Nr. ISS. BbMincmcntS'Bcdingungcn; ffiionnemfnt?- Preis Jjtänumeionho; Vi erteil ährl. S,30 MI, monatt. 1,10 Hilf., wöchentlich 28 Pfg. frei inZ Haus. Einzelne Rrimmer S Pia. Eonnlags- Nummer mit itlusiricrlcr Eonntaxis- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark vro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitimas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2ch0 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements 30. Jahrg. Crfdldnt täglich. Verliner VolksblÄtk. Die Tnfertions' Gebühr keirägt für die scchsgcspaltene Kolonel- geile oder deren Raum 80 Psg.. iiir politische und gewcrfschastlichc Vereins- und Versamnnungs-Anzeigcn A> Psg. „Atetne zsnreigen", das scttgcdruifte Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedruifle Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Etcllengesuchc und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes „„------ 15 Hu' weitere Wort 5 Pfg. Worte über tö Buch- {taben zählen für zwei Worte. Znseroi- ür die nächste Nu siir die nächste Plummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erdediiion vbgegeben werden. Tic Exvedition ist pis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sczialdcinohrat Reriin". Zcntralorgan der fozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SQL 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS8S. Freitag, den A3. Mai 1913. Expedition: SQL 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Caffalk, der€rwecRer. Fünfzig Jahre sind verstrichen seit jenem 23. Mai 1863, dem Geburtstage der deutschen Sozialdemokratie, dem Gründungstag des Allgcnicinen Deutschen Arbeitervereins. Den Manen Ferdinand Lassallcs ist dieser Tag geweiht, denn seine historische Leistung ist es gewesen, als die entscheidende Stunde schlug, den Ruf ergehen zu lassen, die Tat zu tun, die fortwirkend die deutsche Arbeiterklasse zur Avantgarde der kämpfenden Internationale gemacht hat. Nicht zur Hälfte vermag man L a s s a l l e s aufstürniende Bedeutung für die Arbeiterklasse abzuschätzen, wenn man sich nicht das Wesen dieser Arbeiterklasse vor dem Weckruf des großen Aufrüttlers vor Augen führt. Wie die wirtschaftliche EntWickelung Deutschlands hinter der Frankreichs oder gar Englands um eine lange Zeitspanne zurückgeblieben war, so verhielt es sich auch mit der deutschen Arbeiterklasse: in der Zeit, da die Lyoner Seidenweber blutige Straßenschlachten schlugen und die englischen Proletarier die Fahne, des Chartismus aufpflanzten, dämmerte die. große Masse der deutschen Arbeiter in einem durchaus unpolitischen Halbschlaf dahin. Hier und da berauschte sich Wohl ein fried- fertiger Schneider- und Schustergeselle an Wilhelm Weit- l i n g s primitivem Handwerksburschenkommunismus, aber das geschah höchstens im stillen Kämmerlein und nirgends war der Wille zur Tat wach. Kein Wunder, denn noch hatte Deutschland kaum eigentliche Proletarier, da das Kleinhand- werk die vorherrschende Produktionsweise, das Kleinbürger- tum die bei weitem zahlreichste Klasse der Bevölkerung war. Eine Statistik aus dem Jahre 1816 weist in Preußen 157 365 Meister und selbständige Gewerbe- treibende- nach, die 384 783 Gesellen und Lehrlinge be- schäfttgten; in den Fabriken, deren Zahl sich auf über 78000 belief, arbeiteten rund 550 000 Personen, derart, daß auf eine »Fabrik" 7 Arbeiter entfielen und eine ganze Anzahl dieser »Fabriken" nach unseren Legriffen sich ebenfalls als Klein- betriebe, als Handwerksbetriebe darstellten. Selbst in L a s s a l l e s Tagen, im Jahre 1861, zeigt die amtliche Volks- zählung für Preußen im Schneider- und Schustergewerbe fast zwei Drittel der Beschäftigten als selbständige Meister, näm- lich unter 154111 Schuhmachern 94 819 Meister und unter 122 789 Schneidern 73088 Meister. Wenn diese Meister in ihrer Mehrzahl auch in durchaus proletarischen Existenz- bedingungen kümmerlich ihr Leben fristeten, so fühlten sie sich doch keineswegs als Proletancr. Aber auch die Handwerksgesellen und eigentlichen Arbeiter wußten nichts davon oder ivolltcn nichts davon wissen, daß sie eine besondere Klasse in der Gesellschaft waren, und lehnten es ab, Proletarier zu heißen. Gerade das Jahr 1848 zeigte im Feuerschein der Revolution die Rückständigkeit der deutschen Arbeiterklasse im hellsten Licht. Am Anfang dieses Jahres war zwar als ein Fanal, das die Arbeiter aufrief zum Klassenkampf, das»Kommunistische Manifest" von Karl Marx und Friedrich Engels erschienen, doch nur In die wenigsten unter den Millionen, die cS anging, nahmen Notiz davon. Wohl aber schlugen sich die Arbeiter auf allen Barnkaden ivacker für die Klasseninteressen der Bourgeoisie in deren Klassenkampf gegen die feudalen Ge- walten, ohne allerdings Dank zu ernten, denn gleichmütigen Herzens verbrauchte die Bourgeoisie hier die Arbeiter als Kanonenfutter auf dem Schlachtfelde der Revolution, wie sie sie sonst wohl auf dem Schlachtfeld der Industrie verbraucht hatte. Als dann, arbeitslos, hungernd und verzweifelt, die Arbeiter daran gingen, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen, offenbarte sich die heilloseste Zerfahrenheit auf der ganzen Linie.„In Deutschland," schildett Stephan Born in seinen„Erinnerungen eines Achtundvierzigers" die Dinge, „herrschte noch eine Art patriarchalischen Verhältnisses. Der Arbeitgeber bettachtete sich in der Regel dem Arbeitnehmer gegenüber als Wohltäter, dem dieser sein Brot verdanke und der ein himnielschreiendes Unrecht begehe, wenn er sich soweit vergesse, mit Forderungen hervorzutteten, gewissermaßen die Annahmebedingungen für das ihm erwiesene Gute zu stellen." So hielt sich denn selbst in den revolufionären Stürmen die Arbeiterschaft mit besonderen Forderungen zurück, und wo sie doch welche stellte, waren sie oft schnurrigster Art. Lübeck demonstrierten die Arbeiter gegen die Einführung de allgemeinen und gleichen Wahlrechts und in Elberfeld ver langten die Weber das Recht, Meister zu werden, ein Recht,. das ihnen längst die Entwickelung illusorisch gemacht hatte. Am Rhein rissen die Kasteller Kutscher die Schienen der Eisen- bahn auf, damit sich der Verkehr wieder Wagen und Pferd zuwende, und von Mainz erzählt Ludwig Bambcrgcr von cincni Teil der Bevölkerung, der früher den Beruf hatte, die Segelschiffe, die den Rhein heraufkamen und an der Stadt vorüber weiter aufwärts gingen, zu Fuß an langen Tauen weiter zu ziehen, bis jensetts der städtischen Nfcrgrenze die Beförderung tvieder der Pserdebespannung überliefert wurde. die an der Nordseite abgekoppelt worden war. Die Leute nannten sich Fähranzieher.„Ihnen war durch die Dampf- schleppschiffahrt, die damals in ihren Anfängen stand, das Handwerk verdorben worden. Und auch das galt für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die im Namen der sieg- reichen Freiheit ausgerottet werden müsse. Die Fähr- anzieher brachten es durch Angriffe auf die Remorqueurc wirklich so weit, daß diese einige Tage lang ihren Dienst aufgeben mußten, und nun konnte man das erhebende Schauspiel mit ansehen, wie unter dem Jubel der Ufer- bevölkerung die Männer sich an die eroberten Schiffe an- spannten, das Halfter über die Schulter gezogen, sie im Triumph den Rhein entlang tvieder aufwärts schleppten. Und dies geschah in einer Provinz, die seit einem halben Jahr- hundert keine Spur von Zunftzwang nichr gekannt hatte!" In Berliner Arbeiterversammlungen im Freiheitsfrühling meldeten sich gleichfalls die schnurrigsten Anschauungen zuni Wort. Da wollte der eine den Gebrauch von Maschinen in seinem Gewerbe verboten wissen, der zweite forderte, daß ein gelernter Arbeiter keine gröbere Arbeit annehmen dürfe, der dritte heischte das Verbot der Frauenarbeit, ein vierter verlangte, daß die Droschken keine Pakete mehr von und nach der Eisenbahn fahren sollten! Als aber in einer solchen Ar- bciterversammlung ein Teilnehmer die Tagelöhner aufforderte, sich zu einem Proletarierbunde zu vereinigen, mußte der Redner, gezwungen von der lärmenden Enttüstung der Ver- sammelten, den Ausdruck Proletarier zurücknehmen. Man wollte Bürger, aber nicht Proletarier sein! Das war die Arbeiterklasse des Revolufionsjahres! In dem folgenden halben Mcnschenalter, das gekennzeichnet ist durch politische Lähmung wie durch wirtschaftlichen Druck, entwickelte sich die deutsche Arbeiterklasse wohl ihrer Zahl, aber nicht ihrem Belvußtsein nach. Noch immer war von cineni Klassenbewußtsein nichts zu verspüren. Zu Anfang der sechziger Jahre stieß Bebel in Leipzig hier und da auf einen Arbeiter, der sich in W e i t l i n g s Schriften umgetan hatte, aber schon das war eine seltene Ausnahme und vom „Kommunistischen Manifest" und Marx und Engels vollends wußte der Tausendste nichts. Diese erlösungshungrigen und doch so stumpfen Mafien aufzurütteln, war ein gigantisches Unterfangen, das gigantisches Wollen und giganttsche Kraft voraussetzte. Zwar hatte das Jahr 1859 nicht nur die bürgerliche Klasse Deutschlands auf die Beine gebracht, sondern auch in den Arbeitern ein dumpfes und unbestimmtes Sehnen entzündet. Als dann die Fort- schrittspartei die Arbeiter vor ihren Karren zu spannen suchte luid ihnen in den Bildlingsvereinen einen dünnen unpolitischen Brei löffelweise eingab, als der Nationalverein die Arbeiter mit höhnischen Worten von jedem Einfluß auf die Vereins- führung aussperrte, als die Beschickung der Londoner Industrie- ausstellung mit ihrem Drum und Dran aufrüttelnd wirkte, da war geiviß der Boden zur Aufnahme der Saat bereit, aber erst mußte der Sämann kommen. Er kam, unerschütterlich an seinen Stern glaubend, des Erfolges sicher, ein Sturmrufer niit all der gewalttgen Macht über die Herzen, den die Stunde heischte: Ferdinand Lassalle. Alles fügte sich bei diesem Manne zusammen, selbst das, was seinen Zeitgenossen Marx und Engels als wissenschaftlicher Mangel erschien, um die tiefste Wirkung auf diese unentwickelte deutsche Arbeiterklasse auszuüben. Was das geschriebene Wort nimmer hätte erreichen können, das erzielte das gesprochene Wort, und Lassalle war ein Meister des gesprocheneu Wortes. Mit dem großen welthistorischen Pathos verband er die nattonalökonomische Eindringlichkeit, er ivar das Schwert und war die Flamme. Er pflanzte ein Banner auf und wies ein nahcsZiel.mitwuchtigcnSchlägen hämmetteer die neuen Begriffe in die Hirne und warf sich selbst überall in die Bresche— mit nie erlahmendem Ungestüm peitschte er in der kurzen Spanne, die ihm das Schicksal noch ließ, sich auszuwirken, sein Werk vorwärts, niit dem Willen und der Gewißheit, bald zu siegen, und selbst sein Tod umgab ihn noch mit einem romantischen Glanz, der seiner Sache sicher nicht hinderlich tvar. So steckt ein tiefer Sinn darin und zeigt zugleich den Entivickelungsgrad der Arbeiterklasse von damals wie die Bedeutung ihres Kampfrufcrs, wenn das Proletanat in den ersten Jahren nach L a s s a l l e s Tode ihn wie einen Messias verehrte und seinem Andenken geradezu göttliche Ehren erwies. GhsrMerltöpfe sus Caitallcs Zeit. Erinnerungen von Wilhelm Blas. Die Persönlichkeit Ferdinand Lassalles hatte einen so mächtigen Eindruck hinterlassen, daß man noch Jahre»ach seinem Tode in sozialistischen Kreisen fast täglich von ihm sprach. Seine Schriften bildeten bis tief in die siedenzigcr Jahre hinein das hauptsächliche Agitationsmaterial der deutschen Sozialdemottatic, besonders wegen ihrer populären Darstellung. Selbstverständlich konzentrierte sich innerhalb der Partei auch ein besonderes Interesse aus die zwölf Männer, welche bei Lafialles Agitation mitgewirkt und als Delegierte von elf Städten in Leipzig mit ihm die Statuten-der neu zu gründenden Arbeiter- organisation beraten hatten. Am 23. Mai 1863 wurde zu Leipzig von den Dreizehn vor sechshundert Arbeitern der Allgemeine deutsche Arbeiterverein begründet und L a s s a l l e zu dessen Präsidenten gewählt. Tie nach 1848 in Deutschland er- loschene sozialistische Bewegung war damit neu entzündet. Bon den zwölf Delegierten sind meines Wissens nur noch »-s Pahltcich und Dr. Otto Da mm er am Leben, beide rige Greise. Dr. Dammer hat sich bald nach Lassallcs Tode ganzlich und für immer von der sozialistischen Bewegung abgc- weUdct. Bon den übrigen Delegierten habe ich Lässig von Döesden, L c w y aus Düsseldorf, H c y m a n n aus Frankfurt und S ch ep pl e r aus Mainz nicht persönlich kennen gelernt. Perl habe ich nur einmal oberflächlich in Hamburg gesehen. Auch Dr. Dammer habe ich nicht persönlich gekannt, dagegen war iw wohl bekannt resp. befreundet mit Pahltcich. F. W. Ur i tz s ch c. Jakob A u d 0 r s, Bernhard Becker. Hugo Hill- mann und Theodor Zorck. Es sei hier versucht, diese für die Arbeiterbewegung sp bedeutsamen Persönlichkeiten in der Erinne- rung festzuhalten.; Drei von ihnen, Bernhard Becker, F. W. Fritzsche und Hugo Killmann, waren an den Kämpfen deS Jahres 1818 direkt beteiligt und die revolutionäre Vergangenheit war in ihrem Auftreten sehr bemerkbar. Bernhard Becker ist in der sozialistischen Parteiliteratur fast allgemein mit viel Geringschätzung behandelt worden. Nie- mand in der Partei hat ihn wohl so genau persönlich kennen gc- lernt wie ich, und ich habe eine andere Meinung von ihm, wenn ich auch recht wohl begreife, wie bei anderen die Geringschätzung seiner Person entstehen konnte. Er war ein Sonderling und ein solcher gibt leicht' Anlaß zu Irrtümern. Lassalle hat diesen Mann jedenfalls nicht gering geschätzt, indem er ihn testamentarisch zu seinem Nachfolger empfahl. Aber Becker machte als alter Jung- geselle sich gern über die Frauen lustig; er konnte recht boshaft sein und liebte auch Intrigen und Klatsch. Das hat ihm, trotz seiner sonstigen trefflichen Eigenschaften, viel Feindschaft einge- bracht. Becker, 1826 als Sohn eines Gutsbesitzers in Aue bei Mei- ningen geboren, war schon als Gymnasiast und später als Student der Staatsökonomie und Philosophie von den Professoren wegen seiner revolutionären Anschauungen und Tendenzen gefürchtet.') Er fühlte sich für den Staatsdienst nicht geeignet und war während des Sonderbundskricges in der Schweiz, wo ihm die Föderativ- rcpublik gar nicht gefiel. 1848 beteiligte er sich an der rcvolutio- närcn Bewegung und 1849 machte er den badischcn Aufstand als Leutnant im Mannheimer Arbeiterbataillon mit. Er hielt sich dann erst unter falschem Namen in seiner thüringischen Heimat auf, redigierte 18S1 ein demokratisches Blatt in Braunschweig und entfloh von borty als Verfasser einer revolutionären Flugschrfft de- nunzicrt, nach England, wo er sich zehn Jahre durch Unterricht kümmerlich durchbrachie. Anfangs der sechziger Jahre in seine Heimat zurückgekehrt, mußte er eine Gefängnisstrafe wegen seiner revolutionären Tätigkeit verbüßen und lebte dann in Frankfurt am Main. Ilm diese Zeit schrieb er sein geistreiches, jetzt ver- •) So schrieb der bekannte Oberwinder seinerzeit im „Nordstern". gessenes Buch..Nationalökonomische Raketen' gegen den bekannten Roscher, sowie seine„Geschichte der deutschen Bewegung von 1848". Die Darstellung in letzterem Werke ist etwas verworren in der Einteilung des Stoffes, aber sie beruht auf der matcria- listischen Geschichtsauffassung. Dies Werk machte Lassalle auf Becker aufmerksam. Als Lassallc in Frankfurt seine berühmte Rede hielt, schloß sich Becker sogleich an ihn an und schrieb die Broschüre: „Lassalle und seine Verkleinerer." Er wurde Bevollmächtigter des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins für Franksutt, nachdem er, wie oben erwähnt, in Leipzig bei dessen Gründung als Tele- gierter für Frankfurt mitgewirkt und namentlich die Wahl Lassallcs zum Präsidenten empfohlen halle. Als Lassalle vor dem ver- hängniSvollcn Duell zu Genf sein Testament machte, empfahl er Becker zu seinem Nachfolger mit den Worten:„Er soll an der Or- gauisation festhalten. Sie wird den Arbeitcrstand zum Siege führen!" Becker war ein Gelehrter von einem enormen Wissen, aber eine Professorennatur, schwerfällig und im praktischen Leben unbe- Holsen. Gerade zu der Stellung, zu der Lassalle ihn empfahl, war er nicht geeignet. Aber die Empfehlung genügte, daß er gewählt wurde. In dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein brach sogleich nach Lassalles Tode Streit aus und eine Verwirrung trat ein, welcher Becker nicht entfernt gewachsen war. Die Gräfin Hätz- fcldt, Lafialles Freundin, übergab Becker die auf Lassallcs Liebeshandcl mit der Dönnigcs und sein tragisches Ende be- züglichen Papiere, um eine Lassalle verherrlichende Broschüre zu schreiben; Becker aber schrieb die Aktenstücke ab, gab dann die Originale zurück und schrieb die Broschüre in entgegengesetztem Sinne. Dadurch verfeindete er sich mit der Hatzscldt und die Ver« wirrung ward immer größer, als sich Becker nun auch mit Schweitzer und Liebknecht verffindcte. Er zog auch gegen die„Marxianer" aufs heftigste los und ward endlich von der Berliner Gemeinde deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, der auch Liebknecht angehörte, als..unheilbar« Idiot' auSge- schlössen. Die meisten Gemeinden schlössen sich diesem Beschlüsse Die Gewinnung Berlins für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. L-Ulgsam. nur sehr langsam vollzog sich die Gewinnung Ber lins für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Hier, wo schon vor dem Revolutionsjahr 1848 Sektionen des Bundes der Kom munisten gestanden hatten— hier, wo im Revolutionsjahr das von Mitgliedern des Kommuniftenbundes gegründete und geleitete „Zentralkountce für Arbeiter" den ersten allgemeinen deutschen Arbeiterkongreg einberufen und dieser in der„Deutschen Arbeiter Verbrüderung" die Grundlage einer selbständigen Partei der beut- schcn Arbeiter geschaffen hatte— hier, wo Lassalle am 12. April 1862 vor einem überwiegend aus Arbeitern bestehenden Publikum seinen wunderbar klaren und packenden Vortrag über den Beruf der Arbeiterklasse in der modernen Gesellschaft, das„Arbeiter Programm", gehalten hatte, gerade hier erwies sich der Boden un» gemein spröde für die Lassallesche Organisation. Auf dem Leip- zigcr Kongreß, der die Gründung des Allgemeinen Deutschen Ar- bcitervereins beschloß, war die Hauptstadt Preußens unvertreten. In der ersten Zeit machte man dafür besondere schlechte Eigen- schaften der Berliuer Arbeiterschaft verantwortlich.„Gleichgültig- kcit",„Vergnügungssucht",„Witzelei" der Arbeiter Berlins zählt Bernhard Becker, der erste Geschichtsschreiber der Lassalleschen Agitation, als Ursachen ihres Zurückbleibens auf. Das war aber böchst oberflächlich geurteilt. Es fehlte in Berlin damals durch aus nicht an geistig vorwärts strebenden Arbeitern. Wenn diese sich nicht ohne weiteres der neuen Bewegung anschlössen, so lag der Grund dafür tiefer. Nirgends hatte nach dein Niederschlagen der Märzrevolution die Reaktion in Deutschland so gewalttätig gewütet, wie in dem jahrelang von ihr in Belagerungszustand gehaltenen Berlin. Und zwar gerade auch gegen die Arbeiterbewegung. Alles, was nur entfernt nach Arbeiterorganisation aussah, wurde rücksichtslos unterdrückt, selbst den von der Arbeitervcrbrüderung ins Leben gerufenen Gesundheitspflcgeverein ereilte dies Schicksal. Und ebenso wurden alle Personen, die der Polizei als Vertrauens- männer der für ihre Befreiung opferbereiten Arbeiterschaft be- kannt waren, aus Berlin ausgewiesen. Allein im Mai 184g sollen über 1000 Personen von der Ausweisung betroffen worden sein. Es war geradezu eine politische Dezimierung des demokratischen Berlins. Die Arbeiter teilten durchaus, die Niederlage der klein- bürgerlichen Demokratie. Sie sahen sich als deren Leidensgenossen und die natürliche Folge blieb nicht aus. Hatten schon im Re- volutionSjahr gerade dtie aus der Kommunistenbewegung hervor- gegangenen Führer der Berliner Arbeiter wiederholt erklärt und es auch durch die Tat bekräftigt, daß sie im Kampf gegen die Reaktion hinter der bürgerlichen Demokratie stehen würden, hatten nainentlich die Maschinenbauer Berlins mit dem demokratischen Bürgertum gemeinsame Sache gemacht, so wurde die Bundes- gcuoffenschaft unter den Schlägen und dem Druck der Reaktion zu einer Parteigenossenschaft zusammengeschmiedet. Die Maschinenbauer, in deren Reihen wir einen Teil der Auslese der Berliner Arbeiterschaft zu suchen haben, wurden die Schutztruppe der demokratischen Partei und. nach deren Häutung, der Fort- schrittspartei. Nirgends war das mittlerweile gegründete Berliner Organ der kleinbürgerlichen Demokratie, die«Berliner Volks- zeitung", so beliebt, wie bei den Maschinenbauern Berlins. 11 Diese Popularität erklärt sich zudem aus der ganzen damaligen politischen Situation und der sozialen Verfassung der Arbeiter- schaft Berlins. Den Gedanken an einen baldigen Wiederausbruch der Revolution hatte man aufgegeben, vom Staat erwarteten die Ärbeitcr nichts, er war gerade den vorgeschrittenen Arbeitern, die ihn ja nur als Polizcistaat kannten, gründlich verhaßt. Was sie vielmehr zunächst brauchten, war Befreiung von politischer und bnreaukratischer Bevormundung. DaS stimmte nun durchaus mit dem Programm der kleinbürgerlichen Demokratie überein. Außer- dem fesselte die Arbeiter an die bürgerliche Demokratie deren Eifer für Bildungseinrichtungen. Die Lehrer dcS 18S9 wieder ins Leben gerufenen Berliner Handwcrkervereins waren Anhänger der Fort- schrittspartei, und was man der„Berliner Bolkszcitung" politisch auch vorwerfen konnte, durch ihre naturwissenschaftlichen Aufsätze, die an Volkstümlichkeit nicht übcrtroffcn werden konnten, hatte sie die Herzen gerade des bildungsfreudigsten Teils der Berliner Ar- beiterschaft gewonnen. Das Streben nach naturwissenschaftlicher Erkenntnis ist ja dem modernen Arbeiter geradezu angeboren. Freilich hatte die bürgerliche Demokratie, als sie sich mit Teilen der Altliberalen und Konstitutionellen zur Fortschrittspartei ver schmolz, diesen zuliebe die Forderung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts aus dem neuen Programm fortgelassen. Aber das hatte die Arbeiter nicht sonderlich berührt. In den Reaktionsjahren waren sie der Wahlurne ferngeblieben, und zum Glauben an eine besondere politische Kraft des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, fehlte ihnen das Vertrauen in die Reife der eigenen Klasse. Es erschien ihnen daher auch nicht alz eine drin- gende Forderung, und so verfehlten gerade die Ausführungen Lassalles im„Arbeiterprogramm" über die Bedeutung des Allge- meinen Wahlrechts die tiefere Wirkung. Prinzipiell hatten sich zudem auch die Schulze-Delitzsch und die anderen, in der Ar- beiterschaft wirkenden Vertreter der Fortschrittspartei fiir dieses Wahlrecht erklärt, die„Volkszeitung" es die„Kardinalforderung der Demokratie" genannt. Aber die Fortschrittler fanden zur Zeit auch beim Klassenwahlrecht ihre Rechnung, und den Arbeitern war die Aenderung des Wahlsystems noch kein Bedürfnis. Nun hatte Lassalle in den ersten Jahren seines Berliner Auf- cnthalts ausschließlich in de» Kreisen der geistigen Aristokratie des Bürgertums sich bewegt, dort Freunde und Verehrer erworben, war den Arbeitern dagegen unbekannt geblieben. Jetzt aber, wo er anfing, vor Arbeitern Vorträge zu halten, war sein persön- licheS Auftreten unglücklicherweise ein solches, daß er sie eher abstieß, als für sich einnahm. Er hatte nichts von den Bieder- mannsmanieren an sich, durch die ein Teil der Fortschrittler sich bei den Arbeitern beliebt machte, noch hatte er daS Aeußere und Wesen eines Gelehrten, dem man Zurückhaltung nachsieht. Wie wir heute aus seinen Briefen wissen, waren es sehr achtungs werte Eigenschaften, die ihn abhielten, in Arbeiterversammlungen sich anders zu geben, als vor seinen Bourgeoisbekannten. Aber die Wirkung war, daß der hochelegant gekleidete Mann nicht das per- önliche Vertrauen einflößte, wie sein Gegner Schulze-Delitzsch, dem der bessere„Volksmann" im Blute saß, und von dem die Arbeiter im Norden wußten, daß er in der Reaktionszeit zu ihnen gestanden hatte. Schulze-Delitzsch war in Berlin der Held der Arbeiter als der Leipziger Kongreß tagte. Unter seiner Leitung war am 18. Januar 1863 ein„Berliner Arbeiterverein" gegründet worden, in dessen Listen sich gegen 2000 Arbeiter einzeichnen ließen. Am 19. April 1863 hatte dieser Arbeiterverein einstimmig eine Resolution angenommen, in der er erklärte, daß„in Selbsthilfe und Selb st Verantwortlichkeit allein den Arbeitern die Mittel geboten" seien, eine ihrer würdige Stellung in der staat- lichen Gesellschaft einzunehmen, und daß die Aufforderung Lassalles, dem allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrecht Geltung zu