l 5 Pfennig) M0NtltgSltUSgatte( 5 Pfennig) Kr. 131. nbcnncmcntS'-Bcdingungen: Wonnements- Preis pränumerando! Ziierteljährl. 33$ Mk, monatl. 1,10 Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags, munmer mit illustrierter Sonntags- Tcilagc.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs, Pre-slistc, Unter Kreuzband sür Temschland und Oesterreich- Ungarn '2,äO Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Poftabonnemcnts nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crldjeint täglich. 30. Jahrg. Die TnlertionS'Gcbiiitr beträgt für die scchSgespalteilc Kolonei- zeile oder deren Raum M Psg„ für politische und oeweilschaftlichc Vereins- und Persammlnungs-Anzcigen L0 Pfg, „Ulein- Anreizen", das scttgcdruclle Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruclte Worte), jedes wtitere Wort 1» Pfg. Stellengesuche und Schlasstelleuan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ü Pfg, Worte über tä Buch- iiaben zähren für zwei Worte, �lnseraie ür die nächste Nummer Iiiüfsen bis > Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden, Tie Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SwiaWemoltrat Rcvila". Zcntralorgan der fozialdemokratirchen Partei Deutfchlands. Rcdahtion: 850. 68, Lindcnftraße 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatt. Nr. 198Z. Montag, den 19. Mai 1913. Bxpeditton: 85ll. 68, Lindctiftraße 69. Fernsprecher: Amt Moritzplati, Nr. I Sie lunkr können lachen! Tie Junker lachen über den Ausfall der Landtagswahl. Sie dürfen lachen, sie haben das Recht dazu. Sie haben zwar eiii paar Mandate eingebüßt, aber was schadet das? Die absolute Majorität hatten die Ltonservativen— die Zedlitz- Gruppe eingerechnet— auch früher nicht. Ob es ihrer also 220 sind oder 213 oder auch nur 210. bleibt sich ganz gleich. Denn die regierende nicht nur. sondern auch die herrschende Partei sind sie doch. Tie„Post" verrät dummdreist das Geschäftsgeheimnis: Was ihnen au Stimmen zur Mehrheit fehlt, holen sie sich einfach vom Zentrum oder den Rational- liberalen. Je nach � Bedarf und Laune. Will der eine Kumpan nicht mitspielen, tut es der andere. So kann doppelte„Block"polilik getrieben werden, die aber stets gut konservative Politik bleibt. Ja. sie können lachen, die Junker. So geht das preußische Volk herrlichen Zeiten entgegen. Mit der Wahlreform hat es natürlich keine Eile. Ter eine Spießgeselle, das Zentrum, hat ja eben erst durch die„Köln. Volksztg." erklärt, daß ein großer Teil des Zentrums sich in Wahlrechtsdingeu„große Zurückhaltung" auferlegen werde. Ta werden doch nicht etwa die Junker drängen? Und der Dallwitz oder wer sonst den Ehor der Landräte repräsentieren mag, sicherlich ebensowenig. Tie berühinte Verwaltungs- reform, die solange in der Tunkelkammer der Jmmediatkom- Mission geschlummert, wird dafür vielleicht endlich das Licht der Oessentlichkeit erblicken. Bestensalls wird sie wirklich das„Schreibwerk" etwas vermindern, aber an der ehr- Würdigen Pyramide der preußischen Beamtenhierarchie wird auch nicht ein Steinchen gelockert werden. Ter unumschränkt schaltende Landrat wird der Eckpfeiler der Junkerherrschaft bleiben. Tie Junker können lachen! Und wenn dann die verschleppte Steuerreform zu Ende gebracht wird, werden Junker und Schlotbarone einander die Hönde.waschen, selbstverständlich wird der Landrat Vor- sitzender der Steuerkommission bleiben, damit der ohnehin so schwer belastete Großgrundbesitz nicht total ruiniert wird. Dafür aber werden die Junker den Herren vom mobilen Kapital vielleicht die drückende Bürde der Steuerzuschläge ab- nehmen— eine Liebesgabe, die für manchen Großindustriellen hoch in die Zehntausende, ja Hunderttausende geht. Müssen dann von 1916 ab die„veredelten Matrikularbeiträge" auf- gebracht werden, so kostet es. selbst im schlimmsten Fall, dem preußischen Geldsack keinen Pfennig mehr, als er bereits seit 1909 zahlt! Sie können lachen, die Schlot- und die Kraut- junker! Dreht sich's dann um Kultur und Kultus, so dürfen wieder die Schwarzen mittun. Tie Volksschule ist schon gründlichst verpfasst worden, darum kommt jetzt die Reihe an die- Fortbildungsschule. Daß die Fortbildungsschüler außerhalb der Pslichtstunden„freiwillig" zum Religions- Unterricht gepreßt werden dürfen, hat ja die Regierung schon zugestanden. Vielleicht willigt sie aus Trängen der blau- schwarzen Auftraggeber auch noch in ein formales Obliga- torium. Tie Religion muß ja dem Volke erhalten werden. Destn daß die Abkehr vom frommen Glauben der Leute Vor- derben ist, darüber hat ja der konservative Hospitant, Pastor Gaigalat, bei seinen so gründlichen Studienfahrten in den Berliner Lasterhöhleu gar abschreckende Wahrnehmungen machen müssen. Ueberbaupt ist ja das Juukerparlament ungeheuer fromm. Wenn, wie das so oft geschieht, einer der zahlreichen Schwarzröcke in christlicher Demut mid Toleranz behauptet, daß es ohne Religion keine wahre Sittlichkeit gebe, so ruft das ganze Haus, soweit es anwesend ist, stürmisch Bravo. Keinem Nationalliberalen und keinem Freisinnigen chst es je eingefallen, solch anmaßenden Zelotismus in die Schranke zu weisen. Es ist ja auch schon ein gutes Jahrhundert her, daß in Teutschland die erlauchtesten Geister, die Lessing, Goethe, Schiller, sich anmaßten, ohne Religion anständige Menschen sein zu wollen. Stur die Sozialdemokraten haben auf solche Unverfrorenheiten der Ritter und Heiligen geant- wortet. Aber dieser aufsässigen Roten waren es ja auch nur sechs. Diesmal mag wohl eine Million Wähler sozialdemo- kratisch gewählt haben: aber an Mandaten sind den Sozial- demokraten bis jetzt nur ganze sieben zugefallen. Ta können die Junker wirklich lachen! Aber die Junker und ihre Helfershelfer hätten noch mehr Ursache zur ungetrübten Heiterkeit, wenn sie einmal recht gründlich die Wählerlisten durchgingen. Denn einen hübscheren Beweis dafür, mit wieviel geistiger Anspruchslosig- keit die Welt regiert werden kann, gibt es gar nicht. Ein besonderes Kapitel ist die Haltung unserer„In- tellektuellen". Soweit sie Beamte sind oder sonst materiell abhängig, können sie ja nicht sozialdemokratisch wählen. Aber müssen sie denn unbedingt für die G e' n e r der ein- Aigen Parlei eintreten, die in Preußen für unbedingte Frei- beit der Forschung und der Weltanschauung, für Hebung der Volksbildung, für energische Pflege von Kunst und Wissen- schaft mit einem Eifer eingetreten ist, an dem es den Ltfeeralen so völlig gebrach?, Tie Augehörigen der freien Berufe, denen zum guten Teil doch Keinerlei Eristenzschädigung droht, haben sich besten- falls der Stimme enthalten, statt des Wortes zu gedenken, daß die Ueberzeugung des Mannes Ehre ist. Manche von ihnen scheinen sich sogar noch etwas auf ihre Gleichgültigkeit einzu- bilden. Politik, bah, etwas für beschränkte Hirne— wir freien Geister kümmern uns um so was nicht! Wenn dann die Kunst höfisch und offiziell korrumpiert und kastriert wird, wenn es Zensurverbote regnet oder wenn im Dienste eines stupiden Muckergeisies die Staatsanwälte gegen ernsthafte Bücher mobil gemacht werden, so ist das nur die Schuld der Herren Künstler und Intellektuellen selbst! Wenn sich die interessierten Kreise selbst nicht rühren, wenn sie sich an der Wahl nicht beteiligen oder bestenfalls einem versimpelten Liberalismus nachlaufen, so können die Junker und Mucker natürlich lachen! Das Allertraurigste aber ist die Einsichtslosigkeit so manchsr Proletarier. Wir haben bei der Durchsicht etlicher Wählerlisten wirklich den Kopf geschüttelt. Daß sich da so mancher Portier, der kauni trockenes Brot zu beißen hat, von dem Hauspascha sogar zur Wahl für konservative Wahl- männer abkoinmandieren ließ, ist schon arg, aber immer noch allenfalls zu verstehen. Solch ein Mann will eben seine arm- selige Stellung nicht einbüßen und verkauft sich mit Haut und Haar dem über sozialdemokratischen Terroris- »ms schimpfenden Hausbesitzer. Schlimmer ist es, wenn Chauffeure, Kutscher, Friseure und Kellner selbst in �erlin nicht einmal den Mut ausbringen, etwaige Zumutunge.. ihrer Herren Chefs gebührend zurückzuweisen. Was soll man aber vollends sagen, wenn es sogar noch Maurer, Schlosser, Zimmerer, wenn es noch gelernte und ungelernte Arbeiter gibt, die gegen ihre Klassengeuossen stimmen! Wahrhaftig, solange so etwas möglich ist,— möglich ist in der Hauptstadt der Intelligenz—, so lange können die Junker lachen, können sich die Herren voin Zentrum und die Scharfmacher der Großindustrie schmunzelnd dieHände reiben. Das Stimmenergebnis vom 16. Mai war ein unbestreit- barer Erfolg der Sozialdemokratie. Aber es wäre ein arges, ein unverzeihliches Laster, wenn eine Partei wie die Sozial- demokratie mit dem Erfolg zufrieden sein wollte. Je weniger die Arbeiterklasse auf die Hilfe anderer Kreise bauen darf, desto restloser muß sie sich auf ihre eigenen Klassenange- hörigen verlassen können. Sorge jeder klassenbewußte Prole- tarier dafür, daß künftige Wahlen den geschlossenen Aufmarsch der Arbeiterklasse zeigen. Haben wir das erreicht, so haben die Junker ihre Trümpfe verspielt. Tann kann das Volk lachen. Diktatur für die ßeichslande. Während die„Nordd. Allgem. Ztg." sich über die von der elsaß-lothringischen Regierung— natürlich nach vorheriger Verständigung mit der Reichsregierung— geforderten Ausnahmegesetze für die Reichslande ausschweigt, ist der Pariser „Temps" in der Lage, den Wortlaut der dem Bundesrat vorgelegten Tiktaturbestinimungen nebst deren Begründung mitzuteilen. Tie Vorlage besteht aus zwei Teilen: aus einer Ver- schärsung des Preßgesetzes und einer Aenderung des Reichs- vereinsgesetzes. T e r A r t i k e l 2 d e r Borlage über die Presse hat folgenden Wortlaut: „Tos clfaß-lothringische Ministerium kann die Verbreitung einer Zeitschrift oder Zeitung in Elsaß-Lothringcn, die im Aus- lande erscheint, ganz oder ieileveise verbieten. Diese Bestim- mungen find auch auf diejenigen Zeitungen und Zeitschriften anwendbar, die zwar innerhalb der deutschen Reichsgrenze er- scheinen, aber nicht in deutscher Sprache abgefaßt sind." In der B e g r ü u d u 11 g heißt es: „Tic Regierung hatte gehofft, daß mit der Preßfreiheit kein Mißvrauch getrieben werde. Dem war aber nicht so. Sie de- darf heute besonderer Mittel, um gegen die Blätter französischer Sprache vorgehen zp können, die im Lande er- scheinen und deutschem Geiste feindlich gesinnt sind. Ein Teil dieser Blätter gibt sich einer gefährlichen Propaganda hin, die vom Ausland unterstützt wird und gegen die die Regierung ohnmächtig ist. Diese Propaganda hat sich in den letzten Jahren verschlimmert. Romane, historische Er- zählungcn, Zeitschriften verschiedener Art. die sich an die Bc- völkerung und besonders an die Jugend wenden, zielen darauf ob, im Geiste der Feindseligkeit gegenüber dem deutschen Geist zu wirken." Tie Begründung erinnert dann an die Umwandlung des „Journal dÄlsace-Loraine", das früher in zwei Sprachen erschien, in ein ausschließlich französisches Organ, die Um- Wandlung des französischen„Journal de Colmar", das in der Woche zweimal erschien, in eine Tageszeitung usw., und fährt fort: „Alles das zeigt, daß die Blätter französischer Sprache, die im Lande erscheinen, mit der auswärtigen Presse aus die glcicke Stufe gestellt werden müssen. Es handelt sich nicht darum, alle Blätter französischer Sprache ohne Unicr schied der Politik zu verbieten. Ein all- gemeines Verbot war nur ins Auge gefaßt worden, wenn die Blätter im Grunde eine offene, feindselige Haltung gegen die deutsche Regierung an den Tag legten. Die von der Regierung geforderten Bestimmungen entsprechen den Gesetzen über die Presse, die auch in Frankreich nicht nur Blättern gegenüber hc- stehen, die im Auslande erscheinen, sondern auch denen gegen- über, die in Frankreich in fremder Sprache veröffentlicht werden." Die Vorlage über das Ver.einsgcsetz hat folgenden Wortlaut:'I „In Elsaß-LothriNgcn können die Vereine außer den in Artikel 2 des Vereinsgesetzes vom 13. April 1909(Rcichsgesetzi aufgezählten Gründen aufgelöst werden, wenn ihre Tätigkeit die öffentliche Sicherheit bedroht oder wenn fie andere Zwecke als die durch die Satzungen bc- stimmten verfolgen." In der Begründung wird behauptet, daß die Einführung des Reichsvereinsgesetzes in Elsaß-Lothriugen nicht den ge- hegten Erwartungen entsprochen, sondern vielmehr zum Mißbrauch Anlaß gegeben hätte. Als Vereine, deren Zweck mit den nationalen Interessen nicht vereinbar sei, zählt die Begründung die Ortsgruppe des französistfteit Lustfahrerverbandes Mülhausen, den Verein der ehemaligen Fremden- legicmäre und den„Souvenir Fransais" auf. Die deutsch- feindliche Gesinnung und Tätigkeit dieses Vereins sucht die Begründung im besonderen nachzuweisen. Weder seine Ilm- änderung in„Souvenir d'Alface-Lorraine" noch seine Auf- lösung hätten daran etwas geändert, denn: „Diese Tendenzen können jeden Augenblick durch eine andere Gesellschaft aufgenommen werden, und die Regierung bleibt dazu verurteilt, solchen gegen die Interessen des Deutschen Reiche'? gerichteten Machenschaften untätig zuzusehen. Tic in Frank- reich durch Wetterle gehaltene Rede zeige, in welcher Weise man die Bevölkerung zu beiden Seilen der Grenze aufreizen könne. Das ist eine Rede, die in Elfaß-Lothringen nicht geduldet werden kann, Ivo man besonders klug vorgebt, um über das ganze Land Vereinigungen zu verbreiten, die in ernster Weise die Sicherheit und den Frieden des Landes gefährden, waS in Kriegs- zcitcn unheilvoll werden könnte. Für die Sicherheit des Reiches und die politische EntWickelung Elsaß-Lothringens ist es dringend erforderlich, der Regierung die Vollmacht zu bewilligen, diese Vereine aufzulösen, wie sie auch früher dazu die Möglichkeit hatte." Tie Begründung der Ausnahmebestimimmgen ist ihrem Inhalt nackt fast dieselbe, die sich die„Köln Ztg." zum Be- weise für die Notwendigkeit der Wiederaufwäkmung des vor elf Jahren aufgehobenen Diktaturparagraphen geleistet Iiat — nur hat die Regierung das Bedürfnis gefühlt, die magern Gedanken des rheinischen Blattes noch etwas mehr in die Breite zu ziehen, wahrscheinlich um die Dürftigkeit ihrer Motiye zu verschleiern. Durch diese geradezu den Spott herausfordernde Begründung wird der Eindruck der offenen Bankrotterktärnng, der in dem Vorgehen der Regierung liegt, noch verstärkt. Tie hohe Reichsregierung diskreditiert damit selbst ihre ganze seit mehr als einem Jahrzichnt in den Reichslanden befolgte Politik uud gesteht offen ei», daß sie in einem Zeitraum von vierzig Jahren trotz unzweifelhatt günstiger Umstände nicht fähig gewesen ist. die Elsaß- Lothringer an die großen Schönheiten des preußischen Regimes zu gewöhnen, und demnach der bekannte Ausspruch Orenstieruas für die Güte der preußischen Regierungskunst noch immer in vollem Umfange Gültigkeit bat. Ter Bundesrat wird jedenfalls, mag die Vorlage viel- leicht auch einigen süddeutschen Regierungen unbequem sein. der Vorlage zustimmen. Dagegen ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß sich im Reichstaa darüber heftige Kämpfe eut- spinnen werden. Tie beiden konservativen Fraktionen und die Nationalliberalen werden zwar für die geforderten Aus- uahmegesetze zu haben sein, kaum aber das Zentrum, trotzdem es ja neuerdings ganz Ansehnliches in der Betätigung sogenannter„u ationaler" Gedanken leistet. Aie Kismarck mit dem„erbieind" gegen Deullchland intrigieren wollte. In Paris ist soeben(im Verlag von Felix Alcan) ein Buch: „D e u t s ch l a n d u n d Frankreich in Europa" von Pierre A l b i n erschienen, das das Verhältnis der beiden Staaten von t88o bis zum Abschluß der russischen Allianz im Jahre 1894 behandelt. Der Verfasser war in der Lage, in seine klare und übersichtliche, trotz bürgerlich-nationalcr Grundauffassungen im ganzen objektive Darstellung eine Reihe bisher unbekannter diplomatischer Vorgänge einzubczichcn. Besonderes Interesse verdien: der Abschnitt über das Verhalten Bismarcks gegenüber der Berliner Ar- h c itc.r schütz kons e 1,0 n z, das, wie man weiß, die Haupt- Ursache seiner Entlassung wurde. Albin verdankt die neuen Details, die er enthüllt, wie er sagt„einem der zahlreichen, vorübergehend mit der offiziellen Welt in Beziehung getretenen Franzosen, die den französischen Delegierten der Konferenz assistierten. Diese Details waren seinerzeit mehreren Personen bekannt, von denen inanche noch leben und sie bezeugen könnten." lieber die BiSmarckschen Treibereien findet man schon in den Hohenlohe scheu Memoiren die Mitteilung, daß der Kanzler sich bemüht habe, die Schweiz zum Festhalten an ihrer schon früher geplanten Konferenz zu bewegen— ein Versuch, der durch die Loyalität des Schweizer Gesandten Roth vereitelt wurde. Un- bekannt war aber bisher, daß er sich nach diesem Mißerfolg nicht gescheut hat, zur Vereitelung der Konferenz die Hilfe des„Erb- fcindes" zu erbitten, lieber diese selbst bei einem Bismarck er- staunlichc zynische Intrige berichtet Albin folgendes: „Einige Tage vor Ende Februar eröffnete sich Bismarck ohne Umschweife dem französischen Botschafter in Person. Aber H e r b e t t e, der wohl nicht ablehnte, den Wunsch des furcht- baren Partners dieser Unterredung seiner Regierung zu über- Mitteln, zauderte nicht, ihm die Schwierigkeiten seiner Erfüllung zu zeigen. Die Haltung des Fürsten war bekannt. Eine Ablehnung Frankreichs kam fast einem Akt der persönlichen II n h ö f l i ch- k e i t gegen den Kaiser gleich.