigert der Staat die Auspowerung durch sein passives Verhalten in der Frage der Heimarbeit. Hat doch Regierung und Reichstag erst vor zwei Jahren abgelehnt, Lohn- kommissionen zur Festsetzung von Minimallöhnen einzusetzen. Und das, wiewohl Australien und neuerdings England vorzügliche Er- folge in der Bekämpfung der Hungerlöhne durch solche Einrichtung erzielt hatten. Ein Kampf um die Invalidenrente. Der Kampf eines armen Mannes um die Invalidenrente kam jetzt beim Oberversicherungsamt in Chemnitz zum Abschluß. Der Wollsortierer Gränitz hatte am g. September 1911 Antrag auf Gewährung der Invalidenrente gestellt. Er war dann vom Hof- rat Dr. Reichelt untersucht und seine Erwerbsfähigkeit au� 49 Proz. geschätzt worden. Gränitz leidet von Kindheit an an emer Lüh- mung der rechten Körperhälfte. Dadurch ist er immer vermindert arbeitsfähig gewesen. Durch einen Fall erlitt er noch einen Bruch der linken Kniescheibe. Dadurch ist der Mann nahezu hilf- loS geworden; ohne Stock kann er sich nicht aufrecht erhalten, dem Körper fehlt die Balance. Zur Begründung des Antrages auf Gewährung der Inda- lidcnrente war noch ein Gutachten vom Sanitätsrat Dr. Gutte beigezogen worden, das die Erwerbsfähigkeit deS Mannes auf 25 Proz. bezifferte. Auf Veranlassung der LandeSversicherungS- cmstalt war von diesem Arzte noch ein Ergänzungsgutachten bei- gezogen worden, in dem der Arzt ausführte, daß die Erwerbs- fähigkeit deS Mannes wegen seines verkrüppelten Körpers nicht höher bewertet werden könne. Auch sei die vom Hofrat Dr. Reichelt erwartete Besserung nicht eingetreten. Nun wurde noch einmal Hoftat Reichelt gefragt. Dieser kam zu dem Ergebnis, daß die Erwerbsfähigkeit 49 Proz. betrage, daß sie aber bis hart an die Jnvaliditätsgrcnze heranrücke. Der Arzt hielt es wunderbarer- weise aber für möglich, daß der Mann bei angemessener Beschäf- tigung noch mehr als ein Drittel verdienen könne. Das Bersiche- rungsamt erachtete mit seinen Vertretern nach GutteS Gutachten und insbesondere nach dem persönlichen Eindruck des Rente- ansprechers diesen als seit dem 28. August 1911, dem Tage deS Falles, als invalid, da er bei dem hilflosen Zustande keinerlei Arbeit finden könne. Trotzdem gab die Landesversichcrungsanstalt Königreich Sachsen einen ablehnenden Bescheid. Diesen begründete sie mit dem Hinweise, datz G. schon von Kindheit auf sehr be- hindert gewesen sei, die Erwerbsbeschränkung aber durch den Knie- gelenksbruch noch mehr eingebüßt habe; aber als Zigarrenarbeiter oder als Wollesortierer könne er in sitzender Stellung immer noch mehr als ein Drittel verdienen. Dieser ungeheuerliche Bescheid wurde mit der Berufung ange- griffen. Es wurde hervorgehoben: Es sei rein unbegreiflich, wie man den G. zu irgend einer ErwerbZtätigkeit fähig halten könne. Der Mann sei gänzlich ohne Balance, ohne künstlichen Stützpunkt lönne er sich nicht aufrecht erhalten. Nach seinem Zustande könne der Mann keine Zigarren machen, auch als Wollesortierer nicht arbeiten. Höchstenfalls könnte er in einem Stuhl mit zwei Lehnen als Vorleser, Bauchredner oder Harmonikaspieler tätig werden. Viermal habe der Kläger bei der Firma, wo er als Wollsortierer tätig gewesen war, versucht, Arbeit zu erhalten; immer sei er ab- gewiesen worden. Er hätte verhungern müssen, wenn mitleidige Nachbarn und seine armen Verwandten ihn nicht unterstützt hätten. Der Vertreter der Landesversicherungsanstalt beharrte bei dem ge- machten Angebot und erachtete diesen Standpunkt als durch die ärztlichen Gutachten gedeckt. Er beantragte den über das Angebot gemachten Anspruch als unbegründet abzuweisen. Das Oberver- sicherungsamt verurteilte die Landesversicherungsanstalt, vom 28. August 1911 ab dem G. Invalidenrente im Jahresbetrage von 212,49 M. zu gewähren. Der Standpunkt der Landesversicherungsanstalt und des Hof- ratS Reichel zeigt, wie berechtigt die Beschwerden über die Welt- fremdheit mancher Aerzte und Versicherungsanstalten sind. czn«ltsgzi»Hlervel'ismmIungen. Die Schiffer und die Landtagswahl. Am Sonntagnachmittag tagte in der Neuen Philharmonie eine Schifferversammlung. die �meist von Schiffahrtsangestellten, zum kleinen Teil auch von selbständigen Schiffern besucht war. Referent aar Genoffe Karl Liebknecht. Er verwies zunächst darauf, daß sich infolge der wirtschaftlichen EntWickelung die großen S-biff- ahrtsgesellschäften immer mehr ausbreiten und auch durch Gesetze und Verordnungen den kleinen selbständigen Schiffern gegenüber be- lünstigt werden, während die kleinen Kahnbesitzer infolge dieser Eni- vicklunginihrerwirtschaftlichen Existenz schwer bedrücktwerden. Meistens ist eS nur noch der Schein einer Selbständigkeit, den die kleinen Schiffs- cigentümer haben. In Wirklichkeit sind auch sie im wesentlichen nichts anderes als Arbeiter, die für schwere Arbeit einen verhältnismäßig geringen Lohn erhalten und deshalb in der Hauptsache dieselben Interessen haben wie die Angestellten und Arbeuer in der Schiffahrt. Ferner wies der Referent nach, datz die Sozraldemokraiie im Reich«» tag wie im Landtage sich der Interessen der Schiffer angenommen hat. So ist die Sozialdemokratie als einztge Partei mit aller Entschiedenheit gegen die Schiffahrtsabgaben eingetreten. Nach einem Ueberblick über die ollgemeinen politischen Verhältnisse zeigte der Redner, daß die Schiffer, sowohl die Arbeiter als auch die Ileineii Selbstälidigen, ihre Interessen nicht besser wahren können als durch Anschluß an die Sozialdemokratie und ihre Unterstützung bei den Wahlen. Mit lebhaftem Beifall wurde der Vortrag d-S Referenten sowie die Ausführungen der Diskussionsredner ausgenommen, die unter Anführung von Tatsachen aus dem Berufsleben der Schiffer zu dem- selben Ergebnis kamen wie der Referent und zur Wahl der sozial' demokratischen Wahlmänner aufforderten. Zu einer stürmischen Auseinandersetzung zwischen Libe ralen, Konservativen und Sozialdemokraten kam es am Sonntag abend in einer von den Nationalliberalen und Fortschrittlern nach dem Bahnhofshotel in Storkow einberufenen Versammlung. Den Ansprachen der beidxn liberalen Kandidaten, Pfarrer T r a u b(Fortschrittler) und Amtsgerichtsrat a. D. Liepmann fNationalliberals trat Ge- nosse Pieck in einer halbstündigen Rede entgegen. Er ersuchte zunächst die in Storkow stark vertretenen Liberalen. ihre an- gebliche Freundschaft für Versammlungs- und Meinungsfreiheit dw durch zu beweisen, daß sie die Lokalinhaber veranlassen, ihre Säle auch der Sozialdemokratie für Versammlungen zur Verfügung zu stellen. Er warnte die Wähler davor, den Versprechungen der liberalen Kandidaten zu viel Glauben beizumessen. Die bisherigen Taten der liberalen Parteien beweisen zur Genüge, daß sie keinen Willen und auch keine Kraft haben, die Versprechungen einzulösen. Nur die Wahl von Sozialdemokraten verbürge eine wirkliche Vertretung der unteren Schichten der Bevölkerung. Die Liberalen versuchten durch Lärmen und Trampeln die An- klagen unseres Genossen zu übertönen. Sogar der Vorsitzende der Versammlung, Herr Bahnvorsteher a. D. Sachse, beteiligte sich an den, Trampeln. Auch versuchte er wiederholt, den Redner am Weiterreden zu verhindern und wollte ihm schließlich das Wort entziehen, weil er bereits fünfundzwanzig Minuten ge- sprachen habe. Aber auf Protest der anwesenden Arbeiter mußte er ihn doch schließlich ausreden lassen. Dann folgten in bunter Reihe konservative, fortschrittliche und nationallibcrale Redner. Die konservativen Diskussionsredner zogen ebenfalls gegen die Liberalen scharf vom Leder, wenn auch aus anderen Beweggründen und mit anderen Argumenten, als der sozialdemokratische Redner. Nachdem unser Redner auf die vielfachen Entstellungen unter erheblicher Schwierigkeit nochmals zum Wort gekommen und Herr Traub das Schlußwort gehalten hatte, erreichte die Versammlung gegen 12 Uhr ihr Ende. Sie kann als voller Erfolg der Sozial- demokratie verbucht werden. In Wannsee referierte in einer gutbesuchten Wählerversammlung Genosse Witt- Wannsee. Seine Ausführungen wurden mit reichem Beifall aufgenommen. In Nicder-Schöneweide geißelten die Kandidaten des Kreises Genossen H o f e r und G r o g e r den reaktionären Einfluß Preußens auf unsere gesamten politischen Verhältnisse unter großem Beifall der gutbesuchten Versammlung. In Kummcrsdorf bei Storkow führte in einer LandtagSwähler- Versammlung Genosse Pieck in einer Ansprache den Anwesenden die Notwendigkeit regsamster Wahlagitation für die Sozialdemokratie vor Augen. In Karlshorst behandelte in äußerst gut besuchter Versammlung Genosse Dr. Bretts ch e i d das Thema:„Ich bin ein Preuße". Leider konnte die Versammlung wegen des anhaltenden Regens nicht unter freiem Himmel auf dem vorgesehenen Grundstück statlsinden, sondern mußte im Lokal„Fürstenbad" abgehalten werden. Erschienen war zur angesetzten Versammlung auch ein Aufgebot von vier Gen- darmen und ebensoviel OrtSpolizisten. Wahrscheinlich war die Ruhe, Ordnung und Sicherheit deS Ortes, die nach der Begründung der Karlshorster„Regierung" auf Vermehrung der Polizeiorgane erheblich leiden sollten, diesmal nirgends im Orte gestört. Die Hüter der Ordnung mutzten wieder abziehen, ohne irgendwie in Tätig« keit getreten zu sein, da die Versammlung wegen des anhaltenden Regens nach außerhalb, nämlich nach Rummelsburg, verlegt wurde, weil im Orte selbst uns kein genügend großer Saal zur Versamm- lung zur Verfügung steht. Dem Referenten wurde nach seinen Ausführungen reicher Beifall gespendet._ Huq Industrie und Kandel. Börsenspekulationeu deS Königs von Montenegro. Dem„Börsen-Eourier" wird aus London geschrieben:.In City- kreisen, die seinerzeit auch sehr genau über die Interessen englischer Kabinettsmitglieder an der amerikanischen Marconigesellschaft unter- richtet waren, spricht man über ausgedehnte Börsen- s p e k u l a t i o n e n, die der König der Schwarzen Berge in Ver- bindung mit einer französischen Bank in Szene gesetzt habe. König Nikita soll, kurz vor Ausbruch des Krieges, an eine Pariser Bank herangetreten sein, um ein Darlehen auf 239 999 Pfund Sterling zu erlangen, für das er 19 Prozent Zinsen offerierte. Diese Bank lieh die Summe dem König jedoch zu 3 Prozent, machte aber zur Be- dingung, daß er einem Syndikat, das die Bank gründete, kurz vor Ausbruch des Krieges das genaue Datum des Beginns der Feindseligkeiten bekanntgeben würde. König Nikita sowohl, als auch sein rühriger Vertreter in Paris, ein Herr Miuchkovich, sollen an dem Syndikat beteiligt sein. Dieses Syndikat soll nun während der letzten Monate Millionen- gewinne eingeheimst haben, ganz apart davon soll aber Nikita auch auf eigene Rechnung in Budapest, Wien, Paris und London in Balkanwerten, Rio Tintos, Canadian PacisicS und De BeerS spekuliert haben. Als die Situation im Balkan nun plötzlich eine günstige Wendung nahm, wurden die Pariser Speku- lanten überrascht, da sie sich noch nicht genügend gedeckt hatten. Um dies zu ermöglichen, soll der König von Montenegro die Skutariaffäre auf die Spitze getrieben haben. Diese Mitteilungen, die frühere, in der russischen Presse verbrettete Behauptungen be- statigen, geben dem Balkankrieg eine neue häßliche Note. Während Tausende von Männern auf den Schlachtfeldern oerbluteten, haben „königliche" Börsenjobber durch die Opfer ihre leeren Taschen füllen können. Direkte und indirekte Koksverteuerung. Aus Kohlenhändlerkreisen wird uns geschrieben:„Der Preis für Gaskoks aus den Berliner Gasanstalten hat heute ein« Höhe erreicht, wie selten zuvor. So betrug der Preis für 299 Zentner Gaskoks im Jahre 1996 nur 179 M., stieg dann in 1997 auf 219 M. und 1998 gar auf 289 M. ab Gasanstalt, während der Preis für das gleiche Quantum im Jahre 1912 wieder 215 M. betrug. Für das laufende Jahr ist der Preis für 299 Zentner erneut gestiegen und kostet heute dem, der sich rechtzeitig eingedeckt hat, 295 M., im freihändigen Verkehr ist der Preis noch höher. Damit hätte der Preis für Koks ab Anstalt allerdings noch nicht den hohen Stand von 1998 erreicht, das aber ist nur scheinbar. In Wirklichkeit ist der Preis für Koks, durch eine einfache Verkaufs. bestimmung der Verwaltung der Berliner Städtischen Gaswerke weit höher gestiegen. Koks besitzt bekanntlich mehr als jedes andere Brennmaterial die unerwünschte Eigenschaft, Waffer in hohem Grade auszusaugen und, da Wasser zum Ablöschen des glühend aus den Retorten kommenden Kokses unerläßlich ist, so unterliegt das wicklich auf 299 Zentner verladene Quantum ganz erheblichen Schwankungen, je nachdem, ob der Koks naß oder abgetrocknet zur Verladung kommt. Wiederholte Vorstellungen seitens des Verbandes der Kohlenkleinhändler veranlaßten die GaS- anstalt schließlich, auf je 299 Zentner 199 Hektoliter gebrochenen resp 215 Hektoliter ungebrochenen Koks zur Verladung zu bringen. Dabei ist festgestellt worden, daß dieses Quantum bis zu 259 Zent- ner wog. Seit Anfang dieses Jahres aber hat die Gasanstalt von diesem Verfahren Abstand genommen. Also— der Preis für einen Waggon Koks— fft um 59 M. seit dem gleichen Zeitraum des ver- gaiigcnen Jahres gestiegen, das im Waggon verladene Quantum aber in fast allen Fällen erheblich reduziert. ES kommt häufig ge- nug vor, datz der Koks triefend naß aus dem Waggon abgefahren werden muß und bedeutend weniger Hektoliter enthalt als ein anderer, mit trockenem Koks beladener Waggon. Aber alle Ersatz- ansprüche für das im KokS enthaltene Wasser werden von der Per- waltung der städtischen Gaswerke kurzerhand mit dem Hinweis auf die Verkaufsbedingungen abgewiesen, in denen es heißt:„Win übernehmen keinerlei Bürgschaft für die gleichmäßige Beschaffenheit des Kokses, weder inbezug auf die Heizkraft, noch auf den Feuchtig- keitsgehalt." Da mindestens die Hälfte der Kohlenkleinhändler ge- zwangen ist, den Koks waggonweise zu beziehen(die Hauptpro- duktionsstätten für Koks liegen außerhalb Berlins in Tegel. Schmargendorf usw.), so ist es begreiflich, wenn die Kohlenhändler gegen die jetzt beliebte Art des Koksverkaufes seitens der Gas- anstalten protestieren. Auch die Konsumenten sollten sich diesem Protest anschließen, da die Verteuerung des Kokses min- bestens zu einem Teile auf die Konsumenten abgewälzt werden muß."