Nr. 133. Abonnements-Bedingungen: ÜBottnemcnlä- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mk,, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nuimner mit illustrierter Sonntags- Ncilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- klbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Vretslisle. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Poftabonnements nehmen am Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. erltbclnt tZgll». Verlinev Volll�blnkt. vie Inkertions-Lebiih? beträgt für die fechsgefvaltene Kownel- zeilc oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsmnmlungs-Anzeigen 30 Pfg, „Kleine Anreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckt- Worte), i-des weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte, Jnscrole siir die nächste Nummer müssen bis t» Uhr nachaiittagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialdtinolirat Berlin". Zentralorgan der foztaldemokratifchen parte» Deutfchlands. Redahtion: SLl. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. IS83. Dienstag, den 30. Mai 1013. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt MoriKPlaK, Nr. 1984. Aahlbetrachtungen. Tie Endergebnisse der Wahlmänncrwahlen liegen nunmehr vor. Nach dem offiziösen Depeschenbureau stellt sich die Stärke der Parteien folgendermaßen: Es sind 394 Ab- geordnete als gewählt anzusehen, 39 Stichwahlen sind er- forderlich. Gewählt wurden 141 Konservative, 48 Frei- konservative, 67 Nationalliberale, 25 Volkspartei, 101 Zentrum, 12 Polen. 1 Deutschsozialer, 2 Dänen, 7 Sozialdemokraten. An den Stichwahlen sind beteiligt 21 Konservative, 14 Frei- konservative, 25 Nationalliberale, 13 Volkspartei, 6 Zentrum, 1 Pole, 1 Bund der Landwirte und 19 Sozialdemokraten. Die Konservativen gewinnen 7 und verlieren 10, die Frei- konservativen gewinnen 1, verlieren 5, die'Nationalliberalen gewinnen 8, verlieren 4, die VolkSpartci gelvinnt 4, verliert 5, das Zentrum verliert und gewinnt 4, die Sozialdemokraten gewinnen 1, und die Polen verlieren 2 Mandate. Begreiflicherweise konzentriert sich jetzt das Interesse auf die Stichwahlen. Die„ K r e u z- Z t g." kann ihre Besorgnis nicht verhehlen, daß es der Rechten immerhin noch manches Mandat kosten könnte, wenn es zu einer Stichwahlverständigung zwischen dem Freisinn und der Sozialdemokratie käme. Sie versucht ihre Sorge hinter gekünstelter Ironie zu verbergen. Hauptsächlich rechnet sie auf den Mangel an Courage beim Freisinn, der bei der öffentlichen Abstimmung schwerlich für die Sozialdemokratie eintreten werde. Vielleicht aber, nreint sie, werde es schließlich� doch zum Zusammengehen kommen, auch wenn nur die Sozialdemokratie das Tanzen aus der Reihe gestattete. Hier ist unverkennbar der Wunsch der Vater des Ge- dankens. Denn ein„einseitiges" Zusammengehen würde ja den Junkern iinnrerhin einige Mandate retten. Aber das konservative Organ überschätzt dabei denn doch recht erheblich die Gutmütigkeit der Sozialdemokratie. Wenn der Freisinn sich wirklich noch in letzter Stunde so völlig von allen guten Geistern verlassen zeigen wollte, daß ihm die Junker lieber wären, wie Vertreter der Arbeiterklasse, so schwände natürlich auch für die Sozialdemokratie das letzte Interesse, einen vermummten Reaktionär und Wahlrcchtsfeind gegen einen offenen einzutauschen! Der Freisinn selbst beginnt das denn auch einzusehen. So schließt das„Berliner Tageblatt"an den Abdruck unserer Stellungnahme zu eincnr etwaigen Stichwahlabkommcn diese Bemerkungen: „Die Gegenleistung ist von uns stets als etwas ganz Selbstverständliches behandelt worden. Nicht an dieser an sich völlig berechtigten Forderung ist die Verständigung gescheitert, sondern an der unglückseligen Formulierung, die Parteibureau- lratischer Uebereifer ihr gegeben batte." Bei der jetzigen Situation fallen alle Ausreden von der „unglückseligen Formulierung" der sozialdemokratischen Stich- Wahlbedingungen fort. Jetzt heißt ganz einfach: Will der Freisinn die Sozialdemokratie in dem einen und anderen Wahlkreis unterstützen, wenn die Sozialdemokratie dafür dem Freisinn diesen und jenen anderen Wahlkreis erobern hilft? Die Situation ist so klar und durchsichtig, daß aller törichte Schwatz von dem„kaudinischen Joch" der Sozialdemokratie verstummen muß. Warten wir also ab, ob die freisinnige Partei der Auffassung des weitaus verbreitetsten Freisinns- blattes beitreten wird. Was aber„die unglückselige Formulierung" anlangt, von dem selbst das„Berliner Tageblatt" wieder einmal phantasiert, so gibt darauf ein ehemaliger Hauptmitarbeiter des Masse- blattes, der frühere Oberst Gädke, in der„Zeit am Montag" die treffende Antwort. Er sagt dort: „Unser Bürgertum hat nicht mehr den Willen und besitzt nicht die Entschlossenheit, die große Macht, die es haben könnte, an eine große Aufgabe zu setzen. Unser Bürgertum könnte alles sein und will nichts sein z es ist anscheinend mit dem Joch der Junker und der Bureaukraten, mit der Herrschaft der Polizei und des Militarismus völlig zufrieden! Da schieben„große" liberale Blätter, die sich auf ihren„Ra- dikaliSmus" zuguie tun(der doch nur ein Geschäftsradikalismus ist) alle Schuld auf die Sozialdemokratie, die der Fort- schritlspartei unannehmbare Bedingungen gestellt habe, ihr ein kaudinisches Joch habe aufzwingen wollen I Das ist eine Verkehrung des wahren Verhältnisses. Die Sozialdemokratie hat nichts verlangt, was die Freisinnige Volks- Partei nach ihrem Programm nicht hätte zugestehen können. Und die wahren Gründe, aus denen es zu keinem Wahl- bündnis zwischen beiden Parteien kommen konnte, sind einmal der unbezwingbare Zug des Herzens, der die Freisinnigen immer rnehr nach rechts, in die Bruderarme deö Nationalliberalismus hinüberzieht, und zweitens der auffallende Mangel an Mut, der sie oder ihre Anhänger hindert, unter der Herrschaft der öffent- lichen Stimmabgabe für den Sozialdemokraten einzutreten. Und nun ist es soweit, daß in einer ganzen Reihe von Wahl- kreisen sie nur dann in der Stichwahl gewinnen können, wenn die Sozialdemokratie geschlossen für ihre Kandidaten eintritt. Da ist zunächst Breslau zu nennen.... Da ist Bielefeld-Herford, Flensburg, Brandenburg a. d. H., Kassel, Haynau- Gold- berg, Franlfnrt a. d. O., anzuführen. Ohne eine Ver- ständigung mit der Sozialdemokratie kommen die Freisinnigen nicht einmal in alter Zahl in das Dreiklassenparlament zurück... Ohne völlige Gegenseitigkeit kein Bündnis politischer Parteien I Rur so 1 können schließlich unsere Liberalen zu größerer Ehr- l i ch k e i t und besserem politischem Mute erzogen werden. Es ist verkehrt, wenn einige freisinnige Zeitungen über die kleinen Erfolge der Sozialdemokratie spotten, die tatsächlich die einzige Partei ist, die wirklich große Erfolge aufzuweisen hat- Was will es bedeuten, daß sie bisher nur einen Wahlkreis zu ihren früheren sechs zuerobcrt hat? Sie steht immerhin in anderen in der Stichwahl und hat gute Aussicht, die drei Man- date in Nieder- uud Oberbarnim hinzuzuerobern. Aber unter der Herrschaft des Dreiklassenwahlrechts sind das nur kleine Symptome; auf den Gewinn einer großen Anzahl von Mandaten können die Sozialdemokraten nicht rechnen; ja selbst, wenn sie diese verdoppeln und verdreifachen würden, hätte es für die prak- tische Politik geringe Bedeutung. Für sie kommt es wirklich auf die D e m 0 n st r a t i 0 n der Masse an; es ist ettvas Großes, daß unter dem Terrorismus der öffentlichen Stimm- abgäbe eine volle Million von Wählern gewagt hat, für die„Um- stürzler" einzutreten. In dieser werbenden und agitatorischen Kraft liegt der große Erfolg der Sozialdemokratie; was kann der Libe ralismus ihr ähnliches entgegensetzen?" Herr Gädke ist sicherlich kein Sozialdemokrat. Der alte Militär und die unverfälscht bürgerliche Weltanschauung sprechen aus jedem seiner Artikel; aber der ehemalige Oberst hat immerhin demokratischer zu empfinden und politisch weit- sichtiger urteilen gelernt, als der ganze Troß der liberalen Berufspolitiker._ Die neuen DihtaturparagrapHen für Cifaß-CotHringen. Aus dem Elsaß wird uns geschrieben: In Scherben schlagen,— schrieb die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", daö Essener Organ der Kriegsinteressenten, vor einigen Wochen anläßlich des diesjährigen Kaiserbesuchs mit drohen- der Geste gegen die Verfassung für Elsaß-Lothringen und den neuen Landtag. Und dieses Wort Wilhelms IL, das ein Jahr zuvor bei einem anderen Kaiserbesuch gegenüber dem Kammer- Präsidenten Dr. N i ck l i n fiel, soll nun in seinem ersten Teile wahr gemacht werden. Es würde bedeuten, daß auch jene Germani- satiousarbeit in Scherben geschlagen wird, die nach einer Reihe von Jahrzehnten in der Aufhebung des Diktaturpgragraphen und in der Einführung der neuen Verfassung für Elsaß-Lothringen gipfelte, jene Germanisationsarbcit, die die Teilnahme von elsaß-lothringi- scheti Parlamentariern jeder Parteirichtung an der deutsch-französi- schen Verständigungskonfercnz zu Bern ermöglichte, jene Germani- sationsarbcit, die seit und mit Bismarck angeblich das Ziel der deutschen Regierungspolitik in Elsaß-Lothringen von 1871 bis heute gewesen ist. Es lväre die Bankerottcrklärung dieser Gemanisations- Politik am Tage nach der Bcrner Konferenz, deren wohlwollende Behandlung durch die Reglerungspresse in Elsaß-Lothringen alles andere vermuten ließ, als die versteckte Vorbereitung eines solchen Antrages beim Bundesrat. „In keinem Lande ist die Presse freier, als in Elsaß-Lothringen", rief Staatssekretär Zorn v. Bu- lach vor einigen Tagen in der Zweiten Kammer des elsaß-loth- ringischen Landtages aus— und unterdessen arbeiteten die Gc- hcimrätc in den ministeriellen Bureaus dieses Günstlings Wilhelms II. eine Vorlage an den Bundesrat aus, die das elsaß- lothringische Ministerium ermächtigt, nicht nur jede Druckschrift oder Zeitung, die im Auslande erscheint, zu verbieten, sondern ebenso zu verfahren mit jeder Zeitschrift oder Zeitung, die zwar innerhalb der Reichsgrcnze erscheint, aber nicht in deutscher Sprache abgefaßt ist. Das richtet sich scheinbar nur gegen die nationalistische Presse im Lande, wie den„Nouvelliste" Wctterles in Colmar, das ..Journal d'Alsace-Lorrainc" in Stratzburg und den„Lorrain" in Metz; in Wirklichkeit aber kann jeden Augenblick jede Partei von der Unterdrückung betroffen werden, sobald sie über französische Blätter verfügt und in Opposition gegen die Regierung steht: neben der französischsprachigcn Zentrumspresse natürlich auch die Sozial- demokratie, welche zum Beispiel zur Vorbereitung der letzten Landtags- und Rcichstagswahlen in zwangloser Reihenfolge für die französischsprachigen Bezirke Elsaß-Lothringens ein französisch gc- schriebenes Blatt unter dem Titel„Feuilles d'Alsace-Lorraine" herausgab. Noch deutlicher kehrt ihre Spitze gegen alle oppositionellen Politischen Parteien die Vorlage der elsatz-lothringischen Regierung auf Abänderung des V e r e i n s g« s e tz e s, die beim Bundesrat eingebracht worden ist, und die die behördliche Auflösung aller Ver- eine in Elsaß-Lothringen ermöglichen soll,„wenn ihre Tätigkeit die öffentliche Sicherheit bedroht oder wenn sie andere Zwecke als die durch ihre Satzungen bestimmten Zwecke verfolgen". Das sind fast genau die Worte des als entbehrlich fallengelassenen alten Tiktaturparagraphen, es sind die ominösen Worte der Gesetze über den Belagerungszustand, es ist die Protlamation der nackten Willkür, der reinen Diktatur. Jeder politische und jeder Vergnügungs- verein, der der Laune eines Kreisdirektors oder Bezirkspräsidenten mißfällt oder sich die verständnislose Denunziation eines subalternen Polizisten zugezogen Hai, kann jeden Augenblick einem solchen Para- graphen zum Opfer fallen. Elsatz-Lothriugen hat aus der Zeit des alten Diktaturparagraphen Beispiele genug, daß am Tage nach mißlungenen gouvernemcntalcn Wahlen die harmlosesten Vereine der Auflösung verfielen. Die Sozialdemokratie hat ihren besonderen Grund, ihre Or- ganisationen in Elsaß-Lothringen nicht unter die Polizeidiktatur stellen zu lassen, die unter dem Vorwande der nationalistischen Ge« fahr wieder eingeführt werden soll. Wenn jetzt schon, wie es erst neulich wieder geschehen ist, der von der„Täglichen Rundschau" als der Vater dieser Ausnahmcgcsetzvorlagen bezeichnete Unterstaats- sekretär Mandel in öffentlicher Landtagssitzung erklärt, die Re- gierung könne der sozialdemokratischen Presse edensowenig amt- liche Inserate zuweisen wie der nationalistischen, sie müsse die sozialdemokratischen Blätter ganz wie die nationalistischen bc- handeln, dann ist es ganz selbstverständlich, daß von dieser Polizei- rcgicruitg an der Reichsgrenze auch die sozialdemokratischen Ver» eine mit den nationalistischen über einen Kamm geschoren werden, und daß sie mit dem Inkrafttreten der neuen Diktaturparagraphen ständig derselben Auflösungsgefahr ausgesetzt sind wie die natio- nalistischen oder angeblich nationalistischen. Es wäre bewußter Selbstmord, wenn die Sozialdemokratie in Elsaß-Lothringen und im Reiche nicht alles daran setzte, dieses Attentat aus die Preß- und Vcrcinsfreiheit in Elsaß-Lothringen von vornherein derart abzuwehren, daß den Urhebern alle Lust zum Wiederkommen vergeht. Für sie ist diese Abwehr schon Programm- mäßig natürlich und selbstverständlich. Aber wird auch das Zentrum und werden auch die Fortschrittler, deren Selbständigkeit gegenüber der preußisch-deutschen Militär- und Polizciregicrung mit jedem Tage fragwürdiger wird, einsehen, daß die Wicdcrein- führung der Diktatur in Elsaß-Lothringen gleichbedeutend ist mit dem Versuch der Unterdrückung allen politischen Lebens und aller Parteibetätigung, die nicht allezeit gouvcrnemental ist?... Die Berufung auf die nationalistische Presse in Elsaß-Loth- ringen und auf die angeblich nationalistischen Vereine— sie sind es größtenteils gar nicht— ist um so weniger stichhaltig, als man diese Bestrebungen mehr als zur Genüge schon mit dem bestehende» Reichsstrafgesetzbuch, die Presse insbesondere mit dem Beleidigungs- Paragraphen treffen kann, wo sich gerichtlich in der Tat ein für die bestehende Ordnung bedenkliches Tun zeigen sollte. Vereine, wie den Souvenir Franeais, die Lorraine sportive und dergleichen, löst die Regierung ja schon auf Grund der bestehenden Gesetze auf, und toas die nationalistische Presse im Lande betrifft, so wurde sie in letzter Zeit wiederholt mit empfindlichen Geldstrafen getroffen. Die ausländische Presse verbietet die reichsländische Regierung schon jetzt ganz nach Belieben, so neulich wieder gerade den„Mcctin", nachdem sie früher schon die„Libre Parole", die„Croix" und andere Blätter verbot. Der Versuch der Wiedereinführung einer Art von Polizeidiktatur über Presse uud Vereine in Elsaß-Lothringen kann also nur den Zweck haben, neben den nationalistischen auch die anderen politischen Bestrebungen zu knebeln und zu terrorisieren. Will der Reichstag nicht damit einen Präzedenzfall für das Reich selber schaffen, der der abgelehnten Köllerschen Umsturzvorlage die Bahn ebnet, so muß er gegenüber diesem Attentat eine Provinz- regierung, die nicht zur Hebung des politischen Rufes Wilhelms IL die kaiserliche heißt, bis tief in die nationalliberalc Partcivcr- tretung hinein ein energisches Nein haben. Bei den Landtagswahlcn von 1311 erzielten die Kandidaten des R a t i 0 n a l b u n d c s in ganz Elsaß-Lothringen nach der amtlichen Statistik Summa Summarum 1,1 Prozent der abgc- gcbencn gültigen Stimmen: die vom Zentrum unterstützten Kan- didaten des Nationalbundcs 2,1 Prozent. Wäre es möglich, diesen drei Prozent der Wühlerschaft Elsaß-Lothringens eine für die Sicherheit des Deutschen Reiches gefährliche Lebenskraft cinzu- hauchen, so hätte es die Regierung Elsaß-Lothringens mit ihrer von der Pariser Presse mit so reiner Schadenfreude txröffentlich- ten Vorlage getan. Man darf hoffen, daß auch diese kaiserliche Regierungsreklamc für den Nationalbund umsonst ist. Es ist wirk- lich herzlich unbedeutend! Fast so unbedeutend wie— die politische Einsicht der Neichsregierung in Elsaß-Lothringen. Aber bei dieser ist, wie die Vorlage wieder zeigt, was politische Nullität anbelangt, alle Konkurrenz ausgeschlossen. politische Qcbcrlicbt. Eine Begnadigung englischer Spione. Wilhelm II. hat— wahrscheinlich in Rücksicht auf den bevor« stehenden Besuch des englischen Königs in Berlin— den wegen Spionage zu Festungshaft verurteilten englischen Offizieren Brandon und Trench und dem wegen des gleichen Delikts verurteilten eng« lischen Rechtsanwalt Stewart den Rest ihrer Strafe im Gnadenwege erlassen. Bekanntlich wurden am 22. Dezember 1310 Hauptmann Trench und Leutnant Brandon von den vereinigten Strafsenaten des Reichs- gerichts in Leipzig zu vier Jahren Festungshast verurteilt. Die beiden Offiziere hatten auf mehreren Nordseeinseln, vor allem auch aus Borkum und an der Emsmündung spioniert. Ein von ihnen eingereichtes Gnadengesuch wurde damals abgelehnt. Der eng- lische Advokat Bertram Stewart wurde am 3. Februar 1312 vom Reichsgericht zu drei Jahren sechs Monaten Festung verurteilt, weil er durch Bestechung deutscher Werftangestellteu. Material über den Bau neuer deutscher Kriegsschiffe zu erlangen versucht hatte. Eisenbahndebatten im»vürttembergischen Landtage. Anläßlich der Beratung des Eisenbahnetats gab eS im württem- bergischen Landtage eine dreitägige Debatte über Fragen der all- gemeinen Eisenbahnpolitik. Da die moderne Entwickelung immer dringender die Vereinheitlichung deS Verkehrs innerhalb des eine Wirtschaftseinheit bildenden Deutschen Reiches fordert, sah sich selbst das Zentrum veranlaßt, durch einen Antrag den Ausbau des deutschen Staalsbahnwagenverbandes zu einer Betriebsmittelgemcin- schaft zu fordern. Das Zentrum verbrämte aber diese Forderung mit dem Zusatz, daß die Selbständigkeit der Eisenbahnverwalluiigeu in den Bundesstaaten erhalten bleiben müsse. Die sozialdemo- kratische Fraktion, die in dicserFrage vomGenossenHild enb ra.nd Vertreten wurde, beschritt einen anderen Weg. Sie widersetzte sich der BeiriebSmiltelgemeliischaft nicht, bezeichnete diese abee in einem eigenen Antrag als eine Etappe. die zur R e i ch S e i s e n« bahnge meinschaft führen muß. Bis zur lleberführung der Eisenbahnen in den Besitz des Reiches könnten die Bahnen im Besitz der einzelnen Staaten bleiben Und die Erträge könnten nach einem zu vereinbarenden Maßstab diesen Staaten zufließen. Gegen eine derartige Lösung wendet sich freilich Preußen mit all seiner brutalen Gewalt und so lange das Klasienwahlrecht besteheu bleibt, wird sich daran nichts ändern. Die preußische Tarifpolitik ist auf die Sonder intcressen der Junker zugeschnitten, und die Sozialpolitik der preußischen Eisenbahnverwaltung gewährt den Eisenbahnarbeitern Löhne, die bis zu 200 Mark pro Jahr geringer sind als die ihrer süddeutschen Kollegen.— Der sozialdemokratische Antrag wurde mit ganz schwacher Mehrheit abgelehnt, während der widerspruchsvolle Zentrumsantrag Annahme fand. Einen kleinen Erfolg erzielte unsere Fraktion mit dem weiteren Antrage, der Verkehrsumleitungen, die nur zum finanziellen Vorteil eines Staates vorgenommen werden, als mit dem Artikel 42 der Reichsverfassung unvereinbar bezeichnet. Natürlich sind mit diesem Beschluß die Umleitungen noch nicht beseitigt, sondern die Regierung soll eben in ihren Konferenzen mit Vertretern der anderen Staaten Forderungen im Sinne des Beschlusses erheben. Sie soll weiter für Württemberg den ihm nach seiner Lage gebührenden Anteil am Durchgangsverkehr von Nord nach Süd beanspruchen. Dieser Berkehr ist zurzeit stark von Württemberg abgelenkt durch die Vernachlässigung der Linie Berlin— Stuttgart— Zürich. Durch einen weiteren Beschluß sprach sich die Kanuner für die Errichtung eines besonderen Verkehrsministeriums aus, dem auch der Straßen« und Wasserbau sowie die staatlichen Autolinien unterstellt werden sollen. Von besonderem Interesse waren einige verkehrZpolitische Be trachtungen des VolkSparteilers Hautzmann, der gestand, daß man mit der Einführung der IV. Wagenklasse in Württemberg und mit der Erhöhung des Tarifs für dieselbe von 2 auf 2,3 Pf. Fiasko ge macht habe. Dabei hat die Hälfte der Mitglieder der Volkspartei für die IV. Wagenklasse und die ganze Fraktion für den Tarifsatz von 2,3 Pf. gestimmt! Damit wird die Haltung unserer Fraktion glänzend gerechtfertigt, die vor 4 Jahren leider vergeblich alle Kräfte anstrengte, um die Tariferhöhung zu verhüten. Es wird aber jetzt ebenso schwer sein, jenen Schwabenstreich wieder rückgängig zu machen, wie es schwer ist, die Fahrkartensteuer im Reiche wieder zu beseitigen. Ministerpräsident v. Weizsäcker erklärte zwar am Sonnabend, das nächste Ziel müsse die Aufhebung dieser Steuer sein, und unsere Fraktion stellte den Antrag, die Regierung möge im Bundesrat für die baldige Aufhebung derselben eintreten. Wahrscheinlich wird aber dieser Antrag bei der in der nächsten Sitzung erfolgenden Ab- stimmung schon im wiirttembergischen Landtag abgelehnt werden, denn Zentrum und Bündler wollen diese VerkehrSsteuer nicht missen. Zur Jesuitenfrage. Wie halboffiziös mitgeteilt wird, befassen sich zurzeit alle be- teiligten RessortS der Bundesstaaten mit einer Klärung der wichtigen und streitigen Frage, ob landeSrcchtliche Vorschriften, die ein Reichs- gefetz aufhob, von selbst wieder bei der Beseitigung deS letzteren aufleben, was für die Stellungnahme des Bundesrats in der Jesuitenftage von besonderer Bedeutung sein muß. Nach der obigen Mitteilung ist der Stand der Angelegenheit folgender: Gemäß§ 2 der Reichsverfassung gehen Reichsgesetze den Landesgesetzen vor. Diese Bestimmungen haben in dem vor- liegenden Falle praktisch nur eine Bedeutung für Preußen und Sachsen, da bei den übrigen Bundesstaaten eine Konkurrenz der Reichs- und Landesgesetzgebung in bezug auf den Aus- schluß des Jesuitenorden» nicht in Betracht kommt. In den übrigen Bundesstaaten werden Landesgesetze nur teilweise durch das Jesuitengesetz gegenstandslos, wie'z.B. in Württemberg. Sie dürsten daher auch ohne weiteres wieder aufleben, wenn die Zulassung der Jesuiten reichsgesetzlich ausgesprochen wird. Die reichsgesetzlichen und landesgesetzlichen Bestimmungen in Preußen und Sachsen sind in bezug auf den Ausschluß der Jesuiten aber gleichbedeutend. Sowohl das ReichSgcsetz, wie auch das preußische Gesetz vom Jahre 1875 bestimmen, daß. der Jesuitenorden ausgeschlossen ist. In Sachsen bestehen so- wohl verfassungsrechtliche Bestimmungen, wie außerdem noch Sie Seportstlon. Auch in Deutschland gibt es Schwärmer für die Deportation der Verbrecher. Sie sind in erster Reihe in jenen Kreisen zu suchen, die auch Fanatiker deS Richtbeils sind und sich bei jeder Gelegenheit für die Prügelstrafe einsetzen� In ihren menschenfreundlichen Träumen sehen sie schon die Sandwüsten SüdwestafrikaS und die Fiebersümpfe Kameruns von deutschen Sträflingen besiedelt, und sicher verlockt sie der Gedanke der Deportation deshalb nicht am wenigsten, weil sie hoffen, auch politische Gegner dorthin entsenden zu können, wo der Pfeffer wächst. Wenn die Liebert und Oertel und Westarp s tutti quanti an die Möglichkeit denken, etwa alle sozialdemokratischen„Hetzer" und.Verführer" auf Nimmerwiedersehen übers Wellmeer zu schicken, läuft ihnen sicher das Wasser im Munde zusammen. Angesichts nun der neuerlichen Versuche, daS DeportationSsystein auch auf Deutschland zu übertragen— Versuche, die sich bis zu einer Anregung im Reichstage verdichtet haben— ist ein Buch von höchstem Interesse, in dem auf Grund eingehender Studien und Reisen über Wesen und Wirken der Deportation berichtet wird. Als der Verfasser, Dr. Robert Heindl, Assesior auf der Polizei- direktion München, seine Reise antrat, stand er dem Problem voll- kommen vorurteilsfrei gegenüber, lediglich als ein guter Kenner der einschlägigen Literatur. Alö er, voll reicher Erfahrungen, zurück- kehrte, geschah c-Z als entschiedener Gegner der Strafverichickung, der durchaus die Ansicht eines höheren Beamten in Neukaledonien teilte: „Die Deportation ist der Ruin eines Landes." Das Buch, in dem Heindl über seine Eindrücke in Neukaledonien, auf den Andamanen, in der spanischen Strafkolonie Ceuta und an einigen gleichgearteten Orten berichtet, ist flott und flüssig geschrieben, vielleicht ein' wenig zu flott, denn mit einer gewissen forcierten Schneidigkeit legt er gern Zynismen wie den folgenden hin:.Der Hausknecht deS Hotels ist, wie ich zu meinem Bedauern hören mußte, Witwer. Der"Arme verlor seine Frau kurz vor seiner Ab- reise nach Neukaledonien, weil er sie ermordete." Dergleichen Dinge sind nicht nach jedermanns Geschmack, und verraten zudem, wenn sie sich wie hier häufen, einen Mangel an Gestaltungskraft und wirken eintönig. Aber von diesen<-chönheitSfehlenl abgesehen, ist das Buch werlvoll durch die Erkenntnisse, die es vermittelt, und wenn neben Neukaledonien auch die anderen Berschickungsorte reichlich zu kurz kommen, genügen gerade die Erfahrungen in der französischen Ver- brecherkolonie, um alle Anhänger der Deportation ad absurdum zu führen. Grund für Grund nämlich, den sie zur Stütze ihrer Theorien vorzubringen pflegen, wird in dem HeindlsSen Buche widerlegt, nicht einer bleiöt unerörtert. Gern hängen die Anhänger des Bei- fchickunzssystems ihrer mittelalterlichen Gesinnung daS Mäntelchen •) Dr. Robert Heindl. Meine Reise nach den Strafkolonien. Mit vielen Originalaufnahmen. Verlag Ullstein u. To., Berlin, Wien. gesetzliche, nach denen alle Orden, einschließlich der Jesuiten, ausgcschlosseir sind. Es handelt sich hier also insbesondere um eine Klarstellung dahin, ob die Landesgesetzgebung, sobald die Reichsgesetzgebung von ihrem Gebiete Besitz ergreist, schlechthin dauernd beseitigt wird, oder ob die Landesgesetzgebung hierdurch lediglich suspendiert wird. Im enteren Falle würde die Landes- gesetzgebung nach Beseitigung der Reichsgesetze nicht wieder auf- leben, in dem zweiten Falle dürften sie ohne weiteres wieder in Kraft treten. Ein Kulturdokumeut. Die„Deutsche BergwerkS-Zeitung"(Nr. 112) enthält folgendes Inserat: „Dringende Bitte! Ein unbemittelter strebsamer Naturforscher, dessen bisherige Erfolge den Beweis liefern, daß feine Tätigkeit für die Wissenschaft wertvoll ist, bittet edle Menschen um Unterstützung, um seine Forschungen fortsetzen und abschließen zu können. Bei denkbar größter Bescheidenheit sind dazu etwa 930 M. nötig, die aber ledig- I'.ch im Juteresic der Wissenschaft aufgewandt werden sollen. Müßte die Fortsetzung der jahrzehntelang mit großem Fleiß unter großen Eni- behrungen und Opfern betriebenen Forichunzen und Arbeiten, die jetzt kurz vor dein Abschluß stehen, wegen Mangel an Mitteln auf- gegeben werden, so wäre das ein Verlust für die Wissenschaft. Sich zur Erlangung des kleinen Kapitals an das Ausland zu wenden, muß im Interesse der deutschen Forschung und des deutschen NnmenS vermieden werden. Sollte die nötige Summe durch Zeichnung nicht voll gestellt werden, wird das Fehlende gegen Verpfändung sehr wertvollen wissenschaftlichen Materials gesucht. Die diesbezüglichen Forschungen liegen auf geologischem, paläoanthropologischem Gebiet. Speziell ist es Bittendem geglückt, auf paläontologischem Gebiet Ausgrabungen und Entdeckungen zu machen, die nicht nur für Deutschland toiffenschaftlich wertvoll sind, sondern in geologischer wie in paläontologischer Beziehung gleichsam eine Lücke ausfüllen zwischen Funden aus aufeinander folgenden Formationen Amerikas und im besonderen Englands und Belgiens.... Die Erpedition dieser Zeitung ist bereit, Gaben ent� gegenzunehmen und weitere Auskunft zu erteilen." In Deutschland werden Milliarden für den Krieg, für die Ver nichtung der Kultur verbraucht, da bleibt kein Geld übrig, den leiblichen und geistigen Hunger der Wissenschaft zu stillen. Das Ende des Balkanhncgeo. Verhandlungsschwierigkeiten. London, 19. Mai. Wie das Reutersche Bureau erfährt. herrscht in diplomatischen Kreisen noch große Ungewißheit darüber, welcher Weg für den Friedensabschluß eingeschlagen werden wird. Es ist kein Anzeichen dafür vorhanden, daß die Verbündeten, mit Ausnahme Bulgariens, bereit sind, die Friedenspräliminarien in der gegenwärtigen Form zu unter- zeichnen. Es liegt Grund zu der Annahme vor. daß sowohl die griechischen wie die serbischen Delegierten von ihren Regie- rungen die nötigen Instruktionen für die in dem Friedens- vertrage gewünschten Modifizierungen erhalten haben. Die erste Gelegenheit wird wahrgenommen werden, um eine Zu- ammenkunft der Balkandclegierten zu veranstalten, damit sie untereinander über die von ihren Regierungen vorgebrachten Punkte beraten und dann gemeinsam eine Entscheidung dar- über treffen, welcher Weg eingeschlagen werden soll. Bis jetzt ist noch keine Zusammenkunft der Friedensdelegierten veranstaltet worden. Die internationalc Fiuanzkoui Mission. Paris, 19. Mai. Bezüglich der in Paris zusammentreten- den internationalen Finanzkommission berichtet der„Temps". die Treibundmächte hätten die Ansicht ausgesprochen, daß die Kriegführenden in der Konferenz lediglich eine beratende Stimme haben sollen. Die Balkanverbündeten dürften gegen diese Auffassung Widerspruch erheben. In den Kreisen der Tripleentente glaubt man, daß von den Balkanstaaten, falls diesen nur eine beratende Stimme eingeräumt werden solle. nicht verlangt werden könne, daß sie in den Friedensprälimi- narien eine finanzielle Verpflichtung betreffs der Entschei- düngen der Pariser Konferenz übernehmen. Es sei deshalb die der Humanität über und reden verzückt und begeistert davon, wie im Gegensatz zu Zuchthäusern und Gefängnissen, die werteschaffende Arbeit in der freien Luft einer Kolonie der Gesundheit wie dem Eharakter des Sträflings gleich zuträglich sei, der Besserung diene und aus dem Gefallenen schließlich wieder ein„geachtetes Mit- glied der menschlichen Gesellschaft" mache. Nun steht es aber leider mit der Gesundheit der Deportierten genau wie mit ihrer werte- 'chaffenden Arbeit, ihrer Besserung und der Achtung, die sie sich er- ringen: alles vier existiert nur in der Phantasie der DeportationS- ichwärmer. An der Hand statistischer Tabellen weist Heindl nach, daß, auf die gleiche Zahl Sträflinge ausgerechnet, die Ziffer der KrankheitStage sich belauft in Neukaledonien franz. Zuchthäusern für daS Jahr 1900 auf 109 303 auf 86 300 ... 