Ur. 131. HtonnementS'Bedingungen: Womiements. Preis pränumerando: Bierteljährl. S.Z0 Mk, tnonall. 1,10 M?„ wöchenllich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 6 Psg, SonmagS- uummer mit illustrierter Sonntage. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Wonnement: 1,10 Marl pro Monate Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2ÄO Marl, für das übrige Ausland . Marl pro Monat. Postabonnements Schweiz. 30. Jahrg. Die Tnlertions- Gebühr f cträgt für die sechsgespalleiw Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Lerem--, und Lcrsanu»Iungs-Anz eigen 30 Psg. „Kleine Mnrcigen", das settgedrulkte Wort 20 Psg. lzulässig üsettgedruche Worte), jedes tveitcrc Wort 10 Psg Stellengesuche und SchlafstclleiZin cllchelol ttgllch. Berliner VolKsblntt. zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über ISBuch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate fiir die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: ,,S«?lZlliemoIi»t RcrliD*« Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SLll. 68, Linden Strasse 69, Fernsprecher: Amt Morihplak, Nr. IS8Z. Donnerstag, den 29. Mai 1913. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt Mariffplak. Nr. 1984. Der Kampf um die Deckung. So einmütig die bürgerlichen Parteien in der Zustimmung zu der ungeheuerlichen Heeresvorlagc sind, so wenig sind sie es in der Frage der Deckung. Dieser Zwiespalt hat in der Budgctkommission gestern zu einer lebhaften Auseinandersetzung geführt. Zentrum und Konservative möchten vorder endgültigen Erledigung der Heeresvorlage die neuen Steuern beschließen. Sie rechneu damit, daß die National- liberalen wohl oder übel sich ihren Steuerplänen, d. h. vor allem der Verhinderung der Erbschaftssteuer fügen würden. nur um die Wehrvorlage möglichst rasch in Sicherheit zu bringen. Umgekehrt wollen die Liberalen zuerst die Er ledigung der Wehrvorlage, um dann bei der Deckung die Möglichkeit zu haben, nötigenfalls mit Hilfe der Sozialdemo kratie die Erbschaftssteuer durchzusetzen. Für die Sozialdeniokratie war die Entscheidung leicht. Sic verwirft selbstverständlich grundsätzlich die Wehr Vorlage. Sind aber die bürgerlichen Parteien zu ihrer An- nähme entschlossen, dann ist es notwendig, daß zunächst die Heeresvorlagen endgültig erledigt werden, damit über die Höhe der dann notwendig werdenden Steuern ein klare Bild geschaffen ist. Und die Sozialdemokratie hat es auch keineswegs notwendig, dem Zentrum und den Konservativen das Spiel zu erleichtern und ihnen, trotzdem sie in der Steuer- frage in der Minorität sind, die Entscheidung auch über die Deckung in die Hände zu spielen. So wurde denn in der Kommission mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Liberalen beschlossen, zunächst die Wehrvorlageu zu Ende zu beraten. Dieser Beschluß hat sofort eine erfreuliche Wirkung ge zeitigt. Die Konservativen drohten geradezu mit der Obstruktion und dys Zentrum gab eine feierliche Erklärung ab, daß seine Stellung zur Wehr Vorlage von der Art und Weise der Lösung der Dcckungsfrage abhängen werde. Man kann den Wert dieser Erklärung nicht hoch genug einschätzen, auch dann, wenn man der Ueberzeugung ist, daß das Zentrum kauni»vagen würde,'eine Drohung in die Tat umzusetzen. Denn mit aller Offenherzigkeit erklären hier die Schwarzblauen: all das, was über die Notwendigkeit der neuen Rüstungen, über die Gebote der Landesverteidigung, und wie die nationalen Phrasen alle lauten, gesagt wird, ist ja doch nur Humbug. Gewiß sind wir für die Heeresvorlagen, von denen wir ja große Vorteile haben, aber nur dann, wenn die Kosten so aufgebracht werden, wie wir es wollen. Wenn »vir aber Gefahr laufen, selber zahlen zu müssen,»venu wirk- lich eine ernstliche Besitzsteuer droht, dann soll lieber zehnmal die ganze Heeresvorlagc zum Teufel gehen, bevor»vir auch nur einen Mann beivilligen. Alle Mann und alle Groschen, wenn es die Groschen der anderen sind, aber keinen Manu und keinen, Groschen, wenn es um unser eigenes Geld geht! Das ist der Inhalt der Erklärung des Zentrums, diese Offenherzigkeit ist das erfreuliche Ergebnis der gestrigen Verhandlungen der Budgetkommission. Wie sich die Dinge»veiter gestalten»verde»», isr-iingc>viß. Denn zwischen den» Zentrum und den Nationalliberalen»vird nach»vie vor»veiter verhandelt und das Zentrum ist »venigstens so»veit niürbe gemacht, daß es eine Reichs- Vermögenssteuer fordert, die es früher stets abgelehnt hat. Ob es schließlich also zu einem Kompromiß zioischcn den Bürgerlichen kommt und die Deckungsvorlagen noch im Sommer erledigt»verde»», ist ungewiß. Vorläufig geht der Reichstag für die nächste Woche auf Fericu. Für uns handelt es sich aber viel»venigcr um das Wann, als um das Wie der neuen Steuern. Wenn je, so ist jetzt die Gelegenheit zu einer gründlichen F i n a n z r c f 0 r m gegeben. Das Reich muß endlich zu einer»virklichen Besitz- besteuerung gelangen. In erster Linie steht nach»vie vor die Erbschafts st euer. Wenn es in England möglich »st, aus der Erbschaftssteuer jährlich 500 Millionen Mark aufzubringen, dann ist es in Deutschland erst recht möglich, 150 bis 200 Millionen Mark aus dieser Steuer zu gewinnen. Als zweite Besitzsteuer ist eine Vermögens st euer unbedingt erforderlich. Schon aus verfassungsrechtlichen Gründen. Seitdem für die Matri- kularbciträge eine Höchstgrenze festgesetzt»vorden ist, verfügt der Reichstag über keinen belveglichen Faktor im Budget mehr. Dies ist aber eine schlvere Beeinträchtigung in der »virksamen Ausübung des Budgetrechts. Schon deshalb brauchen»vir unbedingt eine Verinögenssteucr mit b e>v c g- l i ch e n Sätzen, die alljährlich vom Reichstage festgesetzt »verde»». Nur dadurch bekommt der Reichstag lvieder sein Recht der Einnahmebewilligung, nur dadurch kann sein ' Budgetrecht zu einem wirksamen Mittel»vieder ausgestaltet werden. Di« Bundesregierungen freilich� sträuben sich noch mit aller Macht gegen die Vermögenssteuer. Aber all das, was sie dagegen anführen, sind heute mehr als je faule Flausen geworden. Die Reichsverinögeussteuer soll einen Eingriff in die„Souveränität der Bundesstaaten" enthalten, die Bundes- staaten»vürden dadurch in ihrer Finanzhoheit geschädigt. Wäre dem wirklich so. es wäre auch noch auszuhalten. Aber die Verbündeten Regierungen sind heute weniger als je berufen, diesen Einwand zu erheben. Denn was sie selbst vorschlagen. geht ja viel»veiter. Soll doch von Reichs wegen den Bun- desstaaten vorgeschrieben werden, wie sie die erhöhten Ma- trikularbeiträge aufzubringen haben und ihnen im Weige- rungsfall eine bestimmte Steuer, die Verniögeuszulvachs- steuer, aufgenötigt»verde»». Dies bedeutet aber staatsrechtlich einen viel weitergehenden Eingriff in die Souveränität der Einzelstaatei» als die Einführung einer Rcichsverinögens- steuer. In Wirklichkeit müssen eben die Verbündeten Regie- rungen angesichts der Unmöglichkeit, die heillose Wirtschaft der unablässigen Vermehrung der indirekten Steuern und der Schulden fortzusetzen und in ihrer Angst, durch die Erbschafts- steuer es mit den Konservativen zu verderben, die Unhaltbar- kcit der Steuersouveränität der Bundesstaate»» selbst zugeben. Damit sind aber die staatsrechtlichen Bedenken auch gegen die Vermögenssteuer von den Regierungen selbst preisgegeben »vorden und der Reichstag hat wirklich keinen Grund, päpst- sicher zu sein als der Papst. Die Souveränität der Bundes- staaten ist eben auch in Steuerfragen beschränkt durch die höhere Souveränität des Reiches. Denn dazu ist das Reich nicht gegründet worden, um den preußischen und mecklenbur- gischen Junkern in alle Ewigkeit die Steuerhoheit zu sichern. Fiuanztechnisch ist aber eine Reichsvermögcnssteuer ohne »veiteres durchführbar. Die preußische Vermögenssteuer mit ihrem Einheitssatz von ein Halb pro Tausend ist so niedrig, daß neben ihr eine Reichsverinögenssteuer, die natürlich die großen Vermögen stärker belasten müßte und die geringen ganz frei lassen könnte, durckxius möglich ist. Die Einführung der Erbschafts- und Vermögenssteuer tvürde zugleich die Grundlage schaffen für die Durchführung einer wirklichen Finanzreform, die die iinsinnigsten und drückendsten indirekten Steuern beseitigen könnte. G r ü n d- liche Arbeit ist also notwendig, die um so eher geleistet werden kann, je freier der Reichstag in seinen Entschließungen ist. Tie Loslösung der Teckungs- von den Heeresvorlagen ist also in diesen» Falle durchaus rationell. Von der Drohung der Schwarzblaucn, die Heeresvorlage zu verwerfen,, falls ihren Steuerwünschen nicht willfahrt»verde, braucht.man sich wirklich nicht zu fürchten. Wir Sozialdemokräten könnten es ja nur durchaus begrüßen, wenn von dieser Seite die Bestätigung geliefert würde, daß es auch ohne Heeresvermeh- rung geht. Aber ailch die Liberalen hätten alles Interesse daran, Zentrum und Konservative auf die Probe zu stellen. Von der Festigkeit der Liberalen hängt es also in erster Linie ab, ob der Wille des deutschen Volkes, der bei den Wahlen so klar zum Ausdruck gekommen ist, bei der bevorstehenden Finanzreform durchgesetzt wird. vie liiilitarvorlsge in der Bndgetkommiifion. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Mittwochssitzung wurde zunächst die Frage entschieden, ob nunmehr nach den Wünschen der Schwarz-Blauen zunächst die erste Lesung der Deckungs- vorlagen vorgenommen oder die M i l i t ä r v 0 r l a g e in zweiter Lesung von der Kommission verabschiedet»vird. Die Fra! tionen haben am Dienstagabend zu dieser Frage Stellung ge nominell. Ida mens der Konservativen erklärte Abg. Graf Westarp, es sei unbedingt erforderlich, gleichzeitig mit der Militärvorlage die Deckungsvorlagen zu verabschieden. Die Kon servativen behalten sich vor, durch Anträge zur Geschäftsordnung in diesem Sinne zu wirken. Er frage die Regierung, ob auch sie sich zu dem Ausspruch des Kricgsministers bekennt, der grötzten Wert darauf gelegt, unter allen Umständen die Militärvorlage bis Ende Juni zu verabschieden oder ob die Regierung nicht auch die gleichzeitige Erledigung der Dcckuugsvorlagen»vünsche. Schatzsekretär Kühn erklärte, daß die Rcichsregierung es als selbstverständlich angesehen habe, die Ausgaben für die Militär- Vorlage nicht aus Anleihemitteln zu decken, sondern daß im Laufe des Sommers die Dcckungsfrage erledigt»vird. Die sofortige zweite Lesung der Militärvorlage entspreche aber auch den Wün- sctoi der Regierung.— Die Abgg. B a s s c r m a n n und Fisch- b ca betonten, daß selbstverständlich nach Erledigung der Militär- Vortage die der Dcckungsvorlagcn vorgenominen»vcrden mutz. Bon der Ankündigung der Konservativen hätten die Liberalen mit großem Interesse Kenntnis genommen.— Abg. Graf W c st a r p bestritt, irgendeine Obstruktion angekündigt zu haben, aber die Deckungsfrage müßte geklärt werden, ehe an die Verabschiedung der Milttärvorlagc gedacht Iverden kann.— Schatz- setretär Kühn gab nunmehr namens der Regierung die Er- klärung ab, daß sie mit aller Entschiedenheit die gleichzeitige Verabschiedung der Militär- und Deckungsvorlagen fordere.— Abg. Gröber betonte, beide Vorlagen sind eine Einheit und müssen gemeinsam verab- schiedet iverden. Es lväre im Volksinteresse bedauerlich, ivcnn die Vorlagen unabhängig voneinander erledigt»vürden. Die aus Sozialdeniokraten, Nationalliberalen und Volksparteilern be- stehende Kommissionsmehrheit beschloß hierauf, jetzt nicht in die Beratung der Deckungsvorlagc einzutreten, son- dorn die z lv c i t e Lesung der M i l i t ä r v 0 r I a g e zu er- ledigen. Runmehr gab Abg. Gröber namens des Zentrums die folgende Erklärung ab: „Die Zentrümsfraltion l)ält entschieden und geschlossen an dem Grundsatz fest: Keine Ausgabebewilligung ohne Deckung. Unsere Abstimmungen in der Kommission, in der gegen unieren Willen vor einer Entscheidung über die Dcckungsfrage borge- Nommenen zweiten Lesung der Wehrvorlage können daher nur vorläufig sein. Eine Verabschiedung der Wehr- vorläge ist der Zentrumsfraktion erst möglich nach der Ent- scheidung über die Deckungsfrage. Unsere Stellungnahme zur Wchrvorlage wird abhängen von der Art und Weise der Lösung der Deckungsfrage." Unsere Genossen forderten, daß auch der Reichskanzler den Komin i s sionsverhandl ungen beilvohnt. Gegen die Stimmen der Sozialdemokrateil, Volksparteiler und Polen wurde diese Jor- dcrung abgelehnt. Es begann die zweite Lesung der Militärvorlage. Mit großer Lebhaftigkeit trat der K r i e g S»n i n i st e r für Belvilliguug der drei gesti!ichencn Kavallerieregimenter ein, wo- gegen sich Genosse N 0 s k e in energischer Weise Ivandie. Die Koni- Mission hätte die Pflicht, noch einmal eingehend die Frage zu er- örtern, ob überhaupt die ganze Militärvorlage mit»virklichen Gründen verteidigt»vcrden könne. Die„Gefahr" eines festbcgrün- dcten Baltanbundes ist beseitigt, und von der russischen Gefahr könne doch ernstlich nicht gesprochen»Verden. In Frankreich zeige die Haltung eines Teiles der Arincc,»vie großen Unwillen auch dort die Rüstungsmaßrcgcln hervorgerufen haben. D i c deutschen Vorlagen verschlimmern nur die politische Situation.— Abg. Müller- Meiningcn bc- käinpfte gleichfalls die Bclvilligung der gestrichenen drei Regt- menter. Wenn die Militärver>valtung dicsinal den Wünschen des Reichstags in bezug auf militärische Reformen nicht Rechnung trägt, iverden die Volkspartciler in Zukunft die Konsequenzen ziehen, zlvar nicht durch Streichungen, die die Sicherheit des Reiches gefährden könnten, sondern durch solche, die empfindlich die Ver»valtu>»g treffen müssen.— Für die sechs Kavallerieregimenter sprachen noch General Wandel, der bayerische General Wan- ninger und Basscrmann,»vährend Genosse Ledcbour sie lebhaft bekäinpstc.— Die jetzige Dislokation der Kavallerie bc- gründete der K r i e g s m i n i st c r mit dem Umstand, daß Deutsch- land gegebenenfalls den Kampf nach zwei Fronten führen müsse, Frankreich und Rußland aber nur nach einer Front zu fechten brauchen.— Gegen eine Bemerkung des Ministers, die französi- scheu Rüstungen seien nicht durch die deutschen hervorgerufen»vor- den, sondern umgekehrt, betonte Genosse Frank, daß diese Bc- hauptungcn ganz falsch seien. Wenn der Minister sich aus den französischen Sozialisten de Pressense dabei berufen habe, so mit Unrecht, denn Pressense habe auf dem französischen Parteitag keinen Zweifel darüber gelassen, daß Deutschland an den neuesten Rüstungen die alleinige Schuld trage. Dem Minister sei«s nicht gelungen, überzeugend zu erklären, warum nicht Gardekavalleric an die Grenze zur Verstärkung des Schutzes gelegt lverden könne. Von der Regierung muß jetzt gefordert lverden, ihre Stellung zu den von der Kommission zivecks militärischer Reformen angcnom- menen Resolutionen zu präzisieren, z. B. zur Frage des Militärverbots. Wie stellt sich die Regierung zur Reform des Militärstrafrechts? Ter K r i c g s in i n i st e r betonte, er sei gar nicht imstande, ohne Beschlußfassung des Bundesrats Erklärungen abzugeben. Per- sönlich habe er schon vielfach seine Sympathie ausgesprochen. Genosse H a a s c legte eine gedruckte Liste vor, die in Königs- b e r g i. Pr. in den Kasernen an die Soldaten verteilt werden und die Namen von ISO Geschäftsleuten enthalte, über die der Militärboykott verhängt worden ist. Geschäftsleute werden allein deshalb ruiniert, nur weil sie im sozialdemokratischen Blatte inserieren, oder weil Arbeiter ihre Möbel dort kaufen. Ein solcher Terrorismus sei nicht nur.verfassungswidrig, sondern auch eine unerhörte Brutalität, die das deutsche Volk sich un- möglich noch länger gefallen lassen darf. Prcsscnse hat ausdrücklich erklärt, das französische Volk denke nicht an einen Angriff gegen Deutschland. Nach der B c r n c r Konferenz ist kein Zweifel mehr darüber, daß die französischen Militärvorlagen im Parlament abgelehnt»vürden, ivcnn nicht die deutschen Rüstungsvorlagen da wären.— Der Kriegsmini st er erklärte, sobald ihm Material in der Boykottfragc vorgelegt»vird, in eine genaue Prüfung ein- zutreten.— Abg. Müller- Meiningcn fordert eine bündige Er- klärung»vcgen des Militärboykotts.— Genosse Schöpf! in forderte vom Minister eine bündige Erklärung, ob er bereit ist, auf die Korpskommandcure im Sinne einer A e n d c r u n'g des Militärboykotts cinzulvirken.— Genosse Frank wünschte Auskunft, wann der Kricgsministcr Erklärungen abgeben will. Das Richtigste sei, die Verhandlungen zu vertagen, da- mit der Minister Erklärungen formulieren kann.— Der Kriegs m i n i st c r betonte, er könne einen Zeitpunkt nicht angeben, weil er erst mit den anderen Instanzen sprechen müßte.— Genosse S ü d c k u m stellte fest, daß der Minister sich weigert, in der Boy- kottfrage Reinedur eintreten zu lassen, obwohl er leicht in der Lage »värc, bessernd cingrcifcn zu können.— Dem Grafen Westarp gehen die Erklärungen des Ministers weit genug, gegen die Vcr- tagung spreche er sich entschieden aus.— Der sächsische General v. Wcißdorf gab Auskunft über die Art, wie in Sachsen das Mi- litärvcrbot gchandhabt wird. Von einem militärischen Boykott könne keine Rede sein.— Genosse Gradnaucr erklärte, es sei sehr wohl möglich, die Handhabung des Militärverbots in Preußen dem sächsischen Beispiel anzupassen, das kcincSlvegs ein lobenswertes sei, aber doch wesentlich gegen die preußische Praxis absticht. Jetzt mutz auf eine Aendcrung gedrungen werden. Ist erst die Vorlage angenommen, bleiben die Wünsche des Reichstags unberücksichtigt. Da das Zentrum sich an dieser Debatte gar nicht beteiligte, vcr- langte Genosse Ledcbour vom Zentrum, seine Haltung nunmehr zu präzisieren. Früher habe das Zentrum die gleichen Wünsche" wie die Sozialdemokraten erhoben.— Abg. Gröber betonte, das Zentrum teile auch heute noch die frühere Auffassung.— Genosse N 0 s k e forderte einen Nachweis für die Notwendigkeit der Per- mehrung der Pioniertruppen, den General Wandel gab. Ter von unseren Genossen gestellte Vertagungsantrag wurde abgelehnt, ebenso gegen II Stimmen der konservative Äntrag, sechs Kavallerieregimenter zu bewilligen. Das Zentrum stimmte getrennt. Damit ist die zweite Lesung der Militärvorlage beendet. Zur Beratung standen noch einige Anträge zum Ergänzung»- etat. De»; Antrag, der fnr Familien, von denen drei und mehr Söhne militärischen Dienst tun, für jeden weiteren Sohn eine jährliche Entschädigung von 210 M. verlangt, wurde ein- stimmig angenommen. Zur Berichterstattung im Plenum wünscht Gras W e st a r p. daß der Berichterstatter auch die Stellungnahme der Parteien soivie der Regierung zur geschäftlichen Behandlung der Vorlagen mit bc- kannt gibt. Er wünschte auch, daß bei Verabschiedung der Militär- vorläge im Gesetz ausgesprochen werden mutz, datz die Ausgaben nicht vorläufig durch Anleihen bestritten werden dürfen.— Schatz- sekietär Kühn erklärte nochmals, ohne Deckung soll keine Aus- gäbe gemacht werden. Der Schatzanweisungskredit müsse aber er- höht werden, weil die Militärvorlagc bereits 1913 in Kraft treten soll, die ersten Summen aus den neu geforderten Steuern aber erst 1911 eingehen.— Abg. F i s ch b e ck protestierte dagegen, datz die Konservativen versuchen, im Rahmen der Geschäftsordnungs- debatte materielle Bestimmungen in das Gesetz hineinzubringen. Donnerstag wird die Kommission mit der Beratung d c Z WehrbcitragS beginnen. Allgemeine verSrossenhelt. Aus Wien wird uns geschrieben: Das österreichische Abgeordnetenhaus revanchiert sich für das lange schweigen, das ihm in Sachen der auswärtigen Politik auferlegt war, in umfassender Weise: es hat bei der Gelegenheit der ersten Lesung des Budgetprovisoriums eine Debatte über die äußere und innere Lage begonnen, die allem Anschein nach gute zwei Wochen dauern wird. Es sind eben in jeder Hinsicht kuriose Gelvohnheiten, denen sich dieses un- disziplinierte und schlampige Parlament hingibt. Die gegen- wärtige Tagung hat am 1�. Mai begonnen. Bis dahin hatte das Haus, obwohl es formell versammelt war(was sich in dem ununterbrochenen Genuß der Diäten äußerte), in den viereinhalb Monaten des Jahres ganze neun Sitzungen gehalten. Und überdies lvaren die Sitzungen die reinen Lückenbüßer! Auch diese Debatte wird niemand der- stehen. So nötig und nützlich es war, daß sich das Abgcord- netenhaus an die Kritik der auswärtigen Politik macht, die daS Reich bis hart an den Abgrund eines Krieges geführt hat, riesenhafte Opfer forderte und doch nichts erreicht hat, so ist diese endlose Rederei, die natürlich immer mehr zur platten Wiederholung führt, wieder nur geeignet, der Abrechnung die Spitze zu nehmen und den so berechtigten Tadel im Schwall der leeren Worte zu ersäufen. Sollen doch, einem ausdrück- lichen Ucbcreinkommen aller nur denkbaren Parteien gemäß, nicht weniger als ncununddrcißig Redner zu Worte kommen— was auch unerträglich wäre, wenn alle diese Redner erlesene Geister und Redcknnstlcr wären! In dem österreichischen Abgeordnetenhause wird eben alles übertrieben, und die unvernünftigen Leute, die es führen, ruhen nicht, bis alles zur Parodie geworden ist. Immerhin hat die Debatte— in der, beiläufig bemerkt, den sozialdemokratischen Rednern(Adler, Taszynski, Leuthner) die weitaus bedeutsamsten Ausführungen zu danken sind, und die ihr überhaupt Glanz und Inhalt gegeben haben— eine Tatsache zutage gefördert und dem öffentlichen Bewußt- sein eingeprägt: daß nämlich mit der Politik, die das offizielle Oesterreich-Ungarn gegenüber den Veränderungen auf dem Balkan eingeschlagen hat, kein Mensch einverstanden ist, daß sie von allen als schwere Versündigung erachtet, von allen grimmig getadelt wird. Das ist um so auffälliger, als gegen das, was die Forderung Oesterreichs war und waS die Groß- macht ihren Ertrag nennt, ernstlich niemand etwas ein- wendet: Die vernünftigen Leute aller Nationen stimmen da- mit übcrein, daß die Großmacht in die kriegerischen Ereignisse und Entscheidungen nicht einzugreifen hatte, wie auch das autonome Albanien keinen besonderen Anfechtungen unterliegt. Dagegen ist die Empfindung allgemein, daß für einen höchst bescheidenen Effekt der größte Äräfteaufwand gebraucht wurde, daß eine geschickte, voraussehende Leitung dieses kleine Albanien auch ohne Mobilisierungen, ohne Kriegsdrohungen, ohne Vergeudung von ungezählten Millionen, ohne Ver- Wüstung der gesamten Volkswirtschaft zuwege gebracht hätte. Und womöglich noch mehr empört ist man über die nichts- nutzigen Formen, in denen sich diese kopflose Politik gefallen hat,- über die Flut von Lügen und Schwindeleien, die sich aus dem Preßbureau des Ballplatzes, dessen sogenannter Literarischen Abteilung, durch gefällige Blätter(unter denen als eines der schuldigsten immer wieder die„ V o s s i s ch c Z e i t u n g" ge- nannt werden muß) über Europa ergossen hat, über die Hintcrwäldlcrsittcn, die der Bcrchtoldschc Preßchef, der magy- arische Herr v. Kania. in die auswärtige Berichterstattung und Polemik hineingebracht hat. Und als, um der Oeffent- lichkeit gleichsam zu demonstrieren, daß auf sie nicht die ge- ringste Rücksicht genommen wird, dieser Kania nun auch eine hohe Atiszcichnung erhalten hat(er erhielt den Rang eines Gesandten�, wurden selbst die waschlappigsten Abgeordneten wütend. Man ist leider nicht in der Lage, alle Dummheiten und Kindereien, deren sich der Ballplatz seit Monaten schuldig gemacht, im Detail nachzuprüfen; aber diese herausfordernde Auszeichnung des schuldigsten unter seinen Mitarbeitern, dessen moralische Beschaffenheit ja schon dadurch gekennzeichnet wird, daß er der Intimus des berüchtigten christlich-sozialen Verleumdcrblattcs, der„Reichspost", ist, die in Oesterreich nunmehr jeder das Leichenschänderblatt nennt, die zeigt der Welt die Unerfahrenheit, die Hilflosigkeit, die Unfähigkeit des Berchtold in hellem Licht. Ein armseliger Dilettant, der an Kapazität noch unter dem Bethmann Hollwcg stehen wird! So herrscht überall in Oesterreich die tiefste Verdrossen- heit. Nichts gelingt mehr und überall ist man an: toten Punkte gelangt. In den zwei größten Ländern, in Böhmen und Galizien, sind die Verhandlung� über einen nationalen Ausgleich zwischen den streitenden Völkern verkracht, die Land- tage arbeitsunfähig und die wirtschaftliche Lage über alle Maßen betrüblich. Wird es doch als ein großer Erfolg ge- bucht, daß es dem Lande Böhmen gelungen ist, sich unter den drückendsten Bedingungen(?'/, Prozent) bei einer nationalen Sparkasse acht Millionen Kronen auszuborgen, mit denen die Bedürfnisse der Landesverwaltung bis Ende des Halbjahres gedeckt werden können! Im Parlamente fehlt es an einer Majorität, und so gelangt das Haus niemals zur schöpferischen Arbeit und ist froh, wenn es nur das Allcrnotwendigstc zur Beschließung bringt. Allen diesen Verfallserscheinungen sieht das Ministerium Stürgkh tatenlos zu, und ist glücklich, daß das Haus der Kraft entbehrt, sich von ihm zu befreien. ES ist. als ob der allgemeine Marasmus von einer Spitze aus- ginge und den ganzen Volkskörper ergreifen wollte. * Die schwarzgclbc Balkanpolitik vor dem Parlament. Wien, 28. Mai.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus setzte heute� die erste Lesung des Budgetprovisoriums fort. Der tschechische Sozialdemokrat T u s a r wandte sich gegen die Agrarier. welche durch ihre Wirtschaftspolitik verhinderten, datz Oesterreich eine vernünftige Politil gegenüber den Balkanstaaten treibe. Da der Redner auch die Krone und den Thronfolger in die Debatte zog, wurde er vorn Vorsitzenden zur Ordnung gerufen, ebenso wegen Acutzerungen gegen das Herrenhaus. Ter Obmann de-Z Polenklubs, Leo, erllärte, der Polenklub wünsche, datz der Finanzplan vor den Sonrmerferien Gesetzeskraft erlange. In Besprechung der auS- wältigen Lage erklärte Leo, daß die erzielten Erfolge im Mißverhältnis zu den gebrachten Opfern stünden, zumal die Befürchtung bestehe, datz die gegenwärtige Lösung kein« Sicherstellung des europäischen Friedens für eine längere Zeitepoche gebracht habe. Das polnische Volk sehe die nationale Ehre in der Monarchie gewahrt und werde deshalb, sollte es einst zum entscheidenden Kampfe zwischen der Monarchie und seinem nördlichen Nachbarl, kommmen, seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen. �Lebhafter Beifall und Händeklatschen, der Redner wurde beglück- wünscht.)_ poUtiFebe(leberllcbt. Tie Reichs- und Staatsangehörigkeit. Aus dem Reichstage. Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort.??och immer gilt diese prägnante Kennzeichnung des unerträglichen Stillstandes, Krebsganges oder— im günstigsten Falle!— langsamen Schrittes der Gesetzgebung. WaS einstmals vor Jahrzehnten oder Jahrhutlderten unter ganz andern gesellschaftlichen Bc- dingungen und zn ganz anderen Zwecken geschaffen worden ist, das gilt als unantastbares Gesetz auch dann noch, wenn keine der Voraussetzungen mehr zutrifft und wenn die kulturellen Zwecke ganz andere geworden sind. Immer finden sich reaktionäre Verwaltungsvirtuosen, spitzfindige Gesetzes- auSlcger, die den überlebten Rechtsgrundsätzen von Anno dazumal reaktionäre Vorteile abzugewinnen wissen, und die deshalb mit Händen und Füßen das Alte festzuhalten mchen. Gelegentlich freilich sind die gesellschaftlichen Veränderungen o stark geworden, daß sie einfach aus eigener Machtvoll- kommcnheit die engen Bande überholter Gesetzesbestimmungen sprengen, so daß sich selbst die reaktionärste Regierung ge- nötigt sieht, durch neue Bestimmungen den neuen Verhält- nisten ihre Reverenz zu erweisen. Aber wenn dies wirklich einmal geschieht, so gehen unsere deutschen Regierungen, nicht zuletzt die Reichsregierung, so zaghaft zu Werke, o suchen sie das Alte so ängstlich zu konservieren, daß ihr Reformversuch klägliches Stückwerk und Flickwerk bleibt. Das gilt auch von dem Reichs- und Staats- angchörigkcitsgcsctze. das dem gegenwärtigen Reichstage als eine der wichtigeren neuen Gesetzesvorlagen von der Regierung übergeben worden ist. Die Vorlage stand am Mittwoch zum zweiten Male im Plenum zur Beratung, nachdem eine Kommission seit mehr als Jahresfrist daran gearbeitet hat. Unser Genosse L a n d s b e r g, der als erster iedner zu Wort kam, legte in gründlich durchgearbeiteter Rede, die in jedem Satz den genauen Kenner der Sache verriet, die Halbheit und Unzulänglichkeit der Reform dar. Zwar hat die Kommission, vorwärts getrieben durch die eifrige Mitarbeit unserer Genossen, die Regierungsvorlage zu verbessern gesucht. Aber die bürgerliche Mehrheit ist doch auf halbem Wege stehen geblieben. Zu einer durchgreifenden Besserung der unzuträglichen Zustände hat sie nicht den nötigen Mut gehabt. DaS Prinzip der unmittelbaren Reichsangeyörigkeit ist nicht durchgeführt worden. Die bisherige Souveränität des einzelnen Bundesstaates auf dem Gebiete der Einbürgerung ist— ein unleugbarer Rückschritt!— beseitigt worden. Die Gleichberechtigung der Frauen ist nicht beschlossen worden, sie werden nach wie vor auch in dieser Frage als Anhängsel der Männer betrachtet. Die Erleichterung des Zwecks einer anderen Staatsangehörigkeit ist nicht zustande gekommen. Den Aus- ländcn, soll es auch in Zukunft so schwer wie möglich gemacht werden, die deutsche Reichsangehörigkeit zu erwerben, und zwar lediglich aus Angst vor unbequemen politischen Gesinnungen, die vom Auslände eingeführt werden könnten. An der unerhörten Behandlung der Staatlosen wird auch in Zukunft nicht viel geändert werden, so daß besonders die Dänen nach wie vor unter der preußisch-deutschen Intoleranz u leiden haben. Nicht minder schlecht werden cS in alle Zukunft hinein die Ausländer jüdischer Konfession haben, die man sich gern vom Halse halten will. Der Kautschuk der ,.Bescholtenhcits"bestimmung soll auch fernerhin der Willkür reaktionärer VcrwaltungSpraxis die nötige Bewegungsfreiheit geben. Mit Recht fragte angesichts so vieler Unzulänglichkeiten Genosse LandSbcrg: sind die Menschen der Gesetze und Ver- träge wegen da oder die Gesetze und Verträge der Menschen wegen? Eine Antwort hat er darauf nicht erhalten. Die bürger- lichen Redner redeten um die entscheidenden Punkte herum. Sie sind bei ihrer ganzen Verfassung schon zufrieden, wenn nur überhaupt etwas zustande kommt. Wir Sozialdenzp- kraten sind nicht so bescheiden und werden deshalb von Para- zraph zu Paragraph die unzureichende Vorlage zu bessern üchen. Aus dem Seniorenkouvent des Reichstags. Der Seniorenkouvent des Reichstags beriet am Mittwoch über die Einteilung der Geschäfte in nächster Zeit. Da in der kommenden Woche von den verschiedenen Parteien Abgeordnete, die als Wahlmänner bei den preußischen Landtagswahlen .üngiervn, nicht anwesend sein können, kam man übecein, daß nicht nur am 2. und 3. Juni die Sitzungstage ausfallen, sondern, daß die ganze Woche vom 2. bis!). Juni frei bleibt. Am 10. Juni soll dann die zweite Lesung der Militärvorlage im Plenum beginnen. Es sollen auch bald Wahlprüfungen auf die Tagesordnung gesetzt werden. Ferner entschied sich der Konvent dahin, daß die Budgetkommission künftig von 10 bis 3 Uhr tagen soll, um mit den Arbeiten vorwärts zu kommen, und daß dann d ie Plenarsitzungen um 2 Uhr beginnen. Ter LuftmilitariSmuS als Grundungsobjekt. Während die Rieseitgewinne auS den Kanonen- und Panzer- Plattenlieferungen bei uns nur einigen Monopolfirmen zugute kommen, t auf dem Gebiet« des LuftmilitariSmuS eine wilde Konkurrenzjagd unter den bereits so zahlreichen Firmen entbrannt. Und da die neue Wehrvorlage so riesige Summen für Lenkballons und Flug- Maschinen vorsieht, werden fast täglich neue Flugfabriken gegründet. lind datz diese Gründer genau wissen, wie sie'S zu machen haben, bewies unlängst eine Annonce in einem vielgelesenen Blatte, worin eine solche Flugzeugfabrik einen ehemaligen Offizier mit guten Verbindungen als gutbezahlten Angestellten suchte. Jetzt soll nun wieder ein neue» Flugzeuguntervehmen größte» Stiles gegründet werden. Es nennt fich.Atlaswerke" und soll außer dem Flugzeugbau auch den Automobilbau aufnehmen. 2'/� Millionen für das Unternehmen sind, wie ein Prospelt mitteilt, bereits zugo sagt, doch soll daS Kapital der Gesellschaft möglichst gleich zu An» fang auf 6 Millionen gebracht werden. Dem Gründungsausschusse gehören Männer mit klingendein Namen an. so der Gras von Posa- dowSki-Wehner, Graf von Salzn-Wittgenstein und der Major z. D. P a r s e v a l. Bon Parlamentariern gehören zu den Gründern und späteren Aufsichtsratsmitgliedern der Reichstags- abgeordnete von Böhls ndorff-Kölpin und der unvermeidltchs Octavio v. Zedlitz. In dem Prospekt nun findet sich folgender vielsagende PassuS: .DaS Flugzeug hat sich über das Niveau des reinen Sportobjekts hinausgehoben und ist ein notwendiges Bedarfs stück aller modernen Armeen und Marinen geworden. Auch die Technik des Flugzeugbaues ist nunmehr in Bahnen gelenkt, welche eine sehr g e- winnbringende Fabrikation versprechen. Bestellung«! sind bereits in sichere Aussicht gestellt." Ist da» nicht reizend? Noch ist die Gründung nicht einmal sichergestellt, noch liegt nicht der leiseste Anhalt dafür vor, wie die Fabrikate der„AtlaS-Werke" überhaupt ausfallen werden— und schon sind die hochmögenden Herren des GründungZauSschusseS in der Lage, den Herren Aktionären eine„sehr gewinubringeude" Fabrikation von Armee-Flugzeugen auf Grund amtlicher Zusicherungen zu garantieren! Wenn aber erst einmal die SechSmillionen- Gründung zustande gekommen ist, werden die einflußreichen Herren des GründungS- auSschusseS erst recht alle» ausbieten, um dem Werke auch dauernde profitable Lieserungen zu sichern. Die Flugzeugindustrie wird dann das Rüstimgökapital verstärken, da» ewig hetzt, Unruhe stiftet und zu neuen Wehrvorlagen treibt, um den interessierten Dividende- und Tantieme-Schluckern auch immer neue und immer fettere Gewimre zu sichern!