Ar. 126. flbonnementS'Bedingungcn: LionncmentS, Preis pränumerando! Stetteljö&rL 3,50 Mt, monatl, 1,10 Mk, wöchenilich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nninmer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter sonntags- Beilage„Die Sieue Well' 10 Pfg, Poit- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.ö0 Mark, für das übrige Ausland •4 Marl pro Monat, Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. kricheint fzgllch. SN Verlinev Volltsblskt. Zcntralorgan der fozialdcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Die Tnlertlons' Gebühr iieträgt für die sechsgcspaltene Kolonel- zelle oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Perelirs- und Versanimluiigs-Anzeigen 30 Pfg, „Kleine Mnocigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. fzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Eteljeiigefuche und Schlafsiellenaii- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer»lünen bis K Uhr nachmittags in der Expedituni abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffiret. Telegramm-Adresse: „Suläl«lims!ilzl Rerlio". Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplatz, Nr. 1383. Sonnabend, den 24. Mai 1913. Expedition: SM. 68, lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 198 t. €in weltfremdes Urteil. Kein Mensch behaupte mehr, daß es heutigen Tages, wo Glühstrümpfe und Metallfaden die schwärzeste Nacht in grellstes Licht tauchen, keine Wunder mehr gäbe. Denn noch gibt es Richter in Preußen! Und die heilige Juftitia be- schämt selbst den Allerzwcifelsüchtigsten l Man höre: Es war der ehemalige Äreuzzeitungs- redakteur Hermann Wagencr» der das preußische Dreiklassenparlament verächtlich ein„Gcldsackparlament" nannte. Er mag sich gratulieren, daß man ihm damals nicht den Prozeß machte und ihn nicht ins Gefängnis sperrte. Denn die elfte Strafkammer des Landgerichts 1 zu Berlin hat dahin erkannt, daß der„Vorwärts" das preußische Junkerpar... pardon— Dreiklassenparläment sträflich beleidigte, als er sich des Ausdrucks des ehemaligen„Kreuz- zeitungs"-Redakteurs bediente! Aber auch andere Leute können sich dazu beglückwünschen, daß sie zu einer Zeit lebten, wo das Dreiklassenparlamcnt noch nicht in einem Maße den Schutz der Gerechten genoß wie Anno 1913. Denn auch Bismarck ivar— 1852— der Meinung, daß die preußische Kammer nichts sei, als„eine immerhin noch mangelhafte Vertreterin der Steuer- kraft."„Das", so fuhr er fort,„kann ich eine Volksver tretung nicht nennen." Und fünfzehn Jahre später erklärte derselbe Bismarck, daß es„kein elenderes und lv i d e r- sinnigeres" Wahlgesetz in irgendeinem Staate gäbe, als das preußische Dreiklassenwahlrecht. Elend und widersinnig nannte der Heros des Jahrhunderts das Dreiklassenwahlrecht, als Geldsackparlament perhorresziertc der Kreuzzeitungsredakteur Wagener die Drei klassenvcrtrctung, dcrBismarck hinwiederum jedes Recht absprach, sich eine Volksvertretung zu nennen. Aber im Wonnemond des Jahres 1913, des Jubiläumsjahres der„Freiheitskriege",- wird der verantwortliche Redakteur des„Vorwärts" zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. weil das sozialdemo kratische Zentralorgan von der Dreiklassenkainmer als von einem„Gcldsackparkament", ja nur von dein„Junkerparla- ment" gesprilchen hatte! Eigentlich könnten wir uns des Verdikts der 11. Straf- kammer des Landgerichts I ja freuen. Denn wenn die Aus- drücke„Junkerparlament" und„Geldsackparlament" eine Beleidigung des Dreiklassenparlaments darstellen, so muß es das Gericht wohl als Herabsetzung eines Parlaments empfinden, wenn von ihm behauptet würde, daß für seine Zusammensetzung das große Portemonnaie und die Zugehörigkeit zur privilegierten Junkerkaste ausschlaggebend seien l So muß das Gericht eine solche Nachrede als etwas so Diskreditierendes betrachten, daß sie als Verleumdung und Verunglimpfung be- trachtet werden müsse! Wie nun aber, wenn solche Behauptung buchstäblich wahr ist? So wahr, daß sie von �keinem ernsthaften Politiker je angezweifelt worden ist? So wahr, daß sie längst ein politisches Axiom geworden ist? So wahr, daß auch von einem preußischen Landgericht als notorisch an- gesehen werden sollte, was doch bereits vor einem halben Jahrhundert von den Wagencr und Bismarck fest- gestellt worden ist! Oder sollte weniger die Konstatierung der blamablen, der empörenden und aufregenden Tatsache beleidigend sein, als vielmehr die F 0 r ni, als die Ausdrücke„Geldsack- Parlament" und„Junkerparlament"? Auch das wäre das Wunderbarste des Wunderbaren! Denn wenn solche Ausdrücke vor fünfzig Jahren von konser- vativen Größen bereits geprägt worden und seitdem in den Sprachschatz der Politik übergegangen sind, so bedeutet es in der Tat ein hoffnungsloses Beginnen, wenn urplötzlich ein preußisches Gericht allgcniein gebräuchliche Bezeichnungen unbestrittener Tatsachen als„Be- lcidigungen" verfemen wollte! Und das zu der Zeit, wo das elendeste und widersinnigste aller Wahlsysteme selbst von der Krone als so überlebt angesehen wurde, daß seine Modernisierung in einer Thronrede als„c i n c der wichtig- stcn Aufgaben der Gegenwart" bezeichnet wurde! Das Urteil der elften Strafkammer des Landgerichts I wird deshalb zwar in der Geschichre der politischen Justiz für alle Zeit als Merkwürdigkeit allerersten Ranges auf- gezeichnet werden, allein es wird an der zeitgenössischen Beur- teilung des Dreiklassenwahlrechts ebensowenig etwas zu an- dern vermögen, wie an der landesüblichen Terminologie, die nach wie vor von dem Junker- und G e l d s a ck s p a r l a- mant sprechen wird, sonst wäre es ja furchtbar einfach, die Empörung über die skandalösen preußischen Wahlrechts- zustände zu dämpfen: man brauchte nur durch die G e r i ch t e jede wahrheitsgetreu-rücksichtslose Kennzeichnung dieser Zu- stände zu verfolgen und jede Wablreform wäre überflüssig! Nein, ihr lieben weltfremden Leute vom grünen Tische: so einfach lassen sich politische Konflikte doch nicht lösen! Schon das erste Urteil, das von der elften Strafkammer des Landgerichts I am 8. November gefällt wurde, tvar höchst befremdlich. Es wollte die Kränkung des„beleidigten" Drei- klassenparlaments zwar nur durch eine Geldstrafe von 299 M. büßen, weil es zwar die Ausdrücke„Affenkomödie" und„Tollhaus" für beleidigend erklärte, die anderen Bezeich- � nungen, wie„Geldsacksparlament" usw. jedoch als nicht- ! beleidigend ausschied— allein es verfiel schon dadurch einer arg g e k ü n st e Ist e n Konstruktion, daß.es den Aus- druck„Tollhaus" auf das ganze Abgeordnctcnbaus bezog. Natürlich war damit nur der Teil des Drciklassen- Parlamentes gemeint, der jene abgeschmackte und perfide Ent- rüstungskomödic gegen die Sozialdemokratie aufführte. Jene Komödie, die damals selbst von der nationalliberalen„K ö Im. Zeitung" als„ein Klassikum von' Spiegel- fechterei, ein Theatcrkampf init-Blech- schwertern und großem Geschrei" verspottet worden war, der„auf die gröbsten Instinkte des Publikums spekuliere". Wie groß der T e i l des Abgeordnetenhauses war. mußte doch völlig außeb Betracht bleiben. Oder hätte das Gericht etwa- den Standpunkt einnehmen wollen, daß eine Minderheit der Abgeordneten lhinter der aber die Mehrheit der Wähler stand) beleidiat werden dürfe, nicht aber die Geldsackmehrheit? lind wie schamlos die sozialdemokratischen Abgeordneten von der„staats- erhaltenden Presse beleidigt.worden sind, ohne je den Schutz eines Staatsanwalts zu finden, dafür liegen ja die ver- nichtendsten Dokumente vor! Immerhin, wie gekünstelt auch die damalige Argumentation des Gerichtshofes war, man konnte wenigstens einen formal starken Ausdruck vorzeigen, das Wort„Toll- Haus". Diesmal aber sollen die Ausdrücke„G e l d s a ck- Parlament" und„I u n k e r p a r l a m e n t" auf Ver- Mahnung des Reichsgerichts mitbestraft werden! Und weil der„Vorwärts" konstatierte— in U e b c r- e i n st i in m u n g mit den unbc st reitbaren politischen Tatsachen und im Ausdruck konform mit Her- mann Wagener und Bismarck—. daß das Drei- klassenpparlament auch ein Geldsackparlament sei, deshalb wurde auch das Strafmaß so erheblich ver- schärft!......... Dem elendesten und unsinnigsten aller Wahlsysteme wer- den durch diesen sonderbaren Urteilsspruch sicherlich keine Sympathien erworben werden. Dafür aber wird das Volk mit neuem- und leider nicht unbegründetem Mißtrauen gegen unsere preußische Rechtspflege erfüllt werden! Sie Illilltsrvorlsge in Mann, in der Kantine die Internationale und die„Hymne ans 17. Regiment"(das Nebellenregiment der Winzerunruhen) ge- jungen und gegen die dreijährige Dienstzeit protestiert. Eine .andere Demonstration von Soldaten des 28. Regiments au der Place de la Nepublique wurde gestern von den zahh reichen, bei der nahen Arbeitsbörse postierten Polizisten ver- eitelt. Wie die„Bataille Syndicaliste" mitteilt, haben ferner die Soldaten des 8. Artillerieregiments in Nancy im Kasernenhof. die„Internationale" gesungen. Aus C o m m e r e y teilt ein Soldat des 155. Linienregiments dem Blatt mit, daß die 10. Kompagnie, durch ein höhnisches Wort eines Unteroffiziers über die Verlängerung der Dienstzeit gereizt, den Speisesaal demoliert und 160 Sandsäcke auf- gerissen hat. Der Hauptmann wollte die Kompagnie bestrafen lassen, aber der Oberst lehnte dies ab, um eine allgemeine Rebellion zu vermeiden. Bedeutender noch war die Kundgebung in M a c o n. wo gestern abend zahlreiche(nach dem„Atatin" 100) Soldaten das 131. Regiments in geschlossenem Zuge vom Waffenplatz, wo sie sich gesammelt hatten, abmarschierten. Unterwegs schlössen sich ihnen andere an. Sie riefen:„Nieder mit der dreijährigen Dienstzeit!" und„Hoch die soziale Re» publik!"- und sangen die„Internationale". Der Zug wurde nicht aufgehalten und zerstreute sich ohne irgendwelche Intervention. Es kam nur zu einer Prügelei mit Militaristen in Zivil. Am Abend durchstreiften Patrouillen die Stadt und hinderten weitere Ansammlungen. 'K- lieber die Kundgebungen von Toul, die größten von allen, berichtet der Spezialberichterstatter der„Humanits" fibch: Außer dem 153. Infanterieregiment, wo die Bs- wegung ihren Ursprung hatte, haben auch andere Truppentelle. wie das 146. Infanterieregiment, das 1. Genieregiment und die Professionisten des 6. Regiments ön der Sonnabendkundgebung teilgenommen. Auf dem Schieß- platz von Donmartin, beim Meeting am Sonntag, waren auch Mannschaften des 156. und 160. Infanterieregiments anwesend. Als dem Platzkommandanten, Oberstleutnant B r e u ch o n, die Ansammlung gemeldet wurde, ritt er schleunigst nach Donmartin und redete auf die Soldaten ein. Auf seine Frage, worüber sie sich zu beschweren hätten, antworteten sie:„Man hat uns versprochen, daß wir nur zwei Jahre dienen würden. Man will uns nun zurückhalten, wo unsere Familien uns doch nötig haben und erwarten." Und sie fügten hinzu:„Wir sind keine AntiPatrioten und wollen keine Geschichten machen. Aber wir wollen, daß man die Verpflichtungen halte, die man bei unseren! Eintritt in die Kaserne uns gegenüber eingegangen ist." Und diese Erklärungen wurden von den Zuhörern mit dem Rufe:„Nieder mit den 3 Jahren" begleitet. — Daß die Soldaten, wie es die offiziösen Depeschenagenturen der ausländischen Presse gemeldet haben, gerufen hätten: „Wir wollen lieber in den Krieg, als das dritte Jahr," ist natürlich eine tendenziöse Entstellung. Aus eineni Soldatenbrief der„Bataille Syndicaliste" ent- nehmen wir folgende Schilderung des sonntagabends: „Dragonerabteilungen durchstreifen die Stadt und verhindern Ansammlungen. Der Mannschaft des 6. Artillerieregimonts ist befohlen, sofort ins Quartier zurückzukehren, da sie sich durch ihren Eiser hervorgetan haben. Im 160., 156. und 146. Regiment sind je 2 Kompagnien mobilisiert und halten sich bereit, in die Stadt zu marschieren. Die Patrouillen haben Patronen gefaßt. Die Situation ist tragisch. Wenn Offiziere befehlen sollten, auf die Moni- festanten zu schießen, iveiß man nicht, was geschehen kann. Denn mit Ausnahme der Dragoner sind wir alle solidarisch. Ich gebe Ihnen dieses ironische Bei- spiel: meine Kompagnie, die heute nachmittag manifestiert hat, hat heute abend die Wache und soll die Ordnung herstellen. Soldaten, die zu Patrouillen- diensten kommandiert wurden, haben sich geweigert, zu marschieren. Man erzählt sich das Verhalten eines Korporals, der trotz des Befehls des Feldwebels seine Patrouille Halt machen ließ. Auch noch am Montag dauerte die Bewegung fort. Eine Batterie des 6. Ärtillerieregiments weigerte sich, vor 8 Uhr früh zum Exerzieren anzutreten, wofern der Oberst die am Abend für 2 Monate verfügte Urlaubs- Verweigerung nicht zurücknehme. Heute abend kehrt der nach Toul entsandte Armeeinspettor General Pau zurück und auf Grund seines Berichts werden Repressivmaßregeln getroffen werden, die zweifellos sehr streng ausfallen werden. Man muß sich aber darauf gefaßt machen, daß die Regierung versuchen wird, die Verfolgungen über den Rahmen der Armee hinaus auszudehnen. Die vom Ministerium des Innern angeordnete Untersuchung hat offenbar daraufhin gearbeitet, irgendeinen Zusammenhang zwischen den Demon- strationen und der im Proletariat gegen die dreijährige Dienstzeit geführten Kampagne zu konstruieren. Schon stellen sich die unausbleiblichen Aufforderungen der Scharfmacher- presse ein, die Arbeitskonföderation aufzulösen. Das möchte' eben den Machern der Rüstungsindustrie passen, in demselben Augenblick, wo sie sich neue Rissenaufträge sichern, das proytbeschränkende Henimorgan der Gewerkschaften zu lähmen. Bei dieser Gelegenheit muß die jämmerliche Haltung eines Telles der radikalen Presse festgestellt »oerden, der sich von den reaktionären Drohungen terrorisieren läßt und in Ueberpatriotismus»nacht, um nur ja»ncht der Kameradschaft mit den Sozialisten verdächtigt zu werden. Der gelegentlich auch in Annäherungs- Politik»nachende Herr Vereng er sieht von der Redaktions- stube der„Action" hinter den„Meuterern" des 153. Regiments die„preußischen Pickelhauben"..C l e m e n c e a u nn„Homme libre" äußert sich persönlich sehr maßvoll, dafür treibt es sein Redaktionssekretär Frangois Albert, den er nach Toul ent- sandt hat, wie der übelste Polizeikerl, indem er von„klar er- »viesener Vorsätzlichkeit", von langer Vorbereitung, von heim- lichen Vorversammlungen, Verbreitung antimilitaristischer Broschüren usw. erzählt, von„Chefs", die sorgfältig den Ort, den Tag und die Stunde der Kundgebung vorherbestimint und im besonderen eine Garnison des Ostens ausgewählt hätten, um einen starken Effekt in Frankreich und anderswo zu erzieleir. Also das fertige„Komplott",»vomil sich der alte Clemenceau als Minister aus schlimmen Situationen zu ziehen geliebt hat. Nur daß der_ Lehrling komischerweise die Schablone an der unrichtigen Stelle angelegt hat. Clemenceau hat mit seinen Vertrauten wirklich Pech: einmal legt ihn der Metivicr hinein, das andere Mal der Fran?ois Albert. Aber sogar der„Rappel" hält den Sozialisten mit strenger Miene ihr„kaum verhohlenes Interesse" an den Kund- gedungen vor und erklärt, es gebe kein besseres Argument für die Lerufsarmee, als wenn jedesmal, sobald eine Jahresklasse zurückbehalten werde, die Kaminer diskutiere und die Mann- schaft protestiere. Viel kaltblütiger äußert sich die„Lanterne", die sich in der Frage der dreijährigen Dienstzeit selbst zurück- hält. Sie sagt:„Nicht im 153. Regiment sind die„Führer" zu suchen. Die„Führer" sind diejenigen, die ohne offenbare Notwendigkeit, ohne Vorbereitung, brutal den Beschluß der Regierung inspirierten." Aus dem Artikel der„Petite Ne- publique" ist die unstreitig richtige Antwort an jenen Teil der deutschen Presse hervorzuheben, der einmal über chauvinistischen Wahnwitz bei der ganzen französischen Nation schreit, um dann auf einmal wieder triumphierend zu verkünden, daß Frank- reich durch den Antimilitarisnrus total desorganisiert sei. Am besten»vidersteht der Panik von allen bürgerlichen Blättern die„Aurore", deren Chefredakteur, der frühere Offizier Brosse, schreibt:.Haben nicht der„Temps" und alle nationalistischen Blatte»,' mit allen Mitteln, vor allem unter den Soldaten, Kundgebungen zugunsten der dreijährigen Dienstzeit hervor- rufen wollen? Sie waren unlängst entzückt, als sich die Sol- daten in ihrem Sinne äußerten und berichteten voll Lobes darüber. Wer die Zustimmung duldet, muß sich auch der Kritik beugen. Gestern hat man euch applaudiert, heute Pfeift man euch aus". Die reaktionäre Presse ist natürlich ganz aus dem Häuschei». Die klerikalen Blätter, die ehedem die Gehorsams- Verweigerung der Offiziere bei der Ausführung des Ordens- gesetzes rechtferttgten, rufen nach Gewaltmaßregeln— Blut- gerichten gegen die demonstrierenden Soldaten und Verfolgung der Arbeiterorganisa ttonen. Die Arbeiterschaft ist aber ent- 'chloffen, ihren Kampf gegen den Militarismus und Nationalismus weiterzuführen, unbekümmert darum, ob die radikale Opposition in ihrem philistermäßigen Auf und Ab von Furcht und Hoffnung standhält. Für den 1. Juni bereitet der Gewerkschaftsverband des Seine-Departements eine neue Kundgebung im Prs-Saint-Gervais vor, die ie früheren an Größe noch übertreffen soll. Den Charatter eines Manifestes gegen die dreijährige Dienstzeit wird diesmal auch die Erinnerungsdemonstration der ozialifti scheu Partei für die Kommune, die am kommenden Sonntag stattfindet, tragen. Die Kampagne der Partei und der Gewerkschaften gewinnt im ganzen Land an Intensität. Maueranschläge. Flugblätter. Versammlungen klären das Volk auf. Die Petition der Partei trägt schon .545 000 Unterschriften. ** ♦ Neue Demonstrationen. Orleans, 22. Mai. Soldaten der hiesigen Garnison haben sich heute den Ktmdgebungen gegen die dreijährige Dienstzeit angeschlossen. Sie riefen:„Nieder mit den drei Jahren!" Vier Artilleristen wurden in Arrest abgeführt. Man fand in ihren Taschen anti- militaristische Flugschriften.(?) Rodez, 22. Mai. Gestern abend versammelten sich nach einem Horn- und Trommelfignal ungefähr 200 Soldaten des 122. Infanterieregiments mit Wehr und Waffen auf ihrem Kasernenhofe: sie be- absichtigten eine Kundgebung gegen die Zurückbehaltung des dritten Jahrganges unter den Fahnen und wollten unter Führung ihrer Spielleute die Stadt durchziehen. Die Hetze gegeu die Arbeiterbewegung. Paris, 23. Mai. Aus Toul wird weiter berichtet, daß die aus Paris entsandten Geheimpolizisten in den Wohnungen mehrerer Mitglieder des Allgemeinen A r b ei t e r v er b a n d e s Durchsuchungen vorgenommen, jedoch nichts Verdächtiges gefunden hätten. Die SicherheitSbehörde hält gleichwohl an ihrer Heber- zeugung fest, daß die militärischen Kundgebungen auf einen von den Pariser Gewerkschaftsgruppen ausgegangenen Befehl zurück- zuführen seien. Paris, 23. Mai. In Nancy nahm die Polizei einen neunzehn- jährigen Tagelöhner fest, der Hunderte von kleinen Anschlagzetteln gegen die dreijährige Dienstzeil angeklebt hatte. Der Verhaftete, der der Nancyer ArbeitSbörie. angehört, erklärte, daß er diese Zettel be- reits vor mehreren Wochen(?) erhalten habe. poUtifebe deberNckt. Agrarischer Terror. Kaum sind die Wahlmännerwählen zun, preußischen Landtag vorüber und schon setzt in den agrarischen Gefilden Ostelbiens der Terror gegen diejenigen Wähler ein, die sich erlaubten, bei der Wahl ihrer Meinung'Ausdruck zu geben. Das erste Opfer ist ein liberaler Wähler. In P e t c r»o i tz bei Jauer wurden zwei liberale Wahlmänue:, nebenbei die einzigen im ganzen Landkreise Jauer, gewählt,»vas natürlich die Herren Kon- ervativen ganz auS dem Häuschen brachte. Gegen beide, einen Lehrer und einen Beamten, ist die Wut der Agrarier vorläufig noch machtlos. Mit um so größerer Wut werden aber diejenigen verfolgt, die von den Agrariern in dieser oder jener Weise abhängig sind. Zu diesen gehört auch ein Bar- b i e r auS Peterwitz, zu dessen Äundschafi einige größere Gutsbesitzer bisher gehörten. Diesem Barbier schickten " ä m t l i ch e G u t S v e s i tz e r t un d en gleich noch der Wahl „auf Grund der Vorloinmnis-se bei der Wahl" ihre Abo nnementst arten mit dem Vermerk zurück, daß sie auf weitere Geschäftsverbindung mit ihm verzichten. AlS sich der in seiner Existenz bedrohte Barbier an die betreffen- den Gutsbesitzer um nähere Angabe von Gründen wandte, wurde ihm von einigen erwidert, daß sie gegen ihn persönlich nichts ein. zuwenden hätten, aber als Vertrauensleute der kon» servativen Partei der allgemeinen Parole folgen müßten. Was es mit der„allgemeinen Parole" für eine Bedeutung hat. beweist das hier angegebene Beispiel. Aus diesem kann man auch ersehen, wie es mit dem Wahl,.recht" der Landarbeiter bestellt ist. Wer da nicht nach der Pfeife der Agrarier tanzt, der fliegt unbarmherzig aus das Straßenpflaster. Warum der Jude nicht Offizier werden kann. Bisher hat es noch immer an wirklich durchschlagenden Grün- den für die Fernhaltung der Juden vom Offizierkorps gefehlt. Tie verschiedenen Kriegsminister haben verschiedenes dahergeredet, Herr v. Lievert hat von den Fremdkörpern gesprochen, die einen haben dies und die anderen haben das vorgebracht, aber es war doch alles nickt recht stichhaltig, und die Verlegenheit der Juden- feinde wurde durch die schönen Phrasen nur mangelhaft verdeckt. Da ist es denn erfreulich, daß endlich einmal jemand mit einer ernsthaften Begründung kommt, die sich schlechterdings nicht wider- legen läßt. Es ist die Zeitschrift„Auf Vorposten". Sic unter- scheidet zwischen gesetzestreuen Juden und liberalen Juden, und argumentiert so: Dem gesetzestreuen Juden ist es durch die talmudische Verfassung unmöglich gemacht, in den Offiziersstand einzutreten. Schon die Heilighaltung der Festtage und die rituellen Speise- und Reinigungsvorschriften lassen sich in dem Berufe eine? Offiziers nicht durchführen. Deutlicher gesagt: Im Offiziers- kasino kann nicht koscher gekocht werden, folglich kann ein Jude da nicht mitessen, folglich kann er auch nicht Offizier werden. Tas leuchtet ohne weiteres ein. Wie ist es nun aber mit dem liberalen Juden, der die Vor-> schriften des Talmud nicht mehr achtet, Schweinefleisch ißt und sich in seinen Reinlichkeitsbedürfnissen von dem Durchschnittschristen durch nichts mehr unterscheidet? Der— so sagt das genannte Blatt— der hat überhaupt keine Religion, der ist ein Heide, ein Mockist oder so etwas Aehnliches, und für solche Elemente ist natürlich in dem durch Glauben und Gottesfurcht ausgezeichneten Offizierkorps kein Platz. Damit ist einwandfrei die Unmöglichkeit ertviesen, Juden in der Arme« etwas werden zu lassen, mögen sie koscher oder unkoscher sein. Wir zweifeln keinen llllvment daran, daß der Freiherr v. Heeringen sich die Begründung der Zeitschrist„Auf Vorposten" zu eigen machen wird, ja man könnte beinahe annahmen, er habe sie selbst in das Blatt lanciert, so geschickt und so geistreich ist sie. Herr Cassel aber und der Zentralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens dürfen einpacken. Höchstens können sie noch fragen, wieso es denn den Juden erlaubt ist, gemeine Soldaten zu werden. Erziehung zur Wehrhaftigkeit. Die letzten Vorgänge in der Budgetkommission des Reichs- tages beweisen, daß es.den Militärs mit der neuen HeereS- Vorlage weniger um einen vernünftigen Ausbau unserer Wehr- kraft als vielmehr um Dinge zu tun ist, die rein äußerlichen militaristischen Sonderinteressen entsprechen. Die Aeußerungcn des Kriegsministers über die Garde usw. find charakteristisch. Daß bei solchen Anschauungen die Frage einer Ver« kürzung der Dien st zeit für unsere Militärmandarine ganz undiskutabel ist, leuchtet ohne weiteres ein. Und doch lassen sich zu Hunderten die Beispiele anführen, daß die Soldaten zu Dingen ver»vendet werden, die mit der Aus- bildung für den Ernstfall nicht das mindeste zu tun haben. Bekannt ist aus der letzten Zeit die Verwendung von Pionieren zu altrömischen Schanzarbeiten auf der Saalburg. Als Seitenstück hierzu können wir Vorgänge mitteilen, die sich im Osten des Reiches nicht einmal, sondern alljährlich abspielen. Das Pionierbataillon Nr. 1 in Königsberg hat alljährlich eine kriegsstarke Kompagnie auf vier und mehr Wochen nach der Romintener Heide zu stellen. In diesem Privatjagdrevier des Kaisers wird alsdann eine sogenannte„Waldübung" in der Weise abgehalten, daß dort Wohn- und Wirtschaftsgebäude des gekrönten Land- und Waldbesitzers gebaut und repariert werden. An allen Wald- und Wiesenecken werden Wildkanzeln aufgestellt, über jeden Graben Stege gebaut. Was man außerdem kaum für möglich halten sollte: eS werden an den Stellen, wo der Kaiser das Glück hatte größere Tiere zu erlegen, Denkmäler errichtet. Es werden von den Pionieren schwere Granitblöcke aufgestellt mit der goldenen Inschrift:„Hier erlegte.. usw. Es erübrigt sich wohl zu sagen, daß diese„Waldübung" dem Zweck kriegsmäßiger Ausbildung nicht im geringsten ent- spricht. Die Brücken, die hie und da über die Rominte ge- baut werden, unterscheiden sich wesentlich von brauchbaren KriegSbrücken; diese Arbeit dürfte der Ausbildung der Pioniere eher schaden als nützen.