verschaffen,„für jetzt nicht geraten" erscheine, weil„da» ganze Volk zu dem Prinzipiellkampfe, in dem es sich mit der Regierung befinde, fest zusammenstehen" müsse. So dachten die Arbeiter da- mal» wirklich. Der einzige Redner, der in jener Versammlung gegen Schulze-Delitzsch gesprochen hatte, war der der Polizeispitzelei verdächtig gewordene Arbeiter Eichler, dem man mit dem Rufe: „haut ihnl" antwortete. Einen Gegner, der auf die Arbeiter Ein- druck machen konnte, fand Schulze nicht. Lassalles Freund und Verehrer Ludwig Löwe beschränkte sich darauf, Lassalle'persönlich zu verteidigen, ging aber auf dessen Programm nicht ein. So wenig Anklang fand daher die neue Bewegung in Berlin, daß als am 1. Juli 1863 die ex sie Berliner Gemeinde des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins ins Leben trat, sie aus dem von Leipzig nach Berlin übersiedelten Sekretär des Verein», Julius Bohl- t e i ch, den beiden Altgesellen des Schuhmachergewerks, Theodor M e tz n e r und Fr. Arndt, sowie noch gerade zwei Personen bestandl Bis zltNl Herbst vernlehrte sich die Zahl durch persönliche Werbung auf gegen 50, darunter de» soeben au» dem Exil nach Deutschland übersiedelte Wilhelm Liebknecht, sowie noch eine Anzahl von Angehörigen literarischer Berufe. Aber die meisten Beigetretenen waren nur halbgewonnene, mehr durch Neugierde wie durch Ueberzeugung angezogen. Im Herbst 1863 nahm Lassalle selbst die Agitation in Berlin auf. Er veröffentlichte eine„Ansprache an die Arbeiter Berlins", in der er den Vorwurf, reaktionär zu sein, sehr geschickt zurück- wies. Weniger geschickt war wiederum sein persönliches Austreten. Er zeigte sich ungeduldig gegen Einwände und Gegenvorschläge und verursachte dadurch in seinen ersten Versammlungen Szenen, die den Spott der gegnerischen Presse hervorriefen. Die ersten Versammlungen wurden als Vereinsversammlungen einberufen mit der Bestimmung, daß nur Mitglieder oder Personen, die sich einzeichnen wollten, Zutritt hätten. Da es nun eine ziemliche Anzahl Leute gab, welche die Neugierde antrieb, Lassalle zu hören, fehlte es in der Tat nicht an Einzeichnungen, aber unter den Ein- gezeichneten sah es um so bunter aus. Am 22. November 1863 hielt Laffalle im damaligen Maschinen- bauerviertel Berlins seine erste öffentliche Versammlung ab. Das Lokal, wo sie stattfand, hieß„Eldorado" und befand sich Ecke der Bergstraße und der jetzigen Elsässer Straße— damals noch außerhalb der Stadtmauer Berlins. Obwohl die Fortschrittspresse vom Besuch der Lassalleschen Versammlungen abgemahnt hatte, war der mäßig große Saal reichlich gefüllt, und längere Zeit verlief die Versammlung ohne erhebliche Störung. Als aber Lassalle immer schärfer gegen die Fyrtschrittsführer und speziell Schulze-Delitzsch loszog, unterbrach ihn schließlich die Masse der Anwesenden durch stürmische Hochrufe auf Schulze-Delitzsch. Dann brach die Polizei ein, erklärte die Versammlung für aufgelöst und Lassalle für ver- haftet. In der Erregung ließ ein Teil der Anwesenden sich dazu hinreißen, dem brutalen Polizeiakt zu applaudieren. Die Verhaftung galt nicht dem Vortrag, sondern der vorer- wähnten Ansprache. In einem Aufruf, in welchem er das Bravo- klatschen gegen die Fortschrittspartei ins Feld führte, kündigte Laffalle Fortsetzung des Vortrags auf den 6. Dezember 1863 an. Die Fortschrittspresse forderte noch eindringlicher als vorher ihre Anhänger auft aus den Lassalleschen Versammlungen fortzubleiben, und in der Tat fiel der Besuch nun erheblich schwächer aus. Da- mit fiel aber auch das Interesse am Verein und mit seiner Mit- gliederzahl ging es schrittweise rückwärts. Von gegen 200 um das Ende November 1863, schmolz sie bis zum Frühjahr 1864 auf einige 30 zusammen, um sich bis zu Lassalles Tode nicht mehr zu heben. In einem kleinen Lokal in der Mauerstrahe kam man im Sommer 1864 zusammen und pflegte Debatten, die starke Meinungsver» schiedenheiten über die Lassallesche Taktik zutage treten ließen. Während andere Mitgliedschaften des Vereins auf die Kunde von Lassalles Ableben eine Trauerfeier zu seinen Ehren veranstalteten« ist es in Berlin nicht dazu gekommen. Erst nach Lassalles Tode ist eS dessen Nachfolger, I. B. von Schweitzer, in langsamer Arbeit gelungen, die Berliner Mit» gliedschaft in die Höhe zu bringen. Ueber so außerordentliche Gaben Schweitzer verfügte, so kann man ihn doch in bezug auf Wissen, Genialität und philosophische Tiefe nicht Lassalle an die Seite stellen. Ihm fehlte auch das leidenschaftliche Feuer, welches in Lassalle glühte. Aber als Taktiker war er unzweifelhaft ihm über- legen. Er verstand es, durch Anknüpfung an Tagesereignisse, durch Veranstaltung von Disputationen, durch kluge Heranziehung von Rednern, Interesse an seinen Versammlungen zu erregen, trat, bei unausgesetzter scharfer Kritik der Fortschrittspartei, doch wiederholt dieser im Kampf gegen die Regierung zur Seite, zeigte in allen Diskussionen, sei es mit Fortschrittlern oder sonstigen Lokalgrößen, darunter der von 1848 her bekannte Demagoge F. W. Held, seinen Gegnern den Meister, und brachte es auf diese Weise schließlich dahin» daß der Verein wirklich große Volksversammlungen ab- halten konnte. Es kam sogar dazu, daß fortschrittliche Bezirks- vereine sich von Schweitzer Vorträge halten ließen. Daneben kamen der Entwickelung des Verein» in Berlin die Lohnbewegungen der Arbeiter zugute, die sich von 186S an immer stärker einstellten. Die Koalitionsverbote waren, noch ehe sie durch die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes aufge- hoben wurden, schon im Jahre 1865 hinfällig geworden. Immer stärker machte sich der Koalttionsdrang in der Arbeiterschaft gel- tend, und wenn auch die„Berliner Volkszeitung" bei den Lohn- an; andere hielten fest zu Becker, allein seine Rolle war ausge- spielt. Der Verein spaltete sich. Becker war 1865 aus Preußen ausgewiesen, was übrigens Liebknecht, auch widerfuhr. Becker ging nach Wien, wo er an seinem Feinde Schweitzer eine eigenartige Rache nahm. Dieser hatte seinen Freund Hofstetten nach Wien geschickt, um die Wiener Arbeiter in einer großen Ver» sammlnng für den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein zu ge- Winnen. Hofstetten geriet in Geldmangel und ging zu Becker in seiner Not. Becker riet ihm, den Grafen Plate», den Agenten des inzwischen vertriebenen Königs von Hannover in Wien, sowie den Pater G r e u l e r. einen Führer der klerikalen Partei, um Unterstützung anzugehen. Hofstetten tat dies auch, aber ohne Er- folg. Am Tage, bevdr die angekündigte große Arbeiterversamm- lung stattfand, enthüllte Becker in einem Wiener Blatte, daß Hofstetten bei dem Grafen Plate» und dem Pater Greuler gewesen. Der arme Hosstetten mußte also belastet vor die Versammlung treten und fiel natürlich bei dieser fürchterlich ab. Becker ging nach Paris, von wo er als Deutscher während des Krieges von 1870 ausgewiesen wurde. Er kam in kläglichem Zu, stand nach Deutschland, wo er sich an die inzwischen entstandene Eisenacher Richtung der Sozialdemokratie anschloß. Er stieß an- fangs auf großes Mißtrauen, aber man war nicht so kleinlich, ihm seine Vergangenheit dauernd nachzutragen; ohnedies erklärte sich alles aus der nach LassalleS Tode eingerissenen Verwirrung. Man war auch froh, bei dem damaligen Mangel an brauchbaren Journa- listen Beckers Kenntnisse verwerten zu können, und da er seiner sozialdemokratischen Gesinnung stets treu geblieben war, übersah man seine persönlichen Entgleisungen um so leichter. Er ward 1871 erst an der„Chemnitzer Freien Presse", dann an dem„Braun- schiveiger Volksfreund" als Redakteur angestellt und leistete als solcher treffliche Dienste. Der von Schweitzer geleitete Allgemeine deutsche Arbeiterverein wurde von ihm heftig bekämpft, was im Sinne der Eisenacher Richtung war. 1872 mußte er in» Gefängnis wandern und ich wurde nach Braunschweig berufen, um ihn zu ver- treten. Wir wurden in der Folge, als wir zusammen wohnten. intime Freund«. Wenn man sich in seine Sonderbarkeiten fand. konnte man sich leicht mit ihm vertragen, und er war dann liebens- würdig, gefällig und ein hochinteressanter Gesellschafter; er wußte namentlich aus seinem Flüchtlingsleben in England fesselnd zu erzählen. Er arbeitet« damals an seinen historischen Werken. Wir standen früh auf und während ich meinen täglichen Leitartikel schrieb, kochte er Kaffee und diente mir mit seinem umfassenden Wissen zugleich als Univerfal-Lexikon. Wie seiner Gesinnung blieb er auch seinen Sonderbarkeiten irr». Ich bemerkte einst, daß er unter den Kleidern einen Strick mit einem eisernen Haken um den Leib tricg. Auf meine ver- wunderte Frage antwortete er, man könne nie wissen, ob es nicht zu einem Barrikadenkampf komme. Mit diesem Strick könne man sich ans den Hinterfcnstern der Häuser hinablassen, wenn sie vom Feinde von vorn eingenommen würden. So sehr lebte er in den Voejtcttungcn von 1843. Beckers Schriften von damals fanden eine vortreffliche Auf- nähme, namentlich„Die Jesuiten und die Freimaurer" sowie„Die Reaktion in Deutschland" und„Die Arbeitcr-Agitation Ferdinand Lassalles". Diese Werke sind heute nur noch antiquarisch zu haben. 1872 war er noch Delegierter für Braunschlveig auf dem Haager Kongreß; einige Zeit nachher ging er wegen eines ver- meintlich ihm drohenden PrehprozesseS in die Schweiz. Er schrieb dort noch einige historische Werke, zuletzt ein sehr gehässiges gegen die Pariser Kommune. Ich hatte noch einige Briefe von ihm erhalten, dann hörte man lange nichts mehr von ihm. Aeußerlich erschien er als ein Typ des deutschen Professors resp. Sprachlehrers. In England hatte er sich angewöhnt, stets schwarzen Zylinder und schwarzen Gehrock zu tragen. Sein run- deS, meist freundliches glattes Gesicht mit dem kleinen blonden Schnurrbärtchen ließ nicht den Revolutionär ahnen, der schon als Schüler seinen Lehrern Schrecken eingeflöht hatte. Beim Kneipen war er sehr ausdauernd. Er hatte immer gesagt, daß er sich erschießen werde, wenn das Alter käme. 1882 hat er sich tatsächlich in Lützen, wo sein Schwager wohnte, erschossen. Sein Tod ward so geheim gehalten, haß man in der Partei erst zehn Jahre nachher davon erfuhr. Friedrich Wilhelm F r i tz s ch e, geb. 1325 in Leipzig, wurde Ztgarrenarbeiter und warf sich als solcher mit allem Eifer in die Bewegung von 1843. Im Mai 1849 kämpfte er auf den Dresde- ner Barrikaden und wurde von den Preußen gefangen genommen. Wie er hinterher der Justiz entging, ist mir nicht bekannt. Er gehörte zu dem Komitee, welches 1863 an Lassalle eine Deputation sandte, und war auch bei dieser. Erst beim Allgemeinen deutschen Arbeiterverein, den er als Delegierter von Leipzig mit begründen half, schwankte er längere Zeit zwischen„Eisenachern" und „Lassalleemern" hin und her. Auf dem Gothaer VereinigungZ- kongreß setzte er die Ausnahme deS bekannten Lassalleschen Satzes von der„reaktionären Masse" in» Programm durch. Er gründete 1865 den Deutschen Tabakarbeiterverein und berief 1368 mit Schweitzer den Allgemeinen deutschen Gewerkschaftskongreß. Er wurde 1863 für Lennep-Metimann in den Norddeutschen Reichstag gewählt; ebenso 1877 und 1878 für Berlin IV in den Deutschen Reichstag. Wir lernten uns 1877 im Reichstage näher kennen und schloffen uns bald enger aneinander an. Als wir dort den großen Arbeiterschutzantrag ausarbeiteten, leistete Fritzsche durch seine Kenntnisse in dieser Materie der Fraktion treffliche Dienste. Wir gingen viel zusammen aus, und es war fiir ihn ein Ver- gnügen, mir das alte Berlin, namentlich die Schauplätze der März- revolution. zu zeigen. Ich erinnere mich einer sehr schönen Judi- läumSfeier in seiner Wohnung, wo er den liebenswürdigsten Wirt machte. Liebknecht taufte ihn damals„den noblen Proletarier". Er sah mit seiner hohen Gestalt, seinem charakteristischen Antlitz und seinem langen weißen Kart wie sin»nckermärktscher Grande" aus. Er besaß ein nicht unbedeutendes poetisches Talent, und in seinen„Blutrosen" befinden sich schöne revolutionäre Gedichte. Das Sozialistengesetz trieb ihn über den Ozean; als er durch Bremen kam, wo ich damals mich aufhielt, nahmen wir, zwei Aus- gewiesene, bewegt voneinander Abschied. Er starb vor einigen Jahren in hohem Alter in Philadelphia. Der dritte Achtundvierziger unter den mir persönlich bekannten Delegierten war Hugo Hill mann aus Elberfeld, den ich 1873 auf dem Kongreß zu Eisenach kennen lernte. Eine hohe Gestalt mit kahlem Haupt und scharfen Gesichtszügen. Bernhard Becker sagte von ihm. er habe genau so ausgesehen wie jener H e n r i o t, der 1194 während der Diktatur Robesplerres die Pariser Nationalgarde befehligte und mit Robespierre hingerichtet wurde. Hillmann hatte 1849 am Aufstand in Elberfeld teilgenommen und war dann nach Nordamerika ausgewandert. Ob er drüben wirklich solche romantischen Abenteuer bestanden hat. wie sie der berüchtigte ,.Kreuzzeitungs"-G ö d s ch e— Pseudonym Sir Job» Retclifse in- seinem Schauerroman„Nena Sahib" beschreibt, sei dahingestellt. Als er in den sechziger Jahren zurückkam, schloß er sich Lassalle an und war, wie Fritzsche, eine Zeitlang Vizepräsident des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins. Er trat später zu den Eisenacher« über. Hillman», der einen schweren Kampf um» Dasein zu führen hatte, ist schon lange gestorben. Theodor U o r ck, geboren 1830 zu Breslau, war unter den Delegierten in Leipzig der einzige, der gegen die Präsidentschaft Lassalles stimmte, weil«r dessen Ehrgeiz fürchtete. Dagegen hielt er die Organisation des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins stets für die beste. Er trat zu den Eisenachern über und kam bald in deren Parteileitung. 1870 wurde er auf kurze Zeit verhaftet. Tischler von Beruf, erwarb er sich große Verdienste um die Gewerk- schaft der Holzarbeiter. Wir lernten uns 1873 auf einem Arbeiter. tage in Braunschweig kennen. In dieser kleinen, Halbverkrüppelton Gestalt mit einem stet» mürrisch aussehenden Antlitz— eine Wir- lung harten Kampfes ums Dasein � lebte eine Feuerseele, die sich flammend ausströmte, wenn er von der großen Zukunft sprach, welche die von ihm auSgedachte Gewerkschafts-Union den Arbeitern bringen sollte. Seinem Einflüsse war es zuzuschreiben. daß ich 1373 an den„Volksstaat", das Zentralorgan der Eisenachtirs berufen wurde, denn er liebte meine, wie er sagte, populAro Schreibweise. Wir sahen uns zuletzt in Erfurt, wo wir in dw Saal, der einst das„Parterre der Könige" gesehen, zusammen ein- große Arbeiterversammlung abhielten. Kurze Zeit darauf, am 1. Januar 1875, starb er. Partei und Gewerkschaften haben aa diesem Manne gleich viel verloren. Jakob A u d o r f, der Dichter der Arbeitermarseillaise, war 183S als Sohn eines Haartuchwebcrs zu Hamburg geboren. Dev Vater, mit dem ich auch oft zusammengekommen bin, hatte olss sechsjähriger Knabe die grausame Austreibung der Hamburger? durch Da von st mitmachen müssen; in der Folge war er An� Hänger de» Sozialismus und Mitglied des alten KonVmumsten- bunö«». Wofür es drei Monate eingekerkert wurde. Kr war«wch kämpfen nicht direkt gegen die Arbeiter Stellung nahm, sondern eher noch eine wohlwollende Haltung einzunehmen suchte, so lag es doch in der Denkweise ihres damaligen Redakteurs und dem Mischcharakter der Fortschrittspartei, daß dies Wohlwollen meist ein theoretisches blieb. Mit ganz anderer Entschiedenheit griff dagegen die Sozialdemokratie Berlins unter Schweitzers Führung in diese Kämpfe ein. Sie plädierte nicht für bloßes Anhören der Arbeiter, sie stellte sich auf ihre Seite und erzog sie zur Organisation. In einem Gewerk nach dem anderen ward sie da als der natürliche Anwalt der Arbeiterklasse erkannt. Der Berliner Arbeiterkongretz von l36S mit seinen Beschlüssen über die Notwendigkeit der geWerk schaftlichen Organisation besiegelte dieses Verhältnis von Sozial dcmokratie und organisierter Selbsthilfe der Arbeiterklasse. Nun war der Sozialismus nichts Abstraktes mehr, immer deutlicher zeigte es sich, daß er die Realität des täglichen Kampfes der Ar- bciter umfaßte, ihre Gegenwart und ihre Zukunft bedeutete. Mit dieser Erkenntnis war Berlin für die Sozialdemokratie gewonnen, die schon nicht mehr allein, aber doch vornehmlich und am kraft- vollsten durch den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein pertreten war. Ed. Bernstein, «» * An die vom Genossen Bernstein geschilderten ersten schwachen Ansänge des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins erinnert die nachstehende Snmeldebescheinigung für eine Versammlung in dem obenerwähnten BereinSlokqle in der Mauerstraße. Das Dokument aus den Kindheitstagen der Berliner Arbeiterbewegung steht folgender maßen aus, lv« HhabtC Bescheinigung. » y&r* /T i» 6 y. trctf hl» y/fc*' iasti* (fax Satamnliaa Bctliji,«oi y* 1B»o a h r t." Wir haben dieser nationalliberalen Kritik eines skandalösen Wahlterrorismus nichts hinzuzufügen. Daß solcher Terror gerade von Organen der„Rechtspflege" geübt wird, macht die Sache doppelt Pikant! Wehrvorlage und Beamtenbesolduug. Im Landtag des Großherzogtums Hessen kam am Mittwoch eine Interpellation der Fortschrittlichen Volkspartei zur Debatte, in der die Regierung u. a. befragt wird, ob und inwieweit die Wehr- Vorlage an der Verzögerung der hessischen Besoldungsvorlage Schuld trage. Die Regierung erklärte, daß zwar die schwebende BesoldungS- Vorlage beraten, aber nicht verabschiedet werden dürfe, bevor die Wehrvorlage und ihre Deckung vom Reichstag erledigt sei. Wenn aber die Deckungsvorlage des Reichstags die Belastung der Bundesstaaten in Form der„veredelten" Matrikularbeiträge bringt, so wird vermutlich die Verabschiedung der hessischen BesoldungS- Ordnung auf lange Zeit hinausgeschoben werden.— Die Heeres- Vorlage hindert also die sehr notwendige Reform der BesoldungS- Vorlage in Hessen, wodurch sich der Beamten naturgemäß eine Er- regung bemächtigt hat.__ Ter unpolitische Jungdeutschlandbund. Nm dem Jungdeutschlandbund in der Kriegshafenstadt Wilhelms- Häven auf die Beine zu helfen, da die bürgerlichen Kreise trotz aller Bemühungen für den Jungdeutschlandklimbim nicht in ausreichendem Maße zu haben sind, werden dort jetzt die Reserveoffiziere mobil gemacht. In den beiden Wilhelmshavener Blättern ist folgendes Inserat zu finden: „Offiziere des Beurlaubtenstandes! Der Borstand von.Jungdeutschland an der Jade" hat das OffizierkorpS des Beurlaubtenstandes eingeladen zu seiner Haupt- Versammlung im„Deutschen Haus" Freitag, den 23. Mai, abends 8,30 Uhr. Auch werden Beitrittserklärungen dort gern entgegen- genommen. Gramer, Major z. D." Der unterzeichnete Major ist der Bezirksoffizier des Meldeamtes und dadurch werden die Herren Reserveoffiziere sich sicher veranlaßt - fühlen, bis auf den letzten Mann bei der Hauptversammlung des „Jungdeutschland an der Jade" teilzunehmen. Herr v. Arnim-Züsedom, der bisherige konservative Vertreter des Landtagswahlkreises Prenzlau-Angermünde, dessen Wiederwahl gesichert war, ist an Arterienverkalkung gestorben. Herr v. Arnim-Züsedom war gleich Herrn v. Erffa mehr in den Kommissionen als im Plenum lätig. Seine rednerischen Leistungen waren keine hervorragenden. Wenn er sich gelegentlich einmal in der Sozialistenbekämpfung versuchte, hatte er meist das Pech, gerade mit den abgestandensten und unzu- verlässigsten Zitaten des Reichslegendenverbandes zu operieren. Be- sondere Verdienste um die konservative Sache erwarb sich jedoch der Verstorbene durch seine besonders rege Tätigkeit im Stellen von Schlußanträgen, sobald die unbequeme Rede eines Sozialdemokraten in drohende Rühe rückte. Unter Herrn v. Kröchers Leitung hatte Herr v. Arnim-Züsedom es sogar fertig bekommen, Schlußanträge auf Vorrat zu stellen._______ Ein schlagfertiger Oberstleutnant z. D. Am 30. März, einem Sonntag, gerieten in Erfurt auf der Straße zwei Männer wegen eines Hundes in Streit, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Der eine, der den sogenannten.besseren" Ständen angehörte, entriß seinem Gegner, einem Arbeiter, dessen Stock und schlug damit auf ihn in so brutaler Weise ein. bis der Stock in Stücke ging und der Mann aus mehreren Kopfwunden blutete. Weitere anscheinend beabsichtigte Mißhandlungen wurden wohl nur durch die drohende Haltung des empörten Publikums verhindert. Der.bessere" Herr entfernte sich dann schleunigst, unterwegs den Hut des von ihm miß- handelten MamreS, den er an sich genommen hatte, in die Anlagen werfend. Als der Stockschläger von einigen Herren ge- stellt wurde, äußerte er noch obendrein:„Das war noch lange nicht 'Lerantw. Redakt. �Aljreb'Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. genug." Der Mißhandelte aber mußte sich auf der Polizeiwache die blutenden Wunden verbinden lassen. Als der schlagfertige.bessere" Herr wurde dann der Oberst« leutnant a. D. und Subdirektor Freiherr von S ch i nc m e l m a n n ermittelt. Es wurde gegen ihn Anzeige erstattet, infolgedessen er sich ain Mittwoch vor dem Kriegs- g e r i ch t der 38. Division in Erfurt wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatte. Die Verhandlung wurde fast gänzlich u n terAusschlußderOesfentlichkeit geführt. Das öffentlich verkündete, sehr milde erscheinende Urteil laute auf— ö0 Mark Geldstrafe! Das Stiele des Valkankrieges. , Vorschläge der Verbündeten. London, 21. Mai. Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat der serbische Delegierte Nowakowitsch Sir Edward Grey die Aenderungen. welche die Verbündeten für den Entwurf der Friedensbedingungen in Vorschlag bringen, heute abend mündlich mitgeteilt. Obwohl gleichzeitig ein Schriftstück übergeben wurde, ist dies doch technisch keine offizielle Note, da den Regierungen der Balkanstaaten die Bestinmiungen des Entwurfs für den Friedensvertrag bisher noch nicht offiziell übermittelt worden sind. Unter den in Vorschlag gebrachten Aenderungen befindet sich eine Bestiminung, welche erklärt, daß die Delegierten der Balkanstaaten bei der Finanzkom- Mission in Paris dieselbe Stellung haben sollen, wie die- jeifigen der Großmächte. Die Verbiindeten schlagen ferner vor, daß alle Verträge, die vor dem Kriege in.Kraft waren, gleich nach Unterzeichnung der Friedenspräliminarien toieder in Kraft treten und in Kraft bleiben sollen, bis sie durch Ab- kommen ersetzt werden, die einen Teil des endgültigen Friedensvertrages bilden�Ein weiterer Paragraph betreffend einen Ausgang nach der See für Serbien und eine Eisenbahn durch Albanien werde unnötig sein, falls von allen Mächten in dieser Hinsicht befriedigende Zusicherungen gegeben würden. Die Verbiindeten meinen, daß die verlangten Aendc- rungen nicht der Art sind, daß sie auf einen Einwand stoßen könnten. Sie würden alsdann bereit sein, die Friedens- Präliminarien zu unterzeichnen. Gute Aussichten für den Friedensschluß. London, 22. Mai. Wie das Reutersche Bureau erfährt, werden ausgezeichnete Fortschritte für den Abschluß des Friedens gemacht. Zwischen den Delegierten der Balkanstaaten und denen der Türkei fanden neue Konferenzen statt, um die grundlegenden Bedingungen eines Friedensvertrages zu finden. Man glaubt nicht, daß die türkischen Delegierten ernsthast den Ansichten der Ver- kündeten widersprechen. Es ist wahrscheinlich, daß Europa gegen die vorgeschlagenen Abänderungen keinen Widerspruch erheben wird. Sämtliche Missionen der Verbündeten hielten heute eine Konferenz ab, um über die Lage mit Rücksicht auf die Ereignisse der letzten Tage zu beraten. Es wird auch hervorgehoben, daß die Großmächte den Vorschlägen betreffend die besonders Serbien berührenden Fragen zustinimten und daß Serbien von dieser Erklärung vollkommen befriedigt sei. Das Datum der offiziellen Versammlung der Delegierten ist noch nicht festgesetzt, doch wird wahrscheinlich eine Eick- scheidung hierüber in einigen Tagen getroffen werden. Tie Opfer des bulgarisch-serbischcn Konflikts. Sofia, 22. Mai. Die Agence Bulgare bezeichnet die im Aus- land verbreiteten Meldungen, nach welchen die Bulgaren bei den Zwischenfällen von Pravischta außerordentlich hohe Verluste er- litten hätten und sogar eine starke bulgarische Abteilung gesangen genommen worden sei, während die Griechen nur sehr geringe Ver- luste gehabt und eine Anzahl Dörfer in jener Gegend besetzt hätten, als vollkommen unrichtig. Die Verluste der Bulgaren bei allen Zwischenfällen bezifferten sich auf etwa hundert Tote und Verwundete. Die Ziffer der griechischen V e r l u jt e sei nicht genau bekannt, dock) wisse man, daß zwei Offiziere gefallen und zweihundert Verwundete nach Elevthera eingeschifft worden seien. franhmdi. Verbot der Ermuerungsfcier für die Kommunekämpfer. Paris, 22. Mai. Nach Prüfung der vom Arbeitsverband, der Vereinigung der Syndikate des Seine-Dcpartements, der Zeitung Bataille Syndicaliste und der sozialistischen Vereinigung des Seine- Departements eingelegten Berufungen hat der K a b i n e t t s r a t beschlossen, die für den 2S. d. Mts. an der Mur des federss des Friedhofes Pöre Lachaise geplante Kundgebung zu untersagen. Dieser Beschluß wurde gefaßt in Berücksichtigung des Charakters, den die Veranstalter dieser Kundgebung zu geben beabsichtigen. Lelgien. Staatliche Verluste durch den Geueralstreik. Aus Brüssel schreibt man uns: Einige offizielle Ziffern belehren— wenigstens auf einem bestimmten Gebiete— welche Verluste der Staat durch den Generalstreik erlitten hat. Und zwar handelt es sich um die Einnahmen der staatlichen Eisenbahnen. Diese betrugen im Streikmonat April 2-1 Millionen Frank gegen 26 600(XX) Frank desselben Monats int vergangenen Jahre. Da man gewöhnlich eine Vernich- rung von mindestens 10 Proz. von Jahr zu Jahr rechnet, hätte der Staat heuer auf 29 Millionen Frank Einnahmen rechnen müssen. Er hätte also sonach einen Verlust von 3 Millionen in bezug auf die Einnahmen aus den Eisen- bahnen zu verzeichnen— das sind 500 000 Frank pro Streiktag. Was Antwerpen anlangt, liegen folgende offizielle Ziffern vor: Im April 1912 kamen nach Antwerpen 621 Schiffe mit 1289000 Tonnen Wasserverdrängung. Im April dieses Jahres kamen nur 543 Schiffe mit 1064000 Tonnen Wasser- Verdrängung an. Der zehntägige Streik verursachte demnach nach diesen offiziellen Ziffern einen um 78 Schiffe geringeren Eingang. Italien. Das neue Gesetz über die Aushebung. Rom, 19. Mai.