Ur. 114. Kbonnementk-Seckingungev: Slonnements- Preis pränmnerandai «ierteljäbrl. 3£0 Mk, monolL 1,10 Ml. wöchentUÄ 28 Pfg. frei in- Haus. Einzelne Nununer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitruigS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn LchO Marl, für daS übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonncmcnt- nehmen an; Belgien. Däncmarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die Insertion!-Lediihr beträgt für die sechSgcspaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Verein?. und BcrsamlnIungS.Anzcigen 30 Pig. „Kleine lineeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tZUläsfig 2 fettgedruckte Worte), jede- weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate kür die nächste Nummer müssen bi- ti Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Cricheint fzgllch. Verlinev Volksblettt. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zcntralorgan der fozialdcmokratffchcn Partei Deutfcblands. Redaktion: 8 Cd. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moribplak, Nr. IS8S. Weltpiiogsten. Aber kommen wird ein Pfingsten Donnernd über euer Haupt» und ein Festtag der Gcriugstcic, der des Hochmuts Stamm entlaubt. H c r w e g h. Wie die sogenannten christlichen Feste Weihnachten, Ostern und Pfingsten älter sind als die christliche Doktrin, so Ivurzelu sie auch tiefer im Volksgemiit als die christliche Doktrin und werden noch immer, unter anderem Zeichen allerdings, ihre Purpurfahnen über die Lande wehen lassen, ivenu längst der letzte Altar zerfallen und längst das letzte Kreuz in Staub gesunken ist. Pfingsten zumal ist ein solches Fest von ewigem Bestand, an dem sich die grünende Hoffnung und die flüchte- schlverc Erfüllung in Eins verschlingen. Selbst in den revo- lutionären Tumulten des Jahres 1798, als der christlich! Kalender saint seinen Festen und Heiligen schon in Fetzen ge rissen und den Winden zum Spiel überlassen war, wurde in Paris das Pfingstfest jubelnd gefeiert: alles drängte ins Grüne hinaus, drei Tage waren die Märkte verödet, die Kramlüden geschlossen und sogar die nimmermüde Bürgerin Guillotine hatte ihre drei Feiertage. Vor kurzem noch hat des Reiches Kanzler gegen die Sozialdemokratie den Vorwurf geschleudert, sie mißachte, der- höhne und beschimpfe die Religion, um dann freilich durch seine Trabanten ein höchst unglückliches Rückzugsgefecht liefern zu lassen. In der Tat ist kein Vorwurf törichter und keiner ungerechter. Wir lassen wirklich, getreu unserem Grundsatz, daß tsteligion Privatsache ist, jeden nach seiner Fasson selig werden, und iver das Kapitel L der Apostelgeschichte wort- wörtlich glauben will, der mag unseretwegcn ruhig überzeugt davon sein, daß sich zugetragen hat, was da geschrieben steht: „Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilet wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen. Und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der„Geist ihnen gab auszusprechen". Und wer noch ein übriges tun will, kann sich unseretwegen diesen Geist auch als eine vom Himmel flatternde weiße Taube vorstellen— wir haben sicherlich nichts dagegen. Wir freilich haben eine bessere Deutung dieses Gleichniffes von der Ausgießung des heiligen Geistes und dem Reden in anderen Zungen. Wir wissen, daß die Entstehung des Ur- christentums eine soziale Erscheinung und ein Stück Klassenkampf war. Ter Jesus, soweit er überhaupt geschichtlich ist, trug nicht die Schmachtlocke, die ihm seine Diener von heute auffrisicren, sondern den trotzigen Haarbusch des Revolutionärs, denn er>var ein galiläifchcr Rebell, nichts anderes und kam, ein Heiland der Barrikade, das Schwert zu predigen und nicht den Palm- zweig. Der jüdische MessiaSglaubc war national be- schränkt, aber der revolutionäre Gcheimbund der Urchristen griff sehr bald in internationale Bezirke hinüber, und ein Symbol dieser Jnternationalität war eö, ein wundersames ur». frühlingshaftes Symbol, Ivenu später die Apostelgeschichte die Kunde brachte von dem Pfingstfest, da der heilige Geist über alle gekommen war, und alle in anderen Zungen reden konnten, als ihnen von Hause aus geläufig. Hier aber schlägt sich mühelos die Brücke von dem ur- christlichen zu dem sozialistischen Pfingstfest. Wir sind wahrhaftig Gegner des Bestrebens, das Feuer des Sozialismus bei jeder Gelegenheit mit dem Wasser des Christentums zu mischen. Der Sozialismus besteht durch sich selbst und hat seine eigenen Sinnbilder, und es ist immer ein Zeichen primi- tiven Denkens und zurückgebliebener Entwickelnng, wenn etwa Wilhelm Wcitling seinen Handwerksburschenkommunismus mit christlichem Weihwasser taufte oder wenn die ersten Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins Ferdinand Lassalle als den proletarischen Messias göttliche Verehrung entgegen- brachten. Aber bei dem Pfingstwunder liegen die Bcrührnngs- punkte mit denr Sozialismus so nah, daß kaum ein Blinder achtlos daran vorübergehen könnte. Eben der erste Mai der � proletarischen Internationale war ein solcher Tag. der an das Pfingstwunder gemahnte. Wo auf dem weiten Erdenrund � Fabriken sich erhoben als Fronfesten des Kapitalismus, wo die Ketten klirrten von unterdrückten Millionen, wo der Mensch noch ausgebeutet ward vom Menschen, überall dort standen sie ein Geist: der des Sozialismus. Ist nicht auch das ein pfingstliches Wunder? Aber von der Wirkung pfingstlichen Geistes scheinen wir heute weiter entfernt denn je. Diese Maiensonne spiegelt sich in den Blutlachen eines eben zu Ende gehenden großen Krieges, und das junge Maiengrün spi/eßt aus Maffengräbern empor. Damit nicht genug, starrt der Erdball wie ein Igel von Bajonetten und statt Fricdensglocken zu gießen, gießt man neue 5lanoncn. Wie eine Raserei des Moldens hat es die Welt überfallen, und die Pfäfflcin, die heute am Pfingst- sonntag sich ihren Latz vorbinden und von der Kanzel herab salbungsvoll verkünden, daß das Christentum der Friede sei. sie segnen selbst die Bajonette und die Äanonen ein und sind auch bereit, auf ein großes Völkermorden den Segen des Gottes der Liebe herabzurufcn. An all diesen Festtagen soll man dieser Sippe das lästerliche Wort ins Ohr rufen, das am 27. September vergangenen Jahres ein ausgewachsenes Pfaffcnblatt, der„ R c i ch s b 0 t e" zu schreiben sich nicht scheute:„Im Namen des Christentums muß gegen die Friedensbewegung protestiert werden!" Das ist die Lehre des offiziell abgestempelten Christen- tums, das ist heutzutage das Wcihnachts-, Ostcr- und Pfingst- evangelium der Staatskirche:?kieder mit dem Frieden! Hoch der Krieg! Aber niag die Welt von Waffen klirren und Waffen starren, wir sind voll guter Zuversicht, denn so wie zu Pfingsten der Frühling wirklich und wahrhaftig die konservativen Mächte des Beharrens, des Winters und der Finsternis besiegt hat, so wird auch der sozialistische Pfingstgeist im Zeichen des Welt- friedcns den Triumph davontragen über die Kriegsschrcier und Kriegshetzer. Machtvoll dringt dieser Geist nach allen Seiten vor und läßt sich durch nichts aufhalten, nicht durch papierene Dekrete und nicht durch eiserne Gitterstäbe. Er dringt er- leuchtend in die dunkelsten Winkel vor. Er fällt erhellend in die armseligste Hütztc. Er scheucht wie mit Posauncnstößen den letztem Schläfer vom Lager auf. Er läßt die Völker all in einer Zunge reden und zeigt ihnen hinter der Losung: Proletarier aller Länder vereinigt Euch! in schimmerndem Glanz jenes Weltpfingstcn, das der Dichter vorausgeahnt als einen„Festtag der Geringsten". Mag die Welt von Waffen klirren. Wer nicht vernimmt, wie diesem Waffenklang das starke und frohe Brausen des Pfingstgeistes übertönt, von dem gilt das Wort, daß er Ohren hat zu hören und hört nicht. zu- die Unterdrückten nnd Ausgebeuteten an diesem Tage sammein Sie redeten in vielerlei Zungen, und doch verstanden' s� sich in einer Sprache: der deS Sozialismus. Sic waren verschiedenen Stammes, und doch umschlang sie c i n Band: j das des Sozialismus. Sie waren verschiedenen Sinnes nnd � verschiedener Art, und doch beseelte, erfüllte und entflammte, DU ßerner Konferenz. Bern, 10. Mai.(Eig. 23er.) Die Teilnehmer an der Konferenz deutscher und französischer Parlamentarier, die aus Einladung von Mitgliedern der Schweizer Nationalversammlung hier zusammentritt, um den Kricgstreibereicn und der unerträglichen Steigerung der Rüstungslasten in Deutschland und Frankreich entgegen- zuarbeiten, sind bereits zuni größten Teil in der Schweizer Bundeshauptstadt eingetroffen. Vielleicht kann man es als ein günstiges Omen für die Konferenz betrachten, daß sie genau 42 Jahre nach dem Frankfurter Friedensschlüsse von 1871 zusammentritt. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Deutschen Reichstages und der französischen Deputierten- katiuner sind schon am heutigen Nachmittag zu einer Vorkonferenz zusammengetreten. Es läßt sich jetzt bereits sagen, daß zwar die deutsche nnd französische Sozialdemokratie selbst- verständlich in gleich starker Weise an der Konferenz teil- nehmen wird, daß jedoch von bürgerlichen Parlamentariern ungleich mehr aus Frankreich als aus Teutschland kommen werden. Die Tcilnehmerzahl der Verständigungskonferenz dürfte 165 betragen, davon kommen 33 aus Teutschland, aber 114 aus Frankreich. Von unseren französischen Genossen sind u. a. zu nennen: I a u r ä s, V a i l I a n t, S e m b a t. N e n a u d el, G r 0 u s f i e r; unsere Reichstagssraktion ist vertreten durch Bebel, Bernstein, Frank, Molken- buhr, Hilde nbrand. Liebknecht, Wurm, Ul- rich, Grad it au er, Peirotes, Weill, Haase, G e y e r, E 0 h u, B ö h l e, E m ni a l, B i u d e r, B a u e r. Schmidt, S i I b e r s ch ni i d t. G i e b e � und Dr. Herz- feld. Unier den französischen bürgerlichen Parlamentariern ist der bekannte Vertreter der Friedens- und SchiedsgeriHDs- idee. Senator Baron d'E st 0 ur ne ll e s de Eon staut. der Senator Gaston M e 11 u i e r, unter den Radikaliozialisten und unabhängigen Sozialisten sind B a u d i n, der einst- malige Zlrbcitsmiinster, und Augagncur, der frühere Gouverneur von Madagaskar. Von bürgerlichen deutschen Parlamentariern sieht man die fortschrittlichen Reichstags- abgeordneten Konrad H a u ß m a n n, Dr. Haas, Fegte r. R 0 e s e r. L i e s ch i n g. Dr. S i c h r und L e u b e, die Zentruinsabgeordiicten Dr. Pfeiffer und Dr. Beizer, den Elsässer H a e g Y und den Dänen Haussen. Der libc- rale Miinchener Abgeordnete Dr. K e r s ch e n st e i n e r hat sich damit entschuldigt, daß er zu Pfingsten an einem päda- gogischen Kongreß teilnehmen muß. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moriffplatz, Rr. 1984. Die Beratungen beginnen am Pfingstsoiintag, vormittags 10 Uhr, in der Aula der hiesigen Universität und werden in beiden Sprachen geführt werden. Als Uebersetzer fungiert unser Genosse Nationalrat Dr. B r iist lei n° Bern. Sie Kerner Konferenz und das bürgerliche Frankreich. Paris, 10. Mai.(Eig. 23er.) Die Berner.Konferenz ist in Frankreich der Anlaß einer lebhaften, zum Teil leidenschaftlichen Diskussion geworden, deren Motive in Wirklichkeit mehr den Interessen der inneren Politik als denen der äußeren angehören. Niemand kann sich darüber täuschen, daß die Konferenz, mag ihr Verlaus auch alle Wünsche der Veranstalter erfüllen, an der allgemeinen diplomatischen Konstellation vorläufig nichts ändern kann. Der Gegensatz:„Entente gegen Dreibund" wird fortwirken, mag auch die deutsch-französische Annäherung als ein Kultur- gedanke die demokratischen Parteien gewinnen. Auch in den sehr ansehnlichen Massen des französischen Bauern- und Bürgertums, die der chauvinistischen Hetze abgeneigt sind und ein dauerndes friedliches Verhältnis zu Deutschland wünschen, das die Einschränkung der Rüstungsbudgets ge- statten würde, besteht, abgesehen von den nicht verwundenen Wünschen und Erinnerungen, ein sehr lebhaftes Mißtrauen gegen die Politik des Deutschen Reiches fort, das noch mehr als dies gerechtfertigt ist, unter dem Gesichtspunkt des junker- lichen Kriegs- und Raubstaates betrachtet wird. Dieses Ge- fühl, daß Frankreich Vorkehrungen zu seiner Sicherung gegen eine Vergewaltigungspolitik des Dreibundes treffen müsse, ist so stark, daß zum Beispiel für die Pariser Fahrt des spanischen Königs, die, nach der vorherrschenden Annahme, den Eintritt Spaniens in die Entente vorbereiten sollte, alle Parteien der Demokratie, trotz der in Frankreich und beson- derS in Paris sehr. lebendigen Erinnerung au die Ermordniig Kerrers, die Taktik einer korrekten Höflichkeit oder Zurück- Haltung tzcsolgten, und die von den Anarchisten und den mit ihnen wieder einmal verbündeten Syndikalisten vorbereitete Demonstration vor der spanischen Botschaft ohne die ein- pörendc Brutalität der Polizisten leicht hätte verhindert werden können. Die„Bataillc Syndicaliste" schimpft heute angesichts des unleugbaren Mißerfolges über das„schändliche Schweigen" der Sozialisten und„Jnsurrektionellen". aber es war einfach selbstverständlich, daß auch die sozialistische Pattei, nachdem sie in ihrem gemeinsamen Manifest mit der spani- scheu Sozialdemokratie ihre Solidarität mit dem kämpfenden spanischen Proletariat und ihre Gegnerschaft gegen die mili- taristischen Treibereien kundgegeben liatte, keine Manifestation mitmachen konnte, die im jetzigen Augenblick von den stets � lauernden Gegnern mit dem Schein des Rechts als ein dejn Dreibund erwiesener Dienst hingestellt worden wäre und die überdies in Spanien selbst den Konservativen gedient hätte: In der Diskussion über die Berner Konferenz kehrt immer das Argument wieder, daß in Deutschland das Par- lament machtlos sei, die armen Teufel von Reichstagsabgc- ordneten nichts zu geben hätten— zum Unterschied von den französischen Volksvertretern, die gebietende Lenker der nationalen Politik seien. So sagte gestern das ge- mäßigte„Journal des Dabats", so heute der Deputierte Dessoye in einem zurückhaltenden Artikel der radikalen .Laiiterna". und auch der hitzige klerikale Nationalist de Muri im„Echo des Paris" weist darauf hin. daß die deutschen Abgeordneten„ohne wirkliche Autorität in den diplomatischen Angelegenheiten, ohne wirksamen Einfluß auf die militärischen Pläne ihres Landes" seien. Aber er hebt gleichzeitig hervor, daß in Frankreich selbst„nur der Staatschef, der Ministerpräsident und der Minister des Aeußern befugt seien, im Namen des Landes zu sprechen". Daß die Berner Kon- ferenz offizielle Abmachungen treffen soll, hat indes noch niemand gesagt nnd geglaubt. Usid Tatsache ist es auch, daß in Frankreich diejenigen, die im Namen des Landes sprechen, mit denen, die mit ihrer Kapitalsmacht die Politik beherrschen, ebensowenig identisch sind, wie man den dynastisch-junkerlichen Apparat Deutschlands, losgelöst von den hinter ihm tätigen kapitalistischen Mächten, betrachten darf. Mit der Meinung, daß die Berner Konferenz an den diplomatischen Gruppenbildungen nichts ändern und die in den wirtschaftlichen Machtverhältnissen und Entwickelungs- linien begründeten imperialistischen Tendenzen nicht über- winden wird, hat es schon seine Richtigkeit. Trotzdem ist die Heftigkeit der reaktionären Polemik gegen sie Wohl begreif- lich. Die Konferenz stört die Kreise der klerikalen, sozial- konservativen und antirepublikanischen Politik sehr empfind- lich. Seit ein paar Jahren ging alles vortrefflich für die Feinde der Demokratie. Die bürgerliche Panik, anläßlich der großen Streiks, wurde geschickt ausgenützt, dann kam, von den ungeschickten Streichen der deutschen Diplomatie begünstigt, die chauvinistische Hetze und die patriotische_ Stimmungsmache in verschiedenen Formen, vom Rundflugfieber bis zum Kultus der Jungfrau von Orleans. Die Protestierenden wurden immer brutaler zur Ruhe gebracht. Herr B a r t h 0 u herrscht die antimilitaristischen Professoren wie störrische Be- diente an, die royalistischen Studiosen und Pennäler brüllen sie nieder. Und was dieser Kampagne besonders zugute kam, war die Uupopttlaritat des Parlaments, die das Ergebnis der unfähigen Politik der radikalen Demokratie war. Man kann sich nun vorstellen, wie die reaktionären Par- teicn vom Gedanken beunruhigt werden, daß das Volk von seiner Besorgnis um die nationale Sicherheit befreit und zuni (illanben an die Möglichkeit der Abrüstung gebracht werden könnte. Das französische Volk will keinen Krieg und es steht den wachsenden Forderungen des Militarismus mit ent- schiedener Abneigung gegenüber. Wer ihm die Befreiung von dieser Sorge und diesen Lasten brächte, den würde es segnen. Tie bürgerliche Demokratie, der Parlamentarismus würden sofort das verlorene Terrain zurückgewinnen, wenn sie das grohe Werk vollbrächten. Aber vollbringen sie es nicht, ist lhr Schicksal besiegelt. Der letzte Aufschwung der Demokratie nahm seinen Aus- gang vom.Kanrpf für das Recht eines einzelnen Mannes. Diesnial handelt es sich um den unstillbaren Kampf für die vom Militarismus und Chauvinismus bedrohte Kultur der Nation. Heute wie damals haben Sozialisten— und dies nial sind es alle Sozialisten vereint— die Führung über uommen. Der Widerstand der Volksmassen gegen die Heeres- reform hat viele radikale Parlamentarier und den Vollzugs ausschuß der radikalen Partei ermutigt, wenigstens den natioimlistisdfen Lärmmachern, die die einzige aktive Hilfs- trnppe der Regierung sind, entgegenzutreten. Die Berner Konferenz ist im Kampf gegen den Chauvinismus eine Episode, aber sicher keine unbedeutende. Es ist darun: bemerkenswert, daß die bürgerliche Linke des französischen Parlaments die Konferenz zahlreich be- schicken wird. Bedeutungsvoller aber als der gute Wille der Parlamentarier, der sich bei den großen radikalen Gruppen nur zaudernd und unsicher kundgibt, ist die unbestreitbare große Bewegung in� Volk selbst. Die Teilnahme aller Klassen, die in Resolutionen von Geueralräten und Gemeindevertretungen, in Adressen von„Intellektuellen", in Zu- schriften einfacher Bürger an die freiheitlichen Zeitungen zutage tritt. Diese friedensfreundliche Strömung, diese Neu- belebung des demokratischen Bewußtseins würde von einein Gelingen der Berner Konferenz mächtig gefördert werden und könnte dann mit einer Ueberwindung des neuen Natio- nalismus, der der ivachsende Einfluß der Volksmeinung in Deutschland entspräche, das Werk der diplomatischen Annähe- nmg und die Einschränkung des Militarismus vorbereiten, die natürlich niemand von ein paar glücklichen Formeln und Konfercnzbeschlüssen erwartet. poUtifcbe Oebcrficbt ».Die Sozialdemokratie und der Kriegsfall." Unter dieser Ueberschrift bringt die„Post" Auszüge aus einem ueuen Buche des französischen Sozialisten Gustav H e r V e, das dieser unter dem Titel„Elsaß-Lothringen" hat erscheinen lassen. Wir kennen das Buch nicht, können daher auch nicht sagen, ob die Auszüge der„Post" der Wahrheit entsprechen. In dem angeblichen Auszuge der„Post" be- finden sich Andeutungen über bestimmte Abmachungen, die die deutsche Sozialdemokratie mit der französischen über den Kriegs- fall getroffen haben soll. Wir können diesen Andeutungen gegenüber mit aller Bcsti m.m theit feststellen, daß irgerid welche Abmachungen, außer der aller Welt bekannt gewordenen Resolution, die der internationale Kongreß in Basel zur Kriegsfrage faßte, nicht getroffen worden sind._ Die Reichstagsersaktvahl in Ost- und Weft-Sternberg. Nach der vorläufigen amtlichen Feststellung haben bei der am Freitag im Wahlkreise Ost- und West-Stcrnberg für den der- storbenen konservativen Abgeordneten von Kaphengst vollzogenen Reichstagsersatzwahl erhalten: Rittergutsbesitzer Bohtz-Schmagorei ((Kons.) SWS, Redakteur Heile-Schöneberg(Fortschr. Vp.) 1722, Fabrikant Fröhlich- Steglitz(Refpt.) 1026, GewerkschaftSange- stellter S ch ü n i n g- Lichtenberg(Sog.) 2364 Stimmen. Zer- splittert waren 32 Stimmen. „v!e finsteren Mächte des Unglaubens". Am 10. März d. I. hat Wilhelm A. im Kasino des Landwehr- Osfizierkorps eine Rede gegen die„finsteren Mächte des Unglaubens' gehalten und am 16. April d. I. hat der Reichskanzler im Deutschen Reichstage die Behauptung aufgestellt, er habe in der„Leipziger Volkszeitung"»tnen Artikel gelesen, der eine starke Schmähung der christlichen Religion in sich berge. Deshalb habe er bei dem Staats- sekretär deS Reichsjustizamts angefragt, ob nicht die Möglichkeit ge- geben sei, gegen daS Blatt resp. dessen verantwortlichen Redakteur einzuschreiten. Am LS. April d. I. mußte die Regierung zugeben, daß der Reichskanzler sich in der Quellenangabe geirrt habe, und die„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" suchte den Rückzug des Reichskanzlers durch einen Artikel zu decken, dem man auch in bürgerlichen Blättern die Ueberschrift„Olle Kamellen' gegeben hat. Seitdem bemüht sich die Regierung und die ganz- oder halb- offiziöse Presse krampfhaft, nachzuweisen, daß die Sozialdemokratie die christliche Religion verspottet und bekämpft. Allen voran die „Tägliche Rundschau", in der ein Pastor Jllgenstein in cinem vier Spalten umfassenden Erguß seinem Haß gegen die Sozial- demokratie Luft macht durch ein langes Sammelsurium von allerlei Zitaten aus sozialdemokratischen Reden und Schriften. Schade um die Arbeit, die sich der Herr Pastor gemacht hat I Hätte er sich bei uns vorher informiert, wir hätten ihm viel besieres Material zur Verfügung stellen können. Da lesen wir in einer Schrift: „Die Religion ist eine alte Maschine, die man immer benutzt hat, um die Völker in untertaner Treue zu halten und die Menschenvernunft zu zügeln... So lange die Fürsten an der Hctte der Theologie liegen und die dem Land Gebietenden immer wieder fürs Beten bezahlt bekommen, kann die von solchen Geistes- l>, rannen verdunkelte Wahrheit das Volk nicht erleuchten. Wie Kranke nach allerlei Arznei langen. Werl ste hosten, daß eine sie heilen werde, so hat das Menschengeichlecht in seiner Verblendung ein göttliches Wesen und eine helfende Kraft rn allen natürlichen Dingen vorausgesetzt.". Und weiter heißt es in derselben Schrift: .. dieselben Menschen, die so widerspruchsvolle Vor- stellungen von Gott haben, führen mit jeder Kirchenversammlung neue Glaubensartikel ein, die nach dem Belieben und Interesse der Priester wechseln. � Sie wollen als die Stellvertreter Christi unfehlbar sein und ihr �eben ist so. daß man sie eher für Stellvertreter des Teufels halten könnte. Die Geschichte der Kirchs zeigt uns mit einem Wort ein Werk der Politik, des Ehrgeizes und des Bohtz ist somit gewählt. Die Wahl am Freitag hat demnach im Vergleich zur vor- jährigen Hauptwahl den Konservativen einen Zuwachs von un- gesähr 150 Stimmen auf Kosten des Antisemiten eingebracht, während Genosse Schöning fast 1000 Stimmen verloren hat; denn damals ergab sich folgendes Etimmenverhältnis: Schüuing(Soz.) 3333, von Kaphengst(kons.) 9142, Fröhlich(Ant.) 3427, Roßbach (Fortschr.) 607 Stimmen. Der für unsere Partei anscheinend so ungünstige Wahlausfall bedeutet in Wirklichkeit keineswegs einen Terrainverlust. Ter Rückgang der für den sozialdemokratischen Kandidaten abgegebejicu Stimmen erklärt sich daraus, daß ein großer Teil der sozial- demokratischen Wählerschaft aus Schiffern, Schnittern und Erd- arbeitern besteht, die im Sommer nicht zu Hause sind, sondern meist außerhalb ihres Wohnortes arbeiten. Zudem aber ist unseren Genossen im Kreise die Wahlagitation sowohl von den Behörden als von den einflußreichen Konservativen aufs äußerste erschwert worden. Nur ein einziges Versammlungslokal stand in dem'weit ausgedehnten Kreise unserer Partei zur Ver- fügung und die Versammlungen unter freiem Himmel wurden mehrfach aus den nichtigsten Gründen verboten. Wie die Konservativen verfuhren, zeigt nicht ntkr die von uns vor einigen Tagen berichtete Störung einer sozialdcnro kratischcn Wahlversammlung in Trossen durch die dortigen Semi- naristen unter Führung ihres hochwohlweiss« Direktors, sondern auch die am 7. Mai in Zielenzig abgehaltene konservative Ver sammlung. Vor Beginn der Versammlung hatte der Führer der Konservativen, Rechtsanwalt Stegniann, freie Diskussion zugesichert; als aber Genosse Schüning sich zum Wort meldete, erklärte der Herr Rechtsanwalt, in einer konservativen Versammlung dürften nur königstreuc Männer rede n, der sozialdemokratische Kandidat müsse deshalb erst angehen, ob er auch königstrcu sei. Erstaunt über dieses kuriose Ansinnen entgegnete ironisch Äenoss Schüning:„Genau so köuigstreu, wie die preu ßischen Junlc r." Herr Stegmann wollte aber diese ironische Abfertigung nicht gelten lassen; er erteilte Schüning nicht daS Wort. Statthalterwcchfel in Elfaft-Lothringen. Wie die„Berliner Volkszeitung" hört, darf es als sicher gelten, daß der jetzige Regent von Braunschweig. Herzog Jo- Hann Albrecht von Mecklenburg, sobald die braunschweigischc Thronfolgefragc geregelt ist und die Regentschaft in Braun schweig ihr Ende erreicht hat, Statthalter von Elsaß-Lothringen wird. Gegen„liberale" Feigheit. Der Beschlutz des Vorstandes der„Vereinigten liberalen Par teien" in Köln, sich dort an der Landtags Wahl nicht zu beteiligen, hat in den Kreisen der wirklich liberalen Leute helle Empörung hervorgerufen. In einer in Köln-Sülz abgehaltenen liberalen Versammlung kam eine Entrüstung zum Ausdruck, wie man sie in der Weise kaum erlebt hat. Nachdem zunächst der Vorsitzende seinem Mißfallen über jenen Beschluß Ausdruck gegeben hatte, wandte sich der Referent des Abends, Rechtsanwalt Biesantz, in schärfster Weise gegen die„alten Herren" des Kölner Vorstandes. Der Beschluß der Nichtbeteiligung sei das allerverwerflichste; wenn man keine eigenen Wahlmänner habe aufstellen wollen, so frage er: Gibt es keine sozialdeino- kratischen Wahlmänner?(Zurufe: Tie wählen wirl) Die Parole der Wahlenthaltung sei aus der Stimmung des K a tz e n j a m- mers geboren.(Stürmischer Beifall!) In der Diskussion legte nacheinander etwa ein Dutzend Redner, darunter eine Anzahl Akademiker, energisch Protest gegen die Wahlparole auf Enthaltung ein. Es wurde immer wieder aufgefordert, nur für die sozialdemokratischen Wahl- männtr zu stimmen, und zwar nicht stillschweigend, sondern öffentlich dazu auffordern. Den Vorstandsmitgliedern warf man R ü ck st ä n d i g k e i t und Faulheit vor, und emp- fahl ihnen, sich an dem Opfermut der Arbeiter ein Beispiel zu nehmen. Die Kölner Wahlenthaltungsparole sei ein Skandal. Schließlich beschloß man mit allen gegen eine Stimme eine Resolution, wonach die Versammlung empfiehlt,„in der gegebenen Eigennutzes der Priester. Statt den Charakter der Gottheit hier zu finden, siebt man den Namen des höchsten Wesens in ihr nur lächerlich gemißbraucht von geistlichen Betrügern, die sich seiner bedienen, um ihre verbrecherischen Leiden- s ch a f t e n damit zu verschleiern." Man denke: Die Priester sind„Stellvertreter des Teufels",„Mißbrauch de« göttlichen Namens durch geistliche Betrüger",„verbrecherische Leidenschaften'. Und weiter: „Die Theologen scheinen einander überhaupt alle zu gleichen, von welcher Religion oder von ivelchem Voll sie auch fem mögen. Sie haben immer die Absicht, sich ihre despotische Autorität über die Gewissen anzumaßen; und daS ist schon genug, um sie zu eifrigen Verfolgern aller derer zu machen. die mit edler Kühnheit die Wahrheit entschleiern- Ihre Hand ist immer mit dem Blitze des Anathemas bewaffnet, um daS erträumte Phantom der Jrreligion zu Boden zu schlagen. daS sie obne Unterlaß bekämpfen. Sie predigen Demut, eine Tugend, die sie in ihrem Verhalten niemals zeigen, nennen sich Diener eines Gottes deS Friedens und haben doch ein Herz voll Haß und Ehrsucht. Schon ihr Be» tragen allein, das ihrer Moral so wenig entspricht, könnte, wie mich dünlt, ihre Lehre in Mißkredit bringen. Der Charakter der Wahrheit ist ganz anders, sie bedarf keiner Waffen, um sich zu ver- teidigen, und keiner Gewalttätigkeit, um die Menschen zum Glauben zu nötigen. Sie braucht sich nur zu zeigen, und sobald ihr hell- strahlendes Licht die Wolken zerteilt hat, wohinter sie verborgen war, so ist sie ibres Triumphes sicher...' „Eben die Religion, welche Demut. Menschenliebe und Geduld lehrte, setzte sich mit Feuer und Schwert fest. Die Diener der Altäre, welche Heiligkeit und Armut zum Lose haben sollten, führten ein ärgerliches Leben, fie erwarben sich Reichtümer, wurden ehrsuchtig und einige von ihnen sogar mächtige Fürsten.. „Es ist ebenso schwer die Priester menschlich zu machen, wie mit Elefanten zu«den...' „Selig sind die Armen, denn sie werden daS Himmelreich er- Uten." Da aber die Priester wünschen, daß jedermann selig werde, so sorgen ste dafür, jedermann in den Stand der Armut zu versetzen. Nichts sollte erbaulicher sein, als die Beschichte der Oberhäupter der Kirche und der Statthalter Christi, man wird sich vorstellen, in ihr Muster von untadelhasten und heiligen Sitten zu finden. Indes zeigte sich gerade das Gegenteil: man findet nichts als empörende Ausschweifungen. Greuel und Aerger- nisse, und man kann sich nicht enthalten, wenn man da« Leben der Päpste liest, mehr als einmal ihre Verrätereien und ihre Grausamkeiten zu verabscheuen. Im allgemeine» sieht man da, wo ihre Herrschsucht stets auf Verniehrung ihrer weltlichen und geistlichen Macht bedacht war, wie ihre Herrschsucht keinen anderen Zweck hatte, als das Vermögen der Untertanen in ihre Familien zu bringen, um ihre Neffen, ihre Mätressen oder ihre Bastarde zu bereichern." Situafion die Stimmabgabe für die Kandidaten einer Partei, die es mit dem Kampf gegen das Drei- klaffen Wahlrecht ehrlich meint.... Sie beschließt. für die zu empfehlenden Kandidaten eine intensive Pro- p a g a n d a zu entfalten. An den Beschluß der Kölner Liberalen hält sich die Versammlung nicht gebunden, da den Liberalen der zum Laiidtagswahlkreise Köln gehörenden Vororte ein Einfluß darauf nicht zustand". Tie Behandlung der Sozialdemokratie durch die preußische Regierung kritisierten dieser Tage zwei süddeutsche Reichstagsab» geordnete tu öffentlichen Versammlungen. Die Acutzcruiigcn sind typisch für die Eindrücke, welche die Nadclstichpolitik der prcutzi- scheu Verwaltungsbehörden und ihrer untergeordneten Organe bei dem Berliner Aufenthalt der betreffenden Abgeordneten hinter- lassen hat. So erklärte der Vertreter des Karlsruher Wahlkreises, der fortschrittliche Dr. Claas, daß die Art der Behandlung, wie sie die preußische Regierung der Sozialdemokratie angedcihen läßt, geeignet wäre, selbst ihn zu einem radikalen Sozialdemokraten zu machen, wobei Tr. Claas besonders auf den Fall Düwell hinwies. Noch gründlicher sprach sich der ebenfalls fortschrittliche llniversi- tätsprofessor v. S ch u l z e- G ä v e r n i tz in einer großen Volks- Versammlung in Freiburg aus. Er sagte: „Wir fordern eine andere Behandlung der Sozialdemokratie. Ich spreche hier vor allem von N o r d d c u t s ch l a n d, wo noch Klassengegensätze in einer Schärfe herrschen, die, wer in den badischen Verhältnissen lebt, gar nicht begreifen kann, �ch bin nicht Sozialdemokrat, sondern von Grund aus liberal von Jugend her,— aber es ist doch wirklich unsinnig, die sozialdemokratische Ucberzcugung als moralisches Unrecht zu brandmarken und ge- sellschaftlich zu ächten. Es ist gewiß hochersrculich, daß Pfad- finder und Jugendwebr und ähnliche Organisationen Fahrpreis- crmäßigung auf der Eisenvahn erhalten. Warum dann aber nicht auch die sozialdemokratischen Jugcndvercine? Politisch sind sie zweifellos beide, und wenn man doch einmal sozialdemo- kratischc Jugend hat, ist es nicht besser, daß sie gesund als ver- kümmert ist? Das sind kleine Tatsachen, die aber ungeheuer verbitternd wirken. Wenn man in Berlin große Arbeiter» Versammlungen besucht und die Frage wird aufgeworfen: „Wie können wir unsere politische Entrechtung ändern?" und kein Mensch eine Antwort findet, schleicht wohl der dumpfe, stille Gedanke durch den Saal:„Ein fremder Eroberer!" Das Gefühl, Ungerechtigkeit zu leiden, das die breite Masse in Norddeutschland heute erfüllt, führt zu einer Verbitterung, die Volk und Staat einander völlig cntfreindet." Das sind beschämende Urteile über die offizielle Preußenpolitik, und das beschämendste ist, daß dies« Kritik nicht den geringsten Ein- druck auf die preußische Perwaltunssdureaukratie machen wird. Der landwirtschaftliche Unterricht im Heere. Seit einigen Jahren werden in den Garnisonortcn des Heere? regelmäßig landwirtschaftliche Untcrrichtskursc für Soldaten ab- gehalten, deren Einrichtung seinerzeit von agrarischer Seite ge- wünscht worden war. Die Sache geht direkt von den Landwirt- schastskammern aus, die die Kosten tragen, die Lehrkräfte vermitteln usw. Bei der Einrichtung dieser Sache überwog der Wunsch, daß auf dies« Weise der Abwanderung vom Lande, der„land- wirtschaftlichen Entfremdung" entgegengewirkt werden möchte. Sicher haben eS die Arrangeure an entsprechenden guten Ermah- nungen auch nicht fehlen lassen. Biel scheint aber dabei dock» nicht herauszukommen. Im letzten Bericht der westfälischen Landwirt- schaftskammer werden Angaben über die Anzahl der Meldungen und über den Besuch der Vorträge gemacht. Sie bezieben sich auf die Garnisonen des 7. Armeekorps. Danach haben sich von den Mannschaften eines ganzen Korps nur 267 gemeldet, außerdem 5 Offiziere. Im Jahre vorher, 1910/11, war die Zahl der Melhun- gen um 50 höher. Es wird aber festgestellt, daß im Durchschnitt noch nicht einmal 50 Proz. der angemeldeten Mannschaften die Kurse auch besucht haben. Vom Kürassierregiment Nr. 4 hatten sich z. B. nur 10 Leute gemeldet, und nur drei davon hielten es für nötig, zu den Unterrichtsstunden zu erscheinen. Auch dieses Mittel wird also den Agrariern nicht helfen. ES taugt ja auch nicht; das sicherste ist und bleibt: gründliche Besserung der Landarbeiterverhältnisse.____ Kadavergel, orsam. Das Kapitel vom militärischen Kadavergehorsam wurde wieder einmal in einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht Glogau „Die Menschen haben sich ein sonderbares Phantom von strenger Tugend geschmiedet und wollen, daß die Priester(Leute, die zur Hälfte Betrüger und zur Hälfte aber- gläubisch sind) diesen Charakter annehmen sollen. Es ist ihnen nicht erlaubt, offenbare H.... jäger oder Trunkenbolde zu sein. wohl aber ehrsüchtig zu sein.... Die Priester spielen, so lange sich ihr Eigennutz damit verträgt, den Tugendhaften, aber bei der geringsten Gelegenheit bricht die Natur aus ihren Fesseln hervor, und die Laster und Bosheiten, die von der äußeren Gestalt der Tugend verhüllt waren, erscheinen alsdann aufgedeckt.'... „Eine Gesellschaft kann nicht ohne Gesetze, wohl aber ohne (positive) Religion besteh««.".. „Die Toleranz muß in einem Staate jedem Freiheit geben, alles zu glauben, was er will."