Ur. 124. BbonnemcntS'Bcdinpngcn: kidonnementS- Preis pränumerando: Bierteljährl. S.M M!, monofl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nununer 5 Pfg. Sonntags- niumlier mit illustrierter Tonnrag?- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- kibonnemenl: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung?- PrerSIistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2L0 Mark, für das übrige Ausland i Mar! pro Monat. Postabonnements nehinen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, niuiicn, Schweden und die Schweiz. SO, Jahrg. erldjtlnt täglich. Verlinev Volllsblnkk. Die Tnfertions-- Gebühr kcträgt für die fechsgespallenc Kolonel- zeilc oder deren Raum W Pfg., für politische und gcwerlschaflliche Bcrcins- inid Vcrsamlnlungs-Anzcigcn L0 Pfg. „bileine Anreizen", da? fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stcllengefnche und Schlafftellcnan- zelgcn das erste Wort 10 Pfg., jedes ivetterc Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. flabcn zählen für zwei Worte. Jnjerale für die nächste Ninnmer niüjfcn bis S Uhr nachmittags in der Erpedilion abgegeben werden. Die Exdcdilion ist bis 7 Uhr abends geöfftict. Zlelegrannu- Adrcfle: „S»ii>l!lemf:!!St stttllü". Zcntndovqnw der rozialdcmohratifchcn Partei Deutfchlatids. Rcdahtion: SRI. 68, Ltndcnstrassc 69 Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. 1983. Ser Seist und der„Heilige Seist". Die Budgetkommission des Reichstages, in der seit Dienstag die Militärvorlage beraten wird, hat gleich am ersten Tage klar und deutlich bewiesen, daß die Mehrheit der Rüstungsfanatikcr keinerlei Rücksicht auf die Bedürfnisse des Volkes nehmen will: sämtliche Anträge auf allgemeine Verkürzung der Dien st zeit wurden abgelehnt, da gegen das Einjährigenprivileg nicht nur bestehen gelassen, sondern sogar erweitert. Für den s 0 z i a l d c m 0 k r a t i schcn Autrag auf Einführung der einjährigen Dienstzeit war keine einzige der bürgerlichen Parteien zu haben; für die von den Fortschrittlern be antraate anderthalbjährige stimmten als einzige Bürgerliche nur die Antragsteller. Als der schneidigste Bckämpfcr jeder Herabsetzung der Dienstzeit zeigte sich wieder einmal der K r i e g s m i n i st c r. Was er an alten und zehnmal widerlegten Argumenten vorbrachte, kann hier füglich übergangen werden. Aber ein Aus spruch des Kriegsministcrs verdient auf alle Fälle festgenagelt zu werden. Er gab nämlich nach dem Bericht unumwunden zu, daß die zwei- und dreijährige Dienstzeit nicht durch die technische Ausbildung bedingt sei; aber„die Armee müsse nicht nur kriegstüchtige Leute, sondern patriotisch und vaterländisch denkende Menschen erziehen." Schon einmal hat der Kriegsminister einen ähnlichen Ausspruch, ja sogar in verstärkter Form getan. Am 17. April dieses Jahres äußerte er nämlich im Reichstag: „Der Vorwurf, daß wir bei der Ausbildung der Soldaten nichts trieben als Drill und Gewöhnung zum blinden Gehorsam, ist in keiner Weise zutreffend. Acht Neuntel der ganzen Ausbildungszeit verwenden wir auf die Erziehung der Mannschaft zu gute» patriotischen Deutschen." Nimmt man den Kriegsniinister beim Wort, so entfallen von den 24 Monaten der Dienstzeit noch nicht einmal drei auf die technische Ausbildung; aber selbst eine rhetorische Uebertreibung zugestanden, steht nach den eigenen Aussprüchen des Kriegsministcrs fest, daß die Ausbildung der Mannschaften zur eigentlichen Kriegstüchtigkeit sich sehr wohl in weit kürzerer Zeit als der heutigen Dienstzeit erreichen ließe Beharrt die Regierung gleichwohl darauf, die Soldaten zwei und drei Jahre bei der Fahne zu halten, so ist der offen ausgesprochene Zweck, daß man durch die langjährige Be Handlung einen ganz bestimmten G e i st in der Armee züchten will. Welcher Art ist dieser Geist?— Unwillkürlich wird man bei dieser Frage an das Kaiserwort erinnert, wonach der Soldat gegebenenfalls aus Vater und Mutter schießen müsse. Es erscheint verständlich, lvenn ein solcher Geist in die Söhne deutscher Proletarier allerdings sehr schwer hereinzubringen ist. Ein Arbeitersohn wird niemals begreifen, daß er den bunten Rock und die Waffen trägt, um seine Eltern und Geschwister oder um seiner Klassen genossen Eltern und Geschwister niederzuknallen. Es fragt sich nur, ob an dieser„Verständnislosigkeit" selbst eine fünfjährige Dienstzeit etwas ändern würde. Aber selbst wenn der Kriegsministcr nur die Erzeugung einer allgemeinen Hurrastimmung und eines patriotischen Be- gcistcrungsrummels im Auge haben sollte, so wird dieser Geist von vornherein sehr wirksam bekämpft durch einen anderen Geist, der sicher in der Armee recht heimisch ist: wir meinen den berühmten„heiligen Geist". Solauge die Mißhandlung jüngerer Mannschaften durch ältere— meist auf Anstiftung durch die Vorgesetzten— an der Tagesordnung ist, so lange die Vorgesetzten selber in taufenden von Fällen ihre Untergebenen auf das barbarischste schinden und quälen, wird es dein Kriegsminister schwer fallen, den von ihist gewünschten Geist am Loben zil erhalten. Wie der Rekrut denkt, der erst einmal seine„Senge" bezogen hat, das hat der Handarbeiter Franz Rehbein in seinen„Erinne- rungeu"(verlegt bei Tiederichs in Jena) für viele Taufende treffend dargetan. Rehbein war gleich in den ersten Tagen seiner Militärzeit von„alten Leuten" furchtbar mißhandelt worden, ein Unteroffizier hatte ihn gezwungen, zehnmal vor der Mamsichaft zu rufen„ich bin ein Esel" usjv. Nun hält am Sonntag der Divisionspfarrer eine salbungsvoll-ölige Rede über die erhobenen Pflichten des Soldaten und die Ehre, des Königs Rock zu tragen. Und welches sind die Gedanken des Soldaten? „Mit sehr gemischten Gefühlen— schreibt Rehbein— hatte ich die Rede angehört. Ob der Pfarrer auch schon Fußlappen gegessen hatte? Ob er auch schon von alten Leuten verbimst worden war? Ob er auch schon hatte rufen müssen: ich bin ein Esel? 1" Solche Worte, die Tausenden aus der Seele gesprochen sind, die das gleiche durchgemacht haben, sollte sich der Herr KriegSminister mit ehernen Lettern einprägen. Und dann möge er sich in aller Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit selber einmal fragen, ob dse durch solche Behandlung erregte Mißstimmung bannt beseitigt werden kann, daß man die Soldaten noch ein weiteres Jahr bei der Fahne hält. Oder wenn ihm das nicht genügt, so gehe er einmal die Urteile seiner Kriegsgerichte aufmerksam durch. Dann stößt er vielleicht auf jenes Urteil gegen die beiden Saarbrücker Leutnants, die voriges Jahr des Schwimmens unkundige Soldaten von einem f e ch s M c t e r h 0 h e n T u r m in die Saar herabspringen und dann durch Nachgeben der Leine untertauchen ließen, bis der Ulan Kirten ertrunken war. Und wenn er dann liest, daß die Strafen hierfür mit ganzen drei Wochen bezw. acht Tagen Stubenarrest be messen wurden, so mag er sich selbst fragen, ob nicht das Be- kanntwerden eines einzigen solchen Urteils in weiteren Kreisen genügen müßte, um jede Freude am Soldatsein zu er- sticken. Solcher Urteile gibt es aber nicht eines, sondern Hundertc, ja tausende. Und auf der anderen Seite stehen die barbarischen Strafen gegen Gemeine, die nur den geringsten Verstoß gegen die heilige Disziplin begangen haben. Wir können deni Herrn Kriegsniinister mit Urteilen aufwarten, in denen Kriegsgerichte Soldaten, die von den nledizinischen Sach verständigen für unzurechnungsfähig erklärt worden waren, gleichwohl zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt haben, weil sie sich an einem Vorgesetzten vergriffen hatten. Ein Soldat, der bei einer Tanzbodcnschlägerei gegen einen Unter offizier das Seitengewehr gezogen hatte(ohne Schaden an- zurichten), erhielt erst jüngst fünf Jahr Gefängnis, obwohl er in sinnloser Trunkenheit gehandelt hatte und der Stabsarzt als Sachverständiger einen völlig besinnungslosen Zustand, der die freie Willenstätigkeit aus schloß, zur Zeit der Tat begutachtete. Und der tobsüchtige Grenadier Slotinski, den ein Wutanfall bereits zwei Jahre Gefängnis gekostet hatte, muß einen im Gefängnis erlittenen neuerlichen Tobsuchtsanfall mit weiteren zwei Jahren sieben Monaten büßen! Solange unsere Militärjusüz jahrein jahraus solche Urteile fabriziert, bei denen jedermann im Volke die Haare zu Berge stehen, werden alle Bemühungen an den„Geist" der Armee nichts nützen. Die Früchte eines Systems von Prügeln, Schreckensurteilen und Drill— jenes Systems, das vor 100 Jahren schon bei Jena und Auerstädt völligen Schiffbruch er litten hat— lassen sich auch dadurch nicht beseitigen, daß man den Mannschaften zwei Jahre lang mit Gewalt den nötigen„Geist", den nötigen Patriotismus einzubläuen sucht. Ein Geist, wie ihn etwa die französischen Revolutions- armeen besaßen, kann nur in eineni Volksheere erzeugt werden das keine abgesonderte Offizierskaste, kein Drillsystem,' kein barbarisches Militärstrafgesetz kennt. Das Volk aber möge die Lehre ziehen, daß es in erster Linie diese verhaßten Institute sind, denen bei uns jede— an sich mögliche— Verkürzung der Dienstzeit geopfert wird. Sic liillitärvoriage in der kudgetkommiiüon. In der Mittwochsitzung kam es zu einer recht scharfen und temperamentvollen Debatte über die G a r d c, deren Abschaffung ein sozialdemokratischer Antrag forderte, neben der Auf- Hebung aller Eliteformationen. Namens der Konservativen erklärte Graf Westarp, sie lehnten den sozialdemokratischen Antrag ab, weil er in die Kom in anböge w alt des Kaisers eingreife. — Genosie L e n s ch begründete eingehend den Antrag. Es könne keine Rede davon sein, daß der Antrag mit der Verfassung in Widerspruch stehe, wie Erzberger und der Kriegsminister glauben machen wollen. Umgelehrt beweist der angezogene Artikel ö3 der Verfassung, daß die Existenz der Garde gegen die Verfassung verstoße. Das GardeoffizierSkorpS stelle eine Art voubls-Orsms innerhalb des ohnehin schon kastenmäßig abgeschlossenen Offizierskorps dar, und stehe dem Volke und den Mannschaften noch fremder und ver- ständnisloser gegenüber. Die Garde ist noch ein U eberbleib sei aus der Zeit der Soldatens piclerci und militärisch ohne besondere Bedeutung. Die in die Uniform gesteckten Söhne des Volkes sind uns Sozialdemokraten zu gut, um als höfische Repräsentationstruppe Verwendung zu finden. Wenn man die Regimenter, in denen vorzugsweise die Söhne bestimmter Geschlechter dienen, in die Grenzgarnisoncn verlegen würde, müsse sich bald zeigen, wie es mit dem Patriotismus dieser Adeligen steht. Militärisch ist die Garde ohne besondere Bedeutung; sie stellt eine fortgesetzte Bedrohung der Verfassung dar. Der K r i e g S m i n i st e r widersprach dem sozialdemokratischen Antrage, der die Tradition bei so vielen Regimentern brechen würde. Künstlich sollen keine Elite-Regimenter geschaffen werden, aber bei manchen Regimentern habe sich die Ergänzung des Offizierkorps aus bestimmten Geschlechtern historisch entwickelt. Daran dürfe nicht gerüttelt werden. Wenn der sozialdemokratische An- trag Annahme finde, so ist die Hecresvorlage für die Regierung unannehmbar. (Lebhafte Bewegung.)— Abg. Müller- Meiningen betonte sofort, daß durch die Erklärung des Ministers Konfliktstoff geschaffen werde- Der Minister scheipe gar nicht die Stimmung im Volke zu kennen, die der Existenz von Elitetruppen nicht günstig ist.— Genosse S ch ö p f l i n sprach dem Minister den Dank für die u n- r ei willige Hilfe in der Bekämpfung der Militärvorlage aus. Wenn der Bestand der Garde der Regierung wichtiger sei als die geforderten 136 000 Mann, sei die völlige Ueberflüssigkeit der Militärvorlage glatt bewiesen. Im Volke draußen werde man nicht wenig überrascht sein von der Erklärung des Ministers. Schöpflin wies nach, daß die Garde eine besondere militärische Bedeutung nicht haben kann und eine solche auch in den Kriegen der Vergangenheit nicht \ Expedition: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. erwiesen hat. Es sei doch ein sehr starkes Stück, nachdem die Militärverwaltung die angebliche dringende Notwendigkeit der neuen Militärvorlage behauptet habe, nun zu erklären, falls das Gardeprinzip beseitigt werde im Gesetz, sei die Militärvorlage für die Regierung unannehmbar. Der Minister werde sich wundern, ivelche Wirkung seine Erklärung bei den Volksmasjcn haben werde.— Genosse N 0 s k e wandte sich ebenfalls lebhaft gegen den Minister wegen der Verteidigung der Garde. Die Rede des Ministers sei eine förmliche antimilitaristische gewesen. Die Regierung würde ihr blaues Wunder erleben, wenn sie wegen der Garde eine Neichstagsauflösung herbeiführen würde. Der Kriegsminister hatte inzwischen eingesehen, welch eine Waffe seine Erklärung für die Gegner bedeutet. Er versuchte nun, seine Erklärung dahin zu deuten, nicht wegen der Garde würde die Vorlage unannehmbar werden, falls der sozialdemokratische Antrag Annahme findet, sondern weil der Antrag in die Kommando- gewalt des Kaisers eingreife und der Tradition und dem Geist der ganzen Armee widerspreche.— Abg. Erzberger betonte, für ihn sei es selbstverständlich, daß der Reichstag aufgelöst wird, falls der sozialdemokratische Antrag Annahme findet. Das Zentrum lehne den Antrag ab, es sei für Beibehaltung der Garde. — Abg. L i c s ch i n g(Vp.) bedauerte die Erklärung des Ministers, die eine Herabsetzung der anderen Truppen gegenüber der Garde be- deute.— Abg. Seniler bat den Minister, seiner Erklärung noch eine weitere Interpretation zu geben, was schallende Heiterkeit hervorrief.— Genosse Frank wies nach, daß die E x i st e n z der Garde im Widerspruch mit dem Artikel 63 der Vcrsassmig stehe. Die Beseitigung der Garde sei auch deshalb geboten, weil ihre Mobilmachung mit Schwierigkeiten verbunden sei, während doch die Militärverwaltung immer betone, es komme bei Ausbruch des Krieges darauf an, daß schnellstens die aktiven Truppen an die Grenze gebracht werden können. Dem Zentrum sei anscheinend wieder einmal vom Kanzler eine Warnung zugegangen, darum ge- bärde es sich so bewilligungslnstig.— Abg. Erzberger erklärte die Meldung des„Tag" von einer an das Zentrum ergangenen Warnung des Kanzlers als eine Sensationsnachricht, die er für seine Person dementiere.— Abg. Gröber bekämpfte den sozialdemokrati- schen Antrag, für den Gen. H a a s e noch energisch eintrat. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genössen, der Volksparteiler und des ElsässerS Haegy abgelehnt, ebenso die volksparteiliche Resolution, die die Beseitigung der Privilegierung bestimmter Truppenteile fordert. Angenommen wurde gegen die konservativen Stimmen eine Resolution Bassermann, die fordert, daß der Entwicklung in einzelnen Regimentern ans ausschließlich adlige Offizierskorps entgegengetreten werde. Sodann wurde ein Antrag Bassermann debattiert, der einen ständigen Austausch zwischen den Offizieren der Grenz- regimenter und denen aus günstiger garnisonierten Regie- nientern fordert. Dem K r i e g s m i n i st e r ist der Antrag sympathisch, aber der Durchführung deS Antrages werden sich große Schwierigkeiten entgegenstellen. Es wird heute schon entsprechend verfahren.— Genosie S ü d e k u in betonte, daß die Sozialdemo- kraten mit der Anregung sympathisieren, jedoch sei zu bedenken, daß die VersetzungSkosten enorm wachsen werden. Planlose Versetzungen müßten natürlich vermieden werden. Die Resolution wurde ange- nommen. Der sozialdemokratische Antrag, der die Beseitigung der Oekonomichandwerker und ihre Ersetzung durch Zivilhandwcrker forderte, wurde durch den, Genossen S tü cklen begründet. Die Soldaten seien zum Dienst mit der Waffe da, aber nicht, um Berufs- arbeit zu leisten und dadurch den Zivilarbeitern Konkurrenz zu machen. — Der K r i e g s m i n i st c r bat um Ablehnung des Antrages, wünschte aber, daß die Kommission ausspricht, in welcher Richtung sie hierin Reformen wünsche. Die Ockonomiehandwerker ganz abzuschaffen sei unmöglich, jedoch könnten sie an Zahl beschränkt, die der Zivilhand- werker vermehrt werden.— Abg. Erzberger erklärte, das Zentrum lehne den Antrag ab. Mehr Zivilhandwerker einzustellen, wirke nur verteuernd. Die Oekonomiehandwerker seien notwendig. Unsere Genossen änderten ihren Antrag in eine Resolution um. Genosse Stücklen erklärte, nicht der einzelne Oekonomiehandwerker bei der Kompagnie oder Eskadron solle beseitigt werden, sondern die, die in großen militärischen Werkstätten in erheblicher Zahl tätig sind.— Die V olksp arteile r wollten nur dann der Resolution zu- stimmen, wenn sie eingeschränkt wird. Gegen die Slinnnen unserer Genossen wurde die Resolution abgelehnt. Den sozialdemokratischen Antrag, der die Abschaffung deS Burschenweseiis fordert, begründete Genosse Stückle n. Mit dem Hinweis, daß jeder Mann eines mindestens zweijährigen Dienstes mit der Waffe bedarf, stehen die rund 30 000 Offiziersburschcn in schroffem Wider- spruch, deren Tätigkeit die eines Dienstmädchens, nicht aber die eines Soldaten ist. Redner charakterisiert in satirischer Weise die Tätig- keit eines Offiziersburschen. Ist doch bereits ein dicke? Buch erschienen, das genau die Tätigkeit der Burschen behandelt. Zwar soll den Zeug- und Festungsbauoffizieren der Bursche entzogen werden, nicht aus Ersparnisgründen, sondern um eine weitere Klassifikation zu schaffen unter den Offizieren. Für das Burschenwesen fehlt jede gesetzliche Grundlage, es beruht einfach auf längst abzuschaffenden Uebcrlieferungen. Die Offiziere haben keinen Anspruch auf diese Dienstleistungen, die ihnen durch Soldaten geleistet werden müssen. Entweder müssen die Burschen beseitigt werden oder es sind 20000 Mann von der r äsen z stärke zu streichen.— Abg. Erzberger vertrat den Zentrumsantrag, der eine Verringerung der Burschen fordert. Die Verwaltung habe bereits Maßnahmen in dieser Richtung er- griffen.— General Wandel erklärte, die Verwaltung sei immer bemüht gewesen, das Burschenwesen so weit als möglich zu ber- ringcnr. Heute sind 23 600 Burschen vorhanden, die aber olle eine kriegsgemäße Ausbildung erhalten. Die Mehr- zahl der Zcngoffiziere war damit einverstanden, daß ihnen die Burschen genommen und dafür eine Geldentschädigung gewährt wird. Ein Gesetz existiert nicht, das den Offizieren einen Burschen gewährt, das Burschenwesen ist vor mehr als hundert Jahren durch eine Kabinettsorder geschaffen worden.— Genosse S t ü ck l e n polemisierte gegen den General Wandel und widerlegte dessen Ein Wendungen.— Abg. v.� Putlitz trat für das Burschenwesen ein, durch das die Wehrhaftigkeit nicht beeinträchtigt iverde.— Abg. Müller- Meiningen gab Mißbräuche beim Burschenwesen zu, be- kämpfte aber die völlige Abschaffung.— Genosse Schöpflin kritisierte es, daß vielfach die Burschen in einer Lakaicnlivrce stecken» eine Tatsache, die Genosse S ü d e k u m als einen Skandal bezeichnete. Schöpflin betonte auch, daß er glaube, daß die Burschen, die im ersten Jahre aktiven Militärdienst leisten, kriegsgemäß ausgebildet seien, wie die Verwaltung behaupte. Das gelte aber nicht nur für die Burschen, sondern für a II e Soldaten, so daß also heute General Wandel bestätigt habe, daß mit der einjährigen Dienstzeit kriegs brauchbare Soldaten auszubilden sind.— General Wandel gab zu, daß Burschen in Lakaienlivreen gesteckt werden, hielt eZ aber für zu lässig. Die Zentrumsresolution wurde angenommen. Genosse N o s k e begründete sodann eine sozialdemokratische Re solution, die die Regierung aufforderte, auf eine Beseitigung der Militärkapellen hinzuarbeiten. DaS sei aus Gründen der Sparsamkeit ebenso notwendig wie im Interesse der Zivilberufs musiker.— Der Kriegs mini st er betonte die.Notwendigkeit' der Militärmusik, ans eine Beschränkung der Zahl der Musiker arbeite die Verwaltung hin. Die Musik habe in bestimmten Fällen eine große Bedeutung für die Truppen sowohl auf dem Marsche wie auch sonst.— Abg. F i s ch b e ck wandte sich gegen die sozialdemokratische Nesolution, wenn er auch wünsche, daß den Zivilmusikern keine große Konkurrenz gemacht wird. Die Resolution wurde gegen die soziab demokratischen Stimmen abgelehnt. Das Zentrum beantragte, daß die Soldaten jährlich mindestens 4 Wochen llrlaub erhalten können, ferner bei den berittenen Truppen Urlaub in erhöhtem Maße gewährt wird, und endlich den au? der Landwirtschaft kommenden Soldaten tunlichst während der Erntezeit Urlaub gewährt wird. Nach einer Begründung durch den Abg. Erzberger bemängelt Genosse S tt d e k u m die unklare Fassung der Resolution, die die II r I a u b S b e w i l l i g u n g auch in Zukunft der Laune des KonipagniechcfS ausliefere. ES müsse der Anspruch deZ Soldaten auf Urlaub festgelegt werden.— Dagegen wandte sich der Kriegs- mini st e r. Es würde dem ganzen Wesen der Armee widersprechen, wenn ohne Rücksicht auf Führung und Leistung der Soldat Urlaub erhalten müsse. Von Launen bei der Urlaubserteilung könne keine Rede sein. Der Zentrumsantrag fand einstimmige Annahme, ebenso der weitere Antrag auf Beseitigung des strengen Arrestes als Disziplinar st rase.— Abg. Erzberger führte auS, daß, wenn man diese Strafart beibehalten wolle, sie dann nur auf Grund eines Gerichtsurteils verhängt werden solle.— Der Kriegsminister konnte eine Erklärung nicht abgeben? eine vorherige Rücksprache mit den Truppenkommandeuren sei notwendig. Scharfe Disziplinarstrafen sind bei der Armee notwendig und nicht entbehren.— Genosse S ü d e k U m führte aus, dex strenge Arrest müsse völlig beseitigt werden. Schon vor Jahrzehnten ist die Strafart als ein bardarische bezeichnet worden. Dieser Strafe verfallen sehr oft gerade Leute, die geistig beschränkt sind. So mancher Soldat ist durch den strengen Arrest zeitlebens unglücklich gemacht worden. Als es galt, die Prügelstrafe beim Militär abzuschaffen, ist genau so argumentiert ivorden, wie es heute der Kriegsminister getan hat. Solche Straf- mittel gehören nicht mehr in die'moderne Zeit, und eS wäre traurig, wenn die Armee nicht ohne eine solche Barbarei auskommen sollte. Mit der Intensität dcS Wirtschaftslebens und des Kampfes um das Dasein nimmt die Zahl der Pstichopaten zu. Dieser Erscheinung muß auch der Strafvollzug Rechnung tragen.— Abg. S e m l e r mrint, den leichten und mittleren Arrest fürchten die Mann- schaftcn nicht.— Der Kriegsminister berief sich auf ein Urteil des früheren ReichStagsgräsidenten Grafen Ballestrem, der den strengen Arrest verteidigte.— Genosse Südekum trat dem Minister scharf entgegen. Die sozialdemokratische Anregung, den strengen Arrest überhaupt zu beseitigen, wurde gegen die Stimmen unserer Ge- nosscn, der Volksparteilern und des Polen abgelehnt, ebenso die Forderung, den Mittelarrest zu mildern; gegen die Stimmen der Konservativen wurde sodann der Zentrumsantrag angenommen. Eine lebhafte Debatte wurde wegen des Militärboykotts gepflogen. Unsere Genossen beantragten, daß keinem Soldaten der Besuch von Lokalen verboten werden darf, weil der Inhaber eine bestimmte politische Ueberzeugung hat oder seine Lokalitäten be- stimmten Parteien überläßt. Gen. H a a s e brachte ungemein drastische Fälle militärischen Boykotts zur Sprache, der sich sogar gegen die Bureaus von Rechtsanwälten und gegen Aerzte schon gerichtet hat. Gegen diesen militärischen Terrorismus müsse entschieden Front gemacht werden, werden doch auch zahlreiche Existenzen durch ihn ge- fährdet und ruiniert. Die neue schwere Volksbelastuug muß dazu benutzt werden, um diesen TerrorismuS zu beseitigen.— Graf MielzynSki forderte die Aufhebung des Boykotts, außer es werde antimilitaristische Propaganda in den Lokalen getrieben oder die Soldaten werden gegen die militärische Zucht auf- gereizt. Bor dieser Forderung warnte Genosse Haase recht ein- dringlich, sie ivürde der Militärverwaltung geradezu die gesetzliche Grundlage für ihr terroristisches Borgehen geben. Das wäre noch viel gefährlicher als der heutige Zustand. Die Polen würden ebenfalls unter der Ausfjihrung des Antrages Mielzynski zu leiden haben.— Graf Mielzynski brachte Fälle militärischen Boykotts aus den polnischen Bezirken zur Sprache.— Abg. Liesching wandte sich gegen den polnischen Antrag und bekämpfte den Boykott.— Der K r i e g s m i n i st e r erklärte, der sozialdemokratische Antrag verstoße gegen die Kommandogewalt des Kaisers und sei unan- nehmbar. Der Boykott werde nicht aus politischen Gründen, son- dem aus.Gründen der Disziplin verhängt gegen Lokale, in denen Sozialdemokraten, Zuhälter und Dirnen Verkehren. Jeder Truppenkommandcur müsse hier die Entscheidung jäüen. In den polnischen Bezirken feien die Polen selbst schuld, wenn der Boykott sich gegen sie richte. Wenn über Privatwohnungen der Boykott verhängt wird, so müsse das entschieden mißbilligt werden.— Genosse N o s k e widersprach dem Minister und geißelte die von der Militärverwaltung beliebte Zusammenstellung von Sozialdemokraten, Zu- h ä l t e r n und Dirnen und zeigte, wie frivol der Militär- boykott ist.— Die Genossen Frank und Schöpflin brand- markten gleichfalls den militärischen Terrorismus, der wenig rühm- lich auch für. die Armee sei. Der sozialdemokratische Antrag wurde gegen die Stimemu unserer Genossen abgelehnt, ein ähnlicher An- trag der Bolk-parteilcr gleichfalls; der polnische Antrag fand mit Stimmengleichheit Ablehnung. Füv diesen Antrag stimmte das Zentrum, das an der Debatte sich gar nicht beteiligte. Die Weiter beratung wurde auf Freitag vertagt, da am Donnerstag katholischer Feiertag ist. Der Zar in Berlin. ifri der Hochzeit der Tochter Wilhelms II. mit deni Prinzen von Gumberland kommt heute der russische Zar nach Berlin, und so wenig wir uns sonst um Familienangelegen- heiten kümmern, dem Selbstherrscher Rußlands müssen auch wir ein paar Worte der Begrüßung widnien. Denn der Zar steht weniger als irgendein anderer Monarch über den poli tischen Kämpfen, und die Rolle, die er in der blutigen Nieder werfung aller Freiheitsbestrebungen gespielt hat, kann ihm nie vergessen werden. Zar Nikolaus II. ist zwar nicht der einzig ausschlaggebende Faktor der innerrussischen Politik. Aber soweit absolutistische Verranntheit, Haß gegen alle kulturellen Neuerungen, Rachsucht gegenüber den vorwärts- drängenden Elementen des Volkes die Bestrebungen der junkerüch-bureallkratischen Diktatur zu fördern vermöchten, hat Nikolaus II. nach Kräften dazu beigetragen, die Herr schuft der Knute und des Galgens im russischen Reiche zu festigen. Es ist ein Zeichen des Verfalls der bürgerlichen Kultur, daß dieser Herrscher nach der blutigen Niederwerfung der Revolution von den Staatsoberhäuptern und Politikern der kapitalistischen Welt mit offenen Armen aufgenommen wurde, und seitdem eine beherrschende Rolle in der internationalen Politik spielt. Zu ihm wallfahren die Kaiser und Könige, vor ihm beugen sich die Präsidenten und Minister, seinen Händen vertraut die Börse ihre goldenen Schätze an. und wenn auch die bürgerliche Presse mitunter, bei politischen Komplikationen. von dem rafsinierten Doppelspiel und der Infamie der russischen Politik spricht, so versäumt sie doch nicht, den Z a r e n, das absolute Oberhaupt der russischen Politik, seiner „Friedensliebe" wegen zu feiern. Nach Berlin kommt der Zar angeblich nur zur Familienfeier am deutschen Kaiserhause. Also nur ein intimes Beisammensein der höchsten und allerhöchsten Herr schaften, die ja bekanntlich fast alle untereinander versippt und verschwägert sind. Indessen ist es keineswegs ausgeschlossen daß auch politische Fragen bei dieser Gelegenheit zur Sprache gebracht werden. Es heißt, die Gespräche würden sich auf die noch schwebenden Fragen des nahen und des fernen Ostens erstrecken. Vielleicht benutzt auch Herr v. B e t h m a n n die Gelegenheit, um sich mit dem Zaren wegen der von russischer Seite drohenden militärischen„Gefahr" an der Ostgrenze auseinanderzusetzen. Daß der Zar die Stimme des deutschen Volkes hört, davon ist natürlich aus guten Gründen Abstand genomnien worden. Die strengen Absperrungsmaßnahmen, das Heer der russisckzen Spitzel, die einträchtig mit der preußischen Polizei zusammenarbeiten, dienen natürlich nicht nur dem„Schutz" des„heißgeliebten" Monarchen. Es soll verhütet werden, daß der Zar erkenne, welches Gefühl das werktätige Berlin deni Unterdrücker seines Volkes entgegenbringt. Die Soidaiendemonftrationen in Coul. Paris, 19. Mai. cEig. Set.) Daß die Zurückbehaltuug deZ Jahrgangs 1912 in der Armee eine große Erregung hervorrufen würde, war vorauszusehen. Nach Hunderten zählen die Zuschriften, die die Redaktion der.Humanits" und viele sozialistische Deputierte seit dem Beginn der Kampagne gegen die dreijährige Dienstzeit von Soldaten erhalten haben. Der Kammerbeschluß vom letzten Donnerstag aber hat in der großen Garnisonstadt Toul an der Ostgrenze Manifestationen hervor- gerufen, deren Vertuschung der Regierung und der militaristischen Presse unmöglich war. Der.Temps" gibt heute von ihnen einen ausführlichen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Schon seit einiger Zeit war in verschiedenen Armeeabteilungen eine Mißstimmung zu bemerke», die sich u. a. bei der Vorführung des Kriegsministers Etienne in de» Kinographentheatern im Ruf: Nieder mit den drei Jahren I kundgab. Besonders lebhaft war die antimilitaristische Kampagne in der 77. Brigade(146. und 153. Infanterieregiment). die sich aus dem Seine- Departe- ment und Versailles rekrutiert. Am Sonnabend nach der Abendsuppe zogen große Scharen Soldaten nach der Stadt. Sie marschierten in Viererreihen; von der 7. Kompagnie des 153. Regiments zog die Hälfte auf einmal aus. Man dachte zuerst, daß die Soldaten den Zapfenstreich begleiten wollten, aber gegen 6'/, Uhr sah man sie vor dem Militärzirkel sOsfizierkasino) erscheinen, wo sie Protestrufe gegen die dreijährige Dienstzeit aus- brachten. Etliche summten auch die.Internationale". Ein Leutnant in Zivil machte de» Demonstranten Vorstellungen, aber er bekam heftige Worte zu hören und wurde herumgestoßen. Ein Hauptmann holte ihn aus der Menge heraus. Aehulich ging es auf einem andern Platz einem Artillerieleutnant. Als er einem Soldaten das Käppi wegnehmen wollte, um die Nummer festzustellen, bekam er Schläge und mußte sich mit dem Stocke heraushauen. Der Platz- kommandant ließ hierauf die Hauptstraßen durch aus anderen Regimentern rekrutierte Patrouillen räumen. Hierbei wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Ilm neue Manifestationen zu ver- meiden, ließ der Platzkommandant plötzlich Alarm blasen, was die Soldaten zur schleunigen Rückkehr veranlahte. Die Nacht verlief der Stadt ruhig. In der Kaserne des 6. Artillerie- regiments aber stimmten mehrere Soldaten nach dem Auslöschen der Lichter die Internationale an. Am Sonntagmorgen konsignierte der Platzmajor d i e a r n i s o n und ließ je eine Kompagnie von jedem Regiment be- waffnet Pilett bilden. Auch eine Schwadron Dragoner wurde konsigniert. Um 9 Uhr berief der Generalgouverneur General Römy alle Generäle und Abteilungs- chefS zu einer Beratung, deren Ergebnisse indes geheim blieben.