— Aber Bismarck ließ sich nicht entmutigen. Wenn er das Zusammentreten der Kon- ferenz nicht verhindern konnte, so sah er doch ein Mittel, sie fehl- schlagen zu machen— und wiederum dachte er an Frankreich. Die Wahl der Delegierten konnte ihre Folgen haben. Diesmal war es der Kanzler, der sich nach der französischen Botschaft begab. Das Unglück oder das Vorgefühl der Un- gnade hatte ihn sanft und herzlich gestimmt und Herr Herbette war ihm immer als ein loyaler und intelligenter Gegner erschienen, zwei Eigenschaften, die seine Achtung erzwungen hatten. Das Ge- sprach begann liebenswürdig. Bismarck ging sogar so weit, seine Freundschaft fürFrankreich hervorzuheben:„Ablehnen können Sie in der Tat nicht", sagte er zum Botschafter.„Angesichts der Geistesverfassung des Kaisers wäre eine Ablehnung bei- nahe eine Beleidigung und man hat schon Kriege aus geringfügigeren Motiven gesehen. Denken Sie an die Ursachen des pfälzischen Krieges— ein Fenster des Trianon, das Ludwig XIV. für zu eng erklärte, während Louvois(Ludwigs Kriegsminister) ihm das richtige Maß zuschrieb. Glauben Sie mir aber, ich will keinen Krieg mit Frankreich. Ich weiß wohl.,. der von 1870... ich konnte ihn nicht vermeiden. Aber die Lage hat sich geändert. Ich habe keinen Haß gegen Frank- reich— i m Gegenteil. Nehmen Sie also die Einladung des Kaisers an. Schicken Sie Delegierte.». aber wählen Sic die Delegierten so, daß die Konferenz scheitert!" Und auf den fragenden Blick Herbettes fuhr er fort: „Ja, bei Ihnen fehlt es weder an tüchtigen Tech- nikern, noch an Normannen, die in der Dis- k u s s i o n glänzen.(Die Bewohner der Normandie haben in Frankreich den sprichwörtlichen Ruf der Schlauheit, die aus einem Ja ein Rein zu machen versteht. Anm. d. Red.) Es wird ihnen leicht sein, zu beweisen, daß eine Reglementierung der Arbeit, wie sie der Kaiser erträumt, undurchführbar ist." Und wie Albin weiter erzählt, trat Bismarck in„sachver- ständige" Darlegungen darüber ein, daß ein einheitlicher Ruhetag eine„Utopie" sei und die Unterschiede zwischen den ländlichen und den städtischen Arbeitern eine Gleichheit der Bedingungen aus- schlössen:„Er war einschmeichelnd, beredt, beinahe liebevoll, und etwas erleichtert, gleich als ob er sich einer verstehenden Seele an- vertraut hätte, verließ er, fast getröstet, die Botschaft." Tie weiteren Ereignisse sind bekannt: Die Annahme des Kon- fercnzvorschlags durch die verschiedenen Staaten, die Drohrede des Kaisers gegen Bismarck beim Bankett des Brandenburger Pro- vinziallandtags am 7. März und vor allem das Ergebnis der Reichstags Wahlen vom 21. und 28. Februar mit ihrem Anloachsen der sozialdemokratischen Stimmen von 763 128 auf 1 341 587 und der Mandate von 11 auf 36. Die Verhandlung Bismarck mit Windthorst brachte dann die Krise zur Entscheidung. Die Berliner Arbeitcrschutzkonfercnz hat bekanntlich keine praktischen Ergebnisse gehabt. Um diese zu vereiteln, hätte sich also Bismarck gar nicht erst zu bemühen brauchen. Aber als erster Versuch einer nicht die Aufteilung von Gebieten beztvcckenden internationalen Verständigung der Staaten hatte sie ihre bcschei- dene Bedeutung und ebenso als erster Schritt zu einem Zusammen- arbeiten der deutschen und der französischen Regierung auf einem neutralen Gebiet. Bismarck aber hat sich in seinem fanatischen Junkerhaß gegen die deutschen Arbeiter nicht gescheut, an die französische Regierung zu appellieren und von ihrer nationalen Mockenfilm. ,<. Tiewcil des Menschen Fürrccht Lachen ist. "■"-Ii Rabelais. An die Redaktion des„Vorwärts" 81V 68. Hören Sick mal, eine solche Behandlung möchte ich mir ein für allemal verbitten. Als gelegentlicher Leser und Mitarbeiter Ihres Blattes kann ich wohl verlangen, daß alle meine Einsendungen sofort und ungekürzt gebracht werden. Aber was tun Sie? Sie haben einfach ein paar Einsendungen von mir rücksichtslos im Papierkorb verschwinden lassen. Dabei schwafeln Sie immer von„journalistischem Anstand". Sie und Anstand! Da niuß man schon zur„Post", zur„Germania", zu der„Rheinisch-Westfälischen Ztg." und anderen gutgesinnten Blättern gehen, um dies Gewächs zu finden. DaS sind Zeitungen, die nicht allein alle erdenklichen Rück- sichten auf ihre sorgsam gesiebten und ausgewählten Mitarbeiter und Gönner nehmen, sondern auch mit peinlicher Korrektheit jeden Irrtum, der ihnen einmal unterlaufen ist, richtig stellen und zurücknehmen. Da kann man von einer hochanständigen Presse reden. Aber Sie!......... (Wir sehen uns gezwungen, hier einige bewnderS kräftige Liebenswürdigkeiten des Herrn Einsenders zu streichen. D. Red. d. Vorw.) Das, was ich Ihnen geschrieben hatte, und was Sie meuchlerisch Ihren Lesern unterschlagen haben, war mindestens ebensoviel wert als das, was Sie in Ihren MontagSmunmern gebracht haben. Und geschwindelt haben Sie, daß sich die Balken biegen. Sie wollen doch keinem Menschen weiß machen, daß die Artikel, die„der konser- vative August" unterzeichnet Wareft, von einem honnetten konser- vativen Manne geschrieben waren, So schlau bin ich auch, um herauszufinden, daß das von eineni ganz beionder- bissig veran- lagten Manne Ihrer Couleur geschrieben wurde. So despektierlich schreibt kein konservativer Mann' von Seiner Kasierlich Königlichen Hoheit dem Kronprinzen;— Attacke auf Skutari, bergauf und bergab... so ein Blödsinn! So klug sollten Sie doch auch sein, um zu wissen, daß Seine Kaiserlich Königliche Hohen im Ernstfalle überhaupt keine Attacke reiten wird, sondern zur Erhaltung seine? kostbaren Lebens hübsch weit vom Schuß mit dem Feld- stechcr in der Hand das Schlachtgetümmcl beobachten wird. Eitelkeit die Verhinderung einer rühmlichen deutscheu Initiative zu erbitten. Und um seinem Zorn gegen den Kaiser genugzutun, hat er sich sogar schmeichlerisch an den„nationalen Gegner" gewandt und diesen zu einem Vorgehen zu detvegen gesucht, das im Hin- blick aus die Geistesverfassung des Kaisers zumindest eine Vcr- schlechterung der deutsch-französischen Beziehungen zur Folge haben mußte. Wenn es schon nicht eine ausdrückliche Ablehnung sein sollte— und Ivas diese, die er zuerst erstrebt hatte, be- deuten konnte, hat er selbst in dem Satz von den„geringfügigeren Ursachen mancher Kriege" bekannt—, so sollte cö doch eine zweifellos den Kaiser verstimmende und bei ihm nachwirkend� Sa- botage der Konferenz werden. In Frankreich hatte sich die Opposition gegen die Teilnahme aus vier boulan- gistische Deputierte, auf die bösartigsten nationalistischen Demagogen beschränkt. Aber der„eiserne Kanzler", der Heros der Alldeutschen, wurde ihr Bundesgenosse. Bismarck, für seine persönliche Machtstellung von einem französischen Diplomaten einen Schlag gegen Deutschland erflehend, ist in der Tat das große Urbild der nationalen Waffenfabrikanten, die um des Profits willen Landesverräterei betreiben und im Ausland die chauvinistische Hetze besolden, poUtlfcbe Qeberlicbt Der unersättliche Wehrverein. Der Wehrverein ist zweifellos einer der Hauptmacher der neuen Ricsenwehrvorlage. Auf Schleichwegen, die die Qeffentlichkeit vielleicht erst durch spätere Enthüllungen kennen lernen wird, ist es den Rüstungshetzern des Wehr- Vereins gelungen, bei Hofe Eingang zu finden und unter Ausnutzung der romantischen Jubiläumsslimmung den Kaiser für ihre maßlosen Forderungen zu gewinnen. Ueber die finanzielle Grundlage der Wehrvereinsagitation kann man sich setzt nach den Enthüllungen über die Praktiken des Rüstungskapitals feine eigenen Gedanken machen. Ob dieses Erfolges ist den Heißspornen gewaltig der Kamm geschwollen, und sie treten, noch ehe der Reichstag die Wehrvorlage be- willigt hat, mit neuen Forderungen auf den Plan. Am Sonntag fand in Leipzig die 2. H a u pt v e r- s a m m l u n g des Deutschen Wehrvereins statt. Der General Keim spielte die Rolle des Triumphators und briistete sich mit den Verdiensten, die seiner Meinung nach der Wehrvcrein dem deutschen Volke durch seine Rüstungshetze erwiesen hat. Natürlich ging es nicht ohne Huldigungsielegramme ab; es-wurden solche sowohl an den Kaiser wie an den Krön- Prinzen abgesandt. Der Text des Telegramms an den Krön- Prinzen ist besonders interessant. Er lautet: „Euer Kaiserliche und Königliche Hoheit dankt die in Leipzig tagende zweite Hauptversammlung des Deutschen Wehr- Vereins ehrerbietig und von Herzen für die kernigen, deutschen Soldaten- und Reite rgci st atmen- den Worte in Euer Kaiserlicher und Königlicher Hoheit Waffenbuch." Nach einem Referat des Generalleutnants z. D. L i tz- mann über„Heeresvorlage und Wehrverein" wurde ohne jede Debatte einstimmig folgende Entschließung ange- nommen: „Ter deutsche Wehrverein begrüßt die neue Heeresvor- läge mit Genugtuung, weil sie die von seiner 1. Hauptver- sammlung ausgesprochenen Wünsche zum großen Teil der Erfüllung nahe bringt. Die gegen das Vorjahr noch verschlechterte militärpolitische Lage Teutschlands läßt aber die Forderungen der Regierung als äußerste Mindestforderungen erscheinen. Darum ist es vaterländische Pflicht, auf die An- nähme der ungeschmälerten Regierungsvorlage hinzuweisen. Nachdrücklich warnt der Deutsche Wehrverein vor etwaigen Abstrichen an den als Rahmen für unsere Feldreservc- truppcn geforderten Offizieren und Unteroffizieren. Die Heeres- Vorlage ist ohne jede Verzögerung zu verabschieden, damit ihre Vorteile vom Herbst ab zur Geltung kommen können. Uebex die Regierungsvorlage hinaus erstrebt der Deutsche Wehrverein folgende Ziele: 1. Dauernde Erfüllung des aus militärischen und ethischen Gründen unentbehrlichen Grundsatzes wirklich durchgeführter allgemeiner Wehrpflicht, also selbsttätige Steigerung der Rc- krutenzahl im Verhältnis zur Bevölkerungszunahme;- 2. Einziehung der jüngeren Jahrgänge der jetzigen Ersatz- reservc zu nachträglichen mehrwöchigen Waffenübungcn, um ihre Und dann Ihre abgeschmackte Verhohnepiepelung des Franksiirter SängerfesteS I Na, darüber mit Ihnen zu rechten, ist ja zwecklos. Sie und Ihre„freien" Arbeitersänger haben ja keine Ahnung, was echter deutscher Männergesang ist. Gegen Ihre Verbohrtheit gibt es ja auch kein Heilmittel. Aber Sie sollten einmal hören, wenn in meinem Gesangverein«Spreelerche"— der Chor war leider zu schwach, um nach Frankfurt gehen zu können— der Kantus:„Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit" angestimmt wird. Da könnten Sie spüren, welch künstlerische Kraft im Gesänge des deutschen Bürgersmannes liegt. Wenn ich die niederträchtigen Bosheiten des konservativen August, die blöden Verse und was Sie sonst noch in Ihren Montagsnummern hatten, mit dem von mir Eingesandten vergleiche, dann habe ich die Empfindung, daß ich Perlen vor die Säue geworfen habe. Na, überhaupt Ihr Montagsblatt! Das sollte ganz waS Besonderes werden. Aber schon in Ihren eigenen Reihen macht man die boS- haftesten Glossen darüber. Ich kenne einen Journalisten— er schreibt gelegentlich für die„Morgenpost" und den„Lokal-Anzeiger" Nachrichten über Straßenbahnunfälle und Brandunglücke— der mit allen politischen Kreisen Fühlung hat. Der sagte mir kürzlich, er habe mit einigen Intellektuellen Ihrer Partei (was er mit dem Worte meinte, weiß ich nicht recht; ich glaube, er meinte die feinsten politischen und journalistischen Köpfe, zu denen Sie freilich nicht gehören) gesprochen und die hätte an ihren Eafehaustischen genug spitze und höhnische Bemerkungen über Ihre sogenannten Elitenummern gemacht. Na, und die Herren müssen Sie und Ihre Fähigkeiten doch am besten kennen. Daß es mit Ihren journalistischen Fähigkeiten höchst faul steht, habe ich ja schon in meinem ersten Briefe konstatiert. Mein Urteil hat fich aber nur bestätigt. Da schmieren Sie in einem fort über die sogenannten Krupp-Enthüllungen, über„kapitalistische Korruption' oder wie Ihre Kraftphrasen sonst lauten. Als ob nicht jeder ver- nünftige Mensch wüßte, daß im EeschästSleben von jeher der Grundsatz gilt und immer gelten wird:„Wer gut schmert, der gut fährt." Von wirklich wichtigen politischen Vorgängen bringen Sie nichts oder Sie tun sie mit ein paar schnoddrigen Bemerkungen ab. Da ist z. B. die bevorstehende Hochzeit im Kaiserhause. In jedem an- ständigen Blait kann man lesen, wie der Brautschleier, das Braut« taschentuch. die Spitzen usw. aussehen werden, wo sie hergestellt werden usw. Bei Ihnen findet man davon keine Zeile. Und doch für den Mobilmachungsfall vorgesehene Ausbildung vor- zubereiten und unsere Kriegsbereitschaft schon in der lieber» gangszeit der nächsten Jahre wirksam zu fördern; 3. Aufstellung zweier neuen Armeekorps unter Benutzung der hierzu vollzählig vorhandenen, jetzt überschießenden In- fanteriebrigaden und-Regimenter, Bildung der für den Mobil- machungssall geplanten Kavallcricdivisionen schon im Frieden; 4. bessere Vorbereitung der Offiziere des Beurlaubtenstandes auf ihre Führertätigkeit im Ernstfall, bessere Fürsorge für die ausgedienten Untcroffigicrc und für die Veteranen und 5. Erziehung unseres Volkes zum vaterländischen Pflicht- bewußtsein und zur Pflege seines kriegerischen Geistes. Nicht die Macht des Geldes und nicht die verfeinerte neuzeitliche Kultur, sondern die ungebrochene sittliche Kraft und der mann- haste Sinn der Nation ermöglichen ihr die Erhaltung eines ehrenvollen Friedens und verbürgen ihr den Sieg, wenn es einmal zum Kriege kommt." Ferner wurde ein Antrag aus Einführung einer„groß- zügigen Wehr st euer" und ein Antrag gegen die Fremdenlegion angenommen. Das Bekenntnis der schönen Wehrvereinsseelen hat wenigstens den Vorzug der brutalen Konsequenz. Aus ihrer „Entschließung" kann man mit Leichtigkeit die einzelnen Forderungen der nächstjährigen Heeresvorlage zusammenstellen. Es sei denn, daß die Mehrheit des deut- jcheir Volkes sehr bald und sehr kräftig diesen fanatischen Rüstungstreibern in die Parade fährt. Konservative Stichwahlparole. Der Wahlausschuß der vereinigten konservativen und frcikonservativen Wähler des Wahlkreises Oberbarnim- Eberswalde-Niedcrbarnim hat seine Stichwahlparole ausge- geben. Er ersticht seine Anhänger in allen Orten, in denen Landtagsstichwahlen zwischen den Liberalen oder einer anderen bürgerlichen Partei einerseits und der Sozialdemo- kratie andererseits stattfinden, geschlossen für die Wahlmänncr der betreffenden bürgerlichen Partei einzutreten. Die Pflicht als Kanonenfutter zu dienen. Durch das vom Reichstag angenommene„Gesetz betr. Ge> Währung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer", das am 1. Oktober dieses Jahres in Geltung treten soll, wird das den Kriegsvete» ranen gewährte Unterstütznngsgeld von 12H M. auf 150 M. erhöht, also um 30 M. pro Jahr oder ungefähr 8Z-j Pf. pro Tag. Die dadurch dem Staat erwachsenden Kosten stellen sich auf un- gefähr 8 Millionen Mark jährlich. Mehr hatten die reaktionären Parteien des Reichstages, die eine Milliarde(1000 Millionen) Mark an einmaligen und fast 200 Millionen Mark an jährlichen Aus- gaben für neue Heeresformationen verlangen, für die alten, kranken Kriegsveteranen aus„Deutschlands großer Zeit" nicht übrig. Der Antrag der Sozialdemokratie, den alten erwerbsunfähigen Kriegs- Veteranen eine Unterstützung von 360- M., also 1 M. pro Tag, zu gewähren, wurde spöttisch zurückgewiesen. In einer höchst kuriosen Auseinandersetzung