__ Ehauvinistenfrechheit. In einer Polemil über die französischen Soldatenkundgebungen leistet sich das ostelbische Junkerblatt, die„Schleiische Zeitung", sol- gende unglaubliche Anrempelung eines Nachbarvolkes: „In Frankreich stellen jene Vorgänge nur Dummejungenstreichs dar, sintemalen und alldieweilen die französische Soldateska überhaupt zum größten Teil aus dummen Jungen besteht— wie das ganze Volk." Welches Geschrei würde das deutsche Patriotengesindcl erheben, weim französische Blätter sick etwas ähnliches leisten würden! Das militärische Interesse. In dem freisinnigen„Hamburger Fremdenblatt' finden wir folgende Korrespondenz aus Brunsbüttel in Holstein: Das Marine- Attillcriedepot Cuxhaven hatte Mitte März den Schuydeich bei Brunsbüttel mit einem von vier Pierden ge- zogenen Wagen befahren, um einen Scheinwerfer zu»ranSporlieren. i£a der ouigeweichte Deich stark beschädigt war. verbängte der Deichgraf einen Sirafbesehl über 13 M. Das Marinedcpot machte gellend, daß der Scheinwerfer zu einer milNärischen Uebung gebrauch: werden mußte. Da auch der Schaden ersetzt wurde, be- anirogte man gerichtliche Entscheidung. Das Schöffengericht in Eddelak erkannte auf Freisprechung, da d a S militärische Interesse höher liege als daS Deich- interess«. Der Deich hat bekanntlich den Ziveck, die Landschaft vor Ueber« schwemmungen und Menschen vor dem Tod des Ertrinkens zu schützen. In den Augen der VollSgcnosien. die Himer Deichen wohnen, gibt es daher lein größeres Verbrechen olS Deich- beschädigung, und kein höheres Jnleresse als Deicheihalwng, was vom Standpunkt eine? simplen Untertanen auS ja auch ganz logisch gedacht ist. Vom Standpunkt unseres nachgerade abnormen M>li« taristen aber sieht sich die Sache ganz anders an. . DaS Militär sollte— wie der Deich— zum Schutz de» Volkes vorhanden fein und sollte darum niemals den Schutz de» Volkes vernichten dürfen. Das wäre vernünftig gedacht, eben darum aber ist e5 nicht militaristisch. In den Köpfen unserer Mlitaristen existiert das Militär als ein höheres Wesen, das sich selbst die blutige Paffe erlauben darf, als„Schützer* deS Volkes den Schutz des Volkes zu gefährden. Daß ein Schöffengericht dieses Urteil gefällt hat, beweist, wie entsetzlich die militaristische Verunstaltung der Gehirne in bürgerlichen Kreisen bereits vorgeschritten ist. Das Gnde des ßalbanbneges. Ein neuer Zusammenstoß zwischen Griechen und Bulgaren. Athen, 22. Mai.(Meldung der Agence d'Athsnes.) Gestern nacht überschritten beträchtliche bulgarische Streitkräfte unter Verletzung der neutralen Zone bei Voultsista und Kotsaki die Brücken über den Anghitisflutz und drangen in unbestreitbar von den Griechen besetztes Gebiet ein. Es entspann sich ein heftiger Kampf, der noch andauert. Der Ausgang des Kampfes ist ungewiß. Die griechische Regierung protestierte energisch gegen die Verletzung des geschlossenen Abkommens, machte Bulgarien für alle Folgen verantwortlich und forderte die Zurückziehung der Truppen. Wenn die Bulgaren diese Forderung nicht erfüllen, wird der Streit voraussichtlich ernsten Umfang annehmen. Sofia, 23. Mai. Zu dem Zwischenfalle am Angista- lAnghüiss.Flusse wird von bulgarischer Seite gemeldet: Vorgestern abend eröffneten griechische Truppen das Feuer gegen den bulgarischen Posten, der zwischen den Brücken von Vultlchista und Kütschükkoeprus im Umkreise von 200 Metern am linken Ufer des Angistaflusses aufgestellt war. Das Ge- Wehrfeuer dehnte sich bald auch auf die anderen Posten in dieser Gegend aus, aus der die Griechen die Bulgaren ver- treiben wollten; die Griechen stellten jedoch bald darauf daS Feuer von selbst ein, ohne daß die Bulgaren Verluste erlitten hätten. Die Bulgaren halten die Stellungen auf den Höhen am Angistaflusse besetzt. Der die griechischen Truppen kam« mandierende Oberstleutnant hat den Kommandanten des bulgarischen Regiments um eine Unterredung gebeten, um den Zwischenfall zu ordnen. Klagen über serbische Ausschreitungen. Saloniki, 23. Mai.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.-Korresp.« Bureaus.) In dem bulgarischen Dorf Zagari im Bezirk Monastir kam es zwischen einem serbischen Korporal und dem OrtSältesten zu einem Streit, in deffen Verlauf der Ortsälteste den Korporal durch einen Schutz verwundete. Serbische Soldaten töteten darauf den Orts ältesten und fünf andere Ortsbewohner. Viele Personen wurden mitzhaudelt und eine grötzere Anzahl Dorfbewohner nach Monastir gebracht und dort eingekerkert. Keine weiteren Folgen. Athen, 23. Mai.(Meldung der Agence d'Athsnes.) Das Ge» rücht, datz Befehle gegeben seien, Kavalla und andere von den Bulgaren besetzte Punkte anzugreifen, ist unrichtig. Die griechische Regierung hat die Gewitzheit, datz die letzten Konflikte, obgleich sie ernst waren, keine weiteren Folgen haben werden.— Der König ist nach dem Golf von Zagesi abgereist, wo er mit dem Chef der ersten Armee die Lage prüfen und versuchen wird, mit den Bulgaren ein Uebereinkommen zur Schaffung einer neutralen Zone von großem Umfange zu treffen, um für die Zilkunft neue Zusammen st ötze zu vermeiden. franhreicb. �.Ein Zusammenstoß zwischen Sozialisten nnd Regierung. Paris, 23. Mai. In der Deputiertenkammsr brachte heute der Sozialist V a i l l a n t eine Interpellation einwogen des VerbotsderfürSonntag an dorlluräso fddere« geplanten Kundgebung und forderte für daL Volt von Paris das Recht, derer zu gedenken, die für die Arbeiterklasse gefallen seien. Das Zentrum und die Rechte wechselte mit der äußersten Linken heftige Zwischenrufe. Als Vaillant von der Reaktion sprach, die sich gezeigt habe seitdem Larthou Ministerpräsident sei, betonte dieser unter dem Beifall des Zentrums und der Linken, er nehme die Verantwortung auf sich. Vaillant erwiderte, die Em- bringung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit sei der Beginn des Bürgerkrieges.(Lebhafter Widerspruch auf zahl- reichen Bänken.) Als der Lärm zwischen der Rechten und der äußersten Linken wieder begann, stellte Kammerpräsident Deschanel die Ruhe wieder her. Vaillant sagte zum Schluß, die betörte Regierung sei in derselben Lage, wie eine Regierung gleicher Art. die infolge der Dreyfus-Angelegenheit von allen Republikanern gestürzt worden sei. Das Land werde die Wiederherstellung des Kaiserreichs zu verhindern wissen.(Heftiger Widerspruch auf der Linken und im Zentrum.) Der Minister des Innern Klotz antwortete und er- innerttz daran, daß die Berichte der Präfekten die Kund- gedungen gegen die dreijährige Dienstzeit angezeigt hätten, welche Gegenkundgebungen im Gefolge hätten. Ein ministe- rielles Rundschreiben habe diese alle untersagt.(Beifall im Zentrum und auf der Linken.) Ter Sozialist Willm bekämpfte das Verbot der Kund- gebung, die bisher immer friedlich verlaufen fei. Hat man sie, so fragte er, nur untersagt, weil die geplante Kundgebung sich gegen die dreijährige Dienstzeit richtet, würde man sie gestatten, auf das bestimmte Versprechen hin, Ruh? zu halten?(Beifall auf der äußersten Linken.)' Minister Klotz erklärte sich für die Tagesordnung Lacour, die die Maßregeln der Regierung billigt. Mit 343 gegen 130 Stimmen wurde dieser Tagesordnung die Priorität erteilt und diese selbst schließlich mit 381 gegen 180 Stimmen angenommen.__ Ein Zwischenfall. Paris, 23. Mai. Als die äußerste Linke für den P a t r i o t i s- m u S der Manifestanten gegen die dreijährige Dienstzeit sprach, den vorher der Minister Klotz angezweifelt hatte, erklärte Präsident Deschanel, der Minister habe nicht sagen wollen, daß die Gegner der dreijährigen Dienstzeit nicht patriotisch wären. Alle Meinungen mutzten in der Kammer frei zum Ausdruck kommen, niemand habe das Recht, diejenigen, welche anderer Meinung feien, deS mangelnden Patriae t i 5 m u S anzuklagen. � Murren im Zentrum und auf der Rechten, lebhafter Beifall auf der äußersten Linken, an dem sich Cailla ux beteiligt.) Ein Gegenprojekt gegen die dreijährige Dienstzeit. Paris, 23. Mai. Ter van dem ehemaligen Kriegsminifter M e f s i m y und dem ehemaligen Minister Paul Boncour als Gegcnentwurf gegen die Regierungsvorlage ausgearbeitete Gesetzesantraz, welcher die Zustimmung der Ver- treter der linksrepublikanischen Gruppe erhalten haben soll, be- stimmt u. a, die f r e i w e r d e n d e Altersklasse soll so lange unter den Fahnen zurückbehalten werden, bis die Rekruten mobilisierungsfähig seien. Demnach solle die älteste JahreSklasse der Kavallerie und Artillerie anstatt am 1. Oktober erst zwischen dem 20. und 30. März folgenden Jahres, die älteste Klasse der übrigen Waffengattungen zwischen dem 10. und 20. Februar des folgenden Jahres heimgeschickt werden. Air- statt 36 Monate würden die Soldaten durchschnittlich nur 2 S M o- natc dienen. Dafür sollen aber die Reservisten 5 Jahre lang in„Disponibilität" bleiben und zu längeren und häufigeren Dienstübungen einberufen werden. England. In den Klauen des Zarismus. London, 21. Mcn.((big. Ber.). Der russische Genosse Ada- m o w i t s ch(der unter dem Namen Arles schreibt), von dessen Verhaftung durch russische Schergen in Alexandrien wir schon berichtet haben, hat durch den„Daily Citizen" einen Appell an Großbritannien gerichtet. Das ergreifende Schreiben hat folgen- den Wortlaut: „Aus der Gefängniszelle wende ich mich an die Regierung Großbritanniens. Ich bin ein Russe. Vor fünf Jahren verließ ich Rußland, nachdem ,ch meine politische Rechnung mit der russischen Regierung beglichen. Ich brachte ein Jahr im Ge- sängnis zu, ehe ich verhört wurde, und ich wurde dann freige- sprochen. Als ich aus dem Gefängnis kam, verließ ich das Land. Seit der Zeit hat mein Fuß dre russische Grenze nicht überschritten. Vor IL Monaten forderten mich die Matrosen der russischen Handelsflotte, deren Gewerkschaft ich im Jahre 1S06 vorstand, auf, eine Berufszeitung für sie herauszugeben und zu redigieren. Ich nahm das Anerbieten an und ging nach Konstantrnopel. Zwölf Monate lang versorgten mich die Matrosen mit Geldern und literarischem Material, während ich ihre Zeiwng leitete. Um Konfiszierung und Strafen zu vermeiden, wurde sie in Europa in versaziedenen Städten gedruckt. Keine einzige Rümmer kam in Rußland heraus. Als der Balkankrieg ausbrach, ging ich nach Alexandrien und setzte meine Arbeit hier fort. Und nachdem ich fünf Monate hier gelebt hatte, als ich gerade im Begriff war, Alexandrien zu verlassen und nach Europa überzusiedeln, wurde ich auf Ver- langen des russischen Konsuls ins Gefängnis gesperrt. Welches Schicksal erwartet mich? Darüber kann kein Zweifel bestehen. ES steht mir die Auslieferung, der Transport nach Rußland und die Zwangsarbeit bevor; denn auf alle, die wegen irgendeiner Teilnahme— fei es durch Taten oder Geldunter- stützungen— an dem Organ unserer Seeleute verhaftet worden find, wendet die russische Regierung die Klausel des Strafgesetz- buches an, die Zwangsarbeit(Katorga) �verhängt, und ich bin sicher„schuldig", den Moria!"(„Der Seemann") geschrieben, redigiert und veröffentlicht zu baden. Doch e!)« ich den russischen Behörden ausgeliefert und in irgendeiner sibirischen Gefängniszelle lebendig begraben werde, will ich das Gesetz und die Ursache wiflen. weswegen alles dies getan wird. Ich weiß nicht, an wen ich mich mit dieser Frage wenden soll, und deshalb wende ich mich mit ihr an die, denen ich vertraute, als ich nach Alexandrien kam. Ich sehe britische Soldaten auf der Straße, die britische Flagge weht hier. Dieser Flagge vertraue ich mich an. Ich wende mich an die, die diese Flagge hier hissen, an das britische Volk, an die britische Re» gierung, die. dieses Volk vertritt. Ich will wissen, warum ich, der ich in Rußland kein politisches oder sonstiges Verbrechen begangen habe, hier meiner Freiheit beraubt werde und der ruffischen Regierung auSge- liefert werden soll. Ich will wissen, weshalb die Unantastbarkeit meinet Woh- nung mißachtet worden ist, weshalb alle meine Manuskripte, das Resultat der Arbeit vieler Jahre, und die in meiner Korre- spondenz enthaltene intime Seite meines Privatlebens, meine Korrespondenz, die ich vertrauensvoll mit mir führte, daS Eigentum feindseliger Fremder geworden ist.. Ich will serner wissen, warum ich wegen meines Verbrechens— wenn das. was ich getan, ein Verbrachen ist— nickt nach dein Gesetze des Ortes, wo es verübt wurde, sondern nach den barbarischen, erbarmungslosen Gesetzen dsS Landes, daS ich verlassen, abgeurteilt werden soll. Ich will mich nicht der Verantwortlichkeit entziehen. Ich wußte nicht, hoc) weiß ich es heute, ob eS nach dem Gesetz deS Ortes ein Verbrechen ist, in seinem eigenen Zimmer zu sitzen und Artikel über russische, deutsche, britische und andere See- laute der Handelsflotte für eine in Wien oder Paris für ruf- fische Seeleuie gedruckte Zeitung zu schreiben; aber ich weiß, daß niemand unschuldig sein kann, weil er die Gesetze nicht kennt, und ich bin vollkommen bereit, meine Schuld zu sühnen. doch möge mir der Gerichtshof de« Landes sagen, wessen ich schuldig bin und welche Strafe ich verwirkt habe. Denn als ich meine Arbeit hier begann, übernahm ich die Verantwortlich- kcit lediglich vor den Gesetzen dieses Landes. Ich bitte nicht um Gnade; ich verlange Reckt Und Gerechtig. keit. Ich wende mich an den unparteiischen Richter, den der große russische Flüchtling Hertzen mich achten gelehrt hat. Hertzen, der wegen seines Vertrauens zur britischen Gercchtig- keit das„Rule Britannia" der Marseillaise vorzog. Run, ich weiß, daß nichts leichter ist, als das Schicksal und daS Leben eines Menschen zu zermalmen und weiterzugehen. ES war dem mächtigen Rom leicht, einen aps dem Stamme Israel an» Kreuz zu schlagen. Doch schreit nicht die an ihm verübte Ungerechtigkeit noch heute nach 2000 Jahren zur Menschheit empor und hat der mächtige Pontius Pilatus in den Augen der ihm folgenden Geschlechter die Schuld von seinen Händen gewaschen? Von meiner Gefängniszelle aus will ich warten, um zu sehen, ob das britische Volk, dessen Sinn für Gerechtigkeit und Ehre ich mich anvertraut habe, denselben Weg wandeln wird, und von der Regierung, die das Recht hat, den Willen de« Volkes kundzugeben, werde ich eine Antwort erwarten. Michael A d a m o.w i t sch. Redakteur de«„Moriak", des Organs der russischen Handelsflotte; im Gefängnis„Hadra" zu Alexan- drien als Gefangener Rr. 620." Wird die englische Regierung die jämmerliche Rolle eines PontiuS Pilatus übernehmen und den Genossen Adamowitsch der russischen Regierung ausliefern?'DaS englische Volt sagt ein- stimmig: Nein! Von Tag zu Tag mehren sich die Proteste gegen die beabsichtigte Auslieferung des russischen Genossen, die von dem Volke als eine unerhörte Besudelung heS guten Namens der Nation betrachtet werden würde. Ter obige Brief hat in eng- lischen Volkskreisen einen mächtigen Eindruck gemacht. DoUand. Nene Forderungen des Militarismus. Amsterdam, 23. Mai.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Das liberale Haager„Vaterland" bringt die Nachricht, eine Staatskommission, die die Frage der Reorganisation der oft- indischen Kolonien zu studieren hatte, habe ihren Bericht eingeliefert, die Regierung aber werde mit der Publikation dieses Berichtes bis nach den Wahlen warten, weil die darin für militärische Zwecke ge- forderten Summen nicht geeignet seien, die Stimmung für die Wieder- wähl der klerikalen Mehrheit zu verbessern. Es ist merkwürdig, wie vorsichtig die Regierung in letzter. Zeit geworden ist. Die Behandlung der die Lebenslage der Arbeiter aufs schwerste gefährdende» Zolliarisvorlage. die Verleihuug eines Ordens an den kompromiltierten christlich-jüdischen Baron Lehmann, und jetzt die militärischen Rüstungen in Indien— alles wird bis nach den Wahlen verschoben! Da» hat wenigstens das eine Gute, daß die Wähler wissen, was sie»ach den Wahlen zu erwarten haben, falls sie so einsältig sein sollten, der klerikalen Mehrheit wiederum für vier Jahre die Macht zu verleihen. CMna. Die politische Situation. London, den 23. Mai 1913.(Privattelsgramm des„Vorwärts".) Nach einem Pekinger Telegramm des Korrespondenten des„Daily Telegraph" vollzieht sich zur- zeit in China eine bemerkenswerte Entwicklung. Die provisorische Regierung hat mit den Führern der Kuomingtang in- bezug auf die Fünfmächteanleihe ein Kompromiß dahin geschloffen, daß ein parlamentarisches Komitee die Ausgabe der Anleihegelder überwachen wird. Der Korrespondent erklärt weiter. I u a n s ch i k a i habe keinen Augenblick zu früh ein- gelenkt; der provisorische Präsident sei von zehntausend Feinden umringt und praktisch ein Gefangener in der ver« botenen Stadt. Aus Furcht vor einem Attentat wage er sich nicht zu rühren, obwohl er über mindestens 130(XX) Sol- baten verfüge; ihm müsse jetzt klar werden, daß China fortan verfassungsmäßig durch das Parlament regiert werden müsse oder daß er sonst langsam sein eigenes Todesurteil zeichne. Eue der parteu Anläßlich der fünfzigjährigen Wiederkehr des Gxündungstages der Sozialdemokratischen Partei ffnd dem Parteiborstand folgende Glückwunschtelegramme zugegangen: Amsterdam, den 23. Mai. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei Hollands beglückwünscht von ganzem Herzen ihre deutsche Bruderpartei zum fünfzigjährigen Gedenktag ihrer Gründung. Seit fünfzig Jahren steht die deutsche Sozial- demokiatie als die hervorragendste Trägerin des größten Kultur- gedankeiis unserer Zeit. Es war der holländischen Partei stets ein Stolz und eine Ehre in ihre Spur zu treten und sie beglückwünscht heule die deutsche Sozialdemokratie, an erster Stelle auch die deutsche Arbeiterklaffe. Sie beglückwünscht auch das Proletariat der ganzen Kultnrwelt, denen die deutsche Sozialdemokratie als Vorbild und Stütze in ihrem Befreiungskampf unüberwindlich vorangeht. Wir gedenken heute mit Euch Eurer großen Toten: Liebknecht, Auer und Singer. Auch gratulieren ivir aufs herzlichste dem lieben Genosseu Bebel. Es lebe die deutsche Sozialdemokratie! Es lebe die Internationale! Der Parteivorstand der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands. Bliegen, Borsitzender; van Kuykhof. Sekretär; Vandergoes, Hermaus. Matthysen, Schaper, Spiekmann, Troelstra, Wibaut. » Petersburg, 23. Mai. Die sozialdemokratische Fraktion der ReichSduma sendet ihren brüderlichen Gruß der deutschen Sozialdemokratie zum fünfzigsten Jahrestage der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeilervereins und wünscht ihr weiteren Sieg im ruhmreichen Kampfe. Hoch daö deutsche Proletariat! Hoch die internationale Sozial- demokratie! Das Generalstreiksreforeiidum tu Italien. Rom, 21. Mai.(Eig. Ber.) Wie erinnerlich, halte nach_ dem letzten Truppencxzeß von Rocca Prior« der Vorstand der sozia- listischen Partei Italiens eins Tagesordnung angenommen, die das Proletariat aufsorderle, im Falle einer tieuen Arbeitermetzelei den Generalstreik zu proklamieren. Daraufhin hatte die Konföderation der Arbeit ein Referendum über diese Frage unter den ihr an- geschlossenen Organisationen angesagt. Das Ergebnis der am 30. April zum Abschluß gelangten Abstimmung, das soeben bekannt gegeben wüid, ist das folgende: An der Abstimmun2..beteiliglen sich 38 Arbeiterkammern. 