— Um llls Uhr sah man zahlreiche Gruppen Soldaten über die Rue de la Republique nach dem Moseltor ziehen, wo sie die Straße nach Dommartin einschlugen. Auf die Frage, wohin ihr Weg gehe, antworteten sie spöttisch:„Wir gehen Fußball spielen." Uni 2 Uhr sahen Touler Bürger eine Menge Soldaten aus deni Schießplatz von Chaudeney versammelt. Sie meldeten dies telephonisch der Gendarmerie. Bald erschien der Platzkommandant zu Roß auf dem Schießplatz.. Er wurde mit Pfeifen empfangen. Viele Soldaten riefen:„Wir weigern uns nicht, uns zu schlagen. Aber wir wollen nicht drei Jahre hier- bleiben!" Der Platzkommandant, der zu parlamentieren versuchte, wurde umringt. Anwesende Mitglieder eines Schützenvereins be- reiten ihn und nahmen einige Demonstranten fest. Hierauf wurden die bereirgehaltenen Dragoner nach dem Platz beordert, die die Denionstranten auseinandersprengten. Einem Leutnant in Zivil, der an der Operation teilnehmen wollte, wurde der Hut eingeschlagen und der Stock zerbrochen. ES kam zu einer Prügelei der Soldaten mit den Ortsbewohnern, die gegen sie Partei nahmen.— Offenbar haben die Dragoner nicht ausgereicht, denn es wurden auch die Jnfanteriepiketts herangezogen, die im Sturmschritt herbeieilten. Ein Korporal-Zugführer vom 79. Regiment weigerte sich aber, zu marschieren. Er wurde entwaffnet und in de« Arrest geführt.— Damit waren die Demonstrationen beendet. Die Gendarmerie sperrte die Place de la Republique ab und ließ keinen Soldaten zu dem dort am Nachmittag stattfindenden Platzkonzert durch. Um 5 Uhr ließ der Platzkommandant durch Militär- und Gendarmerie- Patrouillen alle Soldaten zur Heimkehr in die Kaserne zwingen. Auch die Cafes wurden abgesucht. Im ganzen sind etwa 20 Ber- Haftungen vorgenommen worden. Demonstrationen in anderen Garnisonen. Paris, 21. Mai. Auf der Place de la Republique versuchte gestern abend eine Gruppe von Soldaten des 28. Jnsante- rieregiments eine Kundgebung gegen die Zurückbehaltung der Jahresklasse 1911 zu veranstalten, wurde jedoch von der Polizei vertrieben. Paris, 21. Mai. Mehreren Blättern zufolge veranstaltete in der Kaserne des Vorstadtviertels Clignancourt die I. Kompagnie des Infanterieregiments im Kasernenhofe eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit und sang dabei die Internationale.. Bei der Kundgebung auf der Place de la Repu- blique wurde ein Unteroffizier, der gegen die Manifestanten ein- schreiten wollte, von den Soldaten und der Volksmenge verhöhnt. Mäcon, 21. Mai. Einige Gruppen von Soldaten des 134. Infanterieregiments, einige hmibert Mann im ganzen, sammelten sich gestern abend um 7 Uhr und zogen durch die Hauptstraßen mit dem Rufe: Nieder mit der dreijährigen Dienst- zeit! Mehrere sangen die Internationale. Ein Offizier versuchte vergeblich, sie zu zerstreuen. Um 3 Uhr gingen die Manifestanten auseinander, ohne daß cs zu Zwischenfällen kam. Beim Abend- appell waren alle Soldaten in die Kaserne zurückgekehrt. Chalons für Marne, LI. Mai. Gestern versuchten einige Artilleristen eine Kundgebung gegen die Zurückhaltung des Jahrganges 1911 bei den Fahnen, gingen jedoch aus Zureden eines Unteroffiziers auseinander. Nancy, 21. Mai. Trotz aller von den Militärbehörden ge- troffenen Vorkehrungen veranstaltete eine Anzahl Soldaten des 8. Artillerieregiments in einem Mannschaftszimmer eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit und sang die Internationale. Mehrere Artilleristen wurden ins Gefängnis abgeführt und die Mannschaften der betreffenden Battc- rien mit Kasernenarrest bestraft.— Heute Nacht wurden in ver- schiede neu Kasernen kleine Anschlagszettel an- geklebt, die gegen die Zurückbehaltung der Jahresklasse 1910 Einspruch erheben und die Soldaten auffordern, sich am nächsten Sonntag auf dem Stanislausplatze an einer Kundgebung zu be- tciligen. Die Rache der Militaristen. Nancy, 21. Mai. General Goetschy, Kommandant des 20. Armeekorps, hat einen Tagesbefehl erlassen, der besagt, infolge der bedauerlichen Vorfälle in Toul seien zu- nächst, noch vor Abschluß der Untersuchung, folgende Maß- nahmen verfügt worden: 16 Militärpersonen sind dem Kriegsgericht üb erwiesen. 15 zur Ver- setzung in die Strafabteil ungcu vorgeschlagen, 4 0 mit Arrest zwischen 30 und 60 Tagen bestrast, 1 3 wegen Schlaffheit in der Handhabung ihrer Befugnisse degradiert oder in einem niedrigeren Grad versetzt. Nancy, 21. Mai. Kraft der ihm vom Minister über- tragenen Vollmacht hat General Vau entschieden, daß alle an den Kundgebungen in To�ul beteiligten Rädels- führer und Helfershelfer in die Strafkompagnien geschickt werden. Nancy, 21. Mai. Ein in Toul eingetroffener Befehl des Kriegsministers untersagt bis zum Erlaß eines neuen Befehls allen Offizieren und Militärbeamten das Tragenvon Zivilklei düng. Reaktionäre Hetze. Paris, 21. Mai.(P r i v a t t e l e g r a m in � e s„Vor- wärt s".) Der„Temps" behauptet, daß viele Soldaten sich deswegen den: Demonstrationszuge anschloffen, weil die dem Zuge vorauschreiteiiden Korporale sie dazu kommandiert hätten, sie also nicht gegen die Disziplin verstoßen wollten! Der„Temps" verbreitet ferner die ungeheuerliche Geschichte. wonach ein Unteroffizier in Toul in einem Pissoir ein an den Genossen I a u r � s gerichtetes Schreiben gefunden haben will, worin der Schreiber unter anderem mitteilt, daß er in der Armee noch weiter für Manifestationen und gegen weitere Rüstungen unter den organisierten Arbeitern agitiere. Dieser offenbare Spitzelbrief soll auch schon angeblich den Untersuchungsakten einverleibt sein. Der„Temps" veröffent- licht aus diesem Anlaß einen wilden Denunziationsartikel gegen die Gewerkschaftskonföderation und die Partei. Antimilitaristische Demonstrationen in Paris. Paris, 21. Mai.(W. T. B.) In B o u l o g« e bei Paris fanden gestern nachmittag arge antimilitaristische Straßendeuron- strationen statt. Zwei Automobile, die rote Fahnen und rote An- schlagzettel mit der Auffchrift:„NiedermitdemGcsctzüber die drei Jahre, nieder mit der Zlrmee" trugen, fuhren durch die Straßen der Stadt. Der Polizeikommissar ließ die Autos durch Schutzleute auf Fahrrädern verfolgen. Es gelang auch, eines der Autos anzuhalten und die zwei Insassen festzunehmen. Einige Stunden später wurden in Boulognc etwa 40 Gestellungspflichtige, denen eine Trikolore vorausgetragen wurde, von etwa 50 Auli- Militaristen, die in dem Lokal eines Arbeiterkonsumvereins ver- sammelt gewesen waren, überfallen und mit Steinen beworfen. Schutzleute griffen ein und es entstand ein heftiges Handgemenge, wobei ein Polizeikommissar und vier Gestellungspflichtige nicht un- erheblich verletzt wurden. Inzwischen war aus dem benachbarten St. Cloud eine Abteilung Kürassiere herbeigeeilt, bei deren Anblick die AntiMilitaristen in das Konsumvereinslokal zurückflüchteten. Zwölf von ihnen wurden verhaftet. Die Untersuchung ergab, daß auf feiten der AntiMilitaristen auch ein Artillerist in einer Arbciterblusc an der Rauferei teilgenommen hatte. Bestrafte Antimilitaristen. Paris, 21. Mai. Das Zuchtpolizeigericht von Droves ver- urteilte eine Anzahl Antimilitaristen, die am letzten Sonnabend während des Zapfenstreiches Beschimpfungen gegen die Armee aus- gestoßen hatten, zu 6 bis 30 Tagen Gefängnis. poiitilcke Qcbcrficbt. „Berrat des Freisinns an der bürgerlichen Sache". So nennt in wutschäumenden Ergüssen das Oertel-BIatt eine von der„Freisinnigen Zeitung" anscheinend Partei- offiziös ausgegebene Parole für die Wahlmänner-Stich- Wahlen, die folgenden Wortlaut hat: .In denjenigen Bezirken, in welchen die UrWahlen in Form von Fristwahlen vorgenommen worden sind, finden im Laufe dieser Woche die Stichwahlen für die Wahlmänner statt. Auf- gäbe unserer Partei mutz es sein, überall dort, wo die eigenen Kandidaten zur Stichwahl stehen, alles daran zu setzen, um sie zum Siege zu bringen. Wo aber die Kandidaten der Fortschritt- lichen Volkspartei ausgefallen sind, gilt es, zu der- hindern, datz die Reaktion bei den Abgeordnetenwahlen den schließlichcn Erfolg davonträgt. Danach sollten unsere Freunde überall handeln, wo die Wahl schwarz- blauer Kandidaten in Frage kommt." Das sei. so lamentiert die„Deutsche Tages-Atg.",„die glatte Aufforderung von Partei wegen, gegebenenfalls auch die Sozialdemokratie zu unter st ützen, direkt oder indirekt, und was für die Wahl männerwahlen gilt, wird dann wohl für die Abgeordnetenwahlen erst recht gelten sollen". Auch die„Kreuz-Ztg." ergeht sich in ähnlichen Klagen. In ihrer Abendausgabe tut dann die„Deutsche Tages- Zeitung" wieder so, als sei es den Junkern total gleichgültig. ob sie ein paar Mandate mehr oder weniger eroberten. Zu- gleich aber sucht sie dem Freisinn vorzureden, datz er bei einem solchen Vorgehen keinen besonderen Gewinn haben werde, da er doch auch in einigen Wahlkreisen der bürgerlichen Hilfe bedürfe. Da das Junkerorgan jedoch vermutet, daß der Freisinn bei der Berechnung seiner(Hiancen doch wohl zu einem anderen Resultat kommen könnte, droht es ihm nnt „Folgerungen für die allgemeine Behandlung". Das „Dämpfungsabkommen" sei schon die„unwürdigste politische Handlung unserer modernen Parteigeschichte" gewesen. Setze der Freisinn aber diese Politik fort, so könne er nur noch„als der rechte Flügel der Sozialdemokratie angesehen werden". Die Möglichkeit, ein Dutzend Mandate zu verlieren, ist den Junkern so auf die Nerven gefallen, datz sie nicht ei mehr den Fluch der Lächerlichkeit scheuen! » Auch die Nationalliberalen haben nun schleunigst eine offizielle Stichwahlparole ausgegeben, die so formuliert ist: „Im Hinblick auf die im Laufe dieser Woche stattfindenden Wahlmännerstichwahlen(Fristwahlen) verweisen wir auf den Beschlutz des 4. Preutzifchen Vertretertages der Nationalliberalen Partei in Hannover am 6. April d. I., der wie folgt lautet: „Der 4. Allgemeine Preußische Vertrctertag spricht die Er- Wartung aus, datz bei den kommenden preutzifchen Landtags- Wahlen die Wahlkreisorganisationen und die Kandidaten gegen- über der Sozialdemokratie keinerlei Verpflichtungen über- nehmen." Im Sinne dieses Beschlusses liegt es, datz überall dort, wo Wahlmänner anderer bürgerlicher Parteien in Stichwahl mit sozialdemokratischen Wahlmännern stehen, die nationalliberalen Wähler unbedingt für die bürger- lichen Wahlmänner eintreten." Stichwahlen. Das Ergebnis in Pinneberg-ElmShorn wird von den Fort- fchrittlern noch immer angezweifelt. Das Landratsamt hat fest- gestellt, datz für Graf v. Moltke(Frei!.) 207, für Fegter(Vp.) 121 und für v. Elm(Soz.) 122 Wahlmänner gewählt seien. Die fortschrittliche„Elmshorner Zeitung" ist nun mit der Ausschaltung der Fortschrittler aus der Stichwahl gar nicht zufrieden, sie schreibt: „Nach unseren Feststellungen hat unser Kandidat Abg. Fegter 122. eventuell noch einen bis ztoei Wahlmänner mehr erhalte», während für den sozialdemokratischen Abgeordneten v. Elm 121 gezählt werden." Die Abgeordnetcnwahl wird schon die Klarheit bringen, die Hauptsache ist, datz dann die Fortschrittlcr nicht ver- sagen. In Bielefeld stellt sich nach den Stichwahlen das Resultat wie folgt: Sozialdemokraten 235, Fortschritt 114, Nationalliberale 290, Ehristlich-Soziale 101, Konservative 330 Wahlmänner. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Konservativen. In Braadcnburg-Wcsthavelland kommt die Sozialdemokratie hart an die Stichwahl; es wurden gewählt: 179 Sozialdemokraten, 18l Fortschrittlcr, 45 Nationalliberale, 365 Konservative. 4 Wahlmänner sind noch in det Stichwahl zu wählen. In Lregnitz-Goldbcrg-Haynau haben die Fortschrittler bei den Stichwahlen 22 Wahlmänner gewonnen. Das Gesamtergebnis stellt sich nach dem„Liegnitzer Anzeiger" nun folgendermaßen dar: 272 Liberale, 272 Konservative, 62 Sozialdemokraten. Danach wäre Wahlmännergleichheit zwischen Liberalen und Konser- vativen vorhanden. Der„Liegnitzer Anzeiger" bemerkt hierzu, daß die Resultate vom Lande bis jetzt noch nicht amtlich mitgeteilt seien. Im Wahlbezirk Knssrl-Witzenhnusen sind nach den bisherigen Feststellungen gewählt worden: 154 Deutschsoziale, 81 Fortschritt- liche und 58 sozialdemokratische Wahlmänner. Im Wahlkreise Flensburg ist nach vollendeten Stichwahlen das Resultat folgendes: Der Nationallibcrale hat 202, der fortschrittliche Kandidat Wittrock 142, der Sozialdcmo- krat 65 Wahlmänner erhalten. Also Stichwahl zwischen Fort- schrittlern und Nationalliberalen. Eine Erinnerung. Aus Aulatz der Anwesenheit des Kronprinzen bei Elöffnung der Jahrhundertfeier-Ausstellung in Breslau erinnert die Breslauer „Bolkswacht" an das erste Auftreten des damals noch sehr jugendlichen Herrn gegen die Sozialdemokratie vor zehn Jahren. Damals fühlte fich auch der erst 20jährige Krön- Prinz berufen, in die Angriffe auf die Sozialdemokratie mit ein- zustimmen, die die vom„Vorwärts" veröffentlichte Kruppaffäre der Partei zuzogen. In dem weltverlorenen Städtchen O e l s, in dem der Kronprinz ein Schloß besitzt, wurde eine Arbeiter- Depu- tation zusammengetrommelt, die dem Kaisersohn die Ergeben- heit der gesamten deutschen Arbeiterschaft ver- sichern mußte. An diese richtete der Kronprinz dann den bekannten Erlaß, daß er sich freue, daß„keine Gemeinschaft zwischen Euch und jenen Elenden(gemeint war die Sozialdemokratie) bestanden hat oder je bestehen wird", und daß Wilhelm II. über die„treue Gesinnung, die Euer Wortführer heute gelobt, freudige Genugtuung' empstmden habe und daß ihm„dieser Tag unvergeßlich' bleiben werde. Die Kundgebung deS jugendlichen Thronfolgers erregte damals großes Aufsehen. Im Reichstage mußte sich der Sohn Wilhelms II. eine kräftige Antwort durch Genossen Bebel gefallen lasten. Jetzt berichtet nun die„Bolkswacht", daß der Sprecher jener Arbeiterdeputation, der Tischler Selig. Mitglied des Holz- arbeiterverbandes und der sozialdemokratischen Partei war. Auf die Weigerungen SeligS, die ihm zugemutete Rolle zu übernehmen, wie sich überhaupt an der Deputation zu beteiligen, wendete sein damaliger Arbeitgeber ein, daß er der einzige sei, der in OelS den Mund auf tun könne. Auch fürchte er als Arbeitgeber große geschäftliche Nachteile, wenn Selig sich weigere, das Amt zu übernehmen, Selig sagte schließlich zu, da er wegen schwerer Krankheit und de? zu fürchtenden Terror der Patrioten an einer anderen Unter« kunft verzweifelte. Vielleicht, so schließt die„Bolkswacht" die Erinnerung, macht jemand jetzt einmal den Kronprinzen darauf aufmerksam, wie nahe er damals den„Elenden" war und wie gute Fortschritte die Bewegung der Elenden in Oels und im ganzen Reiche in dieser Zeit gemacht hat!_ Herabsetzung der Altersgrenze. Wie die„Berliner Volkszeitung" erfährt, ist im Reichsamt deS Innern eine Vorlage bereits ausgearbeitet, durch welche die Herab« setzuna der Altersgrenze für die Erreichung der Altersrente von 70 auf 65 Jahre verfügt wird. Diese Vorlage hat jedoch im Reichs- tag bisher nicht eingebracht werden können und kann auch einst- weilen nicht eingebracht werden, weil man noch nicht weiß, woher man das Geld für die Durchführung nehmen soll. Zuerst sollten die Mittel gewonnen werden durch die Leuchtölvorlage; da deren Ver- abschiedung jedoch in der nächsten Zeit nicht zu erwarten ist und andere Quellen nicht gefunden werden können, ist diese Verzögerung zu einer Notwendigkeit geworden. Wenn es sich um Militärforderungen handelt, dann ist man nicht so verlegen um eine Quelle, aus der man schöpfen kann. Dort handelt es um Milliarden, hier aber würde man schon mit einem Aufwand von etwa 12 Millionen Mark auskommen können. Sommertaguug des preußischen Landtages. Das preußische Abgeordnetenhaus wird noch in der ersten Hälfte des Monats Juni zu einer Session, die auf drei Tage berechnet wird, zusammentreten, um das Präsidium zu wählen, das den Landtag bei der Feier des Regierungs- jubiläums des Kaisers vertreten soll. Abermals die„Affenkomödie". Wegen Beleidigung des Abgeordnetenhauses wird sich am Frei- tag, den 23. Mai, vor der elften Strafkammer des Landgerichts I Genosse Wachs zu verantworten haben. Bekanntlich wurde Ge- nossc Wachs am 9. November des vorigen Jahres als verantwort- licher Redakteur des„Vorwärts" zu 200 M. Geldstrafe verurteilt, weil durch den Artikel„Eine reaktionäre Affenkomödie" das Junker- Parlament angeblich beleidigt worden sein soll. Die von Wachs ein- gelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Dagegen wurde der Revision des Staatsanwalts stattgegeben, der zwei Mo- nate Gefängnis beantragt und gegen obiges Urteil Berufung eingelegt hatte. Die Sache wurde zur nochmaligen Entscheidung und Verhandlung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Das Sncle des ßalhantmcges. Stellungnahme des Balkanblindes zu den Friedensverhandlungen. London, 21. Mai. Wie das Neutersche Bureau erfahrt, haben die Delegierten der verbündeten Balkanstaaten heute vormittag eine Sitzung abgehalten, um die Abänderungen der in der gestrigen Sitzung der Botschastervereinigung skizzierten Friedenspräliminarien zu redigieren. Wenn der Entwurf fertiggestellt sein wird, wird er Sir Edward Grey durch den Delegierten Nowakowitsch überreicht werden. Die Verbündeten wünschen neben den anderen bereits erwähnten Punkten eine genauere Bestimmung der Funktionen der Pariser.Finanzkommission. Man glaubt allgemein, daß die Abänderungen derart sein werden, daß sie ohne Schwierig- keiten angenommen werden können, sei es in der Form von Zusicherungen, sei es in der Form von redaktionellen Acnde- rungen des Entwurfs._ Oeftemieb. Die auswärtige Politik vor dem Parlament. Wien, 21. Mai. Abgeordnetenhaus. In der fort- gesetzten ersten Lesung des Budgetprovisoriums wandte sich der tschechische Agrarier Stanick gegen die äußere Politik Oesterreich-Ungarns. Die Monarchie dürfe auf dem Balkan nicht mit Gewalt auftreten, wenn sie sich Freunde schaffen wolle. Sic hätte mit den Balkanstaatcn einen Vertrag schließen sollen, datz die albanesischc Küste unbefestigt bleibe. Ein künstliches Albanien werde den Frieden auf dem Balkan nicht sichern. Auch die innere Politik der Monarchie müsse der nationalen Zusammensetzung des Staates angepatzt sein. Die Tschechen wollten einen Ausgleich, aber nicht um jeden Preis, sie wollten die.Gleichberechtigung beider Völker in den böhmischen Ländern. Der Christi ich-Soziale Stöcklcr erklärte: Unsere auswärtige Politik war vollständig im Recht, unsere Interessen zu wahren und zu sichern. Wir begreifen nur nicht die Geheimnistuerei des Aus- wältigen Amts während des Krieges. Die militärische Bereitschaft war absolut notwendig, um uns vor Ueberraschungen zu schützen. Sozialdemokrat Dr. Adler verwies auf die große Wirt- schaftliche Not der breiten Bevölkerung und warf der Leitung der inneren Politik vor, daß sie fortgesetzt Mißgriffe begehe. Heute wisse man, daß die K r i e g s g e- fahr nicht von außen, sondern von innen ge- kommen sei, daß sie eine fingierte, vomLiterarischen Bureau herbeigeführte sei. Wenn die Monarchie zu Beginn des Balkankrieges den Balkanstaaten volle Freiheit ihrer Aktion gelassen und von ihnen nur ein selbständiges Albanien mit Skutari verlangt hätte, so wäre dieses Ziel wahrscheinlich billiger, ohne kriegerischen Aufwand zu er- reichen gewesen. Die Sozialdemokraten hätten nur die schärfste Verurteilung der Politik dieser Regierung. Der italienische Abgeordnete P i t a c c o protestierte gegen die fortschreitende Slawisierung Triests und des Küstenlandes, welche den Zielen des Bündnisses mit Italien zuwiderlaufe. DaS Ver- halten der Regierung und der Parteien zur italienischen Rechts- fakultät sei illoyal und könne nicht ohne Rückwirkung auf die öffent- liche Meinung Italiens bleiben. frankmch. Eio«euer Block? Paris, 19. Mai.(Eig. Ber.) Herr Caillaux hat auf dem gestrigen Bankett der radikalen und radikalsozialistischen Partei seine Ministcrrcde gehalten. Was die in die parla- mentarischen Verhältnisse Eingeweihten schon lange wußten, ist nun offen deklariert: er ist der Mann, der zur Nachfolge Barthous bestimmt ist, wenn es der Opposition der Linken gelingt, in der Militärfrage zu siegen. Darum mußte in der Rede Eaillaux' vor allem seine Stellung zu den Heeresprojekten interessieren. Sie ist etwas halbschlächtig, und Genosse Jaurös darf heute in der „Humanits" von ihr mit Recht sagen, daß sie im Vermitte- lungsvorschlag einer— mehrere Monate dauemden—„Ber- längerung" der Dienstzeit die Argumentation der Militaristen mehr rechtfertige als zurückweise. Aber im ganzen hat Caillaux über die Organisation der nationalen Verteidigung in einer Demokratie, über den Gegensatz der„bewaffneten Nation" zur BerufSarmce und über die gereckte Verteilung der Lasten des Militarismus ganz vortreffliche Sätze gesagt, die zeigen, wie turmhoch der französische Radikalismus, tvcnigstens in seinen Doktrinen, über dem deutschen Liberalismus aller Schattte- rungen steht. Bestimmter als die Caillauxschen Erklärungen klangen die Ausführungen des ehemaligen Ministers Doumeraue über die Wiederherstellung des Blocks. Man hat über diesen Gegenstand in der letzte» Zeit viel geschrieben und diskutiert. Im„Courrier Europeen" haben sich auch angesehene Politiker der geeinigtcn sozio- listischen Partei darüber geäußert. Nicht jeder denkt darüber so hitzig wie H c r v s, nicht so optimistisch wie Genosse Albert ThomaS, der loyal fein Festhalten am Ministerialismus bekennt. Aber auch Compöre-Morcl und Baillant sind der Ueberzeugung, daß das Ziel, die Pläne der militaristischen Reaktion zu vereiteln, das Zu- sammengehen mit der bürgerlichen Linken rechtfertige. In der Tat, die Situation ist heute keine andere als in der Drehfuskrise oder vielmehr, sie ist für die Demokratie noch gefährlicher, da seither ein bedeutender Teil der bürgerlichen Intelligenz zur Reaktion abgeschwenkt ist und die anti- parlamentarischen Stimmungen in allen Klaffen die republi- konischen Energien geschwächt haben. Doumerque sprach zuerst etwas wehleidig über die Taktik der Sozialisten, die den Radikalen einige Mandate weggenommen, aber dafür der „Republik" Schaden angetan habe und meinte, daß bei unseren Genossen schon eine bessere Erkenntnis platzzugreifen scheine. In Wahrheit haben die französischen Sozialisten nichts zu bereuen. Wenn sie mit der bürgerlichen Linken so oft in Konflikt gekommen sind und sogenannte„radikale" Ministerien aufs schärsstc bekämpft haben, so geschah das darum, weil die Politiker des französischen Radikalismus so- gar die demokratischen Interessen der von ihm vertretenen Schichten aus Machtgier und in ihrer Verstrickung in die kapitalistische Korruption preisgegeben hatten. Sie werden die geringe Meinung von der Zukunft des Radikalismus behalten und dennoch in die Lage kommen können, die bürgerliche Linke zu unterstützen. Auch ein Ministerium Caillaux, wenn es die Aufgabe, gegen die Mili- taristen Front zu machen, die Intrigen des neue Hoffnung schöpfenden Klerikalismus zu hintertreiben und die stecken- gebliebene Sozialgesetzgebung ein Stück vorwärts zu treiben, ernst nehmen wird. Man braucht sich über Caillaux keine Illusionen zu machen. Auch er ist ein Mann des Großkapi- tals. Aber er repräsentiert Finanzkreisc, die die Steigerung ihrer Profite aus dem wachsenden Vertrauen auf die friedliche EntWickelung der Geschäfte erwartem Und weil gegen ihn als den Unterzeichner und Befürworter des Marokkoabkommens die ganze Meute der nationalistischen Kläffer losgelassen ist, so stellt er sich schon dadurch als der Vertreter der Gegen- tendenz, als Anhänger einer phrasenlosen, nüchternen Friedens- Politik dar. Die deutsch-französische Annäherung hat in ihm sicher keinen prinzipiellen Gegner, wenn er auch, so wenig als irgendein Franzose, welcher Partei immer, Lust dazu haben wird, offizielle Schritte zu ihren gunsten zu tun, so lange die Drobung der Ausnahmepolitik über Elsaß-Lothringen schwebt. Die Radikalen brauchen also nur zu wollen, und die Hilfe der Sozialisten ist ihnen für eine Politik der demokratischen Heeresrcform, der längst fälligen Aufgaben auf sozialhygieni- schem und sozialpolitischem Gebiete und des internationalen Friedens sicher._ Opposition gegen den Kriegsminister. Paris, 21. Mai. Kriegsminister E t i enn e erklärte gestern im Budgctausschuß der Kammer bei der Begründung der Kreditvorlage von 400 Millionen, die für die Zurückbehaltung der Jahresklasse erforderlichen Matznahmen seien so dringender Natur, daß er es auf sich genommen Habe, die Ausgaben unverzüglich und auf seine eigene Vergntwortong zu machen. Diese Erklärung rief bei den Radikalen und Sozialisten große Erregung hervor. Eine von den Sozialisten Sembat und THömaS beantragte Resolution, durch welche der Minister aufgefordert wurde. keinerlei Ausgaben vorzunehmen, bevor die Kammer die erforder- lichen Bewilligungen erteilt habe, wurde mit 9 gegen 8 Stimmen abgelehnt. JaureS greift'den Kriegsminister in der„Humanite" lebhaft an und bezeichnet dessen Borgehen als ungesetzlich. Die Kammer werde zu erklären haben, ob es als eine erlaubte und regelmäßige Sache anzusehen sei, datz der Kriegsminister auf seine eigene Autorität hin den Kredit von 400 Millionen verwendet. Italien. Ein neuer sozialistischer Abgeordneter. SI»m, 19. Mai.(Eig. Ber.) Im Wahlkreise Oviglio in der Provinz A l c s s a n d r i a, in dem durch den Tod des bis« herigen Abgeordneten eine Ersatzwahl nötig geworden war, ist der Parteigenosse Rechtsanwalt Sciorati gewählt worden. Er kam mit dem klerikal-konfervativen Kandidaten in Stichwahl, wobei die bürgerlich-radikalen Elemente ihre Stimmen dem Sozialisten zu- wandten, der 4515 gegen 3763 Stimmen erhielt. Der Wahlkreis, der borwiegend ländlich ist, wurde zum erstenmal pon unserer Partei erobert. Dänemark. Der Wahltag. Kopenhagen, 21. Mai.(Privattclegramm des „Vorwärts".) Der Wahltag hat faktisch die Er« Wartungen der Optimisten gerechtfertigt. Die vor drei Jahren angestrebte Mehrheit der Radikalen und Sozialdemokraten ist, falls das endgültige Wahlergebnis keine Korrekturen der bis jetzt bekannten Resultate bringt. nunmehr zur Tatsache geworden. Es sind gewählt(die Zahlen in Klammern bedeuten die bisherige Fraktionsstärke): 43(66) Liberale, 3 2(24) Sozialdemokraten, 31(29) Radi- kale, 7(13) Konservative und 1(1) Wilder. Damit sind die Konservativen in der Zweiten Kammer vollständig ab- getan; sie können bei der jetzigen Parteikonftellation nicht einmal das Zünglein an der Wage bilden. Denn die Majorität beträgt 58 Stimmen, Sozialdemokraten und bürgerliche Radikale(etwa der deutschen Gerlachgruppe gleich) haben aber zusammen 63 Mandate. Dies Ergebnis der Wahl hat aber eine noch größere Be» deutung. Es zeigt, daß schon die jetzigen Wähler nicht nur die W a h l r c f o r in des alten B c r n t s e n billigen, sondern daß sie die Unzuverlässigkeit des sich um den früheren Staatsminister Christensen gruppierenden rechten liberalen Flügels erkannt und daher sozialdemokratisch- radikal gestimmt haben. Die Wähler billigen also vollauf die Tätigkeit der beiden Parteien miteinem radikalen Wahlrechtsprogramm, sie haben dafür Sorge ge- tragen, daß die Wahlrefornivorlage Berntsens, die schon von der Kammer angenommen ist, das mindeste dessen wird, was durchgeführt werden soll. Es fragt sich nun, was die nächste Folge ist? Ob Klaus Berntsen selbst am Ruder bleibt und seine Vorlage durch- ührt, oder ob er einem radikalen Ministerium Platz macht. Vieles spricht für das Verbleiben Berntsens, bis die Wahl- reform erledigt ist. Aber noch sind natürlich keine Eni» scheidungen der Pateien getroffen. 6ewerhrcbaftUcbe9. ©cbkcterpriichc der CarifrcbHcbtungshomminion find ftempelpfUcbtig. Die Schlichtungskommission bcS Berliner Portefeuiller und Reiseartikclgcwerbes fällte einen Schiedsspruch, wonach die Lederivarenfirnia Valentin verurteilt wurde, den Tarifvertrag bis zu seinem festgesetzten Ablaufstermin auch einzuhalten. Die verurteilte Firma legte beim Landgericht Berufung ein, bei welcher Gelegenheit das Hauptzollamt Kenntnis von dem Schiedsspruch erhielt. Es verlangte auf Grund der Tarifstelle 37 des Landesstenipelstcuergesetzes einen Stempel von 10 M. für die Hauptausfertigung und für die nach Z 1009 der Zivilprozeßordnung den beiden Parteien zu- gestellten Ausfertigungen einen solchen von je 3 M. Für diesen Stempel haftet jeder Unterzeichner des Schiedsspruches Auf Grund einer Beschwerde des Schlichtungskommissions Vorsitzenden Magistratsrates v. Schulz bestätigte die Oberzoll- direktion das Verlangen des Hauptzollamtcs. Tie Ent- scheidung stützt sich auf§ 9 de3 Tarifvertrages, der ein Schiedsgericht vereinbart. Der Schiedsspruch sei demnach für die Parteien rechtlich bindend und habe nach§ 1010 der Z.-P.