(Eig. Ber.) Da Italien sein stehendes Heer um rund 100 000 Diann erhöhen und also auf 350000 Mann bringen will, muß eS diese Verstärkung des Kontingents durch Ver- längerung der Dienstzeit mid durch Erweiterung deS Begriffs der Militärfähigkeit möglich machen. Der vom Kriegsminister S p i n g a r d i der Kanuner vorgelegte Gesetzentwurf hat gleichzeitig diese beiden Mitte! im Auge. Bisher wurden die auf ciu Jahr zurückgestellten Rekruten nur ein Jahr unter den Waffen behalten: der neue Entwurf will diese Zeit auf zwei Jahre erhöhen. Weiter wurde bisher der nach einmaliger Zurückstellung nicht dienst- tauglich Befundene dauernd militärfrei; der Entwurf Spin- gardi läßt die Mililärsteiheit erst nach zweimaliger Zurück- ~ TH.Glockr. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u Lerlagsanstalj stellung eintreten. Die der zweiten Kategorie zugeteilten Rekruten, vorwiegend einzige Söhne, die bis zum Jahre 1812 über- haupr dienstfrei waren, sollen nach dem neuen Entwurf anstatt sechs Monate zwölf Monate unter den Waffen bleiben. Schließlich wird das Militännaß von 155 auf 151 Zentimeter herabgesetzt, und der den Entwurf begleitende Bericht deutet an. daß man bei der Fest- setzung der körperlichen Eignung zum Militärdienst in den Aus« sührungsbestimmungen des Gesetzes Bedingungen festsetzen werde, die geeignet sind, die Zahl der AuSgehobencn entsprechend den wachsenden Bedürfnissen zu erhöhen. Das kann nichts anderes be- deuten, als daß man sich mit dem Gedanken trägt, daS festgesetzte Verhältnis von Körperhöhe und Brustkorbweite zu verändern, um auch die kümmerlichen und jämmerlichen Gestalten ins bunte Tuch stecken zu können. Hinter dem kurzen, aus drei Artikeln bestehenden Gesetzentwurf grinst das Gespenst der Rückkehr zur dreijähngeu Dienstzeit. Dänemark. Tos Wahlresultat. Kopenhagen, 21. Mai.(Eig. Ber.) Das Wahlresultat liegt nunmehr endgültig vor: an der mitgeteilten Verteilung der Mandate wird nur insofern etwas geändert, als die Liberalen 44 Mandate erhalten haben, wofür der eine„Wilde" ausscheidet. Tie neu gewählte Zweite Kaminer setzt sich also zusammen aus 44 Liberalen, 32 Sozialdemokraten, 31 Bürger- lich-Radikalen und 7 Konservativen. Die sozialdemokratisch- radikale Mehrheit beträgt 6 Stimmen, sie ist also günstiger als die bisherige parlamentarische Mehrheit der Liberalen, die nur mit Hilfe anderer Parteien gebildet werden konnte. . Von besonderen Interesse ist die ans die einzelnen Par- teien entfallene Stimmenzahl. Unsere Partei hat in 68 der 114 Wahlkreise Kandidaten aufgestellt. Sie erhielt 197 915 Stimmen gegen 98 718 bei der Wahl vor drei Jahren und 55 989 vor zehn Jahrer? Die Radikalen haben seit 1996, wo sie sich zuin ersten Male an der Wahl beteiligten, ihre Stimmenzahl von 41 469 auf 67 279 steigern können(unsere Partei zählte damals 76 612 Stimmen). Tie Liberalen sind seit 1996 von 118 988 auf 192 852 Stimmen zurückgegangen, während� die Konservativen ihre Stimmenzahl von 64 294 auf 85 979 erhöhen konnten. Zieht man nun den Vergleich zwischen den beiden letzten Wahlen, so ergeben sich folgende Stimmenzahlen: 1910 1913 Sozialdemokraten 98 718 107 015 Radikalen... 61884 67 279 Liberalen... 118 902 102 852 Konservative.. 61901 85 070 Die Konservativen haben zwar. die größte Erhöhung ihrer Stimmenzahl gehabt, aber Pas liegt daran, daß sie eine große Zahl von Z ä h l k a n d i d a t e n bei der jetzigen Wahl aufgestellt hatten, womit sie hofften, im Trüben fischen zu können. Zum Teil sollte es wohl auch den Zweck haben, ihrer Forderung ans ein proportionales Wahlsystem für die Zweite Kammer größeren Nachdruck zu geben, eine Forderung, die nur dann in Dänemark eine Berechtigung hat, wenn auch die Erste Kammer auf gleicher Grundlage zustandekommt. Einen Stimmenrückgang haben nur die Liberalen, die aber zum Teil diesmal für die Konservativen gestimmt haben. Rund 4999„liberale" Stimmen sind daher den Konservativen zugezählt worden, die auf wahlreformfeindliche Kandidaten abgegeben wurden. Wie viele liberale Stimmen darüber hin- aus zu den Wahlrechtsgegivern übergegangen sind, läßt sich nicht ermitteln. Wahrscheinlich ist, daß mancher frühere „liberale" Wähler diesmal konservativ stimmte, weil konservative Kandidaten auch dort ausgestellt waren, wo das früher nicht der Fall war. Die Hauptsache bei der Beurteilung� der diesmaligen Stimmenverhältnisse ist natürlich die Stellung der Wähler zur Wahlreforni. Die Zahl der ein- geschriebenen Wähler betrug 492 999: gewählt haben 366 399 — 74,4 Proz. der Wahlberechtigten. Für das neue Wahlgesetz wurden rund 275 999 Stimmen abgegeben, gegen rund 87 999 wahlreformfeindliche Stimmen. Etwa 4999 Stimmen waren zersplittert oder ungültig. Die Berntsensche Wahl- reform hat bei der Wahl also mit über Dreiviertel-Mehrheit gesiegt, womit die Wähler ihr Urteil über die Wahlrechts- gegner deutlich gesprochen haben. Scbtveden. Annahme der Altersversicherung. Stockholm, 22. Mai. Der schwedische Reichstag hat ät in der Nacht nach lebhafter Debatte den Regierungsentwurf über die a llgemeine A l te r s v e r si ch e r u n g mit einigen vom Ausschuß vorgeschlagenen und von der Regierung ge- billigten Aenderungen angenommen. Der Gesetzentwurf fand bei allen Parteien günstige Aufnahme; er kam mit III Stimmen gegen 28 in der Ersten Kammer und mit 172 Stimmen gegen 25 in der Zweiten Kammer zur Annahme. Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage. K-ctztc Nacbricbtcn. Tie Friedensverhandlungen. London, 22. Mai.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, haben die Mächte auf die Mitteilung der Verbündeten hin» sichtlich der vorgeschlagenen Abänderungen des Friedensvertrages geantwortet, sie feien der Meinung, daß die Besprechung dieser Aenderungen eine Verzögerung im Gefolge haben werde. Sie prächen daher die Hoffnung aus, daß die Türkei und die Verbün» dcten so bald als möglich zu einem Ueocreinkommcn hinsichtlich des Friedensschlusses gelangen würden. Tie Verhandlungen um Skutari und Albanien. London, 22. Mai.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, ist angesichts der vielen verwickelten Fragen in Verbindung mit der Verwaltung SkutariS den Mächten der Vorschlag gemacht worden, daß diese Verwaltung dem fremden Konsularkorps anver- traut werde, welche sie unter den Befehlshabern der internationalen Flottenmacht zu führen hätte.— Hinsichtlich der staatsrechtlichen Stellung Albaniens nehmen die Verhandlungen zwischen den ver- schicdcncn Hauptstädten ihren Fortgang. ES ist nicht zu besorgen, daß es ernste Schwierigkeiten machen wird, die Ansichten der Mächte darüber in Einklang zu bringen, ob Albanien ein völlig unabhängiger Staat werden oder dem Namen nach unter irgend- einer Art türkischer Kontrolle stehen soll. Verunglückte Touristen. München, 22. Mai.(W. T. B.) Tic beiden seit Sonntag auf der Lcnedlttcnwand vermißten Münckener Touristen Martin und L-ris sind heute vormittag in der Nähe der Tutzingcr Hütte tot aufgefunden worden.___________ Maul Smger L Co.. Berlin LW. Hierzu 3 Leilagcau.vaterbaltungsbi »->-» 1. Seils« il»„WwW" Knliim WlKsdlR Zill MMiei der«OW des Mmeim» ZlMei Mellerie« 1863. 23. Mai. 1913. „Fronen und dulden in stumpfem Verzagen, Sklaven der Arbeit, ist euer Geschick; Beugt euch zum Staube und hebt nicht zur Sonne Suchend und sehnend und hoffend den Blick. Knechtschaft und Knechte, und Herrschaft und Herren So will's die ewige Ordnung der Welt! Schmiegt euch der Kette, dem starren Gesetze, Das in der Tiefe für immer euch hält!"— „Ewig nur fronen und ewig nur dulden?" Dumpf aus der Tiefe der Klagenruf scholl; Wider die Knechtung, die wuchtende Kette Knirschte der grimmige, bittere Groll. Aber die Arme erlahmten und sanken, Eh' sie zum Kampf sich und Ringen gerührt. Planlos das Mühen und ziellos das Stteben, Gärende Kraft, doch vom Geist nicht geführt. Da— wie von goldenen Zeiten die Kunde, Halb schon vergessen, auf einmal sich klärt, Klang durch die Lande die rufende Stimme: „Euer die Welt, wenn ihr ernst begehrt! Euer der Segen, den Arbeit geschaffen, Euer die Emte, wie euer die Saat! Aber im Kampfe nur könnt ihr gewinnen; Rüstet und reckt euch zur männlichen Tat. Drängt euch zusammen und schließet die Reihen; Werbet und sammelt, denn eurer sind viel! Alle für einen und einer für alle!. Vorwärts den Blick auf das leuchtende Ziel! Laßt euch nicht irren durch lockendes Girren Laßt euch nicht schrecken durch Drohen und Hohn. Lang ist der Weg wohl und hart ist das Mühen. Aber die herrliche Welt ist der Lohn."— Hörten die Sklaven die rufende Stimme? Hoben die Blicke sie kühnlich zum Licht? Noch bannte Stumpfheit und Dumpfheit die Massen, Noch zog sie nieder der Kette Gewicht. Aber den Weckruf verschlang nicht die Oede; Hörten ihn wenige— sie sind erwacht, Buchten und prüften und zählten die Ihren, Schufen und übten die werdende Macht. Nicht wie der springende, zuckende Funke, Zündet den lodernden, flammenden Brand, Nicht wie die Sturmflut mit rasender Schnelle Fluten auf Fluten jagt über das Land— Nein, wie das nährende Kom sich der Erde Langsam entringt und zur Reife gedeiht, So wuchs aus Kälte und Dunkel zur Sonne, Was sie gesäet für künftige Zeit. Dank euch, ihr Männer mit schwieligen Händen, Langsam im Rate, entschlossen zur Tat! Ihr habt begonnen, wir führen es weiter; Ihr habt gesäet, wir pflegen die Saat. Ob auch die Stürme und Wetter noch drohen, Ans auch, wie euch einst, erschrecken sie nicht. „Vorwärts! Die Blicke aufs Ziel nur gerichtet!" Vorwärts und aufwärts zum sonnigen Licht. Fronen und dulden? Wir brechen die Ketten! Väter, ihr fandet den stärkenden Born! Väter, ihr schuft uns die schneidenden Ä) äffen! Väter, ihr ließt uns den Grimm und den Zom! Was einst die Väter zum Denken erweckte, Ans ruft's zum harten, zum täglichen Krieg: Hoch sproßt die Saat schon, die Stunde ist nahe! Rüstet zur Ernte! Erkämpft euch den Sieg! Suttav Stengel«. Politik im iheere. Wie wir bereits gestern telegraphisch mitteilten, hat das Reichsgericht den Freispruch gegen den Amtsrichter Knittel auf- gehoben. Ueber die Verhandlung wird uns geschrieben: Der aufsehenerregende Prozeß gegen den Amtsrichter Her- wann Knittel aus Rpbnik wegen angeblicher Beleidigung einiger Offiziere, der das Landgericht Ratibor vier Tage lang beschäftigt hat und am 29. August v. I. mit der Freisprechung des Ange- klagten endete, kani am Mittwoch in der Revisionsinstanz vor dem Aeichsgericht zur Verhandlung. Aus der Vorgeschichte dieses Prozesses sei hier kurz folgendes in Erinnerung gebracht: Als im Juni 1908 die Urwahlen zum Preußischen Abgeordnetenhause stattfanden, hatten sich in dem Wahlbezirke Rhbnik die Zentrums- und die Polenpartei zusammen- getan und einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt. 5in. gab seine Stimme dem gemeinsamen Wahlmann der Polen und des Zentrums. Dieses Verhalten Knittels, der damals noch Leutnant der Reserve im Feldartillerieregiment Nr. 6 zu Rybnik war, hatte bei dessen militärischen Vorgesetzten Mißfallen erregt; denn, so hieß es, Ku. als Beamter, als Landrichter und preußischer Reserve- offizier hätte nicht einem Polen seine Stimme geben und für einen Polen agitieren dürfen. Hierzu kam, daß Knittel im Oktober 1908 neben zwei Polen in den katholischen Kirchenvorstand als Schrift- sührer gewählt wurde und die Wahl annahm. Hauptmann Kamm- ler in Rhbnik erstattete am 3. November 1908 Anzeige gegen Kn. bei dem Bezirkskommandeur, Freiherrn von Vietinghosf in Rhbnik. Nachdem dieser nochmals bei Hauptmann K. Rückfrage gehalten hatte, ob denn die Meldung richtig sei, gab er die Anzeige am 10. November 1908 an den Regimentskommandeur v. Wundt in Breslau weiter. Der Anzeige fügte Freiherr v. V. ein vertrauliches Schreiben bei, in dem es hieß, das Verhalten Kn.'s bei den letzten Landtagswahlen habe allgemeines Aufsehen erregt nicht nur im Kriegerverein, sondern in der ganzen Stadt Rybnik; dazu komme noch seine Wahl in den katholischen Kirchenvorstand, aus dem alle königstreuen Elemente entfernt seien. Die Anzeige hatte zur Folge, daß Kn. am 18. Dezember 1908 von der Reserve zur Land- wehr zweiten Aufgebots versetzt wurde. Kn. hierüber erstaunt, erkuirdigte sich zunächst bei einem Be- kannten über den Gruird seiner Versetzung; dieser deutete ihm an, daß wohl seine, Kn.'s, politische Betätigung daran schuld sei. Darauf fragte Km am 10. Januar 1909 beim Generalkommando in Breslau über den Grund seiner Versetzung an, worauf ihm nur die Antwort wurde, daß diese aus dienstlichen Gründen erfolgt sei. Dieses vcranlaßte Kn., am 12. Februar 1909 Antrag auf Ein- lciwng eines ehrengerichtlichen Verfahrens gegen sich selbst zu stellen. Dem wurde nicht stattgegeben. Mitgeteilt wurde ihm, daß ein Grund zum ehrengerichtlichen Einschreiten nicht vorläge, da weder seine politische Betätigung bei den Landtagswahlen, noch auch seine Wahl in den Kirchcnrat etwas für einen Reserveoffizier Ehrenrühriges bedeute. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen, den Grund seiner Versetzung in die Landwehr zu erfahren, richtete Knittel am 18. Juli 1910 eine Bcschwerdeschrift gegen den Hauptmann Kammler, den Bezirkskommandeur Freiherrn von Bietinghoff und den Divisions- kommandeur, General der Infanterie von der Gröben in Neiße und den General der Infanterie z. D. von Windheim. Durch diese Eingabe soll Knittel die Offiziere beleidigt haben. Die Beleidigungen wurden rücksichtlich des Hauptmanns Kammlcr darin gefunden, daß das Schreiben von ihm behauptete, er sei ein bösartiger Geisteskranker, auch geistesschwacher, heimtückischer und gefährlicher Charakter, und ihn der Lüge und Verleumdung ge- ziehen hatte. In dem Vorwurf der Parteilichkeit und der Unwahr- haftigkeit gegen andere in dem Verfahren gegen Knittel tätige Offiziere erblickte die Staatsanwaltschaft gleichfalls eine Be- ledigung. Das Landgericht sprach den Angeklagten frei. Es nahm an, eine Beleidigung liege nicht vor, denn in den meisten von den An- geklagten aufgeführten Behauptungen sei der Wahrheitsbeweis erbracht, so insbesondere in den Behauptungen gegen, den Haupt- mann Kammler, der als entfernter Schwager des Angeklagten die Anzeige nicht hinter Kn.'s Rücken hätte machen sollen, ohne mit Kn. vorher selbst zu sprechen. Soweit andererseits der Wahrheits- beweis nicht als gelungen angesehen werden konnte, hat das Gericht de« Angeklagten den Schutz des 8 193 St.G.B. zugebilligt. Es führt ans: Wenn der Angeklagte in der Form, in der er das Schreiben abgefaßt hat, etwas zu weit gegangen ist und weniger schchrse Ausdrücke hätte anwenden können, so sei das seiner Er- regung und seinem Streben, wieder in die Reserve zurückversetzt zu werden, zugute zu rechnen. Er habe also in Wahrung berech- tigter Interessen gehandelt. Die Staatsanwaltschaft und die angeblich beleidigten Offiziere legten Revision gegen den Freispruch ein. Der Reichsanwalt be- aiitragte die Aufhebung des Urteils und die Zurückverweisung der Sache an ein anderes Gericht, nämlich an das Landgericht in Gleiwitz. Die Urteilsgründe gehen im wesentlichen dahin: nicht in allen Punkten sei der Wahrheitsbeweis gelungen und aus der Form hätte auf eine Absicht der Beleidigung wohl geschlossen werden müssen. Im einzelnen heißt es in den Gründen: In eine Prüfung nach der Richtung, ob durch die Form oder Umstände trotz Führung des Wahrheitsbeweises das Vorhandensein der Beleidigung gegeben sei, ist der Vordcrrichter eingetreten, und es ist der Schutz des§ 193 dem Angeklagten für sämtliche belcidi- gende Aeußerungen, also auch für die als wahr erwiesenen zu- gebilligt worden. Damit entfällt die Strafbarkeit aus§ 185 gegebenenfalls ohne weiteres. Tagegen ist den Ausführungen des Reichsanwalts und den Nebenklägern nach der Richtung beigetreten worden, daß die Beurteilung des Wahrheitsbeweises, den der An- geklagte unternommen hat, an Unvollständigkcit, an Lücken und Widersprüchen leidet, zum Teil auch sich auf rcchtsirrtümliche An- schauungen zurückführen läßt. In der Hauptsache sind die erhobenen Ausstellungen begründet. Die Begründung geht dann auf einzelne Punkte näher ein, in denen das Reichsgericht Lücken bei der Prüfung des Wahrheitsbeweises gefunden hat, so bei dem Vorwurf der Lüge bei dem Hauptmann K. und der wissentlichen Unwahrheit gegen Freiherrn v. V. Das Landgericht sage, wenn auch in der Regel unter Verleumdung eine wissentlich unwahre Behauptung erblickt werde, so habe der Angeklagte diesem Ausdruck doch nicht diesen strengen Sinn aufgelegt, obwohl er als Richter wissen muhte, aber offenbar nicht gewußt hat, daß der Tatbestand der Verleum- dnng nicht in§ 188, sondern in 8 187 enthalten ist. Diese Be- gründung kann, so sagt das Rcichgericht, nicht genügen, um die Freisprechung des Angeklagten nach dieser Richtung hin zu recht- fertigen. Der Annahme eines derartigen Nichtwissens steht zunächst in offensichtlichem Widerspruch die Feststellung, daß der Angeklagte in drei Anzeigen gegen die Offiziere beim Ehrenrat und dem Militärgericht die Bestrafung der genannten Offiziere wegen Ver- gehens gegen 8 186 und 187 sowie 164 des Strafgesetzbuches selbst beantragt hat. Das eine Strafverfahren schwebte sogar noch bei Absendung der Eingabe an den Kriegsminister. Daß die Straf- kammer angenommen haben sollte, der Angeklagte sei sich bei der Erstattung dieser Anzeige der unterschiedlichen Bedeutung der 88 186 und 137 nicht bewußt gewesen, kann um so weniger unter- stellt werden, als es sich dabei um etwas jedem angehenden Juristen durchaus Geläufiges bandelt, und der Angeklagte, von dem nicht festgestellt wird, daß sein Wissen auf strafrechtlichem Gebiete der- artigen gcringssen Anforderungen nicht entspricht, den die Straf- kammer vielmehr als hochintelligcntcn und geistig bedeutenden Mann bezeichnet, zumal als Richter nicht nur grob fahrlässig, son- dern geradezu gewissenlos gehandelt haben würde, wenn er auf Grund von Vorschriften, über deren' Bedeutung er sich im unklaren befand, Bestrafung verlangt. Daß die Strafkammer die Auffassung gehabt haben konnte, der Angeklagte sei sich über die Bedeutung des Wortes Lüge, d. h. der bewußten Wahrheitswidrigkeit, nicht klar gewesen, ist kaum anzunehmen, um so weniger, als an anderer Stelle ausdrücklich das Gegenteil festgestellt ist. Schließlich ist es auch rechtsirrtümlich, wenn die Strafkammer annimmt, daß der Angeklagte den Ausdruck Verleumdung nickst in dem gewöhnlichen Sinne, als Behauptung wider besseres Wissen, zu vertreten habe, weil er diesen Sinn nicht damit verbunden habe. Hier handelt es sich nicht um Auslegung, sondern um Unterlegung einer nngewöhn- lichen Wortbedeutung an die Stelle der gewöhnlichen. In solchem Falle kann es nicht genügen, festzustellen, wie der Angeklagte seine Aeußerung verstanden wissen wollte, sondern es kommt darauf an, ob sie von denjenigen, gegen die sie sich richtete, in diesem Sinne verstanden werden konnte und mußte. Dadurch, daß der Täter seine Aeußerung eine von der allgemein üblichen abweichende Be- deutung beilegt, wird sein Bewußtsein nicht ohne weiteres aus- geschlossen, daß die Person, gegen welche die Aeußerung gerichtet ist, sie in dem üblichen Sinne versteht. Handelt der Täter trotz dieses Bewußtseins, daß er dem Worte eine andere Auslegung gibt, so ist zu prüfen, ob er nicht mit dem Eventualdolus gehandelt hat. Eine derartige Prüfung ist vom Gericht nicht vorgenommen worden. Von der Auslegung des Sinnes des gebrauchten Ausdrucks Verleumdung hängt nun aber in ganz wesentlicher Weise nicht nur die Würdigung des Wahrheitsbeweises ab, sondern auch die An- wendbarkeit de? 8 103. Alle die Ausführungen, welche die Straf- kammer über die Nichtanwendbarkeit des 8 103 macht, müssen schon um deswillen beanstandet werden, weil eben die Grundlage für diese Erörterungen, wie gezeigt, fehlt. Im übrigen muß auch noch Bedenken erwecken die Art und Weise, wie die Strafkammer den 8 193 im übrigen anwendet. Es ist nicht vefttändlich, wie der An- geklagte, der sich zum ersten Male mit einer Eingabe an den Kriegsministcr wandte, hat glauben können, daß er nach den Um- ständen des Falles berechtigt sei, anzunehmen, daß dem Kriegsminister gegenüber eine so scharfe Charakteristik der betreffenden Personen nötig sei. Ebenso ist auch die Frage nach dem Vorliegen der beleidigenden Form nicht genügend geprüft worden; so sind namentlich die Unterstreichungen nicht gewürdigt worden. Auch die Art der ganzen Darlegung, die Kundgebung der Gedanken, der Ton, die darin hervortretende gehässige und höhnische Einkleidung seiner Gedanken, alles dies fällt unter den Begriff der Form, und nach dieser Richtung hin hat eine Prüfling nicht stattgefunden, ob- wohl der Sachverhalt eine derartige Prüfung nahelegte. AuS diesen Gründen mußte das Urteil aufgehoben werden, und eS ist dem An- trage des Reichsanwalts entsprechend, die Sache an ein anderes Landgericht verwiesen worden. Zlerbandstag der Maier. über den ./erhoben. zum Aus- für die für die früheren ö Sonder- tik an denr stich, ob nach errungenen önnten. Der .....en Orten, wo in größerem Um- uttn anheimgegeben, er Vereinbarungen zu keine volle Sicher- Jn der am Donnerstag fortgesetzten DiSkussio Schiedsspruch wurden gegen diesen mancherlei Beb Eine volle Befriedigung kam bei keinem einzigen Re! druck. Man habe allgemein erwartet, daß nach de Arbeitgeber völlig ergebnislos verlaufenen Kämpfet Arbeiter herausgekommen wäre als die Bestätig Schiedssprüche, besonders die Delegierten ans den tarife in größerer Zabl abgeschlossen sind, übten a*' vorliegenden Schiedsspruch. Sie meinten, es sei do dem Wortlaut des Schiedsspruches die im Laufe d> Erfolge in vollem Umfange aufrechterhalten Passus des Schiedsspruches, welcher besagt, Vereinbarungen über den Schiedsspruch hi fange bestehen, werde den örtlichen Organs sich über die allgemeine Durchführung 1 einigen, sei doch zu unbestimmt gefaßt, er heit der allgemeinen Durchführung der über den Schiedsspruch hinausgehenden Vereinbarungen. Der Päffas, welcher bestimmt, daß die bestehenden Sondertarife bis zu ihrem Ablaufstermin in Kraft bleiben sollen, sehe so aus, als sollten die Arbeitgeber bestraft werden, die während des Kampfes die Forderungen der Arbeiter bewilligt haben. Es sei doch nicht gut möglich, daß an einem Orte zweierlei Lohnlarife bestehen, solche nach dem Schieds- spruch und solche nach den Sondertarifen. Daß die Arbeitgeber, welche durch Beivilligimg der Sondertarise den Arbeitern im Kampf zur Seite gestanden haben, nach Abschluß des Frieden? höhere Löhne zahlen sollten, als die Arbeitgeber, welche den Kampf gegen die Arbeiter durchführten, könne doch nicht verlangt werden. Wo also die allgemeine Anerkennung der Sondertarife nicht zu- stände komme, werde nichts anderes übrig bleiben, als die Sondertarife aufzuheben. Das heiße aber, die Er- folge des Kampfes aufgeben, was große Unzufriedenheit unter den Kollegen hervorrufen würde. Weng imter diesen Um- ständen die Vertreter der großen Städte mit Sqchertarifen dem Schiedsspruch zustimmen würden, so täten sie das mer«m» Rücksicht auf die kleineren Orte, die mit dem Schiedsspr.ich �einverstanden seien. Als ein Erfolg könne der neue Schiedsspruch nicht angesehen werden.'