... „Ich glaube, daß die Völker einen freidenkenden Fürsten, der ein rechtschaffener Mann ist und sie glücklich macht, mehr lieben als einen orthodoxen, der ein Schurke ist. Nicht die Gedanken der Fürsten, sondern ihre Handlungen machen die Menschen glücklich.".... Wir stellen diese religions- und kirchenschmähenden Aeußertmgen Friedrichs IL König von Preußen(genannt der Alte Fritz) dem Herrn Reichskanzler zur Verfügung und sind gern bereit. die Liste derartiger Aussprüche zu vervollständigen. Vielleicht auch, daß sich auf eineAnftage des Herrn Reichskanzlers nunmehr der Staats- sekretär des RcichS-JustizamteS veranlaßt sieht, gegen derartige, die Religion schmähenden Schriften energisch einzuschreiten. Am 18. März 1848 schrieb Robert Prutz ein Gedicht, besten beide ersten Strophen lauten: Alles um des Volkes Willen! Seht, ich lache selbst im Stillen Dieser Bibeln und Postillen Und daß man so gläubig ist: Ich für mich bin Atheist! Doch das Volk, das Volk muß glauben! Glauben heißt der Talisman. Dem dte Erde Untertan. Wir die Adler, st« die Tauben! Und das Volk, das Voll muß glauben. Glauben oder doch so tun. Täglich in die Kirche laufen. Himmlische Traktätchen laufen Und mit Jordanwasser taufen, Samt dem christlichen Verein— Nun, für mich sind« Faselein. Doch das Volk. daS Volk muß beten I Denkt, ob denkt nur den Skandal Wenn die Bürger auch einmal Gottlos wie der Adel täten 1, Nein, das Volk, das Volk muß beten, Beten— oder doch so tun-._ Dieses Gedicht trägt die Ueberschrift:„Der Mtnister.« recht deutlich illustriert. Der Kanonier CzerSky vom Feld Artillencregiment Nr. 5 in Sagan hatte eines Tages zum Tränken seines Pferdes einen Eimer aus dem sogenannten Krankenstall be- nutzt. Dies bemerkte ein Unteroffizier aus einem anderen Beritt, der dem Kanonier befahl, den Eimer wieder wegzustellen, da er erst seine Pferde damit tränken wolle. Da der Kanonier der Meinung war, daß der ihm erteilte Befehl widerrechtlich sei, führte er diesen nur widerwillig aus. Dafür wurde er wegen Beharrens im Ungehorsam vor versammelter Mannschaft unter Anklage gestellt. Die Beweisaufnahme während der Verhandlung ergab auch tatsächlich, datz der Unteroffizier durchaus nicht befugt war, einen solchen Befehl zu erteilen, aber trotzdem wurde der Kanonier wegen Verweigerung eines ihm erteilten Befehls und wegen Gehorsamsver- Weigerung vor versammelter Mannschaft zu drei Wochen strengem Arrest verurteilt. Das Gericht hat jedoch beschlossen, für den Verurteilten ein .Gnadengesuch" einzureichen. Krupp-Hehler. Es fing damit an, dafi ich als Agent des Auslandes verschrien wurde; und heute bin ich zum Agenten des Zentrums und seines Kapitalheiligen Thyssen avanciert: ein Satyrzwischenspiel, in dem nun auch einige ernsthafte Blätter mitazieren. Das„Berliner Tageblatt", das jüngst in seinem Handclsteil einen Bovis, den die Munitions- und Waffcnfabrik gegen mich losplatzte, als eine veritable scharfgeladene Kanone estimierte, erwartet meine Aeusze rung zu der neuen Verfion. Ihm will ich den Gefallen tun und mit aller gebotenen Feierlichkeit bestätigen, dag das seit etwa einem halben Jahr in meinen Händen befindliche Krupp-Material weder aus der Erzbergerschen noch aus einer anderen Jesuitenkanzlei noch aus den Thysscnschen Jagdrevieren direkt oder indirekt entstammt. Und ich will damit auch dem armen militärfrommen und bewilligungS- eifrigen Zentrum, dessen Schmerz über die ihm entgangene „Sensation" der„Löwe von Zähringen" so ergreifend ausgedrückt hat, und das seine vorbehaltlose Krupp-Gläubigkeit wiederum am Mai in dem Zenlrumsorgan des Königreichs Krupp hat versichern lassen, aus dem grausigen Verdacht retten, bei einer politischen Aktion im Interesse friedlicher Kulturentwickelung mit der Vater landslosen Sozialdemokratie zusammengewirkt zu haben. In der Tat, mein liebes„Hamburger Fremdenblatt": die neue Kruppversion ist. eine neue Kruppdiversion! Man begann mit dem Versuch, durch ein wütendes antisozial- demokratisches Geschrei die Angriffe gegen Krupp und seine Sippe zu überdröhnen; das mifilang kläglich. Jetzt möchte man die Kulturkampfinstinkte zur Deckung Krupps mobilisieren. Ein verzweifeltes, hoffnungsloses Manöver. Auch dieser Trick und selbst das etwaige Schweigen des Zentrums dazu wird weder zur höheren Profitehre von Rabbi-Krupp, noch zur höheren Ehre von Mönch-Thyssen die von vornherein unzweideutig gegen die gesamte private Rüstungsindustrie gerichtete Arbeit der Sozialdemo lratie verwirren und um ihre Früchte betrügen. Erfurt, 9. Mai 1913. KarlLiebknecht. Zugleich dementiert auch die von Herrn Erzberger in- spirierte klerikale„Märkische Volkszeitung" das kuriose Märchen des auchfreismnigen„.Hamburger FremdenblatteS". DaS Erzbergersche Blatt schreibt: „Einen wunderbar schönen Ronian hat daS freisinnige„Ham burger Fremdenblatt" für den Fall Krupp zusammengedichtet; es schreibt nämlich: dast der Abg. Erzberger ursprünglich Inhaber der peinlichen Dokumente gewesen sei, eS aber für opportun gehalten babc, die Rolle des„EnthüllerS" der Sozialdemokratie zuzuschanzen. Herr Erzberger soll das Material angeblich von der Kruppschen Konkurrenz, nämlich dem bekannten rheinischen Großindustriellen August Thyssen erhalten haben. Es heißt dann weiter: Der rheinische Großindustrielle August Thyssen produziert auch Panzerplatten. Er trug sich auch mit dem Projekt einer Waffenfabrik. Die Thyssenschen Werke suchten für ihre Panzer- platten die Kundschaft der deutschen Wehrmacht. Sei es nun, daß diese mit dem Thyssenschen Material nicht zufrieden war, oder daß andere Umstände mitspielten, jedenfalls tonnte die Firma hier nicht recht ins Geschäft kommen. Sie muß dabei die offenbar auf Beweisen fußende Uebcrzeugung haben, daß darin ihre Konkurrenz Krupp einflußbetciligr sei. Sie besaß Material gegen Krupp, und dieses Material übergab Herr August Thyssen scn. dem Reichstagsabgeordneten Erzberger. Denen Bekanntschaft hatte ihm sein Sohn, mit dem er damals noch in friedlichere» Stadien lebte, vermittelt. Es liegt ein Brief vor, in dem Herr Thyssen seu. Herrn Thyssen jun. für die Vermittelung der Bekanntschaft des Herrn Erzberger dankt, die der Firma„in der Panzerplattenfrage von höchstem Wert gewesen Herr Erzberger hat nun die Beschwerden der Firma Thyssen � i«" WWM WWWWWWWWWW an den Reichsstellen nachdrücklich unterstützt. Und zivar mit Er folg, Und diese Berücksichtigung seiner Beschwerden veranlaßt? ihn dann wohl, auf die Vordringung weiteren Materials gegen Krupp von der Zentrumsparlei, die keinen Grund hatte, gegen die Maßgebenden undankbar zu sein, an die Sozialdemokratie iveitergcschoben. Hier wurde eS Herrn Liebknecht zur„Bearbeitung" übergeben. Wir sind in der Lage, diese Darstellung in ihrer Gesamtheit und in allen EinzelauSführungen a l S e�ne freie Erfindung zu bezeichnen." l)as vorläufige Sncte der öalkankrile. Die Uebergabe Skutaris an die Mächte. Cetinje, 10- Mai.(Amtlich.) Gemäß dem von dem Vertreter Montenegros Piamenatz und de» Admiralcn dcS internationalen Ge- fchwadcrs unterzeichnete« Protokolle wird dir Räumung Skutaris »achstc» Mittwoch nachmittag 2 Uhr erfolge». Tie Beilegung des bnlgarisch.rumänische» Konflikts. Bukarest, 1l). Mai. Gestern wurde das Petersburger Protokoll über den bulgarisch-rumänischen Streitfall durch die Vertreter der Großmächte in Petersburg unterzeichnet. Die Veröffentlichung des Protokolls wird gleichzeitig mit der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien erfolgen. Die Ftuersbrunft in Skutari. Antivari, 10. Mai. Der Brand in Ekutari dauerte ern abend noch an. Fünf Teile des Basar« sind zerstört worden. Schaden wird aus 20 Millionen geschätzt. Unter den Geschädig- iefinde» sich österreichische und italienische Fabrikanten. tr< a crW/ii Ö�ebufö s«- ti-r üostern abend noch Der Schaden wi tsN befinden sich oilerrr,�»!»,-—------ ijuuiuaiuen. Cetiuje(amtlich) 10. Mai. Behufs Feststellung der Ursachen des i« Basar von Skutari ausgebrochenen Brandes wurde eine strenge U-t-rsuchung angeordnet. Etwa 12 Personen, di« verdächtigt er- seinen, den Brand angelegt zu haben, find verhaftet worden. vngarn. Strafrechtlicher Schutz des Wahlrechts. Die Lukacz-Regierung hat dem ungarischen Parlamciit am Dienstag einen Gesetzentwurf vorgelegt, dessen Titel lautet: Ge- setze il twurf über den strafrechtlichen Schutz des Wahlrechts. Das klingt ganz annehmbar, tvird aber verdächtig, tvenn man bedenkt, daß der Entwurf von der Regierung vorgelegt wird, die ihre Majorität der unerhörten Pression, der Aufwendung von Millionen und der Llnivendung einer Reihe von unerhörten Gewaltakten verdankt. Diese«Regierung hat hunderttausende oppositioneller Wähler bei den letzten Wahlen ihres Wahlrechts mit Gewalt beraubt, sie hat bisher die oppositionellen Wähler durch Gendarmen und Soldaten vom Wahllokal mit Gewalt ferngehalten. Die Leute reden jetzt plötzlich vom Schutz des Wahlrechts! Der erste Teil des Gesetzentwurfs enthält die Strafbestim- mungen für die Fälschung der Wühlerliste. Interessant ist der folgende Teil, der den Titel führt:„Verhinderung und un- berechtigte Beeinflussung der freien Aus- Übung des Wahlrechts." 8 6 lautet: Derjenige, der einen Wähler durch Gewalt oder Drohung an der freien Ausübung seines Wahlrechts hindert, ist mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und Geldstrafe bis SOV Kronen zu bestrafen. Auf den ersten Anschein soll sich die Bestimmung gegen die Unternehmer richten, denn nur diese können„durch Drohung" die Wähler an der freien Ausübung ihres Wahlrechts hindern. Aber die folgenden Paragraphen zeigen, was gemeint ist. 8 7: Der jenige, der, um einen Wähler für einen bestimmten Kandidaten zu beeinflussen oder zur Stimmenthaltung zu bewegen, den Wäh- ler oder dessen Angehörige beleidigt oder in seinem Vermögen oder Erwerb benachteiligt, mit Benachteiligung oder mit der Veröffent lichung einer ehrverletzenden Erklärung bedroht, ist mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und Geldstrafe bis zu bOO Kronen zu bestrafen. Man bedenke, daß die Kreaturen der Lukacz-Regierung das Gesetz auszulegen haben, und man tvird verstehen, daß sich das Gesetz in der Hauptsache gegen die Opposition und gegen die Arbeiter richten soll. Das geht unzweideutig auch aus folgenden Bestimmungen hervor: Begeht jemand die obenerwähnten Hand- lungen im Auftrage oder im Namen einer Gruppe oder eines Vereins oder mit Berufung auf deren Beschlutz, so ist er mit Ge fängnis bis zu einem Jahr und Geldstrafe bis zu 1000 Kronen zu bestrafen. Begeht die Handlung eine Gruppe, so ist jedes Mitglied der Gruppe mit Kerker bis zu einem Jahr und Geldstrafe bis zu 2000 Kronen zu bestrafen. Die Anstifter und Führer aber wer- den mit Kerker bis zu zwei Jahren und 4000 Kronen Geldstrafe bestraft. Man braucht jetzt nur gefügige Richter, und alle Agitatoren der Partei, welche„natürlich" im Namen einer Gruppe sprechen, können auf zwei Jahre ins Gefängnis geschickt werden. Das Gesetz macht jede oppositionelle und besonders jede sozialdemo- kratische Wahlagitation unmöglich. Die freie Ausübung des Wahlrechts soll der Entwurf sichern, eine schwere Gefahr für die sozialdemokratische Wahlagitation wird er bringen. Der Panamaprozeß des Ministerpräsidenten. Die neuerliche Hauptverhandlung im Prozeß Lukacz-Desy ist auf den 27. Mai angesetzt worden. Vom Berhandlungsleiter wur- den bereits der Ministerpräsident und eine ganze Reihe von Zeu- gen, darunter viele hervorragende Staatsbeamte und Würden- träger geladen. Die Staatsbeamten sind ihres Diensteides ent- hoben worden. Der Verhandlung, welche eine ganze Woche dauern soll, wird mit großem Interesse entgegengesehen. China. Ein grheimniovolles Spiel. London, il. Mai.(Eig. Bcr.) Als unlängft die provisorische Regierung Chinas den Fünftnächteanleihevertrag unterschrieb, rieben sich die europäischen Kapitalisten, die von dem Geschäft zu profitieren gedenken, vergmigt die Hände, und ihre Prehorgane erzählten davon, daß Juanschitai die Anleihe habe abschließen müssen, um Geld zu bekommen, damit er sich durch Bestechung eine Mehrheit im chinesischen Parlament verschaffen könne. Es hieß, die�Partei der südchincsischcn Republikaner, die Kuomingtang, der die Mehrheit der Parlamcntsmitglicdcr angehört, mißtraue dem Juanschikai, den sie im Verdacht habe, daß«r Sungtschaodschcu, den fähigsten Führer der Kuomingtang, habe ermorden lassen. Mit dem Vorschuß, den die Bankiers der Fünftnächtcgruppe der chinesischen Regierung nach Uuterzeichirung des Anleihevertrags gewähren würden, werde eS jetzt Juanschikai nicht schwer fallen, sich nach dem alten chinesischen Muster eine parlamentarische Mehrheit zu vcr- schaffen. Wer das Geld habe und sich eine Gefolgschaft kaufen könne, der habe jetzt i» China die Macht. Das Schmunzeln der Hochfinanz, die den störrischen Chinesen endlich bezwungen zu haben glaubte, dauerte jedoch nicht lauge. Denn gleich nach der Zeichnung des Vertrags erhob sich im Lager der Kuomingtang ein Protest- stürm gegen die Handlung der provisorischen Regierung. Am l-fl. Mai erklärte die chinesische Volksvertretung den Vertrag für un- gesetzlich, nachdem der Senat schon vorher dieselbe Erklärung ab- gegeben. Es wird auch aus Peking gemeldet, daß die drei Minister, die den Vertrag unterzeichnet habe», unter Anklage gestellt werden sollen. In hiesigen Finanzkreisen tröstete man sich anfänglich, daß der Widerstand der Kuomingtang nichts bedeute, daß diese Schwierigkeit bald vcrschwiizden werde, ivenn einmal Juanschikai die parlamentarische Maschine gut geschmiert habe, als zum größten Erstaunen dieser Zyniker der geriebene Juanschikai eine neue Karte aus s eurem weiten Aermel hervorzog: die österreichische Anleihe. D'er Geldverleiher ist in diesem Fall die„O e st e r r e i ch i s ch e E ntw i ck clun g»g e feilsch a f t", hinter der Krupp und die Skodawerke mit ihre,» gemeinschaftlichen Unternehmen stecken sollen. Die Gesellschaft strebt danach, sich auf dem chinesischen Rüstungs- und Stahlmarkt eine Monopolstellung zu verschaffen. Die öfter- reichische Anleihe soll 3zb Millionen Pfund betragen, und die Aus- gäbe soll drei Monate nach der der Fünfmächteanleihc erfolgen. sollte der Fünfinächtevertrag bestehen bleiben. Beunruhigt wandten sich die Bankiers der Fünfmächtcgruppe an das chinesische Finanz- Ministerium um Auskunft. Es wurde ihnen am 6. Mai erklärt, daß die Anleihe kein bloßes Versprechen, sondern ein fester Vertrag sei, der mit der Oesterreichischen Entwickelungsgesellschaft ab- geschlossen werde; Anstalten zur Ausgabe würden später gemacht werden. Ferner teilte das Finanzministerium den Bankiers mit, daß der Ertrag der österreichischen Anleihe zu Verwaltungs- und Hceresresormen verwendet werden würde, daß der Gesellschaft aU Gegenleistung Bestellungen auf 5lano»en versprochen worden und daß auch noch weitere Zusagen bestünden. Was die ohnehin schon so komplizierte Anleiheafsäre noch verwickelter macht, ist die Tat- fache, daß schon große Geldsummen von den Oesterreichern an die chinesische Regierung ausgezahlt worden sind. Unter den Umständen, kann man nur vermuten, was eigentlich vorgeht; aber sicher scheint, daß das Fünfinächtekonsortium in Juanschikai seinen Rann gc- funden hat. �fiigendbewegimg. Fahrpreisermäßigung für Jugcndvcrcine. Die Mitglieder bürgerlicher Jugendvereine genießen bekanntlich auf den staatlichen Eisenbahnen eine erhebliche Fahrpreisermäßigung, während solche den Anhängern der proletarischen Jugendbewegung verweigert wird. Dieses ungerechte Verfügen über ein Gemein- eigentum wird in einem neuen Erlaß des preußischen Kultus- Ministers auch den Verwaltungen der Lokalbahnen anempfohlen. Die Leitung der städtischen Straßenbahnen in Frankfurt a. M. hat diesem Rate nicht gefolgt. Sie hat allen Jugendorganisationen, also auch den Anhängern der proletarischen Jugendbewegung, eine Ermäßigung um die Hälfte des regulären Fahrpreises bewilligt.— Die sozialdemokratischen Vertreter in den Stadt- und Gemeinde- Parlamenten mögen dasür sorgen, daß daS Franksurter Beispiel Nachahmung findet. soziales. Die Ursachen der Säuglingssterblichkeit. Bei der ständig sinkenden Zahl der Geburten— die auch in Preußen von 1200 000 im Jahre 1901 auf 1190 000 im Jahre 1911 gefallen ist, d. h. von 30,5 aus 29,4 pro 1000 Eiirwohner— beruht die ganze Hoffnung ans weitere Volksvermehrung bis aus weiteres aus der Abnahme der Sterblichkeit, und zwar kommt da insbesondere die Kindersterblichkeit in Betracht. In der Tat läßt sich hier noch vieles tun; denn es ist doch wahrlich Entsetzen er- regend, daß in Preußen— wie wir dieser Tage mitteilten— von 1000 Kindern im ersten Lebensjahre nicht weniger als 212 sterben. Der neueste amtliche Bericht über das Gesundheitswesen im preu- ßischen Staat(für das Jahr 1911) gibt mancherlei Aufschluß über die Säuglingssterblichkeit. Zunächst fällt auf, daß im Osten des Landes ganz allgemein mehr Säuglinge sterben, als im Westen; nämlich im Osten 10—23 Proz., im Westen 13— 20 Proz. Sodann fällt die Benachteiligung der unehelichen Kinder stark ins Gewicht. ES starben von den von den nnehclichea ehelichen Säuglingen Weblau.... 12.0 Proz. 25 Proz. Tilsit-Land... 24.1, 41» Tilsit-Stadt., 18, 48. Posen..... 15,6„ 30,9, Koblenz-Stadt.. 10,0„ 44„ Dies sind allerdings diejenigen Bezirke, wo der Unterschied am krassesten ist. Doch sind auch sonst fast überall die unehelichen «äuglinge sehr viel größerer Sterblichkeit ausgesetzt als die ehe- lichen; merkwürdigerweise jedoch mit Ausnahme der Sladt Berlin. Hier war die Sterblichkeit bei beiden fast gleich, manchmal sogar bei den unehelichen geringer. Gerade in den gefährlichen heißesten Monaten des Jahres 1911 starben in Berlin von den ehelichen unehelichen Säuglingen im Juni.... 7.0 Proz. 0.6 Proz. im Juli.... 9,6„ 9,2„ im August... 19,0„ 15,0„ im September.. 11,5„ 10,3„ Woher dieser aufsallendc Unterschied kommt, wird im Bericht nicht gesagt.— Weiter zeigt sich stark der Unterschied zwisch». Brustkinocrn und Flaschenkindern, wofür allerdings nur aus wenigen Bezirken Nachrichten vorliegen. Im Kreise Strasburg (Westpreutzeil) starben 1909 und 1910 von den Brustkindern wäh- rend der ersten zwei Lebensjahre 17 Proz., von den Flaschenkindern 30 Proz. In Lüdinghausen(Bezirk Munster;) starben im ersten Lebensjahr von den Brustkindern 4,7 Proz., von den Flaschen- lindern 15.3 Proz. DaS ist so ziemlich alle?, was der Bericht über die Ursachen der Säuglingsstetiblichkeit zu sagen weiß. Wie man sieht, recht wenig; die Hauptsachen fehlen. Man hätte feststellen sollen, wie- viel Kinder bei den Reichen und wieviel bei den Armen sterben, wieviel in den Villen und Palästen, wieviel in den Massen- quartieren der Arbeiter, wieviel auf dem Lande und wieviel in der Stadt usw. Da somit die Ursachen des Uebels noch nickt allzu tief ersaßt sind, bewegen sich auch die Mittel der Abhilfe noch recht sehr an der Oberfläche. Es kommen nur die folgenden in Betracht: billige oder kostenlose Abgabe von Milch. Belehrung der Mütter, Still- pcämic», Säuglingsheime und Unterbringung als sogenannte Haltekinder. Man kann sich ohne weiteres sagen, daß das noch nicht allzuviel nützt, wenn auch der Bericht immer und immer wieder wiederholt, die Erfolge dieser Einrichtungen seien„zu- snedenstellend". Es läßt doch z. B. tief blicken, wenn unter den Leuten, bei denen die Haltekinder untergebracht sind, einigen wegen Trunksucht, anderen rvegen Tuberkulose die Konzession ent- zoßen werden mußte! DaS zeigt, wie rveit entfernt die gegen- wältige Organisation noch davon ist, das Uebel wirksam zu be- kämpfen. Es gilt erst noch die tieferen, die sozialen Ursachen aus- zudecken, dann erst wird es möglich sein, das Uebel an der Wurzel zu packen und diesem entsetzlichen Kindermord ein End« zu macheu. Feine Geschäfte. WaS die„Versicherten" ersparen können, wenn sie die Vcr- sicherungsorganisation in ihre eigenen Hände nehmen und von dem Ballast der Riesengehälter einiger Beamten und den horrenden Dividenden für die Aktionäre befreien, das veranschaulicht die fol- gende Aufstellung über die Gewinne einiger VersichernngSgescll- schasten. In ihr ist nicht daö nominelle, sondern daS von den Aktionären tatsächlich eingezahlte Kapital in Beziehung zu den Gewinnen des letzten Jahres gesetzt worden. Gesellschaften Kölner Rückversicherung Friedrich Wilhelm. JanuS..... Merkur..... Hamburg-Bremer Rück Versicherung... Rhenania.... Rhein.- Westfäl. Rück- Versicherung... Teutonia.... Vortrag. Gewinn« reserven M. 1036 404 724 864 126 619 70 680 863770 391 914 783 302 403 302 3 900 311 Dem eingezahlten Kapitale in Höhe von rund 7 Millionen Mark stehen fast 3 Millionen Mark direkt verteilte Gewinne gegen- über. Sie machen genau 43 Proz. aus! Einschließlich der Rück- stellungen und der auf neue Rechnung vorgetragenen Beträge er- geben sich 0,98 Millionen Mark, die zur Verteilung zur Versügng standen. Berücksichtigt man die hohen Gehälter an einzelne Be- amten, die bei einer gemeinnützigen Versicherung zum größten Teile erspart bleiben könnten, dann kommen über 7 Millionen Mark heraus, mehr, als wie die Aktionäre an Kavitalien cin< gezahlt haben. Die Dividendencinheimser und die dirigierende« Beamten verstehen es ausgezeichnet sich gut zu versichernd Die„Neutralität" dmftUcber Gewerhfcbafteii. Der Buchbinder Adolf Müller war bisher Vorsitzender der Zahlstelle München des christlichen graphischcnVerbandes, außerdem hatte man ihn zum zweite» besoldeten Beamten (Sekretär) dieses Verbandes gewählt. Weil die christliche Qr- ganisation aber seiner Ueberzeugung nicht mehr entsprach, trat er zum Deutschen Buchbinderverband über. Die führende Stelle, die Müller inne hatte, hat ihm genügend Gelegeir- heit gegeben, hinter die Kulissen christlicher Gewerrschafts- taktik zu schauen, und er hat es auch nicht unterlassen, kürzlich in einer Versammlung des Buchbinderverbaiwes aus seinen Erfahrungen heraus Mitteilungen zu machen. Und da inter- cssieren uii» zunächst seine Darlegungen, die die Zentrums- politische Haltung christlicher Verbände betreffen. Wie es mit der Wahrung der politischen und religiösen Neutralität zum Beispiel in dem christlichen Graphischen Zentralverband aussieht, zeigte er an folgenden Beispielen: Herbst ISIO: Herr Dr. Müller, Generalsekretär des Katholischen Prehvereins und Redakteur des„Neuen Münchener Tageblattes" spricht in einer Versammlung der Zahlstelle München des Gr. Z.-V. über das Thema: Der katholische Preßverein. Zweck der Hebung: Mitgliederfang für den politischen Interessen dienenden ultramontanen Pretzverein und nebenbei Gewinnung von Abonnenten für die Zentrumspresse. Am 26. August 1911; Vortrag des Rechtspraktiranten Weber über die politischen Verhältnisse in Alt- München. Am 4. November 191 i; Vortrag des Rechtspraktikanten Weber über die religiösen Verhältnisse in Alt- München. Dieses„gewerkschaftliche" Referat bestand in einer Verherrlichung der katholischen Kirche und der Mutter Gottes. Es war also ganz passend für eine inter- konfessionelle Gewerkschaft. Am 16. Dezember 1911: Sosort nach Schluß der Zahlstellen- Versammlung wird eine Geldsammlung für das Zen- trum zur Bekämpfung des„Rotblocks" veranstaltet. Es gingen 8—9 M. ein, worüber der damalige Vorsitzende Schmidt in der Zentrumspreste öffentlich mit einem Spottvers aus den „Rotblock" quittieren ließ. Eine Widerlegung dieser Feststellungen ist bisher nicht erfolgt, kann auch nicht geschehen, weil es nichts zu wider- legen gibt. Wie in der Zahlstelle des christlichen Verbandes in München gearbeitet worden ist, so ist gewiß auch anderweitig agitiert worden. Allerdings nur an Orten, wo die christ- lichen Zahlstellen aus Katholiken und waschechten Zentrums- anhängern bestehen. In Bezirken, wo man auf evangelischen Zulauf zu rechnen hat, wird man die Vercherrlichung der Mutter Gottes, der katholischen Kirche und die Geldsammlungen für das Zentrum unterlassen. Wie„neutral" die chnstliche» Gewerkschaften sich gebärden, zeigt ferner ihr fortgesetztes Bemühen, freie Verbände als sozialdemokratisch hinzustellen, auch aus dein Grunde, weil deren Führer hier und dort sozialdemokratische Abge- ordnete sind odermls Redner für die sozialdemokratische Partei fungieren. Da fällt uns setzt der Wahlaufruf der rheinischen Zentrumspartei(abgedruckt u. a. in der„Kölnischen Volks- zeitung" vom 8. Mai) auf. Unter bekannten Zentrums- größen finden wir als Unterzeichner des Aufrufs im Pro- vinzialausschuß der Rheinischen Zentrunispartei die christ- lichen Gewerkschaftsführer Giesbörts, Kloft, Joos, M c y c r-Düsseldorf, Math. Schiffer, Wieder, s r a c l- Köln, und S t e g e r w a I d. Auch die christlichen Konsumsekretäre Schlack und Thomas finden wir als Unterzeichner des Aufrufs. Alle sind hervorragende Kämpen für die Zentrumspartei, aber sie entsagen jedweder zentrumspolitischen Ueberzeugung, wenn es sich um die Hal- tung der christlichen Gewerkschaften in politischen Fragen handelt. Das beteueni die Herrschaften, so oft man es haben will; aber außerhalb der christlichen Gewerkschaften gibt es nicht Dumme genug, die diesen Beteuerungen noch Glauben schenken. Wie es in Wirklichkeit gemacht wird, zeigt uns der Buchbinder Adolf Müller aus München. Verlin uncl Qrngeqcncl. Die Bureaus der Berliner Gewertschaftskommission und des Arbeitersekretariats sind am 3. Feiertag und am Freitag, den 16. Mai, wegen der Landtagswählen geschlossen. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Der Kampf der Maler in Berlin. Am Freitag tagte wieder eine Mitgliederversammlung in der „Neuen Welt". Als die Versammlung einberufen wurde, nahm die Verbandslcitung an, es würde ein abschließendes Ergebnis der neuerdings wieder eingeleiteten Verhandlungen vorliegen, zu dem die Versammlung Stellung nehmen sollte. Das war nun nicht möglich, weil die Verhandlungen noch im Gange sind und voraus- sichtlich in den nächsten Tagen zum Abschluß kommen werden. Der Vorsitzende M i e tz teilte mit, daß der Stand des Kampfes in Berlin sich seit der letzten Versammlung nicht geändert hat. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt etwas über 1206, wovon mehr als Roll Arbeitslose sind. Sollten die Arbeitgeber vielleicht beschließen, die Aussperrung aufzuheben und ihren bisherigen Arbeitern mit- teilen, sie könnten wieder ansangen, ohne den Revers zu unter- schreiben, dann sollen die betreffenden Kollegen in jedem Falle der F i l i a l l e i t u n g Mitteilung machen, aber,- nicht ohne weiteres die Arbeit wieder aufnehmen. Es müsse nun abge- wartet werden, was die Arbeitgeber tun. Danach werde der Ver- band seine Stellung einnehmen. Tie Lohnbewegung in den Weischierbrauereien kann als be- endet betrachtet werden. Nachdem die am 24l April stattgefunden.; Versammlung die seitens der Unternehmer gemachten Zngeständ- nisse als ungenügend abgelehnt hat, haben erneut Verhandlungen der beiderseitigen Kommissionen stattgefunden. In diesen Ver- Handlungen, welche sich recht schwierig gestalteten, erklärten sich die Unternehmer zu weiteren_ Zugeständnissen bereit. Demnach erhalten sämtliche Betricbsarbeiter inkl. der Reservefahrer, Stall- leute und Mitfahrer ab 1. Mai 1913 eine Lohnzulage von 1,56 M. und ab 1. Mai 1915 eine weitere Lohnzulage von 56 Pf. pro Woche. Die Faß-, Flaschen- und Privatfahrer erhalten diese Zu- läge nur während der Wintcrmonate, daS heißt vom 1. Oktober bis 31. März jeden Jahres. Die Flaschenfahrer erzielten außer- dem insofern nock eine Aufbesserung ihrer Lohn- und Arbeits- Verhältnisse, als ihnen bei einem Umsatz von 46 Kasten täglich ein Mitfahrer gestellt wird. Bisher ist ein solcher erst bei einem Umsatz von 45 Kasten gewährt worden. Als neu kommt ferner hinzu, daß denjenigen Fahrern, welche in Ermangelung eines Mit- fahrers über 46 Kästen allein fahren müssen, vom 41. bis 45. Kasten eine Extravcrgütung von 5 Pf. und vom 46. Kasten �ab eine solche von 16 Pf. pro Kasten zu den sonstigen Bezügen gewährt wird. Ueberstunden und Sonntagsarbeit, welche von den Betriebs- arbeitern geleistet werden müssen, werden mit einem Zuschlag zum regulären Lohn vergütet. Sämtlichen Arbeitern inkl. des Fahrpersonals wird ein Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes und der Prozente nach folgender Skala gewährt: Bei einer Tätig- keit von 1—2 Jahren 2. nach 2 Jahren 3, nach 3 Jahren 4 Werk- tage und nach 4 Jahren 1 Woche, mit der Maßgabe, daß der Urlaub entweder mit einem Sonntag beginnt oder endet, �m übrigen wurde bei den Verhandlungen ein ganz besoirderes Gc- Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: wicht auf die Abschaffung der Nebenarbeiten für die Fahrer gelegt. In Betracht kommt das Reinigen der Fässer, das Be- schlagen der Pferde, das Abfahren von Malz usw. Da es nicht möglich toar, eine Einigung zu erzielen, wurde ein Passus ini Tarif aufgenommen, welcher besagt, daß die Regelung dieser Angelegenheit den Fahrern in den einzelnen Brauereien über- lassen werden soll. Die Dauer des Tarifs ist auf 3 Jahre fest- gesetzt worden. In einer Bersammlmig der hier in Betracht kommenden Ar- beiterschaft erstattete die Kommission Bericht über die Verhand- lungen, an den sich eine eingehende Diskussion anschloß. Nach- den: mehrere Redner für und gegen die Annahme der gemachten Zugeständnisse gesprochen hatten, gelangte der neue Tarif mit großer Majorität zur Annahme. GastwirtSgehilfen. Wenig Freude hat Herr Martin, In- haber des„Hackepeter" in der Münzstrahe 26, an seinen Arbeits- willigen. Von den Streikenden ist bisher nur einer abtrünnig ge- worden und zwar der vor einigen Wochen aus dem Verband aus- geschlossene Richard Bönning und nun stellt sich heraus, daß dieser Bönning mit dem im„Original-Hackcpeter" beschäftigt gewesenen; Küchenchef Durchstechereien getrieben hat. Der Küchen- chef hat Biermarken aus dem Kontor entwendet und die Marken mit Hilfe des vorgenannten Nünning umzusetzen verstanden. Der Küchenchef ist entlassen, Strafversahren ist eingeleitet, während man mit Bönning glimpflicher verfahren ist. Die Position als Kellner Nr. 1 wurde ihm entzogen und er wurde strafversetzt, so daß er jetzt die Nummer 16 trägt. Nünning hat schon vor Ausbruch des Streiks nichts besseres zu tun gewußt, als den Inhaber Martin von den internen Beratungen und Beschlüssen seiner Angestellten in Kenntnis zu fetzen. Seitens der Organisation der Fleischer ist wegen übermäßig langer Beschäftigung der im Hackepeter tätigen Schlächter- gesellen bei der Polizei Anzeige erstattet worden. Die über- lange Beschäftigung kam daher, daß trotz des gesetzlichen Verbotes auch nach der zu dem Ladenschluß festgesetzten Zeit auch über die Straße verkauft wurde. Ein Schutzmann, der darauf auf- merksam gemacht wurde, fand keine Ursache zum Einschreiten. Der Betrieb ist für organisierte Gehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen, Ortsverwaltung Berlin I. Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Häring, Usedomstraße 17, dauert unverändert fort. Da die angeworbenen ungelernten Arbeitskräfte natürlich die alten Arbeiter nicht ersetzen können, ist die Produktion der Firma eine ganz minimale. Herr Häring dürfte deshalb bald einsehen, daß mit nur jugend- lichen Arbeitskräften, die nach seiner Meinung für 12 M!. Wochenlohn scharenweise zu haben seien, in Berlin keine Schuhfabrik aufrecht zu erhalten ist. Vielleicht ist er auch um die Erfahrung reicher, daß ihm die Produktion teurer zu stehen kommt, als wenn er sich mit seinem alten Personal verständigt hätte. Es besteht daher Grund zu der Annahme, daß sich die Firma bald zu Ver- Handlungen bequemen wird. Der Arbeitswillige Neu m a n n, Gottschedstraße 16 wohnhaft, sucht sich durch Strafanzeigen wegen angeblicher Bedrohungen nützlich zu machen; doch kann auch dies an der musterhaften Haihing der Streikenden nichts ändern.— Ferner richten wir an die Kollegen der Maßbranche die Mahnung, die Augen offen zu halten, damit nicht in Berlin Strcikarbeit aus den Städten Hannover, Bremen und Braunschwcig angefertigt wird. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Oeitblcbes Reich. Zur Aussperrung im Malergewcrbe. Ein Versuch der Unparteiischen, neue Verhandlungen durch Einsetzung eines Schiedsgerichts in Gang zu bringen, indem außer ihnen noch je zwei Vertrauensleute der Parteien mitwirken sollten, ist gescheitert, weil sie verlangten, daß die Sprüche dieses Schieds- gerichts für die Parteien von vornherein bindend sein sollten. Diese. Bedingung ist sowohl von der Unternehmer- wie auch von der Arbeiterorganisation abgelehnt worden. Indessen wird trotzdem in nächster Woche der Versuch einer neuen Verhandlung auf anderer Grundlage unternommen werden. Ob diese Be- strebunge» von Erfolg sein werden, hängt wesentlich von der Stellung der Unternehmer ab. Diese müßten sich erst wieder auf den Boden der Schiedssprüche unter Beachtung der während der Aussperrung eingetretenen Veränderungen stellen. Kürzlich ist in Gotha ein korporativer Arbeitsvertrag mit über den Schiedsspruch hinausgehendem Lohnzuschlag abgeschlossen wor- den, und zwar mit der Ortsgruppe des Untcruehmervcrbandes. In Gotha hatte die Aussperrung sehr kräftig eingesetzt. Der Zentralvcrband der Schuhmacher im Jahre 191?- Die Entwicklung deS Verbandes war im Berichtsjahre keine besonders erfreuliche. Seine Mitgliederzahl ging um 365 gegenüber dem Vorjahre zurück: sie betrug im vierten Quartal des Vorjahres 45 487. Die Ursache dieses kleinen Rückganges ist vermutlich auf die vom letzten Verbandstag beschlossene und am 1. Oktober 1912 in Kraft getretene Beitragscrböhung um 16 Pf. pro Woche in allen Klassen zurückzufübren. Die Abrechnungen der Verwaltungsstellen vom 1. Quartal 1913 zeigen aber, daß nicht nur dieser Verlust wieder ausgeglichen, sondern darüber hinaus eine Vermehrung der Mitgliederzahl eintritt. Ein Beweis dafür, daß die Mitglieder an- gesicbts der immer schärfer werdenden wirtschaftlichen Kämpfe von der Notwendigkeit der Erhöhung der Beiträge überzeugt sind. Der Verband hatte im Jahre 1912 231 Lohnbewegungen zu führen, an welchen 15 815 Perionen beteiligt waren. Von diesen Bewegungen entfallen 183 mit 14 614 Beteiligten auf Fabrikbetriebe und 43 mit 1861 Beteiligten auf handwerksmäßige Betriebe. 186 Lohnbewegungen mit 13649 Beteiligten konnten ohne Arbeits- niederlegung durch Vereinbarung mit den Unternehmern erledigt werden, während in 42 Fällen mit 1469 Beteiligten die Arbeit niedergelegt werden mußte. Außerdem waren drei Aussperrungen mit 1297 Beteiligten� zu verzeichnen. Durch diese Arbeitskämpfe wurden erzielt für 2165 Personen 5386 stunden Arbeitszeitverkürzung und für 5434 Personen 3236 M. Lohnerhöhung pro Woche. Das sind pro Person 2Vz Stunde Arbeitszeitverkürzung und über 1,56 M. Lohnzulage pro Wockie. Außerdem erreichten 7116 Personen Bezahlung von Ucber- stunden und sonstige Vergünstigungen im Arbeitsverhältnis. Bei den Abwehrbewegungen konnten insgesamt für 2765 Personen Ver- schlechterungen verschiedener Art zurückgewiesen werden. Die Aus- gaben für diese Lohn- und Streikbewegungen betrugen 263 795 M. Die Arbeitslosigkeit war auch im Jahre 1912 eine große; sie blieb nur um 6,8 Proz. hinter der des Krisenjahres 1903 zurück. Anch gegenüber dem Durchschnitt der Arbeitslosigkeit in anderen Verbänden war die ArbeitSlosiakeir im Schuhmacherberuf um 0,3 Proz. höher. Während der Durchschnitt der Arbeitslosigkeit in allen Verbänden 2,3 Proz. betrug, war die entsprechende Ziffer bei dem Zentralverband der Schuhmacher 3,1 Proz.— Der schon seil 1906 zu beobachtende schlechte Geschäftsgang, der gewissermaßen eine Krise in Permanenz ist. verursacht dem Verband fortlaufende hohe Ausgaben für Arbeits- losen und auch für Krankenunterstützung. So wurden im Fahre 1912 verausgabt: 145 972 M. für Arbeitslosen- und 225 621 M. für Krankenunterstützung. Ferner 24 267 M. für Reiseunlerstützung. 8666 M. für Unrzugsunterstützung, 5540 M. für Wöchnerinnen, 1693 M. in Notfällen. 