Mrlll. H bonnements-lkdingungeti: Wonnemmts- Preis pränumerando! Lierteliährl. 330 Ml, monclL tlO Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ms Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sanntags- mimmer mit illustrierter Sonmags. Bellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Poit- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Toitschland und Oesterreich- Ungarn 2,Z0 Marl, für das übrige Ausland •1 Wart pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal Rumänien. Schweden und die Schweiz. 30» Jahrg. vle snkertlons-eebllhr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonelzeile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerlschastlichc Vereins- und Vcrsnmnilungs-Anzeigen M Pig. ..Aleine Anretgen", das settgedruckle Wort A Pfg. szulässig 2 fettgedruitte Worte), jedes weitere Wort l0 Pfg. Stellengesuche und Echlafitellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über>5 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate sur die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Crfchtint täglich. Verlinev Volksblstk. Zentralorgan der Pozialdemokrati fchen Partei Deutfchlanda. Telegramm- Adresse: „Söziailitniötot Rtriin" Redaktion: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplatz. Nr. 1983. Stärkung oüer Schwächung? Wollte man den Versicherungen unserer Rüstungs- fanatiker Glauben schenken, so müßte die Durchführung der neuen Wehrvorlage für den gesamten VolkZorganismus eine erhebliche Stärkung bedeuten. Daß— rein Volkswirtschaft� Itch betrachtet— das genaueGe genteil zutrifft, liegt zu klar auf der Hand, um. eines ausführlichen Beweises zu be- dürfen.- Wenn dem Wirtschaftsleben große Kapitalien einer- seitsf zahlreiche Arbeitskräfte andererseits zu gänzlich' un- produktiven Verrichtungen entzogen werden, so sind das Mo- mente, die wohl den Wirtschaftsorganisnlus lähmen und schwächen, keinesfalls aber kräftigen können. Daran ändert auch nichts die vom Wehrverein verkündete Weisheit, wonach das Volk sich freuen müßte, daß 63 000 Menschen jährlich dem Erwerbsleben entzogen werden, deren Stellen nun für andere frei würden. Nach dieser Logik wäre es auch ein„freudiges Ereignis", wenn heute oder morgen ein Erdbeben die nämliche Anzahl von Menschen hinwegraffte. Dieser abgeschmackte Unsinn hat selbst Anhänger der Wehrvorlage verschnupft und ein Zentrumsredner suchte ihn tm Reichstag als„Weisheit eines Leutnant a. T." abzu- schütteln. Aber wenn man dadrüben auch schließlich das große volkswirtschaftliche Minus der Vorlage zugeben muß, so sucht man um so iNehr herauszustreichen das Plus an V 0 l k s- und Wehrkraft, das angeblich durch sie geschaffen wird. Ist das nun richtig? Hebt die Vorlage wirklich die Kraft und Wehrbaftigkeit unseres Volkes in einem für die Gesamtheit ersprießlichen Maße? Schafft sie einen Gewinn an Menschen- Material und Menschenqualität, der über rein pekuniäre Ver- lüfte hinwegtrösten könnte?— Um diese Frage beantworten zu können, wollen wir die Wehrvorlage einmal vom Stand- punLt der M e n s ch e n ö k 0 n 0 m i e aus betrachten. Die Vorlage verlangt bis zum Jahr.e 1915 eine einmalige Aufwendung von 1Z91 Millionen Mark. von. da ab lausend jährlich' 186'Millionen Ällark. Dafür sollen jährlich' 63 000 Rekruten mehr eingestellt, das gesamte stehende Heer um rund 1Z6 000 Personen vermehrt werden. Wie die Vorlage aus- drücklich betont— und die Regierungsvertreter im Reichstag haben es bekräftigt—, handelt es sich dabei ausschließlich um körperlich volltaugliche Personen, die bisher nur wegen ihrer Ueberzähligkeit über die benötigte Etatsstärke nicht ein- gestellt wurden. Die Vorlage beschränkt sich also darauf, vorhandene Kräfte des Volksorganismus auszunutzen. Das liegt ja in der Art unseres Militarismus, schmarotzerhaft zu nehmen, wo er etwas findet, selber aber nichts zu geben. Denn ob kräftige und gesunde Leute durch den zweijährigen Kasernendrill eine Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit, ihres Könnens im all- gemeinen erfahren, ist noch sehr zu bezweifeln: nach gewissen Erfahrungen möchte man es direkt verneinen. Damit aber tauckst sofort die weitere Frage auf. ob unserer Volkskraft und damit letzten Endes auch der Wehr- kraft nicht in ganz anderem Maße gedient wäre, wenn diese Rissensummen dazu verwendet würden, um wirklich die körperliche und gesundheitliche Tauglich- keit der großen Volksmasse zu heben. . �.in Blick auf die Ergebnisse des Heeresergänzungs- geichäftes, wie sie in der Reichsstatistik enthalten sind, zeigt uns die groß? Berechtigung und Notwendigkeit dieses Ein- Wurfs. Denn die Statistik lehrt uns, daß die Zahl der wegen körperlicher Fehler und Gebrechen untauglichen Gestellungs- Pflichtigen bei uns von Jahr zu Jahr zunimmt, nicht nur absolut, sondern auch relativ, während die Zahl der Taug- lrchen in relativer Abnahme begriffen ist. Von je 100 endgüllig Abgefertigten waren Der ÄNieii oer �.augiichen und künftig Tauglichen, ote allein für das stehende Heer in Betracht kommen, ist danach in vier Jahren von insgesamt 70 Proz. auf 67.8 Proz., also pro Jahr um mehr als 14 Proz. gesunken, gleichzeitig haben sich die nur zum Landsturm gehörigen Mindertauglichen um 2ß Proz. vermehrt, was auch durch die kleine Abnahme der gänzlich Untauglichen von 0,6 Proz. nicht kompensiert wird. Ein Verglctch für einen längeren Zeitraum veranschaulicht die Entwickelung noch deutlicher. Wegen körperlicher Mängel waren mindertauglich bezw. untauglich: im Jahre 1901 von S07997 endgültig Abgefertigten 1-11 403--- 27.8°/o .. 1910„ 658 597.. 179293= 32,1% Ter Schwund an Volkskraft und Volksgesundheit, der aus diesen Zahlen spricht, sollte dem ernsten Politiker weit wehr zu denken geben als die Frage, ob noch irgendwelche Wehrfähigen nicht voll zu dem heutigen Drillsystem heran- gezogen werden. Es ist ichließlich keine Kleinigkeit, wenn aeute schon f a st der d r t t t e T e i l der in Betracht Kom- «enden sich als k öA p e r lich m snd e r w e r t i g erweist. Freilich, verwunderlich ist es Nicht. Wtr sehen hier eben. die Kehrseite unseres Wirtschaftssystems, das auf rücksichts- loser Ausbeutung des Proletariats— bis zur körperlichen und geistigen Verkümmerung der ganzen Schicht beruht. Tie Erfahrung ist übrigens nicht von heute und gestern. Schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mußte der General v. Horn, der am Rhein kommandierte, dem König die betrübliche Mitteilung machen, daß die dortigen Provinzen ihr'Rekrutcnkontingent nicht aufbringen könnten, weil die eben emporblühende Industrie mit ungehemmter Ausnutzung der Arbeitskraft, mit gesundheitsschädlichen Ar- beitsmühoden usw. die Körperkraft einer ganzen Generation vernichtet hatte. Dieser Vorfall gab damals den Anstoß zu den ersten Arbeiterschutzgesetzen. Trefflicher als durch diese Episode kann das hier in Frage stehende Problem kaum beleuchtet werden. Schon vor drei Menschenaltern hat ein preußischer General, hat ein 1 absoluter Monarch, hat ein erzreaktionäres Ministerium ! unter der Wucht der Tatsachen einsehen müssen, daß die Wehr- kraft eines Volkes nicht dadurch gehoben werden kann, daß man nach Gutdünken die Aushebung neuer Rekruten an- ordnet, sondern daß erste und unerläßliche Vorbedingung die physische und soziale Hebung der breiten Massen ist. Diese Erkenntnis haben unsere heutigen„Patrioten" und mit ihnen die Regierung schon längst wüäer eingebüßt. Sie schreien unausgesetzt nach der Einstellung neuer Soldaten: an die. Hebung der wirtschaftlich niedergedrückten Volks- schichten denkt kein Mensch. Nicht ein Pfennig der neuen R ü st u n g sm i l li a r d e n dient einer wirklichen Erhöhung der Volkskraft, da durch die verausgabten Unsummen auch nicht ein einziger Schwacher kräftig, kein einziger Kranker gesund, kein einziger Gesunder vor Krank- heit bewahrt wird. Im Gegenteil! Indem der Militarismus alle diese Gelder in sein Danaidenfaß schöpft, entzieht er sie gleich- zeitig, allen jenen Leranslaltungen, durch die eine wirkliche Kräftigung unseres Volksorganismus möglich wäre. " Man denke'nur daran, wie bei der Beratung der R e i ch s v e r s i ch e.r u n g s 0 r d u u n g die bescheidensten Forderungen der Arbeiterschaft in sozialer und hygienischer Hinsicht brüsk von der Regierung und den Mehrheitsparteien abgelehnt wurden mit der Begründung, dafür sei kein Geld vorhanden. Wie hat man hier mit relativ kleinen Summen, die ini Interesse der Volksgesundheit verlangt wurden. Lngst- lich geknausert, während jetzt dieselbe Regierung, dieselben bürgerlichen Parteien besimmngslos dem Militarismus das Vielfache in den Rachen werfen. Erinnert sei hier nur andieTragödiedes M u t t e r- s chutz es. Weil die obligatorische Geburtshilfe den Kranken- kassen jäksrlich 23%, Millionen, die Gewährung von Stillgeld an Wöchnerinnen auf 12 Wochen 48� Millionen Mark gekostet hätte, lehnten Regierung und Mehrheit die hierauf gerichteten sozialdemokratischen Anträge ab. Und doch, welch enorme Vermehrung unserer Volkskraft hätte die Annahme dieser bescheidenen Forderungen gebracht! Jährlich sterben in Deutschland 360 000 bis 370000 Säuglinge, Zehntausende von Müttern opfern Leben und Gesundheit im Wochenbett, Zehntausende von Menschen laufen infolge mangelnder Ge° burtshilfe und Säuglingspflege zeitlebens als Krüppel und Gebrechliche durchs Leben. Mit einer Säuglingssterblichkeit von 17,8 Proz. im ersten Lebensjahr steht Deutschland hinter fast allen Kulturstaaten zurück: all diese Zahlen zeigen zur Genüge, welcher Gewinn an wirklichen Lebenskräften durch die Bewilligung einer Summe erreicht worden wäre, die noch nicht zwei Fünftel von dem beträgt, was jetzt für militärischen Drill pro Jahr mehr gefordert wird. Ein weiteres Gebiet, auf dem sich eine gewaltige Kräfte- steigerung des Volkes erzielen ließe— fast ohne jede staat- liche Geldausgabe— ist das der U n f a l l v e r h ü t u n g. Bei uns verunglücken durchschnittlich im Jahre 130 000 bis 140 000 Arbeiter, so hoch ist die Zahl derer, denen Unfall- entschädigung erstmalig zugebilligt wird. Von diesen Un- fällen sind etwa 9000 tödlich, etwa 50 000 führen zu dauernder ganzer oder teilweiser— Erwerbsunfähigkeit, der Rest der Verunglückten ist vorübergehend erwerbsunfähig. Von 1885 bis 1910 berechnet, sind im ganzen nicht weniger als 2 273 130 A r b e i t e r v c r u n g l ü ck t. Hier töte nun nichts weiter not, als schärfere Unfallverhütungsvorschriften und Verstärkung der Gewerbeinspektion, um unsere Volksgesamt- heit vor Tausenden von Krüppeln zu bewahren. Aber hier zeigt sich auch sofort die kapitalistische Grundstimmung unserer Rüsinngspatrioten: obwohl eine Verminderung der gewerb- lichcn Unfälle zweifellos auch den Prozentsatz der Militär- untauglichen herabdrücken würde, sind sie für eine solche Stärkung der Wehrkraft auf Kosten der kapitalistischen Ausbeutung nicht zu haben. Haben es doch unsere so hochpatriotischen Herren Agrarier sogar fertig gebracht, sich durch den§ 975 der Reichsversiche- rungsordnung ein direktes Privileg auf schon ungs- losen Raubbau an ihren Arbeitskrästen zu schaffen! Tort heißt es: „Das Reichsversicherungsamt ist nicht berechtigt, an Stelle der Genossenschaften Unfallberhütungsvorschriften zu erlassen und technische Aufsichtsbeamte anzustellen." So haben diese Ausbeuter ihre„Unfallverhütung" jeder. staatlichen Kontrolle entzogen: dabei zählt die Landwirtschaft von 1888 bifi 1909 nicht weniger als 54 935 durch Unfall Ge-! tötete, 953 743 Verletzte![ Expedition: 8 Cd. 68, Lindenstrasvc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384» Von den durch das Milliardenopfer aufgebrachten Riesen- summen für einmalige Ausgaben wird ein großer Teil für Kasernen, Truppenübungsplätze usw. draufgehen. Auch hier dürfte wohl die Frage am Plätze sein, ob unserer Volkskraft nicht besser gedient wäre, wenn mit dem gleichen Geld Krankenhäuser, Kinderspielplätze, Volksparks, hygienische Wohnungen in Stadt und Land geschaffen würden. Noch wohnt der größte Teil unserer Bevölkerung in überfüllten, un- hygienischen Wohnungen, noch rafft die Lungenschwindsucht jährlich ungeheure Menschenmassen hin. Nach den Veröffcnt- lichungen des Reichsgefundheitsamts steht fest, daß in den Städten über 15 000 Einwohnern jeder achte bis neunte Mensch an Tuberkulose stirbt, im Jähre 1910 waren es 41770 von 354553 insgesamt Gestorbenen. So ließe sich die Liste dessen, was zur Hebung unserer Volkskraft geschehen könnte, noch endlos fortsetzen, erinnert sc: nur an die Verbesserung der höchst mangelhaften Schutz- bestimmungen für Frauen und Jugendliche, die allgemeine Einführung eines Maximalarbeitstages, ein wirkliches Schutz- gesetz für Heimarbeiter, dem nicht, wie es bei dem jetzigen der Fall ist, das Kernstück— obligatorische Lohnämter— fehlt. Ja, was ließe sich nicht alles.schaffen, wenn all die Summen, die heute der Militarismus verzehrt, für eine großzügige Sozialpolitik zur Verfügung ständen. Wir könnten in einer Generation das kräftigste und gesündeste Volk der Welt sein! Aber nichts davon geschieht. Von allen Reichseinnahmen verschlingt der Militarismus neunzehn Zwanzigstel: was für Sozialpolitik bleibt, ist weniger, als was ein modernes Panzerschiff zu bauen kostet. Statt unsere Volkskraft zu stärken, verzehrt der Militarismus die Mittel, von denen sie sich ernähren und kräftigen könnte. Ter Mediziner bezeichnet gewisse anormale Erscheinungen des Organismus als Hypertrophie(überreichliche Ernährung). Sie liegt vor. wenn ein bestimmtes Glied des Körpers sich stark vergrößert, ohne daß die Gefamtentwickelung Schritt hält: sie ist krankhaft,.wenn der überernährte Körperteil zu seiner Entwickelung dein übrigen Körper notwendige Säfte entzieht. Unser Volksorganismus leidet heute an militari- scher Hypertrophie. Wir gleichen einem Boxer, der an nichts als an'dem Training feiner Faust arbeitet, ohne zu bedenken, daß die Entscheidung eines Kampfes letzten Endes bedingt ist durch die richtige Funktion des Gesamtorganismiis, durch die Arbeit. von Herz und Lunge. Was nützt die Riesen- faust, wenn sie an einem schwachen Körper hängt! Eine alte Weisheit besagt, daß die Zukunft eines Volkes nicht in den Schwertern der Männer ruht, sondern in den Schößen der Mütter. Auf unsere heutigen Verhältnisse an- wendet heißt der Satz: Nicht der Staat hat die besten Zu- kunftshoffnungen, der im Wettrüsten an der Spitze bleibt, sondern nur der, dessen Bevölkerung sich als die beste, ge- sllndeste, sozial und physisch gehobenste erweisen wird. Wollen wir aber in dieser Beziehung fortschreiten, so gibt es nur eine Parole: Schluß mit dem Wettrüsten: dafür aber Schutz und Hebung der inneren Volkskraft durch weitschauende sozialpolitische Gesetz- gebung!__ Die ßalkaDhrife. Rcservistencntlafsungeu i« Oesterreich. Wie«, 7. Mai. Wie die„Neue Freie Presse" meldet, soll die Entlassung der Reservisten in>en siid- östlichen Korps innerhalb einer Woche erfolgen� Keine Komplikationen mehr. Wien, 7. Mai. JDaS offiziöse„Fremd ettblatt" schreibt: Mit der llebergabe SkutariS wird die Skutarikrise durch einen Akt beendet, welcher die über mancherlei Fährlichkeit gerettete Einigkeit der Mächte deutlich erkennen lassen wird. Daß der Wille Europa? sich endlich durchsetzte, darf man als ein Anzeichen dafür begrüßen, daß auch die übrigen europäischen Bc- schlüsse über die albanische Frage ohne Komplikationen werden realisiert werden. Ebenso erwarten wir, daß das Tempo bei der Fassung der Beschlüsie über die Südgrenze Albaniens und über das albanische Statut einerseits dem ordnungsbedürftigen Zustande der Dinge in Albanien und andererseits dem von den beiden nöchstbeteiligten Mächten gezeigten unerschütterlichen Willen entsprechen wird, an ihre großen Interessen in diesem Lande keines- falls rühren zu lassen. Einvernehmen zwischen Serbien und Bulgarien. Belgrad, 7. Mai. Es verlautet, daß zwischen der serbischen und der b u l g a r i s ch e n Regierung in der serbisch-bulgarischen Grenzfrage ein grundsätzliches Einvernehmen erzielt worden sei und daß gegenwärtig Verhandlungen über die F e st s e tz un g der genauen Grenzlinie geführt werden. Vas armemfebe Problem. Je näher die Liquidation des Lallankrieges heranruft, desto dringender imd besorgniserregender werden die Nachrichten aus Türkisch-Armenien, das nun mehr als je als das asiatische Mazc- öonien der Türkei bezeichnet werden kann. Das seit Jahrzehnten zurückgesetzte Bevölkerungsproblem in dieser türkischen Provinz, das Problem des geknechteten, von den Türken wie von den Kurden unterdrückten armenischen Volkes, sagt sich jetzt mit erneuter Heftig- feit an, hinter ihm jedoch reckt sich, alle innertürkischei� Berwicke� langen überragend, eine andere Gefahr empor: der Anspruch Ruh- tands auf eine Einmischung in die armenische Frage. Rußlands armenische'Politik ist eng verknüpft mit dem rufst- schen Vordringen in Persien nach dem Abschluß.des cnglisch-russischen Vertrages vom Jahre 1907. Seitdem Rußland in der iwrdpersischen Provinz Aserbeidshan auch militärisch festen Fuß gefaßt hat, richtete 'ich seine Expansion weniger nach Teheran, als nach der türkischen Grenze, die nach der Besitzergreifung des strittigen Grenzgebietes am Urmiasee durch Rußland in militärisch-strategischer Beziehung außerordentlich bedroht wird. In dem Maße wie die Türkei zuerst durch Italien und dann durch die verbündeten Balkqnstaaten ge- schwächt wurde, faßte Rußland nicht nur festen Fuß in diesem wichtigen Grenzgebiete,, sondern zwang auch die Türkei, ihre Truppen von der Grenze zurückzuziehen und ihm den Weg nach Ostanatolien zu öffnen. Zu gleicher Zeit fand das armenische Problem in der russischen Presse eine immer größere Beachtung. Gestützt auf ihren Einfluß in den privilegierten und besitzenden Schichten der kauka- sischen Armenier, begann die russische Regierung mit den Armeniern zu liebäugeln; der kaukasische Statthalter Fürst Woronzow-Taschkow inaugurierte eine mehr armeniersreundliche Politik,' und der russische Botschafter in Paris, Jswolsky, konferierte mit den arme- nifchen Notabeln, die sich zu einer besonderen Beratung in Paris zusammengefunden hatten. Inzwischen bereitete die russische Presse — natürlich ausgenommen die Arbeiterpresse— den Boden vor für die Befürwortung der russischen Einmischung, und die liberale Rjetsch� forderte ebenso wie die chauvinistische„Nowoje Wremja", . aß Rußland die„Besreierrolle" in Türkisch-Armenien übernehmen müsse. Die Zustände, die zurzeit in Armenien herrschen, begünstigen dieses Vorhaben außerordentlich. Zwar hat die türkische Revolu- -ion, an der auch die armenischen Revolutionäre hervorragenden lnteil nahmen, der hamidischen Vernichtungspolitik gegen die Ar- menier ein Ende gemacht. Aber die sozialpolitische Rückständigkeit des jungtürkischen Regimes, seine Unfähigkeit, an eine Lösung der nationalen und wirtschaftlichen Probleme zu schreiten, kam auch in Armenien zum Ausdruck und schuf den Boden für die Gärung, die zurzeit im armenischen Volke herrscht. Schon allein die Tatsache, daß die jungtürkische Regierung es nicht wagte, den kurdischen Häuptlingen und Feudalherren das Land fortzunehmen, das sie nach den Metzeleien der 90 er Jahre den Armeniern geraubt, mußte aus die armenische Bevölkerung, die zu 8S Proz. aus Ackerbauern besteht, einen niederschmetternden Eindruck ausüben. Hierzu kommt noch, daß der Krieg die Lage der Armenier ungeheuer verschlechtert at. Für Spanndienste und Truppenernährung ist fast alles Vieh der armenischen Bauern fortgetrieben, und was der reguläre Soldat übrigließ, hat der kurdische Räuber gestohlen. Der durch den Krieg gesteigerte moslemitische Fanatismus hat naturgemäß auch die Beziehungen zu den Armeniern verschärft, und so ist es denn kein Wunder, daß die Panik unter der armenischen Bevölke- cung wächst und diese, trotz ihrer Abneigung zu Rußland, der russischen Eroberungspolitik in die Arme treibt. Diese Politik verdient jetzt um so mehr Beachtung, als ihre bisherige Entwickelung sie als ein Unglück für das armenische Volk kennzeichnet. Während des russisch-türkischen Krieges von 1877/78 war es der Eiwfall der russischen Armee unter dem Kommando der armenischen Ganeräle Ter-Gukasoff, Lasareff und LoriS-Melikoff, der nachher den Vernichtungskampf Abdul Hamids gegen die Ar- menier heraufbeschwor. Allerdings setzte Z 61 des Berliner Verlages für Armenien dieselben Reformbedingungen fest, wie für .Mazedonien. Aber weder Rußland, das eine solche Vorliebe für hl?.Befreiung" Armeniens gezeigt hatte, noch die anderen Ver- iragsmächte drangen darauf, daß diese Reformen durchgeführt wurden. Als in den 90 er Jahren die Armeniermetzeleien ein- setzten und etwa 300 000 Armenier in Trapezund, Bitlis, Tiarbekr, Konstantinopel unter den Dolchen und Degen der offiziellen Mörder sielen, war es in erster Linie Rußland, das eine Intervention der Mächte für die Armenier verhinderte. In den Jahren vor der russischen Revolution übernahm die Zarenregierung selbst die Me- thode Abdul Hamids, indem sie die Nationalgüter der kaukasischen lrmenier einzog, die Kerker mit Tausenden von Armeniern füllte und endlich den tatarischen Pöbel gegen die armenische Bevölkerung losließ, die bei den Progromen in Baku, Elisabethpol, Alexandropol u. a. ungeheuere Opfer davontrug. Auch nachher hielt die Ver- folgung der Armenier, wie der kürzlich stattgefundene Monftre- Prozeß gegen Hunderte von armenischen Intellektuellen zeigte, an, und nur die Aenderung der politischen Konjunktur im Kaukasus führte neuerdings eine Abschwächung dieser VerfolgungSpolitik herbei. Tie russische Regierung zieht jetzt ihre Truppen im Kaukasus zusammen, baut neue Straßen am Urmiasee und verstärkt mit jedem Tage die in Persien stationierten Truppen. Am gefähr- Ochsten ist aber ihre Wühlarbeit unter den Armeniern und Kur'öen. Während sie jene durch ihre.Ageuts provacateurs zu Aufständen aufzuwiegeln sucht, die ihr Anlaß zum Eiuschreiten bieten könnten, reizt sie die zum Teil in Kurdistan, zum Teil im benachbarten Persien lebenden räuberischen Kurdenstämme zu Armenier- Metzeleien auf. Daß durch ein solches Doppelspiel die Spannung in Armenien ungeheuer derschärft wird, versteht sich von selbst. kn der Türkei werden deshalb Stimmen immer lauter, ':c neben politischen Reformen in Armenien auch eine durchgreifende Lösung der armenischen Agrarfrage verlangen. Nur in dieser Richtung kann eine Lösung des gesamten armenischen Problems gefunden werden. Findet die türkische Negierung nicht die Kraft, diese Reformen durchzuführen, hofft sie noch jetzt, an ihrer altgewohnten Verschleppuugspolitik festzuhalten, so gibt sie Rußland nur die Möglichkeit einer Einmischung in die armenische Frage. In diesem Augenblicke aber würde die Frage der Auf- teilung der asiatischen Türkei auf der Tagesordnung erscheinen, die nicht nur für Rußland, sondern auch für Deutsch- land, Frankreich und England als lockende Beute erscheint. Neue Unruhe». Konstantinopel, 7. Mai. Nachrickten des armenischen Patriarchats zufolge sollen drei Armenier im Sandschak Müsch vonKurden ermordet und ein armenisches Dorf geplündert worden sein. Von armenischer Seite werden fortgesetzt Tabellen über die Missetaten der Kurden veröffentlicht. Ein im Laufe der vorgestrigen Sitzung der armenischen Nationalversammlung ver- lesener Bericht stellt die Lage in Adana als derart bedrohlich hin, daß sogar Massakers zu befürchten seien. KniM Schuld. In den etwa freikonservativen„G r e n z b o! e n" schreibt der Herausgeber Herr George Cleinow in interessanter Weise über den Fall Krupp: Man erfährt zunächst, daß schon seit Monaten in den politischen Salons geraunt wurde, im Kriegsministerium seien Bestechungen vorgekommen. Im Januar verdichteten sich die Gerüchte dahin, mehrere Direktoren der Firma Krupp stünden unter Anklage wegen Landesverrat. Aber erst durch Liebknecht wurde die Oeffentlichkeit über die Sache unterrichtet. Herr Cleinow wendet sich dann scharf gegen den Versuch, die ganze Angelegenheit als„sozialdemo- kratische Hetze" oder als ein„Konkurrxnzmanöver" einer vom Zentrum begünstigten.Firma'(Thyssen) hinzustellen. Dann rückt Herr Cleinow die Verantwortung der Firma Krupp ins rechte Licht, indem er die innere Organisation der Firma und insbesondere die des Berliner Bureaus darstellt: Er sagt dar- über: „Die Berliner Vertretung für Kriegsmaterial ist erst in den letzten zehn oder zwölf Jahren eingerichtet worve». Früher genügte ein Ingenieur, der die Abnehmer von FriedenSmalerial be- suchte und ihnen schnell gewünschte Auskunft gab. Die Beziehungen zu den Staatsbehörden wurden von der Essener Zentrale direkt gepflegt. Ten Verlehr mit dem Kriegsministerium und dem Aus- wältigen Amt besorgte der inzwischen verstorbene Direltor Mens- hausen entweder persönlich oder durch Vermittelung eines seiner Assistenten, die sowohl als frühere Staatsbeamte wie auch durch persönliche und verwandtschaftliche Beziehungen ohne weiteres direkten Zutritt zu den höchsten Regierungsstellen hnttem Im vornehmen geselligen Verkehr wurden die geschäftlichen Beziehungen taktvoll gepflegt mid ausgebaut, lernten die Vertreter der Firma die Ansprüche des Staates kennen.... Natürlich war eine solche Geschäftsführung schwierig. Sie er- forderte ausgezeichnete Leiter, Männer von größter persönlicher Er- fahrung, die. selbst auf dem chöchsten Kultur- und Bildungsniveau stehend, stark genug waren, sich mit starken Persönlichkeiten umgeben zu können und mit ihnen zusammen zu arbeilen, die eS infolgedessen auch verschmähen durften, für besondere Zwecke Kreaturen zu ge- brauchen, die vielleicht einmal den Namen der Firma gefährden konnten. Nach Mcnshausens Fortfall hat man versucht, die hervor- ragende Persönlichlest durch eine zweckmäßigere Organisation zu er- setzen. Jetzt gibt eS in Berlin ein großes Bureau, über dem ein Direktor schwebt, dem mehrere Artillerie» offi ziere, Kaufleme, Agenten usw. angehören, mit einem Wort, ein ganzer Stab von Beamten; schließlich ist auch noch eine besondere Filiale des Pressebureaus zum Verkehr mit der Berliner Journalistik eingerichtet. Unter diese» Voraussetzungen kann die Firma die Verantwortung für die Tätigkeit Brands nicht ahlehnen, selbst dann, wenn das Gesamt- direktorium überhaupt leine Kenntnis von ihr erhalten hat, weil eS sich um einen Posten handelte, für den die AnstellnngSbedingungeu sehr wohl nnr dem Rcssortdireltor bekannt zu werden brauchten. Aber selbst in diesem Falle bleibt die Verantwortung bei der Firma drstchen, denn sie hat die Berliner Organisation genehmigt. An dieser Berantwortlichlcst könnte auch dann nicht ge- rüttelt werden, wenn es wahr sein sollte, daß die Organisation auf die Anregung eines früheren Kriegsmini st erS hin geschaffen wurde.... Jede Branche hat ihre Sitten und Gebräuche, Usancen, ihren ungeschriebenen Ehrenkodex, den niemand ungestraft verletzen darf____ Ich meine: die Firma Krupp hat die durch ihre Brauche gezogenen Grenzen nicht respektiert, wenn sie das, sagen wir ruhig, aristo» kratische Geschäft in die Hände von Subalternen legte und wenn sie der Auskundschaftung des deutschen inneren Marktes eine auf nachgeordnete Stellen des KriegSministeriumS eingerichtete Organisation gab. Brand, ein früherer Unteroffizier, erhielt ein Gehalt von siebentausend Mark und außerdem»och fnnstausend Mark Rcpräsentattonsgclder! Wohl gemerkt: ein Unteroffizier, der wider ein Erstndergenie noch ein großzügiger Verkäufer ist." Die gegenwärtige Organisation des Kruppschen Nachrichten, diensteS beruht auf falschen Grundsätzen. Sie entbehrt der Ethik, an die die Firma Krupp nun mal gebunden ist: Der Chef einer Privatfirma, der der Ehre teilhastig wird, das ReichSoberhaupt in seinem Hause freundschaftlich zu bewirten, darf durch seine ver- antwortliche Direktoren nicht in die Lage gebracht werden, Beamte besolden zu müssen, die StaatSdiener zum Bruch des Treueides gegen den Monarchen verleiten. Darm wendet sich Herr Cleinow dem Verhalten deS Kriegsmini st ers zu. „WaS Mte dem Herrn Kriegsminister unter den obigen Ver- Hältnissen, wenn er schon ans die Mitwirkung der bürgerlichen Parlamentsfraktionen verzichten wollte, besser angestanden: die Der- teidigung der Firma Krupp oder die Verteidigung der Armee? Der Herr Kriegsminister sprach von Feldwebeln und unteren Beamten, die mit Brand in Verbindung getreten waren, so kühl, daß man zu dem Glauben kommen könnte, es handle sich hier um ganz all- tägliche Vorgänge, die auch im Kriegsministerium seitens der Vor- gesetzten als unabänderliche Schickung hingenommen werben. Ich meine, der Herr Kriegsminister hätte seine persönliche Stellung und, was wichtiger ist, das Ansehen des Kriegsministeriums und damit der Armee— und zu deren Anwalt ist er doch bestellt— besser gewahrt, wenn er ein Wort der Anerkennung für Krupp in diesem Augenblick vermieben und statt dessen mit mmachsichtlicher Verfolgung derjenigen gedroht hätte, die es schon gewagt oder je» mals wagen würden. Ehre und Disziplin der Armee anzutasten. Wollteder Herr Kriegsminister den persönlichen Freunddes Kaisers schonen? Galt eS allgemeinstaatliche Interessen zu schützen? Der Herr Kriegsminister hat schließlich an die Dankbarkeit der Nation appelliert, die sie der Firma Krupp schulde. Ganz abgesehen von allem anderen halten diese AngabendesHerrn Kriegsministers vor einer ernsten Kritik nicht stand. Die Verdienste der Firma Krupp werden durch ent- sprechende Leistungen von Staat und Steuerzahler aufgewogen; sie hat keine besonderen Ver. d i e n st e, die es rechtfertigten, daß der Herr Kriegsminister und die staatserhaltenden Parteien über ihnen vergessen dursten, das KrtegZministerium gegen beleidigende und zersetzende Eingriffe in Schutz zu nehmen und der Regierung den Rücken gegen den „Imperialismus" des Großkapitals zu stärken. Die Firma Krupp hat ihre Pflicht getan wie tausend andere Firmen, und ihre Pslichl- ersüllung zusammen mit den glücklichen Verhältnissen, die der Reichsgründung folgten, trägt ihren Inhabern eine gute Rente in Gold und Ansehen. Diese Feststellung durch den Herrn Kriegsminister wäre für die Ausbreitung staatserhaltender Ge. sinnung, staatsbürgerlicher Erziehung sicher wertvoller gewesen, als manches dicke Buch, das darüber geschrieben wurde. Es wird mir entgegengehalten werden können, Alfred Krupp habe seinerzeit darauf verzichtet, in Frankreich eine Geschütz- gietzerei einzurichten, mit der ausdrücklichen Begründung, daß sich Frankreichs Kanonen einmal auf Preußen richten könnten. Das war vor 1360. Seitdem haben sich die Zeiten ganz erheblich geändert und Krupysche Jitgenienre haben sowohl in Rußland wie i» Frankreich das Härteverfahreu für Panzer- platten und Granaten, sowie die dazugehörigen Anlage» eingeführt und eingerichtet. Auch die Firma Krupp wird gegenwärtig von rein kapitalistischen Gesichtspunkten geleitet. Und es ist lediglich das wohlverstandene Interesse beider, deS Staats sowohl wie der Privatfirma, das ein„treues" Zusammenwirken bedingt. Darum scheint es mir nicht nur unangebracht, sondern auch im höchsten Maße gefährlich, in die geschäftlichen Be. Ziehungen zweier Faktoren romantische Begriffe hinein» tragen zu wollen, die mit dem Geschäft selbst nichts zu tun haben. Das Geschäftsgebaren der Kanonenfirma steht mti der allgemeinen Entwickelungstendenz im Einklang. Für sie ist die Welt in erster Linie Markt, und seit sie in aller Welt Konkurrenz ge» funden, auch die moderne� Arena, aus der sich alle Kräfte, körpcr- liche, geistige und moralische, ftei tummeln können. Die Ten» denz führt über die staatlichen und nationalen Grenzen hinaus; ihr einziger sichtbarer Matzstab ist ein internationaler Wert: das Gold. Tie Menge des im Kampsc gewonnenen Goldes aber ist auch der ein- ige Wertmesser für den Grad der Leistungsfähigkeit, und es will mir, rein vom Stand- Punkt der kapitalistischen Entwickelung aufgefaßt, nichts natürlicher scheinen, als wenn in dem allgemeinen Wettstreit eine so gewaltige Organisation wie die von Krupp nun auch danach trachtet, sich den Staat, in dessenSchutz sie erstarkt ist, voll st än» dig unterzuordnen: bewußt durch Einfluß- »ahme auf die Politik des Staates, unbewußt durch Zersetzung der staatlichen Organe beim Kampf um den inneren Markt. Man fühlt sich stärker und. damit berechtigter als der Staat und überschätzt die eigene Bedeutung für die Nation, die folgerichtig in erster Linie auch als Äiarkt(Konsument) gewertet wird. Man geht aber in solcher Ueberhebung um so weiter, je mehr man die Abhängigkeit der Staaten vom Gelde kennt und je mehr man gewahr wird, welche Anstrengungen von selten aller Staaten gemacht wer- den. um das Privatkapital an sich zu ziehen und eS bei sich festzu- halten." In diesen letzten Ausführungen wird die Einzel- erscheinung Krupp mit Recht aus den allgemeinen Entwicklungstendenzen des Kapitalismus erklärt und in der Tat ist die Anklage gegen Krupp zugleich ein vernichtendes Verdikt gegen das System, das solche Fäll� erzeugt.