�O. unter den Parteien die Wirkung eines rechtskräftigen Urteils. _Vach den toten Buchstaben des Gesetzes ist die Steuer bchörde vielleicht im Recht, weswegen von einer Beschwerde beim Finanzmiuister abgesehen wurde. Run hat sich in dieser Angelegenheit folgender Zustand gebildet: Das Hauptzollamt und die Oberzoll- direktion halten den Schiedsspruch für beide Teile für rechtlich bindend und voll st reckbar und fordern deswegen 16 M. Stcmpelgebühr, die auch bezahlt worden sind. Das Landgericht und das Kammer- geeicht sagen in dem bekannten Urteil, den Tarifvertrag brauche die Firma V. nicht ein- z�u h a l t e n, demzufolge brauche sie auch nicht den Schiedsspruch als Teil des Vertrages a n z u e r- kennen. Aber auch außer diesem verzwickten Rechtszustand ist das steuerbehördliche Verlangen durchaus unberechttgt. In allen Tarifverträgen wird Wert auf die Bildung einer Schlichtungs kommission nüt gewisser Exekutivgewalt gelegt, um so eine Handhabe gegen Tarifbrechcr zu haben bezw. um Tarif bräche gebührend ahnden zu können. Wenn aber die Steuer� behörde die Unparteiischen und Beisitzer für die Stempelgebühr haftbar macht, so dürften sich wenig geeignete Personen finden, die für ihre nicht besonders angenehme Arbeit noch steuer- behördliche Opfer zu tragen gewillt sind. Um eine Stempel- frciheit der Schiedssprüche zu erwirken, ist bei dem Ausschuß des Gewerbegerichts Berlin für Gutachten und Anträge beantragt worden: .Dieser möge beschließen, daß das Gelverbegericht Berlin bei den beiden Häusern des preußischen Landtags den Antrag stellt, der Tarifstelle ö7 des LandeSstempelsteuergesetzcs vom 31. Juli 1895 bis 26. Juni 1909 folgenden Zusatz zuzufügen: .Ausgenommen sind Schiedssprüche, welche von dem in einem Tarifvertrage eingesetzten SchlichtungSkominission gefällt werden", so daß die Tarifstelle dann folgendermaßen lauten würde: .Stempelpflichtig sind Schiedssprüche und zwar sowohl der ständigen Schiedsgerichte als auch der zur Entscheidung für den einzelnen Fall berufenen Schiedsgerichte. Ausgenommen usw..." Ob der Landtag und das' preußische Herrenhaus diesem Antrage stattgeben wird? Die einfachste Notwendigkeit dafür liegt vor, um den tariffeindlichen Rechtsirrtum zu beseitigen. Es kann doch nicht angehen, daß Schiedssprüche versteuert werden müssen, selbst wenn ordentliche Gerichte sie als un- zulässig erkläreir. Wir leben doch im Staate vollendeter Rechtsgarantien I_ Berlin und Umgegend. Die Bewegung der Berliner Holzarbeiter im Jahre INIÄ. Der am Montag abgehaltenen Generalversammlung der Ver- waltungSstelle Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandcs lag der Jahresbericht für 1912 vor. Für die Industrie Deutschlands galt 1912 als ein Jahr der Hochkonjunktur. Auch die Branchen der Holzindustrie konnten sich im ganzen Reiche eines guten Geschäfts- ganges erfreuen. Nur Berlin lvar davon ausgenommen, das ständig eine hohe Zahl Arbeitsloser aufwies, die gegen Ende des Jahres immer mehr anwuchs. Die große Zahl der Arbeitslosen den über 3999 im Januar schwankte bis Juni nur um einige Hundert, fiel vorübergehend im August und September auf 1636 und 1888. erhöhte sich aber bald wieder und Ende Dezember wurde eine größere Arbeitslosigkeit festgestellt wie im Januar. Das Jahr 1912 zeigte ein Sinken der Konjunktur und eine auffällige Zunahme der Arbeitslosigkeit, wodurch die Aktionen des Verbandes erschwert und an die Kassen desselben erheblich größere Anforderungen gestellt wurden. Als Ursachen der größeren Ar- beitslosigkeit kommen in Betracht die ungünstige Lage im Bau- gewerbc, die zunehmende Lieferung von Tischlerarbeiten nach Ber- lin, die Einführung von Teilarbeit und maschinellen Einrichtungen und die größere Ausnutzung der Arbeitskräfte. Die Konjunktur- aussichten für 1913 sind leider auch keine günstigen. Die Lohnbewegungen waren auch im vergangenen Jahre trotz der ungünstigen Verhältnisse äußerst zahlreich und hatten auch verhältnismäßig gute Erfolge. Tie Hälfte aller Lohn- bcwegungen konnten ohne Arbeitsniederlegung durchgeführt werden. Besonder» bemerkenswert ist noch, daß die Abwehrstreits im Ver- hältnis zum Vorjähre ganz bedeutend zurückgingen, während An- griffsstreiks in annähernd der gleichen Zahl geführt wurden, was wohl in der Hauptsache aus den wachsenden Einfluß der Organs- sasion zurückzuführen ist. Die Arbeitgeber haben die Blacht des Holzarbeiterverbandes kennen gelernt und versuchen dishalb nicht mehr so oft, an den einmal festgelegten Lohn- und Arbeitsbedin- gungen zu rütteln. Eine allgenieine Lohnbewegung hatten nur die Goldleisten« arbeiter, während Lohnbewegungen größeren Umfangcs noch in den Wagen- und Karosseriefabriken, bei den Klavierarbeitern und bei den Perlmutterarbeitern zu verzeichnen waren. Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung, in denen es sich um Forderungen der Arbeiter handelte, iiwren insgesamt 77 zu verzeichnen mit 77 Betrieben und 1867 Beteiligten. Hierzu kommen noch 31 Betriebe mit 355 Beteiligten aus der Goldleistenbranche, die bei der allgemeinen Lohnbeivegung ihre Forderungen ohne Arbeitsniederlegung belvilligt erhielten, so daß an den streiklosen Angriffsbewegmigen des vergangenen Jahres insgesamt 198 Betriebe mit 2222 Arbeitern beteiligt waren. Durch diese Lohnbewegungen wurde siir 759 Beteiligte in 53 Betrieben eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit um durchschnittlich 1':': Stunden und eine Lohn- und Tariferhöhung von durchschnitt- lich 1,82 M. pro Woche für 1368 Beteiligte in 81 Betrieben erreicht. In 15 Betrieben mit 311 Beteiligten gelang es, ohne Arbeits- nicderlcgung auf dein Wege der Verhandlung Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen abzuwehren. Diesen 92 Lohnbewegungen ohne Streik stehen 91 Streiks gegenüber, an denen 112 Betriebe mit 2561 Streitenden beteiligt waren. Bei 38 Streiks mit 38 Betrieben und 939 Streikenden handelte es sich um Abwehr von Verschlechterungen der Arbeitsver- hältnissc, während 53 Streiks, an denen 74 Betriede und 1631 Streikende beteiligt waren, geführt wurden, um von den Arbeitern gestellte Forderungen auf Verbesserung der Lohn- und Arbeitsver- Hältnisse zur Durchführung zu bringen. Hierzu kommen noch 6 Streiks, an denen 6 Betriebe mit 155 Streikenden beteiligt waren die bereits im Jahre 1911 begonnen wurden und am Jahresschluß 1911 noch nicht beendet waren. Durch diese Streiks wurde in 39 Betrieben mit 478 Arbeitern eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit um durchschnittlich eine Stunde und eine Lohn- und Tariferhöhung von durchschnittlich 1,17 M. pro Woche für 1253 Arbeiter in 52 Betrieben erzielt. Tie gesamte diesjährige Lohnbewegung brachte eine Arbeits- zcitverkürzung pro Woche von Vz Stunde für 6 Betriebe mit 184 Arbeitern 1 l'/e 2 aic - /2 o ,z 6 58 1 5 5 4 1 1 1 1 787 38 60 115 35 10 6 7 5 ilohn- Zusammen für 83 Betriebe mit 1237 Arbeitern und Tariferhöhungen wurden für 2621 Kollegen in 133 Betrieben durchschnittlich 1,51 M. pro Woche erzielt. Aussperrungen waren im Berichtsjahre außer der Maiaus- spcrrung nicht zu verzeichnen, jedoch war die letztere noch umfang reicher als im Vorjahre. In diesem Jahre wurden insgesamt in 349 Betrieben 7369 Arbeiter, darunter 6993 Verbandsmitglicdcr ausgesperrt, gegen 337 Betriebe mit 6566 Arbeitern, darunter 6132 Vcrbandsmitglieder, im Borjahre. Heber die Arbcitsvermittelung sagt der Bericht: Obgleich im Regulativ des paritätischen Arbeits nach weises betreffs des Obligatoriums verschiedene Erleichterungen sowohl für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer geschaffen sind, wollen die erstercn das Obligatorium gänzlich beseitigen. Dasselbe wollen auch der Hirsch-Dunckcrsche Gewerkverein sowie der christliche Holzarbeiterverband. Es ist nicht zu bestreiten, daß auch einzelne Mitglieder des Deutschen Holzarbeitcrverbandes gegen die obliga- torischc Benutzung des Nachweises find, weil verschiedene Arbeitgeber der Bautischlcreien ohne Benutzung des paritätischen Nr beitsnachweises Leute einstellen. Ferner ist zu beachten, daß die Baukonjunktnr in Berlin im letzten Jahre daniedergelegen hat und daß über die Hälfte der Bautischlerarbeitcn, die in Berlin gebraucht werden, von außerhalb eingeführt werden. Dadurch müssen die Kollegen der Einsetzer und Bautischler lange Zeit warten sdurchschnittlich 6 bis 8 Wochen> ehe sie vom Nachweis Arbeit bekommen. Diese lange Arbeitslosigkeit wiederholt sich bei den einzelnen Kollegen im Jahre des öfteren, zwei- bis dreimal, 'ogar viermal. Dies ist wohl der wahre Grund der Unzufrieden- heil, nicht das Obligatorium, wie es von feiten der Gegner hin- gestellt wird. Obgleich sich die Zahl der im paritätischen Arbeitsnachweis ge- meldeten Arbeitslosen vermehrte, und zwar von 52 864 im vergangenen Jähre auf 53 899 in diesem Jahre, verringerten sich die offenen und besetzten Stellen. Im Jahre 1911 zählte man 44 413 offene und 37 628 besetzte Stellen, dagegen in diesem Jahre nur 49 249 offene und 35 953 besetzte Stellen. Während im vorigen Jahre die Arbeirslosenzahl bis auf 1267 herabsank,!var in diesem Jahre die niedrigste Zahl 1527 am 27. August. Die Höchstzahl wurde erreicht mit 3719 am 39. Dezember. Der A r b e i t s n ach weis des Verbandes hat 49 Proz. der Arbeitsuchenden in Arbeit gebracht. Den 4294 Arbeitsuchenden standen-2518 offene Stellen gegenüber, von denen 1664 besetzt wur- den. 854 Stellen blieben unbesetzt. Die Zahl der Vermittelten ist von 2192 im Jahre 1911 auf 1664 im Jahre 1912 zurückgegangen. Die Arbeitsvcrmittelung des Verbandes erstreckt sich auf zehn Branchen. ie Agitation wurde im Berichtsjahre wieder sehr leb- Haft betrieben. Die M i t g l i e d e r z a h l hat sich nicht wesentlich vermehrt, was in der Hauptsache auf die ungünstige Konjunktur zurück- zuführen ist. Am Jahresschluß 1911 hatte die Zahlstelle Berlin 29 289 Mitglieder. Im ersten Quartal trat ein geringer Rück- gang ein. Das zweite und dritte Ouartal brachte eine Zunahme. Im vierten Ouartal trat infolge der Erhöhung des Beitrages auf 1,25 M. wieder ein geringer Rückgang ein. Am Schluß des Jahres 1912 betrug die Mitgliederzahl 39 569, und zwar 29 669 männliche, 895 weibliche und 95 jugendliche. Die größte Mitgliederzahl, nämlich 15 886, stellen die Tischler. Dann folgen die Klavierarbeiter mit 3167, die Polierer mit 2479, die Maschinenarbeiter mit 2921 Mitgliedern. Pon den übrigen fünf- zehn Branchen ist die der Vergolder mit 997 Mitgliedern die größte, und die der Bürstenmacher mit 71 Mitgliedern die kleinste. Tie 4159 Bände enthaltende Bibliothek verzeichnet 15 671 Ausleihungen. Der Kassenbericht schließt für die Lokalkasse in Einnahme und Ausgabe mit 1 196 643 M. Der Bestand beträgt 463 579 M. — Für Unterstützungszwecke wurden ausgegeben an Kranke 219 569 M., an Arbeitslose 521 596 M.. an Streikende 91186 M., an Gemaßregelte 38 117 M., an die Maiausgesperrten 73 485 M., in Sterbesällen 13 497 M.. bei Umzügen 3243 M., in Notfällen 1259 M., für Rechtsschutz 8732 M. In der Generalversammlung gab Glocke einen allgemeinen Ueberblick über die Situation des vergangenen Jahres sowie über die Verbandstätigkeit im ersten Quartal 1913, das sich hinsichtlich des Umfanges der Arbeitslosigkeit noch nicht gebessert hat. Hieraus ging Glocke aus die vorliegenden Anträge ein, welche Ich auf eine anderweiie Regelung des Beitrages beziehen. Er erinnerte daran, daß der Beitrag am 1. Oktober 1913 im Hinblick auf die aus Anlaß der Tarifbewegung drvhcnde Aussperrung aut 1,25 M. erhöht würde. Eine Herabsetzung des Beitrages, wie sie in einigen Anträgen gefordert werde, könne die Verwaltung nicht empfehlen, weil die immer noch anhaltende große Arbeitslosigkeit bedeutende Ausgaben für Unterstützung erfordere und eine Herab- setzung der Unterstützung nicht im Interesse des Verbandes liege. Die Verivaltung stehe auf dem Standpunkt: Wenn die Kollegen meinen, der Beitrag von 1.25 M. könne nicht mehr erhoben werden, dann möge er auf 1,15 M. herabgesetzt werden, aber unter der Voraussetzung, daß er wieder heraufgesetzt werde, wenn sich die Konjunktur nicht günstiger gestalte. Die Diskussion über diesen Gegenstand füllte den ganzen Abend aus. Tie Versammlung entschied sich durch Abstimmung mit großer Mehrheit für die Beibehaltung des Beitrages von 1,25 M. Tann wurde beschloffen, den Mitgliedern zur Urabstim- mung die Frage zu unterbreiten, ob sie diesem Beschluß zustimmen oder ob sie für eine Herabsetzung auf 1,15 M. sind, wobei allerdings zu befürchten wäre, daß die Arbeitslosenunterstützung herabgesetzt -werden müßte. Achtung, Töpfer! ic Telegiertenwahl zur Leipziger Generalversammlung hat folgendes Ergebnis gezeitigt: Abgegeben wurden 576 Stimmen, davon 568 gültige. Gcwäblt sind die Kollegen Hugo David mit 355, Max Krahl mit 343 und Karl Bar leben mit 328 Stimmen. In die Stichwahl kommen— zu wählen sind echs— die Kollegen Max Kemnitz mit 289, Hans Sorg mit 267. Max Krcntzien mit 237, Fritz Wolfs mit 234. Karl Brück mann mit 229, Hermann Böhme mit 217, Willi Don- n e r mit 219, Karl Liepe mit 292, Richard Lehmann mit 195, Fritz Merten mit 192. Richard B o h m h a m in e l mit 185 und Franz L o t h e r t mit 159 Stimmen. Die Wahlkommission. Deutsches Reich. Ein Streik der Breslauer Droschkenkutscher ist am Däenstag- morgen in ziemlich erheblichem Umfange ausgebrochen, nachdem sich die Besitzer geweigert habe», die nicht unbescheidenen Forderungen der Kutscher zu bewilligen. Die Unternehmer geben dabei selbst den Durchschniltsverdicnst der Kutscher aus wöchentlich 13 M. an! Am ersten Tage des Streiks, der Eröffnung der Jahrchundert- ausstellung durch den Kronprinzen, machte sich bei dem strammen Regenwetter das Fehlen der Droschken ganz erheblich bemerkbar. Im Streik befinden sich 359 Kutscher. In Betrieb waren nur die Droschken, die von den Besitzern geführt wurden. Achtung, Metallarbeiter! In Mühlhausen i. Th. haben in der Thüringischen Maschinen- und Fahrradfabrii Walter u. Co. rund 250 Arbeiter die Kündigung eingereicht, weil der Obmann des Arbciterausschusses gemaßrcgelt wurde. Die Firma inseriert in den Blättern Mitteldeutschlands nach tüchtigen Schlossern und .Drehern, weshalb ersucht wird, Zuzug fernzuhalten. I+ttzU ffochiichtcn* Tie deutsche Hecre-vorlagc als Begründung für die dreijährige Dienstzeit. Paris, 21. Mai.(W. T. B.) Ter von dem Deputierten PatcS im Namen des Heeresausschuffcs erstattete Bericht über die drei- jährige Dienstzeit stellt zunächst fest, daß Frankreich im Falle eines Krieges zu Beginn der Operationen nur aus seine eigenen Kräfte zählen dürfe, und untersucht sodann, welche Stellung die deutsche Armee nach Durchführung der Wcbrvorlage gegenüber der französi- schcn Armee haben werde. Die Friedensstärke der deutschen Armee werde— die Ossi ziere nicht mitgerechnet— 863 900 Mann aufweisen. Tic Webrvorlagc, für welche die Orientcrcignisse zum Borwand gedient hätten, werde eine doppelte Wirkung haben: das deutsche Heer werde erstens imstande sein, mit größerer Gcschlvin- digkeit und stärkerer Macht als früher gleich zu Beginn der Mabi» lisierung einen Angriff zu versuchen, zweitens die gesamten Opc- rationen mit Mannschaften beginnen können, welche jünger und moralisch und körperlich geeigneter sein werden als in der fran- zösischen Armee. Während also Deutschland in einer nahen Zu- kunft über 863 999 wohlgeschulte und modern ausgerüstete Saida- ten verfügen werde, könne Frankreich, wenn man von den algcri- scheu Hilsstrnppen und den nach Marokko entsandten Mannschaften absehe, nur über 489999 Mann verfügen, die dem Tcckungsbcoürf- ms entsprechen und den Kern der mobilisierten Armeekorps bilden sollen. Das Gesetz von 1995 über die zweijährige Dienstzeit habe zwar die vorgesehenen Mannschafisbestände ergeben, aber die Zahl der Kapitulanten sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ueberhaupt mutzte die Infanterie dazu dienen, die neuen Waisen- gattungcn iLustschiffer, Tclcgraphcnkompagnicn usw.) mit Mann- schasten zu versorgen, so sei es gekommen, daß nach der Entlassung der Jahresklassc im September vorigen Jahres die nicht-verstärkten Kompagnien einen Bestand von nur 59 bis 75 Mann hatten. Patcs Bericht schließt: Die Regierung, in Uebereinskimmung mit der öffentlichen Meinung, die durch einen sicheren Instinkt ge- leitet wurde, mutzte darauf sehen, nicht durch die gewalttätige Verwirklichung einer Trohung überrascht zu werden, die in der Lust lag und noch nicht verschwunden ist. Der Gesetzentwurf über die dreijährige Dienstzeit entspricht der Notwendigkeit des Augen- blickes und den Forderungen der Zukunft selbst für den Fall, daß bei unseren Nachbarn neue Verstärkungen stattfänden. Die jetzt von dem Lande geforderte Anstrengung bedeutet ein Maximum, aber sc ist notwendig und wird allen Möglichkeiten gerecht. Keine poli- tische oder persönliche Rücksicht dürfe ihre Annahme verzögern oder ihre Reichweite einschränken. Es gärt weiter in der französischen Armee. Paris, 21. Mai.(W. T. B.) Im Hofe der Tourelles-Kaserne in der Avenue Gambetta versammelten sich an 159 Mann und riefen: Nieder mit den drei Jahren!" Sic zerstreuten sich jedoch sofort auf Befehl ihres Vorgesetzten. Der Raubzug des internationalen Kapitals. London, 21. Mai.(P r i v at t el c g r a m m des „V o r w ä r t s".) Die Londoner Finanzwelt hat sich um die Prospekte der chinesischen Anleihe förmlich gerissen und die Emission des englischen Teils der 23 Millionen, nicht ganz sieben und eine halbe Million Pfund, wird als ein großer Erfolg gebucht. Die Wucherer messen der Tatsache, daß die Anleihe vom chinesischen Parlament als ungesetzlich erklärt worden ist, nicht die geringste Bedeutung bei.„Daily News" weist in dem heutigen Leitartikel darauf Hin, daß Europa wieder dieselbe schäbige Nolle spielt, wie zur Zeit, als es den Zarismus mit Geldmitteln gegen das russische Volk unter- stützte; heute ermögliche es die europäische Finanz dem Prä- sidenten Juanschikai, in China eine Militärdiktatur zu er- richten. Beachtenswert ist ferner die veränderte Haltung der Presse der Hochfinanz, die noch bis vor kurzein alles Chinesische Grau in Grau malte, um die Konkurrenten auf dem Geldmarkt wegzuscheuchen und die nun alles iin rosigsten Lichte steht. So telegraphiert heute der Pekinger Korrespondent der„Times": Wer heute sein Geld in chinesische Anleihen anlegt, braucht jedoch der inneren Lage mcht viel Beachtung zu schenken, denn sein Geld ist praktisch durch füiif mächtige Regierungen garantiert, die, wenn die Rotwendigkeit entstehen sollte, dafür sorgen werden, daß die auswärtige �schuld durch die unentwickelten, aber ungeheuren Hilfsquellen des Landes gesichert wird. Mit bewußter Ironie hat man der Anleihe den Rainen Reorganisationsanleihe gegebeii, jedoch wird China davon wenig Geld zu in Re- organisieren in die Hände bekomiiien, denn voii den 23 Millionen erhält es g a n z e 7 Millionen Pfund bar, der Rest besteht größtenteils aus fälligeil Schulden. Man spricht deshalb hier auch schon wieder von einer neuen chincsischell Anleihe. Räch einein Pekmger Telegramm des Tailp Telegraph" geht in der Anleihewirtschast Chiiias augenblicklich alles so durcheinander, daß man sich selbst in den Gesandtschaften nicht mehr zurechtfinden kann. Prozeß 5stllittel in neuer Auslage. Leipzig, 21. Mai.(W. T. B.) Das Reichsgericht hat auf die von der StaatsaMoaltschaft und dem Nebenkläger eingelegte Re- Vision hin das gegen den Amtsrichter Hermann K Nittel, der von dein Landgericht Ratibor am 29. August vorigen Jahres von der Anklage der Beleidigung der Militärbehöroc freigesprochen war- den ist, ergangene Urteil ausgehoben und die Sache an das Land- geeicht Gleiwitz zurückverwiesen. Wieder eine Kraftdroschke in die Seine gestürzt. Paris, 21. Mai. tW. T. B.) Heute nachmittag stürzte wäh- reud einer auf dem Scinc-Äai verailstaltctcn kincmatographischen Ausnahme ein Chauffeur samt seiner Kraftdroschke in den Flnß und ertrank. Schweres Bauunglück in Paris. Paris, 21. Mai.(W. T. B.) Auf der Avenue Felix Zaure stürzte heute nachmittag ein Neubau ein und begrub unter seinen Trümmern sieben Arbeiter. Bisher sind vier Arbeiter mit schweren Verletzungen geborgen worden. Perantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Jnseratentell verantw.: Uh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchor. u Verlagsanstalt Uaul Singer»Co.. Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen».Unterhaltungsbl. Kr. 124. 3V. Jahrgang. 1. ßtilijr des.Fmsck" ßttlititr ItlUliitt. Zouuerstils, 22. Mai 1918. NahlwSnner-StichwahIev. Wechlmänner-Stichwahlen uud einige Neuwahlen finden dm Freitag, den 23. Mai, zu derselben Zeit und in denselben Wahllokalen statt, wie die Hauptwahlen. Es kommen folgende Bezirke in Frage: 1. Wahlbezirk. 93. UrWahlbezirk. An der Apostelkirche 13— 15, Frobenstr. 1—4 und 23—31, Kurfürstenstr. 39—46" und 139—144. 3. Abt. Wahll.: Potsdamer Str. 45 bei Müller. 107. Gleditschstr. 45—53, Pallasstr. 10—17, Winterfeldtplatz— Ost- feite. 2. Abt.(Neuwahl). Wahlln 22./17g. Gem.-Schule, Pallasstr. 15, Turnhalle. 2. Wahlbezirk. 12. Fischerbrücke 1—12, Fischerstr. 1—10 und 28—42, Köllnischer Fischmarkt, Mühlendamm 1 und 2 einschl. des Schleusen- gebäudes und Mühlenweges. 2. Abt. Wahll.: Fischerstr. 24 bei Karge. 17. Adlerstratze, Dorotheensrr. 83— 85, Falkoniergasse, Am Festungsgraben, Französischestr. 33b— 33e, Hinter dem Wehhause, Haus- voigteiplatz, Holzgartcnsirahe, Jägerstr. 32—44, Kl. Jägerjtr. 1, Jerusalemer Str. 23— 24, die Königswache, An der Komman- dantur, Kurstr. 1—13 und 41—51, Mohrenstraße 37a— 40, Mollersgasse, Niederlagstratze, Niederwallstr. 1— 4 und 39, Oberwallstraße, Schinkelplatz, Taubenstr. 23b, Unterwasserstr. 1— 9, Werderscher Markt, Werdersche Rosenstraße, Werder- ftraße, Am Zeughause, Hinter dem Zeughause, Platz am Zeug- hause. 3. Abt. Wahll.: 130. Gem.-Schule, Niederwallstr. 6/7, Turnhalle. 25. Behrcnstr. 9— 26 und 50—63, Französischestr. 51 und 65— 68, Friedrichstr. 163— 165, Kl. Kirchgasse 1— 3 und 5— 6, Kaisergalerie. Kanonierstr. 21—23, Unter den Linden 10—24 und 43—68, Mauerstraße 29—32, Kl. Mauerstr. 6—7, Neustädtische Kirchstr. 19. Schadowstr. 1. 3. Abt. Wahll.: Behrenstr. 14/16, bef"Franck. 26. Behrenstr. 1— 8 und 64— 72, Königgrätzerstr. 140 und 141, Unter den Linden 1—9 und 68a— 78, Mauerstr. 33, Kl. Mauer- ftraße 1—5, Pariser Platz, Platz vor dem Brandenburger Tor, Schadowstr. 14, Sommerstr. 1 und 2, Wilhelmstr. 68— 70b, Neue Wilhelmstr. 8a und b. 3. Abt. Wahll.:„Siechen", Behrenstr. 24. 34. Kaiserhofstr. 1— 3, Königgrätzer Str. 126— 132, Leipziger Platz, Leipziger Str. 1—18 und 113—137, Mauerstr. 69—75, Voß- straße 20— 35, Wilhelmplatz 1/2, Wilhelmstr. 57— 61 und 79 bis 81. 3. Abt. Wahll.: Krausenstr. 2 bei Pfuhl. 35. Königgrätzer Str. 133—139, Mauerstr. 52—60, Mohrenstr. 1 bis 5 und 65— 66, Voßstr. 1— 19, Wilhelmplatz 3— 9, Wilhelm- stratze 61a— 67 und 71— 78, Zietenplatz. 3. Abt. Wahll.: Jägerstr. 5 bei Hausmann. 56. Wilhelmstr. 9—19 und 125—138. 3. Abt. Wahll.: Wilhclm- straße 118 bei Rathmann. 129. Großbeerenstr. 1, Halleschestr. 1—14, Königgrätzer Str. 38 bis 52. Möckernstr. 137—147. 3. Abt. Wahll.: Königgrätzer Straße 39 bei Müller. 165. Bellealliancestr. 27— 50 und 52, Dreibundstr. 1— 16, Krcuz- bergstr. 1— 3 und 75—78, Lichterfelder Straße, Kl. Parkstratze. Wilhelmshöhe. 2. Abt.(Neuwahl). Wahll. n Krcuzbergstr. 2 bei Tönse. 3. Wahlbezirk. 438. Brandenburger User von der Höhe des Grundstücks Köpe- nicker Str. 44 bis zum Engelufer, Engelufer 1— 6a, Köpenicker Straße 30— 32a und 139—142. 2. Abt.(Neuwahl). Wahll.: Engelufer 1 bei Prinz. 440. Brandenburger Ufer vom Sprcehafcn bis zur Höhe des Grundstücks Köpenick«; Str. 45, Köpenickcr Str. 58— 59 und 119— 122, Michaelkirchstr. 9— 37, Wusterhausener Str. 13 u. 14. 3. Abt. Wahll.: Michaelkirchstr. 29a bei Huth. 444. Brandenburger Ufer 1—4, Brückenstr. 3—14, Am Köllnischen Park ausschließlich Nr. 10, Rungestr. 5— IIa und 27a— 37.| 1. Abt.(Neuwahl). Wahll.: Brückenstr. 6b bei Saß«. 447. Beuthstr. 9— 16, Gertraudtensteg, Neue Grünstraße 15—28, Kurstr. 26a— 29, Kl. Kurstr. 9 und 13— 18, Leipziger Str. 56 bis 68, Niederwallstr. 24 und 25, Oberwasserstr. 15 und 16, Seydelstr. 1— 3 und 31— 32, Spittelmarkt, Wallstr. 1— 27 und 84— 91. 3. Abt. Wahll.:„Bismarck-Säle", Neue Grünstr. 28. 4. Wahlbezirk. 210. Baerivaldstr. 12— 14 und 58— 62, Urbanstr. 9— 21, 151 bis 171 und 173— 175 /Kaserne des I. Bataillons des Kaiser-Franz- Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2). 3. Abt. Wahll.: Baer- waldstr. 62 bei May. 213. Bacrwaldstr. 15/16 und 56/57. Blücherstr. 28—34 und 48 bis 51(Kaserne des II. Bataillons des Kaiser-Franz-Garde- Grenadier-Regiments Nr. 2). 3. Abt. Wahll.: Blücherstr. 31 bei Meißner. 216. Baerwaldstr. 17— 45, Bergmannstr. 69— 76, Gneisenaustr. 35 bis 43 und 65— 80, Schleiermacherstraße von Gneisenaustratze bis Bergmannstraße(19—28). 3. Abt. Wahll.: Baerwaldstr. 38 bei Mischke. 230. Jahnstr. 1 und 19/20, Urbanstr. 52—67 und 102—108. 2. Abt. Wahll.: Jahnstr. 18 bei Steudel. 248. Boeckhstr. 21— 35, Kottbuserdamm 6— 12a, Schönleinstr. 1 und 2. 2. Abt. Wahll.: Schönleinstr. 2 bei Gathow. 377. Moritzstr. 1— 3 und 21—24, Prinzenstr. 8— 16 und 103— 110, Wassertorstr. 17 und 56—57. 2. Abt. Wahll.: Prinzenstraße 110 bei WiSnowski. 5. Wahlbezirk. 319. Köpenicker Str. 181— 189, Wrangelstr. 97— 99(Kaserne des II. Bataillons des 3. Garde-�rcnadier-Regiments zu Fuß), Zeughofstr. 3— 10 und 24— 26. 2. Abt. Wahll.: Köpenicker Str. 9b bei Plamann. 362. Forster Str. 11— 15 und 40— 46, Reichenberger Str. 64— 72a, 1. Abt. Wahll.: Reichenberger Str. 75/76 bei Kernchen. 6. Wahlbezirk. 510. Andreasstr. 14— 17 und 66—67, Langestr. 29— 35 und 74 bis 81. 2. Abt. Wahll.: Andreasstr. 21 bei Scholz, vorn links. 524. Beymestr. 11, Caprivistr. 12— 25, Rothe rstr. 1— 3 und 27— 30, Stralauer Allee 34. 2. Abt. Wahll.: Stralauer Allee 37 bei Gehring. 594. Romintener Str. 16 und 41/42, Warschauer Str. 9— 15 und 73—80. 2. Abt. Wahll.: Warschauer Str. 9 bei Nitz. 7. Wahlbezirk. 499. Löwestr. 16 und 17, Richthofenstr. 6—12 und 15— 27. 2. Abt. Wahll.: Richthofenstr. 1 bei Lubotta. 625. Petersburger Str. 11, Thaerstr. 37—49, Zorndorfer Str. 31 und 32. 2. Abt. Wahll.: Thaerstr. 20 bei Gaumer. 661. Schreinerstr. 14— 18 und 42— 50, Voigtstr. 10 und 34. I. Abt. Wahll.: Schreinerstr. 48 bei Schcrbs. 697. Bötzowstr. 1, Am Friedrichshain 7— 34, Lippehner Str. 21. 2. Abt. Wahll.:„Brauerei Friedrichshain", Am Friedrichs- Hain 16/23. 723. Elbinqer Str. 17— 35, Gnesener Straße, Goldaper Straße 1 und 16, die Eckgrundstücke der Gumbinner Straße an der Kniprodestraße, Kniprodestraße von Elbinger Straße bis Ring- bahn und südlich von Ringbahn bis Nr. 112, Kurischestr. 23 sowie das Eckgrundstück auf der Nordseite an der Kniprode- stmße, die Eckgrundstücke der Lyckcr Straße an der Kniprode- straße. Paul Heysestraße, Platz K(Abt. XIII1 d. Beb.-Pl.), die Eckgrnndstücke der Pregelstraße an der Kniprodestraße, Schneidemühler Straße, Schönlanker Straße von Kniprode- ftraße bis Paul-Heyse-Straße, Straße 28 von Kniprodestraße bis Straße 16, Straße 21b von Straße 28 bis Ringbahn, Thorner Straße von Kniprodestraße bis Paul-Heyse-Straße und Knip- rodestraße von der Ringbahn bis zur Weichbildgrenze, die Eckgrundstücke der Mcubrinkstraße an der Kniprodestraße, Platz v-, H- und 5(Abt. JIIII1 d. Beb.-Pl.) Straße 15a— Südseite von Kniprodestraße bis Straße 16a, Straße 21b von Ringbahn bis Straße 18a, Straße 22a von Kniprodestraße bis Straße 18a, Straßen 23a und 24, Straße 27 von Kniprode- straße bis Straße 16, Straße 40a von Kniprodestraße bis Straße 16a. 2. Abt. Wahll.: Elbinger Str. 24 bei Laubsch. 753. Ehodowieckistr. 4— 10 und 33— 38, Winsstr. 33/34. 1. und 2. Abt. Wahll.: Greissivalder Str. 191 bei Hein. 754. Jablonskistr. 3—10 und 31—37, Winsstr. 31/32. 1. Abt. Wahll.: Jablonskistr. 13a bei Höhne. 765. Braunsberger Str. 20— 43, Elbinger Str. 36— 45 und 78 bis 82, Goldaver Str. 2— 15, Gumbinner Straße ausschließlich der Eckgrundstücke an der Kniprodestraße, Kurischer Platz, Kn- rischestr. 14—22 sowie Nordseite von Trakehner Straße bis Kniprodestraße ausschließlich des Eckgrundstückes an letzterer, Labiauer Straß«, Lycker Straße von Kniprodestraße bis Tra- kehner Straße ausschließlich der Eckgrundstücke an der Kniprode- straße, Pregelstraße von Kniprodestraße bis Trakehnerstraße, ausschließlich der Eckgrundstücke an beiden Straßen, Straße 11 von Pregelstraße bis Ringbahn. 1. Abt.(Neuwahl). Wahll.: Elbinger Str. 43 bei Mücke. 769. Bötzowstr. 31—34, Hufelandstr. 9—13 und 37—42. 1. Abt. (Neuwahl). Wahll.: Hufelandstr. 12 bei Haas«. 8. Wahlbezirk. 448. Alexanderstr. 8— IIa und 30— 36a, Dircksenstr. 7— 15, Kaiserstratze 26, Stadtbahnbogen 81— 92, Voltairestraße von Stadtbahn bis Alexanderstraße. 3. Abt. Wahll.: Alexanderstr. 30 bei Schöller. 793. Keibclstr. 9-34, Prenzlauer Str. 29 und 33—37, Alte Schützenstr. 3— 7, Wadzeckstr. 3— 6. 2. Abt. Wahll.: 84. Gem.- Schule, Keibclstr. 32, Turnhalle. 810. Gormannstr. 10— 17 und 20— 24 solvie von Linienstraße bis Lothringer Straße, Linienstr. 51— 61a und 209— 215, Lothringer Straße 65— 70 und 74, Mulackstr. 13—14, Rückerstr. 9. 2. Abt. Wahll.: Gormannstr. 14 bei Polzin. 812. Mulackstr. 1— 12, Rückerstr. 1— 4, 7— 8 und 10, Alte Schönhauser Str. 11. 1. Abt. Wahll.: Rückerstr. 7 bei Thiel. 848. Saarbrücker Str. 10— 14, Straßburger Str. 14— 21 und 38 bis 43a. 2. Abt. Wahl!.:„Brauerei KLnigstadt", Schönhauser Allee 10/11 I. 855. Choriner Str. 15— 20a und 66— 71, Schwedter Str. 18— 22 und 253a— 254a. 2. Abt. Wahll.: Schwedter Str. 23/24 bei Büttner, Ouergeb. pari. l. 872. Fehrbelliner Str. 25— 31 und 48—57, Veteranenstraße 15. 2. Abt. Wahll.: Fehrbelliner Str. 25 bei Hoffmann. 873. Fehrbelliner Str. 32—47. 1. Abt. Wahll.: Fehrbelliner Str. 46 bei Hinz. 875. Anklamer Str. 19— 21 und 25— 38. 2. Abt. Wahll.: Anklamer Str. 29 bei Burmeister. 896. Belfortcr Str. 18— 20, Heinersdorfer Str. 1, 2 und 28, Prenzlauer Allee 17—22 und 232—238. 2. Abt. Wahll.: Preixzlaucr Allee 23 bei Frodien. 899. Prenzlauer Allee 224 und 226, Rhkestr. 1 und 54, Tresckow- straße 26—35. 1. Abt. Wahl!.: Tresckowstr. 33 bei Schmäh. 918. Franseckystr. 12— 15, Hochmeisterstr. 2— 7 und 25. 2. Abt. Wahll.: Hochmeisterstr. 29 bei Steffen. 923. Danziger Str. 10— 11, Hagenauer Str. 2— 17a. 1. Abt. Wahll.: Hagenauer Str. 14 bei Bayer. 931. Kastanienallee 93— 103, Oderberger Str. 7, Schönhauser Mee 146—151. 2. Abt. Wahll.: Schönhauser Alle« 148 bei TitiuS. 9. Wahlbezirk. 933. Kastanlenallce 2— 20, Oderberger Str. 8 und 50—53. 2. Abt. (Neuwahl). Wahll.: Kastanienallee 12 bei Rohrsdorf. 943. Gethsemanestr. 1— 10, Stargarder Str. 7— 11 und 73—77. 2. Abt. Wahll.: Stargarder Str. 10 bei Grund. 949. Buchholzer Str. 8 und 10— 22, Gneiststraße ausschließlich 1 und 20, Greifenhagener Str. 1— 4 und 65— 68, Pappelallce 69 bis 73. 1. Abt. Wahll.: Buchholzer Str. 6 bei Futh. 975. Carmen-Sylva-Strahe 153, Greifenhagener Str. 29— 31 und 38—40, Kuglerstr. 2 bis Scherenbergstraße auSschl. deS Eck- grundstückeS an letzterer. 1. Abt. Wahll.: Greifenhagener Str. 38 bei Nusch. 982. Dänenstr. 1, Rodcnbergstr. 1, Schivelbeiner Str. 1, 2, 48 und 49, Schönhauser Allee 75—84 und 110— 116, Wichertstr. 