16 632 M. in Sterbcfällen. 2425 M. für Rechtsschutz und 4357 M. an gcmaßregelle Mitglieder. Die Gesamt- ausgäbe für Unterstützungeil betrug 582 959 M. Der Vermögens- bestand der Hauptkasie betrug ain Schlüsse des Berichtsjahres 656 028 M., der der Lokalkasien 244 153 M-, der Gesamtvermögens- bestand 966 182 M._ Der Terrorismus der Seidenfabrikanten. Der?lrbeitgebcrverband der niederrheinischen Seidenindustrie hat am Dienstag an die Geschäftsinhaber Krefelds ein Schreiben verschickt, durch das er die Geschäftsinhaber ersucht, streikende Fär- ber nicht in Arbeit zu nehmen. Er fordert auf, alle Färber sofort Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt' zu entlassen, falls solche schon in Beschäftigung getreten seien. Der Verband teilt den Geschäftsinhabern mit, daß der Färbereiftreik die Färbereibesitzer bisher sehr geschädigt habe. Aber auch die Geschäftswelt fei sehr in Mitleidenschaft gezogen und eine Beendig gung des Streiks deshalb im Interesse dieser erwünscht. Es werde erwartet, daß durch Nichtbeschäftigung streikender Färber das End« des Streiks beschleunigt werde. ZZustand. Deutsche Gewerkschafter in Brüssel. Man schreibt uns aus Brüssel: Einer Einladung der Brüsseler Gewerkschaften folgend, weilte der A u s s ch u ß der Berliner G e w e r k s ch a f t s I o m m i s s i o n auf dem Heim- weg von seiner Studienreise aus London auch einen Tag in der belgischen Hauptstadt. Die deutschen Gäste besichtigten die dortigen Partei- und Gewerkschaftseinrichtungen, und am Abend fanden sich die Vorstände der Gewerkschaften und Parteifunktionäre im „Weißen Saal" des Maison du Peuple ein, um ihre deutschen Freunde in herzlicher und brüderlicher Weise zu begrüßen. Der Sekretär der Brüsseler Föderation, Van Rooslareck, wies in seinem Willkommengruß auf die Anregungen und Belehrungen hin, die die belgischen Gewerkschaftsführer seinerzeit von ihrem Berliner Besuche mit heimgebracht hatten und die fortwirkend die einheimische Gewerkschaftsbewegung im Sinuc des modernen zen- tralistischen Gedankens beeinflussen und vorwärtsbringen. So hat sich insbesondere auch Brüssel zu dem Zentralismusgcdanken be« kehrt, wo die Zahl der zentralistisch Organisierten von 575 im Jahre 1916 auf jast 14 666 angestiegen ist. Auch unsere allgemeinen Fortschritte in der Gewerkschaftsbewegung, sagt der Redner (Brüssel z. B. stieg seit 1916 von 8866 auf mehr als 26 666) sind aus die Einwirkungen der deutschen Methode zurückzuführen. Für die deutsche Delegation sprachen L i n ck und Brückner. die in warmen Worten der Bewunderung der deutschen Arbeiter» klaffe für den siegreichen Generalstreik Ausdruck gaben, der ein Triumph der Kraft und der Disziplin des belgischen Proletariats gewesen sei. Beide Redner feierten das herzliche Einvernehmen der arbeitenden Nationen, das im Gegensatz zu den zerstörenden kapitalistischen und Kriegstendenzen Wachstum und Förderung der geistigen und materiellen Kultur für alle zum Ziele hat. Die ins Französische übersetzten Reden der Deutschen wurden mit demon- stratibcm Beifall, das Betonen des internationalen' Vcrbrüde- rungsgedankens mit stürmischen Ovationen aufgenommen. Der festliche Teil verlies in nicht minder herzlicher Weise. Die Gesangs- gruppc des Deutschen Arbeitervereins, dessen Vorstand ebenfalls eingeladen war, brachte deutsche Kampflieder zum Vor. trag, zwei Solisten französische Lieder. Mit der„Internationale" schlaß der Abend, der den Belgiern die Genugtuung gab, ihren deutschen Freunden ein Kleines von der Gastfreundschaft zurück- gegeben zu haben, die seinerzeit ihren Führern in Berlin geworden war. Darüber hinaus aber war es eine neuerliche Festigung der internationalen Solidarität, die das„kleine Belgien" mit seinen größeren Geschwistern vereint. Ein Tarifvertrag für das Kinematographcngewcrbe in Zürich. Zwischen dem Verbände der Kinoangestellien und dem der Ltino- besitzer ist ein Tarifvertrag abgeschlossen worden, dem wir folgende wesentliche Bestimmungen entnehmen: Neunstündige tägliche Maximal» arbeitSzeit, monatlicher Minimallohn von 226 Fr. für Berufs» operateurc, von je 266 Fr. für Berufsmusiker und Tbeatermeiftcr. wöchentlicher Minimallohn von 43,56 Fr. für Operaieure, von 37 Fr. für PortierS und Nelommandenre. von 31 Fr. für das übrige Personal, 26 Fr. Löhnkaulion, 25 Proz. Lohnzuschlag für Usber» stunden an Wochentagen und 56 Proz. für solche an Sonntagen. monatliche bezw. wöchentliche gegenseitige Kündigung, alle 14 Tage ein Ruhetag. Versicherung des Personals gegen Krankheit und Unfall, obligatorische Benützung des Arbeitsnachweises des �Verbandes der Kinoaiigeitellten. Der Vertrag gilt bis zum 30. September 1914 und jewcilen weiter für ein Jahr, wenn er nicht gekündigt wird. 1*ctztc Nachtichten. Hector Denis gestorben. Brüssel. 19. Mai.(P r i v a t t e l e g r a in m d e s„Vor- wärt s".) Der sozialistische Deputierte H c c t o r Denis ist in der Nacht zum Sonnabend im Alter voll 71 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben, nachdem er am Freitag noch an der Kammersitzung teilgenommen hatte. Der Verstorbene er- Nvarb 1865 den Doktorgrad, wurde 1888 Professor und be- kleidete seit 1886 den Lehrstuhl der Philosophie. Er war ferner Lehrer für soziale Wissenschaften und politische Oeko- nomie. 1892 wurde er zum Mitglied der Königlichen Aka- dentie und zum Universitätsrektor gewählt. Er verfaßte die bekannten Werke über die Einkommensteuer, die Arbeits» börsen und auch statistische Werke. Denis war bis zum letzten Augenblick ein unermüdlicher Arbeiter im Dienste des So» zialismus. Er errang sich die größte Achtung sowohl im Parlament wie in der wissenschaftlicheli Welt. Seine Auffassungen waren durch Comte und Proudhon bestimmt. Im vorigen Jahre trat er von der Tätigkeit an der Universität zurück. Sein Begräbnis wird am Montag auf Wunsch seiner Familie in aller Stille erfolgen. Wünsche der verbündeten Balkanstaaten. Sofia, 16. Mai.(P. C.) Die Verbündeten haben die englisch« Regierung davon in Kenntnis gesetzt, daß sie den Friedensvertrags- entwurf annehmen und bereit sind, denselben durch ihre Bcvoll- mächtigten unterzeichnen zu lassen. Sie machen aber zwei Vor» behalte, einen in bezug auf die thrazische Grenze, zweitens wün- schen sie an der Bestimmung der östlichen Grenzen Albaniens sowie an der Verteilung der Inseln teilzunehmen. Stellen sich diesen Wünschen keine Hindernisse entgegen, so kann die Friedensunter. zeichnung in der allernächsten Zeit erfolgen. Tic serbisch-bulgarischen Verhandlungen. Wien, 16. Mai.(P.-C.l Der Stand der serbisch-bulgarischeu Auseinandersetzungen läßt Schwierigkeiten erwarten. An gutunterrichteter Stelle wird es für sehr wohl möglich gehalten, daß die Zustimmung zu der Lösung des Bündnisvertrages, die bereits teilweise erfolgt ist, sehr wohl den Rücktritt Geschows herbeiführen kann. Zerstörungswut der Suffragetten. London, 16. Mai.(P.£,) Der Erfindergeist der englischen Suffragetten zeigt sich in der Ausarbeitung von Ättentatsplänen sehr produktiv. Gestern kam ein Chauffeur auf das Polizeibureau. um die gänzliche Zerstörung der inneren Ausstattung seiner Taxa. meterdroschke zu melde». Er hatte eine junge hübsche Dame ein« Viertelstunde lang durch die Straßen Londons gefahren. Tiefe kurze«spanne Zeit hatte die schöne, aber scbr rabiate Vorkämpferi» des Frauciiwahlrechts dazu benutzt, die Kissen und Polster des Wagens aufzuschneiden und mit Salzsäure in das Ruckpolster de» Wagens ihren Äricgsruf„Votes for Woincn" einzubrennen. Jaul Singer& Co.. BerlinSW. Hlerzu'4'Bei'lagFmnU',terhaltungsbl7 Nr. 114. 30. Jahrgang. 1. KkilM Ks Jorninrts" Sttlintt DolliÄM. ZannKg. 11. Mai 1913. Zum Landtagswahlkampf. Prcußifcbe Scßulreahtion. „SBcr die Schule hat, hat die Zukunft", dieser alte bekannt Ausspruch Bismarcks bildet auch heute noch bei unfern herrschen- den Klaffen im allgemeinen, bei den maßgebenden Parteien des Abgeordnetenhauses im besonderen den Leitsatz für die Ausgestal- tung des Volksschulwcscns. Richtunggebend für solche Ausgestal- tpng ist nicht Wunsch und Streben, den Kindern des Proletariats durch die Volksschule wenigstens in dem beschränkten Rahmen, in dem die Volksschule überhaupt wirken kann, möglichst viel Wissen und gute Kenntnisse auf ihrem schweren Lebenswege mitzugeben. Richtunggebend ist stets etwas anderes gewesen. Seit nun gar die Sozialdemokratie als sttegengcwicht gegen die verblödenden Tcnden- zen der heutigen staatlichen Volksschule die proletarische Jugend- bcwcgung ins Leben gerufen hat und diese Bewegung planmäßig und zielbewußt zu fördern strebt, haben die Stützen von Thron und Altar die Maske der Bildnngssreundlichkcit, die sie sonst wohl noch mal vorbanden, ganz beiseite geworfen. Bekanntlich hat das Kultusministerium im Verwaltungswege ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie erlassen, in dem es verfügte, daß Sozialdemokraten nicht Mitglieder der Schuldcputa- tionen werden dürfen. In Ausführung dieser Verfügung hat man neuerdings nicht nur allen ncugcwählten Sozialdemokraten die Bc- stätigung versagt, sondern selbst solchen sozialdemokratischen Mit- gliedern von Schulvorstäichcn, die schon lange Jahre, ja jahrzchntc- lang den Schulvorständcn angehört und selbst nach den Bekundungen der unteren Verwaltungsorgane mit Eifer und Erfolg sich an den Arbeiten beteiligt hatten, die vor langer Zeit erfolgte Bestätigung nachträglich zurückgezogen. Von einer Volksvertretung, die diesen Namen verdient, wäre ein solches Vorgehen des Ministers sicherlich einmütig zurückgewiesen worden und man hätte es nicht nur als das selbstverständliche Recht, sondern als Pflicht auch der sozial- demokratischen Eltern betrachtet, im Rahmen des Gesetzes mitzu- wirken an der Verwaltung der Volksschulen. Anders natürlich im Dreiklasscn-Parlamcnt. Mit der Erwiderung aus die Ausführungen unseres Genossen, der diese Praxis des Kultusministeriums gc- bührcnd gekennzeichnet hatte, war der bekannt« freikonservativc Scharfmacher von Zedlitz betraut worden und dieser wagte es, wörtlich auszuführen: ..Es ist das charakteristische Merkmal der preußischen Schule, daß sie nicht ausschließlich, nicht einmal in erster Linie berufen ist, den Kindern diejenigen Kenntnisse beizubringen, die sie für ibr Leben bedürfen, sondern daß sie vor allem den Beruf hat, die Kinder zu guten Menschen, zu guten Christen und zu guten Patrioten zu erziehen.... Meine Herren! Wenn der sozial- demokratische Redner die-Behauptung aufgestellt hat, daß mit dem Ausschluß der e-ozialdemokratic eine Art von neuem Sozialistengesetz, eine Durchbrechung der bürgerlichen Gleichheit herbeigeführt würde, so steht das ungefähr auf der- selben Linie, alswcnn die Scrrcn Einbrecher eine Verletzung der bürgerlichen Gleichberech- tigung darin erkennen, wenn man sie nicht zu Ä a s s c n b c a m t e n ernenn t." Diese Worte, die dröhnenden Beifall im gai�zcn Hause fanden, müssen bei Gelegenheit des Wählkampfcs hinausgetragen werden in die Massen. Solche Worte werden ganz indirekt zum Empfinden auch des politisch noch ganz indifferenten Arbeiters gehen. Wer nicht Fischblut in den Adern hat, wer noch nicht ganz verblödet ist, wird aufgerüttelt werden und erkennen, was er für sich und seine Kinder von solcher Volksvertretung zu erwarten hat. Die Auf- fassung unserer herrschenden Klaffen von dem Wesen und den Auf- gaben der Schule sowie ihr brutaler Hervenstaudpunkt kommt in den angeführten Worten klar und knapp zum Ausdruck. Sa wie jener bekannte Ausspruch des Junker von Kröcher, des früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses, daß die Sozialdemokratie in Deutschland nicht Subjekt, sondern nur Objekt der Gesetz- g e b u n g zu sein habe, gleichsam wie ein Blitzstrahl den ganzen reaktionären Charakter des Junkerparlamcnts erhellte, so zeigen die obigen Worte des edlen Ton Octavio den ganzen Haß, die ganze Verachtung, den die Junker dem Wunsch sozialdemokratischer Eltern zur treuen pslichtmätzigcn Mitarbeit an der Ausgestaltung der Volksschule entgegenbringen. Ucbcrslüssig zu sagen, daß die Abwehr dieser Beschimpfungen lediglich den sozialdemokratischen Abgeordneten überlassen blieb. Von den Freisinnigen, die bekanntlich eine Reihe Lehrer in ihrer Mitte zählen, hielt es niemand der Mühe für wert, dem Junker von Zedlitz entgegenzutreten. Möchte die Arbeitcrbevölkcrung nicht vcr- fehlen, am Tage der Wahl den frechen Junkern und allen Junker- genossen die gebührende Antwort zu geben! BUrkungen des Drciklaiienwablrechts. Wer noch nicht überzeugt war davon, daß das preußische Dreiklassenwahlrecht wirklich ein getreues Spiegelbild echt preußischer Kultur ist, der brauchte nur die A l t o n a e r Ab- teilungslisten einer flüchtigen Durchsicht zu unterziehen. Er wäre dann wirklich vollkommen überzeugt worden. Das „Hamb. Echo" gibt einige Resultate einer solchen Durchsicht wieder, wobei wir nicht verfehlen, einige charakterisierende Kraftworte beizufügen. Am lt. März 1910 erklärte Herr v. Zedlitz im Abgeordnetenhause: „Wenn man nun den Antrag wirklich näher ansieht, so ist das gleiche Wahlrecht für alle doch eine ungeheuere Ungerechtigkeit gegen alle diejenigen, deren«stimme gegenüber der höheren Leistung an den Staat persönlich oder finanziell, gegenüber den größeren Verdienste», der größeren Erfahrung, der größeren Bildung höher zu belverten ist." Bildung und Verdien st e sind natürlich vor allem in der ersten Wählerklasse zn suchen. Wir fanden dort als ersten Steuerzahler in Altona überhaupt, mit der kleinen Steuerleistung von 55 884,90 Mark, den Sohn des bekannten M argarineinannes Kaufmann Petercheu Mohr, daneben: B o r d e l l>v i r t H. M. E. Äröning, Annenstraße, Bor bell Wirt H. Schäfer, Kleine Mavienstraße, B o r d e l l w i r t E. I. M. Sonnebohm, Peterstraße. Der solide Mittelstand kommt, wie die Regierung an der Hand von Wahlakten vom Jahre 1908„nachwies", beim Dreiklassenwahlrecht am besten zum Durchbruch. Es ist in der Tat ein ivirkliches Mittel- standswahlrecht. Wie dieser solide Mittelstand aussieht, zeigt uns die zweite Wählerklasse: Bordellwirt F. D. E. Kelling, Kleine Marienstraße, Bordell Wirt Paulsen, Friedrichsbaderstratze, Bordellwirt Rex, Annenstraße, Bordellwirt Marktscheffel, Annenstraße. WaS die dritte Wählerklasse angeht, so sagte darüber der Landtagskandidat Senator Marlow am Lli. April 1913: „Ich halte cS fiir ungerecht, daß dem H a f e n b u m in l e r, dem GelegenheitSarbeilcr, der jeder Gelegenheit zur Arbeit aus dem Wege geht, der niemanden nützt und sich womöglich durch seine Frau, sei es niit Hilfe ihrer ehrlichen Arbeit, sei cS durch unsittlichen Erwerb, unterhalten läßt, ich sage, ich halte eS fiir unrecht, daß einem solchen Manne die gleiche politische Macht zu- steht, ivie z. B. dem Kaufmann, der durch seine Tüchtigkeit und Energie neue Absatzgebiete eröffnet," In der dritten Klasse finden wir: Die Arbeiterschaft, Bürgermeister Dr. Schulz, B ü r g e r m e i st e r Rosenhageu, Senator Hehdemann, Landgerichtsdirektor Levin, Landgerichtsdirektor Boese Landrichter Müller, Landrichter Engel, Landrichter Ermel, Amtsgerichtsrat v. Düsing, Professor Dr. Lehmann, Professor Mittelsdorf usw. Mit dem Brustton der lleberzeugung hat Herr v. Zedlitz am 1l. Februar erklärt:„Das gleiche Wahlrecht entspricht weder den Ansordernngen der Gerechtigkeit, noch den An sordernngen der Vernunft!" Aber das Dreiklassenwahlrecht— daS ist natürlich etwas anderes. » In seiner ganzen Schönheit macht sich das Dreiklassen- Wahlsystem im Eldorado der Gruben- und Zechenbarone, in Mülheim(Ruhr) bemerkbar. Im 2. Bezirk wählt in der ersten Abteilung 1 Wähler, Herr Hugo Stinnes, in der zweiten Abteilung 0) Wähler, in der dritten Abteilung 303 Wähler, darunter mehrere Aerzte und Rechtsanwälte. 5. Bezirk: erste Abteilung 1 Wähler, Herr Gustav Stinnes, zweite Abteilung 44 Wähler, dritte Abteilung 286 Wähler. 6. Bezirk: erste Abteilung 1 Wähler, Herr K o ni m e r z i e n- rat Küchen, zweite Abteilung 46 Wähler, dritte Abteilung 356 Wähler. 27. Bezirk: erste Abteilung 1 Wähler, Herr Jos. Thyssen, zweite Abteilung 8 Wähler, dritte Ab- teilung 283 Wähler. 33. Bezirk: erste Abteilung 1 Wähler, Herr Meilinghoff, zweite Abteilung 48 Wähler, dritte Abteilung 311 Wähler. Und da sage noch jemand, daß das„bewährte preußische Wahlrecht" nicht allen gerechten Ansprüchen von Bildung und Besitz gerecht wird. Sollte aber doch ein„Gebildeter" Zweifel hegen, so mag er sich mit dem Oberhaupt der Stadt Mülheim trösten. Auch er ist unter„die Masse" geraten. llie sMarbeiter des preußischen Staates. Tie Forsten liefern dem preußischen Staat einen recht erheb- lichcn Zuschuß in seine Kassen, rund 80 Millionen Mark pro Jahr, was bei einer Gesamtcinnahme von etwa 850 Millionen schon etwas besagen will. Da ist gewiß die Frage sehr berechtigt, wie denn dieses gute Geschäft, aus dem der Staat den zehnten Teil seiner Ein- nahmen bezieht, seine Arbeiter bezahlt. In den amtlichen Mit- teilungen aus der Abteilung für Forsten, die das LandwirtsehaftS- Ministerium herausgibt, ist die Gesamtzahl aller in den Staats- forsten beschäftigten Arbeiter auf 172 000 angegeben. Darunter be- finden sich, nach Angabe des Ministers, rund 98 000 erwachsene Männer. Jedoch werden sie nicht ständig im Walde beschäftigt, sondern nur 50— SO Tage im Jahr, durchschnittlich 59 Tage. Deren Tagelöhne im Sommer(im Winter sind sie noch niedriger) sind in den verschiedenen Gegenden des Staates verschieden. Das bedeutet: Der Staat bezahlt die Forstarbeiier nicht nach dem, was sie leisten,� und auch nicht nach dem, was sie brauchen, sondern er richtet fich nach den in der Gegend üblichen Löhnen. Wo die Ar- bester anderwärts mehr bekommen, zahlt auch der Staat mehr, sonst, zahlt er weniger. Mit anderen Worten, der Staat zahlt genau so viel, wie er zahlen m u tz. Für zehnstündige Arbeitszeit betrug im letzten Jahre der höchste vom Staat gezahlte Tagelohn 8,34 M., der niedrigste 1,93 M. lind zwar sind die Löhne ganz allgemein im W e st e n höher als im Osten. lieber 3 M. betrug der Tagelohn nur in fünf Regierungsbezirken, nämlich Schleswig, Arnsberg, Düsseldorf, Köln und Trier, sämtlich im Westen. Unter 2 M. betrug«r in den Regierungsbezirken Allenstein, Marienwerder, Oppeln. Zwischen 2 M. und 2,25 M. wurden gezahlt in den Regierung?- bezirken Gumbinncn, Danzig, Köslin, Bromberg, Breslau und frkdenöritter. Ich Hab erdacht im Sinn mir einen Orden, Den nicht Geburt und nicht das Schwert verleiht, Und Friedensritter soll die Schar mir heißen. Die wähl ich aus den Besten aller Länder, AuS Männern, die nicht dienstbar ihrem Selbst, Nein, ihrer Brüder Not und bittcrn Leiden: Auf daß sie, weithin durch die Welt zerstreut, Entgegentreten fernher jedem Zwist, - Den Ländcrgier und Iva? sie nennen Ehre Durch alle Staaten sät der Christenheit,— Ein heimliches Gericht deZ offenen Rechts. __ Grillparze r. Die JSfaebbarn. Der Blonde und der Braune waren Nachbarn, jeder von ihnen stand an der Spitze eines gulmütigen Hirtenvolkes. Sie tauschten nach Bedarf die Produkte ihrer Ländereien und blieben einander stel-Z hilfreich in Not und Gefahr. Niemand hätte bestimmen können, welchen von beiden ihr Bündnis mehr Nutzen brachte. Eines Tages, im Herbste, begab es sich, daß ein heftiger Sturm großen Schaden anrichtete im Walde des Braunen. Viele junge Räume wurden entwurzelt oder gebrochen, viele alte Bäume verloren mächtige Aeste. Der Herr rief seine Knechte; sie sammelten die dürren Reiser mid schichleren sie in Bündel. NuS dem fnichen Holze aber wurden Stöcke zugehauen. Im «rübiahr sollten sie verwendet werden zu einem neuen Zaune für den Hühnerhof der braunen Herrin. Nun wollte der Zufall, daß ein Diener des Blonden die Stocke st, die Scheune bringen sah, Ihre Anzahl schien seinen etwas blöden Augen ungeheuer. Bon Angst ergriffen lief er heim und kvraw au seinem Gebieter:„Ein Verräter will ich sein, wenn der Nackhar nicht BöieS wider uns im Schilde führt!"' i£x und andere ängstliche Leute— es waren auch Weise darunter— schürten so lange das Mißtrauen, das sie ihrem Herrn Oegcii den Freund emgefloßl hatten, bis jener sich entschloß, zu rüüen aeae.i die vennenstlich Gerüsteten. Eine Scheune voll von Stocken halte der Braune: der Blonde wollte drei Scheunen voll von stocken haben. Äolrlnechte lvurden t» den„�ald geichickt, WaS lag ihneir air seiner hohen Kultur? 3bucu'üt leid, einen jungen Baum Zu fällen ihm die aufstrebende Krone abzuhauen und die lichl- suchenden Aeste und die Zwerge mU den atmenden Blättern. Aach kurzer Zeit war der Wald verwüstet, aber der Blonde hatte iüsle tausend Stocke...,. . Wie es ihm ergangen war. ergmg es nun fernem ehemaligen osteundc. Die Klugen und die Törichten, vre Verwegenen und dre Zaghasten iin Lande, alle schrien:„ES ist deine Pflicht, Herr, dafür zu sorgen, daß uns der Tag des Kampfes reich an Stöcken finde!" lind der Braune und der Blonde überboten einander in der An- schaffung von Vertcidigungsmitteln und bedachten nicht, daß sie endlich nichts mehr zu'verteidigen haben würden, als Armut und Elend. Weit und breit war kein Baum zn erblicken, die Felder waren unbebaut: nicht Pflug, noch Egge, noch Spaten gab es mehr: alles war in Stöcke verwandelt. ES kam so weit, daß die größte Menge des Volkes zu Gott betete:„Laß den Kampf ausbrechen, laß den Feind über un§ kommen: wir würden leichter zugrunde gehen unter seinen Stöcken als unter de» Qualen des Hungers!" Der Blonde und der Braune waren alt und müde geworden, und auch sie sehnten sich im stillen nach dem Tode. Ihre Freude am Leben und Herrschen war abgestorben mit dem Glücke ihrer Untertanen. sein Spiel. Die beiden der die Grenze zwischen „Ich will mein armes verwüstetes Und einmal wieder trieb der Zufall Nachbarn stiegen zugleich aus einen Berg, ihren Besitzungen bildete, Jeder von ihnen dachte: Reich noch einmal überschauen. Sie kletterten mühsam empor, kamen zugleich auf dem Grate de? Berges an, standen plötzlich einander gegenüber und taumelten zurück. Aber nur einen Augenblick, Ihre ablvehrend ausgestreckten Hände sanken herab und ließen die Stöcke fallen, auf die sie sich gestützt hatten. Die ein Kalbes Jahrhundert in Haß verlehrte Liebe trat in ihr altes Recht. Mit schmerzvoller Rührung betrachtete der Freund den Freund aus halberloschenen Augen. Nicht niehr der Blonde, nicht mehr der Braunel Wie aus einem Munde riefen sie:„O, du Weißer! und lagen Brust an Brust. Wer zuerst die Arme ausgebreitet, wußten sie ebenso wenig, als sie sich besinnen konnten, wer dereinst die ersten Stöcke aufgestellt wider den anderen. Sie begriffen nicht, Ivie das Mißtrauen hatte entstehen können, dem alles zum Opfer gefallen war, was ihr Dasein und das der Ihren lebenswert gemacht batte. Eines nur stand ihnen fest: die niederdrückende lleberzeugung, daß nichts auf Erden ihnen ersetzen konnte, was die Furcht vor dem Verlust ihrer Erdengiiter ihnen geraubt hatte. M. Ebner- Eschenbach. Die Jubiläums-I�unftausfteUung wurde am Sonnabend inst höfischem Zeremoniell eröffnet. «Die Militärkapelle spielte dazu Armeemärsche.) Sie ist als eine JubUämnSausstellung gedacht, weil die Kunst'jetzt 25 Jahre ohne die Hohenzollernsonne auskommen mußte.(Die von oben herab befohlene oder begönnerte Kunst hat trotz allem aufgewendeten Eifer � nicht den Beifall der Zeitgenossen gefunden.) Der Hof leitet heutzutage ja auch nicht mehr die Kunst- entWickelung, obwohl er durch die Verquickung mit dem Staat manches Unheil anrichten kann und angerichtet hat. Also das Thema ist verfehlt, die Geschichte richtet sich außerdem nicht nach dem Re- gierungsjubilamn— so wenig wie nach den Ansprachen der Kultus- minister.(Der jetzige predigte bei der Ouvertüre lebhaft gegen Zügellosigkeit und falsche Genialität, wovon selbst in der verhaßten Sezession doch sehr wenig zu merken ist.) Aber Programm hin und her-- was bietet die unter Professor Kallmorgens Leitung zustande gekommene Ausstellung? Zunäcktst eine kaiserliche Abteilung, Modelle, Pläne und Photographien veranschaulickieil Bauten,„an deren Errichtimg S. M. besonderes Jntereffe genommen hat". Da finden sich darin alle die Umbauten, Erneuerungen, Neu- und Umbauten, die den kaiserlichen Geschmack kennzeichnen: Burgen- und Kirchenrcftaurationen (Saalburg und HohkönigSburg) und die neuen Schlösser und Kirchen, die als eine kunstliche Fortsetzung dieser vergangenen Stile und Welten erscheinen. Der königliche Marstall und der Dom— wer kennt sie nicht zur Genüge, diese stummen Zeugen der Stil- und Zeitlosigkeit, die weder alte noch neue Kunst sind und nichts ausdrücken, was diese Zeit erfüllt(außer der Machtvollkommen- best, sie zu erbauen). Daran schließt sich ein ganzes mittelallcrliches Kabinett des Restaurators und BnrgenbauerS Bodo E b h a r d t, Der Bedarf an solchen Theaterrequisiten, die das wirklich Alte endgültig zerstören, scheint immer noch nicht erloschen. Die Zukunft will hoffentlich wieder Ruinen daraus machen, Die nicht-kaiserliche Architektur wird in breiter Fülle(die viele abschrecken muß) in einer von dem inzwischen gestorbenen Baurat March eingerichteten Sonderausstellung für Architektur gezeigt. Tüchtiges und Schlechtes ist nebeneinander mit gleicher Liebe gepflegt, aber immerhin war der Wille vorhanden, auch denen, die neue Wege wiesen, gerecht zu werden, wenn Marchs Nachfolger auch kaum dessen Absichten verwirklichen konnte. Drei kleine Säle zeugen davon, was Berlin an seinem Stadtbaurat Hoffmann hat, Vor dcr� ungeheueren Masse der Bilder und Plastiken, die wie alle Jahre auch diesmal sinnverwirrend auf den Besucher einstürmen, kann hier— in dem Vorbericht— nur kurz gesprochen werden. Eine Gliederung erfährt der Stoff insofern, als eine rückschauende Abteilung die Kunst der letzten 20—80 Jahre zusammenfaßt und nach einzelnen Kunstzentren gliedert. Neben Berlin treten Dresden. München. Karlsruhe. Stuttgart. Weimar, Wien an. Auch die Sezeisionen sind beterligt(außer der Berliner). Natürlich kann eine solche von vielen Zu- fälligketten und Rücksichten abhängige, Zusammenstellung nicht die Auswahl des Besten und Charakteristischen geben. Aber man sieht gern wieder manche bekannte Bilder: bei anderen, die man früher als Vorboten und Verheißungen begrüß hat, wundert man sich freilich, wie wenig sie ihr Versprechen gelsalten. Menzel, Leibi. Stauffer-Bern, Kirchbach. Trübner. Max Klinger. Uhde sind vertreten— leider viel zn fragmentarisch. Von Anton v. Werner, der sreiresignierte, ist das Riesenbild: die Eröffnung des Reichstages durch Wilhelm II. statt der vielen anderen da. Es zeigt sein respektables technisches Können, das er an solche Staats- aktionen verschwenden mutzte. Die Kollektion, die S t u ck s Werl vorführt, verrät, ivie sehr er in der Masse verliert, wieviel Zeichner und Illustrator er im Grunde ist. Die großen symbolischen Gemälde(der Krieg, die Sphinx) er« regen uns heute nicht mehr wie zur Zeit ihres Entstehens. Di« Eiegiiifc. Tagegen zwischen 2,75 M. uich 3 M. in Potsdam, Ersurt, Hannover, Lüneburg, Stade, Wiesbaden, Aachen. illiait sieht also, der Staat fühlt sich nicht im entferntesten als „Vater seiner Arbeiter", wie uns so oft beteuert wird. Ein Vater würde nicht daran denken, seine lffinder etwa mit 1,03 M. bis 2,25 M. uro Tag abzuspeisen, was zu ihrer Ernährung und Unter- Haltung in keiner Weise ausreicht. Ter Staat fragt einfach, wie- viel die Privatleute in der Gegend zahlen, und ungefähr ebensoviel gibt er dann auch, damit ihm die Arbeiter nicht wcglauscn. Tas ist seine einzige Richtschnur. So zahlt ein Geschäft, das 80 Mit- lioncn Uebcrschnß macht, seinen Arbeitern erbärmliche Löhne, auch wenn es dem Staat gehört. Hoffentlich geben die Ausgebeuteten bei den Wahlen eine entsprechende Quittung. CandtagswählerverSaRimlungen. Die liberale Courage. Einen l u r i o s c n A b s ch l u h fand eine am Donnerstag in N i e d e r- S ch o n c lo e i d c im Wirtshaus Loreley tagende liberale Wählerversammlung. Die Herren Traub und Liepmann stellten sich den Wählern vor. Insbesondere betonten sie, das? man jetzt nicht schintpfen, sondern handeln inüsse, um den Junkern den Kreis Teltow- Bceslow zu entreißen; man müsse nur nicht Angst vor der eigenen »Courage" haben. Die Angst kam aber noch am selben Abend. Als unsere Genossen Dießner, Voß und R e i m a n n in längeren Ausführungen das Verhalten der Liberalen aller Schattierungen bei den verschiedenen Gesetzentwürfen darlegten, wußten sich die Herren nicht anders zu helfen, als daß sie alle nicht liberalen Wähler auf- forderten, das Lokal zu verlassen. Unter kräftigen Hochrufen auf die Sozialdemolralic verließen hierauf Misere Mitglieder den Saal. Ein Teil der Bürgerlichen tat dasselbe und erklärte, als Antwort auf dieses Vorgehen der Liberalen, ain Tage der Wahl den Wahl- männern der sozialdemokratischen Partei ihre Stimme geben zu wollen. Waudlib. In einer bis aitt den letzten Platz besuchten Per- sammlung sprach Genosse Artur csladthagen über das Thema: »Nieder mit der preußischen Junkerherrschaft!" Durch lebhaften Beifall bekundeten die Zuhörer ihr Einverständnis mit den trefflichen Darlegungen des Redners. Vor dem Referat hatte der Gesangverein Pankower Licderfrcunde ein begeisterndes Kampflied zum Vortrag gebracht. Sowohl der Leiter der Veriamnilung. Genosse Junge- Pankow, wie auch Genosse V a e r- Wandlitz ermahnten am Schlüsse der Versammlung die Anwesenden zum Anschluß an die Organisation. Weitere Wählerversammlungen fanden noch statt in: Mahlsdorf, wo Genosse Stimmig- Lichtenberg sprach, in Teltow, wo Genosse II ck o referierte, und in E b e r S w a l d e. In letzterem One sprach außer dein Genossen Alwin Schulze der Kandidat des Kreises Genosse H o f c r. Hus aller Melt. Slabrbdt und Dichtung. Aus London wird uns geschrieben: Tic Wahrheit klingt niancbmal viel unwahrscheinlicher als die Dichtung. Diese Bc- ovachtung wurde erst dieser Tage wieder durch einen Kall bestätigt, mit dem sich das englische Erbschaftsgericht zum achten M a l c beschäftigte. Es handelte sich darum, einen gcioissen L i d d e r d a l c, der vor 21 Jahren spurlos verschwand, für tot zu erklären. Ter Kall ist kurz folgender. Vor eiyiurdz'.vanztg Jahren wobnte in der Slodt Jlmnistcr in der Grafschaft Somerset der Gc- schäftssührer einer Bank, der den Namen Lidderdakc trug. Er irrt ein allgemein geächteter Mann, der mit einem in Jlniinstcr wohnenden Fräillein E d a p m a it verlobt war. Einige Tage vor der Hochzeit wechselte Lidderdakc eines Morgens einen Scheck für 1000 Pfund, legte das Geld in eine Handtasche und fuhr imch London, wo er im Great Western Hotel et» Geschäft zu regeln hatte. Er wurde gesehen, näe er das Hotel betrat und wieder beiaustam. Von dem Augenblick an ist er spurlos verschwunden. Am nächsten Tage erhielt seine Braut. Fräulein Chapman, einen Büei von dem Verschollenen, in dem dieser ihr mitteilte, daß er ein Iräulcin Bining, eine reiche Kreolin, getroffen, die ihn tobe heiraten»vollen. Lidderdale hatte schon früher von der Kiealin gesprochen, aber niemand hatte sie sc gesehen. Einen Monat später erhielt Fräulein Chapman aus London ein von un- bekannter Hand adressiertes Paketchen, das 500 Pfund in Bank noten und etliche dem Lidderdale gehörige Schmucksachen und Visitenkarten des Fräulein Vining ohne Adreßangabe enthielt. Am Tage darauf brachten die„Times" und andere Blätter die Anzeige, daß Lidderdale an den Folgen eines Nnsallcs, der ihm am Tage seines Verschwindcns zugestoßen, an Bord der Dacht „Foresight", die Fräulein> V'ning gehörte, gestorben sei. Ein geheimnisvoller Schleier bedeckt noch immer den ganzen Vorfall. Mau weiß nicht, wer der Australier und dessen Rechtsanwalt war, mit denen Lidderdale im Grcat Western Hotel ein Geschäft zu erledigen hatte. Auch die Existenz der Dacht„Foresight" steht in Frage. Zwar will sie ein Küstenzollaussehcr zwei Jahre vorher irgendwo gesehen haben, aber der Mann verläßt sich nur auf sein Gedächtnis und hat keinerlei Aufzeichnungelt gemacht. Einige Freunde Liddcrdales nehmen an, daß Fräulein Vining nur eine Erfindung des Verschollenen ist, der mit der Liebe einer reichen Kreolin habe prahlen wollen. Je tiefer man in die Sache eindringt, um so größer wird das Mhsterium, und selbst Sberlock Holmes würde Mühe haben, das Knäuel zu entwirren. Ta seil einundzwanzig Jahren nicht der geringste Lichtstrahl in das Dunkel dieser Angelegenheit dringen konnte, mußte es das Gericht ab- lehnen, den verschollenen Lidderdale für tot zu erklären. Gegen den Spielteufel. Die französische Kammer erörterte in ihrer Freitag-Sitzimg einen Antrag des konservativen Deputierten Piou, die S p i e l k a s i n o s in Frankreich zu verbieten und alle hierfür erteilten Be- willigungcn innerhalb sechs Monaten zurückzuziehen. Der Antrag wurde vom Finanzminister und mehreren anderen Minister» cnl- schieden belämpft. Der Vertreter des Departements Niederalpen, Giltette-Arimondy, sagte: Wenn Sie auch die Spielkasinos in Frank- reich schließen, sa können Aie doch Monte Eatlo nicht schließen- Monte Carlo hatte im Jahre 1912 Einnahmen v o n 47 M i l- l i o n e n gehabt. Wenn Sie das Spielen in Mentone, Nizza und Cannes verbieten, wird Monte Carlo nicht 47 Millionen, sondern 300 Millionen verdiene». Schließlich beschloß die Kammer mit 275 gegen 264 Stimmen den Antrag Piou, der übrigens von dem Budgetansschuß geprüft werden wird, in Erwägung zu ziehen. Notleidende Agrarier. Die Klagen der Agrarier über die schlechten Zeiten erfahren eine bemerkenswerte Beleuchtung durch eine Notiz des„Hannoverschen Anzeigers" über eine dieser Tage mit großem Prunke gefeierte Bauernhochzeit in Klein- Burg wedel bei Hannover. Von 600 geladenen Personen waren rund 500 erschienen, und in den drei Tagen der Hochzeitsfeierlichkeit wurden: 1 Rind, 6 Schweine und 50 Hühner geschlachtet, außerdem wurden über 100 Pfund Ralbflcich. annähernd 3200 Eier imd eine große Anzahl Kuchen und Butterkuchen verzehrt. Außer dem Wein wurden noch 20 Hektoliter Bier gdlrunken.— Bei solcher Schlemmerei wird die »Not" der Agrarier beinahe begreiflich.. Immer neue Gewalttaten. Die Farington Hall, ein großes PrivathauS bei D n n d ee ist Sonnabendmorgen in Brand g e st e ck 4 worden. Der Schaden soll sich auf 10 000 Pfund Sterling belaufen. Der Brand wird den Anhängerinncn des Fr a u e n sti m m r e ch ts zugeschrieben.— Im Wartesaal des Bahnhofs Lime Street in Liverpool wurde ani gleichen Tage eine Bombe mit der Inschrift„voves kor-w omen" gefunden. Desgleichen wurde in R e a d i n g auf einem Postamt eine Bombe, d i e e i n U ha: w e r k enthielt, gefunden. Tu sollst nicht töten! Im Juli des vorigen Jahres gab es. so lesen wir in der Wiener „Arb.