10 Zentral- verbände, 2 Gewerkschaften von Berufen, für die kein Zentral- verband existiert;/.' dem Vorschlag deS Generalstreiks stimmten zu. öhne sich über di» Dauer zu äußern: 16 Arbeiterkammern, 1 Zemralverband; für den Generalstreik von böchstenS 48 Stunde» stimmten 3 Arbeiterkammern, 2 Zentralverbände. 2 Gewerkschaften; für den Generalstreik ohne Zettgrenzen stimmten 10 Arbeiterkammern: gegen den Generalstreik(oder für ihn nur mit besonderen Bedingungen) 5 Arbeiterkammern, 7 Zentralverbände; der Abstimmung enthielten sich 17 Arbeiterkammern, 0 Zentralverbände unv 7 Gewerkschasten. AuS diesem Ergebnis zieht das Zentralkomitee der Konföderation den Schluß, daß sich die Mehrzahl wohl für einen Proteststreik mit beschränkter Zeitgrenze, nicht aber für einen Generalstreik im eigent- lichen Sinne ausgesprochen hätte. Ein Generalstreik mit der Absicht, die Regierung vor dem Macht- aufgebot des Proletariats zur Kapitulation zu bringen, ist vom „Aoanti" gepredigt, von Genossen wie Prampolini nnd T u r a t i bekämpft worden. Das Referendum zeigt sehr deutlich. daß die Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft von einem solchen Streik nichts wissen will: diese Mehrheit wird durch die Zentral- verbände und nicht durch die Arbeiterkannnern dargestellt. Die Arbeiterkammern schließen viel mebr lokalistische Elemente ein, als die Zentralverbände und sind zum Teil ganz von Syndikalisten be- herricht. Bei der Organisierung eines Streiks ist aber ihr Einfluß jedenfalls ausschlaggebender, als der der Zentralverbände. Der Ausgang des Referendums läßt die Frage offen, ob man ans eine einmütige Aktion des Proletariats rechnen kann. Eine große Schwierigkeit für jede derartige Bewegung., die das ganze Land um- fassen soll, liegt auch in der Ungonauigkeit, die dem Begriff des Polizeiexzesses anhaftet. Die ersten Meldungen über derartige Er- eignisse stammen immer auS offizieller Quelle und sind narürlich ganz und gar unzuverlässig; auch gibt es Exzesse gegen Arbeiter, die durchaus nichr unter den Begriff der von der Partei gemeinten Uebergriffe fallen. In anderen Fällen kann man über die Auf« fassung durchaus im Zweifel fein, so, wenn eS sich um brutales Vorgehen der Polizei gegen eine von Landarbeitern gebildete Prozession handelt. Bis man sich über all diese Vorfragen klar ge« worden ist, kann an Stelle der einmütigen Massenkundgebung schon eine Reihe belangloser lokaler Kundgebungen getreten sein, in denen das Proletariat seine Kräfte vergeudet, ohne die beabsichtigte Wirkung auf die herrschenden Klassen auszuüben. Der Generalstreik ist nicht nur Sache des guten Willens der Massen, sondern auch et» organisatorische« Problem von großer Be- d e u t u n g. Wir glauben, daß annähernde Einstimmigkeit des organisierten Proletariats nur eine der Vorbedingungen ist. Frei- lich kamt ein Generalstreik ohne Vorbereitung wie ein Gewitter über die_ Bourgeosie hereinbrechen, aber von diesem Generalstreik ist natürlich nicht die Rede, sobald man gerade die Mittel und Wege erwägt, einen Generalstreik vorzubereiten. Jugendbewegung. Vom Kampf gegen die Arbeiterjugend. Von dem Harburger Schöffengericht wurde die frei« Arbeiterjugend als politischer Berein erklärt. Der Arbeiter- sekretär Müller nnd neun Genossen, darunter fünf Jugendliche, waren angeklagt worden, teils als Vorstandsmitglieder, teils als Mitglieder die Bestimmungen des VsreinsgesetzeS dadurch übertreten zu haben, daß sie es ablehnten, die Satzungen und die Liste der Vorstands« Mitglieder einzureichen. Die Verhandlung erbrachte nicht den Schatten eines Beweises, daß gegen vereinsgesetzliche Bestimmungen in der freien Arbeiterjugend verstoßen wurde. Trotzdem erfolgte die Verurteilung von drei Genossen zu je IL M.; fünf Jugendliche er« hielten 10 M. Geldstrafe. Als Argumente für die Verurteilung resp. „Feststellung", daß eS sich um einen politischen Verein handele, dienten Artikel aus dem.Volksblatt", das Jugend- lieber buch und unsere„Arbeiterjugend". Gegen da« Urteil ist Berufung eingelegt worden. Gcwerkfcbaftliches. Saarabifchc pafcbawirtrcbaft. Wir haben ein deutsches Parlament, in welchem Dutzende von Vertretern sitzen, die bestrebt sind die Gesetze so auszu- bauen, daß jeder WiUkürherrschaft ein Rieael vorgeschoben wird. Wir haben ein Gesetzbuch mit Hunderten von Paragraphen, die von dem Schutze des deutschen Bürgers sprechen. Wir haben einen ß IlS der Gewerbeordnung, der allen Arbeitern, also auch denen der fiskalischen Gruben, das Koalltionsrecht zuspricht. Doch was geniert all dies die saarabischen Paschas?! L'Etiit c'est moi, der Staat bin ich, scheinen diese Herren.. wie weiland Ludwig XI V.. zu denken. Für sie existiert der � 152 der Gewerbeordnung nicht Dies sollte acht Bergarbeitern der Grube Sulzbach zu Gemüte geführt werden. Diese gingen am 1. Mai, der ja diesmal auf einen kirchlichen Feiertag, den Hinlinelfahrtstag, fiel, nach Friedrichsthal, wo sie mit anderen Arbeitern, die den 1. Mai feierten, zusanttnentrafen. Sie freuten sich, ein- mal einen Tag fern von Spähern und Heuchlern zubringen zu können, und stimmten in den Maienjubel ein. Doch der Verräter schläft nie und Judasse gibt es so viele im Saar- gebiet. Kaum wieder an der Arbeit, wurden sie zum Ober- inspcktor gerufen, der sie darüber ausfragte, warum sie den 1. Mai gefeiert hätten, ihnen zugleich sagte, daß die Verwal- tung wisse, sie gehörten dem alten Verbände als Mitglied an. und ihnen mit Kassandrastimme verkündete, daß dies auf den königlichen Gruben nicht erlaubt sei. Ter Unkenruf des Obersteigers erfüllte sich denn auch am 8. Mai, wo man ihnen mitteilte, daß in vierzehn Tagen ihre Zeit um sei, das heißt. daß sie dann entlassen seien. Der Mohr hat seine Schuldig- kcit getan, er kann gehen. Die acht Bergarbeiter haben insgesamt 113 Dienstjahre auf den königlichen Gruben verfahren, sind, wie selbst die Beamten zugeben müssen, mit die besten Arbeiter, aber sie fliegen. Am 14. Mai sprachen dieselben nochmals auf dem Bergamt vor, um vielleicht doch zu erwirken, daß die Kündi- gung zurückgenommen werde. Sie führten dort auch aus, daß doch�Herr Basscrmann vor der Reichstagswahl sowohl in Sulzbach als auch in illeuweilerhof ausgeführt habe, daß der Bergmann sich organisieren dürfe, wo er es für gut be- finde, also auch im alten Verband. Herr Bergrat Dr. B u n z l e habe diese Versammlungen geleitet, sei also sicher auch mit den Ausführungen B a s s e r m a n n s eins gewesen, wie könne es nun sein, daß man sie trotzdem entlasse. Herr Dr. H e r b i g gab die kurze Antwort, daß der Herr Bergrat in den Versammlungen keinen Anlaß gehabt habe. die Ausführungen B a s s e r m a n n s zu berichtigen. Was sagt Herr B a s s e r m a n n dazu?! Run, die acht Bergarbeiter werden auch Brot essen, wenn sie nicht mehr„königlich" sind, vielleicht noch weißeres als bisher. Tie königliche Bergverwaltung möge aber nur so weiter fortfahren, Heuchler und Schmarotzer zu züchten, eines Tages wird sie an die Worte erinnert werden: Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Menschen erzittere nicht! Berlin und Otngegcnd. Ein Klageschrei der städtische« Angestellte». Recht bedauerlich ist es, datz der Oeffentlichkeit bislser fast un- bekannt war, wie kärgliche Gehälter die Sladt Berlin an die in den Revierinspektionen der Gaswerke auf Privatdienstberlrag bo« fchäftigten Angestellten zahlt. Eine Petition an den Magistrat um Erhöhung der Gebälter blieb, wie früher schon, unberücksichtigt; mit keinem Wort hat sich der Magistrat darüber geäußert. Eine Protest- Versammlung, Unterhandlungen mit der Direktion der städtischen Gaswerke und Vorstelligwerden bei den Mitgliedern des Etats- ousschunes, welcher über die Petition zu beraten hatte, blieben ebenfalls erfolglos. Das Anfangsgehalt eines Bureauangestellten, eines sogenannten Hilfsschreibers, beträgt 1V2 M., steigend nach 12 Jahren auf 14(1 M. Nicht genug, datz man den Angestellten jede Gehaltsverbessernng verweigerte und sie in ihren Einkünften unter die der Arbeiter stellt, zieht man ihnen auch noch die Häifte der Versicherungs- beitrüge zur Angestelltenversicherung ab, was einer Gehallserniedrigung gleichkommt. Da jeder Schritt zur Erreichung einer Gehaltsaufbesserung bisher ohne den gewüiischlen Erfolg geblieben ist, bleibt den städtischen Angestellten nur das Mittel übrig, die Bürger Berlins von den bestehenden Verhältnissen zu unterrichten und sie eventuell zu bewegen, auf die Stadtverwaltung einzuwirken, endlich die Wirtschaft- liche Lage ihrer Angestellten zu heben. Deutsches Reich. Der Förbcrstreik in Elberfcld-Barmcn ist beendet. Tie Unter- nehmer haben Lohnerhöhungen zugesagt nach Beendigung des Färberstreiks in Krefeld, spätestens ab 1. August dieses Jahres. Ueberstunden sollen nicht mehr gemacht werden. Streikarbeit zu machen, wird von den Arbeitern abgelehnt. Gelbe Zersplitterer in der Handlungsgehilfenbewegung. Durch den ausgesprochen paritätischen Charakter, den die meisten Organisationen der Handlungsgehilsen aufweisen, ist es verständlich, datz sie fast ausnahmslos antigewerkschaftlich handeln und als„gelbe" Verbände auftreten. Der vor einigen Jahren ge- gründete Verband der deutschen Versicherungs- b e a m t e n hat es gar nicht abgewartet, bis die Prinzipale Wert- urteile über ihn abgeben konnten, denn sein Verbandsorgan schrieb selbst am 16. August 1968: „Um dem Vorwurf zu begegnen, als ob die beabsichtigte Grün- dung des Verbandes die Aufnahme einer Kampfstellung gegen- über den Direktionen und Vertretungen der deutschen Versiche- rungsgesellschaften darstellt, hat der Versicherungsbeamtenverein München ein Rundschreiben, vorerst an sämtliche D i r e k- t i o n e n erlassen, in welchem er offiziell Kenntnis von der Ab- ficht der Verbandsgründung, sowie den Tendenzen, auf welchen derselbe beruhen soll, gibt." In diesem Rundschreiben hieß es u. a.: ..... Wir glauben unser Hauptaugenmerk darauf richten zu sollen, daß die tatsächlich in unseren Kreisen überall vor- handenen Bestrebungen um Verbesserung der wirtschaftlichen Lage unseres Standes nicht in Bahnen gelenkt wer- den, wie sie einzelne unserer radikalen kauf- männischen Verbände wandeln! Nicht gegen. sondern mit den Versicherungsgesellschaften wünscht der Verband Perne Aufgaben zu lösen. Wir gestatten uns deshalb, die höfliche Bitte an Sie zu richten, unseren Bestrebungen Ihr freundliches Wohlwollen nicht zu versagen." In einem weiteren Rundschreiben, das wiederum an die Di- rektionen der Versicherungsgesellschaften gerichtet war, heißt es: „ES liegt uns absolut fern, eine Kampforganisation gegen- über unseren Prinzipalen bilden zu wollen, wir hoffen vielmehr, datz unsere Direktionen an unseren Bestrebungen.... Anteil � nehmen werden, um vor allen Dingen zu verhstten, daß. durch die intensive Tätigkeit der radikalen Handlungsgehilfenver- bände der soziale Unfrieden auch in die Reihen der Versicherungsbeamten getragen wird." Eine schlimmere Selbstentmannung kann wohl kaum vorge- Nammen werden, als wie von der famosen Versicherungsbeamten- Verantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil üerantw.' Organisation durch die zitierten Rundschreiben geschehen ist. Da- bei mutz man sich vor Augen halten, datz die Angestellten der Vcr- sicherungsanstalten zu denjenigen gehören, die am schlechtesten ent- lohnt werden. Eh gibt Gesellschafleü, die verheirateten Beamten, die seit vielen Jahren angestellt sind, 109 bis 120 M. Monatsgehalb bezahlen! Andererseits aber sind es gerade wieder die Direktionen der grotzcn Versicherungsgesellschaften, die mit ihren Schundlöhnen nicht nur die Arbeitskraft, sondern auch die Gesinnung ihrer An- gestellten kaufen wollen. Wir erinnern nur an die Matzregelungen bei der„Viktoria" in Berlin, die Angestellte aufs Pflaster warf, die dem Zentralverbaud der Handlungsgehilfen angehörten. Das mutz man vorausschicken, um die ganze Jämmerlichkeit der Rund- schreiben zu erfassen. Kein Wunder, datz sich der Verband der Deutschen Lersicherungsbeamten durch die Direktoren, die er als „fördernde" Mitglieder aufnimmt, Geldzuwendungen machen läßt, und dann in seinenr Vcrbandsorgan die Mitzstände in Versiche- rungSbetrieben, die bei anderen Organisationen einen Sturm von Entrüstung hervorgerufen hatten, totschweigt. Natürlich mutz der Verband befürchten, daß er auf die Dauer jcinc Mitglieder nicht halten kann, und deshalb hat er in seinen Satzungen den schönen Paragraphen, datz Austrittserklärungen nur für den Jahres- schlutz angenommen werden/und zwar nur dann, wenn sie mit dreimonatlicher Frist eingereicht sind! Ein Mitglied, das sich toohl rechtzeitig abgemeldet hatte, aber nicht so vorsichtig war, den Brief eingeschrieben zu senden/wurde aus Zahlung von 14 M. für ein weiteres Beitragsjahr verklagt und als der Mann, der sich in äußerst mißlicher Lage befindet— seine noble Gesellschaft zahlt ihm 150 M., wovon eine vierköpfige Familie leben mutz!— gütlich 6 M. bezahlte, erwirkte der Verband für die restlichen 8 R. Pfän- dung! Da aber nichts zu holen war. so scheute der Verband der Deutscheu Versicherungsbeamten nicht davor zurück, auf das Ge- halt des Mannes Beschlag legen zu lassen! Dieser Hand- lungsweise noch ein Wort der Kritik hinzuzusetzen, hieße die Wir- kung des Vorganges abschwächen.— Bemerkt sei nur, daß der Ver- band, entweder weil er nicht rechtsfähig ist oder in einer moralischen Anwandlung sich genierte, seinen Namen zu nennen, nicht unter der eigenen Firma klagte, sondern die Forderung an einen seiner Beamten zedierte! Ein anderer Vorfall, den sich hauptsächlich die Genossen merken mögen, die mitunter Angriffe gegen Ortskrankenkassen zurückweisen müssen, sei noch kurz hier geschildert: Der Verband der Deutschen Bersicherungsbeamten unterbält eine eigene Krankenkasse iEjngeschriebene Hilfskasse Nr. 48). Wir vermuten stark, datz die Agitation für diese Krankenkasse nach den- selben Methoden betrieben wird, die bei den anderen VerHänden im Schwange sind, nämlich die Leistungen der Ortskrankenkassen her- abzudrücken, um die Notwendigkeit für eine Krankenkasse, die „standesgemäße" Behandlung verbürgt, nachzuweisen- Verschiedene Frankfurter Versicherungsbeamte, die sich bei der Krankenkasse des Verbandes der Deutschen Versicherungsbeamten angemeldet hatten, erhielten Briefe folgenden Inhalts: „Wir wir Ihrem Antrage entnehmen, bähen Hie einige kranke Zähne. Wir möchten Sie nun sowohl in Ihrem eigenen Interesse, als auch mit Rücksicht auf unsere junge Kasse herz- lichst bitten, die kranken Zähne schnellmöglichst, jedenfalls aber noch vor Austritt aus der Ortskrankenkasse auf Kosten dieser reparieren zu lassen...." Jetzt weiß man erst, wozu die Ortskrankenkassen da sind: Nicht nur um als Sammelbecken für alle Versicherungspflichtigen zu dienen, die den eingeschriebenen freien Hilfskasseu zu großes Risiko bieten und deshalb zurückgewiesen werden, sondern auch, um Arzt und Apotheker zu bezahlen, um die„junge Kasse" der Versiche- rüngsbeamten zu schützen. Da versagt auf einmal jeglicher Stau- desdünkel und aüf einmal sind die Groschen der Arbeiter, mit denen man nicht zusammensitzen möchte, die aher doch die große Mgsse der Ortskrankenkassenmitglieder bilden, gut genug, um die eigene Kasse zu schützen. Es ist kein Zufall, daß immer Schmutz an der Oberfläche er- scheint, wenn man an den gelben Wassern röhrt! Bauarbeiteraussperrung in Bad Harzburg. Im Amte Päd Hmzburg im Herzogtum Braum'chweig sind 250 Bauarbeiter ausgesperrt worden, weil die Zimmerer die Arbeit eingestellt hatten. Bei den Vorverhandlungen zum zentralen Tarif weigerten sich die Harzburger Unternehmer, unter Vorsitz des Un- parteiischen Geh. Rat Stegemann, der die ganzen Verhandlungen für das Herzogtum Bräunschweig leitete, überhaupt mit den Arbeiter- organisationen zu verhandeln. Sie stellten sich damit außerhalb der zentralen Schiedsgerichtsverhandlungen, wollen aber jetzt den Ah- niachungen zustimmen, nachdem sie für die Unternehmer günstig aus- gefallen sind. Die Zimmerer fordern eine Erhöhung des Stunden- lohnes von 4L auf Lä Pf. in drei Jahren in Staffelungen von 6 und 3 upd 2 Pf. Das zentrale Schiedsgericht hatte auf Ziflegung von 2 und 1 und 1 Pf. ersannt. Die Zimmerer wollten verhandeln. Die Unternehmer verschoben jedoch den Verhandlungstag wiederholt. so datz der Streik beschlossen wurde. Die Antwort der Unternehmer ist die Aussperrung der gesamten Bauarbeiter. Lohndifferenzen in der Heilbronner Heizungs- und Beleuchtungsindustrie." Bei der„Gesellschaft für Heizungs- und Beleuchtungswesen" in Heilbronn a. N. haben vor einiger Zeit die Arbeiter ganz gering- fligige Forderungen gestellt, sie forderten eine Stunde Arbeitszeir- Verkürzung pro Woche und 2 Pf. Lohnzulage pro Stunde. Die Direklion lehnte die Forderungen in brüsker Weise ab. Die Arbeiter reichten darauf die Kündigung ein, die am 24. Mai ab- gelaufen ist. Die Firma sucht jetzt selbst in Parteizeitungen „Tüchtige, selbständige und erfahrene Kesselschmiede für dauernde Beschäftigung. Eintritt sollte Montag, den 26. Mai, geschehen. Angebole, Zeugnisabschriften und Gehaltsansprüche sollten ein- gereicht werden an die betr. Expeditionen." Der Betrieb gehört mit zu denjenigen, der in den Arbeits- Verhältnissen aber auch alles zu wünschen übrig läßt. Fortgesetzt ist die Firma bemüht, Leute von auswärts nach Heilbronn unter den schönsten Versprechungen zu locken, und wenn sie erst da sind, sehen sie ein, wie sie hereingefallen sind. In dem Inserat wird von hohen Löhnen gesprochen. Für Äcsielschmiede beträgt der Höchstlohn pro Stunde Ä) Pf. In den meisten Fällen wird ein noch niedrigerer Lohn bezahlt. Wiederholt mutzten Klagen beim Gewerbegericht an- häugig gemacht werden, um den Arbeitern zu ihrem Rechte zu ver- helfen. Der Betrieb ist der reinste Taubenschlag. Jede Woche fangen 8—10 Arbeiter an, ebensoviel hören wieder auf. Die Akkordpreise sind geradezu miserabel. Jedes Verhandeln mit der Organisarion wird brüsk abgewiesen, und die Behandlung, die Herr Ditektor Pfälzer nicht nur seinen Arbeitern, sondern auch dem Bureoupersonal angedeihen lädt, spottet aller Beschreibung. Die technische Einrichtung des Betriebes lätzr alles zu wünschen übrig. Sieben den notwendigen gelernten Leuten werden lauter ungelernte Arbeiter, meistens Leute in sehr jugendlichem Aller beschäftigt, denen man nicht viel Lohn zn bezahlen braucht.— Vor- stehenöes dürfte genügen, allen Kesselschmiedsn, Schweitzern, Schmieden usw. die Lust zu nehmen, in diesem Betrieb die Arbeit aufzunehmen.__ Verlammlungen. Der Deutsche Txansportarbeiterverband(Bezirk Groß- Berlin) hatte am Mittwoch, den 21. Mai, seine ordentliche Gencralvcrsqmmlung in Kellers Neuer Phil- Harmonie. Der Vorfitzende A. Werner begrüßte die neu- gelvählten Delegierten, die für dieses Jahr die Generalversawm- lung bilden. Einschließlich der 12ö Mitglieder der erweiterten Bezirksverwaltung sind es 1214, während es im Vorjahre 1089 waren. Werner sprach den Wunsch auS, daß die Delegierten nicht nur immer zahlreich in die Generalversammlung kommen, son- dern als Funktionäre auch alles tun möchten, um den Verband zu fördern und sein Ansehen zu wahren._______ Utz. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.>l öerlagsanstaU: Unter �„Mitteilungen" wurde unter anderem darauf hinge- wiesen, daß die allgemeine Funktionärversammlung am 9. Juni im„Gewerkschaftshaus" stattfindet, und nicht am 2. Juni, wie irrtümlich im Mitteilungsblatt des„Courier" stand. Daraus wurden mehrere Ausschlutzangelegenheiten erledigt. Dann nahm Werner zum Geschäftsbericht über das erste Quartal das Wort, der in der Hauptsache gedruckt vor- lag. Das Gesamtrefultat der Lohnbewegungen im 1. Quartal 1913 stellt sich so: Forderungen wurden eingereicht bei 35 Firmen mit 1337 beteiltgten Kollegen. Bei 34 Firmen erzielten 1330 Kol- legen aus friedlichem Wege eine Lohnzulage von 1532,83 M. pro Woche. Bei einer Firma mit sieben Beteiligten kam es zum Streik, dör mit einem Teilersolg endete, indem 4 Kollegen eine Zulage von zusammen 4 M. pro Woche erzielten. Außerdem ist eine Arbeitszeitverkürzung von 384 Stunden pro Woche sstr 128 Kol- legen, die bei 2 Firmen in Betracht kamen, erreicht worden. Durch Abwehrbewegungen konnte bei 2 Firmen mit 39 Beteiligten ohne Streik für 39 Kollegen eine Lohnverkürzung von III M. pro Wackle abgewehrt werden. Bei 2 Firmen mit 263 beschäftigten Kol- legen konnte in einem Falle die Matzregelung von 4 Kollegen und in dem andxrn Fall die Maßregelung von 4 Kollegen und die in Aussicht genommene Einführung einer Kaution für 42 Kol- legen abgewehrt werden. Der Mitgliederbestand betrug am 1. April 1913 50 376. Ter Kassenbericht für das 1. Quartal, zu dem her Kassierer Steinicke eine erläuternde Bemerkungen machte, balanckerte in l�in- nähme und Ausgabe mit 522 183,09 M. In der Zusammenstellung sind enthalten 207 894,45 M., die an die Hauptkassc abgeliefert wurden, sowie als Kassenbestand des V.-B.-H.-Fonds am 1. April 29 024,50 M. und als Kassenbestand der Bezirlskasse am 1. April 195 834,81 M. Die Bezirks lasse hatte am 1. Januar 1913 einen Bestand von 166 763,35 M. und am 1. April 1913 einen solchen von 193 834,81 M., was im 1. Quartal einen Ucberschutz von 29 971,46 M. ergibt. Beim Arbeitsnachweis zeigte sich in der großen Zahl der Arbeitslosen der Einfluß der Kriegswirren auf den Geschäfts- gang in Handel und Industrie. Vergleiche mit derselben Zeit des vergangenen Jahres ergaben das. Zur Diskussion, die sich in der Hauptsache um die Arpeitsvar- Mittelung drehte, ergriff zunächst Ä l b o l d t das Wort und rügte. daß durch_ den Arbeitsnachweis des Verbandes in der Alten Leipziger Straße eine Anzahl Leute den Liberalen zu cntgelt- licher Wahlhilsc vermittelt worden seien. Der Arbeiisvermiitler S ch mahl hat die Bermittclung, die eine indirekte war. vor- genommen, weil er sie im Hinblick aus einen friilzeren Fall, wo darüber eine Verständigung mit der Parteileitung erfolgt war, für unbedenklich hielt. Im übrigen seien jetzt schon Schritte getan, um die Frage für die Zukunft prinzipiell zu entscheiden. Dem Kassierer wurde dann Techarge erteilt. Als Vertreter der Branche der Hafenarbeiter und Bretter. träger wurde Kubc in die Bczirksverwaltnng gewählt. Und als Sektionsleiter für die Straßenbahner wählte die Versammlung H i l I c r in die Bezirksverwaltung. Dann wurde noch ein Antrag angenommen, daß das Arbeits- nachweisbureau am Engelufer auch zwischen 12 und 2 Uhr mittags geöffnet sein soll.