1 und Kleines f euilleton. Massenmordpiesic. Die in Wien erscheinende„Danzersche Armee zeitung", eine militärische und politische Zeitschrift, bringt ein Gedicht, das dem Herausgeber so gut gefiel, daß er es unter der Marke �genial" veröffentlichte. Das Poem lautet: Lied ans Maschinengewehr. Hast tausend Kugeln in deinem Leib Und Pulver viele Pfund. Heil dir, du eisensckiwang'res Weib, Jetzt schlägt die erlösende Stund'. Gib deine Kinder her! Du treu' Maschingewehr I Spei' wie eine Kröte Dein zischend Gift! Und wen's trifft, Den töte l Und wer dir dient, muß niederknien Als wie vor Gottes Thron. Ins Feld trag' ich am Arm dich hin, Als wärst mein lieber Sohn. Du bist mir nicht zu schwer, Du treu' Maschingewehr I Ich spiel' auf deiner Flöte Ein Lied, das pfeift und gellt. Und wcm's nicht gefällt, Den tötel � Ihr klugen Pferdchen, flink getrabt! Mir euren schlanken Hufen. Wir haben lange Fried' gehabt, Der Kaiser hat gerufen! Vorwärts zu Sieg und Ehr', Du treu' Maschingewehr I Ich knie bei dir und bete: Gott schütze Oesterreich! Und wer's bedroht mit Schelmenstreich, Den töte! Wie sagt doch Friedrich Bodenstedt in seinem Gedicht vom »Christentum, gepredigt aus Kanonenschlünden": Verhaßt ist mir die Heuchelei der kriegerischen Nazarener! Das Stadion. Draußen, auf der Grunewald-Rennbahn ist das Stadion fertiggestellt: ein groß abgemessenes Gelände für Spiel und Sport. Ein Oval um eine Längsachse von mehr als 250 Metern disponiert, wurde, damit der Blick über die Bahn der hastenden Pferde nicht gestört werde, tief unter das eigentliche Niveau gesenkt. Ein Rasenplatz bildet die Mitte; er soll dem Fußball und anderen Gymnastiken dienen. Um das Grün legt sich die grau- schwarze Aschenbahn für Wettläufe bestimmt. Die in starke Schräge ansteigende Bahn für Radfahrer bildet den äußeren weißgrauen Reifen. Nun heben sich die Tribünen zur Höhe. 16000 Menschen werden auf ihnen Unterkunft finden. Die ungezählten Massen sind das Thema dieser Anlage. Die Massen, bewegt und hastend oder voll Spannung das Ziel erspähend, werden m dieser fteien Raumbildung stets das Entscheidende zu leisten haben. So kann die Architektur nur Rahmen und Gefäß sein. Das hat Otto March, der leider zu früh Verstorbene, mit großem Takt begriffen; er gab nur das Notwendige und ließ die gewaltige Distanz und den machtvollen Rhythmus der Stufenfolge durch sich allein wirken. Nur an zwei Stellen im Zentrum der Längsachsen wird das Oval der Tribünen von Blattformen durchbrochen; zu wuchtigen Blöcken wurden die hier untergebrachten kleinen Abteile der Logen zusammengesetzt. Dem nördlichen dieser repräsentativen Blöcke ist das Schwimm- bassin vorgelagert.... Eine Arena aus hellenischem Geist erfühlt und in märkische Landschaft gestellt. Eine Arena, dem Volke be- stimmt und dem Grenzbezirk des feudalen Sports eingegliedert. Irgend eine Dissonanz zerbricht in dem Geäst der Föhren ringsum R /Ar. Wer war dir Göttin der Vernunft? Am Sonntag, den 10. No- vember 1793 wurde in der Nolre Dame-Kirche zu Paris der Göttin der Vernunft gehuldigt— diese Angabe findet sich in jeder Geschichte der französischen Revolution, lieber die Einzelheiten dieser eigen tümlichen Feier war man aber nicht genau unterrichtet, und be sonders wußte man bisher nicht, wer die Gottheit der Vernunft dar gestellt hat. Der französische Geschichtsforscher Lenotre teilt nun in,„Temps" die Ergebnisse seiner Forschungen hierüber mit. Danach hat man bei der Feier die Dekorationen der Oper verwendet und auch deren Personal herangezogen, und eine der Tänzerinnen, die Aubry, die bei den klassischen Balletts die Göttinnen darstellte, wirkte als Göttin der Vernunft mit. Die Vernunft hatte ein weißes Ge- wand an, trug die phrygische Mütze der Revolutionszeit, und über- dies einen himmelblauen Mantel. Die Szene stellte einen heidnischen Tempel dar, aus dem sie gerade heraus kam, um die Huldigungen einer Mädchenschar entgegen zu nehmen. Der Konvent hatte sein Er- scheinen zugesagt, aber er ließ sich nicht blicken, und da der Kon- vent nicht zur Göttin der Vernunft kam, ging nach berühmtem Vor- bilde die Göttin der Vernunft zum Konvent. Man schmückte sie mit Guirlanden und trug sie im Triumphe durch die Straßen in die Tuilerie». Die französische Flugzeugindustrie hat in den letzten beiden Jahren einen großen Aufschwung genommen und ist jetzt zu Pro- duktionsziffern gelangt, die man vor fünf oder sechs Jahren kaum für möglich gehalten hätte. Im Jahre 1911 wurden 1350 Flug- Maschinen mit 80 000 Pferdekräften gebaut, im Jahre 1912 stieg die Zahl auf 1425, und bei den gegenwärtigen Verhältnissen kann man annehmen, daß sie im Jahre 1913 auf 2000 Maschinen kommen wird. Nimmt man einen Durchschnittswert von 15 000 Frank für jede Maschine an, der eigentlich einen Minimalwert darstellt, so be- deutet die Flugmaschinenproduktion des vorigen Jahres einen Wert von über 28 Millionen, wobei die Erzeugung der Zubehör- teile gar nicht gerechnet ist. So haben im Jahre 1911 und 1912 die Flieger z. B. gegen 8000 Propeller verbraucht. Im letzten Jahre wurden 489 Pilotcnzeugnisse ausgestellt. Die Höchstgeschwindigkeit, die mit einer Flugmaschine erreicht wurde, betrug 1911 167,8 Kilo- meter und 1912 174,1 Kilometer. Die größte Höhe war 1911 3910 Meter, 1912 5610 Meter. Die größte ohne Zwischenlandung zurückgelegte Entfernung betrug 1911 270.6 Kilometer und 1912 1010,9 Kilometer. Die längste Flugdauer ohne Landung war 1911 2 Stunden 16 Minuten und 1912 13 Stunden. Ein untermecrisches Hochland. Eine wichtige Entdeckung ist der austraulischen Südpolarexpedition noch kurz vor ihrem Abschluß ge« lungen. Der Kapitän des Schiffes„Aurora" hat während einer Kreuzfahrt eine größere Zahl von Lotungen südlich von Australien ! vorgenommen und dabei eine überraschende Tatsache festgestellt, die eine größere Tragweite zu besitzen scheint. Etwa hundert Seemeilen südlich von Tasmanien Ivurde eine Vermehrung der Meerestiefe bis auf 2032 Faden ermittelt. Dann hebt sich der Meeresboden zu einem Rücken, der nicht weniger als 3360 Meter über dem um- gebenden Meeresboden ansteigt und in seinem Kamm nur noch 545 Faden unter dem Meeresspiegel liegt. Dieser versenkte GebirgZ- rücken besitzt eine Länge von 260 und eine Breite von 160 Kilo- meiern. Prof. David bemerkt dazu im. Geographica! Journal", daß dieser untermeerische Höhenzug unzweifelhaft als Bruchstück eines versunkenen Festlandes zu betrachten sei, das früher mit Tasmanien im Zusammenhang gestanden habe. Notizen. — Die abgelehnte Stiftung.„Nur die Lmnpe sind bescheiden", sagte Arno Holz und lehnte die ihm von der Schiller« stiftung zugewiesene Ehrengabe von 750 M. ab, weil sie seiner un« würdig sei. — Musikchronik. Eine bolkStünfliche Vorstellung der Meistersinger findet Donnerstag zur Feier des hundertste« Geburtstages von Richard Wagner m der Krolloper statt. Di« Eintrittspreise betragen 1,50 M., 1 M. und 50 Pf. — Spielhagen wird nun auch verfilmt, und zwar zunächst sein Roman„Problematische Naturen". — Ein Richard Wagner-Denkmal wurde nun auch "in München eingeweiht. Es steht vor dem Prinzregenttheater, dem ja WagnerS Werk geweiht ist und stellt den Meister sitzend dar »ach dem Entwurf von Wadere. Den Klingelbeutel für das Monument hat hauptsächlich Possart geschwungen; eS ist— auf sein Betreiben— dem Herrscherhause Wittelsbach gewidmet, das(weiß Gott) mit Wägner nichts weiter zu tun hat, als daß Ludwig II. in einer seiner Launen Wagner protegiert hat. — Das Robert-Schnmann-Museum in Zwickau, dem Geburtsorte des Komponisten, ist aus privatem Besitz endgültig in den Besitz der Stadt übergegangen. Es soll in dem im Bau bc- findlichen König-Albert-Museum untergebracht werden. — Bei den N a ti o n a ls est sp i e I en in Genf, die im nächsten Sommer anläßlich der Jahrhundertseier der Zugehörigkeit Genf? zur Schweizerischen Eidgenossenschaft stattfinden, ist JaqueS- Dalcroze die Komposition und Leitung des Festspiels übertragen worden. — Der Goldfund bei Eberswalde. Der bedeutsame prähistorische Fund, der im Messingwerk bei Eberswalde gemacht wurde, enthält außer den Ringen, Streifen. Barren usw. auch einige kleine Gefäße, die mit geometrischen Ornamenten(gerade und Wellenlinien, Kreise, Sterne) geziert sind. Es scheint sich um einen Depotfund zu handeln, den ein reisender Händler vergraben hat. — Buchhändler gegen Bücherkäufer. Der Kampf gegen die Jugendschriften-Listen der Prüfungsausschüsse deutscher Volksschullehrer, der sich seit Jahresfrisl zu üblen Formen gesteigert hat, richtet sich jetzt auch gegen die Arbeit, die der Dürer» bund in ähnlicher Art leistet. Der Börsenverein der deutschen Buch« Händler macht gegen den Bund mobil, weil er den Verlagsbuchhandel und seine Autoren schädigend bevormunde und in die Rechte des Buchhandels eingreife. Natürlich läßt die Organisation des buch- händlerischen Kapitals neben seinen Rechten keine Rechte des Bücher« käufers gelten. Der Bücherkäufer aber braucht unbedingt«im Führung. IßO. 1. und' 2. Wt. Wahll.: Schivelbeiner Str.'4S bei Wernicke. 983. Dänen str. 2— 14, Schönflietzer Str. 1, SeelÄver Str. 1—2 und 24. 1. Abt. Wahll.: Dänenstr. 14 bei Schaak. 985. Schivelbeiner Str. 3— 7 und 41— 47. 1. Abt. Wcchll.: Schivelbeiner Str. 42 bei Bruschwitz. 995. Bornholmer Str. 1—3 und 95— 96, Kuglerstr. 46, Schonensche- si ratze 1, Schönhauser Allee 89— 103, Wisbher Str. 1 und 74. 2. Abt. Wahll.: Schönhauser Allee 90 bei Böttcher. 996. Bornholmer Str. 4— 9 und 89—94. 1. Abt. Wahll.: Born- holmer Str. 89 bei Teichmann. 1008. Cantianstr. 1—12 und Westseite» von Milastratze bis Schön- Häuser Allee, Eberswalder Str. 22/26. Exerzierplatz zur ein- samen Pappel, Pappelallce 84— 89, Schönhauser Allee 45a bis 52a und 137— 144, Schwedter Str. 53 bis Gaudhstratze. 2. Abt. Wahll.: Schönhauser Allee 130 bei Elsner, 2. Hof Part. .1014. Gleimstr. 36—44, Rhinomer Str. 1— 3 und 11— 12a. 1. Abt. Wahll.: Gleimstr. 36 bei Lehmann. 1017. Gaudhstr. 1— 3 und 39— 42, Gleimstr. 29, Schönhauser Allee 69—706 und 124— 127, Starg arder Str. 1 und 82. 1. Abt. Wahll.: Gaudystr. 3 bei Baganz. 1024. Gleimstr. 45—46, Kopenhagener Str. 16— 18 und 63— 64, Schönfliehcr Brücke, Sonnenbuvger Str. 6— 23. 1. Abt. Wahll.: Gleimstr. 45 bei Katter. 1025. Gleimstr. 47— 54, Korsörer Str. 3 und 21— 25, Dstader Str. 1—5 und 15— 17 1. Abt. Wahll.: Korsörer Str. 25 bei Schulz. 1026. Kopenhagener Str. 19— 29 und 50— 62, Astader Str. 6—11. 1. Abt. Wahll.: Kopenhagener Str. 28 bei Rost. 1041. Putbuser Str. 25—32, Ramlerstr. 5—9. 1. Abt. Wahll.: Ramlerstr. 8 bei Lange. 1046. Badstr. 1— 4, Bahnhof Gesundbrunnen, Ramlerstr. 12, 14 bis 17 und 24— 28, Swinemünder Brücke ausschließlich des nördlichen Zuganges, Swinemünder Str. 64—67. 1. Abt. Wahll.: Swinemünder Str. 64 bei Hernowski. 1047. Graunstr. 20—26, Ramlerstr. 18—23. 1. Abt. Wahll.: Swinemünder Str. 65 bei Schmidt. 1058. Swinemünder Str. 47— 51 und 78— 31. 1. Abt. Wahll.: Swinemünder Str. 81 bei Stall. 1428. Orthstr. 4. Pankstr. 23—31 und 68—75, Wiesenstr. 19—20. 1. Abü Wahll.: Pankstr. 23 bei Gembries. 1435. Bellermannstr. 82—85, Stettiner Str. 17—24. 1. Abt. Wahll.: Stcttiner Str. 12 bei Lawrentz. 10. Wahlbezirk. 824. Ackerstr. 1 und la, Kl. Auguststr. 14a, Elsasser Str. 82— 97, Linicnstr. 76—89 und 195—202. 1, Abt.(Neuwahl). Wahll.: Kl. Auguststr. 14 bei Krottendörfer. 836. Friedrichstr. 107, Johannisstr. 1— 7, KaTkscheunenstr. 3— 7, Ziegelstr. 32. 3. Abt. Wahll.: Ziegelstr. 31 bei Florian. 890. �Bernauer Sir. 26, Schönholzer Straße. 1. Abt. Wahll.: Schönholzer Str. 4 bei Schichau. 893. Brunnenstr. 33— 40 und 150—158. 2. Abt. Wahll.: Brunnen- stratze 36 bei Jentsch. 894. Brunnenstr. 41— 49 und 130— 149, Rheinsberger Str. 2— 10 und 69—79. 2. Abt.(Stichwahl); 1. Abt.(Neuwahl). Wahll.: Brunnenstr. 143 bei Mattausch. 1028. Bernauer Str. 25, 27— 38 und 73— 83, Brunnenstr. 50 und 138, Ruppiner Str. 11—15, Wolgaster Str. 5— 7. 2. Abt. Wahll.: Bernauer Str. 74 bei Stargardt. 1043. Lortzingstr. 7— 12 und 32— 37, Putbuser Str. 3— 6 und 52. 1. Abt. Wahll.: Demminer Str. 35 bei Wischnat. 1044. Demminer Str. 8— 12 und 25— 29, Ruppiner Str. 24 und 25, Swinemünder Str. 86—94. 1. Abt. Wahll.: 132./142. Gcm.- Schule, Demminer Str. 127. Turnhalle. 1064. Bergstr. 1—6 und 78-81, Elsasser Str. 12—15. 2. Abt. Wahll.: Bergstr. 79 bei Schwalowski. 1078. Hussitenstr. 13 und 14, Jasmunder Str. 1 und ,22, Stral- sunder Str. 28— 41. 1. Abt. Wahll.: Stralsunder Str. 30 bei Bebel. 1080. Stralsunder Str. 14— 22 uird 51— 59, Strelitzer Str. 37 und 38. 1. Abt. Wahll.: Stralsunder Str. 17 bei Henckel. 1084. Brunnenstr. 119— 122, Usedomstr. 5— 7 und 28— 35, Watt- stratze 7. 2. Abt. Wahll.: Brunnenstr. 119 bei Rutz. 1085. Hussitenstr. 15—20, Usedomstr. 15—19. 1. Abt. Wahll.: Hussitenstr. 18 bei Holland. 1093. Ackerstr. 71—76, Feldstr. 10—17. Hermsdorfer Str. 1—11, Hussitenstr. 43— 63. 1. Abt. Wahll.: Hermsdorfer Str. 5 bei Herms. 1097. Ackerstr. 85—91. 102—104 und 106—111. 1. Abt.(Neu- wähl.) Wahll.: Ackerstr. 103 bei Ncgenberg. 1111. Gartenstr. 8—11 und 102—104, Schröderstr. 4—7 und 9—15. 2. Abt. Wahll.: Gartenstr. 6 bei Targatsch, Hof geradezu I. 1116. Borsigstr. 28, Novalisstr. 2—8, Tieckstr. 8—13 und 28— 31. 1. Abt.(Neuwahl.) Wahll.: Novalisstr. 3 bei Eckhardt. 1153. Albrechtstr. 1—5, Karlftr. 9— 15 und 84— 37, Schumann. stratze 5—8 und 14—18. 3. Abt. Wahll.: Schumannstr. 13 bei Steinhaus. 11. Wahlbezirk. 1363. Gcntcr Str. 66. Lüderitzstr. 1—3, Müllerstr. 132—136, Seestr. 40—13 uiw 94—98. 1. Abt. Wahll.: Müllerstr. 136 bei Ander?. 1364. BarsuSstratze, Edinburger Stratze— Eckgrundstücks an der Barfusstratze, Glasgower Str. 1 und 33, Müllerstr. 54—59, Türkenstr. 25/26. 1. Abt. Wahll.: Müllerstr. 59 bei Schulz. Im 12. Wahlbezirk finden außer in den gestern veröffentlichten Urwahlbezirlen Stich- Wahlen statt in folgenden Bezirken: 1241. Emdcner Str. 41—43, Wiclefstr. 20—26. 1. Abt. Wahll.: Wklefstr. 24 bei Gieshoit. 1245. Emdener Str. 24— 30 und 33— 38. 1. Abt. Wahll.: 206./212. Gcm.-Schulc, Sienicnsstr. 20, Turnhalle. 1246, L Idenburger Str. 19— 25 und 29— 32. 1. Abt. Wahll.: Oldenburger Str. 30 bei Thlbaut. 1254. Emdencr Str. 1— 4 und 57— 59, Turm str. 47a— 63. 1. Abt. Wahll,: 82./90. Gem.-Schule, Türmstr. 75, Turnhalle. Nerbandstag der Maler. Zu dem setzt vorliegenden Ergebnis der Tarifverhandlungen Stellung zu nehmen, ist die Ausgabe der außerordentlichen Gencralversamnilung des Verbandes der Maler, die am Mittwoch im Gewerkschafishaus zu Berlin zusammentrat. Nachdem sich der Vcstbandstag konstituiert hatte, gab S t r e i n e- Hamburg eine Darstellung des Berlaufs der Bewegung und der letzten Verhandlungen. Der Redner erinnerte daran, daß die vorige Generalversammlung mit dem damals vorliegenden Schiedsspruch zwar nicht zufrieden war, ihm aber zugestimmt hat, um den Kampf zu vermeiden. Die Arbeitgeber haben damals den Schiedsspruch abgelehnt und die Aussperrung ins Werk gesetzt, weil sie meinten, der Schiedsspruch sei für die Arbeiter zu günstig. Wir haben beschlossen, daß von einem Zurückgehen hinter die m den Schiedssprüchen festgesetzten Löhne keine Rede sein könne, und danach haben wir unsere Matznähmen für den Kampf getrofsen. Tie Arbeitgeber gingen nicht einheitlich vor. Die Aussperrung trat nicht überall gleichzeitig ein, und auch ihr Umfang war in den verschiedenen Bezirken sehr verschieden. Von einer allgemeinen Aussperrung, wie sie von den führenden Arbeitgebern geplant war, kann keine Rede sein. Nach unseren Feststellungen erreichte die Zabl der Ausgesperrten am 15. März den höchsten Stand mit 15 770. Von da an ging die Zahl fortgesetzt zurück bis auf 9576 am 10. Mai. In den Reihen unserer Kollegen hat mau geglaubt, wenn die Arbeitgeber schon eine Aussperrung ins Werk setzen, würden sie wenigstens die Hälfte unserer Kollegen aussperren; aber es war nur ein Drittel der Kollegen, die in den Kampf hineingezogen wurden. Der Umfang der Aussperrung war also bei weitem nicht so groß, wie es die Scharfmacher unter den Arbeitgebern gewollt und ein Teil unserer Kollegen erwartet haben. Aber der Kampf hat sich ziemlich lange hingezogen. Man kann lagen, es war ein Kampf, wie er in unserem Gewerbe noch nicht geführt worden ist. Es war eine Machtprobe der Arbeitgeber, die alles versucht haben, um unsere Organisation zu schwächen. Dach wir haben den Ansturm der Arbeitgeber ganz gut ausgehalten. Wir haben in der vorigen Generalversammlung erklärt, daß wir nichts anderes zu tun haben, als eine abwartende Haltung einzunehmen, und daß wir keine Ursache haben, die Kollegen, welche nicht ausgesperrt werden, zur Arbeitsniederlegung zu bewegen. Im allgemeinen haben unsere Kollegen eingesehen, daß diese Taktit die richtige war. � Wenn wir heute das Kampfseld über- schauen, so finden wir ebenfalls, daß wir mit unserer Taktik zu- frieden sein können. So ist denn die Zahl der Ausgesperrten immer mehr zurückgegangen, und bei den Arbeitgebern ist ein ae- wisser Mißmut eingetreten. Die- Arbeitgeber bemühten sich, die Zahl der Ausgesperrten größer erscheinen zu lassen, als sie jemals war. In einigen Bezirken Hat ja die Aussperrung einen ziemlichen Umfang angenominen. In anderen Bezirken ist sie dagegen um so kläglicher ausgefallen. Wir haben die Taktik befolgt, das zu sichern, was die Schiedssprüche bieten, und, wo es möglich ist, noch darüber hinauszugehen. Diese Taktik hat uns manchen guten Erfolg gebracht. In einer Reihe von Städten haben wir mit einer großen Zahl von Arbeitgebern Sondertarife abgeschlossen. 19 490 Kollegen arbeiteten am 10. Mai bei Unternehmern mit Sondertarifen. In einigen Stadien sind es'U bis'/« der Kollegen, die zu den neuen Bedingungen arbeiten.— Der Redner ging dann auf Verhandlungen ein, die im Laufe des Kampfes mehrmals geführt wurden und kürzlich mit einem Schiedsspruch des Unpar- teiischenkollegiums endete, der in der Hauptsache besagt, daß die von den früheren Unparteiischen gemachten Vorschläge Geltung behalten sollen und in den Orten, wo�in größerem Umfange Verein- barungen über die früheren Schiedssprüche hinaus getroffen worden sind, den Parteien anheimgegeben wird, diese Verein- barungen allgemein durchzuführen. Was die Arbeitgeber durch die Aussperrung erreichen wollten, das wird ihnen durch den neuen Schiedsspruch nicht gewährt. Während des Kampfes haben es die führenden Arbeitgeber ver- sucht, ihre Kollegen mit terroristischen Mitteln zur Beteiligung an der Aussperrung zu bewegen. Auf die Materiallieferanten und Gerüstberleiher hat man den schärfsten Druck ausgeübt; auch die Behörden hat man zu beeinflussen versucht. Und trotzdem hat die Aussperrung nicht den von den Scharfmachern gewünschten Umfang angenommen. Die öffentliche Meinung hat während des Kampfes auf feiten der Arbeiter gestanden, denn durch die Ablehnung der Schiedssprüche hatten sich die Arbeitgeber in ein ungünstiges Licht gesetzt.— Der Redner betonte schließlich, daß die christliche und oie Hirsch-Dunckersche Organisation während der ganzen Bewegung in vollem Einvernehmen mit dem Verbände gehandelt haben. Schließlich ersuchte der Referent die Versammlung, den vorliegenden Schiedsspruch eingehend zu prüfen und Stellung dazu zu nehmen. Das geschah denn auch in der Diskussion, die bis zum Schluß der Sitzung währte und am Donnerstag fortgesetzt wird. 13. Verbandstag des Verbandes der Schiffszimmerer. Die Beratung der Verschmelzungsfrage wird in lebhaftem Für und Wider fortgesetzt. Die Befürworter der Verschmelzung weisen daraus hin, daß heute schon ein sehr großer Teil der Schiffs- zimmerer in anderen Verbänden organisiert sei. Die Ablehnung der Verschmelzung würde neue Schwierigkeiten in Mitglieder- kreisen hervorrufen, sei doch dbr Absall der Zahlstelle Wilhelms- Häven noch in aller Erinnerung. Die EntWickelung zum Eisenschissbau mache sich auch im Flußjchifsbau stark bemerkbar. Der Vertreter der Generalkommission, Genosse K n o l l, macht darauf aufmerksam, daß die Anziehung der großen Verbände eine ganz natürliche Erscheinung sei und nicht von dem Willen der Leitungen abhänge. Die Liebe zum alten Verband sei zu verstehen. Man solle sich aber nicht so sehr von Gefühlen leiten lassen, sondern sich ernstlich fragen, ob oer Verband nicht Gefahr laufe, durch die An- ziehungskrast der großen Verbau dp ausgehöhlt zu werden. Die Gegner der Verschmelzung bestreiten, daß der Verband der «chiffszimmerer nicht mehr existenzfähig sei. Seine Finanzen ständen sehr gut. Für die kleinen Zahlstellen sei ein Anschluß an den Holzarbeiterverband kein Vorteil. Auf dem größten Teil der Flußschiffswcrften wollten die Mitglieder von der Verschmelzung nichts wissen. In den großen Verbänden würden die Schiffs. zimmerer' allen Einfluß verlieren. Die Mitglieder des Holz- aäbeiterverbandcs seien auf den Werften selbst eine Minderheit und hätten keinen Einfluß aus die Bewegungen. Andere Delegierte, so besonders die von Kiel, Vegesack und Breslau, treten für den Anschluß an den Metallarbeiterverband ein. Von verschiedenen Seiten wird der Uebertritt zum Holz- arbeiterverband in der vorgeschlagenen Form als nicht annehmbar bezeichnet und eine Vermittelung der Gcneralkommission gewünscht. Folgende Resolution wird darauf gegen 3 Stimmen ange- uommen: „In Anbetracht der Tatsache, daß die von den Vorständen des Verbandes der Schiffszimmerer, des Holzarbeiterverbandes und des Metallarbeiterverbandes getroffenen Abmachungen be- treffend den Uebertritt deZ Verbandes der SchiffSzimmcrer als eine annehmbare Grundlage für den Verband der Schiffs- zimmerer nicht angesehen werden kann, beauftragt die General- Versammlung den Verbandsvorstand, erneut mit den Vorständen des Metallarbeitcrverbandcs und des Holzarbciterverbanbes unter Bermittelung der Generalkommission in Verbindung zu treten, um einen einheitlichen Uebertritt zu ermöglichen." Ein Zusatzantrag, zwei in Arbeit stehende Kollegen hinzu- zuziehen, wird angenommen. Die neuen Verhandlungen sollen nach Möglichkeit beschleunigt werden. Ueber ihr Resultat soll eine Urabstimmung entscheiden, die eine Zweidrittelmajorität der Ab- stimmenden ergeben mutz. Darüber, ob man sich dem Metall- arbeiterverband oder dem Holzarbeiterverband anschließen will, soll in der Urabstimmung mit einfacher Majorität entschieden werden. Damit sind alle übrigen Anträge erledigt. Die Generalversamm- lung vertagt sich auf Mittwoch. fltos der Partei. Aus den Organisationen. Der vom Kreisvorstand des Wahlkreises Erfurt- Schleusingen-Ziegenrück erstattete Jahresbericht lautet nicht befriedigend. Die Stimmung unter der Arbeiterschaft hat nach der Reichstagswahl abgeflaut. Wenn auch die Gewerkschaften ihre Mitgliederzahl in der Verichtszeit(1. Juli 1912 bis 31. März 1913) von 12 200 auf 13 056 zu steigern vermochten, so hatte aber leider die Parteiorganisation einen wenn auch geringen Rück- gang zu verzeichnen: von 4266 auf 4252. Der Verlust betrifft allein die männlichen Mitglieder: die Zahl der weiblichen Mitglieder hat sich hingegen von 739 auf 827 vermehrt. Von großem Ein- fluß auf die Mitgliederzahl waren die wirtschaftlichen Verbältniffe. wie die vielen Abmeldungen wegen Abreise zeigen. Nur 18 Proz. der bei der ReichStagswahl abgegebenen Stimmen sind also von der Partei- organisation erfaßt, ein Beweis, welch reiches Arbeitsfeld noch zu beackern ist; von den 15 thüringischen Wahlkreisen siebt der Kreis Erfurt-Schleusingen-Ziegenrück an sechster Stelle. An 24 Orten be- stehen Parteiorganisationen, Die Abonnentenzahl der„Arbeiter- Jugend" hat sich um 338 auf 995 erhöht. Die„Tribüne" hat ihren Abonnentenstand vom Sommer vorigen Jahres behauptet; sie zählt am Ende des Berichtsjahres 9435 Abonnenten.— Abgesehen von der Agitation zur Landtagswahl wurden noch 21 öffentliche, 3 Frauen- sowie 193 Ortsgruppen- und 4L Bezirksversammlnngen ab- gehalten.— Der Kaffenbericht schließt in Einnahme und Ausgabe mit 9519,85 M. ab. Am Sonntag, den 18. Mai, wurde in A r n st a d t die Kreis- Generalversammlung abgehalten. Aus 24 Orten des Kreises waren 75 Delegierte erschienen, außer dem Kreisvorstande, der Kontroll- kommission, dem Bezirks-Parteisekretär und dem Reichstags-Abg. Genossen Heinrich Schulz- Berlin. An den Geschäftsbericht des Lorstandes knüpfte sich eine sehr ausführliche Debatte, in deren Vordergrund die Förderung der Jugendbewegung und die erneut auftauchende Frage der Anstellung eines Kreissekretärs standen, die, in Anbetracht der Notwendigkeit der Agitation und der Kräfte- anspannung der Gegner immer dringlicher wird, im Vorjahre aber abgelehnt worden war. Ein erneuter Antrag war in diesem Jahre nicht gestellt worden, wohl aber wurde schließlich einem auch vom Genossen Schulz befürworteten Antrag mit großer Mehrheit zu- gestimmt, die Sekretärfrage einer erneuten Prüfung durch die ver- antwortlichen Instanzen des KreiseS zu unterziehen und der nächst- jährigen Kreisgeneralversammlung einen Plan zu unterbreiten, ob und unter welchen finanziellen Aufwendungen die Anstellung eines Kreissekretärs möglich ist.— Ueber den Aussall der Land- tagswahlen in den beiden Wahlkreisen Erfurt-Stadt und Land und Schleusingen-Ziegenrück sprach Genosse Verkling- Erfurt. Im Erfurter Kreise stieg die Zahl der Wahlmänner von 44 auf 72, im Kreise Schleusingen-Ziegenrück von 26 auf 54. Im allgemeinen wurden die Fortschritte als nicht befriedigend bezeichnet. Die Ausführungen Bertlings betrafen im übrigen nur Wahlkreis- angelegenheiten. Jedoch wurde ein Antrag eingebracht, nach dem die Kandidaturen zum Reichstag und zum preußischen Landtag von der Generalversammlung in Vorschlag gebracht werden, die Kandidaturen aber durch Urabstimmung im ReichstagswahlkreiS und den beiden Landtagswahlkreisen durch Urabstimmung bestätigt werden müssen. Die nächste Generalversammlung wird darüber Beschlutz fassen.— Der deutsche Parteitag wird durch einen Delegierten be- schickt werden. In Vorschlag gebracht wurden die Genossen A p e l und N o W a y< Erfurt).— Zum Kreisvorsitzenden wird Genosse Ritz wiedergewählt, als Ort der nächsten Kreisgeneralversammlung wiederum Arnstadt. Aus dem Geschäftsbericht des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den 11. b a d i s ch e n W a h l k r e i s ist zu enrnehmen, daß die Mitgliederzahl im abgelaufenen Geschäftsjahre(9 Monate) um 634 stieg(einschließlich 119 weiblichen Personen). Die Gesamtmitglieder- zahl betrug am Schlüsse des Geschäftsjahres 8863. Im Wahlkreise sind 878 sozialdemokratische Bürgerausschußmitglieder zu verzeichnen. Davon sind gewählt 297 in der dritten, 78 in der zweiten und drei in der ersten Klasse. Die sozialdemokratischen Gemeinderäte stiegen von 31 auf 42. In Jordan v. Kröchers Wahlkreis Salzwedel- 01 arde- legen erhöhte siÄ die Mitgliederzabl des Sozialdemokratischen Vereins im letzten Geschäftsjahre von 370 auf 505— eine für diese agrarischen Gefilde erfreuliche Zunahme. Auch der Abonnenteunand des Parteiblattes gewinnt langsam aber sicher in diesem altmärkischen Kreise an Boden. In Probstzella tagten am Sonntag die Meininger Landeskonferenz und die Generalversammlung des zweiten Meininger ReichStagswahlkreiseS. An der Landeskonferenz nahmen teil 43 Delegierte aus 27 Orten des zweiten Kreises, die Bezirks- und Kreisleitungen, der Landesvorstand, daS Bezirkssekretariat, der Reichstagsabgeordnete Genosse Reiß- Haus und fünf Landlagsabgeordnetc. Der erste meiningensche Reichstagswahlkreis war nicht vertreten. Die Mitgliederzabl des ersten Kreises ist um 172 auf 830(51 weibliche) gestiegen; die des zweiten Kreises um 137 auf 2158 gesunken. Der Antrag auf Auf» lösung der Landesorganisation wurde angenommen, aber die Landtags- fraklion ermächtigt, nach dem Vertretungsmodus der Kreiskonferenzen zu beschickende Landeskonferenzen nach Bedarf einzuberufen. Zur Führung der laufenden Geschäfte wählt die Fraktion einen Genossen. — Die Kreiskonferenz des zweiten meiningenichen Wahlkreises war von 65 Delegierten aus 28 Orten beschickt. Das neue Kreis« stamt wurde mit einigen Aenderungen einstimmig angenomnien. Genosse Seige(Pößneck), der bisherige meiningensche Landes- Hauptmann, wurde Kreisvorsitzender. Aus den Berichten über die Entwickelung der Parieipress's ist zu entnehmen der günstige Stand des„Saalfelder Volksblattes", das auch für den Rudolstädter Kreis zuständig ist, und der durch den Abgang von Koburg weniger günstige Stand des„Thüringer Volksfreund" in Sonneberg. Ueber die Taktik bei den Gemeinderatswahlen referierte Genosse Reichstags- abgeordneter H o f m a n n. Eine Beschlußfassung über diesen Punkt wurde der nächsten Kreislonferenz, die in Lauscha stattfinden soll, überwiesen. Die Kreisgeneralversammlung sür den Reichstagswahlkreis Reuß ä. L. fand in Greiz statt. Nach der Berichterstattung kam es bei der Statutenberatung zu langer, teilweise heftiger Debatte. Die neuen Statuten wurden schließlich mit einigen Aenderungen gegen 10 Stimmen angenommen. Der Kreisvorstand ist danach in Zukunft ein selbständiges, vom Ortsverein Greiz unabhängiges Organ. Als Vorsitzender wurde Genosse Kitz in Greiz gewählt. Neben zwei anderen Greizer Genossen, die mit dem Borsitzenden den engeren Vorstand bilden, wurden noch sechs Genossen ans fünf Orten in den Kreisvorstand gewählt. Nach dem neuen Statut finden alle Kreisgeneralversammlungen in Greiz statt. Totcnliste der Partei. In Pinneberg starb am Montag der Genosse Heinrich Brand, der seit siebzehn Jahren dort als Kolporteur des„Ham- burger Echo" und der„Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung" treu seines Amtes gewaltet und unermüdlich für die Partei gewirkt hat, die er auch eine Reihe von Jahren als Stadtverordneter vertrat. Die Parteigenossen Pinnebergs haben in ihm einen ihrer Besten verloren._ Hundert sozialistische Lehrer verlangt! Im letzten Herbst setzte die Partei des Staates W a s h i n g t o a ein Bureau für sozialistische Erziehung ein und begann eine Propa- ganda behufs Eroberung der Schulvorstände. Zu Tausenden wurden Artikel über Schulfragen verbreitet. Bereits bei den Wahlen dieses Frühjahrs wurden dadurch eine Menge Schulvorstände erobert. Vor kurzem wandte das Erziehungöbureau sich an das Landesbureau der sozialistischen Lehrer um Zuweisung von 50 Lehrern. die im Staats angestellt werden sollten. Jetzt werden schon 100 verlangt. Im„Appeal to'Reason" sagt I. E. Sinclair namens des Erziehungsbureaus dazu:„Nächsie Woche werden es wahrscheinlich 200 sein,' Und wenn es glückt. Fred Warren ins Gefängnis zu bringen, werden es nächstes Frühjahr 1000 sein. Den sozialistischen Lehrern strecken die Genossen von Washington die Bruderhand ent- gegen, Wenn Ihr den rechten Kern in Euch habt, können wir Euch brauchen, hier am Otis-Ozean. wo die lapitalistische Brutalität die Arbeiterklasse zur Tat erweckt hat." polueilidus, Gerichtliches ufw. Preßprozeß. Zwei Monate Gefängnis erhielt Genosse N e u m a n u von der Essener„Arbeiterzeitung" am Montag von der Essener Strafkammer zudiktiert. Im Essener Parteiblatte war ein Urteil der Strafkammer zu Aachen, durch das der dortige Fabrikant v. d. Hacken wegen Erschießens eines Arbeiters nur zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, scharf kritisiert. Auch war das Urteil in Vergleich gestellt worden zu einem Urteil derselben Straf- kammer, durch das ein Arbeiter, der einen Hund angeschossen und sich dem Besitzer des Hundes gegenüber der Nötigung schuldig gemacht hatte, mit 4 Monaten Gefängnis bedacht worden war, Das Gericht sah in einigen Ausführungen der„Arbeiterzeitung" den Vorwurf der Klassenjustiz. Festgestellt wurde aber vor dem Essener Gerickit folgendes: Die Streikenden des Fabrikanten v. d. Hacken haben sich an dem von dem Aachener Gericht zugunsten des Fabrikanten angenommenen„Sturm auf dessen Haus" nicht beteiligt. Auch hat der Fabrikant den angeblichen Schreckschuß mit der Pistole nicht, wie er angegeben, auf das Pflaster, sondern in gerader Richtung abgegeben. Ferner konnte weder von einem Tumult noch von einem Auflauf die Rede sein; vor allem hatte aber der erschossene Arbeiter,� ein Holländer, mit der Sache gar nichts zu tun.