Nr. 120. flbonnementS'Redingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. Z,Z0 SRI., monall. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nmnmer mit illultricrter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeirungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2£0 Motr. für das üBrigv«uslmid 4 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugat. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Sie Insertion!-eebiihr beträgt für die scchsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersnulMtungs.Anzeigen 00 Plg. „Alerne zsnretgen", das settgcdruckie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über löBuch- i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächslc Nummer müsse» bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. cncheiiit täglich. Berliner Volksblntk. Dclcgramm. Adresse: „Sozialdemokrat Rtrlln", Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morisiplatz, Nr. 1383. Sonntag, den 18. Mai 1913. Expedition: SRI. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moriiiplap, Nr. 1984. Rückblick und Ausblick. Das Schlachtfeld läßt sich jetzt überschauen. Es bestätigt ftch dabei nur, was von vornherein klar war: das über- raschende Aenderungen nirgends eingetreten sind. Nach den Hauptwahlen liegen die Dinge so, daß Konservative und Zentrum einige wenige Sitze eingebüßt haben, was aber ihre Position in keiner Weise beeinträchtigt. Die National- liberalen haben etliche Mandate erobert. Auch Freisinn und Sozialdemokratie könnten bei den Stichwahlen noch einige Mandate gewinnen, wenn— der Freisinn sich noch in letzter Stunde seines Liberalismus erinnert. Daß die Sozialdemokratie mit keinem erheblichen Mandats gewinn rechnen konnte, war von vornherein klar. Der„Vor wärts" hat das ja auch noch in den letzten Tagen wiederholt hervorgehoben. Die Sozialdemokratie konnte im günstigsten Falle außer den eroberten sieben Wahlbezirken noch zwei oder drei Berliner Mandate holen— das war aber auch das Aeußerste. Das ist im ersten Anhiebe nicht gelungen, wenn auch die Stichwahlen noch manches bessern können. Bei den strittigen Mandaten handelt es sich nur um einige wenige Wahlmänner— um Wahlmänner, deren Wahl häufig wieder von dem Mehr einer einzigen Urwählerstimme abhängt. So wenig die Sozialdemokratie Ursache zum Prahlen hätte, tvenn sie durch das Mehrheranholen von ein paar Dutzend Urwählern in der ersten und zweiten Klasse— denn das hätte ja gereicht!— diese zwei Berliner Mandate mehr erobert hätte, so wenig Ursache hat sie, sich die G e n u g t u u n g über ihren Wahlerfolg durch reine Zufallsentscheidungen — denn um mehr handelt es sich nicht!— vergällen zu lassen. Natürlich hätten wir uns des günstigeren Ausfalls ge freut— aber das Schwergewicht liegt doch einzig und allein in der aufgebrachten Wählerzahl, und da kann sich die Sozialdemokratie eines vollen und ehrlichen Erfolges rühmen. Steht die Zahl der eroberten Mandate in einem grotesken Mißverhältnis zur Zahl der von der Sozialdemo kratie'dbgcgebenen Stimmen— um so schlimmer für das elendeste aller Wahlsysteme, um so besser vom Standpunkt der Agitatton aus! Und auf die Aufrüttelung der Massen, aus die Empörung der breiten Volksschichten kommt es doch einzig und allein an! Denn nur die Volks- empörung kann die Dreiklasse nschmach hinwegfegen! Wollten sich die Wahlrechtsheloten so lange gedulden, bis die liberale Unterstützung den Proletarischen Volksmassen das gleiche Wahlrecht erobern Hilfe, so könnten sie sich auf etliche Jahrtausende ein- richten!' Deshalb haben die liberalen Blätter recht, die den sozialdemokratischen Erfolg unumwunden zugeben, den Er- folg, der in dem Aufgebot der Wählermassen liegt, die diesmal für die Sozialdemokratte aufmarschierten. Daß dieser Erfolg erst ein erster kleiner Erfolg ist, ein Vorstoß, dem andere, kräftigere, rücksichtslosere folgen müssen, weiß die Sozialdemokratie allzugut selbst, als daß es nötig wäre, daß das Mosse-Organ und das Oertel-Blatt sich in holdem Verein über den angeblichen Mißerfolg der Sozial- demokratie zu mokieren brauchten. Und wenn sie sich über die „großen Worte" des„Vorwärts" vor der Wahl und ihres geringen Effetts bei der Wahl amüsieren, so tvollcn wir ihnen dies kindliche Vergnügen nicht stören. Herr Paul Harms und Herr Oertel mögen immerhin glauben, daß es eine viel größere Sache sei. wenn ein paar hundert Geldsackwähler als erst- und zweitklassige Privilegierte auf Grund eines hundert- fachen Wahlunrcchts ein Mandat erobern, als wenn Zehntausende und Aberzehntausende drittklassigcr Wähler trotz aller Perfidie des Wahlrechts zur öffentlichen Stimmabgabe veranlaßt werden. Sehr möglich, daß die Geldsackwähler schon die Sorge um das gefährdete Portemonnaie zur Wahrung der Interessen veranlaßt— bei den breiten Volksmassen bc- darf es nun leider noch immer starker Beschwörungen und „großer Worte", um sie ans die Schanzen zu rufen. Daß das Proletariat sowohl in Berlin ivie in ganz Preußen in Massen den Aufrufen der Sozialdemokratte gefolgt ist, wird von den einsichtigeren unserer Gegner denn auch zu- gegeben. Wenn erst die genauen Zahlen über die Wahl- betelligung vorliegen, wird sich ja zeigen, um wieviel größer noch diesmal die Wahlbeteiligung geivesen ist als 1908, wo die Sozialdemokratie doch auch bereits 600 000 Wähler musterte. Als Beispiel der gesttegenen Wahlbeteiligung mögen die Zahlen aus dem 9- Berliner Laodtagswahlbezirk dienen. Das Verhältnis stellt sich folgendermaßen: Urwähler sozialdemokratische uberpaupt Wähler tS08.... HS/Z 23144 1913.... 53981 31037 Nicht nur absolut, sondern auch prozentual war hier die Zahl der sozialdemokratischen Wähler 1913 weit größer als vor fünf Jahren. Die Zahl der Wahlberechtigten hatte zwar um 9408 zugenommen, daiür aber auch die Zahl der sozialdemokratischen Wähler um 7893. Und das. trotzdem dieser � Wahlkreis nächst dem 11. Berliner Landtagswahlbezirk als der sicherste aller Berliner Wahlkreise galt, als völlig unent- reißbarer Parteibcsitz. Was für Berlin 9 gilt, gilt für alle Wahlkreise. Min- bestens eine Million Wähler hat ihr Votum für die Sozial- demokratie und damit für das gleiche Wahlrecht abgegeben. Wer diesen Erfolg nicht zu würdigen vermag, mag sich aus- gezeichnet auf die Mogel- und Schacherpolitik um die kapi- talistische Beuteverteilung verstehen, aber vom Wesen der Demokratie und der Bedeutung demokratischer Kundgebungen hat er keine blasse Ahnung. Wir aber wollen dafür sorgen, daß zur ersten Million roter preußischer Landtagswähler recht bald die zweite Million kommt. Und weiter wollen wir dafür sorgen, daß aus jedem Wähler auch ein Kämpfer wird. Das ist die einzige Garantie für Preußen! die Eroberung des gleichen Wahlrechts in Ein Teil der freisinnigen Presse gibt angesichts der Stich Wahlsituation der Hoffnung Ausdruck, daß nun doch noch eine Verständigung zivischen Sozialdemokratie und Fort- schrittspartei eintreten möge. Dieser Wunsch ist nur zu verständlich, denn durch eine solche Verständigung könnte für diese beiden Parteien noch eine ganze Anzahl Mandate zusammen mindestens 10— gewonnen werden, die sonst der Reaktion zufallen würden. Wie von allem Anfang an nimmt die Sozialdemokratte auch heute noch den Standpunkt ein, daß es gar nichts Selbst- verständlicheres und Näherliegendes geben könnte, als solche Verständigung. Nur ist sie natürlich auch heute noch der un° erschütterlichcn Ansicht, daß die„Verständigung" nicht etwa darin bestehen kann, daß die Sozialdemokratie einfach den Freisinn heraushaut, ohne auch ihrerseits vom Freisinn Gegen dienste zu erhalten. In einer ganzen Anzahl von Wahlkreisen kann die Sozialdemokratie zugunsten des Freisinns den Aus schlag geben in Teltow-Beeskow, Kassel-Land, Flensburg, Breslau usw. Dafür muß die Sozialdemokratte selbstverständlich auch vom Freisinn ein entsprechendes Entgegenkommeil der langen. Sollte der Freisinn auch jetzt noch nur den nehmende» Teil spielen wollen, so bedeutete das von vorn- herein oas Scheitern jeder Verständigung und damit auch die Unmöglichkeit jeder U n t erstützung irgend eines freisinnigen Kandidaten! Und es wäre eine arge Illusion, ivenn der Freisinn etwa darauf rechnen wollte, daß dennoch irgendwo die örtlichen Wahlmänner der Sozialdemokratie aus der Reihe tanzen würden. Was der preußische Parteitag als G e s a m t v e r t r e t u n g der sozial- demokratischen Partei ganz Preußens beschlossen hat, gilt für alle Wahlkreise Preußens. Nur die vom preußischen Partei- tag dazu bestimmte Zentralleitung vermag letztgültige Be- schlüsse zu fassen. � * Eine interessante Aeußerung über die Stellung der Re- gierung und der preußischen M e h r h e i t s Parteien zur Wahlreform macht die„Köln. V 0 l k z e i t u n g". Sie schreibt: „Datz im Lause der nächsten Sitzungsperiode dem Landtag ein neuer Wahlreform versuch der Regierung vorgelegt wird, kann als ziemlich bestimmt angenonmen werden. Als ganz falsch aber ist der Glaube zu bezeichnen, datz Herr v. Bethmann Hollweg sich in diesem Augenblick schon schlüssig darüber geworden ist, welche Schritte er endgültig in dieser Sache ergreifen soll. So lange der Ausfall der Wahlen noch kein klares Bild über die künftige Gestaltung des Abgeordnetenhauses gegeben hat, kann der Ministerpräsident nicht an eine Neuordnung der WahlrechtSsrage herantreten, die er natürlich so gestalten müßte, daß er annehmen darf, eine Mehrheit für seinen Vorschlag zu finden. Man wird unter keinen Umständen das zweifelhafte Experiment einer Wieder- holung aussetzen, eine neue Wahlreform ähnlich zerpflückt zu sehen, wie es damals geschah, als das Abgeordnetenhaus die Stätte recht unerfreulicher Kämpfe und Zänkereien war. Inzwischen hat sich an dem Standpunkt der Fraktionen so gut wie nichts ge- ändert, und es müßte schon bei den bevorstehenden Wahlen eine wesentliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse eintreten, wenn sich die Regierung dadurch veranlaßt sehen sollte, einige ihrer grund- legenden Anschauungen zu opfern. Daran ist vor der Zeit nicht zu denken. Freisinn und Sozialdemokratie nebst den geistesverwandten Grüppchen sind nach wie vor ent- schlössen, nur einer solchen Reform ihre Zustimmung zu erteilen. dieweitüber das Maß dessen hinausgeht, was die Regierung zugestehen kann. Und andererseits wird die Rechte mit einem großen Teil des Zentrums so zurückhaltend bleiben, datz eine Einigung des Hauses auf einer annehmbaren Grundlage fast aus- geschlossen erscheint. Auch darf das Herrenhaus nicht vergessen werden, wo man sich ganz besonders dagegen sträuben wird, einer Demokratisierung des preußischen Wahlrechts das Wort zu reden, wenn' auch verschiedent- lich von sehr bedeutenden Mitgliedern dieses Hauses die Not- wendigkeit, maßvolle Reformen einzuführen, nicht bestritten worden ist. So schwebt also das Projekt der kommenden Wahlvorlage noch vollkommen in der Luft, und Meldungen, die von irgend- welchen bestimmten Plänen zu berichten wissen, können kurzer- Hand als falsch bezeichnet werden." Das ist deutlich! Was Freisinn und Sozialdemokratie verlangen, soll weit über das hinausgehen, was die Regierung zu ein„großer Teil des Zentrums" entschlossen ist, „so zurückhaltend zu bleiben",>vie es den Jntcr- essen des Junkertums entspricht! Dabei verrät dies kostbare Geständnis des rheinischen Zentrumsblattes absolut nichts Neues. Vielmehr war es jedem Kundigen klar, daß das Zentrum auch im neuen Landtage genau diaKelbe Judasrolle spielen wird wie im alten Hause. Nm von bodenloser Unverfrorenheit zeugt das osicne Geständnis der ultramontanen Wahlrechtsfcinde! Es bleibt schon dabei: die entrechteten Volksmassen werden noch ganz andere Formen ihres Protestes wählen müssen, ivenn sie sich nicht ewig narren lassen wollen! Volksrcchte lassen sich nicht ersitzen und erschachern, sie müssen erkämpft werden! ** * Unsere Stichwahlen. Die bisher vorliegenden Resultate lassen eine Uebersicht über die Wahlkreise, in denen unsere Genossen in Stichwahl stehen, nur schiver erkennen. In folgenden Kreisen koninim sozialdemokratische Kandidaten wahrscheinlich in die Stichwahl: Frankfurt a. M. Bisher: Fortschrittlcr. Es sind gewählt 646 Fortschrittler, 367 Sozialdemokraten und 227 National- liberale.»280 Stichwahlen sind erforderlich; davon ist die Sozialdemokratie an 134 Stichivahlcn beteiligt, so daß die Entscheidung erst bei den Stichwahlen fällt. Brandcnlmrg-Wcsthavelland. Bisher: Konservativ. 358 Konservative, 175 Sozialdemokraten, 157 Fortschrittler, 44 Nationalliberalc; 22 Stichwahlen sind vorzunehmen. Wahrscheinlich ist auch hier Stichwahl zwischen Konservativen und Sozialdemokraten nötig. Elberfeld(St.), Barmen(St.). Bisher: Hintzmann(natl.s, Gantze(Vp.). Für die liberalen Kandidaten wurden 357 Wahlmänner gewählt, für die vereinigte Rechte 264, für die Sozialdemokraten 336 Wahlmänner. 144 Stichwahlen sind erforderlich. Stichwahl zwischen den liberalen und den sozial- demokratischen Kandidaten ivahrscheinlich. Herford(St. u. L.), Halle, Bielefeld(St. n. L.).(Bisher: Liendloeg, K., Meyer zu Jerrendorf, Nl., Siebert, K.) Es wurden gewählt: 348 konservative, 327 sozialdemokratische, 259 nationalliberale, 85 christlich-soziale und 75 fortschrittliche Wahlmänner. 75 Stichivahlcn sind nötig. Der Ausgang ist ungewiß. Osterholz, Blumeuthal, Achim. Bisher: Martens(natl.). Es erhielten Amtsgerichtsrat Dr. Martens(natl.) 123 Wahl- männer, Hofbesitzer Weidcnhöfer(fk.) 79, Pfannkuche(Vp.) 9 und der sozialdemokrattsche Kandidat Reitze 107 Wahlmänner. Es ist Stichwahl zwischen Martens(natl.) und Reitze(Soz.) erforderlich. Kiel(St.), Bordesholm, Ncumünstcr(St.).(Bisher: Hoff, Vp.) Nach den Ergebnissen der Wahlmännerwahlen ist zwischen dem bisherigen Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei, Lehrer Hoff, und dem sozialdemokratischen Kandidaten, Redakteur Brecour, Stichwahl erforderlich. Pinneberg.(Bisher: Graf Moltke, fk.). Es wurden ge- wählt für Moltke(Fk.) 207, für Fegter(Vp.) 121, v. Elm (Soz.) 122. Somit ist Stichwahl zwischen Freikonservativen und Sozialdemokraten nötig. Altona(St.).(Bisher: Waldsteiw Vp.) 581. Stichwahl zwischen Waldstein(Vp.) und Adler(Soz.). Storniarn, Wandsbek(St.).(Bisher: v. Bomn, Fk.) Nach der Anzahl der bisher gewählten Wahlmänner ist Stich- wähl zwischen Landrat v. Bonin(Fk.) und Bartels(Soz.) wahrscheinlich. Harburg(St. n. L.).(Bisher: Just, natl.) Stichwahl zwischen Just(natl.) und Müller(Soz.). ** * Nieder-Barmm— Ober-Barnim. Das Resultat iin Landtagswahlbezirk Niedcr-Barnim— Ober-Barnim stellt sich als ein noch glänzenderes heraus, als ivir gestern mitteilen konnten. 2382 Wahlmänner«gegen 1800 im Jahre 1908) waren zu wählen. Nicht zustande ge- kommen sind über 20 Wahlen. In Stichwahl sind über 100 gelangt: an über 20 nehmen die Sozialdemokraten teil. Von den Wahlmännern sind sozialdemokratisch 1040(gegen 588 im Jahre 1908), ihnen zunächst kommen die konservativen, dann folgen die liberalen Sttmmen— die genauen Ziffern stehen noch aus. Gegen 10 Wahlmänner brachten die Demokraten auf. Das vorläufige amtliche Resultat meldet alS gewählt 653 Konservative, 422 Liberale, 2 Demokraten sowie 26 lln- bekannt und teilt mit. daß 188 Stichivahlen erforderlich sind. >m Jahre 1908 stimmten trotz des konservatib-freisinnigen Scheppbündnisses bei der Abgeordnetcnwahl 145 bis 160 gegen den konservattvcn Mischmasch. Es ist demnach der sozialdemokratische Sieg mit hoher Wahrscheinlichkeit sicher. Im einzelnen entfiel auf die einzelnen Wahlbezirke tunter Hinzurechnung der in den nichtgenannten den größeren Orten überwiesenen Landbezirken) folgende Anzahl von sozialdemokratischen Wahl männern: auf Niederbarnim insgesamt und zwar in Alt-Landsbcrg 1, Bernau 19. Biesdorf 1. Borsigwalde 23, Erkner 3, Fredersdorf 2, Friedrichsfelde 14 (darunter 4 in der I. und II. Abteilung), Friedrichsthal 2, gestehen kann! Weshalb aber kann die Regierung der Forderung-Franz.- Luchholz 6, Friedrichshagen 26, Gr.- Schönebeck einer entschiedeneren Reform angeblich nicht willfahren? Weil' Hellersdors 1, Heinersdorf 1, Herzsclde 5, Hennickendorf 0 Hohenschönhausen 8, Karlshorst 7(darunter 2 in der L und II. Abteilung), Karow—, Kaulsdorf 5, Lichtenberg 358 (darunter 50 in der I., 132 in der II. Abteilung), Mahlsdorf 10, Neuenhagen 2, Nieder-Schönhauscn 21, Ober-Schönewcide 60, Oranienburg 20, Pankow 42, Pankow, Landbezirk (Schöncrlindc, Schönwalde, Basdorf. Zühlsdorf. Wensickendorf. Summt, Wandlitz. Stolzenhagen) 29, Petershagen3, Reinickendorf- West 36, Reinickendorf-Ost 53. Rosenthal 17. Röntgenthal 6. Rüdersdorf(mit Tasdorf und Kalkberge) 13, Sachsenhausen 2, Stralau 10(darunter 2 in der I. und II. Abteilung), Schön- eiche 3, Tegel 36, Waidmannslust 14„ Weißensee 93, Wolters- darf 4, Wuhlgartcn 1, Zerpenschleusc—; auf Oberbarnim insgesamt 73, und zwar in Biesenthal 2. Bltesdorf 1, Eberswalde 12, Freien- Walde 6, Heegermüyle 16, Kupferhammer 3, Ladenburg 1, Lichterfelde 1. Schöpffurth 4, Steinfurth 4, Strausberg 15 (davon 10 in Abteilung I und II), Werneuchen 2, Wriezen 6. *« « io. ßcrlimr Landtags Wahlbezirk. Es wurden gewählt 417 sozialdemokratische und 420 fort- schrittliche Wahlmänncr. 20 Stichwahlen entscheiden über den Aussall der Wahl. 12. berliner Landtagswahlbezirk. Es wurden insgesamt gewählt 328 sozialdemokratische, 164 fortschrittliche, 22 konservative und 16 nationalliberale Wahlmänner, In 216 Fällen müssen Stichwahlen stattfinden. »* * Ergebnisse der Mahlmännerwahlen. Diö Sonnabendnachmittag 2 Uhr waren 435 Ergebnisse aus 272 Wahlkreisen bekannt. ES sind 383 Kandidaten als gewählt zu betrachten, 41 Stichwahlen haben stattzufinden, 6 Wahlen stehen noch unentschieden, da nicht alle Resultate der Wahlmännerwahlen bekannt sind. Bisher sind als gewählt zu betrachten IM Konservative, 48 Frcikonscrvativc, 57 Nationalliberalc, 25 Volksparteiler, 100 Zentrum, 10 Polen, 3 Dänen und 7 Sozialdemokraten. An 41 Stichwahlen sind beteiligt 17 Konservative, 13 Jrcikonservativc, 32 Nationallibcrale, 12 Volkspartei, 4 Zentrum, 1 Pole, 1 Bund der Landwirte, 1 Deutschsozialer, 11 Sozialdemokraten. Die Kon- fcrvativen verlieren 10 und gewinnen 7 Sitze. die Freikonservativen verlieren 5 und gewinnen 2, die Nationalliberalen verlieren 4 und gewinnen 8, die Volkspartei verliert 5 und gewinnt 4, da? Zentrum verliert 4 und gewinnt 3, die Sozialdemokraten gewinnen 1, die Polen verlieren 2 Sitze. •» Die Hnnahmeerklärung des Mahlmanns. Wir weisen noch einmal darauf hin, daß die gewählten Wahlmänner binnen drei Tagen die Erklärung abgeben müssen, daß sie die Wahl annehmen. Sollte das in einzelnen Fällen noch nicht geschehen sein, so müsse« die Betreffenden sofort dem Wahlvorsteher mitteile«, daß sie die Wahl annehmen. Annahme unter Protest oder Vorbehalt, ebenso das Ausbleiben der Mitteilung der Annahme der Wahl über die dreitägige Frist hinaus gilt als Ablehnung. Wird die Wahl abgelehnt, dann jst umgehend eine Nenwahl anzu- ordnen- polltifcbc CTeberlicbt Eine tlerikal-konservativ-nationalliberale Tripel- Entente. Die Zentrumsleitung ist feit einiger Zeit bemüht, die Ratio- nalliberalen zum Anschluß an den schwarzblauen Block zu bewegen. Deshalb ist in den größeren ultramontanen Blättern der Kampf gegen den Nationalliberalismus in den Hintergrund getreten und nicht selten findet man sogar allerlei Komplimente an die Adresse der rechtSnationalliberalen Führer. Die antibachemitische.Kölner Korrespondenz" hat denn auch vor ungefähr 8 Tage» enthüllt, daß bereits mehrfach Besprechungen von Zcntrumssührern stattgefunden haben, in denen darüber beraten wurde, wie man den National- liberalismu» zu einer Annäherung an die klerikal-konservatwe Koalition veranlassen und eine Art Tripel-Entente zwischen dem Zentrum, den Konservativen und den Natwnalliberalen herstellen könne, in der daS Zentrum gewissermaßen den politischen Schwer- Punkt bilde. Daß diese Enthüllung kein leere» Hirngespinst ist, bc- weist die schöne Rede, die der Justizrat Dr. Karl Bachem vor einigen Tagen in Köln gehalten hat. Nach der Mitteilung der.Rhein.» Wests. Ztg." redete er dort einer Verständigung zwischen Zentrum, Konservativen und Nationalliberalen das Wort und meinte: .Positive und praktische politische Arbeit läßt sich, wie bei uns die. Dingo liegen, nun einmal nur leisten, wenn die positiven bürgerlichen Pgrteien, Konservative, Zentrum und Liberale, soweit sie eben positive Arbeit als notwendig erkennen und zu leisten bereit sind, sich von Fall zu Fall verständigen, um eine par- kamen tarische Mehrheit zu bilden: wenn sie sich nach vester Möglichkeit vertragen, und ohne feste Geweinschaft zwar, die nicht möglich, auch nicht nötig ist, aber von Fall zu Fall, wie gesagt, eine brauchbare Mittellinie suchen, welche natürlich keine Partei dann voll befriedigen kann, aber doch die einzige Möglich- feit ist, um unsere politische Entwicklung voranzubringen. Das ist vielleicht eine sehr nüchterne und hausbackene Weisheit; aber es ist nun einmal gegenüber unseren tatsächliche» Zuständen und gegenüber der Zerrissenheit unseres Pardciwescns die einzige po- mische Weisheit, welche in der rauhen Wirklichkeit Stich hält: Nicht Untrdrückung oder Ausschaltung dieser oder jener Partei, sondern möglichst einträchtiges Zusammenarbeiten unter gegen- seitigen Konzessionen, soweit solche möglich sind, und vor allem unter Anerkennung der parlamentarischen Gleichberechtigung der Gegenparteien."__ Die Forderung neuer Ausnahmegesetze für Elsaß- Lothringen. Die„Nordd. Allgem. Ztg.". das Kanzlerblatt, schweigt sich völlig über die Gründe aus, welche dle Regierung dazu bestimmen, nicht nur eine bloße Wiederherstellung des am 18. Juni 1902 aufgehobenen ehemaligen Diktaturparagraphen, sondern sogar eine wesentliche Verstärkung dieses Ausnahme- rechtes für die Reichslande zu fordern. Allem Anschein nach ist der Regierung das vorzeitige Bekanntwerden ihres Planes sehr ungeleaen gekommen, so daß sie in der Eile nicht eine halbwegs plausible Begründung zu finden vermag, bedeutet doch die Absicht, wieder Ausnahmegesetze für Elsaß-Lothringen 3« fordern, nichts anderes, als eine offene Bankrott- Verklärung der in den letzten Jahren von M&f-tt herab betriebenen Politik. Denn die Re- gierung erklärt damit, daß es ein vollständiger Mißgriff war, als sie vor zwei Jahren Elsaß-Lothringen auf eine neue der- fassungsmäßigo Grundlage stellte. An(stelle der„Nordd. Allgem. Ztg." versucht die„Köln. Zeitung" in einem anscheinend in Berlin geschriebenen Artikel, die geplanten Ausnahmemaßregeln zu rechtfertigen; freilich läuft das ganze Gerede lediglich darauf hinaus, daß noch in einem beträchtlichen Teil der elsaß-lothringischen Bevölkerung starke Sympathien für Frankreich herrschen und einzelne dieser Kreise versteckte antideutsche Agitationen treiben— Tatsachen, die jeder Politiker auch bisher schon wußte und sicher- lich auch der preußischen Regierung nicht unbekannt waren. als sie um jeden Preis vor zwei Jahren eine Verfassungs- reform für die Reichslande durchzusetzen suchte. Die„Köln. Ztg." schreibt nämlich: .Wer mit aufmerksamen Augen die Entwicklung der Vereine nationalistischer Richtung seit dem Inkrafttreten des Reichsver- cinSgesetzeS und die Entwicklung der in französischer Sprache er, scheinenden Presse seit dem Zeitpunkt verfolgt hat, wo die Frei- heit de» Reichspreffegesetze» nicht mehr durch den Diktaturpara- graph beschränkt war, der weiß, daß in Elsaß-Lothringen von den liberalen Bestimmungen der beiden Gesetze nur der Ratio- nalismus in seiner schroffsten Form großen Nutzen gehabt hat. Tie Prozesse gegen die Lorraine Sportive und die VerHand- lungen über die Auflösung des Souvenir Francis haben zur Genüge gezeigt, daß es nicht möglich ist, mit dem bestehenden Recht den politischen Schädlingen beizukommen, die in diesen Vereinen sich betätigen und eine antideutsche Beeinflussung des Volkes verfolgen. Deshalb muß neues Recht geschaffen werden; dabei kann es sick nicht um Rechtsbestimmungen handeln, die einzelne Fälle mit strengerer Strafe belegen� denn es handelt sich um die allgemeine Haltung dieser Presse, die bisher gerade in denjenigen Teilen am schädlichsten gewirkt hat, in denen von einer strafrechtlichen Verfolgung keine Rede sein konnte. Die aus- schlietzliche Erörterung der Politik der elsäs- sisch-französischen Press« nach französischen Gesichtspunkten, die Verfolgung national- französischer Politik, die beständige Verurteilung der deutschen AuSlaiwSpolitik, machen die elsässisch-fianzösische Presse geradezu zu einem Faktor der öffentlichen Mei- n un g Frankreichs, so daß diese Presse in keiner Weise von den in Frankreich erscheinenden Blättern sich unterscheidet. Wenn man Blätter, wie den Matin, die Libre Parole, das Echo de Paris verbietet, so erscheint daS als eine halbe Maßregel, wenn ihr nicht ein ähnliches Vorgehen gegen die gleichgesinnten Blätter im eigenen Laube folgt oder folgen kann. Deshalb ist es zu begrüßen,-daß die clsaß-lothringische Regierung, die sich, wie wir wissen, von der Richtigkeit dieser Gedanken längst über- zeugt hat, nun einen solchen entscheidenden Schritt beim Bundes- rat unternommen hat, und wir halten es für gewiß, daß Bundesrat und Reichstag diese Maßregel» zur Bekämpfung der reichsländischcn llnruhc- stiftcp gutheißen werde n." Dem Verdienste seine Krone. Der Kaiser hat dem Prinzen Heinrich XXXlII. Rcuß j. L. anläßlich seiner heutigen Vermählung mit der Prinzessin Viktoria Margarete von Preußen den Roten Adlerorden 1. Klasse verliehen. Erledigter Reichstagsfitz. Reichstagsabgeordneter Freiherr v. Thünefeld(Z.) ist gestern abend infolge eines Scklaganfalls plötzlich gestorben. Der Verstorbene war Vertreter dsZ 6. Oberbaherischen Wahlkreises und gehörte seit 18SS dem Reichstage an. Der Kreis Oberbahern S— Weilheim— ist alter Besitz des Zentrums. Bei der letzten Wahl erhielten der Zentrumskandidat 14582, die Sozialdemokraten 37S4, die Fortschrittler 3121, die Bündler 1609 Stimmen._ Die mecklenburgische Verfassnngskomödic. Der mecklenburgische außerordentliche Landtag hielt am Freitag wieder eine Plenarsitzung ab. um die BerfassungSvorlage zu be- raten. Ueber die Sitzung wird berichtet:„Aus dem Bericht des VerfassungSkomiteeS geht hervor, daß sich das Komitee nicht einmal in den Hauptpunkten einigen konnte. Man isijich nur darin einig. daß die Zusammensetzung des Landtages für Schwerin und Strelitz nicht verschieden sein soll. Ueber die Zusammensetzung selber gehen die Meinungen aber noch weit auseinander. Die Seestädte Rostock und Wismar haben die Vorlage prinzipiell abgelehnt." Interessante Ausschlüsse über die Entwickelung der Landwirtschast. Der Jahresbericht der LandwirtschastStammer für Westfalen bemerkt zu der Entwicklung der westfälischen Landwirtschaft in den Jahren 1906— 1910, daß sich die Zahl der landwirtschaftlichen Bc- triebe in Westfalen seit 1895 um über 40 000 vermehrt hat. 25 000 dieser neuen Betriebe bewirtschafteten aber nur Pachtland, und die größte Zunahme entfällt auf den Regierungsbezirk Arnsberg, in dem der größte Teil der Arbeiter des rheinisch-westfälischen In- dujtrierebiers ansässig ist.