___ K-etztc Nachrichten. Hoffnung auf baldigen Friedensschluß. London, 23. Mai.(W. T. B.) Wie verlautet, erhielt Staatssekretär Greh heute abend vgn türkischer Seite eine Mitteilung, die zu dem Glauben berechtigt, daß die türkischen Vorschläge nicht derart sind, daß sie ein baldiges Ueberein?- kommen verhindern. Infolgedessen herrscht unter den Ver- tretern der verbündeten Balkanstaaten heute abend wieder eine. optimiKische Stinimung. Einer von ihnen sagte zu einem Vertreter des Reuterschen BureauS: Wir dürfen hoffen. daß der Friede Anfang nächster Woche unterzeichnet Weetzen wird. Die Ehrung der Kommunekämpfer. Paris, 23. Mai.aul Singer t Co., Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen u. llnterhaltnngsbl. ih. 12«. so. ite i. Keilllge des„Dsmarts" Ketliller DslksdlM. 2t..».z. Das beleidigte iibgeoränetenhsuz. Der im„Borwärts" vom 28. April 1912 veröffentlichte Artikel .Eine reaktionäre Affenkomödie", der das Treiben der reaktionären Mehrheit des preußische» Drciklaffenparlaments kennzeichnen wollte, unterlag gestern erneut einer gerichtlichen Prüfung. Der Artikel behandelte die Vorgänge, die fich im Abgeordneten- Haus in den Tagen vom 23. bis 27. April 1912 abgespielt hatten. In der damaligen Beratung des Etats des Ministeriums des Innern hatte der Abgeordnete Genosse Liebknecht die preußische Polizei in ihrem Verhältnis zu derjenigen Rußlands und anderer Länder betrachtet und dabei die Bemerkung gemacht, daß Rußland,„das barbarischste und verächtlichste unter allen Staatswesen in Europa" fei. woran der Abgeordnete Genosse Strötcl den Zwischenruf Jmipste:„Außer Preußen!" Wegen der Liebknechtschen Aeußerung und des Ströbelschen Zwischenrufes kam es zu erregten Debatten, die sich durch drei Tage hinzogen, bis schließlich unseren Genossen, denen man das Wort im Munde umgedreht und Beschimpfung des russischen und des preußischen BolkeS vorgeworfen hatte, durch einen Schlußantrag die Möglichkeit der Erwiderung genommen wurde. Die Antwort mußte dann in dem„Vorwärts"-Artikel gegeben werden. Durch ihn— nicht durch seine Tatsachendarstellung, sondern durch ein paar kräftige Ausdrücke— fühlte die Abgeordnetenhaus- Mehrheit sich herabgesetzt, und nachdem sie den Präsidenten Freiherrn v. Erffa zu einem Strafantrag gegen unseren damals verantwort- lichen Redakteur Genossen Wachs ermächtigt hatte, erkannte am 8. November 1912 daS Landgericht Berlin I(Strafkammer 11) auf 200 M. Geldstrafe wegen Beleidigung des Abgeordnetenhauses. Die von Wachs eingelegte Revifiou wurde vom Reichsgericht vcr- worfcn, stattgegeben wurde dagegen dem Revisionsantrag der Staats- anwaltschaft, die eine noch schärfere Verurteilung forderte. Genosse Wachs war verurteilt worden nur wegen des in dem Artikel gebrauchten Ausdrucks„Tollhaus", den die Strafkammer auf das Abgeordnetenhaus als solches bezog. Für nicht strafwürdig hatte das Landgericht die Ausdrücke„Affenkomödie", „Junkerparlament",„Geldsacksparlament" erklärt, weil„Affenkomödie" nur den Mehrheitsparteien gelte,„Junkerparla- ment' und„Geldsacksparlament" sich nicht auf die staatsrechtliche Stellung desAbgeordnetenhauses, s andern nur auf s eine Zus arnmensetzung beziehe. Das Reichsgericht rügte, daß diese Ausdrücke straffrei ge- blieben seien, und unter Aufhebung des Landgerichtsurteils verwies es die Sache„zu anderweiter Entscheidung' an dieselbe Straf- karnrner zurück. In der erueuteu Berhaudlung vor Strafkammer 11 hatte, wie in der früheren, den Borfitz der Landgerichtsdirektor Karsten, und die Anklage vertrat wieder der Oberstaatsanwalt Chrzrsciuski. Die Verteidigung lag in den Händen der Rechtsanwälte Heine und Heiuemanu. Der Angeklagte Wachs erklärte auf Befragen, er lehne die Nennung des Verfassers jenes Artikels ab. Der Artikel, für den er die Verantwortung übernehme, sei scharf, aber der Situation an- gemeffeu. Er gelte nicht dem Abgeordnetenhaus, das mithin nicht beleidigt sei, sondern den Mehrheitsparteien. Nachdem durch diese die sozialdemokratische Fraktion vergewaltigt worden sei, habe der „Vorwärts" die Antwort geben müssen. Ein Beweisautrag der Verteidiger forderte die Verlesung zahl- reicher Stellen der amtlichen stenographischen Berichte über Sitzungen des Abgeordnetenhauses, aus denen sich das in dem Artikel gekenn- zeichnete Verhalten der reaktionären Mehrheit ergebe. Verlesen wurden zunächst, wie in der ersten Verhandlung, nur diejenigen Stellen, die mit den Vorgängen jener Tage in unmittelbarem Zu- sarnrnenhang standen. Durch die weiter beantragte Verlesung aus Berichten früherer Sitzungen sollte bewiesen werden, daß die Mehr- heit des Abgeordnetenhauses gegen die sozialdemokratischen Ab- geordnete» aufgetreten sei. Sie habe diese systematisch durch Schimpfworte beleidigt, der Präsident habe das unterstützt. Worte der sozialdemokratischen Redner seien verdreht worden, die Verdrehung sei eine bewußte gewesen, die Redner- liste sei künstlich gestaltet worden und durch Schluß- anträge sei dann den Sozialdemokraten das Wort ab- kleines Feuilleton. Ein Generalmajor im Dienst der Schundliteratur. Der„Vor- wärts" berichtete bereits an dieser Stelle über einen Vorstoß des rühmlichst bekannten Hamburger Jugendschriftcnausschusses gegen das Berliner„Verlagshaus für Volkslitcratur und K u n st", das zum Teil unter dem Deckmantel des P a t r i o t i s- m u s Schundromane vertreibt. Ter gekränkte Schundvcrlag, der da» Heiligste dieser Erde, Nämlich den Pr o f i t, bedroht sieht, antwortet nun mit einem Wutausbruch, in dem er unter anderem auch mit seinen Mit- arbeitern renommiert. Der Hamburger Jugendschriftenausschuß dient ihm darauf mit einer ruhigen, aber sehr eindrucksvollen Er- widerung, aus der wir folgende Zeilen abdrucken wollen: „Ein Schundverlag ist dieses Haus. Der schlimmste Schund der letzten Jahre, z. B. die Serien Eitting Bull, Klaus Störtebekcr, Texas Jack, ist hier erschienen. Noch heute kann der Verlag die Finger nicht von diesen Heften lassen. Er klebt einen Streifen über den alten Serientitel„Texas Jack"— kann man sich eine größere Unverfrorenheit denken?— und das Heft ist in den„Großen Kundschafter" umgetauft. Alles andere bleibt, sogar die Bezeichnung der ersten Ausgabe, z. B. 9. März 1909." So verdienstvoll diese erneute Warnung ist, so sehr wundert es uns, daß�die Mitarbeit des Generalmajors v. Löbell an diesem Schundverlag im Hamburger Jugendschriftenaus- schuß Befremden erregt hat. Warum im Grunde? Vergißt der Ausschuß denn ganz, daß der Schund zum Teil unter dem Deckmantel des Patriotismus erscheint? Wenn es um den sogenannten„Patriotismus" geht, drückt ein Generalmajor auch dem Inhaber eines volksvergiftenden Schundverlages kollegial die Hand. Es brauchte sich nur ein Schundverlag aufzutun, der unter dem Deckmantel des Patriotismus antisozialdemokrati- schen Schund vertriebe— und die hohen und höchsten Herr- schaften würden billig werden wie die Brombeeren. Selbstverständ- lich, soweit sie die Feder zu führen vermögen. Das Schreiben aber scheint sich ja heutzutage selbst in den exklusivsten Kreisen ein- bürgern zu wollen. Der gründliche Historiker. Bor kurzem hat ein französischer Geschichtsschreiber, Herr Eduard Garnot, ein Buch: ,1809. Napoleon in Deutschland" herausgegeben, das bei der Kritik sehr günstige Aufnahme findet. Das merkwürdigste an dem Werk ist aber die Genauigkeit, womit der Autor über Art und Dauer seiner Vorstudien Auskunft gibt. Garnot macht seine Zeitgenossen und die Nachwelt mit seinem Bemühen durch folgende Statistik bekannt: .Nachforschung, Prüfung oder Lektüre von 157 gedruckten Werken über den österreichischen Krieg: 70 Tage; Kopierung von Dokumenten geschnitten worden. Dieses Vorgehen sei, führte Rechtsanwalt Hcincwann aus, ei» planmäßiges gewesen. Mehrfach habe man sozialdemokratischen Rednern das Wort im Munde umgedreht und dann eine Entrüstung inszeniert, so daß der Ausdruck„Komödie" sich rechtfertige. Rechtsanwalt Heine ging näher auf die Tatsachenangaben der Beweisanträge ein. Der Abgeordnete v. Pappenheim habe mit Bezug auf den Abgeordneten Leinert den Zwischenruf„Dieser Bengel!" gemacht, ohne daß der Vizepräsident Porsch einschritt. Abgeordneter v. Zedlitz habe die Sozialdemokraten mit Einbrechern verglichen. Minister Breitenbach habe ihnen„Phrasen" vorgeworfen, als sie ihm dann aber den Vorwurf zurückgaben, habe der Präsident ihnen eine Rüge erteilt. Der Vorwurf der„Verhetzung", der„Roheit" usw. sei ihnen gemacht worden, ohne daß Herr v. Kröcher einschritt. Wegen des Ausdruckes„Reichsliigenverband" habe er einen sozialdemokratischen Abgeordneten zur Ordnung gerufen, weil dem Verband auch Mit- glieder des Abgeordnetenhauses angehören, aber sozialdemokratische Mitglieder des Abgeordnetenhauses habe man ungerügt be- leidigen dürfen. Herr v. Kröcher selber habe dem Abgeordneten Hoffmann nach einem Zwischenruf:„Arn vielen Lachen erkennt man Herrn v. Pappenheim!" die Worte ins Gesicht ge- schleudert, er könne ihn„in diesem Falle nicht ernst nehmen." Weil Hoffmann das als„unverschämt" bezeichnete, habe man die Geschäftsordnung und die Präsidialgewalt verschärft. Oberstaatsanwalt Chrzescinski beantragt Ablehnung dieser Be- weisanträge, weil sie in keinem Zusammenhang mit der vorliegenden Sache ständen. Er würde sich dem Vorwurf der Parteilichkeit auS- setzen, wenn er nicht forderte, daß bei etwaiger Verlesung der be- nannten Stellen auch die beteiligten Personen über ihre Auffassung der Vorgänge vernommen würden. Rechtsanwalt Heine erwiderte, er sei bereit, mit dem Oberstaatsanwalt tiefer in die Gründe dieser Zu- stände des Abgeordnetenhauses einzudringen, und wolle dann Ladung auch der sozialdemokratischen Abgeordneten beantragen. Rechtsanwalt Heinemann wies darauf hin, daß ja jeder Urkundenbeweis illusorisch werde, wenn dem Oberstaatsanwalt die Verlesung der stenographischen Berichte nicht als Beweis gelten solle. DaS Gericht beschloß Ablehnung, weil der Zusammenhang mit dem Gegenstand der Verhandlung fehle. Die Beweiserhebung endete mit der Vernehmung des Landtags- abgeordneten Genossen Hirsch, der die Richtigkeit der stenographischen Berichte bestätigte. Gegen den Angeklagten beantragte Oberstaatsanwalt ChrzeScinski, wie in der ersten Verhandlung, wieder 2 Monate Gefängnis. Be- leidigend sei nicht nur daS Wort, TollhauS", sondern auch die Worte „Affenkomödie" und„Geldsacksparlament"..Junkerparlament" sei gewiß ebenfalls nicht freundlich gemeint, aber als beleidigend wolle er das nicht nehmen. Getroffen würde das Ab« geordnetenhaus, nicht nur die Mehrheitsparteien. Wenn auch daS Dreiklassenshstem dem Vermögen einen starken Ein- flutz auf die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses gewähre, so könne der üblich gewordene Ausdruck„GeldsackSparlament" doch nicht als zulässig angesehen werden. Für das Strafmaß sei mildernd zu berücksichtigen, daß der Angeklagte als Redakteur sich Einflüssen nicht habe entziehe» können, die die Veröffentlichung ver« langten. Eine Geldstrafe toürde ihn aber nicht treffen, weil er sie nicht selber zu bezahlen brauche, darum sei Freiheitsstrafe nötig. Der Verteidiger Rechtsanwalt Heine beantragte Freisprechung. Nicht auf das ganze Parlament, sondern auf dessen reaktionäre Mehrheit beziehe sich die in dem Arsikel gegebene Darstellung. Nur ihrem Treiben gelte die Ueberschrift„Affenkomödie" und das Wort„Tollhaus". Der Ausdruck„GeldsackSparlament" sei längst politischer termimis technicus geworden, den man ohne beleidigende Absicht gebrauche. Sollte etwa doch verurteilt werden, so sei die berechtigte Erregung zu berücksichtigen, aus der heraus der Artikel geschrieben und veröffentlicht worden sei. Wer sich über jene der sozialdemokratischen Fraktion im Abgeordneteuhause widerfahrene Behandlung, über die drei Tage hindurch fortgesetzten Verdrehungen und Beschimpfungen nicht entrüste, dem müsse jedes GerechtigkeitS- gefühl fehlen. Der Oberstaatsanwalt glaubte daS nicht unwidersprochen lassen in den französischen Archiven und in FamUienpapieren: 187 Tage; Reisen ins Ausland: Deutschland, Italien und Tirol: III Tage. Korrespondenzen mit Archivaren zur Ergänzung von Aufschlüssen: 192 Briefe; Besuch von Terrains, wo militärische Operationen statt- gefunden haben: 1. Eisenbahnfahrt(von Paris aus) 5422 Kilometer, entlegenster Punkt Neutra in Ungarn; 2. Rad- fahrt zwischen Straßburg und Znaim(Mähren) 2146 Kilometer; 3. z u Pferd auf dem Schlachtfeld von Eckmühl 94 Kilometer; 4. W a g e n f a h r t in der Umgebung von Wien 86 Kilometer; 5. zu Schiff auf der Donau und Raab 114 Kilometer; 6. zu Fuß(auf Schlachtfeldern) ungefähr 80 Kilometer. Aufgenommene Photographien 143; Skizzen 210. Außerdem gibt der Verfasser u. a. noch die Zahl der auS Büchern und Archiven herausgezogenen Stellen an. Wir erfahren, daß er die Archivauszüge in fünf Serien geteilt hat, deren jede 20 Dossiers mit je 10 Unterabteilungen umfaßte. Dagegen bleibt uns vorenthalten, wieviel Zigarren dieser gewissenhafte Gelehrte im Verlauf seiner Studien geraucht, wie oft er während der sicher schweißtreibenden Arbeit den Hemdkragen gewechselt und wieviel Zeit er auf die Anlegung seiner Statistik aufgewendet hat. Was ist eine Eisenbahn? Gelegentlich der Besprechung der neuesten Auflage des Handlexikons von Meyer kommt„Prometheus" auf die schnurrige Idee, die Definitionen, die das Reichsgericht und der„kleinste Meyer" von der Elsenbahn geben, einander gegenüber zu stellen. DaS Resultat ist geradezu verblüffend. Folgendes sagt das Reichsgericht(E. Z. S. I 252):„Ein Unternehmen ge- richtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen über nicht ganz unbedeutende Rauinstrecken auf metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit derTransportbewegung zu ermöglichen bestimmt ist, und durch diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem zur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkräften(Dampf, Elekrizilät, tierischer oder menschlicher Muskel- tätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch scbon der eigenen Schwere, der Transportgefäße und deren Ladung usw.) bei dem Be- triebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßig gewaltige(je nach den Umständen nur in bezweckter Weise nützliche oder auch Menschenleben vernichtende und die menschliche Gesundheit verletzende) Wirkung zu erzeugen fähig ist." Dagegen der kleinste Meyer(I 388):.Eisenbahn, Weg mit eisernen Schienen, auf dem Fahrzeuge laufen; auch die Ver- kehrsanstalt selbst". Wenn„Prometheus" nach dieser Gegenüberstellung bemerkt: «Es bleibe unerörtert, welche Definition am besten der Sache gerecht wird", so scheint uns diese ironische Bemerkung dem Ansehen der hohen Justiz keineswegs zu entsprechen. ES wäre passender, ein Preis- ausschreiben mit recht hohen Preisen für alle die zu veranstalten, die imstande wären, nach dreimaligem aufmerksamen Durchlesen der ReichsgerichtSdefinitton deren Sinn annähernd richtig wiederzugeben. Auf diese Weise könnte doch unsere Justiz einmal recht volkstümlich werden. zu dürfen und erhob sich zu sofortiger Erwiderung. Er lehne es ab, sich mitzuentrüsten. Der Verteidiger Rechtsanwalt Hciilemann wandte sich gegen die Annahme des Oberstaatsanwalts, daß der Angeklagte nur durch eine Freiheitsstrafe getroffen werde. Wenn das richtig wäre, müßte ja jeder zu verurteilende Redakteur zu Freiheitsstrafe verurteilt werden. Wachs solle wohl nur ins Gefängnis kommen, weil er sozialdcmo- kratischer Redakteur sei. Gerade er sei freizusprechen, weil er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Seiner Partei sei Unrecht geschehen, dafür sei hier der Wahrheitsbeweis geführt worden. In einer scharfen Erwiderung erhob der Oberstaatsanwalt Ein spruch dagegen, daß er mit seinem Antrag auf Freiheitsstrafe den Angeklagten als Sozialdemokraten treffen wolle. Er würde gegen jeden anderen Redakteur so verfahren, wenn er von ihm meinte, daß er Geldstrafen nicht selber zu bezahlen brauche. Rechts- anwalt Heinemann sprach seine Verwunderung darüber aus, warum gerade bei Wachs das angenommen werden solle. Rechtsanwalt Heine stellte fest, daß er dieser. Annahme bisher nur in Prozessen gegen sozialdemokratische Redakteure begegnet sei. Der Obcrstaats- anwalt erklärte, ihm sei das nicht bekannt. Jeder ehrlich denkende Staatsanwalt— und dazu rechne er all- Staatsanwälte— werde den hier der Staatsanwaltschaft gemachten Vorwurf zurückweisen müssen. Der Angeklagte Wachs betonte in einem Schlußwort, daß er nicht unter dem Druck persönlichen Einflusses, sondern aus Uebcr- zcugung von der Notwendigkeit einer Abwehr jener gegen seine Partei gerichteten Angriffe den Artikel veröffentlicht habe. Das Gericht kam zu dem Urteil, die Abwehr sei nicht in fach- sicher Form erfolgt, sondern stelle sich als Beleidigung dar, die das, ganze Abgeordnetenhaus treffe. Beleidigend seien„Affenkomödie" .Tollhaus", auch. Geldsacksparlament" und sogar— hier ging das Gericht noch weiter als selbst der Oberstaatsanwalt—„Junker- Parlament". Wahrung berechtigter Interessen siege vor, aber die Wahl dieser Ausdrücke lasse die Absicht erkennen, zu beleidigen. Nur eine Freiheitsstrafe scheine angemessen. Das Gericht erkannte auf 6 Wochen Gefängnis und Publikationsbefugnis. Klus Inäultrie und ftandel. Das nationale Kapital. Die zur öffentlichen Subskription aufgelegte fünfprozentige chinesische Goldanleihe hat das Resultat ergeben, daß der auf Deutschland entfallende Betrag mehr als fünfmal über- zeichnet worden ist. Der Andrang deutscher Kapitalisten zur Beteiligung an dieser Anleihe war also kolossal. Das wird ver- stündlich, wenn man sich daran erinnert, daß der Zinsfuß 5 Proz. beträgt uud die Scheine dem Publikum zu 90 Proz. überlassen werden. Als vor wenigen Monaten da- Reich und Preußen eine Anleihe aufnehmen wollten, wurden sie von den„nationalen" Ka- pitalisten im Stich gelassen, die sich jetzt danach drängen dem chine- fischen Staate wegen einiger Prozente Zinsen mehr Geld vorzu- strecken._ Der schutzbedürftige Grundbesitz. Seit mehr als einem Jahre besteht ein Schutzverband für städtischen Grundbesitz, der sich die Bekämpfung aller boden« reformerischen Bestrebungen zur Aufgabe gesetzt hat. Jetzt ist der Zusammenschluß des städtischen und ländlichen Grundbesitzes voll- zogen und dazu ein Schutzverband für deutschen Grund- besitz gegründet worden. An der Spitze der Abteilung für städtischen Grundbesitz bleibt Kammergerichtsrat Thinius. An die Spitze der Abteilung für ländlichen Grundbesitz tritt Graf v. Spec. Die Geschäftsführung bleibt in der Hand des früheren Präsidenten des Kaiserl. Statist. Amts van der Borght. An die Spitze der Gesamtorganisation'tritt der Fürst zu Salm-Horstmar. Internationaler Stahlwucher. Wie die„Frkft. Ztg." aus Düsseldorf erfährt, ist zwischen dem deutschen und italienischen Stahlwerksverband ein Abkommen ge- Kohlenbesördcrung durch Rohrleitungen. Ein merkwürdiges Projekt ist in Amerika in der Ausführung begriffen. Um Kohlen- felder im Staate Illinois, die nicht an einer Eisenbahn siegen, aus- zunützen, wird zwischen ihnen und der Stadt Chicago eine 45 Zenti- meter weite Rohrleitung angelegt, durch die die Kohle hindurch- gepreßt werden soll. Zu diesem Zwecke wird sie mit der gleichen Raummenge Wasser vermischt werden. Die Leitung selbst wird 150 Kilometer lang sein. Sie ist in sechs gleich große Abschnitte eingeteilt, von denen jeder in einem großen Behälter endigt. Aus diesem Behälter wird die kohlehaltige Flüssigkeit mittels großer Pumpenanlagen in den nächsten Abschnitt hineingepreßt. Da die Pumpen eine Leistungsfähigkeit von 100 Liter in der Sekunde haben, so wird also die Flüssigkeit mit einer Geschwindigkeit von 2 Meter in der Sekunde durch die Leitung gepreßt. ES entspricht dies einer Tagesleistung von 19 000 Tonnen Kohle. NotiLVK. — Allerlei Blech. In den Berichten über den Zaren- empfang liest man u. a.: Der Zar trug die Uniform seines Garde- Alexander-Regiments mit der historischen Blech mütze. In manchen Gegenden tragen auch im- Straßenbaudienst be- schäftigte Personen Bleche an ihren Kopfbedeckungen. In Bayern war einmal ein Pasfant wegen Beleidigung eines solchen Beamte» verklagt worden. Er wurde aber freigesprochen, weil der(sarkastische) Richter entschied, der Beamte habe das bei dieser Kategorie übliche Blech nicht an der Stirn gehabt. — W e d e k i n d in Bremen. Die Münchener Zensur hat WedekindS Drama„Lülu", da» eine Zusammenziehung der beiden Werke„Erdgeist" und„Büchse der Pandora" in eine abendfüllende fünfaktige Tragödie ist, nicht zur öffentlichen Aufführung im Münchener Künstler-Theater zugelassen. Das Bremer Schauspielhaus-will da- für„Lulu" herausbringen. �-Folgen des kaiserlichen PreiSsingenS. Der Kölner Männergesangverein will an dem Kaiserwettsingen definitiv nicht mehr teilzunehmen. In einer außerordentlichen General- Versammlung wird em entsprechender Beschluß gefaßt werden. — E i n Wagner-Denkmal soll jetzt auch in Dresden erstehen. An der Spitze des Denkmalausschusses steyt der sächsische Staatsminister Graf Vitzthum. Seltsame Wandlung! Dieselbe Staatsregierung, die so spät den Erfolg anerkennt, hat den Revolutionär Wagner aufs gehässigste verfolgt und den berüchtigten Steckbrief gegen ihn immer wieder erneuert. — Japanische Reklame. In einer Tokioer Zeitung preist ein Buchhändler seine Waren an. Und rtklärt;„Die Vorzüge meines Geschäftes find: 1. Preise, billig wie eine Lotterie. 2. Bücher so elegant wie eine Sängerin. 3. Druck so klar Ivie Kristall. 4. Papier so zäh wie Elefantenhaut. 5. Kundenbehandlung so höflich wie bei konkurrierenden Dampfschiffgcsellschastcn. 6. Zusendung so schnell wie eine Kanonenkugel. 7. Verpackung so sorgfältig wie die Kleidung. die die liebende Gattin dein Manne anlegt. 8. Junge Leute werden bei Besuch unseres Ladens solide fleißige Männer. 