Ztr. 183. HbonnementS'Bcdingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährb 8.Z0 Mk, monatl. UV 37! f., toöchenllich 38 Pjg. frei inS HauS. Cinzelne Nummer S Pfg> SonntogS- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg Post- Monnement: 1,10 Marl pro Monat. Singeliagen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreugband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L,S0 Marl, für das übrige Ausland « Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die IntcrtionS' Gebühr beträgt>ür die sechsgefpallene Kolonel- Zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins- Und BersammlungS Anzeigen U> Plg, ,, Kleine Tinreigen", das feltgedruckie Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Slellengesuche und Schlasstellenan� zeigen das erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort S P/g. Worte über IbBuch- staben zählen für zwei Worte. ■r"'■«i lüt die nächste Kummer Müllen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Crfdldnt»glich. Verlinev VolkSblsK. Telegramm-Adresse: .LoilZlltemoKksl Klklili". ZentraXorgnn der fozialdemokratirchen parte» Deutfcblands. Redaktion: 8CQ. 68, Lindenstrassc 6g, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. j, Freitag, den 80. Mai 1913. Expedition: SM. 68» I.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. Sie Lügen üe§ Rbbe Aetterle. Paris, 28. Mai.(Eig. Ber.) Die von der Regierung eröffnete Hetze gegen die gesainte Arbeiterorganifation hätte mit ihrer offenkundigen Verletzung der republikanischen Grundrechte alle demokratisch empfinden- den Elemente der Nation zur Besinnung bringen können. In diesem Augenblick mar es also für die nationalistischen Macher von Wichtigkeit, einen Zwischenfall zu schaffen,. der auf die Sozialisten den Verdacht des Vaterlandsverrats werfen, die Leidenschaft der Gedankenlosen und Leichtgläubigen gegen sie aufpeitschen und die zu einem gemeinsamen Kampfe für die Volksrechte und gegen den Chauvinismus geneigten Bürger tich-Radikalen einschüchtern sollte. Ten Schlag führte die „Liberty", ein notorisch von seiner Korruption lebendes na tional istisches Scharfmacherblatt schlimmster Sorte. Es brachte vorgestern die„Enthüllung", daß Genosse M 0 r i z e t, Re dakteur der„Humanits", bei einem Interview mit Abbä W e t t c r l e erklärt haben sollte, daß die ganze französische Armee im Kriegsfall revoltieren würde. Weiter sollte er bc- hauptet haben, daß in seinem Regiment die Soldaten zuerst aus die Offiziere schießen würden. Auch sei die Sabotage der Mobilisation leicht,, z. B. durch die Sprengung der Brücke von Trohes. Tie UnWahrscheinlichkeit dieser mit allerkwnd infamen Andentungen gespickten Erzählung lag auf der Hand. Welchen Zweck hätte Morizct durch solche törichten Aeußerungen ver- folgen sollen? Warum hätte er sie, selbst wenn sie seiner Mei- nnng entsprächen, just zum Abbä Wetterle getan. Genosse Morizet stellte denn auch sofort in der„Huinanit6" fest, daß an der ganzen Geschichte kein Wort wahr ist. Er wies. darauf hin, daß er über das Regiment, bei dem er gedient hadd, schon darum nicht habe sprechen können, weil er es seit 1898 über- Haupt nicht gesehen hätte und in Trohes sei er nie gewesen und wisse gar nicht, ob es dort eine Brücke gebe. Aber Mori- zet hatte für seine Darstellung auch einen Zeugen: Genossen G r 11 m b a ch. der bei dem Interview mit Wetterlä anwesend gewesen war. Tie„Libert6" hatte allerdings auch ihm Aeußc- rungen derselben Tendenz unterschoben. Tic chauvinistische Presse— und zu dieser gehören auch sogenannte radikale Blätter— wartete die Feststellung des Tatbestandes gar nicht ab und nahm in heulendem Chor die Melodie der„Libertd" auf. Und die Lüge bekam eine schein- bare Bestätigung. Abbä Wetterl6 ließ dem„Matin" televho- nieren, mit der Erzählung der„Libcrtä" habe es seine Rich- tigkcit. Und dasselbe erklärte er verschiedenen Zeitungs- korrespondentcn und behauptete es in seinem„Nouvellistc d'AIsace-Lorraine". Und das Gebrüll der nationalistischen Presse wird ohrenbetäubend: wie darf man an der Wahrheit der Beschuldigungen zweifeln? Erstens ist es Abbe Wetter!�, der sie erhebt und zweitens hat er das. was er dem Re- dakteur— wie er jesuitisch behauptet— nicht zum Zweck der Veröffentlichung erzählt hat, auch schon anderen Leuten er- zählt, was diese in der Tat bestätigen. Also eine Behauptung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, je öfter man sie erzählt und wird auf diesem Weg schließlich nachgewiesene Wahrheit. Morizet und G r u m b a ch erheben nun gegen Wet- terlä die Anklage der Lüge. Morizet appelliert an das Urteil des gesunden Menschenverstandes, Der Abbä, der in bebender Entrüstung die angeblichen Aeußerungen Morizets brühwarm etlichen Freunden hinterbracht haben will— darunter mehreren Journalisten, von denen man natürlich nicht voraussetzen kann, daß sie derlei veröffentlichen—, hat Morizet nicht etwa zornentbrannt hinausgeworfen, sondern stundenlang mit ihm gesprochen und schließlich ihm sein ganzes Interview schriftlich ausgesetzt. Er hat ihn auch seit- ber in Straßburg mit biederer Freundlichkeit begrüßt, von ihm zum Zlbgeordneten Trumin als von einem„netten Kerl" gesprochen. Grumbach fordert Wetterle zur Klage auf und fragt, ob der Verleumder bis zum Meineid gehen werde? Lassen wir also einstweilen die Frage des guten Glaubens aus dem Spiel. Die Wissenschast von der Psychologie der Zeugenaussagen berichtet ja über die allerscltsamsten Fälle. Und das zu glauben, was zu erzählen das eigene Interesse empfiehlt, ist wohl ein im geistlichen Beruf besonders oft vor- kommendes Schutzmittel der Selbstbehauptung. Tie Wieder- holung des Märchens, bis man es selbst glaubt— dieses Wandlungswunder bringt jede Pfaffenreligion zustande. Tas Interesse aber liegt für den politisch abgekrachten Wct- terle auf der Hand. Die Erfahrungen aus dem Gebiete der Psychologie, der Psychiatrie und der— Theologie aber können in keinem Fall den V c r b r c i t e r n der Wetterlüschen Liige zugute kommen. Die chauvinistische P r e ß m e u t e weiß sehr gut, daß sie Morizet und mit ihm die Sozialisten ungerecht beschuldigt. Aber was sie in diesem Fall antreibt, ist ostenbar nicht allein der fanatische Haß gegen die organisierte Arbeiterschaft, sondern auch das speziolle Interesse, das die K a P i t a I in a g n a t e n haben, Morizet zu kompromittieren, Morizet hat nämlich seine Arbeitskraft hauptsächlich dem Studiusn der kapitalistischen Korruption in Frankreich gewid- met, dem Zusammenhangzwischenderimperia- listischen Politik und den Privatinteressen mächtiger Politiker, der Beeinflussung der öffent- lichen Meinung durch das Großkapital, der Neben- oder eigentlich Hauptregierung der Finanziers und Industrie- könige. Es ist darum kein Zufall, daß fetzt am lautesten außer den sozusagen offiziellen Organen des Großkapitals die Trinkgeldblättcr der verschiedenen politischen Sckwttierungen heulen. Ein berüchtigter Wiener Revolverjournalist hat ein mal seiner Frau gesagt:„Sarah, kauf Dir einen neuen Hut Ich weiß was auf wen." Herr Henry Bereu ger kauft sich vielleicht noch eine neue Zeitung. vie neuen Steuergeietre. Die Beratung der neuen, mit der Militärvorlage zusammen� hängenden Steuergesetze wurde am Donnerstag von der Budget koinmission in Angriff genommen. Zunächst wird der Wehr beitrag beraten werden. Die Regierungsvorlage fordert be kanntlich eine einmalige Abgabe von 0,S Proz. Bei Personen, die ein Einkommen von über SO 000 M. haben, sind ohne Rücksicht aist die Höhe des Vermögens 2 Proz. zu erheben. Das Z e n t r u m beantragte eine Abgabe vom Vermögen, welche beträgt: von jedem Vermögen, welches 60000 M. übersteigt. 0,25 Proz. 200 000„. 0.60, 1000 000„. 0,76, 5 000 000„. 1.00, und bei den in§ 11(Ausländern und im Auslände lebenden Deutschen, die in Deutschland Vermögen haben) genannten Personen in einer Abgabe vom Einkommen, welche beträgt: von jeden Ein kommen, welches 7 600 M. jährlich übersteigt 1,0 Proz. 15 000... 2,0. 80 000„„„ 3,0„ 40 000... 4,0. 50 000,„. 5,0„ 100 000„,„ 7,5„ 300 000,„. 10,0. Die Abgabe vom Einkommen wird nur insoweit erhoben, als der Beitragspflichtige nicht schon vom Vermögen alö Einkommens quelle die Abgabe zu entrichten hat. Die Nationalliberalen fordern eine Abgabe vom Ber- mögen, welche beträgt bei Vermögen von mehr als: 30— 40 000 M.... 60 M. 175— 200 000.M.... 700 M 40— 60 000„... 80, 200—225 000„... 800 50— 60 000.... 125„ 225—250 000„... 900 60— 70 000.... 150. 250—275 000,.., 1000 70— 80 000„... 210, 275—300000„... 1100 80— 90 000„... 240„ 300—350 000„... 1500 90—100 000„... 270„ 360—400 000,,.. 1750 100—125 000.... 400. 400—450 000.... 2000 125—150 000.... 500. 450-500 000.... 2250' 150—175 000.... 600„ 500—1000000. für jede angefangenen 100 000 M. 600 M, mehr. über 1 Million für jede angefangenen 100 000 M. 700 M. mehr. Der Wehrbeitrag wird nicht erhoben von Vermögen, welche den Betrag von 30 000 M. nicht übersteigen. Bei denjenigen in K 11 genannten Personen, die ein Einkommen von 20 000 M. oder darüber haben, mutz der Beitrag mindestens be- tragen: Bei einem Einkommen . von mehr als 20 000 bis 50 000 1 Proz. . 50 000„ 100 000 2, ., 100 000 M. 3, Personen, welche bei einem Vermögen von nicht mehr als 100 090 M. den Nachweis führen, daß sie ein Gesamtjahreseinkommen von weniger als 3000 M. haben, sind auf ihren Antrag bei Ver� mögen bis 60 000 M. von der Beitragsleistung ganz, bei Vermögen bis 100 000 M. zur Hälfte freizulassen. Graf Westarp als Berichterstatter wünschte, datz mit dem 8 1 eine Generaldebatte verbunden wird. Schatzsekretär Kühn gab die Erklärung ab, datz die Regierung an die Wiederholung einer ein- maligen Abgabe nicht denke, wie sie auch nur nach langer und ernster Prüfung dem Wchrbeitrag zugestimmt habe. Von einer VermögenskonfiZkation könne natürlich keine Rede sein. Er bitte darum, von der Regierungsvorlage sich nicht weit zu entfernen. Die Sozialdemokraten beantragen, die Abgabe wie folgt zu ge- stalten:, a'i von Vermögen von: 600 001— 1 000 000 M, l.OProz. 1 000 001— 2 000 000 2 000 001— 6 000 000 5 000 001—10 000 000 über 10 000 000 1.5 2.5 4.0 5,0 30 000— 50 000 M. 0.1 Proz. 50 001—100 000„ 0,2„ 100 001—200 000, 0,3, 200 001—300 000 0,4, 300 001—400 000, 0,5, 400 001—600 000. 0,75„ d) den Satz 2 wie folgt zu lassen: Bei den in ij§ 11, IIa und 12 genannten Beitragspflichtigen, die ein Einkommen von mindestens zehntausend Mark haben, mutz der Beitrag ohne Rücksicht auf Vor- handensein und Höbe des Vermögens mindestens betragen bei Einkommen von: 250 000— 500 000 M. 3.5 Proz, 500 000—1000 000„ 4,0. über 1 000 000. 5,0„ 10 000— 50 000 M. 2.0 Proz, SO 000— 100 000. 2,5„ 100 000—250 000. 3,0. des Einkommens. c) als besonderen Absatz einzufügen: Personen mit Vermögen bis zu fünWgtausend Mark, deren Jahreseinkommen dreitausend Mark nicht übersteigt, sind voni Wehrbeitrag befreit. Genosse David betonte, der Wehrdeitrag werde von den Sozialdemokraten begrüßt, weit dadurch zum ersten Male mit dem Prinzip der Anleihen für militärische Ausgaben g c- brachen wird. Im Gegensatz zum Schatzsekrctär sei die Sozial- demokratie der Meinung, datz eine solche einmalige Abgabe sich wiederholen müsite, sobald für unproduktive Ztvcckc Gelder gc- fordert werden. Der Wehrdeitrag ist auch ein wertvoller Schritt zur Vereinheitlichung des Stcncrwesens im Reiche. Ter heutige Zustand in bezug auf die Steuererhebung sowohl im Reiche wie in den Bundesstaaten und in den Gemeinden ist unhaltbar. Rcichsvermögens-, Einkommen- und cnt- sprechend ausgebaute Erbschaftssteuer sind auf dem Marsche. Das gesunde Prinzip der Progression ist bereits, wenn auch mit großen Abweichungen, Iii den vorliegenden Anträgen der Parteien enl- halten, die David einer Erörterung unterzieht, wobei er den Nach- weis liefert, daß die Regierungsvorschlägc völlig unzulänglich sind, ebenso auch nach vorläufiger Beurteilung die bürgerlichen An- träge. Unannehmbar ist die Bestimmung im 8 61 des Gesetzes, der es den Bundesstaaten überläßt, die Veranlagung zum Wehr- beitrag vorzuiichmen. Das würde zu den größten Iliigcrcchtig- leiten führen: man brauche nur an die Praktiken der preußischen Agrarier bei der Veranlagung zu erinnern. Tas Reich muß allgemein gültige Bestimmungen erlassen. Tic Sozialdemokraten seien bereit, ihre Anträge zugunsten besserer zu ändern. Abg. Erzbcrgcr kritisierte die Regierungsvorlage, die die großen Vermögen gerade zu unglaublich schonen wolle. Das verstehen die Volksmaffen nicht. In die Finanzhohcit der Bundesstaaten würde sowieso cingegriffcn, also könne man bei den großen Vermögen weit kräftiger zufassen. Tic unterste ab- gabenpflichtige V e r in ö g e n s g r e n z c müsse von 10 000 aus 50 000 M. heraufgesetzt, die unterste steuerpflichtige Ein- k o m in e n s g r e n z e aber wesentlich herabgesetzt werden. Es müsse auch versucht werden, die mittleren Beamten und verabschiedeten Offiziere, die immer mit Hurra für Militärvorlagen eintreten, zum Wchrbeitrag heran zuziehe n. Unter allen Umstanden müsse der Wehrbeitrag eine Summe von einer Milliarde bringen: eher mehr, auf keinen Fall aber weniger.— Das Zentrum legte entscheiden- den Wert darauf, daß Vermögen unter 50 000 M. von der Steuer befreit bleiben, dafür aber niedrigere Einkommen herangezogen werden als der Entwurf vorsieht. Abg. F i s ch b e ck erklärte, die Volksparteiler treten für den Wehrbeitrag ein, aber begeistert seien sie nicht davon. Es müssen aber Kautelen geschaffen werden, damit die Stcucrdrückevcrgcr auch gefaßt werden können. Sollte der Wehrbeitrag Ucberschüssc bringen, werde der Reichstag über ihre Verwendung zu-beschließen ljaben. Infolge der hohen Belastung mit indirekten Steuern müssen B e s i tz st c u c r n geschaffen werden. Es ist gleichzeitig notwendig, daß die Regierung Material über die Belastung durch die Zölle, vornehmlich durch die Getreidczöllc vorlegt. Schatzsekretär K ü h n glaubte, daß der Steuercrtrag auS dem Einkommen viel niedriger sein werde, als allgemein geglaubt wird. Redner gab einige Zahlen bekannt, welche Summen bei Annahme der cinzelnen Anträge einkoinmen würden, z. B. beim Zentrums» antrag 725 Millionen aus dem Vermögen, 74 Millionen von den Aktiengesellschaften und 20 Millionen aus dem Einkommen. Also der Zentrumsantrag wie auch die Anträge der anderen bürgci- lichen Parteien würden zu wenig einbringen. Die Wirkung des sozialdemokratischen Antrages, die noch nicht berechnet ist, wird aber sicherlich die sein, daß er eine weit höhers Summe bringen würde. Abg. Behrens forderte, daß etwaige Ucberschüsse aus dem Wchrbeitrag bis 1920 für die Veteranen und dann für die Woh- nungsfürsorge verwendet werden sollen.— Graf W c st a r p schlug vor, daß eine Subkoipmission gemeinsam mit der Regierung Er- tragsbcrechnungen anstellt, nachdem vorher die Regierung ihr Material vorgelegt und die Kommission im Prinzip den 8 1 ge- nehmigt hat.— Genosse S ü d c l u m betonte, mindestens 1000 Millionen müssen herausgeholt werden. In den angetragenen Er- tragsbercchniingen sind die Erträge aus den für st lichen Per- mögen nicht mit cinbegnffen. Mit dem Entwurf sind die Re- gierungcn, wenn auch noch unvollkommen, endlich den Anregungen gefolgt, die die Sozialdemokratie seit vielen Jahren gegeben Hai. Das festzustellen ist von Wichtigkeit. Der nationalkiberalc Vor- schlag sei unannehmbar, schon weil er die Leistungsfähigeren in geringerem Maße als die Sckwächercn treffen loürdc. Wenn gegen den sozialdemokratischen Vorschlag eingewendet wird, daß er zu hohe Anforderungen stelle, müsse gesagt werden: die Reichen sollen empfindlich getroffen werden. Südekum legte auch dar, welche Maßregeln ergriffen werden können, um der Abwanderung von Besitzern großer Vermögen vorzubeugen. Das Grundvermögen kann übrigens nicht in das Ausland gebracht werden. Genosse Südekum wandte sich gegen einen am Mittwocki- abend im„Berliner Tageblatt" erschienenen Artikel, der ihm und der Partei einen Wechsel in der Haltung zur Militär- vorläge nachsagt, auf Grund eines von Südekum verfaßten Artikels. Er habe über die Stellung der Sozialdemokratie zum Vaterland geschrieben: unter dem heutigen System und der gegenwärtigen Regierung eine M i l i t ä r v o r I ag c zu bc- willigen, sei für jeden Sozialdemokraten ebenso u n d i s t u t i e r- bar wie unmöglich. Tie Sozialdemokraten beantragen für den Fall, daß mehr als 1000 Millionen aus dem Wchrbeitrag zu erzielen sind, folgende Verwendung de» Nebcrschusses: a) bis zur Höhe von 100 Millionen Mark einen Fonds für V e t e r a n e n f ü r sor g e: 5) der weitere Ileberschuß bis zu 100 Millionen Marl für Säuglings» und Mutterschajtsfürsorge; c) der weitere Ueberschuß bis zu 100 Millionen Mark siir Förderung der Voltsgesundbeit(Erforschung- und Bekämpfung der Tuberkulose, Krebskrankheit usw.); äj der weitere Ueberschutz bis zu 100 Millionen Mark für Unterstützung deS gemeinnützigen Wohnungsbaues; c) ein weiterer Ucberschutz der Erforschung und Bekämpfung von Tier- und Pflanzenkrankheiten. Abg. Erzberger betonte gegen die Berechnungen der Rc- gierung, dotz die Abgabe von den Aktiengesellschaften eine weit böhere Summe bringen mutz, besonders wenn die im Besitze von Ausländern befindlichen Aktienvermögen gebührend herangezogen werden; ebenso werden aus dem Einkommen viel höhere Beträge erzielen sein.— Auch der Abg. Gothei» glaubte, daß die Regierung die finanzielle Wirkung stark unterschätze, zumal der Beklarationszlvang besteht. Tie von den Sozialdemokraten vorgeschlagene Progression lehnen die Volksparteiler ab.— Nach längerer GeschäftsordimngSdebatte wurde beschlossen, datz Nach- mittags eine Subkommission mit dem Schatzsckretär die vorliegen- den Anträge durchsprechen soll. Die Beratung wird am Freitag fortgesetzt werden. Li» Spionsgeiiianllsl in Oeikeirekh. Aus Wien kommt die Kkachricht von einem fast ungtaub- lichen Spionageskandal, dessen Held ein österreichischer G e n e r a l st a b s ch e f ist. Vor einigen Tagen hatte sich in Äien der Generalstabschef des st. österreichischen Korps in Prag. Oberst Anton Redl, erschossen, nachdem er von seinen Vorgesetzten aus seiner Garnison nach Wien zitiert worden war. Trotz oller ofsiziösen Ableugnungen tauchte die Vermutung auf, datz Redl sich der Spionage zugunsten eines fremden Staates schuldig gemacht und nach der Entlarvung den Selbstmord verübt habe. Heilte werden über den Selbst- n»ord des Offiziers Einzelheiten bekannt, wonach Redl seit langen Jahren im Dienste der russischen Regie- rung gestanden habe und während dieser Zeit östcr- reich ische Mobilisicrungsplänc an Rutzlond ausgeliefert hat. Geradezu eine Ironie ist es. daß dieser Offizier wiederholt als Vertrauensmann der ö st e r- reichischen Heeresverwaltung in Spionage- angelegenheiten verwendet wurde. lieber den Skandal werden die folgenden Einzelheiten gemeldet; Verschiedene Vorkommnisse sprachen dafür, datz in den Kreisen der österreichischen Generalstabsoffizierc ein Spion vorhanden sein müsse. Der Verdacht, der Verräter zn sein, lenkte sich im Laufe der Untersuchung auf den Generalstabs- chei Redl, der sich durch einen in keinem Verhältnis zu seinem Einkommen stehenden Aufwand verdächtig machte. Redl wurde am Sonnabend nach Wien berufen. Bei seinem Ein- l reffen in dem Hotel warteten auf ihn bereits drei Offiziere.. Der Oberst begab sich, mit den drei Herren auf sein Zimmer. loa ein Verhör angestellt wurde. Bald nach der Entfernung der Offiziere verübte Redl Selbstmord. Die Korrespon- denzen. die er in seinem Koffer bei sich führte, wurden von den Militärbehörden beschlagnahint. Die Durchsuchung seiner Papiere in der Wohnung in Prag soll ein vernichtendes Beweis material gegen den Generalstabschek ergeben haben. Oberst Redl bat»eben anderen Verrätereien auch die >' i s a m t e n M o b i I i s a t i o n s p t ä n e von Böhmen a n R u tz l a n d verkauft. Tie Behörden sind durch die Aussagen zweier kürzlich wegen Spionage verhafteten öfter- reichischen Offiziere, der Brüder I a n d r i c. auf die Spur gebrocht worden. Redl stand mit. den beiden Offizieren in enger Verbindung. Van militärisch. osfizlöser Seite werden jetzt dem Toten auch homosexuelle Verfehlungen vorgeworfen. In der Donnerstagsitzung des österreichischen Abgeord- netenhauses bracksie der Wiener Abgeordnete Dr. N e u m a n n eine Interpellation über den ungeheuren Militär- jkandal ein.__ Zusammentritt der dänifchen Kammer. JVWirirterwecbfcl? Kopenhagen, 28. Mai.