_ Roch einmal Deutschritter und„Deutsche Tageszeitung". ES ist ein eigenes Ding um die agrarische Geschichtsauffassung. Vor einigen Jahren bat ein bündlerischeS Blatt, wenn wir nicht irren, die.Korrespondenz deS Bundes der Landwirte", die Entdeckung gemacht, datz die Stegreifritter lediglich-in Notwehr sich befanden. wenn sie die„Pfeffersäcke" auf den Landstraßen aufgriffen und etwas erleichterten. Die Ritter hätten nämlich in jenen Zeiten die Wege» last gehabt und die Kaufleute hätten mit ihren schweren Wagen die Wege zu schänden gefahren, zu deren Wiederherstellung sie nichts hätten beitragen wollen. Dieser wissenschaftlichen Leistung stellt sich die rührende Erzählung der„Deutschen Tageszeitung" von den in vollster Uneigennützigkeit für Deutschtum und Kultur tätigen Ordensrittern würdig zur Seite. Die Sympathie des agrarischen Blattes für den Orden rührt wohl daher, datz dieser den Agrariern vorgemacht hat, wie man durch den Export ungeheurer Getreide- Massen in daS Ausland Reichtümer erwerben kann(die Einfuhrfcheinc, die dabei ganz besonders förderlich sind, hat er allerdings nicht erfunden). und datz er sich auf das Fälschen ebenso gut verstanden hat. wie die agrarischen Historiker. Den Getreidehandel betrieb der Orden auf Grund eine» Privileg» de» Papste», worin ihm ausdrücklich verboten war, den Handel„um des Gewinnes willen" zu betätigen. Die das Privileg verbriefende Urkunde ging sehr bald verloren: nur eine Abschrift von ihr war im Besitze des Ordens geblieben, in der merkwürdigerweise die päpstliche Bedingung nicht enthalten war. Und der Orden betrieb fortan kräftig Handel „um des Gewinnes willen". Zu der Herrschaft über das polnische Land ist der Orden durch einen ihm günstigen Schiedsspruch gelangt, den er durch eine gefälschte Urkunde erschlichen hat. Der Orden hat, wenigsten-! in späteren Jahren, so wenig Interesse an der Verbreitung des Christentum» gehabt, datz ihm die Bekehrung der heidnischen Litauer, die samt ihrem Herzog Withold Christen wurden, durchaus nicht recht war. Durfte er doch nun keine Raub» zöge in litauisches Land unter der Firma von BekehrungS- zügen mehr machen. Er durfte sie nicht machen, aber er unternahm sie doch trotz scharfer päpstlicher Verwarnung. Und was war die Ursache der Riederlag« des Orden» im Kampfe mit den Polen? Der Abfall deS deutsche« Adels und der deutschen Städte von Pomerellen(Westpreutzen), die die Polen in» Land riefen, weil sie die Willkürherrschaft des Ordens, dessen Ritter daS Land aussogen, nicht mehr ertragen konnten. Ein in jener Zeit immer wiederkehrender Vorwurf ist, datz die Ritter, wenn sie sich verheiratet« Frauen gefügig machen wollten, vor der Er- mordung ihrer Männer nicht zurückschreckten. So arbeiteten sie un- eigennützig für deutsche Kultur. An welchen geschichtlichen Taffachen wird wohl die nächste agrarische Korrektur vorgenommen werden? Die Religion im Dreitlnssen-Wahlkampfc. Wicht nur in den klerikalen Gegenden, wo S. M. der Kaplan unumschränkter Herrscher ist. spielt die Religion in allen poliffschen Kämpfen als Argument der Reattion eine hervorragende Rolle, sondern namentlich auch im heiligen Muckertalc, den Gefilden des El b e r f e l d- B a r in e r In- dustriegebicts, allwo sich mehr religiöse Sekten befinden, wie sonst im ganzen Deutschen Reiche zusammen. Die meisten dieser Sekten bekümmern sich nun bloß um ihr Seelenheil und meinen im übrigon, daß Beschäftigung mit der Politik kein Gewinn sür's ewige Leben sei. Die Konservativen in Elberfeld-Barmen, welche diese Armen im Geiste nun gern für ihre Zwecke gekapert hätten, versuchten nun den Wupper- taler Gotteskindern klar zu machen, daß das Dreiklassen- Wahlrecht eigentlich für sie erfunden sei. Das taten sie, indem sie jedem Betbruder folgendes recht bc- zeichnende Flugbb,«/ zustellten: Der Christ und die LandtagSwahl. ES gibt leider Christen, welche gegenüber allen politischen Wahlen eine gewisse Zurückhaltung beobachten, weil sie meinen: DaS geht uns nichts an. Der Heiland aber meint, datz un» da« sehr viel angeht, wenn er sagt: Ihr seid daS Salz der Erde; ihr seid da» L i ch t d e r W e l t. Zugegeben einmal, datz wir Christen die Dinge in unserem Vaterlande do-M nicht ändern könnten, bliebe- uns dann nicht trotzdAn die Pflicht, auch im öffentlichen Leben ein Zeugnis für die Wahrheit des Christentums abzulegen? Gläubige Christen habe» eine ZsugniSpflicht, nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Leben. Im Gegensatz zu der Reichstags wähl ist die Landtags wähl öfsent- {ich. Schon aus diesem Grunde wird für gläubige Christen das Wahlrecht zur Wahl- Pflicht. Nichts hat der Heiland schärfer getadelt als Neutralität, als Lauheit, als Stimntenenthaltung. Er kannte keine Gleichgültigkeit, auch nicht in politischer Beziehung. Er hat gesagt: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was GotteS ist. Wir bekunden durch unsere Stimmabgabe für die christlichen Kandidaten, daß wir alles Heil, auch für unser Baterland, allein erwarten von der Kraft deS Evange- liumS und dem Kreuz auf Golgatha. Die Bedeutung des Abgeordnetenhauses wird in weiten Kreisen sehr unterschätzt, ganz zu unrecht. Gerade im Landtag kommen die Fragen zur Behandlung, die in Miseren Tagen brennender geworden sind denn je. nämlich die großen Welt- anschauungSfragen. Sollen denn in dem Kampf u m Kirche und Schule die Vertreter des biblischen Christentums überhaupt nicht mehr gehört werden? Sollen Schule und Kirche bedingungslos dem Un- glauben, dem Halbglauben ausgeliefert werden? Der Liberalismus hat jedenfalls bewiesen. daß er weder fähig noch willens ist, der Sachs des ungebrochenen, alten biblischen Evangelium? in Kirche und Schule zur Anerkennung zu verhelfen. Von nnseren Kandidaten, den Herren Dr. de Weerth und Janssen aber wisseu wir, wie sie zu dem Evangelium stehen. Die kirchlichen Kämpfe der letzten Jahre haben uns gezeigt, was wir zu erwarten haben, wenn der Liberalismus innerhalb der Landes- kirche zum Siege kommt. Diese Möglichkeit aber rückt um so näher, je mehr der Liberalismus in der Politik und Gesetzgebung bestimmend wird. Darum hat jeder bewußt gläubige Christ die heilige Pflicht, bei der bevorstehenden Wahl nur solche Wahlmänner zu wählen, welche für die Anhänger der christlich-biblischen Welt- anschauung, unsere Landtagskandidaten Dr. de Weerth und Janssen eintreten. .Hier Schwert des Herrn und Gideon!' Tönt unser Schlachtgeschrei. Der treu bewährte Gottessohn, Er steht uns selber bei. Amüsant ist es vor allen Tingen, wie die Konservativen (das Flugblatt trägt die Druckfirma des konservativen Blattes) den armen Teufeln, die von nichts anderem etwas verstehen, als von ihrer Religion, weiszumachen versuchen, daß im Dreiklassen- hause, das zu drei Vierteln aus Junkern und Pfaffen besteht, die Religion in Gefahr sei. Uebrigens, Christus als Vertreter der öffentlichen Stimmabgabe ist eine ebenso frivole Gottes- lästerung wie das ganze"Gebaren der frommen Macher, die im Zeichen des Kreuzes von Golgatha ihre politische Bauern- fängerei im Dreiklassenwahlkampfe betreiben. Herr Bethmann Hollweg möge sich dies konservative Flugblatt in seine Mappe heften, falls er die Absicht haben sollte, mal wieder über das Thema Sozialdemokratie und Gotteslästerung zu reden. Tie Erste clsast lothringische Kammer will auch kein Ausnahmegesetz. Tic Erste Kammer des elsaß-lothringikchen Parlaments nahm am Mittwoch Stellung zu den Diktaturbestrebungen der Regierung. In einer Resolution, die von 10 Abgeordneten unterzeichnet war, wurde zunächst das Treiben der Nationalisten verurteilt und ferner gesagt, die Kammer sei der Ansicht, daß es dem gesunden Sinne der großen Mehrheit der Bevölkerung und dem kaiserlichen Statthalter, zu dem die Kammer volles Vertrauen habe, auch ohne außerordent- licbe Maßnahmen gelingen würde, die von einer kleinen Gruppe ausgehenden Störungen der fortschrittlichen Enüvickelung des andeS zu überwinden, und daß daher die Kammer die Regierung ersuche, von der Weiterversolgung ihrer Absicht, AuSnahmebestiw» mungen bezüglich der Preß- und DereinSgesetze herbeizuführen, Abstand zu nahmen, zumal diese auch in lohal gesinnten Kreisen der Bevölkerung eine große Erregung hervorgerufen haben. In der Debatte erklärten alle Redner, mit Ausnahme des Pro- fest'pr Laband. daß die Maßnahmen große Bestürzung in all- deutschen Kreisen hervorgerufen haben, und daß ferner die Be- völkerung ManneS genug sei, sich der Bestrebungen der nationa- listischen Chauvinisten, an deren Existenz die Regierung nicht un- schuldig sei, zu toehren. Die geplanten Maßnahmen seien gerade für Elsaß-Lothringen verwerflich.— Die Antwort der Regierung war. daß sie, trotzde»� das ganze Land ibr Borgehen verurteilt, in ihrem Weg keinen Schritt zurückmacht. Tie Gesetzesvorlage soll keine Dittaturmotznahme sein, sondern lediglich für einzelne Blätter und Vereine eine Warnungstafel bedeuten.— Recht lebhafte Klagen führte der Wahlmacher der Regierung, der vom Kaiser ernannte Justizrat Ruland, dem die Regierung zum Dank für seine Arbeit nachher den Nationalisten gegenüber desavouiert hat. Tai Bollwerk der Regierung gegenüber der Zweiten Kammer, die kaisertreue Erste Kammer, nahm dann die Resolution, die sich gegen die RegicrungSmaßnahmen ausspricht, mit allen gegen fünf Stimmen an. Arbeiterpolitik im Württembergifchen Landtage. Nach mehrtägiger Debarte über die Arbeiterpolitik der Eisen- bahnverwaltung Württembergs kam es am Dienötagnachmittag in der Zweiten Kammer zur Abstimmung über die vorliegenden An- träge. Der Kampf ging hauptsächlich um zwei sozialdemokratische Anträge, um die Einführung der achtstündigen Arbeits- zeit in den Werkstätten der Eisenbahnverwaltung sowie um den freien Sonnabcndnachmittag in den Eisenbahnbetriebs- Werkstätten und Maschineninspektioncn. Beide Anträge wurden ab- gelehnt. Bauernbund. Zentruni, Nationalliberale und Volks- Partei arbeiteten Hand in Hand, un, die Anträge zu Fall zu bringen. Von der Zentrumsfraktion stimmten drei Arbeiter- sekretäre— der Bieu kann nicht, der Bien' muß— für die Anträge: nur ein von den Zentrumsgrößen unsanft behandelter Schuhmachermeister tat seiner Fraktion den Tort an. für die sozialdemokrarischen Anträge zu stimmen. Ein paar Volks- parteiler schloffen sich zögernd an, als sie sahen, daß ihre Stimmen eine Mehrheit doch nicht zustande bringen konnten. Ein harmloser Antrag, der die Regierung ersucht, für die Arbeiter der Eisenbahnverwaltung überall- da, wo der Betrieb es gestattet, einen früheren Arbeitsschluß an den Sonn- abend-Nachmittagen unter Gewährung des vollen Lohnes ein- zuführen, fand endlich Gnade vor den Augen dieser Mehrheit. Drei Tage flössen sie von Arbeiterfreundlichkeit über— und am vierten lehnen sie jede durchgreifende Maßnahme zur Verbesserung der Lage der Arbeiter ab. Das ist bürgerliche Arberterpolitik. Aengstliche Seelen. Der Schreck über die wuchtigen Stroßendemonstrafionen der Stuttgarter Arbeiterschaft steckt dem Bürgertum noch immer in den Knochen. Man denke: um Mitternacht begeben sich ein paar Tausend Arbeiter vor die Villa deS preußischen Gesandten und demonstrieren dort für ein freies Wahlrecht in Preußen— und die hohe Polizei wußte nichts davon, bis die Marseillaise durch die stille Nachl braust und da? ganze Villenviertel in Aufruhr bringt. Dann die Demonstration gegen die Fleischtcuerung I Die Polizei» mannschast der ganzen Stadt alarmiert, kampfbereit formiert— und in wenigen Minuten ist der Schloßplatz von über 10000 Arbeitern besetzt. Reden werden gehalten, Kampflieder gesungen, daß die Fenster des kgl. Schlosses klirren und das Festmahl des Königs und anderer Fürstlichkeiten im Neuen Hofthcater die empfindlichste Störung er- leidet! Und das schönste in Cannstatt! Am Tage vor Königs Geburtstag wird ein böser Preßsünder, Dr. Thalheimer, aus dem Gefängnis entlassen. Eine große Menschenmenge geleitet ihn zur Wohnung. Immer mehr Volk schließt sich an. Die Polizei meint, das seien patriotische Demonstranten, die den Zapfenstreich zu Ehren des Königs vergrößern wollen. Und sie wundern sich nicht wenig über so viel patriotisches Volk, die Hüter der öffentlichen Ordnung. Bis vor dem Hause des PreßsünderS unser altes Kampf- lied angestimmt wird und die Menge begeistert mitsingt. Das war eine böse Ueberraschung I Schon nach der gewaltigen Demonstration gegen die Fleisch- teuerung hatte der von München bezogene Herr Polizeidirektor ge- droht, daß man nunmehr andere Maßnahmen gegen Demonstranten zur Anwendung bringen werde. Allgemein hatle man darunter die Mobilisierung des Militärs verstanden. Bald sickerte aber durch, daß der Herr Polizeidirektor v. Bittinger noch Größeres plane. Zunächst wurde die Schutzmannschoft mit Revolvern bewaffnet. Aber was sind Revolver im männermordenden Kampf mit vielen taufenden Roten! Also Gewehre her! Ganz heimlich wurden aus dem Militärdepot in Liidwigsburg Gewehre nach Stuttgart geschafft, ganz heimlich, damit niemand vor der Zeit erfahre, welch furchtbare Waffe die hohe Polizei nunmehr in Bereitschaft habe. Drei Tage später konnte der Vorsitzende der Stuttgarter Parteiorganisation den MobilinachungSplan der Polizei und ihre Rüstungen dem verehrlichen Publikum mitteilen. Die Nachricht stieß zunächst auf ungläubiges Staunen. Unsere brave Stuttgarter Schutzmannschaft, zum großen Teil biedere Familienväter, mit dem fürchterlichen Schießgewehr auf dem Buckel gegen die Stuttgarter Bevölkerung auf blutigen Krieg ausziehend? Undenkbar! Aber die Mitteilung stimmte doch! In einer der letzten Sitzungen der Polizeiabteilung der Stuttgarter Gemeindeverwaltung standen die Bestimmungen über den Waffengebrauch der Schutzmann- schaft zur Beratung. Darin steht auch geschrieben, daß die in Ver- Wahrung de§ Kommandos der Schutzmannschaft befindlichen Gewehre nur in außerordentlichen Fällen zur Anwendung gelangen sollen- Was für außerordentliche Fälle das sind, wissen die bürgerlichen Parteien genau. Und darum haben sie auch alle bis zur Volkspartei diesen Bestimmungen ihren Segen gegeben! Gebe nun der liebe Gott, daß diese Gewehre sich als Heil- mittel gegen die Demonstrationen der Arbeiterschaft bewähren. O diese ängstlichen Seelen! Das Enäe des Balhankncges. Der Druck der Mächte auf die FriedenSdelegierten. London, 28. Mai. Die Presse beider Parteien spricht ein- stimmig ihre Zustimmung zu den Erklärungen aus, die Sir Edward G r e y gestern den Friedensdelegierten ge- macht hat. Die„Times" schreiben: Wir zweifeln nicht, daß dieser energische Schritt eine heilsame Wirkung auf die Staaten haben wird, die bisher Entschuldigungen wegen des Aufschubes vorgebracht haben. Jetzt sind sie im Besitze der Entscheidung Europas, und sie tvissen, daß diese unwiderruflich ist. Die kalte Dusche, die der Beschluß der Botschafter und die folgenden Worte des Staatssekretärs den Vertretern der widerspenstigen Regierungen verabfolgt haben, verursacht ihnen vielleicht einen augenblicklichen Schreck. Aber wir sind sicher, daß sie ihnen gut tun wird. Europa handelt tatsächlich ebenso in ihrem besten Interesse als indem eigenen. Friede mit der Türkei und ein billiger und vernünftiger Ausgleich unter einander ist für sie absolut notwendig. Der Friede ist die Vorbedingung fiir den Aus- gleich- Das Blatt fährt fort: Wir glauben, daß sie sowohl den Frieden wie den Ausgleich wollen, aber sie haben be- wiesen, daß sie keinen von beiden aus eigener Kraft erreichen können, und da sowohl der Friede wie auch der Ausgleich für die Dauer der diplomatischen Ruhe Europas unentbehrlich ist, so ist eS das Recht und die Pflicht Europas, sie mit fester Hand zu diesem doppelten Ziel zu führen. „Dailv News" schreibt: Staatssekretär Grey hat gestern mit seinen Erklärungen an die Friedensdelegierten dem allgemeinen Empfinden des Publikums Ausdruck gegeben. Es ist Zeit, daß Griechenland und Serbien einsehen, daß die Ge- duld Europas erschöpft ist. Es besteht eine wachsende Entrüstung gegen ihre Politik, die ein besonders unerfreuliches und unhcil- volles Aussehen hat. Wir hoffen, daß dieses nachdrückliche Auf- treten der Mächte dem unziemlichen Spiel der Balkanstaaten ein Ende machen und daß zunächst einmal der Friedens- vertrag von allen kriegführenden Parteien ohne Auffchub unter- zeichnet wird. Nach anderen Meldungen aus London wird angenommen, daß die Friedenspräliminarien am Freitag unterzeichnet werden. Die scrbisch-bulgarische Verstimmung. Belgrad, L7. Mai. Das ZtegicrungSorgan„Samouprawa" er- klärt in einem„Am schicksalschweren Scheideweges detitelten Ar- tikcl, Serbien habe im Interesse des Balkanbundes seine Vertrags- mäßigen Verpflichtungen verdoppelt, während Bulgarien nicht ein- mal seine vertragsmäßigen Verpflichtungen erfüllt habe. Nach den gegenwärtig besetzten iLebicten würde Serbien ein Territoriuni von insgesamt 85 000 Ouadrattilomctcrn, Bulgarien aber 150000 Quadratkilometer erhalten. Trotzdem neide Serbien seinem Schwcstcrstaate Bulgarien die Vergrößerung nicht, es müsse aber an die Gewissenhaftigkeit und Ehre seines Verbündeten appellieren, damit die von ihm gebrachten Opfer ancrlannt würden. Nie- wand habe das Recht, von Serbien, selbst unter Berufung auf die Notwendigkeit der Erhaltung des Balkanbundcs, zu verlangen, daß es auf seine staatliche Unabhängigkeit und auf die Sicher- heit friedlichen Lebens innerhalb seiner Grenzen verzichte. Am allerwenigsten könne es zu einer solchen Erniedrigung durch einen Vertrag gezwungen werden, der von der zweiten Vertrags- Partei eigenmächtig abgeändert wurde, indem sie sich von den eigenen Verpflichtungen lossagte, Serbien aber doppelte Verpflichtungen und doppelte Opfer auferlegte. DaS sei ein Unrecht, vor welchem Serbien sich ohne Zwang nicht beugen könne. Dessen mühten die Freunde Serbiens uwd des Balkans eingedenk sein. Ablösung österreichischer Reservisten. Wien, 28. Mai. Im Hinblick auf die lange Tauer der Er- höhung des Bestandes der in Bosnien, der Herzegowina und in Dalmatien dislozierten Truppen hat der Kaiser, wie die„Militä- rische Rundschau" meldet, angeordnet, daß die ältesten Reserve- und Ersatzreservejahrgänge(1902 bis 1905) und die meistbegün- stigtcn Ersatzreservisten lFamiliencrhalter und einzige Söhne) aller Jahrgänge, die seinerzeit zur Ergänzung des TruppenbestandcS in Bosnien, der Herzegowina und in Dalmatien einberufen worden waren, soweit Ersatzmannschaften verfügbar sind, durch jüngere Re- servemannschaften und nichtbegünstigte Ersatzreservisten o b g e- löst werden. Diese Verfügung ist einerseits auS der Erwägung hervorgegangen, daß die auswärtige Lage ein Herabgehcn in den Beständen in Bosnien, der Herzegowina und in Talmatien nicht möglich erscheinen läßt, andererseits aus dem Bestreben, den be- reits seit mehreren Monaten in aktivem Dienst Stehenden die Rück- kehr zu ihren Familien zu ermöglichen. Eine an sich Wünschens- werte gleichzeitige Entlassung oller Reserve- und Ersatzreserve- männer wäre, auch falls die auswärtige Lage dies zuließe, schon aus TranSportrücksichtcn undurchführbar und mühte staffclwcise erfolgen. Ungarn. Der Panamaprozeß des Ministerpräsidenten. Budapest, 28. Mai. In dem Verleumdungsprozeß des Minister- Präsidenten L u k a c S gegen den Abgeordneten Zoltau D e s y wurden heute die Zeugen der Verteidigung vernommen. Der stellvertretende Generaldirektor der Ungarischen Bank und Handelsaktiengesellschaft Emmerich V a j d a gab an, daß die Bankdirektion seinem Kollegen Paul Elek größere Beträge zu diskreter Verwendung über- geben habe, und daß er selbst mit der Kontrolle beauftragt worden sei. Elek habe sich geweigert, einen Betrag von mehr als einer Million zu verrechnen. Elek gab als Zeugs an, er habe einen drei Millionen übersteigenden Betrag für den Wahlfonds gegeben, da die Ungarische Bank- und Handels- aktiengesellschaft an zahlreichen Unternehmunge» der Regierung beteiligt gewesen sei. Vajda habe auS eigener Wissenschaft keine Kenntnis davon. an wen Elek diese Summe gezahlt habe. Mehrere Zeugen, darunter Graf Emmerich K a r o I y. Generaldirektor S a n d o r und General» direktor B u l l m a n n erklärten, daß Elek sich vor ihnen vollkommen gerechtfertigt und die richtige Verwendung dieser Gelder nach- gewiesen habe.— Zeuge Graf Julius A n d r a f s y, früherer Minister deS Innern, erklärte, er habe es abgelehnt, an der RechtfertigungS- aktion für Elek teilzunehmen, da er keine Schweigepflicht habe über- nehmen wollen für den Fall, daß er von politischen Mißbräuchen Kenntnis erhalte.— Graf Johann Z i ch y. der ehemalige Unterrichts- minister erklärte, daß er wegen des Falles Desy-LukacS auS dem Kabinett ausgetreten sei? er habe als Minister von dieser Angelegen- heit Kenntnis erhalten und glaube sich nicht berechtigt, darüber auS- zusagen. frankmeb. Die Orgie der Ordnung. Paris, 27. Mai.(Eig. Ber.) Das Komplot ist da— das Komplot der militaristischen und kapitalistischen Reaktion. die die Soldatendemonstrationen benutzen will, um in ganz Frankreich die Kräfte des politischen und wirtschaftlichen Widerstandes der Arbeiterklasse zu brechen. In Paris und 88 Provinzstädten hat die Polizei gestern Haussuchungen gehalten in Gewerkschastslokalen, Redaktionen, sozialistischen Organisationsbureaus, Konsulnvereinen und Privatwoh- nungen. Die Gewalttätigkeit der Dupuyschen Aera ist über- troffen, der patriotische Schrecken tobt wilder als der An- archistenschrecken. Nicht einmal das Feigenblatt der gesetz- lichen Formalität wird vorgesteckt. Im Verbandshaus der Seinegewerkschaften, bei der C. G. T.. auf der Arbeitsbörse haben die Polizisten die Organisationslokale in Abwesenheit der Vertreter der Organisationen durchsucht. Tischladen und Schränke aufgebrochen, Mappen aufgerissen, Dokumente fort- geschleppt, den Rest wüst auf einen Haufen geworfen. Und was haben sie mitgenommen? Bei den Erdarbeitern die Geschäftsbücher, eine Tabelle über die Pensionen der Unfall- Versicherung, auf der Redaktion der„Vie Ouvridre" eine Liste, die die Namen von Persoire» enthielt, denen das Abonnement auf eine Jugendzeitschrift— angeboten werden sollte, Bücher und Broschüren, die einen„verdächtigen" Titel zeigten, wenn sie auch schon vor 20 Jahren erschienen waren. alte Zeitungsnummern. Manuskripte. Und so ungefähr über- oll. Wie sinnlos, einfach nach einem vom Ministerium aus- gegebenen Schema, verfahren wurde, geht daraus hervor. daß z. B. in C l e r m o n t- F e r r a n d die Polizei bei dem dortigen Parteiblott„Ami du Peuple" haussuchte, dessen Redakteur der extreme Reformist Baren ne ist. der erst vor ein paar Tagen in einein Artikel die Soldatendemonstra- tionen bedauert hat. Was die Polizei vor allemjuchte, waren Dokumente, die die— vollkommen legale— Soldatenunterstützungskasse der Gewerkschaften betrafen, sowie Soldatenbricfe an GeWerk- schasten und Redaktionen. Sie hat vielleicht ein paar Briefe gefunden, die der M i l i t ä rj u st i z genügen werden, die Schreiber nach Afrika zu schicken. Aber war dieses edle Ziel die Verletzung der ge- sctzlichcn Freiheiten, die Verhöhnung aller demokratischen Prinzipien der republikanischen Verfassung wert? Soll dem gestrigen Vorstoß der große Schlag folgen— der Versuch, die gewerkschaftliche und politische Organisation des französischen Proletariats zu zertrümmern? Jedenfalls— das eine steht fest. Die Reaktion wird auf Granit beißen. Ihre Gewalttätigkeit peitscht das Gefübl der proletarischen Würde, des proletarischen Selbstbewußl> seins auf. Auch die bürgerliche Demokratie ist noch nicht so ganz verkommen, als daß nicht aus ihrer Mitte dem Prole- tariat Helfer erstehen sollten. Bezeichnend ist dafür, daß neben den Arbeiterorganisationen auch der G e in e i n d e r a t von Lyon mit allen gegen 2 Stimmen einen Protest be- schlössen hat. Proteste gegen die Komplottschnüffelei. Paris, 28. Mai. Der Ausschuß des Allgemeinen ?lrbeitSvcrbandes beschloß, in einem Aufruf gegen die letzten polizeilichen Haussuchungen Einspruch zu erheben. Der Gemeinderat von Lyon protestierte auf Antrag zweier Sozialisten nahezu einstimmig gegen die in der dortigen Arbeitsbörsc und in den Wohnungen der Gewerkschaftssekretäre vorgenommenen Durchsuchungen. welche ungerechtfertigte Herausforderungen seien und der Meinungsfreiheit widersprächen. Die Mehrheit des sozialistischen Gemeinderats von B r i g n o l e s(Departement Var) lehnte es ab, die Mittel zur Unterbringung eines Regiments zu gewähren. Die darüber aufgebrachte Volksmenge(?) drang in den Sitzungssaal ein, beschimpfte �die Gemeinderäte und zerschlug die Fensterscheiben. Zehn Gendarmen mußten einschreiten, um den Bürgermeister und die Mitglieder des Gemeinderats beim Verlassen des Stadthauses vor der Volkswut zu schützen. Amerika. Bestrafung eines bestechlichen Senators. New Aork, 28. Mai. Senator S t i I l w e l l, der der Bestechlichkeit in Verbindung mit der Börsengesetzgebung schuldig befunden wurde, ist zu einer Zuchthaus st rafe von unbestimmter Dauer, die nicht weniger als vier und nicht mehr als acht Jahre betragen soll, verurteilt worden. Gewerkrcbaftlicbea. J�Tcuc Scbwterigkeitcn bei Beendigung des Kampfes im JVIalergewerbe.» (5B war vorauszusehen, daß die Wiederaufnahme der Arbeit nach Annahme des neuen Schiedsspruchs im Maler- gewerbc nicht glatt vonstatten gehen würde. Einmal können verschiedene Unternehmer einzelner Städte und Bezirke sich mit der erlittenen Blamage nicht so ohne Iveiteres abfinden, dann aber begegnen sich Unternehmer- und Gehilfcnorgani- sationen vielfach in dem Wunsche, vor Wiederaufnahme der Arbeit zunächst die örtlichen Verhandlungen über die den Orten verbleibenden Differenzen zu erledigen. Bemerkenswert ist, daß der neue Schiedsspruch vom Unter- nehmerverband nur mit geringer Mehrheit angenommen wurde, zwei Gauverbände lehnten ihn ab. und zwar Rheinland-Westfalen einstimmig und Rorddeutschland mit großer Mehrheit. Der Gau R h c i n l a n d- W c st f a l e n i st darum zur offenen O b st r u k t i o n übergegangen. Der Vor- stand dieses Gauverbandes versandte unterm Sl. Mai ein Zirkular, in dem er seinen Mitgliedern mitteilt, daß die Betriebe geöffnet werden„zu den vom Arbeitgeber- Verband aufgestellten Bedingungen". Man akzeptiere den faulen Frieden, den die Schiedssprüche brächten, nicht. Der Tarif, den die Gehilfen jetzt anerkennen müßten, sei aufgestdilt unter Berücksichtigung der wichtigsten Wünsche des Ärbeitgebervcrbandes. ,/D ic Grundlöhne siyd nni einen Pfennig pro Stunde erhöht, so daß wir also auch nach dieser Richtung der Gehilfenschaft ein weit- gehendes Entgcgcnkomnren gezeigt haben. Höhere Löhne zu zahlen, soll möglich st vcr- mieden werden. Dann heißt es weiter: „Sollte eine Werkstatt in der nächsten Zeit von der Gehilfen- schaft durch Streik angegriffen werden, so bitten wir, dies sofort zu melden; den betreffenden Gehilfen ist mitzuteilen, daß sie ans eine schwarze Liste gesetzt werden und ein Jahr lang nirgends mehr beschäftigt werden. Eventuell wird es auch erforderlich tverden, erneute AuSspcrrnugcn vorzunchuic». Die gegenwärtige Zeit erfordert aus diesen Gründen größte Solidarität und eiserne Disziplin. Belmihren wir diese, so tverden wir gegen die Angriffe der Gehilfenschaft gefeit sein. Angegriffenen Kollegen wird durch Unterstützung von Arbeitskräften aus anderen Werkstätten geholfen werden. Warnung vor Sondertarifen mit der Ge- hilfenschaftlU Dr, C o e I s ch, Syndikus." Der Hauptverband der Unternehmer steht diesem Scharf- macherstückcheit, Treubruch und offenem Abfall dieses Gau- Verbandes völlig hilflos gegenüber. Ebenso treibt es der als Scharfmacher bekannte Ham- burger Vorsitzende der Unternehmer und Jnnungsobernieister offensichtlich zum Bruch. Er hat entgegen den getroffenen Ab- tnachungen einen einseitigen Unternehmerarbeits- Nachweis eröffnet und erklärt seinen Mitgliedern offiziell, daß keine allgemeine Lohnerhöhung stattfinde, obwohl bei den Verhandlungen Protokollarisch festgelegt wurde, daß die Unternehmer die moralische Pflicht haben, die ausgesprochene Lohnerhöhung allgemein zu gc- tpähreii. also auch den älteren und leistungsfähigeren Gehilfen, die seither schon niehr als den Minimallohn erhielten. Angesichts dieser offenen Tarifverletzungen haben die Ham- bürg er Gehilfen beschlossen, die Arbeit vor- läufig nicht aufzunehmen. Auch in einigen anderci� Städten bestehen ähnliche Diffc- rcnzen, wieder in anderen Städten lehnen die Unternehmer jede örtliche Verhandlung ab. Der tatsächliche Umfang der noch bestehenden Differenzen kann erst in den nächsten Tagen endgültig festgestellt werden. Jedenfalls wird es noch einige Aeit dauern, bis die durch die sinnlose Aussperrung hcraufbefchworenen Differenzen voll- ständig erledigt sind. Die Gehilfen sind natürlich bereit, jede Ungerechtigkeit der Scharfmacher energisch abzuwehren. Berlin uncl Qmgezcnck. Achtung, Metallarbeiter.' Ter Streik bei der Firma Tapag in Spandau ist beendet. Tie Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverdand, Ortsvcrlvaltung Berlin. Beschäftigungsrückgang im Berliner Lithographie- gewerbe. Wie sehr das lithographische Gewerbe, speziell das in Berlin. infolge unserer„bewährten" Wirtschaftspolitik einen Rückgang er- litten hat, kommt in einer von der Berliner Filiale des Stcindrucker- Verbandes am 5. Mai 1913 aufgenommenen Statistik drastisch zum Ausdruck. Nach einer statistischen Aufnahme im. Juni 1911 wurden damals in Berlin 652 Ehromolithographen beschäftigt! nach der Auf- nähme am 5. Mai 1913 nur noch 392. Das sind in knapp 2 Jahren 269 Gehilfen oder rund 49 Proz. weniger. Das chromolithographische Gewerbe in Berlin ist in der Haupt- fache auf den Export nach dem Auslande angewiesen, es werden große Hoffnungen auf die Zolltarifrevision in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gesetzt. Nordamerika war in früheren Jahren einer der Hauptabnehmer. Vor einigen Jahren sind eine größere Anzahl von Chromo- lithographen wus Berlin und anderen Älädten des Reiches, in der Mehrzahl sehr tüchtige Arbeitskräfte, nach Nordamerika aus- gewandert und haben dort gutlohnendc Beschäftigung gefunden. Die amerikanischen llntcrnehnicr waren iinstande. mit deutschen Ouolitätsarbeitern die deutsche Konkurrenz erfolgreich zurück- zudrängcn. Selbst wenn das lithographische Gewerbe durch den neuen amerikanischen Zolltarif bessere Einfuhrbedingungen erhalten sollte, so ist es doch sehr zweifelhaft, ob der Export die Höhe der früheren Jahre jemals wieder erreichen wird. Inzwischen hat sich in Amerika die Industrie dieser Branche kräftig entwickelt, ist leistungsfähiger geworden und wird in der Lage sein, einen großen Teil des Bedarfs— gute Qualitätsware inbegriffen— selbst zu decken. Achtung, Marmorarbcitcr! Wegen Maßregelung ihres Platz- Vertreters sind die Kollegen der Firma W i c s c n g r u n d, G. m. b. H., Reichenberger Str. 79, einmütig in den streik getreten. Schon längere Zeit war dem Leiter des Geschäftes die Wahrneh- mung der Interessen„seiner" Arbeiterschaft durch ihren Ber- trauensmann ein Dorn im Auge. Aus nichtigen Gründen war die Entlassung desselben vor einigen Wochen schon einmal perfekt; doch gelang es durch das Eingreifen der Organisationsleitung, die Maßregel rückgängig zu machen. Wie die nachfolgenden Ercigniye gelehrt, war es jedoch nur ein„fauler Friede", der auf dem Wege gegenseitiger Verständigung zustande kam. Rechtsfragen find auf denn Gebietendes Arbeiterrechtes eben mehr und mehr Machtfragen geworden. So auch hier. Tie Streikenden sehen dem Ausgang des Kampfes getrost entgegen und erwarten nur, daß ihnen Außen- stehende nicht in den Rücken fallen. Zentralverband der Steinarbeiter, Ortsverwaltung Berlin. Lerantw. Redakt.: Alfred Wielepy, Neukölln. Inseratenteil verantw.' Achtung, Dcstillationsgchilsen! Herr Haser st roh, Pank- straße 4, will, wie er sich zu Gästen äußerte, einen von ihm ent- lassencn organisierten Angestellten auf die von der„B c r c i n i- gung der Dcstillationsgeschäfte" beschlossenen schwarze Liste bringen, um auf diese Weise seine Rache für die Sperre zu kühlen. Neuerdings hat er wieder einen Gehilfen entlassen, weil er annahm, daß dieser Bcrbandsmitglicd sei. Der Betrieb ist für organisierte Testillationsgehilfen nach wie vor gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfcn, Ortsverwaltung I l. Oeutlcbes Reich. Tie Beendigung der Lohnbewegung im Betongewcrbc. Bei den Verhandlungen über die Lohnbewegung im Bau- gewerbc wurde mit den ParteUzz vereinbart, daß auch das Beton- gewerbe mit in den Tarifvertrag für das Baugewerde aufge- uommen Iverden soll. Es wurde weiter vereinbart, daß sür� das Betongewerbc eine besondere Verhandlung an zentraler»stelle stattfinden und cventl. die Bewegung durch einen Schiedsspruch beendet werden soll, dem sich die Parteien unterwerfen. Am 26. und 27. Mai haben diese Verhandlungen in Berlin stattgefunden. Nach nahezu zweitägiger Debatte kamen die Unparteiischen zur Fällung eines Schiedsspruches. Sic unterschieden bei den im Betongewerbe beschäftigten Ar- beitern 1. Zementsacharbeitcr, 2. Zcmentarbeitcr. Das Schieds- gcricht definierte näher, was unter Zcmentfacharbcitern und Zc- mentarbeitern zu verstehen ist. In der Lohnfrage wurde bestimmt: Die Löhne der Zement- facharbeitcr sollen denen der Maurer und Zimmerer, die Löhne der Bauhilfsarbeiter im Betongewerbe denen der Bauhilfsarbeiter im Hochbau gleichstehen. Tie Löhne der Zementarbeiter werden auf l9 Proz. über die Löhne der Bauhilfsarbeiter festgesetzt. Es fft daher anzustreben, die Betonbaulöhne den Hochbaulöhnen allmäh- lich gleichzustellen. Als besondere Grundsätze für die Tarifveriodc 1913—1916 wurde festgesetzt: 1. �jio die Betonbaulöhne den Hochbaulöhnen gleichstehen, soll die für das Baugewerbe vorgesehene Lohnerhöhung eintreten. 2. Wo die Betonbaulöhnc niedriger sind als die Hoch- baulöhne, soll der Ausgleich möglichst innerhalb der drei Tarif- jähre erfolgen und zwar durch gleichmäßige Sondcrzuschlägc bis höchstens 2 Pf. für ein Jahr. Bei Spannungen über 6 Pf. soll der weitere erforderliche Ausgleich den späteren Tarifperioden vor- behalten bleiben. 3. Wo die Betonbaulöhne höher sink als die Hochbaulöhne, soll ein allmählicher Ausgleich in der Weise durch- geführt werden, daß für die jetzige Tarijperiode die Erhöhung der Betonbaulöhnc sich wie folgt vollzieht: a) Lohnerhöhungen bis 4 Pf. gelten ohne Kürzung auch für das Betongewerbc. b) Lohnerhöhungen über 4 Pf. im Baugewerbe erfahren im Betongewerbe eine Kürzung um einen Pfennig und zwar um den im Laufe der Pertragsperiode vorgesehenen letzten Pfennig(z. B. Baugewerbe 2, 2, 1: Betongewerbc 2, 2, 9). Außerdem wurden im Schiedsspruch»och die Ucberstundcn gc- regelt. In den Orten, in denen auf Grund bestehender Verträge eine Erhöhung der Löhne am 1. April 1913 stattgefunden hat, ist sie auf die hier festgesetzten Lohnerhöhungen anzurechnen.