_ Konkurse im April. Die Ziffer der im April 1913 eröffneten Konkurse ist nach einer Zusammenstellung der„Bank" auf 962 ge- stiegen, im April 1912 waren es 765, 1911 nur 658 Konsurse. Dir Steigerung erklärt sich aus den Krediteinschränkungen der Banken und"ist eine Folge der durch den Balkankrieg hervorgerufenen Schwierigkeiten auf dem Geldmarkt. JuliuS Pintsch A.-G. Der Jahresabschluß weist einen Rein» gewinn von 1,628 Millionen gegen 1,614 Millionen auf. An Dividende werden wie im Vorjahre 8 Proz. gezahlt. Die Ab« schreibungen werden mit 1,936 Millionen bemessen. Sericbts- Leitung. Die Ansiedelungskommission vor Gericht. Tborn, 2. Mai. Der Restgutsbesitzer Gustav Mügge aus Hoch» darf, Kreis Briefen, hatte sich heute vor der Strafkammer wegen Beleidigung von Beamten der Ansiedelungskommission zu verant- Worten. Die Straftat wurde in einer Beschwerde des Mügge an das Ministerium für Landwirtschaft gefunden, worin er schwere Vorwürfe gegen Beamte der Ansiedelungskommission erhebt, nach» dem eine Eingabe an die Kommission ohne Antwort geblieben war. Mügge führte Klage über folgende Fälle: Auf dem Ansiedelungs» gut Schönsee stand ein Dampfdreschsatz zun, Verkauf. Mügge wandte sich deswegen an die Ansiedelungskommission in Posen, die 5999 M. verlangte. Er bot 2599 M. und zuletzt 3999 M. Es wurde ihm aber mitgeteilt, der Preis könne nicht billiger gestellt werden. Trotzdem ist der Dampfdreschsatz für 8999 M. an einen Händler verkauft worden. Das bedeute eine Zurücksetzung der Ansiedler» die in erster Linie berücksichtigt"werden sollten. Ein andermal wandte sich Mügge an die Ansiedelungsiommission mit der Bitte, ihm Eisenbahngleise und Kippkowren zu überlassen, da er einige Brüche einebnen wollte. Er wurde an das Ansiedelunysgut Treu» hausen verwiesen. Dort kaufte er 299 Meter Gleis und eine Weiche. Als er aber das Gekaufte abfahren lassen wollte, wurde es ihm vorenthalten. Dem Kutscher wurde nicht einmal Bescheid gegeben, sa datz das Fuhrwerk unnützerweise von morgens bis nachmittags fortblieb. Aehnlich würden auch andere Ansiedler behandelt. Auf Treuhausen war gleichfalls ein Dampfdreschsatz zu verkaufen. Ein Ansiedler aus Pfeilsdorf bot 1599 M., später sogar 2999 M. Den Zuschlag erhielt aber ein Händler für 1159 M. Die Staatskasse ist also um 859 M- geschädigt. Besonders beleidigend erschien der letzte Teil der Beschwerde, worin es heißt:«Ein Kaufmann er» zählte mir, wenn man von einem Ansiedelungsgute etwas kaufen wolle, so müsse man„schmieren". Er hätte voriges Jahr sich ver» gedenS bemüht, von dem Gute Rebkau, Kreis Kulm, Kartoffeln zu erhalten. Erst als er dem Verwalter 199 M. in die Hand drückte, hätte er in drei Tagen die Genehmigung gehabt. Aehnlich« Fälle sind mir noch viele bekannt. Ich bitte diese Fälle zu unter» suchen und mir Bescheid zukommen zu lassen." Bei der vom Ministerium angeordneten Untersuchung wurde Mügge vcrantwort- lich vernommen und mußte nun die im letzten Teil seines Schrift. satzeS erhobenen allgemeinen Vorwürfe detaillieren. Der Beamte. den er der Bestechlichkeit beschuldigte, ist der Gutsverwalter v. Wy» siccki aus Rebkau, der Kaufmann, der ihm von dein Kartoffel» Handel erzählt hat, der Kaufmann Kalka aus Kornatowo. Heber die„ähnlichen Fälle" befragt, gab Mügge an, daß ihm persönlich der Gutsvcrwalter Oldenburg vom Ansiedelungsgute Vielau auS fiskalischen Beständen 29 Zentner Roggen geborgt habe. Als er im Herbst das Quantum abgeben wollte, habe Oldenburg gesagt, er möge lieber bar bezahlen. Das sei auch geschehen. Er sei überzeugt, daß Oldenburg dies Geld nicht an die Kasse der AnsiedelungSkom» Mission abgeführt habe, da er zu jener Zeit bereits nach Vielau versetzt war. Der Ansiedler Kilper habe gleichfalls 29 Zentner?is- kalischen Roggen von Vielau geborgt. Als er die Schuld bezahlen wollte, habe Oldenburg gesagt, er möge das Geld nur an den Inspektor Wirmeister abführen, der müsse auch tvaS haben. End. ich habe der Gutsvcrwalter Klettke aus Pniewitten von dem Wagen. bauer Kulizowski aus Briefen zwei Wagon bezogen und ihn ver. anlaßt, statt dessen eine Nutzholxrechnung aufzustellen, obwohl Nutz. Hölzer niemals geliefert wurden. Die eigenartige Gc,chaftSfuhrung der Beamten charakterisiere auch eine Bemerkung des Fleischer. meisterS Wardacki aus Briefen. Als Kaufmann Kalka ihm erzahlte, er Dabe mit einem AnsiedelungSgute ein Roggengeschäft über 39 Tonnen nicht machen können, da der festgesetzte Preis zu hoch sei. da meinte Wardacki, das sei doch sehr einfach, einen niedrigeren Preis zu erlangen: es werden 29 Tonnen bezahlt und 25 geliefert. Die Beweisaufnahme ergab, daß die Beschuldigung gegen v. Whsiecki grundlos war, datz aber auf den anderen Ansiedelungs- gütern Unregelmäßigkeiten vorkamen, die zu üblem Gerede Anlaß gaben. Das Gericht hielt den Wahrheitsbeweis zwar nicht für er- bracht, billigte dem Angeklagten aber den Schutz des§ 193 zu und sprach ihn frei._ Alkoholfolgen. Brutale Mißhandlungen seiner Frau und seiner Kinder hat sich der Arbeiter Paul Haupt zuschulden kommen lassen, der gestern aus der Hast der 7. Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt wurde.— Der Angeklagte ist seit dem Jahre l993 verheiratet, der Ehe entsprossen drei Kinder, die jetzt 8, 7 und 6 Jahre alt sind. Die drei Kinder wie auch die eigene Frau hatten unter der rohen Willkür deS Angeklagten in der furchtbarsten Weise zu leiden. Er schlug bei dem geringsten Anlaß auf Frau und Kinder ein, so daß sie mitunter tagelang mit Beulen und offenen Wunden bedeckt herumliefen. Wenn er des Nachts betrugen aus der Kneipe kam. fiel er wiederholt über seine Frau her und bearbeitete sie mit irgendwelchen Werkzeugen, die sich gerade in seiner Nähe befanden. Als der kleine 7jährige Fritz einmal die Schnapsflasche des Vaters versehentlich zerbrach, erhielt er von diesem mit einem dicken Knüppel einen Schlag über den Kopf. Als das Kind einige Tage später mit einer großen eiternden Wunde in die Schule kam, wurde es von dem Lehrer dem Rektor vorgeführt, der dann die Polizei benach» Segen der Mißhandlungen der Frau und zweier Kinder wurde der Angeklagte im Dezember v. I. von der Strafkammer zu e i n e m Jahre Gefängnis verurteilt, während die Verhandlung be- züglich der übrigen Mißhandlungen abgetrennt wurde.— In der gestrigen Verhandlung bestritt der Angeklagte, sich der Mißhandlung schuldig gemacht zu haben; er wurde jedoch durch die Beweisaufnahme überführt. Mit Rücksicht auf die von ihm an den Tag gelegte Roheil einem schwächlichen Kinde gegenüber lautete das Urteil auf eme Zusaystrase von vier Monaten Gefängnis. Schwere Strafe gegen einen„Köpenicker". Eine Köpenickiade. die sich im März d. I. in Sotterhausen bei «angerhausen ereignete, hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Nord- äuser Landgericht. Bei dem Stcuerbeamten der genannten Ge» Häuser Landgericht. Bei dem Steuerbeamten ver genanmen«>e. meindc erschien an jenem Tage in eleganter Kleidung der Bureau. schreiber Brösel aus Sangerhausen und stellte sich RegierungSA assessor von Bohlen-Hallbach vor. der im Auftrage der Merseburger Regierung die Raffen prüfen müsse. Bereitwilligst wurden rh« Listen und Kasse vorgelegt. Nach erfolgter„Prüfung befchlag. Höhe don 3900 M. und machke sich eiligst davon. Im Beisein des Orts- Vorstehers wurde das Geld dem hohen Herrn in versiegeltem Kuvert übergeben. Erst als eS zu spät war, ging den Torfgrötzen ein Licht auf, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen waren. Ein schleunigst erlassener Steckbrief hatte keinen Erfolg. In aller Gc- mütsruhe konnte der Herr„Regierungsassessor" das Geld in Halle. Leipzig, Koblenz. Brüssel und Berlin, wo er sich am Ende der Polizei stellte, verjubeln. Das Landgericht erkannte auf zwei Jahre Zuchthaus, obwohl der Staatsanwalt nur ein halbes Jahr be- antragt hatte. In der Privatklagesache des Generalsekretärs Karl Komoll in Hannover, Alexanderstr. 7, Privalktägers, gegen die Redakteure 1. Ernst Andröe in Hannover- Kleefeld, Scheidesir. 31; 2. Richard Barth in Berlin SW 68, Lindenstr. 69; 3. Eugen Prager in Erfurt, Kleine Ärche 1, Angeklagte, wegen Beleidigung hat die II. Strafkammer des Königlichen Landgerichts in Hildesheim am 6. Februar 1913 für Recht erkannl: Das angefochtene Urteil wird aufgehoben. Die An- geklagten sind der öffentlichen Beleidigung schuldig. Es werden ver- urteil:: Andres und Prager zu je 100— einhundert— Mark, Barlh zu 150— eiiihundertundfiinfzig— Mark Geldstrafe, an deren Stelle im Unvermögensfalle für je 5 Mark 1 Tag Gefängnis tritt, und in die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten der RevisionZinstonz. gez. Thomsen, Hinselmann, Müller. Rüstungskapitals unbezähmbar hervorbricht. Schlachtfeldes beginnen schon zu schreien. /Zu s aller Melt. Die pfründner des Krieges. Sie tauchen schon auf, die fraßgierigen Hyänen des Schlacht- selbes. Sie fletschen schon die Zähne. Sie rüsten sich schon zum grauenvollen Mahle. Der Präsident des Nordmährisch-schlesischen Jndustriellenverbandes, der Generaldirektor Dr. Friedrich S ch u st e r, der Vertreter des österreichischen Rüstungskapitals, hielt, so berichtet unser Wiener Partciblatt, Donnerstag eine Rede über den Krieg:„Das, was in den nächsten Tagen in unserem Reiche sich vollziehen wird, ist. es mag wie immer auS- fallen, einer der wichtigsten Momente in der Geschichte unserer Monarchie." Jawohl, er mgg wie immer ausfallen, für das Rüstungskapitai ist der Krieg stets ein prächtiges Geschäft. Und sie tauchen schon auf, die Leichenfledderer und Hyänen des Schlacht- selbes. Die Kanonenschuster sind alle für den Krieg. Sie bleiben vom Schusse fern. Ihrer wird keiner in seinem Blute verröcheln. Die Proletarier mögen vor dem Kriege zittern; ihnen mag der Wahnwitz des Militarismus das Bewußtsein umschatten. Aber die Herren des Rüstungskapitals jauchzen auf; ihr wichtigster Moment ist gekommen. Nun kann sich das Wunder dieser Tage vollziehen: Wie man aus dem Blute der fallenden Völker das Geld der hohen Herren prägt und münzt. Ihr Arbeiter habt ins Feld zu ziehen, ihr habt euch den Kanonen hinzustellen, ihr habt euch abmorden zu lassen, ihr mögct Weib und Kind in Elend und Verzweifung verfallen lassen, röchelt nur, sinkt nur um, verblutet und verendet— was macht's? Der Herr Generaldirektor lächelt und berechnet in seinem Bureauzimmer zu Witkowitz, was für glänzende Profile dieser wichligste Moment in der Geschichte Oesterreichs verspricht. Man muß über die Selbstenthüllung staunen. die durch solche Bekenntnisse geübt wird. Mit Ekel aber cinpfindet man zugleich die rohe Schamlosigkeit, die aus den Regungen des Die Hyäne» des Schwerer Unfall bei der Torpedobootsborgung. Während der Bergung des bei Helgoland gesunkenen Torpedobootes 3 178 hat sich am Montagnachmittag ein schweres Unglück zugetragen. Durch einen Nordoststurm kam der zur Hebung verwendete große Prahm„Unterelbe" zum Kentern. Von den 18 Mann Besatzung sind der Kapitän, der Steuermann und fünf Matrosen ertrunken, elf Mann wurden gerettet. Der kieloben treibende Prahm wurde später in den Helgoländer Hafen geschleppt._ Bootskatastrophe auf dem Ammersee. Von einem schweren Bootsunglück wird aus Herrsching am Ammersce berichtet. Sechs Bedienstete, die auf einem Schloßgüte in Ried angestellt waren, und zwar drei Männer und drei Mädchen, unternahmen am Sonntagabend eine Bootsfahrt. Hierbei wurden sie von einem schweren Gewittersturm überrascht und das Boot schlug um. Alle sechs Personen ertranken. Die Hüte und andere Kleidungsstücke fand man am Montag auf dem See. Die Leichen der Ertrunkenen konnten noch nicht geborgen werden. Es handelt sich um einen der schwersten Bootsunfälle, der sich je auf dem Ammersee zugetragen hat. Die armen Reichen. Wir lesen in der„Franks. Ztg.": Es ist wirklich höchste Zeit, einen internationalen Schutzverband für Millionäre zu gründen. Denn ein Land nach dem andern rückt den armen Leuten aus den Hals. In England wütet ein Lloyd George als Schatzkanzler, in Deutschland hat sein kühner Kollege die Milliardenabgabe proklamiert, und selbst im Eldorado der Plutokratie, in den U. St. A., wagt Woodrow Wilson jetzt einen Vorstoß gegen die Reichen; er will sie nämlich durch eine progressive„Reicht einkommensteuer" zur Bestreitung der allgemeinen Lasten heran ziehen. Das ist etwas ganz Neues für die Union, in der bis vor kurzem die Verfassung eine Einkommensteuer unmöglich machte. Die neue Steuer ist progressiv gedacht; von Einkommen über 109 000 Dollar sollen 4 Proz. erhoben werden. Amerikanische Blätter bringen nun ihren Lesern eine Liste der hauptsächlichsten „Opfer" Wilsons. Da man sich in Europa häufig falsche Vor- stcllungen von den großen Verinögen in Amerika macht, geben wir aus der Liste die fünfzehn ersten Namen wieder. John D. R o ck e f e l l e r, der Petroleumkönig, der sich seit Jahren nur von Milch und leichtem Gebäck ernähren kann, er- öffnet den Reigen mit 2600 Millionen Mark, ihm folgt angeblich der ehemalige Stahlindustriell« und nun- mehrige Rekordstifter Andrew Carnegie mit zwei Milliarden. Die Hinterlassenschast des kürzlich verstorbenen I. P. M o r g a n, des ersten Bankiers in Wallstreet, war mit einer Milliarde halb so groß. Der Nachlatz Marshall FieldS, des erfolgreichen Chicagoer Warenhausbesitzers, ist nicht kleiner. Mit rund 800 Millionen werden drei aufgeführt: Henry C. F r i ck. der eifrige Spekulant, ferner James Still- man, der Geschäftsfreund Morgans, und schließlich die Familie H e a r st s, des ehrgeizigen Herrn der gelben Presse. Dann folgen die Nachkommen der großen Eisenbahnpionicre: H u n t i n g t o n. der Zeit seines Lebens in Geldnöten war, weil er immer neue Pläne verwirklichte, hinterließ rund 400 Millionen. Jap G o u l d. der Skrupellose. 