Nr. 187. Bbonntmcnfs-Bcdingungen: Ettonnemcrtt?- Preis pränumerando: Bicrtcliährl. 3�0 Mk., monatl. Z.lv wöchentlich 28 Pfg. frei ms HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nmnmer mit illustrierter Somitngs- Bellage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post. Monnemcnt: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Sumitnien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. vie Insettions-Ledilh? keträgt für di? sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Rauni M Pfg.. für politische und aewcrkschastlichc Verein-. und Versainmlungs-Anzcigcn L0 Pfg. „m-ÜK Htiztigen", das fettqedruikic Wort 20 Pfg.(zulässig Lfcttgedrucll- Worte), zedes weitere Wort ll> Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenaii'- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Psg. Worte über ISBuch. Itaben zählen für zwei Worte. Inserate ur die nächste Nummer niüsseil bis i Uhr nachiilittags. in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, kklchesiit tsgslch. Bevlmev VolksblÄkk. Zcntralorgan äer fozialdcmohrati fchcn Partei Deutfcbtands. Telegramm- Adresse: „SMiaiileinsv!» Rerlia", Redaktion: 8Rl. 68, Ltndenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8S. Bauernschaft und Militarismus. Weun man der konservativen Presse und den konser- vativen Rednern Glauben schenken darf, dann muß auch in der kleinen Landwirtschaft für alle Militärforderungcn eine besondere Begeisterung herrschen. Und die konservativ-land- wirtsbiindlerische Presse läßt es sich denn anch nicht nehmen, von Zeit zu Zeit Fälle von ganz außerordentlicher Opfer freudigkeit einzelner kleinen Landwirte für den Pkilitarismut zu erzählen. Hand in Hand damit geht dann die Behauptung, daß aus der Landwirtschaft nicht allein der größte Idealismus dem-Heerwesen von heute entgegengebracht wird, sondern daßwir auch noch immer aus den Kreisen der Landwirtschaft die größte Zahl unserer Rekruten erhalten. Gestützt wird diese letzte Behauptung vor allen Dingen auch durch die dem Reichstag alljährlich zugehenden amtlichen liebersichten über die Ergebnisse des Heeresergänzungsgc- schäftes. Danach waren von 292 loa Eingestellten im Jahre 1911 173 285 Mann auf dem Lande geboren und 118 879 stammten aus den Städten. Nun aber ist das Schema, das diesen Ermittelungen zugrunde gelegt wird, ein recht grobes: denn alle Gemeinden unter 2999 Einwohner werden als flaches Land angesehen und die in diesen Gemeinden ge borenen Eingestellten den Landbewohnern zugerechnet. Wie verkehrt eine solche Berechnung und Einteilung ist, darauf wurde schon vor einer Reihe von Jahren von hervorragenden Bolkswirtschaftlern, unter denen sich Lujo Brentano und Kuczinsky befinden, hingewiesen. Diese beiden Gelehrten zweifelten auch zuerst die noch allgemein geltende Anschauung von denk Ueberwicgen der militärischen Tauglichkeit der Land- bevölkerung an und sie verlangten, daß man den Beruf der Ausgehobenen feststellen sollte. Das wiirde am deutlichsten erkennen lassen, ob die industriellen und gewerblichen Berufe in der Tat bei der Rckrutenstellung so weit hinter dein Auf- gebot der Land- und Forstwirtschaft zurückblieben.— Als dann eine Erhebung iibcr die Herkunft der deutschen Unter- offizicrc und Soldaten am 1. Dezember 1996 bekannt wurde, da fanden jene Zweifel eine Bestätigung. Freilich, nach den einzelnen Aushebungsbezirken gegliedert, überwogen die sogenannten ländlichen Bezirke niit der Zahl der aus ihnen stainmenden Mannschaften über die Mannschaftsziffer jener Bezirke, die auch eine namhafte städtische Bevölkerung hatten. Aber dieses Bild, aus dem man sofort wieder eine körperliche Ueberlegcnheit der ländlichen Bevölkerung Uber die städtische und insbesondere über die großstädtische zu folgern bereit war, äiiderte sich, als man den Beruf der Soldaten feststellte. Diese Zusammenstellung ergab nämlich, daß von 698 995 Mann, die im Heer und bei der Marine in Betracht kamen, 451 369 oder 72,23 Proz. aus dem Bergbau, der Industrie, dem Handel oder anderen nichtlandwirtschaftlichen Berufen hervor- gegangen waren, während nur 157 545 oder 25,21 Proz. aus der Landwirtschaft stammten. Und selbst von den Plann- schaften, die in Gemeinden mit weniger als 2999 Einwohnern geboren waren, hatten nur III 514 oder 35,25 Proz. eine land- wirtschaftliche, dagegen aber 259 825 oder 62 Proz. eine nicht- landwirtschaftliche Tätigkeit beruflich ausgeübt. Doch mit diesem Ergebnis wollten sich die Verteidiger der besonderen Tauglichkeit„ländlicher" Gestellungspflichtiger nicht bc- scheiden und um ihre Behauptung zu retten, verlangten sie, man solle den Beruf des Vaters des Soldaten feststellen. Auch das geschah und ergab, daß von den Vätern von 624 861 Mannschaften nur 222 428 oder 35,69 Proz. einen landwirt- schaftlichen, 382 947 oder 61,14 Proz. aber einem anderen Berns nachgegangen waren.— An der Tatsache, daß von den Angehörigen nicht landwirtschaftlicher Berufe der Haupttcil unserer Rekruten gestellt wird, ist dann auch nicht mehr zu rütteln. Tic amtliche Uebersicht siir 1911 muß es selbst zu- geben: denn von 292155 Eingestellten waren nur 82 733 oder 28 Proz. in landwirtschaftlichen Berufen tätig gewesen. Aber ähnlich wie mit der Behauptung von den größeren persönlichen Opfern, welche die Landwirtschaft für den Militarismus zu bringen haben soll, steht es niit der, daß der Landwirt mit einem ganz besonderen Eifer sich für jede Heercsvermehrung begeistere. Dabei muß vor allen Dingen der gewaltige Unterschied, der auch hier zwischen den Interessen der Großlandwirtschaft und denjenigen der kleinen Landwirte besteht, in Betracht ge- zogen werden.. Ter ländliche Großgrundbesitzer, namentlich dann, wenn er zum Adel gehört, ist aus naheliegenden Gründen ein eifriger Verteidiger jeder Rüstnngsvermehrung. Nicht allein, daß die Söhne des ländlichen Adels die ihnen in erster Linie offengehaltenen Offiziersstellen vermehrt sehen. der Größgrundbesitzer selbst sieht als Lieferant von Getreide und Lebensniitteln, von Pferden und von Futtermitteln für das Heer seine Interessen stark anwachsen. Dazu komnit, daß ibn die indirekten Abgaben, aus denen bisher die Hauptkosten für die militärischen Rüstungen gedeckt wurden, nicht derart drücken wie den Kleinlandwirt, der zumeist noch einen Teil der landwirtschaftlichen Schutzzölle mit aufbringen muß. Für den kleinen Bauern fallen auch alle die anderen Vorteile fort, die der große Landwirt vom Heer und von den Rüstungen hat. Für Armee- und Marinelieferungen kommt der kleine Bauer nicht in Betracht, dagegen bringen ihm die Manöver mit den vielfach ungerechten Schadenabschätzungen für Flur- Verwüstungen schwere wirtschaftliche Nachteile. Dazu kommt dann noch, daß die Einziehung der Bauernsöhne für zwei und drei Jahre vielen und insbesondere den kleinsten Bauern zumeist eine so schwere Belastung ist, daß darunter besonders hochgestinunte Begeisterungsgefühle für den Militarismus nicht aufkommen können. Wie schwer der kleine Bauer gerade unter dieser Last des Militarismus leidet, das in wirksamer Weise darzulegen, hat bekanntlich vor einiger Zeit der frühere Zentrumsabgeordnete Dr. Heim versucht. Heim war fiir die Zentrumspartei immer ein Schreckenskind, er blieb es auch jetzt, als er im Gegensatz zu dem Bewilligungseifer des Zentrums eine un gemein interessante Gegenbemerkung in einer Broschüre: „Um der Gerechtigkeit willen" machte. Dabei stützte sich Heim auf die straffe Organisation der Baperischen Bauernvereine und auf die ihm bekannte innere Abneigung des Bauern gegen den militärischen Frondienst. Freilich versucht Heim der Sache dadurch eine harmlosere, weniger militärfcindliche Deutung zu geben, daß er die„Blutsteuer", der der Landwirt im besonderen Maße unterworfen sei. als berechtigten Anlaß dazu sieht, den Landwirt dasür bei der Besteuerung rücksichts voller zu behandeln. Aber in den Bauern selbst, die Heim die Angaben lieferten, muß ein tiefer Unwille gegen den heutigen Militarismus sitzen. Das ergibt sich vor allen Dingen auch aus einzelnen Schreiben, die von den Bauern an Heim ge richtet wurden.„Diese Briefe greifen ans Herz!" heißt es in der Bröschüre, die auch einige der niarkantesten dieser Zu- schriften enthält. Ter Kreis der Erhebungen erstreckte sich ans 3926 Ge- meinden von Oberbayern. Niederbayern, Oberpfalz, Ober- franken, Mittel- und Unterfrankcn und Schwaben.?lus 1457 Gemeinden liefen Antworten ein, die ergeben haben, daß 3 Familien je 9— 27 Soldaten stellten 8„„ 8= 64„ 37„„ 7— 259 1+2., 6= 852 .488„, 5= 2440 1165,„ 4= 4660 insgesamt 1843 Familien 8302 Soldaten stellten. Wie davon aber wiederum die kleineren Besitzer am härtesten getroffen wurden, läßt folgende Aufstellung ersehen bei der die Größe des Grundbesitzes im Gegensatz zu der ge� leisteten Blutstcucr gestellt ist. Es kommen auf einen Grundbesitz von mit 9, mit 8, mit 7, nnt 6, mit 5, mit 4 Soldaten 0-2 Hektar. 3-5.. 6-10.. 11-15.. 16-20.. 21-25,, 26-30.. 31 35, 4 36—40, 41-45,. 46-50,. darüber„» ohne Angabe. Zusammen Aber wie beträchtlich außerdem die Lasten sind, die den Soldatenfamilien noch durch die den eingezogenen Angehörigen zugewendeten Geld- und Naturalunterstützungen erwachsen, ist dadurch ersichtlich, daß von 1614Familien 2693816 Mark Zuschüsse geleistet wurden. Doch die Hauptbelastung durch den Militarismus erblickt der kleine Landwirt darin, daß ihm derselbe mit den Söhnen auch häufig die Arbeits- kräftc fortnimmt, die dann wieder durch frciude und zumeist teuere Hilfskräfte ersetzt werden müssen. Manche Familie wurde auch durch diese Lasten nicht nur schwer, sondern auch dauernd geschädigt und in ihrer wirtschaftlichen Existenzsicherheit bedroht.— Kann es da wundernehmen, wenn auch in der kleinbäuerlichen Bevölkerung vielfach eher alles andere als eine Begeisterung für den Militarismus und fiir die neuen Heeresvorlagcn vorhanden ist, nach deren Zustandekonunen die Lasten der Kleinbauern noch wachsen müssen? Wird man aber dieser begründeten Abneigung gegen den Militarismus dadurch gerecht, daß man— wie Heim— den Kleinbauern steuerliche Erleichterungen gewährt sehen möchte? Oder daß der Löhnungssatz um so höher sein soll, je größer die Zahl der aus eine? Familie dienenden Söhne ist? Oder aber, indem den kleinbäuerlichen Familien, denen durch den Entzug eines Sohnes die wirtschaftliche Existenz ge- fährdet wird, Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den wirtschaftlichen Untergang zu verhindern?— Alles das, was hier als eine Belastung des Bauern angeführt wird, gilt für die meisten Familien der nichtlandwirtschaftlichen Arbeiter- krcife, die durch die Entziehung ihrer Söhne zum Militarismus schwer geschädigt werden. Es kann sich also nicht darum handeln, einem besonderen Stand Erleichterungen von deni Druck dieser militärischen Lasten zu verschaffen, sondern dem ganzen Volk diese Plage zu erleichtern. Und da kommt neben der strikten Ablehnung jeder weiteren Militärforderung vor allem die Verkürzung der aktiven D i c n st z e i t in Betracht. Dafür hat auch der Bauernstand das weitestgehende Verständnis. Wer mit der bäuerlichen Bevölkerung zu tun hat, weiß, wke lebhaft man in diesen Kreisen jede Forderung nach einer Verkürzung der Dienstzeit begrüßt. Vor allem kommt das in dem Ver- langen der kleinbürgerlichen Bevölkerung nach einem möglichst langen Ernteurlaub der Soldaten, dann aber auch in der Expedition: SM. 68, Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1084. tiefen Feindschaft gegen die Einrichtung des Einjährig-Frei- willigcndienstes zum Ausdruck. Gerade diese letztere ist es, die den Bauern, dessen Söhne zumeist zwei bis drei Jahre dienen müssen, während die Söhne jener Leute, welche die Anghörigen nicht so dringend im Haus und Geschäft brauchen, nur ein Jahr zu dienen haben, häufig aufbegehren läßt. Beide Forderungen— zusammen zu der einen verbunden, die aktive Dienstzeit, unter Beseitigung aller Ausnahmen, auf ein Jahr festzusetzen— wurden aber bisher allein von der Sozialdemokratie erhoben und vertreten. Alle anderen Par- teien— auch das Zentrum, das die Heimschen Erhebungen und Veröffentlichungen beharrlich totgeschwiegen hat— sind gegen diese Forderungen. So wenig sie den Mut gefunden haben, sich überhaupt gegen die llebcrnahme der durch die neuen Rüstungsfordcrungen dem Volke auferlegten furcht- baren Opfer zu wehren, denken sie— wie die jüngsten Be- ratungen in der Budgetkommission beweisen— gar nicht an eine Verkürzung der Dienstzeit oder an die Aufhebung des Einjährigen-Freiwilligen-Vorrechts. Um so unerschrockener und zuversichtlicher kann die Sozialdemokratie den kommenden Dingen entgegensehen: denn wenn selbst der Bauernschaft durch diese Umstände klar- gemacht werden kann, daß sie in ihrem Bestreben, von den militärischen Belastungen erleichtert zu werden, allein durch die Sozialdemokratie unterstützt wird, dann bricht anch bald die letzte Stütze zusammen, auf die sich unsere Rüstimgs- fanätiker und-Hetzer heut noch glauben, stützen zu können. Und daß diese Stütze ininier morscher wird, dafür wird der Militarismus selbst am meisten sorgen.-"" Die liiilltärvoriage in der Budgetkoramiliion. In der Sonnabendsitzung wurde zunächst über die Stellung der Höberen Truppenbefehlshaber debattiert, speziell die Aufgaben und die Bedeutung der Armce-Jnspcktenre wurden einer Erörterung unter- zogen. Die Armee-Jnspekteure erhalten gleich dem kommandierenden General 13 980 M. Gehalt, 18 000 M. Dienstzulage. 180 M. Burcaugeld und freie Dienstwohnung nebst Geräteausftattnng und Feuerungsmaterial, wofür 1980 M. einbehalten werden. Ist eine Dienftivohnung nicht vorhanden, so erhält der Inspekteur 15 333 M. Mietsentschädigung.— Der Kriegsmini st er gab eingehende Auskunft über die Armee-Jnspekteure in zum Teil ver- traulichen Darlegungen. Zu einem amüsanten Zwischenfall führte die Forderung von vier Kavallerie-Brigadekonnnandanten. Abg. Erzberger meinte, da drei Kavallerieregimenter gesiricheu sind, seien nur drei Brigade- konlmandeure nötig, der K r i e g s m i n i st e r erklärt aber, i h m genügen schon zwei, falls der Abstrich aufrecht erhalten bleiben sollte. Er hoffe aber bestimmt, daß der Reichstag noch einen anderen Beschluß fassen werde. ES wurden zwei Kommandcure bewilligt. Die Verhandlungen über die Gouverneure und Kommandanten waren vertraulich. Unsere Genossen beantragten, den für Graudenz geforderten Gouverneur zu streichen: sie erhielten aber nur von den VolkSparteilern dafür Unterstützung. An neuen Offizieren werden fiir das preußische Herr verlangt: 8 Obersten, 437 Bataillonskommandeure, 584 Hanptleute und Ritt- meister und 1538 Leutnants. Die Volksparteiler beantragten, für den Stab eines jeden Infanterieregiments 1 Oberstleutnant, 2 Majore, 2 Hauptleute und 1 Oberleutnant zu bewilligen, alles andere zu streichen.— Das Zentrum wollte 1003 Leutnants streichen. Von den geforderten 8607 Unteroffizieren beantragte das Zentrum 1044 zu sireichen.— Die Sozialdemo- k r a t e n forderten, daß den Unteroffiziereu das Aufrücken in die Offizierstcllcn ermöglicht wird. Die Möglichkeit und Nützlichkeit einer solchen Maßregel wies Genosse No S ke eingehend nach. Sie würde der Versorgung der Unteroffiziere und auch dem Avancement der Offiziere dienen, und sei ein Schritt auf dem Wege, nnt dem heutigen System zu brechen.— Abg. Müller- Meiningen wünschte mit seinen Parteifreunden, daß die Hälfte der geforderten Leutnantsstellen durch gehobene Unteroffiziere,.Feldleutnants', be- setzt werden.— General Wandel betonte, daß die Uebungen der Reservisten und Landwehrleute in Zukunft in weit höherem Maße im Winter abgehalten werden, schon deshalb, weil fortan Kasernen und Truppenübungsplätze die Mayen der zu Hebungen gerufenen Mannschaften gar nicht aufnehmen könnten. Die Militärverwaltung könne sich nicht mit dem Gedanken befreunden, Unteroffiziere zu Offizieren aufrücken zu lassen. Die Beförderung würde zu U» zuträglichkeiten sowohl im Offiziers- wie Unteroffiziers- korps führen.— Abg. Basfermann wandte sich ebenfalls gegen die sozialdemokratische Forderung.— Abg. Li es ch in g sprach dafür.— Genosse S ü d e k u m betonte, die Militärverwaltung sträube sich nur deshalb, weil sie nicht wolle, baß auch aus den breiten Volksmaffen Leute Offiziere würden; das sei der wahre Grund. Die Militärborlage biete die beste Gelegenheit, solche Re- formen durchzuführen.— Genosse S ch ö p f l i n äußerte sich im gleichen Sinne.— Der sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt, ebenso der Autrag Müller- Meiniugen. Die von den VolkSparteilern beantragte Streichung von Offizieren wurde ebenfalls abgelehnt, Annahme fand da« gegen die vom Zentrum beantragte Streichung von 1008 Leutnants. Ebenso wurden nach dem Zentrumsantrage 1044 Unteroffiziere gestrichen. Hierauf wurden die Verhandlungen auf Montag vertagt. 2hinMche Anleihen. Die Zeichnung der chinesischen Anleihe Ivar nach den Berichten der MnaiizpreKc überall ein Bombenerfolg. Woher dieser heiße Wnkisch der Kapitalisten, sich einen Teil von einer Anleihe zu sichern, die bon der einzigen recht- mäßigen Autorität in China, dem Parlament, als gesctz- widrig bezeichnet worden ist, deren materielle Garantien, nach den Angaben des Prospektes zu urteilen, keineswegs sehr verlockend sind? Die Antwort ist, daß die Rechte der Besitzer dieser chinesischen Schuldscheine ausdrücklich von den Bajonetten und Klriegsschisfcn von fünf Großmächten garantiert sind. Wohl noch nie ist die Hilfe der Regierungen so offen und nachdrücklich von den internationalen Wucherern in Anspruch genommen worden, wie in diesen: heißen Kampfe um die finanzielle Unters ochnng der chinesischen Republik. Politische und Gcldsacknrotive sind in der Geschichte dieser chinesischen Anleihe so eng miteinander Verivoben, daß der einfache Mann kaum weiß, wer in diesem Geschäft eigentlich die Prinzipale sind, die Banken oder die Regierungen. Doch vielleicht das sonderbarste an dieser Anleihe ist die Tat- fache, daß die Kapitalisten eines Landes die Anleihe liefern, die von der Regierung sines anderen Landes mit all ihren Machtmitteln garantiert wird. Der japanische Anteil an der Fünfmächteanleihe wird zum Beispiel in Belgien gezeichnet, weil die Japaner selbst, nichts zu verleihen haben und froh sind, wenn man ihnen borgt. Japan trat mit Rußland erst in: Jahre 1911 in das Anleihekonsortiunr ein, als es seine Interessen in der Mandschurei durch eine Anleihe gefährdet glaubte, die die damals bestehende Viermächtegruppc der chinesischen Regierung gewähre» wollte und von der ein Teil zur Eutivickclung der Mandschurei verwendet werden sollte. Sollten nun die Chinese:: die Zinsen der von ihrem Parlament als ungesetzlich erklärten Anleihe nicht zahlen, sollten zum Beispiel in den: drohenden offenen Kampfe zivischen der Kuoiningtang. der siidchinesischcn republikanischen Partei und Juanschikai die Republikaner als Sieger hervorgehen, so werden japanische Bauern die Rechte belgischer Wucherer zu verteidigen haben! Die Finanz rechnet nicht mit den: Siege der Republikaner. Sie hat alles auf die Konterrevolution gesetzt. Schon einmal hat ihr diese Karte Glück gebracht: ivahrend der russischen Revolution, als sie durch ihre Anleihen den Zarisinus wieder in den Sattel half. Sie hat auf Juanschikai gclvettet, der für diese letzte Anleihe die Ver- antwortlichkeit übernommen hat. Dieser bereitet die Militär- diktatur vor. Schon hat er mehrere Revolutionäre unter nichtigen Vorlvänden hinrichten lassen; die Parlamentarier in Peking sind ihres Lebens nicht mehr sicher! Truppen werden zusammengezogen. Die Konterrevolution ist in China auf dem Marsch i das Geld des.Konsortiums kommt dem provisorischen Präsidenten der Republik gerade recht, um seine Truppen zu bezahlen und neue anzuwerben. Und sollte es mit dieser Spekulation dennoch schief gehen— nun so sind die fünf Militärmächte da, die beschlossen haben, die Finanzen Chinas auf ihre Weise vor dem Chaos zu bc- tvahrcn, und die auch nicht zögern ivcrdcn,„die Ruhe in China wieder herzustellen", sollte den: Juanschikai das Schick sal der Mandschudynastie drohen. Während sich der Eiser der investierenden Banken und Privatkapitalisten ans der Teilnahme der Regierungen an diesen: Unternehmen erklären läßt, bedarf die Zähigkeit, mit der die eigentlichen Macher ihr Ziel verfolgt haben, kaum einer längeren' Auseinandersetzung. Die Ziffern sprechen für sich. Der Nominalbetrag der Anleihe ist 25 Milliorten Pfund und der Zinsfuß 5 Prozent. Die die Anleihe vermittelnden Bankgruppcn in England, Frankreich. Deutsch- land und Belgien zahlen den Chinesen 84 Prozent, also 21 Millionen Pfund; dem investierenden Publikum überlassen sie die Anleihe großmütig für 22Vg Millionen Pfund. Mit einer Handbcwcgung streichen sie daher l'/s Millionen Pfund(30 Millionen Mark) ein. Ein lohnendes Geschäft! Man glaube jedoch nicht, daß die chinesische Regierung nun plötzlich 21 Millionen Pfund in die Hand bekommt. 12 Milli- oncn davon müssen sofort als fällige Schulden wieder an das Ausland abgeführt werden und 2 Millionen Pfund sind für die Reorganisierung der Salzsteuerverwaltung bestimmt. Von der großen Anleihe verbleiben China also nur 1 Millionen Pfund. Und damit soll das Werk der Reorganisation deS großen Reiches vollzogen werden! Es bedarf keiner besonderen Prophetengabe, um vorauszusagen, daß die Anleihe China immer weiter in den Sumpf ziehen wird, in dem die Türkei angelangt ist. Wie sich im Privatleben der Wucherer mit Vorliebe an einen jungen Menschen heran- inacht, dem große Erbschaften in Aussicht stehen, so macht sich die internationale Wuchcrgcsellschaft an kapitalistisch noch nicht entwickelte Länder heran, un: ihnen Geld aufzunötigen und nachher die Erbschaft anzutreten. Doch ist dieser Vergleich insofern nicht ganz zutreffend, als die Oeffentlichkeit dem privaten Wucherer die Kosten der Eintreibung der Schulden nicht bezahlt, während die internationalen Wucherer es als ihr Recht beanspruchen, daß die Völker mit ihrem Geld und Blut für die unlauteren Rechtsansprüche der Wucher- gefellschaft eintreten. Diese Rechtsansprüche werden dann zu Lebensintcrcssen der Nation umgedichtet. Noch vor wenigen Tagen mußte ein englisches Kriegs- schiff einer zentralamcrikanischen Republik die dräuenden Schlünde seiner Kanonen zeigen, um den kleinen Staat zur pünktlichen Zinsenzahlung zu mahnen. Die Gefahr einer durch die europäischen Finanzcliqnen hervorgerufenen Jnter- vention der Mächte in China scheint immer größer zu werden. Darauf deutet der immer mehr sich zuspitzende Gegensatz zwischen Jnanschikai und der Kuomingtang. Es scheint auch, daß der provisorische Präsident in seinem Bestreben, durch allerhand Kniffe den Schlingen des Fünfmächtekonsortiums zu entgehen, einen großen Wirrwarr erzeugt hat. So berichtet der gut informierte Pekinger Spezialkorrcspondent des„Daily Telegraph", daß die österreichische Regierung in bezug auf die geheimnisvolle österreichische Anleihe der chinesischen Re- gicrung ein Vorrecht ans die Salzsieucrerträge geltend machen könne, die nach den: Prospekt der großen Anleihe für diese letztere reserviert sein sollen. Der Korrespondent, der in den letzten Tagen die ans die österreichische Anleihe bezüglichen Dokumente eingesehen hat, gibt an, daß die Anleihe- Verträge auf die Namen deS Stabilcmcnto Tcenico Triestino und der Stettincr Vulkanwcrke lauten. Cr gibt der lieber- zeugung Ausdruck, daß die Gesandtschaften die Situation überhaupt nicht mehr verstehen und sich einfach vom Strome treiben lassen. Es ist somit keineswegs unwahrscheinlich, daß sich die Mächte demnächst anschicken werden, die Vormundschaft über China anzutreten. Man kennt diese Art Vor- mundschaft, bei der der Vormund zugleich sein eigener Richter ist und das Erbe seines Mündels unterschlägt. politilcbe(leberlickt. Aus Not vernünftig? Don verschiedenen Seiten kommen Meldungen, daß die Vorschläge der clsaß-lothringischcn Regierung zur Verschärfung des Vcreinsgcsetzes in b u n d c s r ä t l i ch c n Kreisen schweren Bedenken begegnen. In der Tat ist bei den Ausnahmeplänen das das unbegreiflichste, daß die Regierung sich nicht selbst gesagt hatte, daß für die Verwirklichung aber auch gar keine Aussicht besteht. Denn daß das Zentrum, um alldeutschen Narreteien willfährig zu sein seinen politischen Einfluß im Elsaß selbst vernichten würde, ist Wohl ausgeschlossen. Wenn also die Vorlage schon iin Bundesrat scheiterte, ivürdc sich die Regierung die sichere Niederlage im Reichstag ersparen. Man hat ja überhaupt den Eindruck, daß diese Vorlagen der Regierung von außen aufgedrängt worden sind, um aus jener be- rühniten Scherbenrcde doch wenigstens eine Konsequenz zu ziehen. Denn daß die deutsche Regierung freiwillig die Ge- schäfte der Nationalisten in Frankreich und im Elsaß zu besorgen sich beeilte, ist doch ivohl nicht anzunehmen. Man hat es vielmehr auch da wieder mit jenen mächtigen Einstiissen kleiner Kreise zu tun, deren verhängnisvoller Einfluß sich schon bei der ungeheuerlichen Hccrcsvermchrnng durchgesetzt hat und die jetzt mit diesen provisorischen Ausnahmegesetzen für die Völkcrvcrhetzung ein ansehnliches Stück Arbeit leisten möchten. Glücklicherweise sind diesmal die Voraussetzungen für das Gelingen so schlecht, daß vielleicht doch der Bundes- rat sich weigert, sich zum Werkzeug von Machenschaften herzu- geben, denen doch der Erfolg versagt bleiben wird. Zentrum und Wahlrecht. In den Flugblättern, die das Zentrum zur preußischen Land- tagswahl verbreitet hat, wird natürlich auch die Wahlrechts- frage erwähnt. Es muß— wie es in einem von der Rheinischen Zentrumspartei herausgegebenen Flugblatt heißt— zugegeben werden, daß das preußische Wahlrecht mit seinem Drei- llassensystcm d as r ü ck.st ändigstc unter allen Wahl- gc setzen der deutschen Bundesstaaten ist und daß es sich insbesondere in scharfem Gegensatz zu dem geltenden ReichstagSwahlrcck't befindet. Tic Jen- trunispartei erkenne an, daß das preußische Wahlrecht in hohem Matze reformbedürftig sei, und es wird bemerkt, daß schon in den siebziger und achtziger Jahren sich die preußische Zentrumsfraktion wiederholt für den Ersatz des preußischen Wahl- rechts durch das RcichStagswahlrecht ausgesprochen habe, und auch in späteren Zeiten hätten Zentrumsführer bei verschiedenen Ge- lcgcnheiten dieselbe Forderung in unzweideutigen Erklärungen wiederholt.,- Taran ist soviel richtig, daß einmal, im Jahre 1873, das Zentrum in aller Forni im preußischen Llbgeordnctcnhause den Antrag eingebracht hat, in Preußen das Reichstagsivahlrecht ein- zuführen. Der Antrag ist von Windthorst begründet und auch in erster Lesung verhandelt, dann auf Veranlassung der Liberalen. vertagt und nicht ivieder gesehen worden. Das Zentrum bat den Antrag nicht wiederholt, sondern sich begnügt, hier und da durch einen seiner Führer kundgeben zu lassen, daß es bor wie nach für die Einführung des Reichstagslvahlrcchts in Preußen sei. Dabei hat es das Zentrum bclvendcn lassen und durch seine Untätigkeit, immentlich aber durch sein Verhalten gegenüber der Wahlrechtsvorlage vom Jahre 1910, erfolgreich dar- an mitgewirkt, daß die Wahlrcform auch in bescheidenster Form hintangehalten tvurdc. Sein Verhalten rechtfertig es in dem er- wähnten Flugblatt wie folgt: „Die Zentrumspartci kann sich, ivenn sie auf dem Boden der politischen Wirklichkeit bleiben will, nicht verhehlen, daß die Forderung der Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Atahlrechts in Preußen, wie hier zurzeit die Dinge ligen, nicht die mindeste Aussicht auf Erfolg hat. Selbst wenn sich im preußischen Abgeordnetenhausc eine Mehrheit dafür fände, was nicht der Fall ist, würde das Preußische Herrenhaus und würde die Krone niemals zustimmen." Das ist die landläufige Ausrede des Zentrums für seine Un- tätigkeit in der Wahlrechtsfrage. Es läßt sich aber nun nachweisen, daß das Zentrum in anderen Fragen, die ihm mehr am Herzen lagen als die Wahlreform, keinesfalls vor ctwigcn Hindernissen so kleinmütig kapituliert hat, wie in diesem Falle. Im Jahre 1399 kam die G o ß l e r s ch e S ch u l g e s e tz v o r l a g e an den preußischen Landtag. Sie wurde vom Zentrum mit Entschioden. heit bekämpft und es war Windthorst, der bei dieser Gelegen- heit am 6. Dezember ausführte: „Käme das im Entwurf vorliegende Gesetz zustande, so würde ich, wenn ich lebte, in der nächsten Session die Auf- Hebung desselben oder wesentliche Modifika- tionen verlangen, und diesen Antrag, der dann sicher mit Hohn aufgcnomnien würde, würde ich solange fortsetzen, bis er Boden gefunden hätte. Ich würde außerdem glauben, daß wir genötigt wären sofort einen Verein zu stiften, der durchs ganze Land das Gebaren der Schulberivaltung beobachtete und das Material sammelte, was nötig ist, um hier im Hause fortwährend Kontrolle zu üben." So dachte und handelte das Zentrum in der Schulfrage, und daß seine Beharrlichkeit zum Ziele führte, bewies das preußische Schulgesetz vom Jahre 19YS, das ganz in: Sinne des Zentrums ausfiel. Warum ist es nicht mit demselben Eifer an die Wahl- rechtssrage in Preußen gegangen? Warum? Weil daS Zentrum wohl ein Interesse an die Verdummung der Massen, aber kein Interesse an die Gleichberechtigung und Selbstrsgierung des Volkes hat! Trinkgelder für die Dienerschaft. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, daß der Kaiser von Rußland dem Reichskanzler einen silbernen, mit Edelsteinen besetzten Schrein als Andenken verehrte. Der König von England hat dem Reichskanzler das Großkreuz des Viktoriaordens verliehen. „Konservative Wahlfreiheit". Die„Konservative Korrespondenz" steht sich genötigt, jetzt auch Notiz zu nehmen von der Matzregelung eines HilfSgerichtSdieners durch seinen Landgerichtspräsidenten, weil er bei der Landtagswahl einen sozialdemokratischen Wahlmann gewählt hat. Während die „Kreuzzeituug" nur in verschämter Weise ihre Billigung dieses kon- servativen Terrorismusaktes auszusprechen wagte, stellt sich die „Konservative Korrespondenz" rückhaltlos auf die Seite des Land- gerichtspräsidenten. Nach der Auffassung der„Konservativen Korre- spondcnz" ist eS durchaus richtig, einen Wähler zu maßregeln, der nicht so wählt, wie es den herrschenden Klassen patzt. Der„Rational- Zeitung", die scharfe 5lritik an der Matzregelung eines Wählers geübt hat, wirft das parteiamtliche konservative Blatt Begriffs- Verwirrung vor: die autzergewöhnlich schnelle Arbeit der Justiz recht- fertigt daS Blatt mit der Phrase:„Ein Lot Vorbeugung ist besser als ein Zentner Heilung, zumal wenn böse Beispiele gute Sitten verderben." Es ist durchaus keine Offenbarung, datz die Konservativen An- Hänger eines rücksichtslosen und brutalen Wahlterrorismus sind. Aber bisher haben sie vermieden, sich parteiamtlich zu solchen Terrorismusakten zu bekennen und sie in aller Form zu verteidigen. Datz jetzt die„Konseivative Korrespondenz" partcioffiziös diesen Terrorismus gutheißt, der das„freie Wahlrecht" aufhebt, wenn es in einer den Junkern oder der Regiermigskaste nicht genehmen Weise ausgeüb: wird, ist das einzige Neue an der Sache und das verdient immerhin registriert zu werden. Kein Terrorismus! Im Wahlkreise Linden hatten sich die bürgerlichen Par- icicn unter der Führung des Reichsverbaicdes zusammengerottet, um den Kreis der Sozialdemokratie zu entreißen. Allerdings der- gcblich, denn Genosse Leinert wurde mit erdrückender Mehrheit wiedergewählt. In welcher Weise ein Druck aus die bürgerlichen Wähler ausgeübt wurde, das zeigt ein vertrauliches Rundschrci- bei: des Vorstandes des Lind euer Lehrer Vereins an seine Mitglieder. Es lautet: „Vertraulich! Wie den Kollegen bckanub sein loird, haben sich alle Par- tcien(ausschließlich Kreisinn) für die diesjährige Landtagsivahl im Wahlkreise Linocn auf die Kandidatur Dr. Prcisler geeinigt mit dem Ziele, den Wahlkreis den Sozialdemokraten wieder ab- zunehmen. Mit Berlin genießt Linden allein den traurigen Ruhm im Abgeordnetenhausc durch einen Sozialdemokraten ver- treten zu sein. Es ioird darum in der gesamten Monarchie das Wahlrcsultat mit großer Spannung erwartet. Man wird es nicht verstehen, wenn die Lehrerschaft Liirdens bei der allgemein herrschenden Begeisterung in allen bürgerlichen Parteien für das gemeinsame Ziel, abseits steht und sich in dem Kampfe nicht bc- tätigt. Tic Gefahr liegt aber vor, durcb die Lage oes Wahl- tage» in den Pfingstfericn, die gewiß mancher Kollegen mit Recht z» einer Reise ausnutzen wird. Nun aber liegen die Verhält- niffc so, daß das Wort des Vorsitzenden in der letzten Wahlvcr- sammlung im„Schwarzen Bären":„Wer von der Wahl sich fern- hält, wählt den Sozialdemokraten", auch die Anschauung unserer vorgesetzten Behörde vertritt und von dieser so ausgelegt lvird. Man wird sicher die Wählerlisten nach der Wahl einer genauen Prüfung unterziehen und mit Wohlbehagen die Namen der Kollegen, die nicht gewählt haben, hcrauszichcn. In Rücksicht auf die materiellen und ioealen Jnter- essen jedes einzelnen Kollegen und der Gesamtheit der Li«- dener Lehrerschaft hält es der Vorstand für seine ernsteste Pflicht, die verreisenden Kollegen zu bitten, ein Opfer derart zu bringen, daß sie ihre Reise adkürzcn und am Freitag, den 16. Mai, ihrer Wahlpflicht genügen. Der Vorstand de? Lindcncr LchrcrvcreinS. I. A.: Aschof." Den Lehrern wird also ganz offen mit den Behörden gedroht und mit dem Hinweis darauf, daß die Behörden die Wählerlisten nach der Wahl einer genauen Prüfung unterziehen werden, um die Wahlsünder festzustellen und ihnen ihre Zurückhaltung fühlbar zu machen. Und da schreit man über den— sozialdemokratischen Tcrrorismus. Dem Verdienste seine Krone. Nach einer Meldung der„Milit.-Pol. Korrespondenz" stehen die seit längerer Zeit von verschiedenen Reichsstellen, besonders vom Reichsamt deS Innern, in die Wege geleiteten Erhebungen in der Jesuitenfragen unmittelbar vor ihrem Abschluß. Man rechne jetzt mit einer baldigen Entscheidung deS Bundesrates in der Jesuitensrage, und zwar bestimmt im Sinne einer Beseitigung des noch bestehenden Restes deS Jesuitengesetzes. Offen sei noch die Frage, ob das Reichsjesuitengesetzes nur aufgehoben, oder ob die Zulassung deS Jesuitenordens in Deutschland grundsätzlich aus- gesprochen werden soll. DieS, wie der Zeitpunkt der Entscheidung des Bundesrats werde gutem Vernehmen nach von dem Gang der iunerpolitischen Verhältniffen abhängen. Fahrpreisvergünstigungeu im Klaffenstaate. I Die Generaldirektion der sächsischen StaatSeisen» bahnen ist durch ihre übertriebenen Sparmethoden geradezu be- rüchtigt; daß sie aber auch äußerst kulant sein kann, zeigt folgende Mitteilung im Organ des sächsischen Ingenieur- und Archi- tektenvereinS vom April 1913. Darin ist u. a. folgendes zu lesen: Die königliche Generaldirektion der sächsischen Staatseisen- bahnen hat den Mitgliedern des Vereins für die Reife zur 17t. ordentlichen Hauptversammlung nach Dresden und zurück wiederum 250 Freifahrtscheine II. Klasse zur Verfügung gestellt. Schlietzlich wird aufgefordert, die nicht benutzten Frei- ahrtscheine zurückzugeben. Die Massenschenkung scheint also eine überreichliche gewesen zu sein und die Nachfrage überstiegen zu haben. Dieser Verein besteht hauptsächlich ans RegierungZbaumeistern und Bauräten: seine Tagungen zum Teil anS Vergnügungen. AIS kürzlich die Dresdener Arbeiterturner für ihre Turn- ährten um dieselben Fahrpreisvergünstigungen nachsuchten, die man den mordspatriotischen Vereinen gewährt, wurden sie kurzer- Hand abgewiesen. Und daS geschah von derselben General- direktion, die an erstklassige Vereinigungen wohlhabender Leute in Massen Freibilletts vergibt. Diese Art BerkehrSpolisik dürste wohl auch noch im Landtage beleuchtet werden, zumal diese Schenkungen jedes Jahr zu erfolgen scheinen. Ein unglaubliches Urteil, dessen aufreizende Wirkung nicht ausbleiben wird, wurde jetzt vom Dresdener Kriegsgericht gefällt. Wegen angeblicher Achtungsvcr- letzung und Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft stand der A r b e i t s s ö l d a t T r o m m c r von der Dresdener Militärarbeiterabteilung unter Anklage. Der als„gefährliches und schlechtes Element" geschilderte Angeklagte gehörte am 10. April einer Abteilung an, die auf dem Exerzierplatz auf einer Anhöhe Erdarbeiten zu verrichten hatte. Die Arbeitssoldaten waren damit beschäftigt, Erdboden in Karren auf die Anhöhe zu bringen. Der Arbeitsdienst begann früh 7 Uhr unter Aufficht eines Sergeanten. Schon zu ansang geriet Trommer mit dem Vorgesetzten wegen eines belanglosen Vorganges in Differenzen. Nachdem der Angc- klagte bereits einige Karren auf die Anhöhe gefahren hatte, er- müvete er, weil die Arbeit außerordentlich anstrengend war; und dabei hatte der Sergeant noch genau daraus geachtet, daß die Karren auch ganz voll geladen wurden? Bei einer weiteren Karre verließen den Angeklagten die Kräfte, weshalb er mitten auf der Anhöhe absetzte. Das duldete aber der Vorgesetzte nicht und fragte Trommer, wie er dazu komme, ohne Befehl abzusetzen! Nun mußte T. unter Aufbietung aller Kräfte weiterarbeiten! Bei der folgenden Karre paßte der Sergeant wieder genau auf, ob auch richtig voll- geladen wurde, und als er das Gegenteil festzustellen glaubte, er- teilte er den Befehl, die Karre ganz voll zu schippen! Das tat auch T., brachte aber die Karre nur ein Stück fort, worauf er absetzen mußte. Kurz vorher hatte sich ein anderer Ärbeitssoldat infolge der großen Anstrengung krank gemeldet. Trommer Ivar völlig er- müdet und glaubte sich auch durch die Maßnahmen des Vorgesetzten schikaniert. Da er sich zu dieser Arbeit nicht mehr kräftig genug fühlte, ging er zum Sergeanten und erklärte in militärischer Form: „Ich bitte mich zu arretieren!" Damit wollte er einmal verhindern, daß Schlimmeres geschah und zum andern erreichen, daß er zum Hauptmann geführt werde, dem er die Sache vortragen wollte. Auf die Frage deS Vorgesetzten, warum er denn arretiert sein wolle, erklärte Trommer:.Die Arbeit ist mir zu schwer!" Der Sergeant ließ jedoch den Angeklagten nur zur Seite treten und befahl ihm bald danach, weiter zu arbeiten! Nach der Frühstückspause fühlte sich der Angeklagte wieder etwas kräfti- gcr, obgleich er nur ein Stück trocken Brot gegessen hatte. In der 11. Stunde war T. wieder derart erschöpft, daß er seinen Karren abermals auf halbem Wege absetzen mußte, um zu ruhen. Dadurch„forderte" er jedoch wieder den Vorgesetzten heraus und als letzterer gleich danach den Karren ganz vollgeschippt haben wollte, sagte Trommer:„Ich bitte mich zu arretieren, icharbeitenichtmehr, dieArbeitistmirzuschwer!" Auch jetzt ließ der Sergeant den Soldaten nur austreten und befahl abermals, Arbeitsdienst mitzumachen! Diesen Befehl befolgte T. auch, aber meldete sich gleich darauf wegen Schwäche krank. Weil er die Arretur gewünscht, soll er sich nun der Achtungsverletzung schuldig gemacht haben, während in den Worten „die Arbeit ist mir zu schwer" und„ich arbeite nicht mehr" eine laute Bcschwcrdcführung und eine ausdrückliche Grhorsamsver- Weigerung erblickt wurde! Trommcr gab vor Gericht die gleiche Darstellung und fügte hinzu, daß es der Sergeant an diesem Tage nur auf ihn abgesehen gehabt habe. Der Arbeitsdienst sei so anstrengend gewesen, daß fast alle Leute kaputt waren. Er sei nicht in der Lage gewesen, den Karren ohne abzusetzen, auf die Anhöhe zu schieben und erklärte dann wörtlich:„Den ganzen Vormittag nur trocken Brot und die schwere Arbeit, das hält man nicht aus!" Um keine Insubordination zu begehen, habe er die Arretur gewünscht. Schließlich beantragte T. eine Ortsbesichtigung, damit das Gericht sich davon überzeuge» könne, daß die Arbeit kaum zu leisten sei. Auch habe ihn der Sergeant fortwährend angebrüllt und gesagt:..Sie werden schon arbeiten lernen!" Er habe jedenfalls das Gefühl gehabt, daß er schikaniert werde. Daß der Arbeitsdienst s e h r anstrengend war, wurde allgemein bestätigt. Die Beweisaufnahme ergab auch, daß selbst der Sergeant nicht mal den Karren auf die Anhöhe brachte, als er es vormachen wollte. Am Nachmittag ist dann auch der Arbeitsdienst anders gehandhabt worden. Das Gericht lehnke eine Ortsbesichtigung ab, erachtete den Angeklagten der Anklage gemäß für schuldig und erkannte auf— 2 Monate Gefängnis! In der Urteilsbegründung führte es aus. daß der Arbeitsdienst zweifellos anstrengend gewesen, daß aber der Angeklagte bei seiner Körper- bcschaffenhcit die Arbeit bei gutem Willen hätte durchführen können! Schikaniert sei er jedenfalls nicht worden. Straf- verschärfend wurde die Disziplinlosigkeit(!) in Betracht gezogen. Der Angeklagte erklärte, sich bei dem Urteil auf keinen Fall zu beruhigen. Ein Kommentar würde die Wirkung dieses aufreizenden Urteils nur abschwächen! l>as ende des ßalhanknegee. Die Friedensverhandlungen. London, 24. Mai. Wie das Reutersche Bureau aus wohl- unterrichteter türkischer Quelle erfährt, ist die V e r> z ö g e r u n g in der Unterzeichnung der Friedenspräli- niinarien keineswegs hervorgerufen durch den Wunsch der türkischen Delegierten, die Bedingungen zu ändern. Es be- stehe nicht die Absicht, Einzelfragen vor der Unterzeichnung der Präliminarien aufzuwerfen. Die griechisch bulgarischen Reibungen. Sofia, 24. Mai. Das bulgarische Hauptquartier hat folgendes Communiquc veröffentlicht: Am W. Mai um 5 Uhr früh eröffneten griechische Truppen, die im Umkreise des Dorfes Radolcvo verteilt waren, ein Infanterie- und Artilleriefeuer gegen die bulgarischen Truppen, die bei den Brücken des Angistaflusses bei Kütschüktoeprülü und Vultschista standen. Anfangs erwiderten die bulgarischen Truppen das Feuer nicht, als aber die griechische Artillerie den Schienenweg und die Telegraphenlcitung beschädigte, eröffneten die Bulgaren ein heftiges Feuer, begannen vorzurücken und zwangen die Griechen zu einem fluchtartigen Rückzüge in der Richtung des Golfs von Orphani. Diese griechische Hcrausforde- rung war nicht die erste. Athen, 24. Mai. Nach einem Communique des Ministers des Aeußern hat gestern kein ernster Zusammenstoß zwischen griechischen und bulgarischen Truppen stattgefunden. Abgesehen von einem kleinen Vorposten-Scharmützel bei Semalton, wöbet zwei griechische Soldaten leicht verwundet wurden, herrschte in allen Positionen euf dem Pangaeus vollkommene Ruhe. Serben und bulgarische Komitatschis. Belgrad, 24. Mai. Die Meldung aus M o n a st i r, daß serbi- sche Soldaten in das Haus des bulgarischen Kaufmanns Stambold- zija eingedrungen seien und ihn mit Frau und Kind ermordet hätten, ist, wie das Serbische Preßbureau mitteilt, durchaus un- wahr. Wahr sei vielmehr, daß bulgarische Komitatschis ihn erdolchten, um sich für den Verrat zu rächen, den er gegenüber dem bulgarischen Komitee, dem er früher angehörte, begangen haben soll. Es sei dies schon der dritte Fall, daß man von bulgarischen Komitatschis begangene Morde den Serben in die Schuhe schiebe. Italien. Verluste in Tripolis. Mailand, 24. Mai.(P. E.) Das letzte Gefecht vor Terna scheint nach emer Meldung des„Corriere" verlustreicher gewesen zu sein, als die italienische Regierung es schildert. Verwundete, die in Neapel angekommen sind, schätzen den Verlust an Toten und Verwundeten auf 1000 Mann, eine Zahl, die trotz des Dementis der Negierung vielleicht nicht weit von der Wahrheit entfernt ist. Auch drei Offiziere sind in die Hände des Feindes gefallen. Es ist zu erwarten, daß der neue Oberbefehlshaber, General Salsa, der gestern in Derna eingetroffen ist, energisch vorgeht, um die in unmittelbarer Nähe vor den Toren dieser Stadt stehen- den Beduinen zu vertreiben und ins Hinterland zurückzudrängen. Llrina. Ein Protest der mongolischen Fürsten. Mugden, 24. Mai. Dem Generalgouverneur ist ein Protest der Fürsten der inneren Mongolei zugegangen, der sich gegen die Absicht der chinesischen Regierung wendet, die Mongolei in eine Provinz umzuwandeln. Tie Fürsten bestehen auf Selbst- Verwaltung, auf das Recht, eigene Truppe» zu halten und auf Einschränkung der chinesischen Uebersiedelung. Sie drücken dabei abermals ihre Ergebenheit gegen die Republik aus. Ter Protest wurde, wie die Petersburger Telegraphenagcntur meldet, nach Peking gesandt. Huq der Partei. Hugo Hillmann. Uns ging folgendes Schreiben zu: In seinen Erinnerungen an verschiedene Charakterköpfe aus Las s alles Zeit erwähnt Genosse Wilhelm Bios auch den Buchdrucker Hugo H i l l m a n n.(Er hieß übrigens, wenn ich augenblicklich nicht sehr irre. Karl H.) Wenn Wilhelm Blos an- führt, daß Hillmann einen schweren Kampf ums Dasein zu führen gehabt habe, so mag das vielleicht für die ersten Jahre des Sozia- ' listengesetzes und die Jahre vorher zutreffend sein; für die spätere Zeit sicherlich nicht. Denn da hatte Hillmann seinen Frieden mit dem bürgerlichen Klassenstaat geschlossen: in seinen letzten Erden- tagen war er Wohlde st alltcr Redakteur des„General- an z e i g c r" i n L ü b c ck. Erst als die Lübecker Genossen 1894 daran gingen, sich in dem„Lübecker Volksboten" ein eigenes Partei- organ zu gründen, engagierte sich der Verleger des„General- anzeiger" eine jüngere Kraft, während Hillmann sozusagen aufs Altenteil gesetzt wurde, indem man ihm die Redaktion einer noch harmlosen Sonntagsbeilage übertrug. Familiensorgen(der Tod erwachsener Kinder; auch schlug das eine oder andere der Kinder nicht recht ein), eigene Krankheit beschleunigten schließlich das Ende Hillmanns, der übrigens auch durchaus nicht von hoher Gestalt war, wie Blos bemerkt, sondern höchstens Mittelgröße hatte. Sein zer- mürbtes Grcisenantlitz— ich habe ihn nur noch als hinfälligen Greis persönlich kennen gelernt— ließ den ehemaligen Revolu- tionär allerdings noch ahnen; es strahlte Energie aus, die aber den siechen Körper nicht mehr meistern konnte. Uebrißens hat die innere Wandlung Hillmanns unsere Lübecker Genossen in eine ziemlich heikle Situation gebracht. Als Hillmann gegen Ende des Sozialistengesetzes von dem bürgerlichen Verleger an den neugegründeten„Generalanzeiger" berufen wurde, ließen es sich unsere dortigen Genossen angelegen sein, für den von dem alten Sozialdemokraten Hillmann geleiteten„Generalanzeiger" kräftigst die Reklametrommel zu rühren, in der stillen Hoffnung, daß wohl noch etwas von der revolutionären Gesinnung des kämpf- erprobten Mannes auf den Inhalt des farblos gedachten„General- anzeigers" abfärben würde. Das war jedoch eine schmähliche Täu- schung. Das Blatt blieb durchaus gencralanzeigerlich farblos. Ja, als sich das Hillmann-Blatt infolge der wohlwollenden Unterstützung durch unsere Genossen halbwegs eingeführt hatte, fiel sogar manches Wort ab, von denen die Sozialdemokratie sagen mußte: es gefällt uns nicht. Nur hatten unsere Lübecker Genossen jetzt schwere Mühe, die einst im Vertrauen auf die revolutionäre Vergangenheit Hill- manns dem„Generalanzeiger" zugeführten Arbciterleser diesem wieder abwendig zu machen, um sie dem eigenen Parteiorgan zu- zuführen. Auf alle Fälle war Hillmann ans seine alten Tage ein durch- aus in der Wolle gefärbter bürgerlicher Journalist geworden, frei von allen Skrupeln. Für die Sozialdemokratie hatte er äußerlich liichis mehr übrig, und sein ganzes Gebaren spricht dafür, daß er ihr auch innerlich ein völlig Fremder geworden war. Immerhin hat er in seinen besten Jahren seinen Mann gestanden, und das sichert ihm für alle Zeiten� eine ehrenvolle Erwähnung auf den Blättern der Geschichte der Sozialdemokratie. Hillmann ist 189S oder 1896, wenn nicht gar erst 1897, in Lübeck gestorben. Otto Friedrich- Zwickau. Die sächsische Parteiorganisation. Ter sächsische Landesborstand berichtet in umfangreichen AuS- führungen in der sächsischen Parteipresse über seine Tätigkeit im ver- flosienen Geschäftsjahre und die Entwickelmig in dieser Zeit. Das Geschäftsjahr erstreckt sich diesmal nur dem 1. Juli 1912 bis 31. März 1913. Es umfaßt also nur'h Jahr. In dem Bericht wird der Kampf unserer Partei mit den Behörden geschildert und ein Ucberblick von der politischen EntWickelung, den kommunalen Wahlkämpfen und den polizeilichen Maßnahmen gegeben, die noch immer sehr zahlreich sind und sich durch die Einseitigkeit und Eng- Herzigkeit auszeichnen, die der sächsischen Polizei im Kampfe gegen die Arbeiterbewegung immer eigen waren, uns aber im Grunde doch niibts geschadet, sondern zu größerem Eifer angespornt haben. Auch im Geschäftsjahre 1912/13 ist eS wieder vorwärts gegangen, wenn auch nicht so stark wie im vorigen Wahl- und Kampsjahre. Ruhigere Zeiten sind ja niemals Perioden starker EntWickelung im Partcileben gewesen. Dazu kommt, daß infolge einer Verlegung der Abschlußzeit das Geschäftsjahr diesmal um drei Monate verkürzt ist. Die Mitgliederzahl stieg in den neun Monaten von 149 32S an' 167 913, also um 868S, daS sind 6,7 Proz.: daran sind die Frauen mit 3126 Mitgliedern beteiligt. Ihre Zahl stieg von 18 642 auf 21168. Gegen das Vorjahr, das 28 777 neue Mitglieder für die politische Organisation brachte, bleiben zwar die diesjährigen Er- gebnisse zurück; man wird den Zuwachs aber noch immer als normal bezeichnen müssen. Auch sonst ist es vorwärts gegangen: Die Zahl der sozialdemo- kratischen Gemeindevertreter ist von 2623 auf 237ö gestiegen, es ist somit ein Gewinn von 362 Mandaten zu verzeichnen. Unter dieser verhältnismäßig großen Zahl Gemcindevertretcr befinden sich 36ö Stadtverordnete, 2 Stadträte und 4 Gemeindeälteste. Die Abon- nenten der Parteipresse haben sich dagegen nur wenig der- mehrt. Während im vorigen Jahre hauptsächlich infolge der Reichs- tagswahlen ein Anwachsen um 31 163 zu verzeichnen war, stieg die Abonnentenziffer 1912/13 nur von 214 884 ans 219 364, also um 4486 Abonnenten. Trotz der verhältnismäßig ruhigen Zeit ist die Parteitätiakeit eine sehr rührige gewesen. Die Militärvorlage und die Kriegsgefahr haben zu imposanten Demonstrationen Veranlassung gegeben. Ins- gesamt fanden im Lande in den neun Monaten 4476 Vereins- und 1386 öffentliche Versammlungen statt, von denen 266 der Frauen- agitation gewidmet waren. Außerdem wurden 3 972 666 Flugblätter und 316 666 Kalender und Broschüren verbreitet. Das Bibliotheks- Wesen ist in mehreren Orten wesentlich ausgebaut und auf zentraler Grundlage einheitlich gestaltet worden. Die Arbeiterbewegung in Mexiko. Der alte blutige Diktator Porfirio D i a z war natürlich ein grimmer Gegner jeder Arbeiterbewegung. Tod oder lange Ein- sperrung in den schlimmsten Gefängnissen der Erde— auf der Insel Man im Hafen von Veracruz— waren, wie der Sekretär der jetzt in der Stadt Mexiko bestehenden Parteifektion erzählt, daS Schicksal jedes, der als Sozialist oder auch nur als Vertreter des politischen Fortschrittes galt. Als vor fünf Jahren in den Textilfabriken von Rio-Blanka im Staate Veracruz ein Streik ausbrach, wurden etwa 266 Streikende, darunter viele Frauen und Kinder, von Soldaten niedergeschossen. Sofort nach dem Sturze des Tyrannen wurde von einigen Genossen die sozialistische Partei Mexikos begründet, die bis jetzt natürlich spärlichen Anhang in dem rückständigen, Wirt- schaftlich aufs tiefste bedrückten und durch die inneren Kriege nicht zur Sammlung kommenden Volke gefunden hat. Zu gleicher Zeil entstanden viele B e r u f S v c r b ä n d e, die sich sehr rasch entwickelten. Häufige Streiks traten auf, teilweise von großem Umfang und mit großem Erfolg. Seitdem befindet sich das arbeitende Volk in lebhafter Bewegung. So haben die Eisenbahner die Forde- rung des Achtstundentages aufgestellt. Man darf erwarten, daß aus den, Zusammenwirken beider Bewegungen binnen kurzem eine starke soziallstische Bewegung vorhanden sein wird, um gleichzeitig gegen die furchtbare wirtschaftliche Ausbeutung und die Korruption der GeschäflSpolitiker den Kampf zu führen. Die Partei stickt nament- lich mit den Genossen der Vereinigten Staaten enge Fühhnig, hat im vorigen Jahre den Parteitag in Indianapolis beschickt und eine Anzahl amerikanischer Parteischriften übersetzt. Sie sucht gleicher- weise den Anschluß an die gesamte Internationale. Zur Auskunft ist der Sekretär A. S a n t i b a n e z in Meriko-City 8a, Revillagigedo Nr. 101, gerne bereit. Soziales. AuS der Sektion II der Nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossenschaft. Am 26. d. M. faird die diesjährige ordentliche Versammlung der Sektion II der Nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossenschast statt. Sie wurde wegen Unpäßlichkeit des ersten Vorsitzenden B ü s ch e r- Eberswalds vom zweiten Vorsitzenden geleitet. Dieser teilte mit, daß der Wahlvorstand vorschlage, die bisherigen Mitglieder wieder- zuwählen. Mit großer Mehrheit»vurde hierauf der»langjährige verdiente� Vorsitzende Stadtrat a. D. Büscher- Eberswalde wiedergewählt. Auf telephonische Anfrage lehnte jedoch Herr Büscher„wegen seines hohen Alters" die Annahme der Wahl ab. Demnach scheinen unsere Veröffentlichungen doch nicht auf ganz unfruchtbaren Boden gefallen zu sein. Berschlimmcrung eines furunkulöscn Leidens als Unfallfolge. Ein Schachthauer wurde bei einer Nachtschicht von einem herab- fallenden Stein an der rechten Schulter getroffen. Der Verletzte hatte zur Zeit des Unfalls schon eine furunkulöse Entzündung der rechten Schulter und starb bald daraus an Blutvergiftung. Das Rcichsversicherungsamt führte den Tod ursächlich auf den Betriebs- Unfall zurück und verurteilte die Berussgenossenschaft, den Hinter- bliebenen eine Entschädigung zu zahlen. In der Begründung beißt es: „Die im Anschluß an die Verletzung aufgetretenen Krankheits- crscheinungen und der Verlauf des Leidens lassen mit Wahrschein- lichkeit darauf schließen, daß der Verstorbene bereits vorher an einer in der EntWickelung begriffenen furunkulöse» Entzündung an der rechten Schulter gelitten hatte. Ob schon die Entstehung auf Ein- Wirkungen des Betriebes, insbesondere auf Einflüsse des zement- haltigen Wassers, ursächlich zurückzuführen ist, denen der Verstor- bene während seiner Arbeit im Schachte ausgesetzt war, kann ebenso dahingestellt bleiben, wie die Frage, ob diese Äcsundheitsschädigung als„Unfall" im Sinne der Unsallversicherungsgesetze anzusehen ist. Denn jedenfalls spricht die überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür, daß das furunkulöse Leiden durch den Steinschlag wesentlich ver- schlimmert worden ist und erst infolgedessen zu der tödlich ver- laufenen Bluwergiftung geführt hat. Hierbei ist von ausschlag- gebender Bedeutung, daß in unmittelbarem Llnschluß an den Unfall Schmerzen auftraten, die sich ununterbrochen steigerten, und daß am zweiten Tage nachher schon ein großer Furunkel vorhanden war, an den sich in kürzester Zeit die tiefe Weichteileiterung und die tödliche allgemeine Blutvergiftung