(Ctg. Ber.) Das Ministerium Berntsen bat beschlossen, zur Klärung der parlamentarischen Lage das Parlament zu Mitte Juni zusammen- ; u b c r u f e n. Gleichzeitig hat sich das Ministerium zur Demission entschlossen; die neugewählte Zweite Kammer iot also freie Bahn, zu entscheiden, ob sie diesem Ministerium ihr Vertrauen schenken oder ein neues fordern will. Sowohl die radikale wie die sozialdemokratische Presse treten als Or. gane der beiden Mehrhertsparteien für das Verbleiben des Ministeriums Berntsen ein. Allein der rechte Flügel der Liberalen unter Christensen fordert BerntsenS Rücktritt, weil die Liberalen bei den Wahlen eine Niederlage erlitten haben. Durch diese Widerstände in der liberalen Partei wird die Situation wesentlich verwirrt. Tatsache ist doch, datz die Perfassungspolitik des Ministeriums, und nur um diese Politik bandelte es sich bei der jetzigen Wahl, die Genehmigung derWählcr gefunden hat. Diese haben gar Ist? Anhänger der Wahlreform gegen vorher Ml in die Kammer gesandt. Das Ministerium Berntsen hat also eine größere Mehrheit für seine Wahlreform erhalten als zuvor. Datz die Zahl der liberalen Mandate zurückgegangen ist, liegt an den Liberalen selbst, die jegliche Vereinbarungen mit den beiden links- stehenden Parteien vor der Wahl ablehnten und anstatt dessen in manchen Wahlkreisen mit den Konservativen liebäugelten. Mit dem Rücktritt des Ministeriums, dessen Politik von den Wählern gutgeheißen wurde, schdfft man der Wahlreform nur neue Schwierigkeiten. Und darauf scheint es die rechtsliberale Führung abzusehen. Gern hat sie die ganze Verfassungsreform Berntsens nicht mitgemacht; könnte sie ihr jetzt einen Stein in den Weg wälzen, sie täte es recht gern.... � Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß die radikal-sozial- demokratische Mehrheit sich durch die rechtsliberale Taktik ver- blüffen lassen wird. Die Mehrheit ist einig in der Unter- stützung des regierenden Ministeriums und die Kammer wird bei ihrem Zusammentritt zweifellos dem Ministerium Bernt- sen ihr Vertrauen aussprechen. Damit hat die Regierung freie Hand. Gelingt es ihr. den Widerstand des rechten libe. ralen Flügels zu überwinden, wird sie die von ihr begonnene Wahlreform durchführen können und dann werden Neuwahlen diese Wahlreform nochmals bestätigen müssen, bevor sie ver- fassungsmätzige Gültigkeit erreicht. Erst nachher kann ein politischer Systcmwechsel in Frage kommen. Weigern sich aber die Liberalen jetzt, die Durchführung ihrer eigenen Wahlreform zu leiten, werden die anderen Wahlreformfreund- lichen Parteien sich über den weiteren Gang der Dinge ver- ständigen müssen, Tie in der deutschen bürgerlichen Presse aufgetauchte Ankündigung eines radikal- sozialdemokratischen Ministeriums ist verfrüht. Wir haben oben die Stcl- lung unserer Partei zum jetzigen Mmisterium skizziert. Wenn Berntsen bleibt, wird unsere Fraktion wie bisher seine Wahl- reform mit allen Mitteln unterstützen und sie wird beim Zu- sammentritt der Kammer in diesem Sinne für Berntsen votieren. Entschließt sich das Ministerium trotzdem zur Ab- dankung. dürfte ein sozialdemokratischer Partei- tagsofortabgchaltenwcrden, um über die weiteren Schritte zu beschließen. Tic dänische Partei hat schon vor vier Jähren beschlossen, datz die Frage einer sozialdemokrati- schen Beteiligung an der Regierung für den jeweiligen Fall von einem Parteitag zu entscheiden ist; der Partei- tag hat zu prüfen, ob eine den Beschlüssen der i u t e r n a t i o na l c n S o z i a l i st c n p r e s s e entsprechende Situation vorliegt. Tie„Beurlau- bung" von Sozialdemokraten zum Zwecke der Teilnahme an einer bürgerlichen Regierung lehnt die dänische Partei e i n m ü t i g ab. Sollte der rechtsliberale Flügel die jetzige Lage derart verwirren, datz die Wablresorm dadurch gefährdet wird, dann entsteht die Situation, über die ein sozialdcmokra- tischer Parteitag die Entscheidung zu treffen hat. Allein, so weit sind die Dinge nicht. Einstweilen ist Berntsen am Ruder und er wird sich kaum einem Vertrauensvotum von 107 gegen 7 Stimmen entziehen können, wo es sich um sein eigenes Wahl- rcformvrogramm handelt. Die Ankündigungen der bürger- lichen Presse sind also nichts als mützige Kombinationen. politifcke(leberkickt. „Abgelehnt I" Aus dem Reichstage. Um von vornherein allen Illusionen den Boden zu entziehen; kein einziger der sozial- demokratischen Zlbänderungsanträge zur Verbesserung der Gesetzesvorlage über die Reichs- und Stoatsange- Hörigkeit ist angenommen worden. Die Berechtigung, ja die Notwendigkeit unserer Anträge mochte noch so klar zu- tage liegen, sie mochte von unseren Rednern noch so ein- leuchtend und sachkundig begründet werden— die blauschwarze Rechte, unterstützt durch die meisten Nationalliberalen und gelegentlich auch durch vereinzelte Fortschrittler, lehnte einen Antrag nach dem anderen ab. Ter pausbäckige Wochentags- nachniittagsprediger der Rechten segnete dieses Verfahren mitzerdem noch durch den lächerlichen Vorwurf, die Sozial- demokraten hielten dir Geschäfte des Reichstags auf. Mag ein, datz dem teuren Gottesniannc neue Kanonen zum Tot- 'chictzeit aller unbequeineu Nichtdeutschen wertvollere Gottes- gaben dünken als der Schutz der Rechte von Inländern und Ausländern zum Zwecke der Förderung internationaler Soli- darität. Wo immer sich nur die Möglichkeit bot, durch eineu Ab- änderuiigsantrag die Vorlage zu bessern, war unsere Frak- tion zur Stelle. Genosse B e r n st e i n trat für das Recht der Frauen ein, selbständig über ihre Staatsangehörigkeit zu ent- cheiden, statt, wie es das Gesetz will, automatisch über sich ver- llgen zu lassen. Genosse Q u a r ck begründete die Notwendig. keit der Beseitigung all der Schwierigkeiten und Schwerfällig- leiten, denen heute noch Reichsdeutsche ausgesetzt sind, die in einem anderen als in ihrem Geburtsstaate das Staatsbürger-� recht erwerben wollen. Die unsinnigen Erscheinungen dieser üaatsbürgerlichen Selbstverständlichkeit hätten nur den Zweck. die Arbeiter in der Ausübung ikirer volitischen Rechte zu bindern. Unser Antrag, auch den Ausländern ein Recht auf Einbürgerung zu geben und dadurch die Macht der Verwal- tungsbehörden zu beschränken, begründete Genosse Bern- stein. Es liege in der Richtung der Kulturentwickelung, die Völker einander näherzubringen, anstatt sie durch kleinliche Matznahmen künstlich voneinander abzuschließen. Ueber diesen letzten Antrag entspann sich eine längere De- batte. Der Zentrumsarbeiter Becker- Arnsberg bekämpfte unsre Anregung mit der Ausmalung der fürchterlichen Gefahr, datz dann sehr leicht ausländische Streikbrecher ins Land ge- zogen werden könnten. Unsere Genossen Landsberg, Brühnc. Bernstein. Quarck und Molkenbuhr traten den Einwendungen Beckers und den Hinweisen des Vertreters der Regierung auf amerikanische Verhältnisse ent- gegen. Nicht der vollberechtigte und gewerkschaftlich organisierte ausländische Arbeiter bilde eine Gefahr bei Lolmkämpsen, sondern gerade der rechtlose Ausländer. Dieser mutz sich alles gefallen lassen, weil ihm sonst die Ausweisung droht, während ein eingebürgerter ausländischer Arbeiter viel leichter Soli- darität üben kann und wird. Genosse Landsberg bekämpfte die geplante Neuerung, datz in Zukunft bei Einbürgerungen von Ausländern in einem Bundesstaat andere Bundesstaaten Einspruch erheben können. Die gleichen Parteien, die sonst immer so eifrig auf die Erhaltung der einzelstaatlichen Souveränität erpicht sind, gaben sie preis, sobald diese Preisgabe einem reaktionären Zwecke zugute kommt. Denn die Neuerung läuft lediglich darauf binaus, datz die freieren Grundsätze, die bisher noch in einigen Bundesstaaten bei der Einbürgerung von Ausländern beobachtet wurden, aus politischen Gründen vcrpreutzt. also verschlechtert werden sollen. Eine eindrucksvolle Rede hielt gegen Schluß der Sitzung noch der Däne H a n s s e n. der aus der bitteren Erfahrung der preußischen Dänenpolitik heraus für die Einbürgerung Staatenloser eintrat, die im Reichsgebiet als Kinder daselbst wohnhafter, mit deutschen Frauen verheirateten Ausländer geboren sind. Die krassen Fälle preußischer Intoleranz, die der nordschleswigsche Abgeordnete anführte, verliehen seinem Antrage besonderes Gewicht. Aber: mitgegangen, mitgehan- gen! Der Abgeordnete Haussen hatte für alle sozialdemokrati- schen Anträge gestimmt, infolgedessen stimmte die Mehrheit auch seinen Antrag wie einen sozialdemokratischen nieder. Am Freitag wird zunächst die Beratung des Staatsange- Hörigkeitsgesetzes beraten. Danach gelangt unsere Jnterpella- tion über die Vorgänge in E l's a ß. L o t h r i n g e n zur Erörterung.___ Konservative Zudringlichkeit. Im LaudtagÄvahUreiS Nieder- und Oöerbarnioi setzen die Konservativen ihre Bemühungen fort, die Fortschrittler zum Abschluß eines Kompromisses zu bewegen. Zuerst hatten sie den Fortschrittlern den Vorschlag gemacht, zwei Konservative und einen Liberalen zu wählen. Nach erfolgter Zurückweisung er- klären sich jetzt die Konservativen bereit, den Liberalen zwei Mandate zu geben und sich mit einem zu begnügen. Die „Deutsche Tageszeitung" ist sehr gespannt darauf, ob dieser Vor- schlag angenommen werden wird. Und cS ist sehr lustig zu sehen, wie demütig plötzlich die Konservativen um die fortschrittliche Hilfe flehen, nachdem sie die Fortschrittler in der letzten Zeit nicht genug beschimpfen konnten. Ob den Konservativen Erfolg bcschieden sein wird, scheint un? allerdings sehr zweifelhaft. Denn die Fortschritts- partei würde damit die bisher innegehaltene Stichwahltaktik preis» geben. Ueber diese schreibt die„Hilfe": Die Taktik, überall die Wahl schwarzblauer Kandidaten zu verhindern, ist bei den Wahlmännerstichwahlen in die Tat umgesetzt worden. „Wir betrachten es als ganz selbstverständlich, datz dieselbe Taktik. auch bei den Abgeordnctcnlvahlen am 3. Juni befolgt wird. Leider haben die Nationalliberalen sich zu einem ähnlichen Bor-� gehen nicht aufgerafft. Sic haben eine Parole ausgegeben, deren. Inhalt sich zusammenfassen lätzt: Auf alle Fälle gegen die Sozial« demokratie. Wir bedauern diese Parole sehr; nicht; so sehr deswegen, weil bei anderem Verhalten der Nationalliberalen ein besseres Gesamtergebnis für die Zusammensetzung des künf- tigen Abgeordnetenhauses herausgekommen wäre, als vielmehr he- sonders deswegen, weil dieses Verhalten nicht dazu angetan ist, bei der Regierung Und den Konservativen den Glauben an den Ernst der nationalliberalen Wahlreformwünsche sonderlich stark werden zu lassen." Danach mutz man annehmen, datz auch dieses konservative Angebot abgelehnt werden wird. Die Rcichstagsnachwahl in Zauch-Belzig-Luckenwalde wird am 2. I u I i stattfinden. Auf Anordnung des Regierungs- Präsidenten in Potsdam beginnt die Auslegung der Wähler- listen am 3. Juni. Auch alle in Berlin arbeitenden Wähler des Kreises sind ver« pflichtet, sich davon zu überzeugen, datz sie auch in die Wählerliste eingetragen sind, damit sie nicht etwa am Wahltage durch einen Fehler der Wählerliste an der Ausübung des Wahlrechts ge- hindert sind. Wie sehr es darauf ankommt, datz jeder Wähler sein Wahlrecht auch ausübt, bewies das Wahlergebnis deS Jahres 1S12, wo der sozialdemokratische Kandidat bei der Stichwahl nur um ein Geringes hinter dem Reichsparteiler v. Oertzen zurückblieb. Bei energischer Wahlarbeit kann und mutz der Kreis diesmal von der Sozialdemokratie erobert werden! Antwort erbeten! Man ichreibt uns: In der Gerichtsverhandlung gegen den „Vorwärts"-Redakteur Wachs verlangte der Staatsanwall eine Gefängnisstrafe, weil Wachs eine Geldstrafe doch nicht selbst zahlen würde. Warum wird denn dieses Argument bei den Studenten, die Schutzleute beleidigen, die Nachruhe anderer Leute stören und sonstige RoheilSakte begehen, nicht ins Treffen ge« führt, obwohl bei ihnen in den allermeisten Fällen sicher ist. datz nicht sie. sondern ihre Eltern die Geldstrafe bezahlen müssen? Eine sachgemätze Aufklärung wäre hier dringend notwendig. Der Segen der Einfuhrscheine. In den konservativen„Grenzboten" macht Julius Mecca den Vorschlag, eine Stempelsteuer auf die Einsuhrscheine zu legen, um einmal Geld für die Deckungsvorlage daraus zu münzen und andererseits die grotzcn vollchvirtschaftlichen Schäden des Einfuhr« scheinsystems nach Möglichkeit heradzudrücken. Mecca ist nicht ein Gegner des Einsuhrscheinsystems überliaupt, nur die Art, wie sich nach Aufhebung des Identitätsnachweises das Einfuhrscheinwesen zu einer Subvention für die kornbauenden Agrarier entwickelt hat. bekämpft er: Heute seien die Einfuhrscheine Bargeld, und dieser besondere Gewinn habe die Ausfuhr besonders von Roggen un- gebeuer gesteigert. Es sei eine Hypertrophie der Roggenproduktion und des Roggenexports eingetreten zuungunsten der Erzeugung anderer Bedarfspflanzen. Im Jahre 1912 seien 1 048 646 Tonnen Roggen ausgeführt, aber nur 317 387 Tonnen eingeführt worden, so datz eine Ueberausfuhr von 731 263 Tonnen staltgefunden habe. Bis zum ersten Quartal dieses Jahre» betrage die MehrauZfubr schon wieder 284 078 Tonnen Roggen, so datz wahrscheinlich die Ueberausfuhr vom Jahre 1912 in diesem Jahre noch-übertrofsen wird. DaS industrie- und volksrciche Deutschland, traditionell das zweitgrötzt« Importland der Erde bezüglich Roggen, sei Weltkorn« kammer geworden. Jede Mehrausfuhr vermindere aber die Reichszollcin nähme und halte oben» drein den Preis auf einer autzerge wohnlichen Höhe. Wenn die Landwirtschaft der„Roggcn-Provinzen" an ihrer Hochrcntabilität etwas einbützc. so könne sie das ertragen. Sie habe den größten Vorteil von dem System. Roggen kostete im Jahresdurchschnitt 1912 in.Königsberg 17,78 M. pro Doppelzentnn. im Geburtsjahr des Einfuhrschcinsystems 1894 aber nur 10,68 M. Der Weizenpreis betrug 1912 28,90 M., im Jahre 1894 nur 12,69 M. pro'Doppclzentner. Die RentabilitätderLand- Wirtschaft im Osten ist im letzten Jahrzehnt allein bis 100 Proz. gestiegen, der Bodenprei» von 673 M. pro Hektar im Jahre 1894 auf 1383 M. im Jahre 1906 hinaufgegangen. Zu den allgemeinen volkswirtschaftlichen Nachteilen des Ein- fuhrscheinsystemS komme noch die Ernährungsgefahr im Falle eines Krieges. Wenn der Krieg erst nach Neujahr oder im Sommer ausbreche, dann sei das deutsche Getreide ge- wohntermahen schon außer Landes, die Ersatzeinfuhr aber ab- geschnitten. Nennenswerte Roggenlager bestünden schon lange nicht mehr, seitdem die Ausfuhr so flott sei. Ende 1912 waren auf Zoll« lagern nur 438 Tonnen Roggenmehl gegen 1201 Tonnen Ende 1910 und nur 13 651 Tonnen Roggen gegen 31 814 Tonnen Ende 1910 vorhanden. Die Getreideauswanderung müsse daher Nachdruck- lich bekämpft werden. Im Osten dränge sich der deutsche Getreide- export dem Aulande als Lieferanten auf, im Westen werde man um so abhängiger vom Auslände. Mecca schlägt darum vor, datz eine Stempelsteuer auf die Einfuhrscheine gelegt werde, die schwanken soll von 1 bis 10 Proz. Roggen soll mit 10 Proz. den höchsten Stempel tragen. Diese Stempelsteuer würde eine Reineinnahme von jährlich etwa 3,8 Millionen Mark bringe». Er ist optimistisch genug, zu hoffen, datz die Junker diese Verkürzung ihrer Einfuhr- scheinprofite auf sich nehmen würden. Tarin wird er sich natürlich täuschen. Gegenüber materiellen Opfern, die das Vaterland den Junkern zumutet, sind sie von unbeugsamer Rückgratfestigkeit, und die Schwäche der Regierung und der bürgerlichen Parteien hat ihnen das Festhalten an ihren Privilegien nicht allzu schwer ge« macht. Im übrigen bleibt nack wie vor die. völlige B e s e i t i- gu n g dieses ganzen Prämiensystems da? einzig richtige. Sturm im tvürttembergischen Landtag. Stuttgart, 29. Mai.(P r i v a t t e l e g r a m m.) In der württemdergischen Zweiten Kammer kam es heute aus Anlaß eines brutalen Ueberrumpelungsversuches des Zentrums zu st ü r m i» schen Szenen und zu einer künstlich herbeigeführten Be« schlutzunfähigkeit. Bereits drei Tage dauert die General« debatte über den Etat des Innern, in der von den Rednern der Rechten heftige Angriffe parteipolitischer Art gegen die Linke ge- richtet wurden. Von unserer Seite gaben die Genossen M a t t u t a t, Linde mann und Feuerstein gebührende Antworten. Nur nebenbei wurde die alte Streitfrage der Aushebung der vier KreiSregicrungen gestreift. Tie Mehrheit der srütjmn Kammer hatte sich m Uebcrcmstimmung mit einer RegierungSden!, fdjrift fiu Abschaffung der Kreisregierungen erklärt. Das Zentrum suchte diese Vereinfachung der StaatSverivaltung lediglich auS dem Grunde zu vereiteln, weil die katholische Stadt Ellwangen der Sitz einer Kreisregierung ist. Gestutzt auf die Verschiebung in der Zu- sammensetzung der neuen Kammer, arbeitet nun das Zentrum auf die Aufhebung de» früheren Beschlusses hin, und der Bauern- bund leistet ihm willig Gefolgschaft. Nachdem alles vorbereitet, auch einige Doppelmandatare tele- graphisch aus dem Reichstag herbeigeholt waren, trat das Zentrum mit einem raffiniert formulierten Antrag hervor. In dem Moment, in dem der Bolksparteiler H a u ß m a n n zu diesem Antrage sprechen und Ueberweisung an einen Ausschuß beantragen wollte. setzten Zentrum und Bauernbund mit Hilfe einiger Rational- liberaler den Schluß der Debatte durch. Eine heftige Ge. schäftSordnungSdebatte, in der das gewalttätige Vorgehen der Rechten gekennzeichnet wurde, war die Folge. Genosse Keil ver- langte Verschiebung der Abstimmung über den Zentrumsantrag bis Freitag. Äuck das wurde von der gesamten Rechten mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt, obgleich im neuen Landtag mit Rücksicht auf die unsicheren Mchrbeitsverhältnisse die Ver- einbarung getroffen und bisher durchgeführt wurde, wichtige Ab- stimmungen jeweils auf den Beginn der folgenden Sitzung zu ver- tagen. Als nunmehr über den ZcntrumSantrag namentlich ab- gestimmt werden sollte, verließen die Sozialdemokraten und Volks- parteiler bis aus die zur Kontrolle zurückgebliebenen Abgy. Hauß- mann und Keil geschlossen den Saal. Damit war die Beschluß- Unfähigkeit herbeigeführt. Tic Sitzung mußte abgebrochen werden. Am Beginn der noch einer Viertelstunde folgenden nächsten Sitzung sab sich der Präsident veranlaßt, nun selbst die Verschiebung der Abstimmung bis Freitag vorzuschlagen, und die gesamte Rechte mußte nun zustimmen, nachdem noch einmal eine stürmische Geschästsordnungsdebatte stattgefunden hatte. Jetzt erst erschienen die Mitglieder der sozialdemokratischen und Volkspartei- lichen Fraktion wieder im Saal. Die Etatbcratung wurde bei den nächsten Titeln fortgesetzt. Der Verlauf der Sitzung offenbart mit aller Deutlichkeit so- wohl die brutale Gewalttätigkeit der schivarz-blauen Parteien als auch die Hilflosigkeit des konservativen Präsidenten von Kraut. Wiederholt wurden von Keil und Hautzmann grobe Verstöße des Präsidenten gegen die Geschäftsordnung festgestellt. Bei der Freitag nun stattfindenden Abstimmung wird die Rechte die Mehrheit erlangen, da auch einige Nationalliberale aus Gründen der KirchturmSpolitik für die Erhaltung der Kreis vgicruiigcn stimmen werden. Tcutschritter Oertel. Unsere Feststellungen über die Geschichtssälschungen der .Deutschen Tageszeitung" in Sachen des Deutschrstterordens haben Herrn Oertel und seinem Knappen Dr. Wieder dermaßen die Sprache verschlagen, daß keiner von beiden, ob- wohl wir trostreich auf das echt agrarische Hausmittel der drei Kognaks hinwiesen, sich bis heute gerührt hat. Oder ist das Schweigen des Bundesblattcs dahin zu deuten, daß es sich zu der Auffassung des Hauptmanns O e h l e r und des „Vorwärts" über die negativen Tugenden des Ordens bc- kehrt hat? (Srotzc Arbeitsloseudemoustration in Breslau. Breslau, 29. Mai. jPrivattelegromm.) Im Breslauer GeWerk- ichaftShause fand heute nachmittag«ine Arbeitslosenversammlung statt, an der mehr als 2000 Personen teilnahmen. Nach der Ver-- sommlung strömten die Arbeitslosen»ach dem Ringe, wo im Rat- Hause die Stadtverordnetenversammlung tagte. Die Polizei schritt ein. die verfügbaren Kräfte aus der ganzen Stadt wurden zusammen- gezogen, Polizisten zu Fuß und zu Pferde drangen in die Arbeits- losen ein und zerstreuten sie. Hierauf wurde der Ring und daZ Rathaus von einem starke» Polizeiaufgebot stundenlang besetzt ge- halten. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Ultramontane Geldmacherei. Die»Kölnische Bolkszeitung" hat sich vor einiger Zeit gegen den unkontrollierbaren Bettelbriefbetrieb gewandt. Dieser Bettel- driefbetrieb floriert ziemlich stark. Er dient der Gchnorrerei für Kirchen oder sonstige kirchliche Einrichtungen und geht meist von einzelnen interessierten Geistlichen aus. DaS rheinische ultra- montan« Blart wendet sich nun nicht gegen die Bettelei an sich, dieser unkontrollierte und dezentralisierte Betrieb ist ihr nur um deswillen verhaßt, weil der Reinertrag in keinem Verhältnis steht zu den Unkosten. In Nr. 4S2 vom 27. Mai geht die„Kölnische Volksztg." einem Pfarrer Beyer in Groß-Lichterfelde-Berlin zu Leibe, der sich auf dem Gebiete der Bettelbriefe besonders betriebsam ge- zeigt hat und der den Einwand der„Kölnischen VolkSzeiwng" noch mit dem Hinweis auf die Sammelarbeit des BonifaziusvereinS und seine Unkosten pariert. ES wird dem Pfarrer Beyer vorgehalten, daß bei zwei Bettelbriesiintemehmungen die Unkosten 66,66 und 55,19 Prozent— in Zahlen: von 45000: 60000 und von 143 000: 90 000 M.