— Anderweitige Regelungen bleiben in Kraft. In der Begründung sagen die Unparteiischen, daß der Schieds- 'pruch den ersten Versuch enthält, das Bewngewerbe vertraglich in das Baugewerbe einzugliedern. Es heißt dann weiter in der Be- gründung: „Bei der großen Verschiedenheit der Arbeit und Lohnbedin- gungen innerhalb des deutschen Betongewerbes mußte davon abgesehen werden, schon jetzt eine genaue Anpassung an das Baugewerbe zu erstrebcm Es ist vielmehr, durch den Schieds- sprnch im weitesten Umfange der bestehenden Verschiedenheit Rechnung getragen und eine Lohnannäherung des Betongewerbes an das Baugewerbe unter äußerster Schonung der bisherigen Lohnverhältnisse vollzogen. Es muß den Verhandlungen zur Erneuerung des Tarifvertrages im Jahre 1916 vorbehalten bleiben, aus Grund der inzwischen neu gewonnenen Ersahrungen auf dem durch diesen Schiedsspruch grundsätzlich vorgeschriebenen Wege fortzuschreiten." Nach Bekanntgabe dieses Schiedsspruches entstand eine längere, teilweise sehr scharfe Auseinandersetzung über die Vorschläge der Unparteiischen vom 6. Mai, die eine Ergänzung ihrer Vorschläge vom 1. Mai bedeuten und das übrige Baugewerbe betrafen. Nach- dein auf Unternehinerscitc wiederholt erklärt worden war, daß man nur die Vorschläge der Unparteiischen vom 1. Mai anerkenne und auf Arbeiterseite betont war, daß nur im Zusammenhang mit der Ergänzung eine Annahme der Vorschläge zustande gekommen sei, gaben die Unparteiischen die Erklärung ab, daß sie ihre Vorschläge vom 1. Mai und die Ergänzung dazu vom 6. Mai als ein un- trennbares Ganzes ansehen, das entweder angenommen oder ab- gelehnt werden müsse. Nach langer Sonderberatung, die die Unter- nehmer unter sich hielten, ließ der Unternehmerverband dann durch seinen Sprecher, Baurat Ente, erklären, daß der Unternehmer- verband nunmehr die Vorschläge und den Hauptvcrtrag nebst Ver- tragsmuster anerkenne. lieber die eintretende Lohnerhöhung wurde noch einmal aus- drücklich festgestellt, daß alle Lohnerhöhungen, auch für die Bcto narbeiter. rückwirkend vom 2. Mai in Kraft zu treten haben, und daß sie am nächsten L o h n z a h I u n g s- tage, längstens jedoch am über nach st en Zahltag, nack zuzahlen sind. Tann wurde die Unterschrift unter den Hauptvertrag von den anwesenden Vorsitzenden der in Betracht kommenden Organisa- tionen vollzogen und dqmit endgültig der Friede im Baugewerbe bis zum Jahre 19l6 abgeschlossen. Die Unparteiischen übernehmen es, etwaige Unklarheiten in den Ortsverbänden über die Auslegung der gemachten Vorschläge, die nunmehr als Beschlüsse gelten, schriftlich aufzuklären, lieber die Erreichung der im Vertrag vorgesehenen Tarifinstanzen«Tarif- amt. Haupttarisamt) werden sich die Organisationsvorständc am 26. Juni verständigen._ Die geeinten Scharfmacher. Die erste Mitgliederversammlung der im Anfang April dieses Jahres neugegründeten Vereinigung der Deulschcn Arbeitgeber- verbände, die aus der Verschmelmng der bisherigen Hauplstelle und des Vereins Deutscher Arbeilgcbervcrbände hervorgegangen ist. wurde am Dienstag in Berlin unter dem Vorsitz des Fabrikbesitzers G a r b en s-Hannover abgehalten. Den Geschäftsbericht erstartete Syndikus Dr. T ä n z l e r- Berlin. Er teilte mit, daß die Vereinigung noch im Laufe dieses Jahres eine allgemeine Arbeitsnachweis- konferenz einberufen wird, in der über die Ausbreitung der Arbeitgeber-ArbeitS nach weise verhandelt werden soll. Dem Arbcitgeberverein in Krefeld, der augenblicklich in einem Kampf mit dem Textilarbeitervcrband steht, wurde die volle Unterstützung der übrigen Industrien und auch der Zentrale in der Forin zugesagt, daß die Krefctder Arbeitgeber sinanziell für die bisher gebrachten Opfer voll entschädigt werden sollen und daß ihnen auch die fiiianziKle Hilfe der neuen Vereinigung für die Folgezeil bis zur endgültigen Beendigung deö Kampfes zugesagt wurde. Die Mit- gliederversammlung erledigte weiter die Ausichußwahlen'und wählte etwa 49 Industrielle aus allen Teilen des Reiches und aus allen Industrien in den Ausschuß. Die übrigen Gegenstände der Tages- ordnung betrafen Berwaltungsangelegenheiten. In der mechanischen Weberei von S a lz m a n n u. Com p. in Einbeck legten am 27. Mai zirka 39 Spulerinnen die Arbeit nieder. Seit Wochen standen dieselben mit der Firma in Ber- Handlungen, um eine Lohnherabsctzung von 33 Proz. abzuwehren. Die Verhandlungen, die teilweise mit einer Arbeiterinnenkommts- fron und dem Arbeiterausschuß gepflogen wurden, führten zu keinem befriedigenden Ergebnis� Der Arbeitsverdienst auf Grund der 'LH. Glocke, Beri'n. Druck». Verlag:P«?rwä«sBuchdr.>t VerlagsanstaH neuen Löhne blieb in fast allen Fällen um ein Drittel des frühe* erreichten Lohnes zurück. Die Firma, welche neue Maschinen zur Einführung gebracht hatte, führt den Mindervcrdienst auf die „Faulheit" der Arbeiterinnen zurück und kani nur mit ganz� Win- zigen Zugeständnissen in den Verhandlungen herbei. Die Spule- rinnen reichten deshalb die Kündigung ein, sie legten aber, weil die Firma mit Entlassung einer Spulerin glaubte die Widerstands» kraft der Spulerinnen zu brechen, dann sofort die Arbeit nieder. Die Firma unterhält außer der Fabrik in Einbeck in Cassel, Mcl» siinge», Friedland i. Schl. und Ocderan i. S. gleichfalls Betriebe. Wir bitten alle arbeitcrfrcundlichen Blätter um Abdruck. Wegen Beleidigung der Führer des christlichen Bergarbeiter- Verbandes wurde am Dienstag der verantwortliche Redakteur für den sozialen Teil der„Frankfurter Zeitung" vom Schöffengericht Essen zu 59 M. Geldstrafe verurteilt. Der Beklagte hatte in der Nummer voni 3l. Dezember 1912 eine Zuschrift aus Bergarbeiter- kreisen veröffentlicht, in der die Lohnbewegung des christlichen Ver- bandcs im Saargebiet als eine Komödie bezeichnet worden war. Diese sei Udiglich in Szene gesetzt, um dem rapiden Mitglieder- rückgang, den der Gcwcrkverein im vorigen Sommer dort zu ver- zeichnen hatte, entgegenzuwirken. Die Vorbereitungen zu dem streik könnten unmöglich ernst gemeint gewesen sein. Dagegen spreche die Tatsache, daß die Christlichen die anderen Verbände brüskiert haben, anstatt mit ihnen gemeinsam vorzugehen, und ferner der Umstand, daß die Führer schon früher dem damaligen Staatssekretär, jetzigen Handelsminister Delbrück das Versprechen gegeben hätten, im saargebict auf das Strcikrccht zu verzichten. Ter Beklagte ließ durch seinen Verteidiger erklären, daß er den Beweis der Wahrheit nicht anzutreten gedenke, sofern in dein Artikel, um dessen Aufnahme er gebeten worden und der auch für die„Frankfurter Zeitung" als Handelsblait und deren Leser von erheblicher Bedeutung gewesen, eine Beleidigung erblickt würde, nehme er den Schutz des sj 193 in Anspruch. Der Vertreter der Kläger, Rechtsaiüvalt Wallach, lvollte den Handelsmimster als Zeugen vernommen wissen. Dieser sollte die Unrichtigkeit der Behauptung, den Verzicht auf das Streikrecht betreffend, bezeugen. Dos Gcricht lehnte den Antrag ab, das Gericht sei nicht dazu da, dem Kläger den Weg zur Führung des negativen Beweises zu ebnen. Bemerkt sei noch, daß in einem anderen Prozeß Herr G i c§- b e r t s bei seiner kommissarischen Vernehmung erklärt hat, er wisse nichts von einer derartigen Erklärung gegenüber Herrn Tel- brück. Dieser selbst hat bisher noch keine Gelegenhc.it genommen, sich zu der Sache zu äußern. ZZuslana. Zum Streik der Mailänder Metallarbeiter. Rom, den 28. Mai 1913. lPrinvattelcgramm des „V o r w ä r t S".) Heute früh wurde der Syndikalist Corridoni, der Führer des Mailänder Metallarbeiterstreiks, verhaftet, weil er für einen Solidaritätsstreik der gesamten Arbeiterschaft Propagandan machte. Die Verhaftung gab zu lebhaftem Wider- stand der Syndikalisten Anlaß. Da sämtliche shndikasistischen Straßenbahner streiken, fahren die Straßenbahnwagen unter Kavallcriebedeckung. Der Straßenbahnverkehr wird vielfach durch Errichtung kleiner Barrikaden gestört. Nur der syndikalistische Teil der Arbeiterschaft ist an der Bewegung beteiligt. Letzt* Nacbrichte»« Hetze gegen die französischen Lcljrersyndikate. Paris, 28. Mai.(W. T. B.) Senat. Bei- Beratung des Untcrrichtsbudgets interpellierte Lamarzelle(Rechte) den Minister über den Antimilitarismus in den Lchrecvcrcinigungcn. Er er» inncrte daran, daß die Teilnehmer des Kongresses von Chamcrn die Confederation du Travail und den„Sou du Soldat" niemals desavouiert hätten.(Unterbrechungen links. Rufe: Nur eine kleine Minderheit der Lehrer ist unpatriotisch.) Ter Interpellant unter» strich seine Ausführungen und versicherte, die Freundschaftsbünde der Lehrer gehorchten blind einigen Syndikalisten, die mit dem Arbcitsverbandc Verbindung unterhielten. Er warf den Anti» Militaristen unangebrachte Verdächtigungen gegen den kriegerischen Geist vor, bei denen vergessen werde, daß der Krieg noch immer eine Notwendigkeit sein könne.(Widerspruch links.) Der Redner wies aus die Jugend in Frankreich hin, die einmütig bereit sei, dem Vaterlande die geforderten Opfer zu bringen, den einzigen Mißton brächten einige Lehrer da hinein. Ministerpräsident Barthou erkannte an, daß die Lehrersyndi» kate ungesetzlich seien und erklärte, es sei eine unzulässige Forde» rung der Lehrer, sich dem ArbcitSverbande anschließen zu dürfen. (Beifall.) Er sei sich mit Lamarzelle einig über die Ungesetzlichkeit der Agitation des Arbeitsverbandes.(Lebhafter Beifall.) Dieser stelle sich damit außerhalb des Gesetzes von 1884, welches nur Forderungen wirtschaftlicher Art zulasse.(Beifall.) Gegenwärtig könne man nur die Auflösung des?lrbeitsvcrbandcs und eine Geldstrafe von 299 Franks durchsetzen, aber das Gesetz von 1894 gestatte. Vergehen, die in den Kasernen durch geyüsse Agitationen hervorgerufen seien, zu verfolgen. Die Propaganda des Arbcitsverbandes sei verab, scheuungswürdig und verbrecherisch. Auf Grund des Gesetzes von 1894 sei eine Untersuchung eingeleitet. Wenn das Gesetz als un- genügend anerkannt werden sollte, wird die Regierung neue G c- setze fordern.(Beifall.) Barthou erklärte ferner, wenn die Verfolgungen von syndizier- ten Lehrern eingestellt worden wären, so sei das infolge des Am- nestiebeschlusscs geschehen. Aber nach dem Kongreß in Chambery seien Strafen gegen eine gewisse Anzahl von denjenigen, welche sich dem Manifest der Bataillc syndicaliste angeschlossen hätten, vcr- bangt worden. Wenn die Syndikate sich wieder bildeten, so würden schwerere Strafen folgen. Uebrigens gebe es nur etwa 39 Lehrer- syirdikate mit etwa 1999 Mitgliedern unter den 15 999 Lehrern, die in Elementarschulen unterrichteten. Auch wiesen die Frcundschafts- bünde der Lehrer den Antimilitarismus zurück. Der Minister- Präsident schloß damit, das Land habe auf den Ruf der Regierung gehört, als sie die Verlängerung der Militärdicnstzeit gefordert hätte und die Lehrer würden den Notwendigkeiten des Augenblicks Rechnung tragen. Sie könnten wirksame Lehren nur dann geben, wen sie ihnen die unwiderstehliche Unterstützung ihres eigenen Beispiels zuteil werden ließen.(Lebhafter Beifall auf vielen Bänken des Hauses.) Ter Senat nahm dann mit 258 gegen 17 Stimmen eine Tages- ordnung an, durch welche die-Erklärungen der Regierung über die Lchrcrsyndikatc gebilligt werden. Tic belgische Heeresreform in zweiter Lesung angenommen. Brüssel, 28. Mai.(W. T. B.) Die Kammer bat die Heeresreform in zweiter Lesung mit 104 gegen 62 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen angenommen. Beim Baden ertrunken. Crossen a. O., 28. Mai.«W. T. B.) Beim Baden in der Oder gcril-t die löjäbrige Tochter Margarethe des WcinbcrgSbcsitzer» K c l l c r in eine tiefe Stelle und ertrank. Der Bräutigam ibrer älteren Schwester, der Bankbeamte Otto Hildebran� aus der Dresdener Straße in Berlin, welcher ebenfalls mit zwei Schwestern der Keller badete, kam bei dem Versuche, die Ertrinkende zu retten, gleichfalls umsLeben._ Haul Singer � Co., Berlin LVV. Hierzu 4 Beilagen u.Untcrhaltvnasbl. Nr. 131. 80. Jahrgang. Jemtlf Jitrlintt AlkMM Donnerstag, 29. Mai 1918. i Reichstag» 163. Sitzung. Mittwoch, den 28. Mai 1913. nachmittags 2'/z Uhr. Am BundeSratZtisch: Dr. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation Alb recht isoz.s und Genossen betreffend Einschränkung des Vereins- und dcS PreßgesctzcS in Elsaß-Lothringen. Staatssekrerär Dr. Delbrück erklärt sich bereit, die Interpellation Ende der SS-oche zu beantworten. Es folgt die zweite Beratung des Reichs- und Staats- angehörigkeitsgesctzes. 8 1 lautet nach dem KommissionSbeschlutz: .Deutscher ist. wer die Staatsangehörigkeit in einem Bundes- staate oder die unmittelbare ReichSangehörigkeit besitzt." Ein Antrag Herzog beantragt Wiederherstellung des 8 1 der Regierungsvorlage, wonach die Reichsangehörigkeit durch die Staats- angehörigkeit in einem Bundesstaate erworben wird. Abg. Landsbcrg iSoz): Wir hoffen, dast in einer nahen Zukunft das Prinzip der un- mittelbaren Reichsangehörigkeit allein zur Durchführung gelangt, da wir den lebhaften Wunsch haben, daß jeder Bürger des Reichs das Bewußtsein haben möge, unmittelbarer Angehöriger des Deutsche» Reichs zu sein. Wir behalten uns vor, eine Resolution in diesem Sinne zu unterbreiten. Den Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage lehnen wir ob. Der Entwurf der Regierung hatte zum Ausgangspunkt den§ 2l des jetzigen Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes, Ivo- nach nach siebenjährigem Aufenthalt im Auslande ein Deutscher seiner ReichSangehörigkeit verlustig ging, wenn der Deutsche cS unterlassen hatte. seinen Namen in die Matrikel des zuständigen Konsuls eintragen zu laffen. Die Erkenntnis der Regierung, diese Bestimmnng zu beseitigen, konnte der Reichstag dazu benutzen, um das Gesetz überhaupt von dem Staub der Per- gangenheit zu reinigen. Diese günstige Lage hat die Kommission leider nicht genügend ausgenutzt. Sie hat zwar den Regierungs- entwurf in Einzelheiten verbessert, ist dabei aber mit unverkenn- barer Zaghaftigkeit vorgegangen, hat wertvolle Anträge zurückgewiesen, ja, sie hat sogar eine erhebliche Ber- schlechterung des RechtszustandeS gutgeheißen. Diese liegt darin. daß fortan nicht mehr jeder Bundesstaat souverän ist auf dem Gebiete der Einbürgeruirn. iHört! hört bei den Sozialdemokraten.) Es können vielmehr von einem der übrigen Bundesstaaten Bedenken gegen die Einbürgerung erhoben werden, und die Entscheidung, ob das Bedenken berechtigt ist. trifft der� Bundesrat. Diese erhebliche Verschlechterung im§ 7a des Gesetzes wird dadurch nicht behoben, daß man hineingeschrieben hat, die Bedenken müßten auf Tatsachen gestützt werden. Wir haben in der Kommission nach verschiedenen Richtungen Anträge gestellt, deren Annahme dem wahren Fortschritt erheblich gedient hätte. Zunächst haben wir die Gleichberechtigung der deutschen Frauen beantragt. Nach dem Gesetz verlieren die deutschen Frauen in dem Augenblick der Eheschließung ihre Staats- und ReichSangehörigkeit. Die deutsche Frau wird also behandelt als ein Appendix(Anhängsel) des Mannes, den sie heiratet. Aber unser Antrag, der Frau daS- selbe Recht zu gewähren, das der Mann hat, wurde von samt- lich�n bürgerlichen Parteien abgelehnt. Es ist unbegreiflich, daß dieselben Herren, die sonst daS National- gefühl so außerordentlich hoch schätzen. eine deutsche Frau mit dein Verlust der ReichSangehörigkeit bestrafen, wenn sie einen Ausländer heiratet. Noch dazu in einem Gesetz, das nach der Absicht seiner Väter dem Deutschtum Kräfte er- halten soll. Ueber die Proteste der Frauen hat man sich hinweg- gesetzt, was um so wunderbarer ist in einer Zeit, in der sich alle Parteien mit Recht die politische Mithilfe der Frauen recht gern gefallen laffen, und sozusagen Amazoncnkorps gebildet haben. Sollen denn die Frauen lediglich Pflichten haben und keine Reckte? Man hat gesagt, das Band der Ehe sei so innig, daß für verschiedene Nationalitäten innerhalb der Ehe kein Raum sei. Als ob die deutsche Frau nicht mehr deutsch empfände, wenn sie nicht mehr den deutschen Namen hat! Mit dem- selben Recht könnte man verlangen, daß in einer Ehe nur daS religiöse Bekenntnis des Mannes gelten dürfe.— Dann hat man gesagt, eine Reihe von Gesetzen und internationalen Verträgen hätten die Zugehörigkeit der Eheleute zum gleichen staatlichen Verbände zur Voraussetzung. Angenommen, da§ wäre richtig, so möchte ich doch fragen: sind denn die Menschen um der Gesetze und Verträge wegen da, oder die Gesetze und Verträge der Menschen wegen.�(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Deutschen, die einen Staatenlosen heiratet, will die Kommissionsmehrheit die deutsche Staatsangehörigkeit lassen. Hier scheint also die Ehe nicht als ein so inniges Band angesehen zu werden, daß es in ihr nicht verschiedene StaatSzugehörigkeiten geben dürfte. Eine Konsequenz des durch die Vorlage geschaffenen RechtszustandeS müßte sein, daß auch eine Ausländerin, die einen Deutschen heiratet, ihre Staats- angehörigkeit behält. Wir beantragen für diesen Fall, ihr ein Recht auf den Erwerb der Staatsangehörigkeit des Mannes zu geben. Wir haben weiter beantragt, daß Deutschen der Erwerb einer anderen deutschen Staatsangehörigkeit erleichtert werden soll. Schon jetzt hat jeder Deutsche ein Recht auf Aufnahme in jeden Bundesstaat, wenn nicht das' Freizngigkeirsgesetz seine Abweisung oder Ausweisung gestattet. Es ist nicht einzusehen, warum dann noch die Behörden bei der Frage der Aufnahme überhaupt mit- zureden haben sollen. Jeder Deutsche wird selbstverständlich dort, wo er seinen Wohnsitz nimmt, auch Staatsbürger sein wollen. Die Verbündeten Regierungen haben diesem unserem Antrage widersprochen, obgleich sie sich damit selbst mit ihrer Absicht in Widerspruch setzen, die mehrfache Staatsangehörigkeit innerhalb des Deutschen Reiches im Prinzip abzuschaffen. Die Ver- bllndeten Regierungen haben gegen unseren Antrag eingewendet, man müsse darauf sehen, daß jeder Deutsche einen Ausweis für seine Staatsbürgerschaft habe. Nun, ich weiß nicht, ob auch nur jeder hundertste Deutsche in der Lage ist, seine Staats- bürgerschaft durch ein Papier nachzuweisen, wenn nicht etwa einer seiner Ahnen dekoriert oder geadelt tvurde, oder unter seinen Vorfahren einer als Beamter eingestellt wurde und da- durch das Staatsbürgerrecht erhielt.(Heiterkeit lmlS.) Wir haben weiter den'Eventualantrag gestellt, das Staatsbürger- recht an den Erwerb des IlnterstützungSwohnsitzes zu knüpfen. Das hiergegen erhobene Bedenken, daß Bayern den Unter- stützungswohnsitz noch nicht habe, ist dadurch beseitigt, daß Bayern den Antrag beim Bundesrat gestellt hat, das Gesetz über den Unterstützungswohnsitz auch in Bayern einzuführen. Schließlich haben wir in der Kommission den Versuch gemacht, persönlich einwandfreien Ausländern, die eine gewisse Zeit in Deutschland gewohnt haben, ein Recht auf Einbürgerung zu gewähren, mindestens aber solchen Ausländern, die aus der Ehe zwischen einem Ausländer oder Heimatlosen und einer bis zur Eheschließung deutschen Frau hervorgegangen- sind. endlich solchen Ausländern, die in Deutschland geboren sind und sich bis zur Volljährigkeit ohne wesentliche Unterbrechung in Deutschland aufgehalten haben. Personen der letzten Kategorie sind doch zweifellos Deutsche, sie haben keine andere Heimat, haben deutsche Schule und Bildung genossen und ihre Duldung in Deutschland beweist am besten, daß gegen sie nichts einzuwenden ist. Jnfolgedeffen ist es ein dringendes Gebot, wenigstens diesen Deutschen einen Anspruch auf die Einbürgerung zu geben. Man hat das abgelehnt, weil angeblich nirgendwo in der Welt ein Recht für Ausländer auf Einbürgerung bestehe. Wenn unsere Anträge gut sind, so würde das doch kein Grund sein, sie abzu- lehnen, am allerwenigsten in einem Lande, das doch bekanntlich in der Welt voran ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber eine ganze Reihe von Staaten haben gesetzliche Be- stimmungen, die unseren Anträgen vollkommen entsprechen, so Belgien, Frankreich, Italien— also Staaten, in denen doch ein Nationalgefühl herrscht, das man uns gern als vorbildlich hin« stellt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Enttoickelung dieses Nattonalgefühls scheint aber das Einbürgerungsrecht für solche „Ausländer" in leiner Weise hinderlich zu sein. Wir aber haben nicht einmal die Bestimmung durchsetzen können, daß Fa« Milien, die seit zwei Generationen in Deutschland leben, bis zum Beweis des Gegenteils als Deutsche zu gelten haben. Wenn die Behauptung, daß kein Staat jemals soweit ge- gangen sei, wie es Deutschland nach unseren Anträgen tun soll, so richtig wäre, als sie in Wirklichkeit falsch ist— was würde das besagen? Wo in aller Welt ist ein Staat, der die Einbürgerung so weit einschränkt, wie Deutschland und namentlich Preußen. Nennen Sie mir einen Staat— natürlich von Rußland abgesehen— der grundsätzlich Gesinnungen ächtet, wie es Preußen tut, für den die Einbürgerung eines Sozialdemokraten oder eines freigewerkschaftlich Organisierten niemals in Bettacht kommt und der durch seine Polizei bei jedem Einbürgerungsantrag nachforschen läßt, ob der Mann nicht vielleicht sozialdemokratische Versammlungen besucht oder sozialdemokratische Zeitungen liest?(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nennen Sie mir einen Staat, der es fertig bekommen würde. Heimatlose so zu behandeln, wie das Preußen gegenüber den Unglücklichen tut, die durch eine Unglück- selige Bestimmung des dänischen Staatsrechts zu Staatsloscn gemacht und nun ein Fangball sind in den Händen der preußischcu Behörden! Geht einer dieser 2000 Staatenlosen in der Nordinmk Preußens eine Ehe ein, sei es mit einer Dänin, einer Staatenloi n oder einer Preußin, dann wird von ihm verlangt, daß er aus dem Gebiet, in dem er sein ganzes Leben lang gewohnt, wo er seine Familienbcziehungen hat und die Arbeitsverhältnisse kennt, n'.n wandert nach dem rein deutschen Gebiet, dessen Sprache er nicht ein- mal beherrscht! und wenn er sich nicht fügt, wird er a u i gewiesen mit seiner Frau, auch ivenn diese bis zu ihrer Verehelichung Deutsche gewesen ist.(Hört! hört! bei d.n Sozialdemokraten.) Unter diesen Verfolgten sind Leute, deren deutsche Staatsangehörigkeit von preußischen Gerichten festgesteiii ist, was aber die Verwaltungsbehörden nicht gelten lassen. Und es sind darunter, wie Abg. Haussen hier mitgeteilt hat. Männer, d ie in der deutschen Armee gedient, ja sogar solckc. die ihr Blut im Kriege für Deutschland vergosscn haben.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten! Die preußische Regierung hat diese Angaben nicht dementiert! (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Echt preußisch!) Wo ist schlier,- lich ein Staat, von Rußland immer abgesehen, der Einbürgerung? antrage verschieden beurteilt, je nach dem Glaubensbekenntni de§ Anttagstellers und der namentlich Juden unbedingt zurückweist, wenn sie nicht gerade besondere Protektion habca. Wenn ein solcher Mißbrauch getrieben wttd mit dem freien Ermessen, dann muß dem durch gesetzliche B e st i m rn u n g e n ein Ende gemacht werden. Die Kommission?- Mehrheit aber hat den§ 7a beschlossen, der die preußische Praxi? auf das ganze Reich überträgt, so daß fernerhin kein Bunde.- staat eine liberalere Praxis walten lassen darf. Man sagt, daß die im Interesse des Reiches nötig sei. Aber das Reich ist 42 Jahic lang ohne diese Bestinimung ausgekommen und dadurch nicht gr- fährdet worden. Kann man einem Bundesstaat das Vertrauen nicin entgegenbringen, daß er nicht selbst prüfen wttd, ob eine Ein bürgerung dem Wohle des Reiches nachteilig sein würdc i Denkt man den Gedanken zu Ende, daß das Reich überall da eingreifen dürfe oder müsse, Ivo eS interessiert ist, lo kommt man zu eigentümlichen Konsequenzen, die vielleicht der Regierung nicht sehr gefallen werden. Schließlich geschieht nichts m einem Bundesstaat, was nicht für das Reich von Interesse wäre. Wenn zum Beispiel in einem Bundesstaat ein Wahlsystem lx steht, das elend und widersinnig und dessen Reform eine der wichtigsten Ausgaben der Gegenwart ist, das die breiten Massen der Bevölkerung entrechtet und sie deshalb landesverdrossen und reichsverdrossen macht.(Stürmisches Sehr gut! bei dcn Sozialdemokr.)— wollen Sie dann dem Reich die Möglichkeit geben. dieses Wahlsystem von sich anZ zu ändern.(Erneutes lebhaftes Sei gut! bei den Sozialdemokraten.) Konsequent wäre es eigentlick Man hat sich begnügt, in dem 8 7» zu sagen, daß die Bedenken, dic ein Bundesstaat gegen eine Einbürgerung erhebt und über die dcc Bundesrat entscheidet, nur auf Tatsachen g e st ü tz t werdcn können, welche die Besorgnis rechtfertigen, daß die Einbürgerung de• Antragstellers das Wohl des Reiches oder eines Bundesstaates ge- fährden würdc. Wer kontrolliert daS? Schon jetzt wird doch lein Bundesstaat sich mit dem mächtigen Preußen in Widerspruch gesetzt haben. Denken Sie doch daran, wie manche Bundesstaaten bei den Schiffahrtsabgaben ihre wichtigste» Interessen Preußen geosifq: haben. Die preußische Regierung hat uns dersichert, daß k o n< f e s s i o n e l l e Momente nicht in Betracht kommen sollen, ebenso- wenig wie bisher. Aber am 6. Februar 1991 verordnete dc. preußische Minister des Innern:„Nach den in dieser Beziehung bc stehenden Grundsätzen ist die Naturalisation der im Inland geborenen oder aufgewachsenen Söhne auSländisch-jüdischcr Gewerbetreibenden im allgemeinen auf die Fälle zu beschränken, in denen die Erfüllung der M i l i t ä r d i e n st p f l i ch t nach amtsärztlichem Gutachten nl? gesichert zu erachten ist: Ausnahmen sollen nur zugelassen werden, ivenn besondere Umstände in dem einen oder anderen Fali die Einbürgerung als im staatlichen Interesse wünschenswert er- scheinen lassen." Die preußische Regierung hat erklärt, sie könne nicht zugeben, daß dieses Schreiben da« Beffchen besonderer Grund- sätze für die Behandlung der EinbürgerungSanträge auslänbischc' Juden in Preußen beweise.(Hört I hört I links.) In Königs- b e r g lebt eine ganze Anzahl russischer Kommissionäre deren Tätigkeit fiH die beiderseitig en Handelsbeziehungen so not- wendig ist. daß Man ihnen auf Verwendung der Handelskammer die Niederlassung gestattet hat. Eine ganze Reihe dieser Kommissio- närc hat deutsche Frau en geheiratet. Diese deutschen Frauen haben die größten Schwierigkeiten zu überwinden, darni' man auch ihnen daS Verweilen im Inland gestattel.(Hört! hört!) Rleines feuilleton. Die Sanunelwut.„Der Deutsche" sammelt. Er sammelt des SammelnS wegen. Recht wohl fühlt er sich aber erst, wenn er dem natürlichen Spicltrieb einen wissenschaftlichen Schein geben kann. Der Deutsche ist sehr ernst. Alles muß einen Zweck haben. Die Kunst hat ihn nicht und deshalb erscheint sie dem Deutschen zwecklos. Ilm ihr aber doch eine Daseinsberechtigung zu geben, wurden dic Philologen erfunden. Sie beschäftigen sich im lvesentlichen damit, der Menschheit die Kunst zu verleiden. indem sie sie zu einer �Angelegenheit der sogenannten Gebildeten machen. In der Schule als Lehrer, an der Universität als Geheime Rcgierungsräte. Sie zählen Goethes Verse ab, untersuchen Schillers Totenschädel, spüren Heines Liebschaften nach. Sie kennen die Schulden Mozarts, die Ohrenkrankheit Beethovens und die Eben Richard Wagners. Sie betteten die Stätten, die ein großer Mensch betrat. Sie sammeln seine Fußtapfen, seine Asche, seinen Aschbecher, seine Federhalter, seine Tinte, soweit sie nicht so verttocknet ist, wie das eigene Gebirn. Aber die Zeiten sistd schlecht. Tausende haben schon gesammelt, was in den Kehricht gehört. Die geistigen Müllkästen sind über- füllt. Nicht der geringste Lumpen der Klassiker blieb unverwertet. Uebrig blieben nur die Philologen. Arbeitslose. Die lebenden Künstler leben eben noch. Sie dürfen erst nach dreißig Jahren verwertet werden. Da hilft den Arbeitslosen das neugegründcte Oeutsche Buchhandelsarchiv. Warum soll man, so sagten sich die Herren, nur Gegenstände und Schriftstücke berühmter toter Künstler sammeln? Nein, man sammle alle Gegenstände und alle Schriftstücke. Die Archivare haben Arbeit und unter ihrem Gehirn wird alles Wissenschaft. DaS Deutsche Buchhandelsarchiv richtet an alle Buchhändler und B-rlsger(wörtlich)„die Anfrage, ob sich in Ihrem Besitze... Material befindet, das zur Vernichtung bestimmt ist. oder das Sie, ohne es der Vernichtung preisgeben zu wollen, im Interesse der Raumausnutzung gern ausscheiden würden, oder das bei Ihnen lagert, ohne für Sie von Wert zu sein oder in absehbarer Zeit einer Ordnung und Verwendung emgegen zu sehen..." DaS alles sammelt von nun ab daS Deutsche BuchbandelSarchiv. Ausdrücklich gewünscht werden:„Geschäftspapiere, Briefwechsel und einzelne Briefe, Konzepte und Entwürfe. Akten und Akten- kopien. Inventar st ücke aus älterer und alter Zeit." Das alles wird dort gesammelt, registriert, numeriert, und für ewige Zeiten aufbewahrt. Kein Löschblatt aus älterer Zeit, keine Faktur auS alter Zeit kann mehr umkommen. Jeder Briefwechsel findet seinen Herausgeber, jedes Konzept seinen geistreichen Erklärer, jede Akten« lopie seinen originalen Doktor. Die bekannten ungeahnten Perspektiven eröffnen sich wieder einmal. Was dem deutschen Buchhandel nichts mehr wert ist, kann auch der ge- samte übrige Handel entbehren. Jeder Handeltreibende hat einzelne Briefe, Entwürfe, Aktcnkopien und vor allem ältere Juventarstücke. Hin damit zu den Männern der Wissenschaft. JedeS Material, daSzur Vernich- mng bestimmt ist, läßt sich sammeln und ordnen. BeiLebensmittelsirmen können die Chemiker zu Hilfe gezogen werden, um die Jnventarstücke aus älterer Zeit der unverdienten Vernichtung zu entziehen. Alles was besteht, ist wert, daß eS gesammelt wird. Raum für alles hat das Archiv. DaS Deutsche BuchhandlungSarchiv hqt die letzten Möglichkeiten für Philologen erschöpft. Trauernd steht nur der ehrbare Lumpen- sammler vor den leeren Müllkästen. Freudig atmet dic deutsche Kunst auf. Sie ist die Gebildeten los und kann sich wieder dem freien Menschen in die Arme werfen. Heinrich von Rcdcrs Feldpostbriefe wurden vor einiger Zeit in sozialdemokratischen Blättern— zuerst int„Vorwärts"— der Oefsentlichkeit unterbreitet. Das hat nun einige Blutsverwandte des verstorbenen Dichters schlimm gewurmt. Sic geben in einem Mnnchener Blatt Erklärungen ab, daß sie mit den Veröffentlichun- gen nichts zu tun hätten und sie bedauerten. Tie„Münchcner Post" dient diesen Herren mit der erforderlichen Verwahrung gegen die Unterstellung, daß wir dem Andenken H. v. Redcrs ein Unrecht zugefügt haben,' wenn mir seine guten Beziehungen zu unserer Presse hervorhoben. Unser Münchencr Parteiorgan stellt ausdrück- lich fest, daß der Verstorbene vielfach Beiträge an den Süddeut« schen Postillon" ider damals von Eduard Fuchs redigiert wurde) und an den„Wabren Jacob" geliefert hat.„Wie er bei der Reichstagswahl aestimmt hat. wissen wir aus seinem eigenen Munde. Wir Häven auch noch Briefe von ihm. in denen seine Ansicht über daS berrfchende System noch viel drastischer zum Aus- durck kommt, als in den veröffentlichten. Man verschone uns also mit dem Vorwurf der mangelnden Pietät, sonst müssen wir dcut- licher werden." Reder blieb bis an sein Ende ein ehrlicher Haffer jedes Unrechts und jeder Unterdrückung. Das zeigen seine zum Teil schwermütigen Gedichte aus den fünfziger Jahren so gut wie seine späteren Schöpfungen. Daß er darin nicht nachgelassen hat, beweist das Lied vom armen Kunrad. das den aussaugmschen Rittern und Pfaffen nnt dumpfem Trommelmarschton in die Ohren geschickt tvurde. Dies Lied entstand in den neunziger Jahren und ist zu finden in der Auswahl Rederscher Gedichte, die vor nicht langer Zeit im„Lese"-Vcrlag herauskam. Theater. Das Joses- Kainz-Theater, die Freilichtbühne am Kleinen Wonnsee, hat gestern am späten Nachmittag seine Auf- führungen mit GrillparzerS„Medea", dieser Tragödie der cnt- fesselten Leidenschaften, begonnen. Der Name des Theaters, daS auf dr oberen Uferterrassc des Seekanals angelegt ist, ist mehr als ein Lockruf; Rudolf Lorenz, der bewährte Begründer mehrerer ernsthafter Naturtheater, weiß, welche hohen künstlerischen Bei- pflichtungcn ihm die Erinnerung an Kainz— seinen Ansporner und Berater— auferlegt, und diese erste Aufführung war ein guter Anfang, der für die weitere Arbeit werbim wird. Der Spielplan, den Lorenz für den Sommer entworfen hat, nennt nin Werke, die sich für dic Freilichtbühne bereits als geeignet erwiesen haben: lauter Dramen von dichterischer Bedeutung, fast sämtlich erste Werke der deutschen und der Weltliteratur: Schiller, Goethe, Shakespeare, Grillparzer. Dic Kraft solcher Dichter ge- hört allerdings dazu, wenn das dramatisch geformte Leben in dem himmeloffncn, breitausliegendcn Räume des Naturtheaters bc- stehen will, Grillparzers Drama war diesem Räume gewachsen. Zweifellos, es ist in die eng begrenzenden Dimensionen der geschlossenen Bühne hineingeformt; aber über die räumliche Ans- Ivckerung kam es bei der gestrigen Ausführung ohne schwere Bc- cinträchtigung hinweg. Nur der breitgefaßte letzte Akt schien dem großen Raum merklicher zu widerstreiten. Aber die kunst- bewußte Regie weih ihr mit besonderen Schwierigkeiten bepflanztes Feld erfahren zu beackern. Ter Hintergrund mit seinen durch Baum, Busch und Wege getrennten drei szenischen Bauten stützt die Akustik, die. von allen Sprechplätzen aus schlechtweg vorzüglich ist und schauspielerisch bis auf geringe Verfehlungen sehr wirksam aus- genützt wurde. Mit den schauspielerischen Kräften, die Rudoli Lorenz für sein Werk gewonnen hat, ist ein Gelingen der Arbeit möglich. Erna Maneggs Medea, Karl Bernhardts Jason sicherten die Wucht des mit unerbittlicher Notwendigkeit zu Schreckenshöhen rachedürstender Leidenschaft emporgetriebenen TramaS. Sie haben physisch die ausdauernde Kraft, die das Theater im Freien fordcri (die Darstellerin der Gora hatte sie nicht), ober man wird auch sagen dürfen, die Freilichtbühne half ihnen und dem Werke. Eine Schauspielerin von großem Ruf, die vor einigen Jahren noch die Nkedea mit den spreche.rischen Mitteln, dic das klassische Drama entwickelt hat, zu verkörpern suchte, machte die Gestalt durch das laute Ucoermaß leidenschaftlicher Erregung schier unerträglich. Hier aber schliff dic Naturbühne die höchsten Ekstasen der Leidenschast sehr zweckmäßig ab. Mit dem Ergebnis: das Leben, das dort auf der Bühne rang, wurde wirklicher.