sucht nachträglich die„Nordd. Allg. Zeitung" diese ungewöhnliche Sparsamkeit der Regierung und„nationalen" Parteien, dje mit ihrer sonstigen Geld» Vergeudung für militärische Zwecke in schärfstem Widerspruch steht, zu rechtfertigen. Das 5lanzlerblatt schreibt: Bei uns bestebt die allgemeine Wehrpflicht; diese ist eine Ehrenpflicht und soll es auch bleiben. Das Reich ist daher nicht zur Unterhaltung der Veteranen verpflichtet, wenn sie bei der Ausübung dieser Pflicht keinen Schaden an ihrer Gesundheit erlitten haben. Die Beihilfe kann immer nur die Bedeutung haben, den Veteranen eine Dankesschuld zu erstatteten und die Lebenshaltung der Kriegsteilnehmer bei bestehender Hilfs- bedürftigkeit zu verbessern. Auch finanzielle Rücksichten sprechen gegen eine weitergehende Erhöhung der jährlichen Beihilfen. Dieselbe würde den Reichsausgabcetat ganz wesentlich belasten. Eine Erhöhung der jährlichen Beihilfen auf-160 M., wie sie von den Sozialdemokraten vorgeschlagen wurde, erfordert die Bereitstellung von 88 statt 37 Millionen Mark. Wollte das Reich diese Beihilfe, wie es vielfach verlangt wurde, allen Veteranen gewähren, so müßte ein Betrag von 133 Millionen Mark in den Etat eingestellt werden. Das Reich sorgt bereits weitaus besser für seine Veteranen als irgendein anderer europäischer Staat eS tut. Weder Rußland noch Oesterreich kennen eine Veteranenfürsorge aus öfscutlichen Mitteln. Das kapitalkräs- tige Frankreich gewährt Beihilfen von 60 bis 100 Frank jährlich nur an Veteranen mit mehr als sechsjähriger Dienstzeit. In Dänemark erhalten Teilnehmer an den Kriegen von 1848/50 eine lebenslängliche Ehrengabe von 100 Kronen jährlich, während Veteranen des Feldzugcs von 1864 nicht berücksichtigt werden. würde das die Arbeiterfrauen mehr interessieren, als die Politik, in die sie von Ihnen mit Gewalt hineingezerrt werden sollen. Und wie bedeutsam ist die Teilnahme des Zaren an der Hoch« zeitsfeier. Dafür haben sie bloß dreckige Glossen über die Polizei- lichen Sicherheitsmaßregeln. Dabei sind doch bis jetzt nur 263 russische Geheimpolizisten von Petersburg zur Sicherheit des Zaren abgeschickt worden. Und die sind bloß auf die Reisestatiouen des Zaren wie Königsberg usw. gesandt worden. Hier nach Berlin werden nur ganz wenig kommen. Bei uns werden schon Herr v. Jagow und seine braven Kriminalen dafür sorgen, daß der Zar, wie es im Liebe heißt, sein Haupt kann kühnlich legen jedem Untertan in den Schoß- Oder so ähnlich. Aber viel wichtiger ist die politische Folge des Zarenbesuches. AuS meinen Beziehungen als A-zirksvereinLschriftflhrer zu fort- schrittlichen Abgeordneten habe ich erfahren, daß diese nach Wieder- zusammentritt des Reichstages bei Beratung der Wchrvorlage be- antragen werden, daß alle Forderungen für die Rüstungen in, Osten des Reiches gestrichen werden. Das ist doch auch ganz logisch. Bei dem intimen Verhältnis zwischen Kaiserhaus und Zaren wäre es doch geradezu eine Beleidigung für unsere russischen Freunde, wenn wir an ihre Grenze noch mehr Regimenter legen und noch stärkere Festungen bauen wollten. Meine Gewährs- männer haben mir versichert, daß sie aus guter Quelle wüßten. daß die Regierung bereitwilligst auf die fortschrittlichen StreichungS- anträge eingehen wird. Und nun noch einige Worte über die LandtagSwahl. ES ist für jeden aufrechten und wahrhaft fortschrittlich gesinnten Mcinii� eine Herzensfreude, daß seine Parteifreunde, die Herren Mugdan, Cassel. Kopsch. Rosenow usw. wieder in den Landtag einziehen können. Ueberhanpt das mit dem sogenannten Dreiklassenwahlrecht....*) Indem ich hoffe, ja sogar mir entschieden verbitte, daß diese meine Einsendung in den Papierkorb dersenlt wird, verbleibe ich mit der Ihnen gebührenden Hochachtung Friedrich Wilhelm Schulze. Rentier und Hausbesitzer. Emst. ")Änmerkuug der Redaktion des.'Borw.": Der Herr Einiender macht hier mit so herzerfrischender Ehrtichkeit und Klarheit allerlei Ausführungen über gewisse Vorzüge, die das Drei- llassenwahlrecht nach seiner Meinung auch für das Uberale Bürger- tum hat, daß wir sie, rücksichtsvoll wie wir nun einmal sind, weg- streichen, um die freisinnige Volkspartei nicht zu kompromittieren. Valien verwendet auf Grund eines Geschcs von 1911 für die Beterancnfursorge jährlich 6 Millionen Lire. Mit anderen Worten: die Arbeiter haben einfach die Ehren- Pflicht, sich für den heutigen Staat, das heißt für die Interessen und die Machtansprüche der diesen Staat beherrschenden kapitalistischen Schichten, totschießen zu lassen. Wenn sie bei der Ausübung dieser schönen Pflicht, als Kanonenfutter zu dienen, Schaden an ihrer Gesund- heit erleiden, geht das den Staat nichts an; denn es ist eine voll- ständig verkehrte Ansicht, daß der Staat des Volkes wegen da sei— umgekehrt, das Volk ist des Staates und der regierenden Klassen wegen da. Es hat deshalb der Kriegsveteran, der für das teure Vaterland zum Krüppel geschossen ist, vom Staat auch nicht das Geringste zu verlangen. Wenn der Staat ihm ein Almosen bietet, so hat er das vielmehr als eine hohe Gnade zu betrachten. Na- türlich gilt das nur für die Veteranen, die als gewöhnliche Sol- baten gefachten haben; die Offiziere haben, auch wenn sie in ge- sundhcitlicher Hinsicht keinen Schaden erlitten haben, nicht nur einen rechtmäßigen Anspruch auf schöne Pensionen, sondern, wenn sie höheren Ranges sind, auch noch auf allerlei Kricgsdotationen. Man nennt diese hehre Auffassung von den Rechten und Pflichten des Staates im Lande der Gottesfurcht und frommen Sitte: den christlichen S t a a t s g e d a n k c n. Qchsenköpfiges. Der mecklenburgische Landtag ist bereits wieder am Ende seines Lateins. Morgen, am Dienstag, soll noch eine Sitzung stattfinden — dann wird er, und zwar diesmal bis zum 28. Mai, aufs neue vertagt werden. In der Sonnabendsitzung kam es wieder der Abwechselung wegen zu einer erregten Szene. Nachdem der Bürger- mcistcr von Rostock erklärt hatte, daß der Magistrat Rostocks alles tun i verde, um die zur Beratung stehende Vcrfassungsvorlage zu Fall zu bringen, nahm der Rittergutsbesitzer und nationallibcrale Reichstagsabgeordnetc für Schwcrin-Wismar Julius Heinrich das Wort. Unter dem Gelächter der Herren Ritter bezeichnete er die Vorlage als ein elendes Machwerk— einen Fluch für Mecklenburg. Da es im wundersamen mecklenburgischen Par- lamcnt ebensowenig wie bei den Bierbankpolitikern in der Kneipe so etwas wie eine Geschäftsordnung gibt, jeder ohne Rücksicht auf die anderen Anwesenden reden kann, wann und was er will, und der Leiter der Verhandlungen, wenn das Durcheinander- schwatzen gar zu toll wird, kein anderes Mittel zur Besänftigung der Gemüter besitzt, als durch laute Schläge mit einem dicken Stock auf den Tisch den Lärm zu übertönen, so konnte der dirigierende Landrat v. Maltzahn nicht gegen den Redner einschreiten und mußte sich damit begnügen, nachträglich sein Bedauern darüber auszu- sprechen, daß im hohen Landtag des Obotritenlandes Ausdrücke gebraucht würden, wie sie selbst nicht im Deutschen Reichstag üblich wären— ein Junkerwitz, der von den in bezug auf Witz und Verstand außerordentlich bescheidenen mecklenburgischen Rittern mit wieherndem Lachen aufgenommen wurde. IlebrigcnS beweist wieder der mecklenburgische Liberalismus, daß er fast noch die Ouallentiere an Widerstandsünsähigkeit über- trifft; denn in einer Sondersitzung der mecklenburgischen Bürger- mcister nahmen diese mit 23 gegen 22 Stimmen die Bestimmungen der Regierungsvorlage über die zukünftige Zusammensetzung des Landtages an und verlangten nur, für die 29 von den zukünftigen 82 Abgeordneten, die nach dem Rcgicrungsvorschlag aus städtischen und ländlichen Wahlen hervorgehet sollen, müsse das Wahlvcr- fahren geheim sein. Da die Ritter sich darauf nicht einlassen wollen, sondern die öffentliche Abstimmung verlangen, will die Regierung einen Vermittelungsvorschlag ausarbeiten lassen, nach welchem wahrscheinlich den Städten die geheime Wahl gewährt, für die Landbezirke aber, damit die. Gutsbesitzer die nötige Pression auf ihre„Leute" auszuüben vermögen, die öffentliche Abstimmung empfohlen wird. Deshalb, um der Regierung genügend Zeit für die Ausarbeitung eines solchen schönen VermittelungSvorschlages zu lassen, soll, wie schon oben erwähnt wurde, der Landtag auf acht Tage vertagt werden. Dann kann die Burleske von neuem beginnen. Opfer des Militarisutus. Bei einer Schwadronsbesichtigung des Leibkürassierregiments in Breslau mutzte die erste Schwadron durch eine tiefe Sand- grübe setzen. Eine ganze Anzahl Reiter stürzte. Vier mußten schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. lieber die Art der Verletzungen wird zunächst noch der Mantel der Verschwiegenheit gedeckt, doch läßt es einen Schluß auf die Gc- sährlichkcit des Kriegsspielcs zu, daß zwei der gestürzten Pferde sofort tot waren. Eim späterer Bericht spricht von.Armbrüchen und anderen Verletzungen" der gefallenen Mannschaften. Das österreichische Parlament und die Balkankrise. Ter österreichische Minister der äußeren Angelegen- hciten, Graf Berchtold, wollte unter keinen Umständen eine Besprechung der Balkanaftäre und der österreichischen Politik durch das Parlament zulassen. Man hat deshalb das Abgeordnetenhaus monatelang nicht versammelt. Nun ist es aber doch am Donnerstag wieder zusammengetreten, um der- schiedene kleinere Gesetzentwürfe, insbesondere den Finanz- plan, zu erledigen. Im Seniorenkonvent gelang es dem energischen Auftreten unserer Genossen, den Widerspruch der Regierung gegen eine allgemeine politische Debatte zu brechen, indeni sie erklärten, sie würden sonst durch eine Ab- stimmung im Plenum die Parteien zwingen, vor dem Reiche zu erklären, ob sie iiber die auswärtige Politik sprechen wollen oder nicht. Taraushin erklärte Ministerpräsident Graf S tuergkh, daß am Dienstag ein sechsmonatiges Budget- Provisorium eingebracht werden würde, über das imtürlich eine allgemeine politische Debatte stattfinden werde. Der Ministerpräsident appellierte an die Vertreter der Parteien, doch dahin zu wirken, daß in dieser Debatte keine Aeuße- rungen fallen, die dem Staatswohle nachteilig sein können. Er ineinte damit jede Opposition, vor allen Dingen fürchtete er jedoch panslawistische Reden.— Wie begründet diese letztere Annahme des Miinstcrprasidenten ist. zeigte sich schon am Schluß der Donnerstagssttzung. als der kroatische Führer Abg. B i a n k i n i in Form einer Anftage an den Präsidenten sich über die Erfolge Montenegros � rühmend äußerte und sogar erklärte, dem heroischen König von Montenegro ge- bühre der Dank Europas und Oesterreich-Ungarns dafür, daß rr durch die Räumung Skutaris einen Weltkrieg vcr- hindert habe.„ �,., Aus dieser Sitzung und noch eimge wichtigeInter- v e I l a t i o n e n n n s e r e r Genossen hervorzuheben. ?>n der ersten Interpellation wird gefordert, daß die zur außerordentlichen Dienstleistung einberufenen Reservisten und Grsatzreservisten sofort entlassen werden. In der zweiten Interpellation wird die Regierung befragt, ob sie ihren Ganzen Einfluß dafür einsetzen wolle, daß alle Reservisten und Ersatzreservisten, die sich während ihrer außerordentlichen Dienstzeit durch die Stimmung der Erregung oder der Ver- zweislnng zu strafbaren Handlungen hinreißen ließen, be- gnadigt werden, und endlich wird die Regierung in einer dritten Interpellation gefragt, ob sie schleunigst die Handels- Verträge mit Serbien, Bulgarien und Griechenland erneuern und durch die Anlassnng der Einfuhr von Vieh und Fleisch ans den Balkanländern den Bedürfnissen der österreichischen Industrie und der österreichischen Konsumenten entsprechen wolle. Gegen die dreijährige Dienstzeit in Frankreich. Paris, 18. Mai. Ter frühere Ministerpräsident C a i l- laux hat ans einein Bankett der radikalsozialistischen Partei eine Rede über das militärische Problem gehalten. Der Redner führte u. a. folgendes aus: Es ist bedauerlich, daß man sich ans ein Projekt beschränkt hat, durch das der aktive Dienst zu einer Last wird, welche der Nation ein ergänzen- des Tienstjahr aufbürden und ihr Vergrößerung der Steuern und Verringerung der Produktion bringen würde. In allen Ländern hat die Kraft der Leistungen ein gewisses Maß, das man nicht überschreiten kann. Wir können das Re- gierungsprojekt nicht annehmen, sondern vcr- langen nur, daß nian der Militärverfassung eine Ergänzung für den aktiven Dienst hinzufügen muß, um der Gefahr eines Mangels an Znsammenhalt zwischen den Altersklassen zu begegnen und um die Ausbildung der berittenen Waffen sicherzustellen. Wir sind entschlossen, das Defizit im Budget nicht größer werden zu lassen. Wenn das Defizit zunimmt, so wird es den Kredit Frankreichs, der eine so große Hilfe in ernsten und delikaten Umständen war, bedrohen. Wir werden verlangen, daß neue Ausgaben mit Hilfe von pro- gressiven Stenern auf Einkommen oder Kapitalbesitz gedeckt werden. verbZnZsverismNluag von Groß-BerliD. Am Sonntag hatte sich eine außerordentliche Generalver- sammlung des Verbandes der Wahlvcreine Grotz-Berlins mit dem Bericht der Untersuchungskommission in Sachen Braun und Ge- nassen contra Borchardt zu beschäftigen. In der Generalversammlung am 13. April wurde ein Protest gegen die Landtagskandidatur Borchardts verhandelt. Genosse Fritz, der den Protest begründete, bezog sich auf Vorgänge, die sich in Königsberg abgespielt haben als Borchardt leitender Re- daktcur des dortigen Parteiblattes war. Borchardt verteidigte sich gegen die ihn belastenden Angaben von Fritz. Bei dieser Ge- legenheit sagte Borchardt, Genosse Linde in Königsberg(gegen den damals eine Anzeige wegen Unterschlagung erstattet wurde, die aber von der Staatsanwaltschaft für so wenig begründet er- achtet wurde, daß sie keine Anklage erhob) habe allerdings eine Unterschlagung begangen und Genosse Braun(damals in Königsberg, jetzt Mitglied des Parteivorstandcs) sei ein ehrloser Verleumder. Tie Genossen Braun, Haasc, Linde und Gottschalk, die da- maligen Mitglieder der Königsbergcr Parteileitung, haben infolge- dessen beantragt, eine Untersuchungskommission einzusetzen, welche die Behauptungen Borchardts prüfen solle. Die Kommission ist gebildet worden aus je einem Vertreter der acht Reichstagswahl- kreise Groß-Berlins, Rechtsanwalt Heinemann wurde zum Vorsitzenden der Kommission bestimmt. In der gestern abgehaltenen Verbandsgeneralversammlung gab Genosse Heinemann den Bericht der Kommission. Sie habe ihre Untersuchung nur auf die gegen Linde und Braun erhobenen Anschuldigungen Borchardts erstreckt und sei zu dem Urteil gekommen: „In den beiden Fällen, mit denen allein sich die Unter- suchungskommission zu befassen hatte, dem Fall Linde und dem Fall Braun, steht die Kommission einstimmig auf dem Stand- pnnkt, daß die von Borchardt gegen Braun und Linde geltend gemachten Vorwürfe in einer gröblichst leichtfertigen und unverantwortlichen Weise erhoben sind." Nachdem Heincmann seinen Bericht erstattet hatte, gab der Vor- sitzende E r n st bekannt, daß auf Grund des Urteils der Kommission der Zentralvorstand von Groß-Berlin beantragt: „Die Generalversammlung möge erklären: Borchardt ist nicht mehr geeignet, ein Mandat der Partei zu übernehmen." Hierauf hielt Borchardt eine 2)� stündige Verteidigungsrede. Er- erklärte: Unter den damaligen Umständen habe er glauben können, Linde habe eine Unterschlagung begangen; jetzt sei er zu der Ansicht gekommen, daß keine Unterschlagung, sondern nur eine unordentliche Buchführung vorliege. Daß Braun ihn tBorchardt) verleumdet habe, habe er auf Grund eines ihm in einer Berliner Sitzung vorgelesenen, aber nicht ausgehändigten Briefes annehmen müssen. Jetzt, nachdem er den fraglichen Brief gelesen, nehme er auch den Vorwurf der Verleumdung zurück. In der Generalversammlung am 13. April habe er die Vorwürfe gegen Linde und Braun nur in Notwehr erhoben. Ihm sei noch nie, auch nicht in der Untersuchungskommission, Gelegenheit gegeben worden, sich in dieser Sache ausreichend verteidigen zp können. Dieser Behauptung gegenüber erklärten Heincmann und das Kommiffionsmitglied Ewald: Borchardt sei in keiner Weise an seiner Verteidigung gehindert worden, nur das habe die Kom- Mission verhindern müssen, daß er andere Vorkommnisse, die mit der vorliegenden Angelegenheit nichts zu tun hatten, hineinziehen wollte, um die Sache zu verdunkclir. Die Mehrheit der Kom- Mission sei übrigens der Meinung, Borchardt habe seine Vorwürfe gegen Linde und Braun wider besseres Wissen erhoben. Lediglich, um Borchardt eine goldene Brücke zu bauen, habe sich die Mehrheit der Minderheit gefügt und dem vorliegenden Urteil zu- gestimmt. Aber nach den heutigen Ausführungen Borchardts sei auch die Minderheit zu einer anderen Ansicht gekommen. Sie er- kläre heute: Jetzt sei auch sie der Meinung, daß Borchardt wider besseres Wissen gehandelt habe. Nachdem die Versammlung von 9� Uhr früh bis 4stf Uhr nachmittags ohne Unterbrechung getagt hatte, stimmte sie dem Urteil der Kommission mit 393 gegen 277 Stimmen zu. Ter Autrag des Zcntralvorstandcs auf Aberkennung der Land- tagskandidatur wurde mit 369 gegen 339 Stimmen abgelehnt. )Zu9 Groß-Berlin* Wahlhumor. In einem Wahllokal des 7. Landtagswablbezirks ereigneten sich einige spaßige Zwischenfälle, die verdienen, erwähnt zu werden: Es erschien dort ein blühendes stattliches Mädchen mit einem Bricflcin in der Hand und machte den Wahlvorsteher mit gut gesetzten Worten von dem Inhalt des Briefes bekannt: daß der Herr krank sei und er die von ihm� gemeinten Namen unterstrichen habe. Die freundlichen Worte des Wahlvorstehers, daß wohl nie- mand aus dem Wahlvorstand eine Wahl vom Fräulein außerhalb Les Wahllokals ablehnen würde, aber daß eS so, fine es gedacht sei« nicht zu machen sei, vermochten das Fräulein nicht zu versöhnen und so schied sie denn mit den Worten:„Sind Sie aber klein- lich!"