— betragen haben. Bei dem BonifazüiSverein aber beliefen sich die Unkosten nur auf 9,54 Proz. Der ganze Streit interessiert nichtultramontane Kreise schließlich weiter nicht; von Interesse ist lediglich, welch« ungeheuren Summen die ultramontane Bettelei auZ dem Volke herauszieht. Der Boni- faziusverein hat im Jahre ISlt eine Einnahme von 1 580 432 M. gehabt, und um diese Einnahme zu erzielen, allein für Druckkostcn 150 813 M. ausgegeben. Einzelne Diözesen haben Riefensummen aufgebracht, so Breslau 379 000, Münster 175 000, Freiburg 242 000, Köln 154 000, Paderborn 211000 und Prag 308 000 M. Prag hat allerdings von dieser Einnahme rund 102000 M. wieder allein für Druck- kosten verbraucht. Die Geldmacherei deS BonifaziusvereinS steht unter Kontrolle. Darauf tun sich die klerikalen Gegner der unkontrollierten Briefbetrelei viel zugute. Daran, daß diese Geldsummen dem Volke entzogen werden, nehmen sie natürlich leinen Anstoß.— Run kommt aber hierzu noch der Bettelbriefbetrieb, der nicht weniger einbringt. Daß er nicht unter Kontrolle steht und daß die hohen Unkosten einen großen Teil der Gaben ihren Zwecken entziehen, mag für die Geber und für die konkurrierenden klerikalen Sammelstellen unangenehm sein. An der Dache selbst, daß Riesensummen jahraus, jahrein den ultramontanen Organisationen in ihre Kassen geleitet werden, ändert da» nichts. Rekrutenschinderei im hannoverschen Königsnlanen- Regiment Rr. 13. Der im Oktober v. I. bei der 2. Eskadron des hannoverschen KönigSulanen-Regiment« eingetretene Ulan Busse hatte ständig unter den Schikanen und Mißhandlungen der sogenannten„alten Leute" zu leidew namentlich war es der G e f r e i t e D ä u m e- I a n d, aus Lauingen bei Königslutter gebürtig, der den Buffe peinigte, wo er konnte. Einen besonderen»Ulk" schien dieser Mensch darin zu erblicken, den Rekruten nach dem Stande seines Vaters zu fragen und den Busse, wenn er darauf wahrheitsgetreu antwortete:„Herrschaftlicher Kutscher" so lange mit einem Stocke zu verprügeln, bis der arme Teufel ant- »ortete: ,Mkin Vater ist Miftkutscheri' Am 3. März nun verübte der genannte Gefreite einen besonder? gemeinen Streich, indenr er den Busse von hinten mit einer Trense über denKopfschlug, sodaß Buffe mit lautem Aufschrei besinnung»- loS in die Knie sank. Der Lümmel hatte den Rekruten auch mit der Trense in die Augen getroffen. Nun war guter Rat teuer. Däumeland führte sein Opfer zu- nächst an einen Brunnen, um die Wunde zu kühlen, wobei sich Busse mehrfach erbrechen mußte. Dann schafft« Däumeland den Schwer- verletzten auf seine Stube und bettelte nuir, er möge doch die Sache nicht anzeigen und sagen, er sei mit dem Gesicht auf eine Mulde gefallen. In seiner Angst vor den„Dreijährigen" und aus persönlicher Gutmütigkeit schwieg der Mißhandelte auch zunächst. Als sich indes die Verletzung der Augen als so schwer herausstellte, daß Busse inS Lazarett geschafft werden mußte, kam die Sache zur Meldung und es wurde nun eine Unter- suchung gegen den gewalträtigen Gefreiten eingeleitet. Am 27. d. MtS. kam die Angelegenheit vor dem Kriegsgerichte der 19. Division in Hannover zur Verhandlung. Und nun leugnete Däumeland feiger Weise seinen heimtückischen Angriff von hinten und suchte die Sache so hinzustellen, als ob er nur mit einem Gurt nach einem Pferde geschlagen und unbeabsichtigt den Busse, den er nicht gesehen, getroffen habe. Es schien auch fast, als ob er mit dieser Lüge durchkommen sollte, denn die übrigen Soldaten, die als Zeugeil vernommen wurden, wollten alle nichts gesehen habe», hielten auch mit ihren Aussagen derart zurück, daß die Anklage sich lediglich auf die Angaben deS Verletzten stützen konnte. Der Mißhandelte, der noch jetzt im Lazarett liegt, war dann aber in der Verhandlung in der Lage, noch einen anderen Rekruten namens Stalten fuß als Zeugen nennen zu können, der den brmalen Angriff des Däumeland aus unmittelbarer Nähe gesehen hatte. Und nun beschloß das Gericht, diesen sofort aus der Kaserne herbeischaffen zu lassen, bevor er anderweit»bearbeitet" werden konnte. Stoltenfutz, der sich auS Furcht vor den»alten Leuten" nicht gemeldet hatte, aber zwei oder drei Tage nach dem Vorfall dem Rekruten- vifizier Meldung erstattet haben will(!>, bekundete in sehr bestimmter Weise den hinterlistigen Angriff de§ Gefreiten mit der Trense. Nunmehr gab'S kein Leugnen mehr und schließlich be- lannte sich der Rekrutenschinder denn auch schuldig. Der Stabs- arzt Dr. Osteroth bekundete, daß bei Busse die Sehkraft de» verletzten linken Auges uur noch in sehr geringem Grade vorhanden und für das praktische Leben so gut wie verloren sei! Aber auch das g e- s a in t e Sehvermögen sei so angegriffen, daß Busse aufderStraße »och geführt werden müsse. Das Kriegsgericht ahndete diese Brutalität eine? gemeinen Soldatenschinders mit sieben Monaten Gefängnis. Der Anklagevertreter hatte ein Jahr und einen Monat beantragt. Erwähnt werden mag noch, daß der Zeuge Stoltenfuß durch seine Aussage eine ganze Anzahl Zeugen vor dem wifsentliche» Meiueide bewahrte. Denn nachdem nun die Wage der Justiz sehr zu un-- gunsten des Angeklagten sank, da traten plötzlich die vecetdeten Zeugen, die sich vorher auf nichts besinnen konnten, einer nach dem anderen mit nachträglichen sehr pofitiven Berichtigungen ihrer Aussage hervor! Auf einen dieser Zeugen wirkte die plötzliche Veränderung der Sachloge derart ein, daß er ohnmächtig zu werden drohte und aus dem Saale geführt werden mußte. In wie vielen Fällen mögen wohl die Rekrutenschinder mit ihren Lügen auf Grund ähnlicher Vorkommnisse durchkommen? Das Sncle cZes Lalkankrieges. Bevorstehende Unterzeichnung deS Friedensvertrages. London. 29. Mai. Räch der„Times" ist es so gut wie sicher, daß der Friedensvertrag morgen von samt- lichen Delegierte» unterzeichnet werden wird. Bulgariens Eile. London, 29. Mai. Die das Reutersche Bureau erfährt, ist der im Namen der Verbündeten abgefaßte Protokoll- entwurf gestern spät abends an sämtliche Kriegführenden ge- schickt worden. Bulgarien wird den Friedens- vertrag morgen im Auswärtigen Amt unterzeichnen, wie es von der englischen Regierung gewünscht wird, doch wird die bulgarische Abordnung nicht an der Versammlung teilnehmen, die von den anderen Verbündeten für heute nach- mittag vereinbart wurde, um die Protokolle zu beraten, deren Fassung Bulgarien nicht billigt und die nach dem Wunsche der anderen Verbündeten gleichzeitig mit dem Vertrage unter- zeichnet werden sollen. Bulgarien ist der Meinung, daß die Aufwerfung der Protokollfrage im gegenwärtigen Zeitpunkt neuen Debatten Tür und Tor öffnen würde. Die serbischen Delegierten haben heute mittag Anweisung erhalten, den Vertrag zu unterzeichnen. Es ist sicher, daß auch Griechenland ihn unterzeichnen wird. Der Protokollentwurf enthält Artikel bezüglich einer Konvention, die nach dem Friedensschluß beraten und unter- zeichnet werden soll, Serben und Bulgaren. Fn einer ausführlichen Rede, die der serbische Minister- Präsident P a s i t s ch in der Skupschtina hielt, forderte er die Revision des Bündnisvertrages mit Bulgarien. Serbien hätte weit größere Opfer gebracht, als im Vertrage vorgesehen wären, und müßte deshalb durch GebietScntschädigunaen schadlos gehalten werden. In Sofia haben diese Er- klärungen allgemein einen peinlichen Eindruck hervor- gerufen. Die amtlichen Kreise zeigen sich jedoch gefaßt und meinen, daß die Ausfiihrungen Pasitsch' noch nicht das letzte Wort in der bulgarisch-serbischen Frage bedeuten. Die sozialdemokratische Friedentzstimmr. Belgrad, 29, Mai.(Skupschtina.) In der Debatte erklärte der Sozialdemokrat Lapcevic. die Sozial- dcmokratie fordere Beschleunigung des Abschlus- ses des Friedens und die A n st r e b u u g einer KonföderationderBalkan staaten statt der gegen- seitigen Verhetzung. Erklärungen der griechische« Regierung. Paris, 29. Mai. Nach einer Meldung an« Athen ist Griechen- land entschlossen, der italienischen Regierung amtlich die Rcutrali- sierung des Kanals von Korfu und die Einsetzung einer inter» nationalen Kommission vorzuschlagen, welche, wie beispielsweise die Donaukommiffion, über die genaue Aufrechterhaltung der Neutralität zu wachen hätte. Nach einer weiteren Meldung aus Athen hat die griechische Regierung sich amtlich bereit erklärt, in dem Zwist mit Bulgarien den Schiedsspruch der Großmächte anzunehmen. Ein griechisch-bnlgarischeS Gefecht. Athen, 29. Mai.(Meldung der Agence d'AtheneS.) Rachdeni die Bulgaren auf den Höhen von Prawitsch Kanonen aufgestellt hatten, griffen sie am 27. Mai von hier aus ohne jede Beran- lassung eine griechische Kompagnie an; über den Verlauf dieses neuen Angriffs ist noch nichts bekannt. Meuterei griechischer Truppen. Sofia, 29. Mai.(P. C.) Das 1. und 7. Jnfanterie-Regiment der 2. griechischen Infanteriedivision, die in der Umgebung von Saloniki einquartiert waren, haben heut« gemeutert. Sie weigerten sich, einem Marschbefehl, der sie nach Nigrita dirigierte, Folge zu leisten. Jnfolgedeffen wurden einige Slbteilungen. die sich besonders schwerer Insubordinationen schuldig gemacht hatten, von anderen Truppen entwaffnet und gefangen genommen. Die meuternden Truppen werden streng bewacht. frankrneb. Die HeereSvorlagc. Paris, 29. Mai. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß die Regierung fest entschlossen sei, die Heeresvorlage noch vor dem 14. Juli in der Kammer wie im Senate zur Er- ledigung zu bringen. Ein Mitarbeiter des Echo de Paris teilt mit, mehrere Minister hätten ihm erklärt: Entweder ist das Ministerium gestürzt, oder das Militärgesetz ist vom Parlament bis zum 14. Juli bewilligt. Die Regierung ist namentlich infolge der durch die Treibereien deS Allgemeinen ArbeiterverbandcS hervorgerufenen Kundgebungen von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Militärvorlagcn rasch zur Abstimmung gebracht wer- den müssen. Nach der Aufnahme, welche die vorgestrige Rede des Ministerpräsidenten bei der ungeheuren Mehrheit der Kammer ge- funden hat, sind wir fast sicher, daß dieselbe Mehrheit trachten wird, die Debatte rasch durchführen zu können. Die„B a t a i II e syndicaliste" schreibt über die vom Mi- nistcrpräsidentcn Barthou in der gestrigen Senatsfitzung ange- kündigte strafrechtliche Verfolgung des Allgemeinen Arbciterverbandcs: Wie will die Regierung diese Versal- gung einleiten? Wie will sie den Allgemeinen Arbeiterverband aus. lösen? Sie mühte zu diesem Zwecke alle Gewerkschaften, alle Ver- bände und alle Arbeitsbörsen unterdrücken, kurz, das ganz« Ge- bäude zerstören, weiches die Arbeiter Frankreichs zur Verteidigung ihrer Rechte und Freibeiten errichtet haben. Die Führer der Arbeitervereinigungen warten mit Ruhe und Neugierde die neuen Heldentaten des Mini st e- r i u m s ad. Der sozialistische Deputierte C l a u s a t beabsichtigt, den Justiz- minister in der heutigen Kammersitzung über die in Clerwont- Ferrant in der Redaktion des dem früheren Deputierten Varenne gehörigen Blattes Lämi du pcuple vorgenommene Haussuchung zu interpellieren. Es heißt, daß der Polizeikommissar von Cler- mont-Ferrant diese Haussuchung auf eigene Faust vorgenom- men habe. Ein Protest des GewerkschaftsverbnudcS. Paris, 29. Mai. In dem Ä u f r u f, den der Allgemeine Arbeiterverband aus Anlaß der letzten Haussuchungen erlassen hat, heißt cS: Die Durchsuchungen fanden in Abwesenheit der Leiter der Gewerkschaften und der sonstigen Verbände statt. Wenn unter den von der Polizei beschlagnahmten und mit- genommenen Papieren morgen plötzlich kompromittierende Schrift- stucke entdeckt werden sollten, dann fragen wir: Welche gesetzliche Bürgschaft ist unS dafür geboten, daß diese Schriftstücke nicht für die Zwecke der Anklage gefälscht worden sind?. Eine internationale Kanone. Paris, 29. Mai. Unter der sensationellen Ueberschnst:„Wie c» Deutschland gelingen wird, in den Besitz einer französischen Ka- nonc zu gelangen", veröffentlicht beute der..Matin" einen Artikel, m dem er die Behauptung aufftellt. daß sich das Haus Krupp auf Umwegen in den Besitz des französischen Feldgeschützes»Deport' Modell 1911 gesetzt und nach diesem Muster ein« ganze Anzahl Geschütze für Deutschland angefertigt habe. Die Kanone sei zunächst, nachdem sie die französische Heeresverwaltung abge-> lehnt, an die italienische verkauft worden. Die italienische. Industrie sei aber nickt imstande, die. Kanone zu fabrizieren. Von der französischen Erfindung wird daher nur Krupp profitieren. Hätte sich Krupp direkt an Frankreich gewandt, um das Modell zu erwerben, würde Frankreich sich geweigert haben, es nach Deutschland zu verkaufen. Die italienische Eewerbung der Kanone ist also nur eine Fassade des deutschen Hauset. Nicht Italien, son» dern Deutschland wird von der genialen Erfindung Deport» pro, fiticren. Italien. Ras,. Rom, 29. Mai. Die Kammer bat nach langer Beratung die W a h l N a s i s f ü r u n g ü I t i g erklart. England. Anerkennung der Kongoanncxio». London, 29. Mai. Im Unterhaus erklärte Staatssekretär G r e y bei der Erörterung der auswärtigen Lage, die Regierung habe, versprochen, mit der Anerkennung der Annexion de» Kongo zurückzuhalten, vis Konsularberichte gezeigt hätten, daß die wirk» lichc Lage im Kongo in Uedereinstimmung mit den vertrag- lichen Verpflichtungen des ursprünglichen Kongostaates sei. Die Berichte zeigten jetzt, daß die Verhältnisse sich vollständig gegenüdcr denen unter der alten Herrschaft geändert hätten, und da die Lage sich so wesentlich gebessert hätte, sei der Zeitpunkt ge- kommen, wo es weder zu rechtfertigen noch wirklich förderlich wäre. die Anerkennung zu verweigern, welche ausdrücklich oder praktisch von fast allen Ländern gewährt worden sei. Ein weitere» Zurück. halten der Anerkcnung würde Belgien gerechten Grund zur Klage geben und würde jene herzlichen Beziehungen verschlechtern, die mit der belgischen Regierung aufrechtzuerhalten.Großbritanniens ernstester und aufrichtiger Wunsch sei. Stach kurzer Debatte wurde der Befriedigung über di« bessere« Zustände am Kongo Ausdruck gegeben und der Anerkennung der Annektion des Kongostaats sei t en S B el g i en S zugestimmt. Rußland. Unterdrückung der Redefreiheit. Petersburg, 29. Mai. In der gestrigen Sitzung der Reichsduma hielt der Sozialdemokrat Tscheidze hei der Beratung des Budgets für die orthodoxe Kirche eine die orthodoxe Kirche beleidigende Rede. Als ibm darauf das Wort entzogen wurde, protestierte der Redner und das Mitglied der Arbeitspartei K e r e n S k p im Namen der Redefreiheit gegen diese Maßregel. Nach weiteren Erörte- rungen wurden Tscheidze für drei und K e r e n s k ß für fünf Sitzungen ausgeschlossen. Infolgedessen ver- ließ d i e g e s a in t e O p p o s i t i o n zum Zeichen des Pro- testes den Saal, worauf der Präsident unter dem Beifall der Rechten und der Nationalisten die Sitzung schloß. Gewcrkfcbaftlicbes. Hrbeitcrfmen. Rir die mit Glücksgütern Gesegneten ist es längst zur Selbstverständlichkeit geworden, scdes Jahr mindestens einmal dem ewigen Einerlei der Berufstätigkeit zu entfliehen, weitab von den Geschäften Erholung zu suchen. Aber neben diesem immerhin geringen Teil der Bevölkerung gibt es heute auch Hunderttausende von höheren und niederen Beamten und An- gestellten, denen in jedem Jahre ein bestimmter längerer oder tiirzerer Urlaub als ein Recht zusteht. So erhielten z. B. von 30 000 Handlungsgehilfen, die der Deutsch- nationale Handlungsgel>ilfcnverband llXl8 befragte, t>6,2b' Prozent Urlaub. Der Kaufmännische Verband für weibliche Angestellte konnte 1910 fiir 1324 Betriebe Groß- Berlins das gute Verhältnis von 92 Prozent Urlaub gewährende Firmen feststellen. Voir den Warenhäusern geben 19 Prozent nach einjähriger Betriebszugehörig- keit eine Woche, nach zweijähriger zwei Wochen und nach dreijähriger drei Wochen Urlaub: bei den übrigen find die Verhältnisse nicht so gut. aber imnier noch verhältnismäßig günstig. Die K o n s u m V e r e i n e nehmen eine Ausnahmestellung ein, da genießen 3999 Angestellte tarif- .vertraglich sichergestellten Urlaub. Von den Bureaubeamten haben die A n w a l t s a n g e- st e l l t c n einigermaßen befriedigende Ferienverhältnisse <1919 hatten von 7321 Befragten 9977 Urlaub), lieber den Urlaub der technischen Angestellten bestehen mehrere Er- l'ebungeu der beiden Technikergewerkschaften. Aus Sein Be- antwortungsmaterial ist soviel ersichtlich, daß etwa ein Fünftel der Befragten Ferien nicht erhielten, die übrigen in ihrer großen Mehrheit nicht mehr als 11 Tage bekamen. Erheblich schlechter noch sind in der Urlaubsfrage die Werk in e i st e r gestellt"). Es bleibt also für die oben behandelten Angestellten in bezug auf die Ferien noch viel zu wünschen übrig— und fiir die unteren Klassen der staatlichen Angestellten und Arbeiter dürfte das gleiche zutreffen—, so sind immerhin zum Teil schon recht gute Anfänge vorhanden. Wie sieht eS dainit aber bei den Arbeitern aus? Das große Millioneuheer der Proletarier gehört auch hier zu den Enterbten des Glücks. Haben die„gewöhnlichen Arbeiter" einen Urlaub nicht nötig? Auf diese Frage gibt eine soeben von der Hauptverwaltung des Metall- arbeiterverbandcs herausgegebene Schrift eitle um- fassende deutliche Antwort. Die Freude des Lebens, wie sie der sorgenlose Besitz der Güter gestattet, ist dem Arbeiter nicht gegönnt. Wenn die Sonne lacht, wenn das Grün der Natur lockt, dann sind die Arbeiter an die Werkstatt gefesselt, um das kärgliche Brot zu schaffeil für sich und Weib und Kind, �.ind sie ohne Beschäftigung, dann folgen'für sie nicht Tage sorgenfreier Muße, die unfreiwilligen Feiertage erhöhen nur ihre Qualen. Das Zeitalter der Maschine mit seinen nervenzerrüttenden Arbeitsmethoden hat die Lage der Arbeiter in jeder Beziehung verschlechtert. Der Arbeiter ist zum Tiener der/ Maschine ge- worden. In ewigem Einerlei schafft er nur Teile vom Ganzen. Bei Strafe des Unfalls oder des Todes darf er keinen Blick von feiner Arbeit abwenden. Dazu die schleichenden Gifte der Bcrufskrailkheiten. Luft- Und lichtlcere Arbeits räume, erfüllt von Staub und Schmutz, überlänge Arbeitszeiten, ungenügende Ernährung, schlechte Wohnungen fördern die Tuberkulose, die linter der arbeitenden Bevölkerung unheimlich reiche Ernte findet. Im Jahre 1919 waren rund 11 Millionen Personen gegen Krank- heit versichert. Beinahe 7 Millionen Versicherte waren ge- nötigt, die Hilfe der sozialen Versicherungsanstalten in?ln- spruch zu nehmen. Da drängt sich die Frage auf, ob es denn nicht möglich sei, die große Zahl der Kranken und Invaliden zu vermindern, indem man sich nicht darauf beschränkt, einmal entstandene Krankheiten zu heilen, sondern versucht, diesen Krankheiten vorzubeugen, sie zu verhindern? Die Erhebungen des Metallarbeiterverbandes lehren uns. daß in Unternehmerkreisen soviel soziale Einsicht noch nicht vorhanden ist. Nur in 389 Betrieben iiüt 233 927 Arbeitern sind Ferien überhaupt eingeführt. Davon erhielten tat- sächlich im Jähre 1911 nur 27151, im Jahre 1912 31257 Personen einen Urlaub. Meist wird iin ersten Jahre der Be- schäftigung Urlaub nicht gewährt, den Lehrlingen und„Aus- gelernten" wird die Ferienvergünstigung ebenfalls entzogen. Ueberhaupt sehen die Unternehnier die Gewährung von Ferien als eine„W o h l f a h r t s e i n r i ch t u n g" an. deren Nutz- nießung durch gutes Verhalten verdient, durch Lohnforderun- gen und dergleichen verwirkt wird. Tie Einführung von Ferien liegt noch nicht weit zurück. Bis zum Jahre 1991 waren es 32 Betriebe, in denen Urlaub für die Arbeiter eingeführt war, erst das Jahr 1995 brachte eine erheblichere Steigerung. Unter den in die Erhebungen einbezogenen Unternehiuen befinden sich auch 22 Staatsbetriebe mit'15 825 Arbeitern, die Ferien erhalten können, von denen aber in den Jahren 1911 und 1912 tatsächlich nur 3291 bezw. 3191 Personen solche erhielten. Wenn von den rund 233 999 Arbeitern, denen sozusagen theoretisch Ferien zustanden, im Jahre 1912 nur 31257 gleich 11,1 Proz. solche erhielten, so liegt das, wie schon angedeutel, an den nicht leiclst zu erfüllenden Vorbedingungen, die die Unternehiner an die Gewährung der Vergünstig u n g in der Regel knüpfen. In den meisten Betrieben<91,31 Proz.) ist die Feriengewährung von einer mehr oder minder langen ununterbrochenen Beschäftigung im Betriebe abhängig ge- macht. Karenzzeiten von ein. zwei, ja drei Iahren sind vor- geschrieben, viele Arbeiter müssen 9, 8, 19, 13 und 29 Jahre Mehrwert für ein und denselben„Herrn" schuften, ehe ihnen einige Tage Ferien winken. Dann kommt die„F ü h r u n g s- k l a u s e l" und andere Bedingungen mehr. Betrachtet man nun die Dauer der Ferien, so ergibt sich, daß für 139 511 Arbeiter gleich 56 Proz. dieses Wort zu Unrecht Anwendung findet, sosern man den nachstehenden Satz des Dr. med. Alfons Fischer in der„Industriebeamten- Zeitung" als richtig anerkennen will. Dr. Fischer sagte dort: „Bemerkt sei(jedochl, daß Ferien von nur 2— I Tagen so gut wie ganz zwecklos, ja bisiveilen sogar schädlich sind. Was soll ein Angestellter oder Arbeiter mit einer so kurzen steil beginnen? Ein Erholungsurlaub, dar in Wahrheit Nutzen stiften soll, muß wenigstens eine Woche lang währen, nur dann wird der beabsichtigte Zweck, die körperliche und seclislbc Erfrischung erreicht werden." •) Vergleiche Dr. L. Heyde. Urlaub für Arbeiter und Ange- stellte in Deutschland. München und Leipzig 1912. Duncker u. Humblot. 