Ur. 123. flbonnementS'Bed) ngungen: BSonnemcnlS- Preis pränumerando: »ierteljShrl. S.Z0 Mk, monall. 1.10 MI. wöchenllich LS Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeilungs- Preislilte. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn LchO Marl, für das übrige Ausland . Marl pro Monat. VoslabonncmeMS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luremburg. Portugal, Rumänicch Schweden und die Schwebt. cllchetlit täglich. * Nerltnev Vollisblcrkk. 30. Jahrg. vle Inkei'tlont-eediihi' beträgt für die sechsgespaltene Kolonei- feile oder deren Raum W Pfg.. für olitische und gewerlschafUichc Vereins> lind Versnmmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Alelne Mnieigen", da« settgedruikte Wort 20 Psg. izulässig 2 settgedruilt- Worte), ledes weitere Wort 10 Psg. Elcllcngesuchc und Schlasftcllciian- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über lZBua,. t laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Stummer niLsse � Uhr nachmittags in der Expedition libgkgebei, werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends gcöffnet, Telegramm- ildresfe: uS»äI»ItItI»»IlN>t KllUl-, Zcntruiorcfun der foztaldcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktton t SÄl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Mittwoch, den 21. Mai 1913. Sxpedition: 8 Tl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 1984. Legen clie neueste Lerneinheit! Die ersten Scherben. Am 13. Mai 1912'war cs, als sich Wilhelm II. auf einem Bankett in Strasburg i. Elf. au den Bürgermeister der Stadt mit den Worten wandte:„So kann das nicht weiter gehen! Wenn das nicht anders wird, werde ick) Eure Verfassung in Scherben schlagen und aus dem Elsafc eine preußische Provinz machen." Und aufs Haar ein Jahr nach dieser Scherbenrede ist ein französisches Blatt in der Lage, von geplanten Aus- nahmebestimmungen gegen Elsaß- Lothringen zu berichten, durch die Wilhelms DL Drohung zum Teil wenigstens wahr gemacht und ein Stück der staatsbürgerlichen Rechte der Reichs- länder in Scherben geschlagen werden soll. Man geht also wirklich damit um, das Reichs- dereinsgesetz zu durchlöchern, indem man dem Statthalter der Reichslande ein unbeschränktes Auflösungsrecht über alle irgendwie nnbeguemen Vereine einräumt und neben die Preßfreihcit den bekannten Galgen des Herrn v. Tadden- Trieglaff zu stellen, indem man der� Regierung die Möglichkeit an die Hand gibt, nicht in deutscher Sprache erscheinende Blätter einfach zu unterdrücken. Daß derartige dittatorische Vollmachten nicht in letzter Reihe die unbequemste aller polittschcn Parteien treffen würden, zumal sie in Elsaß-Lothringen sich in er- greulichem Wachstum befindet und bei den Reichstagswahlen von 1912 fast ein Drittel aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt hat, ist nur allzi� klar. Wenn die Ausnahme- bestimmungen. die die Regierung der Reichslande noch in der Tasche hat, wirklich vom Reichstag sanktioniert würden, wären für die Regierungsbezirke Ober-. und Unterelsaß und Lothringen die seligen Zeiten des Sozialistengesetzes wiedergekehrt und genau wie der Sprachenparagraph würde sich auch hier eine im Ilationalitätenkamßf geschmiedete Waffe gegen die Arbeiter- bewcgung richten. Dabei ist von verschiedenen Seiten, von hüben wie von drüben, des öfteren betont worden, daß gerade in den Reichslanden die Sozialdemokratie— im guten Sinne natürlich— germanisierend wirke. Auch in einem soeben in Paris erschienenen interessanten Buch von William Marttn, „Da. Crise politique de l'Allemagiie coutemporaine"(Die politische Krise in dem Deutschland von heute) wird der Ansicht Raum gegeben, daß in Elsaß-Lothringen„der Sozialismus ein aktives Element der Germanisation" sei. Aber wer da weiß, daß die preußischen Eroberer cs nicht auf eine Verdeutschung, sondern auf eine Vcrpommerung des 1871 annektierten Landes abgesehen haben und daß ihren ostelbischen Gemüiern der Begriff Demokratie noch verhaßter ist als der Begriff Wclschtum, der kann sich ein Bild von dem Unbehagen machen, mit dem sie den Fortschritten der sozialdemokratischen„Gcrmanisatton" zusahen. Doch man mag es den diktaturlüsternen Machthabeni in Straßburg ruhig glauben, daß ihr Hussa Hussa Horridoh l in diesem Augenblick wirklich nur den Nationalisten und nicht den Sozialdemokraten in Elsaß-Lothringen gilt. Nur das Eine wird alles Tarumherumreden nicht aus der Welt schaffen: daß es nicht allein innerpolitische Erwägungen sind, weshalb man jetzt, gerade jetzt an den Belagerungszustand appelliert, son- dern daß die äußere Politik mindestens ebenso mitspricht. Nicht allein bei den sozialdemokratisch gesinnten Massen Deutsch- lands ist die kümmerliche Begründung der Wehrvorlagc mit einem schallenden Gelächter begrüßt worden. Dazu haben sämtliche Parteien Elsaß-Lothringens im Zusammenhang mit dieser Wehrvorlagc erklärt, daß niemand im Lande wegen Straßburg und Metz einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland wünsche, und auch auf der Berner Verständigungs- konferenz hat das Gespenst der Revanche wegen Elsaß-Lothringen keine Rolle gespielt. Wenn da gerade in diesem Augenblick Ausnahmegesetze gegen Elsaß- Lothringen vorbereitet iverden, so geschieht es sicher mit zu dem Zweck, um dem germanischen Spießbürger die„elsaß- lothringische Gefahr" recht sinnfällig vor Augen zu führen und ihm die Uebcrzeugung zu er- wecken, daß neben den Ausnahmegesetzen auch eine starke Heeresvermehrung nötig sei, um, was„wir" 1871 glorreich erobert, 1913 glorreich zu erhalten. Vielleicht hofft man sogar, denn das System der Lockspitzelei beschränkt sich im preußischen Deutschland nicht auf die unteren Grade, durch diese Aus- nahmegesetze in der Bevölkerung Elsaß-Lothringens Ausbrüche des Deutschenhasses zu erzielen und so von neuem Wasser auf die Mühlen der Reaktion zu leiten. Aber das Liebäugeln mit Frankreich? Die Lorraine Sportive? Ter Fall Gravenstaden? Der Abbs Wetterle? Larifari und faule Flausen! Wenn irgendwo in den letzten Jahren unreife Burschen mit dem Gedanken kokettiert haben, daß Frankreich Elsaß-Lothringen durch das Schwert zurück- gewinnen könne, ipüsse und werde, so sind wir die letzten, ein solches Treiben zu billigen, denn wo immer der nattonale Chauvinismus auftritt, mag er sich in schwarz-weiß- rotes, mag er sich in blau-weiß-rotes Tuch einwickeln, be- kämpfen wir ihn als Feind, aber wir sind auch die letzten, ein solches Treiben tragisch zu nehmen. Vor allem aber gebietet die historische Gerechttgkett. festzustellen, daß es einzig und allein die Schuld der aus Ostelbien zugewanderten„Germani- satoren" ist, wenn schmetternde nattonalistische Tiraden in den Herzen der Elsaß-Lothringer heute noch Widerhall finden. Die preußischen Professoren von 1871 sahen in den beiden Pro- vinzen so etwas wie ein Dornröschen, das all die Jahrzehnte nur auf den befreienden Kuß des Märchenprinzen von jenseits des Rheines gewartet habe. Dem aber war mit Nichten so. Im Gegensatz zu den Lothringern, die in ihrer großen Mehr- heit stets nach Sprache und Denkart französisch waren, fühlten sich die alemannischen Elsäsfer wohl als Angehörige dos deutschen Sprachstammes, aber zum Nationalbewußtsein er- wachten sie erst unter französischer Herrschaft. Das Deutschtum trat ihnen im achtzehnten Jahrhundert nur in der Forin feudaler Ausbeutung entgegen, das Franzosen- tum gewann sie in den Tagen der großen Revo- lutton durch die Verkündung der bürgerlichen Freiheit und durch die Erschließung der bürgerlichen Entwickelung. Ucber alle Unterschiede der Sprache hinweg machte ein ökonomisch und politisch fortgeschrittenes Regierungssystem die Elsässet zu treuen Anhängern der französischen Sache, zunial dem Gebrauch der deutschen Sprache nirgends Hemmnisse bereitet wurden. Als der Bourbone Karl X. in Straßburg von dem Bürgermeister empfangen wurde, entschuldigte er sich höflich, auf die Begrüßungsansprache nicht deutsch antworten zu können, und noch im Jahre 1852 gab es in Lothringen, in der Gegend von Saarburg, drciunddreißig Schullehrer, die nicht ein Wort Französisch sprechen konnten! Als nun 1871 die neuen preußischen Herren ins Land kamen, wurde sofort ihr Unvermögen,„moralische Eroberungen" zu machen, offenbar. Wenn schon die preußische Polenpolitik Fiasko auf Fiasko häufte, wieviel mehr mußte dieselbe Politik Schiffbruch erleiden, wo sie auf Landstriche angewandt wurde, die in Entwickelung und Kultur Berlin mindestens so über- legen waren, wie Berlin Krotoschin überlegen ist. Ohne auf die eingewurzelten Uebcrlieferungen und die gerechten Ansprüche, ohne vor allem auf die demokrattsche Wesensart der Annektierten die geringste Rücksicht zu nehmen, regierte man mit der urpreußischen Schneidigkeit und Schnoddrigkeit des Assessors und des Unteroffiziers darauf los und stieß die Einheimischen hundert für einmal brutal vor den Kopf. In vielen Fällen Ivaren die Vertreter deS Deutschtums, die besten Brüder nicht, und wenn erst vor kurzem ein elsässischer Redakteur zu harter Strafe verurteilt wurde, weil sein Blatt die eingewanderten Beamten„Hungerleider" genannt, so hat Heinrich Heine einmal eine ähnliche Stimmung der Rhein- länder gegen die preußischen Beamten also geschildert: Und manche dieser Gäuche, Die spindeldürre gekommen ins Land, Die haben jetzt dicke Bäuche. Die blassen Canaillen, die ausgesehn Wie Liebe, Glauben, Hoffen, Sie haben seitdem in unserm Wein Sich rote Nasen gesoffen. So war es denn kein Wunder, daß die Zivilisatton der Kaserne und des Kommißbrotes nicht durchdrang, und daß sich die Blicke so vieler Elsaß-Lothringer mit einer unbestimmten Sehnsucht nach Westen richteten, wenn sie sahen� wie barbarisch die alte einfache und geschmackvolle Strullur ihrer Städte und Straßen von dem protzigen Stumpfsinn der Siegcsallee-„Kultur" verwüstet wurde. Dazu kam ein wesentlich ökonomischer Grund. Während die Wucherzollpolitik der ostelbischen Junker den Konsumenten auch in Elsaß-Lothringen durch Stockprügel auf den Magen die Segnungen des Deutschtums nur allzu deutlich macht, zeigt ihnen jeder Spaziergang über die nahe Grenze an der Hand der niedrigen Fleisch- und Brotpreise den Unter- schied in der Wirtschaftspolitik beider Länder. Diese niedrigen leisch- und Brotprcise sind eine verlockendere Weise als die aktc der Marseillaise, und nach alledem ist eine gewisse Französelei in den breiten Massen der elsaß-lothringischen Bevölkerung nur allzu verständlich. Aber diese Französelei ist noch kein Verbrechen und kein Hochverrat und die deuqchc Regierung hat cs selbst in der Hand, ihr die Quellen ab- zugraben, indem sie den annektierten Provinzen eine weit- gehende Autonomie und eine wahrhaft demokratische, das will sagen: republikanische Verfassung gibt. Aber gerade davor entsetzt sich der Schwärm der politischen Dunkelmänner in Preußen wie der Teufel vor dem Weihwasser. Daß in Elsaß- Lothringen 1911 das allgemeipc und gleiche Wahlrecht ein- geführt wurde als ein steter Anreiz für die entrechteten Massen in Preußen, ist ihr steter Schmerz, und die Ankündigung der Ausnahmebestimmungen ist zugleich ein Pflaster auf die Wunde, die diesen Burschen 1911 geschlagen worden ist. Aber Ausnahmegesetze haben nocb imyier das Gegenteil von dem erreicht, was sie erreichen sollten. So wird cs auch hier sein. Es ist nicht anzunehmen, daß sich überhaupt im Reichstage eine Mehrheit findet, die die Rückkehr zum Diktaturparagraphen billigt; aber selbst wenn sie sich wider alles Erwarten fände, würde mtt diesen Ausnahmegesetzen etwas ganz anderes in Scherben gehen, als man in den Kanzleien von Berlin und Straßburg erwartet. vie lliizvslimevorlzgen gegen LltoK- Lothringen und die öffentliche Meinung in Frankreid). Paris, 18. Mai.(Eig. SBcr.). Die Enthüllungen des„Matin" haben hier eine wahre Ver- blüffung hervorgerufen. Niemand, weder die Nationalisten und Geschäftspatrioten, noch die Demokraten der verschiedenen Schattic- rungen, weder die chauvinistischen Hetzer noch die Freunde der deutsch- französischen Annäherung hätten es für möglich gehalten, daß die Lenker der deutschen Politik just den gegenwärtigen Augenblick bc- nützen würden, einen Schritt zu tun, der nicht nur als beschämendes Bekenntnis deS Bankrotts einer 42 jährigen Politik erscheinen, sondern alle in Frankreich fortbestehenden Empfindungen der Solidarität mit den Elsaß-Lothringern wie die nationale Empfindlichkeit Frankreichs aufs äußerste verletzen muß. lind verletzen ohne irgendeinen ersichtlichen Grund und um dunkler Zwecke willen, die jedenfalls im französischen Volk Beunruhigung und Zorn wecken müssen. Weil kein Mensch hier verstehen kann, welche» Anlaß die Neichsregierung haben sollte, die Elsaß-Lothringer unter Ausnahmegesetze zu stellen, sieht man hier allgemein in den Vorlagen einen feindseligen Akt gegen Frankreich, der diesem Land demonstrieren soll, daß das Deutsche Reich mit Elsaß- Lothringen unbekümmert um die dauernden Sympathien der Franzosen für ihre früheren Landsleute nach Willkür verfahren darf und will. Die Ausnahmevorlagen werden als ein brutaler Versuch der Demütigung angesehen, aber vor allem als eine demonstrative Abweisung der Annäherungspolitik. Jedermann drängt sich der zeitliche Zusammenhang mit der B e r n e r Konferenz auf und es ist selbstverständlich, daß man einen u r» s ä ch li ch en sucht. Man fragt sich, wohin auch die platonischen Erklärungen Jagows geraten sind und ob die Neichsregierung wirk- lich einen dauernden Spannungszüstand wolle, der sich jeden Augen- blick zur Katastrophe entladen kann. WaS die nationalistische Presse hier über abenteuerliche UeberfallSabsichten und neue AnnexionS- Pläne der deutschen Militaristen erzählt hat, scheint nun wahrschein- licher; das Gefühl der Bedrohung und der Drang, sich unein- geschüchtert zu zeigen, wächst. Der bloße Plan der Ausnahme- gesetze hat schon die Bemühungen der Friedens- und Annäherungsfreunde aufs schwerste geschädigt, nur seine vollständige Vereitelung kann ein internationales Unglück verhüten. Man lese nur, was die radikale Presse schreibt, diejenige, die das Werk der Bcrner Konferenz freudig gefördert und es gegen die Verleumdungen der Reaktionäre mutig verteidigt hat. So sagt die„Lanterne":.Nach der Berner Konferenz hätte die elementarste Geschicklichkeit der Berliner Regierung nahelegen sollen, die öffentliche Meinung Frankreichs zu schonen. Nun aber ist sie mit einem Akt �stupider Brutalität daran, alle unsere Empfindlichkeiten und all unser Mißtrauen zu wecken. Wir wollen vorläufig nicht glauben, daß sich im Reichstag eine Mehrheit findet, um die NegierungSentwürfe anzu- nehmen. Es ist schon zuviel, daß die Berliner Regierung am Morgen nach der Kundgebung von Bern, wo die Vettreter der öffentlichen Meinung Frankreichs dem deutschen Volk einen eklatanten Beweis ihres Wunsches nach Frieden und Einvernehmen gegeben haben, uns durch einen Akt der Brutalität erwidert, der ganz den Charakter einer Provokation hat. Wir verwechseln nicht das deutsche Volk mit seinen Regierenden, nicht die Bourgeoisie und daS Proletariat mit der Militär- Partei, die dem Kaiser und seinen Ministern ihren Willen aufzwingt. Aber wenn der Reichstag die gehässigen — und noch mehr dummen— Gesetze annimmt, wird Frankreich über die Gesinnungen unserer Nach- barn Bescheid wissen. ES wird wissen, daß eS nichts von einem Volke zu erwarten hat. das die heiligsten Rechte, die- elementarsten Freiheiten durch den Sieger verletzen läßt. Und es wird zur Meinung kommen, daß mit Leuten, die auf einen loyalen und höflichen Schritt mit Plackereien und Herausforderungen ant- Worten, nichts zumachen ist. Es' ist notwendig, daß man in Deutsch« land wisse, daß der Reichstag, wenn er die Borlagen annimmt, jede Entspannung und jedes Einvernehmen zwischen den beiden Völkern für die Zukunft un- möglich macht." Für die militaristische Presse sind begreiflicherweise die Aus- nahmevorlagen ein gefundenes Fressen. Natürlich werden die not- wendigen patriotischen Gefühlsphrasen nicht Unterlasten, aber man merkt, wie gelegen die Gewalttätigkeit der deutschen Politik den französischen Chauvinisten kommt. Hatte doch die Abstimmung über die Zurückhaltung der dritten Jahresklasse die geschlossene Opposition der Linken gegen die diktatorischen Anmaßungen des Neu- Nationalismus und seiner Interessenten offenbart und da? Schicksal der Vorlage über die dreijährige Dienstzeit ernst« lich in Frage gestellt. Die Veröffentlichung der Ab- sichten der deutschen Regierung just am Vorabend der Beratung deS vielumsttittenen, unpopulären Gesetzes stärkt die Position seiner Anhänger außerordentlich und kommt der Hetze und / Verdächtigung seiner Gegner zugute Der.Temps' hat sofort die Gelegenheit ausgenutzt, um mit gemeinen Verdrehungen über die Sozialisten herzufallen, denen er sogar die Schuld an dem geplanten RechtZraub zuschieben will, mit der Begründung, daß sie die elsässische Frage indiskret aufgeworfen hätten. Die deutsche Politik nutzt den Reaktionären Frankreichs in ihrer äußeren wie in ihrer inneren Politik. Die unaufgeklärten Volksmassen werden leicht das deutsche Volk mit den deutschen Rüstungsinteressentcn und den von ihnen be- einflußten Machthabern verwechseln und die Hetzer des eigenen tlandeS über den Gewaltpolitikern des anderen übersehen. Sie werden der Beeinflussung der Antirepublikaner. die ihnen die Demo- rnokratie als Schwächung der Nation hinstellen, leichter nachgeben. Das„Echo de Paris" glaubt heute die Berner Konferenz vollends zu kompromittieren, indem es mit deutlicher Skepsis das von ihr ernannte französisch-deutsche Komitee zum sofortigen Zusammen« tritt auffordert. In der Tat, wenn es eines Beweises für die Not- wendigkeit der Konferenz bedurft hätte, die deutschen Vorlagen würden ihn liefern. Es ist nun die Sache der deutschen bürger? lithen Parlamentarier, die Gewaltpläne»er deutschen Re- aktion und die Spekulationen der französischen zu nichte zu machen und beiden Völkern in der clsässischen Freiheit den Frieden, die Wohlfahrt und den Fortschritt der Kultur zu sichern. . Die llülitäroorlage In der fludgetkommillion. Am Dienstag nahm die Budgctkommission des Reichstags die Beratung der Militärvorlage wieder auf. Die Kommission wird, da der Reichstag erst am 26. Mai wieder zusammentritt, bis da- hin täglich von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 5 Uhr tagen. Bei Beratung der Vermehrung der Verkehrs- tc Uppen von 18 auf 31 Bataillone besprach Abg. Müller- Meiningen eine Reihe von technischen Mängeln bei diesen Trup- Pen; speziell hob der Redner die angeblichen Vorzüge der Schütte- Lanz-Luftschiffe gegen die Zcppelin-Luftschiffe hervor.— Genosse N o S k e forderte von der Militärverwaltung genaue Auskunft über die Notwendigkeit der neuen Verkchrstruppen. Die Kom- misfion müsse doch wenigstens eine Darstellung über die Art der Verwendung erhalten.— General Wandel gab hierauf einige Erläuterungen rein technischer Natur, wobei Umfang und Art der französischen militärischen Luftschisfahrt erörtert wurden.— Abg. Müller wünschte weit bessere sanitäre Vorrichtungen auf den Fliegerstationen, um bei Unglücksfällen schnelle und aus- reichende Hilfe gewährleisten zu können.— Genosse N o s k e wandte sich dagegen, den Bau von Luftschiffen und Luftfahrzeugen davon abhängig zu machen, daß die beteiligte Industrie auch ge- nügend Aufträge bekommt.> Wenn die Neuformation der Luft- schiffertruppe zur Folge hat, daß etwa 20 neue Lenkballons an- geschafft werden sollen, so müsse zuerst ein Nachweis für die Not- wendigkeit dieser Zahl von Ballons geliefert werden. Bei der Be- ratung der Kavallcrievermehrung habe übrigens der Kricgsminister die sekundäre Bedeutung der Luftschiffahrt gegenüber der Kavallerie bei dem militärischen Aufklärungsdienst hervorgehoben. Bisher habe das Militär alle Luftschiffe einfach kaput gefahren.— Der Kriegs mini st er betonte, daß die Luftschiff- fahrt immer vom Wetter äbh 2 n g ig sein werde und nie- mals die Kavallerie ganz ersetzen könne. Umgekehrt können aber - Luftschiffe bei günstigem Wetter Dienste leisten, die weit über die Kavallerie in der Aufklärung hinausgehen. Bei der geforderten Vermehrung des Trains wies Abg. Bassarmann darauf hin, oaß der Train eine Art mili- tärisches Stieflind sei. Man solle ihn in Zukunft ebenfalls als VerkehrStruppe bezeichnen. Ob die jetzt vorhandenen Train- formationen genügen, sei doch recht fraglich.— Abg. Müller- Meiningen zweifelte daran, ob die Massenheere in einem zu- künftigen Kriege auch verpflegt werden können. Eine gründliche Reform des Jntendanturwesens müsse kommen, vielleicht auch sei die Frage zu erwägen, ob man die gesamte Derpflegungslieferung nicht an große und leistungsfähige Firmen übergeben wolle.— Tic Militärverwaltung betonte, die unstreitig vorhan- denen Schwierigkeiten in der Truppenverpflegung seien zu über- ivinden. Eine Aenderung des Trains sei nicht angängig. Das Ansehen des Trains zu heben sei deshalb schwierig, weil der Train keine fechtende Truppe ist.— Die Genossen N o S k c und Schöpf- l t n besprachen dann die Mängel im Jntendanturwesen und beim Train. Der südwestafrikanischc Feldzug habe daö vollständige Vcr- sagen des Jntendanturwesens gezeitigt; wie solle das erst in einem zukünftigen Kriege mit den Heercsinassen werden? Ein Antrag Bassermanü, der eine Hebung des Trains fordert, wurde gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenommen. Die Kommission schritt nunmehr zur Beratung der ungemein großen Zahl vorliegender Anträge. Zunächst wurde über die V e r- k ü r z u n g der D i e n st z e i t debattiert. Die Sozialdemo- traten beantragten die Einführung der einjährigen Dienstzeit, die Volksparteiler eine solche von acht- zehn Monaten; das Zentrum wünschte Erhöhung der Ur- laubszeit und Erleichterung des Einjährig-Frciwilligen-Dienstcs. — Genosse Gradnauer begründete die sozialdemokratische Forderung. Er wies auf die Ueberflüssigkeit des Parade- und Ga- nraschendienftes hin. Fällt dieser fort, so kann die Dienstzeit auf ein Jahr herabgesetzt werden, ohne daß die t r i e g s g e m ä ß e Ausbildung leidet. Ferner betonte Gradnauer den enormen volks- wirtschaftlichen Schaden der heutigen laugen Dienstzeit und vertrat die sozialdemokratischen Auffassungen hinsichtlich der Frage der Landesverteidigung. Tie Genossen Schöpflin und Noskc er- -gänzten die Darlegungen Gradnaucrs in ausführlicher Weise.— Ter Kriegs min ist er wandte sich lebhaft gegen die Anträge auf Herabsetzung der Dienstzeit, weil angeblich ohne die heutige Dauer der Dienstzeit die Armee nicht schlagfertig gehalten werden kann. Bemerkenswert war die Aeußcrung, den Söhnen der sogenannten gebildeten und der besitzenden Klasse könne man die zwei- und dreijährige T i c n st z e i t nicht zumuten, weil diese Klasse dadurch zu sehr belastet werde. Schließlich betonte der Minister noch, die Armee müsse nicht nur kriegstüchtige Leute, sondern auch patriotisch und vaterländisch denkende Menschen er- ziehen.