— Erwähnt sei auch, daß das Urteil gegen den Fabrikanten zwar rechtskräftig, aber noch nicht vollstreckt ist. Er hat, wie er in der Berhandlmig als Zeuge bekundete, ein Gnadengesuch ein gereicht._ ?ugencibev?egung. Katholische Jugcndverhetzung. Wir haben wiederholt drastische Beweise dafür gebracht, wie katholische Jugendvereine ihre Mitglieder durch Schundliteratur ver- blöden. In die unglaublich albernen„Dramen", mit denen man die jungen Leute verdirbt, sind aber auch vielfach Verhetzungen gegen die moderne Arbeiterbewegung verflochten. So berichtet die„Kirchen- Zeitung der Pfarre St. Paul"(Nr. 17) über eine Veranstaltung des Jünglingsvereins Köln-Süd: Das zweiaklige Volksdrama:„Die Saat des Hasses von dem um die Hebung der Volksbühne sehr verdienten Ver- sassers E. Ritter greift in das moderne, reich bewegte Leben. schildert den haßerfüllten Kampf zwischen Arbeiter und Arbeitgeber, der durch seine Gewalttaten nur Unheil bringt; an der Leiche der treuen Mutter siegt die Liebe. So wagt man den jungen Leuten den Befreiungskampf der Arbeiter als eine„Saat des Hasses", die unheilvolle„Gewalttaten' zeitigt, zu schildern. Und auo dieser Erziehung erwachsen die Re� kruten der christlichen Gewerkschaften. Kein Wunder, wenn sie mit so verhetzten Mitgliedern immer mehr den Charakter von GeWerk schaften verlieren und zu Streikbrechervereinen werden. Senonenlcdaftlickes. Aufnahme des Geschäftsbetriebes der Volksfürsorge. Wie wir bereits mitgeteilt haben, ist die.Volksfürsorge" am 17. Mai ins Handelsregister eingetragen. Vom Vorstand der„Volks fürsorge" erhalten wir durch das Pressebureau nachfolgende Mit teilung, aus der ersichtlich ist, daß der Geschäftsbetrieb am 1. Juli erfolgen soll. Ueber die Art der Leistungen enthält die Mitteilung leider noch nichts. Der Vorstand schreibt: Unseren Freunden teilen wir hierdurch mit, daß die Anmeldung zur Eintragung der.Volksfürsorge", Gewerkschafilich-Genossenschaft liche Versicherungsgesellschaft, in das Handelsregister in Hamburg am 17. Mai erfolgt ist. Die Aufnahme des Geschäftsbetriebes, d. h. die Erhebung von Prämien für abgeschlossene Versicherungen, wird in allen Orten, in welchen durch die örtlichen Instanzen, das Ge Werkschaftskartell und die Verwaltung des KonsumsvereinS, die nach dem Organisationsplan notwendigen Vorbereitungen getroffen worden sind, am 1. Juli erfolgen. Die Werbearbeit für die.Volksfürsorge" dagegen beginnt schon im Monat Juni mit der Verbreitung eines vom Vorstande der .Volksfürsorge" herausgegebenen Flugblattes und der Prospekte über die VersicherungSarten von Haus zu Haus durch die am Orte be- stellten Vertrauenspersonen. Diese haben die Pflicht, nach der Ver- breitung des Flugblattes überall nachzufragen, ob der Abschluß einer Versicherung für irgend ein Mitglied der Familie, Mann, Frau oder Kinder gewünscht wird. Die Vertrauensleute erhalten durch die örtlichen Rechnungsführer Bücher, in welchen sämtliche Tarife der .Volksfürsorge" abgedruckt sind, um an Hand derselben jeden Ver sicherungsnehmer die gewünschte Auskunft geben zu kölinen, außer- dem Antragsformulare und Ouitwngsblocks für daS zu erhebende Eintrittsgeld. Nur den Vertrauensleuten der.Volksfürsorge" wird deren Auf nahmematerial verabiolgt; die Quittungen für das bei der Antrag- stellung zu entrichtende Eintrittsgeld von 1 M. tragen die Unter» schnften der geschäftsführenden Vorstandsmitglieder. Wir ersuchen nunmehr, den Ausbau der Organisation in allen Orten, in welchen dies nicht bereits geschehen ist, zu beschleunigen und dafür Sorge zu tragen, daß die systematische Werbearbeit in Angriff genommen werden kann. Die bestellten Rechnungsführer wollen uns sofort über die Anzahl der für ihren Bezirk erforder- lichen Flugschriften und Prospekte Mitteilung machen. Der Vorstand der.Volksfürsorge". A. v. E l m. F r. L e s ch e. 43. Berbandstag der ostdeutschen Konsumvereine. Zu Stettin trat am Montag der 19. Verbandstag des .Verbandes der Konsumvereine der Provinz Brandenburg und der angrenzenden Provinzen und Staaten" zu seinen Beratungen zu- sammen. Die Beratungen begannen mit einer geschlossenen Sitzung, in welcher der juristische Beirat des Zentralverbandes deutscher Konsulnvereine, Dr. jur. M a i e r, einen instruktiven Vortrag über die wichtigsten Bestimmungen des NahrungsniittelgesetzeS und ihre An- Wendung in der Praxis hielt, der regstem Interesse begegnete. Einige Anfragen aus der Praxis des genossenschaftlicheu Geschäftsbetriebes wurden von dem Referenten sachgemäß beantwortet. Verbandssekretär Hildebrand erstattete sodann den Revisions- berichl. Es müßten bei kleineren Vereinen eine Reihe von MonitaS erhoben werden, doch ist die Geschäftsführung in den Verbandsver- einen im allgemeinen wesentlich besser geworden. U. a. wünschte der Revisor, daß die Vereine ihre Mirgliederzahl genauer feststellen und nicht soviel„Papiersoldaten" m ihren Bücher» führen, da sonst die Gegner eine verhältnismäßig geringe Zahl der kaufen- den Mitglieder in der Agitation gegen die Genossenschaft aus- nutzen können. Eine Aussprache über diesen Bericht wurde nicht gewünscht. Nachmittags begannen die öffentlich e�n Verhandlungen mit den üblichen Begrüßungsansprachen. Seitens. des Zenlralver- bandes deutscher Konsumvereine begrüßte u.a. Herr Kaufmann- Hamburg den VcrbandStag und hob hervor, daß der Brandenburger Verband einer der größten sei, so daß wohl bald eine Trennung des- selben erforderlich werde. Besonders erfreulich sei, daß unter den vertretenen Vereinen, drei in diesen, Jahre auf ein bvjähriges Be- stehen zurückblicken können. ES sind dies der Konsumverein„Fort- schritt" zu Bernau, der Konsumverein F i n st e r w a l d e und der .Stettiner Konsum- und Sparverein". Diese Vereine sind einige der wenigen, welche die schwerste u Zeiten der deutschen Genossenschafts- bewegung überdauert haben. Bis zum Beginn der 70et Jahre wurden die Handwerksgesellen hauptsächlich am Tisch des Meisters beköstigt, und so hatten weite Kreise des Mittelstandes ein großes Interesse an der Verbilligung des Wareneinkaufs,«ie bildeten des- halb das Rückgrat der Genossenschaften, bis die fortschreitende Industrialisierung einen völligen Umschwung brachte. Der Mittel- stand verlor das Interesse an dem genossenichastlichen Warenbezug, erblick» sogar mehr und mehr in den'Konsumoereinen eine lästige Konkurrenz, schied aus ihnen aus und bekämpfte sie zum Teil, während die Arbeiter ihnen noch fern standen. Nur wenige Vereine haben diese Periode überdauern können, darum seien die drei Jubilarvereine ein Zeichen der gesunden Kraft der Genossenschasten. Der Geschäftsbericht wurde von dem Verbandsvorsitzenden Müller-Berlin erstattet. Es sind 19 Jahre verflossen, seit der. Branden- burger Verband" seine Verbindung mit dem„Allgemeinen Verband" gelöst hat und dem Zentralverband der deutschen Konsumvereine bei- trat. In dieser Zeitspanne ist die Zahl der Vereine von 23 auf 103, die Zahl ihrer Mitglieder von 27 100 auf 176 867 und die Umsatzziffer von 1 732 1b9 M. auf 39 117 667 M. gestiegen. Das sei ein glänzender Erfolg, und dabei sei die Hoffnung berechtigt, daß die nächsten zehn Jahre die zurückliegende Zeit weil überholen werde. Auch das letzte Geschäftsjahr habe günstig geschlossen. Die Zahl der ' dem Verbände angeschlossenen Vereine sei zwar von 106 auf 103 zurückgegangen, trotz einer Anzahl hoffnungsvoller Neugründungen, aber das sei nur auf den begrüßungswerten Zusammenschluß benach- barter Vereine zurückzuführen. 191 Konsumvereine, von denen Be- richte eingingen, vermehrten ihre Mitgliederzahlen um 176 867, das sind 29 Prozent gegen 13,16 Prozent im Vorjahr. Ihr Umsatz wuchs um 28,8 Prozent. Auch die Entwickelung zu leistungsfähigen Be- zirkskonsumvereincn macht offensichtliche Forlschritte. Die„Konsum- genossenschaftliche Rundschau" und daS„Konsumgenossenschaftliche Volksblatt" haben ihre Auflageziffer im Verbands'bezirk wesentlich gesteigert. Der Berlagsgesellichast deutscher Konsumvereine sind 61 Verbandsvercine mit 291999 M. Anteilen beigetreten. Der Umsatz bei der Großeinkaufsgenossenschafl stieg von 8 961 995 M. auf 11979 035 M. gleich 33,6 Prozent. Die von der Großeinkaufs- genossenschaft bezogenen Waren betragen damit 10,6 Prozent der Einkaufswerte. Verbandssekretär Hildebrand- Berlin gab einen Bericht seiner Tätigkeit, bei der insbesondere die Aus- kunft in Steuersachen und der Kampf gegen drohende Mehrbelastung der Konsumvereine durch ungerechte Steuern viel Arbeit verursachte. Dieser Teil des Berichts zeigte so recht, wie die Behörden gegen die Konsunwereine arbeite». Redner riet den Vereinen, einen festen Rabatt bis zur Höhe von 5 Prozent statutarisch festzulegen, um wenigstens zu erzielen, daß die Steuerbehörde die Konsumvereine mit den Rabattsparvereinen gleich behandeln muß. In der Diskussion über diese Berichte kam es zu einer kurzen Aussprache über die Beteiligung der Vereine an der Verlagsanstalt deutscher Konsumvereine. Der Stettiner Berein hatte diese abgelehnt, einmal weil er seine Mittel für notwendige Betricbserweiterungen selbst braucht, zum andern weil er der Ansicht ist, daß eZ auch eine Anzahl von anderen Druckereien gibt, welche Aufträge der Konsumvereins gut gebrauchen können und welche von den Konsumvereinen auch mit Aufträgen bedacht zu werden verdienen, da die in diesen Vereinen erscheinenden Blätter für die Ausbreitung und innere Kräftigung der Vereine wertvolle Dienste leisten. Es sei deswegen wünschens- wert, wenn sich die Druckerei der Verlagsanstalt auf Anfertigung von Spezialarbeiten beschränke. Von einigen Delegierten wurden diese Ansichten als den genossen- schaftlichen Zenlralisationsbestrebungen zuwiderlaufend bezeichnet. Eine Einheit der Meinungen tonnte nicht erzielt werden. Am Morgen des zweiten Verhandlungstages behandelte Kauf- mann- Hamburg in instruktiven Referaten„Die Gründung und Organisation der Volksfürsorge" und den internationalen Genossenschaftstag in Glasgow. Er empfahl möglichst zahlreiche Beteiligung an diesem Kongreß und der damit verbundene» Studienreise. Seitens des Verbands- Vorstandes wird Sekretär Hildebrand nach Glasgow entsandt, der Berliner Verein entsendet auf eigene Kosten einen Vertreter und im übrigen wurde, aus von der Großeinkaufsgenossenschaft zu diesem Zweck bereitgestellten Mitteln, fünf Verbandsvereinen ein Zuschuß von je 150 bezw. in einem Fall 259 M. zur Delegation gewährt. Eine Statutenänderung, die hauptsächlich zur Verein- fackung der Verbandsgeschäfte beitragen soll, nahm dann den Ver bandstag längere Zeit in Anspruch. Hervorzuheben ist, daß in Zw kunft die Vorstandsmitglieder auf die Dauer von drei Jahren ge- wählt werden, ebenso die Mitglieder eines neugebildeten Aufsichts- rats. Letzterer soll aus fünf Personen bestehen und erhielt u. a. die Befugnis, Vorschläge zur Wahl der Vorstandsmitglieder, des Sekretärs und der Revisoren zu machen und im Verein mit dem Vorstand die Wahl und Anstellung der Beamten zu erledigen und über deren Besoldung zu beschließen. Der Sekretär wird jedoch wie bisher von dem Verbandstag gewählt. Ferner wurde beschlossen, daß zu Statutenänderungen und Vereinsausschlüssen künftig statt der einfachen Zweidrittelmajorität erforderlich ist und die Zahl der stimmberechtigten Delegierten zu Verbandstagen nach der Mit- gliederzahl der Vereine derart gestaffelt, daß bis auf 1999 Mit- glieder ein. bis 3999 zwei, bis 19 999 drei, bis 30 000 vier und auf je weitere 39 009 Mitglieder je ein weiterer Delegierter entfällt. Danach wurde dem bisherigen Verbandsvorstand Entlastung erteilt und derselbe einstimmig wiedergewählt sowie der Voranschlag für 1913, dessen Bilanz mit 25 958 M. abschließt, genehmigt. In den neugebildetcn Aufsichlsrat des Verbandes wurden gewählt: M i r u s- Berlin, Lange- Sarau, M eh r i n g« Liegnitz, Mey- Striegau und Knappe- Stettin. Es gehören dieselben da- mit zugleich dem Generalrat des Zentralverbandes an, zu dem auch der Vorstand und Sekretär des Verbandes zählt. Ferner wurden noch in den Generalrat gewählt die Herren Krüger- Potsdam,. Borowskh- Königsberg, Marquardt- Rauschs und Breiter- Langenbielau. Zum Tagungsort des nächsten Verbands» tages wurde Brandenburg a. H. bestimmt. Sozialem TcrroriemuS gegen Arbeitswillige. Eine der schamlosesten Beeinträchtigungen des Rechts auf Arbeit und auf Fortkommen liegt in der Vereinbarung, durch die «in Arbeiter, Angestellter, Werkmeister oder Handlungsgehilfe über die Beendigung seiner vertraglichen Tätigkeit hinaus in der Ver» Wertung seiner Arbeitskraft beschränkt wird. Am gebräuchlichsten lind von solchen Vereinbarungen die, welche dem Arbeiter ver- bieten, an demselben Ort oder bei einem Konkurrenten in Arbeit zu treten. Derartige Beschneidungen des Rechts, seine Arbeits- kraft zu verwerten, nennt man Konkurrenzilauseln. Sie verstoßen in gröblichster Weise gegen die guten Sitten, denn sie beeinträch- tigen das unabdingbare Recht des einzelnen, seine Arbeitskraft nach bester Gelegenheit zu verwerten, beeinträchtigen die Gewerbe- 'reiheit und erschweren das Fortkommen des Arbeiters. Wiewohl§ 188 des Bürgerlichen Gesetzbuches Verträge, die gegen die guten Sitten verstoßen, für nichtig erklärt, geht die Recht- sprechung und das Gesetz einen anderen Weg. Dieselben Leute, die nicht laut genug nach Schuh für Arbeitswillige schreien, wo es sich in Wahrheit nur um eine Knebelung des Koalitionsrcchts handelt, halten den Terrorismus gegen Arbeitswillige durch Kon- kurrenzklauseln für berechtigt. Nur einige belanglose, scheinbare Schranken sind zugunsten von Handlungsgehilfen, Angestellten und Werkmeistern aufgerichtet. Die grohe Menge der gewerblichen und ländlichen Arbeiter sind völlig schutzlos dem Ermessen des Gerichts preisgegeben, od ein Gericht im Einzelfall eine Konkurrenzklausel für nichtig erklärt, weil sie gegen die guten Sitten verstößt. Das Handelsgesetzbuch erklärt die vertragliche Beschränkung der gewerblichen Tätigkeit des Handlungsgehilfen über die Zeit des Arbeitsvertrags hinaus„nur insoweit für gültig, als die Be- schränkung'nach Zeit, Ort und Gegenstand die Grenzen nicht über- schreitet, durch welche eine unbillige Erschwerung des HandlungS- gehilsen ausgeschlossen wird". Das Gesetz erkennt ferner an, daß die Beschränkung stets ungültig sein soll, wenn die Beschränkungs- abrede gegen Minderjährige gerichtet ist oder wenn die Beschrän- nkug sich auf einen Zeitraum von mehr als drei Jähren erstreckt. Diese schwammigen Vorschriften haben in der-Praxis mehr zum Abschluß von Verträgen mit Konkurrcnzklauseln als zur Beseiti- gung solcher geführt. Noch weniger Schutz haben Werkmeister und Angestellte. Hunderte, tausende nach ehrlicher Arbeit und ehrlichem Fort» kommen Strebende sind durch den Mangel an Schutz für Arbeits- willige geen den Terrorismus durch Konkurrenzklauseln brotlos geworden. Was hat die Regierung vorgeschlagen, das zum Himmel schreiende Unrecht zu beseitigen? Statt eines Verbots der Kon- kurrenzklauseln hat der dem Reichstag vorgelegte Entwurf ledig» lich eine etwas weitergehende Beschränkung, als das jetzige Recht enthält, und eine Art Entgelt vorgesehen— das alles soll aber nur für Handlungsgehilfen, nicht für Werkmeister, Angestellte, gewerbliche oder ländliche Arbeiter gelten. Die Kommission hat nach drei Monaten ihre erste Lesung be» endet. Vergeblich drangen unsere Genossen darauf, daß die Ver» einbarungen von Konkurrenzklauseln verboten, und zwar gegen» über allen Arbeitern, nicht nur den Handlungsgehilfen gegenüber, werden sollen. Die Mehrheit der Kommission schützte alle For- malien vor, weshalb Werkmeister, Angestellte und andere Arbeiter als Handlungsgehilfen jetzt noch keinen Schutz erhalten sollen. Mit Händen und Füßen stemmten sie sich gegen ein Verbot zugunsten der Handlungsgehilfen. Das Wesentlichste, zu dem sie sich aus eigenem aufschwang, war, daß sie„Konkurrenzklauselverbot" in „Wettbewerb" umtaufte. Unseren Genossen gelang nur einiges durchzusetzen. So sollen Wettbewerbsderbotc stets ungültig sein, wenn das Jahresgehalt der Angestellten 3999 M. nicht übersteigt. Die Wett'bcwerbsverbote sollen auch höchstens für ei» Jahr nach Lösung des Vertrages gelten. Dem Angestellten soll der Geschäfts- inhaber eine Entschädigung für die Einhaltung des Wettbewerbs- Verbots bezahlen. Umgehungen des Gesetzes ist ferner versucht einen Riegel vorzuschieben. Das ist das Wesentlichste der Kommissionsbcschlüssc. Ein recht geringes Ergebnis. Und trotzdem sucht die bürgerliche Mehrheit die definitive Erledigung der so dringenden Frage des Verbots oder wenigstens einer erheblichen Beschränkung der Konkurrenz» klausel zu verzögern. Die zweite Lesung hat in der Kommission noch nicht angefangen— und der Schluß der Session steht nahe bevor. Briefkaften der Redaktton. Die luristische S»r-chftul>de findet Linden st rase SS, vorn vier Trevve» — F a h r st u l> l—, wochcntägltch von 414 bis 714 Übt»bcndS, EonnadendS» von 414 bi» s Uhr abends statt. Jeder für den Bricfiaften bestimmten Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonncmentsqnittnng beigefstgt ist, vcrden nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man t» der Sprechstnude vor. St. 7. Vertrauen Sie sich der Zentralkommission der Krankenkassen an, Alexanderftr. 39/19.— A. 52. Ja.— A. B. iE. 77. Ja, im Berliner„Rotbuch", welches Sie bei einem Ihnen bekannten Stadt- verordneten oder sonst ein städtische? Ehrenamt versehenden Genossen ein- sehen können.— M. 91. 1. 364. Uns nicht bekannt.— 9t. W. 34. Melden Sie Ihre Frau bei der Ossenbacher Frauen« und Mädchenkranken» lasse an. Adresse sür Berlin: W. Hinz, Prinzenstr. 66.— B. H. 46. d. 1. Wenden Sie sich an einen Fachmann. 2. Ja.— Martel. Bemühen Sie sich zu einem Münzsammler. Adressen siehe Berliner Adreßbuch. — Ludwig 316. 1. Das Oberversicherungsamt. Charlottenburg, Berliner Straße 11. 2. 9—1 Uhr. 3. 1293,89 Ä. Vollrente, 20 proz. Teilrente monatlich 29.19 M. 1. Von Beginn der 11. Wache ab. 5. Nein. 6. Bestimmte Frist ist nicht festgelegt. Ist jedoch in den ersten zwei Jahren nach dem Unfall eine Dauerrente rechtskräftig festgestellt oder die zweijährige Frist ab- gelaufen, so darf eine neue Feststellung nur. in Zeiträumen von mindestens einem Jahre vorgenommen oder beantragt werden. 7. Geringe Schwerhörigkeit auf einem Ohre. Allerdings erscheinen die Zeichen nicht genau angegeben.— R. Sch. 1. Handelt es sich um einfache Erpressung, in fünf Jahren. 2. Mindeststrase einen Monat.— L. Dt. 1613. Nein. —®. P. 54. Die Fragik, ob Sie der Berfichcrungspflicht aus Grund des Angestellleiiversichcruligsgesetzes unterliegen, ist strcilia. Die amtliche Anleitung vom 29. Juni 1912 legt das Gesetz dahin aus, baß auch Musik- kehrcr, die selbständig an eine Anzahl Schüler Unterricht erteilen, unter die Bestimmungen des Gesetzes sallcn. Unseres Erachtens ist diese Auffassung unzutreffend, da sich daS Gesetz nur aus Angestellte erstreckt. Derselben Aussassuiig sind die Mehrzahl der aus Anlaß des Gesetzes erschienenen Kommentare. Die Schüler sind nicht versicherungspflichtig, ebenfalls nicht die Hilfskräfte, welche bei Ihnen im Nebenerwerb tätig sind. Der.Bor- wärts" bat bei Beratung des Gesetzes im Jahre 1911 und auch svätcr wiederholt Abhandlungen gebracht.— Eolumbus. Die unbeschränkte Lohnbeschlagnabme in solchen Fällen ist zulässig.— Jf, Z. 466. Das von der Gegenseite eingeschlagene Verfahren war zulässig. Festgesetzte Kosten sind unverzüglich nach Zustellung des Festsetzungsbeschlusses zu bezahlen.— M. K. 116. 1. öle können kostenlose Instandsetzung verlangen, sosern die Schäden nicht durch eignes Verschulden verursacht sind. 2. und 3. Ein Prozeß wäre zweifelhast, da es aus Sachverständigengutachten ankommt. WitterungSüberstcht vom 21. Mai 4613. vtattonen 4 i Swinemde. 768 SSW tamburg 767 SW crlln 768. S Franks. a.M 769 SW München j779lSSW Wien 766|NNW KeUet 3 bedeckt 3 halb bd bedeckt Dunst wölken! siRegen d* ii «Si 12 13 19 11 9 8 Stationen aparanda eterSburg Scilly Aberdecn Paris 7S7!IW 761 W 762 755 768 SSW S StA s Wetter Z bedeckt t bedeckt stwoMg 3Ibed«ckt bedeckt ** B* Ets Bk 4 9 11 10 12 Wetterprognose für Donnerstag, den 22. Mai 1643. Etwas wärmer, teilweise heiter, aber veränderlich, bei mäßigen slld« lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Wemxynr sölln scheuem holh wir Pracks, vom Kaufmann im« dazu Pakete zu 10, 20 und 25 PL Pabrlkt Urban& Lcram, Chjuriottenbars. Hartha Richter geb. Bormann Vermählt®. Berlin, den 22. Mai 1918. Greift zu! .Ted. Herrn, der sich eleg. u. bill. Meiden will, emplehle eleg. Monatsgarderobe in feinsten Werk- stätt. Berlins gearb., von Herrschaften, D oktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebr.(fürjed.Pig.pass.) Monats-Jackett-Anzüge 8,10, 14,18M. Monats-Rock-Anzüge 10. 12, 16, 20 M. Monats-Paletots 8, 10, 14, 18 M. 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Die Ortsverwaltang. Steinsetzer Berlins. Sonntag, den 25. Mai, morgens Präzise i« Uhr, bei Fnnke, Triftfiraste 63; Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Altgesellen. 2. Miststände im Gewerbe und wre beseitigen wir dieselben? 3. Diskussion. 812b* „ Im Interesse der Beseitigung der großen Arbeitslosigkeit ist das Erschemen sämtlicher Steinsetzer erforderlich. ______ J- A.: P. Markward, W. 65. Triststr. 64. »Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Krankenkass. Fach gem. Bedienung MNSKM Quali/a�s Cioafe/fe Theater. Donnerstag, den 22. Mai 1913 Ansang 5 Uhr. Königl. Opernhaus. Die Meister- jinger von Nürnberg. Ansang 7'/, Übt. Königs. Schauspielhaus. Minna von Barnhelm. Neues Opern(Kroll). Die Meister- fing« von Nürnberg. Prater. Das Bummelmäbchen. Aniang 8 Ubr. Urania. Die Nordseeinsel Sylt. Lesung. Alt-Wien. Deutsches. Hamlet. Kai» iiierspiele. Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Berliner. FUmzauder. Königgräher Strafte. Das Buch einer sfrau. Schiller O. Zwei Wappen. Schiller-Charlottenburg. Moral. Theater deS Westens. Der Bogelhändler. Montis Operette«. Der lachende Ehemann. Deutsches Schauspielhaus. Ein idealer Gatte. Kleines. Professor Bernhardi. Deutsches Opernhaus. Oberon. Komödienhaus. Hochherrschastliche Wohmmgen. Metropol. Die Kino-Königin. Trianon. Madame X. Tbalia. Puppchen. Luisen. Dle drei Schwestern Ran- dolf. Rose. Krone und Fessel. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8>/, Ubr. Theater am Nollendorfplaft. Extrazug nach Nizza. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Residenz. Die Frau Präsidentin. Lustspielhaus. Majolika. Folies Capriee. Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy. Ansang 3>/, Uhr. Neues Votkstheater. König Krause. Ausang 9 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in il. Moritz. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62. SeWIler-ThealerO.lS: Donnerstag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Freitag, abends 8 Uhr: Geographie und Liebe. Sonnabend, abends 8 Uhr: __ ITIoral. Schiller-Theater Ch CT Donnerstag, abends 8 Uhr: Moral. Freitag, abends 8 Uhr: Uedda Gabler. Sonnabend, abends 8 Uhr: Klein Dorrlt. Utwattungsstellk Aerlm. C 54, Fimenstr. 88—85» Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1Ä9, 9714, Freitag, den 23. Mai 1S13, abends 8'/, Uhr: � Ilri sa milliuitti � aller in den Eifengietzereien beschäftigten Putzer und Schleifer in den„Borussia-Tälen", Ackerstrahe S/7. Tages-Ordnung: 1. Wahl von Konimissionsmitgliedern. 2. Berussangelegenbeiten. 3. Verschiedenes. -------- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.------ Pünttliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 118/10___ Die Ortsverwaltnng. I» Zneigverein Berlin. Sektion der Putzer. Freitag, den 23. Mai, abends 6 Uhr, in Haverlands Festsäle« (früher Trösel), Nene Friedrichstr. 33: Versammlung. Die Tagesordnung ist im„Grundstein" veröffentlicht. UM- Mitgliedsbuch legitimiert.-Mn Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. Vorwärts-Sibliotheh. Eine Sammlung volkstümlicher Romane und Erzählungen Menerschelnung Der Pariser Garten nnd Anderes. Von Minna KantskT. Preis gut gebunden 1 Mk. Die Erzählungen der jüngst verstorbenen Grenossin sind in den Kreisen des arbeitenden Volkes stets gern gelesen worden. Der vorliegende Band wird daher breiten Schichten willkommen sein. Liindenstraße 69 (Laden). Buchhandlung Vorwärts, TheateramKollendorfplatz Täglich abends 8'/, Uhr: Extrazug nacli Nizza. Deutsches 8chanspiclhans 8 Uhr: Ein Idealer Gatte. Berliner Theater. r® Filmzauber. 8 Uhr: Das Buch einer Frau. ]Mis öperetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden IUI. Sommerpreise! Abends 8 Uhr: Der lachende Eheinnnn. Theater des Westens. 8 Uhr(.Volkstümliche Preise*): Ber Vogelhändler. Kroll- Oper 7i/3 Uhr: Zur Feier d. IM. Geburis- lages von Aich. Wagner-kl. Preise): DitMkiKerßllSkrv.Nürnbtrg Freitag: Gohengrin. Sonnabend: Hieraus: Cnvallerla rnstlcana. Residenz-Theater. Schluß der Spielzeit am 31. Mai. Bie Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank in 3 Alien v. M. Henneguin und P. Veber. Morgen und solgende Tage: Die Fran Präsidentin. IOSE=ThEATE| Große Franisurter Str. 132. Zum 1. Male: Xrone und Fessei. i� Anfang 8j/4 Uhr: Freitag: Krone und Fessel. Auf der Garteubühne: Achtung! Es geht los! Pass�-Panoptikum Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei sein. Training zum Kampf um die Weltmeisterschaft. Jon Got, der akrobatische Schlafwandler! Der Mann mit der eisernen Hand. A die schwebende �»8�» Jnnglran! DM- Alles lebend!-MG Alles ohne Extra-Entree! Urania. TanbenstraSe 48/49. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Nordsee-Insel Sylt. OCISCHER GARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Eintritt 1 Mark. von 6 Uhr ab 50 Pf. KinderunterlO Jahren die Hälfte. Jahresabonnements an allen drei Schalterkassen. Admiralspalast. 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D. l LindeD Moritzplalz Hasenheide Leo Tolstois ----- Alleiniges----- Aufführungsrecht für Groß-Beriin. Trianon-Theater. Täglich 8 Uhr: �01110 X. Sonntag, 25. Mai, nachm. 3 Uhr: Der selige Toupinel. Reichstiaiieo-Theater Stettiner Sänger. „Stucke's PfiDgstlalirf Berliner Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Folies Capriee. Die Novitäten: # Die Bank.• • Sein letzter Wille.» • Der Cowboy.• Anfang 81/, Uhr. Borverf. 11—2 Uhr. LaR HMBHARK „Oeeana" Das Meisterwerk und ! 29 Sensationen SO! Entroe frei bis 5 Uhr! Saison-Karten 3 M. Für den Znbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Dudlikum gegenüber keiuertei Berantworrnng. Arnold Scholz NEUE WELT Hasenheide 108/114 Heute, Donnerstag, den 22. Mai 1915 � EliteaTag! Konzert und Vorstellung: Außerdem: 1. Großes Brillant-Feuerwerk. Im neuen Saal: Crroßer Bali. Anfang 5 Uhr. Entree 50 Pf. / / 6» 4� •# Dkvwtwö-ulicher Nchalteur: Llfrej» Wielepp, Neukölln. Für he» Jnjeratenteil verantty.i Th.«lockt, lverltn. Druck n. Verlag: VorwartH Mgchdruckerel u. VerlagSanjtalt ZKutl«inger«.jt», Kerlm SM Nr. 124. 30. Jahrgang. 2. Stilnje des.Awärls" KM» Kslksdlsll Ammtng, 22. Mai I91B. Parteigenossen! Am 23. Mai sind fünfzig Jahre seit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins verflossen. Aus diesem Anlaß veranstalten die Grotz-Berliner Parteiorganisationen eine Gedächtnisfeier in folgenden Sälen: Berlin. Happoldts Brauerei. Hasenheide 32/38. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Konzert- und Festsäle Koppenstr. 29. Brauerei Friedrichshaiu, An: Friedrichshain 16/23. Brauerei Köuigstadt, Schönhauser Allee 19. Germauia-Prachtsäle, Chausseestr. 119. Pharus-Säle, Müllerstr. 112. Moabiter Gesellschaftshans, Wiclefftr. 21. Charlottenburg. Bolkshaus, Rpsinenstr. 3. Schöneberg. Neue Rathaussäle, Meiuinger Str. 8. Neukölln. Bartsch, Hermannstr. 49. Lichtenberg. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee. Pankow Niederschönhauscn. Rozycki, GesellschaftshauS, Kreuzstraße 3/4 Wcißenscc. Bergbrauerei, Berliner Allee 211. Tagesordnung in allen Versammlungen: Chorgesang: Tord Foleson. Prolog: Zur Gedenkfeier der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, von G u st a v S t e n g e l e. Vortrag: Fünfzig Jahre deutsche Sozialdemokratie. Chorgesang: Die Marseillaise. Referenten sind die Genossen Ed. Bernstein, Däumig, Dupont, Grunwald, Haase, Heine, Hirsch, Legten, Pieck, Pfannkuch, Ritter, Scheidemann, Wissell, Wurm. Genossen! Erscheint zahlreich in den Versammlungen und weiht einige Stun len der Erinnerung an die Gcburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie. Verband der Sozialdemokratischen Wahlvcrcine Berlins und Umgegend. „liieuterel" im Meitthsnz Kummelsbiirg. Ein bißchen rasch scheint man im ArbeitsbauS Rummelsburg ge- neigt zu sein, eine„Meuterei" der Anstaltsinsasien zu argwöhnen, wenn ihrer mehrere zugleich die Flucht ergreifen und es dabei zur Anwendung irgendwelcher Gewalt kommt. Vor- vierzehn Tagen mußte eine von der Staatsanwaltschaft bereitwillig erhobene „Meuterei"-Anklage gegen die Arbeilshäuslinge, die gemeinsam ent- flohen waren, mit Freisprechung enden, weil sich ergab, daß sie ihre Flucht tatsächlich ohne Gewaltanwendung bewerkstelligt hatten. Gestern wurde vor dem Landgericht Berlin lll< Strafkammerl unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Barth) schon wieder gegen eine Gruppe von Arbeitshäuslingen verhandelt, deren Fluchtversuch die Staatsanwallschaft nach der Darstellung de» Anstaltspersonals als „Meuterei" eingeschätzt hatte. Die Anklage richtete sich gegen die ArbeitshäuSlinge Bcnning, Brandenburg, Wolfrein, Hillmann, Bogel, Echefflcr, Koschmann, die am 29. September 1812 während ihres im Anstaltshof zu absolvierenden »Spazierganges" ihrem Drang nach Freiheit gefolgt waren und zum Teil den Weg durch die beschädigten Traillen eines Abortfensters genommen hatten. Mitangeklagt war ein Bruder des angeklagten Arbeitshäuslings Richard Wolfrein, ein in geordneten Verhältnissen lebender Handwerksmeister August Welfrein, der dem Bruder Beihilfe zu leisten versucht hatte, indem er außerhalb der Anstalt mit Kleidern auf den Flüchtling wartete. Daß Richard Wolfrein eine Flucht geplant und seinem Bruder August davon Mitteilung ge- macht hatte, gaben beide zu. Dagegen konnte durch die Beweiserhebung, in der mehrere Anstaltsbcamtc vernommen wurden, nicht der geringste Anhalt dafür erbracht werden, daß auch die Arbcitshäusliuge unter einander eine Flucht verabredet hätten. Bogel schilderte sehr anschaulich, wie in ihm der Gedanke an Flucht entstanden sei. Er habe, als er im Abort bemerkte, daß eine Traille durchgefeilt war, sofort die sich bietende Gelegenheit benutzt und durch Umbiegen der Traille sich einen Weg ins Freie gebahnt. Weiter sei er mittels eines Kletterkunsistückes, das er an einer Telegraphenlcitung aus- führte, aus der Anstalt hinausgelangt, unbekümmert darum, daß der Draht ihm die Hände blutig riß. Nach Schcfflcrs Darstellung ist anzunehmen, daß Vogels Beispiel auf ihn und andere ansteckend gewirkt hat. Als Sch-ffler, der nachher den Abort betrat, die umgebogene Traille bemerkte, packte auch ihn das Verlangen nach Freiheit und er schlüpfte hinterher. Vor Gericht behauptete er, der Gedanke an Flucht sei bei dem Anblick des LochcS •m Gitter ihm nur deshalb gekommen, weil»die Beamten mit Revolvern in die Schlafsäle schießen und man da seines Lebens nicht sicher ist". Das AuSbruchSfieber scheint dann blitzschnell weiter um sich gegriffen zu haben, so daß noch ein paar den Weg durchs Fenster nahmen, ein paar andere aber zu gleicher Zeit direkt über die Mauer zu entkommen suchten. August Wolfrein, der auf dem Rummelsburgcr See in einem Boote wartete, sah plötzlich einen der Flüchtlinge— nicht den sehnlich erwarteten Bruder Richard zu sich ins Boot springen. ES entwickelte sich nun, so gab er vor Gericht an, zwischen ihm und dem ihm unbekannten Flüchtling ein Kampf um die Führung des Bootes, weil Wolfcein auf seinen Bruder warten wollte, der Unbekannte aber schleunigst über den See zu entkommen suchte. Auch ein paar andere der Flüchtlinge sprangen in Boote, die ihnen gerade in den Weg kamen. Bogel und Scheffler ge- langten über den See, aber bald wurden die Ausreißer sämtlich, einige noch innerhalb der Anstalt, wieder eingefangen. Richard Wolfrein war auf die Anstaltsmauer geklettert und wurde mit einer Leiter heruntergeholt, nachdem er den Sprung in die Tiefe > cht gewagt hatte. Die Gleichzeitigkeit der Fluchwcrsuche führte d. nn dazu, daß wieder mal»Meuterei' angenommen wurde. Nach dem negativen Ergebnis der Beweiserhebung sah selbst der Staatsanwalt die Verabredung nicht als erwiesen an, so daß er die „Meuterei" Preisgab und für alle angeklagten ArbeitshäuSlinge die Freisprechung beantragte. Als der einzige, der zu bestrafen war, blieb der bisher unbestrafte August Wolfrein übrig, dessen Versuch zur Beihilfe der Staatsanwalt mit zwei Wochen Gefängnis gesühnt wisien wollte. Für Richard Wolfrein führte sein Verteidiger Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld aus, daß in der Tat keine Verabredung der ArbeitshäuSlinge anzunehmen sei und daher Frei- sprechung erfolgen müsie. ArbeitshäuSlinge seien begreiflicherweise rasch bereit, jede sich bietende Gelegenheit zur Flucht auszunutzen, um(wie einer der Angeklagten sagte)„die Strafe draußen zu ver- büßen". Rechtsanwalt Costmaun als Verteidiger von August Wolf rein forderte dessen Freisprechung, weil Wolftein die Selbst befreiung des Bruders tatsächlich gar nicht habe unterstützen können, sondern nur nach Vollendung der Selbstbefreiung ihni habe weiter helfen wollen. Sollte etwa doch auf„schuldig" er- kannt werden, so sei weitestgehende Milde geboten, weil es der Bruder war, dem die Hilfe galt. Nachträglich wurde gegen Richard Wolfrein die Anklage auf Anstiftung zum Versuch der Bei- Hilfe ausgedehnt, und der Staatsanwalt beantragte dann gleichfalls 2 Wochen Gefängnis gegen ihn. Das Gericht kam zu einer Ber- urteilung der beiden Brüder Wolfrein zu je 1 Woche Gefängnis und zu einer Frcisprechmrg aller übrigen Angeklagten. Der Beweis der „Meuterei" sei, mangels einer Verabredung, nicht erbracht. Partei-?Zngelegendeiten. 