0. Die übrigen Vorzüge sind in Worten kaunt auszudrücken". troffen worden, wodurch ein WirtschoftSkriea, der dem deutsche» Stahlwcrtsverband jährlich SOlZOCK) M. lostete, beendet ist und die � deutsche Einfuhr von I» und H-Eisen»ach Italien kontingentiert wird. Das neue Abkommen ist zurückdatiert auf den 1. Januar 19!3 und nur auf zwei Jahre geschlossen. Es gesteht dem deutschen Stahlwerksverbande, einschließlich einer kleinen französischen Be- teiligung eine Einfuhrmenge von 40 000 Tonnen zu, die durch den italienischen Stahlwerksverband verbürgt ist. Schon jetzt sind die Preise ab Burbach von 75 M. auf 100 Mark, also um 33'/» Proz. erhöht worden. Eine weitere Erhöhung der Preise durch den italienischen Verband steht unmittelbar bevor, so daß Deutschland aus dem Abkommen einen Gewinn von rund 1000000 M. ziehen dürste. Ein ähnliches Abkommen hat Italien mit Belgien über eine Menge von 3000 Tonnen und mit Oesterreich über 2000 Tonnen geschlossen. Für die italienischen Werke soll das Abkommen einen Gewinn von 2% Millionen Lire jährlich bringen. Marktpreise von Berlin am 22. Mai 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,64 bis 20,70, mittel 20,52— 20,58, geringe 20,40— 20,46. Roggen, gute Sorte 00,00—16,60. mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00.(ab Bahn). Futter- gerfie, guie Sorte 16,20—16,70, mittel 15,60—16,10, genüge 15,10—1550 Haser. gute Sorte>7.60—19.50, mittel 16.50—17.50(frei Vagen und ad Dahn). Mais(mired), gute Sorte 15.20—15,50. Mais(runder), oute Sorte 00,00-00,00. Richtstroh 0,00—0,00. Heu 0.00—0,00. � M artt h a I l e n p reise. 100 Kiwgr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00. Sveisebohne«. weiße 35.00—60,00. Linsen 35,00—60 00 Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1.30—1.80. Schweinefleisch 1.40—2 00 Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2.40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpscn 1,40—2.40. Aale 1.80— 320.«ander 1,40—3,60. Hechte 1.40—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60— 3-'0 Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebse 3,00-60.00. Uns gehört die Zukunft! -------- weil wir sämtliche Herren- und Knaben-AnzUge zum------ Selbstkostenpreis+ 101 Nutzen verkaufen. Durch diese Verkaufsart machen die Käufer erhebliche Ersparnisse und sind vor jeder Uebervorteilung geschützt.— GemäB unserer beim Amtsgericht niedergelegten Statuten sind wir an diese Vertriebsart gebunden und machen uns strafbar, wenn wir mehr als 10% auf den Selbstkostenpreis aufschlagen. ■■_ �_ Selbstkostenpreis Mark 15,— 22,20 30,- 37,50 43,75 usw. ehlö/* vjfl rj3 M � J|| Üö Verkaufspreis Vorzugliche Passform, n Herren-Beinkleider.-- Mark 16,50 24,42 33,- 41,23 48,12 usw. Phantasie- Westen.-- Luster- und Waschjacketts. Maßanfertigung unter garantiertem Sitz zu mäßigen Preisen. Deutsche Bekieidungsgesellschaft m. b. H. Turmstrasse 80 nahe Kl. Tiergarten Gr. Frankfurter Str. 4 Ecke Fruchtstrasse Chausseestrasse 27 nahe invalidenstrasse Neukölln Bergstrasse 7—8 4 L Unserm alten Genosse» und unserer Genossin Mein!»»& Inns Tittelßtz! die herzlichsten Glückwünsche> zur Silberhochzeit! 021b Bez. 165 4. Kreis. Heinrich Bauch Nnserm Kollegen i i 0> nebst Gemahlin® W zur silbernen Hochzeit die U herzlichsten Glückwünsche. 92 r) 86A Kraute und Korilla. '5 Todes-Anzeigen Hiermit allen Freunden und > Bclannten die sür uns so ties- -:raurige Nachricht, daß mein lieber i Mann und Vater, unser Sohn, , Bruder, Schwager, Schwieger- ! söhn mid Onlel, der Brauer Ifgns Dorsch am 21. Mai verstorben ist. g24b Die Beerdigung findet heute, de» 24. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Zentralsriedhoses in Friedrichsseide auS statt. Im Namen der Hinterblieb enen Johanna Dorsch. I�s MlimkÄIie!' Wahherein !.[Li6er!.ßeichstasswaiilkreis. Petersburger Viertel.(Bez. 855.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Brauer dohana Dorsch Samariterstr. 42 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sommbend, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zenwalsricd- hofeS in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ]>cir Vorstand. ßentsclier KolzarIieiter?erlianl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbel- Polierer I.ou!s Schneider KarlShorst. Rödelstraß- 11. im Alter von 61 Jahren gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 26. Via,, nachm. 3 Uhr, aus dem Friedhos« der Irren- anstalt in Ebcrswalde statt. 82/11 Die Ortsverwaltung. iQvaliilen-lInterstlttzuDgskasse \i SSeindmcker i Lithopplieii. ! Die Beerdigung des am 22. Mai | verstorbenen Lithographen Heliodor Regel i findet statt am Sonntag, den i 25. Mai, nachmittags 4 Uhr, von 1 der Leichenhalle deS St. Sebastian- ] ÄirchhojeS, Reinickendors-West. 1 923b Das Komitee. SozialdemokratisctierWahlverein l.il.6.ßErLllElElistags-ffalilkreis. Am 22. Mai verstarb unser Gc- nosse, der Dreher krlfc ICIopper Gcrichtsw. 8. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, vormittags 9'/, Uhr, aus dem Anstaltssriedhos w Buch statt. Um rege Belelligung ersucht vor Tonstand. DentscbsrlKetaUarbeiter-VerbaDEl Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreber kriedried Llöpper Gcrichtsw. 8, am 21. d. MtS. an Schlagansall geswrben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag. den 25. Mai, vor« mittags 9'/, Uhr. von der Leichen- Halle des Kirchhoses in Buch aus statt. Ufachrnl. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Metall- arbeiterin Berta Heehgräfe gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! 118/13 Die Drlsverwaltung. Verband d.GemeiQde-a.Staatsarb. Filiale GroB-Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Wilhelm Uli welcher im Betriebe der I. C. G.-A. des cb ästigt mar, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 34/8 Die Bestattung findet am Montag, den 26. Mm, nachm. 3'/« Uhr, von der Leichenhalle des Philippus. Apostel-KirchhoseS, Müller-, Ecke Seestraße, aus statt. Die Drtsverwaltung. Verliandd.Geinebide-Q. Staatsarb. Filiale Groß Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß die Kollegen (ZustsvWentzei i�dam Wiehert am Montag, den 19, Mai er., bei dem Betriebsunfälle in derChar- loltenburgcr Kanalisation als Opser ihres Beruses tödlich ver- unglückt sind. Wir werden ibnen ein ehrendes Andenlen bewahre». Die Bestattung deS Kollegen Adam Meliert findet heute Sonnabend, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Luisen-Kirch- Hofes am Neuen Fürstcnbrunner Weg aus statt. Der Kollege Gustav Wentzel wird in seiner Heimat Topper, Neumarl, beerdigt. 34/7 Um zahlreiche Beteüigung ersucht Die Drtsverwaltung. Verband der ütbograpben. Stein- drneker n. verer. Berufe. Mitgiiedsch. Berlin IM Lithographen Am Donnerstag, den22.Mai, ver- starb unser Mttgtied, der Lithograph Heliodor Regel im Alter von 46 Jahren an emem Rückenmarlleiden. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle oeS Sebastian> Kirchhofes. Reinicken- dorf-West, aus statt. Rege Beteiligung erwünscht 109/12 Die Verwaltung Verband der Hut- und Fllzwaren- I arbeiieru. Arbeiterinnen Deutscbl. Drtsverwaltung Berlin. Allen Mitgliedern zur Nachricht, � daß der Kollege hattt Riernenscbneider J am Sonntag, den 18. Mai, plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! � Die Beerdigung findet beute Sonnabend, den 24. Mai, nach- ! mittags 2'/, Uhr, von der Halle deS Städtischen Friedhofes in I Friedrichsseide aus statt. 76/7 Zahlreiche Beteiligung erwartet Bvr Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verhanl Bezirksvorwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bretter- Wäger Augusi Ring am 19. Mai im Aller von 34 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Mai, nach- mitiagS 3>/, Uhr, von der Leichen- halle des Friedhofes in Stahns- dors aus slatl. 65/4 Oie Beilrksverwallung. Allen Verwandten, Bekannten sagen besten Dank sür die nähme an dem Schmerz Verlust unseres lieben Torchcus Freunden und wir hiermll unfern herztiche erz übe Test- er den Familie A. Körsten. Danksagung. Für die vielen Beweise herziichcr Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, dem Bäckermeister Andreas Thoraa danke ich hiermit herzlich. Besonderen Dank seinen alten Freund-», den Mitgliedern deS Verbandes der Freien Vereinigungen deutscher Bäcker- meistcr, der Bäckcr-Zwangsinnung, Bezirk Gesundbrunnen, dem Gelang- verein.Morgengrauen" und Gesang- verein der Freien Vereinigung der Hesegenossenschast der Bäckermeister und ihren Angestellten. Vielen Dank dem Sozialdcmowattschen Wahlverein deS 6. Kreises, Bezwk 624, sowie dem Verband der Bäcker und Konditoren. Für die wostspendenden Worte des Genossen Frcythaler u. Bäckermeisters Petersohn und allen denjenigen, welche mir mit Rat und Tat zur Seite ge- standen haben danle ich msbesondere. Emma Thoma«-b. Halbe- nebst Kinder». 917b Schriftsetzer 926b Theodor Kutsche geb. am 5. Februar 1846 in Berlin. Der Berstoibene war über 30 Jabre als Druckereikasficrer in unseren Reihen tätig und hat sich über dasGrab hinaus ein dauerndes Andenken bei uns gesichert. Berlin, den 23. Mai 1912. Die Kollegen der Norddeutsche» Buchdruckerei. Die Beerdigung findet Sonntag nachm. 3 Uhr aus dem Luisen- Kirchhos, Beigmannftraße, statt. Am 21. Mai verstarb nach langen, schweren Leide» meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter pauline Lindner geb. Batolrpzal. Um stille Teilnahme bltten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute, den 24. Mai, nachmittags 2 Uhr, aui dem Neuköllner Gemeinde- Friedhof, Mariendoifer Weg, statt. ÖBruchhundagen, Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen otcu, Saapenaorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege ernpfielüt* Fabrikant Pollniann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Krankenkass. Fachgern. Bedienung. ist der schönste Ausflugsort? . Immer noch PichelsWerder, �Heerstraße" beim Alten Freund. DTZoftrencVrö 7s j~:•: DenMvllgsstellt Kerlm. C 54, fmiritör. 83—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. «alfierer: Amt Norden ISk. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Montag, de« Mai, abends 8l/j Uhr, s Bezirks-Tcrfammtung= für den 10. und 17. Bezirk in den Pharns-Sälen, Müllerstr. 14Ä. Tagesordnung: Fortsetzung der Bezirksversammlunj; vom Mai. Cime Mitgliedsbuch kein Zutritt. Montag, den S«. Mai ISIS, abends 8 Uhr, in de«„A r m i n h a l l e n", Kommandantenstr. 58/59: Versammlung== aller in Schraubenbetneben beschäftigten Antomaten- Einrichter und Einrichter an Einzelbänken. Tagesordnung: 118/14 1. Branchenangelegenheiten. 2. Diskussion. 3. BeriandSangelegen- heiten. 4. Verschiedenes._ Montag, den 26. Mai, abends 6 Uhr, » Versammlung= aller in llietallgleßerelen belchäftlgten former und ßerufsgenoilen ■... im Lokal Süd-Ost, Waldemarstr. 73.- Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen F. Güttler: „Arbeiterbewegung und Konsumgenosseuschast". & Diskussion. 3. Verbands-'und Branchenangelegenheiten. Montag, den 26. Mai ISIS, abends 6 Uhr, Vvrssmmlung aller in Metaliwarenbetrieben beschäftigten Metall-, Fasson- nnd Kevolnerdreher sowie Dreherinnen im Gewerkschaftshause, Eugelufer 15. Saal 1. Tagesordnung: L Vortrag des Sollegen Wücke: „Die Entwickelung der deutschen Gewerkschaften." Z. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Montag, den 26. Mai 1913, abends 8V3 Uhr» Versammlung aller in der ßauindultrle belchäftlgten Metallarbeiter im Gewerkschaftshause, Eugelufer 15, Saal 4. Tagesordnung: „vie BaufachsAusstellung in Leipzig.� Vortrag mit Lichtbildern. Referent: Reichstagsabgeordneter Dr. iÄeill-Metz. MW� Zahlreich«: Besuch obiger Versammlungen erwartet Die OrtSverwaltuug. Filiale QroßaBerlin. Sonntag, den 25. Mai 1913, vormittags 10 Uhr, im Qewevltsehafts- hause, Engelufer 15(großer Saal): Rllaemelne Mitglieller-Verlammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommission und weitere Beschlustfassung über unsere Tarifbewegung. 2, Verschiedenes. KW Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert, doch die Kollegen der gesamte« Wllale zur Stelle seiu müssen.— Ohne Mitgliedsbuch keinen Eintritt. 192/10»_____ Der Vorstand. Steinsetzer Berlins. Sonntag, de« SS. Mai, morgens präzise IV Uhr, bei Fnnbe, Triftitrahe 63: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Altgesellen. 2. Miftftände t« Gewerbe und wie beseitigen wir dieselben? 3. Diskussion. 812b» SW" Im Interesse der Beseitigung der großen Arbeitslosigkeit ist das Erscheinen sämtlicher Steinsetzer erforderlich."Vß I. iL: P. Harkward, kl. 65, Triftstr. 64. Verband der ßrauerel- u. tilliblenarbelter und verwandter ßerufsgenollen. ilS Geschästsftelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt Norden 4518 Sonntag, den 25. Mai 1913, nachmittags 2 Uhr: Mhlkillirbkittt-Dkchmmlviig im„ Gewerkschaftshause", Engelufer 15(Saal 1). Tagesordnung: llel Lohnkampf der Berliner Mütilenarbeiter! Die hochwichtige Tagesordnung macht es jedem Kollegen zur strengsten Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. 43/11____ Die Orrsocrwaltung Krankeu- und Sterbekasse und der Fuhrherren, Kutscher und verw. Berufsgeuossen „Eintracht" 1 2.0t. yo* _s direkten c/erßnkke�� ••»*•••••»»* Mk.() an.\7 Räucherwaren f Pommersobs Flundern... pomd 35» Aale geräuchert................. Pfand 1.10 Bücklinge.................. 5 staok 18» LaCllSStÖr in stdcken......... Pfund 75pä LaChS in Stücken««,......... Pfand S5Pf. Rollmöpse.................. Sstack 18 p-. Matjes-Heringe....... stock 8, 15» Molkereibutfer.....'/,pfnnd.p.ket 80» Schweizer Käse............ Pfand SO Tilsiter Käse................. Pfand 85» Lfmburger Käse........... Pfand 50» Brle-Käse..................... Pfand 55» Romatour Käse.............. stock 32 pt ApfelMln...'U Flasche 30» MnitrnnK 45 Friscke Eier Mandel PC. RaUr..3b..io Hohrrülien. Z neue Kartoffeln~ Pfund PC. Pf. Pf. Pndnins-Pulver geflrbt, in verscbie-_#*Q denem Geschmack 9 Pack aCO Pf. Frls(hnSpiirscL..20,35,50 pf. Uonillen-Saucen-Pulver 3 Pack 20 Pf. I I i i I i s Vrenftisch-Süddentsche (338. KSnigt. Vreuß.) Klassenlotterkc v.»lasse 12. ZiehungSisg 23. Mai ISIS Vormittag Auf jede Gezog«», Nummer find zwei gletch hohe Sewiuu« gefau««,»nd zwar je einer auf die Lose gleicher Rummer in de» beiden Abteilung«« I«. II. Nur die Gewinne über 240 M. find w Klammern betgefügt. (Ohne Gewähr ll. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) e, 16« 210 82 636 893 1046 13S 42 68 608 38 60(600) 610 17 803 67 978 2909 19 109(1000) 46 69 80 243 418 605 29 627(1000) 4« 60 700 940 8611 34 60 666 722 994 4188 206 420 31 627 890 924 8045 120 24 74 299 378 419 36 661 89 670 717 89(500) 889 6088 186 203 23 688(600) 761 65 99 819 62 7041 75 390 629 667 624 86 87 928 8026 54 82 163 619 (30 000) 748 869 987 8079 174 419 68 10674 154 202 98 332 69 66 69 403 633 861 913 11227 82 (600) 369 407 29(3000) 663 780 12066 173 388(3000) 439(600) 677 816 63 65 700 44 900 22 82 13193 460 604 1 4205 76 364 447 61 78 602 694 956 18196(600) 261 383 423 75 592 818 10068 198 360 61 692 765(1000) 812 934 1 7255(600) 712 974 18133 209 91(3000) 334 641 65 76 730 893 1 8056 468 97 956 28207 521 62 689 90 788 801 12 43 21161 348 448 94 579 711 828 2 2066 83 102 438 601 15(1000) 718 73 823 70 73 (1000) 86 968 2 3202 393 682 863 2 4017 147 286 309 92 454 67 547 772(600) 919 2 5009 44 129 218 52 326 436 656 686 719(3000) 47(600) 816 64 940 2 0046 140 41 263(3000) 643 633 72 857 76 2 7052 211 36 497 669 88 681 727 66 870 837 66 2 0017 67 97 171(600) 96 269 377 410(600) 43 942 20161 243 86 358 472 660 64 722 800 85 964(3000) 70 30069 221 311 33 67 63 465 80(1000) 679 609 776 866 81051 246 386 694(600) 814 82(600) 810 84 8 2043 610 67 812 986 83182 210 27 379 468 93 768 73 844 922 3 4015 23 134 207 366 619 76(500) 862 962 3 5091 129 467 704£81 3 0256 68 67 464 616 721(600) 46 64 913 3 7095 336 65 729 803 21 80 72 973 8 8002 301 68 435 670 76«(3000) 812(3000) 832 3 9012 110 37 686 742 824 40422 636 676(3000) 41140 273 352 79 423 85 696(800) «23 747 4 2122 23 395(1000) 491 662(500) 749 87 4 3170 329 633 44139 70 289 608 35 57 638 40 83 772(500) 850 982 45066 196 260 330 543 89 705 963 48045(6000) 284 368 660 89 603 16 44(600) 47153 222(1000) 76 321 26 523(1000) 67 68 694 97 764 4 8307 45 49 91 97(600) 469 60 616 666(600) 764 968 4 0217 629 827(1000) 60 89 50104(600) 663 797 830(600) 85 968 61049 86 131 63 271 383 410(500) 60 88 91(1000) 641 709 905(1000) 9 92 6 2004 118(600) 93 249 423 614 780 845 941 6 3000(600) 32 288 321 28 413 602 778 826 61(600) 6 4225 98 627 36 678 706 27 854 68 973 96 5 5 283 361 462 602 34 94 96 636 723 827 921 66162 89 248 97 340 460 661(600) 5 7 028 87 122 25 30 418 618 46 667 70 792(3000) 800 15 69 6 8007(500) 337 662 66 65(1000) 722(3000) 961 50135 36 243 665 914 00174 634 711 61039 308 694 722 830 82062 192 217 630 935 60 63118 92<1000, 229 341 93 471 720 68 609(500) 67 940 04122 91 323(3000) 62 403 49 629 710 829 80 972 65078 192 225 365 68 436 550 91 77» 00424 84(500) 696 646 963 8 7096 442 816 987(600) 68054 178 320 491 779 87 916 6 0026 67 235 505 646 61 803 926 73 70066£01 28 63 64 73(600) 780(500) 896 969 71147 207 883(600) 91 92 914 46 85 7 2078 121 233 384 433 890(1000) 73138 81 366 407 532(3000) 760 807 7 4023 63 99 331 613 98 777 937 7 5066 381 664 622 37 738 7 0018 235 341 423 48 663 87(3000) 770 7 7022 76 342 68(1000) 510(1000) 93 611 56 81 915 7 8110 47 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PreuMch-Siiddentsche (838. Könkgl. Vrruß.) Kiaffeniotterie 5.»lasse 12. Ziehungstag 2Z. Mai 1313 Nachmittag Auf jede ge, Gewinne ge zogen« Nummer fiud zwei gleich Hove fallen, und Zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beide» Abteilungen I». II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 286 416 766 896(1000) 970 93 IIIS 20 22 223 40 836 98 726 891(600) 906 79 2023 77 207 97 323 459 615 614 848 3082 262 391 667 68 Sil(1000) 19 4)13 72 230 335 68 81 429 769 907#060 119 285 409 629 56 67(600) 80 616 27 746 99 661 823 68 6061 96 454 73 620 783 994 7107 46 263 481 604 726 822(1000) 71 990 8181 394 472 84 623 66 75 92 781 86 810 8063 98 462 560 724 832 18076 186 97 204(1000) 96 326 440 704 926 11211 48 629 806 948 1 2069 127 206 48 417 67 739 1 3221 88(1000) 327 584(1000) 618(500) 93 706 23 89 635 70 87 961 99 14271 338 628 49 68 669 756(1000) 809 965 1 5050 67 140(600) 238 979 18044 252 549 602 50 829 941 66 1 7184 650(3000) 600 34 61 61 793 895 1 8629 87 100 9 288 368 93 777 86 862 83 1 8030 68 272(1000) 366 608 29 98 766 99 924 60 20049(1000) 162 285 357 454 661(1000) 05 671 86 93 702 36 921 21022 196 397 776 84 976 2 2063 76 246 300 493 569 (1000) 667 725 845 80 948(600) 2 3037 136(3000) 364 89 509 49 69 78) 94 2 4068 236 91 469 727 2 5 032 211 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958(1000)• 12 7 011 139 430 70 77 781 93) 60 1 28004(3000) 338 444 60 66 843 962 82(600) 129142 377 445 601 840 923 28 72 68 188)06 262 357 62 94 484(600) 522 796 940(3000) 131030 161 316 18 35(1000) 74 473(1000) 547 88 636 728 923 1 3 204« 261 73 390 469 668 962 54 1 33123 362 98 420(3000) 26 902 134)18 88 277 368 414 760(600) 64(600) 819 61 66(1000) 13 5 009 91 201 73 306 19 463(500) 631 96 699 755 76 973 13 6057 94 222 61 327 61 75 486 660 690(600) 862(500) 93 920 36 1 3 7009 12 30 32 230 83 99 376 466 886 96(3000) 930 80 66 1 3 8076 93 97 310 24 665(1000) 672 876 944 1 38133 390 98 511 71 731 817 42 93(3000) 990(500) 14 8011 422 65 595 671 705 093 9)4 17 61 73 1 41093 368 483 643 866 989 1 42005 142 302 32 40(600) 69 76(3000) 405 (3000) 604 727 95 804 960 72 1 43029 199 325 91 462 77 592 672 910 80 87 90 1 44)61(1000) 69 218 309 86 94 488 620 780 854 1 4 5 331 64 629 666 626 964 1 40033 34 81(1000) 371 434 93 681 693 977 83 1 4 7 098 150 343(1000) 447 693 735 863 945 1 48012 448 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1)0 264 (3000) 568 643 969 1 7 4037 43 128 237 63 77 350(3000) 764 65 861 950(1000) 17 5012 459 618 666(500) 17 6034 38 118 (600) 306 8 486 543 1 77171 381 417 549 720 1 7 6226 83 369 453 604(3000) 82 877 1 7 9 0)4 20 37 339 655 94 769(3000) 905 188002 17 178 298 362 436 69 608 24 749 I8I0O3 81 139 330 91 467 896 923(3000, 89 1 8 2043 135 261 678(10C0) 739 41 66 924 1 83131 63 436(3000) 539 725(500) 48(1000) 868 912 1 84196 298 438 49 656(500, 722 899 185143 61 76 254 435 87 699 867 92 1 8 6078 240 335 668 639 761 848 992 18 7 069 145 228 67 78 303 532 76 616 711 66 894 911 58 188151(1000) 84(1000) 213 329 849 71 97(600)912 80 1 6 8079 (1000) 83 268 328 76 451 87 677 662 75 786 88 870 98 973 188084 266 96 429 551 753(500) 65 910(1000) 191060 224 301 42 474 950 1 92108 62 233 39 83 307 61 703 56 802 67(500) 59(1000) 1B3274 307 631(500) 33 1 84214 24 62 345 436 545 68 747 818 933(1000) 19 5048 353 465 530 762 916 1 86026 237 360(500) 79 633 1 97111 36 38 223 77 78 (500) 339(3000) 73 432 613 19(3000) 728 44 1 98000 9 129 371 78 81 632 85 682 1 9 9340( 500, 455(600) 543 709 960 2 0 8021 156 259 448 617(3000, 878 924 39 62 66 281093 286 91 576(500) 677 717 21 835 2 8 2019 72(1000) 127 93 661 62 628 97 943(1000) 97 2 8 9003 157 447 629 747 823 (600) 65 204312 71 653 638 47' 500) 732 876(3000) 2 0 5 223 334 486(500, 622 774£06(500) 66 2 06162 466 628 737 969 2 0 7123 237(3000) 69 635 637 75 766 71 91 863 2 0 8035 171 308 59 458 629 61 733 2 8 9102(3000) 469(1000) 618(3000) 93 636 48 93 701 15 841 993(3000) 21 0104 295 321 48 68 427 66 863 80 211251 451 68 645 746 899 2 1 2145 70 266 387 414 775 21 3191 260 82 336 531 683 783 21 4082 102 41 80 267 332 527 624 754 62(1000) 883 77 951 91 21 5211 45 670 713 27 91 889 932 47 21 6104 46 46 630 619 795 831 932 77 2 1 7050 126 210 19 427 98 99 623 63 631 808(1000) 21 8049(1000) 107 403 77 638 63 666 753 87 885 21 9111 234 49 636 825 22 0235 47 494 519 774 875 221094(1000) 116(1000) 202 34 429 62 670 86(1000) 735 2 2 2026 172 483 85 559 634 780 (500) 98 223013 93 162 396 629 63 771 961 224209 22 87 319 54 403 596 669(500) 79 701 82 892 2 2 5020 192 396 427 2 2 6222 24 460(500) 610 65 609 22 850 58 2 2 7024 67 607 34 55 673 789 862 945 49 2 2 8057 134 302 600 55 68 713 44 907 2 29121 29 632 769 954 89(500) 2 3 8015 96 293 323 469 686 612 783 811 231031 132(600) 84 285 343(500) 435 84 686 791 23 2017 270 622 59 84 721 925 233106 225(500) 498 605 27 603 806 Im Sewmnrad«»«blieben: 3 Prämien ju 300000 9)., 2 So nmmt ,u 100 000 50?, 2 ju 76 000 3J?., 2 ju 60000 50?.. 