— Von den bürgerlichen Parteien sprach nur Abg. ü l l e r- Meiuingen; Zentrum, Nationallibcrale und Kon- scrvative schwiegen sich aus. Sie stimmten auch die Anträge auf Verkürzung der Dienstzeit nieder. Die Volksparteller lehnten auch die Einführung der einjährigen Dienstzeit ab. Angenommen wurde nur eine volksparteilichc Resolution, die die Hebung der Wehrfähigkeit der Jugend und die Unterstützung aller Verbände fordert, die die körperliche Ausbildung erstreben. Gegen die vom Zentrum geforderte Reform des Einjährig-Fbeiwilligen-DiensteS im Sinne einer Erweiterung kämpften unsere Genossen an. wahrend Zentrum und Nationaliiberale sie verteidigten. Schlichlich sprachen sich die VoUsparteiler auch noch gegen den Zentrums- (intrag aus, der gegen die sozialdemokratischen und Volkspartei- pchen Stimmen angenommen wurde. Sodann wurde der sozialdemokratische Antrag dis- kutiert, für jede Waffengattung nur eine einheitliche Feld- uniform zuzulassen. Der sozialdemokratische Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, dagegen eine volksparteiliche Resolution angenommen.— Ein weiterer sozialdemokratischer Antrag fordert die Ab- schaffung der Gardc- und sonstigen Eliw-Regimenter; Gc- nasse Frank begründete den Antrag. Schon aus Gründen der Mobilmachung müßte das Gardekorps beseitigt werden, das in- folge der Rekrutierung L— 7 Tage später mobilisiert werden kann als die anderen Korps. Wenn das Interesse der Landesverteidigung matzgebend sein soll, müssen die Elitetruppen verschwinden.— Abg. Müller- Meiningen unterstützte diesen Antrag.— Abg. Erzberger betonte, der sozialdemokratische Antrag widerspreche der Reichsverfassung, die den Kontingentsherren die Entscheidung über die Uniformierung überlasse.— Abg. Bassermann betonte, daß bei der Garde 81 Proz. der Offiziere es zum Major bringen, in der Armee sonst aber nur 37 Proz.— Der Kricgsminister gab zu, daß bei manchen Regimentern der Adel do- miniere. Das habe sich historisch entwickelt, sonst aber werde der Adel nicht bevorzugt beim Avancement. Daß die Mobilmachung des Gardekorps erschwert wird, ist Tatsache. Tic Beratung wird am Mittwoch fortgesetzt. politifcbe dcbcrHcbt. Krupps Monopol. Ta»„Verl. Tagebl." gräbt aus einem älteren Buche des französischen Publizisten Huret eine Reihe interessanter Aeußerungcn aus, die Herr Thyssen, der große Montan- industrielle, Zentrumsmann und Konkurrent Krupps, über dessen monopolistische Stellung getan hat. Huret erzählt da. wie Thyssen» Kanonen und Panzerplatten fabrizieren wollte und sich, an die Staatsverwaltung wandte, um zu er- fahren, von welcher Art ihr Bedarf sei? Die Staatsverwal- tung habe ihm geantwortete:„Wenden Sie sich an Krupp." Huret fährt nun fort: „Man begreift, daß Krupp sich nicht beeilte, einem Kon- kurrenten vom Ausmaße Thyssens die Auskunft zu geben, deren er bedurfte. Und so machte sich Krupp ein Vermögen von 500 Milli�one n." Huret erzählt dann weiter, wie Krupp auch alle anderen Staatsaufträge monopolisiert habe. Schließlich habe Thyssen, der bekanntlich katholisch sei, von der Z e n t r u m s p a r t e i die Zusicherung erhalten, sie würde gegebenenfalls die Monopolwirtschaft im Reichstag enthüllen. Da die Regierung das Zentrum nötig habe, sei das skandalöse Monopolwesen ein wenig einge- schränkt worden.„Dennoch fahren die Kruppschen Werke fort, sich den Löwenanteil herauszuschneiden." Huret hat dann in der Unterhaltung mit Herrn Thyssen auch die Rede auf das S ä b e l g e r a s s e l und die kriegerischen Zeitungsartikel bei Gelegen- heit der Tangerfahrt des Kaisers gebracht. Darauf hat Thyssen gelassen erwidert:' „Das hat allein de» Zweck, den Reichstag zur Bewilligung der Kredite für die Kruppsche» Werke zu veraulassen, deren Kanonen trotzdem hinter drn Erhardtschen Kanonen zurückstehe»." Ueber die Behandlung ErHardts hat Thyssen dann noch weiter gesagt: „Dieser arme ErHardt, der seit fünfzehn Jahren mit einer beispiellosen Energie darum kämpft, seine Fabrikate anzubringen! Man hat versucht, ihn zu ruinieren, man hat alles getan, um ihn zu entmutigen und abzuschrecken. Er hat mit be- wundernswerter Energie gekämpft, die nicht klein zu machen war. Beispielsweise hatte ErHardt auf der Düsseldorfer Aus- stellung sehr schöne Sachen ausgestellt, geeignet, auch das stärkste Mißtrauen zu überzeugen. Der Kaiser kam, blieb eine halbe Stunde im Pavillon von Krupp und setzte keinen Fuß in den von ErHardt. Ergebnis: die Kanone» müsse» teurer bezahlt werde», und man wird sie bald durch neue ersetze» müssen... Ueber die Gründe der Zurücksetzung ErHardts meinte Thyssen: „Ja, endlich, nach einem zehnjährigen Kampf, nach einem großen Spektakel im Reichstag, hat man sich wohl dazu ent- schließen müssen.... WaS wollen sie auch groß kämpfen? I« Diensten von Krupp stehe» zwei Brüder von Ministern und der Bruder des Chefs der deutschen Flotte." Man sieht, es wäre höchste Zeit, daß die Untersuchungs- kommission über die Umtriebe des Rüstungskapitals endlich ernannt würde und ibre Arbeiten begönne. Wie groß der Einfluß Krupps ist und wie weit die Macht der Finna reicht, beweist die Tatsache, daß all die schweren Anschuldigungen Thyssens in der deutschen Uebersetzung, wie das„Bert. Tagebl. nachweist, entweder bis zur Unkennt- lichkeit„gemildert" oder fortgelassen sind. Eine Berständigungsaktion unter klerikaler Leitung. Bereits vorige Woche wußten einige Blätter zu melden, daß die Regierung mit den bürgerlichen Parteien de-Z Reichstages Verhandlungen eingeleitet hätte, um eine Verständigung über die Behandlung der HeereSvorlage herbeizuführen; doch scheint bei diesen Techtel- mechteleien hinter den Kulissen bisher nur wenig herausgekommen zu sein, denn am Dienstag lief in der Budgetkommission der„junge Mann" des Kanzlers, Unterstaatsselretär Wahnschaffe, geschäftig von einem Abgeordneten zum anderen. Da er zu keinem Resultat kam, nahm schließlich Herr Spahn die Leitung der VerständigungSaftion in die Hand. Für Dienstag hat er alle bürgerlichen KommissionS» Mitglieder zu einer Besprechung eingeladen, der auch Folge geleistet worden ist. Mit den Pflichten der Unparteilichkeit eines KommissionS- Vorsitzenden ist Herrn Spahns Verhalten schlecht in Einklang zu bringen. Die Fortschrittler und Nationalliberalen wollten angeblich bei der Zusammenkunst nur Erklärungen abgeben, daß sie fest bleiben. Sozialdemokratische Interpellation über die neue reichsländische Diktatur. Die sozialdemokratische Reickistags'raktion hat folgende Jnter- pellation eingebracht:„Ist der Herr Reichskanzler bereit. Auskunst darüber zu erteilen, ob im Bundesrat neue Diktalurgeietze für Elsaß- Lothringen vorgeschlagen sind? Billigt der Herr Reichskanzler die zuerst in Pariser Blattern veröffentlichte Vorlage und ihre Be- grihidung?"_ Rom und das Zentrum. DaS Zentrum geberdet sich zur Zeit höchst„national". Seine Führer bestreiten deshalb nicht nur, daß das Zentrum eine konfessionelle Partei ist, sondern auch, daß es Weisungen auS Rom empfängt oder jemals empfangen hat. So hat denn auch der Vorfitzende der ZentrumSftaltion des preußi« schen Abgeordnetenhauses, der Geheimrat Dr. Porfch, am 13. Mai in einer Glatzer ZentrumSwähleversammlung mit der ihm eigenen Ungenieriheit bestritten, daß da» Zentrum jemals seine politische Tätigkeit nach römischen Weisungen eingerichtet. Diese kindliche Ableugnung allbekannter Tatsachen beantwortet die streng- katholische, um die pävstliche Autorität besorgte„Köln. Korresp." mit folgender kurzen Abfertigung: „Herr Dr. Porfch behauptete aus der Glatzer Zeutrumswahl- Versammlung am 13. Mai, das Zentrum habe niemals Weisungen aus Rom erhalten. Diese Behauptung ist falsch. Die Zcntrumsfraklion des Deutschen Reichstages erhielt Weisungen aus Rom anläßlich des Septennats st reite S, Weisungen sehr politischer Natur, die die Fraktion sehr gegen ihren Willen dadurch befolgte, daß sie sich der Abstim- mung enthielt und so die Regierungsvorlage dem Wunsche des Papstes gemäß zum Siege verhalf. Damals bat die Fraltion den Papst sogar um Weisungen darüber, ob er die Weiter- existenz des Zentrums im Reichstage wünsche; sie macht also sogar ihre Existenz von päpstlichen Weisungen abhängig! Auch in den Verhandlungen über die Beilegung des Kulturkampfes erhielt das Zentrum Weisungen aus Rom, ja noch mehr: es bat darum, wie die in den„Laachcr Stimmen" verö'fentlichten Windt- horitbriefc mit Evidenz dartun. Auch sonst haben Beziehungen zwischen Zentrumsführern und kirchlichen Auloritätcn bestanden, und zwar bis in die jüngste Zeit. Man möge diese Tat- fachen doch nicht ableugnen, dann ist es auch nicht nötig, sie im Interesse der geschichtlichen Wahrheit zu betonen. Daß der Einklang der Zentrumspolitik mit den katholischen Grundsätzen keine beständige Fühlungnahme mit Rom erheischt, ver- steht sich am Rande. Es gibt in Deutschland eine Menge Vereine, die nicht nur auf katholischem Boden stehen, wie es das Zentrum tut, sondern sich auch offen katholisch nennen, ohne jedoch jemals Weisungen aus Rom zu erhalten. Dasselbe gilt von den einzelneu Katholiken, den katholischen Zeitungen, Institutionen usw. Stellt sich aber einmal eine Schwierigkeit ein, dann wenden sich katholische Vereinigungen wie einzelne Katholiken an die krchlichen Autoritäten um Weisungen. Das hat denn auch das Zentrum red- lich getan. Windthorst besuchte jedes Jahr eine Reihe Bischöse und besprach mit ihnen die religrös-politischen Fragen, wobei natür- lich rein politische Dinge nicht vermieden wurden, lind über Be- Ziehungen, die auch heute noch zwischen dem Zentrum und autorita- »wen kirchlichen Kreisen bestehen, dürften Herrn Geheim- rat Porsch ebenso viele Einzelheiten bekannt sein w i e u n i." Geeignete Wahllokale. Bei den Landtagswablen feierte der Zechenterror wieder seine Triumphe. Im Wahlkreise Recklinghauien waren in manchen Orten keine geeigneteren Wahllokale aufzutreiben als die Privat- bureaus der Betriebsführer. Schullokale und Schanl« stuben üben nicht den nötigen Respekt auf die Bergleute aus. Der Tisch des Betriebsführers, der zu beiden Seiten mit Beamten besetzt ist und in dessen Mitte der Pascha selbst thront, das gibt dem Wahlakt erst die rechte Weihe. Kein Beruf ist so von der Gnade— von der Feder nennt man eS— abhängig, wie der Bergmann. Die früb aufgerackerten Arbeiter, die wider den Stachel zu lökeu wagen, werden aufs Korn genommen und abgeschoben. Deshalb die glänzenden Wahlresultate der Nationalliberaleu im Kohlenrevier. Aus dem elsah-lothringische» Landtage. In der Dienstagssitzung verlas der Präsident den Eingang von vier Interpellationen über die geplanten Ausnahmebestimmungen für Elsaß-Lothringen. Der Staatssekretär von Bulach erklärte sich im Namen der Regierung sofort zur Beantwortung bereit, so daß am Donnerstag die Jnterpellatione» auf die Tagesordnung kommen. In derselben Sitzung erledigte das Parlament die zweite Lesung der Teuerungszulagen für Beamte, Lehrer und Lehrerinnen. Es nahm folgenden neuen Passus an: „Die am 1. April 1918 fest angestellten Lehrer an den öffent- lichen Elementarschulen erhalten von den Gemeinden eine außer» ordentliche, nicht pensionsfähige Zulage zu ibrern Diensteinkommen von je 60 M., sosern sie mindestens 8 Dienstjahre, von je 7S M.. sofern sie 21 Dienstjahre, und von je 100 M. sosern sie 24 Dienst- jähre zurückgelegt haben. Die am 1. April 1913 fest angestellten Lehrerinnen erhalten von den Gemeinden eine außerordentliche. nicht pensionsfähige Zulage zu chrem Diensteinkommen von je 40 M., sofern sie mindestens vier Dienstjahre zurückgelegt haben." Die Frage der Regelung der Geistlichen-Gehälter wurde in fol- gender Form angenommen: „Bis zur anderweitigen Regelung ihrer Gehaltsbezüge erhalte» die Pfarrer, Hilfspfarrer und Rabbiner, soweit ihr Siaatsgehalt 4000 M. nicht übersteigt, ab 1. Oktober 1912 eine jährliche Zulage von 200 M., die Vikare eine solche von 100 M." Das Zentrum legte Wert darauf, daß diese Teuerungszulagen sofort in dritter Leimig angenommen werden. Die Sozialdemo- traten widersprachen jedoch, so daß zunächst das Besoldungsgesetz, das die größten Schwierigkeiten bereiret, verabschiedet werden soll, und dann erst die Teuerungszulagen geregelt werden. Verschleppung der Nachwahl im Kreise Luckenwalde. Das Mandat des Reichstagsabgeordneten von Oertzen sDahl- kreis Jüterbog-Luckenwalde) ist am 3. April vom Reichstag für un- gültig erklärt. Dennoch ist eine Nachwahl noch nicht anberaumt. Das ist sehr auffällig. DaS Mandat de» Abgeordneten von Kröcher ist 14 Tage später, am 17. April für ungültig erklärt und Nachwahl auf den 11. Juni anberaumt. Vor einigen Jahren hat der Reichs- kanzler dem Reichstag erklärt, er werde darauf hinwirken, daß spätestens der Nachwahltermin aus 60 Tage nach Kassation an- beraumt werden wird. WcShalb wird bei der Wahl in Luckenwalde das nicht beachtet? Sind etwa gar die Streitigkeiten, die über von LertzenS Nachfolger zwischen Konservativen und Freikonservativen entbrannt find, die Veranlassung zu dieser Verzögerung, durch die der Kreis ohne Vertretung bleibt? Oder fürchten die in den Ketten der Schwarzblauen liegenden Herren, die Nachwahl könne in dem Kreise endlich dem Willen der Wähler entsprechend aus- fallen? Vielleicht gibt der Reichskanzler auch ohne kurze Anfrage im Reichstag Aufklärung.__ Gefährliche Konkurrenz für den Maurerberuf. Tie Maurer werden bald eine gefährliche Konkurrenz erhalten: Die Schichten der akademisch Gebildeten drohen, sich ihrer Stellung und Würde zu entkleiden und Maurer zu werden, weil die Bezah- lung im Maurerberuf eine bessere sei als im Richlerstande. Das ist nicht eine Tollhausidee oder ein blöder Witz, die„Richter-Zeitung" vom 15. Mai hat allen Ernstes in einem Artikel das Einkommen eines Maurers mit dem eines sächsischen Richters verglichen und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß der Maurer finanziell viel besser gestellt ist als der Richter. Und die arbeiterfeindliche bürgen liche Presse hat sich durch die Verrücktheit dieser Darlegungen nicht abschrecken lassen; jie gibt jenem Artikel weitere Verbreitung, um zu zeigen, wie gut unsere Arbeiter doch eigentlich gestellt sind. In der„Kölnischen Voltszeitung" nimmt ein Richter— natürlich ein ultramontaner— den Vergleich auf und stellt sich auf die Seit« der„Richter-Zeitung". Auch er ist der Ausfassung, daß die Richter schlechter als die Maurer gestellt seien; das Elend in Richterlreisen habe schon zu einem bcdenllichcn Gc» burtenrückgang geführt. In vielen Fällen holt« man die Ehe kinderlos; in änderen fei man zum Zweikindersystem über- gegangen. Für mehr Kinder reiche das knappe Gehalt nicht auS. Dieser ultramontane Richter berechnet unter Zugrundelegung der Angaben des Dresdner Arbeiigeberverbandes, daß ein Maurer bis zmn 35. Lebensjahre über 26 000 M. verdient. Zu diesem Verdienst kommt freilich der Dresdner Arbeitgeberverband und der Richter nur durch das Taschenspielerkunststück, jedem Maurer jährlich 300 Arbeitstage anzurechnen. Die geistigen Qualitäten eines Richters, der nichts davon weiß, daß in den Wintermonaten die Bauarbeit infolge der Witterungsverhältniffe ruhen muß, können sicherlich nicht weit her sein. Auch die anderen Rechenexempel deuten auf eine— sagen wir große Unbefangenheit hm. Der Richter soll bis zu seinem 3l. Jahre überhaupt nichts verdienen, von da bis zum 35. Jahre 9050 M. Dabei brauche der Maurer sür seine Ausbildung nichts, der Richter aber neun Jahre Gymnasium a 750 M., 3 Jahre Universität a 1200 M., 4 Referendarjahrc je 1500 M., 2 Assessorjahre je 1500 M., zuzüglich der besonderen Kosten zusammen 29 950 M. Und diese Beträge sollen noch„so be- scheiden" in Ansatz gebracht sein, so daß sie den tatsächlichen er forderlichen Aufwand nicht erreichen. Das Schlußresultat ist, daß der Maurer bis zum 50. Lebensjahre rund 50 000 M. verdient, der Richter schließlich 88 000 M., wovon dann 22 000 M. für Ausbil- dungskosten abzuziehen seien. Wenn die Zinsen der AusbildungS- summe noch in Abzug gebracht werden, bleiben für den Richter nur 46 000 M.. qlfo 4000 M. weniger Verdienst, alS der Maurer in der gleichen Zeit verdient hat. Na also! Bei solcher Sachlage gibt es ja gar kein einfacheres Mittel, als daß sämtliche Richter schleunigst ihre Talare ausziehen und Maurer werden. Bei vielen würde man dabei noch das tröst- liche Bewußtsein haben, daß sie dann wenigstens etwas Nützliches im Leben schaffen— was man heute von so manchem kaum bc- Haupte» kann. Aber Scherz beiseite. Der Blödsinn ist so stark, daß selbst ein ultramontaner Parlamentarier, der Reichstagsavgeordnete Kuckhoff, in der„Kölnischen Volkszeitung" gegen diesen Richter wie gegen seine gleichgesinnten Kollegen Stellung nimmt. Er schreibt: „Und nun der Vergleich zwischen dem Richter und Maurer. Nach den amtlichen Berichten der Gewerbebeamten sind sie be- deutend niedriger. Nur der kleinere Teil verdient diese Sätze. Außerdem kann man beim Maurer doch keine 300 Arbeits- tage rechnen. Im Winter sind sie zum größten Teil ohne Arbeit. Und man muß doch auch die Zeiten der Arbeitslosig- keit, der Aussperrungen, Streiks, Krankheiten in Betracht ziehen. Wenn man alles das in Rechnung setzt, kommt man zu ganz anderen Zahlen. Das soll ober ein- mal dahingestellt sein. Was ich beanstande, ist vor allem die Auf- stellung der Ausbildungstosten. Dem Maurer kosten seine Kinder bis zum 14. Lebensjahre im Verhältnis genau das gleiche wie dem höheren Beamten. 750 M. kann man unter keinen Umständen ansetzen. Das Militärjahr kann unmöglich unter die Ausbil- dungskosten gerechnet werden.... Wer wäre denn imstande, für die Ausbildung von etwa 3 Jungen 66 000 M. auszugeben? Das geschieht ja auch nicht. Es fehlt« nur noch, daß noch das Minus angerechnet würde, das einer hätte verdienen können bis zum 35. Lebensjahre, iveitn er Maurer geworden wäre.... Die Ausbildungskosten sind doch die Vorbedingung dafür gewesen, nicht daß er soviel verdient— denn dann hätte er eben Maurer werden sollen—, sondern dafür, daß er als Beamter eine g e» sicherte und hochgeachtete Lebensstellung hat und bei der Ver- abschiedung Pension bezieht. Diese Pension wiegt die Zinsen der AuSbildungSkosten vier- und fünffach auf." Die Sehnsucht der unzufriedenen Richter nach dem Maurer- beruf hat kaum diese ernsthafte Besprechung verdient. Das Sncle des ßalbankneges. Eine Balkandebatte im österreichischen Abgeordneteuhause. Wien, 20. Mai. Tab AbgeordneteichauZ beschloß, sofort in die erste Lesung des heut eingebrachten BudgetHrovisoriumS einzutreten. Ministerpräsident Graf Stürgkh ergriff zur Be gründung der Vorlage das Wort und hielt eine dreiviertel� stundige Rede, in der er zunächst über Fragen der inneren Politik sprach und hierauf die auswärtigen Erl e i g n i s s e der letzten Monate erörterte. Ter Minister Präsident gab eine kurze Darstellung der Bolkankrisc und sagte über die gegenwärtige Situation: Derzeit ist Aussicht vorhanden, daß der Friede zwischen den balkanischen Staaten und der Türkei in nicht allzu langer Zeit geschlossen sein wird. ES wird hier die Aufgabe unseres Auswärtigen Amtes sein, rechtzeitig an die Regelung der zahlreichen, uns und die Balkanstaaten inter essierenden Angelegenheiten zu schreiten, unter welchen jene wirtschaftlicher Natur den breitesten Raum einnehmen werden.(Zwischenrufe.) Derzeit ist die Situation am Balkan nach mancher Richtung noch ungeklärt; die EntWickelung und Dauer einer so epochalen Umwälzung, wie jene, deren Zeugen wir eben sind. läßt sich nicht vorher übersehen, noch abschätzen. ES wird sich unser Aus wärtiges Amt angelegen sein lassen, auf die tunlichst rasche Klärung der Verhältnisse im nahen Orient hinzuwirken. Dann wird auch der Nloment gekommen sein, die bis nun notwendig gewesenen Verstärkungen der Bestände an unserer Südostgrenze rückgängig machen zu können.("Zwischenrufe.) Der Ministerpräsident versuchte dann noch das skandalöse Treiben des PresscbureauS des Auswärtigen Amtes und seines Leiters K o n i a. der den Prochastoschwmdel fabriziert und fortgesetzt Lügen- Meldungen in die Welt gesetzt hatte, zu rechtfertigen. Dieser Teil seiner Ausführungen wurde fortgesetzt von den c n t- rüsteten P r o t e st r u f e n der Abgeordneten unter- brachen. Tie Friedensverhandlungen. Paris, 20. Mai. Ter„Figaro" will wissen, daß chne Groß- macht zur Beschleunigung der Friedensprälimi- n a r i e n mit Unterstützung der übrigen Großmächte eine A y s- gleichsformel ausgearbeitet habe� welche den Balkanvcr- bürdeten und der Türkei zur Annahme vorgelegt werden soll. Tie Lage in Skutari. Sftttnri, 20. Mai.(Meldung der Agenzia Stefani.) Die Ein- richtung des Verwaltungs- und Sicherheit»- d t e n jt e L vollzieht sich weiter ohne Zwischenfall. ES ist eine Verbesserung der telegraphischen und funken telegraphischen Verbindungen in Aussicht genommen, die Abteilungen des internationalen Geschwaders sind gegenwärtig in den Kasernen untergebracht. Die Geiuntheitsverhältmsse sind weiter ausgezeichnet, frankmcb. Die«oldatenproteste gegen die Verlängerung der Dienstzeit. Belfort, 20. Mai. Seit drei bis vier Tagen hatten auf den Selben des 35. Regiments geheime Versamm- l u n g e n stattgefunden. Mit Kameraden von anderen Regimentern waren Kundgebungen in der Stadt ge- Plank worden. Die Bewegung brach früher aus, als man gedacht hatte. Dank der energischen.Haltung der Unter. offizierc des 35. Regiments und der Reservisten des 242. Regiments, die in derselben Kaserne einquartiert waren, nahmen die Zwischenfälle keine weitere Ausdehnung an. Alles läßt vermuten, daß es zu keinen weiteren Vorfällen kommen wird. Tie Presse über die Demonstrationen. Paris, 20. Mai. Jaures veröffentlicht über die Vorfälle in Toul in der„Humanite" einen längeren Artikel und sagt u. a.: Man vergewaltigt nicht ungestraft die Natur einer Sache; man zerstört nicht ungestraft die berechtigte Hoffnung der Soldaten, welche zwei Jahre ihrem Lande geopfert haben welche jetzt jedoch daran dachten, ihre bürgerlichen Arbeiten wieder aufzunehmen, sei es, um ihre alte Mutter zu ernähren, welche auf ihren Sohn rechnete, sei es, daß sie sich auf andere Weise zu be tätigen dachten. Sie wissen, daß der Minister in unverantwort licher Weise eine Heeresvermehrung anstrebt und ihnen somit schwere Opfer auferlegt. Sie wissen, daß sie nur deshalb zurück- gehalten werden, um die Löcher zu füllen, welche die m a r o k k a- nischen Unternehmungen in die Armee gerissen hat. Sie wissen, daß der Minister versuchte, die Kammer zu einer Abstim. mung zu zwingen, und daß er, als ihm dies nicht möglich war, eine Wiederholung der Abstimmung über die Zurückhaliung der dritten Jahrestlasse vornahm. Das sind die tiefsten Gründe der Uvzu friedenheit, welche die Manifestanten in Toul zu ihrem Vorgehen fortgerissen haben. Das ist der Grund der Aufregung, welche sich des Soldatengeistes bemächtigt hat. Das ist das Opfer der morali scheu Desorganisation und der Abschwächung, welche durch die Reaktion die Soldaten zu Feinden des Vaterlandes gemacht hat. Der„S Y nd i k a I i st e" sagt: Die Stunde tles Kampfes hat geschlagen. Ein Hauch der Unzufriedenheit geht durch alle Kasernen des Landes und die Vorkommnisse in Toul sind nur der Beginn eines enormen Protestes. Darum müssen wir die Handlungen des 153. Infanterieregiments besonders hervorheben. Die„Action" schreibt: Keine Regierung, welcher Richtung sie auch angehören mag, kann die Soldatcnmanifestatwnen ungestraft dahingehen lassen. Es wäre mit dem parlamentarischen Regime schlecht bestellt, wenn man zugeben wollte, daß Soldaten oder Ossi ziere Partei für oder gegen ein Gesetz ergriffen, welches von der Kammer angenommen ist. Das„Evenement" sagt: Die Wahrheit ist, daß die im Herbst zur Entlassung kommenden Soldaten eine Enttäuschung erlebten. Sie empfinden die Zurückhaltung als ein Unrecht, gegen da» sie protestieren. Es handelt sich hierbei allerdings nur um einen Augenblick der Verirrung, für welche man eine Entschuldigung finden wird. Hoffen wir, daß die Militärbehörde milde vorgehen wird. Der„F i g a r o" endlich bemerkt: Die Regierung wird, so hoffen wir, sich ohne Erbarmen zeigen gegen die Anarchisten und gegen die Konföderation du travail und deren vaterlandslosc Gesellen, welche derartige revolutionäre Ausschrcitun- gen angebahnt haben. Die Untersuchung. Paris, 20. Mai. Der Kriegsminister hat den General Pau, Mitglied des Obersten Kriegsrats, nach Toul und Belfort ent sandt, um die Untersuchung der gemeldeten Vorfälle persön- lich zu leiten. In"einer anscheinend offiziösen Mitteilung wird er klärt, man könne sicher sein, daß die Meuterer streng be- st r a f t werden würden. ES heißt, daß in der Kaserne von R e u i l l h seit dem Beschluff über die Zurückbehaltung der JahreSklaffe 1910 bereits wieder holt derartige Demonstrationen vorgekommen seien. velsien. Die kommunistische Suppe im Generalstreik. Der Sekretär der Arbeiterpartei in Gent teilt mit, daß dort während des Streiks rund 250 000 Liier Suppe und 120 000 Brote zu 1 Kilo verteilt worden sind. Die Kosten betrugen 70 000 Frank. Die Partei wird die gesamte Einrichtung aufbewahren, um sie bei großen Streiks oder Aussperrungen wieder zu verwenden. England. Rüstungskapital und Patriotismus. London, 19. Mai.