___ polWcbe Ocberficbt» Die Auflösung des preußischen Landtags. Der„ReichSanzeiger" veröffentlicht die Verordnung, durch welche der preußische Landtag aufgelöst wird, Das Herrenhaus wird gleichzeittg vertagt. Die Auflösung des Landtags hat lediglich eine formale Bedeutung. ES soll vermieden werden, daß der alte Landtag noch zu Recht besteht, während der neue beretts gewählt wird. Agitatoren und Presse des Zentrums. Der aus der Zentrumspartei ausgeschlossene Graf ÖpperSdorff nimmt das Auftreten verschiedener Zentrumsagitatoren, besonders deS Windthorstbund- Redners Dr. Scharmitzel zum Anlaß, um in seiner Wochenschrift„Klarheit und Wahrheit" die verlogene Rhetorik der klerikalen Versammlungsredner zu geißeln. Er widmet ihnen folgende schöne Charakieristil: „Tie noble Sitte, Anwesende in einer Versammlung vor nicht orientierten Menschen anzugreifen, die jeder Möglichkeit der Nachprüfung des ihnen vorgeschwatzten UnsinnS entbehren und vom Angegriffenen nicht auf- zuklären sind, weil er sie nichr kennt, scheint nachgerade zur üblen Gewohnheit zu werden, die um so widerlicher wirkt, als dieselbe Sorte von Rundreiserednern mit demselben Aiemzuztz den tiessten öffentlich möglichen Änix vor dem„verehrten Geheim- rat Porsch" zu absolvieren sich nicht enthalten kann. DaS Weih- rauchfaß in der einen, irgend ein übelriechendes Quodlibet in der anderen Hand, so stellen sich diese Rbetoren aus daS Podium Set' „gemeinsamen christlichen Basis" vor ihre nichtsahnenden Hörer hin. Erbaulich; ein Minimum von Takt und Bildung müßte die Herren vor solcher Schaustellung warnen.... Die Herren Loerbieien ihre eigenen Rekords, und im umgekehrten Verhältnis zu der Qualität der Talente wächst die Qualncty der Leistung. Schon sinkt die Diskussion, die Diskussion um für den Katholiken wichtigste Lebensgrundsätze in ödestes Sumpfland; von leiser Berdächngung bis zum Pharisäergeschrei, von der dunklen Hintertreppe bis ins grelle Licht der öffentlichen Versammlung. von dem von Mund zu Mund, unhörbar fast, unkontrollierbar ver- schlepplem Gerücht bis zu den spekrakelnden Beschtüsien voraus» fichtsvoll zusammengetrommelter Majoritäten, vom persönlichen Getuschel bis zur offenkundigen Fälschung offenkundiger Tatsachen; errötend blickt man auf die Artung der Gegner, die. wenn eS daS Koleriebedürinis will, selbst die Sonne leugnen, die ihnen aufs Schädeldach brennt." Dann beißt es über die Leiter der Zenttumsblätter, von denen Herr Scharmitzel behauptet hat, daß sie Wahrheit und Klar» heit verbreiten: „Rings sitze» die Auguren im Kreise, sehen sich an und keiner lacht. Aon Geist nicht eine Spur, alleS ist Dressur. Jeder weiß. in und außer der Partei, jeder, daß nirgends die Wahrheit so rücksichtslos geknebelt, die Freiheit so ungeniert beschninen, daS Recht mit so kühl wägender Gewalt gebrochen wird, wie in der Presse„für Wahrheit, Freiheit und Recht". Und daß es diese Entrechiung, diese Fesselung, dieser Zwang zu Unwahrheit oder Schweigen sind, die der Quertreiber- presse ms Leben halten. Wenn irgend ein Provinzblättchen vom Wege bachcmitischen Denkens weicht, setzt sich Herr Dr. Porsch in eigener Person in Tätigkeit, spart mit Mahnung und Rüge nicht und ziscbt und pischt in tausend Kleinigkeiten. Wenn du gegen den wüstesten Schimpf der patentierten Gazetten in Köln und Breslau AuaS- bürg oder Neiße von ihm ein Singreifen forderst: vergebens. er kann leider so gar nichts machen. Weiß der Apologet de« re» gierenden Dutzend daS alles nicht? Auch nicht, wie rücksiwtslos Verleger und Redakteure niedergebüttelt werden, bis der Aermsle. den es gerade trifft, seelisch oder finanziell zusammenbricht und den von der Not erpreßten Elb unbedingter Willensentsagung leistet?* Graf Oppersdorfs kennt, wie man steht, die edlen Kämpfer für die Zentrumsmoral.__ Der neue Bischof von Münster An Stelle des zum Erzbischof von Köln erwählten Dr. Felix v. Hartmann ist heute der bisherige münsterische Kapitularvitar Johannes Poggenburg zum Bischof von Münster gewählt worden. Der neue �Bischof ist eine Sohn Westfalens. Er ist am 12. Mai 1362 in Ostbevern, einer kleinen Ortschaft des Kreises Warendorf, geboren. Nachdem er an der damaligen Akademie. jetzigen WilhelmS-Unidersttät Münsters Theologie studiert hatte.' wurde er 1889 zum Priester geweiht, 1898 zum Rektor der Filial- kirche zu Urnermeideoich bei Duisburg ernannt und 1902 zum Präses der Jugendvereine des Bistums berufen. Als dann der Tomdechant Dr. Felix v. Hartmann den Bischofsstuhl in Münster bestieg, wurde Johannes Poggenburg Domkapttulor von Münster. Jetzt folgt er dem bisherigen Bischof im Amte oder. wie. es im klerikalen Jargon heißt, auf den hohen Stuhl des hl. Ludgerus. Soweit bekannt, gehört der Neuerwählte zur sogenannten Berlin-BreÄauer Richtung, ebenso wie sein Vorgänger. Geborene Gesetzgeber. Nach dem letzten Bericht der Matrikelkommission des Herren» Hauses find in der„Ersten Kammer" gegenwärtig Berechtigungen auf Sitz und Stimm», die königlichen Prinzen ungerechnet, vorhanden; A) Erbliche Berechtigungen: s) das Haupt des fürstlichen Hauses Hohen- zollern-Sigmaringen........ 1 b) die Häupter der vormaligen deutschen reichsständischen Häuser....... 22 o) Fürsten, Grafen und Herren der Herren- lurie des Vereinigten Landtages.... LI 6) auf Grund besonderer königlicher Ber- leihung............. i'2 Zusammen erbliche Berechiigungen... 116 B) Berechtigungen auf Lebenszeit: s) die zeitigen Inhaber der großen Landes- ämler in Preußen......... 4 b) aus besonderem königlichen Vertrauen. bö c] auf Grund von Präsentationen.... 180 Zusammen... 273 -• Im ganzen Berechtigungen.. 380 Nun wissen aber bei weitem nicht alle die Ehre eines preußi- fchen Gesetzgebers zu schätzen. Von den erblichen Berechtigungen ruhen zurzeit nicht weniger als 37, darunter die Stimme für das Haupt des fürstlichen Haufes Hohenzollern, 8 von den 22 Stimmen der Häupter der vormaligen deutschen reichsständischen Häuser, 20 von den LI Stimmen der Fürsten, Grafen und Herren der Herrenkurie des Vereinigten Landtages, ja sogar 8 Herren, die auf Grund besonderer königlicher Verleihung erblich berechtigt find, üben dieses Recht nickt aus. Da nehmen die nicht erblich, sondern nur auf Lebenszeit Berechtigten es mit ihrem Amt doch ernster, solche Berechtigungen ruhen zurzeit nur 1». Ueberhaupt noch nicht ein- getreten ins HauS sind Ernst Landgraf von Hessen, Fürst zu Rheina- Äolbeck und Burggras und Graf Alfred zu Dohna-Finckenstein. Im ganzen sind 339.Herren" eingetreten, die wenn man von der Handvoll Vertreter der Landesuniversitäten und der Städte ab- sieht, fast ausschließlich dem hohen und höchsten Adel angehören. Unter ihnen befindet sich auch Fürst Eulenburg, desien Teil- nähme an der Gesetzgebung, wenn sein Gesundheitsznstand es ihm erlaubt, nichts im SBejje steht. So zusammengesetzt ist die.Erste Kammer", diese um mit dem konservativen Historiker Heinrich von Treitschke zu reden— verdutzte und entwürdigte Versammlung, die der Staat als totes Glied an seinem Leibe fortschleppt. Wann endlich wird das preußische Volk sich aufraffen, um neben � dem elenden Dreillassenwahlsystem auch das Herrenhaus zu be- seitigen und damit die Erinnerung an daS Jahr 1854 auszulöschen Z Aus dem elsah-lothriugische« Landtage. Die Erste Kammer deS elsaß-lothringischen Parlaments nahm am Mittwöchvormittag die Beamtenbesoldungsvorlage in einer Form an. die darauf schließen läßt, daß die Vorlage Gesetz wird. Be- kannllich strich die Zweite Kammer die Gehälter der höchsten Landes- beamien, worauf die Erste Kammer als Bundesgenosse der Regierung im Gegensatz zur Zweiten Kammer die letzte Regierungsvorlage wieder herstellte. Lange Zeit schien es, als ob diese Borlage.- an der daS Parlament ein Jahr gearbeitet hat. nicht zustande kommt und schließlich der Landtag sogar aufgelöst würde. Nunchat, die Erste Kammer soweit nachgegeben, daß die Besoldungs- resorm.auf keine allzu großen Schwierigkeiten mehr stoßen wird. Ungeduldige Rüstungsfanatiker. Die Budgetkommisfion des Reichstags nimmt ihre Arbeiten am 20. Mai wieder auf. Den Rüstungsinteressenten scheint dieser Termin reichlich spät zu sein, weshalb sie in der.Post" verkünden lasten, daß verschiedene Mitglieder der Budgetkommisflon an den Vorsitzenden, Abg. Spahn, das Ersuchen gerichtet haben� mit den Arbeilen bereits zu einem früheren Termin-wieder zu beginnen.— Mit diesem Wunsch werden die auf baldigen Profit bedachten Palrioien kein Glück haben, denn eS liegt nicht der mindeste Grund vor, die Borlage auf diese Art durchzupeitschen. Verschlechterung der(Seschäftsordnuug des Reichstags fordert die Presse der Rüstungsinteressenten, denen vor neuen Eni- hüllungen über ihre gemeingefährlichen Praktiken grauen mag. In den.S t e t t i n e r N e u e st e n N a ch r i ch t e n". einem sogenannten unparteiischen Blatt, da? in der gleichen Nummer die Friedensstörung durch Oesterreich mit Jubel begrüßt, wird die.Befürchtung" aus- gesprochen, daß die Sozialdemokratie durch Abänderungsanträge und lange Reden die Abstimmung über die Heeresvorlage„verschleppen" möge. Deshalb wird der Borschlag gemacht: .Hier wird man, wenn alle Stränge reißen, schließlich doch genötigt sein, die Energie zu zeigen, die man einst bei der Be- ratung der Handelsverträge aufgebracht hat. als der Antrag Aich- bichler den llnsinn deS Formalismus wieder in Vernunft und der Antrag Kardorff die Plage einer Minderheitsherrschast durch die Siatuierung des Mehrheitsrechtes wieder in eine Wohltat ver- wandelte." Der Militarismus ist der Inbegriff der rohen Gewalt. Es ist deshalb ganz natürlich, daß l'eine Anhänger durch eine brutale Ge- waltpolitil ihre Ziele' durchsetzen wollen. Doch so leicht wie im Jahre 1902 geht"die Geschichte nicht mehr, zumal die Spuren der Anträge Aichbichler und Kardorff schrecken. Seminariste« als Staatsretter. Eine ebenso lächerliche wie herausfordernde Demonstration gegen den.inneren Feind" leistete sich das Lehrerseminar in Droffen sKreis West-Sternberg). Dort fand am Sonntagnachmittag aus Anlaß der ReickStagSersatzwahl eine von der Sozialdemokratie ein- berufene VoUsvcrsammIung statt, die unter freiem Himmel tagte, da der Arbeiterschaft in Troffen ein Saal nicht zur Ver- fllgung steht. Trotz des miserablen Detters hatten si4_ ca. 300 Personen eingefunden. Doch noch eine weitere.Zuhörer- schaff stellte st(6_ ein. Das BersammlungSgrundstück grenzte nämlich an eine Straße, auf deren gegenüberliegender Seite der Garten des Lehrerseminars liegt. In diesem hatten die Zöglinge des Seminars untrer Anführung ihrer Lehrer und des weisen Herrn Direktors Aufstellung genommen. Zur Ver- stärkung war außerdem noch eine Klaffe der Präparandenanstalt— fünfzehn- bis sechzehnjährige Burschen—.mobilisiert" worden. Kaum hatte der Referent der Versammlung. Genosse Kuttner. zu sprechen begonnen, als die angehenden Volkserzieher auf Kommando .Patriotische' Gesänge anstimmten mit der leicht erkennbaren Absicht, durch lautes Gesinge den Referenten zu übertönen. Das gelang ihnen jedoch nicht. Ter Referent kennzeichnete diese alberne Kund- gebung vielmehr in einer Weise, welche die anfängliche Entrüstung der Versammlung in stürmische Heiterkeit umwandelte. Nur dieser Wendung verdanlen e- die patriotischen Radauhelden, wenn man ihr provozierendes Benehmen im weiteren unbeachtet ließ, weniger dem Umstand, daß sich die„gebildeten" jungen Herren mit dicken Knüppeln bewaffnet hatten, die sich in den Händen dieser„Simpli- cissimus-'-KariZat-uren allerdings mehr humoristisch als furcht- �regend ausnahmen. .. Nach Schluß der Versammlung veranstalteten schließlich die grünen Jünglinge noch einen Demonstrationszug durch die«traßen Prossens. Besonders marschierten sie vor dem Lokal auf und ab, m dem der Referent Platz genommen. Dieser benutzte eine noch gleichen Abend stattfindende bürgerliche Versammlung, um daS 6£m4£ Säe ehalten des Seminars gebührend an den Pranger zu stellen. Wiewohl das bürgerliche Publikum stark verirekn war, j erwuchs dem Rektor mit seinen Zöglingen kein Verteidiger. Qchvccxz. Volksabstimmungen und Wahlen. Zürich. S. Mai.(Eig. Ber.) Der 4. Mai war für die Schweiz ein ganz außergewöhnlich reicher Wahl- und Abstimmungstag von eidgenössischer, kantonaler, regionaler und lokaler Bedeutung. An der Spitze stand die Bolls- abstimmung über die Revision bezw. Ergänzung der Bundesverfassung dürch Aufnahme folgender neuen Be- stimmnngen:„Art. 69. Der Bund ist befugt, zur Bekämpfung über- tragbarer oder stark verbreiteter oder bösartiger Krankheiten von Menschen und Tieren gesetzliche Bestimmungen zu treffen". Die Vorlage ist in der VolkSabstimm mg mit 164765 gegen 107197 Stimmen angenommen worden. Die Initiative zu dieser Ver- fossungSrevision ist von unserem Genossen Dr. med. Rilli, Mitglied deS Nationalrates, und damit von unserer gesamten Fraktion deS- selben ausgegangen. Im Kanton Schaffhausen wurde ein neues Bau- g es etz mit 3315 gegeu 2683 Stimmt verworfen; im Kanton Ä a r g a u das neue Wahlgesetz mit 26 077 gegen 11 399 Stimmen ebenfalls verworfen. In der Stadt Zürich fand die Vorlage betreffend die Alters- und Invalidenversicherung der Arbeiter; Angestellten und Beamten der Stadt Zürich mit 13 890 gegen 4376 Stimmen Annahme, während die andere städtische Vorlage betreffend eine neue Reservekraftanlage für das städtische Elektrizitätswerk, wobei es sich um keinerlei politische Gesichtspunkte, sondern rein technische Fragen handelte und für die unsere Partei die Stimmen freigegeben hatte. mit 10177 gegen 8537 Stimmen verworfen wurde. Im Winterthurer Wahlkreise fand eine Ersatzwahl in den Nationalrat statt für den verstorbenen Maschinenfabrikanten und schweizerischen Ob er scharfmach er Sulzer-Ziegler. Sein Schuler und Handlanger, Redakteur Wehrlin, erhielt 4375, der Bauern- kandidat Zwingst 5871 und der Sozialdemokrat Prof. Dr. Schenkel in Winterthur 7292 bei einem absoluten Mehr von 8828 Stimmen. Unsere Partei hat also die meisten Stimmen aufgebracht und hat alle Aussicht, im zweiten Wahlgang den Sieg zu erringen. Im Bezirk Zürich wurde unser Genosse Halter ohne Gegenkandidat mit 12 037 Stimmen als Bezirksanwalt (Untersuchungsrichter) g e w ä h I t. Auch bei der Wahl der Schul- behörden, der Friedensrichter und Beitreibungsbeamten(Gerichtsvoll- zieher) erzielte unsere Partei Erfolge. Zum erstenmal wurde eine Frau in die Schulbehörde gewählt in der Person unserer Genossin Frl. Dr. B r ü st l e i n, die nun Mitglied der Zentralschulpflege der Stadt Zürich ist. In der Stadt Bern erhielt unser Genosse Advokat Z g r a g g e n bei der Wahl des Polizeidirektors, der zu- gleich Mitglied des Gemeinderates(Magistrats) ist, 4033, sein frei» freisinniger Gegenkandidat Dr. Lang 4745 und der konservative Dr. Zeerleder 968 Stimmen. ES ist also«in zweiter Wahlgang notwendig. Unser Genosse Zgraggen ist schon seit Jahren stellver- tretender Polizeidirektor. Und schließlich noch ein schöner Sieg in Bi-el, wo unser Ge- n o s s e Wyßhaar mit 1600 gegen 1200 Stimmen als Bezirksstatthalter(höchster administrativer Bezirksbeamter) ge- wählt wurde. �______.—.■■-..... --- Frankreich. Der sozialistische Protest gegeu die Zurückbehaltung der Jahresklasie Paris, 7. Mai. Die„Humanits" veröffentlicht den von der Kammergruppe der geeinigten Sozialisten beschlossenen Aufruf gegen die Zurückbehaltung der Jahres» klasse ILIO. In dem Aufrufe heißt es: Der Minister- Präsident hat die Kühnheit gehabt, im„Temps" anzukündigen, daß er die im September d. I. freiwerdende Jahresklasse durch Dekret zurückbehalten und zu einem dritten Dienstjahre- ver- urteilen werde. Das ist eine unerträgliche Ungesetzlichkeit und eine Art Staatsstreich. Das Gesetz von 1995 erlaubt dem Ministerium lediglich, die Altersklasse provisorisch und wegen der im Augenblick ihrer Entlassung festgestellten außergewöhn- lichen Umstände zurückzubehalten. Das Gesetz gestattet ihm nicht, sechs Monate vorher ein drittes Dienstjahr anzuordnen unter Berufung auf die durch die neuen deutschen Rüstungen verursachten dauernden Notwendigkeiten. Diese Frage kann nur durch ein Gesetz geregelt werden. Die willkürlich und ungesetzlich zurückbehaltenen Soldaten müssen das Recht haben, gegen diesen Mißbrauch der Gemalt beim Staatsrat Beschwerde zu erheben. Diese Uebereilung. diese Brutalität, dieses Staatsstreichdekret, durch das 200000 Soldaten ungesetzlich in den Kasernen zurückgehalten werden sollen, kann nur die Wirkung haben, die Bewilligung der deutschen Militärvorlagen zu beschleunigen und dem franzö- fischen Militarismus neue Vorwände zu liefern. Der Empfang des Königs von Spanten. Paris, 7. Mai.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Anläßlich des Besuchs des Königs von Spanien veröffentlicht die„Humanits" ein gemeinsames Manifest des spanischen und französischen Parteivorstandes. In demselben wird besonders be- tont, daß die Arbeiter beider Länder ein friedliches Einver- nehmen beider Völker im Auge haben,.sie erklären ausdrück- lich. daß sie zur Erringung politischer Freiheit und sozialer Rechte den internationalen Frieden haben wollen. Das Manifest erklärt, daß die bürgerlichen Regierungen keine Bürgschaften dafür bieten, daher sei es die dringendste Auf- gäbe der Lwzialisten beider Länder, einander bei Verteidigung der Freiheitsrechte zu unterstützen und jede Entente, die-die Freiheit irgendeines Landes beeinträchtigen würde, zu bekämpfen; vor allem sich jeder Vermehrung der Rüstungen zu widersetzen. Die„Bataille Syndicaliste" veröffentlicht ebenfalls einen Protest, indem sie die Konföderation und ihre Gewerkschaften auffordert, König Alfons den verdienten Empfang zu bereiten Ebenso veröffentlicht die genannte Zeitung weiter auf der ersten Seite eine Aufforderung des anarchistischen Bundes, worin unter anderem aufgefordert wird, heute abend vor der spanischen Botschaft zu demonstrieren Die Polizei trifft große Maßnahmen, um Ausschreitungen zu verhindern Der Empfang des Königs trug durchaus militärischen Charakter. Von volitischer Bedeutung ist der Bestich inso- fern, als man vermutet, Spanien in die Triple-Ententc mit hineinzuziehen Im übnaen aber gab man sich Mühe, das Publikum möglichffacumn-Stra'llten. Die gesamte große Presse beweihräuchert f eines italienischeift�gegen die radikale Presse teils höflich fiffischen Städten ist sie äfft. Stur das neue Blatt Clemenceau-' in London im Betrieb gezei�oblied. RuBland. Schluß des finnisch eu Landtages. Unser fimnscher Korrespondent schreibt uns unter dem 2. Mai: Heute ist der finnische Landtag nach Abschluß seiner letzten Session nach Hause geschickt worden. Der ständigen Auflösungen und Neu- Wahlen müde, ließ die russische Regierung diese Legislaturperiode des Landtages zu Ende gehen. Ihren Zweck, die Arbeiten der Volksvertretung illusorisch zu machen, suchte sie durch ein anderes Mittel zu erreichen: durch eine ganz infame Verschleppungspolitik gegenüber allen Beschlüssen des finnischen Landtages. Die wichtigsten Gesetze, die nach Petersburg zur Bestätigung gesandt wurden, sind gleichsam verschollen, dem Landtage ist sogar das Recht der Nach- frage nach ihrem Verbleib genommen. Zu gleicher Zeit wirtschaftet die Administration, unter Mißachtung der Volks- Vertretung und der Verfassung, nach den Anweisungen des russischen Generalgouverneurs. Unter dem Druck dieser Verhältnisse hat der Landtag jede Macht, jeden Einfluß verloren, lieber die Köpfe der Vollsvertrewng hinweg schaltet und waltet die russische Regie» rung in Finnland wie in einer eroberten Provinz. Die Neuwahlen für die neue Volksvertretung sind auf den 1. August anberaumt, und ihre erste Session beginnt am 1. Februar 1914. Welche Veränderungen aber bis dahin eintreten, entzieht sich jeder Voraussicht. Bor dem Schluß der LandtagSsesfion richtete die sozialdemo- kraiische Fraktion folgendes Telegramm an die sozialdemokratische Dumafraktion in Petersburg:„Bevor wir nach Abschluß unserer Arbeiten auseinandergehen, richten wir einen brüderlichen Gruß an daS in Kämpfen gestählte Proletariat Rußlands und seine würdige Borkämpferin. Die sozialdemokratische Dumafraktion." )Zus der Partei. Zur Landtagswahl in Hohenzollern. AuS Hechingen wird uns geschrieben: Die bevorstehende Landtagswahl in Hohenzollern wird von unserer Partei zu einer umfassenden Agitation in Dieser Zentrumsdomäne benützt. Wirtschaftliche Abhängigkeit und Drangsalierung durch die schriftlichen" Gegner haben uns veranlaßt, von der Aufstellung von Wabl- männern Abstand zu nehmen. Das hindert uns keineswegs, die ■iiinden des Zentrums, namentlich in der Wahlrechtsfrage, den Wählern vor Augen zu fuhren. Die Abhaltung von Bersamm- lungen wird durch systematische Lokalabteibung zu verhindern versucht. Wir müssen Deshalb unser Hauptaugenmerk auf eine umfassende Flugblattverbreitung richten. Diese mühevolle Arbeit ist dem Zentrum äußerst unangenehm. Der..Zoller", das Hechinger Zentrumsblatt, zieht alle seine Schimpfregister. Das Zentrum wolle das preußische Wahlrecht..verbessern", schreibt das Zentrumsorgan. Wie es damit in Wirklichkeit aussieht, weiß jedes Kind. Durch unsere Agitation wird auch in Hohenzollern die Wahlrechtsfrage in den Vordergrund des politischen Lebens ge. schoben. Bon einer Agitation der„Fortschrittler" merkt man bi? jetzt nichts._ Aus den Organisationen. In ber Generalversammlung für den vierten sächsischen Wahlkreis(Dresden-Neustädt) wurde berichtet, daß die Mitgliederzahl von 13 031 auf 13486, also um 455 gestiegen ist. Die Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit 71 466 M. mit einem Kaffenbestand von 17 905 M. Für Bildung»- Zwecke wurden 5636 M. ausgegeben. 47 Volks- und 122 Mitglieder- oersämmlüngen wurden neben 78 sonstigen Veranstaltungen ab- gehaktem- Abonnenten für die„Dresdener-Volkszeitung" wurden 177 gewonnen. Ihre Zahl stieg von 16 092 auf 16 269. Die Zahl der Gemeindevertreter stieg von 139 auf 162. Die Frauenbetvcgung stagnierte. Durch eine eingesetzte Kommission soll das Dele- giertenshstem für Generalversammlungen und die U r w a h I zu Varteidelegationen vorbereitet werden. Die Maifeier in Rußland. AuS Petersburg wird uns geschrieben: Obgleich die russische Maifeier erst auf den 14. Mai fällt, wurde sie in diesem Jahre in den westlichen Gebietest zu gleicher teit mit den westeuropäischen Staaten abgebalten. Nicht nur in _ innland und Russisch-Polen, die traditionell den 1. Mai n. St. seiern, auch in Litauen und in den Ostseeprovinzen fanden in diesem Jahre eindrucksvolle Manifestationen und umfangreiche Arbeitseinstellungen statt. In Finnland fanden in allen Stäoten gewaltige Umzüge statt. Besonders eindrucksvoll waren die Kuno- gebungen in Helsingfors. 