1902. 102 260. 84000 ... 1904. 93 479. 74 800 Dabei ist das Klima NeukaledonienS verhältnismäßig ideal zu nennen. In der Fieberhitze von Neu-Guyana, daS man nicht umsonst die„trockene Guillotine" genannt hat, sterben Jahr für Jahr, wie die amtliche Statistik offenbart, 8, 9. 10, 11, 12. ja 14 und 13 vom Hundert aller Sträflinge.„Todesstrafe", sagt Heindl mit Recht,„ist humaner als solche Vivisektion." Was die Besserung angeht, betonen die Verfechter der Deportation mit besonderer Vorliebe, daß in einer Strafkolonie für eine ganze Menge von Delikten die Möglichkeit fehlt. �„Dem Münzverbrecher," chreibt etwa Wagner in seinem Buch„Die Strafinseln",„fehlt es an zeeigneten Metallen und Werkzeugen, dem Notzüchter an weiblichen Opfern, dem llrkundenfälscher an Papier und Federn, dem betrügen- chen Bankrotteur an vertrauensseligen Gläubigern, dem Bahn- lefährder an Schienengleisen usw. usw." Demgegenüber betont Heindl, daß Sittlichkeitsdelikte in Neukaledonien sehr häufig vor- kommen, Urkundenfälschungen ebenso häufig wie in anderen Ländern, Brandstiftung, Betrug und Unterschlagung keineswegs unbekannte Dinge sind— auch von Münzverbrechen hat man schon gehört. Hemmungslos aber tobt sich das Laster der Päderastie aus. dem wohl jeder verfällt, daS gerade die jüngeren Elemente als um- wordene„Königinnen" in feuien Bannkreis zieht, und das so wieder zrr Ursache zahlreicher Leidenschaftsverbrechen wird. Tie Kriminal- tatistik von Neukaledonien berichtet für ein Jahr von 36 Fällen von Mord und Totschlag bei einer Kopfzahl von 9800 Sträflingen. In London müßten, die gleiche VerbrechenSziffer vorausgesetzt, jährlich 33 000 Morde begangen werden, statt wie in Wirklichkeit 10 bis 20. Daß der deportierte Sträfling sich wieder in die Achtung der Gesellschaft" emporarbeften könne, ist, wie Neukaledonien zeigt, ein Nonsens. Jeder Freie kennt den Freigelassenen und keiner würde mit ihm auch nur Gruß und Händedruck lauschen: die bestraften Verbrecher, die freigelassen in der Großstadt leicht untertauchen und hier vielleicht noch einmal ein neues Lebe» beginnen können, gehören in der Strafkolonie ein für allemal zur Kaste der Verfemten und Geächteten, denen sogar der Eingeborene mit schwer verhohlener Verachtung begegnet. Die meisten suchen denn auch, statt den Versuch zu machen, sich„emporzuarbeiten", ihr Heil in der Flucht. Auch mit der von den DeportationSschwärmern gerühmten Sicherheit gegen Entkommen ist es nichts. Bis 1904 waren nach Neukaledonien Rede davon, den Wortlaut der VräUmmarien dabin abzuän» dern. daß eS heißt: Die Pariser Konferenz hat die Aufgabe, die finanzielle Frage zu„prüfen", statt zu„regeln". Ferner wird gemeldet. Oesterreich-Ungarn habe den Vorschlag ge» macht, daß alle Entscheidungen der Finanzkommission ein- stimmig gefaßt werden müßten. Tic Räumung Albaniens durch die Türkei« Äonstantinopel, 19. Mai. Die Heimbeförderung der tür- kischcn Truppen aus Albanien begegnet Schwierigkeiten von feiten Griechenlands, das anfänglich seine Zustimmung ge» geben hatte, jetzt aber Einwendungen erhebt. Aus diesem Anlaß haben zwei Mächte bei der Athener Regierung Schritte unternommen. Die Truppen sollen in Beirut an Land gesetzt werden. Die ursprüngliche Llbsicht, einen Teil der Truppen in den Häfen des Schwarzen Meeres auszuschiffen, ist infolge des Widerstandes Bulgariens aufgegeben worden« Tic Situation in Armeilien. Genosse P a r v u s schreibt uns aus K o n st a n t i n o p e l: Die Armenier sind in Angst und Sorge und suchen die Auf- mcrksamkcit Europas auf sich zu lenken. In der lehren Zeit brachten auch türkische Zeitungen Nachrichten über eine verdächrige Gärung unter den Kurden und erhoben warnende Rufe. Jetzt ist die lritische Situation offiziell anerkannt und die arnienische Frage ist damit auf die Tagesordnung gekommen, von der sie nicht so leicht ver« schwinden wird. Ein Memorandum, das dem Großwesir Mahmut Scheskat Pascha vom armenischen Patriarchen und von Delegierten des armenischen Nationalvereins überreicht wurde, läßt sich in seinen Hauptpunkten so zusammenfassen: 1. Es wird eine mündliche und schriftliche Agitation für ArmeniermassakerS getrieben. Beweis: Das Herumreisen von Jagub Dschemil und HoSrow, beide bekannt feit den Metzeleien von Adana. Die Agitation anderer bekannter Pogromleute. Die Propaganda der Zeitung„Papagan" in Mersina und anderer lokaler Blätter. 2. Die Kurdenchefs halten gemeinsame Beratungen zu einem unbekannten Zweck ab. Beweis: Die Zusammenlünfte der Kurden- chefS in Diarbekir, die von Mehmed Bey, dein �okn deS Bali von BitliS, in Gharsan einberufene Versammlung der kurdischen Stammes- Häuptlinge. 3. Gewisse lokale Behörden schließen die Augen vor den Machi- Nationen der kurdischen Agitatoren oder leisten ihnen sogar Vorschub. Von dem Vali von BitliS wird behauptet, daß er die kurdischen Mörder und Räuber frei herumlaufen lasse, dagegen unschuldige Armenier verfolge. Vom Vali von Adana heißt es. daß er im regen Verkehr mit den kurdischen Pogromagitatoren stehe. Als Indizien der sich vorbereitenden Metzeleien wird angeführt, daß die Muselmanen, die unter den Armeniern wohnen, ihre Häuser verlassen und sich in die muiclmanischen Viertel flüchten. Insbesondere beklagen sich die armenischen Bauern, daß sie von den Kurden an den Landarbeiten verhindert werden und ohne Waffen sich überhaupt nicht mehr aufs Feld oder in die Nachbardörfer zu gehen trauen. Daß die türkische Regierung diesen Zuständen ein Ende setzen möchte, daran ist nicht zu zweifeln. Aber erstens sind die Provinz- behörden Asiens von der Regierung in Konstantinopel nicht allzusehr abhängig, zweitens müssen diese Behörden mit dem Einfluß der Kurdenchefs rechnen, drittens muß auch die Zentralregierung selbst mit der Macht der Bandenchefs rechnen, woraus sich ihre schwache und schwankende Politik ergibt. Außerdem ist die m u s e l nr a n i s ch e Bevölkerung tatsäch- lich durch den a l l e r ch r i st l i ch e n F e l d z u g, den die Balkan- staaten so glorreich durchgeführt halten, stark erregt worden. und der armenische Patriarch besürchtel mir Recht, daß die vom Krieg zurückkehrenden R e s e r v i st e n in die entlegenen asiatischen Provinzen wo sie die Herren sind, einen fanatischen Christen- haß mitbringen werden. Clngani. Noch ein Panama. Budapest, 18. Mai.(Gig. Ber.) Für die neugeschaffene Landwehrartillerie—- eine große„nationale" Errungenschaft— hat der Staat jetzt ein ziemlich wüstes Gut, für daS lange kein Käufer aufzutreiben war. um 5-150000 Kronen gekaust. Das oppositionelle Blatt„Pesti Rapla" teilt jetzt mit, daß die 22 000 Verurteilte deportiert, Fluckitverftichc wurden unternommen 13227, von denen 944 gelangen. Während also rund 4'/z Proz. der Deportierten entkamen, betrug die Zahl der Flucht versuche in den französischen Strafanstalten nur 0,1 Prozent. Und nun zu der vielbenannten„wertcschaffenden Arbeit". Die Arbeit der Sträflinge gleicht im Wesen der Sklavenarbeit und in der Tat gab eS eine Zeit, wo die neukaledonischen Verurteilten wie Sklaven verschachert wurden und ihre Arbeitskraft einen Handelsartikel bildete. Im Jahre 1873 verlangte ein Engländer namens Higginson von der Regierung wegen einer Vertragsverletzung Schadenersatz und erhielt ihn in Sträflingsarbeitstagen ausbezahlt, d. h. die Straf» Verwaltung verpflichtete sich, ihm zwanzig Jahre hindurch je drei» hundert Sträflinge zu liefern und für ihre Verpflegung und Ueber» wachung selbst zu sorgen. Der industriöse Mister Higginson ver» kaufte diese Sträflinge an eine Gesellschaft zum Abbau von Nickel weiter und löste aus diesem Sklavenhandel ein schönes«rück Geld. Das ist ein Fall von mehreren Fällen des MenschenschacherS, wie er durch die Kritik des Partaments jetzt abgestellt ist, ohne daß natürlich die Arbeit der Sträflinge in eine andere ethische Kategorie eingerückt wäre. Daß mit Sklaven statt mit freien Arbeitern zu arbeiten, aber heute ein nationalökonomischer Unsinn und ein ver» schwenderiscker LuxuS ist, zeigt die Tatsache, daß ganz Neukaledonien nach fünfzigjähriger KolonisierungStätigleit nicht mehr alö 150 Kilo- meter Straße besitzt und daß der Kilometer der Regierung auf 60 000 Fr. zu stehen kommt I Nicht mit Unrecht betont Heindl. „daß die Arbeit von zehn Sträflingen nicht annähernd der- jenigen eines einzigen freien Manne» gleichkommt". Nicht viel anders geht es mit der Elite der Freigelassenen. denen ein Stück Land zur Bebauung überwiesen wird. Von rund 1300 Konzessionären. über die eine Statistik aus dem Jahre 1891 berichtet, waren nur 13 Proz. „gut", von 49 Proz. konnte man annehmen,„daß sie sich eine Existenz schaffen werden", über 13.3 Proz. läßt sich das Urteil der Enquetekommiision noch zweifelhafter aus und von 24 Proz. heißt es,„desinitiv verloren für die Strafkolonisation". DaS ist ein klägliches Ergebnis, und seit dem Jahre 1891 haben sich die Dinge noch verschlechtert. Der Durchschnittswert der Produkte einer Konzession beläuft sich im Jahre aus ganze 439 Frank, und daS auf dem besten, fruchtbarsten Boden, auf dem die Kleeäcker neunmal im Jahre gemäht werden können! Nach allem versteht man die Fragen, die Heindl sich beim Be- treten NeukaledonienS vorlegt, aus der Verwunderung heraus,„daß die Hauptstadt des metallreichen, gesunden Neukaledonien nach fünfzigjähriger Kolonisation über das EntwickelungSstadium eines australischen BuschstädtchenS noch nicht hinauSgediehen war:„Woran mag das liegen? Was lähmt die Unternehmungslust dieser Herr- lichen Kolonie? WaS hält den freien Einwanderer von diesem Land des ewigen Frühlings ab?" Und man hat auch die Antwort: die Deportation! Aber unsere DeportationSfanatiker wird natürlich die Bilanz dieses Werkes trotz alledem nicht eine« Besseren belehren, wie auch alle Argumente gegen die Prügel- und Todesstrafe sie nicht von ihrem reaktionären Blödsinn abbringen können. Hermann Wendel. Verkäufer des Gutes nur den tatsächlichen Wert don 2.4 Millionen Kronen erhalten haben, und daß der ganze Rest, also eine Provision von 3 050 OVO Kronen, in der Hauptsache zwei als Vermittler fungierenden Abgeordneten der Regierungspartei zugefallen sei. Die Herren bestreiten das zwar, aber sie klagen nicht, trotzdem das Blatt sie dazu auffordert. Da es sich um zwei sehr regierungstreue Paria- mentarier handelt, die überdies zur engeren Garde des Polizei- Tisza gehören, wird die Sache schon stimmen. frankrdcb. Tie Soldatenrevoltc in Toul. Paris, 19. Mai. Zu den Vorfällen in Doul meldet die Agence Havas: Als der Platzmajor von Toul allein auf dem Uebungsfelde Dommartin, auf welchem Soldaten gegen das Gesetz über die dreijährige Dien st zeit demonstriert hatten, anlangte und sie ausforderte, aus- einander zu gehen, erwiderten die Manifestanten:„Lieber den Krieg! Wir wollen tvohl uns schlagen, aber nicht drei Jahre hier bleiben!" Zivilpersonen, Mitglieder von Schützen- vereinen, mutzten den Platzmajor, welcher noch verhandelte, befreien. Als eine Abteilung Kavallerie auf seinen Befehl erschien, zerstreuten sich die Manifestanten in Unordnung. Ein Leutnant in Zivil, der die Ordnung wieder herstellen wollte, wurde von ungefähr 13 Manifestanten übel behandelt. Zivilisten befreiten ihn, wiesen die Manifestanten zurecht und führten mehrere von ihnen zur Wache. Um 7 Uhr abends war die Ordnung wiederhergestellt. Der kommandierende General des 29. Korps traf abends in Toul ein; er ist vom Kriegsminister beauftragt, einen Bericht über die Angelegen- iieit zu erstatten. Alle Offiziere erhielten den Befehl, sich nach den Kasernen und Baracken zu begeben. Spanien. Attentatsjustiz. Aus Madrid wird gemeldet: Die Untersuchung des Staats- anwalts im Prozeß gegen den Urheber des Anschlags gegen den König am 13. April hat folgendes ergeben: Der Angeschuldigte S a n ch e z A l e g r e hat gegen König Alfons zwei Rcvolverschüsse abgefeuert. Als er bereits von den Schutzleuten überwältigt auf dem Boden lag, ertönten zwei weitere Schüsse, die entweder ebenfalls von dem Angeschuldigten gegen den König oder gegen die ihn überwältigenden Schutzleute abgegeben oder auch von allein losgegangen sein können infolge der Bewegun- gen, die Sanchcz Alcgre machte, um sich von den Schutzleuten zu befreien. Der Anschlag war lange vorher überlegt. Aus diesem Grunde hat der Täter die Todes st rafe verwirkt. Falls er begnadigt werden sollte, würde gegen ihn, unabhängig von der an die Stelle der Todesstrafe tretenden Strafe, auf dauernden Verlust der politischen und bürgerlichen Rechte zu erkennen sein.— Die Verhandlung des Prozesses beginnt in kurzem. Also zum Tode verurteilt, ehe der Prozeß überhaupt statt- gesunden hat! Die.unabhängigen" Richter wissen nun, wie sie sich zu verhalten haben. Tic Meinung des Verteidigers. Madrid, 19. Mai. Der Verteidiger des wegen des Anschlags auf den König angeklagten Sanchcz Alegre hat ein« Bar- teidigungSschrift ausgearbeitet, in der er erklärt, daß der Angreifer Epileptiker und daher für seine Tat nicht voll verantwortlich sei; gegen ihn könne höchstens auf acht Jahre Zuchthaus erkannt werden. Portugal. Mogolhöes Limo. Verschiedene Zeitungen hatten den letzten Putichversuch in Lissabon auf die Initiative des Senators Magalhäes Lima zurückgeführt. In einem Schreiben an die internationale Presse wendet sich Lima gegen diese Behauptung. Er ist seit fast einem Jahre außerhalb der Grenzen Portugals auf einer Vortragsreise begriffen und ist an den Lissaboner Vorgängen gänzlich unbeteiligt. Magalhäes Lima wird am kommende Sonnabend auch in Berlin in einer öffentlichen Versammlung über Frei- denkerfragen reden. Cnglanci. Tie russischen Schergen iu Aegypten. London, 17. Mai.(Eig. Ber.) In Alexandrien ist kurz vor Pfingsten der russische Genosse Arles don russischen Schergen verhaftet worden. Genosse Arles ist Mitglied der russischen Sozialdemokratie und ist in dieser Eigenschaft aus Rußland flüchtig. Er ist auch der Organisator des Verbandes der Seeleute der russischen Handelsmarine und Redakteur des Verbandsorgans„Moriak"(Der Seemann), das er nach seiner Flucht aus Rußland zuerst von Konstantinopel und dann, als der Balkankrieg ausbrach, von Alexandrien aus herausgab. Bei seiner Verhaftung wurden ihm die Bücher und die Mit- gliederliste des Verbandes konfisziert. 92un versucht die russische Regierung, die Auslieferung des Verhafteten durch- zusetzen. Dagegen protestiert die englische Arbeiterbewegung mit aller Energie. Die Gcrichtsverhältnisse Aegyptens sind etwas verwickelt. Es beliehen dort Konsulargerichtshöfe, die sich mit Kriminal- Prozessen gegen Ausländer und Zivilprozessen zwischen Aus- ländern derselben Nation befassen: ferner einheimische Gerichts- Höfe für die Aegypter und gemischte Gerichtshöfe, die hauptsächlich Zivilsachen zwischen Ausländern verschiedener Nation oder Ausländern und Einheimischen regeln. Arles ist nach den Bestimmungen der Konsulargerichtsbarkeit verhaftet worden, denen zufolge in Aegypten ein kleines Rußland cristiert, wo die Henker und Schergen des Väterchens nach Belieben schalten und walten können. Wird England nun den russischen Genossen ausliefern, den die russische Polizei als flüchtigen politischen Verbrecher verhaftet hat? Wird England das Asylrecht in einem Lande, das es als sein eigen betrachtet, mit Füßen treten? Als vor etlichen Jahren Abdul Hamid verlangte, man sollte ihm aus Aegypten einige Jungtürken ausliefern, schlug der englische Agent Lord Cromer dieses Ansinnen rundweg ab. Ilnd was der Lord Cromer vermochte, so schreibt der'„Dafly Citizen". das wird der allmächtige Lord Kitchener doch sicher vermögen. Die Nachricht von der Verhaftung des Genossen Arles wurde dem Genossen Keir Hardie tclegraphisch aus Wien von dem Genossen Adler mitgeteilt. Keir Hardie teilte darauf die Tatsachen sofort dem Sir Edward Grey mit, den er ersuchte, einzuschreiten und zu verhindern, daß Arles und die Gewerkschaftspapiere der russischen Regierung ausgeliefert würden. Schon haben eine Reihe englischer Ärbeiterorgani- sationen beini Auswärtigen Amte gegen die Verhaftung des politischen Flüchtlings in Aegypten protestiert; so das Londoner Gewerkschaftskartell, die Britische Sozialistische Partei. Auch die Gesellschaft der Freunde der russischen Freiheit hat Schritte zur Befteiung des Genossen Arles unternommen. Scharfmacher und Gesandter. London, 17. Mai.(Eig. Bcr.) Es ist eins recht erfreuliche Er- scheinung der Zeit, daß die organisierte Arbeiterschaft aller Länder ein immer größer werdendes Interesse an der auswärtigen Politik und der Diplomatie der Regierungen bekundet. Auch die Personen- frage in der Diplomatie gewinnt für die Arbeiterschaft Bedeutung. was der Protest des Gewerkschaftskartells von Groß- New Jork gegen die Ernennung eines notorischen Scharfmachers zum Gesandten am englischen Hofe beweist. Vor kurzem hat der amerikanische Präsident den Herrn Page zum amerikanischen Gesandten in England ernannt. Dieser Herr ist ein Mit- glied der Firma Doubleday, Page u. Co.. Verleger, Buch- drucker und Buchbinder in der Garden City, Long Island, New Jork. Die Firma ist ein erbitterter Feind der organisierten Arbeiterschaft. Ihre Buchbinder befinden sich schon seit 12 Monaten im Ausstand. Bei den Buchdruckern steht daß Geschäft auf der Liste der ungerechten Arbeitgeber. So unerträglich sind die Arbeits- Verhältnisse in dieser Firma, daß selbst die Streikbrecher während eines Buchdruckerstreiks eS nicht länger aushalten konnten ünd davon- liefen. Gegen die Ernennung eines der Prinzipale dieses Ausbeuter- geschäfts zum Gesandten in England haben Min die organisierten Arbeiter von Groß-New Aork energisch Protest eingelegt und die Londoner Arbeiter ersucht, ebenfalls gegen die Person des neuen Gesandten bei der englischen und amerikanischen Re- gierung zu protestieren. Das Londoner Gewerkschaftskartell ist dieser Aufforderung nachgekommen und hat an Sir Edward Grey und an den Präsidenten Wilson eine Resolution geschickt, in der dieser aufgefordert wird, die Ernennung des Herrn Page rückgängig zu machen und ihn durch einen Mann zu ersetzen, dessen Anschauungen mehr im Einklang mit denen der amerikanischen Arbeiter stehen und der der organisierten Arbeiterschaft Groß- britannienS annehmbarer ist. Sir Edward Grey wird aufgefordert, gegen die Ernennung des Herrn Page zum Gesandten in England Protest einzulegen. Das Londoner Gewerkschaftslartell hat die Resolution auch an alle Gewerkschaftskartelle in Groß- britannien mit dem Ersuchen geschickt, in ähnlicher Weise bei der Regierung gegen die Ehrung des Scharfmacher? zu protestieren. Herr Page wird sich voraussichtlich auf einen lebhaften Empfang in England vorbereiten müssen. ftolland. Ein Borstoß gegen die organisierten Kricgsschiffsmatrosen. Amsterdam, 17. Mai.(Eig. Bcr.) Aus Nicderländisch-Jndien kommt die Nach- richt, daß dort nicht weniger als 97 Matrosen und Marine- soldaten wegen antimilitaristischen Verhaltens entlassen worden seien. Dieses Vorgehen ist die Folge eines Zirkulars, das der Marineminister Colyn jüngst erlassen hat und in welchem er die Kommandanten der Kriegsschiffe auffordert, alles Schiffs- personal zu entfernen, das sich irgendwie disziplinwidrig be- tätige oder aniimilttaristisch angekränkelt sei. In erster Linie werden die Funktionäre des Matrosenverbandes geopfert. Der Minister hofft hierdurch nicht nur den Sozialismus unter den Schiffsmannschaften zu vernichten, sondern erstrebt damit auch. die Berufsbemannung der Flotte durch eine Marinemiliz zu ersetzen. Von dieser letzten Maßnahme erhofft er eine Auf- lehnung des Bürgertums gegen die moderne Arbeiter- bewegung. Da die Arbeiterbewegung auf die Flotte über- greift, will der Minister nun vortäuschen, er sei gezwungen gewesen, die Bemannung aus den zuverlässigen bürgerlichen Kreisen zu nehmen. Orden für Wahlloften. Amsterdam, 18. Mai.(Eig. Bericht.) Eine spaßhafte Ge> schichte bringt ein wenig Humor in die Wahlkampagne. Kurz nach den vorigen Generalwahlen im Jahre 1999 teilte da» sozialdemo« kratische Zentralorgan ,Het Volk" mit, daß der frühere klerikale Minister Kuyper einen jüdischen Talmi-, Baron" Lehmann, einen schwerreichen Mann von absoluter BedeuwngSlosigkeit und sehr wenig christlicher Lebenshaltung für einen hohen Orden in Vorschlag ge- bracht habe, weil er eine große Geldsumme für den klerikalen Wahl- fondS zur Verfügung gestellt hatte. Die Sache machte damals großes Aufsehen und führte zu Enthüllungen über die Beziehungen des frommen Ministers mit Damen der Halbwelt, die der»christ- lichen" Politik Kuypexs nicht gerade zum Vorteil gereichten. Jetzt ist bekannt geworden, daß der Baron Lehmann wiederum für einen hohen Orden in Vorschlag gebracht wurde. Der Borschlag soll diesmal vom... Prinzen Heinrich, dem Gatten der Königin, ausgegangen sein, und zwar in dessen Eigenschaft als Ehrenpräsident des Roten Kreuzes; Lehmann hat. um den heißersthnten Orden endlich zu ergattern, sämtliche Kosten einer nach Griechenland ge- sandten Ambulanz auf sich genommen. Der vorsichtige klerikale Minister HeemSkerk hat sich aber, wenigstens vorläufig, geweigert, dem Vorschlag Folge zu leiste». Er will, wie eine Haager Zeitung berichtet, erst nach den Juniwahlen seine Entscheidung treffen. WaS die Wahlen mit einer Ordens- Verleihung für die Ausstattung einer Ambulanz zu schaffen haben, wäre natürlich unerklärlich, wenn man die Vorgeschichte nicht kenne» würde: Der Minister hält eS für die klerikalen Wahlaussichten zu- träglicher, die anrüchige Kuypersche OrdenSaffäre vor den Wahlen nicht wieder neu zu beleben. Zu spät, alle Welt lacht über den Baron Lehmann und den vorsichtigen Minister! Hfrika. Verlustreiche Kämpfe in Tripolis. Benghafi, 18. Müi- General Mambretti telegraphiert aus T e r n a: In Boraussicht einer Operation gegen das Lager bei Ettarigi verließ ich am Morgen des 16. mit einem Teil meiner Streitkräfte die Befestigungslinien, um die Zugänge zum feind- lichen Lager festzustellen. Gegen 11 Uhr bemächtigte sich meine Kolonne nach erbittertem Kampfe der verschanzten Höhen von Sidi Garda und Raselain. welche sie vom Feinde stark besetzt gefunden hatte. Während die Truppen ausruhten, erfolgte gegen 1 Uhr nach- mittags ein neuer lebhafter Angriff des Feindes auf ihre Flanken, besonders auf die linke Flanke in der Richtung des Araber- und Beduinenlagerö von Partuba. Der erbitterte Kampf endete mit einem Rückzug des Feindes, als unsere Reserven in Aktion traten. Am Abend kehrten unsere Truppen in Ordnung nach Der na zurück. Die feindlichen Verluste sind sehr schwere. Die V c r l u st e ans italienischer Seite betragen: Sieben Offiziere und 7 2 Soldaten tot, 29 Offizicrc, 239 Mann der- w u n d c t � die Mehrzahl davon seicht. Klus der Partei. Ein unhaltbarer Beschluß! Wie bereits mitgeteilt, hat die Berliner Generalversamm- lung sich in einer außerordentlichen Sitzung mit dem Fall B o r ch a r d t befaßt und den Protest gegen seine Kandidatur zurückgewiesen. Für uns scheidet die persönliche Seite der Angelegenheit völlig aus, doch sehen wir uns im Interesse der Gesamtpartei zu folgender Feststellung genötigt: Die Generalversammlung hat sich die cinsttnlmige Ent- scheidung der Untersuchungskommission zu eigen gemacht, die dahin geht, daß Borchardt gegen andere Parteigenossen„Vor- würfe in einer gröblichst leichtfertigen und unverantwortlichen Weise erhoben" hat. Danach hätte als einzig mögliche Konsequenz erwattet werden müssen, daß Borchardt die Fähigkeit zur Bekleidung des Landtagsabgeordneten- Mandats aberkannt werde. Den Spruch der Untersuchungskommission zu akzeptieren, jedoch die Konsequenzen daraus abzulehnen, ist ein Widerspruch. Denn das Parteiinteresse verlangt, daß alle Vertrauenspersonen der Partei völlig vorwurfsfrei dastehen. Wir möchten deshalb der Erwartung Ausdruck geben, daß dieser Widerspruch durch ein in dem Parteistatut vorgesehenes Verfahren— ein Schiedsgericht— beseitigt werde._ Ein Nichtbestätigter. In W i l d e n s p r i n g im Thüringer Wald wählte der Ge- meinderat den Genossen Eduard K l e t t als Schultheißenstelloertreter. Obwohl Klelt diesen Posten schon früher zur allgemeinen Zufrieden- heit bekleidet hat, versagle der zuständige- Landrat die Bestätigung, da Klett Sozialdemokrat und Vorsitzender der Ortsgruppe Wilden- spring ist. Nun hat die S Ä w a r z b u r g- R u d o l st ä d t i s ch e Regierung das Wort, die im Landtage den Etat au? den Händen der Sozialdemokratie nimmt.___ Aus den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für die ReichStagSwahIlreise München I und II hat im letzten Jahre eine Einnahme von 69 689,99 M. Dazu kommt der Kassenbestand vom I.Juli 1912 von 21, 228, öl M. Dem stehen Ausgaben von 69 694,87 M. gegenüber. Somit beträgt der Kassenbestand am 1. April 1913 21 228,23 M. Nach dem soeben herausgegebenen Geschäftsbericht wurde das letzte Jahr durch die große langanhaltende Arbeitslosigkeit, die besonders im Baugewerbe in einem seit Jahren nicht mehr vorhandenen Um- fang herrschte und noch herrscht, schwer beeinträchtigt. Trotz- deni kann konstatiert werden, daß die nie ruhende münd« liche und schriftliche Agitation einen größeren Mitglieder- Verlust ve-hindert hat. Aufgenommen in den Verein wurden 2347 Mitglieder, davon 498 Frauen, denen ein Verlust von 24öS(1369 durch Abreise, 952 durch Austritt, 98 durch Tod, 45 durch Streichung) Mitgliedern gegenübersteht. DaS Versammlungswesen war ein rege-Z, der Wunsch nach Aufklärung war überall vor- Händen. Der Wissensdrang der Genossen wurde nach Möglichkeit gestillt, sei es durch Vorträge und Kurse, die der BildungSauSschuß arrangierte, oder durch Abhaltung zahlreicher Volks- und Sektions- Versammlungen. In den öffentlichen Versammlungen wurden in der Hauptsache die wahnwitzigen Rüstungsvorlagen, die unerträgliche Verteuerung des Lebens und die Aus- Pressung de§ Volkes durch ungerechte Steuern behandelt. Ein besonderes Augenmerk wurde der Agitation unter den Frauen geschenkt. ES fandcu vier große öffentliche Frauonversammlungen statt. Der proletarische Frauentag am 2. März 1913 fand seiiicn sichtbaren Ausdruck in sieven sehr gut besuchten Versammlungen. Außerdem fanden noch in den einzelnen Sektionen 64 öffentliche Frauenversammlungen und 36 Frauenabende statt. Eine sehr rührig«. Tätigkeit entfalteten die Genossen in den Sektionen und Ortsvercinen. Es fanden 69 öffentliche und 322 Settionsversammlungen statt. Die Sektionen und Ortsvereine hatten eine eigene Einnahme von 15191,85 M. und einen Kassenbestand von 7935,86 M. Zur Vorbereitung der im nächsten Jahre stattfindenden Gemeindewahlen wurde ein Aktionsausschuß gewählt. Der Ausschuß hat seine Tätigkeit schon seit längerem begonnen. Die Agitation und finan- zielle Fundierung der Wahlen zur Angestelltenversicherung für die freie Vereinigung der Arbeitgeber wurde mit gutem Erfolge durch- geführt. Die Zahl der Miiglieder beträgt 18 348. Die Zahl der Ortsvereine ist von 15 auf 18 gestiegen. Berfolgungen der Arbeiterbewegung in Bosnien und der Herzegowina. Unter dem Druck der Kriegsspannung ist die Arbeiterbewegung in Bosnien und der Herzegowina einer beispiellosen Verfolgung durch die österreichischen Behörden ausgesetzt. Dem I n t e r- nationalen S ö z i a l i st i s ch e n Bureau iu Brüssel wurde darüber geschrieben: .Unsere politischen Rechte, die ohnehin sehr gering sind, wurden immer mehr eingeschränkt, die Zensur wurde immer schärfer. So wurde der verantwortliche Redakieur des Parteiorgan-! wegen eines Artikels, in welchem dagegen protestiert wird, daß sich Oesterreich in die Balkanfrage mischt, zu drei Monaten Arreststrafe verurteilt. Durch die teilweise Mobilisierung wurden unsere Organisationen sehr geschwächt. Die Krise erreichte ihren Höhepunkt am 3. Mai. An diesem Tage wurde das AuSnahmcrecht proklamiert. Durch das Ausnahme- recht wurde die Partei, die illegal bestand und die Gewerkschaften. die legal waren, aufgelöst. Alle gewerkschaftlichen Organisationen sowie die Redaktion unseres Parteiblattes hatten im Arbeiterheim ihre Bureaus. Das Arbeiterheim ist Eigentum der Gewerkschaft-!