Kr. 118. nbonnementS'Bedingungen: »SoimcmeutS• Pre!S pränumerando: Nierieyährl. R.SO Md, monail. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pjg. frei tnS Hau-, einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntag?- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psa, Post- SiSonnement: 1,10 Mark pro Monat. eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste, Unter Kreuzband sür Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Mark, für das übrige Ausland . Mark pro Monat, Postabonnements nehmen am Belgien. Dänsmark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. CrfchelDt tägütt. Verlinev Volksbleltt. 30. Jahrg. Sie MertionS'Gebüfsr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum M Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Verein-- und VersainmiungS-Anzeigen U> Pfg. „Uleinc Hnzeiscn", das settgcdrurkte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 settgedruSte Worte), jedes Iveitcrc Wort 10 P-g. Stellengesuche u>id Schlasstcllen.iit- zeige» da? erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Auch. stoben zählen für zwei Worte, Inserate nie die nächste Sttunmer inüsien bis ti Uhr nachnüttagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adrsfie: „SMiaitUmokrat Berlin". Zcntralorcfan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfcblands. Redahtion: 8W. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den 10. Mai 1013. Sxpcdition: SRI. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. mm DaS preußische Proletariat hat die historische Mission, den preußischen Staat der Kultur zu erobern und damit den Block aus dem Wege zu räumen, der Deutschland den Weg zum rüstigen Fortschritt sperrt. Das ist keine Ruhmredigkeit, sondern nackteste und zugleich bitterste Wahrheit. Wenn ein sonst manchmal verständigeres Frcisinnsblatt erst letzthin ivieder tadeln zu müssen meinte, daß die Sozialdemokratie ganz allein das Jahrhundert und die Reaktion in die Schranken fordern zu müssen geglaubt habe, so liegt darin eine totale Berkennung der politischen Situation. Das preußische Proletariat hätte nichts lieber gesehen, als den schweren Kanipf gegen das elendeste aller Wahlsysteme mit möglichst starken Berbündctcu führen zu können. Wie oft hat das Proletariat den Freisinn beschworen, doch endlich einmal init dem Wahlrcchtskanipf Ernst zu machen, doch endlich einmal die Sturmglocken des Bolkssturms zu läuten, damit Proletariat und fortschrittliches Bürgertum durch machtvollste öffentliche Kundgebungk», durch unverbrüchliche Waffenbrüderschaft im Wahlkampf die junkerlich-klerikale Reaktion niederringen könnten. DaS Proletariat war bereit zum gemeinsamen Kampfe. Gemeinsam sollte- in der Schlacht gestritten, gemeinsam die Siegesbeute an Mandaten verteilt werden. Aber das fortschrittliche Bürgcrtnm wollte nicht! Es wollte nicht kämpfen, es wollte nicht Gegenleistung für vollwertige Leistung bieten. Es wollte mit der Reaktion um Mandate schachern, aber gleichzeitig dem Proletariate gnädigst gestatten, ihm gleichfalls Mandate zuzuschanzen! Wenn deshalb das sozialistische Proletariat den Kampf allein führen muß, so ist das einzig und allein die Schuld des verräterischen, fahnenflüchtigen Freisinns! Ter Freisinn ist reaktionär geworden. Er hat all seine politischen Jugendidcale abgeschworen.?!icht nur auf dem Gebiete der preußischen Politik, sondern auch in allen wichtigste« fragen der Reichspolitik! Daß wir schon heute mehr als ÄOOO Millionen jährlich an militärischen Ztnsgaben zu leisten haben, danken wir nicht nur Konservativen, Ratio nallibcralen und Zentrum, sondern auch dem Freisinn! Hat der Freisinn doch längst seine frühere prin- zipicllc Stellungnahme gegen den Rüstungswahnsinn und die imperialistische Hans- Dampf- Politik aufgegeben. Im Jahre 1912 half der Freisinn 659 Millionen Mehrausgaben bewilligen. lind wenn die neue Forderung von 1399 Millionen für die nächsten drei Jahre bewilligt wird, so trägt dafür nicht zuletzt auch der Freisinn ein vollgerütteltes Maß der Verantwortung! Dann aber wird die jährliche Ausgabe des Reichs für den Militarismus auf mehr als ÄaOO Millionen Mark gestiegen sein. Während Preußen für Volksfchulzwecke kdnnt 150 Millionen ausgibt' Diese Zahlen charakterisieren schlagend das ungeheuerliche Mißverhältnis zwischen den heutigen Aufwendungen für Zwecke der Bölkerzerkiüftnng und des Massenmordes und auf der anderen Seite für Zwecke der Volksbildung und Kulturförderung! Ein solcher Zustand erschiene auch dem besitzenden Bürgertum absurd und völlig u n e r t ä g l i ch, wenn es selbst darunter litte. Das'ist natürlich nicht der Fall. Denn für jede» Studierenden zahlt ja der preußische Staat imnierhin jährlich 799 M. Zuschuß, und auch bei den Gymnasien, Realgymnasien. Obcrrealschulcn usw. wird nicht mit Mitteln gekargt. Rur für die Kinder der nichtbesitzeuden Klassen sind keine Mittel vorhanden, weil Militarismus und Bnrcaukratie alles auffressen! Da nun aber die Nichtbesitzenden weitaus die Mehrheit der Nation bilden, leidet die nationale Wohlfahrt aufs schwerste unter dem Regime der Herrschenden! Und wenn die Sozial- dcmokratic die nichtbesitzeuden Massen des Volkes ausruft zum Sturme gegen die Gewaltherrschaft und Mißwirtschaft der herrschenden Klassen, so erfüllt sie bannt nichts Geringeres als die historische Mission, den preußischen Staat erst der Kultur zu erobern! Das liberale Bürgertum hat total versagt, als es galt, der breiten Masse des Volkes gleiche Rechte, gleiche Wohlfahrt, gleiche kulturelle Entwicklungsmöglichkeiten zu erobern. Im Gegenteil: als der Emanzipationskampf der Arbeiterklasse die Profitinteressen des liberalen AusbeutertumS bedrohte, wurden Liberalismus und Fortschritt immer reaktionärer, warfen sie sich immer mehr der junkerlichen Bnreaukratie und dem junkerlichen Militärstaat in die Arme, wurden sie immer militärfrommer und polizeifiirchtiger! Der Burcaukraten-, Polizei- und Militärstaat aber ist der geborene und geschworene Feind der Arbeiterklasse, aller aufstrebenden, freiheitlichen Volkselemcnte. Daß Polizei und Militär bei Streiks nur dazu dienen, unl die kämpfende Arbeiterschaft unter dem Vorwand der'„Aufrcchterhaltung der Ordnung" dem Ausbeutertum zuliebe uiederzuwerseu, hat ja auch die letzte Tagung der Hirsch-Dunckerschen feststellen müssen. Daß daraufhin die erschienenen Negicrungsvcrtrcter unter Protest die Tagung fluchtartig verließen, ist nur ein Beweis der Richtigkeit dieser Darstellung. Wie speziell die Polizei„zur Aufrechterhaltung der Ordnung" vorgehen kann, ohne eine Ahndung befürchten zu müssen, beweist ja die Affäre Biewald und das Schicksal des Arbeiters Herrmaun! Und mit Militär und Gendarmerie bildet dann unsere Justiz die Dritte im Bunde! Auch unsere Richter, die als Angehörige der besitzenden Klasse auf K l a s s c n s ch u l c n und Klasscnhochschulcn zu Sachwaltern kapitalistischer Klassen- interessen erzogen worden sind, können natürlich nicht aus ihrer Haut herauskommen. Es liegt uns fern, unseren Richtern kleinlich persönliche Voreingenommenheit nachzusagen— aber sicherlich gibt es kein naiveres Märchen, als das liberale Ammenmärchen von der„Un- abhängigkeit unseres preußischen Richterstandeö". Vor allen Dingen aber: die erste Voraussetzung der Ellenbogenfreiheit der breiten Volksmassen ist das gleiche Wahlrecht! Und ist es da nicht geradezu ungeheuerlich, nicht über alle Maßen empörend, daß ivohl den Elsaß-Lothrittgern das gleiche Wahlrecht gegeben worden ist, daß aber den Bürgern des preußischen Staates, des größten und ausschlaggebende» aller deutschen Bundesstaaten, das nämliche Wahlrecht vorenthalte» werden soll? Wo bleibt da Vernunft, Billigkeit, historisches Recht?» Die Sachlage ist einfach die: Junker, Pfaffen und Schlotbarone wolle« daS gleiche Wahlrecht dem preußischen Volke nicht geben! Da muß das Volk dafür sorgen, daß ihm sein Recht gegeben werden muß! Die Rechtsfrage ist längst zur Machtfrage geworden l Heute, am 10. Mai, kann das Volk seiue Macht beweisen! Ein Verräter an der Sache seiner Klasse, der Sache des Volkes, wer nicht seinen Mann steht! vas Proletariat feiere feine fahrhundertfeier! Das Volk steht auf, der Sturm bricht los I Die Diktatur des Säbels. Im Reichstag hat sich noch kurz vor den Ferien die Kam- iuission konstituiert, die sich mit den Anträgen zur Lösung der Duellfrage beschästigen soll. Diese Anträge sind der Nieder- schlag jener Duelldebatten des vorigen Jahres, in denen vor allem das Zentrum mannhaft aus den Tisch trunrpfte und mit dem Kriegsminister das ganze System des Militarismus in seiner jetzigen Gestalt fortfegen zu wollen schien. Aber Herr v. H e e r i n g e n sitzt noch breit und wuchtig auf seines Amtes Sessel, das militärische System wird nicht zuletzt durch Mithilfe des Zentrums mit Bewilligung der un- geheucrlichen Wehrvorlage gewaltig gestärkt und die Be- iniihungen der Äuellkommission werden von sehr platonischer Bedeutung bleiben. Es ist nämlich ein Unding, die Duell- frage für sich lösen zu wollen, ist sie doch kein Ding an sich, sondern wurzelt fest in unseren ganzen gesellschaftlichen Zu- ständen. Wenn sich der Zweikampf bei uns nicht nur nicht ausrotten läßt, sondern wenn von den amtlichen Stellen sogar ohne Gram und Scham der Zwang zum Zweikampf, das will sagen, der Zwang zur Gesetzesverletzung, proklamiert wird, ist es der bündigste Ausdruck der Tatsache, daß in dem Deutsch- land des hochentwickelten industriellen zwanzigsten Jahr- bunderts noch ganze Urwälder feudaler Anschauungen und Vorurteile abzuholzen sind, ehe hier von einem bürgerlichen Staatswesen auch nur gesprochen werden kann. Die Frage des Duells ist nicht eine Frage des gesundeil Menschen- Verstandes oder lediglich eine Frage der Strafgesctzgebung, sondern sie ist ein Problem der Klassenherrschaft. Das Duell nämlich ist nichts anderes, als das furchtbare Mittel eines furchtbaren' Terrorismus, den die Feudalklasse über ihre Mitglieder oder auch nur über ihre Trabanten/ ausübt. Wer gegen den Stachel der Kaste löckt, der ist vogelfrei und muß sich als Schießscheibe gebrauchen lassen. Die Mordtaten der Maffia und Kamorra auf Sizilien sind ein harmloses Kinder- spiel, verglichen mit dem kaltblütigen Mord, der vor zwei Mcnschenaltern von der Feudalkaste an dem Berliner Polizei- Präsidenten Hinkeldey verübt wurde. Bekanntlich war dieser bohe Beamte, trotzdem er alles andere war als ein liberaler Geist, einer kleinen Junkersippe von katilinarischen Existenzen ein Dorn im Auge, und um ihn zu beseitigen, wählte man das handlichste Mittel: die Mitglieder eines aristokratischen Spielklubs— man muß den widerwärtig zynischen Bericht lesen, den ein Herr v. Heydebrand und der Läse darüber verfaßt hat— beschlossen, einer nach dem anderen Hinkeldey so lange zum Zweikampf herauszufordern, bis ihn sein Schicksal ereilt hätte. Der wegen seiner Kurzsichtig- kcit fast wehrlose Hinkeldey wußte, daß es sich hier um einen wohlüberlegten und planmäßigen Meuchelmord handele und wandte sich bittflehend an Friedrich Wilhelm IV., aber der ließ den Dingen ihren Lauf, und der erste der ver- schworenen Mordbuben schon, ein Junker v. R o ch o w, streckte v. Hinkeldey zu Tode getroffen ins Gras. Was damals möglich war, ist auch heute noch möglich, nur daß die I a g o w s nicht mehr wie die H i n k e l d e y s der Junker- sippe mißliebig, sondern sehr genehm sind. Auch das ist ein „Fortschritt" in sechzig Jahren. Wo die bürgerliche Klasse über die Feudalkaste den Sieg davonträgt, verschwindet das Duell sehr schnell, denn dem braven Bürger sind Kegelkugeln sympathischer als Pistolen- kugeln und die„Ehre", um die der Feudale sich schlägt und schießt, lehnt der in der Wolle gefärbte Bourgeois ab, weil sie nicht als Artikel an der Börse gehandelt werden kann.>so ist denn in England, dem klassischen bürgcrlicheil Staat, das Duell mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden. In Teutschland aber hat sich nicht die Feudalkaste der Bourgeoisie untergeordnet und angepaßt, sondern unigekehrt sieht die Bourgeoisie in dem Junkertum das erstrebenswerte Vorbild und ahnit seine Sitten und Gebräuche sklavisch nach. Der Portokassenjiingliug schleicht heimlich zum Friseur, der ihm mit dein Rasierniesser einen Durchzieher über die linke Wange legt und ibm so den ersehnten Anschein der Satisfaktions- fähigkcit verleiht und der junge Großkaufinann, dessen Groß- vater noch in der beizenden Luft des Ghettos init alten Hoseil und Kaninchenfellen gehandelt hat und dessen Vater erst in dem mannbaren Alter der Kommerzienratswürdc dein Tauf- beckcu schüchtern genaht ist, sieht sich auf dem Gipfel seiner Wünsche, wenn er zuin Leutnant d. N. in seiner Majestät soundsovieltem Trainbataillon avanziert ist. So lange das deutsche Bürgertuni in seiner großen Mehrheit sich müht, ein schlechtes Zerrbild des Junkertunis zu bilden, so lange wird auch die Duellpistole nicht zu den Folterinstrumenten des Mittelalters in das Kuriosstätenkabinett verbannt werden, wohin sie gehört. Das Duell ist der vollendete Ausdruck für die Diktatur des Säbels, die in der Tat die in Deiitschland herrschende Regicrungsform ist. Es gibt Toren, die auch bei uns all- mählich eine' Annäherung an das parlamentarische Regime eiitdecken wollen. Du lieber Hirninel! So lange das ganze Offizicrkorps auf den Parlamentarismus pfeift und so lange die Armee ein willenloses Werkzeug in der Hand des Ofsizierkorps ist, so lange kann davon nicht einmal im Trauine die Rede sein. Und das Offizierkorps pfeift auf den Reichstag, von dem Kriegsminister v. Heeringen an- gefangen, der auf eigene Verantwortung sechs Millionen für die Villa des Chefs des Militärkabinetts aus dem Reichs- strumpf nimmt, bi� herab zu dem jüngsten Dachs von Leutnant, der mit Begeisterung der Oldenburgs che Offizier mit zehn Mann sein möchte. Als der Januschauer seilte steche Drohung in den Reichstag hineingerufeit, ver- anstaltcte nämlich der Magistratsrat Dr. K r e m s k i eine Ilm frage über das Recht des Kaisers, den Reichstag durch einen Leutnayt und zehn Mann auseinanderzujageii. Tie befragten Offiziere sprachen sämtlich dem Kaiser das Recht zu'und einige erklärten, daß sie„feste in die Quatschköpfe reinpfeffcrn lassen würden". Und wie unberechtigt das Schlagwort von dem.„unpolitischen" preußischen Offizier ist, zeigt der Angriff der preußischen Offtztersclique in,„Lokal- Anzeiger" gegen den Kriegsminister, uin ihn zu stürzen. Wir treiben wahrhaftig Zuständen entgegen, wie sie m Frankreich in den Tagen des Dreyfushandels ausgedeckt wurden und die Diktatur des Säbels, ist. kaum mehr mit einem winzigen Feigenblättchen verhüllt..., Je mehr aber iin Kampf gegen dreie Diktatur des Säbels das Bürgertum versagt, desto entschlossener und schärfer nmß sich die-Arbeiterklasse in die Bresche werfen! pcUtilche Ckberftcbt. Tie Solidarität der Rüstungstreiber. Im Märzhejt der„Frledenslvarte" befiudeir sich Angaben, aus denen hervorgeht, daß die Flottentreiber nach genau der selben Methode arbeiten wie die Rüstungshetzer stir das Land- 1 Heer. Dabei wird auch die Presse als Werkzeug benutzt. Wie die� Waffen- und Munitionsfabriken den„Figaro", also ein Blatt des„Erbfeindes", für ihre Piratenzwecke benutzen wollten, so arbeiten auch die deutschen und englischen Flotten treiber journalistisch Hand in Hand. In der Notiz der „Friedenswarte" heißt es: „Das Publikum weiß von den Parlamentariern»sw. nicht in welchen Beziehungen sie als Aussichtsräte oder sonst zu den großen Schiffswerften oder sonstigen Lieferanten stehen. Daß zwischen der deutschen und englischen Agitation für Vermehrung der Flottenbautcn Beziehungen bestehen, ergibt sich au? dem Jahr- buch des britischen Flottenvereins(Na-oy League Annual 1910 bis 1911), in dem auf Seite 216 der Herausgeber Alan H. Vurgoyne als Verfasser des Artikels„Die End Wickelung des cnglisch-deutschen Antagonismus" in einer Futznote benierlt, daß er den Artikel mit geringen Aende- rungen früher für den Grafen Ernst von Reden t- low geschrieben habe und der auch in einem Berliner Blatt veröffentlicht worden sei.(Diese Futznote lautet im englischen Text:„Tllis article was written by the author kor Grat Emst v. Reventlow and published in the Berlin ,. Zeitfragen". It has ordy been altered sufflciently to bring it up-to-date.")— Graf E. Reventlow, der bekannteste deutsche Flottentreiber, Alan H. Burgohne, eins der tätigsten Mit- glieder des englischen Flottenvereins." Graf Reventlow ist Redatteur der Flottenvereinsschnft „Ueberall" und Marine- und Anslandsredatteur der erz- nationalen„ D c u t s ch e jr Tageszeitung". Das hindert nicht, daß er mit den hervorragendsten Vertretern des imperialistischen„perfiden Albions" ein regelrechtes und inniges Kompagnicgeschäft eingegangen ist. Sie handeln nach dem etwas vanierten alten'Wort:„Treibst Du meinen Juden, treib' ich Deinen Juden.". Und die Vertreter des Panzer Fortschrittliche Uolstspartei gegen die Arbeiter. Welch klägliche Haltung der Freisinn einnimmt, wenn es gilt, im Kampfe zwischen Kapital und Arbeit entschieden Stellung zu nehmen, bewies die Rede, die der fortschrittliche Abgeordnete Kindler bei der Beratung der Interpellation über den großen Streik der Ruhrkohlenberglente gehalten hat. Diese Rede war ein r e g e l- rechter Eiertanz. Der fortschrittliche Redner produ ziette zwar über die Hartstirnigkeit der Grubenherren einige sanfte Entrüstung und bedauette, datz die Regierung nicht vermittelnd ein- gegriffen habe, ober er klagte andererseits auch darüber, datz die Arbeiter„voreilig" und unter Kontraktdruch in den Streik getreten seien. Er sagte wörtlich: „Nun gebe ich zu, daß die Arbeiter voreilig in den Streik getreten sind. Das läßt sich schon daraus schließen, daß der große christliche Verband sich von ihnen g e- schieden hat.(!) Da diese Scheidung erfolgt ist, muffen die Arbeitswilligen auch beschützt werden.... Ob Militär nötig gewesen ist, können wir natürlich von hier aus nicht entscheiden. Wen» eS aber notwendig war, dann ist es Keffer, weun es znr rechten Zeit hinbeordert wurde... Wir werden unS gegen den Terror, von welcher Seite er auch komme, immer zur Wehr setzen. In der Beziehung gehe ich sogar so weit, daß ich das Streikpostcnstehcn nur so lange für berechtigt halte, als es stiedlicher Aufklärung dient, aber Leben und Gesundheit der Arbeitswilligen nicht bedroht, nicht in eine Belagerung der Werke ausartet." Wenn man eS nicht wützte, würde man solche Ausführungen höchstens einem Nationalliberalen zutrauen. Aber wie in Preußen der Unterschied zwischen Nationalliberalen und Freikonser- vativcn schwer festzuhalten ist, so verschwimmen im Dreiklaffen- Parlament auch häufig alle Grenzlinien zwischen.Fortschrittlern" und.Rationalliberalen". Arbeiter, gebt heute dem arbeiterfeindlichen Freisinn die O.nittung! szxxSsäl Plattenkapitals stehen händereibcnd im Hintergründe und freuen sich über ihre journalistischen Agenten. Die Kanäle freilich, die aus den Feuerfesten der Rüstungskapitalisten in die Kassen der die Rüstungshetze bcttcibendcn Blätter stießen, lassen sich nicht so leicht aufdecken. Aber nach den Krupp- Enthüllungen kann man sich ungefähr ein Bild davon macheu, wie hier die Doppelkronen und Pfund Sterlings rollen. Sö wird uns mitgeteilt, daß z. B. Krupp eine große Anzahl von Ereinplaren des im Flottenvereinssinn geschriebenen Marine- Taschenbuchs des Stapitänleutnants Weyer bezieht. Anderer- seits hat der Flotten-Kalcndcr des Kapitäns z. D. Persius, seitdem dieser für daS„Berliner Tageblatt" schreibt, keinen Absatz mehr gefunden. Allmählich müssen ja den Völkern die Augen aufgehen über das schmutzige Milieu, aus dem das Geschrei vom„ge-i fährdctcn Vaterland" und von neuen Rüstungsnotwendigkeiten kommt.___ Ter ehrbare Journalismus. Die sogenannte„anständige" Presse sucht ohne Unterschied ihrer politischen Färbung die hohe Meinung, die wir von ihrer Moral haben, zu rechtferttgen. Zum Schluß unserer gestrigen Notiz„Verlogene Schufte"(unter „Politische Uebersicht"), in der wir nachwiesen, daß die„Post", „Rhein. Wests. Ztg.".„Germania" uftv. die von ihnen zitierte Stelle aus dem Hervsschen Buch„L'Alsaco Lorraine" infam gefälscht haben, schneben wir: „Wir erwarten von solchen Burschen, die sich nach außen mit höchster Korrektheil und allen deutschen Männertugenden spreizen, nicht, daß sie eine Richtigstellung bringen. Von solchem Gelichter soll man nichts Unmögliches verlangen." Tatsächlich hat keines der ehrsamen Blätter, die die fest- gestellte Fälschung gebracht und daraufhin die Anklage auf Hochverrat gegen die Sozialdenwkratie gefordert haben, es für nötig gehalten, in seiner Abendausgabe eine Richtigstellung zu veröffentlichen. Die frockme katholische„Märkische Volkszeitung" betet sogar nochmals die ganze verlogene Litanei her. Viel- leicht werden sich nach der Landtagswahl einige der Blätter widerwillig dazu verstchen, so halb und halb einen„Jrrwm" zuzugeben; die Mehrzahl wird schweigen. Zola sagt gegen Schlich seines bekannten Romans„Der Bauch von Paris" höhnisch von den charakterisierten braven Pariser Geschäftsleuten:„Was für Lumpen sind doch diese anständigen Menschen!" Der Ausspruch paßt noch weit besser aus die �deutsche, mit ihrer Ehrbarkeit prunkende reaktionäre Presse, die sogenannten„ a n st ä n d i g e n" Blätter. Das Geständnis des Arbeiterverrats. Der„Rheinisch-Westsälischen Zeitung" wird aus ZentrumZkreisen über eine Generalversammlung des Augustinusvereins berichtet, die vor einigen Tage» in Köln stattfand, um die Mittelstandskreise für die klerikale Landtagswahlarbeit einzufangen. Das gelang nicht, vielmehr wurden in der Diskussion heftige Vorwüffe gegen das Zentrum erhoben, weil es die Interessen deS Mittelstandes nicht genügend wahrnehme. Als Beschwichtigungshofrat trat u. a. auch Herr Stegerwald auf. Ein Redner hatte die Frage aufgeworfen, wie es denn zu verstehen sei, daß die Arbeiter im Zentrum zufrieden seien, während der Mittelstand opponiere. Stegerwaids Antwort war das Eingeständnis, daß die Zentrums- arbeiter im Interesse des Zentrums systematisch belogen und betrogen werden. Stegerwald sagte: .Die verhältnismäßige Zufriedenheit der christlichen Arbeiter- schaft habe nicht etwa, wie angedeutet worden sei, ihren Grund in einer völligen Befriedigung ihrer berechtigten Forderungen, vielmehr habe die christliche Arbeiterschaft speziell auch an die Zentrumspartei noch eine lange Reihe von dringlichen Wünschen, die vorläufig abwartende, ruhige Haltung der organisierten ihrist- lichen Arbeiterschaft sei hauptsächlich das Verdienst der Führer, die mit voller Absichtlichleit namentlich seit dem Finanzresormstreit in der Zeit deS Bülowblocks mit aller Kraft und mit allem Gc- schick.gebremst" hätten, die LebenShallung der Arbeiterschaft im allgemeinen Hobe sich trotz der aufsteigenden Bewegung der Löhne wesentlich verschlechtert infolge der ganz unverbältniSmätzigen Teuerung. Da sollten sich also die Führer des Mittelstandes an den christlichen Arbeiterführern ein Beispiel nehmen." Die Lebenshaltung der Arbeiter hat sich in- folge der unverhältnismätzigen Teuerung Wesen t« lich verschlechtert, die Z en tr u m s a r b e i t e r haben noch eine lange Reihe von dringlichen Wünschen. Die Führer aber gestatten ihnen nicht, auf Er- füllung dieser Wünsche zu drängen, sie bremsen! Herr Stegerwald hat zweifellos recht. Seit 1909 spielen die Arbeiterführer" im Zentrum eine solche� Rolle. Sie versuchten mit allen Mitteln die von ihnen selbst vorher mit den schärfsten Worten gebrandmarkten Steuern den Arbeitern mundgerecht zu machen. Die Arbeiter murrten. Die Führer seiften sie aber derart ein, datz sie„im Jntereffe der Partei" schwiegen. Die Teuerung kam, auch die katholischen Arbeiter litten aufs ärgste unter den Zuständen. Es bestand die Gefahr, daß sie ruppig würden. Die Führer beruhigten sie, logen das Blaue vom Himmel herunter, und die Zentrumsarbeiter ließen sich aufs neue einseifen. Sie schwiegen wieder. Heute nun gesteht Stegerwald selbst kaltlächelnd ein, welche Rolle die.Arbeitervertreter" im Zentrum gespielt haben. Und die katholischen Arbeiter lassen eS sich gefallen! Schmollende Kurtisanen. Die läppischen Streichanträge der Erzberger-Gruppe bei der Bc- ratung der Heeresvorlage in der Budgetkommission des Reichstages haben einen Teil der Konservativen verschnupft. Herr Julius Bachem, der seit einiger Zeit im Scherlschen.Tag" die Rolle eine? Jnter» Preten der ultramontanen Theorie und Taktik spielt, sucht deshalb in diesem Blatt(Nr. III) die kleinen Differenzen zwischen den„Vater- ländischen" Konservativen und dem nicht minder vaterländischen Zentrum auszugleichen, indem er die Ansicht vertritt, datz die kleinen Vorfälle doch sicherlich nicht so wichtig seien, datz sich darauö eine Schwenkung der Konservativen in ihrem Verhalten zun» Zentrum rechtfertige. Dann aber liest er den streichungslüsternen Zentrums« abgeordneten gehörig den Text: .Vom Zentrumsstandpunkte mutz man nur den Wunsch hegen. datz das Zentrum in den jetzt zur Entscheidung stehenden hoch- wichtigen Fragen in den entscheidenden Stadien einig und ge- schloffen austrete: wenigstens in solcher Einheit und'Geschlossenheit, datz daS Zentrum als entscheidender Faktor nicht ausscheide. Diese E i n h c i l l i ch k e i t müßte also großer sein, als sie bisher in der B u d g e t k o m in i s s i o n in die Erscheinung getreten ist. In den Fragen, in welchen ein Dissens sich bemerkbar machte, kann man ja verschiedener Meinung sein; niemand wird auch behaupten wollen, daß die verschiedenen Gruppen nicht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hätten: aber die Partei im Lande erwartet doch, daß zu guter Letzt die gemeinsame Marschlinie gefunden werde. Der Satz in dem Glück- wunschtelegramm, welches die große Delegiertenverfaminlung der Rheinischen ZentrumSpartei am ö. Mai an den Abg. Porsch, den Vorsitzenden der ZentrumSfrakiion des Preußischen Abgeordneten- Hauses, gerichtet hat: Im Preutzischen Landtage sei es erreicht worden,.der Fraktion eine vorbildliche Einheitlichkeit und Ge- schloffeuheit in allen wichtigen Fragen zu sichern", hat eine gewisse demonstrative Bedeutung, demonstativ allerdings nicht nach der Seite des Vorsitzenden der Reichstagsfraklion des Zentrums. Nicht minder notwendig wie bei der Militärvorlage wird übrigens die Einheitlichkeit bei den dazu gehörigen Deckungs- vorlagen sein, ebenso notwendig, vielleicht noch schwerer zu er- zielen. Wenn die Fraktton sich hier zersplittern wollte, so könnte sie leicht das Zustandekommen der Vorlagen auf der der Sache selbst und der innerpolitischen Gesamtlaqe am besten dienenden Basis gefährden.....