300 Millionen, während der vielgenannte Harri man nur 280 Millionen zu vererben hatte. Rüssel Sage hat seiner Witwe 360 Millionen hinter- lassen, die jetzt edlen Zwecken dienen. Auch die Reichtümer des ver- storbenen Leland Stanford, 300 Millionen, sind zum erheblichen Teil durch seine großartige Schöpfung, die kaliformsche Universität, gut angelegt. Neben John D. Rockefeller haben natürlich auch seine Verbündeten im Oelgeschäft ihr Schäfchen ins Trockne gebracht: William Rockefeller, Henry H. Naglet und der Nachlaß H. H. Rogers werden aus je 200 Millionen geschätzt. Kleine Notizen. Schweres Bootsungliick. Fünf junge Männer und ein Mäd- chen, die in der französischen Stadt Lausanne nachts vom Tanz zurückkehrten, kentertsn mit einem Ruderboot. Zwei der jungen Männer retteten sich durch Schwimmen; die übrigen vier In- sassendeZBootesertranken. Revolverszene in einer Katholikcnvcrsammlung. In Valen- c i a wurde während einer Versammlung der Katholiken von Radi- kalcn auf Franziskan ermönche geschossen. Verschiedene von ihnen wurden verwundet. Ricsenbrand. Das ganze Geschäftsviertel der Stadt North- c i t y am Kap Breton ist bis auf vier Häuser durch Feuer z e r- st ort worden. Der Schaden wird auf 200 000 Dollar geschätzt. Eine Person istumsLebengekommen. Absturz eines japanischen Fliegers. Der Mieger Takeihi ist bei einem Schaufluge in der Kolonialausftellung von Osaka ums Leben gekommen. Verbrecherjagd in New Jork. 75 Polizisten machten sich am Sonnabend in N e w N o r k auf die Jagd nach einem Italiener, der einen Landsmann ermordet hatte. Im Augenblick, als er ver- haftet werden sollte, gab er auf die Polizisten mehrere Schüsse ab; er tötete einen und verwundete mehrere andere, worauf es ihm gelang, zu entkommen. Eingegangene Druchrcbriftcn. Der Kampf. Sozialdemokratische Monatsschrift. Hest 8. Otto Bauer- Nach dem Balfcmtncg.— Hermann Wendel(Berlin): Fünszig Jahre Sozialdemokratie.— Oswald Hillcbrand(Karlsbad): Die erste sozial. demokratische Organisation in Oeiicrreich.— S. Semkowsky: Die Wieder- belcbung de« ruisischen Proletariats.— Slbolf Braun(Nürnberg): Kon- zentricrung der Unternchmermacht.— Karl Cermak(Tcplitz): Partei, Äewerlschast und Genossenschost.— Wilhelm Ellenbogen: Richard Wagner und das Proletariat._ Briefhaften der Redahtion. P. K. Köpenick lZ. 1. Ja, sosern die Frau jetzt arbeitet. 2. In der Regel nein. 3. Bei der Auszablung können Sie den aus die Nichte entfallenden Anteil kürzen.— H. S. 10. 1. und 3. Nein. 2. Ja. 4. Ein solches Recht hat der Beamte nicht. S. Mndeftstrase 190 M. — K. 25. 1. Geburtsurkunden beider. Heiratsurkunde der Witwe. Sterbe- Urkunde des verstorbenen Ehemannes. Das Stammbuch genügt nicht. Jede der standesamtlichen Urkunden kostet 50 Ps. Hat die Witwe minder- jährige Kinder, so muh eine Ausctnandersetzungsbescheinung des Vormund- schastsgerichls besorgt werden. 2. Das ist zulässig. Unterstützung wird nicht gezahlt. 3. Nur im Wege der Namensänderung. Der Antrag ist beim Polizeipräsidenten zu stellen. Kosten 50 M. Für den Fall der Bedürstigkett kann Ermäßigung bis aus 5 M. erfolgen. 4. Nein. Richten Sie eine Bc- schwerde an den Kultusminister. Der Standpunkt des Richters war zu- treffend. 5. Ja.—/, Ubr, von der Halle des Sophien-Kirchhoics, Freien- walder Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. SozialdemokratlscliErWahtferelD liir SehöDeberg. Bezirk 9. Am 3. Mai verstarb unser tätiger Genosse, der Schneider Franz Langer im Aller von 40 Jahren. Ehre(chtcm Andenken! Tie Beerdigung snidct am Mittwoch, den 7. Mai, nachmittags 4'/, Uhr. von der Halle de» zweiten Schöneberger städttichen Friedhofes(Blanke Hölle) aus statt. Um rege Leleiligung ersucht 15/12 Der Borstand. Treffpunkt für Mitglieder des Gesangvereins Schöneberger Mävnerchor 4'/« Uhr aus obigem Friedhose. Danksagung. Für die vielen Deweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung Weines lieben Mannes, sowie sür die Kranzspenden sage ich allen Ver- wandten, Freund-n und Bekannten, besonders dem Gesangverein«aar- wannsche Liedertascl, dem Verband der Maler und Lackierer und den Kolleginnen und Kollegen der A. E G. Abteilung Lackicrerei) meinen beswn Älitwe Luife GcUche geh. valzer. Sebneider, Schneiderinnen§ u. Wäschearbeiter Deülsetilands, Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Kollege kram Langer am 2. ds. Mts. im Alt« vou 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andeilken! Tie Beerdigung findet ain Mittwoch, den 7. de. Mts., nachm. � ff, Uhr. von der Halle des 2. iladttschen Kirchhoses in Schöne- °"s stall. �bo/tv Die Ortsverwaltung. Todesanzeige. Den Mitgtiedcrn serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Raul Waldmann am 3. d. M. im Alt« von 52 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 6. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Parochial- Kirchhoses, Boxhagener und Mainzer Straßen- Ecke, aus statt. Um rege Beteiligung ersuch! 64/15 Die Bezirksverwaltung I ßentseher öolzarheiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Drn Mitgliedern zur Naihricht, | daß uns«' Kollege, der Tischler dnlins Alayerböck (Liegnitzcr Straße 17) im Alter von 37 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Mai, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle des neuen St.-MichaeliS> Kirch- hoses au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/17 Die Ortsverwaltung. Verband der Böttcher, Weinkiiler und Hilfsarbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Hermann Gehlhoff im Alter von 62 Jahren an der Prolewrierkrankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Nazareth-Kirch- hoses in Reinickcndors-Wcst, Kögel- straße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 22/6 Der Borstaud. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise der Teilnahme bei d« Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Freunden und Bekannten, sowie den Mitgliedern des Lichtenberg« WahIocreinS, des Verbandes der Freien Gast- und Schankwirte, der Kontrollkommission der östlichen Bororte und dem Gc« sangverein„Lichtenberg« Männer- chor" meinen herzlichsten Dank. b7A Louis Wildiier, Schankwirt, l-lchtenberg-. Dr. Simmel Spezlal-Arztz für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 4!, �XZz 10— 2. 5— 7. Sonntag-s 10— 12. Patzenhofer Kottbaser Damm S. Empschle m. gutgepflegte» Biere ZVl Zehntel 10 Pf. ♦ W. Knnnemann. WA» Elegante HfeHH �Ifn-Mal fertig u. nach Mass von � Mark wSehentliche Teilzahlung. S-BoHlldl Frankfurter Allee 75 H.& P. Uder, Berlin!>»<». 1«. Gngel-Clfer 5. Tabak-lüroUhandlnng; und Taltakfabrik. 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Vorsitzender, Jonas Stahl, Schristsührer.__ Vorjährige feinste Anzüge, Paletots, schicke Ulster. Gehrockanzbge. Smokings, Fracks auf Seide* 30-70 m Versandhaus„Germania", 21 Unter den Linden 21 Pfd. Psd. Psd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Feinstes Kaiscr-Aus.zugmehl „ Deutsches Auszugmehl „ Weizenmehl.... Sultans, feinste Auslese... „ II......... Rosinen, groste helle Frucht.. Corinthen, feinste...... Riesen-Mandeln, siist und bitter fRandeln II., fiist...... Suecade(Zitronat).... Feinste Hamburger Getreidehefe Zncker, fein gemahlen.... Feinste gemahlene Brotraffinade Butter büliger�raTKI Georg: Oethke Zentrale: Berlin SO 33, auskaner Str. 44. Kenktflln Treptow- ElbestraBe 33. Kaiser-Friedrich-Straße 64. Graetzstraße 64. Weserstraße 189. Friedelstraße 23. ■ Pf • VI Verantwortlicher Redaiteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den WtMljefMMIMM Ortsverwaltiinu Berlin. Bureau: Berlin l?., Rosenthalcrsir. 11/12, Reswurant Schilling. Amt Vörden, 2438. s Achtung!- W1* Wir empsehlcn bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten BorstSnden, Komitees und Saalinhabern unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. 11/12. Geschäftszeit täglich von 10'/,— 1 Uhr mittags. .Kapellen vom grösilen bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Versügung. Der Borftand. XL. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für das 2. Quartal rot und mutz mit dem Verbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher ete. filialtSttlin. ISÄ'SÄ mr- Verwaltung Berlin. Die Bureaus und Arbeitsnachlveise sind der Feiertage toegen geschlossen: am Sonnabend, den 10. Mai, nach- mittags; am Montag, den 12. Mai, und am Dienstag, den 13. Mai, den ganzen Tag. Wegen der Landtagswahl sind die Bureaus und der Arbeitsnachweis des Verbandes, Engelufer 14, am Freitag, den 16. Mai, geschlossen. Achtung! Arbeitslose. Achtung! Arbeitslose Kollegen, deren Unterstützung am Sonn- abend, den 10. Mai, und Montag, den 12. Mai, fällig ist, geben am Freitag, den 9. Mai, Mitgliedsbuch und Arbeits- losenkarte im Arbeitsnachweis ab und erhalten am Sonnabend, den 10. Mai, vormittags, in der für Sonnabend festgesetzten Reihenfolge Geld. Die Unterstützung, welche am Dienstag, den 13. Mai, fällig ist, wird am Mittwoch, den 14. Mai, mit ausgezahlt._______ 82/16 Renofm igt das neueste Reinipungsmittel für beschmutzte Hände. Arbeiter jed. Berufes könn. mit Renofin ihre Hände in wenigen Sekunden tadellos sauber bekomme n. Preis 30 Pf. pro�groüe Dose, zu bezieben durch die Benofin- Fabrik. Berlin-Britz. Rudower Str. 54. Proben werd. Nur- Rosenthaler Strasse 36 J. Etage. Frankfurter Allee 104 Ecke Priedenstrasse. Reinickendorfer Str. K W eddingplatz. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts Iiinden.tr. 69. � � In Dosen aller Grössen überall erhältlich. fabriK: Urban& Lemm. Charlottenburg. »nicratcntt'.i verantw.: Ttz Gltzllk/Perlm. Drusl u-Pkrlagl HorVäN» SllSdrultepxt ti. Pe clagsanstalt Paul Singer il.Co� iverlm SM Donnerstag, 8. Mai, abends 8'/, Uhr: Sektions- Versammlung der Lackierer im„Gewerkschaftshaus", Engelufer IS. Tagesordnung: 1. Die aihrmewr Lage im Lackierergewerbe. 2. VerbanbSangelegcn- hdkn. 136/4 Wir erwarten, daß die Vertrauensleute sowie die Mitglieder vollzählig yi|d�€iueiL Mitgliedsbuch legitimiert.-MW �_ Die Sektionsleitung. Steinarbeiter Beut« Bleu.taK, den 6. Bai, abend. 8 Uhr, im Cicwerkschart.haase, Engeluser 15: � Versammlung dtt w der Geftemvrauche beschöstigtell Arlreiter. Tagesordnung: t. Bericht de« Borstandes. 2. Vorschläge zu Ergänzungen und Ab- Sicherungen deS Schristhauertarifs. Da die nächsten Darifverliandlungen in eine Zeit falle., in welcher nur wenige Kollegen in der Branche beschäftigt sind, ist es notwendig, das, alle Kollege» an de. jetzigen Beratungen teilnehmen. 171/8 MUe Ort.verwaltnng;. Vornehme Bekleldunfi fertig und nach Maß erhatten Sie in der modernen Mass- Schneiderei J. Kurzberg aaf Wunsch Wochenrato] EIN GUTER TRUNK AJVi STAMMTISCH UND IM HAUSE sind unsere Biere, well reich an Nährstoffen und arm an Alkohol, daher nahrhaft und bekömmlich. Ueberau zu haben in Flaschen, Kannen undSyphons. BÖHMISCHES BRAUHAUS NO 18. Teleph.: Amt KOuIgstadt 3088,«68/90 Wohlbehaseii empfindet jeder auf Continental Gummi• Absätzen. i Erschütterungen des Körpers vermindert. Angenehm weicher, elastischer Gang. Dauerhafter als Leder. Fordern Sie daher stets von Ihrem Schuhmacher | ContSnentaS '(Summi-Absgtze auch erhältlich in Lederhandlongen und Schuhgeschäften. Schwelmer Gummiwaren- Industrie G. m. b. H., Schwelm i. W. 0M J fW deutsch-engl. Neuheiten für Herren * w«a w Damen> F/inzel verkauf zu seilen billigen Preisen. Tueh-Aptur. yorckstr. 75. pl WQrzburger Hühneraugenmittel von l»r. H. L'narer.— Wegen 30 Pfennig auf 10 Ps. Anweisung srei. 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Die Zentralstelle für Kinderschutzangelegenheiten befindet sich Nerlm 5V. 68, Lindenstr. 2, vorn 1 Treppe; Telephon: Amt Moril,- platz 14 629. Vorsitzende sind Emil Boeske, Lindenstr. 2 und Frau Martha Demnming, 0. 34, Boxhagener Str. 29. Meldestellen über Verstöfie gegen die Bestimmungen des Kinder- chutzgesetzes, sowie über Mißhandlungen und Verwahrlosungen sind folgende: Erster Kreis. Frau Emilie Richter, Berlin XV 6, Karlstr. 11 H. Frau R. Kohn-Hart, Berlin SW 68, Schützenstr. 39, Stellvertreterin. Zweiter Kreis. Frau Else Sehfarth, Berlin 8 V 47. Wartenburgstr. 9. Hof IV. Frau Elisabeth Trettien, Berlin 8 59, Dieffenbachstr. 