anschloß. Mit Recht hebt Professor Dr. O. hervor, daß es die Ztveifelsucht zu weit treiben hieße, wollte man angesichts dieser zeitlichen und räumlichen Beziehungen zwischen Unsallverletzung und zum Tode führender Krankheit einen ursäch- lichen Zusammenhang leugnen. Muß danach angenommen Warden, daß der Unfall, wenn auch nicht allein, so doch wesentlich mit für den Tod verantwortlich zu machen ist, so folgt hieraus die Verpflichtung der Berufsgcnossenschaft, die Hinterbliebenen zu entschädigen�" Zur kommunalen Stcuerpflicht. Tie Gelsenkirchener Firma Küppersbusch hat, wie viele große Fabrikationsfirmen, in großen Städten sogenannte Schauräume, wo die Fabrikate zur Schau gestellt werden. In einem Steuer- streit der Firma K. war nun zu entscheiden, ob und unter welchen Umständen solche Schauräume zu„Betriebsstätten" im Sinne des 8 36 des Kommunalabgabengesetzes werden, die am Orte der Bc- triebsstätte steuerpflichtig sind. Es handelte sich hier um den Schauraum in Berlin, wo die Fabrikate der Firma ausgestellt waren. Von der Firma hatte der Ingenieur M. den Auftrag, in den Berliner Räumen den Leuten, die sich für die Fabrikate inter- essierten, sie zu zeigen und zu erläutern. Selbständige Verkaufs- geschäfte schließt er nicht ab. Die ausgestellten Fabrikate sind auch nicht zu verkaufen. Bestellungen müssen an die Firma gehen. Kausofserten, die ihm etwa gemacht werden, gehen an die Firma. Die Stadt Berlin sah die Berliner Räume der Firma als eine Betriebsstätte an und beanspruchte steuerliche Beteiligung au dem Einkommen der Firma. Der Bezirksausschuß wies in dem einsetzenden Steuervcr- tcilungSstreit der Stadt Gelsenkirchen das ganze Einkommen znr Besteuerung zu. Das Obervcrwnltungsgericht hob vor kurzem das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Eni- schcidung an den Bezirksausschuß zurück. Begründend wurde ausgeführt: Indem der Bezirksausschuß sowohl das Vorliegen einer Ver- kaufsstelle wie das einer Betriebsstätte gemäß 8 36 des Kam- munalabgabengesetzcs verneine, habe er den Begriff der Betriebs- stätte verkannt. Es komme nicht darauf an, ob der Vertreter der Firma mit den Kunden Verträge mit bindender Wirksamkeit ao- schließe, sondern allein entscheidend sei, daß die in Berlin aus- geübte Tätigkeit einen Teil des gewerblichen Unternehmens der Firma bilde. Um das anzunehmen, genüge schon die Entgegen- nähme von Kaufofferten und ihre Weitergabc an die Firma durch den Berliner Vertreter in Verbindung mit der Erteilung von Aus- künften. Solche Aufträge gebe der Vertreter weiter. Nicht aus- geschloffen werde der Charakter der Betriebsstätte dadurch, � daß in dem Schaurauni nur Muster zur Besichtigung ausgestellt seien, die nicht zum Verkauf gelangte». Im übrigen unterstehe der Raum der Verfügung der Gesellschaft und es würden Auskünfte erteilt. Es sei mit einer Betriebsstätte zu rechnen. Die Sache müsse an den Bezirksausschuß zurückverwiesen werden. Dieser werde auch darüber zu befinden haben, wieso der Berliner Ma- gistrat seine Steueransprüche auf die Jahre 1967 big 1916 er- strecke, obwohl'der Berliner Schauraum xrst im Sommer 1919 eingerichtet worden sei._ Ehrenamt als Mittel zum Gelderwerb Der Stadwerordnete Baugewerksmeister Otto Hartmann in Guben hat, wie die„Kommunale Praxis" mitteilt, mit zwei Bau- iNteressenten nachstehendes Abkommen getroffen: „Die Unterzeichneten vereinbaren folgendes: Sollte es dem Baugewerksmeister Otto Hartmann zu Guben bei den städtischen Körperschaften gelingen, daß die vor unseren Hierselbst, Bahn- Hofstraße Nr. 1 und 2, gelegenen Grundstücken jetzt bestehend« Fluchtlinie aufgehoben und entsprechend nach vorn verschoben wird, verpflichten wir uns, ihm die Ausführung der Neubauten, welche innerhalb eines Jahres nach Festsetzung der neuen Flucht- linie begonnen werden müssen, auch selbst, wenn Herr Hartmann einige tausend Mark teurer als seine Konkurrenz sein sollte, zu übertragen. Zur Erreichung seines Vorhabens ist Herr Hart- mann verpflichtet, alle erforderlichen Zeichnungen. Perspektiven und Modelle, welche geeignet sein könnten, den städtischen Körper- schaften in die Verlegung der bisherigen Fluchtlinie zu willigen, weil hierdurch eine wesentliche Verbesserung des jetzigen Städte- bildes in Kürze zu erwarten ist, anzufertigen und einzureichen. Auch verspricht Herr Hartmann, vor Beginn seiner Arbeiten mit dem Herrn Ersten Bürgermeister an Ort und Stelle persönlich über die Verlegung der Fluchtlinie Rücksprache zu nehmen. Für seine Bemühungen und Arbeiten erhält Herr Hartmann, sofern sie vergeblich sein sollten, von dem Besitzer deS Grundstücks Bahn- hofftraßc Nr. 1, Herrn Sturm, 766 M., geschrieben Sieben- hundcrtfünfzig Mark, und von den Besitzern Bahnhofstraßc Nr. 2, den Ebcrlehschen Erben, 366 M-, geschrieben Dreihundert- fünfzig Mark. Sollte dagegen die Stadt eine Verlegung der Fluchtlinie herbeiführen und die Bauten zur Ausfiihrung kommen, so fallen obige Entschädigungen fort. Mit Vorstehendem erklären wir uns einverstanden. Guben, den... November 1912. Unterschriften." Dies Abkommen wurde bekannt. Die Stadtverordnetenver- sammlung forderte darauf im Mai dieses Jahres den Baugewcrks- meister Hartmann mit 21 von 29 Stimmen auf, sein Mandat niederzulegen. Es ist eine alte sozialdemokratische Forderung, daß Mitglieder kommunaler Körperschaften von allen Arbeiten und Lieferungen iür die Gemeinde auszuschließen sind. Selbstverständlich solle» iie auch sonst nicht materielle Vorteile aus ihrer ehrenamtlichen Stellung ziehen. Nicht immer werden Schmiergelder so offen Stadtverordneten oder Magistratsmitgliedcrn versprochen; oft, ins- besondere bei Grundstücksspekulationen, geschieht die materielle Be- fruchtung in schwieriger nachweisbarer Form. Die Gubener Stadt- verordnetenvcrsammlung hat mit ihrem Beschluß das einzig Richtige getroffen. Gewerkrcbaftlicbes. Staats- und Privatbetriebe. Daß' die Staatsbetriebe hinsichtlich der Arbeitsverhältnisse Vicht als musterhaft gelten können, ist in den Kreisen der Arbeiter Wohl allgemein �bekannt. Tie gezahlten Löhne sind ja allerdings an einigen Stellen höher als die in der Privat- industrie des in Betracht kommenden Bezirks, aber auf die Höhe der Löhne kommt es bekanntlich allein nicht an. es sprechen noch manche andere Umstände mit. Trotzdem wird von den Unternehmern auf alle nur mögliche Weise versucht, die Verwaltung der Staatsbetriebe zur Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen zu veranlassen. Ein bezeichnendes Bei- spiel dafür kann in dem soeben erschienenen Jahresberichte der Handelskammer für das südöstliche Westfalen nachgelesen werden. Es wird da über das Wegholen von gelernten Ar- bcitern durch die Staatsbetriebe geklagt, und es heißt da u. a.: „Auch in unserm Bezirke haben industrielle Betriebe wieder- holt unter diesem Wegholen gelernter Arbeiter durch die Staats- betriebe zu leiden gehabt, weshalb die Kammer Veranlassung nahm, den Herrn Kriegsministcr zu bitten, hier Wandel zu schaffen und bor allen Dingen die eigene Ausbildung v o n L e h r l i n g en in den Staatsbetrieben anzuordnen. Gleich- zeitig hat die Kammer auf den Umstand hingewiesen, dag die dem Kriegsministerium unterstellten Betriebe auf die Lohnverhält- nisie der im Bezirk ihrer Niederlassung üblichen Lohuverhältnissc und auf die Arbeitszcitdaucr nicht die geringste Rücksicht nehmen. Während in unserm Bezirke die zehnstündige Arbeitszeit vor- herrscht, hat z. B. die Artilleriewcrkstatt in Lippstadt Sli-stündige Arbeitszeit und die Lohnverhältnisse sind folgendcrmatzen ange- ordnet ses folgt die Angabe der Lohne im einzelnen)." Nachdem�dann darauf hingewiesen ist, daß durch das Vor- gehen der Staatsbetriebe die privaten Unternehnier ge- zwungen würden, einigermaßen zu folgen, wenn sie nicht das fluchtartige Verschwinden der Arbeiter aus ihren Betrieben riskieren wollten, wird noch bemerkt: »ES muß daher unbedingt gefordert werden, daß die staat- lichen Werkstätten in größerem Matzstabe dazu übergehen, sich ihren Nachwuchs an gelernten Arbeitern selbst zu schaffen. Hierdurch würde sich auch der Betrieb in den staatlichen Werkstätten wesentlich verbilligen, worauf doch auch im Interesse des Staats ge- arbeitet werden müßte. Auf eine diesbezügliche Eingabe der Kammer hat das Kriegsministerium darauf hingewiesen, daß beabsichtigt sei, mehr als es bisher der Fall gewesen, Lehrlinge cinzustcllcm Zur Regulierung der Arbeitsver- dien st e hat sich die Kammer angeboten, alljähr- lich mit Lohnstatistiken der betreffenden?lr- bcitcrkategorien zu dienen, um allzu schroffe Lohn unter schiede künftighin zu vermeide n." Sehr liebenswürdig, in der Tat! Für gewöhnlich geht Man ja davon aus, daß die Staats- und Geineindebetricbe so auszugestalten sind, daß sie den privaten Unternehmungen als Muster vorgehalten werden können. Aber nein, sagen die Unternehmer in dieser Zentrumsdomäne: Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Nicht die Privatbetriebe hahen den Staatsbetrieben zu folgen, sondern die Staatsbetriebe haben ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse den rückständigen Privat- betrieben anzupassen, sintemalen ja doch der Staat ungeheuer dabei spart. Und braucht er nicht auch das Geld viel nötiger für die Bezahlung der teuren Kanonen und Panzerschiffe?! Terartige Faustschläge werden den Arbeitern von den . Unternehmern der sichersten Zentrumswahlkreise verseht. Ta müßte es denn doch höchst sonderbar zugehen, wenn die Ar- heiter unter den Zentrumswählern sich solche Nackenschläge -''"g'bfallen ließen. Berlin und Qmgegcnd. Tie Bcendigulig des Kampfes der Maler. Die Annahme des Schiedsspruches durch den außerordentlichen Verbandstag der Maler unterlag am Freitag der Beurteilung einer sehr stark besuchten Mitgliederversammlung der Filiale Berlin, die im großen Saale der Neuen Welt tagte.— Ter Referent Miefe verkannte nicht, daß die materiellen Erfolge des Lohnkampfcs nicht befriedigend seien, doch betonte er. der moralische Erfolg dürfe nicht unterschätzt werden, der darin läge, daß es den Unternehmern in dem von ihnen eingeleiteten 11 Wochen währenden Kampf nicht gelungen sei, den ersten Schiedsspruch, den ja die Arbeiterorgani- sation angenommen hatte, zu beseitigen. In der Diskussion trat die Befriedigung über den moralischen Erfolg vollkommen zurück hinter der Unzufriedenheit mit den materiellen Bestimmungen des Schiedsspruches, die von fast allen Red- nern abfällig kritisiert wurden. Daneben war es noch ein zweiter Punkt, der die Debatte beherrschte. Ter Verbandstag hatte gegen den Widerspruch der Berliner Delegierten unter Ausschluß der Oeffentlichkeit getagt, so daß die Btitglieder, welche den Vcrhand- lungcn als Zuhörer" beiwohnen wollten, abgewiesen wurden.— Fast einstimmig nahm die Versammlung eine Resolution an, welche den Delegierten, die für den Ausschluß der Oeffentlichkeit stimmten, schärfste Mißbilligung ausspricht und dem Hauptvorstand Geheim- niskrämerei vorwirft. Gegen eine sehr starke Minderheit erklärte sich die Versamm- lung mit dem die Annahme des Schiedsspruches aussprechenden Be- schluß deS Verbandstages einverstanden. Ter Vorsitzende Miefe gab der Erlvartung Ausdruck, daß die Minderheit den Mehrheitsbeschluß respektieren werde und die Ein- mütigkeit der Organisation, die sich im Kampf bewährt habe, auch ferner zum Ausdruck komme. Tie Kollegen hätten nun die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die neuen Bedingungen überall innegehalten werden. Schließlich wurde nach bekanntgegeben, daß die Kollegen, welche eine Aufforderung von ihrem bisherigen Arbeitgeber erhalten, so- fort anfangen können. Ohne Aufforderung solle man sich aber nicht anbieten. In den größeren Werkstätten könne eine Deputation anfragen, loie die Wiederaufnahme der Arbeit geregelt werden solle.— Die Streikkontrolle bleibt vorläufig noch bestehen, auch wird die Unterstützung weiter bezahlt. Wer vom Montag ab ar- beitslos wird, kann nicht mehr in die Streiklisten eingetragen wer- den. Ter lokale Extrabeitrag wird vom Montag ab nicht mehr erhoben._ Achtung, Testillationsgehilsen? Die Großdestillation von Max Hafer st roh, Pankstr. 4, ist für organisierte Testillations- gehilsen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfcn Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Häring, Ufcdomstr. 17, dauert fort. Der Betrieb ist daher weiter zu meiden. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. veubkedes l�eled. Der Verband der Bureauangestelltc» veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht für 1912. Daraus ergibt sich eine erfreuliche Entwickelung dieser Berufsorganisation. Der Verband erhöhte seine Mitgliederzahl von(3ö98 auf 7653. Er erzielte eine Einnahme an Beiträgen von 197 999 M., wozu noch rund 24 999 M. aus Buch- Handlung-- und Berlagsgeschäften kommen. An Unterstützungen für Kranke, Stellenlose, Sterbegeld usw. wurden rund 26 999 M. aufgewendet. Da- Vermögen des Verbandes beziffert sich aui rund 68 999 Tt. Hierzu kommen noch rund 399 999 M. Vermögen der Pensionskasse des Verbandes, zu der jedem Mitgliede der Bei- tritt bereits mit einem Monatsbeitrage von 1,19 M. freisteht. Auch die Stellenvermittlung hat sich gut bewährt. Auf diesem Gebiete hat der Verband eine recht segensvolle Tätigkeit entfalten können. Die Stellenvermittlung erfolgt für Verbandsmitglieder und Prin-� Berantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: zipale völlig kostenlos. Anmeldungen hierzu können jederzeit bei dem Zentralstellcnnachwcis, Berlin E. 25, Kaiser-Wilheim-Str. ISs, erfolgen. Mobelltischlerstreik. Bei der Firma Wagner u. Cie., Werkzeug- maschiuenfäbrik in Dortmund, befinden sich seit nunmehr 3 Wochen die Modelltischler im Streik. Durch Bermittelung der Arbeits- willigenagenten La ngc-Efsen und F e r b e r-Barmen hat die Firma einige Arbeitswillige bekommen, von denen nur zwei wirk- liche Modelltischler sind. Die Arbeitswilligen sind in der Fabrik einlogiert, sie erhalten dort auch Speise» und geistige Getränke. Trotz einer nur sehr geringwertigen Lohnforderung und dem be- scheidenen Verlangen nach Regelung der ins Unendliche betriebenen Ueberzeitarbeit ließ es die Firma zur Arbeitseinstellung kommen, ohne auch nur den Versuch zu einer gütlichen Verständigung mit den Arbeitern zu machen. Dabei sind die meisten Arbeiter lange Jahre bei der Firma beschäftigt.— Außer der Firma Wagner u. Eie. stehen die Modelltischler in zwei weiteren Modellsabriten in Tortmund in Kündigung, weil auch diese beiden Firmeninhaber sich weigern, den geringfügigen Wünschen ihrer Arbeiter auf eine Arbeitszeiwerkürzung von zwei Stunden pro Woche Rechnung zu tragen. Zuzug von Modelltischlern ist von Dortmund streng fern- zuhalten."_ Nachklänge vom vorjährigen Bergarbeiterstreik. Tie Motive des vorjährigen Bergarbeiterstreiks im Nuhrgcbiet waren Freitag Gegenstand einer siebcnstündigen Verhandlung vor dem Schöffengericht in Essen. Während und nach dem Streik hatte das Essener Zentrumsblatt, die„Volkszeitung", Artikel veröfsent- licht, in denen sie die Führer des alten Verbandes angriff. Es lvurde ihnen vorgeworfen, daß sie sich durch Bestechung mit eng- lischem Gelde zur Inszenierung des Streiks hätten bestimmen lassen, daß sie ferner beim Androhen des Abzuges der Kontrakt- bruchsstrafe durch die Unternehmer öffentlich und den mitkämpfen- den Verbänden gegenüber zum Ausharren gemahnt, hinterrücks ihre Mitglieder aber mit Arbeitskarten versehen und in die Gruben geschickt hätten, und daß der frivol begonnene Streik nicht ans fach- liehen Gründen inszeniert worden sei. Vielmehr habe durch den streik der christliche Gewerkverein zertrümmert und außerdem hätte er der Sozialdemokratie fruchtbar gemacht werden sollen. Gegen den verantwortlichen Redakteur der�„Voltszeitung", Hankammer, wurde Strafantrag gestellt. Die Sache hat infolge verschiedener Ilmstände mehrfach vertagt werden müssen, weshalb sie erst am Freitag zur Verhandlung kam. Für den ersten Punkt erklärte der Verteidiger einen Wahrheitsbeweis nicht antreten zu können und auch nicht zu wollen, weil der Vorwurf in dem Artikel gar nicht gemacht fei. Aber auch die Beweisführungen für die an- deren Behauptungen sind alle mißlungen. Während die von dem Angeklagten dafür genannten Zeugen Hermann I m b u s ch und Giesberts über die Sache überhaupt nichts Greifbares wußten, konnte der Verbandssekretär H u s e m a n n bekunden, daß die Karten mit Stempel der verbündeten Organisationsleitungcn nur für Invaliden, die an der Förderung nicht beteiligt sind, ausgc- stellt wurden, und daß der Verband noch keine 199 solcher Karten im ganzen ausgestellt hat. lieber die angeblich unsachlichen Motive des Streiks wußten die Zeugen des Angeklagten ebensowenig irgendeine positive Angabe zu machen. Die Herren kamen immer wieder auf die Behauptung zurück, daß die Aussichten für den Streik nicht so günstig gewesen wären, und daß um so weniger Anlaß dafür gewesen fei, als ja der Zechenverband bereits eine Lohnerhöhung zum 1. April zu- gesagt hatte und auch der Minister sich in jener Berliner Konferenz stark dafür bemühte, die Zechcnverloaltungen zu Verhandlungen zu bewegen. Weil nicht abgewartet worden sei, ob die Versprechungen innegehalten würden, hätten nur die von ihnen angenommenen Gründe maßgebend für den Streikbeschlutz gewesen sein können. Das sei auch aus einem Artikel des„Vorwärts" klar hcrvorge- gangen. Zudem hätte auch das Geld des Verbandes zu einem Streik nicht ausgereicht.— In der Hitze des Gefechts entschlüpfte dem Herrn I m b u s ch das Geständnis, daß ein Streik nicht nötig gewesen sein dürfte, wenn der Gcwerkverein die Lohnbewegung mitgemacht hätte.— Durch das Zeugnis des Genossen H u c wurde der wahre Verlauf der Lohnbewegung, die bis 1919 zurückreicht, einwandfrei dargelegt. Ter Verteidiger des Angeklagten machte die verzweifelsten Anstrengungen, das Gericht glauben zu machen, daß der Angeklagte in Abwehr gehandelt, und daß er laut§ 193 freizusprechen sei. Kühn erklärte er darüber hinaus, daß— abgesehen von dem ersten Punkt der Behauptungen— die übrigen durch die Beweisaufnahme erwiesen seien. Das Gericht hielt den Vorwurf der Bestechung für tatsächlich erhoben. Rechtsanwalt H e r z f e l d, der Vertreter der Kläger, zer- störte die kunstvollen Deduktionen des Gegners, und das Gericht erklärte alle drei Behauptungen für bcleidi- g c n d. Ter Beweis sei aber für keine der Behau ptun- gen erbracht. Der Schutz des§ 193 könne nicht in F r a g e k o m m e n.— Das Urteil lautete wegen jeder der die Be- leidigungen enthaltenden Nummern der„Bolkszeitung" aus 59 M. Geldstrafe und außerdem Publikatiousbcfugnis in vier Zeitungen. Tie Steinmetzen in der Sandsteinindustric Nordbatzerus und im anschließenden badifchen Gebiet sollen am 26. Mai ausgesperrt werden. Die Ursache hierzu ist: die Steinmetzen in Edelsbach, Zeil und dem Steigerwald streiken seit drei Wochen, um einen Akkord- tarifvcrtrag zur Einführung zu bringen. Tic Unternehmer lehnen eine Regelung der Lohnverhältnissc ab. Tie Arbeiter erstreben keine Lohnerhöhungen, ihnen kommt es nur daraus au, die sogen. Winterlöhne zu beseitigen und einen einheitlichen Lohnsatz fcstzu- legen. Tic Steinmetzen in Ipboscn. Lichtcnstein, Rodenbach, Trcnnfcld, Fcchcnbach, Reistenhausen, Miltenberg und Klingeberg mußten teilweise den Sympathiestreik beschließen, da ihnen zugc- mutet wurde, Slreitarbcit zu machen. Mit einer Firma sollte in den letzten Tagen ein Tarifvertrag zustande kommen, der Unter- nehmcrverband hintertrieb dies aber. Augenblicklich befinden sich 399 Arbeiter im Streik. Durch eine Aussperrung würden weitere 499 Steinmetzen hinzukommen. Kusland. Tie Gewerkschaften in den Bereinigten Staaten. Nach der letzten Veröffentlichung des Bulletins des Arbeitsamtes von New Jork betrug die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 2 162 926. Diese Ziffern ent- halten nur die Mitglieder derjenigen Gewerkschaften, die Berichte eingesandt haben, und schließen 119 435 Mitglieder von Gewerkschaften aus, die Zweigabteiluugen in Kanada haben. Unter Hinzurechnung dieser kanadischen Mitglieder beträgt also die Gesamtsunrm 2 282 361. Davon entfallen auf die Amerikanische Föderation der Arbeit 1 761 835 Mitglieder, auf die Unabhängige Vereinigung der Eisenbahnarbeiter 393 884 und auf andere unabhängige Gewcrkvereine 216 642 Mitglieder. Die Ziffern beziehen sich für die erstgenannte Vereinigung auf den Durchschnitt des Jahres 1911, für die beiden anderen Gruppen auf die letzten Monate von 1912. Gegenüber dem Vorjahre weisen alle Vereinigungen einen Zuwachs an Mitgliedern um 3,3 Proz. auf. Uebrigens beziehen sich die gegebenen Mitgliederziffern nur aus diejenigen Mitglieder, die während des Berichtsjahres Beiträge abführten, während diejenigen, die, weil sie im Streik standen oder aus anderen Gründen dies unterließen, nicht mit erfaßt sind. Da außerdem eine Anzahl Ge- werkschaften keine Mitteilnngen machten, so ist also die Zahl der Gewerkschaftler wesentlich höher als hier angenommen. Die meisten Gewerkschaftsmitglieder zeigt das Baugewerbe mit 343 799; ihm folgt an zweiter Stelle der Bergbau, einschließlich Steinbruch mit 334 999, an dritter Stelle die Metallindustrie, Maschinen und Schiffsbau mit 232 799, an vierter die Bekleidung-- industrie mit 199 999 Mitgliedern usw. 73 Gewerkschaften mit insgesamt 1 198 935 Mitgliedern zahlten zusammen im Jahre 1911_ Unterstützungen in Höhe von rund 11 Millionen M, In dieser �umme sind aber noch nicht einbegriffen die von den Lokalkaffen ausgezahlten Unterstützungen. Die allge- meinste Form der Unterstützung ist die im Todesfalle. Es. wurden hierfür 6.3 Millionen M. verausgabt. Krankenunterstützung wurde von 71 Gewerkschaften mit 1,1 Millionen Mitgliedern in Hohe von 3,4 Millionen M. gewährt, Reiseunterstützmig' von 8 Gelverkschafte» mit 98 935 Mitgliedern in Höhe von 244 949 M. Iiigetidbewegimg. Arbcitcr-Jugcnd. Die soeben erschienene Nr. 11 des fünften Jahrgangs hat u. a. folgenden Inhalt: Preußenwahlen.— Vom subjektiven und vom objektiven Wert.— Tie erste Sommerfrische. Von W. Browme. — Ter Kellnerlehrling. Von G. Siaakc.— Ein Wundcrbau. Von Karl Okonsky.(Mit Abbildungen.)— Ter Böttchermeistcr und der Mehrwert. Von A. Ouist.— Aus der Jugendbewegung.— Vom Kriegsschauplatz.— Des Lehrlings Leidenschronik usw. Beilage: Ter Bankräuber. Von Hans Ludwig Rosegger. — Tie Erhebung des preußischen Volkes im Jahre 1813.— Eine sozialistische Künstlerin. Von W. Hausenstein. sMit Abbildungen.) — Die Technik des Manderns. Von E. Biging.— O, yes. Eine Erinnerung von Fritz Müller. Lichtscheu. Wie unseren Lesern erinnerlich sein wird, berichteten wir in Nr. 114 über die Hauptversammlung des Jungdeutschland- b n n d e s, die sich unserer Meinung nach zu einer moralischen Niederlage des Bundes gestaltete. Herr von Alten, Magdeburger Polizeipräsident und Erzcllenz von Bissing trugen ein jeder sein gut Teil hierzu bei. Sie hculmeiertcn bekanntlich darüber, daß ihre besten, intelligentesten und ausgezeichnetsten Jungens infolge der festen Gewerkschaftspropaganda die gastlichen Reihen des Jungdeutschlandbundcs verließen. Wer annahm, daß den jugendlichen Mitgliedern des Bundes für Offenheit und deutsche Treue"über den Verlauf dieser„denkwürdigen Hauptversamm- lung" Bericht gegeben würde, ist schwer enttäuscht worden. Man findet weder in Nr. 29 noch in Nr. 21 der„Jungdeutschlandpost" ein Sterbenswörtchen über diese Tagung. Der Grund ist sehr offensichtlich, denn unangenehme Wahrheiten werden den Jugend- lichen nach Jcsuitenmanicr vorenthalten. Wer zweifelt nach solcher Lichtscheu noch an der moralischen Pleite des Jungdeutschland- bnndes? letzte Nachrichten. Tie bulgarisch-rumänischen Abmachungen. Wien, 21. Mai.(W. T. B.) Tie„Neue Freie Presse" meldet aus Bukarest: In der heutigen geheimen Sitzung des Senats wurde das Petersburger Protokoll, betreffend die Ab- machung zwischen Rumänien und Bulgarien, vorgelegt. Das Protokoll besteht aus folgenden Punkten: Silistria wird mit einer Umgebung von drei Kilometer, von der Barriere der Stadt an gerechnet, Rumänien überlassen. 2. Rumänien hat das Recht, rumänische schulen und Kirchen in Mazedonien zu unterhalten. 3. Rumänien steht es frei, seine Grenzen gegen Bulgarien zu befestigen, während Bulgarien dies untersagt ist. 4. Rumänien gibt den Einivohnern, welche die Stadt Silistria verlassen wollen, eine Entschädigung. Diese Eni- schädignng wird von einer aus Bulgarien und Rumänien zu» samincngesetztcn gemischten Kommission festgestellt. Ein serbisch-gricchischer Vertrag. Wien, 24. Mai. sW. T. B.) Die„Südslawische Korrespondenz" erfährt aus Athen: Am 22. d. M. ist ein Ilcbcrcinkommen zwischen Serbien und Griechenland unterzeichnet worden. Der Vertrag, der durch eine Militärkonvention ergänzt ist, garantiert beiden Staaten gegenseitig ihre Gebietsansprüche. Infolgedessen hat Griechenland den Wunsch des bulgarischen Kabinetts, durch den früheren Ge- sandten Sarafow in Athen Sonderverbandlungen zu führen, abgelehnt. Französische Korporale wegen antimilitaristischer Acusieruugen verhaftet. Paris, 24. Mai.(W. T. 83.) Wie den Blättern aus Earcassonne gemeldet wird, wurden drei Korporale de- 143. Jnfanterieregi- ments, welche bei der Rückkehr von einer Uebung antimilitaristische Aeußerungen g6tan hatten, nach dem Militärgefänznis gebracht. Beschwichtigung der Tarifbill-Opposition. New Aork, 24. Mai.(W. T. B.) Die Tarifvorlage wird dem Senat wahrscheinlich erst am 15. Juni zugchen. Es verlautet, an- gesichts der Opposition der Wcststaaten dagegen, daß Wolle und Zucker auf die Freiliste gesetzt werden, würde den Senatoren der Wcststaatcn gestattet werden, zu diesen Zollpositionen pro korma Abändern ngsanträge zu stellen. Die Anträge dürften dann später wieder gestrichen werden. Eine surchtbarc Schiffsexplosion. K o n st a n t i n o p e l, 24. Mai.(Meldung der Agencc Havas.) Ter unter amerikanischer Flagge fahrende Dampfer„Nevada" von der Gesellschaft Hadjidacut geriet beim Auslaufen von Smyvna in die Linie der ausgelegten Minen, das Vorderschiff stieß gegen eine Mine und kurz darauf gegen eine zweite und dritte. Es ereignete sich eine Explosion, doch weiß man nicht, ob sie infolge der Berührung mit einer neuen Mine erfolgte oder ob rs sich»m eine Kcssclexplosion handelt. Das Schiff ging so- gleich unter. Nach einer Erklärung der Schiffsgesellschaft hatte der Dampfer zweihundert Pafsagicrc an Bord, von denen achtzig von dem französischen Kreuzer„Bruix" gerettet wurden. Einsturz einer Zuschauertribüne. Longbeach(Kalifornien), 24. Mai. Auf dem Municipal Pier, wo die englischen Einwohner der Stadt den Empire Tay feierten, stürzte eine zwanzig Fuß hohe überfüllte Zuschauertribüne ein. Das Unglück verursachte eine furchtbare Panik, der gegenüber die Polizei machtlos war. Nach dem Einsturz war der Strand niit schreienden und sich in Krämpfen windenden Menschen bedeckt, von denen zahlreiche verwundet waren. Getötet dürften fünfzig bis sechzig Personen sein. 35 Leichen sind bereits geborgen, meistens Frauen und Kinder. Tötlichcr Absturz eines Touristen. Montbovon(Kauion Freiburg), 24. Mai.