— Ein anderer Wähler, der mit einiger Schwierigkeit den Namen eines freisinnigen Wahlmannes genannt hatte, wurde vom Wahlvorsteher darauf verwiesen, daß er das Recht habe, zwei Namen zu nennen.„So?" sagte der Wähler,„na da nehmen wir noch einen von der anderen Richtung, dann hat j c d e r c t w a s." Er gab nun auch gewissenhaft den Namen dieser Richtung an. Ein anderer wieder, der ebenso mit dem Namen- angeben knauserte, entschied sich für Herrn T e w s. Den gleichen Hinweis des Wahlvorstehers, daß er zwei Namen nennen könne. beantwortete er mit den Worten:„Nein, das genügt, denn der Herr sorgt für alle, für die Armen sowohl wie für die Reichen!" Rasche Anfklärung hat der„Ucbcrfall" in der Llhlbecker Straße. über den wir gestern berichteten, gefunden. Wie wir mitteilten, wurde der Friseur Richard Werner aus der Stargarder Straße siö in der Ahlbecker Straße am Sonnabendabend in der siebenten Stunde mit zwei Schußwunden im Halse und in der Brust auf- gefunden. Der Schwerverletzte gab noch an, daß er von zwei Männern überfallen worden sei, verlor dann aber die Besinnung und wurde in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus Am Friedrichshain gebracht. Es wurde bald seitgestellt, daß es sich um einen fingierten llebersall handelte. In der Wohnung Werners fanden Beamte einen Revolver, aus dem zwei Schüsse abgefeuert waren, und eine Blutspur, die aus der Wohnung nach der Straße zu ging. Der Revolver ist Eigentum des Werner. Die Ermitte- lungen ergaben, daß gegen ö Uhr zwei Schüsse in der Wohnung gefallen waren. Ohne Zweifel hat der„lieberfallene" diese selbst auf sich abgefeuert, um seinem Leben ein Ende zu machen. Als er aber trotz der schweren Verletzungen den Ted nicht fand, schleppte er sich bis zur?5hlbecker Straße. Polizeilich beschlagnahmt wurde die Leiche eines jungen Mädchens. Die 26jährigc Else O. hatte sich, um die Folgen eines Liebesverhältnisses zu beseitigen, an eine in der Tcllstraße wohn- hafte Frau gewandt. In der Wohnung der letzteren wurde das junge Mädchen dann als Leiche vorgefunden. Die von dem Vorfall in Kenntnis gesetzte Polizei beschlagnahmte den Leichnam und ließ ihn zur Obduktion nach dem Schauhause bringen. Die Frau wurde verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Einen schaurigen Fund machten spielende Kinder in der Revaler Straße. Beim Buddeln im Erdboden aus einem nnbe- bauten Grundstück stießen sie aus ein in Zeitungspapier gehülltes Paket, da? die Leiche eines neugeborenen Kindes enthielt. Die Nachforschungen nach der Mutter waren bisher erfolglos. Tie Indienststellung des zweiten Motorschifscs„Neukölln" der Tcltowcr KreiSschifsahrt ist gestern erfolgt. Das neue Fahrzeug bietet Raum für 545 Personen, hat zwei 69-II?-Motoren und er- reicht 16 Kilometer Geschwindigkeit im freien Wasser. Um das Schiff auch bei Abendfahrten verwenden zu können, ist es mit elek- irischer Installation und Jlluminationsanlage versehen. Die„Neu- kölln" ist 39 Meter lang und 6,4 Meter breit. Ihr Rumpf ist in vier Schotte eingeteilt, die die Betriebssicherheit des Schiffes garan- tieren. Inmitten des Oberdecks, das aus breiten Treppen von allen Seiten bequem erreichbar ist, befindet sich das Miffett, von dem Erfrischungen verabfolgt werden. Tötlicher Absturz. Gestern abend gegen I28 Uhr stürzte der Schlesische Straße 15 wohnhafte Willy Steffen vom Taubenboden des vierten Stock- Werkes auf den asphaltierten Hof hinab. Er erlitt einen doppelten Schädelbruch, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ten Tod im Wasser suchte und fand gestern vormittag ein noch unbekannter Mann doN etwa 39 Jahren an der Torfbrücke. Er sprang dort um 19� Uhr vor den Augen der Passanten in den Spandauer Schiffahrtskanal uns ging sofort unter. Rettungsversuche waren ohne Erfolg, dasein Körper nicht wieder zum Vorschein kam. Auch die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Tagegen konnten Papiere auf den Namen eines Formers Karl Klcinsohir, der in Guben ge- bürtigt ist, aus dem Wasser gefischt werden. Allem- Airschein nach sind sie dem Lebensmüden bei dem Sprung aus der Tasche gc- fallen. Die Wohnung des Kleinsohn ließ sich bisher noch nicht er- Mitteln. Der Unbekannte tvar, wie Augenzeugen bekunden, mit einem grauen Anzug und einer grauen Mütze bekleidet.— Gelandet wurde gestern mittag aus der Spree in'der Nähe der Mar- schallbrücke die Leiche des Kürassiers aus Brandenburg a. H-, der am vergangenen Dienstag am Neichstagsufer gegenüber der Markt- halle in die Spree sprang, nachdem er Extrasäbel, Mütze und Hand- schuhe am Ufer niedergelegt hatte. Tarifbewegung der Töpfer. Die Töpfer Groß-Berlins beschäftigten sich am Sonntag in! neun Versammlungen mit der neuen Tarifvorlage. � Wie von den Referenten berichtet wurde, tvcrdcn am Montag die Arbeiterver- treter einer Zusammenkunft der Unternehmer beiwohnen und den Standpunkt der Arbeiter darlegen. Die Lohnkommifsion müsse den Versammlungen die Ablehnung der Unternehmervorlage empfehlen. Die Versammelten dokumentieren ihre llebereinstimmung mit der Haltung der Lohnkommission durch einstimmige Annahme einer Resolution, in der ausgesprochen wird, daß die Arbeiter mit der Tarifvorlage nicht einverstanden sind, da die bisherigen Grund. preise der Oefcn erheblich reduziert werden. Sollten jedoch die Arbeitgeber auf ihrer Tarifvorlage beharren, dann wäre es den Gesellen unmöglich, auf dieser Basis wieder einen Tarifvcrtmy mit den Meistern einzugehen._ lUtxtc Nadwlebtcm Wahl eines sozialdemokratischen Nationalrates in der Schweiz. Wintcrthnr, 18. Mai.(Privattel«gramm des 0 r w ä r t s".) Iiil Wahlkreis Winterthur wurde der So- zialdeinokrat Professor Schenkel mit 9833 Stimmen gegen 8385 Stimmen, die auf den Bauernkandidaten Zwingli fielen, in den Nationalrak gewählt._ Schweres Grubenunglück. New Aork, 18. Mai. In einem Bergwerk rn der Nähe voir Belle Valley in Ohio sind infolge zweier Explosionen sechzehn Berglentc getötet worden. Protestierende Soldaten. Paris, 18. Mai. Aus Toul wird gemeldet: Gestern abend versammelten sich in der Rue de la Rcpubliquc 2 9 9— 399 Sol- baten, um eine Kundgebung gegen die von der Regie- rung beschlossene Zurückbehaltung der Altersklasse von 1919 zu veranstalten. Dar Plahkömmandant ließ sofort Alarm blasen und die meisten Soldaten kehrten freiwillig in die Kaserne zurück. Die übrigen taten dies, wenn auch murrend, auf Zureden eines Offiziers. Die Militärbehörde ordnete eine Unter- suchung des Falles an, um die Anstifter der Straßcnwndgebung zu ermitteln. Das Kricgsministerium erklärte, es habe sich durch- aus nicht um einen Akt der Meuterei gchanMt. Ter Plahkömmandant habe verhindern wollen, daß die Soldaten sich an einer von mehreren politischen Vereinigungen veranstalteten Protejt- kundgcbung gegen die Zurückbehaltung der Jahresklasse von 1919 beteiligten� und durch das Alarmsignal die Mannschaften gezwun- gen, in die Kaserne zurückzukehren. �bester. Nkontag, den IS. Mai 1S13. Anfang 4 Uhr. Nrauia..Hohcnzollern'-Fahrtcn. Slnfang lll, Ubr. König!. Opernhaus. Madame Buttcrfly. König!. Schauspielhaus. Julius Cäsar. Pratcr. Das Dummelmädcheu. Anfang 8 Ubr. Urania. Die Nordsee-Jnscl Sylt. Neues Opern(Kroll). Tann. Häuser. Lessiiig. M-Wien. 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Heft 13: Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie vor Gericht. Heft 14: Die Greuel desKrieges. Heft 15: Krieg dem Kriege. Heft 16: Der Wahlrechiskampt vor dem Reichstage. Heft 17; Weckruf zur Preußen- wahl. Heft 18: Das Wahlrecht und die Parteien. Heft 19: Dichtung und Wahrheit über 1813. Preis für jedes Heft 10 Pi. Berliner Wurst- und Fleischwaren- Fabrik Karl Laeske, Petershurger Platz 8 offeriert heute billigst: la Wurstbruch 7of80Pf. Eisbeine Ptaad 30 Pf- bei 5 Pfund 28 Pf. Spitzbeine rf,"id*0 Pf- bei 5 Pfund 13 Pf. Schweine-Rippen Sehweine-Sehwänze � so pl sowie sämtliche Wurst u. Ploisch- waren zu den billigsten Preisen. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts liindenstr. 69. i| Karl Thomas, Tischlermeister{ früher Kühnke& Thomas ■"US"* Bernauer Sir. 79. • Günstige Zahlnngsbedingnngen. I Stilvolle Kleliiwohnmisfen i| i(komplett) la �Qualitätsarbeit. t i ! HVlrKllelie Oebranehsmöbel|> tief und hoch. 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Auch seine Stärke liegt im Haarwuchs, und Herr Kopsch weiß das ganz genau: Darum ist er stets, wo er auch geht und steht, was er auch tut und läßt, mit Kämmen und Kämmchcn, mit Bürsten und Burstchcn versehen. Rüstet er sich in der Kommission zu einein Strauß mit der hohen Regierung, so sährt er sich erst mit einem großen Kamm und einem kleinen Bürstchcn durch den Haarbusch— den Anwesenden fällt es wie Schuppen von den Augen—, dann hilft er mit einem kleinen Kämnrchen und einer großen Bürste nach und ist nun bereit und sieht hochgemut aus. Herr Kopsch ist der Simson der Fortschritts- Partei: er wird eines Tages auch die morschen Balken einreißen, die dieses morsche Gebäude noch tragen. Heckscher. Der Reichstag legt Wert auf ihn, denn er ist der Mann mit der Nelke.(Es klingt wie der Titel eines französischen Schauerromans: D'homms ä l'oeillet!) Er trägt die Nelke bei Tag und bei Nacht, im Sonnenschein und im Regen, am Jackett und am Gehrock, am Smoking und am Nachthemd. Leuchtet sein seuerflammender Schopf auf der Tribüne auf. so überzeugt sich der Reichstag. daß die Nelke am Platz ist. Ist das zur Zu- friedenheit konstatiert, so fällt das Parlament in seinen legitimen Schlummer zurück. Die Nelke ist Herrn HeckscherS Individualität. Hcgenschcidt. Oberleutnant d. R. im Husaren-Regiment Graf Goetzcn(2. Schlesisches) Nr. 6— kolosial schneidig! Pyramidal! Nebenbei auch noch kgl. preußischer Landrat. Er redet ein Deutsch, wie es kgl. preußische Landräte zu schreiben pflegen. Wie ein Laokoon von den Schlangen, ist er, wenn er auf der Tribüne steht, von den Bandwürmern seiner eigenen Sätze umwickelt, und je mehr er sich herauswickeln will, desto mehr wickelt er sich hinein, und neue Bandwürmer schlingen sich um seine Glieder: und wenn er dann schließlich an- gestrengt nachdenkt, was er eigentlich gesagt haben wollte, macht sein Gesicht einen fast vergeistigten Eindruck. Aber das muß ein Irrtum sein, denn er ist im Hauptberuf Oberleutnant d. R. im Husaren- Regiment Graf Goetzen(2. Schlesisches) Nr. 6! Freiherr v. Gamp. Eine nicht üble Gestalt. Roggengeruch. Knarrt anheimelnd mit der. Stimme und läßt es sich durchaus anmerken, daß er in den Gauen Wurzel- fest ist, wo man für Mädel„Marjell" sagt und von„Königsbarg" schwärmt. In SudermannS .Sturmgeselle SokrateZ" bekommt ein ostpreußischer Edelmann vor, der knorrig ist und Wurzel- fest, mit der Stimme knarrt und seine freisinnigen Klub- brüder anherrscht:.Ich reit euch auf Kandare, bis ihr quietscht!" Er hat den Spitznamen„der Alte vom Berge". So ist Gamp. Seit er nicht mehr Vorsitzender der Budgetkommission ist, sitzt er oft da und sinnt nach und sinnt nach, wie man aus Vierzehn » ZW« 1(1 Sit IWaRi Stimm M» tn tiHH Stati siuri. Fünfzehn machen kann, der Alte vom Berge. Aber es bleiben Vier- zehn. DaS ist 2X7 oder 2X64-2, aber immer noch keine Fraktion. Behrens. Er ist Gärtner von Beruf, indes durchaus kein Gärtner wunder- mild, wie er im deutschen Märchen oder Volkslied vorkommt. Aber man merkt ihm doch an, daß er unier Mistbeeten zu Hause ist. Wenn leine Sozialdemokraten im Reichstage säßen, wäre er ganz manierlich, aber so wie sein Blick auf die roten Hundertzehn fällt, schnappt in seinem Innern eine Feder und er muß loskläffen. Er kläfft, als ob er eS bezahlt bekäme. (Er bekommt ja auch bezahlt!) Er kläfft, daß sich ihm der dünne Schnurrbart sträubt. Er kläfft ohne Unterlaß wie ein wachsamer Gärtnerspitz. Aber sonst eine gewinnende Erscheinung. Mumm. Wenn er aufgerufen wird, erscheint er auf der Tribiine, bläst die Pausbäckchen auf wie ein Engel des jüngsten Gerichts und alles erwartet jetzt die Anrede zu hören:„Liebe Brüder in Christo!" Aber da fällt Herrn MummS Blick von ungefähr auf den gesinuungsverwandten Herrn Arendt, er würgt, was er schon auf der Zunge hatte, müh- sam wieder herunter und quält sich eint„Meine Herren!" aus der Kehle. Dann schwimmt er auf den Oelfluten seiner eigenen salbungsvollen Sonntagsnachmittagspredigt davon, wobei er durch- blicken läßt, daß er zu denen gehört, die Gott lieben und denen darum alle Dinge zum Besten dienen. Selig sind die Armen im Geiste. Selig ist Herr Mumm, den Herr Kaempf ängstlich davor schützt, Lizentiat genannt zu werden. Hestermann. Bauernbündler, zu Deutsch: verschämter Nationalliberaler. Aber sonst nicht sehr verschämt, sondern ein junger Mann von anerkennenswerter geistiger und körperlicher Frische und von Tempera- ment sprudelnd wie ein Flasche Selters. Er wird nicht oft losgelassen, aber wenn schon, denn schon! Dann ergießt sich die unheimlichste Suada in den Saal; sein Mundwerk rattert wie ein Maschinengewehr, dreihundert Worte in der Minute spritzen hervor... Zum Schluß jeder seiner Tirailladen steckt er den deutschen Bauernschädel auf eine Stange, an dem die Sozialdemokratie zerschellen wird sagt Herr Hestermann. Werner-(Gießcn) oder sHersfeld). (Nichtgewünschtes bitte durchzustreichen!) Treu und deutsch. Was ihm an Kenntniffcn fehlt, ersetzt die judenfresserische Gesinnung. Auch das häufige Waschen, das nur schmutzige Orientalen nötig haben, wird durch stramme Haltung weit ge- macht. Es ist der gefährlichste Abgeordnete, denn nur mit Schlag Worten wirft er um sich und mit Stich Worten, auf die freilich, da der Reichs- tag keine antisemitische Versammlung ist, niemand reinfällt. Er ist fest davon überzeugt, daß die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ein „wanderndes Geheimnis" darstellen und daß sie ihm auflauern, um ihn in den Keller einer Synagoge zu schleppen und ihm dort sein arisch- germanisch- christliches Blut zum Pesach- fest abzuzapfen. Er übt sich darum in Dschiu- Dschitsu.