- kommission und bewertet sich aus 159 999 Kronen. Am 3. Mai, um 8 Uhr morgens, als der Ausnahmezustand proklamiert wurde, kamen fünf Regierungsbeamte in das Arbeiterheim, erklärten, daß die poli- tischen und gewerkschaftlichen Organisationen aufgelöst seien und forderten die Uebergabe des Vermögens und der Gelder der Organi- sationen. Sie übernahmen alle Kassenbücher und zirka 21 999 Kronen. Alle Bureau? der Gewerkschaften wurden versiegelt- Mit den Regierungsbeamten kam auch eine Abteilung Militär ins Arbeiterheim, die von allen Lokalitäten, der Restauration, den: Lesesaal und den sonstigen Räumen Besitz nahm. Im Parteisekretariat hat der Kompegnielommandant sein Bureau eingerichtet. 359 Sol- daten liegen im Arbeiterheim. Obzwar wir im Fall eines Kriege« schärfere Maßregeln erwarteten, haben wir doch nicht erwartet, daß man uns von unserem eigenen Hause verjagen und die Gewerkschafts- organisationeu auflösen werde, die Arbeitslose und Kranke zu unter- stützen haben. Die Mitglieder dieser Organisationen, von welchen ein großer Teil beschäftigungslos ist. können keine Unterstützungen bekommen, da das Vermögen der Organisationen von der Regierung konfisziert wurde. Am 6. Mai mußte auch die Redaktion aus dem Arbeiterheim ausziehen: binnen vier Stunden mußte die Redaktion geräumt sein. In der Nummer des ParteiblaUeS vom 3. Mai wurden 1499 Zeilen konfisziert. Nach den jetzigen Verordnungen untersteht die Zeitung der Zensur der Militärbehörde; dort liegt sie sechs Stunden uud dann erst darf sie ausgegeben werden. Im Falle einer Kon- stSkation des Blattes muß der konfiszierte Teil mit anderem Material ausgefüllt und erneut zur Zensur geschickt werden. Unter diesen Umständen kann da? Blatt bis auf weiteres nur zweimal wöchentlich erscheinen. Die Arbeiterbewegung ist durch diese-! Vorgehen sehr stark ge- troffen. Die junge Partei, die während der kurzen Zeit ihres Be- stehen« schon große Erfolge zu verzeichnen hat, appelliert an da« internationale Proletariat, daß es ür seiner Presse und in den Parlamenten seine Stimme gegen solche Schikanen erheben möge. Gewerfefcbaftlicbea. Wieviel Organisierte gibt es? Nach dem bisher Vorliegenden statistischen Material war die Von den organisierten Unternehmern beschäftigte Zahl Arbeiter annähernd doppelt so groß wie die der gewerkschaft lich erfaßten Arbeiter. Angeblich nach Abzug der Doppel Zählungen waren bei den zu ArbeitgeberVerbändcn zusammen geschlossenen Unternehmern im Jahre 1912 fast l'/-- Millionen Arbeiter beschäftigt. Denen standen nur 2.6 Millionen gewerk- schaftlich Organisierte gegenüber. Jetzt liegt eine Bearbeitung des Kaiserlichen Statistischen Anites vor, die das Verhältnis zugunsten der Arbeiter wesentlich korrigiert. Unter Benutzung aller verfügbaren Materialien, zum Teil Angaben der Arbeitgeberverbändc. kommt das Amt zu statistischen Er gebnissen. wonach sich die Zahl der gewerkschaftlich Organi sierten zu den von organisierten Unternehmern beschäftigten Arbeitern wie 5,5 zu 7,5 verhält. Eine Zusammenstellung. nach Berufsgruppen geordnet, veranschaulicht das Verhältnis zwischen Organisierten und Berufstätigen. Hier die Ueber- sicht: gewerkschaft- rufSzähdmg Berufsgruppe lich organisierte- 9°�°° von 1907 Arbeiter banden«. Bergbau, Hüttenwesen.. 208 402 Industrie der Steine, Erden 09 140 Metallindustrie, Maschinen- bau........ 627 312 Textilindustrie..... 178 183 Lederindustrie..... 44 274 Holzindustrie...... 217 114 AahrungS- und Genußmittelindustrie...... 133 811 Bekleidungsgewerbe... 123 546 Baugewerbe...... 496 836 Polygraphische Gewerbe 106 239 469 982 209 248 Arbeiter 903 156 614 604 796 288 1694111 490 026 856 522 16 034 158 413 70 137 571 649 182 355 789 616 146 729 707 143 500 924 1 571 154 77 006 163 322 Zusammen, 2 204 857 2 958 729 8 059 589 In der Aufstellung fehlen einige Berufsgruppen. Das Verhältnis, wie es in den vorstehenden Ziffern zum Ausdruck kommt, wird durch ihre Einbeziehung kaum geändert. Die Angaben lassen zwei Tatsachen klar heraustreten: einmal die, daß das Unternehmertum tatsächlich besser organisiert ist als die Arbeiterschaft und weiter das Vorhandensein einer noch sehr großen Schar Unorganisierter. Bei Würdigung der Aufstellung niuß berücksichtigt werden, daß sich die Zahlen der Organisierten auf das Jahr 1912 beziehen, während die Berufszählung bereits fünf Jahre zurückliegt. Mittlerweile ist &ie_ Zahl der in den aufgeführten Berufen Beschäftigten ivesentlich größer geworden. Unter diesen Umständen ist an- zunehmen, daß die gewerkschaftlich Organisierten nicht viel mehr als nur ein Viertel der Berufszugehörigen ausmachen. Jn� den einzelnen Berufsgruppen ist das Stärkcverhältnis zwischen Organisierten und Angehörigen sehr verschieden. Es ergeben sich diese Resultate; Prozcnsatz der Organisierten Bergbau, Müllerei...... 22,4 Jndusirie der Steine und Erden. 10,7 Metallindustrie, Maschinenbau.. 37,7 Textilindustrie........ 20,8 Lederindustrie........ 27,9 Holzindustrie........ 37,9 Nabrungs- und Genußmittelindustrie 17.1 Bekleidungsgewerbe...... 17,4 Baugewerbe......... 81,6 Polygraphische Gewerbe.... 65,0 Zusammen 27,5 Danach ist die Organisation am besten im polygraphischen Gewerbe. In der danach folgenden Holzindustrie sowie in der Metall- und Maschinenindustrie hat sie annähernd dieselbe Stärke Etwas weiter zurück folgt das Baugewerbe. Noch sehr ungünstig ist das Organisationsverhältnis in der Industrie der Steine und Erden. Im polygraphischen Gewerbe, in der Holz- und der Lederindustrie sind die Arbeiter besser organisiert als die Unternehmer; diese haben den Vorrang in der Maschinen- industrie, der Metallindustrie, der Nahrungs- und Genußmittel- industric, besonders aber in der Textilindustrie und in der Industrie der Steine und Erden. Im Baugewerbe ist das Verhältnis zwischen Arbeitern und Unternehmern ungefähr gleich. Jedenfalls läßt die Untersuchung erkennen, daß den gewerkschaftlichen Organisationen noch viel Arbeit bevorsteht. Das zu bearbeitende Brachlan� zeigt noch bedeutende Aus- Messungen. Verlin unck Umgegend. Achtung Sattler, Koffcrmachcr! Die Firma Heinrich Stöhr u. E o. hat nunmehr den Tarifvertrag für die Reiseartikel- und Portefeuillesbranche unterschriftlich anerkannt. Die Sperre über diesen Betrieb ist hiermit aufgehoben. Die Ortsvcrwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Vorsicht, Zimmerer! Aus Kiel wird uns folgendes geschrieben: Die Tiefbau-Aktiengesellschaft Jul. Berger in Charlottenburg sucht durch den Städtischen Arbeitsnachweis daselbst Zimmerleute nach Kicl-Landwehr. Da in Kiel zirka 70 arbeitslose Zimmerer, also genügend?lr- «beitskräfte, zu bekommen sind, kann es sich nur darum handeln, Leute als Lohndrücker nach Kiel zu bekommen. Eigenartig ist auch, daß auf dem Arbeitsnachweis ein Schein ausgehändigt wird, wonach den abreisenden Zim- mercrn der Fahrpreis um die Hälfte ermäßigt wird! Die Zimmerer werden deshalb davor gewarnt, nach Kiel zu kommen. Die Zahlstelle des Zentralverbandes der Zimmerer für Kiel und Umgegend. I. A.: Hcinr. Ehlers. Ter Streik der Glasarbeiter und Arbeiterinnen bei der Firma Jsola, Schlesischestr. 26, dauert unverändert fort. Es ist der Firma bisher nicht gelungen, Glasbläser für ihren Betrieb zu er- halten, da eS den Streikenden gelungen ist, diese wieder zur Ar- beitscinstellung und zum Verlassen des Betriebes zu veranlassen. Die Polizei geht nach wie vor rücksichtslos gegen die Streikposten vor und verhindert sie an der Ausübung ihres Rechts. Auch haben sich noch andere Elemente dort angefunden, welche sich sie Rechte von Kriminalbeamten anmaßen und den Streikposten sogar mit Schlägen drohen. Tie postenstehenden Schutzleute weigern sich, die Namen dieser Leute festzustellen und lassen sie schallen und walten, wie es ihnen beliebt. Es wird vermutet, daß diese Elemente vom Arbeitgcberschutzvcrbaud gestellt werden. Es mag nun den Aerger dieser Leute hervorrufen, daß eS den Arbeitern geglückt ist, immer wieder die Arbeitskräfte aus dem Betrieb herauszuziehen. Die Glasarbeiter und Arbeiterinnen fordern wir nach wie bor zur strengsten Solidarität auf und bitten sie, die um ihre Existenz kämpfenden Kollegen und Kolleginnen tatkräftig zu unterstützen und den Betrieb zu meiden. Die Firma macht die größten Anstrengungen, durch Annoncen Arbeitskräfte heranzuziehen. Möge auch die übrige Arbeiterschaft Solidarität üben und den Betrieb meiden, dann muß es gelingen, den Kampf zu gewinnen. Zentralvcrband der Glasarbeiter, An die organisierte Arbeiterschaft Grost-Berlins! Die unterzeichnete Branchenleitung bringt der Arbeiterschaft, insbesondere den Gastwirten, Kolonial-, Grünkrambändlern, Kantinen usw. hiermit zur Kenntnis, daß die im Deutschen Transportarbeiter-Vcrband organisierten Kutscher, Mitfahrer aus den Mineralwasser- und Essigfabriken sowie Großdcstillationen. Wein- und Bierversandgeschäften, desgleichen für die in den Lager-, Malz-, Weiß- und Jungbierbrauereien beschäftigten Fahrer usw. eine Legilimationskarte herausgegeben hat. Die Einführung dieser Karte ist deshalb erfolgt, weil noch immer ein Teil dieser Arbeiter der Organisation fernsteht. Wir ersuchen alle GewerkscbaftS- und Parteigenossen, soweit sie mit den in Frage kommenden Personen in geschäftliche Berührung kommen, dieselben nach ihrer Legitimation zu fragen und sie auf die Organisationspflicht hinzuweisen. Die Karte trägt den Namen deS Verbandes sowie den des In- haberS. Die 12 Monate sind in Felder eingeteilt, die allmonatlich von der Organisation abgestempelt werden. Wer nicht im Besitz einer Karte ist, gilt als Unorganisierter. Die Mitglieder deS Ver- bandes wollen besonders aus die Legitimationskarte achten und stets danach fragen. Deutscher TranSportarbeiter-Verband, Bezirk Groß-Berlin. Die Branchenleitungen der Keller-, Mineralwasserarbeiter und Bierfahrer. Deutsches Reich. Zu dem neuen Schiedsspruch im Malergewerbe. Der am 16. d. M. von einem besonderen Schiedsgericht unter Vorsitz der bekannten drei Unparteiischen gefällte Schiedsspruch be- deutet die Rechtfertigung des Standpunktes, den die Gehilfen- organisationen des Malergewerbes während der ganzen Dauer der frivolen Aussperrung hervorgehoben haben: Aufrechtcrhaltung des Schiedsspruches vom 24. Februar und Würdigung der besonderen Verhältnisie in einzelnen Lohngebieten, wo die Schiedssprüche nicht befriedigen und wo während des Kampfes die Arbeiter die Lohn- Verhältnisse aus eigener Kraft verbessert haben. Die Anforderun- gen der Unternehmer dagegen mußten vom Schiedsgericht als unberechtigt abgelehnt werden. Ter neue Schiedsspruch läßt den 'rühercn von den Unternehmern abgelehnten„vollinhaltlich weiter gelten" und bestimmt, daß sich„in Orten, wo in größerem Umfange Vereinbarungen über den Schiedsspruch hinaus getroffen lvordcn sind" die örtlichen Organisationen darüber einigen sollen,„daß diese Vereinbarungen allgemein durchgeführt werden." Das Schiedsgericht in Berlin hat damit die ihm zunächst� zugewiesene Aufgabe, zu prüfen, für welche Orte noch über die Schiedssprüche hinaus Lohnerhöhungen stattfinden' sollen, den örtlichen Organi- 'ationen und Instanzen überwiesen. Sind also zunächst die An- prüche der Gchilsenorganisationen, soweit sie über die Schieds- sprüche hinausgingen, praktisch noch nicht festgesetzt, so sind sie im Prinzip anerkannt und es ist den örtlichen Organisationen nach erfolgter Prüfung anheimgegeben, sie zu erfüllen. Der Unternehmerverband wollte durch die Aussperrung für sich günstigere Schiedssprüche erzielen. Wie er sich die neue Regelung dachte, hat er bei den letzten Verhandlungen verraten, wo er sein siüheres Angebot 3 Pf. aus der ganzen Linie Lohnerhöhung und keine Arbeitszeitverkürzung zu bewilligen, erneut vorbrachte, und als das strikte abgelehnt war, verlangte, daß die früheren Schieds- prüche für 245 Orte um 1 bis 6 Pf. reduziert werden sollten. Daß die alten vom Unternehmcrvcrband abgelehnten Schiedssprüche voll- inhaltlich bestehen bleiben, obgleich zwei Unternehmervertreter im neuen Schiedsgerichte saßen, illustriert am besten die völlig unbe- rechtigte Aussperrung. Wenn serner anerkannt wurde, daß die Ansprüche der Gehilfen in gewissen Orten über die Schiedssprüche hinaus an sich gerechtfertigt und von den örtlichen Organisationen zu berücksichtigen sind, so ist das ein weiterer Beweis dafür, daß )er Unternehmerverband mit seinem Bemühen, die Schiedssprüche zu bekämpfen, keinen Erfolg gehabt hatte. Dazu kommt, daß schon Städte wie Hannover, Zwickau, Oelsnitz, Gotha u. a. mit höheren Löhnen, als in den Schiedssprüchen bestimmt, korporative Verträge abgeschlossen haben und daß andere bei längerer Dauer des Kampfes bestimmt diesem Beispiel folgen werden. Auch der Verband der Maler ist nicht zu Boden gerungen wor- den, was die eigentliche Absicht der Scharfmacher im Malergcwerbe mit war. Ganz im Gegenteil! Fest zusammengefügt und durch sein Vorgehen bei der Arbeiterschaft und vor der Oeffentlichkeit gerecht- ertigt, blickt er auf einen zehnwöchigcn ehrenvollen Kamps zurück. Roch sind die Bedingungen des neuen Schiedsspruches von den Parteien nicht akzeptiert. Der Verband der Maler wird in einer außerordentlichen Generalversammlung, der Unternehmervcrband seinen verschiedenen Gauverbänden dazu Stellung nehmen. Ein endgültiges Resultat wird erst am Freitag vorliegen können. Bis dahin geht der Kampf unverändert weiter, und er wird, sollte es zu keinem Abschluß der Bewegung kommen, von den Arbeiter- organisationen mit der bisherigen Energie und Geschlossenheit weitergeführt werden. Schwarze Listen und Stimmungsmache im Krcfelder Aarderstreik. Der Arbcitgebervcrband der rheinischen Scidenindustric ver- endet an alle Unternehmer Rheinlaicds eine Liste mit den Namen von 1996 Streikenden, darunter 1729 männlichen und 267 wcib- lichen Arbeitern. Der Liste ist folgendes Schreiben beigefügt: „P. P. Seit dem 21. Februar a. c. streiken hier ca. 3000 Färberei- arbeiter. Die Mitglieder der christlichen Gewerkschaft haben die Arbeit inzwischen wieder aufgenommen, nachdem sie die gemachten Zuge- ständniffe als binreichcnd anerkannt hatten. Dagegen beharren die Mitglieder des Deutschen Tcxtil- arbcitcrvcrbandcs(«Sozialdemokraten) weiter im streik. Die bestreikten Arbeitgeber erwarten nun, daß ihre Kollegen in Krefeld und der näheren und weiteren Umgebung keine dieser streikenden Arbeiter annehmen. Es handelt sich heute nur noch um eine Machtprobe der sozial- demokratisch organisierten Färbereiarbciter und ist es nur im Interesse der gesamten Arbeitgeberschaft, wenn auch die viel- leicht zufällig inzwischen eingestellten Ar- beiter wieder entlassen werden. Indem ich Ihnen diese Bitte unterbreite, erkläre ich im Namen der Mitglieder unseres Verbandes, daß diese im analogen Fall auch keine Ihrer Arbeiter annehmen werden. Arbcitgebcr-Vcrband der rheinischen Scidenindustric. Der Geschäftsführer." Die„Vereinigung der Arbeitgeberverbände" sucht gleichfalls durch Publikationen in der Presse„aufklärend" zu wirken. JnU)er Niederrheinischen Volkszeitung" teilte sie mit, daß der Färberstrcik einen Grund nicht in wirtschaftlichen Fragen habe, sondern in den Organisationsverhältnissen der Krefclder Arbeiterschaft. Die christ- lich organisierten Arbeiter bätten das Uebergewicht und diese? Uebcrgcwicht zu gewinnen, sei das Streben des Textilarbeiter- Verbandes: deshalb der Streik. Selbstverständlich ist das geschwindelt. Der Verband christlicher Textilarbeiter zählte am Schluß des 3. Quartals 1912 in Ärefeld-Bockum und Fischeln, also ün Krcfelder Bezirk, 1025 Mitglieder. Davon sind bis heute 172 zum Deutschen Textilarbeiterverband übergetreten. Der christliche Verband wird also im Krefelder Bezirk etwa 900 Mitgliede zählen. Ter Deutsche Textilarbeiterverband aber hat 4172 Mitglieder. Die Angaben der „Vereinigung der Arbeitgebcrverbände" sind also unwahr. Ter Konflikt der Buchdrucker mit der Berlagsgescllschaft beut- scher Konsumvereine ist durch eine Verständigung beigelegt. In einer Zusammenkunft, an der auch der Verbandsvorsitzende des Buchdruckerverbandes, Emil T ö b I i n, teilnahm, wurde folgendes vereinbart: 1. Das gesamte aus den Betrieben der Vcrlagsgesellschaft-aus- geschiedene Buchdruckcrpersonal wird nach Maßgabe der vorbände- neu Plätze zu den bisher für sie geltenden Lohn- und Arbeits- bedingungen wieder eingestellt. 2. Die vom Buchdruckcrpersonal aufgestellten Forderungen, soweit sie nicht durch den Inhalt dieser Erklärung gegenstcmdslos geworden sind, zurückgezogen. Es wird anerkannt, daß die Entlassung der drei Buchdrucker, die sich weigerten, der Unterstützungskasse beizutreten, obwohl sie vom Tarifschiedsgericht als tariswidrig bezeichnet wurde, den Be- strebungen entsprungen ist, den gesamten beschäftigten Buchdruckern die Mitgliedschaft bei der UnterstützungSkassc zu�ermöglichcn. Sic kann daher nicht als Maßreglung im üblichen Sinne des Wortes gcwertct werden. Tic in der öffentlichen Erörterung dieses Falles erfolgten An- griffe gegen die Geschäftssübrung werden, soweit sie dazu geeignet sind, deren Ansehen zu schädigen, zurückgenommen. 3. Maßreglungen finden nicht statt. Falls Entlassungen not- wendig werden, erfolgen sie aus geschäftlichen Gründen. 4. Die Frage der Zugehörigkeit der Buchdrucker zur Unter- stützungskasse des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine soll durch eine besondere Verständigung geregelt werden. Der auS diesem Anlaß entstandene Konflikt ist zur beiderseitigen Zufrieden- heit beigelegt. 5. Beide Parteien einigen sich dahin, aus prinzipiellen Grün- den die anhängig gemachte Feftftellungsklage, ob die Massen- kündigung tariswidrig war. zur Entscheidung zu bringen. Weitere Konsequenzen für das wiedereingestellte Personal werden aus dem Ausfall dieser Entscheidung nicht gezogen. Lohnbewegung der Färbereiarbeiter in Chemnitz. Tie Färbcreiarbeitcr und-arbeiterinnen stehen in einer Lohn- bcwegung. Gefordert wird ein Stundenlohn von 38 bzw. 42 Pf., bessere Bezahlung der Ueberstundcn sowie Verkürzung der Arbeits- zeit am.Sonnabendnachmittag, der gegenwärtige Durchschnitts- lohn der Färbereiarbeiter beträgt 18— 19 M. wöchentlich. Zuzug von Järbcreiarbcitern nach Chemnitz ist streng fernzuhalten. Kampf in der Nürnberger Pinselindustrie. Am 29. April überreichte die Ortsvertvaltung des Holzarbeiter- Verbandes den Pinsesabrikanten folgende Forderungen, die in einer Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen beschlossen waren: Verkürzung der Arbeitszeit auf 50 Stunden pro Wocke, Regelung der Ilcberstundenaufschläge, Mindestlöhne: a) für Arbeiter über 22 Jahre 54 Pf. pro stunde, über 20 Jahre 49 Pf. pro Stunde, über 18 Jabre 44 Pf. pro Stunde, über 17 Jahre 39 Pf. pro Stunde; b) für Arbeiterinnen über 22 Jahre 32 Pf. pro Stunde, über 20 Jahre 29 Pf. pro Stunde, über 18 Jahre 26 Pf. pro Stunde und über 16 Jahre 23 Pf. pro Stunde. Auf Stück arbeitende Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten vorstehenden Min- destlohn garantiert. Werden Arbeiter oder Arbeiterinnen aus ihrem Akkord heraus zur Taglohnarbeit verwendet, so ist ihnen ihr Durchschnitts-Akkordverdienst(auf Grund des Nachweises für die Berufsgcnossenschaft) als Lohn anzurechnen. Liegt ein solcher Nachweis nicht vor, so ist der Durchschnitts-Akkordverdienst der vorhergehenden Beschäftigungsdauer maßgebend. Alle bestehenden Löhne werden um 10 Proz. erhöht. Der durch die Arbeitszeitver- kürzung entstehende Lohnausfall wird vom Arbeitgeber gedeckt. Tie Unternehmer lehnten alles ab. Es fanden daraufhin mehrere mündliche Besprechungen zwischen den beiderseitigen Vertretungen tatt, ohne daß die Unternehmer zu irgendwelchen nennenswerten Zugeständnissen zu bewegen waren. Das große Wort bei dieser ablehnenden Haltung führten diejenigen Unternehmer, die wegen ihrer kleinen Betriebe am wenigsten in Frage kamen. Als olle Bemühungen der Arbeitervertreter, einen friedlichen Vergleich her- bcizuführen, ergebnislos blieben, wurde die Arbeit niedergelegt. Bei der geschlossenen Organisation der Nürnberger Arbeiter und Arbeiterinnen kann der Ausgang dieses Kampfes nicht zweisel- Haft sein. Allerdings haben jetzt auch die Unternehmer ihre alte Uneinigkeit anscheinend überwunden. Sie renommieren damit, daß auch sie jetzt alle im Verbände der deutschen Bürsten- und Pinselfabriken organisiert seien. Wie dem auch sei, der Holz- arbeiterverband befindet sich in der Lage, wenn nötig, auch mit dieser Organisation die Entscheidung auszukämpfen. Letzte Nachricbten. Noch eine Demonstration gegen die dreijährige Dienstzeit. Belfort, 19. Mai.(Meldung der Agence Havas.) Soldaten deS 35. Lmienregiments veranstalteten heute vormittag eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit. Dabei soll die In- ternationale gesungen und ein Feldwebel mißhandelt worden sein. Der Oberst ließ das Regiment in der Kaserne antreten und hielt eine patriotische Ansprache. Fünf Personen sollen verhaftet worden 'ein.__ Jungdeutschlandbnndler beim Militärspielen schwer verletzt. Aachen, 19. Mai.(P. C.) Als etwa 300 Mitglieder des„Jung- deutschlandbundcs" Pionierübungcn vornahmen, und eine Brücke gebaut hatten, die photographiert werden sollte, sprangen 50 Inn- gen auf dieselbe und vier stellten sich unter sie, um mit photogra- phiert zu weeden. Plötzlich brach die Brücke zusammen, und eine Anzabl der Jungen wurde mehr oder minder schwer verletzt. Einer von ihnen erhielt einen schweren Schenkelbruch und schwere innere Verletzungen. Als ein Wunder ist es dabei noch zu betrachten, daß niemand von den Jungen erschlagen worden ist. Acht Secsoldaten vermißt. Kiel, 19. Mai.(W. T. B.) Die Einjährigen Bäck, Homack, Wille und Stein sowie die Seesoldaten Crämer, Preske, ä m m e r und S ch i r m e r, sämtlich von der 3. Kompagnie deS Seebataillons, sind von einer Sonntag nachmittag in See unter- nommcnen Segelpartie bisher nicht zurückgekehrt und bei dem siürmischcm Wetter anscheinend verunglückt. Die Kreuzer „München" und„Magdeburg" sowie S. M. SS.„Württemberg- und„Pelikan" und einige Torpedoboote sind am Montag auf der Suche nach den Vermißten gewesen, aber am Abend wieder ein- gelaufen, ohne ein Ergebnis erzielt zu haben. Die Nachforschungen ollen Dienstag in aller Frühe wieder aufgenommen werden. Folgenschwere Kohlenstaubexplosion. Köln(Rhein). 19. Mai.(P. C.) Auf der Gewerkschaft..Boller- Hammer" ereignete sick heute abend eine Kohlenstaubexplosion, durch die die ganze innere Einrichtung in die Luft gesprengt wurde. Ei« Arbeiter wurde dabei getötet, einer schwer ver- letzt. Mehrere Arbeiter erlitten leichtere Verletzungen. Der ganze Betrieb ist gestört. lUUCi. tiilCUCt UIC U.U.V Vtut.---------------I-_____ Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil veranttv.i CH. Glocke. Beri'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchvr. u. verlagsanstai« UauISlngerLEo.,BerllnLW. Hierzu 3 Beilagen mUaterhaltn«»»«. Nr. 122. 30. Iahrgaug. 1. KnlM des„öoniiärte" Derlim iloltelilntt. Nienstag. 20. Mai 1913. Der Mörder SMmeiers vor den Ge[(l)worenen. Wien, 19. Mm.(©ig. Ber.) Dre� Ermordung des österreichischen ReichZratsabgeordneten Franz>schuch meier bildete vom heutigen Montag ab den Gegen- Iland � der Verhandlung gegen den Eisendrehergehilfen Paul K u n s ch a k. ES wird diesem zur Last gelegt, dag er am 11. Februar 1913 in Wien Schuhmeier durch einen hinterrücks ab- gefeuerten Pistolenschuh in tückischer Weise ermordet hat. Der Täter ist ein Mitglied der christlichsozialen Arbeiterbewegung und gibt selbst politische Gründe sür seine Tat als Erklärung an. Paul� Kun schal stamnil aus Wien, wo er am 4. Januar 1879 geboren ist. Er ist der Sohn eines Fuhrwerksbesitzers, hat die Volksschule besucht, vier Jahre die Gelbgieherei erlernt und dann als Gehilfe in verschiedenen Gelbgiestereien in Wien gearbeitet. Schuhmeier hatte am 11. Februar, deni Mordtage, in Stockerau in einer Wählerversammlung gesprochen und war kurz nach>/zll Uhr abends auf dem Nordweslbahnhof angekommen. In dein Augenblick, als er die IollrevisionShalle durchschritten hatte, richtete Kunschak auS einer Enrfernung von 1 bis 2 Schritte eine Nepetierpistole gegen ihn und feuerte einen Schust ab; Schuhmeier wurde im Nacken gZlroffen und war in wenigen Minuten tot. Kunschak aber rief. nachdem er die Folgen seines Schusses gesehen hotlc:„Das ist meine N a ch e l" Er wurde, bevor er den Bahnhof verlassen konnte, von Bahnbeanilen gefastt und gab unumwunden zu, daß er schon lange Zeil den Plan halte, einen sozialdemokratischen Führer zu erschiesten und dah er dafür alle Vorbereitungen getroffen habe. Er sei 1905 als Eisendreher bei den Siemens- Schuckertwerken eingetreten und bald nach seinem Eintritt seien Vertrauens« männer des sozialdeniokratischen Metallarbeiterverbandes an ihn herangetreten und hätten von ihm verlangt, dem Verband beizutreten. � Er habe sich aber geweigert. und darauf hin hätten seine Kameraden seine sofortige Entlassung erwirkt. Er habe deshalb gegen die betreffenden sozialdemokratischen Vertrauens- männer eine Anzeige Wege» Erpressung erstattet und diese Ver- irauensmänner seien auch tatsächlich vom Landesgericht Wien wegen Erpressung bestraft worden. Seitdem habe er von den sozialdemokra- tischen organisierten Arbeitern noch mehr zu leiden gehabt, sie hätten ihn aus mehreren Betrieben hinausgeekelt, so dast er alle seine Ersparnisse bis auf einen kleinen Rest habe aufzehren müffen. Zuerst habe er sich mit Selbstmordgedanken getragen, habe davon aber Abstand genommen und dafür den Entschlutz gesagt, «inmal ein Exempel zu statuieren. Zu diesem Zweck habe er sich eine Repetierpistole angeschafft, um sich an einem der sozialdemo- kratischen Führer zu rächen. Zuerst habe er an Dr. Adler und andere gedacht, schliestlich aber sei er aus Franz Schuhmeicr ge- kommen, weil Schuhmeier ihn mit den sozialdemokrattichen Ideen be- kannt gemacht habe. Er habe sich auch vorgenommen. Schuhmeier von hinten zu erschießen, da ja auch die sozialdemokratischen Arbeiter ihn hinterrücks bei seinen Arbeitgebern angegriffen hätten.— Die Anklage kommt zu dein Schluß, daß es sich um einen reislich erwogenen und überlegten Meuchelmord bandelt. Sie hat auch wegen des Motivs des Angeklagten entgehende Erhebungen angestellt, und dabei hat sich ergeben, daß die Behauptung, Kunschak habe durch das Vor- gehen seiner Mitarbeiter seine Stellung verloren, zum Teil richtig ist. Andererseits aber habe er doch trotz des Boykotts und der Arbeitsversperrung mehrmals dauernde Beschäftigungen erhalten, so daß die Anficht des Angeklagten, es sei ihm unmöglich gewesen, wegen der Verdrängung durch sozialdemokratisch organisierte Arbeiter dauernde Arbeit zu finden, mehr in seiner zunehmenden Verbitte- rung als in der Wirklichkeit Boden und Wurzel hatte. Er habe vielmehr Arbeit gefunden und Arbeit verloren ohne Schuld einer Organisation und er sei auch nicht verdrängt worden wegen einer Hetze seiner Mitarbeiter, sondern wegen Arbeitsmangels und infolge eigener Kündigung. Die Anklage meint daher, daß das Verbrechen Äunschaks eine Tat überlegter, kaltgenossener Rache ist und daß ihre Absicht und Ausführung durchaus dem Begriff deS Meuchel- mordes entsprechen. Kunschak sei auch für diese Tat voll ver- antwortlich zu machen. Der Andrang zur Verhandlung ist ein ungeheuerer. Den Vorsitz führt Vizepräsident von Heidt, die Anklage vertritt Erster Staats- anwalt Dr. Langer, während als Vertreter der Witwe und der Kinder des getöteten Abg. Schuhmeier Rechtsanwalt Dr. Ornstein fungiert. Dem Angeklagten Kunschak steht als Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Rabenlekner zur Seite. Zur Verhandlung sind 36 Zeugen und 6«achverständige geladen. Der Angeklagte Paul Kunschak ist ein mittelgroßer Mann mit vollständig kahlem Kopf, einem blonden, kurz geschnittenen Vollbart. Seine Züge sind eingefallen und sein Gesicht von tiefen Furchen durchzogen. Er ist sehr bedrückt und sein Benehmen ist unruhig und nervös. Nach der Verlesung der Anklageschrift richtet der Präsident an ihn die Frage: Angeklagter Kunschak, bekennen Sie sich im Sinne der Anklageschrift schuldig?