4 m 40000 91.. 8 zu 30000 9?., 24 ju 16000 9?., 36 iu 10000 TO, 110 iu 6000 R. 1418 ju 3000 TO, 2884 zu 1000 9?, 3940 U> 600 9?. Hr. 126. 36. Ichrgavg. 2. KeW des Jurniäris" Sttlintt WldsblR Zsmabrod, 24. JH« 1913. ße|)ördl!(l)er Kampf gegen HrNifer- Turnvereine. Der Turnverein„Fichte" hat in Verfolg der seltsamen Aufforderung des Oberbürgernicisters Mermuth, die wir am 1. Mai abgedruckt haben, das Provinzialschulkollegium um Erteilung der Unterrichtserlaubnisschciue an seine Turnwarte ersucht. Dieses hat das Gesuch jetzt mit folgendem merk- würdigen Schreiben abgelehnt: König l. Provinzial-Schulkollegium. Nr. III. 2714. Berlin W. 9, den 10. Mai 1913. Linkstr. 42. Auf die Eingabe vom 27. v. M. erwidern wir, daß dem An- trage auf Erteilung der Unterricktserlaubnisscheine an die genamnen Turnwarte nichl enlsprochen werden kann. Auch kann Turnlehrern, die den Unterrichtserlaubnisschein be- sitzen, die Genehmigung jjur Erteilung des Turnunterrichts im Turnverein Fichte nicht erteilt werden. Zacher. An den Vorsitzenden de? Turnvereins »Fichte" in Berlin, Herrn E. Gottschalk in Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 163. Warum wird der Erlaubnisschein nicht gewährt? Veo geblich sucht man in dem Schreiben des Provinzialschub kollegiums nach einem Grunde. Nach Artikel 22 der preuffb schcn Verfassung steht Unterricht zu erteilen und Unterrichts- anstalten zu gründen jedem frei, wenn er seine sittliche, wissenschaftliche und technische Befähigung nachgewiesen hat. Die in Frage kommenden Turnwarte sind sittlich, wissenschaftlich und technisch befähigt. Das stellt ja auch der ablehnende Be- scheid keineswegs in Abrede. Er erklärt vielmehr, daß selbst Turnlehrer, die den Unterrichtserlaubnisschein besitzen, inr Turnverein„Fichte" nicht unterrichten dürfen. Der Bescheid steht also im flagrantesten Widerspruch z u der Verfassung, zu deren Beobachtung auch die Mitglieder des Provinzialschulkollegiums durch ihren Eid verpflichtet sind. Es ist also vom Provinzialschulkollegium anerkannt, daß die Oualiftkation den Turnwarten zusteht. Der Erlaubnis- schein ist offenbar lediglich deshalb abgelehnt, um den äußeren Schein einer Berechtigung zur Entziehung der städtischen Schulturnhallen zu konstruieren. Durch ein solches Schein- manöver können jedoch keinerlei Rechte konstituiert werden. Das Provinzialschulkollegium hat offensichtlich Anstoß daran ge- nommen, frei zu erklären, daß es den Erlaubnisschein wegen der politischen Gesinnung der Turnwarte oder der Turner ablehnt. Es will im Sinne des Holle-Gehoimerlasses vom 7. August 1907 unter dem Vorwande seiner Aufsichtsspflicht zu genügen den Turnlehrern die Genehmigung versagen, weil sie oder ihre Schüler Sozial- demokratcn sind. Nach allgemeinen Rechtsregeln ist eine zum Schein abgegebene Erklärung nichtig. An ihre Stelle tritt die durch den Schein verdeckte Ansicht, hier also die tatsächliche Anerkennung, daß die Turn warte die Be- s ä h i g u n g zum Unterricht b c ßi y e n. Es fällt mit- ,.hm auch der äußere Vorwand zur Entziehung der städtischen .nkTurNhallen fort, die im Schreiben des Oberbürgermeisters «'böirt 4. Äpril 1918 eventuell zum 1. Juni angedroht war. Das moralische und politische Reinlichkeitsgefühl fordert dringend, daß nunmehr dem Turnverein„Fichte" gegenüber ausdrücklich die Verfügung des Oberbürgermeisters wieder aufgehoben wird. Hoffentlich geschieht das umgehend. Wie wir bereits am 1. d. Mts. darlegten, würde, auch wenn die Turnwarte des Vereins„Fichte" die Oualifikation zum Turnunterricht nicht besäßen, keinerlei Recht vorliegen, ihnen die städtischen, aus den Steuern der Allgemeinheit er- bauten Turnsäle zu verweigern. Denn die berüchtigte Kabinettsorder von 1834, auf die das Provinzialschulkollegium und der Oberbürgermeister aus Anlaß der veränderten Stellungnahme des Reichsgerichts sich stützen, bezieht sich nicht auf den Turn Unterricht, da dieser in jener Rcaktions- Periode als höchst staätsgefährlich verboten war und erst 1842 ohne Einschränkung erlaubt wurde. Ueberdies handelt es sich bei den Uebuiujen dcS Turnvereins„Fichte" nicht um Unterricht, sondern eben um U e b u n g e n. Sache des Magistrats und der Stadtverordneten wird es nunmehr sein, den Turnverein„Fichte" och Grund des§ 4 der Städtcordnung in seinem verfassungsmäßigen Recht auf Gleichberechtigung mit anderen Turnern zu unterstützen und ihm städtische Schulturnhallen oder andere Turnhallen zur Verfügung zu stellen._ Partei- �ngelegenkeiten. Wilmersdorf. Heute abend Sffz Uhr findet die Jubiläumsfeier im Vikloriagarien, Wilhelmsaue 114/113, bei freien: Eintritt statt. Programm: Chorgesang: Tord Foleson. Prolog. Festrede: ,30 Jahre deutsche Sozialdemokratie." Schriftsteller Max Grun- w a l d. Rezitation: Am Grabe Ferdinand LassallcS. Mitwirkende: Wilmersdorf et M ä nne rg e sangverein, Frl. Walli Kussel. Lichtenberg. Zu einer wichtigen Vorbesprechung treffen sich die Delegierten Lichtenbergs am Sonntag, den 25. d. M., vormittags Uhr, im Cafe Bellevue, Hauptstraße. Muhlcubcck, Bezirk Nieder-Scbönhauscn. Die am 25. Mai fällige Mitgliedervetsammlung des Wahlvereins fällt aus. Dieselbe findel erst am 15. Juni statt._ ßerliner Nachrichten. CClablniänner- Stichwahlen. Gestern wurden in Berlin und in Neukölln die Wahl- Männer- Stichwahlen vollzogen. Von Bedeutung für unsere Partei waren die Stichwahlen im 8., 10. und 12. Landtags- Wahlbezirk. Da vorzugsweise in der 1. und 2. Abteilung Stichwahlen zu vollziehen waren, so war vorauszusehen� daß wir in diesen Abteilungen und bei der Struktur der Wahl- bezirke auf wesentliche Erfolge nicht mehr rechnen konnten. Im 8. Landtagswahlbezirk wurde ein sozialdemokratischer Wahlmann und 27 Liberale gewählt. Der Freisinn ist mit 43 Wahlmänncrstimmen unseren Genossen voraus. Im 10. Landtaaswahlbczirk erhielten unsere Genossen in der 1. und 2. Abteilung zwei Wahlmännermandate, während 21 an den Freisinn fielen, so daß derselbe jetzt mit etwa 30 Wahlmännerstimmen unseren Genossen voraus ist. Heiß war der Kampf im 12. Landtagswahlbezirk. Hier waren 213 Stichwahlen zu vollziehen, an denen unsere Partei in 103 Fällen beteiligt war: teils standen unsere Wahlmänner mit den Konservativen, teils mit den Nationalliberalcn, teils ünit den Freisinnigen in Stichwahl. Die Abstimmung in den einzelnen Abteilungen des XII. Landtagswahlbezirkes zeigt folgendes Bild: 1. Zlbtcilung. 40 Stichwahlen mit 72 Wahlmännern. Wir waren an 7 Stich Wahlen beteiligt. Es erhielten: Sozialdemokraten 3 Wahlmänner Freisinnige 59„ Konservative 4. 3 Stichwahlen mit 6 Wahlmännern kamen nicht zustande. 2. Abteilung. 53 Stichwahlen mit 91 Wahlmännern. Wir waren an 22 Stichwahlen beteiligt. Es erhielten: Sozialdemokraten 4 Wahlmänner Freisinnige 75» Konservative 8„ Nationalliberqle 2, 1 Stichwahl mit 2 Wablmänncrn kam nicht zustande. 3. Abteilung. 26 Stichwahlen mit 49 Wahlmännern. Wir wären an 25 Stich- wählen beteiligt. Es erhielten: Sozialdemokraten 2 Wahlmänner Freisinnig- 40 Konservative 7 Gesamtresultat: Hauptwahl Stichwahl JnSgef. Sozialdemokraten... 326 Freisinnige..... 163 Konservative..... 22 Nationalliberale... 15 Wild....... 4 Ausgefallen..... 4 Der Kreis hat 746 Wahltnänn-r. 9 174 19 333 337 4l 17 4 12 lÜT Tic gestrigen Stichwahlen in Neukölln brachten der Sozialdemokratie einen weiteren Zuwachs von 44 Wahlmännern, nämlich in der I. Klasse 22 und in der II. Klasse 22. Von insgesamt 1372 zu wählenden Wahl- Männern sind nunmehr im Landtagswahlbezirk Neukölln- Schöneberg 807 sozialdemokratische gewählt worden. In Pankow eroberten unsere Genossen bei den gestrigen Landtags- stichwahlen noch 13 Sitze, so daß Pankow insgesamt 73 sozial- demokratische Wahlmänner stellt. Die Aufforderung in der Vorortzeitung,„unter keinen Umständen den Sozialdemokraten die Stimme zu geben", war ein unanständiges Wahlmanöver, das Ztational liberale entgegen der freisinnigen Parole ausgegeben hatten. Da erst bei der Wahl der WaHlinänner erster Klasse dieser Trick erkannt wurde, befolgten die frei sinnigen Wähler nur bei der Wahl der Wahlniänner erster Abteilung die freisinnige Parteiparole, fielen aber bei der. Wahl für die zweite und dritte Abteilung auf die nationalliberale Parole, die sie Kr eine vom Freisinn ausgehende hielten, herein und wählten zum größten Teil konservativ. Im Wahllokal. Wenn man acht Stunden am Wahltischc sitzt, kann man recht interessante Studien machen. Da ist zunächst der Wahlvorstand. Fast durchgängig Rentiers, Lehrer, Geschäftsleute sind- es, die hinter dem Wahltisch thronen und der Dinge harren, die kommen sollen. Nur selten gerät zwischen die freisinnigen oder konservativen Herrschaften ein Sozi dazwischen: nur da, wo man nicht weiß, wo die Beisitzer herzubekommen sind, werden auch Note ersucht, dem Wahlvorstand beizutreten. Der Wahlakt beginnt. Da kommen sie nun langsam an, die Wähler, in der ersten Abteilung in jeder Viertelstunde einer. Bald ist die Wahlstunde vorbei, zwei Stimmen haben die Liberalen, zwei Stimmen die Konservativen. Der liberale Wahlmannskandidat findet den Weg ins Wahl- lokal nicht, dafür rettet im letzten Augenblick ein anderer Wähler sein Mandat. Ob der„pflichtbewußte" Wahlmann wohl zur Abgeordnetenwahl gehen wird? Aber auch ein konservativer Wahlmannskandidat bleibt zu Hause. Ändere dagegen treten selbstbewußt vor den Wahlvorsteher und nennen stolz und— jede Silbe ein Pfund schwer— ihren eigenen Namen. Und so konimen sie und gehen, die Wähler, die selbst- bewußten und die ängstlichen, die, nur irgend einem geheimen Kommando folgend, hier scheu wie vor dem Strafrichter er- scheinen. Man merkt es ihnen an. daß das Wählen ein gar schwer Geschäft ist. Lange suchen sie auf ihrem Zettel nach den richtigen Kandidaten, tun dann doch schließlich den der ersten Abteilung in der zweiten oder dritten zu nennen. Kurz nach einander nennen zwei Wähler hartnäckig die konser- vativen Abgeordneten kandidateu, die natürlich ebenso feierlich ins Protokoll eingetragen werden, wie der von einem Wähler trotz wiederholten Befragcns imnier wieder falsch ausgesprochene Name- eines sozialdemokratischen Wahlmannes, un- gültige Stimmen. Dann tritt kraft seines Amtes ein leibhaftiger Gendarm an den Wahltisch. Er wählt:„konservativ". Als ihm der Wahlvorsteher gutmütigerweise mitteilt, daß ein„HerrKouser- vativ" nicht in der Wählerliste steht, weiß er sich nicht zu helfen. Er wird hinausgeschickt, um sich zu unterrichten, kommt wieder und nennt selbstbewußt die beiden— liberalen Wahl- männcr. In einem anderen Wahlbezirk kandidiert in der dritten Abteilung ein braver Böttchcrmcistcr sowohl für die Konser- vativen wie für die Liberalen, er hat es keinem abschlagen mögen. Da er sich selber wählt, weiß man nicht, hat er nun konservativ oder liberal gestimmt. Aber es gibt dabei auch für uns angenehme Ent- täuschungcn. Da kommt ein Wähler, der seinem Beruf und seinem Anzug nach auf„liberal zu schätzen ist und wählt— sozialdemokratisch. Die Herren am Vorsrandstisch blicket! ein- ander an— Mindestens ebenso interessant als die Wähler, die kommen, sind die, so zu Hause bleiben. Man sieht sie zwar nicht, aber' man hört sie aus den leise geflüsterten Worten der Schlepper� beider Parteien:„verreist, auf dem Schlachthofe, muß dringend � zur Stadt, krank, unwohl, die Frau wills nicht, kommt gleich,' zieht sich schon an usw. Die ganze Misere der öffentlichen Stinunabgabe liegt in den Berichten, selbst, der sich schon zum Gange ankleidete, braucht länger als die Wahlhandlung dauerte---. Länger werden die Gesichter hier, länger da. wenn sich das Wahlglück wendet, denn die Wahlmannskandidatcn sitzen meist im Wahlvorstand oder an der Listenkontrollc. Dann flitzen die Boten der Parteien ein und aus und neugierig fragen die Herren vom Vorstaudstisch unsere Listenführer nach dem Ergebnis der anderen Bezirke, wissen sie doch, daß unser Wahlapparat schon gleich nach Schluß des Aktes einer Ab- teilung deren Resultat zusammengestellt hat. Vor dem Wahllokal patrouillieren die Zettelvcrteiler auf und ab. Wer kundigen?luges ist, sieht gleich, wo die ein- zelnen hingehören. Die Zettclvcrtcilcr stehen im Aeußern im Gegensatz zu den Wählern: die mit den herabgekommensten Kleidern verteilen für die bürgerlichen Parteien, während unsere Verteiler den besten Rock aus dem Schrank geholt haben. Für sie ist es Ehrendienst— für die anderen Brot. Auch das ist Agitation. Gar manch bürger- sicher Wähler hat aus den Figuren unserer Wahlhelfer mehr gelernt als aus den Flugblättern, gelernt von der auf- strebenden Kraft der modernen Arbeiterbewegung. Gc- lernt das Unrecht, diese aufsteigende Klasse zu Heloten und den reich gewordenen Halsabschneider zum Herrn des Staates zu machen. Auch ohne Mandatseroberungcn spricht so ein Tag im Wahlzimmer eine eindringliche Sprache. Zu recht tumultuarischcn Auftritten kam es am Donnerstag- abend gegen 8 ilhr vor dem Wahlbureau der Fortschrittlichen Volkspartei im 12. Landtagswahlbezirk in der Tnrmstratze Nr. 17. Es hatten sich über 200 Leute eingefunden, um sich zur Wahlhtlfc gegen Entgelt anzubieten. Da wurde die Mitteilung gemacht, daß keine Leute weiter gebraucht wurden. Die Anwesenden waren darüber sehr enttäuscht, weil sie auf Veranlassung eines Arbeits- Nachweises nach Moabit gegangen waren und sie machten ihrem Unmut in lauter Weise Lust. Die Erregung steigerte sich, weil dos Verlangen, wenigstens 20 Pfennige Fahrgeld zurückzuerstatten, ab- gelehnt wurde. Schließlich wurde Polizei herbeigeholt, welche den aufgeregten Leuten gut zuredete und dadurch erreichte, daß die Eni- täuschten bald ruhig nach Hause gingen. Den Schillerpark und seinen Erbauer, den Gartenarchitekten Friedrich Bauer aus Magdeburg, feiert Bürgermeister Dr. Reicke in dent sichtlichen Bestreben, die bekannten Angriffe gegen die städtische Parkverwaltung nochmals zu entkräften, in einem spaltenlangen Artikel der„Vossischen Zeitung". Es ist nicht uninteressant, wie Dr. Reicke seine Freude darüber ausspricht, daß hier mal ausnahmsweise der mit dem ersten Preise gekrönte Entwurf trotz aller Gegenströmungelt aus den Kreisen amtlicher(Kartenkünstler auch zur Ausführung gekommen sei. Herr Bauer habe vor der Berliner Kon- kurrenz Kr den Schillerpark nicht weniger als 31 Preise errungen, ohne daß ihm jemals Gelegenheit geboten wurde. einen Entwurf in die Wirklichkeit umzusetzen. Durch dieses „alte Schauspiel" hatten die Berliner Stadtväter kühn einen dicken Strich gemacht und die„Zünftigen", die auf den Auf- trag zur Ausführung eines ihrer eigenen Entwürfe sicher rechneten, übergangen.. So sei ein schöner Künsilertranm-zur heutigen Freude der Berliner Bevölkerung in Exfüllimg gegangen. Man erfährt weiter aus dem Artikel, daß an der den Schillerpark durchquerenden Barfnsstraße im nächsten Jahre ein„Kaffeehäuschen" errichtet werden soll. Gemeint ist wohl der noch gesperrte freie Platz dicht neben der Kalksteinterrasse. Ferner spricht Dr. Reicke den Wunsch aus, daß die Stadt beizeiten von der Seestraße her quer durch die dort vor den Park gelegenen, zurzeit noch benutzten Kirchhöfe eine Diagonalstraße nach dem südlichen Parkeingang legen möge. Inzwischen ist zur Freude der Jugend des Hoheit Nordens die Eröffnung des„Plantsch- beckens" erfolgt. Der Zuspruch der Kiuderwelt und der zuschauenden Erwachsenen am„Strand" ist, wie zu erwarten war, überaus groß.__ Hochzeitsferie«. Zu den Paradeferien treten nun auch die Hochzeitsferien. Der Kaiser hat angeordnet, daß am heutigen Tage in sämtlichen Schule» Berlins der Unterricht ausfällt. Da in den Ferienpläncn der Schul- Verwaltung weder Paradeferien noch Hochzeitsferien vorgesehen sind, kommen die Lehrpersoncn mit der Zeit in eine recht unangenehme Lage, da sie den ihnen vorgeschriebenen Lehrstoff um so rascher den Kindern einpauken müssen. Auch die Schulverwaltung, die über die Schulordnung zu wachen hat, dürfte von den öfteren plötzlichen Eingriffen von oben nicht besonders erbaut sein. Gerüsteinsturz in den Borsigwcrken. In der Borsigschen Fabrik in Tegel ist gestern vormittag ein Gerüst eingestürzt. Hierbei wurden sechs Arbeiter schwer verletzt- Die Firma Borsig läßt zurzeit in ihren Gebäuden umfangreiche Reparaturarbeiten vornehmen. So werden auch in der Gießerei Malerarbeiten ausgeführt, die einem auswärtigen Unternehmer über- tragen sind. Das Gerüst ist von einer Berliner Firma geliefert worden. Als gestern vormittag das Gerüst verschoben werden sollte, brach ein Rundholz des Hauptgerüstes, eine Anzahl von Brettern iel herunter und vier Anstreicher, die auf den Brettern standen, stürzten aus einer Höhe von zwölf Meter in die Tiefe. Die Arbeiter trugen sämtlich Arm- und Beinbrüche, Kopfverletzungen und auch innere Verletzungen davon. Sie wurden in das Paul- Gerhardt- Stift und in das Reinickendorfer Krankenhaus gebracht. Auch zwei Arbeiter der Borsigwerke, die zufällig bei dem Einsturz die Unfall- 'telle passierten, wurden durch herabfallende Bretter verletzt. Die Verwundeten, deren Verletzungen zum Teil so schwerer Art sind, daß sie längere Zeit im Krankenhause werden verbleiben müssen» änd die Anstreicher Anker, Löske, Jank, Licpke und die Arbeiter Brachlow und Zielske. Die Untersuchung ergab, daß der Einsturz dadurch verursacht worden ist, daß zu dem Gerüstbau ein morsches Rundholz verwendet wurde, das anscheinend durch Ueberlastung ge- brachen ist._ Förderung begabter Gemeindeschulkinder. Die Schuldeputation hatte vor einiger Zeit eine Kommission zur Beratung geeigneter Maßnahmen, durch welche begabten Ge- meindeschulkindern der U-bertritt in eine höhere Schule erleichtert werden kann, eingesetzt. Die Kommission sollte gleichzeitig die Frage der unterrichtlichen Fürsorge für hervorragend begabte Gemeindeschulknaben erörtern. Die Schuldeputation nahm in ihrer letzten Sitzung den Bericht der Kommission entgegen. Diese schlägt vor, für begabte Knaben der Gemeindeschulen, die aus der dritten Gemeindeschulklasse in die Quarta der Realschulen übertreten sollen, (n der vierten und dritten Klasse der Gemeindeschule ergänzenden Gruppenunterricht einzurichten. Dieser Unterricht soll wöchentlich 2 Stunden(Deutsch und Rechnen) umfassen. Um besonders begabten Gemeindeschulkindern einen späteren Eintritt in eine höhere Lehr- anstalt zu ermöglichen, bezw. ihnen durch Einführung in den Gebrauch der französischen Sprache für das Leben eine Förderung angedeihen zu lassen, wird empfohlen, zunächst versuchsweise an einigen Stellen fakultativen französischen Unterricht in wöchentlich i Stunden von der dritten Klasse ab einrichten zu lassen.— Die Borschläge fanden die Zustimmung der Deputation. I« eine Abteilung Soldaten hineingefahren. In der Skalitzer Straße ist ein Autoinobil in eine Abteilung Soldaten hineingefahren. Der Chauffeur Ludwig Lange wollte ein Arbeitssuhrwerk überholen, mußte dabei einem anderen Wagen ausweichen und geriet in eine Abteilung der Pionierversuchs- kompagnie. Der Pionier Haupt wurde zu Boden gerissen und erlitt eine Gehirnerschütterung. Lange schaffte den verunglückten«sol- baten in seinem Automobil nach der Kaserne. Schweinezählung in Berlin. Auf Beschluß des Bundesrats vom Li). April 1913 findet am 2. Juni d. I. eine Zwischenzählung der Schweine im Deutschen Reiche statt. Die Zählung beginnt ani genannten Tage früh und mutz an demselben Tage beendet sein. Dabei kommen für die Stadt Berlin folgende Bestimmungen zur Anwendung: 1. Das Amt des Zählers wird durch städtische Beamte im Auftrage des Berliner Magistrats ausgeübt. Der Zähler hat dafür zu sorgen, daß in seinem Zählbezirke die Schweinezählung vorschriftsmäßig, vollständig, wahrheitsgetreu und rechtzeitig ausgeführt wird. 2. Durch die Zählung soll der Schweincbestand einer jeden Haushaltung eines GeHöstes bezw. eines Hauses nebst zugchöri- gen Nebengebäuden in der Nacht vom 1. zum 2. Juni 1913 er- mittel! werden. 2. Am 2. Juni verkaufte Schweine sind beim Verkäufer, nicht � beim Käufer zu zählen. 4. Die bei Schlächtern und Händlern stehenden oder am Zähltage eintreffenden, zum Schlachten oder zum Verkaufe be. stimmten Schweine sind bei den Schlächtern usw. zu zählen, so- fern die Tiere nicht erst am Zähltage gekauft sind. 5. Die in der Nacht vom 1. zum 2. Juni mit der Eisenbahn beförderten Schweine sind auf dem Empfangsbahnhofe zu zählen. ' Die aus dem Auslande am Zählroge eingeführten Schweine sind auch zu zählen. 6. Zählkarten werden bei der bevorstehenden Zählung nicht � verwendet, vielmehr wird das Zählergebnis einer jeden Haus- Haltung mit Schweinen vom Zähler unmittelbar in die Zähl- bezirkslisie eingetragen. Es wird noch besonders bemerkt, daß die Zählung keinerlei Steusrzwscken dient, sondern lediglich die Förderung Wissenschaft- licher und gemeinnütziger Zwecke beabsichtigt. Bor den Augen der Braut erschösse«. Ein aufregendes Drama bat sich in der vergangenen Nacht in dem Hause Kastanien-Allee 87 abgespielt. Der 29 Jahre alte Schlosser Otto Bredall hatte Donnerstagabend den Besuch seiner Braut erhalten. B. ist längere Zeit ohne Stellung und er hatte seinen Angehörigen geschrieben, sie möchten ihm eine Geldsendung schicken, da er sonst bittere Not leiden müsse. Die Eltern weigerten sich aber, dem B. das ge- wünschte zu schicken. In der Verzweiflung jagte sich B. in der Nacht vor den Augen seiner Braut eine Kugel in die rechte Brust- seite und brach leblos zusammen. Sterbend wurde der Lebensmüde nach der Charite gebracht. Das Freibad am Müggelsee öffnet am Sonntag, den 25. b. M., morgens 6 Uhr, seine Pforten. Ter Gleichmütige. Wir erhalten folgende Zuschrift:„Draußen in meinem Land- Häuschen, so nah an Berlin und doch so fern von seinem Wettitadt- und Hochzeitstrubel, war mir der Gedanke„der Zar kommt", kaum bis ins Unterbewußtsein gedrungen. Da klingelts am Telephon, und ein großmächtiger Verlvandter, einer von denen, welchen man nichts abschlagen darf, fragt mich, ob ich von seinem Bau aus den Einzug mitansehen wollte. Also mache ich mich auf und suchte mir auf dem Baugerüst einen lustigen Platz aus, von dem ich die Linden weit überschauen konnte. Ter Farbenglanz nahm mich schnell ge- sangen und gespannt erwartete ich den Augenblick der Erfüllung, da Zar und Kaiser vorüberfahren sollten. Ter Augenblick kam, vorher angekündigt durch die Kommandoworte»nd das Präsentieren der Soldaten. Aber schnell Ivar er vorüber; ich hatte offenbar noch nicht genug genossen, denn ich wandte mich an einen Bauarbeiter neben mir mit der Frage, ob das schon alles gewesen wäre— wobei ich anscheinend dem Arbeiter bessere Beziehungen zu„oben" zutraute als mir. Dieser antwortete aber anders als ich erwartete: „Sehen Sie den Vogel dort auf dem Ast? Es ist ein Weibchen und auf seinem Nest; es brütet seine Jungen aus; jetzt sind sie schon ausgekrochen, aber die Alte paßt mächtig auf sie auf. lind auch beute hat das Tierchen seine Pflicht nicht versäumt. Sehen Sie sie jetzt?