.'RlW'Ä- S i l b e r s ch m i d t, der als Vertrauensmann der Arbeiter an dem Zustandekommen des neuen Schiedsspruches mitgewirkt hat, führte unter anderem aus: Es sei doch eine schiefe Auffassung, wenn einzelne Delegierten hier sagten, der Kampf Hab« den Trbettern nichts gebracht, die Organisation habe nichts erreicht, sie sei höchstens mit einem blauen Auge davongekommen. Diese Auffassung treffe nicht zu. Wenn man die Situation unbefangen betrachte und der Wahrheit die Ehre gebe, müsie man sagen, der Ausgang des Kampfes sei eine komplette Nieder- läge des Unternehmertums, wie man sie in den deutschen GcwerkschaftSkämpfen noch nicht gesehen habe. Die Unternehmer hätten zwar verschiedene Gründe für die Aussperrung angegeben. aber Tatsache sei doch, daß die früheren Schiedssprüche die eigentliche Veranlassung zur Aussperrung gewesen seien. Und am Ende dieses Kanipses sähen wir nim, daß das Unternehmertum vom Schiedsgericht verurteilt werde, die gleichen Bedingungen anzunehmen, gegen die es in den Kampf ging. Soweit es sich beut übersehen lasse, sei das Unternehmertum rncht imstande, den Kampf mit der geringsten AuS- ficht auf Erfolg weiterzuführen, Wenn vielleicht einzelne Bezirke der Unternehmer jetzt va banque spielen möchten, so ändere daS nichts an der lompletten Niederlage des Unternehmertums. Wenn man sage, die Arbeiter hätten nichts errungen, so heiße das doch, den Arbeiten: das Ergebnis verekeln, über das wir uns alle bis zu einem gewissen Grade freuen könnten. Tatsache sei, daß der Maler- verband, wenn man die ganze Situation betrachte, in■ diesem Kampf einen großen Sieg errungen habe. Unangenehm könne allerdings berühren, daß es nicht gelungen sei, über die früheren Schiedssprüche hinauszukommen und daß die Ungerechtigkeiten derselben nicht beseitigt werden konnten, ferner daß die Unternehmer für ihr frivoles Spiel nicht einen Teil der Kriegs- kosten tragen müssen. Daß das die Orte, wo eine größere Zahl von Sondertarifen abgeschlossen seien, unbefriedigt lasse, sei zu be- greifen. Aber unbegreiflich würde es sein, den Sieg des Maler- Verbandes verkleinern zu wollen. Der Verband habe alle Ursache, sich seines Erfolges zu freuen, denn es sei durch ihn der Beweis erbracht, daß die deutschen Gewerkslhaften nicht, wie manchmal be- hauptet werde, nur kleine Erfolge erringen können, sondern daß sie imstande seien, große Kämpfe durchzuführen, und daß sie einem Anprall des Unternehmertums gewachsen seien. Ter Passus des Schiedsspruches, daß die Sondertarife bestehen bleiben sollen, sei zum Vorteil der Arbeiter geschaffen. Das Schieds- gericht habe gemeint, es werde den Arbeitern unter gewissen Vor- aussetzungen gelingen, die Unternehmer zu veranlassen, allgemein über die Schiedssprüche hinauszugehen und den Löhnen der Sonder- tarife näher zu kommen. Die Sicherung der Sondertarife werde das Niveau der allgemeinen Tariftöhne heben. Der PassuS sei also durchaus nicht als gegen die Arbeiter gerichtet zu be- trachten.— Angegriffen sei hier der Absatz,' wonach in Orten mit einer größeren Anzahl von Sondertarifen sich die Parteien über die allgemeine Durchführung derselben einigen können. Die Arbeiter- Vertreter im Schiedsgericht hätten zunächst versucht, eine Bestimmung durchzusetzen, wonach die Sondertarife allgemein anerkannt werden muffen in den Orten, wo ein gewisser Prozent der Arbeiter mit sondertarifen beschäftigt ist. Das sei jedoch nicht gelungen. So sei denn schließlich die vorliegende Fassung zustande gekommen, welche die Arbeitervertreter völlig unbefriedigt gelassen habe, weil sie sehr dehnbar sei. Es liege aber doch auch in diesem Passus eine Anerkennung des Sieges der Arbeiter. Es dürfte doch möglich sein, in einer Reihe von Orten die Unternehmer zu bewegen, über die Schiedssprüche hinauszugehen und den Sondertarifen näher zu kommen.— An dem Erfolge des Kampfes für die Arbeiter könne nicht gezweifelt werden.(Beifall.) Hierauf kamen noch einige Redner zum Wort, welche Aus- stellungen an dem Schiedsspruch machten, unter anderem wurde eine Bestimmung vermißt, daß die Ausgesperrten von ihren früheren Arbeitgebern wieder eingestellt werden müssen. Bon anderer Seite wurde eine derartige Bestimmung als belanglos bezeichnet, denn es komme nicht darauf an, daß jeder Arbeiter an feinen früheren Platz käme. Der Referent S t r e i n e empfahl im Schlußwort die Annahme des Schiedsspruchs aus den Gründen, die in der nachstehenden, vom Lorstande eingebrachten Resolution angegeben sind. In namentlicher Abstimmung wurde mit 86 Stimmen, die 42 783 Mitglieder vertreten, gegen Stimmen, hinter denen 7119 Delegierte stehen, der zweite Absatz der Resolution und damit der Schiedsspruch angcnomwc». Der erste Absatz wurde durch Akklamation gegen zwei Stimmen, die beiden letzten Absätze einstimmig angenomnien. „Die außerordentliche Generalversammlung des Verbandes der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tüncher und Weißbinder Deutschlands ist der lleberzeugung, daß die vom Arbeitgeberverband des Maler- gewerbeS offen ausgesprochene Absicht, durch die von ihm herauf- beschworene Machtprobe die Gehilsenorganisation niederzuringen und die Arbeiter des Malergewerbes noch weiter wirischafilich herabzu- drücken, vollständig mißlungen ist. Das beweist nicht nur der Verlauf und der gegenwärlige Srand der bereits 11 Wochen an- dauernden Aussperrung, sondern auch der am 10. Mai gefällte neue Schiedsspruch, durch den der vom Arbeitgeberverband ab- gelehnte Schiedsspruch vom 24. Februar vollinhaltlich b e st e h e n bleibt; außerdem daß in Orten, in denen es der Gehilsenschaft während der Aussperrung gelang. die Lohn- Verhältnisse gegen den Widerstand des organisierten Unter- nehmerwmS vorwärts zu treiben, diese allgemein durchgeführt werden sollen. Sind demnach die von den Gehilfenorganisationen von An- fang der Bewegung an aufgestellten Grundsätze allgemein an- erkannt und die vom Arbeitgcberverband verfolgten organisations- und arbeiterfeindlichen Pläne gebührend zurückgewiesen worden, so stimmt die Generalversammlung dem neuen Schiedsspruch zu, trotzdem sie auch heute noch der schon vor Ausbruch des Kampfes zum Ausdruck gebrachten lleberzeugung ist, daß der grundlegende erste Schiedsspruch den bestehenden Verhältnissen in Anbetracht der schlecht«» sozialen Lage der Arbeiter des Malergcwerbes nicht gellttsend Rechnung trägt. Di« Ajsneralversammlmlg bringt ferner zum Ausdruck, daß der gegenwhAae Rampf mit aller Deutlichkeit gezeigt hat, daß nur eine f e1t'a.e lüKte, gut fundierte zentrale Droani» 1 a ti ort TmflöAbe ist, die Interessen der Arbeiter gegenüber den Anmaßtlch�n. Hsnes scharfmacherischen UnternehmKtumS wirksam zu vertr�M�.�Wollte der Arbeitgeberverband wiederum den Schiedsspruch, fthkhisen, so wird der Kampf nach wie vor in aller Die Gdnchschlh�ammlnng ist der Ueberzeugung, daß auch in Zukunft die wette«! stKtärkung und Ausbauung unseres Verbandes die vornehmste der Arbeiterschaft im Malergewerbe sein Dem Verbatchitagpi �ing in den Abendstunden noch die Mit- teilung zu, daß auch � die.Unternehmer den Schiedsspruch mit ge- ringer Mehrheit angeuoinwnr haben. Damit ist der Kampf auf- gehoben und der VWtmöltag konnte seine Aufgabe als gelöst an- sehen und seine Verhandlungen schließen. 13. Nerbandstag des Verbandes der Zchiffsümmerer. Die Verhandlungen werden am Mittwoch beim Bericht der Rechnungsprüfungskommission fortgesetzt. Den Bericht vom Gewerkschaftskongreß erstattet W i ch e r s. Er befürwortet die dauernde Einführung dcS UmlageverfahrenS bei allgemeinen Unterstützungsaktionen gelegentlich größerer Kämpfe und fordert zu reger Anteilnahme an der„Bolksfürsorge" auf. Der VerbandStag erklärt sich mit dem Umlageverfahrcn einvcr- standen und bestimm�, daß die Gelder von den Zahlstellen in ihnen geeignet erscheinender' Weise aufzubringen sind. Ebenso erklärt sich der Verband�agffsWstnit einverstanden, daß bei einer even- tuellen ErhöhuM ��"�eit�äge an die Generalkommisfion diese Summen durch-Gis-WiMitkasse gezahlt werden� In der»tüdtteUWWatte über die zum Statut vorliegeirden Anträge bedWogW1]lTi Redaktionskommission gleich dem Haupt- vorstand eine Erbölmng des Wochenbeiirages von öCT auf 70 Pst Tie MchrMh>>de8'>Diskussior.sredner tritt ebenfalls für diese Er- höhuna! vm??.'GIN wesentlicher Teil der Delegierten fordert aber eine EMAMD�rschiedener Unterstützungssätze. Die ausgedehnte Debatte cheWIftigte sich sodann vor allem mit der Frage, ob eine Echöyuiig der Kranienunterstützung und der Arbeitslosenunte» stützuiig»Dketen, oder diese Erhöhung auf die Arbeitslosenunter- stützung Mschränkt bleiben soll. Einige Redner fordern sogar mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse im Krankenversicherungs- wesen ein« Herabsetzung der Krankenunterstützung. Andere ver- langen eine Verkürzung der Bezugsdauer bei der Arbeitslosen- Unterstützung zugunsten einer Erhöhung der Tagessätze. Angenommen wurden schließlich folgende Acnderungen des Statuts. Der Beitrag wird von 60 auf 70 Pfennig pro Woche erhöht. 60 Pfennig sind an die Hauptkasse abzuführen. Die Streikunterstützung wird in Zukunft vom ersten Tag, bisher erst vom vierten Tag. gewährt. Die Arbeitslosenunterstützung wird von 1,10 M. pro Tag auf 1,30 M. erhöht. Dagegen wird die Be- zugsdauer, die bisher bei 520 Beitragswochen 310 Tage betrug, bei der Arbeitslosenunterstützung auf 250 Tage verkürzt. Neu eingeführt wird eine Umzugsunterstützung, die früher nur bei Streiks, Aussperrungen und Maßregelungen gewährt wurde. Sie beträgt nach 52wöchigcr Mitgliedschaft und bei einer Entfernung des neuen Wohnortes von nicht unter 20 Kilometer 25 M. Die Unterstützung kann nur alle zwei Jahre einmal erhoben werden. Die Krankenunterstützung bleibt wie bisher bestehen. Die Ein- führung einer Reiseuntcrstützung wurde abgelehnt. Für die Lehr- linge, die mit einem Wochenbeitrag von 15 Pst dem Verband an- gehören können, wurde die Bestimmung getroffen, daß sie in den Zahlstellenversammlungcn weder Stimm- noch Wahlrecht haben. Nach debatteloser Annahme einiger weiterer Statutenänderungen untergeordneter Natur vertagt sich die Generalversammlung auf Donnerstag. Stadlverordneteii'Oerfatiimlung. 18. Sitzung vom Donnerstag, den 22. Mai 1913, nachmittags 5 Uhr. Vorstehcr-Stcllvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. Die Versammlung genehmigt eine große Reihe von Urlaubs- anzeigen und beschließt sodann, die Vorlage wegen des Umbaues des Universitätsviertcls vorwegzunehmen. Das Bauviertel hinter der Universität zwischen Dorotheen-, Universitäts-, Georgenstratze und 51upfergraben will der Magistrat von Grund aus umgestalten und einerseits mit der Universität, andererseits mit den Museumsbauten in organische Verbindung bringen. Die Einzelheiten sind bereits mitgeteilt, Das Projekt soll„die bisher fehlende und aus allgemeinen wie ästhetischen Gesichtspunkten erwünschte Zuführungsstraße zu den neuen Museumsbauten darzustellen geeignet" fein. Im einzelnen sind geplant eine Brücke von 16 Meter Breite zwischen Eiserner und Monbijoubrücke geradewegs auf den Haupteingang des künfti- gen Museun�s, in gradliniger Verlängerung der Brückenachse Durchguerung des Bauviertels durch eine neue Straße bis zur Dorotheenstraße, Kassierung von Teilen der Bauhofstraß«, Umge- staltung des Hegelplatzes in halbrunder Form. Die Kosten schätzt der Magistrat auf im ganzen 5,1 Millio- neu Mark, wogegen er auf 2,6 Millionen Rückeinnahmen rechnet, so daß als Kosten der«-traße und. des Platzes 2% Millionen Mark verbleiben; der Brückenbau erfordert 300 906 M., an die Krone (Kronfidcikommiß) sind für Teile der Grundstücke Bauhofstraße 3 bis 5 und 6 und Dorotheenstraße 3 830 000 M., an den Militärfiskus für Dorotheenstraße 5 und Hegelplatz 2 zu zahlen 1075 000 Mark. Für den Erwerb(eventuell durch Enteignung) der Grund- stücke Dorotheenstraße 4, Bauhofstraße 1, 2 und 7, Kupfergraben 5 und 6, Teil von Bauhofstraße 12 sind 3 115 000 M. in Anschlag gebracht. Oberbürgermeister Mermuth: Ich bitte Sie. nicht annehmen zu wollen, daß mit der borgeschlagenen Veränderung des Stadt- bildes eine Aera eingeleitet werden soll, welche den Gesichtspunkt der Verschönerung einseitig in den Vordergrund stellt. Mit der Schönheit Hand in Hand geht die Gesundheit. Für Licht und Luft, für die Auskehrung überalterter Zustände zu sorgen, ist eine unse- rer vornehmsten Pflichten. Eine Stadt, wie die unsrige, hat so mannigfaltige, gewaltige Aufgaben zu lösen, daß sie wohltut, wenn sie aus allen ihren Neuerungen und Erneuerungen möglichst viel- fettigen Nutzen zu ziehen bestrebt ist. Nach diesen Grundsätzen zu handeln hat sich der Magistrat in den langjährigen Vorarbeiten zum Entwurf redlich bemüht. Er betrachtet öa? vorliegende Projekt nicht nur als ein Verschönerungs-, sondern auch als Ver- kehrsprojekt; er nimmt an, daß mit der Ausführung auch die Untertunnelung der Straße„Unter den Linden" erfolgen wird. Das wird besonders auch zum Vorteil der städtischen Straßenbahnen beitragen und die Verbindung zwischen Norden und Süden erleichtern. Die grundsätzliche Zustimmung der Behörden wird die Untertunnelung zweiffelloS finden. Hinzu kommt der staatliche Ausbau der Universität und der Museumsinsel. Wenn die Stadt hier mit einspringt und zur Schaffung eines künst- lerischen Gesamtbildes beiträgt, hebt sie den Wert de? ganzen Werkes. Der Staat seinerseits hat von dem geplanten unschönen einseitigen Flügelbau der Universität an der Universitätsstraße zu- gunsten unseres Projektes Abstand genommen. Das ganze Unter- nehmen gipfelt in der Neugestaltung des Hegelplatzes. Bei dem starken Bedarf der Stadt an eigenen Tiensträumen haben wir er- wogen, ob nicht der neue Rundbau direkt für städtische Zwecke reserviert werden sollte. Diese Absicht glaubt der Magistrat indes mit Rücksicht auf das geplante Reichsschulmuseum zurück- treten lassen zu sollen. Natürlich kann Berlin sich ein solches Vor- haben nicht allein aufbürden; nur wenn Reich und Staat mit- wirken, kann Berlin sich beteiligen. Die Straßendurchlegung wird auf 2'/» Millionen veranschlagt, der Brückenbau soll 300 000 M. kosten, der Rundbau ist eine Sache für sich, die Bausumme von 2*A Millionen bedarf der Verzinsung; gleichwohl bleibt das Opfer für den gemeinnützigen Zweck ein sehr mäßiges. Die Frage, ob der Opfermut Berlins durch die kommunalpolitischen Vorgänge der letzten Jahre wesentlich gestärkt werden konnte(Bewegung), wird hier zurückzutreten haben; hier handelt es sich darum, die Stellung der Reichshauptstadt mit Würde wahrzunehmen. Das Projekt ist groß, schön und zukunftsreich; ich bitte Sie herzlich, es auch ihrerseits groß nehmen und gutheißen zu wollen.(Lebhafter Beifall.) Es ist von Awei Seiten Ausschußberatung beantragt. Stadtv. Heimann(Soz.): Wir sind der Ansicht, daß die ge- plante Umgestaltung, sofern gewisse Vorbedingungen gegeben sind, wohl eine Förderung durch die Stadtgemeinde zu erfahren geeignet ist. Wir geben zu, daß zu den großen neuen Museumsbauten eine gute und bequeme Zugangsstraße zurzeit fehlt und ihre Schaffung wünschenswert ist. Wir sind auch damit einverstanden, daß im Anschluß und als Abschluß der einheitlich ausgestalteten neuen Universitätsbauten ein neues Gebäude zur Unterkunft wissen- schaftlicher Institute errichtet werde, worunter unsere alte Forde- rung eines Reichsschulmuseums im Bordergrunde steht. Wir würden es auch begrüßen, wenn unser städtisches Schulmuseum aus der Stallschreiberstraße, wo es doch nur ein kümmerliches Dasein führt, in das neue Gebäude übergeführt und dort den Fach- kreisen wie den Besuchern ein geschlossenes Bild von den Schul- zuständen Deutschlands gegeben würde. Die weitschichtigen Ver- Handlungen, die das Projekt erfordert, hat der Magistrat nun zwar benutzt, um auch alte städtische Projekte weiter zu fördern, aber nach dieser Richtung erscheint uns die Vorlage noch sehr unfertig. (Zustimmung.) Mit den meisten Behörden wird noch verhandelt, ein Abschluß ist noch fast nirgends erfolgt. Wir wissen aber aus langer und trauriger Erfahrung, daß gerade in Berlin bei solchen Verhandlungen mit hohen, höheren und höchsten Staatsbehörden gar nicht vorsichUg genug verfahren werden kann; die Hoff- n n n g e n dcS Magistrats geben durchaus keine Unterlage, um daraus den großen und teuren Bau errichten zu können. Wir müssen drei Vorbedingungen stellen. Erstens soll die Universität ihren Entschädigungsprozcß gegen die Ttadtgemeindc zurückziehen und uns den Teil des Terrains, welchen wir für den Tunnel brauchen, zu einem annehmbaren Preise verkaufen. Der Magistrat scheint das ja auch als Voraussetzung für unseren Beschluß zu be- trachten, in dem Wortlaut des letzteren steht aber nichts davon; das muß nachgeholt werden.(Zustimmung.) Wichtiger noch ist zweitens die Frage des Opernhaustunnels; sie muß hier ebenfalls endgültig und abschließend geregelt werden.(Zustimmung.) Wenn auch die technischen Bedenken gegen das Projekt beseitigt sein sollten, wie die Vorlage sagt, können uns doch plötzlich neue Schwie- rigkeiten von irgendeiner Seite gemacht werden. Wir müssen nach dieser Richtung hin speziell nach unseren Ersahrungen bei den Hafenanlagen schlechterdings auf alles gefaßt sein. Die Renta- bilität unseres Strahenbahnnetzes hängt von dieser Genehmigung ab; wir müssen daraus bestehen, daß auch diese Vorbedingung in den Beschluß aufgenommen wird.(Sehr richtig!) Endlich bedürfen auch die Preise, die der Magistrat bereits zugesichert zu haben scheint, noch näherer Begründung und Erläuterung. Wie der Ma- gistrat die zu enteignenden Grundstücke für nur 3 Millionen er- werben will, ist mir unerfindlich. Um so unbegreiflicher ist mir, daß er ausgerechnet schon mit dem MilitärsiSkus feste Preise vereinbart hat.(Hört! hört!) Hier wird sorg- sältigste Prüfung geboten sein. Die Projekte selbst können wir nicht nach eigenem Ermessen durchführen, sondern wir bedürfen dazu königlicher Genehmigung nach dem Fluchtliniengesetz von 1875. Dieses schon recht antiquierte Gesetz bestebt nun einmal, und so haben wir uns damit abzufinden. In der Begründung findet sich ein letzter Satz, der die Vorlage mit dem RegierungS- jubiläum des Kaisers in Beziehung bringt. Sie kennen uns seit Jahrzehnten; Sic wissen, daß wir aus unseren grundsätzlichen Ueberzeugungen und nach den Kundgebungen deS Trägers der Krone es unbedingt ablehnen, an irgend- welchen dhnajti scheu Kundgebungen uns zu be- teiligen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Da indessen dieser Hinweis in einer Form erfolgt, die auf gesetzlicher Grund- läge beruht und wir im übrigen anerkennen, daß das Projekt einer unbefangenen, sachlichen Prüfung würdig ist, so wollen wir uns auch einer solchen nicht entziehen(Beifall), sind auch bereit, an dem weiteren Ausbau dieser noch so unfertigen Vorlage mitzuwirken, und beantragen deshalb Ueberwcifung an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Unsere endgültige Stellungnahme wird abhängen von der Gestalt, in welcher die Vorlage aus dem Ausschutz zurück- kommt.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Stapf(A. L.) unterzieht die Vorlage und die Einzel- Projekte einer im wesentlichen anerkennenden Besprechung. Wenn der Magistrat das Unternehmen mit dem kaiserlichen Regierungs- jubiläum in Beziehung bringe, so werde er in weiten Kreisen der Versammlung dafür Zustimmung finden. Zweifelhaft ist dem Redner nur, ob wirklich durch die Umgestaltung das Kastanien- Wäldchen in einer„reizvollen" Weise erhalten bleiben wird. Sehr unsicher seien noch die Kostensragen. Die Alte Linke wolle die Ver» abschiedung der Vorlage nicht verhindern, sordere aber Ausschuß- beratung. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) sieht die Vorlage als eine sehr glückliche Lösung einer Reihe von Fragen von hoher kommunaler Bedeutung an. Es handle sich einstweilen nur um eine grundsätz- liche Zustimmung, und die mehr erwähnten Vorbedingungen, die freilich erfüllt werden müßten, brauchten in den jetzt zu fassenden Beschluß nicht hincingeschrieben zu werden. In glücklichster Weise sei das Projekt mit dem Ausbau der Universität verknüpft worden. Die Frage der Verlegung der Universität dürfe man nicht leicht nehmen(Unruhe und Widerspruch); der verstorbene Althosf, ein sehr mächtiger Mann, habe sie mit allen Kräften betrieben. Es sei außerordentlich vorteilhaft, daß die Universität an ihrer jetzigen Stelle auf dem Boden des Universitätsgartens erweitert werden könne. Es handle sich hauptsächlich auch um eine JubilänmSgabe des Reichshauptstadt, und besonders erfreulich sei, daß der Stadtv. Heimann für die Zustimmung seiner Freunde eine so glückliche und einwandfreie Form gefunden habe. Ter Ausschußberatung stimmt Redner zu. Stadtv. Rosenow(92. 2.): Auch wir wollen der Vorlage gegen- über Opfermut und Großzügigkeit beweisen; wir stimmen ihr grundsätzlich zu und sehen einen Mangel auch nur darin, daß die Erfüllung der Borbedingungen nicht präziser zum Ausdruck ge- langt ist. Die Vorlage geht an einen Ausschutz von 15 Mitgliedern. Der Ausschuß wird sofort vom Vorstande ernannt, ihm gehören auch Dr. Arons, Basner, Hermann, Pfannkuch (Soz.) an. Hierauf erfolgt die feierliche Einführung des neuen «ladt medizinalrats Geh. Rats Dr. Weber, der durch die Stadtverordneten Dr. Herzberg, Dr. Landau und Dr. Wehl in den Saal geleitet wird. Der Oberbürger- meister richtet an das neue Magistratsmitglied eine längere Begrüßungsansprache und nimmt ihm den Amtseid und den Eid auf die Verfassung ab. Freundliche Worte der Begrüßung richtet sodann an ihn auch der Vorsteher-Stelloerlreter Cassel. Es wird nunmehr zur Wahl eines unbesoldeten Stadtrats geschritten. Mit 92 von 94 gültigen Stimmen geht Geh. Kommerzienrat Conrad von Borsig aus der Wahl her- vor; je eine Stimme fällt auf Dr. Arons und Rosenow. Sieben Zettel sind unbeschrieben. In dem der Parochialtrrche gehörigen Neubau Kloster- st r a ß e 65/67 soll im dritten Stock ein Flächenraum von 360 Quadratmeter auf fünf Jahre für 6000 M. jährliche Miete zum Zwecke der Vergrößerung des technischen Bureaus des Stadtrates für den Tiefbau gemietet werden. Die Versammlung stimmt zu, nachdem auf Anregung de? Stadtv. H i n tz e(Soz.). Vorsorge zu treffen, daß nicht im vierten Stock ruhestörenden Lärm verursachende Betriebe untergebracht werden, Stadtbaurat Krause eine beruhigende Erklärung ab- gegeben hat. In einer Nachtragsvorlage vom 19. Mai beantragt der Magistrat die Bewilligung von 5090 M. zur Veranstaltung einer Gedächtnisfeier für Richard Wagner, die gestern bereits stattgefunden hat. In der Begründung ist gesagt, daß mit Rücksicht aus den AuS» fall der Sitzung in der Psingstwoche die Vorlage erst jetzt gemacht werden konnte. Borsteher-Stellvertreter Cassel bemerkt, daß er, wenn ihm die Vorlage Sonnabend vor Pfingsten zugegangen wäre, er eine Sitzung der Versammlung in ver Psingstwoche einberufen haben würde. Stadtv. Dove(A. L.): Damit die Vorlage möglichst bald in Kraft treten könne(Heiterkeit), fasse ich mich kurz und empfehle ihre Annahme, habe aber ausdrücklich im Namen meiner Freunde ihr spätes Erscheinen zu bedauern. Der Magistrat hat doch nicht aus dem Abreißkalender erfahren, daß heute Richard Wagners hundertjähriger Geburtstag ist.