49, Hof H. Frau Emma Jakob, Berlin 8 59, Gräfestr. 38, v. II. Frau Anna Grube. Berlin SW 47, Hornstr. 5, Hof II. Frau Margarete Wojonowski, Berlin 8 69, Kottbuser Damm 18/19, Hof Hl. Dritter Kreis. Frau Schröder, Berlin 8W 68, Ritterstr. 56. Vierter Kreis. Frau Emma Döltz, Berlin 80 36. Forster Str. 44. Frau Kahh Berlin 80 33. Cuvrystr. 3. Frau Else Bongartz, Berlin 0 17, Beymestr. 29. Frau Böhme iVerlretung), Berlin 0 34, Thaeistr. 3, Hof III. Frau Dora Schmidt, Berlin 0 34, Königsberger Str. 36. Frau Müller, Berlin 0 34, Hübenerstr. 6. Frau Wolfram, Berlin 0 34, Stratzmannstr. 8. fünfter Kreis. Frau Rosa Wollstein, Berlin X0 43, Lietzmannstr. 6, V. HI. Frau Anna Nemitz, Berlin X0 56, Joblonskistr. 27. Frau Walter, Berlin XO 55, Naugarderstr. 38. Frau Anna Holzapfel, Berlin X 58, Danziger Str. 74. Sechster Kreis. Frau Minna Lohse, Berlin X 53. Lderberger Str. 29. Frau Minna Adler, Berlin X 37, Zionskirchstr. 39, v. IV. Frau Seelbach. Berlin X 4, Jnvalidenstr. 138, V. IV. Frau Emilie Schramm, Berlin X 58, Lychencr tstr. 25, Luerg. IV. Herr Rudolf Guhe, Berlin X 58, Lychener Str. 29, Huerg. III. Herr G. Gerloch, Berlin X 113, Dänenstr. 6. Frau Zerline Beer, Berlin X 58. Gaudystr. 15, v. I. Frau Minna Weide, Berlin X' 28, Ramlerstr. 5, v. III. Frau Neuendorf, Berlin X 28, Stralsunder Str. 67. Frau Hedwig Baratt, Berlin X 4, Pslugstr. 11, v. IV. Frau Helene Lorenz, Berlin XW 21, Bandelstr. 18. Frau Martha Joseph. Berlin XW 87, Gotzkowskystr. 2, V. L Frau Kowalski, Berlin XW 87, Beusselstr. 18, Seitenfl. II. Frau Agnes Spangenberg, Berlin X 39. Müllerstr. 173, Gh. IV. Frau Anna Gratzke, Berlin X 29, Hochstr. 32b, Seitenfl. IV. Frau Anna Schubert, Berlin X 29, Wriezener Str. 14, v. IV. Frau Marie Malow, Berlin X 29, Koloniestr. 25, I. Frau Klara Waldhauer, Berlin X 65, Liebenwalder Str. 6, d. IV. Frau Ella Schlosser, Berlin X 65, Müllerstr. 133a, hochp. Teltow-Beeskow-Charlottenburg. «Baumschulenwcg, Frau Elsriede Ryneck, Kiefholzstr. 139. Adlcrshof, Frau Adelheid Nürnberg, Waldstr. 56. Alt-Glienickc, Frau Lehmann, Am Falkenberg 69. Britz, Frau Anna Schütze, Ltochowslr. 2. Eharlottcnburg, Frau Toni Sustmann, Berliner Str. 139. Herr Marlin Grassel, Kaiser-Friedrich-Str. 3. Ticnsdors, Frau Marie Wöbbeke, Pieskow. Friedenau, Frau Grünberg, Albestr. 26. Grünau, Frau Tantow, Jägerstr. 29. Johannisthal, Frau Agnes Radumke, Roonstr. 4. KönigS-Wustcrhausen, Frau Anna Kroll, Luckenwalder Str. 4. Köpenick, Frau Raschle, Freiheit 11, Hof parterre. Lankwitz. Frau Rosa Modrack, Charlottenstr. 47. Lichterfelde, Frau Knirsch, Kaiserstr. 19. Mariendorf, Frau Weitz, Chausseestr. 292. Maricnfelde, Frau Luise Greulich, Kirchstr. 68. Nowawcs, Frau Reipert, Turnstr. 31. Neukölln, Frau Lehmann, Donaustr. 52/53. Frau Stange, Münchener Str. 54. Frau Peschel, Wildenbruchstr. 85. Frau Teunert, ThomaSstr. 28, Ouergeb. IV. Frau Härling, Zietenstr. 33. Frau Luise Siedel, Jdeal-Passage 6. Wilmersdorf, Frau Bahr, Duisburger Str. 2. Niederbarnim. Berlin 0 112, Fräul. Johanna Schulze, �Alt-Boxhagen 1a. Frau Emilie Schilling. Mainzer Str. 25. Frau Frida Ritter, Crossener Str. 35. Bernau«Mark», Frau Auguste Bogdan. Weinbergstr. 57a. Borsigwalde, Frau Bergeinann, Räuschstr. 35. Fricdrichsfeldr, Frau Wando Schmidt. Berliner Str. 47. Fricdrichshagen, Frau Selmo Schwarz, Viktoriastr. 22. Karlshorst, Frau Küter, Rödelstr. L. Kaulsdorf, Frau Maria Buchmann, Bredereckstr. 19. Mahlsdorf iDstbahn), Frau Mathilde Reich, Bahnhofstr. 41. Niedcrschönhauscn, Frau Margarete Borchardt, Charlottenstr. 55. Dbcr-Schöncwcide, Frau Berte Muche, Marienstr. 1. Oranienburg, Frau Agnes Grotzmann, Mühliflistr. 31. Pankow, Frau Margarete Eichhorn, Görschstr. 39. Reinickcudorf-Ost, Frau Margarete Chemnitz, Provinzstr. 192. Reinickendorf-West, Frau Maria Ehlert, Berliner Str. 198. Fichtenau, Frau Lina May, Moltkestrafie. Stralau, Frau M. Daberkow, Friedrich- Jungestr. 5. Tegel, Frau Berta Domaschka, Bahnhofplatz 1. Wcißcusee, Frau Luise Schlee, Langhansstr. 136. Nicdcr-Schöuhausen, Frau Kretke, Kepplerstr. 29. Röntgental, Frau Klara Kurth, Siemensstr. 2. Malz(Post Friedrichsthal N.-B.), Frau Anna Dambeck. Nachstehende Acrzte stehen in der Sprechstunde der Kinderschutz- kommission für ärztliche Untersuchungen bei Mißhandlung und Ler- Wahrlosung zur Verfügung: Dr. Hermann Wehl, Berlin X 54, Lothringer Str. 67. Dr. Alfred Beruftem, Berlin 8W 61, Blücherstr. 61. Dr. Otto Stulz, Berlin X0 43, Neue Königstr. 19. Dr. Goldschmidt, Berlin 0. Warschauer Str. 15. Dr. Kollwitz, Berlin X0, Weißenburger Str. 25. Dr. Moses, Berlin XW, Wiclcfstr. 42. D. R. Silberstein, Neukölln, Berliner Str. 93. Dr. Zadeck, Berlin 8 14, Dresdener Str. 199. Dr. Cronbeim, Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 6._ Jugendveranstaltungea. Pankow> Nieder-Schönhaulcn. Die Arbeiterjugend Vera tzstaltet am l. und 2. Psingstieiertag einen Ausslug. l. Tag: Potsdam—Kaputh— Ferch— Kloster Lehnin. 2. Tag: Werder— Bornstedt— Nedlitz, tzirefspunkt: t. Feiertag, früh 5'/, Uhr. Pankow, Kirche, von dort mit der' Siemens- Bahn nach Bahnhos Friedrichjtrabc. Fahrgeld und Nachtquartier 3 M. Nachzügler treffen sich am 1. Feiertag, abends 8 Uhr, bei Tac xe, Haupt- straße 68 in Lehnw. Proviant. Kocher und Liederbücher nicht vergessen. Die Arbeiterjugend wird ersucht, sich zahlreich an dieser Parti: zu bc- telligcn._ Marktpreise von Berlin am Z. Mai 1913, nach Errriittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 199 Kilogramm Weizen, gute S orte 29,92 bis 21,09, mittel 29,76—29,84, geringe 29,69—29,68. Roggen, czute Sorte 16,49, mittel 99,99—99,99, geringe 99,99—99,99(ab Bahn). Futter- gerfte, gute Sorte 16,29— 16,79, mittel 15,69—16,19, geringe 15, 3.9— 15,59, Hafer, gute Sorte 18,99—19,89, mittel 16,99—17,99(frei Wage: t und ab Bahn). Mais(mired), gute Sorte 15,29—15,49. Mais(tun der), gute Sorte 15,69-15,89. Richtstroh 4,89—5,99. Heu 6,99—7,49. Martthallenpreije. 199 Kilo gr. Erbsen, gelbe, zui n Kochen 39,99— 59,09. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35, flO— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von per Keule 1,69—2,49. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,39— 1,80. Schweinefleisch 1 ,,40— 2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,99—4,89. 1 Kilogramm Karpscn 1,49—2,49. Aale 1,89— 3,2' 1- Zander 1,40—3,60. Hechte 1.29—2,69. Barsche 1,99—2,49. Schleie 1 169—3,29, Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,60—45,00. WitterungSüberstcht vom 5. Mai 1913. «tationcn rsq ttn Etanonen Bett er 751 NO 751 NNO 74SN 7 bedeckt stRegeu 3bedeckl 2 Regen 4 bedeckt 6 bedeckt aparanda ,68 ctersburg 761 Scillh Aberdcen Paris 758OäO 75l(DND Swinemde. amburg � erlin...... Franks. a.M 752SW München! 752 NW Wien!74SW 2woikenl 1 wolkig 4'iDoilkeiiI 1 wofkenl Äwojkig Wetterprognose für Dienstag, den K. Mai 1913. Kühl und veränderlich, vorbcnschend wolkig mit etwas Rtgen frischen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterb i'jreau. und Wasserstands der Landesanflalt für Gewässerkunde, Wasserstand M e m e I, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krossen . Franksurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Barbh . Magdeburg am 4.5. orn 343 85 256 152 193 182 254 126 14 —26 -150 117 104 Nachrichte» mitgeteilt vom Berliner Wel tterbureau IS Wasserstand Saale, Erochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') , BecSlow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSan , Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau W o s e U Trier ')+ bedeutet Wuchs,— Fall. ') Untcrpegel. 1. Kerl. KMgsmWkM. Dienstag, den 6. Mai 1913, abends 8V2 Uhr, in sitöles Festsälen, .....<== Tcnncwitzstr. 13:----- Oeffenfliehe Wählerversammlung. Tagesordnung: t, Vortrag des Kandidaten Genossen Hugo Poetzsch. 2- Aufstellung der Wahlmänner. Diskussion. 2/S' I. A.: Max Appel, Bülowstr. 63. 3.Knni»tagswahU»ezirk. Am Dienstag, de« N. Mai -- abends 8 Uhr■ in den Arminhallen, Kommandantenstraste 38-39 und bei Graumann, Nannynstraste Ä?': VM" Zwei �Wü ofjentl. Wählerversammlungen. Tagesordnung! 200/13 „Die preilMen fauMajsioiihlen!" Reserenjen: ReichStagSabg. Ott« küeliaer und Stadtverordneter Dr. Kurt RoSCtlfeld. --- Diskussion.■ In Seiden Versammlungen: Ansprache des Kandidaten V.ltSOÄO? OlOCltC. Das liandtags-n-ahlkomitce. I. St.: A u g u st Pohl, Naunynstr, 30. i>tS 1 Dienstag, den 6. Mai, abends 8V2 Uhr: Drei öffenll. Wähler- Versammlungen in folgenden Lokalen: „Prachtsäle des Ostens", Frankfurter Allee 161/152, Etablissement„Elysium", Landsberger Allee 40/41, „Brauerei Friedrichshain", Am Friedrichshain 16/23. Tagesordnung in allen Versammlungen: „Das preußische Volk und die Landtagswahlen!" -Referenten sind die Reichstagsabgeordnetcn: Silberschmidt, Otto Wels und Z�ritz Zubeil. Ansprüche des KnildidntkN des 7. lnudinzsionhlhemds Paul Hirsch. DM- Wähler deS 7. LandtagslvahwezirkS l Genossen und Genossinnen! Erscheint in Masse» in diese« Versammlungen I Der allemige bürgerliche Kandidat ist zur Versammlung im Friedrichshain brieflich eingeladen. 200/14'___ Das Wahlkoiwltee. I. St.; W. Eue, Huselandstr. SS. 3. 1.snÄKsgswwskIds�ii'k Dienstag, den 6. Mai, abends 8�/2 Uhr: Vierter Candtagswahlbczirh. Wähler-Versammlung am Dienstag, den 6. Mai, abends 8 Uhr, im„Hosjäger-Palast", Hasenheide 3Ä/33. Tagesordnung: 1. Zier Freiheitskampf i« Preußen. 2. Diiskussion. Rezierent: Landtagskandidat vn. Mir, Bernstein. 200/7* Das Wahlkomitee. I. A.: Gustav H äußer. Alexandrinenstraße 109. 5. I�ÄlidtÄxswukIbeziri!. Dienstag, den 6. Mai 1913, abends 8 Uhr: Ciroße öffentliche LarnttagsHähler-Tersanimlung in der„Urania", Wrangelstraße 10/11. Tagesordnung: Die bevorstehende Landtagswahl. Referent: Landtags-Abgeordneter-Allolf Hoffmann. 2oo/i5*, Das Wahlkomitee. Sechster Landtagswahlbezirk Dienstag, den 6. Mai, abends 87» Uhr, in den und Festsälen, Koppenstraße 29, früher K c ll e r S Aestsile: « llroste SstenlUeke � VTskler-Versammlung. Tagesordnung: r Preußen als Hemmschuh mDentfchen Reich. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Fh» �eheldenwann» 2. Freie Diskussion, w» Landtagswähler! Erscheint in Massen zu dieser Versammlung. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. AM* I.«.: Prlt« Bat, KoperniknSstr. Z. in den Lokalen MssSle, Schönhauser Allee 130.— LüfimilellS 7estsAe» Bornholmer Straße 7.— Swinetnünder Gesellsehaftshans, Swmemünder Str. 42. ?tsnkes 7e8tsäle. Badstraße 19. -. ver Iliampf um den preußischen Landtag. 2. Diskussion. Refererenten: Redakteur Karl Leid, Redakteur Hans Weber, Stadtverordneter Emil Böske, Schriftsteller Emil Eichhorn. 200/11* Das tiagataxsTvaklkviiilte«. I. Zl.: P. Tobrohlaw, Schliemannftraße ZS. IS. LsnüisgZWsMvÄrk. Dienstag, den<5. Mai, abends S'/a Uhr, in den(nermanlasälen, Chausseestraße 110: Grosse öffentliche Wähle �Versammlung! Tagesordnung: i.„Der Preußische Landtag." Referent: Dr. Hermann Weyl. S Proklamiernng eines Kandidaten für den IG. Landtagswahlbezirk. Die Frauen des 10. Landtagswahlbezirks werden aufgefordert, sich zahlreich an der Versammlung zu beteiligen. 200/is* Das Wahllomitee. I. A.: S. �oseph, Stromstr. 36. II. Landtagswahlbezirk Dienstag, den 6. Mai, abends 8 Uhr: 2 öffentliche Whler-verfammllingen in den Pharns-Sälen, Müllerstrasie 14S und in den Kösliner Festsälen, Kösliner Str. 8. Ist Preußen ein rückständiger Staat? Referenten: Stadtverordneter Theodor Fischer und Landtagsabgeordneter Dr. Karl Liebknecht. Mittwoch, dea 7. Mai, abends 8-/a Uhr; Oeffentliche AWer-llerfammlung im Kastanienwäldchen(Inhaber Walter), Badstraße 1«. Referent: Landtagsabgeordneter Dr. Karl Liebknecht. In allen Versammlungen: Freie Diskussion. ggf]>!« Franen sind an diesen Tersammluogen ebenfalls eingeladen."MG 20Qyio»®nä Wahlkomitee. I. A.: StZMoe, Sochstädter Str. IS. « rwkaofe ich Olme jede Anzahlung"31 Pianos"""" (9 X prämiiert Staatsmedalll«) In o all ea Holz- nnd 8tiUrt«ij Todwunder- o sowie barer Tonfälle(riiir-N«) Flügel Harmoniums CD IS gegen kleine monatliche Teilzahlung. Für jedes Instrument gewähre ieh langlährice sclirifthohe Garantie. I Conrad Krause KM.. ÄÄÄi Auch Sonntass atSITnet 12.£andiagstvahtbeztrk. Mittwoch, den 7* Mai, abends Uhr: (Dfftntl. Wltmchmmlmg im Saale des �ake(iartner. Holsteiner Ufer 27/28. Tagesordnung: L Vortrag des Reichstagsabgeordneten HHoliCGIliilUhi* über: Das„gute, alte Preußen!" 2. Diskussion. 3. Ansprache desKandidaten für den 12.Landtagswahlbczirk ELUCJGR? Ei�flSUlB 200/17» Zahlreichen Besuch erwartet Das sozialdemokratische Wahlkomitee. I. A.: Alfred Paersch, Oldenburgcr Str. 10. Achtung! Poleil« Achtung! WHIer des 12. Candtagsivalslbezirks(liloabit). Dienstag, den 6. Mai, abends 8Vz Uhr: Große polnische Volks-Versammlung im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Tagesordnung: t Die Landtaoswahlen und das polnische Volk. S. Freie Diskussion. Referent: F. Podemski. vtv Aeltationskomiiiigsioii 900/16* P. P.®. der Polnischen Sozialdemokratischen Partei Berlins. Ter Einbcrufer: Aldln vi-l-ak, Gcrichtstrasie L6. Es ist Pflicht der Genoffen, ihre polnischen Kollegen und Bekannten auf diese Versammlung hinzuweisen."3W WM-MiiihteMsrllt«! Freitag, den 9. Mai, abends SVg Uhr: Oeffentliche Versammlung im„ E l y s i u m", Landsberger Allee 49/41. i. Der Weg zur Macht, �eftrent: Fandtagsabgeordn. Hoifmann(Mitglied des Schlachthof-Kuratoriums». 