— Das Kainztheater spielt fortan täglich, und in einigen Tagen wird alles, was an der Herrichtung des BühnenplatzeS und des in flachem Halbrund vor die Bühne ge- legten Zuschauerabtcils heute twch fehlt, erfreulich fertig sein. tkrck. Humor und Satire. An Elsaß. Tja. tja, liebes Elsaß, wir gehen aufs ganz«. Wir schmettern kaputt, was uu« stört, Wir lehren dich.Heil dir im GiegeSkranze* Mit Staatsanwalt, Zuchthaus und Schwert. Die Söhne aus diesen Ehen aber werden, wenn sie das neunte Lebensjahr erreichen, aus Preußen ausgewiesen und nur ausnahmsweise wird diese Verfügung dann zurückgenommen, wenn durch kreisärztliches Attest bescheinigt wird, daß es untunlich ist, das in Betracht kommende Kind von seinen Eltern zu trennen. Aber— konfessionelle Momente spielen keine Rolle! I(Hört! hört!) Dem Z 7a stehen wohl einige geringe Verbesserungen gegen- über, so daß der Witwe oder geschiedenen Frau, die vor ihrer Verehelichung Deutsche war. ein Einbürgerungs- rechts nach � der Trennung der Ehe durch Tod oder Urteil gewährt wird, aber nur, wenn sie unbescholten ist— und was preußische Behörden für eine Auffassung von Unbescholten- heit haben, hat der Fall Düwell uns gezeigt, wo ein junger Mensch die Unbescholtenheit dadurch verlor, daß er wegen lieber- tretung des R.-V.'G. zu ö Mark Geld st rase verurteilt worden war.(Hört I hört!) Auch Ausländer, die im Heere gedient haben, erhalten ein Einbürgerungsrecht, aber auch nur in sehr zag- hafter Weise. Wenn ein Ausländer ein Jahr im deutschen Heere gedient hat und dann den EinbiirgerungSantrag stellt, dann soll er sich gefallen lassen müssen, daß die Verwaltungs- vehörde endgültig darüber entscheidet, ohne daß er das Recht hätte, auf die Entscheidung einer Gerichts- bchörde anzutragen. Die Phrase, daß das Wohl des Reiches oder eines Bundesstaates durch seine Einbürgerung gefährdet, würde, wird init� derselben Leichtigkeit aus der Feder der Verwaltungsbehörde fließen, wie jetzt die stereotype Redensart: der Einbürgerungsantrag wird zurückgewiesen, weil kein staatliches Interesse für ihn'vorliegt. Das Verwaltungs st reitverfahre n muß zulässig sein in all den Fällen, wo das Gesetz ein, wenn auch nur bedingtes Recht auf Einbürgerung einem Nichtdeutsckien gewährt, sei er früher Deutscher gewesen oder nicht. Ich hoffe, daß es mir gelungen ist, Sie von der Richtigkeit meiner Gründe zu überzeugen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bclzcr(Z.): Ganz so schlecht wie der Vorredner den Entwurf kritisiert hat, ist er wohl doch nicht, denn seine Freunde in der Kommission haben nicht dagegen gestimmt, sondern sich der Stimme enthalten. Wir erwarten von dem Gesetz eine wesentliche Förderung des Deutschtums. In der Einheit der Fa- milie erblicken wir eine der wichtigsten Grundlagen des Staates, daher bleiben wir bei der Forderung, daß die Frau die Staats- angehörigkeit des Mannes hat.(Sehr richtig! im Zentr.) — Daß bei der Behandlung von Naturalisationsantragen vielfach Fehler von den Verwaltungsbehörden begangen worden sind, geben wir zu. Aber einen Rechtsanspruch des Ausländers auf Na- turalisation erkennen wir nicht an. Im allgemeinen sollen Aus- länder nur naturalisiert werden, wenn Deutschland einen Gewinn davon hat. Wir wollen nicht, daß Scharen von galizischen Hausierern oder mittellosen russischen Arbeitern naturalisiert werden.(Sehr richtig I im Zentrum.)— Das Einspruchsrecht der Bundesstaaten gegen die Einbürgerung in einen anderen Bundesstaat ist deshalb gerecht- fertigt, weil es bekannt ist, daß heute einzelne Bundesstaaten sehr leicht naturalisieren und daß durch die Naturalisation in einem Bundesstaat ohne weiteres die Ncichszugehörigkeit erworben wird. Abg. Bcck-Heidelberg(natl.j: Auch wir sind der Meinung, daß das Gesetz uns einen wesentlichen Schritt vorwärts bringen wird. In gewissem Sinne werden natürlich auch politische Momente ausschlaggebend sein für die Naturalisation, lvkan kann dem Staat nicht zumuten, daß er Elemente aufnimmt, von denen er von vorn- herein weiß, daß sie Bestrebungen verfolgen, die seinen Zwecken zuwiderlaufen. Wenn Sie(zu den Sozialdemokraten) Staat wären, würden Sie noch viel schärfer in dieser Richtung vorgehen. Abg. Dr. Girse(k.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit den Kommissionsbeschlüssen. In der Staatszugehörigkeit der Ehefrau stehen wir ganz auf dem Standpunkte des Zentrums. Ebenso können auch wir nicht jedem Ausländer ein Recht auf Er- Werbung der Staats- und Reichszugehörigkeit anerkennen, wie das die Sozialdemokraten wollen. Abg. Dr. Blunck(Vp.>: Wir begrüßen besonders freudig die Bestimmungen über den Erwerb einer direkten Reichszugehörigkeit. Allerdings ist das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem einzelnen Staate heute noch in den verschiedenen deutschen Staaten so lebendig, daß man toohl noch nicht einer Resolution zustimmen kann, die diese Staatsangehörigkeiten ganz beseitigen will. Be- dauerlich ist. daß der Grundsatz, daß die Geburt und Erziehung in einem Lande die Staatsangehörigkeit in diesem Lande ohne weiteres zur Folge hat, nicht durchgedrungen ist. Dieser Gedanke ist sonst in allen Staaten durchgeführt, er ist noch dazu uralten germanischen Ursprungs.(Hört I hört! links.) Auch in Ländern mir blühendem Nationalbewußtsein ist man liberaler wie bei uns. Den sozial- demokratischen Anträgen über die Beziehungen zwischen Eheschließung und Staatsangehörigkeit können wir nicht z u st i m m c n, sie widersprechen zu sehr den sonstigen internationalen Lechtsbestimmungen überdieEhe. Die Behauptung des Abg. Landsberg, iM 87adie allerdings bedenkliche preußische Praxis auf das Reich übWragen. soll, ist ein Anreiz, das zu tun. Um das auszuschließen, hat doch die Kom- Mission die Forderung nach Tatsachen zur Begründung des Ein- spruchs eingefügt. Es ist richtig, daß Juden in Preußen Du sollst es kapieren, wie lieblich vertraut se Die herrliche urdeutsche Sprach. Quatsch deutsch, vahstehste, sonst halte die Schnauze, Ick tipp Dir gewaltsam uffs Dach. Der Feldwebel Schulz ist Muster for'd Reden Und Muster och for det Gefiehl. Die Hauptsache bleibt: völkisch deutsch zu verblöden Und Ausdauer führt da zum Ziel. U' g a d a h. Notizen. — Ein„österreichisches Pompeji" wird, etwas großsprecherisch, die alte Kelten- und Römerstadt A g u n t genannt, die man jetzt bei Lienz im tirolischen Drautal(Pustertal« svstematisch und unter der Leitung der staatlichen Zentralkommission für Denkmals- pflege ausgräbt. Für die Freilegung von 8000 Quadratmetern stehen 16 000 Kronen Staats- und Landesgelder zur Verfügung. Die früheren Probegrabungen des Professors Plonar haben einen Teil der Stadtmauer, die Unierbauten zweier Paläste, einen großen Mosaikboden, interessante Kreuzgewölbe, Wandmalereien, Tonscherben usw. zutage gebracht. Agnnt war eine lebhafte Handelsstadt der römischen Provinz Norikum. — Erinnerung a ir W h i st l e r. Als Whistler, der be- deutende englische Maler und Radierer, eines Tages die Skizzen seiner Schüler prüfte, brach er vor der Leistung einer Malerin, die ihre Landschaft purpurrot und grasgrün herunterpinselte, in die Worte aus:„Um Gottes willen, was malen Sie denn da?"„Ich male, waS ich sehe", antwortete die Dame gereizt.„Sie werden sich schön wundern, wenn Sie erst sehen, was Sie gemalt haben", sagte Whistler, indem er sich kopfschüttelnd entfernte. — John Lubbock gestorben. In London ist der englische Naturforscher John Lubbock, der iin achtzigsten Lebens- jähre stand, gestorben. Er ist einer der namhaften Gelehrten aus der Darwin-Zeit, denen die entwicklungsgeschicktlicbe und biologische Forschung Wichtiges verdankt. Ueber dieses Feld hinaus drang er zu klärenden Ergebnissen in die Urgeschichte der menschlichen Kultur vor. Viele seiner Werke sind auch in deutscher Sprache zur Wirkung gelangt. Sein Leben zeigt auch den Einfluß der Rnskin-Epoche. Ein Buch über„Die Schönheit der Natur" beweist, daß er die große und kleine Welt nicht bloß als experimentierender Forscher betrachtete. Sozial äußerten sich seine ästhetischen Neigungen in der Einführung des Bankfciertages— Baiik-Holiday— der in London alljährlich an einem August- Wochentage gefeiert wird und einer Anregung LubbockS(er war auch ein Großer im Reiche des englischen Bank- kapitals und avancierte als solcher zum Lord ApeburY) entstammt. nicht naturalisiert werden, aber die Verbündeten Regie- rungen haben uns vollständig darüber beruhigt, daß dieS künftig im Reich nicht der Fall fein wird. Diese Erklärung genügt uns. (Beifall bei der Volkspartei.) Abg. Dovlbek(Pole) spricht über die Behandlung ausländischer, polnischer Arbeiter in Preußen und die Ausweisungspraxis der preußischen Polizei. Abg. v. Licbcrt(Rp.) begrüßt das Gesetz und lobt die Arbeit der Kommission. Jeder Deutsche, der sich der französischen Fremden- legion, dieser außerhalb der Zivilisation stehenden Einrichtung ver- schreibt, sollte als Paria aus dem deutschen Volke für immer aus- geschlossen sein.(Beifall rechts.) Abg. Herzog(Wirtsch. Vg.) zieht die Regierungsvorlage in ihrer ursprunglichen Form der Kommissionsfassung vor. Der Aus- druck„Reichsangehöriger" war dem Ausdruck„Deutscher" vorzu- ziehen, der doch einen über den staatlichen Rahmen hinausgehenden völkischen Inhalt bat. Abg. Haegy(Elf.): In Elsaß-Lothringen sind vielfach Fälle von unberechtigter Verweigerung der Naturalisation vorgekommen. Daher haben wir an dem Gesetz ein großes Interesse. Wir sind dafür, daß Leuten, die zwei Jahre im Lande wohnen, die Naturalisation gewährt werden mutz. Damit schließt die Debatte. 8 1 wird in der Koinmissionssaffung angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Donnerstag 2 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung, kleinere Vorlagen). Schluß 6'/« Uhr._ Hiid der Partei. Aus den Organisationen. Der Parteiverein Randow-Greifenhagcn hat in den nucn Monaten des diesmaligen Geschäftsjahres nur eine gerrnge Mitglicdersteigerung erzielen können. Die Mitgliederzahl stieg nur von 4143 ans 4468. Die Zahl der Genossen ist seit dem 1. Juli 1912 um 3 gesunken, mährend die Ziffer der organisierten Genossinnen um 28 stieg. Wenn ailch der Kreis Greifenhagen rein ländlich ist und dadurch das Vordringen der Sozialdemokratie erschwert wird, so ist dafür der Kreis Randow so stark industriali- sicrt, daß dies bescheidene Resultat unserer Agitationsarbeit kaum eine Erklärung findet. Denn an propagandistischer Tätigkeit hat es die Kreisleitung nicht fehlen lassen. In 16 allgemeinen öffent- lichen Versaininlungen wurde die Stellung der Sozialdemokratie zu den politischen Fragen der letzten Zeit beleuchtet und in neun öffentlichen Fraucnversammlungen die Frauen für die Partei ge- tvorbcn. Außerdem wurden, inkl. der Flugblätter, 132 500 auf- klarende Schriften, 28 000..Volkskalender" und 4000 Broschüren: „Ist der Militarismus ein Segen oder ein Unglück für das Volk?" verteilt. Obendrein wurden 132 Mitgliederversammlungen in den einzelnen Abteilungen, 2 General- und 1 Kreisgeneralversamm- lung abgehalten. Es hat also wirklich nicht an mangelndem Ar- beitseifer gelegen, wenn das Resultat ein unbefriedigendes blieb. An Kommunalwahlen beteiligten sich die Genossen in 5 Orten und gewannen dabei 7 neue Mandate, in zwei weiteren Orten blieb unsere Stimmenzahl noch hinter der der Gegner zurück. Der Ver- ein entsendet nunmehr 42 seiner Mitglieder in kommunale Ver- waltungskürperschaften. Die Ausgaben überstiegen die laufenden Einnahmen in der Berichtszeit um" 946,83 M. und reduzierte sich so das Vereinsvermögen, das am 1. Juli 1911 4246,27 M. betrug, auf 3299,44 M. am 31. März dieses Jahres. Ein Spiegelbild im Kleinen von dem Wirken der Breslauer Richter gegen die modern organisierte Arbeiter- chaft gibt der Bericht deS Wahlvereins für denKreis Breslau-(Land-) Neumarkt, der am Sonntag in der Generalversammlung erstattet wurde. Zwölf Monate mußten einige Genossen allein deswegen hinter Kerkermauern zubringen, weil sie bei der letzten Reichstagswahl einige Wahlvorsteher auf ungesetzliche Handlungen aufmerksam machten. Die Ausgaben für verhängte Strafen betragen 9 00 Mark, die der für Gericht, Anwalt und U n t e r st ü tz u n g für die Inhaftierten 3816 Mark. Trotzdem geht es aber mit der Bewegung vorwärts, vor allem macht die geistige Durchbildung der Mit- glieder gute Fortschritte, deren Zahl gegenwärtig über 4000 beträgt, darunter 615 weibliche. Die Zahl der„Bolkswacht"- Abonnenten beträgt 4650. Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, daß der Kreis stark agrarisch durchsetzt ist. Die Ein- führung von Distriktsversammlungen bat sich gut bewährt, obwohl einzelne Mitglieder zu den VersammlunaSabenden stundenlange Wege machen müssen. Ebenso bewährt haben sich die besonderen Frauenabende. An Flugblättern wurden in der nur neun Monate umfassenden Berichtszert 28 000, Volkskalender 16 000, darunter 2000 in polnischer Sprache für die polnischen Saisonarbeiter verteilt. Außerdem wurde der„Landbote" in 74 000 Exemplaren regelmäßig an die Landbevölkerung verbreitet. Für Distriktsführer und Leiterinnen der Frauenabende wurden besondere Bildungs- abende veranstaltet, um diese mit der Geschäftsführung und dem Programm der Partei vertraut zu machen. Auch diese Bildungsabende haben sich gut bewährt. Die Vereinsgeschäfte wurden in drei Generalversammlungen und 18 Vorstandssitzungen erledigt. Außerdem fanden 224 Mitglieder- und 207 öffentliche Versamm- lungen statt. Viele von den letzteren mußten unter freiem Himmel abgehalten werden, weil die L o k a I b e s i tz e r den Terror der Agrarier fürchten. Der Bericht hebt aber hervor, daß die Versammlungen unter freiem Himmel auSnahms- los sehr gut besucht waren. Der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Viele- eld-Wiedenbrück hatte in den neun Monaten des Geschäfts- jahres 1912/13 mit einem Kassenbestand von 1158,06 M. 20561,83 M. Einnahmen. Die Ausgaben betrugen 18454,15 M., sodatz ein Kassenbestand von 2107,63 M. verblieb. An den Parteivorstand wurden 3770,25 M. abgeführt. Der Verein zählte am 31. März 1913 7789 Mitglieder(davon 896 weibliche), gegen 7142(inkl. 611 weiblichen« Mitglieder am 1. Juli 1912. Das ist eine Zunahme um 647 Mitglieder. Für Bildungszwecke wurden 2434,14 M. ver- ausgabt. In 312 Mitgliederversammlungen und Besprechungen wurden 127 Vorträge gehalten. Oeffentliche Versammlungen fanden 29, und Frauenversammlungen 17 statt. Sieben Flugblätter und Broschüren wurden in 61000 Exemplaren verbreitet, außerdem 4000 Exemplare der„Volksmacht". Die Zahl der„Volkswacht'-Abonnenten im Kreise stieg auf 10800. In 14 Orten hat die Sozialdemokratie 60 Gemeindevertreter, davon 11 in der 2. Abteilung. In 20 Orten bestehen Bibliotheken mit 4149 Büchern. An einem Kursus über„Die deutsche Literatur im 19. Jahrhundert" von Genossen Dr. Alberty, nahmen 252 Personen, im Durchschnitt 205, teil. 500 Abonnenten der„Arbeiter-Jugend" sind vorhanden. Die Generalversammlung des Vereins ain Sonntag nahm außerdem Stellung zu der bevorstehendeu Wahl der Abgeordneten zum Landtage. Der vom Sekretariat des Sozialdemokratischen Ver« eins für Halle a. S. und den SaalkreiS herausgegebene Jahresbericht ist nicht sehr befriedigend. Obwohl die Gewerkschaften in Halle und Umgegend im letzten Jahre recht gute Fortschritte machten, ist in der Mitgliederzahl der Parteiorganisation ein kleiner Rückschritt zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl betrug am 31. März dieses Jahres 6975 männliche und 986 weibliche, insgesamt also 7961 Mitglieder, während am 1. Juli vorigen Jahres 8045 Mit- glieder gezählt wurden. Die Einnahme betrug zuzüglich des vor- jährigen Kassenbestandes von 11 909,13 M. insgesamt 40 688,74 M. Dem steht gegenüber eine Ausgabe von 20 537,38 M. Es verbleibt in' diesem Jahre ein Kassenbestand von 20 151,36 M. Diese günstigen Kassenverhältnisse erlaubten es dein Verein, einen not- wendigen weiteren Sekretär, den Genossen Jul. Hildebrandt aus Neukölln, anzustellen. Die VersainmlungStätigkeit war in der Berichtsperiode sehr rege. Auch der Frauentag fand diesmal eine lebhaftere Beteiligung als im vorigen Jahr. Die theoretische Durchbildung der Parteigenossen wurde durch einige Vortragskurse und durch die erhöhte Unterstützung der sehr gut ausgestatteten Zentralbibliothek gefördert. Die am Sonntag im Volkspark zu Halle a. S. tagende, von 170 Delegierten besuchte Generalversammlung beschäftigte sich sehr eingehend mit dem Bericht und einigen Gründen der Stagnation. Mit den Ergebnissen der Wahlmannswahl beschäftigte sich der Genosse Reiwand. Er teilte die Abstimmungsresultate mit, die sich nach unseren endglllügen Berechnungen ergeben haben. Danach sind in der Stadt Halle 5579 sozialdemokratische Stimmen abgegeben und 134 unserer Wahlmänner gewählt. Im Saalkreis wurden 2542 Stimmen abgegeben und 78 unserer Wahlmänner gewählt. Die gesamte Stimmenzahl von 10 121 hat sich gegenüber der letzten Wahl um fast 3000 vermehrt. Auf Antrag des Vorstandes wurde beschlossen, sich an den aussichtslosen Abgeordnetenwahlen nicht zu beteiligen. Weiter wurde beschlossen, daß leitende Genossen, die nicht gewählt haben, obwohl es ihnen möglich war, und auch die- jenigen, die nicht die preußische Staatsangehörigkeit erworben haben, zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Angenommen wurde ein Antrag, daß alljährlich nur eine einheit- liche, vom Bildungsausschuß veranstaltete Schulemlassungsfeier statt« finden soll. Auch der Airtrag, in diesem Jahre eine Gemeinde- Vertreterkonferenz für den Saalekreis abzuhalten, fand Zustimmuirg. polireilickes, ßcrichtUcbcs ukw. Wie man unS bekämpft. Bei der Beerdigung eines Parteigenossen in dem schleswig« bolsteinischen Städtchen Rendsburg hatte ein Gesangvercrn am Grabe ein Lied gesungen. Aus die Mitwirkung der Geistlich- keit hatte die hintcrlassene Ehefrau des Verstorbenen verzichtet. Zwei Pastoren nahmen daran anscheinend Aergernis, denn sie er» statteten Anzeige. Sie behaupteten, weil bei dem Leichenbegängnis kein Pastor mitgewirkt habe, sei das Leichenbegängnis ein ungc- wohnliches, zu dem die behördliche Genehmigung erforderlich gc- Wesen, aber nicht eingeholt worden sei.?llle möglichen Behörden: Polizeibehörde, Staatsanwalt, Kirchcnvorstand und Konsistorium wurden in Bewegung gesetzt, aber es schien, trotz aller Per- nehmungen und Gutachten, als ob es nicht möglich sei, etwas Strafbares aus der Geschichte zu machen. Ein halbes Jahr ist seit dem Leichenbegängnis vergangen, da haben drei Genossen eine Anklageschrist erhalten, in der ihnen.vorgeworfen wird, daß sie sich einer llebertretung des Reichsvereins- und Versammlungsgesetzes schuldig gemacht haben. Sie sollen ohne polizeiliche Genehmigung eine öffentliche Versammlung unter steiem Himincl veranstaltet haben. Man darf gespanm sein. Ivas die Gerichte dazu sagen werden. Wenn jedes Leichenbegängnis, an dem kein Geistlicher mitwirkt, als eine genehmigungspflichtige Versammlung unter freiem Himmel a»gesehen werden soll, dann ist der Willkür der weltlichen und der geistlichen Behörden bei Leichenbegängnissen Tür und Tor geöffnet. Eue Industrie und Kandel. Wirkungen des Generalstreiks in Belgien. Noch che der Generalstreik ausbrach, machte er sich im Wirtschaftsleben Belgiens deutlich bemerkbar. So stellte eine Zuschrift vom 21. April in den vom Reichsamt des Innern herausgegebenen wirtschaftlichen ..Mitteilungen" fest:„Am Vorabend des für den Beginn de? Generalstreiks in den Kohlengruben festgesetzten Zeitpunktes ist es selbstverständlich, daß die Preise aller Sorten von Brennstoffen fester als je sind. Insbesondere sind Judustriekohlen so knapp, daß eines der Eisenwerke in Hennegau gezwungen ist, die Arbeit einzustellen, und daß andere vielleicht dieselbe Mäßregel ergossen müssen, selbst wenn die Arbeiter der Eisenwerke sollten fortfNhren wollen zu arbeiten. Es war sozusagen unmöglich, sich in der letzten Zeit Vorräte von Kohlen zu beschaffen, daher ist es nicht erstaun- lich, daß Industriebetriebe, ohne daß ihre Arbeiter selbst streiken, mit der Arbeit aufhören müssen." Eine deutlichere Sprache wie dieses Zitat reden die Ein- und Ausfuhrziffern des Monats April 1913 im Vergleich zu den Zahlen desselben Monats im Vorjahr. Es betrug an Steinkoblenprodukten(Kohlen, Koks, Briketts) im April 1913 die Einfuhr aus Deutschland 230 394 Tonnen mehr, die Ausfuhr aus Belgien nach Deutschland 23 728 Tonnen weniger als im April des Vorjahres. Also um über 42 Proz. ist die Einfuhr aus Deutschland im April 1913 gesiiegen, während die Ausfuhr nach Deutschland um 32 Proz. fiel. Dieser Verlust ist aber nur ein ganz winzig kleiner Teil dessen, was daS Volk durch den Generalstreik ivirklich verloren hat. Mittelamcrikanifchcr Staatsbankrott. Nicaragua will von der Silber- oder eigentlich Papierlvährur.g zur Goldwährung übergehen. Es hat sick« dazu die.Hilfe der Banken Brown Bros. u. Eo. und Seligman Co. in New Dork verschrieben und eine neue Münzeinheit vcreinoart. die Cordoba heißen und den Wert des nordamcrikanifchen Golddollars haben soll. Es ist von den beiden Banken eine Skationalbank eingerichtet worden, die das Geschärt erledigen wird, und zwar zum Konvertierungskurs von 1250 Proz.» das heißt für bisherige 1250 Pesos in Nickel oder Papier wird die Nationalbank 100 Eordobas zahlen. Der Peso der bisherigen Währung gilt also nur noch 33th Pf. Der Silbcr-Peso hat 1,85 M. Silberwert und mutz höher beivertet werden. Sein Knrs wird von der Bank festgesetzt. Ursprünglich war der nicaraguanische Peso 4,05 M. wert. Vor zwei Jahren war er auf 58 bis 68 Pf. gefallen und heute erreicht er gerade noch 331b Pf. als Höchstsatz. Das bedeutet einen Zusammenbruch der Staatsfinanzen, wie er nicht oft zu verzeichnen sein wird. Für die Banken ist die„Sanierung" ein gutes Geschäft. Die von ihnen kapitalisierte Nationalbank gibt gegen da? alte Papiergeld nur neues Papiergeld und Silber-, Nickel- und Kupfermünzen. Das Gold der Bank bleibt in New?)ork. Dadurch ist das Land in dauernder Abhängigkeit von den nordamerikanischen Kapitalisten. Seine Lieferungen an Gummi, Farbhölzern, Kaffee, Gold und Silber für eine rücksichts- lose Ausbeutung frei zu machen, scheint überhaupt der Zweck der ganzen Sanierungsaktion zu fein. Brüsseler Zuckerkonvention. Die Ständige Kommiffuui der Internationalen Zuckerkonfcrenz tagt gegenwärtig in Brüssel. Wie der„Börfen-Courier" meldet, haben die englischen Delegierten erklärt, daß England die Absicht hat. die Vereinbarungen der Zuckerkonvention auch fernerhin anzuwenden, Und daß es, falls es gezwungen wäre, seine Ansicht zu ändern, sich verpflichten ivürde. von dieser Absicht den interessierten Mächten sechs Monate im voraus Kenntnis zu geben. England wirb demnach gleich den Mit- gliedern der Zuckerkonvention Zucker, der durch Ausfuhrprämien des Produktionslandes bevorzugt ist, die Einfuhr erschweren. Unsere Agrarier, die gerne Deutstblands Austritt aus der Kon- vention herbeiführen möchten, um wieder Wucherpreise für Zucker zu erlangen, berufen sich also zu Unrecht auf Englands Austritt aus der Konvention. Selbstkosten+ 10 Proz. Die Herren-Kleider-Vertriebs-Gescll» schast m. b. H. ersucht uns um Ausnahme folgender Berichtigung: „Es ist unrichtig, daß die Geschäftsführer der„Herren-Kleider- Vertriebs-Gesellschaft m. b. H." ein jährliches Gehalt von 40 000 Mark, d. h. 5 Proz. des Umsatzes beziehen oder bezogen haben. Richtig ist vielmehr, daß der Geschäftsführer Herr Julius Heine- mann ein festes Gehalt von jährlich 12 000 M., der Geschäftsführer Herr Richard Davidsohn ein festes Gchast von jährlich 6000 M. bezieht und daß diese beiden alleinigen GcsMstsführcr außer ihrem festen Gehalt keinerlei weitere Bezüge, Tantiemen und dergleichen von der H. Ä. G. erhalten." Todes-Anzeigen Hierdurch die traurige Nachricht, I dag meine liebe Frau und gute! Mutter lOISd l (Zertrud Karl geb. Schaletzki am Montag, den 26. Mai, sanft entschlafen ist. lim stille Teilnahme bittet .4(loIt Karl nebst Sohn. Beerdigung: FreitagnachmiUag 4 Uhr neu der Halle des Zentral-- sriedhoses in Friedrichsseide. Verein 6er kerliaer kuckärucker unä öckriktxieker. Iii Bert. Reielislagswahlkpeis.! Stralaner Viertel, Bezirk 295. Den Mitgliedern zur Nach- nicht, dag unsere Ncnossin Frau Gertrud Karl sÄe Rudolsplatz 5, verstorben ist. Chre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. Mal. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoscs in Friedrichs- selde aus statt. 214/4 Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. SoziaMemokratischer Watilverein Bezirk Hahlsdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Drechsler Udwg Schierborn am'25. Mai gestorben ist. tKhre seinem Andenken! Die Beerdigung sinket am Donnerstag, den 29. Mai. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des MahlSdorser jkirchhofs aus statt. Rege Beteiligung erwartet 240/16 Der Vorstand. -4m heutigen Tage verstarb nach langem, schwerem Leiden unser früherer Schriftführer und langjähriger Vereinswirt Gustav Henning. Ein tückisches Leiden fesselte ihn in den letzten Jahren ans Krankenlager. Nachdem im Januar 1912 die Amputation des linken Beines erfolgt war. mußte er jetzt auch durch Operation das rechte Bein einbüßen, deren Folgen er endlich erlag. Wer seinen biederen, humorvollen Charakter kennen gelernt hat, wird den Schmerz zu würdigen wissen, den sein Hinscheiden seiner Familie und allen seinen Freunden und Bekannten bereitet. Seit Beendigung seiner Lehrzeit in Stettin dem Verbände angehörend, verliert die Organisation in ihm. der vor kurzem erst das 47. Lebensjahr vollendete, ein treues Mitglied, das in jeder Situation allen Aufgaben gerecht wurde und bereit war, seinen Mann zu stellen. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen ein treues Mitglied und einen langjährigen Freund und Mitarbeiter. Möge ihm die Erde leicht sein. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Mai, nachmittags 6 ühr, auf dem Neuen Luisenstedtischen Kirchhof, Neukölln, H ermann str. 186, statt., Berlin, den 27. Mai 1913. Der Vorstand des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. 27/19 Albert Massini, 1. Vorsitzender. Am Dienstag, den 27. Mai, entlchlies nach langem, schwerem Leiden unsere einzig geliebte Tochter IHsi's im 16. Lebensjahre. Dies zeigen, um stille Teilnahme bittend, an die tiesbetrübten Eltern Theodor Bastldon nebst Frau. Die Beerdigung sindct am Frei- tag, den 30. Mai, um 3'/, Uhr vom Trauerhause, Blangelslr. 67, um 4'/, Uhr aus dem städtischen I.-jcntral-Fricdhos ur FriedrichSselde statt���������lOOTb Am Dienstag, den 27. Mai, verstarb nach langem, schwerem Leiden mein innigst geliebter Mann, herzensguter Vater, Sohn. Bruder, Schwager und Onkel, der Rcstau. ratcur 1019b Gustav Henning Alexandrinenstr. 44 im Alter von 47 Iahren. Im Namen der Hinterbliebenen Frau Olxn Henning und Söhne. Die Beerdigung sindct statt am Sonnabend, den 31. Mai, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Luilenstädtischen Kirchhofes, Neukölln, Hermann- straße 186—190, aus. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung unseres lieben Bruders und Onkels WÜHelm Li» sagen ivir allen Teilnehmenden, sowie der Direktion der Englischen GaS- anstatt unseren herzlichsten Dank. tfieschwifter I-Ill Familie Groß. Weißensee. Am Sonntag verstarb im 58. Lebensjahre unser Kollege Heinneb Silberberg. Er wäre im nächsten Jahre 25 Jahre bei der Firma tätig gewesen.•-- Wir verlieren in ihm einen guten Kollegen und werden ihm ein dauerndes Andenken be- wahren. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 29. Mai, nach- mittags 5 Uhr, auf dem Gc- meinde-Friedbos in der Fallen- bcrger Straße statt. 90a Die Kollegen der Firma Karl Raspe Chemische Fabrik, WeiBensee. SomldemokratisctierWablverein Chaiiottenbiirg. 1 6. Gruppe.== Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Töpfer Iraugott kuäef Gocthestr. 46, verstorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. Mai, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Südwest-Kirchhoses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 250/11 Ter Vorstand. Hierdurch die traurige Nachricht, daß mein inniggeliebter Mann, unser guter Vater, der Tischler kurtahf Kuhn am 27. Mai nach schwerer Ope- ration sanst entschlafen ist. Dies' zeigen tiefbetrübt hiermit an Frau Knbn liebst Tochter. Die Bcerdigung sindet am Sonn- abend, den 31. Mat, nachmittags 3 Ubr, von der Halle des zweiten Schöneberacr städtischen Fi iedhoscs (Blanke Holle) aus statt. 1017b Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Bcerdigung meiner lieben Frau und Tochter sage ich allen hiermit meinen herzlichsten Dank. 14a Der trauernde Gatte Bernard. UfiQtSEhBr Baüarbeltemrbanti, Sektion der Patzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege frieäi-id! Mehlltz am 26. Mai gestorben ist. Ghrr seinem Andenken! Die Beerdigung sindct am Donnerstag, den 29. Mai, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Wilmcrsdorser Kirch- Hofes, Berliner Straße, aus statt. 143/1 Der Vorstand. s. iL Uerl.Reicbstagswabikreis. Köpenicker Viertel.(Bez. 194) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Metall- arbeiter Hiebanl Krone Görlitzcr Str. 52, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Freitag, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoss in FriedrichSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Ii.& P. Uder, Berlin SO. 16, Sngel-Qfer 5. Tabak-Großhandlung und Tabakinbrlk. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten.'96! Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche be- S« m a•« o 4 4 a m zu Originalpreisen. kannten Marken fi I Jj« F I» l I B II Amt 4, 3011. Deutseber MElallarheiter-Yerhanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drücker Ricbard Krone Görlitzcr str. 52, am 26. Mai an 2ungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofs in Friedrichs- selde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/19 Die Ortsverwaltung. HflöfabteKotfen Wanderkarken hält stets vorrätig Buchhandlung vorwärts Lindenftr. 69(Laden) a'fi zj '■1 oi otcJ Theater und Vergnügungen Donnerstag, den 29. Mai 1913. Aniang 7'/, Ubr. Köiiigl. Schauivielbaus. Volks Vorstellung: Eolberg. Pratcr. Das Bummelmädchen. illnimiq 8 Ubr. Urania. Die Nordsecinsel Sylt. Känigl. Opernbaus. Salome. Neues Opern(Krvll). Tannhäuser. Letnug. Ält-Wien. Teutsched. Der lebende Leichnam dtaiiimerspiele. Die Einnahme von Lcrg-op-Zoom. Berliner. Filmzauber. Königgräner Strafte. Die süns Franksurter. Schiller O. Moral. Schiller- Cbnrlottenburg. Hase- manns Töchter. Theater des Westens. Der liebe Auguftin. Bio litis Operetten. Der lachende Ehemann. Teuisches Schauspielhaus. Ein idealer Gatte. Kleines. Professor Bernhard!. Teutsches Opernhaus. Tiefland. Kvuiödienhaiis. Hochherrjchastlichc Wohnungen. Mctropol. Die Kino-Königin. Thalia. Puppchen. Luise». Die drei Schwestern Ran- dolf. Wintergarten. Spezialitäten. Neichshallen. Stettiner Sänger. eintang 8'/, Ubr. Theater am Nollendorfplaft. Extrazug nach Nizza. Fricsr.- With. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Residenz. Die Frau Präsidentin. Lustspielhaus. Der lustige Kakadu. Rose. Krone und Fessel. Foties Gapriee. Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy. Nnsang 8'/, Ubr. Neues Volkstheater. König Krause. Ansang 9 Ubr. Ndwiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte/ Jnvalidenstr. 57—62. Gebiüer-Ibeslero.A� Donnerstag, abends 8 Uhr: KVtansI. Freitag, abends 8 Uhr: llauemanns TUchter. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Sehilier-Thealer Donnerstag, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Freitag, abends 8 Uhr: Moral. Sonnabend, abends 8 Uhr: tSeograpIiie und Liebe. Berliner Theater. "g Filmzauber. Tbeateriß der KöDiggrätzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. DcutMches MchauMpicihana 8 Uhr: Ein Idealer Gatte. KrolF Oper 8 Ubr: Tannhäuser. Freitag: Bajazzo. Hieraus: Cavaileria rusticana. Sonnabend: nelsterBlnger. Sonntag: Tannhiiutter. Theater des Westens. 8 Uhr. VolkStümt. Vorstellung: Der liehe �ugustin. Residenz-Theater. öÄluß der Spielzeit am 31. Mai. DIl Frau Präsidentin. (Madame la Presidente). Schwant in 3 Akten v. M. Hennequin und P. Beber. Morgen und folgende Tage: VI« Fran Präsidentin. Theater amKollendorfplatz Täglich abends 81/, Uhr: Extrazug nach Nizza. OSE=THEATE (Suroße Frankfurter Str. 132. Krone und Fessel. Ansang 8'/, Uhr: Morgen: Krone und Fessel. Aus der Garteubühne: Achtung! ES geht los! Gr. Posse. Konz. Bunt. Teil. Ans. 4'/, Ißetropoi-Theater. Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Lkonkowski. Musik von dean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. '.ansang 8 Uhr: Mis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Sommcrprcise! Abends 8 Uhr: Gastspiel Julius Spielmann: Der laebende Klieniunn. 1 Neue Weit£ A.Scholz. Hasenheide 108-1 14 Heute Donnerstag, den 29. Mai: Elitetag! verbunden mit G O Großem G Monsterfeuerwerk Pyrotechniker: E Nielandt. U. a.: Beschießung u, Zerstörung ein. rnss. Panzers. Im neuen Saal: Großer Ball. Anf. 5 Uhr. Entree 50 Pf. hm Brauerei Friedrichshain mm " Am Königstor. Cef.: Krnst Ideblng. I MM- Jeden Dienstag- und Oonnerstagnachmitlag:"WE Kaffee-frei-Vorstellung der ZSorddeutschen und Apollo- ÄÄnger m bei freiem Gntree. Freitags: Frei-Kouzert. llranla. Tanbcnstraße 48/49. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Nordsee-Insel Sylt. LOCISCHER GARTEN 1 Täglich nachm. 4 Uhr: I Gr.Hi!i(är-DoppeIkonzert Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinderunter 10 Jahren die Hälfte. Jahresabonnements an allen drei Schalterkassen. Reiehshalleo-Tbeater Stettiner Sänger. „Stneke's Berliner Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Folies Capriee. ( Sein letzter Wille Ans. 8'/, l Der Cowboy [ Holl und Haben. Am 2. Juni: Premiere: Parissana. ß Reederei Kabnt& Hertzer kS"�: W Billige Extrafahrten ab: WSEIlbMe Teupltz(Xn Kranipenburg u. Krampenburg— ZiegeObäiS Abfahrt 2 Uhr Vom 1. Juni ab VI U I a Abfahrt 10 Uhr. Hin und zurück tßglfch nach i'CUC.TIIIlllC®01�cnt. so Pf. Sonntags 1 M. Von Cafb Alsen(Schlesische Brücke) Absahrt je Stunde später. Dampfer sind an Vereine usw. billig zu vergeben.