12. Landtagswahlbezirk(Moabit). Zu den bereits gestern mitgeteilten Stichwahlen kommen noch für die 1. Abteilung die Urlvahlbezirke 1241, 1215, 1216 und 1251 hinzu. Wahlhilfe im 12. Bezirk. Diejenigen Genossen, deren UrWahlbezirke nicht zur Wahl stehen und die von ihren Bezirksführern keine Anweisung erhalten haben, werden gebeten, am Freitagvormittag sowie nachmittags in: Zentralbureau, Oldenburger Straße 19, bei P a e r s ch vollzählig zu erscheinen, uni Wahlhilfe zu leisten. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, sich dem Komitee zur Verfügung zu stellen, damit die noch ausstehenden Bezirke er- obert werden. Desgleichen ersuchen wir die Genossen des Weddings und der Schönhauser Vorstadt, am Stichwahltage bei den Wahl- arbeiten behilflich zu sein. _ Das Wahlkomitee. Wilmersdorf-Halrusee. Am Sonnabend, den 24 Mai, veranstaltet die örtliche Parteiorganisation eine Jubiläumsfeier anläßlich der 60 jährigen Wiederkehr des Gründungs- tages des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins, bestehend aus Chorgesängen, Festrede und Rezitationen. Der Besuch dieser Veranstaltung ist für Parteimitglieder und deren Angehörige gänzlich kostenfrei. Anfang 8 Uhr abends Einem zahlreichen Besuch sieht entgegen Der Vorstand. Lichtenberg. Die Sammellisten zur Landtagswahl Nr. 16 004 und 16 106 sind verloren gegangen. Die Listen, auf denen nichts gezeichnet ist, sind vorkommendenfalls anzuhalten. Steglitz-Friedenau. Ein Familienausflug, der vom BildungS- ausschuß arrangiert ist, findet am Sonntag, den 24. Mai, nach dem Schützenhaus in Schmargendorf und dem Grunewald statt. Ab- marsch um 2 Uhr nachmittags von der Ecke Kleist- und Grüne- Waldstraße in Steglitz. Um recht zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Lankwitz. Am nächsten Sonntag veranstaltet der BildungS- ausschuß einen Familienausflug nach dem Grunewald. Treffpunkt 1 Uhr bei Prochazka. Von 3 bis 4 Uhr Kaffeekochen im alten Krug in Dahlem. Dort können sich Nachzügler einfinden. Zahlreiche Be- teiligung wird erwartet. Wcißensee. Die Parteifeier findet am Freitag, den 23. Mai er., in der Bergbrauerei, Berliner Allee 211, statt. Mitwirkende: Männerchor Weißensee, Festrede: Genosie Max Grunwald, Gertrud- Steiner-Rothstein(Violine). Kurt Lietzmann(Gesang und Violä), Fritz Becker(Cello). Lotte Italiener am Klavier. Die Veranstaltung be- ginnt Punkt 8 Va Uhr. Mariend orf. Freitag, den 23. Mai, abends S1/« Uhr, in Herolds Festsälen, Ehauffeestraße 283: Mitgliederversammlung mit Frauen. Tagesordnung: 1. Der övjährige JubiläumStag des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. 2. Prolog; Gesang; Rezitation. Maricnfcldc. Morgen, Freitag, abends 8'/z Uhr, Mitgliederversammlung de-Z Wahlvereins bei Schuster. Tagesordnung:„Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins." Referent Genosse K. Kalinowski. Pankow. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr: Kuvertverbreitung für die Bezirke, welche an der Stichwahl beteiligt sind. Treffpunkt in denselben Lokalen wie bei der Hauptwahl.— Am Freitag bei Roczycki, Kreuzstr. 3/4: Verkündung der Wahlresultatc. Lerlmer I�acbrickten. „Den preußischen Leutnant macht uns kein« nach"! Diesen Aus- spruch Bismarcks glaubt der»Berliner Lokal-Anzeiger", der ja für alles Militärische und Höfische stets übergenug Speichel auf Lager hat, aus Anlaß des Massenunglücks im Charlottenburger Kanalisations- schacht aus der Versenkung hervorholen zu sollen. Auch wir haben Anerkennung für die wackere Tat des Pionierleutnauts, der in den todbringenden Schacht hinabstieg, um die Verunglückten möglichst noch zu retten. Ist der Rettungsversuch aber ein Grund, den Offizier vor den Menschen zu stellen? Es darf doch wohl vorausgesetzt werden, daß der durch den Charakter seiner Truppe noch besonders begünstigte Herr Leutnant, als er sein leider vergeblich gebliebene» Rettungswerk begann, durchdrungen war von der Ueberzeugung, nur seine Menschenpllicht zu tun. Diese Menschenpflicht in gefahrvoller Lage erfüllen auch Hunderte anderer Leute, die nicht des Königs bunten Rock mit Tressen tragen. Es ist also gründlich abwegig von der Lakaienpresse, das Verdienst des Retters deshalb bis in die Puppen zu heben, weil er zufällig preußischer Offizier ist. Der drei mitverunglückten Arbeiter, welche nacheinander in den Todesschacht hineinstiegen, um in Vermutung eines Unglücksfalles nach dem zuerst verschwundenen Genosien der Arbeit zu sehen und zu retten, gedenkt das Scherlblatt nicht. Freilich, le trugen ja nur den Arbeitskittel und haben ihren Berufscifer, wie Hunderttausende von ihnen, init dem Leben bezahlt. Falsche Franticruiig von Briefen kommt bekanntlich recht häusig vor und hat mancherlei Scherereien und auch Kosten im Gefolge. Uns wird mitgeteilt, daß viele Patienten, die nach Beelitz in die Heilstätten gehen, alter Gewohnheit gemäß ihre Briefe mit Fünf- pfennigmarken versehen. Die Zahl der ungenügend frankierten Briefe ist so groß, daß wir gebeten werden, die Patienten, besonders darauf aufmerksam zu machen, Briefe an ihre Angehörigen genügend zu frankieren. Im anderen Falle müssen die Angehörigen 15 Pf. Strafporto zahlen und das gerade in einer Zeit, in der jeder Pfennig doppelt gebraucht wird. Auch an die Landesversicherung komnien zahlreiche Briefe aus Beelitz, die ungenügend frankiert sind. Die Landesversicherungsanstalt vertveigert aber die Annahme solcher Briefe. Das hat zur Folge, daß dieselben wieder zurück- gehen und der Patient muß selber 15 Pf. Strafporto zahlen. Außer- dem aber verzögert sich durch das Hin- und Hergehen der Briese die Angelegenheit des Patienten, insbesondere wird Ine Auszahlung der Familienunterstützung dadurch vielfach um eine ganze Woche hinaus« geschoben. Es ist den nach Beelitz gehenden Patienten deshslb dringend zu raten, auf genügende Franlierung der Briefe zu achten, um Unkosten und Verzögerungen vorzubeugen. Der Städtebauer des Ztveck Verbandes.- Nach fünf Sitzungen hat der zur Vocberatung einer Nachwahl für den so plötzlich aus seinem Amte gerissenen Baurat Kiehl eingesetzte Ausschuß des Zweckverbandes Groß-Berlin seine Arbeiten beendet. Vier Herren ivaren von den zahlreichen Bewerbern zur Vorstellung eingeladen: Jansen, Beustcr- Königsberg, Wolfs- Schöneberg, II h l i g- Lichtenberg. Bei einer Abstimmung erhielt infolge der insbesondere von der Haberland-Gruppe gegen Jansen inszenierten Agitation keiner der Kandidaten die Mehrheit. Jansen erhielt 9, Beuster 7, Wolff 4, Uhlig 2 Stimmen. Der Ausschuß beschloß, das Resultat dein Plenum mitzuteilen und ihm die Aus- wähl zu überlassen. Kirchensteuer» verlangt die evangelische Stadtsynode von einem Manne namens I., die dieser für seine Ehefrau zahlen soll. Wo- her die Stadtsynode weiß, daß I. eine Ehefrau hat, von der Kirchen- steuern zu erheben siiid, ist ein Rätsel. I. hat noch nie eine Frau besessen und verfügt auch heute noch nicht über ein Ehcgespons. Er selber aber ist bereits im Jahre 1909 aus der evangelischen Kirchs ausgeschieden._ Eiu toll gewordener Polizeihund? Die Polizeihunde scheineil zu einer öffentlichen Gefahr zu werden. Ihre Bestimmung soll angeblich die sein, die Spuren un- bekannter Verbrecher auszusuchen. Das Dressurcrgebnis läuft aber mitunter darauf hinaus, daß sie bei Sistierungen harmloser Personen die Situation dahin auffassen, der Frevler sei mit scharfem Biß zu packen. Ein Vorkommnis dieser Art, das alles bisher Dagewesene über- trifft, hat sich am Montag im Friedrichshain ereignet. Auf dem großen Spielplatz tummeln sich jetzt einige Male in der Woche in den Abendstunden jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen, die zur Fahne der freien Jugendbewegung halten. Die Parkverwaltnng der Stadt hat sich bewegen lassen, der Jugend des arbeitenden Volkes die ausdrückliche Erlaubnis zur Benutzung des Spielplatzes in einem schriftlichen Bescheid zu erteilen. Es scheint aber, daß durch diese Maßregel die Polizei sich beunruhigt fühlt. Als am Montag, nach- dem von 7—9 Uhr gespielt worden loar, die Teilnehmer und Teil- nehmcrinnen sich an der Wcrneuchener Straße von einander ver- abschieden wollten, tauchte vor ihnen ein Schutzmann mit einem Polizeihund ans. Er, der Schutzmann, konnte es wohl nicht erwarten, daß die harmlos plaudernden jungen Leute sich trennten, darum hielt er es für nötig, zu kommandieren:»Ein bißchen schneller hier auseinander, sonst werde ich Euch aus- einander bringen!" Um ihm jede Gelegenheit zum Einschreiten zu nehme», riefen jetzt einige:»Kollegen, geht lveiter, geht nach Hause Plötzlich sprang der Polizeihund auf einen der jungen Leute zu und packte ihn, so daß der Gebissene ausschrie. Als darauf ein Lehrling B. den Schutzmann um Angabe seiner Nummer ersuchte, erhielt er die Antwort:„Scheren Sic sich nach Hansel" Schon setzte B. mit den anderen sich in Bewegung, um dieser in ihrer Form ungehörigen Aufforderung Folge zu leisten, da ergriff ihn der Schutzmann am Arm und hielt ihn zurück. Was nun folgte, darüber wird hoffentlich durch gerichtliche Feststellung die wünschenswerte Ausklärung herbeigeführt werden. Der Hund packte B., so daß dieser hinfiel, und er biß immer wieder nach ihm, während der Schutzmann den am Boden liegenden B. fest- hielt. Nachdem das wütende Tier endlich abgelassen hatte, wurde B. nicht etwa freigegeben oder sofort einem Arzt zugeführt, sondern blutend nach der Polizeiwache am Landsberger Platz gebracht. Zeugen des aufregenden Vorganges folgten dem Schutzmann, dessen Nummer sie festzustellen wünschten. Es kam dann in der Mitte des Friedrichshains zu einen: nochmaligen Angriff des Polizeihundes, wobei ein Lehrling G., der unter den entsetzt Fliehenden war, gepackt und erheblich verletzt wurde. Auch er wurde hinterher zur Polizeiwache gebracht. Von dort begaben später B. und G. sich nach der Rettungswache des Friedrichshain-Krankenhauses, nicht in Begleitung eines Schutzmannes, sondern des inzwischen herbeigeeilten BaterS von B. Ein Arzt, der ihnen die Wunden verband, schüttelte den Kopf über den Anblick, der sich ihm bot. Beide Verletzten wurden in ihre Wohnungen ent- lassen, sind aber arbeitsunfähig. Ihre Verletzungen sind durch ärztliche Atteste festgestellt worden. Das Attest über B. agt:„Die Untersuchung zeigt am rechten Knie(Innenseite), linken Fußgelenk(äußeren und inneren Knöchel), linken Knie (Vorderseite), linken Oberschenkel(Außenseite), rechten Oberarm und linken Unterarm Rißwunden von verschiedener Größe, von 8 Zenti- meter Breite die Wunde am linken Knie. Am Kopf nnd zwar am rechten Hinterkopf ssind zwei solche Rißwunden zu sehen, die eine 2 Zentimeter, die andere 3 Zentimeter lang und je 1 Zentimeter breit." lieber G. wird bescheinigt:„Die Untersuchung ergibt an der linken Hinterbacke eine 7 Zentimeter lange, 1 Zentimeter breite Riß> wunde, am rechten Oberarm drei Rißwunden, 2 bis 3 Zentimeter lang und 1 Zentimeter breit." Von allem, was uns sonst noch über das Verhalten des Schutz, manns und einiger der auf der Wache anwesenden Beamten gesagt worden ist, wollen wir fürs erste absehen. UnS interessiert im Augenblick hauptsächlich die Frage, wie cS möglich war, daß es zu einem derartigen Wüten des bissigen Tieres kam. Man möchte geradezu annehmen, daß der Polizeihund von Toll- Wut befallen war. Was hat der Schutzmann unternommen, um dem Wüten des Tieres Einhalt zu tun? Wird er sich damit entschuldigen wollen, daß er seinen Hund nicht in der Gewalt gehöht habe? Was für eine Dressur von Polizeihunden wäre das, die solche Attacken möglich macht? Und was für eine Ausbildung in der Führung von Polizeihunden wäre das, die solche Attacken nicht zu hindern vermag? Wenn der Schutzmann den Hund nicht hätte bändigen können, wäre cS da nicht seine Pflicht gewesen, ihn m i t dem Säbel niederzuschlagen? Man hat es in den letzten Wochen erlebt, daß auf offener Straße ein Schutzmann gegen einen wütenden Hund zum Säbel griff und das ihm tollwutverdächtig scheinende Tier ohne weitere» totschlug. Polizeihunde aber dürfen in der Zeit der Hnndcsperre, wo auch da» harmloseste Tierchen mit dem Maulkorb gequält werden muß, ohne Maulkorb umherlaufen und Menschen durch Bisse verletzen. Allen Ernstes muß die Frage gestellt werden, ob nicht auch der Polizeihund, der unter den Augen des ihn leitenden Schutzmannes den beiden jungen Leuten die oben geschilderten Verletzungen beigebracht hat. tollwutberdächtig ist. Wenn das Polizeipräsidium diese Annahme nicht teilt, so wird es . nicht umhin können, dem Schutzmann die Schuld beizumessen und gegen ihn einzuschreiten. Unter allen Umständen aber hat die Be- völkerung, die sich durch solche unerhörten Vorkomm- nisse schwer beunruhigt fühlen muß. Rechenschaft darüber zu fordern, wie das gefährliche Wüten des Polizeihundes möglich geworden ist._ Onkel und Nichte in den Tod. Der Schlußakt einer Liebestragödie spielte sich gestern morgen gegen �10 Uhr auf dem Langen See bei Köpenick ab. Dort sahen Passanten von Marienlust aus, wie ein Herr und eine Dame an einer kleinen Bucht zwischen Schmetterlingshorst und Marienlust ins Wasser sprangen, nachdem sie vorher ihre Hüte sowie eine Damen- Handtasche am Ufer niedergelegt hatten. Wie aus einem in der Handtasche vorgefundenen Briefe hervorgeht, handelt es sich um den Kassenkontrolleur der Drechslerkrankenkasse Edmund Tinius aus Berlin, Virchowstr. 3/4, und seine Nichte, die 19 Jahre alte Klara Schimming aus Berlin, Reichenberger Str. 113. T. war verheiratet und Vater mehrerer Kinder; er stand im 40. Lebensjahre und unter- hielt ein Liebesverhältnis mit seiner Nichte. Die beiden Lebens- müden nahmen Dienstagabend im Restaurant Waldesruh gemeinsam das Abendessen ein und gingen dann bis zum Morgengrauen an der Uferpromenade spazieren, worauf sie ins Wasser sprangen. In dem Briefe schreibt die Nichte, daß sie und ihr Onkel nicht mehr leben könnten, und daß sie beide gemeinsam beerdigt zu werden wünschten. Die Leichen sind noch nicht gefunden. Noch eine Liebestragödie. In einem Pensionat in der Friedrichstraße hat sich Dienstag- nachmittag ein Liebesdrama abgespielt. In dem in der Friedrich- straße 19S belegenen Pensionat von G. erschien ein junges Paar, das angab, von der Reise zu kommen und ein Zimmer wünschte. Die beiden trugen sich als Müller nebst Frau ins Fremdenbuch ein. Wie sich herausstellte, handelt es sich aber unr den 25 Jahre alten Bankbeamten Wilhelm Howitz und um die 23jährige Helene Hohmann. Dienstagnachmittag in der zweiten Stunde nahmen die Bediensteten einen verdächtigen Gasgeruch wahr, der ans dem Zimmer des Paares herausdrang. Man öffnete die von innen verschlossene Tür gewaltsam und fand die beiden in völlig leblosem Zustande auf den Betten liegend vor. Das Zimmer war vollständig mit Gas angefüllt. Am Kronleuchter waren sämtliche Gashähne weit geöffnet. Das Pärchen wurde, da sich ein herbeigerufener Arzt vergeblich bemühte, sie wieder zum Bewußtsein zu bringen, im Krankenautomobil nach der Charits gebracht. Dort liegen beide so gut wie hoffnungslos danieder. Das Motiv der Tat ist in unglücklicher Liebe zu suchen Es geht dies aus einem Schreiben hervor, das von den beiden kurz vor der Ansführung des DoppelselbstmordeZ verfaßt worden ist. Zum Charlottenburger Erstickungsunfall fließt natürlich die Aus- . kunft von Amtswegen immer nur spärlich und unvollständig. Von sachverständiger Seite wird uns geschrieben: Der Zusammenhang ist höchst einfach; es ist die alte Geschichte von der Gewöhnung und der Unachtsamkeit in der Gefahr. Die „Vorschrift" der Kaualisationsverwaltung, die mündlich allen Arbeitern angeblich gemacht wird, ist wahrscheinlich so lange her, daß sie gar nicht mehr wahr ist. Die Arbeiter wechseln und die Borschriften werden nicht fortgesetzt wiederholt. Die schöne Idee, ein Licht an der Schnur in den Schacht zu lassen und zu • beobachte», ob es erlischt, ist ja sehr gutgemeint. Aber wo ist denn ein Licht? Wer hat denn ein Licht und wo bekommt denn der Ar« beiter gleich ein Licht her und wer gibt ihm denn daS Geld wieder, wenn er eS riskieren möchte, eins zu kaufen? Wie viel Bureau« kratenfedcrn müßten sich des Dreipfenniglichtcs wegen in Bewegung setzen? Solche Vorschriften bleiben ja stets auf dem Papier und werden vorgekramt Lei Unglücksfällen. Die Wahrheit ist höchst einfach: das angesammelte Grubengas war un- zweifelhaft in der Hauptsache Kohlensäure. So wohltuend die Kohlensäure auf den Magen loirkt in unseren bekannten Sauer- brunnen, so äußerst gefährlich ist sie als Grubengas für die Lungen, sie wirkt sofort vergiftend tödlich, und zwar viel schneller als das Kohlenoxyd, das immer mehr den Charakter eines ErstickungS- gascS trägt, und daher auch noch Wiederbelebungsversuche erfolg- reicher gestattet. Gerade die Erfolglosigkeit der Wiederbelebungs- Anstrengungen läßt eS unzweifelhaft erscheinen, daß in der Hauptsache eine Kohlensäurevergiftung stattgefunden hat. Was für unerfahrene Arbeiter man verwendete, zeigt deutlich die Tatsache, daß gleich vier Mann einer dem andern nachgekrochen sind. Wäre auch nur ein einziger, über Grubengase erfahrener Arbeiter dabei gewesen, dann hätten nicht gleich so viele Menschen ihr Leben verlieren können. Aus der Tatsache der Unerfahrenheit ergibt sich auch, waS eS mit der„Licht- Vorschrift" auf sich hatte. Der erste Vorarbeiter mag noch eine Er- innerung an solche Vorschrift haben, er hat aber keinLicht und seine Mitarbeiter wissen überhaupt ganz und gar nichts von Gefahr. Diese Brunnen- Grubenunfälle find eine ganz alte Ge- schichte, sie wiederholen sich heute nur weniger als früher, weil der Brunnenbau infolge der Wasserleitungen so sehr erheblich zurückgegangen ist. Ein vorsichtiger Brunnenbauer wirft einen brennenden Strohwisch in den Schacht. Erlischt er so- gleich, dann ist Grubengas im Grunde. Unzählig oft ist diese Vor- ficht schon versäumt worden und dann ereignet eS sich, daß immer einer hinter dem andern in der Absicht zu retten den Erstickungs- tod erleidet. Der Storch an der Straßenbahuhaltestellc. Eine große Ueber- raschung gab es Dienstagnachmittag an der Straßenbahnhalteftelle vor dein Rathause in Pankow. Die Ehefrau eines Pankower Bürgers, die auf das Eintreffen eines Straßenbahnwagens wartete, um nach Berlin zu fahren, wurde plötzlich von einem freudigen Ereignis überrascht. Sie brach zusammen und wurde von einem in der Nähe stehenden Schutzmann aufgefangen. In den Armen des Beamten genas sie eines strammen Jungen. Mutter und Kind wurden nach dem nahen Krankenhause gebracht. Falscher Hundefangbeamter. Die gegenwärtige Hundesperre macht sich ein dreister Gauner zunutze. Er tritt als Fangbeamter auf. Mit einer„halbdienstlichen" Mütze auf dem Kopf streift er durch die Straßen und fängt maulkorblose Hunde oder solche Vierfüßler, die nicht an der Leine geführt werden, fort. Sobald der Besitzer reklamiert, fordert er den Fangtaler, widrigenfalls er droht, den Hund im Tierschutzverein töten zu lassen. Natürlich zieht man eS nun vor, den Taler zu geben. Hoffentlich gelingt eS bald, den falschen Hundefänger unschädlich zu machen. Er tritt nicht nur in Berlin sondern in fast allen Vororten auf. Herr Lehmann aus dem Hintcrhause. Eine große Geistesgegen« wart zeigte ein Einbrecher, der gestern in Neukölln auf frischer Tat ertappt wurde. Ein Kaufmann B. aus der Donaustraße zu Neu- kölln hat in seinem Vorratskeller ein Läutewerk angebracht. Als dieses gestern nachmittag um 4 Uhr anschlug, eilte der Kaufmann die Treppe hinunter. Auf der Kellertreppe wollte ein Mann an . ihm vorbeilaufen, doch gelang es B., seinen Fuß zu erfassen und ihn festzuhalten. Der Fremde machte jetzt auch keine weiteren Anstalten zu entfliehen, blieb vielmehr ruhig stehen und sagte zu dem Kauf- manne in scheinbar großer Aufregung:„Ach, Sie sind ja Herr B.. ich habe soeben einen Einbrecher in Ihren Keller eiiigeschlossen und lause jetzt, um einen Schutzmann herbeizuholen." Aus die Frage des Kaufmanns, wer er denn sei, sagte der Fremde ganz verwundert: „Aber Herr B., Sie müssen mich doch kennen, ich bin doch Herr Leh- mann aus dem Hinterhanse". Diese Angabe brachte der Mann mit einer so großen Sicherheit herbor, daß der Kaufmann ihn„nach einem Schutzmann" laufen ließ. Aber schon im Keller sah er, daß er damit nicht gutgetan hatte, denn„Herr Lehmann" war der Ein- brccher. Er halte die Kellertür erbrochen und auch schon einige Sachen zum Mitnehmen zusammengepackt. „Zum Zeitvertreib der lieben Kleinen" gibt die Butterhandlüng von Wilhelm Göbel, die in Groß-Berlin 2ö Verkaufsstellen hat, Reklamekarten aus, die auf einer Seite Abbildungen aus dem türkisch-italienischen Kriege zeigen. Man sieht aus einem italienischen Flugzeuge Bomben werfen und sieht deren schreckliche Wirkung an zerrissenen Menschen. Auf der anderen Seite sieht man„alle um das Wohl und die dauernde Gesundheit ihrer Lieben besorgten Mütter kaufen" Göbels Butter, Käse usw. Daß solche Abbildungen „zum Zeitvertreib der lieben Kleinen" geeignet sind, muß entschieden in Abrede gestellt werden. Asperinvergiftung. Die Vermutung, daß der plötzliche Tod der Verkäuferin Else Ott durch einen übermäßigen Genuß von Aspirin- tabletten herbeigeführt wurde, hat sich nicht bestätigt. Das Ableben des— übrigens sehr korpulenten und Herzkranken Mädchens, steht in keinem ursächlichen Zusammenhang mit dem Gebrauch des be- kannten Medikaments. Die Leiche wurde inzwischen zur Bestattung freigegeben. Die Mitteilung machte allenthalben Auffehen, da die Asperintabletten in vernünfligen Dosen gebraucht, ein unschädliches Mittel vorstellen, das in der medizinischer Literatur gerade wegen seiner Harmlosigkeit sehr oft empfohlen wird. Bon einem Windmühlenflügel erfaßt und niedergeschmettert. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich auf dem Grundstück der Holländer Windmühle an der Potsdamer Chaussee ereignet. Eine Erzieherin aus Groß-Lickjterfelde hatte mit ihren Zöglingen, drei russischen Knaben, das Terrain der Windmühle betreten. Die Knaben gingen nun auf die im Betrieb befindliche Mühle zu und einer von ihnen kam dem sich drehenden Flügel zu nahe, wurde erfaßt und mil solcher Wucht zu Boden geschmettert, daß er besinnungslos liegen blieb. Der Eigentümer bestellte sofort telephonisch einen Arzt und dieser stellte bei dem Knaben einen schweren Schädelbruch fest. In hoffnungslosem Zustande wurde der Schwerverletzte mS Groß» Lichterfelder Kreiskrankenhaus eingeliefert. Dem Besitzer der Mühle ist ein Verschulden nicht zuzuschreiben, da das Betreten des Grund- stücks verboten ist. „Unser Jahrhundert und seine Ideale" lautet das Thema eines Vortrages, den am Sonnabend, den 24. Mai, abends 8>/z Uhr, bei Lipps, Am Friedrichshain, der Senator der portugiesischen Republik M a g a l h a e s Lima für den internationalen Freidenkerkongreß in Lissabon halten wird. Außerdem wird Genosse Adolf Hoffmann über„Preußen in der Welt voran" referieren. Die Verlängerung und Ausdehnung der Hundcsperre in Groß- Berlin in ihrer verschärften Form und die für Spandau und Anger- münde getroffenen noch strengeren Maßnahmen hat eine Anzahl Vereine und Personen veranlaßt, die Herren Prof. Dr. P. Förster und H. I. Müller in Berlin-Friedenau bezw. Neukölln mit der Ein- berufung einer großen öffentlichen Versammlung zu beauftragen. Diese Versammlung findet am 28. Mai d. I., abends S1/" Uhr, im zroßen Saale der Neuen Philharmonie, Berlin, Köpenicker Str. 96/97, statt; der Eintritt ist frei. Tierarzt Dr. C. Klingner-Charlottenburg, Prof. Dr. G. Krüger-Berlin und Schriftsteller Müller v. d. Neiße werden über die Tollwut und über den Wert oder Unwert der ge- troffenen Abwehrmittel sprechen und somit aufklärend wirken. Kauft nicht an Sonntagen. Zu dieser in unserer Sonnabendnummer enthaltenen Notiz teilt uns die Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend mit, daß sie seit Bestehen die vollständige Sonntagsruhe in ihren Verkaufs- stellen durchgeführt hat und somit den Angestellten der vollständige freie Sonntag gewährt wird. Es dürfte dies für die Arbeiterschaft erneute Veranlassung sein, sich der Konsum-Genossenschaft auzu- schließen und die Waren, die im Konsumvereinsladen geführt werden, nur dort zu kaufen. Wird doch auf diese Weise am besten den von den Gewerkschaften erhobenen Forderungen Rechnung ge- tragen und den politischen Vertretern der Arbeiterschaft die Mog- lichkeit gegeben, in den Parlamenten— sei es nun im städtischen oder im Reichsparlamcnt— immer wieder darauf hinzuweisen, daß die von den Arbeitern geleiteten Unternehmungen die vollständige Sonntagsruhe bereits durchgeführt haben. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch einige Zahlen aus dem letztveröffentlichten Monatsbericht der Konsum-Genossenschaft mit- teilen. Nach diesem Bericht hatte die Genossenschaft am 39. April 194 Verkaufs st eilen, in denen für 1 4 9 2 2 3 9,6 4 M. Waren umgesetzt wurden. Die Steigerung gegen den gleichen Monat des Vorjahres betrug 362 435,89 M. Bekanntlich hat die Konsum-Genossenschaft den Verkauf rufst- schen Fleisches übernommen. Dar Umsatz im April betrug 348652,36 M. Hier ist gegenüber dem Monat März ein Rückgang zu verzeichnen, ivas jedenfalls daraus zurückzuführen ist, daß im März durch die Osterfeiertage der Umsatz gestiegen ist, andererseits fehlte im April auch einmal Schweinefleisch, indem die Sendung aus Rußland ausblieb. Mit Recht bemerlt die Konsum-Genossen- schaft, daß sich hoffentlich die Rückgänge nicht weiter bemerkbar inachen, weil sonst die fernere Einfuhr russischen Fleisches sehr in Frage gestellt wäre. Die Produktivbetriebe der Genossenschaft haben wie immer sehr gut gearbeitet. In der Bäckerei wurde ein Umsatz von 289 471,85 M. erzielt, das ist gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres eine Steigerung von 67,78 Proz. In der Kaffeerösterei wurden 62 999»Pfund Rohkaffee der- braucht. Die Steigerung gegen den gleichen Monat des Vorjahres beträgt hier 49 Proz. Währenddem also die Steigerung des Waren- Umsatzes 34,86 Proz. betrug, beträgt sie in der Kaffeerösterei 49,4 und in der Bäckerei 67,78 Proz. Die von der Genossenschaft selbst hergestellten Waren oder zum Gebrauch hergerichteten Waren werden also weit stärker begehrt, als die sonst zum Verkauf stehenden. Die? ist auch ein Fingerzeig für weiteren Ausbau der Eigenproduk- tion, den die Verwaltung, wie sie uns mitteilt, stets im Auge hat, der aber auch von den Mitgliedern noch in größerem Umfange pro- pagiert werden sollte; denn gerade in der Eigenproduktion liegt die wichtigste Aufgabe der genossenschaftlichen Organisation. Die Mitgliederzahl stieg auf 77 829. Es ist ferner bekannt, daß die Konsum-Genossenschaft die Spar- gelber ihrer Mitglieder mit verwaltet. Am 39. April waren bei der Genossenschaft 3 471 924 M. Spargelder einbezahlt. Alles in allem eine erfteuliche Fortentwickelung. Man kann nur wünschen, daß immer mehr Mitglieder der Genossenschaft zu- geführt werden, um so— wie die Forderung vollständiger Sonn- tagsruhe-�.auch andere gewerkschaftliche Forderungen immer mehr und mehr zu erfüllen und der Genossenschaft die Möglichkeit zu geben, ihr Bestreben nach weiterem Ausbau der Eigenproduktion zu fördern._ Arbeiterbildungsschule. Der Kursus im Gewerkschasts- Wesen findet diese Woche infolge der 50 jährigen Partei- jubiläumSfeier /nicht statt. Der �Unterricht wird später nachgeholt. Vorort- Nacbridrte». Die Ashlmännet-Stichtvshlen m Neukölln finden am Freitag, den 23. Mai. statt. Die Sozialdemokratie ist an den Stichwahlen folgendermaßen beteiligt: 1. Abteilung, Wahlzeit von 1 bis 2 Uhr. zufinden für 2 Wahlmänner. II. Abteilung, Wahlzeit von 9 bis 12 Uhr vonnittags. 3. UrWahlbezirk, zu wählen sind 2 Wahlmänner 5 3 �" tt // //** ff 6. w ff tf Z 1• ff ff H H w„ 62.