297 Seiten. Preis 4 Mk.________ Verantw. Redalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.- ttm nur ein Beispiel von vielen anzuführen: Von einer Eisengießerei in N i e n b u r g a. S. wird berichtet:„Arbeiter, welche 2 5 I a h r e dort beschäftigt sind, erhalten e i n e n T a g Ferien. An diesem Tage fahren sie per Omnibus nach Kalbe. Tort erhält jeder 1 Glas Bier, Kaffee und Kuchen, 2 Zigarren und 2 Paar Würstchen. Außerdeni ist Musik an- wesend zu Tanzvergnügen. Es erhält jeder seinen vollen Tagesverdienst ersetzt." Ob Unternehmer, Betriebsleiter und Angestellte das Fest durch ihre Anwesenheit„verschönen" und sich auch mit an den gebotenen Leckerbissen delektieren, wurde nicht berichtet. Aus dem Mitgeteilten wird schon klar, daß die den Ar- beitern gebotenen Ferien— soweit wenigstens, als die Mc- tallindustrie in Betracht kommt— von den Unternehmern als ein Geschenk ausgefaßl werden, das sie in Gnaden gewähren können oder auch nicht. Ferner, daß der Urlaub in der Hälfte der Fälle von gänzlich ungenügender Dauer ist. Nicht viel besser dürfte es iu den anderen Gewerben, mit Aus- nähme etwa im Buchdruckgowerbe, bestellt sein. Die Tatsache, daß insgesamt in nur 71 Betrieben mit 2122 Beschäftigten die Ferien vertraglich festgelegt sind, läßt ebenfalls darauf schließen, daß Ferien in der Hauptsache als ein Recht von den Arbeitern noch nicht erkämpft'worden sind. Dies nachzuholen, wird eine der nächsten Aufgaben der GeWerk- schaften sein. Neben dem Achtstundentag und der vollen Sonntagsruhe die vertraglich festgelegten Ferien von mindestens einer Woche in jedem Jahre bei Weiterzahlung des vollen Lohnes. Aber nicht von der Einsicht der Unternehiner ist dieser Fort- schritt zu erwarten, obwohl gerade sie großen Vorteil davon haben würden, sondern lediglich von der st e i g c n d e n Macht der Arbeiterorganisationen, veurkcbes l�eub. Vou den Hintzegardisten in Krefeld. Djc Krefelder Färbereibesitzer zahlen, wie die Lohnzettel ergeben, den von ihnen herbeigezogenen Streikbrechern pro Woche 21 M. Lohn und 2,19 M. Biergeld extra. Das Alkoholbedürfms scheint demnach nicht gering zu sein.— Welcher Mcnichenqnalität die Arbeitswilli, en teilweise angehören, beweist die Tatsache, daß gegen einen der Arbeitswilligen, namens Whczniak, ein Verfahren wegen RaubeS bei der Staatsanwaltschaft schwebt.___ Tic innige Verbindung zwischen Unternehmertum und gelben Bcrcinen ist in Chemnitz durch einen besonders drastischen Fall nachgewiesen worden. Ein bei der Firma Gebrüder Hübncr beschäftigt gclvesener Arbeiter wurde gemaßregelt, weil er für den Deutschen Mctallarbeitervcrband agitiert haben sollte. Das war aber nicht der Fall. Deshalb drang der Arbeiter darauf, den wahren Grund seiner Entlassung zu erfahren. Schließlich erklärte ihm der Betriebsleiter, die Geschäftsleitung habe den Beschluß gefaßt, wenn ein Arbeiter aufgefordert werde, dem gelben Wcrkvercin beizutreten und er komme innerhalb 14 Tagen dieser Aufforderung nicht nach, so müsse er entlassen>v c r d c n. Ist das nicht schlimmster Terorismus? Sollte solche Handlungsweise nicht den Staatsanwalt interessieren? Die Chemnitzer Justiz ist doch gerade in puncto Koalilionsvergehen sehr schneidig! Mau darf freilich nicht vergessen, daß sie Unternehmer bisher nicht, immer nur freiorganisicrtc Arbeiter unter Anklage gestellt hat. Sämtliche im Cmdcncr»Hafen beschäftigten Arbeiter streike» seit dem 19. Mai. Der Streik wurde durch die forgesctzten Tarif- drüche der Unternehmer und Schikanen derselben veranlaßt.' Im Hafen herrscht Kirchhofsruhe. Im Jahre 1919 hatte der Transport- arbeitcrvcrband mit den Emdener Speditionsfirmen einen Tarif av- geschlossen, der am 31. Dezember 1913 abläuft. Im Juli muß nun ein neuer Tarif abgeschlossen werden. Tie Unternehmer wußten, daß sie mit Forderungen der Arbeiter zu rechnen hatten, und versuchten daher mit allen Mitteln eine Zersplitterung in der Arbeiterschaft herbeizuführen. Da Emden bekanntlich als neuer Auswanderer- Hafen auscrsehen ist, so fanden sie verständnisvolle Unterstützung bei den großen Reedereien in Hamburg und Bremen. Schnell anden sie Anschluß an den Hamburger Hafenbetriebsverein.— Als eifrige Bundesgenossen dürfen auch die Hyänen des Schlachtfeldes nicht fehlen. Vergeblich Ivaven bisher die Versuche der christlichen Gewerkschaften, in Ostfriesland festen Boden zu gewinnen. An dem gesunden Sinn der ostfriesischen Arbeiter scheiterte alle aufgewandte Liebesmüh. Jetzt aber glaubten sie ihre Zeit gekommen. Bestärkt wurden sie durch die Leiter der evangelischen Arbeitervereine, die auch nicht so recht mit ihren Organ isatiönchen vorwärtskommen wollen. Die geistlichen Leiter sehnten sich nach einem frisch-fröh- lichcn Kampf, um dadurch ihre Reihen zu füllen. Eiiieii Helfer anden sie hierbei in einem chemaligell Mitglied des Transport- arbeiterverbandcs, der wegen seiner Umtriebe vor einiger Zeit aus dem Verband ausgeschlossen war. Dieser Arbeiter, der nebenbei be- merkt nun von den Christlichen als Märtyrer des rote» Terrors gefeiert wird, hatte den Unternehmern und auch den christlichen Führern vorgeflnnkert, daß mit ihm sofort einige bundcrt Mitglieder des Transportarbciterverbandes das rote Joch abschütteln würden und zum christlichen Verband übertreten, um so durch Verrat der eigenen Klassengenossen zu erreichen, was bisher die eifrigste Werbe- arbeit der Christlichen nicht vermochte. Dock die Probe aufs Exem- pel fiel jämmerlich aus. N.ir etwa 20 Mann, für die schwere Hafcnarbeit wenig geeignet, ließen sich zu der Judasrolle verleiten. Die Pastoren geben sich viele Mühe, Arbeiter aus andern Betrieben zu bewegen, ihre Stellung aufzugeben und Streikbrechcrdicnste zu verrichten; Tiakonissenschwcstern versuchen die Frauen der Strei- kcnden zu bestimmen, daß diese ihre Männer beeinflussen. Aber alles ist vergeblich. Inzwischen haben Werbeagenten ctloa 259 Ar- beitswillige herangelockt, Leute, die ebenfalls der Arbeit nicht ge- wachsen sind. Der Hafen ist hermetisch abgeschlossen und die ganze Gendarmerie aus Ostfriesland weilt zum Schutze der Arbeits- willigen in Emden; jedoch fand sich bisher noch keine Gelegenheit kür sie zum Eingreifen. Durch ruhiges Ausharren im Streik werden die Arbeiter den Unternehmern schon den alten Friesentrutz ins Gc- dächtnis rufen und den Kampf zu einem guten Ende führen. Beendigung des Kampfes der Fsischdampfermaschinistcn in den Nntcrweserorten. Nach fünfmonatiger Dauer konnte dieser Kampf mit einem Teilerfolg beendet werden. Ter Unternehmerverband für Hoch- seefischereibetriebe hat seinen Zweck, die Organisation des Ma- schinenpersonals zu zertrümmern, nicht erreicht, obgleich von ihm kein Mittel unversucht blieb. Zunächst versuchten die Reeder den nach kurzem Streik mit dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer abgeschlossenen Tarifvertrag wieder los zu werden, in- dem sie von den Maschinisten die Benutzung der Heuerbureaus verlangten, trotz entgegengesetzter tariflicher Bestimmungen. Die berechtigte Weigerung der Maschinisten wurde mit einer Aus- iperrung beantwortet. Die Gründung eines gelben Vereins versagte. Um ein anderes Mittel zu erproben, vereinbarte der Unter- uehmerverband mit dem Maschinistenverein Geestemünde(Mitglied des Verbandes technischer Schiffsoffiziere) einen Tarifvertrag, der im wesentlichen dem des Zentralverbandes gleichkam. Daß die Reeder diesen Tarifabschluß nicht ernst nahmen, sondern nur als Mittel zum Zweck betrachteten, beweist die Tatsache, daß zu dieser Zeit der Zcntralverband der Maschinisten und Heizer 326 Fischdampfermaschinisten organisiert hatte, während dem Geestemünder nur ein halbes Dutzend angehörte. Ten Maschinisten fiel es aber gar nicht ein, an diesen Köder zu gehen und Vcreinsmitglied zu Tb. Glocke. Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanftatt werden, um Anteil cm dem„VereinZiarif* zu haben. An Gegen» dienften hat es der Verein mit seinen Herren technischen Schiffs-- Offizieren nicht fehlen lassen. Mit Eifer und Fleiß wurde dev Streikbruch organisiert und wurden Arbeitswillige geliefert. Die unter großen Kosten und Mühen herangeholten Arbeitswilligen waren jedoch nicht die Leute, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Verschiedentlich machten die Maschinisten, durck ein,- zelne Reeder veranlaßt, Einigungsversuchc, die aber an dem Starr- sinn des Unternehmerverbandes scheiterten. Dieser verlangte katc- gorisch die Anerkennung des Tarifcs des Maschinistenvereins und den Austritt aus dem Verband. Das lehnten die Maschinisten natürlich entschieden ab. Schließlich mußten auch die Unternehmer einsehen, daß allzu. scharf schartig macht; sie steckten einen Pflock zurück. Tic Maschi- nisten einigten sich unter Zustimmung der Organisation schließlich mit den Reedern, indem durch schriftliche Vereinbarungen mit ihnen wiederum die Bestimmungen des alten Vertrages des Zentralver- landes in Kraft traten. Mit dieser Abmachung wurden zwar die Organisationen. Unternehmcrverdand und Maschinistenberband, als Tarifkontrahenten ausgeschaltet— beide Teile mutzten einen Schritt zurückgehen— aber der Vertrag des Zentralvcrbandes der Maschinisten und Heizer wurde damit, wenn nicht in der Form, so doch inhaltlich wieder maßgebend. Ungeschwächt steht die Organisation trotz des langen und harten Kampfes da. Der Tarif des Vereins ist natürlich gegen- standslos geworden, da hinter ihm keine Mitglieder stehen. Dieser erste größere Kampf in der Hochseefischerei hat als Abwehrbewe- gung das vorher Errungene halten können und, was mehr wert ist als die materiellen Vorteile, er hat das Klassenbewußtsein der Seemaschinisten geweckt._ letzte Wachvichtm. Tic Dcckungsfrage in der französischen Kammer. Paris, 29. Mai. lW. T. B.) Dcputiertenkammer.. Gheusi(Sozialistisch Radikaler) brachte eine Interpellation ein über die Finanzpolitik der Regierung, die er fiir unheilvoll hielt. Gheusi kritisierte die von der Regierung angekündigte Anleihe, die durch nichts gerechtfertigt werde; man sollte alle Quellen des Reichtums erfassen mittels einer allgemeine» progressiven Einkommensteuer. (Beifall auf der Linken.) Finanzmiliister Charles Tumont erinnerte an die Schwierig- keilen, auf welche die Budgets für 1913 und 1914 stießen. Dies seien Schwierigkeiten internationaler Art und nicht innere. Die Lage des Schatzes sei weiter normal und gut, während anvcr-e Mächte Anieihen aufnehmen, nehme Frankreich so viel als möglich zu Steuern seine Zuflucht. Das Defizit für das Budget werde 199 Millionen betragen, aber als das Budget aufgestellt wurde, habe die Regierung noch nicht genügend die Ausgaben der Nachbarn Frankreichs für milita- rifche Zwecke gekannt. Finanzminister Dumont fügte hinzu, das Budget für 1914 werde gleichfalls ein Defizit von 199 Millionen haben, ganz abgesehen von den Ausgaben für militärische Zwecke. (Lärm auf der äußersten Linken.) In Erwiderung auf vcrschic- dcnc Zwischenrufe erklärt Dumont: Jeder wisse, daß Frankreich eine Politik des Friedens verfolge, und daß die Regierung glücklich sein würde, wenn sie die für die nationale Verteidigung bewilligten Millionen für andere Zwecke verwenden könnte, aber die intcr- nationale Lage zwänge sie, sie jener zu widmen. Erklärungen des Staatssekretärs Greil. London, 29. Mai. lW. T. B.) Im Unterhaus ersuchte beute Earl Nonwldshay(Unionist) um Mitteilungen über die Verhandlungen betreffend die Bagdadbahn: der Nationalist Thomas O'Conner warf die Frage der armenischen Reformen ans. O'Conner drang auch darauf, daß die Aegäischen Inseln Griechen. laird übergeberi werden sollten. Der Liberale P o n s o n d y regte an, daß England die Initiative zur Einberufung einer internatjo- nalen Konferenz ergreife, welche eine Einschränkung der Rüstungen in Ertvägung ziehen solle. Andere Mitglieder warfen Fragen auf, die mit der Lage in Persien und den dortigen Eisenbahn- konzcssionen in Verbindung stehen. Staatssekretär G r c y gab hieraus eine Erklärung über die Bagdadbahn ab und sagte, die britische Regierung habe einen Vertrag mit der Türkei entworfen, dessen Abschluß sie erhoffe. Der Hauptpunkt des Uebereinkommcns sei, daß die Bahn nicht über Basra hinausgehen solle, ohne daß ein dahin- gehendes Abkommen mit England getroffen worden sei, und eine Fortsetzung der Bahn über Basra werde von ihm nicht ins Auge gefaßt. England könne mit Recht sagen, daß es nicht länger in seinem Interesse liege, sich dem Bau der Bagdadbahn zu wider- setzen. x G r e y ging dann auf die armenischen Reformen und andere Angelegenheiten ein und erwähnte die Balkanlagc. Er dankte für die anerkennenden Bemerkungen, die von verschiedenen Rednern über seine Tätigkeit im Verlauf der Balkankrise gemacht wurden. Er sagfte, wenn er nicht näher auf die Dinge eingehe, welche mit diesen Bemerkungen in engem Zusammenhang ständen, so geschehe eS deshalb, weil man noch so viele Schwierigkeiten vor sich habe, deren Ende man noch nicht sehe, und es daher für ihn schwer sei, eine Erklärung über diese Dinge abzugeben. Es fei zutreffend, daß die Spannung und die Besorgnis bei' den Regie- rungen Europas nachgelassen und die Aussichten auf den Frieden sich gebessert hätten i Beifall), doch wisse ein jeder, daß man noch viele Schwierigkeiten und einige sehr heikle Fragen vor sich habe. Griechenland wird den Friedensvertrag unterzeichnen. London, 29. Mai.(W. T. B.) Wie das Reutcrsche Bureau erfährt, teilte das Auswärtige Amt heute nachmittag den gricch) scheu Delegierten mit, daß der Friedensvertrag morgen unter- zeichnet werden müsse und fragte sie, ob Griechenland zu unter- zeichnen wünsche. Die griechische Regierung verständigte gestern den englischen Gesandten in Athen dahin, daß sie zur Unter- zeich nnng bereit sei. Bezüglich des Protokollcntwurss ist die Lage nicht ganz klar, mehrere Delegierte kamen heute nachmittag zusammen, um den Entwurf zu erörtern. Tic Türken sind sicl, mit den Bulgaren vollständig darüber einig, vor der Untcrzcich- nung des Vertrages kein Protokoll zu erörtern. Tic Kämpfe in Marokko. Rabat, 29. Mai.(H. B.) Während die Truppen des Machsen sich der Stadt Tacudant bemächtigten, haben die Anhänger des Kaids El Hassen am 24. Mai A g a d i r eingcnomme n. Diese Nachrichten riefen in Marokko überall großes Aufsehen hervor. Kavallerie verfolgt El Hiba und seine Anhänger. Weiter wird gemeldet, daß General A l i x ein Scharmützel mit Marokkanern im Norden von Metalsh, wo er mit General Girardot zusammen- getroffen war, hatte. Die Franzosen zählten nach Beendigung des Kampfes 8 Tote und 28 Verwundete. Die Verluste der Marokkaner sollen bedeutend sein. Selbstmord des Burschen des Obersten Redl. Prag, 29. Mai.(P. C.) Der Bursche des durch Selbstmor» aus dem Leben geschiedenen Obersten Redl bat auch seinem Leben durch Ertränken ein Ende gemacht. Die Motive sind noch nicht bekannt.______ i Kaul Singer-k Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilogen u.Unterhaltungsbl, Kr. 132. 30. Iahrgaug. 1. KkilM des Jotiärts" Btrliiict Reichstag 15t. Sitzung. Donner Stag. den 23. Mai 1313, nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratStifch: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung des Reichs- und Ztaatsangehörigkcits- gesetzes wird fortgesetzt. Die ersten Paragraphen werden debatteloS angenommen. § 5 lautet: Durch die Eheschließung mit einem Deutschen erwirbt die Frau die Staatsangehörigkeit des Mannes. Die Abgg. A l b r e ch t sSoz.) u. Gen. beantragen den Para- graphen zu fasten: Eine Au-Zländerin, die die Ehe mit einem Deutschen geschlosten bat. ist auf ihren Antrag in dem Bundesstaate einzubürgern, dem ihr Ehemann angehört. Abg. Bernstein(Soz.): Wir wollen durch unfern Antrag vor allem verhindern, daß die Reichs- und StaatSangehörigkcil durch einen automatischen Borgang reguliert wird. Das Recht der Frau auf ihre Persönlichkeit kommt aus allen Gebieten des staatlichen Lebens immer mehr zum Durch- bruch: daher darf damit auf politischem Gebiet nicht Halt gemacht werden. Die mündige Frau mutz das Recht haben, selbst zu ent- scheiden, welche Staatsangehörigkeit sie haben will. Wenn ein- gewendet wird, die Frau soll dem Manne in jeder Beziehung folgen, so mutzte ja auch verlangt werden, die Frau soll die Kon- fession de» Mannes annehmen. Aber die interkonfessionelle Ehe will ja nicht einmal das Zentrum aus der Welt schaffen, vielmehr besteht es darauf, datz eine Katholikin, die einen Andersgläubigen heiratet, katholisch bleibr. Wir wollen, datz die D e u t s ch e, die einen Ausländer heiratet, soll deutsch bleiben können, �ebenso wie eine Ausländerin, wenn sie e§ wünscht, ihre Staatsangehörigkeit soll behalten können. Es liegt das im Wege der allgemeinen kulturellen und sozialen Ent- Wickelung. iBeifall bei den Sozialdemokraten� Unter Ablehnung des Antrages A l b r e ch t(Soz.) wird§ 5 in der Fassung der Kommission angenommen. § 6 gestaltet jedem Deutschen, die Staatsangehörigkeit in jedem Bundesstaat durch Antrag zu erwerben. Ein Antrag A I b r e ch t(Soz.) verlangt, datz diese Erwerbung der Staatsangehörigkeit ohne Antrag, durch blotze Zliederlassung erfolgt, eventuell bei Ablehnung diese« Antrage» durch Erwerbung des UnterstützungSwohnsitzeS. Die Bestimmung, datz der Antrag einer Ehefrau der Zu- stimmung deS Ehemannes bedarf, will der Antrag Albrecht CSoz.) streichen. Abg. Dr. Lluarck(Soz.): Der Entwurf soll zur Stärkung deS VolkSbewutztseinS dienen. Herrn Beck hat die nationale Erhitzung sogar dazu verleitet, datz er meinte, die Erklärung der Regierung, der Ausländerparagraph solle loyal gehandhabt werden, wenn auch der Gesetzestext mangel- baft sei, genüge ihm. Er hat offenbar vergessen, was wir beim Reichsvereinsgesetz erlebt haben. lSehr richtig! bei den Soz.) Da sind uns auch die schönsten Zusicherungen gemacht worden. die in der Praxis einfach nicht gehalten werden. Wenn nun aber das nationale Streben bei der Mehrheit der Kommission so stark war, so wundere ich mich um so mehr, datz man der nationalen Gleichstellung wenigstens aller Deutschen, von dem dieser Paragraph handelt, so wenig Sympathie in der Kommission entgegengebracht hat. ES bandelt sich darum, endlich all die Schwierigkeilen und Schwerfällig- leiten aus dem Wege zu räumen, die sich heute noch den An- gehörigen aller 26 deutschen Bundesstaaten entgegenstellen, die sich in einem anderen als ihrem Geburtsstaat aufhalten müssen und ihr Staatsbürgerrecht erwerben wollen, um in den Genutz der Po- litis chen Rechte zu kommen. Wir haben eS also hier mit einer Folgeerscheinung des üblen deutschen Partikularismus zu tun. Dieser PartiklllarisinuS gerät auch auf diesem Gebiete mit unserer wirtschaftlichen und sozialen Entwickelung in den schlimmsten Widerspruch. Es erwachsen ans dem Partikularismus der deutschen Reichsangehörigen aller 26 Bundesstaaten sehr schwere Hemmnisse zur Geltendmachung politischer Rechte dort, wo sie sich diese durch ordentliche Mitarbeit an der Volkswirtschaft verdient haben. Der § 6 will aber die 26fache partilularistische Staatszugehörigkeit ausdrücklich aufrecht erhalten. Dem gegenüber verlangen wir die nationale und politische Gleichstellung aller deutschen Stammes- und Staatsangehörigen: eine Forderung, in der die bürgerlichen Parteien, namentlich die National- liberalen, mit uns übereinstimmen mutzten, wenn sie getreu ihrem Programm handeln wollten und wenn nicht dabei die soziale Seite der Frage sie hindern iviirdc. Es handelt sich nämlich darum, datz die größere Beweglichkeil innerhalb unserer 26 Bundes- staaten hauptsächlich zugute kommt den nichtangesessenen Klassen, den Arbeitern und den Angestellten, Technikern und Handlungs- gehilfen, dem sogenannten neuen Mittelstand. Der Prozenrsatz der Zugezogenen betrug bereits 1965 16 Proz. in Landesteilen wie Westpreutzcn, Mecklenburg und Baden und 47 bis 56 Proz. in Berlin, Hamburg und Bremen. Das Bedürfnis nach Beseitigung der schranken für die politische Betätigung wächst natürlich mit dem Grade der politischen Interessiertheit, und bekanntlich sind gerade die Arbeiter und der neue Mittelstand die am meisten politisch interessierten Schichten. Für viele Gegenden sind diese be- weglichen Elemente tatsächlich auch Kulturpioniere. Man hätte nicht erwarten sollen, datz noch in, Jahre 1313, wo Gelegenheit zur Aendcrung dieses Zustandss gegeben ist, liberale Parteien auf Auf- rechterhaltung des alten ZustandeS bestehen. Die Erschwerungen sind viel größer als angenommen wird. Es gehört oft monatc-, ja jähre- lange Arbeit dazu, um die Schwierigkeiten zu überwinden. Hätten wir nicht unsere Arbcitersekretariate, so würden Tausende deutscher Arbeiter, die in andere Staaten ziehen, überhaupt nicht zur Geltendmachung ihrer politischen Rechte kommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.! Heute verlangt man, wenn ein Deutscher in einem anderen Bundes- staat eingebürgert werden will, alle möglichen Nach- Weisungen, wo er gelebt, wo er gedient, ob er gewählt, Ehren- ämter bekleidet hat usw. Ja, sogar sür den Vater und Großvater sollen derartige unsinnige Kragen beantwortet werden— alles nur, um Arbeitern die Erwerbung politischer Rechte unmöglich zu niachen. Die Arbeiter haben doch schließlich keine Familienarchive! Wir mutzten in Frankfurt eine ganze Anzahl solcher Prozesse bis zum OberverwaltnngSgericht durchführen. Leider haben die bürger- lichen Parteien keine Lust, den Angestellten und Arbeitern die Er- langung von Staatsbürgerrcchten. namentlich in Preußen mit seinem Dreiklassenwahlrecht, zu erleichtern. Es sollen nicht auch noch „Fremde* mitreden— ebenso bei den anderen Landtagen, die sich ebenfalls den Schutz des Geldsacks der Besitzenden gegen die Mit- bestimmung der Unbemittelten zum Ziel setzen. Unser Antrag will hier Wandel und Vereinfachung schaffen. Man sagt, das komplizierte formalistische Verfahren sei nötig zur Beurkundung der Staaisbürgerschaft. Die unmittelbare ReichSangehörigkeit würde alle diese wirklichen und noch mehr an- geblichen Schwierigkeiten aufheben. Nehmen Sie doch wenigstens unseren Eventualantrag an, der die Staatsangehörigkeit mit dem jederzeit klar erkennbaren Unter st ützungs wohn sitz verbinden will. Wir haben eine Resolution eingebracht, die wenigstens als- bald nach Verabschiedung dieses Gesetzes die Einsührung einer un- mittelbaren Reichsanaehörigkeit vorbereitet sehen will, damit sie bald Aesey werden kann, wenn das schon jetzt nicht möglich ist. Schaffen«ie durch Annahme unserer Anträge eine Annäherung an die unmittelbare ReichSangehörigkeit.