-Ztg.", irgendwo in Böhmen eine Versammlung junger Leute, die vor der Musterung standen. Da erhob sich der Arbeiier Joseph I i r o u t und erinahine die jungen Menschen, als Soldaten niemals die Mordwaffe gegen Streikende zu richten, sondern immer au das fünite Gebor zu denken:„Du sollst nicht töten!" Joseph Jirout wurde angeklagt und bekam wegen Aufforderung von Militär- Personen zum lliigehorsam drei Monate schweren Kerkers. Die jungen Leute freilich, zu denen der Bibclgläubige gesprochen hatte, waren noch gar keine Militärpersonen. Also konnte auch keine Vor- leitung von Militärpersonen zum Ungehorsam angenommen werden. Der Oberste Gerichtshof hatte sich mit der ganzen Angelegenheit nochmals zu beschäftigen, hob das erste Urteil wirklich auf, erkannte aber in der Aeußerimg des Redners eine Anpreisung ungesetzlicher Handlungen und bestrafte den Joseph Jirout mit sechs Wochen Arrest. Das fünfte Gebot ist also eine Anpreisung ungesetzlicher Handlungen. Wer zur Befolgung eines göltlichen'Gebotes auffordert, begibt sich in die Gefahr, dafür sechs Wochen im Arrest sitzen zu müsien. WaS für Gedanken fahren einem guien Cbriften durch den Sinn, wenn er feinen Glauben so behandelt sieht? Wie ist den» daS? Widerspricht Gottes Gebot der Gerechtigkeit? Dann iväre cS ungerecht. Oder widerspricht die Gerechtigkeit den Geboten Gottes? Aber ist sie dann noch Gerechtigkeit? Wahr« haftig: die Justiz sollte endlich doch mutiger ins Zeug gehen. Wozu denn immer von Fall zu Fall solche kleine Trippelschritle wider den Himmel. Man sei kühn! Gerade jetzt fei man kühn! Dieses fünfte Gebot steht dem ganzen Militarismus verflucht im Wege. Herr Staatsanwatt, walten Sie Ihres Amtes! Konfiszieren Sie doch das fünfte Gebot! Aber rasch, bitte! Ein niihglückter Gaunerstreich. Das Vcrkehrsministerium war am Freitagabend der Schau- platz eines verwegenen Gaunerstreichs. In das Amtszimmer eines RegierungSrats, der zurzeit beurlaubt ist, hatte sich ein Mann eingeschlichen. Von diesem Zimmer aus tclephoniertc derselbe unter dem Namen des Regierungsrats an die Spate iibrauerci mit dem Ersuchen, ihm sogleich Wechselgeld in Höh�e von 10 0 0 0 M. in das Zimmer zu schicke u. In der Spaten- brauere: kam man dem Verlangen nach insofern, als man einen Tiener abschickte, der vorläufig 9000 M. bei sich hatte. Ais der Tiener das Zimmer des Regierungsrats mit dem Gelbe betrat, wurde er von dem Tirektionsrat ochwarz bemerkt. Da dieser wußte,.daß sein Kollege verreist sei. trat er Vinter dem Diener ins Zimmer, und dort sah man am Schreibtisch einen Mann sitzen, der Zeitung las und einen falschen Bart trug. Als er sich entdeckt sah, wollte er rasch zur Türe hinaus flüchten. Andere kamen chm aber zuvor und schlössen die Tür von außen zu. Es wurde die Polizei geholt, das Zimmer gewaltsam geöffnet und der Gauner verhaftet. Seine Persönlichkeit ist noch wicht bekannt. Kleine Notizen. Schwerer Eiscnbahnunfall. Am Sonnabendvormittag gerieten kurz vor 12 Ilhr auf dem Bahnhofe Cassel O.beim Bereitstellen der Wagen für den Personenzug 309 z w c i ältere Damen, Frau Karolmg Siebel und Fräulein Gertrud Schneeheim aus Cassel, zwischen den ziveil- und drittletzten Wagen des leeren Zuges, wurden überfahren und getötet. Kcssclcxplosion in Paris. In der Rue Francois Premier in Paris erfolgte Sonnabend früh eine heftige Kcsselexplosion, wobei ein Arbeiter getötet und fünf schwer verletzt wurden. Fliegers Endr. Ter Flicger-Lentnant C l a r k s stieß bei einem Versuchsstug von San Diego nach Los Angeles mit seiner Maschine im Nebel gegen einen Baum. Er war so» f o r t t o t. eingegangene Dmcblcbinften. Tie Tee■ Uusallverficherung nach der Reichsverficheruugs» orduung.(Heft V des Führers durch die Rcichsvcrsicherungsordnung.) Mst Hinweisen aus die Rechtsprechung. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin!i>>V 66. Preis 40 Pf. Führer durch das Vereins- und Versammlungsrecht. Zugleich ein Wegweiser bei den ReichstagSwablcn. Neue umgearbeitete Auslaae. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin LXV 66. Preis 40 Pf. Tic Berufskraukheiteu der Schneider und Textilarbeiter. tArbeitec-Gesundheilsbibliothel Heft 55.1 Von Prwatdozent Dr. med. A Gr atfahn. Verlag Buchhandlung Vorwärs, Berlin SW 68. PreiS 20 Pf.___ � Äutrage der Kommission zur Forderung der Verwaftungs- rcform bclrcfsciid die Reform der rechts- und staatswissenschaftlichen«Studien. 2 Kr. F. TompSIY. Wien. � � Bericht des Vcrcrns für SLobnungsreform. Frankfurt a. W, 1911/12? 46"®.(ScschajtSslelle: Franiinrt a. M., Hochs». 23.*■ TaS Frauenbnch. Lieferung 1. Herautzgsgtben von Eugenie v. Sooen. Erscheint in 26 Lieferungen a 50 Pf. Frauckh, Stuttgart. Was ist Arbeiterschutz? Bon Prof. Tr. I. Jastrow.(Sonder- abdruck aus»Archiv für Rechts- und DirtschaftSphilosophie.) 23. Rothschild» Berlin-Wilmersdorf. Tie Technik des Gewerkschaftswesens. Bon A. Cohen. 40 Pf. Kaden u. Co., Dresden. Tie finanzielle Mobilmachung. Vorträge von Prof. Dr. M. Biermer. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Prof. Liejmann. 1,50 M. Verlag E. Roth. Gießen.. Tie Ueberzähligc». Von A. Koppermann. Leipzig. Zm Kenten« Verlag 2,50 M., geb. 5 M._,_ Mädchenschicksale. Von Erdmann Graescr. 116 s. H. Vondy, Berlin XV. glatte alademische struktur von heute weicht nur zuweiten blut- volleren Impulsen(einige Bacchanale z. B.). Die zwei Säle, die man dem Karlsruher Landschafter Schön- l e b e r eingeräumt hat, durchivandert mau mit wahrer Freude an feiner da- Gedämpfte, Tonige bevorzugenden Kunst. Hier ist Innig- keil der Empfindung mit schönem(auch kompofiiionellem) Können verein! und etwas geschaffen, das volkstümliche Wirkung verdient. Die I a h r c S a u S st e l u n g, die neben der RückwärtSschau hergeht, bietet dasselbe bunte Bild wie alle Jahre. Sie ist aber— das xwb ist gern zu spenden— mit großem Geschick nntergebracht. In jedem Saal und Kabinett ist nach Möglichkeit neben dem Mittel- maß. das ja übcrloicgen muß, etwas Interessantes oder doch Ge- fälliges zu finden. Die Ausstellung bietet insgesamt kein zutreffendes Bild der Kunst von heute oder der letzten Jahrzehnte. Und sie zeugt gewiß nicht von der Blüte, die die Kunst etwa fürstlicher Huld verdankt: was groß und stark ist, wuchs für sich. Aber von vielen Strömungen, die heute die Kunst beherrschen, sind hier manche zum Studium und einige zum Genuß gesammelt.— r. Theater. K a m me rspiele: Der Bund der Schwachen, Schau- spiel von Schalom Asch. Schalom Asch, deffen eigenartiges jüdisch-polnischeS Familienstück„Der Gott der Rache" vor Jahren im Deutschen Theater erhebliches Aufsehen machte, gibt dem neuen Drama Bilder aus dein Leben poluisch-kleinstädiischer Arbeiter- bevölkerung. Es ist viel warme Menschenliebe, viel intim und fein Gesehenes darin; nur stört eS, daß sich die Perionen in allzu wechselnder Beleuchtung zeigen. Asch besitzt Bühnensinn, den Instinkt fürs spannend lleberraichende.?lber er würde die Erregungen, auf die er auSgeht, ebenso und besser erreichen, lvenn er ohne psychologisches Versteckspiel die entscheidenden Charakterzüge, die den Umschlag begründen, in den einleitenden Szenen motivierend mit anklingen ließe. DaS gilt vor allem von der Figur des Stephan Berkowitsch, des einarmigen Fabrik-Werkineisters. der. von seiner hübschen kaltherzigen Frau geschieden, im Frühling heimkehrt und mit verliebten Litten von neuem um sie wirbt. Der Zu- schauer erhält den Eindruck eines wohl guimütigen, doch gänzlich haltlosen Triebmenschen, eines Trunkenbolds, der unter Umständen auch zügellos brutaler Gewalttat fähig ist. Kein Zeichen deutet darauf, daß neben der Sinnlichkeit noch Möglichkeiten einer anderen Liebe, die ihn festigen und heben könnte, in seiner Seele liegen. So erhält die spätere Wandlung einen üblen Beigeschmack von theatralischer Willkür. Weniger ein Unvermögen als Flüchtigkeit und eine Neigung zu spielerisch äußerlicher Kontraslierung scheint schuld daran. Jllnch in anderer Hinsicht ist dieser erste Alt der schwächste in dem Stück. ES fehlt ihm an Bewegung, er bleibt in bloßer Schilderung stecken. Man sieht da einen verlumpten ehemaligen Maler, den Frau Berks- witsch, seine Geliebte und Gönnerin, mit Weib und Kindern in einem Siallc neben ihrem Hause einquartiert hat, einen Burschen, der jede Entwürdigung der Seinen schamlos hinnimmt und, unfähig zur kleinsten Arbeit, von einem großen Kunstwerk, das er schaffen werde, schwärmt. Zwischendlnch huscht die furchtsam geduckte Gestalt seines blaffen WeibeS vorüber, das einst als Mädchen die Schönste in der Stadt gewesen— damals, wie er sie als Madonna malte.- Halb betrunken im stall bei der Getretenen, Mißhandelten zur Ruhe gebracht, hört der Einarmige, dem alles Betteln bei seiner Frau nichts nutzte, durch die dünne Wand ihr Lachen und ihr scherzen mit dem Maler. Ein wilder Grimm ersaßt ihn, ein Grimm auch über die Geduld der Armen, die schweigend das erträgt. Er peitscht sie auf aus ihrer Lethargie, er spricht ihr von den Zeiten, da sie jung und schön war, und die Erinnerung facht in den Herzen ein Begehren an. Warum die Demütigung länger tragen? Er braucht ein Weib, braucht Kinder, für die er sorgen kann. Hier, sind sie unglücklich und verlassen, wie er selber. Visionen eines neuen LebenS steigen auf vor seiner Phantasie, und ein Schimmer seiner gläubigen Hoffnung fällt auch tu ihre Seele. Die beiden Ver- schmähten reichen sich die Hand zum Bunde. Sie fliehen mit den Kindern. Berkowitsch hat im letzten Akie die fragwürdigen Oualiläten seines alten Adam restlos abgestreift. Er strahlt in Bravheit, lind wenn diese 2lrt von Güte auch mit der früheren Schilderung nicht recht zmänimcnkommt, der Optimismus des Schlußaktes ist so menschlich liebenswürdig, daß man sich keinen anderen Ausgang wünschen möchte. Prachtvoll war Gertrud E h s o l d t in der weiblichen Haupt- rolle. Der Aufstieg aus der dumpfen Resignation zur zornigen Empörung, das Wiederaufblühen der erstarrten Seele wirkte in ihrer Darstellung mit suggestiv elementarer Kraft. Josef Klein gab dem Berkowitsch eindrucksvolle Physiognomie und farbige Nuancierung. Mit der Rolle des verkommenen Malers wußte George Henrich nichts Besonderes anzufangen. ckt. Musik. Deutsches Opernhaus Charlottenburg. Mit Artur Sullivans burlesk-heiterem Mikado soll wohl eine allmählich auch auf die ältere Operette abzielende Repertoirerwciterung angedeutet werden, die, wenn dabei eine Art veredelter Stilisierung bezweckt wird, einem Volksopernhause gar nicht so übel anstünde. Dieser erste Anhieb darf als gelungen gelten, da init der Wmi�er- waldschen Dekoration und Kostümierung eine schöne Echtheit des japanische» Stils zustande gebracht wurde. Nur die schwarzen Nuß- knackcrbärte einiger uniformierter Hofleute scheinen uns schlecht zu passen. Der Chor der Schulmädchen und Frauen zeigt durchweg reizend zierliche Weiblichkeit auf. Daß in der Darstellung aus jeg- liche Verunzierung und Verzerrung, die sicb, Gott sei's geklagt, auf der Opercllenbühne eingebürgert hat, verzichtet wurde, ist nur gut zu heißen, so viel auch ein auf diese Stilverlotterung eingeschworener Geschmack von früher her vermissen sollte. Man brauckn sich ja beispielsweise nur den Ko-Ko oder die Katischa in der Ber- wurstelung von ehemals zu vergegenwärtigen, um an der veredelten Darstellung durch Julius L i e b a n und Luise Schröter Vergnügen zu empfinden. Diese verfeinerte Linienführung ließ sich aber auch bei den anderen Vertretern von Haupt- und Episodenrollen ver- folgen; das burleske Element wurde durchweg betont, ohne daß es zu schablonenhafter Hanswurstigkeit veräußert wurde. Dazu fehlte es ebensowenig an brillanten Masken wie an prächtigen Gesangs leistungen. Die musikalische Seite der Aufführung(Ignatz Wag- h a I l e r) kann bis auf einige allzu hastige Tempi vortrefflich ge- nannt werden. Den Fächertanz müßte die Regie allerdings noch lbarakteristischer durchzubilden suchen. Um der reizenden Musik Artur Sullivans willen verdient diese Operette den Erfolg, der ihr auch diesmal wieder zuteil wurde. � e. k. Notizen. — Das Deutsche Opernhaus eröffnet am 1. Feiertag seinen großen Naturgarten, der im Verein mit den offenen Wandel- gängen und Dachgärten den Besuchern einen angenehmen Aufenthalt gewährt. — Die Leipziger JahreskunstauSstellung wurde am Sonnabend auf der Internationalen Baufachausstellung durch Max Klinger eröffnet. Sie uinfaßt 450 Gemälde und 50 Plastiken. — Da geht er hin und singt nicht mehr. Der Kölner Mäunergesangverein will also an bem künftigen Kaiserpreiswettsingen nicht mehr teilnehmen, weil ihm in Frankfurt sein Recht nicht wurde. Männerstolz vor Königsthronen! 30 000 M. haben die Wackerem eS sich kosten lassen, die ihnen gestohlene Kette wiederherstellen zu lassen und nun wurde sie ihnen(so sprechen die wild gewordenen Mannen bereits) zum zweiten Male gestohlen. — DaS Frankfurter Heine- Denk mal lieber den Entwurf von Georg Kolbe wird in der Kunstchronik nähere» mitgeteilt. Auf einem glatten vierkantigen Sockel sttzt aufrecht ein nacktes Mädchen, hinter dem mit sprungartigem Schrrtt ein nackter Jüngling nach links hin vorbeieilt: er hat die Arme fast wagerecht ausgebreitet und blickt auf das Mädchen hinab Trotz der starken Bewegung des JüngUngskörpers ergibt sich eine ganz einfache reliefartige Ansicht. Die Gruppe wird charakterisiert als»eme ebeMo geistreiche wie lebendige und einleuchtende Umsetzung von Heine« künstlerischer Art in die Formen der Plastik". In diesem Heine- Denkmal, da? der Stadt Frankfurt„von Freunden und Verehrern Heines" gestiftet wird, erhält sie ein wirkliches Kunstwerk.... — Der Ertrag eines erfolareichen StuckeS. Anläßlich der 1000. Pariser Aufführung von Rostands»Cyrano v o n B e r g e r a c" wird folgende Statistik aufgemacht: Das Stuck hat dem Versa, ler nicht weniger als 2'/., Millionen Frank eingebracht und zwar vOO 000 Frank als Honorar der Aufführungen m Paris. 850 000 Frank aus der Provinz. 600 000 Frank aus dem Auslande und ungefähr 400 000 Frank durch den Verkauf der Buchausgabe. Ist der Kapitalismus nicht ein qoldeneS Zeitalter" für den vom Glück Begünstigten? Und die anderen" � — Ein neues Insekt. Ans der Ausstellung der»Royal Society" in London, vie soeben eröffnet wurde, erregt ein erst vor kurzem eutdecktes neues Insekt besondere Aufmerksamkeit. Man hat ihm den Namen„Protura" qcqeben Es ist sehr selten und so klein. daß es mit unbewaffnetem Änae kaum zu sehen ist; wenn man es aber unter dem M-.kroslop beobachtet, so fällt eine uberraichende Aehnllchkelt mit einer Fluqmaschine. und zwar einem Eindecker. auf. Das neue Insekt findet sich aus Torf:°s lebt von zersallene» Pflanzenstoffcn. ,ewe Lebensdauer erstreckt sich nicht über dre, Tag«. Snl Donnerstag, den t5. Mai 1913, abends SV* Uhr: Oejfentliehe V/ählerversanunlimq in Ni�les Festfälen, Dcnnewitzstraße 13. Ein letztes Wort an die Watzler! Referent: Schriftsteller Max Grimwald. Freie Aussprache. Wähler! Frauen und Männer! Erscheint zahlreich in dieser Versammlung. liW/l* 1> a» I. andtagswahlkomitce. �5. Üt.; äijar Appel, Bülowstr. 53. 61an(itagswahliz.u.$tralau. Donnerstag, den 15. Mai, abends S1/- Uhr: 2 große Öffentliche Wähler-Versammlunnen in den Öotalcn Konzert- n. Festsälen(früher Keller), Koppenstr. 29 und Markgrafen-Festsäle, Aiarkgrafendamm 34. Tagesordnung: Die liberalen Parteien und die �andtagswahl. Referenten sind die Reichstagsabgeordneten: llerMÄlla KappIeN und KäI*! Liebknecht. Außerdem in beiden Versammlungen: Ansprache des Kandidaten Genossen Adolf Hoff 11131111. ■ 2. Freie Diskussion, Landtagstvähler! Erscheint Mann für Mann in diesen Versammlungen. Auch die Manen sind willkommen. Tas sozialdemokratische Wahlkomitec. .X 51.: Fritz Rnf. KopernikuSstr 200/20* u Iii. Donnerstag, den 15. Mai, abends 8'� Lkö! MliU. M>ös-Ver5Mlii>liiiUii in folgenden lokalen: „Unions- Festsäle", Greisslvalder Straße 221— 223, „Elystum", Landsberger Allee 40/41, „Riebeck- Brauerei", Frankfurter Allee 53. _ Tagesordnung in allen Versammlungen: Up In letzter Stunde. � Referenten sind die Genossen ZK. Lassen» Zt. Lehmann und?. Ztirssh. �Vltklrr de» 7. I.nndtagswahlbczirks! Männer nnd Frauen! Besucht diese lektcu Versammlungen vor der Entscheidung va» HVakIknniiteo. I. 51.: W. Ene. Huselandsir. 28. 8. KandtagswaHlbesirk Mittwoch, den 14. Mai ISIS, -—— abends 8 Uhr—- 1— in den„Musiker- Festfälen", Kaiser- Wilhelm- Strafte t8m: ßejjentlielie Nklerverzsmmliim. TaaeSordnuna: 196/4* Nw" Charlottenburg Achtiino! Polen Achtung! Am Mittwoch, den 11. Mai. abends 8�/2 Uhr, im L es ch k 0 w s k is ch e» Saale, Kaiscr-Ariedrich-Strafte Ä1: Lroke polnische Volks Versammlung. Tagesordnung: i üle Landtagswahlen und das polnische ¥olk. Resercnt: Parlcworsitzcnder Genosse dl)?Ls ölkllLrkiLWILi:, I�attnttltz,«dersedlestea. 2. Freie Disknssion. Die Agitationskommission der P. P. S. Polnisch-Sozialdcmokratischen Partei Berlin. �.tbin l'ziezak, Gcrichtstr. 26. 250/8* Wir ersuchen die Genossen, in ihren polnischsn Kollegen- und Bekanntenkreisen auf diese Veranstaltung hinzuweisen. Lrtskrankenkasse der sthrmaliier tu Kerlin. Einladung zur tLntterordentllehen beuersl- Versammlung am Mittwoch, den lt. Mai lStZ, abends 9 Uhr, im Restaurant Schultheiß, Berlin, Neue Iakobstr. 24/25. Tagesordnung: Beratung der aus Grund der Reichs- vc: sichcrungsordnung neu auszustellenden Siatutcn. 271/1.9 Der Vorstand. Gustav Laetsch, Rob. DreBler, Vorsitzender. Schrijtsührcr. Tagesordnung: 196/ 1* 1. Vortrag des Genossen Heinr. Ströbel über Preußens Dreiklassenschmach. 2. Ansprache des Kandidaten Genossen Wilhelm Dnwell. 3. Diskussion. _____ Pa» jLandtagKwahlkomitec. I. A.: 51 d n in B i t t u r s, Fehrbellincr Str. 25. Achtung! P n I CS Wim Achtung! AZhIee des s.» 6. u. 7. Candtagsivahtbezirks. Donnerstag, den 15. 9)iat, abends SVs Uhr; Große polnische Volks- Versammlung: in den iZlndreassälen, Andreasstr.'21. lZemGinaame Ortskrankenkasse für Zehlendorf und Umgegend. Zu einer außerordentlichen General-Versammliing am Mittwoch, den Mai 1913, abends 6 Uhr, im Restaurant Linden park» zu �jchlcndorf werden die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer hierdurch eingeladen. Tagesordnung: 1.'Abnahme der. Jabresrechnung. 2. Beratung und Beschlutzsassung über die neuen Satzungen entsprechend der Rcichsversicherungsordnung. AV" Falls die Tagesordnung am 21. Mm 1913 nicht erledigt wird, werden die Herren Vertreter hier- durch- gleichzeitig zu der am SS. Mai 1913, abends« Uhr, im gleichen Lokale jlattjindendcn Fortsetzung der auslerordcntlichcn Generalversammlung eingeladen. 272/6 Ter Vorstand. 8. Sch�eitree, Vorsitzender- Stellvertreter. � Verwaltung Berlin.= Montag, den 19, Mai, abends 8 Uhr, im GewerkschaftshmiS, Engel- ufcr It/Iö(Saal IV): General- Versammlung. Tagesordnung: l. Jahresbericht und Bericht vom ersten Quartal 1913. 2. Ersatzwahl der Ortsverwaltung imd der Angestellten. 3. Wahl von zwei nichtbesoldeten Mitgliedern im Haupt- vorstand. 4. Anträge über die fernere Regelung der Beiträge. 5. Sonstige Anträge. 83/2 Wegen der Landtagswahl sind die Bureaus und der Arbeitsnachweis des Verbandes, Engelufer 14, am Freitag, den 16. Mai, geschlossen. Die Ortsverwaitaat:- ttr i Tagesordnung >. Die preuß. Landtagswahlen u. das polnische Volk. Referent: Redakteur Genosse Z02ef ZinlSZlKiSwie?, KattOWltZ 0.-5. 2. Freie Diskussion. Das Agitatlon-jkomitec P> Z, der Polnische» Sozialdemokratische» Partei Berlins. Albin Czlczak, Gcrichtstrastc rJ6. Die Genossen werden ersucht, in allx� polnische« Kreisen auf die letzte 8M- öffentliche Versammlung nach dem Vereinsgesetz hinzuweise». Orts- Krankenkasse Reinickendorf. Bekanntmachung. Dic staluteiimötzige LenersI'VekZSMMlllllg der OrtS-jtrankvlkasse hicrsclbst findet am Mittwoch, den S1. Mai 1913, obcndS 8 Uhr. im Sadauschen Restaurant, Rcsidcnzslratze 124, hier- selbst statt. Tagesordnung: 1. Vorlegung der Jahresrechnung 1912. 2.Bcricht dcrPrüjungslommission und Beschluszsossung über dic 5lbnahme der Jahresrechnuilg. 3. Aahlcu von Vorstandsmitgliedern(Arbeitnehmer) an Stelle der Herren Bensch. Martin und Schmidt. 4.(»enchmigüug von Verträgen und Bcschlugsassung über dic ZIcurcgclmig der 5lngestclllen- gehälter. 5. Beschlußfassung über Enlsendung der Delegierten zu den für 1913 slattsindenden Krankenkassen- lagungen. 6. Verschiedenes. Eine anBcrordentllchc General-Versammlung findet am Mittwoch, den S8. Mai 1913, abends 8 Ubr, in demselben Lokal mit solgeuder Tagesordnung statt: 1. Beratung und Beschlußfassung über die cinzurcicheuden Kassen- satzungej- zeiiiäst Ltrtikcl 15 des Ein- siihrungsgcsctzcs zur Rcichsversiche- rungsordnung. 2. Verschiedenes. In den Generalversammlungen sind nur die gewählten Vertreter stimm- berechtigt und werden dieselben mit Ersuche» uni recht zahireiches und pünttlichcs Erscheinen' hierdurch ein- geladen. Die Delegierten babcn zu ihrer Legitimation die besonders ergehen- den Einladungen vorzulegen. Mitgliedern, die nicht zur Kassen- Verwaltung gebären, kann der Zutritt nicht gestattet werden. 5lnfragen und Beschwerden, zu deren Beantwortung Einsichtnahme in die Bücher erforderlich ist, sind spätestens 3 Tage vor Stattsinden der Generalversammlung an die Kassciivcrwaltmig Reinickendorf, Tcutsckiestrastc I, einzureichen. Reinickendorf, den 7. 5lpril 1913. Der Vorstand der Orts-Krankenkasse. Rvudeckcr, Vorsitzender. Liebrcnz, Tchristsuhrer. 271/14 Uerluaftullgsstttfe Serlin. C 54, Llnienstr. 83—85, Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987.?lmt Norden 185. Amt Norden 1239, 9714. Mittwoch, den lt. Mai, nachmittags S'/a Uhr: W Versammlung «litt in der S«dtU«MN-Kr««lht btsUstigltil Kltmxntr in den Slndrcas-Festsälen, Andreasstr. Ä1. Tagesordnung: 1. Ter Streik bei der Z?irma Ger ecke und wie werde» unsere Vereinbarnngen in de» übrigen Vetriebc« gchandhabt't 2. Diskussion. Es ist Pflicht eines jeden Kollege», in dieser Versammlung zu er- schciucii, damit jeder von den Vorkommnissen in der Branche informiert ist. Wegen der Landtagswahl sind sämtliche Bureaus und der Arbeitsnachweis am Freitag, den 16. Mai, geschlossen. Ebenso wird in den Zahlstellen des Abends nicht kassiert. Die Vertraucnsmänner-Konfercnz der Schlosser findet nicht am Donnerstag, den 13. Mai, sondern am Donnerstag, den 2'i, Mai statt. 117/19 Die Ortsverwaltnng. Sauhandwerker Krankenkasse für Berlin und Umgegend. -(Eingeschriebene Hitsslassc Nr. 118.) Sonntag, drn 8. Juni, vormittags 10 Uhr: JUßtnitsitnlliljit Gtiltr«!- iltistminlnitg bei Wilke, Sebastianstraße 39, Tagesordnung: 1. Beschlußsassung über den 4. /.stachtrag zu den bestehende» Satzungeu betr. das Weiterbestehen der Kasse unter der Rcichsversicherungsordnung. 2. Wahl der Hilsstasficrcr. 3. Innere Kasscnaiigelegenhcitcn. I«?- Tie Versammlung wird pünktlich eröffnet.-MJt ====== Mitgliedsbuch legitimiert.—■- Wer Vorstand. Orts- Arankeukasse Uedtellbsrg. Am Freitag, de» 16. Mai, bleibt das Kaffenlokal so- lnic die Badeanstalt der Landtagswahl wegen ge- schloffen. Das an dicsemTage fällige Kranken- gcld kann schon am Donnerstag, den 15. Mai, abgehoben werden. 272/8 Der Vorstand. ____£■ S c i f c I. .• □R.v.M.S.-.n Petershasen IlttllllINttllINNNIttNNNIINMItttt J Neu erschlossenes Gelände, he-■ ■ Kiunend ca. 7 Min. v. Bahnh.> J Fredersdorf, Strecke Strausberg.■ ■ Kostenfreie Auskunft h* u- Ver- a S treter Puhle i. u. Verkaufs- J ■ pavillon a. Bahnh. Fredersdorf, h - NieschalHe& Witsche.- m9 BERLIN, Neue Königstr. 16.■ � Fapr.-Amt: Königst 6376. � Ortskraukenkafse der Urechsler und vern>. Gewerbe zu Berlin Am Freitag, den 16. Mai cr.. bleibt der Landtagswahl wegen das 760b Kaffenlokal geschloffen. Der Vorstand. I. A.: G. T i e d t, ltzorfitzender. � knelsenaustrake 10, 4 J S. 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Quittung Im Monat März gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: 1. Hennig-Argentinien 5,—; Berlin NW 87 R. V. 3,—; Bez. Oberschlesien f. S Kr. II. Qu.(Kreuzburg-Rosenberg 6,12, Oppeln 25,02, Cosel 8,82, Gleiwitz-Lublinitz 29,22, Beuthen-Tarnowitz 111,78, Kattowitz 82.41, Pleh-Rybnik 7,20, Ratibor 24,30, Leobschütz 11,04) Sa. 305 91; Bez. Oberschlesien f. Binnenschiffer 35,40; Bez Pfalz 6 Kr. II. Qu.'Speyer 952,14, Landau 262,68, Germersheim 54,78, Zweibrücken 205,56, Homburg 63,48, Kaiserslautern 172,42) Sa. 1716,06; 3. Berlin, Streit zwischen Ringeltaube und Hanne mann 1,50, Meske, Schlachtensee 20,—; 4. Köln Reg. W. 20,—; b. d. Kall. d. Schleiferei u. Galv. d. d. Fa. Ouaschning u. Ko. 10.—; Heidelberg II. Qu. u. Rest V. L Qu. 441,34; Falken berg O.-S. A. L. 16.—; 4». Bez. Saargebiet f. 2 Kr. II. Qu.(Saarbrücken 74,50; Neunkirchen 39,22) Sa. 113,72; Soz. Reichstagsfraktion 12 000,—; 7. Bez. Nordbayern f. 21 Kr. II. Qu.(Amberg 34,22, Neumarkt 14,28, Neustadt a. SB. 67,26; Hof 424,48; Bayreuth 431,14; Forchheim 149,14; Neunburg v. W. 2,22; Kronach 125,70; Bamberg 144,80; Nürnberg 3879,97; Erlangen 933,96; Ansbach 322,74; Eichstätt 31,52; Dinkels- bübl 43,22; Rotenburg o. T. 32,04; Kitzingen 29,64; Neustadt a. S. 31,86, Schweinfurl 284.54, Würzburg 361,70, Aschaffenburg 180,98, Lohr a. M. 19,44) Sa. 7544,85; 8. 6. schlesw.-holst. Kr. Ottensen a konto II. Qu. 2400,—; 10. Bez. Württemberg f. 8. Kr. II. Qu. (Heilbronn I. Qu. 569,44, II. Qu. 610,73; Reutlingen 212,73; Cannstatt 1483,23; Eßlingen 859,54; Aalen 48,22; Blaubeuren 28,26; Biberach 29,96; Ravensburg 40.26) Sa. 3882,37; II 9. schlesw.-holst. Kr. II. Qu. 96,99; 14. Berlin, v. d. Fleischerges. d. Kons.-Gen. Uebersch. d. Märzkr. 3,—, Silvesterfeier 3 G> d. I. W. Hansaviertel 3,—; 15. Berlin Guten berg 23,50. 17. Arb. d. Brandenburg. Karosseriefabrik zur Wahlag. 50,-; 11- sächs. Kr. a konto 1912/13 250.—; 18. Berlin d. Fahrer d. Automobilfuhrwesens P. Gierke 20,50; v. d. Polierern d. Fa. Nürnberg, Boppstr. 10 6,—; v. d. Arbeitern d. Vereinig. Kammer- und Belter-Werke Wittenau 5,—; 10. Bez. Pommern f. 12 Kr. II. Qu.(Anklam-Demmin 24,66, Randow Greifenhagen 584,55, Ucckermünde 176,16, Stettin 554,91, Pyritz Saatzig 15,90, Greifenberg 12,90, Stolp-Lauenburg 27,72, Bütow 12,—, Belgard-Dramburg, Rest. I. Qu. 7,80, II. Qu. 12,30, Neu. stetiin 20,31, Stralsund-Rügen 202,65, Greifswald-Grimmen 122,07 Sa. 1773,93; Berlin Dr. L. A. 100; 20. Bern P. L. 50.—; 22. Bez. Thüringen I. I. u. II. Qu.(Coburg 163,60, Schwarzburg- Sondershausen, I. Qu. 205,56, II. Qu. 219,36, Schwarzburg Rudolstadt 486,20, Weimar I 441,30, Weimar II 253,40) Sa. 1769,92; Müllrose, Pat. d. Heilställe 2.—; 25. DreSden-N., 4. fächf. Kr. a konto 2000,—; Bez. Hannover für 11 Kr. I. u. II. Qu. (Hameln-Limmer III. u. IV. 1911/12 1049,—; und 700,— a konlo I. u. II. Qu.; Osnabrück 461,30; Melle 88,43; Nienburg 218,32, Htldesheim 705,38, Einbeck-Osterode, HI. u. IV. Qu. 1911/12 u. I. Qu. 1912/13, 703,36, Göttingen Münden 367,30, Goslar- Zellerfeld 245,64, Celle- Gifhorn 507,09, Lüneburg-Winsen 295,39, Uelzen-Lüchow 199,72) Sa. 5541,43; 26. Bez. Westl. Westfalen 8 Kr. I. u. II. Qu.(Dortmund-Hörde 1152,68, Bochum-Kelsenkirchen 1077,19; Borken-Recklingh. 533,44, Hamm-Soest 302,79, Ärnsberg-Olpe II. Qu. 10,62, HI. Qu. 17,12, Münster-CoeSfeld 35,71, Tecklenburg-Steinfurt 23,98) Sa. 3205,53; Berlin, v. d. Werkietzern der„Vorwärts"druckerei z. Landtagswahl 50.—; 27. Berlin v. d. Arb. d. Fa. Frister u. Roßmann z. Land- tagswahl 24,65; 20. 20. iächs. Kr. Hl. Qu. 373,14; 16. sächs. Kr. a lottlo 3000,—; Berlin, Knabe 3,—; 31. Berlin, Mitgl. d. U.-Dr. 2.-; Meiningen I IV. Qu. 175,74; Buchhandlung Vorwärts lieber schüfe 20 000,—; Berlin Ueberichuß v. Märzkranz d. org. Darmarb. u. Arbeiterinnen 4,30; Bez. Eliaß-Lothringen für 11 Kr. II. Qu. (Schlettstadt-Barr. I. iuu. 30,03, II. Qu. 34,14, Colmar 71,42, Gebweiler 26,37, Mülhausen i. Elf. 263,98; Hagenau-Weißen bürg 21,—, Allkirch- Thann 11,52, Saargemünd- Forbacl 56,76, Erstein-MolSheiin 33.45, Rappollsweiler-Markirch 56.49 il-ietz I. u. II. Qu. 60,—; Straßburg-Land 94,48) Sa. 760,24, 6 sächs. Kr. a konto 4000,—; Bez. Halle f. 3 Kr. I. u. II. Qu. lDelitzsch-Bitterfeld I. Qu. 768,90, II. Qu. 710.15, Mansfelder Kr. I. Qu 114 32 II. Qu. 123,54, Halle u. Saalkr. 1634,94) Sa. 3351,85; b. sächs. Kr. III. Qu. 1261,—; 6. sächs. Kr. Rest 1912/13 1600,—; Hamburg I, III. Qu. 4000,—; Hamburg II, Hl. Qu. 3000,—; Hamburg III III. Qu. 15 000,—; Neuß-Grevenbroich L Qu. 86,66; 1 oldenb. Kr. III Qu. 243,46; 11. sächs. Kr. a konto 300,—; 1 3. sächs. Kr. a konto 10 000,—; Altona f. Binnenschiffer III. Qu. 2>,50; Offenburg 114,39, Württeinberg f. 10 Kr. III. u. IV. Qu. > Böblingen 292,05, Reutlingen 234,58, Calw 186,06, Freudenstadt 212.20, Balingen 254,31, Backnang 93,20, Geislingen 351,29, Hechingen 4,70, Crailsheim 5.70, Stuttgart I. Qu. 2573,54, II. Qu. 2763.11) Sa. 6975.74: Breslau Oft u. West 1700,90; Ottensen- Pinneberg 6. schlesw.-holst. Kr. a konto III. Qu. 2500,—; Leipzig- Stadt 12. sächs. Kr. 1912/13 1000,—; 5. schlesw.-holst. Kr. III. Qu. 527.40; Ii. sächs. Ar. Rest 1912/13 346,23; 4. sächs. Kr. Hl. Qu. 360,—; 8. sächs. Kr. III. Qu. 1499,67; 1. säch'. Kr. III. Qu. 308,46: Singen 1. bad. Kr. III. Qu. 121,04; Zerichow I u. II. III. Qu. 888.36; 8. u. 10. schlcsw.- holst. Kr. 3. Qu. 2500.-; Bez. Oestl. Westfalen 9 Kr. Rest 1912/13 2591,08, 7. sächs. Kr. Meißen III Qu. 2050,—; 3. sächs. Kr. HI. Qu. 366,62; 2. säch!. Kr. III. Qu. 519,74; Bez. Zwickau f. 2 Kr. III. Qu. (Zwickau 1666,16, Reiche» bach 795.46), Sa. 2461,62; 9. sächs. Kr. III. Ott. 364,98. Dcssau-Zerbst III Qu. 1172.88; Lörrach-Mülbeim III Qu. 106,53; Elberseld-Barmen III. Qu. 1400,—; Mannheim III. Qu. 1358,08; Bez. Oberlangenbielau f. 7 Kr. III. Qu.(Waiden- bürg 437,20; Landeshut-Jauer 172,40; Franlenstein-Müiistcrberg 8,16, Reichcnbach- Neurode 296.36, Hirschbcrg- Schönau>71,14; Glotz' Habelschwerdt 8,—; Striegau- Schweidnitz 439,32) Sa. 1532.53; Bez. Westpreußen f. 13 Kr. III Qu.(Elbing-Maricn- hurg 99,03, Tanzig- Land 104.44, Doitzig- Stadt 245,11, Neustadt-Corthaiis 1.50, Berent-Stargard 0,76, Stuhm-Marien- werder 15,36, �Roienberg-Löban 0,54, Graudenz-Straßburg 19,41; Wirsitz- Schubin 3,24, Hohensalza Goldberg Filchne 26,52, 1.80, � Rawitsch 3�'schleSW.» holst. Kr. HI Qu. 242.82;„VorwärtSMIeberichuß per I r» 1913 64 150.39; Gau Sudbayer» f. 21 Kr. III. Qu. (München I/H 3567,16, Aichach 151,98, Ingolstadt 51,86, Wasserburg 12,08, Roienheim 21088, Traunstein 56.40. Landshut 71,90, Straubing 30.12. Paiiau 19,93. Pfarrkirchen 13.24. Deggendorf 1o,60. Äelheim 0,90, Augsburg 447.94. Donauworth 1 7, o2. Dillingen 12,64, Jller- tissen 4012 Kausbeuren 9.66. Jmmenstadt 131,16, Regensburg 404,44) Sa' 5108.64; Saatbrucken III Qu. 83,52. Oltweilcr-St. Wendel III'Qu. 23.13; Ve�Oberfchlenen f. J) Kr. III. Qu.(Kreuz Gelnhausen 1736,76, Höchst-Usingen 923,20, Wiesbaden 534,66, , ISetzlar-Altenkirchen 61,26, Siegen-Wittgenstein 83,70, Limburg-Diez 1 22,86, Marburg- Franlenberg 13,80, St. Goarshausen 52,50, Qtllenburg 11,82, Fulda- Schlüchtern 11,04) Sa. 5768,10; Gau Pfalz f. 6 Kr. III. Qu.(Ludwigshafen-Speyer 1021,96, Lan- bau 276,08, Germersheim 63,46, Pirmasens 205,28, Homburg 79,64, Kaiserslautern 162,14) Sa. 1808,56; Bez. Nordwest f. 5 Kr. III. Qu. (Bremen 6607,24, Hemelingen 398,50, Harburg 1489,62, Geestemünde 1132,14, Vegesack 651,86) Sa. 10279,36; Bez. Magdeburg f. 7 Kr. Hl. Qu.(Salzwedel 79,04, Stendal-Osterburg 184,97, Magdeburg 1551,91, Wolmirstedt 357,64, Wanzleben 529,35, Quedlinburg« Aschersleben 809.—, OscherSleben-Halberst. 600,20) Sa. 4112,01; Meiningen I III. Qu. 94,44; Bez. Chemnitz f. 7 Kr. Rest 1912/13 (Roßwein Rest 1254,34, Mittweida Rest 1439,41, Chemnitz Rest 2000,—, Meerane Rest 1255,79, Stollberg-Sckneeberg 3023,22, Marienberg III Qu. 436,14. Annaberg II. u. Hl. Qu. 1009,86) Sa. 10418.76; Heidelberg III Qu. 272,37; Bez. Ostpreußen f. 17 Kr. III Qu.(Königsberg- Stadt 806,78, Königsberg-Lattd 223,—, Tilsit-Niederung 84,76, Labian- Wehlau 59,61, Ragnit- Pillkallen 46,26, Gumbinnen 36,60, Rastenburg 28,12, Memel- Heydekrug 26,31, Oletzko-Lyck 7,35, Osterode 3,60, Brauns- berg 3,24, Sensburg-Ortelsburg 4.26, Allenstein 3,54.«tallu- pönen 2,64, Heiligenbeil 2,58, Angerburg- Lötzen 1,80, Pr. Holland 1,08) Sa. 1335,53; Bez. Oldenburg f. 2 Kr. III Qu. 1223,07; Stuttgart 2500,—; 14. sächs. Kr. Rest 1912/13 891,88; Bez. Hessen f. 8 Kr. III. Qu.(Gießen 287,46, Friedberg-Büdingen 350,—; Alsfeld-Lauterbach 30,—, Darmstadt 563,22, Offenbach I. Qu. 1086,03, II. Qu. 1142,67, III. Qu. 1074,18, Erbach 147,42. Worms 135,62, Mainz 495,—) Sa. 5311,60: Bez. Württemberg f. 7 Kr. Hl. Qu. (Eßlingen 805,50, Freudenstadt 108,89, Balingen 234,48, Aalen 48,09, Geislingen 322,17, Blaubeuren 31,46, Ravensburg 37,96) Sa. 1588,55; Bez. Baden f. 5 Kr. III. Qu.(Donaueschingen 142,80, Neustadt 117,38, Baden-Baden 131,74, Pforzheim 667,16, Karlsruhe 561,50) Sa. 1620,58; Bez. Thüringen I f. 3 Kr. III. Qu.(Weimar I 275,36, Weimar U 152,76. Koburg 100,—) Sa. 528,12; P. P. S. II u. Hl. Qu. 460,—(darunter Kattowitz- Zabrze 168.—); 4. schlesw.-holst. Kr. 63,62; Bez. Brannschweig f. 3 Kr. III Qu.(Braunschweig 1471,17, Helmstedt 193,76, Holz- minden 175,26) Sa. 1840,19; 6. bad. Kr. III Qu. 91,33; 1. oldenb. Kr. III. Qu. 206,25; 12. sächs. Kr. Restbeitrag 1912/13 41.34, Bingen- Alzey III. Qu. 18,—; Freiburg-Emmendingen III. Qu. 131,44; Kiel 7. chlesw.-holst. Kr., Rest 1912/13 3550,32; Sonneberg-Saalfeld III. Qu. 379,05; Bez. Oberrhein f. 15 Kr. HI. Qu.(Koblenz 40.24. Bergheim 17,70, Birkenfeld 76,—, Kreuznach 28.—, Neuwied 21,92, Aachen-Land 104,04, Bonn-Rheinbach 94,98, Aachen-Stadt 112,20, Mayen-Ahrweiler 30,18, Siegburg 11,96, Kölu-Stadt 1942,60, Berein obere Rheinprovinz 7,52) Sa. 2487,34; 9. schlesw.-holst. Kr. III. Qu. 122.14; 1. u. 2- schlesw.-holst. Kr. in. Qu. 440.—; 23. sächs. Kr. n. u. in. Qu. 2781,74; Friedberg-Büdingen. Restbeitrag 1912/13 610,30; Altenburg S.-A. 1912/13 3522,37; Bez. Niederrhein in. Qu. 7192,68; Bez. Halle 7 Kr. 1912/13(Delitz sch-Bitterfeld 644.34, Halle a. S. 1645.34, Mansfelder Kr. 128,10, Merseburg- Ouerfurt 1294.28, Naumburg-Zeitz 3358,13, Sangerhausen 240,—, Wittenberg-Schweinitz 141,50). Sa. 7451.69. Bez. Erfurt f. 4 Kr. m. Qu.(Nordhausen f. UI/IV. 1911/12 u. I. Qu. 1912/13 339,28, Heiligenstadt- Worbis 7,40, Mühlhausen-Langensalza 262,96, Erfurt 830,34), Sa. 1439,98. Berlin A. B. 50,—, H. H. 50,—, Montabaur« St. Goarshausen 52,50, Reichstagsfraktion 7000,— M. In der Januar-Ouittung muß es unterm 4. nicht Filiale Berlin 3,10 heißen, sondern Filiale Berlin m 10,—. Berlin, den 8. Mai 1913. Für dem Parte.ivox stand: O t l 0 B r a u n, Lindenstr. 3. Wir haben unter Nr. 7918, A. Gerisch, F. Eberl O. Braun, Berlin, Lindenstr. 3, beim Postscheckamt Berlin ein Postscheckkonto und ersuchen daher dringend, alle Geldsendungen mittels Zahlkarte auf unser Postscheckkonto zu bewirke it. Es können darauf an jedem Postschalter Beträge bis 10 000 M. portofrei für uns eingezahlt werden. Zählkarten mit eilige- druckter Adresse senden wir auf Wunsch zu. Frankfurt a. M.' f.'ll Kr. M. Qu.