-Iber obgleich sich die Kleinbetriebe er- heblich vermehrt haben, ist doch ein Rückgang in der Größe der Gesamtstäche eingetreten, die auf diese Zwergbetriebe entfällt. Denn während 1882 auf 100 Hektar WirtschastSfläche auf Betriebe von unter L Hektar Größe noch 10,38 Hektar kamen, find es jetzt nur noch 8,94 Hektar. Die entgegengesetzte Entwicklung findet man beim Großgrundbesitz. Hier kamen 1882 auf 100 Hektar Wirt- schastSfläche 4,77 Hektar, 1907 aber 6,63 Hektar! Die wirtschaftliche Entwicklung hat aber den Großgrundbesitz begünstigt. Die Landwirtschastskammcr kommt denn auch zu dem Ergebnis: „Als eine erfreuliche Erscheinung, die erkennen läßt, daß trotz der Zunahme der Parzellenbatriebe eine weitergehende Zer- splittcrung von„Bauernland" nicht eingetreten ist, darf bezeich- net worden, daß der Anteil der WirtschaftSllächc der Parzellen- und Kleinbetriebe an der GesamtwirtschaftSfläche trotz dar ziffernmäßigen Vermehrung dieser Betriebe nicht nur nicht im Zu- nehmen, sondern dauernd in einer Abnahme begriffen ist. Es wird hieraus geschlossen werden können, daß die günstigen Besitz- Verteilungsverhältnisse in der Provinz Westfalen noch keineswegs gefährdet sind, und daß der Bestand des mittel- und großbäucr- lichen Besitzes für absehbare Zeit in dem bisherigen überwiegen- de» Umfange gesichert erscheint." Hier wird rn dürren Worten die Behauptung widerlegt, der kleine und mittlere Grundbesitz nehme zu. Unzurechnungsfähig, aber doch in des Königs Rock. Einen bemerkenswerten Beitrag zu den, Kapitel„Psychopathen im Heere" liefert wieder ein Fall, der vor dem Dresdener Kriegsgericht zur Verhandlung gelangte. Ein ganzes Bündel Straftaten wurde dem dienstuntauglichen und geistig minderwertigen Soldaten Schörlich vom Jnsanlerie- Regiment Rr. 176 zur Last gelegt. AchtungSverletzung. Ungehorsam. Beharren tm Ungehorsam. Gehör- samsverweigerung. Widersetzung und tätlicher Angriff gegen einen Borgesetzten � Straftaten, auf die eine jahrelange Gefängnisstrafe steht! Und waS hatte der junge Mann getan? Er war in angetrunkenem Zustande von einer WeihnachtS- feier gekommen und hatte in der ll.Stundenachls vor dem verschlossenen Kasernentor dein Posten zugerufen, er solle den Torschließer heraus« klingeln, damit geöffnet werde. Als der Posten nicht antwortete, wollte Schörlitz selbst klingeln, das wurde ihm verboten.„Ich klingele doch", drängte sich Sch. zur Klingel und schob den Posten beiseite. Auf der Wache soll er dann eine unmilitärische Haltung ein- genommen und den Kopf nicht hoch gehalten haben. Während der RamenZseststellung erlitt Schörlitz einen Anfall und fiel bewußtlos auf die Prilsche. Die Borgesetzten hielten den Anfall für simuliert. Diese Annahme wurde aber später vom ärztlichen Sachverständigen widerlegt. Im Laufe der Untersuchung kam die Anklagebehörde auf den Anfall zurück und nun gab Schörlitz an, daß' er im Jahre 1910 einmal schwer� mißhandelt worden sei und seit dieser Zeit Anfälle habe. Schon während der Dienstzeit hatte Sch. mehrere Anfälle gehabt, er mußte jedesmal vom Dienst befreit werden. Man hat aber nichts getan; weder einen Arzt geholt, noch irgendwelche Erörterungen über die Art der krankhaften Anfälle angestellt. Der junge Mann mußte erst straf- fällig werden, ehe man der Veranlagung auf den Grund ging. ES wurde eine Beobachtung auf den Geisteszustand angeordnet und der Sachverständige erklärte, daß Schörlitz ausgesprochener Epileptiker sei. auch liege geistige Minderwertig- keit vor. Am fraglichen Tage habe sich Sch. in einem krankhaften Zustande befunden und eZ sei m ö g- lich, daß die freie Willensäußerung ans- geschlossen war. Infolge seiner krankhaften Veranlagung sei Schörlitz dienstuntauglich. Dieses Gutachten erschien dem Gericht nicht überzeugend. Es ordnete die Einholung eines Obergutachtens an. Die zu diesem Zwecke eingesetzte ärzt« liche Kommission hielt aber ebenfalls die Un z ur e ch n u n g s- fähigkeit für wahrscheinlich. Darauf mußte Schörlitz von der mit schwerer Slrase bedrohten Anklage freigesprochen werden. Der bedauernswerle junge Mann har aber fünf Monate in Untersuchungshaft gesessen. Er wird nun vom Militär entlassen._ Das 6ndc des ßalkankrieges. Keine Störung deö bulgarisch-serbischen Bündnisses. Belgrad, 17. Mai. In Besprechung der serbisch-bulgarischen Beziehungen erklärt„Samouprava", daß Serbien nicht im ent- ferntesten daran denke, Bulgarien anzugreifen. Die schwebenden Fragen sollten im Wege freundschaftlichen Gedankenaustausches zwischen der serbische» und bulgarischen Regierung geregelt wer« den. Serbien habe in territorialer Hinsicht von Bulgarien nichts zu fordern und werde alles tun, um einem Konflikte mit dem Verbündeten vorzubeugen. Tie serbische Regierung werde im Rahmen der legitimen serbischen Interessen alles daran setzen, daß das Bündnis zwischen Serbien und Bulgarien erhalten bleibe. Tie Entlassung der österreichischen Reservisten. Wie», 17. Mai. Die„Militärische Runds chau� ist zu folgender Mitteilung ermächtigt: An die Korps- kommandoS des 1. bis einschließlich des 14. Korps ergeht ein Erlaß, nach dem alle Reservisten der Jahrgänge 1909 und 1908 zu entlassen sind. Die Entlassung umfaßt etwa 35 000 Mann. Ferner wurde die teilweise Entlassung der Jahrgänge der Ersatzreserve 1910 und 1911 in einer Gesamtzahl von etwa 13 000 Mann verfügt. Tie Zahl der zu entlassenden Reservisten und Ersatzreservisteu oeträgt somit etwa 60 000. Au» den Bereichen der ÄorpS in Bosnien und der Herzegowina und Dalmatien sinken vorläusig keine Entlassungen einberufener Mannschaften statt. Serbische Demobilisierung. Belgrad, 17. Mai. Den Blättern zufolge sollen im Laufe der nächsten Woche die Reservisten des dritten Aufgebotes entlassen werden. Sine offiziöse deutsche Stimme Uber die ßagdadbahnsirage. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die bereits vor zwei Jahren eingeleiteten Verhandlungenzwischen England und der Türkei über die Fragen dcS Persischen Gol?S sind in den letzten Wochen ihrem Abschluß nahegebracht worden. Die hierdurch berührten deutsche» Interessen bestehen in der Hauptsache aus der deutschen Beteiligung an der Bagdadbahn. Die deutsche Gruppe, welche in dem Lagdadeisenbahnunternehmen die führende Stellung einnimmt, hat, soweit die Interessen und Rechte der Bagdadeisenbahn» gesellschast in Betracht kommen, im März 1911. bei dem Abschluß der Finanzverträge über den Weiterbau der Bahn bis Bagdad und der Erteilung der Konzession für die Zweiglinie nach Alexandrette und den Hafen von Alexandrette. den Weg für eine britisch-iürkische Verständigung frei gemacht; dies in der richtigen Erkenntnis, daß eine Verständigung zwischen England und der Türkei über die seit Jahrzehnten umstrittenen Fragen des Persischen Golfs, und Hand in Hand damit eine Verständigung zwischen Deutschland und England hinsichtlich der mit der Bagdadbahn zusammenhängenden wirt« schaftlichen Fragen, ein schweres Hindernis für die Vollendung dieses Kulturwerkes beseitigen und die großen wirtschaftlichen Zwecke. die allein auf deutscher Seite von Anfang an mft diesem Unter« nehmet, verfolgt wurden, in hohem Maße fördern werde. Die deutsche Gruppe hat sich damals im Prinzip damit einverstanden erklärt, daß die der Bagdad- Eisenbahngesellschaft zustehenden konzessianSmäßigen Rechte, soweit sich diese auf daS Gebiet südlich von Bagdad beziehen, ganz oder teilweise auf eine neuzubildende türkische Gesellschaft mit internationaler Kapitalbeteiligung übertrage» werden sollten. Die Bedingungen für diese Uebertragung und die Regelung aller Einzelheiten wurden ausdrücklich späteren Vereinbarungen zwischen der türkischen Regierung und der Bagdad- Eisenbahngesellschaft vorbehalten. Soweit die auf Grund dieser Erklärung angebahnte Ver- ständigung zwischen England und der Türkei Interessen und Rechte der Bagdad-Eisenbahn berührt, kann sie unter Zustimmung dieser Gesellschaft und angesichts der großen wirtschasttichen Bedeutung diese« Unternehmens nur unter Zustimmung der deutschen Regierung perfekt werden. Ueber die englisch-türkischen Verhandlungen wird sowohl d»e deutsche Regierung wie auch die interessierte Gesellschaft auf dem laufenden gehalten. Der bisherige Gang dieser Verhandlungen be« rechtigt zu der Annahme, daß da» Ergebnis auch von deutscher Seite als eine befriedigende Lösung angenommen werden kann. Immerhin wird, ehe die deutschen Interessen und die deutsche Regierung ihre Zustimmung geben können, noch ein weiterer Me.« nungSauStausch erforderlich sein, durch den die deutschen Jntereneu in einwandfreier Weise gewahrt und für die etwaigen deutschen Zugeständnisse gleichwertige Gegenleistungen sichergestellt werden. Wehr kann über den augenblicklichen Stand der Angelegenheu. ohne die Verhandlungen zu stören, nicht gesagt werden und ist auch von den an den Verhandlungen beteiligten auswärtigen Instanzen offenbar nicht gesagt worden. Die Mitteilungen, die bisher ch«» Weg in die Presse gefunden haben, sind teile uuv-ll'.iaiidig, teil« unrichtig, also nicht geeignet, eine Grundlage str eiuc Beurteil»� der Abmachungen zu bilde». Die„Times" über die Bagdadbahnfrage. Loudon, 17. Mai. Die.TimeS"' schreibt über die englisch- türkischen Verhandlungen: Was die vagdadbahn betrifft, so lagen die Hauptinteressen GroffbritannienS.darin, dafür zu sorgen. daß sein Handel keiner differenziellen Behandlung unterworfen würde. wenn die Linie gebaut wäre. Dies Ziel wird durch die Ernennung von zwei britischen AufsichtSräten wahrscheinlich gesichert sein, die an der Kontrolle der Bahn teilnehmen. Wenn dieser Vorschlag angenommen wird, wird Großbritannien weiter leine Ursache haben, einen Plan, der für die Entwickeluug der asiatischen Türkei viel bedeuten würde, scheel anzusehen. Unsere Interessen werden reichlich gesichert sein. Wir haben stets betont, daß der Endpunkt der Bahn in Basrah keine Bedrohung der speziellen britischen Interessen im Persischen Golf bedeutet, und die deutschen Unternehmer werden ihren großen Plan mit wohlwollender Zustimmung Großbritanniens vollenden können. Eine ofsizielle britische Beteiligung an dem Bau der Linie wird nicht stattfinden, aber britisches Kapital wird nicht ge hindert sein, sich an dem Plan zu beteiligen. Wir glauben, daß in einer solchen Lösung eine ergiebige Quelle von internationalen Mißverständnissen verschwinden wird. DaS wird eine weitere Bekundung des Geistes deS Zusammenarbeiten» unter den Großmächten sein, der letzthin so viel getan hat, um den europäischen Frieden zu erhalten. Er wird Deutschland überzeugen, daß England sich den wesentlichen Elementen des Projektes nicht widersetzt, sofern seine eigenen speziellen Interessen geschützt sind und vor allen Dingen wird er die finanziellen Schwierigkeiten der Türkei erleichtern und sie in den Stand setzen, das Unternehmen zu fördern, das mit einem Band von Stahl die großen asiatischen Gebiete, wo ihre Zukunft liegt, zusammenfaßt., Reguläre türkische Truppen i« Tripolitauie»? Rom, IV. Mai.(Eig. Ber.) Wie der„Tdbuna" aus Neapel gemeldet wird, sollen sich in der Nähe von Tobruk etwa 4000 Beduinen befinden, die gemeinsam mit 200 regulären türkischen Soldaten und 2 Kanonen vor der Stadt lagern. Italien bereitet gerade in der Gegend von Tobruk eine militärische Aktion vor, die von dem Kreuzer»Bausan' von der See aus unterstützt wird. Die Notiz von dem Verweilen türkischer Truppen in Tripolitanien ist nicht leicht zu nehmen. Ist sie wahr, so kamt man aus ihr folgern, daß Italien noch weitere Opfer bringen muß, um das Land zu unterwerfen. Ist sie falsch und tendenziös. waS unS wahr« scheinlich erscheint, so verfolgt sie den Zweck, die Räumung der ägaeischen Inseln durch italienische Truppen zu verzögern. Ueberhaupt macht sich in letzter Zeit eine zientlich energische Stimmungsmache zugunsten des BeHaltens der ägäischen Inseln geltend. Wer weiß, was.im Höllenkessel der Diplomatie noch über diese Frage zusammengebraut wird l Einst» weilen ist der italienische» Kammer ein neuer Gesetzentwurf vor- gelegt, in dem die Emission von Schatzschuldscheinen bis zu hundert Millionen über die normale Zahl autorisiert wird. Die so gc« wonnene Summe soll zur Deckung der notwendigen Ausgaben dienen, die sich auZ der Annektion Libyens ergeben. Der Frieden». schluß bedeutet also für Italien Fortdauer des Krieges und Fort« dauer der Ausgaben._ fratihreich. Millionenforderung für Kaserneubaute«. Baris, 17. Mai. Nach einer Blättermeldung wird der KriegSminjster im Hinblick auf die von der Kammer genehmigte Zuruckbehaltung der �ahresklasse von 191» demnächst oem Parlament eine Kreditfordernng von etwa 359 Millionen unterbreiten, um die Kosten für die erforderlichen Kasernenbauten und die Bekleibungs» und Ausrüstungsstücke sowie für Pferdekäufe zu decken. Paris, 17. Mai. Der Kostenvoranschlag für die Einbehaltung der im Oktober frei werdenden JahreSklasse unter den Fahnen erreicht die Summe von ungefähr vier« hundert Millionen Franks, lleber die Deckung der Kosten ist in der Gesetzvorlage nichts enthalten, e? werden also für diese Vorlage und für diejenige betreffend die für die Bewaffnung geforderten-129 Millionen Franks neue Einnahmequellen tn Höhe von mehr als 809 Millionen erschlossen werden müssen._ Ein Konflikt zwischen einem sozialistischen Gemcinderat und einem Streikkomitee. P.rie, lti. Mai. lEig. Ber.) Ein sozialistischer Bürgermeister, der Soldaten zum Ersatz von ausständigen Arbeitern requiriert. Welch schöneres Thema läßt sich für Leitarniel von Kapitalisten» blättern aller Färbungen finden k In der Tat tönt schon tm viel» stimmigen Konzert, vom.TetttpS� und �Journal des DebatS pathetisch trompetet, vom..Hamme libre" des FüsiladenministerS Elcmenceau vergnügt gequietscht, die Ballade von den„Streik- blechern des sozialistischen Bürgermeisters von Puteaux" und das Echo wird sie zweifellos nach allen Winden überallhin tragen, wo Lüge und Entstellung im Kamps gegen die organisierte Arbeiter» schaft und die Sozialdemokratie gierige Aufnahme finden. Es mag darum angezeigt scheinen, den wahren Tatbestand rasch mitzu- teilen, um der Verleumdung das Einnisten vorweg unmöglich zu machen. ES ist richtig, daß der jetzige Pariser Bäckerstretk unerfreuliche Reibungen zwischen den verschiedenen Organismen der Arbeiter- bewegung hervorgerufen hat. DaS Streittomitee. daS offenbar nichl den.Rut hat, den Schlagworten der iyndikalisttschen Demagogie zu entsagen, hat da» Ersuchen der Konsumvereine, in ihre Bäckereien nach dem von den Ausständigen geforderten Tarif weiterarbeiten lassen zu dürfen, unter einem haltlosen Vorwand n b g e IE i e, en. ovoleich doch zweifellos die Situation der Bäcker- meistcr durch d,e erfolgreiche Konkurrenz der Konsumvereine nicht verbessert werden würde. Daß eine Streikversammlung diese? Per- halten gebilligt hat, kann nicht wunder nehmen. Aber diese Weiac- rung, die sicher neue leidenschaftliche Diskussionen hervorrufen und neue Elemente der Zersetzung und Anarchie in die Arbeiter- schaft tragen wird, mußte einen weiteren Konflikt unmittelbar her- vorbringen. In Puteaux, einer großen industriellen Vorstadt, deren Bürgermeister und Deputierter Genosse Boilin ist. gibt-S 30 Bäckermeister, die täglich etwa dOOO Kilogramm erzeugen, und einen Konsumverem„La Revendieation". deren Produktion durch- stfmittlich 3500 Kilogramm beträgt. Beim Konsumverein deckt ein arost-r Teil der Arbeiter, mast leinen Bedarf, von dort werden auch die Kranken, Greise und Schulkinder der Gememde mit Brot ver- soro> Ter Gcmeinderat mußte ,n dieser Situation eine Lösung suche'. Er hat den st rat! enden Bäckern gegenüber s r i c s o z i a l t st t s ch e P f l t ch t vollkommen erfüllt. Genösse Voilin hat da? Verlangen deö Seine-Präfekten, bei der Unterbringung der„zum Schutz der Freiheit der Arbeit' entsandten Soldaten"s�öuwtrk abgeschlagen mit der Begründung, daß niemand diese Freiheit bedrohe. Der sozialistische Gemeindmat erwirkte vom Präfeiten auch daS Zugeständnis, daß die Militärverwaltung ihre Bäcker den Unter- nehmern nur im Falle der �equ,stt,on durch die Bürgermeister zur Berfüguna stellen werde,-r-er Gemernderat bemühte sich demge- Niäß, um«ine--iwangslage zu vermeiden, int Verein mit der Kon- sumvercinsleituiig. das«treittomttce zur Aufhebung de» Arbeits- verbot» zu bewegen. Der Äer,uch blieb erfolglos. Tarauf beschloß der V c r w a l t u it g S r a t d e s Ä o n s um v crci«?, seinen Betrieb einzustellen und die Backerei der Muni- »lbalität zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig ersuchten die Bäckermeister den Bürgermeister um Requisition von s Militärbäckern. Der Gemein berät wies dieses Gesuch energisch ab, aber beriet über Maßnahmen, um die Ernäh- rung der Bevölkerung zu sichern, ohne den Streikenden zu schaden. Er beschloß, in der Werkstatt der Genossenschast eine kommunale Bäckerei zu errichten und von der Bäcker- gewerkschaft die Zuweisung von Arbeitern zu erwirk er n. Die Gewerkschaft lehnte ab, und so sah sich der Gcmeindevorftand veranlaßt, an den Präfekten um Zu- Weisung von Militärbäckern für diese Gemeinde- back er ei heranzutreten. ES ist also nicht wahr, daß der sozialistische Gemeinderat den Streitbruch organisiert hat. Vielmehr hat er alle Mittel ange- wandt, um die Zuweisung von Militärbäckern an die Bäckermeister zu verhüten. Die Gemeindebäckerei sollte allen Bürgern, auch den Bäckermeistern und dem Konsumverein, das Brot zum gleichen Preise abgeben. ES liegt auf der Hand, daß diese Organisation, die gletchzeitig die Bevölkerung vor Brotmangel behütet und die Bäckermeister um den Profit gebracht hätte, diese weit eher zum Nachgeben als zu weiterem Trotzen bewogen hätte. Indes griff nun die Präfektur ein, die der Gemeinde erklärte, daß sie den kommunalen Betrieb nur mit Zivilbäckern zugeben könne, da- gegen den Bäckermeistern die Zuweisung von Militärbäckern nicht verweigern werde, sobald die Gemeinde diese für sich requiriere. Die Lage war dringlich, denn die Präfektur hatte die Gemeinde verständigt, daß sie auS eigener Machtvollkommenheit um 6 Ilhr abends allen ansuchenden Unternehmungen Militärbäcker anweisen werde, wofern die Brotversorgung nicht auf andere Weise gesichert sei. Der Gemeutdevorstand entschloß sich angesichts dieses drohen- den wirklichen Streikbruchs, noch einmal an die Gewerkschaft um Delegierung von Arbeitern heranzutreten. Diese lehnte wiederum ab mit der Begründung, daß sie„ihre Bewegung nicht kastrieren"' wolle. Darauf verfügte der Präfckt mit Ugber- gehung des Bürgermeisters die Zuweisung von Militärbäckern an die ansuchenden Nieister. � Es ist also nicht die sozialistische Gemeinde, die im Streik interveniert hat, sondern der Seinepräfekt. Die Gemeinde hat im Gegenteil geradezu verziveifelte Bemühungen gemacht, um die den Streikenden schädliche Intervention zu verhindern. Die von ihr im Interesse der Bevölkerung geplante kommunale Brotver- sorgung sollte nicht den Ilnternehmerprofit sichern, sondern im Gegenteil aufheben. Und die Bäckermeister dürfen sich bei den syndikalistischen Inspiratoren de? Streikkomitees bedanken, denn ohne deren Eigensinn und Temagogenfurcht hätte» sie keine Militärbäcker bekommen. Ter Konflikt beweist nicht das geringste für da» Recht der Unternehmer auf die Intervention des«taates, sondern weist nur auf die Notwendigkeit für die Arbeiterschaft hin, ihre Gewerkschaftsaktion aus zünftlerifcher Enge herauszuheben. Italien. Gegen den Einjährigendieust. Rom, den 13. Mai. iSig. Ber.) In Italien ist die Befreiung vom vollen zweijährigen Militärdienst und die Herabsetzung der Dienstzeit auf«in Jahr an die Leistung einer Abgabe gebunden. Gegen Entrichtung einer Summe von 1300 Lire kann der junge Mann Einjähriger werden, lebt aber im übrigen in der Kaserne wie die anderen Soldaten und wird wie diese beköstigt und verpflegt. Der liberale Abgeordnete D i B a g n o hat nun den Kriegsminister interpelliert, ob er nicht den Zeitpunkt für gekommen hielte, um in Gemäßheit der Grundsätze der Gleichheit und Demokratie das Privilegium des Einjährigendienstes abzuschaffen oder wenigstens die dafür zu entrichtende Abgabe wesentlich zu erhöhen und deren Betrag für die Unterstützung der bedürftigen Familien der Reservisten zu verwenden. Portugal. --.' Der letzte Putsch.