(Eig. Ber.) Die linksliberale„Daily News" kündigt an, daß sie morgen eine Artikelserie über d i e Finanzen, die Tätigkeit und die Methoden der großen englischen Rüstungsfirmen be- ginnen wird. Das Blatt schreibt dazu: „ES ist erinnerlich, daß Herr Liebknecht im Deutschen Reichstag vor kurzem bemerkenswerte Enthüllungen machte über die Beziehungen zwischen den Rüstungsfirmen und den Regierungsabteilungen Deutschlands, ferner über ihre Be- Ziehungen zur französischen Presse zu dem Zwecke, Furcht in Deutschland zu erregen und so deutsche Rüstungen anzuregen. Diese Enthüllungen deckten auf, wie durch eine komplizierte Taktik ein Land gegen das andere ausgespielt und durch ge- schickt verbreitete Gerüchte das Wettrüsten genährt wird. Sie zeigten auch in schlagender Weise die Verschlingung der Rüstungsfirmen der verschiedenen Länder. Das Gewerbe der Panikcrzeugung zum Zweck der RüstungS- fordern ng offenbarte sich als ein inter- nationales Geschäft, das mit Patriotismus nichts zu tun hat und dessen einzig erZweck dke Vermehrung der Dividenden der Panzer- Plattenaktionäre ist. In unserer Artikelreihe wollen wir zeigen, wie der Ein- fluß der Rüstungsfirmen in diesem Lande operiert. Wir werden die überaus engen Beziehungen zwischen diesen Firmen aufweisen. Wir werden ihre völlige Freiheit von bloßen nationalen Por urteilen aufdecken— wie sie in fremden Ländern Arsenale errichten. um die eventuellen Rivalen Englands zu versorgen und wie sie zu Hause mit der gleichen Bereitwilligkeit für dieses oder auch für jedes andere Land bauen. Wir werden uns mit ihrer Kenntnis der intimsten Geheimnisse unserer Heeres- und Flottenausstattung beschäftigen. Wir werden zeigen, wie ihren Interessen im Parlament Lorschub geleistet wird und wie ihr Recht geschützt wird, für jeden Staat zu bauen, ohne daß eine Garantie dafür bestände, daß die so gebauten Schiffe und Kanonen nicht dritten Mächten wester gegeben werden. Wir werden zeigen, wie bezeichnend und häufig die Fälle sind, daß hohe Staatsbeamte— nachdem sie mit hübschen gus den Steuern gezahlten Pensionen in den Ruhe- stand treten— in den Dienst der Panzerplattenfirmen treten. Endlich werden wir die Geschichte der großen Panik des Jahres 1909 erzählen. Wir werden zeigen, wie diese Panik entstand und wer der wirkliche Verfasser des denk- würdigen und köftspieligen Refrains war:„Wo waut, eiglit, and wo won't wait"(Wir»vollen achte— nämlich DreadnoughtS— und wir wollen nicht warten). Wir werden Mr. Mulliner, den früheren Direktor der Coventryer Kanonenfabrik, dem Publikum»vieder vorführen und ihn erzählen lassen, tvie er sich beinüht hat. die britische Admiralität über die Tätigkeit Deutschlands mit Angst zu erMen. Wir werden zeigen, welchen Erfolg seine Bemühungen hatten, und »Verden die Panik im Lichte des Tages überblicken. Die Artikel werden vollständig auf dokumentarischem Beweismaterial gegründet sein und»verden nur die möglichst einfache und unparteiische Darlegung der Tatsachen j bezwecken." Die deutsch- englische« Beziehungen. Londiiu, 20. Mai. Die offiziöse„West min st er Gazette" schreibt anläßlich deS Besuchs des englischen Königs in Berlin: Es ist kaum möglich, die B o r t e i l e zu überbieten, die ein gutes Einverständnis zwischen Deutschland und England sür die Welt haben könnte, oder daS Unheil, das aus ihrer Ent- fremdung folgen könnte. Wir sahen in den letzten Monaten, wie große Gefahren durch ihr Zusammenwirken und den Einfluß abgewendet werden können, den sie zusammen auf die Haupt- sächlichsten Mächtegruppen auszuüben imstande sind. Gemeinsam können sie die Brücke zwischen diesen Gruppen bilden, getrennt können sie die Gruppen in gefährliche gegensätzliche Kräfte verwandew. Keine von beiden Mächten hat, wie die Dinge liegen. daS geringste Interesse daran, die andere von ihren Freunden oder Verbündeten abzuziehen. Beide haben vielmehr das größte Interesse, zwischen den entgegengesetzten Gesichtspunklen beider Gruppen einen Ausgleich zu finden. Dänemark. Bor den Reichstagswahlen. Kopenhagen, 18. Mai.(Eig. Ber.) Am 20. d. MtS. finden in Dänemark die allgemeinen Wahlen zur Zweiten Kammer statt. Der Wahlkampf ist mit größter Schärfe geführt worden und die Wähler werden nun entscheiden, wem sie folgen wollen: den Parteien der Linien mit ihrem VerfassungSprogramm oder den Konservativen, die an den bestehenden Verhältnisien in fortschrittlicher Richtung nichts ändern wollen. Der diesmalige Wahlkampf ist fast ausschließlich um die große Frage der Verfasiuiigsrevision geführt worden, alles andere trat hinter diese Frage zurück. Die jetzt geschlossene Zweite Kammer hatte der Reformvorlage der Regierung zugestimmt, die Vorlage fiel aber im Landsthing, der Ersten Kammer, deren konservative Mehrheit rücksichtslos und tolpatschig obendrein jeglichen ernsten Fortschritt ablehnte, soweit eS sich um die Zusammen- setzung dieser Kammer handelte. Die Regierung will>mn durch die Wahlen zur Zweiten Kammer die Meinung der Wähler kennen lernen; sie wird dann ihre Vorlage aufS neue dem Parlament unter- breiten und bei einer nochmaligen Weigerung der Ersten Kammer diese auslösen, womit die konservative Mehrheit endgültig gebrochen werden kann. Dieser Ernst der Lage kam auch im bisherigen Wahlkampfc zum Ausdruck. Die Konservativen haben alles daran gesetzt, um insbesondere die Bauern sür sich zu gewinnen, woran in größerein Umfang bei diesen Wahlen wohl kaum zu rechnen ist. Dagegen erscheint die Haltung deS rechten Flügels der regierenden Liberalen weit ernster, weil er an den» Ernst eines Teiles der RegierungS- Partei in der BerfaffungSfrage zweifeln läßt. Der unter der Führung des früheren liberalen StaatSministers Christensen stehende rechte Flügel der Liberalen kokettiert bisweilen offenbar mit den Konservativen auch in der Frage der Verfassungsrevision und würde sicher gern ein Kompromiß mit den Konservativen eingehen. Diese Haltung eines Teiles der Liberalen gefährdet insofern die Situation der Linken bei den Wahlen, als die Konservativen dadurch einige Sitze zur Zweiten Kammer wieder erhalten dürften, während sie sonst auf ein unbedeutendes Minimum zurückgedämmt werden könnten. Unsere Partei hat Kandidaten in allen Kreisen aufgestellt, wo eine Aussicht auf eine erfolgreiche Betätigung der Sozialdemokratie gegeben erscheint. Im übrigen gilt als Regel, daß die drei Linken- Parteien(Liberale, Radikale und Sozialdemokratie) der Rechten keine Kreise ausliefern dürfen, sondern nur für die Wahl von Anhängern der Wahlreform eintreten sollen. Die Radikalen befolgen auch diese Taktik. während die Liberalen sich oft wankelmütig zeigen. Die Wahlen am Dienstag werden zeigen, welche Zusammensetzung die Zweste Kammer bekommen wird. Optimisten erhoffen einen glänzenden Sieg der Sozialdemokratie und der Radikalen, allein es fehlt auch nicht an Stimmen, die vor zu großen Erwartungen warnen. Die Liberalen haben zweifellos durch die feste Haltung des Ministerpräsidenten Berntsen in der Wahlrechtsfrage sich neuen Krebst im Lande ge- schaffen. Eventuell wird daher die Kammer in bisheriger Zusammen- setzung wiedergewählt, und auch das bedeutet den Sieg der Ver- fassungsrevifion, sofern die Liberalen in den erneuten Parlaments- Verhandlungen über die Vorlage nicht mit den Konservativen Frieden schließen. Bus der Partei. Aus den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für den ReichötagSwahlkreiS Herford- Halle hielt am Sonntag in Herford seine Generalversammlung ab. Der Verein vereinnahmte in den neun Monaten deS abgelaufenen Geschäftsjahres mit einem Kasten- bestand von 508,13 M. 6346,58 M., die Ausgaben beliefen sich auf 5026,69 M., so daß am 31. März ein Kassenbestond von 329,39 M. vorhanden war. Die Mitgliederzahl beträgt 2009, das ist ein Verlust von 57 Mitgliedern gegen das Vorjahr. Die Zahl der„VoliSwacht"- Abonnenten ist ebenfalls etwas zurück- gegangen, sie beträgt 3100. Die mißliche Sage in der Tabakindustric und der übliche Abfall nach der ReichstagSwahl haben zusammen den kleinen Rückgang bewirkt. 370 Versammlungen wurden abgehalten, dar- unter 33 öffentliche. 7 Flugblätter und Broschüren in 27 000 Exemplaren wurden verbreitet. Sozialdemokratische Gemeindevertreter zahlen wir 41 in 19 Orten. Zum Punkt„Stellungnahme zum Deutschen Parteitag in Jena" referierte Genosse H o f f ni a n n. Er sprach zunächst des längeren über die Sleuerfragelr. Mit der wachsenden Zahl unserer Vertretung im Reichstage sei auch die Verantwortung der Partei größer geworden, deshalb müßten wir uns eingehender mit der Frage ur Deckung der Ausgaben "raktion habe bi» jetzt in befassen, w i e die nötwendigen Steuern des Reiches aufgebracht würden. Unsere Steuerfragen glücklich operiert, und wir dürften uns in der De'cküngS frage der Steuern für die neue Militärvorlage auch ferner unseren Einfluß nicht nehmen lassen. Er glaube, daß unsere Fraktion vom Parteitag einstimmig ausgefordert wird, unser Volk vor weiteren indirekten Steuern zu bewahren. Redner streift dann die Entwickelimg der Partei und die Mei- nungSkämpfe über fcic Fragen der Maifeier und der Beteiligung an der Landtagswahl. Auch die Streitfrage: Radikalismus oder Revisionismus? fei vom letzten Parteitage schon beiseite geschoben worden. Er bedauere es, daß die Partei der 110 keinen Gesetz- entwurf eingebracht bezw. die Regierung darauf gebracht hat, die Energie der Talsperren und des strömenden Wassers zu monopoli- sieren. Wir müßten außer im Reichstage auch in den Kommissionen unsere Fordetungen energisch zu verwirklichen streben. Genosse Hoffmanit ersucht zum Schluß, im Sinne seiner Ausführungen die Wahl der Delegierten vorzunehmen. Eine Diskussion fand nicht statt. Als Delegierter zum Parteitag wurde einstimmig Genosse P i g u s ch gewählt. Der Antrag des Vorstandes, nur noch eine Generalversammlung alljährlich abzuhalten, wurde angenommen. Sezioldemokratischc Gememdewahlerfolge. In Burgfelden im Kreise Mülhausen i. Elf. wurden am letzten Sonntag bei einer GemeinderatSersatzwahl für drei Mit- glledcr all c_ drei sozialdemokratischen Kandidaten mit 38—92 Stimmen gewählt, während die drei Kandidaten der klerikalen(zentrümlichen) Bürgerpartei mit 61 bis 65 Stimmen glatt unterlagen. Der Wahlgang bestätigt den sozialdemokratischen Sieg bei einer früheren Wahl, die infolge eines Formfehlers kassiert worden war. SewerklcbaMickes. Kauft Krupp auch die Gelben auf? »Er(Heß, Redakteur der Kruppschen gelben Arbeiten zeitung I) hätte auch an Schönknecht geschrieben, e wünsche nicht, daß manLebius finanziel schädige. Man möge ihm seine Zeitung abkaufen. Wenn die Berliner(die Gelben) kein Geld hätten, möchten sie sich an ihn(Heß) wenden, er würde schon Geld besorgen." Aus de ur Berichte einer gelben Ver trauensmännervcrsammlung, Chen, nitz, 7. Mai 1913. Es gär tbeideit Gelben ganz kräftig. Der treibende Faktor ist die„Essener Richtung". Die Essener Richtung hat ihre Macht im Kruppschen nationalen Arbeiter verein und im Essener gelben„Werkverein", dessen Redakteur der oben genannte Herr Heß ist. Der Essener nationale Arbeiterverein oder Werksverein ist aus der— national liberalen Parteiorganisation in Essen hervorgegangen. Früher wurden die Arbeitcrllagen innerhalb dieser Organisation, wo friedlich neben den Kruppschen Direktoren auch die Kruppschen Arbeiter leben durften, vom nationalliberalen Parteisekretär mit erledigt. Später ging das nicht mehr so einfach weiter, aus den Kruppschen nationalliberaleu Arbeitern wurde eine Werkvereinssektion, die ihre eigene Zeitung erhielt. Selbst verständlich war sie„absolut selbständig". Der„National demokrat", das politische Lebiusorgan der gelben Werkmeister „Berliner Richtung" schreibt zu diesem Thema: „Was heißt unter solchen Umständen: das Essener Blatt„Der Werkverein" ist Eigentum der Essener Arbeiter und seine Ueber- schüsse kommen lediglich der gelben Arbeiterbewegung zugute? Talsächlich geschieht in der Redaktion und Geschäftsführung des Essener Blattes nichts, was nicht der Direktionsbeamte Halbach (Jfruppscher DireklionSschutzmann Halbach" heißt es an anderer Stellei) gutheißt und Herr Halbach seinerseits holt sich seine Instruktionen'' vom Kruppschen Direktor Viel- baber. Wenn dann gesagt wird, der ganze Ueberschuß des Blattes kommt der Arbeiterbewegung zugute, so klingt das ver- führerisch. Man prüft aber einmal die Ausgaben. Dann wird man sehen, daß das Geld durch die Reisen der Herren Halbach und Heß usw. verausgabt wird, und ob diese Reisen im Arbeiter interesse(im gelben Arbeiterinleresse!) liegen, ist noch sehr fraglich.' Damit sind aber die interessanten Beleuchtungen der gelben Arbeiterbewegung und ihrer Beeinflussung durch Krupp noch lange nicht zu Ende. Der„Nationaldemokrat" stellt fest, daß der Berliner Förderungsausschuß der gelben Arbeiterbewegung im lvesentlichen von Kruppschem Velde gehalten wird!„Dieser Berliner Förderungsausschuß ist nämlich nichts weiter als ein Instrument der Firma Krupp"— so schreibt der Lebiussche Nationaldemokrat! Wer iin Bunde deutscher Werkvereine Vorsitzender wird,— es sind ganz anständige 6000 Mark-Stellungen— das hängt von Krupp ab Wer eine gute Arbeitersekretärstelle, eine gelbe Redaktions- Versorgung oder ähnliches haben will, er braucht nur dafür zu sorgen, daß seine 5truppsche nationalliberale Stellungnahme genügend bekannt wird, bald steht ihm der Himmel offen! Wie weit dieses Kruppsche Aufkaufen und Beherrschen der gelben WerkvereinSbeivegung in Wirklichkeit schon geht, zeigt ein Versammlungsbericht, den wir der soeben erschienenen Nummer des„Nationaldemokraten" entnehmen. Der Kruppsche Herr Heß fuhr nach Chemnitz, um die dortige gelbe Ar- beiterbewegung in das Fahrwasser des eigenen Brotherrn zu lenken. L e b i u s, der„Hüter der alten Traditionen", kämpfte scharf gegen ihn. Was haben die Kruppschen Jnter- essenten im gelben Arbeiterverein der Maschinenfabrik vorm. Hartmann zu tun? Krupp braucht eine einheitliche national- liberale Arbeiterbewegung! Die sorgt durch geeignete Vertreter dafür, daß Rüstungsvorlagen nicht durch Schwierig- leiten behindert oder verkleinert werden! Die„neutralen" Berliner Werkvereinler wollen nicht ohne weiteres„Kruppianer" werden. Die Situation ist ganz klar, Krupp muß eben noch ein halbes Dutzend gelbe Sekretäre anstellen und L e b i u s muß ausgekauft werden. Das ist gelbe Arbeiter- belvegungl Berlin und Umgegend. Achtung, Bauarbeiter! In Demmin in Vorpommern und auf der Insel Rügen stehen die Maurer in einer Lohnbewegung. Neben der Forderung auf Erhöhung des Stundenlohnes von 43 auf 46 Pf. ist eine andere Forderung gestellt, deren Notwendigkeit typisch für die Natur der ostelbischen Großgrundbesitzer ist. Die Arbeiter ver- langen, daß bei Arbeiten auf den umliegenden Güterp, von denen die Arbeiter wegen der weiteren Entfernung nicht täglich an ihren Wohnort zurückkehren können, die Unternehmer verpflichtet sein sollten, die Schlafdecken in e i n e m B e t t b e z u g zu liefern. Heute ist es so, daß den Maurern, überhaupt den Bauarbeitern, auf den Gütern ein Verschlag im Stall oder in der Scheune, bestenfalls eine leerstehende Gutsarbeiterwohnung zugewiesen wird, wo sie auf Stroh in ihrer Arbeitskleidung, zugedeckt mit etlichen schmutzigen Pferdedecken, die Nächte verbringen und sich zu neuer Arbeit stärken müssen. Gegen solche Verhältnisse richtet sich der Kampf der Maurer in Vorpommern uiü» deshalb wurden die Dcmminer Maurer von den Unternehmern ausgesperrt. Trotz dieser Zustände finden sich Leute, die in Berlin Arbeits- willige für die Demminer und Rügencr Unternehmer� anzuwerben suchen. Besonders hervor tut sich hierin der Gastwirt Schalows- k y im Hause Bergstraße 79. Als Beauftragter der Unter- nehmer sucht er Maurer anzuwerben, die auf eigene Gefahr nach Demmin oder Rügen fahren, um bei 46 Pf. Stundenlohn alle oben dargestellte ostelbische junkerliche Arbeiterfürsorge zu genießen. Alle Maurer warnen wir hierdurch dringend davor, den Lockungen des Herrn Schalowsky zu folgen und Arbeitsangebote nach Vorpommern, besonders Demmin und Rügen, sowie Stolp anzunehmen, da sie ihren ausgesperrten Kollegen in den Rücken fallen sollen. Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes. Zweigverein Berlin. Buchbinderverband, Zahlstelle Berlin. Bei der Wahl der Dele- gierten zum Verbandstage in Stuttgart wurden 3548 Stimmzettel abgegeben, davon waren 192 ungültig, bleiben 3356 gültige Stimm- zettel. Es wurden gewählt: A. Kulikowski, A. Lippold, E. Klar, O. Wie nicke, P. Herzog, A. Hoffmann, W. Stephan, L. Krzhmin, I. Czerny, R. Würz- berger. K. Klappenbach, M. Kempke, P. Rüger, E. Brückner, Fr. Strauß, K. Krüger, L. Jüncmann, O. Röll und E. Wöllncr. Borsicht, Maler! Aus Nordhausen wird uns mitgeteilt, daß die Firma Guido Kadelka(Innendekorationen), Berlin W. 68. Koch- stratze 62, nach Nordhausen Streikbrecher für die dortigen Maler- meister geschickt hat. Wir warnen unsere Kollegen davor, mit obiger Firma in Verbindung zu treten, da es nicht ausgeschlossen erscheint, daß die Firma auch nach anderen Orten diese Tätigkeit ausübt« Verband der Maler. Ortsverwaltung Berlin. Deutfebes Reich. Evangelische Arbeitervereine gegen die gelbe Bewegung. Die evangelischen Arbeitervereine m Rheinland und Westfalen haben auf Betreiben ihrer nationalliberalen Führer noch keinen direkten Gegensatz zu den Gelben ausgesprochen. In Rück ficht auf die verschiedenen gleichartigen Bestrebungen unterließen sie es bisher, sie haben eine„abwartende Stellung" eingenommen Nachdem ihnen aber il�: Mitglicderverlust, der der gelben Bewe- gung zugute kam, zu stark geuwrdcn ist, haben sie jetzt eine Stellungnahme für erforderlich gehalten. Der Kampf der Zentrums� gewerkschaften datiert bekanntlich auch erst von dem Zeitpunkte ab, wo ihnen die Abschwenkung vieler katholischer Arbeiter ins gelbe Lage in schreckhafter Weise zum Bewußtsein gekommen ist. Katho- lisch und evangelisch erzogene Arbeiter bilden ja schließlich das empfänglichste Material für die gelbe Richtung. Dieser Tage haben nun der Ausschutzsitzung des Verbandes cvangelifchcr Arbeitervereine in Dortmund zwei Anträge vorge- legen, die sich mit der Stellungnahme- zu den Werkvereinen beschäf- tigtcn. Während der Kreisverband Rccklinghausen einen Beschluß dahin wünschte:„Welche Richtlinien haben die einzelnen Vereine der genannten Bewegung gegenüber zu beobachten?", beantragte der Kreisverband Xllberftld unter ausführlicher Darlegung der erfolgreichen Bekämpfung der sozialdemokratischen Bewegung durch die evangelischen Arbeitervereine und dem Hinweise darauf, daß die Bestrebungen der evangelischen Arbeitervereine durch die gelbe WerkverZinsbewegung nicht nur bekritelt, sondern geradezu angefeindet und behindert werden, eine Entschließung, wonach diejenigen, die in den Vereinen des Provinzialverbandes der evangelischen Arbeitervereine'Agitation für die wirtschaftsfriedliche(gelbe) Bewegung treiben oder irgendwie gegen die Beschlüsse und Kund- gebungen des rheinisch-westfälischen Verbandes evangelischer Ar- beitervcreine oder gegen das soziale Programm des Gesamtver- bandes arbeiten, nicht Mitglied eines evangelischen Arbeitervereins bleiben können. Dieser Antrag wurde vom Sekretär Beer eingehend begründet und dabei insbesondere auf die Kriegserklärungen der gelben Ver- eine gegen die evangelischen Arbeitervereins hingewiesen: „Die evangelischen Arbeitervereine sollten ihre seither be- währten und befolgten Grundsätze und die nach diesen Grund- sätzen wirkenden Personen aus der Leitung der evangelischen Arbeitervereine aufgeben." Redner erklärte, daß dies vielfach unmöglich sei. Nach ihrem Grundsätze:„Tuet Ehre jedermann", achteten sie auch die Arbeit- gcber. Sie kennen aber auch das Wort des Apostels:„Werdet nicht des Menschen Knecht!" In demselben Sinne äußerte sich Pastor D. Weber(M.-Gladbach), der Gesamtverbandsvorsitzende. Die von Elberfeld verlangte Entschließung wurde vom Ausschutz ang« nommen, so daß sich also der Provinzialverbandstag mit der Sache beschäftigen wird. Namens des Essener Arbeiter- und Bürgerver eins erklärte der nationallibcrale Parteisekretär Lümmel,„der Verein müsse sich alles weitere vorbehalten." In Essen hat die Getverkvercinsbewegung bekanntlich einen starken Rückhalt an Krupp.