(Frankfurt a. M. 2316, Hanau lungdeutfcblands Generalappell. Ter Bund Jungdeutschland hat seine Hauptpersammlung abge- halten. Die Tagung war ein Symptom dafür, daß der Bund den Höhepunkt seiner Entwickelung bereits überschritten hat und in einer Rückwärtsbewegung begriffen ist. Schon das äußere Arran- gement deutete darauf hin. Als der Bund im November 1911 zur Welt gebracht war, sangen die Geburtshelfer Jubelhymnen, die im ganzen deutschen Blätterwald widerhallten. Und die Tätigkeit, die seitdem die Funktionäre, teilweise zum Schrecken der Landbewohner, ausübten, war recht geräuschvoll. Die Vcranstaltuitgen, vornehmlich die Kriegsspiele, wurden in raffinierter Spekulation auf die Scn sationslust der breiten Masse zu Attraktionen ausstaffiert, um damit die Jugendlichen anzulocken. So durfte man nach den bis- herigen Erfahrungen erwarten, daß die Hauptversammlung dieses Bundes der Sensationen eine Slttraktion werden werde, die jede erstklassige Zirlusattraition in den Schatten stellt. Wenn indessen, entgegen dem alten Brauche, die Versammlung ohne großes Ge- rausch zusammentrat, so geschah es gewiß aus guten Gründen. Räch einem Festessen im Weinlokal„Rheingold" am 8. Mai begannen Tags daraus im Landeshause der Provinz Brandenburg in der Matthäikirchstraße die Verhandlungen. Von der so viel gc- priesenen Begeistcrung für die Jungdeutschlandsache war herzlich wenig zu spüren. Die vielen hochgestellten Persönlichkeiten, die au- geblich mit dem Bunde so stark sympathisieren, bekundeten ihr Interesse durch Abwesenheit. Jedenfalls bemerkten die dafür gc- übten Augen der bürgerlichen Berichterstatter trotz intensivsten Spähens nur den Untcrstaatssekretär a. D. Dr. Thiel. Die Verhandlungen selbst waren unglaublich gehaktloS. Er- öffnet wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden v. d. Goltz mit der üblichen Phrase, daß der Bund sich über Erwarten kräftig entwickelt habe. Scharf wendete sich v. d: Goltz gegen die Behaup- tung, der Bund wolle die Jugend militarisieren. Aber im selben Sliemzug erhärtete er dies zutreffende Urteil der Bundesgegner, indem er zugab, daß noch eine ganze Menge militärischer Form- lichkeiten, wie das Tragen von Uniformen, der Gebrauch von Knall- Pistolen, bestehen. Daß der Verantwortliche des Bundes den großen Umfang, den die Schießerei der Jungdeutschen angenommen hat, verringern möchte, ist angesichts der vielen Heldentaten jung- deutscher Äricgstüchtigkcit immerhin begreiflich, v. d. Goltz er- klärte, die Bundcsleitung wolle die militärischen Sitten und Formen„nach und nach" abschaffen. Diese Erklärung ist aber nichts weiter als eine schwache Entschuldigungsfloskel gegenüber den vielen Angriffen honetter Bürgersleute, denen der Bund, be- sonders in letzter Zeit, ausgesetzt war. Denn v. d. Goltz gab selbst zu, daß die Bundcsleitung nicht einmal den ernsten Tillen zur Rcformarbeit �habe: er erklärte, sie wolle den EigenÜtMichkcitcn der einzelnen Gruppen Rechnung tragen. Das Beginnen, den mili- tärischen Tand abzuschafseu. wäre auch ganz zwecklos. Denn in einer so exklusiven Gesellschaft militärischer Kreise, wie die Führer- schaft des Jungdeutschland darstellt, lassen sich militärische Sitten und Formen nicht ausmerzen. Wer erwartet hatte, daß nach der inhaltlosen Rede des Bundes- Vorsitzenden der Bericht des Geschästssührers einen tieferen Ein- blick, insbesondere eine Ucbersicht über die geleistete Arbeit, ge- währen würde, erlebte eine vollständige Enttäuschung. Der Bericht- erstatter, Generalmajor z. D. Jung, der für seine Nebendeschäs- tigung im Bunde eine Entschädigung von 6000 M. erhält, bc» schränkte sich im wesentlichen darauf, die Vergünstigungen aufzu- zählen, die dem Bunde von den Behörden in völlig unberechtigter Verfügung über die Güter der Allgemeinheit gewährt werden. DaS Entgegenkommen der Eifenbahnverwaltung sei der Bundcsleitung noch nicht genug. Neuerdings habe das preußische Kultus» Ministerium auch die Haftpflicht und Unfallversicherung für Leiter und Führer übernommen. Auch andere Bundesstaaten, voran natürlich Sachsen, werden in der Unterstützung des Bundes folgen. In Zukunft werden auch Gefängnisse in den Dienst des Bundes gestellt werden. Der preußische Justizminister habe sich bereit er- klärt, eine Anzahl Gefängnisse für die Herstellung von Kleidungs- stücken für Jungdeutschland zur Verfügung zu stellen. Die Stiefel werden jetzt schon in Gefängnissen angefertigt. Künftighin sollen auch Jugendheime vom Bund errichtet werden. Am 8. Juni, dem Äaiserjubiläumstagc, soll aus allen Gauen Deutschlands eine große Anzahl Jugendlicher nach Berlin gebracht werden, um W i l- Helm II zu huldigen. Mit der staatlichen Jugendpflege und der Deutschen Turnerschaft bestehe ein gutes Verhältnis.(Hoffent- lich werden die Arbeiter in den Deutschen Turnvereinen die Kon- sequenzen daraus ziehen.) Uebcr das Treiben der Jungdeutfchen in Wald und Flur sei nicht nur von sozialdemokratischer Seite, sott- dern auch von Oberförstern, die den Bund unterstützen, bitter gc- klagt worden. Die Klagen der Sozialdemokraten erklärte der Redner für zum größten Teil unberechtigt, ohne den Nachweis dafür zu erbringen, die der Oberförster mußte er natürlich als bc- rechtigt anerkennen. Die Förster beschwerten sich, daß in vielen Fällen der Wilddieberei geradezu Vorschub geleistet worden sei! Der Berichterstatter konnte es sich nicht versagen, seine nüchter- nen Slussührnttgen mit einem Ausfall gegen die Sozialdemokratie zu spicken, weil sie die Arbeiterjugend für die Ideen und Ideale der Arbeitereltern wiederzugewinnen trachtet. Daß der Bund eine halbe Million Mitglieder zählt, ist unter Berücksichti- gung der allseitigen Unterstützung und der terroristischen Agitation durch Schulen und Behörden gewiß kein Erfolg, auf den die Führer stolz sein können- Ist doch beispielsweise der ganze Regierungs- bezirk Oppeln mit allen bürgerlichen Jugendveremen dem Bunde einverleibt worden, ohne daß deren Leiter gefragt worden sind. Aus dem Bericht klang deutlich hervor, daß die Beteiligung an den Jungdcutschland-Veranstaltungen erheblich nachgelassen habe. Charakteristisch ist, daß die ganze Diskussion nur von dieser Klage erfüllt wurde. Für diese erfreuliche Tatsache machten samt- liche Redner in erster Linie die sozialdemokratischen Gewerkschaften verantwortlich, die nicht dulden, daß ihre Mitglieder dem Jung- deutschlandbunde angehören. Da die Gewerkschaften den Arbeits- markt beherrschen, machte ein Redner, d. Sllten, der Polizeipräsident von Magdeburg, den weisen Vorschlag, die Arbeits- nachweise der gelben Gewerkschaften und der Ar- beitgeberorganisationen zu unterstützen, um den Mit- gliedern des Bundes Slrbeitsstellen zu verschaffen, die vor dem an- geblichen Terrorismus der sozialdemokratischen Gewerkschaften gx, schützt sind. Exzellenz' v. B i s s i n g- Berlin wußte zu berichten, daß in einem Fall eine große Zahl junger Gewerkschaftler dem- Bunde beigetreten sei, teils um zu spionieren, teils um die Mit- glieder des Bundes in die sozialdemokratischen Gewerkschaften hinüberzuziehen. Dies mit großem Erfolget die besten, ausgezeichnet- sten Jungen verschwanden plötzlich durch diese Pro» p a g a n d a. In diesen Worten liegt wohl die schärfste Kritik des Jungdeutschlandbundes, die je aus einem berufenen Munde ge- äußert worden ist. DaS vernichtende Urteil, daß in dieser Gesell- schaft exklusiver Militärs ein intelligenter Mensch sich nicht wohl fühlen kann, ist auch über die erste Hauptversammlung des Jung- deutschlandbundcS zu fällen, die an geistiger Gehaltlosigkeit die Konferenzen evangelischer und katholischer Betvereine noch über- troffen hat. wirtschaftlicher Wochenbericht. Die B. E. W. als Uebcrlandzentrale. Kaum in einer anderen Industrie sind die Kapitalkonzentra- tionStendenzen so mächtig wie in der Elektrizitätsindustrie. Nur zwei große Konzerne bestehen noch in Deutschland, und auch sie, die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft und der Siemen? u. Halske- Konzern, gehen bei Neugründungen fast regelmäßig zusammen, daß man bereits von c i n e in Elektrizitätstrust sprechen kann. Die formelle Vereinigung scheint nur noch eine Frage der Zeit und— der Personen zu sein. Die Gründe für die relativ stärkere Kon- zentrationSbcwegung in der EIcktrizitätsindustrie sind einmal darin zu suchen, daß diese Industrie ins Leben trat, als eS bereits einen cntioickelten Finanzkapitalismus gab. Nie fanden sich hier wie in anderen Industrien seit langer Zeit bestehende, durch Ruf und Tradition gefestigte, kapitalkräftige Unternehmungen in Jndividual- besitz. Von vornherein floß das in der Elektrizitätsindustrie in- vestierte Kapital durch gesellschaftliche Aufbringung zusammen, und sofort besaßen in der neuen Industrie damit die Banken daS Ueber- gewicht. Das durch die Banken vertretene Finanzkapital, dessen Be- sitzer durch keinerlei andere Beziehungen an ihren Besitz und die mit diesem Kapital finanzierten Unternehmungen gebunden sind, als durch das nackte Prositinteresse, strebt viel zielbewußter zu Monopolbtldungen in ihrer reinsten Form: über die Verabredung in Kartellen und Syndikaten hinaus zur völligen Verschmelzung unter Vernichtung aller entgegenstehenden Elemente. Hinzu kommt ein weiteres. Die Anlagen der Elektrizitätsindustrie erfordern so große Kapitalien, daß sie von kleinen Unternehmungen oder Einzel- Personen überhaupt nicht aufgebracht werden können. Soweit aber kapitalschwächere Fabrikanten irgendeinen Einzelzweig der au?» gedehnten Elektrizitätsverwendung in die Hand nebwcn. sind sie sofort wieder abhängig von dcrr großen Unternehmungen, auf die jene auch technisch angewiesen sind. Die Schwachstromindustrie fristet nur kümmerlich ihre scheinbar selbständige Existenz. Jede Erfindung, die einen bisher unbedeutenden Produktionszweig an- schwellen und damit rentabler machen würde, wird sofort von den großen Konzernen aufgekauft und der Kleinindustrie durch die Patcutieruiig für immer entzogen. Der weiteren Ausbreitung der Elektrizitätskonzerne stand bis- her noch immer eine Schranke entgegen, die in der Erzeugung von Strom für den Selbstverbrauch durch Uitternehmungen anderer Industrien gezogen war. Bei einem nicht zu kleinen ständigen Bedarf von elektrischer Kraft ist in Betrieben(Druckereien. Holz- und Metallfabriken usw.) die Selbstherstellung im allgemeinen rentabler als der Bezug durck, Elektrizitätswerke. Viele Fabriken besitzen daher auch an solchen Orten, wo Elektrizitätswerke bestehen, ihre eigenen Kraftanlagen. Die großen Konzerne arbeiteten dem entgegen, indem sie sich bei der Konzessionserteilung von den Kommunalbehörden das Ausschließlichkeitsrecht für die Stramliefc- rung oder die alleinige Wegebenutzung durch elektrische Leitungs- anlagen in dem betreffenden Kommunalbezirk zusichern ließen. So ist niit Hilfe des Staats, der Kreise und vieler Gemeinden in den letzten Jahren das Monopol der großen Konzerne erweitert worden Trotz des Widerspruchs der noch unabhängigen Elektrizitätsindustrie ist gerade in Preußen auf diesen! Wege die Vertrustung durch die Ausdehnung der llcberlandzentralen gefördert worden. Die lleberlegenheit der Ueberlandzentralen, die nun ein aus- gedehntes Gebiet mit Strom versorgen können, ist da besonders groß, wo die Elektrizitätserzeugung an die Produktionsstätte der Rohstoffe verlegt werden kann. Die Benutzung der natürlichen Kraft von Flußläufen macht die Stromerzeugung so billig, daß in weitem Ilmfang die Sclbsterzeugung für die stromverbrauchenden Industrien nicht mehr rentabel erscheint. In gleicher Weise wirkt es auf die Produktionskosten für elektrische Kraft verbilligend ein, wenn die Stromerzeugung in das Produktionsgebiet der Brenn- stoffe verlegt werden kann. Der Transport von Strom stellt sich dann billiger als der Transport von Kohle, die in Strom um getvandelt wird. So streben die großen Elektrizitätswerke immer mehr dahin, ihren Standort nach Kohlenrevieren zu verlegen. Die Fortlcitung des Stroms bildet kein Hemmnis, seit die Wissenschaft Mittel gefunden hat, elektrischen Strom durch Transformationen gegen den Wegverlust zu schützen. Diesen Schritt zur Fernversorgung wollen jetzt auch die B e r liner Elektrizitätswerke, ein Tochterunternehmen der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, machen. Die B. E. W. be absichtigen, das Braunkohlenbergwerk Golpa-Jeßnitz A.-G. zu Halle a. S. zu erwerben und in dem dor- tigcn(Bitterfelder) Revier noch neue Schächte niederzu- bringen. Golpa-Jeßnitz besitzt nur einen Schacht und fördert jährlich etwa 6 Millionen Hektoliter Kohlen, die es zum großen Teil zu Bcijetts verarbeitet(jährliche Pro- duktion 1>» Millionen Zentner). Statt wie bisher die für die Dampferzeugung notwendigen Kohlen aus den Produktionszentren für Kohle per Schiff oder Eisenbahn zu beziehen, und in Berlin zu verbrauchen, würde in Zukunft die in Solpa und Umgegend zu verbrauchen, würde in Zukunft die in Golpa und Umgegend erbauenden Elektrizitätszentrale verwandt werden. Von dort aus würde der Strom dann etwa 150 Kilometer weit bis nach Groß- Berlin geleitet werden. Heute verfügen die B. E. W. über 6 Primär- zentralstationen, von denen vier sich in Berlin befinden, während das Werk Oberspree in Oberschöncweide und die Zentrale Rum- melsburg in der Köpenicker Forst liegen. Von diesen Zentralen aus wird der Strom nach 18 Unterstationen in Groß-Berlin ge- leitet, von wo aus er, nach Vornahme eventuell nötiger Trans- formationen an die Konsumenten abgegeben wird. Die B. E. W. sind die größten Stromlieferanten Berlins; ihre Stromabgabe be- trug im vergangenen Jahre 240,8 Millionen Kilowattstunden. Auf die übrigen Elektrizitätswerke fällt ein weit geringerer Anteil an der Groß-Berliner Versorgung. Die Elektrizitätswerke der Stadt Eharlottenburg lieferten im Jahre 1SI2 nur 21,9 Millionen Kilowattstunden, das ElektrizitärtSwerk Südwest A.-G. in Berlin- Wilmersdorf nur 30,2 Millionen und die Berliner Vororts- Elektrizitätswerke 8,1 Millionen Kilowattstunden. An den beiden letzten privaten Unternehmen, die zum Konzern der A. E. G. gehören, sind die B. E. W. übrigens ebenfalls beteiligt. Bereits umfaßt das Versorgungsgebiet der B. E. W.«inen Flächenraum von 3000 Quadratkilometern. Die Zahl der Abnehmer betrug Ende Juni 1912 36 900. Angeschlossen jvaren 1,5 Millionen Glühlampen, 44 800 Bogenlampe», 35 300 Motoren und 6770 Apparate mit zusammen 226 940 Kilowatt. Rutzbar abgegeben wurden 1911/12 einschließlich des Selbstverbrauchs 54 Millionen Kilowattstunden für Licht, 76 Millionen für Kraft, 70 Millionen für Bahnen und 24 Millionen Kilowatt- stunden als Hochspannungsstrom. Auch die Große Berliner Straßenbahn gehört bekanntlich zu den Abnehmern der B. E. W. Schon jetzt beträgt das Kabelnetz 7669 Kilometer. Mit der Ver- legung der Hauptzentrale nach Golpa würde ein großer Teil des in Groß-Berlin verbrauchten Stroms erst durch die Fernleitung nach Berlin gelangen. Die B. E. W. hoffen dadurch den Strom billiger an die Großkonsumenten liefern zu können, als diesen die Selbftherstellungskosten zu stehen kommen. Auch die Kraft- quellen für die Elektrifizierung der Berliner Stadt- und Ringbahn sollen bekanntlich ins sächsische Braunkohlenrevier verlegt werden. Damit würde dies Gebiet für die Kraftversorgung eine ähnliche Bedeutung erhalten, wie die Steinkohlenlagerstättcn in Rheinland- Westfalen, an der Saar und in Oberschlesicn. Mit der Verlegung der Hauptzentrale ins Bittcrfelder Revier verbinden die B. G. W. noch einen besonderen Zweck. Nach den Verträgen der B. E. W. mit der Stadt Berlin hat die Gemeinde vom 1. Oktober 1915 ab das Recht(aber nicht die Pflicht), die B. E. W. einschließlich aller mit denselben verbundenen Berech- tigungcn alS Eigentum zu übernehmen. Das gleiche Recht steht der Stadt zum gleichen Termin für die im Umkreise von Berlin errichteten, im Vertrage erwähnten Zentralen der B. E. W. zu, doch muß die Stadt in diesem Falle sämtliche Werke, nicht Teile der- selben, übernehmen. Die Golpaer Zentrale liegt völlig außerhalb des im Vertrage vorgesehenen Kreises. Uebernimmt nun die Stadt im Jahre 1915 oder später die Berliner Werke, so hat sie dicht vor den Toren die Konkurrenz der unter weit günstigeren Bedingungen arbeitenden V. E. W. in Golpa. Wollte die Steckst, um dem zu begegnen, auch die in den Vororten gelegenen Werke ankaufen, so brauchte sie dazu natürlich bedeutend größerer Mittel, deren Her- gäbe die freisinnigen Stadtverordneten leicht verweigern können. Aber selbst bei Uebernahm« der gesamten Anlagen der B. E. W. tu Groß-Berlin würden die B. E. W. direkt oder durch Anschluß ihrer Schwesterunternehmungeu an die Golpaer Zentrale noch immer als recht gefährliche Konkurrenten der Stadt auftreten. Mit dem Erwerb von Braunkohlenfeldern übt also der A. E. G.- Konzern einen Druck auf die Stadt Berlin aus, die B. T. W. nicht zu erwerben. Auch die Versiadtlichung der Großen Berliner Straßenbahn, einer Hanptabnehmerin der B.®. W., wird durch diesen Schachzug mit in Frage gestellt. Die Versäumnisse der liberalen Stadtverordnetenmehrheit, von vornherein solch gewaltige Anlagen selbst zu errichten, machen eS von Jahr zu Jahr der Millionenstadt schwieriger, sich dem Millionenmonopol eines Privat- konzerns zu entziehen._•.. erklärten, sie würden sich, wenn sie von den Unparteiischen ein- geladen werden, an der Besprechung beteiligen. Verhandlungen über diesen Punkt könne es für die Arbeiter nicht mehr geben. Es werde Sache der Unparteiischen sein, den Unternehmern klar zu machen, daß sie am 6. Mai nur Berichtigungen, aber keine Aenderungen an ihren Vorschlägen vom 1. Mai vorgenommen haben. Die Vertreter der beiden Arbeiterverbände seien durch die Erklärungen des Vorstandes des Arbeitgeberbundes befriedigt. Es komme jetzt darauf an, daß in den Reihen der Kollegen in den Nächsten Wochen keine Unbesonnenheiten begangen werden, die von den Unternehmern ausgenutzt werden könnten. Der Vcrbandstag nahm den Bericht ohne Diskussion entgegen. Hierauf trug Merkel die neuen Borschläge der Statutenberatungskommission vor. Dem gestrigen Beschluß des Verbandstages Rechnung tragend, hat die Kommission die Arbeitslosenunterstützung sacken lassen. Deshalb konnten in der Beitragsleistung Erleichterungen gegqn- über der abgelehnten Vorlage eintreten. Der neue Kommissions- verschlag deckt sich hinsichtlich der Beiträge mit den Beschlüssen des Jenaer Verbandstages. Die secbs Beitragsklassen bleiben be- stehen; sie stufen sich ab nach der Lohnhöhe und betragen in der ersten 40 Pf., in der weiteren Klasse 10 Pf. mehr, so daß der Bei- krag in der sechsten Klasse 90 Pf. wöchentlich beträgt. Die Beiträge werden wie bisher für 40 Wochen im Jahre erhoben. Der Anteil, der auf die Haupt- und die Lokalkasse entfällt, bleibt der gleiche wie im alten Statut. Die Sätze der Streikunterstützung, wie sie in �ena beschlossen sind, bleiben bestehen. Die Krankenunterstützung fowie das Sterbegeld sind im Vergleich zu den Jenaer Beschlüssen insofern verbessert, als zu den Sätzen, die nach einer Mitglieds- dauer von 2, 4, 6 und 8 Jahren abgestuft sind, noch höhere Sätze eingeführt werden für die Mitglieder, welche über 10 Jahre dem Verbände angehören. Die Sätze der Reiseunterstützung sind eben alls erhöht worden. Nach kurzer Diskussion stimmte der Verbandstag den neuen Vorschlägen der Kommisfion zu und beschloh, daß die neuen Unter- tützungssätze am 1. Januar 1914 in Kraft treten. Bis dahin gelten die Jenaer Beschlüsse. Nun entstand eine längere Debatte darüber, wie die Frage der Arbeitslosenunterstützung weiter zu behandeln sei. Anlaß zu der Debatte gab ein Antrag Schauer- Stettin, welcher fordert, daß die abgelehnte Vorlage den Mitgliedern zur Diskussion unterbreitet werde. Wenn sich ein Viertel der Zweigvereine, die ungefähr die Hälfte der Verbands Mitglieder umfassen, für Einführung der Arbeitslosenunterstützung ausspricht, dann soll im Herbst dieses Jahres ein außerordentlicher Verbandstag über die Angelegenheit entscheiden. Paeplow wandte sich gegen den Antrag. Man könne nicht erwarten, daß das, was jetzt abgelehnt wurde, schon in nächster Zeit angenommen werden würde. Bis zum nächsten ordentlichen Ver. bandstag im Jahre 1915 sei Zeit genug, die Frage zu diskutieren. teristisch im Vertrage heißt— Preisen bezahlt.— Die ungarische Regierung verpflichtet sich, den gesamten Bedarf der ungarischen Landwehr und des ungarischen Teiles der gemeinsamen Armee und Kriegsmarine ausschließlich hei dieser Fabrik zu decken. In dem Vertrage find Verfügungen für den Schutz des Eisenkartells, aber keine Silbe für den Schutz der zu beschäftigenden Arbeiter aufgenommen. Aus all dem ist zu ersehen, daß Skoda und Krupp nicht nur in ihrer„Heimat", sondern auch auf Reisen es gut verstehen, Steuerzahler und Arbeiter zu schindcu. Es ist wohl an» zunehmen, daß Krupps Mithilfe nicht nur zur Herstellung der Kanonen, sondern auch zur Fabrikation des Rüstungsftebcrs und patriotischer Begeisterung herangezogen wird. Die Mitglieder würden sich Wohl bis dahin von der Notwendigkeit Annahme zu rechnen sei der Arbeitslosenunterstützung überzeugen können, so daß dann auf Verbandstilg der Sauarbtiter. Am Sonnabend erstattete Silberschmidt Bericht über die Unterredung mit dem Vorstande des«rbeitgeverbundes, die am K-eeiagnachmittag in Leipzig stattfand. Das Ergebnis der Unterredung war: Der Vorstand des Arbeitgeberbundcs trnrd dafür sorgen, daß die durch den Schiedsspruch der Unparteiischen vom 1. Mai festgesetzten sowie die schon vorher vereinbarten Lohn- erhöhungen ab 2. Mai nachgezahlt werden. Wegen der Acndcrungen, welche die Unparteiischen am 6. Mai an ihren Festsetzungen vom t. Mai machten, wollen die Unternehmer nochmals mit den Un- parteiischen verhandeln. Die Vertreter der beiden Arbeitervcrbände Silberschmidt meint« dagegen, die Mitglieder hätten sich in den vergangenen Monaten naturgemäß mehr mit der Lohn- bewegung als mit dem Ausbau der Verbandseinrichtungen beschäf- tigt. Sie hätten deshalb der Frage der Arbeitslosenunterstützung nicht genügend Jrtleresse entgegenbringen und die Frage nicht gründlich behandeln können. Es sei nach diesen Erfahrungen nicht angebracht, zwei so wichtige Angelegenheiten wie die Lohnbewegung und die Arbeitslosenunterstützung gleichzeitig zu behandeln. Jetzt, nach Abschluß der Lohnbewegung, hätten die Mitglieder Zeit, sich in aller Rulle mit der Frage der Arbeitslosenunterstützung zu be- schäftigen. Ter Verbandstag im Jahre 1915 falle wieder gegen das Ende der Vertragsperiode, die Situation würde dann eine ähn- liche sein wie die jetzige. DeSllalb empfehle sich die Erledigung der Frage der Arbeitslosenunterstützung durch einen außerordentlichen Berbandstag. Paeplow hielt demgegenüber an seiner Ausfassung fest. Der ordentliche VerbandStqq im Mai 1915 habe sich noch nicht mit der Lohnbewegung zu beschäftigen, da die VertragSsperiode erst Ende März 1916 ablaufe. Der ordentliche Verbandstag würde also die Arbeitslosenunterstützung in aller Ruhe behandeln können. Nachdem noch mehrere Redner zu dieser Angelegenheit ge- sprachen hatten, wurde derAntragSchauerangenommcn. Hierauf vollzog der Vcrbandstag die Wahl des Verbands- beirats.— In den Verbandsvorstand wurde an Stelle des aus- geschiedenen Mitgliedes P a n s e r der.Kollege Beck gewählt. Damit timren die Arbeiten des Verbandstages erledigt. Der Vorsitzende Paeplow sagte in seiner Schlußrede unter anderem, er bitte dringend, daß die Kollegen in den LandeSIeilen, wo die Ergebnisse der Lohnbewegung mit Recht als ungenügend betrachtet ivcrden, nichts tun, was den Frieden stören könnte. Sic müßten sich mit der Situation, wie sie nun einmal ist, abfinden. Wenn die Unternehmer in Rheinland-Westfalen die Lohnerhöhung, welche die Unparteiischen nachträglich bewilligt haben, bei der nach- sten Lohnzahlung noch nicht auszahlen, so müßten sich die Kollegen auch damit abfinden. Ter Vorstand werde alles versuche», um dos herauszuholen, was den Mitgliedern zukommt. Trotzdem werde unter den Kollegen noch gro�e Unruhe herrschen, die der Vorstand nicht hindern könne. Es sei vorauszusehen, daß die Kollegen in einzelnen Orten die Arbeit nach Pfingsten nicht freudig, vielleicht gar nicht aufnehmen. Die Leiter der Bezirke und Zweigvereine müßten alles daransetzen, um ArbeilSnSiederlegungen zu verhindern. Der Vorstand sei nicht in der Lage, Streiks zu bewilligen oder zu unterstützen.— Es werde nicht für immer bei den Tarif. Verhandlungen bleiben. Der Kampf werde einmal kommen. Für diesen Kampf müßten die Kräfte gesammelt werden. Huq Induftm und Fteudel Krupp in Ungarn. Die ungarische Regierung will, wie wir schon kurz berichteten, in Gtzör unter der Mithilfe von Krupp und Skoda eine Kanonen- sabrik errichten. Ein entsprechender Gesetzentwurf liegt dem un- garischcn Reichstage vor. Die Fabrik ist als eine Aktiengesellschaft mit 13 Millionen Kronen Aktien geplant. Die ungarische Rc- gicrung übernimmt 7 Millionen Kronen, Skoda 4 Millionen Kro- nen gegen Bareinzahlung; 2 Millionen Kronen Aktien Werden Skoda geschenkt als Gegenwert für seine mit der Errichtung und Inbetriebsetzung der Kanonenfabrik verbundenen technischen Leistungen. Außerdem erhält Skoda jährlich eine Entschädigung in der Höhe von 10 Proz. des jährlichen Reingewinnes der Gesell- schaft für seine Patente, Erfahrungen, Konstruktionen. Die für alle Fälle an Skoda zu leistende Minimalentschädigung beträgt für die Vertragsdauer, die mit 25 Jahren festgestellt ist, 200 000 Kronen, also für die 25 Jahre 4H Millionen Kronen. Dieser Betrag entspricht jener Zahlung, die Skoda für die Erwerbung der Kruppschen Patente und Gebrauchsmuster an Krupp zu leisten hat. Außerdem zahlt die ungarische Regierung an Krupp in Essen eine Million Kronen für die Berechtigung, das Rohmaterial aus Tiegelstahl aus den Kruppschen Werken zu beziehen und bei der später eventuell selbst vorzunehmenden Erzeugung von Halbfabri- katen von Rohren ihr durch Rat und Tat, d. h. durch die Eni- sendunaAtzon sachverständigen Ingenieuren auf höchstens 14 Tage beizustehen. Krupp bezieht also aus der neuen ungarischen Kanoncnfabrik einen einmaligen Betrag von einer Million Kronen und eine jährliche Zahlung von 200 000 Kronen— ohne eine Arbeit zu leisten. Die Lieferungen werden ihm natür- lich nach den von ihm bekanntgegebenen— wie es sehr charuk- Die Spirituszentralc als Likürfabrikantin. Die Absicht der Spirituszentrale, die Likörfabrikation aufzu- nehmen, hat begreiflicherweise im deutschen Destillateurgewerbe eine starke Beunruhigung hervorgerufen. Der Verein der Likörsabri- kanten und Branntweininteressenten Teutschlands hat bereits in einer Sitzung zu dieser Angelegenheit Stellung genommen und läßt folgendes erklären:„Tie Anstrengungen der Spirituszentralc, den Graduicrungszwang für Trinkbrannttvein und Liköre zum Zweck erhöhten Absatzes von Spiritus einzuführen, sind bisher er- folgloS geblieben. Durch die Preispolitik der Spirituszentrale ist gerade das Gegenteil erreicht worden: die Alkoholprozente im Trinkbranntwein wurden immer niedriger. Hohe Preise, sozial- demokratischer Boykott und Abstinenzbewegung sorgten für einen rapiden Konsumrückgang, der in manchen Gegenden die Höhe von 50 Proz. des bisherigen Verbrauches erreichte. Die Karlosfclernte des vorigen Jahres und der den Spiritusbrennern trotz dieser vor- züglichen Ernte gewährte enorm hohe Abschlagspreis von 53 M. pro Hektoliter r. A. haben eine Spiritusproduktion in einem Um- fange hervorgerufen, die zu übergroßen Vorräten der Spiritus- zentrale geführt hat. Statt nun die einzige erfolgversprechende Maßnahme zu treffen, den Spritpreis für die Destillatcure erheblich herabzusetzen, hat die Spirituszentrale den Entschluß gefaßt, durch Selbstfabrikation von Trinkbranntwein und Likören ihren eigenen Abnehmern Konkurrenz zu machen. Für die Einführung der Likör- körten ist eine großzügige Reklame in Aussicht genommen und große Mittel sind bereitgestellt, um, ganz wie ehedem bei Brenn- spiritus, die Änführung zu inszenieren. Wenn das Vorgehen der Spirituszentrale im Rbeinlande Erfolg haben sollte, dann sollen solche Betriebe auch in Schlesien und später in allen übrigen Pro- vinzen eingericktet werden." Die Erklärung verurteilt weiter daS Verhalten des früheren Geschäftsführers des Verbandes deutscher Spiritus- und Spirituosenintcressenten Paul.Koepcke, der im ver- gangencn Jahre eifrig für den Anschluß seines Verbandes an die Spirituszentralc eingetreten war, jetzt aber zur Zentrale über- getreten ist und die Leitung der neuen Likörabteilung übernehmen wird. ES wird jetzt offenbar, daß Herr Koepcke bereits im ver- gangenen Jahre bei den KonventionSvcrhandlungen nicht die Jnter- essen seines Verbandes, sondern die der Spirituszentrale ver- treten hat!_ Technische Fortschritte und Arbeiterzahl. Für die Ersparnis von Arbeitskräften durch technische Fort- schritte in der Portlandzementindustrie gibt � Fritz Ritter in einer Studie„Entwickelnngen und Bestrebungen in der deutschen Portlundzementindustrie" iVerlag Siemenroth, Berlin 1913) einige zahlenmäßige Belege. Von 1894 bis 1900 stieg die Zahl der in der Zementindustrie beschäftigten Arbeiter von 18 300 auf 31 400. Die Krise von 1900 brachte einen ftcwken Rückgang des Zementverbrguchs; 1901 betrug infolgedessen die Arbeiterzahl nur 25 800. Von 1904 an beginnt der Zementverbrauch stark zu steigen und auch die Arbetterzabl geht wieder in die Höhe. Durch die etwa 1905 einsetzende Elnftihrung des amerikanischen Dreh- rohrofens steigt die Arbeiterzahl aber nur bis auf 28 200 im Jahre 1907 und beginnt darauf wieder zu fallen. 1910 wurden nur 24 100 Arbeiter beschäftigt. Durch den Drehrohrofen kann nämlich jede Handarbeit vom Einwerfen der Kalksteine bis zum Schließen der Zemcntsäcke oder-fässer entbehrt werden; der ganze Fabrikations- prozcß einschließlich dem Füllen der Fässer wird ununterbrochen von Maschinen besorgt. Für einzelne Fabriken hatte die Einführung de? OfenS die Folge, daß sie die Mehrzahl der Arbeiter entlassen konnten. Eo brauchte die Zcmcntfabrik Groschowitz bei den alten Ofenanlagen 168?lrbeiter, bei dem neuen System aber nur 36 Arbeiter, um in 24 Stunden 1800 Faß Zement herzustellen. In der Zementfabrik Leimen wurden im Jahre 1899 731 600 Faß Zement von 1110 Ar- betten, hergestellt. Im Jahre 1905 war die Produktion auf 937 300 Faß gestiegen, die Zahl der Arbeiter aber bis auf 764 ge- suiiken. Im Jahre 1909 wurden bereits 1,11 Millionen Faß Zement von nur 653 Arbeitern produziert. Fiel auf einen Arbeiter im Jahre 1890 eine jährliche Zementproduktion von 660 �ah, so betrug dieser Anteil im Jahre 1909 bereits 1700 Faß. Trotzdem zahlte die Fabrik im Jahre 1909 nur einen Durchschnittslohn pro Tag von 3,76 M. gegen 2,6t M. im Jahre 1890. Die Arbeiterentlassungen infolge der technischen Neuerung bedeuten also für den Unternehmer Lohnersparnis und Profitsteigerung, für deii Arbeiter geringeren Anteil am Produktionsertrag oder Arbeitslosigkeit. (dcrkhtQ- Zeitung Streikjustiz. DaS Landgericht Essen-Nuhr hat am 7.Oktober 1912 den Rechtsanwalt Dr. Fritz Levy sowie die Redakteure Wilhelm Neu- mann von der„VolkSzeitung" und Eugen Schereck vom„Beob- achter" wegen Beleidigung der Strafkammer des Landgerichts Elsen verurteilt, und zwar Dr. Levy zu 300 M. und die beiden Mit- angeklagten zu je 100 M. Geldstrafe. Dem Präsidenten des Land- gerichts Essen ist die Befugnis zugesprochen, den Tenor des Urteils Iii den genannten Blättern sowie im„Generalanzeiger" zu ver- öffentlichen. Es handelt sich um folgende Sachlage: Nach Beendi- gung des Bergarbeiterstreiks veranstaltete das Kartell der srsien Gewerkschaften in Essen eine öffentliche Volksversammlung. �5' richtcrstattcr war der Schriftsteller Dr. Breitscheid aus Berlin. handelte sich um die gerichtliche Beurteilung der Streikvergehev. die seit etwa zwei Wochen eingesetzt hatte und die als unglaublich treng bezeichnet wurde. Der Angeklagte Dr. Levh erarift in der Aussprache das Wort, um als Jurist und Verteidiger einige AuS- 'ührungen über die Streiftustiz zu machen. Er bemerkte dabei, daß c'''""" geye aues im... Tempo. Er schilderte dann das neue Verfahren im die Nachteile, die mit der Abkürzung der gewöhnlichen«"st*" fu* die Angeklagten verbunden seien, und bedauerte, daß da» Gen-Yl ich diesem Drangen von oben gefügt habe. Er bedauerte da» unge- wöbnlich hohe«trafmaß und erzählte, daß in den Akten t««« Angehörigkeit des Angeklagten zu einer Organisation und seine Beteiligung am«treik unterstrichen sei. Die Essener«traftammer 'o bemerkte er. sei früher fiir objektiv angesehen worden,-ver leyl gewinne«» den Anschein, alt ob sie es nicht mehr sei. ler„2 gerecht denkenden Menschen mache die Streikjust'z einer Klassenjustiz. Aufklärung über diese Dinge müsse m dw weitesten Kresse hineingetragen werden. Ueber dr-ft �euße ungen brachten dve Blatter der beiden Mitangeklagten ziemlich uvereln. stimmende Berichte, und in der„Arbeiwrzeitung"'Ä" hervorgehoben, daß ein bürgerlicher Demokrat sick. habe. Das Gericht hat in der Aeußeruug dcö Dr. L- und m der Wiedergabc derselben durch die Mitangeilogtcn""Vw ahndende Beleidigung erblickt, da darin de, Vorwursd-rbewußten Rechtsbeugung zu erblicken sei. Der Schutz de» 8 1°» �urd« Angeklagten nicht zugcbillia! Die Ncvlsie« der dret»r gellagten kam am 9. Mai vor dem Reichsgericht zur Verhandlung. Alt««- teiinger Ler TTnacflcfikn Dr. 2. rügte Rechitanwalt Dr. Wolfgang Heiiie an? Berlin insbesondre Berkennung des Enentiinlduhui. Das Gericht babe dem Ängcklagten geglaubt, daß er persönlich nur an eine unbewußte Nechtsbeugung glaube, aber es habe den Angc- klagten dennoch) für schuldig befunden, weil er sich habe sagen müssen, doü seine Zuhörer seine Aeußeruna doch anders auslassen wurden. Dies gebe offenbar zu weit. Weiter wurde die Nicht- anwendung des§ 186 statt des§ 185 sowie Verkcnnung des§ 198 gerügt. Der Ncichsanwalt hielt die Rüge der Nichtanwendung des z 188 für begründet, da es sich tatsächlich Um den konkreten Vor- Wurf der Rechtsbeugung handle. Er beantragte deshalb die Auf- bcbung des Urteils. Das Reichsgericht erkannte jedoch jetzt auf Verwerfung der sämtlichen Revisionen, indem cS ausführte: Der Senat ist der Frage nähergetreten, ob die richtige Grenzlinie zwischen A 185 und tz 186 vom Landgerichte innegehalten worden ist. Es kann dahingestellt bleiben, ob richtiger K 186 anzuwenden ge- Wesen wäre, aber es ist den Angeklagten dadurch, daß sie nach § 185 verurteilt worden sind, ein Grund zur Beschwerde nicht er- wachsen. Allerdings ist iin Regelsalle ein Grund zur Beschwerde vorhanden, da der 8 186 den Wahrheitsbeweis zuläßt. Tie Auge- klagten sind verurteilt wegen des Vorwurfs der bewußten Rechts- beugung. Der Wahlheitsbcweis, ob bewußte Rechtsbeugung vor- liegt, ist gegenstandslos. Tie Angeklagten geben selbst zu, daß sie diesen Vorwurf nicht haben erheben wollen, folglich brauchten sie auch kcinru Wahrheitsbeweis anzutreten. Bon der Anklage der Beleidigung durch die Presse freigesprochen wurde am I. Dezember 1912 durch das Landgericht Weimar der Redakteur Wilhelm Faber. F. ist der Redakteur der in Jena er- scheinenden„Volkszcitung". In der Nummer vom 4. Mai v. I. erschien unter der Rubrik„Aus dem Großherzögtum" ein Artikel mit der Tpitzmarke„Sulza. Die Praxis des Klassenstaates". Zu diesem Artikel hatte dem Verfasser desselben folgender Vorfall Vcr- anlassung gegeben. Bei den�Gemeindewahlen in Sulza war der bürgcrliäie Kandidat, ein Sparkassenrendant, gewählt worden, dessen Wahl aber von der Gegenpartei angefochten wurde. Die Wahl sollte auch für ungültig erklärt werden, weshalb man den sozialdemokratischen Kandidaten, den Bildhauer H., als gewählt anfab. Da aber wurde von der großherzoglichen Regierung die Wahl des bürgerlichen Kandidaten für rechtsgültig erklärt. In dem Artikel nun, der diesen Vorfall zur Sprach« brachte und kri- tisierte» hieß cS, man habe bei der Entscheidung„mit zweierlei Maß gemessen". In diesen Worten sollte nach der Ansicht deS Ge- richts der Vortvurf der Parteilichkeit und Ungerechtigkeit, also eine Beleidigung, liegen und F. für diesen Artikel verantwortlich sein. Nun ivar aber F. nur tätig in der Schriftstelle der„Volkszeitung", die sich in Jena desindct, während das Blatt in einer Druckerei in Gera gedruckt wird, und der fragliche Artikel war dem Auge- klagten vor der Drucklegung nicht bekanntgegeben worden, sondern erwiesenermaßen direkt an die Druckerei gesandt und hier von dem Setzer mangels anderen Stoffes als Füllstoff verwendet worden. Da ferner der Angeklagte mit der Druckerei vereinbart hatte, daß er für Artikel, welche diese direkt zugesandt erhalte und verwerte, keinerlei Verantwortung übernehme, so konnte er auch im vor- liegenden Falle nicht zur Verantwortung gezogen werden, weshalb die Freisprechung erfolgte. Gegen das Urteil hatte die Staats- anwaltschaft Revision eingelegt mit der Begründung/ daß den An- getiagten zum mindesten ein fahrlässiges Verschulden treffe. Denn ihm als verantwortlichen Redakteur habe die Verpflichtung obgc- legen, den gesamten Betrieb, das Material sowie das Personal zu überivachcn. Er hätte sich deshalb darum kümmern müssen, welcher Stoff verwendet wurde, und er könne sich nicht damit entschuldigen. daß er nicht gewußt habe, daß der Setzer Mangel an Stoff habe. Da also durch das pflichtwidrige Verhalten des Angeklagten die Ver- ösfentlichung deS Artikels erfolgt sei, müsse der Angeklagte auch für diese verantwortlich sein. DaS Reichsgericht erkannte jedoch in seiner Sitzung am 9. Mai, dem Antrage des Reichsanwalts folgend, auf Verwerfung der Revision, da das Urteil nicht zu bean- standen sei. Zu einem Ncvolverkampf zwischen Einbrechern und Schutzleute« toar es in der Nacht zum 96. Dezember vorigen Jahres in dem Hause Kupfergraben 6 gekommen. Gegen 1 Uhr nachts vernahm der im Erdgesck-oß wohnhafte Portier Krause tu den im Hochparterre gelogciieu Kontorräumen der Marmorexportstrma John verdächtige Geräusche. Er benachrichtigte die auf il findlichc» Schutzleute Koch und Mitschrich, die sofort feststellten, daß die Türfüllung der zum Kontor führenden Tür heraus- geschnitten worden lvar. In dem Kontor selbst herrschte absolute Finsternis, da die geschlossenen Fensterladen jedes Eindringen von Licht von der Straße her verhticderten. AIS die beiden Beamten, die gespannte Broivniiigpistole in der.Hand, den Raum betraten, krachte auS der Dunkelbcit heraus ein Schuß. Gleichzeitig flog dem Schutzmaun Koch eine schwere Schmiedezange gegen den Helm. Nun- wehr gaben die Beamten in die Dunkelheit hiuetn mehrere Schüsse ab, von denen einer, wie ein Wehlaut bewies, getroffen haben wußte. Plöülich klirrte eine Scheibe, und die Beamten sahen gerade noch, wie zu-ei Männer durch das Fenster auf die Straße hinunter- sprangen. Eine sofort aufgenommene Verfolgung in einem Auto blieb erfolglos. Einige Tage später erhielt der Knmtnalschutzmann Schulz die Mitteilung, dag der Arbeiter Wilhelm Scharncwski bei enier Frau Raschke in der Schulstraße, deren Mann im Gefängnis sitzt, Aufnahme gefunden habe und eines Nachts in einem Kinder- wagen in seine"eigene Wohnung transportiert wurde, da er an- scheinend schivcr verwundet sei. Der Beamte ging dieser Spur nach uicd ermittelte, daß Scharncwski und ein inzwischen„geisteskrani" gewordener Arbeiter Wosch jene entflohenen Einbrecher waren. Scharncwski hatte einen Schutz in die rechte Schulter erhalten, außerdem hatten sich beide bei dem Sprung aus dem Fenster die Beine verstaucht.