„ Der Wiener„Arbetterzeitung" wird aus Lissabsn ge. schrieben: Der letzte Putsch war schier schon ein mißlungener Staats- streich. Eine bewaffnete Erhebung des portugiesischen Volkes gab «S nicht und die Aktion war nur auf Lissabon beschränkt. Aber die politische Atmosphäre in Portugal ist so überladen, daß ernste Ereignisse zu erwarten find. Persönliche Zänkereien sowie eine große Unzufriedenheit gegenüber den regierenden Republikanern die eine Politik der Verschwendung und der Mißachtung ihrer Bei sprechungen gemacht haben, veranlaßten Republikaner, die am 3. Oktober 1S10 für die Republik gekämpft hatten, sich gegen sie zu empören. Obgleich die Mehrzahl der Verschwörer Republikaner waren, konnte man auch Syndikalisten, Anarchisten und sogar Monarchisten unter ihnen finden. Der Zweck dieser Verschwörung war die Verkündigung einer radikalen Republik, mit Absetzung deS Senats, des Präsidenten usw. unter Führung einer revolutionären, militärischen Diktatur Hätte diese Bewegung Erfolg gehabt, so wäre Portugal in eine sehr tritische Lage gekommen. Aber wenn auch diese Bewegung im Keime erstickt worden ist, die Gefahr einer Wiederholung ist nicht beseitigt, insbesondere weil die Regierung Affonso Costa durch die Gewaltsamkeit ihrer Unterdrückungsmaßnahmen zum Wider stand aufreizt. Ter ganzen Opposttionspresse wurde verboten, zu erscheinen, und deren Redaltcure wurden verhaftet. DaS syndika listische HauS, der Sitz der anarchistischen Gewerkschaften, wurde geschlossen. Alle politischen Gefangenen wurden auf ein Kriegs schiff geladen und nach den Azoreninseln gebracht. Diese Gewalt tätigkeit hat große Aufregung unter dem Volke verursacht. Die sozialistische Partei ist der Bewegung ferngeblieben und hat ein Manifest veröffentlicht, worin sie ihre Ausfassung folgender- maßen ausspricht:„Tie Aufgabe der sozialtstffchen Partei ist die Verdreitmig unserer Theorien und daS Feld unserer Tätigkeit die Propaganda, um den zukünftigen Sieg unseres Ideals vorzubereiten. Unser Zweck ist die Abschaffung der Ausbeutung durch die bürger Iiche Gesellschaft und aller sozialen Ungerechtigkeiten. Von allen bürgerlichen Zänkereien unter politischen Parteien bleiben wir ent fernt. Gemäß den Resolutionen der letzten internatwnalen Kongresse wiederholen wir, daß unsere Partei unabhängig ist von allen bürgerlichen Parteien, wenn sie auch noch so radikal sind. Die Partei stellt fest, daß jene proletarischen Elemente, welch« an der letzten Erhebung teilgenommen haben, der Partei nicht an- gehören. t Die sozialistische Partei erklärt durch ihren Porstand/ daß sie dieser revolutionären Bewegung fremd gevlieben ist, und hofft, daß über allen Leidenschaften der Politik die Freiheit der Presse und der Versammlung, Grundsätze aller Freiheiten, gewahrt bleiben. Die Partei fordert endlich auf, den 1. Mai durch eine große Kund gcbung zu feiern." Infolge dieses Manifestes wurde die Kundgebung am 1. Mai verboten und die sozialistische Zeitung„O Socialista" konfisziert. . Snglanck. Die Arbeiterpartei nud das Budget. London, 18. Mai.(Eig. Ber.) Ein bemerkenswerter Um- schwung hat sich in der Politik der Arbeiterpartei vollzogen. Die Partei hat beschlossen, gegen das Budget zu stimmen. Sie wird bei der bevorstehenden zweiten Lesung des Budgets ein Amendement einbringen, in dem es heißt, daß sie der Bill nicht zustimmen kann! das Budget setze die Besteuerung der Volkolebensmittel fort, anstatt diese schäd- liche und nicht zu verteidigende Form der Besteuerung abzuschaffen und sie durch direkte Steuern auf die nicht der Arbeit entspringenden Einkommen und große Vermögen zu ersetzen. Im letzten Finanzjahr brachten diese Lebens-� mittelsteuern(Finanzzölle auf Zucker. Tee, Kaffee. Rosinen und ähnliche Lebensmittel) mehr als 19 Millionen Pfund ein. Mit mehr als 6 Millionen Pfund wurde allein der Tee belastet, der der englischen Arbeiterklasse und zwar gerade den allerärmsten Schichten das wichtigste Ersrischungs- mittel ist. Unzählige Male ist der englischen Arbeiterklasse von den Liberalen der„freie Frühstäcksttsch", das heißt die Abschaffung aller Zölle, die von den Lebensmitteln des Volkes erhoben werden, versprochen worden: doch bei dem Versprechen ist es geblieben. Nun werden die Liberalen Gelegenheit haben, ihre Volksfrenndlichkeit auf praktffche Art zu beweisen. Soziales. Aus dem Reichsverficheruugsamt. „Der Senat stellt bewußt einen neuen Rechtsgrundsatz auf", erklärte der Vorsitzende des 10. Senats für die Unfallabteilung im ReichSversicherungsamt vor einigen Tagen. Dieser Erklärung lag folgender Tatbestand zugrunde. Der Arbeiter X. in T. hatte von dem Betriebsleiter eines Werkes den Auftrag erhalten, für ihn— den Betriebsleiter— eine Verrichtung auszuführen. X. erhielt hierfür indessen keinen Lohn, sondern der Betriebsleiter sagte zu X., er könne sich dafür aus seinem— des Betriebsleiters— Garten einen Kohlkopf abschneiden. Einige Tage darauf ging der Arbeiter nun in den Garten des Betriebsleiters, um sich den ihm alS Lohn versprochenen Kohlkopf abzuschneiden. Bei dieser Gelegenheit verletzte sich£. mit dem Messer am Bein recht erheblich. Die Folge davon war, daß nach Ab- schluß der Heilbehandlung eine starke Behinderung der Gebraüchsfähigkeit des verletzten Beines zurückblieb. Zk. sah die Verletzung deS Beines als Folge eines Betriebs- Unfalles an und stellte bei der KuaPpschaftS-Berufsgeuosseu- schaft den Antrag auf Gewährung der Unfallrente. Er wurde indessen damit abgewiesen, weil es sich nicht um einen Betriebsunfall handele: die Verletzung des Beines sei nicht im Be- triebsinteresse erfolgt. Das Abschneiden des Kohlkopfes stehe mit der Betriebstätigkeit des X.auch nicht im leisesten Zusammenhang. Der Verletzte legte gegen den Ablehnungsbescheid B e- rufung beim O b e rv e rsi ch erun g s a m t ein. Die Berufung hatte Erfolg. Das Oberversicherungsamt nahm das Borliegen eines Betriebsunfalles an und der- urteilte die Knappschafts-Berufsgenossenschast, dem X. eine Unfallrente vom Tage des Wegsalls des Krankengeldes zu zahlen. Die Berufsgenossenschast legte gegen das Urteil des Oberversicherungsamtes Rekurs beim Reichsversicherungs- amt ein. Bor einigen Tagen wurde die Sache im Reichs- vcrsicherungsamt verhandelt. In dem mündlichen VerHand- lungSternnn waren beide Parteien vertreten und- begründeten ihre entgegengesetzten Anschauungen. Der Rekurs der Berufsgenossenschaft wurde zurückgewiesen. Der erkennende(19.) Settat nahnt das Vorliegen eines Be« triebsunfalles an. Der Vorsitzende verkündete etwa folgendes: Die Tätigkeit des Kohlkopfabschneidens stelle die Empfang« nähme eines Teiles des Lohnes dar, demnach be« steht der ursächliche Zusammenhang zwischen dem Un« fall und der Betriebstätigkeit des Z. Der Grundsatz, daß der Lohnempfang der Beschäftigung im Betrieb als deren Folge und Abschluß zugerechnet wird(zu vergleichen Handbüch der'Unfallversicherung, Bd. I, S. 198, Anm. 59 zu § 1 des Gew.-Unf.-Vers.-Gesetzes), gilt entsprechend auch für Dienste, zu denen versicherte Per- sonen neben der Beschäftigung im Betriebe von ihren Arbeitgebern oder deren Beauf» tragten herangezogen werden(§ 3 des Gew.» Unf.-Vers.-Ges.). DaS ist ein gerechtes und vernünftiges, dem sozialen Empfinden entsprechendes Urteil. Wie oft erhält der Arbeiter von dem Betriebsleiter für diesen einen Auftrag auszuführen. Er kann sich dem Auf- trage nicht entziehen, denn sonst würde er— der Arbeiter— ohne weiteres auf die Straße geworfen werden. Verunglückte bei solchen Verrichtungen der Arbeiter, dann bekam er keine Unfallrenie, weil„die Verrichtung nichts mit dem Betriebs- intereffc zu tun habe, und cS sich auch nicht um Betriebsunfall im Betriebe des Unternehmers gehandelt habe". Der Verletzte, der vielleicht sein Lebenlang an den Folgen der Verletzung zu leiden hatte, mußte sehen wie er zurecht kam. Dieser Zustand ist durch das oben erwähnte Urteil bezw. durch den vom zehnten Senat des ReichSversicherungSamtS aufgestellten neuen RechtSgrundsatz beseitigt. Zugabcunwesen. Um die Kunden von den Konsumveremen fortzulocken, warfen sich Krämer auf das Zugabewesen, daS in vielgestaltiger Form im Kleinhandel gang und gäbe geworden ist. Die Händler speku- lieren damit aus die Gedankenlosigkeit. Und zwar nicht ohne Erfolg. ES ist geradezu erstaunlich, mit welchem Fanatismus die Käufe- rinnen nach Zugaben, wie einem Stückchen Seife, Schokolade usw. gehen. Sie stehen zweifellos unter dem suggestiven Gedanken, damit etwa? geschenkt zu bekommen. In Wirklichkeit aber handelt es sich nur um eingebildete Geschenke. Ihr Wert steckt natürlich mit im Preise der gekauften Waren, die entweder entsprechend teurer oder schlechter sind als in reellen, Täuschungsversuche miß- achtenden Geschäften. Nicht nur den einfachen Wert der Geschenk- artikcl, sondern auch die besondere Mühe, die das ganze Zugabe- Unwesen verursacht, die größere KapitalSanlage. kurzum, eine groß« Summe von Unkosten muß der Beschenkte natürlich bezahlen. Wer beim Einkauf von Waren im Werte o» etwa einer Mark einen Artikcl für 10 Pf. zugibt, kann natürlich die Ware für 90 Pf. verkaufen. Das entspräche auch der Reellität. Aber die Kenntnis von der schwachen Seite gedankenloser Käuferinnen läßt auf reellen Betrieb verzichten und das Zugadeuntoefen kultivieren. Im Laufe der Zeit hat es nun aber einen solchen Umfang angenommen, daß auch die Händler es immer unangenehmer emp- finden, um so mehr, al» es vielfach ein gegen sie selbst gerichtete« unlauteres Konkurrenzimttel geworben ist. Man möchte davon nun durch die Gesetzgebung befreit werden. Im Verfolg dem» ciitsprechcndcr Anträge im Abgeordnetenhaus hat der Handels» minister die Handelskammer« um ein Gutachten in dieser Frage ersucht. Die meisten derselben befürworten ein gesetzliche» Ver. bot de» Zugabcwesens, manche davon mit der Begründung, der früher eingenommene Standpunkt, das bezeichnete Unwesen müsse durch Selbsthilfe überwunden werden, habe sich als verfehlt er- wiesen. Was würde ein solches Verbot für die Konsumenten be- deuten? Jedenfalls keinen Vorteil. Die'Preise find nun einmal meistens unter Berücksichtigung der„Geschenke" festgelegt. Kommen diese in Fortfall, dann sinken noch längst nicht überall auch in angemessener Weise die Presse. Die Verkäufer müssen die Ge- chenke weiter mubezahlen, sie erhalten sie nur nicht mehr. Vor allen solchen Schädigungen sind nur die Mitglieder von Konsum- vereinen geschützt. Hier wird nach reellen Grundsätzen verkauft. Also freiwillig los vom Zugabeunwesen: Hinein in die Konsum« vereine! GcwerfefcbaftlicbcQ. Sin«euer Schiedslpruch im jMalergewerbe. Nach zweitägigen erneuten Verl>andlungen über die Diffe- renzen im Malergewerbe, die der Unternchmerverband durch die Ablehnung der Ende Februar von den drei Unparteiischen gefällten Schiedssprüche vom Zaune gebrochen hatte, wurde am Freitag ein neuer Schiedsspruch gefällt. Vorher hatten die Unternchmervertreter ihr schon vor fünf Wochen von den Gehilfenvertretern entschieden abgelehntes Angebot von 3 Pf. pro Stunde Lohnerhöhung, das eine wesentliche Herabsetzung der Schiedssprüche bedeutete, wiederholt. Im Laufe der Ver- 'Handlungen verlangten sie gar die Herabsetzung der durch die Schiedssprüche bestimmten Lohnerhöhungen für 109 Orte um 1 Pf., für 81 Orte um 2 Pf., für 35 Orte um 3 Pf., für 17 Orte um 4 Pf., für 2 Orte um 5 Pf. und für einen Ort um 6 Pf.; nur in 53 Orten sollte es bei den Schicds- sprächen bleiben! Daneben ließen sie zum Ausdruck bringen, daß das Tarifschema noch verschlechtert werden oder die Lohnerhöhungen erst nach Monaten in Kraft treten sollten. Von der Gehilfcnvertretung wurde, wie bisher, jede Ver- schlechterung der Schiedssprüche, die von ihr seinerzeit ange- nomincn waren, kategorisch abgelehnt und eine Würdigung der inzwischen eingetretenen Veränderungen durch den Abschluß von Sondertarifen verlangt. Der nach langen Beratungen des Schiedsgerichts gefällte Schiedsspruch konnte natürlich solche völlig unberechtigte Anforderungen nicht berücksichtigen. Der Schiedsspruch hat folgenden Wortlaut: 1. Das Kollegium der Unparteiischen, in der nunmebrigen Zusammensetzung von sieben Mngliedem, ist nach reiflicher Prüfung des bisherigen Materials und der von beiden Parteien neuerlich eingereichten Anträge der Auffassung, daß die Möglichkeit einer Verständigung der Parteien nur unter unveränderter Annahme der von den früheren drei Unparteiischen gemachten Borschläge und Schiedssprüche einschließlich der hierzu abgegebenen protokollarischen Erklärungen gegeben ist. Daher haben die früheren Borschläge, Schiedssprüche und protokollarischen Erklärungen, vollinhaltlich'zu gelten. 2. Bezüglich der abgeschlossenen Sondertarife wird bestimmt, daß sie bis zu dem hierin vorgesehenen Ablaufstermin unverändert fortbestehen. 3. Die für jetzt vorgesehenen Lohnerhöhungen und Arbeits- zeitvcrknrzungen treten sokort bei der Aushebung der Aussperrung in Kraft. 4. In Orten, �vo in größerem Umfange Vereinbarungen über den Schiedsspruch hinaus getroffen worden sind, wird es den örtlichen Organisationen anheimgegeben, sich bei den örtlichen Verhandlungen darüber zu einigen, daß diese Vereinbarungen allgemein durchgeführt werden. 5. Die örtlichen Verträge sind vor dem Ortstarifamt innerhalb drei Wochen nach Annahme des Schiedsspruches abzuschließen. ö. Die Parteien haben über Annahme oder Ableh- nung dieses Schiedsspruches sich bis längstens den 2 2. dies e s Monats, abends 6 Uhr, zu Händen des Herrn Magistratsrats v. S ch u l z zu äußern." Der Verband der Maler wird in einer außerordentlichen Generalversammlung zu dem Resultat der neuen Verhand- lungen, bei denen von Arbeiterseite Silberschmidt und Becker und von Unternehmerseite Bernhardt und Dr. W e st p h a l als Vertrauensleute mitwirken, Stellung nehmen. Bis dahin wird der Kampf wie bisher weiter geführt. (lnternekmerterrorismus. Arbeit in Fülle bei Anfertigung öffentlicher Klagen gegen die den§ 153 der Gewerbeordnung übertretenden Unter- nehmer hätten jetzt eine ganze Anzahl Staatsanwälte in Krefeld, wenn gegen Unternehmer mit gleichem Eifer vor- gegangen würde wie gegen Arbeiter. Jeder einzelne Unter- nehmer, der einen streikenden Färber beschäftigt, wird von den Färbereibesitzern aufgesucht und unter Androhung von Aufträgeentziehung und sonstigen Geschäfts- schädigungen gezwungen, den Arbeiter sofort zu entlassen. Ein Unternehmer wurde auf solche Weise nachweislich genötigt, einem seit Wochen beschäftigten Färber die Arbeit zu ent- ziehen, desgleichen ein Eisenwarenhändler. Wo bleibt der Staatsanwalt? Anklagen gegen Unternehmer werden wohl nicht erhoben— wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Dabei sucht die Polizei die aufklärende Tätigkeit des Textilarbeiterverbandes im Reiche zu verhindern. In Gößnitz(S.-A.) sollte eine Nummer des„Textilarbeiter" verbreitet werden. Die Nummer enthält eine Darstellung des Kampfes. Der Bürgermeister verbot die Verteilung mit fol- gender Begründung:„Die öffentliche Verteilung der Nr. 18 der Zeitschrift„Der Textilarbeiter" vom 2. Mai 1913 wird nicht genehmigt, weil der die Grenzen sachlicher Kritik überschreitende Inhalt dieser Nummer geeignet ist, die Anschauungen anderer Bevölkerungskreise zu verletzen und dadurch die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören. Vertin und dmgegend. Der Streik in der Berliner Mühlenindnftrie ist beendet. Nacbdem sie bis Mittwoch noch Verhandlungen abge- lehnt, erklärten sich am Donnerstag die Leiter beider in Frage kommenden Mühle» bereit, zu verhandeln, allerdings nur mit einer Kommission der Arbeiter ihres Betriebes unter Ausschaltung der Organisationsvertretung. In zweimaliger Verhandlung wurden Zulagen von 134 bis 4 Pf. pro Stunde für die einzelnen Sparten erzielt, außerdem wurde die Bezahlung der in die Woche fallenden Feiertage erreicht und der Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes erweitert. Der- selbe beträgt nach 2 Jahren 2 Tage, 3— 5 Jahren 3 Tage und darüber eine Woche. Da in der«vchüttmühle die bedauerliche Tatsache zu verzeichnen war, daß von den Streikenden ö Mann abtrünnig geworden, außerdem durch die von uns schon mitgeteille Tätigkeit der Polizei und des Herrn H o m u t h, Alt-Moabit V2, eine beträchtliche An- zahl Arbeitswilliger vorhanden war und Herr Schütt nicht glaubte, sich von diesen„nützlichen Elementen" trennen zu können, mutzten die Streikenden zähneknirschend einwilligen, daß 14 in der Hauptsache Unverheiratete nicht wieder eingestellt wurden. Allerdings ist die Zusicherung gegeben, daß bei Vakanzen zuerst auf diese Kollegen zurückgegriffen wird. Tie Arbeit ist am Frei- tagobend in vollein Umfange wieder aufgenommen worden. Sind die Forderungen und Wünsche der Mühlenarbeiter auch nicht alle erfüllt, so muß dieser Kampf der Ansporn sein, die Or- ganisation auf das beste, auszubauen und zu stärken, damit neuen Kämpfen furchtlos entgegengesehen werden kann. In der Färberei und chem. Waschanstalt M. Bloch, N., Brunnenstraße 73, sind plötzlich 10 Plätterinnen entlassen worden, weil et nicht damit enwerstanden waren, daß sie als langjährig geübte lätterinnen bei lOstündiger Arbeitszeit und vollem Fleiß pro Tag nicht mehr als 1,50 M. verdienen konnten. So niedrig hat die Firma die Akkordlöhne gestellt. Es gibt hier in Berlin wohl keine Derantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.? Firma dieser Branche, die hierin der Firma Bloch gleichkommt Am ersten Mai und den Sonntag daraus mußten die Plätterinnen arbeiten, auch die ganze Woche Ueberstunden machen, damit der Profit ein recht großer ist. Der Dank dafür besteht in der Ent- lassung, wenn die Arbeiterinnen nicht mehr so notwendig gebraucht werden. Wir können nur eine jede Plätterin davor warnen, bei Bloch Arbeit anzunehmen. Herr Bloch will Herr über Sklaven sein; wer im geringsten muckst, der fliegt raus. Die Branchenleitung. Der Inhaber der Großdestillation Pankstraße 4, Herr Max Haberstroh warf einen Angestellten mit dem Bemerken hinaus: „Jchduldekeine Agitatoren unter meine n Leute n." Für einen Lohn von 45 bis 50 M. monatlich bei 15- und lOstündiger Arbeitszeit täglich, müssen sich die Hausdiener auch noch grob be- bandeln lassen. Herr Haberstroh fürchtet wohl nicht mit Unrecht, daß es mit diesen patriarchalischen Verhältnissen vorbei ist, wenn sich die Hausdiener erst organisieren. Deshalb fein Haß gegen die Agitatoren. In letzter Zeit ist es dem Verband der Gastwirtsgehilfcn ge- lungen, bei den Destillationsgehilfen festen Fuß zu fassen. Die trostlose Lage dieser Angestellten, die zum großen Teil bei Löhnen von 40 bis 50 M. monatlich und 15- bis ILstündiger Arbeitszeit schuften, bedarf dringend der Verbesserung. Die Agitation ist in- folge des LogiswesenS überaus schwierig. Hinzu komint, daß die Inhaber der Großdestillationen, gewarnt durch die„V e r e i n i- gung der Destillations-Geschästc von Groß- Bei- l i n", ein wachsames Auge auf ihre Angestellten haben, so daß es kaum noch möglich ist, mit diesen ein Wort zu reden. Wir appellie- ren an alle Parteigenossen, daß sie uns in unserer Agitation nach Kräften unterstützen. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung 2. Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Häring, Usedomer Str. 17, dauert fort. Der Betrieb ist weiter streng zu meiden. Zcntralvcrband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. veutfehes Reich. Der Verband der Branerei- nnd Mühlenarbeiter im Jahre 191Ä. War auch das Jahresergebnis in der Zunahme der Mitglieder nicht so gut wie im Jahre vorher, so>var das Jahr 1912 für den Verband insofern von Bedeutung, als die Mitgliederzahl von 50 000 überschritten wurde. Die Zunahme an Mitgliedern betrug nur 3085 gegen 8351 im Vorjahre. Die Fluktuation ist eben noch ein Krcbsschciden, gegen den auch der Brauereiarbeiter- verband ohne durchschlagenden Erfolg ankämpft, gingen doch im Jahre 1912 von 13 203 Eingetretenen 10 112 der Organisation wieder verloren. Nichtsdestoweniger ist der Fortschritt der Organi- sation anerkennenswert. Am Jahresschluß betrug die Mitglieder- zahl 50 739. Weit günstiger ist die finanzielle EntWickelung. Sie resultiert zum größten Teil aus der ausnahmsweise geringen Ausgabe für Kämpfe und Gematzregeltenunterstützung, die 1912 nur den Betrag von rund 70 248 M. erforderten, 84 000 M. weniger als im Vor- jähre. Die Ursache dieser geringen Ausgabe ist aber nicht etwa darin zu suchen, daß notwendigen Kämpfen aus dem Wege ge- gangen wurde, sondern hier bewahrheitet sich auch die alte Er- fahrungstatsachc. daß, je gefestigter die Organisation, und je besser sie finanziert ist, um so eher die Unternehmer Entgegenkommen zeigen und Kämpfe vermeiden. Die sonstigen Unterstützungen an die Mitglieder waren dagegen wieder höher: 357 921 M. gegen 311 487 M. im Jahre 1911. Auf die einzelnen Unterstützungs- arten entfallen im Berichtsjahre: Unterstützung bei Krankheit 224 387 M.. bei Arbeitslosigkeit 78 533 M.. in Sterbefällen 27 434 Mark, in Notfällen 9612 M., Umzugskosten 1827 M. und Rechts- schütz 16 121 M. Die Gesamteinnahmen stellten sich auf 1 213 007 Marl, 114 000 M. mehr als im Vorjahr. � Die. Gesamtausgaben betrugen 931716 M. Das Vermögen der Hauptkasse stieg um 289 916 M. auf 1 458 606 M. Mit den Beständen in den Lokal- lassen bezifferte sich das Gesamtvermögen des Verbandes am Jahresschluß auf 1 778 928 M. In der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen kann der Verband wieder manchen Erfolg verzeichnen. Nicht weniger als 377 Angriffsbewegungen in 649 Betrieben mit 13 464 beteiligten Personen wurden geführt. Von diesen wurden 326 in 583 Betrieben mit 12 454 Beteiligten durch Verhandlungen mit Erfolg erledigt. Von diesen beteiligten Personen entfallen auf Brauereien 10 150, Mühlen 1414, Brennereien und Hefesabrikeu 747, Malzfabriken 650, Bierniederlagen und Selterwasserfabriken 399, andere Betriebe 104. In den übrigen Älngrifisbewegungen mußte zum Streik ge- griffen werden. Nebenbei war eine noch größere Anzahl Abwehr- bewegungen zu führen, und zwar 402 in 320 Betrieben mit 2826 beteiligten Personen. Durch Verhandlungen erledigt wurden 378, davon 319 mit Erfolg, die übrigen durch Streik.— Die Zahl der Streiks und Aussperrungen belief sich auf 75 in 88 Betrieben mit 1565 beteiligten Personen, davon waren 48 Angriffsstreiks, 24 Abwehrstreiks und 3 Aussperrungen. Erledigt wurden von den gesamten Kämpfen 40 mit Erfolg, 20 mit teilweisem Erfolg, 13 erfolglos, 2 blieben unerledigt. Das Ergebnis der Lohnbewegungen war, wenn wir die verschiedenen sonstigen Verbesserungen außer acht lassen, eine Erhöhung der Löhne um 19 378 M. pro Woche für 12 325 Personen und eine Verkürzung der Arbeitszeit um 25 099 Stunden pro Woche für 7051 Personen. Mit den 1912 eingetretenen Verbesserungen aus Tarifverträgen des Borjahres erhöht sich die Lohnerhöhung auf 53 216 M. für 28 099 Personen und die Arbeitszeitverkürzung auf 25 384 Stunden für 7146 Personen. Herausgehoben aus den erzielten Erfolgen verdient der Arbciterurlaub bei Fortzahlung des Lohnes, der tariflich geregelt im Bereiche des Brauerei- und Mühlenarbeitervebandes eine außer- ordentliche Ausdehnung erfahren hat. Im Berichtsjahre wurde ein jährlicher Urlaub tariflich festgelegt in 243 Betrieben für 3383 Personen, bestandener Urlaub verbessert i» 79 Betrieben für 2466 Personen. Am Jahresschluß 1912 war ein Urlaub tariflich vor- gesehen für 1701 Betriebe und 54 947 Personen. Der Urlaub ist zwar im allgemeinen noch sehr verbesserungsbedürftig, doch wird, wie an der Ausdehnung so auch an der Verbesserung bei jeder sich bietenden Gelegenheit gearbeitet. Es gibt wenige Lohnbewegungen im Bereiche des Verbandes, die nicht mit einem Tarifabschluß enden. Im Berichtsjahr wurden wieder 142 neue Tarifverträge für 196 Betriebe und 2382 Personen abgeschlossen und nebenbei eine Anzahl Tarifverträge erneuert. Am Jahresschluß 1912 bestanden 898 Tarifverträge für 1749 Be- triebe mit 57 40? Personen. Es arbeiten also nicht mehr viel Mitglieder ohne Tarifvertrag. So hat die Organisation gerade in der unanfechtbaren Fest- legung der Arbeitsbedingungen die Interessen der Arbeiter besonders mit Erfolg gewahrt, sie wird es auch in Zukunft daran nicht fehlen lassen.____ Järberstreik in Elberfeld-Barmen In Elberfeld-Barmen fordern die Färber 10 Proz. Lohncr- höhung und Freigabe des Sonnadendnachmittags. Die Unternehmer lehnen jede Bewilligung ab, und zwar begründen sie ihre ablehnende Haltung mit der Rücksicht auf ihre Krefeldcr Standcsgenossen. Sie erklären, nicht eher bewilligen zu könnest, als bis die Krefelder Färber die Arbeit wieder aufgenommen hätten. Es kam deshalb zum Streik. Seit Tonnerstag flehen 3 Betriebe still; die übrigen werden folgen.__ Gelber Bankrott. Nach dem Textilarbeiterftrcik im Jähre 1903 wurde in Crimmitschau mit großen Opfern eine gelbe Organisation ge- gründet. Man gab ihr den Namen: Nationaler Arbeiter-Unter- ftützungsverein. Von hier aus ging die Bewegung nach den übrigen Teilen des Königreichs Sachsen. Alle Behörden bis zum Mini- sterium, auch die Geistlichkeit, und selbstverständlich die Unter- kh.Glecke.Berl'N. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdr. u. Verlagsanstatt'> nehmer, sie alle griffen der neuen Gründung unter die Arme und versuchten, ihr vorwärts zu helfen. Kamen doch mehrere Ministerial- beamte nach Crimmitschau, um vor den gelben Zöglingen ihre Weisheiten an den Mann zu bringen. In den Fabriken wurde ein unerhörter Druck ausgeübt; fast alle Meistier wurden gezwungen, dem Verein beizutreten, und die Meister nötigten wiederum die Arbeiter. In rauschenden Festen lenkte man die öffentliche Aufmerksamkeit aus die neue Vereinigung und viele Tausend Mark spendete der Erimmitschauer Unternehmerverband. So sollte ein Keil in die Arbeiterorganisation hineingetrieben werden. Es gelang auch tatsächlich, die Mitgliederzahl bis auf 2400 zu steigern. Aber die Freude war nur von kurzer Dauer. Seit einigen Jahren ging es mit dem zu stark gepäppelten gelben Kinde rapide bergab. Die Mitgliederzahl sank ständig, ihre Zahl% zu veröffentlichen, wagt man schon lange nicht mehr. Ter«chwuird der Mitgliederzahl hat den gelben Machern die Möglichkeit gc- nommen, in alljährlichen Festen sich aufzublähen. Auch hat der Verein die Zahlung von Unterstützungen eingestellt. Einer Arbeiterin, die die fällige Sterbeunterstützung erheben wollte, wurde die Mitteilung gemacht, daß der Verein beschlossen habe, keine Unterstützung mehr zu zahlen, auch die Kranzspenden bei Begräb- mssen seien eingestellt worden. Dem gelben Verein ist also der Atem ausgegangen. Die Unter- nehmer wollen nicht mehr in die Taschen greifen, und die betörlen Arbeiter haben umsonst gehofft und ihre Groschen gesteuert. Die einzige Tätigkeit des Vereins besteht noch im Handel mit Mar- garine und Kohlen; einige wenige Leute üben sich im Singen patriotischer Weisen. O, alte gelbe Herrlichkeit, wie bald bist du entschwunden! Wie die christlichen Gewerkschaften berichten. Der deutsche Verband der Krankenpfleger und-Pflegerinnen ist eine den christlichen Gewerkschaften angeschlossene Organisation. die etwa 1400 Mitglieder zählt. Zu Agitationszwecken hat dieses Organifatiönchen eine kleine Broschüre herausgegeben, in welcher die Reichstagsverhandlungen im Jahre 1913 über die Berufsver- bältnisse des Kranken- und Jrrenpflegepersonals„nach den steno- graphischen Berichten des Reichstages" wiedergegeben sind. Wer aber glaubt, in diesem Büchlein eine objektive Wiedergabe der im Reichstage gehaltenen Reden zu finden, wird stark enttäuscht. Zu den Aufgaben der christlichen Gewerkschaften gehört in erster Linie die Bekämpfung der Sofialdcmokretie» wobei auf die Sauberkeit der Waffen wenig Rücksicht genommen wird. In diesem Sinne arbeitet auch das Berbändchen der christlichen Krankenpfleger. Es will durch seine Broschüre darauf hinweisen,„daß es zu den vor- nehmsten Pflichten aller Angehörigen unseres edlen Berufes ge- hört, einer aus dem Boden der bestehenden Staats- und Gefell- schaftsordnung arbeitenden Berufsorganisation anzugehören". Dazu gehört, daß alles, was von sozialdemokratischer Seite im Interesse dieses Berufes geschieht, totgeschwiegen oder mit Schmutz beworfen wird. Der Verfasser der Broschüre hat das begriffen. Es handelt sich um die Reickstagsverhandlungen am 28. Ja» nuar und l. Februar dieses Jahres. Zur Beratung stand der Etat des Reichsgesundheitsamtes, wobei eine sozialdemokratische Resolution mitberaten wurde, in welcher die Vorlegung eines Ge- setzentwurfes verlangt wird, der die Verhältnisse des Pflege-, Massage- und Badepersonals regelt. Ter Verfasser der Broschüre bringt es fertig, die Debatten wiederzugeben, ohne auch nur mit einem Wörtchen zu erwähnen, daß sie durch die von den Sozial- demokraten eingebrachte Resolution veranlaßt wurden. Die zur Begründung der Resolution vom Genossen Antrick gehaltene Rede überschlägt er und gibt statt derselben ein Zerrbild von der Rede, das mit dein netten Satz einleitet:„Von den Sozialdemokraten sprach auch ein Abgeordneter." „Der Zweck heiligt die Mittel" ist das Rezept, nach dem diese Herren arbeiten. _........-3> trctztc Hebten. Die Friedensverhandlungen. London. 17. Mai.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau erfahrt, sind die griechischen und serbischen Delegier» ten hinsichtlich der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien noch ohne Instruktionen. Sir Edward Grey wird am Montag einige der Delegierten bei. sich empfangen und es ist zu hoffen, daß nach Austausch der Ansichten die Lage sich klären wird. Die Delegierten aller Balkanstaaten verurteilen scharf die Ver- suche, Mißstiinmung und Erregung zu schaffen und erklären, daß die Verbündeten entschlossen sind, eine friedliche Lösung zu erzielen.' Effad Paschas Absichten. Rom, 17. Mai.(P.(1.) Der Kondottiere Essad Pascha scheint sich endgültig für die Gegenseite entscheiden zu wollen. Vielfachen Meldungen zufolge soll es keineswegs seine Absicht sein, seine Truppen zu entlassen, sondern eine provisorische Regierung einrichten zu wollen. Infolgedessen tritt die Frage eines österreichisch» italienischen Borgehens wieder in den Vordergrund. Eine östcrreichisch-italienischc Flottcndemonstration? Paris, 17. Mai.(H. B.) Der„Temps" erhält ein Tele- gramm aus Wien, welches besagt, die italienischen und öfter- reichischen Kriegsschiffe haben Befehl erhalten, sich nach Durazzo zu begeben. Beide Regierungen geben als Grund die Haltung Effad Paschas an, welche zur Beunruhigung Ver- anlassung gebe._ Erregung über das serbisch-bulgarischc Abkommen* Belgrad, 17. Mai.(38. T. B.) Die Nachricht des Moskauer Blattes„Rußkoje Slove", daß Serbien in die Abtretung Monastir» an Bulgarien eingewilligt habe, rief in Belgrad lebhafte Erregung hervor. Einzelne serbische Blätter verlangen von der Regierung Aufklärung, ob die Nachricht richtig ist. Das allgemein erwartete Dementi der??achricht ist bisher nicht erfolgt. Ein Kongreß der Jungtürken. Konstantinopcl, 17. Mai. ,W. T. B.) Der Parteikongreß deS jungtürkischen Komitees wird im Lause des nächsten Monats in Konstantinopel abgehalten werden, um hauptsächlich die Umwand- lung des Komitees in eine moderne politische Partei, insbesondere nach englischem Muster, durchzuführen. Ter Kongreß soll fSr ei« ausgedehntes Flottcnprogramm eintreten und die schnelle Durch- führung der Reformen in Anatolien betreiben. Der Brand in Preßburg gedämpft. Preßburg, 17. Mai.(W. T. B.) Um 9 Uhr abends wurde dag Feuer auf feinen Herd beschränkt. Der Brand wütet jedoch weiter. Außer der Wiener sind auch andere österreichische Feuerwehrmann. schaften und die Wiener freiwillige Rettungsgesellschaft eingetroffen. Äei den tvurde ein Feuertvehrtnann getötet und zahl- reiche verletzt. Der Schaden, der durch den Brand entstanden ist. ist schr de- deutend. Nach den vorgenommenen Schätzungen soll dte Schodtiu summe mehrere Millionen Kronen betragen. Der Anblick der ab. gebrannten Straßen ist ein ungemein trauriger; vier ganze Stra- fienzüge sind vom Feuer zerstört worden. Die Obdachlo,en, der« Zahl über zehntausend beträgt, sind in städtischen Gebäuden unter- gebracht worden. iS Singer& Co., BerlmöV�' Hierzu 3 Bnlag« »t 120 so. m w i. Keilage des„Nsmarts" Kerlim Uslksblatt. i«»».»13. Rua der Partei. Ein eingeleiteter Anfruhrprozeß. Bei der diesjährigen Maifeier kam es bekanntlich in R ü st r i n- gen zu einem.blutigen Zufammenstotz mit der Polizei, bei dem mehrere Personen mehr oder minder schwer verletzt wurden. Wie von Augenzeugen berichtet wurde, hat nicht etwa die feiernde Volks- inaffe den�lnstotz zu diesem Renkontre gegeben, sondern die Nervo- sität und Schneidigkeit der an der oldenburgisch-preußischen Grenze stationierten preußischen Polizeibeamten. Jetzt hat nun, wie uns ein Privat tele gram m meldet, die Staatsanwaltschaft— nicht gegen die Polizeibeamten wegen Amtsüberschreitung� sondern gegen vier Teilnehmer an der Maifeier Anklage wegen Auftuhr erhoben._ Hus Industrie und f>andcl. Die koloniale Rohstoffversorgung. Daß auch die Arbeiter ein Interesse an unserer Kolonialpolitik haben, ist eine ständige Redens- ort der bürgerlichen Kolonialpolitiker geworden. Und zwar soll die Rohstoffversorgung unserer Industrie aus eigenen Kolonien, die ,.E— manzipation vom Rohstoffe liefernden Auslands eine„Lebens- frage" nicht nur für die deutsche Industrie, sondern auch für die Arbeiter sein. Können unsere teuren Kolonien diesen Zweck der Roh- stoffversorgung überhaupt erfüllen? Ist Aussicht vorhanden, daß die deulschen Kolonien beispielsweise die dentsche Textilindustrie jemals auch nur zu einem bedeutenden Teil„unabhängig" machen? Eine Antwort auf diese Frage geben die amtlichen Erbebungen über die Baumwollspinnerei in den Jahren 1908 und 1909. Danach waren 1909 vorhanden: 405 Baumwollspinnereien mit 10,09 Millionen Spindeln. Verarbeitet wurden insgesamt 422.07 Millionen Kilo- gramm Rohstoffe. Davon kamen: Millionen Kilogr. in Proz. aus Nordamerika....... 269,65 63,88 , Ostindien......... 63,96 15,15 . Aegypten......... 37,30 8,83 » den deutschen Kolonien 0,55 0,1 Z Das bedeutet, daß anstatt der 10,09 Millionen Spindeln nur 13120 laufen könnten, wenn die deutsche Industrie allein auf die Baumwoll-Produktion der Schutzgebiete angewiesen wäre. Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Baumwollproduktion in den Kolonien einer Steigerung fähig ist, wird man zugeben müssen, daß Aussichten für eine auch nur teilweise„Emanzipation" der Textilindustrie nicht vorhanden sind. Serickts-Leitung. Gesetzliche Begünstigung von Steuerhinterziehern. Nachdem die Regierung zu Wiesbaden durch Nachveranlagung für die Jahre 1901 bis 1911 einen Herrn Daque zu Frankfurt a. M. zu einer Nach-Einkommensteuer von 18 000 M. herangezogen hatte, weil der Staat in dieser Höhe benachteiligt worden sei. zog auch der Magistrat von Frankfurt a. M. Herrn Daque zu einer Nach- steuer in Höhe von 19 000 M. heran, da auch die Stadt infolge von Hinterziehung der staatlichen Steuer zu kurz gekommen sei. Ter Bezirksausschuß zu Wiesbaden wie die von Daque gegen den Magistrat gerichtete Klage ab. Das Obcrverwaltungsgericht gab aber am Freitag der Klage statt und stellte D. von der Nachsteuer für die Gemeinde frei. Be- gründend wurde ausgeführt: Hier handele es sich nicht darum, daß die Stadt D. ganz mit der Steuer übergangen habe, und auch nicht um eine steuerfreie Veranlagung seitens der Stadt, sondern nur um eine zu niedrige Veranlagung zur Gemeinde-Einkommensteuer. Unter diesen Um- ständen stehe den Gemeinden ein Recht auf Nachsteuer nur zu in dem Falle des Z 83 des Kommunalabgabengesetzes, nämlich in dem Falle, daß eine Hinterziehung direkter Steuern der Gemeinde gegenüber stattgefunden habe. Eine Hinterziehung der Gemeinde gegenüber(§ 79 des Kommunalabgabengesetzes) habe hier aber nicht stattgefunden, sondern nur eine solche dem Staate gegenüber. Im übrigen stehe den Gemeinden ein Recht auf Nachsteuer(A 85 des Kommunalabgabengesetzes) nur zu bei völliger Uebergehung oder steuerfreier Veranlagung durch die Gemeinde. Da auch dieser Fall hier nicht gegeben sei, sondern nur eine zu niedrige Ver- Fwleines f euillcton. Tie Bühnenleiter und die Dichterehrung. Zur Arno Holz- Ehrung wollte der Bühnenverein in seiner Generalversammlung Stellung nehmen. Er schob die Frage aber vom Tisch herunter: zahlreich« Theater hätten sich schon an der Ehrung durch Aufführungen beteiligt. Arno Holz macht nun im„Berliner Tageblatt" nähere Angaben über diese Beteiligung: ..Eine Anfrage bei den Veranstaltern der„privaten Samm- lung" ergab:„zwei Theaterkaffen. Stuttgart' 50. Oldenburg 20", und eine weitere Vergewifferung: einige, ganz wenige,„Trau- mutus-Aufführungen! Ich konstatiere also: man hat mich von feiten der deutschen Theater zu meinem 50. Geburtstag mit 7 0 M. geehrt, und im übrigen ist zu diesem Datum kein Stück von mir aufgeführt worden! Denn daß eine Reprise des „Traumulus unter diesem Gesichtspunkt nicht zählt, versteht sich für ieden Wiffendcn von selbst." Dichter sagt,„die ganze Angelegenheit wäre gleichgültig, wenn es>ich nicht um einen Kernpunkt in der Geschichte unseres Theaters handelte," um die Tatsache nämlich, daß er den Anstoß gegeben oat, oatz sich in unserem Drama eine neue Sprache formte. er schließt seine neue Kundgebung»zum Kapitel Dichierehrung mit der Forderung, die er aussprechen darf und mutz und sur die auch im„Vorwärts" eingetreten wurde: eins seiner letzten großen Dramen zum kommenden Herbst aufzuführen. Tas Drama„Sonnenfinsternis" zunächst.„Nur zehn Bühnen- leiter, die l'w- J,..c..ßcn' und der Bann ist durchbrochen! Ich wiederhole: oieie Auftuhrungen geschähen nicht für mich, der ich als Msffsch Per,on vollkommen gleichgültig bin und gar nicht in Frage komme, sondern im Interesse der Weiterentwickelung deutscher K'u�stt Aber anderthalb Hundert leistungsfähige, literarisch verant- wörtliche Bühnenleiter habeii eben getagt und haben zunächst ge- kniffen. Werden sich trotzdem ihrer zehn zusammensinden, die die Scham packt? Der Totentanz der Belagerten. Ein Augenzeuge der Be- schießung Skutarrs bucht in der Neuen Freien Presse" seine Er- lebnisse. Sie sind auspeit,cheiid grauenvoll. Er schreibt: Wenn ich Künstler wäre, so würde ich ihn mit der Feder zeichnen, den zischenden �od, den fürchterlichsten ini ganzen Totentanz, den Menschen ersonnen. Aus einem blanken Stahlzylinder reitet er durch die Luft wie die Hexe auf dem Besen, mit ent- fleischten Armen das Geschoß umklammernd, und der schwarze Mantel zieht ihm flatternd nach im Winde. Seine Augenhöhlen sind lauernd auf die Stadt gerichtet, der er mit teuflischem Grinsen zusaust, und sie suchen ein Haust in dem er zitternde Weiber und> anlagung durch die Gemeinde, so müsse Kläger von der Gemeinde- Nachsteuer fteigestellt werden. Ein hartnäckiger Erpresser mußte sich gestern in der Person des Dieners und Masseurs Franz Nägele vor der 2. Strafkammer des Landgerichts III verantworten. Der aus Bayern staminende Angeklagte war in Freiburg i. B. mit einem jetzt in Wilmersdorf wohnhaften Dr. B. näher bekannt geworden. Dieser engagierte ihn mit einem Monatsgehalt von 150 M. als Diener für seine hiesige Wohnung. Das sehr vertrau- liche Verhältnis zwischen Herrn und Diener ging schon nach kurzer Zeit in die Brüche. Der Angeklagte erhielt eines Tages von Dr. B., der sich viel im Auslande aufhält, die Kündigung mit der gleichzeitigen Aufforderung, die Wohnung zu verlassen. Der An- geklagte weigerte sich, die Wohnung zu verlassen, und drohte mit einer Anzeige wegen Vergehens gegen den§ 175, wenn ihm Dr. B. nicht sofort 10006 M. zahle. Er setzte die Wohnung in eine Art Verteidigungszustand und ließ selbst Dr. B. nicht mehr in seine eigene Wohnung hinein, so daß dieser in einem Hotel Wohnung nehmen mutzte. In dieser Situation wandte sich Dr. B. an Dr. Magnus Hirschfeld als Vorsitzenden des„Wissenschaftlich- humanitären Komitees". Schließlich blieb jedoch nichts übrig, als sich an die Kriminalpolizei zu wenden, da sich der Angeklagte nach wie vor weigerte, die Wohnung, in der er sich verbarrikadiert hatte, zu verlassen, bevor ihm nicht die 10 000 M. gezahlt worden seien. Der hartnäckige Erpresser wurde durch eine List aizs der Wohnung herausgelockt und verhaftet. Das Gericht erkannte dem Antrage des Staatsanwalts ge- mäß auf 8 Monate Gefängnis. Verjährte Preßbeleidigungsklage. Aus der Sturm- und Drangzeit des Theaterdirekwrs Dr. Zickel stammt die Privatklage, die dieser vor länger als zwei Jahren gegen den Präsidenten der Bühnengenossenschaft, Schau- spieler Nissen, und den Schriftsteller Erik Schlaikjer angestrengt hatte. In dieser Sache stand gestern Termin vor dem Schöffen- gericht Berlin-Mitte an. Dr. Zickel wurde vom Rechtsanwalt Dr. Frankfurter vertreten, die nicht anwesenden Angeklagten, und zwar Herr Nissen von dem Rechtsanwalt Dr. Friedenstein, Herr Schlaikjer vom Rechtsanwalt Dr. Alsberg verteidigt. Dr. Zickel fühlt sich durch die Behauptungen beleidigt, die einerseits in einem „Die Broschüre Nissen— bestellte Arbeit" überschriebenen Artikel des Genossenschaftsorgans„Neuer Weg", andererseits in zwei von Schlaikjer in der„Welt a. M." veröffentlichten Artikeln„Ent- hüllungen aus dem deutschen Theaterleben" aufgestellt worden sind. Die Beleidigungsklage war seinerzeit bis zur Erledigung der Zickeischen Konzessionssache ausgesetzt worden, die Verhandlung hat sich dann durch allerhand Gründe weiter verzögert. Jetzt wurde vom Gericht die Frage der Verjährung angeregt, da sich aus den Akten ergab, daß die bei Preßdelikten vorgeschriebene Ver- jährungsftist von 6 Monaten durch eine richterliche Handlung nicht unterbrochen worden ist. Rechtsanwalt Dr. Frankfurter hielt diese Annahme nicht für zutreffend, ihm wurde aber von der Gegenseite widersprochen. Dr. Zickel verwies darauf, daß Herr Nissen es doch nach seinen Behauptungen in erster Reihe auf Klar- stellung der ganzen Angelegenheit ankomme, sich nun plötzlich hinter einem Zufall verschanze, der es ihm nun wieder unmöglich mache, seine tatsächlichen Behauptungen vor Gericht zu beweisen. Das sei doch unbegreiflich.— Die Verteidiger erwiderten, daß das Gericht die Frage der Verjährung von Amts wegen zu prüfen ver- pflichtet und die Anregung dazu nicht von den Angeklagten aus- gegangen sei. Das Gericht entschied, daß das Verfahren wegen eingetretener Verjährung einzustellen und die Kosten dem Privatkläger aufzu- erlegen seien._ Heiratsschwindler. Ein vielseitiger Schwindler, der nach VerÜbung mehrerer Straftaten nach Wien geflüchtet war und erst von dort ausgeliefert werden mußte, ist der Zahntechniker Willi Wettstadt, gegen den das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Dr. Legenau zu verhandeln hatte. Der wegen ähnlicher Schwindeleien schon vorbestrafte Ange- klagte hatte es, wie die Beweisaufnahme ergab, verstanden, mehrere heiratslustige Damen vollständig auszuplündern, um sie dann, wenn er ihnen alles abgenommen hatte, sitzen zu lassen. Durch ein Heiratsvermittlungsbureau machte der Angeklagte die Bekanntschast einer Frau I., mit der er sich, obwohl er verheiratet und Familienvater war, verlobte. Unter allen möglichen Vor- spiegelungen nahm er ihr dann in einigen Wochen die gesamten Ersparnisse ab, die er dazu verwandte, sie mit anderen heirats- Kinder zermalmen kann. Ihm fehlt die Hippe, der Vernichtung veraltetes Werkzeug: in ein Stahlgefäß ist das Verderben wie in Pandoras Büchse eingeschlossen, das beim Aufschlagen brüllend in tausend Messerschneiden zerspringt.... Ein dumpfer Knall aus weiter Ferne, dann verkündet ein hohles Pfeifen, daß die Granate das Rohr verlassen. Und dann kommt sie angesaust mit einem Zischen, als ob ein Dampfstrahl von ungeheurer Pressung durch ein Ventil getrieben würde. Stärker und immer stärker wird das Brausen, bis in unmittelbarer Nähe die Luft erdröhnt— ein plötzlicher Augenblick unheimlicher Stille— und krachend schmettert das zerspringende Stahlgeschoß seine spitzen Splitter nach allen Seiten. Es gibt kein Gefühl, der Spannung vergleichbar, die alle Nerven ergreift, wenn das Sausen in weiter Ferne beginnt. Ter Soldat, der im Toben der Schlacht nur an Angriff und Sieg denkt, der vorzugehen sucht, um den Feind aus seinen Stellungen zu verjagen, der selbst den Tod ins Feld hinaus- geschleudert, merkt es kaum: aber friedliche Städter, die fern vom Kampf ihrer Wege gehen, hören eS mit Grausen. Anfangs hoffen die Unglücklichen, es seien vereinzelte Schüsse, für die Verschan- zungew bestimmt, die aus Irrtum die Stadt getroffen hätten. Aber Tag für Tag krachen die Granaten herein und es wird deutlich, daß der Feind Weiber und Kinder töten will und nicht Soldaten. Besonders nachts lieben sie es, Melinitgranaten zu schleudern, weil mehr Leute auf einem Fleck beisammen liegen; sie fällt in ein Zimmer, Ivo— nach Albanesenart— zehn Menschen zusammengedrängt schlafen, und am nächsten Tage findet man ihre Arme und Beine in den umliegenden Straßen und ihre Eingeweide auf den Dächern.... Mit dem Entsetzen der Hilflosigkeit beginnen die Unglücklichen zu ahnen, daß Europa nichts weiß und daß es von Montenegro mit glatten Worten getäuscht wird, wie so oft vorher. Da gehen Boten hinaus, tollkühne Leute, die für ein kleines Vermögen ihren Hals wagen. Niemand weiß heute, wo ihre Knochen bleichen. Und sie lassen Flaschen die Bojana hinunterschwimmen und rufen die Menschheit um Hilfe an. Im Netz, das der vorsichtige Feind durch den Fluß gelegt, fangen sich die Briefe, zum Ergötzen der beschießenden Soldaten. Der Feind ist überhaupt in heiterer Stimmung. Als be- sondere Aufmerksamkeit erfindet er die„Halbstundenschüsse". Um 7 Uhr früh saust die erste Granate in die Stadt. Und alle dreißig Minuten, genau wenn der Zeiger die Stunde zeigt, folgt ihr mit mathematischer Genauigkeit je eine bis zum späten Abend. Und man weiß, daß zur festgesetzten Stunde jeder innehält in seiner Beschäftigung und des Todes harrt, aufatmend, wenn der platzende Stahl den Nachbar zerrissen hat. Anfangs, solange die Geschosse einige Stunden lang zischten und dann Ruhe eintrat, ertrugen wir es mit Gelassenheit. Wir gingen in den Straßen herum und trotzten dem Tode, in der Hoff- lustigen Damen zu verjubeln. Ein Fräulein U. veranlaßte er, mit ihren Ersparnissen ein Zahnatelier zu kaufen. Nachdem er nach mehrere andere gleichartige Schwindeleien begangen hatte, wurde ihm wohl in Berlin der Boden zu heiß. Er kaufte eine wertvolle Möbeleinrichtung auf Abzahlung, die er dann sofort lombardierte und ebenso ließ er sich von einem Pelzwarengeschäft in der Friedrichstraße zwei wertvolle Pelze auf Kredit liefern. In Be-� gleitung der U. fuhr er dann nach.Dresden. 2luf_ dem dortigen Bahnhofe ließ er die. U. in dem nach Berlin zurückfahrenden Zug sitzen, während er selbst in den Wiener O-Zug stieg. Der Amtsanwalt beantragte eine Gefängnisstrase von sieben Monaten. Das Gericht ging jedoch mit Rücksicht auf das gemein- gefährliche Treiben des Angeklagten über diesen Antrag hinaus und erkannte auf 1 Jahr Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust. Einbruch in einem Pfarrhaus. Wegen eines Einbruchdiebstahls im katholischen Pfarrhause Oberschöneweide stand gestern der Igjährige mehrfach vorbestrafte Alexander Diekert vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II- Der Angeklagte traf, am 22. März in einem Berliner Kaffee- lokal mit einem ihm angeblich nicht näher bekannten Mann zu- sammen und verabredete mit ihm einen Einbruchsdiebstahl im ge- nannten Pfarrhause, dessen örtliche Verhältnisse er gut kannte, da er dort früher mit seinem Vater, der dort Töpferarbeiten auszu- führen hatte, gewesen war. Die beiden Komplizen überstiegen nächtlicherweile den Zaun des Pfarrhausgartens, stiegen durch ein angelehntes Fenster in das Haus, ösffreten mit einem Dietrich das Amtszimmer des Kuratus Rennoch und schlössen mit dem in einem Pult liegenden Schlüssel den Geldschrank auf. Sie erbeuteten etwa 1760. M. und teilten die Beute. Der Angeklagte hat seinen Teil bis auf einen kleinen Restbetrag von 33,50 M. sehr schnell verjubelt. Er wurde zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Morden-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Margarete. Montag: Madama Butiersly. Dienstag: Don Juan. Mittwoch:(üavalona nxsticanii. Bajazzi Donnerstag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 5 Uhr.) Freitag: Lcchengnn.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Maienkönigin. Der Barbier von Bagdad. Sonntag und Montag: Unbestimmt.(Ansang ' Könlgl.SchausPielhauS. Sonntag: Die Quitzows. Montag: Volksvorstellung: Julius Cäsar. Dienstag: Volksvorstellung: Hamlet. Mitt- woch; Ariadne aus Naxos. Donnerstag: Volksvorstellung: Minna von Barnhelm. Freitag: Volk'svorstellung: Götz von Berlichingen.(An- sang 7 Uhr.) Sonnabend: Volksoorstellung: Wilhelm Tcll. Sonntag: Slriadne aus Naxos. Montag: Voltsvorstellung: Wallensteins Lager. Die Piccolomini.(Ansang 7ffz Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelis. Abends: Der Mikado. Montag: Martha. Dienstag: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Mittwoch: Der Mikado. Donnerstag: Oberon. Frei. tag: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonnabend: Mikado. Sonntag: Martha. Montag: DaS Mädchen aus dem goldenen Westen.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der lebende Leichnam. Montag: Ein Sommernachtstraum. Dienstag: Erdgeist. Mittwoch: Der blaue Vogel. Donnerstag: Hamlet. Freitag: Penthesilea. Sonnabend: Der blaue Vogel. Sonntag: Faust. 1. Teil. Montag: Ein �ommcrnachts- träum.(Ansang 8 Uhr.) Kammersptele. Sonntag: Einnahme von Berg-op-Zoom. Montag: Mein Freund Teddy. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Die Ein- nähme von Berg-op-Zoom. Freitag: Der Arzt am Scheidewege. Sonn- abend: Mein Freund Teddy. Sonntag: Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Montag: Mein Freund Teddy.(Ansang S Uhr.) Lessing-Theater. Bis aus weiteres täglich: Alt-Wien.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Dheater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Abends und an den übrigen Tagen: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Dheater in der Koniggräuer Strafte. Sonntag: Da« Buch einer Frau. Montag: Die fünf Frankfurter. Dienstag: Das Buch einer Frau. Mittwoch: Die süns Franksurtcr. Donnerstag: Das Buch einer Frau. Freitag: Die fünf Frankfurter. Sonnabend:■ Das Buch einer Frau. Sonntag: Die süns Frankfurter. Montag: Das Buch einer Frau.(An- sang 8 Uhr.) Kleines Dheater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Lottchens Geburtstag. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Allabendlich: Professor Bern- hardi.(Ansang 8 Uhr.) Dheater des TÄestcns. Allbbendlich: Der Vogelhändler.(Ansang 8 Uhr.) Moutis Operetten-Dheater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der fidele Bauer. Allabendlich: Der lachende Ehemann.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag: Der König. Montag: Ein idealer Gatte. Dienstag: Ali-Heidelberg. Mittwoch bis Montag: Ein idealer Gatte.(Ansang 8 Uhr.) Lustsptelhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Cornelius Voß. Montag bis Freitag: Majolika. Sonnabend bis Montag: Der lustige Kakadu. (Ansang 8'/« Uhr.) nung, daß er uns in einigen Tagen entweder mitraffen oder ver- schonen werde, daß dann aber der Ueberlebende wieder ruhig schlafen könne. Aber sechs Wochen lang, Tag und Nacht, dem Tode ausgesetzt zu sein, ohne Kampf, ohne die leiseste Hoffnung auf ein baldiges Ende, da erschlaffen auch eiserne Nerven. Und hätte man uns vor die Möglichkeit gestellt, drei Tage lang aus tausend Ge- schützen im offenen Felde beschossen zu werden, dann aber nie mehr das Zischen einer Granate zu hören, wenn wir mit dem Leben davongekommen, wir hätten es angenommen, mit Freuden! Nun begann das Versteckenspiel zwischen dem Volk und seinen Peinigern. Matratzen auf dem Kopf, Kinder an der Hand, so zogen sie winselnd durch die Straßen, aus den beschossenen Ouar- tieren in solche, die im Augenblick weniger bedroht. Wie die ge- fangenen Ratten fuhren sie ini Käfig herum, von einem Winkel in den anderen, und lustig pfiffen die Schrapnelle hinein in die atemlos eilenden Menschen. Unsäglich komisch wäre diese Hetzjagd gewesen, wenn nicht die abgerissenen Arme von Kindern und Weibern ihre Spuren bezeichnet hätten. Die Friedhöfe füllten sich mit Gehetzten, denen eine Melinitexplosion beide Augen verbrannt oder ein Schrapnell ein halbes Dutzend Knochen im Leibe zerbrochen hatte. Die Friedhöfe bekamen Zuspruch; es gab nicht genug Bretter für Särge: in Laken gewickelt, wurden Bündel von Gliedmaßen in die Erde versenkt.. �. Mttfik. D i e Kroll-Oper wagte sich gestern mit ihrem noch form- losen Ensemble unbekümmert auch au Wagners„T a n n h ä u s er". Wenn ein Grashupfer sich unterfängt, die Sterne zu erspringen, so kann mau das nicht bewundernd wie eine Heldentat anschauen. Aber auch der grimme Zorn schweigt. Die Aufführung kmn �inr wenig über die niedere Welt der Grasspitzen empor. Sie brachte nur ein plattes Ergebnis zuwege: die Gipfelungen der Leidenschaft in Gesang und Spiel waren wie weggesichelt. Der Tannhäuser Leonor Engelhardts zwang sich nur im letzten Akte zu einiger be- achtenswerten Entfaltung durch; bis dahin blieb seine Arbeit alles in allem theatralisch kalt. Die Elisabeth der Äareella Roeseier war dramatisch unreif; ein persönlich bedeutender Inhalt fehlte ganz, auch die Stimme gibt ihn noch nicht her. Jean Sterns Landgraf(Theodor Lattermann sang die Rolle nicht) brachte es auch nicht zu dem Eindruck, der diese Gestalt wuchtig macht; des Säugers Stimme versagte fast regelmäßig, wenn man Entscheidendes erwarten mußte. Eben dies ließ auch Robert Leonhardts Wolfram nicht wertvoll werden. Das Orchester spielte die Musik strecken- weise wie im Konzertgarten herunter. Beim Nahen des Pilger- chors in: letzten Akte sprangen zwei Blastöne mit einer Wucht über das Tonensemble hinaus, daß man meinte, in nächster Sekunde müsse ein Auto aus den grünen Kulissen hervorjagen. Soll man all dieses schweigend dulden, weil eine Sommeroper spielt? Um des Publikums willen, das sich zahlreich einstellte, darf man kmun Schiller• Tbeater O. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. ■ Abends und Montag: Zwei Wappen. Dienstag: Geographie und Liebe. Mittwoch und Donnerstag: Zwei Wappen. Freitag: Geographie und Liebe. Sonnabend: Moral. Sonntag: HascmannS Tochter. Montag: Die Geschwister Elga.(Ansang 8 Uhr.) Schiller» Dbenter Gharlottenbnrg. Eonntagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends und Montag: Moral. Dienstag: Klein Dorrit. Mitllvoch und Donnerstag: Moral. Freitag: Hedda Gabler. Sonnabend: Klein Dorrit. Sonntag! Moral. Montag: yedba Gabler.(Anfang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Allabendlich: Die Frau Präsidentin, stlnsang LV. Uhr.) Friedrich< Wilbelmstädt. Schauspielhaus. Allabendlich: DaS Farmern, ädchen.(Ansang 8ll, Uhr.) Trinnon-Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Dcrsclige Toupinel. Allabendlich: Madame 3E.(Ansang 8 Uhr.) Neues BaltS-Theater(Neue Freie Bolksbühnc). Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die tzexe. Abends(auhcr Mittwoch): König Krause. Mittwoch: Ernst sein.(Ansang 8'/, Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Pupbche».(Ansang 8 UhrJ Rose> Theater. Sonntag bis Mittwoch: Prinz und Bettlerin. Donnerstag bis Montag: Krone und Fessel.(Ansang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplati. Allabendlich: Extrazug nach Nizza. (Ansang 8>/. Uhr.) Lniscii-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Vor hundert Jahren. Allabendlich: Die drei Schwestern Ziandols. filnsang 8 Uhr.) Uranla-Theater. Eonntagnachmittag 4 Uhr:.Hohenzollern'-Fahrten. Abends und Montag: Die Nordseeinsel Sylt. Dienstag: In den Dolo- mite». Mittwoch und Donnerstag: Die Nordseeinsel Sylt. Freitag: In den Dolomite». Sonnabend und Sonntag: Die Nordseeinsel Sylt. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Komödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das StislUngSfest. All abendlich: Hochherrschastliche Wohnungen.(Ansang 8 Uhr.) Foltcs Gaprice. Allabendlich: Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy.(Anfang 8'/, Uhr.) Königstadt-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Admiralspalast. EiSbällelt: Flirt in St. Moritz.(Ansang 9 Uhr.) Metropol> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Flotte Bursche. Leichte Kavallerie. Allabendlich: Di« Kino» Königin.(Ansang 8 Uhr.) Prater- Theater. Allabendlich: Das Bummelmädchen.(Ansang VJ, Uhr.) Rcichshallen-Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang L Uhr. Sonntags VI, Uhr.) Passage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr. Bus aller Melt. Die Notleidenden. Schon wieder können wir über eine große Bauernhochzeit in der Provinz Hannover berichten, wobei es hoch herging. Nach der „Diepholzer Kreiszeitung" heiratete in P r. S t r ö h n e n der Sohn des Bauern Spreen die Tochter des Bauern Segclhorst. Da die Eltern des Brautpaares zu den reichsten Besitzern zählen, nahmen etwa 600 Personen an der Hochzeit teil. Dement- sprechend kann man sich auch ein Bild von der kostspieligen Bc- . wirtung machen. 2 Ochsen, 4 Schweine und 150 Hühner wurden geschlachtet. Ferner standen 200 Butterkuchen und andere Torten bereit. Getrunken wurden rund 10 Hektoliter Bier und 250 Liter Korn.— Der Landwirtschaft geht es also so„schlecht", daß ihr unbedingt durch höhere Zölle geholfen wer- den muß. Bemerkenswert ist vor allem das riesige Quantum SchnapS, das auf dieser Hochzeit zur Verfügung stand. Da die Frauen und Kinder kaum als Schnapskonsumenten in Frage kommen, hat der Gastgeber also auf jeden männlichen HochzettS- gast etwa einen Liter Fusel gerechnet. Auch ein Kenn- zeichen agrarischer„Kultur". Ob Herr Dr. Oertel, wie jedesmal noch, in seiner„Deutschen Tageszeitung" wieder behauptet, daß erstens an der Hochzeit kein wahres Wort sei und zweitens die Angaben deS„Vorwärts" un- geheuer übertrieben sind? Riesenbrand in Prestburg. Am Sonnabend nachmittag gegen 2 Uhr geriet der Dach- stuhl eines großen Gebäudes im Mittelpunkt der Stadt Preß- bürg in Brand. Wegen des herrschenden heftigen Sturmes nahm der Brand sofort einen riesigen Umfang an und breitete sich auf ein ganzes Straßenviertel aus. Auch am Berg- abHange brennen Häuser. Achttausend Personen sind bis jetzt obdachlos; ein Kind ist verbrannt und zahlreiche Personen sind verletzt worden. Zur Hilfeleistung ist auch die Wiener Feuerwehr ein- getroffen. Polizeischufte. Die Judenhetzen in Kiew gelegentlich des von den Echtrussen zurechtgemachten„Ritualmordes" haben jetzt vor dem Kiewer Gericht ein Nachspiel erlebt. Auf der Anklagebank saßen der ehemalige Polizeigewaltige von Kiew und mehrere andere Kreaturen der Echtrussen. Das Gericht verurteilte den ehemaligen Chef der Kiewer Geheimpolizei Metschtschit sowie zwei Geheimpolizisten zu einem Jahre Zuchthaus und Ehrverlust, weil sie das Aufsinden der Kleider des ermordeten Knaben Juschinsky inszeniert hatten. Um solcher Schufte willen werden die Wohnungen der Juden geplündert, Männer und Frauen mißhandelt und erschlagen. Einbruchsdiebstahl unter den Augen der Polizei. Wie aus Paris gemeldet wird, wurde in der Nacht zum Sonnabend das Bijouteriegeschäft von Dobin in der Rue Dolise von Einbrechern heimgesucht, die eine Anzahl wertvoller Gegen- stände stahlen. Da das Nebenhaus eine Bäckerei ist, welche i n- folge des Bäcker st reiks von Soldaten und Polt- zisten bewacht wird, so steht die Polizei wie vor einem Rätsel. Wir können dieses Rätsel lösen. Wenn sich die Polizei, waS ihre Aufgabe ist, mehr der Verhinderung von Verbrechen zu- gewendet und sich weniger um die Streikenden gekümmert hätte, dann wäre der Einbruch wahrscheinlich nicht verübt worden. so verfahren. Gestern war das Publikum trotz aller schweren Mängel der Aufführung zu lcbhaftcpr Beifall bereit. Gastspiel deS Münchener Operettentheaters am Gärtnerplatz. Im Lcssingtheater wird nun süddeutscher „Humor" sechs Wochen hindurch seines erfrischend frohsinntacn Amte? walten. Hierbei baben die Berliner Gelegenheit, mit der Musik Joseph Lanners Bekanntschaft zu machen. Lanner, seit 70 Iahten tot, war in musikalischer Hinsicht daS, was Nestrot) für die Lokalpofse war: der Schöpfer der vormärzlich wienerischen Tanzmusik. Sie in ihrer ganzen Ursprüngltchkeit nun auch für die Bühne wirksam gemacht zu haben, ist das Verdienst Emil SternS. Eine Art poetisch-historischer Gerechtigkeit gegen LannerS Musik des grübelnden Rhyth- muS forderte, diese in die ihr passende lokale Umrahmung zu stellen. Natürlich konnte daS nur Alt- Wien sein, und die Li- brettisten Gustav Kadelburg und Julius Wilhelm machten sich die Arbeit leicht. Dem vormärzlichen kleinbürgerlichen Geschmack ent- sprechend begnügten sie sich mit einer romantisch angesponnenen Fabel. Ein Gemüsehausierer hat in seiner Butte einen kleinen niedlichen Schreihals gefunden, den er unbekümmert mit nach Hause nimmt. Ans dem Kind wird ein hübsches und ausgelassen fröhliches Wiener Vorstadtmädel, das mit einem Soldaten sein regelrechtes Ä'spusi hat. Dann tritt aber ein richtig gehender Graf als Vater auf. Lini Stöckl— so heißt sie nach ihrem Pflege- vater— muß nun ins Schloß, wo sie zur„Komtesse" umgebildet werden soll. Die Erziehungsresultate sind natürlich fruchtlos— man kennt diese alte Geschichte mit all ihrem Einschlag an tränen- seliger Sentimentalität und burschikoser Lustigkeit zur Genüge. Dennoch haben die Verfasser für eine gesunde Mischung gesorgt und auch dafür, daß Lini gar kem Grafenkind ist und somit der Hansel seine Grete kriegt. Das Merkwürdige ist nun eigentlich nicht die Operette, sondern ihre Aufführung. Getreu alten guten Traditionen pflegt das Mnnchcner Gärtnertheater daS einheitliche Ensemble- spiel. Mit besonderem Vergnügen folgt man dieser blitzsauber herausgearbeiteten Gesamtleistung, in der das Temperament des einzelnen sich mit unmittelbarer Frischheit betätigen kann. Die Führung haben Betty Feiner(Lini) und Joseph Ludl, der den besten ursprünglichsten Komikern nichts nachgibt. Aber auch alle anderen Mitwirkenden leisten Ergötzliches. Der zweite Akt be- deutet den Höhepunkt des hübschen Ganzen. Wer sich mal gründ- lich ausschütteln will vor Lachen, der gehe zu den Münchnern! c. k. Humor und Satire. Bor den Futuristen belauschte ein Mitarbeiter der .Jugend" neulich folgende« Gespräch ziveier geistlicher Herren:„Ach. die Biecherei," meinte der eine, ein wohlgenährter Herr in den besten Jahre». Der andere,«in ernster, hagerer schemtc lang« nach den bunttn, letzt«» Offenbarungen der Kunst:„Immerhin," sagt« er daun,»fie erwecken wenigstens keine Unstttlichkeit."— . Erdrutsche am Panamakanal. Die Eröffnung de« Panamakanals ist durch einen neuen Erb- rutsch in weite* Ferne gerückt worden. Am Freitag sind in der Nähe von Cücaracha über 600 000 Kubikmeter Erde abgerutscht und in das fertige Kanalbett gefallen. Durch diesen Erdrutsch werden die bisherigen Arbeiten an dem Teile deS Kanals völlig wert- los. Es sind Ursachen vorhanden, die den Eintritt neuey weit größerer Katastrophen befürchten lassen. Der versöffe Rusekrauz. Diesen ebenso hübschen wie kennzeichnenden Namen führt ein Verein frommer— Beter natürlich, nicht Säufer, der, wiederum natürlich, nur im hillige Kölle daheim sein kann. Bürgergesellschaft nennt er sich und umfaßt nur schwarze Perlen, auf daß der Rosen« kränz eine einheitliche Farbe zeige. Diese lieben, frommen Herren feierten jüngst den 60. Jahrestag der Gründung ihrer Heiligung?- kongregation, und dabei ging es fein und lieblich zu. Das veranlaßt einen Freund unseres Bochumer Parteiblattes, einmal zu zeigen, daß der Name„versöffe Rusekranz' wohl- verdient ist. In der„Kölnischen VolkSzeitung" nämlich, einer in diesem Falle zweifellos unverdächtigen Zeugin, ist am 11. April 1871 diese Notiz erschienen: „In einer hiesigen, durch den jovialen Sinn ihrer erholungS- bedürftigen Mitglieder rühmlichst bekannten geschlossenen Gesellschaft wurden im Jahre des Heils 1870 nicht weniger als 72 343 Flaschen Wein konsumiert, nahezu 200 Flaschen auf den Tag auf 400 Mitglieder. Aller Ehren wert! Da» vertilgte Nah verteilt sich mit 33 803 Flaschen auf die Mosel. 817 auf den Vater Rhein, 1443 auf das schöne Ahrtal, mit 241S auf da« süd- westliche Frankreich und 1368 auf die Champagne." Durchschnittlich auf jede» Mitglied täglich>/, Flasche Wein, ob- wohl für gewöhnlich doch nur ein Bruchteil der Mitglieder zu den Sitzungen" erschienen sein wird und fich«r auch nicht jede» Mit- glied täglich erschienen ist, da» bedeutet also für jeden Trinker, wenn er einmal am Trinken war, sicher nicht weniger als nahe an ein halbes Dutzend Flaschen. Suff und Frömmigkeit vertragen sich also vortrefflich. Kleine Notizen. Ein Taucher ertrunken. In dem zweiten Schacht de» ftSkali- gjcn KalibergwerkS Asse bei Vahlberg ertrank am Freitag bei aucharbeiten ein Taucher aus Hamburg, dessen Taucherkappe bei seiner Arbeit unter Wasser undicht geworven war. Ihr sollt nicht Schätze sammeln... In Casvlmonferrato in Lberitalien hat eine Frau Ansaldo auf der Straße ein Paket gefunden, das außer Geschäftsbüchern und Wechseln über 100 000 Lire in Papiergeld enthielt. Au» den Papieren war zu ersehen, daß das Geld einer alten Frau gehörte, die es von einem Verwandten, c t n c m P f a r r e r, geerbt hatte. Beim Nach- hausetragen scheint die Alte ihren Schatz verloren zu haben. Ein probate» Mittel gegen unbequem« Kritik glaubt der Stadtrat der Stadt L u d i tz in Deutschböhmen gefunden zu haben, indem er an die Redaktion der»Luditzer Zeitung" nach- stehendes Schreiben ergehen ließ: „Zufolge StadtratSbeschlusscs vom 2. Mai l. I. ergeht an Sie daS höfliche Ersuchen in Hinkunst keine wie immer Namen habenden Kritiken über Uebelsiände in der Verwaltung der Stadt Luditz— zu veröffentlichen, überhaupt für die„Luditzer Zeitung' nicht« Derartiges mehr anzunehmen." Dieser kluge Schreibebries wird sicherlich auch anderen Gr- meindehäuptern als den Luditzer» aus dem Herzen geschrieben sein. Aber sie machen sich nicht alle wie die Luditzer durch einen Schreibe- brief„Namen habend".. Notizen. — W e i n g a r t n e r hat seine Zusage, demnächst in Berlin zwei Konzerte m internem Kreise leiten zu wollen, zurückgezogen. Er schreibt, er wolle seine Berliner Tätigkeit nicht„auf einen. Um- Wege" wieder beginnen, sondern„mit offenem Visier" den Kampf mit seinen Gegnern aufnehmen. Er müsse so handeln,„seit sein Entschluß feststehe, den gordischen Knoten zu durchhauen, tzen eine unrechtmäßige Willkür geknüpft' habe. Die geplanten Konzerte sind aufgegeben. — DaS Joachim«Denkmal, das Adolf Hildebrand ge- schaffen hat— de» Meisters Büste mit zwei musizierenden Genien— wird jetzt in der Hochschule für Musik aufgestellt. Anfang Juni soll e» enthüllt werden. — Bühnenchronik. Die„Kleine Bühne" im Hause der Sezession, die am 1. Juni unter der Leitung von Hermann Wagner eröffnet wird, wird zwei Einakter de» München« Schriftstellers Robert Reinert aufführen:„Die Haarnabel" und„JosephuS". — Die Goethe-Gesellschaft in Weimar hat sich einen neuen Präsidenten gewählt. Da aber die Goethelennerschaft sür diesen Posten nicht so wichtig scheint wie die Repräsentationskunst — Erich Schmidt, der bisherige Präsident, ritt in beiden Sätteln—. wählte man den Oberpräsidenten v. Rheinbaben und ließ den Ber« liner Literaturprofeffor Gustav Roethe abfallen. — Gutenberg forsch ung. Auf dem Bibliothekartage in Mainz sprach Landesbibliothekar Zedier über seine jahrelangen Be> mühungen um die Probleme der Gutenbergforschung. Er ist über» zeugt, daß alle in Betracht kommenden alten Mainzer Drucke(aus- genommen die 42zeilige Bibel) von Gutenberg und nicht von Schöffer angefertigt wurden. Er feierte Gutenberg in erster Linie als den Erfinder des H a n d g i e ß i n st r u m e» t e s. das nicht nur vom Drucker-, sondern auch vom Technikerstandpunkt auS«in Kunstwerk ersten Ranges und der Vorläufer der heutige« Setzmaschine sei. — Der Reformator des Taub st ummen«Unter» richt» Julius Müller-Walle, dessen Lbiehmethode auch im Au». lande viel Anerkennung fand, ist in Dresden gestorben. Eingegangene Druck Icftniften. Die Staatswirtschaft. Eine kritisch-theoretische Beleuchtung von N. Nmichimsow 8 2)1., geb. 10 M. A. Kade, Leipzig. Die Bcrufsvcreine. Von W. Kulemann. 4., 6. u. 3. Bd. 30 M., geb. 84 M. L. Simlon Nchs., Berlin 8W 48. Astrale Geheimnisse des Christentums. Von Andrzej Nicmo» jewSti. 3 M., geb. 4 M. Neuer Frankfurter Verlag. Frankfurt a. M. Frau Beate und ihr Sohn. Novelle von Ä. Schnitzler. 2,50 M.» geb. 3,50 M. S. Fischer, Verlag, Berlin. Das Fletchern. Von Dr. A. v. Borosinl. ErnährungS- ABC»IS Grundlage aller Körperkultur und KranlhettSbekämpsung. 1,60 M., geb. 2 M. Dresden, Holze u. Pähl. Turnen und Spiel in der preußischen Volksschule. Von E.Stroh» meycr. 2.80 M.- Philosophie der Gegenwart. Von A. Riehl. 3 M, geb. 3,30 M.— Jahrbuch 181» für Bolks- und Jugendsptele- Herausgegeben von Pros. H. Raydt. 3 M. B. H. Teubner. Leipzig. Aus Natnr und GetfteSwelt. Bd. 101. Die Reaktion und die neue Aera. Bon R. Schwcmcr.— 102. Vom Bund zum Reich. Von demselben.— 192. Das deutsche Dorf. Von R. Mielke.— 259. Die Gartcnstadtbcwegung. Von H. Kampsimeuer.— 396. Unsere Kohle». Von V. Kukuk.— Einzelb. 1 M., geb. 1.25 M. B. G. Teubner. Leipzig. New Dork und die Welt. Gedichte von O. Sattler. 15 Eis Modern Library, New Bork, 8 East 85. Street. Der Kampf um die Arbeitslosenversicherung der Stadt Char, lottenburg. Von W. Richter. 25 Ps. O. Flemming, Charlottcnburg, Pestalozzlstr. 13. Tic Nibelungen. 2 Bände. Von F. Hebbel(Hausbücherei 47/48) je 1 SN. geb. Deutsche Dichter-GedächtniSitistung, Hauwurg-Grosiborstcl. Frank WebektndS gesammelte Werke in 4 Bänden.<&■ Müller, München— Leipzig. Die Tat. Sozial-religiöse Monatsschrift sür deutsche Kultur, viertel» jährlich 3 M. E. Diederichs, Jena. So heilt die Natnr. Die Kur der Ungehellten. Von Dr. med. A. Keller. 70 Pf.— Heilgymnastik und Selbftmassage. Bon Dr. med. C. Brubin. Serm. Hambrecht in Ölten(Schweiz). 1,60 M. Das Heil der Deutschen. Von E. Tronschall. 125 S. Linden- Druckerei, Berlin S\V. 68. Geschäftsbericht des Arbeiter-Turnerbundes für das Iahe ISlsi. 104 Seiten. Selbstverlag in Leipzig. m Ä Umbau und Ausbau des deutschen Erbrechts. Bon Dr. . v. Blume. 1 M. I. C. B. Mohr, Tübingen. „WcnnS die Soldaten durch die Stadt marschiere«...« Soldatenlieder gesammelt von F. Rumpf. Geb. 2,80 M. E. Reiß Verlag. Berlin\V. 62. Hamticgel. Eine Geschichte aus den Kolonie» von Helene v. Mühlau 3,50 M.— Die Tafelrunde— Reinheit. Zwei Novellen von G Frhr. v. Ompteda. 3,50 M.— Das Hohelied. Novellen von O v"eitaeb 3 M.— Ewig still. Roman von H. Stcgemann. 4 M. — Zweimal ein Bub. Geschichten von F. Müller. 2 M. Verlag von Egon Fleischel u. Co., Berlin\V. 9. idra Neukölln" I,ahnstr.741. Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ÄSu 10— 2. 5—7. Sonntags 10—12. v/W&eÄ/ie/r- finden der betr. Fahrt. MM.Berimei Schillerwarte- Zwiebusch- Gosener Beree Titelicta Dampferfalirten von der Reederei Xobilinc. Jannowltzbrltcke.!>," 14 Abfahrt; vormittags 9 Uhr, naohmittags 2 Uhr Geeignet f. Gewerksohaft., Voreine u. Fabriken zu Damokei 216/14 zu DampferausflügeO, --- Liichtenberg__ ♦ Am Rummelsburger�See. Inh. Gustav Tempel. Gro0es Gartenkonzert und Lpez?/uiä>?v»„-,.n»n» K-HeeUochon. ReewE.�«. Bequem zu erreichen ohne ceon<.t„„i,f 5,' Stadlbahnh. 8tral«u-Rummeltb.3Min. Slra6enbahn:26, 76. 77,?«. Vonuärts-Bibliothek. Eine Sammlung volkstümlicher Romane und Erzählungen c 11 eir s ch e i n 11 n Der Pariser Garten und Andere«. Von M|nnn Rnntnl�. 