2. Freie Aussprache' Es ergeht der Ruf an jeden auf dem Schlachthof beschäftigten Kollegen, zu dieser Versammlung bestimmt zu erscheinen. Keiner darf fehlen! Der Einberufer: Paul Bergmann, Elisabethstr. 11. 200/19' Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gipsbaubranche. Rabißptcher, Träger und Spanner! Tonnerstag. den 8. Mai 1013, abends 8 Uhr. in Haverlands Feftsälen(fr. Dräsels), Neue Friedrichstraße 35: Mitgliedep- Versammlung. Tagesordnung: ßmcbtcrrtattung über die Carifverbandlungcti im Gipsbaugewerbe. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 112/11* __* Der Vorstand. Allgemeine Orts- Krankenkaffe sür die oereilligt. GtVrrbebetrlebe Charlottenburgs. Wir berusen hiermit unsere Dele- gierten zu einer 271/13 Außerordentlichen General-Versaminliing aus Dienstag, den 13. Mai 1913, abends 7'/. Uhr, nach dem Saale des Bolkshauses in Charlottenburg, Rosincnstr. 3, ein. Tagesordnung: Beschlubsassung über eine neue L-atzung, eine Wahlordnung und eine Kranlcnordnung nach der Reichs- versicherungsordnung. Sollte die Tagesordnung in der Versammlung am 13. Mai er. nicht erledigt werden, so wird die Sitzung am nächsten Tage zu der vom Ver- sammlungsleiter anzugebenden Zeit sortgesctzt und zu Ende gesührt. Der Entwurf der neuen Satzung geht in einigen Tagen den Kassew d-legierten per Post besonders zu. Die den Delegierten zugesandte be- sondere Einladung gilt als Legitimation und ist— eventl. in beiden Sitzungen— beim Eintritt in den Saal vorzuweisen. Delegierte, welche inzwischen ihre Wählbarkeit verloren haben, sind von der Teilnahme an der Gencralver- sammlung ausgeschlossen. Eharlottenburg, den 6. Mai 1313. Ter Kassenvorstand. gez. A h r e n S. Kpcstolmrat f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Bcinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in Or. Homeyer"II"' Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Friedricbstt, 81,«JE., Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2, Honorar mästig, auch Tcilzahl. Separates Damcnziminer. I» mii Uttmitungssteiie Kerlin. C 54, ßmitiistr. 83—85. Berwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1337. Amt Norden 185. Amt Norden 1239, 9711. Mittwoch, den 7, Mai 1913, abends 8 Vi Uhr: Versammlung aller in Jnmragsbetrieben besebiftigten Schmiede in Boekcrs Festsälen, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Tic provozierenden Mastnahmen des HerbergSwirts Blum auf dem Arbeitsnachweis der Innung. 2. Beschlusisassung und weitere Stellungnahme. Kollegen! Durch dal rigorose Vorgehen deS HerbergZwirtS B I u m Miseren Kollegen gegenüber, welche dort nach dem Rechten sehen, ferner auch die Art der Behandlung der dort Arbeitsuchenden verdienen die schärfste Verurteilung. Namentlich die letzten Vorkommnisse zwingen uns, weitere Matznahmen zu ergreisen. Kollegen, erscheint Mann für Mann. Donnerstag, den 8. Mai 1913, abends 8'/- Uhr: Versammlung sämtl.Bierdrnckapparale-Jilempnern.JitonteBreBerlins in den Andrcas-Festsüleii, Andreasstr. 31. Tagesordnung: 1. Die Miststände in den einzelnen Betrieben nnd was habe» wir zu deren Beseitigung zu tun? 2. Diskussion. 3. Branchenangclegenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Achtung: Erwerbslofe Kranke! Achtung! Wegen der Pfiugstfcicrtage finden die Zahlungen der Unterstüliung wie folgt statt: Am Freitag, den 9. Mai, wird für Freitag, den 9., und Sonnabend, den 19. Mai, gezahlt. Am Sonnabend, den 19. Mai, wird für Montag, den 12., und Dienstag, den 13. Mai, bis mittag 12 Uhr gezahlt.— Nachmittag geschloffen. Am Montag, den 12., und Dienstag, den 13. Mai, bleibt das Bureau der Krankenabteilung geschlossen. 117113 I>le OrtsvcrwaUnng. □ □□ ODO □□□ DtenStag, den 6. Mai 1913. Ansang 7'/, Übt. Königl. Opernhaus. Samson und Dalila. Königl. SchauiPielhanS. Doktor Klaus. Deutsches. Der lebende Leichnam. Anlang 8 Mir. Urania. Die Nordsee-Insel Sylt. Lesung. Rosenmontag. Schiller O. Zwei Wappen. Schiller> Eharlottenburg. GygeS und sein Ring. Kammerspiele. Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Theater deS Westens. Wiener Blut. Königgrätzer Strafte. Di- siws Franksurter. Montis Operette«. Der Zigeuner. primaS. Deutsche« Schauspielhaus. Alt- Heidelberg. «ertiner. Filmzauber. Kleines. Prosesjor Bernhards. Deutsches Opernhaus. Das Mäb- chen aus dem goldenen Westen. Komödieuhaus. Hochherrfchastliche Wohnungen. Metropol. Die Kino-Königin. Drianon. Madame 3E. Restdeuz. Die Frau Präsidentin. Thalia. Puppchen.» Ltiifen» �aza. Walhalla. Parole Walhalla! Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. SteUiner Sänger. Ansang 8'/4 Übt. Theater am Rolleudorfplatz. Extrazug nach Nizza. Friedr.< Wilh. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lustspielhaus. Majolila. Rose. Napoleon Bonaparte und seine Frauen. Kolies Caprtcc. Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy. Ansang 8'/, Ubr. bleues Bolkstheatcr. Die Hexe. Ansang 9 Uhr. AbuelralSpalast. EiSballett: Flirt in Et. Moritz. Xiauwarte, Jnvastdenstr. 57—62 Theater und Vergnügungen j ODO MMM Schiller-Theater 0.1S: I Jdontis öperetten-Theater Dienstag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Andere. Donnerstag, abends 8 Uhr: Geographie und Liebe. Schiller-Theater Dienstag, abends 3 Uhr: Gyges nnd sein Ring. Mittwoch, abends 8 Uhr: Geographie und Liebe. Donnerstag, abendS 8 Uhr: _ Klein Porrit. Berliner Theater. s Uhr: Filmzauber. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Ibcut.chea ISchaaMplelhaaa 8 Uhr: Alt-Heldclberg_ (Karl Heinz: Harry Waiden.) TheateramKollendorfplatz Bei Sommerpr. tagt, abends 8'/, Uhr: Extrazug nach Aizza. Jonnab., 17. Mai er. nachm. 3'/. Uhr: 6. Aufs, der Opernschule d. Steriischen Konservatorium». Residenz-Theaterr- Abends 8'/, Uhr: Die Frau PräsideDtio. (Madame Ja Prssidentej. Schwank in 3 Allen v. M. Henncquin und P. Peber. Morgen und solgeude Tage: I>ie Frau Präsidentin. Theaterdes Westens. 8 llhr(.Volkstümliche Preise'): W leuer Blut. Ab Sonnab- Ter Vogelhäudler. Sonnt, u. Moni., nachm. 3'/, Uhr: Der liebe Auguetin. (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Sommerprcise l Abends 8 Uhr: Ber �Igeuuerprlnias. Sbd. z. l. M.: Der lachende Ehemann. NketrspoI-7Iiegter. AbendS 8 Uhr: 0ie»illo-Xöilig!«. Operette in 3 Akten von Inl. Freund und G. Okonkowsli. Musik von dieau Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. Barl Bactann J. Gianipietro G. Thielsdier V. Borlieri B. Bailot J. Russka Ly Winter Folies Caprice. Die üovitäten: • Die Bank.• < Sein letzter Wille. G • Der Cowboy.• Amang 8'/, Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr. Urania. Tanbenstraßc 48/49. Wissenschaftliclies Theator. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Nordsee-Insel Sylt. OGISCKER GARTEN Tägiich. nachm. 4 Uhr: Qr. Militärkonzerl. Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Jahresabonnements an allen drei Schalterkassen. Trianon-Theater. Täglich 8 Uhr: Madame X. Sonntag 3 Uhr: Der selige Toupinel. (VM :: Berliner i Konzerthaus — ZimmerstraBe 90/91. Oroßes£xtra-Konzert! Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. lehentagen: Gf.«aChMlttagS-�DUZeFl Der„Clou4* bleibt bis auf weiteres geöffnet. Brauerei Friedrichshain OSE=THEATE ®rotze Frankfurt ci Str. 132. Täglich abends 8'/, Uhr: -l Gastspiel Alfred Dedak: Napoleon Bonaparte»nd seine grauen. Ar. AusstattgSst. i. 4 Akt. v.WillS u.Lutz. Im Garten: Gr. Elitekonzert ausgeführt von der vollständ. Kapelle des Herrn Kapellmeisters Marschall (ReichShallen). Anfang 5 Uhr.— Enlree 20 Ps. Passage-Ranoptlkum Jon Got der akrohatisebe Schlafwandler! Aga Der Mann mit der eisernen Hand! die schwebende » Jungfrau! Alles lebend!"Vß Alles ohne Extra-Entree S Am Köuigstor. Ab Pfingsten: Del.: Ernst Liehlng. Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag: Kaffee-Trei-Vorstellimg der STorddeatschen und Apollo• Sänger :i freiem Entree. FreitagS: Frei-Kouzert. �dmirslspslsst Lis-�ron» Angenehm kühler Aufenthalt. Abends 9 Uhr ssnm 150. Male: Das sensationelle Eisballctt Flist in St. Moritz. Bie kleine Charlotte. Bis 6 Uhr nnd von lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. Wein- nnd Bier- Abteilung. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Jalfi Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Berl. Bockbrauerei. Dienstag, den 6. Mai, abends 8*1, Uhr Yolks-Sintonie-Konzert des Bliithner- Orchesters. Dirigent; Guido v. Puchs. Sol.; Gottfried Zeelander(Cellol. Karten ä 30 Pf. s. a.b. bei A. Wertheim, Orchesterbureau u. abds. a. d. Kasse. I D mmm Bark Wochentags Eintritt frei bis 5 Uhr! Saisonkarton alle Tage gültig 3 Bark. Rerllnernih-Trlo Adr.; Neukölln Cahngtr.741. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Reine Filtolen. iMark wScbentiiche Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig und nach Mastl Garantie fQr tadellosen Sitz. 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Drucku.«erlog: Lorwän» viichdrulierei u.«erlägsanstalt PaiZSii�er» � 5® Nr. 109. 30. Jahrgang. 3. Mnjf des Jnmätte" Sttliitet Bolliolilntf. pmtaii, 6. Uli 19i3. Partei- Hngelegenbeiten. Achtung, Laudtagswnhlervcrsammlungcn! Die große Zahl der heute stattfindenden Landtagstoählcrvcrsaminlungen macht es uns unmöglich, in jede derselben einen Berichterstatter zu entsenden. Wir bitten deshalb die Leiter der Versammlungen. der Redaktion des„Vorwärts" durch Postkarte kurz Mitteilung vom Verlauf der Versammlung zu machen. Dritter Landtagswahlbezirk. Heute Dientag, den 6. Mai, abends 8 Uhr, finden zwei öffentliche Wählerversammlungen in den Armin- hallen", Kommandantenstr. 58/59, und bei Graumann, Naunynslr. 27, statt. Tagesordnung:„Die preußischen Landtagswahlen". Referenten: Relchstagsabg. Otto Büchner und Stadtv. Dr. Kurt Rosenfeld. In beiden Ansprache des Kandidaten Th. Glocke. Siebenter Landtagstvahlbezirk. Am Dienstag, den 6. Mai, abends 8>/z Uhr, finden drei öffentliche Versammlungen statt, in den Prachtsälen des Ostens, Frankfurter Allee 151/152, im Elysium, Landsberger Allee 10/41, itnb in der Brauerei Friedrichshain, am Königstor. Referenten sind die Reichstagsabgeordneten H. Silberschmidt, Otto 23 c I§ und Fritz Z u b e i l. In allen Versantinlungen An- spräche des Kandidaten Paul Hirsch. Der gegnerische Kandidat Herr I. Tews ist von uns brieflich eingeladen. Das Wahlkomitce. Vi. Landtagswahlbezirk. Mittwoch, den 7. Mai 1913, abends 8-/, Uhr: Oeffent- liche Wählerversammlung im Saale des Cafe Gärtner, Hol- steiner Ufer 27/28. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichs- tagsabgcordneten H. Molkcnbuhr über:„Das gute alte Preußen!" 2. Diskussion. 3. Ansprache des Kandidaten für den 12. Landtagswahlbezirk Eugen Ernst. Landtagswahlkreis Ober- und 9!ieder-Barnim. Folgende Versammlungen finden statt: Heute, Dienstagabend, in Erkner 8'/.2 Uhr im Alten Krug, Jnh. Degebrodt. Frauz.-Bnchholz S'/a Uhr. Friedrichsfelde S'/a Uhr in Bürgers Volksgarten, Prinzen- allee 30. Friedrichshagen'8>/z Uhr in Lcrches Festsälcn, Friedrich- straße 112. Marzahn 7'/z Uhr bei Wruk am Bahnhof. Kupferhammer 8V2 Uhr bei Krenzke.' Nieder Schönhauscn S'/a Uhr bei Liedemit am Krrchplatz. Pankow 8'/z Uhr ini„Kurfürsten". Berliner Str. l02. Referenten sind: O. Braun, R. Breitscheid, K. Haenisch, A. Hofer, R. Küter, Emil Lehmann, Rod. Schmidt, A. Stadt- Hägen, D. Stücklen. Morgen, Mittwoch: Mahlsdorf 8'/2 Uhr im Lokal von Anders, Bahnhosstraße. Stralau 8>/2 Uhr Alte Taverne, Alt-Stralau 25/26. Strausberg S'/a Uhr bei Weiß, Wilhelmstraße. Wrjezen S'/a Uhr im Schützenhaus. R e ferenten sind: G. Davidsohn, O. Braun, H. Käppler, D. Stücklen, A. Hofcr. Am Donnerstag, den 8. Mai: Eberswaldc: Referent: Genosse A l w. Schulze. Freicnwalde: Referent: Genosse H. Käppler. In beiden Versammlungen: Ansprache des Kandidaten A. H 0 f e r. Das Zentralwahlkomitee. Charlotteuburg. Eine Volksversammlung findet morgen, abends a'/a Uhr. im Bolkshause. Rosinenstr. 