(W. T. B.) Zwei Siudcntcn der Universität Lausanne hatten eine Tour auf den Rochcrs de Nahe unternommen. Beim Abstieg glitt der eine der beiden, Kurth Weißen au- Norddeutschland, aus und stürzte über eine Felswand. Er war sofort tot. Die Leiche wurde durch Holz- Hauer nach Montbovon gebracht. Attentat eines entlaffencn Sträflings. Albertville, 24. Mai. Ein Mann namens Tuval, der kürz- lich aus dem Militärgcfänguis entlassen worden war, hat durch Revolverschüsse den Kommandanten des Gefängnisses, Hauptmann Larezillicr, und einen Sergeanten schwer verwundet. Nachdem der Täter durch ihn verfolgende Personen verletzt worden war, schoß er auf sich selbst und. brachte sich am Kopfe eine schwere Wunde bei. Hierzu 4 Beilage«. tt Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. u Lerlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 127. 30, Jahrgang. 1. Stildfit des Jotmirts" fietlintr WsdiM. S-Nkg. 25. U«> 191B. Die Cailallefeier der berliner flrbeiterlcbaft. Es war ein guter Gedanke, die Gestaltung der Ver sammlungen zur Gedenkfeier der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins der Bildungsorganisation der Partei zu überlassen. Das war an sich schon ein ficht- bares Zeichen, an dein der Abstand von damals und heute gemessen werden konnte: einst dieser eine kleine Verein, von Wenigen ersehnt, von Einem ins Leben gerufen, von den Massen, denen er geschaffen war, kaum gekannt, noch weniger beachtet— heute die Millionen umfassende, in allen Lebens- sunktionen der Proletarierklasse wirkende Bewegung, die längst den engen Bau der reinen Parteiorganisation ge- sprengt hat, deren Strom sich stets verbreitert und in immer mächtigeren Teilen hinströmt; einst in der Haupt- stadt ein winziges Häuflein Unbemerkter und heute die gesammelte Macht, die sich eben wegen ihrer Stärke dczentra- lisicren muß und die es ohne Angst um ihre 5kraft tun kann,— die nicht nur für den Kampf um den Einfluß im Staat, nicht nur für den um mehr Anteil am Ertrag der Arbeit und für den um preiswürdige Lebensmittel ihre eigenen Organisationen mit allen ihren zahllosen und sinnvollen Ver- zweigungen hat, sondern die nun auch dazu gelangen konnte, das Bildungswesen der Arbeiterklasse selbst und aus eigener Kraft auch ausreichend zu regeln. Dann aber hob die Tätigkeit des Bildungsausschusscs den Abend hinaus über eine Art von Volksversammlungen aus besonderem historischen Anlaß und machte ihn zur Feier. Das taten nicht nur die Chöre und Rezitationen, die überall am Beginn und am Ende standen, dazu trugen auch die Reden bei. Gerade bei L a s s a l l e s Reden und Schriften, die sich zu� so erheblichem Teil mit Preußen beschäftigen, ist es besonders schade, daß der harte Kampf, die Not des Tages uns gar so selten dazu kommen lassen, in sie uns zu ver- senken. Daß wenige Fahre nach seinem Tode Bismarck das Deutsche Reich mit dem von Lafsalle geforderten allgemeinen und gleichen Wahlrecht zusammenklammern werde, konnte Lassalle nicht wissen. Sein Schlachtruf vor fünfzig Jahren galt der preußischen Wahlreform, die heut noch nicht ge- macht ist und die der Oberjunker bewußt durch die Ein- führung des Reichstagswahlrechts für ein als recht ohn- mächtig gedachtes Parlament in dämmerigen Hintergrund schob. So sind Lassalles Worte über das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für uns heute lebendigste Wahrheit— und waren es besonders an einem Tag, wo Berliner Richter durch die Verhängung von Gefängnis- strafen das— Ende des„Junker"- und„Geldsackparlamcnts" herbeiführen wollten.... Und sind Lassalles Worte über den infernalischen Charakter der i n d i r e k t e n S t e u c r n, die die Insassen des Käfigs der Kapitalsherrschaft noch den Wärter bezahlen lassen, der ihre Unfreiheit bewacht, heute weniger wahr und darum auch erschütternd, als in den sechziger Jahren? Hat dieses System der Tücke seither nicht einen glanzvollen Aufstieg gefeiert in den Taten der Schwarzblauen und raunt es nicht wieder in den Gängen und Zimmern des Reichstags von neuen Plänen der Volksauswucherung fiir Rüstungszwecke, auf daß wir in ein paar Jahren dem Selbstherrscher aller Reußen noch mehr »imposante deutsche Manneskraft" in Untertänigkeit vorführen dürfen, als das in diesen Klimbimtagen ruhmreich geschehen? Daran konnten die Redner nicht vorbeigehen: des Gegen- satzes zwischen dem höfischen Brimborium vor der Staffage dex Gaffer und der Gedenkfeier des Volkes an den ersten Weckruf für die deutschen Kapitalssklaven wurde überall ge- dacht. Und da uns in diesen Tagen bald wohl noch mehr die schwarzweiße Preußengloire um die Ohren geschlagen wird, um uns zu betäuben, blieb auch nicht unerwähnt, wie dieser gute, liebe, musterhaft wohltätige Staat die Masse seiner werktätigen Bewohner von dem Beginn ihres selbständigen l Lebens an gereizt, verfolgt, gepeinigt hat, wozu nun auch 'stnmer mehr noch die neue Junkermethode der Verhöhnung 'tritt, die mit Arbeitergeld die Arbeiterjugend ihren Eltern und ihren Interessen entfremden ivill, die ungeniert das zweierlei Recht zum Staatsgrundgesetz erhebt, den Polizei leutnant zum Parlamentspräsidenten und das Volk in Waffen zur Garde der Scharfmacher und Streikbrecher machen möchte. Der kapitalistischen Ausbeutung und der ihr stets so restlos geleisteten preußischen Staatshilfe galt der Kampf des Einen von der Assisenrede bis zum Offenen Antwort schreiben und bis zu dem Triumphzug von Ronsdorf. Die Millionen, die heute in seinem Geist gegen die gleichen Feinde kämpfen, haben ihn nicht vergessen! * Die Sozialdemokratie Groß-Berlins hatte 14 solcher Feiern arrangiert. In allen wurden Festreden gehalten. Unsere stimm- begabten Genossen verschönten die Feier durch Fcstgesang. Und auch der Prolog, der überall gesprochen wurde, trug viel dazu bei, die Zuhörer in eine gehobene Stimmung zu versetzen. Der Besuch der Veranstaltungen war glänzend. Es gab nicht wenige Genossen, die da fürchteten, unsere Genossen und Genossinen, die eben die schwere Arbeit der Landtagswahlbewegung hinter sich haben, würden nicht so zahlreich erscheinen wie es er- wünscht ist und wie man eS von den Genossen gewöhnt ist. Um so mehr können wir unserer Freude Ausdruck verleihen, daß alle gehegten Befürchtungen gegenstandslos waren. Die Arbeiter schaft ließ es sich nicht nehmen, in Massen die Veranstaltungen zu besuchen, zum großen Teil in Feiertagskleidung, wodurch schon an sich etwas Festliches in die Veranstaltungen getragen wurde. Besonders zu erwähnen ist auch, daß überall viel Frauen an- wesend waren und daß die männliche und weibliche Jugend sehr zahlreich herbeigeströmt war, um aus berufenem Munde Schilde� rungen über den Werdegang der Partei entgegenzunehmen. In allen Sälen, die wir besuchten, saßen wir— oft in drangvoll fürchterlicher Enge— jung und alt, Kopf an Kopf mit begeisterten Augen den stimmungsvollen Darbietungen folgend oder den interessanten Aus- führungen der Redner mit angeregtester, gespanntester Aufmerksamkeit lauschend. Nun noch einige Einzelheiten über die verschiedenen Veran- staltungen. In Happoldts Brauerei in der Hasenheide war der großen Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Festrede hielt hier Genosse Wissel!, während der Gesangverein Kreuz- berger Harmonie durch seinen schönen Gesang die Anwesenden erfreute. Besonders erwähnt muß noch die überaus geschmackvolle Saaldekoration werden, die dem architektonisch schönen Saal ein feierliches Gepräge verlieh. Der große Saal des Gewerkschaftshauses war bis auf den letzten Platz besetzt, als die Versammlung durch Chorgesang vom Gesangverein„Liberte" eingeleitet wurde. Der Prolog wurde vom Genossen Gustav Winkler gesprochen und Genosse P f a n n- k u ch— einer unserer ganz Alten— konnte den Anwesenden viel Interessantes über die Entwicklung der Parteibewegung sagen. In K e l l e r s F e st s ä l e n, Koppenstraße, waren der große Saal und die Galerien vollständig besetzt. Mit Aufmerksamkeit und Be- geisterung lauschte man auch hier den GefangSvorträgen— Gesang- verein Fichte Georgina—, dem wirkungsvollen Prolog und den interessanten Ausführungen des Referenten Genossen Wurm. Der Saal der Brauerei Friedrichshain— einer der größten Versammlungssäle Berlins— war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Gesangsvorträge hatten hier die Thiloschcu Chöre übernommen, während das Referat Genosse Eduard Bernstein erstattete. Die Stimmung in der Versammlung war vorzüglich. Als wir das Saalgebäude der Brauerei König st adt betraten, scholl uns stürmisches Händeklatschen entgegen, das dem Genossen H a a s e galt, der hier das Referat übernommen hatte und gerade in kraftvollen Worten seiner Meinung über das gegen- wärtige Preußen Ausdruck verlieh. Die Sangesabteilung Norden I war es, die das Festlied sang. Der große Saal war auch hier überaus stark besetzt. Die G e r m a n i a- F e st s ä l e in der Chausseestraße waren gleichfalls das Ziel von Tausenden. Hier hielt Ritter den Vor- trag über die Geschichte der Partei, während der Gesangverein Neu Erwacht die Feier durch Gesang verschönte und der Genosse Max M a h l e r den Prolog wirkungsvoll rezilierte. In den Pharus-Sälen in der Müller st raße hatten wir Schwierigkeiten, überhaupt in den Saal zu gelangen, da hier die Polizei den Saal wegen Ueberfüllung absperren muhte. Die Tische hatte man zum großen Teil aus dem Saale entfernt. Aber trotzdem reichten die Sitzplätze nicht entfernt aus für die Massen. die erschienen waren, um der Jubiläumsfeier beizuwohnen, und viele, sehr viele mußten sich mit einem Stehplatz begnügen. Genosse Däumig war es hier, der unter dem Beifall der über- füllten Versammlung die Festrede hielt. Mit Dank wurden auch der Prolog und die GesangSvorträgs der Gesaugvereine„Lerche" sowie„Gesund- brunner Harmonie" aufgenommen. Nicht ganz so stark besucht war die Veranstaltung im'Moabiter G e s e l l s ch a ft s h a u s in der Wiclefstratze, obgleich auch hier der Saal vollständig gefüllt war. Mit großem Jnleresse folgten die Anwesenden den interessanten Darlegungen des Genossen H e in e, dessen Ausführungen lebhaft applaudiert wurden. Beifall fanden auch sowohl der Sprecher des Prologs wie die Gesangsvorträge dos Männerchors Moabit. Der große Saal bei Bartsch, Neukölln, Her- m a>i n st r a ß e, war viel zu klein, um allen Erschienenen Unterkunft zu gewähren, und so mußlen denn viele furchtbar eingekeilt mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Die Festrede, die Genosse Legten hielt, wurde mit Begeisterung aufgenommen und auch die Gesangs- Vorträge des Männerchors Neukölln sowie die Rezitationen sanden lebhaften Beifall. Auch in Charlottenburg waren viele Männer und Frauen dem Rufe der Partei gefolgt und so war der große Saal des Volks- hauseS rasch gefüllt. Den Vortrag hielt hier Genosse Paul Hirsch, während die Liedertafel- Charlottenburg durch Gesangs- aufführungen erfreute. In Schöneberg waren die Rathaussäle zu der Veranstaltung ausersehen und als die Gesangsvorträge des Schöneberaer Männerchors die Feier einleiteten warder Saal dicht besetzt. Reserent war hier Genosse Scheid e m a n n, der in wirkungs- voller Weise die wesentlichsten Vorgänge der 60 Jahre vor den Zu- Hörern Revue passieren ließ. In Lichtenberg war der ,S ch w a r z e A d I e r' bis auf den letzten Platz gedrängt voll. Das Referat erstattete hier Genosse Pieck, während Genosse Kastle r den Prolog sprach und der Männer- ch o r S ü d- O st den Festgesang absolvierte. Das G e s e l l s ch a f t S h a u s in der Kreuzstratze zu P a n! o w, in dem die Genossen von Pankow-Nieder-Schönhausen die Feier be- gingen, war gut besucht. Den Vortrag hielt hier Genosse D u p o n t, dessen Ausführungen mit lebhafte« Beifall begrüßt wurden. Auch die Rezitationen sowie die Gesangsvorträge der Lieder- freunde Pankow fanden ein dankbares Auditorium. £lus Industrie und ftandd* Gegen die deutschen Ausfuhrprämien. Die durch das deutsche Einfuhrscheinsystem geförderte Getreide- ausfuhr nach Rußland und Finnland erregt schon seit langem den Zorn der ruffischen Produzenten und den Wunsch nach einer Gegen- Maßregel. Die Einführung besonderer Zölle ist dazu besonders empfohlen worden. Erst kürzlich fand in Petersburg eine Dele-- giertenkonferenz wirtschaftlicher Körperschaften zur Beratung über Maßnahmen zur Verhinderung ausländischer Getreideeinfuhr nach> Finnland statt. Dort haben die meisten Konferenzteilnehmer den Standpunkt vertreten, daß die Einführung besonderer Zölle auf das nach Finnland eingeführte Getreide und Mehl ohne Rücksicht; auf Deutschland jederzeit geschehen könne, da nur für eine allge- meine Abänderung des ftnnländischen Zolltarifs die im geltenden Handelsvertrage vereinbarte vorherig« Benachrichtigung Deutsch» lands mit längerer Ansagefrist(2 Jahre) obligatorisch sei.— So kommt vielleicht wenigstens ein ausländischer Staat den deuffchen Konsumenten zu Hilfe, um sie gegen den gesetzlich konzessionierten Getreidcwucher zu schützen!_ Der Stahltrnst im Welthandel. Durch die Vernehmungen von Angestellten des amerikanischen Stahltrusts im Prozeß wegen Vergehen des Trusts gegen die Sher- man-Akte(Antitrust-Gesetzs werden allerlei interessante Einzel- heiten über den Machtbereich und die.Gcschäftsmanipulationen eines solchen Riesengebildes bekannt. So sagte nach der„Köln. Ztg." James A. Farrell, der Präsident der Steel Corporation, folgendes kleines feuiUeton. Tos verschwindende Waterloo. Man schreibt uns aus Brüssel: Es gibt jetzt Leute in Belgien und wie es scheint auch in England, die sich sehr um Waterloo sorgen. Die Presse bringt Zuschriften, schon gibt es„Meinungen", die Deputierten des Wahlkreises, zu dem Waterloo gehört, sprechen beim Minister vor— mit einem Wort Waterloo ist in die gefährliche Sphäre der„Fragen" gerückt. Es handelt sich darum, ob Waterloo„erhalten" werden soll. Es zeigt sich nämlich, daß auch die Ebene um Waterloo, wie man in solchen Fällen zu sagen pflegt, dein Zeitgeist seinen Tribut zollen muß, der allen historischen, militärischen und sentimentalen Interessenten zum Trotz das Schlachtfeld von Waterloo als Bauterrain zu werten beginnt. Auf dem blutgedüngten Boden hat man längst mit Kelle und Spaten zu wirtschaften begonnen. Haus um Haus— man kann hier auch sagen Wirtshaus um Wirtshaus— ist aus dem Schlachtfeld emporgewachsen. Darob große Auflegung bei dem und jenem Oberstleutnant, bei etlichen Blättern und auch einigen um den Frcmdcnbesuch besorgten zivilen Autoritäten, die über Prosa- uation, Störung des Aspekts, ja sogar über an der Militärwisscn- ichaft verbrachte Untaten klagen. Was speziell diese betrifft, so scheint die Sache mehr als übertrieben, denn was zu studieren und zu berechnen war, ist reichlich geschehen und die Aufnahmen des kartographischen Instituts dürften auch die wissensdurstigsten Ossi- ziere befriedigen. Was aber die„Profanation" des Schlachtfeldes betrifft, die eine höchst verdächtige bürgerliche Ideologie anruft, so wäre sie schlechthin zu ertragen. Die Heilighaltung des Schlacht- selbes ist weniger eine Ehrung der Toten als eine Verherrlichung des Kriegswahnsinns und zudem eine ästhetisch und sentimental dra- pierte Spekulation, auch in der Richtung des Fremdenverkehrs.... Denn es ist schon möglich, daß das„entweihte" oder vulgär ausgc- drückt verbaute Waterloo die englische Fremdenflut etwas ein- dämmen könnte. Aber daß die dicht wohnenden Belgier ein gutes Stück freier Erde, das niemandem nützt, brachliegen lassen sollen, weil sich die reifcbedürftigen Ladies und Gentlemen von jenseits des 5!anals Wellingtons Taten von kreischenden Führern an Ort und Stelle demonstrieren lassen wollen, ist vielleicht kein zureichender Grund für die„Erhaltung" des Schlachtfeldes von Belle-Alliance. Immerhin, die Zeiten ändern sich. Waterloo, Waterloo! hlorne plainc!(düstere Ebene) sang Victor Hugo. Heute fährt man mit der Trambahn von Brüssel nach dem Schlachtfeld von Belle-Alliance. Wirtshäuser mit mehr oder weniger historischen Namen umlagern die„Butte"(Hügel) mit dem Löwen, in dessen Rachen Schwalben hausen; und ein„Panorama" bietet die Jllustra- tion zu den Erläuterungen des Fremdenführers über die„Stel- lungen" der Armeen Napoleons, Blüchers und Wellingtons... Fehlt nur noch der letzte Kulturftreich— das Kino für den Film von Waterloo. Ein smarter Victor Hugo würde schließlich auch aufzu- treiben fein. Oh,„rnorne plainc!,",., Ein neuer Tchiffstyp. In dem Streben, im Schiffsbetriebe einen möglichst hohen Grad der Wirtschaftlichkeit zu erzielen, hat man auch in der Gestaltung des Schiffskörpers die mannigfachsten Versuche gemacht. So hat man in den letzten Jahren auf Grund verschiedener Vorversuche ein Schiff mitgewellter Außen- haut konstruiert, über das Dr. Michaelsen im neuesten Heft der „Umschau" nähere Mitteilungen macht. An beiden Schiffsseiten laufen zwei Wülste von etwa 1,2 Meter Breite und etwa 0,30 Meter Höhe, die gleichzeitig als Schlingerkiele dienen und die einen sehr günstigen Einfluß auf die Bildung der Bug- und Heckwelle haben und so die am Heck auftretenden Wirbelbildungen, die die Propeller- Wirkung hemmen, bis zu einem gewissen Grade unterdrücken. Bei Versuchen an Modellen mit glatter und mit gewellter Außenhaut hatte sich die überraschende Tatsache ergeben, daß der Widerstand bei den letzteren um 16 Proz. geringer war, und so ging man dazu über, ein Schiff von 4600 Tonnen, die„Monitoria", zu bauen. Bei Vergleichsfahrtcn, die mit der„Monitoria" und einem genau entsprechenden Schiff mit glatten Seiten unternommen Ivnrden, ergab sich, daß die„Monitoria" bei 10 Knoten Fahrt und 100 Pferdestärken Maschinenleistung 410 Tonnen beförderte, während das glatte Schiff unter denselben Bedingungen nur 350 bis 369 Tonnen schleppte. Die„Monitoria" wies also eine Mehr- leistung von 14,5 bis 17 Proz. auf. Dabei ist die Ouerstabilität des Schiffes sehr gesteigert; sobald einer der Wülste auftaucht, nimmt vas aufrichtende Moment plötzlich zu, und die so erzielten weicheren Bewegungen des Schiffes werden überdies noch durch die schlinger- dämpfende Wirkung der Wülste unterstützt. Wichtig ist ferner die Material- und Kostenersparnis, da durch die gewellte Außenhaut eine größere Steifigkeit gegen Belastung in horizontaler Richtung gegeben ist, so daß der Spantabstand auf ein Vielfaches gesteigert ist. Bei dem zweiten Schiff dieses Typs, der„Hyltonia", hat man dadurch diixBaukosten um 32 000 M. verringern und die Lade- fähigkeit um 80 Tonnen steigern können. Hierzu kommt noch eine Ersparnis an Kohlen, die ebenfalls dem Ladegewicht zugute kommt. Der Ursprung des neuesten Gesellschaftstanzes. Ueber den Ursprung des„Tango", der jetzt in den Salons aller Hauptstädte Europas so sehr beliebt ist, macht ein„Wissender" im„Journal" bemerkenswerte Mitteilungen. Er definiert den aus Argentinien eingeführten Tanz als den Bauchtanz, der nicht von einzelnen Per- fönen, sondern paarweise getanzt wird, und erzählt, daß er direkt aus dem„Froschviertel" in Buenos Aires stamme; dieses Viertel ist eines der schmierigsten und gefährlichsten Stadtteile der Hauptstadt Argentiniens: es lebt dort aller Abschaum der menschlichen Gekell- schaft, gewesene und werdende Zuchthäusler. Die unheimlichen Schenken, in denen dieses Volk verkehrt, zeichnen sich durch seltsamen Schmuck aus: sie sind fast alle mit Ueberresten alter Petroleum- können bedeckt. Neben den originellen Bauwerken befinden sich die Schuttabladestellen der Hauptstadt. Und hier leben die argentinischen „Apachen", eigenartige Kreuzungen von Lateinern und Indianern, von brauner Gesichtsfarbe, glatt rasiert, mit stark pomadisierten Haaren. Der von ihnen erfundene Tango, den sie mit ihren Frauen tanzen, ist nichts anderes als ihr musikalisch rhythmisierter Gang den sie mit allerlei recht eindeutigen Gesten begleiten. Für euro- päische Salons ein herrliches Vorbild! Musik. „Lohengrin" bei Kroll. Sogenannte»Sommeropem� sind immer mißliche Unternehmungen. Händelt eS sich jedoch um Aufführungen Wagnerscher Werke so darf sich die Kritik an der Anerkennung selbst der redlichsten Absichten nicht genügen lasten. Angesichts dieses dritten Wagners läßt sich kein Fortschreiten zum Besseren konstatieren. Im Gegenteil. Die Regie arbeitet mangelhaft. Und zwar gleich von Anfang. Von lebhafter Bewegung der Chöre keine Spur. Damen wie Herren, Krieger, Edelfrauen. Pagen stehen wie Oelgötzen. Dann die Besetzung des Orchesters. Wo blieben die von Wagner vorgeschriebenen Klang- cffelte: Teilung der Geigen, Benutzung von drei Flöten, drei Klarinetten ulw.? Es klappte nicht recht. Die Tempi, gerade im letzten Akt gegen den Schluß hin werden viel zu überstürzt genommen.'Es kam keine weihevolle Stimmung auf— oder doch nur momentweise. Unter allen Mitwirkenden ragte Frida Langendorff stimm- lich wie darstellerisch um Hauptes Länge hervor. Ihre Ortrud erinnert an die stärksten Vertreterinnen dieser Rolle, an eine Ternina oder Emanuela Frank. Das war eine Bravourleistung! Marcella R o e s e l e r(Elsa) fehlt es zurzeit noch am echtwagnerischen dra- matischen Akzent in der Stimme und gänzlich an Spiel. Begäbe sich die offenbar noch jugendliche Anfängerin in die Hand eines eisern strengen Regisseurs, so verspräche sie wohl einmal eine gute Elsa und tüchtige Kraft zu werden. Robert vom Scheidt(Telra- mund) und Leonor Engelhardt(Lohengrin) vermochten nur teilweise wirllich Treffliches zu geben. Hingegen offenbarte Rudolf M o e st(König) edle bassistische Vorzüge; und Karl Rudow sang den Heerrufer gleichfalls sehr gut. Zum Schlüsse gab es»großen Beifall— allein das hat nicht viel zu bedeuten. Es bleibt dabei: diese Aufführung war kein Ereignis!«. k. Notizen. — Ein archäologischer F u n d von großer Bedeutung ist bei Pra dello Fercha, tu der Nähe von Aosta gemacht worden. Bei Ausgrabungen wurde das Skelett eines Mannes aus dem Bronzezeitalter zutage gefördert, das eine Länge von 6 Fuß besitzt. An den Beinen befinden sich große Ringe mit Inschriften, die noch nicht entziffert werden konnten. Das Skelett wurde dem Turiner Museum überwiesen. — Frankreich auf einer deutschen Aus st ellung. Die Vorlage der französischen Regierung, die einen Kredit von 493 500 Fr. fiir die Teilnahme Frankreichs an der Leipziger Aus- stellung für Buchgewerbe und graphische Kunst im Jahre 1914 fordert, ist zur Annahme gelangt. — Der Goldfund bei Ebers>v aide Ivurde S. M. von dem Chef des Messingwerkcs zur Verfügung gestellt.— Aron Hirsch wird dafür einen Orden bekommen. üDcr die Auslandsgeschäfte des Trusts aus: Der Trust erstreckt seines Wesen. Dabei ist noch eine Frage aufzuwerfen: warum ist Geschäftsverbindungen über die ganze Welt.'Er besitzt 26S Nieder- nü ch t gegendenDienstherrnAuklageerhoben? langen in 60 Landern...von Island bis zu den Fidji-Jnseln' das Mädchen zur Zeit der Tat noch nicht 18 Jahre alt ��55� j f0 �nnte nicht sie. sondern nur ihr gesetzlicher Vertreter Straf Weil häufig in solchen Fällen die Stellung das sich von 31 Millionen Dollar im Jahre 1904 auf 99 Millionen i:n Jahre 1919 gesteigert hat. 99 Proz. des amerikanischen Aus- landshandels in Stahl lägen in Händen der Gesellschaft. Schwierig- leiten beständen nur in Deutschland, Frankreich, Italien, Oester- reich und Rußland wegen der hohen Zölle, und in Deutsch-Südwcst- afrika sei kaum etwas zu machen, da die Deutschen das dortige Eisengeschäft selbst in der Hand hätten. Die Kataloge des Trusts erscheinen in deutscher, französischer und portugiesischer Sprache, und die New Uorker Hauptniederlassung besorgt ihre Korrespondenz in allen Sprachen der Welt, in englischer, französischer, deutscher, russi scher, chinesischer, japanischer und hindosianischcr. Das New Iorker Bureau sei eine Enzyklopädie für amerikanische Fabrikanten über die Handelsverhältnisse in fremden Ländern und oft borgten sich andere Industrielle die Verkäufer der Gesellschaft für ihre Geschäfte aus. Der Trust habe die fremden Märkte eingehend studiert und seine Fabrikation teilweise unter enormen Kosten den jeweiligen besonderen Bedürfnissen angepaßt. Ingenieure und sachverständige Arbeiter würden ausgeschickt, um an Ort und Stelle Montage- arbeiten vorzunehmen. Keine der Tochtergesellschaften hätte dies für sich allein unternehmen können. Die gewaltige Auswahl ihrer Produkte ermögliche es der Gesellschaft, allen Bedürfnissen gerecht zu werden, von Sprungfedermatratzen bis zu Stahlbrücken. In Patagonien setze die Gesellschaft Draht ab, in Formosa Schienen, in Island Stahlbrücken und in Südafrika Zaundraht. Die Gesellschaft besitze eigene Dampfer und habe andere gemietet, um ihren Stahl nach Häfen zu bringen, die sich keiner regelmäßigen Schtffsverbin dung erfreuten. In Bulgarien mache sie ein bedeutendes Geschäft in Drahterzeugnissen und Nägeln. Sie sei die Hauptkundin der Levante-Linie, um Varna am Schwarzen Meer zu erreichen. Früher sei man auf Umwegen dahin gelangt; als die Stahlgesellschaft aber ihren Verkehr in Aussicht gestellt habe, habe die Levante-Linie einen rieuen Dienst für sie eingerichtet. Das Geschäft in Europa, führte Farrell weiter aus, sei entwickelt worden, ungeachtet des Widerstands der dortigen Finanzinteressen, Vorzugstarife und lokalen Schwierig kciten. An anderen Orten habe man die europäische Konkurrenz verdrängt, so habe die Gesellschaft in den letzten acht Jahren den Stahl für jode Stahlkonstruktion in Buenos Aires geliefert trotz deutschen, englischen und französischen Wettbewerbs. Trotz des Vor- zugstarifs für britische Waren habe sie kürzlich in Australien den Kontrakt für die Liestrung von Schienen für eine neue Ueberland bahn und für den Bau der größten Brücke in der Welt in Sydney erhalten. In China werde sie ihr defektes Material los und ver kaufe durch ihr Bureau in Schanghai jährlich für 4 Millionen Dollar Waren, und an der Novdküste von Afrika, in Tanger, Marokko, Algier und Tripolis arbeiteten ihre Konstrukteure und Monteure. Ueber den Anteil von internationalen Preis- und Absatzkonven- tionen an diesem Aufschwung des�iluslandsgeschäfts schwieg Farrell sich aus. Ja, er bestritt sogar die Existenz solcher Abkommen, ob- gleich sein Vorgänger im Amt, William F. Corcy, sogar Einzelheiten darüber vor der Untersuchungskommission mitgeteilt hatte. antrag stellen. Weil häufig in solchen eines Strafantrages unterbleibt und eine grausame oder bos hafte Behandlung der jugendlichen Personen dringend eine Bestrafung erfordert, ist in die Strafgesetznovelle von 1912 eine Vorschrift hineingekommen(Z 223, Abs. 2), nach der auch ohne Antrag von anits wegen eine grausame oder boshafte Behandlung einer noch nicht 18 Jahre alten Person, die dem Hausstände des Täters angehört, zu ver folgen und mit einer Strafe nicht unter 2 Monaten Gefängnsi zu belegen ist. Das Mädchen sollte noch nachträglich Straß antrag stellen. Die zunehmenden Roheiten von Herrschaften gegen Gesinde verdienen rücksichtsloseste Ahndung' der in der Handlung liegenden niedrigen Gesinnung und feigen Rück' sichtslosigkeit gegen die Gleichberechtigung derer, die arbeiten Selbstkosten Z- 19 Proz. Wie die Selbstkosten bei der Ankündi- gung„Selbstkosten+ 19 Proz." berechnet werden, wird durch eine Mitteilung des„Konfektionär" ins rechte Licht gesetzt: Bei der jetzt in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Berliner Herren- kleider-Vertriebsgesellschast m. b. H. beziehen die beiden Geschäftsführer ein Gehalt von 4 99 99 M., das sind 5 Proz. vom Umsatz. Neben diesem Betrag werden natürlich noch alle anderen Unkosten, Spesen usw. als Selbstkosten gerechnet, wozu dann als Verkaufspreis