«UM An den 8onnIagon, 1.8 u. 15. Juni nach Sonntag, den 1 und 8. Juni nach Abfahrt 7'/. Uhr hin u. zurück 2 SR. Abfahrt 9 Uhr j hj„ und zurück 1 M. Passj�P�plita Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei sein Training zum Kampf um die Weltmeisterschaft. Jon Got, der akrobatische Schlafwandler! Der Mann mit der eisernen Hand. A rrn die schwebende Agd, Jungfrau! Alles lebend!"TSRS Alles ohne Extra-Entree! Voigt-Theater. Badstrafte 58. Heute sowie täglich: Auf«seil Amerika. Spe?!sl!tgteii gllöieisl. Ranges. Kassenöffnung 2 Uhr. Ansang 4'/2 Uhr. UP rann Mark 8alsonkarten alle Tage gültig auch für Elitetage Hark 3,— Admiralspalast. Eis-Arena.— Allabendlich das gr. erfolgreiche Eisballett Ellrt In 8t. IKoritz. Bis 6 Uhr und von IIP/, Uhr halbe Kassenpreise. ReMtanraut 1. Banges. Wein- und Bier-Abteilung. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber{einerlei Verantwortung. ■ B■' Flugwoche Johannisthal Heute 5-8 Uhr und täglich bis I. Juni. 3,—, 1�— � 0,50o Wettbewerbe: Kürzester Anlauf— Kürzester Auslauf— Dauer— Zum ersten Male gleichzeitiger Start auf Anlaufbahnen! BBB 2. VreuMch-SiiddeuM- (ÄS8. Könkgi. Klasseniottevie b.»lasse lS� Ziehmigstag 23� Mai 1012 Varunitag Ruf jede gezogeiie Nnllimer sind zwei gleich belle tiiewinne aefalle», n»d zwar je«incr ans die Lose gleicher Sinmmer in de» beiden Abteilungen I n. II. Nur die Gewinne über 210 M. sind in»lamuiern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. 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Vrrußisch Kudd-mische (5428. Konigl. Pr-uß.) Klass-nlottLrle ö. Klasse IS. ZiehungSiag 28. Mai 0.913 Nachmittag Ans jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hobe Geiolun« gesalien.»nd zwar je«incr ans die Lose gleicher Nummer in de» beiden Ableiluno«» 1 u. II. Nur d>« Gewinne über 240 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr«. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 25 88 381 472 531 60« 29 789 83 815(500) 1173 294 430 96 543 628 756(500) 961(500) 72 2008(3000) 144 266 320 428 578 613 745 52 943 3010 458 63 612 62 4138 369 404 747 853 915 6 277 313 89 462 507(3000) 39 890 915 6017 49 207(1000) 80 313 70 453 85 90 506 26 606 722 71 836 7 435 658 651 58 61 64 763 955 8223 86 494 599 708 835 904 63(1000) 9275 700(3000) 922(1000) 10029 242 344(600) 77 441 682 934 57 11032 95 558 73 99 601 803 903 1 2356 649( 500) 702 1 3018 323 63 09 493 633 764(1000) 75 826 954 14264 361 84 429 839(500) 16109 250 (1000) 63 358 80 659(3000) 94 777 948 1 6014( 500) 117 34 243 303 01 607 777 947(600) 17232 391 552 603 56 71 98 1 8044 117 39(5000) 64 94 234 301 27(1000) 72 617 1 9005 64 89 261 414 15 69 561 69 83(1000) 607 27 967 2 0018 11000) 37 263 397 643 616 20 30 853 85(1000) 87 99 973 21315 422 938 2 2130 232(1000) 40 656 607 77 917 76 78 84 2 8003 75 274 682 612 26 62 853 974 2 4010 116 17 49 67 308 639 761 812 37 6 4 87 2 8 042 108 916 67 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86(3000) 173 240(500) 346 75 664 760 829 910(600) 178111 £9 365(1000) 415 66 919 53 1 7 9217 664 829(1000) 985 88 190020 72 99 100 63 244(500) 667 88 752 973 1 91112 636 748 887 929 1 8 2026 63 148 63 273 657 695 714 802 81 84 949 1 83 210 345(1000) 770 309 38 1 84030(1000) 642(1000) 788 842 1 8 5 067 74 146 433 652 695 897 960 60 1 89053 255 317 37 400 46 93 530 680 98 778 895 920(600) 18 7 315(600) 464(500) 509£4 33 660 820 1 88025 90 419 667 189 247 53S 608 892 900 31 67 190146 78 96 306(1000) 439 586 606 746(600) 181091 315 431(600) 769 98 969 34(500) 19 2070 246 403 70 76 83 617 79 711 39(600) 41 895(500) 903 88 1 83011(500) 63 290(500) 388 97 602 18 717 1 9 4049 112 80 261 302 19 61 802 965 1 9 6 060 196 243(3000) 341 419 62(3000) 60 690 610 92 815 901 16 28 66 1 90187 274 344 86( 500) 97(500) 621 79 751 838 952 1 9 7043 61 220 61 795 372 970 1 98043 320 438 70 95 681(3000) 767 869 968 1 99019 154 243 64 318 459 662 732 825 66(1000) 2 00179 247 76(3000) 82 362 88 417 665 90 616 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Die jalschc Rechnung. Das VerlagahauZ Vita, Berlin. Charlottenburg, kündigt soeben das LS. Tausend der Volksausgabe eines Buches au, dessen Geschichte wie ein Roman klingt. ES erschien vor etwa zwei Jahren als eine kleine Bioschnre, irgendwo von einem bis dahin unbekannten Manne veröffentlicht, gerade in der Hochflut der Neuerscheinungen und gerade auch vor einer der Haubtwahlen,— Um- stände, die es scheinbar unvermeidlich zur Nichtbeachtung verdammen mufften. Jedoch Bücher haben ihre Schick- salc, in drei Monate» wurden 10 000 Eremplare vcr- kausl, das Wesentliche seines Inhalts überslutcic die englische und amerikanische Presse, Minister und andere Männer in leitender Stellung bezogen sich auf den Autor, der deutsche Botschafter in London machte es zum Inhalt einer diplomatischen Rote, und der ver. storbene König Eduard von England selbst übergab Eremplare davon seinen Ministern. Der Kritiker, der im Londoner»Dailn Chronicle" die Geschichte dieses Buches, das in Deutschland unter dem Titel»Die falsche Rechnung" erschienen ist, er- zählte, versucht auch da! Wunder zu erklaren,.eS war einsach das,' sagt er,„daff der Autor, Herck Angell, mit einigen Hundert Seiten die bestehenden Grundsätze der europäischen StaaiSkunst erschüttert hat; er hatte ollen ehrlichen Denkern eine neue Anschauung über die gesamte Kriegssrage ausgezwungen,' Was aber ist nun in wenigen Worten der Leit« aedanke dieses Buches, das jetzt bereils in 17 lebende Sprachen übersetzt worden ist? Es ist der, daff die letzten 22 Jahre es für eine europäische Groffmacht un- Möglich gemacht haben, durch die Niederwerfung einer andern, durch die Eroberung eines Landes Wirtschaft- liche vorteile zu erzielen. Der Autor behauptet nicht, daff der Krieg unmöglich ist, sondern nur, daff es un- möglich geworden ist, auch durch einen siegreichen Wirt- schaftliche Vorteile zu erreichen, Er spricht diesen scheinbaren Widersinn aus, indem er nachweist, daff Kohlslaud in der ökonomisch zivili- siericn Welt aus Kredit mid Handelsverträge gegründet ist. Wenn aber etwa der Versuch von Konjislationen gemacht wird, so ist der vom Kredit abhängende Wohl- stand untergraben, und sein Zusammenbruch— der des Besiegten— schlicht den d«S Siegers mit ein, Tie moderne ginanzwirtschafl mit ihren zahllosen Börsenbczlchungcn und all den glcichzeiligen Kurs- bcwcgungen, hervorgerufen durch sosortige Kenntnis der Ereignisse aus allen Teilen der Welt, die Verleitung internalwnalcr Banksysteme mit einem ungeheuer ver- wickelten Ausbau des Verkehrs, hat die moderne Welt zu einem lebendigen industriellen Organismus gemacht und hat diesen mit„scnsorischen Nerven" ausgerüstet, durch die ein irgendeinem Teile zugefügter Schaden so- s«rt auch auf einen anderen, selbst ganz cntjernt liegen- den Teil zurückwirkt. Herr Angell zeigt nun, daß die politischen Ergcb- nisse äuS dieser Tatsache in Wirklichkeit noch nicht nutz- bar gemacht(vordcn sind-- die diplomalischeii und politischen Grundsätze, nach denen die Nationen der Welt bandeln, beachten dielen Faktor gar nicht. Der politische Gedanke in Europa, welcher seine Ausdrucks- weise und Grundlagen aus römischen und Mittelalter- lichen Quellen schöpfte, ignoriert die Tatsachen voll- ständig. Die europäischen Staatsmänner nehmen noch immer an, daff militärische Macht zu Wohlstand, zur Beherrschung des Handels und somit zu ökonomischen und sozialen Vorteilen sühren kann, daff das relative Gedeihen einer Nation in erster Linie von ihrer cnt- sprechenden politischen Macht abhängig ist. Angell aber beweist dagegen, daff diese Annahme die wirtschaftliche Tatsache der Ilnmöqlichlcit von Konffskationen in einem besiegten Lande überffeht. Der Reichtum eroberter Länder verbleibt in den Händen der Bevölkerung dieser Länder. Als Deutsch- land Elsoff annektierte, bemächtigte sich lein einziger Deutscher auch nur sür den Wert einer einzigen Mark elsässischen Eigentums als Kriegsbeute. Es ergibt sich daraus, daff politische und militärische Macht in Wirklichkeit nichts sür den Handel und somit sür den Wohlstand eineS Landes tun können. Die einzelnen Kausleute und Fabrikanten kleiner Staaten, welche keine solche poliftsche Macht entfalten, wetteiscrn erfolgreich mit denen der Kroffmächtc. Schweizer und belgische Kausleute verdrängen englische vom britischen Kolonialmarkt: Norwegen hat im Verhältnis zu seiner Bevölkerung eine größere Handelsslotte als Großbritannien: der Öffentliche Kredit(als eine, außer andern, nicht ganz zutreffende landläusige Bezeichnung der Sicherheit und des Wohlstandes) kleiner Staaten. welche keine poliiilchc Macht haben, steht oft hoher als der der Groffstaaten, Von europäischen Staatspapicren stehen belgische dreiprozenligc aus 80 und deulsche aus 82) norwegische dreieinhalbprozentige aus 102 und russische dreieinhalbprozentige aus Kl. Di-sem Ergebnis werden zwei Einwendungen gegenübergestellt: erstens, daß der Sieger die eroberte Provinz zwingen könnte, ihren Kausleulcn besonders günstige Handelsbedingungen zu gewähren. Aber Herr Angell hat sorgfältig die Resultate der kolonialen Er- sahrungcn in diesem Punkte nachgewiesen und an Sand der Geschichte Spaniens. Portugals, Frankreichs, ollands, Englands gezeigt, daff, anstatt solche Vorteile zu gewähren, man die Kolonie selbst nolwcndigerwcise als einen konimcrziellen Verlust ansehen muffte: und das wirkt so schnell aus die„finanzwirtschastlichen Nerven" und macht die Kolonie zu einem schlechten Felde sür Unternehmungen und zu cmcm ebenso schlechten sür Auswanderungen, daß es zu einem un« vermeidlichcn und unwiderfteblichen'Ansturm aus das koloniale Verwalwngssyslem jührt, daS für die Intel- essen der Kolonie arbeften soll. Wenn diese Reaktion zu ihrer Wirkung ganzer Generationen bedurste, als der gegenseitige Verlehr langsam vor sich ging, wie im 17. und IS. Jahrhundert, so wirkt sie heute mit äugen- blicklicher Schnelligkeit dank der Entdeckung der Tele- graphie und des Bankwesens. Der zweite Einwurf, welcher Herrn Angells Haupt- gedanken gemacht wird, ist der, daff, wenn selbst der Besitz von Kolonien keinen wirtschaftlichen Vorteil be- deute, eine Eroberung doch den Vorzug habe, daß die gewonnenen Länder ein Feld sür die Kolonisation bc- deuten, so daß Emigranten aus dem Mmterlande dort unter denselben Gesetzen, ihrer eigenen Sprache, Ueber- lieserungen usw. leben können. Aber Herr Angell zeigt, daff die Unberührbarkeit des modernen Wohl- slandcs es unmöglich macht, ihnen ein jremdes Gesetz oder gar eine fremde Sprache auszuzwingen. So wie der kanadische s�eschäslsmann nicht aus seinem Geschäft vertrieben werden kann, noch der kanadische Farmer von seiner Farni, jo würde auch Kanada als Ganzes imstande sein, jedem Versuch einer Germanisierung zu widerstehen. Somit würde Kanada nach einer Eroberung noch eben dasselbe Kanada sein, als es vor der Er- oberung war. Deutschland würde zu ihm noch fast in denselben Handelsbeziehungen stehen als heute, und es würde noch genau dasselbe Feld sür Auswanderung sein, als es beute ist. Er zeigt, daff nichts dem Eindringen der deutschen Industrie und deren Einfluß in gewissen Ländern widerstehen kann und erklärt nebenbei, daff es nur im Interesse Deutschland« liege, der Heraus- sorderung zum Wettrüsten Einhalt zu tun, da dieser Wetteifer und die Kriegs Vorbereitungen nur dazu dienen, durch die Politik der Protektion das friedliche Vordringen des deutschen Einflusses zu störeu. Er zeigt serner, daff ein wesentlicher Unterichied besteht zwischen dem militärischen Wetteifer zivilfficrtcr Großmächte, wie England und Deutschland, und der Ausrechlerhaltung der Ordnung in halb zivilisierten Ländern durch'militärische Gewalt, ivelchc von einer zivilisierten Macht ausgeübt wird, England, erklärt er. mag ein nützliches Werk in Indien tun. weil es nötig ist, dort Ordmurg ausrecht zu erhalten. Aber es ist nicht nötig, daff England in Deutschland Ordnung schaffe oder Deutschland in England, und er weist darauf hin, daß das wirkliche Feld sür die Anwendung deutscher militärischer Macht Kleinasien sei, und daß Teutschland in dem nahen Osten dasjenige tun könne. was England in Indien getan hat. Mit Recht wies deshalb der deutsche Botschafter in London, Fürst Lichnowskp, erst kürzlich bei dem Festmahl« des Per- bandes der britischen Handelskammern aus das svm- pathische Jnieresse hin, das die von Norman Angell vertretenen Anschauungen in Deutschland gesunden hätten, DaS Obige ist naturgemäß ein bloßer Umriß de« ganzen Inhalts, der mit wahrhast künstlerischer Boll- cndung ausgearbeitet ist; aber cS genügt, da« große Interesse zu bezeichnen, welche« daS Buch, das in volkS- tümlichcr Ausgabe, als stattlicher Band� in Leinen ge- bunden. sür 1,25 TU. läuflich ist, für Studierende der gegenwärtigen europäischen Probleme hat. Es ist kein Friedensbuch im gewöhnlichen Sinne des Wortes, aber ein IchätzenSroerier Beitrag zum Verständnis der euro- päischen Politik, und nach dem Ausspruch eines Kritikers ist es bestimmt, dieselbe Wirkung aus diesen, Felde zu haben wie Darwins.lieber den Ursprung der Arieu" aus dem Gebiete der Biologie. Monitor, —• iu)ucßi ü du uc» scsicyci» um cm.«ci- �lu�cttgcu miu vc» �,4�4,4�44544.»-) 4 4»,4. 4 4.4.--------'j—________________—-- � �— ü5ä' Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für tat Lnseratenteil verantw-l Th. Glocke. Berliu. Druck». Verlag; Vorwärt,«uchdruckerei u. Verlag, anstatt Baul Singer«.Co, Berlin S» 2. Ktikze des Jormirts" Kerlimr JolWliitt Douverstag, 29. Ma! 1913. Die Generaiverfammlunacn der Berliner Aahikreiie. Erster Wahlkreis. In seinem Jahresbericht {'eioni'e Genosse Petermann, haß das verflossene Geschäftsjahr roh der Kürze von 9 Monaten ein sehr arbeitsreiches tvar. So wurden unter anderem zwölsmal Flugblätter in einer Gesamt ousktge von 179 000 Exemplaren verbreitet, 13 öffentliche und 7 Wähwrversaminlungcn abgehalten usw. Diese zahlreichen Per anstatt uirgen machten sich denn auch im Organisationsgetricbe durch viele Sitzungen usw. stark fühlbar. An Wahlvcreiusmitgliedern zahlte der I. Kreis im Jahre 1912 männliche 808, weibliche 90 und 1913 männliche 862, weibliche 116. Es ist dies dem Vorjahre gegen- über ein Mehr von 64. Ter sozialdemokratische Stimmcnrückgang bei der Kaempfschen Nachwahl ist dadurch erklärlich, daß nach den alten Listen gewählt wurde, bei der Wahl selbst auch die Tmo- kratcn gänzlich versagten. Bolzmann, der den Kassenbericht gab, konnte diesen im allgemeinen als günstig bezeichnen. Einer Einnahme von 6404,84 M. steht eine Ausgabe von 4986,18 M. gegenüber, so daß der augenblickliche Bestand 1418,69 M. beträgt. Klage führte er, daß iroch immer so unpünktlich abgerechnet wird. Den Prehkommissionsbcricht» gab Genosse Z a d u k, Genosse E g e den der Lokallommisnon. Düw eil berichtete über die SchiebS-. Genossin Kohn-Hart über die Kinderschuh- und Genosse Schw edler iibcr die Schiffer- agitationskommisslon. Die letztgenannte Kommission hat im Ver- bältnis sehr günstige Fortschritte gezeitigt. Gegen ungesetzliche Kniderarbeit konnten in 8 Fällen Schritte unternommen werden. Das Lokalverhältnis bat sich trotz Streichung mehrerer Wirtschaften im 1. Kreis nicht ungunstiger gestaltet, da der Lokalliste mehrere neue Etablissements zugefügt werden konnten. Ueber die Not- wcndigkeit der proletarischen Jugendbewegung berichtete Schwabe- dahl. Nach den N e u w a hl e n arbeiten jetzt im Vorstand als 1. Vor- sitzender Petermann, als 2. Schwabe da hl, 1. Kassierer wurde Bolzmann, 2. Hopka, 1. Schriftführer Tabbcrt, Genossin Z a d u k, Revisoren sind wieder Otto Schröder, Martha N o a ck und neu P s ü s ch i n g. Ferner lvurden delegiert in die Prcßkommission der Genosse Zaduk, in die Lokalkom- Mission Lucht, in die Schiedsgerichtskommission Düwell, in die'Schifferagitationskommission Schwcdler, in die Kinderschntz- kommission die Genossin Richter, als Vertreterin Genossin Äohn-Hart. Der Bildungsausschuß für den 1. Kreis setzt sich aus den Genossen Bolzmann, Elsner und G r a ß in a n n zu- lammen. ZentralvorstandSmitgliedcr bleiben die Genossen Peter- mann, Lucht, Düwell und Zaduk. Peter mann fun- mert weiterhin als AktioiiSauöschußmitglied. Schwabe dahl als Vertreter. Jugendausschußmitglicd und Kassierer des Vereins Jugendheim ist im 1. Kreis der Genosse Hopka. Die Abtcilungs- und Bezirks sührer wurden einstimmig bestätigt. Unter Verschiedenem entspann sich zum Schluß eine längere Debatte über die Gcsthäftsordnungsauslegung der Versammlüngs- leitung. - Zweiter Wahlkreis. Im Hofjägersaal in der Hasenheid« tagte die Generalversamm- lung des zweiten Wahlkreises. Der Vorsitzende Schröder gab den Geschäftsbericht des Vorstandes, der sich infolge der Verschiebung des Geschäftsjahres n y y* rr i Ii V. O H im 1... V«V r Jilr:_ r. i i-r».___ «ruf 9 Monate erstreckt und mit dem 31 März d. I. schließt'. Der Kreis � � is war an einer Landtagsnachwahl beteiligt, die de» Genossen erhebliche Arbeit verursachte, aber auch einen besseren Stimmen- erfolg brachte, als die vorige Wahl. Trotz der Wahlarbcitcn ruhte *l'c sonstige Agitationstätigkeit nicht. Es wurden 9 öffent- liche Versammlungen abgehalten, von denen 2 der Frauenagitatimi dienten. Außerdem fanden 6 Generalversammlungen, 4 Kreiskonfc- renzen, 26 Vorstandssitzungcn, sowie viele Versammlungen und Zusammenkünfte in den Abteilungen statt. Es wurden dreimal ,rlugblattvcrbrciwngen vorgenonimcn, bei denen 733 500 Exemplare verteilt wurden. Im Februar und März wurde die Broschüre: ..An den Einzclnien, auf den es nicht ankommt" in 60 000 Excm- Plauen verbreitet, aber diese Agitation hatte keinen befriedigenden Erfolg, denn es wurden durch sie nur 172 Mitglieder gewonnen. Fcriier wurden noch zwei Broschüren in 5000 und 4500 Exemplaren verbreitet.— Die Mitgliederbclvegung wird durch folgende Zahlen illustriert: Am 1. Juli 1912 hatte der Verein 5773 Mitglieder und zwar 5136 männliche und 637 weibliche. Am 31. März 1913 waren 5200 mannliche und 719 weibliche, zusammen 5919 Mitglieder vor. banden. Das ist eine Zunahme von 146 Mitgliedern, nämlich 82 Frauen und 64 Männer. Neuaufgenommen wurden 960, gestrichen und verzogen sind 786, gestorben 28 Mitglieder.— Die Zahl der Abonnenten des„Vorwärts" im Kreise belief sich am 1. Juli 1912 auf 7200, am 31. März 1913 auf 6607. also 593 weniger. Die Abonnentenzahl des„Wahren Jakob" ist von 1102 auf 953. die der .„Gleichheit" von 105 auf 94 zurückgegangen. Zu diesen Angaben gemerkte der Redner, es sei notwendig, die Agitation mit größter Lebhaftigkeit zu betreiben. Die jetzig« Zeit, wo die Parteiarbeit nicht durch Wahlen in Anspruch genommen werde, biete die beste Gelegenheit dazu. Am 6.Juni solle über gang Berlin eine Haus- ogitation vorgenommen werden. Der Vorstand glaube getan zu haben, was notwendig sei, um die Organisation vorwärts zu dringen. Er nehme aber nicht in Anspruch, daß er allein immer das Richtige treffe, und sei deshalb für Anregungen aus Mitglieder- kreisen dankbar. Der Kassenbericht, den Gustav Schmidt gab, schließt mit einer Einnahme von 23 036,37 M.. einer Ausgabe von 21978,56 M. und einem Bestand von 1057.81 M. Den Bericht der Prehlommissio» erstattete Ewald. Einer der wichtigsten Beschlüsse der Prcßkommission sei der, welcher die Herausgabe des Montagsblattes betrifft. Durch sie sei eine Lücke in unserem Zcitungswesen ausgefüllt� aber auch eine erhebliche finanzielle Belastung des„Vorwärts" herbeigeführt Ivorden. Auch die von der Vcrbandsgcneralversammlung beschlossene unentgeltliche Lieferung des„Vorivärts" an Kranke. Arbeitslose und Streikende habe eine bedeutende finanzielle Belastung zur Folge gehabt. Ob- gleich ein größerer Streik in dieser Zeit nicht stattgefunden habe. bedeute die Gratislieferung in den letzten vier Monaten des Geschäfts- jabres einen Kostenpunkt von 6900 M. Dadurch, daß in vielen Fällen die Abonnementsgelder nicht pünktlich bezahlt wurden. hätten sich Außenstände angesammelt, die sich bis über 6000 M. im Monat erstreckten, auch seien aus dieser Ursache nicht unwesentliche Verluste zu verzeichnen.— Ein Antrag des vierten Kreises fordere die Einführung des Wochenabonnements. Mit dieser Angelegen- heit habe sich die Preßkommission beschäftigt und sie eingehend ge- prüft. Verschiedene Parteizeitungen, die auf Drängen der Genossen das Wochenabonnement eingeführt haben, hätten sich dahin auSge- sprochen, daß dasselbe in jeder Hinsicht unvorteilhaft sei und die Einführung nicht empfohlen werden könne. Auch die Preß- kommission sei überzeugt, daß das Wochcnabonneuicnt nicht den von seinen Befürwortern erwarteten Abonnentenzuwachs, wohl aber Nachteile der verschiedensten Art mit sich bringen werde.— Tic juristische Sprechstunde werde stark in Anspruch genommen. Es seien beispielsweise im Monat März 1426 mündliche und 337 Briefkastenansragen erledigt, sowie 227 Schriftstücke angefertigt worden. Der Redner bemerkte zum Schluß, er könne mit Be fricdigung konstatieren, daß Beschwerden von wesentlicher Bedeutung gegen die Redaktion nicht vorgelegen hätten. Das sei ein Beweis dafür, daß der„Vorivärts" seinen Zweck erfüllt habe und die Masse der Leser mit dem Blatte zufrieden sei. Reinhardt, der den Bericht der Lokaltommissson gab, sagte unter anderem: Mit der jetzigen Gestalt der Lokalliste würden die Genossen wohl zufrieden sein. Einem Antrage, die Liste in Bro- schürenform herauszugeben, habe die Kommission nickt nachkommen köimen, weil ihr die Mittel dazu fehlen.— Mit Rücksicht darauf, daß das Bedürfnis nach künstlerischen Genüssen in den Kreisen unserer Parteigenossen immer mebr zunehme, sei die Kommission zu dem Beschluß gekommen, den Blüthnersaal für künstlerische Ver- anstaltungen freizugeben.— Die Kommission habe 106 Vcröffent- lichungcn erlassen, von denen 102 Bereinsveranstaltungen in gc- sperrten Lokalen betrafen. Dein zweiten Kreise stehen 22 Lokale zur Verfügung. Der Redner ersuchte um strengste Beachtung der Lokalliste bei Ausflügen, denn in den miswärtigen Orten sei die Lokalfragc von großer Bedeutung für die örtliche Parteibewcgung. schwenke gab einen Bericht über die Einzelfälle, welche die Schiedskommission beschäMzt haben. Den Bericht des ÄreisbildungsausfchusseS erstattete G run- Wald. Der Ausschuß, der ja erst kurze Zeit bestehe, habe einen Kursus über preußische Geschichte abhalten lassen. Für das kam- mende Jahr seien zwei Kurse geplant. Zu jedem desselben sollten nur etwa 30 Teilnehmer zugelassen werden, damit die AuSbitdung eine möglichst intensive sein könne. Ter eine Kursus solle sich auf die Erörterung des Erfurter Programms erstrecken, während in dem anderen durch Rosa Luxemburg das Thema„Militarismus und Imperialismus" behandelt Iverde. Neben seinen Arbeiten für den gesamten Kreis habe der Ausschuß den Abteilungen, die es wünschten, bei der Veranstaltung ihrer Feste zur Seite gestanden. Von seiner Wiederwahl in den Ausschuß ersucht der Redner, Abstand zu nehmen, weil er durch andere Arbeiten stark in Anspruch genommen sei. Zur Diskussion über die Berichte meldete sich niemand. Der Vorsitzende Schröder gab bekannt, daß bei der am 1. Juni stattfindenden Vorstandswahl die bisherigen Mitglieder des Vorstandes wieder kandidieren mit Ausnahme der Genossin Baader, die auf eine Wiederwahl verzichtet. An ihrer Stell« ist die Genossin Wurm vorgeschlagen. Ferner sind noch vorge- schlagen N a u- n d o r s als Revisor und Pönitz für die Lokal- kommission. In den Kreisbildungsausschuß wurde aus jeder Abteilung ein Mitglied gclvählt und zwar: K la r i u s, Frau Wurm, Wen- del, Schulz, Doßniar, Buchinski, Jakobe y. Die achte Abteilung hat ihren Vertreter erst zu bestimmen, da der Vorge- schlage»« in der Generalversammlung zurücktrat. Zur Verbaudsgeneratversammlung wurden die von den Ab- tcilungen vorgeschlagenen Delegierten gewählt. Der auf der Tagesordnung stehende Vortrog des Genossen Schenk über die Jugendbewegung wurde wegen der vorgerückten Zeit abgesetzt. JakobowSki trug die Ergebnisse einer Statistik über den Besuch der Zahlabend« vor. Er bemerkte aber, dos Material sei so unvollkommen und so lückenhaft, daß sich Schlüsse daraus nicht ziehen lassen. Damit war die Tagesordnung erledigt. Die Generalversammlung für den Dritter Wahlkreis. fand im„Dresdener Kasino" statt. Den Geschäftsbericht des Vorstandes gab der Genosse Pohl. Er gab eine Ilcbcrsicht über die Tätigkeit während der neun Monate bis zum 31. März, zu welchem Zeitpunkt gemäß dem Chemnitzer Parteitagsbcschluß diesmal das Geschäftsjahr schloß. An Mitgliedern nahm der Ver- ein in den neun Monaten nur um 137 zu, wovon 58 männliche und 79 weibliche waren. Der Verein hatte am 1. Juli 1912 insgesamt 3121 Mitglieder(2739 männliche und 382 weibliche), während er am 31. März 1913 insgesamt 3258 Mitglieder(2818 männliche und 440 weibliche) hatte. Durch die Parteispedition des 3. Kreises wird der„Vorwärts" an etwa 3000 Abonnenten verbreitet, die„Gleiche heit" in 50 Exemplaren und der„Wahre Jakob" in 450 Exemplaren Wenn nun auch, fichr Pohl fort, die Landtagswahlen nicht in das verflossene Geschäftsjahr fielen, so wolle er doch dazu einige Worte sagen. Allerdings sei der dritte Landtagswahlkreis, der im 3. Reichstagswahlkreis hauptsächlich in Frage kam, noch nicht zu erobern gewesen; indessen hätte nach seiner Meinung das Resultat doch ein besseres sein können. Die Stimmenzahl habe ja erfreu- licherwoise zugenommen. Aber mehr Wahlmänner hätten erobert werden inüsscii. Insbesondere sei es bedauerlich, daß es dem Frei- sinn noch gelungen sei, in der 3. Wählerabteilung sieben Wahl- männer zu bekommen. Ziedner gab eine Ilebersicht über das ZahleuvcrhältniS und über den Verlauf der Wahlarbeiten selber. Genosse Albert Harndt als Kassierer erstattete den Kassenbericht für die Zeit vom 1. Juli 1912 bis 31. März 1913. Bei Beginn dieser Zeit betrug der Kassenbcstand 2778,93 M. Einschließlich dieses Bestandes betrug die Gesamteinnahme 15 077,54 M. Die Gesamtausgabe betrug 12 480,07 M.. so daß am 31. März 1913 ein Bestand von 2597,47 M. verblieb. Man schritt dann zur Borstandswahl. Hierzu nahm Genosse Protz das Wort, um am Vorstand, beziehungsweise am Vorsitzen- den Pohl Kritik zu üben wegen der Vorgänge, welche im vorigen Jahre zu einem vor etwa einem halben Jahre friedlich erledigten Streit mit einer Abteilung führten. Auch berührte er den vom dritten Kreis seinerzeit gegen die Landtagskandidatur des Genossen Borchardt ausgegangenen Protest. Genosse Mau geht darauf auf die Angelegenheit Borchardt ein, indem er sich hauptsächlich dagegen wendet, daß eine Funktionärversammlung des 5. Landtagswahlkreises einfach die Landtag�kandidatur Borchardts beiseite schiebe, obwohl die letzte Verbands-Generalvcrsammlung nach ihrem ersten Verdikt gegen den Genossen Borchardt in ihrem zweiten Beschluß aus- gesprochen habe, daß sie sein Versehen nicht so schwer auffassen wolle, daß daraus eine Aberkennung der Landtagskandidatur zu folgen hätte. Das müßte maßgebend sei». Er könne nicht ver- stehen, daß eine Vertrauensmänner-Versammlung herkommen und den Beschluß der VerbandS-Generalversammlung für null und nichtig erklären könne. Tie Verbands-Generalversammlung müsse die entscheidende Instanz sein. Den Tausch, den die Funktionäre mit ihrem neuen Kandidatenvorschlag vorgenommen hätten, könne er auch keinen glücklichen nennen. Er bitte, eine entsprechende Resolution anzunehmen. Genosse Pohl detontc, daß diese Angelegenheit dem Vor- stand, zu dessen Neuwahl man jetzt schreiten wolle, doch nicht ange- kreidet werden könne. ES müsse später doch noch über den Fall Borchardt gesprochen werden. Bis dahin müßte auch die Frage des Eingreifens der Funktionäre des S. LandtagswahlkreiscS zurückaestellt werden. Der Vorstand des WablvereinZ im dritten Kreis sei ganz unschuldig an dem Beschluß jener Funktionäre, den er ebenfalls verurteile, Darauf wird die Angelegenheit zurückgestellt und eS folgen erst die Wahlen. In den Vorstand werden gewählt: August Pohl, 1. Vorsitzender: Paul Jakob, 2. Vorsitzeirder; Albert Harndt, 1. Kassierer; Georg Felsmann, 2. Kassierer; Fritz Schmidt, 1. Schriftführer; Paul Gcnth, 2. Schriftführer. Ferner als Beisitzer: B en k e r t, F c u ch t c r, St e p h a n Fritz, August Röslcr, Rirdolf Budde, Eugen Günther, sowie Emilie Rcinkc(Vertreterin der Frauen). Die Bei- sitzer und einige der übrigen Vorstandsmitglieder sind zugleich die Abteilungsführer. Zu Revisoren werden Buchmann, Fröhlich und F i c- b i g gewählt. Genosse Braun berichtete darauf über die Tätigkeit der Prep- kommission, wobei er die Schaffung des Montagsblattes behandelte und die dadurch notwendig gewordenen Aenderungen darlegte.- Auch betonte er unter Anfuhrung der Zahlen die Belastung, die durch den Beschluß von Groß-Berlin über die Freilieferungeii der Zeitung an Kranke, Ausgesperrte, Erwerbslose usw. erwächst. Leider habe die Abonnentenzahl seit dem Juni 1912 um mehrere Tausend bis zum März abgenommen. Im März habe die Aus- läge 156 000 Exemplare umfaßt. Es folgte eine kurze Diskussion, in der ein Redner eine Ein- schränkung der Illustrationen im Montagsblatt, die er nicht für künstlerisch hält, verlangt. Genosse Müller derichtete für die Lokaltommissson. Er hebt hervor, daß der„Blüthnersaal", soweit künstlerische Vcron- staltungen in Frage kommen, für Vereine freigegeben sei. Andere Kilnstinstitutc seien in der Lokalliste durch einen Stern als solche gekennzeichnet, die für den persönlichen Verkehr frei seien. Leider hätten Beschwerden aus Provinzorten nicht aufgehört, daß sich Ver- eine, auch von Organisierten, nicht an der Liste hielten. Den Gc- nassen dort sei der Rat gegeben loorden, friedlich auf Aenderung zu wirken und dann eventuell beim Kartell Ausschlußanträgc zu stellen. Der drite Kreis verfüge jetzt über 35 freie Lokale. Genosse Jakob berichtete dann über das Wirken der SchicdS- kommission von Groß-Berlin und Genosse Braun über das der Schiedskommission des dritten Kreises. In die P r e ß k o m m i s s i o n wird Genosse Braun, in die Lokalkom Mission Genosse Müller und in die S ch i e d s- kommission für Groß-Berlin Genosse Jakob gewählt. In die K i n d c r s ch u tz k o m m i s s i o n wählte die Persamm- lung die Genossin Schröder. In den Bildungsausschuß wurden gewählt die Genoffen Pohl, Fröhlich, Bcnkcrt, Schmolinskv und G c n t b. Die Schiedskommission des Kreises setzt sich nach der Neuwahl zusammen aus den� Genossen Braun, Beyer, Adolf Harndt, K ö p p c n, Schmidt und als Ersatzmann Schah!.' In die Zcitungskom Mission wählte man die Gc- Nossen Körner, Baucrschmidt, Hinz und Latz. Genosse Braun wurde in dieSchiffcr-AgitationS- kommission gewählt. Die für die Verbands-Generalversammlung von den Abteilungen vorgeschlagenen Delegierten wurden bestätigt. Dem Beschlüsse der Kreiskonserenz, daß in Zukunft den Delegierten zur Verbands-Generalversammlung für den Tag einschließlich der der Versammlung vorhergehenden Sitzung eine Entschädigung von 2 M. zu zahlen sei, stimmt die Versammlung zu. Hinsichtlich eines zur Verbands-Gencralversamrnluna von Tcltow-Beeskow gestellten Antrags auf Herbeiführung einer Reorganisation durch ,.