3, statt. Alle Wahlrechts- freunde werden ersucht, zu der Versammlung zu erscheinen. Das Wahlkomitee. Wilmersdorf. Heute Dienstag, abends 8>/z Uhr: Dcffcntliche Landtagswähler-Vers ammlung im„Johann- Georg- Haus", Johann-Georgstratze 19. Parteisekretär Genosse Müller spricht über.Preußens Volksvertretung". Zahlreichem Besuch sieht entgegen Das Wahlkomitee. Steglitz. Morgen Mittwoch in allen Zahlabendlokalen Bezirks« Versammlungen; für den Südender Ortsteil bei Dahl., Pankow. Heute, abends pünktlich 8 Uhr, im Restaurant.Zum Kurfürsten", Berliner Str. 102, öffentliche Versammlung. Tages- ordnung:„Ich hju ein Preuße." Refercpt: Genosse Dr. Rudolf B r e i t s ch e i d..Existiert Versammlungsfreiheit in Pankow Z" Referent; Genosse Wilhelm K u b i g. Aufstellung der Wahlnränner. Parteigenossinnen und Genossen agitiert für Massenbesuch. ßerlimr N�cbrlcbten. Um die Insel Potsdam. Wer Freude au der flsatur hat, wird die kommende Jahreszeit besonders dazu ausnutzen, in seiner freien Zeit hinaus ins Freie zu wandern. Er wird bald erkennen, daß auch die Umgegend Berlins eine Fülle des Interessanten und Aowechsclilngsrcichen bietet. Wer kein Freund des Wanderns ist, hat Gelegenheit, durch eine Fahrt auf den märkischen Ge- wässern Erholung zu finden. Eine Reihe Dampfschissgcsell- schaftcn haben durch Einrichtung von bcstiminten Touren aus der Spree und auf der Havel daftir Sorge getragen, daß der Großstädter mit dem Schiff in Gegenden kommt, die ihm vielfach noch fremd aber des Besuches wert sind. Eine be- sonders schöne Tour hat die Dampfschiffgescllschaft „Stern", die m dic'em Jahre ihr 25jähriges Be- stehen feiern kann, durch eine„Fahrt um Potsdam" getroffen. Von Wannsee beziehungsweise Potsdam aus geht die Fahrt an Glienicke vorbei nach Nedlitz, durch den Nedlitzer Stichkanal, der kurz danach in den Fahrländer See mündet. Auf der weitereu.rour geht der Dampfer durch den Schlänitzsee, durch � den Sakrow-Paretzer Kanal, den großen Zernwe nach Werder, Eaputh, den Potsdamer Luftschisshafen vorüber zurück nach Potsdam bez>v. Waimsee. Tie Tour bietet dem Auge viel des schönen und beivcist, welche Fülle von Naturschönheiten die verlästerte Mark in sich birgt. Historischen Boden betreten wir in Paretz, wenn man an Land flehen und das Schloß beaugenscheinigen kann, das dem König Friedrich Wilhelm III- und seiner Frau, der in jetziger Zeit so sehr gepriesenen Königin Luise als Sonimeraufenthalt gedient ' Der Potsdamer Luftschiffhafen lohnt eine Besichtigung. �'e hier stationierte„Hansa erscheint in der Nähe angesichts ihrer 180 Meter Länge und ihrer ganzen Größe. Die etwa 4 Stunden währende Fahrt wird von einem besonders gebauten Salondanipscr„Kronprinz Friedrich" aus- geführt, der auf tadellose Verpflegung der Passagiere zu- geschnitten ist und alles liefert, was das Herz begehrt und ivas die Passagiere sich etwa leisten wollen oder leisten können. Sie /können hier ihr warmes Mittagessen haben, das auf dem Schiff zubereitet wird, und auch alles, nach dem der Magen verlangt. Die Tour wird am 18. Mai eingerichtet. Die Ji'dienststelliinq der neuen Schiffsttzpe der Teltower Kreis- schiffahrt. Das neue Motorschiff„Tempelhof" ist von der Teltower Kreisschiffahrt jetzt in den Verkehr eingestellt. Tie„Tempelhof", die bald ihr Schwesterschiff erhalten wird, gleicht im Aussehen den Nil- schiffen, bei denen ebenfalls ans Geräumigkeit und Behaglichkeit das Hauptgewicht gelegt ist. Die Type ist das Ergebnis eingehender Untersuchungen der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau. Der Kreis Teltow bewilligte dazu reichliche Mittel und veranstaltete auch ein Preisausschreiben, das jedoch die technischen Fragen nicht genügend löste, zumal auf die besonderen Verhältnisse der Kanalschiffahrt Rücksicht genommen werden mußte. Schließlich stellte sich heraus, daß den größten Einfluß auf die Wellenbildung und die Geschwindigkeit des Schiffes die Größe des eingetauchten Hauptspantes ausübt. Der Niederschlag aller Versuche war die positive Feststellung, daß breite prahmartige Schiffe wegen des kleineren Haut- spantes dem tiefen Schiff mit scharfen Linien vorzuziehen sind, be- sonders in schmalen Fahrtrinnen. Bei der Konstruktion der neuen Type galt es daher 1. auf die Erreichung möglichst großer Geschwindigkeit, 2. auf großen Fassungsraum und 3. auf möglichst leichtes Gewicht Be- dacht zu nehmen. Man vereinigte alle diese Bedingungen in der Lösung des technischen Problems, die in dem neuen Motorschiff ver- körpert ist. Das Schiff ist 39 Meter lang, 5,49 Meter breit und entwickelt mit seinen S9Pferdestärke-Oelmotoren 16 Kilometer Ge- sSwindigkcit im freien Wasser. Die.Tempelhos" hat zwei Schrauben, und um bei der flachen Bauart die Manöverierfähigkeit zu sichern, ist das Schiff am Boden mit einem'/a Meter hohen Kiel versehen, der das Abtreiben verhindert. Der Schiffsrumpf erreicht zirka 4 Meter in der Höhe über dem Wafferspiegel. Völlig neu ist die Schotteneinteilung der„Tempelhof", deren Rumpf in vier Abteilungen zergliedert ist. Das Schiff bleibt völlig schwimmfähig, wenn auch em Schott vollaufen sollte. Die Vorzüge der Type bestehen in der leichten und bequemen Zugänglichkeit, in der übersichtlichen Po- sition des Führerstandes und in dem Fortfall jeglicher Rauch- und Gasbelästigung. Der Maschinenraum ist zwischen Eisenwänden ein- gebaut und vollkommen abgeschlossen. Die Ventilierung und der Auspuff erfolgen durch den Schornstein. Ebenso geräumig wie der Aufenthalt am Oberdeck ist der Platz im Unterdeck. Das Schiff wird sowohl zu den fahrplanmäßigen Fahrten als auch für Gesellschasts- fahrten verwendet. Billetts zu den Bolkskonzerten des Philharmonischen Orchesters sind unter anderen in der Zeitungsspedition von Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, zu haben. Vom Zweckverband. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth fand am Montag eine Sitzung des Verbandsausschusses des Verbandes Groß- Berlin im Berliner Rathause statt. Anwesend waren u. a. der Oberpräsident Dr. v. Conrad, Bürgermeister Dr. Reicke, Ober- präsidialrat Graf v. Roedern, die Landräte Dr. Busch, v. Achenbach und v. TreSkow. Es wurde dem Einwurf von zwei Baupolizei- Verordnungen für den Stadtkreis Berlin und für den Amtsbezirk Alt-Glienicke zugestimmt. Eine Baupolizeiverordnung für Zeuthen fand noch nicht die Zustimmung des Ausschusses: es soll erst eine örtliche Besichtigung durch eine Kommission stattfinden, die dem Ausschuß berichten loll. Zugestimmt wurde den Anträgen auf Ver- bindung der städtischen Straßenbahn an der Hollmannstraße und Alten Jakobstraße. Außerdem wurden zustimmend erledigt Anträge von Straßenbahnen im Osten Berlins und die Erhaltung einiger Freiflächensachen. Außerdem wurde die Mitgliedschaft des Verems für Kleinwohnhauswesen erworben. Groftfeucr in der Mühlenstrastc. Ein gewaltiger Brand, der an die Feuerwehr die größten An- forderungen stellte, kam Montag früh kurz vor 6 Uhr auf dem eisenbahnfiskalischen Gelände Mühlenstr. 11, dicht am Schlesischen Güterbahnhof, zum Ausbruch. Auf dem etwa 6999 Ouadratnreter großen Platz befindet sich die Pappen- und Papierabfall-Engros Handlung von Joseph Schimek, die an der Straße einen großen, etwa 199 Meter langen und 25 Meter breiten Hauptspeicher besitzt. Der hintere Teil des Geländes war mit einer Reihe von offenen Schuppen und Stallungen besetzt. Das Feuer entstand auf bisher unaufgeklärte Weise in einem der Lagerschuppen und griff mit rapider Schnelligkeit um sich. Der Schuppen war mir Pappen und Papierabsällen dicht angefüllt, so daß die Flammen reichliche Nahrung fanden. Die Gefahr wurde von einem Kutscher bemerkt. der zum Aufschirren nach den Stallungen gehen wollte. Als der erste Löschzug der Feuerwehr eintraf, stand der rechte Flügel des Platzes schon vollständig in Flammen. Da die auf dem Nebew grundstück liegende Weizenmühle von Karl Solomon u. Co. stark ge� fährdet war— das Dach der Mühle hatte zum Teil schon Feuer gefangen— so wurde sofort die Meldung„Mittelfeuer" an alle Berliner Feuerwachen gegeben. Daraufhin eilten sechs weitere Löschzüge zur Brandstelle. Der Brand dehnte sich aber immer mehr aus und das gesamte Stadtviertel war in dichtem Rauch gehüllt, so daß durch die Meldung„Großfeuer" noch immer mehr Verstärkungen herangezogen wurden. Mehr als zehn Lüschzüge waren auf der Brandstelle tälig. Da die in der Nähe liegenden Hydranten bald besetzt waren, so mußten zwei Dampfspritzen und die Motorspritze auf dem Grundstück Mühlenstraße 73 direkt an der Spree anlegen. Die anderen Dampfspritzen standen in den umliegenden Straßen und führten das Wasser in ungewöhnlich langen Schlauchleitungen zur Brandstätte. Die Bcrqualmung war so enorm, daß in den ersten Stunden ein Ueberblick über die Größe des Brandes gar nicht zu gewinnen war. Der brennende Platz wurde von der Feuerwehr eingekreist, und aus mehr als zwanzig Rohren wurde Wasser gegeben. Das Feuer war durch den Wind vom rechten Flügel auf die anderen Schuppen, aui die Stallungen, ans einen Nebenspeicher und auf den großen Hauptspeicher von der Straße übertragen worden. Während der Löscharbeit stürzte der Nebenspeicher krachend in sich zusammen. lieber ein Drittel des Hauptspeichers ivurde durch den Brand derart zerstört, daß das Mauerwerk zum Teil einstürzte und zum Teil von den Feuerwehrleuten niedergerissen werden mußte. Die Ablöschung der brennenden Papp- und Papierstapeln gestaltete sich recht schwierig, da alles erst auseinandergerisscn werden mußte. Die Schuppen und Stallungen smd sämtlich eingeäschert worden. Auf dem Platz standen auch 5 EisenbahnwaggonS, von denen zwei mir neuem Papier belade» waren. Alle 5 Waggons sind vollständig verbrannt und nur die Eisenteile liegen zwischen den Brandtrümmern. Tie in den Stallungen stehenden 17 Pferde konnten noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Brandstelle war in weitem Umkreis durch die Schutz- Mannschaft abgesperrt worden. In den Mittagsstunden war der ganze Platz noch von dichten weißgrauen Rauchwolken belagert. An allen Ecken standen die Feuerwehrtrupps und gaben unausgesetzt Waffer in die brennenden Papierstapeln. Der Feuerwehr gelang es, die Weizenmühle zu schützen. Auch ein gegenüberliegender Kohlenplatz konnte gehalten werden. Die Mannschaften loaren so erschöpft, daß sie mit Kaffee und Stullen verpflegt werden mußten. Die vollständige Ablöschung zog sich bis zum späten Abend hin. Dann begannen die langwierigen Auf« räumungsarbeiten. Die Firma Schimek, die seit 15 Jahren auf dem Grundstück domiziliert, hat in der Hoffmannstraße noch größere Reservelager und wird daher den Betrieb aufrecht erhalten können. Schon ini Jahre 1996 wurde das Geschäft einmal von einem größeren Brande heimgesucht. Ueber die Ursache des Brandes hat sich bisher nichts feststellen lassen. Es sind migeheuere Mengen Papp- und Papierabfälle vernichtet worden, doch läßt sich der enorme Brandschaden ziffernmäßig noch nicht angeben. Die Güter« sammelstelle des Schlesischen Güterbahnhofs, die in dem Haupt« speicher der Firma Schimek zum Teil mit untergebracht ist, ist vonr Feuer verschont geblieben._ Jung-Dcutfchland zu Waffer. Behördliche Protektion hat dafür Sorge getragen, daß Jung« Deutschland auch zu Wasser alle möglichen Begünstigungen erhält. Wir haben schon früher berichtet, daß in Sadowa ein Bootshaus zur Verfügung gestellt worden ist. Am Sonntag wurde für fünf Boote die Taufe vollzogen. Um zu zeigen, welche hohen Gönner die Bestrebungen fördern, lassen wir einen Festbericht über die Taufver» anstaltung folgen. Wir lesen da: „In dem festlich geschmückten Bootshause sah man unter anderen: Vizeadmiral v. Schuckmann und Kapitän zur See v. Trotha vom Marinekabinett, Geh. Oberregierungsrat Fricdheim, Regierungsrat Dr. Lindenau und Baurat Schulz vom Berliner Polizeipräsidium. Die Mannschaften des neuen Rudervereins hatten neben den Booten Ausstellung genommen. Der erste Geschäftsführer des Vereins, Herr Eschholz, der Bureauvorsteher des Polizei« Bezirksamts Berlin- Mitte, hielt die Eröffnungsrede. Darauf brachte Vizeadmiral Schuckmann das Kaiserhoch aus und teilte mit, daß der Kaiser zur Förderung der Vereinszwecke eine ein« malige Beihilfe von 599 M. gewährt habe. Kapitän d. Trotha gab den Booten die Namen: Scharnhorst, Uorck, Blücher, Ernst Moritz Arndt und Theodor Körner. Nach der„Parade" auf dem Wasser versammelten sich die Festteilnehmer zu einem Imbiß in dem BootShause. Gymnafialdirektor Dr. Schjerning hielt hier die Festrede." Die Namen der Festteilnehmer sagen mehr als kritische Worte dies vermöchten._ Der Vorstand der Indischen Gemeinde hat 699 Mark Belohnung zur Ermittelung der Diebe ausgesetzt, die in das jüdische Gemeinde- Haus eingedrungen sind. Bei einem Radausflug schwer verunglückt ist Sonntagnachinittag die 25 Jahre alte unverehelichte Marie Strenge aus der Köpemcker Straße 164. Fräulein Strenge inachte mir ihrem Bräutigam einen Ausflug nach den südöstlichen Vororten Berlins. Als sie durch die Bergstraße in Neukölln fuhren, kam Fräulein Strenge infolge der Glätte vor dem Hause Nr. 154 zu Fall. Sie geriet dabei unter die Räder eines Autoomnibusses, der sie ein Stück Weges mitschleifte. Mit schweren inneren Verletzungen wurde sie von ihrem Bräutigam und einem Schutzmann nach dem Krankenhaus am Urban gebracht, wo sie schwer daniederliegt. Durch die Decke beabsichtigte in der vergangenen Nacht ein un- bekannter Hotelgast in der Friedrichstraße in ein Goldwarengeschäft einzubrechen. Seine Mühe war jedoch vergeblich. Der unheimliche Gast, ein junger Mann von 25 Jahren, kehrte Sonntagabend mit hannloser Miene ein und ließ sich ein Zimmer im ersten Stock geben, das er selbst auswählte. Er trug sich als Ingenieur aus Charlottenburg in das Fremdenbuch ein. Auf seinen Namen waren bereits vorher Briefe eingegangen, die er jetzt in Empfang nahm. Gestern morgen wunderte man sick, daß der Gast so früh ausging. Er brach schon um 5 Uhr auf. Erst später entdeckte man, was ihn dazu veranlaßt halte. Es ergab sich, daß er in seinem Zimmer den Fußboden durch- gebohrt hatte. Ohne Zweifel hatte er es auf ein Goldwarengeschäft im Erdgeschoß abgesehen, sich aber in der Lage doch geirrt. Während er annahm, daß sein Zimmer über dem Laden liege, befindet es sich in Wirklichkeit über dem Hausflur, an dem das Geschäft liegt. Als er durch einen Blick durch das Loch sich von seinem Irrtum.über- zeugt hatte, hielt er es für geraten, gleich zu verschwinden. Die Flucht über die Dächer ist zu einer Einbrecherspezialität geworden, die sich nachgerade zu einer bedenklichen Gefahr für Mieter und Hauswirte entwickelt. Die Gefahr für die Hausbewohner kenn- zeichnete dieser Tage in einer Gerichtsverhandlung ein Einbrecher, der vor einiger Zelt mit einem Komplizen im Hause Gleimstr. 