— Angekl. Kunschak: Im allgemeinen ja. Aber die Anklageschrift ist nicht in allen Punkten richtig. Nament- lich ist falsch, was sie über die Anschaffung des Revolvers sagt. � Präs.; Das werden wir ja später erörtern. Zunächst frage ich Sie. ob Sie sich im vollen Umfange schuldig bekennen.— Angekl. Kunschak: Ich bekenne mich insofern schuldig als ich zugebe, den Schuß auf den Abg. Schuhmeier abgegeben zu haben. � Präs.: Geben Sie auch zu, die Absicht gehabi zu haben, den Abg. Schuhmeier töten zu wollen.— Angekl. Kunschak(mit leiser Stimme): Auch das gebe ich zu.— Präs.: Dann erzählen Sie uns zunächst einmal etwas über Ihren Lebenslauf.— Angekl. Kunschak: Als ich 22 Jahre alt war, begab ich mich auf die Wanderschaft und arbeitete in Mar- bürg und in Salzburg und später an verschiedenen Orten in der Schweiz und in Deutschland als Eisendrehergehilfe. Nach 19 jähriger Abwesenheit von Haus kam ich 1992 zu einem Besuch bei meinen Verwandten wieder nach Wien. Ich ging aber bald wieder fort und begab mich nach Argentinien, um die neue Welt kennen zu lernen und in der Hoffnung, dort einen reichlichen Verdienst zu finden. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht, weil ich die spanische Sprache nicht beherrschte, so daß ich schon im April 1993 wieder nach Europa und nach Wien zurückkam. Ich arbeitete hier in verschiedenen Fabriken als Eisendreher und zuletzt in der Kraftfahrzeuggesellschast in der Hahngasse. Am 14. Juni 1911 mußte ich diese Arbeit ver- laffen und war seit dieser Zeit ohne Beschäftigung.— Präs.: Wovon lebten Sie denn?— Angekl. Kunschak: Von meinen Er- sparnissen.— Präs.: Nun lassen Sie sich einmal aus über die Motive, die Sie zu der Tat veranlaßt haben.— Angekl. Kunschak: Ich war 1995 als Eisendreher bei den Siemens- Schuckert-Werken eingetreten. Bald nach meinem Eintritt traten Vertrauensmänner des sozialdemokratischen Metallarbeiter- Verbandes an mich heran und verlangten, daß ich diesem Verbände beitreten sollte. Ich gehörte damals keiner Organisation an und hatte auch nicht die Absicht, einer Organisation beizutreten. Ich habe mich deshalb auch geweigert, der Aufforderung der Ber- trauenSmänner nachzukommen und bin bei dieser Weigerung ge- blieben, trotzdem mir die Vertrauensmänner drohten, daß sie im Falle meiner Weigerung meine sofortige Entkbssung aus der Arbeit bswirken würden. Tatsächlich bin ich dann auch entlassen worden. Ich habe auf Grund dieses Vorgebens gegen mich gegen die be- treffenden Vertrauensmänner eine Erpressungsanzeige veranlaßt und die Vertrauensmänner sind aucki tatsächlich vom Wiener Landes- gericht verurteilt worden. Seit dieser Anzeige habe ich von den sozialdemokratisch organisierten Arbeitern viel zu leiden. Sie ekelten mich aus allen Betrieben dadurch heraus, daß sie überall mit sosortiger Niederlegung der Arbeit drohten, wenn ich nicht ent- lassen würde. Das war 1995 in der Automobilfabrik Gräf u. Stift und 1997 in der Maschinenfabrik Vulkan und in der Fabrik Plewa der Fall. Das ging so bis 1911. Nach meiner Entlassung aus der Kraftfahrzeuggesellschast fand ich noch einmal einen Posten als Dreber in der Metallwarenfabrik Hübner u. Mayer. AIS ich am 25. November 1911 frühmorgens diesen Posten angetreten hatte, fragte mich ein Arbeiter nach meinem Namen und kurze Zeit darauf stand ich an der Drehbank allein. Alle übrigen Arbeiter hatten den Arbeitssaal verlassen. Bald kam der Werkmeister zu mir und sagte, er müffe mich entlasten. die Arbeiter hätten es verlangt, und sie hätten die Arbeit bereits ein- gestellt. Ich habe daher auch diese Arbeit sofort wieder verlassen müssen. Nalürlich war ich darüber sehr aufgebracht und wollte die Sache gerichtlich zum Austrag bringen. Ich ging zur Polizei und verlangte, daß man die Namen der sozialdemokratischen Vertrauens- männer feststellen möge. Die Polizei lehnte das ab, weil sie nicht berechtigt sei, hier einzuschreiten. Dadurch wurde mein Zorn über die Versolgungen durch die Sozialdemokraten noch vermehrt und ich gab es auf, mir neue Arbeit zu suchen. Höchstens hätte ich eine sehr gut bezahlte Arbeit angenommen. Es bot sich mir nämlich tatsächlich noch einmal Arbeitsgelegenheit, aber die Entlohnung war mir zu gering. Trotz ineincs sparsamen Lebens tvaren Ende 1912 meine Ersparnisse aufgebraucht und ich stand nun vor dem Nichts. Ich dachte mir, daß es nun bald zu einer Katastraphe kommen müßte und habe mich um diese Zeit mit Selbstmordgedanken getragen. Ich bin aber davon abgekommen, weil ich glaubte, daß meine sozial- demokratischen Versolger darüber nur lachen würden. So kam icb zu dem Entschluß, ein Exempel zu statuieren. Ich habe den Plan gefaßt, noch einmal Arbeit zu suchen und für den Fall, daß ich wieder von den Sozialdemokraten ytnausgeekelt würde, einen der sozialdemokratischen Vertrauensmänner niederzuschießen. Ich besaß schon seit November 1911 eine Pistole, die ich mir zu meiner persönlichen Sicherheit angeschafft halte. In der Folgezeit kam ich von dem Gedanken, einen Vertrauens- mann niederzuschießen, ab, weil mir einfiel, daß die Vertrauens- männer oder einzelne Arbeiter nichts dafür könnten unv daß nur die Führer daran schuld seien, denn die Führer sind doch diejenigen, die die Arbeiter verhetzen. Ich faßte daher den Plan, falls ich keinen dauernden Posten finden lÄirde, mich an einem der sozialdemokratischen Führer zu rächen dafür, daß ich aus so vielen Posten durch die verhetzten sozialdemokratischen Arbeiter hinausgejagt sei. Ich dachte an Dr. Adler, den Abgeordneten Domes und andere, und ich habe zu diesem Zweck die geladene Nepetierpistole auch immer bei mir gehabt. Ich habe, bevor ich zu einer solchen Tat schritt, das S p i e l g I ü ck erprobt und 19 Lose in der Armenlotterie ge- spielt. Die Ziehung war auf den 4. Februar 1913 angesetzt und am 6. oder 7. Februar erfuhr ich, daß ich nichts gewonnen halte. Von nun an war ich zur Tat fest entschlossen und hatte mir auch vorgenommen, dafür zu sorgen, daß die Welt erfahren sollte, warum ich die Tat begangen hatte. Als Opfer wählte ich nun den Abg. Franz Schuhmeicr aus. Schuhmeier war derjenige, der mich zuerst mit den sozialdemokratischen Ideen bekannt gemacht hatte. Ich war als junger Gehilfe Mitglied des Arbeiterbildungs- Vereins„Apollo" und hatte dort unter der Leitung Schuhmeiers stenographieren gelernt. Ich habe dort auch Schuhmeier wiederholt sprechen hören. Schuhmeier lehrte: wer nichts hat, kann nichts ver» lieren, der kann nur gewinnen. Schuhmeicr erzählte auch, daß in England die Arbeiter in Glacehandschuhen herumgingen. Schuh- meicr hat uns damals auch geraten, nicht zu heiraten, da wir dann das Brot mit Frau und Kindern teilen müßten, und er ist so mit daran schuld, daß ich nicht geheiratet habe. Im Leben erfuhr ich. daß diese und andere Lehren Schuhmeiers falsch waren, und ich glaubte daher, daß, wenn ich Schuhmeier träfe, ich einen Schuld- beladenen und leinen Unschuldigen träfe. So bin ich zu dem Ent- schlutz gekommen, den Abg. Schuhmeier zu töten.— Präs.: Sie haben dann die Tat am 11. Februar ausgeführt.— Angekl.: Jawohl. Ich hatte gelesen, daß Schuhmeicr an diesem Tage in Stockerau in einer Versammlung sprach. Zuerst wollte ich ihn vor der Abfahrt niederschießen. Da ich aber Schuhmeier nicht fand, bin ich nach Stockerau gefahren, um ihn dort zu suchen. Ich habe aber unterwegs diese Absicht aufgegeben, bin in Klosterneuburg aus- gestiegen und nach Wien zurückgefahren, um dort Schuhmeicr zu erwarten. Ich habe mir die Sache noch einmal genau überlegt und mir v o r g e n o in ni c n, S ch u h in e i e r von hinten z u erschießen, da ja auch die sozial- demokratischen Arbeiter mich hinterrücks bei meinen Dienst- Herren angegriffen hatten.— Präs.: Sie geben politische Motive für Ihre Tat an. Nun haben Sie aber verschiedene politische Wandlungen in Ihren politischen Gesinnungen durchgemacht. Zu allererst waren Sie in einer sozialdemokratischen Organisation.— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Wie lange?— Angekl.: Das weiß ich nicht, vielleicht ein bis anderthalb Jahre. Ich bin dann dem Metallarbeiterverband beigetreten, als ich in Salzburg arbeitete. Später trat ich in einen katholischen Gesellen- verein ein und später wurde ich Mitglied einer christlich- sozialen Vereinigung.— Präsident: Beruhte der Ueber- tritt auf innerer lleberzeugung oder auf äußeren llni- ständen?— Angekl.: Aus dem sozialdemokratischen Verein bin ich ausgetreten, weil mir verschiedene Dinge nicht paßten.— Präs.: Aber Sie haben dann später auch dem katholischen Gesellen- verein den Rücken gekehrt.— Angekl.: Der Präses war mir zu fromm. Er wollte die Arbeiter zu Betbrüdern machen und er ver- stand es, den jungen Burschen damit die Religion zu verekeln. Jeden- falls paßte mir das auch nicht.— Präs.: Und Sie suchten nun wieder neuen Anschluß?— Angekl: Ich ging auf die Wanderschaft. Ich hatte niemanden, an den ich mich halten konnte, und daraufhin bin ich in Düsseldorf wieder dem D e u ts ch e n Me t a l larbeiter- kleines feuilleto�. Patriotisches Spülicht. Das Jubiläum Wilhelms II. rückt immer näher. Für die Patriolen, die den byzantinischen Ueberschwang ihrer schönen Seelen in bombastischen Strophen aussckleimen müssen, kommt Hochkonjunklur. Auch vor der S ch u I e macht die ekle Flut der Phrasen und gespreizten Trivialitäten nicht Halt. In der pädagogischen Monalsschrif:„Neue Bahnen" greift ein Pseudonymus, der ausdrücklich erklärt, kein Sozialdemokral zu sein, mit ziemlich energischer Hand in die„Samm- lungen patriotischer Fe st klänge"— und was faßt er?„Wir packe» überall Papier. Schcllcngeklingel klappert heraus, hallende Phrase. Nicht menschlich nahe bringt uns der Sänger dem König, mit dem ergehen soll, er entrückt ihn ins Ueber- menschliche, er erweilert den Abstand zwischen Fürst und Volk ins Ungemessene, in Glctscberhöhen, aus denen keiue Wärme herabtaut in die Niederungen." Ein paar Proben: Kaiser Wilhelm. Deutschlands Sonne, Deutscher Treue Lebenskern, Alle Welt nennt dich mit Wonne Deutschlands Retter, Deutschlands Stern; Kaiser Wilhelm, deiner Ahnen Ruhmverklärter, hehrster Sohn, Ocffne neue Sonnenbahnen Deutschlands Volk und Deutschlands Thron! Auf das rasselnde Blech die blöde Sentimentalität: Der Kaiser Wilhelm sinnt und wacht Im Königschloß nach Milternacht; Die Häuser schimmer dämmrungsmatt, Noch schlummert rings die Riesenstadt. Erstaunt hält am Gigantenbau Ein Arbeilsmann im Kittel Schau. Die müden Augen hebt der Mann: „Blich dünkt, mein Kaiser sieht mich an! Gegrüßt zu deinem Feste sei. Der du die Arbeit machest frei!" Und endlich in kindlichem Gestammel: Und wenn für Vater und Mutter Ich bete auf den Knien Dann mein ich auch den Kaiser Und unsere Kaiserin. Ich möchte wohl sie grüßen! Doch sollt es nicht geschehen, Läßt Gott mich einst sie schauen Dort selig vor ihn: stehen! Was sagt zu diesen käsigen Abgeschmacktheiten der Pseudonyme Pädagoge, der»kein Sozialdemokrat' ist! Ein paar kräftige Worte: „Solche übelparfümierte Latwerge, nach deren Genuß man sich den Mund spülen muß, um wieder reinen Geschmack zu haben, geben wir unseren Kindern, damit sie stark und kräftig werden.— Das sei nicht so schlinim? Das seien nur Worte?— Meint Ihr? Nein, diese ölig glänzende, widrig duftende patriotische Phrase, die dem Fürsten alles Große andichtet, was geschaffen ist, sitzt breii und fett auch in unseren Geschichtsbüchern, dringt ein in die Vereine und ins bürgerliche Leben, und wer sich diesem patriotischen Unfug nicht unterwirft, dem gellt nur zu leicht der Ruf vaterlandsloser Ge- sinnung nach." Ein wackerer Pädagoge— freilich ein pseudonymer. Die Zone deS Schweigens. Ueber eine außerordentlich interessante Beobachtung, die für die Bewertung der Zeugenaussagen vor Gericht, wie für die Kriminalistik überhaupt von größter Bedeutung werden kann, berichtet der Züricher Meteorologe Dr. A. de Ouervain. Er hat nämlich die Feststellung gemacht, daß beim Bau der Jungfrau- bahn die Explosion von 25 999 Kilo Dynamit in normaler Weise im Umkreis von 39 Kilometern gehört wurde. Darüber hinaus schloß sich eine Zone von etwa 149 Kilometern an, in der die furchtbare Detonation überhaupl nickt gehört wurde, während in dem an diese Zone sich anschließenden Gürtel von etwa 59 Kilomeier Breite der Knall wieder deutlich vernommen wurde. Durch diese Beobachtung gewinnt auch ein historischer Fall wieder an Interesse, der im Jahre 1769 spielte. Während der Schlacht von Liegnitz hörten die kaiserlichen Generale Daun und Lascy samt ihren Truppen den Kanonendonner nicht und kamen daher dem General Laudon nicht rechtzeitig zu Hilfe. So kam es, daß Friedrich II. damals die Schlacht von Liegnitz gewann. Die zur Rechtfertigung gezogenen Generale beteuerten, von dem Schlacht- getöse nicht das geringste wahrgenommen zu haben, aber man glaubte dies den Generalen ebensowenig wie den Mannschaften, da festgestellt wurde, daß weit hinter ihnen liegende Truppenteile den Kanonendonner vcrnonimen hatten. Heute hält man die Behauptung deS Generals wohl für möglich und erklärt ihr NichtHören durch Nebel, verschiedene Erwärmung der Luftschichten und durch eine Art von Brechung der Schallwellen, wie sie auch bei Lichtstrahlen beobachtet wird. Nimmt man nun aber eine derartige„Zone des Schweigens" an und überträgt sie von den ge- schilderten großen Ere.,, nisten aus die kleineren des täglichen Lebens, so ergeben sich für die Kriminalistik neue wichlige Perspektiven. Man wird dann die Glaubwürdigkeit von Zeugen, die einen Schuß, menschliche Schreie und dergleichen nicht ge- hörl� haben wollen, während vom Tatort entferntere Per- sonen diese Geräusche deutlich vernommen haben, nicht mehr so ohne weilercs abstreiten können. Während das Gericht bei milder Auffassung bisher derartige Zeugenaussagen mit schlechtem Gehör, mangelnder Ausincrksamkeit usw. erklärte, und bei strenger Auffassung sie als Begünstigung- und nicht selten als falsche Aus- sagen ansah, lvird es nun nicht umhin können, diese neuesten Wahr- nehmungen auf dem Gebiete der Akustik bei der Bewertung der Zeugen- aussage» in Berücksichtigung zu ziehen. Was töstctc die Entdeckung der Pole?. Auf 194 Millionen Frank loird in einem Aufsatz der„Lecturcs pour Tous", in dem die Bilanz der Eroberung des Nordpols und des Südpols gezogen wird, der Preis dieses jahrhundertelangen Ringens der Menschheit berechnet. Menschenleben hat die Eroberung des Nordpols seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts etwa 789 gekostet, während bei den Zügen zum Südpol nur 8 Forscher ums Leben gekommen sind. Während des 17. und 18. Jahrhunderts zählt man nicht weniger als 59 Expeditionen, die das Geheimnis des Nordpols zu ent- schleiern versuchten, und von 1899 bis 1999 wurden 79 Expeditionen ausgerüstet, von denen jede natürlich erhebliche Kosten verursachte. Die Expedition des Admirals Franklin erforderte allein 2 899 999 Frank, und um nach lleberlebendcn zu suchen, gab die englische Regierung in der Folge 29 Millionen aus und opferte außerdem 5 Kriegsschiffe, die in den Eisfeldern verlassen werden mußten. Amerika gab 3— 1 Millionen ans, um Reste von den Mannschaften des„ErebuS" und des„Terror" zu finden. Die größten Kosten der Polarexpeditionen werden immer durch den Anlauf eines Schiffes hervorgerufen. In den letzten zwanzig Jahren hat sich dabei die Ausgabe für diesen Posten merklich erhöht, da man für den Angriff auf die ewigen Eisrcgionen der Polarkreise besonders, konstruierte Schiffe baut, die imstande sind, dem Eisdruck zu widerstehen. Nansen hat mit seinem„Fram" als erster diesen Weg betreten. Allerdings stand der Erhöhung der Ausgaben für das Schiff eine Verminderung der Kosten durch Herabsetzung der Mannschaften gegenüber. So erforderte die Expedition Nansen von 1893 bis 1895 nur 622 999 Frank, weil ihr Führer nur 12 Mann als Be- gleitcr mitgenommen hatte. Die amerikanische Expedition Well- mann von 1898 an Bord des„Fridthjof", die nur 9 Personen zählte, kostete 799 999 Frank. Die letzte Expedition Pcarys, die endlich an das hcißersehnte Ziel gelangte und die amerikanische Flagge am Nordpol aufpflanzte, hat dagegen nur 599 999 Frank Unkosten verursacht, wobei allerdings der Preis des Schiffes„Roosevclt" nicht mitberechnet ist. Für den Südpol, dessen Eroberung erst sehr viel später in Angriff genommen wurde und in sehr viel kürzerer Zeit gelang, lassen sich genauere Zahlen angeben. Rechnet man alle Südpolarexpeditionen von 1772 bis 1912, von Cook bis Scott, zusammen, so kann man den Preis für die Eroberung des Südpols auf etwa 14 Millionen Frank schätzen. Wie groß ist ein Molekül? Wenn der Physiker die Größe eines Moleküls angeben soll, nennt er einen Dezimalbruch, der hinter dem Komma eine stattliche Reihe von Nullen hat, und diese Zahl ist so klein, daß sich niemand eine rechte Vorstellung von ihrer Bedeutung machen kann. Der französische Physiker Ball gibt nun einen hübschen Maßstab für die wirkliche Größe eines Moleküls. Wollte man die Anzahl von Molekülen, die ein Kubikmillimeter Wasserstoffgas ent- hält, auszählen, und zählte man mit der gewaltigen Geschwindigkeit einer Milliarde Einheiten in der Sekunde, so verginge docy mehr als ein Jahrtausend, ehe man das letzte Wasserstoffmolekül gezählt hätte. Es ist hinzuzufügen, daß es noch keinem Chemiker und keinem Physiker gelungen ist, die Größe eines Moleküls wirklich zu messen, sondern alle Zahlenangaben über die Größenordnung der Bausteine des Stoffes beruhen auf Schätzung. Notizen. — Anstößige M u s c u in s k u u st. Einige Postkarten, die Bilder aus dem Kaiser-Friedrich-Museum wiedergeben, darunter CorreggioS Leda und Rubens' Andromeda, sind»ach dem»Beel. verband beigetreten. Aber ich bekam verschiedene Streitig kette» und bin deshalb wieder ausgetreten. ES behagte mir nicht, jeden Sonntag in die Versammlung zu gehen und so hohe Beiträge zu bezahlen. Eines Tages bekam ich eine schriftliche Aus forderung, mich an einer Flugblattverbreitung zu beteiligen. Das hatte ich noch immer abgelehnt und deshalb schickte ich, als diese Aufforderung kam, auch mein Mitgliedsbuch zurück und erklärte meinen Austritt.— Präs.: Sie gingen dann nach Berlin.— An gelt.: Nein, zunächst nach Magdeburg und erst dann nach Berlin.— Präs.: In Berlin haben sich nun wieder politische Wandlungen in Ihnen vollzogen.— A n g e k l.: Ich hatte auch in Berlin leinen Anschluß. Ich suchte ihn zunächst bei der Arbeits stellenvermittelung des Verbandes der Metallindvstriellen. Aber die Leute hatten einen zu großen Lokalpatriolismus. Arbeit bekam nur, wer schon sechs Monate in Berlin gearbeitet hatte. Ich sah mich daher in anderer Weise nach Arbeit um, bekam aber erst durch den Verband der Metallindustriellen Arbeit.— Präs.: Sie . sind doch aber dann wieder dem Deutschen Metall arbeiterverband beigetreten?— Angekl.: Die Kollege» waren alle in diesem sozialdemokratischen Verband und ersuchten mich, ebenfalls beizutreten. Ich wollte zuerst nicht. Aber man sagte mir, es wäre nicht schön von mir, wenn ich allein draußen bliebe. Deshalb bin ich schließlich beigetreten.— Präs.: Sie haben aber noch ein Weiteres getan. Sie sind sogar Vertrauensmann geworden. Sie müssen der Sache doch also ein persönliches Interesse entgegengebracht haben.— Angekl.: Die Tatsache ist richtig. Es wollte niemand die Ein kassicrung der Beiträge übernehmen und deshalb habe ich mich schließlich dazu bereit erklärt. Als ich meine Arbeit verlor, hat mir übrigens der Hauptvertrauensmann gesagt, daß er mit mir sehr zufrieden gewesen sei.— Präs.: Warum sind Sie nun wieder aus dem Metallarbeiterverbande ausgetreten?— Angekl.: Weil mir Verschiedenes nicht paßte.— Präs.: Also ohne bestimmten Anlaß?— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Als Sie nun wieder nach Wien gekommen waren, hat sich abermals bei Ihnen eine politische Wandlung vollzogen?— A n g e k l.: Ich trat dem Christlichen Gewerkschaflsverbande bei.— Präs.: Sie waren sogar einige Zeit Obmann?— Angekl.: Jawohl, gerade deshalb wurde ich von den Sozialdemokraten verfolgt und aus der Arbeit gedrängt.— Präs.: Sie haben doch aber lange Zeit beim „Vulkan" gearbeitet und dort sind Arbeiter der verschiedensten Parteirichtungen tätig. Ihre Entlassung kann also nicht von einer bestimmten Partei veranlaßt worden sein.— Angekl.: Man hat mich hinausgeekelt. Man hat sich sogar, als ich bei Hübner und Mayer arbeitete, von mir zurückgezogen und die Arbeiter haben eine richtige Demonstration gegen mich veranstaltet.— Präs.: Sie haben doch aber verschiedene Arbeitsplätze aus eigenem Antrieb verlassen I— Angekl.: Das ist richtig, aber am häufigsten war die Sozialdemokral ie der Anlaß. Kaum hatte ich Arbeit gefunden, als auch schon telephonisch die Nachricht dorthin gegeben wurde, mich herauszuekeln. In Ber- sammlungen soll beschlossen worden sein, mich nicht arbeiten zu lassen. Diese ganze Aktion gegen mich geht von den Machthabern der Sozialdemokratie aus. Deshalb wird von den organisierten Arbeitern überall verlangt, daß ich entlassen werde, und deshalb kann ich keine Arbeit mehr bekommen. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, daß ich vogelfrei bin und ich habe mich auch an die Staatsanwaltschaft um Schutz gegen diese Verfolgungen gewandt. Aber die Staatsanwaltschaft verwies mich an die Polizei und die Polizei kam mit Zuständigkeitsbedenken. Dadurch wurde meine Lage immer verbitterter, ich fühlte mich voll- kommen schutzlos und ich habe Nächte lang darüber nachgedacht, was werden solle. Ich hatte mir schon vorher den Revolver gekaust. Aber ich wollte die Sache zunächst einstweilen beiseite legen und da- her verschloß ich den Revolver. Nur wenn ich keine Arbeit bekommen würde, sollte etwas geschehen.— Präs.: Es ist Ihnen aber gerade in dieser Zeit Arbeit angeboten worden, die Sie abgelehnt haben.— Angekl.:Jchsollte einmal eineStelle für 13Gulden wöchentlich bekommen, wofür ich die Arbeit eines ungelernten Hilfsarbeiters leisten sollte. Das paßte mir nicht.— Präs.: Warum nicht.— Angekl.: Das ist nicht standeswürdig, und jeder Sozialdemokrat wird das einsehen. — Präs.: Sie hätten aber doch wenigstens Arbeit und Verdienst gehabt. So aber haben Sie Ihre Gesamtersparnisse von 2500 Kr. verzehrt. Wann war denn das Geld zu Ende.— Angekl.: Im Februar 1913. Ich habe nun auf einen Zufall gehofft, der mir Arbeit geben sollte. Als mein Geld alle war, sah ich, daß die Ersparniffe von 23 Jahren weg waren. Da kam mir der Gedanke: Jetzt kannst Du nichts mehr verlieren, jetzt wirst Du Dir bei den Roten Ruhe schaffen. Präs.: Was wollten Sie denn dem Abgeordneten Schuhmeier antun? Angekl.: Ihn erschießen.— Präs.: Aver damit hatten Sie doch erst recht nicht Ruhe. Sie mußten doch sofort damit rechnen, der- haftet zu werden l— A n g e k l.: Da? konnte ich mir gar nicht denken. Tagebl." vom Staatsanwalt beschlagnahmt worden. Hoffentlich macht der Sittlichkeitswächter ganze Arbeit und läßt nun auch die schuldigen Originale, die viel verführerischer sind als die kleinen Vervielfältigungen, einstampfen und verbrennen. — Richard Strauß hat der Wiener Konzerthausgesellschaft eine Komposition für großes Orchester gewidmet, die sich„Festliches Präludium" betitelt. — Kunst in der Eisenbahn. Der Bund deutscher Verkehrsvereine und der Verlag R. Voigtländer in Leipzig erlasien ' ei» Preisausschreiben für farbige Steiuzeichnungen, die u. a. auch zum Schmuck der Eisenbahnwagen geeignet sind. Man denkt dabei an Landschafts- und Städtebilder. — Brand u. Co. Die Geschmacklosigkeit moderner Reklame wurde hier neulich gegeißelt, als ein Hamburger Tingeltangel sich Nietzsches Namen bediente. Ein ähnlicher Fall wird uns aus Berlin mitgeteilt. Auf dem Theaterzettel des Theaters an der Königgrätzer Straße, das Ibsens„Brand" aufführt, macht eine Firma Brand u. Co. für ihren Weinhandel Propaganda. Sie benutzt außer der fatalen Namensgleichheit das Zitat ans Ibsens„Brand" dazu:„Ideen stillen leinen Durst". Smart, nicht wahr? — Eine Lupusheil st ätte wurde in Gegenwart von Vertretern der Wissenschaft aus ganz Deutschland und der städtischen Behörden in Gießen ihrer Bestimmung übergeben. Es ist damit das erste Krankenhaus in Deutschland entstanden, in dem die be- dauernSwerten Opfer dieser schrecklichen Krankheit einer Spezial- behandlung unterzogen werden, und gleichzeitig eine Stätte ge- schaffen, in der sich die wissenschaftliche Erforschung dieser Form der Tuberkulose betätigen wird. — E i n Denkmal für Wilbur Wright. Zur Er- innerung an die Leistungen Wilbur Wrights, der gemeinsam mit seinem Bruder Orville die erste durch mechanische Kräfte getriebene Flugmaschine konstruierte, wird unter dem Protektorate der britischen Aeronautischen Gesellschaft ein Denkmal errichtet werden. — Eine staatliche Sinfoniekapelle. In der gesetz- gebenden Körperschaft des Staates Pennsylvanien wurde der Antrag eingebracht, eine Sinfoniekapclle zu begründen, der eine staatliche Subvention von 300 000 Dollar auf zwei Jahre gewährt werden soll unter der Bedingung, mit 43 Künstlern 33 Konzerte wäbrend der Saison zu geben. Dem staatlichen Leiter des öffent- lichen Unterrichts soll dabei ein Recht der Ueberwachung eingeräumt werden. — Der Mut des Bücherwurms. Der russische Biblio- graph Bitowt in Moskau, der ein Verzeichnis sämtlicher Bücher, die seit 1708 in Rußland gedruckt wurden, hergestellt hatte— ein Werk van 20 Bänden, das eben zum Druck reif war— ist durch eine FeuerSbrunst um das Ergebnis seiner zwanzigjährigen Arbeit gebracht worden. Er will aber die Arbeit sofort noch einmal be- ginnen. — Die Konsultation auf der Straße. Eines Tages eilte, so erzählt der„Gil VlaS", ein bekannter Arzt Lyons schleunigen Schritts über die Straße, um zu einenr Schwerkranken zu gelangen, als ihn eine Dame, die ihn nur flüchtig kannte, anhielt.„Nur einen Augenblick, Herr Doktor, ich weiß ja, Ihre Zeit ist kostbar. Aber aeben Sie mir doch einen kleinen Rat I"„Gern, Madame," sagte der Arzt und blieb stehen,„bitte, ziehen Sie sich ausi.« Wie konnte ich verhaftet werden, wenn ich nichts weiter wollte, als mir aus einer verzweifelten Stimmung heraus Ruhe zu verschaffen.— Präs.: Aus Ihrem ganzen Vorgehen geht hervor, daß von einer verzweifelten Stimmung bei Ihnen gar keine Rede sein kann. Wie kann man von einer verzweifelten Stimmung bei einem Mann reden, der von seinen Ersparniffen lebt und der, als das Geld alle ist, auf einen Lotteriegewinn hofft. Weiter halte ich Ihnen vor, daß Ihre Behaup tung, Sie seien schutzlos gewesen, nicht nur nicht richtig, sondern direkt unwahr ist. Gerade Sie sind doch derjenige, der eS verstanden hat, sich Recht zu verschaffen. Sie haben Ihre Kameraden wegen Erpressung angezeigt. Und dann geht aus Ihrer ganzen Darstellung deutlich hervor, mit welcher Ruhe und Uederlegenheit Sie die Tat ausgeführt und welch große Befriedigung Sie nach der Tat gezeigt haben.— Weshalb haben Sie nun die Tat nicht in Stockerau ausgeführt?— Angekl.: Ich bin unterwegs ausgestiegen und planlos herum- geirrt.— Präs.: Gewiß, Sie sind in Klosterneuburg spazieren gegangen, aber Sie haben doch auch in einem Gasthaus zum Nacht- mahl 3 Pilsener getrunken und einen Gulyas verzehrt. Das läßt doch auch nicht darauf schließen, daß Sie sich in einer so hochgradigen Gemütsbewegung befunden haben.— Angekl.: Ich sah die anderen Leute essen und da habe ich mir auch etwas zum Essen bestellt. Ich bin dann nach Wien zurückgefahren, habe Schuhmeier aufgelauert, zog den Revolver und da war auch schon das Malheur passiert. Ich hatte losgedrückt und Schuhmacher lag auf dem Boden — Präs.: Wußten Sie in dem Augenblick, was Sie wollten?— Angekl.:(Nach einigem Besinnen): Ich habe schießen wollen.— ' r ä s.: Sie wollten also den Abg. Schuhmacher niederschießen?— Angekl.: Das kann ich heute nicht sagen.