(Bravo I bei den Sozial- demokraten.j Unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge wird§ y angenommen. § 7 gestattet die Einbürgerung von Ausländern unter bestimmten Bedingungen auf ihren Antrag. Ein Antrag Alb recht(Soz.) fordert, datz der Antrag eines Ausländers auf Einbürgerung>unter den betreffenden Bedingungen nicht abgewiesen werden darf, auch nicht, wenn er zwei Jahre lang Rleines fcullleton. Perlcger-Einvschlungcn. Man glaub: gar nicht, wie sehr das lelturetaufende Publikum vom Buchhändler abhängig ist. Selbst die sogenannten Gebildeten folgen dem Rat i h r c ö Buchhändlers. Tie Unzahl der Neuerscheinungen macht es dem Laien unmöglich, das herauszufinden, was Wert bat oder wenigstens für ihn Wert besitzen könnte. Literarische Zeitschriften werden in Deutschland rnchi gelesen. In den Tageszeitungen wiro wahllos empfohlen. Bt- rümtc Autoren, auch wenn sie noch so schlecht sind, werden eben Wege» ihres Ruhms devorzugt. Wertvolle Bücher werden in Deutschland nicht gelesen, weil sie niemand kennt, nicht nur deshalb nicht, weil sie wertvoll sind. Ter Buchhändler soll cinpfchlen. Er laiin natürlich auch nicht olles lesen, und selbst wenn er es täte, iväre sein Urteil nicht maß- gebend. Er empfiehlt nach dem Pcrdicnst, den ihm der Verleger gemährt oder nach den Ankündigungen, die ihm der Verleger in den Laden schickt. Auf diesen„Waschzetteln" steht das größte Gewäsch, jeder Autor wird von dem schmutzigsten Erzeugnis rcingclvaschcn, mir Bläue behandelt, gerollt und geplättet, so daß er jedermaim zur Zierde gereicht. E» gibt sogar Zeitungen, die diese schmutzige Wäsche der Verleger mitbesorgen. Diese Waschzettel stiften unge- heuren Schaden, so viel Vergnügen sie auch dem Kcnnendcu bereiten. Jede Odolretlauie'.st dilettantisch gegen die Lerlegerphatttasic. Da cmpsichlt einer zum Beispiel ein Kochbuch. Wie nennt man ein Kochbuch?„Ein Schatz fiir jedes Haus." Die Herausgabe eines Kochvuchs darf nicht unterschätzt werden. Verheißungsvoll beginnt deshalb der Verleger:..... ist ein Buch erschienen, das ohne Zweifel eine Rolle in unserer Zeit bis hinein in die nächsten Generationen spielen wird." Ein anderer Verleger hat das Bedürfnis, den herrlichen Fon- tane und den platten Bicrbaum herauszugeben. Er nennt diese Sammlung„Literarische Leckerbissen". Aus seinem Waschzettel erzählt er den Buchhändlern, daß„einzelne diesige Firmen infolge dieser einfachen Reklame lnänilich der geschmacklosen Benennung Literarische Leckerbissen) einen Absatz von 166 Exemplaren er. zielten". Aber es kommt noch toller Mit dieser„Idee" bat sich ein bekannter Literarhistoriker„deschästigt"! Sein Name sei zur Warnung hier genannt. Ter Verleger erzählt nämlich werter:„Der bekannte Literaturhistoriker Doktor Otto Weddigen schreibt: I« mehr ich mich in die Idee der Litevanschen Leckerbissen vertiefe, desto verlockender und schöner finde ich das Unternehme«. Ich glaube einen großen Erfolg voraussagen zu können." Man ist gespannt, ob er 166 Exemplare bei einzelnen Firmen vorauSabnte. Ein dritter Verleger berichtet von einem Roman:..... dieses gleichzeitig amüsante und ernst anregende Buch, das nicht sowohl der Autor, als das Leben selbst geschrieben hat". Hoffentlich verlangte der Autor kein Honorar. Dann heißt es weiter: vollkom- mcn einzigartiges Buch voll pikanter Reize und voll schlichter Lebenswahrheit, ein Bück, wie es noch nicht existierte. Kein Wunder, wenn das Leben selbst sich verlegen läßt. Ein Vierter schreibt über einen belanglosen deutsch-nationalen Literotursiihrer:„Kein Volk darf sich rühmen, ein Werk dieser Art zu bejitzei,. das ihm an Zuverlässigkeit und Größe der An läge oder auch nur der Idee nach ähnlich iväre." Die„Idee" besteht darin. datz die einzelnen Autoren alphabetisch geordnet und nicht systematisch untergebracht sind. So etwas hat der deutschnationalc Verleger noch nie gesehen. Einem Analphabeten mutz natürlich schon das Alphabet imponieren. Ein Autor schreibt ein Buch mit dem platten Titel: Wohin treiben wir? Der Verleger empfiehlt den Redaktionen„zum Ab- druck" folgenden Satz, der diesen Titel erflären soll:..... stellt er unserer Welt die Frage, wohiir c s m i t ihr wolle." Wohin es mit ibr will, sag: dieses dünne Buch:..... so klein es ist, es wiegt nicht leicht." Die Empfehlung wird aber als zu schwer befunden. Wie alle Einpfchlungeii der Verleger. Wer Literatur vertreibt, mutz keine Literatur treibe». Selbst dann nicht, wenn die Bücher noch schlimmer sind, qls ihre Waschzettel. Narkotisierte Schlachtfelder. Die Empörung gegen die wach- senden Schrecken deö Krieges jagt denen, die ohne den Krieg nicht austommen mögen, schwere Acngste ein. Sie geben sich alle er- denkliche Mühe, den sogenannten Heldentod zu„humanisieren". So werden die klcinkalibriacn Geschosse„human" genannt, die, wie behauptet wird, beim Durchschlagen van Weichteilcn seltener tödlich wirken, auch wenn sich unter diesen edelste Organe befinden. Ein Aincrikaner Alexander Humphrey fügt ihnen jetzt noch eine Neuheit hinzu, die als u a r k o t i s ch e s G e s ch o tz bezeichnet wird. Er will damit den Opfern des Krieges wenigstens einen großen Teil ihrer Leiden ersparen, indem er der verwundenden Kugel einen Stoff mitgibt, der eine Betäubung der durch sie verursachten «chmerzcii bewirkt. Das narkotische Geschoß erhält seine Fähig- feit durch eine kleine Meitgc von Morphium, das i» den dünnen Wänden des Stahlmcmtels untergebracht und durch einen kleinen Einschnitt i» diesen imbedingt zur Wirkung gebracht wird. Trotz- dem geschieht dadurch angeblich keine Sprengwirkung, wenn das Geschoß auf einen Knochen trifft. Ter Soldat, der eine Fleisch- wunde von dieser neuen Kugel enipfängt, wird für denselben Tag außer Gefecht gesetzt. Er fällt glatt auf den Boden und schläft seine Zeit ab. Wer eine tödliche Wunde erhält, bleibt wenigstens »am Todeskampf verschont. Die anderen Verwundeten können da- mit rechnen, erst im Hospital wieder zu erwachen. Der Name, der diesen Geschossen beigelegt wird, gehört kulturell zur Sache. Man nennt sie— Wohltatigkeitsgeschotzse. Ter wirklich unmögliche Tanz. Die Meisterin der Tanzkunst Anna Pawlowa hat sich in London über den Tango inter- viewen lassen. Ihr Urteil soll die Damen der Gesellschaft, die dem neuen aus Amerika eingeführten Tanze im Handumdrehen ver- fallen, vor dem Satan retten. Dies Urteil lautet:„Der Tango sei„für junge Damen wirklich unmöglich." Anna Pawlowa kenn- zeichnet ihn so: „Tango? Gryzzlibär? Turkev Trot? Od diese Tänze anmutig sind? Ob sie schön sind? Wie sollte das möglich niemals sein, wenn sie ihrem Wesen entsprechend getanzt werden. Nein, alle diese Ragtime-Tänze sind im modernen Ballsaal im Grunde unmöglich. Es sind keine Tänze, die junge Damen tanzen sollten. Warum? Wegen ihrer Motive und ihrer Tendenz. Man soll es ossen aussprechen: das alles sind ausreizende, provokatorische Tänze. Sie sind ein Erzeugnis des heutigen Hungers nach aus- regenden Seusationcu. Das träumerische Gleiten eines schönen Walzers birgt keine'Ausregung. Darum überläßt man ihn der älteren gemächlicheren Zeit. Heute, mit allen unseren Telephonen, Automobilen, Kinematographen und was weiß ich alle, lebe» wir in einem Maschinentcmpo und werden für zartere, seincre Reize iininer unempsindlicher. Und so verlangt man nach den gröberen Mitteln der Aufregung und Sensation. Man spürt das ja überall. In unseren Tagen, da man jeden Menschen anklingeln kann, den man sprechen möchte, hat ein Besuch all jene Reize der Ungewißheit verloren. Und das ist nur ein Beispiel. Heute klingelt man an, trifft jede Verabredung, hängt wieder ab: und in drei Sekunden ist 'ÖlRSOlilU.»9, 30. fflai 1913. ohne wesentliche Unterbrechung im Jnlande niedergelassen tvr.. Ferner soll der Mangel der Unbcscholtenhcit nicht in Tatsachen er- blickt werden dürfe», die der polnischen Gesinnung oder Betätigung oder der Konsession deS AntragsstellerS entnommen find. Im Falle der Ablehnung dieses Antrages will ein Eventualantrag A l b r e ch t(Soz.), daß die Einbürgerung nicht versagt werden darf, wenn der Ausländer aus der Ehe eines Ausländers mit eine: Deutschen stammt, oder wenn er in Deutschland geboren und b: zur Volljährigkeit ohne wesentliche Unterbrechung sich in Deutschland aufgehalten hat, und wenn der'Antrag innerhalb zweier Jahxe nach Eintritt der Volljährigkeit gestellt wird. Abg. Bernstein(Soz.): Unser Antrag verlangt für den Ausländer ein Reckt auf Ein- bürgerung und daß er seinen Anspruch auf dem Rechtswege vet folgen kann. Wir verlangen dies aus nationalen Gründe». im Interesse der Annäherung und Durchdringung der Nationen, und ferner wünschen wir die Macht der Verwaltungsbehörden zu b. schränken. Der immer mehr sich steigernde Berkehr macht die Schaffung internationalen Rechts immer notwendiger, durch da: moderne Verkehrsleben wächst dauernd die Zahl der Ausländer in allen Staaten; datz dieser stets wachsende Prozentsatz von Menschen minderen Rechts ist, nur halbe Bürger, ist e i u ungesunder Zustand, der zu mancherlei Unzuträg lichkciten führt. Die Schweiz hat daher den Ausländem ein Recht auf Einbürgerung gegeben; bei uns aber will man weiter die Einbürgerung in das Belieben der Behörden legen, ohne dem Ausländer irgend eine Möglichkeit zu geben, einen ablehnenden Bescheid anzugreifen. Wir verlaiigen in unserem An trag weiter, datz auch Konfessionslosen die Einbürgerung nicht versagt werden darf; staatsbürgerliche Rechte dürfen iiichi irgendwie mit religiösen Anschauungen verbunden werden.(Scv richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ungleiches Recht schafu auch ungleiche Moral, gleiches Recht aber schafft gleiche Moral, da» hat sich namentlich in den Vereinigten Staaten gezeigi. wo Angehörige der verschiedensten Nationen zusammengeflossen sind. Mit allen schikanösen Bestimmungen schützen Sie sich nicht gegen die unsauberen Elemente, die fern gehalten werden sollen. Warum haben denn Länder. wie England und Amerika de» Patzzwang abgeschafft? Weil er den anständigen Menschen belästigte und gegen unsaubere Elemente nicht schützt. Als Lothar Bucher noch als Flüchtling im Auslande lebte, traf ihn einst auf einem Schiffe Herr v. Manteufsel und fragte ihn, woher er komme. AuS Preußen, lautete die Antwort. Aus Preußen Fragte Herr v. Manteuffel erstaunt. Haben Sie denn einen Patz Aber selbstverständlich erlöiderte Bucher; Sie sorgen ja dafür, Sie schreiben soviel Pässe aus, datz ich in London für 2 Shilling jeden gewünschten Patz kaufen kann.(Heiterkeit).— Die Kulturentwicklung bringt die Völker immer mehr zusammen; wozu also die künstliche Abschlietzung. Sie zu beseitigen ist ein Kulturanspriich der neueren Zeit, ein Anspruch, der sich immc: mehr geltend macht.(Bravo I bei den Sozialdemokraten). Direktor im ReichSamt de? Innern Geheimrat Lewald: Dir Sozialdemokraten übersehen die geographische Situation des Deutschen Reiches. Wir können nicht ohne weiteres alle au» dem Osten zu uns strömenden Ausländer an den Segnungen unserer hoch entwickelten Sozialpolitik teilnehmen lassen. lZustimmunq rechts und im Zentrum.) Herr Bernstein verlangt für den ab- gewiesenen Ausländer den Rechtsweg und verweist auf Amerika. Nun, die Vereinigten Staaten sieben sehr sorgfältig, ehe sie jemanden hineinlassen, und wer in ElliS Island zurückgewiesen wird, ha: keineswegs dagegen den Rechtsweg offen. Das R e I i g i o n s bekennt nis bildet auch heute kein maßgebliches Moment bei da Beurteilung von Naturalisationsgesuchen.(Zuruf bei den Sozial demokraten: Das glaubt doch kein Mensch!) Von mehr als 666 Einbürgerungsgesuchen von Juden sind über die Hälfte genehmigt worden. AuS nationalen Gründen müssen wir uns vor zu starker Zuwanderung aus dem Osten schützen können.(Beifall bei„den bürgerlichen Parteien.) Abg. Becker-ArnSberg(Z.): Der Antrag Albrecht würde viel- leicht Mißstände beseitige», aber viel größere Mitzstände herbei eine Angelegenheit erlebigt, die unseren Geist früher viel länger beschäftigen mutzte. Und so ist es mit allem im Leben. Nicht?. waS nicht irgendwie aufregend und gewaltsam ist, befriedigt. De. Tango gefällt und befriedigt, weil er aufreizend ist." Trotzdem will Anna Pawlowa die Gegenwehr versuchen. Mii Hilfe alter Gesellschaftstäuze nach dem System von Beispiel und Gegenbeispiel. Aber was wird die Sanftkunst von Gavotte und Menuett ausrichten? Schöne Schemen helfen nicht. Die Tangolusi wurzelt gesellschaftlich: ein Gistgewächs, da» seinen Boden und seine natürlichen Bedingungen gefunden hat. Notizen. — Ludwig HoffmannS Wahl zum Opernhaus- Architekten ist nunmehr endgültig. Dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten fällt mit dieser Wahl eiiles künstlerisch Per trauenswücdigen die Verpflichtung zu, sich iu seinem Handeln durchaus der Ansicht unterzuordnen, daß künstlerische Arbeit frei fem mutz, wenn sie gedeihen soll. — Kämpfe in der Sezession. Die Ankündigung. Herr Paul Cassirer wolle demnächst auf einer autzerordeiitlichcn Generalversammlung die Auflösung der Sezession vorschlagen, hm ihre Vorgeschichte, auf die eine Berliner Zuschrift der„Frankfurter Zeitung" hindeutet. Sie besagt:„Dieser Tage fand eine General- Versammlung statt, auf der die R e f ü s i e r u n g e n bei der letzten Ausstellung zu lebhaften Debatten und erregten An griffe ii auf das Präsidium führten. Eine Beschlutzfassung wurde aber iroch verhindert und bis zu einer weiteren, demnächst statt- stndenden Versammlung vertagt. Wohl infolge dieser Auseinander- setzuiig ist jetzt der Maler Philipp Frank aus der Sezession au? getreten." Ist die Ankündigung deS Auflösungsvorschlages ein präsidiales Drohmanöver gegen die sezessionistische Opposition? — K u n st ch r o n i k. Die Ausstellung der Zurück- g e w i e s c ii e n der Sezession, Kurfürstendamm 216, wird Anfang Juni geichlossen werden.— Die diesjährige juryfreie Kunst« schau findet in den Monaten August und September statt. — Klingers Protest gegen die Ausnahme seines in der Dresdener Galerie hängenden Gemäldes P i v t � in die Berliner Jubiläumsausstellung soll nach einer Erklärung der Generaldirektion genannter isaminlung gar nicht ergangen sein. Immerhin scheint die Generaldireklion zü befürchten, datz der Protest noch kommen könne, sie beugt deshalb mit dem Vermerk vor, es sei„bisher bricht üblich gewesen. Künstler um ihre Erlaubnis zu fragen, wenn Werke der Galerie an Ausstellungen verliehen wurden." Ob dieser Brauch auf die Dauer beibehalten werden kann, hängt zusammen mit der Entscheidung über die Frage, in welchem Umfange und in welcher Art cm Anrecht des Künstlers an seinem geistigen Eigentum auch nach dem Verkauf seines Werkes anzuerkennen ist. Dem Künstler mutz die Möglichkeit gegeben sein, die Schicksale seiner Schöpfungen zu überwachen. Kunstwerke sind nun einmal keine Hosenkiröpse. — Gegen die M u n ch e n e r S ch w a r z k u l t u r. Der vor kurze»! gegründete Münchener Schutzverband deutscher S ch r i s t st e l l e r nahm zu skaudalösen Zensurvorgängen Stellung. Er faßte in einer Versammlung die Resolution,„datz eS nach den letzten Erfahrungen mit der Würde eines deutschen Schriftstellers nicht vereinbar sei, dem Zensur« b e i r a t der Münchener Zensur anzugehören". In kurzem wird eine große öffentliche Volksversammlung über das Thema;„Kunst und Polizei— Münchener Zensurverhältnisse" verhandeln. führen. Vor allem würden die deutschen Arbeiter durch diese Er- leichterung der Einbürgerung von ausländisKen Arbeitern schwer geschädigt. Die Unternehmer konnten dann Kulis geradezu Haufen- weise einführen und nach zwei Jahren könnten diese billigen, willigen chinesischen Arbeiter, auch wenn sie Streikbrecher schlimmster Sorte wären, nicht mehr ausgewiesen werden. Und versuchen Sie doch einmal, diese Kulis oder die Heldensöhne vom Balkan für die Ge- werkschasten zu gewinnen! Diesen Leuten ist eine Pulle Schnaps lieber als die Belätigung der Solidarität für ihre Arbeitsgenossen. Der Antrag Entspricht also nur der theoretischen internationalen Auf- fassung der Sozialdemokratie und liegt in der Praxis lediglich im Interesse der Großindustrie. Im Interesse des gesunden Egoismus der deutschen Arbeiter bitte ich, den Antrag abzulehnen.«Pravo! im Zentrum.) Abg. Landsberg sSoz.j: Hg�r Becker hat es nicht nötig, sich unsern Kopf zu zerbrechen. Ter Zustrom der ausländischen Arbeiter richtet sich nach Gesetzen, die mit dem Erwerb der Staatszugehörigkeit nichts zu tun haben. Und gefährlich sind solche ausländischen Arbeiter gerade nur dann, wenn sie rechtlos sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ausgewiesen werden sie gerade, wenn sie i b r e Soli- d a r i t ä t mit den deutschen Arbeitern bekunden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)— Zu den deutschen ..freiheitlichen" Einrichtungen rechnet Herr Lewald wohl auch" das D r e i k l a s s e n w a h l r c ch t deS führenden Bundesstaates.