noch 19 Proz. aufgeschlagen werden! Tie hohen Gewinne der Versicherungsgesellschaften. Bei 19 Ge- scllschaften, die ihre Bilanzen im 1. Quartal 1913 mit dem Vorjahr vergleichbar veröffentlichren, ist die Summe der auf ein Aktienkapital von 25,42 Millionen Mark verteilten Dividende von 4,S9 auf �S, 16 Millionen Mark angewachsen. Der durchschnittliche Dividenden- ertrag stieg von 17,4 auf 99,3 Proz. Der Reingewinnüberschutz stieg von 8,ö auf 19,7 Millionen Mark. Durch die„V o l k s f ü r so r ge wird endlich dieser Gewinnanhäufung zugunsten der Aktionäre und auf Kosten der Versicherten Abbruch getan werden. Zollfreie Einfuhr von Kohlen in Rußland. Die russische Regie- rung hat in der Duma das Gesetzesprojekt eingebracht, nach dem lvährend der Dauer eines Jahres ausländische Kohlen zollfrei ein- geführt werden dürfen, um den seit längerer Zeit empfindlichen Kohlenmangel zu verringern. Es ist wahrscheinlich,'daß dieser für die deutsche Bergbauindustrie wichtige Beschluß durchgeht. Der Arbeiter-Sängerbund ein politischer Verein? Während Jünglings-, Krieger- und Jungdeutschlandvereine sich gegenseitig den Rang in der intensivsten politischen Betätigung ab- zulaufen suchen, ohne daß irgendeine behördliche Einrede bekannt geworden wäre, machen die Polizei- und Justizbehörden in ver stärktem Matze gegen die unpolitischen Organisationen der Arbeiter mobil. Das Oberlandesgericht Celle hat jetzt eine Entscheidung des Landgericht Detmold bestätigt, wonach der Arbeiter-Sängerbund als ein politischer Verein im Sinne des Reichsvereinsgesetzes anzu sehen sei. Es handelte sich in der Sache um den dem Arbeiter Sängerbunde angeschlossenen Gesangverein„Freie Sänger" ,in Lemgo, gegen dessen Vorstandsmitglieder die Polizeibehörde Straf- Verfügungen erließ, weil sie es unterlassen haben sollten, die Satzungen und die Namen der Borstandsmitglieder einzureichen. Das Schöffengricht sprach die Angeklagten frei, auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde'dies Urteil von der Strafkammer aber aufgehoben. In der Urteilsbegründung der Strafkammer heißt es u. a.: „Die Fassung des Statuts läßt klar erkennen, daß der Verein seine Mitglieder zu Anhängern einer bestimmten politischen Partei erziehen und dadurch seinen Einfluß erhöhen will.... Selbst, wenn der Verein das Statut nur als provisorisch ansah, mutz er als poli- tischer Verein gelten. Er hat sich von Anfang an dem Deutschen Arbeiter-Sängerbunde angeschlossen, dem er auch jetzt noch angehört und damit zu erkennen gegeben, daß er dessen Bestrebungen unter stützt und als für sich maßgebend betrachtet. Nun sind allerdings die Satzungen dieses Bundes in der Form unverfänglich, wenn auch der Inhalt einzelner Bestimmungen, insbesondere der§8 2, 3 eine gewisse Vermutung rechtfertigt, daß unter dem Deckmantel der Pflege des Gesanges die Bundesmitglieder in einer bestimmten politischen Richtung bcinflußt werden sollen. Das wird zur Ge witzheit durch die.... Erklärung, das provisorische Statut, welches der Verein von dem Bunde erhalten hatte, gelte für alle Vereine dieser Art. Der Bund liefert daher allen Vereinen dies selbe Statut und gibt dadurch zu erkennen, daß er erwarte, sie würden sich danach richten. Ist das aber der Fall, so verfolgt er selber und damit der Verein„Freie Sänger" eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten." Das Oberlandesgericht Celle hat in dieser Entscheidung des Landgerichts keinen Rechtsirrtum in der Auffassung des Vorder richters entdecken können. Die Annahme, daß der Verein seine Mitglieder zu Anhängern der Sozialdemokratie erziehen wolle, be ruhe im wesentlichen auf tatsächlichen Feststellungen und Erwägun- gen, die einer Nachprüfung nicht unterliegen. Das erkennende Gericht hat sich in diesem Falle nur an das Statut gehalten, von einer politischen Betätigung in tatsächlicher Beziehung konnte auch nicht die Spur erwiesen werden. Sollen die Arbeitersänger nicht ungestört ihren künstlerischen Bestrebungen nachgehen können? Derartige Gerichtsurteile wirken, namentlich angesichts der flagrantesten Rechtsbrüche der sogenannten patrioti- schen Vereine, recht aufpeitschend und erzielen so Erfolge, die denen gerade entgegengesetzt sind, die die Ankläger erhofften. Smcdts- Zeitung* Folgen der Gefindeprügelei. Das knapp 18jährige Dien st mädchen Minna Elze von Schafstädt stand am Freitag vor dem Schwur- gericht Halle a. S. unter der schweren Anklage, am Morgen des 22: März d. I. versucht zu haben, ihren Dienst- Herrn, den Viehhändler E r n st H e i n r i ch, mit einem Beil im Bett zu töten. Am Tage vorher, dem sogenannten„stillen Freitag", hatte der Dienstherr das junge Mädchen durch Schläge int Gesicht grob mißhandelt, so daß die Augen ver quollen und mit blauen Flecken umgeben waren. Die E. war durch die Tochter des Dienstherrn gereizt und soll dann den Eheleuten einige unpassende Antworten gegeben haben. Als die Angeklagte am Morgen nach der Prügelei in den Spiegel schaute und ihre verquollenen blauen Augen sah, ge- riet sie in eine derartige Erregung, daß sie ein in der Küche hängendes Küche nbeil ergriff und daniit dem'im Bett liegenden Dienstherrn einen Hieb gegen die Stirne versetzte. Sie hatte, wie sie vor Gericht angab, wegen der Mißhandlung dem Dienstherrn nur eins auswischen wollen. D i e Verletzung war auch nicht gefährlich und bald geheilt. Der bisher unbestraften Angeklagten ivurde von dem Pastor, dem letzten Lehrer und anderen Personen das beste Leumundsattest ausgestellt. Sie sei artig, fleißig und von guten? Charakter geivesen. sagte der Nachtwächter in Schafstädt, der dort dienstlich tätig ist, über den Dien st Herrn aus rich habe sich schon allerwärts geschlagen, ilnd es sei allgemein bekannt, daß er seine Dienstboten schlecht behandle. Wegen seines Betragens habe er den Beinamen„Der eiserne Heinrich" erhalten. Daß er von dem Mädchen einmal etwas ausgewischt bekommen habe, schade nicht.— Eiir Knecht, der bei Heinrich beschäftigt war, meinte, ihm sei bei jeder Gelegenheit Dresche angeboten wordeil. Die Geschworenen verneinten die wegen ver- suchten Totschlags gestellte Schuldfrage, fanden die Angeklagte aber der hinterlistigen Körper- Verletzung mittels Waffe schuldig. Darauf erfolgte Verurteilung zu einem Jahre Ge- sängnis. Die Strafe ist� in Anbetracht der schwereil. dem jungen| Mädchen zugefügten Mißhandlungen und der völlig unerheb- liehen Folgen des Schlages mit dein Beil außerordentlich hoch. 1 Ein Verweis, allenfalls eine geringe Geldstrafe wären, wenn| überhaupt eine Strafe erfolgen mußte, völlig ausreichend ge- Dagegen 23 Jahre Hein herum Freiheit der Ansicht. Der seltene Fall, daß das Kammergericht als letzte Instanz ein Urteil aufhebt und selbst zu einer Freisprechung kommt, ereig- nete sich in einer Privatbeleidigungssache, in welcher sich ein Dr. F. aus Charlottenburg und ein Dr. I. aus Steglitz als Parteien gegenüberstanden. Besonders interessant in diesem Falle ist die Tatsache, daß das Kammergericht in seiner Begründung des Urteils sich in einem direkten Gegensatz zu dem inzwischen rechtskräftig gewordenen Urteil in den? bekannten Beleidigungsprozeß gegen den Amtsrichter Knittel gestellt hatte. In dem vorliegenden Falle waren die Parteien über eine zivilrechtlich streitige geschäftliche Frage in Differenzen geraten, die schließlich zu einer grimmigen Feindschaft führte und neben einer Strafanzeige auch eine Beleidigungsklage zur Folge hatte. In dieser stand bor dem Schöffengericht Berlin-Mitte Termin an. Der Vorfitzende regte seinerzeit einen Vergleich an, der aber von dem damaligen Angeklagten mit der Motivierung abgelehnt wurde, daß der Kläger„ein ehrloser Mensch" sei. Der Beklagte verlor nicht nur diesen Prozeß, sondern wurde auch noch wegen jener Beleidigung von neuem verklagt. Er wurde von dem Schöffengericht freige- sprochrn, da ihm der Schutz des§ 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zugebilligt wurde. Die Strafkammer hob jedoch dieses Urteil auf und verurteilte den Angeklagten zu 59 M. Geldstrafe. Der als Zeuge vernommene Schöffe, welcher in jener Verhandlung, in der die Aeußerung gefallen war, als Beisitzer fungiert hatte, be- kündete, daß er nicht den Eindruck gehabt habe, daß der Angeklagte sich im Ausdruck vergriffen habe. Das Urteil der Strafkammer führte aus, daß der Angeklagte nur das Recht gehabt habe, sachlich seinen ablehnenden Standpunkt zu vertreten, auch habe er berück- sichtigen müssen, daß es sich um eine öffentliche Sitzung handele und der Ausdruck eine schwere Herabsetzung des Gegners enthalte. Das Kammergericht kam mit einer Begründung, die grund- legend sein sollte, zu einer Freisprechung. Das Kammergerichts- urteil nimmt an, daß der Angeklagte das Recht gehabt habe, die Gründe seiner Ablehnung anzugeben und zu diesem Zweck den Gegner zu kennzeichnen, um nicht selbst in ein schiefes Licht zu ge- raten. Der Angeklagte habe lediglich seinen sachlichen Grund für die Ablehnung angeben wollen, sie sei also von seinem Standpunkt aus nötig gewesen. Aber dies sei sogar unerheblich, denn zur An- Wendung des 8 193 käme es nicht darauf an, ob die Aeußerung zur Wahrnehmung von Interessen nötig, sondern ob sie dazu bestimmt war. Die Aeußerung sei auch nicht in der Form verletzend. Das Landgericht verwechsele hier Form mit Inhalt, die Worj« enthielten das, was der Angeklagte inhaltlich habe sagen wollen, die Aeußerung sei eben überhaupt nicht in eine besondere„Form" gekleidet ge- Wesen, Einkleidung und gedanklicher J??halt decken sich vielmehr beide. Angesichts der zahlreichen Prozesse, in denen auch namentlich gegen die Presse aus Wortwendungen oft mehr als aus der Sache in den Urteilen strafbare Beleidigungen angenommen werden, ist diese höchstrichterliche Entscheidung geeignet, in gewissem Sinne be- freiend zu wirken— wenn sie auch gegen die Presse, insbesondere die sozialdemokratische angewendet würde. Man vergleiche aber zum Beispiel das am Freitag gefällte harte Urteil gegen den „Vorwärts" mit dieser verständigen Ansicht des Kammergerichts. recht inter essa nt en S trei tsa ch e vor dem Bezirksausschuß in Breslau gezeigt. Zum Glück war der Bezirksausschuß noch nicht s o bureaukratisch veranlagt, wie die Breslauer Polizei und hob eine Ausweisungs-Verfügung gegen ein von einer Zigeunerin stammendes Mädchen, das aber in Deuschland ge- boren i st, wieder auf. Ein deutscher Untertan, ein Pferdehändler, hatte ein Liebes» Verhältnis mit einer Zigeunerin, dem ein Zwillings- paar, ein Junge und Mädchen, entsproß. Die Mutter der Kinder starb bald nach der Geburt, lvährend sich der Vater um seine Kinder nicht kümmerte. Bis zun? dritten Lebensjahre über- nahmen Stammesangehörige der Verstorbenen die Erziehung der Kinder, die von da an, als der Vater endlich ermittelt wurde, diesem übergeben wurden, der dann auch die weitere Erziehung übernahm. Die Kinder, die eine Volksschule in Schleswig- Holstein besuchten, wußten nicht, w o sie geboren waren und ebensowenig konnte der Vater Angaben darüber machen. Vom 15. Lebensjahr an waren beide selber auf den Erwerb des Lebensunierhalts angewiesen. Später wurde der Bruder sogar zum deutschen Militär eingezogen und mußte seine zwei Jahre bei der Infanterie abdienen. Bis dahin hatten beide keinerlei Schwierigkeiten mir Behörden. Dann aber führte das Schicksal das Mädchen nach Breslau und von hier sollte sie auf Grund eines Ministerialerlasses über die Bekämpfung des Zigeuner- Wesens durch die Polizei ausgewiesen werden, ob- wohl sie bis dahin sich weder»lästig gemacht" hatte, noch jemanden zur Last gefallen war. Gegen diese von echt bureaukratischem Geist diktierte Verfügung klagte das Mädchen vor dem Breslauer Bezirksausschuß im Ver- waltungsstreitverfahren. Der erste Termin wurde vertagt, damit die Klägerin Zeit habe, sich ihre Geburtsurkunde zu besorgen, wozu sie und andere Leute beim besten Willen nicht in der Lage war. Im zweiten Termin stellte sich dann der Bezirksausschuß auf den einzig vernünftigen Standpunkt und hob die Aus- Weisungsverfügung der Polizei wieder auf, und zwar mit der Begründung, wenn die Polizei das Mädchen als lästige Ausländerin ausweisen will, dann habe sie den Nachweis zu führen, daß die Auszuweisende auch taffächlich Aus- länderin sei! Das Bureaukratenstückchen der BreSlauer Polizei wirkt um so komischer, als sie dem Bruder des Mädchens bisher nicht die geringsten Schwierigkeiten wegen seines Aufenthalts gemacht hat. Diesen hat man als Deutschen betrachtet und ihm den Soldaten- r o-tf angezogen, obwohl er am selben Ort und zur selben Stunde geboren wurde, wie die Schwester, die die Breslauer Polizei ausweisen wollte._ Verhängnisvolle Explostonen. Eine folgenschwere Keffelexplosion hat sich im Hafen von Buenos Aires zugetragen. Während hydraulischer Ar- beiten im Hafen explodierte ein Kessel und tötete zwölf Arbeiter. Weitere zwanzig Mann erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Während einer Schnelligkeitsprüfung explodierte auf dem amerikanischen Zerstörer»Stewart" ein Zylinder der Maschine. Drei Mann wurden getötet, einer lebensgefährlich verletzt. Vereinfachte Justiz. Zwischen den Stationen P o r o i und A n g h i st a sind zwei Eisenbahnzüge zusammengestoßen, wobei die Loko- motiven beider Züge zertrümmert wurden. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll der Chef der Bahnstation Anghista tragen, der militärischem Kommando untersteht. Er soll auf B e- fehl des Bahninspektors Obersten Iwanow er- schössen worden sein._ Berichtigung. Zu einem uns'aus Z a b r z e mitgeteilten und von unS in der letzten Montagsausgabe wiedergegebenen Vorfall erhalten wir folgende Zuschrift: »Der in der Nummer 121 vom 19. Mai 1913 des.Vorwärts" unter dem Titel»Der Tarif des Pfarrers" geschilderte Vorfall ist rinwahr und frei erfunden. Weder in der Pfarrei St. Andreas noch in St. Anna ist etwas Derartiges bekannt. Katholisches Pfarramt St. Andreas. ___ Rosenberger, Pfarrer. Kleine Notizen., Zwei Kinder»erbrannt. Am Sonnabendmorgen verbrannten bezw. erstickten bei einem Brande in einem Mansardenzimmer in der Eifelstraße in Köln die beiden Kinder eines Tapezierers, ein unfjähriger Knabe und ein Knabe von 18 Monaten. Beide Kinder wurden als Leichen aufgefunden. i Eine Familie überfahren. Ein Straßenbahnwagen, dessen Bremse nicht funktionierte, fuhr im Zentrum von Petersburg in eine Familie hinein, die im Begriff war, das Gleise zu überschreiten. Der Mann und die F r a u wurden auf der Stelle getötet, während die beiden Söhne schwere Verletzungen davontrugen., Explosion im Laboratorium. Durch eine Explosion im Labora» torium einer Zuckerfabrik in L j u b l i n(Rußland) wurden e i n Chemiker und sein Gehilfe getötet. Hus aller Clelt. Orgien der Bureaukratie. Der unseren Verwaltungsbehörden in Fleisch geganene BureaukratiSmus wurde wieder und Blut über- einmal in einer an sich frauen-Lefabende. (Soweit nichts anderes angegeben am Montag.) Erster Kreis. 1.-M. Abteilung bei Weihnacht, Grünftr. 21. Vortrag des Genossen Biltcrmann:»Die Entwicklung der Ehe". 5. Abteilung bei Dreßlcr, Altonacr Str. 29. 2. Kreis. Markgrafenftr. 88 bei Löhrich, Ref. Genossin Wurm; Lülow- straße 58 bei Wiemers, Ref. Genosse Hagen; Hornstr. 2 bei Saß, Res. Ge- nossin Kaschewski; Blücherstraße, Ecke Fontane-Promenade bei Fröhlich, Res. Gcnoisin Baader. S. Kreis. 4., 5., 6. und 7. Abteilung bei Thiel, Rückerstr. 7. Bohnsdorf. 8'/, Uhr in der Villa Kahl. Borfigwalde. Dienstag, den 27. Mai, abends 8>/, Uhr, in den Borfigwaldcr Festsälen. Bri«-Buckow. Mittwoch 8st, Uhr bei Becker, Chausseestr. 97. Vortrag der Genossin Ottilie Baader üher„Kindcrnot und Kinderelcnd". Franzöfisch-Buchholz. 8'/, Uhr in Karl Kahnes GesellschaftShaus. Köpenick. Dienstag 8 Uhr, bei Stibbelohl, Schönerlinder Str. 5, Genosse Ludwig über»Sozialdemokratie und Religion". Charlvttenburg. Dienstag 8'/, Uhr: I.Gruppe: Genossenschafts- Wirtshaus, Haesclerswaße, Ecke Soorstraßc. I. und II. Gruppe: Hoest, Nehringstr. 25. III. Gruppe: Bade, Kaiserin-Augusta-Allce 52 und Aug. Ernst, Reuchiinstraße, Ecke Erasinusstraße. IV. Gruppe: Liedtke, Suarez- straße 4. V. und VI. Gruppe: Volkshaus, Rosinenftr. 3. VII. und VIII. Gruppe: Thunack, Wielandstr. 4. In allen Gruppen: Vortrag. Friedenau. 8'/, Uhr bei Klabe, Handjerystr. SO/SI. Genossin State Dunckcr»Die Erziehung im sozialistischen Hause". Lichtenberg. N i ch t Montag sondern Dienstag und zwar für alle 6 Viertel gemeinsam in Arnolds„Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee. Dr. Moses spricht über»Gcbärstreik im Proletarierhause". Bkarienfclde. 3>/, Uhr bei Schuster. Tagesordnung:»Die Frau w? Altertum". . Retnickendorf-Ost. S'l, Uhr bei Sadau, Residenz str. 124. Bortrag deS Genossen Schönberg über„Schundliteratur". Rcinickendorf-West. Mittwoch, 8Y, Uhr, bei Halmann, Scharnweber« straße 54. Vortrag des Genossen Dr. Alfred Bernstein: Der Geburten» rückgang eine revolutionäre Waffe". Obcr-Schöneweide. Vereinshaus, Rathausstr. 19. Referent Genosse Schwenk über„Jugendbewegung". Schöncberg. 8'/. Uhr, gemeinsamer Leseabend in den Reuen Rat- baussälen, Mciningcrslr. 8. Referent Dr. Als red Bernstein:»Geburten« rückgang eine politische Waffe". Tegel. 8'/. Uhr, Schlieperstr. 30.»Armen- und Waisenpjlege.» Rese- rentin Genosse Matschke-Berlin. Wittenau. 81/, Uhr bei Mttchow, Oranienburger Str. 99/100. / i M Todes-Anzeigen Spandau. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Zititglied, der Invalid? Hermann Behrens Bezirk 3. Viktoriauscr 14/15, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. d. Mts., nach- mittags 3�/, Uhr, von der Leichen-. Halle des Friedhofs in den Kisseln! aus statt. 286/1 � Rege Beteiligung erwartet Ter Borstand. DenÄ MelallarbeMerband Verwaitungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, \ dag unser Mitglied, der Arbeiter Otto Ooexe l Ober-schöneweide, Rathenauftr. 1, am 22. d. Mts. an Tuberkulose ge- | storbcn ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 25. Mai, nach- ! mittags 3 Uhr, von der Leichen- I Halle des Gemeindc-Fricdboses in ! Ober-Schöneweide aus statt. Rege Beteiligung erwartet | 118/15 Die Ortsverwaltung. ¥erijandßerSattleru.PorteIenlllEr Ortövcrwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach« richt, dag unser Mitglied, der Galantericsattler ICurtze (Werkstatt G. Zcnder) verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Montag, den 26. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-Kirchhofes in Neukölln, Hermannstrasze, auS statt. 156/19 Die Drtsverwaltung. Deulsclier TransporiarheileMerliand. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege, der Leiter- J gerüstbaucr Valentin Stietz am 19. Mai durch Unfall der- 1 storbcn ist. Ehre seinem Andenken k _ Die Beerdigung findet agz! Sonntag, den 25. Mai, nach-I mittags S'/t Uhr, von der Leichen-! halle des St. Matthias-Kirchhoses, I Marienhöhe, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, j daß unser Kollege, der Leister- gerüstbauer Paul Warmbrunn am 19. Mai im Alter von 39 Jahren ebenfalls durch Unfall verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Mai, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- 1 Halle des Kirhoscs in Marzahn l aus statt. Um rege Beteiligung ersucht. 65/5 Die Bezirksverwallung. Am 21. Mai verstarb unser langjähriger Mitarbeiter, der> Schriftsetzer �.uxust Hirrtxe im 51. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke»! Das Personal iler Buchdruckerei H. S. Hermann. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Mai, nachmittags 3'l, Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes in Weigcnsec, Falkenbcrgcr Strajic, aus statt. ßg3b Am 21. Mai starb nach langein Leiden unser lieber Bruder und Onkel, der Packer Wilheim Lill Liefenstr. 12a. Die Beerdigung findet morgen Montag, 26. Mai, nachm. Sllt Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes, Müllerstrabc, Ecke See- sttabc. aus statt. 77A Die Geschwister und Familie Grost. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 77A Karl kühme sagen wir allen Teilnehmenden so- wie der Firma Bolzani und dem Metallarbcttcrvcrband herzlichen Dank. Kau NentiM Böhme nebst Kindern. Danhsagnnjs;. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres herzensgnten Vaters, Grobvaters.Schwiegervaters, Bruders, Schwagers und Onkels Ernst Für! sagen allen Beteiligten unseren herz- lichen Dank. 982b Tie Hinterbliebenen. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Grostvaters Ulbert Schröder sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten unseren aus- richtigsten Tank. 13A Frau Luise SciiröileF und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Bc- teiligten meinen herzlichsten Dank. Lharlotte Blasse. Feuerbestattung Mark 160,— s mit allem Zubehör u. Gebühren Beerdignngs-Anstalt Manteuffelstr. Hl. Ausführliche Broschüre gratis. Fernfpr.: Moritzpl. 5582. ßehrosk-flnzfige70-60 Fertig am Lager: so,«;36m 3»40m jCutawafu. Weste Beiikloidßf IIJo5; 8m. Fertige schwarze Kleidung für Knaben und Jünglinge in größter Auswahl Feine Maß- Anfertigung :: in ca. 10 Stunden:: Baer Sohn Kleider- IVerke Berlin. Gegr. 1891. Chauiseestraße 29— 30. 11. ßrUcicenstraiZe 11. Gr. Frankfurter Str. 20. Sohöneben. Hauptstr. 10. Berlin W. IMchrenstr.gTa�""""1�! Rcrlln\ O. !Gro3eFraöl(!ürterStr.11Sl Trauermagazin für Damen-Konfektion i Kleider, Hüte etc. OST" AeuBerste Preise"W! in größtem Maßstabe zu i ganz niedrigen Preisen. lieslniänni Erilltassige Bezugsquelle. GardmeuhauK s Bernhard Schwärt* Gardinen. 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Auch ersuchen wir die Kollegen, ihre Frauen zur Teilnahme an derselben zu veranlassen. 169/8 Die Ortsverwaltung. Von der Reise zurück Dr.RnxMselimiiitIrjt Warschauer Str. 15.* £>]>eziaiarzt Sonnabend, den 31. Mai d. I., abends 8'/? Uhr, bei WHK. Bonow in Teltow, Berliner Str. 16: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über die gewerkschaftlich- genossenschaftliche Versicheruugs- g-sellschast„Volksfnrsorge". Diskussion. 3. Ersatzwahl zum Aussichtsrat. 4. Geschäsiliches. Mittwoch, den 4. Juni d. I., abends 8'/g Uhr, bei Willi. Mteli in Zehlendorf, Karlstr. 12: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über die„BolksfÜrsorge". 2. Diskussion, 3. Ersatzwahl zum Vorstand. 4. Geschäftliches. Referenten: die Gewerkschaftssekretärc F. Schmidt u. it. Bitter. Gäste haben Zutritt. 103/11 Ter AufsichtSrat: Site läkel. E. Scmler. „Verband VoSksgesundheit" (Sitz: Tresden-Kätzichenbroda). Parteigenossen, die Interesse sür sozial- und privathhgienische Fragen haben, werden hiermit aus unseren Verband aufmerksam gemacht. Der Verband Volksgesundheit sieht, gemäß seines Programms, auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung. Das Werk der gesundheillichen Befreiung des Arbeiters kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. All' die bürgerlichen Vereine(iifFrage kommen haichtsächlich die sog. Naturheil-, homöovathischc, sowie Vereine für Gesundhcilspflcgc), die zum Teil bis zu 56 Proz. aus organisierten Ar- beitcrn bestehen, doktorcn nur an all' diesen Fragen Heruni. Sie umgehen und verhüllen die iozialen Ursachen der Krankoeitcn und die wirtschastliche Unmöglichkeit des Arbeiters, persönliche Gesundheitspflege zu treiben. Die bürgerliche Gesellschaft hat gar kein Interesse an der Aenderung der bc- stehenden Zustände, mit denen sie durch tausend nährende Saugwurzeln verwachsen ist. Ebenso wenig Interesse hat der bürgerliche Privatarzt, seine Patienlcn aufzuklären und so den Boden seiner Existenz zu untergraben. Dem„Verband Volksgesundheit" gehören zurzeit 70 Vereine mit 13000 Mitgliedern an. Der Beitrag ist zirka 3 M. pro Jahr, wofür„Die Volks- >esnndheit- gcliescrt, sowie wissenschastliche Borträge von Aerzten und ge- äldeten Laien geboten werden. Der Verband gehört dcnl„Zentralkartell sür Arbeitersport und Körper- pflege" an und erstrebt eine Zentralisation aller Arbeitervereine, die der Volksgesundheit dienen. Deshalb ersucht er alle Parteigciiofseu Grost-Berlins, die' Interessent dieser Fragen sind, sich über die Ziele des Verbandes zu orientieren und entweder bei Genossen.Horsch, Engelufer 15(Geivcrk- schastshaus) orientierende Druckschriften zu entnehmen und eventuell sich als Mitglied anzumelden, oder am Donnerstag, den 29. Mai, abends V,9 Uhr- zu einer Versanimlung im Gcwcrkschaftshans zu er- scheinen. 286/2 __ Der Verbandsvorstaiid. Max König, Vorsitzender. Wafscrbaustellen, Henri am königl. Forst, Straße, Gas. s�-Rute 65 M. ab 190/11' Hestenwinkei am Dameritzsee. Vorortstation Viiificlmskagsn v. Erlner. f. Haut-, Harn-, Ztzrauenleiden, J nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in n. Co. konz. Laborat. f Blut- I Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Ifrieüiichslr, 81, Spr. 10—2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. | Honorar mästig, auch Tcilzahl. Sevaratcs Tamcuzimmer. -414.4,•l.'Utl« |0r. Hsmeyer Von der Reise zurück IPrSiZebtmdt, prakt. Arzt, Eharlsttenbura.Berlillerstr.lv?. ft# üetzuer Kinderwagen-Welthaus Jletall- Bettstellen Balkon-, Kinder- n. Korb-Möbel etc. Größte Auswahl Berlins Andreasstr. 23 Andreasplatz Ceusselslr. 67 I Leipziger Str. 54 "rnn-cr.str.95| Neukölln, Bergstr. 133 Unentbebr!ch.RatgebcrM.2,50p.Nachii. Verlag L. Sch.vaiv,& Co., Berlin 14, N. Greift zu l ad. Herrn, der sich eleg. u. Hill. kleiden will, empfehle eleg. Mo; natsgarderobe in feinsten Werkstatt. 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Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Drucku. Verlag: Vorwärt» Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlins«.� � so.»« 2. SeilM des Jotiunrts" Kerilller VslllsblR--°"w>W-N°iM3. S�itcrarlfcbc Rundfchau. RiftoHrdie Literatur. Kuiglielmo gerrere: Die Frauen der Cäsaren. Berech- tigte Uebersetzung von Ernst Kapff. Mit 26 Abbildun- gen nach antiken Bildnissen. 