— Präs.: Sie wollen uns anscheinend glauben machen, daß Sie beim Schuß nicht Herr Ihrer Sinne waren.— Angekl.: Das war ich auch nicht.— r ä s.: Nun, dieses Verhalten macht einen sonderbaren Eindruck. Sie möchten auf der einen Seite die Pose beibehalten, auf der anderen Seite aber eine gewisse Abschwächung herbeiführen.— Angekl.: WaS ist den» da abzuschwächen?— Präs.: In der Voruntersuchung haben Sie erklärt, daß Sie sich haben rächen wollen. — Angekl.: Ich wollte mir Ruhe verschaffen. Ich habe niemals etwas anderes gesagt. Wenn in den Protokollen etwas au- deres steht, so hat das der.Polizeikommissar nach Gutdünken herein- gebracht.— Präs.: Sie haben sich die Protokolle mehrfach vorlesen lassen, bevor Sie sie unterschrieben haben, und Sie find auch nicht der Mann, der sich falsche Protokolle gefallen lassen würde. Es wurde nunmehr außer der Reihe Artillerieoffizier Pum- merer als Schießsachverständiger vernommen. Er gibt an, daß, wenn das Geschoß wie ein Dumdumgeschoß hätte wirken sollen, es nicht angefeilt hätte sein dürfen.— S t a a t s a n w.: Es ist aber Tat- sache, daß der Angeklagte das Geschoß eigens dadurch für seine Tat hergerichtet hat, daß er den Stahlmantel an der Spitze spaltete, um damit eine verheerende Wirkung zu erzielen.— S a ch v e r st.: Das wird jedenfalls sein Plan gewesen sein, aber an sich wird das durch eine solche Maßnahme nicht herbeigeführt.— A n g e k: Ich bin kein Schütz� Aber ich habe mir gesagt, daß ich etwas tun müsse, um, wenn ich daneben schieße, wenigstens eine tüchtige Fleischwunde herbeizuführen. Die Kugel sollte, wenn sie aus dem Lauf herauskommr, auseinandergehen. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte Schuhmeier durch den Schuß einen Kopfstich be- kommen und die Kugel wäre nicht in den Kopf eingedrungen.— S t a a t s a n w.: Die ganze heutige Vernehmung des Angeklagten macht den Eindruck, daß der Angeklagte zurückziehen will. Ich stelle est, daß der Angeklagte, wenn er in der Lotterie gewonnen hätte, er an der Börse spekuliert hätte und Schuhmeier und alle anderen sozialdemokratischen Führer wären ihm gleich- gültig gewesen.— Rechtsanwalt O r n st e i n, Vertreter der Familie Schuhmeier: Wer find denn die Machthaber der Sozialdemokratie, die gegen den Angeklagten gearbeitet haben sollen?— Angekl.: Ich habe mir vorgenommen, auf Ihre Fragen keine Antwort zu geben. Am Schluß der Sitzung wurde eine Reihe von Tatzeugen ver- nommen, die im einzelnen angaben, wie der Angeklagte vorgegangen ist. Sie bestätigten, daß der Angeklagte nach Abfeuerung des Schuffes gerufen hat:„Das ist meine Rachel" oder„DaS ist meine Waffe!" Als man ihn festgenommen hatte, rief er:„Auslassen I" und fügte hinzu:„Wer mir nichts tut, dem tue ich auch nichts, ich bin froh, daß ich keinen Unschuldigen getroffen Habel" Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt. Zentralverband der Slhiffszimmkrer Deutschlands. Hamburg, den 18. Mai. Der Verband hält nach dreijähriger Geschäftsperiode vom 18. bis 22. d. M. im Hamburger Gewerkschaftshaus seine Gcneralver- ominlung ab. Der gedruckte Geschäftsbericht besagst daß das Aufblühen des Handels nach der letzten Krise und der gesteigerte Verkehr der Schiffbauindustrie ganz enorme Aufträge zugeführt hat, so daß einzelne Werften auf Jahre hinaus mit Arbeiten versehen sind und neue Aufträge nur noch zu langfristigen Lieferungsbedingungen übernehmen. Der Untergang des englischen Niesendampfers Titanic;" im April 1912 war Anlaß, zu der Forderung, auf den Paffagierdampfern genügenden Bootsraum für alle an Bord be- Endlichen Menschen zu schaffen. Die deutschen Bootswerften wurden auf Grund dieses Anlasses von den Reedereien ebenfalls mit Aufträgen versehen, ja ein Teil der Aufträge mußte noch dem Ausland überwiesen werden, weil die Bootswerften wegen Ueber- Häufung mit Arbeit die verlangten kurzen Lieferungsfristen nicht annehmen konnten. So war auch für die Bootswerften ein sehr lotter Geschäftsgang zu verzeichnen. Anders gestaltete sich dies Bild für die F l u ß s ch i f f s w e r f t e n. Die groß« Dürre des Sommers 1911 und der damit verbundene niedrige Wasserstand der natürlichen und künstlichen Wasserstraßen ist für die Vinnen- 'chiffahrt von unheilvollem Einfluß gewesen. Nicht nur, daß in »er für die Schiffahrt günstigen Jahreszeit die Kähne monatelang nur mit halber Fracht verkehren konnten, wurde auch durch die Einführung der Notstandstarife, der Ermäßigung der Frachten für Futter- und Düngemittel usw. auf den preußischen Eisenbahnen die Konkurrenzfähigkeit der Binnenschiffahrt in hohem Matze un- günstig beeinflußt. Doch durch die reichliche Arbeitsgelegenheit auf den Seeschiffs- und Bootswerften fanden die über- lüssigen Arbeitskräfte von den Flutzschiffswerften reichliche Ar- beitsgelegenbeit. Die Zahl der Lohnbewegungen ist wohl in keiner Geschäfts- Periode so groß gewesen wie in der verflossenen. Namentlich zeichnet 'ich das Jahr 1912 in ganz hervorragender Weise durch die Zahl und den Umfang der Lohnbewegungen aus. Ueberall trat das Be- 'treben in unseren Mitgliederkreisen klar zutage, als Ausgleich für die unerträglichen Teuerungsverhaltnisse eine Erhöhung der Löhne Löhne herbeizuführen. Daß dieses in den allermeisten Fällen ohne Arbeitseinstellung möglich war, ist vor allem der äußerst günstigen Konjunktur zu verdanken, die schon ohne Streik den „Mangel an Händen" fühlbar machte. Das Jahr 1911 brachte 18 Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellungen, die für 228 Personen eine wöchentliche Lohnerhöhung von 324 M. erzielten: das Jahr 1912 aber brachte 8 7 Lohnbewegungen, wodurch für 2273 Personen zusammen 2909 M. wöchentlicher Lohnerhöhung erreicht wurden, außerdem erreichten 190 Personen eine Arbeitszeitverkürzung von insgesamt 1093 Stunden pro Woche. Außerdem fanden in beiden Jahren noch 21 Angriffs-, 17 Abwehrstrciks und 10 Aussperrungen tatt, die mit teilweisem Erfolg, zum Teil aber resultatlos ver- liefen. Die Gesamtausgaben betrugen für die Kämpfe: Lohnbewegungen..... 217 M. Angriffsstreiks...... 6 399„ Abwehrstreiks...... 6 398, Aussperrungen...... 12 953„ Insgesamt 26 167 M. Der Bestand der Hauptkasse stieg, wie aus dem Berichts zu er- ehcn, vom Jahresschluß Mark auf 134 684,13 M. Der durchschnittliche Mitgliederbestand betrug im Jahre 1911: 3666, im Jahre 1912: 3683. Am Jahresschluß 1911 betrug derselbe 3311 und am Schluß des Jahres 1912: 3763, so daß in diesem Jahre eine Zunahme von 232 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Bei einer Mitgliederzahl von 4070 wurden im Jahre 1910 an Arbeitslosenunterstützung 8393 M., an Krankenunterstütznng 13743 M. verausgabt, im Jahre 1911 bei 3666 Mitgliedern für Arbeitslosen- Unterstützung 7403 M., für Krankenunterstützung 13 743 M. Das Jahr 1912 brachte bei 3683 Mitgliedern eine Ausgabe für Arbeits- losenunterstützung von 9716 M. und für Krankenunterstützung von 14 623 M. Der Vorstandsbericht besagt dann weiter, daz der Austrag, Stellung zur Verschmelzungsfrage zu nehmen, nicht leicht zu lösen lvar. Ter Verbandsvorstand versuchte, mit dem Deutschen Mctallarbeiterverband wie mit dem Holzarbeiter- verband anzuknüpfen; doch machte der Mctallarbeiterverband Vorschläge— die als Grundlage der Verhandlungen dienen sollten—, die der Vorstand des Schiffszimmererverbandes ablehnen inußte, da die Trennung in reine Holz- oder Metallarbeiter für diesen Beruf unmöglich ist. Eine Konferenz der Verbände der Schiffszimmerer, Holz- arbeiter und Metallarbeiter führte dann zur folgenden Erklärung: „Der Vorstand des Verbandes der Schiffszimmerer erklärt, daß er nach Lage der Dinge nur den geschlossenen Anschluß unseres Verbandes an den.Holzarbeiterverband empfehlen kann, weil die meisten unserer Mitglieder nur in Holz arbeiten und aus taktischen Gründen eine Spaltung in Holz- und Metall- arbeiter nicht erwünscht ist. Mit der Absicht der Vorstände des Holz- und Metallarbeiterverbandes, nach erfolgtem Uebertritt unseres Verbandes eine Regelung der Zugehörigkeit ibrer Mit- glieder nach ihrer vornehmlichen oder ausschließlichen Beschäfti- gung vorzunehmen, erklären wir uns einverstanden." Ferner besagt der Bericht, daß diese Lösung der Anschlußfrage für die Schiffszimmerer keine ideale ist, daß es aber unter den obwaltenden Umständen die einzig mögliche Lösung ist. Die Generalversammlung wird also auch hierüber wohl die richtige Entscheidung treffen. Wir wünschen den Beratungen guten Erfolg im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung. "Ziigeuclbewegiing. Wie Jungdeutschland Jugendheime schafft. Auf der Hauptversammlung des Jungdeutschlandbundes in Berlin teilte der Geschäftsführer, Generalinajor z. D. Jung, mit, daß der Bund auch in der Gründung von Jugendheimen Fortschritte mache. In Wahrheit ist der Bund an diesem Erfolge völlig un- schuldig. Die Heime werden von behördlichen Organen init Hilfe öffentlicher Mittel errichtet und skrupellos dem Bunde ausgeliefert. Eine Petition des Magistrats der Stadt Hameln an den Kriegs- minister, die um Zuweisung eines neu zu errichtenden Truppenteils nach Hameln bittet, gibt Aufschluß darüber, wie diese Jugendheime zustande kommen. Es heißt darin u. a.: Als Se. Exzellenz, der Generalfeldmarschall V. d. Goltz, die herrliche Jungdeutschlandbewegung ins Leben rief, da fand sein Ruf in der Stadt Hameln den kräftigsten Widerhall mit der Wirkung, daß noch in diesem Monat das erste Heim des Jungdeutschlandbundes im ganzen Deutschen Reiche in Gegen- wart des Feldmarschalls eingeweiht werden wird. Dieser Bau ist nur dadurch möglich geworden, daß die Stadt Hameln dazu den Bauplatz unentgeltlich zur Ver- fügung gestellt und dem Bunde ein Darlehe ic von 50 000 Mark gewährt hat. Das Verfahren der Stadt Hameln ist ein unerhörter Mißbrauch städtischer Mittel. Arbeitereltern, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt, werden diese nicht in ein Jugendheim schicken, das, einem ebenso unpädagogischen wie politischen Zweck, der Bekämpfung der Arbeiterbewegung dienen soll. * Hub Indurtrie und Handel. Krupp und die ungarische Kauoueufabrik. AuS Budapest wird uns geschrieben: Die Firma Krupp, deren BestechungSaffäre vor kurzem in Deutschland Aufsehen hervor- rief, hat nun im Zusammenhange mit der neu zu errichtenden ungari« chen Kanonenfabril eine eigene kleine ungarische Skandalaffäre. Wie bereits gemeldet wurde, hatte die ungarische Regierung die Er- richtung einer Kanonenfabrik in Raab beschloffen, die von den Skoda- werken errichtet werden soll. Als der Etat der neu zu errichtenden Kanonenfabrik veröffentlicht wurde, fand man darin einen Para- graphen, wonach die ungarische Regierung eine Million Kronen an die Firma Krupp zu zahlen hat— für die Ueberlassung der Ge- Heimnisse der Tiegelstahlfabrikation. Diese Begründung erregte in ganz Ungarn ein sehr peinliches Aufsehen. Es ist jedermann bekannt, daß die Geheimnisse der Tiegelstahlfabrikation nicht von der Firma Krupp gekaust werden müßten. Es gibt in Ungarn selbst eine große Anzahl von Fabriken, die Tiegelstahl fabrizieren. Wofür soll also die ungarische Regierung der Firma Krupp eine Million zahlen? Die Erklärung ließ nicht lange auf sich warten. Es stellte sich heraus, daß die ungarische Regierung durch die Vermittelung eines Reichstagsabgeordueten Ver- Handlungen mit der Firma Krupp gepflegt hatte, bevor noch das Geschäft mit den Skodawerken abgeschlossen war. Als dann die Skodawerke in Aktton traten, einigten sie sich mit der Firma Krupp auf die Weise, daß sie Krupp eine Million Kronen Entschädigung versprachen. Diese Million soll nun die ungarische Regierung be- zahlen. Außerdem hat sich die ungarische Regierung verpflichtet, die Kanonenrohre bei der Firma Krupp zu kaufen,— zu einem exorbitant hohen Preise(3,30 Kr. das Kilogramm). Die Frage, die nun in Ungarn lebhaft wird, ist die: Wie viel hat bei diesem wunderbaren Geschäft der Abgeordnete verdient, der die Sache der Firma Krupp vor der ungarischen Regierung vertrat? Lage des deutschen Arbeitsmarktcs. Im Monat April 1913 hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am deutschen Arbeirsmarkte nicht unerheblich ver- ' ch l e ch t e r r. Es kamen im Berichtsmonat bei den an den„Ar- bejtsmarkl" berichtenden Arbeitsnachweisen auf je 100 offene Stellen durchschnittlich 123,3 Arbeitsuchende, das find 4.6 mehr als im Vor- monat. Im Vergleich zum Parallelmonat 1912 ergibt sich eine Steigerung des Andranges um 6,8. Daß von März auf April eine Erhöhung des Andrangsniveaus eintritt, ist an sich keine ganz un- gewöhnliche Erscheinung, lvohl aber verdient die seit Februar 1913 bestehende Verschlechterung gegenüber dem Vorjahre ernste Beachtung. um so mehr ols bereits der Monat April 1912 eine höhere An- drangSziffer gebracht hatte als der Vergleichsmonat 1911. Die Hauptursache der ungünstigen Veränderung der Arbeitsmarltlage bildet das Daniederliegen der Bautätigkeit. Vereinzelt haben sich während der letzten Monate auch in anderen Gewerbszweigen beachtenswerte Hemmungen des Geschäftsganges gezeigt. Die Ver- 'chlechterung gegenüber dem Vorjahre zeigt sich bei weitem nicht in allen Teilen Deutschlands. In Posen, Westpreußen und Ostpreußen ist die Andrangsziffer im Vergleich zum April 1912 von 104,73 auf 99,23 gesunken. In Schlesien ging sie sogar von 136,26 auf 139,42 zurück. Für Pommern, Brandenburg und Mecklenburg ergab sich eine Steigerung von 113,30 auf 130,24. In Berlin kamen im Berichtsmonat auf je 100 offene Stellen durchschnittlich 129,17 Arbeiffuchende gegen 118,30 im Vorjahre. In Mittel- und Süd« ___________________________________ 7_ u___ deutschland, auch im Nordwesten, ist die Andrangsziffer gestiegen. vorn �hresfchtuß ÄlÖ'bis Jrthresjchlüfe*1912 von 59 681,41 1 In Westfalen, Heffen-Nassau und im Rheinland« zeigte sich dagegen .........— 1 eine Erleichterung. Gegen den Zollauschluß Finnlands. Die Absicht der russischen Regierung, Finnland unter das russische Zolljoch zu bringen, stößt auf den unerwarteten Widerstand der russischen Industriellen, die trotz dein ausgesprochen finnland- feindlichen Charakter des Regierungsentwurfes Furcht vor dem sinnischen Wettbewerb haben. Auf einer kürzlich stattgefundenen Sitzung von Vertretern der Resiorts und der russischen und finnischen Industriellen erhob der Führer der Moskauer Industriellen, Krestowniko w, scharfen Protest gegen den Entwurf der Regie- rung. Dieser Standpunkt wurde von sämtlichen Industriellen geteilt, mit alleiniger Ausnahme eines Mitarbeiters der„Nowoje Wremja", der als Spezialist die für Finnlandhetze als Vertreter einer Tabakfabrik auf der Konferenz auftauchte. Der Vertreter der finnischen In- dustriellen, K. Enkel, protestierte gleichfalls gegen den Regierungs- cntwurf, der zwar einigen Zweigen der sinnischen Industrie Nutzen bringen, aber durch die Erhöhung der Zölle um das Vierfache die sinnische Bevölkerung ruinieren würde. Daß die Stellungnahme der russischen Industriellen auf der Konferenz keine zufällige war, geht aus dem Empfang hervor, die dem liberalen finnischen Politiker Leo M e ch e l i n dieser Tage in Moskau zuteil wurde. Hier veranstaltete die Moskauer Kaufmannschaft unter dem Vorsitz des Fürsten D o l- g o r u k i ein Festessen zu Ehren Mechelins, auf dem die Redner die ganze finnlandfeindliche Politik der Regierung verurteilten. So hat die innere Logik des reaktionären Finnlandskurses, dessen schädliche Seiten sich nun auch den russischen Industriellen zeigen, diese von ihrer bisherigen chauvinistischen Richtung in der Finnlandpolitik ab- gebracht. Eue aller Melt. Schweres Ballonunglück. Ein schweres Ballonunglück hat sich am Somrtag in Bayern zwischen Landsberg a. L. und Dießen ereignet. Bei der Landung des in Zürich aufgestiegenen Freiballons.Zürich' hatte ein Herrund eine Frau Dr. Eggimann aus Bern die Gondel bereits verlassen, als bei dem heftigen Winde der Ballon wieder in die Höhe gerissen wurde. Die Dame ließ die Gondel nicht mehr rechtzeitig los und wurde mit in die Höhe gerissen. Den Insassen der Gondel gelang es nicht, sie wieder in den Korb zu ziehen. In der Höhe von etwa 200 Meter verließen die Dame die Kräfte und sie stürzte ab. Der Ballon landete schließlich in der Nähe von Starnberg. Die- Dame, die auf ein Ackerfeld gefallen war, wurde gegen 6 Uhr nachmittags in der Nähe von Thaining tot aufgefunden. «7 Personen verbrannt. Wie aus Shanghai gemeldet wird, stieß eine Ab- tcilung Soldaten, die am l. Mai nach Senchanting ge- sandt wurde, um die Mohnflächen zu vernichten, die zur Ver- arbeitung von Opium dienen, auf Widerstand bei der Land- bcvölkerung. Die Landbewohner mußten sich in den Tempel des Ortes flüchten, um sich vor der Wut der Soldaten zu schützen. Darauf steckten die Soldaten den Tempel in Brand; 67 Personen kamen in den Flam- men um. Deutschnationale Rowdies. Am Sonnabend fanden in der UniverfitätSaula in Wien zwischen deutschnationalen und zionistischen Studenten kleinere Zu- sammenstöße statt, die sich Montag mittag in verstärktem Maße wiederholten. Es kam wiederholt zwischen den gegnerischen Studenten zu wüsten Schlägereien, wobei zahlreiche Studenren blutig geschlagen wurden. Schließlich wurden die zionistischen Studenten aus der Aula hinausgedrängt, worauf die Schlägereien auf der Universiiäts- rampe ihren Fortgang nahmen. Die Polizei schritt ein, nahm zahl« reiche Verhaftungen vor und verhinderte weitere Zusammenstöße. Die deutschnationalen Studenten sammelten in der Aula die herum» liegenden Stöcke, Hüte, Krawatten, Bücher usw.. die die zionistischen Studenten im Handgemenge verloren hatten, schichteten sie auf der Freitreppe der Aula auf und zündeten sie an. Die Polizei schritt wiederum ein und verhaftete eine Anzahl der Exzedenten. Ein neuer Trick. Gegenwärtig wird Frankreich und Italien von einem Konsortium von Hoteldieben unsicher gemacht, das mit einem neuen Trick glänzend reüssiert. Die Gauner— so erzählen die„Leipziger Neuesten Nach- richten"— arbeiten meist zu dreien, und den„Kassenmagneten" repräsen- tiert immer eine bildhübsche Frau. Von vornherein suchen die Abenteurer nur jene kleinen, gediegenen Hotels in der Provinz heim, in denen noch keine Gas- oder elektrische Beleuchtung an- gebracht ist und wo mit Vorliebe reiche Gutbesitzer abzusteigen pflegen. Haben die Spitzbuben ein Opfer erkoren, so mietet der„Kassenmagnet" das Zimmer nebenan. Hört nun die Frau, daß ihr Stnbennachbar heimgekehrt ist und zu Bett gehen will, so klopft sie an seine Tür. Wird von innen gefragt, was los sei, so ant« wartet sie mit lieblichster Stimme:.Ich bitte tausendmal um Ber- zeihung, mein Herr, aber ich bin in furchtbarer Verlegenheit; eben ist meine Kerze erloschen, und ich besitze keine Zündhölzer." Der lockenden Frauenstimme widersteht keiner; in der Regel wird sofort die Türe geöffnet,»nd geblendet von der im duftigsten Negligee Erschienenen erbietet sich durchweg der Nachbar, die Kerze im Zimmer der Gnädigen eigenhändig anzuzünden. Das wird zögernd zugestanden; die Herren haben es dann selten eilig, die Stube ivieder zu verlassen. Während die intereffante Dame mit dem hilfreichen Herrn plaudert, untersuchen ihre beiden Spieß- gesellen besten Zimmer und entwenden die meist offen da- liegende Brieftasche, die Börse, Uhr usw. Der Diebstahl geht blitzschnell vor sich, und oft bemerkt der Geplünderte erst am Morgen, daß er bestohlen worden ist. In manchen Fällen duldet die Gnädige aber nicht die Begleitung bis in die Stube, sondern sie gestattet nur, daß der Herr mit seiner Kerze am Eingang ihres— dann immer mehrere Türen entfernt liegenden— Zimmers leuchtet und so lange wartet, bis sie selbst ihr Licht angezündet hat. Während sie das recht langsam bewerk- stelligt, steht der zu Bestehlende zwischen Tür und Angel, da? Gesicht natürlich dem Zimmer zugewandt. Derweil haben die Genossen des „Kassenmagneten" Zeit genug gefunden, die Kostbarkeiten des Fremden zu— besichtigen. Kleine Notizen. Schweres Bootsunglück. Während der Uebungen der Torpedo- bootszerstörerflottille im Firth of Förth wurde am Sonntag ein mit etwa 20 Mann besetztes Ruderboot des Zer- störers.Jtchen" auf der Fahrt nach dem Hafen Granton von einer hochgehenden Sturzsee erfaßt und kenterte. Sieben Mann. ertranken, die übrigen wurden von Booten der Flottille gerettet. Soldatennahrung. Die Besatzung des Kriegsschiffes„Bronte" wurde durch den Genuß von Konserve»fleisch ver- giftet. Zwei M a s ch i n i st e n sind bereits gestorben, 7S Mannschaften liegen schwerkrank danieder. Beschuldigungen gegen die Besatzung eines Expeditionsschiffes. Ueber Norwegen meldet Kapitän Staxrud durch Funkentelegramm, daß Rüdiger, Rave und Ritscher unter Dr. BocckmannS Pflege mit dem ersten Schiff nach Norwegen kommen, wo sie eine gerichtliche Untersuchung gegen die norwegische Besatzung des Expeditionsschiffes.Herzog Ernst" anstrengen werden, da deren böswilliges Verhalten an dem so unglücklichen Verlauf der Spitzbergen-Expeditton schuld sein soll. Staxrud sagt selbst, daß ihm vieles rätselhaft erscheine. Auf einer Bergtour verunglückt. Der Dekorationsmaler Hermann Koch aus München unternahm am Sonntag in Gesellschaft eines Kollegen und zweier Damen von Garmisch aus einen Ausflug nach dem Höllental. Vor den Augen seiner Begleiter versank er plötzlich in einem Schneetunnel und konnte bei der zu- nehnienden Dunkelheit nicht mehr gerettet werden. Eine RettungS» expedition ist auf die Suche nach dem Verunglückten gegangen. Eine menschliche Bestie. Der 20 Jahre alte Xaver Greiner hat seine 84 Jahre alte Großmutter in Mühlberg er« mordet. Nachdem er die Leiche zerstückelt hatte, überfiel er seinen auf Arbeit auswärts weilenden Großvater im Walde und versetzte ihm einen Stich in den Hals. Das Mefler brach ab und blieb in der Wunde stecken. Der alte Mann dürfte am Leben erhalten bleiben. Der Mörder ist verhaftet worden und hat die Tat bereits eingestanden. Als Beweggrund gibt er an, daß er wieder einmal Geld gefordert habe, ohne welches zu erhalten._ Eingegangene Oruckfcbriftew. Am Arbeitsmarkt. Roman von Ada v. GerSdorff.(Lücherichatz 831/92.) 40 Pf. H. Hlllger, Berlin W 9. März..Heft 20. Wochenjchrist von A. Langen u. L. Thoma. 50 Pf. Verlag in München. Illustrierte Himmelskunde. Von F. Erber. 1,25 M., geb. 2 M. Neuer Allgemeiner Verlag, Berlin W 9. Die Unfallgcfahr der Metallarbeiter im Baubcruf. Dargestellt vom Vorstand des Deutschen MctallarbeiterverbandeS. 199 S. und Tabellen. 21. Schlicke. Stuttgart. EtUE Sunlichr Seife isl infolge ihrer edeln Giualiläf auch eine hervorragende Badeseife! Sie bildet' bei sparsamem Verbrauch einen herrlichen Schaum und erhöhl fafsächlich die erquickende Wirkung des Bades!. Diese Seife isf für das Waschen der Kinderwäsche besonders zu empfehlen! Theater und Vergnügungen Dienstag, den 2 0. Mai 1913. ?l!iiang 7'/, Ubr. «önigl. Lpernhau». Don Juan. «önigl. Schauipiclbaus. Hamlet. Neues Oper» tKroll). Die Meister- finger von Nürnberg. Pratcr. Das Bummclmädchen. ?lniang 8 Ubr. Urania. In den Dolomite». Lesiiug. Alt-Wicn. Deutsches. Erdgeist. tiaiunierspiele. Die Einnahm« von Bcrg-op-Zoom. Berliner. Filmzauber. «öniggrätzer Strafte. Die fünf Frankfurter. Schiller O. Geographie und Liebe. Schiller- Charlottenburg. Klein- Dorrit. Theater des Westens. Der Vogel Händler. Aiontis Operetten. Der lachende Ehemann. Deutsches Schauspielhaus. Alt- Heidelberg. Kleines. Professor Bernhard!. Deutsches Opernhaus. Das Mäd- chen aus dem goldenen Westen. KomödtenhauS. Hochherrschastliche Wohnungen. Metropol. Die Kino-Königin. Triauou. Madame 3E. Tlialia. Pupp chen. Luisen. Die drei Schwestern Ran- dols. Rose. Prinz und Bettlerin. Wintergarteu. Spezialitäten. Reichshalle«. Stetliner Sänger. Anfang 8>/. Uhr. Theater am Nollendorfplaft. Extrazug nach Nizza. Friedr.> Willi. S cd au spielhaus. Das Farmermädchen. Residenz. Die Frau Präsidentin. Lustipielbaus. Majolika. Falles Caprice. Die Bank. Sem letzter Wille. Der Cowboy. Aniang 8>/, Ubr. Neues Bolksthcater. König Krause. Ansang 9 Ubr. Admiralspataft. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte. Jnoalidenstr. 57—52. Vvotncl»«», SchauHpielhaas 8 Uhr: Alt-lleldclbera;. Abschieds-Vorstellung.(Karl Heinz: Hturry Wtldsa: Slja SalastsS.) □ □□ Sehiller-Theater 0.1S: Dienstag, abends 8 Uhr: Cleograpble and Liiebe. Mittwoch, abendS 8 Uhr: Xwei Wappen. Donnerstag, abends 8 Uhr: __ Zwei Wappen. SehilleF-TheateF Dienstag, abends 8 Uhr: Klein Dorrit. Mittwoch, abends 8 Uhr: noral. Donnerstag, abends 8 Uhr: �oral. BeFliner TheateF. kW Filmzauber. Tbeater in der KöDipätzer Straße 8 Uhr: Das Buch einer Frau. Ktoll-Oper VI, Uhr: DieMtisterjingtrv.Wlnberg Mittwoch: Carmen. Donnerst.: Die Meistersing.». Nürnb. Freitag: l-ohengrln. Sonnabend: Bajazzl. Hierauf: Cavallerla rnstlcana. Ktontis Operetten-Theater (st. Neues Theater). Amt Norden IUI. Sommerpreise I AbendS 8 Uhr: Der lachende Ehemann. Theater des Westens. 8 Uhr(.Volkstümlich- Preise-): ver Vogelbändler. OSE=THEATE | Kroge Frankfurter Str. 132. l|Iruij ulld Ktttterm.!j Ansang 8'/, Uhr:~ Mittwoch; Prinz und Bettlerin. Auf der Gartenbuhne: Achtung! Es geht los! Gr. Posse. Konz. Bunt. Teil. Anj. VI, Restdenz-TheateF. Schluß der Spielzeit ain 31. Mai. Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Veber. Morgen und folgende Tage: Die tzdran Pr&Bideniin. Theater am Kollendorf platz Täglich abends 8'/. Uhr: Extrazug nach Nizza. ' LOGISCHER CARTEN Täglich nachm. 4Uhr; Gr.Miiitär-Doppelkonzert Eintritt 1 Mark. i'J von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Jahresabonnements an allen drei Schalterkassen. :: Berliner Konzerthaus m«Cloa« -— Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. Crroßes Extra-Konzert! Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Mittwoch, den 21. Mai er.: Ks. KORZest(JSS KösliM i.iöMsgIIZ der Abreise nach Schweden nnd Morwegen. Chormeister: Emst B. Mitlacher. Täglich in den Jnscnd- VorstelInnf;en. Erwachsene bin 7 l'hr auf allen Plätzen ander Loge n. Bans: «0 Pf., Kinder 10 Pf. Täglich vier Vorstellungen: 3, 5, 7 und 9 Uhr. Brauerei Friedrichshain Am KönigStor. Jeden Dienstag- Oek.: Ernst Idebing. und Oonnerstagnachmittag: Kaffee-frei-Vorstellung der Norddeutschen und Apollo- Sänger Freitag«: Frei-Konzert. bei freie« Entree. llraiiia. TanbenstraSe 48/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Passage-Panoptikum Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei sein. Training zum Kampf um die Weltmeisterschaft. Jon 6ot. der akrobatische Schlafwandler! Der Mann mit der eisernen Hand. Aq.«! die wehwebende -*0*1» Jnngfran! IMF~ Allem lebend!"Vß Allee ohne Extra-Entrce! Itetropol-fheater. Die Kino-Rönigin. Operette in 3 Akten von Iul. Freund und®. OkonkowSki. Musik von Jean üiilbert. In Szene gefetzt v. Dir. Rich. Schultz. Anfang 8 Uhr. TFianon-TbeateF. Täglich 8 Uhr: �ZljgfNK X. Reichsballen-TheateF Stettiner Sänger. „Caiß Größenwair Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Folies Caprice. Die Novitäten: • Die Bank.• • Sein letzter Wille.» • Der Cowboy. O Ansang 81/« Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. Voigt-Theater. Badftrafte ö8. Dienstag, den 29. Mai 1913: Auf nach Amerika. Auftr. erstklassiger Spezialitäten. 3 Uhr ab:«affeekochcu. Kassenöffnung 2 Uhr. Anfang Uhr. I Neue Welt i Arnold Scholz. Hasenheide 108 Thgllch Gr. Koiizert u. VorsteHmig. Anf. 5 Uhr. Entree 85 Pf. Abonn.-Hefte haben Gllltlgkeit. Jed. Mittwoch; Gr. Kinderfest. Germania- Lichtspiele Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 54. :: Vorführung ohne Flimmern:: == Großes Theaterorchester= Jeden Dienstag» Freitag Programmwechwel. Beginn: Wochentags O Uhr. Sonntags 4 Uhr. Ädmiraispaiasl. Eis-Arena.— Allabendlich das gr. erfolgreiche Eisballett lllrt in St. üloritz. Bis 6 Uhr und von 19'/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. Wein- und Bier-Abteilung. Kür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Vudlitum gegenüber keinerlei Verantwortung. A. WERTHEIM ROSENTHALER STRASSE In dieser Woche: ORANIEN- STRASSE RÖNIG-STR. In dieser Woche: In fast allen Abteilungen an Extra« Tischen besonders ausgelegte GebraucKs-ArtiRel 45 Pf. Darunter sind besonders hervorzuheben: 75 Pf. 2 Gittcrschlcicr�\r0zder I Kokosmatte si v« om ian? 3 Kinderservietten 3 Staubtücher 3 Wischtücher I P. Damenhandschuhe Zwirn. 