(Heiterteit.) Stadtv. Zubeil(Soz.): Auch wir haben gegen die Veran- staltung der Feier nichts einzuwenden, müssen aber ebenfalls be» mangeln, daß die Vorlage erst heute an uns kommt. Angesichts dieser Hundertjahrfeier wäre rechtzeitige Vorlegung sehr wohl an- gebracht gewesen; nun ist die Feier zum Teil schon vorbei, und ihr letzter Teil geht in einer guten halben Stunde vor sich. Die öffent- lichen Konzerte sind Mrlitärkapellen übertragen worden. Der Magistrat hat nicht daran gedacht, daß sich in Berlin Tausende von Steuerzahlern befinden, die schwer um ihre Existenz gerade im Kampfe mit den Militärkapellen zu kämpfen haben. Der Magistrat hätte doch an die ZivilberufsMusiker denken können; statt dessen aber sind die öffentlichen Konzerte Kapellen übertragen, von deren Mitgliedern kein einziges auch nur einen Pfennig Steuern an Berlin zahlt. Mindestens ein bis zwei Plätze hätte man den Zivilmusikern überweisen sollen. Die allgemeinen Steuern müssen auch wieder den Steuerzahlern zugute kommen. Bürgermeister Dr. Reicke: Heber diese Frage haben längere Verhandlungen mit dem Generalkommando stattgcf»nden, die auch zur Verzögerung beigetragen haben. Wir haben auch die Frage der Beteiligung der Zivilberufsmusiker erwogen; auch das General. kommando hat darauf hingewiesen, ob nicht Berufungen eintreten würden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir sind schließ. lich zu der Auffassung gelangt, daß solche Berufungen unstatthaft sein würden. Die Zivilberufsmusiker konzertieren meistens i» Jnnenräumen und hauptsächlich mit Streichinstrumenten, während wir hier Kapellen brauchten, die im Freien mit großer Kraft zu musizieren hatten. Es mußten auch sehr stark besetzte Kapellen sein. Das ist beim Militär leicht zu machen. An allen fünf Plätzen spielen je zwei Kapellen. Eingespielte Kapellen kann man für solche Zwecke nicht aus der Erde stampfen. Wir hätten weder 10 noch 5 geeignete Zivilmuftkerkapellen zur Verfügung gehabt, sondern höchstens eine, Stadtv. Zubeil: Die Einwände sind durchaus nicht stichhaltig. Die Zivilberufsmusiker geben auch in sehr großen Gartenlokale» ihre Konzerte, und nicht bloß mit Streich-, sondern auch mit BlaZ- instrumcnterr. ES hat hier eine MckfichtSlosigffeit gegenüber de» Steuerzahlern Platz gegriffen. Noch erschwerender ist es für den Magistrat, wenn selbst des Generalkommando auf die Möglichkeit von Kontroversen aufmerksam gemacht hat. Hätte man die Sache ordnungsmäßig vorbereitet, statt sie übers Knie zu brechen und über Nacht in Szene zu setzen, so hätte man auch ZivilberufSmusiker erhalten. Tie Schuld trägt hier allein der Magistrat. Die Versammlung stimmt der Borlage zu. Tie übrigen Gegenstände werden von der Tagesordnung abgc- setzt und die öffentliche Sitzung um ViS Uhr geschlossen. Hus der Partei. Die Parteiprcsse zum Fall Borchardt. Ein Teil der Parteipresse druckt den Bericht und die darauf folgende Notiz des.Vorwärts" über den Fall Borchardt ohne jede Bemerkung ab. Das„Hamburger Echo" schreibt dazu: „Man kann dem„Vorwärts" nur beipflichten, denn soviel Einsicht, nunmehr schleunigst selbst die Kandidatur niederzulegen, scheint Borchardt nicht zu besitzen." Die„Frankfurter Volks stimme" bemerkt zu dem Llbstimmungsresultat der Berliner Berbandsgeneralversammlung: „Beide Abstimmungen klaffen heillos durcheinander. Wie denken denn die Berliner Genossen sich die Stellung eines Ab- geordneten, der von seiner Partei derartig gekennzeichnet wurde? Es gibt nur eine Lösung des Widerspruches, die zu finden Borchardt obliegt." In gleichem Sinne äußern sich die„Rheinische Zeitung (Köln), die Düsseldorfer„ V o l k s z e i t u n g", der„Volks böte" in Zeitz, die Görlitzer.Volkszeitung" dos„Norddeutsche Volksblatt" sRüstringens, die „Reußische Tribüne" sGern), die Chemnitzer„ V o lk s- stimme", das„Bolksblatt für Anhalt"(Dessau). die Bielefelder„Volkswacht", die„Freie Presse für E l b e r f e l d- B a r m e n. Nur die„Norddeutsche V o l k S st i m m e"(Bremerhaven) glaubt— bis jetzt als einziges Parteiblatt— den Fall anders be urteilen zu müssen. Sie schreibt: „Es ist nicht das erste Mal, daß gerade gegen Genossen Borchardt Treibereien mit dem Ziele der Abhalfterung vom Land- tagSmandat im Gange sind. Bekanntlich wurde schon einmal vor einiger Zeit von bestimmter Seite versucht, Genossen Borchardt des Mandats für unwürdig zu erklären, weil er stall bei einer Ersatzwahl sein Wahlrecht auszuüben, am Wahltage in Ausübung seines Mandats im Dreiklassenhause verioeilte. Damals kam er mit einer Rüge davon, obgleich er nachwies, daß er wegen einer notwendigen Erwiderung auf einen gegnerischen Angriff am fraglichen Tage im Landtag verblieb, stalt zur Wahl zu gehen. Was damals nicht erreicht wurde, soll wohl jetzt durch schwereres Geschütz erzielt werden. Der ganze Hintergrund dieses Streites mutz fast den Anschein erwecken, als ob es sich weniger um die für uns nicht nachprüf- baren Verfehlungen Borchardts, als um die Besetzung des Mandats handele. Wessen Geschäfte aber schließlich damit besorgt werden, das kündet das Triumphgeheul der gegnerischen Presse, die sich sensationsgierig auf diesen Fall stürzt." Das„Volksblatt" in Kassel schreibt dagegen: „Es gibt aber noch einen anderen Ausweg, den die„Frank- furter Volksstimme" mit den Worten andeutet, es liege Borchardt die Lösung des Widerspruches zwischen den beiden Beschlüssen der Berliner Generalversammlung ob. Derselben Meinung sind wir auch. Der einfachste Takt müßte den Wenosien Borchardt be- stimmen,>ofort von seiner erneuten Kandidatur zum Landtag zurückzutreten, damit das der Partei sichere Mandat noch am 3. Juni einem Parteigenossen zufallen kann, dessen Person unseren rücksichtslosen Gegnern im Dreiklassenhaus nicht ihnen sehr willkommene, bequeme Angriffsflächen bietet. Gerade im Abgeordnetenhaus mit nur einem guten Halden Dutzend sozial- demokratischer � Abgeordneter, von denen jeder einzelne nahir- gemäß sehr häufig mit den Gegnern die Klinge kreuzen mutz, ist es doppelt notwendig, den Gegnern jede Gelegenheit zur Ver- schiebung des GefechtsfeldeS zu nehmen." Totenliste der Partei. Nach monatelangem schweren Leiden ist Genosse Angerhofer in Kaufbeuren im Alter von 6 l Jahren verschieden. Schon auf dem ersten deutschen Sozialistenkongretz 18S0 auf Schloß W y d e n in der Schweiz war Genosse Angerhofer Vertreter der da- mals noch kleinen Parteigruppe Kaufbeuren. Mit Geschick führte er für die Folge die Parteigenossen die damals gefahrvollen Wege zum sozialdemokratischen Wahlverein und bewährte sich jederzeit als un> ermüdlicher Agitator. Im Dezember 1911 zog Genosse Angerhofer als erster Sozialdemokrat in das Gemeindekollegium ein. Die Partei wird sein Andenken in Ehren halten. Aus den Organisationen. In der Generalversammlung des IS. sächsischen Reichs- tagswahlkreises konnte im Geschäftsbericht, der sich bekannt- lich diesmal nur auf neun Monate erstreckt, eine weitere Stärkung der politischen Organisation festgestellt werden. Ueber 2000 neue Mitglieder fanden wiederum Aufnahme. Gegenlvärtig zählt der 16. Rcichstagswahlkreis 16 406 organisierte Sozialdemokraten, dar- unter 2200 weibliche. Im Berichtsjahre haben 62 öffentliche und 271 Bcreinsversamnilungen mit wissenschaftlichen Vorträgen und Vorträgen agitatorischer Art. sowie über 100 Gruppenversammlungen stattgefunden, die größere Aktionen vorbereiteten. Die Frauen- bewcgung hat im Kreise eine erfreuliche Aufwärtsbewegung zu ver- zeichnen: die Zahl der weiblichen Mitglieder stieg um 63 Proz., von 1341 auf 2200. Das Parteiorgan, die Chemnitzer„Volks- stimme", hat sick Weiler glänzend entwickelt und das finanzielle Ergebnis ist ein noch günstigeres als im Vorjahre. Im Kassenbericht spiegelte sich die finanzielle Erstarlung der Kreisorgauisation deutlich wieder. In den neun Monaten war eine Einnahme durch Marken- Umsatz im Betrage von£>4 703 M. zu verzeichnen; das sind 3000 M. mehr als im Vorjahre, da« 12 Monate umfaßte. Noch deutlicher wird das Bild durch den Hinweis, datz der Markcnumsatz vor zehn Jahren im ganzen Jahre nur 4500 M. betrug. Ein dadischcS Idyll. Wir lesen in der badischcn Parteipresse: Der Verein Karlsruher Presse hielt am Montagabend eine außer- ordentliche Generalversammlung ab. In dieser wurde au Stelle des bisherigen 1. Vorsitzende», Herrn Chesrcdakteur Amend(„Karlsruher Zeitung"), der nach mehrjährigem perdienstvollem Wirken sein Amt niedergelegt hatte, durch Akklamation einstimmig Herr Chefredakteur Herzog(„Bad. Presse") gewählt. Herr Chefredakteur Amend, dem für seine Verdienste um das BercinSleben herzlicher Dank gezollt wurde, gehört auch weiter dem Borstand an. Für den nach Niirn- berg berufenen bisherigen 2. Porsitzendcn, Herrn Chefredakteur Dr. Rathje(„Bad. Landesb."), wurde Herr Chefredakteur Kolb(. Volksfreund"), gewählt. Die Tagesordnung der Generalversammlung umfaßte sodann noch mehrere Fragen interner Natur, deren Verhandlung einen sehr sympathischen Verlauf nahm und von der Einmütigkeil, die unter den Karlsruher Journalisten herrscht, ein erfreuliches Zeugnis ablegte. In Baden lebt man noch im politischen aursa priras. altas[im ersten goldenen Zeitalter). Klassenkampf oder politische Gegensätze find hier noch unbekannte Dinge,„Einmütigkeit" herrscht unter den Journalisten aller Parteirichtungen. Auf dieses politische Idyll trifft das Dichterwort zu:„Kein Laut der aufgeregten Zeit drang je in diese Einsamkeit." Parteilitcratur. Russische Gefängnisse. Von Wera Aigner. In diesen Tagen, in denen der Zar in den Mauern Berlins weilt und von der offiziellen Welt gefeiert wird, ist es angebracht, auf diese Broschüre hiuzuweisen. Die Gefängnisgreuel, die das zaristische Knutensystem auf dem Gewissen hat, werden hierin von einer Freiheitskämpferin gebrandmarkt, die alle Schrecken russischer Barbarei am eigenen Leibe erfahren hat. Die Schrift ist im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Ihr Preis beträgt 75 Pf. Personalien. Aus der Redaktion der„Rheinischen Zeitung' ist Genosse R. Kempkens ausgeschieden. Er tritt in das zu Dussel- dorf befindliche rheinisch-westfalische Bureau ein. In die Redaktion wurde an seine Stelle der Genosse Sollmann berufen. Soziales. Verwendung von Arbeiterinnen bei Mörtclzubercitung. Nach 8 137 Abs. 7 der Gewerbeordnung dürfen Arbeiterinnen zum Transport von Baumaterialien auf Bauten nicht verwendet werden. Der Architekt und Baumeister Bathke in Chemnitz hatte bei der Mörtelzubereitung auf einem Neubau Arbeiterinnen in- soweit beschäftigt, als diese aus einer Entfernung von 4 bis 6 Metern Wasser herbeitrugen. Er sollte sich dadurch eines Vergehens gegen§ 137 der Gewerbeordnung schuldig gemacht haben. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung, weil nach der Ansicht dieser Instanz Wasser nicht als Baumaterial anzusehen sei, die Arbeiterinnen also auch keine Baumaterialien transportiert haben konnten. Anders dagegen das Landgericht, das in der Be- rufungsinstanz auf eine Bcrurtcilung des Baumeisters kam. Gegen seine Verurteilung legte der letztere Revision beim Ober- landcsgcricht Dresden ein. Er machte geltend, daß in der Tätig- keit der Arbeiterinnen ein Transport von Baumaterialien nicht zu erblicken sei. Auf die Mörtelzubereitung könne die Bestimmung der Gewerbeordnung keine Anwendung finden; es handele sich nicht um den Transport von Materialien für den Bau, sondern um Materialien für die Mörtelzubereitung, um den Transport von Wasser aus einer geringen Entfernung von nur wenigen Metern. Das OberlandcSgcricht stellte sich auf den Standpunkt der Bor- instanz und erkannte auf kostenpflichtige Verwerfung der Revision. Zur Begründung seiner Entscheidung führte der oberste sächsische Gerichtshof folgendes aus: Nach§ 137 der Gewerbeordnung dürfen Arbeiterinnen zum Transport von Materialien bei Bauten nicht verwendet werden. Hier handelt es sich um Entscheidung der Frage, ob dir Mörtclbcrcitung zum Bau gehört. Diese Frage ist zu bejahen. Das Oberlandcsgericht ist nun der Ansicht, daß Ar- bciterinnen auch bei der Mörtelzubrrcitung dann nicht verwendet werden dürfen, wenn damit ein Transport von Materialien ver- bunden ist. Diese Tätigkeit der Arbeiterinnen fällt dann unter die Bestimmungen des§ 137 der Gewerbeordnung. Daß dabei, das heißt bei dem Transport, Wasser in Frage kommt, ist be- deutungslos. Denn auch Wasser ist ein Material, das bei Bauten Verwendung findet. )Zus aller Melt. Der Zar finnt: was unterscheidet Rußland von Preußen? Ich habe vergeblich nachgedacht. Ich finde die gleiche Spihelgarde, Die mich daheim so treu bewacht. Ich sehe die gleiche Freiheit blühen, Es Herrschi sich so schön hier wie absolut. Das Parlament mit seinen drei Klassen Ist wie meine Duma verläßlich und gut. hier neigt der Geschäftsgeist zur russischen Reise. Krupp ist ein Trumpf, wie iho Rußland kaum sah. wohin ich auch blicke: die liebliche Heimat, Ich finde sie wieder in jedem Hurra. Vermiß ich Kosaken: der preußische Schuhmann Rlii Browning und Säbel gleicht völlig das aus. Ich fände in Rußland zwar leichter Zerstreuung— Doch fühl ich mich hier wie bei ZNuttera zu Haus. U. Gaday, Dampferkatastrophe im Hafen von Smyrna. Eine furchtbare Katastrophe hat sich im Hafen von Smyrna zw getragen und wahrscheinlich zahlreiche Menschenleben zu Opfern ge� fordert. Einem Telegramm zufolge ist der Paketdampfer.Senegal' der Messagerie Maritime auf eine türkische Mine ge- st o ßen und in die Luft geflogen. Das Schiff stand unter dem Befehl des Kapitäns Costa und war am Donnerstag von Mar seille nach Konstantinopel und Alexandrien in See gegangen. Die Mannschaft bestand aus 60 Personen, außerdem befanden sich bei der Ausreise 60 Passagiere an Bord, doch es ist anzunehmen, daß sich ihre Anzahl während der Fahrt noch bedeutend vermehrt hat. Der„Senegal" ist ein alter, im Jahre 1872 erbauter Dampfer mit einer Wasserverdrängung von 3600 Tonnen. Eine ganze Anzahl Schlepper soll aus dem Hafen von Smyrna ausgelaufen sein, um die noch überlebenden Passagiere und Mannschaften zu retten. Das Unglück soll sich am Mittwoch um ö Uhr nachmittags in der Nähe von Smyrna zugetragen haben. Ein ähnlicher Unglücksfall hat sich bereits im Januar dieses Jahres im Hafen ereignet. Damals stieß das Segelschiff„Theodoras" mit einer umherirrenden Mine zw sammen und wurde gleichfalls in die Lust gesprengt. Damals wurde die ganze Besatzung in Höhe von 30 Mann mit Ausnahme des zweiten Offiziers gerettet._ Aus dem heiligen Rustland. Der„Franks. Ztg." wird aus Petersburg geschrieben: Im Archiv von Blagowicichtschenks, das ein reiches Material zur Ge- scbichte des russischen AmurgebieteS enthält, findet sich, wie die „Rjetich" mitteilt, auch ein Aklenheft über einen„Prozeß gegen die Hunde, die den Gouverneur anbellten". Als nämlich auf der Insel Ssitcba ein Gouverneur eingesetzt wurde, erlebte er auf seiner ersten Rundfahrt durch die Ansiedelungen der wilden Eingeborenen, die als Jäger große Hundemeuten hielten, etwas Fürchterliches. In einem der Dörfer„erlaubten sich die er- wähnten Hunde", wie eines der Dokument» berichtet,„in äußerst frecher Weise den Gouverneur anzubellen und be- wiesen dadurch ihre volle Mißachtung der Gewalten, die von Gott eingesetzt sind, und beleidigten diese Gewalten". Der Hundeprozeß schleppte sich lange in den Kanzleien herum, bis endlich das Verfahren e i n g e st e l l I wurde. In der Begründung dieses Beschlusses heißt es tiefsinnig:„Hunde sind Wesen ohne Sprache und daher auch der Vernunft beraubt, sie stehen auf einer niederen Entwicklungsstufe und können daher für ihr Bergehen nicht zur Rechenschast gezogen werden." Leider gibt das russische Blatt das Datum dieses Prozesses nicht an. Wolkenkratzer. Präsident Wilson hat dieser Tage in?telv Dork das bisher höchsle Gebäude: Woolworlh Building, eingeweiht. Es zählt 55 Stockwerke über Erde und ist 238 Meter hoch, IVz mal ö hoch wie der Kölner Dom. Es zählt 3000 Fenster und 100 000 elektrische Lampen. Eine von der Stadtverwaltung bestellte Kommission zur Prüfung dieser Gebäude hat in Manhattan, dem Geschäftszentrum, 4 Gebäude mit über 80, 60 über 20 und 1140 über 10 Stockwerken festgestellt. Wie Generalinspektor Ludwig er- klärt, sind diese angeblich feuersicheren Gebäude, dank ihren Treppen- und Aufzugsschachten, wahre Feuerherde, die ein Zündholz in eine Flammcnsäule verwandeln kann. Trotzdem finden sie ihre Kundschaft. Das 55. Stockwerk des neuen Gebäudes war zuerst vermietet._ Kleine Notizen. Zu Tode geschleift. Zwei Ansiedler aus dem pommerschen Dorfe R ü tz o lo waren zur Post gefahren, um die fälligen Renten zu be- zahlen. Als sie bei der Heimfahrt den Wagen bestiegen, hieben sie auf die Pferde ein. Infolge des scharfen Ruckes fielen beide vom Wagen. Der Ansiedler Kropp geriet mit einem Arm und einem Bein in das Rad und wurden ihm dadurch beide Glieder ausgedreht und der Körper zu Tode geschleift. Ein Hauptmann als Mörder. Die Polizei in Madrid ver- haftete den in der Kriegsschule angestellten Hauptmann der Reserve, Manuel S a n ch e z und dessen Tochter, die einen Klubmann namens Garcia Jalon in ihre in der Kriegsschule gelegene Wohnung gelockt, getötet, seinen Leichnam zerstückelt und in eine Sandgrube geworfen hatten. Es heißt, daß die beiden einen Erpressungsversuch an Jalon vornehmen wollten, und weil er Widerstand geleistet habe, ihn umgebracht hätten. Lriefkalten der Redaktion. Die futtfüfdic Sprechstunde findet Linden st raste kg, vorn vier Treppe» — Fahrstuhl—, wochentiglich von m VIS 7Vi Uhr abends, SonnadendS, don 4>4 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Bricstasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zah« als Mcrtzetchcn beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht rrtcllt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist» »erden nicht beantivortet. Eilige Fragen trage man tn der Sprcchstnndc vor. A. K. 7. 1. und 2. Soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, unter- liegen Sie der KrankenversicherungSpflicht. Der Lohn ist bis zur Dauer von 14 Tagen sortzuzahlen, jedoch kann der Arbeitgeber das Krankengeld kürzen.— H. Sch. 35. Verjährung ist nicht eingetreten. Sie haben Anspruch aus die Halste des tatsächlich vorhanden gewesenen Nachlasses. Sie können beim Amtsgericht, in dessen Bezirk die Mutter zuletzt gewohnt hat, den Slntrag auf Ausemandersetzung stellen.— A. M. II 256. Ja. — R. M 24. Nein.— Grcllstraste. Sic bleiben bis Oktober für die Miete hastbar. Rechtzeitige Auskündigung ist außerdem erforderlich.— Urwabl 442. Die Wahl ist unseres Erachtens zweifellos gültig.— M. R. 24. Auf(»rund des RcichSvereinSgefetzeS, nein.— H. F. 222. Ja. —, 65 Pf. Frisches Fleisch -) im% Ganzen I Fr. Schinken Hammel dicke Rippe 1 Kalbsbrust ohne Spitze] Schulterblatt o«. h pfd, Pf. Pfd. Pfd. 65 60 Pfund 85 Pf. bis 1.00 ..... Pfund 90pf. qh Rinderkamm. Liesen..... f" Querrippe____ Ganzen. PJ£ Rückenfett... Schweinebauch.../ SDr Gehacktes... Fehlrippe....... Eisbein(Dickbem Rinderbrust......|*7/\ Schmorfleisch Gulasch.......!/ II Roastbeef.. Hammeldünnung. J Hammelkeule im Ganzen Pfund 1.00 Rehwild Keolea von 5.50 an, RiicKen von 7»00 an, BlStter von �»50 Wildschwein Keule Pfd. 1.00«üchen. Pfund 0.90 Blatt.. Pfund 0.70 �Fisclie Kabeljau obn9 Kopf* s*n"n Fi�d 12 Pt Rotzungen Pfd. 1 0, Hornaale st 22 pr. Aalquappen.......... Pfand 20 pt Frische Ostsee-Heringe Pfund 12 Pf. Lachs in ganzen Fischen..... Piund 60 Pi. Lebende Aale Pfund 80 pf. 1.05, 1.25 Lebende Hechte bis 4 PfnDd 1.00 Lebende Krebse Mudei 55 pt Ms 4.00 Solo-Krebse...... stact 50, 60 pc Speisen-FabriKate (gefärbt) Pudding- und Gries• Pudding- PülV6r vor8otiiedeneni GMO�mack ROtC GrÜtZe• Pulver mit Terschieden. 30 pf. *RäucHerwareri Makrelbücklinge..... z stach 20 Pf. Schleibücklinge z steh. 20, 2 stet 10 pf Ahlbecker Flundern.. pfnnd 40 pt Aale Pfund 1.15 u. 1.40,... Bund 40 Pt Goldfische........... stach 9 pl Lachsstör............ Pfund 68 pt Matjes-Heringe.. stach 8 und 15 pt Sardellen........ Pfund 75 a. 90 pt Gewürzgurken..... 4 Liter-Dose 1.35 Geschmaok............ 5 Pakete' Creme-Pulver Ä�".chie.df"/paket6«' 25 Pt Eis-Pulver niit Tersotli6 764'NNW Simollenl 4! bedeckt Ldeiter iDimst 3 halb 6b. a paio 3!balb bd. 12 Glatt anen mparanda Petersburg Scilly Aberdeeu Paris Wetterprognose für Freitag, den 23. Mai 1313 Ew wenig kühler, mäßigen südwestlichen zunächst vorherrschend wolkig mit leichtem Regen und Winden; nachher wieder aus klärend. Berliner Wetterbureau. Wasferstands.Nachrichten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, milgeteil! vom Berliner Welterbureau st+ bedeutet Wuchs,— Fall. am 20. 3 Uhr nachmittags: 380 cm. •) Nnterpegel.—•) Höchststand Thealer und Vergnügungen Freitag, den 23. Mai 1913. Nnfana 7 Mr. Königl. Schauspielhaus. Volks, vorsiell,: Götz von Berlichingen. Aiisang 7'/. Uhr. Prater. Das Bummclmädchen. Aniana 8 Ubr. Urania. Fn den Dolomiten. Äöuigl. Opernhaus. Lohengrin. (1. Akt.) Neues Opern(Kroll). Lohengrin. Lesstng. Alt-Wien. Deutsches. Penthestlea. Kammerspiele. Der Arzt am Scheide- wege. Beriiuer. Filmzaudcr. Kouiggräher Straße. Die sünl Franksurier. Schiller v. Geographie und Liebe. Schiller. Charlottenburg. Hedda Gabler. Theater des Westens. Der Vogelhändler. Moutis Operetten. Der lachende Ehemann. Teuisches Schauspielhaus. Sin idealer Gatte. Kleines. Prosessor Bernhardi. Deutsches Opernhaus. Die lustigen Weiber von Windsor. Kouiödienhaus. Hochherrschastliche Wohnungen. Metropol. Die Kino-Königln. Trianon. Madame X. Tlialia. Puppchen. Luisen. Die drei Schwestern Ran- dols. Mose. Krone und Fessel Wintergarten. Spezialitäte«. ReichShallcn. Steiliner Sänger. Ansang 3'/, Uhr. Theater am Stollendorfplatz. Extrazua nach Nizza. Friedr.< Willi. Schauspielhaus. DaS Farmermädchen. Residenz. Die Frau Präsiden tin. Lnstspielhaus. Majolika. Folies Caprice. Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy. Ansang 8-/, Uhr. RcueS Volkstheater. König Krause. Ansang 9 Ubr. AdmiralSpalast. Eisballett: Flirt w St. Moritz. '.' Sternwarte, Invalid enstr. 57—62. Berliner Theater. sW Filmzauber. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Wls Operetten-Theater (fr. Neuos Theater). Amt Norden 1111. Sommerprcise I Abends 8 Uhr: Dei» lachende Ehemann. Sehlller-TheaterO.lS Freitag, abends 8 Uhr: (■eogr&phle nnd Liebe. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sloral. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Da« Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Ha«emanna TBchter, Schiller-Theater""Ä?- Freitag, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Eonnabend, abends 8 Uhr: Klein Dorrlt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: KOnlg Lear. miK Sonntag, abends 8 Uhr: Sloral. DcntBchenlSchanspielhaus & Uhr: Ein idealer Gatte. Theater des Vestens. 8 Uhr(„Volkstümliche Preise'): Der Vogelhändler. Sonntag 3 Uhr: Oer liebe Auguaiin Kroll- Oper 8 Uhr: Lohengrin. (Gastspiel Frida Langendorff und Robert vom Scheid— Lohengrin). Sonnabend: Bajazzl. Hieraus: CaTallerla ruatlcana. Residenz-Theater. Schluß der Spielzeit am 31. Mai. Die Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwank in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Veber. Morgen und jolgende Tage: Hie Eran Präsidentin. TheateramKollendorfplatz Täglich abends 81/« Uhr: Extrazug nach Nizza. OSE=THEATE| Große Frankfurt ei Str. 132. Krone und Fessel. Anfang S'fi Uhr: Sonnabend: N apoleon Bonaparte u. seine Frauen. Auf der Gattenbühne: Achtung! Es geht los! Trianon-Theater. Täglich 8 Uhr: X. Sonntag, 25. Mai, nachm. 3 Uhr: Oer selige Touginel. m □ Sozialdemokratischer Wahlverein Berlin-Wilmersdorf. Sonnabend, den 24. Mai 1913, im Viktoria-Garten, Wilhelmeaue 114/115: Jubiläums=Feier anläßlich des SOjähr. Bestehens der Sozialdemokrat. Partei. Chorgesänge W Festrede G Rezitationen Wilmersdorfer Männergesangverein Genosse M. Grunwald Genossin Kussel Anlang 8 Uhr Eintritt für Parteimitglieder nebst Angehörigen frei. Anlang 8 Uhr Die fällige JHtgllcdei-v ci-nammlnng findet am Montag, den 26. Mai, abends 8'/, tThr, im Viktoria-Garten statt. 201/18 Her Vorstand. □ JKetropol-Theater. Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonkowski. Musik von denn Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. Ansang 8 Uhr. Eoiies Caprice. Die Novitätens • Die Bank.« • Sein letster Wille.• • Her Cowboy.• Anfang 8'/. Uhr. Sortiert. 11—2 Uhr. Germania- Lichtspiele Charlottenburg, Wflmersdorter Str. 54. Vorführung ohne Flimmern r. = Großes Theaterorohester= Jeden Dienstag n. Freitag Programm Wechsel. Beginn: Wochentags 6 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Reichsbailen-Theater Stettiner Sänger. „Stucke's Berliner Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. 1 Neue Welt l Arnold Scholz. Hasenheide tOS TttgUch Gr. Konzert u. Vorstellung. Anf. 5 Uhr. Entree 25 PI, Jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Sonntag: Grober Ball. Abonnements-, Saison- und Vorzugskarten haben Gültigkeit. Der wellberDhmie amerikanische Negerboxer Andrea Johnaon bei sein. Training zum Kampf tun die Weltmeisterschaft. Jon Got, dar akrobatische Schlafwandler! Oer Mann mit der eisernen Hand. *(fn die schwebende Jnngfran!_ ■HP Alles lebend!-MW Alles ohne Extra-Entree! A..Clon« MatiArjtfrafiA 82.—?! :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Binr noch 8 Tage!-Mg Großes Extra-Konzert! Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gf. BAChMjlKgS-BoilZCl'l ��it? E Brauerei Friedrichshain h t Königstor. Oel.: Ernst Eleblng. nag- laden Dienstag- und Donnerstagnachmittag; : jeden Dienstag- und Donnerstagnacnminag: mmWn Kaffee-7rei-Vorstellung der Norddentsehen und Apollo bei freiem Entree 8&nger Freitags: Arei-Konzert. Licht-Spiele llraifilo. TanbcnstraBe 48/49. Wissenschaftliohos Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. iOCISCHER GARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: ErJUitär-DoppelkonzeFt Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Jahresabonnements an allen drei Schaltorkassen. Voigt-Theater. Badftraste 58. Freitag, den 23. Mai 1913: Auf nach Amerika. •Hafte, erstklassiger Spezialitäten. 3 Uhr ob; Kasseekochen. Kassenössnnng 2 Uhr. Ansang 41/, Uhr. Heute: AiexamlerpL D. d. limieii Moritzplatz Meide Leo Tolstois ---- Alleiniges---- Aufführungsrecht für Groß-Berlln. ARK „Oceana" Das JSelsterwerk nnd t SO Sensationen 201 Entree frei bis 6 Uhr! Saison-Karten 3 M. Bichard Tofi' »Ewa« Im Film. Heute Premiere l im Admirals-Theaterj (Admlralspalast). In den Hauptrollen: Henny Porten Hans Marc( Lessing-ThJ Harry Lledtke(Dtsch. Th.) I Herrn. Seideneck(Kes.-Th.) Frida Richard(Berl. Th.) Maria Wendt(Berl. Th.). Einzug d. fremden Fürst- lichkeiten in Berlin. Vorstellungen um 5. 7 n. 9 Uhr.— Vorverkauf an s&mtlich. Theaterkassen von A. Wertheim. Admlralspalast. Eis-Arena.— AUabendlich das gr. erfolgreiche Eisballett Flirt In 8t. Moritz. Bin 6 Uhr und von lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Bestanrant I. Ranges. Wein- und Bier-Abteilung. Für den Inhalt der Inserate »vernimmt die Redaktion dem Hnblikn« gegenüber keinerlei Verantwortung. & Unserem Parteigenossm% ß iogusl Hebel GeÄi„| die herzlichsten Glückwünsche Sg i« zur Silberhochzeit I«h, W Die 33. Abteilung � des 4. Kreises. iOHSßßßE� � Todes-Anzeiger� � yerband ö. BraDerei- u. MiiMen- arbeilefD.verw.ßerufsienosseD. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Brauer •Jodsim Dorsch (Berliner Stadtbrauerei) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, de» L4. d. MtS., nach- mittags i Uhr, aus dem städtischen Friedhos m FrtedrichSselde statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutseber Tfansportarheiter-Verlianil Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Straßen- bahner SS/3 Emil Schmidt am 13. Mai im Alter von S4 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Einäscherung der Leiche findet am Freitag, den L3. Mai, nachmittags 3 Uhr, im Krcmato- rium, Gerichtstraße, statt. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Chauffeur Xntoa Blasse am 20. Mai im Alter von 31 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Mai, nach- mittags 8 Uhr, von der Leichen- Halle dcS Bartholomäus- Fried- Hofes, Weißensee, Falkcnberger Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Bio Bezirksverwaltung. Vevkedei'�tallai'deiter-Vei'daii!! Verwaltungsstelle Berlin. �»clmrf. Dm Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Metall- arbeiterin Irl. Emma Dantert gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! 118/11 Oie Orte Verwaltung. SozialdemokrafischepWablverein Wilmersilorl. Am 20. Mai verstarb unser Parteigenosse, der Maurer �uxust Schröter Erdener Str. 3, Halensec. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag, dm 23. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, auf dem Grunewald Kirchhos, Bornstedter Straße statt.- 201/13 Der Borstand. Beutttber BanarbeiteneM. Zwcigverein Berlin. Am 20. Mai starb unser Mit- glied, der Rabitzputzer �uxust Schröter (Bezirk Charlottenburg.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Mai, nach- mittags 3'/» Uhr, von der Halle deZ Grunewaldsrtedhoses, Born« stedter Staßc, an der Halenseer Brücke, auS statt. 142/19 Der Borstand. Am 2t. Mai verstarb nach langem Leiden meine liebe grau, Misere gute Mutter Anna Franke geb. Böhm. Um stille Teilnahme bitten Ole trauernden Hinterbliebenen. Die Einäscherung findet morgen Sonnabend, den 24. Mai. nach- mittags 3 Uhr, im Krematorium, Berlin N, Gerichtstr. 37, statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MaitneS und guten Vaters, Schwagers und Großvaters Edta ard Kutter sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen deS BerbandeS der deutschen Bauarbester(Zweigverein Berlin), sowie dem Sozialdemokratischen Wahl- verein Neukölln unseren ausrichtigsten Dank. Fran Marie 14A Kutter und Kinder. 5 für die vielen Beweise der Test- me bei der Beerdigung meines unvergeßlichm Mannes Wlhelm Neundorff namentlich dem Metallarbeiter-Ler- bande jür die Kranzspende innigen Dank. 81/17 Witwe Ziennclorkr und Kinder. r Iii Vemaltullgsstelle Kerli«. C 54, Limenstr. 88—85. Berwaltuug: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1387. Amt Norden 185. Amt Norden 1233, 3714. Sonntag, den SS. Mai, vormittags 10 Uhr, im Lokal von Kodaneck,„Wildauer Hof": Mitglieder-Versammlung für Wildau, Königs- Wusttrhaastu, Zenthen, Sichwalde, Hohen- und Wederlehme. Schenkendorf and Umgegend. Tagesordnung: 1. Neueinteilung der HauSkassierungSbezirke. 2. Wahl von neuen HauS- kassier««. 3. Verschiedenes. . Mitgliedsbuch legitimiert.> Der äußerst wichtigen Tagesordnung wegen erwarten wir das Erscheinen aller Mtgliedcr. 118/12 Die OrtSverwaltung. Zentral-Verband der Asphaltenre. Ortavcrwaltang Berlin. Sonntag, den 25. Mai, vormittags 10 Uhr, im Lokal Englischer Garten, Alexanderstr. 27c: AM" VsnssnHNiIung"WA sämtlicher Asphalt- und Sktonarbetter Kerlins vnd Umgegend. TageSor dnung: I. Arbeiterlöhnc und Unternehmergewintic. Referent; Arbeitersekretär Link. 2. Diskussion. 285/20 Der Einberufer. 1863 33. Hai 1913 Zur ninfzigjahrigen Wiederkehr des Grfindungstages des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins empkehlen wir folgende Schriften Ferdinand Lassalles: Offenes Antwortschreiben an das Zentralkomitee zur Bernfang eines All- semeinen deatschen Arbeiter-Kongresses zu Leipzig. Neue Auflage. M. 1,—(Vereinsausgabe M. 0,40) Arbeiterprogramm. Ueber den Zusammenhang der gegenwärtigen Gesohichtsperiode mit der Idee des Arbeiterstandea. H. 0,75(Vereinsausgabe M. 0,30) An die Arbeiter Berlins. Eine Ansprache im Namen der Arbeiter des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins. M.—,20 Die Agitation des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins and das Versprechen de« KOnigs von Preußen. Eine Rede gehalten zu Rondorf am 22. Mai 1864. M. 0,25 Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen. Eine Verteidigungsrede vor dem Königlichen Kammergericht zu Berlin gegen die Anklage: die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Verachtung gegen die Besitzenden öflentlioh angereizt zu haben. M. 1,50(Voreinsausgabe M. 0,60) Leber Terfassongswesen. Ein Vortrag, gehalten in einem Berliner Bezirksverein.— Was nun? Zweiter Vortrag über Verfassungswesen.— Stacht and Bectat. Ein offenes Sendschreiben. Neue Auflage. M. 1,—(Vereinsausgabe M. 0,60) Die Wissenschaft and die Arbeiter. Eine Verteidigungsrede vor dem Berliner Kriminalgericht gegen die Anklage: die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Verachtung gegen die Besitzenden öffentlich angereizt zu haben. M. 1,—(Vereinsausgabe M. 0,40; Beine Asslsen-Rcde. gehalten vor den Geschworenen zu Düsseldorf am 3. Hai 1849 gegen die Anklage, die Bürger zur Bewaffnung gegen die königl. G ewalt aufgereizt zu haben. M. 0,40 Herr Bastlat Schulze v. Delitzsch, der Ökonomische Julian, oder Kapital and Arbeit. Mit einem kritischen Vorwort von Ed. Bernstein. Brosoh. 1,50, geb. M. 2,— Femer empfehlen wir Lassalles Jugendbildnis in farbigem Lichtdruck. Bildgröße 17 X 22 cm................. M. 3,— Auch gerahmt am Lager. Berlin SW. 68 Buchhandlung Vorwärts l-indenttr. 69. c 1863 Geflentliehe politische Versammlungen. Ä3. Mai: 1613 Kr 50iiil|rip WiciikrkeHr des Gründungstages des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins am Ä3. Mai 1613 laden wir die Arbeiterschaft Berlins und der Umgebung zum Besuch folgender Versammlungen ein: Berlin: Sappoldts Brauerei, Hasenheide 32-38. ewerkschaftshaus, Engelufer 15. Konzert- und Feftsäle, Koppenstr. 29. Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Germania-Prachtsäle, Chausseestr. 110. Pharus-Säle, Müllerstr. 142. Moabiter Gesellschastshaus, Wiclefftt. 24. Clmrtatovirimi'K: Volkshaus, Rosinenstr. 3. Schöneberg: Neue Rathaussäle, Meininger Str. 8. Bartsch, Hermannstr. 49. IdvI»4SnK»vrg: Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee. l*aiüiCW-�Hedvi*>fS«Iröi»I»a?»8«i»: Rozycki, Gesellschastshaus, Kreuzstr. 3/4. IVsIIIviisvv: Bergbranerei, Berliner Allee 211. Anfang 8 Uhr abends. TagesordnunginallenVersammlungen: Ldorgefang: Cord folelsn. Prolog; Zur Gedenkfeier der Gründung des Allgemeinen Deutfchen Arbeitervereins. Von Gustav Stengele. Vortrag: 50 Jahre deutsche Sozialdemokratie. Cborgefang: Die JMarreUlaifc. Referenten sind die Genossen Eduard Bernstein, Täumig, Dupont, Grunwald, Haase, Heine, Hirsch, Legten, Pfannknch, Pieck, Ritter, Scheidemann, Wiffell, Wurm. Folgende Arbeitcrchöre haben ihre Mitwirkung zugesagt:„Berliner Männerchor". „Kreuzberger Harmonie",„Fichte Gcorginia",„Thilosche Chöre".„Sängerabteilung l", „Norden",„Gesundbrunncr Harrnonie",„Lerche",„Neu erwacht",„Männcrchor Moabit", „Männerchor Neukölln",„Liedertafel Charlottcnburg",„Lichtenbergcr Männcrchor",„Lieder- freunde Pankow".„Männcrchor Wcißensec",„VorwärtZ-Südost",„Libcrtö",„Schöncberger Männcrchor",„Liedertafel West". Verband der Sozialdemokratischen Mahlnereine Kerlins u. Umg. 136/13" Der Einberuser: Lagen Ernst, Liesrnftr. 16. Filiale Oroß'Berlin. Sonntag, den 25. Mai 1918, vormittags 10 Uhr, im QttXMrksehaftS' hause, Engelufer 15(großer Saal): Mlgememe Mitgliecler-verlammlung. Tagesordnung: l. Bericht der Lohnkommission und weitere Beschlustfafiung über unsere Tarifbewegung. 2. Verschiedenes. WM- Die Wichtigkeit der Dagesordnung crsorbert, daß die«»llegen der gesamten Miliale zur Stelle sein müssen.— Ohne Mitgliedsbuch keine« Eintritt. 132,10« Ds? Torstand, Arbeiter! Anarchisten! Sozialisten! Proletarier! Heute, Freitag, den 23. Mai 1913, abends SV, Uhr, bei Boeker, Weberstrasse 17 Große öffentliche Protest-Versammlnng Tagesordnung: Der Zarenbesuch m Deutschland. Referent: Fritz Köster. eosb Freie Aussprache! Der Unterzeichnete richtet an die Berliner Arbeiterschaft das Ersuchen, in dieser Der- sammlung zu erscheinen. I. A.: R u d o l f O e st r e i ch. Die rinn« Nauck Ä Hartmann hat den Säulenanschlag verweigert. Arbeiter, Kandwerker jeder praktisch y arbeitende der für seine Arbeit, für seinen Beruf, besonders vorteilhast geeignete Kleidung nötig hat, kaust diese bei der bekannten Finna I£oIm«iHL& Jorliig, BCrnn 4». Brbeitsklcidung ♦ Berufskleidung. Haler Ttr. 53— Landsberger Allee 148— Xcnkülln: Bergstr. 66. GrUCtes Spezialeesch&ft dieser Art._ Halchtgeichäst: Alexanderftr. 12. Zweiggeschäste: Rosenthaler Ttr. 53— Landsberger Allee 148— Xcnkülln: Bergstr. Reelle billige Preise, erprobte solide Lrualitäten, guter«ist, richtige Machart, beste Verarbeitung, grösttc Auswahl. mit Brut veraichtet radikal Rademachers Goldgeist, ges. geecii. Kr. 75 198. Gerach- a. farblos, Beinigt die Kopthaat y. Schappen, beförd.dHaarwachs, verhüt, Zuzug von Parasiten.- Wichtig ftlr Schulkinder, Taasende v. Anerkennungen. Fl. ä 0.50 a. 1.00 M, in Apotheken und Drogerien. Man weise Nachahmungen zurück u. achte genau auf d. Namen; Goldgeistl Schm8cwit3. filald'fdyli hält sich den werten Vereinen, Gewerkschaften und Schulen bei Zlusslüge« bestens empsohlen. �« Tel.: Zeuthen 31. Jnh.: LfNSt �020�. MM-KMi'el'- Mi Solidarität. Gau IX, Bez. 21. Der Jammelttart der Gruppen am Sonntag zum SesirksfeLt im Ontü Hellevne, Rummels- bürg, Hauptstr. 2, findet um 2 Uhr nachmittags in Lichtenberg, Frankfurter Chauffee 128,„Zum Krouprinzengarten" statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 11/3 Tie Bezirksleitung. Tischler- Verein. Sonntag, den 25. Mai: Herrenpartie nach dem LlUMentsI. Abfahrt früh Uhr vom Schle- fischen Bahnhos bis Strausberg. Zahlreiche BeteUigung wünscht 913b Her Vorstand. Prov. Brandenburg. In frenndl. Kleinstadt gel, seit 10 Jahren in derselben Familie befind! 6rastliof iitll. kompl. Inventar, 2 Gaftz., schöner Saal m. Buhne, 8 Fremdenzimmer, L-tammIokal d. Gewerkschaft u. Ver- eine. Ford, M. 90 000,—, Anzahl. 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Z.)(Nachdruck verboten) 250 383(600) 774 803 969(500) 1090 272 302 20 47 689 849 902 31 96 2027 93 107 279 94(500) 301 3 89 439 81 637 86 701 48(1000) 73 3103 10 267 337 748 4089 287 417 65 576 608 45(500) 59 69 883 6030 41(600) 474(1000) 82 512 936 6123 52 55 387 671 86 780 7153 339 409(3000) 11 26 90 724 67 894 8080 258 580 631 53 69 753(600) 916 44 67 8064 109 92 229 99 303 33 45 424 47 608 955(500) 1O063(5000) 280 614 688 863 88 94 11004 102 238(10 0 00) 450 68 659 32 779(1000) 894 940(3000) 93 12062 222 45 307 (3000) 470 75 600 664 957 13086(1000) 291 315 63 654 896 887 1 4163 206 465 831 948 1 5102 45 203 72 84 496 693 727 32(1000) 45 1 6159(1000) 394 445 705 24 42(1000) 897 931 17010 49 332 478(500) 691 681 773 901 95 1 8069 160 72 213 27 79 351 461 642 823 98 1 9029 160 526 89 727 62 60 827 935 39(1000) 2 0034 88 193(600) 746 868 81 934 21017 87(1000) 205 36 73 433 89 830 59(500) 97 985(3000) 2 2017 87( 3000) 171 655 62 942 85 2 3042 371 434 38 707 14 965 2 4040 104 43 70 415(3000) 47 678 721(600) 2 5 243 691 93 602 15 19 845 (1000) 963 2 6198(3000) 367 773 867 913 29 63(500) 2 7095 (1000) 124 81 212(3000) 386 425 606 748 972 2 8033 37 100 213 62 342 97 429 82 88 600 27(3000) 73 697 837 42(500) 50 70 84 902 21 57 98 2 9056 209 27 321 66(1000) 401 20 21 87 (3000) 725 87 829 96 956 69(1000) 3 0347 443 650 756 31195 240(1000) 304 9 3 2070(3000) 77 91 93 118 325 437 97 627 62(3000) 718(65 842(1000) 33142 201 305 408 20 750(3000) 837 913 3 4034 287 400 23 87 520 630 3 5 011 86 93 191 238 405 64 60 559 633 81749 845 3 80-4 (1000) IIS 217 48 440 43 528(3000) 757 84 811(600) 913 3 7007 94 139 980 96 3 8278 361 88 663 870 915 3 9010 37 63 64 177 313 427 575 791 823 66 937 48055 94 123 29 62 206 82 340 45(500) 51 75(3000) 552 70(1000) 862 977 41511 27 704(3000) 6 841 42061 242 43 365 527 718 44 61 842 4 3018 48 113 57 63 216 309 603 962 44092 365 689 732 85 942 72 4 5 067 223 68 384 451 812 52 936 83 4 6265 330(600) 486 92(1000) 654 677 743 901 88 4 7092 228 313 39 433 64 661 622 879 972 4 8161 93 271 328 643 57 675(3000) 763(600) 49168(500) 201 619 99 654 723 890 975 78 95. 50150 52 232 302 20 624 60 94(600) 873 89 51175 348 73 78( 500) 660 650 70 726 921 25(1000) 5 2060 246 557 88 633 5 3291 401 619(500) 716 81 942 5 4026 77 208(600) 342 662 92 787 911 54 5 5095 253 96 332 487 671 56166 446 619 66 719 41(1000) 89 921 78 5 7 033 109 49 485 502 741 65 936 5 3166(1000) 418 621 644 760 377 97(500) 6 9046 61 77 90 155 77 256 65 308 22 45 491 93 621 856 80 936 60356 612 603 36 70 768 73(600) 967 81230 62 92 477 630 712 48 05 922 6 2046 340, 500) 89(1000) 402 6 3253 483 619 831 65 6 4029 100 54 264 474 526 41(1000)- 909 <10 000) 43 89 65005 30 63 133 62 77 90 264 726 849 62 65 916 68 68108 99 433 576 653 730 941 67 71 6 7021 365 (1000) 416 29 631 711 67 894 986 6 8040 183 311(500) 789 881 910 6 9070 149 70 364 623 668 867(500) 7 0015 64 345 679 720(3000) 87(600) 812 24 945(600) 75(3000) 86 99 71776 879 89 943(1000) 7 2015 21 66.110(3000) 242 49 53 304(600) 495 503 63 84 730 77 814 7 3212 526 28 611 74078 89(500) 132 474 90 631 904 26 69 7 5134 234(500) 65 91(500) 512(600) 39 619(600) 68 879 924 7 6 007 24 174 220 616 24 73 764 808(5000) 95 967 83 85 7 7062 101 8 61 85 409 38 955 7 8679 106 211 22 442 534 715 811 911 25 7 9325 (1000) 430 34 616 785 946 8O031 38 95 158 284 326 402 694 721 41 80 84 864 911 24 81077(1000) 258 322(600) 81 507 8 78(3000) 620 766 969(3000) 8 2208 300 43 478 607 684 707 812 910 8 3163 376(1000) 96 447 92(600) 840 972 84048 123(1000) 347 79 404 600 973 8 5036 114 42 219 438 70 601 85 753 66 978 8 8031 73 93 S26 74 443 47 82 656 606 8«7 8 7067(3000) 228 441 62 837 8 8014 189 206 304 805(1000) 969 73 8 9085 261 366(1000) 795 891 924 61 9O011 117 26 47(600) 483(500) 602 48 755 803 91046 158 223 68 607 9 2237 75 444 69 953 9 3394 412(1000) 660 79 648 834 94163 204 46 302(3000) 662 883 9 5149 214 444 550 619 743' 873 9 6150 390 613 843 989 9 7 084 664 607 11 820 9 8050 393 449 74 571 664 833 9 9138 237 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3310 438 699 668 1 24117 242 315 659 891 12 8 010 240 47 393 449 629 38 94 635 860(1000) 12 8329 549 82 719 63 1 2 7 003 212 617 49 708 11 12 8217(1000) 71 42» 616 81 658 730 898 1 29108 46 634 537 935 130005 302 410 93 615 66 735 866 1 310t3 120 99 262 493(3000) 569 751 947 1 3 2264 367(1000) 406 58 636 47 685 13 3475 521 671 838 56 85 998 1 34022 23(3000) 233 628 832 (600) 930 1 3 5081 140 84 435 55 689 817(3000) 138120 249 (500) 328 447 91 644 801 983 1 3 7 033 104 207 20 92 334 539 72 96 621 795 849 138004 68 94 311 45 404 22 87 727 811 902 35 1 3 9320 47(500) 85 400 91 95(1000) 732 40 925 64 140198 291 423(1000) 80(3000) 608(1000) 43 98 720 824 141034 386(500) 431 519 88(3000) 602 28 99 802 949 1 4 2022 65 101 83 277 619 664 70 97 818 931 97 143058 89 165(6001 326 35(10 0 0 0) 404 17 625 97 687 761 144044 106 68 237 75 440 49 65 687 675 778 999 1 4 5 000(3000) 113 317(600) 432 97 565 1 48 069 189 312 53 684 807 33(600) 14 7 076 333 74 446 86 605 920 30 14 8226 74 347(500) 638 96 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320(600) 667(500) 610 94 744 872 963(1000) 99 178160 248 86 337(1000) 431 69 620 748 70 909 93(600) 17 7 362(500) 94 302 463 671 630 769 816 1 73151 83 278 725 37 811 17 8055 113 60 209 308 40 421 671 87 606 756 842 913 18 0011(500) 82 184 364 522(500) 737 44 98 887 913 181338 417 637(3000) 45 724 43 96 995 1 8 2221 28 341 487 643(1000) 748 1 8 3245 315 522 23 55 714 863 906 1 84146 364 456 82 557 829 913 74 1 8 5 214 344 444 92 509 636 38 724 820(600) 62 962 1 8 6 008 134 60 72 82 364 63 432(500) 44 710 26 904 1 8 7075 260 594 854 1 8 8058 186 337 48 69 680 631 93(1000) 860 1 89116 239 421(500) 607 755 863 19 0019(500) 88 326 422 71 583(1000) 690(500) 818(1000) 20 998 1 91015 263 351 608 718 61 96(500) 868 968 19 2038 182 318 32 430 507 55 841 49 90 1 9 3252 426 27 697 842(1000) 67 1 94267 93 404 25 653 803 14 919 1 9 5055 314 37 336 60 732 858 61 922 1 96492 531 741 43 827(500) 70(3000) 79 82(600) 902 5 1 97125(1000) 561 96 643 61(600) 714 73 847 19 8326 57 91 694 666 799(3000) 839 1 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2005 60 107 10 (500) 212 41 70 90 350 54 90 400 80 616 95 836 54 78 969 2 2 3062 69 212(3000) 395 405 531 675 702 12 2 2 4040 51 295 387 92 877 948(1000) 80 2 2 5 098 282 630 86 867 911 29 2 2 6 009 87 240 492(1000) 794 937 2 2 7 032 127(10001 37 229 300 693 625 70 745 65 324 82 932 89 2 2 8011 52 354 438 644 758 805 15 39(1000) 93 906 223105 225 53 490(500) 697 609 33 858 73 93 2 3 0053 209 97 450(500) 581 69 683 92 715 87 850 2 31016 33 90 182 19 257 313 494 700 97 850 2 3 2074 202 83 333 91 633 64 6» 617 827 923 95 2 3 3550 640 45 735 997(600) 2. Pr-ttMch.Sndd-ntsch- (SS8. Köttigl. Prenß.) Klassenlotterle B. Klasse 11. Ztehungstag 22. Mai 1913 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinue gefallen, nnd zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in de» beiden Abteilnugeu I o. 11. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigesugt. (Ohne Gewähr A. St,-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 3 162 94 377 735 933(1000) 77 1033 79 308(500) 10 413 BIO 773 824(1000) 30 93 2139 223(600) 82 311 662(3000) 86 722 78 995 3068 310 84 98 564 762(1000) 61 71 932 4233 372 669 631 732 76 6002 70 132 75 450 66 532 74 90 797 951 8005 28 568 614 734 929(1000) 7116 455 505(1000) 838 927 <5!>0) 35 8034 149 235 507(1000) 33 706 38(1000) 52 55 83 942 73 9249 576(1000) 717 838 45(600) 60 1O089 172 421 644 87 937 11167 218 355 894 763 822 964 78 1 2199 272 83 968 70 1 3022 89 106 253 687 804 1 4132 237 98(500) 385(500) 490 597(500) 929 1 5021 173 240(1000) 64 323 50(1000) 576 676 843 73 957 89 1 6053 162 325 699 842 43(600) 900 39 96 1 7168(500) 262(30 0 0 0) 638(500) 41 67 61 624 738 99 899 1 8123 84 299 362(500) 74 441 620 73 1 0088 316 43 488(500) 614 80 547 871 2 0043 126 250 332 560 834 916 21049 374 409 77 607 69 2 2061 286 766 935 49 66(500) 2 3060 217 81 925 2 4083 100(1000) 66 334 423 62 679 801 39 67 76 927 2 5263 363 82 467 87(500) 697 610 82 778(500) 909 21 2 8003 23 74 86 469 513 31 33 2 7233 311(3000) 65 415 563"826 28077 98 120 291 601 944 87 2 8097 200 19 319 456 702 69 831 83 30016 60 78 178 222 27 28>47 378 604-9 720 837 68 69 922 94 31363 466 79(1000) 665 80 973 3 2121 243 432 62(600) 646 706 15 863 3 3140 229 39(1000) 498£ 29 613 727 41 828 972 3 4392(600) 96 638(1000) 995 3 5054 266 393 644 804 954 36111 17 216 326 733 874 76 3 7140 269 337 40 91 408 66 602 768 90 94 815 66 77 79 83 3 8037 295 623 774 906 35 3 9021 143(1000) 232 357(500) 679 40024 103 207(600) 16 476 606 873(500) 93 41065 212 729 891 936 79 4 2111 89 462 505 801 57 43171 333 509 709 804 16 4 4177 216 50 91 485 528 691 913(1000) 4S 020 135 234 306 61 413 75 638 86 612 83 829(500) 943 82 4 6077 143 63 267 391 94 651 61 755 99 828 4 7 219 469 85 716(1000) 72 814(600) 47(1000) 913 4 8082 366 464 772 76 954 4 9354 611 764 918 60 5 0076 205 475 944 49 61068 224(1000) 370 638 68 711 970 5 2 057 58 419 43 529 1600) 41 961 83 91 53145 339 440 85 613 766 685 917 5 4340 410 614 40 630 5 5100 453 620 79 611(1000) 745 71 5 8369 641 692 744 804 8 917 57168 212 409 27(1000) 623 920 93(3000) 921 5 8038 98 330(1000) 874 999 5 9167 76 226 318 442 610 633 87 847 77 6 0099 103 219 614 24 723(600) 869 902 69 64 61009 47 62 83 236 422 81 695 600) 771 816 902 6 6 2193 356 400 619 43 862 63 76 6 3363 579 645 765 75 6 4494 633 900 5 6 5108 366 456 6 6997 545 671 744 800 15 6 7266(600) 475 658 629 49 68028 49 51 102 42 407 75 622 629 80 722 877 68092 127 325 27 70 89 668(500) 965 7 0210 304 93 496(600) 638(600) 44 602 64(500) 82 782 832 49 71001(600) 22 124 63 234 76 400 698 655 56 838(500) 915 16 7 2 064 193 377 623 834 93 946 97(1000) 7 3338 43 649 769 84 86 914 7 4 004 11 379(1000) 473 638 58 618 96 732 935 7 5024 91 209(600) 71 99 537 715(1000) 872 81 912 79 7 8033 118 34 285 460 706 98 805 13(600) 7 7021 30 163 325 483 WO 721 887 7 8026 125 270 333 453 32 514 86 665 639 78 936 87 7 9291 353 697 700(500) 67 80238(3000) 442 660 769 81116 428 626 37 91 82164 231 364 458 83 538 603 69 8 3 033 16181 261 393 495 615(3000) 67 72 712 37 82 832 62 960 66 93 99 8 4 219 326 29 770 843 65 8 5 280 396 932 8 6 053 80 99 381(600) 36 423 63 634 701 13 903 87213 86 354(10 BOO) 84 613 48 90 91 833 79 929 40 8 8084 279 703 76 869 8 9250 364 430 661 702(3000) 60 873 90003 95 100(1000) 16(1000) 49 286 331 459(3000) 684 874«1351 97 542 641 739 9 2183 322 31 748 72(500) 806 945 93151 258 479 805 50(3000) 956 B4022 72 254 300 76 449 80 673 660 63 87 716 9 5019 175 227(600) 51 302 56 95 427 639 600 724 815 944 65 9 6 034 138 67 219 607(1000) 716 846 9 7026 143 63 310 498 675 668 708 84 892 925 9 8162 83(1000) 89 264 90«32 618 93 877 9 9032 432 684 612(1000) 29 835 100116 296 806 49 936 1 01019 49 206 304 76 533 92 (1000) 613(3000) 15 769 88 972 1 02065 302(BOO) 416 600 46 632 74 711 60 993 1 03156 218 662 803(500) 909 16 1 04009 200 326 598(1000) 628 69 725 836 47 98 977 1 0 5203 75 80 83 638 038 1 0G146 385(1000) 567 666 702(1000) 5(1000) 12 27 81 10 7037 109(1000) 247 397(1000) 403 638'(1000) 54 72 £51 75 1 0 8258 380 493 638 630 100138 42 251 433 718 890 924 32 53 110214 395 525 35 623 62(3000) 732 111011 355(1090) 84 93 434(1000) 734§28 ,55. 112195 358 69 445 644 693 98 726 (1000) 897 920(500) 113093 143 212 60 78 421 72 524 65 610 736 92(1000) 847 960 114101 235 331 495 96(3000) 685 86 730 66 806 66 115004 182(600) 439 695(1000) 705 19 77 98 863 98 116094 168 243 683 892 93 940 49 82 117207 382'1000) 91 645 652 768 97 I1O035(600) 43(3000) 208 312(1000) 61 602 637(1000) 96 839 119029 48 83 121 36(1000) 471 734 120906 185 250 464 610 62 64 724 63 803 954(600) 121X33 243 332 544 812 70 946 1 22086 193 251 330 546 666 843 904 22 1 23129 51 53 93 492 674 607 961! 