17 bei nächtlicher Bodenjagd mit Hilfe eines großen SchutzmaimS- aufgebots gefaßt worden war. Hier war die Vorbodentür auch nur einfach verschloffen, aber der Weg durch vie Luken sicher gesperrt. Auf der Polizeiwache erklärte der eine Einbrecher:„Schade, daß ich den Boden nicht in Brand gesteckt habe I Das machen wir jetzt immer so, wenn wir gestört werden." In der Gerichtsverhandlung widerrief zwar der gefähr- liche Patron diese Aeußerung, aber der Gerichtshof verkündete, daß, obwohl fast nichts entwendet worden ist, auf die hohe Gefängnis- strafe von neun Monaten nur wegen der Drohung mit Brandstiftung erkannt sei. Dieser Vorgang sollte alle Hauswirte zu größerer Borsicht mahnen. Selbst weirn die Mieter der oberen Stockwerke gegen Feuerschaden versichert sind, erleiden sie bei einem umfangreichen Dachstuhlbrand meist sehr erheblichen Schaden. Mit hoher Wahr- scheinlichkeit kann angenommen werden, daß mancher unaufgeklärte Dachstuhlbxand auf das Konto gestörter Einbrecher zu setzen ist.' Erschossen hat sich der Kaufmann Alfred Hanisch aus der Belforter Straße. Hanisch war an einer großen Mützenfabrik beteiligt, die aber nicht recht florierte. Eine erschütternde Liebestragödie spielte sich gestern nachmittag im Norden der Stadt ab. In einem Pensionat in der Invaliden» straße nahm gestern vormittag ein Kutscher Max Wittig, der in Dresden verheiratet und Vater von zwei Kindern ist, und seine Geliebte, eine 22 Jahre alte, aus Rheinsberg gebürtige Arbeiterin Lina Seifert, ein gemeinsames Zimmer. Beide waren kurz vorher aus Dresden, wo sie zuletzt in Arbeit standen, hierhergekom. men und zwar mit dem festen Plane, gemeinsam aus dem Leben Zu scheiden. Auf einem Zettel, den sie beide unterschrieben, teilten sie den Entichlutz mit und fügten hinzu, daß Liebeskummer sie zu diesem Schritte veranlasse. Zuerst haben beide Kleesalzlösung ge- nommen und sich dann jeder in sein Bett gelegt. Nach mehreren Stunden kam zuerst die Arbeiterin wieder zu sich. Als sie sah, daß ihr Geliebter regungslos dalag, nahm sie an. daß er schon gestorben sei und erhängte sich darauf mit einer Schnur am Fensterkreuz. Bald gewann aber auch Wittig seine Besinnung wieder. Er sah jetzt seine Geliebte tot am Fcnsterkrcuz hängen und nahm nun auch einen Strick und erhängte sich an dem anderen Fenster. Tie chnur ritz jedoch. Daraufhin nahm er wieder eine Kleesalzlösung und drehte noch dazu den Gashahn auf. Aber auch diese beiden Mittel versagten. Das Gift war zu schwach und in dm Gasrohr z« wenig Gas. Inzwischen war eS Abend geworden. In feiner Verzireiflung lies W. jetzt zu einem Schutzmann, bor dessen Augen er zusammenbrach. Auf der Hilfstvache, wohin er sofort ge- bracht wurde, wurde dem Manne sofort der Magen ausgepumpt und dann die sofortige Ueberführung nach der Charit« angeordnet. Hier erholte sich W. bald wieder soweit, daß er vernommen werden tonnte. DaS neue Aquarium im Zoologische» Garten geht auch innen jetzt rasch seiner Vollendung entgegen. Seit einigen Tagen sind berelts die ersten Probebecken mir Wasser gefüllt, um die Licht- Wirkung zu beobachten und da» Mauerwerk ansziilaugen. Jnter- eisieren dürfte weite Kreise, datz die Glasscheiben vor den mittleren und größeren Becken eine Dicke von 4 Zentimeter haben, um dem starken Wasserdruck Widerstand zu leisten. Einen besonderen An- ziehungspunkt dürfte der riesige Raum im Mittelbau bilden. AIS Urwaldflusi künstlerisch nachgebildet, wird er Krokodile und Schild« kröten aufnehmen, die man— als aparte Neuheit— auch beim Schwimmen unter Wasser von unten her beobachten kann. Vorort- �aebricktem Eine Gründungsaffäre. von der Terrain- und Bau« Aktiengesellschaft B e r li n« L a n k w i tz, die im Sommer 191L als ein Kind der Lankwitzer Terrain- und Baugesellschaft m. b. H. ins Leben trat, erzählt man sonderbare Dinge. Es wird behauptet, dag bei der Gründung der Aktiengesellschaft nicht alles so zugegangen sei, wie das Gesetz es vorschreibt, und das, man gegen ihr finanzielles Gebaren große Bedenken haben müsse. Der letzte Direktor der Aktiengesellschaft, Herr Strohmann, der Ende Oktober 1912 auf diesen Posten kain, hat selber im Februar 1913 das Amtsgericht und später die Staatsanwaltschaft ersucht, den GriindungShergang sowie die finanzielle Grundlage der Gesellschaft zu prüfen. Seine Beschuldigungen sind dann von dem Organ der Grundbesitzervereine, der»Lankwitzer Abend-Zeitung", wiedergegeben und in einer Reihe von Artikeln aus- sührlich besprochen worden. Die G e m e i n d e L a n k w i tz hat ein sehr lebhaftes Interesse an der Angelegenheit, einmal aus dem sozusagen persönlichen Grunde, daß der Vorsitzende des Aufsichlsrats dieser Aktiengesellschaft der Gemeinde- und Amtsvorsteher Dr. Beyendorfs ist, und dann vor allem au» dem rein sachlichen Grunde, daß die Gemeinde einen Teil des Kapitals jener Terrain- und Baugesellschaft m. b. H. hergegeben hat und somit jetzt indirekt auch zu den Teilhabern der Aktiengesellschaft gehört. Ueber die vorgebrachten Beschuldigungen hat die Gemein deVertretung bereits verhandelt, aber leider nicht in öffentlicher, sondern in geheimer Sitzung, wodurch nichts weniger als Beruhigung erzielt worden ist. Auch eine Erklärung zugunsten des Gemeindevorstehers und Aufsichlsratsvorsitzenden Dr. Beycndorff, die von den bürgerlichen Gemeindeverlretern unterschrieben und veröffentlicht' wurde, hat die Angreifer nicht zum Schweigen gebracht. Strohmanns Auffassung und Darstellung des Sachverhalts, wie er sie in seiner Anzeige vorgetragen hat, läuft darauf hinaus, daß die Aktiengesellschaft ohne erhebliches Bar- geld gegründet, aber bei der Gründungseintragung dieser Umstand durch Heranziehung geliehener Gelder ver- deckt worden jei. Gegründet wurde die Aktiengesellschaft von der schon erwähnten Lankwitzer Terrain- und Baugesellschafl m. b. H., ferner von dem Architekten Rich. Sinnig-Steglitz, dem Sanitälsrat Dr. Alb. Oliven-Lankwitz, dem Gutsbesitzer Friede. Dillges-Lankwitz und schließlich einem Rechtsanwallsbureauangestellten Wilh. Stein- Berlin. Der fünfte Mann war nötig, weil§ 182 des Handelsgesetzbuches die Mindestzahl der Gründer und Aknenübernehmer auf fünf bestimmt. Von dem auf 1 000099 M. bezifferten Grundkapital der Aktiengesellschaft übernahm aber Stein nur 1990 M., ferner DillgeS 89 999 M., Oliven S9 999 M., Sinnig 189 999 M., im übrigen die G, m. b. H. 749 999 M.. Eingezahlt mußten werden mindestens 23 Proz. dieses Kapitals, d. h. 239 999 M., Strohmann glaubt aber zu wissen, daß zunächst nur Oliven und die Erben des verstorbenen Dillges je 23 Proz. ihrer Anteile, nämlich 12 399 M. und 12 399 M,, zusammen 25 999 M., bar eingezahlt hätten. Sinnig habe keine Barzahlung geleistet, weil er an die Gesellschaft Forderungen aus Bauarbeiten hatte, und ebenso habe die G. m. b. H. zunächst sich Barzahlung erspart und mit Hereingabe von Rechten sich begnügt. Die an den 239 999 M. fehlenden zirka 223 999 M. seien, um der gesetzlichen Vorschrift zu genügen, von anderer Seite nur— so meinte Strohmann— vorübergehend hergeliehen worden. Direktor Strohmann gewann diese Auffassung von dem GründungShergang nicht sogleich nach Antritt seines Amtes, sondern erst im Laufe der nächsten Monate. LlS dann die Aktiengesellschaft, die bereits einige Bauten in Ausführung hatte, nach Aulsichtsrats- beschluß ihr Arbeitsgebiet durch Ausführung von noch mehr Bauten erweitern sollte, hielt Strohmann es für seine Pflicht, das nicht mitzumachen. Er glaubte, daß es der Aktiengesellschaft, wenn ihr auch inzwischen weitere Barzahlungen auf die von den Gründern übernommenen Anteile' zugeflossen waren, an den zur Nebernahme noch größerer Engagements er- forderlichen Mitteln fehle. Dem ÄufsichtSrat teilte er das mit, zugleich aber erstattete er die schon erwähnte Anzeige beim �Amtsgericht und später bei der Staatsanwaltschaft, um eine behördliche Revision herbeizuführen. Der ÄufsichtSrat be- vortete dieses Vorgehen mit der sofortigen Entlassung des wider» 'iigen Direktors Strohmann, die dieser für ungerechtfertigt er« Inzwischen hat das Gericht, um die über den Gründungs- ang usw. aufgestellten Behauptungen Strohmanns zu prüsen, rmittelungSverfahren eingeleitet. Die»Laukwitzer Abendzeitung" richtete in der Preßfehde, die sie im, ihre Angriffe besonders gegen den Gemeindev orsteher B e y e n d o r f f, den mit Anspruch auf Tantiemen nebst t � M. Fixum, gesegneten Aufsichtörntsvorsitzenden. >ei brachte sie auch zur Sprache, daß der Gemeindevorsteher und tlnffichtsralsvorjiyende die Vergebung von Gemeindearbeilen mit der Förderung von Interessen der Aktiengesellschaft zu verbinden gesucht habe. Bei der Ausschreibung des LyzeumsbaueS habe, so wird in dem genannten Blatt behauptet, er den Zuschlag abhängig machen wollen von der Bedingung, der Gesellschaft zwei ihrer Bannellen ab- zukaufen. � Ob eine der sich bewerbenden Firmen auf diese Bedingung sich bat einlassen wollen, geht aus der Darstellung des BlatteS nicht klar hervor. Gegenüber all diesen Angriffen muß man wünschen, daß volle K-lar stellung herbeigeführt wird. Infolge der enge» Beziehungen zwischen Gemeinde und Terraingesellschaft erfordert es das Interesse der gesamten Einwohnerschaft, daß Licht über die Verhältnisse der Gesellschaft verbreitet wird. Wie weit das vom Gericht eingeleitete Ermittelungsverfahren gediehen ist, entzieht sich unserer' Kenntnis. Wiltncrsdorf-Halensee. Städtische Zensurvüttelei? Die Stadtverordnetenversammlung hat sich gegenwärtig mit drei Vertragsentwürfen zu beschäftigen, die von der Verpachtung der Reklameflächen, dem Berkauf literarischer Erzeugnisse und die Aufstellung von Automaten auf den Lahnhöfen der städtischen Unter- grundbahn handeln. An diesen Verträgen interessiert uns besonders die Bestimmung über den Druckschriftenvertrieb. Sie lautet im wesentlichen:„Der Unternehmer ist verpflichtet, den Vertrieb literarischer Erzeugnisse hauptsächlich der Nachfrage des Publikums entsprechend einzurichten, den Verkauf mit dem Eifer und der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes wahr- zunehmen und allen Wünschen der Stadtgemeinde hinsichtlich der Führung seines Betriebes nachzukommen. Er hat ein Verzeichnis aller von ihm feilgehaltenen Zeitungen und Zeitschriften der Stadtgcmeinde vorzulegen und ein gleiches Verzeichnis an jeder Verkaufsstelle auszulegen... Ter Unternehmer darf be- stimmte buchhändlerische Erzeugnisse n i ch t vertreiben, sobald dies � verantwortliches Redakteur: Alfrep Wielepp, Neukölln. Für de« von der Stadtgemeinde, der beiriebführenden Gesell s ch a f t, der P o l i z e i oder den Aufsichtsbehörden ver- langt wird. Das Feilhalten anstößiger Schriften und Bilder ist unbedingt verboten� An diesen Vorschriften fällt zunächst auf, daß die Stadt- gemeinde darin freiwillig nicht nur für die Polizei und die übrigen Regierungsbehörden, sondern auch für die Betriebsgesellschaft, an die sie die Bahn verpachtet hat, das Amt des Büttels über- nimmt. Daß der Magistrat sich das Recht wahren will, etwa die Schundliteratur vom Bahubofsbuchhaudel fernzuhalten, ist noch verständliche aber welches Interesse hat die Stadtbehörde, der Polizei und gar der Betricbsgesellschaft das Reckt beliebiger B e- vor mundung einzuräumen? Wohlgemerkt handelt es sich in der von uns abgedruckten Vorschrift nicht um die polizeiliche Aus- Übung gesetzlicher Rechte; diese im Vertrag festzulegen, ist überflüssig, weil die Polizei von solchen Rechten ohnedies Gebrauch machen wird. Die in Betracht kommende Bestimmung hat keinen anderen Zweck, als der Polizei die uneingeschränkte Befugnis ein- zuräumen, durch einen dem Unternehmer gegebenen Wink oppo- sitionelle Zeitungen vom Berkauf auszu- schließen; und eine ebensolche uneingeschränkte Vollmacht soll die B e t r i e b s g e s e l l s ch a f t für den Fall erhalten, daß ihr einmal irgendein Zeitungsartikel nicht gefallen könnte. Nun mag der Magistrat die Entschuldigung haben, daß der Vertragsentwurs nur eine Abschrift der auf den Bahnhöfen der Hoch- und Untergrundbahn in Geltung befindlichen Verträge ist. Aber gerade dieser Umstand gebietet der Stadtgemeinde, cnt- würdigende Zumutungen von sich zu weisen. Denn yanz nach dem Muster der Eisenbahnbehördc wird hier be- reits eine unerhörte Bevormundung geübt. Die gelesensten Berliner Zeitungen, wie der„Vorwärts", einige MontagSblättcr, der Simplizissimus", sind auf den Untergrunddahnhöfen nicht zu kaufen, weil der in Betracht kommende Hofbuchhändlcr. sei es frei- willig oder gezwungen, sie vom Vertrieb ausschließt. Hier hat die Stadtverordnetenversammlung einzusetzen, falls sie nicht Organ der Polizei- und Unternehmcrwillkür, sondern Vertrauens- körperschast der gesamten Einwohnerschaft sein will. Der Vertrag entspricht nur dann der Billigkeit, wenn er die ausdrückliche Bestimmung enthält, daß aus politischen oder religiösen Gründen kein Truckerzeugnis vom Verkauf ausgeschlosfen werden darf. Will der Buchhändler S t i l k e. de» der Magistrat i» sein Herz ge- schloffen hat, sich auf eine solche Vertragsbestimmung nicht ern- lassen, so gibt es genug andere Unternehmer, die froh sind, wenn eine Stadtgemeinde sie von lästigen Fesseln befreit und ihnen Ge- legenhcit gibt, am Verkauf möglichst vieler Zeitungen, und zwar solcher, die dem Lesebedürfnis deS Publikums entsprechen, sich selbst und auch dem städtischen Säckel zum Nutzen Geld zu verdienen. Charlottenburg. Eine neue Stiftiing soll durch die Stadt errichtet werden. TaS hängt zusammen mit einer nachträglichen Ehrung des verstorbenen Oberbürgermeisters SchnstehruS, auf dessen Namen eine für die der Stadt durch Privatdienstvertrag verpflichteten Personen zu errichlende Stiftung lauten soll. Diese Stiftung soll mit einem Kapital von 39 999 M. versehen werden, aus dessen Zinsen für die Hinter- bliebenen der städtischen Privatdienstverpflichteten Unterstützungen bis zum Höchstbetrage von 399 M. im Einzelfall und pro Jahr gewährt werden können. � Das würde die vierte Stiftung dieser Art in Charlottenburg ein; denn bisher bestehen: Für die städtischen Ehren- b e a m t e n und deren Hinterbliebenen die Freiherr- von- Stein- Stiftung, für die städtischen Beamten die Fritsche-Stiflung und für die städtischen Arbeiter die Jubiläums-Stiitung von 1995.