„„„ ist 1 Wahlmann 67.,,« find 2 Wahlmänner 77..„ 2 79.„ hier hat eine Neuwahl statt- zufinden fiir 1 Wahlmann. Arbeiter! Parteigenossen! Wir erwarten, daß Ihr alle Kraft aufbietet, um unsere Wahlmänuer zum Siege zu bringen. Das Zentralwahlbureau ist im Sekretariat des Wahl- Vereins, Neckarstr. 8 iTel. 1894). Alle verfügbaren Kräfte haben sich dort zu melden. ** * Der Vorstand des demokratische« WahlkreiSverbandes Niederbarnim richtet in einem Wahlaufruf an die demokratischen Wähler von Niederbarnim das Ersuchen, bei den bevorstehenden Stichwahlen dem zuverlässigen Vertreter des ReichstagswahlrechtS auch für den Landtag, dem Wahlmann der Sozialdemokratie, gegenüber offenen und verkappten Reaktionären, also gegenüber den Kon« ervativen und Itationalliberalen sowie auch den mit letzteren ver- bündeten Freisinnigen, ihre Stimme zu geben und dadurch zum Siege zu verhelfen. fteiikcw. Am Freitag, den 23. Mai, finden in zahlreichen UrWahlbezirken Stichwahlen statt und zwar zu derselben Zeit, wie bei der Haupt- wohl, also die 3. Abteilung von 11—2 Uhr, die 2. Abteilung von 3— 5 Uhr, die 1. Abteilung von 8— 7 Uhr. Pflicht der Genossen ist eS. alles einzusetzen, um die für uns aussichtsreichen Mandate zu er- ober». Arbeitslose Genossen sowie Genossinnen, die bereit find, mit- zuarbeiten, treffen sich um 19 Uhr vormittags im Zentralburcau, Restaurant Larfen, Brehmestr. 47/48, dort erhalten sie lveitcrc Weisungen. Nachstehend veröffentlichen wir diejenigen Bezirke. in denen unsere Kandidaten mit den Bürgerlichen in Stichwahl stehen: 107. Urwnhliiezirk. Amalicnpark, Damerowstraße. 2 Wahlmänner 3. Abt. Kandidaten: Julius Exner, Dreher; Richard Schrei- Vogel, Schneider. Wahllokal: Restaurant Conrad, Breitestr. 59. 108. UrWahlbezirk. Mendelstraß«, Prenzlauer Chaussee, Am Schloß- park. Clausthaler, Harzgeroder, Harzburger. Hasieroder und GalenuSstraße. 2 Wahlmänner 3. Abt. Kandidaten: Richard Danziger, Rechtskonsulent; Reinhold Paschke, Tischler. Wahl- lokal: Restaurant Mücke, Damerowstr. 23. 110. llrwahlbczirk. Park-, Pestalozzi-, Kreuz-, Pankgrafenstraße und Elisabelhweg. 2 Wahlmänner 3. Abt. Kandidaten: Edmund Wyschka. Lagerhalter: Otto Weise, Arbeiter. Wahllokal: Restaurant„Zum Pankgrafen", Schloßstr. 6. 112. Urwahlbezirk. Schulze- und Spandauer Straße. 1 Wahlmann 2. Abt. Kandidat: Hermann Gerlach, Töpfer. Wahllokal: Restaurant Ehrengruber, Schulzestr. 21. 116. Urwahlbezirk. Wollankstr. 32—192. 2 Wahlmänner 2. Abt. Kandidaten: Karl Weigel, Bandagist; Otto Knöfelt, Dreher. Wahllokal: Restaurant Kerger, Wollankstr. 39. 119. Urwahlbezirk. Florastr. 1—19, Gaillardstraße, Rettigstraße. 2 Wahlmänner 2. Abt. Kandidaten: Heinrich König, Mechaniker; Max Kürschner, Modelltischler. Wahllokal: Restaurant Rother. Florastr. 14. 120. Urwahlbezirk. Florastr. 11—23, Görschstraße: 2 Wahlmänner 2. Abt. Kandidaten: Karl Pankow, Drechsler; Hermann Keth- mann, Arbeiter. Wahllokal: Restaurant Grund, Görschstr. 14. 122. Urwahlbezirk. Florastraße 36—61: 2 Wahlmänner 2. Abt. Kandidaten: Rudolf Altmann, Arbeiter; Hermann Franke, Maler. Wahllokal: Restaurant Zürich, Florastr. 23. 126. Urwahlbezirk. Berliner Str. 1—31 und 194—128: 2 Wahlmänner 3. Abt. Kandidaten: Karl Krüger, Arbeiter; Erich Hannes, Mechaniker. Wahllokal: Restaurant Chyla, Berliner Straße 118/119. 127. Urwahlbezirk. Berliner Str. 38—54 und 87— 193, Prinz- Heinrich-, Bremer-, Tiroler- und Zillertalstraße. 2 Wahlmänner 2. Abt. Kandidaten: Robert Völkel, Dreher, John Hansen, Böttcher. Wahllokal: Restaurant Quitt, Berliner Str. 49. 129. Urwahlbezirk. Grunow-, Schul- und Hadlichstraße. 2 Wahl- männer 3. Abt. Kandidaten: Hermann Postel, Arbeiter, Albert KoschinSki, Maurer. Wahllokal: Linder. Breitestr. 34. 130. Urwahlbezirk. Binzstraße. 2 Wahlmänner 2. Abt. Kandidaten: Wilhelm Mahnkopf, Kellner, Paul Rieck, Mechaniker. Wahllokal: Restaurant„Zum Kurfürsten", Berliner Str. 192. 131. Urwahlbezirk. Borkum-. Arkono-, Granitz-, Hiddensee-, Kisfingen-, Stubnitz- und Masurenstraße. 2 Wahlmänner 2. Abt. Kandidaten: August Bozem, Etuiarbeiter und Alfred Paech, Graveur. Wahllokal: Restaurant Hoffmann, Kissingenstr. 4. 132. llrwahlbrzirk. Maximilianstraße. 2 Wahlmänner i. Abt. Kandidaten: Max Haußmann, Friseur und Hermann Lcntz, Gastwirt. Wahllokal: Restaurant MatheeS, Mühlcnstr. 38. In Sbei'-Scböneweicle ist die Sozialdemokratie an den am Freitag borzunehmenden 7 Stichwahlen an 6 beteiligt. Bon unseren Genossen wird natürlich alles aufgeboten, um noch das möglichste herauszuholen. In einigei: Bezirken ist eS lediglich der Interesselosigkeit erner Anzahl von der Arbeiterschaft abhängiger und unter denselben Verhältnissenjebender kleinen Geschäftsleuten zuzuschreiben, wenn hier noch eine Stichwahl erforderlich ist. Gerade von ihnen wird erwartet, daß sie durch Eintreten für die Wahl der sozialdemokratischen Wahlmänner an dem Kampf um die Eroberung von Volkswahlen tätigen Anteil nehmen. In Zehlcadorf(Wannseebahn) finden die Stichwahlen gleichfalls am Freitag, den 23. Mai, für die HI. Abteilung von 4'/z— 6'/z Uhr in folgenden Bezirken statt: 3. Urwahlbezirk. Restaurant„Stlte Fischerhütte". Kandidaten: Gustav Wolf, Otto Fehlberg. 4. Urwahlbczirk. Restaurant„Kaiser- Hof". Kandidaten: Friedrich Ziehe, Neinhold Peisker. 5. Urwahl- bezirk. Gemeindeschule Potsdamer Str. 8(Turnhalle). Kandidaten: Otto Jäkel, Reinhold Döring. 8. Urwahlbczirk. Restaurant„Linden- park". Kandidat: Albert Hoffmann. S. Urwahlbczirk. Schönower Straffe 8(Turnhalle). Kandidaten: August Stuhr, August Wirth. 10. Urwahlbezirk. Restaurant„Waldesruh". Kandidaten: Bernhard Schörph, Karl Bieberstein. Da es aus eine jede Stimme ankommt und die Wahl pünktlich um Vz7 Uhr geschlossen wird, so erwartet das Wahlkomitee, daß die Wähler vollzählig zur Stelle sind, um die obigen Bezirke für uns zu erobem. Lichtenberg. Die Stichwahl am 21. Mai hatte folgendes Ergebnis: 2. Abteilung: Von 14 zur Wahl stehenden Bezirken er- oberte die Sozialdemokratie 6 Bezirke niit 12 Wahlmännern. 1. Abteilung: Von 12 zur Wahl stehenden Bezirken eroberte die Sozialdemokratie 5 Bezirke mit 9 Wahlmännern. In einem Bezirk wurden außerdem von uns 2 Wahl- mäniter gewählt, da aber der Wahlvorsteher 6 Kandidaten zur Stichwahl aufgefordert hatte, ist die Wahl ungültig und die Mandate ruhen. Von insgesamt 624 Mandaten hat somit die Sozialdcmo- kratie jetzt 37? tnne, und zwar 57 in der ersten, 144 in der zweiten und 176 in der dritten Abteilung. Steglitz. Bei den Stichwahleu am Montag gelang es der Sozialdemo- kratie, noch 11 Wahlmänner durchzubringen. Es haben jetzt insgesamt erhalten: Konservative 33, Liberale 168, Sozialdemo- kraten 48 Wahlmänner. In der III. Abteilung des 26. UrWahlbezirks muß nochmals eine engere Wahl stattfinden, da bisher leiner der Wahlmänner die absolute Mehrheit auf sich vereinigt hat. ES stehen sich hier 1 Konservativer, 2 Liberale und 1 Sozialdemokrat in engerer Wahl gegenüber. Charlottenburg. An den am Freitag, den 23. Mai, stattfindenden Wahlmänuer- Stichwahlcn wollen sich die Urwähler in den in Frage koinmenden UrWahlbezirken(siehe„Vorwärts' vom Dienstag) rege beteiligen. Gewählt wird zu derselben Zeit wie zur Hauptwahl. Neu-Zittau(Kreis Beeskow). Die letzte Gemeindevertreterfitzung setzte nach Einführung des neugewählten Schöffen Borchhardt den Gemeindesteuerzuschlag fest. Es werden wie im Vorjahre löv Proz. erhoben. Der Ortsteil Steinfurth, der bisher 126 Proz. trug, wird fortan mit 146 Proz. herangezogen: hiergegen stimmten nur unsere Genossen. Der Bahnbau Erkner— Neuzittau rief eine längere Debatte hervor. Die Vertretung beschloff, prinzipiell sich zwar daran zu be- teiligen, jedoch erst nach genauer Kenntnis des Projektes sich ent- gültig zu entscheiden. Genosse Schulz hatte bei den Einzelheiten des Voranschlages beantragt, eine Abschrift auf Verlangen jedem Ge- meindevertreter auszuhändigen, ebenso eine ärztliche Untersuchung der Schulkinder; beide Anträge wurden jedoch abgelehnt. Spandau. Zur Landtagswahl! Den Parteigenossen zur Nachricht, daß der Kceisvorstand am Sonntag, den 18. Mai 1913, beschlossen hat, sich nicht an den Wahlmännerstichwahlen am Freitag, den 23. Mai 1913, sowie an der Abgeordnetenwahl im Juni zu beteiligen: steht eS doch fest, daß die Wahl de? konservativen Abgeordneten Lüdicke ge- sichert ist. DaS Resultat vom 16. Mai hat ergeben, daß von 611 zu wählenden Wahlmännern 884 konservative bereits gewählt sind, also die absolute Majorität für den Konservativen gesichert ist. Das Geld, welches diese Stichwahlen noch kosten würden, leistet bessere Dienste, wenn eS zur Bekämpfung der Gegner benutzt wird. Das hiesige Wahlkomitce hat sich diesen Beschluß deS Kreisvorstandes zu eigen gemacht und empfiehlt den Parteigenossen diesem nach- zukommen. DaS sozialdemokratische Wahlkomitee Spandau. Serickts- Leitung. „Die Große Glocke". Zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilte gestern die 148. Abteilung des Schöffengerichts Bcrlin-Mitte den Redakteur des Sensationsblattes„Die Große Glocke", Felix Wolfs, der wegen Be- leidigung des Finanzschriftstellers Louis Levy-Eschwcge angeklagt war. Der Angeklagte hatte in der genannten Zeitung am 9. Fe- bruar 1916 einen gegen den Privatkläger gerichteten Artikel vcr- öffentlicht und ihn darin der unlauteren Manipulationen, der Er Pressung, der Käuflichkeit, des Ehrenwort-Bruchcs und anderer schönen Dinge beschuldigt. Der Angeklagte hatte den WahrheitS- beweis für seine Behauptungen angetreten. Dieser mißlang aber völlig. Ferner hatte der Angeklagte die Widerklage erhoben, die sich auf zwei Vorgänge stützte: Nach Erscheinen des Artikels hatte der Privatkläger vor dem Angeklagten ausgespuckt und ihm ein „Pfui!" zugerufen, und in der gestrigen Verbandlung bezeichnete er den Angeklagten als„Journalisten zweifelhafter Güte". Stach längerer Bclveisaufnahme beantragte Justizrat Eschenbach als Vertreter des Privatklägers gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe, da die in dem Artikel aufgestellten Behauptungen schwer beleidigend und nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme völlig haltlos seien. Ter Vorsitzende Assessor Tr. Heinze verkündete das Urteil da- hin: Der angetretene Wahrheitsbeweis sei nicht nur nicht gelungen, sondern in allen seinen Teilen gänzlich uiißlnngen. Zur Ueber- zeugung des Gerichts sei cS dargetau, daß der Privatklägcr ein Journalist ist, der Anspruch auf allgemeine Achtung habe. Belcidi- gung w>der besseres Wissen habe das Gericht nicht angenommen, weil der Aiigeklaate an die Wahrheit seiner Behauptungen geglaubt haben mag: es komme daher nur)) 186 St.G.B. in Anwendung, doch habe der Angeklagte grob fahrlässig gehandelt. Bei der Strafzumessung habe das Gericht die Schwere der Beleidigung und die Vorstrafen des Angeklagten wegen Beleidigung berücksichtigt; der Angeklagte sei einer von den Journalisten, gegen die das Publi- kum energisch geschützt werden müsse. DaS Gericht habe desbalb den Angeklagten zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt und dem Nebenkläger die Publikationsbefugnis zugesprochen. Was die Widerklage betrifft, so sei der Privatkläger im ersten Falle straflos geblieben, weil es sich um eine aus der Stelle ausgesprochene Er- widerung auf eine Beleidigung handelte, im zweiten Falle sei der Privatkläger freigesprochen worden, weil ihm der Schutz des K 103 St.G.B. zur Seite stehe.___ Durch Strafe zum Verbrecher geworden. Zum gemeinen Verbrecher ist der Techniker Otto Möhle herab- gesunken, der gestern in ZuchthcniSkleidung der 1. Strafkammer des Landgerichts III vorgeführt wurde. Mit ihm war der„Werk- staitschreiber" Emil Hoffmann wegen Hehlerei angeklagt. Der An- geklagte Möhle hat eine gute Schulbildung genossen und auch eine technische Anstalt besucht. Wie sein Verteidiger behauptete, ist das ganKe Leben des Angeklagten dadurch für immer verpfuscht worden, daß er als Jugendlicher zu einer ungewöhnlich hohen Strafe von über 1 Jahre Gefängnis verurteilt worden sei. Dadurch sei er nicht gebessert, sondern im Gegenteil in seinem Charakter der- schlechtert worden und mehr und mehr gesunken. Als«S ihm gelungen sei, eine gute Arbeitsstelle zu erlangen, sei er aus dieser wieder entlassen worden, als sein Arbeitgeber don seinen Vor- strafen Kenntnis erhalten hatte. Augenblicklich verbüßt er eine 2�jährige Zuchthausstrafe. Am 24. September hat er bei einer in der Kantstrahe 27 zu Charlottenburg wohnenden Sängerin Fräulein Ilnger einen Ein- bruch ausgeführt, bei dem er reiche Beute einheimste. Als die Dame abends auf kurze Zeit ihre Wohnung verlassen hatte, um einige Besorgungen zu machen, stattete der Angeklagte der Woh- nung einen unliebsamen Besuch ab. Er brach die Korridortür mit Gewalt auf, ohne daß jemand etwas davon merkte, durchsMerte dann die offenstehenden Zimmer und fand in verschiedenen BehAt- nissen kostbare Schmucksachen im Werte von 5666 M., die er in aller Eile zu sich steckte und damit schleunigst verschwand. AIS die Sängerin nach kurzer Zeit heimkehrte, sah sie die Bescherung. Der Angeklagte hat die Schmucksachen durch den zweiten Angeklagten, der sich seine Dienste gut bezahlen ließ, wobei er sogar etwas erpresserisch vorging, nach und nach verletzen lassen. Tie Sängerin hat den größten Teil ihrer Sachen wiedererhalten. Das Gericht erkannte gegen Wöhle auf eine Zusatzstrase von 1� Jahren Zuchthaus und verurteilte Hoffmann wegen Hehlerei zu 1 Jahr Gc- fängniz bei sofortiger Verhaftung. Zwei langjährige EntcignungSprozesse der Stadt Berlin. Am Dienstag hat das Reichsgericht in zwei die Raveneschen Grundstücke betreffenden Prozessen zugunsten der Stadt Berlin entschieden. Der Großkaufmann und Rittergutsbesitzer Louis Ravene war seit 1888 Eigentümer der beiden 1123 Quadratmeter großen Grund- stücke Wallstraße 92 und 93 in Berlin, die am Sprcrkanal liegen. Auf den Grundstücken befand sich ein Anfang der 1836er Jahre er- bautes Geschäfts« und Wohnhaus, in dem auch die bekannte Ravene- sche Kunstsammlung untergebracht war. Zu einem im Jahre 1396 geplanten Erweiterungsbau versagte der Polizeipräsident die Ge- nehmigung, weil auf Grund eines Bebauungsplans von 1862 die für die Wallstraße festgesetzte Fluchtlinie das Grundstück durch- schnitt. Ravene erwarb darauf die Grundstücke Wallstraße 5 und 6 (Nummer 7 und 8 besaß er bereits) und verlegte im Jahre 1896 in den auf diesen Grundstücken errichteten Neubau sein Geschäft und die Bildergalerie. Inzwischen(im August 1394) war der Stadtgemeinde Berlin zum Zwecke der Verbreiterung der Wall- straße das Enteignnngörecht bezüglich der Grundstücke 92 und 93 verliehen worden, soweit diese von der Bausluchtlinie durchschnitten wurden. Für die Straßenverbrciterung wurden 759 Quadrat- rneter in Anspruch genommen. Ravene einigte sich aber mit der Stadt Berlin dahin, daß diese nach Z 9 des EnteignungsgesetzeS das ganze Grundstück erwerben sollte. Die Entschädigung hierfür wurde vom Polizeipräsidium auf 1 641 856 M. festgesetzt. DaS taus ist dann von oer Stadt im Jahre 1899 abgebrochen worden. iit der festgesetzten Entschädigung waren nun beide Teile nicht einverstanden: Die Stadt Berlin meint, das ganze Grundstück sei überhaupt nur 166 666 M. wert gewesen, weil es infolge der Baufluchtlinie von 1862 mit der öffentlich-rechtlichen Servitut der be- schrankten Bebaubarkeit behaftet war; sie verlangte deshalb im Klagewege einen Teilbetrag von 566 666 M. zurück. Der Beklagte Ravene dagegen erhob Widerklage; er wollte noch einen Betrag von über 1 Million mehr als Entschädigung haben. Das Landgericht Berlin hat die Rückforderungsklage der Stadt abgewiesen und auf die Widerklage die Stadt verurteilt, noch 456 660 M. zu zahlen. Vom Kammcrgericht wurde zunächst durch Teilurteil die Widerklage in Höhe von 831 666 M. abgewiesen. Diese Entscheidung ist vom Reichsgericht bestätigt und damit die Abweisung der 831 666 M. rechtskräftig geworden. Nachdem der Prozeß dann wiederum jahrelang beim Kammer- gericht geschwebt hatte, hat dieses schließlich die Widerklage des Be- klagten Ravene ganz abgewiesen und auf die Klage der Stadt Berlin den Beklagten verurteilt, von der Entschädigungssumme 367 462 M. zurückzuzahlen. Gegen diese Entscheidung legten beide Parteien Revision ein. Das Reichsgericht hat die Revision des Beklagten zurückgewiesen, dagegen auf die Revision der Stadt Berlin, die mit rund 124 666 M. unterlegen war, das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an da? Kammergericht zurückverwiesen. Gleichzeitig wurde noch ein zweiter Prozeß derselben Parteien verhandelt, dem folgender Sachverhalt zugrunde lag: Auf Antrag oer Stadt Berlin sind im Jahre 1398 auch die Ravene- scheu Grundstücke Nr. 97, 97a und 98 der Wallstraßr, die längs des Sprcekanals liegen, enteignet worden. Als Entschädigung hierfür wurden vom Polizeipräsidium 363 669 M. festgesetzt und von der Stadt auch gezahlt. Im Wege der Klage fordert die letztere 321 666 Mark zurück, lvährend Ravene auch in diesem Prozeß eine Wider- klage erhoben hat, mit der er eine Mchrcntschädigung von 56 666 Mark begehrt. Landgericht und Kammcrgericht haben die Gesamtentschädigung aus 338 666 M. festgesetzt, also 25 666 M. niedriger als das Polizei Präsidium. Der Beklagte Ravene hatte sich bei diesem Urteil beruhigt. Auf die Revision der Stadt Berlin ist die Entscheidung aber, soweit zu- Ungunsten der Beklagten erkannt war, vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache an das Kammergericht zurückverwiesen worden. Eue aller Melt. Dea Zaren ßlutricbter. Unter sicherer Bedeckung hält heute Nikolaus, der Selbstherrscher aller Reußen, seinen feierlichen Einzug in Berlin. In offiziellen Reden wird der Mann, dem der Fluch der in den russischen Kerkern Schmachtenden nachschalle, als ein Freund Deutschlands, ein Vater seines Landes, gefeiert. Die mit dem Blute der Besten des Landes gedüngten Steppen Siußlands, die Tausende und Abertausende in den russischen Gefängnissen untergebrachten unschuldig Verurteilten geben ein Bild der lan de S väterlichen Milde des Zaren- regimentS. Die Freundschaft für Deutschland aber illustriert ein Justizmord, den dieser Tage des Zaren Blut- richtcr an einem preußischen Eiuivohner verübt haben. Der Bergmann Ignatz I a l u b i k aus M y S l o w i tz, der in den letzten Tagen des oberschlesischen Grubenarbeiterstceiks über die russische Grenze nach dem Nachbarort Nifka ging, um unter den dortigen Bergleuten Streik unter st ützun gen zu sammeln, ist zu lebenslänglicher Zwangsarbeit nach Sibirien verbannt worden. I. verteilte in dem russischen Orte auch Flugblätter, die die Aufforderung enthielten, sich dem ober- schlesischen Streik anzuschließen und nicht zu dulden, daß Kohlen von dort nach Oberschlesien verfrachtet würden. Die Polizei ließ den Strcikabgesandten verhaften und nach Bendzin bringen, wo er auf administrativem Wege wegen Aufwiegelung sofort abgeurteilt wurde. DaS Urteil lautete, den oberschlesischen Blättern zufolge, auf lebenslängliche Zwangsarbeit. I. ist etwa 46 Jahre alt und Familienvater. DaS ist russisches Recht, Gerechtigkeit des Freundes Deutsch- lands, geübt an einem Bewohner des befreundeten Staates. Eisenbahnunglück in Westfalen. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich in der Nacht zum Mittwoch auf der Strecke Gevelsbcrg-Heubing. in der Nähe der Station V o g e l s a n g. Infolge falscher Weichen- tellung entgleiste ein Güterzug; siebzig Güterwagen tvurden total zertrümmert, ein Schaffner wurde getötet und vier Zugbeamte schwer� zum Teil lebensgefährlich verletzt. Bis Mittwochmittag konnte die Strecke noch nicht geräumt werden. Aus Elberfeld-Barmen langte ein Hilfszug an, um die Aufräumungsarbeiten vorzunehmen. Grauenhafter Mord. Eine entsetzliche Bluttat ist Dienstag morgen in der Nähe de! Kurhauses Friedensthal bei Misburg verübt worden. Drei polnische Arbeiter waren schon während der Nacht miteinander in Streit geraten, der in Tätlichkeiten ausartete. Schließlich drangen zwei der Arbeiter auf den dritten namens Sabrowski ein und schlugen ihn mit einem Knüppel nieder. Sie banden ihn dann an einen Baum und brachten ihm mit einer Schaufel schwere Verletzungen am Ilnterleibe bei, sodaß die Därme heraustraten und zertrümmerten ihm dann die Schädeldecke. Die Leiche schleppten sie in das Dickicht des Wäldes, wo sie erst Mittwoch morgen gefunden wurde. Wein...... Reiner Alkohol... Genövre..... Absinth und Rum. Verschiedene Schnäpse 7 371 2 466 8 373 13 396 Kulturarbeit in Marokko. Die Gesellschaft für ausländische Krankheiten in Paris hat eine Untersuchung über die wachsende Alkoholisierung Marokkos angestellt. Die Einfuhr alkoholischer Getränke hat sich in den zwei Jahren von 1969 bis 1911 wie folgt entwickelt: 1969 1911 24 764 Hektoliter 46 589 Hektoliter 4412,---- 1 892. 1981 16 579 Also eine Zunahme um fast zwei Drittel. Noch ganz anders hat sich die Zahl der Kneipen erhöht. 1967 gab es in Casablanca nur 6 Schanklokale, im Januar 1912 aber 16 1. Dr. Remlinger bemerkt dazu, daß die Mohammedaner im allgemeinen nicht ins Wirtshaus gehen, sondern zu Hause trinken. Sie täten es ohne jeden Genuß, nur um sich den Reiz der Trunkenheit zu ver- schaffen. Merkwürdig ist auch, daß Miueralwaffer in Marokko einen Zoll von 12»/, Proz., alkoholische Getränke aber nur von 7�2 Proz. zahlen.„Wollen unsere Kolonialpolitiker den unheilvollen Einfluß des französischen Kneipwirts zum Ausfuhrgegenstand machen? Die Begünstigung des Alkoholismus ist jedenfalls eine seltsame Auf- fassung der zivilisatorischen Aufgabe unseres Eindringens in Marokko", bemerkt dazu die„Humanits". Vielleicht geschieht es nicht ohne Absicht. Hat sich der Alkohol im Inland als ein so gutes Mittel zur Nieberhaltung des Volkes erwiesen, so kann er ja auch dazu dienen, die Gegenwehr eines eroberten Volkes zunichte zu machen. Kleine Notizen. LiebcSdrama. In A m b e r g lauerte der 2Zjährige Reifende Ernst Müller seiner Geliebten, der 23jährigsn Schneidermeisterstochter Planer auf und tötete sie durch zwei Rcvolverschüsse. Dann verletzte er sich selbst lebensgefährlich. DaS Mädchen hatte das Verhältnis gelöst. Bombenanschlag. Auf dem Observatorium zu Blackford Hill bei Edinburgh explodierte eine Bombe, die in dem Fußboden des zweiten StocklverkeS ein Loch von einem halben Meter Durchmesser riß. Das Gebäude ist nur wenig beschädigt; doch glaubt man, daß die Instrumente erheblich gelitten haben. Anhängerinnen des Frauen st immrechtS werden für die Urheberinnen des Anschlage? gehalten. Familiendrama. In der Nacht zum Mittwoch hat sich in einem Hotel auf dem Semmering eine blutige Familientragödie ab- gespielt. Der dort mit seiner Frau und seiner Schwägerin ein- logierte albanische Notable D e l v i n a Bei, ein Sohn des bekannten AlbanesenführerS SaliS Bei Delvina, hat nach einem kurzen Wort- Wechsel seine j u n g e F r'a u und dann sich selbst erschossen. Die erschossene Frau Delvina ist die Tochter Jsmael PaschaS, der vor vier Jahren in Konstantinopel bei einer Straßendcmonstration ermordet wurde._ Berel» für Frauen und Mädchen der Arveiterklassc. Miilwoch, den 28. Mai, 7 Uhr: Besichtigung der Sezession, Kursürstendamm 208/2uv, unter Führung Robert Breuers. Billetts i. 25 Pf. um'/,7 Uhr am Eingang zu haben.(Rur für Mitglieder.) Marktpreise von Berlin am ZO. Mai 1913, nach Ermittelung«» des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,5,8 bis 20,80, miticl 18,54— 16,66, geringe 16,60—16,52. Rogaen, gute Sorte 00,00-00,00. miilel 00,00—00,00, geringe 00,00-00.00.(ab Bahn). Futter. gerstc, gute Sorte 16,20—16,70, mittel 15,60—16,10, geringe 15,10—15,50, Haser, gute Sorte 17,60— 19,50, mittel 16,50—17,50(stet Wagen und ab Bahn), MaiS(mixed), gute Sorte 15,20—15,50. Mais(runder), gute Sorte 00,00-00,00, Richtstroh 4,40—4,60. Heu 6,00—7,50. Markthallenpretfe. 100 Kilogr. Erbse», gelbe, zum Kochen 80,00— 50,00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartosstln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,20-3,00. 60Slü-t Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,80—3,20. Zander 1.40-3.60. Hechte 1,40-8,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60— 3,40, Bleie 0.80-1.80. 60 Stück Krebse 3.50—60.00. WasserftandS-Nachrichtcn der LandeSanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterkurcau Wasserstand Mcmel, Tilsit P r e g e I, Jnsteriurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , grantslirt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz Dresden , Barby , Magdeburg ')-st bedeutet Wnch«,— Fall. •) Untcrpegel. «». Der gutsitzende 1 macht den Qenüttnar, Heule und Jol)ieiideTa|;c; Vcrkiul von poßen Pesten I neuer oder gebrauchter Monatagarderobe. Anzüge, Ulster, Paletots, Beinkleider, getragen, teils von ersten Schneidern aus feinsten Maßatoflcn angefertigt(auch aufSeide) für jede Figur(auch den stärksten Herrn) passend am Lager. Aaachallunpswert bis M. 130.— au folgenden billigen Preisen: I ackert- Anzüge M, 9.— 12.— XtL— 20.— etc. bis zu d, teuersten Rock-Anzüge, 12.— IS.— 20.— 24.—„ Gehrock-Anzüga, 18.— 22— 27.— 32.—, H erren- Ulster, 10,— 16.— 18.— 22.—_ Sommer- Paletot«, 6.— 8.— 12.— 14.—, Hosen, 2.— 3.—— 6.—_ (Ünglings-Anzüge. 7— 10,- 14.- 18.-' thon. GarcSerobenhaus Gr. Frankfurter Straße 116 an der AndreasstraBe. s. ztr-uMch-Siidd-utsche (Z-Z8. Königl. Vreuß.) Klassenl»tt-pte ö.«lasse 10. Ziehun�Ztag 21. Mai ISIZ Vormittag Auf jede»ejoaene Nummer sind zwei gleich Hobe hieltiimie gefallen,«nd»mar je einer auf die Lose gleicher Nummer tu de» beiden Abteilungen> o. ll. Nur die Gewinne über 210 M. find in«lammem beigefügt. ÖDHue Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 87 235 37 51 90 33« 459 609 792 996(500) 1076 89 213 303 16 661 634 730(1000) 853 917 44 2157 78 214(1000) 96 438 608 3015 44(600) 70 260(3000) 473.661 660 789(500) 838 38 43 4109(600, 220 590(1000) 819 32 6 284 326 443 69g 618 89 92 701(1000) 894 922 77 8008(600) 9 102 362 604 7 7 009 147 79 444 610 91 711 8134 305 443 86 621 48 48 767 560 912 (3000) 26 9197 269 93 344 606 764 936 10148 92 364 83 469 500 9(1000) 980 11003 39 68 93 132 242 47 90 621(1000) 609 96 875 90 91(600) 952 12016(1000) HO 33 717 1 3912 64 110 341 45 424 593 610 22 72187 14015 144 635 1 5003 156 292 421 644 753 875(500) 994 1 6074 141 225(3000) 80 481 640 84 772 904 1 7014 15 180 385 424 31 (1000) 66 900( 6000) 18036 60 284 307 23 409 660 83 720 28 83 1 3001 60 51 164 85 397 413 57(1000) 654 773 878 20368(600) 88 483 86 611 886 907 21000 114 302(600) 429 697 864 83 913 54 2 2085 146 99 252 715 804 928 61 63 70 2 3096 419 45 661(3000) 73 843 2 4055 138 268 425 663 80 719 848 73(600) 966 2 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Vvnchksch.Siiddeutl'ch- (228. Königl. Kr-uß.) Klassenlotterie 5.«lasse 10. ZichnngStag 21. Mai ISIS Nachmittag Auf jede gezogen« Nummer fiud zwei gleich hob« Gewinn« gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Rur die Gewinne über 240 M. fiud in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A, f. Z.)(Nachdruck verboten) 158 452 532(500) 664 73« 1242 64 416 667 724 96 2452 656< 5001 55 739 917(1000) 3007 34 174 205!5»0) 47 49 67 669 77?(1000.) 887 953 58<1008 156 202 336 44 92 99 619 758 937 5024 37 77(3000) 524 667(3000) 716 881 980«310 58 778 7262(500) 631 33 78 718 959»057 117 18 208 63 321 63 604 47 606 945 89 9233 405(500) 36(600) 39 83 658 740 65 84« 947 10180 211 376 411 23 520 756 67 887 903 93(600) H1394 478 676 669 999 1 2059 240 361(1000| 787 93 675 1 3068 312 (1000) 423(1000) 38 908 14149 55«(1000) 700 853920 1 5060 81 130 253 345 436 54 682 650 69 92 941 18005 75 177 302 7 603 5 729 61 17086 120 282 369 404 570(1000) 822 25 949 18042 89 185 259 302 32 403(600) 663 723 1 9281 323 33 663 729 42 992 2 0083 95 127 253 381 92 495 663 976«2109»(1000) 167 514 793 2 8025(600) 186 208(600) 48 64 666 662 98 738 816 42 2 3276 458 618 919 24123 252(600) 381 636 757(1000) 875 2 5 050 413 581 681 709 63 74 324 44 602 45 98 2 8033 121 61 323 84 443(1000) 615 617(1000) 21(600) 83 2 7 005 27 160 371 633 618 999 2 8008 131 210(1000) 45 499(3000) 646 733 82 2 9241 63 320(600) 423 716 44 30198(500) 268 681 790 836 953(SIOSS 199 231(500) 79 400 663 667 721 43 89 936 67(1000) 32160 238 69 74 84 855 33130 46 299 471 660 76 914 49 69 77 8 4108 68 333 518 42 36003 13 65 229 310 69 462 604 607 831 66 934 69 3 6039 148 403 84 560 760 3 7173 216(1000) 362( 3000) SO 747 941 38119 332 401 15 64 723 836(500) 88 3 90)5 251 323 45 603 703 19 79 920 40239 343 773(500) 901 21 41056 139(500) 42 375 433 77 565 631 40 810 67 4 2010 234(3000) 40 308 62 442 81 633 709 825 4 3034 120 359 649 642 65 713 855 69 62 949 4 4057 107 315 655 616 727 896 4 5 037 144 263 346 608 42(600) 738 (500) 344 69 48052 67 72 83 333 431 32 67 641 737 942 4 7010(1000) 166 374 490 650 924(1000) 59(500) 48032 113 625 80 633 66 80 736 981 91 49135 313 625 58 803 5 8052 64 270 392 446 630 633 762 838 945 61 51071 156 260(600) 389 600 11 5 2228 348 633 88 704 813 75 915 66 73(1000) 5 3009 143 234 626 689 789 847 66 5 4148 284 365 547( 500) 603 723 842 76 945 5 5 223 76 320 436 675 737 72 804 905 5 6097 225 305 464 615 664 951 5 7 006 65 250 317 461 665 58058 403 619 710 76 890 933£5 59008 727 66 6 8230 317(600) 627 703 916(1000) 61372 76 461 682 659 934 6 2001(600) 318 430 670 99 823 60 952 6 3074 100 67 89 248 920 39 SO 64026 78 146 219 345 57 441 622 32 53 602 81 95 739 44 867(3000) 912 77 6 5238 606 639 713 940 6 6196 397 462 639 64 66 6 7087(500) 239 54(500) 333(1000) 83 815 68 018 188 341(1000) 476 96, 076 500 62(1000) 922 6 9250 77 301 450 96 607 625 43(1000) 761 71 824 78 964 84 7 8021 64 273 443 684 749 357 902 78 71032 67 617 918 72030 386 695 894 901 7 3036 94 132 70(1000) 71 312 67 486 686 763(1000) 942 E9 74122 344 517 622 25 818 7 6 486 561 97 623 817(1000) 921 7 6046 173 91 262 473 949 7 7036 41 48 211 362 400 652 706(3000) 80 81(1060) 323 32 51(600) 7 8247 55 389 93 428 60 690 96 662 69(3000) 716 76 90 7 9142 240 80 87 94 311 527 46 650 855 970 80281 359 91 412 83 547 781 81004 223 55 396 600 711 829 8 2127 272 302(500) 79 619 779 8 3033 63 271 404 89 662 310 8 4429 66 821 905(500) 8 5300 12 451 794(1000) 810 88011(1000) 211 617 48 74 76 8 7 260(1000) 633 789(3000) 8 8033(1000) 332 432 738 877 89(600) 942(1000) 45 8 9110 64 73 285(600) 362 636 608 708 13 03 39 821(0000) 45 90131 200 10 75 79 362 424 86 681 947(10001 69 81017 63(600) 62 216 323 86(600) 606 96 879 957 9 2220 43 62 635 63 735 818 983 03153 74 385 420 75 616 35 618 814 61 84129(500) 38 203 52 50 039 70 88(1000) 646 802 9 5213 43 404 23(10001 31 77 634 98 834 971 9 6045 114 84 228 335 441 637 704 41 878 982 9 7 044 218 58(3000) 415 623 760 987 9 8032 203 313 92(1600) 620 069 9911« 435 662 73 763(3000) 83(1000) 839 73 990 100178 242 65 447 65 609 61 181079(500) 208 347 91 467 23 502 763 1 02197 422 68 628(000) 67 75 709 928 103023 98(3000) 513 66 626 798 806 1 04173(1000) 369 93 404 61 631 55 06 729 98 956 IO5022(1000) 641 60 976 105102 232 93 342 512 25 715(600) 18 7612 143 233 88 330 420 94(1C00) 733 912 IO8007 24 79 344 621(500) 721 824 97 927 1 09197 219 76 405(3000' 629 1500) 71 77(£00) 833 118064 337 621 73 646 726(1C00I 62 819(1000) 963 111067 182 363 91 433 72 685 743 69 809 112141 97 206 37 83 339 61 <18 22 89 651 69 664 799 970 113021 38 285(3600) 464 632 702 36 38(600) 64 820 30 72 929 114100 209 60 312 674 98 772 633 947 86 89(600) 115268 382 466 17 671 861 118120 347 620 943 80 117182 87 392 408 613 718 68 118164 308 618 738 119160 283 333 81 492 640 43 95 822 68(3000) 128160 247 60 89 410 662 84 748 847(1000) 980 1 21085 231 335 73 449 640 710 21 873 925 92 1 2 2097 136 613 733 12 3235 326 467 664 680 774 391 931 39 1 24019 96 171 481 542 46 662 734 957 64 1 2531« 36 69 618 26 649 767 84? 