212 Seiten. Stuttgart 1913. Verlag Julius Hoffmann. Geh. 4 M. Der Verfasser des wertvollen sechsbändigen Werkes über „Größe und Niedergang Roms" hat hier über die soziale, politische, eherechtliche, geistige und moralische Stellung der vornehmen Römerinnen der Kaiserzeit eine Monographie geschrieben, die in der ihm eigenen angenehmen Weise unterrichtet, gerrere mutet seinen Lesern keine großen Anstrengungen zu. Sein historisches Denken ist elegant, dabei sachlich; es dringt nicht zu den letzten Zusammenhängen der Geschichte bor— dazu fehlt die notwendige Straffheit der Auffassung— aber es hat feine geistige Instinkte, die fast immer etwas Wesentliches treffen, eine beruhigende An- schaulichkeit des Ausdrucks und gerade in diesem neuen Band eine klassizistisch vereinfachte Sprache, die wohltuend an die lateinischen Vorbilder erinnert. Man kann von gerrero nicht sprechen, ohne seine literarische Qualitäten anzudeuten. Er ist einer der nicht zahlreichen Histo- riker, die schreiben können. Stofflich umfaßt die Darstellung, die künstlerisch eine wohltuende Verbindung geistreicher geschichtlicher Empfindung und realistischer Besonnenheit bedeutet, neben einer allgemeinen Würdigung der römischen Eheinstitution eine Reihe von Biographien römischer Cäsarenfrauen, gerrero zeigt zunächst, wie die römische Ehe— wenigstens in den Kreisen der Nobilität— ganz und gar politische Ehe gewesen ist: wie die Eheschließung und diie Ehescheidung— zu der ein einfacher Absagebrief des Gatten oder seines Vaters genügte— rein aus Gesichtspunkten der Partei- Politik, der Stärkung bestimmter politischer Konstellationen hervor- gehen. An besonderen Beispielen zeigt gerrero dann, wie die Ehe der vornehmen Römer Parteipolitik und Vermögens- Politik gewesen ist: er zeigt es besonders an der zweiten Ehe des Cicero. In den allgemeinen Ausführungen ist die relative kulturelle Freiheit der vornehmen römischen Frau besonders gut geschildert. Die speziellen biographischen Profile sind sehr klar gezeichnet. Die Charakteristik von grauen wie der konservativen Livia, der grau des Augustus, und der emanzipierten, schon demi: mondainen Julia, der Tochter des AuguftuS, die eine jüngere Generation repräsentiert, ist vorzüglich. Ob gerrero in seinem Bestreben, Erscheinungen wie Caligula, Claudius, die Messalina möglichst differenzierend zu beurteilen, immer das Rechte trifft, mag dahingestellt sein. Bewundernswert ist jedenfalls die Gabe der historischen Vorstellung, der historischen Kombination, daS Talent, die geschichtlichen Figuren so hinzustellen, daß sie mit ihren modern komplizierten Seelen wirklich leben und sich bewegen. Das Werk kann zur Lektüre empfohlen werden. Nur eins wäre bei einer neuen Auflage wünschenswert: eine tabellarische Uebersicht über die Verwandtschaften. Es ist schwierig, ohne eine solche Tabelle auszukommen. August Fournier: Die Geheimpolizei auf dem Wiener Kon- greh. Eine Auswahl aus ihren Papieren. XV und 510 Seiten. Wien und Leipzig. Im Doppelverlag von F. TempSky und G. Frehtag. Geh. 12 Mk. Der bekannte Napoleonbiograph hat in diesem starken Band eine große Anzahl von Dokumenten aus dem Archiv des Wiener Ministeriums des Innern zusammengestellt. Diese Urkunden inter- essieren zum größten Teil weniger durch ihren geschichtlichen Inhalt, der sehr selten breitere historische Ansichten oder tiefere Einsichten ermöglicht, als durch die Art, wie diese Urkunden zu Urkunden ge- worden sind. Sie wurden durch die Wiener Geheimpolizei, die zur Zeit des Kongresses eine unglaublich raffinierte Tätigkeit ent- faltete, für die Zwecke der österreichischen Regierung und speziell des Kaisers Franz durch ein tolles System der legitimen Spionage gewonnen. Fournier gibt in seiner gegen hundert Seiten umfassen- den aufschlußreichen Einleitung ein genaues Bild des Spionageapparates, der für die habSburgffchen Hausmachtzwecke in Bewe- gung gesetzt wurde. Der Chef, Baron Hager, unterhielt ein Heer von Zuträgern und Zuträgerinnen: Personen von„Distinktion" waren gegen Münze nicht minder zu patriotischen Filoustücken bereit, als„Kanzleidiener, Lakeien, Kutscher, Heizer, Stuben- mädchen". Die Fetzen aus den Papierkörben politischer Personen, angekohlte Konzepte und Briefe aus dem Kamin des FreiHerrn vom Stein— alles wurde von den„Konfidenten" der Geheim- Polizei gesammelt.„So ziemlich alle" Korrespondenzen, die bedeut- sam sein konnten, selbst die der Kaiserin Ludovika, wurden er- brochen. Man nannte die erschnüffelten Fetzen„Chiffons", die aus erbrochenen Briefen gewonnenen Nachrichten„Jnterzepte". ES läßt sich nicht bestreiten, daß die Methoden dieser Geheimpolizei eine gewisse Anmut der Benennungen besaßen. Ueberhaupt ent- behrt die ganze Korruption nicht einer gewissen verruchten Grazie und Pikanterie. Der Inhalt der Vorträge des Polizeiministers, die mit Ge- Heimrapporten. Chiffons und Jnterzepten belegt wurden, betrifft wohl alle wichtigen und unwichtigen Angelegenheiten des Kon- gresses von der sächsischen und der polnischen Frage bis hinab zu den Bagatellsorgen der Miniaturhoheiten. Fournier begrenzt die historische Bedeutung der Dokumente jedoch selbst ganz richtig, wenn er sagt:„Im ganzen fteilich sind es mehr die Mteure des Kon- gresses und die Bühne, auf der sie auftraten, als die Handlung selbst, worüber berichtet wurde." Man möchte hinzufügen: weniger die Bühne wird gezeigt, als das Treiben hinter den Kulissen deS Kongresses— jene Mischung boshafter Bemerkungen, allerhöchster Galanterien und launenhafter Winkelzüge. Das ist nun gewiß nicht ohne Interesse. Es ist sehr belustigend, zu sehen, wie die hohen, höchsten und allerhöchsten Herrschaften in ihrer eigenen Sphäre, der Sphäre des Kongresses, heimlich qualifiziert wurden und wie sie sich nicht selten selber gegenseitig qualifizierten. In einem geheimen Rapport vom Februar 1813 heißt es über Friedrich Wilhelm III. von Preußen: „Der König von Preußen, von dem es anfangs in einem Bonmot hieß:„Er denkt für alle", wird nun für den gehalten, der gar nicht denkt, aber höchst eigensinnig, hinterlistig und bos- Haft ist. Sein finsteres Wesen wollen einige noch dem Schmerz über den Verlust seiner Gattin, andere seinem Temperamente zuschreiben. Er ist von Natur schwermütig und mürrisch, spricht nur in abgebrochenen Sätzen, und das Publikum liebt chn durch- aus nicht." Ein anderer Rapport enthält eine amüsante Charakteristik der Souveräne. Fournier meldet dazu: „Zum 23. Oktober 1814 erzählt ein Rapport von einer kur- sierenden Abbildung der sechs Souveräne, wo bei jedem eine Be- merkung angebracht war; bei Alexander:„Er liebt für Alle," bei Friedrich Wilhelm:„Er denkt für Alle", beim Dänenkönig:„Er spricht für Alle", beim König von Bayern:„Er trinkt für Alle", beim Württemberger:„Er frißt für Alle", beim Kaiser Franz: „Er zahlt für Alle". Vom Zaren Alexander sagt ein Rapport, der— wie alle diese Rapporte— aus den höchsten Kreisen oder ihrem Anhang stammt: „Man hält ihn für einen Schwindler, der sich vor ehren- werten Leuten den Anschein des Philanthropen gibt, aber auch die Kanaille an sich zieht, um alle Welt für sich zu haben. Man glaubt, er sei falsch und ohne moralischen Fonds, obgleich er von Religion redet wie ein Heiliger und allen äußeren Schein wahrt." Mit besonderer Freude berichten die Rapporte von den galaw ten Abenteuern des Zaren. Auch Friedrich Wilhelm erscheint im Dreß des galanten Herrn: nur mit dem Unterschied, daß er ihn nicht zu tragen versteht und bei der schöne Gräfin Julie Zichy eine äußerst traurige Figur macht. Auf seine Abhängigkeit vom Zaren und dem zarischen Länderhandel ist das böse Hofbonmot in einem Rapport gemünzt:„Sie heißen ihn den linken Schächer, den Schatten des russischen Kaisers." Reichlich widerwärtig ist die Figur des Königs Max Joseph von Bayern, der immer als bierehrlicher pfälzisch-bayerischer Biedermann auftrat und in den Dokumenten mit einigen höchst bösartigen Zügen ausgestattet er- scheint. Es ist nicht uninteressant, daß dieser Fürst den verbannten Napoleon, dem er alles dankte, in übler Art heruntermachte und daß er bei all seinem Nationalgefühl bereit war, mit den Bour bonS einen Pakt gegen Preußen zu schließen, ja es auf einen Krieg gegen die beiden deutschen Grotzstaaten ankommen zu lassen für den Fall, daß sein Länderbesitz nicht gewahrt blieb. Auch die konstitutionelle Maske wird dem Bahernkönig in diesen Urkunden schonungslos konfisziert. Man sieht: das Buch gibt schon Tatsachen, die eS wert sind, beachtet zu werden; im ganzen fteilich handelt es sich um eine Quelle untergeordneten Ranges, die schwerlich dazu beitragen wird, wesentliche neue Gesichtspunkte zur Beurteilung wesentlicher Zeit- ftagen zu liefern. H. Laufenberg:„Hamburg und dir französische Revolution". Ham> bürg 1913, Kommissionsverlag der Hamburger Buchdruckerei und Verlagsanstalt Auer u. Co. 344 Seiten Oktav. Preis 80 Pf. Nicht nur das politische und geistige Leben der rheinisches Lande, auch das mancher östlichen Gegenden Deutschlands, ist durch daS gewaltige Revolutionsdrama Frankreichs am Ende des acht zehnten Jahrhunderts und die ihm folgende Zeit der.napoleonischen Herrschast aufs stärkste beeinflußt worden. Zu diesen östlichen Gebieten gehört vornehmlich Hamburg, das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen beträchtlichen Handel mit Frank- reich trieb. Zu Beginn der großen französischen Revolution, im Jahre 1789, ging von den gesamten Kolonialprodukten, die damals Frankreich aus seinen ausgedehnten Kolonien bezog, mehr als ein Viertel im Werte von über 30 Millionen LivreS(Frank) nach Ham bürg. Und neben diesen Kolonialerzeugnissen, meist Kaffee und Zucker, wurden für ungefähr 6— 7 Millionen LivreS ftanzösische Weine, Seide, Wollwaren, Luxusarrttkel usw. in Hamburg ein- geführt. Dagegen betrug die Ausfuhr Hamburgs nach Frankreich zu jener Zeit nur wenige Millionen Mark, so daß Frankreich mit dem in Hamburg für abgesetzte Waren eingenommenen Gelde nicht nur alle jene wichtigen Artikel bezahlte, die es von der Ostsee, von Schweden, Dänemark, Rußland, Norwegen und Deutschland erhielt, sondern auch noch einen jährlichen Ueberschuß an ham- burgischen Rimessen(Geld und Wechselbriefen) behielt. In den ersten drei Jahren der französischen Revolution bestand dieser Einfluß fast nur darin, daß die aus Frankreich herüber- dringenden liberalen Anschauungen in den Kreisen der sogenannten gelehrten Berufe wie auch eines Teils des wohlhabenden(fteilich nicht des obersten) Handelsstandes Wurzel schlugen und den Wider- spruch dieser Kreise gegen das verzopfte, von den nacktesten Geld- interessen bestimmte Patrizierregiment Hamburgs vermehrten. Man schwärmte für die Fcuillants(gemäßigten Liberalen) der ftanzö- sischen Nationalversammlung und später für die Girondisten, deren Handelspolitik und republikanischer Föderalismus in Hamburg naturgemäß auf viele Sympathien stieß; war doch die Gironde im wesentlichen die parlamentarische Vertreterin der mittleren ftanzö- sischen Geschäftsbourgeoisie, zumal des den Fortfall der inneren Zoll-, Steuer- und Verkehrsschranken fordernden Handelsstandes, vornehmlich der Seestädte, und der für den Massenbedarf arbeiten- den Fabrikanten. Ms 1793 die Gironde gestürzt wurde und der JakobiniSmuS in Frankreich die Macht erlangte, hörte denn auch in der hambur- gischen Bourgeoisie die Sympathie für die ftanzösische Revolution auf. Dafür machte sich der Einfluß der ftanzösischen Ereignisse in anderer Weise geltend. Die aus Frankreich flüchtenden Kapita- listen wandten sich zu einem großen Teil nach Hamburg und brachten nicht nur ein beträchtliches Kapital in die Stadt, sondern gründeten auch eine Reihe neuer Gewerbe. Ferner gebrauchte Frankreich infolge der Revolutionskriege und der schlechten Ernte- ergebnisse eine beträchtliche Getreidezufuhr, deren Weg aus dem europäischen Osten und Norden größtenteils über Hamburg führte, so daß dieses in den Jahren der jakobinischen Herrschast im Durch- schnitt alljährlich über 23 000 Last Getreide in Frankreich ein- führte. Dabei wußten die Großhändler die französische Notlage nach allen Regeln der Kunst auszunutzen. Und außerdem gewannen die Geldkapitalisten Hamburgs, an dessen Börse die ftanzösischen Assignaten im Wechselhandel Kurs hatten, beträchtliche Summen durch Baissespekulationen in Assignaten. So waren die ersten sechs Jahre der französischen Revolution für die Hamburger Kapitalisten eine feine Geschäftsperiode, und eine Hamburger Flugschrift jener Zeit hat nicht Unrecht, wenn sie dem damaligen Hamburger Handel vorwirst, aus allen Ereignissen Vorteil gezogen zu haben.„Ihr speistet englisches Gold und labtet Euch am preußischen, Ihr kostetet das österreichische wie einen Leckerbissen und trinkt das ftanzösische in Euch wie Wasser,.- In aller Herren Länder kauftet Ihr auf Korn und Brot, und von Euch hing es ab, ob Provinzen sich sättigen, oder ob sie hungrig bleiben sollten. Alle? dieses nun wird jeder Mann in der Welt gut heißen, denn wer heißt es jetzt nicht gut, wenn man sorgt für seinen Beutel?" Ungünstiger gestalteten sich die Beziehungen Hamburgs zum Direktorium und Konsulat. Der Krieg zwischen der ftanzösischen Republik und dem deutschen Kaiser, wie andererseits der sich immer schärfer zuspitzende Gegensatz zwischen der ftanzösischen und eng- tischen Seehandelspolitik brachte Hamburg, dessen Bourgeoisie aus- schließlich ihr persönliches Handelsinteresse im Auge hatte, mehr- fach in ernste Konflikte, die sich noch steigerten als Napoleon später Hamburg zu einem der Grundpfeiler seines Kontinentalsystems und zu einem Stützpunkt seiner militärischen Macht in Nord- deutschland machte. Es verdient deshalb alle Anerkennung, daß Genosse Laufen- b e r g in Hamburg dem dortigen sozialdemokratischen Landes- vorstand vorgeschlagen hat, diese für Hamburgs Entwickelung so ereignisvolle Zeit in einer billigen historischen Monographie dem Verständnis der Hamburger Arbeiter zu erschließen, und daß der Landesvorstand, der in den letzten Jahren so Hervorragendes für die Arbeiterbildung in Hamburg geleistet hat, darauf den Genossen Laufenberg mit der Herausgabe der oben angegebenen Schrift „Hamburg und die französische Revolution" beauftragte. Der Landesvorstand konnte für diese Aufgabe kaum eine ge- eignetere Kraft finden, denn wie seine Schrift„Hamburg und sein Proletariat im achtzehnten Jahrhundert" und vor allem sein größeres Werk„Geschichte der Arbeiterbewegung in Hamburg, Altona und Umgegend" beweisen, hat Dr. Laufenberg sich eine gründliche Kenntnis der jüngeren geschichtlichen Entwickelung Ham- burgs, vornehmlich des Wirtschafts- und Arbeiterlebens, erworben. DaS vorliegende Buch bietet denn auch einen auf fleißige Vorstudien beruhenden umfassenden Ueberblick über die Geschichte Hamburgs zur Zeit der französischen Revolution und der napoleonischen Herr- schaft. Nach meiner Ansicht enthält es sogar zu viel— wenigstens für eine Schrift, die vornehmlich auf Arbeiterleser rechnet. Das Buch bringt viele historische Details, besonders über Kriegsführung und militärische Maßnahmen, die zweifellos für den Geschichts- schreiber von Wert sind, dem Arbeiter aber die Lektüre erschweren. Ich kann mich des Einbruchs nicht erwehren, daß Laufenberg sich je tiefer er in die Materie eindrang, desto mehr in seinen Stoff verliebt hat, und schließlich, als es galt, diesen Stoff in eine knappe Form zu fassen, nicht überS Herz zu bringen vermochte, so manches mit Mühe zusammengetragene Material unter den Tisch fallen zu lassen. Laufenberg holt weit aus. Er behandelt ausführlich den handelspolitischen Gegensatz zwischen England und Frankreich im 18. Jahrhundert und die Handelsbeziehungen Hamburgs zu beiden Ländern. Dann folgt die Darlegung der Stellung Hamburgs zum Direktorium und Konsulat, der Besetzung Hannovers durch ftanzö- fische Truppen und die gewaltsame, widerrechtliche Verhaftung des englischen Gesandten Rumbold in Hamburg. Daran schließt sich eine interessante Schilderung des napoleonischen Kontinentalsystems und seiner Wirkung auf Hamburgs Handel, der Umwandlung Hamburgs in ein ftanzösisches Arvondissement und der Huldigung der Hansastädte vor Napoleon, ferner eine eingehende Schilderung der russischen und ftanzösischen Herrschaft über die Stadt. Die Laufenbergsche Schrift rückt manche Vorgänge jener Zeit in ein neues Licht. Besonderen Wert können die wirtschafts» politischen Partien für sich in Anspruch nehmen; jein Erfolg, den Laufenberg in der Hauptsache der seiner Stoffbehandlung zugrunde liegenden materialistischen Geschichtsauffassung verdankt. Dabei drängt sich Laufenberg nirgends nach dem Beispiel so mancher unserer heutigen zünftigen Geschichtsschreiber mit vorschnellen, rein subjektiven Werturteilen und RäsonnementS vor. Er schichtet vor dem Leser einfach die Tatsachen und Dokumente auf und über- läßt diesem, sich selbst ein Urteil zu bilden. Tendenziösttät kann man Laufenberg nicht vorwerfen. Um so charakteristischer ist, daß die Hamburger GrotzhandelSbourgeoisie jener Tage in dem Buch als eine höchst feige, gewissenlose Herr- schende Schicht erscheint, die nur auf die Erhaltung und Mehrung ihres Profits versessen, bald vor Napeleon, bald vor den russischen und preußischen Heerführern in der widerlichsten Weise katzen- buckelt«, und in der Besorgnis, irgendwo anzustoßen und an Handelsgewinn einzubüßen, sich niemals zu einem festen Entschluß aufzuraffen vermochte. Nationaler Sinn und ideale Aufopferung finden wir in der Franzosenzeit Hamburgs fast nur im eigent- lichen Mittelstand und in den sogenannten unteren Volksschichten. Die großen Handelsherren kannten zumeist nur ein Ideal: die Profitsteigerung. Heinrich Cunow. Bon der Reise zurück 31/ls' Dr. Leopold Lilienthal. Merkowskis Anöreas-Garten Jnh. Itrinjermann. Andreasstr. 26 Fernspr. 12 948 Königst. empfiehlt den geehrten Vereinen j u. Gewerkschaften Saal m. Neben- räumen für Versammlungen und I Festlichkeiten. öuttsrliancllung SCI-iftöO�5i& Co. Billigste Einkaufsqueile. Höchste Rahattsötze.:: 35 Filialen* In Berlin n. Vororten. erregt ein zartes reines Gesicht u. rosiges jugendfrisches Aussehen. Dr.Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10—12. Wxytr'fö£ctMu'JkfiHrt$ sind Sie. wenn Sie sich vor Gründang od. bei Streitigkelten IngOnr�iJ-an d-n Spezialisten Dr.|r. Loreni. Berlin SÄ OitKhlotr Stf. 106 wend. T»l,; MgUslü, Wahlverein Charlottenburg. Dienstag, den 27. Mai, abends 8V2 Uhr, im„Volkshause", Rosinenstraße 3: NortsetTunK der vertagten Öeneral-Versammlung. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Fall Borchardt. 250/10 2. Stellungnahme zur Tagesordnung der Kreis-Generalversammluug, welche lautet: I. ZZericht des Vorstandes und der Funktionäre. II. Neuwahl derselben. III. Stellungnahme und event. Anträge zum Parteitage. IV. Wahl der Delegierten zum Parteitage. V. Stellungnahme zur Verbands-Generaloersammlung von Grotz-Berlin und Antrüge hierfür. VI. Sonstige Anträge. «. Verschiedenes. Oer Vorstand. Uerlmil der HiniMstmeiilr. Zentralvorsitzender: Georg Jakob, Berlin kNV 21, Emdener Str. 46, vorn IV. = Telephon: Amt Moabit 1134.- Sonntagz den 25. Maiz vormittags 9 Zlhr: Verbands- Generalrersammlnng im Uolkshansz Rosinenstraße 3. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes.— 2. Anträge.— 3. Neuwahl des Vorstandes und der Redisoren.— 4. Verschiedenes. 286/4 Wir ersuchen die Delegierten, pünktlich zu erscheinen. Mitglieder als Gäste haben Zutritt. Der Zentralvorstand. Dentseher lolzarbsiter- Verband. Verwaltung Berlin. Morgen Montag, den Ä6. Mai 1913, abends 5% Uhr: Mitglieder- Uersammlungen der Sezirke und Kranchen. Tagesordnung: 1. Bericht von der letzten General-Versammlung und Stellungnahme zur ferneren Regelung der Beiträge. 2. Ausgabe der Delegiertenkarten für die nächste General-Versammlung. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Versammlungslokale: Ctfcbler. Südwesten n. Westen: in Habels Brauerei, Bergmannsir. 5/7. Süden: bei Gliesing, Wassertorstr. 68. Südosten I: im Lokal„Südost", Waldemarsir. 76. Südosten 14: im Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147. Osten I: in den Konkordla-Feftsälen, Andreassir. 64. Osten H: bei Grunwaldt, Memeler Str. 67(ComenmSsäle). Osten III: in den„Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee 151. Oestllclie Vororte: in der Riebeck- Brauerei(früher Löwen- Brauerei), Frankfurter Allee 53. Nopdosten: bei Boeker, Weberstr. 17. Kopden: bei Obiglo, Schwedter Straße 23. Wedding und noablt: bei Kaczorowski, Ravenssir. 6. ZlenNiilln: bei Knbuer(Ideal-Kasino), Weichselstr. 8. Weißensee; im„Prälaten", Lehderstr. 122. Seüünebepg: Nene Rathaussäle, Martin-Luther-Str. 6g. C'harlottenbnpg: abends S'/j Uhr im Bolkshans,. Rofinenftr. 3. L-'SÄenemricdtunsS' unch Ubr, im„Kaiser-Wilhelm- garten", Rhcinstratze kö, statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Porlrag über:„Ein Partcijubiläum". Bericht von der Gros',- Berliner Verlxnidsgcneralversammlung usw. Ta der Maizahlabcnd ausgefallen ist, werden in der Versammlung Beiträge entgegen- genommen. Schöneberg. Am Dienstag, den 21. d. M., abends 8 Uhr. in den „Neuen Rathaussälen, Meiningcr Straße 8, Wahlvereinsversamm- lung. Tagesordnung: I.„Ter Ausfall der Landtagswablen". Refc- rcnt Genosse Reinh. K ü t c r- Schöneberg.'2. Diskussion. 3. Ver- schicdcnes. Ferner findet am Dienstag, nachmittags von 2 bis 3s2. Uhr, in der 2. Abteilung des 92. Urwablbezirks eine Stichmahl statt. Kandidaten sind die Genossen Zimmerer August K l a n k e, Gustav- Müllcrstraste 19, und Ofensetzer August H i n�, Gustav-Müller- straszc 28. Tic Genossen wollen ihre Pflicht erfüllen. Steglitz. Dienstag, den 21. Mai, abends 8V& Uhr, bei Schell- hasc, Ahornstratze 15a. Mitgliederversammlung des Wahlvercins. Tagesordnung: 1. Bericht von der letzten Vcrbandsgeneralvcrsamm- lung. 2. Bericht über die Landtagswahl. 3. Verschiedene Wahlen. Wilmersdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahlvercins findet am Montag, den 26. Mai, abends 8s-2 Uhr, im Jßiktona- Garten", Wilhelmsaue 114, statt. Tagesordnung: Bericht von der Verbandsgencralversammlung. Wahl der Delegierten zur Kreis- und Verbandsgencralversammlung. Vereinsangelegenhcitcn(Land- tagswahl, Hauskassierung). Lichterfclde. Dienstag, den 27. Mai, abends SVi Uhr, Mitgliederversammlung des Wahlvercins bei Erpel, Berliner Straße 129. Zchlendorf(Wannseebahn). Dienstag, den 27. Mai, abends SV* Uhr, findet bei Mitlei, Potsdamer Straße 23, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordirung: Berichte der Funktionäre über Maifeier und Landtagswahl. Neuwahlen der beiden Vorsitzenden sowie des Jugend- und Bildungsarlsschuffcs. Parteiangelegenhciten und Verschiedenes. Lankwitz. Heute nachmittag veranstaltet der Bildungsausschuß einen Familienausflug nach dem Grunewald. Treffpunkt 1 Uhr bei Prochazka. Nachzügler können sich zwischen 3 und 4 Uhr im„Alten .Krug" in Dahlem einfinden. Da der Wirt über die entsprechenden Einrichtungen nicht verfügt, ist es nicht möglich, dort Kaffee zu lochen; es ist also nur Kaffee in Tassen und Kannen erhältlich. Am Mittwoch, den 28. Mai, abends 8'ch Uhr, findet bei Ziegl,„Dahns Festsäle", Kaiser-Wilhelmstratzc 34, eine öffent- liche Versammlung statt. Tagesordnung:.59 Jahre deutscher Sozialdemokratie". Referent Genosse Eichhorn. Tempelhof. Am Mittwoch, den 28. d. M.. abends 8% Uhr. findet für sämtliche Bezirke Zahlabcnd statt. Es sind wichtige An- gelegenheiten zu beraten. Reinickendorf-Weft. Dienstag, den 27. d. M.. abends 8� Uhr. im Lokal von Gördes, Waldstraßc 59/51, Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht von der Verbands- und Kreisgeneralversammlung. 3. Vcr- cinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. ßerllncr Nachrichten. Hochzeit im Schlosse. „Hochzeit machen ist wunderschön." W?r von uils hätte nicht schon das kleine Liedchen singen gehört, das unsere kleinen noch nicht schulpflichtigen Mädchen bei ihren unschuldvolleg Spielen auf der Straße singen, und dessen Anfangsstrophe wir unseren Betrachtungen voran- stellen. Noch nicht berührt von den Sorgen des Lebens, halten die fünf- und sechsjährigen Mädchen Hochzeitmachen als den höchsten Jitbegriff des Lebens. Wie ganz anders gestaltet sich oft später das Leben in Wirklichkeit, wenn der Kampf ums Dasei», die-sorge ums tägliche Brot die Ehe beherrscht. Wie ganz anders als in der mädchenhasten Phantasie stellt sich die Ehe dar, wenn die Familie sich vermehrt und wenn bei den teuren Zeiten alle Mäulcr gestopft werden sollen. Allerdings trifft dies nur zu bei den breiten Massen der arbeitenden Bc- vclkerung, die von ihrer Hände Arbeit leben muß, es aber vielfacl) trotzdem verstehen, bei Sinnesgleichheit eine innige Ehegemeinschast zu führen. Anders bei denen, die auf den sonnigen Höhen des Lebens wandeln. Materielle Sorgen sind ihnen frenid. Alles, was ihr Herz begehrt, steht ihnen zur Verfügung. Geld spielt keine Rolle. Das tritt so recht in Erscheinung bei der Verheiratung der Tochter des Kaisers mit dem PrinzenAugust von Eumberland. Tic Eumberländer gehören zu den reichsten Fürsten von Europa. Ihr Vermögen geht in die viele Millionen und ist nicht abzuschätzen. Und die Tochter des Kaisers ist auch nicht arm. Die Feierlichkeiten, die ziemlich die ganze letzte Woche in Anspruch nahmen, kosten Unsummen. Kaiser. Könige und zahlreiche Fürstlichkeiten mit ihrem Gefolge haben sich als Hochzeitsgäste in Berlin eingefunden. Das Schloß reicht nicht aus, um alle beherbergen zu können. Tie ersten Hotels mußten mit Hochzeitsbesuch belegt werde». Im Schlosse jagt eine Festtafel die andere. Frühstückstafel, Mittagstafel und Abend- tafcl folgen mit kurzen Pausen hintereinander. Schnwck be- richtete getreulich der staunenden Mitwelt, welcher Art die Speisen und die Weine waren, die hier verzehrt wurden; w i e die Geladenen Platz genommen und wie sie sich geräuspert und wie sie gespuckt haben. Für die Ausstattung der Braut sind Hunderttausende aufgewendet worden; wie es heißt aus den persönlichen Mitteln der Mutter der Braut. Altpreußische Sparsamkeit nennt man das ja Wohl. Und dann die Hochzeitsgescheuke. Es versteht sich am Rande, daß die Geladenen dem Brautpaar Geschenke machten. Und daß die Hochzeit einer Kaisertochter von unseren Byzantinern wahrgenommen wird, um gleich- falls durch Spenden sich empfehlen zu können, befremdet nicht mehr. Einer suchte den anderen zu übertreffen, und so ver- wundert es uns gar nicht, wenn von einer seite mitgeteilt wird, daß der Wert der Hochzeitsgeschenke auf mehr als zehn Millionen Vi a r k geschätzt wird. Nach einer Liste befinden sich unter den Geschenken: Persertcppiche und Alt-Danziger Schränke, Meißener und chinesisches Porzellan, flämische Möbel, Gemälde,„gebrauchsfähige" silberne Tafel- anfsätze und Tischbesteckc, Pferde, Wagen und Automobile, Juwelen und Schmucksachen. Ein besonders kurioses und altväterliches Geschenk hat der Herrscher aller Reußen mitgebracht: eine riesige Schale aus poliertem dunkelgrünen Ural-Malachit. Es ver- bindet sich mit dieser Hochzeitsgabe ein altrussischer Zarenbrauch. Seit den Tagen Peters des Großen schenken die russischen Herrscher, falls es njcht gerade (im vorliegenden Falle gewiß nicht angebracht) Schnupf- tabaksdosen sind, den Familienmitgliedern befreundeter Fürstenhäuser bei Besuchen und festlichen Gelegenheiten stets solche malachitsteinernen„Mementos". Unzählbar sind die vielen derartigen Schalen, Vasen, Tischplatten usw., die in den deutschen Fürstenschlössern von Potsdam bis zum Jagd- schloß Granitz auf Rügen, von Varzin. Dresden und bis Stutt- gart einen Teil des„Mobiliars" bilden. Man hat sich hier- bei anscheinend dem Wunsche der Prinzessin gefügt, die auf eine Anfrage erklärt haben soll, der Vater sage, man solle Verniinftiges schenken. Gestern erreichten die Festlichkeiten allem Anscheine nach ein Ende. Glanz, Pracht und Wohlleben waren das Eharak- teristikum dieser Hochzeitsfeier im Schlosse. Ter von neuem in Erscheinung getretene Luxus bildet einen krassen Gegen- satz zu der Not des Volkes, und alle Bemühungen eilfertiger Tintenkulis, die Massen des Volks durch speichelleckerische Hochzeitsartikel über diesen Gegensatz hinwegziitälischeii, werden an den krassen Tatsachen scheitern. Billetts zum Philharmonischen Konzert. Zu dem am 2. Juni in der Neuen Welt, Hascnhcidc, stattfindenden Philharmonischen Konzert sind noch genügend Billetts bei Gustav Schmidt, Kirchvach- stratze 14, zu haben. Ermäßigte Eintrittskarten für die Ausstellung der Ber- liner Sezession zum Preise von 20 Pf.