— Der Korpus ist bereits von einer Universität angekauft, um im Falle des Todes ausgestopft zu werden. Dieser Zeitpunkt ist aber hoffentlich noch recht weit hinausgerückt, denn jeder Freund unfrei- williger Komik wünscht Herrn Wernerleben, daß er bleibe gesund bis zu hundert Jahr! Kafcrncnbof! Was ist das für ein Getöse hinter dem Barackenbau der dritten Kompagnie? �rind denn heute wieder alle Teufel los! Dort tönt ein langgezogenes Brüllen, dann wieder kurze bellende Kommandorufe hervor und dann wieder ein schweres Stampfen da- zwischen. DaS achtjährige Bübchen vom Feldwebel schleicht die Mauer entlang bis zur Ecke und späht, neugierig den Hals reckend, über den kieSbestampften großen Platz. Sein kleines Schwesterchen schleicht ihm nach. Auf dem Kasernenplatz steht ein starkknochiger Soldat, wie eine Säule so starr. Ein kleinerer Unteroffizier kreist um ihn herum. Ist das alles? denkt der Bub und macht einen Schritt weiter vor. Steck: dann die Fäustchen in die Hosentaschen und wartet mit gcspreitzten Beinen, was nun kommt. Die Kleine hält sich an seiner Bluse fest und starrt mit aufgerissenem Mäulchen die beiden Sol- baten an.»Parademarsch, Baon— marsch!" kommandiert der Unteroffizier gellend, und der Soldat setzt sich in Bewegung. Steif wie eine Drahtpuppe. „Eins"�.und— eins— und— eins." Wie:» �charmeren bewegen sich die Beine, tempoweise, jede Sehne zum� Reißen gespannt. Hart schlagen die schwer genagelten Stiefel auf den kiesigen Boden, hie und da fliegen Funken aus den vom Eisen getroffenen Steinen. Die Erderschütterung jedes dieser gewaltsamen Schritte� eilt durch den ganzen Körper und löst im Gehirn estwn zuckenden schmerz aus. Die Riemen des schweren feldmarschmäßig gepackten Tornisters schneiden tief in die Achseln, ganz eng ist der Sabelgurt angezogen. Tie schwarze Binde sitzt unter dem Kragen».es dunkelblauen, blankknopfigcn Uniformrockes zum Erdrosseln fest um den Hals. Der schwere Helm ist tief in die Slirnc gedrückt, die �.chuppenkctte unter das Kinn geschnallt. Brot- beute' und Feldflasche hängen an der Seite. Die linke Hand hält krampichaft daS geschulterte Gewehr am Kolben. Willenlos, von Schweiß triefend, bewegt sich der Soldat wie ein riesiges mecha- nischcs Spielzeug fort. Tw Augen quellen aus den Höhlen, stoß- w-is* keucht der Atem. s.ropisch heiß brennt die Julimittagssonne senkrecht auf den schattenlosen Platz. „Hund, willst Du wohl die Knie durchdrücken, schlapper Trottel, faules Aas!" brüllt der Unteroffizier;„muß ich Deinetwegen, weil Du die Knochen nicht durchdrücken kannst, mit nachexerzieren, statt auf der Falle zu liegen!" „Wirst Du wobl dieses Kme mehr durchdrücken, mein Süßester, wein Engelchen!' knirscht er boshaft grinsend und klopft den Lauf seines Gewehres dem Gequälten in die linke Kniekehle, wohl wissend, daß er dem Manne dadurch unheimlichen Schmerz verursacht. . �»Ba.. on halt!" kommandiert er plötzlich, und der Mann steht plu. blaurot im Geficht, tief zitternd rmgt er nach Luft. Eine Minute.„Hast wohl Durst, mein Bester?" fragt lauernd der Unter- offizier. Der Soldat öffnet den Mund zur Antwort, bringt jedoch nur einen gurgelnden Ton aus der trockenen Kehle. „Komm, wir wollen zum Brunnen, Laufschritt, marsch, Marsch!" Klatschend schlägt im Laufe das Schanzzeug gegen die Schenkel. „Halt!"—„Feldflasche her. Pumpe, mein Sohn!" lächelt süß der Vorgesetzte und hält die Feldflasche unter das laufende Wasser bis sie voll ist. Wie jedoch der Soldat durstig danach greifen will, kommandiert der Unteroffizier brüllend:„Stillgestanden I" und hängt grinsend die Flasche an den Brotbeutel des Soldaten. „Laufschritt, marsch marsch!"' Verzerrten Gesichtes rennt der Mann weiter, um zwei Pfund mehr beschwert. Aus den Fenstern des Sergeantenzimmers zu ebener Erde tönt schallendes Lachen über den gelungenen Scherz. Plötzlich, unerwartet, schlägt die Kasernenuhr zwölf. „Richtung Barackcneingang der dritten Kompagnie Laufschritt, marsch marsch! Abtreten!" brüllt der Unteroffizier. Der Soldat steht keuchend auf der Mannschastsstube. Den Tor- nister hat er dröhnend zu Boden fallen lassen. Tie übrige Aus- rüstung liegt auf seinem Bette.' Um den Tisch sitzen auf klobigen Holzschemeln die Kameraden und reinigen Gewehre. Einige hänseln ihn, die Mehrzahl schweigt düster. Er läßt sie spotten, teilnahmslos, und ringt nur schweiß- triefend nach Luft. Der Unteroffizier betritt die Mannschaftsstube. „Gemeiner Haggenmüller, antreten I" ruft er. Der steht still vor ihm.—„Wie das Schwein wieder aussieht, die Ohren voll Staub, der Hals ganz schwarz. Hemd ausgezogen, Hose und Stiefel anbehalten. An den Brunnen und sofort ge- waschen!" Der Mann starrt erschrocken den Peiniger an. „Marsch. wird'S bald! Helft ihn ausziehen'." befiehlt er zwei anderen. Die reißen dem Kameraden Rock und Hemd vom Leibe. Der Mann eilt rasch zum Brunnen. Handtuch und Seife tragend. „Holländer und Rikert, Ihr beide helft ihm beim Waschen und sorgt mir dafür, daß er schön sauber wird!" befiehlt der Unteroffizier die zwei versteckt anblinzelnd. Diese haben begriffen! Der Soldat steht schweißtriefenden heißen Körpers am Brunnen. Ihm schaudert davor, kaltes Wasser an seinen glühenden Leib zu bringen. Da naht Holländer, pumpt einen Eimer voll Wasser und stellt ihn, scheinbar gleichgültig, neben sich. Rikert bummelt über den Platz, die Hände auf dem Rücken.„Vorwärts!" brüll, der Untcrosfizier vom Fenster aus. Der Mann pumpt und hält zögernd den Scheitel unter das Wasser. Da saust klat- schend der Inhalt des Eimers über seinen Rücken. Kamerad Holländer drückt ihn mächtig über den Trog und Rikert dearbeitet ihn mit Strohwisch und Wurzel- bürste. Einige Minuten, dann lassen sie ihn fahren und laufen spornstreichs in die Baracke zurück. Den Fenstern entschallt wieder ein johlendes Lachen. Der nackte plumpe Körper des Ge- marterten schlägt taumelnd in den Kies. Dann steht der Mann auf und geht mit zusammengebissenen Zähnen über den Hof. „Noch siebzehn Monate, noch siebzehn, siebzehn, siebzehn Monate!" Einen anderen Gedanken kann er nicht fassen. Der FeldwebelSbub aber sitzt mit schadenfroh blitzenden Augen auf der Steintteppe und klatscht sich jubelnd auf die mageren Schenkelchen. Die Kleine steht neben ihm und weint erschrocken über das Gesehene. „Dummes Aas", spricht er zu ihr. __ Herman» Stenz. Das Geftändrus. In Kopenhagen saß ein hartgesottener Gauner mit Namen Hansen unter dem Verdacht eines Diebstahls im Untersuchungs- gefängnis. Der Assessor rackerte sich ab wie ein Karrengaul, um ibn zu einem Geständnis zu bewegen. ÄuS dem garte« Hanfe« aber war keine Silbe herauszubringen. Eures schönen Tages aber lieh er dem Assessor sagen, wenn er ein großes gutes Beefsteak mit Zwiebeln und drei Flaschen kühles helles Bier bekäme, wolle er gestchen. Da es in Dänemark nicht ungewöhnlich ist, einen verstockten Sünder auf diese Menschenfreund- liche Weise zum Gestehen zu bringen, ging der Assessor auf de« Vorschlag ein. Die leckere Mahlzeit wurde aufgetragen und der ehrliche Hansen erschien. Man sah ihm förmlich an, wie ihm beim Anblick der be-, vorstehenden Tafelfreuden das Wasser im Munde zusammenlief. „Also gestehen Sie jetzt", sagte der Assessor. Und Hansen gestand; er gestand so redlich und flründlsch, wie nur je ein reuiger Sünder gestanden hatte. Als das Geständnis aufgeschrieben war, wurde er plötzlich von einem Anfall von Rührung übermannt. „Herr Assessor", sagte er,„weil Sie sich so lange mit mir haben abquälen müssen, will ich Ihnen nach dem Essen noch ein zweites Verbrechen gestehen, von dem Sie bis jetzt keine Ahnung haben." Der Assessor strahlte. In dem Manne steckte offenbar noch et« unverdorbener Kern. Und nun verzehrte der redliche Hansen das flute Essen und goß das kühle Bier mit Wohlgefallen hinter die Binde. Als er fertig war, wischte er sich befriedigt den Mund. ..Wie steht es jetzt mit dem zweiten Verbrechens- fragte der Assessor. Der gute Hansen räusperte sich und begann mit sanfter, schäm- erfüllter Stimme: „Es handelt sich um einen Bctvug. � Ich habe mich durch eine betrügerische Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Besitz eines guten Mittagessens gebracht. An dem Geständnis, daß Sie vorhin niedergeschrieben haben, ist keine Silbe wahr." Ter Assessor sank in den Sessel zurück und sah ihn mit starreu Augen an. Der gute Hansen aber ließ sich in mildem Seelenfrieden indaZl Untersuchungsgefängnis zurückführe«, Cndfcnbocbzdt. Sie winden ihr schon den Jungfernkranz, der Prinzessin aus dem Hause Hohenzollern, von deren berückender Holdseligkeit uns die Schmocks der bürgerlichen Presse auf allen Märkten und Gassen so oft vor- gesungen haben, das; um ein Haar sogar wir davon überzeugt sind. Sie winden ihr den Jungfernkranz, all die hochgemuten Patrioten. von deren äußerer und innerer Holdseligkeit wir minder überzeugt sind. Sie klappen schon probend die Kinnbacken auf und zu, um das Hurra recht tönend ans der deutschen Männerbrust aufsteigen zu lassen, sie verleihen durch eifriges Bürsten den ältesten Zhlinder- hüten einen letzten melancholischen Glanz, und die wackersten Hau- degen der Berliner Schlächterinnung üben schüchtern den Sattelsitz auf martialischen, aber frommen Gäulen, um im Festzuge an der Spitze zu paradieren. Deutschland ist in Aufregung, denn bei Kaisers ist Hochzeit! Deutschland in Aufregung? ES denkt gar nicht daran. Deutschland ist froh, daß der Frühlingschimmel heiter lacht. Deutschland schaut aus, ob die politischen Wetterwolken sich auch bald verziehen. Aber Aufregung wegen der Familienfeier im Schloß? Warum denn und wieso?? Aufgeregt ist man vielleicht in den Be- zirken der geiitig Minderbemittelten, in denen die Landwehr- dienstauSzeichnung II. Klasse als hohe Ehre eingeschätzt wird, und vor allem ist die in irgend einer Hinsicht patriotische Presse auf- geregt und bemüht sich, durch lautes Geschrei Krethi und Plethi zur Garnierung der Rinnsteine ain Hochzeitstage aufzubieten. Da gibt es denn keine Ausnahmsn � von der„Kreuzzeitung" bis zum „Berliner Tageblatt" geht es, von den sogenannten unparteiischen Blättern, den General-, Lokal- und KreiSanzeigern ganz zu schweigen. Bon früheren Gelegenheiten her weiß man, daß uns nichts erspart bleiben wird. Die Firma, die die Hochzeitskutsche lackiert hat, kann man loyalen Bürgern doch beileibe nicht verschweigen, und der loyale Bürger erhebt auch berechtigten Anspruch darauf, von seinem Leib- blati mit der Nase auf die duftende Brautwäsche gestoßen zu werden — um jedes Spitzenhöschen muß er genauesten Bescheid wissen. Kurz und gut, bis zu dem Tage, da sich, gewissermaßen im Beisein aller guten Patrioten, der Cumberländer mit elegantem Kavalleristen- satz ins Brautbett schwingt, wird sich'S, Ivohin man auch in der bürgerlichen Presse greift, schleimig und breiig anfühlen. Alle Schleusen des Byzantinismus sind gezogen. Das deutsche Volk in seinen weiten und breiten Schichten steht, so weit eS nicht von einem Schauer des Ekels geschüttelt wird, dem unwürdigen Spektakel mit gelassener Ruhe gegenüber. Freilich empfinden auch wir menschlich genug, um dem Kaiserkind zu wünschen, was wir jedem Proletarierkind wünschen: daß es in der Ehelotterie keine Riete ziehen möge. Aber gerade deshalb muß uns das tolle Gebaren der bürgerlichen Presse um so widerwärtiger, um so Iviirdcloser erscheinen, da sie doch genau weiß, daß man hier nicht geprüft hat, ob sich da? Herz zum Herzen findet, sondern daß bei diesem Paar die hohe Politik mitspricht. Wäre die Welfenfrage nicht, so wäre auch diese Hochzeit nicht. Allerdings ist auch die Welfenfrage ein reichlich geheimnisvolles Ding, das den Massen des deutschen Volkes im tiefsten Herzen un- gefähr ebenso gleichgültig ist wie die Skutarifrage. Die Welfenfrage datiert aus dem Jahre 18(36. Als damals die Sache der Habsburger und ihrer Verbündeten schief ging, flüchtete der blinde König Georg von Hannover auf das bei Rltenburg gelegene Jagdschlößchen seines Schwiegervaters, das den Namen führte„Zur fröhlichen Wiederkunft". Dieser Name war einer jener ironischen Witze, an denen die Weltgeschichte nicht arm ist, denn für den Welsen gab e-Z weder eine fröhliche, noch eine traurige Wiederkunft in seine„angestammten" Lande, sondern Bismarck, der sich später wie eine gistgeschwollene Viper gegen die angeblich umstürzlerische Sozialdemokratie erhob, betrieb damals kaltblütig den Umsturz litt großen: er zerschlug die hannoversche Königskrone, die mindestens so legitim war toie die Krone Preußens, gleich einem faulen Ei und ließ samt dem Kurfürstentum Hessen, dem Herzogtum Nassau und der freien Stadt Frankfurt das König- reich Hannover verschwinden. Georg V. aber war ein starrfinniger alter Herr, der es um alles in der Welt nicht einzusehen vermochte, daß die Gnade Gottes über einem von Gottes Gnaden plötzlich verlöschen könne, nannte sich deshalb ruhig weiter von Gottes Gnaden König von Haimover und beteuerte aus seinem neuen Hoflager Hietzing, unter den Fittichen des österreichischen Doppeladlers, ab und zu in einer Proklamation unverbrüchlich seine Rechtsansprüche auf das Land, das längst als preußische Provinz von Pickelhauben verwaltet wurde. Auch besoldete er, als es 1867 wegen der luxemburgischen Frage zwischen Frankreich und Preußen loszugehen schien, auf holländischem Boden die vielbesprochene Welfenlegion, die freilich nie in die Lage kam, auch nur einen Schuß loszubrennen, weil eben der deutsch-französische Krieg um drei Jahre vertagt wurde. Für Bismarck aber war diese Welfenlegion ein hoch- willkommener Vörwand, das konfiszierte Privatvermögen des Königs dauernd einzusacken und aus diesen Millionen jenen berüchtigten Reptilienfonds zu bilden, aus dem ein großer Teil der deutschen Presse mit geheimen Trinkgeldern gespeist und so bismärckisch durch- feucht wurde. Die Welfenfrage gewann eine gewisse Aktualität, als die im Herzogtum Braunschweig regierende Welfenlinie ausstarb und ein BundeSratsbeschlutz vom 2. Juli 1885 den nächsten Thron- anwärter, den Herzog von Cumbcrland, ältesten Sohn Georgs V., der Thronfolge für verlustig erklärte, wenn er sich nicht seiner An- spräche auf Hannover begebe. Da der Cumberländer dazu wenig Lust verspürte, wird seitdem Braunschweig von einem Re- genten verwaltet. Nachdem nun im vergangenen Jahre der älteste Sohn des Herzogs von Cumberland gestorben ist und der zweite und letzte Sohn in die Familie Hohenzollern hinein- heiratet, erscheint— glückliches Deutschland!— die Welfenfrage „gelöst", denn wenn der Herzog selber einmal gestorben und der Prinz Ernst August versöhnt ist, existiert eben kein Kandidat für den hannoverscheu Königsthron mehr, und die Wclfenpartei, die bei den letzten Reichstagswahlen immerhin noch etwas über KKXXK) Stimmen aufbrachte, aber eigentlich nur ein Anhängsel des Bundes der Landwirte ist, kann ihre Fahne zusammenrollen und für immer im Wandschrank verschließen. Zumal wenn, wie gemunkelt wird, der BundeSratsbeschluß von 1885 umgestoßen und der Ehemann der Prinzeß Viktoria Luise auf das Dhrönchen von Braunschweig gesetzt wird. Das ist die Welfenfrage, mit der das Legitimitätsgespenst des 18. Jahrhunderts im hellen Tageslicht des 20. Jahrhunderts umher- spukt. Das deutsche Volk aber in seiner Mehrheit hat sich in den gewaltigen politischen und sozialen Kämpfen der Gegenwart mit anderen Dingen zu befassen und überläßt die Gespenster vom Schlag der Welfenfrage Hofschranzen und Hoflakaien und Leutchen, die mit affenartiger Gelenkigkeit an den Stammbäumen der Dynastien auf« und abklettern. Dem deutschen Volk liegt ganz und gar nichts daran, ob aus der Braunschweiger Hofkutsche das Denkerhaupt eines Hohenzollern oder eines Welfen herausschaut, und auch BraunschweigS Bevölkerung, die Anno 1836 einen Welfenherzog mit faulen Eiern bis zur Grenze seines Ländle geleitete, wird kaum den Hals recken, um einen anderen Welfenherzog einziehen zu sehen, auch dann nicht, wenn er an der Seite einer Tochter Wilhelms II. erscheint. So ist das politische Drum und Dran dieser politischen Heirat erst recht nicht geeignet, in den Massen für die Hochzeit Gefühle zu erwecken, die nun einmal nicht vorhanden sind. Im Gegenteil! Die Massen werden höchstens, wenn man von der Lösung der Welfen- frage im Brautbett viel Wesens macht, mit gemischten Gefühlen an den Umstürzler Bismarck und an seinen Reptilienfonds denken und mit einer freilich nicht dynastischen Pietät an die faulen Eier von 1836! Die katboUfebe„Juta". Tie internationale„unabhängig e"(katholische) Telegraphenagentur„I u t a", durch die eine neue Aera des klerikalen Preßwesens begründet werden sollte, ist. wie uns aus Chur(Schweiz) gemeldet wird, pleite und wird, wenn sich nicht in den Kreisen des höheren Klerus willige Geldgeber finden, voraussichtlich am 1. Juli ihre Pforten schließen. Im Jahre 1911 wurde mit einem gewissen Pomp die Finanzierung der„Juta" mit einem Kapital von 2 Millionen Franken verkündet. Es gehörten danlals der Oberleitung an: Tr. Jakob Rohner, Fabrikant. Advokat Geser-Rohner. Dr. Lantpert, Professor des kanonischen Rechts in Freiburg, Ludwig Kaul, Journalist und als„technischer Berater" der Schriftsteller und Chefredakteur der„Reuen Zürcher