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VIII und 266 Seiten. München und Berlin 1912. Verlag R. Oldenbourg. Geh. 9 M. Ein ungeheures Thema hat hier eine aufreizend kümmerliche Bearbeitung gefunden. Sie fordert Bosheit heraus. Man wird versucht einer Besprechung den Satz voranzustellen, mit dem Professor Wahl den Text eröffnet:„Es liegt im Wesen des euro- Peuschen Gleichgewichts, daß sich sofort erhebliche Folgen bemerkbar machen, wenn eine Macht, die bisher eine hervorragende Rolle in der europäischen Politik gespielt hat, in merklicher Weise zurück- tritt." E«? entscheidende Offenbarung— nicht wahr? Sic gibt einen Auftakt zu der Banalität, mit der eins der größten weit- geschichtlichen Probleme hier behandelt wird. Ein paar Beispiele. Man sollte erwarten, daß eine Darstellung des europäischen Systems der Revolutionszeit mit einer tiefgreifenden Kritik der französischen Revolution einsetze; man erwartet es doppelt bei einem Gelehrten, der sich als Spezialist mit der Revolution und insbesondere mit ihren Voraussetzungen beschäftigt hat. Aber man sieht sich vergeblich um. Wie ein Ambassadeur der alten Schule macht sich Wahl einen Begriff der„auswärtigen" Politik zurecht, nach dem sich die internationalen Fragen von den Fragen der inneren Politik ablösen und überhaupt einfach auf diploma- tische Verhandlungen und militärische Zusammenstöße zurückführen lassen. Davon, daß auswärtige Politik immer der Exponent innerer, sozialwirtschaftlicher Entwickelungen ist und daß es sich überhaupt nur wegen dieses kausalen Verhältnisses verlohnt, die Geschichte der auswärtigen Zusammcichänge zu studieren, fühlt man in diesem Buch fast nichts. Kein Versuch einer syste- matischen Darstellung der wirtschaftlichen und sozialen Struktur der einzelnen Länder, Eng» lands und Rußlands, Frankreichs und Deutsch- lands; nur einige„einleitende" Gelegenheitsbemerkungen von erstaunlicher Oberflächlichkeit— beispielsweise die kurze Fest- stellung„des Mangels an aufbauender Tätigkeit von feiten der siegreichen Revolution.", Seit einem Jahrzehnt ist bei der Beurteilung der revolutio- nären und napoleonischen Epoche die Beobachtung des Gegen- satzcS zwischen dem englischen und dem durch die Revolution emanzipierten französischen Äapi- t a l i s m u s die Hauptsache geworden. Man erwartet darum von jedem neuen Buch über diese Epoche systematische Weiterarbeit an diesem Problem. Man erwartet, daß endlich der Historiker kommt, der dies Problem in den Mittelpunkt seiner Darstellung rückt. Kein Thema fordert dazu mehr heraus als das Thema des Wahlschen Buchs. Wahl anerkennt zwar, daß der weltwirtschaftliche Gegen- satz zwischen England und Frankreich der bedeutendste der inter- nationalen Gegensätze jener Zeit gewesen ist; aber daß Wahl sich nun entschlösse, das Wesen dieses Gegensatzes aufzuzeigen und das ganze Buch auf dieses Problem zu gründen— davon ist keine Rede. Er läßt es mit einigen dilettantischen volkswirtschaftlichen Be- mcrkungen gut sein und wendet sich mit Philologensorgfalt der ausgiebigsten Darstellung diplomatischer Verwickelungen zu, dee von einschläfeniber Gleichgültigkeit sind. Mit Begierde schlägt man. wenn man das Buch mit dem ge- radezu aufregenden Titel sieht, das Kapitel über die Kontinental- sperre auf, das den Mittelpunkt des Buches bilden müßte. Neun Seiten von 269 Seiten Text. Wenn nun wenigstens auf diesen neun Seiten ein einziger kraftvoller Gedanke zu finden wäre! Eine milde Objektivität stellt dort lediglich fest, daß die Kontinental- sperre teils gut, teils schlecht gewirkt hat. Fabelhaft! Wo sich der Geschichtsschreiber aber auf die Höhe des Temperaments erhebt, da erfahren wir, daß Napoleon,„der Dichter in Taten", im Grunde doch ein„rücksichtsloser Ausbeuter" Ivar und daß trotz aller„groß- artigen Energie"' Napoleons„das Verderbliche des ganzen napo- Iconischen Wirtschaftssystems" als Resultat der Forschung übrig- bleibt. So wenig von einer großzügigcn�Durchführung des englischen Problems die Rede ist— mag auch die eine oder die andere kokette Spezialität des Geschichtsschreibers wie die Darstellung des Streits zwischen England und Spanien über den Nootkasund das Bild in untergeordneten Einzelheiten philologisch ausbauen—, ebensowenig findet sich bei der Beurteilung der anderen großen Zeit- fragen ein einziger starker oder wenigstens bescheidener neuer Gc- sichtspunkt. Bei der Beurteilung der Ursachen der Revolutions- kriege hält es die historische Gerechtigkeit des Autors für die wesentlichst Aufgabe, Ludwig und Marie Antoinette denn doch einigermaßen in Schutz zu nehmen. Der Ton ist etwa so: „Die•--. tiefgreifenden Ae�derungen der französischen Staatsvcrmgung, und zwar vor Jllcm diejenigen, welche die Verhältnisse der französischen Kirche in einschneidender Weise aeränierteii, einerseits und die, welche die königliche Macht ver- nichtete», andererseits, dazu die vielen Verstöße in der Form und mit dem Worte, welche sich die Männer der Revolution zu Schulden kommen ließen, ebenso wie das mangelnde Rechts- gcfühl. das sie allen Verbrechen der Masse und der Partei- ncnossen gegenüber zeigten, hatten bald das Königspaar inner- lich vollständig und dauernd der Revolution entfremdet.... Dabei üt festzustellen, daß... das Köniaspaar in keiner Weise naran dachte, sich mit den reaktionären Plänen des ausgewander- ten Adels... irgendwie zu identifizieren..., daß der oberste Satz des rechtliebcndcn Ludwigs blieb: kein Bürgerkrieg.... Die Flucht hatte als Ziel die französische Grenzfestung Moni- medy— nicht das„Ausland", wie man immer wieder liest.... Einen Krieg des Auslandes gegen Frankreich wollte das Königs- paar nicht; im schlimmsten Fall sollten österreichische Truppen unter französischem Oberbefehl als Hilfstruppen— also ohne Krieg von feiten der österreichischen lstegierung— mit eingreifen...." Mehr kann man nicht verlangen als diese Ultraloyalität, die keine Mühe scheut, um sich in die süße Harmlosigkeit der Politik des sechzehnten Ludwig einzufühlen. Ohne Scherz: es ist äußerst unsympathisch, diese bis zur Marklosigkeit wohlwollenden Senti- ments vorgesetzt zu bekommen, wo es sich um die weltgeschichtlichen Ursachen der Revolutionskriege handeln soll. Selbstverständlich auch kein Versuch, die Kriegslust der Gironde irgendwie historisch zu erklären. Wir hören bloß, daß die Brissotins(Girondisten), „keineswegs frei von Idealismus,... dennoch vielfach ihre Ueber- zeugungen vor taktischen Erwägungen und Motiven des Ehrgeizes zurücktreten" ließen. So wird an deutschen Universitäten Welt- geschichte doziert. Geschäftiger Dilettantismus. Daß ein deutscher Universitätsprofessor die neuen Problemstellungen, die Cunow, Kautsky und Eisner, Jaures und Kropotkin für das Revo- lutionszeitalter angeregt haben, auch bloß eines Blickes würdigte, ist natürlich ausgeschlossen. Höchst bezeichnend ist die Beurteilung, die Wahl der Entstehung der Konflikte nach dem Frieden von Amiens zuteil werden läßt. Er gibt sich redliche Mühe, objektiv zu sein. Er hat bei Artur Levy gelesen, daß die englische Bourgeoisie die causa csusans der napoleonischen Kriege war. Gewiß: der objektive Gegensatz zwischen England und Frankreich sei dagewesen. Aber dabei kann sich der sublimer unterscheidende Geist des deutschen Historikers aus der„kritischen Schule" nicht beruhigen. Denn:„damit ist noch nichts für die Beantwortung der Frage geleistet, wer denn in diesem Kampf zwischen England und Frankreich der Angreifer sei... Es ist kein Zweifel, daß es in Napoleons Hand lag, sich nach dem Friedensschluß in Europa und der Welt so gemäßigt zu verhalten, daß keine englische Regierung damals den Krieg gewünscht hätte, oder auch nur in der Lage gewesen wäre, ihn ihrem Parlament gegenüber herbeizuführen. Es waren die Uebergriffe Napoleons in Europa, es waren vor allem seine großartigen Pläne und Unter- nehmungen in der maritimen und Kolonialpolitik, welche in Eng- land den Willen zum Krieg hervorbrachten. Diese sind es zweifel- los gewesen, die den Krieg herbeiführten. Insofern ist unzweifel- Haft Napoleon für den Krieg verantwortlich..." Eine wahrhaft erhabene Art der Weltgeschichtsschreibung! Sie fragt, wer es getan hat. Wir haben wiederum einen Historiker, der— wenn auch mit den Vorbehalten, die eine moderne Farbe geben— den„Schreckensmann" Napoleon, seine„brutale Verhand- lungsart", die„revolutionäre Schrankenlosigkeit des französischen Herrschastsbedürfnisses"— er fügt hinzu,„Eroberungssucht wäre ein schiefer Ausdruck"— und dergleichen Tiefsinn von vorgestern als Historie verzapft. Napoleon ist zu einer„schlechten, ja zu einer geistlosen und verblendeten Politik" des europäischen Terrors herabgestiegen. Er war halt ein Jakobiner und schonte so gar nicht die europäischen Gefühle. � Was über den Rheinbund gesagt wird, ist unglaublich nichtig. Geradezu skandalös ist die Beurteilung der Ursachen des preußi- schen Zusammenbruchs. „Die Ansichten der Historiker über die Gründe des Zu- sammenbruchs Preußens gehen weit auseinander. Näher darauf einzugehen, ist hier nicht der Ort. Nur soviel ist sicher, daß die mit der Kabinettsregierung eng zusammenhängende Neutrali- tätspolitik der Regierung in mancherlei Richtung die Hauptschuld trägt. Sie versäumte zuletzt die gute Gelegenheit, im Jahre 1895 loszuschlagen und stellte sich dann in ungünstiger Lage mit dem im Frieden verweichlichten Heere den kriegsgewohntcn Truppen eines der größten Fcldhcrrn aller Zeiten entgegen. Nicht etiva, weil die Monarchie in Preußen allzustarr an der frideri- zianischen Tradition festgehalten hätte, wie man meist liest, er- folgte die furchtbare Katastrophe, sondern weil sie das wertvollste Instrument dieser Tradition, das moralische, nicht festzuhalten vermochte,(sie!!!) Dabei ist freilich die Monarchie nur mit- schuldig an den Vcrirrungen einer weichlichen Zeit. Durch ihr schlechtes Beispiel trug sie aber ihrerseits wieder viel zur Steige- rung dieser Verweichlichung der Charaktere bei Beamten, Offi- zieren und Untertanen bei. In dieser Verweichlichung dürfte der tiefste Grund dafür zu sehen sein, daß die Niederlage eines Tages einen völligen Zusammenbruch herbeiführen konnte." Aber machen wir ein Ende.- Es gibt nicht leicht eine ernstere historische Aufgabe als die Schaffung eines Handbuches, in dem die historisch wichtigen Tat- fachen von überlegener Hand aneinandergefügt sind. Vielleicht übersteigt dieser objektive Stil die Kraft des einzelnen. Aber es liegt nicht bloß daran, wenn hier ein mittelmäßiges Lexikon, ein flaues Rachschlagebuch. zustandekam. Ein Historiker wie Professor Wahl hätte auch ein Spezialkapitcl der Zeit nicht bosser geschrieben, solange die Voraussetzungen seines historischen Denkens so schwäch- lich sind, wie sie sich in diesem Buch gezeigt haben, und solange er von den sozialwirtschaftlichen Problemen der Zeit so wenig weiß, wie hier. Heinrich Cunow: Die Parteien der großen französischen Revolution und ihre Presse. Zweite erweiterte Aus- gäbe.(Die erste Ausgabe ist unter dem Titel:„Die r e v o- lutionäre Zcitungslitcratur Frankreichs während der Jahre 1789 bis 179 4" erschienen.) VII und 394 Seiten. Berlin 1912. Verlag Vorwärts. Geh. 6 M.. geb. 7.59 M. Eine ausführliche Würdigung dieses für däe Beurteilung der französischen Revolution grundlegenden Werkes soll hier nicht gc- geben werden. Es mag hier nur kurz auf die Erweiterungen hin- gewiesen sein, durch die sich die zweite Auflage vor der ersten aus- zeichnet. Der Schwerpunkt des Werkes lag bereits bei der ersten Auflage in der mit sorgfältigen Unterscheidungen arbeitenden Dar- stellung der sozialen Klaffen und Gruppen im vorrevolutionären und im revolutionären Frankreich; der umfassendere Teil des Buches, die Analyse der revolutionären Presse, erschien gleichsam als Illustration der Klassengeschichte, mit der das Buch beginnt. Cunow hat bei der zweiten Auflage die klossengeschichtliche Dar- stellung um zwei Kapitel— etwa 65 Seiten— bereichert, die mit einer in der deutschen Revolutionsliteratur bis jetzt einzigen Gründlichkeit die schwierigsten Probleme der Revolutionsgeschichte behandeln: das Problem der revolutionären Agrar- gesetzgebung und die Lage des Proletariats in derRevolution.> Im ganzen teilt Cunow wohl die Auffassung, die Kropotkin von der Agrarfrage in der Revolution hat; nur daß Cunow viel mehr ins einzelne geht. Er zeigt aus den Quellen, wie die zwei ersten, gemäßigten Nationalversammlungen aus der Bauern- befreiung eine miserable Komödie gemacht und wie erst der radi- kale Konvent und die handelnden Bauern selber ganze Arbeit gc- leistet haben. In dem Kapitel über das Proletariat gibt Cunow ein klares Bild der Lebenshaltung der Pariser Arbeiter, eine Darstellung der Rotstandswerkstätten und ihrer Auflösung und eine Darstellung der hartnäckigen Widerstände des Liberalismus der zwei ersten Nationalversammlungen gegen die Einführung des Koalitionsrcchtes. Besonders wichtig erscheinen Cunows anschaulich differenzierte Ausführungen über die politische Ausschaltung der Arbeiter und Kleinbürger in der Gemeinde, dem nächsten Wirkungskreis, durch die infame Unterscheidung aktiver und passiver Bürger. Im ganzen werden auch diese Kapitel zu einem historischen Angriff auf die Liberalen der Revolution, ins- besondere die Girondisten, die als die„edlen und maßvollen Jdea- listen" lange Zeit den Ruhm der Revolution für sich gehabt haben und die nun im Zusammenhang der Tatsachen der Zeit als Nationalliberale erscheinen, die sich heroisieren. Das Revolutionsbuch Cunows sei den Arbeitern— und den Herren Universitätsprofessoren, die ihre Mühle drehen, als das beste deutsche Buch über die Geschichte der Zeit von 1789 bis 1794 lebhaft empfohlen. A I b r c ch t L i st: Der Kampf ums gute alte Recht(1815—1819). In den von Adalbert Wahl herausgegebenen Beiträgen zur Parteigeschichte. VII und 184 Seiten. Tübingen. 1913- Verlag I. B. C. Mohr. Geh. 6 M. Dies Buch ist eine dankenswerte Spezialarbeit zur Eni- stchungsgeschichtc des württembcrgischen Konstitutionalismus. Die Arbeit hat das Glück, ein Thema zu bearbeiten, das sehr anschau- liche, lokal deutliche und zugleich amüsante historische Verhältnisse bietet. Man könnte das Thema schriftstellerisch viel reizvoller bc- handeln und könnte bei diesem Thema vor allem viel weiter aus- greifen; aber so anspruchslos die Studie auch sein mag, so ist sie mit ihrer ruhig registrierenden Gewissenhaftigkeit an begrenzter Stelle doch eine Bereicherung unseres historischen Ausblicks. List charakterisiert die beiden Parteien, die um 1815 in Württemberg gegeneinanderstanden: die Partei der Altrechtler, deren Pro- gramm aus altständischem württembergischem Konservatismus und einigen schiväbisch-philiströs gedämpften Traditionen der französi- schen Revolution zusammengesetzt ist, und die Partei der Re- g i e r u n g, die stark von den Grundsätzen des durch Napoleon angeregten Staatsliberalismus beeinflußt ist und im Sinne des seit den Pariser Friedensschlüssen und dem Wiener Kongreß aktu- ellen konstitutionellen Problems klug und vorsichtig über den na- poleonischen Staatsliberalismus hinausgeht. In dem Verhältnis dieser Parteien zueinander, in dem die Weltgeschichte zu einem Genrestück wird, ergeben sich ergötzliche Ueberschneidungen. Bald ist die altrechtlichc Partei„revolutionär", bald die Regierungspartei. Im allgemeinen hat der RegierungS- liberalismus sympathischere Züge als die Partei des vermufften bürgerlich-thcologischen Ständlcrtums. List führt das Verhältnis der beiden Parteien zu den großen staatsrechtlichen Problemen des Revolutionszeitalters ideengeschichtlich sehr genau mit dokumentarischen Belegen durch._ Er zeigt, wie sich die Parteien seines Seldwyla zu dem Gejellschaftsvertrag, zur Volkssouveränität, zum Naturrecht, zur Revolution, zur Gewaltenteilung, zum Recht des Widerstandes, zum Problem der Steuervcrweigerung, zur Man- archie Verhalten. Auf allen diesen etwas grotesken Miniaturhän- dein liegt immerhin ein Abglanz ferner großer Ereignisse. Man liest die Arbeit gerne. In diesem Stoff, der die Welt- geschichte ins Intime verengert, ist Bild— ist unfreiwillige Ko- mödie. Schade, daß die Arbeit es unterläßt, den wirtschaftlichen und sozialen Untergrund der Parteien zu analysieren; man käme sicher zu Aufschlüssen, die der Stileinheit des schwäbischen Kabinett» bildchens keinen Eintrag tun würden. _ Dr. Wilhelm H a.u s e n st e i n. Tel. Moritzpl. 2382, 4747. Bezirk Groß-ßerUn. Sri. Moritzpl. 2382, 4747. Delegierte zur örtliche« GeneralveriaromlungT Mittwoch, den 21. Mai 1»13, abends 8l/z Uhr. in Kelters Neue Philharmonie, Köpenicker Straße 36/97: Ordentliche General-Versammlung für das 1. Quartal ISIS. 1. Mitteilungen. 2- Geschäfts-, Kassen- und Arbeitsnachwcisbericht. 3. Ersatzwahl eines Mitgliedes zur Bezirksverwaltung. 4. Erledigung eingegangener Anträge. 5. Geschäftliches. 8 Mitgliedsbuch und rote Legitimationskarte sind am Eingang zur Versammlung zwecks d!--mp-,u„g vorzulegen. � � � � � � z„lrllt---------- SScc über 8 Woche» mit seine» Beiträge« im Rückitaude ist. hat ebenfalls keinen Zutritt. Die Bejirksverwaltuug. I. A.- Aag. Werner. Achtung! Grimm& Triepel Kautabak. in letzter Zeit sind mehrfach Nachahmungen unserer Stangen in den Handel gebracht worden. Man achte genau auf die Firmenzettel„Grimm& Triepel" um jede Stange. Verein förFrauen uJadchen der Arbeiterklasse Moutag, den 19. Mai, abends 8>/. Uhr, in Kellers Rener Philharmonie, Köpenicker Str. 96 97: „Die Hygiene im Hanfe und im Beruf." Referentw: Frl. Dr. Wygodszinski. Gäste willkommen I[53/10] Der Vorstand ttr Vemaltungsstelle Sellin. C 54, linienör. 83—85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1387. Amt Norden 185. Amt Norden 1233, 3714. Montag, den 19. Mai 1918: Bezirks- Versammlungen für die geismte Verwaltungsftelle Berlin NOrdeQ* 142' abends 8>/, Uhr. Fort- Alt- in folgende» Lokale«: Müllerstr. 11Ä. ab«. setzung der Diskussion von der letzten Bezirksversammlung. Norden' �biffOS''eatsttle''Schtoc&tct Strafte SS, abends Norden I Frnnkv» F»»t«lU«, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. Hlawckan»*Swlneiii/, Uhr. Bortr. des Soll. Scharst. Neukölln'&�uV"� Festsfile, Hermauustr. 48/49, abend« CharlOttenbarg: volkshans, Rosinenftr. 3, abend, 8>j, Uhr. ZteglttZ:-filkreektslaal, Albrechtstr. la, abend» 8'/, Uhr. Mpeniek n. Frledricbshagen: Iääää": straße 72, abends 8'/, Uhr. Obersehöneveide, Slederschöneweide, Johannis- fhal n Flmn* Prochowskl, Ober-Schöne- lUfil lt. üiug.. weide, RathauSstr. 13(gegenüber der Post), M j ofiettbd BVj Ubr, SpBDQSUK Dert»' Restaurant, Lturstr. 21, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Berfammlongen: Stellungnahme zur G eneralverf ammluug. DM- Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt.-WW Zahlreicher Besuch wird erwartet. Dienstag, den 2V. Mai ISIS, abends 8Va Uhr: Kranchen-Uersammwng der Kchlofler Kerlins«nd Umgegend in den Mnfiter-Festsälea, Kaiser-Wilhelm-Etr. 18m. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Wilhelm Siering. 2. Branchen- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Dienstag, de« 20. Mai 1013, abendS 8'/, Uhr: Allgemeine Versammlung der Glektromontenre«nd Helfer Groß-Kerlins in gr. Saale d. Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 23. Tagesordnung: 1. Sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Elektro» Monteure Groß-Berlins verbesserungsbedürftig? Referent: Kollege Maus. 2. Diskussion. SS ist Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. 118/7 Die Ortsverwaltang. ÄMmluMer Wimm für iw 6. Kcrlim ReitissidWlililüms. Dienstag, den 20. Mai 1913, abends 8� Uhr: 22 Mitglieder verlammlnngen Zcntralkrankenkaik der Maurer. Gipser uud Stukkateure Deutschlauds. „Grundstein zur Ginigkeit�� , Fervaltaassstelle DerUn. Mittwoch, den 21. Mai 1913, abendS 8 Uhr. im GewerkschaftShanS, Saal 11, Engelufer 16: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kastenberichl. 2. Bericht von der Generalversammlung in München. 151 /» Die Ortsverwaltung. Verwaltung Berlin.= Branche der Vergolder. Dienstag, den 2«. Mai, abends 8'/« Uhr: »rsneden- Verksmmlung im Gewerkschaftshaus, Saal l. Tagesordnung: 1. Abt. 2... 9. 10. in folgenden Obiglo, Schwcdier Str. 23, kleiner Saal, Obiglo, Schwedter Str. 23, großer Saal, Berolina.Säle, Schönhauser Allee 28, großer Saal, Berolina-Säle, Schönhauser Allee 28, unterer Saal, Glteschc, Kopenhagener Straße 74, Süftmilch, Bornholmer Straße 7, Strack, Schönhauser Allee 134d. Swiuemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Strage 42, Bornffia-Säle. Ackerstraße(5/7, Krämer, Hussitenftratze 35, Lolalen: 11. Abt.: Oranienburger Feftsäle, Chausseestr. IS, 12.„ Artushuf, Perleb ergsr Straße 26, 13. Sand, Beusjelstraße 9. 14.„ Moabitcr GeselischaftshaaS, Wiclefstr. 24, weißer Saal, 15.„ Panenhofcr. Ausschank, Turmstraße 2«, 16. ,. Funke, Triftstraze 63, 17... Seidels Festsüle, Kolberger Straße 23, 18.„ Aranke. Badftraße 16. 19... Schmidt, Prinzenallee 32, 20.„ KöSliner Hof. Kösliner Straße 8, 21.„ PharuSsäle. Müllerstraße 142, Partcrresaal, 22.„ Sachon, Müllerstraße 136. Tagesordnung: Wahl der Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung. 2. Stellungnahme zur Tagesordnung der Kreisgeneralversanimlung am 27. Mai und den vorliegenden Anträgen: a) Antrag der 19. Abt.: Herausgabe eines Wandkalenders betreffend. b)„ betreffend Einfuhrung des Wochenabonnements auf den„Vorwärts", c)„ des Vorstandes: die Wahl der Delegierten zum Parteitag detreffend, ä)„ der Bezirke 644/45: Berichterstattung vom Parteitag betreffend. Mitgliedsbuch legitimiert. 227/is» Zahlreiche Beteiligung erwartet WahlYerem Charlollenburg Dienstag, de« 20. Mai, abends S'/a Uhr: General-Vers ammlnng im Bolkshanse, Rosinenstr. 3. To geSordnung: 1. Bortrag.— 2. Wahl der Delegferten zur Kreisgeneralvcrfammwng. — 3. Antrüg«.— 4. Bericht von der Lanbtagswahl.— S. Verschiedene«. WWW- Gs ist Pflicht jedes Genoffen, z« erscheinen. Der Vorstand. Der Vorstand. der 1. Soziale Gesetzgebung. Referent: K-llege Oehlert Äommilfion.— 3. Bericht von der Seoerawersammlung. Oehlert.— 2. Se Achtung!-WU'" IW Achtung! Modell- und Fabriktischler. Die am 1». Mai fällige Branchen-Bersammlung findet erst am Donnerstag, den 22. Mai, statt Berlin W. uistr.nattÄ Berlin 910. Große Franklurter Str. 1181 Irauermagazin für Damen-Konfektion! Kleider, Hüte etc. IMr AenSerstB Preise-M in größtem Maßstabs zu gas? niedrigen Preisen. Iffestmann f DR. v.M. 6.—." t Petershasen >»I»l«Il»IINIII»MN>M»llIII»lItt - Neu er»ehloMene» Gelinde, bo-• (rinnend c*. 7 Min. r. Babnb. f redendorf, Strecke Stransberr. Koelenfreie Auekunft b. u. Ver- g treter Hnhle i. u. Verkaufs-• parillon a. Bahnh. Fredendort.» . Niescbalke& Hitsche, j • BERLIN. Neue Ksnigetr. 16.■ 7� Fipr-Amt: Könltst 6376. � Fertig am Lager: lielirod[-ADz8Bi�4Ö;36H. MMzilgeeo:M;40H {CutawayD.West8�;|°;93M. BelBkliißer ilio; 8m. Fertige lebwana Kleidung ftlr Knaben und Jünglinge In größter Auswahl Feine Maß- Anfertigung :: in ca. 10 Stunden t; Baer Sohn Kleider-WM-k« Berlin. Gegr. IUI. Chainseeetraae 29— 30. 11. Brllckenstrate Ii, fir. Frankfurter Str 20. eeblntber«, Hauntetr. 10. 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Rai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- hall« deS Gethsemane-KirchhoseS aus statt. 73/1 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltuug. Deulscher Bolzarbeiterrerbanl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Paul Lvreaz Slalitzer Str. 5, im Alter von S8 Jahren gestorben ist Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 18. Rai, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle de« neuen Jakobi- Kirchhofes in Neulölln.Hermannstraße.aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/6 Ille Ortsverwaltung. Die Beerdigung unseres heiß. geliebten Sohne» 8S3b Erich findet Montaanachm.SUhr vom Trauerhaus, Schwedter Str. 252, au« nach dem Zionsfriedhof, Nordend, stall. P. Hanctzke und Frau. Am 15. Mai verstarb unser lieber Kollege, der Setzerinvalide Karl Hirschl im 80. Lebensjahre. Gin ehrendes Andenken bewahren ihm 876b Die Kollegen der Nord- deutscheu'Buchdruckerei. Die Beerdigung findet Montag, den 19. Mai. abends L»/, Uhr, auf dem Kirchhof der ToriftuS- gemeinde in Mariendorf statt. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme bei der Leerdiguim unsere« lieben Vater«. Großvater«, Bruder» und Schwager», de« Klavierarbeiter« Adolf Laube sagen wir allen Bekannten und Freunden sowie dem Planzerverein Alpental', dem P'lanzerverein .Freudental', dem Pflanzerverein .FriedenSgarten' und der Ver- ewigung der Musitmjtrumeuten- arbeller Berlins und Umgegend Danksagung. - herzliche Ter' Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung memes lieben Mannes, unseres lieben BaterS, Groß, und Schwiegervaters fiagatt Dolkenthla sagen wir allen Beleitizten unseren besten Dank. Die trauerwdsn Hiwterhliehenen. Dankfagung. ».�n�n°iU«n Beweis« herzlicher Terlnahme bet der Beerdigung meines Ireden, unvergeßlichen Manne» �iValter Laer allen Belannien, dem Metall- aroetterverband, dem Installation»- bureau der A.E..G. sowie den Kollege» d« Abteil Z. IH. meine» desgesühlten Dank. 875b Frida»»«r. __ Frida«»er-_ Tanksagnng. � Mr. die viele» Beweise herzlich» Tmnahm« bei der Beerdigung mewe lieben Mannes und guten Dater», Schwieger- und Großvater« Hermann KunseJ* i4 allen Verwandten, Kell g eunden, wsk-sond«- den ' meinen maUaa.°b�5b_5� lieben sage il und Sängern, Frau Fr Emma Kaazon ujzj. Dankfagung» ■ die vielen Beweis- herzltcher sm« bei der Beerdigung meme.' Mann«» sag- ich all« Be- meinen herzlichsten Dan! Henriette Abendroth ...bit Kindern--- 2aU Für— Teilnahme lieben Z testigten Für d scheiden« unsere» imm JV""—- Mänkfägm�. die«*» anÄ btL . ani anlamtq o» Hin, i meine« lieben Mannes, guten Baters, de» Gastwitts illi 67« August Dalg Teilnahme sagen wir allen , Bekannten und Verein.?. aufrichtigsten Dank Berta Dalg nebst Tochter. erwiesen« �reun"' Sozialdemokratischer f ahlverem für den 4. Berliner Reiehstagsvahlkreis. Dienstag, den Mai, abends Uhr: iür das Löriilzer sierlei bei Granmann, Naunynstraße 27, köpenicker kranklnrter Stralaner Petersburger Landsberger 99 99 tu„Kud-Ost�, Waldemarstraße 76, bei Daeker, Weberstraße 17, in den„Comeninssälen", Memeler Straße 67, in der Kiebeck-Krauerei, Frankfurter Allee 63, im„Glyfium�, Landsberger Allee 40. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Wahl der Viertelsleitung. 