2 Druckknöpfe 1 Paar Schweißsocken 1 Paar Damenpantoffel I Postkartenalbum f-ür 300 I Bild 1 Karten mit Holzrahmen I Federkasten gefam 2 Hutnadeln mit schatzer 1 Garnitur 3 Kämme I Knäuelbecher jap&nucb I Damengürtel I Fl. Eau de Cologne I Taschenapotheke 6 Milchsatten 1 Butterkühler I Porzellan-Butterdose 6 Paar Tassen 8 Speiseteller I Kaffeemühle I Wandspiegel weü* I Russen-Kittel i Knabenschürze 3 Batist-Taschentücher 1 Frühstücksbeutel i Reisehandtasche I Majolikavase I Damenbluse i Tülljabot 1 Damenstrohhut garniert I Küchentischdecke I P. Damenhandschuhe 12 Knopf lang i P. Damenstrümpfe aor schwarz oder ledertarbig i Kaffeewärmer g«fottert I Paar Strumpfhalter I Knabenbluse 1 Knabenbeinkleid I Postkartenalbum I versilberte Börse I Wetterhäuschen I Familienrahmen I japanische Tasse I Lederportemonnaie 6 Weingläser 4 Salatschalen Porzellan 6 Kaffeebecher mit Bild 1 Aluminium-Kasserolle I Papierkorb I Kleiderriegel I Brotkorb rsmicK«it I Fensterthermometer I versilberte Uhrkette I Herrenkrawatte I Paar Schweißsocken I Waschstoffrest 6 Scheuertücher Sozialdemokratiseher Wahlverein für den 4. Berliner Reiehstagswahlkreis. Dienstag, den 30. Mai, abends 872 Uhr: \ i ertels versammlimg�en für das Görlitzer Viertel bei Granmann, Naunynstraße 27, Köpenieker Frankfurter Stralauer Petersburger Landsberger m„Siid-Ost", Waldemarstraße 75, bei Koeker, Weberstraße 17, in den„Comeninssälen", Memeler Straße 67, in der Riebeck-Srauerei, Frankfurter Allee 63, „ im„Glystum� Landsberger Allee 40. Tagesordnung tit allen Versammlungen: 1. Wahl der Viertelsleitung. 2. Anträge zur Kreis� und Verbandsgencralversammlung und Bestätigung der Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung.'6. Vorschläge zum Kreis- und Verbandsvorstand. 213/ig» Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. fiorddeutiche Ciswerke flkt.--Gcf. zu Berlin. Wir laden die Aktionäre unserer Gesellschaft zu der am ltl. Jani d. Je., vormittags 11 Uhr, in unserm Gescbiiftshaase in Berlin, Köpenieker Strasse 40/11, stattfindenden außerordentlichen General-Versammlung ergebenst ein. Tagesordnung: Punkt t. Beschlußfassung über Beschaffung neuer Mittel durch Erhöhung des GrundkapiialS um nonünsl bis höchstens 1 600 000 Mark durch Um Wandelung von Stammaltien(Nominalbetrag 600 Mark) in Vorzugsaktien(Nommalbetrag 1000 Mark). Festsetzung der Modalitäten dasstr, sowie der sonstigen Bedingungen zur Durchführung und über das Bezugsrecht der Aktionäre. Punkt 2. Abänderung des Gescllschastsvertrages entsprechend den Be» schlössen zu Punkt 1 der Tagesordnung und ferner weitere Abänderung des§ 5 des Gesellschaftsvertrages betr. die Rechte der Vorzugsaktien. Ueber die Punkte der Tagesordnung haben die Inhaber der Stamm- oktien und Vorzugsaktien auch in gesonderter Abstimmung Beschluß zu fassen. Bezüglich der Teilnahme an der Generalversammlung wird auf ß 23 des Status verwiesen, und sind danach die Aktien bis spätestens 7. tum, nachmittags S Uhr, bei Gebrüder Bonte in Berlin oder in unserem Kontor in Berlin, Köpenieker Sirasse 40/41, zu hinterlegen. Berlin, den 20. Mai 1913. Her AnfsichtBrat. Moritz Baute, Vorsitz ender. f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hat«< Kuren in lll. Homeyer'Ii? Untersuchung.. Fäde» t. Harn usw. Friidnchstr. 81, ÄÄ Spr. 10— 2. 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mästig, auch Tcilzahl. Separates Damcnzimmer. Slnmeu- und Krauiliinderki von Koben Meyer,' Jnh.: P. Golletz Marianncnstr. S. Tel. Mpl. 346. SOÄmMMjn Wchlmeiii sm Im 6. Jättlinn RnchMWchllmis. Dienstag, den 20. Mai 1913, abends 8� Uhr: 32 MitgUeder-Nerj ammlungen in salzenden Lokalen: 1. Abt. l S. 10. Qbiglo,'�chwedtcr Str. 23, kleiner Saal, Lbiglo, Schwedter Str. 23, großer Saal, Berolina-Täle, Schönhauser Allee 28, großer Saal, Berolina-Säle. Schönhauser Zlllee 28, unterer Saal, Gltesche, Kopenhagener Straße 74, Süstmilch, Bornholmer Straße 7, Strack, Schönhauser Allee 1341>, Swinemünder GesellschaftshauS, Swincmündcr Stratze 42, Borussia-Säle, Ackerstraße 6/7, Kramer, Hussitenstraße 35. lt. Abt.: 12.„ 13... 14.„ 15.„ 16.„ 17.„ 18.„ 19.„ 20.„ 21.„ 22 Oranienburger Festsälc. Chausseestr. 16, Artushof, Perlcberger Straße 26, Sand. Beusselstraße 9, Moabiter Gescllschaftshaus, Wiclefstr. 2t, weißer Saal, Pastcnhofer-Ausschank, Turmftraße 26, Funke. Triftstraße 63, Fcibels Festsäle, Kolbcrger Straße 23, Ztzranke, Badstraße 16, Schmidt, Prinzcnallce 32. Kösliner Hof, Köslincr Straße 8, Pharussöle, Müllerstraße 142, Parterrcsaal, Sachau, Müllerstraße 136. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung. 2. Stellungnahme zur Tagesordnung der Äreisgencralversammlung am 27. Mai und den vorliegenden Anträgen: a) Antrag der 19. Abt.: Herausgabe eines Wandkalenders betreffend. b)„ betreffend Einführung des Wochcnabonnements auf den„Vorwärts", c)„ des Vorstandes: die Wahl der Delegierten zum Parteitag betreffend, ä)„ der Bezirke 611/15: Berichterstattung vom Parteitag betreffend. Mitgliedsbuch legitimiert. 227/18» Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, mc« 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12. Isar ■I Verwaltung Berlin. Branchen-Vcrfamm tun g der Stockarheiier um Mittwoch, den 21. Mai. abends 6 Uhr. im(Englischen Garten, Alexanderftrastc 27«. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Branchenkommission und Neuwahl derselben. 2. Branchenangclegenhciten. 83/8 im« ▲ ist der herrlichste Naturgarte» an der Nordbahn? iji|l|| c Nur im Gasthaus Rurlürstludruimeii, � Borgsdorf b. Birkenwcrder bei IW, Aleißner« UniversalFern�las 1913 Ein billiges aber gutes Glas! uiiiiiiiimiuimiiinmiiiiiiiiiuiTniimimiinMiiiilliliimimniiiiiiimiiitiimiMiimimiiiiiiiiiiiiiiiiNiit, 111111 Hervorragende Lichtstärke, erzeugt durch Riesenlinsen außergewöhnlicher Qualität, zaubert Bilder von überraschender Plastik hervor. Enorme Helligkeit, welche noch beiDämmerungdiefixier. ten Gegenstände, wie durch einen Reflektor beleuchtet, deutlich erkennen Iä8t, macht unser Modein913zum besten Liniversalglas fürReUe, Sport, --. Theater, Jaiid etc. Zusendung � erfolgt ohne Jede Anzahlung S Täte zur Probe mit bedingungslosem Rücksendungsrecht. Preis mit teldlOchtigem Etui und zwei Umhang erlernen nur 36 Mark und KWo bei monatlichen Teilzahlungen von nur 2 Mark. lale tragen. Verlangen S e AmicfatMendung. 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Alfred Ballten und Dr. Mai; Kantorowicz). Die An- klage, die gegen Brüning auf Diebstahl an einer Summe von ~ßO OOO M. zum Schaden der Dresdener Bank, gegen die übrigen Angeklagten auf_ Begünstigung bzw. Hehlerei lautet, wird vom �staatsanwaltschaftsrat Dr. Weismann vertreten. Brüning hat seine Tat, die so grosses Aufsehen erregt bat, am 20. Juni vorigen Jahres begangen. Er ist am 0. April 1873 in Engter i Kreis Bersenbrück) geboren und sitzt seit dem 28. Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft. Brüning ist, ebenso wie die übrigen Angeklagten, unbestraft. Nach Verlesung des EröffnungsbeschlusseS richtet der Bor- übende an Brüning folgende Ermahnung:„Ich hoffe, dass Sie bhar ein reumütiges Geständnis ablegen werden, und zwar ein wirklich umfassendes Geständnis. Zu diesem gehört aber auch die Angabe, wo das noch fehlende Geld geblieben ist. äW werden wohl wissen, daß ein Angeklagter, der ein reu- mütiges Geständnis ablegt, immer besser wegkommt, als derjenige, dem erst alles bewiesen werden muss. Es kommt hier darauf an, wo ist das Geld geblieben; Sie kommen jedenfalls besser weg, wenn iie wns auch hierüber die Wahrheit sagen."— Angeklagter Bruriing: Ich werde die Wahrheit sagen! In seiner Vernehmung über seine Jamilicnverhältnisse und sein Vorleben gibt Brüning folgendes an: Er stamme aus Engter, wo sein Bater als Zimmer- geselle in Arbeit stand. Nachdem er bis zu seinem Ii. Jahre die Schule besucht habe, sei er als Arbeitsbursche auf das Land geschickt worden. Während seiner Dienstzeit beim Militär sei er Bursche bei� einem Hauptmann gewesen, der ihm dann nach seiner Eni- lassung eine Stellung als Diener bei einer Gräfin besorgt habe. Nachdem er einige Zeit lang bei einem Kommerzienrat in Leipzig als Diener in Stellung gewesen war, habe er eine Anstellung bei der Prinzessin von Hcssen-Philippstal in Rothcnbürg a. Fulda als Lakai erhalten. Sein Trachten sei damals darauf hinausgegangen, sich eine Lebensstellung zu verschaffen, da er die Absicht hatte, sich zu verheiraten. Als er erfuhr, dass die Stellung bei der Prinzessin keine dauernde tvar, habe er sich auf dem Lloyddampfer„Kaiser Wilhelm Jwr Grosse" als Steward anheuern lassen und habe mehrere Fahrten nach Amerika mitgemacht. Nach seiner Rückkehr babe er durch eine Annonce eine Stellung bei der Herzogin von Anbalt gefunden.— schliesslich, so erzählt Brüning weiter, kam ich in Berlin in den Dienst des Direktors der Dresdener Bank, Geh. Rat Guttmann, wo ich ungefähr 1% Jahre verblieb. Dieser ver- schaffte mir in dankenswerter Weise eine Stellung bei der Tres- dcner Bank. Mein einziges Streben war, mir eine Lebensstellung zu erringen.— Vors.: Sie scheinen ja auch immer ein ernstes Streben gehabt zu haben. Bei den Akten befindet sich ein von Ihnen geschriebener Brief, in dem Sie Ihrem jüngsten Bruder sehr ver- nünftige Ratschläge für seinen Lcbensgang geben. Es beißt darin unter anderem:„Du hast die Zeit noch vor Dir und kannst Dir Dein Glück noch schmieden: es hängt alles von Dir selbst ab, Werde unter keinen Umständen leichtsinnig, insbesondere nicht. tpcnn JDu in einer grossen Stadt bist: da ist die' Verführung zu gross I"— Angeklagter: Ich hatte meinem Vater auf dem Sterbe lager die Hand daraus gegeben, dass ich an meinen jüngeren Ge schwistcrn gewissermatzen Vaterstelle vcrseben würde.— Vorsitzender Das ist ja ein sebr gutes Zeichen für Ihre Lebensanschauungen. Sie behaupten, dass Sie bei der Dresdener Bank schlecht behandelt worden seien. Schildern Sie uns doch einmal Ihre Erfahrungen in dieser Bezishung. � Angetl.: Ich habe mit den besten Vorsätzen, grosser Liehe und grossen Hoffnungen meinen Dienst angetreten; aber die Behandlung, die ich bisher in meinen Stellungen genossen, war eine ganz andere wie in der Dresdener Bank; ich wurde bisher immer menschlich und gerecht behandelt, ich babe mich, wenn irgend etwas vorgekommen war, mit meinen Dienstherrschaften, auch wenn es die böchsten Fürstlichkeiten waren, immer aussprechen können. Bei der Dresdener Bank war dies ganz anders, und' das hat inich sebr empört. Der Stantsanwaltschaftsrat Weisman» sucht die Ausführungen über die Verhältnisse an der Dresdener Bank abzuschneiden. Die Rechtsanwälte Dr. Holpert und Dr. Karl Liebknecht traten diesem Versuch entschieden entgegen. Die Darlegungen seien zur Klar leaung der pstzchologischen Gründe, die zur Tat führten, erfordcr lich. Nickt um die Verteidiguna der Dresdener Bank, sondern um die d-r Angeklagten handle cS sich hier. Angekl. Brnning erzählt sodann Einzelheiten aus seiner Be- schästigung bei der Dresdener Bank, über die Behandlung, die er von dem Botenmeistcr und dem Pcrsonaldircktor erfahren habe und dff ihn in eine immer grössere Empörung hineingebracht habe. Dieie Empörung sei noch intensiver gewovden, als ein Kasscnbote Linke, der beschuldigt wurde, 30 Pf. veruntreut zu haben und ver- geblich seine Umchuld beteuerte, Selbstmord verübt habe. Seine Lust und Liebe für seine Stellung habe sich schließlich in Verzweff- lung und Bitterkeit verwandelt. Er habe mehrmals frei und offen ausgesvrochen, daß die Sache kein gutes Ende nehmen werde und daß er, wenn es ihm so geben sollte wie seinem Kollegen Linke. sein Leben nicht so billig verkaufen würde. Er sei dann von dem Kasscndircktor Wohlmnnn, der ibn ständig malträtiert habe, als Revolutionär bezeichnet worden, der keine Autorität anerkenne. Das sei nicht richtig; er babe sich am Tage vor di;r Tat noch furcht- bar geärgert, da er in der Bank wie ein willen- und rechtloser Sklave behandelt worden sei. Ter Vorsitzende kommt nun auf die Geschehnisse am 26. Juni vorigen JabreS— dem Tage der Tat— zu sprechen.— An diesem Tage hatten mehrere Kassenboten der Dresdener Bank unter Füh» runa des Kassierers«chatz den Auftraa erhalten, von der Reichs- bank Pavicr-. sowie Go�d- und Silbcrgeld in Höbe von über 2 Mil- lionen Mark zu holen. Schatz selbst trug eine Million in Tausend- mar'scheincn und 400 000 M. in Hundertmarkscheinen bei sich, während die übrigen Kassenboten den Rest in Tausendmarkscheinen trugen. Die einzelnen Bündel Tausendmarkscheine, die jetzt 20 Stück enthielten, wurden nicht sofort auf der Rcichsbank nachgezählt, sondern erst auf der Dresdener Bank. Einen Teil des Geldes sollte der Kassierer Lesser erhalten. Dieser Teil des Geldes wurde dann in dem Zimmer der Kassenboten nachgezählt. Wie Brüning vor Gericht erzählrc, habe er ein Paket Tausendmarkscheine, zusammen 260 000 M., nachzählen wollen, als er merkte, daß seine Finger zu trocken waren. Er steckte daS Geld in die Tasche und ging hinaus, um sich einen Schwamm zu holen und anzufeuchten. Als er merkte, daß seine Abwesenheit überhaupt nicht auffiel, sei ihm giinz plötzlich der Gedanke gekommen, mit dem Gelde davonzugehen. Es sei dies der Moment gewesen, in welchem ihm klar ivurde. daß er die ganzen unangenehmen Verhältpisse mit einem Schlage loswerden könne. Er sei dann einfach durch den sogenannten Direktionsausgang hinausgegangen. Auf der Straße sei ihm die ganze Sache doch wieder leid geworden: der Gedanke, daß er seine Stellung ja nun doch verlieren werde und die Erinnerung daran, wie er behandelt worden sei, habe ihn vorwärts getrieben. Im Kaufhaus des Westens habe er sich eine Sportjoppe und eine Mütze gekaust und sei dann mit der Straßenbahn nach dem Grunewald gefahren. Hier habe er auf der Chaussee einen nach Potsdam fahreiidcii Wagen der Firma Israel getroffen. Er habe die Kutscher gebeten, ihn mitfahren zu lassen, Ivofür er ein paar Glas Bier ausgeben wolle. Mit dem Wagen sei er nach Potsdam gefahren, wo er sich aber auch nicht mehr recht sicher vorkam, da die Sache schon mittags in der Zeitung gestanden habe. Einen Teil des Geldes habe er vorübergehend im Grunewald vergraben, dann aber, als er nach Berlin zurückfuhr, wieder ausgegraben und mit- genommen. Auf eine Frage des Vorsitzenden, wo er denn nach seiner Ftucht aus Berlin überall gewesen sei, erklärt Brüning, daß er sich heute nicht mehr erinnern könne. Er habe sich in Pots- dam ein Fahrrad gekaust und sei dann mit diesem nach irgendeiner Richtung hin in die Welt hineingefahren. Wenn er auf einein Bahnhof ankam, sei er in irgendeinen Zug gestiegen und losgefahren. Der Vorsitzende bemerkt, dass Brüning nacheinander in folgenden Städten war: Potsdam, Rathenow, Brandenburg, Magdeburg, Hameln, Hannover, Uelzen, Halle, Leipzig. Luxemburg, Geeste- münde, Brüssel usw. Er habe dann die Absicht gehabt, ein Mädchen namens Käte zu gewinnen, damit sie ihm bei seiner weiteren Flucht behilflich sei. Als dies mitzlungen war, habe er sich an Dlga Kranich gewendet und ibr in einem Briefe zunächst 6000_ M. in sechs Scheinen zugeschickt. Dann sei er in verschiedene Städte gereist, habe aber Olga Kranich gar nicht weiter gesprochen oder geschrieben, weil er es doch für ratsamer hielt, nicht mit weiblichem Anhang in die Welt zu gehen, sondern sich zunächst fremde Legitimation?- papiere zu verschaffen. Sein Augenmerk war daraus gerichtet, jemand zu finden, der zur See gefahren. Er habe sich erinnert, dass er einmal mit einem Seemann namens Kranich bekannt ge- Wesen sei. und da habe er an den Bruder der Kranich gedacht. Als er in Magdeburg war. habe er kleineres Geld nicht mehr besessen und muhte befürchten, dass es auffallen würde, wenn er in einem Geschäft mit einem Tausendmarkschein bezahlte. Er habe deshalb den Ausweg gewählt, aus die Post zu gehen, dort aus Postanweisung an Hermann Kranich 300 M. nach Hamburg zu schicken und sich den Rest von der Post auszahlen zu lassen. Stach einigen Tagen sei er selbst nach Hamburg gefahren und babe Kranich aufgesucht, um zu sondieren, ob dieser ihm Dienste leisten könnte. Er habe ihm mitgeteilt, dass er nach Australien wolle, da er von der Polizei ge- sucht werde. Er habe sich nicht weiter geniert, da Seeleute vielfach gescheiterte Existenzen seien, die über manche Dinge anders denken als Leute aus dem Festlande. Kranich sei ein alter Seemann und babe mit ihm Gelegenbeiten zur Ausreise nach Australien besprochen. Er will ihm aber nicht gesagt baben, dass er 200 000 M. gestohlen habe und behauptet, dass Kranich ihm auch nicht freiwillig seine Papiere gegeben, sondern er ihm diese heimlich aus der Koiiimode genommen habe. Als er von Hamburg weggesahrcn sei, habe er diesem einen Chiffreschlüssel zur späteren Korrespondenz gegeben. Als er sich in Luxemburg aufgehalten, habe er am 7. September bei Gelegenheit eines Volksfestes über den Durst getrunken, habe eine Schildwache im trunkenen Zustande beleidigt und sei verhaftet worden. Er habe 3083 M. bei sich gehabt und dieses Geld Ivurde ihm abgenommen. Er selbst wurde entlassen, nachdem er sich als Kranich legitimiert hatte. Er habe noch ein- oder zweimal sich an die Behörde gelvandt, um das Geld wieder zu bekommen. Mit einer Kellnerin, die er in Luxemburg kennen gelernt, sei er dann den Rhein binaufgefabrcn und babe in Düsseldorf, wo er in seiner Handtasche auf dem Bahnhofe noch einen Geldbetrag verwahrte, dieses Geld an sich genommen. Er will dann mit der Kellnerin auch in Berlin gewesen sein; jedenfalls ist von Berlin aus später an die Polizei in Luxemburg ein Schreiben von ihm eingegangen, in welchem er ersuchte, das ihm abgenommene Geld anszube wahren, bis er es abholen würde. Als die Polizei in Luxemburg in seiner Wohnung Haussuchung vornahm, wurden Fläschchen mit Haarfärbe- Mitteln und Bürsten vorgefunden, womit sich Brüning Haar und Bart gefärbt batte. Der Angeklagte erzählt dann auf Befragen weiter, wie er sich nach der Tat nach Engter zu seinem Schwager begeben babe und das Geld in Höhe von ea. 200 000 M. dort eingemauert worden ist. Diese Einzelheiten dürften noch allgemein bekannt sein. Das erste- mal iit er eines Nachts Ende Juli dort erschienen, hatte sich un- kenntlich gemacht und den Schwager und die Schwester durch Klop- fcn ans Fenster wach gemacht. Er hat mit ihnen das Geld ver- graben und mit seinem Schwager besprochen, dass er nach Amerika geben wolle. Er bat mit dem Schwager dann ganz genaue Per- abredungen bezüglich der Korrespondenz mittels dreier Chiffre- schlüssel getroffen und ihm dringend die grösste Vorsicht ans Herz gelegt und ihm aufgegeben, niemand zu vertrauen, der ihm nicht genau bekannt sei, da sich wahrscheinlich Kriminalisten an ihn herandrängen würden. Aus der weiteren Erzählung des Angeklagten ist zu erwähnen, dass er dann ein zweites Mal zu Kranich gekommen ist und diesen bewogen hat, mit ihm zusammen zur See nach Kanada zu gehen. Er will ihm erst auf dem Schiff gesagt haben, dass er Brüning sei. In Antwerpen schiffte er sich'mit Kranich unter dem Namen Valentin Berent ein. Das auf diesen Namen lautende Legitima- tionsvapier hatte er in Hamburg für 70 M. gekauft. Er habe schon in Hamburg dem Kranich gesagt, dass er jemand brauche, auf den er sich verlassen könne, dann habe er ihn brieflich nach Antwerpen bestellt und habe sich ihm gegenüber sehr spendabel gezeigt und ihm gesagt, er wolle ibin eine Farm kaufen. Er habe mit Kranich verabredet, aus«chiff andere Namen anzunehmen. Er habe verschiedene Papiere zur Verfügung gehabt nnd es wurde verabredet, dass Kranich als Berent und er als Mechteöheimcr reisen sclle. Dies geschah auch, in Kanada aber tauschten beide die Rollen, weil die auf Berent lautenden Papiere besser auf Kranich passtcn. Sie waren zunächst mit der„Montrose" der Canada Pacific Railway Co. nach Montreal gefahren, dann weiter mit der Eisenbahn erster Klasse nach Winnipeg. In Winnipeg trennte er sich auf einige Zeit von Kranich. Er hotte einen Kanadier kennen gelernt, mit dem er viel in Kanada herumreiste. Der Kanadier zeigte ihm, wie kolossal sich das Land dort entwickelte und redete ihm zu, Landbesitz zu kaufen.— Vors.: Haben Sie nicht auch für ein Mädchen Land gekauft?— Angekl.: Das war ein Mädchen, welches ich auf der Tour kennen gelernt hatte. Das Mädchen sprach deutsch und stammte aus Rußland. Das Mädchen erzählte, daß durch die politischen Verhältnisse in Rußland sie viel verloren habe, ihr Vater und ihr Bruder nach Sibirien geschickt worden seien usw.— Vors.: Sollte dieser Landkauf für das Mädchen nicht für Olga Kranich bestimmt gewesen sein?— Angekl.: Nein. Brüning hat, wie der Vorsitzende feststellt, in Kanada an ver- chiedenen Plätzen Parzellen für etwa lö 000 M. angekauft. An- üng Dezember war er nach Winnipeg zurückgekommen, inzwischen war ein Steckbrief erlassen, auf Grund dessen es der Polizei in Winnipeg gelang, Brüning und Kranich am 6. Dezember in dem Augenblick zu verhaften, als sie eine Geldsendung von Hatke in Höhe von 50 000 M. von der Post abholen wollten. Einen breiten Raum in der weiteren Erörterung nimmt die Frage ein, wo die noch fehlenden 110 000 Mark geblichen sind. Die Staatsanwaltschaft behauptet, daß die Erklärungen, die Brüning über den Verbleih dieses Betrages gibt, nicht richtig seien und dass dos Geld anscheinend irgendwo versteckt sei. Der Angeklagte bleibt dabei, dass er das Geld nicht mehr habe. Vernehmung des Angeklagten Hatke. Wilhelm Hatke, der Schwager Brünings, betont, dass er als 20jähriger Mann unter dem Drucke seines um so viel älteren und energischen Schwagers gestanden habe. Als dieser das erstemal nächtlicher Weile in Engter erschienen sei, sie aus dem Schlafe herausgeklopft und ihre Hilfe gefordert habe, habe er ihn wieder- holt dringend gebeten, doch vernünftig zu sein, nach Berlin zurück- zukehren und sich zu stellen. Brüning, der immer rechthaberisch war, habe aber mit höhnischem Lachen darauf geantwortet nnd gesagt, indem er einen Revolver aus den Tisch legte: er fürchte nichts mehr, müsse ihm aber bedeuten, daß er sein Schwager und die Frau seine tochwestcr sei und ihn nickt aus dem Hause weisen und auch nicht verraten dürften. Die 2000 M., die der Schwager ihm nach seinem ersten Besuch überlassen habe, seien nach dessen Angabe sein eigenes Geld gewesen, ans das, wie er sagte, niemand einen Anspruch habe. Auf das Geld habe kleines Geld besorgt wer- den sollen. Hatke hat einen Tausendmarkschein dazu benutzt, um einem gewissen Winkler ein von diesem erbetenes Darlehn von 000 M. zu geben. Die überschiessendcn 400 M. habe er Brüning bei seinem zweiten Besuch ausgehändigt. Zunächst sei eine Geld- summe unter dem Kirschbaum vergraben und später auf Brünings Anordnung im Keller eingemauert worden. Ter Angeklagte bc- streitet entschieden, noch Geld hinter sich zu haben. Der entstandeno Verdacht, daß er mit seiner Frau Geld auf eineiii ihm gehörigen Ackerland eingegraben habe, sei absolut unzutreffend. Der Acker sei ja auch umgegraben worden, ohne dass mau etwas gefunden habe. Die Angeklagte Frau Hatke schtiesst sich in ibrer durch wieder- boltes Weinen unterbrochenen Bekundung der Tarstellung ihres Ehemannes im allgemeinen an. Sic bestätigt auf Befragen dcS Vorsitzenden, dass Brüning einige Zeit vor der Tat einmal bei einem Besuche seine auf der Kommode stehenden Photographien mitgenommen habe. Auch habe er davon gesprochen, daß er in Goldminen spekuliere und demnächst einen grossen Schlag zu machen gedenke. Als er nächtlicher Weile das erstemal zu ihnen kam und seine Pläne und Anordnungen auseinandersetzte, habe er zu ihr gesagt: er sei ein guter Bruder, wenn sie ihn aber ver- raten sollten, dann würde es ihnen schlecht gehen; sie müßten alles befolgen, was er von ihnen verlange. Zuerst sei eine grosse Summe Geldes unter dem Kirschbaum im Garten vergraben worden. Auf Grund einiger in Zahlenschrist geschriebener Briefe des Angeklag- ten seien ihm von diesem Gelde 20 000 M. unter der Adresse Valentin Bercnt nach Luxemburg geschickt worden. Als dann der Bruder noch einmal erschien und zwei Tage bei ibnen blieb, habe er wieder ein Paket Tauscndmärkscheilie mitgebracht. Nun wurde das noch unter dem Kirschbaum liegende Geld ausgegraben, Brüning steckte von dem ganzen Geld einen Teil zu sich, das ganze übrige Geld sei zunächst ans dem Boden gemeinschaftlich durchge- zählt und dann von ihrem Manne im Keller eingegraben worden. Im übrigen haben sich die weiteren Vorgänge in der schon bekann- ten Weise abgespielt. Auf Anregung des N.-A. Dr. Liebknecht wird festgestellt, dass die Hatkeschen Eheleute seit 1907 verheiratet sind und ein kleines Anwesen besitzen. Von den beiden Kindern der Angeklagten ist das eine jetzt schutpslichtig, das jüngste war bei der Verhaftung der Eltern 10 Monate alt. R.-A. Dr. Liebknecht weist noch ans folgen- des hin: Wegen der künftig zu erwartenden Gerichtskosten sei gegen Hatkcs einArrestbefeht auf die Summe von 5400 M. erlassen; das Llnwcsen liege vollständig verödet da und nun sei auch noch von der Dresdner Bank Klage wegen Herausgabe der angeblich noch fehlenden 110 000 M. gegen die Hatkcs erhoben worden, so das? die Leute mit Kind und Kegel vollständig ruiniert seien. Auf eine Frage des R.-A. Dr. Holpert erklärt Brüning, dass er seinerzeit die Photographien von der Kommode seiner Schwester aus dem Grunde weggenommen habe, weil er damals eine Heirats- annonce eingerückt hatte nnd die Bilder zu diesem Zweck haben wollte. Hierauf wurde die Verhandlung abgebrochen und auf Dicns- tag 0 Uhr vertagt. Soziales. Die„Volksfürsorge" eröffnet ihren Geschäftsbetrieb. Tie schriftliche Ausfertigung des die Genehmigung der Volksfürsorge enthaltenden Spruches der Aufsichtsbehörde ist eingegangen, darauf ist am 17. Mai die Ein- t r a g u n q ins H a n d e l s r g i st e r erfolgt. Somit ist die letzte Formalität erfüllt. Die eigentliche Arbeit kann nun beginnen. Möge sie von Anbeginn an von Erfolg gekrönt sein zum i�egen der Versichernngs- bedürftigen! Die Schwierigkeiten sind nicht zu unterschätzen. Kapitalschwere, wohlgerüstete Nebenbuhler machen der„Volks- fürsorge" das Feld streitig. In der„Zeitschrift für Ver- sicherungswesen" wird über die Erfolge der privaten Gesell- schaften mif dein Gebiete der Volksversicherung geschrieben: „Der Grund liegt offenbar darin, daß nur dann die Volks- Versicherung wirklich erfolgreich betrieben werden kann, wenn sie als Massengeschäft organisiert wird, das heißt wenn Taufende von Beamten tätig sind, die Versichcrungslustigen aufzusuchen, um möglichst Straße für Straße und Haus für Haus die ganze Bevölkerung bestimmten großen Versiche- rungsgesellschaften zuzuführen. Viel schwieriger ist es, sie zu erhalten. Hier hat die„Viktoria" Mustergültiges, Vorbild- liches geschaffen. In allen Städten und dichtbesiedelten Bc- zirken hat sie Inkassobureaus errichtet. Jedem Einnehmer sind bestimmte Straßen zugeteilt, die er an ganz bestimmten Tagen der Woche abgeht, so daß bei jeder Familie in jeder Woche immer an demselben Tag und womöglich zu derselben Stundo der Einnehmer erscheint, um die Beiträge in Empfang zu nehmen. Verzieht ein Versicherter in ein anderes Stadt- viertel, so wird er dem dort zuständigen Einnehmer zuge- wiesen, nachdem man unter Umständen mit Hilfe des Ein- wohnerkontrollamts die neue Adresse ausfindig gemacht hat. Dasselbe geschieht bei dem Verziehen in eine andere Stadt." Tie„Volksfürsorge" wird dem eine gleich schlagfertige und wo- möglich noch billigere Organisation entgegenzustellen haben und vor allem den idealen Zweck, nicht den Aktionären, sondern den Versicherten Vorteile zuzuwenden und soziale Aufgaben lösen zu helfen. Jetzt heißt es: Hinein in die„V o I k s f ü r s o r g c". Smcdts- Zeitung Die Arbeiterradfahrcrvereine und das Vereinsgesctz. Eine wichtige vereinsrechtliche Entscheidung hat das Kammergericht am Sonnabend gefällt. Es handelte sich um die Entscheidung zwei gleichartigen Strafprozessen, in denen das Landgericht Guben als zweite Instanz eist- schieden hatte. Der Vorstand des Arbeiterradfahrervereins„Frischauf" in Fürstenberg a. O. war von der Polizeiverwaltung und der Vorstand des Arbeiterradfahrervereins„Edelweiß" in Schön- fließ vom zuständigen Amtsvorsteher aufgefordert worden, die Statuten und das Verzeichnis der Vorstandsmitglieder ein- zureichen. Die Behörden erachteten die Vereine als p o l i- tische Vereiste. Tie Vorstände kamen dem Verlangen nicht nach, worauf Strafverfügungen auf Grund des Vereins. gesetzes erlassen wurden. Dann beschäftigten sich die Straf- gerichte mit der Sache. Das Landgericht Gube« ver- u r t e i It e darauf in zweiter Instanz Graf als Vorsitzenden fic§ Nirstenöerger Vereins und Pohlann als Vorsitzenden des Vereins aus Schönfließ zu Geldstrafen, und zwar wegen Ueberlretung des Vereinsgesetzes, weil sie nicht die Statuten eingereicht und nicht die Veränderung in der Zusammen fetzung des Vorstandes angezeigt hätten. In der Sache Graf führte das Landgericht aus: Aller dings behaupte der Angeklagte, daß der Verein„Frischauf" in Fürstenberg in Versammlungen keinerlei politische Erörte- rungen pflege und sich nicht politisch im Sinne der Sozial- demokratie betätige, wie die Polizei und die Staatsanwalt- schaft geltend mache, sowie daß verschiedene seiner Mitglieder sogar dem Kriegerverein angehörten und daß er seine An- zeigen in dem„Fürstenberger Stadt- und Landboten" an- kündige. Auch werde behauptet, daß er dem Arbeiterradfahrer- bunde„Solidarität" nur angehöre, weil so seine Mitglieder ggen Unfall usw. versichert seien. Gleichwohl rnüsse der Verein als ein politischer angesehen werden, und zwar wegen seiner Zugehörigkeit zuin Bunde„Solidarität", der auch seinen Mitgliedern die Zeitung„Arbeiterradfahrer" liefere. Vom Eintrittsgeld würden 73 Pf. an den Bund abgeliefert, ebenso fließe dem Bunde ein Teil der Beiträge zu. Tie Zei- tung, die der Bund in Frankfurt a. M. herausgebe, lasse die politischen Zwecke des Bundes erkennen.