10 000 bis 12 000 Arbeiter und Arbeiterinnen, mit der sozialdemokratischen Landtagsfraktton an der Spitze, zogen unter den Klängen der Arbeitermarseillaise in geschlossenen Reihen durch die Stadt. Während die ersten Reiben des Zuges bereits am Fichtenberg(Mantymaki) angelangt waren. hielten die letzten noch am Volkshause im Zentrum der>stadt. Der ganze Fichtenberg war mit Manifestanten bedeckt, an die von vier Tribüuen Ansprachen gehalten wurden. Als Vertreter des russischen Proletariats waren die Duma abgeordneten, Ge- nosse S kob el e w und Cha u stow anwesend, die von den sin- nischen Genossen enthusiastisch begrüßt wurden. Trug die Feier in Helsingfors noch einen europäischen Charakter, so stand sie in andern Stäoten der westlichen Gebiete unter dem Zeichen des Militäraufgebots und der K o s a k e n k n u t e. In Warschau, wo die Fabriken infolge des katholischen Feiertages geschloffen waren, streikten sämtliche jüdische Werkstätten. Auf einigen Straßen wurden Demonstrationen versucht, die Moni- sestanten wurDen.aber von der Polizei zerstreut. Die ganze Stadt starrte von Waffen. In W i l n a streikten fast sämtliche Werkstätten und Fabriken. In Riga schloffen sich die größeren Fabriken und Werke fast ausnahmslos dem Streik an. Nach be- scheidenen Berechnungen streikten hier an diesem Tage 50 000 Per- sonen. Am Abend fanden in der Nähe der Gertrudkirche Arbeiter- manifestationen statt, an denen viele Tausende von Personen teilnahmen. In der ganzen Stadt wärmt Flugblätter der sozial dentokratischen Partei verbreitet, die zur Arbcitseinstelluug aufforderten. Trotz der gewaltigen Vorbereitungen und der umfangreichen Haussuchungen und Verhaftungen in den vorher- flehenden Tagen, erwies sich die Administration dem Ansturm der Massen gegenüber völlig machtlos. Sie wußte von der geplanten Demonstration in der Nähe der Gertrüdkirche und brachten in den� anliegenden Höfen zahlreiche Trupps von Schutzleuten unter. Aber al» dte Massen heranströmten, vermochte die Polizei die Manifestation nicht zu verhindern. In ihrer Wut stürzte- sie sich auk die Demonstranten, die die Mißhandlungen der Schutzleute mit Steinwürfen beantworteten. Ein Teil der Demonstranten fand sich nachher in den städtischen Parkanlagen ein, wo revolutionäre Lieder gesungen wurden. Im allgemeinen erinnerte die dies- jährige Maifeier in Riaa cm die Jahre der Revolution. polfeeUWiea. OerlcbtUcbcs ukw. Preßprozeß. Durch. einen Abwehrartikel der„Bremer Bürger- Zeitung" fühlte sich ein Redakteur des Amtsblattes„Bremer Nachrichten" bcleidigi und jws Schöffengericht verurteilte den Verantwortlichen, Genossen Schwarz, wegen formaler Beleidi- gung zu drei Wochen Gefängnis. Dieses harte Urteil hat jetzt die Strafkammer kassiert und die Strafe wurde auf 76 M. feft- gesetzt. Gewerkfcbaftlxches. Oitd wiedci* ein arbeitswilliger Revolverheld In F o r d o n, Kreis Bromberg, kam es nach den Be richten bürgerlicher Blätter am Sonnabendabend zu erheb Jüchen Ausschreitungen gegen Polizeibc amte "deren llrheber Arbeitswillige waren. Der arbeitswillige Dachdecker Granowsky geriet mit einigen streikenden Arbeitern in einen Wortwechsel, der schließlich durch das äußerst provozierende Verhalten des Granowsky in Tätlich leiten auszuarten drohte. Ein dazu kommender Polizist W i e r e beendete den Streit und führte Granowsky, der an gab, von den Streikenden„belästigt" ivorden zu sei», nach seiner Wohnung. Kaum hatte der Polizist dem Hause des Gr. den Rücken gekehrt, als dieser wieder auf der Straße erschien und ohne jeden Grund auf einige auf der Straße stehende Personen mit eincmRevolver schoß, glücklicherweise ohne jemand zu verletzten. Um weitere Heldentaten des Arbeitswilligen zu verhindern, sollte er durch den wieder zurückgekommenen Polizisten Wiere der haftet werden. Da sich der Revolverheld hiergegen zur Wehr setzte, wurde er gefesselt. Auf dem Wege zur Wache gelang eS dem über Riesenkräfte verfügenden Granowsky, die Fesseln zu zerreißen. In Gemeinschaft mit seinem Bruder und anderen Arbeitswilligen, die inzwischen niit Hämniern, Beilen und Ochsen ziemern herbeigeeilt waren, überfielen die „Staatsstützen" den P o l i z i st e n und richteten ihn übel zu. Dem Ueberfallenen gelang es noch, Gr. den Revolver in dem Moment aus der Hand zu schlagen, als er damit wieder schießen wollte Mehrere herbeigeeilte Polizisten konnten schließlich mit großer Mühe die arbeitswilligen Raufbolde verhaften. Von den Polizisten wird noch behauptet, daß während des Zusammen stoßes mehrfach geschossen wurde und daß mehrere Kugeln dicht über ihren Köpfen vorbeipfiffen. Ter sehr schwer verletzte Polizist mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. So sehen die Leute in Wirklichkeit aus, die sich des weit gehendsten Schutzes der Behörden bei Streiks erfreuen. Was für ein Geschrei würde die Unternehmerpresse erheben, wenn Streikende die Ursache zu diesem Krawall gegeben hätten. Berlin unck Umgegend. Neue Produktionsformen in der Berliner Herren- konfektion. Seit Jahren hat der Deutsche Schneiderverband einen zähen Kampf mn die Errichtung von Betriebswerkstätten geführt. In den letzten Jahren machen sich nun die Früchte dieser Bemühungen be- merkbar. Die großen Detailkonfektionsgeschäfte haben mehr oder weniger große Werkstätten eingerichtet, und die Behauptungen der Unternehmer, daß die Arbeiter selbst nicht auf BetriebSwcrkslätten arbeiten wollen, hört man nicht mehr. Der Abschluß der Lohn- bewcgung der HerrentonfcktionSschneider brachte dann auch wieder die Anerkennung des Tarifs für Heim- und Werkstattarbeiter bei allen guten Tetailkonfektionsfirmen, mit Ausnahme der Firmen B. Leineweber, Köllnischcr Fischmarkt, und Weltmann, Kaiser-Wilhelmstratze. Dagegen wurde der Tarif anerkannt von den Firmen B a e r Sohn, ESders u. Dyckhoff, Fabisch u. Co., PH. Fabisch,„Hoffnung". Brunnenstr. 185, Peet u. Cloppenburg. Größexe Werkstätten werden von B a e r Sohn, Fabisch u. Co.,„H o f f n u n g", Brunnenstr. 186, und P e e k u. Cloppenburg unterhalten. Einige andere größere Firmen haben dem Schneiderverband mitgeteilt, daß sie noch im Laufe dieses Sommers' Werkstätten für etwa 16s Arbeiter einrichten wollen. Die Beschäftigung der Arbeiter und Arbeiterinnen erfolgt in der Weise, daß etwa 20 bis 25 Personen an einem Stück in Teilarbeit beschäftigt werden. Die Unternehmer erklären, daß diese. Produktionsform große Vorteile biete in bezug auf die sorgfältige Verarbeitung der Stücke. Für die Arbeiterschaft kommen allerdings auch Vorteile in Betracht, insbesondere in Betrieben, die ihre Maschinen durch Elektrizität oder Motoreft antreiben lassen, sowie in der geordneten Arbeitszeit, die überall auf 9 Stunden festgesetzt ist. Durch den neuen Vertrag haben die auf Werkstätien beschäftigten Arbeiter auch einen Sommerurlaub unter Fortzahlung des Lohnes erhalten, der sich nach der Dauer der Beschäftigung richtet. Urteilt man nach den Erfahrungen, die bisher mit der Teil- arbeit in den Werkstätten gemacht wurden, so darf eine wesentliche Vergrößerung und Vermehrung der vorhandenen Werkstätten er- wartet werden. Ter Schneiderverband begrüßt es, wenn nun seine lange erhobenen Forderungen erfüllt werden. Dagegen machen sich auch schon jetzt Erscheinungen bemerkbar. die von der Arbeiterschaft nicht unbeachtet gelassen werden können. So sind die Inhaber der Firma Leineweber der Ansicht, daß die Einführung der Teilarbeit es ermögliche, ungelernte Ar- beiter in der Schneiderei zu beschäftigen. Andere Arbeitgeber so- wohl als auch die Arbeiter sind der Ansicht, daß darunter in der Hauptsache die Kundschaft leidet, weil sie von ungelernten Ar- heitern doch nicht in gleicher Weise bedient werden kann wie von gelernten. Dabei ist außerdem zu beachten, �daß die Firma B. Leineweber sich nicht bereit erklärt, die Löhne der Arbeiter tariflich in gleicher Weise zu ordnen und zu bezahlen, wie dies bei anderen Firmen der Fall ist. Die Arbeiterschaft hat die Einführung von Werkstätten ver- langt, um eine geordnete Arbeitszeit und angemessenen Lohn zu erzielen. Wenn demgegenüber ungelernte Arbeiter bei wesentlich niedrigeren Löhnen beschäftigt werden, so wird hiermit ein Lohn- druck ausgeübt, der dem Unternehmer einen unberechtigten Vorteil gewährt, dagegen alle anderen Interessenten schädigt. Wenn die Firma gelernte Arbeiter durch ungelernte ersetzt, so ist ihr Zweck. die in den übrigen gleichartigen Geschäften vereinbarten Löhne nicht zu zahlen._ Achtung, Tabakarkieiter! Die Zigarrenfirma R a d k e, N., Vete- ranenstraße 27. hat den mit dem Deutschen Tabakarbeiterverband geschlossenen Tarifvertrag durchbrochen. Die grünen Plakate werden ihr entzogen. Der Betrieb ist gesperrt. Arbeiter, Raucher! Kauft nur dort Euren Bedarf an Zigarren, wo das grüne Plakat, unterschrieben Alwin Schulze, vorhanden ist. Uebt Solidarität! Der Vertrauensmann der Tabakarveiter. Veutscbes Beid,. Die Schoßschuhmacher in Bremen. Brau»schweig und Hannover befinden sich seit längerer Zeit im Streik. Bei diesen Streiks kommen die ersten Maßgeschäfte mit in Frage. Es ist un- möglich, daß diese Geschäfte jetzt in der Hochsarson die Arbeit lange aufschieben können. Di- Arbeit drängt, und man wird versuchen. die Arbeit an anderen Orten angefertigt zu bekommen. Es wird daher das dringende Ersuchen an die Ortsverwaltungen des Schuh- macherverbandes gerichtet, darauf zu achten, daß keine Strsikarbeit für die genannten Orte angefertigt wird. Der Streik der Brauereiarbeiter in Sonncberg in Thüringen ist nach zweitägiger Tauer zugunsten der Arbeiter beendet worden. Es kam ein neuer Tarifvertrag mit dreijähriger Geltungsdauer zustande, der verschiedene Verbesserungen im Lohn- und Arbeits- Verhältnis brachte. Sämtliche Streikenden nahmen die Arbeit in den vier bestreikten Betrieben wieder auf. ' Der beleidigte christliche Arbeitswilligenvermittler. Vom Düsseldorfer Schöffengericht wurde der Bezirksleiter des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes, Genosse Franz Marx wegen Beleidigung des christlichen Gewerkschaftsbeamten Leupke zu 266 M. Geldstrafe verurteilt. Genosse Marx hatte in einer Düsseldorfer Metallarbeiterversammlung, die sich mit der Veo schickung von Mendener Ausgesperrten an die bestreikle Firma Pom zelet in Hilden bei Düsseldorf befaßte, von einem«Slreikbrecher' vermiNclungsbureau Leupke u. Co." gesprochen. Dadurch fühlte sich der Christliche Leupke beleidigt mid reichte Privatilage gegen den Genossen Marx ein. In der Verhandlung gaben die beiden christ- lichen Beamten Leupke und Groß zu,' daß die ausge- sperrten Mendener Arbeiter auf ihre Veranlassung nach Hilden gekommen sind. Da der Streik nach ihrer Ansicht „unberechtigt" war, so hätten sie die Vermiltelung von Arbeitswilligen für richtig gehalten. Bei der Zeugenvernehmung wurde übrigens auch ein sehr inniges Verhältnis zwischen dem Prokuristen der Firma Ponzelet und dem christlich n Gewerkschaftsbureau festgestellt. Erklärte doch HerrL e u p k e selbst, daß er von verschiedenen„Drang- salierungen" seiner Mitglieder nicht etwa durch diese, sonderit durch den Prokuristen Kenntnis erhalten hatte! Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß es sich um einen„unberechtigten" Streik gehandelt habe und aus diesem Grunde der Vorwurf des Genossen Marx beleidigend sei. ES wurde unter Versagung des Schutzes aus Z 193 auf die eingangs mitgeteilte Strafe erkannt. Die Tatsache, daß von der christlichen Verbandsleitung Mendener Ausgesperrte zu Rausreißerdiensten abkommandiert worden sind, ist dadurch aber nicht aus der Welt geschafft. Ter grobe Unfugsparagraph gegen ausgesperrte Arbeiter. In Königsberg hatten sich vier Handwerker und ein Lehrling von der Uniongießerei wegen Auflaufs und versuchten Nötigung (Vergeben gegen Z 163 der Gewerbeordnung) zu veranlworten. Sie hatlen sich in einer Menschenmenge befunden, die zwei Streikbrecher aus der Union begleitet halte. Obwohl die Schutzleute nur Wiederl holt die Menge ersucht halten„zurückzubleiben", wurde das doch als„mehrmalige Aufforderung zum Auseinandergehen angesehen, und drei der Angeklaglen erhielten wegen„ÄuflauiS Geldstrafen. Von der Anklage der versuchten Nötigung mußten alle fünf freigesprochen werden, weil ihnen trotz krampf- haster Bemühungen nichlS Strafbares nachgewiesen werden konnte. Die zwei Handwerker, die auch nicht wegen Auflaufs verurteilt werden konnten, erhielten je 26 M. Geldstrafe wegen—„groben Unfugs". Der eine Arbeitswillige hatte nämlich, als ein junger Mensch auf ihn zugekommen war, den Revolver gezogen und geschrieen':, Zurück, oder es knallt." Diebeiden Ausgesperrten gingen, als sie das sahen, zu einem Schutzmann und ersuchten ihn, dem Manne den Revolver fortzunehmen, da er sonst schweres Unheil anrichten könnte. Der Schutzmann weigerte sich aber, dem Streikbrecher den Revolver abzunehmen. Er herrschte die Aus- gesperrten an:„Das geht Sie gar nichts an!" Die beiden Hand- ioerker gingen aber noch eine kurze Strecke mit dem Schutzmann, der den Arbeitswilligen unter seine Obhut genommen hatte, mit und verlangten, daß der Streikbrecher entweder zur Wache geführt oder ihm der Revolver abgenommen werde. In diesem Ver- langen erblickte daS Gericht groben Unfug!! Es erklärte, die beiden Ausgesperrten hätten die Absicht gehabt, den Arbeitswilligen(der die Menschen mit dem Revolver bedrohte) zu belästiget«, ihn wehrlos zu»lache>: und ihn der Menge'preiszugeben!! Dabeihatten sie sich lediglich des Publikums angenommen und dafür sorgen wollen, daß der Streik- brecher keine Menschen totschießen konnte. Aber für einen preußischen Gerichtshof ist das— grober Unfug! Man wird sich alio m Zukunft von den Streikbrechern niederknallen lassen müssen, wenn man nicht in die Gefahr kommen will, wegen groben Unfugs bestraft zu werden. Das ist preußische Rechtsprechung. 'Lsrantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Jnseratentell verantw.j Zum Streik der Bauschloffer in Hamburg. Das Ergebnis der Verhandlungen zwischen dem Metallarbeiter-- verband und der Schlosserinnung wurde von einer Jnnungs- Versammlung abgelehnt. Die Streikenden vertraten darauf ihre ersteu Forderungen. Eine Versammlung des Verbandes der Schlossereien nahm kurz darauf das Ergebnis der Verhandlungen an. Danach soll der Lohn für Jungaus'gelernte im ersten Jahre 63 Pf., im zweiten 67 Pf., im dritten 66 Pf., im vierten 66 Pf. pro Stunde betragen. Alle übrigen Löhne sollen vom 1. April dieses Jahres ab um 3 Pf., vom 1. Oktober 1913 ab um 2 Pf. erhöht werden. Die Arbeitszeit beträgt wie bisher 9 Stunden und ist nur am Sonnabend auf 8Vz Stunden verkürzt. Die Streikenden nahmen dieses Angebot an, beichlossen jedoch, daß die Arbeit nicht eher aufgenommen werden soll, bis auch die Jnnungsbetriebe, von denen verschiedene dem Verband der Schlossereien nicht angeschlossen ind, die Zugeständnisse anerkannt haben. Der gelbe Werkverein als Lohndrücker. Die Tüllfabrik Klöha(A.-G.) in Plaue bei Flöha i. Sa. ist eine Goldgrube für ihre Aktionäre. Innerhalb sieben Jahre hat ie nicht weniger als 4'A Millionen Mark Dividende abgeworfen. Der Geschäftsgang des verflossenen Jahres, der nicht allzu glänzend war, gestattete ihr jedoch die Verteilung einer Dividende von 14 Proz. Um auch iu Zukunft den Aktionären diesen goldenen Segen garantieren zu können und die Gewinne wenn möglich noch zu steigern, beabsichtigt die Direktion die Arbeitslöhne her- abzusetzen und junge Leute einzustellen, die billiger arbeiten. Da ich derartige Maßnahmen nicht ohne weiteres surchfetzen lassen — sie würden an dem Widerstand der Arbeiter scheitern— versucht es die Firma auf dem Umwege der gelben Werkvereine. Nötig ist eine Schutztruppe der Aktionäre, eine-streikbrecherorgani- ation. In den letzten Tagen ist den Meistern der Firma denn auch ein Statuienentwurs unterbreitet worden.— Die Firma benutzt die gegenwärtige Zeit— der Geschäftsgang ist nicht allzu lott—, um die Arbeiter in den gelben Verein zu pressen. Ge- lingt es ihr, einen Keil in die freie Organisation der Arbeiter zu treiben, dann hat sie leichtes Spiel. Schon arbeitet der be- kannte Unternehm�rterrorismus. Arbeitern, die in Fabrik- Wohnhäusern wohnen, wurde die Wohnung gekündigt, weil sie sich weigerten, dem gelben Werkberein beizutreten. Den Freiorgani- ierten wurde die Entlassung angekündigt,„falls sich der Geschäfts- gang verschlechtert", den JSelben wurden die besten Maschinen in Aussicht gestellt usw. Selbstverständlich findet sich kein Staats- anwalt, um gegen ein derartiges Vorgehen, das an Erpressung grenzt, einzuschreiten._ In der Jsoliermittelfabrik von CT. u. E. Mahla in Lauf lreiken seit einigen Tagen die Arbeiter. Da eine Anzahl Mon- teure auswärts auf Arbeit sind, werden alle auf Bauten beschäf- tigten Arbeiter ersucht, die Monteure dieser Firma darauf auf- merksam zu machen.__ Aussperrung in der Glasindustrie. Die Glasindustriellen des Bayrischen Fichtelgebirges hatten mit den Perlenarbeitern einen zweijäbrigen Tarifvertrag abge- schloffen. Dieser Tarif lief mit dem 1. Mai ab und die Arbeiter verlangten eine zehnprozentige Lohnerhöhung. Der Durchschnitts- lohn eines Perlenarbeiters beträgt 766 M. pro Jahr, und nur dadurch, daß die Frauen und Kinder die Perlen auf Fäden ziehen und dabei einen geringen Verdienst erreichen, ist es möglich, daß die Arbeiter ihre Existenz fristen können. Trotz dieses geringen Verdienstes lehnten die Fabrikanten jede Lohnerhöhung mit der Begründung ab, daß der Geschäftsgang ein schlechter sei und sie deshalb nicht in der L<"' der Arbeiterschaft irgendwelche Zugeständnisse zu ma Arbeiter bei ihrer Forderung verharrten, wurden*•, Es kommen rund 166 Perlenarbciter in? rte Warmen- Uh. Glocke. Berl-n. Druck u.Ve steinach, Bischofsgrün und Fleckl derieilen.— Wie schlecht die Lebenshaltung der Perlenarbeiter beschaffen ist, geht daraus her» vor, daß die Arbeiter fast selten bares Geld erhalten. Die Fabri- kanten haben Krcunerläden, in denen die Arbeiter während der ganzen Woche Waren gegen Kredit entnehmen. Am Lohntage zieht der Unternehmer dann den Betrag für die entnommenen Waren ab. Alle Beschwerden gegen dieses Trucksystem sind bis- her vergeblich gewesen. Daß die Fabrikanten die geringen For» derungen der Arbeiter bewilligen können, geht daraus hervor, daß die Acbeitergenoffenschastsglashütte in Warmensteinach von dem Abnehmer ihrer Fabrikate sofort einen Aufschlag von 6 Proz. für alle Perlen erhalten hat und die Firma sich verpflichtete, im nächsten Jähre einen weiteren Aufschlag von 6 Proz. zu zahlen. Dabei erklärt die Genossenschaftsglashütte, daß der Gefchätfs, gang ein normaler ist und Aufträge genügend vorliegen. Trotz» dem werfen die Unternehmer die Arbeiter brutal aufs Pflaster und erklären, daß sie die Aussperrung dazu benutzen wollen, um selbst höhere Preise zu erreichen.— Der Kampf dürfte längere Wochen dauern und wird von den Arbeitern so lange gefübrt werden, bis ihnen Zugeständnisse gemacht werden.— Die Kauf- läden der Fabrikanten und auch eine Brauerei, die einem der Unternehmer gehört, sind boykottiert worden. JLctzU Nachrichten. Der Empfang des Königs von Spanien in Paris. Paris, 7. Mai.(Privattelegram ni des„Vor- wärt s".) Bei dem Einzug des Königs am heutigen Vor- mittag ertönten viele Hochrufe, da namentlich die Royalisten die Gelegenheit benutzen, um„Viva Ie roi!" zu rufen. Auf einem Neubau arbeitende Maurer erwiderten darauf mit Pfeifen und dem Ruf:„Hoch Ferrer!" Es kam deswegen zu Zusammenstöße n mit dem Publikum. Nachmittags fuhren der König und Präsident PoincarS in geschlossenem Wagen und in s ch n e l l st e m Tempo zur Militärschule. Die„Bataille Syndicaliste" wurde wegen der Aufforderung, vor der spanischen Botschaft zu demonstrieren, kon- fisziert._ Zur Seiner Konferenz. Paris, 7. Mai.(W. T. B.) Die Gruppe der radikalen Linken, deren Führer C a i l l a u x ist, hat beschlossen, keinen Tele- gierten zu der Berner Konferenz zu schicken, die Teilnahme aber ihren Mitgliedern freizustellen, die dann gegebenenfalls die in den Vereinigungen der SchiedSgerichtSgruppa erteilten Ratschläge befolgen sollten. Die Gestaltung des künftigen Albanien. Wien, 7. Mai.(W. T. B.) Die„Neue Freie Presse" erhält von kompetenter Stelle eine Darstellung des in der morgigen Sitzung der Londoner Botschafterreunion vorzn- legenden Statuts für das künftige Albanien. Die wichtigste Frage ist zunächst die Schaffung einer nationalen Gendarmerie, zu deren Organisierung und Ausbildung fremdländische Offiziere werden heran- gezogen werden müssen. Hand in Hand mit der Lösung dieser Frage geht die f i n a n z i e l l e F r a g e. Da Albanien aller Geldmittel entblößt ist, soll dem neuen Staat eine Anleihe gewährt werden, entweder von Oesterreich-Ungarn und Italien in der Form eines Vorschusses auf die voraussichtliche» Ein- nahmen Albaniens, oder es wird eine internationale Anleihe uifter der Garantie Oesterreich-Ungarns und Italiens ge- macht werden. Um dem neuen Staat Einnahmequellen zu verschaffen, wird zunächst das Steuerwesen zu regeln sein. was eine der schwierigsten Fragen des ganzen Komplexes ist. Einen westeren Punkt betrifft die I u st i z p f l e g e. Hier hat sich der Entwurf ungefähr an das Beispiel der Austiz. Pflege in Aegypten gehalten. Weiter sind in dem Entwürfe die Errichtunng von Schulen, die Anlage von Straßen, der Ausbau der Häfen und die Erbauung von Eisen- bahnen vorgeselien. Als wichtigste Eisenbahnlinien kommen die von Valona nach Monastir oder von Durazzo nach Ueskueb in Betracht, von welch letzterer eventuell über Kumanowo nach Kuestendil eine Fortsetzung gebaut werden soll. Erst nach der Regelung dieser Fragen wird die Frage des künftigen Ober- Hauptes Albaniens zur Lösung gelangen. -lagsanftalt Wirtschastspolitische Verhandlungen zwischen Oesterreich- Ungarn und Serbien. Wien, 7. Mai.(W. T. B.) Wie die..Neue Freie Presse" au« politischen Kreisen erfährt, sollen die Verhanolungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien über die Re g e l u n g der Wirt» schaftlichen Fragen auf Wunsch Serbiens in Kürze wieder aufgenommen werden. Die wirtschaftlichen Fragen beziehen sich auf die Revision des Handelsvertrages, wobei Serbien eine Erhöhung des Fleischkontingents, Oesterreich-Ungarn Erleichterungen für den industriellne Export anstrebt und auf eisenbahnpolitische Fragen. Ein mißhandelter Abgeordneter. Kolmar, 7. Mai.(W. T. B.) MS heute mittag der Zentrum?- abgeordnete Kuebler sich mit der Eisenbahn nach JstraHburg begeben wollte, trat ihm der Lehrer H i l d w.e i n, über dessen Frau Kuebler jüngst in einer Sitzung der Zweiten Kammer be- leidigende Ausführungen gemacht hatte, in Begleitung eines zweiten Herrn entgegen und brachte ihm unter BeihUfe des letzteren mit einem Stock und einer Reitpeitsche mehrere Schläge bei. Kuebler trug leichte Verletzungen am Kopfe davon. Das Glück verbessert. Frankfurt a. M., 7. Mai.(W. T. B.) Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurteilte nach dreitägiger Verhandlung den Lotterieunternehmer Ferdinand Schäfer aus Düsseldorf wegen Betruges in drei Fällen zu drei Jahren Gefängnis, 9666 Mark Geldstrafe und fünf Jahren Ehrverlust. Schäfer hatte bei verschiedenen von ihm geleiteten Ziehungen die Haupt, gewinne, aus Loose gelenkt, die er selbst im Besitz hatte, und hatte so in den beiden letzten Jahren 186 666 M. gewonnen. Tödlicher Unfall eines französischen Offiziers. Nancy, 7. Mai.(W. T. B.) Hauptmann Dupreh de la Ma- berie, der, als sein Pferd durchging, abspringen wollte, verwickelte sich dabei in die Steigbügel und wurde mehrere Meter West g«. schleift. Er erlitt dabei einen Schädelbruch und vernarb im Hospital._ � Flirgernnfall., v.,. Reim», 7. Mai.(W. T. B.) Ein heute abend Mlt einem F l i e g e r l e u t n a n t u n d e.i n e m S a p p e u r aufgeistegener lÄndecker stürzte infolge eines falschen Manövers ad. Der Leutnant brach beide Arme» dem Sappeur wurden mehrere Kippen ein« gedrückt. Beider.Zustand ist sehr ernst.___ Paul Singer ö- Co.. Berlin 5W. Hierzu 4 Beilogen«.Unterhalt üngSbl. Nr. III. 30. Jahrgang. 1 leite Ks.Amiirls" Kttlim AlksblÄ. Donuerstag. 8. Mai 19l3. Zum Kandtagswahlkampf. freiiivn unck polenpolitik. Daß die Polenpolitik zu den reaktionärsten Sireichen der preußischen Reaktion gehört, wird kein Denkender bezweifeln. ES ist deshalb für ö'.e Beurteilung der Fortschrittlichen Volkspartei höchst wichtig, daß sie in der Polenpolitik eine sehr zweideutige Stellung einnimmt. Ihr Führer Dr. Wiemer hat vor wenig Monaten— als die Wogen wegen der Enteignung sehr hoch gingen— in einer Versammlung zu Posen den Ausspruch getan, seine Partei billige die Ziele der preußischen Polenpolitik. Im Abgeordnetenhaus« hat er das wiederholt:„Insofern das Endziel der Polenpolitik auf die S t ä r- lung des Deutschtums in den O st marken gerichtet ist", werde es allerdings von seiner Partei gebilligt. Nun weiß doch alle Welt, was es mit der Phrase von der„Stärkung des Deutschtums" auf sich hat. ES ist die Phrase, mit der alle, selbst die reaktionärsten Maßnahmen der Polenpolitik gerechtfertigt werden. Und wenn die Reaktion auf solche Aeußerungen des Freisinns erwidert, wer die Ziele will, muß auch die Mittel wollen, so hat sie damit von vornherein gewonnen. In der Tat hat ja auch Herr Dr. Wiemer in seiner Etalsredc, die er im Januar dieses Jahres im Abgeordnetenhause hielt, die Bewilligung der neuen 230 Millionen zur Bedrückung der Polen angekündigt. Allerdings steht diese Ankündigung im Widerspruch mit den Worten des freisinnigen Fraktionsredners Kindler am 22. April. Dieser gab an, daß seine Partei die ganze Vorlage wegen ihres AuSnahmecharakterS ablehne. Aber selbst er hat wiederholt von dem„großen Kulturwerk" der Ansiedlung ge- sprochen, obwohl doch die Regierung selbst zugibt, daß die bestehen- den Ansiedelungen nur durch beständig neuen Goldzustrom erhalten werden können. So viel sollte doch klar sein: wem es ernst um die Ablehnung eines Gesetzes zu tun ist, der darf nicht durch reichlich eingestreute Lobeserhebungen Stimmung dafür machen. Besonders aber muß das Benehmen des Freisinn» bei der Enteignungsinterpellation im Reichstage auffallen. Tie preußischen Junker, die sich fest vor- genommen haben, immer mehr rechtswidrig vom preußischen Land- tage aus in die Angelegenheiten des Reiches einzugreifen, brauchen dazu eine Irreführung der öffentlichen Meinung. Sie suchen es so darzustellen, als habe umgekehrt der Reichstag unbefugt in preußische Dinge eingegriffen, so daß sie dann als die unschuldsvollen Engel da- stehen. Und bei dieser Trübung des Sachverhalts haben sie die Unterstützung des Freisinns gefunden! Da die ganze Polenpolitik ein fortwährender Verstoß gegen Reichsgesetze ist, so wäre der Reichstag fortwährend verpflichtet, sich damit zu befassen und dagegen zu protestieren. Als er es aber ein einziges Mal tat— eben bei der Enteignungsinterpellation—, da enthielten sich die Freisinnigen der Abstimmung mit der Begründung: dicS ge- höre nicht zur Kompetenz des Reichstages! So erleichtertest sie es der Reaktion, in den Augen derer, die dje Zusammenhänge nicht genau kennen, den Reichstag ins Unrecht zu setzen. Mein Liebchen, was willst du noch mehr? Indes die Frei- sinnigen aus Leibeskräften gegen die Reaktion schreien, haben sie der Reaktion eben den Dien st geleistet, dessen sie am dringendsten bedarf! Vorbereitung echt preußischer Aahien. Der amtliche Apparat ist im Wahlkreise Naumburg und auch in anderen Kreisen stark in Tätigkeit— natürlich zugunsten der Erzreaktionäre. Im Kreise Naumburg siel der nationallibcralen WahlkreiSleitung ein Schriftstück in die Hände. Das Schriftstück ist unterzeichnet„Der Amtsvorsteher" und gerichtet„an den Ortsvorsteher". Elfterer teilt dem letzteren mit. der kon- fervative WahlkreiSobmann wünsche, daß eine von dem national liberalen Kandidaten Dr. Blankenburg in Meine weh abgehaltene Wählerversammlung auch von konservativer Seite be- schickt werde. Der Ortsvorsteher werde ersucht, d a S Nötige zu veranlassen. Nach Mitteilungen aus ver- schiedenen Dörfern des Kreises erfolgt die Einladung zu den kon- servativen Wahlversauimlungcn derart, daß der Gemeindevorsteher den Gemeindediener mit der Einladung von Haus zu HauS schickt. Andererseits hat der Gemeindevorsteher in Hassen- hausen den Geineindediener von Haus zu HauS geschickt mit der Bestellung, eine am Nachmittag von der nationalliberalen Partei in Hassenhausen angesetzte Wahlversammlung solle nicht besucht werden._ Jeden Iflorgen 10 lilarli auf dem Kaffeetifd). Bei den Debatten ttber die preußische Volksschule glaubten die Abgeordneten des Zentrums, insbesondere der Schulinspektor Heß, etwas ungeheuer Kluges zu tun, wenn sie die Schulforderungcn der Sozialdemokratie verspotteten: solche idealen Zustände, wo imr 10—12 Schüler auf einen Lehrer kämen, würden ein ungeheures.Geld kosten. Taufende von Millionen jedes Jahr, die gänzlich unerschwinglich seien. Ebenso gut könne man z. B- verlangen, daß jedem preußischen Staatsbürger pro Kopf seiner Familie jeden Morgen 10 Mark auf den Kaffeetisch gelegt werden. Sehen wir einmal ab von der verletzenden Form, in der hier versucht wird, die ernstesten Dinge lächerlich zu machen, so hat der Herr Abgeordnete Heß durch seine Aeußerung nur bewiesen, daß er von den tatsächlichen Zuständen keine blasse Ahnung hat. Es gibt nämlich heutzutage Leute, die nicht nur 10 M., sondern sehr viel größere Summen alltäglich auf ihrem Frühstückstisch finden, ohne daß sie dafiir zu arbeiten brauchten. Und gerade das Zentrum weiß das auch recht gut. Freilich macht cS von dieser Kenntnis nur dann Gebrauch, wenn es ihm so in den Kram paßt. Im Januar 1907, als das Zentrum bekanntlich mit der Regierung in bitterer Fehde lag, erschien in der„Kölnischen Volkszeitung" eine Studie über das f r a n z ö s i s q c H a u s Rothschild, woraus man erfuhr, daß diese eine Familie damals bereits den zwanzigsten Teil alles Vermögens besaß, das in Frank reich existiert, nämlich 10 Milliarden Franken.