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und wo freiheitliche Gesetze be- stehen, werden sie reaktionär durchgeführt. Die Personen, denen unsere Eventualanträge das Recht auf Ein- bürgerung geben toill, werden in anderen Kulturländern niemals zurückgewiesen: es liegt auch nicht der geringste Grund dazu vor. Den einen dieser Anträge haben anfangs in der Kommission auch die?lationalliberalcn unterstützt. Dann haben sie ihn näher ..studiert" und eine andere Stellung zu ihm eingenommen. Vielleicht hat sich der Stand der nationalliberalen Wissenschast wieder soweit gewandelt, daß die Herren jetzt dem Autrage wieder zustimmen können. sHeiterkeit bei den Sozialdemokraten.) DaS Gesetz von 1870 brachte die Bestimmung, daß durch zehn- jährigen Aufenthalt im Ausland die Staatsangehörigkeit verloren geht, eine Bestimmung, die sofort als sehr verhängnisvoll erkannt wurde. Trotzdem mußten wir 42 Jahrs auf eine Gelegen- heit warten, diese Bestiminung zu ändern. Nehmen Sie jetzt unsere Anträge nicht a», so werden wieder Jahrzehnte vergehen, che wir nnl den anderen� Kulturstaaten in gleicher Reihe stehen iverden. �Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Briihnc(Soz.): Im Januar d. I. waren es gerade 20 Jahre, daß alle Parteien die Aendernng des Staatsaugehörigkeitsgesetzes verlangten. Das jetzt endlich nach 20 Jahren gekommene Gesetz bringt aber leider nicht die erwünschten Aenderungen. Im 8 7 heißt es nur, daß ein Ausländer die Staatsangehörigkeit erwerben„kann". Ein Ausländer, der einer freien Gewerkschaft angehört, wird sicherlich zurückgewiesen, noch schwieriger wird es ihm gemacht, wenn er der sozialdemokratischen Partei angehört. Der Armenver« band soll gehört werden. Es wird also bleiben wie bisher, ein Wohlhabender ivird sehr schnell naturalisiert, wenn er es wünscht, eineni Arbeiter, der sich und seine Familie jahrzehntelang durchgebracht hat, lvird der"Antrag fast stets abgelehnt und zwar ohne Angabe von Gründen. Herr Bicker hat auf die ausländischen Arbeiter hingewiesen. Bei Lohnkämpfen holt man sie sehr gern zu Tausenden herein, damit sie als Streikbrecher dienen. Einem österreichischen Arbeiter, der 19 Jahre in Deutschland lebte und ein gutes Einkommen halte, wurden seine wiederholten Anträge auf Einbürgerung abgelehnt; als er k r a n k wurde, wurde seine Familie per Schub über die österreichische Grenze gebracht. Solche Härten sollte man bei der Schaffung dieses Gesetzes un- möglich machen. Deshalb sollten Sie unseren Anträgen zustimmen, denn es könnte leicht wieder Jahrzehnte dauern, ehe man zu einer Aenderung kommt.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bernstein(Soz.): Herr Geheimrat Lewald hat auf die Vereinigten Staaten hingewiesen, die Auswanderer zurückweisen. Dort sind aber ganz bestimmte Vorschriften und Regeln gegeben, an die der Kommissar gebunden ist, keineswegs darf er Einwanderer nach eigenem Ermessen zurückweisen. UebrigenS sind von einer Million Ein- Wanderer im ganzen nur 25000 zurückgewiesen. Es handelt sich hier aber gar nicht um die Frage der Zulassung von Ausländern, sondern uin die Einbürgerung derer, die im Lande leben und ihre Existenz haben.(Sehr richtig! bei den Soz.) Herr Lewald sprach von dein Schutz vor dem Zustrom aus dem Osten. Zu London sind diese selben Elemente durch die besseren Lebens- bedingungen kulturell gehoben worden. Das würde auch bei uns zutreffen, zumal sie ja nach unserem Autrage vor der Einbürgerung zwej Jahre im Lande sein müssen und dort also auch gearbeitet haben müssen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)— Die Haltung des Zentrums steht iin völligen Widerspruch zu dem, was es als seine Kulturaufgabe auffassen müßte. Herr Becker meint, fremde Arbeiter, die zur Landarbeit hereingezogen werden, würden, wenn sie staatsbürgerliche Rechte bekommen, schlimmere Lohndrücker werden als vorher. Genau das Gegenteil ist der Fall, gerade derjenige �Arbeiter wird Lohndrücker, der kein Recht hat. (Beifall bei den Sozialdemolraten.) Abg. Dr. Onarck(Soz.): Gerade die christlichen Arbeitervereine tun alleS, um die Hebung der eingewanderten ausländischen Arbeiter zu der- hindern, indem sie sie vor jeder Verbindung mit der deutschen Arbeiterbewegung zurückhalten. Als in Elberfeld-Leverkusen ein junger Kaplan in der Aufklärung der ausländischen Arbeiter etwas zu weit ging, wurde er ge maßregelt und versetzt, und das Zentrum sieht solchem Vorgang ruhig zu, seine Presse findet keine Worte dazu. Als seinerzeit die Landarbeiter der Feldarbeiterzentrale unterstellt wurden, mußten auch die industriellen Lederarbeiter in Frankfurt a. M. dus die Verwaltungsstelle der Feldarbeiterzentrale, um sich Karten für 2 M. zu lösen. Auf dem Polizeipräsidium wurde dabei einem Arbeiter gesagt, hier ist Ihre Karle, aber wenn Sie sich an irgendeiner Bewegung gegen die Prinzipale beteiligen, so werden Sie sofort ausgewiesen.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Kollege Becker möge sich die Konsequenzen eines solchen Vorgehens überlegen, dann wird er �vohl gegen uns Sozialdemokraten keine Vorwürfe inehr erheben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Becker-Arnsberg(Z.): Es sind in der Tat Arbeiter aus- gewiesen worden, weil sie sich in der Gewerkschaftsbewegung be- tätigten. Aber in den letzten Jahren ist diese Praxis anders ge- worden.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ge- wiß gibt es noch Mißstände, alle kann man nur beseitigen, wenn man den Ausländern das Recht auf Einbürgerung gibt, wie dies die Sozialdemokratelt wollen. Damit würde man aber neue Miß- stände herbeiführen und deshalb müssen wir auf das diskretionäre Ermessen der Behörde angewiesen bleiben. Obwohl die Praxis der Ausweisung eine bessere geworden ist, ist die Solidarität der aus- ländischen Arbeiter, speziell der vom Balkan, nicht gestiegen. Diese Elemente sind die ersten, die zu einem Streik rufen, und auch die ersten, die zu Kreuze kriechen. Diese Leute befinden sich eben in i-tnem Kulturzustand, der sie für das deutsche Gewerkschaftslebcn noch nicht reif macht.(Sehr richtig! im Zentrum.) Abg. Molkenbuhr(Soz.): Daß die Arbeiter aus Rußland usw. auf niedrigerer Kulturstufe stehen, ist unbestritten— aber warum soll man nicht den Arbeitern, die sich länger hier aufgehalten haben, die Bürgerrechte geben? Wegen Strcikbruchs ist noch nie ein Ausländer ausgewiesen worden, �wohl aber viele wegen Abmahnung von solcher Unkollegialität! Wie soll also unser Antrag die Gefahr be- deuten, daß Deutschland mit Ausländern überschwemmt wird— und schon gar mit den Montenegrinern des Abgeordneten Becker, die insgesamt, mit Frauen und� Kindern, nur 250000 Köpfe zählen. Was soll der Hinweis auf Ellis Island? Unter den dort Zurückgewiesenen sind viele Verbrecher, Defraudanten und zweifelhafte Elemente, aber auch Kontraktarbeiter, die zum Streikbruch angeworben wurden, während bei uns die Regierung den Streikbrecherimport organisiert. Die Nichtzulassung von Chinesen ist ein kalifornischss Staatsgesetz— wo aber werden in Amerika solche Ausländer, die jahrelang dort leben, vom Bürgerrecht aus- geschlojseu? Davon ist keine Rede, Herr Direklor Lewald I— Die Versicheruiigsgesetze gelten wohl auÄ im großen und ganzen für Ausländer, aber wie ist es mit dem Koalilionsrecht? Davon darf der Ausländer leinen Gebrauch machen. Wir fordern nur, daß solche Ausländer, die völlig eingelebt sind, auch das Staatsbürger- recht erhallen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Richthofen(natl.): Die Eiuwanderungsgesetze von Nord- amerika richten sich keineswegs nur gegen unliebsame Elemente, sondern gegen die Einwanderer aus Südeuropa, die man nichl haben wollte trotz des Arbeitermangcls. Wir können die Südslawen noch weniger brauchen. Abg. Sachse(Soz.): Herr Becker hat behauptet, daß beim Abbruch des Berg- arbeircrstreiks die ausländischen Arbeiter sich besonders aufgeregt und der Kreisleitung die Faust unter die Nase geholten hätten. Nein, die Aufregung kam nur daher, daß bekauplet wurde, die«iebener- kommijsion sei von de» Unternehmern b e st o ch e n worden. Abg. Becker(Z.): Als eine Schmeichelei für seine Person wird Herr Sachse das damalige Auftreten der ausländischen Arbeiter gegen ihn jedenfalls kaum aufgefaßt haben. § 7 wird unrer Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge in der Kommissionsfassung angenommen. Der Eventualanirag Albrecht, für den auch die Freifinnigen und Polen stimmen, wird im Hammelsprung mit 148 gegen 115 Stimmen ebenfalls abgelehnt. Nach 8 7u darf gegen die Einbürgerung in einem Bundesstaat seder der übrigen Bundesstaaten Bedenken erheben, über deren Be- rechtigung der Bundesrat entscheidet. Die Sozialdemokraten beantragen, den Paragraphen zu st r e i ch e ii eventuell zu bestimmen, daß nur die Bundesstaaten, in denen der Betreffende eine Niederlassung gehabt hat, Bedenken er- heben können. Abg. Dr. Landsbcrg(Soz.): Bisher konnte jeder Bundesstaat ohne weiteres Ausländer ein- bürgern. Jetzt soll jeder andere Bundesstaat Bedenken erheben können. Ist denn der bisherige Zustand für das Deutsche Reich gefährlich geworden? Aus diese meine gestrige Frage hat Herr B e l z e r vom Zentrum als frei loilliger Regierung s- kommissar erwidert, einzelne Bundesstaaten hätten allzu leicht Einbürgerungen vorgenommen. Woher kommt ihm diese Wissen- schast? Tatsache ist aus der anderen Seite, daß besonders in Preußen schwere Mißstände bei der Einbürgerung in die Erscheinung getreten sind, und diese preußischen Mißbräuche werden durch diesen Paragraphen zu deutschen Mißbräuchen werden.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Dafür, daß in Zukunft in Preußen Einbürgerungsanträge nicht mehr ans konfessionellen Gründen abgelehnt werden sollen, hoben wir gar keine Gewähr. Was wir von feierlichen Erklärungen der Regierung zu halten haben, hat ja die Handhabung des Reichs- Vereinsgesetzes bewiesen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hier sind alle Verletzungen des Gesetzes von den Oberpräsidenlen, diesen gewesenen und zukünftigen Ministern gebilligt worden. Erst beim Oberverwaltungsgericht bekommen die Geschädigten recht, wenn eS ihnen nichts mehr nützt. Auf jeden Fall bitte ich unserem Eventualantrag zuzustimmen. Was geht es Preußen an, wenn jemand in Sachsen gelebt hat und in Bayern eingebürgert werden soll. Ein solcher Antrag ist ja in der Kommission zuerst auch vom Zentrum gestellt werden. Ich erwarte, daß die Herren wenigstens auf ihren ursprünglichen Antrag zurückkommen.(Bravo! bei den Sozialdemolraten. p. Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.) wirst der Sozialdemokratie vor, daß sie durch ihre vielen Reden die Geschäfte des Reichstages aufhalte(Lachen bei den Sozialdemokraten» und befürwortet einen Antrag, auf Streichung eines Absatzes der Kommissions- Beschlüsse, der die Erhebung von Bedenken ausschließt, wenn es sich um die Einbürgerung von Ausländern handelt, die in Deutschland geboren und sich bis zum 21. Lebensjahr dauernd aufgehalten haben. Abg. Dr. Reumann-Hoser lVp.): Der 8 7* bedeutet eine scharfe Einschränkung der Selbständigkeit der Bundesstaaten. Liegt denn dazu ein Grtmd vor? Ich wünsche ckicht, daß dieser 8 7a so Gesetz wird und stimme für meine Person dem sozialdemokratischen Antrage zu. Ministerialdirektor Lewald spricht gegen den sozialdemokratischen Antrag. Dem Vorredner erwidere ich, daß die Rechte der Bundes- staaten gerade im Bundesrat zum Ausdruck kommen. Abg. Bernstein(Soz.): Das bisherige Recht der Einzelstaaten, Ausländer aufzunehmen, hat nirgends zu Unzulräglichkeiten geführt. Warum also will man ihnen ein Mißtrauensvotum erteilen, indem man den andern Bundesstaaten ein Einspruchsrecht gibt. �Dazu liegt gar keine Ver- anlassung vor.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge wird 8 7s in der Fassung der Kommission angenommen. Nach 8 8 mutz die Witwe oder geschiedene Ehefrau eine? Aus- länders. die zur Zeit ihrer Eheschließung eine Deutsche war, auf ihren Antrag von dem Bundesstaat, in dessen Gebiet sie sich nieder- gelassen hat, eingebürgert werden, wenn sie den für den Ausländer vorgeschriebenen Erfordernissen entspricht. Die Abgg. A l b r e ch t(Soz.) und Genossen beantragen, daß diese Einbürgerung auf Antrag der Frau auch ihren miitdersährigen mit ihr in häuslicher Gemeinschaft, lebenden Kindern gewährt werden mutz. Abg. Dr. Landsbcrg(Soz.): Das Recht auf Einbürgerung, das einer ehemals Deutschen im 8 8 gewährt wird, wird an.ihre Unbescholtcnheit gebunden, sie soll erst ein Anständigkeitsattest beibringen. Das will unser Antrag be- seitigen. Weiter fordert unser Antrag, daß die Frau auch für ihre minderjährigen Kinder den Antrag auf Einbürgerung soll stellen dürfen und daß ihm Folge gegeben werden muß. Geheimra�. Caspar und Geheimrat Lewald wenden sich gegen den sozialdemokratischen Antrag. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt,§8 wird a n g e ii o m in e n. 8 8b bestimmt: Ein Ausländer, der mindestens ein Jahr wie ein Deutscher im Heere oder in der Marine aktiv gedient hat, muß auf seinen Antrag von dem Bundesstaate, in dessen Gebiet er sich niedergelaffen hat, eingebürgert werden, wenn er den für Ausländer vorgesehenen Er- sordernissen entspricht. Die Abgg. Alb recht(Soz.) und Genoffen beantragen, diese Einschränkung zu streichen. Abg. Dr. Landsbcrg(Soz.): Auch hier handelt es sich um eine Reihe einschränkender Be- stimmungen, z. B. wird die Unbescholtenheit erfordert. Hat der Be- treffende im deutschen Heere gedient, so muß er auch als Deutscher gelten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Albrecht wird abgelehnt.§85 wird an- genommen. Abg. HanSscit(Däne) beantragt Einfügung eines neuen 8. 8c, wonach ein Staatenloser, der im Reichsgebiet als Kind eines daselbst wohnhusten, mit einer Deutschen verehelichten Ausländers gebore» ist, von dem Bundesstaate seiner Geburt eingebürgert werden muß, wenn er die? ein Jahr nach erreichter Volljährigkeit beantragt. In Nordschleswig gibt eS etwa 2000 solcher Staatenloser, die alle im Inland geboren sind und deutsche Schulen besucht haben. Die Verfolgungen der Staatenlosen, die früher vielfach ohne jeden Grund ausgewiesen wurden, haben neuerdings etwas nachgelassen, aber wir haben keine Gewähr, daß sie bei Annahme dieses Gesetzes nicht wieder� auf- genommen wird. Eine große Anzahl Staatenloser sind in Däne-' mark naturalisiert worden, aber zweitausend weigern sich, noch Dänemark zu gehen. Gerade vom Standpunkt der" Einheitlichkeit der Familie gehören diese Staatenlosen nach Deutschland. Wenn diese Leute auch Staatenlose sind, so haben sie doch eine Heimal, die sie nichl verlassen wollen, und das ist Nordschleswig. Sie haben ein Naturrecht darauf, in ihrer Heimat zu bleiben, und dies Recht sollte man ihnen jetzt auch ausdrücklich gewähren. Damit würde den Germamsierungsbestrebungen mehr gedient als durch Gewalt- maßregeln laiidcsfrcmder Beamten.(Sehr gut! bei den Sozial- demokratcii.) Geheimrat Lewald: Es handelt sidb nicht, wie es nach den Aus» sühruilgen des Abg. Haussen scheinen könnte, unr Mißstände in zahl- reichen Fällen, sondern es handelt sich um sehr wenige Fälle, die dadurch nicht zahlreicher werden, daß sie immer wiederholt werden. Es ist auch nicht richtig, daß staatenlose in Preußen nicht naturalisiert werden, seit 1908 sind 101 Staatenlose in Nord- schleswig naturalisiert worden. Der Antrag Haussen bezieht sich Übrigens nicht nur auf NordschleZwig, sondern auf das ganze Reich, deshalb sind seine Folgen ganz unübersehbar. Geheimrat Klinke: Die Staatenlosigkeit in Nordschleswig ist eine Folge der früheren dänischen Gesetzgebung, die den im Ausland geborenen Kindern von Dänen die dänische Staats- angehörigkeit nicht gab. Daher muß die Frage mit Dänemark zu- sammen auf dem Wege internationaler Abmachungen geregelt werden. Solche Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Dänemark schweben bereits. Ueber ihren«tand kann ich natürlich nichts mitteilen: jedenfalls besteht bei unS der Wunsch, diesen Zuständen ein Ende zu machen. Abg. Bernstein(Soz.): Der Antrag Haussen verlangt nichts als das e i n f o ch st e Naturrecht. Die dänische Gesetzgebung war die Folge davon, daß nach dänischem Gesetz das in Dänemark geborene Kind ohne weiteres Däne ist, das Dänemark das jus soll hat. Die Regierung sollte nicht erst diplomatischer Verhandlungen bedürfen, um diese 2000 Staatenlosen germanischen Blutes ohne weiteres aufzunehmen, Man sollte den Grundsatz der M�iischenreckite der französischen Re- volution nicht vergessen: Es ist Unterdrückung, wenn eS auch nur einem einzelnen gegenüber geschieht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten). Es wäre eine Ehrenpflicht Deutsch- l a n d s, durch einen Ast der Hochherzigkeit diese Sache ein für alle« mal zu beseitigen.(Bravo! bei den Sozialdemolraten). Der Antrag Haussen wird gegen die Stimmen der Sozial- demolraten, Freisinnigen, Polen, Elsäffer und des Dänen ab» gelehnt. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 2 Ilhr.(Vorher kurze Anfragen, nachher Interpellation A I b r e ch t (soz.) betr. Elsaß-Lothringen.) Schluß 7 Ilhr. parlarnentarircbes* Jugendgerichte. Die 13. Kommission des Reichstags begann am Donnerstag die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über das Verfahren gegen Jugendliche. Zu 8 1 des Entwurfes beantragten die Sozialdemo- traten die Heraufsetzung des Strafmündigkeitsalters aus 16 Jahre; die Konservativen wollten es bei 12 Jahren belassen wissen, während die Mehrheit sich bei der ersten Lesung für das 14. Lebensjahr entschieden hat. Die Abstimmung ergab die Aufrechterhaltung des Beschlusses erster Lesung.— Zu 8 2 beantragte der Abg. Müller- Meiningen(Fortschr.) im Gegen- satz zu einem von den Abgg. v. Calker, Fehrenbach, Dr. Giese und v. Liszt gestellten Antrage, die Regierungsvorlage wieder herzu- stellen und die Frauen als Schöffen zuzulassen.— Die Sozialdemo- kraten verlangten Jugendstrafkammeim in der Besetzung mit einem Richter und-vier Schöffen, Zulassung der Lehrer und Frauen zum schöffenamt und Mitwirkung mindestens einer Frau an jeder Schöffensitzung. Bei der Abstimmung entstand ein großes Durch» einander, i'o daß die Abstimmung vorläufig ausgesetzt werden mußte. Die weiteren Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis. !l. Kundestag der Arbeiterturner. Mannheim, den 28. Mai. Das dritte Referat über das Thema.Sport und Spiel" hielt Redakteur W i l d u n g- Leipzig, der besonders das Gebiet Arbeitersport und Presse behandelte. Seine Ausführun- gen bilden eine Ergänzung der vorhergehenden Referate. Auch er begründete die Notwendigkeit, inehr Sport und Spiel zu treiben, und verlangte den Zusammenschluß aller Arbeiterorganisationen, deren Programm Pflege der Leibesübungen ist. Der Arbeitersport müsse mehr öffentlich propagiert, es müsse gefordert werden, daß die Arbeiterpreffe dieser Bewegung gerecht wird. Der Redner be- gründete im weiteren einen Antrag der Bundesverwaltung, vom 1. Juli 1913 ab eine besondere Zeitung„Jugend und Sport" mit vkcrzchntäglichcm Erscheinen herauszugeben. Bei Annahme dieses Antrags solle eine Hilfskraft für den Redakteur angestellt werden. lieber die drei Referate wird zusammen diskutiert. Zunächst nahmen die Vertreter der befreundeten Organisationen und der Zeutraltommisiion das Wort. M a s s a- Berlin, der Vertreter der Zentralstelle für Sport und Körperpflege, erklärte, die erste Aufgabe der Kommission sei gewesen, die Arbeiterpresse mehr für die Bewegung zu gewinnen. Dieser Versuch sei zum Teil gelungen. Zur Zentralisierung der einzelnen Verbände hätte die Zentraltommission Stellung ge- nommen. Vertreter einzelner Verbände hätten aber die Besürch- tuug ausgesprochen, daß durch den Anschluß an den Turnerbund ihre Bewegung beeinträchtigt würde. In den paar Monaten des Bestehens� der Zentralkommission hätte natürlich noch nicht allzu- viel geleistet werden können. Man dürfe aber versichert sein, daß die Kommission alles tue. was in ihren Kräften stehe. Der Jugend- bewegung schenke die Kommission besondere Aufmerksamkeit. Sie wolle vor allem bei den Arbeitern Aufklärung schassen, daß diese sich bewußt werden, einem bürgerlichen Sportverein nicht angehören zu dürfen. Redner präzisierte gleichzeitig den Standpunkt der Schwimmer. Wenn der Turnerbund Schwimmriegen einführe, so käme der Anschluß ganz von selbst. S t r iz m p f- Magdeburg erklärte für die Arbeiterathleten, daß sie eine Verschmelzung mit dem Arbeiicrturnerbund mit Freu- den begrüßen würden. Die Entwicklung zwinge sie, von der Schwer- athletik abzugehen und die Leichtathletik mehr zu pflegen. Redner wünscht, die Turngcnossen möchten die Athleten mebr unterstützen. Die Debatte wurde hier abgebrochen und zunächst das Referat des Reichstagsabgeordneten Heine- Berlin über„Die Rechts» läge im Bund und das Reichsvereinsgesetz" entgegen. genommen. In großzügiger Weise gab Heine ein Bild, wie die Arbeiterturner vom Minister bis zum Nachtwächter herab unter. drückt werden. Das zeige auf der einen Seite eine kindische Angst, aus der andern eine affenartige Bosheit. Wie man gegen die Turner in den Jahren 1820—1840 allgemein eine Hetze geführt finbc, so werde setzt diese gegen die Arbeiterturner verübt. Was ist der Grund dieses unwürdigen Treibens? Die Arbeiterturner haben aus eigener Kraft etwas geleistet, und das ist denen ein Dorn im Auge, die uhcrhaupt eine selbständige Kulturarbeit des Volkes nicht wollen. Die Selbständigkeit der Arbeiter soll unter» drückt werden. Aus dieser Seelcnversassung heraus, die bei unS vorhanden ist, ist der ganze Kampf zu erklären. Die Gegner be- haupten, die Arbeiterturner betrieben das Turnen nur zum Schein. die politische Betätigung sei die Hauptsache. Dabei ist gerade bei diesen Bcrciiien, die den Turnerbund als politischen Verein denun- zieren, die Leibesübung nur ein Feld zur Politischen Betätigung. Die deutsche Turnerschast und der Jungdeutschlandbund treiben Po- litik im reinsten Sinne des Wortes. Aber noch nie hat jemand ver» sucht, ihnen Schwierigkeiten zu machen, die werden allein den Av- beiterturncrn bei, ihrer unpolitischen ZÄtigkeit gemacht, g»« den Prozessen, die ick fülirtc, ist eine politische Betätigung nicht nachgewiesen worden, trotzdem nahmen Gerichte an, diese liege vor. Der Arkeiterturncrbund gebe eine politische Zeitung heraus, darum sei er politisch. Und da der Bund politisch sei, wären auch die ihm angeschlossenen Vereine politische. Die Frage, od der Bund politisch ist, wird in der nächsten Zeit von der höchsten Instanz, dem Ober- Verwaltungsgericht, entschieden. l?s ist lein Zweiscl, wie» die Ent- scheidung aussallen wird. Wird der Bund als politisch erklärt, können Jugendliche trotzdem die Turnstunden besuchen, denn Turn- Übungen sind tcinc Versammlungen. Diesen Grundsatz hat auch das preußische Obcrvcrwaltnugsgericht ausgestellt. Turnstunden fallen also nicht unter das Rcichsvcreinsgesetz.