— Da der inzwischen in die Anstalt Wuhlgarten überführte Mosel' dort den„wilden Mann" spielt, tourde gestern vor der 19. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gcrichtSdircktorS Dr. Günther gegen Tckaruewski allein verhandelt. Die der Begünstigung angeklagte Frau Raschle und der Arbeiter Sonntag wurden freigesprochen. Dagegen wurde Scharncwski wegen versuchten schweren Diebstahls zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Eine abgelehnte Säbclfordcrung lag einer Anklage wegen Herausforderung zum Zweikampf zu- gründe,»oelche gestern den Generalsekretär vr. pbii. Georg Ernster vor die 8. Strafkammer des Landgerichts II führte. Der Ange- klagte hatte auf einen infolge familiärer Differenzen geschriebenen beleidigenden Brief seinem Schwager, dem Ingenieur Paul Lucas, eine Täbelforderung überbringen lassen.— Der Angeklagte, welcher schon ziveimal mit 3 Monaten bzw. 2 Wochen Festungshaft wegen Herausforderung zum Zweikampfe vorbestraft ist, wurde zu 2 Wochen Festungshast verurteilt. Ein Einladungszettcl zu einer vom Transportarbeitervcrband einberufenen Betriebsvcr- sammlung spielte in einer Klage des Kutschers K. gegen die In- haber der Marzipanfabrii Lemke u. Co. in einer am Freitag statt- gefundenen Verhandlung vor der 6. Kammer dcS Berliner Ge- werbcgcrichts eine große Rolle. K. klagte wegen Entschädigung in Höhe von 72 M. und begründete seine Forderungen damir, daß er behauptete, Beklagter habe ihn für die Zeil von nnndeftens 5 Wochen zwecks Aushilfe engagiert. Kläger ließ dies auch durch die Aussage eines Zeugen be- weisen. Von der Beklagten wurde der Sachverhalt bestritten. Von einer derartigen Abmackivng sei ibr nichts bekannt, höchstens sei eine owöchentliche Aushilfe in Aussicht gestellt tvorden. Die Be- klagte habe sich aber hauptsächlich deshalb zur plötzlichen Entlassung berechtigt gefühlt, weil der Kläger eines Tages Einladungszettel zu einer Versammlung unter den Angestellten verteilt und dadurch die Leute aufgewiegelt habe. Außerdem habe der Kläger die Ar- bester zum Streik aufgetordcrt. Der Schaden, der der Firma da- durch zugefügt worden wäre, sei sehr erheblich gewesen, denn die Firma habe alle diejenigen, welche an der Betriebsversammlung teilgenommen haben, entlassen„müssen". Die neuen Arbeiter seien noch lange nicht eingearbeitet, weshalb die Leistungsfähigkeit der Firma gelitten habe. Das alles habe der Kläger mit seinen unglücklichen Zetteln verursacht. Für ihre Ausführungen hatte Beklagte sich auch zwei Zeugen mitgebracht, welche bekunden sollten, daß sie sich durch die Agitation des Klägers in ihrer Arbeit behindert gefühlt hätten, ein Fräulein Günter und ein gewisser Sommerfeld. Das Gericht konnte sich zu der Auffassung des Be- klagten, daß hier eine Geschäftssckiädigung und ein Grund zur plötzlichen Entlassung vorläge, nicht aufschwingen. Es kam ein Vergleich zustande, nach welchem die Beklagte dem Kläger sofort die Entschädigung von 36 M. zahlte. Die IMliSeMohnämtei' in Cngiand und die Heimarbeit in Deutschland. Der entschlossene und großzügige Zug, der die englische Sozial- Politik der letzten Jahre auszeichnet, hat zgl einer Reihe von sozial- politischen Maßnahmen geführt, unter denen die Anerkennung des bisher nur in überseeischen Ländern durchgeführten Prinzips der staatlichen Lohnfcstsctzung für gewisse Arbcsterschichten unsere Be- achtuug erheischt. Abgesehen von dem Mtndestlohngesetz für den Bergbau, das im vergangenen Jahre als Ergebnis des großen Berg- arbeiterstreiks erlassen wurde, ist es das im Jahre 1969 beschlossene Gesetz über die Errichtung von staatlichen Lohnämtern für die Heim- arbeit, das die Wirkungen'und den Nutzen dieses staatlichen Ein- griffcs in die Lohnfestsetzung schwächet Arbeiterschichtcn deutlich erkennen läßt. Seit Jahren wird die gründliche Besserung der Verhältnisse der Heimarbeiter in Teutschland erstrebt! Wisscnsckaftler und Ar- beitcr sind darin einig, daß der beste und allein Erfolg versprechende Arbeitcrschutz in der Erböhung der meistens erschreckend niedrigen Löhne der Heimarbeiter besteht. DaS führte zu der Forderung der Lohnrcgulierung durch Lohnämter, da bisher alle Versuche, die bei der Neuregelung der Verhältnisse der Heimarbeiter durch da« HauSarbestSgesetz anläßlich seiner Beratung im Reichstage im Jahre Ivll durchzusetzen, waren jedoch ergebnislos. So ist es gekommen, daß wir ein Gesetz erlmlten haben, welches den armen Heimarbeitern zwar verbietet, in gesundheitsgefährlicheu Räumen zu arbeiten und Kinder und jugendliche Arbeiter übermäßig lange arbeiten zu lassen, ihnen aber die Mittel versagt, welche unentbehrlich sind, damit sie dem Gesetz nachkommen I Das hat dann in Bavcrn dazu geführt, daß die Regierung einen Posten ins Budget eingestellt hat. um durch Zuschüsse den Heimarbeitern die Erfüllung der vom Reichs- gcsetz vorgeschriebene» Arbeitsbedingungen möglich zu machen, da sie hierzu bei ihren niedrigen Lohnen sonst außerstande sein würden. In schroffstem Gegensatz zu dieser mangelnden gesetzlichen Rege- lung und den betrübenden Verhältnissen in der Heimarbeit in Deutschland, steht die Wirksamkeit der englischen Lohuämter. In der jüngst erschienenen Schrift von Dr. Käthe Gacbel: Die Heim- arbeit. Das jüngste Problem des ArbeiterschuveS.(Verlag Fischer, Jena 1913), werden die Tätigkeit und die Wirkungen der Lohn- ämter in England dargelegt. Das englische Gesetz über die Lohnämtcr regelt die Verhältnisse in vier Gewerben: der Kettenschmiederei, der Spitzenausrüstung, der Schachtclanfertigung und der Kunden- und Stapelschnciderd; unter dem letzteren Eeiverbe sollen alle die Zweige der Schneiderei einbegriffen werden, welche der Regelung bedürftig erscheinen. Das Handelsamt kann auch andere Industrien unter das Gesetz stellen, wenn in ihnen besonders niedrige Löhne gezahlt werden. Dem Ge- setz unterstehen alle Arbeiter der betreffenden Gewerbe, gleichviel ob sie Heim- oder Werkstästenarbeiter sind. Die Lobnämter setzen sich aus vom Handelsamtc ernannten Personen(Unparteiischen), Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter zusammen. Die Zahl der Mitglieder eines Lohnamtcs wird vom Handelsamt festgesetzt: sie schwankt zwischen 15 bis 41 Mitgliedern. Tic Mindcstlohnsiibe werden in kontradiktorischem Verfahren festgesetzt, und zwar von dem Zentralgcwerkamt. Die Lohnsätze treten drei Monate nach der Bekanntmachung in bedingte Kraft, d. h.. wenn die Arbeiter sich nicht schriftlick mit einem niedrigeren Satz zufrieden gebe». Wo keine solche Vereinbarung bestebt, kann der Unternehmer auf Serausgabe etwa zu wenig bezahlter Löhne verklagt werden, ver- fällt jedoch noch nicht in Strafe. Oeffentliche Aufträge erhalten nur die Unternehmer, die sich auf den festgesetzten Lohn verpflichten. Nach 3 bis 6 Monaten gewinnen die amtlichen Lohntaxen Rechts- vcrbindliebkeit. Die Lohnämter können Stücklöhne und müssen Zeit- löhne festsetzen. Zur Durchführung des Gesetzes sind Beamte er- nannt, welche die Fabriken, Werkstätten oder Ausgabestellen be- treten und die Vorweisung der Lohnlisten verlangen dürfen. Falsche Auskünfte werden streng bestraft. Jeder Arbeiter kann Klage wegen gn niedriger Bezahlung erheben. Auch da« Lobnamt kann für den Arbeiter die nötigen Sckritte einleiten. Uebcrtrctungen heS Gesetzes werden mit hohen Geldstrafen belegt. Wiewohl dies Gesetz noch jung ist. hat es doch bereit? jetzt einige erfreuliche Ergebnisse gezeitigt. Die erfreulichste Wirkung des Gesetzes ist die Befruchtung der Organisationstätigkeit. Arbeiter wie Unternehmer find mit großer Energie an die Bildung und Be- festigung des beruflichen Zusammenschlusses gegangen. WaS die Bemühungen von Generationen nicht erreichen konnten, ist fast mit einem Schlage Tatsache geworden: die Parteien sind auf eine ver- handlungsfähige Basis gehoben. Die Gründe, die die? starke Wachs- tum des Organisationsgedankens tu den geregelten Gewerben be- wirken, sind nicht schwer zu finden. Durch die Schriften� iliio Meetings, die der Durchführung des Gesetzes dienen solle», lverdc» die Heimarbeiter zusammengeführt und aufgeklart, durch die Wahlen zu den Lohnämtern zu gemeinsamem Handeln gebracht. Zudem wird durch die Besserung der ökonomischen Lage eines der Hemmnisse einer kräftigen Organisation. d,e finanzielle Lcistungsunfähigkeit der Arbeiter, verringert. Da? wichtigste aber nt, es wird den Heimarbeitern eine in greifbare Nähe gerückte Möglich- keit gezeigt, aus dem alten Elend berauszukommen. Die Basis für gemeinsames Verhandeln, dessen Ergebnis sogar rechtsverbindlich ist, ist gegeben: es gilt nur für eine kräftige Vertretung der Ar- beiterinteressen in den Lohnämtern zu sorgen. Damit ist das schwerste Bedenken des Heimarbeiter? gegen die Organisation, ihre Ohnmacht, beseitigt. Er sieht nun in der Gewerkschaft die beste Interessenvertretung, und diese Hoffnung macht ihn auch opfcr- willig. Die Wirkung dcS Lohnämtergesetzes auf die Organisation S- fähigkeit beschränkt sich nach der Darlegung der Verfasserin nicht nur"ans die geregelten Industrien, es geht vielmehr ein allgemeines Erwachen durch die Reihen der untersten, besonders der weiblichen Arbcitcrschichtcn, die jetzt zum ersten Male über Lohn- und Arbeitsverhältnisse nachdenken.„Diesen ideellen Erfolg der Lohnämter über die Grenzen ihrer eigenen Tätigkeit, die Befruchtung, die soziale und gewerkschaftliche Bewegung dadurch empfangen baben, kann mau nicht boch genug einschätzen. Wenn eine staatliche Maßnahme Meft- scheu, die durch Armut, Mangel und Uebcrarbcitung an ihrem Besten verkümmert sind, mit materieller Hilfe ihr Los erleichtert, so ist das viel, wenn sie aber gleichzeitig ibre Willenskraft hebt, ihre Initiative hcrvorlockt, Mut und Energie weckt, so ist das«ehr; denn eine solche staatliche Hilfe trägt das Beste in sich: die Befähigung, sich selbst einmal unmöglich zu machen." Die praktische Durchführbarkeit der staatlichen Mindcstlohnfest- setzung für die Heimarbeiter ist durch die englischen Erfahrungen nun auch für europäische Verhältnisse unzweifelhaft bewiesen. Die Festlegung von Mindestzeitlöhnen tvar den Lohnämtern überall mög- lich, selbst wo sehr verschiedenartige Bedingungen obwalteken. so daß überall Lohnerhöhungen teilweise um 166 Proz. festgesetzt wurden. Damit ist der Anfang zu einer durchgreifenden Besserung der Lage der Heimarbeiter in diesen Gewerben und auch in den noch un- geregelten gemacht. Das erfreulichste Ergebnis ist und bleibt aber die selbständige Organisation der Heimarbeiter. Sie schafft die Voraussetzung aber auch die Gewähr für den dauernden Aufstieg auch dieser Arbeiterschichtcn. Aber in Deutschland lcbnt die Regierung die Einführung der sozialen Maßnahme von Lohnämtern zugunsten der Heimarbeiter ab. Soziale Maßnabmcn und militärisches Rüstungsficbcr vcr- tragen sich nicht miteinander. 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Die trauernden fiinterbüebenen. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. d. Mls., nach- mittags i'l, Uhr, von der Halle des Philippus- Apostcl-Kirchhofes, Müller-, Ecke Seestrafie, aus statt. Am Freitag, den 9. d. M. ver- 1 starb nach langem Leiden im Alter von 61 Jahren unser lieber Aollege, der Kastenbeamte Martin Fehlberg. Der Verstorbene war seit 28 Jahren in unserer Mitte tätig und verlieren wir in ihm einen treuen Freund und Berater, dessen Andenken wir jederzeit in Ehren hallen werden. Die Einäscherung findet am Montag, den 12. Mai d. I., vor- niittags g Uhr, im Krematorium, Gerichtstrafie 37, statt. 792b Die Beamten der Orts- krankenkafie der Gastwirte, Rogstratze 29/30. Orlskrankenkasse der Gastwirte 1 und verwandten Gewerbe xn Berlin. Am 9. Mai d. I. wurde unser ältester Beamter Martin Fehlberg von langen schweren Leiden durch den Tod erlöst. 272/7 Der Verstorbene stand seit dem 18. Dezember 1884 bis zu seinem 'Ableben inr Dienste der Kasse und Hat an deren EntWickelung und Bestehen durch seine an- crkenncnswerte Tätigkeit regen Anteil genommen.— Wir werde»! dein Verstorbenen ein dauerndes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet am 12. Mai d. I., vorm. S Uhr, in Berlin, Gerichtstrafie, statt. Der Vorstand. H. Poppe, 0 Schilling, Vorsitzender. Schristsührcr. Verband der Draangestellteni Ortsgruppe GroS-Berlin. Den Mitglieder»» zur gefl. Nach- richt, datz unser Kollege Martin Fehlberg (O.-K-K. d. Gastwirte) am 9. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Atldenken k Die Einäscherung sindct am Montag(2. Feiertag) vorn,. 9 Uhr im Krematorium, Gerichtslr. statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet! 46, U Oie Ortsvcrwaltung . Allen Bekannten die trauriges ! MilteiluNjb dag unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel,| | der Klavicrarbeitcr Faul Nitz Jim 26. Lebensjahre saust cnt-! z schlafen ist. 79gb l Oio trauernden Hintcriiliebcnen. Die Beerdigung findet am! j Dienstag, nachmittags 3 Uhr. vitu der Leichenhalle des Neu- j tölluer Gemeinde- Friedhofes> jaus statt. 'Allen Freunden und Bekannten I i die traurige Nachricht, daß unS ! unsere liebe Mutter Berta Meitei geb. Zöllner | durch den Tod entrissen wurde. Um stilles Beileid bitten A. Koitcl u. Kinder. Die Beerdigung findet statt am ! Dicnsiag, den 13. Mai, nachm. 1 ,4 Uhr auf dem städtischen Fried- hvf Müllerstraste, Ecke ereestraste. Ifeitod der Tapezierer. Filiale Berlin. Am 8. d. Mis. verschied nach langem Leiden unser langjähriges Mitglied 178/3 QeuiM) Döring. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Sonntag, den 11. Mai, mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle dcS Sophien- Kirchhofs, Freienwalder S trage, aus statt. Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Verband d.Gemeinde-u.Staatsarb. Filiale CiroU-Bcrlin. Nachruf. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, bah der Kollege Robert Böttcher welcher in der Berliner Parkver- waltung bcjchästigt war, ver- starben ist. Wir werden ihm cm ehrendes Andenken bewahren. , Die Bestattung hat am Sonnabend, den 10. Mai, nach- mittags llß Uhr, auf dem Zentral- Friedhofe in Friedrichsseide statt- gesunden. 34/4 Die Ortsverwaltung. Invaliden-Dnterstiitzungskasse d. Steindrueker u. Lithographen. Die Beerdigung deS am 9. Mai Verstorbenen Steindruckcrs Otto Herder findet statt au» Mittwoch, den 14, Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Fried- Hofes der Gnadenkirche, Barfust- straßc. Das Komitee. Uerband der Gastwirtsgehllfen Kerlin N. 24, Gr. Hamburger Str. 18/19. Bureau: Amt Norden, 1474. Arbeitsnachweis: Amt Norden, 1813. Ortsverwaltung I Kellner, Köche, Köchinnen, Küfettiers nsm. Ortsverwaltung Abteilung fnr Kierabneher. III Ortsverwaltung II Abteilung für das HUsspersonal: Poetiers, Hausdiener Zapfer Destillationsgehilfku usw. .. 3>u: Legitimation sind die Mitglieder dcS Verbandes mit einer Mitgliedskarte versehen, die für das laufende Quartal von gelber Farbe ist und am nächsten Zahlabend zur Ansicht ausuegt.— Wahlvcrcinsbücher gelten nicht als Ausweis jür die Zugehörigkeit zur gewerkschaftlichen Organisation. Zur Beachtung diene, dast von Hirsch-Tunckerschcr und christlicher Organisation ähnliche Legitimations- karten verausgabt werden; man laste sich dadurch nicht täuschen. Lm übrigen bitten wir die Partei- und Gewerkschastsgenossen, unseren Mitgliedskarten Beachtung zu schenken, da unser Vorgehen gegen den Kostzwang, an dessen Stelle eine Barcntschädigung gefordert wird, all- (eiliger Unterstützung bedarf. 31/14 Der Vorstand. Danksagung. Für die Beweise herzlicher TcU nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters, sagen wir allen Beteiligten, besonders Herrn Zubeil unseren innigsten Dank. 6SA Mtwe Fanersclorl und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beider Einäscherung unserer lieben Tochter Margarete Räder sagen wir allen Freunden und Bc- kaimten, insbesondere Herrn Waldeck Manasse sür seine zu Herzen gehen- den Worte, sowie allen, welche der Verstorbenen während der Krankheit in so liebender Weise zur Seite standen, nnsern innigsten Dank. vi« Eltern und Geschwister. 7ätowienmg entfernt Dr. Kchüncmann Spezlalarzt für Hautkrankheiten Berlin 8., OranienstraBe 139. 105/6 Vera�old Sii 0,UALITÄT5�J*|klCARmE Gardinenhan« Bernhard Sehnart« Einzelverkauf zu Enarosvreisty! Die aescbmackv. AnSführ. und aufteroro. PrcSlvtirbiclkeU der Waren, wsbewnder«' der Gardinen Portieren Teppiche sind durck, die Dekoration ver Lwauteultcr»i etiener Weite ncrnnictiautldbt. 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Die Kranken Unterstützung wird sür die Dauer der Krankheit gewährt, doch endet die Gewährung des Krankengeldes spätestens nach'Ablaut der 26. Woche nach Beginn des Krankengcldbezuges. Endet der Bc- zug des Krankengeldes erst nach Ab- laus der 26. Woche nach diin Beginne der Krankheit, so endet mit dem Be- zuge des Kranlcngeldcs zugleich auch der Anspruch aus die in Ziffer 1 u. 2 bezeichneten Leistungen. Arbeitsfähige Kranke haben sür ein und dieselbe Krankheit Anspruch aus ärztliche Bc- Handlung und Medikamente höchstens aus dl»- Dauer eines Jahres. Auswärts wohnenden Mitgliedern wird das Krankengeld unter Abzug des Portos zugesandt, soweit eine Ueberweijung nicht erfolgt ist." Vorstehende Aendcrung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft; sie sindct aus schwebende Unterstützungsiälle keine Anwendung. Genehmigt durch Entscheidung des Bezirksausschusses Potsdam vom 8. April 1913— I. 1912 Nr. 802. Der Kasfcnvorstaud. Fiedler, Vorsipender. Z a I c w s 1 i, Schristsührcr. FenerdesUlluug Hark 160,—' mit allem Zubehör u. Gebühren Beerdigungs-Anftalt „Flamme" Manteuffclstr. III. Ausführliche Broschüre gratis. Fernspr.: Moritzpl. 5582. (iesellscbaits> Anrugs | auch für Trauer haben wir| stets am Lager. I Gehrock- Anzüge... 20-45 M. Rock-Anzüge....18-38„ Frack-Smoking-Anzüge 25-60„ 1 Beinkleider, schwarz 3- 8„ Paletots, schwarz..15-30„ | Verleihung schwarz. Garderobe. Qarderobenhaus Gr. Frankfurter Str. 116. + Magerkeit 4' schwindet durch Haufe's Nähr- rnlver ,,Thilossia". Preisgekrönt Jerlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. unsohädL Viele Aneik. Karton 2 M.. bei Postvorsand Porto und Nachnahmespeseu extra. H.Haufe, Berlin- Waidmannslust 801. De- Eots in folgenden_ Apotheken: othringerstr. 50, Elefanten-Apotheke, Leipzigerstr. 74, Weißen- burgerstr. 53, Potsdamers tr. 29, Turm str. 28. Köpenickerstr. Uy' Berndurgerstraße 3, Frankfurter Allee 74, Rosenthalerstr. 61, Kei- nickendorferstr. 1. Charlottenhurg; Bismarckstr. 81. 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Diese Broschüre ist in unserem Rüstringer Parteiverlage zum 25jährigen Jubiläum eben dieses Verlages er- schienen und beansprucht auch über Oldenburgs Grenzen hinaus ein Interesse. In den letztenJabren hat man wiederholt darauf hingewiesen, daß die Periode des Sozialistengesetzes als die interessanteste im histori- schcnWerdcndcrParteinochlangenicht genügend erforscht ist, ja, daß sogar die Gefahr besteht, daß durch das Aussterben alter, damals im Vordergrund des Kampfes stehender Parteigenossen gar manches wertvolle geschichtliche Material verloren zu gehen droht. Man ist daher dazu übergegangen, für einzelne Städte oder Provinzen das vorhandene, zum Teil in Erinnerungen lebende Material zu sammeln und in mehr oder minder starken Bänden und Broschüren gesichtet der Zukunft zu retten. Aus diesem Gefühl heraus haben auch die Oldeiiburger Parteigenossen vor einiger Zeit die Heraus- gäbe einer größeren geschichtlichen Arbeit über die oldenburgische Sozialdemokratie beschlosien und damit den mit den dortigen poli- tischen und parteigeschichtlichcn Verhältnissen am besten vertrauten Genosicn Hug beauftragr. Indes ehe diese erscheinen wird, dürfte der Nordsturm noch eine Weile über die Marschen und Gesten im Oldcnburger Land fegen,'und so hat der Autor bereits einen Teil seiner Erinnerungen in der vorliegenden Broschüre niedergelegt. Auch vor deni Erlaß des Sozialistengesetzes existierte bcrejts ein Organ, das in der Nachbarstadt Wilhelmshaven erschien, aber .es siel dein Sozialistengesetz zum Opfer und wurde mit der Bremer .Freien Presse" zugleich verboten; am 14. November 1878 erschien seine letzte Nummer", vermeldet lakonisch die Broschüre. So wenig wie anderwärts ließen sich dadurch unsere Oldenburgcr Genossen «inschüchtern, und obwohl verschiedene anderwärts erscheinende Perrteiblättcr ihren Weg nach den oldcnburgischcn Bezirken und vor allem nach der Arbeiterstadt Baut fanden, ging m'mi doch bald mit dem Gedanlen um, ein Lokalblatt zu gründen. Wie scheue c damals schon das Bejchlüssefaffen in solchen Fragen war und unter welchen romanlischcn Umständen diese oft vor sich gingen, ist aus mancherlei Veröffentlichungen bekannt. Auch Oldenburg hat solche Erinne- rungcn. So heißt es in der Schrift über die Gründung des„Nord- deutschen Wochenblattes", eines Vorläufers des jetzigen OrganS: ».Man war vor spionierenden Polizeiorganen und Häschern nicht sicher. Ein aus einer solchen, von der Polizei entdeckten Konferenz, hervorgegangenes ZeitungSunternebmen wäre bombensicher dem sofortigen Verbot anheimgefallen. Die Konferenz wurde daber zu Pfingsten 1882 im Hasbruch unter den ehrwürdigen alten Eichen abgehalten. Bant war durch die Genossen Bümmerstede, Kühn und Mariffc vertreten" usw. Und als das Blatt bereits erschien, »fand noch manche Konferenz aus Kegelbahnen, hinter verschlossenen und sorgfältig bewachten Türen, im Wald und hinter den Deichen statt, bis seine Existenz gesichert war". Mit welch primrrtiven Mitteln man damals an eine Zeitungsgnindung ging und wie eine Zeitlang das Blatt gar in crncr bürgerlichen Zeitungsdruckerci in dem einige Meilen entfernten Varel hergestellt wurde, erfahren wir und dazu auch die heute amüsant anmutende Tatsache, daß an einem Märztage ein starker Schneesturm den Eisenbahnverkehr unterbrochen hatte und also der in Bant hergestellte Satz nicht nach Barel zum Druck gebracht werden konnte, und ähnliche» mehr. Dazu erzählt die Broschüre von dem Idealismus der Genossen, wie man Verleger, Redakteur, Setzer, Drucker und Heizer in einer Person war usw. Gewiß, die oldenburgische Regierung legte während der Zeit des Schandgesetze» einen immerhin ancrkennbaren Liberalismus an den Tag, aber dafür mußte man die Denunziationen der prcu- ßischen Wilhclmshavener Spitzel um so mehr fürchten. Galt es doch die Arbeiter der kaiserlichen Werft sozialistenrein zu halten. Und so scheute man sich selbst nicht, mit gefälschten Briefen zu arbeiten, Briefen, in denen man anarchistische Flugblätter anbot lwnb die Bombe als probates Mittel anpries, darunter aber den Kamen eines sozialdemokratischen Führers setzte. Die Olden- burger Polizei wurde von Preußen gedrängt, die Aktionen der Gc- Zossen, ihre Wahlvorbereitungen usw. scharf zu überwachen, eine Eigenschaft, die der führende Bundesstaat bekanntlich nach allen Kichtungen vorder und nachher ausübte. Verknüpft ist das Blühen und Gedeihen der oldenburgischcn Parteigenoffenschaft zu einem guten Teil mit der zahlreichen Arbeiterschaft der Reichswerft in Wilhelmshaven, vor deren Maßregelung sich die Arbeiter, wollten sie wicht ihre Existenz verlieren, hüten mußten, und es ist ein intcr- essantcr Zufall, daß einer der tüchtigsten Werber für die Partei, eben der Verfasser der vorliegenden Schrift, gerade durch die Maß- regelung seitens der Werswerwaltung vollkräftig für die Partci- arbest frei wurde. I. KI. Fclicicn Challapc, Revolutionärer Syndikalismus und reformisti- scher Syndikalismus. Autorisierte Uebcrsetzung aus dem Französischem Tübingen 1913, I. E. B. Mohr. 93 Seiten. Preis 1P0 M. Anläßlich einer Besprechung von Dr. Achts Buch„Der moderne französische Syndikalismus" ivgl. Literarische Rundschau des„Vor- wärts" vom 11. Februar 1912) wies ich bereits darauf hin, daß eine ehrliche Uebersetzung von Challayes Büchlein jedenfalls wertvoller wäre als ein Plagiat wie das des Dr. Acht, daß sie aber doch keinen Ersatz bieten könne für eine systematische und historische Darstellung des französischen Syndikalismus. Nun ist eine im ganzen flüssige, wenn auch nicht immer genaue Uebersetzung erschienen, aus der aber merkwürdigerweise nicht zu ersehen ist, daß das französische Original bereits vor vier Jahren, im Jahre 1999, erschienen ist. Gerade bei einer so in fortwähren- den Wandlungen begriffenen Erscheinung wie der französischen Gewerkschaftsbewegung ist aber der Zeitpunkt der Abfassung einer Schilderung nichts weniger als gleichgültig. Freilich spielt dieser Zeitunterschied gerade bei der Uebersetzung des Öaupttcils von Challayes Büchlein lerne so große Rolle, da der Verfasser hier ledig- I lich die in den beiden syndikalistischen Richtungen herrschenden Theorien darstellen und kritisieren will. Er selbst steht dabei auf ganz bürgerlichem Standpunkt, der etwa dem unserer verflossenen Nationalsozialen entspricht. Er geht daher auch mehr darauf aus, die Theorien zu beurteilen als sie historisch zu begreifen. Er macht gar keinen Versuch, in der Geschichte der französischen Arbeiter- bewegung und der Gewerkschaften insbesondere oder in der Eni- Wickelung der französischen Volkswirtschaft den Wurzeln der syn- dikalistischen Lehre und Praxis nachzugehen. Er unternimmt es daher auch nicht zu zeige», wieso oder auch nur, von wenigen Bc- merkungen abgesehen, worin sich die syndikalistischen Auffassungen von denen der britischen oder deutschen Gewerkschaften unterschei- den. Ihm gilt der Standpunkt des sozialreformerischen Demo- kraten als der einzig vernünftige, und von ihm aus urteilt er über die„guten" und über die„schlechten" Seiten jeder Bewegung. Trotzdem ist das Werkchen zur ersten Einführung in die Ge- dankenwelt der syndikalistischen Theoretiker auch heute noch nicht ungeeignet. Darüber, wie sich die gewerkschaftliche Belvegung Frankreichs wirklich abspielt, wie weit insbesondere die geistige Herrschaft des„Synditalismus" sich in ihr erstreckt, und wie weit ihre Praxis der Theorie entspricht, über all das sucht man bei Challahc umsonst Belehrung. Gerade in diesen Dingen aber hat sich in den letzten Jahren manches geändert. Da aber Challaye auf diese Fragen überhaupt nicht eingeht, ist sein Büchlein in dieser Hinsicht vor dem Veralten bewahrt geblieben; denn die Theorien der führenden Shndikalisten haben sich in dieser Zeit lange nicht so stark verändert wie die Bewegung selbst. Was aber Challayes Schrift für ihre Zeit einen besonderen Wert verlieh, das loarcn die außerordentlich fleißig gesammelten Literaturnachweise, die teils in oft recht ausführlichen Aumeckun- gen, teils in einem eigenen, 29 Seiten langen Anhang gesammelt waren, eine angesichts der Zersplittertheit des Materials sehr vcr- dienstliche Arbeit, die aber natürlich nur bis zum Jahre 1999 durchgeführt ist. In dieser Fori» könnte die Zusammenstellung in eine im Jahre 1913 erscheinende Uebersetzung nicht gut ausge- nommen werden. Der ungenannte llebcrsetzer zog es deshalb vor, diesen wertvollen Anhang einfach wegzulassen, ohne aber den Leser irgendwie darauf aufmerksam zu machen. Ebensowenig ist auch eine Erklärung dafür geboten, warum bei manchen Anmerkungen mehrere Zeilen, manchmal die Hälfte, weggelassen ist. Wer sich also wissenschaftlich mit dem Syndikalismus beschäf- tigcn will, wird jedenfalls zum französische» Original greifen müssen. G. Eckstein. Dr. Gottfried Junge, Die Getreideeinfuhrscheine im Rahmen unserer Schutzzollpolitik. Berlin, Verlag von Emil gelber. 1912. 133«. 3.29 M. Bis auf Seite 128 müht sich der Verfasser— wie er selbst sagt—„redlich" ab, das gegenwärtige Einfuhrschciusystem als legitimes Kind der agrarischen Schutzzollpolitik zu verteidigen, die Unentbehrlichkeit für die Erhöhung des Getreidepreiscs um den vollen Zollbetrag und die furchtbaren Schäden der Beseitigung dieses Systems nachzuweisen. Aber auf den letzten fünf Seiten seiner Arbeit muß dann Junge eingestehen, daß unsere Zollpolitik ihre Aufgabe(die für Junge außer Zweifel steht), die nationale Arbeit und Produktion zu schützen, gerade infolge des Einsuhr. schcinsystems nicht erfüllt. Die Laichwirtschaft wird durch dies System vielmehr dazu gedrängt, ihre nationale Produktion immer mehr in eine internationale zu vcrwaicheln und das Ausland in steigendem Maße wit deutschen Agrarprodukten zu versehen. Tic Tarifrcgelung von 1992 hat nicht den Zweck erreicht, die ausländi- sche Konkurrenz auf den inländischen Märkten zurückzudrängen, sondern ungefähr da» Gegenteil: sie steigert unsere Abhängigkeit vom Auslaichc. Junge muß weiter zugeben, daß die deutsche Zoll- Politik weder die Entvölkerung des platten Landes zu vcrhiichcrn vermochte, noch bewirkt hat, daß die Landwirtschaft einer größeren Anzahl Personen Lebensunterhalt gewährt. Schließlich richtet sich seine Kritik gegen die ungerechtfertigte Bevorzugung einer agrarischen Minderheit durch das Einfuhrscheinsystem. Nicht der kleine Landwirt, sondern der ostelbische Großagricr erzeugt die Roggen- und Haser-Ueberschüsse und liefert sie dem Exporteur. Gerade der Großgrundbesitz aber gibt der deutschen Bevölkerung nur in bc- schränktem Maße Arbeitsgelegenheit und Lebensunterhalt.„Dort findet der ausländische Arbeiter in höherem Maße Verwendung als im landwirtschaftlichen Mittel- und Kleinbetriebe. V o m Ausländer produziert und vom Ausländer kon- s u m i e r t"— so faßt Junge treffend die Tendenz des Einsuhr- scheins zusammen. Junge weiß sich schließlich bei der Lösung dieses Widcrsinns keinen anderen Rat, als daß er an seiner eigenen Erkenntnis verzweifelt und auf S. 133 erklärt.'„In seiner gegen- wältigen Regelung ist das ganze System völlig undurchsichtig." So raffiniert die Agrarier auch ihren Schutz ausgeklügelt haben, so hoch schätzen wir doch die Gemeingefährlichkeit des Systems nicht, daß die wissenschaftlichc.Forschung davor kapitulieren müßte. Charakteristisch ist es immerhin, daß selbst ein Anhänger des „Schutzes der nationalen Arbeit" zu einem VcrdammungSurtcil über unsere Schutzzollpolitik gelangt. E. M. Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie. Bericht der Aeltesten der Kaufmannschaft von Verlin. Jährgang 1912. 2 Bände. Berlin 1913. Verlag von G. Reimer. 579 urtd 639 Seiten. Jahresbericht der Handelskammer zu Berlin für 1912. I. und II. Teil. Berlin. 133 und 598 Seiten. Jahresbericht der Handelskammer für die Kreise Essen, Mülheim- Ruhr und Oberhausen. 1912. Teil I. 292 Seiten. Da» von den Aeltesten der Kaufmannschaft herausgegebene Berliner Jahrbuch geht weit über den Rahmen eines bloßen Berichts über die Tätigkeit einer Berufsorganisation hinaus. Es beschränkt sich auch nicht aus die Schilderung der rein Wirtschaft- lichen Ereignisse, sondern zieht in seine Darstellung alles hinein. was zu dem wirtschaftlichen Leben irgendwie in Beziehung steht. So bietet Band 1 des Berichts für 1912 in seinem ersten Teil„Die allgemeine wirtschaftliche Eutwickcluug" u. a. eine Chronik der au?- ivärtigen Politik und einen Ikeberblick über Fortschritte der Technik. Die Darstellung der wirtschaftlichen EntWickelung berücksichtigt be- sonders ausführlich �Berliner Verhältnisse, aber stets im Rahmen einer umfassenden Schilderung der allgemeinen Verhältnisse. De» Kartellen und Synditaten, den Streiks und Aussperrungen, dem Arbeitsmarkt, der Preisentwickelung, dem Geldmarkt und der Rcichsbank, dem Wertpapier- und Produktenhandel und schließlich der Konzentration in Bankgewerbe und Industrie sind mit reichem Zahlenmaterial versehene Abschnitte gewidmet. In einem zweiten nicht weniger wichtigen Teil berichtet da» Jahrbuch über die Wirk- samkeit der Aeltesten der Kaufmannschaft. Zu den verschiedensten Bcrwaltungsmaßregeln, Gesetzentwürfen und Gesetzcsauwendungeu nimmt das Jahrbuch auf Grund bereits abgegebener Gutachten Stellung. Die Ucberschriften: Gesetzgebung und Verwaltung, Pri- vatrecht und Rechtspflege. Steuern und Verbrauchsabgabe», Ge- wcrbeordnung, Geld- und Börsenwesen, Maße und Gewichte, Vcr» kehrswesen usw. bezeichnen den Umfang dieses Berichts. Auch ciu Ueberblick über die von der Kaufmannschaft unterhaltenen Bil» dungsanstalten(Berliner Handelshochschule, kaufmännische Fach- schulen, Bibliothek und Archiv) fehlt nicht. Der zweit« Band bringt Spczialberichte über einzelne Industrien und Warengruppen ouS der Feder von Vertretern der einzelnen Geschäftszweige. Auch hier ist der Text durch ausführliche statistische Daten über Produktions- und Absatzuiengen, Preisbewegung u. a. ergänzt. Allerdings muß der zweite Band mit besonderer Vorsicht benutzt werden, da die Interessenten der einzelnen Industrien selbst zu Worte kommen. So finden sich im Abschnitt Spiritus der Geschästsbericht der Spiriws- zcntvalc, in dem Abschnitt Elektrizitätsindustric die Berichte der A. E. G., der Firmen Siemens u. Halste, Sicmcns-Schuckcrt, der Berliner Elektrizitätswerke.