(Es werden eine Reihe Artikel aus dem Organ„Arbeiterradfahrer" zitiert.) Diese Artikel ließen den Zweck, sozialdeinokratisch zu wirken, erkennen. Das sei eine politische Betätigung. Durch die Be- teiligung am Bunde und durch die Verbreitung der Zeitung betätige sich der Verein in Fürstenberg ebenfalls politisch. Zu denselben Schlußfolgerungen kani das Gericht hin- sichtlich des Vereins in Schönfließ. D a s K a in m c r g e r i ch t h o b i n b e i d e n F ä l l e n die UrteiledcsLandgc richtsauf nn dverwies d i e S a ch e n a n d i e V o r i n st a n z z u r ü ck. Gründe: Allerdings könne dem Landgericht zugegeben werden, daß der Bund„Solidarität" i n seiner Gesamtheit politische Zwecke verfolge, was aus seiner Zeitung hervorgehe. Nun sage das Landgericht in Sachen Graf weiter, der Verein „Frischauf" sei deswegen ein politischer, weil er die Ziele des großen Bundes dadurch billige, daß er einen Teil seiner Vereinsbeiträge abführe und die Zeitung„Arbeiterradfahrer" verbreite. Damit sei aber nicht genügend zum Ausdruck gebracht, daß„Frischauf" auch seinerseits den Zweck habe, sozialdemokratische Bestrebungen zu fördern. Es könne als nicht ausgeschlossen gelten, daß ein Verein, der durchäusnicht sich politisch betätigen wolle, eine Zeitung halte, die einer gewissen politischen Richtung angehöre, und daß er auch an denjenigen, der die Zeitung herausgibt, einen Beitrag zahle Die Möglichkeit sei nicht ausge- schlössen, daß solche Betätigung erfolge, ohne daß der Zweck sei. sozialdemokratische Bestrebungen zu fördern. Deshalb sei das Urteil aufzuheben und die Sache an die Vor- instanz zurück zu verweisen.— Dasselbe gelte für den Fall Pohlann(Schönfließ)._ Lasset die Kindlcin zu mir kommen. Schwere sittliche Verfehlungen eines Geistlichen an seinen Konfirmanden lagen einer Anklage wegen Ver- brechenS gegen den§ 174, 1 St.-G-B. zugrunde, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors S e e l e r t die fünfte Straf- kammer des Landgerichts III beschäftigte. Unter jener schweren An- klage stand der P a st o r Otto Glaser vor dem Strafrichter. Der Angeklagte war in dem dritten Kirchenbezirk der Stadt Oranienburg, zu welchem auch die Nachbargemeinde Fichten- g r u n d gehört, als Seelsorger tätig. Wie die mehrstündige, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführte Beweisaufnahme ergab, hatte sich der Angeklagte an mehreren jungen Leuten, die zu ihm in den Konfirmandenunterricht kamen, in der schwersten Weise vergangen- Staatsanwalt Dr. Linde beantragte eine Zuchthaus st rafe von V/t Jahren. Da? Gericht kam zu der Ansicht, daß dem Angeklagten, der sich als Jugenderzieher in der verwerflichsten Weise gegen Sitte und Moral vergangen habe, im Gegensatz zur Ansicht des Verteidigers, Justizrats Wronker, keinerlei mildernde Umstand zur Seite ständen. Das Urteil lautete auf ein Fahr Zucht h a u s. Außerdem wurde der Angeklagte als fluchtverdächtig sofort im GcrichtSsaal verhaftet. VriefKaften der Redaktion. Tie juttftifdit Sprechstunde findet Linden st raste LS, vorn Pier Treppe» — Fahrstuhl—, wochcntüglich tum bis 7 Vi Uhr abenSS, Eouuapeud». von 4 Vi bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieflasten bestimmte» Anfrage Ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzetchen beizufügen. Briefliche Antwort! mir» nicht ertellt. Anfragen, denen leine AbonnementSauittung beigefügt ist» verd-n nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. (S. T. Falls Sie mit Ihrem Manne tatiächlich in Gütergemeinschaft leben, was nur beurteilt werden kann, wenn sie noch angebe», wann dik Ebe geschlossen ist und wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist, ja.— R. 110. Sie können sich beim Magistrat beschweren, Sic müssen sich in der Beschwerde aber jeder beleidigenden Aeußerung enthalten. Die Zu- stellung der Steuerveranlagung ist rechlSwirksam. Wegen der Bewilligung der Altersrente empfiehlt sich eine Mahnung bei der LandesvcrsicherungS- anstalt in Breslau.— I. F. 31. Machen Sie der Maschinenbauer- Krankenkasse Mitteilung. Eine Entschädigung ist jept jedoch kaum zu er- warten. Sie hätten vor Inanspruchnahme dcS Arztes die«ache der Kranlcnkassc anzeigen müssen.— Z. W. 13a. Machen Sic der Polizei- bebörde Mitteilung.— E. 21. III. i&ie haben Anspruch aus Heraus- gäbe des Sparkassenbuches. Fordern Sie den Vormund unter Sitzung einer Frist dazu auf. Verstreicht die Frist erfolglos, können Sie Klage er- heben.— t. 777. Die Ablegung der Meisterprüfung ist ersorderlich.— F. W. 72. 1. Ja, sofern Ihre Frau vorher verstorben. 2. Nein.— <5. L. 19. Ja, und zwar so lange, bis das Mädchen anderweit Stellung gesunden hat. Kriefkasten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und andere» Heilstitten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch ivährend des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen unS wegen ver Ueberweisung von Frei- eremplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliejert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Todes-Anzeigen ZMIlieiiiLlii'MiiSk MIvmiii! l.(Ußeri. Relohstagswalilkreis.| Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Mitglied. die Genossin Antonie Ltiller geb. Schindler am 17. Mai verstorben ist. Ehre ihrem Zlndenkenl Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 20. Mai, nach. mittags>/,4Uhr, von der Leichen- balle des Bartholomäus-KirchhofeZ in Weißensce aus statt. 204/4 vor Zlüiällleiiililskätizetiei'VMekeiii f.d. 2. ßerl. Reictistagswahlkpeis. Bezirk 60. Am 17. Mai verstarb nach langer Krankheit unser Mitglied Hermann Ltorcti Steinmetzstr. 43. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. Mai, nach- mittags 3 Uhr, aus dem An- staltssriedhos in Dalldors-Wittenau statt. 205/20 Um rege Beteiligung bittet vor- Vorstnitd. Am Sonnabend, abends 10'/, Uhr, verschied plötzlich und unerwartet mein inniggeliebter Mann und unser guter Vater, der Bäcker- meister Andreas Thoma im 43. Lebensjahre. Dies zeigen alle» Freunden und Bekannten an Stelle be- sonderer Anzeigen an vis liefbetrlibten Hinterbliebenen Emma Hhomii geb. Halbek nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. 886b ßMaldemItfaRzedekUaWvei'eill I. d. 6. Sei'!, ßelcbstapwatilkreis Todes-Anzeipfc. Am 17. Mai verstarb unser Gc- nossc, der Bäckermeister Andreas Thoma Ackerstr. III, Bezirk 624. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, nachmittags 4st< Ühr, von der Halle des städtischen Friedhojes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung eriucht Ter Vorstand. Nach schwerem Leiden verschied am 18. Mm mein lieber Mann und� guter Vater, der Gastwirt Paul vänst im 41. Lebensjahre. Dies zeigen licsbet übt an u. Sohn. Die Einäscherung sindet am Mittwoch, nachmittags 4'/, Ubr, vom Trauerhause, Schönwalder Str. 23, aus im Krematorium, Gerichtstrasze, statt. 887b Kranzspenden verbeten. tragen hiermit allen Beteüigten bei der Beerdigung meines lieben llllanneS und unseres guten Vaters unseren herzlichsten Dank. Frau �nxnste Otto tz4R, lebst Kindern, SlimIdMaki'aliZcfiei'Valifvemii fleiikofto. Am 17. Mai verstarb unser Parteigenosse, der Arbeiter Lduard Kutter (Ziethenstrasze 10, 19. Bezirk). Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 21. Mai, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoses, Mariendorser Weg, aus statt. Am 16. Mai verstarb unser Parteigenosse, der Arbeiter kriedridi Bartel (Mainzer Straße 42, 23. Bezirk). Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 20. Mai, von der Leicheuhallc des Gcmeinde-Fricd- Hofes, Mariendorser Weg, aus statt. Ehre ihrem Andenken l Um zahlreicheBeteiligung ersucht Der Borstand. Deutscher Bauarheitemrhand. Zweig/verein Berlin. Am 17. Mai starb unser Mit- glied, der Maurer Gusls? Krüger (Bezirk Wedding!. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. Mai, nach- mittags 5 Uhr. von der Halle der Nazarcthgcmeinde in Reinicken- dorj-West, Köhelstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Am 16. Mai starb unser Mit- glied, der Maurer Gdnarü Schwarz (Bezirk Osten 1). Ehre ieinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mittwoch. den 21. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes' in Friedrichsselde auS statt. Am 17. Mai starb unser Mit- glied, der Bauarbeiter Eliuan! Kutter (Bezirk Neukölln). Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Mai, nach- mittags-i'l, Uhr, von der Halle deS Neuköllner Gemeinde-Fried- hojes, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 142/16 Der Boritand. Hierdurch die traurige Mit- | tcilüng, daß meine liebe Schwester Eterta Hochgräfe nach langem Leiden verstorben ist. Um stilles Beileid bittet Alwlne Senf geb. Hochgräfe. Die Beerdigung sindet am Dienstag, nachmittags M/, Uhr, von der Leichenhalle des' Neuköllner Gemeinde- Friedhojes aus statt. 1 4A TP Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Rocke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach MaS in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Verwaltungsstelle Berlin. Dm Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Former Paul Tbürrner Prinzenallec 23 am 18. d. MtS. an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Mai, nachmittags 4'/« Uhr. von der Leichenhalle des Sophien- Kirchhoses in der Freienwalder Straße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/8_ Dia Ortsverwaltung. SozialdemokratischerWahlverein Teitow-Beeskow-Charlottenhiirg. Ortsverein Dabendorf u. Umg. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Zügen Haaker am 14 Mai nach schwerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung fand am Sonn- tag. den 18. Mai, nachm. 5 Ubr. in Dabcndars statt. 201/17 ver Vorstund. Am 18. d. MtS. verschied nach kurzem schweren Krankenlager mein Wcrksührer, Hen5 Richard Zetta Ich verliere in demselben einen langjährigen, treuen Mitarbeiter und werde sew Andenken stets ehre». LSSb Berlin, den 13. Mai 1313. Vnesnr Krucz. Schönhauser Allee 34. Allen Verwandten und Bekann- len die traurige Nachricht daß mein lieber, unvergeßlicher Sohn, unser Nesse und Schwager, der Mechaniker Richsi'il Zotta am Sonntag, den 18. Mai, abends II", Uhr. nach kurzem schweren Leiden im 31. Lebensjahre sanft entschlasen ist. Vkwe. Martha Schmidt, als Mutter. Die Beerdigung findet am Mitt- wach, den 21. Mai. nachm 4 Uhr. von der Leichenhalle des St. Elisabelh- Kirchhofes, Wollanlstraße 66(an der Prinzenallee) aus statt. Am Freitag verstarb nach längerem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Bannst R1H im 74. Lebensjahre. Neukölln, Hennannftr. 113. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 21. Mai, nachmittags 31;» Uhr. von dcr Leichenhalle des neuen Gcmcinde-FriedhoseS in Neukölln, Mariendorser Weg, auS statt. 88öb Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teitnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, des Tischlers Hubert Krüger dante ich hiermit herzlichst, besonders seinen Kollegen, dem Sozialdemo- kratischcn Wahlvcrein für den 6. Ber- liner ReichstagSwahlkrcis sowie dem Deutschen Holzarbeitervcrband. 77A Hedwig Krüger. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Kranz spenden sagen wir allen Beteiligten. insbesondere Herrn Waldeck Manassc für die tiesempsundencn Worte am Grabe unseres einzigen Lieblings Herbert unseren herzlichen Dank. Gustav Bohne»nd Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahmc bei dcr Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders Paul Krienke sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere Herrn Waldeck Manassc für seine zu Herzen gehenden Worte, sowie den Sangern unseren innigsten Dank. 377b Die Eltern»nd Schwester. Gemeinsame Orts-Krankenkasse für Königsllillkerhlluseuu.Umg. .Außerordeutiiebe General-VersammluDg der gewählten Kassenvertretcr am Donnerstag, den S. Mai, und Freitag, den 30. Mai» abends pünktlich 8 Uhr. im Pfuhllchen Lvlal hierselbst. Tagesordnung: Beratung und Beschlußfassung über den Entwurf der Kassensatzung nach den Borschriften der RcichSversichc- rungSordnung. Fortsetzung dieser am 29. Mai gc- pslogenen Beratung und Beschluß- sassung am 30. Mai. Königswusterhausen, 14. Mai 1913. Der Vorstand. 272/14 H. Griesting, Vorsitzender. »Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Hnspeneorlen, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Polltnann, jetzt Berlin M, Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. In Dosen überall erhältlich, Fabrik: Urban& Lamm, Charlotten bürg Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Vn jjer.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Zweisei die bequemste u.wirksamsteHilfc. 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Z.)(Nachdruck verboten) 7(10001 105(10001 1037 223 SIS 20 51 422 SS 70 74 092 7SS 918 74 2231 338 474 647 811 3254 378(1000) 656(3000) 705 817 88 80 4297 4SI 568 671 742 813 S5 8126 232 38 B42 402 64 605 23 632 35994 8673 747 68 875 7108 62(500) 240 80 381 418 47 80(600) 865(1000) 76 922(500)«191 247 4500) 387 432 69 660 82(1000) 620 8186 283£37(600) 481 686 678 714 38 62 391 967 1O084 118(500) 238 310 63 689 09 699 763 74 11224 67 91 328 526 46 98(1000) 648 725 832 1 2033(500) 72 114 28 ES 66(600) 267(1000) 396 643 799 810(3000) 15 1 3357 603 836(6000) 14649 696 1 5086 187 206(600) 328 457 94 623 33 691 733 019 1 6023 204 946(600) 17071 188(1000) 432 627 685(1000) 743 847 71 87 994 1 6067 222 98(500) 650(600) 711 16(500) 19023 278 91 426 609 20 73 82 779 84 83 20199(500) 266 469 91(1000) 653 601 77 80 951 77 21277 SOO 87 649 710 28 841 2 2014(600) 57 417 600 884 977 28107(1000) 325 4 IS 75 648 66 710 46 806 17 70 917 2 4007 37 87 273 96 417 687 730 969 88 2 5052(600) 301 13000) 563 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Königt. Vrentz.) Klassenlotterle 5. Slasse 8. Ziehungstag IS. Mai ISIS Nachmittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich dod» Gewinne gefallen, und zwar je einer ans die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilnngen I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdmck verboten) 76 230 70 386 670 702 4 642 901 14 1126 295 414 83(1000) 696 758 69 912 2049 17« 91 619|60O) 60(500) 76 646 69 720 933 3004 21 63 161 4198 292 3)6(1000) 61 427 789 620 76 941(1000, 8161 265 340(3000) 422 87 610 686 727 30 826 8042 146 360 464 692 658 712 860(1000) 7040 142 387 441 91 580 600 37«016 90 342 93 480 505 625 96 833 809 30(600) »046 208 36 48 60(600) 416 17 601 769 904 57 10058 94(500) 107 17 25 288 839 45 85(600) 778 956 11010 14(10001 70 148 296 664 91 688 852(1000) 61 87(500) 093 1 2106 313 404 610 18 1 3034(500) 91 163 76 206 41 (1000) 318 77 561 956 14085 122 67(600) 64 77 396 493 606 646 1 6131 99 260 690 795 816 65 83992 1 8128(3000)398 664 809 920 90(1000) 17489(3000) 618 77 83(SOO) 629 74 947 18072 260 77 312 434 64 505(600) 680 1 9213 99 303 676 714 20219 68 411 65 622 827 84(600) 933 94 21244 350 76 619 67 84 619 37(500) 2 2020(1000) 172(1000) 439 606 78 682 83 2 3086 194 383 644 900 13 61 73 2 4001 223 30 36 300 867 2 5064 310 17 417 38 682 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Das Berliner Ardettswtlltgeu. vermittelungsbureau d. gelben „HandwerkerschupverbaiideS*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher« innung und der Wagensabri. kanten. Kaiser-Franz�Hrenadier. Platz. Arbeitswilligen- BermtttelungS. bureau scheu. Stralsundcrslr.10. Kliftki. Pankow, Berliner Str. 92 (Scisengeschäst). Zuzug ist streng semzuhalten. Die Ortsverwalfung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes jPecanlirortlicfier DteMtteui: Alfred Wiclepv, Neukölln. Für den Jnseraleitiei! osranÄ.: TH.GloSt.Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt» tvuchdruckerei Herlagsanftalt Paut S-nger u. Eo., Berlin SM Hl 122. ZV. Iahrgaug. 3. ßtilnjE i>cs„öoraäilü" Krim DalksdlÄ Nieiistiz. 20. Wai IOiB. Farteigenoffen! Am 23. Mai sind fünfzig Jahre seit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins verflossen. Aus diesem Anlaß veranstalten die Groß-Berlincr Parteiorganisationen eine Gedächtnisfeier in folgenden Sälen: Berlin. Happoldts Brauerei, Hasenheide 32/38. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Konzert- und Feftsäle Koppenstr. 29. Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Germauia-Prachtsäle, Chausseestr. 110. Pharus-Säle, Müllerstr. 142. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Charlottcnburg. Bolkshaus, Rosinenstr. 3. Schöneberg. Neue Rathaussäle, Meininger Str. 8. Neukölln. Bartsch, Hermannstr. 49. Lichtenberg. Schwarzer Adler, Frankfurter Chausse. Pankow-Niederschönhausen Rozycki, Gesellschaftshaus, Kreuzstraße 3/4. W e i ß e n s e c. Bergbrauerei, Berliner Allee 211. Tagesordnung in allen Versaninilungen: Chorgesang: Tord Foleson. Prolog: Zur Gedenkfeier der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, von Gustav Stengele. Vortrag: Fünfzig Jahre deutsche. Sozialdemokratie. Chorgesang: Die Marseillaise. Referenten sind die Genossen Ed. Bernstein, Däumig, Dupont. Grunwald, Haase, Heine, Hirsch, Legien, Pfannkuch, Ritter, Scheidcmann, Rob. Schmidt, Wissell, Wurm. Genossen! Erscheint zahlreich in den Versammlungen und weiht einige Stunden der Erinnerung an die Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie. Perband der Sozialdemokratischen Wahlvcreine Berlins und Umgebung. vier Hianaliiatiousarbeiter erstickt. Ein entsetzliches Unglück hat sich gestern nachmittag kurz nach 8 Uhr bei Kanalisationsarbeiten am Charlottenburger Knie zu getragen. Vier Arbeiter, darunter ein Kolonnenführer, fanden dabei den Tod. Die Charlottenburger Feuerwehr stellte fast zwei Stunden lang bei den Verunglückten Wiederbelebungsversuche an, doch waren alle Bemühungen vergeblich. Der Vorfall rief in der Gegend großes Aufsehen hervor. Im einzelnen gehen uns über da? Unglück folgende Mitteilungen zu: Auf dem Platz am Charlottenburger Knie befindet sich fast in der Milte ein Kanalisationsschacht, der gestern nachmittag durch eine Kolonne von vier Arbeitern revidiert werden sollte. Zunächst stieg ei» Arbeiter in den Schacht ein. Als er nach einiger Zeit nicht wieder zum Vorschein kam, vermutete der Kolonnenführer einen Unfall, weshalb er sofort einen zweiten Arbeiter in den Schacht schickte. Aber auch dieser Mann blieb in der Tiefe, und nun stiegen ein dritter Arbeiter und auch der Kolonnenführer selbst ein, um die Kameraden zu retten. Vermutlich hatten sich in dem Schacht Sumpfgase gebildet, die alle vier Personen betäubten. Straßen- Passanten bemerkten den Unfall, und als ein Pionieroffizier hinzu- kam, wurden sofort Rettungsversuche angestellt. Der Offizier zog den Waffenrock aus. ließ sich an einem Drahtseil festbinden und stieg mulig in den Unglücksschacht hinab. Inzwischen alarmierte ein Schutzmann die Charlottenburger Feuerwehr, die bald darauf nrit dem Zuge aus der Hauptwache anrückte. Brandmeister Lebbe übersah sofort die Gefährlichkeit der Situation und gab die Nachmeldung:»Menschenleben in Gefahr I*, woraus noch ein zweiter Löschzug und auch Branddirektor Bahrdt herbeieilte. Der Pionier- offizier blieb in dem Schacht und zu seiner Unterstützung stiegen noch zwei Feuerwehrleute, die an Rettungsleinen angeseilt waren, hinab. Im Verlauf einer Viertelstunde konnten die vier verunglückten Ar- beiter aus dem Schacht'herausgezogen werden. Sie wurden nachdem benachbarten Hotel Fürst Bismarck getragen und dort von Samaritern der Feuerwehr in Behandlung genommen. Mit vier Pulmotoren stellten die Mannschaften Wiederbelebungsversuche an. Auch mehrere Aerzte waren bald zur Stelle, die sich an den Arbeiten beteiligten. Trotz aller Anstrengungen gelang es leider nicht, jemand ins Leben zurückzurufen. Bei allen vier Personen war der Tod schon eingetreten. Nach mehr als zweistündiger Tätigkeit rückte die Feuerwehr wieder ab. Die vier Leichen wurden nach dem Charlottenburger Schauhaus gebracht. Es handelt sich um den Kolonnenführer Peter Kazmierowski aus der Pestalozzistr. 20 zu Charlottenburg und um die Arbeiter Joseph Grygier aus der Danckelinannstr. 13, Adam Wichert aus der Schloßstr. 22 und Gustav Wenzel aus der Scharrenstr. 8 in Charlottenburg. Die ersten drei sind verheiratet und Familienväter, während Wenzel noch unver- heiratet war. Das Wasser stand in dem Kanalisationsschachr nur etwa 1,60 Meter hoch. Diese Tatsache weist daraufhin, daß die Verunglückten zuerst betäubt wurden und dann ins Wafier fielen und ertranken. Während der Rettungsarbeiten war die Unfallstelle von einer mehrhundertkopfigen Menschenmenge umlagert. Ein große? Schutzmannsautgebot hatre Mühe, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Auch ein Teil der Feuerwchrmannschasten beteiligte sich an der Ab- sperrung. Vom Magistrat Charlottenburg waren mehrere höhere Beamte anwesend. Von anderer Seite wird berichtet: Die Arbeiter sind durch die in dem Schacht angesammelten Gase beim Heruntersteigen betäubt worden und dann ins Wasser gestürzt, wo sie ertranken. Welcher An die Gase waren, läßt sich vor der Hand nicht feststellen. Leut- nant Diltmar, der als erster zum Rettungsversuch einstieg, teilte mit, daß, obwohl sckion etwa 20 Minuten verstrichen waren, nach- dem der erste Mann sich nach unten begeben hafte, doch noch immer ein atemraubender Gasgeruch dort herrschte. Nach seiner Ansicht handelte es sich um Sumpfgas. Vom städtischen Tiefbauamt in Charlottenburg eilten mehrere Beamte an die Unfallstelle, doch konnten sie noch nichts Genaues feststellen. Auch sie vermuten, daß sich dort unten Gase irgend welcher Art angesammelt haben, und es ist nach ihrer Ansicht nicht ausgeschlossen, daß eins der in der Nähe befindlichen Gasleitungsrohre defekt ge- worden ist, so daß Kohlengas sich in dem Kanal angesammelt hat. Eine genaue Aufklärung wird erst die Untersuchung einer Luftprobe im Laboratorium ergeben. Die Leichen der Verunglückten wurden nach dem Schauhause gebracht. Die über den Schacht führenden Straßenbahnlinien T und U mutzten in der Richtung nach Halensee über die Berliner, Wilmers- dorfer Straße und Stuttgarter Platz umgelenkt wurden. Partei- Etogelegendeiten. Lichterfcldc. Zu der morgen nachmittag von 4�8 Uhr bei Henning, Jungfernstieg ö/6, stattfindenden Gemeindeersatzwahl für den östlichen Bezirk findet heute abend 7 Uhr von den bekannten Stellen aus eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Köpenick. Mittwocki, den 21. Mai, abends 8 Uhr, im„Stadttheater", Vereinsversammlung. Tagesordnung: I. Bericht von der Maifeier. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Aussprache über die Landtagswahl. 4. Volksfest. S. Verschiedenes. Treptow-Baumschulenweg. Heute Dienstag, abends 8//., Uhr. in den Konkordiasälen, Jnh. Schneidereit, Am Treptower Park 69: Jahres-Generalversammlung. T.-O.: 1. Bericht des Vorstandes und der Kommissionen. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Vorstandes und der Kommissionen. 4. Wahl eines Bildungsausschusses, ö. Stellung- nähme zur Kreisgeneralversammlung und Wahl der Delegierten. 6. Beratung der Anträge. 7. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Tcmpclhof. Der für Mittwoch in Aussicht genommene Zahl- abend findet wegen der an diesem Tage vorzunehmenden Stichwahlen nicht statt. Die Parteigenossen werden ersucht, sich zur Hilfeleistung bei der Wahl in den zur Wahl stehenden UrWahlbezirken zur Ver- fügung zu stellen. Heule Dienstag abend von den bekannten Stellen aus: Flug- blattverbreitung. Die Parteigenossen des 7. Bezirks finden sich im Lokal von Z i m m e t h, Moltkestraße, und die des 9. Bezirks im Lokal von Kerner, Ecke Manleuffel- und Albrecht- straße, ein. Fricdrichsfrlde. Heute abend 8Vz Uhr: Generalversammlung bei Bausdorf, Berliner Straße 18. Tagesordnung: 1. Jahres- berichl. 2. Neuwahl der Funktionäre. 3. Stellungnahme zur General- Versammlung des Kreises. 4. Die Abgeordnetenwahl. Reinickendorf-Ost. Heute Dienstag, abends 8 Uhr: General- Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht der Funktionäre und Neuwahl derselben. Rcinickcndorf-Wcst. Der Zahlabend findet für sämtliche Bezirke am Mittwoch, den 21. d. Mls., in den Zahlabendlokalen statt. Bezirk Waidmannslust. Mittwoch, den 21. Mai, abends 8'/z Uhr, im„Schwcizerhaus" in Waidmannslust: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Neuwahl der Bezirksleitung und der Funktionäre. 2. Neuwahlen der Delegierten zur Kreis- und Verbandsgeneralversammlung für das Jahr 1913—14. 3. Vereins- aiigclegenhcilen und Verschiedenes. ßerlimr Nachrichten. Tie Wahlmanner-Stichwahlen finden in Berlin am Freitag, den 23. Mai, in denselben Wahl- lokalen statt, wie am 16. Mai. In Neukölln sind die Stich- wählen gleichfalls anf den 23. Mai festgesetzt, während in Schöncbcrg die Stichwahlen bereits heute, am 20. Mai, stattfinden. Welche Bezirke in Schöueberg in Stichwahl stehen, ersehen unsere Genossen aus einer in der heutigen Nummer enthaltenen Uebcrsicht._ Auf dem Wege zum städtischen Arbeitsnachmeis. In seiner Generalversammlung vom 7. Mai d. I. hat der Zentralvcrein für Arbeitsnachweis eine Statutenänderung beschlossen, durch welche der Stadt Berlin die Mitgliedschaft im Verein mit 51 Proz. der(Stimmen im Vorstand und in der Generalversammlung eingeräumt wird. Neben Arbeit- gebcrn und Arbeitern sollen künftig Vertreter des Magistrats und der Stadtverordneten im Vorstand sitzen. Die Stadt kann die Anberaumung von Vorstandssitzungen und General- Versammlungen mit der Maßgabe verlangen, daß bestimmte Gegenstände auf die Tagesordnung gesetzt und zur Beschluß- fassung gebracht werden müssen. Wenn der Verein sich auf- löst, so kann die Stadt in seine Rechte gegen bloße lieber- nähme der Verbindlichkeiten eintreten. Mit diesen einstimmig gefaßten Beschlüssen erfüllt der Zentralvcrein die Bedingungen, von welchen nach den Be- schlüssen des Magistrats und der Stadtverordneten künftig die Zuwendungen an den Arbeitsnachweis abhängig gemacht werden sollten.__ Polizeiverordnung über die Sonntagsruhe. In Berlin besteht neben dem Ortsstatut über das Offenhalten der Ladengeschäfte und die Beschäftigung von Angestellten in den offenen Verkaufsstellen auch eine Polizeiverordnung über die-äußere Heilighaltung der Sonn» und Feiertage. Diese Polizeivcrordnung. die sich über alles mögliche erstreckt, ist neuerdings revidiert worden. Sie bezieht sich auf den Landespolizeibezirk Berlin sBerlin, Char« lottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Neukölln, Lichtenberg, Stralau) und ist mit Zustimmung des Oberpräsidenten der Provinz Branden- bürg erlassen. Die Hauptpunkte der neuen Polizeiverordnung besagen: An Sonn» und Feiertagen sind alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten sowie alle geräuschvollen Arbeilen in Häusern und Betriebsstätten ver- boten, sofern sie geeignet sind, die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage zu beeinträchtigen. Dieses Verbot findet keine An- Wendung auf Arbeiten, die nach der Gewerbeordnung oder den auf Grund dieser erlassenen Bestimmungen gestattet sind und auf Arbeiten, die zur Befriedigung der Bedürfnisse des häuslichen Lebens täglich vorgenommen werden müssen. Weiter heißt es in der neuen Polizeiverordnung: Das offene Aushängen und Ausstellen von Waren in und vor den Ladentüren und vor den Fenstern ist an Sonn- und Feiertagen nur währcuo der zulässigen Verkaufszeit gestattet. Außerhalb dieser Zeiten müssen die Ladentüren geschloffen sein. In Gast« und Schankwirtschaften sind während der Zeit des Hauptgottesdienstes geräuschvolle und auffällige Spiele(insbesondere das Kegel-, Billard-, Karten- und Würfelspiel) und andere Ver- gnllgungen und Lustbarkeiten, sowie das Musikmachen jeder Art verboten. Oeffentliche Versammlungen, die nicht gottes- dienstlichen Zwecken dienen, sind am Karfreitag. Bußtag und an dem dem Andenken der Verstorbenen gewidmeten Jahrestag überhaupt nicht, an den übrigen Sonn- und Feiertagen erst nach der Zeit des Hauptgottesdienstes gestattet. Während der Zeit des Hauptgottesdienstes sind ferner verboten: Alle Musikaufführungen, Schaustellungen und theatralischen Vorstellungen einschließlich der Proben dazu, letztere, soweit sie durch Geräusch oder dergleichen nach außen hin bemerkbar werden: serner Wettrennen und alle mit Geräusch verbundenen, die Sonn- und Feiertagsruhe störenden sonstigen Veranstaltungen und Belustigungen, namentlich Scheiben- und Vogelschießen. Am Karfreitag und am Bußtag sind alle öffentlichen, ain Kar« freitag auch alle privaten in Theatern, Konzert- und sonstigen öffentlichen Vergnügungslokalen veranstalteten Lustbarkeiten init Ein- schluß der Gesangs- und deklamatorischen Vorträge, Schaustellungen, theatralischen Vorstellungen und Musikanfführungen verboten. Nur Aufführungen geistlicher Musik und Vorführungen von Lichtbildern aus der biblischen Geschichte oder sonst mit religiösem Zweck und Charakter sind gestattet, sofern sie in Kirchen oder in den Räumen solcher Konzert- und Theaterunternehmungen stattfinden, deren Zweck es ist, Darbietungen zu veranstalten, bei denen ein höheres Interesse der Kunst obwaltet. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden, so« fern nicht nach den bestehenden Strafvorschriften eine höhere Strafe verwirkt ist. mit Geldstrafe bis zu 60 M. oder mit entsprechender Hast geahndet. Die Verordnung, die den bisher geltenden Bestimmungen nach- gebildet ist, enthält außerordentliche Rückständigkeiten und greift tief in das Versammlungsrecht ein, das bekanntlich durch Reichsgesetz geregelt ist. Was dort festgelegt ist, wird durch Polizeiverordnungen erheblich eingeschränkt. Es erscheint sehr zweifelhaft, ob die Ver- ordnung in allen Fällen rechtsgültig ist. Man sieht aber: die Polizei regelt alles, ob es auch gesetzlich festgelegt ist oder nicht. Ruhland in Preuhcn. Ein Heer russischer Kriminalbeamten wird sich dieser Tage über Preußen und vor allen Dingen über Berlin ergießen. Es sind bereits 212 russische Kriminalbeamte in Königs- berg i. Pr. eingetroffen, um von dort aus zur Besetzung der vom Kaiser von Rußland zu durchfahrenden Strecke dirigiert zu werden. Die größeren Bahnhöfe erhalten Kommaudos von zehn bis zwanzig Mann Stärke, die zu Fuß oder zu Rad die Gleise abzupatrouillieren und Verdächtige fernzuhalten haben. Der Berliner Polizeipräsident und auch der Polizeipräsident in Potsdam haben erklärt, das; sie jede Garantie für die persönliche Sicherheit des russischen Herrschers übernehmen. Nichtsdestoweniger sollen sich aber in der unmittelbaren Nähe des Zaren etiva dreißig der gclviegtcsten russischen Kriminalisten aufhalten. Und das alles zum Schutze des russischen Despoten, der als Hochzcitsgast des Kaisers nach Berlin kommt. AuS dem Zweckverbnnd. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth trat gestern im Berliner Rathaus der Vorstandsausschuß des Zweckverbandcs Groß- Berlin zusammen. U. a. wurde ein Antrag Neukölln um Geneh« migung des Bebauungsplanes für den Körnerpark und die Isar- straße beraten und diesem zugestimmt. Auch die Anträge der Großen Berliner Straßenbahn um kleinbahngesetzliche Zustimmung für die neue Straßenverbindung durch dicZosseuer, Bergmann- und Friesen- straße nach den dortigen Kasernen, sowie am Halleschen Ufer wurden verhandelt. Dem Antrage des Jungdeutschlandbundes wegen Errichtung eines Bootshauses am kleinen Wannsee wurde bedingt zugestimmt. Ge« nehmigt wurden die Bebauungspläne für Johannisthal- Norden in der Umgebung des dortigen Flugplatzes. Jagd aus einen gcffteskrankcn Bettler, einem Kellner namens August Günther, machen gegenwärtig die Groß-Berliner Behörden. Der Mann benutzte vielfach die Stadlbahn- und Vorortzüge, soll hier durch Betteleien die Fahrgäste belästigt haben und lvurde nach dem wiederholt gerügten Potizeisystem als„gemeingefährlich geistes- krank" nach der Irrenanstalt gebracht. Von hier ist er kürzlich ent- flohen. Deshalb sind seitens des Berliner Polizeipräsidiums auch die Bahnbehörden ersucht worden, bei der Ergreifung des Ent- flohenen mitzuwirken, da zu befürchten sei. daß er abermals ver« suchen werde, in den Zügen Mitleid zu erregen und zu betteln. Anscheinend liegt wieder einer jener Fälle vor, in denen es sehr zweifelhaft ist, ob die Polizei das Recht hat, den nur Bettelnden ins Irrenhaus zu stecken. Derartige Betteleien in den Zügen mögen für die Fahrgäste nicht angenehm sein, aber der Begriff der Gemein- gefährlichkeit ist nicht gegeben. Abgesehen davon sind doch wohl Systemschäden daran schuld, wenn ein ehemaliger Anstaltsinsasse, den so leickt niemand in Arbeit nimmt, sich auf das Betteln verlegt, um nicht zu verhungern. Den Bettel betreiben sehr viele Patienten, die aus den städtischen Irrenanstalten mit wenigen Groschen„Unter- stützung", ohne Obdach und Arbeit, einfach auf die Straße gesetzt werden._ Zum Trama in der Potsdamer Forst. Am Sonntag besichtigte eine Gerichtskommission den Fundort der drei Leichen. Es wurde festgestellt, daß Doppelmord und Selbst- mord vorliegt. Die Leichen wurden zur Beerdigung freigegeben, jedoch mit dem Vermerk, daß die Identität der Personen bisher nicht bekannt sei. Inzwischen stellte sich die durch Leute auS der Bevölkerung Potsdams vorgenommene Rekognoszierung als falsch heraus, da sich der totgesagte Kellner Wieland des besten Wohlseins crfreun Man neigt jetzt doch zur früheren Annahme, daß der Selbst- mörder, der seine zwei Söhne mit in den Tod nahm, zur Kennbar- machung seiner Person die Notizen bei sich führte und daß sie auch zutreffend sind. Ihnen zufolge ist er mit dem am 1. Juli 1873 zu Potsdam geborenen Richard Schulz identisch; seine Söhne heißen Willi und Bruno. Sch. lebte von seiner Frau getrennt, er wurde von ihr rekognosziert. Auch ihr ist eS völlig unbekannt, was Sch. veranlaßt� sich und die Söhne zu erschießen. Die Leichen sind nach der Halle geschafft worden._ Ein Gerüstunfall in Wilmersdorf. An dem Hause Wilmersdorf, Westfälische Straße 42, wurde die Faffade ausgebessert. Zu diesem Zwecke ist vor dem Hause ein hohes Leitergerüst aufgestellt. Gestern stürzte nun der in der vierten Etage beschäftigte Arbeiter Paul Warmbrunn plötzlich herunter und fiel unglücklicherweise auf den in der zweiten Etage stehenden Arbeiter Wilhelm Stitz. Durch den Sturz wurde dieser mit in die Tiefe gerissen. Der Unfall nahm einen traurigen Verlauf. Der Arbeiter Paul Warmbrunn war auf der Stelle tot, während sein Kollegs Wilhelm Stitz tödlich verletzt liegen blieb. In der Unfallstation Weserstraße wurde diesem die erste Hilfe zuteil. Der Unfall soll angeblich durch Bruch einer Klammer, welche zum Halten der Bretter diente, entstanden sein._ Aus der Spree gelandet wurde gestern vormittag in der Nähe der Achenbachbrücke eine zuerst unbekannte Frau, die jedoch im Laufe des gestrigen TageS als die 39 Jahre alte Ehefrau Marie Ditt- mann geborene Karow, vom Schiffbauerdamm 38 festgestellt werden konnte.— An der Königsdammbrücke wurde aus dem Spandauer Schiffahrtskanal die Leiche einer unbekannten, ungefähr 25 bis 3» Jahre alten Frau gelandet und nach dem Gemeindefriedhof in Plötzensce gebracht. Die unbekannte Tote, die einen Trauring mit den Buchstaben Gr. K. trug, ist 1,68 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und war mit schwarzen Lackschuhen, einer schwarz und weiß gestreiften Bluse, einem grauen Leinenrock und weißem Unterzeug bekleidet. An Schmucksachen trug sie eine goldene Halskette mit Hufeisen- und Reitpeitsche und goldene Ohrringe mit blauen Steinen. � Liebeskummer hat den 25 Jahre alten Hausdiener Paul Bergler in den Tod getrieben. Bergler, der in der Simon>Dach»Straße 13 in Schlafstelle wohnte, erhängte sich gestern nachmittag. Der Arbcitrrschniimmvercin Neukölln(Mitglied der Arbeiter- schwimmerbundes) hielt am Sonntag sein diesjähriges Anbaden ab. Der Besuch war trotz der kühlen Witterung ein über Erwarten guter. Am Baden selbst beteiligten sich zirka 40 Personen, welche Stafette»« und Damenschwtmmen, Schau- und Wurstspringen, welch letzteres große Heiterkeit hervorrief, zur Vorführung brachten. Welch rege« Interesse dem Arbeiterschwimmsport von der Einlvohnerschaft Neukölln« entgegengebracht wird, zeigte die Aufnahme einer Reihe neuer Mitglieder. Der Verein übt im Sommer in der Badeanstalt von Johanne? Kort, Neukölln, Köllnische Allee 12—13. Dienstag und Freitag: Herren und Damen, Montag und Donnerstag: Jugend und Kinder. Vorort- Nadmcbtem Im Landtagswahlkreis Teltow-Beeskow-Ttorkow- Berlin-Wilmersdorf hat die Parteiorganisation in ihrer gestrigen Sitzung bc- schlössen, bei den Stichwahlen zwischen konservativen und freisinnigen Wahlmännern Wahlenthaltung zu üben, da der Wahlausschuß der vereinigten liberalen Parteien ab- lehnte, die auf dem Preußischen Parteitag festgesetzten Stichwahlbcdingungen zu erfüllen. Das Ergebnis der UrWahlen in Neukölln-Schönebcrg. Nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis der ain Freitag, den 16. Mai, stattgefundenen Unvahlen sind im Wahlbezirk Neukölln-Schönebcrg insgesamt 821 sozialdemokratische Wahlmänncr gewählt worden. Zu wählen sind 1572 Wahlmänner. Die Sozialdemo- kratic kann also bereits 34 Wahlmänncr über die absolute Majorität verbuchen. Dieses erfreuliche Ergebnis muß unsere Genossen mit doppeltem Pflichteifer erfüllen, um ani heutigen Stichwahltagc in S ch ö n e b e r g und am 23. Mai in Neukölln noch herauszuholen, was irgend möglich ist. In Schöncberg sind, wie wir erst nachträglich erfahren. gewählt worden in der ersten Abteilung 167 Liberale und 42 Konservative; in der zweiten Abteilung 16 Sozial- demokratcn, 163 Liberale und 12 Konservative; in der dritten Abteilung 140 Sozialdemokraten, 382 Liberale und 56 Konservative.__ dahlmännerrtichwahl in 8cböneberg. Heut«, Dienstag, finden in zahlreichen Uvwahlbczirken her zweiten und dritten Abteilung die Stichwahlen statt. Die Wahlzcit ist dieselbe wie bei der Hauptwahl. Pflicht der Ge- nosscn ist cS, alles einzusetzen, um die für uns aussichtsreichen Niandate zu erobern. Arbeitslose Genoffen sowie Genossinnen, die bereit sind, mitzuarbeiten, treffen sich nachmittags 1% Uhr im Zcntralwahlbureau, Restaurant K. Henkel, Meiningcr Str. 8, dort erhalten sie weitere Weisungen. Nachstehend veröffentlichen wir diejenigen Bezirke, in denen unsere Kandidaten mit den Bür- gerliche in Stichwahl stehen: 1. Urivahlbezirt. Augsburger Str. 61—53, Bamberger Str. 1, Geisbergstr. 18 und 26— 27, Kulmbachcr Str. 8, Passauer Str. 12 bis 19, Würzburger Straße. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Karl Hecking, Maurer, AugSburgcr Str. 62; Julius Marsch- lowitz, Obcrzollsckretär, Würzburger Str. 9. Wahl!.: Restaurant A. Becker, Würzburger Str. 11. S. Eisenachcr Str. 9— 15 und 106— 110, Gossowstr. 1— 6, Motz- straße 70—-72, Neue Winterfeldtstr. 2— 16, Nollcndorfstr. 22,/22a. 2 Wahlin. 3. Abteilung. Kandidaten: Heinrich Harms, Bäcker, Neue Winterfeldtstr. 4; Heinrich Glasebach, Maurer, Neue Winter- scldtstr. 2. Wahl!.: Restaurant N. i'jibell, Neue Winterfeldtstr. 15. 9. Bülowstr. 1—7 und 101—108, Maatzenstr. 23—26, Motzstr. 83—93, Nollendorfplatz 8— 9, Nollendorfstr. 7, Zietenstr. 1— 11. 1 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidat: Emil Büchner, Stukkateur, Motzstr. 87. Wahll.: Restaurant H. Meise, Bülowstr. 2. 16. Barbarossaplatz 1 und 5, Barbarossastr. 8— 11, Eisenachcr Straße 23— 31 und 92— 95, Frankenstr. 10, Hohenstaufenstr. 58 bis 60, Kyffhäuser Str. 10— 13, Lindaucr Str. 4— 12, Schwäbische Straße 23— 26, Starnberger Str. 4— 5. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Karl Eckert, Stukkateur, Barbarossastr. 10; Otto Kirschstein, Ofensetzer, Barbarossastr. 9. Wahll.: Restaurant Finke, Hohenstaufenstr. 1 1. 17. Eisenachcr Str. 16, 17 und 102— 107, Habsburger Str. 1 bis 7, Hohenstaufenstr. 5— 10, Luitpoldstr. 1— 8 und 44— 49, Neue Winterfeldtstr. 39—46. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Richard Drümecker, Tischler, Neue Winterfeldtstr. 43; Otto Kar- kowski, Lagerist, Neue Winterfekldtstr. 43. Wahll.: Restaurant C. Krüger, Habsburger Str. 16. 37. Akazienstr. 19—24, Apostel-Paulus-Straße 39—41, Bel- zigcr Str. 1— 6, Merseburger Str. 1— 4 und 8. 2 Wahlm. 2. Abteilung. Kandidaten: Wilhelm Geil, Zimmerer, Merseburger Straße 4; Fritz Wauschkuhn. Arbeiter, Merseburger Straße 4. Wahll.: Restaurant Hesse, Merseburger Str. 1. 43. Martin-Luthcr-Straße 31—35 und 71—73, Mcininger Straße 6, Rudolf-Wilde-Platz 1, Salzburger Str. 1—6, Wartburg- stratze 32— 42. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Karl Henkel, Maurer, Wirtburgstr. 40; Wilhelm WaschinSki, Maurer, Martin- Luther-Straße 72. Wahll.: Restaurant H. Stutz, Martin-Luthcr- Straße 71. 45. Apostel-Paulus-Straße 16— 22, Baberischer Platz 8 und 9, Berchtesgadener Str. 17—20, Jnnsbrucker Str. 1— 3 und 54— 68, Merancr Str. 12—14, Münchener Str. 28, Salzburger Str. 7— 11 und 13—18, Wartburgstr. 16—21. 1 Wahlm. 3. Abteilmig. Kandidat: Wilhelm Westpbal, Maurer, Jnnsbrucker Str. 55. Wahll.: Restaurant O Haack, Wartburgstr. 18. 50. Fritz-Reuter-Straße 1— 6a und 8— 11, Hauptstr. 107— 112, Maxstr. 29, Tempelhofer Str. 1— 5. 2 Wahlm. 2. Abteilung. Kandidaten: Eduard Matschukat, Straßenreiniger, Tempelhofer Straße 5; Wilhelm Piede, Kassenbote, Fritz-Reuter-Straße 8. Wabll.: Restaurant I. Präfke, Fritz-Reuter-Straße 1. 54. Ebcrsstr. 37—43 und 54—60, Maxstr. 10 und 11. 2 Wahlin. 2. Abteilung. Kandidaten: Georg Sommer, Tylo- graph, Eöersstr. 57; Paul Wollschläger, Schneider, Ebersstr. 59. Wahll.: Restaurant I. Langhans, Ebersstr. 40. 55. Belziger Str. 26— 53, Eisenachcr Str. 55—61, Feurigstrahe 40, Hauptstr. 34— 50 und 113, Mühlenstr. 1— 8b, Tempelhofer St-'. 21—23. 1 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidat: Robert Senkel, Töpfer, Mühlenstr. 7. Wahll.: Restaurant W. Woche, Mühlenstr. 8a. 65. Akazienstr. 1— 7, Belzigcr Str. 66 und 66, Hauptstr. 11 bis 22, Borbergstr. 11—15. 2 Wahlm. 2. Abteilung. Kandidaten: Ernst Wiedemann, Schlächter, Hauptstr. 12; Hermann Schüler, Schuhmacher, Lorbergftr. 11. Wahll.: Restaurant Lindenpark, Hauptstr. 13. 70. Bahnstr. 10— 22 und 33— 37, Erdmannstr. 1— 7, Hclm- straße 7— 10, Stubenrauchstr. 6/6», 7, 9/9» und 10. 1 Wahlm. 1. Abteilung. Kandidat: Adolf Halle, Kohlenhändler, Stubenrauch- straßc 9/9». Wahll.: Restaurant P. Maiwald, Bahnstr. 33. 73. Bahnhof Grotzgörschenstraße, Bahnstr. 23 und 24, Groß- görschcnstr. 1— 10, Hauptstr. 161— 163, Kaiser-Fricdrich-Stratze 10 bis 19, Neue Culmstraße, Neue Steinnictzstraßc. 1 Wahlm. 3. Ab- tcilung. Kandidat: Hermann Martin, Arbeiter, Kaiscr-Friedrich- Straße 13. Wahll.: Restaurant W. Conrad, Kaiscr-Friedrich- Straßc 13. 74. Bautzencr Platz, Bautzener Str. 10—10 und Ostscite lPlätze auf dem Anhalter Güterbahnhof), Großgörschenstr. 11—20, Hochkirchstraße, Militärfiskalischestraße, Monumcntenstr. 9— 14 und 31—39. 2 Wahlm. 2. Abteilung. Kandidaten: Oswald Lauschke, Schriftsetzer, Bautzener Str. 12; Paul Sauerwald, Schlosser, Bautzener Str. 19. Wahll.: Restaurant W. Raddatz, Monumenten- straßc 32. 75. Hohenfriedber�str. 19— 27, Momimentcnstr. 3— S. 1 Wahlmann. 1. Abteilung. Kandidat: Karl Wendlnnd, Buchhalter, Mo- numcutcustr. 3. Wahll.: Restaurant W. Kleist, Monumentcnstr. 9. 77. Brunhildstr. 10— 14, Monumcntenstr. 1, Siegfriedstr. 1» bis 10. 2 Wahlm. 2. Abteilung. Kandidaten: Ernst Wilske, Schmied, Siegfriedstr. 5; Alfred Kirchhofs, Schuhmacher, Siegfried- straßc 5. Wahll.: Restaurant C. Ritsch, Siegfriedstr. 9. 80. Gcneral-Pape-Straße lLandwehr-Dienstgebäude), Königs- weg-Ostscite nördlich der Ringbahn(einschl. 37—42), Kolonnenstr. 18— 40. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Hermann Griesert. Tischler, Königsweg 42; Benno Häuser, Maler, Königsweg 42. Wahll.: Restaurant O. Blumberg, Kolonnenstr. 28. 82. Gcneral-Pape-Straße(Kaserne des Eisenbahnregiments I und Versuchsabteilung der Verkehrstruppen), Sachsendamm 50—54, Suadicanistraßc. 2 Wahlm. 2. Abteilung. Kandidaten: Karl Knuth, Maler, Sachsendamm 52; Richard Kues, Schlosser, Sachsen- dämm 52. Wahll.: Restaurant R. Hoffmann, Sachsendamm 54. 84. Gustav-Müller-Platz 5— 8, Gustav-Müller-Straße 1— 7 und 43— 48, Kolonnenstr. 10— 17, Königsweg 1— 6, Sedanstr. 71 und 79—83. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Paul Deutsch land, Schlosser, Gustav-Müller-Straße 1; Paul Pache, Arbeiter, Gustav-Müller-Straßc 44. Wahll.: Restaurant O. Baumann, Königsweg 1. 85. Cheruskerstr. 1— 3, Sedanstr. 1— 17 und 71»— 78. 2 Wahl männer. 2. Abteilung. Kandidaten: Friedrich Böhlcr, Tischler, Sedanstr. 5; Josef Packe, Schlächter, Sedanstr. 17. Wahll.: Nestau- rant H. Tix, Sedanstr. 2. 88. Cheruskerstr. 8, Gotenstr. 7— 17, Leuthenstr. 16 und 17, Roßbachstr. 4— 6. 2 Wahlm. 1. Abteilung. Kandidaten: Wilhelm Krüger, Arbeiter, Gotenstr 8. Wahll.: Restaurant R. Günther, Roßbachstr. 4. 90. Gnstav-Müllcr-Platz 1 und 2, Gustav-Müller-Straße 8 bis 17, Leuthenstr. 12 und 13, Sedanstr. 56—70. 2 Wahlm. 2. Ab- teilung. Kandidaten: Gustav Saalbach, Stukkateur, Sedanstr. 62; Paul Belau, Schriftsetzer, Sedanstr. 57. Wahll.: Restaurant O. Treutler, Gustav-Müller-Straße 8. 01. Gustav-Müller-Platz 3 und 4, Gustav-Müller-Straße 36 bis 42, Königsweg 7—19, Leuthenstr. 9— 11. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Adolf Heinekc, Tischler, Gustav-Müller-Straße Nr. 38; Karl Schiller, Bauarbeiter, Gustav-Müller-Straße 37. Wahll.: Restaurant I. Köppe, Königswcg 7. 95. Cheruskerstr. 17—22, Gotenstr. 18—24, Leuthenstr. 1—3, Torgauer Str. 8. 10. 11, Gasanstalt und Ringbahnseite. 2 Wahlm. 2. Abteilung. Kandidaten: Hermann Tanneberg, Porzellanhändler, Gotenstr. 19; Ernst Zander, Tischler, Gotenstr. 24. Wahll.: Restau- rant Neumeister, Gotenstr. 25. 98. Fregestc. 1— 5 und 74»— 81,.Hauptstr. 80— 86, Hedwigstr. 12— 17, Wielandstr. 1—14» und 38— 43. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Karl Thielicke, Arbeiter, Fregestr. 77: Paul Schwarz- dach, Schlosser, Fregestr. 77. Wahll.: Restaurant K. Röben, Haupt- stratze 36. 102. Beckcrstr. 5— 8, Cranachstr. 1—12, Dürerplatz 1 und 2, Menzelstr. 29— 37, Rembrandtstr. 9— 14 und Eisenbahn-Ladestelle. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Franz Schulz, Schlosser, Menzelstr. 34; Gustav Paethe, Tischler, Cranachstr. 8/9. Wahll.: Restaurant F. Preutz, Beckerstr. 5. 105. Beckcrstr. 22. 23 und 25, Cranachstr. 41— 52, Peter- Vischer-Stratze 1—4, RubenSstr. 33— 43. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Wilhelm Unger, Maurer, Rubensstr. 35; Emil Kramm, Tischler, Cranachstr. 49. Wahll.: Restaurant P. Scholz, Rubensstr. 43. 106. Cranachstr. 24—32 und 35— 40, Menzelstr. 17, Peter- Vischer-Stratze 5— 20. Rubensstr. 44, Tborwaldsenstr. 8— 12. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Max Rahn, Tischler, Peter- Vischer-Straße 13; Otto Schleh, Bauarbeiter. Prter-Vischcr- Straße 13. Wahll.: Restauränt K. Knopf, Pctcr-Vischcr-Straßc 16. 107. Canovastraße(inkl. Auguste-Viktoria-Krankenhaus), Cranachstr. 33— 34, Priesterweg Westseite, Rubensstr. 45—53, Rubensstraße Ostseitc zwischen Wannsccbahn und Steglitzer Grenze (einschl. ehemaliges Ausstellungsgelände), Tborwaldsenstr. 1—5. 2 Wahlm. 3. Abteilung. Kandidaten: Max Ehling, Schriftsetzer, Rubensstr. 46; Wilhelm Zöllner, Mechaniker, RubenSstr. 47. Wahll.: Restaurant M. Mitscherlich, Canovastr. 5. Charlottcnburg. Die Stichwahlen für die Wahlmännerwahlen finde» am kommen- den Freitag, den 23. Mai. für die einzelnen Abteilungen zu denselben Zeiten und in denselben Lokalen statt, wie die Wahlen am 16. Mai stattgefunden haben. Die Wähler der e r st e n Abteilung wählen von 3— 4 Uhr, die der zweiten Ab- teilung von 4—5 Uhr und die der dritten Abteilung von 5—8 Uhr.— ES müssen in 77 UrWahlbezirken Stichwahlen stall- finden, bei denen noch über 131 Wahlmännermandate zu entscheiden ist. Und zwar entfallen davon aus die e r st e Abteilung 15 Wahl- männer in 0 Bezirken, auf die zweite Abteilung 86 Wahlmänner in 22 Bezirken und auf die dritte Abteilung 80 Wahlmänner in 46 Bezirken. Für die e r st e Abteilung finden Stichwahlen statt im 14., 20., 28., 63.. 86.. 89.. 95., 101. und 131. Bezirk. Für die zweite Abteilung sind Stichwahlen erforderlich im 6., 11.. 12.. 16.. 27.. 30.. 35., 37.. 38.. 41.. 71., 73., 94.. 96., 98., 114., 127., 130., 132., 137., 143., 146. Bezirk. Für die dritte Abteilung steht die Entscheidung noch aus im 1.. 2., 8.. 11.. 13.. 22., 33., 43., 50., 51.. 53.. 61.. 62.. 64., 94.. 100., 102., 107., 109., 136., 139., 141., 142., 148., 150.. 151., 153., 153.. 160., 161., 162., 165., 182., 186., 197., 193., 199., 201.. 202., 203., 204., 205., 207., 208., 209. und 210. Bezirk. Wenn unsere Genossen auf dem Posten sind, muß es uns mit Leichtigkeit gelingen, die Zahl unserer Wahlmänner bei den Stich- Wahlen zu vergrößern; denn eine Reihe dieser Stichwahlen sind nur dadurch erforderlich geworden, daß insbesondere die Arbeiter sich nur ungenügend an der Wahl beteiligten. Gerade der Fortschritt, den wir schon bei der Hauptwahl gegen die Ergebnisse von 1908 machten, sollte unsere Genossen auch bei der- Stichwahl zu einer besonderen Kraftanftrengung anspornen. Denn nach dem amtlich ermittelten Resultat verteilen sich die am 16. Mai gewählten Wahlmänncr in folgender Weise: Sozialdeatt-kraiie... 259(1908: 191) Liberale...... 675 Konservative..... 11 Unbestimmt..... 41 Zu den Stichwahlen wird wohl noch eine Ersatzwahl kommen denn in einem Wahlbezirk war der Wahlvorsteher so betrunken, daß es zum allgemeinen Spektakel kam. in den sich schließlich die Polizei einmischte. Der Wahlakt wurde deswegen in diesem Bezirk um eine Stunde zu früh geschlossen! Mittwoch, den 21. und 28. Mai, pünktlich i/z9 Uhr. finden im kleinen Saale des Volkshauses zwei Lorträge der Genossin Duncker statt, deren Besuch allen jugendlichen und erwachsenen Arbeitern und Arbeiterinnen nur dringend zu empfehlen ist. Am ersten Abend spricht die Genossin Duncker über das Thema: Schutz und Trutz in der Tierwelt. Das Thema des zweiten Abends lautet: Gegenseitige Hilfe in der Tierwelt. Der Bc- such beider Vorträge ist unentgeltlich. Lichtenberg. Die Stichwahlen in den Urivahlbezirken der ztveiten und ersten Abteilung finden morgen Mittwoch, den 21. Mai, statt. Die zweite Abteilung wählt in der Zeit von 10—12 Uhr vor- mittags und die erste von 1—2 Uhr nachmittags. Die Ge- Nossen tvollen die kurze Zeit noch zu reger Propaganda für die Wahl der sozialdemokratischen Wahlmänner ausnutzen. Neukölln. Heiteres aus dem Wahlkampfe. 930 Wahmänncr waren in Neu- kölln zu wählen. Drei Parteien im bürgerlichen Lager bemühten sich um die Siegespalme. Multipliziert man die Gesamtzahl der Wahlmänncr fortschrittlich, mierisch und konservativ und vergleicht: dann mit dem Resultat die Gesamtzahl der abgegebenen bürgerlichen Stimmen, so findet man eS begreiflich, daß trotz der Begeisterung, die im bürgerlichen Lager herrschte, die Aufstellung der Wahlmänncr erhebliche Schwierigkeiten zeitigte. Diese Schwierigkeiten zu er-- messen, ist nur durch den Verlauf der Urwahlen möglich gewesen. Gibt es doch in Neukölln eine erhebliche Anzahl von Wahlbezirken. in denen alle bürgerlichen Parteien zusammen nicht so viel Stimmen aufbrachten, um damit die Wahlmänncrkandidaturen zu besetzen. Wahlmänncr sind bei diesem Wahlsystem aber vonnöten. Aber wozu wäre denn schließlich die II» Wählerliste da. Greift nur hinein ins volle Menschenleben und wo ihr's packt, da ist'S fortschrittlich, oder mierisch, oder auch konservativ. Leider aber waren die Treffer hier so selten, wie die Gewinne in der Pferdelotterie. Die possierlichsten Dinge konnte der Staatsbürger erleben. Im 144. UrWahlbezirk erschien ein Wahl- mann der Fortschrittler mit dem Stimmzettel in der Hand und ver- langte allen Ernstes vom Wahlvorstand zu wissen, wieso er die Ehre habe, als Durchfallskandidat seine Stimme auf sich zu vereinigen. Ein zweiter fortschrittlicher Kandidat, seiner früheren politischen An- schauung nach Demokrat, belohnte das fortschrittliche Vertrauen: indem er ostentativ der Richtung Mier seine Stimme gab. In der I. Klaffe kandidierte der FortschrittSmann gleichzeitig auch für die Miersche Liste. Da hier die bürgerlichen Stimmen die Majorität hatten, ist sowohl die Richtung Fortschritt wie Mier Sieger. Der Doppelsieger»Ii»s Wahlmann wird harte Seelenkämpfe bis zur Erlürung des Abgeordneten zu bestehen haben. Ein weiterer Wahlmannskandidat Mierscher Couleur lehnte es kon- sequent ab, sein preußisches llassifiziertes Staatsbürgerwahlrecht auszuüben. Ihn konnten selbst die Lorbeeren eines Wahlmanns- amtes nicht locken. Wenn das Sprichwort zutrifft, daß Schadenfreude die reinste Freude ist, so hat das blödsinnigste aller Wahlsysteme für unsere Genossen Stunden dieser reinsten Freude bereitet. Oranienburg. Eine Familientragödic. Die 43 Jahre alte Frau Hohen- stein, die im Hanse KrebSstraße 2 eine gutgehende Nähstube unter- hielt, in der auch ihr Ehemann beschäftigt war, entfernte sich in der Nacht zum Montag mit ihrem neunjährigen Töchterchen aus der Wohnung, nachdem sie mit ihrem Mann, wie schon des öfteren, heftige Auseinandersetzungen gehabt hatte. Auf einem Zettel teilte sie mit, daß ihre Angehörigen sie und ihr Töchterchen nicht lebend wiedersehen würden. Gestern nachmittag wurden die Leichen von Mutter und Kind an der neuen Lehnitzschleuse eng zusammen- gebunden gelandet. Der Beweggrund ist, wie bereits gesagt, in che- lichen Zwistigkciten zu suchen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Mlirlendorf. Donnerstag, den 22. Mat, nachmittags 5 Uhr, im Rat- Hause. Kaiscrstrafce. Ober-Zchoneweide. Heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr, in der Schulaula, Frischenstraßc. Griina». Am Mittwoch, den 21. d. M., abends 7 Uhr, im Gemeinde- amtSgebäude, Zimmer 1. Tiefc Sivungen find Ssfentlich. Jeder Semcindcangchlrige ilt de- rcchiigl, ihnen als Zuhörer bcizumohncn. im Rrbeiter-Rbstinenten-Vund. Heute abend v Uhr: Beriammlung „Vollshausc*, Charlottenburg, Rosmenstr. 3. Vortrag. Diskussion. Marktpreise von Berlin am 17. Mai 1913. nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 ittiogramm Weizen, gute Sorte 20,46 bis 20.50. mittel 20,38—20,42, gcriiigc 20,30-20,34. Roggen, gute Solle lö, 58— 16.60. mittel 16,54-16.56, geringe 16,50—16,52(ab Lahn). Fultcr. gerste, gute Sorte 16,20— 16,70, mittel 15,60— 16,10, geringe 15,00—15,50, Hafer, gute Sorte 17,60—19,50, mittel 16,50—17,50(frei Wagen und ab Lab»). Mai»(mired), gute Sorte 15,20— 15,50. Mai«(runder), gute Solle 00,00-00,00. Richtstroh 0,00-4,40. Heu 6,00—7,60. M a r l t h a l l e n p r e i s e. 100 Kilogr, Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Spciscbobnen. weihe 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. I Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schwcinciieisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40— 2.40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,20-3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2.40. Aale 1.80— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40—3,00. Barsche 1,00—2,40. Schiele 1,60—3,40, Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,50—60.00. LSitterungSuberiicht vom 1». Mai KV18. «latwnea II II Bf Swinemde. 756;® Hamburg Berlin■ 758® i 759>W m Wetter völlig 4 bedeckt as 5«! «tattonen L E i| Ii Franks. a.M 761 SW ! 4 halb bd. 10 München Wien ! 762 ZW i760WNW l bedeckt 3 Regen 2 wolkig II « S 0 B Sabaranda TGODSD ctcrSburg 759 SO Scilly>765«« Aberdeen 755-WNW Paris 764 SW I Wetter £s 6wolkenl »halb bd. 3 bald bd.I 5 heiter II 2wolkenl 10 8 13 9 6 Wetterprognose für Dienstag, den£0. Mai 1913. Nachts kühl, am Tage wieder etwas wärmer bei ziemlich sllschen west- " M' ränderlicher Bewölkung, ohne erhebliche Ntederschläge. lichen Winden und veräild Berliner W e tt er b ur e a u. WaflerftandS-Sinchrichten der LandeSanflalt sür Gewässerlund«, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn O �» r, Ratibor Krassen Frankfurt Warthe, Schnmm 2andSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmelltz , Dresden , Barby Magdeburg -)-f bedeutet Wuch»,— Fall.—*) Unterpegel. »««ntwortlscher Redakteur: Alfrcj» Wiclcpp, Neukölln. Für de» Inseratenteil oeranlw.: Ttz. Glocke. Lerttu. Druck u. Verlag: Vouvarl« tzZuchdruckere, u. Verlagsanstalt Paut S,nger u.So, Berlin SSL