— Heine gibt in seinen weiteren Ausführungen Ratschläge für die allgemeine Hnl- iung, die die Vereine einnehmen sollen, um den Tücken der Be- Hörden zu entgehen. i£s müsse alles vermieden werden, woraus das Politische gefolgert werden könne. Man habe es mit Gegnern zu tun, denen alle Mittel recht seien, um jede selbständige Regung der Arbeiter zu unterdrücken. Zeigen wir, daß wir nicht nur mutiger, sondern auch klüger als unsere Gegner sind.(Lebhafter Beifall.) Vcrbandsvorsitzcudcr Harnisch führte eine Reibe Fälle an don schikanösem Vorgehen von Schul- und Polizeibehörden. Ter Verbandstag setzte dann die Debatte über Spiel und Sport usw. fort. Die Redner stimmten im allgemeinen den Vor- schlügen der Bundesverwaltung zu. Einige Delegierte äußerten Bedenken gegen die starke Bevorzugung von Spiel und Sport; die Sportvereine kämen nur dann zum Bund, wenn ihnen zugesichert würde, daß sie sich nur auf diesem Gebiete betätigen dürfen. Sic befürchten, daß dadurch Einseitigkeit in den Bund hineingetragen werden könnte. Die Gründung der Zeitung.Jugend und Sport" wird allgemein begrüßt, dieses Organ solle künstlerisch einen hoch- stellenden Charakter tragen undH Pf. kosten. Ein Redner wünschte, daß in ihm auch Rücksicht auf Schüler und Schülerinnen genommen wird. Bei der Abstimmung fanden die Anträge und Resolutionen der Bundesverwaltung Annahme. Die Resolution über Sport und Spiel wird durcki folgenden Zusatz ergänzt:.Da die moderne Sport- bewegung sich ausnahmslos dem hurrapatriotischen Jungdeutscv- kandbund angeschlossen hat, ist der Austritt der Ärbcitersportlcr Gus diesen Verbänden für die Entstehung einer Arbeitersportbe- wegung die notwendige Konsequenz. Diese Sportbewegung kann aber nur lebensfähig sein, wenn sie sich einem großen und bestehen- den Verbände und zwar dem Arbeiter-Turnerbunde anschließt, der schon jetzt diese Sportgebiete in seinem Turnen zur Einführung gebracht hat." Zustimmung bekam auch ein Antrag, bei der Zentralkommission für Sport und Körperpflege dahin zu wirken, daß ein Abkommen getroffen wird, wodurch kein Verein, Spiel- oder Sportklub aus- genommen werden darf, sofern diesem die Aufnahme von einer der Zentralkommission angeschlossenen Organisation abgelehnt wird. Vereine, die von einer Organisation ausgeschlossen werden, dürfen ebenfalls von keiner modernen Organisation aufgenommen werden. — Beschlossen wurde ferner, daß im Jahre tS18 anläßlich des Lbjährigen Bestehens de? Bundes ein allgemeines Arbeitcrturnfest in Leipzig stattfindet. Dem Vorstand überwiesen wurde ein Antrag, dieser möge zur Gründung eine? internationalen Arbeitersport- butideS die vorbereitenden Schritte übernehmen. Dann wurden die Verhandlungen vertagt. Sericdts- Leitung» Eistirrunge» anläßlich einer Jugendverfommlung. Am 6. April sollte im„Bürgersaal" in Neukölln eine Jugend- Versammlung abgehalten werden. Die Polizei verwehrte ober den jungen Leuten unter 18 Jahren den Eintritt. Hierdurch war der Zweck der Versammlung vereitelt, deshalb- verließen die Ver» sammlungsbesucher den Platz der erfolgreichen Polizeitätigkeit, um sich irgendwo anders zu unterhalten. Genosse Pieck, der in der Versammlung referieren sollte, wurde vo« der Polizei fest- genommen und nach der Wache gebracht. Dasselbe Schicksal hatte Genosse Schoenlank. Ihm wurde sogar gedroht, daß mau ihn fesseln werde. Die Sistierung erregte natürlich großes Aufsehen. Ein Teil der Versammlungsdesucher, die sich noch auf der Straße befanden, folgte den Sistierten auf dem Wege nach der Wache. Bei dieser Gelegenheit wurde dann der Schnciderlehrling Schuch auch noch fistiert. Gestern hatte er als Angeklagter vor dem Jugendgericht in Neukölln zu erscheinen. Der Kriminalwachtmeister Härtung beschuldigt ihn, laut gejohlt und dadurch— wie die Anklage sogt— groben Unfug verübt zu haben. Andere Zeugen, die neben Schuch gingen, haben nichts davon gehört und waren verwundert darüber, daß Schuch plötzlich festgenommen wurde. Um zu zeigen, wie grundlos das Vorgehen der Polizeibcauüen anläßlich der Versammlung war, stellte der Verteidiger, Rechts- «nwolt Tr. Kurt Rosenfeld, an den Kriminalwachtmeister Härtung die Frage, ob ihm bekannt sei, daß sich Pieck und Schoenlank wegen ihrer Sistierung beim Polizeipräsidenten besöbwert hatten und daß die Beschwerde als begründet, das Verhalten der Bc- mnten aber als unberechtigt vom Polizeipräsidenten bezeichnet worden ist.— Ter Zeuge Härtung, vom Gerichtsvorsitzenden auf dos Dienstgeheimnis aufmerksam gemacht, verschanzte sich hinter dieses und lehnte die Beantwortung ad. Der Verteidiger versuchte nun, durch eine andere, das Dienstgeheimnis nicht berührende Frage seine Feststellung zu machen.— Dies erklärte das Gericht als unzulässig. Es beschloß aber, den Polizeipräsidenten zu er- suchen, dem Zeugen die Aussage zu gestatten oder die Akten über die Beschwerden von Pieck und Schoenlank vorzulegen. Die Ver- Handlung wurde vertagt. Ei» Gentleuianeinbrecher, der in höchst verwegener Weise über die Tächer�hinweg und mit Hilfe von seidenen Strickleitern Dieb- stähle an Seideuwaren in Höhe von zirka 4l>fKM) M. verübt batte, wurde gestern in der Person des Kaufmanns Willi Rudow aus der Untersuchungshaft der ll). Strafkammer des Landgerichts I vorge- führt, die unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Günther gegen ihn eine Anklage wegen schweren Diebstahls in 12 Fällen zu ver- handeln hatte. Mitangeklagt wegen gewerbsmäßiger Hehlerei war der Restehändler Salo Wildmann. Vor einigen Monaten liefen bei der Kriminalpolizei zahlreiche Anzeigen ein, daß.in dem sogenannten Konsektionsviertel, in der Nähe des Hausvogteiplatzes, der Schützcnstraße usw., fortgesetzt Diebstäble recht geheimnisvoller Natur verübt wurden. So wurden u. a. bei der Firma Stadion u. Brecht für 5000 M. Seidenstoffe, bei Leopold u. Olschewskh für 8400 M. und bei einer anderen Firma sogar für 9000 M. Seidenstoffe gestohlen. Die Ermittelungen der Polizei waren vorläufig ohne jedes positive Ergebnis. Die Schlosser der Geschäftsräume waren völlig intakt, die Türen wiesen » keinerlei«puren aus, die Polizei stand tatsächlich vor einem Rätsel, so daß schließlich nur die Ännabme übrig blieb, daß der geheininis- volle Dieb geradezu durch die Lust gekommen soin mußte. Diese eigenartige Annahme bestätigte sich auch wirklich, nachdem es ge- hingen war, den Hehler der gestohlenen Seidenstoffe in der Person des Mitangeklagten Wildmann zu ermitteln. Als der Verkäufer und Dieb kam der Angeklagte Rudow in Frage. Es ergab sich, daß der Rudow diese Diebstähle mit einer seltenen Raffiniertheit und Verwegenheit ausgeführt hatte. Er war i» irgendeinem Neben- vause bis zum Boden hinaufgegangen, hatte hier die Bodcutür mit einem Nachschlüssel geösfncl und war alsdann au der Dachfirst entlang, bis zu dem Hause gelaufen, in welchem sich das Geschäft befand, dem er einen Besuch abstatten wollte. Aus dem Dache des betreffenden Hauses befestigte er dann au dein sogenannten Dach- deckerbaken eine seidene Stnctleiter, kletterte diese dann herunter und stieg durch die zumeist geöffneten Klosettsenster in die Ge- schäftsraume ein. Nachdem er die Seidenstoffe zusammengepackt l hatte, zog er sie an einer Art Aufzug, der sich an der Strickleiter befand, bis zu der Dachrinne hoch und kletterte wieder nach oben, um dann den häufig lebensgefährlichen Weg an der Dachrinne entlang sortzusctzcu. Auf diese Weise gelang es dem verwegenen Dieb in 12 Fällen«cidenstoffc im Werte von 40 000 M. zu erbeuten. — Der Staatsanwalt beantragte gegen Rudow VA Jahre Gr fängnis und gegen Wildmanu 2 Jahre Zuchthaus. Das Urteil lautete mit Rücksicht darauf, daß beide Angeklagte bisher noch un- beschälten sind, gegen Rudow auf 2'A Jahre Gefängnis und gegen Wildmann auf 1 Jahr Zuchthaus. Ausweisung Streikender Während des Streiks auf den Gcestemünder Fischercidampscrn Ende 1911 wies die Polizei die Streikenden aus dem ganzen Hafen- gebiet aus. Anfangs Januar 1912 wies ein Polizeibeamier die Maschinisten F. und Z., die er in den sogenannten Fischhallen im Hafengcbiet traf, aus dem Hafcngebiet ans und sagte ihnen, sie dürften, solange sie streikten, das Hafcngebiet nicht wieder bc treten. Als sie einige Tage daraus wieder auf einem Platz vor einem Fischercircstaurant von dem Polizeibeamten getroffen wur- den, wurden sie wiederum ohne weiteres weggewiesen und erhielten ein Strafmandat über 15 M. eventl 8 Tage Haft. Das Schöffengericht bestätigte die Strafe. Der Hafenpolizeiwachtmcistcr sagte ans, daß die Hafcupolizeibcamten die Anweisung hatten, zum Schutze der Arbeitswilligen die Streikenden ans dem Hafeugcbict fernzuhalten. Da die Angeklagten ihm als streikende Verbands- Mitglieder bekannt gewesen seien, so habe er sie ausgewiesen. Das Schöffengericht fand das in der Ordnung. Die Ausständigen seien „Unbefugte" im«inne des K 1 der Polizeiverocdnung vom 22. April 1908, deren Absatz 2 lautet:„Unbefugten kann der Ausenthalt im Hafcngebiet untersagt werden." Die Strafkammer bestätigte dieses Urteil, wesentlich aus denselben Gründen. Vor dem Kammergcricht beantragte jetzt Rechtsanwalt Dr. Joseph Herzfeld die Freisprechung. Er legte sehr eingehend die Ungültigkeit der Verordnung dar, insbesondere überschreite es das Polizeiverordnungsrecht, wenn dadurch einem Polizeibeamtcn das Recht der dauernden Ausweisung aus einem ganzen Stadtgebiet. wie das Hafengebiet, gegeben werde. Diese Befugnis widerspreche auch dem reichsgesetzlich gewährten Koalitionsrecht. Jedenfalls aber könne die Ausweisung nur im Verkehrsinteresse erfolgen. Hier aber sei die Ausweisung, wie die Hafenpolizei selbst bezeugt babc, auf Grund einer allgemeinen Anweisung, die Ausständigen dem Hafcngebiet fernzuhalten, erfolgt. Nirgendwo sei festgestellt, daß die Angeklagten das Verkehrsinteresse gestört hätten. Der Oberstaatsanwalt beantragte gleichfalls die Freisprechung der Angeklagten. Das Äammergericht erkannte auf Freisprechung auf Kosten der Staatskasse. Die Polizeiverordnung sei gültig. Es sei aber nicht festgestellt, daß ibre Auwendung zur Ausweisung der Angeklagten aus dem Hafcngebiet im Verkehrsinteresse erfolgt sei. Die Auge- klagten hätten sich deshalb durch den Aufenthalt im Hafcngebiet nicht strafbar gemacht. Wem gehört der Schatz? Vor 14 Tagen ist, wie unsere Leser sich entsinnen, in Messing- werk bei Ausschachtung eines Wobnhauses ein prähistorischer Gold- schätz gefunden wurden. Dieser Fund ist, wie Pros. Schuchuardt in einem Vortrage in der Archäologischen Gesellschaft hervorhob, von großem Wert für die Beurteilung der Kulturentwickelung in der Mark. Die Besitzer des Grund und Bodens, in dem der Schatz gefunden ist, die Herren Hirsch und Leog. haben ihn dem Kaiser zur Verfügung gestellt. Wem gehört der Schatz? Z 984 des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmt hierüber: „Wird eine Sache, die solange verborgen gelegen hat, daß der Eigentümer nicht mebr zu ermitteln ist, entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen, so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem Eigentümer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war." Demnach gebärt der Sckatz zur Hälfte der Firma Hirsch u. .Leog, zur anderen Hälfte dem Arbeiter, der den Fund entdeckt hat. So viel uns bekannt, bat der Arbeiter von Herrn Hirsch zwar eine kleine Summe angenommen, keineswegs aber auf fein Eigentums- recht verzichtet. Der vorgeschichtliche Fund ist viele Tausende wert. Kommt keine Einigung zustande, so müßte der Arbeiter im Prozeß- weg sein Recht geltend machen. /■Iiis aller Cüelt« Carcheii zu l Jahraus jahrein werden von Geistlichen beider Konfessionen, namentlich aber von katholischen, umfangreiche Kirchenbelteleien inszeniert. Von Gerechten und Ungerechten wird jedes Scherflein entgegengenommen. Wenn die sozialdemokratische Presse einige warnende Worte erließ, wurde sie nach dem bekannten Schema der Kirchenfeindschaft beschuldigt. Jetzt ist aber selbst katholischen Geist» lichen der Unfug zu schlimm geworden. In der„Kölnischen Volks- zeitung" leuchtet Rekior Hoeveler(Köln-Melaten) in das dunkle Kapitel hinein. Er schreibt: Zunächst ein Wort über die zum Geben anspornenden Momente mancher Bettelbriefe. Sie sind noch lange nicht immer einwandfrei. Es wird in ihnen hier und da nicht bloß auf die Eitelkeit naiver Gemüter spekuliert, indem man meinetwegen mitteilt, wer 50 M. zahle, würde die Ehre haben, in das Verzeichnis der Gründer eingetragen zu werden, sondern mau operiert auch nicht selten skrupellos mit der Heiligen Schrift entnomm enen Drohungen und Verheißungen. Der. geistliche Kritiker beklagt sich dann über die Liederlichkeit, mit der mehrere gleichlautende Bettelbriese oft an denselben Verfasser gesandt werden und beschuldigt gewisse seiner Amtsbrüder, mehr als nötig herauszuholen: In wie vielen Fällen handelt e» sich bei der Bedürstttsfrage nur um eine kleine Kirche, die etwa mit 15 000 bis 20 000 M. zu errichten wäre. Nun schickt aber meinetwegen der betresseude Herr seine Bettelbriefe au die halbe Welt, rührt die mir- leidigen Herzen usw. Ist das denn nun richtig, daß wegen dizses verhältnismäßig llehien Objektes ein Apparat in Bewegung gesetzt wird, der mit seinen Leistungen weit mehr auS den Taschen der guten Katholiken herausholen wird, als hier überhaupt nötig ist? Und was geschieht mit dem Zuviel? Ich habe einmal einen Bettelbrief gelesen, in dem gerühmt wurde, man habe so viel Geld bekommen, daß man die Platte der Kommunionbank mit Perlmutter habe aus- legen können. Rektor Hoeveler kommt zu dem Schlüsse, daß unter solchen Um- ständen der Kirchenbettel zum„rein st en Aussaugesystem" wird. Man sieht, der katholische Priester bezeichnet den Unfug mit starken Worten, und er rechtfertigt die Warnungen der sozialdemo- kratischcn Presse.__ Explosion einer Tynamitfabrik. Durch mehrere heftige Explosionen ist die Dynamitfabrik in Paulilles(Frankreich) zerstört worden. Sechs Personen wurden durch die Explosionen getötet, zahlreiche Personen erlitten m ehr oder ni i n d e r schwere Verletz unge n. Die erste Explosion erfolgte in einem Raum, in dem sich die Vorrichtungen für die Her- stellung von Nitroglyzerin befinden. Nach kurzer Zeit er- folgten zivei weitere Explosionen von so großer Heftigkeit, daß die Trümmer der Fabrik bis ins Meer geschleudert wurden. Wie Roosebelt zum Säufer wurde. „Ich glaube, ich war voll, als ich das schrieb"— diese harm» losen, natürlich ironisch gemeinten Worte äußerte Expräsidenl Roosc- velt. als ihn sein früherer Privatsckretär Loeb auf einen kleinen Fehler in seiner Autobiographie aufmerksam machte. Was ist in- zwischen aus diesen Worten geworden? Die schwerwiegende Ver- nrteilimg, daß Roosevelt häufig betrunken ist, und alle seine Freunde dies wissen. Diesen beleidigenden Satz hat der Amerikaner Newett, ein ehemaliger Senator, im„Jshpeming Fron Ore" veröffentlicht, und er bildet den Streityunkt in dem Beleidignngsprozesse. der gegen- wärtig in Marquctle in Michigan verhandelt wird. Roosevelt selbst hat sich mit seinen zahlreichen Freunden, die er als Zeugen mitgebracht hat, in letzter Zeit lang und breit darüber unterhalten, wie dieses merk- würdige Urteil zustande gekommen ist, und danach läßt sich re- konstruieren, als er wirklich in der öfientlichen Meinung als Säufer dagestanden hat. Er behauptet bekanntlich, fast nie alkoholische Ge- tränke, dagegen sehr viel Milch und Buttermilch zu sich zu nehmen. Seine ironische Bemerkung zu Loeb ist irgendwie in die Oefi'entlichleit gedrungen. und dieses Gerücht_ ist natürlich genau so gewachsen, wie Gerüchte immer wachsen. Roosevelt bebauptet, hierdurch ganz elend geworden zu sein und faßte daher den Entschluß, irgend'jemanden, der diese Beleidigung in greifbare Form faßt, damit festzunageln, und der Unglückliche, der nun als Sündenbock herhalten muß, ist Newett. Es ist zu erwarten, daß das Zeugenhecr Nooscvelts den ehemaligen Präsidenten von dem Verdachte, er sei ein Säuier, reinigen wird. Daran hat Roosevelt aber noch nicht genug, sondern er verlangt eine Entschädigung in der stattlichen Höhe von 1 00 000 Mark. Wird sie ihm zu- gesprochen, was durchaus im Bereiche der Möglichkeit liegt, so steht er vor der Wahl, ob er diese Summe in Schnaps oder in Butter- milch anlegen will.____ Kleine Notizen. Tödlicher Absturz eines Touristen. Am Mittwochnachmittag wurde am nördlichen Abhang des etwa 75 Meter hohen JlsensteinS der Bankbeamte Weber aus Halle a. S., der sich auf einer Harz» Wanderung befand, mit zerschmetterten Gliedern tot aufgefunden. Ein unaufgeklärtes Verbrechen. Wie die„Wormser Nachrichten" melden, wurde bei Gernsheim die Leiche der lOjährigen I o s ep h a Kißler aus Waldsee bei Fraukental aus dem Rhein gezogen. Die Leiche wies mehrere Stichwunden aus. Man vermutet, daß die Tote durch ihren Geliebten, der flüchtig ist, ermordet wurde. Explosion eines Geschützes. Auf dem Marineschießplatz bei Petersburg ereignete sich während eines Versuchsschießens mit 75 Millimetergeschützen eine Explosion, wobei ein Ober- maat und ein Leutnant zur See schwer und zwei Matrojen leicht verletzt wurden. Gestrandeter Passagicrdampscr. Der Dampfer„Haverford" der American Line, der mit 1200 P a s s a g i e r e n an Bord von Liverpool nach Philadelphia unterwegs mgr, ist in der Einfahrt zur Reede von Cork in Südirland im Nebel auf Grund geraten. Von Queenstown ist Hilfe abgegangen. Zeitnugs-Aitsgabestellen und Auserttten-Amm'fmr. Zentrum: Albert H a h n i s ch. Ackeritr. 174. am Kappenplatz. 8. Wahlkreis: W.: Gült. Schmidt, Kirchbachitr. 14. Hochparterre. S. und SW.: Hermann Werner, Gucijenaustr. 72. 8. Wahlkreis: St. Fritz. Prinzenstr. 31, Hoj rechts vor!. 4. Wahlkreis: Ott e u: Robert Wenzels, Gr. Frankfurterstr. 120. — Richard» H ack e I b u f ch, Pctersburzcrplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis. Süd o ft e n: Paul B ö b ni. Laupperplatz 14/15. S. Wahl kreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hoj). ö. Wahlkreis(JSoahit): Solomon I o I ep b. Salzwedelerftr. 8. Wedclincr: I. Hönisch, Müllerstr,.34a Ecke Utrechter Str., Laden. Itoscnthaler und Oranienhui'S'er Vorstadt: Wilhelm B a n ni a n Ii, Rheinsbergerstr. 67. Laden. rtnmen: F i 1 ch tr, Bastianstr. 6, Laden. SchUnhauser Vorstadt: Karl Mars, Grcifcnhagener Str. 22. Adlcrshof: Karl Schwarzlose. BiSmarckftr. 50. Alt-<>Iienieke: Wilhelm Dürre, Köpenickerjtr. 6. IkanmsehnlenHvex: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Bcrnan. Köntgental. Zepernick, Schönow, Schön» hriiek und Itnch: Heinrich B r o s e, Mühlcnitr. 5, Laden. Bohnsdorf, Falkenberg: und Falkenhorst: Paul G c ns ch, Bobusdorj, Gcnossenschastshaus„Paradies". Fharlottenborj»: Guslav Schar nberg. Sescnheimcritraße 1 Fiehwaide. Schmöckwitz: Oskar Mahle, Stubenrauchstr. SS. Erkner. Xen- Zittau: Ernst Hofs mann, Friedrichshagener Chaussee. Frcdersdorl-Petershagen, Eggrersdorf: S.Höselbarth, PetcrShagcn. Friedenau, Steglitz, Siidende, Ort-ß- Elchterfelde, (Lankwitz: H. B e r n I e e. Alsenstr. 5 in«oleglitz. Friedriehshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schönelche, Kl.