„Jährlich fließt'/-o der Gewinne aus Handel und In- dustrie in ihre Tasche n." Weiter wurde mitgeteilt. daß der amerikanische Petrolcumkönig Rockcfeller im Jahre 1906 ein tägliches Einkonimen von 660 000 M. hatte(wovon übrigens-10—15 Millionen jährlich aus Deutschland fließen). Wo bleiben da die l u m p i g c n 10 M. täglich, die Herrn Heß schon als der Gipfel aller Utopie erschienen! Und glaubt man, daß eS in Deutschland anders sei, so erkundige man sich nach den Einkommen solcher Leute wie Rathens u, G w i n n c r, Krupp, uno man wird fem blaues Wunder erleben! Wer daS überdenkt, dem wird vielleicht auch klar Iverden, weshalb ein Volk, das so enorme Summen alltäglich an einige reiche Kapitalisten abgeben muß. nicht Geld genug für die Bedürfnisse der Volksschule übrig behält! Sie klpolheoie der Gelben. In den Kreisen, denen die Regierung und Verwaltung in Preußen ausgeliefert ist und die in sich die höhere Einheit der nach der Ver- fassung scheinbar getrennten Legislation und Exekution, der Justiz und der Administration darstellen, hat inan gelegentlich ein kolossal strenges Gefühl für Standesehre und Klassenbewußtsein, das mit einem französischen, also standesgemäßeren Wort„ssprit«I» corp.v genannt wird. Unterstehen doch z. B. die Handlungen der Offiziere nicht nur der Beurteilung der Gerichte— und wenn cS auch mili- tärische Sondergerichte sind— sondern auch der der Ehrenräte, die sogar Reserveoffiziere vor ihr Forum ziehen, obgleich sie sonst dem Gerichtsstand des Zivils angehören. Die Aerztc, Rechtsanwälte, Künstler, Architekten, Techniker— alle möglichen Stände haben ihre Standeseinrichtungen zur strengen Ueberwachung ihrer Standestreue. Und eZ handelt sich da keineswegs nur etwa um sittliche Werte mehr oder minder eingebildeter Natur, sondern — wie besonders die Bewegung der A e r z t e gezeigt hat— nur zu häufig um rein materielle, um Geldfragen, um Lohn und Arbeit und Angebot und D i c n st b c d i n g u n g c n. Mit der ganzen Schwere des Boykotts strafen diese Klassen den. der sich ihren Begriffen, Forderungen und Interessen ividersetzt hat. Wie anders beurteilt die herrschende Gesellschaft die Standes- bestrebungen der Arbeiterklasse, die doch noch das vor denen aller anderen Klassen voraus haben, daß sie der Erinanzi- pation der untersten Klasse, deren Aufstieg, der zahlreichsten Schicht, der G e s a m t b e v ö l k e r u n g dienen! Wir haben schon einmal gezeigt, wie die preußische„Volks- Vertretung" Arbeiterfragen behandelt. lhiie sticht von dieser Wurschtigkeit die Schätzung ab, deren sich dort d i e Leute erfreuen, die sonst am allerwenigsten mit den Sympathien der Arbeiter be- glückt sind— die Außenseiter der Arbeiterbewegung, die Herren Christen, über deren wahren Charakter der große Streik der Ruhrbergleute und der Streikbruch der Christlichen ein endgültiges Urteil gefällt hat. Man schützt sie freilich nur, wenn sie den Arbeitervertretern von der äußersten Linken in den Rücken fallen— in dem Augenblick, wo sie das mal nicht tun und ver- Assen, was ein Arbeitervertreter nach dem Herzen der Kröchcr, Kreth, der Porsch und Herold, der Krause und Haarmann zu tun hat und die berechtigten Erwartungen dieser Leute dadurch cnt- täuschen, daß sie etwa gar für Arbeiterinteressen eintreten— in dem Augenblick interessieren sie nicht mehr, sind sie„suspekt"— zu Pro- leten degradiert. Dann ist der Ruhm der Streikbruchapostel sofort verschwunden: er fitzt eben noch nicht fest genug.. Zwar sind die Herren Christen den Scharfmachern genehm, aber noch genehmer wären ihnen „wirtschaftSftiedlich- national- reichstreu- köniAstreu- werkvereinlich" gelbe Arbeiter. DaS DreiklassenhauS ist unvollständig, so lange diese hier ihm noch fehlt. Auf denn, echtpreußische Männer, erfüllt in diesem Jubel- jähr die patriotische und Staatsnotwendigkeit, gesellt den Dallwitz und Kardorff flink den LebiuS und den HintzeÜ Candtagswablemrlammlungen. Erster Landtagswahlbezirk. Eine gutbesuchte Versammlung nahm am Dienstag Stellung zur Landtagswahl im 1. Berliner Landtagswahlbczirk. Die Ver- sammelten lauschten andächtig den �Ausführungen des Kandidaten Genossen Poetzsch, der die Sünden der Landtagsmchrheit ins rechte Licht zu' rücken verstand. Nach einer Aufforderung zum Abonnement auf die Parteipreffe und Beitritt zur Organrsation lourden die vom Wahlkomitee vorgeschlagenen Wahlmänncr ein- stimmig gewählt. Dritter Landtagswahlbezirk. In der Wählerversammlung bei Graumann. Naunhnstr. 27. referierte Genosse Dr. Kurt R o s e n f e l d. Seine Rede klang aus in die Forderung nach dem gleichen, allgemeinen, geheiwien und direkten Wahlrecht für Preußen. Bei Eröffnung der Beriammlung hielt der Kandidat des Kreises eine Ansprache. kleines feuiUeton. Ter Tod des Erzbischofs Affrc. Im reaktionären Legendenkreis haben die beiden Pariser Erzbischöfe A f f r e und D a r b o y, die >348 und 1871 der Mordwut revolmionärer Arbeiter zum Opfer ge- fallen sein sollten, einen hervorragenden Platz eingenommen. Aber die eine wie die andere Tendenzfabel hat der unbefangenen, auf ent- scheidende Zeugenaussagen gestützten Prüfung nicht standhalten könne». Zuerst wurden die Umstände, unter denen der Erzbischof Darboy im Mai 187l starb, aufgehellt, und es er- gab sich namentlich dank dem Zeugnis des erzbischöf- tichen Gcneralvikars, aufs klarste, daß Darboy, der von einer durch die entsetzlichen Füsilladen der Versailler Ordnungs- ormee zur Raserei gebrachten Volksmenge zu einer Zeit erschossen wurde, als die Kommune tatsächlich keine Macht mehr ausübte, gerettet worden wäre, hätte nicht Thiers, den llltramontanen zuliebe und wohl auch im nachwirkenden Haß gegen einen alten literarischen Gegner, den wiederholt angebotenen Austausch des liberalen Darboy gegen Blanqui heimtückisch abgeschlagen. Jetzt ist auch die Schuldlosigkeit der Junikämpfer von 1848 am Tod des Erzbischofs Affre klar nachgewiesen. In den klerikalen und bürgerlich-liberalen GeschichtSklitterungen ist zu lesen, wie der Kirchenfürst,� der, um Frieden zu bringen, auf eine Barrikade stieg, von den Insurgenten meuchlings erschossen wurde. Die„Nouvelle Revue" veröffentlicht nun Erinnerungen des alten Republikaner Charles B e S l a y an das Jahr 1848. BeSloy kämpfte damals auf Seite der Ordnungspartei. Seine Aussage ist also der Partei- nähme für die Revolutionäre vollkommen unverdächtig. Sie stimmt überdies mit der des Generalvikars Jacguemet und der Bräche minS. eines anderen bürgerlichen Zeugen überein. B e S l a y berichtet folgendes: Der Prälat, der sich im Arsenal aufhielt, hatte sich Vollmacht geben lassen, zu den Insurgenten zu gehen und sie zur Unterwerfung zu mahnen. Er schickte einen Boten an den auf dem Bastilleplatz kommandierenden Beslay mit der Bitte, diesem Zweck zuliebe das Feuer einstellen zu lassen. „Im Augenblick, da sich ver Bote des Erzbischofs zurückzog, meldete man mir zwei Parlamentäre der Insurgenten. Ich ließ daS Feuer einstellen, und der Prälat verließ, offenbar in dem Glauben, daß dieser Befehl daS Ergebnis deS Ansuchens sei, noch bevor er den Be- such, den ich ihm versprochen, erhalten hatte. Die Parlamentarier der Insurgenten knüpften ihre Unter- werfung an eine einzige Bedingung— die Uebergabe der letzten Proklamation deS Generals Cavaignac, die ich ihnen einhändigte. Da nun der Platz von Menschen gefüllt lvar und der Lärm lins hinderte. unS zu verstehen, befahl ich dem Offizier, der neben mir stand, die Zuschauer zu entfernen. Mein Befehl rief eine Bewegung auf dem Platz hervor. Diese wurde wahrscheinlich lzon den In- wrgenten falsch gedeutet, denn sie nahmen die Füsillade sofort wieder aus und einer ihrer beiden Parlamentäre fiel schwer verwundet.— Z« einem Augenblick war der Platz leer. Ich stichle ein Mittel, daS afeuer dennoch zur Einstellung zu bringen und stürzte nach dem «nz'gen Haus, das von unserer Seite die Kugeln deS Faubourg erwiderte. ES war das Haus„Zu den 4 Sergeanten von La Rochelle". Im Augenblick, wo ich an die Tür des EaseS poche, streift mir eine Kugel die Stirn und die Finger. Ich steige zur vierten Etage hinauf, wo unsere Soldaten von einem Balkon daS Feuer der Insurgenten erwidern und lasse sie das Schießen einstellen. Aber es war schon zu spät. Sie hatten schon geschossen, und der Erzbischof war auf der Barrikade gefallen! Die Kugel, die den Prälaten traf, war vom Balkon abgeschossen worden. Meine Aussage stimmt mit der des Herrn Großvikars Jacguemet überein. der den Erzbischof begleitet hatte und versichert hat,„daß die Wunde keine andere Ursache als den unheilvollsten Zufall/hatte". Nietzsche und daS Tingel-Tangel. Lassalle meinte(wir zitieren auS dem Gedächtnis), daß die großen Geister der Deutschen wie ein Kranichschwann über die Köpfe des Bürgertums Hinweggeslogen seien. Sein sonst so scharfer Verstand hat aber offenbar den gegen- wärtigen geistigen Aufschwung nicht vorausgesehen. Er hat keine Ahnung davon gehabt, daß einmal glorreiche Tage kommen würden, in denen die großen Geister so fest mit dem Volksleben zusammen- wüchsen, daß man sie überall treffen könne. Auch da, wo man sie am wenigsten vermuten sollte. Eine bekannte Hamburger Varietebühnc ruft in einem Inserat voll fetter Lettern diese gedankentiefen Ausführungen in die Welt! „Lachen befreit, Lachen überwindet. Lachen stärkt! Wie sagt doch Nietzsche?„Erhebt eure Herzen hoch, höher! Und vergesiet mir auch das gute Lachen nicht. Das Lachen sprach ich heilig, ihr höheren Menschen lernt mir lachen!" Damit der Ausspruch Nietzsches auch richtig verstanden werde. sind zwei Illustrationen beigegeben. Links von dem Ausspruch sieht man eine Varietösoubrette, rechts einen Varietskomikec mit dem schafsdämlichcn GesichtSauSdruck. der im Tingeltangel so oft für die feinste Blüte der Komik gehalten wird. Der Verfasser dieser Zeilen weiß seine Begeisterung für Nietzsche durchaus zu bändigen. Daß er aber mit seinem„guten Lachen", seinem heilig gesprochenen Lachen, seinem Lachen der höheren Menschen das Gegrinse im Variets sollte gemeint haben, will uns doch zweifelhast erscheinen, und daß dieser von Nacht und Tragik umstrickte Dichter nun Varietäkomikern den Steigbügel halten muß. verletzt uns. Es läge der bürgerlichen Presse'im Grunde näher als uns, gegen diesen häßlichen Unfug zu protestieren. Wenn sie dafür aber zu materialistisch stumpf geworden ist, wollen wir gerne ihre Funktionen übernehmen. Wer wird im„ZnkunftSstaat" die schmubigc Arbeit tu»? Diese Frage hat bekanntlich einem unserer verbohrtesten Gegner. Eugen Richter, viel Kopfzerbreche» gekostet, und er kam schließlich zu der Ansicht, die sozialistische Gemeinschaft der Zukunft müßte schon darum scheitern, weil niemand Stiefel putzen und schmutzige Wäsche würde waschen mögen. Als ob unsere Technik nicht längst>o weit entwickelt wäre, daß sie jedem praktischen Bedürfnis nach Ersatz der Menschen- kraft Befriedigung verschaffen könnte! Ein beweiskräftiges Beispiel hierfür liefert ein Beispiel der englische» Parteizeitung„Justice" über eine neue Vacuum-Straßenreiuigungsmaschine mit Motorantrieb, die Erfindung eines italienischen Ingenieurs. In einigen italienischen und französischen Städten ist sie bereits in Gebrauch. Neuerdings wurde sie m London im Betrieb gezeigt. Sie bedarf zu ihrer Bedienung nur eine« Chauffeurs. Ohne irgend welchen Staub zu verursachen, reinigt sie jede Art von Straßenpflaster; sie räutnt jeden Unrat fort. sogar Steine, ohne daß es einer Nachhilfe mit der Hand bedarf. Dabei ist dieses Reinigungssystem um 66 Proz. billiger als das bisherige mit seinem umständlichen Apparat von Pferden, Maschinen, Menschen. Karren usw. Der beim Fegen entstehende Staub wird in besondere Behälter hineingesaugt. Die Londoner Versuche ergaben hochbefriedigende Resultate. Allein im kapitalistischen Gegenwartsstaate hat jeder technische Fortschritt eine verhängnisvolle Kehrseite: mit einem Schlage werden so und so viele Hände be- schäftigungSloS. Wenn der unaufgeklärte Arbeiter dann erbittert fragt: Was soll auS uns, unseren Frauen und Kindern werden, wenn unsere Arbeit durch die Maschine ersetzt wird?— so sagt ihnen der Sozialismus: Macht Euch zum Herrn der Maschine,.an- statt zu dulden, daß sie Eure eiserne Hexrin ist l Nottze«. — Bühne nchronik. Albert Basfiermanir will seinen nächstes Jahr ablaufenden Vertrag mit dem Deutschen Theater nicht erneuern, sondern nur noch Gastspiele geben. — Eine hethitische Bronze, die etwa 3000 Jahre alt sein soll, wurde von der vorderasiatischen Abteilung der kgl. Kunst- sammlungen erworben. Sie ist von großer Kraft des Ausdrucks bei aller Stilisierung, die dieser ältesten Kunst eigen ist. — Eine D i ch t e r s p e u d e. Aus der Fastcnrath-Stijtung. die alljährlich bei den Kölner Blumenspielcn Preise an Dichtet ver- gibt, ivurden diesmal u. a. Arno Holz, Frank Wcdckind, Gustav Meyrinck, Gustav Renner bedacht. ES müssen also, wie Figura zeigt, nicht immer Goldschnittdichter und Mummelgreise ausgezeichnet werden. — Ein Kino streik wird in Leipzig geplant. Er soll— als Gegenmaßregel gegen die städtische Lustbarkeitssteuer— vom I.Juni ab einsetzen. — Das Tagebuch des Kapitän Scott. Der Heraus- geber von„Everybodys Magazine" war dieser Tage in London, um Auszüge aus dem Tagebuch Scotts zu machen, die zuerst in der amerikanischen Zeitschrift veröffentlicht werden sollen. Es besteht auS zehn großen Bänden, die mit Bleistift geschrieben sind, und zeigt keine Spuren davon, daß es neun Monate lang nach dem Tode des Forschers in dem von den Unbilden der Witterung hart mit- genommenen Zelte in der arktischen Eiswüste gelegen hat. Die drei letzten Bände enthalten die Schilderung des Vorstoßes zum Südpol. — Die explodierende Frucht. Im Botanischen Garten von Algier gab es jüngst einen gewaltigen Knall, und als die Angestellten an� die„Unglücksstätte" eilten, fanden sie eine gewiß ungewöhnliche Ursache der Explosion: eine große Palmenfrucht war explodiert und hatte ihren Inhalt in Form eines goldigen Staubes über die be- nachvartcu Pflanzen ausgeschüttet!' Die Erklärung für das eigen- tümliche Vorkommnis liegt in den Wetterverhältnissen; innerhalb der Frucht hatten Gärungserscheinungen begonnen, die Frucht war durch angesammelte Gase stark aufgebläht worden, und dann hatte ein Windstoß sie so heftig geschüttelt, daß sie platzte. In den ,S r m t n 5 a n c n' dielt Reichstagsabgeordneter Otto Büchner das einleitende Referat. Reicher Beifall lohnte den Redner. Dann folgte die Ansprache des Kandidaten, Genossen Theodor Glocke, der mit dem preußischen Junkertum scharf ins Gericht ging. Die Viermillionen-Partei des Proletariats ist diesem schon längst unbequem. Aber eines Tages werde auch die Macht dieses Junkertums gebrochen werden. Es gelte daher, am 16. Mai Abrechnung zu halten. Mit einem dreifachen Hoch auf unsere Partei schloß die gui- bcsuchte Versammlung. Die AusMrungen Glockes wurden stürmisch applaudiert. Für den vierten Landtagswahlbezirk tagte im Hofjäger-Palast, Hasenheide, eine gutbesuchte Versammlung, in welcher der Kandidat des Kreises, Genosse B e r n st e i n, das Referat übernommen hatte. Genosse Bernstein wurde bei seinen Ausführungen oft von Beifall unterbrochen. Im fünften Landtagswahlbezirk fand am Dienstag ebenfalls eine überfüllte Wählcrverfammluug statt. Ter Referent, Genosse Adolf Hoffmann, schilderte das Verhalten der bürgerlichen Parteien im Landtage. Selbst den Freisinnigen sei es nicht ernst mit der Erkämpfung des allgemeinen Wahlrechts, sonst würden sie nicht mit den Wahlrechtsfeinden, den Ratwnalliberalen, im jetzigen Wahlkampf zusammengehen. Der Referent schloß seineu Vortrag mit einer vegeisternden Anfette- rung, alles daran zu setzen, daß wir am Wahltage nicht nur Man- date gewinnen, sondern auch an Stimmenzahl gewaltig zunehmen. Ter Bortrag wurde oft von stürmischem Beifall unterbrochen. Auch der Kandidat Genosse Julian B o r ch a r d t machte einige mit Beifall aufgenommene Ausführungen. Nachdem der Vorsitzende Genosse Werk noch mitgeteilt hatte, daß im fünften Landtags- Wahlbezirk jetzt 40 Wahlmänner weniger zu wählen sind, als 1969, wovon allein auf die�. Abteilung 39 kommen, schloß derselbe die Versammlung mit einem Hoch auf das allgemeine Wahlrecht. Sechster Landtagswahlbezirk. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die nach K ei ler s Fest s ä len in der'Koppenstraße einberufene Wähler- Versammlung. Mindestens 3099 Personen füllten dichlgedrängt den großen Saal und die Galerien. DaS vortreffliche Referat des Genosse» Scheidemann wurde häufig von lebhaften Zustim- nmngsrufen unterbrochen. Nach ihm ergriff, von der Versammlung lebhaft begrüßt, der Kandidat des Bezirks Genosse Adolf H o flf- mann das Wort. In kurzen gut pointierten Worten zeigte er, worauf es bei der diesmaligen Landtagswahl ankommt. Der reiche Beifall den beide Ziedner in der Versammlung fanden, gibt Bürg- schaft dafür, daß� die Genossen des 6. Landtagswahlbezirks dafür sorgen weiden, daß am 16. Mai der Sieg unser ist. Siebenter Landtagswahlbezirk. In den Prachtsälen des Ostens referierte Genosse Reichstags- abgeordneter Silber schmidt. Würdig eingeleitet wurde die Versammlung durch den stimmungsvollen Vortrag des Liedes „Empor zum Licht", Welches der Gesangverein Liederkranz in meister- haster Weise zum Vortrag brachte. Sodann ergriff der Kandidat des Kreises, Genosse Hirsch, das Wort zu einer anfeuernden An- spräche. Der Beifall am Schluß seiner Ausführungen bewies dem Genossen H i r s ch, daß es den Anwesenden ernst ist. alles daran zu fetzen, anr 16. Mai dem Freisinn zu zeigen, daß die Sozialdemokratie nicht gesonnen ist, sich den siebenten Kreis entreißen zu lassen, sondern ihn mit noch größerer Majorität zu behaupten. Der Re- serent Genosse S i lb e r s ch m i d t zeigte nach einem kurzen Rück- Blick auf die Entwickelung des Freisinns, der heute bekämpft, was seine Bäter einst erstrebten, daß es sich bei diesem Wahlkampf vornehmlich nicht um Erringung von Mandaten handeln kann, sondern daß für uns hauptsächlich die Propaganda, der Kampf für ein besseres Wahlrecht ist. Redner forderte unter großem Beifall auf, am 16. Mai zu zeigen, daß die Sozialdemokraten trotz alledem auch bei diesem Wahlrecht mit Erfolg die Festung des DroiklassenwahlrechtS bestürmen werden. — In der D i S k u f f l o n sprach ein Anhänger des Zentrums, der zu beweisen versuchte, daß auch das Zentrum die Sache des Volkes vertrete, bei den kommenden Wahlen aber nur aus dem Grunde im ersten Wahlgang für die Konservativen stimmen werde, weil letztere für die konfessionelle Schule eintreten, die Sozialdemokratie aber nicht. Nachdem noch zwei Genossen gesprochen hatten, zeigte Genosse Silberschmidt, daß das Zentrum gerade in letzter Zeit alle sozialen Bestrebungen bekämpfte, all fortschrittlich anmutenden Anträge ab- lehnte. Nach einigen anfeuernden Worten des Versammlungsleiters wurde die Versammlung mit Gesang geschlossen. Im E l y s i u m. Landsberger Allee, leitete der Gesangverein .Olympia" die Versammlung durch ein proletarisches Kampflied stimmungsvoll ein. Nachdem geißelte der Genosse Reichstags- abgeordneter Otto Wels in recht scharfer Weise die preußisch- deutschen Verhülwuse. An treffendenBeispielen zeigte er, oft von zustimmendem Beifall unterbrochen, wie kulturfeindlrch das preußische Junkertum und die von ihm abhängige Preußische Regierung ist. Genosse Wels mußte sein Referat unterbrechen, um dem Genossen Hirsch Gelegenheit zu geben, sich mit einer Ansprache seinen Wählern vorzustellen. Genosse Hirsch versprach, im Falle seiner Wiederwahl, in ebenso energischer Weise die Interessen der Arbeiterbevölkerung zu vertreten, wie bisher. Genosse Sassen demonstrierte noch an Hand einiger Beispiele die Widersinnigteit des vreußischen Landtagswahlsystems. Gesang beschloß die imposante Versammlung. Die Versammlung im F r i e d r ich s h a i n war stark besucht. Ter Referent, Reichstagsabgeordneter Genosse Fritz Z u b e i l, geißelte mit scharfen Worten das Wahlunrecht zum Preußischen Landtag und wies an treffenden Beispielen nach, zu welchen un- sinnigen Konsequenzen dieses führe. Gegen dieses Wahlrecht gelte es Sturm zu laufen. Redner schließt mit der Aufforderung, daß am Tage der Wahl ein jeder seine Pflicht erfüllen möge. Der tosende Beifall zeigte, daß der Referent der Versammlung aus dem Herzen gesprochen hatte.— Anschließend an das Referat hielt Genosse Hirsch in einer Ansprache scharfe Abrechnung mit der Reaktion und dem Freisinn. Der Vorsitzende verlas hierauf die Absage des eingeladenen Kandidaten der Freisinnigen, welcher die Einladung zur Versammlung mit fadenscheinigen Gründen ablehnte. Es wurde festgestellt, daß Schulkinder im Dienste des Freisinns zur Wahlarbeit gestellt worden sind. Es wurden Flugblätter und die Zeitung„Das Bötzowviertel" von Kindern ausgetragen, was von dem Verleger desselben bestritten wird. Von einer Frau, welche gerade in der Versammlung anwesend war, wurde jedoch die Tatsache bestätigt. Neunter Laudtagswahlbezirk. Die Versammlung in den Mila-Sälen, Schönhauser Allee, war von zirka 699 Personen besucht. Der Referent Redakleur Weber geißelte in einem gut aufgenommenen Vortrag das Drei- klassenwahlrecht. Eine Diskussion fand nicht statt, da sich Gegner trotz Aufforderung deS Versammlungsleiters nicht zum Wort meldeten. In F r a n k e s F e st f ä l e n in der Badstraße sprach Genosse B o e S t e über das Thema:.Der Kampf um den preußischen Land- rag." Die gut besuchte Versammlung nahm das Referat beifällig auf. Proklamiernng des Kandidaten im 10. Landtagswahlbezirk. Für den obengenannten LandtagSwahlbezirk war zum Dienstag eine öffentliche Wählerversammlung nach den Germania-Sälen einberufen worden. Genosse Dr. Wehl hielt das einleitende Referat über Zweck und Bedeutung der Wahlen zum preußischen Abgcordnetenhause. Das Referat, das mit einem fiegeösrohen Ausblick ausklang, wurde mit großem Beifall entgegengeuommen. Eine DiSkusfion erfolgte nicht. Hierauf wurde Genosse Dr. W e y l von der Versammlung einstimmig zum Kandidaten proklamiert. Elster Laudtagswahlbezirk. In den K ö s l i n e r F e st s ä l e n sprach Genoffe Dr. Liebknecht zu seinen Wählern. Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie ließ eine Unmasse Flugblätter vor dem Lokal verbreiten. Genosse Dr. Liebknecht zerpflückte unter stürmischem Beifall der Ver- fammlungSbefucher die in denselben aufgestellten Behauptungen. Jir den PharuSfälen verstand Genosse Theodor Fischer es ausgezeichnet, dem dichtbesetzten Saal die größte Aufmerksamkeit abzugewinnen. Zwei Genossen sprachen im Sinne des Referenten. Ilm Eingang wurde von zirka 19 Personen ein Flugblatt des Reichs- Verbandes verbreitet. Auf eine direkte Aufforderung hin, in der Dis- kussion die Behauptungen dieses Flugblattes zu vertreten, meldete sich niemand von den vorsichtigen Sozialistenfressern zum Wort. Bon unserer Seite wurde als Gegenmaßregel das Flugblatt vom letzten Sonntag verbreitet. Ter Verlauf der Versammlung war ein ausgezeichneter. Im zwölften Landtagswahlbezirk wurden eine Reihe von Bezirksversammlungen veranstaltet, zu denen ausschließlich Frauen geladen und erichienei?' waren. Es fanden 14 solcher Versammlungen statt, die im Durchschnitt von je 39 Frauen besucht waren, so daß im ganzen etwa 429 derselben daran teil- genommen haben. Es wurde den Frauen eindringlich klar gemacht, welch hohes Interesse auch sie an den Wahlen haben und wie sie sich betätige» können, um die Entscheidung zugunsten der Allgemein- heit beeinflussen zu können. Hoffentlich wird diese Arbeit den ge- wünschten Erfolg bringen und die Frauen dazu anfeuern, vor der Wahl und am Wahltage ihre Schuldigkeit zu tun. Bei dieser Ge- legenheit wurden neue Mitglieder und Leser für die.Gleichheit" gewonnen. * Wilmersdorf. In gut besuchter Versammlung sprach am Diens- tag Genosse Müller iParlervorstand) im Johann-Georg-Haus zu Halensee über das Thema.Preußens Volksvertretung". Seine Darlegungen, die die fast völlige Entrechtung der breiten Massen des arbeitenden Volles der Versammlung klar vor Augen führten, wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Im Schlußwort mahnte Genoffe Riedel die Anwesenden an ihre Pflicht, auch in Wilmersdorf, das mit seinen über 499 Wahlmännern ousschlag- gebend ist, für eine massenhafte Stimmenabgabe für die Sozial- demokratie zu agitieren. Die letzte große Kundgebung mit dem Thema„Auf zum Kamps gegen den Junker« und Polizeistaat Preußen" findet am 14. d. M. im.Viiloriagarten" statt. Werneuchen. Eine im Schlottkeschen Lokal gut besuchte öffent- liche Versammlung gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Sowohl den Darlegungen des Landlagskandidaten Genossen H o f e r wie auch denen des Referenten Genossen Dr. Moses zollten die Versammelten reichen Beifall. Als der Referent das byzantinische Betragen der Werneuchener Spießbürger sowie das ihrer Presse kritisierte, verschwand un«r ollgemeiner Heiterkeit der Berichterstalter des.Werneuchener Anzeigers" aus dem Saale. In Friedrichshagen sprach vor gut besuchler Versammlung Ge« nasse Stückle» über die bevorstehende Landtagswahl. Nach dem Referat sprach noch der Kandidat Genosse H o f e r. Beide Redner ernteten stürmischen Beifall. Genosse Micke ersuchte am Schluß die Versammellen, bei der Wahl— da Terminswahl statlfindet— pünktlich zur Stelle zu sein._*" Fredersdorf. Hier referierte Genoffe Schwarzburger in einer leider nur mäßig besuchten Versammlung. Der Redner ersuchte am Schluß seiner Äussübrungen die Versammelten, in eine umfang- reiche Agitation für die Wahl einzutreten. Genosse Hösselbarth übte hierauf scharfe Kritik an einem von der konservativen Partei Herausgetzebenen Flugblatt. Marlendorf. Eine vom sozialdemokratischen Wahlkomitee ein- berufene gut besuchte Versammlung hörte am Dienstag in Laars Gesellfchaftshau« ein vortreffliches Referat des Genossen Reichstags- abgeordneten Wolfgang Heine. Wie jetzt die Dinge in Preußen lägen, so betonte der Redner, sei der gegenwärtige Landtagswahl- kämpf unter Umständen wichtiger wie ein solcher zur Reichstags- wähl. Den Beweis für diese Auffassung erbrachte Genosse H e i n e in einer erschöpfenden Charakteristik� unserer preußischen Zustände. Seine Darlegungen entfesselten unter den Versammelten stürmischen Beifall. Die bürgerlichen Parteien am Ort haben gleichfalls bereits in zwei Versammlungen Slellang zur bevorstehenden Wahl genommen. Als erste erschien die konservative Partei auf dem Plan, die bei Dahlmann in der Ehausseestraße, in einem für die Arbeilerichaft gesperrten Lokal, eine Wählerversammlung veranstaltete. Einberufer derselben war der Gemeindeverlreter Karl TreppenS, Vorsitzender des örtlichen Kriegervereins. In bewegten Worlen schilderte der- selbe, daß es bei der letzten ReichSlagswahl nicht einmal möglich gewesen sei, konservative Stimmzettel im Ort zu bekommen. Die Gründung eines konservativen Vereins sei deshalb eine Notwendig- leit. Bersckiedene DlskuifionSredner wollten von dem Wort konser- vativ nichts hören; der sozialdemokratischen Arbeiterschaft müsse die gesamte bürgerliche, vaterländische und königstreue Einwohnerschafl gegenübergesiellt werden, nur dann würde es möglich sein, nichr nur bei der Landtagswahl, sondern auch bei zukünfrigen Wahlen zur Gemeindevertretung usw. Erfolge zu erzielen. Die Gründung eines konservativen Vereins erfolgte hierauf. Der Wahlausschuß der vereinigten liberalen Parteien hatte eine öffentliche Wählerversammlung nach dem„Gesellschaftsbaus Laar", Ehausseestr. 30S. einberufen. Da freie Aussprache zugesichert war, hatten sich auch einige Genossen eingesunden. Der erste Redner, Lic. Draub, entwickelte daS freisinnige Programm, wobei er betonte, daß die Trennung der Schule und Kirche eine un- bedingte Notwendigkeit sei. Auch für das Wahlrecht der Frauen iu seiner ganzen Ausdehnung sprach er sich aus. Seine Auffassung über die Militärvorlage sowie über die Deckungsfrage wurde von unseren Genossen Reichhardt und Huhn mit guten Argumenten widerlegt. Dabei beleuchteten die Redner auch unsere preußischen Zustände. deren Bekämpfung sich einzig und allein die Sozialdemokratie ernst- hast angelegen sein lasse. Einen Kulturkampf im kleinen zeigte eiu Wortgefecht, welches sich zwischen einem Vertreter der Zentrums- Partei und dem nationalliberalsn Redner, Stadlv. Stadthagen- Charlottenburg. abspielte. Viel Lorbeeren werden die Liberalen nach dieser Versammlung in unserem Orte' nicht ernten. NowaweS. In einer öffentlichen Versammlung am Montag- abend im„Bolksgarten" stellte sich den Landiagswählern der Kandidat der Sozialdemokratie. Gutsbesitzer Genosse H o f e r aus Ostpreußen, vor. Seine Kritik an den durch das Junkerregiment be- dingten Zuständen in Preußen �.sowie au der Wirksamkeit deS Dreiklaff enp arlaments fand stürmischen Beifall. Nach dem Kandidaten nahm Stadtverordneter Genosse Groger- Neu- kölln das Wort, um die Schwierigkeuen des Wahlkampfes im Wahlkreise Teltow- Beeslow und die Wahlbündnisse der Fortschrittler mit den Nationalliberalen eingehend zu beleuchten. Auch seine Uusfnhrungen fanden reichen Beifall. In der Diskussion wies Genossin Bathe darauf hin. daß die Frauen ihre politische Reife längst bewiesen haben und daher au dem be- vorstehenden Wahlkampse tätigen Anteil nehmen; sie kämpfen dabei Nicht nur für die Beseitigung der unwürdigen Zustände in Preußen. sondern vor allem für ihre politische Gleichberechtigung. Genoffe Kirsch forderte die Anwesenden auf, für die Ausbreitung der Partei- presse, die eine der wichtigsten Waffen im Wahlkampfe bilde, in Arbeiterlreisen zu sorgen.