— Wie man aber auch bei diesen Stiftungen die Arbeiter am wenigsten bedachte, geht aus folgender Gegenüberstellung hervor: Die Fritsche-Stiftung hat bei annähernd tausend interessierten Beamten ein Kapital von 199 999 M,, die SchustehruS-Stiftung wird für 999 Privatdienstverpflichtete 39 999 M. Kapital zur Ver- fügung haben, während die Jubiläumsstiftung, an der gegen 2999 Arbeiter beteiligt sind, nur mit einem Kapital von 89999 M. aus- estattet wurde'. Da wäre es schon lange angebracht gewesen, den fonds dieser Stiftung und damii auch den Kreis ihrer Wirksamkeit zn erweitern; denn wenn man schon zur Errichtung von Stiftungen chreitet, soll man mit ihnen die sozialen Ungerechtigkeiten auszu- gleichen versuchen, nicht aber sie verstärken. Die Errichtung eines städtischen Waisenhauses wird nun endlich aus dem Stadium der Erwägungen heraus kommen und zur Wirk- lichkeit werden. Denn die Stadt Charlottenburg hat bis jetzt noch leine Unierkunftsstätle für die Waisen, Nun soll endlich ein Waisen- Haus gebaut und die bisher im Bürgerhaus in der Sophie-Char- lotten-Straße untergebrachten Kinder sollen in daS eigene Heim übergeführt werden. Das neue Gebäude wird sich als ein Flügel an das Bürger- haus anschließen und für 199 Betten eingerichtei werden. Auf den ersten Blick dürste das etwas sehr unzulänglich ericheinen. Aber eS ist geplant, im allgemeinen die über 9 Jahre alten Waisen nicht dauernd :» der Anstalt zu behalten, sondern diese Kinder nach voraus- ;egangener Untersuchung und Beobachtung in gut ausgewählte und orgfältig überwachre Familien unterzubringen. Nur die mit körper- lichen oder geistigen Mängeln behafteten' Kinder, die anderwärts nicht unterzubringen sind, werden im Waisenhause behalten, woselbst für die kleinen Insassen auch die Errichtung eines besonderen Unter- richtö vorgesehen werden soll. Für den Bau. dessen vollständige Herstellung.bis zum 1. Ok- tober 1914 geplant ist. sollen 399 999 M.. von denen 22 999 M. auf die innere Einrichtung zu verwenden sind, ausgegeben werden. Friedenau. Bei der Gemcindevcrtreterersatzwahl für die dritte Klasse wurde der Kandidar der vereiniglen OrduungSmauncn. Herr Bäckermeister Wernike, einstimmig gewählt. Er erhielt 307 Stimmen, was einen Rückgang der bürgerlichen Stimmen gegen die Hauptwaht im Jahre 1912' von 299 bedeuiet. Unsere Genosse» hallen, wie benchier, Stimmenthaltung beschlossen. Von bürgerlicher Seite waren zuerst zwei Kandidaten aufgestellt; und zwar vom HauS- und Grundbesiyerverein der nationalliberale LandtagSabzeordnete Dr. Wendland, während Herr Wermke vom Handel- und Gewerbeverein präsentiert wurde. Nach heftigen AuSeinander- etzungen innerhalb der verschiedenen Spießervereine lrat der uationallibcrale Scharsmacher von seiner Kandidatur zurück. Er betonte dabei, daß er diesen Schritt nur tue, um eine Zenplitterung der bürgerlichen Stimmen dem gemeinsamen Feinde, der Sozialdemo- kratie. gegenüber zu vermeide». Diesem gefährlichen Gesellen gegen- über garantiere nur eine berühmte und am Orte populäre Persön- lichkeit einen Erfolg. So einigte man sich denn auf den biederen Bäckermeister, von dem man zu berichten weiß, daß er schon 23 Jahre im Orte wohnt, über 49 Jahre alt ist und dessen Kundenkrreis noch ständig zunimmt. Wie es einem aufrechten Mann unter den Forrschrittlern gehe» kann, zeigt ein Beispiel, das sich hier in der letzten Zeil ereignete. Ge- legentiich der Elatsbcratungen berichteten wir von einem Konflikt zwischen dem schon bestehenden Ortsausschuß für Jugendpflege und dem Gemeindevorstand, der damit endete, daß der bisherige Vorsitzende dieses Ausschusses, ein Gemeindeschulrekior, seinen Posten niederlegte. Er teilte dies unter Angabe der Gründe dem Gemeindevorstand mit. worauf derselbe ihm eine schroffe Antwort erteilte. In einer Sitzung des genannten Ausschusses, an der als Vertreter des Gemeindevorstandes der Schöffe v. Wrackem teilnahm, bezeichnete der Gemeindeverordnele 5talkbrenner daS Schreiben de» Gemeinde- Vorstandes als flegelhaft einem Manne gegenüber, der seines Er- achten« nach so viel für die Jugend getan habe. Herr v. Wrochem etzte in seinem Bericht den Gemeindevorstand von dieser Aeußerung des Herrn Kalkbrenner in Kenntnis; derselbe hat darauf«inen Antrag auf Strafverfolgung gegen Herrn Kalkbrenner angenommen. Es bot sich hier den Herren eine willkommene Gelegenheit, dem ge nannten Gemeindeberordneten, der ihnen durch feine bei einem bürget* Vertreter sonst so seltene ehrliche Kritik schon manche böse Stunde bereitet hatte, eins auszuwischen. Daß Herr K., der Staatsbeamter ist, es nicht auf eine Klage ankommen lassen werde, darüber schienen sich die Herren klar zu sein. Es mußten also Mittel und Wege ge» funden werden, eine Demütigung desselben vor aller Oeffenilichkeitr durchzusetzen. Gelegentlich eines Schmauses, den der Gemeinde» verordnete Herr Kommissionsrat Sachs den Gutgesinnten der Ge» meindevertretung spendierte, wurde der Operationsplan entworfen. Der Verleger des Ortsblättchens, Herr Leo Sckulz. wurde dazu ge» Wonnen, die Angelegenheit noch einmal in öffentlicher Sitzung an« zuschneiden. Die Herren Walger und Wrochem erzählten dabei in rührendem Schmerz, wie sehr sie sich gekränkt fühlten, zugleich betonten sie, daß Herr Kalkbrenner nur durch eine genügende Entschuldigung sich der Strafverfolgung entziehen lönne. Herr Kaltbrenner erklärte denn auch, daß er als mittel» loser Staalsbeamter es nicht auf eine Klage ankommen lassen könne, und er nehme das, was er gesagt habe, mit dem Aus» druck des Bedauerns zurück. Diese Erklärung genügte den Herren nicht. Sie verlangten eine bedingungslose Bitte um Entschuldigung, die denn auch von Herrn Kalkbrenner abgegeben wurde. Zur Jllustrierung des Vorhergesagten sei bemerkt, daß Herr Kalkbrenner Vorsitzender des Ortsvereins der Fortschrittlichen Volkspartei ist. Er wurde, als Herr Traub zu Anfang des jetzigen Landtagswohl« kampfes nicht mehr kandidieren wollte, als Landtagskandidat der Forlschrittler genannt. Herr v. Wrochem bekleidet den Posten ded zweiten Vorsitzenden im Fortschrittlichen Verein, während der dritte im Bunde, Herr Leo Schulz, den Posten des Schatzmeisters inne hat. Da sich nirgends in der fortschrittlichen Organisation ein Prolest gegen diese eigenartige Betätigung der Parteigenossenschaft der Herren v. Wrochem und Schulz bemerkbar machte, ist Herr Kall- brenner von seinem Posten zurückgetreten. Steglitz. Ter Bericht des Gcwerbegerichts für das abgelaufene Ge« sehäftsjahr konstatiert zum ersten Male seit Bestehen der Institution einen Rückgang der Klagefälle. An und für sich könnte man diese Tatsache begrüßen; man würde jedoch fehl gehen, daraus den Schluß zu ziehen, daß sich jene Klasse von Arbeitgebern„ge-- bessert" Hove, die das Zahlen für ihnen geleisteie Arbeit als eine lästige Pflicht empfinden, deren Erfüllung sie sich mit allen Schi- Janen zu entziehen versuchen. Die wahre Ursache dürfte vielmehr in dem Tarniederliegeu deS Bauhandwerks zu suchen sein, wie die spezialisierten Zahlen ergeben. Im ganzen wurden im letzten Jahre 269 Klagen gegen 313 im Vorzahre erhoben, das ist ein Weniger von 33. Auf das Baugewerbe entfielen 114 gegen 162 im Vorjahre, also weniger 48 Klagen, die man wohl mit ziemlicher Sicherheit auf die geringe Beschäftigung der Bauhmidwerker zu- rückführen darf, wodurch sich naturgemäß die Älagcanlässe ver- mindern müssen. Das Fabrikgewerbe ist mit einem Minus von 19 s 11 gegen 24) vertreten, wohingegen die Sammelrubrik„Andere Gewerbe" eine kleine Zunahme von 3 Klagen �132 gegen 127) auf- weist. Auch hier spiegelt sich die„Konjunktur" deutlich wider, denn nickt weniger als 17 Klagen wurden von Kinematographen- gehilfen gegen ihre Arbeltgeber angestrengt, gegen nur zwei im Vorjahre. Entsprechend der verminderten Zahl der Klagen sank die Zahl der Termine vor dem Vorsitzenden allein von 332 auf 271, vor dem Spruchgericht von 199 auf 191, die Anzahl der Tenninstage�von 76 auf 67 vor dem Vorsitzenden und von 28 aus 29 vor dem Spruchgericht. Tie weitaus meisten Klagen waren auf Zahlung rückständigen Lohnes gerichtet, nämlich 293. Die Zahl der Kläger betrug im ganzen 319, davon 27 weibliche. Tie Sck n e l l i g» kcit in der Erledigung der Klagen(neben der Billig- ieit einer der Hauptvorzuge der gewerblichen Rechtsprechung) hat leider eine Verzögerung erfahren, deren Ursachen nicht auS dem Bericht zu ersehen sind.'Die Prozetzdauer betrug bis zu einer Woche bei 43.22 Prozent(im Vorjahre 61.63 Prozent), bis zu zwei Wochen bei 29,88 Prozent(16,78 Prozent), bis zu 1 Monat bei 23,23 Prozent(18,13 Prozent), bis zu 3 Monaten bei 19,62 Proz. (3,98 Prozent' der Klagefälle. Die geringste Klageforderung war 89 Pf., die höchste 996 M. Daß die Rechtsprechung nach dem Emp- finden der Parteien eine„gute" war. darf man wohl daraus schließen, daß nur in einem Falle Berufung eingelegt wurde. Da selbst diese noch als unbegründet zurückgewiesen wurde, kann man wohl der Tätigkeit deS GertchtS volle Anerkennung zollen. Das Kaufmannsgerickt hatte 77 Klagen gegen 69 deS Vorjahres zu entscheiden; hierzu waren 42 Terminstagc vor dem Vorsitzenden allein erforderlich, während daS Spruchgericht an 14 Tagen in Funktion trat. Die Prozeßdauer bat bei diesem Gericht keine wesentlichen Schwankungen aufzuweisen. Tie Klage- summen differierten zwischen 19 und 2499 M. Auffällig ist die Fluktuation der Beisitzer. Während beim Gewerbe- gerichr sehr selten eine Amtsniederlegung wegen Verzugs nach außerhalb erfolgt, sind im Berichtsjahre nicht weniger als vier Beisitzer aus dem Kreise der Handlungsgehilfen durch Domizilwechsel ausgeschieden. Wannfee. Bon der Lokomotive de? Zuges Belzig«faßt und erheblich ver» letzt wurde am Sonnabend bei Bude VI da? sechsjährige Söbnchen deS Bahnwärters Freidank. Die Verletzungen, hauptsächlich am Hinterkopf, sind sehr schwere, doch hofft man ihn am Leben zu erhalten.- Der Junge muß in einem unbewachten Augenblick kurz vor Passieren des ZuaeS sich den Gleisen genähert haben, beim Spielen hat ihn wohl dann die Lokomotive getroffen. Oranienburg. Aus der Stadtverordnetenversammlung� Ter städtische Zuschu" für die höhere Mädchenschule erböht sich für das laufende Jahr von 9999 auf 12 999 M. Auf Anfrage des Genossen Garlipp teilte der Vorsteher mit, daß die jetzt vorhandenen 121 Schülerinnen von 3 Lehrern und 4 Lehrerinnen unterrichtet würden. Für den Bau der städtischen Badeanstalt fordert der Magistrat infolge größerer Abmessungen eine Nachbewilligung von 2399 M. Genosse Kaatz betonte, daß die erste Vorlage hätte besser geprüft werden müssen. Die nachträgliche Forderung des Pächters äber, den Bierkeller und Ausschank zu bauen, sollte man doch zurückweisen. Der Bürger« meister v. Loebell glaubte, daß man bei der verhältnismäßig hohen Pachtsumme dem Pächter auch entgegenkommen müsse. Die Pacht betrage 799 M. und steige jährlich um 199 M. bis zu einer Höchst- summe von 1299 M. Die Vorlage wurde gegen die Stimmen un» serer Genossen angenommen. Hierauf brachte der Kämmerer Zci- singer eine längere Erklärung zu dem Jdcnschen Steuerprozeh zur Verlesung, welche als Antwort auf das in dem hiesigen„Lokal- blättchen" erschienene„Eingesandt" des Herrn Jden dienen soll. In der umfangreichen Erklärung wird ausgeführt, wie die Stadt zur Berechnung des hohen Wertzuwachses deS betr. Jdenfchen Grundstückes gekommen fei. Des weiteren wird der Verlauf des Prozesses geschildert, der bekanntlich insofern für die Stadt un- günstig ausgefallen ist. als dieselbe drei Viertel der erhobenen Steuer wieder hat herausgeben müssen und obendrein noch die nicht unerheblichen Prozeßkosten tragen muß. Das betr.„Ein- gesandt" sei durchaus unsachlich. Der Magistrat könne aber die „Flucht in die Oesfentlichkcit" nicht mitmachen und es solle deshalb an dieser Stelle die Antwort erfolgen. Daß aber doch noch andere Gründe gegen die..Flucht in dle Oeffentlichkeit" mitsprechen, war auS der ganzen Vortragsweise deutlich herauszuhören. TitzungStage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Treptow. DienStag, den 6. Mai. 6 Uhr. im Rathauie. Nieder-Schiinhaulen. Heute Dienstag, abend« 6 Uhr, Sitzung in: Raihause. <,ohc»-Sieuendorf. Heute Dienstag nachmittag« 6 Uhr, rnt Sitzung«. saale, Berliner Str. 48/49. Diese Sitzungen sind»sfenttich. Jeder Gemeindeangehsrige iß ß* rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen.____ V2-9 uut|IUJ.........-"----'-" QMwmct Dcijurooqnciu______ Lnjeratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin. TrucU-Berlag: Vorchanz Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer U-Tv-, Berlin