„„,. usammen- legung der acht Grotz-Berlincr Wahlvcreiuc zu einem Aezirksver- ein war sich die Versammlung mit dem Vorstand darin einig, daß man ersDdie nähere Begründung hören und darauf dringen will, daß die Angelegenheit dann erst an die Kreise zurückgeht. Nun schritt man zur Verhandlung der Angelegenheit Borchardt. Genosse Pohl nahm zur Begründung eines Vorstandsan- träges das Wort. Er rekapitulierte kurz die Stellungnahme der letzten Verbands-Generalversammlung und führte weiter aus: Selbst solche Genossen, die für den zweiten, dem ersten wider- sprechenden Beschluß gestimmt und so Borchardt eines Land- tagsmandats noch für würdig befunden hätten, hätten geglaubt, er werde in den nächsten Tagen von der Kandidatur zurücktreten. Das sei nicht erfolgt. Etwas müsse aber in der Sache geschehen. Wie es der 4. Reichstagswahlkreis beziehungsweise die Funktionäre des fünften Laudtagswahlkreises gemacht haben, gehe es aber nicht. ES könne nur ein Schiedsgericht beantragt iverden. Der Vorstand des Wahlvereins im 3. Reichstagswahlkreis, der ja beteiligt sei, habe nun beschlossen, beim Parteivorstand ein Schieds- gericht zu beantragen, und er ersuche die Versammelten, dem zu- zustimmen. Der Vorstand wolle die Beisitzer, die er zu bestimmen habe, gar nicht aus dem dritten Reichstagswahlkreis nehmen, da- mit nicht gesagt werden könne, sie seien parteiisch. Er wolle diese Schiedsrichter aus anderen Kreisen nehmen. Genosse D a ß l c r vertrat darauf lebhaft den Standpunkt, daß Borchardt Unrecht geschehen sei. Das Ganze sei nur aiif einen Krach zwischen ihm und den Genossen Linde und Braun zur Künigsberger Zeit zurückzuführen. Der 3. Kreis habe die Sache gedeichselt und Genosse Fritz habe in der vorletzten Per- bandsvcrsammlung bestellte Arbeit geleistet. Genosse Gcnth wendet sich gegen den Vorredner und betont, es sei gerade einem gebildeten Manne wie Borchardt besonders schwer anzurechnen, daß er andere in schlimmer Weise schmähe, obwohl ihm das Irrige seiner Behauptungen zehnmal nachgewiesen sei. Borchardt habe sich nicht geschämt, den unberechtigten Vorwurf der Unterschlagung gegen Linde aufrechtzuerhalten, um schließlich zu sagen, er gehe nun soweit, zu sagen, daß Linde eine Unter- schlagung nicht nachgewiesen sei. Bei solcher Aeußerung bleibe eben immer ein Makel hängen. Borchardt habe auch alte Genossen wie Pfannkuch zynisch verhöhnt. Genosse Stephan Fritz gehr ebenfalls auf die Verbands- Generalversammlung ein, indem er sich gegen BorchardtS Ver- halten wendet und ganz entschieden bestreitet, daß er(Fritz) bc- bellte Arbeit geleistet hätte. Genosse Adolf Harndt, der. tu der Untersub�ungskom- Mission im Falle Borchardt war, schildert die eingehende Unter- uchung, teilt verschiedene Einzelheiten mit und legt dar, daß die Kommission ihre Schuldigkeit getan habe und zu keinem Fehl- urteil gekommen sei. Redner ist für den Antrag aus Einsetzung eines Schiedsgerichts. Nachdem noch Alfred Fröhlich zur Angelegenheit ge- prochen hatte, nahm die Versammlung den Antrag des Vorstandes auf Einsetzung eines Schiedsgerichts im Falle Borchardt gegen sechs Stimmen an. Dann war die Resolution Mau zu erledigen, die besagt, daß sich die Versammlung dagegen verwahre, daß eine Vertrauens- männcrkonfcrenz eines Landtagswahtkreises einen Beschluß einer Verbands-Generalversammlung aufheben könne. Genosse Pohl erklärt, daß er mit dem Sinn der Resolution einverstanden sei. aber doch ersuchen müsse, sie abzulehnen. Man möge solchen Beschluß aus bestimmten Gründen andere» Kreisen überlassen, Genosse Man lohnt es ab, die Resolution zurückzuziehen und tritt für ihre Annahme ein, aus den Gründen, die schon oben wiedergegeben sind. Die Resolution Mau wird dann nach kurzer Debatte ab gelehnt, Vierter Wahlkreis. Die aus Delegierten zusammengesetzte.Generalversammlung tagte in den Kestsälen, Koppenstratze. Zu Beginn der Versammlung wurde beantragt, die Tages- ordnung dabin abzuändern, daß die Angelegenheit Borchardt vor dem Geschäftsbericht des Vorstandes verhandelt werden soll. Nach kurzer Gcschästsordnungsdebatte wurde dieser Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt. Dem durch den Borsitzenden P. Hoffmann erstatteten Geschöftstzericht sei folgendes entnommen. ftw Bordergrunde des Interesses standen die vor wenigen Tagen erledigten Nahlmänncrwahlen, sowie die im November v. Z. stattgefundenen Gcwerbegcrichtswahlen. welche unS gute Erfolge brachten. Durch die Verlegung des Geschäftsjahres umfaßt der Tätigkeitsbericht des Vorstandes nur 9 Monate. In dieser Zeit wurden di« Geschäfte des Kreises in 7 Generalversammlungen Lkl Borstandssitzungen, 5 erweiterten Vorstandssitzungen, sowie ? Kreiskonferenzen erledigt. Außerdem fanden 24 Viertelsversamm» lungen statt, welche sich mit den Vorschlägen und Anträgen zum Nartettag, Preußen tag und Perba ndS-Gcncralvcrsaminlungen de faßten. Oeffentliche Versammlungen wurden 27 abgehalten. ist Flugblätter in einer Gesamtauflage von t 85t) OVO Exemplaren gelangten zur Verteilung. Die Agitation unter den Frauen wurde in den Leseabenden mit Erfolg betrieben. In jedem Monat fanden 41 statt, welche durchschnittlich von 41 Personen besucht waren. Wurde schon in den vorhergehenden Jahren über die geringe Mit gliederzunahme geklagt, so ist in diesem Berichtsjahre die bedauer tiche Tatsache eines erheblichen Rückganges zu verzeichnen, hat doch der Wahlverein 1S2K Mitglieder verloren. Aufgenommen wurden 28g4 Mitglieder, wegen rcstierender Beiträge mußten 2071 Mit- gtieder gestrichen werden. Durch Austritt, Ausschluß und Tod sind 241 Mitglieder verloren gegangen. Bemerkenswert ist noch, daß aus anderen Kreisen nur 989 Mitglieder zugezogen, dagegen nach anderen Kreisen 2497 Mitglieder abgemeldet wurden. Der Mit- gliederbestand war am 1. Januar 1996: 8(3S9 Mitglieder, am 1. Januar 1909; 20 967, am 1. Juli 1912; 25 267 und am 31. März 1913 23 341 Mitglieder. Der Vorstand hat sich eingehend mit dieser Fluktuation der Mitglieder befaßt, kam dann nacki mehreren Beratungen mit den Funktionären zu dem Resultat, der Generalversammlung zu«m- pfehlen, durch Einführung der Hauskassierung diesem Rückgang otwaS entgegen zu arbeiten, jedoch wurde dieser Antrag durch Ab- stimmung auf dem April-Zahlabend abgelehnt. Von 6685 Mit gliedern stimmten 2770 dafür und 3955 dagegen. Auch in dem Bericht beS Kassierers trat der Mijgliedcrrückgang durch Verminderung der Einnahmen in die Erscheinung. Einer Einnahme von 87151,72 M. stand eine Ausgabe von 85 908,60 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 1243,12 M. vorhanden ist. In der Diskussion über den allgemeinen Vorstandsbcricht äußert Genosse K l i n g l e r sein Bedauern über den auffälligen Rückgang an Mitgliedern sowie Vorwärts-Abonnenten. Diese Rückgänge zur jetzigen bewegten Zeit dürften bei Freund und Feind Aufsehen erregen. Redner wünscht, die Vorstände mögen die Euer- gie und Kroftentfaltung, welche bei der Erörterung der Angelegen- hsit Borchardt verschwendet worden ist, doch lieber auf die Ge- winnung und Erhaltung von Wahlvcreinsmitgliedern verwenden. Genosse K o ck e r s wünscht den Ausbau der Bibliothek des Wahlvereins, welche gegenwärtig nur 620 Nummern umfaßt. Redner befürwortet eine gewisse Dezentralisation des Kreises, indem die Hauptarbeit in die einzelnen Viertel verlegt werden soll. TeS weiteren bezweifelt Redner die Zweckmäßigkeit der Flugblätter, welche gegenwärtig in die Massen geworfen werden, empfiehlt da- gegen periodisch erscheinende AgitationsauSgaben des„Vorwärts". Es folgen nunmehr die Berichte der Kommissionen. Beim Bericht der Befchwerdekommission ersucht der Bericht- erstatter. mit den Ausschlußanträgen etwas sparsamer umzugehen. In den neun Monaten hatte die Kommission über 34 Anträge zu entscheiden. In 3 Fällen mutzte auf Ausschluß erkannt werden. Gegen einen Ausschluß liegt Berufung an die GeneralverjAMmluna vor. Nach kurzer Debatre wurde diese Berufung an den Vorstand des Kreises zurückverwiesen. Den Bericht der Kinderschubkommissinn erstattete Genossin Döltz. Im Ganzen bearbeitete die Kommission 132 Fälle. In 41 Fällen konnte die ungesetzliche Beschäftigung beseitigt werden, SO Fälle sind noch nicht erledigt. Als verwahrlost wurden 9 Rinder gemeldet: hier konnte auf gütlichem Wege Abhilfe geschaffen werden. Vernacklässigung der Kinder durch die Eltern kamen 24 Fälle zur Kenntnis, wovon 22 Fälle erledigt werden konnten. In der Diskussion kritisiert Genossin K u b« l a die ungc. setzliche Beschäftigung von Kindern als Zeitungsausträger am „Lokal-Anzeiger" sowie„Morgenpost". Die Berichte der Schiedskommission Groß-Berli» und der Lokalkommission, gegeben durch die Genossen Me l l e und Beyers- d o r f, werden ohne Diskussion entgegeiigenommen. Der Berichterstatter der Presskoinmission führt aus, daß die Einführung des nunmehr geschaffenen Montagsblattes durch die Verhandlungen mit den Austrägerinnen recht erheblich verzögert worden ist. Im Anschluß daran betont Redner, daß die immer wieder auftauchenden hämischen Bemerkungen über die Lohnver- bältnisse der AuSträgerinnen garnicht scharf genug zurückgewiesen iverden können. Ist doch der„Vorwärts" bezüglich seiner Entlohnung an die AuSträgerinnen den bürgerlichen Blättern weit voraus. Laut Tarif erhalten die Botenfrauen pro Monat und 100 Exem- plaren 28,00 M.. vom 1. Januar 1914 ab 28,50 M. Dazu kommt noch, daß für Austragen von Druckschrifteil usw. pro Exemplar l bis 3 Pf. Bestellgeld gezahlt wird. Die Beiträge für Kranken- und Invalidenversicherung bezahlt der Verlag. Entgegen früheren Beschlüssen haben Preßkommissron und Parteivorstand dem Wunsche der Parteigenossen(bezw. dem Beschlüsse der Groß- Berliner Generalversammlung vom 25. August 1912) in bezug auf Gratislieferung des„Vorivärts" nachgegeben. Demgemäß erhalten arbeitslose Abonnenten auf ihren Antrag(der durch Vermittelung der Bezirksführer zu stellen ist) den„Vorwärts" frei, vorausgesetzt, daß sie 4 Wochen arbeitslos und zwei Jahre politisch und gewerk- schaftlich organisiert sind.(Kranke, Streikende und Ausgesperrte desgleichen.) Tie Empfänger von Freiexemplaren haben sich zwei- mal im Monat beim Spediteur zu legitimieren. Die Statistik über die finanziellen Wirkungen dieses Beschlusses stellt sich fol- gendermaßen dar: Ausgabe für Freiexemplare in den 4 Monaten Statistik beweist, daß aller Anlaß vorliegt, einen Teil der Abow nenten de#„Vorwärts" auf die Notwendigkeit prompter Erfüllung ihrer ZahluiigSpflicht hinzuweisen; denn in den genannten vier Monaten waren neben einem glatten Verlust von 1784 M. folgende Außenstände zu verzeichnen: Dezember 1912 3924,25 M.. Januar 1913 6823,32 M.. Februar 1013 6260,79 M.. März 1913 6739,77 M. Ter Abonnentenstand ist gegenwärtig 156 000. Auf den 4. Kreis entfallen davon 26 422 Abonnenten, daß sind 1300 weniger als im vorigen Jahre. Für einen Kreis, der bei der Reichstagswahl 90 000 Stimmen aufgebracht hat. wird und muß sich die Abonnentenzahl für den„Vorwärts" verdoppeln lassen. In der Diskussion bemängelt eine Genossin, daß in der Spedition Fritz nicht alle Botenfrauen im Transportarbeiter- verband organisiert sind. Nunmehr erfolgen die Vorschläge zum Kreis- sowie Zentral- vorstand. Die vorgeschlagenen Kandidaten werden sämtlich akzeptiert, Tie Urwahl findet am«Sonntag, den 1. Juni statt, Durch Zuruf wird für diese Wahl«ine sievengliedrige Zähl kommission gewählt, bestehend aus den Genossen Groß topf Langner. Loii, Rosenthal, Welzer. Werner und Genossiii T e m n i n g. Als Viertelsführer werden die Genossen Werk, Schmidt Degen Hardt, Gutekunft, Kaulfus und Neue ba stätigt. Für den Aktionsausschuß wird der Vorsitzende H o f f m a n n rhlt. gewa; Für Grotz-Berlin werden die Genossen Ernst, BoeSke und Fischer vorgeschlagen. Der 3. Punkt der Tagesordnung:„Stellungnahme zur Ver bairdSgeneralversammlung" entfesselt eine lebhafte Debatte Folgender Antrag auf ein Wochen-Abonnement für den„Vorwärts" steht zur Beratung: „Um den Leserkreis des„Vorwärts" bedeutend zu ver« größern und dadurch mit der prinzipiellen Aufklärung tiefer in die Berliner Arbeiterschaft einzudringen, ist der„Vorwärts im obligatorischen 25 Pf.-Wochenabonnement zu liefern." In längerer Rede erivähnt Genosse R e t t s ch l a g. daß der Verlust an ,.Porwärts"-Abonneliten doch zu denken gebe. Ter Hauptgrund dieses Stillstandes liegt nach Ansicht des Redners in dem Festhalten an dem veralteten Bionatsabonnement. Wenn „Lokalanzeiger" und„Berliner Tageblatt" Monatsabonnement haben, so sind doch die Leser dieser Blätter überwiegend Monats löhner. Ohne weiteres ist es klar, daß das Wochenabonnement dem Leserpublikum des„Vorwärts" angepaßt ist. Zum Schluß seiner Ausführungen bezweifelt Redner die Richtigkeit der Ver- lustberechnungen der Pretziommission, stellt demgegenüber eine Gewinnberechnung auf, die bei Einführung des Wochenabonne ments durch Gewinnung neuer Abonnenten eintreten dürste. Der nächste Redner, Genosse K o ck c r s, erinnert daran, daß bei Berechnung der Ausgaben für das Montagsblatt die gesamten Ueberschüsse des„Vorwärts" aufgebraucht werden sollten, waS aber durchaus nicht der Fall ist. Der�Hinsührung eines 30 Pf. Wochenabonnements würde Redner zustimmen, wenn damit die Einführung eines Abendblattes verbunden Ivird. Diesen beiden Rednern tritt Genosse D a v i d s o h n entgegen, oft von lebhaften Zwischenrufen der Versammlung unterbrochen. Redner konstatiert, daß er ein begeisterter Anhänger des Wochen avonncmentS gewesen sei. Aber die Schwierigkeiten, die sich dieser Durchführung entgegenstellten, smd so groß, daß er diesem Modus nicht mehr das Wort reden könne. In erster Linie ist es der Kamps. den die Botenfrauen gegen das wöchentliche Kassieren führen und mit Recht, denn dann haben die Frauen überhaupt keinen freien Sonntag mehr. Ach und dann die Berechnungen der Borredner. Dem kann man entgegensetzen, daß bei Verbilligung des„Vorwärts". Abonnements von 1,35 M. auf 1,10 M. auch nicht die 10 000 neue Leser hingugekommen sind, wie vorausberechnet wurde. Die zeit weilige Durchführung des Wochenabonnements in der Spedition Böhm brachte ebenso große Verluste wie beim bisherigen System. Da es mittlerweile 12 Uhr geworden, wird„Schluß der Tis kussion" beantragt. Ein anderer Antrag liegt vor:„die Ver 'ammlung zu vertagen". Letzterer wird angenommen. Fünfter Wahlkreis. Der Borsitzende, Genosse Friedländer, gibt den Geschäftsbericht, der sich diesmal mir auf neun Monate erstreckt. Leider ist das Er- gebnis nicht so günstig wie im Vorjahr. Ter Fortschritt ist«in ganz minimaler, während die Einnahmen und Ausgaben geringer geworden sind. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß sich der vorige Geschäftsbericht auf zwölf Monate erstreckte, während diesmal infolge der Verlegung des Geschäftsjahres nur über neun Monate Bericht gegeben wird. Tie Fluktuation in den Reihen der Mitglieder war wieder ehr groß. Ausgenommen wurden in der Berichtszeit 546 mann. liche und 114 weiblich« Personen, verloren gingen 530 männliche und 80 weibliche Personen, so daß der tatsächlich« Gewinn ein recht bescheidener ist. Der Mitgliederstand war am 31. März wie folgt: 2016 männliche und 334 weibliche Mitglieder, insgesamt also 2350 Mitglieder. Ter Stand der Parteipresse ist ungünstig. Wir müssen ganz offen zugestehen, daß die Verbreitung d«S„Vorwärts" im fünften Wahlkreise zurückgegangen ist. Schuld daran tragen die schleckten wirtschaftlichen Verhältnisse, die inr Ztovember vorigen JahreS einsetzten. Es steht zu hoffen, daß die VerMtnisse in der kommenden Zeit besser Werdern Auch das politische Leben wird reger werden. Wir brauehen nur an die Militärvorlage und an die neue Finanzreform zu denken. Bedauerlich ist die geringe Anzahl von Abonnenten auf die„Gleichheit". Während wir über 300 weibliche Mitglieder haben, können wir nur 60„Gleichheit"» Abonnentinnci, buchen. DaS ist ein Zeichen von geringem Jnter- esse. Die Agitation dafür muß lebhafter werden. Mindestens diejenigen Frauen, die unsere Zahlabende besuchen, können als Abonnenten gewonnen werden. Der Redner verweist sodann auf «ine gedruckt vorliegende Uebersicht über den Besuch der Zahl- abend« und knüpft daran einige Betrachtungen. Die Agitation muß jetzt in verstärkter Weise beginnen. Tie Wählerlisten zur LandtagSwahl können und müssen zur Agitation benutzt Werde». Schon jetzt kann festgestellt werden, daß mehr Wähler öffentlich sozialdemokratisch gewählt haben, als„Bor- !värtS"-Leser in den Wahlbezirken vorhanden sind. Da muß unsere Tätigkeit einsetzen. Jeder sozialdemokratische Wähler muh 'ür den Wahlverein und als„Vorwärts"-Abonncnt zu ge- Winnen sein. Redner beschäftigt sich sodann mit dem ncugebildeten BezirkS- bildungsauSschuß, über dessen Tätigkeit infolge der kurzen Zeit 'eines Bestehens noch nichts zu sagen ist. X Im Mittelpunkt der Diskussion stand im letzten Jahre das Thema: Abschaffung der Zahlabende. ES besteht der allgemeine Wunsch, die Zahlabende nicht zu beseitigen, sie aber Wir freuen uns über diese Ansicht. Der Zahlabend orientiert die Genossen und gibt ihnen den Einfluß auf die Geschäfte des Ver- bandeS von Groß-Berlin, der ihnen gebührt. Eines können wir beute schon mit Sicherheit sagen: An der Einrichtung der Zahl- abende wird nicht gerüttelt werden. Turch T e l t o w- B e e S t o w ist die Frage der größeren Zentralisation von Groß-Berlin zur Diskussion gestellt worden. Diese Angelegenheit ist noch nicht spruchreif und ist daher weit- gellendste Diskussion notwendig. Tie Vertreter des fünften Kreises im Zentralvorstaud standen der Frage zuerst sehr wohl- wollend gegenüber. Erscheinungen der letzten Zeit haben uns iedoch etwas stutzig gemacht und uns die Frage vorgelegt, ob da« Interesse der kleinen Kreise bei der Zentralisation auch genügend gewahrt bleibt. Jedenfalls tverden die Genossen über alle die Frage berührenden Angelegenheiten auf das beste unterrichtet werden. Friedländer geht dann auf die im fünften Kreise ge- tellten Ausschlußanträge ein und bittet, mit der Stellung von Ausschlußanträgen sehr porsichtig zu sein. Es darf kam Aus- schlußantrag im Zorn gestellt werden, wie das leider manchmal geschieht. In Groß-Berlin sind einige Aenderungen des LerbandSstatutS vorgenommen worden. Die Agitationskommission für Brandenburg ist aufgelöst worden. Dafür haben jetzt Sitz und Stimme im Zentralvorstand die Schiedskommission und die Schifferlommission. Zur Lerbandsgeneralversammlung kommen jetzt nur noch auf je 150 Mitglieder ein Delegierter. Im weiteren Verlauf seiner Aus- führungen schildert der Redner die Agitation in der Lerichtszeit, die eine sehr umfangreiwe war. Generalversammlungen fanden sechs statt, während der Vorstand zur Erledigung seiner Arbeiten 24 Sitzungen abhielt. Fried länder fordert zum Schluß auf, in der Agitation nicht zu erlahmen und besonder? das Augenmerk auf die Jugend zu richten. Wir müssen alles daran setzen, daß die Jugend in sozialistischem Geist erzogen wird. Dann wird es gelingen, die Jugend von den bürgerlichen Jugendorganisationen fernzuhalten. Eine gute sozialistische Erziehung ivird die Jugend auch standhaft machen gegen gewisse liebergriffe in den Fortbildungsschulen.(Leb- haster Beifall.) Ten Kassenbericht gibt sk l r st e. Aus dem ausführlichen Bericht seien die folgenden wesentlichsten Zahlen wiedergegeben. Die Einnahmen betrugen: An Beitragsmarken 6350,40 M., sonstige Einnahmen 4624,39 M., Kassenbestand von 1912 439,21 M.. insgesamt 11614 M. Die Ausgaben betrugen 11 356,42 M., so daß ein Kassenbestand von 257,58 M. verbleibt. An die Verbandskasse wurden an. Monats- beitragen 2000 M. abgeliefert, sonstige Beiträge 301,37 M„ insgesamt 2301,37 M. In der Diskussion ermahnt Genosse«sonn«mann gleich- falls zu erhöhter Tätigkeit für die Jugend und befürwortet beson- ders die Einsübrung von DiStussionSabenden für die Jugendlichen von 18 bis 21 Jahren. Ten Bericht der Prehkommission gibt Genosse W e l S. Leide« sei der Abonnentenstand deS„Vorwärts" kein günstiger. Was Friedländer vom fünften Kreis gesagt hat."treffe auf ganz Groß-Berlin zu. Zu den Reichstagswahlen betrug die Abonnenten- zahl 172000. Bei Beginn der Geschäftsperiode waren es 161000 und jetzt sind e« 156 700 Abonnenten. E» muß eine lebhaftere Agitation für den„Vorwärts" entfaltet werden. Im Mitarbeiter« stabe sind einige Veränderungeii eingetreten. Besonders zu er- wähnen ist das Engagement des Genossen Dr. Franz D i e d e r» ch für das Feuilleton. ES steht zu erwarten, daß dieses jetzt so aus- gebaut werden kau», wie eS den Wünschen vieler„Vorwärts"- Leser, besonders auch der Frauen, entspricht. Eine Erweiterung der Redaktion für den lokalen und Vorortteil ist in Borbereitung und soll versucht werden, eine erste journalistische Kraft auf diesem Gebiete zu gewinnen. Der langgehegte Wunsch der Berliner Ge- Nossen, eine Montagsausgabe zu erhalten, ist jetzt erfüllt worden. Das Montagsblatt habe in ganz Berlin großen Beifall gefunden. Dasselbe tragt absichtlich einen von der übrigen Wochenausgabe unterschiedlichen Charakter. Der feuilletonisiische Teil ist wehr berücksichtigt und auch die politische Satire findet ihren Platz. Die Kosten der Montagsausgab« sind außerordentlich hoch. An die gleichfalls schon lange gewünschte Abendausgabe kann leider vor- läufig nicht gedacht werden. Wir nehmen die Schwindelinserate, die in bürgerlichen Blättern erscheinen, nicht auf, und andererseits gibt eS eine Anzahl Firmen, die im„Vorwärts" nicht inserieren. Der Redner bespricht im weiteren Verlauf seiner Ausführungen einig« Beschwerden, die gegen die Redaktion eingelaufen waren. Besondere Anerkennung findet die juristische Sprechstunde. Die- selbe wurde in der Berichtszeit von insgesamt 13 637 Personen besucht. Briefkastenanfragen wurden 3020 erledigt, außerdem wurden 1653 Schriftstücke angefertigt. Insgesamt also wurden 18319 Fälle erledigt. Trotz dieser außerordentlich umfangreichen Tätigkeit sind der Preßkommission fast keine Beschwerden zu- gegangen. Nach einer Besprechung des Straftontos kommt Wels zum Schluß und fordert zu weiterer Agitatton für den„Vorwärts" auf. Wir werden uns bemühen, denselben immer mehr vorbildlich zu gestalte«. Unser Äugenmerk muß aber auch darauf gerichtet bleiben, daß wir Ueberschüsse erzielen, denn wir müssen unseren Stolz darein setzen, die Mittel aufzubringen, um auch in die zurückgebliebenen Gegenden daS Licht der Aufklärung zu bringen. (Beifall.) Genosse H a h n i s ch gibt den Bericht der Lotalkmiimisfilin. Im fünften Kreise stich 26 Lokale frei. Tie Lokallijte ist üversichi- licher gestaltet worden. Aus dem geschrieben vorliegenden Bericht der Ichledskommission verliest Genosse Friedländer die den fünften KreiS betreffenden Angelegenheiten. Es ivird nunmebr zur V o r sia nd S w c> h l geschritten, die folgendes Ergebnis hat: 1. Vorsitzender W. Fried länder, 2. Vorsitzender O. Timm, 1. Schriftführer G. H u n i ch e d", 2. Schriftführer Paul Schrollo. 1. Kassierer K. Kirfte, Kassierer H. Scha waller, Schiedskommission E. Rose. mann. Revisoren Paul H i l d e b r a n d t. Hermann Reppenhagcn, Max Wardin. Aktionsausschuß W. Friedländer, Preßkommission O. Wels, Lokalkommisston Ä. Hah n i sch. Zu Beisitzern für den engeren Vorstand werden geioähll die Genossinnen Blum und Holzapfel und die Genossen Hildesheim und Wetter. Als Ahteilungs. führet werden bestätigt die Genossen H u h n f l e i s ch, Blum, SchmielewSiy. Weife. Braun. Thiemicke. Kasten, Hacker uich Böttcher. Unter VerbandSangelegenheiten erhebt Genosse Hi r s ch Protest gegen die BeKaichluiig der Angelegenheit Borchardt durch die Funktionäre des fünften LandtagSwahltreiseS. Nachdem Groß- Berlin gesprochen habe, stand den Funktionären nicht daS Recht zu, Borchardt die Landtagskandidatur zu nehmen. Er ersucht die Ge» nossen, Protest zu erheben. Sonnemann beschwert sich über ungenügende Bericht- crstattung durch den„Vorwärts" von der letzten Verbandsgeneralversammlung. G o I d s ch in i d t meint, der fünfte Reichstagswahltreis kann ich gegen den Beschluß der Funktionäre d«S fünften Landtags- Wahlkreises nicht wenden, denn dieser entspricht dem prinzipiellen Standpunkt, daß der LandtagSwahlkreis das Entscheidungsrecht haben muß. Blankenstein findet den Beschluß von Groß-Berlin in Sachen Borchardt unlogisch und verlangt, daß sich die Genossen die Delegierten für Generalversammlungen Groß-BerlinS etwa? genauer ansehen. Im übrigen begrüßt er das Vorgehen de? ünfteu LandtagswahlkreiseS. Wels gibt nunmehr eine kurze Tarstellung des Werdeganges der Affäre Borchardt und kommt zu dem Schluß, daß es selbst» verständlich ist, daß Borchardt, solange ein Schiedsgerichtsverfahren gegen ihn schwebt, genau wie alle anderen Genossen in gleicher Lage, kein Ehrenamt ausüben kann. Soviel Redner gehört hat, haben die Funktionäre des fünfte» LandtagsivahltreiseS dieses beantragt. Der„Vorwärts" hat über die Angelegenheit berichtet, wie es im Interesse der Partei liegt. Friedländer vertritt denselben Standpunkt wie Genosse Wels und meint des weiteren, der fünfte Rcichstagswahlkreis brauche nicht päpstlicher zu sein als der Papst. Tie Funktionäre de« fünften LandtagswahlkreiseS sind stetS für Borchardt ein« getreten. Wenn sie jetzt einen anderen Kandidaten nominiert haben, so haben wir keine Veranlassung, dagegen zu protestieren. Hirsch zieht nunmehr seinen Antrag zurück. Nachdem sich Genosse Goldschmidt für recht energische» Vorgehen gegen die neue Militärvorlage ausgesprochen hat. wird die Versammlung durch den Vorsitzenden, Genossen Fried, länder. geschlossen. Sechster Wahlkreis. Zu dem gedruckt vorliegenden Bericht des Lorstandes macht der Vorsitzende. Genosse Henschel. einige ergänzende Aus» Ührungen. Zu Beginn des Geschäftsjahre« waren die G c w c r b e» gerichtüwahlcn und die Vertreterwahlen für die Angestellten Versicherung trotz ungünstiger Verhältnisse mit befriedigendem Resultat erledigt worden. Organisatorisch sei alS wichtigste Aenderung die Einführung de S Delegier. te n s ti stc m s für die Kreisgeneralversaiiiinluiig zu«rlvähncn. Tie Erwartung, daß dadurch das Interesse an den Geiieralvcrsamm- lungen gehoben werde, habe sich nicht erfüllt. Eine Aufstellung zeigt, daß an vier Generalversammlungen je über hundert, an d-r vom 21. März 1913 sogar 167 Delegierte ihr Mandat nickt aus- übten. In den Zahlabende» sei daraus zu achten, daß hierin eine Besserung eintritt- Zur Diskussion über den Ausbau der Zahkabende ist Redner der Ansicht, dast diese das Fundament der Partewraani sotion darstellen, ohne dieselben keine intensive Agitation und Wahl arbeit möglich sei. Die Versuche, durch Abteilungsversammlungen mit Vortragen zur theoretischen Weiterbildung befrie digen nicht, dasselbe treffe auch auf die Mitgliederb« w c g u n g zu. die durch eine starte Fluktuation beeinträchtigt werde {>063 männliche uiid 675 weiblich« Mitglieder mußten wegen Ben tragSresten gestrichen werden- Der Mitgliederbestand beträgt St 666. darunter 5129 weiblich« Mitglieder. Die Mitgliederzunahme um 258 wurde durch die Vermehrung der letzteren bewirkt. Proteste Versammlungen wurden unter guter Beteiligung abgehalten gegen die Lebensmittelteuerung und Aufhebung der Einfuhr- begünstigung für russisches Fleisch, gegen die Kriegsgefahr. Zu dem Gelingen der imposanten Demonstration im Treptower Park hat der 6. KreiS wesentlich beigetragen. Im KreisbildungSauS s ch u ß habe man sich u. a. mit dar Ausgestaltung der Parteiver anstaltungen beschäftigt und den Standpunkt vertreten, eher weniger wie zu viel Lergnüguiigen abzuhalten. Dafür soll aber versucht werden. Besseres zu bieten. Beschlossen wurde, das S t i f t u n g S- fest wieder einheitlich zu begehen und zwar, weil es im Kreise an einem geeigneten großen Lokale fehle, dasselbe in der Brauerei FricdrichSham abzuhalten. Tie Verbreitung der Partei presse müsse energisch in die Hand genommen werden; die gegenwärtige Zahl der Vorwärtsabonnenten entspreche nicht der Größe und dem Ansehen des Wahlkreises. Flugblätter wurden aus acht Anlässen insgesamt 26 619 996 Exemplare verbreitet. Die Frauenleseabend« waren im Durchschnitt von 25 Prozent der organisierten Frauen besucht. Nachdem Redner noch der in der Berichtszeit verstorbenen Mit gliedcr gedacht und die Versammlung deren Andenken in der üb lichen Weise geehrt hatte, schloß er seine Ausführungen mit einer energischen Aufforderung zur Mitbetätigung an der Agitation für den Ausbau der Organisation und die Verbreitung der Partei- presse. Ter große ungeheuer« Kampf um die politisch« Macht werde nur Erfolg haben, wenn es gelingt, die Massen in die Organi salion zu bekommen. Sorgen wir dafür, daß der nächste Geschäfts bericht in dieser Hinsicht bessere Resultate«Klfweist.(Beifall.) Ten Kassenbericht erstattete Genosse Müller. Ter Einnahme im Betrage von 132 700,99 M. steht eine Ausgabe von 129 993,84 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 2887,15 M. verbleibt: an die Verbandskasse wurden 89 985,50 M. abgeführt. Tie Einnahmen wiesen gegen den letzten Bericht eine wesentliche Besserung nicht auf, es müsse Aufgabe der Genossen sein, die Zahl der Organisierten im laufenden Geschäftsjahr auf mindestens 33 999 zu bringen, dieser Erfolg würde dann auch finanziell zum Ausdruck kommen.(Beifall.) Die Diskussion über den Geschäftsbericht eröffnet die Genossin Lohse durch packende Darlegungen über die Tätigkeit der Kinder- schutzkommission. Rednerin gibt eine evgreifende Darstellung der beobachteten und aufgedeckten Fälle proletarischer Verelendung und bedauert, daß die Staut Berlin in dieser Beziehung keine auS- reichende soziale Fürsorge ausübe. Daß das Wirken der Kinder- schutzkommission bei der Bevölkerung Anerkennung finde, gehe daraus hervor, daß man sich wiederholt an sie um Hilfe und Bei- stand gewandt habe.(Beifall.) Genosse P i ch l e r will im Zusamemnhang mit dem Geschäfts bericht auf den F a l l B o r ch a r d t zu sprechen kommen, wird aber daran vom Vorsitzenden verhindert mit der Begründung, daß es wohl nicht möglich sein werde, diese Ängelgenheit im Rahmen der beutigen Tagesordnung beziv. Versammlung ausreichend zu er- örter»; das müsse als besonderer Gegenstand geschehen. Die Ver- sammlnng ist dann am Schlüsse ihrer Beratungen auch damit ein« verstanden, daß auf den Fall Borchandt erst zurückgegriffen werden soll, wenn er vor dem jetzt eingesetzten Schiedsgericht erledigt ist. Schubert spricht zum Ausbau der Zahlabende und wünscht, daß man nun nach Beendigung der LandtagSwahlen mit Energie an die Frage herangebe. Von den Borträgen in den AbteilungS. Versammlungen verspricht sich Redner nicht viel, die Einrichtung eines Kursus zur besseren Orientierung über die politischen TogeS- ftagen sei empfehlenswerter. P u t t m a n n verspricht sich von den AbteilungSvorträgen nur einen Erfolg, wenn e« den Referenten nicht überlassen bleibt, den Stoff beliebig zu wäblen. Tie Referenten müssen ihren Swff wirklich dem theoretischen Arsenal der Partei entnehmen.(Zu stimmung.) H e n s ch e l stellt in seinem Schlußwort einige Irrtümer richtig und bemerkt, daß die nicht zusagenden Referate verursacht schlagen«» Genossen Proteste vor, so gegen Staffier als ersten Vorsitzenden. Zu den Bvrstandswahlen liegen gegen� einzelne der vorgc- schlagenen Genossen Proteste vor, so gegen stäffler als erster Vorsitzender. Genosse Fauth begründet hierzu den Protest seiner Abtei- lung damit, Stäffler habe sich als Versammlungsleiter nicht ob» jektiv genug erwiesen, in der Generalversammlung vom 13. April habe er gegen die Landtagskandidatur Cohens dessen frühere Diffe- renzen mit dem Parteivorstand in Sachen der Maiaussperrung«« Unterstützung geltend gemacht, wa« unkorrekt sei; maßgebend gegen die Aufstellung Cohens konnten nur grundsätzliche Gesichts- funkte sein. H e n s ch e l kann nicht finden, was die Aufstellung Cohens mit der Wahl des WahlkrciSvorsitzenden zu tun habe. Stäffler habe im Auftrag des Kreises gehandelt und im übrigen habe sich ja die Generalversammlung auch auf dessen Standpunkt gestellt und Cohens Kandidatur abgelehnt. ES sprechen dann noch einige Redner für und gegen Stäffler, Zwr selbst erklärt, er habe im Sinne des Kreises gehandelt und trage nach dem Posten des Vorsitzenden durchaus kein Verlangen. Schließlich wird Stäffler mit großer Mehrheit zum ersten Vor- sitzenden gewählt. Gegen die Aufstellung des Genosse» W c i n m a n n für die Schie-dSIommission wird geltend gemacht, er habe auf der General. Versammlung am 13. April gegen die Resolution deS 8. Kreises, dw Regelung der Äandidatenaufstellung für die LandtagSwahlen betrcssend. gestimmt. W e i n m a n n verteidigt sich damit, daß er in diesem Falle das Interesse des 19. LandtagSwahlkreiseS im Auge haben mutzte. Genosse H c n s ch e l stellt hierzu fest, daß Weinmann ver« pflichtet war, für die Resolution des 6. Kreises einzutreten und zu stimmen, die Generalversammlung lehnt dann mit Mehrheit den Protest gegen Weinmann ab. Gegen die Aufstellung des Genossen Krause zum AbteilungS- führer der 21. Abteilung liegt ebenfalls ein Protest vor. Der Vor- Wurf bezieht sich auf gewerkschaftliche und kollegiale Verfehlungen; nach einer ziemlich ausgedehnten Debatte beschließt die Lersamm- lung diese Wahl auszusetzen, zumal ja ohnehin in dieser Abteilung noch die Wahl einer Genossin vorzunehmen ist. Hierauf wird die Vorschlagsliste für die VorstandSwahl ein- stimmig angenommen. Es ist nun über die zur Berbandsgencralversammluiig zu stellenden Anträge zu beschließen. Ein Antrag, an Stelle des historischen Kalenders einen praktischen Wandkalender herauszugeben, wird angenommen. Nach längerer Debatte werden angenommen zwei Anträge, welche die Einführung des Wochenabonnements unter Beibehaltung de« Monats- abonnementS für den„Vorwärts" bezwecken, sowie ein Antrag, demzufolge die Vorschläge für die Delegationen zu Parteitagen von der Kreiskonferenz bis zur doppelten Anzahl der zu Wählenden aufgestellt und der Generalversammlung zur Wahl unterbreitet werden sollen. Eine Aufforderung, im Interesse der Organisation und der Presse rührig tätig zu sein und ein dreimaliges Hoch auf die inter- nationale esozialliemokratie schließt die sachlich verlaufene Generalversammlung. Ihr Mandat nicht ausgeübt haben 114 Delegierte, 11. Klmdestag der Arbeitelturner. Mannheim, 27. Mai. Dritter Berhandlungstag. In der heutigen Sitzung gaben zunächst K o p p i s ch- und Ben edix-Leipzig den Bericht der Turn warte. Diese hätten reiche Arbeit gehabt, um die technische EntWickelung des Bundes zu fördern. Ter ständige Ausbau des alten Turnens, seine Vereinfachung und Vertiefung sei Aufgabe der Turnwarte gewesen. Aber auch das Neue begehre Einlaß und volle Gleichberechtigung. Die tüchtige Bewegung in Licht und Luft, das Wandern, Schwimm men, Spiel und Sport forderten und verdienten liebevolle Pflege. In der Debatte über diesen Bericht wurde betont, daß das Frauenturnen nur langsam vorwärts gehe. Tie Turnerinnen seien meist jung und hätten zu wenig«Selbständigkeit. Da die älteren Turnerinnen den Verein bei einer Heirat meist verlassen, halte es schwer, einen Stamm Turngenossinncn zn bekommen, der zur Leitung der Abteilungen geeignet wäre. Ueber das B u n d e s g e sch ä f t konnten die Geschäftsführer D i e t t r i ch und Backhaus berichten, daß sich der Umsatz des Geschäftes fortwährend steigert. Er betrug 1919 135 354 M., 1912 aber 358 597 M. Der Umsatz könnte aber noch größer sein, wenn die Vereine alle Waren im eigenen Geschäft kaufen würden. Das Bundesgeschäft erzielte einen Reingewinn von 39 414 M. Daß das Gesamtvermögen des Bundes in den letzten Iahren ganz gewaltig in die Höhe ging, ist dem Ergebnis des Bundesgeschäfts zuzu schreiben.— Die Bundesverwaltung beantragt, ihr die Ermächti gung zu erteilen, für daS BundeSgeschäft eine andere geeignete Rechtsgrundlage zu schaffen. Nach längerer Debatte wurde dieser Antrag mit großer Mehr heit angenommen. Ein Antrag, das Bundesgeschäft von der Bundesverwaltung vollständig zu trennen, wurde gegen eine große Minderheit abgelehnt. Beschlossen wurde, daß Bundesangestellte. außer den besoldeten Vorstandsmitgliedern, keinem BundcSverwal tungskörper angehören dürfen. Ueber die turnerischen Aufgaben des Bunde sprach hierauf Turnwart B e n e d i x- Leipzig und über Spiel «Port und deren Oraanisierung Turnwart K o p p i s ch- Leipzig. Die Grundgedanken der Ausführungen der beiden Redner gingen dahin: Das unverrückbare Ziel des Arbciterturner- bundes ist die allseitige körperliche und geistige Erziehung seiner Angehörigen. Die Beschränkung eines Vereins nur auf ein«piel-, Fußball, Schlagball usw.— oder nur auf eine einzelne sportliche Betätigung— nur Gehen, nur Laufen usw.— ist unvereinbar mit unseren Grundsätzen. Solche einzelne sportliche oder Spiel- betätigung ist einseitig und infolgedessen ungeeignet, den Körper harmonisch zu erziehen. Im Gegenteil verführt jede Einseitigkeit gar leicht zu gesundheitsschädlichen und körpervcrbildenden Ueber treibungen. Aus diesen Erwägungen heraus legen die Referenten eine Rc- solution vor. die sie eingehend begründen und in der es heißt: 1. Die Aufnahme von Spiel und sportlichen Uebungen in den Turnbetrieb der Vereine ist mit allen Kräften zu erstreben. In den Kreisen und Bezirken sollen besondere Spielleiter gewählt und SpielauSschüsse gebildet werden. Wo irgend die Möglichkeit hierzu besteht, müssen sich die Vereine Spielplätze anlegen: wo mehrere Vereine nahe beieinander liegen, empfiehlt sich die Anlegung eines gemeinsamen Spielplatzes. 