Nachrichten" G. Baumberger— alle in der Schweiz. Obgleich das Unternehmen vom Klerus unterstützt wurde, gingen die Ge- schäfte schlecht. Da tauchte plötzlich ein Amerikaner F. Wein- schenk als Generaldirektor auf, und nunmehr setzte eine Organisation nach amerikanischem Muster ein. Sei es, daß den Herren Aktionären dieses amerikanische, rücksichtslose Vor- gehen nicht konvenierte— sei es, daß sie die Undurchführbar- kcit des Unternehmens bereits nach einein halben Jahre ein- sahen und für ihr liebes Geld fürchteten— kurz: eines schönen Tages kaufte sich der Amerikaner den ganzen Aktien- Vom ecbtcleiitfcben famiUenlcbcn* Herr August Wilhelm Müller, Stadtreiscnder in Zigarren und Spirituosen, Mitglied der Loge zu den drei Dattelpalmen, freiwilliger Agitator des Wehrbundes und Gönner von Jung-Deutschland, anti- semitischer Wahlmannkandidat in Moabit und Hausbesitzer im Boye- rischen Viertel, sitzt mit seiner Gemahlin, geb. Lehmpuhl, Tochter des Titular-RechnungSratS Lehmpuhl, am FrühstückStifch. Er und sie sind rein-arischer Abstammung, Abonnenten des„Lokal-AnzeigerS" und der„StaatSbürger-Zeitung", um den zwei Seelen in ihren Brüsten, der geistig'hochinteressierten und der deutschvölkisch begeisterten Ge- nüge zu tun. Mit seinen jüdischen Kollegen kann er in Fixigkeit nicht konkurrieren, deshalb macht er das Geschäft mit Deutschtum. Seine Rede für Krupp im deutschvölkischen Kegelklub„Donau" ist rühmlich bekannt geworden. Von„ungenannter Seite" ist ihm daraufhin eine Bestellung auf 166 Halbliterflaschen Kümmel und 56 Kistche» „Teutschland in der Welt voran" zugegangen. Das Geschäft geht also. Zu seinem Hause ist er auf seltsame Weise gekomnien. Er spielte eines Abends mit zwei Herren Skat, deren Aussehen ihn stutzig machte und die sich denn auch schließlich als„Deutsche" namens Mandelstamm und Silberfarb herausstellten. Mandelftanim verlor an August Wilhelm Müller 7 Mark und 16 Pfennige, natürlich(!) ohne sie zahlen zu können. Als Müller aus Begleichung drang, blieb dem Mandelstamm nichts anderes übrig, als ihm sein Haus (Doppelhaus, fünfstöckig, zwei Lifts, Warmwasserheizung, Tresor, Dunkelkammer, Vacuumreinigcr, Dachgarten) im Bayrischen Viertel aufzulassen, wobei dieser Mandelstamm, seiner Bereitwilligkeit nach zu schließen, mindestens 7 M. verdient haben muß. Jetzt ist Müller Hausbesitzer, ist aber drauf und dran, sein Haus gegen zwei andere in Friedenau zu vertauschen und will diese wieder gegen eine ganze. nagelneue Villcnkolonie.„Müllers Idyll" genannt, abgeben. Aber jetzt fitzt er beim Frühstück, seiner Wichtigkeit als Wahlmannskandidat bewußt und es entspinnt sich zwischen ihm und seiner noch etwas unvollständigen Gattin folgende Unterhaltung. Müller: Heute werde ich also wieder den vereinigten Mächten des Umsturzes und des Judentums eiitgegei, treten. Ist eS doch in diesen Zeiten der Unterwühlung der heiligsten Ideale und deS An- sturms gegen Thron und Altar... Frau Müller: Aber Manne, das haste ja gestern schon ge,agt. da in dieser Versammlung, na wie heißt sie doch, wo die 12 Leute waren und der Rechtsanwalt... Er: Du meinst in der imposanten, von zahlreichen echtdeut,chen Gesinnungsgenossen besuchten Kundgebung für den einzigen Kandidaten Berlins, der national durchaus zuverlässig und ein mierniüdlicher Kämpfer gegen die am deutschen VollSkörper eine unersättliche Seuche fressende, im Dunkeln wühlende, die Sittlichkeit untergrabende, deutsche Treue und Redlichkeit verhöhnende, die höchste Stelle wie ein Wall umgebende, semitische... (Hier geht ihm der Atem aus. Frau Müller benutzt die Pause, bis er wieder genügend deutschvölkische Luft geschnappt hat.) Sie: Schatz!, da steht, er habe Wollustgefühle bekommen, als der Knabe noch ei» wenig zuckte. Das war doch sicher ein Sozial- demokrat. Er: Diese Ansicht habe ich auch gestern am Stammtisch vertreten. Aber, ist es zu glauben, ein Staatsbeamter, ein höherer Staatsbeamter, der Aktuar Schulze erlaubte sich die Bemerkung, ich sei... ich sei... Sie: Manne, um Gotteswillen, was?'. Er(dumpf):... ein Idiot! Aber er soll eS mir bezahlen! Zur fteiwilligen Jahrhundertspende des rein-arischen Stammtisches „BiSmarck-Eiche" hat er sein Scherflcin verweigert. Das soll nicht unbekannt bleibe». Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Sie: Aber daS ist ja fürchterlich! Er: Wahrhaft fürchterlich! Gerade in diesem Jahre der Jahr- Hundertfeier... Sie: Ja und er hat es schon oft gemacht, steht dal Er: Wo? Wo steht daS? Der Aktuar Schulze? Sie: Aber nein, der Knabenmörder l Die Kolonialwaren- Handlung hat'ne ganze perverse Kundschaft gehabt! Denk' mal an. Und in der vornehmen Gegend! Er: Das ist wieder Wasser auf die Mühlen des Umsturzes. Daß gerade im Ticrgartenviertel, wo, allerdings untermischt von Fremdkörpern, die Edelsten der Nation wohnen..... Sie: Hör nur! Bei der Zerstückelung des Jungen floß sehr viel Blut! Er hat ihn ganz kunstgerecht zerteilt! Nein, so etwas! Schatz!, bitte streich mir noch ein Brötchen, ich muß das lesen! Er: Wenn das heute mit der Wahl nur gut geht. Sonst kann ich mit der neuen Schnapsmarke„KönigStreuer Moabitter" ein- packen. Sie: DaS müssen sie doch au-S dem WahIfoudS zahlen. Du könntest eigentlich Probeflaschen im Wahlbureau ausstellen. Er: Sehr gut l DaS mach' ich! UebrigenS, wenn man nur er- fahren könnte, mit was sich der Knabenmörder so entsetzlich besoffen hat. Wenn's ein SchnapS von unserer Finna war, könnte man auf die Etiketten drucken:„Hilft gegen die stärksten Gewissensbisse! Münzende Referenzen von Lustmördern, Brandstiftern usw."! bestand von 2 Millionen auf und nakim von allen, die W'anfänglich so lebhaft„f ü r d i e g u t c S a ch e" ins Zeug gelegt hatten, auf echt amerikanische Art und Weise stummen Ab- schied. Nun schaltete und waltete Weinschenk, der zum Vati- kau in besonders guten Beziehungen stand, nach Herzenslust. Gespart brauchte mit deni Gclde nicht zu werden, denn man sprach nicht nur von den 2 Millionen Aktienkapital, sondern wußte sich in gewissen Kreisen noch von anderen Haufen„ir- dischcr Güter" zu erzählen. Es wurden damals Agentur- bureaus in München, Berlin, Wien, Karlsruhe, Zürich und später auch in Düsseldorf gegründet. Zunächst suchte sich Weinschenk einen Generaldirektor und seine Wahl fiel ans den Rechtsanwalt A u g u st R u m p f in München(1. Vizepräsident des Katholikentages in Mainz). Tiesem war nun die Oberleitung und damit auch die organi- satorische Tätigkeit übertragen, mit anderen Worten: er als Nichts ournalist sollte das Unternehmen aus die Höhe bringen. Es gelang ihm nicht. Darauf wurde ein Holländer von Wein- schenk berufen, mn das Unternehmen zu restaurieren: doch auch dieser verschwand bald. Was an mißlungenen Versuchen und Geldausgaben ge- leistet worden ist, soll geradezu haarsträlibend sein. Es ist dies ganz deutlich daraus ersichtlich, daß Weinschenk, der doch als Amerikaner gewiß an kleine Extravaganzen gewöhnt ist. nicht mehr länger zusehen will, trotzdem das Aktienkapital noch nicht einmal ganz aufgebraucht ist, denn laut„Bund" sollen erst etwa 799 999 Frank verausgabt worden sein. Die ersten journalistischen Hauptkräfte(Kaul, Kral, �oternbauer, Vcrvega, Cavaler, Carry) lösten sich bald vom Unternehmen los. Kaul, ein katholischer Journalist und anfänglich Direktor der„Juta", soll laut„Sccolo" aus Gründen derTendenz der„Int a" den Rücken gewandt haben. So sind von den 2 Millionen Frank, mit denen das Unternehmen begründet wurde, in zwei Jahren 799 999 M. verpulvert worden. Von dem Rest von 1 399 999 Frank spricht niemand. Man sucht anderweitig neues Geld. Es soll versucht werden, neues Kapital im klerikalen Lager aufzu- tteiben. Nach den bisher gemachten Wahrnehmungen scheinen aber diese Versuche erfolglos geblieben zu sein. Es darf dies als ziemlich sicher angenommen werden, denn sonst hätten die „Neuen Zürcher Nachrichten" gewiß längst der Welt die frohe Botschaft verkündet, daß die„Juta". ihren Gegnern zuni Trotz, weiter„blühen" werde. Was die„Juta" nach dem Plan ihrer Gründer werden sollte, wird genau gekennzeichnet in einer salbungs- vollen, vieloersprechenden Broschüre, die iin Jahre 1919 „An den hochwürdigsten Episkopat und die hochwürdigsten Ordensobern der römisch-katho- I i s ch e n St i r ch e des Erdkreises" vertraulich gesandt wurde. In diesem Programm hieß es wörtlich: „Ueber das Programm der Juta ist nicht viel zu sagen; eS ist vor allem dasjenige, welches der hl. Vater, der Kardinal- staa t s s e krc t ä r und andere höchste Stellen ihren Spitzen ans Herz legten: unentwegt im Dienste zu stehen der objektiven Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Unabhängigkeit. In treuer Erfüllung dieser Aufgabe versteht eS sich von selber, daß die Juta der Tendenzwirtschast der bisherigen Agenturen berichtigend entgegentritt. Es ist geschäftlich alles sorgfältig in Erwägung uns Berechnung gezogen, denn man ist sich vollständig bewußt, welch ungeheure Verantwortung man vor Gott und der ganzen katholischen Welt einging, indem man das Unternehmen schuf. Tann wird es noch eine andere Aufgabe erfüllen, nämlich nach und nach einen Jugend- geist heranzubilden, der das volle Verständnis fnr die Universalität der katholischen Kirche be- sitzt. Hauptsache ist uns bleibt die Bedienung der katholi. sch e n und christlichen Presse. Dabei ist nicht zu übersehen, daß, Ivenn erst die Juta sich stärker entwickelt hat, sie ein wichtiges Mittel zum Ausbau der katholischen Presse ist und zur Schaffung katholischer Blätter, wo solche noch fehlen. Wenn Episkopat und Ordensobcrc des ganzen Erdballes dem Unternehmen als Gönner �ur Seite stehen, dann erst wird es werden, was sein Name besagt, ein wahrhaft internationales, universelles und unabhängiges Unternehmen." Trotz der vielen Beteuerungen, daß die„Juta" mit dein Vatikan nichts zu tun habe, sagt man in den journalistischen Kreisen der Schweiz dem Unternehmen gute Beziehungen zur römischen Kurie nach. Bei der Ausweisung der„�nta" ans Italien erklärte der Exdirektor Ludwig Kaul einem Journa- listen, er habe seine guten Gründe, zu glauben, daß die„Juta" vom Vatikan beeinflußt sei und daß der geheimnisvolle Sie: Stein, so etwas! Hör' nur:„Dem ganz das vornehme Gepräge des Tiergartenviertels tragenden Haus sieht man es wirk- lich nicht an, daß in ihm der Knabenmord begangen worden ist!" Das ist doch fürchterlich I Er: Schrecklich! Da sinken sicher die Mieten! Da sieht man wieder, von welch empörenden Folgen ein solche? Verbrechen be« gleitet ist. Da werden die Sünden des Dieners heimgesucht bis in den dritten und vierten Stock. Sie: Ach. ich möchte das Scheusal furchtbar gern mal sehen. Ob wohl in der Gerichtsverhandlung alles so ganz genau erzählt wird, so... alles, was so Menschen wachen... und ob der Junge schon öfter und so... Er: Die Verhandlung ist doch unter Ausschluß der Oeffcntlich- keit. A. propos Ausschluß der Oeffentlichkeit! Fast hätt' ich die Wahl vergessen. Weib! Reich' mir Hut und Stock und die Likör- proben! Ich muß zum Kampf mit Gott für König und Vaterland! Sie: Vergiß auch die Kundenliste nicht! Nein, wenn in den Zeitungen nur mehr darin stände, was der Ritter mit dem Jungen gemacht hat. Die Hauptsache fehlt immer. Aber Dich ruft nun die Pflicht. Hoffentlich setzest Du was ab. Er: Na. etwas muß doch bei der Wahl herauskommen. Also, lebe wohl! Kämpfe zu HauS für unsere gute Sache im Gebet und in der Stille! Sie: Jawohl, August Wilhelm, und von den anderen Lauf- jungen muß ich noch lesen, die auch so... so Neigungen gehabt haben. Er: Nun denn, so nehm' ich Abschied von dieser trauten Häuslichkeit, in die kein störender Laut der brutalen Offentlichleit dringt, um für den Kandidaten deutschvölkischer Ertüchtigung und echt germanischer Abwehr aller sensationslüsternen, Misch verseuchten Kreise(er ist schon auf der Treppe. Man hört noch:) Kaiser und Reich... Krupp, der Stolz Deutschlands... hundert Stück mit einen, Rabatt Hurra, Hurra, Hurra! Sie(ihm nachrufend): Du, der Wechsel von Levy muß heute gezahlt werden! Er(von unten): Gegen die Juden, für die reine deutsche Rasse! Da muß ich erst noch ein paar Kisten„Wotan mit Buffellcder-Dcck- blatt" verkaufen! August Wilhelm Müller zieht zur Berennung deS Umsturzes aus. Frau Müller geb. Lehmpuhl setzt sich oben zurecht und be» ginnt strahlend die" Lektüre:„Ritter, der, perversen Neigungen huldigend, sich stets an junge Burschen drängte, um mit ihnen Per- boteneS zu treiben.. Sie träumt. Er kämpft gegen den Schmutz in Wort und Bild. Amerikaner Weinschenk der Vertrauens- und Ge- währsmann deZ Kardinalslaatssekretärs sei. Zum Schluß noch einige Schreiben, die ebenfalls für die eigenartige Unabhängigkeit der„Juta" sprechen: »S. E. Kard i na lstaa ts sekret ä r an Msgr. Georg Schmid von Grüneck, Bischof von Chur, z. Zt. in Rom. Ich habe die Ehre, Ihnen nnttcilen zu können, daß S. Hei- ligkeit von dem Projekt der Gründung einer internationalen Telegravhcnagcnvur für die katholische und unabhängige Presse Europas und Amerikas Kenntnis genommen hat, von welchem Projekt Sie Ihre Hl. unter gleichzeitiger Neberrcichung einer gedruckten Kopie nebst Ergebenbeitsadresse, unterzeichnet von Ihnen und den hauptsächlichsten Förderern des Projektes, in Kenntnis setzten. Aus der obenerwähnten Ergebenheits- adresse hat der Hl. Vater ersehen, daß Sie der Sache Interesse entgegenbringen. Uig.) Cardinal Mcry del Val." «Empfehlung. Die Notwendigkeit, eine internationale kon- kurrenzsähige katholische Tcpcschenagcntur zu gründen, liegt für jeden, der die Preßverhältnisse kennt, offen zutage. Wir begrüßen diese zeitgemäße und großzügige Idee mit lebhaftem Interesse, empfehlen dieselbe alle» für die Wahrheit begeisterten Katholiken und wünschen den wackeren katholischen Männern, welche mutig die Hand ans Werk gelegt haben, Gottes Segen und glücklichen Erfolg. Chur, 24. Februar 1310. m. p. Georg Schmid v. Grüneck, Bischof." Mit dieser sonderbaren Unabhängigkeit dürste es nun bald aus sein, wenn nicht noch in letzter Stunde ein Deus ex machina auf der Bildfläche erscheint. Vom jfakrmarkt des Lebens* Des Landarbeiters Hltersbeirn. In Dobrilugk in der Provinz Brandenburg sitzt ein Greis m der Gefängniszelle. Gebrechlich, mit geschwollenen Füßen, in einige alte Lumpen gehüllt. Scchszchn Jahre war er auf einem Vorwerk des Dominiums K l e i n h o f beschäftigt. Tag für Tag brachte er seiner Familie 1,30 Mark Tagclohn. Und er wurde bei seiner Arbeit älter, er wurde schwächer. Seinen beiden Kindern erschien der Lohn von 1,30 M. nicht so verlockend, daß sie auf dem Gute Arbeit nehmen mochten. Da teilte dem K3jährigen der Gutsherr mit, daß er ihn leider entlassen müsse. Der Alte zog nun mit seinem Weibe bettelnd umher, hier und da verdiente er oder seine Lebensgefährtin einige Groschen. Doch für ein Obdach reichte es nicht auS, und so landeten die beiden Alten schließlich wieder in der Guts- wohnung, aus der der Gutsherr sie zwar nicht verdrängte, aber fürsorglich die Fenster aushob. Drei Jahre kampierten die Alten in der fensterlosen Wohnung, trotzten Wind und Wetter, bis «S dem Gut.Sherrn doch zu viel wurde und er durch das Gericht die Tür sperren ließ. Nun hatte die Gemeinde Dobrilugk Erbarmen. Sie öffnete dem Gehetzten die— Gefängniszelle. Freilich nur für die Nacht. Früh morgens mußte er mit seinem Weibe hinaus, bis er eines Tages nicht mehr gehen konnte, die Füße verschwollen waren. Jetzt kann er auch bei Tage in seinem Altersheim bleiben, sein Weib darf ihm das erbettelte Essen durch das Fenster reichen. Der Alt« hat das schwerste Verbrechen begangen— er büßt dafür, daß er alt und krank, eine wertlose Arbeitskraft geworden ist. Er darf sich steuen, daß ihm die Gefängniszelle zum Alters- heim ward. Denn er ist ein Arbeiter, für den nach hoher Versicherung.gesorgt ist bis inS hohe Alter hinein". Klologifches. Der Mensch ist ein unvollkommenes Geschöpf! DaS ist die Tendenz einer Notiz des.Altöttinger Liebfrauenboten" über die Ehe Er. Königl. Hoheit des Prinzen Georg von Bayern mit der Erzherzogin Jsabclla von Oesterreich Schon vor längerer Zeit hat Jsabella die Rosenketten der Ehe zerrissen; wie man munkelte, er- schien ihr das Zusammenleben zwecklos, da in der prinzlichen Ehe sich mancherlei Mängel zeigten.. Vergebens wurde die Verwandt- schast aufgeboten, um Fräulein Frau Jsabclla zur Rückkehr zu bc- wegen. Trotz verschiedener Konferenzen des Familienrates schreibt nunmehr das obengenannte Blatt in seiner Nr. 18 über den Ausgang der Ehekomödie folgendes: »Die Ehe des Prinzen Georg mit der ösierreichischen Erz- Herzogin Jsabclla ist nun auch vom p ä p st l i ch e n Stuhle als gelöst erklärt worden. Damit ist eigentlich bestätigt, daß infolge körperlicherDefekte ein Vollzug der Ehe nicht möglich war, kleines feuUleton. DaS Jubiläum. Der Verleger:„Wir haben hier öS Werke zum Jubiläum des Kaisers. Sie werden gut gehen, denk ich. 20 Auflagen. 