___ Ittbandstag der Kanarbeiter. In der Sitzung am Mittwoch, die unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit tagte, erstattete der Berbandsvorfitzende P a c p l o w Bericht über die Tarifvcrhandlung. Er gab zunächst einen Ueberblick über den Gang der Pcr- handtunge», die auf Anregung des Staatsministers Dr. Del- drück im Dezember begannen und Mitte März soweit gediehen waren, daß die Vertreter der Parteien den Uirparteiischcn ihre Vorschläge unterbreiteten. Nach den Vorschlägen der Unternehmer sollte es ermöglicht werden, die Akkordarbeit in allen Orten etnzu- führen. Tie Unternehmer verlangten ferner, daß die Zentral- vorstände 29 999 M. Kaution hinterlegen, aus der Schadenersatz- anspräche wegen etwaiger Verstöße gegen den Vertrag geleistet werden sollten. Das Vertragsschema sollte auf eine andere Grundlage gestellt und verschlechtert werden. Die allerschlimmsten Anträge der Unternehmer sind, ja von den Unparteiischen zurück- gewiesen worden. Immerhin ist doch schließlich manches nach den Wünschen der Unternehmer in dem Bertrage anders geworden. Wenn wir also zum Abschluß eines neuen Vertrages kommen, so ist der Aufbau desselben ein anderer als er bisher war. Nach dem Vorschlage der Unparteiischen erhält das Vertragsschema ein anderes Gesicht. Alle wesentlichen Bestimmungen sind jetzt im Hauptvertragc angenommen worden und die örtlichen Verträge erstrecken sich nur noch auf wenige Punkte. Man könnte deshalb sogen, durch den neuen Vertrag würde der Verband stärker ge- bunden und die Rechte der Zweigvereine würden eingeschränkt werden. So ist auch das Taristchema in manchen Orten beurteilt worden. Doch ich bin nicht der Meinung, daß das zutrifft. Im Hauptvertrage wird bestimmt, daß die Zentraloorstände verpflichtet sind, dafür zu sorgen, daß keine Verstöße gegen den Tarrf vor- kommen. Obgleich der alte Vertrag diese Bestimmung nicht enthielt, war sie doch schon bisher ungeschriebenes Recht, denn die Zentralvorstände haben sich immer berechtigt und verpflichtet ge- kühlt, für die Jnnehaltuna des Vertrages zu sorgen. Das ist nun im neuen Vertrage als geltendes Recht festgelegt und etwas schärfer formuliert worden. Es ist auch im Hauptvertrage zum Ausdruck gebracht, daß alle Einzelverträge, die in den nächsten Jahren zu- stände kommen, nur auf Grund des Hauptvertrages abzuschließen sind. Das stand im alten Vertrage nicht, aber es ist doch danach gehandelt worden. Alle nach 1919 abgeschlossenen Verträge sind auf Grund des Vertragsschemas abgeschlossen worden mir dem Ablaufstermin 1913. Also kann auch diese Bestimmung nicht als eine Verschlechterung bezeichnet werden, die zu großem Widerstand führen kann. Die Kaution ist ja abgelehnt worden, die Unpartei- ischen haben sie für undurckiführbar gehalten. Aber der Vertrag enthält auch eine sehr erhebliche Verbesse- rung in bezug auf die Akkordarbeit. Es ist jetzt Vorschrift, daß in den Orten, wo die Unternehmer Wert auf die Akkordarbeit legen, die Akkordpreise zwischen den Organisationen vereinbart und ver- traglich festgelegt werden. Wo das nicht gelingt, muß die An- gelegenheit durch Schiedsspruch erledigt werden. Hiernach ist eS also mit der ungeregelten Akkordarbeit vorüber. ES ist nicht mehr zulässig, daß Unternehmer mit einzelnen Kollegen ungünstige Akkordlöhne vereinbaren. Unier diesen Umständen wird mancher Unternehmer lieber auf die Akkordarbeit verzichten. Da wir die Akkordarbeit nicht durch Verbot beseitigen können, so ist die neue Vertragsbeftimmuntz die glücklichste Lösung dieser Frage. Es gibt auch einige Punkte, die wir stark beanstandeten, aber nicht aus dem Vertrage herausbringen konnten. So die Bestim- mung über das Verhalten gegenüber den Unorganisierten, die nicht durch Agitation„belästigt" werden dürfen. Doch wir haben drei Jahre um er dieser Bestimmung gelebt und werden auch weiter ohne Nachteil mit ihr leben. Wir wollten sie beseitigen, aber es war nicht möglich. Es könnte vielleicht ins Gewicht fallen, daß der Vertrag den Weg der gerichtlichen Klage nicht ausschließt. Doch, eine derartige Bestimmung würde keine praktische Bedeutung haben, denn es sind unter dem alten Vertrage, der eine solche Be- stimmung enthielt, gerichtliche Klagen anhängig gemacht worden. Andererseits ist nicht anzunehmen, daß der Bund der Unter- nchmer das Verlangen haben wird, uns wegen Vertragsstreitig- leiten zu verllagen.— Im Einverständnis mit dem Verbands- ccrstandc empfehle ich dem Verbandstage, sich damit einverstanden zu erklären, daß auf Grund des Hauptvertrages örlliche Verträge abgeschlossen werden. WaS uns stärker interessiert,'als das Tarifmufter, das sind die eigentlichen Lohn- und Arbeitsbedingungen.. Der Redner trug die für die einzelnen Bezirke festgesetzten Löhne vor und bemerkte dazu, im Durchschnitt für daS ganze Reich betrage die Erhöhung des Stundenlohnes 2»/,« Pf. Die vorliegende- Liste der Lohnerhöhungen werde noch einige Aenderungen erfahren, denn eS sei wegen verschiedener Orte nochmals verhandelt worden und die Verhandlungen würden zurzeit noch fortgesetzt, so daß hier und da einige weitere Erhöhungen zu erwarten seien. In dem Durchschnitt von&li» Pf. Lohnerhöhung seien diejenigen Er» höhungen nicht eingerechnet, die als Ausgleich für die Arbeitszeit» Verkürzung in den Orten gewährt wird, wo bisher noch über zehn Stunden gearbeitet wurde. Für 22 649 Kollegen fei die Arbeitszeit von 19 auf 9Z4 Stunden verkürzt worden._ Ter Redner empfahl dem Verbandstage, sich in der Tis. kussion nicht mit der Frage zu beschäftigen, ob mit dem Tarif» Verhältnis aufgeräumt werden solle, sondern unter Berücksichtigung der Interessen des Gesamtverbandes zu prüfen, ob die vorliegenden ?!chnbewilligungen ausreichen zum Abschluß von örtlichen Ver» trägen. In der Diskussion über din Bericht Paeplows kam zu» nächst aus jedem Bezirk des Verbandes ein Redner zum Wort. Nach ihnen sprachen noch viel? andere Delegierte.� Die Debatte drehte sich hauptsächlich um die in den Schiedssprüchen feftge» setzten Lohnerhöhungen, die von den meisten Rednern als un» genügend bezeichnet ivurden. DaS Für und Wider, hie Aus- sichten für den Fall der Annahme öder Ablehnung wurden nach allen Richtungen geprüft. Ein abschließendes Ergebnis der Er» örterungen liegt noch nicht vor. Die Debatte wird am Donnerstaa fortgesetzt.__ | Soziales* Sturmlaus gegen den Hüttenarbeiterschutz Am Sonntag fand in Düsseldorf die Frühjahrsversammluna des Vereins deutscher Eisenhüttenleute statt. Die Lage der Eisen» iudustrie ist eine glänzende. Ist doch die Roheisenerzeuguno in Teutschland von 12 875 159 Tonnen rm Jahre 1997 auf 17 822 2kl Tonnen im Jahre 1912 gestiegen, womit Deutschland die englische Produktion weit überholt und aus der zweiten Stelle in der Welt« Produktion verdrängt, und sogar Amerika, das im Jahre 1911 auf 24 928 999 Tonnen zurückgegangen ist, immer näher kommt.(Der prozentuale Anteil Teutschlands an der Weltproduktion in Roheise« betrug 1911: 24,5 Proz.. der Englands: 15.7 Proz. der Amerikas: 37,8 Proz.) Zu dieser außerordentlich günstigen äußeren Entwicke» lung kommt noch, wie auf zener Versammlung nach einem Bericht der„Rheinisch-Westsälischen Zeitung" ausgeführt worden ist.«ine gleich guve in technischer Hmstcht. Konnte dock der mit Studien- arbeiten für den Verein beauftragte Professor Mathesius berichten — und eine Reihe Praktiker aus der Versammlung bestätigten seme Darlegungen— daß das Problem des Anreicherns, BrikettierenS und der Ülgglomerierung von Eisenerzen in befriedigendster Weise gelöst sei. So sei es möglich, die Erzeugung der Hochöfen b,» auf das mehrfache der sonst üblichen Erzeugungsmenge S" st-sger«. ohne daß em weientlicher Mehrverbrauch an Koks in Erscheinung getreten wäre. So zwar daß sich eine KvkSersparnis von 12 und mehr Prozent und eine Erhöhung der Tr-euaung bei bisher lang- sam betriebenen Oefen bis etwa auf da�. doppelte der bisherige« Tagesleistung hat erzielen lassen, und außerdem-ine der zum Betriebe erforderlichen Windpressung. Das alleS bedeutet natürlich weitere Steigerungsmöglichkeit der Profite.. Und dennoch brockten die Herren es ferlig. gegen die geringe Verbesserung der gesetzlichen Bestimmungen von Leben und Ge. sundheit der Arbeiter in diesem höchst gefährlichen Produktion». zweige, der noch höhere Unsallziffern aufweist als der Be:g.>rnr. Lärm zu schlagen, als gelte es ihr Leben. Der Vorsitzende. Kom- merzienrat Hpringorum, hatte schon in seiner Erofsnungsrede de» gasscmdrmiufi ausgeswßen:..Feinde ringsum!" B�rrmdung dieser lacherliche» Phrase wußre er allerdings n.ch� Besierez� ;u stilweii, al-. dag die„Feindseligkeit gegen die � ch«» vezeichnenden Ausdruck gesunden habe. d,e rm Resth«� ansgestelltc.unsinnige; Behauptung", als handle«S sich bei feg Affäre Krupp u« ein Panama der Industrie, von niemand gebührend zurückgewiesen worden sei. Zur Frage der Arbeitsverhältnisse hatte mar, sich zwei Refe- renten geleistet. Das lätzt schon erkennen, daß die Herren eine besondere Aktion vorhalten. Der erste Redner, Direktor Dr. Wvlt-. mann(überhäufen) zog gegen die Bestrebungen der Gewerkschaften vom Leder, die auf Einfuhrung der achtstündigen Arbeitszeit und der Sonntagsruhe in den Hochofenbetrieben hinzielen. Schon die Bundesratsbestimmung vom Jahre 1908 habe für die Werke viele Unzuträglichkeiten mitgebracht. Die durch diese angeordnete Statistik über die Ueberarbeit in den in Rede stehenden Betrieben entspreche nicht den Tatsachen. Das bat der Redner, wie es in dem Bericht der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" heißt, an Hand einer von ihm ausgemachten Statistik überzeugend nackgewiesen. Er hat weiter dargetan, daß weder die Dauer der regelmäßigen Arbeits- zeit noch die hinzutretende Ueberarbeit � der Forderung des Acht- stundentages Berechtigung verleihe. Andererseits sei aber auch eine Vermehrung der Produktion durch verkürzte Arbeitszeit, wie das in anderen Gewerben der Fall, nicht möglich. Und noch einen Grund hatte der Herr für seine Behauptung auf Lager: die Beschaffung der 80 000 bis 90 000 Arbeiter, die man dann mehr brauchen werde, und die Abwälzung und Skr- teilung der Lasten toürden unüberwindliche Schwierigkeiten machen. Angesichrs der Erklärungen des Staatssekretärs Telbrück in dieser Sache sei die Stellung der Eisenindustrie klar:„Unbeirrt durch alle kommenden Angriffe müsse sie die Ersetzung der Handarbeit durch mechanische Kräfte weiter durchführen und sich aufs ent- fchiedcnste gegen Angriffe wehren, die in den tatsächlichen Verhält- Nissen keinen Grund haben." Der zweiie Redner. Kommerzienrat Brügmann(Dortmund) gedachte mit Wehmut der schonen Zeit, wo die Gewerkschaften den Frieden zwischen den Arbeitern und den um sie stets besorgt ge- wcsenen Arbeitgebern noch nicht gestört haben. Wie sehr dieser Herr nichtsdestoweniger auck heute noch auf das Wohl der Arbeiter be- � dacht ist. geht sckon allein daran- hervor, daß er die Einführung * der Achtstundenschicht tu den Hochofenbetrieben nicht nur aus tech- nischen, sondern auch aus Gründen der Sicherheit für Leben und Gesundheit der Arbeiter für untunlich rrklärtr. Zudem würden die Arbeüer, die sonst mehr eingestellt werden müßten, im Falle einer Krise den Gemeinden zur Last fallen. Ter Herr hatte wohl schon vergessen, daß sein Vorredner der Gefahr der Mehrein- stellung durch stärkere Inanspruchnahme mechanischer Kräfte zu begegnen als das beste Mittel empfohlen hatte. Mit einer scharfen Spitze gegen Telbrück. der mit seinen Maßnahmen die Seele der Arbeiter doch nicht wicderznerobern vermocht habe, bekannte er sich zu dem Wahlspruch der Hohenzollern:»Luum euique!". Nicht ohne vorher seinem Aerger über die„gewerbsmäßige Agitation der Arbeiterführer" Luft gemacht zu baden, und über die Äbgeord- neten, die Versprechungen machen müßten, um wiedergewählt zu werden. So wagen die Jnduitriekönige die elementarsten Forderungen der Menschlichkeit mit Füßen zu treten. llebernahme des Heilverfahrens durch Bernssgenassenschasten. Die BerufSgenossenschaften treten bekanntlich erst mit Ablauf der vierzehnten Woche nach dem Unfall ein, können aber auch schon vorher das Heilverfahren übernehmen. Das Reichs-Versicherungs- amt bemüht sich nun schon seit Jahren, den Derufsgenossenschaften eindringlich nahezulegen, soviel als möglich das Heilversahren vor- zeitig zu übernehmen. Nur schwer und langsam folgen die Berufs- geaossenschastcn den immer wiederholten Mahnungen und An- rcgungen und in den jetzt veröffentlichten Ergebnissen der Ueber- nähme des Heilverfahrens vor Ablauf der Wartezeit des Jahres 1911 sieht-sich das Reichs-VersicherungSamt von neuem genötigt, die Berussgenossenschaften zu ersuchen, die vom Amt gegebenen Leitsätze „verständnisvoll zu handhaben", weil die Zahl der übernommenen Fälle, absolut genommen, nur unwesentlich gewachsen ist. Wenn wir unS die Tabelle dec letzten Ergebnisse näher betrachten, finden wir denn auch bei aller Anerkennung der guten Leistungen einiger Berufsgenossenschaften, doch überwiegend Zahlen, die beschämend genug sind und von einem fast unglaublichen Mangel an Verstand- nis und sozialer Fürsorge zeugen. So haben zum Beispiel über- Haupt keine Fälle übernommen und keinen Pfennig gezahlt vier große Berussgenossenschaften, nämlich die Textil-Berufsgenossen- schaft von Elsah-Lothriugcn, die Dabak-Berufsgenosscnschaft. die Sächsische Holz- und die SÄmiede-Berufsgenosscnschaft. Gcrnze zwei Fälle übernahmen bit LerufSgenoffenschaft der Schornsteinfeger und die Württembergische Bangewerks-Vernfsgenossenschaft; zu drei Uebernahmen aber haben sich aufgeschwungen: die Süddeutsche Edel, und llnedel-Metall-Berussgenvssenschaft, die Berufsgenossen. schaft der Gas- und Wasserwerke und die Bäuerische Holz-Jndustrie- Berufsgenossenschaft. Es würde zu weit führen, diejenigen Berufs- genossenschaften aufzuführen, die sich die llebernahme von 4, S, 8. 7 Fällen usw.„leisteten". An der auch im übrigen interessanten Statistik wäre eine Aenderung insofern wünschenswert und ge- eignet, ein klareres Bild zu schoflen, nämlich, wenn bei den Berufs- genossenschaften mit Sektionsbildung nicht die Gesamtzahlen. sondern die Zahlen der einzelnen Sekttonen angegeben werden, denn wir haben Grund, anzunehmen, daß auch innerhalb einer Berufs- gciwflenschaft die Zahlen recht unterschiedlich sind und daß es manche«ektton gibt, deren in Zahlen ausgedrückte„Verständnis- volle" Handhabung der sozialen Fürsorge niedriger gehängt zu werden verdient. Vielleicht folgt das Reichs-Versicherungsamt in der nächstjährigen Veröffentlichung dieser Anregung und ermöglicht es dadurch, Sektionen, die ebenfalls nichts oder nur traurig wenig tun, festzunageln und zu einer Besserung zu belehren. Von den landwirtschaftlichen BerufSgenossenschaften zu reden, haben wir uns schenken können, denn auch von diesen zeigt die Statistik das- selbe und bekannte Bild, wie von allem, was die Landwirtschaft für die Arbeiter übrig hat. Wie's auf dem Lande aussieht. Auf dem zum Gutsbezirk Kleinbof gehörigen Vorwerk Schulz CKreis Luckau) ist vom Gutsbesitzer sieben polnischen Arbeitern eine enge Mde als Wohn- und Schlasraum angewiesen, die gerade Raum für drei Sstetterkisten, die als Bettstelle dienen, und einen Sfen hat. Von diesen sieben polnischen Arbeitern sind drei wcib- litfien Geschlechts. Jede der drei„Bettstellen" hat einen Strohsack. Eine Pferdedecke dient, zum Zudecken der Arbeiter beiderlei Ge- schlechtö Dafür, daß in dem Loch ein entsetzlicher Schmutz und Gestank' herrscht, können die Arbeiter nicht. cin dieser der Hygiene und dem Anstand ins Gesicht schlagen- den Weise wagt die Jnnkerschaft. Arbeiter einzupferchen und gar noch"die Wohnungsnot auf dem Lande zu leugnen. Der Guts- Mitzer bildet selbst die Polizeibehörde. Kennt der Landrat, kennt der Regierungspräsident die be- schricbcnen Verhältnisse? Welche Maßnahmen hat er ergriffen, um die Mißstände zu beseitigen- So jämmerlich wie mit den Wohnungs-, steht es auch mit den Wohnverhältnissen. Schon der Umstand, daß polnisch« Arbeiter dort tätig beute! darauf hin. To» Vorwerk Schulz ist in der Dobrilugker Gegend durch ein besonders liebloses Vorgehen gegen einen(Jg'»afite alten Arbeiter Guitav Lehmann berüchtigt geioor- den. � X�rrr, für hrtS ßütf """" Clirn---------------- den. Dieser hatte lö Jahre lang für das Gut gegen einen Tagelobn *°n 1,30 M flcsibuftct Dann ist er entlassen, weil die Kinder des °lten Manns nicht mcbr auf dem Gute arbeiten wollten. Der alte Mann hat keine eigene Behausung— der Gutsherr hat ihn ex- wutiert. Vorläufig hat Üt Gemeinde Dobrilugk ihm und seiner Frau als Hilflosen ein Obdach angewiesen— eine Gefängniszelle als Armenwohnung. Welche Schritte eingeleitet sind, um den Gut?- Herrn v. Kirchhof zur Unterstützung heranzuziehen, entzieht sich unserer Kenntnis. So sieht es in Wahrheit mit den gepriesenen Verhältnissen ans dem Lande aus. Und das heulmeiert dann über Unmoral und Sittenlosigkeit in den— Städten! Zur Aufnahme in die Gemeindewählerliste. .In Griesheim lag vom 15. bis 30. Januar 1912 die Gemeindewählerliste offen. Der Schreiner Georg Kröner, der erst im Laufe der Offcnlcgungsfrist 24 Jahre alt und damit kommnnalwahl- berechtigt wurde, nämlich am 22. Januar, war nicht in die Liste aufgenommen worden, weil er das fragliche Alter beim Beginn der Offenlegung der Liste noch nicht erreicht hatte. Kröger beantragte am letzten Tage der Offenlegungsfrist, also am 30. Januar, seine Aufnahme in die Liste, indem er geltend machte, daß er seit dem 22. Januar lvahlberechtigt sei, weil er an diesem Tage das 24. Lebensjahr vollendet habe und die sonstigen Voraussetzungen der Wahlberechtigung alle bei ihm vorlägen. Die Gemeindevertretung lehnte seine Aufnahme in die Wähler- liste ab und stellte sich auf den Standpunkt, daß das wahlfähige Alter beim Beginn der Offenlegung der Wählerliste erreicht sein müsse. Das sei hier bei K. am IS. Januar 1912 aber noch nicht de: Fall gewesen. Es wäre gleichgültig, daß K. noch im Laufe der Offenlegungsfrist 24 Jahre alt geworden sei. Ter Kreisausschuß erkannte jedoch dahin, daß K. in die Wähler- lkste für 1912 aufzunehmen sei. Der Bezirksausschuß bestätigte das Urteil. Das Obcrverwaltungsgcricht verwarf dieser Tage die noch von der Gemeindevertretung eingelegte Revision. Der 5lläger hätte in die Liste aufgenommen werden müssen, wenn er auch erst während der Lffenlegung der Liste 24 Jahre alt geworden sei. Es genügte, daß er wührend der Frist, wo Berichtigungen der offengelegten Liste beantragt werden können, die Voraussetzung der Wahlberechti- gung erlangte._ Unfall bei verbotswidrigem Verhalten. Ein land wirtschaftlicher Arbeiter in Elmshausen harte sich aus einem Gutshofe beim Mistladen sehr verunreinigt und wollte sich reinigen. Da der Brunnen im Gutshofc kein Wasser gab, so wollte er sich im Maschinenräume der zum Betriebe gehörigen Dampf- brennerei das nötige Wasser verschaffen. Wie nun amtlich fest- gestellt worden ist, war aber dieser Maschinenraum sehr dunkel und mangelhaft eingerichtet, sodaß der Arbeiter im dunklen Räume auS- glitt und sich in dem mit heißer Schlempe gefüllten Bassin schwer oerbrühte. Ter Verletzte erhob nun gegen die landwirtschaftliche Bcrufsgenvsscnschaft Rentenansprüche, wurde aber abgewiesen, weil er selbst in seinem Unfallprotokoll angegeben habe, daß er den Raum der Brennerei betreten wollte, um Wasser zu trinken. Der Raum sei aber an sich Unbefugten verboten gewesen und Verrichtungen. welche die Arbeiter zum Zwecke der Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse an Speise und Trank vornehmen, konnten im allge- meinen nicht mehr als dem Betriebe zugehörig angesehen werden. Das Ober-Bcrsichcrungsamt Wiesbaden vcrnrtclltc die Be- rufsgenossenschaft, den Unfall als Betriebsunfall zu entschädigen. Zwischen dem Unfälle und dem landwirtschaftlichen Betriebe des Unternehmers sei ein hinreichender Zusammenhang erkennbar. Der Kläger sei dadurch, daß ihm der Brunnen auf dem Gutshofe kein Wasser geliefert habe, zum Betreten des Maschinenraumes der Brennerei veranlaßt worden. Da dieser Raum„infolge mangel- haftet Einrichtungen kein genügendes Tageslicht hatte, einer auS dem Gesamtbetriebe des Unternehmers hervorgehenden Gefahr anS- gesetzt worden". Der Unfall habe sich, da die Brennerei als Neben- betrieb der Landwirtschaft des p. C. versichert sei, nicht außerhalb der Betriebsstätte ereignet. Somit sei der Verletzte während seiner Arbeitszeit einer Betr.ebsgefahr zum Opfer gefallen und könne es dahingejtellt bleiben, zu welchem Zwecke ihm das Wasser, das er in der Brennerei nehmen wollte, dienen sollte. Das Oberversicherungs- amt führte serner aus, wenn auch Unbefugten das Betreten des Maschinenraumes der Brennerei verboten gewesen sei, so spricht dies nicht gegen die Anerkennung eines landwirtschaftlichen Be- triebSunfallcs, da verbotswidriges Handeln den Entschädigung!- anspruch nicht ausschließt.__ fäm indurtne und Kandel. Bon der chemischen Industrie. Die chemische Industrie erfreut sich einer andauernden Steigerung des Exports und der Rentabilität. Die AuSfubr von Anilinfarb st offen betrug im letzten Jahre 153 976 Doppelzentner gegen 142 828 im Vorjahre. Dem Werte nach belief sich diese Steigerung von 32,71 Millionen Mark auf 34.58 Mill. M. Besonders nach China und Britisch-Jndien ent- wickelte sich der Export günstig. Ter Export von künstlichem Indigo allein stieg von 28 971 Doppelzentner ans 75 872 Doppelzentner. Der Wert derselben erhöhte sich von 6,06 auf 13,18 Mill. M. Die Ein- fuhr von Chemikalien aller Art nach Deutschland ist.dagegen auch im letzten Jahre erheblich zurückgegangen. Sie betrug im ersten Ouartal 1913 5,46 Mill. Dopckelzemner gegen 5,82 Mill. Doppelzentner im Voriabre. Ter Wert dieser Einfuhr ist von 112.46 Mill M. auf 104,22 Mill. M. gesunken. Der Rückgang be- traf fast ausschließlich chemische Robmaterialien. Farben und Färb- waren. Welchen Einfluß dieser von Jahr zu Jahr gesteigerte Export und die Abnahme des Imports auf die Höbe und die Renta- b i l i t ä t der in den Betrieben angelegten Kapitalien hatte, zeigt folgende Zusammenstellung:• 46 88.950 89 215,233 133 382,976 147 448,52 Jahr 1882 1892 1902 1910 Dividendensummc in Will. M. 11,441 25.664 45.455 66,379 Die höchste Rentabilität erreichten die Teerfarbenfabriken, deren Tnrchschniltsdividende 1910 21,41 Proz, betrug. Aber seitdem haben zahlreiche Betriebe, und zwar die bedeutendsten, eine noch weit höher« Rentabilität erreicht. Wir nennen nur: Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation. Albert Cbemischc Werke...... Badtsche Anilin« und Sodafabrik.. Elberfelder Farbenfabrik. 20 32 25 WWWWWW.. iW Höchster Farbwerke........ 27 23 20 20 18 18 16 Dividende für 1910 1911 1912 20 30 25 25 30 23 20 21 18 18 16 23 30 28 28 30 23 s 19 18 ? Fritz Schulz jnn., A.-G. Union........_..... Vereinigte chemische Werke Charlottenburg Gerb- und Farbilosfabril Renner... Rbeiniscde Gerbstossabrik...... Nitri'.fabrik........... Für die Arbeiter ist von diesen Millionengewinnen so gut wie uichts abgefallen. Nach de» Angaben der Berufsgenossenschaft be- trugen die Durchschniitslvbne für die Arbeiter der chemischen Fabriken 1807 112» M. und 1810 1182 M. Seitdem sind nur vereinzelt kleine Lohnfteigerungen bewilligt worden. Aber andere Steigerungen sind dafür reibt bedeutend geweien, nämlich die der U n f ä l l e. Nach den Berichten der Gewerbeaussichtsbeamten für den RegierungS- bezirk Köln wurden in den Betrieben der chemischen Industrie dieses Bezirks auf 1000 Arbeiter Unfälle gezählt: im Jahre 1910 57.6, im Jahre 1912 81. Das ist in zwei Jahren eine Steigerung der Unfälle um 40 Prozent._ Das Nicderlausivcr Vtauitfofjlcusiiubilut ist bis zum Jahre 1923 verlängert worden. Die Bergbaugcsellschaft Ilse, die vor einiger Zeit aus dem Syndikat austrat, bleibt auch der neuen Brikett-VerkaufS-Gesevschast fern. Die Verlängerung trotz Fem- bleibens deS größten Außenseiters ist wohl deshalb möglich geworden, West die Jlse-Bergbaugesellschaft bei ihrem Eintritt in das Syndikat sich vertragsmäßig verpflichtet hatte, im Falle ihres Austrittes und bei einer Verlängerung der Bereinigung bis zum Jahre 1923 für je 10 Tonnen ihrer Produktion 2 M. Abgabe an das Syndikat zu leisten. Diese Abgabe ist zu erlegen, ohne daß die Jlse-Bergbau- gesellschaft daraus irgend ein Recht dem Syndikat gegenüber her- leiten kann._ Der Goldstrom steigt. Die Grubenbesitzer machen glänzende Geschäfte. Millionen auf Millionen Mark fließen ihnen in die Geldschränke und iistmer hoher steigt der Goldstrom, wie folgende Aufstellung der Betriebs- ergebnisse einer Anzahl Ruhrkohlenzechen zeigt. ES erzielten Ueber- schüsse: I. Quart. IV. Quart. I. O uart. Aktiengesellschaften 1913 1912 1912 M. M. M. Harpen»»»...» Hibernia Bergwerke A.-G. Königsborn...... König Wilhelm..» Mülheimer Bergwerk.. Bochumer Bergwerk... Aplerbecker A. V.... Gewerkschaften Ewald....... Graf Bismarck.... Lothringen...... König Ludwig..... Friedrich der Große.. Königin Elisabeth... Helene und Amalie... Graf Schwerin.... Dorstfeld...... Johann DeimelSberg.. Trappe....... Heinrich....... Caroline....... Sckürbank...... Goltessegen..... 7 008 700 4 607 090 1 099 706 1 031 041 818 171 366 087 166 017 043 162 771 360 255 085 072 452 064 818 963 800 747 527 463 336 437 420 248 059 104 807 210 828 103 109 62 799 83 087 5 277 600 S 539 977 ? ? 989 809 207 256 140 599 1 879 590 1 172 192 973 091 1 168 696 826 080 754353 599 240 377 703 405 373 216 710 77 166 142 525 85 977 52 490 23 232 3 966 000 2 401 167 694 822 705 778 339 461 254 010 104 512 1 210 920 691 438 604 421 616 136 640 679 634 700 446 736 272 003 384 723 81466 67 853 132 012 41 525 29 016 20 225 Den Grubenbesitzern Millionen, den Bergleuten werden einige Bettelpfennige Mehrlohn hingeworfen. Und den müssen sie sich erst noch durch Mehrschufterei verdienen und dabei mehr denn je Leben und Gesundheit in die Schanzen schlagen. Die Zahlen beleuchten auch noch nachträglich den Streikbruch des christlichen Gewerlvereins. Die Berräiertaklik der christlichen Heerführer hat es fertiggebracht, daß die Bergaibeirer zu ohnmächtig sind, eine solche glänzende GeschäflSkonjunklnr, wie wir sie hinter und vor uns haben, für sich auszunutzen. Wahrhaftig, die Grubenbesitzer sind undankbar, wenn sie die Führer der christlichen Streikbrecherorganisation nicht reichlich mit Tantiemen beschenken!____ Belastung des Tabakgew erb es. Ueber. die verschiedenen Gründe des Geschäftsrückganges im Tabakgewerbe finden wir in dem soeben herausgekommenen Jahres- bericht der Handelskammer zu Berlin folgende Ausführungen: „Unter den verschiedenen Zweigen des Tabakgewerbes ist es einzig und allein die Zigarettenindustrie, die mit einer gewissen Befriedi- gung auf das Jahr 1912 zurückblicken kann; alle übrigen Branchen haben fast nur ungünstiges zu melden, ja, sie können feststellen, daß in den letzten Jahrzehnten kaum ein Zeitraum vorhanden gewesen ist, der eine so wenig erfreuliche EntWickelung aufgewiesen hätte wie das Jahr 1912. Den nachteiligen Einflüssen, die sich in der Berichtsperiode geltend machten, vermochten manche Geschäfts. betriebe nicht standzuhalten, und es ist bemerkenswert, daß zu den Firmen die unter dem Druck der SZerhäUnisse vom Schauplatze abtraten. nicht nur kleinere, sondern auch größere Betriebe zählten. Inwieweit die Zukunft eine Besserung herbeiführen wird, läßt sich iilcht absehen, doch darf erwähnt werden, daß nach den Erfahrungen, die für die ersten Monate des Jahres 1913 vorliegen, die Hoffnun- gen der beteiligten Kreise keineswegs hoch gespannt sind. Für die unbefriedigende Lage des Tabakgewerbes ist nicht ein einzelner Umstand verantwortlich zu macheu, es liegt vielmehr das Zusam- menwirken mehrerer Ursachen vor. In vorderster Reihe steht die steuerliche Belastung des Tabaks. Man darf ohne Ueber- rreibung behaupten, daß die Erhöhung des Tabakzolls und der Tabaksteuer, die im Jahre 1909 erfolgt lst, das ganze TabakSgewerbe erschüttert hat und daß die seitdem verflossenen drei Jahre noch nicht genügt haben, den Prozeß deS Emlebens in die veränderten Verhältnisse zum Abschluß zu bringen. Di« Ueberwälzung der durch die Zoll- und Steuererhöhung vermehrten Unkosten auf den SZerbrauch ist in zahlreichen Fällen nur zum Teil gelungen; soweit sie aber durchführbar war, geschah es meistens mit der Begleit- erscheinung, daß der Konsum sich einschränkte. Empsindlich war der durch die Steuerreform eingeführte 40prozentig« Wertzoll an sich; er wurde aber um so fühlbarer, je höher die Preise des Roh- tabaks stiegen, da automatisch mit dem Preise deS zum Import gelangenden Tabaks der Zoll steigt. Es ergibt sich somit unter Umständen eine- zwiefache Belastung, und dies war im Berichtsjahre der Fall; die Rotierungen deS Rohtabaks bewahrten ihren bisherigen bohen Stand oder gingen in vielen Fällen noch darüber hinaus, da der Weltverbrauch wuchs und die Nachfrag« namentlich für helle Farben nach wie vor stark war. Daß die Verteuerung der notwendigen Lebensmittsk, die besonders in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres die weniger begüterten Volksklassen, aber auch den Mittelstand, zu Ersparnissen an den mehr entbehrlichen Ge- nußmitteln veranlahte, das Geschäft in Erzeugnissen der Tabak- industrie beeinträchtigte, unterliegt keinem Zweifel. Naturgemäß machte sich dies vornehmlich bei der Nachfrage nach geringeren Zigarrensorten bemerkbar. Sie zu früheren Verkaufspreisen zu liefern, war unmöglich. Die Teuerungsverhältnisse beförderten auch den Uebergang des Konsums von der Zigarre zur Zigarette. Die Unsicherheit der politischen Lage, die den Geschäftsverkehr fast aller Gewerbe nachteilig beeinflußte, indem sie die Unternehmung?- lust lähmte, war auch auf dem Gebiete des Tabakgewerbes zu der- spüren._ Rückgang der Eisenproduftion. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Skshl-Jndustrieller betrug die Roh- eisenerzeugung in Deutsckland und Luxemburg während des Monats April insgesamt 1 587 300 Tonnen gegen 1 628 190 Tonnen im März 1913 und 1 451 404 Tonnen im April 1913. Der Versand des Stahlwerksverbandes stellte sich im April auf rund 562 000 Tonnen gegen 562277 Tonnen im März und 468 293 Tonnen im April 1912. WitterungSüberstcht vom 7. Mai ISIS. n» 4" hS> «tatlonea s 8 2 c 8.2 arcmdg 767 NO Petersburg 7SS Seilly 749 Aberdecn!755 ßZ s« Paris :757'®5 Still SSW SO (Setter 4 wolkenl Dunst 4bedeckt 6 wolkig 2 wolkenl Ii Swmemde. 762 D uheiter Hamburg'75&CSD 5 halb bd. Berlin 75SO lioollig Franks. a.M 754 C SC 1 Regen! München 755 SSS Ibedeckl i Wien ,753 ANS, 3 bedeckt d,!. Ii I ZSetterprognos�für lHonnerstag. den 8. Mai 191«. Kühl unb vorherrschend wolkig mit leichten RegenjSllci, und frischen nordöstlichen Winden.„ � Beritner Wette rbureau. Jugettdveranstalklnge«. AdlcrShok. 9(m erster» Psingstseiertag Frühpartie nach dein Zangen See. Abmarsch ü Uhr. Die Eltern werden ersucht, ihre erwachsenen Söhne und Züchter hierauf ausiucrlsam zu machen. Köpenick. Am ersten Psiiigstfeiertag findet eine Zagespartie nach Strausberg statt. TrcffpiinN jmh 6 Uhr am Sahtihof Köpenick. Proviant und Liederbücher nicht vergessen. Lriekkaften cler ReäaKtvsu. Tie luristische Sprechstunde findet Linden st raße KS, vor» vier Treppe» »- Fahrstuhl—, wochentäglich von tth bis 7 Ii Uhr abends, Sonnabends, bau i\i bis 6 Uhr abends statt. Jeder stir den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briesliche Antwort wird nicht Erteilt. Anfragen, denen keine Abonnemrntsquittung beigefügt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. Z. 12. 