2. Bestehende Spiel- und Sportvereine, die Ausiiahme in den Bund suchen, sollen dazu angehalten werden, sich den bestehenden Bundesvcrcinen als Abteilungen anzuschließen- Wenn das nicht zu erreichen ist, können diese Vereine Aufnahme in den Bund finden, sofern der bestehende Verein dagegen keinen Widerspruch erhebt- Ueber die Berechtigung eines Widerspruches entscheidet auf Beschwerde die Bezirksleitung. Findet eine Aufnahme als selbständiger Verein in den Bund statt, so ist bei der Aufnahme zu bedingen, daß nach Ablauf einer näher zu bestimmenden Frist nochmals Bereinigungsverhandlungen eingeleitet werden. Scheitern diese Verhandlungen, so entscheidet der Bezirksvorstand über die weitere Zugehörigkeit des Vereins zum Bunde. Pflicht aller Bundcsmitglieder ist es, mit allen Kräften dafür Sorge zu tragen, daß die Arbeiterturn- und Sportbewegung in den einzelnen Orten einig und geschlossen auftritt. Jede Vereinsmeierei ist unserer Be- wegung nicht nur unwürdig, sondern schädigt auch das Ansehen deS Bundes. Die Verhandlungen wurden sodann auf Mittwoch vertagt. Gerichts-Leitung. Tie Polizei und das Mädchen im Morgenrock. Die Kriminalschutzlcute Roswodowsli und Frauke hatten den Üluftrag, die Wohnung einer Frau Manthei in der Potsdamer Straße zu beobachten, weil die Frau im Verdacht stand, die Woh- nung als Äuppelquartier zu benutzen.— Eines TageS, um die Mittagszeit, sahen die Beamten am Fenster der verdächtigen Wohnung ein weibliches Wesen sitzen, welches mit einem Nacht Hemd oder Morgenrock betleidet war. Ein weibliches Wesen um die Mittagszeit im— man denke! Morgenrock.— Das ist verdächtig, dachten die Beamten. Flugs gingen sie in die Mantheische Wohnung.— Richtig. Da saß Fräulein Dorothea Hillbrecht, ihres Zeichens Friseurin, nur mit einem Morgenrock bekleidet. In ihrer Gesellschaft befand sich ihr Bräutigam, ein Reisender Kossei.— Tie Beamten verlangten Legitimation.— Der Mann gab einen Militärpaß, daü Fräulein ihre polizeiliche Anmeldebescheinigung, welche auf eine Wohnung in der Steinmetzstrahe lautete. Die Anmcldebescheinigung genügte den Beamten nicht, sie schlössen auS einer Aeußeruug KaffciS, daß die Angaben über die Persönlichkeit des Fräuleins nicht zuträfen. Fräulein Hillbrecht wurde also aufgefordert, nach der Polizei wache mitzugehen.— Sie weigerte sich, denn— sagte sie— die polizeilich abgestempelte Anmeldebescheinigung sei eine ausrci chende Legitimation.— Frau Manthei, ihr Mann und ihr Dienst mädchen kamen hinzu. Man»lachte den Beamten den Borschlag, einer von ihnen möge nach der kaum 159 Schritt entfernten Polizeiwach« gehen und feststellen, ob die in der Anmeldebeschei- nigung enthaltenen Angaben auf Fräulein Hillbrecht zuträfen.— Die Beamten lehnten das ohne weiteres ab und beharrten auf ihrem Verlangen, Fräulein Hillbrich müsse ihnen nach der Wache •olgsn. Das Fräulein blieb bei seiner Weigerung. Sie berief ich darauf, daß sie krank sei, wies auf ihr Gesicht, das geschwollen war, weil sie sich kurz vorher sechs Zähne hatte ziehen lassen. Sie deutete auch an, daß sie gesegneten Leibes sei und legte sich inS Bett. Aber wann wird wohl ein preußischer Schutzmann, der einen Verdacht hat. von seinem Verlangen Abstand nehmen? Was ein- mal verlangt- war, wurde also mit Schneidigkeit durchgeführt.— Einer der Äriminalschutzleute holte Verstärkung. Vor der Haus- tür stand die zweite Hälfte des Expeditionskorps, zwei unifor- mierte Schutzleute, in Reserve. Nun rückten auch diese beiden auf den„Kampsplatz". Nach Angabe der Kriminalbeamten sollen die Wohnungsinhaber eine„drohende Haltung" angenommen und das Dienstmädchen sogar eine Bratpfanne geschwungen haben. Doch es steht fest, daß sich aus der„drohenden Haltung" keinerlei Tätlichkeiten gegen die Beamten entwickelten und konnten ie denn mit vereinten Kräften zur Sistierung von Fräulein Hill- brecht und ihrem Bräutigam schreiten.— Während einer der Kri- minalschutzleute diesen nach der Wache brachte, bemühte sich der andere Kriminalschutzmann, Fräulein HiWrecht aus dem Bett zu zerren.. Tat Mädchen strönbte sich noch Kräfte»� hielt sid), fest und brachte ihre Hand mit dem Gesicht ihres Widersachers in eine Berührung, die nicht als Liebkosung empfunden wurde und auch keine solche sein sollte. Natürlich blieben die Polizeibeamtcu im Kampf gegen das schwache Mädchen Sieger. Fräulein Hillbrccht wurde, notdürftig bekleidet, wie sie war und ohne Schuhe an den Füßen nach der Wache gebracht. Hier wurde in ganz kurzer Zeit festgestellt, daß ihre Anmeldung durchaus in Ordnung und auf ihre Person zutreffend war. Fläulcin Hillbrecht konnte die Polizeiwache bald wieder ver- lassen. Sie hat aber, wie sie angibt, infolge dieser aufregenden Vorgänge kurz darauf eine Fehlgeburt gehabt. Schließlich kam auch noch das gewohnte gerichtliche Nachspiel in Form einer Anklage gegen Fräulein Hillbrrcht wegen Wider- standes gegen die Staatsgewalt. Daß Fräulein Hillbrccht dem Schutzmann, der sie aus dem Bett zerrte, Widerstand geleistet, ihn auch ins Gesicht geschlagen hat. gibt sie zu. Das Schöffengericht Bcrlin-Tchöncbrrg hat sie freigesprochen, weil es zu dem Ergebnis kam, daß die Beamten im vorliegenden Falle nicht in berechtigter Ausübung ihres Amtes handelten.— Das Landgericht II dagegen Iwt der Berufung des Staatsanwalts stattgegeben, berechtigte Amtsausübung als vor- liegend angesehen und die Angeklagte zu 59 M. Geldstrafe vcr« urteilt. Die von der Angeklagten durch Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn eingelegte Revision hatte den Erfolg, daß das Kammer- gcricht das Urteil aufhob und die Sache zur erneuten VerHand- lung an das Landgericht I verwies. In der vom Kammergericht gegebenen Begründung wird gesagt: Das Urteil des Landgerichts lasse nicht erkennen, ob die Angeklagte als Beschuldigte- oder nur als Zeugin habe sistiert werden sollen. An sich habe die Polizei das Recht, auch Personen, die nur als Zeugen in Anspruch gc- nammen werden, behufs Feststellung ihrer Persönlichkeit nach der Wache zu bringen. Aber sie dürfe das Mittel nicht nach Willkür oder Bequemlichkeit wählen, sondern nur aus besonderen triftigen Gründen, namentlich, wenn ihr keine, den Zeugen weniger bc- schwerende Mittel zur Verfügung ständen. Die Angeklagte habe aber richtige Angaben über ihre Persönlichkeit gemacht und einen richtigen Ausweis vorgezeigt, auch seien die Beamten darauf hin- gewiesen worden, wie sie die Legitimation prüfen könnten ohne die �Angeklagte zu sistieren. In der erneuten Verhandlung, die gestern vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I stattfand, drehte cS sich im wesentlichen uui die Frag� die nach der Entscheidung des Kammergerichts gc- löst werben mußte: Sollte die Angeklagte nur als Zeugin, oder auch als Beschuldigte nach der Wache gebracht werden? Die beiden Kriminalschutzleute sagten zunächst, Fräulein Hillbrccht sei nur als Zeugin in einem ciwaigen Kuppelcivec- fahren gegen die Wöhnungsinhabcrin in Frage gekommen. Der Borsitzende stellte fest, daß die Beamten auch in den früheren Pro- zcsscn nichts weiter als dies gesagt haben.— Inzwischen wird den Kriminalbeamten wohl ein Licht darüber aufgegangen sein um lvas eS sich dreht. Jetzt traten sie mit der Angabe hervor, sie hätten die Angeklagte auch als Beschuldigte unter dem Per- dacht der gewerbsmäßigen Unzucht festgenommen, Wie ver Bor- sitzende feststellte, hat keiner der Beamten dem Fräulein gesagt, daß sie als Beschuldigte sestgenommen werde. Sie ist auch auf der Wache nicht als Beschuldigte behaikdeit und eS ist auch lein Per- fahren gegen sie eingeleitet worden. Der Borsitzende fragte den Kriminalschutzmann Roswadowsk', warum er nicht dem Ersuchen, nach der Wache zu gehen und dort die Legitimation zu prüfen, nachgekommen sei.— Roswo- dowski meinte: Dann hätte sich Fräulein Hillbrecht inzwischen auS dem Staube machen können!— Run wurde dem Zeugen entgegengehalten: Der Schutzmann, welcher mit Kastei nach der Wache ging, hätte doch dort die Legitimation des Fräuleins prüfen können, dann wären doch immer noch drei Beamte in der Wohnung gewesen, die ja eine Flucht sicher verhindert hätten. — Hierauf gab RoswadowÄki die Antwort:„So machen wir keine Feststellungen. Wohin kämen wir denn, wenn die Polizei in solcher Weise Feststellungen machen sollte!" Nachdem der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 29 M. beantragt hatte, plädierte Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn für Frei. sprechung. Er legte dar, daß hier von berechtigter Amtsausübung gar leine Rede sein könne, denn die Beamten hätten die Möglich- keit gehabt, die Persönlichkeit der Angeklagten, welche nur als Zeugin in Frage kam, festzustellen, ohne sie nach der Wache zu bringen. Der Einwand, es habe sich mit Rücksicht auf die drohende Haltung der Wohnungsinhaber kein Beamter aus der Wohnung entfernen können, sei völlig haltlos, denn nach der Entfernung des einen Kriminalschutzmanns würden ja in der Wohnung nvch zwei mit Säbel und Brotvningpistole bewaffnete, uniformierte, so- wie ein ebenfalls nicht waffenloser Kriminalschutzmann zurück- geblieben sein. Die drei bewaffneten Männer würden doch wohl der Situation, selbst der geschwungenen Bratpfanne deS Dienst. mädchens gewachsen gewesen sein. Das Gericht kam zu einem freisprechenden Urteil. ES hielt für festgestellt, daß die Angeklagte zwar Widerstand geleistet habe, die Beamten sich aber nicht in rechtmäßiger Ausübung ihre» Amtes befunden hätten. Die Sistierung sei nicht berechtigt gewesen, denn eS habe nichts im Wege gestanden, daß einer von den vier Beamten nach der Wache gegangen wäre und dort die Legitimation der Angeklagten geprüft hätte. � Dämmerzustand. Werkstättcneinbrüchc werden einem Tischlergcscllcn Atbert Becch zur Last gelegt. Er wird beschuldigt, im letzten Winter mehrere Tischlerwerkstätten mit Nachschlüsseln geöffnet und ans ihnen allerlei Werkzeug und auch einige Verbandsbücher gestohlen zu haben. Vor dem Landgericht Berlin I(Strafkammer 11), wo gestern der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Angeklagte sich zu verantworten hatte, entstanden bald Zweifel an seiner Zurech- nungsfähigleit. Die Polizei hatte die Sachen in seiner Wohnung bei einer Haussuchung gefunden, er erklärte aber dem Gericht, nicht zu wissen, wie sie da hineingekommen seien. Hinterher sagte er mit Bezug auf den einen Einbruchsfall wieder, ci müsse die Sachen, wenn sie bei ihm gefunden worden seien, wohl gestohlen haben. Der Gerichtsarzt Dr. Marx,_ber den an Epilepsie leidenden Angeklagten schon aus früheren«trafprozessen kennt, gab als Saehverständiger sein Gutachten dahin ab, daß hier ein Dämmcr- zustand vorliegen könne. Verch habe allerdings in seinen früheren Prozessen sich noch nie darauf berufen, daß er von den ihm zur Last gelegten Straftaten nichts wisse. ES empfehle sich, Verch zur Beobachtung seines Geisteszustandes an eine öffentliche Anstatt zu überweisen. Staatsanwalt und Verteidiger stimmten zu, und das Gcricht beschloß so._ Strasgesetzbuchnovelle. Wegen eines im Straßenbahnwagen begangenen Hausfrieden»- bruchs hatte sich gestern der Fahrstuhlführer Hermann Wipper« vor j>« BerufungSstraskammer zu verantworten,— Bekanntlich wurde bor Einführung der Ncchdle zum Strafgesetz alz HauS- frtedensbruch angesehen, wenn der Täter in die Wohnung, die Gc- schäftsräumc oder das umfriedete Besitztum eines anderen wider- rechtlich eingedrungen oder sich auf die Aufsorderung des Berech- t:gten sich nicht entfernt hatte. In der erwähnten Novelle ist nun der Hausfrledcnsbruchsparagraph 123 St.-G.-B. dahin geändert werden, daß auch ein Hausfriedensbruch in Mbgcschlossenen, dem öffentlichen Berkchr dienenden Räumen verübt werden lann.— der jetzigen Anklagcsache handelte es sich um den ersten der- artigen zur Aburteilung gelangten Fall.— Ter Angeklagte W. hatte, nachdeir ot die Fahrstuhlführerprüfung bestanden hatte, etwas über den Turst getrunken und dann in der nach Moabit fahrenden Straßenbahn skandalicrt. Er wurde von dem Schaffner Poblach wiederholt aufgefordert, den Wagen zu verlassen und mußte schließ- lich gewaltsam herausbefördcrt werden. Ter Angeklagte sprang dann rn eine Droschke und filhr� hinter dem Straßenbahnwagen her, dabei fortwährend auf den Schaffner in den gemeinsten Aus- drücken schimpfend.— Das Schöffengericht verurteilte ihn rgrst Rücksicht auf die schwere des Exzesses zu 2 Monaten Gefängliis. Tie Berufung des Angeklügten wurde von der Strafkammer verworfen. Jugendbewegung. Der Kampf gegen die Arbeiterjugend. Die Schulinspektion in M e i ß e n hat die Schulvorstände ihres Bezirks in einem Rundschreiben aufgefordert, den Fortbildung.?- schülern die Teilnahme an den Turnstunden der Arbeiterturn vereine zu untersagen. Es sei„mit dem Geiste der staatlichen Fortbildungsschule unvereinbar, wenn Fortbildungsschüler an den Zusaminenkünften dieser Turn vereine teilnehmen". Man stützt sich bei diesem Verbot auf den § 4 Absatz 2 der Verordnung vom 4. November 1878. Die Gerichte haben aber bereits im Vogtlande die auf Grund von gleichen Ver- boten ausgeworfenen Geldstrafen aufgehoben und damit zum Ausdruck gebracht, daß die Schulbehörden kein Recht haben, den Fortbildungsschülern das Vereinsrecht zu verkümmern. Jedenfalls wird die auf diese Weise versuchte Förderung der bürgerlichen Turn- vereine gerade da» Gegenteil bewirken. Hus aller Melt. Aber steht. läßt Christliche Toleranz. Das„Monistische Jahrhundert" erzählt folgende erbauliche Ge- schichte von der Toleranz der christlichen Kirche: Sie ist einfältiger, wackerer Leute Kind, dient in Dresden- B I a s e w i tz als Magd— und tütet sich. Der Arzt bescheinigt, daß die Unglückliche in geistiger Umnachtung gehandelt. Der Dienstherr läßt der Toten, um den hartbetroffenen Eltern doch einen Trost zu schaffen, einen schönen Grabstein setzen mit der üblichen Inschrift:„Hier ruhet in Gott..." die Kirche, die mit Gott in genaue� Verbindung widerspricht. Der Stein muß weg. Der Dienstherr ihn abschleifen und seitigeu. Die Inschrift lautet Frieden..." Doch auf einem geistig kranke Selbstmörderin auch Kirche dekretiert demgemäß. Der Stein wird also zum zweiten Male abgeschliffen. Jetzt gibt er nun an:„Hier ruht sanft..." Da im ganzen lieben Europa ja doch kein verständiger Mensch mehr glauben kann, daß die arme, im Grabe von der barmherzigsten aller Kirchen- behörden so herb gerichtete Unschuld auf diesem„Friedhof" sanft ruhe, genehmigten die Nachfolger des.Friedefürsten und Menschen- kuechtö" gnadenreich den Text. * Und da jammern die Frommen auf ihren Tagungen über die immer mehr zunehmende Ungläubigkeit der Massen. Letzten Endes sind die Zeloten doch selbst daran schuld, wenn die Erkenntnis sich immer mehr Bahn bricht, daß das Treiben der Frommen mit wahrer Steligiösität wenig gemein hat. das Aergernis„Gott' alsbald:„Hier ruht christlichen Friedhofe darf nicht in Frieden ruhen. be in eine Die Naubmord an einem Kausmannslchrling. Einem raPniert angelegten Verbrechen ist am Mittwoch- vormittag in Hannover der vierzehnjährige Kaufniannslehrling Hans Steins zum Opfer gefallen. Wie uns ein Telegramm meldet, hatte der Lehrling für seine Firma beim Postscheckamt drei Beträge von zusammen 191 M. abgehoben. Er wurde von einem gutgekleideten etwa 25 jährigen Mann nach einem möblierten Zimmer in der Schillerstraße, das der Verbrecher etwa eine Stunde vorher angeblich für fernen Bruder gemietet hafte, verschleppt und dort durch einen Schuß in den Kopf getötet. Der Täter ist. darauf entflohen. Der Regierungspräsident hat auf seine Er greifung eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt. Der kirchliche Terror. Eine lustige Pfaffengeschichte aus G a l i z i e n erzählte Genosse D a s z h u S k i im österreichischen Abgeordnetenhaus. Die Pfaffen im ganzen Land müssen jetzt die Vereitelung der Landtagswahl- reform durch die Bis-böfe rechtfertigen und fahnden daher. auf oppo- silionelle Zeitungen. Einer Bauernfrau drohte ein Seelenhirte, daß sie„schiefe Kinder" gebären würde, wenn ihr Mann das volksparteiliche Blatt nicht abbestelle. Daraufhin. erreichte sie wenigstens, daß der Bauer das Blatt jetzt immer dem Pfarrer aus- liefert: der liest es nun. Hoffentlich, so schloß Daszynski, bekommt jetzt nicht der(katholische) Pfarrer die schiefen Kinder! Kleine Notizen. Absturz eines Fliegers. Am Mittwochmorgen ist der Pilot Horn mit einem Jathoeindecker auf einem Ueberlandfluge bei B u r g w e d e l aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache aus einer Höhe von 150 Meter a b g e st ü r z t: er war sofort tot. Schweres Explosionsunglück. Auf einem Grundstück in Rheydt wollten Arbeiter den im Schacht befindlichen Syphon, der an die städtische Kanalisation angeschlossen war, ausbessern. Um sich davon zu überzeugen, ob die Grube Gase enthalte, warf einer der Arbeiter ein brennendes Stück Papier hinab. In demselben Augenblick erfolgte eine Explosion, wodurch fünf Arbeiter schwere Brandwunden erlitten. Untergang eines deutschen Dampfers. In der Nähe der fran- zöfifchen Küste geriet der deutsche Dampfer„Okawango" aus Stettin infolge dichten Nebels gegenüber von Quessant auf Grund. Das Schiff sank sofort. Die Besatzung von fünfund- zwanzig Mann wurde gerettet. Ein Führer der„Pfadfinder". In fingen(Amt Konstanz) hat sich der Hauptfeldmeister Sch. gegenüber jungen Pfadfindern s i t t l i ch s ch w e r v e r g a n g e n. Er ist unter Hinterlassung von Schulden geflüchtet. Sch. war Anführer der Pfadfinder. Die Angelegenheit erregt in Singen und in der Umgegend großes Aufsehen._ WafierjtandS-Nachrichten der Landesanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnftcrburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krassen Frankiurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elve, Leitmeritz . Dresden „ Barby Magdeburg am 27. 5. am 187 24 120 150 171 12.1 06 56 -16 —15 -158 102 94 seit 26.5. cm1) +10 —6 +2 —13 +38 +7 — 8 — 7 0 —10 -1 _ p Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Sprcmbcrg'! Beestow Weser, Münden Minden Rhein, Maximiliansa! , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier bedeutet Wuchs,— Fall.—•') preußischen Weichsel ist nach tclegraphischer Meldung Steigen zu erwarten, doch nicht über Mittelwasser. ßriefkaften der Redaktion. Die suristischc Eprrqstundc findet Linden st rage es, dorn vier Treppe» — Fahrftnftl—, wochentn glich von t'-j bis 714 Uhr adends, Sonnabends, von 4>/4 bis 6 Uhr adends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen deizufngen. Briefliche Antwort wird nicht erteUt. Anfragen, denen reine Aboilnementsguittung beigefügt ist» Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen«rage man in der Sprechstunde vor. K. H. 300. Nein, da Sic wahrscheinlich den Vertrag unterschrieben haben.— O. S. N. 38. 1. Leider nicht. 2. sprechen Sie mit dem Armenvorsteber.—.£>. M. 65. 1. DaS ist möglich. 2. Der Termin mutz wahrgenommen werden, salls Vorladung erfolgl— P. 61. 14. 1. Sie find zur Herausgabe nur Zug um Zug gegen Rückzahlung des Kaufpreises vcrpstichtet. 2. �christliche Vrozeßvollmacht genügt.— H. A. 51. Ja, und zwar die StaaiScinkonlincnstcuer voll, t�cmcindecinkommensteuer nur bis einschließlich September tglt. Richten Sie an die Steuerbehörde eine Ein» gäbe.— ft. 1913. RückzahlungStermin unterliegt der Vereinbarung. Ist eine Vereinbarung nicht getrosten, so ist der Betrag Ende deS Monats sällig. Kündigung ist bis zum 15. eines Monats mit Wirkung zum nächsten Ersten zulässig.— C. I. 27. Ihre Stuffassung ist zutreffend.— 33. Gn. Der Standpunkt der Steuerbehörde entspricht dem Gesetz.— C. T. 6, 1. Leider nicht. 2. Kommt aus die Zeitdauer der Erkrankung an. Falls nicht länger als 14 Tage andauernd, ballen wir einen Abzug nicht für zu» lässig.— S. I. 15. Der Vermerk war zulässig.— 33. 20ii. 1. und 2. Ja. sosern die Veranlagung der Höbe des Einkommens entspricht.— W. H. 191.3. 1. Nach überwiegender Ncchlsprcchung nein, da eine Wahlpflicht nicht besteht. 2. und 3. Mit Rücksicht aus den§ 2 der Slrbeitsordnung nein.— P. f. 30. Ja.—«. M. 100. 1 M 65 Pf. pro Tag. —/z Stunden verlängert, für die verheiratete Arbeiterin nicht die nötige Erholung, 'ondern eher das Gegenteil bildet, ist eine anerkannte Tatsache. Es ist ein Sorgen für die Familie unter Hintansetzung des eigenen Ichs, bis die Zeit wieder da ist, zur Arbeit zu eilen. Daß hierdurch neben dem zu großen Verbrauch an körperlicher Kraft auch die Nervenlräfte vorzeitig aufgerieben werden, ist außer Zweifel." Vermischtes. Niedriger hängen! Der Byzantinismus feiert in diesem Jahre — an Anlässen wie Hochzeitsfeste. Regierungsjubiläum, Erinnerung an 1813 fehlt es ja nicht— die ekelhaftesten Blüten. Nur eine Probe dafür, was Frauen sich auf diesem Gebiete leisten: „Jetzt gilt eS, eins besondere Frauengabe darzubringen, eine Gabe von Frauen für Frauen. Und diese Gabe wollen wir nicht unserem Kaiser widmen wie die anderen alle, sondern unserer geliebten Kaiserin, die durch Gottes Güte nun auch volle 25 Jahre unS allen Führerin und Vorbild war. 25 Jahre voll Liebe und Fürsorge hat die hohe Frau uns vorgelebt I Nichts ist in Deutsch- land zur Erleichterung des Fraumloses geschehe»», ohne daß nicht unsere Kaiserin tat, tvaS sie konnte, um zu helfen und zu fördern. Gerade die ärlnsten unter den deutschen Frauen, die Heimarbeite- rinnen, haben immer und immer wieder die warme Anteilnahm? der LandeSinutter an ihren» schweren Geschick gespürt.... Die christlich-nationalen Heimarbeiterinnen haben angefangen, Pfennige u n d G r o s ch e n zu sammeln, um durch ein„Alters- beim für Heimarbeiterinnen" für ihren unversorgten Lebensabend Hilfe zu schaffe». 5910,84 M. haben sie m ü h s a m zusammen- gebracht. Viele Jahrzehnte würden noch vergehen, ehe an den Bau des HauseS zu denken wäre. Laßt»ms Bausteine hinzutragen, große und kleine! Wenn jede deutsche Frau gibt, was sie vermag, so können wir»mserer Kaiserin zu ihrem Jubiläum die Freude machen, daß das Altersheim für Heimarbeiterinnen Wahrheit wird.... Wir wollen beweisen, daß die deutschen Frauen in Dankbarkeit und Treue ihrer Kaiserin gedenken!" Diese Bettelei unterstützten Frauen von Exzellenzen, Ministern, Geheimen Kommerzienräten, Großkaufleuten. Neben Vertreterinnen des deutschen Frauenbundes, des weiblichen Seitenstücks zum Reichs- verband, des Deulsch-Evangelischen Frauenbundes, des Verbandes der kirchlich-sozialen Frauengruppen hat auch die Hauptvorsitzende des nationalen GewerkvereinsderHeiinarbeiterinilen den Aufruf unterschrieben. Ferner finden sich darunter die Namen: Dr. Alice S a l o m o n. Leiterin der Sozialen Frauenschule, Frau Rudolf Mosse, Frau v. Bethmann Hollweg, Frau Ober« bürgermeister Mermuth. Pakete za 10. 15 und 20 Pltf. Fabrik: Urban iL Lemm. Charlottenburö. Spezlalarzt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nei o. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in u, Co, konz, Laborat. j Blut- Untersuchung,, Fäden i. Harn usw. friedriclislr, 81,«;£. Spr. 10—2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mäsng, auch Teilzahl. Separates Tamenzimmer. Dr. Homeyer 5. Landlagswahlbezirk. Freitag, den 30. Mai, abends S'/j Uhr, findet in Oranmaniis Festsälen, Nauuynstraste 27, eine Nnrtkimitglikiikr-Nkrssmmlilllg statt Tagesordnung: Bericht des Wahlkomitees. Mitgliedsbuch legitimiert 1 Zahlreichen Besuch erwartet Una Wahlkomltee. 196;15*_ A. A.: I. Werk, Rcichenberger Str. ISS. llF.ZßlNMSi 8pe�isl-�r?t kür Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 4!, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Verband der Brauerei- u. IRdblenarbelter und verwandter Bcrufsgcnoiien. i'K Fernsprecher: Zlmt Norden 4518 Geschäftsstelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Sonntag, den 1. Juni, nachmittags S llhr. im Gewerkschaftshause, Engelnfer 15(groger Saal): Gemeinsame Uersammlnng aller Brauereiarbeitergruppen. Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit dem Verein der Brauereien zwecks Umwandlung des Ringarbeitsnachweises in einen paritätischen Arbeitsnachweis.— L. Beschluhsasiung.— 3. Wahl der Knratoriumsmitgliedcr. Die hochwichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Mit» glieder. Buch oder Karte legitimiert: ohne diese lein Eintritt. 43/13� Die Ortsverwaltansr- Verband der Maler, Saekierer, jlnstreicher««. Bureau: Mclchiorstrahe 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Male Serliu. Arbeitsnachweis: Nückerstraße il. Fernsprecher: Amt Norden 6708. KON-» LINON Freitag, den 30. Mai, abends 8>/z Uhr, im Gcwerkschaftshanse, Engelnfer IS: M Mitglieder-Versammlung-Ig Tagesordnung: Die Bau-Ausstellung in Leipzig(Lichtbilder-Vortrag). Vortragender: Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Weill- Metz. tet"'' Zahlreichen Besuch erwartet 139/12« Die Di-tsvei-�altaaN» Verkaufe. Teppiche!(jebierbaste) in allen Grützen, soft für die Halste des WerteS Tepvichlager Brünn, Hactescher Markt 4, Bahnhof Börse.(Leier des »Vorwärts� erhalten 5 Prozent Rabatt.) sonntags geösinet! Betten, Stand 9,—. Brunnen stratze 70, im Keller. 1200K« Gardinen! Steppdecken I Portieren I Tischdecken! autzergcwöhnlich billig! Vorwärtslcser 5 Prozent Rabatt extra! 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Stellungnahme zur Kreisgeneralversammlung und General- Versammlung Groß- Berlin. Wahl der Delegierten. 4 Beratung der Anträge. 5. Stellungnahme und eventuelle Anträge zum Parteitage. 6. Verschiedenes. berliner Nachrichten. Wie ER sich räuspert....! Derjenige Teil der Berliner Bevölkerung, der keine größere Sorge kennt als die um das Amüsement des kommenden Tages, dem die Frage:„Was ist morgen los!" dauernd auf den Lippen schwebt, ist in diesen Tagen reichlich auf seine Kosten gekommen. Tic Prinzessinnenhochzeit gab allen müßigen Pflastertretern und Großstadtbummlern Ge- legenheit zum Staunen und Gaffen. Die Ankunft und Abreise der allerhöchsten, höchsten, hohen usw. Herrschaften, die Aufzüge der Ehrenkompagnien und militärischen Eskorten, die Ausschmückung zahlreicher öffentlicher und privater Gc- bäude und last, not leaot die Ausstellung des Braut- kleides und der Hochzeitsgcschcnkc im Kunst- gewerbemuscuni ließen für einige Tage den„Männer- stolz vor Fürstenthronen" und das„Selbstbewußtsein des freien Bürgers" etwas hinter die Persönliche Neugier zurücktreten. Gerade die Kreise aus Berlin W, die sich bei jeder Gelegenheit über den Byzantinismus des oft- clbischen Adels lustig machen und allezeit mit höchst oppositio- Hellen Redensarten um sich werfen, die sich über allen„Hof- schranzengcist" weit erhaben glauben, gerade diese Leute standen in den vordersten Reiben, als man sich nor dem Kunstgewerbemuseum Hüte, Frisuren und Kleider vom Leibe riß, �als Hunderte und Tausende von Frauen„aller Stände" in der Sonnenglut um einen Platz kämpften und Dutzende von Neu- gierigen vor Aufregung in Schreikrämpfe oder tiefe Ohnmächten fielen. Das waren nicht die Damen der Hof- gesellschaft, es waren auch nur in wenigen Ausnahmefällen Arbeiterfrauen, es waren vor allem Angehörige der so- genannten besseren Bürgerkreise aus dem nahen Tiergarten- viertel und den übrigen vornehmen Teilen von Berlin W. Es war dasselbe Publikum, das sich jetzt in einem der größten Berliner Kinotheater zusammenpferchen läßt, um sich einen besonders aktuellen Film, der die Lcbensgcwohn- hcitcn des Kaisers veranschaulicht, vorführen zu lassen. Es sind dies ferner dieselben Kreise, die dort, wo es nichts schaden kann, eine gar arge oppositionelle Gesinnung zum Ausdruck bringen, in ihren täglichen Lebensgewohn- heiten aber nur die allerhöchsten und höchsten Herr- schaften— allerdings oft genug ohne das richtige Verständnis und Geschick— kopieren. Diese Teile des Berliner Bürgertums haben schon lange auf jegliche eigene Lebenskultur verzichtet. Diese Herrschaften müssen sich erst in Wort und Bild vorführen lassen, wie man bei Hofe lebt. Danach richtet man dann seine eigenen Gewohnheiten ein. Das nennt man Ausdruckskultur! Und wenn heute an allerhöchster Stelle die Sitte eingeführt wird, ein richtiges Diner mit dem Dessert und Käse zu beginnen und mit der Suppe zu schließen, so wird man sich in gewissen Kreisen höchstens wundern, warum eigentlich bisher die Reihenfolge eine andere war. Man ivird sich beeilen, die Aufstellung des Menüs nach allerhöchsten Vorbildern abzuändern! Und wenn heute ein besonders hochstehender Herr es für passend hielte, sich eineiig Ring als Schmuckstück an der Nase zu befestigen, so würden Taufende in Berlin W dasselbe tun, ohne zu be- denken, daß der gleiche Gegenstand nicht die verschiedensten Nasen zieren kann. Wir stehen noch vor einer ganzen Serie großer H o f f e sr c in diesem Jahre. Deni Berliner Bürgertum ist also noch reichlich Gelegenheit geboten seiner Neugier und Disziplinlosigkeit freien Lauf zu lassen, es wäre aber ebenso auch die Möglichkeit gegeben, zu zeigen, daß das Publikum nicht dazu da ist, sich ais Staffage in den Feststraßen ver- wenden und von der Schutzmannschaft über Takt und gute Sitte belehren zu lassen. Festgestellt muß allerdings werden, daß an den ge- schilderten Zuständen auch die bürgerliche Presse ein vollge- rüttelt und geschüttelt Maß Schuld trifft, die täglich das Publikum mit dem abgestandensten Zeug füttert und dadurch geradezu vergiftend wirkt. Am Bötzsee. Tie Vorortzüge über die Stadtbahn nach Strausberg folgen sich ungefähr zweimal in der Stunde. Wir wählen einen in den Frühstunden. nicht weil der Ausflug besonders weit ist, sondern weil in der warmen Jahreszeit die Morgen- stunden die schönsten sind. Der Fahrpreis beträgt in dritter Klasse ab Friedrichstraße 7l> Pf., von den anderen Bahnhöfen entsprechend mehr oder weniger. Diese Vorortzüge fahren jedoch nur über die Ferngleise und halten daher nur an den Hauptbahnhöfen. Für diejenigen Ausflügler, die von einer Station der Ringbahn kommen, sei noch bemerkt, daß sie in Stralau-Rummelsburg und dann in Kaulsdorf umsteigen müssen, um den Strausberger Zug zu erreichen. Bei der .Heimfahrt umgekehrt, erst in Kaulsdorf, dann in Rummelsburg. Vom Bahnhof in Strausberg gelien wir nach links in wenigen Schritten zum Walde, der zwischen dem Bahnhof und Eggersdorf liegt, und durchwandern ihn auf einem Fuß- Wege, indem wir uns nach lmks halten und den Wegweisern nach Eggersdorfer Mühle(aber nicht den nach dem Bötzsee) folgen. Wenn wir Eggersdorf, ein hübsch in grünen Bäumen gebettetes Rest, erreicht haben, durchschreiten wir seine Haupt- straße nach Norden, an der Kirche und am Mühlenteiche vor- bei, und stehen dann sogleich am Beginn eines prächtigen MischhochwaldeS, des Alt-Landsberger Stadtforstes. Vom breiten Fahrweg geht sogleich nach rechts ein schmaler, grüner Fußpfad ab. den wir einschlagen. Er führt immer in der Nähe des Mühlen flicßes nach Norden, mit vielen Windungen, die uns an manchen Stellen gestatten, das Ufer des Fließes zu betreten. Von einer üppigen Vegetation begleitet und stets auf der linken Seite von Hochwald überschattet, in dem Pirole und Spechte, Grasmücken und Meisen und zahlreiche andere Vögel musizieren, erreichen wir die Alt-Landsbcrg- Strausberger Chaussee bei der Kolonie Hohenfließ. Dem „Wirthaus zum hungrigen Wolf" gegenüber führt ein Fuß- weg au einem Garten vorbei wieder in den Wald zum Fließ, das wir auf einer Brücke überschreiten, um dann am anderen Ufer nach rechts dem Wasserlailf zu folgen. Er endet nicht lange darauf im südlichen Ende des Bötzsees. und unser Weg folgt nun dessen westlichem Ufer nach Norden. Der Bötzsee ist der südlichste und zugleich größte See einer Seenkette, die von Leuenberg her den westlichen Teil des Blumentalwaldes durchzieht. Er ist länger und viel breiter als der Schlachten- see. Wir können ani hohen Ufer entlang gehen, dann sehen wir mehr von der Wasserfläche und von den Uferlandschaften. Oder wir steigen hinab zu der Buschwildnis, die das ganze Westufer säumt, dann haben wir ständig eine überaus üppig wuchernde Baum-, Strauch, und Krautvegetation zur Rechten und Linken, die das Sonnenlicht durch einen Schimmer dämpft. Der Fußpfad hier unten ist freilich nicht für ver- wohnte Naturen. Er besteht aus schwarzem, stellenweise etwas feuchtem Humus, den hervortretende Baum- und Strauchwurzeln kreuz und quer durchziehen. An verschiedenen Stellen erreicht man das Seeuser mit seinen hübschen Aus- blicken. Wenn wir das Nardende erreicht haben, können wir den Weg. je nach der vorhandenen Zeit, auf verschiedene Weise fortsetzen. Wir können das Westnfer des nächsten Sees, des Fängersces, begehen und von dessen Nordende zum Straus- berger See wandern oder wir können auch gleich vom Bötz- see aus das gleiche tun. Beim Restaurant„Seebad" finden wir verschiedene Gelegenheiten zum Uebcrsetzen nach Straus- berg und von hier erreicht man den Ostbahnhof Strausberg mit der Kleinbabn. Ist die Zeit aber knapp, ko kann man am Nordende des Bötzsees in das Motorboot steigen, das zn ge- gebenen Zeiten den See der Länge nach durchfährt und eine angenehme Wasscrfahrt bietet. Vom Endpunkt der Fahrt führt ein schöner Waldweg zum Bahnhof Strausberg. Gegen die Kirchenflucht. Auf den Kirchensynoden wird lebhaft gejammert über die Kirchen flucht, und die Vertreter der Kirche zerbrechen sich die Köpfe, wer hieran schuld ist und wie dem abzuhelfen sei. Die beiden sich befehdenden kirchlichen Richtungen werfen sich vor, daß die andere Richtung die Schuld an dieser Erscheinung treffe. Die sogenannten Positiven behaupten, daß die Liberalen schuld hätten, weil diese die reine Gotteslehre verweltlichen wollen, während die Liberalen er- klären, die Positiven seien mit ihrem starren Orthodoxismus an der Abwendung vieler Personen von der Kirche schuld. Dann wurde gemeint, daß auch die Kirchensteuer viele Leute vor den Kopf stoße! man solle die Kirchensteuer in kleineren Raten erheben und nicht jährlich, damit das Publikum diese Abgabe nicht so sehr merke. Bon der Synode Berlin-Kölln wurde der geschästsführende Ausschuß der Stadtsynode ersucht, die Kirchensteuer in viertel» jährlichen Raten einzuziehen. Helfen wird das auch nicht viel. Bezeichnend waren die Ausführungen, die der Hofprediger O h l h auf der Stadtsynode Berlin-Kölln machte: Er meinte, man könne nicht leugnen, daß die kirchliche Gleichgültigkeit riesenhaft gewachsen sei. Der wesentlichste Grund dafür sei das Reichwerden unseres Volkes. Der Geist des Materialismus habe in unserem Volke eine unheimliche Macht gewonnen und ihm die Ideale geraubt. Es scheine, daß die Furcht vor dem Kriege die Leute doch zu einer gewisse» inneren Einkehr gebracht habe. Man sieht, daß die Kirchenvertreter vollkommen blind sind gegen die wahren Ursachen der Kirchenflucht. In Wirklichkeit liegt der Grund darin, daß immer weitere Kreise erkennen, daß die Kirche ein Instrument des heutigen Staates zur Niederhaltung des auf- strebenden Volkes ist._ Der Umbau des Bahnhofes �ricdrichstrasic. Die Pläne für den Umbau des Bahnhofes Friedrichstraße hat Minister von Breitenbach genehmigt. E« wird nunmehr an die Ausarbeitung der Einzelzeichnungen gegangen! diese soll so beschleunigt werden, daß mit der Ausführung des Erweiterungs- baues noch in diesem Jahre begonnen werden kann. Wie bekannt, hat der Bahnhof Friedrichstraße jetzt nur zwei Bahnsteige mit vier Gleisen, von denen zwei dem Stadt- und zwei dem Vorort- und Fernverkehr dienen. Da die Abfertigung der Fernzüge natur- gemäß längere Zeit in Anspruch nimmt, so kam es häufig vor, daß die auf denselben Gleisen ankommenden Vorort- züge auf diese warten mußten, in die Bahnhofshalle also erst einfahren konnten, nachdem die Fernzüge sie verlassen hatten. Es sollen daher noch zwei UeberholungSgleisc mit den nötigen Weichen eingebaut werden, so daß die Vorortzüge schlank durchgeleitet und die Fernzüge zugleich in aller Ruhe auf der Station abgefertigt werden können. Danach wird der Bahnhof Friedrich- straße drei Bahnsteige mit sechs Gleisen erhalten. Die dazu erforderliche Verbreiterung erfolgt an der Nordseite, aus welchem Grunde ja, wie bekannt, ein Streifen von dem Grundstücke der Kaiser-Wilhelm-Akademie vom EisenbahnfiSkuS erworben worden ist. Hier wird an Stelle des schmalen Verbindungswege» zwischen Friedrichstraße und Reichstagsufer, eine 21 Meter breite Zu- ahrtstraße angelegt werden, welche den gesamten A b f a h r- verkehr der Fernzüge aufnehnren soll. An der Süd- icite, Georgenstraße, wird sich der Ankuustsverkehr abspielen. Für den Stadtverkehr wird eine Reihe von Zu- und Abgängen geschaffen werden, welche es ermöglichen, daß die Reisenden sowohl vom Schiffbauerdamm, wie vom Reichstagsufer und von der Friedrichstraße her zum Bahnsteig gelangen können; als besondere Erleichterung des letzterwähnten Zu- und Abganges ist hervor- zuHeben, daß der Stadtbahnsteig über die Friedrichstraße hinweg sich erstrecken wird, so daß man ihn von Osten her erreichen bezw. verlassen kann, ohne den Fahrdamm überschreiten zu müssen. An diesem(östlichen) Zugange wird auch ein Fahrkartenschalter an- geordnet werden. Diese Neuerung kommt auch den Fahrgästen der städtischen Nord-Südbahn zugute, welchen an der Ecke der Friedrich- und Georgenstraße ein bequemer Ueber- gang aus die Stadtbahn geboten sein wird. Die Hauptschwierigleit der ganzen Aufgabe besteht darin, daß die Bauarbeiten während des vollenBetriebqs ausgeführt werden müssen. Zunächst wird der dritte Bahnsteig an der neuen Zufahrtstraße an- gelegt, sodann einer der älteren Bahnsteige außer Betrieb gesetzt und erneuert werden usw. Unter diesen erschwerenden Bedingungen muß auch die Spreebrücke verbreitert und sechsgleisig ausgebaut werden. ebenso die anschließenden Brücken über das Reichstagsufer und den Schiffbauerdamm. Die Gesamtkosten für den umfangreichen Er- Weiterungsbau sind auf 19,7 Millionen Mark veranschlagt worden. Hiervon kommen aus Grunderwerb 3,6 Millionen, so daß die reine Bausumme etwas über 7 Millionen Mark betragen wird. Der Bau der Schnellbahn Wedding— Hallesches Tor— Neukölln (Nordsüdbahn) hat in �der letzten Zeit große Fortschritte gemacht. Bon der See- bis zur Schlegelstraße sind die Wasserleitungs-, Kana- lisaiions- und Gasröhren schon verlegt. In der Müllerstratze ist mit den Tunnelarbeiten begonnen lvorden. Mehrere Hundert Ar- beiter sind jetzt ununterbrochen beschäftigt. In der Ehausseestratze sind zuni Schutz der Gebäude mächtige T-Träger aus starkem Eisen in die Bürgersteige eingerammt worden, um Senkungen und Risse in den Häusern zn vermeiden. Der Verlehr von Süden nach Norden mußte ivegen dieser Arbeiten abgelenkt werden. Von Norden nach Süden können die Fuhrwerke ungehindert passieren. Die Müller- und Chaussecstraße sind so breit, daß Verlehrsstockungen nur selten vorkommen. Anders wird es in der Friedrichstraße, besonders nahe den Linden werden. Zur Erhöhung der Fcuersichcrheit in den städtischen Schulen sind zahlreiche bauliche Veränderungen erforderlich geworden. Die Ver- änderungen erstrecken sich ans 38 höhere Lehranstalten, 15 Turn- hallen!