2. Anträge zur Kreis- und Verbandsgeneralversammlung und Bestätigung der Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung. 3. Vorschläge �zum Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Kreis- und Verbandsvorstand. Verbmck der Sehneider, Schneiderinnen und Väsehearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Damen-Konfektion. Montag, den 19. Mai, abends 8l/j Uhr; s Bezirks-Yersammlungen � in folgenden Lokalen: Für Nenkölln und Südost bei Kockegei, Neukölln. Reuterstr. 62. Tagesordnung: 1. Vortrag der Kollegin Frau I e tz e über:»Die Entstehung der amilie und des Privateigentums-. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. ür die Schönhauser Vorstadt beiGoldschmidt.Stolpische Str. 36. für deu Nordosten bei Grunze, Schönhauser Allee 1S6. ür den Gesundbrunnen bei B ä h r, Badstr. 44. Für den Norden imSwmemiknderGesellschastShaus, SwinemünderSt.42. Für den Osten in der Riebeck-Brauerei, Franksurter Allee 53. Für den Wedding bei Preppernau, Pasewalker Str. 3. Tagesordnung in sämtlichen sechs Versammlungen: i. Die geplante Wohlfahrtseinrichtung der Konfektionäre und der Zwischenmeister. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Reserenten find die Kollegen B a r t s ch. Börkel, Kunze, Reinke Sabath. Weiler. 163/17 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Kommission. Bekanntmachung. Ort skrankenkssse für den.4.iut«>ke3ilrli Berlin-Tegel mit Ausschluß von Flvt�ensee. .4.ai)er<>rdentllel»e General-Versammlung wird abberaumt auf Montag, den S«. Mai ISIS, abends« Uhr, nach dem Drappsche»«aale(Jnb. ZiegS u. Co.), Berltn-Degel, Bahnhofstr. 1—2. Tagesordnung; Beratung und Beschlußfassung über die neue Kassensatzung entsprechend der ReichSversicherungSordnung. Sollte die Beratung nicht zn Ende geführt werden können, so findet die Fortsetzung am DteuStag, den 27. Mai. in demselben Lokal slait. Als Legitimation ist die s christliche Einladung mitzubringen.— Die Herren Vertreter werden um pünll- liches Erscheinen gebeten. Berlin-Tegel, den 17. Mai 1913. Der Borstand. 272/15 Oswald A rlt, Kart Müller, Vorsitzender. Schristsührer. -Md □□□ Theater und Vergnügungen Reue Freie Bolksbnhne. Sonntag, den 18. Mai, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Hamlet. KammersPielhauS: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: NeueS VolkS-Theater: Die Hexe. Deutsches Opernhaus: Fidelis. ÄomödienhauS: Das Stiftungsfest. Schiller-Theater 0.: Das Konzert. Theater m der Königgrätzer Straße: HundStage. Metropol Äheater: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. Neues Theater: Der fidele Bauer. Kleines Theater: LottchenS Geburtstag.— Der Arzt seiner Ehre.— Der Unverschämte. Schiller-Theater Charl.: König Lear. Trianon-Theater: Der selige Toupwel. Abends 8 Uhr: NeueZ VolkS-Theater: König Krause. AbendS 81/, Uhr: Neues Volls-Theater: Montag. DienS- tag, Donnerstag. Freilag, Sonnabend: König Kraus«. Mittwoch: Ernst sein._ Schiller-Theater 0,iÄ: Sonnrag, nachmittag« 3 Uhr: l>ua Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. , Montag, abends L Uhr: Zwel Wappen. SehHler-Thealer"S"- Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Kvnl« Lear. Sonntag. avendS 8 Uhr: Boral. Montag, abends 8 Uhr: Moral. Berliner Theater. Filmzauber. Täglich 8 Uhr: 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Bentaches Sctaanaplelhau« » Uhr: Der K«nl*. (Harry Waiden: Elsa GalasreS) 8 Uhr: Der nla Kr oll- Oper 7 Uhr: ZltMkiüerfiugerv.Nürubtrg Montag: Tannhllaser. 2S,: I,ie Meisteratno.*. Nürnb. Mittwoch: Carmen. Donners».: Die Meistersing. v. Nlirnb ilontis Operetten-Theater (fr. Heuet Theater). Amt Norden IUI. Sommerpreife I Abend« S Uhr: Der laokencke Fliemann. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der fidele Bauer. Theater des«estens. 8 Uhr(.VolkSttlmliibe Preise-)- Ber Vogelhändler. �esidenz-TheäterT" Schluß der Spielzeit am 81. Mai. Die Frau Präsidentin. OUiäani« la Preaidente). Schwank in 3 Akten o. SB. Humequin und P. Leber. Morgen und folgende Tage: Bl« Fran FrSal�entla. Theätersm�ollendorjplatt Taglich abends 8'/. Uhr: EtiQMCh Nizza. qse=tHeate Große Fr�kwrier Str. 132. öriD} und Kettlem. Anfang 8'/. Uhr: Montag: steint und öettierln. Auf der Gattenbübne. Achtung! ES geht los. Gr. Po«/,. Kon,. Bunt.Z.erI..lm.4U. Trianon-Theater. täglich S Uhr: MBtldfUG X> Tonntag. 2& Mai. nach«. 8 Uhr: Oer telige Toupinel, Urania. Tanbenstrafie 48/49. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: „Hohenzollern"-Fatarten. Sonntag u. Montag abends 8 Uhr: Die Nordsee-Insel Sylt. iOCIT______ CARTEN Hente Sonntag: Eintritt 50 Pf. Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert (3 Kapellen). Täglich Gr. MHItarkonzert. Passage-Panoptikom Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnaon bei sein. Training zum Kampf um die Weltmeisterschaft. Jon Got, der akrobatische Schlafwandler I Der Mann mit der eisernen Hand. A na die achwebende Jungfrau!_ OUT Alle» lebend!-MO Allee ohne Extra-Eatree! Voigt Theater. Badstraße 58.. Sonntag, den 18. Mai 1913; Auf nach Amerika. SensattonS-SosanftsburleSke i. 5 Akten v. Br. Zapperl. Musik 4 r„eines**> «ÄtftST Da* größte, schönste und bequemste Lieh tblldthealer d. Welt. Zum 188. Males Quo vadisl Das Bewraltlg.te Film-Drama aller Zelten! Heute Sonntag Jugend-Vorstellung» ubr zu halben Preisen. Kattnee 6 Uhr, ab. 7 u. 9 U. Von SOPÜhS.SSN.Stluer Plätze von 1 M. an sind numeriert V eranlaßt durch die allgemein« Anerkennung und starke Beteiligung, welche sich unsere vorjähr. Epreewaldsahrten erfreuten, veranstalten wir am 8. Juni unsere erste SberspreewaM' Jährt Den Parteigenossen Groß. Berlins wird hiermit Gelegenheit gegeben, die fV(Lübbenau, da« malerische Lrhde— S'r« Hreeiolllds ohne jede körperliche Anstrengung, Fußwanderung ufw. kennen zu lerne». x-ii»eh«nk-de».S.?„2SNL ZablatoII« 1: Frin«»ahlisch. Skalitzer Straße Sll.f Dortselbst jede ge. Zablatelle II: Georg Weihnacht, Grünstraße Sl.s wünschte AuSkunst. Schriftliche Auskunft in.. Hl obard BeNrlogoI, Neukölln, Hon« Welt. etten erteilt etlestr. 31. 1/B Arnold Hcbolz. llattenhoide 108/114. Sonntag, den 18. Bai 1018: Großes DoppeBkonzert und erstkl. Variete-Vorstellui�i. Drei Kapellen. Im großen Saale: Sali» Anfang 4 Uhr. Enlr�e 25 Pf. Abonnenientahefte haben Gtiltigkelt. QWCTIIIWI I................—Ilm II.....»■■lim IUI IIB........■■IIP OGOOOOOOOOOOOOSOOOOOOOOGDOOOGOOOOOOOSOOS ......_.....( Am Friedrichs hain 29/32. Am Königstor. eesb Sehveizer- Garten Heute Sonntag: Große Extra- Vorstellung Sfur i erstklassige Attraktionen, i :: Lichtspiele:: Ball:t --- 1 � Anfang 4 Uhr. r-,i'iiTM'fr ITT...... Am 1. Juni or.: ErBffnnng der Hanptwalwon. »ae n..»Q O OOOOOOOOGGGOv O»OOOOQOOGO--- Schloß WeiBensee Inh. E. Niemann. . Hente, wowlc Jeden Sonntag: i Gr. Doppelkonzert ausgeführt vom RadeUki- Orchester, Dir. Wilh. V. Leeb aus Wien und einer beetrenommierten WISIIBr DUmOnkSpSllBi Ferner: Großes Land« u. Wasserfeuerwerk Hin QnnoliinBiir.�||j|||||)jjtnniinl W | Anfang des Konzerte 4 Uhr. Entrfie Sv Pfennig. Im Bal-chamg8tje; Großer Eilte Hall. '„Clnes**� Nollendorf- Theater NoIIendorlplatx 4 EinzigesTheaterDeutechlands mit verschiebbarem Dach. Der lebende Leichnam. Nach einer Begebenheit, die Graf Leo Tolstoi seinem gleich- namigenWerke zugrunde legte. Ferner 2 reizende Kinolustspiele: Der neue Unterpräfekt und Vorttthrung 5, 7, 0 Uhr. Slmtllche Platze«tntf numeriert. Alhambra llvallner-Dheatcr-Straste 15. Großer Ball. VroßeS Orchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zamcltat. I o lüNAff�� HhüsIark Sonntag: 30 Pfennig Yolkstag. r Kinder frei!- Park 1 Uhr, Attraktionen 3 Uhr. ifreuzberg-Festsäle und Garten " Scf.Otto Ernert, SW.,Kreuzbergst. 48 Jeden Sonntag: Große Spezialitäten- und Theater-Vorst. Entr. ISPs. Jeden Mittwoch: Residenz- Sänger. Jeden Freitag: staul Mantheys tust. Sänger. Passep. u. Vorzugs!, güllig. StetS neues Programm I Einige Sonnabende und Totensonntag an Vereine zu vergeben. Märkischer Hoi Admiralstr. 18c. Amt Moritzpl. 459 Jeden Sonntag: Großer Ball. Empfehle meine Säle zur Ab- hallnng von Sommerfeftcn zu de» bekannten kulanten Bedingungen. Einige Sonnabende im Juni und Lull frei. FVMVftwHRDllWFVMW P Schönhauser Allee 148 Kastanienallec 97/99. Jeden Sonntag: Tonntag, den 16. Mai: Aujlr. Dir. Nciimanns weltberühmter f.it!putslier-Truppe sowie anderer erstklassig. Spezialitäten. Kassenöffnung 2 Uhr, Ansang 31/, Uhr mh Brauerei FriedrichsBiain ■ Am KöuigStor. Cd.: Ernst Ueblng. 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Nur die Gewinne über 210 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 104 409 666 B2 610 877 1006 260 300 77 417 27(3000) 77 627 619 2575 58 617 22 750 804 3093 265 376 666 91 811 41 942 76 es 40-V 163 84 89(1000) 393 470(1000) 514 621 989 (3000) 5016 127 30 38 55 200 61 68 399 442 89 600 950(3000) 62 6038(1000)47(500) 58 180 336 673 611713 64(3000) 822 38 958 81 7061 146 78(8000) 300(1000) 63 429 75 666 949(1000) 68 89 8070 167 276 334(1000) 414 98 568 79 799 830 94 8359 84 96 461 65 681(1000) 766(500) 83 825 916 10001 33(1000) 44 143 210 50342 780 828(600) 11319 447 65 70 510 31 617 62 89 794 903 1 2244 63 631 823 1 3339 108 (1000) 490 502 67 797 1 4089 350 486 819 86 1 5020 97 239 366 447(500) 614 93 87 780 851(3000) 89 920 16080(600) 123 98 271 738 963 1 7133 244 68 517 964 1 6051(600) 69 255 78 437 611 93 660 872 974 19229 393 496 592 760 810 26 961 20052 121 54 83 217 18 414 604 64 775 904 43(1000) 21154 333(600) 42 69 80 643 46 686(1000) 769 92 96 837 990 2 2 049 262 82 407 77 520(500) 37 853 2 3009 72 132 260 655 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Vreuhisch.Sudk-tttl'che (228. Königl. Prentz.) Klnssenlotterie ß. Klaffe 7. Ziehungstag 17. Mai 1913 Nachmittag Sluf jede gezogene Nummer sind zwei gleich bobe Gewinne gefallen,»»d zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Abtcilnngen I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. s. Z.)(Nachdruck verboten) 16 91 193 221 99(600) 449 861 902 22 1061(500) 163 367 82 728 40 43 888 934 2030 329 603(3000) 49 93 729(3000) 61 826 0076 124 76 353 618 22 60(1000) 714 947(1000) 4117 78 654 706 839 929 6 081 189 223 314 32 457 65 621 742 821 903 6 91 0153 212 87 422 39(SCO) 644 69 87 91 713 74(600) 941 91 7218 333 423 95 686 80.6 13 97 917 0142 280 681 533 49 62 838(500) 0029 112 365 625 607 68 847 .« JP?46 144 413 71 573 N062 165 84 311 60(1000) 468 687 A3 43 338 64 77 492 516 61 633 720 965 1 3121 21935 tBnno X0 623 636, 08 37 14123 87 238 308 9 22 524 752971 J?.0®3®3 201 66 621 707 833 1 8082 104 315 35 435 51 551 ?i8 733 1 7009 361 584 618 716 60 918(600) 10214 486 603 18(600) 89 727 76 1 9254 85 98 660606(1000) 798883 90350 77 /.�PP?48 619 831<500) 21403 41 64 729 40 70 952 2 2052 AAr AAA103 337<600) 98 6 05 II 64 606 612 36(1000) 23199 Ä2 � � 99 737 333 24006 73(600) 322 91(600) 476 630 978 2 5134 293(600) 462 66 780 867 926(600)71 28190 20z 43 361 603 733 34 888 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Die Stiftungen haben jährlich etwa 5000 Mark Einnahmen aus dem Zinserträge ihrer Kapitalien, dem Freistellenfonds ober stehen pro Jahr 14 000 Mark für die sieben Heimstätten zur Verfügung. Unter den Stiftungen ist die größte die Schlösser-Stiftung, die vor 20 Jahren mit einem Kapital von 100 000 M. gegründet wurde. Kleinere Stiftungen sind die Arons-Stiflung mit 30 000 M. Kapital und das Meyersche Bermächwis mit 5000 M. Kapital. Außerdem werden die Zinsen des 50 000 Mark- Ueberschustes der ehemaligen Schloßfreiheit-Lotterie von dem.Verein zur Unterstützung und Pflege armer Wöchnerinnen", dem sie zufließen, teilweise zur Heimstättenpflege verwendet. Zur Bewerbung um Freistellen aus Mitteln der Schlösser-Stiftung hat das Heimstätten� kuratorium jetzt wieder öffentlich aufgefordert mit dem Bemerken, daß die Freistellen bedürftigen Personen, männlichen und weiblichen, .ohne Ansehung der Religion" gegeben werden sollen. Gesuche sind mündlich oder schriftlich zu richten an das Bureau der Heim stätten(im Stadthaus, Stralauer Str. 15/22, 3. Stock. Zimmer 315/316), und beizufügen ist ein Arztattest, wozu ein bestimmtes Formular benutzt werden muß, das im Bureau kostenlos verabfolgt wird. Wer auf Benutzung solcher Freistellen angewiesen ist, dem kann nur emp- sohlen werden, sich beizeiten zu melden. Es ist in manchen Jahren vorgekommen, daß die für Freistellen verfügbaren Mittel nicht mal aufgebraucht wurden. Im Etatjahr 1L11(1. April 1911 bis 31. März 1912), dem letzten, über das ein Jahresbericht des Heimstättendirektoriums vorliegt, sind allerdings die Gelder nahezu vollständig ausgegeben worden. Aus dem Frei stcllcnfond von 14 000 M. wurden 13 949 M. für 162 Personen aus gewendet, die drei Stiftungen gaben aus ihren verfügbaren Mitteln von zusammen 5243 M.(Zinserträge und Vorjahrreste) 4778 M. für 53 Personen her, der erwähnte Verein zahlte aus dem ihm zugeflossenen Zinsertrag von 1785 M. für die den Heimstätten überwiesenen 14 Wöchnerinnen 995 M.. macht zusammen 19 722 M. für 229 Per sonen. Im Etatsjahr 1910 belief der aufgewendete Gesamtbetrag sich auf 21 743 M., wofür 242 Personen verpflegt wurden. Du mals hatte besonders die Schlösser-Stiftung in ihrer Kasse einen beträchtlichen Vorjahrrest(über 2000 M.). den sie dann mit- aufbrauchte. Eigentlich sollte man erwarten, daß nicht Reste drüber� bleiben, sondern Mangel an Mitteln sich fühlbar niacht. Vielleicht erklärt sich der„Ueberfluß" daraus, daß in der Bevölkerung der Freistellenfonds und die Stiftungen immer noch nicht genügend bekannt sind. Wir wiederholen: alle, die es angeht, sollten um Freistellen aus Mitteln des Fonds oder der Stiftungen sich bewerben. Das neue Etatsjahr 1913 (1. April 1913 bis 31. März 1914) hat eben erst begonnen, der größte Teil der verfügbaren 19—20000 M. harrt noch seiner Ver Wendung. Die Heimstättenpflege kann gewährt werden nicht nur zUr Genesung nach übcrstandener Krankheit, sondern auch zur vor- beugenden Kräftigung. Unter den in Freistellen verpflegten Personen find Jahr für Jahr die von Lungenleiden bedrohten Frauen be sonders zahlreich vertreten. Partei- Tingelegenbeiteii. > Zur Lokalliste. In Kienbau« N.-B. ist das Lokal zur Löcknitz, Inhaber G. Häusler, von der Lokalliste zu streichen. Herr Häusler weigert sich, sein Lokal z« Versammlungen herzugeben. Es ist somit als gesperrt zu be trachten. In Charlottcnburg 7.-3. ist das Lokal„Klostergarten" am Epandauer Schiffahrtskanal, Inhaber Ad. Hohmut, ebenfalls von der Lokolliste zu streichen. Folgende Lokale sind in der Lokalliste als frei nach- zutragen: In Königswusterhausen als Verkehrslokal Ernst Gebert, Lucken- hvalder Straße 5. In Strausberg das Lokal„Wesentaler Mühle", Inhaber W. Ebel, Die Lokalkommission. Eharlottenburg. Am Dienstag, den 20. Mai, abends 3'/, Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3: Generalversammlung des Wahlvereins. Es ist Pflicht jedes Genossen, zu erscheinen. Näheres siehe Inserat. Steglitz. Am Montag, den 19. Mai, finden die Stichwahlen statt. Alle Genossen haben zur Schlepparbeit frühzeitig sich in den ihnen zunächst gelegenen, an den Stichwahlen beteiligten Schlepp- lokalen einzufinden oder noch dem Zentralbureau bei Jäckcl, Körner- straße 4, zw kommen. Lichtenberg. Dienstag, den 20. Mai, abends SVs Uhr, im „Schwarzen Adler", Frankfurter Chauffee 5/6. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Kreisgeneralversammlung. 2. Anträge. Nicder-Schönewcide. Dienstag, den 20. Mai. abends 8'L Uhr: Mitgliederveriammlung des Wahlvereins bei Schulze, Brückenstr. 15. Rosenthal. Dienstag, den 20. Mai. abends S1/» Uhr, Mitglieder» Versammlung des Wahlvereins. NowawcS. Mittwochs den 21. Mai. abends pünktlich 8-/2 Uhr. im Lokal von Schmidt. Wilhelmstr. 41—43. Versammlung des Wahl- Vereins. Tagesorduung: 1. Geschäftliches. 2. Kommunales. Referent: Gemeindevertteter Genope Ncumann. 3. Die stattgefundene Land« taqSwahl. 4. Verschiedenes. Gaste haben Zutritt; auch werden neue Mitglieder ausgenommen. berliner I�admcKteu. Zwischen Biesenthal und Eberswalde. Mit einer Sonntagsfahrkarte nach Eberswalde(dritter Klasse, bin und zurück gültig, 1,95 M.) fahren wir mit einem öer für diese Karten freigegebenen Personenzüge(um 6 Uhr oder um 8.41) vom Wtetttner Hauptbahnhof ab, verlassen den Zug aber schon auf der letzten Station vor Eberswalde, nämlich in Melchow hinter Biescnthal. Wir überschreiten hier das Gleise und gehen neben ihm im Walde unter Birken parallel zu den Bahnsträngcn weiter. Nach etwa 10 Minuten zur Linken in schräger Richtung ein Waldfahrweg ab. dessen �tung ein Schild mit„Schopfurt" bezeichnet. Er führt uns * nördlicher Richtung durch den hohen Kiefernwald. Schönes I Wachholderunterholz und die weiten Bestände von Heidel 1 und Preißelbeeren, die zum Teile gerade in Blüte stehen, l bilden seinen Schmuck. Laubwald tritt abwechselnd auf, und der ebene Waldboden geht allmählich in Hügelland über. Es verrät die Nähe der Seen, die hier, durch Wiesen und Gräben verbunden und unterbrochen, eine Kette bilden. Wo unser Weg schließlich auf einen viel breiteren Fahrweg mündet, stehen wir auf der Straße, die Heegermühle mit Biesenthal verbindet. Wir erblicken durch die Stämme hindurch den Spiegel des kleinen Samithsees und steigen zu ihm herab, gehen hier am Rande der Wiese nach links(Westen) weiter und erreichen so den großen Samithsee. Er ist länger als der Grunewaldsee und etwa doppelt so breit, und was den Eindruck erhöht, ist die Einsamkeit, die seine Ufer meistens umgibt. Man sieht zwar bisweilen einen Fähr mann mit' seinem Kahn in Tätigkeit, aber sonst ist es gut, Karte und Kompas bei sich zu haben, denn man trifft nicht imnier jemanden, den man nach dem Wege fragen kann Wo der See nach Westen endet, fließt ein munterer Bach aus ihm, voller Seerosenblätter und voller Fischlein, die im Sonnenlicht scharenweise dahinflitzen. Ist die Umgebung naß. so bleiben wir am Waldrande und gehen hier so lange weiter, bis wir ein paar Pfosten auf der Wiese erblicken. Sie stehen neben dem Bache und zeigen eine aus Baumstämmen gebildete Brücke an, über die wir leicht hinüberbalanzieren. Dann ist ein Fuß steig in der gleichen Richtung nach Norden sichtbar. Wir schlagen ihn ein und können, wenn wir uns immer nördlich halten, nicht fehlen. Immer durch wechselnden Wald wird die Straße von Schöpfurt nach Eiserbude erreicht und au' dieser geht es nach rechts weiter, auf Schöpfurt zu, dessen Baulichkeiten hier schon sichtbar sind. Der Ort liegt am Finowkanal und besitzt jetzt eine Privatbahn nach Ebers walde. Für 30 Pf. fährt man dritter Klasse von hier über Heegermühle, Eisenspalterei und Kupferhammer im hübschen Tal der Finow nach Eberswalde, von wo man dann noch einige Minuten bis zum Staatsbahuhof zu gehen hat. Hat man nicht zu lange am Samithsee gelagert, dann kann man auch schon in Heegermühle aussteigen und von hier nach Eberswalde wandern. In beiden Fällen wird man ein reizvolles Stück märkischer Wald- und Seenlandschaften kennen gelernt haben._ Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk täglich von 5�— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 617 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Cadiner Kacheln und Kaiserbesuch. Cadiner Erzeugnisse scheinen nachgerade ein Lockmittel zu werden, um die Person des Kaisers herbeizuziehen. Bürgerliche Zeitungen melden, daß Wilhelm IL vor einigen Tagen den Untergrund bahnhof Klosterstraße besuchte, wobei sich die Besichtigung in der Hauptsache auf den mit Majoliken aus Cadinen ausgestatteten Vor räum beschränkte.„Bazillenkulschen" waren noch nicht zur Stelle. Der Kaiser wäre ja auch wohl kaum in sie hineingestiegen. Dafür hatten sich, als wenn es sich bei der Cadiner Verkachelung um eine welterschütternde Begebenheit handle, zahlreiche Spitzen der Be Hörden und der Großindustrie eingesunden. Das Hofblatt aus der Zimmerstraße berichtet sogar getreulich, daß der Besitzer von Cadinen in der Generalsumform der Leibhusaren erschien. Ein Märchen, das noch immer geglaubt wird, will davon wissen, daß die Große Berliner Straßenbahn jedem, der eine Million ge- brauchtcr Fahrscheine gesammelt hat, ein Geschenk in Form eines Pianinos oder in irgendeiner anderen Form machen soll. Zu wiederholten Malen ist dieses Gerücht als jeder Unterlage eni behrend erklärt worden. Immer wieder kommen jedoch an die Di rektion der Großen Berliner Straßenbahn Anfragen; es finden sich sogar öfters Leute, die eine Million Fahrscheine wirklich gesammelt haben. Es ist natürlich eine gänzlich zwecklose Bemühung, da das viele Papier für niemanden, auch nicht für die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn, Wert besitzt. Es wäre zu wünschen, daß die Berliner Bevölkerung endlich diesen Aberglauben, von dem man nicht weiß, wie er entstanden ist. aus ihrem Gedächtnis streichen würde. Die Umgestaltung am Kupfergraben. Der Stadtverordnetenversammlung ist eine ausführliche Vorlage über die Bewilligung von Mitteln für die Umwandlung der Gegend am Kupfergraben zugegangen. Der Vorlage entnehmen wir. daß die Unterrichtsverwaltung beabsichtigte, auf dem westlichen Teil des Umversitätsgrundstücks hinter der Universität ein gewaltiges Gebäude zu errichten. Von diesem Plane ist zugunsten des neuen schon be- kannten Abstand genommen worden. Es sollen nun Seitenflügel, die das Kastanienwäldcyen umschließen, errichtet werden. Der Fiskus soll 830 000 M. für die Grundstücke Dorotheenstr. 3, Bauhofftr. 3—5 und 6 rrhalten. Der Militärfiskus verlangt für das Grundstück Hegelplatz 2 rund 1 075 000 M. und an diesen Fiskus sollen dann 1230 Quadratmeter wieder für 738 000 M<600 M. pro Ouadrai meter) abgetreten werden. Von Privatgebäuden müssen Dorotheen- traße 4, Bauhofftr. 1. 2 und 7. Am Kupfergraben 5 und 6 sowie ein Teil von Bauhofftr. 