1. Falls eine Kündigungsfrist nicht vereinbart ist, 6 Wochen zum Quartal. 2. bis 4. Bestimmte Gesellschaften empfehlen ivir grundsätzlich nicht.— M. 93. 1. und 2. Nein.— Kbg. 37.>Ka, sofern der Per. dacht einer strasbaren Handlung bestand.— P. R. AdlcrShos., Falls der Verd ienst mehr als ein Drittel des sonst üblichen BerdienstesZ ausmacht und die LandeSversicherungsanstalt davon Kenntnis erhält» könnte dies Anlast zu emcm RentenentziehilirgSversahren geben. In der. Regel ist aber ausschlaggebend ärztliches Gutachten über den Grad der Erwerbsunfähigkeit. � I. Z. 47. Der Unternehmer ist dazu verpflichtet, er kann Ihnen die Halste der Beiträge kürzen.— M. T. 83. In der Regel Stein.— S. 99. 1. und 2. Ja. Relkamicrctt Sic.— K. D.2. Dagegen lägt sich nichts tun.— 0£. 89. Stein. — H. 90. Das Standesamt hat damit nichts zu tun.— F. H. 3000. Solche Rechte stehen Ihnen nur dann zu, wenn Sie mit dem Bcrniietcr Konkurrcnzvcrhot vereinbart babcir.— C. H. 1001. 1. Amtsgericht Breslau. 2. u. 0. Stein.— Drude. Das ist unzulässig.— Z. M. 3«. Um von der llntcrhaltungspflicht dem zu erwartenden Kinde gegenüber de- srcit zu sein, müssen Sie durch einen Rechtsanwalt nach der Geburt des Kindes beim Landgericht die Klage aus AufzcrchelichkcitSerklärisig erheben, vorher aber beim Amtsgericht die Bestellung eines Pflegers beantragen. Für den Fall der Scheidung und der Verurteilung der Frau als schuldiger Teil verbleiben Ihnen die Kinder. Sie können alsdaim auch der Frau das Recht zur Fortführung Ihres Namens entziehen. Ob die Stadtgemeinde einen Zuschuß zu den Unterhaltskostcn leisten wird, erscheint zweifelhast.— M. 66. 1. Für den Fall der Psöndung könnte Ihre Frau intervenieren. 2. Etwa 5 Mark wöchentlich, ü. Dagegen lagt' sich nichts tun. — G. H. 11. 1. und!!. Nein. 2. Halbjährlich um t.2Z Mark pro Woche. 4. Ja.— C. Pb. 21. 1. In dictem Falle ja. 2. Nein. il. Engeluser 2l.— F. B. 100. Neiir.—«. G. 28. 09. Ja. — O. H. 20. Nur dann, warn sie ein höbcres Einkommen hat, als wie zum cigcncit Unterhalt und zur Deckung sonstiger Verpflichtungen ersordcr- lich ist.— Fischcr-Müllcrstr. 26. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Beifügung einer Abschrift des Testaments und geben Sie noch an, wo der erste Ehewohnjitz Ihrer Schwester gewesen ist.— Berlin 1908. Die Hailshaltungsgegcnltändc, lv ozu daS Alöbleinent Wie auch die Betten gehören. verbleiben in vollem Umsange dem Ehemann, da eine rcchtswirksame letztwillige Verfügung nicht vorliegt. Der übrige Rachlast— barcS Geld, Klcidungs- und Wäschestücke der Eh esrau— gebühren zur Hälfte dem Ehe- mann imd zur Hälste den Eltern bczw. Geschwistern. Nach Ihrer Dar- stcllung scheint der Ehnnaim seiner Auscinandersetzniigspfticht genügt zu haben. H. Esders& Dyckhoff Gertraudenstrasse 8-9----------- Sakko-Anzüge moderne Formen— neue Muster 19.- 25.- 32.- 39- 45- 55- 65.-75.- 82- m. Rock- Anzüge (Cutaway) 39- 45- 52.- 59- 68-75.- geosse Special■ Abteilung in Knaben- n. Jünglings-Konfektion Burschen• Anzüge Knaben-Stoff- u. Wasch-Anzüge Engl. Schneider-Kleider für Damen noch 31a et An diesem Schild sind die Läden erkennbar, 13 in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. nastergülUg: in Konstraktion und Aasführang, gleich vorzüglich für Hausgebrauch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. 3BEIiLilN, Leipziger Straße 92. r— Läden in den verschiedenen Stadtteilen._| ♦ Von liefere 1 Mark an elegante fertige Herren- Garderobe Anfertigung nach Mass mit Garantie lür tadellosen Sitz JuliusFabian Schneidermeister I. Gescbält; Gr. Frankfurter Sir. 37' II. Geschäft; Turmstrasse 18'".1". III. 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Vor fünf Jahren ivollte keiner daheim hocken bleiben, jeden trieb es hinaus, damit er sein Teil an der notwendigen Allgemeinarbcit leiste. Nicht zuletzt waren es die Genossinnen, die alle Kraft einsetzten, über ihre Pflicht hinaus eifrig tätig waren. Wie steht es in diesem Jahre? Der Uebel, die das preußische Volk bedrücken, sind keineswegs weniger geworden. Ter Junkerübermut treibt noch immer auf allen Gebieten des politischen und wirtschaftlichen LebenS sein frivoles Spiel niit den Interessen und dem Willen der breiten Masse und stellt's ihr höhnend zum Gesetz auf: euch ziemt es stets, das Maul zu halten und zu zahlen, was wir verlangen. Preußens König war es. der— ohne die treibenden Kräfte der wirtschaftlichen Entwickelung zu erkennen und die wachsende Not des Proletariats verstehen zu können— den Arbeiterfrauen den freundlichen Rat gab, sie sollten ihr Ge- nüge suchen in„der stillen Arbeit in Haus und Familie". Die Statistik redet eine andere, härtere Sprache. Sic zeigt uns, daß in den zwei Jahren von 1910 bis 1912 die Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen um 60000 gestiegen ist. Darunter befindet sich ein großer Teil verheirateter Frauen. Was treibt sie in die kapitalistische Fron? Gerade ihre Haus� srauen- und Mutierpflicht. Wenn sie nicht mitverdienen, geht ihre Wirtschast zugrunde und ihre Kinder müssen noch mehr hungern. Wie brutal und rücksichtslos diese Arbeiterinnen ausgebeutet werden, das zeigen die ständigen Klagen der Fabrikinspektorcn. Ter Arbeiterinnenschutz wird von den Unternehmern zur Farce gemacht, der Kinderschutz desgleichen. 3671 llebertretnnzcn des Arbeiterinnenfchutzgesetzes. 5858 Ver- lctzungen der Kinderschutzbestimmungen wurden 1912 von den Jnspekroren zur Wizeige gebracht. Das ist nur ein ganz geringer Teil der tatsächlichen Gcsetzesüberschreitungen, die meisten werden ja vor den Inspektoren geheim gehalten. Wir warten noch immer vergeblich darauf, daß die Zahl der Be- amtcn vermehrt wird, daß vor allem weibliche In- spektoren angestellt werden, die sich der arbeitenden Frauen und Kinder in richtiger Weise annehmen können. Wir warten auch auf manches andere noch iinmer ver- geblich. Der Zustand unserer Volksschule ist tief be- schämend und der berühmten preußischen„Kultur" durchaus würdig. Die überwiegende Zahl der Kinder erhält eine gänz- lich ungenügende geistige Ausbildung. Auf dem Lande sind 62 Proz. der Kinder auf 1— 3klasi'ige Schulen angewiesen. Tie Pflichtfortbildungsschule für Mädchen steckt noch immer in den allerersten Anfängen, die Fürsorgeerziehung wird durch prügelnde Pastoren würdig ausgeübt. So wäre gerade auf den Gebieten, die das lebhafteste. Interesse der Mütter erheischen, außer- . ordeistlich viel zu tu«, im lieben. preußischen. Laude— Das ".''■' M e d i zst n a 1 w e s e n, die ö f f c n t lich.e G e s ü n d h c.i t s- f l e ge.' werden zstguststen.anderer"nur für. die herrschenden Cliquen.nützlicher Einrichtungen vernachlässigt.' Unzählige Kinder gehen zugrunde, taufende Frauen müssen.jährlich ohne ärztliche Hilfe. ohne die Hilfe einer Hebamme entbinden. Ter Staat" hat kein Geld für sie, um ihnen auch nur das Nötigste zu gewährleisten. Die Gesindesklaverei lastet noch immer auf dem Nacken der Landarbeiter, der dienenden Töchter des Proletariats. Sie ist ein brennendes Schandmal, das die Junkersippe unserer Zeit ausdrückt. Wohin wir blicken im preußischen Staat, überall gilt es morsche Ruinen niederzureißen, Schutt wegzuräumen, neue Mauern zu festigen und weiterzuführen. Und doch liegen so viele tausend Hände müßig im Schoß, die sich regen, tüchtig zupacken müßten. Das darf nicht sein. Soll den Gewalt- habcrn nicht der Kamm noch mehr schwellen, dann muß. wie vor Jahren, jeder in treuer Pflichterfüllung an seinem Platze stehen. Gerade in der Kleinarbeit des Wahlkampfes können die Frauen große Dienste leisten. Eine Memme ist, wer im Winkel hockt, wo auf dem Blachfeld des Kampfes so vieles entschieden werden soll. Kein frauenftimmvecht in Srigland. Das englische Unterhaus lehnte am Mittwoch, den 6. d. Mts..'/.,12 Uhr nachts, die zweite Lesung der Frauen- ftimmrechtsvorlage mit 266 Stimmen gegen 219 Stimmen ab. Damit ist das Frauenstimmrecht in England für diese Session gefallen. Uebcr die entscheidende Sitzung haben wir be- reits in unserer gestrigen Nummer berichtet. Bon unserem Londoner Korrespondenten liegt un» außerdem folgendes Telegramm vor: Lo n d o n, 6. Mai 1913. Tie zweite Lesung der Frauenstimm- rechtsvorlage, die am 5. Mai im englischen llnterhause begann. findet unter sehr ungünstigen Umständen statt. Die Vorlage des Herrn Dickinson, ein Mittelding zwischen der Concilialio» Bill und dem von der Arbeiterpartei verlangten allgemeinen Stimm- recht, beabsichtigt, allen Familienbäuptern das Stimmrecht zu geben, was zur politischen Euumzstnerung von etwa 6 bis 7 Millionen Frauen führen würde. Unglücklicherweise fällt die Debatte out der Eröffnung des Prozesses gegen die Leiter der Sozialpoliti- schen Union zusammen, die am 30. April verhaftet wurden, nachdem das Bureau der Union geschlossen, die Zeitung„The Suffragette" unterdrückt und eine Menge Dokumente beschlagnahmt worden waren, die einen großzügigen gewaltsamen Feldzug der Suffra- genes aufdeckten, �o behauptet die Anklage, daß P.änc bestanden. um Holzlager und Baumwollfabriten in Brand zu stecken; Pulver in Theater zu werfen, die zu einer Nicsepidemie unter dem Publi- kiim führen würden; für 20 000 Pfund Schaden auf einer Werft anzurichten; den Feuermcldedienst zu desorganisieren. Diese Eni- hüllungen und die Brandstiftungen der letzten drei Monate haben eine Stimmung erzeugt. �die der Erfüllung der Wünsche der großen Masse der vernünftigen Frauen nicht förderlich ist. Die lauwarmen Laodizecr unter den Parlamentariern haben eine gute Gelegen- heit, das Hasenpanier zu zeigen, und die Gegner des Frauenstimm- rechts genießen die tätige Unterstützung aller jener politisch trägen lind denkfaulen Elemente, die in jeder Neuerung eine Gefahr für ihre körperlichen oder geistigen Gewohnhiten wittern und die für den Augenblick durch die Verbrechen der Sozialpolitischen Union aufgerüttelt worden sind. Es sind�dieselben Böotier, die im Jahre 1307 in Teutschland gegen die Sozialdemokratie aufmarschierten und die von den Reaktionären gern als das Rückgrat des Voltes betrachtet werden, obwohl man sie weit besser mit einem weniger �dlep Korperteil vergleichen könnte. dm die Jugend beginnt sich jetzt auch die bürgerliche Frauenbewegung mehr „n kümmern, seit der Staat gegen die proletarische Jugend- bcwegung mobil macht. Bewußt und nnbewnßt stellten sich die bürgerlichen Frauen immer mehr in den Dienst der staatlich gesörderten Versuche zur Knebelung der Proletarierjugend. Für die organisierten Frauen kommt dabei noch der Wunsch hinzu, für den eigenen Nachwuchs zu sorgen und speziell die weibliche Jugend für die Frauenvereine heranzuziehen. Kein Wunder daher, daß auch auf den Tagungen der Fraue:M?ganisationen die Jugendpflege zu den ständigen Perhandlungsthemen wird. So war nach der„Köln, Ztg." die Jugend der leitende Grundgedanke des R h e i n t s ch- W e st- fälischen Frauentages zu Dortmund(Ende April dieses JahreS). Lberlehrerin Haecker-Solingen berichtete dort über Auf- gäbe und Wert der Jugendgruppen für soziale Hilfsarbeit Die Gruppen(es gibt deren 152) suchen die schulentlassene weibliche Jugend der bessergestellten Stände zu sammeln. Sie sind verschieden organisiert und stehen im Zusammenhang mit den örtlichen Frauen- vereinen. Als Antwort auf die Frage:„Was soll nun die besser- gestellte Jugend iür die Arbeiterjugend tun?" empfahl Dr. Frida Tünsing-Berlin die Mitarbeit im— Kinderhort, Naturbund und Erholungsheim und als Lormünderinnen für arme Kinder Eine dritte Reserentin befaßte sich im einzelnen mit den Aufgaben der weiblichen Jugendpflege und stellte dabei die körperliche Ausbildung in den Vordergrund. Auf dem 8. bayerischen Frauentag zu Regensburg (Ende April) beschäscigte man sich ebenfalls eingehend mit den Jugendgruppen, deren Vertreterinnen ähnlich wie in Dorlmund über ihre Tängkeir berichteten. Wurden in Dorlmund die Gruppen als die Kerntruppen der Jugendbewegung bezeichnet, so forderte man hier, daß sie die prakusche Arbeit mit den Ideen der Frauenbewegung harmonisch zu vereinen hätten. Eine Abendversammlung war völlig dem Werben um die Jugend gewidmei. Auch die weiteren Lorträge über Fortbildungsschulen, höhere Mädchenbildung, Koedukation, Frauensiudium bewegten sich um das gleiche Thema. Die Gründung eines Verbandes bayerischer Jugendgruppen war das Resulcat der Tagung. Außerdem wurde beschlossen, die Pfadfinderinnen- und Wandervogclbewegung zu unterstützen. Wenige Tage vorher hatte in Berlin die erste General- Versammlung des Deutschen Verbandes der Jugend- g r u p p e n und Gruppen für soziale HilfSarbeit(gegründet Oktober 1912) stattgefunden. Die Veranstaltung nannte sich„soziale Woche" und umfaßte Besichtigungen vov WohlfahrtSanstalten, interne Aussprachen der Leiterinnen von Jugendgruppen und Vorträge über die Ziele der Gruppenbewegung. Dr. Gertrud Bäumer behandelte in einem Vortrage die Bedeutung der Jugendgruppen als Vorschule für die Frauenbewegung. Charalteristiich für den Geist, in dem die jungen Mädchen zur sozialen HilfSarbeit und zum Verständnis der sozialen Frage erwgen werden, war ein Vortrag von Dr. Alice Solomon(veröffentlicht in der„Frau", Maiheft). Die praktische soziale Arbeit wird von ihr als ein Heilmittel gegen den— Sozialismus empfohlen� „Der soziale Arbeiter... sieht ein, daß leidenschaftliche An- griffe gegen Besitz und gegen Vorteile der Geburt im Grunde noch Aeußerungen einer falschen, übermäßigen Wertung äußerer Güter sind. Er erfährt, wie viel Glück und Liebe in bescheidensten Verhältuiffen,. bei: 30 M. Wochenlohn, möglich sind.... Man kommt schließlich zu dem Glauben, daß nichts in Reichtum und Armut, sondern auf ganz-«nrderen Gebieten die Schranken zu finden sind, die den' Menschen vom Menschen trennen: auf dem Gebiet sozialen Empfindens und menschlicher Beziehungen.... So ge- langt man von einer materialistischen zu einer vergeistigten, religiösen Anschauung der sozialen Frage." Bei den Mädchen gar. die unter Anleitung die soziale Frage studieren, bildet sich leichter die„richtige", extremen Ideen abgeneigte Anschauung. So arbeiten die sozialen Jugendgruppen erzieherisch: „Man will den Mädchen durch ein allmähliches Eindringen in die sozialen Probleme Erschütterungen ersparen, und verhüten, daß sie extreme Ideen ausnehmen oder ent-� wickeln.... Die Mädchen erwerben meist eine Auffassung von der sozialen Frage, die eS ihnen ermöglicht, ihren Ueberzeugungen entsprechend zu leben, ohne mit den bisherigen Ge- wohnheilen und Interessen ihrer Klasse, ihrer Familie zu brechen. Es geht eben bei ihnen viel leichter ohne Opposition gegen die Gesellschastsordnung ab. Der So- z i a l i s in u s ist für sie nickt ein Problem, mit dem man sich in Ringen und Kämpfen auseinandersetzt." Selten ist von bürgerlicher Seite so offen ausgesprochen worden, daß die praktische soziale Arbeit ein Ventil für die Aktivitär der sonst zum Sozialismus hinstrebenden Kräfte, ein Schutzmittel gegen wirklich durchgreifende soziale Bestrebungen bilden soll. Frauenarbeit. Eine Frau über Frauenzeitungen. Eine Fabrikarbeiterin in Oldham schreibt dem„Daily Citizen":„Ungeduldig lege ich die Zeitung beiseite. Ich las die„Frauen-Seite", und wie gewöhnlich erfüllt sie mich mit Aerger und Widerwillen. Es ist das alte Evangelium, das Woche für Woche von Dutzenden Schriftstellern ge- predigt wird: Arbeit und häusliche Künste, um Pfennige zu sparen. Ich hasse diese„Frauen- Seiten" mit tiefem und unauslösch- tichem Hasse. Ick hasse ihre billigen, kläglichen Notbehelfe und Ratschläge, wie man sich neue Fesseln schmiedet oder die alten poliert.... Niemals ein Wort, wie man sie ab- slreifl! Denn es sind Fesseln, diese Götzen des Haushalts, an deren Altar die Frauen ohne Unterlaß beien. Diese Rezepte zu Ausbesserungen, Häkeldeckchen und Ratichläge, wie man sich zu Tode arbeitet mit Reiben, Kleben und Putzen der Wohnung, füllen die Zeit ans, die der Frau zur Ruhe dienen sollte und nehmen die Muße für wichtigere Gcschäfle. Darum sind diese Frauenblätter ein ernstes Uebel. Sie suchen den Geist der Frau von weit größeren und edleren Idealen abzuziehen. Wenn die Frauen soziale Probleme studierten, dann würden sie fühlen, daß. wenn man eine bestimmte Anzahl Stunden in der Produktion oder der Hausarbeit verbracht hat— ich selbst arbeite 10 Stunden täglich in einer Baumwollfabrik— eS eine Beleidigung ist. wenn man uns anweift, uns noch zl� rühren, zu kratzen ukid zu schaben, um ein paar Mark zu sparen. Wir sollten das Geld haben, um den Ertrag des Fleißes anderer zu kaufen, indem jede Gruppe von der anderen erhielte, was für den leiblichen und geistigen Bedarf nötig ist. Tann hätten wir Zeit zu Studium und Lebensfreude. Wir sehen nie Blätter für Männer, die ihnen erzählen, wie man eine Weste aus dem besten Stück der alten Hose macht, oder eine hübsche Tabakpfeife aus einem Stück WasserleitungS- rohr und sonstigen Resten. Frauen, wachet aus! Was die Frauen brauchen,_ ist vor allem jemand, der ihnen deutlich und oft sagt, daß sie zu schwer arbeiten. Keine Arbeiterfrau sollte genötigt sein, selbst zu waschen, zu backen oder zu putzen. ES gibt technisch vollkommene Wäschereien und Bäckereien, wo diese Dinge, rascher, leichter und besser gemacht werden können. ES gibt unbeschäftigte Anstreicher, die gerne ihr Haus putzen würden.„O, aber das ist Unsinn", wird sie sagen.„Ich habe nicht die Mittel, meine Arbeit auswärts tun zu lassen". Aber warum nicht? Es gibt doch viele Frauen, die andere nickt nur für sich waschen und backen, sondern selbst für ihre Kinder sorgen lassen. Und nicht, weil sie anderes zu tun haben, sondern, um sich zu unterhalten, Denkt an Besseres als an jämmerliche Ersparnisse! Statt stolz zu sein, mit so geringem Lohne wirtschasren zu können, empört euch, daß eure Männer in ihrer Manneskraft solch kläglichen Lohn verdienen. Weibliche Schulpfleger. Im Kanton Zürich ist vor kurzem vom Volke eine Gesetzbestimmung angenommen worden, die den Frauen die Wählbarkeit für die Schulbehörde einräumt. Am ver- gangencn Sonntag war den Bürgern zum erstenmal Gelegenheit ge- geben, von ihrem neuen Rechte Gebrauch zu machen. Es fanden die Wahlen für die Zentralschulpflege und für die acht Kreisschul- pflegen Zürichs statt. In die Zentralichulpflege, die zehn Mandate zählt, ist eine Frau gewählt worden, eine Genossin. In die ver- schicdcnen Äreisschulpflegen, denen 127 Mitglieder angehören, sind 15 Frauen eingezogen. Darunter befinden sich zehn Genossinnen. Wie immer, so ist auch bei diesen Wahlen die Sozialdemokratie: allein voll und ganz für die Gleichberechtigung der Frauen ein» getreten. Em weiblicher Moral-Gcrichtshof. Der Gouverneur O'Hara des. nordamerikanischen Staates Jllionis hat, wie wir in der„Fils. Ztg." lesen, ein Gesetz unterzeichnet, das einen„Moral-Gericktshof" ein- führt, in dem fünf Frauen als Richter sitzen sollen. Dieses neue Gericht hat die Aufgabe, junge Frauen und Mädchen, die in B e- trieben angestellt sind, gegen unmoralische Zumutungen ihrer Chefs oder Meister zu schützen. Ter Gouverneur erklärt, eine Unter- suchung habe ihm die Namen von über 200 Geschäftsleuten und In- dustriellen in Chicago bekannt gemacht, die für den„moralischen Fall" zahlreicher junger Mädchen, die bei ihnen angestellt waren, verantwortlich seien. Die jungen Mädchen hätten bei dem allen Zu- stand der Dinge befürchtet, wenn sie Klage führten, der Erpressung bezichtigt zu werden. Der neue Gerichtshof, der sich nur aus Frauen zusammensetzt, soll sich nun ihrer Klagen gründlich annehmen, diese auf ihre Begründung hin untersuchen und die Arbeitgeber, die ihre Stellung mißbraucht'haben, zur Verantwortung ziehen. frauenftimmvecht. Norwegen. Der Verfassungsausichuß des norwegischen Storthing hat einstimmig eine Lorlage beschlossen, die das� allgemeine staais- bürgerliche Stimmrecht für die Frauen unter denselben Bedingungen wie für die Männer einführen soll. Die Anzahl der Wähler bei den politischen Wahlen wird dadurch um 225 000 erweitert. Die nor- wegiichen Frauen besitzen schon seit dem Jahre 1907 das allgemeine Stimmrecht bei den Konnnuiialwahlen. Em sozialistisches Mitglied des Verfassungsausschusses schlägt gleichzeitig vor. das Alter für die Gewährung des cstinrmrechts auf das 21. statt des 25. Jahres festzusetzen. Gegen die Suffragettcs hat der Gesamtvorstand des Bundes Deutscher(bürgerlicher) Frauenvercine eine Erklärung abgegeben, in der es u. a. heißt:„Die Frauen, die revolutionäre Kampfmittel anwenden, verleugnen nicht nur ihre eigene weibliche Natur, sie schaden auch im letzten Grunde den Jnieressen der Frauenbewegung selbst. Wenn die Forderung nach einem verstärkten Einfluß im Staat heute weite Frauenkreise ergriffen hat, so sehen ivil darin die Wirkung wirtschaftlicher Veränderungen und sozialer Umgestaltungen, deren unaufhaltsam wirkende Macht durch eine Gewaltpolitik nickt verstärkt werden kann. Der Zweck des Frauenstiminreckts, ob es fsir Gemeinde, Berufsvertretung oder Staat gefordert wird, besteht dann, daß die Frauen die aus ihrer wachsenden Berufstätigkeit hervor- gehenden wirtschaftlichen Interessen vertreten und an den Kultur- aufgaben verantwortlich mitarbeiten wollen, denen sie als Frauen und Mütter eine natürliche und lebendige Anteilnahme entgegen- bringen. Diese doppelte Bedeutung bat in der Frauenbeloegung der Gedanke des Frauenstiisimrechls bis heute gehabt, nickt aber den Sinn eines Kampfes mit dein Mann um die politische Herrschaft... Durch die Nachahmung der von Männern angewandten revolutionären Gewaltmittel zerstören sich die Frauen selbst die Möglickkeit, sich im öffentlichen Leben zu behaupten, zerstören sie die ruhige lieber- zeugungskraft der sachlichen Notwendigkeit, die ihre Forderungen stützt, und geben ihrer Bewegung den Charakter eines erbitterten und verhängnisvollen Kampfes der Geschlechter um die äußere Macht." Die Arbeiterin in der Gewevkfchaft Die zweite Textilarbcitrrinncwkonfcrcnz für den Gau Schlesien wurde in Breslau am 20. April abgehalten. Die Vertreterin des Zentralverbandes Martha Hoppe gedachte in ihrer Begrüßungsrede, daß die vom Gau Schlesien ausgegangene Idee, besondere Ar- beiterinnenkonferenzen einzuberufen, sich sehr bewährt habe. Auch die österreichische Bruderorganisation und die gegnerischen Organi- sationen hallen jetzt solche Tagnugen ab. In einem Referat über Ur- fachen und Wirkungen der gewerblichen Frauenarbeit behandelte Martha Hoppe das Elend der Textilarbeiterinnen. Oft wird von Textil- arbeiterinncn nur daS verdient, was an Pflegegeld für die Kinder gebraucht wird. Sind doch Wochenlöhne von drei Mark festgestellt worden. Für den eigenen Unterhalt bleiben da nur noch ein paar Pfennig übrig. In Preußen wird die weibliche Arbeitskraft von den Textilindustriellen am rück- sichtsloscsten ausgebeutet. Dort sind die meisten Fälle zu ver- zeichnen, in denen Ueberftunden verlangt werden und in denen gegen die Schutzbestimmungen für Wöchnerinnen verstoßen wird. Dre Säuglingssterblichkeit steht daher in«Schlesien auch weit über dem Durchschnitt Preußens.— In der Diskussion wurden Er- fahrungen über die letzten drei Jahre'(seit der ersten Konferenz) auS- getauscht und mancherlei Anregungen gegeben. Wie der Geburten- rückgang von dem Bürgertum gefördert wird, lehrt folgende Mit- teilung: Bei einer Lohnbewegung in einem Orte bei Görlitz wurde einer Mutter, die ihre Kinder ins Kinderheim schickte, höhnisch eröffnet, sie solle ihre Kinder nach Hause nehmen und ins sozialdemokratische Kinderheim schaffen. Die Sozialdemokraten setzten nurKinder indieWelt und die besitzenden Klassen müßten für den Unterhalt sorgen I In Sagan werden vorzugsweise Ausländer beschäftigt, weil man diese sofort über die Grenze abschieben könne, falls sie höheren Lohn ver- langten. In einem zweiten Referat trat Ansorge-Friedland für die Forderung des freien Sonnabendnachmittags ein. Da die Tagung nach dem Urteil aller Anwesenden für die Aufklärungsarbeit unter den Arbeiterinnen wesentliche Dienste geleistet hat, wurde der Be- schluß gefaßt, solche Konferenzen künftig alle zwei Jahre abzuhalten. Litcranfchca. Archiv für Frauenarbeit. Im Austrage deS Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte e. V. herausgegeben von Dr. I. Silbermann(jährlich 4 Hefte, Preis 8 M., Einzelheft 2,60 M.). Die neue Zeitschrift will„ohne jede Parteilichkeit ein einwandfreies, auf wissenschaftlicher Grundlage beruhendes Bild von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen der arbeitenden Frauen sowie von den Entwicklungstendenzen der Frauenarbeit in Deutschland geben". Im ersten bisher erschienenen Heft berichtet Dr. Purpus über Ge- schichte und gegenwärtigen Stand der handwerkerlichen Ausbil« dung der Frau, Charlotte Reichel über die wirtschaftliche Lage der Krankenpflegerinnen. Kürzere Nachrichten über Berufsberatung, Berufsbildung, Lohnberhältnisse. Arbeitslosigkeit und ausführliche Buchbesprechungen bilden den weiteren Inhalt des HesteS. Die Schule. Jungen in Großmutters Gärtchen. Hübsch pamweis zwischen den Beeten Gehn sie gedrückt. Wehe dem. der gar den Zaun übersteigt! Einmal erklomm ein Kühner den Apfelbaum, weiter zu schaues— Fast brach der Arme das so hat die Alte gekeift. Eine Tugend vor allem preist ihn so oft, lxa Gehorsa».4k Lieblich ist sie dem Kaafe nüulich dem. der bestehlt. Hus aller Sielt, Tic abgelehnte Belohnung. Die belgische Regierung hatte dein Chef der Pariser Polizei Sebille eine Belohnung don 13000 Fr. für die Fest- nähme des belgischen Defraudanten Wilmaert zugesandt. Der Polizeichef sandte diesen Betrag der belgischen Regierung mit dem Bemerken zurück, daß die Polizei sowohl in dieser Angelegenheit als auch in jeder anderen nur ihre Pflicht getan und diese auch weiterhin tun werde. In Deutschland haben wir eS zu wiederholten Malen erleben müssen, daß Untenrehmer der Polizei für ihre Hilfe bei Streiks Gratifikationen übermittelten. Die wurden natürlich— nicht zurückgesandt._ Schwerer Unfall bei der Kriegsmarine. Tic deutsche Kriegsflotte ist am Dienstagabend von einem bedauerlichen Unglücksfall betroffen worden. Bei Hörnum kenterte das Beiboot des Torpedobootes G. 89. Tie in dem Boote befindlichen drei Personen, der Kapitänleutnant v. Z a st r o w und die Torpedoobermatrosen Dorn und Gebhardt, sind ertrunken. Bisher ist es noch nicht ge- sungen, die Leichen der Verunglückten zu bergen. Tie Suffragetten. Die Erregung der Suffragetten hat durch die Ablehnung der Frauenwahlrechtsvorlage im llnterhause neue Nahrung erhalten. Der Zorn über das reaktionäre Verhalten der UnterhauSmitglieder macht sich Lei den englischen Frauenrechtlerinnen in Bomben- anschlägen und Brandstiftungen Luft. In der Rachbarschaft der St. Pauls- Kathedrale und in dem Bureau der Zeitung„Daily Ncws� wurden Mittwochvormittag Bomben entdeckt. Ferner ist ein C r i ck e t p a v i l I o n durch Feuer zerstört worden. Man schreibt die Schuld Anhängerinnen des Frauenstimmrcchts zu. Auch in der St. Pauls-Kathedrale selbst, und zwar unter dem Stuhle des Bischofs, wurde Mittwoch früh eine Bombe gefunden. Sie wurde- sofort in Wasser getaucht und dann der Polizei übergeben. Die in der St. PaulS-Kathedrale gefundene Bombe war mit Dynamit gefüllt. Ein Fehler in der Mechanik hat die Ex. plosion in der Kathedrale verhindert. Die Behörden find der Mei- nung, daß offenbar beabsichtigt war. daß die Bombe in der Nacht explodieren sollte, während das Gebäude leer war. Die in den Geschäftsräumen der„Daily News" gefundene Bombe war leer. Der traumwandelnde Bürgermeister. DaZ Dunkel, das über dem spurlosen Verschwinden des Bürger- meisters T r ö m e l aus Usedom lagert, beginnt sich zu lichten. Von Verwandten deS Verschwundenen ist an den Magistrat zu Usedom die Nachricht gelangt, daß Trömel in die französische Fremdenlegion in Algier eingetreten sei und sich aus fünf Jahre verpflichtet habe. Wie er dazu gekommen sei, könne er nicht angeben. Wie erinnerlich ist. hatre sich Trömel schon früher einmal ohne irgendwelche Gründe auf die Reise begeben und erst nach einiger Zeit tauchte er wieder auf. Da seine amtlichen Geschäfte sich in vollster Ordnung befanden, konnte er sein Amt wieder aufnehmen, um jetzt von neuem planlos in die Welt zu gehen. Wem gehöre» die Liebesbriefe der Ehefrau'i Diese interessante Frage bildete jüngst den Gegenstand eines Prozesses, den eine Frau Brandenberg in Atlantic City, New Jersey, gegen ihren Mann angeslrengt hatte. Die Liebesbriefe. unl die eS sich dabei handelte, waren an die Ehefrau gerichtet, aber nicht von ihrem Manne, sondern von anderen Verehrern. vielleicht vor der Verheiratung. 