• Unter der innerpolitischen Basis versteht Herr Bachem natürlich den schwarzblauen Block. Man merkt ihm an, wie er zittert, datz dieser schöne Block etwa durch mehr oder minder geringere Will« 'ährigkeit der Zentrumsabgeordneten im Bewilligen in die Brüche gehen könnte. Denn damit würde dann auch die Kalkulation hi»° ällig, die daS regierungsfähige Zentrum auf sein Verhältnis zu den Konservativen aufbaut. Herr Bachem gibt sich daher auch die größte Mühe, die Nationalliberalen noch mit zu gewinnen. Bei einem konservativ- klerikal- nationalliberalen Bunde wäre das Zentrum ja noch sicherer vor der befürchteten Isolation, die eS wieder in die Oppositionsstellung drängen könnte. Auch Herr Zlugust Thyssen dementiert. Nachdem bereits Genosse Liebknecht und der Abg. Erzberger die vom auchfreisinnigen...Hamburger Fremdenblatt" aufgetischte Fabel, daß das von Liebknecht im Refchstage gegen die Firm- Krupp vorgebrachte Material von Herrn Auauft Thyssen geliefert worden sttt als Erfindung zurückgewiesen haben, kommt nun auch noch Serr Thyssen selbst mit einem Dementi Cr veröffentlicht in der„Rheinisch-Westf. Ztg." folgende Erklärung: „An die vcrehrliche Redaktion der Meinisch-Westfatt,chen Zeitung. Essen a. d. Ruhr. Aus vcrschiedencn Zcituiigsblatteim '«"r 3"§e!anb* worden find, habe ich ersehen, daß neuerdmgS auch die Behauptung aufgestellt Wörde» ist, daß da° Mat-r.al. auf Grund dessen Herr Rcichstagsabgeordneter Liebknecht kurz- lich im Reichstag die bekannten Anschuldigungen. gegen die Firnia Krupp erhoben hat, ihm von mir oder meiner Firma durch Vermittelung der Zentrumspartei bzw. Herrn Reichs- tagsabgeordneten Erzberger zur Verfügung gestellt worden se,. Ich kann dazu nur erklären, lal mit dies« Sache weder ,ch noch meine Kim.a das geringste zu tu.', daß ich I awohl wie meine Firma mit dem Herrn Reichstagsadgcordneten �,eaknccht weder in uniinttelbareu uoc., mittelbarcu Beziehungen geNauden haben oder stehen, wir auch lein Material bc, essen haben oder besitzen, welches zu solchen Änschuldigungen Anlag geben konnte. Ich hofft gern, daß Sic Veranlassung nehmen werden� hierv« tn den Spalken Ihres gcschätzken BlatkeS eine entsprechende Notiz zu bringen; ich danke Ihnen im voraus verbindlichst dafür und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Aug. Thyssen." Ob nun endlich die kleine patriotische Kläfferpressc ih»e Ent- rüftungsartikelchen über die„dunkle Herkunft des Liebknechtschen Anklagematerials" einstellen wird? Königlich landrätliche Agitation gegen die „Volksfürsorge"". Nachdem sich die öffentlich-rechtlichen Lebensversicherungsanstalten für ihre Volksversicherung von den sechs preußischen Provinzen «chlefien, Ost- und Westpreußen. Posen, Brandenburg und Pommern je 50 000 SN., zusammen 300 000 M. auS dem Gelde der Steuer- zahler haben schenken lassen, sind die königlich preußischen Landräte eifrig für die agrarische Volksversicherung in die Agitation ein- getreten. Ein geradezu klassisches Dokument dafür, was sich in Preußen ein königlicher Landrat alles erlauben darf, liefert der kgl. Landrat v. Pappenheim in Kassel. Dieser Herr veröffentlicht in mehreren„nationalen� Blättern seine« Regierungsbezirks einen Artikel zur Reklame für die agrarische Volksversicherung. Der Schlußsatz der Reklame lautet: „Insbesondere sei angesichts der Tatsache, daß in sozial demokratischen Kreisen rege Bestrebungen zur Durchführung einer ihren eigenen Zwecken dienenden Volksverfichcrung der so- genannten Volkssürsorge im Gange sind, darauf hingewiesen, daß die öffentliche Lebensversicherung die große gemein- nützige Aufgabe, die sie sich gestellt hat, auch speziell hinsichtlich der Volksverficherung nicht zuletzt zuni Nutzen eines echten nationalen Geistes zu lösen bemüht ist. Weite Kreise haben bereits die Notwendigkeit und Fruchtbarkeit dieses Strebens erkannt und sich mit den öffentlichen Lebens- Versicherungsanstalten zu positiver Zusammenarbeit in der Volks versichcrungZfrage, zugleich aber auch zur Abwehr des staatS' feindlichen und gefährlichen sozialdemokratischen Vorgehens der- bunden.' Und dann, Strich darunter, und folgende amtliche Kund gebung: „Vorstehendes bringe ich mit dem Hinzufügen zur öffentlichen Kenntnis, daß sich die Geschäftsstelle für den Regierungsbezirk Kassel, hier, Akazienweg 3 sFernspr. Nr. 4S00>, befindet. Kassel, den 18. April 1913. Der Königliche Landrat von Pappenheim.' Wir freuen uns dieser amtlichen Abstempelung der öffentlich rechtlichen Volksverficherung als einer Einrichtung„zum Nutzen eines echten nationalen Geistes.' Bei dem großen Ansehen, das die Herren Landräte im Volke genießen, wird die agrarische Volksversicherung jetzt wohl pleite gehen._ Zur Auslegung des Rcichsvereinsgesctzes� Das Reichsvereinsgesetz kann in diesen Tagen auf sein fünf- jähriges Bestehen zurückblicken. ES ist bezeichnend für den schnecken gleichen Gang des preußischen AmtschimmelS, daß er sich in diesen fünf Jahren immer noch nicht diesem Gesetze angepaßt hat. Einen neuerlichen Beweis für diese Tatsache liefert der Herr Bürgermeister von Denklingen im Wahlkreise Mülheim-Wipperfllrth-Gummersbach. Am Pfingstmontag sollte in dieser Bürgermeisterei eine Landtagswähler' Versammlung unter freiem Himmel abgehalten werden, in der ein Kölner Genosse über die Landtagswahlen zu sprechen gedachte. Auf den dem Reichsvereinsgesetz entsprechenden Antrag kam von dem weisen Bürgermeister von Denklingen folgender Bescheid: Denklingen, den 10. Mai 1313. Auf Ihren heute hier eingegangenen Antrag auf Genehmigung einer öffentlichen Wählerversammlung im Freien bei Berg- hausen teile ich Ihnen hierdurch mit. daß ich die Genehmigung nach§ 7(II) deS Vereinsgesetzes vom 19. IV. IVOS versagen muß. AuS dem Umstände, daß Sie Vorsitzender des sozialdemo kratischen Vereins in Derschlag sind und aus der Person des Referenten darf geschlossen werden, daß es sich um eine sozial- demokratische Veranstaltung handelt. Den Zielen und Bestrebungen der Sozialdemokratie ist aber die hiesige ländliche Bevölkerung durchaus ab- geneigt. Hinzu kommt noch, daß die Versammlung unter freiem Himmel an einem hohen Feiertage abgehalten werden soll und solche Versammlungen überhaupt noch nicht üblich gewesen sind. Es liegt deshalb die Befürchtung nahe, daß die Versammlung Gelegenheit zu Reibereien und Ausschreitungen unter den einander gegenüber- stehenden Parteien und somit zur Störung der öffentlichen Sicherheit geben wird. Daher mutzte die Genehmigung, wie oben bemerkt, versagt werden. S ch n m. Selbstverständlich ist gegen diesen Entscheid der Beschwerdeweg beschritten. Nach früheren Beispielen wird der Beschwerde statt- gegeben werden, wenn der Zweck der Versammlung— nicht mehr erfüllt werden kann!_ Das Sndc dcQ ßalhatihrkgeo. Aufhebung des Belagerungszustandes in Bosnien. Wien, 18. Mai. Der Ausnahmezustand in Bosnien und der Herzegowina ist heute aufgehoben worden, da durch die Uebergabe Skutaris an das internationale Detachement die Gefahr eines Konfliktes beseitigt erscheint, derentlvegeir ans Anlast der Einnahme von Skutari durch die Montenegrinerin Bosnien und der Herzegowina als dem Nachbarlande der mut- mastlichen nulitärischen Ereignisse am 3. Mai der Ausnahmezustand verhängt worden war. Ungarn annektiert eine Donauinsel. Budapest, 18. Mai.(Meldung des Ungar. Telegr.KorresP.- Bureaus.) Die D o n a u i n s e l A d a k a l e h ist seitens der ungarischen Behörden annektiert und von einer Abteilung ungarischer Gendarmerie sofort in Besitz genommen worden. Adakaleh hatte auf Grund des Uebereinkommens zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei vom 21. Mai 1878 eine österreichisch-ungarische Besatzung. Nunmehr ist die staatliche Zugehörigkeit Adakalehs formell proklamiert worden. Das Protokoll über die Annexion ist vom türkischen Gouverneur �hcrif Eddin nicht unterzeichnet worden. Der Gouverneur ist abgereist. Die Proklamierung der Annexion ist, wie verlautet, mit Rücksicht auf den Präliminarfrieden geschehen, welcher sämtliche türkische Territorien westlich von der Linie Enos— Midie an die Verbündeten abtritt. Hierdurch wären Weite- runoeu entstanden, welche die unzweifelhaften Rechte der Mon- orchw au Adakaleh hätten verletzen können.■ Verständigung über die Bagdadbahu. Konstantiuopcl, U- Mai.(Meldung des Reuterschen Bureaus) Nach Mitteilungen' aus glaubwürdigen Quellen sind die Grundlagen der englisch-türkischen Per- ständiaung in der Angelegenheit des Persischen Meerbusens folgende: Die türkische Regierung erkennt daü britische Protektorat über Kolveit an und bewilligt ge- gebenenfalls das Recht, ciue Eisenbahn von Bassorah nach K oweit zu bauen. B a s s o r a h soll Endpunkt der �agdadbahn werden, die bis Bassorah unter denselben Bedinaunoeu weitergeführt werden soll, wie sie für die anderen Strecken de? Bahn bestehen. Mindestens zwei engli englische Ber- I freier sollen in den Borstand der Bagdadbahn gewählt werden, um alle Vorgänge zu überwachen und eine unterschiedliche Behandlung der Waren zu verhindern. Natürlich wird die deutsche Regierung bei der Verständigung, insoweit sie die Interessen der Bagdadbahn berührt, beteiligt sein. Tat- sächlich hat Deutschlands Rat und Einflust dazn beigetragen, die Verständigung zu erleichtern, die, wie man hofft, in vier- zehn Tagen zu einer endgültigen Erledigung führen wird. franhrneb. Die Kammer über die Zurückbehaltung der Jahresklasse 1910. Paris, IS. Mai. In der heutigen Sitzung der Kammer wollte das Mitglied der gceinigten Sozialisten, D u r a f o u r, die Regie- Ans dem Sündenregister des Freisinns. für Pastoren und Kaplanc— gegen die Unterbcarntcn! Als 1909 das Beamtenbesoldungsgesetz gemacht wurde, forderte die Sozialdemokratie vergebens die Aufbesserung der ganz unzulänglichen Unterbeamten- gehälter. Die bürgerlichen Parteien schlössen sich— einschliesslich des Freisinns!— zu dem berüchtigten„Antibcamten- block' zusammen, wie ein Bcamtenorgan es damals nannte. Der Freisinn beteuerte sein„yzarmes Herz" für die Beamten, allein— es fehle an Mitteln zur Decknng für die sozialdemokratischen Forderungen zugunsten der Unterbeamten. Derselbe„Ansibeamtenblock" aber bewilligte— wiederum einschliesslich des Freisinns— zur selben Zeit den Herren Geistlichen beider Konfessionen 13� Millionen jährlich, damit mit einem Schlage die Anfangsgehälter um 600 M., die Endgehältcr gar um 1200 M. aufgebessert werden konnten. Der Freisinn hätte auch noch etliche Millionen mehr bewilligt, wenn gleichzeitig die Gehälter."der Rabbiner aufgebessert worden wären. Also: für die Unterbeamte« waren keine Mittel da. Zehntausende von ihnen wurden mit einem Anfangsgehalt von 1100 M. abgespeist. Tastbare Anfangsgehalt der G e i st l i ch e n(außer für Wohnung, Gartenland usw.) mußte dagegen ans 2400, das Endgehalt gar auf 6000 M. gebracht werden I So sorgte der Freisinn für die Unterbeamten I Junker �ilcdbeck. Während der preußische FiSkuS Unterbeamte und StaatSarbeiter elend bezahlt, um möglichst hohe Ueberschüffe herauszuschinden, verzichtet er im Interesse der höheren Forstbeamten und der Junier auf Millionrnciimahmen, die er aus der Jagdverpachtung ziehen könnte. In den preußischen Staatsforsten sind 1309 7S90 Stück Rotwild(Edelhirsche) erlegt worden, dazu 6189 Damhirsche, 1700 Wild- schweine und IS 000 Rehe. Die Einnahmen aus der Jagd be- trugen aber nur'/, Million Mark. Welche Summen hätten sich bei einer öffentlichen Verpachtung der Staatsjagden erzielen lassen, wenn man bedenkt, daß nach der„Deutschen TageS- z e i t u n g" sich für deutsche Jagdliebhaber die Jagdunkosten für einen einzigen Edelhirsch auf 4000— SOOO M. belaufen sollen I Auch der preußische Forstmeister a. D. Keßler hat in dem , For st Wissenschaft l. Zentralblatt" dringend die Jagd- Verpachtung empfohlen und geschrieben: „Bei dem gegenwärtigen System handelt es sich auS- schließlich um private Vorteile und Passionen einzelner Beamten, die auf Kosten der Staatskasse, d. h. der Allgemeinheit, verfolgt werden." Trotzdem fordert nicht einmal die Fortschrittliche V o l k s p a r t e i von Fraktionswegen die Jagdverpachtung I Der Abgeordnete Fischbcck focht vielmehr Seite an Seite mit den frei» und stocktonservativen Junkern für Beibehaltung des jetzigen Systems, d. h. für Vergeudung von Millionen und Abermillionen für„private Vorteile und Passionen einzelner Beamten." Oer fmCum gelcMoffcn für Srbökung der ZmlUfte. Unmittelbar nachdem die Wahlrechtsvorlage im Orkus verschwunden war, um bis heute nicht wiederzukehren, hatte die Regierung die Stirn, deni Dreiklassenparlament die Zu- mutung zu stellen, die Zivilliste des Königs von Preussen am 3'/, Millionen jährlich zu erhöhen I 15�/4 Millionen erhielt der König von Preußen bereits. Aber Herr v. B e t h m a n n. der kurz vorher Arbeiter- Vertretern gegenüber erklärt hatte, daß die„vier Grund- Pfeiler" des Glückes der— Arbeiter„Fleiss, Gottes- furcht, Nüchternheit und Zufriedenheit" seien, hielt das fiir unzulänglich. Und obwohl der König von Preußen auch über einen enormen Privatoesitz verfügt— über 150000 Morgen Wald, über 90 Herrschaften, Rittergüter, Pachtgüter und Vorwerke— bewilligten alle bürgerlichen Parteien glatt die Forderung von 3'/z Millionen Anlage. Auch der Freisinn stimmte geschlossen dafür! In früheren Zeiten stimmte doch wenigstens noch cm erheblicher Teil des Freisinns gegen solche Vorlagen. Aber für die heutige Fortschrittspartei ist die Byzantincrei in allen Formen längst das oberste Gesetz geworden! Preustische Arbeiter, insbesondere Ihr Berliner Proletarier, rechnet mit dieser Sorte Freisinn heute gründlichst ab! dringenden Umstände im Oktober nicht weniger dringend geworden sein.(Beifall auf verschiedenen Bänken.) Die Bedürfnisse der Landesverteidigung verpflichten die Regierung, den Artikel 33 des Gesetzes von 190S anzuwenden und ihre Beschlüsse lange genug vorher anzukündigen, um ihre Durchführung zu ermöglichen. Dieser Artikel würde jede Wirksamkeit verlieren, wenn unter den der Re- gierung darin eingeräumten Rechten nicht auch dasjenige wäre, die für den Eintritt des neuen Jahrganges nötigen Maßregeln zu treffen. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren für den Bau von Baracken und mit dem Ankauf von Reitpferden.(Beifall im Jen» trum und bei einem Teil der Linken.) Wenn die Regierung ihren Entschluß aufgeschoben hätte, so hätte sie sich dem doppelten Vor- würfe ausgesetzt, die Soldaten in einen Zustand der Ungewißheit gelassen und die für die Durchführung ihres Entschlusses unentbehr- lichen Matznahmen trotz seiner Dringlichkeit unterlassen zu haben. Das Vorgehen der Regierung ist nur dazu bestimmt, zur rechten Zeit das nötige Material für die Mannschastsvermehrung bereitzu- stellen. Die Regierung übernimmt die Verantwortlichkeit für ihr Vorgehen, ohne dadurch die Vorrechte der Kammern schmälern zu wollen. Die Kammer, die mit dem Gesetzenwurf über die Verlängerung der Dienstzeit befaßt ist, behält vollen Spielraum und voll- 'ständige Freiheit für ihre Beratung und Abstimmung. Die Regie. rung will die Abstimmung beider Kammern nicht behindern; sie wird aber ebensowenig zögern, die Verantwortlichkeit dafür zu übernehmen, daß die Hauptpunkte des Werkes, da? dringlich bleibt, zur Geltung kommen, und in den auf Grund von Artikel 33 gc- troffenen Matzregeln wird man Hilfsmittel für die Ausführung der Kammerbeschlüsse finden. Wenn die Regierung diese Maßregeln nicht ergriffe, würde sie ihre Aufgabe vernachlässigen.(Beifall im Zentrum, bei der Rechten und einem Teil der Linken; Schweigen auf der äußersten Linken.) Augagneur antwortete dem Ministerpräsidenten: Da die Regierung nicht so viel Geduld habe, um acht Tage zu warten, und durch ihre Erklärungen die Debatte in versteckter Weise eröffnet, so nähmen seine Freunde und er den Kampf sofort auf.(Beifall auf der äußersten Linken und bei einem Teil der Linken; ironisches Lachen im Zentrum.) Durafour begründete darauf die Interpellation. Redner machte dem Ministerpräsidenten Vorwürfe darüber, daß er eine so schwerwiegende Erklärung wie die über die Zurückbehaltung der Jahresklasse in Caen und nicht vor dem Parlament gemacht habe. Der Redner, vom Zentrum und der Rechten unterbrochen und nstr von einem kleinen Teil der äußersten Linken applaudiert, protestierte gegen die Zurückbehaltung unter den Fahnen und fragte, ob diese Maßregel im A u s l a n d e nicht als Zeichen einer kriegerischen Politik gedeutet werden würde.(Widerspruch auf verschiedenen Bänken.) Der Redner nannte diese Maßregel ungesetzlich und verfassungswidrig, eine Per- kennnng der Rechte des Parlaments und der Nation. Auf wie lange, fragte er, ist die Zurückbehaltung be- schloffen? Augenscheinlich für eine längere Zeit. Die Demokratie muß sich fragen, ob es sich dabei nicht um einen gegen sie gerichteten Schlag handelt. Ilebrigens scheint die Ankündigung der Zurück- bchaltung der Annahme deS Gesetzes über die dreijährige Dienst- zeit und dessen Rückwirkung zu präjudizieren. Alles was für Frank- reich getan wird, mutz für und durch die Republik geschehen, (Beifall auf denselben Bänken wie vorhin.) Der Radikale Lachaud erklärte es für unmöglich, die Be» legung der Kasernen zu vermehren, ohne in hohem Maße die hygienischen Bedingungen zu beeinträchtigen und die Sterblichkeit im Heere zu vergrößern. KriegSminister E t i c n n e unterbrach den Redner und versicherte, daß keine Kaserne zu stark belegt werden würde. Hierauf nahm Minister» Präsident Barthou wieder das Wort. Die Kammer schritt dann zur Schlußabstimmung. Die TageS- ordnung des Deputierten Breton(Sozialist) lautete:„Die Kammer erklärt sich entschlossen, allen für die Landesverteidigung notwendigen Opfern zuzustimmen, aber dem Lande auch alle un- nötigen Losten zu ersparen und geht zur Tagesordnung über." Die Tagesordnung wurde von der Regierung abgelehnt, welche die Vertrauensfrage stellte. Der Ministerpräsident nimmt nur die Tagesordnung Verlot an, welche dem Kabinett das Vertrauen ausspricht. Die Priorität für die Tagesordnung Breton wurde mit 313 gegen 241 Stimmen abgelehnt. Die Tagesordnung Verlot, welche lautete:„Die Kammer billigt die Erklärung der Regierung, lehnt jeden Zusatzantrag ab und geht zur Tagesordnung über", wurde mit 322 gegen 133 Stirn» men angenommen und die.Sitzung aufgehoben. Das Abstimmungsergebnis in der Kammer wurde mit stür!< mischem Beifall von den Sozialisten und Radikalen aufgenommen, die in demselben den Beweis dafür erblicken, daß die Regierung ihre Mehrheit nur den Mitgliedern der Rechten, den Nationalisten un Gemähigten verdankt. rung interpellieren über ihren Beschlutz, den Jahrgang, der am 1. Oktober entlassen werden sollte, unter den Fahnen zurückzu- behalten. Der unabhängige Sozialist A u g a g ne u r verlangte, daß diese Interpellation mit der Erörterung über den Bericht des Abgeordneten Pate, der gestern der Kammer vorgelegt wurde, der- bunden werde. Ministerpräsident B a r t h 0 n erklärte, neben der Verantwort- lichkeit der Kammer gebe es auch solche der Regierung. Die Jnter- pellasionen hätten ihren Ausgangspunkt in den Erklärungen, die er in Caen abgegeben hätte, aber bereits Ende März habe die Regierung ihren Entschluß angekündigt. Wir beharren darauf, ögte er; es ist die Erfüllung einer gebieterischen Pflicht.(Sehr gut! im Zentrum.) Das Gesetz von 1306 ließ der Regierung die Freiheit, unter ihrer Verantwortung die Umstände und die Stunde der Entscheidung zu bestimmen. Gewiß werden die berxits heute j wüiffchen' übrVg. Hm der Partei* Wiener und Berliner Organisationsverhältnisse vergleicht der verdienstvolle Bildungswart der Wiener Arbeiter» schaft, Genosse Dr. Danneberg, in einem interessanten Artikel der„Wiener Arbeiterzeitung" miteinander. Er stellt fest, daß Wien Berlin in der einen Hinsicht voraus sei, daß in der öfter» reichischen Hauptstadt fast ein Drittel der sozialdemokratischen Rcichsratswähler politisch organisiert ist, in Berlin dagegen kaum ein Fünftel. In dem roten Mustcrbezirk Ottakring— Wien XVI — sind sogar 51,5 vom Hundert sozialdemokratischer Wähler Partei» Mitglieder— ein Prozentsatz, wie er nirgendwo in Deutschland erreicht ist. Freilich sind die Beiträge in Oesterreich viel niedriger und dabei gehen die Mittel der Partei zu einem ungleich höheren Teil als in Deutschland bei den Wahlen auf, denn der infame behördliche Wahlschwindel in Wien erfordert eine ungeheuer kost- spielige Parallel- und Kontrollorganisation der Partei für die Wählerlisten. In der Verbreitung der P a r t e i p r e s s e ist Oester- reich und Wien weit zurück. Während am 30. Juni 1912 den 89 730 männlichen Parteimitgliedern Grotz-BerlinS lOSSOO Abon- nenten des„Vorwärts" gegenüberstanden, sind in Wien nur die Hälfte bis ein Drittel der Parteimitglieder Abonnenten der „Arbeiterzeitung". Der hohe Preis deS Blattes— 2 Kr. 20 Heller gleich 1 M. 90 Pf. gegen 1 M. 10 Pf. in Berlin— trägt daran viel Schuld, aber es ist in Oesterreich kaum möglich, daS Blatt billiger herzustellen, schon wegen der hohen Papierpreise, gewiß aber auch wegen der geringen Auflage und der Minderzahl der Inserate. Die Berussstatistik der Wiener Parteimitglieder zeigt, daß die Wiener Sozialdemokratie fast eine Nur-Arbeitcrpartci ist, selbst in der stark bürgerlichen Leopoldstadt— Wien II— stellen den Intel- lcktuellen und die Selbständigen kaum ein Zehntel der Partei.. Interessant ist. daß die Zahl der genossenschaftlich Orga- nisierten in ganz Wien größer ist als die Zahl der Partei- Mitglieder— gewiß nur eine Folge der Teuerung, die auch Nicht- organisierte in die Konsumgenossenschaft führt. In Ottakring ist das hocherfrculiche Resultat erzielt, daß volle vier Fünftel der Gewerkschaftsmitglieder auch Partei mit- gliedcr sind! Die Wiener Partei hat noch sehr große Auf- gaben. Bei den ersten Wahlen unterm gleichen Wahlrecht. 1907, dürsten noch 70 000 Arheiterwählcr nichtsozialistisch gewählt haben und die Verbreitung der Partciliteratur, sowie die Benutzung der trefflich eingerichteten Arbeiterbibliotheken läßt noch sehr viel zu Gcwcrhlcbaftlicbea» Berlin und Umgegend. Achtung, Sattler Koffermacher, Täschner! In der Kofferfalirik tum Heinrich S t ö h r u. Co., Elisabeth-llfcr 53, haben sämtliche Kollegen wegen Nichtinnehaltung des Tarifvertrages für die Reise- nrtifel- und Portefeuillebranche die Arbeit eingestellt. Der Betrieb ist für Sattler, Koffcrmacher, Täschner und Hilfsarbeiter gesperrt. Die Lrtsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung, Tabakarbeiter! Tic Zigarrenfabrik von R a d k e, K, Veteranenstr. 27, ist nach wie vor gesperrt. Die Ursache ist Tarifbruch. Die grünen Plakate werden der Firma entzogen. Arbeiter, Raucher! Fragt immer, wenn ihr Zigarren kauft, nach den grünen Plakaten. Dieselben sind nur dann echt, tvenn dieselben init Alwin Schulze unterschrieben sind. Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. veubscbes Beid,. Das Nachspiel zum Bergarbeiterstreik. Zähneknirschend fahren die Arbeiter wieder an; sie fluchen und schimpfen auf die Führer der Polnischen Vereinigung. Aber auf einigen Gruben verharren die Bergleute noch im Ausstände. und sie wollen lieber nach Frankreich abwandern, als so bedingungs- loS wieder einfahren zu müssen. Auf den Huldschiener Gruben sind noch alle Arbeiter im Ausstande, und sie wollen noch monatelang aushalten, auch ohne Unterstützung. Die Arbeiter haben auch Aussicht, mit ihren Forderungen durdizukommen, weil die Gruben- Verwaltung nicht dem obcrschlesischen 5tohlenshndikat angehört. Auch im Rhbccker Bezirk und im Kreise Plcst streiken die Bergleute weiter. Amtlich wurde bekanntgegeben, das; bei der Frühschicht am hlliittwoch nach 11600 fehlten. In Wirklichkeit wird die Zahl nod; viel größer sein, weil viele Tausende von Obersäilesien abgewandert sind. Auch daran, daß die Destillen immer noch geschlossen bleiben und auch die fremden Gendarmen und Schutzleute nocki nicht nach .Hause geschickt werden, kann man erkennen, daß die Zahl�der Aus- ständigen immer noch eine ganz bedeutende ist. Es ist bedauerlich, daß der Streik so ergebnislos endete, den selten stand wohl ein Streik so günstig. Schon am 4. Mai schrieb das llntrrnehmerblatt, die„Kattowitzer Zeitung": „Durch den Streik, der wider Erwarten nicht mir nicht abgeflaut ist, sondern eher noch Zunimmt, sind die Verladungen natürlich recht nachteilig beeinflußt worden. Trotz der großen Bezüge lauge vor Ausbruch des Streiks sind vielfach große Bc- stände nicht vorhanden, und namentlich in einzelne» Betrieben der Eisenindustrie sieht man der weiteren Entwickelung mit einigen Bedenken entgegen. Die Verladungen an JndustrikÜohlen sind noch am wenigsten zurückgegangen. Es konnte immerhin so viel gefördert werden, daß die Werke einigermaßen versorgt wurden. Bei den Hütten ist dies allerdings nicht ganz der Fall; die Kokereien können nicht so viel Kokskohlen heranbckoinmcn als sie benötigen, und mußten ihre Kokserzeugung daher teilweise einschränken. Tic Verladungen von Gaskohlcn genügten bisher ebenfalls einigermaßen den Anforderungen, doch ist es gegen- wärtig schon schwer, allen Wünschen nachzukommen. Daß daher auf die bei den Zechen vorhandenen Bestände zurückgegriffen werden muß. ist crklärliai, ebenso, daß man dem Export weniger Beachtung widmen kann." Soweit das Unternehmerblatt; in Wirklichkeit Ivar die Situa- tion für die Grubenbesitzer noch viel ungünstiger. Tie Kohlender- ladung Oberschlesicns. die sonst etwa 1 1 000 Waggons beträgt, war schon bis auf 1000 heruntergekommen. Hätten also die Bergleute nur noch für vier bis acht Wochen Unterstützungsgclder gehabt, dos Resultat wäre ein anderes gewesen. Der Streik ist nicht abgebrochen, das muß noch einmal erwähnt werden, nicht weil er aus- sichtslos ivar, sondern ivcill die Polnische Berufs- v c r c i n ig u n g keine Gelder besaß. Nun werden sicki die Unternehmer für künftige Fälle besser vor sehen, und ob die Arbeiter noch einmal so zusammenhalten werden, ist auch noch sehr zweifelhaft. Tiesmal haben sie alle festgestanden, und selbst die Prediger waren für den Ausstand. In Birkental fand ein großer Gottesdienst statt für eiiw glückliche Beendigung des Streits. 2000 Personen nahmen daran teil. In anderen Orten sammelten die Bcrgarbeiterfrauen Geld, um für das Gelingen des Streiks einige Messen lesen zu lassen. Wir hätten es den Berg- arbcitcrn gegönnt, wenn sie die Achtstundenschicht durchgesetzt hätten, statt daß sie nun mit Tränen in den. Augen wieder zur Grube zurückgehen müssen, um nun wiederum 10, 11 und 12 Stunden lang zu arbeiten. Tie lange dreizehnstündige Arbeitszeit unter Tage, und die Wirkungen des Schnapses werden wieder die 5iumpfeslust lähmen, und es bedarf einer ständigen Agitation, um die Berg- arbciter nicht wieder einschlummern zu lassen. Geradezu lächerlich ist es aber, wenn die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" den Gendarmen Lorbeeren windet, weil sie keine Gelegenheit fanden einzuhaucn. Gerade weil die preußische Polizei bei ähnlichen Gelegenheiten allzu scharf vorgegangen ist,.deshalb hüteten sich die Bergarbeiter, sich wegen eines unbedachten Wortes unglücklich zu machen. An ängstlichen und lügenden Streikbrechern hat es nicht gefehlt, und die Gendarmen werden auch nicht gerade beide Augen zugedrückt haben, nein, an Vorkommnissen und Bc- weisen hat es gefehlt. Die Frauen und die besonneren Arveiter haben die Heißblütigeren aus der Nähe der Gendarmen fortgezogen. Die Bergarbeiter waren zu siegesgewiß, hatten deshalb noch nicht den Humor verloren; das war die Ursache, warum der Streik so friedlich verlief. Dafür ein Beispiel. In Niendorf war bekannt geworden, daß am anderen Tage die Sircitbrcchcr mit der F e u e r- wehr abgeholt werden sollten. Ganz Niendorf, Männer, Frauen, Greise und Kinder, ivar morgens um fünf Uhr auf den Beinen, um der Abfahrt der Streikbrecher beizuwohnen. Der Wagen kam, besetzt mit sechs Feuerwehrleuten, aber kein Streikbrecher stellte sich unter ihren Schutz. Und als dann ein Humorvoller riet:„Ihr müßt auf den Wagen eii�Bund Stroh legen und einen Eimer Wasser dazu stellen, dann mnrd sich schon ein Ochse einfinden 16 M. pro Woche, steigend in jedem weiteren halben Jahr um 1 M. bis zu 13 M. Für Heberstmiden werden 23 Proz., für Nacht- und Sonntagsarbcit 50 Proz. Zuschlag bezahlt. Die Arbeitszeit wird um 2 Stunden pro Woche verkürzt, Außerdem wurden noch verschiedene sonstige Begünstigungen zugestanden. Die Aus- ständigen sollen bis zum 19. Mai alle wieder.eingestellt werden. DDDDW-. WW verließ auch die Feuerwehr die 2000 Zuschauer und fuhr ohne Streikbrecher wieder ab.__ Zum Färberstreik in Krefeld. Die Hartnäckigkeit der Färbereibesitzcr Krefelds dürfte auf eine harte Probe gestellt werden. Wenn sie glauben, sie würden im Auslande die ihnen zum Färben übergebenen Garne gefärbt er- halten, so dürften sie sich darin empfindlich getäuscht sehen. Aon feiten des Deutschen Textilarbeiterverbaudes sind auch die Färber des Auslandes über den Kampf in Krefeld aufgeklärt worden. Seine Ab- gesandten hielten in der Schweiz wie in Frankreich zahlreiche Wer- sammkungen ab, die alle ihre Sympathie für die Streikenden in Krefeld zum Ausdruck brachten und in denen zum Teil beschlossen wurde, selber Forderungen zu stellen, vor allem aber jede Art Streirarbeit zu verweigern, sobald sich eine Arbeit als solche erwiese. Selbst bis nach Eomo in Italien ist man gegangen. Tort haben die Färbereiarbeitcr beschlossen, jede Uebcrzeit- arbeit zu verweigern, weil sie nicht sicher sind, ob sie nicht siir Krefeld mit schaffen müssen. Die Färbercibesitzer Krefeld» dürfen also nicht hoffen, den Deutschen Tcxiilarbeiterverbond mit seinen Forderungen sobald niederringen zu köitnen; allem Anscheine nach wird der Kamps jetzt erst recht scharf werden. Ter Buchdruckerverband im Jahre Der Jahresbericht dieser Organisation erstreckt sich im Hin- blick auf die Mitte Juni in Danzig tagende Generalversammlung über die zwei letzten Jahre. 