— Das Berliner Jahrbuch ist seit langem eine der besten, zuverlässigsten und umfassendsten Ouellcn für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Auf seine Iliicnt- behrlichkeit sei daher bei Erscheinen de» neuesten Jahrganges wiederum hingewiesen. Die Berichte der H a u d c l» k a in m c r n können der gleichen Information dienen. Doch steht in ihnen, bei an sich geringerem Umfang, die Mitteilung von Gutachten usw. gewöhnlich im Vorder- grund. In ihrem sonstigen Material spiegeln sie weit mehr als das Berliner Jahrbuch die besonderen Verhältnisse und Wünsche des Handels in ihrem Bezirke wider. Der Bericht der Handels- kammcr Essen geht darüber hinaus und bringt allgemein poli» tische Forderungen zum Ausdruck. Seine ersten Seiten lesen sich wie die Agitationsschrift eines rhcinisck-wcstfälischen Nationallibe- rcleu. Verteidigung der Rüstunaspolitik und der agrarischen Schutzzölle, Polemik gegen die Belastung der Industrie durch soziale Aufwendungen, eine scharfe Verurteilung des Austritts des Fiskus aus dem Köhlensyndikat und eine vernichtende Kritik der Eisenbahnverwaltung wegen des Wagcnmangels atmen die Sprache und den Geist der westdeutschen Schwcrindustricllcn. E. M. Tr. Theodor Bogelstein(Privatdozenti, Da» Petroleum« Monopol.«Verlag von Duncker u. Humblot, München und Leipzig 1913. 52 Seiten. 1,29 M.) D>c Frage eines Reichspctrolcummoiwpol» ist in einer Flut von Schriften, Zeitschristen- und Zeitungsaufsätzen so häufig und ini ganzen auch so ausführlich behandelt worden, daß die Vogel- st c i n s ch c Broschüre keine neuen Materialien zu bringen ver- mag. Gegenüber der bisherigen Literatur hat sie nur den Vor- zng, daß sie nicht von interessierter Seite stammt und daher alle Momente zu würdigen versucht, die von Monopolgegner» und Tllono polfreunden ausgesprochen wurden. Bogelstein kommt zu einer Ablehnung des Monopolplanes. Er betont, daß das Privatmonopol der Standard Dil Co. gegenüber den Monopolen in der Montan- und Hüttenindustrie für die Konsumenten wem- gcr Bedeutung hat und seine Kritik ist nicht ganz unberechtigt, daß, da man gegen die heimischen großen Monopolinteressenten nicht aufzutreten wage, nun bei den fremden»m so radikaler vorgehen zu können glaube. Trotzdem wäre es u. E. verfehlt, wenn man in der Politik kleinere Schäden uneingeschränkt bestehen lassen wallte, nur weil es noch größere Uebel gibt. Daß man überhaupt einmal ernsthast an die Ausschaltung eines Privatmonopols gehen will,- bedeutet schon einen anerkennenswerten Fortschritt. In der Frage der Durchführbarkeit des Rcichsmonopols präzisiert Vogelstein seine Stellung dahin:„Es ist unvorsichtig, den Kampf mit der Standard Oil Co. in einem Augenblicke aufzunehmen, in dem man aller Voraussicht nach das notwendige Material ohne sie nur zu höheren Preisen und mit dein Resultat erlangen kann, den übri- gen Produzenten eine vorzügliche Position in Deutschland und durch Heranziehung dieser Menge der Standard einen genügenden Absatz auf den anderen Märkten zu sichern." Falls es sich bei dem Monopol darum handeln würde— worauf etwa der Gesetzentwurf in seiner ursprünglichen Form hinauslief— die Macht des Privat- monoPols zu brechen, um sie anderen Finanzgruppen zu übertragen. ist diese Kritik berechtigt. Aber c» geht über die Wahrung der Konsumcntcninteressen weit hinaus, wenn Vogclstein es als einen Mangel bezeichnet, daß durch ein Reichsmouopol und die damit verbundene Stärkung ausländischer unabhängiger Produ- zenten Vorteile für alle Länder in gleichem Maße geschaffen wer- den. Nur bei beschräntMationaler Auffassung kann man es ablehnen, eventuell durch gegenwärtige Opfer sich spätere Vorteile zu verschaffen, nur weil an diesen Verteilen auch andere Nationen Teil haben werden. Dieser engherzige Standpunkt ist um so aus- fallender, als Vogelstein bei der Erörterung der Entschädigungen für Angestellte sehr beachtenswerte sozialpolitische Grundsätze ver- tritt. Mit Recht weist er darauf hin, daß die Ausschaltung der freien Konkurrenz durch Monopolgebilde eine Neuorientierung der Sozialpolitik und des Gewerberechts erfordert.— Ein kurzer Anhang über die Stellung der politischen Parteien zum Monopolpro- j. kt ist durch die Beratungen in der Lcuchtölkommission zum Teil bereits überholt.. E. M. Versammlungen. Di<> Zahlstelle Berlin des Buchbinderverbandes hielt am Frei- tao i%-c Quartalsversammlung ab. Aus dem Geschäftsbericht ist m«Mnefimen, daß die ungunstige Lage des Arbeitsmarktes die �laitatian außerordentlich erschwerte. Ileberall wurde das Personal redusiert. und die Beschäftigtem mußten zum größten Teil ver- kür,t arbeilen Es in auch keine Alisstcht vorhanden, daß sich die La»? im 3 Quartal dcsicru werde. Geklagt wird über den starken Zuzua der''�erufsangehörigen von außerhalb, die selten den Ar- beitSnachwcis in Anspruch nehmen und fast regelmäßig durch Um- scbauen in Arbeit treten, wahrend die Berliner Arbeitslosen meist sehr lanae auf Arbeit warten muyen. Es sollen strenge Maß- "ahmen geaen diese Unsitte getroffen werden. Es wird betont, daß vor allem die Vertrauensleute jedem neu Eingestellten die weiße Karte, welche von- Nachweis ausgegeben wird, abzufordern und an da» Bureau abz.llicfern haben. Die Verwaltung erledigte die Ge- kchäfte der Zahlstelle in 11 Sitzungen. Außerdem fanden noch statt zwei kombiniert: Verwaltungs- und eine kombinierte Delegierten- sitzung.— Der Mitgliedexbe stand betrug im 1. Quartal 191 3 8838. Die Besch Iverdekommission hatte in elf Sitzungen 35 Beschwerden zu erledigen. Die Album-, Mappen- und Galantciticwaren- b r a n ch c hatte einen sehr schlechten Geschäftsgang zu verzeichnen. Die Einhaltung des Tarifes durch die Unternehmer gab zu wieder- holten Klagen Anlaß. In einem großen Teil der Betrieve ist der o r a n a, c, wahreno in ocn wuazoruacrelen die ArocitSgeiegenyeir als leidlich gut bezeichnet Werden kann. Tarifdiffercnzcn sind er- freulicherweise in erheblichem Umfange nicht zu verzeichnen. Per- sönliche Verhandlungen mit Arbeitgebern fanden 8 statt. Das Tarifschiedsgericht trat dreimal zusammen. Außerdem fand eine Sitzung mit Buchdruckereibesitzcrn statt, die sich mit Differenzen in der Firma Braunbeck u. G u t e n b e r g be- schästigte. Tie Tariskommission hielt 15 Sitzungen ab. Die Agi- tationskommission tagte llmal, die gesamte Lranchenleitung 3mal. — Wa« den Geschäftsgang in der Etuiibranche betrifft, so ist auch hier nur Unerfreuliches zu berichten. Auch entwickelt sich dieser Gewerbezweig immer mehr zum Saisongewerbe.— In der G e- s ch ä s t s b u ch b r a n ch e bat die Konjunktur gegenüber vom Vor- fahre nachgelassen.— Im Schlich tungSaussujuß fanden 2 Sitzungen statt.— Schlecht war auch der Geschäftsgang in der Luxuspapier brau che, ganz besonders für die Presser und Präger. Die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte steigt hier auf Kosten der männlichen Arbeiter.— Einnahme und Ausgabe der Bibliothek bilanzieren mit 181,95 M. Am 31. Marz 1913 waren 2987 Bände vorhanden. Ausgeliehen wurden 1192 Bände. Tie Lokalkasse batte eine Einnahme(inkl. B«si-,nd) von 199 177,43 M., eine Ausgabe von 12 319,45 M., bleibt Bestand am 1. April 1913 von 87 857,98 M. Einnahme und Ausgabe der Zentralkasse bilanzieren mit 59 454,33 M.— Arbeitslos meldeten sich insgesamt 1285, eingestellt wurden 1599. Bei der Diskussion über die Anträge zum Bacbandstng kam allgemein zum Ausdruck, daß die Berliner Zahlstelle, wenn es sich als unbedingt notloendig erweise, lieber für eine Erhöhung der Beiträge als für eine Verschlechterung der Untcrstützungseinnch- tnngen sei, (Stclje Wochcn-Spielplim.) Freie Bolksbühne. Sonntag, dcn 11. Mai, (I. Pfingstfeiertag) nachm. 3 Uhr: Teutfche Opcr. fCharlottenburg). 12., 11., 15. Abteilung: Fidelis. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 11. Mai, nachm. 2-/, Uhr: Deutsche? Theater: Hamlet. Kammerspielhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: ?!eues Volks-Thcatcr: Ernst sein. Lrchiller-Thcater O.: Das Konzert. Schiller-Theater Charl.: König Lear. Theater in der Königgrätzcr Straße: Hundstage. Metropol-Theater: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. Neues Theater: Der fidelc Bauer. Klemes Theater: Lottchens Keburts- tag.— Der Arzt seiner Ehre.— Der Unverschämte. Trianon-Theater: Der selige Toupinel. Komödienhaus: Das Stistungssest. Theater des Westens: Der liebe Auguftm. Abends 8 Uhr: Neues Dolks-Theater: Ernst sein. Montag, den 12. Mai, nachm 2,/ä Uhr: Deutsches Theater: Hamlet. Nachm. 3 Uhr: Neues Dolks-Theater: Ernst sein. Neues Theater: Der fidele Bauer. Kleines Theater: Lottchens Geburts- tag.— Der Arzt seiner Ehre.— Der Unverschämte. Trianon-Tbcatcr: Der selige Toupinel. Deutsches Opernhaus: Fidelio. Theater des Westens: Der liebe Augustin. Abends 8 Uhr: Neues Dolks-Theater: Ernst sein. Abends 8'!, Uhr: Neues Dolks-Theater: Dienstag und Freitag: Die Hexe. Mittwoch: König Krause. Donnerstag: Ernst _ sein. Sonnabend: Der Meister. SeWIler-ThealerO.lS: Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Montag, abends 8 Übt: Gyeea und sein Ring. Dienstag, abends 8 Uhr; Zwei Wappen. Sehiller-Theaier Chabru?r' Sonntag, nachmittags 3 Uhr: König Lear. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Wildente. Montag, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Teil. Montag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Dicnstaa. abends 8 Uhr: Die Wildente. Neues Operuthkater lürol!) Direltion: Heinrich Hagln. Donnerstag, den 15. Mai: DW" Eröffnungsvorstellung. Die Meisterßllger v.Nüruberg Ansang 7 Uhr. Freitag: Tannhäuser. Sonnabend: Carmen. Sonntag: Die Meistersinger van Nürnberg. Montag: Tannhäuser. Berliner Idealer. öäi?Jlr1 Filmzauber. Theater iß der KüDiggrätzerStraSe 1. Feiertag, 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. 2. Feiertag, 8 Uhr: Das Buch einer Frau. Deatsches Schanspiclhans 1.«. 2. Feiertag, 8 Uhr: Der König. (Harry Waiden: Elsa Galasrss.) TheateramKoIIendortplatz Bei sommerpr. tagt, abends 8'/, Uhr; Extrazng nach Kiz/.a. Eonnab., 17. Mai er. nachm. 3'/, Uhr: 6. Aujf. der Opcrnschule d. Stcriischen Konservatoriums. jlovtia öperktten-Ideater (sr. Heues Ideater). Amt Norden tili. Sommerprcise! Abends 8 Uhr: Der lachende Ehemann. Sonntag u. Montag nachm. 3 Uhr: Der fidele Bauer. kesillevi-Idealer. AbendS 8'/, Uhr: Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Leber. Morgen und jolgende Tage: Die i'raig Prlisidentin._ Idealer des Westens. 8 Uhr(.Volkstümliche Preise-): Der Vogeihöndler. Sonnt, u. Moni., nachm. 3°/, Uhr: ller liebe Augustiw_ Voigt-Theater. Badstraste 38. Sonntag, den 11. Mai. nachm. 4 Ubr: I. u. 3. Pfingftseiertag, sowie tägl.: Ans nach Ainerika. Sensations-Wesanasburlesle i. 5 Akten v. Br. Zappert. Musik G.«Zrünicke. Auftr. erstklassiger DPezialitateu. 15(0 Personen gegen Regen geschützt. Kassenössnunz 10 Uhr. IJft*ania. Taubenstraße 48/49. Wissenschaftliches Theater. Sonntag 1 Uhr: „Hohcnzoilern'*- Fahrten. Abends 8 Uhr: Die Xordsee-Insel Sylt. Montag 4 Uhr: ,,Hoheuzollern"- Fahrten. Abends 8 Uhr: Die Xordsee-Inscl Sylt. Dienstag, 4 Uhr: „Uohenzollern�-Fahrten. Abends 8 Uhr: Die lVordsee-Inscl Sylt. lOCISCHSR GARTEN Am 1., 2. u. 3. Pfingst- Feiertage: Eintritt 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Gr. Militär-Konzert (3 Kapellen). Am 1. u. 2. Feiertage morgens 6 Uhr; Gr. Militär-Früh-Konzerte. (3 Kapellen). Die Wagen der Straßenbahn verkehren auf allen nach dem Garten führenden Linien ab 3 Uhr; desgl. die Züge d. Stadtbahn und Untergrundbahn. PIA Papier- Ustrie-Äussteliung 3, bis 14. Mai Philharmonie Geöffnet von 10 bis 8 Uhr Täglich Konzert Eintritt SO PI. V_ 1 ! Passage- Panoptiktim Der weltberühmte amerikanische Riesenneger Boxer Andrea Schwergewichtsklasse, ------ 205 Pfund: bei seinem Training zum Kampfe um die Jon Got der akrobatisebe Sebiafwandler! Der Mann mit der � eisernen Hand! A na nie schwebende rVst*» Jungfrau: DV Alles lebend! Vli Alles ohne Fxtra-Entree! Trianon-Theater. Täglich 8 Uhr: Madame X. Sonntag 3 Uhr: Der selige Toupinel. yp BsheBark An den Pfingsttagen: Große is-Ffiste. illes erölet!- 3 Kapelleö! Park geöffnet.... 1 Uhr Attraktionen..... 3 Uhr — liinminatlou!— Entree SO Pf. Kinder frei!! Sängerdtor Meddingi M. d. D. A.-S.-B., Gau Beilin. Chonnstr.: Herr Emil Thilo. Montag, den 12. Mai 1913 (2. Pfingstfeiertag) im Konzertpark des Friedrich-Wilhelmstädtischen Schauspielhauses Berlin N., Chaussee- Straße 30: Grolles Vokal- u. Jnstmaeutal- LrM-KsAZSrk unter Mitwirk ung des Neuen Berliner Konzert-Orchesters unter Leitung des Kapellmeisters Berthold Bothe. Eintrittskarte im Vorverkaul 25 Pi, an der Kasse 30 Pf. □ □ □ □ Eröffnung früh 4 l"hr. □ □ □ □ Anfang des Konzerts früh 5 Uhr. Konzert-Park Friedrich sWilhelmstädt. Schauspielhaus N.. Chausseestrasse 30. Karl Richter. Großes Militär-Konzert An allen drei Pfingstseiertagcn: Musikk. d. l. Gardereg. z. Fuß. Potsdam, Ztgl. Obermusikm. Rauerfeld. Ansang 5 Uhr. Dauerkarten gelten. Eintritt 20 Pf. ÄÄ" Großes Früh Konzert ausges. v. Bert. Konzcrt-Drchester unter Mitw. d. sängerch.„Wedding". Ansang morgens ö Uhr. Dauerkarten haben bicrzu keine Gültigkeit. Eermsnis-?rsekt- Lsle f-hansseestr. IlV. Karl Hlchler. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag: Paul Mantheys m lustige Sänger Anfang ö'/o Uhr. Am 2. Feiertag nach der Vorstellung Frn weisen Saale von 5 Ilbr ab: AnfangXedeit Mittwoch: Rcfideuz- Tanger. Jeden Freitag: Paul Mantheys lusf.Sänger. Pasiep. u. Vorzugs!, gültig. SF?- Stets neues Programm I Iv Einige Sonnabende nnd Totensonntag an Vereine zu vergeben. -»ur ven Jntiatt der J>l>er„rx »dernimnTk die ttkedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berautworrung. Haiüsarxtwrdn J�cykoUn. Dienstag, den 13. Hai(3. Pfingstfeierlag), nachmittags 4 Uhr: � Einweihung des Spielplatzes � (der Spielplatz befindet sich am Ende der■KopfstraJSo). Festrede— Konzert— Kinderbelustigungen. Preisschießen, Preiskegeln und dergleichen für Erwachsene. Abends rwbrj Umzug dmch Neukölln � Bilrtschs sälen, Hermannsfr. 49. Dortselbst Hninoristiscbc Vortrüge und gemütliches Bcisauiiuenseln mit Tanz. 285/11 :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Au allen 3 Feiertagen Großes Extra-Konzert! Eintritt 50 I*f.______ Brauerei Friedriclisiialn WZ Am Königstor. Ztrahcnbahne»: 1, 2, 1. 17, 59, 6-2, 6", 74, 80, 162 und Q. 1., 3. und 3. Pfingstfeierlag: Große Militär- Konzerte. Kapcllcn Jlrti6ierie-i?gt. 17, Bromberg Karde- Kürassiere sowie Gastspiel der Amerüiaoer„'Fbe Voüops" Ucbcrraschcnde Darbietungen. Zlnfaug 4 Uhr. tLntree 30 Pf. HiSUV Weit. Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. 1. und L. Püngstfeicrtag: Großes Fruhkonzert und Vorstellung. Anfang früh 5 Uhr. Anfang früh 5 Uhr. A'achmlttags 1., 2. and 3. Feiertag: Großes Dopgseikonzert und Vorstellung. Anfang nachm. 4 Uhr. Kassenöffnung 2 Uhr. Im Riesen-Eestsaal: Kroßei* Ball» Äm FrietlriEiis- baifl 29-32 N U Gr.FestYorsiellungen An den drei Plingst feiertagen: Erstklassige Spezialitäten— Veneste Elchtspiele. Anfang 4 Uhr. 7666 Am 1. u. 2. Feiertag: Friih-Konzertc und Vorstellungen. Anfang 5 Uhr früh._ Schloß Weißensee Inhaber: E. Hiemann. Am 1. und 3. Pfiugftfeicrtag, von 6 Uhr ab: Kroße JFrttlikonzerte Nachm. Kroße Festkonzerte ausgef. v. Radetzki-Orchester unter Leitung w des Musikd'irettors W. V. Leeb nu;- Wien.™ Aujzerd.: Gr. Land u. SSafferfeuernierk, jl>ie Bescliießung| von Adrianopel!! Ansang 4 Uhr."«35 BW" Entrec 20 Pf. Am 3. Psingfifeiertage, nachm. 3-6 Uhr auf den Terrassen am See: IST- Großes Kaifcc■ Konzert. — Abends von 0 Uhr ab: Großes Elite-Konzert— aufgeführt von der Deutsch- Amerik Marinekapelle, u. Leitung des Musikdirektors Karl Marius Harms. WM" Entree 10 Pf. tollte � Grosser Elite-Ball. � Charlottenburger Festsale*� ® Charlottenburg- Kaiser-Friedrich-Straße 24.! 51m 3. und 3. ucfttag, in beiden Talen: 1 Kroßer Ball.| ® � oefttag Gnrrec und Tanz frei.® WggT" ömige�o�abcndc für Vereine im Auguit noch frei. Berliner Klndl-Branerel-Anssehank HennauhBtr, 214/18 Neukölln Feruspr.: Neukölln 79. Oekonom: Robert Bergner. 1. und 2. Ffingstfeiertag: Großes Früh-Konzert Anfang; 5 Uhr.— Kasseneröffnung 4>/. Uhr. Entree(inkl. Programm) SO Pf. KaSceküche von 4'/. Uhr an geöffnet. ♦ Täglich nachmittags: Großes Garten-Konzert Reichhaltige Speisekarte. SozIaldemokr.Walilverein m den 4. Berliner Reichstagswalilkre Is Gr. Frühkonzerte: Wontag, den 12. Klag(2. Pfingstfelortag): — in der Brauerei Friedrichshain, am Friedrichshain— unter Mitwirkung des Gesangvereins..Mäiinerehor Ost", ■ und im Elysium, Landsberger Allee 40. unter Mitwirkung von Spezialitäten. Anfang 5 Uhr. 213/12* Billett 20 Pfennig, - In allen Lokalen steht den Damen die Kaffeeküche zur Verfügung. 5lt5 Gate Bellevue Am Rummelsburger See. Inh. Gustav Tempel. Am 1. und 8. Feiertag: Frülikonzcrt. An alten drei Feiertagen nachmittags: Großes Gartenkonzert und Spezialitäten-Vorstellung. Kattcekochen. Bootstahren. Kegelbahnen. Fahrverbindungen: Stadtbahnhof Stralau-Rummelsburg. Straßen bahnlinien: 26, 76, 77, 78 u. 92. < I Kai y* Ken erOITuet. Acu eröllnct. Philipps Steh-fiierballe und Hackepeter am Ausgang Bahnhof Frankfurter Allee. 772L* M ittagstlsch mit Bier 60 Pf. 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Dez. 1911 10407,33 zuzüglich auö Gc> winnverteil. 191l 777,65 11184,98 Dispositionsfonds- konto laut Bilanz vom 31, Dez. 1911 5254,81 zuzüglich aus Ge- winnverteil, 1911 1000,— Mark an elegante fertige Herren- Ganmobe Anfertigung nach Mass mit Garantie für tadellosen Sitz JuliusFabian ScKneldermelster I. Geschäft: Gr. Frankfurter Str. 37' II. Gcschätf: Turmstrasse 18'Lt. III, Geschäft;' Kotibuser Str. 14 2.� M 30—= 29- A-S Vereinigte Hut-Compapie Herren=Artikel Panama-Hüte und Strohhüte% 6254,81 300,- 5964,81 abzüglich Darlehnc Gewinn- und Ver- lustkonto Reingewinn..... 11438,43 Summa 119098,33; Mitglicdcrzahl am 1. Januar JJJ12 Neu eingelrrie»....... Summa 119098,33 161 14 165 12 Summa Freiwillig ausgeschieden.... 10 durch Tod......... 1 durch Uebcrtragung...... l Milgliederzahl am 31. Dezember 1912 153 Die Mitglieder- Guthaben� lGeschästsanteile) vermehrten sich im Aahre 1912»ni 895 M, Die Haslsumme, für welche alle Genossen zu- sammen am 31, Dezember 1912 auszukommen haben, beträgt 30 600 M, Dieselbe Hut sich im Geschäftsjahre 4912 um 400 M. vermehrt, B c r Fi n, den 9. Mai 1913. „B o 1 f n u ag" Berliner Mchaeiderei-Gcnosscnscliatt eingetragene Gcnosscnschast mit beschränkter Haftpflicht, Für den Borstnnd: Viiih. Xsuth. E. vecker, 1. Apol, M Schmitt, H. Stobbe. Für den AuffichtSrat: Fr. Krell, 105/8 SV Am 1. und X. Pflagstfeleptag geschloMen. m Charlottenburg Wilmerüdopfar Straße 124 Reinickendorfer Str. 14 Ecke Havenestr. Jeder Abonnent crhlilt bei Vorzeigung 5 Proz Turmstr. 61 Ecke Beusselstraße Gr. 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Man achte genau auf die Firmenzettel„Grimm& Triepel" um jede Stange. S PreuMch-Suddeutsche (2ä8. Köuigl. Zlreust.) Kiasseutotterie 5.«lasse 2. ZlehungZtag 10. Mai 1913 Vormittag Huf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gcwtuue gefallen, niid zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer t» den beiden Abteilungen I n. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 23 332 712 53 812 928 1082 128 98 299 352 478 790 851 883(10001 2060 170 218 305(600) 36 59 402 542 54 70 602 58 749 958(10 000) 3051 102 306 49 409 637 76 92 4142 258 331 424 47 64 77 625 48 61 793 871(600) 949 B317 91 466 793 (1000) 8083 143(600) 51 69(60001 75 91 97 208 317 73 693 "34 742 86 7 061 123 204 67 662 660(600) 756(600) 906 8039 OD 105 26 340 536 890(1000) 961 9067 366 71 513 787 93 911 ,8111 30 448 619 737 62 71 78 822 66 83(600) 967 82 11436 613 1 2092 163(500) 360 98 646 632 763 812 1 3137 61 67 408 19 36 88 680 774 935 89 14000 161 328 30 76438(600) 504 678 706 837 56 1 6017 99 151 248(16 098)8299 808(3000) 714 842 ,8170 407 43 680 898»7003 37 68 186(,8 088) 314 417 662 606 36 76 768 ,8113 474 687 18266 407 35 90 622 726 81 862 88(6000) 990 2 0058 140 237 73 322 472 632 861 913 31 2,063 451 902 14 2 2043 81 189(1000) 404 535(500) 620 765 90 Sil 904 50 98 2 3077 138 508 37 609 96 2 4061 152 97(1000) 261 431 612(1000) 762 2 6126 318 976 2 8115 76 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VreuMch-Suddeutsche <228. König!. Kreutz.) KIassrn!otterl< 5.«lasse 2. Ziehungstag 10. Mai 1913 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gesallcn. und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 137 46 64 666 632 810 28 60 1074 486 97«30 843(1000) 933 38 93 2696 788 3038 179 283 308 492 790 864 949 4093 (1000) 263 349 611 752 80» 29(3000) 5023(600) 328 416 77 842 927 67 96 6101 284 355 444 501 60 76 806 012 7 027 133 256 346 489( 500) 567 76 621 736 844 61 66 950 74 8032 103 (500) 6 486 623 748 0170 90 332 472 640 769 _ 1O077 167 268 466 693 834 62 89 91 901 14 33„066 169 J7 392 93 95 474 666 71 668 71 12026 383 74 517 76« 74 13027 183 212 426 86 603 768 817 972 14001 136 37 468 638 88 91(600) 739 66 822 74 994 1 8047 III 817 93(3000) 999 18263 824 964 1 7039 223 66 357 438 711 842 18000 346 62 96 418 653 739(3000) 96 914 1 9180 250 365 464(3000) 664 614(500) 701 30135 323 39 91 471 605 44 723 802 946 80(500) 83 81177(3000) 667(500) 2 2029 128 65(600) 63 91 401 660 602 63 710 2 8066 193 406(500) 67 633 60 600 46( 600) 756 09 982 2 4020 120 221 362 800 61 954 73 2 5123 88 99 266 329(600) 469 611 23 652 725 938 49 68 74 2 0036 62 64 161 (1000) 94 502 996 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000 TO, 88 zu 10000 D) -20 zu 6000 TO, 2860 jpi 3000 TO, 0008 zu 1000 TO, 8130 600�' Verantwortlicher Stedakteur: Alfred SielePP, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Td. Glocke. Berlin. Druck n. Verlag: vorwärt» Buchdruckerei u. ve rlag». Landtagswahlbezirk haben die Freisinnigen sich doch iioch entschlossen, einen Kandidaten in der Person des Rektors Kühler aufzustellen. * Im 8. und 10. Landtagswahlbezirk wollen auch die vereinigten rechtsstehenden Parteien mit eigenen Kandidaten vorgehen. Poleuversammlung. Genosse Biuisztiewicz referiert am Donnerstag, den 15. Mai. in den Andreas-Festfäten, Andreasstr. 21, über das Thema:„Die Landtagswahlei! und das polnische Boll". Die Genossen werden dringend ersucht, alle polnischen Arbeiter auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Partei- EtogelegeuKeiten. Wahl-Zahlabend. Der am kommenden Mittwoch stattfindende Zahlabend ist besonders der am Freitag, den 16 Mai, stattfindenden Landtagswahl gewidmet. An diesem Abend sollen die letzten Vorbereitungen zur Wahl getroffen werden. Wer bisher den Wahlarbeiten noch ferngeblieben ist, sollte am Mittwoch sich auf dem Zahlabend einfinden und, soweit das noch nötig, helfend eingreifen. Gerade die Landtagswahl erfordert eine außerordentliche Mühe und Arbeit. Da sind am Mittwoch vor Beginn des Zahlabends noch Flugblattverbreitungen vor- zunehmen, dann noch andere Wahlarbeiten zu besorgen, alles Arbeiten, die schnell geleistet werden können, wenn jeder Ge- iwsse seine Schuldigkeit tut. Versäume also kein Genosse den Zahlabcnd!_ Zur Lokalliste. In MarkgrafpieSkc T.-B. steht uns das Lokal Patzenhofer Bier- hallen, Inhaber Aug. MärtenS, wieder zur Verfügung. Im ltl. Kreis steht uns das Lokal.OranienhauS*, Oranien- straßs 70, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Pichelsberg 7.-8. ist das Lokal.Reichsgarten*, Jnh. August Thiele, zu allen Veranstaltungen frei. Wir bitten die Lokalliste genin» z« ieachtra. Treptow-Baumschulcnweg. Am Dienstag, den 18. Mai, dritter Feiertag, abends 7lla Uhr, Verbreitung der Wahlaufforderungen von den Bezirkslokalen ans. Lichterfclde. Mittwoch, den 14. Mai, abends 8'/, Uhr: Gemein- samer Zahlabend. Für den Westen bei Fr. Wahrendorf, Bäkestr. 7. Für den Osten bei Erpel, Berliner Str. 129. Schmargendorf. Dienstag, den 13. Mai, früh 7 Uhr: Flugblatt- verbreilung vom Restaurant.Waldkater", Warnemünder Straße Nr. IMS, aus. Am Mittwoch, den 14. Mai, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung im Restaurant Cafö Türk. Hubertusbaderstr. 8. Die Bibliotbek ist jeden Sonnabend nach dem 1. tp�d 15. des Monats von 8 Uhr abends an bei Pötscher/ Spandauer Str. 40, geöffnet. Lankwttz. Der Zahlabend am Mittwoch, den 14. Mai, fällt aus; dafür öffentliche Versammlung bei H. Schulz, Mühlen- straße 21. Bezirk Stralau. Montag, den 12. Mai(2. Feiertag), nachmittags 2 Uhr: öffentliche Wählerversammlungen für den neunten Urwahl- bezirk, umfassend die Gemeinden Kagel, Kienbaum. Zinndorf und Spreeau, aus dem Grundstücke des Herrn August Schukar in Kagel. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der LandiagSwahlen. 2. Freie Aussprache. Zehlendors sWannseebahn). Mittwoch, den 14. Mai. abends Zl/z Uhr, bei Benno. Millei, Potsdamer Str. 25: Mitgliederversamm- lung. Tagesordnung: Vortrag:.Vor der Landtagswahl*; Partei- angelegenheiten; Verschiedenes. Da der Zahlabend diesen Monat mit Rücksicht auf diese Versammlung ausfällt, wollen sämtliche Mit- glieder erscheinen. Ober-Schöneweide. Mttwoch, den 14. Mai, abend« 7 Uhr, wichtige Ftugblattverbreitung von den bekannten Stellen ans. Königs-Wusterhausen und Umgegend. Der Zahlabend findet in den Bezirlen Königs-Wusterhausen und Wildau am Dienstag, den 13. Mai(3. Feiertag), abends 6'/z Uhr statt. Königs-Wusterhausen bei Gebert: Wildau bei Kodanek. Es ist eine wichtige TageS- ordnung zu erledigen. Grünau. Dienstag, den 13. d. M., abends 7 Uhr, Handzettel- Verbreitung von der Grünen Ecke aus. Mittwoch, den 14. d. M., abends 8V, Uhr, öffentliche Wählerversammlung. Vortrag de§ Genossen Pieck über: Die bevor« stehende Landtagsivahl.■ Agitiere jeder für guten Besuch der Lcr- sammlung.- Mahlsdorf sOstbohn). Motttag. den 12. Mai. früh 7 Uhr. Flug- blattverbreitung über de» ganzen Bezirk. Die Genossen wessen sich für Nord bei Anders, für die Kolonie bei Linke und für Süd bei Mader. Mittwoch, den 14. Mai, abends 3Vz Uhr, öffentliche Dersamm- lung im Heidekrug(Dräger). Tagesordnung: Wahlrecht und Wahl- kämpf in Preußen. Referent: Genosse Franz Käming. Rcinickendorf-Ost. Zu der am Mittwoch, den 17. Mai, nach dem .Seebad* einberufenen öffentlichen Versammlung, findet am Dienstag, den 13. Mai, eine F lu g b l a tt p e r b r e i t u n g statt. Reinickeudorf-West. Dienstag, den 13. d. M., abends 7 Uhr, Flugblattverbreitung von den Zahlabendlokalen ans.— Der Zahlabend am Mittwoch fällt aus; derselbe findet am Dienstag, den 20. d. M. statt. Am Mittwoch, den � 14. d. M., abends 8 Uhr, öffentliche Wählerversammlung in Hartmanns Brauerei, Scharnweber- straße 101/104. FranzZsisch-Buchholz. Am zweiten Psingstfeiertag früh 7»/, Uhr Flugblanvetbretrung vom Parkrestaurant Rossack aus. Am Mittwoch, den 14. Mai, abends 8ll„ Uhr, gemeinschaftlicher Zahlabend in Karl Kühnes Gesellschaftshaus. Borsigwalde- Wittenau. Mittwoch, den 14. Mai, abends TV, Uhr: Flugblatt- und Handzettelverbreitung von den bekannten Stellen aus. Donnerstag, den 1ö. Mai, findet in den Borsigwalder Festsälen eine öffentliche Wählerversammlung statt. Ansprache unseres Kandidaten H o f e r. Borirag des Genossen D a v i d s o h n. Roseuthal. Dienstag, den 13. Mai, vormittags 8 Uhr, Flug- blattverbreitung von den bekannten Stelleu aus. Spandau Der Zahlabend ist wegen der Landtagswahlen auf den 21. Mai verlegt worden. Lerlmer I�acdricdten. Pfingsten. Pfingsten, das Fest des reifen Frühlings, des jungen Sommers. In welchem Gewände es sich diesmal zeigen wird, weiß niemand recht zu sagen. Der Sonnabend läßt Gutes erwarten. Aber der Duft des Flieders und der Maiglöckchen kann ihm nicht genommen werden. Mitten in die Glanz- zeit dieser Blumen ist das Fest diesmal gefallen. Das Mai.- glöckchen ist em Kind des Waldes. Was davon in den Blumen- lüden und an den Straßenecken feilgeboten wird, stammt aus Blumenzüchtereien. Diese Sträußchen haben den Wald nicht gesehen, aber sie sind darum nicht weniger schön und der Dust ist der gleiche. Unsere Kiefern bergen diese Blumen nicht unter ihren dunklen Kronen. Es ist ein anderer Boden, den die Mai- glöckchen lieben, und Laub- oder Mischwald muß ihn über- schatten. Geht man von der Station Finkenkrug hinter Spandau auf Waldgestellen durch den Brieselang-Wald, so sieht man die tulvenarttgen Blätter der Maiglöckchen an vielen Stellen zu Tausenden unter Busch und Baum. Aus einem unterirdisch wagerecht im Boden kriechenden Wurzelstock sprießen die Blätter senkrecht auf, bis zuletzt zwischen ihnen der schlanke Blütenstengel sich erhebt. Diese sind in diesem Jahre leider viel weniger zahlreich entwickelt als die Blätter, und nicht zahlreich genug für die vielen Liebhaber der Blume, die man überall nach ihnen suchen sieht. Es ist aber kein schlechter Zug des Großstädters, daß er an ein paar selbst- gepflückten Stengeln viel mehr Freude hat, als an den„fertig gekauften", wenn er sich auch oft stundenlang danach unter den Büschen mühen muß, bis er eine Handvoll beisammen hat. Der eigentümliche Lockruf des Psingstvogels, des Pirols, begleitet den Wanderer durch den ganzen Wald. Schon seit Himmelfahrt ist der wundervoll gelb gefärbte Vogel erschienen, der aber leider dem Kuckuck an Scheuheit wenig nachgibt und, wie dieser, immer gehört und selten gesehen wird, wenn er sich über die hohen 5ckronen von Baum zu Baum schwingt. Das Gezwitscher der Laubsänger und Meisen verstummt jetzt keinen Atigenblick, und ab und zu gibt eine Nebelkrähe oder ein Eichelhäher eine kräftige Dissonanz zum besten. In den Anlagen brillieren die Azaleen und Mododen- drm mit weißen, gelben und roten bis violetten Blütenköpfeir über dem edlen starren Laube. Täglich wächst die Zahl der Blütenflecke, die sich deni Grün entringen. Aber' sie wären nichts ohne dieses grüne Meer selbst, das sie alle ernährt und sie erst ans Licht bringt. Es liegt etwas unendlich Festliches und Heilsames in dem Anblick dieses jungen, unsichtbar und unhörbar arbeitenden Laubes, das seine Schwingen über die belebte Erde ausgebreitet hat. Es ist der Sieg des Lichtes, den der � Anblick zum Bewußtsein bringt. Der Psingstgeist schwebt stibtzr detsi Feste, wenn auch der. Wettcrgeisi ihm viel- leicht nicht hold sein sollte. Wir wollen aber hoffen,' daß es auch damit gut bestellt sein möge und allem Ausflüglern in diesen Tagen wünschen, was ihr Herz begehrt! Das Friedmannsche Tuberkulose- Schutzmittel. Bor kurzem erregte eS in Berlin nicht unerhebliches Aufsehen, daß ein Herr Dr. Friedmann in einem Bortrage in der Berliner Medizinischen Gesellschaft von einem Tuberkuloseheilmittel zu berichten wußte, das er an einer größeren Anzahl Waisenkinder probiert habe. lieber das Mittel selber herrschte noch keinerlei Sicherheit, aber es gab geschäftsgewandte Leute, die Herrn Dr. Friedmann und sein Mittel über den grünen Klee lobten. Bon Herrn Dr. Karbunkel, der Patienten seiner Privatklinik gleichfalls mit dem Friedmannschen Mittel geimpft hatte, wurde uns sogar versichert, daß Herr Fried« mann nur im Interesse der leidenden Menschheit handele. Von dieser Uneigennützigkeit Dr. FriedmannS haben wir bisher nicht viel ge- merkt. Im Gegenteil: Herr Dr. Friedmann ging nach Amerika, um hier seine an Berliner Waisenkindern, gesammelten Erfahrungen zu Gold zu münzen. Jetzt wird berichtet, daß das Washingtoner Gesundheitsamt in einer öffentlichen Erklärung gegen Dr. Friedmann scharf Stellung nehme. Es heißt, daß die Erfolge der Behandlung poy 94 Polienten die Ansprüche sowie Hoffnungen des Publilums nicht rechtfettigen. Friedmann wird Indolenz bei der Behandlung der Patienten von der Regierung zur Last gelegt. Die Firma Eisner u. Mendelsohn.' die den Vertrieb des Friedmannschen Serums gegen eine halbe Million Marl bar und Viertelbeteiligung erwarb, plant trotzdem die Errichtung von 64 Friedmanninstituten. Es heißt, daß die Regierung beabsichtigt, die nötige Lizenz zu versagen._ Die erste städtische Kinderleschalle wird Donnerstag, den 15. Mai, nachmittags 4 Uhr, im Gemeindeschulhaus«, Ehrenbergstraße 24, eröffnet werden und an jedem Wochentage von 4 bis 7 Uhr nachmittags zugänglich sein. Kinder vom sechsten bis zum vollendeten dreizehnten Lebensjahre haben unentgeltlichen Zutritt. Vom vierzehnten Jahre ab dürfen fie die Lesehallen für Erwachsene besuchen.• Frcigabe deS südöstlichen TcileS des SchillerparkS. Nachdem nunmehr auch die südöstlich� Hälfte des Schillerparls jm großen und ganzen fettiggestellt ivorden ist, sind diese Anlagen heute vor- mittag der. Bürgerschaft freigegeben worden. Pie förmliche Istber- gäbe der Gesamtanlage an die Gemeindebehörde. wird Voraussicht- lich bald nach Pfingsten erfolgen können. Einbrecher»nd Falschmünzer. Im Pfarrhause in Markgrafpieske ist lürzlich eingebrochen worden. Die Einbrecher erbeuteten für 1000 M. Silberzeug, besonder» Tafel- silber, und eine AuSwahisendung von Herren- und Da:�i.