39 Liebesbriese waren der Streit- gegenständ. Herr Brandenberg hatte sie eines Tages unter den Gegenständen seiner Frau entdeckt, sie an sich genommen und seine besiere Hälfte von dieser Tatsache geziemend in Kenntnis gesetzt. Der Erfolg war. daß sie sogleich zum Kadi lief und die Herausgabe ihrer Liebesbriefe verlangte. Sie behauptete vor Gericht, die Absicht ihres Mannes sei. sie durch daS Lesen der Briefe und vielleicht spätere Anspielungen zu ärgern und sie gewissermaßen ganz in seine Hand zu bekommen. Der Richter gab in seinem Urteil der klagenden Ehefrau voll- ständig recht: Herr Brandenberg muß die Liebesbriese seiner Frau wiedergeben; außerdem hat er ihr eine E n t s ch ä d i-g u n g von 200 M. zu bezahlen und muß die Kosten deS Prozesses tragen. Was in den Liebesbriefen steht, ist durch die Verhandlung nicht be« kaunt geworden; man erfährt nur, daß einige die Anrede„Dear" (Liebe), andere die„Dearest"(Liebste) tragen; unterzeichnet sind die Briefe mit Buchstabenabkürzungen oder Vornamen, jedoch scheint eS sich um drei verschiedene Absender zu handeln. Da eZ Briefe persönlicher Natur seieu, so erklärte der Richter, sei Vorlesen vor Gericht unnötig. Man sieht hieraus: es gibt noch Richter— in Amerika. Kleine Notizen. Liebesdrama in Frankfurt a. M. Am DienSiagnachmitiag wurde in einem Hause der Moselstraße in Frankfurt ein junger Mann, der dort seit Freitag voriger Woche logierte, in seinem Zimmer erschossen aufgefunden. Neben ihm lag ebenfalls t o t ein Mädchen mit zwei Schußwunden tnderHerz- gegend. Nach den vorgefundenen Papieren handelt es sich um den Diplomingenieur Ernst Hagen aus Kassel. Der Name des Mädchens ist noch unbekannt. Schwerer Grnbenuufall im Ruhrgebiet. Bei Dahlhausen wurden Mittwochvormittag auf der Zeche A l t e n d o r f drei Bergleute beim Verhauen durch herabstürzende GesteinSmasien verschüttet. Zwei der Verschütteten wurden getötet, der dritte wurde schwer verletzt. Ruffischc Slosters-tten. In dem Kloster bei Jekaterinoder versuchte der Adt Ignatius bei einem Zechgelage der Mönche der Trunksucht seiner Klosterbrüder Einhalt zu tun. Dabei kam er natürlich au die falsche Adresse; er wurde von einem der beioffenen Mönche erschossen. Drei Mönche wurden wegen der Boxgänge verhaftet. Unfall bei schweizerischen Militärübungeu. Auf einem UebungS« marsche, den eine Rekrulenabteilung von Luzern aus über Küß- nach auf den R i g i unternahm, gerieten infolge des Schneesturmes zwei Rekruten auf einen falschen Weg und stürzten von einer Felswand. Einer war sofort tot, der andere wurde schwer verletzt. Mehrere Rekruten mit schwerer Bepackung werde» vermißt. L ll. i Herl, ßeiehslagswalilkreis. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt August Dalg gestorben ist. Ehre seinem Zludcnken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Mai. nachmittags 1 Uhr. von der Leichenhalle des alten ThomaS-KirchboseS in Neu- lölln, Hermannstraße, aus statt. 219/13 Ter Vorstand. Dienstag früh ö Uhr entschlief sanft nach langen, schweren, mit "Geduld ertragenen Leiden mein inniggelicbter Mann, unser guter treuforgcnder Vater, Schwager und Onkel Angust im noch nicht oollendeterk SZ. Le- bensjahre 6SA Dies zeigen tiesbetrübt," um stille Teilnahme bittend, an Berta Dalg geb. Tftcliellnch Martha Dalg als Tochter Bautzcncr Straße 19. Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Mai, nachmittags 1 Uhr. von der Halle de» Thomas- Kirchhoscs, Neukölln, Hermann- siraße, auS statt. Soziaideinokratisciier Wahlverein LI 6. BerLHelelislags- Wahlkreis, Am 5. Mai verstarb unser Ge- nasse, der Maler llörnignn Kuckenburg Siargarder Str. 64, Bezirk 534a. Ehre seinem Andenke«: Tie Beerdigung findet beute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr. von der Halle des Gethsemane- KirchhoseS'in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/12 Ter Vorstand. IfleutsiAerlMarheiter-Yerhaiiil Verwaltungsstelle Berlin. I Den Kollegen zur Nachricht, daß z unser Mitglied, der Schlosser. Fritz Falk Pascalstraße 3 am 5. Mai an Lungeuleiden ge- starben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Mai. nachm,ttags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Luisen- KirchhoseS in Westend, Neuer Fürstenbrunncr Weg, auS statt._ Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Klempner Manell Lipinski Neukölln, Kaiser. Friedrich.Str.21S, am 5. Mai an Herzleiden ge- starben ist. Die Beerdigung findet am sreitag. den 9. Mai, nachmittags i Uhr, von der Leichenhalle der Kg!. Charitö, Alexanderufer, auS auf dem allen Iakobi-Kirchhos. Berliner Straße 2/6, statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung- erwartet 117/17 Di« Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verbanil. Bezirksvsrwaltung GroE Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Wächter Julius Liedtke am 5. Mai im Aller von So Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-Kirchhoscs in Neukölln, Hermannstraße. auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Berirksverwaltung. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10— 2. 5—7. Sonntagrs 10— 12. Zentral-Men- undSterbekasse der deutschen Wagenbauer. Berlin Beslrk 16. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser MIglied Julius Uedtke gestorben ist. Ehre seine« Andenke«: Die Beerdigung findet am 8. Mai, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle deS Emmaus-Kirch- Hofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 258/3_ Der Vorstand. Danksagana:. Für die vielen Beweise herzllcher Teunahme, sowie für die zahlreiche» Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und BaterS Karl Böhm sagen wir allen, be- sonderS dem Zentralverband der Musiker, deni Hauptvorstand, Spar- verein Äollegia sowie der Hauslapelle Hubertus mrsern innigsten Dank. 753 b Lina Böhm u Sohn. Segelkiub„Fraternitas" e. T. J�acbruf. Hiermit erfüllen wir die schmerz- liche Pflicht, allen Mitgliedern von 'Ableben unseres lieben Sddrt- dem Mb genoffen 739b Franz Brandt Kenntnis zu geben. Einer unserer Aeltesten und Pflichteifrigsten ist von uns gegangen. Sein An. denken werden wir stets in Ehren ballen. J. A.: Ter Borstand. Bad Reinerz Dr. Stern. Wanderkarten und Bücher. Reise- sührer, Kursbücher hält stetS am Lager. Buchhandlung Vorwärts. Linoensttoße SS. TppririnnririrrTnrrrirYiniT�� 11.11> n n Touristen-Anzüge Mit und ohne Falten. Mit langer oder kurzer Hose Neue Farben. Praktische Loden und andere moderne Stoffe 18- 21- 24- 27- v,. 30- 36- 40- 45- ,sV\ M Touristen-Joppen und Hosen Radfahrer-Anzüge Kletter-Hosen, Regen- Kleidung, Oeltuch-Kleidung Bozener Mäntel, Lodenhüte Reise- und Sport- Hemden Rucksäcke, Bergstöcke Gamaschen, Sweater Stutzen, Strümpfe Turner-Kleidung und Hüte Kleidung für Wasser- und für Rasen-Sport «•«•»a*aa(.>i*i«a*MaatMa*MaaauaaMMa*i>i*t*<>**"**>**">(*>"*, 1 Loden-Pelerinen für Herren und Damen von M. 7.50 an für Knaben und Mädchen von M 4.50 an •«» ,», 1 iür Herren und Damen— erstklassige Fabrikate uummi- Mantel zu enorm billigen Preisen. 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Für die überaus aufrichtige Teilnahme bei der Beeopigmig meines lieben unoergetzlichen Mannes, Sohnes, Schwagers ,, Onkels und Schwiegersohnes Frans Brandt sage allen Bekannten und Freunden, dem Wahwerein Grünau, dem Ge« sangverein„Sangeslust-, dem Segel- llud.Frateroitas-, der»Freien 2 er- einigung der Tourensegler-, den Sportfreunden aus der Brunne«. straße und Freunden und Genossen au» der Stralauer Allee meinen. tiefzesühllen Dank. Frau Wwe. Bartka Brandt- geb. Noelte, Grünau i. M., Köpenicker Straße 23« Danksagung. Allen denen, die meinem liebe» Rann, dem Gastwirt >Villi. Hermann am Sonntag, den 4. Mai, die letzte Ehre erwiesen habe», sage ich hiermit meine» tiefgefühltesten Dank. Luise Hermann geb."Drews. Niederlehm«, den S. Mai 1913. Abefftnier- Pumpen zum Selbftaussiellen für Gartenbesitzer n. Lauben- kalonisten von 8 M. an Flügelpumpeu, Gartenspritzen, Filter, Röhren, Schläuche usw. billigst. Erdbohrer leihweise. Xgsl Köciilin& Co. Berit» SW., SIpL 1676. 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Abrechnung vom 1. Quartal 1913. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist das Ericheinen aller Mit glieder dringend notwendig. 76/6 Zder Borstand. Zahlstelle Berlin. Freitag, de» 9. Mai 1913, abends 8 Uhr: Zenersl-Versammlung im Saal 1 des Gewerkschaftshauses, Gngelufer 15. Tagesordnung: 1. Geschäfts-- und Kassenbericht vom 1. Quartal 1913. 2. Aufstellung der Kandidaten zum Lerbandstag in Stuttgart- 3. Beratung der Anträge zum Verbandstag. 4. Verschiedenes. 1 1 Mitgiiedsbnch legitimiert. Die Versammlung wird hünklich'/.9 Uhr eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet 23119 Die Ortsverwaltuna. Vemaltungsstklle Kerlm. C 54, Linienstr. 88—85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 183. Amt Norden 1239, 9711. Der Pfingstfeiertage wegen bleibt das Bureau an folgenden Tagen geschlossen: Sonnabend, den 1«. Mai, nachmittags. Montag, den IS. Mai, den ganzen Tag. Dienstag, den IS. Mai, nachmittags» an diesem Tage bleibt der Arbeitsnachweis de» ganzen Tag geschloffen. in/IS Die Ortsverwaltnng. Verwaltung Berlin. Die Bureaus und Ärbeitsnachweise sind der Feiertage wegen geschlossen: am Sonnabend, den 10. Mai, nach- mittags; am Montag, den 12. Mai, und am Dienstag, den 13. Mai, den ganzen Tag. Wegen der Landtagswahl sind die Bureaus und der Arbeitsnachweis des Verbandes, Engelufer 14, am Freitag, den 16. Mai, geschlossen. Achtung! Arbeitslose. Achtung! Arbeitslose Kollegen, deren Unterstützung am Sonn- abend, den 19. Mai, und Montag» den 12. Mai, fällig ist, geben ain Freitag, den 9. Mai, Mitgliedsbuch und Arbeits- losenkarte im Arbeitsnachweis ab und erhalten am Sonn- abend, den 19. Mai, vormittags, in der für Sonnabend fest- gesetzten Reihenfolge Geld. Die Unterstützung, welche am Dienstag, den 13. Mai, fällig ist, wird am Mittwoch» den 14. Mai, mit ausgezahlt.$2120 Die Kassierung der Beiträge erfolgt am Sonnabend, den 19. Mai, in allen Zahlstellen von« bis 8 Uhr abends. Einsetzer. Die Bezirksversammlungen finden heute Donnerstag, den 8. Mai, abends 8 Uhr, in den bekannten Lokalen statt. ller Den Mitgliedern zur Mitteilung, daß das Verbands' bureau am Pftngstsonnabend nur von 9—1 Uhr vormittags geöffnet ist. Die am Montag, den 12. Mai, und am Dienstag, den 13. Mai, fällige Arbeitslosen- und Krankeirunterstützung wird am Sonnabend vor Pfingsten zur Auszahlung gebracht. An den drei Feiertagen, sowie am Tage der Landtags- wähl bleibt das Bureau gänzlich geschlossen. 169/6____ Die Ortsverwaltnng. Uli Klwahmeilellen für„Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Hnlini'ch, Ackersir. 171. W, o. xo. ÄT. Tchinidr. Kirchbachstr. 14. R. Hackelbiiicii, Petersburger Plap 4. Gnitnli Bogel, Stoppen, strotze 82. R. Wengels, Gr. Franksurter Str. 126. 2. Zucht, Lmmanuelkirchstr. 12._ I. Reut. Barnmlstr. 42. W. Banmaun. Rbeinsberzer Str. 67. H.Fischer. Bastianftr. 6. Karl Mars. Greisenhagener Str. 22. I. Hönisch, Müllerstr. 34a H. Bogel, Lortzmgstr. 37. 31. Tie», Jnvalidenstr. 124 L. Dechand. Rubeplatzstr. 24. KW. Salomou Joseph, Salzwedelerstr. 8. 8W. H. Werner, Gneisenausu 72. Taehn, Hagelberger Str. 27. 8. St. Frili. Prmzenitr. 31. H. Lehmann. Kottbuser Damm 8. JS«. Paul Böhm. Lausitzer Platz 14,13. P. Harsch, Engeluser 13. Adlersbof. Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 30. Bauinschnlenweg. H. Hornig, Marientbalerstr. 13, 1. Bersig«nl«le. Paul Kienast. Rauschstr. 10. vharlnttenknrg. Gustau Scharnbcrg, Sesenbeimcr Str. 1. rrieariohshagen. Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 18. Grünau. Franz Klein, Friedrichftr. 10. �lvhannisthal. Max Gouschur, Parlstr. 6. Barlshvrst. Richard Küter, Rodelstr. 9, II. Biipeniek. Emil Wisiler, Kietzerstr. b. �adeu. tz�iehtenherg. Ltto Seikel, Wartenber�itr. 1. Älieaer-SehÄnevreicke. Wilh. Unruh. Bruck-nstr. 10. Zivva�es. Wilhelm Javpe, Lutherstr. �. Dher-SehSneveiele. Alfred Bader, WllHelmmenHosltr. 17, Laden. Banhorv. Etto Ristmann, Müblem'tr. 30. Reinickendorf. P. Gursch. 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Generalversammlung in Leipzig. 4. Verschiedenes. Da Genosse Wollman» durch Tarisverhaudlungen verhindert ist, das Referat zur VerschmelzungS- frage zu übernehmen, tritt an dessen Stelle Genosse Girbig. In Anbetracht der wichtige» Tagesordnung und da auch über die Tarifverhandlungen berichtet wird, darf kein Kollege fehlen. 19-2/8* Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der 8tslZtge?Im-8edöiiebei's. Anßerordcntliche General-Versammlung am Montag, den 19. Mai 1913, abends 7'/, Uhr, im„Schwarzen Adler', Hauptsir. 144. Falls die Erledigung der Tages- Ordnung nicht möglich ist, findet eben- daselbst am daraussolgcndcn Tage, Dienstag, den 20. Mai um 7-/. U h r eine zweite autze'rordcntliche Generalversammlung statt. 271/18 Tagesordnung: 1. Beratung und Beschlutzsassung über: a) die neuen Satzungen der Kasse, d) die Wahlordnung, c) die Krankenordnung. !. Aendcrung des Pensionsregula- tws der Angestellten. 3. Verschiedenes. Bcrlin-Schöneberg, den 7. Mai 1913. Der Vorstand. Krukow, Vo: sitzender. Th iel i ck e, Schriftführer. Zeniral-Kranken- u. Sterbekasse der Zimmerer - Oertliche Verwaltung Berlin,-r——,-■ Freitag, den 9. Mai, abends S'/s Uhr, i n»Gewerkschaftshaus-', Eugelufer 15, eaal III Mitglieder-Versammlung. Personen■ Lohnfuhrwerksinnung zu Berlin. Bekanntmachung. Gemätz der Bestimmungen der ;§ 48/49 des Kassenstatuts laden wir die Vertreter der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer zur ersten dies- 'ährigen Drdentllehen Generaiversaminlung aus Donnerstag, 15. Mai 1919, abends 7 Uhr, im«Prälaten«, Stadtbahnbogen 110, ergebenst ein. Tagesordnung: 1. Beschlutzsassung über die Abnahme der Jahresrechnung. 2. Reichsversicherungsordnung. 3. Allgemeines. 271/16 I. A.: Gustav Rose, Vorsitzender. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Wahl eines Kassierers für den 6. Bezirk. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitemiert. Der Vorstand. I.A.: R. Schröder, Tilsitcr 25313* -tr. 7. 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Heft 16; Der Wahlrechfskampf vor dem Reichstage. Heft 17: Weckruf zur PreuBen- wähl. Heft 18: Das Wahlrecht und die Parteien. Heft 19: Dichtung und Wahrheit über 1813. Preis lilr jedes M Ifl PI. Keine Filiolsn. I�ark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig und nach Mass! Garantie für tadellosen Silz. Jonas Kurzbers Oranienstr.1601- zwisehtn Moritz- o. Oranler.pl»». ■ Bittt genau auf Strauc i 1 u Hau nummnr juachten\ _______. Lindenstr. 69(Laden). Lnferm-nteU veranw.: Th. Glocke. Berli«. Druck u. Vertag:«otlva«» Luchbrnckerei u. vertagsanjmu P Vorwärtslefer 5 Prozent Rabatt extra 1 Gardinenhaus Brünn, Hacke- scher Markt 4(Bahnhof Börse). Sonntags geöffnet._* Betten, Stand 9,—. Brunnen« stratze 70, im Keller. 120051* Ohne Geld 0,50 wöchentlich; Gardinen, Portieren, Teppiche, Decken, Uhren, Bilder, Möbel. Polsterwaren, Betten, Wäsche, Kinderwagen. Besuch oder Postkarte. Meifels(selbst). An- dreaSstratzi4(L>chlesischcr Bahnhof).* Teppiche(Faroeniedler) enorm dillig. 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Verpflichtet zur Teilnahme sind samt- liche Funkttonäre, die Wahlleiter, Wahlmänner, Beisitzer sowie alle bei der Wahl tätigen Genossen.— Mitglieder können unter Vor- zeigung des Mitgliedsbuches den Verhandlungen ebenfalls bei- wohnen. berliner Nachrichten. Pfingsten in den Laubenkolonien. Immer wieder ist es eine Herzensfreude, der anspruchs- losen und doch so wunderschönen Schniuckkästchen zu gedenken, die rings unr die Berliner Steinmauern mit unendlich viel Mühe und Fleiß, mit noch viel mehr ehrlicher Liebe in einst öde Sandfelder und magere Grasnarben hineingebaut sind. Nirgends tritt ähnlich scharf die Begeisterung der schaffenden Klassen, aus denen sich ja fast ausschließlich die Lauben- kolonisten zusammensetzen, für Naturleben hervor. Nirgends kommt besser das Sinnen und Trachten des Proletariats zum Ausdruck, mit einfachsten Mitteln und verhältnismäßig wenig Geld sich ein Sommernest zu bauen, in dem man sich, von den bekannten Packtungsmißständen abgesehen, frei und un- gebunden fühlt. Noch keine Eigenscholle ist es. Wie ein Damoklesschwert hängt sogar die Kündigung durch Machtwillkür des geldgierigen Generalpächtertums über dem Haupte des Kolonisten, und doch spricht jeder, stolz auf den blühenden Er- folg der Arbeit, von„seinem Land". Wo die Kolonisten sich zusammengetan haben und unter sich das Pachtland ver- geben, ist man so wenigstens schon glücklich den Händen der beutelustigen gewerbsmäßigen Generalpächter entrückt. Die„Hundstage im April", seit länger als einem halben Jahrhundert zum ersten Male wieder eine seltene Laune der Natur, haben auch dem Laubenleben einen mächtigen Ruck gegeben. Der Laubenkolonist erwacht ja aus dem Winterschlaf fast noch früher als der Urbewohner des platten Landes. Er „giepert" schon auf den ersten schönen Frühlingstag, an dem er aufs Feld hinauspilgern und über seine Herrlichkeit die Vorschau abnehmen kann. Da»verden denn Lauben und Kleinviehställe auf ihre Haltbarkeit revidiert, in wichtigem Familienrat glückliche Rläne geschmiedet. Mutter Will diesmal eine bessere, wind- stistere Laube haben, Vater sperrt sich noch ein Weilchen gegen die nicht unwesentliche Ausgabe, auch die Jugend gibt ihren Senf dazu, und schließlich ist der FeldzugSplan fertig. Alle Mann an Bord! Mit Kind und Kegel gehts von nun an schon fast täglich hinaus, die geringe Zeit zu nutzen, die von der Tagesfron übrig bleibt. Pfingsten, das lieblichste der Feste, steht ja dicht vor der Tür. Da soll alles schmuck und fein sein, an den frühlingfeiernden Menschen und auch draußen in den Lauben. Prächtig ist gewiß der junge, frische Maienbaum, die Birke mit ihren feinen Blattwedeln, auf den Balkons der Häuser und an den Wänden der Großstadtstuben, wo daS Naturgrün immer nur erborgt fein kann. Prächtiger, anmutiger, natürlicher fft es zwischen den Lauben, wo gerade im heurigen Frühling, der sich so herzig eingeführt hat, die jungfräulichen Naturtriebe unter ungewöhnlicher Sonnenwärme ihr bestes Können zeigten. Pfingstglocken! Von den Türmen der nahen Stadt, vom Dorfe herüber tönen sie melodisch lockend in das festliche Laubentreiben hinein. Was sie läuten, ist die Vergangenheit, der Zwang und Druck, der den sreien Menschen nicht kümmert. Die innerlich Wahren feiern ihr Pfingstfest im treuen Anschluß an die Narur, an alles Schöne und Gute, das von Anfang bis zum Ende aus ihr allein strömt. Langsam verhallen die Glocken, und aus dem Grün der Lauben schallt es machtvoll, befreiend, hoffend: Brause, Wind, FrüblingSwind braus«! Siürme und braus« mir durch die Brust, Fülle sie jauchzend mit Jugendlust, Schleudre mich in die Well hinein, Wo Frühlina locht und der Sonnenschein Und die Freiheit, die goldene Freiheit. Um den Gaskousum zu hebe«, haben die Berliner GaS- werke in Verbindung mit der englischen Gasgesellschast be- schlössen, den großen Abnehmern einen erhöhten Rabattsatz für verbrauchtes Gas zu gewähren und diese Rabatt- gewährung auch auf GaS zu HeizungS- und Beleuchtungs- zwecken auszudehnen. Der Grund zu dieser Maßnahme liegt darin, daß große GaSkonsumenten sich dem elektrischen Licht zugewendet �haben. Im Jahre 1912 sind 325 Konsumenten mit einem Jahresverbrauch von 665 589 Kubikmeter Gas zur Elektrizität übergegangen. Von der neuen Maßnahme werden nur einige große Unternehmer Nutzen haben, während erst kürzlich den kleinen Gasautomatenbeziehern daS GaS verteuert worden ist., �„'' Von demselben Gesichtspunkt aus plant die englische Gas- aesellschaft, welche die Vororte mit Gas versorgt, auch dort eine Preisermäßigung. In Wilmersdorf liegt der Stadt- verordnetenversammlung ein solcher Antrag schon vor. Ulltenichl�wl�strä in ken Fortbildungsschulen a« 18. Mai. Weaen der am Freüag. den IS Mai d. I., stattfindenden Wahl der Wahlnlänner fällt der Unterricht in sämtlichen städtischen Fach- und Fortbildungsschulen auS. Dir Mittagspeisung b Dürftiger Schulkinder beschäftigte einen mit dieser" Materie betrauten Stadtverordnetenausschuß. Bemerkenswert ist dast nach einem angenommenen Antrage der Magistrat um die Sl'nfetzuna einer kleinen Deputation zur Verwaltung und Regelung der Schülerspeisung eriucht werden soll, eine Maßnahme, die sehr notwendig erscheint.- Jfn die Tpree gesprungen und ertrunken. Di« Verzweiflungstat eines jungen Lebensmüden rief am Dient» lag bei EchmetterlingShorst Aufsehen hervor. Der Selbstmörder hatte durch sein ausgeregte» Wesen die Aufmerksamkeit der Spazier- Sänger erregt Er begann sich dann plötzlich zu entkleiden und stürzte sich, nur noch mil den Beinkletdern versehen, in die Fluten t'" Spree. Obwohl alsbald Rettungsversuche unternommen wurden, ging d« LebenSmüdd unter und ertrank. Im Jackett fand inan e»nen Abschiedsbrief des jungen MarnteS an die Eltern vor. ES «ndelt sich nm den zwanzigjährigen Suchdrucker Otto Schulz aus �"kölln. Aw Enmd der Verzweiflungstat gibt Sch. an, er sei lungenkrank und der Arzt habe ibm wenig Hoffnung gemacht, daß er je wieder vollständig gesund werde. Er ziehe e» daher vor, freiwillig in den Tod zu gehen._ Warnung vor Kautiouss chlv indlern. Ein gewerbsmäßiger KauiionSschwindler, der den Strasbehörden schon wiederholt zu schaffen machte, hat wieder einmal eine ganze Reihe von arbeitsuckenden Leuten um erhebliche Beträge, zum Teil um die letzten Ersparnisse betrogen. Es ist ein 35 Jahre alter „Kaufmann" Eugen Schneider, der nach Verbüßung vieler Strafen zuletzt in der Weberstraße wieder emen Betrieb eröffnete, den er Detektei und KommiistonSgeslböft nannte. Schneider, der stüher schon mit der Vertrauensseligkeit stellungsloser Leute oft gute „Geschäfte" gemacht hatte, betrieb seinen alten Schwindel zunächst wieder allein und dann in Verbindung mit einem Sozius, den ibm aber eines Tages die Kriminalpolizei wegholte, um ihn nach Moabit zu bringen. Ihn selbst konnte man nicht gleich fassen. Weil er aber voraussah, daß man auch ihm hinter die Schliche kommen werde, so machte er noch rasch einen größeren Beute- zug, um dann zu verschwinden. Er suchte nicht bloß Rechercheure für seine Detektei, sondern auch Buchhalter und Verkäufer für sein „Kommissionsgeschäft" und fand für alle Posten Bewerber genug, die ihm gern die verlangte Bürgschaft stellten, in einzelnen Fällen bis zu b55 Mark. Den Rechercheuren schrieb der Gauner, der gar keine Aufträge hatte, einfach ein paar Nomen aus dem Adreßbuch auf und sandte sie dann hinaus, sich nach den bezeichneten Leuten zu erkundigen, Nachdem er an Bürgschaften in kurzer Zeit mehrere Tausend Mark eingeheimst hatte, verschwand Schneider eines TageS unmittelbar vor der Gehaltszahlung und ließ seine Angestellten mittellos sitzen. Auch seine Geliebte, bei der er wohnte, ließ er im Stich. Jetzt wird der geriebene Gauner vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I steckbrieslich gesucht. Studenten als Wahlschlepper für die Liberalen werden gesucht. Ein Ausruf des„Deutschen Akademischen Frei« bundeS", einer Vereinigung liberaler Akademiker, mahnt:.Kommt» litonen! Beweiset, daß der alte freiheitliche Geist in der Studenten- schaft fortlebt, durch tatkräftige Arbeit für die liberalen K.indidaien in Groß-Berlin". Angehängt ist ein Formular mit der zu unter- schreibenden Erklärung:„Ich bin bereit, am 16. Mai als Schlepper für die liberalen Kandidaten in Groß< Berlin mitzuarbeiten". Am Mittwoch waren in der Umgebung der Universität mehrere Zettelvcrleiler aufgestellt, die den Sludenten diesen Aufruf überreichten. Selbstverständlich ist es das gute Recht der Liberalen, auch unter den Studenten für sich zu werben. DaS- selbe Recht muß auch jeder anderen Partei zustehen. Aber was ge» schähe wohl, wenn vor den Universitäten ein ähnlicher Aufruf zu- � gunsten der Sozialdemokratie verbreitet würde? Nötig haben wir es allerdings nicht, un» auf diese Weise unsere Hilfskräfte für den Wahltag zusammenzusuchen. Unsere Genossen kennen ihre Pflicht und werden sie angesichts der großen von den Gegnern gemachten Anstrengungen doppelt eifrig tun. Ter Zar von Rnfiland kommt nach Berlin. Der Kaiser von Rußland hat sich entschlossen, der Einladung de» Deutschen Kaiser« zu folgen und an der im Mai stattfindenden Hochzeit der Tochter de» Kaiserpaares teilzunehmen. E» wird gemeldet, daß der russische Polizeiminffter bereits auf dem Wege nach Berlin sei, um die nötigen Vorbereitungen zum Empfang in Berlin zu treffen. Diese Vorbereitungen bestehen im wesentlichen in umfang« reichen polizeilichen Absperrungen, die diesmal ganz besonder» streng durchgeführt werden sollen. Der Berliner Bürgerschaft wird am Hochzeitstage der Kaisertockiter in empfehlende Erinnerung gebracht weiden, daß wir in Preußen-Deutschland russische Zustände haben. Ob zu Ehren des russischen Gastes noch andere Maßnahmen ge- troffen werden solle», dürfte wahrscheinlich von dem russischen Polizeiminister abhängen, der bei der hiesigen politischen Polizei für seine Wünsche ein geneigtes Ohr finden dürste. Mnndhalten in der Kchul-Zahnklinit! Ein bißchen sonderbar scheint cS ja in den Schul-Zahnkliniken zuzugehen. Vor kurzem meldeten wcr, daß ein Arzt der Schul- Zahnklinik in der Blumenstraße einen Knaben als nicht sauber genug zurückgewiesen und ihm aufgetragen hatte, in anderer Kleidung wiederzukommen. Die Kleidung, die dem Arzt zu der Würde des OrteS nicht zu passen schien, war deS Jungen einziges Kostüm für Hau«, Schule und Straße, für Wochenlage und Sonntag. Heute erfahren wir auS der Schul- Zahnklinik in der Hochstraße ein andere» Vorkommnis, das nicht minder geeignet ist, der davon betroffenen Familie die Benutzung solcher An st alten zu verleiden. Ein Knabe, der einer Zahnbehandlung bedurfte, war durch die Schule an diese Klinik gewiesen worden. Seine Mutter begleitete ihn. aber sie mußte im Wartezimmer zurückbleiben und konnte nur der diensttuenden Schwester noch sagen, daß dtei Backzähne gezogen werden sollten. Die Schwester antwortete ihr, davon könne keine Rede sein, daß drei Zähne hintereinander gezogen würden. Als der Junge aus dem Sprechzimmer de« Arztes zurückkam, hatte er noch die drei»ranken Backzähne, aber dafür fehlten ihm zwei Schneidezähne. Er erzählte, dem Arzt habe er sagen wollen. welche Zähne gezogen werden sollten, der aber habe be- fohlen:„M und halten!" und habe dann die beiden Schneidezähne gezogen. Ob diese, wie die Mutter geglaubt hatte, noch als gesund gelten konnten, oder ob auch sie. wie ihr hinterher die Schwester sagte, schon krank waren, können wir nicht wissen. Wundern müssen wir uns aber, daß ein Arzt so ohne Anhörung der Niutter über ein ihm zur Behandlung zugeführtes Kind verfügen zu dürfen meint. Haben etwa bei diesem Arzt oder vielleicht überhaupt in den Schul-Zahnkliniken auch die Eltern den Mund zu hallen? In dem vorliegenden Fall hielt allerdings die Mutler wenigstens nachher nicht den Mund, sondern verlangte, daß der Arzt den Jungen sogleich noch einmal vornähme. Er zog nun zunächst noch einen der drei kranken Backzähne und als am andern Tage der Jun�e auf Veranlassung seines Klassenlehrer« er- neul von der Mutler rn die Klinik geführt worden war. Ivurde er endlich auch noch die beiden andern loS. Die Mutter hoffte, jetzt den Arzt selber sprechen zu können, aber es gelang ihr nicht. Unsere« Er- achten» hätte der Arzt besser getan, selber nach diesem Vorkommnis die Mutter um eine Unterredung zu bitten und sich über den Sach- verhalt zu äußern. Bisher hat sie festgehalten an der Meinung. daß ihrem Kinde versehentlich zwei geiunde Zähne gezogen worden sind.__ Nahezu fünfzig GaSautomatendiebstahle sind im Laufe der letzten Wochen in Berlin verübt worden, Da derartige Einbrüche gegenwärtig sehr überhand genommen haben, so muß angenommen werden, daß eine Diebesbande ihre Hand im Spiel« hat und daß sich die„Spezialisten" wohl nur mit dem Er- brechen von GaSautomaten abgeben. Auf irgendwelche Weise ver- schaffen sich die Einbrecher Zutritt zu den Wohnungen, um die Automaten auszurauben. Sie scheuen sich nicht, auch in die Woh- uungen einzubrechen, um auf diese Weise an die Automaten heran-. zulommen. Derartige Diebereien sind für die Mieter um so empfindlicher, als sie für den Verlust im Automaten den Gasgesell- schaften gegenüber aufkommen, nässen. Eine Moffestraße will der Magistrat in Berlin schaffen zum An- denken an den heute 75 Jahre alten Zeitungsverleger Rudolf Mosse. weil der Mann aus seinen vielen Millionen eine Million zur Er- rilbtung einer Stlstuiig für erwerbsunfähige Personen vorgerückten Alters in Groß-Berlin gemackt hat, aus der an die genannten Per- sonen Beträge von 355—1555 M. alljährlich verteilt werden sollen. Die Verwaltung der Stiftung ist dem Berliner Mogistrat übertragen und einem Kuratorium, an welchem der Stifter und seine Gattin be- teilizt sein sollen. Grabschäuder sind in den letzten Tagen an verschiedenen Stellen wieder aurgctreien. Zuletzt suchten sie den Friedhos der Kaiser- Wilhelm-Gedächtnis-Gemeinde am Fürstenbrunner Weg heim. Dort erbemelen sie, wie gestern entdeckt wurde, von nrehreren Grabstellen gt/z Meter Bronzekette», die sie i» sechs stücken von verschiedenen Gräbern gewaltsam abrissen. Die Diebe haben ohne Zweifel Ab- nehmer unter Produktenhändlern oder in ähnlichen Geschäften. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei nach dem Verbleib de» gestohlenen Gutes waren aber bisher erfolglos. Ermaßigte Eintrittskarte» für die SczeifionS-DuSstellung für 2ö Pf.