— Der Kops ist gerade nach dem Brandenburger Tor ge- richtet und glauben Sie, es hat seinen Kops auch nur ein Jdeechen nach links gedreht, als der Zug unter dem Lärm der Musikkapellen und dem„Hurra, hurra, hurra" der Regimenter passierte?— Kcene Spur!" Soweit mein Bauarbeiter: ich bot ihm winc Zigarre an upd fand, daß seine Erzählung auch eine Antwort war. Jedenfalls stieg ich von meinem hohen Ballone hinab und machte mich mit doppeltem Eifer an meine Arbeit." Gin portugiesischer Präsidentschaftskandidat als Freidenker in Berlin. Heute, den 24. Mai, abends 8.'i Uhr, wird im großen Saale bei Lipps, am Friedrichshain 16— 23, der Senator der portu- giesischen Republik Magalhaes Lima in einer DemonstrationSver- sammlung der gesamten Freidenker Berlins sprechen über..Unser Jahrhundert und seine Ideale". Lima hat in der jüngsten politischen Vergangenheit der Republik Portugal eine bedeutende Rolle gespielt und ist Präsidentschaftskandidat. Ter Vortrag ist eine Demonstry- tion für den im September d. I. stattfindenden internationalen Freidenkerkongreß in Lissabon. Ter Vortrag wird auch in deutscher Sprache stattfinden. Im Anschluß an den Vortrag Limas wird Stadtverordneter Adolf Hoffmann sprechen über„Preußen in der Welt voran". B erkoren. Ein organisierter Malergehilfc hat am 22. Mai am Engelufcr eine Brieftasche mit einigen Ansichtskarten und einem Schriftstück, welches dem Verlierer von Wert ist, verloren. Ter ehrliche Finder wird gebeten, dieselbe im Bureau der Maler, SQ., Melchiorstraße 28, abzugeben. Vorort- Nadmefoten* Neukölln. Mutter und Kind von einem Automobil überfahren und schwer verletzt. Ein bedauerlicher Slraßenunfall hat sich vorgestern abend gegen 6 Uhr auf dem Mariendorfer Weg zugetragen. Dort ging eine junge Frau mir ihrer dreijährigen Tochter spazieren. Plötzlich lief das Mädchen aus den Fahrdamm, auf dem in diesem Augenblick die Automobildroschke l A 3309 herannahte. Die Mutler versuchte die Kleine zurückzureißen. wobei Mutter und Kind von dem Kraft wagen umgerissen und überfahren wurden. Beide erlitten schwere innere und äußere Verletzungen und wurden in besinnungslosem Zustande nach dem Krankenhause in Buckow gebracht. Ter Zustand des Kindes erscheint hoffnungslos. Mariendorf. Aus der Gcmeindevertretersitzung. Zunächst lag der Per- tretung ein Antrag des Gemeindevertreters Schmidt auf Beschlutz eines Ortsstatuts vor. wonach die Zahl der Schöffen auf sechs— darunter ein besoldeter— und die der Gemeindevertreter auf 24 festgesetzt werden möge. In mehreren Sitzungen hat sich die Per- trctung bereits mit diser Sache beschäftigt und nur dadurch, daß in der letzten Sitzung zwei Vertreter fehlten, kam der Antrag zu Fall. Die heutige Sitzung, an welcher sämtliche Vertreter und Schöffen teilnahmen, ergab, daß der Absatz, welcher das Ortsstatut sofort in Kraft setzen soll, abgelehnt wurde; ein Ilnterantrag des Genossen Reichardt, dasselbe ab 1. April 1914 in Kraft treten zu lassen, ge- langte zur Annahme. Das ganze OrtSstatut wurde hieraus ge- nehmigt; auch die Einführung des kollegialischen Gemeindevor- standeS zum 1. April 1914 erhielt die Zustimmung.— Durch einen früheren Beschlutz hat die Gemeindevertretung ihren Beitritt zum Schutzverein der Berliner Bauintereisenten erklärt; Herr Schösse Pohmer teilte dazu mit. daß sowohl das Eintrittsgeld'als auch die Beitragssumme den doppelten Betrag ausmache, wie der in der Sitzung angegebene; er ersuche trotzdem, die Summe nachzubewilli- gen und den Beitritt aufrecht zu erhalten. Die Vertretung stimmte dem zu.— Genehmigt wurden u. a. 1112,04 M. als Nachbewilligung für die Aufnahme der Abwässer in die Berliner Druckrohre und 921 M. für Betriebskraft der Pumpstation.— Die Straße am neu- crbauten Feuerwehrdienstgebäude soll mit schwedischen Reihen- steinen gepflastert werden; von drei Firmen, welche Offerten dafür eingereicht haben, erhielt die Firma Spremberg als Mindest- fordernde mit 12470 M. den Zuschlag. Es folgte noch eine geheime Sitzung. Köpenick. In der Wahlvcrcinsvcrsamwluug erstattete zunächst Genosse Schubert den Bericht von der Maifeier. Obwohl man mit der Veranstaltung zufrieden._ hätte die Beteiligung der Genossen an derselben doch noch eine regere sein können. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Landtagswabl in unserem Ort. Allgemein wurde betont, daß in manchen Bezirken noch mehr hätte herausgeholt werden können. Zu berichten wäre noch. daß in Köpenick nicht 84, sondern 64 sozialdemo- Iratische Wahlmännsr gewählt wurden. Beantragt wurde, jetzt in eine rege Agitation einzutreten zwecks Gewinnung neuer Abonnenten für den„Vorwärts" und neuer Mitglieder für den Wahlverein. Am 13. Juli soll, wie im Vorjahre, wieder ein Volksfest im Müggelschloß veranstaltet werden. Aufgenommen wurden 11 neue Mitglieder. Genosse Wißler gab dann' noch den Bericht von der außerordentlichen Generalversammlung Groß-BcrlinS. In der darauf folgenden Diskussion stimmten sämtliche Redner darin überein, daß unter diesen Umständen die Kandidatur des Genossen Borchardt als Landtagsabgeordneter nicht auftechterhalten werden kann. Grünau. I» der Gemeiudcvertrctersitzung in sein Amt als Schöffe eingeführt. Schulsparkassenwesen durch Zuwendungen in Form vo die Einzahler und an den Rendantelt zu unterstützen, erledigt, daß nur den sparenden Schulkindern jährlich zwanzig Mark Ptämien bewilligt wurden. Die unentgeltliche Benutzung der beiden öffentlichen Flußbäder durch die Schulkinder verursachen der Gemeinde eine Ausgabe von 125 M. und zwar erhält der Pächter des Bades im Ort 100 M. und das Freibad 25 M. Die Karten werden demnächst durch den Rektor zur Verteilung ge- langen. Das aus dem Grundstück des jetzigen Gemeindeamtes ge» legene Abortgsbäude. das schon mehrere Jahre unbenutzt ist. soll zu einem Raum für eine Freibank umgebaut werden, die Arbeiten werden so gründlich ausgeführt, daß Bedenken gegen die Benutzung des Gebäudes für diesen Zweck von keiner Seite gemacht werden konnten. Die Kosten betragen 300 M. Genosse Mitzner ersuchte um Auskunft, wieweit die Vorarbeiten für den Bau einer Turnhalle, für welche bereits 30 000 M. in dem Voranschlage vorgesehen, gediehen sind. Der Gemeindevorsteber er- klärte, daß der Vertretung demnächst positive Vorschläge gemacht werden fallen. Wenn nicht besondere unvorhergesehene Schwierig« leiten entstehen, dürfte der Bau noch in diesem Jahre vollendet werden._ Hus aller Gleit. Die vornehme jVIördcnn. Man schreibt uns auS Posen: Frau Dr. Blume, die vornehme Gattenmörderin, ist dieser Tage aus dem Posener IlniersuchungSgefängniS nach dem Zentral- gefängniS in Wronk« übergeführt worden. Natürlich vollzog sich diese Ueberführung anders als bei gewöhnlichen Verbrechern. Frau Dr. Blume wurde nicht im grünen Gefängniswagen, sondern in einer eleganten Droschke nach dem Hauptbahnhofe gebracht. Ihr Transporteur war auch nicht ein uniformierter einfacher Gefängnisaufseher, sondern ein schneidiger besserer Beamter. Ebenso war Frau Blume in höchst moderner Toilette erschienen. Ihr im Gefängnis geborenes Kind, daS bisher beim Konsistorial- Präsident Balan untergebracht war, bekommt sie mit in das Ge- fängnis. Frau Dr. Blume wird im Gefängnisse in Wronke mit Anferiigung von Spitzen, natürlich nur feiner, beschäftigt und hofft auf ihre Begnadigung in etwa anderthalb bis zwei Jahren. Man vergleiche damit die Art, wie oft genug in Preußen sozial- demokratische Redakteure behandelt werden! Die Tchuld am Untergang der„Pangani". Am 28. Januar 1913 nachts 12'/« Uhr fand im englischen Kanal ein Zusammenstoß des französischen Dampfers„Phryle" mit dem der Seglerfirma Laeisz gehörenden„Pangani" statt, wobei dieses Segelschiff zum Sinken gebracht wurde. Von 34 Personen ertranken 30.— Das Hamburger Seeamt. das die Schuldfrage untersucht«, stellte fest, daß der Unfall von der Leitung des Dampfers „Phryle" verschuldet sei, weil der AuSguck nickt besetzt wurde zunächst Herr Quednow Ein Ersuchen deS Kreises, daS von Prämien an würde dahin war. und weil auf der Brücke eine so ungenügende Aufmerksamkeit geherrscht hat, daß man den„Pangani" erst im letzten Augenblicks bemerken konnte. Der Führung des„Pangani" treffe keinerlei Schuld._ Nach 15 Jahren freigesprochen. Von demselben Gerichlshofe. der ihn im Jahre 1897 in contumaciam zum Tode verurteilt hatte, ist ein Mörder namen» Tibuol Valofpi in Sarcassono freigesprochen worden. Valospi war semerzeit flüchsig geworden und hatte sich, von Gewissensbissen gc- trieben, nach 15 Jahren fteiwillig den Richtern gestellr. Ueber die Katastrophe des Dampfers„Senegal" veröffentlicht die„Daily Mail" folgenden telegrophischen Bericht auS Smyrna: Es bestätigt sich nunmehr, daß drei Männer und eine Frau dem SchiffSunglücke, soweit sich bis jetzt feststellen läßt, zum Opfer gefallen sind. Der französische Dampfer„Bruix" ist aus der Uusallstelle eingetroffen und seine Taucher suchen nach weiteren Leichen. Auf dem„Senegal" sind die Kabinen der Matrosen und Heizer sowie die Vorratsräume durch die Erplosion vollkommen zer- stört worden. Die abgeschlossenen Schotten leisteten glücklicherweise dem Wasser Widerstaud, sodaß es verhindert werden konnte, daß die Wassermosien in die anderen Teile des Schiffe? einzudringen vermochten. Die Rettung der Passagiere und der Mannschaften ist lediglich der Geistesgegenwart des Kapitäns zu ver- danken, der sich gerade auf der Kommandobrücke befand und daS Schiff direkt ans User steuerte und es auflansen ließ, als das Vorder« teil gerade zu sinken begann. Ofsiziere und Mannschaften zeigten bewundernswerte Kaltblütigkeit und taten alles, um eine Panik unter den Passagieren zu verhindern. Die Post konnte gerettet werden. Die Die Unfallstelle ist zirka 200 Meter von der von den Türken als gefährlich bezeichneten Zone entfernt. Das Leck hat eine Größe von zirka 25 Luadratmcler. Das Unglück scheint da« durch hervorgerufen zu sein, daß sich eine der Minen loS« gemacht hat._ Kleine Notizen. Unfall im Zirkus. Bei einer Vorstellung des Zirkus Busch in Wien ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Während der Vor« bereitung zur AusstattungSpantomims stürzte eine 3 Meter über der Manege hängende Eijenbrücke herunter. Von den in der Manege befindlichen Arbeitern wurde einer tödlich und zwei schwer verletzt. Vom Publikum wurden drei Personen, darunter eine Frau, verletzt. Unter den Zuschauern entstand eine große Panik. Die Vorstellung wurde abgebrocken. Zusmnmenslost mit einem Floß. Auf der Weichsel bei Warschau ließ ein Flußdampfer mit einem großen Holzfloß zusammen. DaS Floß wurde gänzlich zertrümmert, die Besatzung konnte gerettet werden. New Dorkcr Apachen. Vier Banditen fielen in New Jork einen Bankboten an, welcher 40 000 M. in einem Geldbeutel bei sich trug. Der Uebersallene versuchte, sich seiner Angreifer durch Revolver- schüsse zu erwehren, auch die Banditen schosien daraus auf den Kassen boten. Durch die Schüsse wurden Polizisten oukmerksom eilten herbei und eröffneten ihrerseits ebenfalls das Feuer auf die Banditen, welche fliehen und einen der Ihrigen auf dem Platze zurück« lassen mußten. Der Kassenbote liegt schöner verletzt danieder. Das Verbrechen des Hauptinauns Sauchez ist durch die. heutige Auffilchung des KopseS des ermordeten Jalon in Sanchez' Wohnung in der Kriegsschule definitiv festgestellt worden. Die Tat charakterisiert sich als Raubmord, der von Sanchez gemein« schastlich mit seiner Tochter begangen worden ist, mit der er ver- brccherische Beziehungen unterhielt. Beide sind der Ermordung weiterer Personen, darunter Sanchez eigener Frau sowie eines Kindes bezichtet. Grotz-Lichterfcldc. Der Arbeiter-Turnvecein Froh und Frei der« anstaltet am Sonntag auf semom Spielplatz in Lankwitz. Ziethen- Ecke Frabenstraße, ein Schauturnen zur Feier des ZV jährigen BundeSvestehenZ. Anfang 2 Uhr. Gäste herzlich willkonrmen. Köpenick. Die Turnstunde» des TurnnereinS Sich« finden vom 26. Mai ab aus dem Turnplatz am Elektrizitätswerk statt. Montag vo» : Alte Herren-Riege: Mittwoch und Freitag uon fliS--10 Uhr: Männer-Abteilung: Donnerstag von>/.S— 10 Uhr: Damen. Sanntag für alle Abteilungen: Saicle. Nowanies-Drewitz. Die Freie Turnerschast NowaweS-Drewitz ver, anstaltet am Sonntag, den 25. Mai, nachmittags um 2 Uhr. auf dem Turn« platz in der Berliner Strafte ein Sport- irnd Bolksfcft. bestehend in Fuß- und Faustball, Stafettenlauscu, Kinderspielen mit Daffclverteilung usw. Hierzu sind sämtliche Genossen sreundlichst eingeladen. Freirellgioic Geuietndc. Sonntag, den 25. Mai, vormiUagZ 0 U6r, Pappelallee 15—17, Rixdorf, Jdealpaslage, und Tegel. Schlieper» strafte 20: Freireligiöse Vorlesung.— BormitlagS 11 Uhr. Kleine Frank» furter Strafte 6: Vortrag von Herrn Dr. A. Bernstein:„Dissonanzen i» der Moral".— Damen und Herren als Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterdetasse der Metallarbeiter. iE..H. SN), Hamburg, l F i l i a l e Berlin S.) Sonntag, den 25. Mai, vormittags 10 Uhr. bei Piotrowsky. Berlichingsnstr, 14» Ber-ammlung. Tagesordnung; Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. Neuwahl der Ortsverwaltung.— F i l i a I e N e u t ö l l n. Heute Sonn- abend, den 24. Mai, abends Sfl, Uhr. bei Tabbert, Steinmetzstr. 114: Der- sammlung.— Filiale C h a r I o t t e n b ur g. Heute abend 8>/, Uhr, im BolkshauS. Rosinensir. 3: Mitgliederversammlung. Bericht von der Gencralversantmlung.— Filiale Tegel. Heute abend 8>/, Uhr, im Lokal von Sauer: Generalversammlung. Jugcndveranstaltunge». Neukölln. Arn Sonntag, den 25. Mai: Wanderung nach Davnsee— Psaueniniel— Dreilmdcn-Zehlendors. Fahrgeld 0,50 M. Abfahrt 7.10 Uhr vom Bahuboj Neukölln nach Wannlee. Kaulsdorf-Mablsdorf. Heute Sonnabend: Splelabend im Nestau» rant Bobeytin, Kaulsdors.— Am Sonntag.'Ifi Uhr, nach Pserdebucht. Treffpunkt für Kaulsdors am Gasometer, sür MahlSdorj Berliner Ecke Labu« Hos-Straße. fr&uen-J~eTe&hendc. Steglitz. Montag, de« 26. Mai. abends 81/, Uhr, bei Heizmarw. Florastr. 4.' Bortrag des Genossen Pieck über„Ferdinand Lassalle". ßricffcarten der Redaktion. K.(55. 58. 1 Am 1. Juni. 2. ZeugbauS: Wochentags, außex Sonnabend, von 10—4 Uhr. Sonntag« von 12— Z Uhr. Welche« wissenschaftliche Museum meinen Sic?— N. P. 112, Ist kaum anzunehmen. — K. K. 1V0. Em Anspruch Hestedt nicht.— M. 39. Nr. 32. Nein, sofern die Frau ein gesetzliches Recht zum Kslrenntleben hatte.— B. R. 475. Führen Sie Beschwerde beim Polizeipräsidium.— IOOO. 2k. 1. Keine. 2. Sofern die Mutter nicht Erbsalge nach dem jetzigen Gesetz wählt, diese die Hälfte, die Töchter die ander- Halste. 2. Hülste de« gesetz- lichen Erbanteil«.— K. D. 71. Ihre Darstellung reicht zum Nachweis des Betrage« nicht au».— K. K. 6. Ihre Angaben reichen nicht au«. Sie müssen noch angeben, ob und welche Entschädigung Sie erhalten. — 12. M. Soser» Ihr Verdienst auch jetzt nicht hoher ist, Halle» wir Sie nicht für zahlungspflichtig.— M. W. 400. Sie brauche» nicht« zu zahlen.— P. M. 70. Dazu find Sie nicht berechtigt. ■Li---'..-------, i,---- i ii—■!?■——«JLL--- Ii Es ist sehr einfach, MAQOI8 Suppen(Schutzmarke„Kreuzstern") zu kochen, weil man nur noch Wasser dazu braucht. Die Kochdauer ist aber nicht bei ollen 43 Sorten die gleiche. Auch sonst sind Kleinigkeiten bei der Zubereitung zu beachten. Deshalb koche man Maggi's Suppen genau nach der jedem Würfel beigegebenen Anweisung. Dann schmecken sie aber auch ganz vorzüglich und gerade so gut wie hausgemachte Suppen. Jackett-Anzüge Neue Moden. D Neue Stoffe. □ Neue Farben. Hervorragende Erzeugnisse unserer Kleiderwerke, Arbeitsteilung nach amerikanischem System. II- 30- 36.- 10.- 45.- 50- 60.- 30.- 35- [ Cutaway u. Westen Ri loi) Modernste Jünglings-Anzüge Entzückende Knaben- Anzüge Baer3ohn Kleiderwerke, Deutschlands größte Fabrik dieser Art. Sonntags nur von 8—10 geOflnef. Chaussee straße 29— 30 BERLIN Gr. Frankfurter Straße 20 Gegr. 1891 11 Brückenstraße 11 Schoneberg, Hauptstr. 10 Haupt• Katalog Nr. 47(Neueste Moden) kostenfrei. Sonntags nur von 8—10 geSlfnet« Zeotrailiausfflollierreoliejdeiiiuiij " 1.:\ene Frledrichwtp. 35 an bei Zenlial-Martthalle U.: Tarias.tr. 67. I. 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Frankfurter Str. 123| Neukölln, Berg-Str. 25-2« Qiauuee-Sirafte 114-115 I Chart. Wilmendoifentr. 44 13. Jerbandstag des Nerbatldes der SchlffsMUtrer. Am Donnerstag wurden die Verhandlungen bei der Beratung des Streikreglements fortgesetzt Angenommen wurde dazu ein Antrag Havolberg. daß die StreAunterstutzung und der cveir- ruelle Verdienst während eines Streiks den örtlichen beruflichen Verdienst nicht ubersteigen dürfen. Wmm beides zusammen den beruflichen Verdienst übersteigt, soll die Streikunterstützung um den überzähligen Betrag gekürzt werden. In einem Antrag Wellingdorf wird eine Erläuterung des Begriffs..Maßregelung" gefordert. Ter Antrag wird, gestellt, tveil Teilnehmer an den gewerkschaftlichen Unterrichtskursen in Berlin von ihren Arbeitgebern nicht wieder eingestellt wurden und der Zentralvorstand dies als Maßregelung ansah. Der Vertreter der Generaltommifsion, Genosse K n o l l, stellte fich auf den Stand, tunkt des VorstanN.s. Von anderer Seite wird verlangt, daß die Bewerber zur Teilnahme am Kursus sich vorher davon überzeugen, daß sie auch wieder eingestellt werden. Dem wird entgegengehalten, daß das, wie ein Fall bewiesen fjabe, auch keine sichere Gewähr für Wiedereinstellung fei. Der Antrag wird schließlich, nachdem der Borstand daraus hingewiesen hatte, daß er undurchführbar sei. zurückgezogen. Beschlosten wird noch, daß für in die Woche fallende Feierlage Streikunterstützung gezahlt wird. Bei der Beratung der allgemeinen Anträge wird beschlossen, daß die Beiträge an die Generalkommission von der Hauptkasse zu tragen find.— Ein Antrag Stettin, der sich mit den Maßregeln der Zentralwersttommiffion beschäftigt und mehr Freiheit in der Führung von Lohnbewegungen verlangt, ruft«ine lebhaste De- batte hervor. Er wird abgelehnt.— Die nächste Generalversammlung soll in Breslau stattfinden.— Ein Antrag, daß der Vor- stand ein Handbuch für Funktionäre herausgeben soll, wird an- genommen.— Weiter wird beschtogen, daß das geänderte Statut am 1. Juli d. I. in Kraft treten soll.— Es wird beantragt, bei künftigen Lohnbewegungen die Abschaffung de» eigenen Hand- Werkszeuges zu fordern, was angenommen wird. Die Wahlen ergaben, daß Allers zum Vorsitzenden, W i ch e r s zum Kassierer und Zieh! zum Schriftführer ein- stimmig wiedergewählt werden! ebenso die übrigen Vorstandsmit- glieder. Aller»-Hamburg und S ch m i d t. Rathenow werden als Delegierte zum Gewerkschaftskongreß und All er», zum inter, nationalen Holzarbeiterkongreß gewählt. Hum Sitz de» Ver- bandsausschuffeS wurde wiederum Kiel bestimmt. Nach einigen Schlußworten von Schmidt und S I l e r A wurde der Berbandstag mit einem Hoch auf den Verband der Schiffszimmerer geschloffen. So2ia!e9. Schulgeld und Fortbildungsschule. Ist Schulgeld für kommunale höhere Schule» und für kam- wunale Fortbildungsschulen eine öftentlich-rechtliche Gebühr? Ist das Berwaltungsstrcitverfahren gegen die Heranziehung gegeben? Beide Fragen waren am Dienstag vom QbcrverwaltungSgericht zu entscheiden. In bezug auf die Fortbildungsschulen stand weiter zur Eni». scheidung, ob von den Arbeitgebern für den Besuch der Fortbil- dungsschule durch ihre Lehrlinge Schulgeld(außer-Beiträgen" gemäß dem Gesetz vom 1. August 1SV9) erhoben werden kann. In dem Rechtsstreit, die Fortbildungsschule betreffend, han, delte es sich um folgendes: Die Gemeinde Bevensen(RegierurrgSbezirk Lüneburgs hatte mit Genehmigung des Kreisausschufle» festgelegt, daß von den Lehrherren für den Besuch der öffentlichen gewerblichen Fort, bildungSschuIe durch ihre Lehrlinge jährlich 3,50 M. Schulgeld zu erbeben sei. Der Schlvffermeister Lohmann und der Sattlermeister Behne, die zu dem Schulgeld herangezogen worden waren, klagten auf Freistellung. Der Bezirksausschuß zu Lüneburg wie» die Klage ab, indem er das Verwaltungsstreitverfahren gemäß§ 6g des Kommunalabgabengesetzes nicht für gegeben erachtete, weil das Schulgeld keine offentnch-rechtliche Gebühr gemäß§ 4 des Kom- munalabgabengesetzes sei. Der 8. Senat des Oberverwattungsgericht« legte, da die ver, schredenen Senate darüber streiten, ob da» Berwaltungsftreitver, fahren zulässig fei, diese Frage dem Plenum des Oberverwaltung»- gerichts vor. Das Plenum entschied, daß das Schulgeld eine öffentlich, rechtliche Gebühr sei und daß deshalb bei Hergnzsehung das Ver« waltungsstreitverfahre» gemäß§ SS des Kommunalabgabengesetzes zulässig sei. Der 8. Senat hatte nunmehr materiell Stellung zu nehmen. Er erkannte in der Fortbildungsschulsache au» Bevensen auf Frei- ftellung der beiden Handwerksmeister mit folgender Begründung: Nach dem Entscheid sei das BerwaltungSstreitverfahren ge- geben, weil es sich bei dem Fortmldungsschulgeld um eine ösfent, lichrechtliche Gebuhr gemäß h 4 des Kommunalabgabengesetzes bandele. Im Gegensatz zum Bezirksausschuß müsse also das Oberverwalwngsgericht materiell Stellung nehmen. Es entstebc dabei sür den Senat die Frage, ob hie Lehrherren zu Schulgeld für ihre Lehrlinge herangezogen werden könnten. Da» sei zu verneine«». Das Gesetz vom 1. August töstö bestimme allerdings. daß die Gemeinden befugt seien, zur Unterhaltung der gemäß S 120 der Gewerbeordnung errichteten kaufmännlschen und ge, werblichen Fortbildungsschulen pon den Arbeitgebern der Fort, e. � �.oit'VV■ ikggggapegg�.i..'