1911 wurde nach langwierigen und äußerst schwierigen Verhandlungen im Tarisausschusse der Buch- druckcr der Tarif einer Revision unterzogen. Das Jahr 1912 hat dann eine im allgemeinen crsrculich glatte Einführung der neuen tariflichen Bestimmungen gebracht. Aber es setzte auch eine Nadelslichpolitik der Unternehmer ein, manche Vergünstigung wurde entzogen, manche Härte griss Platz. Ter Organisation er- wachsen durch das unausgesetzte rapide Vordrängen der Maschine — nicht etwa nur der Setzmaschine— immer größere Beschwerlichkeiten. Wenn im Tarif nicht ein die Arbeit der verschiedenen Branchen im einzelnen bestimmendes Reglement enthalten wäre, würde manches schlechter und die Arbeitslosigkeit gewiß noch höher sein, als sie ohnehin schon ist. Im Bericktsjahre hatte der Ver- band außerdem mit erheblichen prinzipiellen Schwierigkeiten zu kämpsen. Da ging die Untcrnchmcrhauptorganisatiou aus ihrer vorjährige» Gcucralvcrsainiiilung daran, für die nächste Tarif- revision(1916) sich einen Abwehr- oder«treiksonds zu schassen, für den nach der Kopfzahl der beschäftigten Arbeiter ein obliga torischer Wochcnbeitrag zu entrichten ist. Ferner wurde eine aus ganz Deutschland sich zusammensetzende Tarifkommission gebildet, die eigentlich keinen anderen Zweck hat, als Vorschläge zur Ver- schlechtcrung des Tarifs im Jahre 1916 auszuarbeiten. Dann tat sich die' direkt tarifgcgnerische und verbandsfeindliche kleine Neben- Organisation der UnternchmcH, der Arbeitgebcrverband für das Druckgewcrbe, der im Austrage des Zentralverbaiideö deutscher Industrieller handelt und in dessen Solde, steht, unrühmlich hervor. Mit allerlei öffentlich crhobcncn�Pcrdächtignngcn und durch Peti- turnen an die Bundesregierungen— veritablcn Denunziationen— arbeitete sie, den Frieden im Gewerbe zu stören, welch edle Bc- schäftigung dadurch besonderes Interesse.gewinnt, daß ein Pastor a. D. namens Zill essen in Berlin der Führer dieser extremen Scharfmacher ist. Weiter vollführte der Kreis II(Rhein- land-Westfalenl der Hauptorganisation(Deutscher Buchdrucker- verein) im Frühjahr und im Herbst 19l2 einen Heidenlärm, der sich zum Teil gegen die oberen Tarifinstanzen, in der Haupt- fache aber gegen den Buchdruckerverband richtete und zugunsten seine» bei der Tarifrcvision 191i wieder cinnial wie auch in der Tarifausschußsitzung am 21. und 22. April d. I. mit seinem An- spruch auf Gleichberechtigung in den Tarisorgancn abgefallenen Schützlings Gutenbergbund rintcrnomnicn wurde. Dieser selbst betrieb das saubere Geschäk?dcr Provokation und Denunziation gegenüber der Tarifgemeinschaft und den Verband in noch größc- rem Maßstabe, als die mit ibm konkurrierende Zersplitterungs- organisation aus Ilntcrncbmcrseitc; er behelligte sogar die Parla- mente(Reichstag und bahcrischcn Landtag). Im Jahresbericht wird auch erwähnt, was eine Konferenz der Gauvorsteher zu diesen» Vorgängen und Machenschaften zu erklären hatte, daß darauf eine Aussprache mit der Leitung der Ilnteriichmcrorganisation statt- fand, die zlvar berubigcnde Versichernngen abgab, aber ein bc- Unruhigendes Zukunftsprogramm für 1916 dabei durchblicken ließ. Der Buchdruckerverband hat trotz der entfalteten Hetze und der sich nlchrciidcn Schwierigkeiten seinen Weg weiter genommen. Scinc Mitgliederzahl stieg aus 67 273, was einer Zunahme von 2180 entspricht, wofür fast ausschließlich nur noch Anslerncilde in Betracht kommen.'Die von einflußreichen Kreisen mit erlaubtem wie mit unerlaubten Mitteln geförderte Afterorganisation Guten- bergbund kann trotzdem, selbst mit Einschlust ihrer österreichischen und sdiwcizcrischcn Filialen, nur 194 neue Mitglieder verzeichnen, womit sie ganze 3296 Mitglieder zählt. Enorme Auswendungen hatte der Verband für die Arbeits- losenunterstützung zu mächen, die zum ersten Male über eine Million Mark— 1 151 606 M. gegen 920 612 M. in 1911— erforderte. Dementsprechend war auch die Arbcitslosenziffcr hoch: 4,75 Proz.(Vorjahr 4 Proz.); aus jedes Mitglied umgerechnet, cnt- fielen 17,50(14,50) Arbeitsloientage im Jahr. Die Krankcnziffcr ist dagegen gefallen: 2,75 13,15) Proz. Verausgabt wurde an Unterstützung für Kranke 906 913(977 420), an Invalide 379 499 (338 232), für wandernde Mitglieder 227 453(183 586), für Ge- maßregelte 8342>'3622», als Umzugsbeihilfe 43 700(40 439) und als Begräbnisgcld 98 173(93 400) Mark. Sämtliche Unter- slützungszweige erforderten 2 817 059(2579 131) Mark. Dazu wurden aus den Gau- und den Mitgliedschaftskassen noch Zuschüsse im Betrage von über 800 000 M. gezahlt. Das sind gewiß gewaltige Summen und große gciverkschaftlichc Leistungen. Aber auch das Einnahmekonto weist illlponierende Zahlen auf, nämlich 8898655 M. für 1912 und 3 704 623 M. für 1911. Der Beitrag ist in Anbetracht der übermäßigen Unterstütziingsanfordc- rungen wie im Hinblick auf die ganzen Verhältnisse ab 1. Januar dieses Jahres um 10 Pf., auf 1,20 M. pro Woche crböht worden, wozu noch Gau- und Lokalbeiiräge bis zu 70 Pf. pro Woche treten. Ter Streik bei der Cichorienfabrik Scheuer in Fürth f. B. ist nach 13 wöchiger Dauer beendet. Durch Vermittelung des Rais- assessars Schwiening fanden Verhandlungen statt, die zum Abschluß eines Tarifvertrages führten. beträgt der Anfangslohn für Arbeiter von 16—20 Jahren 19 M., von 20 Jahr aufwärts 20 M. mit einer weiteren Steigerung von 13 Proz., ver- teilt auf vier Jahre. Der Anfangslohn der Arbeiterinnen beträgt .. WWM Pf. pro Woch________ — Der Buchdruckerverband schließt das Jahr 1912 mit einem Per mögensbestande von 9 768 791 M.(Vorjahr: 8 993 458 M.) ab, ohne die besonderen Vcrwaltungsbcstände in den Mitglicdschafrs- und Gaukaycn. die am Jahresschluß mjgefähr 3 Millionen Marl aufzuweisen hatten. Ausland. Internationale Ttreikbrechervermitteluug. Wir haben im Laufe der letzten Monate mehrfach berichten können, wie die Hintzegarde ihre Tätigkeit immer weiter aus- dehnt. Bereits sind eine ganze Reihe von Strcikbrccher-Vcrmitt- lungsbureaus, die ihren Sitz namentlich in Hamburg und Wandsbek haben, damit beschäftigt, überallhin ihxe teure Ware zu liefern. Allerdings war es nicht immer ganz leicht, bei einem plötzlich ausbrcdiendcii Streik die notwendige Zahl dieser„nütz- iidien Elemente" schnell genug zusammen zu bekommen. Aber nach und nach funktioniert die Sache besser und besser. Mit Geld kann man alles machen, und da den Unternehmern keine Kosten zu hoch sind, wenn es gilt, die um ibr Menschtum kämpfenden Arbeiter niederzuringen, so sind die Kommandeure der Raus- reißergarde in der Lage, stets genügende Trupps ihrer„Sieben- monatskinder" bereit zu halten. Und ihr Tatendrang ist groß, Deutschland ist zu klein für ihren Kampfesmut, sie gehen daran, den internationalen Markt mit Arbeitswilligen zu versorgen. Es ist die bekannte Firma L i n d e n b e r g u. Meyer in Wandsbek, die jetzt diesen Zug ins Große unternimmt. Ein Schreiben dieser Firma, das ein günstiger Wind ans den Redaklionstisch des „ Basier Vorwärts" geweht hat, trägt das Datum vom 9. April 1913. Es ist eine Offerte an die s cknv cizcrischcn Unternehmer, und trägt den Vermerk„Streng vertraulich" mit dem Zusatz:„Im Interesse der Sache ist strengste Diskretion crfordcr- lich. Es wird höflichst gebeten, bei Beantwortung diesbezüglichen Schreibens keine Postkarten zu bcnützen". Das Zirkular lautet: „Infolge heutiger Lage auf dem Arbeitsmarktc und des Vorgehens der organisierten Arbeitersdiaft sowie deren Organe, ist es unbedingt erforderlich, daß den Herren Arbeitgebern Ge- lcgenheit gegeben wird, sich gute und arbeitswillige Hand- werter und Arbeiter bei eintretenden Streiks und Aussperrun- gen zu sichern. Durch unser Unternehmen ist es heute den Arbeit�bern möglich, die oft unberechtigten Forderungen der Arbeiter zurück- weifen zu können und erfolgt die Ucbcrnahme der bestreikten Arbeit durch uns als selbständige Unternehmer. Wir können jeden Betrieb innerhalb 24 bis 48 Stunden mit zirka 1500 Handwerkern und Arbeitern utid eventuell mehr über- nehmen. Ticke industriekle Unlernchiniingen sowie Arber�geber- verbände haben Verträge auf Jahre hinaus mit Zins ge» schlössen und möchten wir nicht unterlassen, auch Jhrvn die Schließung eines solchen Vertrages mit uns zu empfehlen. Sollten Sie gcmigt sein, auf unser Angebot einzugehen, so ist eine persönliche Unterredung dort am Platze unbedingt rr- fcidcrlich und sind wir eventuell gerne bereit, einmal nach dnrt zu kommen.. Inliegend überreichen wir Ihnen einige Ancrkennungs« schreiben über bereits mit Erfolg erledigte«treiks. In Entgegensehung Ihrer gcfl. Rückäußerung empfehlen wir unS Ihnen und zeichnen Hochachtungsvoll Lindcnbcrg u. Metze r." Diesem Schriftstück sind noch 32 Ancrkcnnungsschrci» bcn bisheriger Kunden der Firma Lindcnbcrg u. Mcvcr beigefügt. Mehrere Firmen erklären, daß ihnen die beschafften Leute„beim Streik aus dem Gröbsten heraushelfen" konnten; andere sagen den Streikvrecheragcntcn Dank, daß sie ihnen ge» Holsen,„den Streik in jeder Weise siegreich niederzuschlagen." Wenn sich die Geschäftstätigkeit der Hamburger Streikbrecher» Vermittlnngsagenten in dieser Weise ausdehnt, dann kann es Deutschland innerhalb der kapitalistischen Welt noch zu großem Ansehen bringen; es würde das hervorragendste Ausfuhrland siir Arbeitswillige, dazu berufen, gegen emkvrcchcndc Bezahlung ver- trags mäßig den Aufstieg der Arbe:tcrklasic zu hindern.— Daß Deutschland diese Schmach erspart bleibt, dafür wird die klassenbewußte Arbeiterschaft sorgen. flm Vorabend der Candlagswabl. Seit Wochen haben unsere Parteigenossen eine rege Wahl» agitation betrieben. In zahlreichen Versammluiigen und Flug- blättern sind die Wähler auf die Bedeubung der Landtagswahl hingewiesen wordeil. Durch eine Fülle von Kleinarbeit ist die Wahl vorbereitet. Alles ist klar zum Gefecht und bereit, dem Gegner eine empfindliche Niederlage zu bcreiicn. Noch eine letzte Agitationsarbcit war �u vcrrZchtcn. Ihr dienten die fünfzehn Versammlungen, welche gestern, am Vor- abend der Landtagswahl, stattfanden. Es galt, in letzter Stiindc die Wähler nocbmals zum Kampf anzufeuern, zum Kampf für die Eroberung weiterer Mandate der Sozialdemokratie und zu dem ungleich bedeutenderen Kampfe gegen das Unrecht der Dysti- klasscnwahl. In Massen waren die Wähler dem tliuf zur letzten Heerschau: vor dem Kampfe gefolgt. Besonders in den Wahlbezirken, wo unK ein heißer Kampf bevorsteht, wo uns aber auch die Aussicht auf den Swg winkt, war der Andrang zu den Versammlungen sehr stark. Kampfcsfrcudigkeit und frohe Siegeszuversicht erfüllte die Gemüs�r der Genossen. Die Stimmung der Versammelten, der stürmische Beifall, den die Ausführungen der Referenten auslösten, ließ ohne Zweifel erkennen, daß unsere Parteigenossen in den beiß» uiilstrittenen Wahlbezirken mit gewohnter Energie und Entschlossen- hcit die Wahlschlacht schlagen werden,»m den Gegner aus s'.stncn Positionen zu vertreiben und neue Mandate für die Sozialdemo» kratie zu erobern. Was die Massen am Vorabend des Kampfes bewegte, da? brachten die Referenten in beredten Worten zum Ausdruck. Sie zeigten, daß Preußen unter einer Regierung, die sich auf die Juiikcrcliquc stützt, ein Hort der Reaktion ist, wo die Reckte des Volkes vor den Interessen der herrschenden Klasse zurüdtrctcw müssen. Dem reaktionären Junkerregiincnt gilt unser Kampf. In diesem Kampfe können wir uns auf keine bürgerliche Partei ver- lassen. Nur auf die eigene Kraft sind wir angewiesen. Dcsbaib gilt es, unsere ganze Kraft einzusetzen, um die Feinde des Volles ans ihren Positionen zu vertreiben. Wenn wir auch in Berlin nicht direkt gegen Vertreter der Junkcrklasse zu kämpfen haben, so sind doch die Vertreter des Liberalismus, die uns hier gegen- überstehen, nicht minder entschieden zu bekämpfen. Längst würde die Reaktion am Boden liegen, wenn der bürgerliche Liberalism>is, als er noch die Kraft dazu hatte, den Kampf für Volksrecht niid Volksfrcihcit mit Nckchdruck geführt hätte. Doch das hat er nicht getan. Im Gegenteil. Er ist eine Stütze der Reaktion und führt den Kampf mit mehr Energie nach links wie nach rechts. Wenn wir also bei dieser Wahl dem Liberalismus wieder�einige Mandate abringen, so fördern wir damit den politischen Fortschritt. Doch wir sind nickst im Zweifel darüber, daß die Vermehrung der sozialdemokratischen Landtagsmandatc nur eine beschränkte seiir kann. Hat sich doch die Reaktion hinter dem Dreiklassenwahlrecht verschanzt, diesem elendesten aller Wahlsysteme, welches die Ilster- essen des Gcldsacks in ungebührlicher Wcisck begünstigt und die breiten Massen der arbeitenden Bevölkerung zur Rechtlosigkeit ver» urteilt. Solange das Unrecht der Dreiklassenwahl besteht, ist an eine freiheitliche Entwickelung in Preußen nickt zu denken. Darum kämpfen wir nickit nur für die Eroberung neuer Mandate, sondern wir führen den Kampf in erster Linie gegen das Dreiklassen- Wahlrecht. Eine bedeutende Bermcbrung der sozialdemokratischen Stimmen muß den herrschenden Klassen zeigen, daß die Arbeiter- klassc entschlossen ist. auszuräumen mit dem reaktionären Schutt der Vergangenheit, damit endlich and) in Preußen der Freiheit eine Gasse gebahnt werde. So wird denn der Wahlerfolg, den wir erringen, ein weiterer Schritt sein zur Stärkung unserer Macht. zur Ileberwindung der reaktionären� Gewalten und zum Siege unseres Freiheitsideals. Getragen von diesen Gedanken werden unsere Parteigenossen — das zeigte der Verlauf der imposanten Versammlungen— heute den Wahlkampf führen. Sic werden mit demselben Eifer, den sie seit Wochen bei den Wahlarbeitcn betätigten, am Wahltage ihre Schuldigkeit tun, rnn unseren früheren Erfolgen neue Erfolge. neue Siege hinzuzufügen und den Wahltag zu einem Ruhmcstage für die Sozialdemokratie zu machen. ketzt* Nachrichten« Ein Rückzug der cuglischen Regierung. London, 13. Mai.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Der Kampf der englischen Sozialisten zur Ver» tcihigung der gefährdeten Preßfrciheit ist durch einen Ruckzug der Regierung schnell beendet worden Die Regierung hat heute ein Communiguö veröffentlicht, in dem auseinandergesetzt wird, daß nie beabsichtiat war, die Zeitung �The Suffragette" zu unterdrücken, wenn es keine Aufforderung zu irgendwelchen Verbrechen enthält. Diese Erklärung reimt sich jedoch nicht mit der pompösen Bekanntmachung des Rcgierungsadvokaten. der im Auftraae der Behörden gejtern im Gcrichtssaal verkündete, daß das Organ der Suffragetten unterdrückt Iverden müsse. Mit Befriedigung kann konstattert »verden. daß die Regierung eingesehen hat, daß sie sich im Kampfe gegen die Suffragetten zuviel erlaubt hat. Vkrhccrendcr ZyklotTim Staate Nebraska. New Aork, 13. Mai.(P.-C.) Aus Seward im Staa.e Cansa« wird iclcgraphicrt, daß ein Teil des Staate? Nebraska von einem furchtbaren Zyklon heimgesucht worden ist. Die Ställe»oll außer. ordentlich beschädigt sein, ganze Häuser sollen in Trümmern Iirgea. Es werden über 69 Tote und 50 Verwundete gemeldet. In Wirklichkeit wird die Zahl der Opfer eme erbeblich größere fem. r�._______.____-.---—«t I llnterfmll 'Lstrantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Uh. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdr.u. VeriagsanitaU SaulSlNKerd-Co.,BerltnLW. Hcerzu 3 Beilagen».Unterhaltung»«. Ar. M. 30. Zahrgimg. 1. Stiliirit des Joimörts" ßttlinet ßolMlott Mag. tk. Mai 1913. Qulttuncf. 3m Monat Llp r i I gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parterberträge ein:(.z. L.-W.*=-zur Landtagswahbf 1. Berlin v. d. Kellnern i..Piccadilly" anstatt Märzkr. z. L. W. 13,80;». Berlin R. V. 3,—; Köln Reg. W. 20,—; Meske- Schlachtensee 20.—; 4. Berlin.Wir singen weiter Nr. 2001" 3.10; 5. Berlin, Kontobucharbeiter v. Wedding 39,—; 7. Falkenberg O. S., A. L. 8,—; 8. Berlin. Arb. d. Fa. F. Werner, Lutzowstr., v. Kranzübersch. 41,80:«>. Berlin. Ucberich. v. März. kränz v. d. Arb. d. Schultheist-Brauerei Abt. 4 19.60;»4. Berlin. v. d. Tischl. d. Fa. Stehmann, Neukölln, Kottb. z. L.»W. 10,—; Mcske-Schlachtensee z. L.-W. 200,—; 16. Berlin, v. d. Kraftwagenführ. d. Fa. Progresi z. L.-W. 30.—; 17. Grost-Berlin. a Konto s. 8 Kr. 20 000; darunter: Alexander F. 6.—; Militärschneider v. Hobrecht 9,—; d. Bader 2.—; Uebersch. v. Lcseabend d. 8. Abt. 4,—; Uebersch. d. Märzkr. d. Arb. d. Fa. Schwartzkopff, Chausseestr., z. L.-W. 218,60; Nutz d. Fust 10,—; v. Märzkranzübersch. d. Arb. d. Fa. Max Levh, z. L.-W. 19,70; Uebersch. d. Märzkranzspcnde d. Arb. d. Turbinen- fabrik Hultenstr. 268,28; Bastkarl 3,—; Uebersch. d. Kranzsammlung d. org. Arb. d. Brauerei Engelhardt, Abt. Pankow 43,40; Spar- und Pumpkasse»Immer leer'' 20,36; Rauchklub„Feigenblatt" d. Pmner 3.—; Ä. E.-G., z. L.-W. �6,48; Fusl d. Jckert 8; Bastkarl 8.—; H.«.»Usedomflr. 16,—; Nutz d. Fust 10.—; A. B. Mister 1,—; Märzkranzübersch. v. d. Arb. u. Arbeiterinnen d. Fa. Berg- mann, Berliner Werk 180,—; Sparverein„Fester Wille", Oppelner Str. 20,—; Uebersch. v. Märzkr. d. Arb. d. Fa. Lorenz, Elisabethufer 77,90; von einem Freunde 40,—; Arb. d. Fa. E. Ebenstein, Unter den Linden 40/41 40,—; Uebersch. Märzkr., Schultheitzbrauerci. Abt. 2 d. ZunghauS 38,03;• z. L.-W. 2. Rate Pers. d. Fa. JuliuS Sitienfeld 88,93; Kranzübersch. d. Kall. d. Bockbrauerei Abt. 1 4,03; Guten- berg 28,10; Pers. d. Buchdr. Jul. Sittenfeld. 8. Rate z. L.-W. 77,45; Koll. d. Fa. Sauerwein z. L.-W. 18,—; Konfektions-Tagschneider v- Peel u. Cloppenburg 80,—; Fastkesiel u. Müntmann z. L.-W. d. Schmidt 20,03; z. L.-W. 4. Rate Pers. d. Buchdr. Jul. Sitienfeld 77,70; v. d. Schneidern d. Kleiderwerke Baer Sohn d. Malloneck, Danziger Str. 70. 100,—; ein Ref. Adolf Cohen, 7. Landt.-Wahlkr. 8.-; Merproz. v. Konsumbau d. Otto Schilling 33.—; Sparv.„Selbst- Hilfe" RummelZburg 8,—; Franz Höpfner z. L.-W. 31,28; Rotations- Maschinenmeister„Vorwärts" z. L.-W. 40,—; Sechserkasse Möbelfabrik Eiche 20,—; SS Berlin. Arb. d. Fa. Schmidt u. Brückmann a. d. Sechserkasie z. L. W. 30—; SZ. Berlin Salzerei d. „Berl. Morgenpost" z. L.-W. 14,70; 25. Berlin Herrenmast- schneider d. Fa. Peel u. Cloppenburg, Grünstr. z. L.-W. 20,—; 28. Berlin v. d. Schneidern d. Fa. Wend u. Redlich z. L.-W. 40,—; Berlin Machetes 20,—; 29. Berlin Dr. L. A. 100—: »«. Berlin Mitgl. d. U.-Dr. 2,80; A. B. 30,—; H. H. 80,—; Hennig-Argentinien 8,—. Berlin, den 14. Mai 1913. Für den Parteivorst and: Otto Braun, Lindenstr. 3. Postscheckkonto: Nr. 7913, A. Gerisch, F. Eberl, O. Braun, Berlin, Lindenstr. 3, beim Postscheckamt Berlin. drückenden Gemeindesteuern erfahren; dem Arbeiter wird ver- heitzen, dast er weniger Miete zahlen und höhere Löhne erhalten wird; Pachtgerichtshöfe sollen für den Pächter gerechte Pachten festsetzen; und dem Arbeiter des Pächters wird ein Mindestlohn versprochen. Lloyd George hat den Mindest- lohn heS Landarbeiters schon auf 20 Schilling festgesetzt. Ä1 Schilling Lohn die Woche ist für den englischen Landarbeiter, der von Speck und Kartoffeln lebt und froh ist, wenn er einmal die Wocke Fleisch essen kann, ein verlockendes Ziel. Diese Höhe erreichen die Landarbeiterlöhne nur in Gegenden, wo Industrie oder Bergbau die Arbeitskräfte anlockt. Die Durchschnittslöhne lGeldlohn und Naturalien) der Landarbeiter waren im Jahre 1907: In England 18 Schilling und 4 Penee; in Wales 18 Schilling; in Schottland 19 Schilling und 7 Pence; in Irland 11 Schilling und 3 Penee. Zwischen den Jahren 1903 und 1912 ist ein Stillstand der Löhne zu verzeichnen. Letzthin gehen sie wieder etwas in die Höhe dank dcrO A g i t a t i o n, die die Landarbeiter unter ihren Berufskollegen betreiben. Von allen Teilen des Landes gehen den organisierten Landarbeitern Ostenglands Nachrichten über Bewegungen unter den Landarbeitern zu. Auf das Konto dieser Bewegung ist auch der Streik zu setzen, der augenblicklich in der westenglischen Grafschaft Cheshire herrscht. Dort ziehen die streikenden Landarbeiter von einer Farm nach der anderen und über- reden ihre Kameraden, sich dem Streik anzuschliesten. Sie fordern ?inen Wochenlohn von 20 Schilling und ein mietefreies Häuschen, also bedeutend mehr als das, was ihnen der Schatzkanzler ver- lEXSSg m Die Candfragc und die Candarbeiter In England. > London, 13. Mai. sEig. Ber.) Die Landsrage und die Landarbeiterfrage werden in England von Tag zu Tag aktueller. Die direkte Ursache dafür ist in erster Linie in der politischen Entwickelung dieses Landes zu suchen. Wie in anderen Industrieländern werden auch in Grostbritannicn die Liberalen immer mehr aufs Land getrieben. Nur dort können sie rioch hoffen, ihre Stellung zu befestigen. Die sich ausbreitende poli- tische Arbeiterbewegung bedroht den liberalen Besitzstand in den in- dustriellen Gegenden. Dazu kommt, dast die Einführung der Selbstverwaltung in Irland die Zahl der irischen Vertreter im Parlament zu Westminster, die bisher die »reuesten Schildknappen des englischen Liberalismus waren, stark vermindern wird. So haben denn die Liberalen ihr warmes Herz für die geknechtete Landbevölkerung entdeckt, deren Stimmen sie in Zukunft mehr denn je brauchen werde», und machen ihr ein Ver sprechen nach dem anderen, ohne sich jedoch offiziell festzulegen. Und die Konservativen befolgen die gleiche unehrliche Politik gegen über einer der bedrängtesten Bevölkerungsschichten. Seitdem die Tarifreform in did Brüche gegangen ist, haben sie nicht mehr den Köder der Lebensmittelzölle, mit dem sie die Land bevölkerung anlockten. Sie spielen sich daher als Sozialreformer auf und bringen im Parlament Gesctzesvorlagen zur Hebung des Landarbeiterstandcs ein. Dadurch entsteht ein hitziger Kampf zwischen ihnen und den Liberalen über die Frage, wer von ihnen der wahre„Arbeilerfreund" ist. Ein konservativer Gesetzesentwurf zur Linderung der Wohnungsnot auf dem Lande' muhte vor einigen Tagen zurückgezogen werden, da die Regierung die nötigen Geld- mittel nicht hergeben wollte. Jetzt hat eine konservative Gruppe einer liberalen Landgruppe ein Stück von ihrem Programm gestohlen und die gesetzliche Einführung von Lohnämtern für die Landarbeiter- schaft beantragt. Auf diesen unlauteren Wettbewerb hat der Schatz- kanzler ini Parlament mit dem Anerbieten reagiert, die Konservativen möchten mit den Liberalen gemeinschaftlich die Landfrage lösen. Und so geht die Komödie weiter.' Die Lösung der Landfrage soll nach den lauten Versicherungen liberaler Führer das nächste Problem des englischen Liberalismus sein. Leider sind sich die Liberalen noch nicht darüber einig, was denn eigentlich die Landfrage ist. Im letzten Jahre hiest es, der Schutzkanzler werde am 26. Oktober einen grasten Feldzug zur Lösung der Landfrage anfangzm Aber aus der Sache wurde nichts, angeblich weil die Balkanwirren dazwischen kamen, in Wirklichkeit aber, weil die reichen Liberalen und die liberalen Landbesitzer Angst bekamen und ihr Veto einlegten. Vorläufig ist das offizielle liberale Landprogramm noch von einem dichten Nebel umgeben; ein liberales Untersuchungskomitee ist noch damit beschäftigt, Tatsachen zu sammeln! Innerhalb der liberalen Partei herrschen die verschiedensten Ansichten über das. was man die Landfrage nennt. Die einen verstehen darunter die Gemeindesteuerreform. Zurzeit werden die Gemeinde- steuern srows) voi� den Gebäuden nach Mastgabe des Mict- iveries erhoben. Die liberalen Bodcnbesteuercr fordern nun, das; in Znku"'t dw Gememdelasten vom Grund und Boden gelragen werden, so dast der aus Spekulationsgrllnden unbcnützte Boden besteuert werde und auf den Markt komme. Eine andere Gruppe, die Singleiaxers, die man als die Freischärler des Libera- USmuS bezeichnen könnte, tchtoören auf Henry George und feine unverdauten Theorien. Sie suchen die ganze soziale Frage zu lösen durch die Umwandlung aller«teuer» in eine Landsteuer, so dast die Differentialgrundrcnte allmählich gänzlich der Allgemeinheit zufällt. Neben und zwischen diesen Haupioruppen gibt es eine Anzahl mehr oder weniger schart abweichender Eigenbrödler und Seklianen. Aber allen haftet das Merkmal an, dast sie sehr freigebig «tt Versprechen sind. Der Kleinbürger soll eine Entlastung von den Vir der Freisinn für den Geldstttk sorgte! In Preußen wird etwa die Hälfte der Netto-Staatsein- nahmen aus direkten Steuern aufgebracht, die andere Hälfte aus den Uebersch iissen der Staats- betriebe, also der Eisenbahnen, Bergwerke, Forsten usw. Zu den direkten Steuern werden auch ganz unVerhältnis- mäßig die Nichtbesitzcndeu herangezogen, da jeder Unternehmer verpflichtet ist, den Steuerbehörden genaue Angaben über die Löhne seiner Arbeiter und die Gehälter seiner Angestellten zu machen, sofern sie nicht über 8000 M. verdienen. Das Ein- kommen und Vermögen der Besitzelldeu können dagegen mit Leichtigkeit der Versteuerung entzogen werden! Trotzdem hat es der Freisinn der S o z i a l d e m o- kratie überlassen, energisch für die Steuerbefreiung der unteren Einkommensstufcn einzutreten. Dagegen stimmte er dafür, daß sogar die Zuschläge schon von 1200 M. an erhoben würden! Dafür hat Herr Mngdan noch unlängst der Fortschritt- lichen Volkspartci nachgerühmt, daß sie mit Löwenmut für die Beseitigung aller Zuschläge gekämpft habe. In der Tat: der Freisinn hat gemeinsam mit Nationalliberalen und Zcn trum gefordert, daß vie Steuerzuschläge wieder beseitigt würden. Was bedeutete das? Nichts(geringeres als ein glattes jährliches Steuergeschenk an die Besitzenden, die Reiche« und Schwerreichen in Höhe von 52 Millionen Mark! Einem Manne mit 100000 M. Einkommen sollten so 1000 M. an Steuern jährlich geschenkt werden. Krupp, der 20 Millionen versteuert, würde ein jährliches Steuergeschenk von 200000 M. erhalten haben! So sorgt der Freisinn für die Reichen! Jede Aussicht, eine Steuerbefreiung für die Nichtbesitzendcn auch nur bis zu 1300 M. Einkommen durchzusetzen, wäre durch den Steuernachlaß für die Reichen völlig aus- geschlossen gewesen! Ebenso hätten die Nnterbeamtcu irnd Staatsarbeiter alle Hoffnungen auf Gehalts- und Lohnaufbesserung aufgeben können. Im Gegenteil, da die 32 Millionen Ausfall doch anderweitig hätten gedeckt werden müssen, wäre die fiskalische Ansbentnngswirtschaft noch toller geworden. Das alles wußte natürlich auch der Freisinn! Aber die Sorge um das Portemonnaie der Reichen ging ihm über alles! Hz Z spricht. Die Beweguiiy brach zuerst in drei Gemeinden aus und greift um sich. Verschiedene Arbeitgeber haben die Forderung der Arbeiter schon bewilligt. Leider liegt die Organisation der eng- tischen Landarbeiter noch sehr im argen; doch der letzte Gewerkschafls- kongrest versprach ihr' kräftig unter die Arme zu greifen. Aus diesem Wege werden die Landarbeiter jedenfalls bei weitem mehr erzielen als durch die Versprechen der Liberalen und Konservativen, deren Landpolitik den Charakter deS Stimmenfangs deutlich an der Stirne trägt.