(statt 1 M.) sind bei Paul Harsch. Engeluser 15, und im Bureau der Herberge des Gewerkschaflshauses zu haben. Der Stockholmer Arbeilergesangvemu wird heute Donnerstag abend in der„Neuen Welt", Hasenheide 158, sein Berliner Konzert geben. Dem find Konzerte in Kopenbagen, Hamburg und Bremen votaufgegangen, die sämtlich einen großen Erfolg des CborS�be» deuten. In Kopenhagen fanden am letzten Sonntag zwei überfüllte Konzerte statt, die in der Kopenhagener Presse die ehrendsten Be- sprechungen gefunden haben. Auch unser Hamburger Parteiblatt. das„Hamburger Echo", zollt dem Chor und seinem Dirigenten in einer mufikkritisch angelegten Besprechung lebhafte Anerkennung. Die vom„Echo" zwischen dem Stockholmer Arbeiterchor und unseren eigenen Chören gezogenen Vergleiche find für die Stockholmer recht ehrenhaft. Das Berliner Konzert wird vom Arbeiter-Sänaerbund, Gau Berlin, mit Unterstützung des Bildungsausschusses Groß-Berlin arrangiert. Die Liedertexie werden in deutscher Uebersetzung den Besuchern ausgehändigt, so daß sie auch sprachlich den Sängern zu folgen vermöge». Das Programm enthält mit Ausnahme des „Freiheitssckwur" von MendelSsohn-Bartholdy ausschließlich skandi- navische Lieder, darunter die lustiger Kinder der Muse Karl Micael BellwanS sowie schwedische Volks- und Tanzlieder einen hervor- ragenden Platz einnehmen. Wir wünschen dem Kozert einen guten Besuch. Das Eintrittsgeld beträgt an der Kasse 65 Pf. einschl. Pro- gramm und Liedertexte. Arbeiter-BildungSschule. Ausflug am ersten Feiertag nach Erkner— Woltersdorfer Schleuse— Kranichsberge— Kaltsee— Rüdersdorf— Kalkberge—Tasdorf— Stienitzsee. Abfahrt morgens 7� Uhr ab Schief. Bahnhof nach Erkner III. Kl. 5,45 M. Anschließend Dampferfahrt nach Woltersdorfer Schleuse 5,15 M. Treffpunkt für Nachzügler bis 15 Uhr vormittags im Restaurant Ruhwald. Woltersdorfer Schleuse. Von 12 Uhr ab im„Deutschen Haus" zu Tasdorf, Station Tasdorf. Mitglieder, Bekannte und Gäste willkommen. Verloren. Am Montag hat in Köpenick auf der Brücke zwischen Schloß- und Lindenstraße ein Mitfahrer eines BrauereiwagenS den Wagenplan verloren. Der Plan ist von einem Mann, der einen Handwagen schob, aufgenommen worden. Der ersatzpflichtige Mit- sahrer ersucht dringend um Rückgabe des Plans, der mit der Firma der Patzenhofer-Brauerei auf beidert Seiten bedruckt ist. Zweck- dienliche Mitteilungen werden an Max Köpp, Kochhannstr. 16, vorn 4 Treppen, erbeten._ Vorort-Nachrichten. Nenkölln. Ein großer Schuppenbrand, der auf Brandstiftung zurückzuführen sein dürfte, kam gestern in früher Morgenstunde auf dem Grundstück der Maschinenfabrik von Otto Wilhelmi in der Köllnischen Allee 4S zum Ausbruch. Als die Neuköllner Feuerwehr eintraf, stand der etwa 25 Meter lange und 8 Meter breite Schuppen schon vollständig in Flammen. Das Feuer gefährdete auch eine benachbarte Farben- sabrik, weshalb der Branddirektor sofort mit drei Schlauchleitungen Wasser geben ließ. Von dem Schnppen, in dem größere Mengen Stroh und viele landwirtschaftliche Geräte lagerten, war nicht« mehr zu retten. Die vollständige Ablöschung und die LufräumungS- arbeilen zogen sich mehrere Stunden hin. Als die Feuerwehr noch auf dieser Brandstätte tätig war, erfolgte neuer Feueralarm nach der Köllnischen Allee 17/13. Dort stand eine größere Baubude in Flammen. Die Gefahr konnte bald beseitigt werden. Ein weilerer Schuppenbrand alarmierte die Neuköllner Feuer« wehr gestern nachmittag nach der Grenzallee dicht bei Britz. Als die Löschzüge eintrafen, bildete der langgestreckte Schuppen auf dem Wanzlikschen Grundstück schon ein einziges Feuermeer. Der Lösch- angriff erfolgte sofort niit vier Schlauchleitungen, und in der Hauptsache galt eS, die umliegenden Baulichkeiten zu schützen. Nach einstündiger Arbeit war die Gefahr deS Brandes gebrochen. Der Schuppen ist aber vollständig eingeäschert worden. Die Ausräumung der Brandstelle übernahm die Britzer Feuerwehr. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt. Lichterfelde. Zu einer eiligen Sitzung wurde die Gemeindevertretung ein« beruieu, um noch vor Pfingsten über die Einführung elektrischer Kraft für Wasserversorgung und landwirlschaftliche Betriebe auf dem Rieselgut Werben zu beschließen. Die jetzigen maschinellen Ein- richtungen scheinen demnach und auch nach den Ausführungen»es Referenten so weit herunter zu sein, daß sie bei nächster Gelegenheit auSelnanderzufallen drohen. Gemeindeverlreter K r ü l l S begründete eingehend die Vorlage, indem er auf die jetzigen unhaltbaren Zu» stände auf dem Gut Werben und den notwendigen Ersatz deS vorhandenen und verbrauchten Motors zum Zwecke der Zuleitung deS notwendigen Wassers hinwies. Der Ge- meinde biete sich Gelegenheit, den elektrischen Strom von den Berliner Vororr-Elektrizitälswertea zu beziehen und ihn auf dem Gute für Beleuchtung und Kraftanlagen zu verwenden. Die ganze Installation koste 12555 M. Gegen den jetzigen Zustand bedeute der elektrische Betrieb einen wesentlichen Fortschritt und er- hebliche Vorzüge. G.-V. Jäger bekämpfte scharf die Vorlage deS Gemeindevorstandes und der Kommission. Zunächst wies er auf die prekären Finanzverhältnisse der Gemeinde und auf die Un« rentabilität des Gutes Werben hin, die allen Anlaß gäben, sparsamer zu wirtschaften. Auch vom rein technischen Standpunkte auS empfehle sich die Einführung der Elektrizität nicht, weil an feuchten Orten, wie z. B. in Ställe», der in Frage kommende Drehstroin vagabondiere und für Menschen und Tiere gefährlich werden lönne. Er sei der Meinung, an Stelle des jetzigen unbrauchbaren Motors einen neuen anzuschaffen, dessen Preis höchstens sechstausend Marl be« tragen könne. Schöffe Lengner betonie nochmals die Notwendig- keit. Zweckmäßigkeit und wirtschaftlichen Vorteile deS elektrischen Be« triebe« auch in den laildivirtschaftlichen Betrieben und bezeichnet gerade mit Rücksicht auf die eventuelle spätere Verpachtung de« Gutes die Ausstattung mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft als besonders empfehlenswert. Die Kosten der ausgedehnten Debatte trugen �n der HauptsaiHe die beiden sachverständigen Gemeinde' Vertreter K r ü I l s und Jäger, deren Meinungen jedoch ebenso- weit auseinander gingen, wie die Meinungen unter Juristen Schliehltch wurde die Vorlage angenommen und gegen 4 Stimmen 12 000 M. sür eleltrische BsleuchtungS- und Kraftanlagen bewilligt Charlottenburg. Fürsorge sür die Kleinkinder, d. b- für die Kinder vom ersten bis sechsten Lebensjahre hat neben der Säuglingsfürsorge die Stadt Charlottenburg seit dem 1. April 1911 eingerichtet. Gerade für diese Altersstufe, in der die Grundlagen für die körperliche und geistige EntWickelung gelegt und der Kern für manche spätere Er- krankung aufgenommen wird, ist eine sorgfältige ärztliche Ueberwachung dringend geboten. In jeder der Charlottenburger Säuglingsfürsorge- stellen werden besondere Wochensprechstunden sür Kinder vom ersten bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre abgehalten. In diesen Sprech- stunden werden in regelmäßigen Zwischenräumen zunächst solche Kinder, die bis zum vollendeten ersten Lebensjahre bereits die Säuglings- fürsorgestelle besucht haben, weiter vorgestellt. Zugelassen werden zu diesen Sprechstunden jedoch alle Kinder im Aller von 1—6 Jahren, auch wenn sie vorher die Säuglingsfürsorgestelle nicht besucht haben. Mütter und Pflegemütter erhalten in diesen Sprechstunden unent- geltlich spezialärztlichen Rat über die für das Gedeihen des Kindes gebotenen Maßnahmen und die Vermeidung von Schädlichkeiten Diese Kleinkindersprechstunden werden an folgenden Tagen ab- gehalten: Säuglingssürsorgestelle I, Berliner Straße 137; Mittwoch 2—3 Uhr;«säuglingssürsorgestelle II, Wilmersdorfer Straße III: Dienstag 2—3 Uhr; Säuglingsfürsorgestelle III, Scharrenstr. 32: Freitag 1—2 Uhr; Säuglingsfürsorgestelle IV, Nehringstr. 11: Dienstag ll'/z— 3>/z Uhr; Säuglingssürsorgestelle V, Kaiserin-Augusta-Allee 102; Dienstag 2—3 Uhr; Säuglingssürsorgestelle VI, Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus, Mollwitzstraße: Mittwoch 2—3 Uhr; Säuglingstfürsorgestelle VII, Horstwcg 28; Donnerstag, 2—3 Uhr. Die Mütter und Pflegemütter, die zugleich einen Säugling und ein größeres Kind in der Fürsorgestelle vorstellen wollen, können ausnahmsweise auch die größeren Kinder in der SäuglingSsprech- stunde mitvorstellen. Die Einrichtung der Fürsorge für die Klein- linder hat sich bisher sehr gut bewährt und kann den Müttern und Pflegemüttern der Kinder zum eifrigen Besuch nicht dringend genug empfohlen werden. Elternverein für freie Erziehung. Dienstag, den 13. d. Mts. (3. Feiertag), findet ein Familienausflug nach Finkenkrug statt. Treff- Punkt 9H9 Uhr vormittags, pünktlich, vor dem Bahnhof Jungfern- Heide. Kinder der Mitglieder erhalten freie Fahrt. Für Nachzügler zur Kaffeepause in Brieselang. Auch NichtMitglieder und deren Kinder können daran teilnehmen. Auf die jeden Mittwoch nach der Jungfernheide stattfindenden Ausflüge wird besonders hingewiesen. Treffpunkt: nachmittags 2'/z Uhr, Luisenplatz vor dem Kaiser- Friedrich-Denkmal. Kaffeekochen im Restaurant Waldkater(Inhaber Schön). Jedes Kind hat ein eigenes Trinkgefäß mitzubringen. Auch hieran können NichtMitglieder und deren Kinder teilnehmen. Tempelhof. Den ersehnten Bürgcrmcistcrtitcl erhalten hat nunmehr der im Januar zum Gemeindevorsteher gewählte Schöffe und SyndiluS Herr W i e s e n e r. In einer im März stattgefundenen öffenUichen Ge- meindevertretcrsitzung wurde nach Erledigung der Etatsberatung vom Schöffen Jung der Wunsch ausgedrückt, für Herrn Wiesener bei der Regierung die Erlaubnis zur Führung des Titels Büraermeister zu erbitten. Dem Vorhaben widersprach' die sozialdemokratiiche Fraktion. Inzwischen ist diese Angelegenheit in einer nicht-öffenUichen Sitzung erledigt worden und jetzt ist bereits der neue Gemeindevorsteher zu feinem ersehnten Titel gekommen. Weistensee. Eine verhängnisvolle Explosion von Petroleumgasen ereignete sich auf dem Fabrikgrundstück Langhansstr. 282. In der Metallwaren- fabrik von Max Louis wird beim Ausbobren von Metalltcilen ein L>el benutzt, das wiederum in gewärmten Petroleumbädern beseitigt wird. Vorgestern wurde ein Bassin, das Petroleum enthielt, über einer Gasflamme in entsprechender Entfernung angewärmt. Plötzlich explodierten die jedenfalls überhitzten Petroleumgase, die sich ver- mutlich entzündet hatten. Eine mächtige Stichflamme schoß empor und traf unglücklicherweise den Arbeiter Hermann Jungklaus aus Hohen-Schönhausen. I. erlitt so schwere Brandwunden, daß er schleunigst nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Das durch die Explosion entstandene Feuer konnte von Fabrikarbeitern gelöscht werden, so daß die alarmierte Feuerwehr nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchte. Schmargendorf. Für die bevorstehende Landtagswahl teilt der Gemeindevorstand folgendes mit: Eine Anzahl hiesiger Einwohner konnte in die llr- Wählerlisten nicht aufgenommen werden, weil sie außerhalb Preußens geboren sind und ihre Staatsangehörigkeit amtlich nicht bekannt ist. Dies hat für die Beteiligten verschiedentlich zu Mißhelligkeilen ge- führt, insbesondere bei denjenigen, die überhaupt nicht, oder ver- spätet, Einsicht in die Listen genommen haben. ES wird Interessenten daher dringend empfohlen, unter Vorlegung ent- sprechender Ausweise Bervollsländigung der Melderegister zu be- antragen. Eichwalde. Unerwartet gestorben ist in der gestrigen Nacht der hiesige Ge- meindevorsteher N ä h r i g. In der letzten Zeit waren, wie wir in unserer Nummer vom letzten Sonntag berichteten, gegen den Ver- storbcnen mannigfache Angriffe wegen seiner Amtsführung erfolgt. Man hatte sogar Beschwerde über ihn beim Landrat geführt. Während seiner Amtsführung hat Eichwalde einen erheblichen Auf- schwung genommen. Klein-Schönebeck-Fichienau. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung die Anliegerbeiträge zu den Kosten der Pflasterung der Bürgerstcige in der Hauptstraße auf 70 Prozent festzusetzen, nachdem ein von Herrn Klesczewski gestellter Antrag, die Beiträge nur in Höbe von 50 Prozent zu erheben, damit auch die Mieler indirekt zur Kosten- auibringung herangezogen werden, nach Bekämpfung durch Genossen Tobias abgelehnt worden war. Bezüglich des Verkaufes russischen Fleisches ist jetzt erst, nach einem halben Jahr, ein Bescheid des Ministers des Innern eingegangen. Dieser kann dem Antrage der Gemeinde, ihr vom 1. Oktober d. I. ab den Verlauf russischen Fleisches zu gestalten, angeblich jetzt noch keine Zustimmung geben,.weil sich noch nicht übersehen läßt, wie sich die Verhältnisse auf dem Fleisch- markt entwickeln werden'. Er ersucht deshalb die Gemeinde- Vertretung, den gestellten Antrag zurückzuziehen und stellt anheim, ihn im Herbst nochmals zu wiederholen. Genosse Tobias wandte sich entschieden gegen das Ansinnen des Ministers. Würde die Gemeindevertretung dessen Rat nachkommen, dann könnte sie nach den jetzt schon gemachten Erfahrungen erleben, daß der im Herbst erneut gestellte Antrag im Frühjahr nächsten Jahres be- antwortet werden würde. Damit wäre natürlich der Fleischverkauf wieder in Frage gestellt. Unser Genosse� ersuchte deshalb die Gemeindevertretung, den Antrag nicht zurückzuziehen, sondern die Genehmigung des Bezuges russischen Fleiiches vom 1. Oktober ab zu verlangen mit der Maßgabe, daß sich die Gemeinde vorbehält, von der Erlaubnis Gebrauch zu machen oder davon Abstand zu nehmen. Die Gemeindevertretung stimmte dem einmütig zu. Bei den Beratungen über daS� Kreiswasserwerk hatte Genosse Tobias auf die notwendige Entwässerung hingewiesen und besonders kritisiert, daß die Polizeibehörde, die sich sonst um alles Mögliche kümmere, trotz mehrfacher Anzeigen nichts�unternehme, um die Verseuchung des Brunnenwassers durch die Sickergruben(ein Zustand, den auch der Gemeindevorsteher als.Schweinerei' be- zeichnen mußte) zu verhindern. Diese Kritik hatten wir in unserem Bericht über die betr. Gemeindevertretersitzung wiedergegeben und die»VorwärtS'-Notiz hatte wieder die Aufsichtsbehörde veranlaht, Gemeinde- und DmiSvorsteher zu einer Aeußeruug aufzufordern. In einem Falle, konnte nun der Amtsvorsteher nachweisen, daß er— allerdings erst nach sieben Monaten— die Beseitigung einer Sickergrube veranlaßt hatte. FlugS sandte er seine Akten ein, damit in öffenllicher Sitzung die TobiasscheBehauptung richtiggestellt werden sollte. Dazu lag natürlich gar keine Veranlassung vor. Genosse Tobias hielt seine Behauptungen in vollem Umfange aufrecht, konnte sogar jetzt auf Grund der vorliegenden Akten nachweisen, mit welch staunenswerter Langsamkeit die sonst in andere» Dingen sehr eifrige Polizeibehörde in solchen Angelegenheiten, die wegen ihrer großen Gefahr für die öffentliche Gesundheit Dringlichkeit fordern, arbeitet und erklärte sich nochmals bereit, nicht nur seine Angaben zu wiederholen, sondern sogar noch zu erweitern. Hoffentlich schlägt nunmehr die Polizeibehörde auch zur Abschaffung der Mißstände das beschleunigte Tempo an, das sie fand, um angeblich unberechtigte Angriffe abzuwehren. NowaweS. Der langsame Fortgang der Pflasterungsarbeiten an der Unter- führung am Schnittpunkt der Aorck- und Bülowstraße wird in Ver- kehrskreisen recht unangenehm empfunden, weil infolge der vor einigen Tagen erfolgten Sperrung der Eisenbahnstraße zwecks Neu- Pflasterung die Verbindung des nördlichen mit dem südlichen Ortsteil für Fuhrwerke nur durch die zwei räumlich sehr weit auseinander liegenden Unterführungen im Zuge der Moltke- und der Planlagen- straße möglich ist. Die Eisenbahnvcrwaltung hätte unbedingt dafür Sorge tragen müssen, daß die Unterführung an der Bülowstraße bei Sperrung der Eisenbahnstraße für Fuhrwerke freigegeben werden konnte. Spandau. Ein klägliches Fiasko hat der patriotische Rummel in der Jubi- läumsturuhalle erlitten. Die„Sp. Ztg." schreibt hierzu u. a.:„Mit einem Mißakkord scheinen die Jubiläumsfestspiele.Gold für Eisen in der Jubiläumsturnhalle abgeschlossen zu haben. Dieser Mißakkord hat anscheinend seilte Ursache in den« sehr mäßigen Besuch der Bor stellungen und dem siw daraus folgernden ungünstigen finanziellen Abschluß... Der Verfasser des Festspiels, Röhling, zugleich auch Direktor, hatte angeblich schon nach der ersten Vorstellung, die immerhin einigermaßen besucht war, versucht, die Schauspieler mit einem kleineren Honorar, wie vereinbart war, abzufinden. Die «Schauspieler gingen darauf abev nicht ein. Die zweite Vor- stellung am Mittwoch voriger Woche wies ein fast leeres Haus auf und Herr Röhling zahlte den Schauspielern teilweise nur die Hälfte des Honorars aus. Er entschuldigte sich damit, er habe geglaubt, die Ausgaben hierfür aus den Einnahmen bestreiten zu können und habe sich deshalb nicht mit Geld versehen. Er soll sich aber verpflichtet haben, den Rest des Honorars vor Beginn der Sonntagsvorstellung zu entrichten, worauf die Darsteller auch ein- gingen. Die Zahlung am Sonntag blieb aber auch aus und die chauspieler weigerten sich darausbin, weiterzuspielen. Ein an- gesehener Bürger der«tadl nahm sich darauf der Sache an. An- geblich wollte er die Angelegenheit mit dem Magistrat regeln. Die Vorstellung begann infolgedessen wieder vor leerem Hause. Als nun gleich nach der Aufführung die Schauspieler wenigstens das halbe Refthonorar haben wollten, suchten sie vergeblich nach dem Di- rektor, der aber nicht zu finden war. So mußten Darsteller, Musiker und Handwerker, die sich ebenfalls zur Abhebung ihrer Beträge eingefunden hatten, mit leeren Händen abziehen. Die Frage ist nun, wer kann den armen Schauspielern und onftigen Leidtragenden helfen? Die Festspiele waren rein private Aufführungen, obwohl sie.Jubiläumsfestspiele der Siadt Spandau benannt wurden. Irgendwelche Verpflichtungen hat die Stadl wohl nicht übernommen und deshalb ist auch das Vertrösten deS obenerwähnten Herrn aus die Hilfe des Magistrats unverständlich. Auf- klärung tut aber im Jnlcresje der ganzen Jubelfeier unserer Stadt dringend not.' Der Magistrat, der die Benutzung der Jubiläumsturnhalle der Freien Turnerschaft andauernd verweigert, stellt die Halle zu latriotifchen Zwecken ohne westereß jedem llntentehmer zur Ver- ugunq. Es fehlt nur noch, daß die Steuerzahler für die zu- geknöpften Patrioten das Defizit bezahlen müssen. Potsdam. Die neue Straßenbahn Potsdam— Bornim. Der jetzt denr Stadt- Parlament zur Genehmigung vorliegende Bertrag zwischen Potsdam und der Gemeinde Bornim betreffend den Bau der elektrischen Straßenbahn nach Bornim sieht eine Verlängerung der Potsdamer elektrischen Straßenbahn vom Nauener Tor ab bis zur Kirche in Bornim vor. Die Bahn zweigt vom Nauener Tor durch die Kaiser- Wilhelmstraße ab und befährt dann die Chaussee über Bornstedt nach Bornim. Sfe wird bis zur Hohenzollenrstraße zweigleisig und von dort eingleisig geführt. Die Gemeinde überläßt der Stadt die von der Provmzialverwallung hinsichtlich des BahnbaueS erworbenen vertraglichen Rechte und gestaltet unentgeltlich die Anlage der Gleise und die Aufstellung der Masten sowie sonstiger Betriebseinrichtungen. Die Reinigungspflicht für den Bahnkörper übernimmt im Gemeinde- gebiet die Gemeinde selbst. Die Stadl beginnt secvs Monate nach Erteilung der Konzession den Bau. Dem Fahrplan wird ein 30 Minulenbetrieb zugrunde gelegt, der an Sonn- und Festtagen auf eisten Viertelstundenbetrieb verdichtet wird. Der Fahrpreis für die längste Slrecke Bahnhof Potsdam bis Kirche Bornim beträgt 25 Pf. Potsdam zahlt als Abfindung für die Einstellung des Omnibusbetricbes. an die Gemeinde 16 000 M. Sitzungstage von Stadt- und lScmeindevertretungen. Lichtenberg.'Heute Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, im Rathause, Möllendorislr. 5. Reinickendorf. Heute Donnerstag, den 8. Mai, nachmittags von S Ubr ab im grohen Sitzungssaale des Rathauses, Hauptstr. 38/10. 2 Tr. Weisjensce. Freitag, den v. Mai. nachmittags 5 Uhr, im SitzungS. saale des Rathauses, Albcrrinenstr. ö. Lankwist. Donnerstag, den 8. Mai. im Ratbaufe. Diese Sitzungen sind össenllich. Zeder Gemeindeangehirige i« berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. CknditZ- Zeitung* Konservativer Terror. Ein BeleidigungSprozctz, der gestern vor dem Schöffengericht Bcrlin-Schöncbcrg verhandelt wurde, leuchtete in das terroristische Treiben der konservativen Parteileitung gegen die konservativen Personen hinein, die sich erdreisten, statt lediglich nach der Pfeife des Herrn von Heydcbrand zu tanzen, mal selbständige Ansichten zu äußern. Als Kläger trat der vom Rechtsanwalt Tr. Lips vertretene Schriftsteller Hans Kertzendorff gegen den Generalsekretär des HauptvercinS der deutschen Konservativen, Bruno Schroeter, auf, der von Rechtsanwalt Skorczewski verteidigt wurde. Im Februar d. I. erschienen in dem„Reichsbotcn" mehrere von dem jetzigen Kläger Kertzendorff'verfaßte Artikel, die sich mit der Besitzsteuerfrage im allgemeinen und insbesondere mit der Uebertragung der Stempelsteuer an das Reich beschäftigten. Ter Inhalt dieser Artikel erregte das lebhafte Mißfallen der leitenden Persönlichkeiten in der konservativen Partei, insbesondere des Herrn v. Heydcbrand, da die-Artikel in einem gewissen Gegensatz zu der Ansicht der Parteileitung und zu den in der„Kreuzzeitung' und von der parteioffiziösen Korrespondenz veröffentlichten Artikeln standen. Herr v. Hchdebrand setzte sich mit dem jetzigen Beklagten. dem Generalsclretär der konservativen Pdlstei, in Verbindung, der sich seinerseits an den Legationsrat a. D. Dr. v. Schwerin wandte, der Mitglied des Verwaltungsausschusses des.Reichsboten' ist. Bei einem telephonischen Gespräch, teilte der Beklagt« Lerrn Dr. v. Schwerin mit, daß jene von dem Kläger berfaßten Artikel das Mißfallen der Pgrteikeitung erregt hätten und daß Kertzendorff „beruflich unzuverlässig" sei. Diese letztere Äeußerung wiederholte der Beklagte in einem an Dr. v. Schwerin gerichteten Brief, den dieser dann später dem damaligen Chefredakteur des„Reichsboten', Dr. Kropatfchek, vorlegte. Der Kläger folgert hieraus, daß ihm hierdurch die weitere Lieferung von Artikeln für den„Reichsboten" abgeschnitten, d. h,, daß er beruflich„abgesägt" werden sollte. Er habe die Artikel nach Rücksprache mit dem Grafen Schwerin-Löwitz und den Herren Böhlendorff-Kölpin und Graf Mirbach-Sorquitten verfaßt und glaube nicht, daß er damit die konservativen Parteiinteressen irgendwie geschädigt habe. Der Beklagte, Generalsekretär Schroeter nahm für sich den «Schutz des§ 193 in Anspruch. Er könne hier Material gegen den Kläger vorbringen, durch welches dieser vernichtet würde und welches ergeben würde, daß dem Kläger tatsächlich ein gewisses Verantwortlichkeitsgefühl als Angehöriger der konservativen Partei fehle.— Nach längerer Verhandlung kam das Gericht zu einer Freisprechung des Beklagten mit folgender Begründung: Zweifel- los sei der gegen einen Journalisten erhobene Vorwurf der beruf- lichen Unzuvcrlässigkeit ein sehr schwerer. Im vorliegenden Falle habe das Gericht aber dem Beklagten als Generalsekretär der kon- servativen Partei den Schutz des§ 193 zubilligen müssen, da er hier tatsächlich nur berechtigte Interessen wahrgenommen habe. Da sich aus der Form und den Umständen die Absicht einer Be- leidigung nicht erkennen lasse, so rechtfertige sich das freisprechende Urteil.— Von dem Kläger wird gegen dieses Urteil Berufung. eingelegt werden. Der Ausschluß beS Reichsgrafen v. Oppersdorfs aus dem Augustinusverein. Im Jahre 1911 erhob der Zentrumsabgeordnete ReichSgraf v. Oppersdorfs gegen den Redakteur H. in Düsseldorf den Borwurf der politischen Nnaufrichtigkeit. Infolgedessen wurde am 12. Sep- tember 1911 vom Vorstand des Augustinusvcreins in Düsseldorf einstimmig der Beschluß gefaßt, daß der Graf v. Opoersdorff aus dem Verein ausgeschlosseir wird.�falls er nicht die beleidigenden Aeußerungen widerruft. Durch Schreiben vom 15. September ersuchte der Verein den Grafen, die Aeuherung gegen den Redakteur H. öffentlich zurückzunehmen. Auf dieses«schreiben antwortete Graf v. Oppersdorfs mit einer Beschwerdeschrist. Darauf erhielt er ein Schreiben, daß der Vorstand des Augustinusvereins ein» stimmig den Ausschluß des Grafen aus dem Verein beschlossen habe. Graf V. Oppersdorfs erwiderte am 17. Dezember, daß er den Ausschluß nicht anerkenne, jetzt aber freiwillig aus dem Ver- ein ausscheide, weil dieser mit zweierlei Maß mege. Wegen deS Ausschlusses hat v. Oppersdorft Klage auf Feststellung erhoben, daß sein Ausschluß unwirksam ist. Zunächst habe ihn nicht gemäß 8 10 der Statuten das Präsidium ausgeschlossen, sondern der zweite Vorsitzende und der Generalsekretär. Der vom Vorstand beschlossene bedingte Ausschluß allein sei ungültig. Außerdem sei vorgeschrieben, daß bei Slreitigkeiteu zwischen dem Augustinus- verein und seinen Mitgliedern ein Schiedsgericht zu entscheiden habe und daß gegen diele Entscheidung die Berufung an den Ge- samtvorstand zulässig kei. Das Landgericht und Oberlandesgcricht Düffeldorf hatten die Klage abgewiesen. Das Oberlandesgericht nahm an, daß in ge- wissen Fällen das Präsidium allein über den Ausschluß eines Mit» gliedes entscheiden kann, ohne an den Beschluß gebunden zu sein. — Gegen das Urteil des Lberlandesgerichts hat der Kläger mit Erfolg Revision beim Reichsgericht eingelegt. Dies hat am Dien»» tag das Urteil des ObcrlandcsgcrichtS aufgehoben und die Sache an das Oberlandesgericht zurückverwiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt: Sache der Nachprüfung durch das Reichsgericht ist nicht das Vorliegen der materiellen Voraussetzungen des Ausschusses; aber die formalen Voraussetzungen der Ausschließung mußten nachgeprüft werden. Es ist nicht zuzulassen, daß das Präsidium erst einen bedingten Beschluß faßte, und daß dann unterlassen wurde, einen Beschluß über den Eintritt der Bedingung zu fassen. Ob etwa ein solcher Beschlutz vorliegt, ist aus dem Sachvortrag nicht ersichtlich; zu ersehen ist nur ein Beschlutz des Vorsitzenden. Es muh jedoch stets aufs neue durch das maßgebliche Organ deS Vereins festgestellt werden, ob die Voraussetzungen sür den Aus- schluß vorliegen. Die Sache war deshalb zur anderweiten Fest- stellung an das Oberlandesgericht zurückzuverweisen. Badesaison und Bauverbot. Für alle Badeorte ist jetzt eine vom Kammergericht gefällte Entscheidung von Bedeutung. Der Landrat des Kreises Rügen (Sitz Bergen auf Rügen) hat am 19. März 1910 eine Polizet» Verordnung erlassen, die sür eine Anzahl Orte mit Badeverkehr, die ja auf Rügen ziemlich zahlreich sind, besondere Bestimmungen enthält. Dazu gehört der§ 53, welcher vorschreibt: „In der Zeit vom 15. Juni bis zum 15. September(Badezeit) dürfen im Geineindebezirk weder Bauten ausgeführt noch Bau- stosf dazu angefahren werden. Ausnahmen sind zulässig." Der Bauunternehmer Ziinow in Saßnitz, einem der in Be- tracht kommenden Badeorte, war wegen Uebertretung jener Vor- schrift angeklagt worden. Das Schöffengericht verurteilte ihn, die Strafkammer in Stralsund sprach ihn jedoch frei, indem sie die Bestimmung für ungültig erachtete. Das Landgericht nahm an, daß eine solche Vorschrift gegen den Z 1 der Gewerbeordnung ver- stoße, welcher die sogenannte Gewerbefreiheit gewährleiste. Ten Baubeslissenen würden die besten Lauinonate dadurch entzogen, Aber die Vorschrift halte sich auch nicht innerhalb des RahmenS deS ] 10 Teil 2 Titel 17 des Allgemeinen Landrechts. Von dem Publi- um drobenden Gefahren, die die Bestimmung abwehren solle. könne keine Rede sein, höchstens von Belästigungen des Bade- publikumS. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Sie machte geltend, daß im Interesse des Erholung suchenden Publikums für Badeorte weitergehende Bestimmungen geschaffen werden könnten. Es könne auch§ 61 des PolizeiverwaltungSgcsetzes herangezogen werden, der von der polizeilichen Ref>emng solcher Angelegenheiten spreche, die sonst noch im besonderen Interesse der Gemeinde zulässig seien. Das Kammcrgericht beließ es jedoch bei der Freisvrcchung. ES erachtete den Z 53 ebenfalls sür ungültig. Allerdings würde die Berufung auf§ 1 der Gewerbeordnung solcher Vorschrift nicht entgegenstehen. Sie sei aber ungültig, weil sie nicht durch Z 10 Teil 2 Titel 17 des Allgemeinen Lanorechts gestützt werde. Von dem Publikum nahe bevorstehenden Gefahren, die abzuwenden nach dem Landrecht die Ausgabe der Polizei sei, könne nicht die Rede sein. - u Wasierstonds ber LandeSanilalt für Gewäsierlunde. Saffersiand Memel. Tilsit Pregel. Jnfterburg W eichiel. Tborn Oder. Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe. Schrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden . Larby , Magdeburg Saal«, Grochlctz Havel. Svandau') Ratdenaw Spree. SorenO-rg') Leeslow Weser. Münden Minden R h ei n�MaximllianSau ' Köln Neckar,' Heikbrorm Main. Hanau. Mosel. Trier -st bedeutet Wuchs,- Fall.-») Unterpegel. Wasserstand -Nachrichten mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau leü* 5. 5. cm1) +9 0 +12 +18 0 +21 +5 am 6 5. cra 134 28 32 80 208 277 448 244 285 159 132 +8 +7 -12 +• +1 a Rur ei» Lob hört man über u�ere §(l)ul)waren. Bettes lUder, febonfte formen. Bequem, :: elegant, modern.:: Mark s. 90 90 1, 90 Gfilmmdort Huguftaftr. i. Schoneberg Dauptftraßc 160. Steglitz Hlbred�tftraße z. 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