. J i bildungsschüler Beiträge zu erheben. Diese Beiträge seien aber nicht gleichbedeutend mit Schulgeld, sondern etwas davon ganz Berschicdenes. Das Gesetz von 1909 habe auch nur die Beitrags- Pflicht zur Unterhaltung der Fortbildungsschulen regeln und auf di« Arbeitgeber beschränken wollen. Die Erhebung von Schul- geld sei davon nicht berührt. Sie sei daneben zulässig. Das Schulgeld könne aber nicht von den Arbeitgeber» erhoben werden, sondern nur von de» Lehrlingen selber-der von den Personen, die zu ihrem Uuterhalt verpflichtet sind. Da dies auf die Lehr- Herren nicht zutreffe, sp seien die beiden klagenden Lehrherren von dem Schulgeld freizustellen. 6encht9- Zeitung. Recht auf Pseudonym. Tie Berechtigung eines Schauspielers zur Führung eines Psrudonvms war gestern Gegenstand der Prüfung seitens der 4. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Ehr eck». Auf die Altklage der Führung eines falschen Namens hatte sich der Schauspieler Friedrich Diamant zu verantworten, der unter dem Künstlernamen Delius gegen- wärtig im Theater Königgrätzer Straße auftritt. Gegen die Be- Nutzung dieses Namens hatte sich der Geh. Rat Delius in Hannover beschwerdeführend an das zuständige Charlottenburger Poltzeiprä, sidium gewandt. Das Polizeipräsidium lehnte seinerseits Schritte ab, da eS eine uralte Tradition sei, daß Schauspieler Künstler- namen im künstlerischen Perkehr annehmen und deshalb kein öffentliches Interesse vorliege, privatrechtliche Interessen aber auf Grunh des§ 12 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu verfolgen seien. Die hierauf angerufene Staatsanwaltschaft erhob Anklage, da fest, stand, daß sich der Angeklagte auch außerhalb der engeren Grenzen künstlerischer Kreise„Delius" nennen ließ. So wurde das Schöffengericht mit der Angelegenheit beschäftigt. Das Gericht erster Instanz kam zur Freisprechung des Angeklagten. Der Staatsanwalt legte Berufung ein und beantragte gestern 20 M. Geldstrafe gegen den Angeklagten und zwar auf Grund der Ka. binettSorder von 1816 und 1822. Ein von einem Künstler an- genommenes Pseudonym könne nicht ohne weiteres auf Kreise ausgedehnt werden, auf die sich das Pseudonym ursprünglich nicht bezog.— Rechtsanwalt Dr. Fabian beantragte dagegen, die Be- rufung des Staatsanwalt» zu verwerfen. Es handele sich hier um eine Prinzipienfrage, die für einen ganzen Stand von Be- deutung sei. Die ganze gebildete Welt gebe dem Schauspieler das Recht, unter einem fteigewählten Künstlernamen aufzutreten. Die Kabinettsorder von 1816 sei durch das Strafgesetzbuch auf- gehoben: die Kabinettsorder von 1822 aber könne keine Amvendung finde», denn wenn diese bestimme, daß zu einer Namensänderung die landesherrliche Genehmigung.notwendig sei, so sei dabei an die Absicht gedacht, beständig einen anderen Namen zu führen und diesen auch nicht nur im künstlerischen und persönlichen Berkehr, sondern auch in rechtlichen Angelegenheiten zu führen. Der«er, teidiger beantragte daher, nicht nur den Angeklagten freizusprechen, souder» auch die demselben erwachsenen notwendigen Auslage« der Staatskasse zur Last zu lege». Die Strafkammer sah in Uebereinftimmung mit dem«er, teidiger ein« unbefugte Namensänderung nicht für vorliegend an. Ali Schauspieler sei der Angeklagte auf Grund«ine» Jahrhundert alten Gewohnheitsrechts berechtigt� einen Künstlernamen zu führen Und diesen in allen künstlerischen Angelsgenhelten zu denutzen. Nun habe er ja diesen Künstlernamen auch im gesellschaftlichen Leben benutzt, aber die gesellschaftliche Sphäre sei von der künst- lerischen nicht zu trennen. In allen privatrechtlichen und ösfent- rechtlichen Angelegenheiten habe, der Angeklagt« seinen wirkltchen Namen benutzt und auch sein« Bühnenkontrakte unter fernem Rainen geschloffen. Die Kabinettsorder von 1816 sei nicht mehr in Geltung, die von 1822 sei nicht anwendbar. Das Gericht»er- warf demgemäß die Berufung pes Staatsantvalt« und legte samt, liche Soften beider Instanzen, einschließlich der dem Angellagten entstandenen notwendigen Auslagen, der Staatskasse zur Last. Ein Harmoniumtonzert im GerichtSfsal. Wie weit mitunter ein Gericht in der Heranziehung von Be- weismitteln gehen mutz, zeigte eine Verhandlung, die gestern unter Vorsitz de« Landgerichtsdirektors Dr. Ehrecke die 4. Straskqmmsr de« Landgerichts III beschäftigte.— Bekanntlich hat e» schon Wiederholt im Gerjchtssaal Grammophonkonzerte gegeben, wen» es sich UM die Nachprüfung bestimmter Grammophonplatten von feiten des Gerichts handelte. Ebenso war schon mehrfach ein Ge- richt gezwungen gewesen, die Verhandlung in einem in der Nahe des Gecichtsgebäüdes befindlichen Kinematographentheater fortzu- setzen, als der in dem Polizetpräsidium befindliche VorfijhrungS- räum noch nicht vorhanden war. Daß aber ein Gericht gezwungen war. um bestimmte Behauptungen eines Angeklagten nachprüfen zu können, in dem Gerichtssoal einen Kinderchor mit Harmonium- bcgleitung, sowie ein Biolinenduett mit Harmpniumbegieitung an? zuhören, hatte sich bisher wohl noch nicht zugetragen. Diese; Fall ereignete sich gestern vor der obengenannten Strafkammer. Es n\...... mi....i.jim i, i, j11 i.„Ii ,i.,u, ZmL1-]!«■- handelte sich um einen armen Familienvater, der sich schlecht und recht mit feinen sechs Kindern durchs Leben schlagen muh, namens Johannes Stoevpsand. Ter Angeklagte war vom Schöffengericht Wedding wegen unerlaubten Musizieren-; auf Grund des fj 33h der Gewerbeordnung in die geringste zulässige Geldstrafe von 1 M. genommen worden und hatte gegen dieses Urteil Berufung einge- legt. Er behauptete, daß er seine musikalischen Leistungen ohne besondere polizeiliche Genehmigung öffentlich zu Kehör bringen dürfe, da ein höheres Kunstinteresse dabei obwalte. Wie der An, geklagte vor Gericht mitteilt, verteile er in den Häusern Schriften religiösen Inhalts und ftage dabei gleichzeitig bei den Hausbe, sitzen« an, ob sie es gestatten, daß er am Sonntagworgen auf dem Hofe religiöse Lieder«nit Harmoniumbegleitung von ihm und leinen drei Kindern zu Gehör bringen dürfe. Er habe mehrere. wohlgesinnte Häuser im Norden Berlins, in welchen ihm dies ohne weiteres gestattet werde, da es in�der heutigen gottlosen Zeit immer noch Menschen gebe, die sich am Sonntagmorgen durch den Vortrag der von frischen Kindersti>nmen gesungenen Liedern erbauen lassen. Auf die Frage des Borsitzenden, ob er denn der Meinung sei, daß bei seinen Darbietungen ein höheres Interesse der Kunst obwalte, erklärte der Angeklagte mit einem gewissen wehmütigen Stolz, daß sein Vater königlich preußischer Militärkapellmeister gewesen sei und er sowohl wie seine Kinder das musikalische Talent ererbt hätten. Der Angeklagte zog nun sein Harmonium in den Gericht», saal hinein, seine drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen, im Alter von 10— 12 Jahre», gruppierten sich um das Instrument und bald erschallte, von den feierlichen Harmoniumklängen begleitet, der an dieser Stätte eigenartig klingeitde Choral:„Warum sollt ich meinein Gott nicht singen?" Ein wirklich feierlicher Ernst be- herrschte in diesem Augenblick die Szene. Als zweite„Pieee" folgte Bachs Präludium, von dem Angeklagten und seinem lljährige» Sohne auf der Violine vorgetragen und von der 12jährigen Tochter auf dem Harmonium begleitet. Das Gericht kam zu der Ansicht, daß die Leistungen des Auge, klagten zwar als gut zu bezeichnen sind, daß aber ein.höhere» Kunstinteresse" im Sinne des Gesetzes nicht vorliege. Die Be, rufung wurde verworfen, so daß der Angeklagte auch noch die be« trächtlichen Kosten dieser Verhandlung zu tragen hat. Zum Prpzeß her Stadtgemeinde Berlin gegen Ravene wird uns zu dem Bericht über die Reichsgerichtsverhandlung vom 20. Mai d. I. mitgeteilt, daß in dem ersten Rechtsstreit betreffend die Enteignungsentschädigung für die Grundstücke Wallstraße 92 und 93 nicht nur auf die Revision der Stadtgemeinde Berlin, son» der» auch auf die Revision des Beklagten Ravene das Berufung», urteil aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Kammergericht zurückverwiesen war« den ist. Ein«efte; Jugcnderzieher. Bon der Strqstam«ner in Trier wurde dieser Tage ein Lehrer aus der Eiset wegen Sittlichkeitöverbrechen, begangen an seinen Schulkindern beiderlei Geschlechts, zu 3 Jahren Gefängnis der. urteilt. Der Staatsanwalt hatte sogar 3 Jahre Zuchthaus und tO Jahre Ehrvertust beantragt. Ter Fall verdient als treffliche Jllustpafton der berühmten preußischen Schulpolitik festaehalte» zu werden. Denn bereit» im Jahre 1900 war ei» Verfahren gegen thn eingeleitet worden. Es wurde aber eingestellt, weil namen t« lich ein Junge, an dem sich der Lehrer zuerst vergangen hatte, alles in Abrede stellte sind dem Lehrer, weil er als sehr fr»«» galt, seine Unschuldsbeteuerungen glaubte. Er war immer regelmäßig in dt« Kirche gegangen, kam seinen religiösen Berpslich. tungen nach und er wax daher bei seinem geistlichen Schulinspekto; deswegen sehr beliebt. Und. so konnte er an der ihm a«wew trauten Jugend sein Zerstörungswerk fortsetzen. In dem oben« erwähnten Jungen fand er ball» einen Gehilfen: dieser Bursche war unter dem Einfluß seines Verführers derartig verdorben, daß er schließlich»ine Gefahr für die weibliche Jugend wurde. Er vergewaltigte die Mädchen, wo er konnte. Schließlich nahm die Staatsanwaltschaft sich erneut der Sache an, und e» erfolgte seine Verhaftung. Auch in dieser Verhandlung legt« fich der An, geklagte aufs Leugnen und von den erschienenen 30 Zeugen mutzten alle vernommen«verde», obwohl sich mit jedem vernolnMMg« Zeuge«, die Schuld des Angeklagten häufte. Es war zum Teil erschütternd, wie die Kinder tränenden Auges ihre Aussage machten: es kamen Mädchen und Knaben, die inzwischen eideSfähig geworden waren, und unzeheuerliche Dinge aussagten. Die Zeit- trumspresse fand kein Wort der Kritik. Ihr paßt da» nicht i» ihren Kram,«im sv weniger, als neben dem Angeklagten die be- rüchtigte Schulpolitik der Zentrumspresse aus der Anklagebank satz. Wie nämlich festgestellt wurde, war der Lehrer mit den «llerdürstigften Zeugnissen vom Seminar entlassen worden; zwei, mal war er„och nachträglich dupch die Prüfung durchgerapelf; »;«var aber nicht nur geistig sondern auch körperlich durchau» minderwertig. Aber— er tpar fromm, ging viel in di« Kirch« und das wax schlietzlich die Hauptsache. Und wenn auf diese Weise die Jugend eines ganzen Dorfes verdorben«vorden«st, dann trägt ein gut Teil der Schuld eben die von Pfaffen«md Junkern pt, trieben« Schulpolitik, die nickt den Hauptwert aus geistige und körperliche Tüchtigkeit leg», sondern in erster Linie aus GesinnungS. tüchtigkeit. Sehr fromm und gut patriotisch, da» ist die Losung der Junker i;nd Pfaffen. Unter einer vennhistigen Schulpolitik pnd bor allem unter Aufsicht von wirklich tüchttgen SchulnZpek. toren wäre e« zwetfellos unmöglich, daß ein Lehre; jahrelang sein Unwesen treiben konnte, ohne daß die Sache rvusfchm, ■! i1.. assss�mm iij>,>-B Niederlaeeungen: Magdeburg< Halte, Poecn> Daiuift. Kftnlgtberg Man adUe genau auf die alte Stffler-Fbroa. kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz gewesene Jacketfanzüge, Rockanzüge, Paletots, größtenteils auf Seide gearbeitet, von 9— 18 M. Ferner Gelegenheitskäufe in neuer Maßgarderobe enorm billig. 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Für die Errichtung der zweiten GcmeindefluLbadeanstalt lag ein Projekt vor, welches einen Kosten- aufwand von 4000� M. erfordert. Die Anstalt wird errichtet auf einem Platz am Sprceufer, der von der A. E. G. aus dem von ihr ncuerworbenen Terrain zu diesem Zwecke widerruflich zur Verfügung gestellt ist. Da von der Direktion dieses Werkes noch Einwendungen gegen das Projekt erhoben werden, wurde die Sache an die Baukommission zurückverwiesen, jedoch soll die Eröffnung der Anstalt in kürzester Zeit erfolgen. Für den dringenden Neu- bau der 5. Gemeindeschule ist nun endlich die Beschaffung der Anleihcmittcl gelungen; die Ausführung der Arbeiten erfolgt der- gestalt, daß dieselben in Einzellosen zur Vergebung gelangen und unter spezieller Aufsicht eines von der Gemeinde eigens zu diesem Zwecke bestellten Bauführers hergestellt werden. Ein recht eigen- artiges Ergebnis zeitigte die Beschlußfassung über die Vergebung der Pflasterarbeiten für die Verbreiterung der Wilhelminenhof- straße. Die Forderungen der Submittenten gingen beinahe bis 1(X> Proz. auseinander; der Antrag, dem Billigsten den Zuschlag zu erteilen, stieß aus den Widerstand unserer Fraktion. Genosse M u t h machte geltend, daß der Unternehmer möglicherweise sich an den Arbeiterlöhnen schadlos halten werde, und beantrage daher, daß dem Unternehmer die Zahlung t'arislicher Löhne vorgeschrieben werde. Dieses Vorgehen unserer Fraktion— in Verbindung mit der Tatsache, daß mehrere Vertreter der zweiten Klasse aus dem Grunde gegen die Verstellung dieser Arbeiten stimmten, weil nach ihrer Meinung der Kostcnbeitrag der Gemeinde ein zu hoher sei— bewirkte die Ablehnung der Vorlage. Be- harren die Vertreter der zweiten Klasse auf ihrem istandpunkt, so kann sich eine Majorität nur finden, wenn dem Antrag der Sozialdemokraten stattgegeben wird. Die Anträge unserer Frak- tion auf Abänderung der Friedhofsordnung wurden einer bc- sonderen Kommission überwiesen, nachdem Genosse Schwarz- b u r g e r den Versuch zurückgewiesen, die Friedhosskommission da- mit zu betrauen, in der neben Pastoren der Bürgermeister, die Schössen und Vertreter der ersten Klasse vertreten seien, aber nicht die dritte Klasse. Eine heftige Debatte rief die Wahl der Armenkommissionen hervor. Die sozialdemokratische �Fraktion ließ durch den Genossen Muth erklären, daß sie unbedingt auf Annahme der von ihr gemachten Vorschläge bestehen müsse, was in der Vorlage sonderbarerweise nicht berücksichtigt sei; es müsse der Armenkommission auch das Recht bestritten werden, in eingehende Prüfung der von den Fraktionen in wohlbedachter Ver- antwortung gemachten Vorschläge einzutreten. Seine Feststellung, daß bürgerlichen Mitgliedern dieser Kommissionen vielfach das Verständnis für die Notlage der Armen fehle, brachte verschiedene Herren auf die Beine; eine ungehörige Bemerkung des Herrn Baron von dcr Ropp über unsere Vertreter wurde vom Ge- nassen Schwarzburger gebührend zurückgewiesen. Die Beschlutz- fassung wurde schließlich vertagt. In der Frage der Aenderung der Organisation der armenärztlichen Tätigkeit vertrat Genosse G r u n o w die Auffassung der sozialdemokratischen Fraktion, wo- nach die Einführung der freien Arztwahl gefordert werden müsse; der Widerstand.der Aerzte in dieser Frage sei im Hinblick auf ihre sonstige Agitation für diese Form wenig verständlich. Was die in Aussicht genommene Anstellung eines Arztes anbetreffe, der auch zugleich als Schularzt tätig sein solle, sei wohl als sicher anzu- nehmen, daß derselbe überbürdet werde, wenn er seine Aufgabe ernst nehme. Die Angelegenheit wurde bis Oktober lSl4 vertagt. Der miserable Zustand der Straße vor dem Krankenhause soll durch Herstellung einer 8 Meter breiten Reihenstcinstraße abgeändert werden. Zum Verbandstage der preußischen Landgemeinden wur- den die Vertreter Kupfer und Grunow und der Gemeindevorsteher delegiert. Als Berufs- und Armcnamtsvormund wurde Herr H a n d t k c gewählt Tempelhos. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurde über den Bei- tritt zum Schutzverein der Berliner Bauinteressenten, der bestrebt ist, die Handwerker von den Bauleitungen von Schwindelbauten zu schützen, verhandelt. Wohl seien, wie zum Ausdruck kam, von Amts wegen bisher Untcrsagungsverfügungen erlassen worden, doch sei es an der Zeit, eventuell gegen Schwindelbauten vorzu- gehen.— An Stelle des in den Justizdienst zurücktretenden und zum 3t. Mai aus dem Gemeindedienst ausscheidenden Gerichts- assessors Dr. Hoffmann wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kaufmanns- und Gewcrbegerichts der Hierselbst informatorisch beschäftigte Herr Kerkow gewählt.— Eine Auseinandersetzung zwischen der sozialdemokratischen Frakfion und der bürgerlichen Mehrheit zeitigte die Geldbewilligung für Schülerwandcrungen. Von unseren Genossen wurde verlangt, daß bedeutend größere Summen bereitgestellt werden müßten, damit alle Kinder wäh- rcnd der Ferienzeit hinaus ins Freie geführt werden können; jetzt führte nur eine deschränkte Zahl auf Kosten der Gemeinde eine Spreewaldpartic mit dem bürgerlichen Turnverein aus. Eine er- regte Debatte rief der Punkt: Bewilligung von Mitteln aus Anlaß des Regierungsjubiläums hervor. Beantragt wurde aus diesem Grunde eine„Kaiser-Wilhelmstiftung" zu machen. Die Gemeinde gibt 25 000 M., die zu sozialen und gemeinnützigen Zwecken Ver- Wendung finden sollen, ohne sich über deren EinzelHeUen schlüssig zu sein. Ferner wird sich die Gemeinde der verloren gegangenen Dankespflicht an die Veteranen der drei letzten Kriege erinnern und dieselben dauernd ab 1. April vom Steuerzahlen befreien, doch müssen sie ein Einkommen von weniger als 1500 M. haben. Außerdem werden sich die patriotischen Bürger in einem Kommers wieder einmal begeistern; doch muß die Gemeinde die etwa 200 M. betragenden Kosten vorher bezahlt haben. Genosse Schmidt kenn- zeichnete die Anträge als„patriotischer Rummel", was ihm einen Ordnungsruf eintrug. Als Schmidt gar diese Art der sozialen Bc> tätigung als reinen Hohn bezeichnete, wurde ihm auf kurze Zeit das Wort entzogen. Eine Auskunft, wie viel Veteranen in den Genutz der Steuerfreiheit kommen, konnte nicht gegeben werden. Doch steht fest, daß bereits vor zwei Jahren von den hier an- sässigen 00 Veteranen 19 noch nicht ein Einkommen von 900 M. hahen. Nachdem Dr. Richter versucht hatte, den Schern eines patriotischen Rummels abzuwehren, wurde angedeutet, die Stiftung zur Bekämpfung der Tuberkulose zu verwenden. Der Antrag Schmidt, jedem bedürftigen Veteran 100 M. zu gewähren, soll aus die nächste Tagesordnung gesetzt werden. Wie wir bereits berichteten, beschäftigte sich die Vertretung nochmals mit der Gültigkeit der am 30. März erfolgten Wahl zur Gemeindevertretung. Bei dieser Wahl war ein Angesessener zu wählen. Genosse Ewald erwarb ein Zwanzigstel des Happeltschen Grundstücks. Die Auslassung erfolgte am 20., die Eintragung in das Grundbuch am 27. und die Wahl am 30. März. Aus der langen Debatte ist folgendes zu entnehmen: Der neue Syndikus iseyffarth ermittelte, daß zwar nach dem 8 �1 der Landgemeindeordnung E. die Angesessenenqualität habe, doch müsse die öffentlich- rechtliche Natur oes Vertrages bezweifelt werden. Nach dieser Richtung hin haben sich seine Ermittelungen bewegt.. Aus dem ganzen Kaufvertrag entnehme er, daß es sich nur um ein Schein- geschäft handele; aus diesem Grunde beantrage er die Ungültigkeit der Wahl. Die Kritik dieses Ermittelungsverfahrens und die Schilderung der örtlichen Verhältnisse veranlatzten Schmidt, den Syndikus in der heftigsten Weise anzugreifen. Schmidt warnte die Vertretung vor einer erneuten Blamage der Gemeinde; als er seine Auffassung in erbitterten Worten zum Ausdruck brachte, wurde ihm das Wort entzogen. Syndikus Seyffarth wies die Angriffe einer parteiischen Stellungnahme zurück und Bürgermeister Wiescner betonte, daß nur die Erörterung des Bestehens eines Wirtschaft- lichen Bandes in Betracht komme. Auch von Amts wegen sei die Gültigkeit der Wahl zu prüfen. Bedenklich sei der Kaufpreis. 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Die Freibadeaustalt in der Schöferstraße ist infolge der Umbauten und Erweiterungen noch immer nicht eröffnet, trotzdem der Unter- nehmer die Arbeiten bereits bis zum 16. Mai fertigstellen sollte. Es dürfte noch 3 bis 14 Tage dauern, bis das Männerbad gebrauche- fähig ist; die Arbeiten im Frauenbad sind ziemlich beendet. Gegen den früheren primitiven, unhygienischen Zustand hat sich die Bade- anstatt sehr vorteilhaft verändert. So ist insbesondere das Frauen- bad durch Hinzukauf einer größeren Fläche bedeutend erweitert worden. Durch Anschluß an die Kanalisation erhalten die neu» gebauten Klosetts Wasserspülung, eS wird dadurch der frühere jammervolle Zustand beseitigt. Der Badestrand hat auch durch Zuschüttung erneS Teils der Wasserfläche eine Erweiterung er- fahren. Die Arbeiten haben sich dadurch so verzögert, daß der zur Zuschüttung der tiefen Stellen des für Nichtschwimmer be- stimmten Teils der Wasserfläche verwendete Sand von der Strömung wieder weggespült wurde.'Durch Herstellung von gettennten massiven Ankleideräumen ist den Astlochguckern das Handwerk gelegt worden. Einen groben Mißstand weist jedoch die neu hergerichte'te Freibadeanstalt auf: es sind keine verschließbaren Ankleidezellen vor- gesehen. Es wird nun behauptet, dies sei deswegen geschehen, um dem Pächter der städtischen Flußbadeanstalt in der Wröhmänner- straße keine zu große Konkurrenz zu machen und weil die Freibade- anstalt eben nur für die arbeitende Bevölkerung bestimmt und so lange gut genug ist. Im übrigen genügen die beiden vorhandenen Flußbadeanstalten schon lange nicht mehr dem vorhandenen Bedürfnis. Die Bewohner der Wilhelmstadt petitionieren schon seiteiner langen Reihe von Jahren vergebens um Errichtung einer solchen für den dortigen Stadtteil. Noch dringender ist die Errichtung eines Freibades an der Bürgerablage. Bei warmer Witterung wandern insbesondere Sonntags dort Hunderte von Menschen hinaus, um an dem Havel- strand ein erfrischendes Bad zu nehmen. Viele' müssen dies mit einem Strafmandat büßen, denn die Spandauer Polizei bringt jeden dort Badenden unnachsichtlich zur Anzeige. Wer ungehindert baden will, muß schon über die Spandauer Grenze, die hinter der Bürger- ablage abschließt und durch größere aufgeworfene Erdhügel leicht erkenntlich ist, hinausgehen. sU Herren u. Damen arderobe auf Kredit! Herren-Anxttce, Herren-Paletot«, Knaben- AnBüfrc, Damen-Kostttme, ===== Damen- Hüntel, bei kleinster Anzahlung! Woohenrate| Mark Kottfauser Straße 16 Ecke Kottbnaer UrUcke— Xnr I. Etage. Bitte genau auf Finna und blaue Riesenschilder zu achten! Sonntags von 8— 10 Ehr geOftnet! Gebr. Lieber, Auwhnelden, mitbringen, Wert S Mark! FortBetznng: des Konkursmassen- taerkaufs der Firma Louis Heumark vorm. Gebr. 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