___ 10% Iflülioncn Verletzte, 1�0662 tote! Seit 40 Jahren leben wir in Frieden! Aber kein Ruhen im Menschenvernichten erfreut uns! Jedes Jahr läßt die Zahl der Krüppel und der aus der Berufsarbeit heraus ins Grab Ge- schleuderten zunehmen, riesenhaft anschwellen! Nicht die pfeifende Kugel, nicht Granatensplitter, nicht Säbel und Bajonette sind die Menschcnlcibcr verstümmelnden, Leben vernichtenden Instrumente; zermalmende Räder, gierige Walzen, fressende Fräser und Hobel, glühendes Eisen richten Jahr um Jahr gräßliche Verwüstungen unter der Arbeiterschaft an. Verbrannte, verstümmelte Körper, fehlende Gliedmaßen, aufgeworfene Gräber bezeichnen den Weg des Kapitals. Die gütererzeugende Arbeiterschaft ist es, die die Hckptomben von Opfern zu bringen hat. Trotz Arbeiterschutzkongressc, trotz Gcwcrbeinspektion, trotz der eine Förderung des Arbeiterschutzes erheischenden Beschlüsse des Reichstages, trotz des Eingreifens der Gewerkschaften zur Ver- Hinderung von Unfällen, trotz großer technischer Fortschritte in dem Hervorbringen von Schutzeinrichtungen, wird die Zahl der Unfall- verletzten mit jedem Jahre größer! Schärfere Schutzbestimmungen und gesteigerte Schutzbestrebungen innerhalb der Arbeiterschaft wirkten zweifellos vorbeugend. Trotzdem steigt die Unheilsziffer! Warum? Unersättliche Gewinnsucht hebt die vorbeugenden Wirkungen wieder auf. Mit seinem darüber gehenden Verwüsten produziert das Kapital immer mehr Krüppel. Für das Jahr 1911 buchten die Träger der Unfallversicherung fast% Millionen Verletzte, darunter 132114 Schwerverletzte und 9443 Tote! Gegen das Vorjahr hat die Zahl der Getöteten, der Schwcrverwundcten und aller Ver- letzten wieder zugenommen. Der' Anteil der Schwerverletzten ist allerdings etwas gesunken. Das ist eine Folge der bekannten Rcntcnquetscherei! Werden doch selbst für den Verlust von Finger- gliedern manchmal keine Entschädigungen mehr gezahlt! Solche Verunstaltungen gelten nur noch als Schönheitsfehler! Die Theorie der Angewöhnung hat auf diesem Gebiete schon wunderbare Blüten gezeitigt! Sehen wir zu, wieviel Arbeiter seit dem Inkrafttreten der Uu- fallversichcrungsgcsctzc in den Betrieben, für die sie gelten, ihr Leben einbüßten oder Schäden an ihrer Gesundheit erlitten! Tie nachsthenden Zahlen berechneten wir auf Grund der alljährlichen amtlichen Veröffentlichungen des Reichsvcrsicherungsamtes, deren letzte sich auf das Jahr 1911 beziehen. Die Rechnungsergcbnisse der Berufsgcnossenschaftcn, her Reichs-, Staats-, Provinzial- und Kommunalbehörden sowie die den Baugewerksberufsgenoffen- schaften, der Tiesbau- und Seeberufsgenoffenschaft angegliederten Versicherungsanstalten registrieren, wieviel Unfälle in einem Jahre zur Anmeldung gelangten, an wieviel Verletzte oder deren Hinter- bliebene in demselben Jahre zum ersten Male Entschädigungen gezahlt wurden und wieviel durch Unfälle herbeigeführte Todes- iälle bei den erstmaligen Entschädigungsfällen festgestellt worden sind. Hier die Uebersicht: ES wurden: Annähernd 11 Millionen Verletzte, 2 494 976 Schwerverwundeie und 199 662 durch Unfall Getötete! Welch schreckenvolles Ergebnis! Und doch umfassen die Zahlen nicht die ganze Summe der vom Proletariat auf dem Altare der Arbeit gebrachten Opfer an Blut und Leben und gesunden Gliedmaßen! Nicht mitgezählt sind die Unfälle, bei denen man mit Unrecht einen Zusammenhang zwischen der Verletzung und dem Betriebe verneinte. Weiter blieben un- berücksichtigt alle Fälle, die von den Versicherungsträgern in die Kategorie der Berufskrankheiten verwiesen wurden. Groß, sehr groß ist deren Zahl, besonders in der chemischen Industrie! Zu- dem gibt es auch heute noch eine Reihe von Betrieben, die der Versichcruiig noch nicht unterstanden. Die Unfälle in der See- und Tiefbaubcrufsgenossenschaft werden seit 1887, die der landwirt- schastlichen Betriebe seit 1888 und ein großer Teil 1909 in die Un- fallversicherung eingezogener Betriebe erst seit 1901 in den amt- lichen Nachweisungen registriert! Eine ganz beträchtliche Zahl von Unfällen fehlt demnach in unserer Aufstellung. Nicht nur in der Industrie verschlingt die Profitsucht Heka- tomben von Opfern. Die Landwirtschaft tritt auf diesem Gebiete vielmehr als erfolgreicher Konkurrent auf! Das zeigt einwandfrei die folgende Uebersicht. Sie bringt die von den landwirtschaftlichen Berussgenossenschaftcn festgestellten Unfälle zur Darstellung. Das Bild der Zerstörung sieht so aus: Die Idylle des Landlebens läßt blutige Spuren erkennen. Nicht nur im Kriege, auch im Frieden tränkt Blut, freventlich vergossenes Blut das Land. 2'/, Millionen Verletzte, über 1 Million Schwer- verwundeter und 60 876 Totel Das sind die Erfolge der Landwirt- schaft in, Vernichten von Proletarierleibern! Aber die Hüter von Ordnung und Sitte schreien nach schtvereren Bestrafungen für Be- lcidigungen irnd nach Knebelung der Gewerkschaften, die für besseren Arbeitcrschutz eintreten! In der Krüppclmachcrci bei der Jagd nach Gewinn will man nicht geniert sein. Mit den industriellen Scharfmachern lamentieren die LicbcSgabcnschlucker über ungeheure Lasten aus der sozialen Versicherung und die Regierung paradiert auf allen Ausstellungen mit den hohen Summen, die für Unfallverletzte gezahlt wurden. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß nach dem Gesetz die Ent- schädigung noch nicht zwei Drittel des den Verletzten wirklich er- wachsenen Vermögensschadens ausmachen, zeugen die Summen lediglich von einer außerordentlich hohen Blutlast, die der Arbeiter- klaffe auferlegt wird! Die Verhütung von Unfällen ist weit wichtiger als wie die Zahlung von Unfallrenten. Bei der Beratung der Reichsversichc- rungsordnung jedoch lehnten Regierung und bürgerliche Parteien jede Matzregel ab, die eine wesentliche Verminderung der Unfälle herbeiführen könnte. Wer die Unfälle mindern will, muh die ab- zustellenden Ursachen derselben bekämpfen. Vor allen Dingen: die viel zu lange Arbeitszeit— ist doch auf landwirtschaftlichem Gebiet nicht einmal für weibliche Personen eine Höchstarbeitszeit fest gelegt! Gerade sie werden in der Landwirtschaft in rapide wachsen� dem Matze von Unfällen betroffen. Wir verlangen ferner zwecks Verminderung der Unfallgefahren: die Beseitigung wilder Akkord arbeit, Sicherung des KoalitionsrechteS und ausdrückliche An erkennung der gewerkschaftliche» Organisationen, Aufhebung der Ausnahmegesetze gegen die Landarbeiter, Einführung von Arbeiter- kontrolleuren, Verschärfung der Arbeiterschutzbestimmungen und ihre rücksichtslose Durchführung. Das geringste Vergehen gegen Sacheigentum, besonders wenn es von Armen begangen wird, straft die Gesellschaft in der schärfsten Weise: da darf sie auch nicht länger die offenbare Begünstigung deS Raubes von Gesundheit und Leben, begangen an den Trägern des gesellschaftlichen Eigentums, dulden! DaS schlimmste Hemmrad gegen Vorschriften, die die Unfälle verringern würden, bildet das preußische Abgeordnetenhaus. Von dort kommt von agrarischer und grotzindustrieller Seite der zähe Widerstand gegen alles, was geeignet ist, eine Minderung der Zahl von Unfällen herbeizuführen, die Menschenglück und Menschenleben zerstören. Bei der jetzigen Landtagswahl gilt der Kampf auch gegen Funker und Schlotbaronir als Schuldige an der Armee, die alljähr- lich inmitten des tiefsten Friedens auf dem Schlachtfeld der Arbeit dahingerafft wird. Ernst gemacht. Vor solchen Dingen wollen wir freilich die verfemte und verhaßte Arbeiterjugend mit aller Kraft be- wahren. Uebrigens hatten sich die kriegerischen Bürschchen ein schönes Märchen zurecht gemacht, um den Vorfall zu der tuschen. In anderen Blättern wurde behauptet, daß die jungen Leute von Wilddieben überfallen worden seien, die den verhängnisvollen Schuß abgegeben hätten. Das Schwindeln ist offenbar auch eine deutsche Mannestugend, zu der der Jungdeutschlandbund seine Zöglinge erziehen will. Jugendbewegung. Tie„Neutralität" der nationalen Jugendpflege. Die arbeiterfeindliche Tendenz der„nationalen Jugendpflege" tritt wieder einmal in folgendem Falle kratz in die Erscheinung: In Münder am Deister sProvinz Hannover) war der Freien Turnerschaft im vergangenen Jahre der städtische Plananger zu Turn- und Spielübungen zur Verfügung gestellt worden. Im Februar hatte der Verein die Uebcrlaffung des Angers auch für dieses Jahr beantragt; diesmal leider erfolglos. Nach mehrmaliger Mahnung erteilte der Magistrat nämlich diese charakteristische Antwort: „Der hiesigen freien Turnerschaft wird die Erlaubnis, zu Turn- oder Bewegungsspielen den Plananger zu benutzen, nicht erteilt. Der Plananger ist von der Stadt ge- pachtet, um der Schuljugend oder den mit der nationalen Jugendpflege sich befassenden Vereinen zu Spielen überwiesen zu werden. Eckhardt." Wäre die nationale Jugendpflege Selbstzweck und den sierrschenden Klassen so ehrlich gemeint, wie sie tatsächlich unehr- lich ist, dann mühte auch die körperstärkendc Arbeit der freien Turnerschaft nach Kräften gefördert werden. Das Schreiben des Münderner Magistrats zeigt aber mit bemerkenswerter Offenheit, datz die„nationale Jugendpflege" als Sturmbock gegen die Ar- beitcrbewcgung dient. Rcichsverband und Arbeiterjugend. Der„Reichsverband gegen die Sozialdemokratie", der in seinem Kampf gegen den„Umsturz" von Niederlage zu Niederlage geeilt ist, scheint sich jetzt auf die Massenfabrikation von Flug- blättern gelegt zu haben. Jede Woche fast bringt einen neuen ReichsverbandS-Wisch. Diese Woche hat es der Verband des .fherrn v. Liebert auf die Rettung der Arbeiterjugend abgesehen. DaS neueste Flugblatt befatzt sich nämlich mit der Frage:„Wem soll Deutschlands Jugend angehören?" Auf den Inhalt der neuesten reichsverbändlerischen Stilübung einzugehen, hat keinen Zweck, denn auch dieses Flugblatt wird gerade in den Kreisen, auf die eS wirken soll, nicht gelesen werden, und auch wenn es gelesen werden sollte, wird es keine Erfolge erzielen. Der Reichsverband mutz aber seinen Geldgebern fortgesetzt Beweise seiner Tätigkeit liefern, und da man mit Erfolgen nicht aufwarten kann, produziert man fleitzig Flugblätter. Die Agitation für die Militärvorlage verstehen z. B. der Wehrverein sowie die Keim und Konsorten weit besser als der Reichsverband, aber die Liebert-Garde mutz auch mit einem Flugblatt nachgehinkt kommen. General v. d. Goltz und seine Trabanten leisten das Menschenmögliche, die Jugend auf ihre Seite zu bringen. Sie haben keine Erfolge, denn ihr Anhang bleibt beschränkt auf die Jugend der zahlungsfähigen Kreise. Und nun will der Reichsverband, gewih völlig unerbeten, Hilfe leisten! Wie auf allen anderen Gebieten, auf denen er sich versucht hat, so auch auf diesein wird die Tätigkeit deS Reichsver- bandeS mit einem kläglichen Fiasko enden. Jungdentschlands Erziehungsresultate. Auf der letzten Tagung des Jungdeutschlandbundes mußte zugestanden lverden, daß das Treiben der Angehörigen dieses Bundes mit seiner militärischen Nachäfferei und seinen blöd- verrohenden Kriegsspielen viele Oberförster zu lebhaften Klagen veranlaßt habe. WaS die Sozialdemokratie über das Treiben dieses hoffnungsvollen Nachwuchses der einstigen Siegeslümmel, die Anno 1871, lveit vom Schuß, das Maul nicht weit genug gegen unsere alten Genossen aufreißen konnten, sagt, wurde von der vornehm-nationalen und„unpolitischen" Gesellschaft mit einer verächtlichen Handbewegung abgetan. Daß wir aber mit vollem Recht die Kricgsspielerei der jungdeutschen Bürschchen als verrohend bezeichnen, das beweist wieder einmal ein Vorgang— es ist leider nicht der erste seiner Art—, bei dem ein junges Menschenleben vernichtet >vurde. Dem„Berliner Lokal-Anzeiger" wird aus Cux- Häven berichtet: Der hiesige Jugendbund Wandervogel hatte einen auf fünf Tage berechneten Ausflug nach dem Wernerwalde unter- nommen. Die Knaben, zumeist Schüler des hiesigen Gymnasiums, waren militärisch ausgerüstet. Die nachts aufgestellten W a ch t p o st e n befanden sich unter Gewehr und die die Wache passiereuden Teilnehmer hatten da? Losungswort zu sagen. Einige Schüler machten sich nun ein Vergnügen daraus, den auf Posten stehenden Untersekundaner Kctzler dadurch zu ärgern, daß sie sich in der Dunkelheit an ihn heranschlichen, ihm aber auf seinen Zuruf„Wer da" das Losungswort verweigerten und wieder fortliefen. Ketzler mutz in seinem Gewehr eine scharfe Patrone gehabt haben. AlS er einen Schutz abgab, stürzte der Ober- Primaner Dröge rt. Sohn eines Euxhavener Lehrers, tödlich getroffen zu Bode». In den Armen eines Arztes starb der un- glückliche junge Mann nach kurzer Zeit. Wie die Knaben in den Besitz der scharfen Patronen gelangt sind, bedarf noch der näheren Aufklärung. Die ödeste und blödeste Nachahmung des militärischen Aormenkrams hat also aus einem albernen Spiel blutigen Soziales. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheitcn veranstaltet ihre Jahresversammlung diesmal am 2». und 21. Juni in Breslau. Dr. Julian Marcuse-Ebenhausen ist als Referent für das Thema:„Geschlechtskrankheiten und Bevölkc- rungsproblem" vorgesehen. Das Korreferat hat Professor Blaschko übernommen. Professor I. Heller wird über:„Geschlechtskrank- heiten und Eherecht" sprechen. Ferner soll ein Referat von Dr. Chotzen über die von der Gesellschaft seinerzeit ins Leben ge- rufene sexualpädagogische Aktion und ihre bisherigen Erfolge eine Diskussion über das weitere Vorgehen der Gesellschaft auf diesem Gebiete einleiten._ Landarbeiter-Elend. Die absolut unzureichende Entlohnung der Landarbeiter brachte wieder einmal ein sich redlich mühendes Landarbeiter-Ehepaar vor das Schöffengericht Gottesberg in Schlesien. Der Dienstknecht Pohl und seine Ehefrau waren angeklagt, aus der unverschlossenen Dominialscheuer ihres Arbeitgebers zwei Zentner Getreide geholt, verkauft und den Erlös für sich verwandt zu haben. Der Ehemann gab den Diebstahl zu, beteuerte aber. daß ihn die bitterste Not dazu getrieben habe. Der Lohn und das Deputat reiche mit dem Verdienst seiner Frau, die 70 Pf. pro Tag auf dem Dominium erhalte, nicht aus, um den Lebensunterhalt für sich, seine Frau und sechs Kinder zu bestreiten. Für Erlös des der- kauften Getreides habe er Nahrungsmittel gckanft, um den Hunger seiner Kinder zu stillen. Das Gericht verurteilte, wiewohl Frei- sprechung, zum mindesten Geldstrafe zulässig war, die Opfer agrari- scher Ausbeutung zu Gefängnisstrafen. Der Vater wird seinen Kindern auf eine Woche, die Mutter auf zwei Tage entzogen. Also trotzdem Mann und Frau von früh bis spät fronden, reicht beider Verdienst nicht einmal so weit, um die notwendigen Nah- rungsmittel für die Familienangehörigen beschaffen zu können. Und doch behaupten unsere Agrarier immer wieder, datz es den Landarbeitern gut geht. Für die Behausung und Beköstigung im Gefängnis verlangt Vater Staat pro Tag— eine Mark. Wo sollen das die Verurteilten hernehmen? Kiiidcrschuvgcsetz und Gärtnereibctrieb. Sind die Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes auf Gärtne- reien anwendbar? Die Frage ist zu bejahen! Schon in dem Kom- missionsbericht der IS. Kommisston des Reichstages, die das Gesetz vorberaten, wird ausgeführt, datz ein Regierungsvcrtreter erklärt habe, die Bestimmungen hätten auch Geltung für Kunst-, Zier- und Handelsgärtnereien. Durch die Novelle vom 28. Dezember 1308 ist nun aber die gesamte Erwerbsgärtnerei der Gewerbeordnung und damit auch dem Kinderschutzgcsetze unterstellt worden. DaS Oberlandesgericht Dresden sagt in einem Urteil vom 29. No- vember 1S11: „Aus der Entstehungsgeschichte der Gesetzesvorschrift in ß 154 der G.-O. ist mit Deutlichkeit zu entnehmen, datz der Gesetzgeber unter Gärtnerei" die gesamte gewerbliche, sowohl die Handels- als auch die produktionsgewerbliche Gärtnerei verstanden wissen wollte." Und in einem späteren Urteile vom 20. März 1ä12(Geschäfts- nummer O. L. G. III. 77/12 Nr. 2) sagt dasselbe Gericht mit Be- ziehung auf einen Fall, der gerade die Kinderarbeit in einem Gärtnereibetriebe zum Gegenstand hat:„Dagegen, datz die Gärt- nerei des Angeklagten als eine im Freien gelegene Arbeitsstelle und sonach als„Wcrkstätte" im Sinne von§§ 3 und 18 des Kinderschutzgesetzes anzusehen ist, lassen sich rechtliche Bedenken nicht er- heben und sind auch von der Revision nicht erhoben worden." „Nach den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts be- treibt der Angeklagte seine Gärtnerei innerhalb der Stadt; er beschäftigt regclmäzig einen Gärtnergehilfen und einen Lehrling, betreibt vorwiegend die Gcmüscgärtncrci, indem er auf dem hauptsächlich aus Frciland bestehenden Teil seines Grundstücks auf 23 doppelten und 4 einfachen Frühbeeten verschiedene Gemüse- sorten baut und diese teils in seinem Grundstück selbst, teils in einem Stand in der Hauptmarkthalle oder durch Versendung an auswärtige Handelsleute verkauft. Nebenbei züchtet der Angeklagte noch sogenannte Sommcrblumen, die er auf Wunsch einpackt, nicht etwa kunstvoll zusammenbindet, und verkaust. In einem kleinen Treib- oder Gewächshaus treibt er einige eingepflanzte Kamelien- stocke, deren Blüten er verkauft. Sonst hat er dort nur noch Blatt- pflanzen und Zierstöcke sowie verschiedene Gemüsearten, die gegen Kälte geschützt werden sollen, zu stehen. Das Landgericht war daher berechtigt, den Gärtnereibetrieb des Angeklagten zwar nicht als Kunstgärtnerei, wie es da? Schöffengericht getan hat, so doch als eine gewerbliche, und zwar als eine produktionsgewerbliche Gärtnerei— als„Handelsgärtnerei", in der in Gärtnerkreisen üblichen Bedeutung deS Wortes— der Gewerbeordnung zu unter- stellen." Die Kinderarbeit ist in der Gärtnerei stark verbreitet. Nach der für das Königreich Preußen am 2. Mai 1V06 aufgenommenen amtlichen Statistik wurden an jenem Tage beschäftigt 2267 männ- liche und 1609 weibliche, zusammen 3867 schulpflichtige Kinder. In der Sommer- und Herbstzeit, besonders aber in den Schulferienzeiten, dürfte die Zahl eine ctlva dreifach größere sein, zumal in Betracht zu ziehen tst, datz in den letzten Jahren im Gärtnereigewerbe die Kinderarbeit sehr zugenommen hat. Die Beschäftigung in Gärtne- reien ist bei den vielen Durchnässungen und Erkältungen, die durch das zumeist Ruhigstehen und durch das Knien und Rutschen auf dem feuchten und kühlen Erdboden von schweren Gesundheits- gefahren besonders für Kinder begleitet. Die Behörden kümmern sich hier aber sehr wenig darum, datz die Kinderschutzbestimmungen beachtet werden, und den Unternehmern ist das gerade recht. Die organisierten Arbeiter werden darum gebeten, Ivo ihnen Ucbertretungen bekannt werden, solche bei der Organisation, dem Allgemeinen deutschen Gärtnerverein, eventuell an seine Haupt- geschästsstelle, Berlin, Luisenufcr 1, zu melden. Muß der Handlungsgehilfe auch ungünstige Referenzen angeben? Diese Rechtsfrage ist der ständigen gewerbegerichtlichen Praxis entsprechend durch eine vom Landgericht bestätigte Entscheidung deS Kaufmannsgerichts Duisburg verneint. ES handelte sich in dem betreffenden Rechtsfall um einen Rayonchef, der in einer seiner früheren Stellungen in den Ver- dacht der Untreue geriet unb_ in einer anderen Stellung erwiesener- maßen insofern Unregelmäßigkeiten beging, als er Dekorations- Material seines EhefS für eine andere Firma verwandte. Tiefe beiden Prinzipale gab der Kläger nicht als Referenz auf, dagegen nannte er der beklagten Firma andere Chefs als Referenzen, von denen er wuhte, datz sie eine gute Auskunft geben würden. Die Beklagte focht das Engagement wegen arglistiger Täuschung prid wegen Irrtums in der Person des Klägers an. DaS Kaufmanns- geeicht verurteilte die Beklagte antragsgemätz zur Zahlung des Rcstgehalts. In der Begründung heißt es: Wenn auch Kläger zur Angabe von Referenzen aufgefordert wurde, so konnte ihm doch nicht zugemutet werden, daß er Referenzen, die etwa für sein späteres Fortkommen hinderlich sein und ein Engagement vereiteln könnten, angab. Es war Sache der Beklagten, sich über die Ounli« fikation der von ihr zu engagierenden Angestellten vor deren An- nähme zu erkundigen, besonders wenn es sich um einen so hoch bezahlten Posten handelt. Man kann keinem Angestellten zu- muten, anzugeben, von welchem Prinzipal er früher ohne Kündi- gung und auf Grund eigenen Verschuldens entlayen worden ist« wenn er nicht ausdrücklich danach gefragt wird. Wie bereits oben angeführt, bestätigte das Landgericht diese Entscheidung.__ Heimarbeiterclend in Württemberg. Die Heimarbeit mit all ihrem Elend ist in Württemberg viel stärker verbreitet als bisher angenommen wurde. Eine Verfügung; des Ministeriums des Innern vom 18. Dezember 1912 forderte von den Geiverbetreibenden, die Hausarbeiter beschäftigen, eine Abschrift der Verzeichnisse der Arbeiter ein, die dann der Gewerbe» inspektion zur Verfügung gestellt wurden. Der größte Teil den Abschriften ist nunmehr eingelaufen. Danach bcläuft sicki die Zahl der in Württemberg beschäftigten Heimarbeiter auf 13 823, da-- runter 17 018 weibliche. Weitaus am stärksten ist an diesen Zahlen die Textilindustrie beteiligt. In der Spielwareniudustrie, in der Tabak- und Zigarrenfabrikation, bei der Anfertigmig von Gold- und Silberwaren, in der Glühstrumpffabrikation, Uhrmacherei, Harmonikafabrikation, Schuhindustrie, Trahtwarenfabrikation usw. usw., überall ist die Heimarbeit, insbesondere der Frauen, anzu- treffen. Der Gewerbeinspcklionsbericht für 1912 bemerkt dazu: „Ein großer Teil der Beschäftigten sind verheiratete Frauen, die neben der Haushaltung teilweise noch 4 bis 6 und sogar bis zu 10 Stunden täglich, in letztcrem Falle bis tief in die Nächst hinein, arbeiten. Wo die Heimarbeit den alleinigen Erwerb bildet, finden sich fast regelmäßig sehr lange Arbeitszeiten.— Die Wohnungsver- hältnisse sind sehr verschiedenartig. Des öfteren wurden, ins- besondere in ländlichen Gegenden, niedere und beengte Wohnungen angetroffen. Tie Arbeitsstätte ist gewöhnlich die Wohnstube, die häufig zugleich als Schlafraum und Küche dient." Mit der Heimarbeit hängt aufs engste zusammen die Kindcf» arbeit. Der Gewerbeinspektor des 1. Bezirks berichtet darüber: „Die Durchführung des Kinderschutzgesetzes läßt, besonders auf dem Lande, immer noch sehr viel zu wünschen übrig. Trotz der Be« strafungen können eben Arbeitgeber, welche Kinder mit Austragen beschäftigen, sich nicht an die vorschriftsmäßigen Arbeitszeiten ge- wöhnen, und auch sonst wird bei der Kinderbeschäftigung wenig auf die gesetzlichen Bestimmungen geachtet." Aehnlich so äußern sich die Inspektoren der anderen Bezirke. Die Assistentinnen bringen allerlei Beweise für diese Klagen bei:„Bei der Revision von Be» irieben mit eigenen Kindern wurde die Wahrnehmung gemacht« datz die Kinder häufig zu jung und ohne Rücksicht auf ihr Alter mit?lrbeiten aller Art beschäftigt wurden.... Die Durchführung der Bestimmungen über die Altersgrenze bereitet vor allen in den ärmeren und ärmsten Familien Schwierigkeiten, die ja auch auf jeden, sogar den kleinsten Nebenverdienst angewiesen sind." Doch nicht nur die Not. in Einzelfällen ist es aus Eigennutz, der die Eltern veranlaßt, ihre Kinder auszubeuten. So berichtet eine Assistentin:„Eine Frau, die offenbar nicht aus Not gezwungen war. ihre kleinen 5- und Kjährigen Kinder mit Hausarbeit zu be» schäftigen, dies aber trotzdem fortgesetzt tat, gab der Beamtin auf ihren Vorhalt hin ruhig zur Antwort:„Ich weiß wohl, datz dm Kinder nach dem Gesetz nichts arbeiten sollen, aber ich kann mit meinen Kindern anfangen, was ich will. Und wenn ich sie auch künftig weiter beschäftige, was können Sie dann machen? Strastir können Sic mich ja doch nicht!" Die Beamtin bemerkt dazu:„S» wird, um eine Durchführung des Gesetzes bezüglich der eigenen Kinder zu bewirken, in Zukunft wohl in besonders ernsten Fällen und nach mehrmaliger Verwarnung auch hier mit Strafen ein» geschritten werden müssen." (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Hirn Induftrie und Handel. Der FiskuS mit den Preiswncherern. SIS das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndilat im vergangenen Jahre die Kohlenpreise erhöhte, mutzte der Bergfiskus dem Drängen der öffentlichen Kritik nachgeben und aus dem Syndikat ausscheiden. Datz damit der Fiskus keineswegs feine Politik des Preiswuchers grundsätzlich aufgab, lehrte die Tatsache, datz er kurz darauf selbst» ständig die Preise der in seinen Saarzechen geförderten Kohlen er» höht«. Jetzt wird durch eine Mitteilung im Jahresbericht des Kohlensyndikats für 1912 bekannt, datz auch nach Kündigung seines Verkaufsabkommens der BergfiSkuS weiter einen Vertreter zu den Verhandlungen für die Erneuerung des Syndikats entsendet. Der Fiskus hat also keineswegs die Absicht aufgegeben, durch seinen Beitritt zum Syndikat die Politik der privaten Kohlenwucherer moralisch und ökonomisch zu unterstützen. Segen der agrarischen Wirtschaftspolitik. Der„Reichsanzeiger" veröffentlichte kürzlich Vergleichsangaben über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau im 1. Viertel einer Reibe von Jahren. Die Ergebnisse lassen den Segen der Junkerpolitik. die nicht nur auf Preutzen, sondern auf ganz Deutschland lastet, in wünschenswert aufreizender Deutlichkeit erkennen. Wir geben aus den Angaben die folgende Zusammenstellung. Es wurde in Deutsch» land die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vorgenommen an: 1905 1910 1912 191S Pferden und anderen Einhufern... 35 899 40 482 48 686 48 280 Ochsen..... 142214 156 418 132431 125524 Bullen..... 112783 119667 97 172 110942 Kühen..... 413 750 483 850 459 087 419 079 Jungrindern... 186353 247 534 210588 199 137 Kälbern.... 1 122865 1 315 990 1 144613 1 037 717 Schweinen.... 3 924 280 4 076 207 4 973 859 4 349 243 Schafen.... 452397 510 676 457465 451 696 Ziegen..... 107778 139 794 111084 131 149 Hunden..... 1 785 2 270 2 441 2517 Die Ziffern für das letzte Jahr konstatieren einen Not» stand, den keine ministerielle Lehrmeisterei über den Vor» teil der Gemüsenabrung und � die Unfähigkeit der rinnen einen Haushalt zu führen, aus der Im Vergleiche mit dem Jahre 1910 ergibt sich für 1913 em Rückgang: bei Ochsen.... um 25 Proz Arbeite- Welt schafft. Bullen Kühen... Jungrinderu Kälbern.. Schafen.. Ziegen... 8 15 24 26 13 66 DaS sind zweifellos erschreckende Ergebnisse. Die Bevölkerung wächst, der Fleischkonsum sinkt! Sinkt während der Zeit industrieller Hochkonjunktur! WaS soll erst werden, wenn eine Krtse hereinbricht? Sogar der Konsum an Ziegenfleisch geht trotz aller Bemühungen um die Hebung der Ziegenzucht zurück! Bisher stand der Abnahme der Schlachtungen von Rindvieh wenigstens noch eine Zunahme de« Konsums von Schweinen gegenüber. Im Vergleich mit dem Vor» jähre ist nun aber auch die Zahl der Schweineschlachtungen um 14,3 Proz. zurückgegangen! DaS bedeutet Unterernäh» r u n g! Das bedeutet Schädigung der BolkSgesundheit, der Zu« nähme der Erkrankungen und der Todesfälle. Dafür hat das Volk aber auch das Glück, in steigendem Matze an Pferde- und Hundefleisch sich erlaben-u— müssen. Die Schlemmerei ist geradezu erschreckend. Im Jahre 1918 war der Konsum gestiegen bei Pferdefleisch um 34 Proz. „ Hundefleisch„ 41, Wirklich, wir haben's weit gebracht unter der Herrschast zw Ritter, Jiidustriekömge und Heiligen! Nouj««ktur tu der Schiffahrt. Der Schiffsverkehr, namentlich der überseeische, hat in den letzten Jahren einen rapiden Aufschwung genommen. Ganz besonders günstig war das Jahr 1912. Nach den Geschäftsberichten der Groß- reedeceien hat es einschränkungslos selbst die höchsten Erwartungen erfüllt, die man aus der stattlichen Auswandererbeförderung und den lebhaften Handelsbeziehungen mit fast allen überseeischen Ländern geschöpft hat. Obgleich von den in Betracht kommenden acht grasten Linienreedereien sHamburg- Amerika> Linie, Norddeutscher Lloyd, Hamburg-Südamerikanische D.-G., Kosmoslinie, Hansa, Deunch- Australische D.