— In evangelischen Arbeiterkreisetz macht man sich bereit- schwere Vorwürfe, daß man den von den Zechen und Industrie- Werken besoldeten nationalliberalen Agitatoren, die durchweg Mit- glieder der evangelischen Arbeitervereine sind, aber gleichzeitig auch für die gelbe Bewegung agitieren müssen. Gehör geschenkt und nicht längst den Kampf gegen die Gelben aufgenommen hat. Differenzen in der Mühlenindustrie. In den Jllkirchener Mühlenwerken bei Straßburg i. E. sind wegen Lohnforderungen Differenzen ausgebrochen. In den Elsässer Mühlcnwerken in Straßburg i. E., die eine Produktionsgemeinschaft mit der Jllkirchener Mühle bilden, sind schon Notauartiere für die Streikbrecher errichtet worden. Zuzug von Mühlenarbeitern ist fernzuhalten. Ausland. Die geplatzte gelbe Seifenblase. Die schweizerischen Kapitalisten haben mit ihren gelben Hans- langern und Arbeiterverführern entschieden Pech. Vor Jahren opferten sie große Summen für die Experimente des.„berühmten", aber nun sang- und klanglos verschollenen gelben Ritters Velde gg. von dessen„erfolgreicher" Wirksamkeit auf Schweizerboden aber auch keine Spur zurückblieb. Vor Jahres- 'rist kauften sie sich den immer geldbedürftigen Renegaten Franz P e ch o t a, der von der Redaktion der sozialdemokratischen Winter- thurer„Arbeiter-Zeitung" direkt ins kapitalistische Lager ab 'chwenkte, um sich an die Spitze einer neuen gelben„Wirtschafts» wicdlichen" Arbeiterbewegung zu stellen und das nun zu bekämpfen was er bisher mit Begeisterung verfochten hatte. Zu P e ch o t- richtig, daß sie, wie ihr der Vorsitzende vorhält, zu der Edel geäußert habe, sie habe von„ihrem Kleinen" viel Geld erhalten, sich viele gute Kleider gekauft, da sie aus„Familienrücksichten" eine große Reise machen müsse. Der Angeklagte Hermann Kranich spricht mit einer so undeut- lichen, polternden Sprache, daß er fast völlig unverständlich bleibt. Auf die Ermahnung des Borsitzenden, deutlicher zu sprechen, erklärt Kranich: Er bekomme im Untersuchungsgefängnis nur trockenes Brot, da könne er nicht sprechen, wenn er besser zu essen bekomme, dann wird er auch besser sprechen können. Der Angeklagte erzählt dann eine etwas verworrene Geschichte von seinen Erlebnissen, die er auf einem Dampfer des„Norddeutschen Lloyd" als Heizer ge- macht habe. Er äußert dabei, daß es gu: gewesen sei, daß die Offi- ziere keine Degen trugen, sonst hätten sie rhu aus purer Schneidia- keit erstochen. Der Vorsitzende hält ihm vor, daß es doch auffällig sei, daß er gerade am 27. Juni, dem Tage nach der Tat Brünings, feine Arbeit auf dem„Vulkan" ohne jeden Grund niedergelegt habe. Kranich erklärt, daß er krank geworden sei. Der Vorsitzende hält ihm ferner vor, daß er, trotzdem er niemals im Besitze größerer Geldmittel war, in Hamburg Chaufieurunterricht genommen habe. Zu dieser Zeit habe er zu einem gewissen Münch geäußert, er habe für diesen Unterricht 300 M. bezahlt, wenn ihn, Münch, jemand frage, solle er angeben, er habe ihm das Geld geliehen.— Der Angeklagte bestreitet dies, ebenso bestreitet er, daß ihn Brüning bei dem ersten Zusammentreffen mit den Worten:„Einen schönen Gruß von Olga" begrüßt habe. Brüning habe sich ihm mit dem Namen„Zimmermann" vorgestellt und erzählt, er werde wegen eines Jagdvergehens von der Polizei verfolgt, außerdem wolle er ins Ausland, weil er Alimente zahlen solle. Einige Tage darauf, nach der Abreise Brünings, habe er erst gemerkt, daß dieser sich ohne sein Wissen seine Legitimationspapicre angeeignet hatte. Landgerichtsdirektor Dr. Karsten bringt hierauf mehrere Briefe, die Brüning an Kranich gerichtet hatte, zur Verlesung. In einem Briefe teilt Kranich dem Brüning mit, daß„die Sache mit Olga mieh sei". sDieser Passus soll sich auf die zu dieser Zeit er- folgte Verhaftung der Olga Kranich beziehen.) Ferner heißt es: „Ich weiß, daß Olga von der Polizei scharf beobackstet wird". Auf eine Frage des Vorfitzenden hierzu erklärt Kranich:„Es gibt doch mehr Mädchen, die Olga heißen".— Vors.: Das schon, aber wie wollen Sie denn das mit der Polizei erklären?— Angekl.: Na mit dem Worte„Polizei" kann doch auch etwas anderes gemeint sein, das kann ja auch aus bestimmten Gründen einen Mädchennamen bcventenl(Große Heiterkeit.)— Bors.: Binden Sie uns doch hier nicht solche unglaublichen Märchen auf, denken Sie denn, wir sind hier alle Kinder, denen Sie solches Zeug vorschwatzen können. Es ist unglaublich, hier so etwas vorzubringen.—. Angekl.: Ich kann Ihnen doch hier keine Liebesgeschichten erzählen, um die es sich in diesen Briefen handelt. Der Borsitzende hält dem Angeklagten eine Reihe weiterer Briefe vor, in denen die irgendwie verdächtigen Stellen in Zahlen- schrift geschrieben find. U. a. heißt es in Zahlcnschrift:— Denn alle Länder liefern aus",„Olga ist in Untersuchungshaft genommen worden",„bw Hauptsache ist, daß Olga schweigt" usw. Der Ange- klagte versucht, alle diese an sich so leicht verständlichen Dinge in einer derartig unglaubwürdigen Weise zu erklären, daß sich wieder- holt mühsam unterdrückte Heiterkeitsausbrüche in dem Auditorium bemerkbar machen.— Als Kranich u. a. erklärt, daß er von dem deutschen Konsul in Winnipeg übertölpelt worden sei, so daß er seiner Auslieferung törichterweise freiwillig zugestimmt habe, wäh- rend er sonst niemals habe ausgeliefert werden können, weist R.-A. Dr. Karl Liebknecht daraus hin, daß tatfächlich in den Akten ein Passus enthalten sei, nach welchem die kanadische Regierung selbst starke Zweifel geäußert habe, ob eine Auslieferung überhaupt möglich sei.— Staatsanwaltschaftsrat Dr. Wcismann weist darauf hin. daß nach einer Rcichsgerichtsentscheidung. wenn die Ausliefe- rung erfolgt sei, eine Erörterung der Auslieferunosverhandlung vor dem Strafgericht nicht mehr zulässig sei.— R.-A. Dr. Holpert erklärt, daß es ja nur als strafmilderndes Moment anzusehen sei, wenn die Auslieferung der Angeklagten nur infolge ihrer eigenen Zustimmung überhaupt möglich gewesen sei. Es folgt die Vernehmung der beide» medizinischen Sachverständigen über den Geisteszustand des Angeklagten Kranich. Der Oberarzt iu der Irrenanstalt Langenhorn, Dr. Brückner, bekundet an der Hand der Krankengeschichte der Irrenanstalt Friedrichsberg bei Hamburg, in welcher sich Kranich im Jahre 1W5 befunden hatte, daß dieser damals die Zeichen einer akuten Psychose aufgewiesen habe. Kranich habe damals angegeben, er sei ein Sohn Kaiser Wilhelms!„ der Herzog von Anhalt sei sein bester Freund usw. Er sei damals als völlig geheilt entlassen; heute jedenfalls liege kein Grund zu der Annahme vor, daß K. geisteskrank im Sinne des§ 51 sei. Jedenfalls sei er ein geistig minderwertiger Mensch. Kranich sei durch einen Menschen mit einem festen Willen sehr leicht zu beeinflussen. Medizinalrat Dr. Hoffmann bezeichnet den Angeklagten ebenfalls als einen geistig minderwertigen Menschen, dessen damals vorhan- dene akute Geistesstörung längst wieder abgeklungen sei. In der Beweisaufnahme wird als erster Zeuge der Kassenbote Voigt von der Dresdener Bank vernommen, der sich des längeren über die Anstellungs- und Ge- Haltsverhältnisse der Kassenboten bei der Dresdener Bank ausläßt. ES ergibt sich, daß die Kassenboten mit einem Gehalt von 1200 M anfangen, welches schon nach drei Jahren auf 1600 bezw. 1800 M steigt. Hierzu kommt noch eine Weihnachtsgratifikation von 200 bezw. 250 M., die nach acht Jahren auf 300 M. steigt. Der Zeuge bekundet fernes daß sich Brüning öfter beklagt habe, daß die Be> zahlung zu gering sei und daß ein verheirateter Mann mit diesem Gehalt nickst auskommen könne, lieber schlechte Behandlung, ins besondere durch den Kassendirektor Wollmann, habe sich Brüning jedenfalls ihm gegenüber nicht beklagt.— Der Angeklagte erklärt, daß diese Vorfälle sich schon vor Eintritt des Zeugen abgespielt hätten. In der Nachmittagssitzung trat eine kleine interessante Wen dung«in. R.-A. Dr. Karl Liebknecht gab die Erklärung ab, daß die Angeklagte Olga Kranich während der Mittagspause anderen Sinnes geworden sei und jetzt etwas sage» wolle.— Bors.: Na, Angeklagte Kranich, haben Sie sich die Sache überlegt und wollen Sie jetzt eingestehen, daß Sie von Brüning die 6000 M. erhalten haben? — Angekl.: Die Aussage, die Brüning gemacht hat, ist richtig. Ich habe aber nicht gewußt, woher das Geld kommt. ES wird sodann die Beweisaufnahme fortgesetzt. Als Zeuge wird der Student der Mathematik Pollok vernommen, der seineo zeit ein möbliertes Zimmer neben dem Zimmer des Brüning inne. gehabt hatte. Brüning habe sich ihm als Kaufmann vorgestellt und sei immer sehr einfach und bescheiden aufgetreten. Er habe be- obachtet, daß Brüning alle zwei, drei Tage Damenbesuch erhalten habe. gi.-A. Dr. Karl Liebknecht: Ich höre eben, daß die Olga Kranich noch eine Erklärung abgeben will.— Angekl. Kranich: Ich will nur sagen, daß mein Bruder mich in Berlin besucht hatte, aber in Ham- bürg bin ich nicht gewesen.— Diese Angabe wird jedoch sofort wider- legt durch das Zeugnis eines»n Hamburg wohnhaften Zeugen Münch, der u. a. bekundete, daß die Olga Kranich im Juli v. I. zweimal in Hamburg gewesen sei und ihn besucht habe. Der Zeuge erklärt aber schließlich nach vielfachen Kreuz, und Querfragen, daß er genaues über das Jahr nicht mehr sagen könne. Der Zeuge Kaufmann Attenhausen war früher Abteilungschef in dem Warenhause Tietz. Er hatte die Angeklagte bei ihre» Ein- kaufen beobachtet und war auf den Verdacht gekommen, daß die An- eklagte, die einen recht gewöhnlichen Eindruck machte, das Geld, aS sie mit vollen Händen um sich warf, nicht aus reelle Weise er warben habe. Als er sah, wie die K. ein Bündel Hundertmark- scheine, welche sie im Strumpf versteckt hatte, hervorholte, habe er die Polizei benachrichtigt. Staatsanwalt Dr. WeiSmann verzichtet auf die Vernehmung der sämtlichen übrigen Zeugen. Wo sind die 110 000 Mark? Der Vorfitzende redete dem Angeklagten Brüning nochmals eindringlich in das Gewissen, endlich anzugeben, wo sich die«och ehlenden 110 000 Mark befinde». Brüning bleibt dabei, daß er dem angeblichen Bergli etwa 50 000 Mark gegeben habe. Er habe dem Bergli den Rat gegeben, für den Fall, daß er(Brüning) der- haftet werden sollte, sich irgendwo in Sicherheit zu bringen. Er wisse ganz genau, daß er eventuell seine Situation ganz bedeutend verbessern konnte, wenn er jetzt sagen'könnte, das Geld befinde sich da und da. Er könne dies aber wirklich nicht sagen, denn er be- sitze wirklich nichts mehr von dem Gelde.— R.-A. Dr. Karl Lieb- ! necht erklärte, daß er als früherer Verteidiger Brünings mit ihm tundenlang konferiert und ihm klargemacht habe, daß er auch nach der Verbüßung der Strafe von der Dresdener Bank auf Schritt und Tritt verfolgt und niemals in den ungestörten Genuß der, wie behauptet, beiseite geschafften 110 000 Mark kompien werde. Brüning habe auch ihm stets erklärt, er besitze tatsächlich nichts mehr von dem Gelde. Plaidoycrs. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weismann kommt nach längerem Plaidoyer zu folgenden Strafanträgen: Gegen Brüning die höchstzulässtge Strafe von ö Jahren Ge- fängnis, 5 Jahre Ehrverlust,, gegen Hermann Kranich 3 Jahre Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust, gegen Olga Kranich 2 Jahre Ge- fängnis 6 Jahre Ehrverlust, gegen den Ehemann Hatte 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und gegen Frau Hatte 9 Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt stellte anHeim, den Angeklagten bis zu V?er Monaten die erlittene Untersuchungshaft auf die Strafe anzu rechnen. Rechtsanwalt Dr. Holpert wandt« sich in erster Linie gegen die Anwendung des höchst zulässigen Strafmaßes von 5 Jahren. Von den Rechtsanwälten Dr. Karl Liebknecht, Dr. Alfr. Ballien und Dr. Max Kantorowicz wurde für die üläigen Angeklagten geltend gemacht, daß diese offenbar unter dem Einfluß des Brüning zestanden und sich lediglich durch dessen Versprechungen und d!e Aussicht auf eine bessere Zukunft hätten verleiten lassen, von' dem eae des Ehrlichen abzuweichen. Jedenfalls sei Brüning seinen Helfershelfern geistig weit überlegen und was diese dann später getan hatten, sei lediglich die Folge, weil sie einmal„A" gesagt und nun auch„B" sagen mußten. Da diese Angeklagten außerdem ür ihre Beteiligung so gut wie nichts erhalten hatten, müsse ihre Berfehlung in einem weit milderen Licht erscheinen. R.-A. Dr. Liebknecht wies insbesondere darauf hin, daß die Angeklagten Hatte durch ihre Beteiligung völlig ruiniert worden seien und jetzt an dem Bettelstabe ständen. Der Angeklagte Brüning erklärt, zum„letzten Wort" verstattet: Wenn ich mir eine Bitte erlauben darf an die Herren Richter, so will ich sagen, daß meine Tat furchtbar auf mir lastet, daß ich viel Unheil angerichtet habe und nun bitte, wenigstens die Leute, die ich unglücklich gemacht habe, milde zu behandeln." Um ki Uhr abends verkündete der Borsitzende, Landgerichts- direktor Dr. Karsten folgendes Urteil: Es werden verurteilt Brüning zu 4 Jahren und 6 Monaten Gefängnis, 5 Jahren Ehrverlust, der Ehemann Hatte zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis, die Frau Hatte zu 1 Jahr vlefänguis vatiers, Witwen usw. gezählt. Die im Jahre 1912 in eigenen Be- trieben hergestellten Waren repräsentteren einen Wert Ha 4 624 000 (i. V. 3 986 000 M.) Der Umsatz im eigenen Geschäft betrug 26 Millionen(i. V. 22?L Millionen.) Von Landwirten direkt wurden für nahezu 2 Millionen Mark Waren eingekauft. Die Geschäfts» anteile beliefen sich auf 2 069 106 M., der Reingewinn auf 914 536 Mark. Die Rabatte der Mitglieder betrugen 1 509 549 M. An Stenern wurden im letzten Geschäftsjahr ausgegeben 390 971 M. — 42,7 Proz. des Reingewinns; eine verhältnismäßig höhere Summe als von Aktiengesellschaften oder gewerblichen Unter- nehmungen irgendwelcher Art gezahlt wird. Ueber die„Volksfürsorge" hielt Gen. v. Elm, ein Vertreter des Zentralverbandcs, einen instrukttven Vortrag. Zum Jnternattonalen Genossenschastskongreß, der in diesem Jahre in Glasgow tagt, wurden 5 Vertreter gewählt.— Neben dem bestehenden Vorstand wurde dann noch ein Verbandsausschuß von 7 Mitgliedern eingefetzt.— Die Regierung, ebenso die städtischen und die Bezirksbehörden, hatten je einen Vertreter entsandt. SencKts- Zeitung Hohe Strafen gegen Chauffeure. Gegen die übertriebene Härte, mit der manche Gerichte schon kleine Verfehlungen angeklagter Chauffeure ahnden, haben wir uns vor einiger Zeit an dieser Stelle ausgesprochen. Gestern hatte das Landgericht Berlin II durch Strafkammer 5 zwei Urteile des Schöffengerichts Berlia-Tempelhof nachzuprüfen, die in zwei ver- fchiedenen Stvaffachen gegen Chauffeure ergangen waren und beide durch ihr hohes Strafmaß sowie durch die fast wörtlich über- einstimmende Begründung auffielen. Ein Chauffeur Nicolai war zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil er aus der Camphaufenstratze in die Grimmstraße un- vorschriftsmäßig eingebogen war und dabei auch kein Warnungs- zeichen gegeben hatte. Nicolai bestritt nicht die ihm zur Last ge- legten Uebertretungen, er hatte aber Berufung wegen der Höhe der Strafe eingelegt und erwartete nun ein milderes Urteil. Vor der Strafkammer entschuldigte er sich damit, daß er nur deshalb vor« schriftswidrig gefahren sei, Iveil er die auf dem Straßendamm arbeitenden Schneeschipper(es war Anfang Februar) nicht ge- fährden wollte. Ein Schutzmann bekundete, daß Nicolai dabei einen Passanten gefährdet habe, so daß dieser habe beiseite springen müssen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Kurt Roseafeld, hob hervor, daß das Schöffengericht selber die Strafe als hoch bezeichnet habe. Die dem Urteil beigegebene Begründung, daß die Chauffeure„mit brutaler Rücksichtslosigkeit durch die Straßen fahren", sei in dieser Allgemeinheit nicht zutreffend und passe auch nicht auf die Ueber- tretung des Angeklagten. Zu ihrer Geringfügigkeit stehe die ihm zudiktierte Strafe, die den Angeklagten bei seinem geringen Ein- kommen hart treffe, in argem Mißverhältnis. Nach dem Antrag des Staatsanwalts entschied das Gericht, die Berufung sei zu ver» werfen. Das Publikum solle„gegen Ausschreitungen der Chauffeure geschützt" werden, darum müsse die Geldstrafe von 50 M. aufrecht, erhalten werden. Nachher hatte bor derselben Strafkammer sich ein Chauffeur Löffler zu verantworten, der gleichfalls vom Schöffengericht Berlin- Tempelhof verurteilt worden war, weil er zu schnell gefahren fein sollte. Auch er hatte Berufung nur wegen der Höhe der Strafe eingelegt, indes auch er fand kein« Gnade vor der Strafkammer. Das Schöffengerichtsurteil begründete das Strafmaß wieder mit der„brutalen Rücksichtslosigkeit" der Chauffeure, ober in der Be- rufungsverhandlung wurde nicht ersichtlich, daß Löffler sich besonders rücksichtslos und brutal benommen hätte. DaS behauptete selbst der Schutzmann nicht, der mit der Stoppuhr festgestellt hatte, daß Löffler in der Aorckstraße zwischen Bautzener Straße und Katzbach» straße zu schnell gefahren war. Der Angeklagte, der sich selber ver- teidigte, führte zu seiner Entschuldigung an. daß sei» Wagen nicht in Ordnung gewesen sei. Bei dem Versuch, festzustellen, ob der Wagen noch leistungsfähig sei, habe er ein zu rasches Tempo ge- nommen. Dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend urteilte das Gericht, die Berufung sei verworfen und es bleibe bei 40 M. Geldstrafe. Die Straße sei nicht dazu da, auf ihr den Motor eines Automobils auszuproben. Hohe Strafen wegen unerheblicher Kleinigkeiten sind, wie wir schon neulich ausführten, völlig ungeeignet, dem Schutz des Publi- kums zu dienen. Im Gegenteil: die durch Tatsachen nicht gerecht- fertigte fummarische Annahme,„die Chauffeure seien brutal rück- sichtslos", ist geeignet, auch bei sehr besonnenen Chauffeuren eine Unruhe hervorzurufen, die die Sicherheit des Verkehrs erheblich zu gefährden geeignet sind. Ein nächtlicher Raubüberfall auf ein« 72jährige Greisin lag einer Verhandlung zugrunde, die gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Seligmann das Schwurgericht des Land- jerichtS II beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurden die Arbeiter Josef Blocznk und Stanislaus Szezepaniak vorgeführt, um sich wegen eines gemeinschaftlichen zur Nachtzeit mittels Ein- schleichcns in bewohnt« Gebäude begangenen schweren Raubes zu verantworten.— In der Nacht zum 1. März d. I. wurde die in der Noonstraße 10 zu Johannisthal wohnhafte 72jährige Haus- besitzerin Wichelmine Brischke das Opfer eines nächtlichen Raub- Überfalles. Die alte Frau hatte an jenem Tage die Miete ein- kassiert und saß am Abend gegen IL Uhr in der Küche, um daS ein- genommene Geld nachzuzahlen. Plötzlich hörte sie im Neben- zimmer ein Geräusch. Kaum hatte sie dieses Zimmer betreten, als ein Mann auf sie zusprang, ihr eine Decke ünd ein Kissen ins Gesicht warf und beides fest auf ihren Mund drückte, um sie am Schreien zu hindern. Gleichzeitig packte der Unbekannte die alle Zrau am Halse, warf sie zu Boden und würgt« sie längere Zeit. ütDp die Greisin am Boden lag, erkannte sie in dem Räuber einen rüheren Mieter, den jetzigen Angeklagten Szezepaniak. Sie rief ihn mit seinem Namen an und bat ihn, sie nicht mehr zu schlagen, er solle die Tasche mit dem Geld ruhig nehmen. Der Täter nahm die Tasche, welche 390 M. enthielt, auch sofort an sich und reichte sie durch das offenstehende Fenster einem draußen stehenden Manne zu. Dies soll der jetzige Angeklagte Bloczyk gewesen sein. In der gestrigen Verhandlung bestritten beide Angeklagte, als Täter in Frage zu kommen und ließen durch die ihnen als Offizialverteidiger gestellte n Rechtsanwälte Dr. Hamburger und Dr. Joachimczhk einen Beweis dafür antreten, daß sie zur Zeit der Be- gehung der Tat sich gar nicht in der Nähe des Tatortes befunden hatten. Di« Verhandlung zog sich vom frühen Morgen bis 6 Uhr nachmittags hin. Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurden die Anae- Nagten verurteilt: Bloczyk zu 4 Jahren Gefängnis, Szezepaniak zu 5 Jahren Gefängnis. Revision im Prozeß Sternickel. Das Reichsgericht hat gestern die Revision der drei Gawssen Sternickels. Willi Kersten, der als Jugendlicher zu 15 Jahre« Ge» ängnis, Georg Kersten und Franz Schlirveuz, die zum Tode der- urteilt worden waren, vertuorseu. Redakteur und unlauterer Wettbewerb. In einer Posen« Leitung hatte ein SchuhwarenhauS den spott- billigen Ausverkauf einer großen Masse von Schuhwaren ange- kündigt. Aus diesem Anlaß wurde auch der verantwortliche In- ieratenredakteur der Zeitung angeklagt. Er sollte die§§ 7 und 10 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb und die Bekannt- niachung des Regierungspräsidenten zu Posen Vom 4. Dezember 1310 in Verbindung mit Z 20 des Reichspreßgesetzes übertreten haben. Nach der auf Grund des Wettbewcrbsgesetzes erlassenen Be- kanntmachung des Regierungspräsidenten haben diejenigen, die Gegenstände des Bckleidungsfaches usw. ausverkaufen wollen, vor Ankündigung des Ausverkaufs den Zeitpunkt des Beginns und den Grund des Ausverkauss binnen ein« bestimmten Frist der näher bezeichneten Behörde(Posen. Polizeipräsident) anzuzeigen und ein Verzeichnis einzureichen. Das war seitens der Schuhwarenfirma nicht geschahen. Das Landgericht in Posen verurteilte de» angeklagten Re- dakteur, indem eS annahm, daß auch er wegen der Aufnahme d« Ankündigung gemäß§ 20 des Preßgesetzes strafrechtlich verant- wortlich sei. Das Kammergericht hob jetzt das Urteil auf und sprach den angeklagten Redakteur frei. Das Gericht«klärte die Bekannt- machung des Regierungspräsidenten für ungültig, ließ sich auch über die Frage d« Verantwortlichkeit d« Redakteure in Fällen, wie dem vorliegenden aus. Es vertrat den Standpunkt, daß der Redakteur überhaupt nicht hätte verantwortlich gemacht werden können, weil ja der Inhalt der Ankündigung nicht strafbar sei, sondern nur die Unterlassung der den Geschäftsleuten auferlegten Anzeigepflicht. Die Bekanntmachung des Regierungspräsidenten wurde für ungültig erklärt, weil sie die Ankündigung der Ausverkäufe be- stimmter Warengattungen betreffe, während nach dem Gesetz nur derartige Vorschriften für bestimmte Arten von Ausverkäufen er- gehen können.