(statt 1 M.) sind bei Paul Horsch, Engelufer 15, und im Bureau der Herberge des Gewerkschaftshauses zu haben. Ucbcr die Arbeitszeit der städtischen Parkarbcitcr teilt das Nachrichtenamt des Magistrats mit: Tie Arbeitszeiten innerhalb der Parkvcrwaltung passen sich der Saison an und sind wie folgt festgesetzt: Vom 15. März bis 14. Oktober 19 Stunden, vom 15. Ok- tober bis 31. Oktober g(h Stunden, vom 1. November bis 14. November 8% Stunden, vom 15. November bis 14. Februar 814 Stunden, vom 13. Februar bis 14. März 9(4 Stunden. Hieraus ist er- sichtlich, daß die städtischen Parkarbeiter durchschnittlich nicht ganz 914 Stunden beschästigt werden. Eine Durchschnittsberechnung läßt sich nicht rechtfertigen. Tat- fache ist, daß die Parkarbeitcr während des größten Teiles des Jahres 19 Stunden arbeiten und nur. durch die Jahreszeit bedingt, eine kürzere Arbeitszeit besteht. Dafür aber werden dem größten Teil der Arbeiter die Einkünfte entsprechend gekürzt. Festgenommener Schwindler. Unter den Linden festgenommen wurde gestern vormittag ein langgcsuchtcr Schwindler, der sich dort als Zuschauer eingefunden hatte. Es ist ein 35 Jahre alter, aus Sangershausen gebürtiger Handlungsgehilfe Franz Kunze, der schon seit langer Zeit mit einem besonderen Trick„arbeitete". Er suchte Leute auf, die in den Zeitungen anzeigten, daß sie einen wertvollen Gegenstand ver- loren hätten und auf dessen Wiederhccbcischaffung eine hohe Bc- lohnung aussetzten. Bei diesen führte er sich mit einem gefälschten Brief ein, den ein angeblicher Freund ihm geschrieben habe. Dieser „Freund" teilt dem Empfänger in diesem Schreiben mit, daß er den Gegenstand gefunden habe und auch am Tage vorher schon bei den Verlierern gewesen sei,»m das Fundstück abzuliefern, diese aber nicht angetroffen habe. Weil er aber nun in einem entfernten Vorort von Berlin wohne, so übertrage er die Regelung der An- gclegenhcit ihm. Zuvor solle er aber zu dem Verlierer hinfahren und sich die ihm entstandeneu Unkosten und auch gleichzeitig seine übergeben lassen. In der Hoffnung, wieder zu dem verlorenen Gegenstand zu gelangen, vergüteten sie dem Manne gern die IIn- kosten, um so mehr, als sich dieser erbietet, sofort zu seinem Freund zu fahren und das Fundstück abzuholen. Ilm die Verlierer ganz sicher zu machen, läßt er auch noch ein größeres Paket in deren Wohnung, das er bei der Rückkehr wieder mitnehmen wolle. Natür- lich läßt er sich dann nicht mehr sehen, und in dem Paket finden die� Geschädigten wertloses Zeug, gewöhnlich Packpapier. Neben diesem„Spezialtrick" beging er auch noch andere Schwindeleien. So suchte der Gauner auch noch alte Frauen und Männer auf, die durch Zeitungsanzeigen Stellung suchten. Ihnen stellte er sich als ein Mann mit großen Einflüssen vor und erbot sich, diese zu ihren Gunsten geltend zu machen. Für seine„Bemühungen" ließ er sich dann im voraus eine kleine Vergütung geben. Auch in diesen Fällen hörten die Geschädigten nach seinem Fortgange nichts mehr von ihm. Heute vormittag sah nun eines seiner Opfer den Schwindler als Zuschauer Unter den Linden. Trotzdem dieser cnt- rüstet tat und ein Provinzler sein wollte, der hierhergekommen sei, um sich die Hoffestlichkeiten anzusehen, ließ sich der Mann nicht täuschen, sondern übergab den Verdächtigen der Polizei. Auf der Wache nannte er sich zuerst noch Fischer, gab aber auf dem Prä- sidium, wo man ihn sofort erkannte, zu, der langgesuchte cschwindler Kunze zu sein. Er räumte auch eine ganze Anzahl Schwindeleien dieser Art ein.'Da die Zahl der Gaunereien aber jedenfalls noch bedeutend größer ist, so werden alle Geschädigten, die noch keine Anzeige erstattet haben, ersucht, diese im Zimmer 193 des Polizei- Präsidiums zu machen. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich gestern mittag bor dem Hause Oranienstraße 138. Das fünf Jahre alte Töchtcrchcn Herta des Hausdieners Müller aus der Kommandantcnstraße 45 besuchte, da die Mutter außer dem Hause arbeitet, die Spiclschule in der Brandenburgstraßc. Tic Mutter, die die Kleine stets ab- zuholcn pflegte, kam gestern mittag etwas zu spät zur Schule. Tie Kinder waren schon entlassen worden. Auf dem Heiuüvege sah sie an der Ecke der Brandenburg- und Kommandantenstraße einen großen Menschenauflauf. Sic eilte hinzu und hörte nun, daß soeben ein Postwagen zwei kleine Kinder überfahren habe, und zwar sei das eine tödlich, das andere leichter verletzt toorden. Nichts Gutes ahnend, erkundigte sie sich nach dem Aussehen der beiden Kleinen, und bald war es ihr gewiß, daß das getötete Kind ihr Töchtcrchen war. Vor Schreck siel sie in Ohnmacht und mußte von den Leuten in ihre Wohnung gebracht werden. Die beiden Kinder loarcn Hand in Hand über den Tamm gelaufen, um ihren Eltern ein Fähnchen zu zeigen, das sie aus Anlaß der HochzcitS» feicr im Kaiscrhausc erhalten hatten. Dabei übersahen sie den von der Lindenstraße herkommenden Posüvagen. Während die kleine Herta unter die Räder geriet, wurde das andere kleine Mädchen beiseite geworfen und kam so mit Hautabschürfungen davon. Beide Kinder wurden nach der Hilsswachc in der Koiumandantcnstraßc gebracht, wo der Arzt bei dem Töchterchcn der Eheleute Müller nur noch den Tod feststellen konnte. Ihr Leiche wurde nach dem Schauhausc gebracht, während die leichter Verletzte nach Anlegung eines Verbandes in ihre elterliche Wohnung gebracht wurde. Stadtrat Tr. Lcdcrman», der am l. April d. I. in den Ruhe» stand getreten ist, ist Freitagabend nach langer Krankheit im crana- torium Evenhausen bei München gestorben. Geldschrankknacker loarcn in der vsrgangcnen Nacht auf dem Grundstück Markgrascnstraßc 38 an der»Arbeit". Hier ist ein Neubau errichtet worden, in dem bisher nur die Kleider- und Blusengroßhandlung von Joachimsohn u. Weißeuberg ihre Ge- schäftsräume hat. Diese liegen im dritten und vierten Stock des Vorderhauses. Einbrecher, die sich vorher mit Nachschlüsseln ver- sehen haben müssen, kantelten das Kunstschloß der Eisentür am Eingang, sowie zum Aufgang am Seitenflügel und die Tür zu den Räumen im dritten Stock auf und schlössen sie auch wieder sorgfältig hinter sich zu. In aller Ruhe knackten sie dann nach Art gewerbsmäßiger Gcldschrankeinbrechcr das Gcldspind und stah- lcn daraus 799 M. deutsches Geld und für ungefähr 299 M. französische nud österreichische Münzen. Beim Verlassen des Grund» stücks schlössen sie bis auf die am Hinteraufgang alle Türen wieder zu, so daß der Einbruch erst gestern früh entdeckt werden konnte. Durch die Decke gingen Einbrecher, die in der Nacht zu gestern einem Putzgcschäft in der Dorotheeustraßc einen Besuch abstattete». Unter dem im Erdgeschoß belegenen Ladengeschäft befindet sich eine Tischlerei. Zunächst verschafften sich die Einbrecher mit einem Nachschlüssel Eingang in diese. Mit dem Handwerkzeug, das sie hier vorfanden, bohrten sie ein Loch in die Decke und rissen diese dann in einem Ilmfange von ungefähr 1 X 1(4 Meter auf, so daß sie bequem hindnrchstcigen und auch die Waren herunterlangen konnten. In dem Laden packte» sie für etwa 1599 M. Straußenfedern, Reiher, Phantasiefedcrn usw. in Kartons und verliehen mit der Beute das Haus auf demselben Wege wie sie gekommen waren. Erst am anderen Morgen sah man an den deutlichen Spuren, die sie hinterlassen hattcix daß Einbrecher an der„Arbeit" gewesen waren. Im Beruf verunglückt ist gestern nachmittag auf dem Bahn» bof Jannowitzbrücke der 34 Jahre alte Fensterputzer Georg Schwenke ans der Kleinen Markusstraße 19/29. Er war dort mit dem Putzen der Scheiben der Bahnhofshalle beschästigt, alll der Personenzug 222, Bertin-BrcSlau, vom Alexanderplatz kommend, in geschwinder Fahrt an der Außenseite auf dem Ferngleise vor. beifuhr. Da er sich beim Reinigen zu weit zurückgelehnt hatte, wurde er vom letzten Wagen, der an dieser Stelle schleuderte, erfaßt und heruntergerissen. Durch den Sturz erlitt er einen Schädelbruch. Ter Unfall wurde sofort bemerkt und der Bahn» Hofsarzt hinzugerufen. Dieser konnte aber nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhausc gebracht. Bon einem Strohwagcn überfahren»nd getötet wurde gestern nachmittag der 3 Jahre alte Sohn Harry des Formers Wo rch aus der Liebenwatder Straße 43. Er hatte sich, wie Kinder es oft zu tun pflegen, an die Bremse des Wagens gehängt, ohne daß der Kutscher ctrvaS davon merkte. Als der Wagen in den Flur deS Hauses Liebcnwaldcr Straße 45 hineinfuhr, fiel er an der Ein- fahrt infolge der Erschütterung des Wagens herunter, und fiel so unglücklich, daß er unter die Räder zu liegen kam. Diese gingen über ihn hinweg und verletzten ihn so schwer, daß er ans der«teile verstarb. Beim Berkauf von Zimmcrmannshandwcrtzcug festgenommen wurden gestern zwei schon mehrfach vorbestrafte Arbeiter. Ein Kriminalbeamter beobachtete, wie zwei Männer einem Trödler einen Sack, in dem sich das vollständige Werkzeug eines Zimmer- manne?, Hobeln, Wasscrwagen, Stcchbentcl usw. befand, zum Kauf anboten. Ties kam dem Beamten verdächtig vor,»nd er erkundigte sich deshalb nach ihre Namen und die Herkunft der Sachen. Wäh- rend des Gesprächs suchte einer der beiden das Weite. Ter Beamte nahm daraufhin den Zurückgebliebenen fest und bald darauf gelang es mit Hilfe eines zlvcitcn Beamten auch den Spießgesellen dingfest zu machen. Ans dem Präsidium entpuppten sich die beiden als zlvci Arbeiter Sehr und Rowe, die schon wiederholt mit den Straf- gcsetzen in Konflikt gekommen sind. Sie gaben an, das Hand- Werkzeug in einem Hausflur von einem Manne, denn sie nur mit dem Vornamen Hans kennen, gekauft zu haben. Ohne Zweifel haben die Perhaftcten den Sack mit dem Werkzeug irgendwo, wahr- scheinlich auf einem Neubau, gestohlen. Der Geschädigte kann die Sachen im Zimmer 96a des Polizei-Präsidiums in Empfang nehmen. Straßcnbahnunfällc. Beim Besteigen eines fahrenden Straßen- bahnwagens ist Frcitagnachinittag gegen 1�6 Uhr der Kaufmann Eugen Frey schwer verunglückt. Er wollte vor dem Hause Dront- heimer Straße 5 auf einen vorüberfahrendcn Stratzcnhahnlvagcn der Linie 36 aufspringen, glitt jedock vom Trittbrett ab und stürzte. Er erlitt eine klaffende Wunde am linken Knie, sowie Verletzungen an den Beinen und Hautabschürfungen am Kopf. Der Verunglückte erhielt auf der nächsten Unfallstation Notverbände und. wurde dann nach der Charite gebracht. Ein zweiter schwerer Unfall ereignete sich zur gleichen Zeit in Steglitz. Dort wollte vor dem Hause Schloßstraßc 95 ein Herr Max Spcrlick kurz vor einem herannahenden Straßenbahnlvagcn der Linie V das Gleis überschreiten. Er lvurdc angefahren, um- gestoßen und erlitt einen Bruch des rechten Oberarmes. Der Ver- unglückte fand im Urban-Krankcnhause Aufnahme, nachdem er vorher auf der nächsten Unfallstation einen Notverband erhalten hatte. Erschossen hat sich gestern in Treptow ein ungefähr 69 Jahre alter Mann, dessen Persönlichkeit sich nicht feststellen ließ. Ter unbekannte Tote ist ungefähr 1,79 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und blonden Schnurrbart, ein rundes Gesicht und trug einen gestreiften Sommerpaletot, einen karierten Anzug und einen brau- neu Hut.— AuS der Spree gctandet wurde daselbst die Leiche eines etwa 59 Jahre alte» Mannes, dessen Persönlichkeit gleichfalls nicht festzustellen war. Der Tote ist ungefähr 1,95 Meter groß, bat blondes Haar, einen melierten Vollbart und trug einen schwarzen Gehrock, eine braune Strickweste,«chnallcnsticfel und eine schwarze Krawatte.— In Brüssel erschossen hat sich ein unbekannter Mann von etwa 25 bis 39 Jahren, von dem angenommen wird, daß er ein Berliner ist. Der Fremde ist ungefähr 1,52 Meter groß, hat dunkeMondcs Haar, Schnurr- und Vollbart, ein rundes Gesicht und ivar mit eincnr schwarzen Stoffanzug, schwarzen Zugstiefcln und blauwcißem Hemd bekleidet. Der Chauffeur Ludwig Lange, Fliedcrstraßc 12, ersucht uns, mitzuteilen, dah er mit dem Vorfall in der Skalitzer Strahe, bei dem ein Automobil in eine Abteilung Soldaten hineingefahren ist, nichts zu tun habe. Tie gepfändete Nähmaschine. Die Nähmaschinen- und Fahr- radfirma E. Hruda hatte einen Gläubiger wegen einer rück- ständigen Forderung von 60 Pfennigen zuzüglich von Zwangsvoll- streckungskostcn pfänden und eine Nähmaschine vom Gerichts- Vollzieher wegnehmen lassen. Wir hatten kürzlich bereits auf das Unzulässige dieser Pfändung hingewiesen. Auf erhobenen Ein- spruch hin hat nun das Gericht die Herausgabe der Nähmaschine angeordnet. Von Herrn Hruda erhalten wir mit Bezug auf unsere Veröffentlichung in dieser Sache eine Zuschrift, auf Grund des Preßgesetzes eine längere Darlegung zu veröffentlichen. Soweit das Schreiben tatsächliche Angaben enthält, so sei die Angabe des Einsenders wiedergegeben, nach der die in Betracht kommenden Eheleute nicht 2 Jahre 10 Monate, wie vereinbart, sondern fünf Jahre fünf Monate an der Maschine abgezahlt hätten und daß er, Sruda, erst 2% Jahre nach Fälligkeit der letzten Rate einen Zahlungsbefehl erlassen habe. Das bedeute eine große Rücksicht- nähme, von der er sich auck im allgemeinen leiten lasse. Auch hätten sich die betreffenden Eheleute mit ihm wegen der Zahlung nicht in Verbindung gesetzt. Eine Delikatessen- und Kolonialwarcnausstellung ist in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten eröffnet worden. Grohfeuer in einer Metallschraubenfabrik. Von einem Grotzfeucr wurde gestern nachmittag die Metall- schraubenfabrik von I. M. Schultzc in der Mclchiorstraßc 6 heim-, gesucht, die Fabrik befindet sich dort schon seit etwa 15 Jahren und hat ihre Fabrikationsräume in der vierten Etage eines Fabrik- gebäudes, das eine Front von fünf Fenster hat. Im Obergeschoß werden einige Räume von der Gürtlerei von Leopold Kraus und von der Metallschleiferei von Gawalski benutzt. Alle Räume der vier Stockwerke stehen nnt einem Teil des rechten Seitenflügels in Verbindung. Das Feuer entstand auf bisher noch nicht ermittelte Meise im Erdgeschoß des Fabrikgebäudes und dehnte sich mit un- gewöhnlicher Schnelligkeit aus. Die zahlreichen Arbeiter der Firma Schultze, die gerade Feierabend machen wollten, konnten sich nur durch schleunige Flucht in Sicherheit bringen. Da das Fabrik- gebäudc keine niassiven Zwischendecken hat, so sprang der Brand sehr bald auf alle vier Etagen über. Als der 5. Löschzug auf der Brandstelle eintraf, stand das Fabrikgebäude schon in ganzer Aus- dehming in Flammen. Ter Brandinspektor zog daher durch die Nachmeldung„Mittclfeuer" schleunigst noch weitere Verstärkungen heran. In der Melchiorstraße legten zwei Dampsspritzen an und zwei weitere Dampfspritzen traten in der Adalbertstraße in Tätig- kcit. Der Löschangriff erfolgte von den Grundstücken Melchior- straße 6 und 7 aus. Im ganzen wurde aus zehn Schlauchleitungen Wasser gegeben. Die Rohrführer drangen teils über Treppen, teils über drei Stccklcitergänge gegen das verheerende Element vor. Ob- gleich das ganze Fabrikgebäude unter Wasser genommen wurde, dauerte es doch fast eine Stunde, ehe die Gefahr beseitigt war. Das Feuer war auch auf einen Teil des rechten Seitenflügels über- gesprungen und hatte hier besonders das Tuch ergriffen. Die vier Etagen des eigentlichen Fabrikgebäudes sind fast vollständig aus- gebrannt. Ter Schaden, den die Firma Schultze erleidet, ist sehr erheblich, da alle Maschinen und Schraubenbänkc zerstört worden 'sind. Der Schaden ist aber durch Versicherungen gedeckt. Auch die Firmen Kraus und Gawalski sind stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Während der Löscharbeiten war die Umgebung der Brandstelle durch ein großes Schutzmannsaufgebot abgesperrt. Auch ein Krankenwagen des Verbandes für erste Hilfe war zur Stelle, brauchte aber glücklicherweise nicht in Aktion zu treten. Die Fabrikräumc im rechten Seitenflügel haben durch Wasser stark ge- litten. Das angrenzende Kesselhaus der Firma Schultzc ist vom Feuer verschont geblieben. Vorort- Nachrichten* Zur Landtagswahl in Neukölln. Das nunmehr vorliegende Ergebnis der Urwahlen stellt sich für die Sozialdemokratie als ein überaus glänzendes dar. Die Wahlbeteiligung geht aus folgender Zusammenstellung hervor: Eingetragene Wähler: insgesamt 63 018, das Wahlrecht ausgeübt 39 920, in Proz. 63,3 1. Klasse 3 488,,, 2173,„„ 62,3 2. Klasse 15 918,„, 10 227,.„ 64,2 3. Klasse 44 012,. 27 520,„. 62,5 Die abgegebenen Stimmen verteilen sich folgendermaßen: Sozialdemokratie Freisinnige Konservative Mischmasch sMier) abgegebene abgeg. abgeg. abgeg. Stinime» 0/o St.% Stimm. 0/0 Stimmen 0/o 1. Kl. 1 127 52,5 329 15,2 55 2,5 559 25,7 2., 8128 79,0 948 9,0 103 1,0 1216 11,0 3.. 25 526 93,9 278 1,0 45 0,16 489 1,8 Wie aus dieser Tabelle zu ersehen ist, hat selbst in der 1. Klasse die Mehrheit der Abstimmenden sich für die Sozialdemokratie ent- schieden. Das Resultat wäre in der ersten und zweiten Klasse sicher noch anders ausgefallen, wenn nicht der Stadtrat Mier als Kandidat aufgetreten wäre. Ein großer Teil der Wähler befand sich nun in einer Zwangslage, wie man aus den Aeußerungen recht oft ver- nehmen konnte. Selbst am Wahltage mußte ausgerechnet Herr Mier herumfahren, und da, wo die Wahlvorsteher Fehler gemacht hatten, eingreifen. Als Kandidat, also als sehr nahe Beteiligter, hätte Herr Mier das auf alle Fälle unterlassen sollen. Der Wahlkampf wurde von unseren Genossen mit Eifer geführt. Daß unsere liebe Polizei sich wieder einmal„weltfremd" stellte, ist weiter nicht zu verwundern, ihr kam es komisch vor, daß des Morgens in aller Frühe am Wahltage an jeder Straßenecke unsere Genossen kleine rote Zettel zur Aufforderung zur Wahl verteilten. Zwei Verteiler wurden sistiert, bei dem einen entschuldigte man sich, als der Irrtum entdeckt wurde, bei dem anderen, den man auf der Wache sogar festhielt, hielt man es nicht für notwendig. Freilich davon ist uns nichts bekannt geworden, daß die Polizei einschritt, als kleine Kinder mit Stimmzetteln für die Bürgerlichen bot den Lokalen standen. Der Magistrat hatte es abgelehnt, den einzelnen Wählern eine Benachrichtigung darüber, daß sie in die Wählerliste eingetragen waren, zuzustellen, man war daher sehr erstaunt, als zu den Stich- wählen ein jeder Wähler eine Bekanntmachung, gezeichnet von den Wahlvorstehern, erhielt, worin sogar das Stimmenverhältnis der einzelnen Wahlmänner bei der Hauptwahl verzeichnet war. Bon wem wurde das veranlaßt, wo wurde die Arbeit ausgeführt, wer hat die„Bekanntmachung" verbreitet? Man war aber noch hilfsbereiter, es wurde auf das Kuvert sogar die Nummer geschrieben, unter der der detreffende Wähler in der Liste stand. Es hat alles nichts genutzt, trotz der bürgerlichen Radauver- sammlungen, trotz aller Eingesandt hat die Wählerschaft eine unzweideutige Antwort gegeben, Neukölln— Schöneberg mutz für alle Zukunft der Sozialdemokratie gehören. Charlottenburg. Für den Bau einer Gcmeinde-Doppclschule in der Oranien- straße 13—15» ersucht der Magistrat von Charlottenburg die Stadt- verordneten um Zustimmung zu einem Bauentwurf, der außer Klassenräumen im Untergeschoß neben einer größeren Brausebad- anlage Räume für den Verein„Jugendheim" zur Beauffichtigung und Speisung von Schulkindern vorsieht; außerdem soll über dem Knabenflügel ein Dachgarten eingerichtet werden. Die Gesamtkosten stellen sich auf rund 1568500 M. Uelicr Zukunftsarbcit im Gegenwartsstaate sprach in der General- Versammlung des Wahlvereins Genosse H e i n i g. Nach dem bei- fällig aufgenommenen Vortrag wurden als Delegierte zur Kreis- Generalversammlung gewählt: Bade, Harnisch, Schäfer, Lodahl, Henn, Finger, Ströbing und als Ersatzmann Zempelburg. Beim Punkte:„Bericht von der Verbands-Generalversammlung" übt Genosse Rubin Kritik an den Beschlüssen derselben. Sei der Beschluß, Borchardt eine Rüge zu erteilen, berechtigt, so mußte auch der Antrag des Zentralvorstandcs angenommen werden. Dies sei aber nicht der Fall. Der Untersuchungskommission werfe er vor, nicht gründlich genug gearbeitet und Borchardt in seiner Verteidigung beschränkt zu haben. Stieffenhofer wies die Angriffe auf die Kommission zurück und stellte fest, daß das gesamte, sehr umfangreiche Material Borchardts vervielfältigt, ein Stenograph zu den Sitzungen hinzugezogen und seinen Beweis- antrügen in loyalster Weise entsprochen worden sei. Rubin stütze seine ganzen Ausführungen auf die Behauptungen Borchardts, der doch am Ausgang der Sache am meisten interessiert sei, lasse aber der Ansicht von neun einwandfreien Genossen, die nicht das geringste Interesse daran hätten, einfach nicht gelten. Nach längerer Ge- schäftsordnungsdebatte wurde die Generalversammlung um 12'/« Uhr auf nächsten Dienstag vertagt. � Bon den am Freitag in 77 UrWahlbezirken erforderlichen Stichwahlen eroberte die Sozialdemokratie in 23 UrWahlbezirken 4 2 Wahlmännerinandate; hiervon entfielen in der zweiten Abteilung 3 Urwahlbezirke mit 5 Wahlmännern, in der driten Abteilung 20 UrWahlbezirke mit 37 Wahlmännern; alle übrigen Mandate entfielen auf die Liberalen. Wegen Ablehnung der Wahlmännerinandate finden am Montag, den 26. Mai, in nachfolgenden UrWahlbezirken Nachwahlen statt. In der 4. Abteilung im 160. und 183. UrWahlbezirk. 2.„ im 157.. 159. und 172. UrWahlbezirk, 3.„ im 154. Urwahlbezirk. Steglitz. Es sollt'»ich' ville kosten— aber man will doch auch nicht in Betätigung echt patriotischer Gesinnung hinter anderen Vororten und sonstigen Gcmeinloesen zurückstehen. Das sind zwar nicht die Worte, aber es ist doch der Sinn der Begründung, die Herr Bei- geordneter Fabarms in der letzten Gcmeindevcrtretersitzung einem antrage angedeihen ließ, der folgenden Wortlaut hat:„Errichtung einer Stiftung anläßlich des Rcgierungsjubiläums S. M. des Kaisers und Königs zum Zwecke der Erbauung eines Armen- und S i e ch e n h a u s c s," Tie Notwendigkeit eines derartigen Neubaues steht außer Zweifel, und die Vorarbeiten dazu sind sogar schon längere Zeit im Gange, wie bei der Etatsberatung auf die Anfrage eines sozialdemokratischen Gemeindcverordneten versichert wurde. Aus diesen Gründen ist es verständlicki, daß die Gemeindevertretung die geforderte Summe von 150 000 M. zu obigem Zwecke trotz der patriotischen llmrahmnng unter ver- ständnisinnigem Schweigen bewilligte.— Die Forderung von 800 000 It. für den Neubau einer G e m e i n d e d o p p c l- schule in der Sachscnwaldstratze, deren Modell im Sitzungssaale ausgestellt war, veranlaßte Herrn Barsekow von der Grundbesitzer- Partei, zur Sparsamkeit bei Schulbautcn zu mahnen; er meinte, die Schule könne bei weniger Luxus billiger gebaut werden und beantragte nochmalige Beratung durch eine Spezialkommission. Merkwürdigerweise stellt sich bei diesen Herren der Trieb zum Sparen immer nur dann ein, wenn es sich um Volksschulen handelt. Beim Bau der Obcrrcalschulc, des Realgymnasiums und der höheren Mädchenschule, wo vielfach wirklicher Luxus in der Ausstattung getrieben wurde, ivar vom Sparen nicht die Rede. Dort gilt das, was der Gemeindevorsteher in seiner Festrede bei Einweihung des Realgymnasiums sagte:„Manchem mag dieser Bau zu luxuriös erscheinen; ich bin aber der Meinung: für unsere Jugend ist gerade nur das Beste gut genua. Wir müssen den Kindern ein Heim schaffen, in dem sie sich behaglich fühlen I" Die geforderte Summe wurde schließlich unter dem Vorbehalt der nochmaligen Prüfung bewilligt, damit der Baubeginn nicht ver- zögert wird. Das Gebäude wird neben einer Turnhalle, Bade- gelegenhcit und einer Küche für den Haushaliungsuntcrricht 42 Klassen auftveisen und damit das größte Steglitzer Schulhaus werden.— Zu einer längeren Debatte führte der ständige Tages- ordnungspunkt..Nachbewilligungen". Es stellte sich heraus, daß bei dem Posten„Kosten der Landtagsersatzwahlcn" der Gemeindcvor- stand das Gehalt eines ohne Wissen der Gemeindevertretung an- gestellten Heizungsingenieurs„verbuddelt" hatte. Dem Gemeinde- vorstand wurde wegen dieser Machenschaften der Kopf gewaschen und der Posten zur Nachprüfung und Aufklärung zurückgestellt.— Ein Antrag Barsekow verlangt Mitwirkung der Gemeinde bei Hypothekenb«schaff ung. Er verwies darauf, daß die Nachbarorte Schöncbcrg und Neukölln in dieser für die Hausbesitzer ungemein wichtigen Frage bereits vorangegangen seien. Als Mittel zum Zweck kämen in Frage: Taxämtcr, Pfandbriefbanken oder Genossenschaften zur Beschaffung von Hypotheken unter Auf- ficht der Gemeinden, Ausbietungsgarantie durch die Gemeindeu usw. Ilm die Frage gründlich zu beraten, empfahl er eine zwölfgliedrige Kommission, die denn auch ernannt wurde. Von unseren Vertretern gehört Genosse Hamburg dieser Kommission an. Den Schluß bildete wieder eine Anfrage wegen der Stadtwcrdung. Aus der ziemlich langen Debatte über diese, für unser Dorf mit seinen über 80 000 Einwohnern überaus wichtige Frage war nur das eine zu entnehmen: Die Stadtwerdung licgi noch in weiter Ferne. Der Gemeindevorstand, der in dieser Frage offenbar die Hausbesitzer hinter sich hat, hat scheinbar keine Eile, und der Kreis Teltow, mit dem vorher eine Auseinandersetzung erfolgen muß. noch viel weniger. Die Rügen, die von mehreren Rednern der Linken an die Adresse des Gcmeindevorstandes ge- richtet wurden, verfehlten auch ihr Ziel, weil der Gemeindevor- sicher Buhrow sich weit vom Schuß— auf einer Vergnügungsreise — befindet. Kennzeichnend für den Eifer des Gcmeindevorstandes ist es jedenfalls, daß ein e i n st i m m i g e r Gemeindebeschluß vom 13. Dezember v. I., der den Gemeindevorstand auffordert,„s o- fotzt die Unterhandlungen mit dem Kreis Teltow wegen„Aus- icheidens aus dem Kreise wieder aufzunehmen", bis heute— nach fünf Monaten— noch nicht ausgeführt ist, und daß eine zur Unterstützung gewählte Kommission noch nicht einmal ein- berufen wurde.