30 Auflagen, ein Geschäft, ein Geslbäft,— und ein ehrenvolles dazu!" Di eFrauVerlegcr:„Laß sehen, Männi. Ei! die schönen JX c5'°llcs Militärs. Ter Kronprinz beim Manöver.., -ter Kaiier besichtigt die Pioniere. t. Hülsen-Häscler... Pa- rade... Tt'?CLS?ctI<:0cr:-Und den Text! Hast Du den Text ge- ör?',■ Beiträge von hohen und höchsten Beamten! Hier: Wilhelm II. als Scböpscr unkercr Flotte. Hier: Der Soldaten- kaiscr Hier..." Di c Fr a u:„Immer Soldaten! Wo bleiben aber wir andern?" ~ c � Vc r 1 c 8 c c:„Das verstehst Du nicht. Hier: Unser aller- höchner Kriegsherr in Potsdam.. D'. c Fra u:„Ich ioax gestern zum Wohltätigkcitstec. Man sagte mir, es stürben 300 000 Säuglinge in Deutschland jährlich. Man nannte mir die Riesenziffern der verunglückten Arbeiter. Ist Pas nicht entsetzlich Wo steht das in Deinen Büchern?" Der Verleger:.Ist das die Sprache einer Gattin eines zukünftigen Kommcrzienratcs? Spricht so die Frau eines Hof- lieferanten? Hier: Die renovierten Burgen des Kaisers..." Die Frau:..Iber die Wohnungsnot? Die— entschuldige— Dirnen, die verkommen? Man sagte mir gestern dergleichen." Der Verleger:„Du bist das letzte Mal dagewesen. Viel- leicht gibt es das. Jedenfalls gehört dergleichen nicht in eine rühm- reiche Ucbcrsicht �mes Jubilars. Eichst Du, viele Zivilbildcr in diesen Werken?— Obcrhofprcdiger und die Minister, die gerade keine Uniform hoben.,. Sonst: Militär, Diplomatie. Mit Recht. Was ist der Staat?' Die Frau:„Ich weiß nicht. Aber wenn man in Deine Bücher sieht, möchte man meinen, ein Kascrnenhof oder eine Ab- deckerei für Menschen. Hat sich das Leben in den 23 Jahren etwa so abgespielt? Aber"ein.-üas die Massen wünschten, was alle bcwcatc— davon kein Wort. Arbeitcrslcitz. Geisteskraft,— kein Wort Aber freilich: Tu wirst Kommerzienrat." Der Verleger:„Nicht nur das. Ich erfülle eine Kultur- toi- Ich sage die Wahrheit.' Ein neues Stiicklci» vom St. Burcaukratius. Die Hasen- derwaltuna von Toulon hatte lungst zwei Messer nötig, zwei 8onz gewöhnliche Feld-, Wald-,«umpf- und Wiesenmesser, �ojser, wie sie gewöhnlicher nicht gedacht werden konnten. Jeder Kaufhaus hat sie zu Hunderten, und für wenige Nickel sind sie zu erstehen. In fünf Minuten hätte die Hafenverwaltnng die beiden Messer haben können. Aber der Mensch denkt und Et. Bureau- kratius lenkt..Ja, wenn nicht big Vorschriften gewesen wären!j Prinz Georg also von vornherein gar keine gültige Ehe ein- gehen konnte." Ter arme Prinz! Ihm war von vornherein die Gabe versagt, das Interesse und das Entgegenkommen seiner Gattin auf sich zu lenken. Ach, war ich doch ein Flcchtcnspimier!, mag er seufzen, wenn er eine wissenschaftliche Arbeit des Professors Karl Peter in der„Umschau" liest. Nach Peters Untersuchungen haben nämlich die männlichen Flechtenspinner unter dem Ansatz des letzten Futzpaares eine Schalldosc, mittels der sie beim Fliegen ein knackendes Geräusch hervorbringen. Die träge im Grase sitzcliden Weibchen werden durch das Geräusch aufmerksam und reagieren auf das Knacken mit Zittern der Flügel und des Hinterteils. Ter Mensch ist doch unvollkommen!.Glückliche Flechten- spinner..., Gin Recbenhünftler. Das preußische Wahlrecht gibt harte Nüsse zu knacken. Es gehört schon eine ganze Portion Intelligenz dazu, die Schwierig- leiten des famosen Wahlgesetzes zu ergründen, die Schönheiten vcr- stehen zu können, die im Interesse der Junker und Junkergenosscn dem Wahlsystem aufgesetzt sind. Bei der Urwählcrwahl konnten unsere Genossen wiederholt beobachten, wie hilflos die Wahlvorsteher dem Kuddelmuddel gegenüberstanden. Den Vogel abgeschossen hat wohl ein Wahlvorsteher in einem' Wahllokal des 12. Berliner Land- tagswahlbezirks. Dort waren in der 1. Wählerabtcilung sieben Wähler erschienen, von denen vier dem sozialdemokratischen Wahl- mann ihre Stimme gaben. Der kluge Wahlvorsteher erklärte nach Schluß der Wahlhandlung, daß von sieben Stimmen die Hälfte dreieinhalb sei, um gewählt zu werden, müsse der Wahlmann eine Stimme über die Hälfte haben, also vi e r c i n h a l b. Der sozialdemokratische Wahlmann habe aber nur vier Stimmen er- halten, so daß Stichwahl notwendig sei. Erst die verblüfften Gesichter der Anwesenden und die lebhaften Proteste seiner Kollegen im Wahlburcau ließen den Herrn Wahlvorsteher erkennen, daß so niederträchtige Rechenkunststücke selbst das preußische Wahlrecht nicht kennt. Und das will schon etwas heißen. Vielleicht würdigt die preußische Regierung die Fähigkeiten des neuen Adam Riese und ernennt ihn zum Gebcimcn Rcchnungs- rat. Oer Carif des Pfarrers. Auch die Vermittler der Gnade Gottes wollen ihr kärglich Dasein führen; es ist daher nur recht und billig, daß sie für ihre verschiedenen Amtshandlungen bestimmte Normalsätze fest- legen, ohne deren Zahlung sie Gottes Gnade nicht erflehen können. Das sollte ein katholisches Ehepaar erfahren, das in Z a b r z e in Oberschlesien das Fest der Silberhochzeit beging. Wie es Brauch und Sitte ist, und wie es vor allem die fromme Umgebung verlangte, wollte das Silberpaar eine besondere kirchliche Messe gelesen haben. Die Leute gingen zu dem zuständigen Pfarrer und fragten ihn, was eine solche Messe koste. „Neun Mark", sagte der Diener Gottes. Nun waren die Beiden neugierig, was ein einfacher Segen, anschließend an die täglich übliche Frühmesse kost«.„Für den Segen drei Mark und für das Aufziehen der Silberringe auch drei Mark", war die Antwort. Doch die beiden frommen Leutchen waren bedürftig und so erklärten sie dem Pfarrer, daß sie das nicht bezahlen könnten, aber zur Frühmesse gehen und der Kirche ein kleines Geldopfer bringen würden.„Das ist recht von Ihnen", sagte der Diener des Herrn, ,.d a s i st dann ebensogut wie so!" Hoffentlich trügt die Zuversicht des Pfarrers nicht, daß auch nach der billigsten Tarifposition die lieben Leute selig werden. Aber er wird sich wohl nicht täuschen, denn es heißt ja: Ist der Segen wirklich gut, Geht er leicht auch durch den Hut! Kavalier v. Caczanowsfu. Ein bewundernder Verehrer der guten alten Zeit, in der cs jedem ltebeSgeilen Junker ein leichtes war, kraft seiner gutsherr- liehen Gewalt von den ihm Untertanen Schönen allerlei LicbeS- beweis« zu erhalten, scheint der Majoratsbcsitzcr und Kammerherr Anton v. Taczanowski in Posen zu sein. Ter Edelmann, der offiziell natürlich aus dem Boden der christlich-fittlichen Anschauung steht, glaubte kraft seiner tvtajoruts- und Kammerherrnwürdc, trotz der schon etwas klapperigen Kon- stitution, bei der Tochter eines Overpostschaffiicrs Eindruck cr- wecken zu lönnen. Unter einem schwindelhaftcn Borwandc vcr- schaffte sich der Kammerherr in Abwesenheit des Vaters Eingang Da gibt eS einen Paragraphen, in dem geschrieben steht, daß alle Ankäufe nur auf dem Wege der öftentlichen Ausschreibung ge- macht werden dürfen. Es ward ein Schreiben aufgesetzt, worin die einzelnen Bedingungen und Bestimmungen ordnungsgemäß der Reihe nach aufgeführt wurden. Tie Art der gewünschten Messer ward eingehend beschrieben. Es sollte ein Messer mit einem Heft und mit einem Griff sein... Und das Heft sollte aus Stahl, der Griff aber aus Holz sein. Ueberdies war noch eine Abbildung der gewünschten Messer gegeben, so daß niemand mehr im Zweiset sein konnte, wie die Messer auszuschauen hätten. Der Ingenieur- admiral unterzeichnete dieses Ausschreiben, der«erwaltungs- direktor setzte seine Unterschrift herunter, der Rcchnungskontrollcur malte auch seinen Namen mit schönen Lettern hin, und dann kam noch eine Reihe von Unterschriften von weniger„bohen Tieren". Eineinhalb Monate verstrichen mittlerweile, denn bis solch ein Schriftstück mal solch eine Reihe von Instanzen passiert hat, ver- geht schon geraume Zeit! Aber die Mesier bekam man schließlich, und das war die Hauptsache. Fünfundzwanzig Beamten und Offiziere hatten gearbeitet, um zwei Messer für die Hofenvcr- waltung zu erwerben. Wozu hat man denn auch Offiziere und Beamte! Humor und Satire. Selig sind, die reinen Herzens sind!„Wenn ich meinen kleinen Bruder verklopsc, geschieht cs lediglich, um seine Hosen von Staub zu befreien", sagte mein ältester Junge.— „Wenn ich taglich 20 halbe Liter trink«, geschieht es lediglich. um der Wisienschaft einen für die Erforschung des Alkohols in- tcressanten Kadaver zu hinterlassen", sagte der Studiosus Bier- mördcr. „Wenn ich die Franzosen durch lancierte Artikel in neue Rüstun- gen hetze, geschieht cs lediglich, damit meine braven Deutschen ihr Geld sparen können", sagte Krupp. „Wenn ich den Leuten so schrecklich viel Geld abnehme, geschieht cs lediglich, um sie von einer verderblichen Leidenschast zu heilen", sagte der gewerbsmäßige Spieler„Baron" von König. .Wenn ich mein Hemd fallen lasse, geschieht es lediglich, um meine Seele zu zeigen", sagte die Nackttänzerin V i l a n h i bor den Pariser Richtern. Ter tcutscke Gegenstand. Ratatöskr singt im„Sim- plicisstmus" aus Anlaß der Wagner-Feierei, die nunmehr in ihr höchstes Stadium aussteigen wird, folgende Strophen: Welcher wäre so umnachtet, Daß er ihn nicht schätzt und achtet, Ihn, der jetzt vor hundert Jahr Als ein Kind geboren war? Ucb'rall, wo sich Töne rühren: lieber Flügeln und Klavieren Und dem keuschen Mädchcnbett Schwebt er mit dem Samtbarett, in die Wohnung der 18jährigen Tochter. Liebenswürdig, wie eiii echter Kavalier nun cinmal ist, machte er ihr Komplimente über ihre schöne Figur, versuchte das Mädchen zu küssen und stellte allerlei ungehörige Anträge. Die Umworbene wußte aber das kammerhcrrlichc Licbesgirren nicht zu würdigen, sie rief ihre Mutter zu Hilfe und der ob solcher Dreistigkeit ganz verdutzte Majoratsherr sah sich plötzlich vor der Tür. Und— pfui Teuwcl über die neu« Zeit!— er mußte sich dieser Tage obendrein noch vor dem Poscner Schöffengericht verantworten. Trotzdem der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung erklärte, daß sich in dem Verhalten des verheirateten Angeklagten eine Gemeinheit offenbare, für die cS Worte der Entrüstung nicht gebe, lautete das Urteil nur auf 300 M. Der Kammerherr— so erklärte der Richter— hätte sich überlegen sollen, was er empfunden hätic, wenn seiner eigenen Tochter dasselbe widerfahren wäre. Nur dem Umstände, daß der Angeklagte ein alter Mann und noch unbestraft sei, habe er es zu danken, daß er nicht ins Gefängnis wandern müsse. Ekelhaftes Zeitalter, in dem man schon gar keine Unterschiede mehr machen will zwischen der Tochter eines Majoratsbesitzers und der eines Untcrbcaintcn. Und da wollen die verdammten Roten den Staat immer noch mehr demokratisieren I jVledr preukentum! Das neue bayerische Amtsblatt schreibt morgen fol- gcndeS:«Die süddeutschen Attentate der jüngsten Zeit sind be- trübende Zeichen der Zeit. Die patriotische und staatserhaltcnde Presse hat gewiß nicht unrecht, wenn sie die Sozialdemokratie in vollem Umfange für die Schandtaten jener Geisteskranken verant- wortlich macht. Denn ist die Sozialdemokratie nicht selber eine Geisteskrankheit? Bewirkt sie nicht, insbesondere bei ihren Gegnern, totale Geistesverwirrung, verbunden mit Tobsucht und Mordlust? Höhe und höchste Stützen des Staates sind des ja leibhaftige Zeugen. Aber die Sozialdemokratie allein kann doch nicht die Ursache jener Scheußlichkeiten sein. Es sprechen noch tiefere Gründe mit. Warum passieren derlei Dinge in Preußen nicht? Die Antwort ist sehr cinsach: Der preußische.Geist läßt so etwas nicht aufkommen. Hat man je von einem gegen Herrn v. Jagow gerichteten Attentat gehört?(Was doch so nahe läge.) Hat je eine der Damen, deren Hutnadeln dem Polizeipräsidenten mit Recht ein Dorn im Auge sind, hat je eine von ihnen ihre ungc- sicherte Nadel gegen den Gewaltigen gezückt? Hat auch nur jemals eine Bühnen-Lukrezia, mit der er anbandeln wollte, die Waffe gegen sich selbst gekehrt, um ihre Ehre zu retten und die des Prä- sidenten zu beflecken? Das einzige, was von Attentaten gegen Jagow verlautete, war etwa jener Fall, wo die Berliner Arbeiter ihm eine Nase drehten. Und dieses Attentat kann nicht als ge- fährlich gelte», da in Preußen die Lächerlichkeit bekanntlich nicht tödlich wirkt.(Ein ungeschriebener Gesetzesparagraph verbietet es, weil sonst die ganze Regierungsmaschine ohne Personal bleiben würde.) Wem aber verdankt cs Jagow, daß er und alle seinesgleichen sich ungestraft ihres Lebens freuen dürfen.?. Nur sich selber hat er das zu danken! Sich und dem von ihm am schönste» verkörpericn Geiste des Preutzentums. Ja, dieses Prcußentum ist in ihm so sehr verkörpert, daß vom Geiste rein gar nichts mehr übrig geblieben ist. Nur die sozialdemokratische Geistesverwirrung kann cs fertig- bringen, diese so klar zutage liegenden Dinge zu übersehen. Und so stellt denn die Sozialdemokratie gelegentlich süddeutsche Zustände den preußischen als relativ.besser" gegenüber! Jene süddeutschen Exzesse zeigen ober, was es mit diesen Zu- ständen auf sich hat. Damit also der zügellose und verbrecherische süddeutsche Geist nicht auf Ostelbicn übergreife, muß etwas Ernst- liches geschehen. Eine Mobilmachung des preußischen Heeres wäre zu erwägen. Man sollte München demonstrativ mit preußischen Soldaten besetzen, das würde am Ende schon genügen, um der Schlamperei ein Ende zu bereiten. Kein vernünftiger Mensch zweifelt, daß die süddeutschen Rc- gierungen, besonders die bayerische, dem Gedanken einer preußischen Invasion durchaus wohlwolle»d gegenüberstehen. Ein hoher bay- rischcr Würdenträger soll zwar geäußert haben, das wäre ein schwarzer Plan; aber jeder weiß, daß dieser Ausdruck im Munde dieses Mannes nur eine freudige Anerkennung bedeuten kann. Ter fromme Herr hält, wie uns aus Kreisen seiner Kammerdiener(nicht derjenige» in der Abgeordnetenkammer) überzeugend versichert wird, das Prcußisch-Blau für mindestens eben so schwarz wie das bay- rischc, und im übrigen sei seine Maxime: Ein schwarzer Geist in einem schwarzen Körper. Teils allein und teils bescheiden Neben Mozart oder Haydn Oder sonst so Bürgernippes Lebt er fort, und zwar in Gips. Auch bei Militärkonzerten Auf den Kellern, in den Gärten, Wirkt er, wo man, was ergreift, Dadurch würdigt, daß man'S pfeift. Kurz, es läßt sich nicht verschweigen, Was die Blätter heiß bezeugen: Dieser Sachs und Musikant Ist ein tcutscher Gegenstand. Ratatöskr. Nottze«. — D i e Sammlung der deutschen Tageszei- t u n g e n ist ein schwieriges Werk, das avcr gleicbtootil unter- nomine» werden soll. Auf dem Mainzer Bibliothckartag wurde mit- geteilt, die preußische Regierung bereite eine organisierte Tczentra- Irsation der Sammlung vor. Kleinere Bezirke sollen bestimmt: und sämtliche in den einzelnen Bezirken erscheinenden Zeitungen würden von einer Zentrale gesammelt werden. In Leipzig könnc man das nicht machen, der Raum sei zu begrenzt. In Leipzig sollen aber jetzt erstmals die im Ausland erscheinenden deudscken Bücher gesammelt werden. — B ü h n e n ch r o n i k. Max Reinhardts Regisseur Felix Holländer hat den anfangs abgelehnten Posten des Intendanten der städtischen Theater in Frankfurt aui lWain nunmehr angc- nommen. Reinhardt hat ihn auf ein Jahr beurlaubt. Holländer traut wohl dem Ausflug in die Mainstadt nickt reckt. Er fuilt sich die Brücke zur Rückkcdr nach Berlin offen. — Der Schutzverband der Schwerbörigcn ersnckt die beruslich täfigen Schwerhörigen, einige kurze Angaben über die Art� ihres Berufes, die Entlohnung, die Geeignetheit und Erfolge desselben sowie über Natur und Dauer ihres Ohrcnlcidens an den Vorsitzenden des Verbandes, Architekten Franz Brönncr, Wilmcre- darf. Livländische Straße 1, einzusenden. — V o in Politiker K a n t. Aus einem bisher unvcröffent- lichten Tagebuchc, das der badische Theologe Joh. Fr. Abcgg über eine 1793 nach Königsberg unternommene Reise gcfülirt hat, teilt Karl Vorländer im„März" einiges mit. Der radikal gesinnte