— Turnerlanzen vor dem Cbcrverwaltungsgeridst. Eine spaßige Anschauung der Polizei beschäftigte dieser Tage das Oberverwaltungsgericht. Der zehnte Gau der polnischen Turn- vereine Locol hielt im Jahre 1912 sein Gauturnfest zu Bochum in einem Lokal und auf der angrenzenden Wiese ab. Die Polizei- direktion zu Bochum erteilte die Genehmigung für die öffentliche Veranstaltung, auch für das öffentliche Schauturnen. Sie wies aber darauf hin, daß Waffen nicht getragen werden dürften und daß als Waffen auch die von den Turner» zu gewissen Uebungen gebrauchten Lanzen anzusehen seien. Skorupka erhob Klage beim Bezirksausschuß und verlangte, daß die Verfügung, soweit sie das Tragen der Lanzen verboten hat, aufgehoben werde. Diese sogenannten Lanzen seien überhanpt kein« Waffen. Sie seien ganz aus Holz und hatten keinerlei Schärfen. Es seien runde, sich nach vorn ein wenig verjüngende Holzstangen, die keine Spitze hätten. Ter Bezirksausschuh wies die Klage ab, weil die Bemerkung über das Tragen von Lanzen in der Genehmigung keine polizeiliche Verfügung, sondern nur ein Hinweis sei. Da« Oberverwaltungsgericht war anderer Meinung. Es nahm cn« polizeiliche Verbotsverfüguna mit Bezug auf das Lanzen- tragen ari. Es verhandelte deshalb materiell in der Sache und der- anlaßte zunächst die Polizeidirektion zu einer Beschreibung der Lanzen. Die Polizei sandte darauf dem Gericht ein Exemplar ein. Es erachtete dann die Angabe deS Klägers als zutreffend und ent- schied unter Aufhebung der Vorentscheidung dahin, daß die Polizei- liche Verfügung, soweit sie das Verbot dos Lanzcntragens bei der öffentlichen Turnübung betreffe, außer Kraft zu setzen sei. Be- gründend wurde kurz bemerkt, daß daS Gericht in den„Lanzen", wie sie gebraucht werden sollte, keine Waffen im Sinne des Gesetzes erblicken könne. Zus aller Melt. Ein neuer Skandal? Der römische Korrespondent des Avant i" meldet seinem Blatte, daß sich an die Enthüllungen über den Justtzpalast noch ein größerer Skandal anschließen werde: der des Viktor-Emanuel- Denkmals in Rom. Dem Korrespondenten zufolge hätte auch hier das staatliche Jngeniouramt absichtlich Verzögerun» gen herbeigeführt, auf die dann die Submissionsfirma, genau wie beim Justizpalast, Schadenersatzforderungen in un- geheurer Höhe gegründet hätte. Auch soll bei der Expropriierung der auf dem Bauplatz stehenden Häuser schamlose Günst- lingSwirtschaft geherrscht haden. Ein HauS, das im Jahre 1009 für 42 000 Lire zu verkaufen war, wurde in demselben Jahre vom Staate mit 139 000 Lire bezahlt. Besonders reiche Ernte sollen— immer dem„Avanti" zufolge— die Künstler eingeheimst haben, indem sie riesige Rechnungen für nicht gelieferte Arbeiten aufttellten. Die Verträge mit der Submissionsfirma sollen derart abgefaßt worden sein, daß noch heute verschiedene Prozesse schweben, die der Firma bedeutende Summen verheißen. Einige Lieferungsverträge wären der Ober- rcchnungsbehörde ganz vorenthalten worden, weil die Preise der- artig skandalös waren, daß sie sogar von dies« nicht allzu skrupu- lösen Behörde beanstandet worden waren. Der Korrespondent stellt weitere Enthüllungen in Aussicht. Falls sich diese Beschuldigungen bestätigen, so mutz man wirk- sich sagen, daß die Bourgeoisie des dritten Italien in ihren monu- mentalen Werken auffallendes Pech hat. Gerade das Symbolische will ihr nicht glücken: an dem Bau deS Justizpalastes mästet sich eine Diebesbande, die auS lauter staatSerhaltenden Elementen be« steht, und nun soll sogar das Nationaldenlmal und der Altar des Vaterlandes den Plünderern der öffentlichen Kassen Anlaß und Gelegenheit zu einem Raubzug gegeben haben. Auch im Falle des Viktor-Emanuel-DenkmalS kann es sich um kolossale Summen handeln, denn für seinen Bau wurden vom Parlament 37 Mil- I i o n e n bewilligt(nicht 18 Millionen, wie der„Avanti" schreibt), außer den 2 LOS 794 Lire, die durch öffentliche Sammlungen auf- gebracht worden sind. DaS Objekt war also schon groß genug, um einen systematischen Raubzug zu verlohnen. Unternehmerschustereien. Bor dem New Kork« Gericht steht jetzt ein Prozeh gogm den Milliardär Wood an, den Präsidenten des amerikanischen Wolltrusts. Er ist angeklagt, während des Arbeiterausstandes Dynamitangekauftzuhaben, welches er in die H ä u s e r der streikenden Arbeiter bringen ließ, damit eS dann dort gefunden und der Eindruck erweckt würde, als ob die Aus- ständigen beabfichtigten, die Fabriken in die Luft zu sprengen. Ein beschuldigter Priester als Ankläger. Aus Rom wird unS geschrieben: Wir haben von dem Pfarrer von Monte Santa Maria in der Provinz Rom berichtet, der vom Amte suspendiert wurde, weil er IS Jahre hindurch sich durch Betteln für Arme, denen er das Geld nicht aushändigte, be- reichert haben sollte. In dem Dekret der Konsistoriallongregation heißt eS, daß„der Angeklagte Almosen für eine größere Zahl von Messen gesammelt hat, als dies erlaubt ist, und fälschlich angegeben hat, sie zelebriert zu haben, um sich neue Almosen zu verschaffen, 'und daß er schließlich an demselben Tage Messe für mehrere und verschiedene Spender gelesen hat, nachdem er von jedem von diesen Abnosen«halten hakte". Der Priester Bong'ini schreibt nun dem„Messaggero" einen Brief, in dem er dieses Urteil auf einen Racheakt der Kurie seiner Diözese zurückführt. Er be- schuldigt gleichzeitig einen Monseigneur dieser Kurie von Poggiv Mirteto, 5950 Lire unterschlagen zu haben, die dem dortigen Priesterseminar gehörten, und behauptet, daß ein anderer Priester desselben Ortes seinen Onkel um 8000 Lire betrogen hätte. Der geistliche Herr droht weitere Enthüllungen an und schließt seinen Brief mit folgenden Worten:„Dies wird dazu bei- tragen, das.Publikum zu überzeugen, daß gewisse Monseigneurs am besten in der Galeere aufgehoben wären." Dieses Idyll unter geistlichen Kollegen, das ein Stachspiel vor Gericht an- droht, ist incht dazu angetan, das Ansehen der Geistlichkeit zu heben. l Protektionswirtschaft. Der Präsident des Versailler Gerichts Fero wird bor den aus dem gesamten Kassationshofe bestehenden richterlichen Disziplinarrat gestellt werden, weil er in einem Briefe an den Justizminister erklärte, daß bei der.Beförderung der Richter wenig« deren Andienst und Tüutigkeit als die Emp- fehlungen politischer Persönlichkeiten maßgebend seien. Priesterluxus. Den heutigen Dienern deS Christentums geht eS nicht mehr so schlecht, wie dem Stifter dieser Religion, der, wie die Bibel erzählt, so arm war, daß er oft nicht tpußie, wo er sein Haupt hinlegen sollte. Ein Oberpfälzer ZentrumSblatt, die„Amberger Volkszeitung", erzählt, daß der Sladtpfarrlirche in Tirschenreuth ein aus reichstem Goldbrolate gefertigter Ornat gestiftet wurde. Der Ornat besteht aus Metzgewand, Levitenlleidern, Rauchmantel, Schultervolum und Meßpultdeckchen im Werte von 2165 Mark. Das Blatt erzählt weiter:«Das Muster wurde zu Lyon in Frankreich gewebt und dann von den ehrwürdigen Klosterfrauen in Waldsassen, deren kunstvolle Handarbeiten weltberühmt sind, fertiggestellt. Am Pfingst feste kam der Ornat zum«stenmal beim Hochamte zur Verwendung.' DaS oberpsälzer Städtchen Tirschenreuth, eine Zentrumsdomäne, hat eine vorherrschend recht arme Bevölkerung. Der größte Teil der dortigen Arbeiterschaft lebt in bitterster Not. Das hindert den Herrn Sladtpfamr aber nicht, sein frommes Amt in einem Kleid auszuüben, das 216 5 M. kostete, also viel mehr, als zwei Tirschen- reuther Arbeiterfamilien das ganze Jahr über verdienen. Kleine Notizen. Kesselexplofion. Am Montag nachmittag fand auf dem Schlepp Kämpfer Hedwig in der Nähe des Dorfes Margareth in Schlesien eine Kesselexplosion statt, bei der der Maschinist Otto Wunderlich aus Labiau und der Heizer Hellmuth S ch l i ch t i n g au? Jasnitz so schwer verbrüht wurden, daß der Tod alsbald eintrat. Mordversuch und Selbstmord. Der 30 jährige Löwenbändiger Cäs a rio, der seit dem 1. Mai mit seiner Löwengruppe im Zirkus Schumann in Frankfurt a M. engagiert ist. kam Dienstag vor- mittag gegen 12 Uhr in die Wohnung seines Impresario Duprü. Nach kurzem Wortwechsel gab er einen Schuß auf die Frau de» Impresario ab und verletzte sie schwer an der Wange. Darauf erschoß er sich selbst. Die Rache des Soldaten. Ein Soldat des Kiew er Pionier bataillons schoß aus Rache auf seinen Kompagniechef und seinen Feldwebel und verwundete sie. Als ihm ein Schutzmann entgegentrat, feuerte er auch auf diesen. Eine gegen ihn geschickte Kompagnie wurde ebenfalls mit Schüssen empfange«. Schließlich gelang es. den Soldaten zu entwaffnen. Eine schwere Bluttat wurde am Dienstag in Frankfurt a. M. verübt. Der 38 Jahre alte Hoteldiener Münch schlich st' in daS Zimmer eines Hausmädchens, dessen Liebe er vergeblich b( gebrt hatte. Bei dem Anblick des Mannes rief das Mädchen um Hilfe, worauf der im Zimmer nebenan wohnende Hotelangestellte Gleim herbeieilte. Münch gab auf den Mann meh. rere Schüsse ab, von denen einer diesen tödlich traf. Dann schoß der verschmähte Liebhaber auch auf das Mädchen, ohne es jedoch zu treffen, worauf« die Waffe gegen sich selbst richtete. E r tötete sich durch einen Schuß in den Mund. KriefKaften der Redaktion. H. ft. 100. 1. Ja. Ueber den Empfang des Geldes müßten Sie aber dem Beklagten den Eid zuschieben, falls Sie jür die Hingabe des Geldes leine Zeugen haben. 2. Zinsen können erst vom Zeitpunkt der Fälligkeil ab beansprucht werden, und zwar 4 Proz., tosern nicht von vorn- herein Zinszahlung vereinbart war. 3. Die durch TerminSwahrnehnmng entstandenen Kosten können Sic für den Fall des ObficgenS im Prozeß tm Wege des F-stsetzungsvcrsahrenS erstattet verlangen. 4. Nein. S. Ja, sobald ei» Urteil ergangen ist.— H.(S. LS. Je nach den Lebensbedingungen in den einzelnen Ortschaften: in Berlin der etwa 20 M. wöchentlich übersteigende Betrag.— Kriiger-Wies. Anseres Erachtens war der Abzug unbegründet, Die Klage ist beim Gewcrbcgericht anhängig zu machen.— ttz.®. 16. Nein.— O. BS. 59. Schulgeld ist nur beim Besuch der höheren Schule zu zablen oder für den Fall, daß Kinder, die in Neukölln nicht ihren Wohnsitz haben, dort die Schule besuchen.— Otti. Durch Nachsraye beim Polizeipräsidium.— P.@. 2. Die sächfische Staats- zugedörigkeit ist nur dann verlustig gegangen, wenn der Bctrefscnde eine dahingehende Erklärung abgegeben hat. Ist daS nicht der Fall, so ist die sächsische Staatszugehörigkcit ausrecht erhalten,— R. W. 14. 1. U. 2. Nein. — E. BS. 100. Das ist unzulässig, sogar strasbar. Die Frau kann den Anspruch gegen ihren Mann nur gcrichllich geltend machen, falls er glitliche Zahlung nicht leistet.— Erna 20, 1. Nein, nur 2,50 M. 2, Die Kündi gung ist wirksam.— O. P. 107. 1. Ja. 2. Der Anspruch stützt sich aus das Statut. Der Verein ist llageberechtigt, da er ein eingetragener Verein ist und dadurch Rechtssähigkeit erlangt.— H. St. 107. 1. In der Regel »ickt. 2. Für Handwerkszeug ja, sür Arbeitskleidung nur dann, wenn durch Anschaffung derselben Mebrtoiten gegenüber dem sonst üblichen Kleider- verbrauch entstehen. 3. Nein.— M. 2. Ihr gesetzlicher Vertreter kann wegen Beleidigung Klage erheben. Das strasmaß liegt tm Ermessen des Richters. Voraussichtlich würde eine geringe Geldstrafe verhängt werden.— P. Krause 12. Die Witwe behält auch»ach dem 1. April 1914 den Berliner IlnterstützmigSwohusitz.— E., Wichcrtstrast«. Nein. — G.(ii. 100. Nein.— R. P. 14. 1. Erst nach zehmvöchiger Dauer der Arbeitslosigkeit. 2. Sie bleiben hastbar.— H. P 83. Falls das Vatertcil grundbuchlich eingetragen war, sind Sie zur Erteilung einer löichungslähigen Quittung verpflichtet. Dies« muß von einem Notar be- glaubigt icin. Die Kosten der Beglaubigung betragen etwa 5 M. Handelt es sich nicht um eine grundbuchlich eingetragene Schuld, so genügt einsache Quittung— Eilig P. R. In der Regel gewährt der Richter aus Er- suchen eine Ränmungsfrist.— M. H. 55. Etwa 20 M., außerdem freie Kost und Logis.—767 NW Wien i763NNW ven« 3 halb bd 3,wolleul 3 heiter Icheiter l! Iii olkig 3Reg«n »£ di fü Stattonen Haparanda Petersburg Scilltz Aberdeen Pari« Wette, »chalb bb bedeckt 4.'woMg SSW i 3, bedeckt 1 bedeckt 'f Ü s* 6 10 11 6 0 Arbeiter-Abstinenteu-Bnnd, Ortsgruppe Nerli» W. Die für gestern angezeigte Versammlung findet erst heute Mittwoch, abends 81/, Uhr, im Jugendheim, Tharlotlenburg, BolkshauZ, Rosinenstr. 3, statt. Zahlreiches Erscheinen, auch von Gästen, erwünscht. Lese- und Diskntierklnb„Südost--. Jeden ersten und dritte» Mittwoch im Monat i Sitzung bei Neidhardt, Göriitzer Str. 53. Vortrag. Gäste willkommen.__ Marktpreise von Berlin am 19. Mai 1913,»ach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,48 bis 20,50, mittel 20,44—20,46, geringe 20,40—20,42, Roggen, gute Sorte 16,58—16,60, mittel 16,54-16,56, geringe 16,50—16,52(ab Bahn). Futter. gerste, gute Sorte 16,20— 16,70, mittet 15,60—16,10, geringe 15,10—15,60, Hajer. gute Sorte 17,60—19,50, uttttei 16,50—17,50(frei Wagen und ab Bahn). Mals(mlxed), gute Sorte 15,20—15,50. MaiS(rund«), gule Sorte 00,00—00,00. Richtstroh 0,00—0,00. Heu 0,00-0,00. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelb«, zum Kochen 30.00—50,00. Speiscbohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindsicisch. Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2.00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1�0— 2,40. Butler 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2,40. Aale 1,80—8,20. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,40-3,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,40, Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,50-60,00. WasscrstandS-Skachrichte» der Landes an statt für Gewäfferwnde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wetterprognose für Mittwoch, den 21. Mai 1913. Zunächst vorwiegend heiter«nd trocken bei mäßigen südwestlichen Winden und langsamer Erwärmung; nachher wieder zunehmende Bewölkung. Berliner W e t t e r burea«. Wasserstand M e m e l, TM P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Rattbor , Krossen Frankfurt Warthe, Schrnnm . Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ')-st bedeutet Wuchs,»- Fall.—'Z Unterpegel. | Todes-Anzeigen| SczialdemokratisciierWaiilifereio I. d.4.Ber{.ßeieiistagswalilkms. Landsberger Viertel.(Bez. 3921.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Franz Faikus Tllstter Str. 13 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 22. Mai, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle deSZentratsriedhoseS in Friedrichs- seid« au» statt. Um rege Beteiligung ersucht l>er Vorntand. Deutseber Bauarbeltenerband. Zwelffvereln Berlin. Am 19. Mai starb unser Mt- glied, der Maurer fram Faikus• (Bezirk Osten II). Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Mai, nach- mittag« 3 Uhr, von der Halle de« Städtischen Friedhofes in Friedrichsfeldc auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 142)17 Der Borstand. Sozialdemokratischer Wablvereiu Neukölln. Am 19. Mai verstarb unser Parteigenosse, der Schuhmacher Ulbert Schröder (Ideal-Passage 11, 6. Bezirk). Ehre seine« Andenke« l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Mai, nach- mittags S'/j Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-Friedhoses, Wariendorser Weg, aus statt. Um zahlreichcBetelllgung ersucht 237/5 Der Borstand. Deutscher Nolzarbelterveriiam!. Zahlstelle Berlin. Den Milaliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler /Udert Immelmann «traßmannstr. 13, im Aller von 51 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute. Mittwoch, den 21. Mai, nachmittags 31;, Uhr, von der Halle des AuierslehungS-Kirchhoses w Weißenscc, Lichtenberger Weg. aus statt. 83/10 Die Ortsrerwalttrng. Allen Freunden und Bekannten R die für uns so ttcfttaurige Mit teilung, daß unser yerzlicbsteS am 19. Mai plötzlich an Gehirn. krämpsen gestorben ist. AJ-wln Körnten Berta Körnten, geb. Dornbusch Karl Körsten, Lausanne Familie Tamm. Die Beerdigung findet am Doimerstag, den 22. Mai, nach. mittags 5 Uhr, von der Halle de» ftädt FrtebhojS w Friedrichs. selbe auS statt. Deutscher Metaiiarbelter-VeM Verwaltungsstelle Berlia. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Karl Böhme Waxstr. 13a am 18. d. MtS. tut Magenkrebs gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Mai, mittag« 1 Uhr, vom Trauerhause an« nach dem ftädttschen Ktrchhos w der Seestraße statt. Ferner den Kollegen zurNachricht, daß unser Mitglied, der Elektro- monteur stemueReiKaig HermSdorj, KurhauSstr. 39. am 17. d. MtS., an Lnngenleioen gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Mttwoch, den 21. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS Hermsdorfer KirchhosS in HermSdorj au» statt. Ferner den Kollegen zurNachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Kurf, Lange Plntschstr. 8, am 17. Mai, au Herzleiden ge- starben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Kai, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des AuferstehungS- Kirch- hose» in Weißensee au» statt. Ehre ihrem Andenke« 1 Reg« Beteiligung erwartet 118/9 Die Orteverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne» und gute» Vaters, Schwieger. uno Großvater» Wilhelm Voß sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen des Berbaudes freier Gast- und Schankwirte zu Berlin meinen ausrichtigsten Dank. 34A Frau l«la Voß nebst Kindern. Bankeafgnng:. Für die reichen Kranzspenden mib herzliche Tellnahme bei der Beerdi- gung unseres Onkels und Schwagers l>aii1 Iiorenz sagen wir allen, insbesondere den Ge» nassen de« lll. Berliner Reichstags- Wahlkreise» und den Kollegen vom Deutschen Holzarbeiterverband besten Dank. j8nna ßchmldt. Berlin W. StP 37a(KeloHnden)j Berlin HO. |GrofieFraok!iirterStr.ll§| Trauermagazin kör Damen-Konfektion I Kleider, Bäte etc. ' AeuBcrste Preise-Ma kW WM in größtem Maßstäbe au ganz niedrigon Proisetu iVestmannl Franz Abraham fiamb. Messina-u.Römertrank-Kell. C.25 Bartalatr.Sa, Fernsp. Kg8t.l3708 Si-Si Bestes alkoholfreies Getränk. 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Llndeke, Warschauerstr. 80. M. Rasenke, Birkenstr 22. Witto Uqv Muakauerstr 16. TT lllc, JudA Ecta Haaieaffalau. Lerantwortlichcr Redakteur: Alfred Wielepp, Reukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» BuSdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. Nr. 123. 30. Jahrgang. 2. SeilM ki Jorroätts" Knlim MIKsdlM Mittwoch. 21. Mai 1913. 13. Derbandstag drs Verbaades der Schiffszimmerer. In Hamburg traten am Sonntag, 18. Mai, die Delegierten des Verbandes der Schiffszimmerer zur 13. Generalversammlung zu- sammen. A l l e r s vom Hauptvorstand betonte in seiner Eröffnungs- rede die außerordentliche Bedeutung der diesjährigen General- Versammlung, die sich mit der Berschmelznngsfrage zu beschäftigen habe. Erschienen sind 29 Dei-gierie, die ob Orte vertreten. Der Vorstand wird durch Allers, Michers und Z i e h l, der Aus- schuß durch I a n d r e y, die Generalkommission durch Ä n o l l- Berlin vertreten. Die Verhandlungen begannen am Montag mit der Erstattung des Geschäftsberichts durch A l l e r s. Der Mitglieder- Verlust sei darauf zurückzuführen, daß wegen der Verschmelzungs- onaelegenheit ein Teil der Mitglieder, darunter die Zahlstelle Wilhelmshaven, zum Metallarbeilerverband übertrat. Einige von einzelnen Mitgliedsckmften ausgesprochene Ausicklüsse wegen Vagatell- fachen ließen erwünscht erscheinen, das Recht des Ausschlusses von den Einzelmitgliedschasten auf die Zentralinstanzen zu verlegen.— Die Unternehmer der Flußschiffwerften überließen in neuerer Zeit wie andere Unternehmer die Leitung der Bewegungen den Vertretern ihrer Organisation, was für den Verbandsvorstand als Verhandlungs- kontrahent eine Vermehrung der Arbeiten bedeute. Im übrigen verwies der Redner wie auch der Kassierer Wichers beim Kassenbericht auf den gedruckten Geschäftsbericht, dessen wesentlichen Inhalt wir bereits mitteilten. Nach unwesentlicher Debatte wurde der Bericht des Aus- schuffes gegeben, der eine lebhafte Diskussion über Unstimmigkeiten zwischen den Zahlstellen Hamburg und Reiherslieg einerseits und Veddel andererseits hervorrief. Die Angelegenheit wurde schließlich durch einen Vergleich geregelt. Eine längere Debatte entspann sich auch über die Wahl des ersten Borsitzenden. Aus dem letzten Verbandstag in Berlin wurde Schmidt zum Vorsitzenden gewählt, der aber wegen Krankheit das Amt nicht antreten konnte. Die Wahl von Allers, die von einer Kommission vorgenommen werden mußte, wurde von Breslau aus wegen eines Formfehlers angefochten. Auf dem Berbandslag fand die Jache ihre Erledigung, weil man mit der Anstellung A I l e r s nachträglich recht zufrieden war. Darauf berichtete A l l e r s über die Verschmelzungsangelegen- heisi Auf Beschluß des Berliner Verbandstages verhandelte der Vorstand mit den Verbänden der Metallarbeiter und der Holz- arbeiler über die Verschmelzung. Die genannten Verbände stellten sich auf den Standpunkt, daß die Mitglieder des Schiffszimmerer- Verbandes, je nachdem sie im Eisenschiffbau oder im Holzichiffbau beschäftigt sind, sich dem betreffenden Verbände anschließen sollten. Der Vorstand mußte aber auf einen geschlossenen Anschluß an einen der Verbände bestehen. Eine Statistik ergab, daß die übergroße Mehrzahl der Mitglieder des Schiffszimmererverbandes im Holz- schiffbau beschäftigt ist. Die Verhandlungen fanden ihr Ende mit der Abmachung, daß der Generalversammlung der Schiffszimmerer der Anschluß an den Holzarbeiterverband vor- geschlagen werden solle. Ueber den Anschluß der im Eisenschiffsbau beschäftigten Schiffszimmerer an den Metallarbeiterverdand sollte sich� dieser mit dem Holzarbeiterverband verständigen. Diejenigen Mit- glieder, die in beiden Branchen tätig sind, sollten beim Holzarbeiter- verband bleiben. Eine ganze Reihe von Zahlstellen fordert in den zum Verbands- tag gestellten Anträgen das Forlbestehen des Verbandes. Andere fordern den Anschluß an den Metallarbeiterverband. In der Dis- lussion wandten sich die meisten Redner gegen die Verschmelzungs- bediirgungen. Die Verhandlungen konnten nicht zu Ende geführt werden, und werden am Dienstag, 29. Mai, fortgesetzt gedeckt hatte. Vorwurf sehr griffsfeld und Eintreten für Der 18. Uerbandstilg der Deutschen Gewerkvereint. In der vergangenen Woche tagten nach der üblichen drei- jährigen Pause wieder einmal die Hirsch-Dunckerschen Gewerk- vereinler. Es war nicht zu erivarten, daß die Tagung etwas Neues bringen würde, nachdem die Mitglieder der Gcwerkvereine jahrzehnte- lang in ihrem Dogma von Harmonie und Selbsthilfe erzogen worden sind, und da sie in ihren Unterstützungskassen die Lösung aller Probleme zu finden hoffen. Wenn überhaupt die Presse Notiz vom Verbandtstage genommen hat, dann nur deshalb,—r das hat in glücklicher Selbstironie der VerbandstagSvorsitzende Hart mann ganz richlig erkannt und ausgesprochen— weil gleich am ersten Tage zwei RegierungSvertrcter Gelegenheit nahmen, die durchaus verständnislose Stellung der Regierung zu allen Berufs- Vereinigungen der Arbeiler wieder einmal in besonders kraffer Form zu dokumentieren. Daß der als Gast anwesende Beauftragte des Staatssekretärs des Innern, Gebeimrat S i e f a r t, nach einem Referate des Verbands- sekrelärs G l e i ch a u f sich herausnahm, den Vorsitzenden aufzn- fordern, den Neserenten wegen der Feststellung von Tarsachen zu rügen, hatten wir schon am vorige» Mittwoch gebührend gekenn- zeichnet; wir konnten aber dabei dem Vorsitzenden den Borwurf nicht ersparen, daß er das Referat Gleichaufs nicht auch inhaltlich Herr Hartmann war über unseren berechtigten erzürnt, und um sich zu retten, verschob er das An- behauptete, wir hätten dem VerbandStäge schlappes den Referenten vorgehalten. Wir habe» das zwar damals noch nicht getan: daß aber auch dieser Vorwurf sehr berechtigt wäre, geht schon zur Genüge aus der.Wacht", dem Organ des Reichsvereins liberaler Arbeiter und Angestellten hervor, wo Herr Anton Erkelenz, dem doch wahrlich nicht Voreingenommenheit gegen den Gewcrkverein nachgesagt werden kann, schreibt: „Die Tagung selbst bat den mutigen Worten ihres Vor- sitzenden leider nicht den Rückhalt gegeben, den sie verdienten. Und einer fand sogar etwas wie eine Entschuldigung vor den hohen Würdenträgern." Dieser Eine war Herr Karl Goldschmidt, der Verbands- Vorsitzende. Es ist selten ein Verbandsvorsitzender von den Verbands- Mitgliedern so desavouiert worden, wie Herr G o l d s ch m i d t auf dieser Tagung. Anträge, die er stellte, fielen unter den Tisch: in seiner Leisetreterei naw oben hin und in seiner unsicheren Sachlich- keit bei der Begründung und Vertretung der.fundamentalen Grund- sätze" des Verbandes bot er ein Bild erbarmungswerter Unzuläng- lichkeit. Es muß herzlich schlecht um einen Vorsitzenden oder um die Sache des Verbandes gestellt sein oder gar um beides, wenn in der Einleitungsrede bei der Begründung der Verbandsgrundsätze nur dann schwache Zustimmung und Beifall zu hören war, wenn Aus- fälle gegen die.roten Gewerkschaften" gemacht wurden. Aus den Referaten sei der Vortrag des Abgeordneten Wein- hausen besonders erwähnt und zwar' deshalb, weil er für einen Arbeilerberufsverein zwar merkwürdig, aber für dieZukunft derGewerk- Vereinsbewegung von Bedeutung und schon für ihren gegenwärtigen Charakter bezeichnend ist. In seinem Referat, das sich.