— Man kann wohl auch hier mit einer Variante sagen: Jede Gemeinde hat den Vorstand, den sie verdient. Tempelhof. Hier haben sich die Liberalen wieder einal in vollem in vollem Glanz gezeigt. Für die Wahlmännerstichwahlen haben die Herren nämlich mit den Konservativen ein Abkommen getroffen, daß da, wo Sozialdemokraten und Konservative zur Stichwahl ständen, die liberalen Wähler aufzufordern seien, für die konservativen Kandi- daten zu stimmen; ebenso verpflichteten sich die Konservativen, die liberalen Wahlmänner herauszuhauen. In den Bezirken, in wel- che» sich Liberale und Konservative gegenüberstanden, bekämpften die Liberalen ihre Widersacher durch Zettel, auf denen am Schluß der schöne Satz prangte:„Endlich fort wit der agrarischen Ver- tretung aus Groß-Berlin." Auch im 7. Bezirk, in dem Liberale und Sozialdemokraten zur Stichwahl standen, wurden diese Zettel verteilt. Natürlich Ivaren die konservativen Freunde davon so erbaut, daß sie zum größten Teil der Wahl fern blieben. Die Toppelzügigkcit der Liberalen wurde damit bestraft, daß in diesem Bezirk die Sozialdemokratie in der 2. Klasse siegte. Hier wurde dieses Vorkommen viel belacht. Bemerkt sei noch, daß sich die Zentralleitung der Liberalen mit dem Entschluß des Tempel- hofcr Wahlkomitces einverstanden erklärt hatte. Der im 5. Urwahlbezirk gewählte Molkereibesitzer Alfred Ott- mann ersucht uns, mitzuteilen, daß er, ohne vorher gefragt worden zu sein, von der konservativen Partei als Wahlmannskandidat auf- gestellt wurde. Bei der Abgeordnetenwahl wird Herr Ottmann für die sozialdemokratischen Kandidaten stimmen. Zu der Ungültigkeitserklärung der Wahl des Genossen Ewald durch die Gemeindevertretung ersucht uns Genosse Ewald um Auf- nähme folgender Zeilen:„Im Laufe der Verhandlungen über die Gültigkeit meiner Wahl zum Gemeindevertreter brachte der Ge- iiosse Frantz in der Sitzung der Gemeindevertretung vom 22. d. M. eine Unterredung zur Sprache, die ich mit Herxn Bürgermeister Wiesncr am 29. März gehabt habe, er verwies u. a. auf den Aus- spruch:„Herr Ewald, der mir vorgelegte Vertrag ist rechtsgültig, da ist nichts zu erinnern. Wenn noch irgend etwas zu erinnern wäre und es stände in meiner Macht, dem abzuhelfen, dann würde ich es tun. Mir liegt ja nur daran, eine gültige Wahl herauszu- bringen." Herr Bürgermeister Wiesner bestritt in seiner Antwort einen Teil dieses Ausspruches, und zwar von den Worten, „wenn noch irgend etwas zu erinnern wäre." Ich habe zu er- klären, daß der Ausspruch tatsächlich so getan wurde, wie ibn der Genosse Frantz vorgetragen hat." Karlshorst. Bon den neun zur Stichwahl stehenden Bezirken eroberte die Sozialdemokratie sieben, die Liberalen zwei Bezirke. Die Sozialdemokratie hat also im ganzen zwölf Bezirke er« obert. Treptow-Baumschulenweg. Die Gcneralvcrsamwlung des Wahlvereius nahm zunächst den sich über einen Zeitraum von neun Monaten erstreckenden Vorstands- bericht des Vorsitzenden Genossen Lemm entgegen. Der Redner bc- tonte, daß er leider einen Rückgang in der Mitgliederzahl feststellen müsse, er hoffe jedoch, daß im nächsten Jahre den Genossen ein besseres Resultat vorgelegt werden könne. Die Agitation für den „Vorwärts" brachte 81 neue Abonnenten' auch dies fei nicht be« friedigend. Am 6. Juni 1912 war ein Bestand an Mitgliedern von 2594 vorhanden, am 31. März d. I. jedoch nur ein solcher von 2460, so daß ein Verlust von 134 Mitgliedern zu verzeichnen sei. Die Wahlmännerwahlen am 16. d. M. haben uns einen recht schönen Erfolg gebracht, und zwar eroberten wir von 94 zu wählenden 53 Mandate, so daß hieraus der Schluß zu ziehen sei, daß, wenn jeder seine Pflicht tue, es vorwärts gehen müsse. Wegen der vorgerückten Zeit konnte die Neuwahl des Vorstandes und der Kommisfionen nicht beendet werden; eS wurde daher die Fortsetzung der Generalversammlung vertagt. Weistensee. Zu einer dringenden Gcmcindevcrtrctersitzung wurden die Mitglieder zum Freitag eingeladen, um zu der Krise der Weißen- seer Bank Stellung zu nehmen. Der Gemeindevorstand gab bc- rannt, daß er die Finanzverhältnisse der Weißenseer Bank genau geprüft habe und dabei zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß zu Beunruhigungen gar kein Anlaß vorgelegen habe. Um dem Ansturm auf die Kasse zu begegnen, habe sich der Gemeindcvorftand veranlaßt gesehen, der Bank mit Baruiiltcln auszuhelfen. Die Forderungen an das Institut hätten alle befriedigt werden können, dadurch sei auch wieder eine Beruhigung eingetreten. In den Tagen vom 21. bis 23. Mai seien 400 000 M. mehr ausgezahlt als eingezahlt worden. Ter Gcincindevorstand ersuchte um Ge- nehmigung seines Verhaltens; die Gemeindevertretung stimmte dem zu. Außerdem beschloß die Gemeindevertretung der Bank noch weitere Hilfe zu gewähren in Gestalt von Barmitteln, als auch in Gewährung von Garantien Großbanken gegenüber. Man begründete diese Maßnahmen damit, daß die Genossenschaftsbank seit ihrem 34jährigcn Bestehen fast alle» Kreisen der Bevölkerung hilfsbereit gegenübergestanden habe, es müsse ihr daher über die augenblickliche Misere hinweggeholfen werden, wenn anders nicht der ganze Ort auf Jahre hinaus geschädigt werde» solle. Tic Gemeindeverwaltung habe zurzeit auf der Weißenseer Bank ein Depot von 800 000 M. Außerdem hat sie den Großbanken gegen- über eine Garantie von 750000 M. übernommen. Durch diesen Beschluß soll die Oeffcntlichkeit erfahren, daß eine Gefahr für die Bank nicht bestehe. Z?riedrichsfelde. Bei der Wahlniänner Stichwahl war es möglich, die zwei Wahl- männer der ersten Abteilung, die zur Stichwahl standen, für uns zu holen. Reinickendorf. Morgen Montag, den 26. Mai, finden die Wahlmännerstichwahlen statt und zwar für den 140. Bezirk, 1. Abteilung: Eichbornstr. 1—8 und 89 bis Ende, Antonienstr. 1—8 und 61 bis Ende, Klixstr. 1—9 und 28 bis Ende, Scharnweberstr. 63—80, nachmittags von 5—6 Uhr im Restaurant Marks, Schorn Weber st r. 67— 68, Kandidat: Genosse Paul Lange, Schlosser. 150. Bezirk. 2. Abteilung: Albert Freytagstr. 1. Residenz« straße 41—49 und 109—122, Seebad, Markstr., Walderseestr, Holländerstr. 1—2 und 131 bis Ende, Grüner Weg 1—11, HauSotter- straße 1, nachmittags von 4—5 Uhr im„Seebad", Residenz- straße 49, Kandidat: Genosse Max Gödde, Hutmacher. 156. Bezirk, 1. Abteilung: Benlestr., Panlower Allee 12 bis 35 und 38—61, Lette-Allee 7—33, Epensteinstr., Epensteinplatz, Albert Freytagstr. mit Ausnahme von Nr. 1, 37 und 38, Kühlewein- straße, nachmittags von 6—6 Uhr in der Turnhalle der 3. G e- meindeschule, Pankower Allee 18, Kandidat: Max Hagemann, Schlosser. 157; Bezirk, 1. Abteilung: Provinzstr. 1— 20 und 115 bis Ende, Justusstr. 6—52, nachmittags von 5—6 Uhr im Restaurant Meier, Provinzstr. 124, Kandidaten sind die Genossen: Fritz Fricke, Friseur, Paul Hornfeld. Restaurateur. Hilfskräfte melden sich am Montag, nachmittags von 3'/, Uhr ab m„Seebad", Residenzstr. 49. Spandau. Ein braver Streiter im Kampf für die Sache des Sozialismus verstarb in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag nach kurzem aber schwerem Krankenlager in dem 70 Jahre alten Genossen Her- mann Behrens. Trotz feines hohen Alters sah man Behren? bei jeder Veranstaltung der Partei. In letzter Zeit konnte er jedoch wegen seines Leidens an den Parteiarbeiten nicht mehr in dem von ihm gewünschten Maße teilnehmen. Die Parteigenossinnen sowie die Genossen werden ersucht, durch rege Teilnahme an der am Montag« nachmittag b'/z Uhr stattfindenden Beerdigung dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Oranienburg. Dir unter so tragischen Umständen mit ihrem Kinde aus de« Leben geschiedene Genossin Hohenstein wurde am Freitag unter zaklreichcr Teilnahme zur legten Ruhe bcstatict. Am Grabe widmete Genosse Paplc der Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf. Potsdam. Als zweiter Bürgermeister wurde in der gestrigen Sitzung des Stadtparlamcnts beim dritten Wahlgang und zwar in der Stichwahl gegen den Stadtrat Dr. Saran aus Kassel der Potsdamer Stadtrat Dr. Johannes Over mit 27 Stimmen gegen 2S von S2 gültigen Stimmen— also mit einer Stimme Mehrheit— auf die Dauer von 12 Jahren gewählt. Der Gewählte erklärte sich zur Annahme der Wahl bereit.____ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemcindeangchönge ilt be> rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Pankow. Dienstag, 27. Mai, nachmittags 5 Uhr, im Rathaus. 1«. R. 6. schädigung, Nur boim zu beautworlen, lucr.it Sie noch die Höhe der GnU 1 die Sic erhalten, angeben.— 5i. P. N. IVO. Nein.— WittcruugSübersicht vom 21. Mai 1S1Z. Allgemeine Kamiliensterbekasse. Heule Zahl- und Aufnahmetag, von 3— 6 Uhr im Restaurant SIckcrstr. 122 und Buckower Straße 11. Arbeitcr-Abniiientenbund. Ortsgruppe Lichtenberg. Montag, den 23. Mai 1vt3, abends 8°/, Uhr, im Lokal von Pickcnhagen, Scharnwcberstr. 30: Ociscntlichc Versammlnng. Portrag des Genossen Wilhelm Niljchkc über.Gcsängnislcbcn". Lriefkasten äer l�eäaktion. Tie iurtfttiaic Sprechstunde findet L t n d c n st r a ß e 30, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentäglich von IVj bis TA Uhr abends, Sonnabends, von TA bis G Uhr abends statt. Jeder für den Brscskaftcn bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht crtcllt. Anfragen, denen krine Abonnementsguittung beigefügt ist, '«erben nicht bcantioortrt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. Patent Ivo. 1. Unbekannt. 2. Dum-Dum-Geschossc.— E. Z. 100. Ja.— 6. L. Die gcibaltsamc Forwabmc der Kinder ist nicht statthast. Sic können bei dem Landgericht, in dessen Bezirk Ihre geschiedene Frau Wohnsitz hat, gegen diese Klage aus Herausgabe erheben und zwar durch einen Rechtsanwalt.— K. P. in K. Die Erhebung einer Klage erscheint nicht ratsam. Handelt es sich um einen Bahnspcditeur, so empfiehlt sich eine Mitteilung an die Eisciibahndirektion in Berlin.— 8k. Heinrich 19. Nein. Marktpreise von Berlin am 23. Mai 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,34 bis 20,70, mittel 20,52— 20,58, geringe 20,40—20,48. Roggen, gute Sorte 13,38—13,70, mittel 16,34-13,33, geringe 13,60—13,62.(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 16,20—13,70. mittet 1ch30— 16,10, geringe 15,10—15,50 Hafer, gute Sorte 17,60— 19,50, mittel 16,50—17,50(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,20— 15,50. Mais(runder), gute Sorte 00,00—00,00. Richtstroh 1,10-1,50. Heu 6,00—7,40. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Klcinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butler 2,20— 3,00. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aal« 1,80— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,4&— 2,80. Barsche 1.00-2,40. Schleie 1,60—3,20, Bleie 0,80-1,50. 60 Stück Krebse 3,50—60,00. Wasscrstands-Nachrichtcn der Landcsanstalt für Gewässcrlunde, mitgeteilt voni Berliner Wellerbureau ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') UnterPegel. Ltallonen L 1: Ii &— i = s Bf Swincmde. 765 WSW tamburg 767 W erlin �767SW Franks. a.M 769,323 München I770D Wien 76ÄWNW Vetter Zudeckt Gedeckt Ilbcdcckt 1 Nebel 4, wolkig 4 bedeckt w« »I! Wc 14 13 11 13 9 11 Stationen Scillh Zlbcrdeen Paris Wetterprognose für Sonntag, den 23. Mai 191Z. Etwas wärmer, vielfach heiter, aber noch veränderlich bei meist schwachen südwestlichen Winden: leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburcau. r Unserem Bezirkssührer W 11 heim Schulze äju seinem 60. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. « 9326 73. Bezirk.» l> e Ise-Kis- � Fabrikanten u. Händler, die Reichels Kis- Aroina- Essenzen verarbeiten, erhöhen ihren Absatz durch die ToIIcndct leine Qualität. Sämtl. Sorten in Himbeer-. Erdbeer-, Ananas-, Zitronen-, Vamllegeschmackusw. u.alle sonst zu�ehör. Substanzen billigst. Erprobte Rezepte gratis. Otto Reichel. Berlin SO 43.Elsenbahnst.4 Zum neuen Schultheiß Seestr. 40, Ecte Genter Str. Speisen zu jeder Tageszeit.* Vcrcinszimnicr zu vergeh. * DR. v. M. Sb1- an o Petershosen IIEIIIIIIIIIIIBIIIIIISIBIKIIBIIIIIIiailllfl ■ Neu erschlossenes Gelände, be- n ■ ginnend ca. 7 Hin. v. Bnbnh.» ■ Fredersdorf, Stfecke Strausberg.■ b Kostenfreie Auskunft b. u. Yer-> 5 treter PuhCe i. u. Verkaufs- Jjj b pavillon a. Babnh. Fredersdorf, b j Hiesclialke& llitsclie.\ » BERLIN, Neue KGnigstr. 16.; � Fspr.-Amt: Königst 6376. f �«IBBBBBBBBBaBBtfaBBBBBI*� (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, den 25. Mai, nachm. 3 Uhr: Deutsches Schauspielhaus. 10. Ab- teitung(Gruppe 41—44): Der Kamps»ms Rosenrote. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 25. Mai, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Penthcsila. KammerspiclhauS: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neue? Volks-Theatcr: König Krause. Deutsches Opernhaus: Fidelio. KomödienhauS: Das StistungSsest. Schiller-Thcater O.: Das Konzert. Theater in der Königgrätzer Straße: Hundstage. Metropol-Theater: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. NeucS Theater: Der fidetc Bauer. Kleines Theater: Lottchcns Geburtstag.— Der Slrzt seiner Ehre.— Der Unverschämte. Schillcr-Thcatcr Chart.: König Lear. Trianon-Thcatcr: Der selige Toupinet. Abends 8 Uhr: Neues BotkS-Thcater: König Krause. AbendS 8'.', Uhr: NeueS Volks-Theatcr: Montag, Miit- wach, Freitay. Sonnabend: König Kr'ause. Dienstag, Donnerstag: Ernst sein. Sehiller-Thealer O.Sur Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Dan Renzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Hasemuuu» Töchter. Montag, abends 3 Uhr: Dievl!»ter. Hierauf: Eleu. Uraiila. TauhenstraBe 48/40. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Nordsee-Insel Sylt. Montag abends 8 Uhr: lu den Dolomiten. JSiEK M/' iOCISCHER GARTEN Heute 8onntae: Eintritt 50 Pf. Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert (3 Kapellen). Täglich<*r. liilitlirkonzert. Schiller-Tlieater Chabrü?B'n' Sonntag, nachmittags 3 Uhr: König licar. Sonntag, abends 8 Uhr: Roral. Montag, abends 8 Uhr: Hcdda Kahler. Berliner Theater. Filmzauber. Theater in der KöBiggrätzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Deutschen SchauapielhanB 8 Uhr: Ein idealer tlatte Krotl-Oper 8 Uhr: Lohetie|rin. Montag: Curnien. Dienstag: Ilcl«(erslnger. Mittwoch; Eobcngrln. Donnerstag: Tannhönser. Residenz-Theater. Schluß der Spielzeit am 31. Mai. Ute Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwant in 8 Alten v. M. Hcniicquin und P. Bebcr. Morgen und folgende Tage: Die Frau Präsidentin. Theater des Westens. 8 Uhr. Bolkstüml. Vorstellung: Der Hede Augustin. Folies Caprice. Die Novitäten: • Die Bank. O G Sein letzter Wille. O G Der Cowboy. O Ansang 8-�Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. �assage-�anoptiiniin Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei sein. Training zum Kampf um die Weltmeisterschaft. Jon Vot, der akrobatische Schlafwandler! Cor Mann mit der eisernen Hand. A/ra die schwebende Jungfrau! IM£~ Alle, lebend!"VS Alles ohne Extra-Entree I Theater amKolIendorlplatz Täglich abends 8'/, Uhr: bltüHig nach Nizza. Montis Operetten-Theater (fi. Neues Theater). Amt Norden Uli. Sommerpreise I Abends 8 Uhr: Gastspiel Julius Spiclmann: Der Inchende Ehemann. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der fidetc Bauer. iosc-Ttifttfe Große Frankfurter Str. 132. Krone und Fessei. i —— Ansang 8>/, Uhr: Montag: Krone u»d Fessel. Auf der Gartenbuhne: Achtung! Es geht los! Gr. Posse. Konz. Bunt. 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Empfehle den Parteigenossen und Freunden meine» nmeröffneten Üli- Chauffeeftratze Friedlf. Pohin. Achtung! Achtung: Allen Genossen, Freunden und Be» kannten zur gefälligen Kennlnis, daß ich Litthauer Str. 14,(?»« Gubener Strasse, eine Großdestillation eröffnet habe. Um geneigten Zuspruch bittet Franz Beieredork. C\*C''ts�M�*S\CN'is\�SS\*MkvvV»\V**N���VV\%Vk\*VS>.v'J\v'*V:»C\\xt.i,Jvi\\\i\\ .> aki k k4k< K%.... ,»V�I i Ii(in ♦ I\» I* N O M.Ulf f» I IM Iii I IM k i f»>\ I i. IM M% l» I K II kl.Vi.».,.. ? ttttM **'*"*<*>*i e<>«<5 ffr It'***»******** '\ S\\\\\N\V\ � � � V\\ iiiisiiu/imuiu reinigt man am besten wie folgt:. Man löst Persi§ das selbsttätege WaschmStSel in stark handwarmem Wasser auf. Dann die Wäsche, ohne sie zu kochen, etwa '/♦ Stunde in dieser Lauge schwenken, hierauf gut ausspülen und ausdrücken, nicht auswringen. Das Trocknen darf an nicht zu heissen Orten oder an direkter Sonne geschehen. Die Wolle bleibt locker, griffig und wird nicht filzig! Ueberall crhälllich, niemals lose, nur in Original-Paketen.«..«, C* J HENKEL& Co., DÜSSELDORF, iluch Fabrikanten der allbcliebien fadlkd S" 010100 10 w�OClQ» Radfahrer, ein Wort Das Beste ist für Sie gut genug. Dies gilt insbesondere von der Bereifung. Wählen Sie Continental Pneumatik und Sie haben das Beste, was die moderne Technik schuf. i«; sss Continental-Gaoutclioiic- und Gutta-Perclia-Go., Hannover. A. JASMATZI A.G. DRESDEN ÖRÖSSTE DEUTSCHE C IGARETTENEABRIK fä. Vrrttyifch-Siiddrutsche (328. Köuigl. Prrnß.) Klnssrnlotterie l. Klasse 13. ZleHungstaz 24. Mai 1913 ffiomiittoa Mnf jede gezogeue Siummer sind zwei gleich Hohe iKetmmie gesallen, nnd zwar je einer auf die Los« gleicher Siuulwer in den beide» Abteilunge» I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammern beigefügt. (Cent Gewähr A. St.-A. f. 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VrrnMsch-Süddentsche (228. Köttigi. Kreuß.) Kwssrnlottertr S. Klasse 13. Ziehungstag 24. Mai 1913 Nachmittag Ans jede gezogene Nummer sind zwei gleich hob« I Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die i5ose 1 gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. n.| Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 110 74 311 30 37 64 867 913 1041 354(3000) 83 406 87 667 85 574 827 966 2001 69(1000) 199(3000) 237 63 340 61 462 636 876 912 8018 89 150 63 397 493 684(600) 804 956 4094 411 95 604 5000 25 110 323 38 83 463 619 795 937 6133 289 363(500) 415 625 827(600) 63 72 7126 355 482 621 23 755 868 8081 179 242 707 70 994 9003(3900) 45 169 840 10142 59 422 662 710 27 31(600) 890 11139 627 829 916 12022 323 573 85(600) 785 1 3041 671 643 742 879 1 4325 71 666 771 863 1 6500 622(3000) 73 771 936 1 6148 215 34 473 601 71(600) 822 27 70 902(500) 17204 37 416 1 6048 77 107 265 380 402 61�624 77(3000) 712 1 3264 636 617 771 94 834 2 0036 139 275 635 639 793 21108 18 47 779 981 22057 107 67 87 362 86 490 518(600! 90 681 922 2 3 018 43(600) 279 348 74 493 693 943 45 2 4237 346 64 56 63(1000) 436 798 993 2 5 095 162 388 445 638 733 59 2 3004 87 102 253 333(3000) 461 64 82 704 804 31 996 2 7037 ISO 61 74 468 673(1000) 857(3000) 2 8074 105 27 200 331 69 462 831 663 874 20043 III 67 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727 75 845 953 2 2 5210 11 812 2 2 8060 71 143 353(500) 72(1000) 681 693 710 24 834(500) 48 966 81(1000) 2 2 7081 202 7 58 60 369 413 519 604 39 43 58 878(500) 22 8231 379 622 51 793 819 902 2 2 9232 90 94 306 91 425 43 93 684 729 837 953 230025 434 551 61 53 607(3000) 62 69 73 914 23117t 442 615 46 617 48 900 2 3 2044 538 621 52 737 632 903 31 85 2 3 3023 67 177(500) 78 207(500, 30 400 75 549 637 731 870 948 Im Aeminnrad- verblieben.' 2 Prämien zu 300 000 5»., 2 Gewinn- zu 100000 M. 2 zu 76 000 M., 2 zu 60000 M.. 4 ju 40 000 M,. 8 zu 30000 M.. 20 zu 16 000 St., 32 zu 10 000 M. 104 zu 6000 M., 1254 zu 3000 VI, 2600 zu 1000 VI., 3490 zu 500 H. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnseratenteilverantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag:VorwärtH Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Vau! Singer».Co.. Berlin Ar. 127. 30. Jahrgang. i ßtilniit Ks Juntiirfs" Kerlim ßolkliiatt. Zaml«g, 25. Wxl 1915. Uolksfürforge. Die vereinbarten Grundsätze des Organisationswesens der .Vollssürsorgc" geben nach einer Mitteilung im„Korrespondenz- blalr der Gencralkommission der Gewerk'rbasten Tcutichlands' dahin: 1. Die der Gencralkonimiision angeschlojsenen Gewerkschaften und die dem Zenlralvcrbande Deutscher Konsumvereine angc- schtoffenen Genofienschaftcn werden mit allen ihren Funktionären in den Dienst der„Bolksfüorsorge" gestellt. Hierdurch soll erreicht wer- den, daß die Vcrwaltungskosten der„Volksfürsorgc" möglichst gering werden, um die so erzielte Ersparnis den Versicher- ten zugute kommen zu lassen. 2. Nach Möglichkeit haben deshalb die Eintassierer und Bei- tragssammler der Gewerkschaften auch die Einkassierung der Prä- micn für die.Volksfiirsorge" zu übernehmen, wofür ihnen die hierfür fcstgesevte Entschädigung zusteht. 8. Ucbcr die Art der'.".brechnung der Bcrtragssammler, ob direkt mit dem Rechnungsführer oder mit den Ortskassierern der einzelnen Gewerkschaften, muß in jedem Ort eine den Verhält- nissen angepaßte Regelung getroffen werden. Die Verantwortung für die Kontrolle hat in jedem Falle der Rechnungsführer zu über- nehmen. 4. Es ist in allen Orten zunächst festzustellen, ob die Gcwcrk- scbastcn bczw. deren Orts- und Unterkassierer die?lrbeit für die ..Volksfürsorge" nach Maßgabe dieses OrganisationsplancS und den eventuell noct, zu erlassenden speziellen Anweisungen des Vor- stcmdcs der..Volksfürsorge" zu übernehmen bereit sind. Tie dies- bezüglichen Feststellungen werden da, wo Gewerkschaftskartcllc vor- handcn sind, diese vornehmen müssen. Haben die Gewerkschaften bczw. deren Orts- und Unter- kassicrcr die Arbeit für die„Volksfürsorgc" übernommen, dann sind für die von dieser imch Berufen gegliederten Organisation nicht erfaßten Versicherten vom Gewcrtschaftskartell die«rfordcr- lichen Bcrtrauensperionen zu bestellen, die das Inkasso bei diesen Vcrftcherten besorgen. b. Werden die Obliegenheiten der Bcrtraitcnspcrsonen seitens der Gewerkschaften am Orte nicht übernommen, dann ist von der örtlichen Verwaltungskommission unter Mitwirkung des Rech- itungsführcrs eine territorial gegliederte Organisation ins Leben zu rufen. Ter betreffende Ort ist in Bezirke einzuteilen, die so abzugrenzen sind, daß sie mit Erfolg bearbeitet werden können. Für jeden Bezirk ist die crfordcrticbc Zahl von Vertrauenspersonen zu bestellen. Tie Entgegennahme von Versichernngsmiträgen und die Per- abfolgiing von Marken für die �parverficherung seitens der gewcrk- schastlicben Einkassierer ist auch dann ihre Pflicht, wenn die zu leistende Gesamtarbcit von den Gewerkschaften nicht übernommen worden ist. Tic unterstehen den von der Perwaltungskommission und dem Rechnungsführer getroffenen Kontrollcinrichtiingen der „Volksfürsorgc". Die Werbearbeit für die„Volksfürsorg'e soll, wie wir schon kürzlich mitteilten, im Juni, der GeschäftöbelWb am 1. Juli beginnen. Eine interessante Acußerung über den Wert der„Volks- fürsorge" für die Arbeiterklasse aus dem MAnde eines Gegners, bringt das„Korrcspondenzblatt. Danach hat de.r Landrat des Kreises Lüdinghausen, Graf v. e st f a l e n, auf einer vertraulichen Sitzung zur Schaffung� einer.„Antivolksfür- forgc" betont, daß die nationalen Gewerkschaften nicht in der Lage sind, dieser„Volksfürsorge" etlva>- Ebenbürtiges zn.r Seite zu stellen. Dos sei auch nicht so leicht. Denn die„sozialdemokratischen „'VolcsfLrsorgc" sei so gestaltet, das? sie auch wirklich den HZrbestern grosse Vorteile bietet. Dies Zeugnis aus dem Mund eines G.egners der Sozialdemokratie stimmt: die bestehenden Versicheru'ngen lönnen auch nicht entfernt au die zu erwartende» Leistungen.der „soziatdemoiratischen"„Volksfürsorgc" heranreichen. Der lieber.- tritt aus den bestehenden Versicherungsgesellschaften in die„Volks- fürsorge" wird ermöglicht werden. Mocken-i?pictpl?.n cier Kek'Uneb Oicater. Konigl. Opernhaus. Sonntag: Carmen. Montag: Kerkyra.:- S Uhr.) Dienstag: Figaros Hochzeit. Mittwoch: Biolctta. Donnerstag: Salome, lilufang 8 Ulir.) Freitag: JRignon. Sonnabend: Die Fledermaus. Sonntag: Lohengrin.(Anfang 7 Uhr.) Dtontag: Marie, die Tochter des Regiments. lAnsang 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhan». Sonntag: Ariadne aus Naxos. Montag: Volksvorüellung: Dr. Klaus. Dienstag: Volksvorstcllnng: Wallensteins Lager. Die P.rcolomini. Mittwoch: BolkSvorstellung: Wallensteins Tod. Donnerstag: Vollsvorstellung: Kolberg. Freitag: Volksvorstellung: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend: Volksvorstellung: Die Hermanns- schlacht. Sonnlag: Aolksvorstcllung: Eni Fallisiemeiü. Montag: Volks- Vorstellung: Ariadne auf NaxoS.(Anfang 7'/, Uhr.) Neues Operiithcatrr. Sonmag: Lohcngrin. Montag: Carmen. Dienstag: Die Mciftcrstnger von Nürnberg.{Anfang 7 Uhr.) Mittwoch: Lohengrin. Donnerstag: Taimbäuler. Freitag: Bajazzi. Cavalleria rnsticana. Sonnabend. Die Meistersinger von Nürnberg.(Ans. 7 Uhr.) Sonntag: Der Eocngelimann.(Anfang 7'/, Uhr.) Montag: Tannhäujer. Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Fidello. Abends: Martha. Montag: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Dienstag: Eugen Ouegi». Mitlwoch: Ter Mikado. Donnerstag: Ticslaud. Freitag: Mar Iba. Sonnabend: Der Mikado. Sonntag: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Oberon.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Dbeatrr. Sonntag: Faust. 1. Teil. Montag: Ein SomincrnachlSiraum. Dienstag: Faust, l. Teil. Mittwoch bis Montag: Ter lebende Leichnam.(Ansang 8 Uhr.) Kaminerspiele. Sonntag; Einnahme von Berg-op-Zoom. Montag: Mein Freund Teddy. TicnSlag bis Monlag: Die Einnahme von Berg- op-Zoom.(Anlang 8 Uhr.) «lleines Theater. Sonntagnachmiliag Z Uhr: LollchcnS KcburlSlag. Der Unverschönile. Der Arzl leincr Ehre. Zlllabcndiich: Professor Bernhardt.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich: Filmzauber.(Zlnsang 8 Uhr.) Theater in der Königgräher Strasie. Sonntag: Die süns Frank- surler. Wonlag: Das Buch einer Frau. Dienstag: Die fünf Frankfurter. Mittwoch: DaS Buch einer Frau. Donnerstag: Die süns Frankfurter. Freitag und Sonnabend: DaS Buch einer Frau. Sonntag: Die süns Frankfurter. Montag: DaS Buch einer Frau.(Ansang 8 Uhr.) ttesstug-Theatcr. 8 Uhr.) Theater des Westens den i. Juni; Cpenstchulc. Bis auf weileres täglich: Alt> Allabendlich: Der liebe Auguftw. (Ansang 8 Uhr.) Wien.(Ansang Sonntag, ö Uhr: >: Zwei Freitag: Montag: (Ansang Moutis Operetten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der fidele Bauer. Allabendlich: Ter lachende Ehemann.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag bis Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntag: Der Dieb.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Der Dieb, (Ansang 8 Uhr.) Lustipiethauö. Sonnabendnachinittag 3 Uhr: Opernschule. Zill« abendlich: Der lustige Kakadu.(Ansang h'l, Uhr.) Tchiller- Theater«». Sonntagnachmittag 3 Uhr: Da« Konzert. Abends: Hasemanns Töchter. Montag: Die Geschwister. Elga. Dienstag: Moral. Mitlwoch: Hasemanns Töchter. Donnerstag: Moral. Freitag; Haieinalms Töchter. Sonnavend: Zwei Wappen. Sonntag: Moral. Montag: Moral.(Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater E harlottenbnrg. Sonntagnachmittag König Lear. Abends: Moral. Montag: Hcdda Gahlcr. DicnStai Wappen. Mittwoch: Moral. Donnerstag: HasemannS Töchter, i «�"oral. Sorniabend: Geographie und Liebe. Sonntag und Z Hcheman nt Töchter.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Allabendlich: Die Frau Präsidentin, 8'/, Üb.') Frie drich- Wilbclmftädt. Schauspielhaus. Allabendlich: c TaZ FannciAnäochen.(Ansang«'/, Uhr.)„'.. Triiruo».-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Touptnel, Allabendlich f Äadame I.(Ansang 8 Uhr.) Neues I»olks-Tveater(Neue Freie Volksbühne). Sonntag- nachmittag 2 Uhe: König Krause. Abends(außer Dienstag): König Krause. Dienstag* Ernst sein(Ansang 8'/, Uhr.) Thalia-Thcatev» Sonntagnachmittag 2 Uhr: Polnische Wirtschaft. Allabendlich: PnppchevT(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Allabendlich: Krone und Fessel.(Anfang 8's. Uhr.) Theater am Nollenl»rsplai?. Sonntag bis Donnerstag: Extrazug nach Nizza. Freitag: Der M'aiin mit der grünen Maske.(Anlang 8 Uhr.) Sonnabend bis Montag: D-cr Mann mit der grünen MaSke.(Ansang 8'l4 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagr'achmitlag 3 Uhr und abend» bis Freitag: Die drei Schwestern Raiidols. Sonnabend: Geschlossene Vorstellung. (Ansang 8 Uhr.) Sonntag und MoMHg- Die Allwördens.(Ans. 8'/. Uhr.) Urania-Theater. Sonntag: Dle Nordsceinsel Sylt. Montag: In den Dolomiten. Dienstag: Die Nordsleinset Svlt. Mittwoch: J» den Dolomiten. Donnerstag: Die Nordsccinfel Sylt. Freitag: Ueber den Brenner nach Venedig. Sonnabend: In de»? Dolomiten. Sonntag: Ucbcr den Brenner nach Venedig.(Ansang 8 Uhr.) Koinodienhaus. Somstagnachmillag 3 Uhr: Da? Sttstungssest. All- abendlich: Hochhcrrschaslliche Wohnungen.(AnsaAg 8 Uhr.) Foliro Gaprier. Allabendlich: Die Bank. Sein le Cowboy.(Zlnsang 8'/, Uhr.) Königstadl-Kasino. Täglich: Spezialilälen.(Anfang 8 Uhr.) Admiralspalast. EiSballclt: Flirt in St. Morijz.(Anfang 9 Uhr.) TVetroPol- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Flotte Bursche. Leichte Kavallerie. Allabendlich: Tie Kino- Königm.(Ansang 8 Uhr.) Prater- Theater. Allabendlich: DaS Bummestnadchen.(Ansang 7'/, Uhr.) Reichshallen-Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 71/> Uhr.) Passage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten: Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr. Sem letzter Wille. Der «lecjes Wout 10 Pfennig. 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