124286 462 84 92 637 729 43 896 955 87 1 2 5031 61 82 324 39 82 706 961 12 8099 131 70 243 48 416 35 501 62 77 847(1000) 79 1 2 7037 63 90 132 73(600) 643 847 1 2 8012 22 26 116 22 77 227 89 428 683 90 635(1000) 42 95 708 83(10 0 00) 881 128097 112 16 43 258 332 544 63(600) 77 641 180116 223 30 58 403 17 606 91 537 61 90 875 151141 (600) 98 226 53 328 458 678 691 824 1 3 2050(1000) 90 449 (500) 740 48 870 925 42 87 1 3 3 000 10 38 68(1000) 167 96 300 32 73 608 43 723 860 965 134036 96 146 643(600) 82 825 60 64 1 3 5 090 177 85 348 456 624 659 730 64 870 923 82 13 6316 62(1000) 437 667 95 604(1000) 69 716(500)35 1 3 7 433 (1000) 66 920 13 8444 621 72 738 64 987 91 13 9014 39 163 70 74 356 461(500) 557 664 848 140009 317 20 511(3000) 20 813 61(3000) 95 938 141095 371 469 72 651 816 83 14 2087 181 217(1000) 91 394 946 143110 288(1000) 351 623 721 841 69 1 44023 211 336 498 623 64 747 975(1000) 146103 62 207 27 341(3000) 690 98 940 I4O 702 1 4 7 005 108 342(600) 488 628 79 646 867 915 148111(6001 31 85 241 78 97 343 49 777 821 83 902 1 49059 100 339 60 511 771 825 150139 481 581 621 49 865 98 1 51104 230 937 77 1 6 2230 33 604 47 825 62 931 15 3037 115 206 463 563 836 1 5 4206 51 351 72 485 610 46(600) 601 733 85 1 65164 269 305 632 93 714 857 938 93 1 56134 242 86 514 683 90 1 6 7 099 211 361 80 707(3000) 808(500) 45 71(600) 953 1 5 8209 6X 463 70 829 15 9071 123 38 335 404 66 726 962 78 89 190183 334 510 95 636 707(600) 843 60 63 936 1 01096 233 484 500 27 616 726 902(3000) 89 1 62196 710 854 1 63 028 33 373 403(1000) 27 671 667 785 809(3000) 910 12 1 64084 125 29 35 54 317 522 609 90 796(1000) 860(500) 931 44 97 18 5066 106 23 301 40 411 98 515 63 836 89(500) 166083 (1000) 142 200 639 709 842(600) 975 16 7 006 180(1000) 286 459 561 81 720 84 88 852 912 34 36(500) 188034 130 78 395 517 65 666 753 1 8 9028 43 45 112 454 70(500) 648 77(600) 816 38 49 903 91 17O100(500) 10 225 330 98 534 738 69 898 970 1 71105 61 318 631 69 867 759 1 7 2219 32 369 74 459 756 625 1 7 3030 267 495 750 1 7 4095 129 62 74 346 403 771 17 6 004 32 64 246 326 73 434 614(1000) 62 69 764 870 1 7 6027 264 94 373 419 518 76 601 8 30 831 17 7276 462(500) 612 62 693 716 858 961 178100 431 508 606 724 910 1 70164 352 465 526 749 820(600) 24 76 83 180122 45 330 93 447 65 75 593 731 68 61 88(600) 823 (1000) 78 1 81047 68 179 290 308 431 92(3000) 615 62(1000) 737 54 65 800 55 90 975 1 82074 147 86 330 405(3000) 872 88 815(1000) 18 8052 60 117 242(500) 406 35 617 6»(500) 842 944 75 1 84062 408 77 510(1060) 76 89 775 883 1 8 5340 426 633 1 8 6016 245 323 693 711 928 1 8 7261 66 84 341 407 52 648 917 35 1 8 8039 107 43 451 660 760(500) 938 88 18 9 203(600) 306 407(500) 685 669 740 19 0010 163(600) 298 302 91 437 42 664 727(1000) 832 924 1 91069 196 280 419 79 97(500) 99 816 65 945 46 77 19 2032 234 538 614 882 982(600) 90 1 93006 303(6COO) 495(1000) 692 632 868 87 948 43 1 94004 17 57 334 629 655 (1000) 836(500) 76 929 1 9 5060 65 160 233 357 88 409 643(600) 49 722 27 65 68 913 1 9 6234 50 333 422 23 44(500) 702 197169 304(3000) 412 642 76 1 98 015(500) 338 786 823 25 40 914 47 89 1 99200 92 409 24 63 63 76 620 37 619 68(1000) 73 805 200169 343 691(10 000) 201006 221 490 642 73X 20 2012 305 41 72 467 89 722 29(1000) 94 831 59 972 86 2 0 3270 76 305 431 63(3000) 74 605(600, 716 64 2 0 4045 187 605 639 66(500) 821 923 93 2 0 5021(500) 71 131(500) 81 354 473 549 602 729 810 2 0 6021 83 148 255 469 96 728 41 52 884 914 90 207008 66 73 160 61 391 681 970 208026 124 334 623 785 806(500) 917 2 0 9034(1000) 86 335 526 48 789 893 935 94 �500) 210250" 312(1000) 25 28 435 49 92 524 605 809 74 981 87 211024 265 311(500) 46 87(1000) 415 16(500) 648(1000) 661 756 881 967 212433 510 37 777 92 213037 49(600) 163 413 639 795 920 90 21 4132 66 84 98 300 615 781 91 806 21 5297 355 658 60 74(1000) 741 820 26 904 216180 89 247 376 91 433(1000) 74 690 616 848(3000) 948 21 7098 125 272 434 (10 000) 877 930 73 218279(500) 368 409 23 42 537 766 74 924 21 9147 324 540 606 98(1000) 794 890 22O001 65 86 149 79 213 322 623 62 860 221022 39 88 (500) 155 69 82 448 69 612 76 89 664 788 96 861 81 929 2 2 2014 92 192(500) 232 304 6 79 82 410 551 683 773 975 2 2 3060 176 244 688 949 63 2 2 4046 246 305 433 62 572 728 861 98 921 62 2 2 5084 125 41 449 606 605 79 876 919 62 69 226115 58 208 308(3000) 438 684 666 773 227104(600) 79 306 443 664 742 63 2 28169 317 69 616 86 695 2 2 9029 48 7» 173(500) 77(600) 456 1500) 673 770 819 63 67 72 23 0216 19 83(600) 89 325 88(1000) 516 75 79 80 706 901 11 12 88 93(600) 231042 128 42 454 69 920 2 3 2093 149 (3000) 75 77 200 424 665 665 974 2 3 3248 454(590) 582 95 730 871 971 Im Eeroinntale verblieb«»: 2 Prämien zu 300000 St., 2 6«. Kinne zu 200000 M.. 2 zu 100000 17., 2 zu 75000 M,. 2„ 60 000 M,. 4 zu 40000 M,, 12 zu 30000 SR., 24 zu 15000 M,. 38 ,u 10000 M„ 118 zu 6000 M, 1674 zu 3900 tSL 3176 z» 1000 M.. 4338»u 600 St. verantwortlicher RedakteursMfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Vau! Singer u. Co, Berlin Nr. 125. 80. Iahrgavh. 3. KtilM Ks„öoriüiirls" Sfrlintt Mlksdlalt. Frtttag.23.Mail9l3. Partei- Ungelegenkeiten. Zur Lokalliste. 3» schloß Schönholz N.-B. findet vom 25. Mai bis Ende Juni ein Schützenfest statt. Da nun von dem Besitzer sowie von den Schaustellern des Schützenplatzes viel Reklame gemacht wird, machen wir darauf aufmerksam, da st das Lokal Schloß Schvnholz nebst �est> wiese der organisierten Arbeiterschaft beharrlich verweigert wird. Wir ersuchen deshalb, das Lokal Schloß Schönholz strikte zu meiden und als gesperrt zu betrachten. Folgende Lokale stehen Partei und Gewerkschaften zu allen Ver- anstaltungen zur Verfügung: In Neu-Zcpernick dl.-B. das Lokal„Feldschlößchen", Inhaber P. Burczyk, Buch-Bernaucr Chaussee. In Lankwitz T.-B. das Lokal Seydlitz, Jnh. Rud. Giegl, Kaiser- Wilhelnistr. 34(früher Doms Festsäle). 2>'B. Die neue Adresse des Genossen Beiersdorf, Lokal- kommissionsmitglied des IV. Kreises, ist jetzt Litthauerstr. 14, Laden. Die Lokalkommisfion. 3. Berliner Laudtagswahlbezirk. Zu den Stichwahlen wollen fich die Genossen vom 1. Reichstagswahlkreis bei Weihnacht, Grün» straße 21, g— 12 Uhr, einfinden. Von Berlin II, 3. Abteilung bei Lehmann, Möckernslr. 133a, 5— 8 Uhr. Von Berlin II, 4. Abteilung bei Rathmann, Wilhelmstr. 113, 5—8 Uhr. Johannisthal. Sonnabend, den 24. Mai, abends 8% Uhr, findet im Lindetzhof eine Gedenkfeier an die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins statt. Das Programm besteht aus Gesang, Prolog, Rezitationen und einer Festrede des Genossen Tornow. Schmargendorf. Morgen Sonnabend, im Restaurant Waldkater, Warnemünder Straße 14/15: Lassallefeier. Eintritt inklusive Tanz 25 Pf. Obcr-Schöneweidc. Heute Freitag, den 23. Mai, finden die Stichwahlen für die Wahlmännerwahlen statt. Viermal stehen wir in der 1. Abteilung und zweimal in der 2. Abteilung in Stichwahl. Für die 1. Klasie kommen die Bezirke 8, 9, 19 und 12 in Betracht, für die 2. Klasse die Urwahlbezirke 8 und 14. Wenn jeder seine Pflicht erfüllt, muß es uns möglich sein, diese Bezirke noch zu erobern. Die Parteigenossen mögen sich zahlreich zu den Wahlarbeiten zur Verfügung stellen. Rudow. Am Sonnlag nachmittags 5 Uhr bei Palm: Wahl- bereinsversammlung. Bernau. Morgen Sonnabends abends 8l/z Uhr, bei Salz mann, Basdorfer«kratze: Mitgliederversammlung. Lerttner rteckrickren. Die Cdahlmäniicrrticbwahlcn und einige Neuwahlen finden in Berlin am heutigen Freitag statt. Und zwar wählt die zweite Abteilung von vormittags 9 bis mittags 12 Uhr; die erste Abteilung von nachmittags I bis 2 Uhr und die dritte Abteilung von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr. Die Parteigenossen werden ersucht, nicht nur für rege Bc teiliguug an den Stichwahlen Sorge zu tragen, sondern auch soweit irgend möglich, dem Ersuchen der Wahlkomitees auf Leistung von Wahlhilse Folge zu leisten. Insbesondere ersucht das Komitee im 12. Bezirk die Genossen des Weddings und der Schönhauser Borstadt um rege Beteiligung an den Wahl arbeiten. Gerade im 12. Bezirk kommt es auf jede Wahl manus-Stimme an! 18«»— 191». Am 23. Mai feiert die deutsche Arbeiterschaft die fünf' zigjährigc Wiederkehr des Tages der Grün du iig des Allgemeinen Deutschen Arbeiter Vereins. Am 23. Mai 1863 legte die Arbeiterklasse Deutschlands das Samenkorn zu seiner politischen Organisation. Au diesem Tage betrat sie den Weg, den sie bisher rüstig vorwärts geschritten ist, und der die politische Organisation Und den politischen Einfluß des deutschen Proletariats auf ihre gegenlvärtigc Höhe gebracht hat. Der Erinnerung an diesen Tag muß der 23. Mai 1913 geweiht sein. Wir gedenken der großen historischen Tat Ferdinand Lassalle's, die die Politik des deut- schen Proletariats von jedem bürgerlichen Einfluß befreite, gedenken der ersten Schritte einer selbständigen proletarisch- fnzialistischen Politik. Die Groß-Berliner Parteiorganisationen begehen den Tag durch Abhaltung von 11 B e r s a nr m I u n g e u. Eindrucks- volle Gcdenkvorträge und Chorgesänge sowie der Vortrag eines Prologes werden den Abend' ausfüllen. Wir hoffen, daß die Genossen durch Massenbesuch der Feier auch äußer- lich die Wucht verleihen, die ihr gebührt. Näheres über die Versammlungen ersehen die Genossen aus dem Inserat in dieser Ausgabe des„Vorwärts". Tie Stadtverordnetenversammlung begrüßte gestern den neugewählten Stadtmedizinalrat Drr Weber. Lange genug hat es gedauert, bis endlich der Posten eines Stadtmedizinalrats geschaffen wurde. Unter denen, die den hestigsteu Widerstand geleistet hatten, ist Stadt- rat Dr. Straßmann, der bisherige sogenannte„Chef" des Gesundheitswesens der Stadt. Ihm wurden gestern in den Reden, mit hcnen der Oberbürgernieister Mermuth und der Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Cassel den Stadt- medizinalrat bewillkommneten, allerlei Komplimente gesagt. Wird ihm das die bittere Pille versüßen? Das Projekt der Umgestaltung des Bauviertels h i n t e r d e r U n i v e r s i t ä t lag zur ersten Beratung vor. Es fand grundsätzliche Zustimmung bei allen Gruppen der Versammlung, wurde aber zur näheren Prüfung einem Aus- schuß überiv�ien. Auch die sozialdemokratische Fraktion er- kannte die Notwendigkeit der geplanten Umgestaltung aus sachlichen Gründen an, die unser Genosse H e i m a n n dar- legte. Die höfische Verbrämung des Projektes, durch die es in der Vorlage den Schein einer Jubiläumsgabe für den Kaiser erhielt, wurde von unserem Redner kühl abgelehnt. Genosse Heimann forderte, daß die Zu- stimmung der Gemeindebehörden geknüpft werde an klar formulierte Bedingungen, durch die das Zustande- kommen deS Straßcnbahntunnels an der Universität gesichert und der Entschädigungsanspruch der Universitätsbehörde be- seiUgt wird. Im Ausschuß wird sich zeigen, ob der Stadt- freisinn dafür zu haben ist, daß die„Jubiläumsgabe" diese allerdings ganz und gar nicht höfischen Zutaten erhält. Die Sitzung fand ein vorzeitiges Ende, weil auf 8 Uhr die im Rathause zu veranstaltende Gedächtnisfeier für Richard Wagner angesetzt war. Die Vorlage, die die Stadtverordneten um ihre Zustimmung zu dieser Feier ersuchte, war erst im letzten Augenblicke als Nachtrag eingegangen. Verhandelt wurde darüber zu einem Zeitpunkt, an dem die aus fünf öffentlichen Plätzen ver- anstalteten Konzerte, die einen Teil der Feier bildeten, bereits vorüber waren. Genosse Z u b e i l bemängelte, daß zu diesen Konzerten nicht die schwer um ihre Existenz kämpfenden Zivilmusiker, sondern wieder mal die üblichen Militärkapellen herangezogen worden sind. Bürgermeister R e i ck e ant- wartete mit einer Erklärung, die keineswegs befriedigen konnte. Der städtische Meischbczug. Die Fleischteuerungsdeputation nahm am Donnerstag den Bericht des Ausschusses über die Einfuhr und den Vertrieb des russischen Fleisches entgegen. Die ungewöhnlich warme Witterung im April hatte manche Schwierigkeit beim Bezug des Fleisches zur Folge,, da die neuen russischen Kühlwagen, die jetzt in Betrieb sind, noch nicht zur Verfügung standen. Gleichzeitig machte sich auf dem russischen Markt eine Preissteigerung des Schweinefleisches geltend, die durch außergewöhnliche Auskäuse von Schweinen durch England verursacht wurden, aber voraussichtlich nicht von Dauer sein werden. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Deputation beantragten, daß der Magistrat sofort an die Regierung mit dem Gesuch herantreten soll, bis zum 31. August d. I., d. h. während der voraussichtlichen Hitzeperiode, anstelle des russischen Schweinefleisches die Einfuhr lebender Schweine unter den nötigen Vorsichtsmaßregeln nach der Seuchenabteilung des Berliner städtischen Vieh- und Schlachthofes zu gestatten. Dieser Antrag wurde angenommen. Die Beschluß- fassung über den Weiterbezug von Fleisch soll in einer am 5. Juni abzuhaltenden Deputationssitzung erfolgen. Ansstellungssucht. Wie Pilze schießen die Ausstellungen aus dem Boden. Das vorige Jahr brachte in den Hallen am Zoo die Ausstellung„Die Frau" und erst dieser Tage hatten sie an demselben Orte die Aus- stellung„Das Kind". Beide Veranstaltungen sind über den Dilettantismus mit einein starken Stich ins Unsoziale nicht hinaus gelangt. Und schon rührt es sich, um im kommenden Herbst wieder in den Zoohallen eine Ausstellung„Im Reiche der Hausfrau und Mutter" zu veranstalten. Wird es ein Abklatsch der ersteren beiden Ausstellungen oder etwas Neues und wirklich Soziales werden? Man braucht sich nur die Veranstalter anzusehen, um auch für dieses Schaustück nichts Besonderes zu erwarten. Die Idee geht aus von dem„Deutschen Mütterbund", der früher unter dem Titel„Mütter> konferenzen" auftrat, in Verdindung mit dem Lina Morgensternschen Berliner Hausfrauenverein. Vereine wie der„Bund für Mutter- schütz" und ähnliche scheinen sich loohl in Erkenntnis der lieber sättigung, fernzuhalten. Die Mütterkonferenzen haben bei Arbeiter stauen keinen Beifall gefunden, und sie wollen das auch gar nicht, da an der Spitze des Deutschen Mütterbundes Personen stehen, die trotz aller idealen Mätzchen für das Volk und seine Bedürfnisse, sei» Leben und sein Elend, wenig oder gar kein Verständnis haben. So ist ein Programm mit allerhand Wohltätigkeitstigerinnen in Samt und Seide von vornherein gegeben. Die öffentlichen Wagnerkonzerte, die gestern auf Veranlassung des Berliner Magisstats in veo schiedenen Gegenden der Stadt auf Plätzen veranstaltet wurden, wiesen einen derartigen Andrang auf, daß der ge- wollte Zweck leider nicht so erreicht wurde, wie das wünschenswert gewesen wäre. Die auf 66 Mann verstärkten Militärkapellen, die ausschließlich Wagner- Kompositionen spielten, waren überall von Tausenden von Menschen umlagert. Auf dem Kreuzberg herrschte ein fast lebensgefähv liches Gedränge. Schon lange vor Beginn des Konzerts war der Platz vor dem Denkmal sowie die Treppen und das Plateau desselben von einer vieltausendköpfigen Menschen menge besetzt, die andachtsvoll den Klängen der Wagnerschen Musik lauschte. Gegen 5'/z Uhr wurde der Andrang so stark, daß der diensthabende Polizeioffizier die höher gelegenen Zu gänge sperren ließ, Im Friedrichs- und im Humboldthain waren Zehntausende anwesend. Es herrschte ein derartiger Andrang, daß viele Frauen und Kinder infolge des Gedränges ohnmächtig»vurden und nach der Unfallstation gebracht werden mußten. Eine Anzahl Zuhörer hatten die Bäume bestiegen, um von hier aus besser hören zu können. An eine Ordnung war kaum zu denken, so daß das Konzert außerordentlich beeinträchtigt wurde.__ Berlin im Zeichen der Nbsperrunge». Seit Mittwoch steht Berlin im Zeichen der Absperrungen und noch ist dos Ende nicht abzusehen. Tief in das Verkehrsleben Berlins schneidet diese Maßregel ein, die getroffen ist, um die Hochzeitsgäste des Kaisers von den Bahnhöfen nach dem Schlosse einholen zu können. Wer von dieser polizeilichen Anordnung nicht rechtzeitig informiert war, mußte bald gewahr werden, daß Berlin am Mitt- woch in zwei Hälften gerissen war. Vom Schlosse bis zum Lehrter Bahnhofe, wo das englische Königspaar erwartet wurde, waren dichte Polizeiketten gezogen, die den Uebergang des Publikums verhinderten. Der Fahrverkehr war unterbunden. Lastfuhrwerken war es ver- wehrt, die gesperrten Straßen zu befahren und Waren abzuladen. Der Personenverkehr wurde umgeleitet. Große Verzögerungen in der Ankunft an den Arbeitsstätten waren die Folgen dieser Polizei- Maßnahme. Anr Donnerstag wurden die Absperrungen bereits vom frühen Morgen ab noch strenger und auf noch längere Zeit als am Mittwoch durchgeführt. Es war die Ankunft der Cumberländer, der Großherzogin von Baden sowie anderer Fürstlich- lichkeiten, und schließlich die des russischen Kaisers an- gekündigt worden. Diesmal nahmen die Absperrungen ihren Anfang vom Anhalter Bahnhof, die Königgrätzer Straße entlang, durch das Brandenburger Tor und endete am Lustgarten. Die Gaffer, die sich am Anhalter Bahnhof zum Hurraschreien eingefundeu hatten, wurden bald fortgejagt. Die russische Geheimpolizei trat in Funktion. Nur Passierkartcn, die vom russisch e n Generalkonsulat gegen- gezeichnet waren, wurden von der Polizei beachtet. Bald war der Platz vor dem Anhalter Bahnhof menschenleer. Am Brandenburger Tor, Pariser Platz und am Lustgarten wurde gleichfalls auf- geräumt, und selbst die vom Polizeipräsidium ausgestellten Karten wurden nicht überall mehr respektiert. Das„Publikum" Unter den Linden bestand bald nur noch aus Soldaten, deuffchen und russischen Polizeibeamtcn in Uniform und in Zivil. elbst die Dächer der Häuser wurden von der Polizei scharf beob- achtet. Unter diesen Vorsichtsmaßregeln erfolgte der Einzug des russischen Kaisers in Berlin und wie das offiziöse Telegraphenbureau zu berichten weiß, unter Hochrufen des„Publikums", das doch im wesentlichen nur aus Polizeibeamten bestand. Am Abend aus An- laß der Galavorstellung im Opernhause setzte die Absperrung erneut in scharfer Weise ein. Die russische Polizei hatte gestern in Berlin eine Art Vorrecht und übte es gemeinsam mit der preußischen Polizei prompt aus. Auch ein Zeichen der Zeit, daß russische Poli- zisten auf deutschem Boden ihrem„Handwerke" nachgehen. DaS Mißtrauen der russischen Polizei in Herrn v. Jagow scheint uns voll- kommen unbegründet. In weiten Kreisen der Berliner Bevölkerung herrscht über diese rigorosen Absperrungsmaßnahmcn eine außerordentliche Erbitterung und Empörung, weil diese Anordnungen eine schwere Schädigung des Berliner Erwerbslebens bedeuten. Bezeichnend für den Ties- stand der Berliner Presse ist die Tatsache, daß kein Blatt es wagt, gegen die Polizeimaßregeln energisch aufzutreten. Vielmehr über- bieten sich die Berliner Blätter, die offiziellen Empfangsberichte mit allem Drum und Dran in der breitesten Weise wiederzugeben und die Leser in patriotische Entzückung ob des zahlreichen kaiserlichen Hochzeitsbesuches zu versetzen. Bedauerlich ist nur, daß es noch viele Tausende von Arbeitern gibt, die Leser dieser würdelosen Presse sind. Abholzungen in der Wuhlheide. Der Magistrat von Berlin veröffentlicht folgende Erklärung: „Die Stadt Berlin hat inr Jahre 1911 vom Fiskus die Wuhlheide in einem Ilmfange von 527,39 Hektar zunr Preise von rund 29 Millionen Mark erworben, um dort ein weiteres Grundwasser- werk anlegen zu können. Dabei hat die Stadt die Verpflichtung übernommen, einen Teil von 125 Hektar als Boikspark zu erhalten. während der übrige Teil, soweit er nicht für das Wasserwerk gebraucht und von der Staatsbahn in Anspruch genommen wird, zu Bebanungs- zwecken verwertet werden kann. Die Arbeiten für die Anlage des Wasser- Werks sind inzwischen in Angriff genommen worden. Die damit ver- bundenen Abholzungen haben in der Bevölkerung einiger Vororte an der Oberspree nach Zeitungsnachrichten eine gewisse Beunruhigung hervor- gerufen. Die Vorwürfe, die aus diesem Anlaß gegen die Stadt erhoben worden, sind nicht gerechtfertigt. Es sind für die Brunnen- und Rohrleitungen des Wasserwerks nur drei parallel laufende etwa 2 Meter breite Ssteifen von Osten nach Westen durch die Wuhlheide steigelegt worden, eine Fläche, die im Verhältnis zur Größe der Wuhlheide als ganz unbedeutend bezeichnet werden muß. Wer diese Streifen überquert, wird kaum diese schneisenartigen Durchbrüche be- merken. Nach Beendigung der Arbeiten werden die freien Flächen wieder bepflanzt. Außerdem muß allerdings von dem Kiefernbestand des Waldes ein Teil der Axt zum Opfer fallen, da er durch die Rauch- belästigungen der umliegenden Industrieanlagen unfehlbar dem Unter- gang geweiht ist. Daß die Eichenbäume und das Unterholz, welche nicht gefährdet sind, erhallen bleiben, ist selbstverständlich. Im übrigen er- folgt eine AbHolzung nur, soweit sie nach forstwirtschaftlichen Grund- sätzen geboten ist. ES sei schließlich noch bemerkt, daß die Stadt Verlin nicht beabsichtigt, auch den Teil der Wuhlheide, welchen sie der Bebauung erschließen könnte, für die Bebauung steizugeben. Die städtische Forstvertoaltung läßt es sich natürlich angelegen sein, durch Anpflanzungen und Anlagen die Wuhlheide zu verbeffern und zu verschönern. Die Bewohner der Vororte werden sich also noch lange des Waldes erfreuen können, den die Stadt Berlin hier nicht in letzter Linie für sie unterhält." Die Leiche des Bildhauers Jenni gelandet. Zu dem Ehedrama in Steglitz, wo, wie wir vor einigen Tagen berichteten, der Bildhauer Jenni, Bismarckstraße 2, gemeinsam mit seiner Ehestau den Tod gesucht hat, erfahren wir, daß Mittwoch- nachmittag die Leiche des I. aus dem Wannsee gelandet worden ist. Bekanntlich wurde die Leiche der Ehefrau in der Wohnung in der Badewanne aufgefunden, während man von I. die Kleidungsstücke in einem herrenlosen Ruderboot auf dem Wannsee entdeckte. Die Vermutung, daß I. den Tod in den Fluten des WannseeS gesucht habe, hat sich nun bestätigt. Die Leiche der Frau, an der Spuren äußerer Gewalt bei der Obduktion nicht entdeckt werden konnten, ist vor wenigen Tagen beigesetzt worden. Ein Opfer des ssesttrubels. Als der Herzog von Cumberland gestern nachmittag auf dem Rückwege von einer Spazierfahrt mit seinem Auw die Kreuzung der Friedrichßraße und der Linden in langsamem Tempo passierte, drängte sich das Publikum an den Kraftwagen heran, um den Herzog zu begrüßen. Hinter der Friedrichstraße trat auch der 12jährige Schüler Arnhold Künecke, der Sohn des Lehrers P. Kühnecke aus Lichtenberg, Siegfiiedstraße 7, an das Automobil heran. In seinem Eifer kam der Knabe dem Wagen jedoch zu nahe und wurde von den Schmutzfängern erfaßt und so heftig zu Boden geworfen, daß er eine Gehirnerschütterung und eine Kopf- Verletzung davontrug. Ein nachfolgendes Hofauwmob il schafft« das verunglückte Kind nach der Unfallswtto» am Spittelmarkt, wo der Arzt die oben erwähnten Verletzungen feststellte und die Ueber» führung des Schülers nach der Charit« veranlaßte. In der Familie Cumberland scheint das Automobil überhaupt eine verhängnisvolle Rolle zu spielen. Gestern erst war der Todes- tag des Prinzen Georg.Wilhelm von Braunschweig, der bei Friesack mit seinem Kammerdiener Grabe tödlich ver- unglückte. Und bei den Verlobungsfeierlichkciten in Homburg wurde durch das Auwmobil des Prinzen Ernst August ein Knabe tödlich verletzt. Bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt war der Kopf einer Leiche, die gestern am Nordufer, in der Nähe der Föhrerbrücke, aus dem Spandauer Schiffahrtskanal gelandet wurde. Vorübergehende sahen die Leiche auf dem Wasser treiben und benachrichtigten die Polizei, die sie ans Ufer brachte. Hier ergab sich, daß der Kopf in eine Dampferschraube geraten zu sein scheint, denn die Schädel- decke war bis zur Nase abgerissen und der Unterkiefer ganz zerfetzt. Es handelt sich um die Leiche eines ungefähr 25 bis 39 Jahre alten und 1,65 Meter großen Mannes, der einen Anflug von Schnurrbart hatte und nur noch mit einem weißen Hemd mit buntem Einsatz, grauen Strümpfen und braunen Segeltuchhalbschuhen bekleidet war. Er trug einen Ring mit Totenkopf.' Sturm auf die Weißenseer Genossenschaftsdank. Sett einigen Tagen schwirrten Gerüchte in der Lust, daß die Genossenschaftsbank in Weißensee in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei. Der AuffichtS- rat sah sich schließlich veranlaßt, durch Aushängen von Plakaten diese Gerüchte als nicht den Tatsachen entsprechend darzustellen. Trotzdem haben, wie man uns mitteilt, jetzt Hunderte Arbeiter und Handwerksmeister ihre Spargroschen abgehoben. Die Veranlassung des jetzigen Zustandes soll sein, daß durch die Kriegsunruhen der letzten Zeit verschiedene größere Geldgeber die plötzlich« Zurück- zahlnng ihrer Guthaben verlangten und außerdem ein Direktor durch einen plötzlichen Austritt aus der Bank die Situation noch ver- schärfte. Von irgendwelchen Veruntreuungen ist keine Rede, auch können bei Flüssigmachung der Reserven alle Ansprüche gegen die Bank erfüllt werden. Verhaftung des ehemaligen Rechtsanwalts Brcdcreck? Der ehe- malige Rechtsanwalt Paul Bredereck, der Anfang August v. I. nach umfangreichen Unterschlagungen und Betrügereien plötzlich aus Berlin verschwand, soll nach Privatmeldungen, die einem hiesigen Blatte zugegangen sind, in Südamerika verhaftet worden sein. Eine amtliche Bestätigung dieser Nachricht ist den zuständigen Behörden noch nicht zugegangen. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß die Meldung den Tatsachen entspricht, da Bredereck in ver- chiedenen Städten des Auslandes gesehen worden ist und sehte Spuren verfolgt werden konnten. Bredereck ist nicht mit durch seine Schwindelmanöver und seine Flucht weiteren Kreisen bekannt gewesen, sondern auch durch die politisch« Rolle, die er hier in Berlin gespielt hat. In fast allen antisemitischen Prozessen der letzten Jahre trat er als Verteidiger auf. Auch für den Reichstag hat B. kandidiert. Als Verteidiger des Defraudanten Haase hat V. kurz vor seiner Flucht noch eine unrühmliche Rolle gespielt und viel von sich reden gemacht. Er war ein bekannter Spieler und Lebemann Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 30. März (Sonntags 6 bis 1 Uhr) am Belleallianceplatz ein Mann von der Elektrischen überfahren wurde, werden ersucht, ihre Adressen an Anton Drittenbab, Wilhelmstr. 54, III, gelangen zu lassen. Gestern gegen 9 Uhr früh stürzte der 10jährige Schüler Georg Köwel, im Begriff von der städtischen Straffenbahn abzusteigen, in der Danziger Straffe, Ecke Winsstraffe, ab und zog sich schwere Verletzungen zu. Zeugen werden gebeten, sich Danziger Straffe 39, vorn eine Treppe, zu melden. Vorort- Nachrichten* Wahlmännerwahlen finden am heutigen Freitag in Charlottenbnrg und Neukölln statt. An die Wähler derjenigen UrWahlbezirke, in denen Stichwahlen vorzunehmen sind, ergeht daher noch einmal die dringende Mahnung, nicht nur vollzählig sich an der Wahl zu beteiligen, sondern auch die Säumigen hierzu zu veranlassen. Die Parteigenoffen wollen sich zur Wahlarbeit in den bereits bekannten Lokalen recht zahlreich zur Verfügung stellen. Neukölln. Die vom hiefigen Wahlverein veranstalteten Bormittagsspicl- Partie» erfreuen sich allseitiger Beliebtheit. Dieselben werden an jedem Sonntag abgehalten, wenn keine Tagespartien gemacht werden. Am Sonntag, den 25. Mai, erfolgt der Abmarsch um 7 Uhr morgens. Tresspunkt am Rathause. Am Sonntag, den 1. Juni, findet eine Tagespartie statt. Friedenau. Wahlmänner-Stichwahle». Im 11. und 14. Bezirk findet heute Freitag von 5'/«— 8 Uhr nochmals eine engere Wahl statt. Die Genossen wollen sich so zeitig wie möglich im Lokal von Stein, Rönnebcrg- Ecke Handjerystraffe, einfinden. Es ist in beiden Bezirken nur noch ein Wahlmann zu wählen. Im 11. Bezirk ist zwischen dem Genossen Hermann Gülde und dem Bürgerlichen Groff, im 14. Bezirk zwischen dem Genossen Jürgensen und dem Bürgerlichen Woldeit zu entscheiden. Im 17. Bezirk findet eine Wahl nicht mehr statt. Der Vorstand. Lichterfelde. Bei der Gemeinde« crtreter-Ersatzwahl am Mittwoch erhielten Stimmen: Kulbe 413, Wenzel 362 und Liese 124. ES ist demnach Stichwahl zwischen dem bürgerlichen Kandidaten Kulbe und dem sozialdemokratischen Kandidaten Wenzel erforderlich. Der Stichwahl- tag wird noch bekannt gegeben. Das Aufgebot von Post-, Eisenbahn- und sonstigen Beamten aller Grade, die unter der öffentlichen Stimmabgabe für die bürger- lichen Kandidaten stimmen mufften, war enorm. Tempelhof. Ungültig erklärt wurde in der gestrigen Sitzung der Gemeinde« Vertretung das Mandat des Genossen Ewald. Die bürgerlichen Gegner fochten die Ansässigkeit unseres Genofien an. Sie dürften mit ihrem Beschluff wenig Glück haben; unsere Genossen werden den Gemeindebeschluff anfechten. Karlshorst. Am heutigen Tage finden die Stichwahlen zur Wahl der Wahl- männer statt. Gewählt wird in denselben Lokalen und zu derselben Zeit wie bei den Hauptwahlen; da wir in fünf Bezirken in der dritten Abteilung beteiligt sind, wollen die Genossen sich rege und möglichst frühzeitig zu den Wahlarbeiten zur Verfügung stellen. Das Zentralbureau befindet sich bei Buchholz, DönhoMraffe 1, Ecke der Treskowallee, Fernsprecher Ober-Schöneweide 135. Hier werden alle Genossen, die noch nicht für die einzelnen Bezirke zur Wahl- arbeit bestimmt find, erwartet. Friedrichsfelde. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Schwenk den über die verfloffenen neun Monate sich erstreckenden Geschäftsbericht. Lokale stehen unS im Orte vier, in Ahrensfelde eins zur Verfügung. Im Gemeindeparlament sind wir durch drei Ge- nassen vertreten. Die Mitgliederzahl stieg von 324 auf 357, darunter befinden sich 67 weibliche Mitglieder. Dank der uner- müdlichen Agitation ist eS uns gelungen, in den Landorten festen Fuff zu fassen, so dah in den Orten Marzahn, Eiche, HellerSdorf und Mehrow Mitglieder vorhanden sind. Die Zahl der„Vorwärts'- teser beträgt 386. Durch die Einführung der Hauskassierung ist eS ermöglicht worden, die vollzahlenden Mitglieder um ein be- deutendes zu erhöhen. Auf Grund der UrWählerlisten soll im Interesse der Parteibewegung in eine Agitation eingetreten werden. Die Jugendbewegung hat sich in erfreulicher Weise entwickelt, so datz auch hier 60 Abonnenten auf die„Arbeiterjugend' zu verzeichnen sind. Aus der Bibliothek sind 215 Bände entliehen worden. Der Kassen- bericht ergab eine Einnahme von 1483,36 Di., eine Ausgabe von 1390 M. An der Diskussion zum Geschäftsbericht beteiligten sich die Genossen Rasch, Waldmann, Lehmann und Krüger. Die Wahl der Bezirksleitung ergab die Wiederwahl der Genossen Schwenk als Bezirksleiter, C. Münnich als Kassierer und Hutter als Schriftführer. Genosse Schwenk teilte dann noch das Ergebnis der Wahlmänner- wählen mit. Es wurden abgegeben für die Gegner 358. für die Sozialdemokratie 869 Stimmen, Im dritten UrWahlbezirk ist in der ersten Abteilung eine Stichwahl vorzunehmen, es ist Aussicht vor- banden, hier unsere Wahlmänner durchzubringen. Am Schlüsse forderte Genosse Schwenk die Mitglieder auf, auch weiterhin unermüdlich im Interesse der Partei tätig zu sein. Die Bibliothek des Wahlvereins befindet sich bei dem Genossen Hutter, Prinzenallee 471; sie ist geöffnet Wochentags von ö'/a bis B'/a Uhr abends, Sonntags von 10 bis 12 Uhr vormittags. Es lvird um rege Benutzung derselben ersucht. Ncinickendorf-Ost. In der Generalversammlung des Wahlvcreins erstatteten der Vorstand und die übrigen Funktionäre Bericht über ihre Tätigkeit im verflossenen Geschäftsjahr. Ueber den Besuch der Zahlabende, sowie der Mitgliederversammlungen sei leider zu klagen; auch in bezug auf die Leseabende sei ein gesteigertes Interesse der Weib- lichen Mitglieder sehr zu wünschen. Der Mitgliederbestand stieg um 37 männliche und 13 weibliche Mitglieder. Neuaufgenommcn wurden 178 männliche und 57 weibliche Mitglieder; von anderen Bezirken und aus Berlin wurden überwiesen 56 männliche und 7 weibliche Mitglieder. Dem Zugang steht ein Abgang von ins- gesamt 197 männlichen und 44 iveiblichen Mitgliedern gegenüber, hiervon mufften leider, wegen rückständiger Beiträge und da unbe- rannt verzogen, 192 aus der Mitgliederliste gestrichen werden. Es gehören somit 921 männliche und 176 weibliche Mitglieder dem Verein an. Die Einnahmen des Wahlvereins betrugen 3693,55 M., die Gesamtausgaben 3489,31 M, ldarunter Ablieferung an den Kreis 2422,90 M.). Der Kassenbestand hat sich demgemäß von 275,25 M. auf 479,36 M. erhöht. Die vom Biloungsausschuß ge- trosfenen Veranstaltungen lichen leider wiederholt die erforderliche rege Beteiligung vermissen. Ramens der Auhenagitationskom- Mission berichtete Genosse G u r s ch von erfreulichen Fortschritten in Liebenwalde und Hammer. Die Erfolge zeigten sich bei den letzten LandtagSwahlen. Bei diesen war es das erstemal möglich Arbeiterwahlmänner aufzustellen, für welche auch SO Stimmen ab- �gegeben wurden. Ueber steigende Ausleiheziffern in der Bibliothek berichtete Genosse Schulze. Der Bücherbestand beträgt zurzeit 496 Bände. Ter„Vorwärts' hatte am Schluß der Berichtszeit 1480 Abonnenten. In der Diskussion des Berichtes wurde eine sorgfältigere Arrangierung der Vergnügen und künstlerischen Ver� anstaltungen gefordert, ebenso ein besserer Ausbau der Leseabende. Bei der Neuwahl wurden in den Vorstand gewählt, die Genossen Schönberg als Vorsitzender und Skaruppe als Kassierer, sowie die Genossin Zepernick als Schriftführerin. Zur Er- lediglich der Funktionen bei der Autzenagitation, der Verwaltung der Bibliothek, als Leiterin der Kinderschutzkommission, der Lokal- kvmmission und der Zeitungskommission wurden gewählt die Ge- nassen Gursch, Wiebe, Feh, Wilsdorf, Daehn, Schulze, Haase Selke und die Genossin Chemnitz. Zu den Generalversammlungen des Kreises und nach Groß-Berlin wurden delegiert außer den Mitgliedern des Vorstandes die Ge- nassen Senftleben, Wilsdorf, Bolowsky, Lorenz, Alfred Schmidt und die Genossin Chemnitz, Pankow. Außer der Reihe. Wie'uns in letzter Stunde noch mitgeteilt wird, bringt die neueste Nummer der in Pankow erscheinenden „Vorortzeitung" einen Wahlausruf, unterzeichnet vom„Liberalen Wahlausschuß", welcher die liberalen Wähler auffordert, bei der heutigen Stichwahl unter keinen Umständen einem Sozialdemokraten die Stimme zu geben.-Dieser Aufruf steht in krassem Widerspruch zu der in der„Freisinnigen Ztg." veröffentlichten offiziösen Erklärung. Sollte das Wutgeheul der„Deutschen Tageszeitung" und anderer konservativer Blätter die Fortschrittler bereits so eingeschüchtert haben, daß sie ihrer eigenen Wahlparole untreu werden? Wenn sie dadurch ihre Aus- sichten zu verbessern gedenken, dürften sie sich sehr irren. Oder handelt es sich etwa nur um ein plumpen Wahlschwindel? Spandau. JubUSumsfeiern ohne Ende. Trotz des großen Fiaskos der Jubiläumsfestspiele in der Jubiläumsturnhalle, wobei die Schauspieler nicht einmal ihr Honorar erhielten, soll schon wieder eine Jubiläums Veranstaltung und zwar diesmal aus Anlaff des 25 jährigen Regie rungsjubiläums in Gestalt eines echten Volksfestes am 22, Juni auf dem Gelände des JohanniSstistS arrangiert werden. Ein Ehren- ausschuff ist bereits eingesetzt, ebenso haben sich schon die Festredner gefunden. Die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden bringen den beabsichtigten Festlichkeiten natürlich das größte Interesse entgegen. Es ist das gute Recht der Hurrapatrioten auch diese Feiern abzu- halten, nur wünschen wir, daß die Herren dann auch wenigstens das Defizit aus ihren Taschen bezahlen. Spiel und Sport 20 Jahre Arbeiterturnen. Auf ein 20 jähriges Bestehen kann der Arbeiter-Turnerbund in diesen Togen zurückblicken. Zu Pfingsten 1893 wurde diese»Eintags- fliege", wie der damalige Kreisvertreter der Deutschen Turnerschaft, Polizeirat Atzrott, den Arbeiter-Turnerbund spöttisch nannte, geboren, 39 Delegierte vertraten damals etwa 4000 Turner, während am Sonntag in Mannheim die Delegierten von zirka 180000 Mitgliedern zum 11. Bundesturntag zusammentreten werden. Wahrlich ein schönes Zeichen von Beharrlichkeit, Fleiß und Zielbewufflsein, das sich in der deutschen Arbeiterschaft bewahrt und es ihr ermöglicht, solche Organisationen aufzubauen. Und das trotz aller Bekämpfung, die schon an der Wiege des Bundes Pate stand. Schon 1894 sehen wir in Velten(Mark) die vereinigten Ofen« fabrikanten durch einen Geheimerlaff gegen die Arbeiter ihrer Betriebe, die dem.Männer-Turnklub' angehören, vorgehen, weil derselbe gleich„Fichte'-Berlin, dem Bunde beigetreten war.„Wer noch Versammlungen der sozialdemokratischen Führer, speziell des „Männer-TurnklubS", welcher ebenfalls für eine sozialdemokratische, wenn nicht schlimmere Vereinigung gehalten wird, besucht oder Beiträge dafür bezahlt, setzt sich der soforttgen Ent« lassung aus', heißt es in dem Erlaß dieser von ihren Arbeitern ausgehaltenen noblen GeldsackSprotzen. Doch auch hier erzielte man nur eine Stärkung des Solidaritätsgefühls. Für acht hinaus« geworfene Turner wurden von Mitgliedern des jungen Bunde« 136 Mark gesammelt, die da genügten, die Arbeitslosen weiter zu bringen. Aehnlich.liebenswürdig' ist der Bund immer behandelt worden. Nur daff seit 1895 die.Deutsche Turnerschaft'—, und als ihre treu- deutsche Kraft zur Vernichtung einer gesunden Arbeiterorganisation nicht ausreichte auch noch die hochwohllöblichen Behörden hinzu- treten. Es ist hier nicht der Ort, darauf weiter einzugehen, da über Vorgänge der letzten Jahre von uns immer berichtet wurde. Wir stellen nur fest, datz der Bund ohne Staats- und Privatunterstützung gewachsen ist, während die„Deutsche Turnerschaft' sich unter die schmierigen Fittige des„Jungdeutschlandbundes' geflüchtet hat. Ge- flüchtet vor dem Ansturm wirklicher Turner, mit echtem deutschen Volksbewufftsein, aber auch dem, was dazu notwendig ist, nämlich: Selbstbewußtsein I! Mit dieser Eigenschaft haben die Arbeiterturner für Volks- gesundheit gewirkt, sich verdient und bei den Volksfeinden verhaßt gemacht. Man hat es ihnen zum Vorwurf gemacht, datz sie bei Arbeiterfesten mitwirken. Ja, wer mit der Arbeiterschaft geboren ist, wer mit ihr kämpft und— hungert, der kann unmöglich beim Turnen Hurra schreien, während er mit seinen Arbeitskollegen im Wirtschaft- lichem Kampf Streikposten steht! So vereinigen wir auch unsere Wünsche mit denen der Freunde des Bundes: weiter zu wirken für die Volksgesundhest und freies Geistesleben! Nicht deswegen, um Menschen zu erziehen, die man bloß gegen Stacheldrähte jagt, sondern solche, die sich bewußt sind, datz sie nicht nur sich und der Familie, sondern dem ganzen Volke verpflichtet sind. Wer dazu beitragen will, der meide als Arbeiter aus Reinlichkeitsgründen die Vereine des Jungdeutschlandbundes! Wer turnen will, der schließe sich dem Jubilar an, der mit Recht von sich in seiner.Arbeiter-Turnzeitung' vom 15. Mai sagen kann: „Was geschaffen worden ist, das danken wir der eigenen Kraft und Ausdauer, deshalb sind wir auch an unserem zwanzigsten Gründungstage niemand zu Dank verpflichtet. Wer von sich sagen kann, daff er aus sich selbst wurde, was er ist, der darf sich rühmen, ein Mann zu sein!' * Der Turnverein„Fichte' begeht diesen Tag durch Turnen aus seinen Turnplätzen, wo zum Schlug in entsprechenden Ansprachen auf die Bedcu- tung deS Tages hingewiesen wird, Die»Freie Turnerschaft- Neukölln-Britz verbringt diesen Tag aus einer gemeinsamen Partie aller ihrer Angehörigen nach Zernsdors. Die Arbeiterturner Temvelhof- Mariendorfs laden Anhänger und Gegner zu einer öffentlichen Versammlung nach GraglS Gesellschasts- haus, Chausseestr. 305, ein, Bruno Lieste, Berlin, spricht über: „Zwanzig Jahre sür Volks gesundheit und Volks- bewutztseinl' 3 Uhr nachmittags. Nachdem gemütliches Beisammen- sein und Tanz. Das Turnkartell Rummclsburg- Lichtenberg- Friedrichsfelde veranstaltet nachmittags 3 Uhr aus seinem Platz, Treskoiu-Allec, ein Schau- turnen. U. a. findet ein Propaganda-Fußballspiel zwischen NummelSburg I und Lichtenberg I statt. Nachdem Tanz, „Freie Türuerschaft' Waidmannsluft und Wittenau veranstaltet ein Spieisesi, Treff: Rest. Schweiz erHaus, WaidmarmSIust. Zu all diese» Gründungsvcranslaitungen ist die Arbeiterschaft herzlichst ewgöaden und wird Eintrittsgeld nicht erhoben, Radfahrer-Touren. Charlotlenburg. Am Sonnlag, den 25. Mai, früh 5 Uhr: Strichwur durch den Grunewald. Nachm. 1 Uhr nach Gormsec. Ein öffentliches Turne« veranstaltet am morgigen Sonnabend. abends 8 Uhr, in der Turnhalle Slckerstr. 67 die 5. Lehrl.-?lbt. d-S Turn» Vereins.Fichte'. Eltern und Jugendfreunde sind eingeladen. Der Arbeiter-Turnverein zu Adlershof veranstaltet am Sonntag, den 25. Mai, anläßlich seiner Turnplatzwcihe und zur Feier des 20jährigen Bestehens des Arbeiter-Turnerbundes Deutschlands einen oollStümliche» Fünf- und Dreikampf der Männer- und Frauenabteilmrgen. Abmarsch des Vereins pünktlich 1 Uhr nachm. von Wöllsteins Lllstgartea mit Musik nach dem Turnplatz. Die Arbeiterschaft von AdlerShos ist mit ihren Angehörigen zu dieser Veranstaltung herzlich willkommen. Tchöneberg.«ein 6.«tistungssest feiert der Arbeiter-Turnverein morgen Sonnabend in den„Neuen Nathaussälen". Da die Turner bei allen Arbeitersestlichkeitcn bercitivilligst mitwirlen, wird auch die Arbeiter- schast gebeten, dies: Veranstaltung zu besuchen. Für gute Unterhaltung ist gesorgt. Eintritt 30 Ps. Ansang 8'/, Uhr. Öbcr-Zchönewcide. Am Sonntag, den 25. Mal, veranstaltet der Turnverein„Obersprce- eine Wanderfahrt nach dem Nomiensliesj bei Ebers- Wolde. Wanderlustige Parteigenossen sind dazu eingeladen. Die ganze Tour ist höchstens 20 Kilometer.(Fahrpreis ungefähr 2 M.) Abmarsch Punkt 6 Uhr vom Rest. Rabe. Wilhelminenhosstr. 43. Abf. Stettiner Bah» hoi 8.33 Fernbabnsteig bis Melchow. Arbeiter- Radfahrer- Bund„Solidarität'(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 25. Mai: 1. Abt.: 5 Uhr: Buckow(Märkische Schweiz). 12 Uhr: Strausberg(Hungriger Wolf). Start: Bülowstr. 53. — 2. Abt.: Am 24., ad-nds 8 Uhr: Buckow(Märkische Schweiz); am 23., 1 Uhr: Eggersdorf(Sehrend). Start: Schönleinslr. 6.— 3. Abt.: 5 Uhr: Teupitz(Tornows Idyll). 11'/, Uhr: Motzen. Start: Lausitzer Platz 12.— 4. Abt.: 6 Uhr: Motzen. l'Uhr: Lichtenrade(Paul),«tart: Küstrincr Platz.— 5. Abt.: an: 24.. abends 12 Uhr: Michendorf(Herren- tont). Am 25., 10 Uhr: Wandlitzsce(Badetour). Start: Eiysium.— 6. Abt.: 5 Uhr: Buckow(Märkische Schweiz). 9 und 12 Uhr: StrauS- 4(Hungriger Wolf). Start: Oderberger Str. 23.— 7. Ab!.: 6 Uhr: cu(Puram). 1 Uhr: Buckow bei Britz(Klein). Start: Schulstr. 29.— 8.'Abt.: 7 und 12 Uhr: Neu-Dabendorf(Hacker). Start: Levctzowstratze. — 8. Abt.: 1'/, Uhr: Buch(am Bahnhos). Start: Schillingsw. 22.- 10. Abt.: 8 Uhr: MichelSdors(bei Lehnin). Start: Schöneberger Rat« haus. 1 Uhr: Wannsee(Fürslenhos). Start: Große Franlfurter Str. 30. Arbeitcr-Radfahrer-Berein„Groß-Berlin'. Touren am Sonn- tag, den 23. Mai: Früh 4 Uhr: Nach Zäckerick a. O.(Büttner). 80 Kilo- mcter. Früh 6 Uhr: Sttetszüge durch den Blumental. 43 Kilometer. Mittags 12 Uhr: Rotkäppchen bei Strausberg. Start: Marianncnplatz. Arbeiter- Wandcrverein„Berlin". Sonntag, den 23. Mai: Wanderfahrt nach Fintcnkrug— Brieselang— Pausin— Ziegen krug— Forsthaus Krämerpsuhl—Groß-Zieten— Schwante. Absahrt 6.28 Lehrter Bahnhos.— Gäste willkommen. Teilnehmerkarten a. 5,75 M. zu der am 8. Juni stattsindenden Spree- waldfahrt sind in unseren Zahlstellen: Fritz Wählijch, Skalitzer Str. 22, und Georg Weihnacht, Grünstr. 21, zu haben. Arbeiter- Wanderbund„Tie Naturfreunde'. Sitz Berlin. Am Sonntag, den 23. Mai, findet die erste Gesellschasls-Spreewaldsahrt statt. Tellnehinerkarten sind noch bis Freitagabend(heute bei Heyse, Boye» straße 19; Harsch, Engeluscr 15, und Zepmeisel, Neukölln, Hcrmannstt. 176, zu haben. Außerdem finden am Sonntag folgende Touren statt: I. Tiefensee. Freienwalde. Abfahrt Schlesischer Bahnhos(Wriezener Bahnsteig) 5.32 Uhr vorm. II. Dahmsdorf— Müncheberg, Buckow, Rehseide. Abf. Schlesischer Bahn- hos 5.25 Uhr vorm.. Bahnhos Friedrichstraße 3 Uhr vorm. Iii. Oranienburg, Seilers Tccroscn, Schwante. Abs. Stctt. Vorortbahnhof 6.45 Uhr voran. IV. Chorinchcn, Oderbcrg, Niederfinow, Abf. Stettiner Fernbahnhos 5.59 Uhr vorm. V. Bernau, Hellsee, Bernau. Absahrt Stettiner Vorortbahnhof 6.40 Uhr vorm. VI. Jungfernheide, Saatwinkel, Tegel. Treffpunkt: Bahnhos Jungsern- helde 2 Uhr nachm. Vit. Wanderung für Kinder über 10 Jahren. Wannsee, Sakrow, PotS- dani. Treffpunkt 7'/, Uhr Bahnhof Frledrichstratze, am Eingang zur Stadtbahn. Absahrt 7.43 vorni. VIII. Kinderwanderunz. Halcnsce, Grunewald. Treffpunkt: Bahnhos Wedding(Eingang Nettelbeckplatz) 10 Uhr und Schlesischer Bahnhof (Ecke Frucht- und Madaistraße) 10 Uhr.< Arbeitcr-Douristenvereiu„Die Naturfreunde'. Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 25. Mai: Wanderungen. I. Zepernick, Liepnitzsee, Wandlitzlee, Birkenwerder. Absahrt nach Zepernick Stettiner Bahnhos 4.40. — II. Chorinchcn, Kloster llhorin, Plagesen, jPaarstemer See, Chorin. Ab« nach Chormchen(Sonniaasrücksahrkarte) Stettiner Bahnhos(Fernbahn- steig) 6.59. Gäste stets willkommen. Der Arbeiter- Tchwimmklub Neptun, Weißeufee, begann am Sonntag, den 18. Mai, feine diesjährige Sommersailon. Trotz der nn- günstigen Witterung war eine große Beteiligung zu verzeichnen. Die UebungSstunden deS Klubs finden nunmehr regelmäßig süt alle Ableiimitjen, Männer-, Jugend-, Frauen- und Mädchen-, jeden Dienstag und Frertag, abends von 7 Uhr, und Sonntags, vormittags von 10 Uhr ab, im Seebad Weißens«, Berliner Allee 200, statt; daselbst Unterricht im Schwimmen, Springen, Tauchen und im Rettungsivesen, woraus alle Freunde deS Schwimmsports aufmerksam gemacht werden. Diesbezügliche Anfragen richte man an F. Mcnschel, Wcißcnsce, Rölckeslr. 10 II. Deutscher Arbeiter> Abstinenten-Bund, Ortsgruppe Berlin. Am Freilag, den 23. Mai, sällt der Partei-Gedenkseierlichkcitcn wegen unsere Versammlung aus. Die Ersatzoersammluna mit dem Vortrag-: „Warum sind wir Schnaps-, Wein- und Bierseinde r wird im„Vorwärts' bekannt gegeben. Arbeiter Schwimm-Bcrein Berlin. Am Sontag, den 18. Mai, hielten die Abteilimgen I und II ihr diesjähriges Anschwimmen ab. Ein- geleitet wurden die Anschwimmen durch Gruppenspruigen, Lagenstasette so- wie Wafferballspiel, welches von den anwesenden Gästen mit Interesse ver- folgt wurde. Die UebungSstunden der'Abteilung I finden täglich in der städtische« Badeanstalt, Mühlenstr. 50. statt. Die UebungSstunden der Abteilung II finden Dienstags, Donnerstags und Sonntags im Seebad Wilhelmsruh, Mittwochs in der städtischen Volksbadeanstalt, Gerichtstr. 65, statt. Die Abteilung III hält am Sonntag, den 25. d. M., nachmittags 3 Uhr, in der Privatbadeanslalt m Piötzensce ihr Anbaden ab. Nach de« letzteren findet ein gemütliches Beisainmensein im„Eisschlößchen" ebendaselbst statt. Freunde und Gönner des Zlrbeiter-SchwuumsPortS sind hierzu herzlich eingeladen._ Landsmannschaft Ueckerwünde< Usedom- Wollin. Am-Sonntag, den 1. Juni, nachmittags 6 Uhr: Versammlung im Lokal von Rodrigo, Borsigstr. 24. Parteigenossen und Genossinnen, welche aus obengenanntem Kreise ge» bürtig sind und hier wohnen, werden dringend ersucht, an dieser Versamm» lung teilzunehmen._ Jugcndveranstaltungea. Neukölln. Am Sonntag, den 25. Mai: Wanderung nach Warmse«— Psaueninsel— Dreilinden-Zehlendors. Fahrgeld 0,50 M. Abfahrt 7.19 Uhr vom Bahnhos Neukölln nach Wannsee. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit' ist soeben das 34. Heft des 31. Jahrgang» erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Die Bcrner Konferenz. Von K. Kautsky.— Nach zehn Jahren! Von ). Fleißner.— Staat und Kirche. Bon August Erdmann.—.Die Stellung er Sozialoemokratie zum Anbau von Baumwolle in den Kolonien Afrikas. Von H. Krätzig. M. d. R.— Der Krebsgang der Unsallversicherung. Don Friedr. KleeiS(Halle a. d. Saale).— Notizen: Die Gewinnung der Jugend zwischen dem 18. und 21. Lebensjahre l Von Paul Hewzelmann. Die Sterblichkeit im mittleren Lebensalter. Von G. E. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstallen und Koiparteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehe«; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft lostet 25 Pf. Marktpreise von Berlin am 21. Mai 1913, nach Ermittelungen deS lönigl Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,66 bis 20,70, mittel 20.58—26.62. geringe 20.30—20.54. Roggen, gute Sorte 16.60—00.00. mittel 00.00—00,00, geringe 00,00—00,00.(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 16,20— 16,70, mittel 15,60— 16,10, geringe 15,10— 13,50, Haser, gute Sorte i7,60— 19,50, mittel 16,50— 17,50(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mired), gute Sorte 15,20—15,50. Mais(runder), gute Sorte 00,00— 00,00. Mchtstroh 4,80—0,00, Heu 6,00—7,60. Markthallenpretse. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zrm, Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen. roeitte 35,00—60,00. Linsen 33,00— 60,00. Kartoffeln(RIeinhdl.) 3,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rmdsicisch. Bauchfleisch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,40—2.00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfletsch 1,50—2.40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,80— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40-3,00. Barsche 1,00—2,40. Schlei- 1,60—3,20, Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebse 3,50—60.00. cbeiterwahlmanner aufzustellen, für welche auch 20 Sttmmen ab- eingeladen und wird Eintrittsgeld nicht erhoben._ Blei« 0.80— 1,60. 60 stück Krebs« 3,50—60,00._ Serantwortlicher Redakteur: Llfrep Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glucke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärt» Vuchdructerei u. Verlagsanstalt Paul Singer ll. Co„ Berlin S