-G., Ostafrikalinie, Levantelinie) noch nicht durchweg endgültige Abrechnungen vorliegen, zeigt sich doch bei einer Zusammenstellung� der bekannten Angaben, dast die auf- geführten Gesellschaften einen Betriebsüberschust von etwa 156,6 Millionen Mark erzielten gegen 113,8 Millionen Mark im Vorjahr. Der Reingewinn belauft sich auf 131,1(100,9) Millionen Mark. Bei allen Gesellschaften wurden die Dividenden erhöht: im Durchschnitt betrugen diese Erhöhungen 2lli Proz. Bei der Hamburg- Amerika-Linie erhöhte sich der Betriebsgewinn von 18,6 Millionen Mark im Jahre 1908 auf 61,9 Millionen Mark im Jahre 1912. Und wie verhält sich die Gestaltung der Arbeiterlöhne hierzu? Bei der Seeberufsgenossenschaft erhöhte sich die durchschnittliche Jahreslohnsumme pro Bollarbeiter von 1015 M. im Jahre 1908 auf 1050 M. im Jahre 1911. Solcher Bollarbeiter(a 300 Arbeitstage im Jahre) wird es aber wenige geben. Die Arbeitslosigkeit ist auch beim Seemann sehr häufig. Auf einen durchschnittlichen Versicherten entfiel im Jahre 1911 nur ein Durchschnittslohn von 977,42 M. Das Jahr 1913 bringt voraussichtlich eine weitere erhebliche Vermehrung de-Z Schiffsverkehrs. In der Zeit von Januar bis März 1912 kamen iin Hamburger Hafen 3526 Schiffe an, 1913 aber 4040. Im Jahre 1912 hatten diese angekommenen Schiffe 2 985 283 Nelto-Registertonnen, 1913 aber 3 388 019. Eine gleiche Zunahme zeigte auch der Verkehr in den anderen Häfen. Entwickeluug der Fleischpreise seit 1816. DaS � Preust. Etat. Landesamt veröffentlicht in der letzten Nummer seiner Zeitschrift eine interessante Uebersicht über die Eni- Wickelung der Kleinhandelspreise für die wichtigsten Fleischsorten in Preuhen im Laufe von nahezu 100 Jahren. Wenn auch die Preis- erhebungsweise während der ganzen Zeit nicht die gleiche gewesen ist, so sind doch die Abweichungen nicht so grost, dast sie die Ver« gleichbarkeit aufheben. Der Statistik zugrunde liegen bis zum Jahre 1903 sämtliche Bericht-Sorte der amtlichen preutzischen PreiSstaristik, von 1909—1912 die 50 BerichtSorte der.Statistischen Korrespondenz". Die amtliche Statistik gibt die Preise für jedes Jahr einzeln an. Wir haben der besseren Bergleichbarkeit halber, sie zu zehnjährigen Perioden� zusammengerechnet und nur für die letzten Jahre die Delailziffear wiedergegeben. Es betrugen die Preise im Kleinhandel für 1 Kilogramm in Pfennig. Die Steigerung ist, wie man sieht, eine enorme, auch wenn rnail den gesunkenen Wert des Geldes in Betracht zieht. Bereits das Jahrzehnt 1901— 10 brachte gegenüber der Ansgangsperiode inehr als eine Verdoppelung der Preise für Rindfleisch, die in den beiden letzten Jahren nahezu zu einer Verdreifachung geworden ist. Nimmt inan das Jahrzehnt 1821—1830 als Ausgangspunkt, so kommen wir sogar nahezu zu einer Bervierfachung. Prozentual nicht ganz so enorm ist die Preiserhöhung bei Schweinefleisch ge- Wesen, obwohl auch hier ein Vergleich der Preise von 1912 mit denen des Jahrzehnts 1821—1830 mehr als eine Verdreifachung er- gibt. Da die Produktionskosten des landwirtschaftlichen Betriebes nicht annähernd in dem gleichen Verhältnis gewachsen sind, gleich- zeitig sich aber auch die Produktivität durcki Verwendung schneller reifender Rassen, geeignetere Fütterung usw bedeutend gehoben hat, so ergibt sich daraus eine enorme Steigerung der Gewinne der Landwirte, ohne dast dadurch freilich ihre.Nolleidenschaft" kleiner geworden wäre._ Gerichts-Zeitung „Verfluchte rote Hunde!" Mit diesen und ähnlichen Schimpfworten drangen am 12. Fe- bruar vorigen Jahres mehrere Gendarmen mit blanker Waffe in ein von der Zahlstelle Czernitz, O.-S., de» alten Bergarbeiterver- bandes veranstattetes geschlossenes Vergnügen ein, um es„aufzu- lösen". Durch die öffentliche Kritik und Beschwerden bei der bor- gesetzten Behörde wurde erreicht, dast einige der an dem Vorfall beteiligten Gendarmen in andere Orte versetzt und gegen den Gendarm Lange aus Lissek ein Verfahre» wegen Beleidigung der Festteilnehmer eingeleitet wurde. Nach 16 Monaten endlich fand am 9. Mai die Verhandlung vor dem Kriegsgericht Gleiwitz statt. Trotzdem der öffentliche Ankläger es als geradezu unerhört be- zeichnete, Menschen mit„verfluchte rote Hunde" zu beschimpfen und außerdem ausdrücklich betonte, dast von der Verhängung einer Geldstrafe absolut keine Rede sein kann, beantragte er mit Rücksicht auf die„schwere Beleidigung" doch nur— ganze drei Tage Mittel- arrest. Dem Kriegsgericht war auch dieses Strafmatz noch zu hoch. Es verurteilte den pflichteifrigen Beamten zu zwei Tage» gelindem Arrest. Diesem Urteil halte man gegenüber die harten Urteile gegen Streikende, die ihrem Unmut über das verräterische Verhalten Ar- beitswilliger in viel harmloseren Redensarten Ausdruck gaben. Braut und Bräutigam vor Gericht. Nachdem sie jahrelang in vertrauten Beziehungen zueinander gestanden hatten, verlobten sie sich im Jahre 1910.„Er" hatte be- rcits die Treitzig und„Sie" die Zwanzig überschritten.„Er" war Handlungsgehilfe in Berlin,„Sie" war Wirtschafterin in Leipzig. „Er" hatte etwas Geld übrig und„Sie" brauchte ab und zu etwas Geld. In solchen Fällen sandte„Sie" an ihren„lieben Leo" einen Brief, der mit exaltierten Beteuerungen unwandelbarer Liebe be- gann und mit dem dringenden Ersuchen um schleunige Ueber- sendung von 100 M., 150 M., 200 M. endete.„Leo" erfüllte jedes- mal die Bitten seiner„lieben Lotte", denn sie wutzte immer einen zwingenden Grund für ihr Geldbedürfnis anzugeben. Einmal war es die Krankheit des Vaters, ein andermal die drohende Exmission, dann wieder schrieb„Lotte", dast sie in Gefahr sei, einer Versuchung zu erliegen, wenn ihr„geliebter Leo" ihr nicht mit 200 M. bei-> springen und sie vom Rande des Abgrundes reißen würde usw. „Leo" willfahrte den Forderungen seiner„Lotte", weil er sie ja über kurz oder lang als Frau heimzuführen dachte und weil sie ihm versichert hatte, dast sie in nächster Zeit eine Erbschaft von 8000 M. ausgezahlt bekomme. So hatte„Leo" seiner„Lotte" im Laufe von zwei Jahren etwa 2000 M. übersandt. Da mutzte er die schmerzliche Entdeckung machen, datz seinem Verhältnis zu der Geliebten sowohl die materiellen wie die ideellen Grundlagen fehlten. Eine Erbschaft hatte„Lotte" nicht zu eNvarten, und die Liebe zu ihrem„Leo" war auch nur eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Eine Aeutzerung, die„Lotte" gelegentlich eines Besuches bei„Leo" zu dessen Zimmerwirtin tat, lietz keinen Zweifel darüber, dast„Lotte" gar nicht daran dachte, ihren„Leo" zu heiraten, sondern datz sie ihn nur als Geldquelle ausnutzen wollte, solange es gehen würde. Als„Leo" schlietzlich dahinter kam, datz seine„teure Lotte", ohne mit ihm gebrochen zu haben, sich mit einem anderen verlobt hatte, da sann der doppelt betrogene Bräutigam auf Rache. Zur Befriedigung seines Rachebedürfnisses griff„Leo" zu keinem der Mittel, welche betrogene Liebhaber in Romanen anzuwenden pflegen, sondern er ging den prosaischen Weg zum Staatsanwalt. Auf dessen Einladung mutzte„Lotte" gestern auf der Anklage- bank des Schöffengerichts Bcrlin-Mitte Platz nehmen, und ihr ge- wesener Bräutigam„Leo" trat als Belastungszeuge gegen sie auf. Nicht weniger als 16 Liebesbriefe, die alle mit dem dringenden Ver- langen nach Geld endeten, lagen dem Gericht als BelastungZmate- rial vor.— Die Angeklagte wurde wegen fortgesetzten Betruges zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Bei Verkündung des Urteils brach sie, wie schon öfter während der Verhandlung, in heftiges hysterische» Schluchzen aus. Durch ihren alten Vater, der feindselige Blicke auf den Velastungszeugen warf, wurde die Angeklagte aus dem Saale geführt.— Der gewesene Bräutigam mag wohl über diesen Abfchlust seines Liebes- Verhältnisses auch keine Genugtuung empfunden haben. Uns will scheinen, als ob bei der Beurteilung der Handlungsweise der An- geklagten mehr als der Strafrichter der Nervenarzt mitzusprechen hätte. Anscheinend ist die Angeklagte eine hochgradig hysterische und geistig nicht ganz intakte Person. Hus aller Melt. Die Opfer der Spitzbergen-Expedition. Der Leiter der norwegischen Retwngsexpcdition Kapitän Staxrud sandte an baS norwegische Ministerium des Auswärtigen aus Spitzbergen vom 14. Mai folgendes Telegramm: Ich bin mit Rüdiger und Raabe in Adventbai angekommen. Wir waren am 20. April mit.tl Renntieren und 14 Hunden in der Treurenbergbai angekommen und fanden die Verhältnisse und das Wetter ungünstig. Die Reise nach dem Nordostland zur Nach- hat forschung nach Schröder-Stranz wurde deshalb V o rlii n fi g aufgeschoben. Rüdiger und Raabe wurden nach Green Harbour in Sicherheit gebracht. Am 2. Mai waren wir über daS Inlandeis nach dem Ostfjord und der Wijdebar abgegangen. Rüdiger wurde liegend über daS Inlandeis gezogen. Die Reimtiere wurden infolge Futtermangels ge- schlachtet, Wir erreichten das Depot in Korsphnt Hytia am 10. Mai. Nachforschungen ergaben, dast Dettmers und Möser im Oktober in der Wijdebai ertrunken sind. Eberhard, von den Nor- wegern verlassen, in der Weihnachtsnacht 10 Kilometer westlich vom Hause an der Mosselbai erfroren ist, der Koch Stave am 24. Februar der Tuberkulose erlegen ist und datz an Bord de» Schiffes inassenhaft Proviant vorhanden ist. Schröder- Stranz wird noch immer vermitzt. Es wird ein Unglück befürchtet. Ich gehe sobald als möglich von der Treurenbergbai nach dem Nordostland ab._ Schwerer Grubenunfall. 3« Schacht 1 und 2 der Zeche Shamrock in Herne sich Donnerstag früh ein schwerer Grubenunfall zu- �en. Vier Bergleute wurden bei ihrer Arbeit von Hesterns- und Kohlenmassen, die sich losgelöst hatten, ver- schüttet. Trotz der sofort vorgenommenen Rettungsaktion konnten zwei der Verunglückteti nur noch als Leichen geborgen werden. Die beiden anderen erlitten schwere aber nicht tödlj�e Verletzungen. Die Korruption in den Spielhöllen. Wie aus Paris gemeldet wird, ordnete der französische Minister des Jimern eine Untersuchung über den von dem nationalistischen Deputierten Georges B e r r h in der Kammersitzung bei der Debatte über die Sp ie l h ä u s er verlesenen P o l i z ei b e r i ch t an, der unter den Deputierten lebhafte Erregung hervorgerufen hat. In diesem Bericht, den der mit der Ueberwachung der Spielhäuser be» traute Polizeikommissar Aschwandew dem Leiter der Sicherheit»- behörde erstattete, heitzt es: Es ist r i ch t i g, datz die Politik bei dem Generaldirektor des Kasinos von Enghien eine große Rolle spielt. Wir besitzen hier die vollständige Liste jener Persönlichkeiten, die aus dem Budget des Kasinos von Enghien regelmäßig Geldbeträge erhalten. Wenn ein Angestellter der Spielbank von einer Strafe betroffen wird, dann kommen uns gleich zahlreiche EmpfehlungS- schreiben zu. Das ist übrigens Sache der Senatoren und Deputierten, und wir haben uns da nicht einzumischen. Aber wir können zum mindesten bedauern, datz der Direktor des Kasinos ge- wisse Briefe im Bereiche seines Personals beläßt, die nur für ihn allein ein Interesse haben.— Auch der Bericht des Kommissars M o r e a u über die Rolle der Journalisten in den Spiel- Häusern ist überaus bezeichnend. Kleine Notizen. Eisenbahuunfall. Am Mittwochabend ist bei Gerolstein ein Güterzug mit einem Rangierzug zusainmengestotzen, wobei dreißig Wagen ineinandergeschoben wurden. Ein Bremser wurde getötet, einer wird vermitzt, mehrere Beamte wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Ehedrama. In Nürnberg hat der 42jährige Tagelöhner Küfner auS Eifersucht feine gleichaltrige Ehefrau durch Revolverschüsse getötet. Dann e r f ck, o st er sich selbst. Entgleisung eines französischen Militärzuges. Wie aus Rabat gemeldet wird, entgleiste auf der Bahnlinie nach Mekines bei Dar» e l- H a m a i ein Militärzug. Drei Soldaten wurden ge» tötet und drei verwundet. Untergang eines Island-Fischerbootes. Aus P a i m p o l(Dep. Cotes-du-Nord) wird gemeldet, dast das Segelschiff„Tourment", das anfangs Februar mit 2 6 Fischern nach Island abgegangen lvar, mit der ganzen Besatzung untergegangen sei. KrnfKasten der Redaktion. Heute fällt die juristische Sprechstunde der Landtags- wähl wcgeu aus. H. Sch. IVOS. Rein.— H. Z. 320. Unseres Erachtens ja. Die Klage ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Schuldner wohnt, anhängig zu machen.— B4. SÖ. 99. An die Landes Versicherungsanstalt — P. W.®. 2. Falls beide Parteien in derselben Gemeinde wohnen, ist zunächst vor den Schiedsmann zu laden. Kommt dort eine Einigimg nicht zustande, so können Sie Privatklage beim Schöffengericht erheben. — SP. 69. Das formelle Recht hat die Armenverwaiiung. Es ist aber nicht zu erwarten, dast sie davon Gebrauch machl.— B. 166. Für de» Fall der Weigerung der Eidesleistung kann Gläubiger Hasibejehl erwirken und diesen auch vollstrecken lassen, sofern er dem Gerichtsvollzieher die Einzahlung eines HaslkostenvorschusscS von 50 M. für jeden der Schuldner nachweist. Die Hast kann bis zu 6 Monaten andauern, sofern Gläubiger für seden Schuldner weitere 30 M. Hastkostcnvorschust pro Monat einzahlt.—®, G. 99. 1. und 3. Ja. 2. Sosern Schuldner in Berlin wohnt, etwa 5 R. pro Monat.— St. K. Nein. »«er- Frtge«ff- neue«ff dauerhalt— billig— bei Verwendung unserer Dachplx-Pabrikate! Dachpix schwarz zur Reparatur und Anstrich— nicht tropfend! Pixfarbe weiß, rot, grün usw. Pixpappe unübertroSon! Farbiges Carbolineum zur Holzimprägnieriuig! Farbe für alle Zw'ecie. Preise, Muster kostenlos. Dachpix-Oeaellachatt, Berlin S. 61, Plannfer 88. Reichei's Wanzen- Fluid„Radikal" tfltct die IVanzcn auf Scr Slcllc u. ist absolut nicht stedenb. Rl. Sil W, I, 2 8. liiltrfLS«ptütiappar. 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Eommerpreife I Abends 6 Uhr: tzdef l»eI>vttU« k!tt«t»taitit 8eiijI!er-IIieslef0.Hhe°7er' Freitag, abends 3 Uhr: CieoLrttpIlie und I.iebe. Sonnabend, abends 8 Uhr: _ Klein Dorrit. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Kiinie l.eitr. Sonntag, abends 8 Uhr: Sloral. Schiller-Theaier Chcr' Freitag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ulornl. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Dan Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: _ Zwei Wappen. Berliner Theater. M Filmzauber. Theater in der Köoiggrätzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. DentscheHSchaaspielliana « Uhr: Der KÄni«. (HarryWalden; Elsa Galasrös.) Kroll- Oper Direktion: Heinrich Hagin. Ansang 7'/, Uhr. Tannhäuser. Sonnabend: Carmen. Sonntag Die Meistersinger von Nürnberg.! Montag: Tannhäuser. TheiiteramZiolienälZrjplst? Bei Sommerpr. tägl. abends 8'/« Uhr: Ktttraauzr nach Kixza. Sonnab., 17. Mai er. nachm. 3'/, Uhr: 6. Auss. der Opernschule d. Sternschen _ Konservatoriums. Residenz-Theater. Abends 8'lt Uhr: Die Frau Präsidentin. 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Dem Vcriraucn zum Monokel und zum Leutuaul war ciuc russische Tamr im März d. I. in Berlin zum Opfer gefallen. Gestern fand das gerichtliche Nachspiel vor der 12. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Lnndgerichtsdircktors Tr. Lilia statt. Tie auf Betrug und Hehlerei»lauteude Anklage richtet sich gegen folgende fünf Personen: l. den Kaufmann, ehemaligen Leutnant Herbert Kolberg, 25. Mai 1886 in Fllrsteuwalde geboren, vorbestraft wegen militärischen Vergehens; 2. den Kaufmann rthur Krause, 24. Mai 1883 geboren, vorbestraft wegen Unter- schlagung und Tiebstahls; 3. die verwitwete Margarete Pfeffer, gfb. Lcvh, 19. Mai 1889 geboren, unbestraft; 4. den Jutvelen- bändler Jacob Mendelsohn aus der Wörther Strafte, 1868 geboren, mehrfach vorbestraft, und ö. die 21jährige Katharina Draak. Es handelt sich um den groftcn Juwelendiebstahl, der am 17. März in einem„Kicntopp" zum Schaden der Russin Elisabeth von Skoffyroff, geborene Komtesse Mabros, ausgeführt worden ist. Tic Tame kam am genannten Tage auf der Turchreise hier in Berlin an. Nachdem sie ihr Gepäck am Bahnhof Friedrichstraßc besorgt hatte, ging sie die Friedrichstrajje entlang und betrat das Kaiser-Cafe. Ihre Handtasche, in der sich außer ihrem Paß, ihretn Portemonnaie und verschiedenen Kleinigkeiten kostbare Schmuck- fachen im Werte von zirka 199 999 M. befanden, trug sie bei sich. Sie setzte sich im Eafe an einen Tisch, au welchem schon die An- geklagte Pfeffer saß, und es entspann sich zwischen ihnen eine llntcrhaltung. Bald gesellte sich der Angeklagte Krause hinzu, der sich als„Leutnant v. Wittersheim" vorstellte. Als die beiden An- geklagten im Gespräch erfahren hatten, welch kostbaren Inhalt. die Handtasche barg, entivarfen sie schnell einen Plan, um sich die Tasche anzueignen. Sie machten sich mit der Dame nach kurzer »feit nach dem Ease Ercelsior auf den Weg. Auf dem Wege dorthin bat die Russin den Angeklagten Krause, ihr eine Kiste Zigarren zu besorgen und gab ihm 29 M. mit; Krause führte den Auftrag auch aus, betrog aber die Russin, indem er nur eine halbe Kiste. kaufte und erklärte, diese koste 22 M., so daß er noch 2 M. beanspruch lc und auch erhielt. Im Eaie Excelsior rief Krause den Angeklagten Kolberg, der mit der Angeklagten Traak in einem Pensionat in der Potsdamer Straße als„Herr und Frau v. Him- stedt" wohnte, herbei. Er wurde der Russin als„Leutnant v. Him- stedt" vorgestellt. Nach dem Besuche noch eines Cafes begab sich die ganze Gesellschaft nach dem llnionthcater Unter den Linden. Tie Russin war der festen Meinung, daß sie es wirklich mit prcu- ßischen Offizieren zu tun habe und traute diesen so vollständig, daß sie es zuließ, daß Krause auch ihre Garderobe, einschließlich der Tasche mit den Julvclen, aus eine gemeinsame Garderoben- marke abgab und Kolberg die Garderobennummer an sich nahm. Im Theater nahm Krause neben der Russin Platz, unmittelbar hinter ihm sahen Kolberg und die Pfeffer. Letztere verließen in einem günstigen Augenblick leise das Theater, nachdem sie sich die Handtasche hatten aushändigen lassen. Krause redete der Äussin, die sich schließlich über die Abwesenheit der beiden wunderte, vor. sie seien telephonieren gegangen, wollte angeblich nach ihnen sehen und verschwand gleichfalls aus dem Theater. Schließlich merkte die russische Dame, daß sie geriebenen Gaunern in die Hände ge- fallen war, die sie ihrer kostbaren Tasche beraubt hatten, und er- stattete Anzeige. Kolbcrg und die Pfeffer hatten mit ihrem Raub eine Droschke bestiegen und waren nach dem Pensionat, wo Kolberg wohnte, gefahren. Tort besichtigten sie die Schätze und jeder nahm einen Teil an sich. Tann gingen sie in ein Weinlokal? wo sie dem tele- phonisch herbeigerufenen Juwelenhändler Lcwin die Pretiosen vergeblich zum Kauf anboten. Zur Begleichung der gemachten Zeche mußte Kolberg dem Kelltier ein Ilhrcnarinband im Werte von 699 M. für 33 M. verpfänden. Tann fuhren sie nach dem Ad- Meines feinüeton. H e c t o r T c n i S. Man schreibt uns aus Brüssel: Der schone, wcißschiinmernde Dpostelkopf. den jeder Parlameutsbesucher, jeder sozialistische Arbeiter kannte, wird in der belgischen Kammer nicht mehr auftauchen, auf keinem Kongreß mehr zu sehen sein. Der„Patriarch" des belgischen Sozialismus, dem sich der Student schon in jugendlicheni Idealismus verschrieben halte, ist von seinen Büchern, die noch Tn der Todesstunde aufgeschlagen vor ihm lagen, für immer weggeholt worden. Die Well des Gedankens hat mit dem Tode Hector Denis' einen Streiter, der Sozialismus einen feiner gctreuestcu Mitarbeiter und Bekenner verloren. Hector Denis lvar eine ebenso populäre wie rührende Gestalt im belgischen Sozialismus lind weit noch über diesen hinaus. Obwohl ciu richtiger Gelehrter, und ganz eigentlich in der Region des Gcistigeil lebend, suchte iiud- fand er immer den Weg zur Masie. zu der er sich hingezogen fühlte nicht allein durch ieiue soziale Denkart, sondern ebenso durch eine gewisse Romantik der Anschauungen, die schließlich seinem ganze» Wirken die Farbe seines Gemüts gab. Dieses Gemüt freilich wird von allen guten Geistern bewohnt, von einer vornebmen und zugleich naiven Menschlichkeit geleilet, die ein Grundakkord seiner Persönlichkeit war. Kein Nachruf auch, von Ivelcher Seile er ouck kommen mag, der in dic'en-rage» nicht der moralischen Persönlichken des Sozialisten und Politikers, dem Charakter und Menschen Denis Worte der Auer- lznnung widmet.„Selten noch", schrieb Emile Verha.eren, Belgiens größter Poet, im Borjahr anläßlich des Rücklritts Denis' von der Universität,„traf ich in einem menschlichen Auge aus hellere Güte und edlere Rechtlichkeit als in dem Auge Hector Denis'". Denis, von Proudhon und Comic kommend, die seine» wissen- schaftlichen Gang und seine sozialistische Aussassung dauernd bestimmte», war von seinen Studenleiijahrcil ber tsosialist. Er gehörte der ersten Arbciterintcrnationale an nnd seither hat er, in mannigsachcr Tätigkeit, als Soziologe, als Parlamentarier, als Wortführer d-S sozialistischen Gedankens in ununterbrvchener Arbeit dem betgiickicil Proletariat gedient. Denis war gleichwohl niemals marxistischer Sozialist. In der alten belgischen Arbeileriilternationale bekämpste er die von Cssar de Paepe verteidigte kolleklivistische Auffassung und auf dem Baseler Kongreß von 1869 kam es auch zwischen den beiden Freunden zu einer Polemik über den'Kollektivismus. Denis wurde 1842 in Braine-lc-Comple in Belgien geboren. Er studierte an der freien Universität in Brüssel, wo er de» Doktor- grad erwarb und auch durch lange Jabre Professor sein sollte. Er war außerdem Lehrer an den verschiedensten Anstalten, so ouch an der LehrerinnenbitdungSanstalt, wo er Geographie lehrte. Bei seinen Schülern und Schülerinnen genoß Denis eine wahrhast abgöttische Verehrung, die besonders zum Allsdruck kam, als er voriges Jahr von feiner Lehrtätigkeit an der Universität zurücktrat. An der damaligen Manifestation beteiligte sich die ganze Welt des gebildelen Brüssels. Im Jahre 1892 wurde Denis zum Rektor der Universität gewählt, trat aber dann, den Protest der Studenten gegen die Su s p e n d i e r u a g der Kurse- von E l i s ö e R e c l u S unter- ftützettd, von seinem Posten zurück— sich auch hier als ein' auf- krchier. der Freiheit dienender Mann beweisend. „ Dein Paklament geborte Denis seit 1894 an, wo er ununter- drocheu einer der sozialistischen Vertreter des Lül sicher Wahlkreises war. Sein Wort halte in der Kamnier große Geltung— seine �.�aUsche und wissenschoitliche Autorität, nicht zuletzt sein ehr« rourdigcä Aeußere hielt die Gegner stets tn respektvoller Reserve. «'s der alte Mann am 7. Februar, nachdem die Regierung ihre mirals-Cafe und trafen dort die Traak, den Angeklagten Krause und eine» gctviften Binncr und besichtigten noch einmal die In- welen. Als es dann zu einer Eifersuchtsszene zwischen der Draak und der Pfeffer kam und die erstere wiederholt mit der Polizei drohte, erhielt sie zur Besänftigung von der Pfeffer ein mit Brillanten und Saphiren besetztes Medaillon im Werte von 15 999 Mark. Kolbcrg, Krause und die Pfeffer fuhren hierauf in einem Automobil nach Friedenau. Um Geld in die Finger zu bekommen, versetzte Kqlberg in einem dortigen Cafe eine Uhr im Werte von 299 M. für 19 M., am nächsten Tage gab die Pfeffer dem Portier eines Privathotels in der Joachimsthaler Straße, das sie zuletzt ausgesucht hatten, einen Brillanirmg im Werte von 699 M. für die Zimmermicte zum Pfände. Ferner wurden drei aus den Fassungen gebrochene Brillanten bei einem Pfandleiher bersetzt.— Wegen Abnahme der noch in ihrem Besitze befindlichen Sachen im Werte von 76 999 M. verhandelten die drei ersten Angeklagten mit dem Angeklagten Mendelsohn, der sich nach längerem Hin und Her dazu verstand, ihnen zwei Ohrringe im Werte von 39 999 M. für 6999 M. abzunehmen. Bon diesem Golde gab Kolberg dem Krause 499 M., der Pfeifer 399 M. ab.— Die drei Angeklagten fuhren alsdann nach Magdeburg; sie hatten sich verabredet, von dort gc- trennt nach München zu fahren und in der Jsarstadt wieder zu- sammen zu treffen. Die Pfeffer zog es aber vor,»ach Berlin zurückzukehren und sich der Polizei zu stellen. Tie beiden anderen ivurdcn dann bald zur Haft gebracht. Der Angeklagte Kolbcrg ist der Sohn des verstorbenen Justiz- rats K. aus Fürstcnwalde. Er war bis vor etwa 1 Vi Jahre» Offizier in Straßburg. Er führte dort nach dem Tode feines Vaters, und nachdem ihm sein Erbteil ausgezahlt worden war, ein recht verschwenderisches Leben, hielt sich mehrere Reitpferde und sogar einen eigenen Rennstall. Er quittierte den Dienst, als er wegen unerlaubter Entfernung vom Heere zu einer dreimonatlichen Gc- fängnisstrafe' verurteilt wurde. Gelegentlich dieses militärischen Strafverfahrens war er bereits mehrere Wochen auf seinen Geisteszustand hin untersucht worden. Das damalige Giltachten ging dahin, daß auf Kolberg der 8 61 nickt anwendbar sei, daß er aber ein degenerierter Pshchopatb und vermindert zurcchnungs- fähig sei. Zu der gestrigen Verhandluug war daher Gerichtsarzt Dr. Marx geladen, um ein Gutachten über den Geisteszustand Kolbergs abzugeben. Der Angeklagte Kolbcrg macht über sein abcuteuerliches Leben u. a. folgende Angaben: Nach Absalvicruug des Gymnasiums in Fürstenwalde bis zur Oberprima ist er 1995 in die Armee einge- treten, 1997 Offizier geworden. Seine Garnison war Breisach. Dort lernte er eine französische Schauspielerin kennen, der er eine cigene Wohnung einrichtete. Das Mädchen kam dann in den Ver- dacht der Spionage und er crbiclt den Befehl, das Verhältnis auf- zugeben. Er tat dies aber nicht, wurde verhaftet und nach zehn- tägiger Untersuchungshaft wieder entlasfeu. Dctdnrch seien seine Nerven sehr heruntergekommen. Als er die Nachricht erhielt, daß noch ein ehrengerichtliches Verfahren gegen ihn schwebe, habe er seinen Truppenteil verlassen und sei nach Mailand gegangen. Nur ein Schreiben seines Kommandeurs, der ihm schrieb, daß die Strafe milde ausfallen würde, kehrte er von dort zurück und wurde vom Kriegsgericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nachher ging er. nach Franksurt a. M., dort erhielt er ein Telegramm der Schauspielerin, das ihn vcranlaßte, nach Paris zu reisen. Tort babe er zufällig den Neffen des Präsidenten der Kolumbifchen Republik kennen gelernt, der ihn überredete, in die kolumbische Armee als Offizier einzutreten. Vorher ging er noch nach Monte Carlo, Ivo er nach seiner Angabe 7999 M. gewann. Er habe dann mit der Schauspielerin noch die groß«? Reife durch die verschiedensten Länder und Städte gemacht. Die Mutter der Schauspielerin, die wohl darauf ausging. Geld von ihm zu erlangen, Hab» es dahin gebracht, daß er in Chcrbourg unter dem Verdacht des Mädchen- Handels verhaftet wurde; nach 24 Stunden sei er aber schon wieder entlassen worden. Nach Beendigung des Kolumbischen Jnter- letzte unversöhnliche Erklärung abgegeben, das Wort nahm und seine Rede mit einem feurigen„Es lebe der Generalstreik" schloß, brach ciu sörmlickcr Sturm auf der Linken los. Tic wirtschaftliche Organisation der bildenden Künstler, deren Gründung neulich für Berlin vorbereitet wurde, will in den nächsten Tagen durch Versendung eines Aufrufs ciu großes Werben ver- anftalten. In dem Schriftstück ldas uns noch nicht zuging) soll der Satz stehen, den die.Bossische Zeitung" erfreut heraushebt:„Wir ivolleu mit unserem Vorschlag keine übertriebenen Jllu- s i o n e n wecken: wir fordern auf zur Teilnahme an einem Kampf, der der Kiinsllerschaft durch die Verhältnisse aufgezwungen ist." Zu den ersten Aufgaben des Verbandes wird neben der Kranken- Versicherung die Begründung eines Verlagsrechtsinstiluts und einer MalerialeiukaufSgeiiossenschaft gehören. Die Organisation will ihre Ausgaben so stellen, daß sie für die Gesamtheit der Berliner Künstler- schaft wichtig wird. Zu solcher Bedeutung konnte keiner der bis- hcrigen Künstlerverbäude Berlins gelangen. Wie sick zeigt, hofft man vor allem mit Hilfe genossenschaftlicher Rechtsschutz- und Rabaitvorteile die getrennten Scharen zusammensühren zu können. Aber es ist ein Hoffen, über dem die Devise schwebt: Bloß keine übertriebenen Illusionen' Will man sich etwa die energisch drauf- gehenden Elemente von vornherein vom Leibe halten? Kapcllmeistcrtrub. Felix Weingartner nimmt nunniebr izegm die Berliner Generalinteiidantur. die laut reichsgerichtlicher Entscheidung diS Ausschließung seiner künstlerischen Arbeit von Berlin durckführeii darf, den Schutz des Schikaueparagraphen, des'§ 226 des Bürger- lichen Gesetzbuchs, in Anspruchs Dieser Paragraph erklärt die Aus- Übung eines Rechts für unzulässig,� wenn sie nur de» Zweck haben kamt, einem Andern Schaden zuzufügen. Weingartner schreibt?>em Grafen Hülsen, das treffe auf seinen Fall zu, und er erklärt weiter, er werde„in der kommenden Saison in Berlin k ü n st l e r i s ch wirken". Dieser trotzige Entschluß, der gute Folgen nicht bloß für Weingartner haben könnte, wirkt erfrischend. Aber diese angenehme Wirkung loird leider alsbald be- irächtlich vermindert. Demi unmittelbar bimerdrei» erklärt Wein- gartner, er teile Herrn Hülsen seine Absicht mit,„damit dieser in die Lage gesetzt sei, rechtzeitig dagegen die ihm zweckdienlich er- scheinenden Schritte zu unternehmen". Weingartner ivill offenbar sorgen, daß der Zusammenprall, den er provozieren will, auf einen artigen papierenen Notenwechsel beschränkt bleibt. Der Ausklang seines Trutzbricfes sorgt, dünkt uns, für einen bedauerlichen Schuß unfreiwilliger Komik. Das kalte Licht. Die Erzeugung einer künstlichen Beleiichtungs- ort, die möglichst wenig oder gar-leine Wärme erzeugt, bei der also die gesamte Energie in Form von Licht verwandt wird, ist die bisher imgcsiillte Sehnsucht der Eleltrolechniker gewesen. Charles Duffand glaubt jetzt, daß ihm die Lösung dieser Sluigabe gc- lungen sei. Sein Lerfahmi besteht hauptsächlich in einer sehr schnellen Unterbrechung des elektrischen Stroms und ermöglicht nach der Angabe des Erfinders die Benutzung derselben Lampen, die für gewöhnlichen Wechselstrom bestimmt waren, für eine weit höhere Spannimg, so daß die Leuchtkraft entsprechend wächst. Humvr und Satire. Landtagswahl. Nun tritt der Bürger offen vor die Listen und offen spricht er frei:„Ich wiHle blau 1" Denn wählt er etwa einen Soziaiiften— au, Bürger, au! an! an! Und überhaupt: man hat nichts zu verstecken— frei spricht man aus, wem man die Stimme gibt; inezzos ging er nach Berlin, war eine Zeitlang Teilhaber einer Ofenfabrik, dann reifte er für eine Hannoversche Nährimttelsirma. Da er keine ausreichenden Geschäfte machte, wurde er entlassen, geriet in Not und so ist er, wie er sagt, zu der Straftat gekommen. — Der Vater des Angeklagten ist verstorben, feine Mutter hat sich mit einem Kapitän wieder verheiratet. Krause hat den Kolbcrg sechs Wochen vor der Tat in einem Cafe kennen gelernt.