12 erworben lverden. Verhandlungen mit den Eigentümern sind an deren hohen Fordeungen gescheitert. Sie müssen eventuell enteignet werden. Diese Grundstücke sind mit rund 3 Millionen Mark abgeschätzt. Die Regulierungskosten dürften 80 000 Mark kaum überswreiteu. An Rückeinnahmen rechnet der Magistrat auf mindestens 2'/g Millionen Mark. Der Platz mit der neuen Straße würde danach etwa 2»/z Millionen Mark Ausgaben verursachen. Hinzu kommen die Kosten für einen Rundbau am Hegelplatz mit einer inneren Kolonade zur Aufnahme eines Reichs schulmuseums. Den Grundstock dieses Museums solle» das städtische Schulmuseum in der Stallschreiberstraße, die Gegen- tände der Deutschen Uuterrichts-Ausstellung in Brüssel und andere Gegenstände bilden. Die Kosten dieses Monumentalbaues sind auf 1'/« Millionen Mark veranschlagt und der Grund und Boden soll 1.4 Millionen Mark kosten, zusammen demnach 2,6 Millionen Mark. Da« Finanzministerium ist bereit, zur Begradigung der Dorotheen- 'traße eine Fläche von Nr. 1 für 500 Mark pro Quadratmeter ab- zutreten. Für die 15 Meter breite Brücke werden 300 000 Mark gebraucht und für die Abtretung des notwendigen Geländes von Dorotheenstraße 6 soll der Fiskus 105 000 Mark erhalten. Die Oberbürgermcisterwahl in Charlottenburg beschäftigt nach wie vor die Bürgerschaft. ES ist nämlich bekannt geworden, daß die sogenannten Liberalen auf recht eigenarsige Weise den Kasseler Oberbürgermeister Scholz zum Oberhaupt von Char- lottenburg erküren wollen. Obwohl einwandfreie Kandidaten vor- Händen sind, haben eine Reihe Liberaler bereits Abmachungen mit dem Kasseler Oberbürgermeister getroffen und wollen das Gehalt ür diesen Herrn auf 27 000 M. festsetzen, obwohl nach dem Normal- besoldungsetat das Gehalt des Bürgermeisters mit 19 500 M. beginnt und bis 24 000 M. steigt. Der verstorbene Oberbürgermeister er- hielt außerdem 3000 M. persönliche Zulage, aber erst nach zwölf- jähriger Tätigkeit. Es liegt nicht der geringste Grund vor, eine solche Oberbürgermeistermache zu unterstützen. Die Charlottten- burger Bürgerschaft dürste den liberalen Wahlmachern wohl noch ernstlich in die Suppe spucken, wenn sie ihre Macht im Rathause in der von ihnen beabsichtigten Weise ausnutzen. Die Aborte der Sommerlokale in der näheren und weiteren Um- gebung Berlins zeigen auch in diesem Jahre wieder vielfach eine skandalöse Beschaffenheit. Sie sind um so schlechter, je weiter die betreffenden Ortschaften von Berlin entfernt liegen. Man muß aber bedenken, daß die Berliner Ausflügler heutzutage nicht dicht bei Berlin bleiben, sondern zu vielen Tausenden nach weit cnt- legenen Orten ausschwärmen. Leider muß festgestellt werden, daß vielfach recht verlotterte Zustäiide in den Abortanlagen herrschen. Abäiüwrung sollte man nicht immer erst von der Ortsbehörde er- warten, die sich um solche Verhältnisse meist wenig oder gar nicht kümmert. Der Protest des Publikums selbst ist der beste Weg zur Abhilfe. Zuweilen sind die Aborte so angelegt, daß ihr Inneres von Personen benachbarter Gebäude bequem übersehen werden kaum Auch auf manchen Bahnstationen mit starkem Sommerverkehr lassen die Abortverhältnisse viel zu wünschen übrig. Hier wird zwar jeden Morgen gereinigt, aber dann läßt man den Dingen ihren Lauf. So kommt es häufiger vor, daß schon nachmittags diese Aborte zum Teil oder ganz unbenutzbar sind. Besondere Aufmerksamkeit sollten die Besitzer der größeren Sommerlokale auf geordnete Abortver- Hältnisse richten, da durch den in diesen Lokalen herrschenden Massen- Verkehr es zu den schlimmsten Folgen in gesundheitlicher Beziehung kommen kann. Besonders schlecht kommt immer das weibliche Pub- likum fort, welches ständig der größten Ausbeutung ausgesetzt wird und den Wirten durch Bezahlung für die Toilettenbenutzung er- hebliche Gewinne in den Schoß werfen muß. Bei Arrangierung von Arbeitervergnügungen in Sommerlokalen sollte besonders.aus Schaffung geordneter Toilettenverhältnisse geachtet werden, Die für Lohn angeworbene« Wahlhelfer scheinen den bürgerlichen Parteien nicht immer viel Freude gemacht zuhaben. Die Fortschrittliche Volkspartei hatteZauch für den 10. Landtagswahlbezirk, den sie schwer bedroht sah, Hunderte von bezahlten Hilfskräften zusamtnenttommeln lassen. Hier ist es am Abend des Wahltages, als nach Schluß der Wahlen den angeworbenen Leuten ihr Lohn ausgezahlt wurde, zu stürmischen Auftritten gekommen. In der»Germania" (Chausseestratze), wo die Auszahlung stattfand, sammelte sich auf dem Hofe eine erregte Menge, die abgelohnt zu werden ver- langte. Es wird behauptet, daß auch zahlreiche Personen darunter gewesen seien, die gar nicht als Wahlhelfer mitgearbeitet hatten. Die Herren vom Wahlbureau der Fortschttttlichen Volkspartei stellten die Auszahlung des Lohnes ein und beeilten sich, per Telephon die Polizei herbeizurufen. Diese drängte dann die un- gestümen Mahner auf die Straße hinaus. Die»rechts st ehenden Parteien" waren selbstver- ständlich gleichfalls genötigt gewesen, bezahlte Hilfskräste anzu- werben. Auch sie bedienten sich dazu eines VermittelungS- instituts, das den Stellungsuchenden 20 Pfennig abnahm. Die Angeworbenen wurden für Freitag nach dem zwölften Landtagswahlbezirk bestellt, wo die Konservativen eine fieberhaste Agitation entfalteten. Vor Beginn der Wahlen kam es an der Sammelstelle, einem Lokal an der Birken- und der Rathe- nower Straße, zu einem Auftritt zwischen mehreren der Wahlhelfer und ihren Arbeitgebern. Die Wahlhelfer fragten, wann denn sie ihr Wahlrecht würden ausüben können. Da ihnen keine befriedigende Antwort gegeben wurde, so erklärten etwa ein Dutzend von ihnen, daß sie ihr Wahlrecht nicht preisgeben wollten. Sie wurden dann aufgefordert, das Lokal zu verlassen und durften nacb Hause gehen. Wie konnten sie auch nur von Konservativen ver- langen, daß ihnen die Ausübung ihres staatsbürgerlichen Rechtes er- möglichten würde I_ Die Freikarten für Stadtverordnete für die Straßenbahn will der Magistrat wieder beseitigen und zwar glaubt er da« auf Grund einer kürzlich ergangenen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts tun zu müssen._ Im Dienste tödlich verunglückt ist Freitagabend der Eisenbahnschlosser Rietmüller aus der Viktoriastraße 71 zu Lankwitz, der dort bei seiner Mutter wohnte und auf dem Anhalter Bahnhof beschäftigt war. Hier hatte er in dem Reinigungsschuppen an der Uorckstraße mit dem Nachsehen der Bremsen der Wagen zu tun. Er stand dabei wie immer in einem Kanal, über den die Gleise hinwcgführen, um von unten an die Bremsen herankommen zu können. Nach Erledigung eines Wagens muß er nun im Kanal stehend die Arme über eine Schiene gelegt haben. In dieser Stellung überhätte er das Warnungszeichen eines Leerzuges, der über den Kanal hinweg nach dem Reinigungsschuppen fuhr. Die Räder trennten ihm beide Arme ab, ohne daß jemand etwas merkte. Der Unglückliche fiel, ohne einen Laut von sich zu geben, in den Kanal zurück und blieb hier besinnungslos liegen. Als ein anderer Schlosser ihn später auffand, war er an Verblutung schon gestorben. Ein Bahnarzt, der herbeigerufen wurde, konnte nur noch den Tod feststellen. Einen dreisten Diebstahl beging am Sonnabendabend auf dem Postamt 68 ein junger Mann, welcher sich an einen Schalter heran- schlich und einen Hundertmarkschein entwendete. Ein Postbeamter lief dem Dieb nach und es gelang mit Hilfe zweier Radfahrer, ihn in der Feilnerstraße zu stellen. Den Hundertmarkschein hatte er aber unterwegs fortgeworfen, als er sah, daß ihm seine Verfolger auf den Fersen waren. Aus der Selbstmordchronik. Unglückliche Liebe hat die 20 Jahre alte Verkäuferin Marie Sch. aus der Soldinerstraße 69 in den Tod getrieben. Sic erhängte sich gestern mittag in ihrer Stube an der Türangel und war bereits tot, als man sie um VA Uhr auffand.— In der Wohnung seiner Geliebten erschossen hat sich gestern abend der 30 Jahre alte Ingenieur Karl Kämpfe in der Saarbrücker Straße 32. Kämpfe lebte von seiner Frau und seinen drei Kindern, die in Steglitz wohnen, getrennt und hielt sich schon seit längerer Zeit bei seiner Geliebten, einer Näherin, auf. Gestern abend um TA Uhr geriet er mit dem Mädchen in einen heftigen Zwist,(jrisf gleich darauf zum Revolver und erschoß sich.— Ein langes Lewe» quälte den 63 Jahre alten Schriftsetzer Paul Vogel aus der Buggen- hagensttaße 9 so stark, daß er gestern nachmittag in der Verzweif- lung seinem Leben ein Ende machte. Während er allein war. er- hängte er sich. Als die Frau um 4 Uhr von einem Ausgang zurück- kehrte, war er schon tot. Gegen den Borwurf der Rücksichtslosigkeit wegen 60 Pfennigen wehrt sich die Firma Eduard Hruda. Rofenthaler Straße 19, in einer längeren Zuschrift an uns. Sie legt dar, daß der Schuldner wieder- holt mit den Raten im Rückstände geblieben sei und daß die Firma Hruda gezwungen gewesen wäre, im Wege der Zwangsvollstreckung vorzugehen. Die von uns behauptete Tatsache, daß die letzte Pfändung wegen 60 Pfennigen erfolgt ist, bestreitet die Firma nicht. Und darauf kommt es doch schließlich an und nicht darauf, ab ein Kunde mit der Ratenzahlung in Rückstand gerät. Bei den heutigen wirtschaftlichen Verhälmisten wird es Arbeitern infolge eintretender Arbeitslosigkeit sehr oft zur Unmöglichkeit, die versprochenen Ratenzahlungen pünktlich zu leisten. Aber wegen der 60 Pfennige den Leuten noch Kosten zu machen, zeugt doch von allem anderen als vou Rücksichtnahme. Vom Dache abgestürzt ist, wie wir meldeten, am Mittwoch ein bei dem Dachdcckermeister Matz beschäftigter Lehrling Kohlmann. Zu diesem Unglücksfall schreibt uns der Meister des Lehrlings, daß der letztere nur beauftragt gewesen sei, innerhalb des Dach- bodens Schiefer zurechtzuhauen. Es sei dem Lehrling ausdrücklich von dem Sohne des Meisters untersagt gewesen, das Dach allein zu betreten. Gurt und Leine habe der Lehrling mitgehabt, aber auf dem Dachboden liegen lassen. Oeffentliche Konzerte zu Ehren Richard Wagners. Zur Feier des 100. Geburtstages Richard Wagners der- anstaltet die Stadt Berlin am Donnerstag, den 22. Mai, nachmittags um 3 Uhr auf dem Königsplatz, im Lust- garten, im Viktoriapark, im Friedrichshain und im Humboldthain öffentliche Konzerte, . in denen lediglich Sachen von Wagner gespielt werden. Die Ausführung ist hiesigen Militärkapellen, die auf je 66 Mann verstärkt werden, übertragen worden. Ferner findet abends um HVi Uhr in der Halle des Stadt Hauses eine Gedenkfeier unter Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters statt. Diese Feier wird eingeleitet durch„Sieg frieds Trauergeleit" aus der Götterdämmerung. Darauf wird der„Epilog auf den Tod Richard Wagners" von Ernst v. Wildenbruch von Herrn Artur Krausneck vom Königlichen Schauspielhause gesprochen. Dann folgt das Vorspiel zum Bühnenweihfestspiel„Parzifal". Hierauf hält Professor Richard Sternfeld von der Universität Berlin eine Ansprache. Im Anschluß daran werden die Vorspiele zu den„Meistersingern" und zu„Lohengrin" sowie die Ouvertüre zu„Tannhäuser" und der Kaisermarsch vorgetragen. Diese Veranstaltung, zu der besondere Einladungen ergehen, findet nur für die Mit glieder der städtischen Behörden und ihre Damen statt. Arbeiter-Bildungsschule. Der Unterricht in National ökanomie und Redeübung muß heute(Sonntag) a u f a ll e n. Die nächsten Stunden finden heute über acht Tage statt; die ausgefallenen werden nachgeholt. Bon zwei Wegelagerern überfallen wurde gestern abend der Friseur Richard Werner aus der Stargarder Straße. Als der Mann von seiner Arbeitsstelle kommend um 6 Uhr auf dem Heimwege durch die noch fast unbebaute Ahlbecker Straße im hohen Norden kam. fielen plötzlich zwei Männer über ihn her und schössen, als er sich zur Wehr setzte, zweimal auf ihn. Beide Schüsse trafen ihn auch, der eine in die Brust, der andere in den Hals, so daß er schwerverletzt zusammenbrach. Auf die Schüsse und die Hilferufe eilten Leute, die in der Nähe waren, herbei und «rächten, als sie den Mann dort blutüberströmt vorfanden, der Polizei von dem Ueberfall Mitteilung, die jedoch die Täter noch nicht ausfindig machen konnte. Wer sie sind und was sie zu dem Ueberfall veranlaßt hat, steht noch nicht fest. Es scheint sich dem- pach um einen Racheakt zu handeln. Gefährlicher Brand auf dem Kohlenbahnhof Webding. In der zehnten Vormittagsswnde erfolgte gestern auf den Berliner Feuer- wachen Feueralarm nach dem Kohlenbahnhof Wedding in der Fenn- straße 22/26. ES rückten die Löschzüge 21 und 23 aus, die bei ihrer Ankunft auf dem Kohlenbahnhof eine gefährliche Situation vor- landen. Es brannte unter einer Eisenbahnbrücke ein großer Schup- pen der Kohlengroßhandlung von Wilhelm Sonderhoff, der den Arbeitern dieser Firma als Aufenthaltsraum diente. Die Flammenentwicklung war geradezu enorm. Das Feuer war von dem Schuppen schon auf den Bohlenbelag der Eisenbahnbrücke in einer Länge von 30 Metern übergesprungen. In verhältnismäßig kurzer Zeit gelang es den Löschmannschaften, den Brand in die Gewalt zu bekommen. Die Hitze war so stark, daß die Eisenbahn- schienen rotglühend und zum Teil deformiert wurden. Der Schup- pen ist vollständig ausgebrannt und auch der darüberliegende Boh- lenbelag der Eisenbahnbrücke muhte von den Feuerwehrleuten auf- gerissen werden, da er zum größten Teil gleichfalls vom Feuer zer- stört worden war. Der Brand hätte leicht noch größere Dimen- sionen annehmen können, da in der Nähe sich eine ganze Reihe weiterer Schuppen mit Brennmaterialien usw.. befindet. Wie er- mittelt wurde, ist das Feuer dadurch entstanden, daß ein Anweiser der Firma Sonderhoff in dem Schuppen Teer kochen wollte, den er zum Teeren eines Daches gebrauchte. Der Teerkessel kochte über und im nächsten Augenblick hatte der Raum schon Feuer gefangen. Der Anweiser und die übrigen Arbeiter konnten sich noch recht- zeitig in Sicherheit bringen. Der Bahnderkehr hat durch den Brand keine Störung erlitten, da die Eisenbahnbrücke seitlich zu den Haupt- gleifeg liegt._ Vorort-]Ntachncbtcm Wahlbezirk Charlottenburg. Abgegebene Stimmen: Soz.. Freist. Kons., Gewählt 1. Abteilung 2. 3. Soz. 12 57 220 .. 15 752 .. 11527 .. 3 993 iahlmänner Freis. Kons. 224 25 213 3 »8 4 Es finden 114 Stichwahlen statt, an denen die Sozialdemokratie «S mal beteiligt ist._ Teltow, Beeskow-Storkow, Berlin-Wilmersdorf. Soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, find von den 2256 zu wählenden Wahlmännern 517 der Sozialdemokratie gewählt. Von verschiedenen größeren Orten des Kreises steht das genaue Resultat noch aus. Auch über die Verteilung der gewählten bürgerlichen Wahlmänner läßt sich eine genaue Aufstellung und ein klarer Ueberblick nicht geben. Soviel erscheint jedoch sicher, daß die Liberalen mit den Konservativen in eine aussichtsvolle Sttchwahl gelangen. Nachstehend die Ergebnisse der einzelnen Hauptorte: Soz. Lib. Kons. Adlershof..... Alt-Glienicke.... Britz..»».--- Köpenick...... Johannisthal,.. Ketschendorf.... Mariendorf...- MarkgraspieSke.. Nieder- Schöneweide Nowawes..,... Steglitz...... Teltow....... Treptow...... öö 28 10 20 34 9 4 30 6 11 50 37 10 10 2 5 1 21 1 22 2 2 2 fSttchw. zw. Soz.-Kons.) 2 2 12 16 9 1(2 Bez. uneutschieden) 33 3 96 28") 2 9 _ 0/ 18. Bez. Stichwahl - s zwischen Lib.- Soz.). ") Stichwahl in der II. Abt. in 4 Bezirken, an denen untere Ge- nosien beteiligt sind. In der III. Abt. sind wir m 17 Bezirken mit 31 Wahlmännern beteiligt. In den westlichen Vororten dominiert der Besitz und beherrschen die Liberalen das Feld. Bemerkenswert ist, daß bei einigen Stich- wählen zwischen Sozialdemokraten und Konservativen die liberalen Urwähler verschiedentlich für die konservativen Wahlmännerkandidaten gestimmt haben._ Spandau-Osthavelland. Von den zn wählenden 634 Wahlmännern sind bisher 394 kon- servative, 67 liberale und 50 sozialdemokratische Wahlmänner ge wählt worden, so daß also jetzt schon der bisherige freikonservative Abg. Lüdicke mit großer Majorität gewählt ist.— Auffallend ist eS, daß die Liberalen in Osthavelland sich zum größten Teil gar nicht an den Wahlen beteiligten. So hatten dieselben in Velten, Nauen und anderen Orten diesmal überhaupt keine Wahlmänner aufgestellt, trotzdem z. B. in Velten bei der vorigen Wahl 10 liberale Wahl- männer gewählt wurden. Dies sonderbare Verhalten der Liberalen ist doch nur dahin zu erklären, daß ein großer Teil derselben mit der Aufstellung des Arbeiterkandidaten nicht einverstanden war. Charlottenburg. Minderbemittelten Schwangeren, welche in Charlottenburg wohnen, werden von dem Charlottenburger Hauspflegeverein vier Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Bei- Hilfen gewährt, meist in Gestalt eines kräfttgen Mittagsessens in folgenden Speisungsstellen: Charlottenburger Ufer 16, Nehringstt. 11, Wilmersdorfer Str. III, Berliner Str. 137 und Alt-Moabit 39. Mel- düngen nimmt die Ernährungsabteiiung des Hauspflegevereins, Marchstraße 7k, Dienstags und Freitags zwischen 10 und 11 Uhr vonnittags, möglichst sechs Wochen vor der zu erwartenden Eni- bindung entgegen.• Lichterfelde. Die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung im Ostbezirk findet statt am: Mittwoch, den 21. Mai, nachmittags 4—8 Uhr, im Hrnningschen Saal, Jungfernsticg S. Das Wahlkomitee befindet sich daselbst. Der Kandidat ist wie bei der vorigen Wahl Genosse Wenzel, Chausseestr. 62. Die kurze Spanne Zeit bis zur Wahl muß zur ausgiebigsten Agitation ausgenützt werden._ Treptow. Wie die bürgerliche Gemrindevertretermehrhcit die Arbeiter ab- speist. Die Treptower Lehrerschaft fordert schon seit Jahren Gleich» stellung im Gehalt mit den Lehrern der Stadt Berlin. Auch die Arbeiter hatten zur diesjährigen Etaisberatung um Lohnerhöhung, Verkürzung der Arbeitszeit, Errichtung eines Arbeiterausschusses, alle 14 Tage einen ficien Sonntag für die Heizer und um noch einiges andere petitioniert. Bei der Etatsbcralung wurden die Wünsche der Lehrer und Arbeiter trotz heftigen Widerspruchs der sozialdemokrattschen Gemeindevertreter vertagt. Man betonte nur noch, daß dann auch eine neue Reglung der Beamtengehälter statt- finden müsse. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung schlug der Gemeindevorstand vor, die Besoldungsordnung der Lehrpersonen, der Gemeindebeamten Klasse 4 und der Gemeindearbeiter abzu- ändern. Die Abänderung der Arbeiterlöhne wurde zuerst beraten. Bisher waren diese Löhne durch die Arbeitsordnung in einer drei- fachen Staffel geregelt; sie betrugen in den ersten zwei Jahren 45 Pf., nach zweijähriger ununterbrochener Beschäftigung 47>/g Pf. und nach fünfjähriger 50 Pf. pro Stunde. Für die Kanalisations- arbeiter sollte jede Staffel um 2Vz Pf. pro Stunde höher sein. Der Gemeindevorstand hatte vorgeschlagen, für die bereits bei der Gemeinde beschäftigten Arbeiter drei neue Staffeln anzugliedern, so daß deren Lohn künstig betragen werde: Stundenlohn 3. 4. 6. 6. Für 1. in den ersten zwei Jahren 2. vom Beginn des 3. Jahres 6... S... 12... 15.„. Kanalisationsarbeiter beträgt Pfennig 45 47'/- 50 62'/z 55 57'/- der Lohn m Wochenlohn Mark, 27,00 28,50 80,00 81,50 33,00 34,50 jeder Staffel 2>/z Pf. mehr. Für die neueinzustellenden Arbeiter sollte noch eine Staffel mit 42'/z Pf. angesetzt werden. Nach kaum nennenswerter Debatte wurde auf Antrag eines Mitgliedes deS Gemeindevorstands die Debatte geschlossen und die Vorlage des GemeindevorstandS angenommen. Die Aendernng der Arbeiterlöhue, wie sie vom Gemeindevorstand und der Grundbesitzepnehrbeit beschlossen wurde, haben folgende Wirkung: Die bereits bei der Gemeinde beschäftigten Arbeiter erhalten vom neunten Jahre ihrer Beschäftigung ab eine Lohnerhöhung. Zurzeit werden jedoch nur vier Arbeiter von dieser Lohnerhöhung betroffen. Dagegen hat man es verstanden, durch die Herabsetzung des Anfangslohnes von 45 Pf. auf 42'/z Pf. pro Stunde den Verdienst der neu einzustellenden Arbeiter erheblich herabzusetzen. Ein bisher bei der Gemeinde beschäftigter Arbeiter erhielt nach den durch die Arbeitsordnung festgesetzten Lohnsätzen in den ersten acht Jahren seiner Beschäftigung insgesamt 11934 M. Lohn. Nach den Sätzen, wie sie durch die Gemeindevertretung für neu einzustellende Arbeiter normiert find, erhält der Arbeiter in den ersten acht Jahren seiner Beschäftigung nur 11 310 M. an Lohn, also 624 M. weniger. Erst im 16. und 17. Beschäftigungsjahr hat dieser Ar- heiter gegenüber den alten Lohnsätzen einen kleinen Gewinn zn verzeichnen. Die Auffassung über die sozialen Pflichten einer Gemeinde gegen die von ihr beschäftigten Arbeiter wird durch den Beschluß der Treptower Gemeindevertretung in ein recht sonderbares Licht gerückt. Die sozial- demostatischen Gemeindevertreter hatten unter Beibehaltung des bis- herigen AnfangSlohnes eine nach je zwei Jahren staltfindende Lohn- crhöhung von dreimal 3 und einmal 3'/z Pi. pro Stunde beantragt. Damit hätten die Arbeiter im neunten BeschäftigungSjahr den höchsten Lohn von 57'/2 Pf.(die Kanalisattonsarbeiter 60 Pf.) erreicht. Diese Anträge sowohl wie der Antrag auf Streichung des AnfangSlohnes von 42'/- Pf. wurden jedoch von der Grnndbesitzennehrheit wie auf Kommando ein st immig abgelehnt. Die Heizer. Hilfsheizer, Schuldiener erhalten eine Zulage von 100 M. pro Jahr. Alle übrigen Wünsche der Arbeiter sollen erst noch durch das Bauamt auf ihre Durchführbarkeit geprüft werden. Die Lehrer erhalten an Ortszulage 200 M. mehr und zwar nach dem 4. Dienstjahr 100 M., nach dem 28. und 31. je 50 M. Damit steigt die Ortszulage der Treptower Lehrer aus 900 M. Die Lehrerinnen erhalten an Ortszulage 100 M. mehr wie bisher und zwar nach endgültiger Anstellung, sie steigt damit auf 350 M. Auch die Fachlehrerinnen erhalten an Ortszulage nach end- gültiger Anstellung 100 M. mehr. Den Gemeindebeamien Klasse 4, Steuererheber, Vollziehungsbeamte, Polizeisergeanten, wird die Alterszulage um 130 M. erhöht. Diese Beamten erhielten bisher 90=- 310 M, sie erhalten nun 4 mal 110 und 5 mal 100=- 940 M. Sämtliche Erhöhungen gelten ab 1. April 1913. Die Löhne der Arbeiter werden in Wochenlöhne umgewandelt. Sind auch die be« rechtigten Wünsche der Lehrer nicht ganz berücksichtigt worden, so erhalten sie sowohl wie auck die Lehrerinnen und Beamten sofort ein höheres Gehalt. Den Lohn der Arbeiter hat jedoch die bürgcr- liche Mehrheit in der Zeit der Teuerung noch herabgesetzt, äw werden die Gemeindearbeiter behandelt, die neben ihrer schweren Arbeit noch zum größten Teil der Freiwilligen Feuerwehr Treptows angehören und damit Gesundheit und Leben im Interesse der All- gemeinheit aufs Spiel setzen. Ist ein solches Vorgehen auf Bosheit oder Unverstand zurückzuführen?! Weistensee. Die»cucn Strompreise für Elektrizität treten mit dem 1 Oktober 1913 in Kraft. Durch den neuen Tarif glaubt man, die Industrie an de» Ort zu fesseln. Für Beleuchtungszwecke gilt als Grundpreis für die Kilowattstunde 30 Pf. Rabatte werden gewährt bei jähr- licher Abnahme für mehr als 3000 M. 2 Proz-, bei 6000 M. 4 Proz, bei 9000 M. 6 Proz. usw. Bei Entnahme von Elektrizität von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens für mehr als 500 M. jährlich kostet die Kilowattstunde 15 Pf., für Reklamebeleuchtung von 8 Uhr abends an mit einer jährlichen Brenndauer jeder angeschlossenen Lampe von über 1200 Stunden die Kilo« Wattstunde 15 Pf., für Beleuchtung von Treppenhäusern bei einer Brennzeit jeder angeschlossenen Lampe von über 1200 Stunden im Jahre die Kilowattstunde 20 Pf. Für Betriebskraft und gewerbliche Zwecke sind die Preise folgende: Es kostet die Kilowattstunde 10 Pf., sofern der Abnehmer bis 36 000 Kilowatt im Jahre entnimmt, über 36 000 bis 100 000 Kilowatt 9 Vf. und über 100 000 Kilowatt 8 Pf. Diese Preise ermäßigen sich bei einer Entnahme von über 12000 Kilowattstunden jährlich bei einer jährlichen Benutzungsdauer von 2000—2500 Stunden um'/z Pf., von 2500—3000 Stunden um 1 Pf., von 3000—3500 Stunden um 1,5 Pf., von 3500 bis 4000 Stunden um 2 Pf., von 4000—4500 Stunden um 2,5 Pf. und über 4500 Stunden um 3 Pf., so daß im allergünstigsten Falle die Betriebskraft 5 Pf. für die Kilowattstunde beträgt. Die Benutzungsdauer wird ermittelt, indem die gesamte im Jahr entnommene Strommenge geteilt wird durch das Mittel der stärksten viertelstündigen Belastungen eines jeden Monats. Auch weitere Vergünstigungen für Entnahme von Elektrizität sind noch in Aussicht genommen, so soll der Kabelzins herabgesetzt werden, ebenso die Sicherheilsleistung. Die Mindestabnahme für Licht soll von 30 auf 18 M und die Kraft von 52 auf 36 M. herabgesetzt werden. Bei der Landtagswahl ist in einem Weißenseer Wahllokal ein militärisches Führungszeugnis mit angehängter Kriegsbeorderung gesunden worden. Abzuholen gegen Legitimation in der Vorwärts- Expedition, Weißensee, Sedanstr. 105, parterre. Kalkberge- Rüdersdorf. In der letzten Gemeindevertretersitzung konnte endlich nach langen wiederholten Verbandlungen die Wasserwerksangelegenheit verab- schiedet werden. Es wurde beschlossen, die Gemeinde dem Kreis- Wasserwerk anzuschließen. An dem Vertrage sind einige Aenderungen vorgenommen, die aber die Zustimmung des Kreisausschusses ge- fundcn haben.— Der königlichen Berginspektion wird auf ihren Antrag hin gestattet, behufs Ableitung des Grundwassers aus dem Alten Tiefbau(Heinitzbruch) in den Kesselsee die Redenstrahe in der Nähe de§ Redenparkes zu untertunneln.— Dem hiesigen Pfarrer P. Weckend wurden sonderbarerweise die Umzugskosten im Betrage von 388 Mark aus Mitteln der politischen Gemeinde bewilligt. frauen-Lcfcabenck. Stegliv. Der Stichwahl wegen fällt der Leseabend am 19. aus und findet am Montag, den 26. Mai, statt. Hilsskasse der Graveure, Ziseleure und verw. Berufsgenossen zu Berlin tagt jeden zweiten Montag im Monat, abends von 8— 10 Uhr, im Restaurant Luijcnuier 1. Jugeudveranstaltungea. Lichtenber«. Am Montag, den 19. Mai, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Steuer, Frankfurter Chaussee 128(nicht, wie aus den Zetteln angegeben, Frankfurter Zlllee) eine öffentliche Jugendversammlung statt. Herr Weimaim spricht über das Thema:.Jugend heraus!» Arbeiter. ellern! Weist Euere schulentlassenen Söhne und Töchter aus diese Vor- sammlung hin._ ßrirfbarten der Redahtion. Sie luristtsche Sprechstunde s ludet Utndensteave vs, vorn vier Treppe» — Fahrstuhl—, wochcnta glich vou bis TVj Uhr abends, KonuadcndS, von iV' bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den lvrieslaslen bcsttmmtea«nfrage ist ein Buchstabe«ub etae Zahl als Alcrtzetchen delzujugca. Brtcsltqe Antwort wird aicht erteUr. 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Die Ortsverwaltung Berlin des nentschen Hottarbeiterverbande« Henmtwortlicher Redakteur: Alfred Wiclepp�Neulöllsi. Für den Lnjeratenleil peranttv-: Th.Gt»cke,>verlm�Drucku.«ertag:«orwart» vuchvruckerel«-«ertagSanjtatt Paut Hinger