�er höheren Lehranstalten, 165 Gemeindeschulgebäude, 21 Mieisschulgebäudc, 12 Fach- und Fortbildungsschulgebäude und eine Blindenschule. Die Kosten belaufen sich aus insgesamt 316 32» M, Eine»c»c Art der Linienbczeichnung hat die Straßenbahn im Einvernehmen mit dem Polizeipräsidenten mit dem Heutigerl Tage eingeführt, Tie Westliche und die Berlin-Eharlottenburgcr Straßenbahn unterscheidet ihre Linien bekanntlich durch Buch- staben. Bei einzelnen dieser Linien macht ein Teil der Wagen einen anderen Weg. Ilm diese verschiedenen Wege kenntliÄ zu machen, ist jetzt der Linicubezcichnung ein zweiter Buchstabe bei- gefügt worden, der den Weg bezeichnet. Dieser zweite Buchstabe wird ebenfalls groß geschrieben, aber ciwas kleiner ausgeführt. So fährt der eine Teil der Wagen der Linie B über Schöneberg und Schmargendorf, der andere über den Kurfürstendamm und Halensee. Die Wagen der Linie B, die von der Linkstraßc über Schöneberg und Schmargendorf verkehren, baden die Bezeich- nung B� an der Laterne»iid an den Scitcnschildern erhalten. Di- Wagen, die über den Äurfürstcndomin und Halensee verkehren, führen jetzt die Bezeichnung B». Eine zweite Neuerung ist bei den Wagen der Linien A und B eingeführt worden. Die Kops- schilder der Wagen, die durch die Königsallce fahren, sind mit roter Aufschrift.versehen. Die Wagen, die über die Hubcrtusallce ver- kehren, haben nach wie vor weiße Kopfschildcr. Die Kleidungsstücke einer unbekannten Leiche sollten, so wird mancher denken, von der Polizei möglichst lange aufbewahrt werden, damit später vielleicht doch noch die Persönlich- keit des Toten sich feststellen läßt. Ein anderes Verfahren scheint im Berlincv Lcichenschauhans für zulässig zu gelten, wenigstens ist dort anders in einem Fall verfahren worden, bei dem eine lange Aufbewahrung der Kleidungsstücke eines zunächst unbekannt gebliebenen Toten wegen der den Tod begleitenden Um- stände zn wünschen gewesen wäre. Als in der Nackt vom 25. zum 26. August 1912 an der Ecks der Dragoner- und der Münzstraße der Schutzmann G a b» b crt den Fürsorgezögling Artur Fischer nieder- geschossen hatte, erklärte die Polizei, sie könne nicht feststellen, wer der Erschossene sei. Tic Feststellung der Persönlichkeit gelang nachträglich im Dezember 1912 der eigenen Mutter, die ihren Sohn seit Ende August vermißt hatte,»nd erst im Januar 1913 erkannte die Polizei die Richtigkeit ihrer Behauptung an. Frau Fischer fragte damals nach den K l c i d u n g s st ü ck e n des seit Monaten beerdigten Sohnes und ersuchte um deren Rückgabe, Iveil es gute Sonntagskleider waren, die noch Wert hatten. Es hat mancher Hin- und Hcrfragerci bei mehreren Behörden bedurft, bis Frau Fischer endlich jetzt im Mai 1913 aus dem LcichenschauhauS, wo sie schon früher mündlich ohne Erfolg angefragt hatte, ans ihre schriftliche Eingabe folgenden schriftlichen Bescheid erhielt: „Auf Ihr Schreiben vom 29. 4. 13 teile ich Ihnen ergebenst mit. daß die Kleidungsstücke des Artur Fischer�vcrnichtet worden sind, weil sie infolge ihrer Besudelung mit Schmutz und Blut einen üblen Geruch verbreiteten. Die Sachen sind durch den Leichendiener Rentsch vernichtet lvorden. Berlin, den 17. 5. IL. Dr. Roeskh, Kriminalkommissar, Vorsteher des Königl. Kommis- fariats zur Sicherstellung der Leichen." Der Einfall, die Kleider zu vernichten, ist sehr sonderbar. Hatte denn die Polizei gar kein Interesse mehr daran, die Persönlichkeit des Erschossenen festzustellen und alle etwaigen Beweismittel aufzubewahren? Wenn die Kleidung wirklich einen üblen Geruch verbreitete, so konnte man sie ja wohl reinigen lassen. In Kriminalprozesscn erlebt man, daß noch ganz andere Dinge viele Monate hindurch aufbewahrt und dem Gericht vorgelegt wer« den. Verwunderlich ist übrigens auch, daß die Kleidung so übel gerochen haben soll. Fischer dürfte nicht sehr viel Blut verloren haben, und wenn die Kleider de? Zusammenbrechenden von Straßenschmutz besudelt worden sind, so würde dessen Geruch wohl nicht auf Monate hinaus unerträglich für Polizeinasen geblieben sein. Und warum hat man sogar die Stiefel vernichtet? Schmutzige Stiefel zu reinigen, ist doch gewiß kein Kunststück. Nach der Vernichtung der Kleidungsstücke Artur Fischers ist der Mutter die Möglichkeit genommen, aus der Durchlöcherung festzustellen, von wo ans der Schutzmann Gabbcrt geschossen haben kann. Der Obduktionsbefund, der hierüber Aufschluß geben muß, ist ihr niemals im Wortlaut mitgeteilt worden. 19 696 Mark Belohnung hat nunmehr die Dresdner Bank noch nachträglich auf die Wiederherbeischaffung der fehlenden 119 999 Mark von den durch den Kassenbotcn Brüning gestohlenen 269 999 Mark ausgesetzt. Wie bereits mitgeteilt, hatte die Dresdner Bank gegen den Maurer Hatke und dessen Frau auf Herausgabe dieser Summe geklagt. In dem gestrigen Termin wurde Brüning selbst als Zeuge vernommen. Auch hierbei wiederholte er, daß er kein Geld hinter sich habe, machte vielmehr über den Verbleib der fehlen- den 119 999 M. dieselben Angaben, die er auch bei der Verhandlung gegen ihn gemacht hatte. Die Dresdner Bank glaubt jedoch seinen Erzählungen nicht, nimmt vielmehr als sicher an, daß Brüning das Geld irgend jemandem zur Aufbewahrung übergeben hat. Da alle Nachforschungen nach dem Verbleib der großen Summe bisher ohne Erfolg geblieben sind, so sichert sie demjenigen, der für den Nachweis über die. Ausbewahrung des Geldes zweckdienliche An. gaben machen kann, eine Belohnung von 19 999 M. bezw. 19 Proz. der dadurch wiedererlangten Summe zu. Wagen und Ladung gestohlen. Für 5999 M. roher Kaffee fiel gekstern mittag Fuhrwerksdieben in die Hände. Als ein Kutscher der Kolonialwarengroßhandlung von W. Naetebus u. Co. in der Lausitzer Str. 31 den mit einem braunen Wallach bespannten Geschäftswagen der Firma kurze Zeit unbeauf- sichtigt vor dem Hause Reichstagufer 1 stehen ließ, schwangen sich Diebe auf den Bock und jagten mit dem Fuhrwerk davon. Der braungestrichene Wagen war mit 69 Sack Rohkaffee beladen, die zu- ammen einen Wert von 5999 M. haben. Ohne Zweifel haben es die Diebe auch nur auf die Ladung abgesehen und werden sie wahr- 'cheiiilich Pferd und Wagen irgendwo stehen laffen. Die Kaffeesäcke tragen die Zeichen dl. C. 524. Auf die Wiederherbeischaffung des gestohlenen Gutes ist eine hohe Belohnung ausgesetzt worden. * Zwci Großfeuer m Schöueberg. In den gestrigen Spät- nachmittagSstunden brachen in Schönebcrg zwei Grotzfeuer au§. Zuerst wurde die Feuerwehr nach der Hauptstraße 51. Ecke Mühlen- ftraße, gerufen, wo der Dachstuhl des Eckhauses in großer Aus- dehnung in Flammen stand� Es brannte hauptsächlich der Flügel an der Mühlenstraße, und die Rauchentwickelung war so stark, daß die Löschmannschaften anfangs nur unter großen Schwierigkeiten vordringen konnten. Es wurde mit mehreren Schlauch- leitungen Wasser gegeben, doch konnte nur langsam dem Feuer Terrain abgewonnen werden. Die Leitung der Löscharbeiten hatte Branddirektor Floeter persönlich übernommen. Während hier das Feuer noch in vollenr�Gange war, wurde ein zweites Großfeuer aus der Gothenstr. 9 in Schöneberg gemeldet. Da von der Schöne- berger Feuerwehr nur noch ein Löschzug zur Verfügung stand, so wurde auch die Berliner Feuerwehr zu Hilfe gerufen. Es rückte der 12. Löschzug i�ter Führung des Brandmeisters Firsbach an und ge- meinsam wurde dann mit drei Schlauchleitungen gegen den Brand vorgegangen. Der Löschangriff erfolgte iiber zwei mechanische Leitern und die Treppen hinweg. Nach einstündiger Arbeit war die Gefahr beseitigt, doch ist die Hälfte des Dachstnhls vom Vorderhaus niedergebrannt. Während hier die Löscharbeiten ohne Unfall ver- liefen, verunglückte auf der Brandstelle in der Hauptstraße ein Feuerwehrmann. Es fiel ihm. als der große Eckturm des Hauses in sich zusammenstürzte, ein Balken auf den Körper, wobei er erhebliche Verletzungen erlitt. Die Aufräumungsarbeiten'zogen sich auf beiden Brandstellen mehrere Stunden lang hin. Die Ursache der beiden Grotzfeuer ist nicht ermittelt. An Droschkenbesiher richtet sich folgende Bekanntmachung des Polizeipräsidenten: Viele Fuhrherrcn, welche auf Grund meiner Bekanntmachung vom 39. Januar 1913 berechtigt sind, in der Zeit vom 1. Mai bis 31. Oktober Kraftdroschken mit sogen. Sommer- karosserie im Betriebe zu halten, haben es unterlassen, bereits vor der Inbetriebnahme dieser Sommcrwagen ihre Wagen mit der verschließbaren Karosserie zur erneuten Jahresabstempelnng vom 1. Januar ab meinem Vcrkehrskommissariat vorzuführen, in der ausgesprocheneil Absicht, erst nach Ablatif obiger Zeit diese Wagen abstempeln zu lassen. Dieses Verfahren ist nach§ 25 Absatz 2 der Troschkenordnnng unzulässig, da behufs erneuter Prüfung ihrer vorschriftsmäßigen Beschaffenheit jede� Droschke alljährlich"in der Zeit vom 1. Januar bis Ende Juni ohne Aufforderung meinem Verkehrskommissariat vorzustellen ist. Ein Abweichen von dieser Vorschrift ist ans inneren dienstlichen Gründen nicht angängig. Da jedoch die Fuhrherren, im guten Glauben an die Zulässig- keit ihres Verfahrens, noch keine Vorbereitungen für die Vorstellung der Droschken mit verschließbarer Karosserie getroffen haben, so will ich, um eine Verzögerung der Einstellung ihrer Wagen mit Sommcrkarosseric zu vermeiden und sie vor Schaden zu bewahren, mich damit eiirverstanden erklären, daß Fuhrherren, die vor dem 1. Juli ihre Kraftdroschken mit Sommcrkarosserie in Betrieb stellen und darin bis zum 31. Oktober belassen, in diesem Jähre von der erneutci, Vorstellung der entsprechenden Wagen mit verschließbarer Karosseric befreit bleiben, wogegen sie, bei Vermeidung sofortiger Außerbetriebsetzung, diese Kraftdroschken unbedingt in der ersten Hälfte des Januar 191-1 meinem Verkehrs- kommissariat zur Prüfung vorzustellen haben. In Zukunft kann ich aber derartige Ausnahmen nicht mehr geivähren. Es muß daher hinfort die Vorführung sämtlicher Droschken zur er- neuten Prüfung den Vorschriften des§ 25 Absatz 2 der Droschken- crdnung entsprechend stattfinden. Wegen eines größeren Dachstuhlbrandes wurde gestern die Berliner Feuerwehr nach der Lebuser Straße 5 alarmiert. Die Ge- fahr war erst bemerkt worden, als die Flammen aus dem Dach- stuhl hell emporloderten. Der 7. Löschzug hatte längere Zeit zu tun und mußte kräftig Wasser geben um die angrenzenden Gebäude zu schützen, lieber die Treppen und eine große inechanische Leiter wurde der Angriff durchgeführt. Es konnte aber nicht inehr verhindert werden, daß ein großer Teil des Dachstuhls vernichtet wurde. Die Entstehungsursache war nicht mehr aufzuklären. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 12. März, morgens 7 Uhr, in der Luisenstraße, gegeniiber der Fabrik Hauptner, eine Arbeiterin von der Straßenbahn Nr. 57 überfahren worden ist, werden gebeten, ihre Adresse an Frau Germersdorf, Lychener Straße II, abzugeben; vor allein ein Herr aus der Jslandstraßc. Der Gau Brandenburg des Deutschen Arbeiter-Stcnographen- bnndeS«System Arendsj hielt am Sonntag, den 26. Mai, in Spandau, Bismarckstr. 6, seinen diesjährigen Gautag ab. Vertreten waren 5 Mitgliedschaften durch 25 Delegierte, Der Gau zählt 8 Mitglied- schaften mit 329 Mitgliedern. sJ. V. 4 Mitgliedschaften mit 299 Mit- gliedern.) Unterrichtet wurden 373.(I. V. 325.) Als Gauleiter wurde Genosse Arndt wiedergewählt. Der nächste Gautag findet in Nowawes statt. Alle Anfragen, den Gau betreffend, sind zu richten an Genossen I. Arndt, Neukölln, Pflügerstr. 14, H. I. Vorort- Mdmchten. Neukölln. AuS der Organisation. In der Generalversammlung des WaHlvereins am Dienstag erstattete der Vorsitzende, Genosse Scholz, den Jahresbericht. Redner betonte, daß das verflossene Geschäftsjahr ein sebr arbeitsreiches gewesen sei, unter anderem mußten die Stadtverordneten- Wahlen vorgenommen werden. Dabei erwähnte er, daß die Stadt, um das Resultat zu beeinflussen, sich selbst als Wähler in die Liste eingetragen hatte. Auf den Einspruch der sozialdemokratischen Fraktion sei dieses aber rückgängig gemacht worden. In der zweiten Abteilung habe die Sozialdemokratie im 1. Bezirk ein Mandat ein- gebüßt; das Mandat des Genossen Schuch wurde für ungültig er- klärt, weil ein Wähler einen falschen Vornamen genannt'haben soll. Die endgültige Entscheidung darüber steht noch aus. Ins- besondere wurde darauf hingewiesen, daß die Arbeiten der Organi- sation noch viel prompter erledigt werden müssen, jede persönliche Reiberei sei von den Zahlabenden und anderen Zusammenkünften fernzuhalten. Um die Bezirksführer zu entlasten, und sie für die Agitation frei zu machen, wurden Bezirkskassierer eingeführt. Die Agitation für den„Vorwärts" brachte 2390 neue Abonnenten, die Agitation für den Wahlvercin einen Zuwachs von 791 männlichen und 415 weiblichen Mitgliedern. Leider ging der größte Teil durch die starke Fluktuation und Wegzug wieder verloren. Ilm die Mitglieder zu fesseln, wurden Vortrags- und Unter- Tichtskurse eingeführt, außerdem alles aufgeboten, die Zahl- und Leseabende interessanter zu gestalten. Hoffentlich werde durch die Hauskassierung ein größerer Teil von Mitgliedern der Organisation erhalten bleiben. Es müsse dafür gesorgt werden, daß für jedes Haus ein Hausbesteller bestimmt werde, der mit den Genossen in persönlicher Fühlung bleiben könne. Der Bildungsausschutz berichtete über eine sehr umfangreiche Tätigkeit, leider fanden die Veranstaltungen nicht die genügende Unterstützung, zum Teil mag dies an den ungünstigen Wirtschaft- lichen Verhältnissen liegen. Ein erheblicher Teil der Mitglieder ist jedoch von einer gewissen Jnteressenlosigkeit nickt freizusprechen. Das Berichtsjahr schloß mit einem erheblichen Defizit ab. Die Bibliothek wurde stark in Anspruch genommen, es wurden 12274 Bände ausgeliehen. Geklagt wird über die Nichtinnehaltung der Lesefristen. Zur Zeit wird ein Katalog gedruckt, um einem längst empfundenen Bedürfnis abzuhelfen. Eine Fülle tieftrauriger Verhältnisse förderte der Bericht der Kinderschutzkommission zutage. Im ganzen kamen 127 Fälle zur Anzeige, Die Bemühungen der Kommission waren in den meisten Fällen von Erfolg begleitet. In der Diskussion wurde u. a. bemängelt, daß die Verbands- gcneralversammlung nicht beschickt worden sei, nicht genügend Agi- tation für den Besuch der Zusammenkünfte getrieben werde und daß die Flugblätter zur Landtagswahl nicht den gewünschten An- sorderungen entsprochen hätten. Wegen der vorgerückten Zeit wurde die Versammlung vertagt; die Fortsetzung derselben findet Dicns- tag, den 3. Juni, statt.__ �Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für Hey Tempelhof. Ei« großer Dachstuhlbrand kam gestern nachmittag in der Ordens- meisterftraße 55 zum Ausbruch. Die Flammen erfaßten den Dach- stuhl de? Quergebäudes und Seitenflügels und bedrohten auch die Nachbargebäude. Die Tempelhofer Feuerwehr rückte mit der Motor- spritze an und griff mit vier Schlauchleitungen ein. Auch die Feuer- wehren von Britz und Mariendorf eilten herbei, brauchten aber nicht in Tätigkeit zu treten. Nach einstündiger Arbeit war jede Gefahr beseitigt. Die beiden Dachstühle sind aber größtenteils nieder- gebrannt. Die Ailfräuinungsarbeiten zogen sich bis in die Abend- stunden hin. lieber die Ursache des Feuers war nichts Bestimmtes »whr festznstellen, doch vermutet man Brandstiflung. DaS öffentliche Plakatwesc» scheint von der Gemeinde Tempelhos recht stiefmütterlich behandelt zu werdeil. Oft machen die für die öffentliche Plakatierung bestiminten Säulen einen nicht gerade guten Eindruck, weil dieselben nicht immer beklebt werden. Dieser Miß- stand mag seinen Grund darin haben, daß die Gemeinde Teinpelhof die Säulen gegen eine jährliche Pacht von 359 M. dein Haus- und Gruiidbesitzerverein überläßr, welch letzterer die Säulen wiederum an eine Charlottenburger Firma weiterverpachtet. Das ist natürlich ein unhaltbarer Zustand. Als die Gemeindevertretung wiederum über die Verpachtung der«säulen zu befinden hatte, äußerten einige der Vertretung angehörende Mitglieder des Haus- und Grundbesitzer- Vereins den Wunsch, die Säulen auch fernerhin zu pachteil. Die Angelegenheit wurde zur weiteren Erledigung der Baukommissioll überwiefen, in welcher die Haus- und Grundbesitzer den größten Einfluß haben. Hier stellte sich heraus, daß eine andere Firma der Gemeinde ein Angebot gemacht hatte, wonach sie die Säulen für 759 M, jährlich pachten wollte. Selbstlos wie die Herren Haus- besitzer jedoch immer zu sein vorgeben, gingen sie über das Angebot hinweg und beschlossen, es beim alten zu belassen. Wenn eine Gemeinde sich schon nicht dazu aufschwingen kailn. das Plakatwesen in kommunale Regie zu übernehmen, so hätte man doch erwarten sollen, daß sie dasselbe im Submissionswcge dem Meistbietenden überträgt. Für die angebliche Selbstlosigkeit der Tempelhofer Lokalpatrioten ist dieser Vorgang wieder einmal so recht bezeichnend. Steglitz. In der Mitgliederversammlung des WahtvereinS erstattete der Vorsitzende zunächst Bericht üver die Landtagswohlcn. Alsdann wählte die Versammlung eine aus sieben Mitgliedern bestehende Kommission, deren Aufgabe sein soll, diejenigen Genossen zur Rechenschaft zu ziehen, die entweder gar nicht oder falsch gewählt haben. An den Bericht von der letzten Berbandsgeiieralversamm- lung, den die Genossin Dunker erstattete, knüpfte sich eine aus- gedehnte Debatte. Als Leiterin der Kinderschutzkommission wurde Genossin Arnold gewählt. Nachdem die Wahlen der Delegierten zur Kreisgcneralversammlung am 8. Juni erledigt worden waren, mußte infolge der vorgerückten Zeit die Wahl der Delegierten für die am 15. Juni stattfindende Verbandsversammlung vertagt werden. Ober-Schönettieide« Die Errichtung einer Gemeindesparkaffe wird von der Gemeinde- Verwaltung beabsichtigt, eine dementsprechende Borlage wird bereits der nächsten Gemeindevertretersitzung zugehen. Die Sparkasse, für deren Betrieb eine eigene von den sonstigen Gemeindegeschästen ge- trennte Verwaltung vorgesehen ist, soll vorläufig in Mietsräumen untergebracht werden. Recht sonderbar mutet es an. daß nach Be- kanntwerden dieser Absicht der Gemeinde nunmehr die Kreissparkasse am Orte eine Filiale errichten will; dem am 19. Juni zusammen- tretenden Kreislage liegt dieser Antrag der Kreisverwaltung bereits vor. Das Vorgehen des Kreises zeugt nicht gerade von zarter Rück- sichtnahme gegen die Gemeinden. Die zweite Gcmcindestußbadeanstalt ist nunmehr zum Bau ver- geben worden, so daß die Eröffnung in ungefähr 4 Wochen erfolgen kann. Die Verhandlungen mit der Allgemeinen Elektrizität»- Gesellschaft, welche den Platz dazu hergegeben hat, haben jedoch da- zu geführt, daß die Absicht, eine nach dem Flußlaufe zu offene An- stall zu errichten, fallengelassen werden mutzte, da die Gesellschaft dies zur Bedingung machte. Weihensee. Aus der Gemeindevertretung. Zum Bau des Äpothckenyebaudes erhält die Gemeinde von der Landesversicherungsanstalt Branden» bürg ein Darlehn von 389 999 M., verzinslich mit 414 Prozent; die erste Rate von 199 999 M. soll am 31. Mai d. I. entnommen werden. Die Pistoriusstraße von der Berliner Allee bis zum Mirbachplatz wird sofort reguliert. Der Straßcndamm erhält in einer Breiie von 714 Meter Gußasphalt, die Bürgersteige einen Rasenstreifen und eine Plattcngehbahn von 2 Meter. Die Kosten der Regulierung betragen 195 859 M. Die Anlieger> verde» mit 25 Prozent zu den Damm- und mit 75 Prozent zu den Bürgcrstcig- regulierungskostcn herangezogen. In der Roelckestraße, zwischen Streu- und Langhansstraße, wird ebenfalls der Damm mit Schlackensteinen versehen, wozu die Anlieger mit 25 Prozent zu den Kosten herangezogen werden. Eine längere Debatte entspann sich bei der IHcgulirrung des Ortsteils zwischen Kreuzvsuhl imd Anialienstraßc. Hier soll das Cityviertcl entstehen; es sind infolge- dessen große Mittel erforderlich. Um den Kreuzpfuhl befinden sich bereits größere öffentliche Gebäude, so die Gemcindeturnhallc, ein Verwaltungsgebäude, das Realgymnasium, das Ledigenheim, die Pumpstation, weiter ist der Bau eines Feuerwehrgcbäudes sowie einer Bolksbabcanstalt geplant. An die schon bestehenden Park- anlagen soll sich nun weiter eine Prachtjtratzc anschließen, die eben- falls parkartig ausgestaltet wird. Die Kosten der Erdarbeiten. Fuß- Wege, Bäume, Sträucher usw. sollen ftir eine Fläche von 15 219 Ouadratmeter zirka 29 999 M. betragen. Diese Kosten muß die Gemeinde allein auf sich nehmen. Einen solchen Luxus wollte sich der Schösse Rothe nicht leisten, da die angesagten Kosten gewöhnlich nicht ausreichen und noch Taufende nackchcwilligt werden müßten. Schließlich ließ er sich»och überreden und stimmte der Vorlage zu. Es wurde noch in Erwägung gezogen, die ganze Gegend elektrisch zu beleuchten. Die an der Berliner Grenze liegende Gürtelstraßc soll in Uebcreinstim.mung. mit der Berliner Tiefbau- vertvaltung so ausgebaut werde», daß die Strotze eine Breite von 26 Meter erhält und zwar eine Mtttelpromcnadc von 8 Meter, zu beiden Seiten je einen Damm von 514 Meter und Bürgersteigc in einer Breite von 314 Meier. Die Regulierung der diesseitigen Hälfte soll bis zum 1. Oktober d. I. erledigt sein. In der geheimen Sitzung wurde das der Weißenseer Bank bereits in der außer- ar deutlichen Sitzung voni 23. Mai bezeugte Entgegenkommen zum Beschluß erhoben. Außerdem wurde ein Grundstück in der neuen Apothekenstraße verkauft. Spandau. Eine Zwangsmaßnahme gegen die hiesigen Krankenkassen plant der Magistrat. Ans«cheinend will derselbe die Kassen zwingen, ihre Kranken im hiesigen Krankenhause unterzubringen. Die Kranken- lassen, welche nur Leichterkrankte mit deren Einwilligung wegen der billigeren Verpflegungssätze nach auswärtigen Krankenhäusern schicken, erklärten sich bereit, ihre sämtlichen Kranken im hiesigen Kranken- hause unterzubringen, wenn der Magistrat die Verpflegungssätze er- mäßige. Daraufhin hat der Magistrat jetzt beschlossen, daß eine Herabsetzung der Verpflegungssätze im Krankenhaus nicht eintreten soll, daß vielmehr zunächst weitere Erhebungen darüber angestellt werden, ob die Krankenkassen etwa unter Verletzung der Interessen ihrer Mitglieder ihre Patienten nach außerhalb schicken. Eine stark besuchte Parteijubiläumsversammlung fand Dienstagabend in der Pichelsdorser Brauerei statt. Eingeleitet wurde die- selbe mit einem stimmungsvollen Gesangsvortrag des Arbeiter- gesangverein„Hoffnung" sowie durch ein vom Genossen I a h n k e vorgetragenes Gedicht. Reichstagsabgeordneter Genosse Molken- b u h r sprach hierauf unter lebhaftem Beifall über das Thema: Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts „59 Jahre deutsche Sozialdemokratie". Nach weiterem Vortrag zweier Lieder fand die eindrucksvoll verlaufene Versammlung ihr Ende. Eine teilweise stürmische Protestversammlung gegen die verschärfte Hundesperrc, die zweite in kurzer Zest, die von 1990 Personen be- sucht war, fand Dienstagabend im„Roten Adler" statt. Nach langer Debatte wurde u. a. die Absenkung zweier Telegramme an den Reichstag und den Landwirtschaftsminister beschlossen, worin um Milderung der Hundesperre ersucht wird. Waidmannslust und Umgegend. In der Gcneralversammlung des Bezirkswahtvereins gab Genosse Luschar den Bericht für das vcrslossenc Geschäftsjahr. Danach waren am 31. März d. I. 394 Mitglieder, darunter 85 weib- liche. vorhanden. Nach den verkauften Marken betrug jedoch die Zahl der vollzahlcudcu Mitglieder 359 gegen 319 im vorigen Jahre. Die Zahl der..Porwärts"abanneiiten beträgt 429 gegen 413 im Vorjahre. Sozialdemokratische Gemeindevectretcr sind im Bezirk zurzeit 1 t vorhanden. Zu erwähnen ist, daß die beiden vor Jahren für Stolpe gewählten Vertreter wegen dauernder Nichtbeachtung unserer Beschlüsse sowie' Fernbleibens der Sitzungen und Restie- rens ihrer Wahlvercinsbeiträgc aus der Liste der soziatdemokran- schen Gemeindevertreter gestrichen werden mußten. Freie Lokale stehen uns 15 zur Verfügung. Ter Kassenbericht des Genossen Knuth weist eine Einnahme von 2124,53 M. und eine Ausgabe von insgesamt 1729,86 M. aus, so daß der Kassenbestand 394,67 M. beträgt. Beschlossen wurde. 199 M. als Extraznwendnng an den Kreis abzuführen. Die Neuwahlen der gesamten Funktionäre wurden in einer folgenden außerordentlichen Generalversammlung vorgenommen. Genosse Sohrauer gab erst noch ein umfassendes Bild von den Landtagswahlmännerwahlcn des Bezirks. Gegenüber dem Ergebnis der letzten Landtagswahl hat sich in allen Orten unsere Wählcrzahl verdoppelt. Das Ergebnis der Funktionär- wählen war folgendes: Heinrich Sohrauer, 1. Bezirksleitcr; August Luscher, 2. Bezirksleitcr; Albert Knuth, Kassierer; Arthur Steg- meicr. Schriftführer: August Schulz, Hermsdorf, Berliner Str. 25z, Bibliothekar, daselbst auch die Bibliothek; Fritz Blümcl, Paul Pönnicke und Wilhelm Bebrends, Revisoren; Wilhelm Tannen- berg. Lokalkommission: Ernst Zimmermann, Zeitungskommission: Paul Baum, Gruppenführer für Hermsdorf: Kurt Pallavicini für Waidmannslust: Richard Illfert für Glienicke und Ernst Reiß ftir Bcrgfeldc; die Wahlen für Birkcnwerdcr und Hohen-Ncuendorf stehen noch aus. Rosenthal. Den Kampf um Erlangung einer Straßenbahn muß die hie- sigc Gemeinde immer noch weiterführen; einen endgültigen Be- schluß konnte auch die Gemeindcvertrctersitzung am Donnerstag nicht fassen. Wie der Gemeindevorsteher Dr. Kruse betonte, ist die Bagatelle, wie die Anfschüttung des Grcnzwegcs, von dem vor allen Dingen die Förderung des Projektes abhängt, in 13 Monaten noch nicht vollbracht, und jetzt müsse die Befürchtung ausgesprochen werden, daß durch«separationsintcressen eine weitere Verzögerung einträte. Es sei notwendig, Kautclcn zu schaffen, die die Durch- sührnng der Linie 23 und die Förderung des Projektes der Sicmensbahn gewährleiste. Zur Information betr. der Linie 11 sei mitzuteilen, daß die Firma Bergmann die Rcstsumme von der Pflasterung der Leisingstratzc, von etwa 15 999 M., der Gemeinde auf zehn Jahre unverzinslich zur Verfügung stellt, und außerdem zur Pflasterung der Kopenhagcner Straße, zu welcher unsere Ge- meinde bekanntlich 75 999 M. zu zahlen habe, 19 999 M. als ein- malige Beihilfe zeichne.— Die etwa drei Stunden währende Sitzung, die sich ausschließlich nur mit der Straßenbahn bcschäf- tigtc, faßte einen Beschluß, der die Beschleunigung der Weg- regulicrung durch Rieder-Schönhausen fordert und auch den Zweck- verband zur endgültigen Stellung auffordert. Da zu Anfang der Sitzung den Gemcindcvcrtrctern umfangreiches Material ausgc- händigt wurde, welche» die Sachlage in eine andere Situation brachte, beteiligten sich nur einzelne bürgerliche Vertreter an den Verhandlungen, die durchweg auch nur gute Ratschläge vorbrachten, es aber nicht zur Einbringung eines formellen Antrages bringen konnten. In 14 Tagen hofft man endlich zu einer glücklichen Lösung des schwierigen Problems zu kommen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Friedrichsfelde-Karlshorit. Freitag, den 30. Mai, abends 61/, Uhr, in der Schute an der Treskow-Allcc. Friedrichshagen. Freitag, den M. Mai, nachmittags 5 Uhr, im Rat- Hause. Friedrichstr. 87. Spandau. Donnerstag, den 29. Mai, nachmittags 4'/« Uhr, im alten Rathause. Diese Sitzungen sind Ssfcnilich. Jeder SemeindeangehSrige itt berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveraustaltunge». Pankow-Riederschönhausen. Sonntag, den I. Hunt: Spiclpartie nach tzermSdors. Treffpunkt pünktlich mittags VI, Uhr Pankow. Nordbahn- hos. von dort nach Waidmannslust, dann Fnßpartte nach HermSdorf. Fahr- gctd 2V Pf. Die Arbeiterjugend wird ersucht, zahlreich zu erscheinen. Eingegangene Druchrchriftcti. Die Staatswirtschaft. Eine krittich-thearctischc Beleuchtung von M. Nachimson. 8 M., geb. 19 M. Kadc, Leipzig. Reichs- und Landcsftencrn im Hinblick auf die Deckung der Wehrvorlagen. Von Dr. G. Strich. 2,40 M. F. Ente, Stuttgart Einzelkarten zur Wirtschaftsgeographie Deutschlands. Nr. 5. Deutschlands Textilindustrie von St. v. d. Aa. Karte 4,59 M., Texthcst 49 Ps. B. G. Tcubner, Leipzig. Instinkt und Erfahrung. Bon C. Lloyd Morgan, deutsch von Dr. R. Thcsing. 6 M., geb. 6,80 M. I. Springer. Berlin IV 9. Straubes farbige Wegkarte de« Riesen- und Jiergebirges. 30 Ps. Perlag Jul. Straube, Berlin 8 61. Deutschland vor der Katastrophe. Von I. Sonnlag. 1,25 M. A. Kade, Leipzig. Richard Wagner und das Ende der Musik. Von E. Heinemann. 3 M. Th. Thomas, Leipzig. Marktpreise von Berlin am 27. Mai 1913, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 199 Kilogramm Weizen, gute Sorte 29,76 bis 29,89, mittel 29,68— 20,72, geringe 20.60— 20,64. Roggen, gute Sorte 16,68—16,79, mittel 16,64—16.66, geringe 16,69—16.62.(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 16,29— 16,70, mittel 15,60— 16,10, geringe 15,19—15,59 aser, gute Sorte 17,69— 19,50, mittel 16,50— 17,50(frei Wagen und ab ahn). Mais(mixcd), gute Sorte 15,29— 15,50. Mais(runder), gute Sorte 99,99-99,99. Richtstroh 4,49—4,59. Heu 6.99—7,29. Markthallcnpreise. 199 KUogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 39.99—59,99. Speisebobnen, weiße 35,99—69,99. Linsen 35,99—-69,99. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,99— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,69—2,49. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40— 2,00. Kalbfleisch 1.49—2,49. Hammelfleisch 1.59—2.49. Butter 2,29— 3.99. 69 Stück Eier 3,99— 4,89. 1 Kilogramm Karpfen 1,49—2,49. Aale 1.89— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,49—2,80. Barsche 1.99-2.49. Schleie 1,69—3,29, Bleie 0,80-1,69. 60 Stück Krebse 2,75—60,00. WttterungSübersicht vom 28. Mai 1S13. Wetterprognose für Donnerstag, den 29. Mai 1913. Zunächst vielfach heiter, am Tage wieder wärmer bei inäßigen säd» westlichen Winden; später neue Bewölkung mit etwas Gewitterneigung. Berliner Wettcrbureau. jSuchdruckerei s. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Verlm S%'