— Die Pfeffer war 4 Jahre mit einem Reisenden in der Damenkonfektionsbranche verheiratet; sie ich Mutter eines dreijährigen Sabnes. Ihr Mann hat am 18. März. ans Verzweiflung über die Tat seiner Frau Selbstmord begangen. Die Pfeffer hat bald Rene über ihr Vergehen empfunden, sie ist in dem Bestreben, den angerichteten Schaden so viel als möglich wieder gutzumachen, von München nach Berlin gefahren nnd hat die ganze Sache der Kriminalpolizei mitgeteilt. Sie hat von den Juwelen nur die paar hundert Mark erhalten, die ihr zur Rei-e nach München gegeben wurden.— Die Angeklagte Draak erklärt, Tänzerin zu sein. lieber die Einzelheiten der Sirastaten und die Phgsen, die ihnen vorangingen nnd folgten, gehen die Angaben der Angeklagten mehrfach auseinander. Gerichtsarzt Dr. Mckcx erklärt den Angeklagten Kolberg für einen psychopathischen, degenerierten Mann, der vielleicht vermindert zu- rechnnngsfähig sei; von Anwendung des§ 61 St.-G.-B. könne keinesfalls die Rede sein. Die als Zeugin vernommene Frau Elisabeth von Skoffyroff erzählt ihr Mißgeschick des längeren in gebrochenem Deutsch. Unter anderem erzählt sie in sehr drolliger Weife, daß es ihr aufgefallen sei, daß alle Augenblicke einer ihrer Begleiter am Tetephon!var. Als der„Leutnant mit dem Monokel" wieder einmal zu telepho- liieren hotte und sie sich darüber wunderte, Ivos der Herr denn sc» viel am Apparat zu tun habe, wurde ihr dij Antwort:„Der Herr Leutnant bat mit seinen Soldaten zu reden." Zum Schluß wurden noch die Kriminalkommissare Kuhn nnt» Schcrlcr-vernommen. Der erstere. bekundete». a., daß nach seiner Ansicht der Angeklagte Kolberg der Hanptakteur in der ganzen Sache gewesen sei Als die Angekl. Pfeffer zu ihm gekommen, habe sie noch nicht gnoiißt, daß ihr Ehemann Selbstmord begangen hatte, sie sei alter sehr bewegt gewesen, als sie die Selbstanzeige erstattete und habe Sehnsucht nach ihrem Kinde gebabt. Als Kolberg nnd Krause in München verhaftet wurden, jind sie sofort geständig gewesen. Nach Schliiß der Beweisaufnahme plädierte Staatsanwalt Dr. Ortlicl, auf schuldig gegen. alle Angeklagten. Er beantragte. gegen Kolbcrg und Krause wegen Betruges je 4 Jahre Grsangnis und 5 Jahre Ehrverlust, gegen die Pfeffer wegen Betruges 2 Jahre Gefängnis, gegen Mendelsolm wegen Hehlerei 2 Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von je 6 Wochen Unter- suchnngshaft. Gegen die Traak beantragte der Staatsanwalt, da sie am mildesten zu beurteilen sei, wegen Hehlerei 1 Jahr Gc- fängniS und gleichfalls Anrechnung von 6 Wochen Uniersnchungs- hast. Die Verteidiger traten für eine wesentlich mildere Beur- teilüng ihrer Klienten ein. Sic wiesen alle darauf hin, daß hier durch ein grenzenlos leichtfertiges Verhalten einer Frau die An» geklagten in die Versuchung gebracht worden feie», eine sich ihnen bietende überaus günstige Gelegenheit auszunutzen. Nach langer Beratung des Gerichtshofes wurde in der siebenten Abendstunde das Urteil gefällt. Das Gericht hielt die sämtlichen Angeklagten im Sinne der Anklage für überführt und bcrurteilte: Kolbcrg zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis nnd 6 Jahren Ehrverlust, Krause zu zwei Jahren 7 Monaten Gefängnis und 6 Jahren Ehrverlust, die Pfeffer zu 1 Jahr 4 Monaten Eefängniö, Mendelsohn zu 1 Jahr Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust, die Draak zu 3 Monaten Gefängnis. Der Angeklagten Pfeffer wurde die ganze Untersuchungshaft von 2 Monaten, den übrigen Angeklagten nur je 1 Monat Unter» suchnngshaft angerechnet. Tic von den Verteidigern gestellten Haften kfassiiligsanträge wurden abgelehnt. gewiß, wählt einer rot, läßt man ihn gern verrecken— denn das ist unbeliebt. Man nimmt ihm Brot und Bett, ihm nnd den Kindern, mit Stellung und Gehalt ist das vorbei... Erlauben Sie! er könnt' eS ja verhindern I— Die Wahl ist frei. So preßt das Pack denn heute diese armen Urwähler aus,— die sind vor Furcht ganz stumm und dumm.. I Die Schlotbarone und die Landgendarmen,— blast sie doch um II—_ I g n a z. Notizen. — Neues Volks-Theater. Das angebliche Volksstück „König Krause" ist, gelinde gesagt, ein Blödsinn, der beleidigt. Drei Vater haben bei diesem Krause zusammengewirkt: ein ab- getakelter Co»plet„dichter" von Anno Tobak, ein Thcater-Krrritiker des Scherl-Anzeigers und ein Notenklexer von zweifelhafter Origi- nalität. Als wir die Namen dieses Verfaffertrios auf dem Theater- zettel unter der Devise„Die Kunst dem Volke!" lasen, beschlichcn uns böse Ahnungen und als dann der steinreich gewordene»Fouragc- onkel" Wilhelm Krause recht wie-ein aus altberlinerischen Theater- figuren zusammengekleisterter Possemnachcr anfing, sich alS König Lear zu produziere», da tat sie sich vor uns auf: die absolute Blech- schmiede. Wie konnte die Leitung des Neuen Bolks-TheaterS wagen, „dem Volke" derartiges Zeug als„Kunst" vorzusetzen? Und vierzig Mal hintereinander müssen nun die Schauspieler den Quark des VerfassertrifoliumS Keller-Herrmann-Holländer mimen. Vierzig Mall Bedauernswerte Opfer I s. Ic. — Bühnenchronik. Im Deutschen Theater beginnt am 29. Mai ein neuer Wedekind-ZykluS. Frank und Tilla Wcdekind tverden die Hauptrollen darstellen. — Eine Richard-Wagner-GedächtniSfeier findet Dienstag, den 29. Mai. abends g'/z Uhr, in der Aula der Freien Hochschule, Dorotheenstraße 12, statt. U-b-r„Bayreuth und seine Kulturaufgabe" spricht Direktor Richard Vogcler, ein alter Vor- iämpfer für die Wagnersache. — Bühnen verein und Parsifal. Die Generalver- sammlung des Deutschen BühnenvereinS fordert in einer Resolution die deutschen Bühnenleiter auf. den Parsifal nach seiner Freigabe nicht in ihr ständiges Repertoire aufzunehmen, sondern dem Werke den von Richard Wagner gewollten Charakter eines WcihefestspielcS zu erhalten. JnSbesondcrS wird von den Städten, die von ihren Bühnenleitern die Aufführung des Parsifal fordern, verlangt, daß ohne zu große Aufwendung seitens der Direktoren dem Werke eine würdige Ausstattung zuteil wird. — Ein prächtiger Meteorfall, der am 16.«pril in der ganzen O b c r p f a l z beobachtet wurde, wird in der„Frank- furter Zeitung" geschildert: Bei sternenklarecki Himmel, völliger Wind- stille und zieinlich kühler Temperatur erschien das lvketeor, das in Gestalt und Größe einer kleinen Feuerkugel glich und sekundenlang einen blendend hellen Schein gab. In gelbem und violettem Lichte zag es mit großer Geschwindigkeit von Südosten nach Nordwesten. einen langen, feurigen Schweif hinter sich lassend. Es platzte zuletzt wie eine Granale in mehrere feurige Trümmer. Zwei Minuten später vernahm man einen etwa acht Sekunden anhaltenden dumpfen Donner und ein merkwürdiges Geräusch, das an Stärke mählich ab- nahm und dem Prasseln eines auf gefroreneli Boden ausfallenden Steinregens glich. Die Erscheinung war so seltsam, daß sie auch die ruhende Tierwelt ausschrcckle. Bon allen Seite» vernahm man plötzlich lautes Gebell der Hunde, und unter den Stimmen der Vögel hörte man besonders die ängstlichen Rufe der Kibitze. | Todes-Anzeigen I SozialdemokratisctierWäiilverein I. d. ß. Berl. Reiefistagswahlkreis Todes- Anzeige. Am 12. Mai verstarb uttfer Genosse, der Arbeiter Ricksroß Otto Greisenhagener Str. 54, Bez. 538. Ehre seinem Andenken: Di« Beerdigung findet am Sonnabcndnachmittag 5 Uhr von der Halle des Gethscmane-Fricd- hoseS in Nordend auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. DeutseberHetaliarbeiter-YerhaDd Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Revolver- drcher �.rtur Müller gestorben ist. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den IS. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle dcS RauchsangSwerder Friedhofes (Bahnhof Zeuthen) aus statt. Rege Beteiligung Ivird erwartet. Nachruf. Den Kollegen ferner zur Nach- richt. daß unser Mitglied der Schlosser Franz Promnitz Lausitzer Platz 18, am 10. Mai an ungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 118/3 vis Ortsverwaltung. Deulsclier Transportarbeilef- Verband. Bezirksverwaltung Gro6-Berlln. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fenster. Putzer 85/ 1 PriedricK Orlowski am 8. Mai im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» I Die Bezirksverwallung. Verband der Ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwallung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dost der Kollege Pwnld Engel (Koloniestrahe 137, Bezirk 2) verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 17. Mai, nach« mittags 5 Uhr, von der Halle des Sebastian-KirchhoseS in Reinicken- dorf, Humboldtstr. 63, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 72/20 Die Ortsverwaltnug. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Zwicker �'ildelrn Pape verstordeu ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des nenen Friedrickis. seider KirchhoseS in Karlshorst (KarlShorster Leichenhalle) aus statt. 169/7 Der Borstand. Verband der Maier, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied MoftentKin (Bezirk Süden) verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Freitag, den 16. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Heilig- lreuz-KirchhofeS in Mariendors auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 139/10 vis Ortsverwaltung. Lichtenberg. Am Sonntag, den 11. Mai, er- trank beim Baden unser- junger Freund Paul Krienke. Wir verlieren in demselben einen eifrigen, nach Bildung strebenden Kollegen und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am sonnabeiidiinchmittag 5 Uhr von der Leichenhalle dcS Zentral- iricdhoseS in Friedrichsfelde aus >tt. 285/17 Um rege Beleiligung bittet Der Jugeudansschust. R Räch schwerem Leiden verschied am 13. Mai 1013 mein lieber Mann, unser guter Vater, der Gastwirt Ehvalä Engel im 62. Lebensjahre. Im Namen der Hinter- blieb enen: Marie Engel. Berlin N, Koloniestr. 137. Die Beerdigung findet am 17. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Halle deS Sebastian« Kirch- hoses in Reinickendorf- West, Humboldtftratze, aus statt. Alle» Freunden, Bekannten und I Verwandten die traurige Nach I richt, daß unser einziger lieber I Sohn RonKont im Alter von 6 Jahren nach kurzen Leiden verstorben ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Tie trauernde« Elter» Gnstaw Bohne und Frau. Die Beerdigung findet Sonn- abend nachmittags 4 Uhr von der Halle des Friedhoss der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel- Allee 15/17, aus statt. A Montag 4 Uhr 45 Minuten ent- schlief sanft nach kurzem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden mein inniggeliebter Mann, unser guter, treusorgendcr Vater, Bruder, Schwager und Onkel LIudert Krüger im noch nichtvollendeten 33.LebenS> jähre. 77a Dies zeigen tiefbetrübt an, um stille Teilnahme bittend Heäwig Kröger geb. Ehrmann nebst Kindern, Togostr. 79. Die Beerdigung findet heute Freitag, den IS. Mai, nachmittags 2>/,Uhr, von der Halle deS städtischen Friedhofes, Seestraße, aus statt. Verband d.Gemeinde-u.Staatsarb. Killale Groll Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach richt, daß der Kollege Wilhelm fiehrends welcher im Betriebe der stödtsschen Gaswerke, 7. Revierinspektion, be schästigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 34/5 Die Bestattung findet am Sonn abend, den 17. Mai, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Kirchhofes an der Müller- Ecke Seeftrage auS statt. �taedrut. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz der Kolleg« lZll5la? Zlnt Masseur, verstorben ist. 34/6 Wir werden fihm em ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung fand am Mon- tag, den 12. Mai, statt. vis Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten geben wir hiermit die traurige Nachricht, dag unser einziger Sohn und Bruder Pntil Krienke am ersten Psiugstseiertag beim Baden im Pechteich im 17. Lebens- jähre seinen frühzeitigen Tod ge> sunden hat. 819b Dies zeigen, um stillcS Beileid bittend, die tiesbetrübten Eltern und Geschwister an Biohanl, Mario und Ella Krienke. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des städttschen Fried- hoseS in Friedrichsseldd aus statt, Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders, Gatten und Vaters sagen wir allen Freunden und Genolsen, speziell den Fischerknechten und dem Sparverein Vorwärts 1311 unseren herzlichen Dank. 34A Eomilie Zimmermann. Scheuere mit Henkels Bkich-Soda. Zjknvaltllllgsstelte Kerlm. C 54, finienflr. 83—85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1239, 9714. Montag, den 19. Mai 1913: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin Mnrrlan* Pharnnslile, Müllerstr. 142, abends 8'/, Uhr. Fort» n UI UvU. setzung der Diskussion von der letzten Bezirksversammlung. UgrdLN' Fentsaie, Schwedter Strafte LS, abendS Heines Werke . 3 Bände 4 Blatt- Buchhandlung Vorwärts LandtagsuWer! Hente abend: Verkiindnng der VahlresuKale in folgenden Lokalen: Soekbrauerei, Tempelhofer Berg. Jlminhalleti, Kommandantenstr. 58/59. Urania, Wrangelstr. 10/11. Jtaiteeas-Testeäle, Andreasstr. 21. ComeniuS'Säle, Memeler Str. 67. JVSarbgraJen-Säle, Markgrafendamm 24. ?raehtsäle des Ostens, Frankfurter Alle 151/152. Sranerei Triedriehshain, Am Friedrichshain 16—23. Slgsinm, Landsberger Allee 41/42. JKnsikersäle, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m. Obiglos Testsäle, Schwedter Str. 28/24. Krater-Theater, Kastanien-Allee 7—9. Swinemönder Gesellschafisliaus, Swinemünder Str. 47. Somssta-Läte. Ackerstr. 6/7. Thams-Säte, Müllerstr. 142. Kastanienwäldehen, Badstr. 15/16. Sfadttheater Jßoabtt, Alt-Moabit 47—49. Neukölln. Bartsch's 7estsäle, Hermannftr. 48/49. Schöneberg« Kene Bathaussäle, Meininger Str. 8. Charlottenburg. Volkshaus, Rosinenstr. 3. Lichtenberg:. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee. Oafß Sellevne, Hauptstraße. Pankow.„Zum Kttrjnrstcn", Berliner Str. 102-. Die Cdablkomiteea. 196/12 in folgenden Lokalen: n»»UI«, Müllerstr. 142, abei. � setzung der Diskussion von der letzten Bezirksoersammlung. »la-Io' . Uhr. NOrdeil I Frankes Feats&lc, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. linnilan•„Swineinündcr Gesellschaftshaas-', Swine- nurueu. Münder Strafte 42, abends 8'/, Uhr. Tanol* Wohlfartbs FestsAle, Reinickendorf, Eichbornftr. 18» icyn. abends 6 Uhr. Slnohit* Moabiter Gesellschaftshans, Wiclefftr. 24, mUaUll. abends 8'/, Uhr. Veslen und Sehöneberg: OSteD I Comeninssftle, Memeler Strafte 67, abend» 81/, Uhr. Lichtenberg: SfÄÄ J- Ertclt' n' Stralau- Rummelsburg: Ufnißancaa* Peaherts Festsftle, Berliner Allee 251, n CllJCildCC. abends 5'/, Uhr. en»lnnl,u?il»ika'»«henstanren-ssie, Kottbttser Damm 76, üUUruUrnlrnl?. abends 81/, Uhr. Vortrag des Koll. Siering. SOdOSt I Waldemarftr. 75, abends S1/, Uhr. Bortr. des Koll. Scharst. Neukölln* Festsftle, Hermannftr. 48/49, abends CharlOttenbUrg: Volkshans, Rosinenstr. 3, abends 81/, Uhr. Steglitz: �hlhreehtshol, Albrechtstr. 1», abends 8'/, Uhr. Köpenlclt u. Friedrielislisgen: strafet 72. abends 8'/, Uhr. Oberscbönevelde, Nledersehoneweide, Johannis- «hol Ii ITirm• Proehowski, Ober-Schöne- MÄI U> üliiy,. weide, Rathansstr. 13(gegenüber der Post), M j abends S1/» Uhr. Spandau: Oertz' Restaurant, Knrstr. 21, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellunguahme zur Generalversammlung. KM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."ME Zahlreicher Besuch wird erwartet. 118/4 Ble Ortsverwaltnug. Wer Zahlstelle Berlin. Hafermark KMen M. Nicht nur wissenBchaftliche Krwägungen, sondern auch ärztliche Erfahrung haben nns_ den Wert der Hafernahrung schätzen gelehrt. Kein anderes Haferpräparat übertrifft an Wohlgeschmack, Nährwert, Bekömralichkeit und schneller, einfacher Zubereitung Dr. Kud. Weils Hafenuark. Eine aus Dr. Rud. Weils Hafermark bereitete Kost bewährt sich als das sicherste Stärkungsmittel. Schwächliche, hagere Personen kann man mit dieser Kost binnen kurzer Zeit„herausfüttern''. Bleichsüchtige junge Mädchen, kränkliche Frauen, blaße, schlecht entwickelte Kinder blühen förmlich auf, wenn sie mit Dr. Rud. Weils Hafermark ernährt werden. Preis: In Originalpaketen Pfd. 40 Pf.— Gebraucbsvorschrift auf den Paketen. Ban achte darauf,«las echte Dr. Rad. Wells Hafermark zu erhalten. 266/2 Zn haben In den Verkanfsstellcn der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend � i™ Generaldepot: D. MADER, Berlin S., Prinzenstr. 86. Die Wahl der Delegierte«»um Berhandstage findet am Zolluabeud, dea 17. Mai, uachm. von 2 bis 8 Uhr, in folgende» Lokalen statt: f'' 5, Wiemers, Bülowstr. 58. 6. Huth. Warschauer Str. 61. 7. Zieme, Baruimstr. 13. 8. Nofin, Müllerstr. 163. 9. Sauer, Reukölln, Reuterft.81. Lhne Mitgliedsbuch resp.-Karte kann niemand wählen, desgleichen, wer länger als 6 Wochen mit seinen Beiträgen restiert. (Die 14. Beitragsmarke mufe geklebt sein.) Wir erwarten, dafe alle Mitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. 24/2_ Die Ortwvorwaltang. 1. Gewerkschaftshaus, Eugelufer 15, Saal 1. 2. Mierisch, Friedrichstr. 16. 3. Schirm, Charlottenstr. 8. 4. Hippler, Hollmanoftr. 16. Verwaltung Berlin. Wegen der Landtagswahl sind die Bureaus und der Arbeitsnachweis des Verbandes, Engelufer 14, heute Freitag, den 16. Mai. geschlossen. Die Sitzung der Ortsverwaltung fällt hente aus. 83/5 l>le OrtsverwoJv. Zweigverein Berlin, Wegen der Landtagswahl bleiben die Bureaus für heute geschlossen. 142/15_____ Der Borftand- Verkaut dar im t abrlk«ebün. 5—7. Sonntags 10—12. In Glas u« ßlechflaschen übcrAU erhältlich« Fahrih: Urban Ä hemm» Charlottenhurg« ReukersWerke . 3 3äni>c 4 wart. .. Buchhandlung vonvärt» Verantwortlicher Redakteur: Alfrep Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärt» kbuchdruckeret u. BeclagSanftalt Paul Singer u.Co� Serlin SA� Kr.M ZV. Zshtgttß. Z. Keilxgt Ks JMtts" Sttlintt BolfeHatt. {[(»09. 16. Uli 1913. Abteilung zur Wahl v!e Wahlen der Wahlmänner finden am heutigen Freitag, den 16. Mai, statt. In Berlin wählt die II. Abteilung zuerst und zwar in der Zeit Vau vormittags S bis mittags 12 Uhr, alsdann die l. Abteilung von nachmittags 1 bis 2 Uhr und zuletzt die III. Abteilung von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr. Die Wahlhandlung wird pünktlich mit deni Ende der für jede Abteilung festgesetzten Wahlzeit geschlossen. Demnach dürfeü nach Schluß der für jede festgesetzten Wahlzeit Urwähler der Abteilung, die gestanden hat, nicht mehr zur Abstimmung zugelassen werden, auch dann nicht, wenn sie sich bereits vor dem Schluß der Wahlzeit ihrer Abteilung im Wahllokale eingefunden hatten. Ferner wird darauf hingewiesen, daß der Wahlvorsteher von den zur Wahl erscheinenden Urwählern die Vorlegung einer Legittmatton verlangen kann; als solche gilt: Steuer- quittung, Jnvaliditätskarte, Militärpapiere, Mietskonttatt usw. oder die den Urwählern zugestellte Wahlkartc. Es wird dringend erforderlich sein, für genügend freie Zeit zur Ausübung des Wahlrechts am 16. Mai zu sorgen. Wähler der 2. und 1. Abteilung werden gut tun. rechtzeitig für Ausübung ihres Wahlrechts Sorge zu ttagen. Wenn auch für Arbeiter die Wahlzeit für die 2. und 1. Abteilung recht ungünstig liegt, so mutz doch alles aufgeboten werden, daß uns gerade in diesen Abteilungen keine Sttmme verloren geht. In verschiedenen Wahlbezirken in Berlin fällt gerade in diesen Abteilungen die Entscheidung. Daß auch die Wähler in der 3. Abteilung ihre Pflicht tun und durch rechtzeittge Sttmm- abgäbe ihrer Wahlpflicht genügen, ist ebenso selbstverständlich. Jeder Wähler aber mag eingedenk sein, daß die Wahl pünktlich geschlossen wird. Gehe also jeder Wähler frühzeitig zur Wahl! ** * Die Zentralwahlbureaus für die einzelnen Land- tagswahlbezirke sind an folgenden Stellen: 1. Wahlbezirk(Westen): Wiemers, Bülowstr. 58 Fern- sprecher Amt Lützow 8247. (Hansaviertel): Dreßler, Altonaer Straße 20. Amt Moabit 330. 2. Wahlbezirk: Platz 593. 3. Wahlbezirk: 8848. 4. Wahlbezirk: Bieler, Dieffenbachstt. 76. Amt Moritz- Platz 2359. 5. Wahlbezirk: Wählisch, Skalitzerstt. 22. Amt Moritz- Platz 12 542. 6. Wahlbezirk: Hoffmann, Königsberger Str. 28.- Amt Königstadt 6192. 7. Wahlbezirk: Wiegel, Elbinger Str. 8. stobt 6343. 8. Wahlbezirk: Hundt, Mendelssohnstt. 16. stadt 909. g. Wahlbezirk: Norden 2187. 10. Wahlbezirk: 11. Wahlbezirk: 1238. 12. Wahlbezirk: Paersch, Oldenburger Straße 10. Amt Moabit 1899. Charlotteuburg: Bolkshaus, Rosinensttaße 3. Amt Wilhelm 1696. Reukölln; Partcisekretariat, Neukölln, Neckarstraße 3. Amt Neukölln 1894. Schöncberg: Henkel. Meininger Straße 8. Amt Lützow 6733. Teltow-Land: Schilling, Wilmersdorf, Lauenburger Str. 20. Amt Pfalzburg 1120. Ober- und Riedcrbarnim: Schulz, Lichtenberg, Kronprinzen- straße 47. Amt Königstadt 851. Fränz, Markgrafenstt. 6. Amt Moritz- Felsmann, Ritterstt. 1. Amt Moritz- Amt König- Amt König- RochhauS, Schliemannstr. 3tz. Amt Dams, Schlegelstt. 9. Amt Norden 159. Melzer, Wiesenstr. 29. Amt Moabit Wahlhilfe ist heute dringend nöttg. Alle Genossen, die sich frei machen können, wollen sich ihren Wahlleitern zur Verfügung stellen. Auch in den Zentralwahlbureaus können sich Genossen melden. » Die Llnnahmecrklärung des Wahlmannes. Jeder Wahlmann mutz ausdrücklich die Erklärung ab- geben, daß er das Amt annimmt. Ist der Gewählte bei der Feststellung des Ilrwahlergcbnisses anwesend, dann bekommt er seine Bestallung als Wahlmann und Einladung zur Ab geordnetenwahl sofort im Wahltermin. Andernfalls wird sie ihm zugeschickt und der Gewählte muß sofort dem Wahl Vorsteher mitteilen, daß er die Wahl annimmt. Annahme unter Protest oder Vorbehalt, ebenso das Ausbleiben der Mitteilung der Annahme der Wahl über die dreitägige Frist hinaus gilt als Ablehnung. Am besten ist es. der sozialdcmo- kratische Wahlmann erklärt sofort im Wahltermin, daß er das Amt annimmt. ' Wird die Wahl abgelehnt, dann ist umgehend eine Neu- wähl anzuordnen. Versammlungen, in denen Wahlresultate verkündet werden, sind zu heute abend in verschiedene Lokale einberufen und im Inseratenteil an- gekündigt. Aliitationskommispon des Arbciter-Radfahrerbnndes „Solidarität", Ortsgruppe Berlin, richtet an ihre Mitglieder. das Ersuchen, wenn es irgend möglich ist, sich von der Arbeit freizumachen und der Partei zur Verfügung zu stellen. Wer uoch keine Nachricht hat, welchem Wahllokal und Kreis seine Abteiluna zugeteilt ist, wird gebeten, frühmorgens nach der Stralauer Brücke Nr. 3 bei Knong zu kommen. Telephon: Amt Königstadt 4948. � „ Wilmersdorf-Halcasec p® zwecks Beteiligung an Die G-nosien und Genossinnen finden den Arbeiten der Landtagswahl heute dem Zentralwahlbureau bei Schilling, Lauenburger Str. 20, ein. Es wird erwartet, daß sich alle Mitglieder des Wahlvereins in den Dienst der Sache stellen. Der Vorstand. *• » Wahlmache der Patrioten in Niederbarnim- Oberbarnim. Von den Konservattven sind bekanntlich als Kandidaten von TreSkow, Ziethen und Pauli(EberSwalde), von dem frei- sinnig- nattonalliberalen Mischmasch Erdmannsdörfer(fort- schrittlich), Goldschmidt(fortschttttlich) und Kode(nattonal- liberal) aufgestellt. Ursprünglich hatten die Konservattven, in der Besorgnis, den Kreis den sozialdemokrattschen Kandidaten, den Genossen Braun, Hofer und Harnisch, ausliefern zu müssen, die Absicht, der Fortschrittlichen Volkspartei und den Nationalliberalen ein Kompromiß, ähnlich dem aus dem Jahre 1908, anzubieten. Das hatte sich zerschlagen. Nun- mehr hat aber der»Patriotische Verein für Oranienburg und Umgegend" ein neues Kompromiß zustande ge- bracht. Nach seiner Mitteilung sind v. Trcskow(konservativ), Ziethen(frcikonservativ) und Kode(nattonalliberal) die Kompromißkandidaten. Ein nettes Bündnis. Der National- liberale Arm in Arm mit den offenen konservativen A n- h ä n g e r n des bestehenden Dreiklassenwahlunrechts und Arm in Arm mit den angeblich für Niederringung der Drei- klassenschmach ringenden Freisinnigen. Ein recht vielseittger, echt nattonalliberaler Herr. Die Fortschrittliche Volks- partei soll als Zutteiber für diesen in allen Farben schillernden „Pattioten" benutzt werden. So hoffen die Konservativen, noch einmal den Kreis den Sozialdemokraten entreißen zu können. Alle Hebel sind für diesen Zweck dienstbar gemacht. Der Landrat Dr. Busch soll heute in höchsteigener Person um die Wahl bemüht' sein und läßt deshalb sein in Berlin aus- zuübendes Wahlrecht verfallen. Nun wohlan: Desto notwendiger ist, daß heute der Mittelstand und die Arbeiterklasse geschlossen an den Wahlttsch tritt und für die sozialdemokrattschen Wahlmänner eintritt. Niemand fehle! » Schöneberg. Die heutigen Wahlen der Wahl- männer beginnen für die Wähler der ersten Abteilung um 1 Uhr und enden um 2 Uhr; alsdann wählt die zweite Ab- teilung von 2— 3Vz Uhr, während die dritte Abteilung von nachmittags 4—8 Uhr wählt. Lichterfelde. Für unseren Ort findet Terminswahl statt. Die III. Abteilung wählt um S Uhr. die II. Abteilung um 7 Uhr und die I. Abteilung um 7i/z Uhr. Wer am 1. April verzogen ist, wählt in dem Bezirk, wo er vor dem 1. April gewohnt hat. Dahlem. Terminswahl. Ul. Abteilung 5 Uhr. Wahllokal: Restaurant Haffke, Unter den Eichen 88. Candtagswälflerversammlung. Für den achten Landtagswahlbezirk fand am Mittwoch eine Wählerversammlung im Musikersaal in der Kaiser-Wilhelm-Straße statt. Obgleich unsere Parteigenossen an jenem Abend mit Vorarbeiten für die Wahl beschäftigt und durch den Zahlabend in Anspruch genommen waren, war die Versammlung recht gut besucht. Mit lebhaftem Jntereffe salzten die Anwesenden dem Vortrage des Genossen Strubel, der an zahlreichen Bei> spielen au« der parlamentarischen Tätigkeit im Reiche und in Preunen die politische Unzuvcrlässigkeit des Freisinns illustrierte. Der Redner zeigte, daß die Freisinnigen immer versagt haben, wenn es galt, die Rechte und die Interessen des Volkes gegenüber der Regierung energisch zu vertreten. Auch im Kampfe für ein freies Wahlrecht in Preußen kann man auf den Freisinn nichl ernsthaft zählen. Die Beseitigung des Drei- klassenwahlrechts ist die notwendige Voraussetzung für den Sturz der Junkerherrschaft und die Einführung freiheitlicher Zustände. Von der freisinnigen Partei, von Herrn Cassel, dem bisherigen Vertreter des achten Wahlbezirks, ist in dieser Hinsicht nichts zu erwarten. Also müssen die Wähler alles aufbieten, daß nicht Herr Cassel, sondern Geyosse Düwell gewählt wird und daß durch eine starke Ver mehrung der sozialdemokratischen Stimmen gegen die Dreiklassen schwach protestiert wird. Unser Kandidat Wilhelm Düwell wies kurz und treffend nach. daß der Freisinn die parlamentarische Vertretung des mobilen Kapitals ist und deshalb von der arbeitenden Bevölkerung nicht gewählt werden kann.