66(600) 126127 313 55 62 664 69 746(3000) 82 1 2 7028 95 126 299 384 657 615 849 78 928 96 1 28001 56 155 69 204 68 334 427 810 129453(1000) 558 139015 73 136 297 404 52 711 87 985 1 81052 75 145 84 683 757 811 13 2019 39 227 81(1000) 313 608 763 897(500) 903 133071 126 41 323 686 718 868 933 73(1000) 134024 161 260 95 492 741 869(500) 940 94 1 35137 2U 346 408 684 874 906 69 186109 47 263 425 628 74 663 91 825 49«3 73 (1000) 912(3000) 137086 148 213 625 1 8 8300 641 709 870 84 933(1000) 13 9026 268 632 34 39 615 794 879 969 148120 400 34 70 637 840 916 29 56 97 1 41951 84 414 46 563 692 721 879 971 142066 110(500) 12 324 72 411(500) 27 593 668 748 820 79(600) 937(3000) 79 1 43 89 231(500) 431 569 823 144047(500) 193 416(1000) 883 703 842 79 90 912 1 45176 241(500) 419 73 984 98 1 48013 27 61 141 77 426 97 640 48(500) 666(1000) 722 14 7006 373(1000) 588 758 (1000) 64 904 10 1 4 8073 142 80 251 624 601 37 811 149223 307 24 682 769(1000) 79(600) 962___ 15 0075(500) 377 432 95(1000) 629 73 82 798 867 1 51093 154 234 64 362 74 1 52181 263 421 546(600) 723 1 63016 26 70 277 443 95(1000) 561 601 647 934 1 54047 48 129 38 237 300 18 29 96 600 84 87 669 710 44 1 8 8 074 263 64 66 355 607 840 61 930 45 87 1 5 8053 96 346 400 43 90 549 61 605 33 46 786(1000) 821 167144 281 528 600 23 917 45(1000) 47 15 8038 71 87 182 314(600) 68 440 572 861 940 97 1 5 9321 624 656 807 972(1000) 160014 35 44(1000) 244 79 403 71 586 795 823 942 60 (1000) 161078 161 281 694 675 723(10001 37 968 1 82032 143 89 200 9 301 412 87(1000) 607 938 163259 643 68 701 92 914 164 019 243 431 643 789 1 65 022 222 29 357 641 654 166123 237 75 320 70(1000) 82 96 415 635 720 860 76 16 7043 103 272 375 604 23 802 73 1 68019 63(500) 227 353 492(3000) 669 727 1 6 9246(1000) 366 441 97 671 730 38 69 948 17 0031 76(1000) 88 320 63 485 510 695 739 75 888(600) 171598 827 995 1 7 2043 223(500) 90 339 678 600 18 1 7 3071 (500) 610 1 7 4027(1000) 161 65 202(600) 332 60 620 65 610 29 36 80 729 882 903 1 7 5 085 251(500) 465 761 804(3000) 936 1 7 6208 97 466 621 41 667 1 7 7035 118(500) 49 79 88 202 62(500) 324 31 42 60 751 861 933 77 1 78121 213 305 93 439 61(580) 695 711(1000) 859 923 93 1 7 8033 126 318 68 (1000) 453 648 636 96 99 710 180109 43 93 339 638 1 81067(3000) 13« 361 403 593 675 730 910 1 8 2083(3000) 165 83 260 94(1000) 378 683 636 95 836 939 1 63002 399(3000) 609 862 936(1000) 184001 154 72 343 617 47 51 741 69 865 919 1 8 5015 18(600) 137 66 203 (1000) 62 79 371 678 785 1 36634 38(1000) 153 77(600) 257 329 470(600) 79 635 873 94 16 7095 99 205 10 375 412 505 634 43 708 846 976 1 68070 359 470 588 810 96 929 96 1 89102 274 300(500) 38(500) 572 78 691 727 190140 59 231 494 632(500) 94(500) 618 709 913 161008 70 72 III 58 69 355 589(1000) 691 807 1 9 2030 S04 531 647 193043(1000) 94 362 66 76 404 67 518(1000) 700 25 194022 204 437(3000) 663 721 85 977 1 95165 213 22 323 44 603 24 776 829 973 1 98012 79(600) 669 75 82 666 749 838 1 9 7035 50 215 70 371 430 41 72 698 698 781 817 53 928 64(500) 85 198080 207(1000) 386 492 633 43 62(1000) 616 728 852 094 05 1 9 9008 18 103 269 677 634 40 703 62 852 927 66 93 20 0023 266 396 439 620 788 985 201137 62 314 46 83 414 648 753(500) 91 807 26 2 0 2091 103 44(1000) 348 479 633 608>500) 706 800 86 902 3 2 03162 348 664 622 92 869 204198 269(1000) 83 676 769 867 944 205091 108 214 76 338 610 23 31 75 747 944 11000) 20 6223 88(1000) 304 74 579 668(1000) 74 79 750 77 2 0 7 061 66 146 52 99 355 458 723 24 804 72(1000) 208003 HOOG) 30 97 114 36(500) 314 613 20(1000) 36 94 711 944 2 0 0012 221(3000) 476 723 30 55 62 21 0172 210 18 481 638 83 95 664 211019 198 4E3 67 87 841 21 2008 63 132 337 430 804 55 21 3112 26 46 236 385 454 76 647(1000) 629 733 813 44 970 21 4103(1000) 63 602 4 658 92 703 965. 21 5203 47 82(600) 303(500) 636 33(500) 79 710 854(600) 965 70 21 8096 113 63 54 64 291 442(500) 593 640(600) 57 967(500) 21 7004 12 13 205 344 423 76 678 603 869 83 218162 80 232(600) 465 505(600) 49 606 46 813 865 21 8071 125 289 764 92 806 906 220077 III 207 33 408 89 617 66 549 66(600) 739 78 221023 34 160 250 393 691 629 30 40 722 39 899 2 2 2000 64 83(600) 90 144(1000) 87(500) 91 435 648 61 891 991 22 3083 (600) 227 85 412 78 614 674 829 996 224011 27 136 94 218 SO 631 711 225073,347 66 411 501 34 656 88 226134 280 473 544(500) 606 69&8(3000) 2 2 7 056 135 83 262 97 633 627(500) 853 2 2 8060 256 361 82 423 33 61 64 509 625 93 895 06 229040 152 66 286 93 428 665 620 60 710 26 66 23 0073 362 410 613 97 838 231015 309 11 62 83 673 94 607 66 801 16 62 2 3 2047 120 698 708 81 823 950 23 3022 35 49 133 206(3000) 21(3000) 35 303 464 509 73 559 904 Im(StroimiraSe uirbluim: 2 Utanue» zu 300 000 9t, 2 Sc ninne ju 200000 M.. 2 zu 100 000 9t, 2 zu 75 000 91, 2 sa 60000 M.. 4 iu 40 000 91., 16 ,u 30 000 91.. 26 ,u 16 000 91, 64 m 10000 M, 126|U 5000 9t. 1718 zs 3000 St, 3470 M 1000 91, 4758 ju 600 91- 'Kerantwortlicher Redakteur: Alfred Wiielepp, Neukölln. Für den' Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Lorwärt» Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Vaul Singer n.Co, Berlin 3«. 1863 23. Mal 1913 Zur fünfzigjährigen Wiederkehr des GrSndungstages des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins empfehlen wir folgende Schriften Ferdinand Lassalles: Ferner empfehlen wir Lassalles Jugendbildnis in farbigem Lichtdruck. Bildgröße 17 X 22 cm................. hl. 8,- Auch gerahmt am Lager. Bertin SW. 68 Buchhandlung Vorwärts Linckenztr. 69. 3n Stelen stnnüen - Die——— wachenschrifl für Arbeiterfamilien Wöchentlich l Heft für 10 Pf. Heideschloß Hohenbinde. Station Erkner...Zum Gntenberg", Fernruf Erkner S93. Romantisch an Wald und Spree. Vereinen, Gesellschaften sehr zu empschlen. Gr. Saal und Glashallc. 2 Kegelbahnen. iNöbl. Zimmer Guie Küche u.«eller. Eig. Motorböotverbindung mit Erkner, hld. Utimann Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄXZz 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Schmöckwitz, Siald-fdyll hält sich den werten Vereinen, Gcwrrkschasten und Schulen bei Ausflügen bestens empfohlen.* Tel.: Zeuthen 31. Jnh.: Emst NOflCk. Offenes Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Bernfang eines Allgemeinen dcntschen Arbeiter-Kongresses za Leipzig. Neue Auflage. M. 1,—(Yereinsausgabe M. 0,40) Arbeiterprogramm. Ueber den ZuBammenhang der gegenwärtigen Qeschichtsperiode mit der Idee des Arboiterstandes. M. 0,75(Vereinsausgabe M. 0,30) An die Arbeiter Berlins. Eine Ansprache im Namen der Arbeiter des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins. H.— ,20 Ole Agitation des Allgemeinen deutschen Arb elterverelns und das Ter- sprechen des KOnigs Ton Prenßcn, Eine Rede gehalten zu Eondorf am 22. Mai 1864.... M. 0,25 Bio indirekte Steuer nnd die Lnge der arbeitenden Klassen. Eine Verteidigungsrede vor dem Königlichen Kannnergericht zu Berlin gegen die Anklage: die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Yerachtuug gegen die Besitzenden öffentlich angereizt zu haben. M. 1,50(Vereinsansgabe M. 0,60) Heber Verfassungswesen. Ein Vortrag, gehalten in einem Berliner Bezirks verein.— Was nun? Zweiter Vortrag über Verfassungswesen.— Stacht nnd Kecht. Ein offenes Sendschreibon. Neue Auflage. M. 1,—(Vereinsausgabe M. 0,50) Die Wissenschaft und die Arbeiter. Eine Verteidigungsrede vor dem Berliner Kriminalgericht gegen die Anklage: die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Verachtung gegen die Besitzenden öffentlich angereizt zu haben. M. 1,—(Vereinsausgabe M. 0,40) ffleino Assisen Bede, gehalten vor den Geschworenen zu Düsseldorf am 3. Mai 1849 gegen die Anklage, die Bürger zur Bewaffnung gegen die königL Gewalt aufgereizt zu haben. M. 0,40 Herr Bnstlat Schatze v. Delitzsch, der Obonomlscho Julian, oder Kapital nnd Arbeit. Mit einem kritischen Vorwort von Ed. Bernstein. Brosoh. 1,50, geb. M, 2,— u. a. 3. Stikp drs Jotmürts" Strlinfr öollistilitt. Hus der Frauenbewegung. Hrbeitminietifd�utz. Wie vorauszusehen war, weisen die Berichte der preußischen Gewerbeaufsicht für 1912 die gleichen Resultate auf wie in den Borjahren. Nur etwas über die Hälfte söl Prozent) aller revisions- Pflichtigen Betnebe konnten im Berichtsjahre kontrolliert werden, weil die Zahl der Beamten nicht der Ziffer der vorhandenen Betriebe entspricht. Ende 1912 waren in der preußischen Gewerbeaufsicht 317 Beamte und außerdem 12 Gelverbeassessoren und 7 Gewerbercferen- dare beschäftigt. Diese hatten 199696 Betriebe zu kontrollieren und außerdem die Arbeiten zu erledigen, die der Gewerbeaussicht seit dem 1. April 1912 durch das Housarbeitsgesetz erwachsen sind. Die einzelnen Beamten sind nicht imstande, die Kontrollen in der Weise und dem Umfange vorzunehmen, wie es im Interesse der Arbeiter und Arbeiterinnen nötig wäre. Umsomehr ist eS zu bedauern, daß die Mehrarbeit durch die Bestimmungen des Hausarbeitsgeseßes nicht durch entsprechende Ein stellung von Beamten ausgeglichen wurde. Einem Staate, der den: Träger der Krone jährlich 18 Millionen Mark opfert und für Ge- stütsverwaltung über 19 Millionen Mark ausgibt, kann es an Mitteln zum Ausbau des Arbeiterschutzes nicht fehlen. Es muß also am guten Willen liegen, den Arbeitern und Arbeiterinnen ge- setzlich die Borteile des Arbeiterschutzes zu garantieren. Den Schaden davon haben in der Hauptsache die Arbeiterinnen zu tragen, die nicht in der gleichen Weise wie die Arbeiter durch die Macht ihrer Organisation auf Innehalten der gesetzlichen Bestimmungen dringen können. Verstöße gegen den Arbeiterschutz sind deshalb am häufigsten in den Betrieben festzustellen, die vorwiegend Arbeiterinnen beschäftigen. Von 3671 ermittelten Zuwiderhandlungen gegen den Arbeiterinnen- schütz entfallen 1631, also über ii Proz., auf die Betriebe des Bekleidungsgewerbes und davon 1323 Fälle allein auf die Kleider- und Wäschekonfektion. Dabei machen die revidierten Betriebe des Bekleidungsgewerbes nur etwas über 14 Proz. aller revidierten Betriebe aus. Hierdurch ist der Nachweis erbracht, wie häusig Verstöße gerade in diesem Erwerbszweige vorkommen, der nach der Berufszählung von 1997 über ein Drittel aller hauptberuflich erwerbstätigen Arbeiterinnen in der Industrie be- schäfligt. Zu den Arbeiterinnen des Bekleidungsgewerbes rechnen ober auch zum erheblichen Teil die Frauen und Mädchen, die als mithelfende Familienangehörige und als Heimarbeiterinnen tälig sind. Diese unterstehen in der Mehrzahl jetzt zwar auch der Kontrolle durch die Gewerbeinspektion, was aber praktisch solange bedeutungslos ist, wie die Zahl der Beamten mit der ihnen auf- erlegten Arbeit nicht im Einklang steht. Es ist aber nicht darauf zu rechnen, daß dies für die nächste Zukunft der Fall sein wird. Die Arbeitszeit der im Hause beschäftigten Arbeiterinnen läßt sich nicht kontrollieren. Umsoweniger hätten gerade deshalb die Inhaber der Konfektionsbetriebe Veranlassung gehabt, durch Eingaben an die Regierung besondere Erleichterungen für ihre Betriebe zu ver- langen, wie es im Vorjahre geschehen ist. Die völlig unzureichenden Schutzvorschriften für Arbeiterinnen sind eben auch den Unternehmern lästig, denen Zuwiderhandlungen äußerst leicht gemacht sind. Daß solche immer wieder vorkommen, lehren in jedem Jahre die Berichte der Gewerbeaussichtsbeamten, die freilich nur in gedrängter Kürze die Ergebnisse der Kontrollen eines Teiles der vorhandenen Betriebe der Oeffentlichkeit unterbreiten können. Auch 1912 wurden durch die Kontrollen etwas über vier Fünftel aller in revisionspflichtigen Betrieben beschäftigten Arbeiterinnen erfaßt. Es müsten also in erster Linie größere Betriebe besichtigt Ivorden sein. Dort aber sind in der Regel nicht die schlechtesten Arbeitsverhältnisse anzutreffen. Der Zusammenhalt der Beschäftigten, der in größeren Betrieben viel leichter Einfluß auf die Arbeits- bedingungen ausüben kann, bildet eben größeren Widerstand gegen Bestrebungen, die Arbeiterschutzgesetze auszuschalten. Auch sind die Arbeiter und Arbeiterinnen in Großbetrieben meist besser organisiert, als die kleiner Werkstätten. Dies alles berücksichtigt, beweisen die Berichte, wie wenig durch die Art der ausgeübten Kontrolle Ver- stöße gegen den Arbeiterinaenschutz zum Ausdruck kommen können. Ein Beispiel als Beweis. Im Berichtsjahre wurden 44 Fälle ermittelt, in denen unerlaubte Mitgabe von Arbeit nach Hause er- folgt war. Unsere Leserinnen werden darüber lächeln und uns be- stätigen, daß trotz des§ 137a der Gewerbeordnung, der seit dem 1. Januar 1919 in Kraft ist, nach wie vor den Werkstattarbeiterinnen der Berufe, in denen Heimarbeit möglich ist, in der Saison Arbeit nach Hause mitgegeben wird. Und wehe den Arbeiterinnen, die etwa unter Hinweis auf obige Bestimmung die Mitnahme verweigern würden. Die Entlassung wäre ihnen sicher; zum mindesten wären sie die ersten, die bei Abflauen der Konjunktur gehen müßten. Terra- rismus der Unternehmer wäre das allerdings nicht, sondern nur Wahrung berechtigter Interessen. Aehnlich steht es aber auch mit den Nachweisen über Zuwider- bandlungen gegen die sonstigen Vorschriften. Nur in seltenen Fällen sind solche festzustellen. Wenn bei der ungenügenden Kontrolle und der Alt, wie sie unter den gegebenen Verhältnisjen ausgeübt werden kann, dennoch Verstöße in erheblicher Zahl in jedem Jahre nach- gewiesen werden, so zeigt dies nur, wie wenig sich die Unter- nehmer nach den Vorschriften richten, nicht nach den Umfang der Verstöße selbst. Dieie werden erst dann eingeschränkt bezw. beseitigt werden, wenn die Organisation unter den Arbeiterinnen auch in den Berufen an Macht gewonnen hat, in denen die Gleichgültigkeit der Ar- beiierinnen den Unternehmern heute noch gestattet, nur auf ihren Vorteil zu achten. Daß die beruflichen Verhältnisse das Außerachtlaffen der Schutz- Vorschriften fordern können, kann nicht behauptet werden. Das Gesetz nimmt weiteste Rücksicht auf die Saisongewerbe und gestattet Ueber- arbeit an einer Reihe von Tagen, auch*ni Sonnabenden, wie ebenfalls die Berichte zum Ausdruck bringen. Nur 264 Anträge auf Be- willigung von Ueberarbeit wurden zurückgewiesen, dagegen 4746 An- träge beioilligt. Erlaubt wurden 2249 Betrieben die Beschäftigung von Arbeiterinnen über 16 Jahre länger als 19 Stunden täglich. Die Zahl der bewilligten Ueberstunden betrug 2S34 63o'/g Stunde für insgesamt 172 691 Arbeilerinnen, so daß nahezu der dritte Teil aller in revisionspflichtigen Betrieben beschäftigten Arbeilerinnen Ueberarbeit geleistet hat. Im Durchschnitt kamen auf jede Arbeiterin etwas mehr als 14V, Stunde. Außerdem erhielten 63 Betriebe mit 2447 erwachsenen Ar- beiterinnen Erlaubnis, an Sonnabenden nach 6 Uhr abends und länger als 8 Stunden zu arbeiten. Bewilligt wurden 69911V2 Stunde, so daß im Durchschnitt auf jede Arbeiterin 24Vz Stunde kommen. 41 Betrieben wurde die Erlaubnis zur Längerbeschäsrigung an mehr als 12 Sonnabenden erteilt und nur 21 Anträge zurückgewiesen. Es kann also nicht behauptet werden, daß die Be- Hörden kein Verständnis für die eigenartigen Verhältnisse ver- schiedcner Berufe und die Schwierigkeilen haben, die für Saison- aewerbe zweifellos vorhanden sind. Wenn trotz des bewiesenen Entgegenkommens in jedem Jahre eine so erhebliche Anzahl Ueber- lretungen nachgewiesen werden können, die auch nicht entfernt der Zahl der wirklich vorgekommenen Verstöße gleichkommen, so liegt dies daran, daß die Unternehmer eben damit rechnen, nicht ertappt zu werden. Geschieht dies aber, dann werden sie durch die geringen Strafen wenig betroffen. Hierüber werden wir in einer späteren Uebersicht den Beweis erbringen. Aber selbst höhere Strafen werden die Umgehung des Arbeiterinnenschutzes nicht verhindern, die so lange geübt werden wird, wie die Arbeiterinnen dies ge- statten. Die ßlaublullgen. Wir kennen sie alle, die blaublusigen Mädchen von der Ver- mittelungszentrale. Wenigstens ihre Stimme hören wir täglich. „Hier Amt, bitte...V" So unschuldig steht das da:«Hier Amt, bitte.. Drei Worte, vier Silben, nichts weiter. Aber multipliziert es einmal mit einer Million. Eine Million mal„Hier Amt, bitte.. Und was kommt heraus? Der Lebensinhalt einer Telephonistin. Nicht ganz. Es fehlt noch etwas. Der Aerger fehlt noch, der Verdruß und die Schimpferei von ungeduldigen Telephonabonnen- ten. Das ist dazwischen eingestreut. Das ist das Salz im Leben der Blaublusigen— ein trauriges Leben. Ein typisches Menschenleben, wie es hunderttausendfach der vielgerühmte Fortschritt in unsere Zeit hineingeknotet hat. Unser Fortschritt, der im Dienste von Maschinen steht. Das Vermittelungsamt ist eine große Rlaschine. Und die Blau- blusigen, die Hunderte, sind die Gelenke der Maschine, die rhythmisch sich bewegen, ihre Lippen öffnen,«Hier Amt, bitte...?" wieder schließen und das riesenhafte Ding bedienen, das sich Fortschritt nennt. Wir treten in den großen Saal. An Tischen, Kästen, vor un- zähligen, blitzenden Metallkontakten sitzen junge Mädchen, Stahl- reifen halbkreisförmig um. ihr Lockenbaar— ihre Hörer. Um ihren Hals den Ring, aus dem sich ein Trichter aufwärts biegt zum Munde— ihre Sprecher. Die Mädchen flüstern halblaut, „Hier Amt, bitte...?" „Hier Amt, bitte...?" Lämpchen glühen auf. Lämpchen löschen aus. Spinnenhastig fahren schmale Finger zwischen den Kontakten hin und her. Im Saale flirrt es. Der Stadt Gespräche blitzen elektrisch durch den Saal. Aneinandergehakt durch das vermittelnde„Hier Amt, bitte...?" t. H Stellt euch einmal vor: Acht Stunden lang am Tage: „Hier Amt... hier Amt... hier Amt., und morgen wieder: „Hier Amt... hier Amt... hier Amt.. und übermorgen— wochenlang— monatelang— jahrelang: „Hier Amt... hier Amt... hier Amt..." Die Armen! Aber haben sie nicht dort gelächelt, die Blau- blusigen? Haben nicht schelmisch junge Augen dort geblitzt? Un- bändige Jugendkraft, wieviel braucht es doch, um deinesgleichen auf die Knie zu zwingen! Des Fortschritts Älaschinenwalzen gehen über dich hinweg, und du lächelst? Des Fortschritts Maschinen vampyre saugen dir den bunten Lebensinhalt täglich aus, und— du lächelst immer noch? Nicht lange, belehrt mich die Statistik. Ein paar Jährlein nur, dann erstarrt das Lächeln, und wer irgend kann, von den Blaublusigcn, der flüchtet sich über den Graben— vielleicht in eine Ehe, vielleicht in einen anderen Beruf— eine Köchin, eine Verkäuferin, ein Mädchen für alles ist schließlich besser daran, viel besser. Und die Maschine im Vermittelungsamt? Was kümmert sie sich viel, was aus ihren alten Sklaven wird? Sie kriegt täglich neue, wenn sie solche braucht. Sie drängen sich noch an den Toren. Und eines Tages— jetzt ist er da, der Tag— hat die Ma- schine im Vermittelungsamt einen letzten Fortschritt gemacht. Das Vakuum, das zwischen.Kontakt und Kontakt bestand, worein sich menschliche Maschinenteile schalten mußten, ward ausgefüllt. Die lückenlose Brücke ward geschlagen. Das automatische Telephonamt sprang in die Welt. Ein Wunder der Technik: Du stehst an deinem Apparat. Welche Nummer willst du haben? 3466? Gut. Lege deinen Zeige finger in die Ziffer drei der Scheibe und drehe sie nach unten. Mach es ebenso mit vier, mit fünf und sechs. Das Ganze dauert drei bis fünf Sekunden. Und schon klingelt es. Amt? Nein, das Amt ist leer. Kein„Hier Amt. bitte...?* tönt dir mehr entgegen. Der andere Abonnent ist selber da. Du hast ihn direkt aufgeläutet. Die Ströme, die aus deinem Scheibendrehen flössen, haben sich die Nummer selbst aufgesucht, die du haben wolltest. Da ist er schon, dein Freund. „Du hast gerufen?" sagt er. Nicht mehr:„Du hast mich rufen lasten." Und wenn er grad mit einem andern spricht? Ganz cinfacb: So ertönt in deinem Apparat das„Belegt"-Signal. Du rufst„Famos!" und„Wunderbarl" Und weil du weiter denkst, so fragst du schließlich noch: „Und die Blaublusigen?" Die Maschine braucht sie nicht mehr. Die Maschine hat sich erhoben und die braven Dienerinnen vertrieben. Hinausgekehrt hat sie sie aus dem Saal, aus dem Haus, aus Amt und Brot, auf die Straße...„Marsch, sucht euch etwas anderes." Und die Blaublusigen ziehen ihre Blusen aus und suchen etwas anderes. „Aber das ist doch ein Vorteil, daß sie befreit sind von der monotonen Arbeit an der Vermittelungsmaschine?" „Ach, ich fürchte, sie müssen die eine Maschine verlassen, um in den Sold einer anderen Maschine zu treten. Vielleicht bedienen sie morgen die Schreibmaschine oder das Publikum am Schalter..." Wohin der Weg? Erst walzt ihr über Menschen, ihr Ma- schinen, preßt sie aus und treibt sie fort und laßt sie liegen... Fritz Müller. Ein frauenparlament. Aus London wird uns geschrieben: In dem Streit um das Frauenstimmrecht ist in England schon wiederholt der Vorschlag aufgetaucht, ein Frauenparlament einzuberufen, das von Frauen zu bilden und von Frauen zu wählen wäre. Diese'Körperschaft soll keine ausführende Gewalt haben, sondern nur ein BeratungS- und Vorschlagsrecht befitzen. Ihre Be- schlüsse müßten von dem bestehenden Parlament angenommen werden, um Gesetzeskraft zu erlangen. Wenn ein derartiges Frauenparlament, so sagen seine Verfechter, umsichtig zu Werke ginge, so daß eS die öffentliche Meinung auf seine Seite brächte, könnte kein Parlament seine Beschlüsse mißachten. Die Gemeinde der Ouäker besitzt schon seit langem ein Frauenparlament, das bei wichtigen An- gelegenheiten mit den Männern eine gemeinschaftliche Sitzung abhält. Der Gedanke einer besonderen Vertretungskörperschaft für irgendeinen Stand oder Beruf ist natürlich nicht neu. Englische Geschichtsschreiber weisen in dieser Diskussion darauf hin, daß die Geistlichkeit noch heute ihr besonderes Parlament hat. In den Anfängen des englischen Parlaments kamen die Geistlichen in einer eigenen Versammlung. Convocation genannt, zusammen, um der Krone Abgaben zu bewilligen. Seit dem Jahre 1369 haben diese geistlichen Versammlungen fast gesetzgebende Gewalt in Dingen, die die Geistlichkeit angehen. Dann und wann erhält die Convo- cation von der Krone sogenannte„Isttors ol busineß", die die Versammlung ermächtigen. Resolutionen zu fasten, die nachher vom Parlanrent in einen Parlamentsakt verkörpert werden. Auch die Vertreter der Kaufmannschaft hielten im 13. und 14. Jahrhundert in England besondere Versammlungen ab, in denen sie mit dem König und seinem Rate über die Handelsgesetzgebung konferierten. Von den ersten Parlamenten waren die Kaufleure ausgeschlossen: aber das Parlament verlieh ihren Beschlüssen gewöhnlich Gesetzeskraft. Doch die engste Parallele zu einem modernen Frauenparlament bietet das irische„Hintergassenparlament' vom Jahre 1792. Da- mals entfalteten die irischen Katholiken eine mächttge Agitation zu- gunsten der Ausdehnung des Wahlrechts auf die katholische Mehr- heit des irischen Volkes. Das irische Parlament bestand noch, setzte sich aber gänzlich aus Protestanten zusammen. Während der Wahlrechtsagitation beriefen die katholischen irischen Führer einen Nationalen Katholischen Konvent zusammen, der in Dublin in der Back Lane sHintergaste) tagte. Diese Versammlung entwarf eine Resolution, in der das Wahlrecht und die Gleichberechtigung der Katholiken verlangt wurden, und schickte sie direkt an die Reichs- regierung in London, wo die Forderung einen so tiefen Eindruck machte, daß man die irische Regierung beauftragte, eine Vorlage, die den Katholiken das Wahlrecht gebe, einzubringen und durchzudrücken. Der Vorschlag, ein Frauenparlament dauernd neben einem Männerparlament bestehen zu lassen, in wohl kaum ausführbar. Gewöhnlich wird er von Leuten gemacht, die. ohne sich für das Frauenstimmrecht erwärmen zu können, dennoch zugeben, daß die Frau in gewissen Fragen ein Recht hat, gehört zu werden. � Mit derselben Begründung ließe sich ein besonderes Parlament für die Landleute, die Bergarbeiter und viele andere Berufe rechtfertigen, die mit eigentümlichen Problemen zu tun haben. Doch als Agitations- mittel nach dem Vorbild des«Back Lane Parliament" ließe sich der Vorschlag, ein Frauenparlament einzuberufen, wohl hören. Mutter uticl Kind. Die Entbindung der Namenlosen. Schon in der vorrevokutio- nären Periode ist in Frankreich die mit dem Wort„treu" bezeichnete Vorrichtung getroffen worden, die armen Müttern ermöglichte, ihre neugeborenen Kinder unerkannt der öffent- lichen Fürsorge zu übergeben. Diese Institution, die einiger- maßen als Korrektur des gesetzlichen Verbots der Erforschung der Vaterschaft gewirkt hat, ist nun in Toulouse in merkwürdiger Art erweitert worden. Eine Verfügung des Präfekten ermöglicht es nämlich Frauen, die der Entbindung entgegensehen, mit einer Gesichts- maske die Gebäranstalt aufzusuchen. Sie brauchen dort ihren Namen nicht bekanntzugeben, sondern sind nur gehalten, in einem ver- schlossenen Umschlag die nötigen Personalangaben zu hinterlegen, um gegebenenfalls die gesetzliche Todeserklärung möglich zu machen. Nach Beendigung des Wochenbettes können sie das Gebärhaus wieder maskiert verlassen. Mit dieser Einrichtung hofft man die Zahl der Totgeburten(sie betrug 1911 in Frankreich 36 0091 und namentlich auch der Abtreibungen einzuschränken.— Erwähnt sei, daß die Gemeindevertretung von Toulouse eine sozialistische Mehrheit hat. Staatspcnsion für arme Mütter. Vor kurzem haben die beiden Parlamente und der Gouverneur des Staates Pennsylvanien ein neues Gesetz fertiggestellt, das aller Wahrscheinlichkeit nach in den größeren Staaten der Union, zunächst in New V 0 r k, nachgeahmt werden wird: das Pensionsgesetz für verwitwete Mütter. Bisher wurden Kinder, die von den Müttern nicht ernährt und erzogen werden konnten, in staatlichen Erziehungs- anstalten, in der Regel in Waisenhäusern, untergebracht. Nach dem neuen Gesetz ernennt der Gouverneur für die einzelnen Distrikte eine Anzahl von Frauen, die die Pflicht übernehmen, die Verhältniste verwitweter Mütter zu prüfen. Wo die Notlage so groß ist, daß die Erziehung und der Unterricht der Kinder gefährdet er- scheinen, setzt der Staat der Witwe eine Pension aus, die so lange monatlich ausbezahlt wird, bis die Verhältnisse der Mütter sich besiern oder die Kinder erwerbsfähig geworden find. Die Maximal- summe, die einer Mutter ausbezahlt werden kann, beträgt nach den Bestimmungen des Gesetzes für ein Kind monatlich 48 M.. für zwei Kinder 80 M., für drei Kinder 194 M.; wo mehr Kinder vorhanden sind, kann für jedes weitere Kind noch eine Monatssumme von 20 M. ausgesetzt werden. Um den finanziellen Ansprüchen genügen zu können, hat das Parlament für das erste Jahr einstweilen eine Summe von 890009 M. ausgesetzt. frauenarbeit. Die Quellen der Prostitution. Grauenhafte Lohnverhältnisse hat die vom Senat von Illinois eingesetzte Lasteruntersuchungskommission in Springfield aufgedeckt. Wie Vizegouverneur OHara dem Präsidenten Wilson berichtete, verdienen die Mädchen in der Jnter- nationalen Schuh-Compagnie dort bei zehnstündiger Arbeit 3 Dollar wöchentlich. Ein Mädchen von 21 Jahren hat es nach jahrelanger Arbeit auf 4 Dollar gebracht. Ein Dollar ist— 4,29 M, hat aber kaum mehr Kaufkraft als 2 M. bei uns. Dabei unterhält die Ge- sellschast, die mit 25 Millionen Dollar arbeitet, ein Bureau in Washington, das die Herabsetzung des Schutzzolles damit bekämpft, daß dadurch eine Konkurrenz mit den billigen europäischen Löhnen unmöglich würde. In einer Fabrik, in der Taschenuhrteile hergestellt werden, verdient ein Mädchen in 10 Stunden 30 Cents<1,26 M.).— Andererseits wurde festgestellt, daß Polizeibeamte mit Mädchen in öffentlichen Häusern in„Geschäftsverbindung" stehen. Wenn ein Haus ausgehoben wird, warnen sie vorher, so daß ihre Geschäfts- freundinnen dann nicht da sind. Lehrerinnen in Preußen. Preußen hatte nach der amtlichen Schulstatistik 1901 unter 99 208 Lehrenden 13 866 Lehrerinnen, 1911 unter 116 293 Lehrenden 24 650 Lehrerinnen. Während in dem letzten Jahrzehnt die Zahl der Lehrer um 20 Proz. gestiegen ist, hat die der Lehrerinnen in dem gleichen Zeitraum um 77 Proz. zu- genommen. Ganz besonders stark sind die Lehrerinnen im W e st e n vertreten. Einige Städte haben dort fast so viel Lehrerinnen wie Lehrer. Im Osten ist man mit der Anstellung von Lehrerinnen zurückhaltender. Die Lehrerinnen suchen am meisten in �Städten An- stellung. Nach der letzten Stattstik waren in den Städten ins- gesamt 36 389, auf dem Lande 66 264 Lehrer tätig; von den Lehrerinnen dagegen befanden sich in den Städten 16 863, auf dem Lande nur 8797. Wann werdet! die Tausende von Lehrerinnen, auf deren Mitarbeit man bei dem großen Lehrermangel auch in Zukunft angewiesen ist, von der Härte des erzwungenen Zölibats befreit werden? Frauen im französischen Staatsdienst. Während im Jahre 1871 nur 10 900 Frauen im Postdienst lätig waren, haben nach der jüngsten Statistik schon über 159 009 Stellungen in öffentlichen Aemtern. Im Ministerium des Unterrichts zählt man 10 909 an- gestellte Frauen, im Ministerin, der öffentlichen Arbeiten 26 000, im Finanzmmisterim 16 900, im Landwirtschaftsministerium 16 900; sogar das Knegsministerium hat 4999 Frauen angestellt, während das Justizministerim sich bisher ihnen gegenüber am zurückhaltendsten benimmt, da nur 210 Frauen zugelassen sind. Die übrigen Tausende von Frauen sind in anderen staatlichen Bareaus beschäftigt. Literarifebes. Arbriterinnenschutz. Bon Emmy Freundlich. Wien 1913. sichtignng ohne Kaufzwang erbeten. Füns Jahre Garantie. Eventuell Zabiungserleichterungen. Geöffnet 8—8. Sonntags 3—10. Kein Laden. Verkauf im Fabrikgebäude. 19K' Englische Bettstellen 25,00, Chuise- longucs 18,00, Plüschsosa 40,00, Kleiderschrank, Ausziehtisch. Trnmeau 33,00. TapeziererWalter, Stargarder. straffe 13. 562K* Klappiportwagen, Kinderdrahtbctt. Joachim, Franksurter Allee 123 III. KlaPPipörtwagen.Kinderbcltstclle zurückgesetzte. Polsdamcrstraße 61. 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