Philosoph war während der Revolutionszeit so begierig aus poli- tische Neuigkeiten, daß ihm der Buchhändler den Probcbogcn der Berliner Zeitungen, den dieser auf der Post etwas früher cekam, sofort zuschicken mutzte. Zu Abegg sagte er:„Keine Ge- ichicht« ist lehrrcicker als diejenige, die ich täglick in den Zeitungen lese. Hier kann ich sehen, wie alles kommt, vorbereitet wird, sich entwickelt." Und er gab sich der Sache der Franzosen mit großem Haften zig. Quälende fragen. ??or ctnigcn Wochen lernte ich Herrn Dr. jur. Ernst Biegcdurch kennen. Wir sahen uns dann öfter. Er ist Privatdozcnt mit sicherer Aussicht auf Anstellung. Er macht in Staatsrecht. Politisch steht er über den Parteien. Konfessionell ist er nur dann, wenn es unbedingt nötig ist. Infolge dieser Vorbedingungen hielt ich ihn für die geeignetste Persönlichkeit, ein einwandfreies Urteil zu 'ällen über eine Frage, die mich in unserem, von den Völkerbrand- stiftenden Kricgsfackcln bedrohtem Fricdcnszeitaltcr ganz besonders lebhaft interessiert und mir den Schlaf der Nächte raubt. Ich erzählte ihm, wir setzen den Fall: Soranicn und Toranicn sind zwei ancinandcrgrcnzendc vom Konkurrenzneid an- und beinahe aufgefressene blühende Reiche. In Soranicn befindet sich eine große, außerordentlich finanzkräftige und deshalb politisch sehr cinfluß- reiche Gruppe von Gcldlcutcn. Aus Gründen irgend welcher Art fühlt sich diese Gruppe veranlaßt, ein Kapital in Höhe von einer Milliarde Mark in staatlichen Unternehmungen des Reiches Toranicn anzulegen. Kann sein, daß diese Finanzaristokratic die Augen nicht genügend offen hielt, kann sein auch aus einem anderen Grunde, jedenfalls fühlte sich die Soranischc Regierung plötzlich verpflichtet, die diplomatischen Beziehungen zu Toranicn abzubrechen und den Krieg zu erklären. Weil nun das toranische Volk bisher viel mehr Wert auf Vertiefung seiner Kultur legte als auf Stärkung seiner Wehrkraft, war die notwendige Folge, daß das soranische Heer Schlacht auf Schlacht gewann und bis in das Herz des toranischcn Sidches einzudringen sich anschickte. In seiner Verzweiflung bc- schloß das toranische Volk, alle die von dem soranischcn Gelde errichteten Unternehmungen als da sind: Eisenbahnen, Flußrcgu- lierungcn, Kanäle usw. usw. zu zerstören. Des weiteren bestand aber die Möglichkeit, daß es bei ferneren Niederlagen des tora- nischeir Volkes zu einer Aufteilung unter die übrigen angrenzenden Mächte kommen mußte, worauf die Finanzgruppen dieser Mächte chon lange warteten, um gleichfalls eine höhere Verzinsung ihrer Kapitalien zu erzielen. Als dieser Höhepunkt unmittelbar vor der Entscheidung stand, machte die soranische Finanzaristokratie ihren langen politischen und finanziellen Einfluß geltend, um das Kriegs- stück zu wenden. Es gelang ihnen in überraschender Weise so gut, o sicher und so schnell, daß binnen wenigen Wochen das soranischc stcer sich zurückziehen mußte. Das Endresultat des ganzen unter o glänzenden Aussichten begonnenen Fcldzuges bestand nur in dem Lerlust zahlreicher gesunder Männer. „Und nun Herr Doktor, beantworten Sie bitte meine Frage: bezeichnet man die Tat der soranischen Finanzgruppe als Hoch- aerrat oder als Landesverrat?" „Weder als das eine noch als das andere, sondern als hervor- ragende Geschäftstüchtigkeit, hervorgerufen durch einen gesunden Zelbsterhaltungstricb", antwortete mir Dr. Ernst Biegedurch. Die Antwort erschien mir völlig ausreichend und befriedigte mich nach jeder Richtung hin. Leider hatte sie nur den einen Nach- teil, zwei neue, viel kompliziertere Fragen zu gebären: Eignet sich 7?err Dr. Ernst Biegcdurch nun besser zu einem preußischen Univer- sttätslchrer oder besser zu einem begehrten Generalbevollmächtigten eines Syndikats und in welcher Eigenschaft dürfte er wohl die wertvolleren Dienste für sein Vaterland leisten? Mein Taktgefühl verbot es mir, ihm diese Frage zur Beantwortung vorzulegen. Die Antwort hätte mich sehr interessiert. R. M. Hus aller Alelt. Ein Schweinepriester im Heiligenschein. Die Moral des Klerikalismus und seine Auffassung des Ver- hältnisscs von Hirt und Herde wird durch einen Artikel der„Ost- schlesischen Post" in Teschen wunderbar gekennzeichnet. Dort ist ner Priester S ch u sc ik wegen unsittlicher Handlun- gen an ihm zuni Religionsunterricht anvertrauten Kindern zu 4 Monaten Kerker verurteilt worden. Statt dieses milde Urteil zum Anlaß zu nehmen, den geistlichen Herren von Jen Gefahren der Fleischeslust und den besonderen Pflichten des stinderlehrers zu sprechen, singt das fromme Blatt vielmehr ein toblied auf den schuldig gewordenen Priester und übt an dem strteil die schärfste Kritik. Der Geistliche hat nämlich weiter nichts ctan, als zwei Schulmädchcn, das eine am Rücken und am Bauch, as andere am Bein bis zur Mitte des Oberschenkels, zu betasten. Jeder gutdressierte Katholik muß danach einsehen, daß es eine Zchande ist, einen solchen Mann,„stets das Vorbild und Muster incs rechtschaffenen Mannes, das Ideal eines um die Ehre Gottes astlos tätigen Priesters," wegen solcher Bagatellen ins Gefängnis u schicken.„Darum trauert, ihr Männer des Piusvereins, des j r i st l i ch s o z i a l c n Vereins, trauert, ihr Jünglinge des Jünglings Vereins? Ihr Frauen vom christlichen Frauenbund, lasset den Tränen freien Lauf!... Und sollt ihr, studierende Jünglinge des Gymnasiums, keinen Grund zur Trauer haben?... Nicht wahr, ihr alle, deren Herz in diesen Tagen von Schmerz und Trauer durchivühlt ist, ihr könnt unmöglich in der Tat, um derenwillen Schuscik zu einer so großen und harten Strafe verurteilt wurde, ein Ver- brechen erblicken... Wir wollen uns trösten, daß wir mit ihm wieder glücklichere Tage sehen werden. Denn er g c h t noch nicht von unsl" Schuscik hat nämlich Berufung eingelegt, bei der es sich aber nur ums Strafmaß handeln kann, da ja die Tat selbst zugegeben ist. Eine Rabenmutter. Tie Polizei hat bei einer Untersuchung im französischen Dorfe P u s s a y festgestellt, daß eine Frau Chcnnevicre ihre 14jährige Tochter in einer dunklen Kammer eingeschlossen hielt und ihr als Nahrung nur ein Quantum Kräutertee reichte. Das Mädchen war bei der Entdeckung bereits so schwach, daß es nur ein- zclnc Worte hervorbringen konnte; der ganze Körper glich einem Skelett. Nachbarn erklärten, daß die Mutter, um das Mädchen moralisch zu peinigen, dieses häufig auf ein Bett gelegt, mit einem weißen Tuch bedeckt und rings um das Bett Kerzen angezündet habe. Auf diese Weise veranstaltete sie eine Leichenfeier. Die unmenschliche Mutter wurde ver- haftet, man glaubt, daß sie geistesgestört ist. gerade die deutschen Flieger von solchen Zufällen am meisten heim- gesucht werden. An den Flugwcttbewerb schlössen sich von Karlsruhe und Stratzburg aus noch militärische Aufklärungsflüge an, an denen sich Zivil- und Militärflieger beteiligten. Diese Aufklärungsflüge sollen einen besseren Verlaus genommen und von neuem die gute Verwendbarkeit der Flugmaschine für militärische Erkundungs- zwecke bewiesen haben. Was aber bekanntlich unsere Heeresver- waltung nicht hindert, trotz der Anschaffung zahlreicher Flugzeuge auch noch eine kolossale Verstärkung unserer Kavallerie zu fordern! Kleine Notizen. Kesselexplosion. In der chemischen Fabrik Wohlgclegcu bei Mannheim platzte ein gefüllter Kessel. Zwei Arbeiter wurden mit lebe ns gefährlichen Brandwunden ins Krankenhaus eingeliefert. Absturz eines Militärfliegers. Sonntag früh ist ein Militär- Aeroplan bei C a p l j i n i a in der Herzegowina abgestürzt. Ter Führer, Hauptmann Andric, wurde getötet, sein Passagier, Leutnant Slassig, leicht verletzt. 8piel und Sport» Ter Stand der deutschen Megerei. Ter Ausgang des ersten großen Flugwcttbcwcrbcs dieses Jahres, der sogenannte Prinz-Heinrich-Flug, ist wieder einmal gc- eignet, unseren nationalen Maulhelden den großen Mund zu stopfen. Denn das Ergebnis ist nur ein erneuter Beweis dafür, daß die aviatischen Leistungen unserer Offiziere und Sportflieger sich mit denen ihrer französischen Konkurrenten«nicht messen können. Woran das liegt— ob an der Qualität unserer Flugzeuge, unserer Motoren oder auch unserer Flieger, läßt sich nicht so ohne weiteres eststcllen—, aber die Tatsache der französischen Ueberlegenheit auf dem Gebiete der Aviatik ist unbestreitbar. Tie Teilnehmer am Wettbewerb hatten 3 Etappen zurückzu- legen: erstens von Wiesbaden nach Kassel, zweitens von Kassel nach Koblenz und drittens, nach einem eingeschobenen Ruhetag, von Koblenz über Kreuznach, Mainz, Frankfurt, Heidelberg nach Karlsruhe. Die erste, etwa 170 Kilometer lange Etappe legten von 18 Gestarteten 13 Flieger zurück. Die zweite, etwa ebenso lange Etappc absolvierten noch 9 Flieger, aber die dritte, 329 Kilometer betragende Etappe brachte ohne Notlandung nur ein einziger Flieger, Leutnant v. Hiddesscn, hinter sich. Eine Anzahl weiterer Offiziere und auch Zivilfliegcr traf nach mannigfachen Rotlan- düngen und Havarien erst später ein, zum Teil erst am anderen Tage.— Diese Resultate, die bei im ganzen keineswegs ungunsti- gem Wetter erzielt wurden, sind nicht gerade imponierend, zumal wenn man sie mit den Leistungen von Ausländern vergleicht. Legte doch ein Fökkcr-Pilot, der Holländer Dcwaal, ungefähr zur gleichen Zeit mit Passagier die Tour Bcrlin-Amstcrdam an einem Tage glatt zurück, eine Strecke von 699 Kilometer, die annähernd der dreitägigen Leistung der deutschen Flieger entsprach. Und noch einige französische Leistungen zum Vergleich: Am 16. April flog Daucourt von Paris nach Berlin: 919 Kilometer, am gleichen Tage Andcmars von Paris nach Wanne: 525 Kilometer. Am 28. April durchmaß Andcmars die Strecke Paris-Hannovcr: 799 Kilometer. Am 29. April flog Seguin von Marseille nach Namur: 999 Kilo- meter. Am 24. April legte Gilbert den Flug Paris-Medina zurück: 1929 Kilometer, und endlich am 27. April holte sich Guilleaux die Pommcryprämie durch seinen Flug Biarritz-Kollum: 1253 Kilo- meter. 12 französische Flieger legten innerhalb 14 Tagen in 14 Flügen annähernd 9999 Kilometer zurück. Sicherlich spielt gerade beim Flugsport einstweilen der Zufall noch eine große Rolle, aber es ist doch nicht zu verkennen, daß Arbeiter-Turnerbund. 5. Bezirk. 1. K r c i S. Faust» ball-Scrien spiele: V. f. B.: Treptow 78: 76. Neukölln 3. Abt. I: V. f. B. 84; 71. Neukölln 1. Abt.; Neukölln 3. Abt. 1 82; 91. Neukölln 1. Abt.: Treptow 89: 78. Obcr- schönewcidc; Adlcrshof 54: 62. Obcrschöncweide: Baumschulen- Weg 98; 71. Adlershof II: Oberschöneweide II 46: 43. Rummelsburg: Nicdcrschönewcidc 37: 32. Rummelsburg: Obcrschöncweide 94: 52. Lichtenberg: Nicdcrschöncweioe 99; 78. Lichtenberg: Obcrschöncweide 99: 199. Obcrschönewcide II; Köpenick II 56: 55. Oberschönewcide II: V. f. B. ll 58: 33. Nieder- schöncwcide II: Köpenick II 53: 69. Niederschöneweide II: V. f. B. II 35: 15. Adlcrsbof II; Lichtenberg II 191: 81. Adlershof II: Neukölln 3. Abt. II 191: 82. Adlershof III; Neukölln 3. Abt. II 85: 57. Adlcrshof III: Lichtenberg II 199: 83. Adlers- bof: Baumschulcnweg 79: 64. Adlershof: Köpenick 197: 85. Köpenick: Baumschulcnweg 99: 73. Frieorichsfeloc nicht er- schienen. Jugcnd-Mannschaftcn. Neukölln I: Köpenick 53: 37. Adlershof: Neukölln 1 76: 74. Adlershof: Neukölln II 54: 27. Ter Fußballklub Adler spielte mit seiner I. Mannschaft gegen den Berliner Fußballklub Achilles ein Propaganda-Wcttspicl für die Märkische Spielvereinigung. Adler war Achilles überlegen und gewann nach Gefallen"mit 8:1. Ebenso standen sich die II. Mannschaften beider Vereine im Freundschaftsspiel gegenüber, Adler II siegte ebenfalls nach Ge- fallen mit 6: 1. Radrennen im Olympiapark. Sonntag. 18. Mai. Die sich einer erstklassigen Besetzung erfreuenden Rennen konnten bei zwar küblem und trübem Wetter und gutem Besuch ohne Unfall zu Ende geführt werden. In den Fliegerrennen, die als Hauptnummer ein von vier Fahrern zu bestreitendes Match in drei Läufen aufwiesen, konnte sich der bekannte Rheinländer Walter Rütt seinen Gegnern Ellcgaard, Schür mann und M o r e t t i überlegen zeigen. Das Dauerrennen über 39 und 59 Kilometer gctvann der Berliner A. S t e l l b r i n k vor Linart, Sc res. Nette locck und van Nck, die wiederholt den Anschluß an ihre Schrittmacher- Maschinen verloren; der Holländer van Nck konnte sich gar nicht zur Geltung bringen. E r g e b n i s üc: Rctordfahreii hinter Motorführung. 499 Meter 399 M. Jeder Fahrer fährt einzeln über sechs Runden, von denen die letzte gc- wertet wird. 1 A. Ztcllbrint, 17 Sekunden; 2. Serös, 17 Sekunden; 3. Nettelbcck, 17% Sekunden; 4. van Nek, 18% Sekunden; 5. Linart, 29 Sekunden. Da Serös auf eine Wiederholung des Laufes ver- zichtct, ist Stellbrink Sieger. Hauptfahren. 1299 Meter. 199, 59, 39. 29 M. Endlaufz 1. Kudela, 2. Wcgener, 3. Earapczzi, 4. Finn. Nicht plaziert: Breidenbach und Theis. In fünf Vorläufen 42 Fahrer. Flieger-Match. 899, 699, 499, 399 M. 1. Lauf(899 Meter): 1. Rütt, 2. Ellcgaard, 3. Schürmann, 4. Moretti.— 2. Lauf: (1299 Meter): 1. R ü t t, 2. Schürmann, 3. Ellcgaard, 4. Moretti.—• 3. Lauf(1299 Meter): 1. Rütt, 2. Moretti, 3. Ellcgaard, 4. Schürmann. G c sa m t w c r t u ng: 1. Rütt(3 Punkte), 2. Ellegaard(8), 3. Schürmann(9), 4. Moretti(19). Rütt fährt eine Ehrenrunde. Preis der Jungfernhcide: 1299, 1199, 899, 699 M. 1. Lauf (39 Kilomcterl: 1. A. S t e l I b r i n k in 23 Minuten l'/n Sekunden; 2. P. Rettelbeck, 199 Meter; 3. Serös, 319 Meter; 4. Linart, 639 Meter; 5. van Nek, 6549 Meter. Stellbrink, der beim Ablauf hinter Linart und Serös an dritter Stelle liegt, nimmt bald die Spitze, die er bis zum Schluß verteidigt. Interessantes Rennen, denn Nettelbeck und Serös, die fich gegenseitig bekämpfen, enden in derselben Runde mit dem Sieger.— 2. Lauf(59 Kilometer): 1. Stellbrink in 38 Minuten ö'U Sekunden; 2. Linart, 1699 Meter; 3. Serös. 1689 Meter; 4. Ncttclbeck, 2530 Meter; 5. van Nek, 9839 Meter. Wieder sichert sich«tcllbrini die Spitze; seine Gegner verlieren wicdcrbol: den Anschluß an ihre Führung, so daß sich das Feld bald ausciikauderzieht; van Nek endet weit zurück. G c f a m tw c r t u n g: l. Stellbrink, 2. Serös, 3. Linart, 4. Rettelbeck, 5. van IZek. Stellbrink fährt eine Ehren» runde, auf der ihn Rettelbeck begleitet. Tandem- Vorgabefahren. 2999 Meter. 299, 199, 59 M. 1. Ä r u p ka t— E. Wcgener(129 Meter Vorgabe), 2. A. Behrendt— W. Behrendt(169), 3. Schmitchen— Theis(69). Sieben Paare im Rennen Kudela— B. Wcgener scheiden schon in der ersten Runde infolge Ketienschadens aus. Ellcgaard— Moretti aufgegeben. Schürmann— Rütt nicht mitgefahren. iiclilisnlilimx Vorwärts, Lindenstraße 69 Neuerscheinungen Frühjahr 1913. Rosa Luxemburg, Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus. Brosch. 6 M., gebd. 8 M. Der preußische Landtag. Handbuch für sozialdemokratische Landtagswähler 1913. Im Auftrage des Parteivorstandes bearbeitet von Panl Hirsch. Gebd. 5 M. Max Adler, Marxistische Probleme. Beiträge zur Theorie der materialistischen Geschichtsauffassung und Dialektik. Brosch. 3 M., gebd. 3,59 M. M. Beer, Geschichte des Sozialismus in England. Brosch. 6,50 M., gebd. 7,50 M. Franz Klühs, Terror. Dokumente über Terrorismus und Verruf im wirtschaftlichen und politischen Kampf. Gebd. 2,50 M. Franz Mehring, 1813—1819. Von Kaiisch nach Karlsbad. Brosch. 75 Pf., gebd. 1 M. Paul Kampffmeyer, Die Sozialdemokratie im Lichte derKulturentwickeiung. Eine Führung durch die Geschichte, Politik und Literatur der Sozialdemokratie. (Vierte verbesserte Auflage.) Gebd. 1 M. Georg Engelbert Graf, Entwickelungsgeschichte der Erde. Mit 47 Abbildungen und einem Anhang: Geolo- logische Profile und Erklärung goologischer Fachansdrücke. Gebd. 1 M. Ernst Preczang, In den Tod getrieben. Zwei Erzählungen. Gebd. 1 M*. Joh. Ferch, Die Kaserne. Ein Roman aus dem Leben unter den Fahnen Brosch. 3 M., gebd. 4 M. Oskar Wöhrle, Der Baldamus und seine Streiche. ' Brosch. 1,50 M., gebd. 2.50 M. A. Fendrich, Der Wanderer. Illustriert. Brosch. 1,40 M* gebd. 2,25 M. Minna Kautsky, Der Pariser Garten und anderes. Drei Erzählungen. Gebd. I M. J. Ferch, Mutter. Ein Frauenschicksal. Gebd. 1 M. Ferner empfehlen wir unser reichhaltiges Lager an Wander- und Radfahrerkarten, Wanderbüchern und Reiseführern, Verantwortlicher Redakteur: Carl Wcrmuth, Neukölln, Für den Inseraieincil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Berlin SÄ