Äoali- tionsrecht der Staatsarbeiter" benannte, brachte Weinhausen statistisches Material über die Anzahl der Staats- arbeiter, die er auf etwa 631) VOO schätzt, von denen 273 999 orga- nisiert sind, und zwar nur 22 999 in den Gewerkvereinen. Hier siehe den Hirsch-Dunckerschen ein weites Rekrutierungsgebiel offen: besonders qualifiziert aber seien gerade die Gewerkvereine für die Staatsarbeiter, da sie. wie es in der darauf angenommenen Resolu- tion hieß, auf das Streikrecht in den sogenannten„gemeinnötigcn" Betrieben Verzichtelen. Als.gemeinnötig" wurden, nach rein foima- listischer Metbode, die Eisenbahn-, Militär-, Werft- und städtischen Betriebe bezeichnet. Wie man leichtherzig die logische Konsequenz des Koalitivnsrechts, die gemeinsame Kündigung und Arbeits- einstellung preisgeben kann, ohne überhaupt nur'begründete Hoffnung zu haben, von den Behörden dafür einigermaßen gleichwertige Gegenleistungen zu erhalten, ist für einen Gewerkschaftsführer(und das wollen doch die Herren nach ihren Behauptungen sein) geradezu unverantwortlich. Dieser— man kann cS nicht anders nennen— Verrat von Arbeiterrechten läßt sich nur daraus erklären, daß die Führer der Gewerkvereine angesichts der dauernden Stagnation der Mitglieder- zahl die Unmöglichkeil eingesehen haben, daß mit der Gewerkvereins- taklik Arbeiierpolitik nicht gelrieben werden kann: und sie versuchen cS nun— Weinhausen selbst erblickte in seinem' Referate, ohne Widerspruch zu finden, im Beamtenideal das Endziel der Gewerk- Vereinspolitik— mit Beamtentaklik Beamtenpolitik zu treiben. Tun die Hirsch-Dunckerleute aber dies, dann müssen sie auch in Zukunft und für immer darauf verzichten, unter die ernst zu nehmenden Ar- beiterberufSvereine gezählt zu werden. Em IncUiftnc und Dandel. Gratisaktien. Die Aktien der Vereinigten Glanz st offabriken A.-G. zu Elberfeld sprangen zu Austmg dieses Monats plötzlich in wenigen Tagen u m 159 Prozent in die Höhe, von 688 Prozent Ende April auf 823 Prozent am 3. Mai. Als Ursache sür die ge- waltigen Kurssteigerungen wurde schon damals eine Kapitalserhöhung mit wertvollen Bezugsrechten für die Aktionäre genannt. Jetzt teilt das Unternehmen in der Einberufung für die nächste außer- ordentliche Generalversammlung mit, welcher Art daS Geschenk an die Aktionäre sein wird: die Mittel für die Kapitalerhöhung um 2,3 auf 7,8 Millionen Mark soll aus Reservefonds entnommen und den Aktionären die neuen Aktien gratis zur Verfügung gestellt werden. Wie schon aus der Gratishergabe der Aktien hervorgeht, bandelt es sich bei der Erhöhung keineswegs darum, ein KapitalsbedürfniS der Gesellschaft zu befriedigen. Schon die letzte Kapitalsvermehrung von 1999 diente nur dem Zweck, den Aktionären besondere Zu- Wendungen zu machen. Auch jetzt ist der Grund sür diese Kapitals- erhöhung und diese besondere Zuwendung an die Aktionäre, wie die bürgerliche Presse offen zugibt, nur in dem Wunsche zu suchen, das Dividendenniveau mit Rücksicht auf die Arbeiterschaft und ihre eventuellen Lohnforderungen, sowie im Hinblick auf Steuerfragen nicht weiter in die Höhe gehen zu lcMn. Die Dividende, die in den letzten sechs Jahren 49, 49, 36, 36, 36 und 49 Prozent betrug, will die Gesellschaft nicht weiter er- höhen, um der„Begehrlichkeit" der Arbeiter nicht Ge- legenheit zu Forderungen zu geben. Eine �Ansammlung von Reserven ist auch nicht doch die wertvollen Anlagen bereits Die Kraft- und Fabrikationsanlagen die Mobilien mit 3 M., die Bahnanschlußanlagen mehr gut angängig; sind so gut wie ganz abgeschrieben. stehen nur noch mit je 2 M., die Utensilien und Werkzeuge mit 2 M., mit 1 M. zu Buch. Auch das Patent- konto figuriert nur mit 1 M. in der Bilanz. Dieses Konto hat da- bei für die Gesellschaft, die künstliche Seide, Kunststroh und ähnliche Zelluloseprodukre aus Holzstoff herstellt, besonderen Wert, da ihre künstlichen Verfahren durch zahlreiche Patente im In- und Auslände geschützt sind. Auch laufen die wichtigsten Patente erst im Jahre 1929 ab. An der Berliner Börse stiegen die Kurse der Glanzstoffabriken auf die Meldung von der Ausgabe der Gratisaktien am Montag um 19 Proz. auf 835 Proz._ Kapitalistischer Raubbau. Die planlose, allein von Gewinngier beherrschte Jagd auf Pelz- tiere birgt für den Bestand der russisch-sibiriscven Tierwelt die größten Gefahren. DaS ergibt sich aus einem Bericht deS Konsulats in Moskau über die I r b' „ i t e r Messe, der Hauptvermittlungsstelle ür den rusflsch-sibirischen Pelzhandel. Man liest da, daß in Jrbit n diesem Jahre zum Verkauf kamen: Feh(fibirisches Eichhörnchen) 4 999 999 Felle Hermelin....... 299 999. Weißfuchs....... 56599, Zobel........ 11999„ Außerdem wurden noch ungezählte Mengen Felle von Rotfüchsen, Wölfen, Luchsen, Bären, Ottern, Iltissen, Mardern, Dachsen, Weiß- Hasen usw. an den Markt gebracht. Trotz dieser riesenhaft er- säieinenden Ziffern ist gegen früher eine starke Abnahme fest- zustellen. So wird berichtet, daß Zobelfelle um 15—29 Proz. im Preise stiegen, aber nur einen Umsatz von 1999 999 gegen 2 359 999 Mark im Vorjahre erreichten.„Die Ernte in rohem Feh", wie der Konsulatsbericht sagt, ist von 6,7 Millionen um 2.7 Millionen auf 4 Millionen zurückgegangen." Die Barbarei dieser Tiervernichtung beleuchtet blitzartig eine Stelle des Berichts, wo festgestellt wird, daß von den 56 599 Fellen von Weißfüchsen nicht weniger denn 45 999 von»neugeborenen" Füchsen, sogenannten Krestowatiki stammen. Wie unsinnig diese Schlachterei selbst vom kapitalistischen Standpunkte aus ist, verrät der Konsulatbericht in der unwilligen Bemerkung:»Es ist sehr bedauer- lich, daß durch den planlosen Fang dieser jungen Tiere der Weiß- fuchs seltener wird. Es werden dadurch große Kapitalien v e r- geudet, denn diese Krestowatiki usw. würden im nächsten Jahre rauche Weißfüchse geben." Zuckcrt�ichcr. Die Regierung und die Gerichte der Vereinigten Staaten befinden sich auf einem angeblich ernst gemeinten Kriegs- zuge gegen die Trusts und die einzige Folge ist, daß die Bekämpftet, sich des besten Wohlseins erfreuen. Sie können sogar wieder auf neue Pläne sinnen, wie das Beispiel des Zuckertrusts beweist. Trotz aller Ableugnung kann es als sicher gelten, daß er hinter einer noch in Vorbereitung befindlichen»großen Sache" steckt, der Gründung der Luisiana Sugar Cane Companh. Diese Vereinigung von Roh- zuckerinleressenten will nämlich nichts mehr und nichts weniger, als unter Aufwand von 69 Millionen Dollar Kapital die 164 Zucker- f a b r i k e n des Staates Louisiana auskaufen, um nur 59 davon im Betrieb zu lassen. Auch ein nur teilweiseS Gelingen wäre für die Konsumenten mit den unangenehmsten Folgen der- bunden. Das Kohlrnsyndikat förderte im Monat April 8,9 Millionen Tonnen(im Vorjahr 7.5 Millionen). Die arbeitstägliche Förderung war nur um weniges gerinder als im März. Der rechnungsmäßige Absatz war gegen das vormonatige Ergebnis in der Gesamtmenge höher, im arbeitstäglichen Durchschnitt niedriger. Der Koksabsatz ist gegen das Ergebnis des Vormonats zurückgeblieben. Der Rück- gang entfällt hauptsächlich auf den inländischen Absatz in Hochofen- toks. Die Ursache des schwächeren Koksabsatzes, ist. da sich die deutsche Roheisenerzeugung im April arbeitstäglich auf der Höhe deS Vormonats gehalten hat. darin zu erblicken, daß die am 1. April dieses Jahres in Kraft getretene Preiserhöhung die Hochofenwerke in den Vormonaten zu stärkeren Bezügen veranlaßt hat. Mittwoch Donneistag Freitag Sonnabend Sonntag Pelerinen Ausnahme- Preise für Loden- Pelerinen Sämtliche Loden Stoffe sind vor der Verarbeitung imprägniert worden. Grau oder grünlich Strichloden, ganz vorzüglich im Tragen, Kapuze abknopfbar, mit Tragbändern, Armdurchgriffen und Taschen Für Herren und Damen Für Knaben und Mädchen Qualität II: Längen 120 di. 139 ew...... Einheitspreis 695 Qualität Iii 410 5« Spezial- Marke: Längen 120».125 cm 1380i3c cm 1625 Spezial-Marke: Linheit,pr�.�°°! 720 Neitlpre" 960 CAm Lager große Mengen echt englischer Gummi- Mäntel"((ISO J (Sin-Ie) in allen Orö&en........................................................ Einheitspreis I Sport-Anzüge— Rucksäcke— Sweater— Oeltudi-Kleidung— Herren-Mützen BaenSohn Spezial-Haus größten Maßstabes für Herren* u. Knaben-Kleidung Chaussee straße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 11 G rü ck e n straße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 Sonntags nur von 8—10 geqffnet. Berlin Gegr. 1891 1863 S3. Mai: 1913 ZU MUcheu Wirderkkhr cles Griinäungstages«les /UlUHi«» llolilselim Meitmesöiiis am 33. Mai 1913 laden wir die Arbeiterschaft Berlins und der Umgebung zum Besuch folgender Versammlungen ein: Berlin: tappoldts Brauerei, Hasenheide 32-.38. ewerkschaftshaus, Engelufer 16. Konzert- und Festsäle, Koppenstr. 29. Brauerei Friedrichshaiu, Am Friedrich shain 16-23. Brauerei Königftadt, Schönhauser Allee 10. Germauia-Prachtsäle, Chausseestr. 110. Pharus-Säle, Müllerstr. 142. Moabiter Gesellschastshaus, Wiclefstr. 24. <11»»rlettenl»nrK; Bolkshaus, Rosinenstr. 3. Schdneberg: Neue Rathaussäle, Meininger Str. 8. NenbSlln: Bartsch, Hermannstr. 49. lAeblenberg: Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee. ]>»nbnw-�ie(ler-8eliSnli»n«en: Rozycki, Gesellschastshaus, Kreuzstr. 3/4. Welßensee: Bergbranerei, Berliner Allee 211. �----------------- Anfang 8 Uhr abends.---------------- Tagesordnung in allen Versammlungen: Cborgcrang: Cord folclbn. Prolog: Zur Gedenkfeier der Gründung des Allgemeinen Dcutfcben Arbeitervereins. Von Gustav Gtengele. Vortrag- 50 Jahre deutsche Sozialdemokratie. Cborgcfang: 0ie Marseillaise. Referenten sind die Genossen Eduard Bernstein, R. Breitscheid, Täumig, Dupont, Grunwald, Haase, Heine, Hirsch, Legten, Pfannkuch, Ritter, Scheidemann, Wissell, Wurm. Folgende Arbeiterchöre haben ihre Mitwirkung zugesagt:„Kreuzberger Harmonie", „Fichte Georginia",„Thilosche Chöre",„Sängerabteilung I",„Norden".„Gesundbrunner Harmonie",„Lerche".„Neu erwacht".„Männerchor Moabit".„Männerchor Neukölln",„Lieder- tafel Charlottenburg",„Lichtenberger Männerchor".„Liederfreunde Pankow".„Männerchor Weißensee"»„Vorwärts-Südost",„Libertö",„Schöneberger Männerchor",„Liedettafel West". Aerband der Zomldemokratischen Mahlveremk Serlias n. llmg. 196/13* Der Einberufer: Engen Ernst, Licseustr. 16. Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher usw. Bureau: Melchiorftraße 28, pari. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Tiliale Serlin. Arbeitsnachweis: Rückerstraße g. Fernsprecher: Amt Norde» 6708. 139/11« Freitag, den SS. Mai, abends 8>/z Uhr, in der Nene« Welt, Hasenheide: Mitglieder sVersammluns Tagesordnung:' Bericht vom außerordentlichen Verbandstag. Diskussion. Wegen der wichtigen Tagesordnung darf kein Kollege in der Versammlung fehlen. « UltgUedsdncI» oder �trelkksrte legitimiert. Die Or�sverwaltnng, Atheisteni fflomsten, Freidenker, Dissidenten, Freireligiöse!! Auf zur Demonstrationsversammluug! ZW- bei Elpps, Am Friedrichahai» 16—23."ME Am Sonnabend, den 24. Mai, abends S'/s Uhr, spriofas der Senator der portugiesischen Republik Ifagalhaes Elma, für den internationalen Freidenke er-Kongreß in Lissabon, über das Xbema; Unser Jahrhundert und seine Ideale.� S. Vortrag des Stadtverordneten Adolf Hoff mann: ,, Preußen in der Welt voran?11 3. Diskussion. 55/11 Der Vortrag des Senators Lima wird vom Redakteur Ernst Dttninig übersetzt. Eintrlttaprels 10 Pf. Der Einbernfer: A. Harndt, Pappelallee 13—17. Verwaltung Berlin. Montag, den 26. Mai 1913: Mitglieder- Versammlungen der Bezirke und Branchen zur Berichterstattung von der Generalversammlung. Mittwoch, den 28. Mai 1913: Urabstimmung über die fernere Höhe der Beiträge. Frettag, den 3«. Mai 1913, abends 8 Uhr. in den„Koukordia-Festsälcn", Audreasstr. 64: Generalversammlung als Fortsetzung der Geue?alversammlnug vom 19. Mai. Modell-«. Fabriktischler. Donnerstag, den 22. Mai 1913, pünktlich 8 Uhr, im„Roseuthaler Hof", Roseuthalerstr. 11/12: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: �®cnoff4(t Rewollnsky: Erste Hilfe bei Un- SJ"J? I v" �7. �5eai|)' 2- Bericht von der Generaloersammlung. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Die Ortavem-altnng. Zentralverb. der Handlungsgehilfen Bezirk Grost-Berlin. Bureau:«. SS. Muuzstr. S0 II. Tel.: Amt«ouigftadt 16SS. - ,< Tonnerstay, den SS. Mai. abends 8'/, Uhr. Haverlanda Eest«äle(frülier Trösel). Nene �ricdrichftr. ZS: Mgiiecker-Versammlung. Tagesordnung? 283/19 t. Vortrag des Schriftstellers Max(Znurwald übsr:„Das Bevölkerungsproblem". 2. Geschäftliche Bütteilungen. Wir bitten um zahlreichen Besuch. gM- Gäste willkommen.-W« ______ Die Ortaverwaltnng. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleidea. Prlnzenslr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Kranzspenden sowie sämtliche ßlutnenarrangetn ents liefert schnell und billig Punl Gros«, Lindenstr. 69, Tel. Mpl. 7203. Dersil � das seibskiäHge Waschmikfel Kaffccflcckcn auch solche von Kakao, Tee, Obst, Blut. Tmle etc. herrührend, beseitigt spielend einmaliges Waschen in Persil. Denkbar gründlichste Reinigung bei grösster Schonung des Stoffes und garantierter Unschädlichkeit. Ucberall erhältlich, ni« Io»e. nur in Origindl-PahcUk HENKEL& Co.. DÜSSELDORF. Auch Fabrikanlen der«llbeliebten HenKel s Bleich- Soda Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69 rer Die gemeinsamen Vorschritten u.d.Verfahren. Preis 40 Pf. Dieses Heft enthält auch die Formulare, wie sie bei der Einrichtung von Klagen und Eingaben zu verwenden sind. II Krankenversiche- Preis 30 Pi Die rung hl Die Gewerbe- Unfallversicherung, pr. so Pf. iv. Die landwirtschaftliche Unfallversicherung. Preis 40 Pf. v. Die See-Unfallversiche- pnnn Mit Hinweisen auf lUliy. d. Rechtsprechung. Preis 40 Pf. Die Invaliden- u. Hinterbliebenenversicherung. Preis SO Pf. Auch durch die„Vorwärts-- Speditionen zu beziehen, VL Bettwäsche, Teppiche, Gardine«, Portieren, Stepp» und Tülldecken. iul Teilzahlung, ohne inzahliing. Kein Kassierer. 9012' Hataner, Huselandstr. 41, SSilb erlaben; Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden). H enepschel nun gen: AbhamUnngen und Vorträge znr sozialistischen Bildnng. Herausgegeben von JSax Grunwald Heft 7: Tenenmg, Warenpreise und Goldprodukdon von J. Karsbi. V Heft 8: Die Eonsmngenossenselialts- bevepg der deutsehen Arbeiterklasse von' Paul Göhre. Preis jedes Heftes 50 Pf. Garbat Ci�aretfen Qualiiai m Theater. Mittwoch, de» 31. SKai 1913. Ansanz 71;, Ubr. Sönigl. Opernhaus. c?avaUsiia raotloan». Lajazzi. Ftöuigl. Schauspielhaus. Ariadne auf Raxos. Prater. Das Bunmielmädcheu. Aniana 8 Udr. Ilrauia. Die Nordseeinsel Sylt. Neues Opern(Kroll). Carmen. Lessi»«. W-Wien. Deutsches. Der blaue Vogel. Kamnierspiele. Die Einnahme von Berg-op-Zoonl. Berliner. Fiimzauber. Königgräher Strafte. Die siws ftranksurter. Schiller O. Zwei Wappen. Schiller-Charlottenburg. Moral. Dhearer des Westens. Ter Logelhändler. Montl» Operetten. Der lachende Ehemann. Deutsches Schauspielhaus. Ein idealer Gatte. Kleines. Professor Bernhardt. Deutsches Opernhaus. Der Mikado. KomödieuhauS. Hochherrschastliche Wohnungen. Metropol. Die Kmo-Königin. Trianon. Madame£. Thalia. Puppchen. Luisen. Die drei Schwestern Ran« dols. Rose. Prinz und Bettlerin. Wintergarreu. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. ansang 8'/, Ubr. Theater am Nollendorfplaft. Extrazug nach Nizza. Friedr.. Wild. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Residenz. Die Frau Präsidentin. Luftspielhaus. Majolika. Folies Caprice. Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy. ansang 8'f, Ubr. Neues Loltsthearer. Ernst sein. Ansang 3 Ubr. «dmiralSpalaft. Eisballett: Flirt in St. Moritz. » �» Sternwarte. Jnoalidenstr. 87—32. Sehiller-IhealeF O.IS Mittwoch, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Donnerstag, abends 8 Uhr; Zwei Wappen. Freitag, abends 8 Uhr: fteogrnphie and Liebe. Sehiller-Theaier Mittwoch, abends 8 Uhr: Zlerai. Tonnerstag, abends 8 Uhr: Rlerai. Freitag, abends 8 Uhr: Hed«ia Ciabier. Kroll- Oper 8 Ubr: Carmen. Donnerst.: Die Meistersing. v. Niirnb. _ Freitag; Lohengriii. Sonnabend: Bujazzi. Hieraus; Cavallerla rnsticana. TbeateratnKoIlendorfplatz Täglich abends 8'/« Uhr: Extrazug nach Nizza. Trianon-Thealer. Täglich 8 Uhr: X. Sonntag, 25. Mai, nachm. 3 Uhr: Der seiige leupinei. tatis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Sommerpreise l Abends 8 Uhr Ber lachende Ehemann. allen' jEeiferv Täglich in den Jagend- Vorstcllnngcn. Erwachsene bi. 7 Uhr auf allen Plätzen anfier Loge n. Rang JJO Pf.. Kinder lO Pt. Täglich vier Vorstellungen: 3, 5, 7 und 9 Uhr. BeatachesMchanapielhan. 8 Uhr: Ein Idealer Gatte. Tä 8 Berliner Theater. Filmzauber. Theater des Vestens. 8 Uhr(.Volkstümliche Preise*): Der Vogelhändler. Groge Frankturter®tr. 132. Prinz und Ktttleriv. l\ Ansang 8'/. Uhr: Donnerstag: Krone u»d Fessel. Auf der Gartenbühne: Achtung! Es geht los� Gr. Posse. Konz. Bunt. Teil. Ans. 4-/, Resideni-Theater. Schlug der Spielzeit am 31. Mai. Die Trau Präsidentin. (bladame la Presidente). Schwank in 3 Akten v. M. Henneauin und P. Veber. Morgen und folgende Tage: Bie Eraa PrUaidentin. 8 Ubr: Die fünf Frankfurter. Folies Caprice. Die Novitäten: # Die Bank.# • Sein letzter Wille.» • Der Cowboy. O Anfang 81/. Uhr. Borverk. 11—2 Uhr. Brauerei Friedrichshain« Am Köutgstor. Oek.: Ernst Llebing. DM" leben Dienstag- unö Donnerstagnaohmittag:-MR Ksffee-7rei-VorsteNung der Xorddentsciton und Apollo• Jünger bei freiem Gntree. Freitags: Frei-Konzert. M! Tlrani». DanbenatraLe 48/40. Wissenschaitliches Theater. Abends 8 Dhr: Die Nordsee-Insel Sylt. ••IT • LOCiSCHER GARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: GrJilitär-Doppelkonzert Binlritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 60 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Jahresabonnements au allen drei Schalterkassen SRetropot-Thealer. Die Rino-Eöiiigin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. OkonkowSki. Musik von Jean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Ä„CIon« -- ManprctraRo fi9_ 71 :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90/91. Hente: Gr. Konzert des kerllner tlederlrren? vor der Norwegen. Abreise nach Schweden and Chormeister: Emst B. Mitlacher unter Mitwirkung des Musikc. 4. Garde-Feld- Art.-Ke, Dirig. Oberm. Wlndolf. Anfang S1/. Karten im Vorverkauf 50 Pt zu haben im„Clou" und den mit _ Plakaten belegten Handlungen. Abendkasse 75 Pf,_ Neue Welt. Arnold Scholz. Ha.enheide 108/114. Blttwoch, den LI. Kai: Gr. Kinder-Freudenfest verbunden mit Graiis-Verlosung. 1. Hauptgewinn: Je eine silberne Knaben- und Mädchen-Uhr. Anfang 4 Uhr. Im neuen Saal: Entree 15 Pf. Großer Ball. 9UI Toranzeige: Donnerstag, den 22. Mai: Elitetag verbunden mit großem Brillant Feuerwerk. Licht-Spiele Freitag, 23. Mai, HeianderpL D. 1 Linden Leo Tolsteis = Alleiniges= Aufführungsrecht für Groß-Berlin. �assage-Panoplikum Der weltberDhmte amerikanische Negepboxer Andrea Johnson bei sein, Training zum Kampf um die Weltmeisterschaft. Jon Got. der akrobatische Schlafwandler! Der Mann mit der eisernen Hand. a rra die schwebende Jungfrau I Alles lebend!"TjEg Alles ohne Extra Entree! Voigt-Theater. Badftrafte 08. Jeden Mittwoch: Elitetag. Auf naoh Amerika. Anftr. erstklassiger Spezialitäten. S Uhr ab; Ltafseclocheu. Kassenöfftmng 2 Uhr. Ansang 4'/. Ubr. Reichsballen-Theater Stettiner Sdnger. Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Admiralspalast. Eis-Arena.— Allabendlich das er. erfolgreiche EisbaUett Flirt in 8t. Moritz. Bis 6 Uhr und von lO*/. Uhr halbe Kassenpreise. Rcstanrant I. Hanges. Wein- und Bier-Abteilimg. Für den Inhalt der Juierare übernimmt die Stedattton dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. 8. VrenMch.Sndd-ntfch- (238. König!. Ureich.) Kiasstnlotterie v.«lasse S. Ziehungstag 20. Mai 1913 Vormittag Auf jede(tsojidic Silin»»«, find zwei gkclch Holl« iseloluu« a-fliUen,»ud zwar jt«>»«, aus die Lose Ileicher Stummer io de» beide» Abtetluugeu I a. II. Stur t\i Sewinue über 240 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. 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VrenMch.Ziiddentsch- (228. König!. Krenß.) Kln ist», lotterte 5. Klasse v. IlehungStag 20. Mai 191Z Nachmittag Auf jede gelegene Nummer sind zwei gleich I Gewlnue gefallt», und zwar je einer aus die gleicher Stummer tu deu betdeu Stbteiluugeu l u. ode 19 919 64 1 64097 124 28 207(3000) 333(600) 84 99 763(1000) 66(1000) 18 5063 71 161 67 75 21611000)32 89(500)319(1000)38 68 419 90 572 680 837 62 76 I6SC41 58 264 381 647 92 866 187005 24 29 40 312 70 446 61 994 168045 140 373 97 435 514 395 1 69122 97 362 86 525 633 754 88 973 17 0044 464 70 809 31 I7I026 33 177 554 639 737 67 817 71 906 76 1 7 2066 166 364 482 610 798(1000) 961 17 3076 (500) 83 116 303 6 31 484 91 641 70(500) 84 678 744 824 918 174114 300 498 682 827 1 7 5073 264 316(600) 63 463 72 (3000) 628 944 1 7 6009 227 70 377 89 410 627 853 1 7 7 234 371 609 090(600) 704 69 899 1 7 3093 95(3000) 163 231 36 91 380 551 651 53 744(1000) 179106 27(3000) 276 649 67(3000) 712 808 032 18 0272 317 96 692(600) 718 883 SOS 11 181091 202(3000) 48 413 23 517 817 930 1 82149 382 98 417 516 629 1 83080 619 96 720(600) 834 43 1 84134 35 38(3000) 429 625 632 810 41 966 1 8 5071 127 77 84 341(600) 70 408 18 614 27 730 880 81 956 18 8046 261 322 76 680(600) 618 63 836 962 1B7398 439 40 635 602 66 68 706 88 938 1 88190 225 456 97 863 18 9050 377 37(500) 468 69 73 561 991 190161 285 430 78 764 1 91030 67 94 229 89 432 49 68 663 776 697 939 1 92071 96 124 244 327 609 624 742 46 69 851 66 193458 855 897 194044 00(1000) 124 238(3000) 459 640(600) 8SÖ 195016 266 324 601 93 767(500) 854 970 19 6014 23 175 80 241(1000) 87 365 67 417 543 66 661 837 922 43 1 97173 210 369 86 616 743 76 807 70 1 98134 292 448 63 652 674 703 27 872 1 9 9063 166 60 241 378 410 721 38 94(500) 862 933 73 280096 397 488 884 281036 199 239(600) 338 441 99 623 77 948 202391 469 730 823 55 60 946 283043 147 54 266 68 600 719 82 877 2 8 4061 223 91 365 472 500 720 2 8 5 029 232 60(500) 346 566(600) 647 713 66(600) 83 2 0 6154(1000) 360 606 72 610 709 69 864 2 0 7187 486 867 730 979 2 8 8024 ,37(1000) 187 243(1000) 349 466 86 664 718 20 8218 334 433 93 630 600 92(10001 904 21 0379 495 99 576(1000) 626 211226 62 332 426 81 658 781 839 959 21 2164 259 77 373 84 622 844 70 76 21 3058 314 89 603 61 63(500) 772 968 214277 360 499 844 607 897 21 5022 477(500) 654(3000) 56 93 650 769 21 8951 170 73 365 686 770 996 21 7062 11» 43 269(500) 467 542 763 815 (600) 43 21 8170 75 90 615 739(1000) 21 9124 224 35 473 616 609 37 66 934 71 23 0063 91 231 418 99 671 81 616(1000) 41 60 765 841 221511 666 900 2 2 2 024 146 86 231 83 311 27(1000) 73 472 95 712 82 832 2 2 3139 49 210 21 90(600) 462 SE 521 802 919 2 2 4025(1000) 468 96(1000) 667 765 822 89 2 2 5363 623 62 22 8 011 66 212 73(1000) 83 93 763 2 2 7033 126 326 696 633 806 984 2 2 8032 64(1000) 94 100(600) 86 309 440 48 913 2 2 9022 128 37 79 82 259 92 679 618 40(800) 60 866 76 912 16(1000) 2 3 0313 473 518 674 720 60 814 2 31189 329 39 446 58 89 646 886 88 927 232223 63 396 696 233634 83(1000) 233 77 341 679 787 608 Nur die Gewinne über 240 M. sind io Klammern betgefügt. (Ohne Gewähr SC. St.