«Uhr«n und Ketten. Die mutmaßlichen Täter konnten so genan beschrieben werden, daß die hiesige Kriminalpolizei bald auf ihre Spur kam. Sie wies auf einen allen Verbrecher Franz. Gottschalk, der.schon 20 Jahre im Zuchthaus zugebracht hat und erst im Januar dieses Jahre« wieder entlassen worden war. G. wurde ermtttett in einer Kellerwohnung in der Weberstraße. Als die Beamten in die Behausung, an der die Fenster verhängt waren, eindrangen, war niemand da. Nachdem sie den Reisekorb und darin auch Silberzeug aus Markgrafpieske entdeckt hatten, legten fie sich auf die Lauer und nahmen den Inhaber der Wohnung fest, als er spät abends nach Hause kam. ES war Gottschalk, der angesichts der überzeugenden Beweiss auch bald zugab, den Pfarr- hauSeinbruch in Markgrafpieske verübt zn haben. Die Durchsuchung der dunklen Behausung hatte aber noch ein anderes interessantes Er gebnis. Unter allerhand Gerumpel fanden die Beamten ein voll ständiges Falschmünzer-Werkzeug Schmelztiegel und gute Formen für Zwanzig», Fünf- und Dreimarlstücke. Alle mit dem Bildnis Kaiser Wilhelms II., mit dem Mllnzzeichen A und den Jahreszahlen 1912, 1997 und 1996. Einer der Tiegel enlhielt noch einen Klumpen geschmolzenen Silbers, der Goldtiegel zwar kein Metall, aber doch noch Schlacken, die beweisen, daß auch er benutzt worden war. leiignet, schon Falschstücke angefertigt zu haben. Der Silbervorrat beweist, dag Gottschalk auch noch andere Einbrüche verübt haben muß, denn die Beute aus Markgrafpieske war noch unversehrt. Woher das eingeschmolzene Silber stammt, ließ sich noch nicht fest stellen. Zu der Wißhandlung eines jungen Arbeiters, über die wir vor 14 Tagen in Nr. 199 berichteten, äußert sich erst jetzt der darin er» wähnte Arbeitgeber. Der Obsthändler Eduard Strohkorb Konigin-Augusta-Str. 18, dem der Vorwurf gemacht wurde, seinen Hausdiener Willi Döring geschlagen zu haben, beklagte sich über Aufbauschung und Entstellung des Sachverhalts. Er schreibt uns, zu- nächst habe er unseren Mitteilungen wenig Wert beigelegt, jetzt aber wolle er sie doch noch berichtigen. Die Erwiderung, deren Auf' nähme Herr Strohkorb von uns erwartet, sucht den Hausdiener Döring so schlecht, wie möglich, hinzustellen. Wiedergeben wollen wir nur, was Strohkorb über die Verletzung Dörings sagt. Döring habe ihn in die Hand gebissen, Strohkorb habe sich los gerissen, und Döring sei dann über seinen Kasten gestolpert und mit dem Kopf gegen ein Regal gefallen. Eine dabei erlittene Kops Verletzung habe Ueberführung in ein Krankenhaus notwendig ge� macht, doch könne von Zersplitterung eines Backenknochen und von Gehirnerschütterung keine Rede sein. In das Krankenhaus gebracht hatte den Verletzten, wie noch erinnerlich sein wird, die von unbeteiligten Personen zu Hilfe gerufene Polizei. Wir finden es sehr sonderbar, daß Herr Strohkorb so spät sich zu einer Antwort entschlossen hat. Darüber, daß er selber den jungen Menschen geschlagen habe, schweigt sein Brief. Hoffentlich erführt man, was die eingeleitete behördliche Untersuchung ergeben wird. Döring, der am 24. April iin Krankenhaus aufgenommen wurde, ist bisher noch nicht daraus enllassen worden. Preisausschreiben für märkische Landschaftsaufnahme» und Schilderungen. Die Sterngesellschaft hat ihr LSjähriges Jubiläum als Anlaß dazu genommen, um zwei interessante Wettbewerbe zu veranstalten. Es liegt ihr daran, über die Schönheiten der Mark künstlerisch und literarisch wertvolles Material zu erhalten, das sich zur Veröffentlichung in ihrem nächstjährigen Fahrplan besonders eignet. Dieser ist als illustrierter Führer auf den Wasserstraßen um Berlin gedacht. Die Bedingungen stehen im diesjährigen Fahrplan und sind auch als Sonderdruck von der Sterngesellschast, Berlin SO 16, zu beziehen. WohnungSeinbrechcr waren wieder an verschiedenen Stellen mit Erfolg an der„Arbeit*. In der Reinickendorfer Str. 58 stahlen sie am hellen Tage einem Händler K. für über 1599 M. goldene Herren und Damenuhren, verschiedene goldene mit Brillanten besetzte Schmucksalben und für 59 M. Krönungs-Ein-, Zwei», Drei» und Fünfmarkstücke. Die Einbrecher hatten ausbaldowert, daß die Wohnung des Handelsmannes tagsüber ohne Aufsicht steht, weil dieser Räucherwaren auf den Wochenmärkten feil bietet. Sie kantelten die im zweiten Stock des Vorderhauses belegene Wohnung auf und räumten dann alles in größter Ruhe zusammen. Mit der Beute entkamen sie unbemerkt.— Ein steigediebe stahlen in der Plantanenallee für über 1999 M. Gold- fachen, Wäsche und Kleidungsstücke.— In der Lützowstraße räumten Klingelfahrer in den Nachmitlagsstundeu von 8 bis 5 Uhr einer Aufwärterin die Wohnung aus.— Für 1999 M. Herren-, Damen» und Bettwäsche erbeuteten Einbrecher, die in der Nawt zu gestern ein Manusaklurwa.fve>geschäst in der Huttenstraße heimsuchten. Die Feiertage bedeuten für die Herren Spitzbuben Saison, weshalb besondere Vorsicht geboten ist. Wandervögel als Vaudalen. Zu der unter obiger Spitzmarke erschienenen Notiz ersucht uns der Verein„Wandervogel*, Verein für märkisches Jugendwandern, um die Mitteilung, daß von seinen Mitgliedern der ihnen zu geschriebene Vandalismus nicht verübt worden sei. In einer anderen Zuschrift eines Teilnehmers der Touristenfahrt wird die geschilderte Barbarei bestritten. Das zum Feuern verwendete Brennmaterial zum Lagerfeuer habe nur aus herumliegendem abgeworfenen Kiefernreisig bestanden, das keinen Holzwert gehabt habe. Die Mehrzahl der Wanderer seien erfahrene Leute gewesen, die genau die Grenzen eingehalten hätten, die sie zu gehen haben. Arbeiter-Bildungsschule. DeS Wahlkampfes wegen fällt am Donnerstag, den 15. Mai, der Unterricht in Geschichte aus; der nächste UnterrichtSabeud ist am Donnerstag, den 22. Mai. Mit seinen beiden Kindern in den Tod gegangen, ist,' wie jetzt feststeht, der am 2. April 1874 zu Peterswaldau gebürtige Packer und Kellner Ernst Denke, der zuletzt in der Maaßenstraße 89 zu Schöneberg Ivohnte. Der Man verließ am 2. d. M. mit seinen beiden Söhnen Kurt und Herbert seine Wohnung. In einem Brief- den er hinterließ, teilte er mit, daß er mit seinen Kindern Selbst- mord begehen werde. Diese Miteilung glaubte man um so eher, da D. sich den vor drei Jahren erfolgten Tod seiner Frau sehr zu Herzen genommen und wiederholt Selbstmordabsichten geäußert hotte. Gestern abend gegen 7 Uhr sah ein Ruderer auf der Spree in der Nähe des Wendenschloffes bei Köpenick drei zusammen- gebundene Leichen treiben. Er benachrichtigte die Polizei, die die . Leichen aus dem Wasser zog. Es waren, wie bald festgestellt wer- den konnte, der Kellner Denke und seine beiden Söhne. Der ver- zweifelte Vater hatte, ehe er sich ins Wasser stürzte, mit den Knaben mit einem starken Strick zusammengebunden, und zwar so, daß er in der Mitte war. Nach dem Befunde scheinen die Leichen schon acht Tage im Wasser gelegen zu haben. Demnach ist Denke mit den Knaben gleich nach seinem Verschwinden in den Tod gegangen. Die Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhause in Köpc- nick gebracht. Zwei Nauvanfälle wurden gestern mittag verübt. In einem Falle gelang es, den Täter auf frischer Tat zu ertappen und ding- fest zu machen, während in dem anderen der Räuber mit der Beute entkam. Als ein Kassenbote der Commerz- und Diskonto- bank in der Christianiastraße eine Rotunde aufsuchen wollte, stürzte sich--«"—- da un Plötzlich ein Mann auf ihn. schlug ihm so heftig ins Gesicht. er eine blutende Verletzung davontrug, warf ihn zu Boden versuchte dann ihm die Geldtasche mit Inhalt zu entreißen. Der lleberfallene wehrte sich aber kräftig und rief laut um Hilfe. Ein Polizeibeamter, der dadurch auf den Vorfall aufmerksam ge- inacht wurde, eilte hinzu und es gelang ihm auch, den jetzt davon- eilenden Räuber festzunehmen. Von der Rcvierwache wurde der . Verhastete später dem Polizeipräsidium eingeliefert, wo er sich Wilhelm Meyer nannte, aber weigerte, weitere Angaben über seine Persönlichkeit zu machen. Ohne Zweifel ist auch der von ihm an- gegebene Name erfunden und ist die Kriminalpolizei deshalb be- müht, die Personalien des Räubers festzustellen. Ter zweite Ueberfall trug sich in der Nähe des Postscheckamtes in der Dorocheenstraße zu. Als das Lehrmädchen Charlotte M. vom Postscheckamt kommend in die Bunsenstraßc einbiegen wollte. klingelte plöw'm' ein Radfahrer sehr laut. In demselben Augenblick, wo sie beiseite springen wollte, um dem Radler auszuweichen. fuhr dieser ganz scharf an sie vorbei und entriß ihr die Handtasche. Mit dieser fuhr er dann in schärfstem Tempo am Reichstagsufer e«tlang über die Marschallbrücke nach der Lunenstrahe. Trotzdem die Beraubte mit einem Kraftwagen sofort die Verfolgung auf- nahm, gelang es nicht, seiner habhaft Zü werden, �n der Tasche. die au, schwarzem Lackleder gefertigt und innen mit lila Futter versehen war, befanden sich 195 M. in bar. einige Visrtenkarten und mehrere Briefe. Ter Räuber, von dem noch jede Spur fehlt, ist jugendlich und trug eine graue Radfahrermütze und einen grünen Rucksack. Auf seine Ergreifung hat die Kriminalpolizei eine angemessene Belohnung ausgesetzt.- Oeffcntliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von 5M— 19 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 617 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am Dienstag ein 9 Jahre aller Knabe von einem Slraßenbabnwagen der Linie 82 überfahren wurde, werden um Angabe ihrer Adressen an die Zeitungs» spedilion Baumaun, Rheinsberger Str. 67, ersucht. Einen plötzlichen Tod erlitt gestern abend der 42jährige Schrauben- dreher H e r m a n n G u t w e i n. Er kam in das Restaurant am Engelufer la.— wie vermutet wird, um in der dort befindlichen Zahlstelle seine Gewerkschastsbeilräge zu emrichleu— und ließ sich eine Selter geben. Kaum hatte er einen Schluck davon geirunken, als er tot vom Stuhl sank; ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. G. war unverheiratet und wohnte in der Mariannenstr. 48 in Schlafstelle. Im Zoologische» Garten steht wieder in voller Blüte, denn nicht tiger und ebenso viel junge Löwen, die Raubtierzucht gegenwärtig weniger als drei kleine Bengal- alle noch nicht ein Vierteljahr Genosse John die Klage an, mit dem bereits bekannten Erfolg. Die Bürgerlichen, mit Herrn Karst, beschlossen jedoch, ihre Mach: noch für einige Zeit zu reiten, indem sie sich der formellen Handhabe be» dienten, gegen den Entscheid des Bezirksausschusses Beruiung einzu» legen. Gleichzeilig schwebt die Klage der Bürgerlichen, die mit der Bcbauptuug, die Wählerlisten seien ungültig ausgestellt, das Ziel versolgt, die Kassierung der sozialdemokratischen Mandate zu er- langen. Und als Stadtverordnete erklärt mau die Listen für gültig, um die eigenen Mandate zu retten. Dieses Stück bürgerlich-polilischer Moral kann wohl kaum noch überboten werden! Lichterfelde. Die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung im Osten findet laut Bekanntmachung des Gemeindevorstehers am Mittwoch, den 21. Mai, von 4—8 Uhr bei H-nnlg, Jungfernsti?�.'r-aü. D>, Parteigenossen werden ersucht, die Zeit bis zum Wahltage zur intensiven Agitation auszunutzen. Ober-Schöticweide. Ein großer Dachstuhlbrand kain gestern früh im Hause Wilhelminenhofsir. 2 zum Ausbruch. Das Feuer debnte sich mit größler Schnelligkeit aus, so daß sich die Bewohner der beiden Mansardenwohnungen in höchster Gefahr befanden. Als die Ge» meindcfeuerwehren von Ober- und Nieder-Schöneweidc eintrafen, stand bereits der ganze Dachstuhl in Flammen. Die Löschmann- «iiW tcttliu Vitt,(llil�t �ViVtii,..vvw vm[lUtlU UClCUd? UCl- UlW JiU W t Ul fjiuiumtll.-�lt Ä�VIIMVIUVII' alt, tummeln sich miteinander im großen Raubrierhause und bei schaften bekämpften da? Feuer mit zwei Schlauchleitungen und be- schönem, warmem Wetter draußen auf der Rasenfläche. Ihnen bei--»* v gesellt ist ein junger, ebenfalls reizend zahmer Leopard, der sich vor seinen Spielgefährten namentlich durch seine Kletterlunststücke auszeichnet. Vorort- f�ackrickten. Landtagswahlkreis Ober- und Nieder-Barnim. Wählerversammlungen finden statt; ' Dienstag, deu 13. Mai iu Hoheu-Schönhausen. 8ll.2 Uhr bei Kuhle,.Paradiesgarten'. Petershagcn. Im„Allen Deffauer". Heinersdorf. Bei Raddatz, Tiniusstraße. Referenten find: Georg David söhn, Konr. H a e n i s ch, Rich. K ü t e r, Franz Schlem minger. Mittwoch, den 14. Mai in Kaulsdorf. 8>/z Uhr, Hamanns GesellschaftshauS. Oranienburg. 8>/z Uhr, Dowatz' GesellschasishauS, Schützcnstr. 50. Reinickendorf-Ost. 8 Uhr, Restaurant Seebad, Residenzstr. 49. Rcinickendorf-West. 3 Uhr. Hartman»-? Brauerei, Scharnweberstraße Tegel. 8 Uhr, Trapps Festsäle, Bahnhofstr. 1. Weißeusee. Uhr, Schloß Weißensec. Woltersdorf. 8>/z Uhr. Referenten sind: O. Braun, H. Käppler, Willi Kühne, Helm. Lehmann, Rob. Schmidt, O. Schumann. Artur Stadthagen, D. Stücklen, A. Hofer. Donnerstag, den 15. Mai in Bernau. 8Vz Uhr, Elysium, Hussitenstr. 6. Borsigwalde. 7ffz Uhr, Borsigwalder Festsäle. Freienwalde. 8Vz Uhr. Hcegermühlc. S1/» Uhr. Lichtenberg. 8>/z Ühr, Frankfurter Chaussee 5. „ SVo Uhr, Casö Bellevue, Haupfftr. 2. Pankow. S'/a Uhr, Zum Kurfürst, Berliner Str. 192. Ober5Schö«eweide. L'/g Uhr, Wilhelminenhof. Werneuchen. Uhr. Referenten sind:O. Braun, B. Bruns, D a v i d s o h n, Rob. Fendel, A. Hofer, A. Stadkhagen, G. Ucko. A. Buhl, Georg O. Schumann, Lichtenberg. Bürgerliche Moral. Ein nach seiner Art anschlägiger Kops geizl anscheinend danach, Lichtenberg in bezug auf Wahlrechtsraub den ersten Platz zu verschaffen. Lichtenberg hat das Vergnügen, von einem ungeietzmätzig gewählten Sladlparlament regiert zu werden. Der Bezirksausschuß erklärte in Uebereinstimmung mit der Judikatur des Oberverwaltungsgcrichts die in Lichtenberg aufgestellte Wähler- liste für ungültig. Eine Neuwahl der gesamten Stadtverordneten- Versammlung ist zu erwarten. Die gegen die Entscheidung des Bezirksausschusses beschlossene Klage hat offensichtlich nur den Zweck, die Neuwahl hinauszuschieben. Das gibt noch Frist zur Betätigung reaktionärer Gelüste. Der Angelegenheit gibt nun noch einen be- bnderen pikanten Beigeschmack der Versuch der Bürgerlichen, sozial- demokratische Mandate für ungültig erklären zu lassen. Mit welch erschreckender Skrupellosigkeit in Lichtenberg der Grundsatz„Macht geht vor Recht* praktiziert wird, lehrt folgender, den Tiefstand politischer Moral kennzelchnender Fall. Gegen die neuen, für ungültig erklärten Wählerlisten hatten unsere Genossen Protest erhoben. Die bürgerliche Majorität schlug ihn zu Boden. Unsere Genossen beantragten die Ungültigkeit der gesamten Stadt- verordnctenwahlcn. Die Bürgerlichen halten dafür nur Hohn und chadenfreude. Sie waren ja die durch'den WahlrechlSraub Begünstigten. Doch, etwas hoffte man noch zu ergattern. In der II. Abteilung war für sie nichts zu erwarten, aber mit geeigneten Maßnahmen durfte man hoffen, bei Ungültigkeilserklärung den Sozial» demokraten von ihren in der II. Abteilung eroberten Sitzen wieder einige abzujagen. Von keincin Gefühl des politischen Auslandes be- hindert, ging man ans Werk. Unter der Firma des Oberlehrers und Stadtverordneten Karst sowie die Kaufmannes Fleischfreffer, fabrizierte man einen Wahlprotesi, der mit Berufung auf d i e Ungültigkeit der Wählerlisten die Kassierung der ozialdcmokratischen Mandate(ausgerechnet nur der sozialdemokratischen) verlangte.� Die bürgerliche Majorität, zu der auch der Oberlehrer Karst gehört, konnte natürlich dein Proteste aus formellen Gründen nicht beitreten, weil sonst ja auch dem Antrage der Sozialdemokraten auf� Ungültigkeilserklärung stattgegeben werden mußte. Man lehnte also ab, in der stillen Erwartung, die schon in Aussicht genommene Klage werde die Sozialdemokraten wieder aus dem Sladtparlameme herauswerfen. Als Dokument zeit- genötsischer Moral sei hier die Begründung der Klage veröffentlicht. Sie lautet: „Gegen die Gültigkeit der 18. Nov. 1912 im ersten, zweiten und sechsten Bezirk der zweiten Abteilung vorgenommenen Stadtverordnetenwabl haben die Kläger Einspruch mit der Be- aründung erhoben, daß die Wählerlisten nicht richtig aufgestellt seien, weil a) der Eisenbahnsiskus in dieselbe aufgenommen sei, obgleich er direkte Staalssteuern nicht zahlt, und d) die Friedrichsbcrgcr Bank, e. G. m. b. H., gleichfalls darin aufgenommeli sei, obgleich sie nach ständiger Praxis zu den juristischen Personen im Sinne des§ 8 Absatz 2 der Städte- ordnung nicht zu rechnen sei. Dieser Einspruch ist von der Stadtverordnetenversammlung als unbegründet zurückgewiesen worden, während einem weiteren Einspruch, der sich nur gegen den im zweiten Bezirk der zweiten Abteilung gewählten Stadtverordneten Glöckner richtet, statt- gegeben ist.* Gegen diesen Bescheid richtet sich die vorstehende Klage. Daß man auf Grund allgemein ungültiger Wählerlisten»ur die Ungültigkeitserklärung der sozialdemokratischen Mandate verlangt, ist an'sich schon ein starkes Stück, besonders, wenn man berücksichtigt, daß die Aufstellung der Wählerlist- unter dem Gesichtswinkel erfolgte, dadurch die Sozialdemokratie zu schädigen. Aber eS sollte noch besser kommen. Gegen die Gültigkeit der gesamten Wählerlisten strengte schränkten es schließlich nach längerem Wayergeben auf seinen Herd. Charlottenburg. Einen Neubau der Sophie- Charlottenschule auf dem früher Oppenheimschen Gelände in der Scharrenstcaße schlägt der Magistrat von Charlottenburg den Stadtverordneten vor. Der Neubau der Schule, welche seit 1888 in dem Schulhause Nosinenstraße 12 unter» gebracht ist, macht sich vor allem durch die beabsichligte Angiiederung einer Frauenschule notwendig. Die Bau- und Grunderwerb-kosten stellen sich nach dem Entwurf des Magistrats insgeiaml auf 1792 499 M., wovon 1219 999 M. aus Anleihemitteln verfügbar sind. Der Gesangverein Charlottenburger Liedertafel veranstaltet am 1. Psingstfeiertag ein Frühkonzert im Minerva Sportpark, Spielplatz des Turnvereins Fichte, Inhaber Brcdichneider, Königsdamm am Charlottenburger Pierdemarkl und der Olympia-Rcnubabn. Kasten- öffnung morgens 4 Uhr. Anfang des Konzerls 6 Uhr. Eintritt 29 Pf. Schöneberg. Freie Elternvereiuigung. Für diejenigen Mitglieder, welche au keiner größeren Wanderung teilnehmen, findet am zweiten Feiertag in Gemeinschaft mit dein Arbctterturnverein eine Famitienparlie stall. Treffpunkt 1 Ubr Bahnhof Ebersstraße. Nachzügler direkt nach Lokal .Waldkater*, Schmargendorf. Trevtow-Baumschulcnweg. Der Gcmeindcvorstand hat jetzt den ihn von unseren Gemeinde» Vertretern unterbreiteten Wünschen auf Festlegung der Wahlstundca bei den Urwahlen am lommeuden Freilag entsprochen und die Wahl- zeit so bestimmt, daß wenigstens der Masse der Wähler die Aus- Übung des Wahlrechts ohne erheblichen Zeitverlust möglich ist. Trotz« dem der Antrag auf Vornahme der F r i st w a h l bei den letzten beiden Wahlgängen vom Ministerium abgelehnt worden war, ist er diesmal wiederum gestellt und auch angenommen ivorden. Wahlzeit ist nun von 19— 11 Uhr für die erste. 11— 2 Uhr für die zweite und 4—8 Uhr für die dritte Wählerabteilung. Tegel. Die Kolonie„Freie Scholle" mit ihren mehr als 699 Einwohnern, die bisher trotz ihrer politischen Zugehörigkeit zu Tegel außerhalb der sogenannten NachbarortSzone lag. ist jetzt postalisch Groß-Berlin einverleibt: eS findet daher das übliche 5-Ps.-Poito für gewöhnlich« Briefe im Verkehr mit Berlin Anwendung. Nieder- Schönhause»». Ans der Gemeindevertretung. Der amtliche Fleischverkauf ist nunmehr eingestellt. Die Abrechnung ergibt folgendes Resultat: Einnahmen 35 192 M.. Ausgaben 36 925 M., somit ein Defizit von 832 M. In dieser Summe ist die Einrichtung deS Ladens im Betrage von 259 M. enthalten. Die Wiedereinführung des Verkaufs für den kommenden Herbst ist in Aussicht genommen, zum größte» Leidwesen der hiesigen Schlächier. Eine dreistündige Debatte zeiligte die Durchführung der Straßenbahn durch die Germanenstraße. Bürgermeister Abraham erstattete in ausführlicher Weise den Bericht der Kommission, die sich schon über ein Jahr mit dieser Angelegen« heit beschäftigt halte. Die Gemeinden Niederschönhaulen und Rosen« thal haben das Ersuchen an die Große Berliner Straßenbahn gestellt, die Linie 36 von der Pcovinzsttaße in Reinickendorf durch die Gcrmanenstraße nach Rosenthal zu verlängern. Für den Bau der Bahn verlangt die Große Berliner 338 999 M., davon bezahlt Rosenthal zwei Drittel. Arn die hiesige Gemeinde entfalle» 123 499 M. Die Anlieger der Slraße hatten sich bereit erklärt, die Hälfte(61 759 M.) zu zahlen. Bedauerlicherweise sind jedoch von den Anliegern nur 18 999 M. gezeichnet worden, da gerade die größten Interessenten, der Forslfiskus mit 22 999 M. und die Tcrraingefellschafl mit 19999 M.. die Gemeinde im Stich gelassen haben. Die Gemeinde hat nun an Zinsen und Amortisations« lasten jährlich 6999 M. zu tragen. Zu einem cutgültigea Beschluß müsse, wie der Bürgermeister betonte, die Vertretung kommen, da die Gemeinde Rosenthal dann mit der Großen Berliner wegen Verlängerung der Linie 41 verhandeln möcyle. In der Debatte sprachen sich fast sämtliche bürgerliche Vertreter gegen da» Projekt aus, da ihnen an Verkehrsverbesserungeir im nordwestlichen Ortsteil nichts gelegen war. Unsere Genossen traten für die Bor« läge ein, indem sie daraufhin wiesen, daß gerade diese Bahn eine werbende Anlage sei, durch die neue Steuerquelleu erschloffe»'. würden. Bei der Beratung des Statuts wurde von«nsern Vertretern der Antrag gestellt, daß bei der Behörde der 7>/z Minuten-Verkehr für die Linie 47 gewünscht werden soll. Hierauf wurde die Vorlage mit großer Mehrbeit angenommen, da die Herren Jeralsch, Lüdersdorf, Dr. Prgtsch, Herms und Hermann Kuhlmann vor der Abstimmung die Sitzung verließen. Bei Punkt..Uebernahme etwaiger Unkosten einer Feier des Regierungsjubiläums* in Höhe von 390 M., wandten sich unsere Genossen gegen eine derartige Verwendung von Gemeinde« geldern; die Mehrheil stimmte jedoch dafür. Die amtlichen Wahlkartc» zur Landlagswahl sind gegen LegiU« mation von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends in der Polizeiwache erhältlich. Da am vorigen Sonntag infolge andauernden Regens die Kinder» spiele aussallen mußten, findet das erste Anspielen am zweiten Feiertage, nachmittags 1>/z Uhr, statt. Treffpunit Hcrtaplatz, von da nach dem Spielplatz Settekorn. Die Ellern wollen mir ihren Kindern recht rege an den Spielen teilnehme». Rosenthal. Aus der Gemeindevertretung. Dadurch, daß der Schlächter, der den Verkauf des russischen Fleisches in Händen hat, den Bertrag zum 29. Mai gekündigt hat. wurde die Gemeindevertretung gezwungen, über den weiteren Verkauf oder über die eventuelle Kündigung des Vertrages mit der Stadt Berlin Beschluß zu fassen. Gegen die Au$ Hebung des Vertrages mit Berlin sowie der Einstellung des Verkaufs wandle sich Genosse M i l b r o d t. Mit dem Augenblick, Ivo der Verkauf eingestellt.� würden die Fleischpreiie am Ort ohne Zweifel wiederum in die Höhe gehen. Er beantragte, die Angelegenheit an die Kommission zurückzuverweisen, die dann neue Wege finden soll, den Verkauf aufrechtzuerhalten. Der Antrag wurde angenommen. Die Nachfrage nach russischem Fleisch ist zurückgegangen. doch liegt dies wesentlich an der uniachgemayen Behandlung de» FleifKes�— Eine lange und lebhaste Debatte entspann sich beim Punkte Strahenbahnangelegenheiten. Namentlich gingen über die verschiedenen Projekte die Meinungen auseinander. S wurde einerseits das Projekt der Sieinensbahn(sog.„Wuslenbahn") nach dem SM Einwohner zählenden Muiterdorf als großzügig ge- priesen, während andererseits die Durchführung der Linie 41 ltion Reinickendorf) nach dem 4000 Einwohner zählende» Ortsleil Wilhelmsruh als die allein richtige Aerkehrsverbindung bezeichnet wurde. Von dritter Seite wurde die Verlängerung der Linie 36 meister noch untersuchen.— In der folgenden geheimen Sitzung wurde u. a. die Errichlimg einer Jubiläumsstiftung erörtert! unsere Genossen verhielten sich diesem kommunalen Byzantinismus gegen über natürlich ablehnend. Lübars-Watdmannslust. Die letzte Gemcindevertretersitzung befaßte sich hauptsächlich mit der Vergebung der Arbeiten und Lieferung für den Unterbau de Maschinenhauses auf dem Pumpstationsgrundstück, sowie der Pumpen und Molore für die Kanalisation. ES wurde mitgeteilt, datz die Ausführung deS Unterbaues mit Schwierigkeiten verknüpft sei, da das Grundstück! schon bei 1,80 Meter Tiefe Triebsand habe und des halb eine Drainageanlage hergestellt werden müsse. Die Gesamt kosten betragen laut Offerte der Firma Lerche u. Rippert 33 875 M. Ein teurer Unterbau, trotz des seinerzeit für„gut" befundene» Barn grundeS. Nach kurzer Debatte wurde dieser Finna die Ausführung übertragen. Den vor kurzem beschlossenen Bau eincS Sammcl behälters auf demselben Grundstück führt dieselbe Firma ans derselbe kostet gerade noch einmal so viel, als der in der Ge- meinde Hermsdorf hergestellte. Als der Kauf dieses Grundstückes zur Beratung stand, hieß eS, der Baugrund fei gut; man hatte aber vergessen, die Frage zu prüfen, ob derselbe auch für die darauf zu errichtenden Baulichkeiten gut und vorteilhaft sein würde. Eine von einem Vertreter in der damaligen Debatte gemachte Be merkung:„daß die Gemeinde ein weit vorteilhafteres Grundstück für diesen Zweck zu kaufen Gelegenheit hätte", Ivurde unbeachtet gelaffen. Die Lieferung der Pumpen und Motore ist der Firma Borsig für 43 675 M. übertragen worden. Aus der vorhergehenden Debatte war zu entnehmen, daß das Bentilsystem der Pumpen in der Bau kommisston strittig war, eS haben deshalb einige Herren eine Ver gnügungsreiie nach Schöneberg und Brandenburg unternommen, um dort sich bestätigen zu lassen, daß das„Schönventil" gut funktioniert, was man natürlich auch ebenso gut durch eine schriftliche Aufrage hätte erfahren können.~ Hoffentlich entstehen der Gemeinde durch dieie Reise keine Kosten.— Da unsere Genossen keine Kenntnis von dem Material erlangt haben, lehnten sie die Vorlagen ab. Spandau. Tie Lokalfroge, unter der außer der Sozialdemokratie auch die bürgerlichen Parteien zu leiden haben, da die meisten Saalinhaber keiner Partei ihr Lokal zu politischen Versammlungen zur Ver- fügung stellen, schien in letzter Zeit dadurch zu allgemeiner Zu- friedenheit gelöst zu sein, daß im„Roten Adler" alle politiswen Versammlungen stattfanden. Selbst der MililärfiSkuS schien sich ins Unvermeidliche zu fügen, indem er trotz der vielen im„Roten Lldler" statlgefundenen sozialdemokratischen Versammlungen nicht einmal den Mililärboykott über das Lokal verhängte. Der bisherige Pächter Pafstg. welcher das Lokal wieder auf drei Jahre übernommen hat, hat dasselbe Wochentags nnd im Sommer auch Somrtags dem Geschäftsführer der Vereinigten Kinoiheater, Leichter, als Unterpächter übergeben. Trotzdem hier die Kinoiheater fast nur von Arbeitern besucht werden, weigern sich Leichter sowohl wie Passig trotz wiederholter Verhandlungen ganz entschieden, den„Roten Adler" weiter der Partei zur Verfügung zu stellen; sie wollen ver- suchen, mit den bürgerlichen Vereinen Geschäfte zu machen. Da es nun für die Partei wie für den Bildungsausschuß eine Lebensfrage ist. in der inneren Stadt ein großes Lokal zur Verfügung zu haben, sieht sich die hiesige Parteileitung veranlaßt, über das Lokal die verschärfte Sperre zu verhängen. Sie erwartet von jedem organi- sicrlcn Arbeiter, daß er alle Veranstaltungen im„Roten Adler" streng meidet.______ Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Siegsried.(Anfang 7 Uhr.) Montag: Sylva. Carmen. Ticnstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mitt, Siegsried.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Der Wildschütz, Freitag: Lohen- grin.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Der Rosenlavalier. Sonntag: Margarete. Montag: Madama Butterslh.(Ansang 71/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: 1812. Montag:?rriadlle aus Naxos. DienStag: Flachsmann als Erzieher. Mittwoch: Die Quitzows. Donnerstag: Ariadne aus Naxos. Freitag: Die Quitzows. Sonnabend: Der große König. Sonntag: Die Quitzows. Montag:. Unbestimmt(An- sang 7'ls Ubr.) ■Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidclio. Abends: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Montagnachmitiag 3 Uhr: Fidelio. Abends, Dienstag bis Freitag: Der Mikado. Sonnabend: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonntag: Der Aiikado. Montag: Martha.(Ansang " Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Der lebende Leichnam. Dienstag: Faust. 1. Teil. Mittwoch bis Sonntag: Der lebende Leichnam. Montag: Em Sommernachtstranm.(Anfang 8 Uhr.) Kammer splele. Sonntag: Der Bund der Schwachen. Montag: Die Einnahme von Berg- op» Zoom. Dienstag: Der Bund der Schwachen. Mittwoch: Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Donnerstag: Der Bund Bund der Schwachen. Freitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend und Sonntag: Die Einnahme von Berg- op- Zoom. Montag: Der Bund der Sa)wachen.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Tdeater. Sonntag: Erziehung zur Ehe. Tod und Leben. Montag: Das Prinzip. Dienstag: Nora. Mittwoch: Rose Bernd.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Geschlossen. Freitag(Anfang I'/z Uhr), Sonnabend' Sonntag und Montag: Alt-Wicn.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Bummclstudcntcn. Abends und an den übrigen Tagen: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der KviiiqgräNer Strafte. Sonntag: Die sünj Frank« surter. Montag: Das Buch einer Frau. Dienstag: Die süns Franlsurtcr. Mittwoch: Brand.(Anfang 7Y, Uhr.) Donnerstag: Das Buch einer Frau. Freitag: Die süns Franlsurtcr. Sonnabend und«onntag: Das Buch einer Frau. Montag: Die süns Franlsurtcr.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonnlag- und Montagnachmittag 3 Uhr: LottchenS Geburtstag. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Allabendlich: Pro« sessor Bernbardi.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag- und Montagnachmlttag 3'/, Uhr: Der liebe Augustin. Allbbcndlich: Der Vogelhändler.(Ansang 8 Uhr.) MoutiS Operetten-Theater. Sonntag- und Montagnachmittaz 3 Uhr: Der sidele Bauer. Allabendlich: Der lachende Ehemann.(Ansang 8 Ubr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag. Montag und Dienstag: Der König. Mittwoch: All-Heidclberg. Donnerstag und Freitag: Der König. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntag: Der Konig. Montag: Ein idealer Gatte.(Ansang 8 Uhr.) Lustipielhaus. Allabendlich: Majolika.(Ansang ßs'. Uhr.) Schiller- Theater<1. Sonntagnachmittaq 3 Uhr: Das Konzert. Abends: Zwei Wappen. Montag: GttgcS und sein Ring. Dienstag: Zwei Wappen. Mittwoch: Wolkenkratzer. Donnerstag:�Zwci Wappen. Freitag: Geographie und Liebe. Sonnabend: Klein Dorrit. Sonntag: Zwei Wappen. Montag: Geographie und Liebe.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlotrenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends: Die Wildente. Montagnachmittag 3 Uhr: Wilbelm Tell. Abends: Klein Dorrit. Dienstag: Die Wildente. MNtwoch: Klein Dorrit. Donnerstag: Moral. Freitag: Klein Dorrit Sonnabend und Sonntag: Moral. Montag: Des Pfarrers Tochter von Slreladors.(An« sang 8 Ubr.). Residenz-Theater. Slllabendllch: Die Frau Präsidentin.(Aniang 8 Ubr.) Friedrich» Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Allabendlich: DaS Farmcnnüdchen.(Ansang 81/, Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Trianou-Thrntcr. Sonntag- und Montagnachinittag 3 Uhr: Der selige To Up in cl. Allabendlich: Madame X.(Ansaug 8 Uhr.) Neues Bvlks-Thcater. Sonntag- und Moutagnachmiltag� 3 Uhr sowie AbendS: Emst sein. Dienstag: Tic Hexe. Mittwoch: König Krause. Donnerstag: Ernst sein. Freitag: Die Hexe. Sonnabend: Der Meister. Sonnlag: König Krause.(Ansang 8'/, Uhr.) Thulta-Theater. Soimwg- und Monlaggnachmittag: Polnlsch» Wirtschast. Allabendlich: Puppckcn.('Ansang 8 Uhr.) lltose-TIieater. Sonntag- und Montagnachmitiag 3 Uhr: Napoleon Bonaparle und seine Frauen. Abends, Montag und Dienstag: Prinz und Bettlerin. Mittwoch und Donnerstag: Bonapartc und seine Frauen. Freitag bis Montag: Prinz und Bettlerin.(Ansang 8'/, Uhr.) Theater am Nollendorsplatz.'Allabendlich: Extrazug nach Nizza. (Ansang S'lt Uhr.) Luiscn-Th.ater. Sonntagnachmitlaz 3 Uhr: Vor hundert Jahren. Montagnachmlttag 3 Uhr: Zaza. Dienstagnachmiltag 3 Uhr: Und hatte der Liebe nicht... Allabendlich: Die drei Schwestern Randols.(Ansang 8 Uhr.) Urania-Theater. Sonntag-, Montag mid Dienstagnachmittag 4 Uhr: ,Hohenzollerl>--Fahr!cn. Abends: Die Nordseeinsel Sylt. KornödienyauS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Stistungsscst. All« abendlich: Hochherrschastliche Wohnungen.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gnpriee. Allabendlich: Die Bank, tvein letzter Wille. Der Cowboy.(Ansang S1/, Uhr.) Köuigstadr-Äasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) AdmiralSpalast. Eisballelt: Flirt in St. Moritz.(Ausaug 0 Uhr.) Berliner Eispalast. Lebende Eisslulpturen.(Ansang 9 Uhr.) Metropol-Tliearcr. Sonntag- und Montagnachmiltag 3 Uhr: Flott« Bursche. Leichte Kavallerie. Allabendlich: Die Kino-Königin.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallen-Tbeater. Allabendlich: Stettin er Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr.) Walhalla-Theater. Allabendlich: Parole Walhalla.(Ansang 8 Uhry Passage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Treptow 14. lieber gelchöfilich- Unlcrnchmen lehnen wir Auskünfte ab, wir verweisen Sic aber aus die„Vollssürsorge" der Deutschen KvN'um« geiiossenschast.— fi. P. 1000. 1. Eine Broschüre von Salsenbach in der Buch- Handlung„Vorwärts- gibt Ihnen ctngeheckd Auskunst. L.Nein.— R. R. Äl. Leider löimcn wir mit Adressen nicht dienen.— A.((!. 100, Schale gebärt zum Verbreitungsbezirk der Magdeburger„Vollsstlmme-, Magdeburg, Große Münzstr. 3.— 31. K. 0. Eine städtische Einrichtung im angesragtcn Sinne ist uns nicht bekannt.— E. I. 100. Wie lautete die Frage?— M. T. 25. 20. Mai 1888.— G. K. Arbciter.Nudcrbnnd, Eharloltcn- bürg, Sophie-Charlolte-Str. 47, Vorsitzender Dolle.— E. 3k. 17. Soim- tags 8—10 und 12—2 Uhr.— E. Hg. 23. Zwei Jahre dienen.— E. Li. 47. Im Parteiverlag sicher nicht. Sonst nicht bekannt.— Lt. 70—71. Metallwert.— F. R. 35. Wir würden nur dem Rate eines Arzte» folgen, nicht aber uns durch Zicklame anlocken lassen.— A. B. 1. 1. Nein. 2.'Meldungen mit dem Attest des Kreisarztes beim Polizeiprästdiuni. AUcr nicht über 30 Jahre. Ausbildung in der Charlls. Kosten cUva 300 M.— Berlin 1013. 1. Gefängnis. 2. Dreibundstraße.— O. Ja. Marktpreise von Berlin am 0. Mai 1013- nach Ermittelungei! deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,58 bis 20,60, mittel 20,51—20,56, geringe 20,50—20.52. Roggen, gute Sorte 00,00—16,30, mittel 00,00—00.00, geringe 00,00—00,00,(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 16,20— 16,80, mittel 15,60—16,10, geringe 15,00—15,50, Haser, gute Sorte 17.60—19,50, mittel 16,50—17,50(srci Wagen und ab Bahn). Mais(mixcd), gute Sorte 15,20— 15,50. Mais(runder), gute Sorte 00,00— 00,00. Richtstroh 4,40—4,80. Heu 6,00—7,60. Marlthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Sveisebohncn, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchsleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbslcilch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3, 00— 4,80. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2,40. Aale 1.80— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechle 1,20—2,60. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebie 3,00—60.00. WitterunflSfihetitdit vom 10. Mai 1913. Vetter "Si B* t* Lwolkcnl -wolkenl 46016 bd EDunst libedecki 2 7 10 12 Wetterprognose für Sonntag, de» 11. Mai 1913. .�Elwas wärmer, zunächst vorwiegend heiter bei ziemlich lebhaften westlichen Winden; später zunehmende Bewölkung und etwas Gewillcr« ncigung. Berliner ZSeltcrburcau. Waflerstands-Nachrichte« der Landesanflall sür Gewässerlunde, milgeielli vom Berliner Dcllerburcau Wafferstand M e m e l. Tilsit P r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor Strossen Frankjurt Warthe, Schrimm , Lmidsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz „ Dresden , Barby , Magdeburg ')-ff bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Verkäufe. T'pvplche!(lehlerhaste) in allen GroPn/ fast für die Hälfte de« ZSerteS Tepv.'Äiagcr Brünn, Hackeicher M-irli i, Pahnbof Börfe.(Seter beä »Vorwärts erbalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntag« geöffnet! MMatSausiige, speziell Matz anzüge, Sommerpaletots. Gehrock. nil-üge, BauchanzSge, verkauft sehr billig(auch leihweise) Prmzeustr. 64, Ecke Annenftratze. 430K* Aardiuett! Steppdecken! Portieren! Tifchaeckeni autzergewöhnlich billig! VonvärtSlefpr 5 Prozent Rabatt Mitral G»»«?-teühaus Brünn, Hacke. scher Marl* 4(Bahnhof Börse) Sonntag« gvWnet.__' Betten, Stand 9,—. Brunnen. stratze 70, im Keller.__ 120(Kt* Ohne Geld 0,50 wöchentlich; Gar- bineii, Gorttzeren, Teppiche, Decken, Uhren, ÄttdM, Möbel, Pvlsterwaren, Bett«!. Wäsche, Kinderwagen. Besuch oder Postlarte. 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