— Beide Redner fanden lebhaften Beifall. * Reichsverbandsgeneral v. Liebcrt in Wilmersdorf. Als Mittwochabend die von unseren Genossen nach dem Viktoria garten einberufene Versammlung zu Ende war, begaben sich eine Anzahl der Teilnehmer nach dem nebenan gelegenen Gesellichafls� hause. Hier war eine vom Verein reichstreuer Männer, der Wilmersdorfer Reichsverbandsfiliale, einberufene Landlagswähler Versammlung noch im vollen Gange. Kein Geringerer' als der Rcichsverbandsgeneral v. Liebert hielt über die auswärtige Politik der Regierung und die Sozialdemokratie einen Vortrag, den der konservative LandtagSkandidar G e r h a r t ergänzte. Herr v. Liebert wehklagte über den großen Einfluß der roien 110 im Reichstage. der immer mehr ins rote Fahrwasser hineinschliddere und mit dem kein Staat zu machen sei. Daher wäre für das Abgeordnetenhaus die Erhaltung des jetzigen Wahlrechts notwendig. Seine Eigenschaft als Reichsverbandsleiler kennzeichnete Herr v. Liebert durch Äuflischung der längst widerlegten Legende, daß Bebel dem Deutschen Reiche ein Sedan gewünscht habe und durch Töne des Bedauerns darüber, daß die Frankfurter„Volks- stimme", ohne daß ein Staatsanwalt gewagt hätte, die Hand nach dem Blatt auszustrecken, bei der Erörterung der Angelegenheit des Pächters Sahst den Kaiser habe schmählich beleidigen können. Die Ausführungen des konservativen Kandidaten gipfelren darin, daß er die Sozialdemokratie als eine Gesellschaft grüner Jungen be- zeichnete und daß er einem Liberalen, der in einer seine Partei be- rührenden Angelegenheit einen durchaus sachlichen Zwischenruf ge- macht hatte, zuriet, er solle den Mund halten. In der Diskussion nagelte'Genoffe Schröder die unrichtigen Behauptungen des Herrn Liebert fest, dem die Sozialdemokratie im übrigen eigentlich nur dankbar sein könne. Denn der Erfolg, den die PaNei bei den letzten Reichstagswahlen errungen habe, sei nicht zum geringsten der berühmten Reichsverbandsmethode zu danken. Nachdem noch einige bürgerliche Teilnehmer zum größten Teil gegen die Konservativen gesprochen hatten, nahm Herr Gerhart das Schluß- wort. Dieses bestcmd in einem erneuten Schimpfen auf die Sozial- demokratie. Unter dem Gesang der Arbeitermarseillaise verließen unsere- Parteigenossen den Saal, während Herr Gerhart sich austobte. * Friedenau. Das Jubiläumsjahr ein Kampffahr des Volkes um Menschen- und Bürgerrecht, dieses Thema behandelte in einer gut- besuchten öffentlichen Wählerversammlung am Mittwoch im Kaiser- Wilhelm-Garten Genosse Zubxil unter stürmischem Beifall. Auch der Kandidat des Kreises.' Genosse G r o g e r, verstand es, durch eine treffende Charakteristik der heutigen schmachvollen Zustände in Preußen die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln. Die Bersamm Steglitz eingeleitet und beendet wurde, bedeutete ein gutes Vorzeiche» für die heutige Wahl. Auch die Konservativen hielten am Tage vorher in demselve» Lokale eine Versammlung ab, in der die beiden Kandidaten dreser Partei als Referenten auftraten. Herr Gerhard erklärte Herne Haselow für den geeignetsten Vertreter des Kreises, während Herr Haselow es umgekehrt machte. Im übrigen erklätten die Herreu, daß sie vollständig auf dem Boden der Herren Westarp, Oldenburg und Konsorten ständen. Herr Haselow erlaubte sich übrigens noch unsere Vertteter im Landtag zu verunglimpfen. Ihn wies Genoffe Hagen in gebührender Weise zurecht, was bei den Gesinnungsgenoffen des Herrn Haselow großen Tumult hervorrief. Bezeichnend für die Gesinnung in sogenannten Gelehrtenkreisen waren die Ausführungen verschiedener Herren Professoren und Doktoren: sie liefen darauf hinaus, daß die Wiffenschast«n Interesse des„Staatswohls" in der dritten Klasse wähle. In Lankwitz referierte Genosse Eichhorn vor einer zahlreiche» andächtigen Zuhörerschaft. Eine von etwa 800 Personen besuchte öffentliche Wählerversamm- lung tagte am Mittwoch im Garten des„Seebad"- Restaurants in R e i n i ck e n d o r f- O st. Reichstagsabgeordneter Genoffe K ä p p l e r hatte es übernommen, den Wählern in letzter Stunde nochmals die Bedeutung der diesmaligen Landtagswahlen dar« zulegen. Wie ein Gemahnen an künftige größere Kämpfe klang es. als er unter Beifall die Versammelten aufrief, schon beim ersten Borpostcngefecht— den heutigen Landtagswahlen — den herrschenden Klassen zu zeigen, daß die Geduld der preußischen Arbeiter zu Ende ist. Auch der Genosse H o f e r, der Kandidat des Kreises, ermahnte die Versammelten in kurzen, aber eindringlichen Worten, eifrig belgisch zu lernen, um bald deutlich preußisch reden zu können. Wieder dankte dem Redner der reiche Beifall der Versammlung. Zum Schluß appellierte Genosse Schönberg nochmals an die Wähler, den guten Geist, von dem die Versammlung beseelt, auch auf die Wabl zu übertragen. Der Preis, der winkt, ist der Anstrengungen und Opfer wert. In Mahlsdorf sprach vor gut besuchter Versammlung Genosse Hämming unter großem Beifall. In Kagel sprach unter freiem Himmel Genosse K ü t e r« Karlshorst. Die zahlreich anwesende ländliche Bevölkerung spendete dem Redner sowohl wie auch dem Gesangverein der Glasmacher für seine vorgetragenen Gesänge lebhaften Beifall. Eine Wählerversammlung in Kicnbanm, für die alle Vor« bereitungen getroffen waren, mußte ausfallen, weil der Inhaber des Lokals in letzter Minute sein Lokal zurückzog, aus der Partei austrar und im neugegründeten Kriegerverein, dem er als Mitglied angehört, eine bessere Kundschaft erhofft. Weißensee.„Vor der Entscheidung" lautete das Thema der letzten Landtagswählerversammlung im„Schloß Weitzensee", in der Genosse S t ü ck l e n referierte und der Kandidat des Kreises Genoffe Hof er sich den Wählern vorstellte. Reichlich 150 0 Personen waren erschienen, die mit Spannung den prächiigen Ausführungen.yn-r, Redner folgten. Am Schluß der Versammlung konnte der Vorsitzende Genosse Schlemminger mit Genugtuung feststellen, daß in Weißensee die Sozialdemokratie sehen kann. Reinickendorf-Wcst. die Wähler nochmals waren die Kandidaten dem Wahltag mir Zuversicht entgegen« d»n nachmittags i Uhr an in den einzelnen Bezirkslokalen oder I lung, die durch ein stimmungsvolles Lied des Männerchors Fricdenaw In einer imposanten Versammlung nahmen Stellung zur Landtagswahl. Referenten der Sozialdemokratie, die Genossen Otto raun und Gutsbesitzer H o f e r. Da in einer am 6. Mai statt- gefundenen fortschrittlichen Versammlung, an der sich etwa acht Zehntel Anhänger der Sozialdemokratie beteiligten, trotz vorheriger Zusage keine genügende Redefreiheit gewährt wurde, so war Herr Goldschmidt und auch die Leitung der Versammlung schrift« lich eingeladen, aber nicht erschienen. Herr Goldschmidt ent« schuldigte sich brieflich, von der Leitung war keine Ant« wort erfolgt. Genosse Braun beschäftigte sich in seinem Vortrage besonders mit den Angriffen, die Herr Goldschmidt in der fortschritt« lichen Versammlung gegen die Sozialdemokratie gerichtet hatte. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung deckte der Redner die Sünden des Freisinns auf. Genosse Gutsbesitzer Hofer ging in seinem Vonrage besonders den Junkern und Gutsbesitzern scharf zu Leibe und schilderte besonders die elenden Zustände in Ostelbien. Zum Schluß forderte erdie Versammelten auf, ihre Sttmme nur den sozialdemokratischen Wablmännern zu geben. Trotzdem Gegner anwesend waren, ergriff in der Diskussion leiner das Wort. Partei- Tüngelegenkeiten. Neukölln. Alle Hilfskräfte, die in den einzelnen Bezirken über« flüssig sind, werden gebeten, sich im Bureau des Wahlvereins Neckar« straße 3 einzufinden. Steglitz. Da« sozialdemokratische Zentral- Wahlbureau befindet sich bei Jäckel, Körnerstr. 4. Jeder Genoffe hat sich rechtzeitig in seinem Schlepplokal zu Melden, die Stimmzettelverteiler geben Aus« kunft, wo. Friedenau. Die Wahlmännerwahl für die dritte Klaffe findet von S'/z— 8 Uhr statt. Die Genossen wollen sich zur Wahlarbeit frühzeitig in ihren Bezirkslokalen einfinden. Karlshorst. Das Zentralbureau befindet sich Dönboffftt. 1, Ecke der Treskow-Allee, im Restaurant Buchholz. Fernspr.: Lber-Schöne- weide 135. Alt- Glienicke. Der Zahlabend für den Ortsteil Falkenberg findet am Sonnabend, den 17. d. Mts., bei Schäfer, Schirnersttaße, statt. Wichtige Tagesordnung. Borsigwalde-Wittcuau. Das Wahlbureau befindet sich am Tage der Landtagswahl bei Wilhelm Schulze, Schubartstr. 39: eS ist von 8 Uhr morgens geöffnet. Die Parteigenossen und Genossinnen wollen sich dort möglichst zeitig und zahlreich einfinden. Der von den Parteigenossinnen beschlossene Ausflug mit Kindern kann Sonntag, den 18. Mai, wegen der außerordentlichen General- Versammlung nicht stattfinden. Dabendorf bei Zossen. Morgen Sonnabend, den 17. Mai, abends 9 Uhr, bei Wiese Monatsversammlung. Wichtige Tagesordnung. öerlmer I�admcbten. Generalmarsch. Jetzt ertöne das Signal, jetzo heißt es: angetreten! Ohne Pauken und Trompeten, aber stramm ziehn die Proleten zum Entscheidungskampf, zur Wahl!» Jetzo kam der Augenblick, und als war' es nur Parade, geht es stürmend schnurgerade, auf die Geldsacksbarrikade. � Vorwärts, keiner bleibt zurück. Jetzt marsch, marsch und drauf und drant Vorwärts, werft sie übern Haufen, schlagt sie. jagt sie, bis sie laufen und besiegt am Boden schnaufen,! Vorwärts, vorwärts. Mann für Mann! Mann für Mann und dran und drauf! Heute geht es auf das Ganze, keiner fehle bei dem Tanze— und auf mancher Geldsacksschanze pflanzen vir das Banner auf! JanuS. Die juristische Sprechstunde fallt heute abend aus. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat wieder mal ein sehr ungünstiges Geschäftsjahr hinter sich. Für die Zeit voni 1. April 1912 bis zum 31. März 1913 beliefen sich, wenn die zwischen den einzelnen Kassenstellen nur über- wiesenc» Beträge ausgeschaltet werden, die Einzahlungen auf rund 69-/, Millionen Mark, die Rückzahlungen aber auf ziemlich 76�/, Millionen Mark. Hiernach wurden in 1912/13 um reichlich 7 Millionen Mark mehr zurückgezahlt als ein- gezahlt. Für das vorhergehende Geschäftsjahr 1911/12 hatten, immer ohne die nur überwiesenen Beträge, die Einzahlungen sich noch auf mehr als 74>/.; Millionen Mark, die Rückzahlungen auf mehr als 71 Millionen Mark belaufen. Es blieben aus 1911/12 noch ziemlich 3'/, Millionen Mark Ueberschuh der Einzahlungen über die Rückzahlungen, aber auch das war allerdings schon ein un- günstiges Ergebnis gegenüber dem Geschäftsjahr 1910/11, wo der EinzahlungSüberschust noch 12'/, Millionen Mark betragen halte. Hinter dem Ergebnis von 1910/11 steht das von 1912/13 um reichlich 13Vg Millionen Mark zurück. In 1912/13 wurde die rückläufige Bewegung noch beschleunigt durch die Kriegsfurcht, die infolge des Treibens der Kriegshetzer entstanden war. Besonder» in der zweiten Hälfte deS Geschäftsjahres erreichten die Rückzahlungen von Spar gcldern eine ganz außerordentliche Höhe. Rücksichtslosigkeit wegen 60 Pfennigen. Herr Hruda, Rosenthalerstraße19, vertreibt Näh- Maschinen der Firma Frister u. Roßmann auf Abzahlung. Die Ehe- leute D. aus Neukölln hatten eine Maschine gegen teures Geld enl- nommen und haben mit einigen, durch Arbeitslosigkeit und Krankheit verursachten Unterbrechungen, die Abzahlungen bis zur Deckung ihrer Schuld geleistet. Herr Hruda hatte aber, als mal eine Rate aus- blieb, einen Zahlungsbefehl erwirkt und dafür 6V Pf. Kosten an die Gerichtskasse gezahlt. Daß ein Arbeiter, der, wie im vorliegenden Falle, noch ö Kinder zu unterhalten hat. ohne bösen Willen in Rückstand geraten kann, noch dazu, wenn die miterwerbende Frau monate- lang im Krankenhaus liegt, entschuldigt jeder einigermaßen sozialdenkende Geschäftsmann; ja, sein eigenes Gelcbäftsinteressc müßte ihn zu einiger Rücksicht veranlassen. Anders handelt Herr Hruda: er machte von seinem formalen Recht Gebrauch und schickte wegen der 60 Pf. wiederholt den Gerichtsvollzieher. Durch die Vollstreckungskosten sind die 60 Pf. auf 17, SS M. Gesamtkosten angelaufen. Der Gerichtsvollzieher hat nun, da er andere Pfandobjekte in der D/schen Wohnung nicht vor« fand, die gelieferte Nähmaschine gepfändet und zur Pfandkammer ge- bracht. Da» Gericht, bei dem Beschwerde eingelegt ist. wird nicht umhin können, die Pfändung aufzuheben, da die Maschine zu den un- entbehrlichen Sachen gehört. Herr Hruda wird dann immerhin die Genugtuung haben, alles veranlaßt zu haben, um zu seinem.Recht" zu gelangen. Den Offenbarungseid haben die D. scheu Eheleute in der Sache bereits geleistet, auch war bereits ein Ermiitelungs- verfahren wegen angeblichen Pfandbruchs eingeleitet; alles um 60 Pfennige. Die D.schen Eheleute sind allerdings von der Geschäfts- Verbindung mit Herrn Hruda nichl sehr entzückt. Verdenken kann man'S ihnen nicht, andere Leute würden wohl ebensolche Empfin- düngen haben. Im Kampfe gegen die Tuberkulose bedeutet die Vorbeugung alles. Wer dieser Volksseuche wirk- sam entgegentreten will, muß dem Proletariat andere Lebens« bedingungen verschaffen. Begünstigt wird ihre Weiterverbrenung unter anderem durch die Mängel des Wohnungswesens, die ja ohnedies eine schwere Gefahr für die Volksgesundheit bilden. An diesem Punkt einzusetzen, haben die Berliner Auskunfts« und F ü r s o r g e st e l l e n für L u n g e n k r a n k e sich zur Auf- gäbe, gemacht. Seit acht Jahren sind sie bemüht, die Uebertragung der Tuberkulose innerhalb der Familie nach Möglichkeit zu ver* hindern. Der vom Zentralkomitee der AuskunftS- und Fllrsorgestellen erstattete Geschäftsbericht für 1912 gewährt wieder einen Einblick in diese Arbeit und ein wenig auch in das Elend, dem sie gilt. Ihr Schwerpunkt liegt darin, die Familien der Lungenkranken über Art und Gefahr der Krankheit zu belehren und sie zur Selbst- Hilfe zu erziehen. Nur da, wo alle Mittel fehlen, selber sich zu schützen, tritt eine ergänzende Hilfe' ein. Wenn z. B. die Isolierung eines Tuberkulösen nur durch Mietung einer größeren Woh- nnng zu erreichen ist, wird manchmal mit einem Mietszuschuß nachgeholfen. Einfachere Unterstützungen bestehen darin, daß bei Er- krankung der Hausfrau eine Hauspflegerin oder auch nur eine Rein- machcfrau gestellt wird. Im Jahre 1912 kamen 8141 neue Fürsorgefälle zu den früheren hinzu. Die Zahl der in 1912 überhaupt bearbeiteten Fälle stellte sich nach Ausscheidung der durch Wegzug oder Tod erledigten Fälle auf 13 477, an denen etwa die doppelte Zahl Personen beteiligt war.»Unter den neu hinzu- gekommenen Kraulen waren 974 offen Tuberkulöse. 616 dieser Kranken, die für ihre Familien besonders gefährlich find, konnten durch Vermittlung der Fürsorgestellen in eigenen Schlaf- räumen isoliert werden. In 189 Fällen mußten sogar Betten geliefert werden, damit gesunde Familienmitglieder nicht mehr mit den Kranken zusammen zu schlafen brauchten. Zur Er- möglichung der Isolierung wurde M i e t s u n t e r st ü tz u n g nur in 249 Fällen gegeben, und ihr Gesamtbetrag belief sich nur auf 7416 M., doch hebt der Bericht hervor, daß für diesen Zweck auf Antrag der Fürsorgcstellen auch von der öffentlichen Armenpflege und aus anderen Quellen noch Beihilfen gewährt wurden. Die Für. sorgestellen arbeiten daneben auch mit dem Mittel der Belehrung über allgemeine hygienische Matzregeln, von denen sie sich einige Besserung der WohnungSzustönde versprechen, mit Hin- weisen auf die Notwendigkeit einer zweckmäßigeren Lüftung, einer gründlichen Reinigung usw. Sie wirken ferner darauf hin, daß die Wohnungen der Kranken nach der Aufnahme in ein Krankenhaus oder bei einem Wohnungswechsel desinfiziert werden. Zu dieser Wohnungsfürsorge kommt die Fürsorge für das leibliche Wohl der Kranken oder der von Erkrankung Bedrohten, die Bemühungen, Erwachsene und Kinder zu kräftigen durch Gewährung von Essen aus einer Krankenküche, durch Entsendung in Heilstätten, Heimstätten, Ferienkolonien usw. Im ganzen gewinnt man freilich den Eindruck, daß alle dar- gebotene Hilfe weit hinter dem Bedürfnis zurückbleibt, weil eS dem Zentralkomitee der Fürsorgestellen an de« nötigen Mitteln fehlt. Ueberall in dem � Bericht tritt daS deutlich genug hervor. Geklagt wird darin auch, daß den Fürsorgcstellen ihr Tätigkeitsgebiet noch weiter eingeengt werden solle. Die Landesversicherungsanstalt Berlin will ihnen die bisher gezahlte Subvention nicht weiterzahlen, weil jetzt sie selber sich in häuslicher Tuberkulosefürsorge betätigt. Von einer Teilung der Arbeit zwischen der Landesversicherungsanstalt und den Fürsorge- stellen erwarten aber diese keine Förderung des Kampfes gegen die Tuberkulose. Da der Landesversicherungsanstalt für ihre Tätigkeit durch das Gesetz' gewisse Schranken gezogen seien, so solle die Fa- milienfürsorge entweder, wie bisher, einem Verein überlassen oder künftig von der Stadt betrieben werden. Uebernahme auf die Stadt würde in der Tat dem ton Mangel an Mitteln bedrohten Zentralkomitee der Fürsorgestellen 'aus aller Verlegenheit helfen, aber sie wird wohl einstweilen ein frommer Wunsch bleiben. Der Berliner Stadtfreisinn denkt schon Wunder waS zu leisten, wenn jetzt endlich die Wohnungsaufsicht ge- schaffen wird. Diese wird sogar als Grund dafür geltend gemacht, daß man den Fürsorgestellen für Lungenkranke künftig auch die Sub vention aus dem Stadtsäckel verweigern solle. Nur zu berechtigt ist folgende Klage eines dem Bericht beigegebenen Zirkulars des Vorsitzenden:»Jetzt stehen wir wegen einiger tausend Mark fehlender Betriebskosten vor der Entscheidung, ob wir weiter arbeiten können oder nicht. Wer wird unser Nachfolger sein? Die Stadt ohne Wohnungs- und ohne Sanitätspolizei? Oder die Landes Versicherungsanstalt, die nur für Versicherte, nicht aber für die zahlreichere unversicherte Bevölkerung sorgen kann? Oder der Staat, der die Sanitäts- und Wohnungspolizei besitzt? Oder bleibt es unser Verein, dem dann genügende Zuschüsse und Unter- stützungen vom Staat, von der Stadt und von der Landesversiche- rungsanstalt gegeben werden müßten?" WaS die Äuskuufts- und Fürsorgcstellen für Lungenkranke im Kampfe gegen die Tuberkulose leisten, kann bei aller Anerkennung, die man diesen Bemühungen nicht versagen darf, doch nur als Not- behelf gelten. Aber selbst für dieses Wenige die Mittel heranzu- schaffen, macht schon die größten Schwierigkeiten, so daß das Zentral- komitee nicht aus noch ein weiß. Für den Rüstungswahn wird eine Milliarde verpulvert, für die Volksgesnndhcit sollen Bettel- Pfennige genügen! Ueber die Steglitzer Polizei erhalten wir folgende Klageschrift: Der Amtsvorsteher Buhrow ver- sendet als Polizeivorstand unter Bezugnahme auf 8 12 der Reg.- Polizeiverordnung vom 13. August 1906 an Säumige das Ersuchen, Abmeldescheine, Militärpapiere und sonstige Ordnungsausweise innerhalb acht Tagen im Meldeamt, Rathaus Zinimer 2—3, während der Dienslstundeu von 8— 2 Uhr vorzulegen. Wer der Aufforderung am Sonnabend vor Pfingsten nachzukommen sich be- muhte, dem wurde, wenn er nach 12 Uhr kam, bedeutet, daß die Herren anstatt um 2 Uhr schon um 12 Uhr Feierabend gemacht hätten. Wurde schon am Sonnabend von vielen geschimpft, die bis 12 Uhr rackern und erst zwischen 12 und 2 Uhr den allerwertesten Polizei- pflichten genügen können, so war das Erstaunen noch größer, als man sogar am dritten Feiertage, der doch selbst für Staatsbehörden ein Arbeitstag ist, wieder vergeblich das* Steglitzer Polizeiamt besuchte. Die Herren hatten auch an diesem Tage von 12 bis 2 Uhr geschloffen, aber nicht etwa durch öffentliche Bekannt- machung, sondern durch eine Belehrung, die jedermann erst zuteil wurde, der im Rathause das Polizeiamt aussuchen wollte. Die enttäuschten Gesichter, die iiian hier zahlreich beobachten konnte und die Auslassungen und Kritiken, die man über den Amtseifer der Steglitzer Polizei zu bören bekam, dürfen wir nicht wiedergeben, weil sie vielleicht in das eifrig belauerte Gebiet der formalen Beleidigung hineinreichen. Wissen möchten wir allerdings, ob es in anderen Vororten ebenfalls Mode und Unsitte ist, das Publikum über willkürliche vor- zeitige Schließung der Polizeimeldestellen ohne öffentliche Bekannt- machung zu lassen; wissen möchten wir ferner, wie der Amts- Vorsteher dazu kommt, sogar an einem Werktage nach Pfingsten von 12—2 Uhr den Schluß seines Polizei-Meldeamts zu gestatten und dem Publikum, besonders aber den Arbeitern mit ihrer knappen Mittagszeit unnütze Laufereien in der Mittagshitze zu verursachen. Beim Beginn der diesjährigen Reserve- und Landwehrnbungcn wird wiederum darauf hingewiesen, daß die Familien der zu Friedens- Übungen einberufenen Mannschaften auf Grund de» Reichsgesetzes vom 10. Mai 1392 auf Verlangen aus öffentlichen Mitteln Unter- stützungen erhalten, sofern den Einberufenen nicht als Reichs-, Staats- oder Kommunalbeamten zufolge tz 66 Abs. 2 des Reichs- Militär- gesetzcS vom 2. Mai 1874 sein persönliches Diensteinkommen für die Zeit der Einberufung zum Militärdienste weiter gezahlt wird. Der Anspruch beginnt mit Antritt der Uebung und ist für Berlin iin Militärbureau, Klosterstr. 68, Eingang Waisenstr. 27, und zwar z u r schitelleren Abwickelung des Zahlgeschäfts mög- lichst schon vor der Uebuirg anzumelden. Hierbei sind vorzulegen: Der Gestellungsbefehl oder die für Familienunterstützung durch Vordruck bestimmte abzutrennende linke Ecke desselben, die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunden der Kinder. Nach be- endigter Uebung ist auch der Mililärpaß mitzubringen. Der An- spruch erlischt, wenn er nicht binnen vier Wochen nach Beendigung der Uebung angemeldet ist. Die Unterstützung richtet sich nach dem ortsüblichen Tagelohn für er« Wachsens männliche Arbeiter am Aufenthaltsorte deS Einberufenen, der für Berlin 3,60 M. beträgt und darf für die Ehefrau 30 Proz., für die Kinder und andere unterstützungsbedürftige Verwandte je 10 Proz., zusammen für eine Familie 60 Proz. dieses Tagelohns nicht überschreiten. Die Zahlung der Unterstützung erfolgt im Mililärbureau frühestens vom dritten Tage nach Beginn der Uebung für die Zeit bis 15. oder Ende des laufenden Monats und zwar wochentäglich von 9 bis 1 Uhr vormittags. Diejenigen, die ihre Ansprüche vor der Uebung angemeldet haben, könnell auf eine schnellere Abfertigung bei der Zahlung rechneit. Bei einer Bootsfahrt ertrunken. Ein aufregender Bootsunfall, wobei ein blühendes Menschenleben vernichtet wurde, hat sich gestern auf dem Buckower See ereignet. Die Familie des in Berlin wohnhaften Kaufmanns Becker hatte nach Buckow einen Ausflug unternommen. Dort an- gelangt, bestiegen die Kinder ein Boot, um ein wenig zu rudern. Die Eltern warnten die Kleinen noch, nicht weit vom Ufer zu fahren und während der Fahrt sich ruhig zu verhalten. Trotzdem wechselten die Kinder beim Rudern die Plätze, so daß das Boot stark ins Schwanken kam und kenterte. Die Insassen stürzten in die Fluten. Auf das Geschrei der Kinder wurden die Eltern aufmerksam gemacht. Es wurden sofort alle Vorkehrungen zur Rettung der Kleinen ge- troffen, doch vermochte man den 13jährigen Sohn Paul deS Ehepaares nicht mehr zu bergen. Er war sofort untergegangen und ertrunken. Die Leiche wurde bald darauf gelandet. Ter Knabenmörder Ritter ist gestern nach dem Untersuchungsgefängnis überführt worden. Ein weiteres Verhör, dem Ritter in der letzten Nacht im Polizei- Präsidium unterzogen wurde, hat zu der Annahme geführt, daß der Diener an dem Jungen einen Lustmord aus rein sadistischen Motiven verübt hat. Da« bestreitet allerdings Ritler. Er sagt nach wie vor, Klähn habe bereits auf dem Gang nach dem Zimmer 100 M. verlangt, schon nach der ersten oberflächlichen Berührung. In seinem schon lange gespürten Drange, etwas zu begehen, habe er, Ritter, weder auf das Verlangen nach Geld noch auf die Drohung irgendwie geachtet noch geantwortet, vielmehr den Knaben gleich gepackt und gewürgt. Daß Rittep ausdrücklich gestanden hätte. einen Lustmord verübt zu haben, wie einige Blätter berichten, ist nicht richtig. Daß er ihn aber tatsächlich verübt hat. scheint sicher. Alle Feststellungen und auch die eigene Darstellung des Verhafteten von einzelnen Vorgängen, die öffentlich wiederzugeben unmöglich ist. zeigen die typischen Merkmale des sadistischen Lustmordes. In einem vorgefundenen Briefe, den er an einen Freund gerichtet und in welchem er eine Art Testament niedergelegt hat, spricht Ritter davon, daß er ür der Irrenanstalt Laibach gewesen sei. Diese Au- statt ist aber gar kein Irrenhaus, sondern ein Spital, ei» Kranken- Haus, in dem Ritter wegen eines Wutanfalles gewesen ist. Fest- gestellt ist weiter, daß der Verhaftete wegen Sitllichkeitsverbrechen in Oesterreich schon vorbestraft ist. Der Knabenmörder wurde gestern Bormittag vom Erkennungsdienst photographiert, um dann nach Moabit gebracht und dem Untersuchungsrichter borgeführt zu werden. Auch der Tatort wurde photographisch aufgenommen. Durch einen Sturz vom Kraftomnibus schwer verunglückt ist gestern nachmittag der 45 Jahre alte Schloffer Gustav Master aus der Zietenstraße 72 zu Neukölln. Kurz vor einer Haltestelle in der Bergstraße, au der er den Wagen verlassen wollte, inachte sich der Mann bereit zum Abstieg, um rechtzeitig unten zu sein. Etwa in der Mitte der Treppe verlor er vor dem Hause Nr. 62 das Gleich- gewicht, fiel über das Geländer hinüber auf die Straße und sckilug mit dem Kopf so heftig auf den Bürgersteig aus, daß er sich eine schwere Gehirnerschütterung zuzog. Der Verunglückte blieb bewußtlos liegen und mußte von der Unfallstation nach dem Krankenhause in Buckow gebrachr werden. Daß Unfälle dieser Art nicht öfter vorkommen, ist fast ein Wunder. Die Kraftwagen Pflegen, was ja im Interesse eines Schnellverkehrs erklärlich ist, nur ganz kurze Zeit zu hatten. Ob jemand vom Verdeck absteigen will, kann der �chaffuer von unten ber gar nicht übersehen. Jedesmal binaukzusteigen und nachzusehen, ist ihm auch unmöglich. Die Verdeckfahrgäste sind also, um die kurze Haltefrist nickit zu versäumen, immer schon vor der Halrestelle gezwungen aufzustehen und die Treppe hinabzusteigen. Das ist schon bei glattem Verkehr nicht ganz unbedenklich, um so gefährlicher aber. wenn etwa der Wagen schleudert. Vom Dache abgestürzt ist am Mittwochnachmittag der Dachdeckerlehrling Heinrich Kohlmann in der Uhlandstr. 125 in Wilmersdorf. Der junge Mensch, der beim Dachdeckermeister Matz in der Schönhauser Allee in der Lehre ist, war am genannten Tage nach der Uhlandstraße geschickt, um am Dache Arbeite» vorzunehmen. Eine von ihm mitgebrachte, an einein Haken befestigte Leiter erwies sich als zu kurz.- Ein Seil hatte er auch nicht bei sich und so befestigte er als Verlängerung der Leiter an derselben einen von einem Sacke abgeschnittenen Strick, um auf dem Dache Schiefer aufzulegen. Leine und Gurt zum Anseilen schlten ebenfalls und so ereignete sich, was eintreten mußte: Der Lehrling stürzte bei seiner gefährlichen Arbeit ab und war auf der Stelle tot. Lediglich die unvollkommene Ausrüstung des Lehrlings trägt Schuld an dem Tode. Wie uns Augenzeugen mitteilen, lonnte die Arbeit von einem Lehrling allein nicht ausgeführt werden. Der Meister hätte einen Gesellen oder einen Arbeiter nach der Arbeits- stelle mit hinsenden sollen; mindestens aber hätte der Junge Seil und Gurt haben müssen. Selbst»! ordversuch cineS Kadetten in einem Cafe. Aufsehen rief in der Nacht zum Donnerstag in einem Cais am Potsdamer Platz sFürstenhof) die Verzweiflungslat eines jungen Kadetten hervor. Der siebzehnjährige Kadett Hans Eisler aus Schwedt Ti. O. besucht gegenwärtig die Kadetteuanstalt in Groß- Lichierfelde. Er hatte Psingsturlaub erballen und war gestern aus Schwedt, wo er die Eltern besucht, nach Berlin zurückgekehrt. Vor der Abfahrt nach Groß-Lichterfelde suchte er am Mittwochabend gegen elf Uhr ein Cafs am Potsdamer Platz auf. Nackdem er dort einige Zeit gefeffen und vor sich hingebrütel hatte, begab er sich in einen Hinterraum, zog einen Revolver hervor und jagte sich eine Kugel in die Brust. Das Geschoß prallte jedoch an den Nippen ab und suchte sich einen Weg nach dem Unterkörper. Auf den Schuß hin eilten mehrere Gäste herbei und schafften den Verletzten nach der Hilfswache. E. wurde von dort nach dein Garniionlazaretl ge» bracht. Er hat die Tat aus dem Grunde verübt, weil er befürchtete, wegen eines Vergehen« hart bestraft zu werden und seine Karriere einzubüßen._ Vorort- Nadmebtem Neukölln.» Ein gewaltiger Tachstiihlbraiid kam gestern früh kurz vor 2 Uhr in der Nogatstr. 12, Ecke Jlsestraße, zum Ausbruch. Als man die Gefahr bemerkte, hatten die Flammen den Dachstuhl des großen Eckhauses schon an beiden Straßenfronten ersaßt. Die Neulölliier Feuerwehr rückte in ganzer Stärke an. Mit fünf Schlauchleitungen, die von Daiiipjspritzen gespeist wurden, gingen die Löschmannschaften gegen den Brand vor. Zwei Rohre waren über zwei mechanische Leitern gelegt, während die anderen drei über die Treppen geführt wurden. Die Sappeure hatten unter Rauch und Hitze schwer zu leiden. Von dem Tachstuhl war nichts mehr zu retten. Er brannte auf beiden Seiten vollständig nieder. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich fast zivei Stunden hin. Eine Brandwache blieb noch bis gegen 8 Uhr morgens auf der Brandstelle zurück. Eine Bormittagsspielpartic�nach dem Plünlerwald veranstaltet der hiesige Wahlvereiir am Sonntag, den 18. Mai. Treffpunkt 7'/., Uhr am Rathause. Die Eltern werden ersucht, ihre Kinder mitzuschicken. In den großen Ferien, am 26. und 27. Juli, findet eine zwei« tägige Partie nach der Märkischen Schweiz statt. Kostenpunkt für Kinder 3,50 M., für Erwachsene 4,50 M. Fahrgeld inkl. Mittagessen, Nachtlager und morgens Kaffee. Meldungen werden im Sekretariat entgegengenommen. Verloren worden sind auf dem Wege von der Kaiser-Friedrich- straße, Ecke Jiinstraße, bis Kiefholzitr. in Treptow von einem Bezirks« kassierer 4 Mitgliedsbücher des Metallarbeiterverbandes. Da die Bücher für den Finder keinen Wert haben, wird er gebeten, dieselben bei Dierdack, Kaiser-Friedrichstr. 179, vorn II, abzugeben.' Ein Kind überfahren. Von einem Geschäftsautomobil de? Warenhauses Joseph wurde gestern abend gegen 8 Uhr in der Warthestratze das dreijährige Söhnchen des in der Warthcstr. 71 wohnhaften Arbeiters Bastian. Der Kleine wurde mit dem Un- glücksauio sofort nach der Unfallstation in der Steininetzstraße ge- bracht. Ivo so schwere Verletzungen festgestellt wurden, daß das Leben des Kindes gefährdet erscheint. Tempelhos. Die im Berein für Haus- und Gewerbetreibende in letzter Zeit wiederholt angegriffene hteslge OrtSkrankenkasie kann da« verflossene Geschäftsjahr in sinanzuller Beziehung als ein oünstiaes bezeichnen. Lähmend auf die Kafienverwaltung wirkte der unsichere Zustand, den die Reichsversicherungsordnung hervorgerufen bat Obwohl d,- hiesige Gemeindevertretung die Ausgestaltung der'Kasse zu«ner allgememen zum Bejchluß erhoben, ist eine Bestätiauna h'-rzu vom Oberversicherungsaml noch nicht eingetroffen der Vorstand mußte daher die Einführung der Familienversicheruna bis zum Jnkrast- trete» der Relchsverstcherungsordnung am 1 Zanuar 1914 zurück« stellen. Trotz Erhöhung der Leistungen konnten dem Reservefonds 27 480.52 M. zugeführt werden, der nunmehr 174 889.94 M. betragt. Die Durchschnittszahl der Mitglieder ist um 1254 gestiegen: sie be« trug 6162. Mu welchen Schwierigkeiten die Kasse bezüglich der BettragS. Zahlung zu kämpfen hat. geht am besten daran« hervor, daß wcrkrägltch fast eine Pfändung und doppelt so viel Mahnungen wegen Begleichung der restierenden Beiträge erfolgen ntußten Jn 42 Fällen wurde fruchtlos gepfändet, hiervon gingen m IS Fallen nachträglich erst die Beiträge ein als mit Klage gedroht wurde. Die Gesamteinnahmen betrugen 413 611 40 M.. die Gesamtausgaben 392 610,71 M., hiervon wurden 170 879 74 M. an Kronkengelder, Unterstützungen an Angehörige Wöchnerinnenunterstützung. Kurlosten und Ersatzleistungen. 23 691 96 M für ärztliche Behandlung und 33 774,19 M- für Heilmittel gezahlt. Die Berwaltungsausgaben haben sich auch i„ diesem Jahre pro Kopf vermindert; sie betrugen insgesamt 32 374,79 M. Die Geschäftsführung der Kasse kann. wie der Bürgermeister Wiesener auch i» öff-ntl,cher Gemeinde. sitzung betonte, als vollkommen einwandfte' und mustergültig i», zeichnet werden. Wilmersdorf-Halensee. Aus der«tadwerordnetcuvcrsammlung. Zwei Petitionen führten au lebhaften Erörterungen Der Deutsche Käuferbund wollte, datz den Pächtern der städtischen Zeitungskiosle daS Feil- hallen von Schund« und Schmutzliteratur verboten werde> Der Petitivnsausschug hatte llebergang zur Tagesordnung empfohlen, dagegen den Vorschlag gemacht, dag der Magistrat ersucht werden solle, bei dem künftigen Abschluh von Ver- trägen über die Verpachtung von Zeitungskiosken ge- eignete Bestimmungen zu treffen, die die Fernhaltung der Schmutzliteratur vorsehen. Neben den Stadtverordneten Dr. Helmke, Tr. Wolfs und Dr. Leidig trat auch Genosse Schröder für die Ablehnung der vom Käuferbund geäußerten Wünsche ein. Er führte aus, daß der Begriff nanientlich der Schmutz- literatur von orthodoxer Seite sehr weil gezogen werde und man sich hüten solle, jene Sittenriecherei und Polizeizensur zü üben, der der Magistrat ja leider in den für die Untergrundbahnen vor- geschlagenen Pachtverträgen die Wege ebnen wolle. Die Angelegen- heit wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Eine zweite Petition, die den Bezirksverein Wilmersdorf-Süd zum Urheber hatte, wollte Maßnahmen zur Erhaltung des Schüler« scheu Parks getroffen haben. Dies in der Wilhelmsaue gelegene Grundstück hat einen Baumbestand, wie er nach sachkundigem Urteil selten angetroffen wird. Sein Besitzer will ein Kapital von etwa anderthalb Millionen Mark aus dein Gelände herausschlagen. Mit Rücksicht aus diese unerhört hohe Forderung hatte der Ausschuß hier ebenfalls Uebergang zur Tagesordnung empfohlen. Nachdem mehrere bürgerliche Herren ihr Bedauern darüber ausgedrückt hatten, daß ein so prächtiger Besitz der Stadt verloren gehen sollte, erinnerte Genosse Schröder daran, daß wir uns in dem berühmten Opferjahr befänden. Vielleicht übe diese Tatsache auch im vorliegenden Falle ihre Wirkung aus, zumal mau es in dem Besitzer des Parkes mit einem ohnedies be- güterten Mann zu tun habe, der vielleicht nur aus den Ehrgeiz brenne, der erste alte Wilmersdorfer zu sein, der bei Lebzeiten von seinem ohne jegliches Zutun wertvoll gewordenen Grundbesitz etwas der Gesamtheit opfere. Die Stadtverordnetenversammlung quittierte mit Heiterkeit über diese unerhörte Zumutung. Eine beträchtliche Bedeutung für Wilmersdorf hat eine Magistrats« Vorlage, die die Aufhebung der Straße 62, die Uebereignung des frekgcwordenen Straßenlandes an die ReichsversicherungSanstalt für Angestellte und die Aufhebung der Bauverpflichtungen betrifft. Die Vorlage hängt damit zusammen, daß die Anstalt sich dem künftigen Rathause gegenüber am Fehrbelliner Platz ein eigenes großes Dienstgebäude errichten will, falls sie von verschiedenen Lasten, die sonst privaten Bauherren auferlegt werden, befreit wird und das in Betracht kommende Straßenland umsonst zugeeignet er- hält. Die Vorlage fand Annahme. Eine kleine Etatdebatte wurde bei einer Vorlage, betreffend die Genehmigung von Ueberschreitungen des Voranschlages 1312 auf- gerollt. Stadlverordneter H e l m k e rügte, daß der Joachims- thalsche Park sich trotz aller Beschlüsse der- Stadtverordneten« Versammlung noch immer in einem unwürdigen Zustande be- findet, worauf Genosse Schröder entgegnete, daß die Bewohner des Südens, wo der große Heidelberger Platz den Eindruck völliger Verwüstung mache, nicht minder die Langsamkeit dcS ArbeitenS der Pariverwaltung zu tadeln hätten. Eine voin Stadt- verordneten Heinrich dein Magistrat erteilte Rüge, die darauf fußte, daß der für Frühstück von armen Gemeindeschulkiiidenr au-- gcworsene Betrag überschritten war, gab unserem Genoffeu R i e d e l zu der Bemerkung Anlaß, daß eine Ueberschreitmig der Ausgaben für solche Zwecke den Magistrat nur ehren könne. Herr Dr. Leidig brachte die Frühstücksausgaben mit dem für die Mittagsspeisung der Schulkinder ausgeworfenen Betrag und diese Speisung hinwieder aus unersichtlichen Gründen mit der Speisung aus den großen Suppenschüsseln im sozialdemo- k r a t i s ch e n Z u k u n f t s st a a t e in Verbindung. Hierauf ent- gegnete Genosse Schröder, daß die Kenntnis dcS Inhaltes dieser Schüffeln dem Bildungsbestreben des Herrn Leidig ja sehr viel Ehre mache, daß aber doch für ihn und seine nationalliberalen Partei- genossen eigentlich die Sorge viel näher läge, wie sie die Suppe auslöffelte», die sie sich im GsgcnwarlZstaat recht oft einbrockten. Genosse Riedel wies auf Mißstände im Betriebe der unter städtischer Aufsicht stehenden Speisehalle hin. Beim letzten Gegenstand der Tagesordnung handelte es sich um eine Magistratsvorlage, betreffend den Ankauf von Aktien der ElcktrizilätSgesellschaft Südwest. Laut Vertrag vom 26. Juli 1912 hat die Gemeinde das Recht, für die UcberantwoNung des Elektrizitätswerkes von der Gesellschaft für elektrische Unter- nehmungen entweder 460 t>00 M. bar oder Aktien in diesem Wert- betrage zum Kurse von ISO Proz., sowie die auf die alten Aktien anteilig entfallenden jungen Aktien im Betrage von 267«X) M. zum voraussichtlichen Kurs- von Ivb Proz. zu übernehmen. Die Vorlage ging an den Finanzausschuß. Ucbcr die Angelegenheit des Thcaterbaucs sind zwischen dem Magistrat und den der Theaterdeputätion augehörenden Stadtverordneten Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen. Im Herbst vorigen Jahres halte die Deplltalion sich dahin geeinigt, daß alle Vorichläge privater Interessenten unbeachtet bleiben sollten und nur die Errichtung eines Theaters auf städtische Kosten und unier städtischer Verantwortung in Frage kommen könne. AIS dann vor kurzem die Deputation wieder zusammengetreten war, überraschte der Magistrats- Vertreter sie mir" allerhand Bedenken, den die in Betracht kommenden Stadtverordneten einmütig mit einem auf weitere Verfolgung des Theaterplancs gerichteten Beschluß entgegen- traten. Nunmehr habe» die Mitglieder der Deputation von deren Borsitzenden, dem Bürgermeister PeterS, das folgende vom 8. Mai datierte Schriftstück zugestellt erhalten: „Der Magistrat hat den Beschlüssen der Theaterdepulation vom 22. April u i ch r zugestimmt, vielmehr de» folgenden Beschluß gefaßt: Der Magistrat erklärt sich grundsätzlich mit der Errichtung eines Theaters einverstansen. Dagegen glaubt der Magistrat für die Errichtung eines solchen zurzeit nicht eintreten zu können mit Rücksicht auf die Theatermisere in Groß-Berlin, die Lage des Geldmarktes, die großen Ausgaben, die die Stadt in den nächsten Jahren zu lösen hat iRarhauö, Armenhaus. Schulbauten, Unter- grundbahn). Mit Rücksicht aus diesen Beschluß glaube ich meiner- seits von der Anberaumung einer weitereu Sitzung der Deputation absehen zu sollen." Hierzu'ei bemerkt, dah die angeführten Bauten entweder, wle die Untergrundbahn, bereits vor der Vollendung stehen oder doch durch Anleihemittel gesichert sind. Es liegt jetzt bei der Stadt- verordnetenverlammiung, sich bei Gelegenheit zu der Stellung des Magistrais zu äußern. LanklviV« Ju der letzten �Gcmcindevertretersitznng wurde das Ortsstatut für die gewerbliche Fortbildungsschule einer Aenderung unterzogen. An Zukunft sollen außer den g-iverblichcn auch die kaufmönm'ch tätigen Lehrlinge zum Le,uch derselben verpflichtet sein. Die Schüler baben die Schule bis zum Schlüsse des Schulhalbjahres, in welchem sie das 17. Lebensjahr vollenden, zu besuchen; sollten sie da» Ziel der Schule nicht erreich: haben, so können sie bis zum 13. Jahre zum Besuch verpflichtet werden. Den Acndexungcn wurde zu- a est im mr. Anläßlich des komnienden Regierungsjubiläums mußte natürlich auch Lankwitz mit einer Stiftung paradieren, und zwar soll da die westlichen �ororte?uc die höheren Schulen besonders «ingenommen sind, die Stiftung den Schülern und Schülerinnen der höheren Lehranstalten Zugewandt werden. Die bürgerliche Mehrheit gab einer Stiftung von 26 000 DI. ihre Zustmimung. Ans den Zinsen derselben sollen � bedürftigen? iungen Lsulcn. welche die höhere» Lehranstalten beincht haben, Unterstützungen zu ihrer beruf- Ucheu Ausbildung gewährt werden. Ein Vorschlag eines bürger- wichen Vertreters eine Stiftung für iieche und alterssckwache Ein- wohner einzurichten, fand keine Gegenliebe. Auch der Antrag, die Stiftung, wenn sie schon beschlosien wird, wenigstens auf die Ge- w«t»deschulen auszudehnen, wurde abgelehnt. Hierauf geheime Sttztmg. Zehlendorf(Wannfeebahn). Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins beschäftigte sich nochmals eingehend mit den Arbeiten zur Landtagswahl. Der Vor- sitzende ermahnte die Genoffeu, nicht nur selbst alles daran zu setzen, um in der Hauptwahl unseren Wahlmännern zuni Siege zu ver- helfen, sondern auch alle Säumigen und abseits Stehenden auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen. Bei den Fristwahlen stehen den Wählern nur zwei Stunden zur Verfügung. Nach der Wahl der Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung wurde mitgeteilt, daß die Wahl in folgenden Lokalen vollzogen wird: 2. Bezirk: Schloß Schlachtensee, Secstraße; 3. Bezirk: Restaurant Alte Fischerhüite; 4. Bezirk: Restaurant Kaiserhof; 5. Bezirk; Turnhalle der Gemeindeschule, Potsdamer Str. 7: 6. Bezirk: Kasino-Restaurant, Riemeister- straße 30—38; 7. Bezirk: Restaurant Fürstenhof, Hauptstr. 2; 8. Bezirk: Restaurant Lindenpark, Berliner Str. 8; 9. Bezirk: Turnhalle, Schönower Str. 3; 10. Bezirk: Restaurant Waldesruh, Machnower Straße. Nieder- Schönhauseu. Jus Irrenhaus hat man einen hier wohnenden Bauarbeiter S. gebracht, der nach einem Unfall an einer Nervenstörung erkrankt war. Die Ueberweisung an eine Anstalt wurde durch den Gemeinde- Vorsteher veranlaßt, nachdem gegen S. eine Anzeige eingelaufen war, daß er sich lästig gemacht habe. Sonderbar erschienen uns die Umstände, unter denen die Anstaltsüberweisung erfolgt ist. Frau S. war auch vorher hinreichend darüber belehrt worden, was gegen ihren Mann bcabsicbtigt wurde. Ter Gemeindearzr kam zu dem Kranken in die Wohnung, untersuchte ihn in Abwesenheit der Frau und sagte ihm dann etwas von Krankenhausbehandlung. Zwei Tage später wurde S., wieder in Abwesenheit seiner Frau, durch zwei Polizeibeamte aus der Wohnung herausgeholt und in die Oestreichcrsche Privatirrenanstalt zu Nordend gebracht. Als Frau S., ohne davon etwas zu� ahnen, am Abend heimkehrte, fand sie den Mann nicht zu Hause. Sie wartete bis in die sinkende Nacht vergeblich auf ihn jmd nahm scbließlich an, daß er zu Bekannten gegangen sei und'dort über Nacht bleiben werde. Am anderen Morgen mußte sie zeitig an ihre Arbeitsstelle gehen, als sie aber zu Mittag nach Hause kam, war S. noch nicht da. Jetzt erst hörte sie von einer ihr bekannten Frau, daß am vorhergehenden Nachmittag ein paar Polizisten den Mann abgeführt hatten. Sie lies zum Amt und erhielt nunmehr die Auskn»ft, ihren Mann könne sie in der Oestreicherschen Anstalt wiedersehen. Warum man ihr das nicht sogleich nach Abholung noch an demselben Abend mitgeteilt hatte, erfuhr sie nicht. Erst als sie von dem nun sofort in der Anstalt gemachten Besuch nach Hause zurückgekehrt war, traf eine in der Miltagstunde zur Post gegebene Zuschrift des Dr. Oestreicher ein. Die lautet:„In der Krank- heil Ihres Ehemannes ersuche ich morgen Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr um Ihren Besuch hier." Was hatte S. mit Tr. Oestreicher zu tun? Hier stand kein Wort davon, daß S. in seine Anstalt gebracht loorden war. Dr. Oestreicher hatte offenbar angenommen, Frau S. babe von der Abholung sogleich Kenntnis erhalten. Es ist in der Tal ein Rätsel, warum das unterblieben war. Wenn man einer Frau in ihrer Abwesenheit den Man» aus der Wohnung herausholt und ihn in ein Irrenhaus st eckt, hat sie doch wohl ein Recht darauf, das unverzüglich zu erfahren. Hierfür zu sorgest, ivar Sache der Gemeindebehörde, deren Polizeibeamte den Mann abgeführt hatten. Pankow. Die Gemeindevertretung trat am Mittwoch zu einer kurzen Sitzung zusammen, die in der Hauptsache der Ehrung des der Ver- trelung an diesem Tage 40 Jahre angehörenden Gemeindeschöffen Herrn Louis Schmidt gewidmet war. In einer entsprechenden Ansprache feierte der Bürgermeister den noch rüstigen, jetzt 77jährtgen Jubilar und überreichte ihm namens der Vertretung eine von dieser gestiftete kunstvolle Widmung. Das gleiche tat eine Vertretung der Beamtenschaft. AuS der Erwiderung des Herrn Schmidt mag er- wähnt sei», daß Pankow zur Zeit seines Amtsantritts am 14. Mai 1373 etwa 2300 Seelen zählte und seine Bedürfnisse mit einem Etat von 13 000 M. bestritt, während der Ort gegenwärtig über 66 000 Einwohner und einen Etat von über 9 Millionen Mark aufzuweisen hat.— Im Anschluß an diese Ehrung wurde dann noch die Ein- führnilg de-Z Syndikus Herrn Dr. Müller in sein Amt voll- zogen._ Sikungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Ticsc Sitzungr» sind össentlich. Jeder Gemeindeangehirize ist be- rechtigi, ilinc» als Zuhörer beizuwohnen. Ggqersdorf«?iiedrrbarnim>. Sonnabend, den 17. Mai, abends 7 Uhr, im Kalholhschen Lokale. 8pie! und Sport Zlrbeitcr-Samariterbulid, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Am Monlag. 19. 6., Oranienstraße 103. Berlin. 2. Abt. Am Montag, 19. 5., im Swinemllnder EesellschaftS- Haus, Swinemllnder Str. 42. Berlin, 6. Abi. Am Montag, 19. 6., bei Schulz, KönigSgraben 2 (Eröffnungsabcnd der neugegründeten Abteilung). Berlin, 3. Abt. Am Donnerstag. 22. 6., bei Händel, Vorbergstr. 9. Schöneweide. Am Montag, 19.6., bei Schulz, Siemensstr. 12. Li»-tu am« s. Am Dienstag, 20. 5., in der Fortbildungsschule. Mariendors. Am Montag. 19. 6., bei Löwenhagen, Chausseestr. 27. Spandau. Am Miltwoch, 21. 6., bei Pcczilcs, Pichelsdorier Str. 5. Arbeiter- Wanderverein»Berlin«'. Sonntag, den 18. Mai: Wanderstchrt nach Hermsdors—Bieselheide—Bergselde— Summt— Briese— Birkenwerdcr. Absahrt 5.48 Uhr Steltincr Vorortbahnhos. Gäste will- kommen. » p r e c 10 a l d s a h r t e n. Die von dem Wandervcrcin Berlin ver- anstaltcte erste lsprecwaldfahrt in diesem Jahre findet am 8. Juni statt und werden die Genossen aus das heutige Inserat des Vereins aufmerksam gemacht. Die zur Fahrt erforderlichen Kähne stellen die Lübbenauer Partei- genossen. Arbeiter-Touriftenverein„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, den 17. Mai, abends 8'/, Uhr, Ohmsir. 2: Vortrag über: „Historisches aus der Mark Brandenburg-.— Sonntag, den 18. Mai; Exkursion nach den NllderSdorser Kalksteinbrüchen. Abfahrt nach RüderS- darf mit Strausberger Zug ab Schlesischen Bahnhos 7.29 Uhr(in FredcrS- dors umsteigen). Gäste itetS willkommen. Arbetter-Wonderbund»Die Naturfreunde". Sitz Berlin. Am 26. Mai und 8. Juni finden billige GesellschastS-Spreewaldsahrten statt. Teilnebmerkarten sind zu haben bei Heyse, Boyenstr. 19: Harsch, Engel' user 15, und Zepmcisel, Neukölln, Hcrmannsw. 176. Näheres siehe Inserat am Sonntag. Sonntag, den 18. Mai: Märkische Schweiz. Dahmsdorf— Münch ebcrg, Klobichsee, Buckow. Absahrt Ichlestscher Bahnhof 5.25 Uhr früh. Rüdnitz-. Fiuowslics!, Melchow.� Abs. Steniner Fernbhf. 5.59 Uhr früh. I. H. III. IV. V. Hennigsdorf. Forst Krämer, Velten. Abs. Stctt.Vorortbhf. 6-57 Uhr früh. Waidmannslust, Bergfeldc, Birkenwcrder. Abfahrt Stcttiner Vorort« bahnhos 6.45 Uhr früh. Absahrt Absahrt SteMner Vor- Motivtour der Photoabteilung nach Bernau. ortbahnhos 7.36 Uhr früh. VI. Tegel, Saatwinkel. Fürstenbrunn. Treffpunkt: Straßenbahnhaltestelle am Tegeler Gefängnis 2ft, Uhr nachm.(Gäsle stets willkommen.) Arbeiter- gladfahrer- Bund»Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 18. Mai: 1. Abt.: 6 Uhr: 2ucke»waldc. 1 Uhr: Großbcercn s.Heinze). Start: Bülowstr. 68.— 2. Abt.: 6 und 1 Uhr: Zicgenhal« kMörschelt. Start: Schönleinslr. 6.— 3. Abt.: 6 Uhr: Ziegen- Hals(Merche). 1 Uhr: Teusclssee. Start: Lausitzer Platz 12.— 4. Abt.; 6 Uhr: Werlsee(Karolewsti) 12'/, Uhr; Rahnsdors(Mumm). Start: Küslruler Platz.— 5. Abt.: 6 Uhr: ZernSdors. 1 Uhr: Hirschgarten(Fa- milientour). Start: Elvfium— 6. Abt.: 5 Uhr: Werlsee(Karolewski). 12 Uhr: Hessenwinkel(Guiich). Start: Oderberger Str. 28.— 7. Abt.; 6 Uhr: Beelitz(Heilstätte). 1'/, Uhr: Groß-Lichtersekdc(Wahrcndors). Start: Schulfir. 29.— 8. Abt.: 6 Uhr: Tlefensee-Werneuche«. 1 Uhr, Grünau(Gravelotte). Start: Levetzowstraße.— 9. tzlbt.: Ist/, Uhr: Adlers» hos(Wöllstein). Start: schillingstr. 22.— 10. Abt.: 1 Uhr: Grünau. Start: Große Frankfurter Str. 30.— 11. Abt.: am 21. Mai, 9 Uhr: Saarmund. Start: Große Hamburger Str.' 18/19. Der Arbeiter-Athletenbund Deutschlands(KreiZ Groß-BerNn) veranstaltet ein Sommer-Atützen-Tournier-Fußballspiel und bittet Vereine, die einer Sportorganisation nicht angehören, um Teilnahme an demselben. Nähere Ausschreibung und Bedingungen sind bei Max Gaertych, Reichen- berger Sir. 47, zu ersahrcn. Meldeschluß: 1. Juni. In den Psingsiiagen fand in Leipzig eine Siädtekampj zwischen Nürn- berg, Leipzig und Berlin in Fußball und Leichtathletik statt. Resultate: Fußball: Nürnberg— Berlin 3:0. Nürnberg— Leipzig 1: 0. 1. Nürnberg. 2. Berlin. Staffelte: Nierkamps. Schwergewicht: Mittelgewicht: Leichtgewicht: 3. Leipzig. 1. Berlin. 2. Leipzig. 3. Berlin. 1. Nürnberg. 2. Berlin. L Nürnberg. 2. Leipzig. Singegangene vruckfckrlften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 33. Heft des 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des HestcZ beben wir hervor: Lassallcs historische Leistung. Von K. Kautsky.— Lassalle in Frankfurt. Von Her- mann Wendel.— Der belgische Wahlrechtsstreik. Von Hendrik de Man (Brüssel).— Die kapitalistische Konzentration in Frankreich. Von Compärc- Morel.(Schluß.)— Die Sozialdemokratie in der Armee und die Wehr- vorläge. Von M.— Literarische Rundschau; Arbeiterserien. Von Joses Küche.— Notizen: Die technische Ueberlegenheit des Großbetriebes in der Landwirtschast. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstaltcn und Kolporleure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Von der„Gleichheit", Zeitschrift sür die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 17 des 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die Nüstungslast. I. Von H. B.— Zur Lage der deutschen Militärstoffarbeiter. Von H. Jäckel.— Bezirks- Frauenlonserenzcn. V. Von Luise Zictz.— Kommunale Mitarbeit der Frau in Bayern. Von Helene Grünberg.— Teure Zeiten. Von 3. B.— Das Ergebnis der Tarisbewegung in der Holzindustrie. Bon ktc. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der ÄlbonnemcntSPreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 M. Dem fünfzigjähriaen Parteijubiläum ist die soeben erschienene Nummer des»Wahre» Jakob" gewidmet. Neben dem allegorischen Titel- bild und dem Gedicht»Der Sozialismus" bezieht sich hieraus die Wieder- gäbe eines vorzüglichen Porträts Ferdinand Lassalles und die Abhandlung „Der fünfzigste Jahrestag der Gründung des„Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" von Eduard Bernstein. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Probenummern find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachs. G. m. b. H. in Stult- gart, sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Entweder— Oder. Von Sören Kierkegaard. In 2 Bänden je 5 M- geb. 6 M.— Der Augenblick. Von demselben. 3 M., geb. 4 M. E. Diederichs Verlag, Jena. Der Naturarzt. Nr. 5. Red.: Dr. med. Schönenberger und OSkar Mummert. Expcd.: Berlin SW 11. Jährl. 3 M. Die große Pantomime. Roman von Auguste Haufchner. 235 S.— Mutter und Kiud. Roman von Ch. L. Philippe. 173 S.— Bübi. Roman von demselben. 198 S.— Der alte Perdrix. Roman von dem- selben. 240 S. Fleische! u. Co., Berlin. Serbiens Erfolge im Balkantriege. Vorwag von O. Neurath. 1,20 Kr. Manz, Wien. König Hahnrei. Drama von 0). Kaiser. 167 S.— Der Buud der Schwachen. Drama von Schalom Asch. 94 S. S. Fischer, Berlin. Charon. slpril-Mai. Herausgeber Otto zur Linde. Vterteij. 1,50 M. Charonverlag, Groß-Lichterselde. ' Das Deutsche Stadion. Sport und Turnen in Deutschland. Eine Denkschrift sür das deutsche Volk. 1 M. A. ReherS Verlag, Charlottenburg. Marktpreise von Berlin am 14. Mai 1913, nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,44 bis 20,50, mittel 20,32—20,38, gering- 20,20—20,36. Roggen, gute Sorte 00,00—00.00, mittel 00.00—00,00, geringe 00.00—00,00,(ab Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 16,20— 16,70, mittel 15,60— 16,10, geringe 15,00— 15,50, Haier, gute Sorte 17,60— 19,50, mittel 16,50— 17,50(frei Wagen lind ab Bahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,20— 15,50. Mais(runder), gute Sorte 00,00—00,00. Nlchtstroh 0,00-0,00. Heil 6,00—8,00. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, znm Kochen 30.00—50.00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Klemhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindsteisch, Bauchfleisch 1.30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20— 3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40— 2,40. Aale 1,80— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechle 1,20—2,60. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,60—3,20, Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 3,50—60,00. Witterlingsnberficht vom 15. Mai 1913. =£ g«etter Swinembe. 768 SO Hamburg I766OSO Berlin 766 SO Franks. a.M 763 NO München 1 763 NO Wien|763;®D Wetterprognose für Freitag, den 1K. Mai 1913. Trocken, aber zeitweise ivollig, am Tage ziemlich warm bei mäßigen südöstlichen Winden. Berliner W etterbnreau. wolkenl twolkenll 3heiter Ävolktg 2 wolkig B=-s 15 B« 760 NW 766jNNW 764-NO 772 NNW 760NO «euer »wollig l wolkenl 4 hall bd. 2 bedeckt IMegen f* e 4 10 7 13 WafferftandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewäfferlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wafferstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jiifterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krossen Franksiirt Warthe.®chrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wafferstand Saale, Grochiitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Hcillron» Main, Hanau Mosel. Trier ')+ bedeutet Fall. *) UnterPegel. n Zentral-Kranken- llntepslütziings- verein der Sclnniede und vorw. Gewerbe Deutschlands. Zahlstelle Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied tiermsna iümsdi Mühlenstr. 42, verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet heute Freitag, den 16. Mai, nach- mittags i'/.j Uhr, von der Leichenhalle des'Zentral-FriedhoscS in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht DI» Ortsvarwaltung. 2. Vr-«ßkfch.ALdd-«tfch- (228. KSnigl. Pr»«ß.) Klassenlotterie i. Klaff« S. ZichungStag Ib. Mai 191Z Voniiittag Nuf i«d««exogen« Nummer flud»wet gleich hohe «ewiuue gefallen, au»»war je einer anf die Las« gleicher Nummer tu de» beide» Abtetlungeu I u. U. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammern beigefügt. tOhne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 4« 98 438(3000) 64 880 83 1002 18 103 226 38 421 96 «26(3000) 701 926 2014 39(1000) 52(1000) 89 165 71 623 27 48 68 671 914 3206 93 429 31 823 69 90 931 4271 680 664 784 855(1000) ia02(600) 345 69 577 644 46 58 6129 229 484 862 7019 229 401(5001 698 771 929 8123 534 73 636 863 63 907 60 9016 210 21 62 478 800 73 964 10361 63 625 989 11375 439 643 651 848 12063 98 403 «9 666 666 772 801 97 968 1 3126 80 206(1000) 93 619(3000) 623 86 712 94 858(500) 90 912 69 1 4294 686(1000) 626 910 62 77 1 5262 63 725 872 88 1 6048(1000) 283 346(500) 55 99 618 866 970 1 7077 83 321 409 29 41 52 679 817 927 1 8106 784 803(600) 80 926(3000) 19011 218 76 97(3000) 306 440 686 20379 89 428(500) 640(160000) 983 64 21037 202 93 841 431 79 534 780 980 96(1000) 2 2340 83 462(600) 539 69 (1000) 664 60 746 89 2 3006 36 201 7 413 77 831 24044 48 62 64 144(1000) 226 28 313 16 409 48 637 65 785 995/ 2 5 014 141 68 261 306 30 48 406 670 741 870 73(1000) 901 26103 68 (1000) 88 203 365 404 15 57 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PrenMch-SSddentsche (228. KZnigl. Prenß.) Ktassenlotteric 5. Klaffe 5. Ziehungstag 15. Mai 1913 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich bobe Gewinne gefallen, und zwar je einer ans die Lose «leicher Nummer tu den beide» Abteilinigen I o. II- Nur die Gewinne über 240 M. stnd in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 47 294 300(3000) 61 469 636 737 960(1000) 1288 486 91 517 75 754 956?U3 328 83 442 91 611 625 746 857(1000) 921(500) 73 3080 128 248 82426 96 613 63 747 906 10 4277 395 617 754(500) 59 S061 69 108 49 221 519 665 768 823(1000) 34 910 41 96(1000) 6003 55 181 261 340(5001 91 417 658 735 856 7014(1000) 148 467 655 79 945 62 70 8092 203 709 17 33 816 86 948 51 9016 387 497 526 611 10031 93 339 417 61 740 994 11020 165 88 223 676 741 (1000) 44 56 809 974 1 2096 118(1000) 62 203 400(5000) 680 94 806 83 978 13045 47 82 149(1000) 52 78 283 86 688 692 14034 247 97 421(500) 82 663 725 84 1 5403 716 1 6103 20 63 332 41 80 417 656 662 70 712 53 999 1 7021 171 240 95 (600) 427 694 730(3000) 65 804 62 1 8066 224 92 704 80 1 9016 108 29(3000) 581 657 62(600) 99 829 20086 138 320(600) 67 500 604 53 739 93(1000) 864 918 21052 268 478 617 48 721 848 2 2083 132 226 79 92(3000) 342 82 646 649 786 808(500) 61 2 3024 334 65 63(1000) 437 (3000) 670(500) 748 2 4)36 281 375 421 78 679 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