-A. f. ß.)(Rachdruck verboten) 200 11(1000) 309(1000) 403 63 786 831 62 90 97 934 1081 236(1000) 66 314 66 561 679 738 67 831 996 2005 57 196 757 3009 47 105 30 37(600) 62 223 79 326 402(1000) 336 712(600) 827 4041(500) 120 68 70 626 763 77 866 914 6095(1000) 103 17 63 243 330 480 828 40 908(500) 12 57 8000 78 127 235 37 65 361 782 87 91 901 66 57 66 7 020 376 603 633(3000) 35 74 740 924 66 8075 646 914(600) 9i79(1000) 233 64 621 739 948 10220 44 336 613«78(600) 764 899 920 26 11185 494 649 688 836 63 956 12221 76 626 618 721 969 1 3074(600) 81 179 266(1000) 79 84 431 626 736 80 877 1 4160 623 51 781(1000) BIS 990 1 5141 216 663 728(3000) 44 812 976 1 6038 293 312 48 410(500) 620 85 859 995 1 7041 162 220 384 480 610 11 66 904 29 35 1 8142 212 76 97 313 690(600) 927 64 18063(600) 217 89 643 673(600l 28061 302 25 80 93 438 676 86 766 839 923 71(3000) 21065 93 120 337 71 76 473 99 607 62 643 95 789 933 63 2 2048(3000) 256 360 609 712 939 71 22144 97 429 704 841 939 63 2 4187 204 450 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Fritz Krüger, Zorndorserstraffe 3. sil28 Ler Driginal-Zlsekepeter Martin Inhaber: Msntin, klüiusti'slie, kelle Kaiser-Wilhelm- Strafie, ist wegen Nichtanerkennung der Lrganisatton für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt.— Die zurzeit da beschäftigten Kellner gehöre» gelb en Organisationen au. Verband der Gastwirtsgehilfe«. Ortsverwaltung Berlin. ffnnshmeNellen kür„IKIeine Anzeigen" Iterlin C. A. Haliniich,-Ackerstr. 174. !|H'. G. Tckimidt, Kirchbachstr. 14. O. R. Hnckclbuich, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel. Koppen- straffe 62 St. Wenge!», Gr. Franksnrter Str. 120. XO. L. Zucht, Jinrnanue/kirchstr. 12. I. Re»l, vnnnmstr. 42. d>.. W. Baumonn. Rbeinsberger Str. 67. H. Fischer. Bastianstr. 6. Karl Rinrs, Grcisenhagener Str. 22, J.Hönisch. Müllerstr. 34 a H. Bogel. Lortzingstr. 37. Zl. Tie», Jnvalidenftr. 124 L. Tcttiand. Nubeplatzstr. 24. \W. Solowon Joseph. Sälzwedelerstr. 8. SW. H. Werner, Giiciienaultr 72. Taehn. Hagelbcrger Str. 27. S. St. Irin, Prinzenstr. 31. H. Lehmann. 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Potsdamer Str. 30. Genter. Gcke Luxemburger Str. Friedrichstr. 225(Friedrichshaus). Oranienburger,(Srfc Ziegel- straffe(Postgebäude). Tischsabrik Rrtimer, Lichten- berg, Möllendorffitr. 53. Das Berliner'Arbcitswtlltgen' bermittelungsbureau b. gelbe» »Handwerkerschutzberbanbes". Arbeitsnachweis d. Stellmacher» innung und der Wagenfabri- kanten, Kaiser-Franz-Krenadier» Platz. Zuzug ist streng jernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbande Berantwvrttscher Rebakleüi: Alfred Wieltpp, Neuköklvl Zutz b?n Lnierakenteil oeecmtS,, Th. Gwtke.Äerlm. qhruck a. Verlag: Vorwärts Buchoruckere, n. VerlagSanstalt�Paul Tmget u. Co., Berlin S9L ür. 123. 30. Zahrglmz. 3. KnlM des Jutmirts" J ftlintt loMIntt. Mmch. 21. Uli 1913. AahlmZnvei'-Stichu'ahIen. Im 4. Lauotagswahlbeztrk findet in folgenden UrWahlbezirken Stichwahl zwischen sozial' demokratischen und freisinnigen Wahlmännern statt. 210. Nrwahlbezirk, III. Abteilung, zu wählen: Ein Wahlmann. 213. Urwahlbezirk, III. Abteilung, zu wählen: Zwei Wahlmanner. 216. Urwahlbezirk, HI. Abteilung, zu wählen: Zwei Wahlmänner. 236. Urwahlbezirk, H. Abteilung, zu wählen: Zwei Wahlmänner. 246. Urwahlbezirk, H. Abteilung, zu wählen: Ein Wahlmann. 377. Urwahlbezirk, H. Abteilung, zu wählen: Zwei Wahlmänner. Die Genossen der übrigen Urin ahlbezirke, welche nicht zur Wahl stehen, werden gebeten, zahlreich zu erscheinen und Wahlhilfe zu leisten. Es muß alles daran gesetzt werden, damit die noch ausstehenden Bezirke erobert werden. DaS Wahlkomitc». Die Stichwahlen im Vi. Landtagswahlbezirk. In den Urwahlbezirken 1341— 1343 und 1346 finden die Stichwahlen der l. Abteilung statt. In den Urwahlbezirken 1265, 1266, 1269, 1223, 1246, 1243, 1244, 1248, 1249, 1256, 1265, 1271, 1272, 1273, 1275, 1277, 1273, 1281, 1284, 1287, 1296, 1365 finden in der N. Ab teilung Stichwahlen statt. In den Urwahlbezirken 1176, 1178, 1186, 1181, 1183, 1184, 1185, 1186, 1188, 1189, 1191, 1192, 1193, 1194, 1196, 1138, 1266, 1253, 1266, 1282, 1285, 1293, 1363, 1364, 1366 finden die Stichwahlen in der III. Abteilung statt. Im einzelnen handelt es sich um folgende Bezirke und Wahllokale: 1176. Friedrich-Karlufer von Moltkebriicke bis Alsenbriuke, Jnvalidenufer 57— 79, Alt-Moabit 1— 10 und 130— 145, Lehrter Bahnhof, Stadtbahnbogen 290—328, Wilhelmsufer. Wahl!.: Alt- Moabit 130 bei v. Borde. 1178. Flemingstr. 1— 2, Gerhardstr. 1— 5 und 13— 18, Lüneburger Str. 12, Werftstr. 6— 13. Wahll.: 187. Gem.-Schule, Gerhardstr. 4-5, Turnhalle. 1180. Flemingstr. 15-16, Lüneburger Str. 13— 30, Paul- stratze 18— 20 und 21, Spenerstr. 19 und 20, Stadtbahnbogen 391 bis 410. Wahll.: Lüneburger Str. 12 bei Rockel. 1181. Flemingstr. 3— 14, Melanchthonstr. 1 und 23, Paulstr. 10 bis 17 und 21a— 27. Wahll.: Paulstr. 30 bei Letz. 1183. Melanchthonstr. 2—12 und 27. Spenerstr. 9—13 und 26 bis 30. Wahll.: 31. Gem.-Schule. Ält-Moabit 23, Turnhalle. 1184. Melanchthonstr. 19—26, Spenerstr. 14—18 und 21— 25. Wahll.: Spenerstr. 20 bei Fahnick. 1135. Alt-Moabit 11— 16, Rathenower Str. 79— 83. Wahll.: Alt-Moabit 14 bei Stein. _ 1186. Alt-Moabit 17 und 114—120, Spenerstr. 1—8 und 31 bis 35. Wahll.: Spenerstr. 5 bei Wermelskirchen. 1188. Calvinstr. 15— 21a, Helgoländer Ufer, Kirchstr. 11— 16, Melanchthonstr. 16— 18, Thomasiusstr. 11— 16. Wahll.: Melanchthonstr. 23 bei Schuchardt. 1189. Calvinstr. 8—14 und 22—29, Melanchthonstr. 13—15. Wahll.: Calvinstr. 21a bei Niegisch. 1191. Äirchstr. 1—10 und 17—23, Alt-Moabit 107—108. Wahllokal: Kirchstr. 18 bei Anderfuhr. 1192. Bochumer Str. 1—4, Elberfelder Str. 1— 5 und 35— 40, Alt-Moabit 30—826, Ottostr. 1�, der westliche Teil des kleinen Tiergartens von Thusncldaallce bis Otwstraße. Wahll.: Alt- Moabit 80 bei Norbert. 1193. Dortmunder Str. 8, Elberfelder Str. 9— 20, 24— 25 und 27— 28. Wahll.: Elberfelder Str. 11 bei Burmeister. 1194. Bochumcr Str. 5-10, Elberfelder Str. 6-8 und 20-34, Essener Str. 12—21. Wahll.: 231./263. Gem.-Schule, Bochum er Straße 8c, Turnhalle.>> 1196. Bochumer Str. 21— 27,'Crefelder Str. 1— 6 und 16— 17, Esiener Str. 7—11, Alt-Moabit 83— 83c. Wahll.: Crefelder Str. 6 bei Finkentey. 1198. Bochumer Str. 14— 20, Bundesratufer 1— 9, Crefelder Straße 7— 15, Essener Str. 22 bis Ende. Wahll.: Crcfelder Str. 18 bei Köpkc. 1200. Agricolastraße von Solinger Straße bis Wickinger Ufer, Elbcrfelder Str. 21 und 23. Jagowstr. 4a— 8 und 36— 42, Levctzow- straße 1— 10, 18—24 und 26, Tile Wardenbergstr. la— 4 und 25 bis 30, Wickinger Ufer 4 bis Ende. Wahll.: 199./205. Gem.-Schule, Lcvetzowstr. 26, Turnhalle. 1205. Bcusselstr. 1, Gotzkowskystr. 18— 23, Levetzowstr. 25, Alt- Moabit 47— 71a, Zinzendorfstr. 1— 5 und 10— 18, Zwinglistr. 30. Wahll.: Alt-Moabit 47-48 bei Limbourg. 1206. Alt-Moabit 35—38 und 77—79, Ottostr. 11. Jagow- straße 21— 24 und 26— 30. Wahll.: Alt-Moabit 77 bei Hindemith. 1209. Jagowstr. 25, Alt-Moabit 39— 46 und 72— 76, Zinzendorfstr. 6— 9. Wahll.: Alt-Moabit 76 bei Hagedorn. 1229. Waldstr. 16—21 und 39—41, Wiclefstr/ 27— 28. 42 und 43. Wahll.: Waldstr. 21 bei Schwarz. 1240, Oldenburger Str. 15— 18 und 33— 35, Wiclefitr. 8— 13 und 57—62. Wahll.: Wiclefitr. 58 bei Reschke. 1243. Bremer Str. 20—26 und 46— 57, Wiclefitr. 5— 7 und 63— 65. Wahll.: Bremer Str. 54-55 bei Zeidler. 1244. Wilhclmshavencr Str. 14— 23 und 50— 56. Wahll.: Wilhclmshavenerstr. 14 bei Trill. 1248. Oldcnburgcr Str. 26— 28, Siemensstr. 19— 42, Straße 30 lAbt. VIII), Unionplatz, Unionstraßc. Wahll.: Siemensstr. 26 bei Wache. 1249. Birkenstr. 31—32 und 45— 49, Wilhelmshavener Str. 24 bis 32 und 48— 49. Wahll.: Wilhclmshavener teir. 24 bei Köhler. 1253. Oldenburger Str. 1— 5 und 46— 49, Turmstr. 36—47 und 81—85. Wahll.: Turmstr. 37 bei Gisa. 1256. Emdener Str. 9, Oldenburger Str. 13— 14 und 38— 45, Waldenscrstr. 7—8 und 26— 28. Wahll.: Oldenburger Str. 40 bei Röder. 1260. Ärminiusplatz, Am ArminiuSplatz, Bredowstr. 1— 7 und 48— 50, Breuer Str. 1— 12a und 66— 76, Bugenhagenstr. 7— 8, Jonasstraße. Turmstr. 33— 35, Waldenscrstr. 1 und 35. Wahll.: Bremer Str. 72-73 bei Schölzel. 1265. Birkenstr.- 60-61, Lübecker Str. 8— 21, Perleberger Straße 33, 34, 36 und 40—41. Wahll.: Lübecker Str. 16 bei Toll. 1271. Birkenstr. 17— 24 und 55—.59, Havclberger Str. 29—31, Lübecker Str. 25 und 26. Wahll.: Birkenstr. 58 bei Lemke. 1272. P'rkenstr. 25—28 und 51— 54. Stendaler Str. 11. Stsphanstr. 37—45, Stromstr. 33a. Wahll.: Birkenstr. 25 bei Baumann. 1273. Havelberger Str. 1— 9 und 22—23, Pcrlcberger Str. 32. Wahll.: Havelberger Str. 24 bei Pallavicini. 1275. Putlitzstr. 5— 10 und 12— 15a, Salzwcdclcc Str. 10—16. WaM: Putlitzstr. 10 bei Hartmann. 1277. Havelberger Str. 10—21, Quitzowftr. 119 und 120, J Stendaler Str. 9— 10 und 12—15, Stephanstr. 24—26 und 46— 48. 'Wahll.: Havelberger Str. 12 bei Wauschkun. 1279. Perleberger Str. 51, Rathenower Str. 48— 49, Stendaler Straße 1— 8 und 16— 23. Wahll.: Stendaler Str. 2 bei Donner 1281. Ouitzowstr. 38— 78, 110—114, 116—118 und 121—128, Rathenower Str. 34— 41, Stephanstr. 16 und 54— 55. Wahll. Ouitzowstr. 62 bei Hehder. 1282. Kruppstr. 10—13, Rathenower Str. 50— 63, Wilsnackcr Straße 29—30. Wahll.: Rathenower Str. 60 bei Mosebach. 1284. Pcrlcberger Str. 48a, Wilsnacker Str. 31— 37 und 39 bis 45. Wahll.: Wilsnacker Str. 36 bei Kadow. 1288 Birkenstr. 1— 6 und 71— 78, Rathenower Str. 64— 63. Wilsnacker Str. 20—28 uA> 46—47. Wahll.: Wilsnacker Str. 27 bei Altenburg. 1287. Bandclstr. 12—19 und 22—31. Wahll.: Birkenstr. 70 bei Gallmann. 1293. Drehsestr. 1-2 und 18— 22, Pritzwallcr Str. 1— 9, Rathe nower Str. 69— 78, Turmstr. 1— 5a und 88— 93, Wilsnacker Str. 7-8. Wahll.: Pritzwallcr Str. 15 bei Kalkowsky. 1296. Ouitzowstr-. t*l, Stephanstr. 1—8 und 60—63. Wahll. Stephanstr. 5 bei Dietrich. 1303. Äruppstr. 5— 8 und 14— 15, Rathenower Str. 9— 19, Kaserne des 2. und 3. Bataillons des 4. Garderegiments zu Fuß. Wahll.: Kruppstr. 9 bei Brosin. 1304. Döberitzer Straße, Heidestr. 1— 20 und 34— 73, In. validenstr. 50—55, Lehrter Str. 1— 5d. Wahll.: Jnvalidenstr. 53 bei Bergs. 1305. Heidestr. 21— 33, Lehrter Str. 45—46, Am Nordhafen — südwestliches Ufer zwischen der Heidestraße und Kieler Brücke, Perleberger Str. 61—63, An der Putlitzbrücke, Pullitzsteg, Bahnho Putlitzstraße, Südufer. Torfftr. 5-8 und 32—35. Wahll.: Süd. ufer 22 bei Nitzschke. 1306. Lehrter Str. 6—35. Wahll.: Lehrter Str. 34 bei Klunter. 1341. Buchstraße, Föhrer Str. 3-5, Nordufer 13 bis Föhrer Straße. Wahll.: Buchstr. 3 bei Linke. 1343. Fehmarnstr. 13—14, Nordufer 5—9, Torfstr. 21— 29, Wahll.: Torfstr. 29 bei Stall. 1346. Fehmarnstr. 15— 25, Föhrer Str. 8. Wahll.: Föhrer Straße 10 bei Tamms. flu$ der CungenlKilltälte Slawentzitz, die in Oberschlefien(Regierungsbezirk Oppeln) liegt, aber auch von der Landesversicherungsanstalt Brandenburg zur Unterbringung ihrer Kranken mitbenutzt wird, berichtet man uns über allerlei Uebelstände. An der Spitze stehen, wie üblich, Beschwerden über M ä n g e der Beköstigung, doch scheint diese Klage zum Teil sich daraus zu erklären, daß die Bewohner der Vororte Berlins an die schlefifche Küche meist nicht gewöhnt sind. Man sagt uns auch, daß es der dargereichten Kost an der wünschenswerten Abwechselung fehle, so daß selbst diejenigen, die gegen die Güte der Speisen und gegen die Art ihrer Zubereitung zunächst nichts einzuwenden haben, allmählich Widerwillen dagegen empfinden. Weil wir wisien, daß in Anstalten nicht der Geschmack jedes einzelnen maßgebend sein kann, wollen wir auf die Beköstigungsfiage nicht weiter eingehen. Hervorheben möchten wir nur, daß mindestens die Milch doch wohl in bester Qualität gereicht werden könnte. Die von uns befragten Personen gingen in ihren Ansichten über Güte und Schmackhaftigkeit mancher Speisen weit auseinander, aber einig waren sie darin, baß die Milch nicht fett genug fei und keineswegs zu reichlichem Genuß anreize. Andere Klagen betreffen hygienische Mängel, wie man sie in einer solchen Anstalt eigentlich nicht erwarten sollte. Die Lungenheilstätte liegt nicht im oder am Walde, sondern mitten im Dorfe. Sie hat zur Beseitigung ihrer Fäkalien eine Anlage, deren Düfte' die Luft des Gartens erfüllen, so daß der Aufenthalt in ihnr bei wärmerem Wetter und ungünstiger Windrichtung manchem als eine sehr fragwürdige Erholung gilt. Bedenklich scheint uns auch, daß in den Schlafräumen die Fußböden parkettiert sind und ihnen daher nicht allzuviel Feuchtigkeit zugemutet werden kann. tadelt wird ferner, daß die Badegelegenheit gegenüber der Zahl der Insassen unzureichend sei und daß die Reinigung der Bade. wannen, da sie den Kranken selber überlassen wird, mangel. Haft bleibe. Daß in Beschwerden über Anstaltsmängel auch die Klage über ungehörige Kontrolle der Lektüre immer wiederkehrt, ist be- könnt. In Slawentzitz war einigen Patienten der von ihnen abonnierte orwärts' nicht ausgeliefert worden. Auf ihre Beschwerde soll der Chefarzt Dr. Stolzenburg ihnen erklärt haben, er habe nicht nötig. dieses Blatt in der Anstalt verteilen zu lassen. Der Postbote händigt dort nicht selber den Abonnenten die Zeitungen ein, sondern gibt sie beim Personal ab. Dr. Stolzenburg scheint nun zu meinen, daß ein Personal nicht dazu da sei, den„Vorwärts' zu verteilen. Wenn die Angabe, daß er gegenüber den Beschwerdeführern den „Vorwärts' ein„Schweineblatt' genannt habe, zutrifft, dann können wir das Urteil über diesen Herrn getrost unseren Lesern überlassen. Die„BorwärtS'-Abonnenten ließen sich natürlich nicht davon ab halten, das ihnen zusagende Blatt nach wie vor zu lesen. Sie waren nur genötigt, fortan selber zur Post zu gehen und eS dort abzuholen. Bildet der Herr Chefarzt sich ein, daß er durch solche Maß regeln die«Unzufriedenheit' aus der von ihm geleiteten Anstalt verbannen kann?__ parte!-)Zygelegenbeiten. Neukölln. Heute abend findet bei Bartsch, Hermannstr. 49, die Versammlung der Jugend'ektion statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Der deutsckie Bauernkrieg.' Referent: Genosse Eberlein. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Charlottenburg. Genossen, die gewillt sind, bei den heute in Wilmersdorf stattfindenden Stichwahlen zu helfen, werden gebeten, sich Lauenburger Str. 20 bei Schilling zu melden. Wilmersdorf. Halcnscc. Heute Mittwoch, finden in unserem Orte die S t i ch w a h l e n in den einzelnen Urwahlbezirken in der Zeit von 5—8 Uhr statt. Die Genossen wollen sich zur Erledigung der notwendigen Arbeiten rechtzeitig in ihren Bezirkslokalen einfinden. Der Borstand. Zossen. Am Donnerstag, den 22. Mai, abends S'/a Uhr, im Lokal von Scherler: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: Vortrag Über die Geschichte des Sozialismus. Referent: Alfred Scholz- Neukölln. Teltow. Am Mittwoch, den 21. Mai, abends 3 Uhr: Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins. Wichtige Tagesordnung. TrO�in. Am 22., 23. und 25. Mai feiert die hiesige Schützen- gilde ihr diesjähriges Schützenfest, wozu sie natürlich Massenbesuch erwartet. Da dieses Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungs- zwecken versagt ist, erwartet die örtliche Organisation schon aus diesem Grunde strengstes Fernbleiben von diesem Schützenrummel. Spandau. Heute Mittwoch, den 21. Mai: Jahlabend in allen Lokalen. Am Freitag, den 30. Mai: Generalversammlung bei Köpnick, Pichelsdorfer Str. 36. öerluier Nadmcbten» Die Hochzeit am Kaiserhofe gibt der bürgerlichen Presse wieder einmal Stoff zu lang- atinigen Abhandlungen über die Zeremonien bei der Ver- heiratung einer Prinzessin. Da liest man von dein Fackeltanz, den die Minister� aufführen müssen, dort wird berichtet von dem berühmten strunipfband, das für die Braut angefertigt und so hergestellt wird, daß es an Stelle des kost- baren Schleiers in kleinen Portionen an die Hochzeitsgäste als Andenken verteilt werden kann. Andere Blätter berichten seit Wochen über die Brautausstattung und alle die Bor- bereitungen, die zur Hochzeit der Kaisertochter getroffen wer- den. Gewissenhaft wird aufgezählt, welche Persönlichkeiten zu Gast geladen sind, an welchen: Zeitpunkte dieselben in Berlin eintreffen und wo sie wohnen werden. Um sich oben in empfehlende Erinnerung zu bringen. sind jetzt die Hoflieferanten und solche, die es werden wollen, dabei, die Straße„Unter den Linden" zur Hochzeitsstraße auszuputzen. Fahnenmasten, Girlanden und bunte Fähnchen sind in Massen bestellt und sollen die Linden schmücken. Lang- herabhängende Fahnen wird das Brandenburger Tor zeigen. Die Tintenkulis der Speichelleckerorgane spitzen schon die Federn, um ihre üblichen byzantinischen Begrüßungsartikel zu schreiben,„daß unser ganzes deutsches Volk, zu den Gratulanten gehöre",„daß es teilnehme an den Freuden des Herrscherhauses". In Wirklichkeit weiß das Volk kaum den Namen des Brautpaares und betrachtet das große Prunkfest als das, was es ist: eine reine Privatangelegenheit der kaiserlichen Fa- milie, die wohl Unsummen von Geld kosten wird, die aber für weitere Kreise keinerlei Interesse hat, wenn nicht etwa das arbeitende Berlin durch polizeiliche Absperrungen in seinem Erwerb gehindert wird. Im übrigen freuen sich schon die Taschendiebe auf den Hochzeitstag, um den bei solchen Gelegenheiten nicht fehlew den Gaffern die Portemonnaies aus der Tasche zu ziehen. Absperrungen aus Anlaß der Ankunft des russischen Kaisers. Weil der Kaiser von Rußland nach Berlin kommt, werden am Vor- mittage des 22. d. M. folgende Vcrkehrsbeschränckungen angeordnet: Etwa von lOV* Uhr vormittags ab werden für Wagen, Reiter und Fußgänger gesperrt: Kaiser-Wilhelm-Brücke, Lustgarten, Schloßbrücke, Schloßfrei. beit, Fahrdämme des Platzes Am Zeughause und des Kaiser-Franz- Josef-Platzes, Fahrdämme, Reitweg und Mittelpromenade der Straße Unter den Linden und Pariser Platz. Später wird der Verkehr in der unmittelbaren Umgebung des Anhalter Bahnhofes, durch die Königgrätzer Straße, über den Pots- damer Platz, durch die Bellevuestraße, über den Kemperplatz, durch die Siegesallee, den östlich dieser belegenen Teil der Charlotten- burger Chaussee, über den Platz vor dem Brandenburger Tor sowie an den Uebergängen der Straße Unter den Linden an der Wilhelm-, Neuen Wilhelm-, Friedrich- und Charlottenstraße zeitweise abge- lenkt oder unterbrochen werden. Die Freigabe des Brandenburger TorS für den gewöhnlichen Verkehr wird voraussichtlich erst nach dem Abmarsch der spalier- bildenden Truppen möglich sein. Absperrungen am 21. Mai. Am 21. Mai werden aus Anlaß der Ankunft des englischen Königspaares von 10 Uhr vormUtagS an ge- sperrt: Kaiser-Wilhelm-Brücke, Lustgarten, Schloßfreiheit, Schloß. brücke. Fahrdämme des Platzes Am Zeughause und d«S Kaiser- Franz-Josef-PIatzes, Fahrdämme, Reitweg und Mittelpromenade der Straße Unter den Linden und Pariser Platz. Später wird der Verkehr in der unmittelbaren Umgebung des Lehrter Bahnhofs, über die Alsenbrücke, durch die Alsenstraße, an der Westseite des Königsplatzes, durch die Siegesallee und den öst- lich dieser belegenen Teil der Charlottenburger Chaussee, über den Platz vor dem Brandenburger Tor sowie an den Uebergängen der Straße Unter den Linden an der Wilhelm-, Neuen Wilhelm-, Friedrich- und Charlottenstraße zeitweise abgelenkt oder unter- brochcn werden. Eine Freigabe des Brandenburger Tors für den gewöhnlichen Verkehr wird voraussichtlich erst dann möglich sein, wenn die in der Straße Unter den Linden spalierbildenden Truppen abmarschiert sind, Volkskonzerte des Philharmonischen Orchesters zu Berlin. Wir werden ersucht, darauf hinzuweisen, daß die Pro- gramme für die in der Zeit vom 2. Juni bis 5. Juli statt- indenden Volkskonzerte des Philharmonischen Orchesters er- chienen und in den Verkaufsstellen: Berliner Gewerkschafts- kommission, Engelufcr 15 I, Zimmer 13, Bureaus des 4. und 6. Wahlkreises, Stralauer Platz 1/2, bezw. Neue Hochstr. 23, und in der Zeitungsspedition von Schmidt, Kirchbachstr. 14, nebst Eintrittskarten a 30 Pf. zu haben sind. Es wird er- ücht, sich rechtzeitig mit Eintrittskarten zu versehen, da nach »en bisher gemachten Erfahrungen dieselben kurz vor Statt- stiden vergriffen sind._ Der Unglücksfall bei den Charlottenburger Kanalisationsarbeiten. Aus Charlottenburg wird aus städtischen Kreisen zu dem Unglück geschrieben: Zur Vorbereitung der Besichtigung der Dükeranlagen ur die Untergrundbahn im Zuge der Bismarckstraße durch Mitglieder der Berliner Kanalisationsverwaltung waren zwei Kolonnen der Charlottenburger Kanalisationsverwaltung beauftragt, die Einsteige- chächte zu reinigen. Die Reinigung der Schächte am Knie war einer Kolonne, bestehend aus dem Kolonnensührer KaczmirowSli und den Kanalisationsarbeitern Grygier, Wichert und Wenzel II über- tragen. Zur zeitweiligen Kontrolle des GrundrohreS des Dükers ühren in dieses Einsteigeschächte hinab, in welche daS Grundrohr endet, jedoch gegen den Einsteigeschacht durch einen Flanschdeckel verschlossen wird. In dem Einsteigeschacht sammelt sich also kein Kanalivasser, sondern nur durch das Mauerwerk durchsickerndes reines Grundwasser. Der Höhestand dieses Grundwassers sollte bei dieser Gelegenheit durch die Kolonne festgestellt werden. ZU diesem Zweck stieg ungefähr um 3Jt 3 Uhr nachmittags ein Arbeiter auf den Steigeisen in den etwa 7 Meter tiefen Schacht. Stach einer von der Kanalisationsverwaltung erlassenen Vorschrift, die allen Arbeitern der Kanalisationsverwaltung mündlich bekanntgegeben wird und die tändig in den Arbeiterstuben aushängt, ist vor jedem Einsteigen in einen Brunnen ein offenes Licht an einer Schnur bis auf dm Wasserspiegel herabzulassen Dabei ist angeordnet, daß sich die Bedienungsmannschaften möglichst abseits von der Brumienössnung, keinesfalls jedoch etwa den Kopf über die Brunnenöffnung halten, um in den Brunnen hineinzusehen. Brunnen oder Sandsang dürfen erst bestiegen werden, wenn daS Licht nicht erlischt oder eine Explosion nicht erfolgt. Auf die Befolgung dieser Vorschrift wird streng geachtet. Wahrscheinlich m der Annahme, daß sich in dem Brunnen, der nur reines Grundwasser enthielt, schädliche Gase nicht angesammelt haben konnten, ist ein Arbeiter eingestiegen ohne die erwähnte Vorsichtsmaßregel zu beachten. Als er nach einiger Zeit nicht wieder herausstieg, stieg ein zweiter Arbeiter nach, nach diesem der dritte und vierte. Dem am Knie au Posten stehenden Schutzmann fiel es auf, daß die Arbeiter nicht wieder zum Vorschein kamen. Er machte den borübergehen den Leutnant Dittmar vom i. Pionier« Bataillon aufmerksam und alarmierte die Feuerwehr. Der Leutnant Dittmar stieg an geseilt in den Schacht! die Feuerwehr schaffte die vier im Grund Wasser liegenden Arbeiter ans Licht. Die von zwei Aerzten mit der Samariterkolonne der Feuerwehr zwei Stunden lang gemachten Wiederbelebungsversuche mit selbsttätigen Atmungsapparaten waren erfolglos. Die Leichen wurden in das Charlottenburger Leichen schaühaus gebracht. Bolle Klarheit wird erst die eingeleitete Untersuchung ergeben� Einstweilen bleibt nur die Annahme übrig, daß schädliche Gase sich in dem Schacht angesammelt haben, die die Arbeiter beim Ein steigen sofort betäubten. Die schädlichen Gase sind allmählich rnt wichen, so daß der Offizier und die Feuerwehrmannschaften ein- gestiegen find, ohne Schaden zu nehmen. Walderholungsstätten vom Roten Kreuz. Bei prächtigem Frühlingswetter haben die an der Peripherie Grotz-BerlinS belegenen Walderholungsstätten vom Roten Kreuz Anfang Mai wieder ihre Pforten zur Aufnahme von erholungs- bedürftigen Männern, Frauen und Kindern geöffnet. In ihnen können täglich etwa 1700 Patienten Aufnahme finden. Für die An stalten für Erwachsene(Männer-Erholungsstätte in der Jungfern Heide und Männer-Erholungsstätte in Friedrichshagen und Frauen Erholungsstätte im Grunewald bei Eichkamp und in der Schon holzer Forst) erfolgt die Ueberweisung meistens durch die zuständige Krankenkasse und die Fürsorgestellen für Lungenkranke. Selbst- zahler finden gegen Entrichtung von 60 Pf. täglich Aufnahme und Verpflegung. Die Walderholungsstätten für schwächliche und kränk- liche Kinder befinden sich in Schönholz, Eichkamp und Sadowa. Die Kinder erhalten dort Verpflegung, ärztliche Aufsicht, Beschäftigung durch geprüfte Kindergärtnerinnen, nach Bedarf: Luftbäder, Sool und Brausebäder, Atemübungen. Den Schulunterricht erteilt eine städtische Lehrerin. Die Ueberweisung der Kinder erfolgt vielfach durch die Fürsorgestellen für Lungenkranke und durch die Armen- direktionen, auch finden Selbstzahler Aufnahme. Soweit nicht an- dere Stellen� die Kosten übernehmen, sind für jedes Kind 20 M. monatlich bei halber Kur(nur Tagesaufenthalt, einschließlich Fahr kosten) und 30 M. monatlich bei ganzer Kur(Tages- und Nacht' aufenthalt) zu entrichten. Für ganze Kur ist vorläufig nur die Er holungsstätte in Schönholz eingerichtet. Für Anmeldungen und sonstige Auskünste ist das Bureau der Walderholungsstätten in Berlin SW, Friedrichstratze 207, täglich von 10 bis 1 Uhr geöffnet. Gegen den Plan der städtischen Nord-Südbahu sind von den� Gemeinden Treptow, Johannisthal. Weißensee, Hernis- dorf und Schmargendorf Einsprüche erhoben worden. Diese stützen sich auf Z 17 des Kleinbahngesetzes, in welchem be stimmt ist, daß während der öffentlichen Auslegungsfrist „jeder Beteiligte im Umfange seines Interesses Einwendungen gegen den Plan erheben" kann. Das Recht des Einspruches wird auch dem»Vorstand des Gemeindebezirkes" hinsichtlich der„Richtung des Unternehmens" oder der dem Unternehmer im öffentlichen Interesse aufzuerlegenden„Anlagen" zuge- billigt. Die genannten Gemeinden fühlen sich dadurch be- nachteiligt, daß der Entwurf an verschiedenen Straßen- kreuzungen die Unterführung künstiger Schnellbahnen nicht ausreichend berücksichtige. Hierzu ist zu bemerken, daß die Gemeinden als„Beteiligte" im Sinne des Gesetzes nicht zu betrachten sind, ihnen steht also ein Einspruchsrecht kaum zu. Für die in absehbarer Zeit zu bauenden Schnellbalmen ist an den voraussichtlichen Kreuzungsstellen genügend Vor- sorge troffen worden: wünschen die Gemeinden, welche etwa an das Groß-Berliner Schnellbahnnetz Anschluß suchen. westere Anlagen der gedachten Art. so müssen sie sich mit der Unternehmerin, das heißt der Stadtgemeinde Berlin, ins Benehmen setzen und sich mit dieser namentlich über die Kostenfrage auseinandersetzen. Das Kind im Gepäcknetz. Montagabend gegen 10 Uhr wurde in einem Abteil HI. Klaffe eine» Nordringzuges im Gepäcknetz von einem Zahlmeisteraspiranten ein neugeborenes, in Watte eingewickeltes Kind männlichen Geschlechts aufgefunden. Der Zahlmeisteraspirant gab das Kind am Zoologischen Garten dem Bahnhofsvorsteher, und dieser ließ es durch die Polizei nach dem Säuglingsheim in der Mollwitzstraße bringen. Zur Arbeitszeit der Berliner städtischen Arbeiter wird uns ge- schrieben: Im.Vorwärts" vom 27. April d. I. wird vom Magistrat infolge einer in Nr. 09 gebrachten Zuschrift.Zur Lage der An- gestellten der städtischen Straßenbahnen" mitgeteilt, daß der Magistrat bei Regelung der Lohnverhältnissc der in städtischen Betrieben be- schäftigten Arbeiter auch beschlossen bat. für das Personal der städtischen Straßenbahnen den neunstündigen Arbeitsiag einzuführen. Nun gibt eS aber eine Reihe anderer Betriebe, in denen noch zehn und mehr Stunden gearbeitet werden muß. Von diesen Arbeitern wird nun die Frage aufgeworfen, warum der Magistrat nicht auch für diese eine Regelung resp. Verkürzung der Arbeitszeit beschlossen hat. Sind denn drese Arbeiter minderen Rechts? Die zehnstündige Arbeitszeit besteht z. B. noch in der Parkverwaltung. Im Außen- betrieb der Wasserwerke besteht die neunstündige Arbeitszeit, während im Jnnenbetrieb die Arbeiter zehn Stunden und das Maschinenpersonal zwölf Stunden(Zwei- Schichtsystcm) ar- besten müssen. Die Deputation der Wasserwerke hat bezüglich der Verkürzung der Arbeitszeit fiir letztere stets einen ab- lehnenden Standpunkt eingenommen. Man ist in den heißen Jahres- zeiten dem dringenden Antrage der Arbeiter insofern entgegen- gekommen, als in den Hitzeperioden es in das Belieben der Be- triebsdirigenten gestellt wurde, das Maschinenpersonal. acht Stunden arbeiten zu lassen. Die Folge war. daß jeder Dirigent ganz beliebig verfuhr und nur wenige Tage verkürzt gearbeitet wurde. Die Ver- waltung hat aber auch hierin erst dem Zwange nachgegeben, indem infolge der enormen Hitze in den geichloffenen Räumen, die un« erträglich war, und der langen Arbeitszeit Arbeiter dem Zusammen- brechen nahe waren und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. In Betracht kommt noch, daß an die Werke in dieser Zeit größere Anforderungen gestellt werden, folglich von den Ar- vettern auch«ine Mehrarbeitsleistung gefordert wird. Die Be- triebssicherheit und das Ansehen der Stadt Berlin erfordern es. die achtstündige Arbeitszeit für das Maschinenpersonal und die neun- stündige für alle übrigen Arbeiter gleich wie in den Gas- werlen zur Einführung zu bringen. Die bevorstehende heiße JohreSzeit verlangt dringend Beschleuni- gung dieser Angelegenheit. Auch in den Pumpstationen der Äanalisationswerke besteht noch die zwölfstündige Arbeitszeit. Obige Gründe treffen auch hier zu; für sämtliche Arbeiter der Kanalisationswerke die achtstündige Arbeitszeit baldigst einzuführen. liegt im Interesse der Werke selbst. Die Anträge vorstehender Arbeiter waren dem Magistrat durch den eingereichten Tarifentwurf ebenfalls bekannt. Die Verkürzung der Arbeitszeit für diese Be- triebe ist dringend notwendig. Aus dem dritten Stockwerk abgestürzt ist gestern in der Wiener Straße 31 eine dort wohnende Frau Gunthe. Die Ursache, weshalb Frau G. sich aus dem Fenster stürzte, scheint in elender Klatschsucht ' vermstwortlicha: Kedakwrr: Alfred«ielepp, Neukölln. Für den zu suchen zu sein. Sie schlug unten auf einen Wagen auf und blieb dadurch vor dem Tode dewahrt. Die Lebensmüde hatte schwere äußere Verletzungen sowie Verrenkungen erlitten und wurde nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht. Radrennen im Olympia-Park. Dienstag, 20. Mai. Die Abend rennen hatten trotz der guten Zusammenstellung des Programms nur einen schwachen Besuch aufzuweisen. Sin F l i e g e r m a t ch mit der Besetzung Arend-Ellegaard-Rütt in drei Läufen konnte von Rütt in zwei Läufen in großartiger Fahrweise gewonnen werden. Arend konnte im zweiten Lauf einen knappen Sieg vor Rütt und Ellegaard erringen. Arend machte mit Ellegaard gleiche Punktzahl, doch gab ihm sein erster Platz den Vorrang vor dem Dänen. Ein Dauerrennen über 45 Kilometer wurde in zwei Läufen von Didier, Nettelbeck, Seros und A. Stellbrink bestritten.— Im 20-Kilometer-Lauf hatte Stellbrink vom Beginn die Spitze und gab sie trotz aller Anstrengungen seiner Gegner, die mit ihm in gleicher Runde endeten, nicht ab.— Der zweite Lauf(23 Kilo meter) gestaltete sich abwechselungsreich. Stellbrink ging mit der ührung ab, hart bedrängt von Seros, doch schon nach einigen linden setzt der Motor von Siellbrink aus und alle seine Gegner ziehen an ihm vorbei. Didier greift seinen Landsmann Serös an, doch ohne Erfolg, und später kann Nettelbeck vor Didier auf den zweiten Platz rücken. Allein kurz vor dem Schluß geht Didier an Rettelbeck vorbei und auch Stellbrink wird schneller.— Vier Runden vor Schluß hat Seros Radschaden, der ihn um den ersten Platz bringt. Didier kann als Sieger in 17 Min. 41 Sek. das Band passieren! 2. Serös, 790 Meter! 3. Nettelbeck, 920 Meter; 4. Stell- brink, 2790 Meter. In beiden Läufen konnte der 20-Kilometer- Rekord geschlagen werden. Yorort-JVachncbtem Schöneberg. Die Stichwahlen brachten der Sozialdemokratie 5 Wahl- männer und den Liberalen S3 Wahlmänner. Das Gesamt- r e s u I t a t ist nunmehr 142 sozialdemokratische Wahl- männer, während die Liberalen 443 Wahlmänner auf sich vereinigten. Am Montag, den 2 6. Mai, finden noch einige Stichwahlen und ungefähr 7 Neuwahlen statt, an denen die Sozialdemokratie nur im 92. UrWahlbezirk der 3. Abteilung in aussichtsvoller Wahl steht. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurden die Sommerferien wiederum auf die Monate Juli und August festgesetzt. Alsdann gelangten Petitionen zur Beratung. Die Bewohner der 'ogenannten Insel führen Klage über Mißstände in postalischer Be- ziehung und ersuchen um Errichtung einer Postanstalt, zun, mindesten edoch um die Aufstellung eines Briefmarkenautomaten. Der Post- iskus hat dies abgelehnt. Genosse Bern st ein bemerkte, daß es zu den Eigentümlichkeiten der Reichspost gehöre, entweder abzulehnen oder aber in ganz stillen Gegenden ganz unbemerkbar eine Post- anstatt zu errichten. Dem Verkehr werde selten Rechnung getragen. Beschlossen wurde, die Petition dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen: ebenfalls die Petitton um Errichtung einer Bedürfnisanstalt-in der Nähe des Bahnhofs Schöne- berg. Hier weigert sich der Eisenbahnfiskus, den berechtigten Wünschen der Anwohner auch nur im geringsten Rechnung zu tragen. Nunmehr wurde Bericht gegeben über die Gründung eines Hypotheken- bankvereinZ zur Beschaffung zweiter Hypotheken. Danach kann jeder Eigentümer und Mtbesitzer eines im Schöneberger Stadlbezirk belegenen HauSgrundstückeS Mitglied werden. Bei der Aufnahme ist ein Einttittsgeld von 500 Mark zu entrichten. Dasselbe ist zur Hälfte sofort, zur anderen Hälfte bei Stellung des Beleihungs- antrages, spätestens aber innerhalb eines JabreS nach der Aufnahme zu-zahlen. Ein Rückforderungsrecht ist ausgeschloffen. Gegenstand des Unternehmens ist die Beleihung mit Hypotheken zur zweiten oder späteren Stelle hinter der ersten Hälfte des Grundstückwertes und die AuS- cjabe verzinslicher Pfandbriefe. Die Beleihung ist nur zulässig, wenn ämtliche voreingetragenen Hypotheken und Grundschulden mit jähr- ich mindestens Proz. der ursprünglichen Forderung zu tilgen und 'eitens des Gläubigers grundsätzlich unkündbar sind. Die Beleibung darf 80 Proz. des durch sorgsättige Ermittelung festgestellten Per- kaufswertes des Grundstücks nicht übersteigen. Der Darlehns- nehmer hat 2 Proz. des Kapitals für einmalige Abschlußprovision zu zahlen. Der Zinssatz des Darlehns ist um IVz Proz. und oweit das Darlehn die ersten sechs Zehntel des BelelhungswerteS übersteigt, um la/4 Proz. höher als der Zinssatz der vom Darlehns- nehmer gewählten Pfandbriefe. DieZimen von dem im Grundbuch eingetragenen Kapital sind vierteljährlich im voraus zu entrichten. Der Vorstand besteht aus dem Direltor und drei weiteren Personen. Der AufsichtSrat aus 20 Personen. Der Vorsitzende und sein Stell- Vertreter sowie 10 weitere Mitglieder und 4 Stellvertreter werden vom Magistrat aus den Mitczttedern der städtischen Körperschaften und zwar mindestens zur Hälfe aus den Stadtverordneten ernannt, die übrigen 9 Mitglieder und 3 Stellvertreter werden von der Generalversammlung aus den Mitgliedern des Vereins gewählt. An der Spitze des Ganzen steht ein Magistratskommissar. Den Pfand- briefgläubigern haftet an erster Stelle das gesamte Vermögen des Vereins, an zweiter Stelle das Vermögen der Stadt. Sämtliche !-rakttoneil erklärten sich mit dieser Vereinsgründung einverstanden. Hierauf gelangte der Entwurf der neuen Dienstordnung für die städtticheii Arbeiter zur Debatte. Ein großer Teil der Stadtverord- neten, mit Ausnahme der Sozialdemolraten, verließ fluchtartig den itzungssaal, um ihr Interesse für Arbeiterfragen im ErfrischungS- räum zu betätigen. Die Gesamtkosten der Einführung der Dienst» ordnung werden auf 10 000 M. geschätzt. Für die im Schichtwechsel 'tehenden Arbeiter des Pumpwerkes sowie für die Heizer des Kranken- Hauses ist die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit in Aussicht genommen. Die Frist der Fortzahlung des Lohnes in Krankheitsfällen soll von 3 auf 13 Wochen erhöht werden. Die Verlängeruni ' Tage, nach 3 Iah der Urlaubszeit soll nach einem Jahre ren 5 Tage, nach 5 Jahren 7 Tage, nach 7 Jahren 10 Tage, nach 10 Jahren 12 Tage betragen, wobei der Sonntag nicht in Anrechnung kommen soll. Handwerker, die in iädtischeu Diensten stehen, werden ebenfalls den Grundsätzen unterstellt. Die S o n n t a g s a r b e i t für die Kanalisationsarbeiter oll in Fortfall kommen, den Straßenreinigern soll jeder� dritte Sonntag freigegeben werden. Der Sonnlagsstundenzuschlag soll für die ersten drei Stunden 75 Proz. betragen. Des Sonntags sind tatt 3 Arbeitsstunden deren 4 zu leisten, mit demselben Arbeits- rerdienst, um so den freien Sonntag zu decken. Genosie M o h s drückte sein Befremden über die Dürftigkeit der Vorlage aus und meinte, es wäre bedauerlich, daß eine Dienstordnung an der einund- einhalbes Jahr gearbeitet worden sei. so winzig auskalle.� Die bis 10 000 M. geforderte Nachbewilliguna sei für die vielen Dienststellen viel zu gering. Auch müssen die Arbeiter den verlängerten Urlaub mit einarbeiten, da neue Kräfte nicht eingestellt würden. Die Bestimmung, daß Arbeiter nur biS� zum 40. Lebensalter eingestellt werden, sei unhaltbar. Die Staffelung des Lohnes müsse einheitlich gestaltet werden. Die Aufmachung der neuen Dienstordnung zeige, daß Schöneberg in Arbeilersachen nicht voran marschiere. Oberbürgermeister Dominikus«klärt, daß sich nicht über- shen laste, wie weit Nachforderungen notwendig seien, darum solle ein Vorschußkredit bewilligt werden. Verschlechterungen weise die Vorlage jedoch nicht auf. Wenn nach fünf Jahren das Endgehalr chon erreicht werden soll, dann bedeute das eine grundstürzende Aenderung und das müsse abgelehnt werden. L i n i k u S(fortschr. -rakt.) wünschte erst den finanziellen Effekt festgestellt zu wissen, bevor seine Fraktioir zustimmt. Bamberg(Lib.) bält die Kritik des Genossen Mohs für un- berechtigt, wenn auch die neue Dienstordnung für die städtischen Arbeiter seinen Wünschen nicht entspreche. Die Genossen Küter, Bern st ein, Molkenbuhr wiesen auf die Interesselosigkeit der bürgerlichen Parteien in Arbeiterfragen hin und meinten, daß eine Lohnerhöhung von 50 Pf. pro Mann und Woche unter den heutigen teueren Verhältnissen doch recht minimal sei. Die Ein- stellung von Arbeitern nur bis zum 40. Lebensjahr zeige gerade kein besonderes soziales Verständnis. Das Reich habe diesen Standpunkt schon längst verlassen. S a l i n g e r(Lib.) meinte, es wäre nun genügend über diese Ordnung gesprochen worden, das übrige könnte auch im Ausschuß gesagt werden. Bamberg(Lib.) versuchte die Flucht seiner Parteifreunde dadurch zu erklaren, daß sie seine Rede bereits kennen und nicht noch einmal hören wollten.— Hierauf wurde die Vorlage einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen Küter, Mohs und O b st angehören. Es folgte geheime Sitzung. In dem gestern veröffentlichten Wahltableim ist im 1. UrWahlbezirk irrtümlich ein Oberzollselretär als sozialdemolratischer Wahl- mannskandidal vermerkt. Die sozialdemokratischen Urwähler werden sofort erkannt haben, daß es sich hier um eine Verwechselung handelt. Lichtenberg. Die Stichwahlen zur Wahl der Wahlmänncr finden heute, Mittwoch, in denselben Lokalen und zur gleichen Zeit wie die Hauptwahln statt. Es ist dringende Pflicht aller Ge- Nossen, nicht nur an den Wahltisch zu treten, sondern auch an der Wahlarbeit sich zu beteiligen. Das Zentralwahlbureau ist wieder bei Pieckenhagen in der Scharnweberstraße. Dort werden diejenigen Genossen zur Wahlhilfe erwartet, die nicht bereits in den Bezirks- lokalen zur Wahlarbeit bestimmt sind. Lichterselde. Auf zur Gemeiudevertreterwahl! Heute nachmittag von 4 bis 8 Uhr soll die Entscheidung fallen, ob die Arbeiterschaft des I. Bezirks(Osten) das für ungültig erklärte Mandat des Genossen Kaspar Wenzel den Gegnern überlassen, oder dasselbe gleich in der Hauptwahl für uns behaupten will. Der monatelange Kampf der bürgerlichen Vereine hat sich im letzten Augenblick als bloße Farce entpuppt. Einmütig haben dieselben unter sich erklärt, daß die Ausstellung der Kandidaten Kulbe und Liese nur dazu diene, die Sozialdemakratie in die Stichwahl zu bringen, um dieselbe sodann um so leichter besiegen zu können. Arbeiter. Parteigenossen! Macht diese Spe- kulation zuschandenl Bringt, was w a h l b e r e ch t i g t ist, zum Wahllokal. Erblicke jeder seine Ehre darin, unseren Genossen mit einem imposanten Stimmenergebnis in die bisher sozialistenreine Gemeinde- Vertretung zu entsenden. Das Wahllokal ist Hennings Restaurant, Jungfern« stieg 5/6. Jeder Genosse finde sich pünktlich im Wahllokal ein. Die Arbeiterschaft Groß-BerlinS wird gebeten, Lichterfelder Ar- beiter auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Ebenso ersuchen wir olle Genossinnen, sich von 4 Uhr ab im Wahlbureau, eben» falls in Hennings Restaurant. Jungfern stieg 5/6, im hinteren Garten(linker Pavillon) einzufinden. Mit der heute Mittwoch nachmittag von 4—8 Uhr bei Hennig, Bahnhof Ost, stattfindenden Gemeindevertreterwahl be- chäftigte sich eine überaus stark besuchte öffentliche Per- ammlung. Der Kandidat Genosse Wenzel entwickelte in markanten Zügen das sozialdemokratische Kommunalprogramm, dabei zeigend, wie rückständig die von der bürgerlichen Gemeindevertretung betriebene Kommunalpolitik ist. Ein vom eingeladenen, aber nicht erschienenen bürgerlichen Kandidaten eingelaufenes Schreiben, worin betont wird, daß die Gemeindewahl nicht vom parteipolitischen Gesichtspunkt zu betrachten sei, unterzog der Redner einer ein- gehenden Kritik. ES war Wenzel ein leichtes, den Nachweis zu ühren, daß die Gegner bisher bei allen Kommunalwahlcn ihre Agitatton in parteipolitischem Sinne betrieben haben. Von zwei erschienenen Anhängern der bürgerlichen Richtung sprach einer zur Diskussion, ohne jedoch irgendwelchen Eindruck auf die Versammelten zu machen. An den Wählern der dritten Abteilung liegt es nun, am heutigen Tage dem sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Kaspar Wenzel zum Siege zu verhelfen und damit die Mauer nieder- zuwerfen, die ihr bisher den Eintritt in das völlig von bürgerlichen Vertretern besetzte Gemeindeparlament versperrte. Motzen(Kreis Teltow). Sein viertes Stiftungsfest hält am Sonntag, den 25. Mai, im Motzenbahnhof(Jnh. Julius Purann) der Arbeiterradiahrerverein ab. Da die Arbeiterschaft unter der Lokalfrage erheblich zu leiden hat, wird allseitig ersucht, das Fest rege zu unterstützen. Die Korso- fahrt findet nachmittags um 3 Uhr statt. Zossen. Daß die hiesige Polizeibehörde mit zweierlei Maß mißt, hat sich kürzlich wieder mit aller Deutlichkeit gezeigt. Während nämlich der von der Arbeiterschaft am ersten Mai geplante Frühausflug mit Musik vom hiesigen Bürgermeister sowie vom Amtsvorsteher ver- boten wurde, konnten am letzten Sonntag vor dem Gottesdienst evangelische Arbeiter ungeniert mit Musik durch die Stadt marschieren. ES waren etwa 12 auswärtige Bereine, die— wenn auch in ge- ringer Personenzahl— die Straßen beherrschten. Die sonst von der Behörde gehegte Befürchtung, daß durch derartige Umzüge bei andersgesinnten Personen AergerniS entstehen könnte oder daß gar Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe, scheint diesmal sonder- barerweise nicht vorgeherrscht zu haben. Potsdam. Durch Säuredämpfe vergiftet wurde der hier Lindenstr. 42 wohn- hafte Arbeiter Karl Rich, der in der Dextrinfabrik von O. Kutzner am Kiewitt beschäftigt war. R. war in der ersten Etage und sollte einen Ballon Salpetersäure transportieren. Der GlaSballon platzte und durch die ausströmenden Säuredämpfe zog sich R. eine Ver- giftung zu. an deren Folgen er tags darauf im städtischen Kranken- Hause starb. Nieder« Schönhauser Da am Freitag, den 23. Mai, in verschiedenen UrWahlbezirken sich Stichwahlen notwendig machen, werden die Genossen ersucht, sich an demselben Tage nachmittags 2'/, Uhr bei Rettig. Blankenburger Straße 4, zahlreich einzufinden. Die Wahl findet um dieselbe Zeit und zwar für die I. Abteilung von 3— gi/z, für die ll. Abteilung von 4—5 und für die HI. Abteilung von SVa— 8Va Uhr statt. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindeverttetungeu. Tempelhof. Donnerstag, den 22. Mai, nachmittags 5ft, Uhr, im Ge> meindesitzunaszimmer, Dorsstr. 42. Rosenthal. Am Donnerstag, den 22. Mai, abends 6 Uhr, in der Aula der Gemeindeschule, schillerstraßc. Bruchmühle. Am Donnerstag, abendS K Uhr, im Kemcind«-. dnrcau. Diese Sitzungen sind Sfsentlich. Jeder Gemeindeangehörige iß de, rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Lnseratenteilverantw.zTH. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer«.Co,