-Schönebeck: Ernst S3 c t£ in a n n, Friedrichshagen, Köpc- nicker Straße 13. Grünau: Franz Klein. Friehrichstr, 10. Johannisthal, Rudow: Max G o n s ch U r, Porfjti'. 6. Karlshorst: Richard K ü t c r, Rödelslr. 3, II. Königs- Wusterhauseu, Wildau: Friedrich B a u m a n n, Bahnhofstr. 8. Köpenick: EmU W i ß l e r, Kietzerstr. 6, Laden. Elcntcnbcrg. Fricdrlchsfelde. Hohenschönhausen; Otto S- i l e I, Wartenbergsiraße 1(Laden). lüahlsdorf, Kaulsdorf, Blesdopl: P. Heßberg, Kauls- dors, Ferdinandstraße 17. Harleudorf: August L e i P. Chausfeestr. 296. Hof. IHarlcufeldc: Cmil Seiner t, Berliner Str. 114 II. Xenenhagen, Hoppegarten■. Gustav Leo, Wolterstraße. Neukölln: M. Heinrich, Reckarstr. 2, im Laden» Neukölln, Britz: Rohr. Siegsriedstraße 28/2». lUlcder-Eeiiuie: Karl Freitag. Üledcr-Schönewcidc: Wilhelm Unruh, Drückenstr. 10, II. Vowawcs: Wilhelm I a p P e, Lulhersir. 2. Oher-Schöucwcidc: Alfred Bader, Wilhclminoahosstr. 17, Laden. l'ankow, Xiederschönhauseu, Kordend, Erz. Buch» holz, Blankenburg: Rißm an», MüHlensot 30. Reinickendorf-«st, Wilhelmsruh und Schönholz> P. G u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. Rninnielsburg, Boxhagcii, Stralau: A. R o n£ r a n z. Alt» Boxbagen 56. Scheakendorl b. Königs-Wuslerhauien: Chr. H a u t s ch£ e, Dorf» straße 10. Schöucberg: Wilhelm Säumler, Martin Lllthersw. 69, im Laden. Spandan. Vonncndauim, Staaken, Seegefeld und Falken hugeu:.Stoppen, Breitestr. 64. Tegel, Borsigwalde. Wittenau, W'aidniannslust, Hermsdorf, Hohen- Kienendorf, Blrhenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Paul Künast, Borsigwalde. Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berluier Sir, 18. Tempclhof: Joh. Strohn, Borussia jtr. 62. Treptow: Rod. förameitj, Kies Holzstraße 412, Laden, Weißensee, Heinersdorf: K. 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VIn die Versammlung ist ein Schreiben der Charite-Direktion gelangt, worin ein Teil der Grunde, die der Magistrat für seinen Antrag den mit der Charite wegen des Jrrendepots 1879 ab- aeschloisenen Bertrag zn kündigen, geltend gemacht hat, einen Wider- tegungsversuch erfährt. Das Schreiben loird zur Kenntnisnahme ausgelegt. Der spezielle Entwurf zum Neubau einer Turnhalle mit Schulküche und Heizerwohnung auf dem Grundstück Q u i tz o w- st r a tz c 115 a wird entsprechend dem einstimmigen Votum des bc- treffeichen Ausschusses genehmigt und der anfchlagsmatzigc Betrag von 8-1000 M. zur Verfügung gestellt. ITpVlfM* iV»r» i t-i f-i-/-» rr St/) waren die Würstchen nicht gut(Heiterkeit.)— ich finde dabei nichts zu lachen; die Herren Lacher haben aber wohl dafür kein Ver- ständnis.(Borsteher Cassel rügt diesen Ausdruck.) Das Essen sei oft verdünnt worden, wenn mehr Kinder kamen, als crlvartcr an Verbesserungen wolle Herr Abraham nicht so Icidht lieber den Magistratsantrag, die Mehrkosten für die Mittagsspcisung bedürfitger Gemcindeschulkindcr im ersten Kalenderquartal 1913 mit 57 000 M. aus dem Dispo sitionsfonds für unvorhergesehene Ausgaben zu decken, ist in einem Sonderausschüsse beraten worden Nach lebhafter Debatte bat der Ausschuß dem Magistratsantrag zugestimmt, aber gleichzeitig be- schloffen, deii Magistrat km die Einsetzung einer Deputation von zwei Stadträten und vier Stadiverordncten zu ersuchen, die sich mit der unentgeltlichcii Speisung bedürftiger Schulkinder zu beschäftigen hat. Ein ivcitergehender Antrag auf Errichtung eines Iugcndfürsorgeamis ist mit 9 gegen 5 Stimmen abgelehnt worden. Die Geschäftsführung des A b-r a h a m s ch e n Vereins fiir Kiiidervolksküchen ist in der Ausschutzverhandlung von verschiede- ikn«eiten hinsichtlich der Schulspeisung beanstandet worden.— Referent ist Stadtv. Reimann(A. L.) Stadtv. Dr. Nosenfeld ISoz.): Ter Ausschuß Hot sich erfreu- lichcrweise nicht nur lnit der Deckung der Mehrkosten beschäftigt, sondern auch mit der Schulspeisung überhaupt. An der Art, wie diese heute bei uns eingerichtet ist, hatten wir schon inr Plenum Kritik geübt, die Ausschutzberatung hat unsere Kritik als nur zu berechtigt erscheinen lassen. Es ist dargelegt worden, daß die städtische Jnspizicntin der Speisen wiederholt die Speisen als zu dünn und zu wenig schmackhaft befunden hat; auch wurde mitgc- teilt, daß häufig, wenn die vorgesehenen Portionen nicht ausreichten, das Essen„verlängert" worden ist. Auch die Klage über die z u geringe Zahl der S ch u l k ü ch c n ist als berechtigt anerkannt worden; in ganz Moabit z. B. gibt es nur cüie einzige solche Küche. Andererseits ist erwiesen worden, daß eine noch stärkere„Siebung" der der Speisung bedürftigen Kinder gar nicht stattfinden kann, da sie schon heute mit der größten Schärfe durchgeführt wird. Uns scheint erwiesen, daß nicht zu viel, sondern immer noch zu wenig Kinder gespeist werden. Die ischulküchcn sind zum Teil auch in ganz unzulänglichen Räumen untergebracht. Die Küchen gehören in die Schulen hinein; diese Ansicht schien auch im Ausschutz vorzuhcrrschcn. Mit Recht stellte der Ausschutz ferner fest, daß der Kassenbericht des Vereins ganz undurchsichtig ist; der Verein bc- treibt nicht nur Schulküchen, sondern auch Kinderheime, die Rech- nuiigsführilng darüber erfolgt aber nicht getrennt. Ein Antrag, die Kassenvcrhällnisse des Vereins zu prüfen, ist nur abgelehnt worden, weil man meiiUe, diese Prüfung würde besser durch die Deputation vorgenommen, die ja durch uns eingesetzt werden müffe. Welche Zustände müssen in dem Verein herrschen, wenn der Stadtschulrat Michaelis erklären konnte, er besuche die Vorstandssitzungen nicht mehr; weil dort zwar gewisse Personen b e w e i h- räuchertwür den, aberfür die Schulspeisung keine s a ch g c Iii ä tz e Verwaltung stattfinde! Solche Zustände drängen mit Macht auf die Vcrstadtlichung der Schul- speisung. Wer das Interesse der hungernden Schutkinder im Auge hat, mutz dafür eintreten. Immerhin.soll eine besondere De- puratwn eingesetzt werden. Wir hätten lieber gesehen, wenn ganze Arbeit getan, loenn eine Jugendfüpsorgedcputation ge- schaffen worden wäre. Unter der heutigen Zerrissenheit dieser Für- sorge leidet die Tätigkeit auf diesem wichtigen Gebiete außerordentlich. Die Einsetzung der Deputation gi�t uns nur als erster Schritt auf dem Wege zum städtischen Iugcndftirsorgcamt. Der Magistrat scheint die Bedeutung einer solchen Institution doch zu veriennen, denn ein ciü sprechender Beschlutz einer gemischten Deputation liegt schon s.it Monaten vor, ohne daß sich der Magistrat bisher damit beschäftigt hätte. Es ist wahrlich an der Zeit, aus diesem Wege vor- wärts zu kommen. Parts gibt für die Schulspeisung 1 Million Francs, Wien 100 000 Kronen aus; da bleiben wir selbst mit lOOOOO Mark noch sehr weit zurück. Kein Kind darf durch schlechte Ernäh- rung in der Teilnahme am Unterricht beeinträchtigt werden. Wir werden nicht nachlaffen, immer von neuem auf das in Berlin noch vorhandene Kinderelend hinzuweisen. Wenn Sie nur einen kleinen Teil der Sorgfalt, die heute die Kinder der Bourgeoisie erfahren, den Prolctarierkindern zuwenden, dann wird bald das letzte hun- gcriidc Gemeindeschultind aus Berlin verschwunden sein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadlschulrat Dr. Fischer: Das ungünstige Urteil des Bor redners kann ich durchaus nicht unterschreiben. Man darf ver einzelte Vorkommnisse nicht verallgemeinern. Tie Berichte unserer Inspizientin bestätigen, daß die Speisen im Durchschnitt gut waren: allerdings hat sich da und dort gezeigt——(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten und Rufe: Na also!), ja das sind aber eben Ausnahmen. Ter Verein ist auch wegen der Küchenräume insofern schlimm daran, als er keine langfristigen Mietsverträge abschließen kann. Daß zu wenig Kinder gespeist werden, mutz ich durchaus bestreiten; im Gegenteil werden diejenigen recht haben, welche behaupten, daß immer noch eine ganze Anzahl Kinder da ist, die an Speisung beteiligt zu werden, nicbt nötig hätten. Der Verein bat als WvhltätlgkcitSvcrein das gute Recht, mit seinem Gelde zu machen, was er will. Mit den 12 Pf. kann er auf keinen Fall die Selbstkosten decken. Ter Magisterat ist d e r F r a g e des Jugendfürsorgeanltcs noch nicht näher gc treten, weil das eine sehr schwierige Frage ist, an der zahlreicze Verwaltungen uuscrer großen Kommune beteiligt sind. Stadtv. Modkcr lA. 12.): Wir sind überzeugt, daß hinsichtlKp der Schulspeisung n och manches geschehen kann, aber die Ansicht des Kollegen Rosenfeld müssen wir doch durchaus zurückweisen. Es gibt in Berlin kein wirklich hungerndes Schulkind iWiderspruch.), sämtliche' hungernden Schulkirrver können satt gemacht werden und werden auch satt gemacht. Der Antrag auf Einsetzung einer Deputation ist von unserer Teile, nicht von den Sozialdemokraten gestellt worden. Hier und da ifi es ja einmal vorgekommen, daß das Essen nicht ganz gut was; das kommt aber auch in unseren Familien vor, und auch unsere, i Köchinnen passiert es manchmal, daß sie etwas verderben. (Heiterkeit.) «tadw. Dr. Rosenfeld: Das Recht aus die Vaterschaft dieses Antrages lassen wir uns in diesem Falle denn doch nicht absprechen. Sehr erstaunt bin ich über den Ausspruch, es gebe in Berlin kein hungerndes Schulkind.„Du sprichst ein großes Wort gelassen aus." Es gibt davon Hunderte und Tausende. Daraus machen wir za gerade dem Magistrat den Vorwurf, daß er bisher nicht genügeuo Vorsorge getroffen hat, zu erfahren, wo Schulkinder hungern. Damit ist dem hungernder Kinde nicht gedient, daß der Magiftrar ibm gern Helsen würde, wenn er nur wüßte, daß es hungert. Tic Ehrendamen des Vcreibs icilcn meine Auffassung. Der Stadtschulrat Fischer heute und der im Ausschuß sind gar nicht wni- einander zu vergleichen:„Mensch, wie hast Du Dich verändert!" (Große Heiterkeit.) Ich habe schon die Bemerkung des Stadtschur- ftH ZNichaelis erwähnt. Die Jnspizientin hat festgestellt: Zwermar wurde heran. Stadtschulrat Dr. Fischer: Daß es Hunderte, ja Tausense hungernder Gemeiudeschulkinder gäbe, dein mutz ich ganz entschieve» widersprechen. Bei Kindern, deren Eltern keine Armenunterftüyung bezichen, wird allerdings auch die A r m e u k o m Mission gehört. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Tie Fälle der Ablehnung sind außerordentlich selten. Es geschieht alles, um kein bedürftiges Kind von der Schulspeisung auszuschließen. Gegenüber dem Ver gleich meines Verhaltens hier und im Ausschutz verweise ich auf das Protokoll. Ich habe nicht verschwiegen, was zu tadeln war, aber mein Gerechtigkeitsgefühl veranlaßt mich, auch das Eure hervorzuheben, was ich an dem Verein anerkennen kann. Es liegt eine gewisse Gefahr darin, wenn dieser Verein hier Bfsem lieh so angegriffen wird; es könnte sehr leicht kommen, daß sich infolge davon eine große Anzahl.Mitglieder loslöst und wir dann aus dem städtischen Säckel zahlen müssen, was diese bisher auf- gebracht haben. Stadtv. Roscnow IN. L.): Der Streit um die PriorttSt-des Antrages ist müßig. Die Sozialdemokraten haben den Antrag auf Errichtung eines Jugendfürsorgeamts eingebracht; daraus ist Hann der Antrag auf Einsetzung einer gemischten Deputation hervor- gegangen. Die Speisung armer Schulkinder betrachten wir als eine gemeinsame Sache, es ist das nicht bloß eine Sache der Sozialdemokraten. Stadtv. Prof. Dr. Lazarus(Fr. Fr.�: Wenn hier in Berlin noch hungernde Schulkinder herumlaufen, ist das nicht unsere Schuld. Es ist aber das Gegenteil nachgewiesen worden; es sind Bons ausgegeben worden, die nicht verwendet wurden, sondern die die Kinder in den Schulen hatten herninliegen lassen. Tie Ausschutzanträge gelangen zur Annahme. lim Oli Uhr werden die Verhandliliigen zur Vornahme der Wahl zweier besoldeter Stadträte unterbrochen. Aus- geschieden ist am l. April Stadtrat Dr. L e d e r m a n n, zum 1. April scheidet aus Stadtrat Düring. Seitens des Ausschusses, der die Neuwahl vorzubereiten gehabt hat, sind vorgeschlagen: Magistratsrat Dr. Simonsohn-Berlin und Stadtrat Löhning-Posen. Für Ledermaun wird Magistratsrat Dr. Georg S i m o n s o h n mit 81 von 86 gültigen Stimmen gewählt; 5 Stimmen zersplittern, 18 Zettel sind unbeschrieben. Für Düring wählt die Versammlung den Stadtrat L ö h n l n g Posen mit 93 von 95 gültigen Stimmen; 2 Stimmen entfallen auf einen anderen Kandidaten, 8 Zettel sind weitz. In die gemischte Deputation zur Beratung über Mittel und Wege, den städtischen Grundbesitz in Treptow der Bebauung zu er- schließen, ohne daß der Stadtgemeinde der Wertzuwachs entgeht, wird an Stelle des verstorbenen Stadtv. Bracke(N. L.) Stadtv. Imberg IN. L.) durch Zuruf gewählt. Die Unfallfürsorge für städtische Ehren- beamtc, die zu den städtischen Rcchtspflichten bisher nicht gehört, beabsichtigt der Magistrat gleichwohl aus Billigkeitsgründcn wie folgt zu regeln: Wenn ein solcher(auch ein Stadtverordneter) bei Ausübung seines Amtes einen Unfall erleidet, soll der Magistrat ermächtigt sein, ihm auf Antrag nach billigem Ermessen einen cnt- standencn Schaden bis zur Höhe van 2000 M. zn ersetzen; bei weitergehenden Ersatzleistungen soll ein Tcmcindebeschlutz erforder- lich sei». Stadtv. Galland(A. L.) bemängelt einige unklare Ausdrücke in dem Wortlaut des Vorschlages und beantragt eine anderweitige Fassung. Lberbürgermeister Wcrmuth hält die Bemängelungen für mehr siilistischcr Natur. Es bestehe nicht sowohl ein Rechtsanspruch als eine moralische Verpflichtung der Stadt ihren Ehrenbeamten gegen- über; etwas anderes habe auch der Magistrat nicht sagen wollen. Stadtv. Goldschmidt(N. L.) stellt sich auf den Standpunkt des Oberbürgermeisters. Bedenklich erscheine seiner Fraktion, daß dem Magistrat in der Regel die Erledigung im Verfügungsverfahren überlassen werden solle; man tue besser, die Grenze von 2000 M. zu beseitigen, damit in jedem dieser doch sehr seltenen Fälle die Versammlung mitreden könne. Oberbürgermeister Wcrmuth: Dann müßten Sie die Vorlage ablehnen. Es empfiehlt sich aber doch, den Ehrenbeamten diese Zusicherung zu geben, ohne daß in jedem Falle der ganze schwer- fällige Apparat in Tätigkeit zu treten braucht(Zustimmung). Die Vorlage wird in der von Galland beantragten Fassung angenommen. Bei der Ausführung der Jnstandsctznngsarbeiten an den Tief- b r u n n e n des Wasserwerkes Tegel sind die zur Vtr- fügung stehenden Mittel von 175 000 M. um 27 640 M. überschritten worden. Die Versammlung willigt darein, diesen Betrag auf den nicht zur Verausgabung gelangten Etaisposten von 36 000 M. „für Aenderungcn an den Ncinwasserbehältern des Werkes Lichten- berg" anzuweisen. Den Wünschen der Versammlung betr. Gewährung des Ruhe- g e I d c s von 700 M. auch an d»e Lehrerinnen der nicht anerkannten hiesigen Privat Mädchenschulen, betr. die Vorsteherinnen dieser Schulen und betr. Vergünstigung eines Ruhegeldes von 700 M. auch au die t e ch n i s ch e n Lehre- rinnen ist der Magistrat beigetreten, doch soll bei den letzteren Kate- gorien die Mindestsiundenzahl auf 14(nicht 12) Wochenstunden festgesetzt werden. Bezüglich dar männlichen Lehrkräfte der Privat- Ihzeen und höheren Privatmädchcnschulen soll dagegen die etwaige Gewährung eines Ruhegeldes Gegenstand genauer Prüfung im Einzelsalle sein. Die Vorlage wird nach einigen das Entgegenkommen do Magistrats anerkennenden Worten des Stadtv. Dr. Knau er (N. L.) zur Kenntnis genommen. Tic Erweitern n�g des Obdachs und die Erbau ung eines zweiten Sicchenhauses gedachte der Magistrat durch Kassierung des Danziger Platzes bewerkstelligen zn können. Auf Betreiben des hausagrarischen„Ausschusses zur Lösung der Asylfrage" ist diese Kassierung vom Minister der öftent- liehen Arbeiten nicht genehmigt worden; die geplante Aenderung des Bcbauungsplanes mutz demnach unterbleiben. Die Versammlung nimmt ohne Diskussion van der bez. Mit- teiluiig des Magistrats Kenntnis. Unter Mitteilung des Wortlauts des Erkenntnisses des Ober- Verwaltungsgerichts in Sachen Stadtverordnete gegen Oberbürgcr- meister in Mülheim(Ruhm beantragt der Magistrat die Auf- Hebung des Gemeindebeschlusses von 1907 betr. die Gewährung von Freikarten bez. von Abonnements für die Straßenbahnen an die Stadtverordneten. Ohne Debatte tritt die Versammlung dem Magistrats- antrage bei. ie neuen Vorschläge des Magistrats betr. die Verbreite- ruli g der Neuen Promenade, der Straße An der Spandau er Brücke und der Straße Am Zwirngrabcn haben in der Ausschutzberatung nur sehr teilweise Billigung ge- fundcn. Der Erwerb einer dem Eisenbahnsiskus gehörigen Fläche von 652 Onadratmeter zum Preise vou 5 M. pro Ouadratmerer wird einstimmig empfohlen, dagegen hält der Ausschutz die Ver- breiterung der Straße An der Spandaucr Brücke auf 20(Vorlage 191 Meter für erforderlich, während er für die Neue Promenade 22 iVorlage 23) Meier als genügend erachtet. Auch den dreieckigen Baublock will der Ausschutz durch Zurückziehung der Südwestfront am Zwirngrabcn besser ausnutzbar gestalten. Der Magistrat soll um eine entsprechende anderwcite Vorlage ersucht werden. Die Versammlung beschlieht ohne Diskussion nach den Aus- schuhanträgen. Zur Beratung gelangt sodann die in ihren Einzelheiten schon ausführlich besprochene Vorlage wegen Kündigung des mit der Charite 1879 geschlossenen Vertrages betr. Errichtung eines Jrrendepots. Stadtv. Dr. Zadck(Soz.): Auch wir wünschen eine endgültige Lösung der Frage. Die Charite behauptet zwar in ihrer uns Herne zugestellten Eingabe, daß der Magistrat schon in den letzten sechs Jahren sich an dem betreffenden Vertragspassus nicht mehr gebunden habe; um so leichter aber wird sie dann die Aufhebung dieses Vertrags- restes verwinden. Die Charite entbehrt der Einrichtungen, welche in unserer modernen Zeit zur Heilung von Irren gehören; darum begrüßen wir den Magistratsantrag ganz besonders. Die Ver- Hältnisse haben sich eben verschoben. In dem Menschenalter seit Bestehen des Vertrages haben wir unsere Pflickt erfüllen gelernt. wenn auch nur in hcschcideneni Umfange. 1879 hatten wir keine städtische Irrenanstalt und mutzten der Cdarite dafür dankbar sein, daß sie unsere Kranken aufnahm; aber seit 1880 haben wir eine ausgezeichnete Heilanstalt in Dalldorf bekommen, dann weitere Anstalten, und verfügen jetzt über vier, in einigen Jahren über deren fünf, und können das Bedürfnis, das uns pflichtinätzig zukommt, selbst decken. Schon in den letzten Monaten konnten wir den Anfang machen, aus den Privatanstalten Kranke� in unsere Anstalten zu verlegen. Begreiflich ist es ja, daß die Charite jetzt in bezug auf die Auslegung der Vertragsbestimmuug Schwicrlg- keiten macht. Die Charite mutzte in dem Maße, in dem wir ihr weniger Kranke zuwiesen, die Defekte von anderswo auszugleichen suchen, und das tat sie, indem sie an auswärtige Verbände ging; aber nach einer Reihe von Wochen hatte sie das Bedürfnis, diese Kranken wieder loszuwerden, und da sie anderwärts keine Ab- nehmer fand, wies sie sie unrechtmäßig uns zu. Das ging, solange es ging; allmählich hat sich der Anstalten und des Magistrats eine berechtigte Erregung darüber bemächtigt; die Stadt hat protestiert, und die Frage, ob die Polizei berechtigt ist, uns solche Kranke z w a n g s in ä tz i g aufzuhalsen, wie sie es bisher versucht � hat, wird jetzt im Rechtswege ausgetragen. Wir stehen in allen diesen Fragen auf der Seite des Magistrats und stellen uns auch jetzt auf seilte Seite. Bedenken bestehen insoweit, als wir den Kranken aus den Vororten auch eine gute Anstalt gönnen, als wir auch den Charakter der Charite als Lehranstalt nicht unterschätzen können. Jedenfalls aber ist es ein Kampf u m s R e ch t, den wir hier führen, gegen die Willkür der Charitedirektion. Die Sprache des Magistrats gegen diese Willkür hat meine pöllige Billigung. Beklagen müssen wir uns aber wieder, daß die Fachdcputation über die Frage nicht gehört worden ist. Ich verstehe nicht, warum der Magistrat in solchen Fragen die Fachdeputationen umgeht. Es liegt darin eine Brüskierung unserer Sachverständigen. Stadtrat Kalisch: Der Vorredner hat die Sache erschöpfend behandelt. Ein Dissens besteht zwischen ihm und uns bloß in feinem Verlangen, daß wir auch die Leute aus den Vororten oder ans der Mark aufnehmen sollten. Das ist durchaus nicht angängig. So ungeheuer wichtig ist die ganze Vertragsfrage nicht, wie die Zeitungen sie aufgebauscht haben. Der Vertrag ist selnerzecr von uns gekündigt und ein Teil ausdrücklich zugunsten der Charire aufrecht erhalten worden. Dieses Stück Vertrag ist aber von der Charite nicht in der richtigen Weise ausgeführt worden. Für die Kranken, die nach Berlin kommen, um in der Charite Aufnahme zu finden, sind unsere städtischen Krankenhäuser nicht da. Ein Notleidender wird nicht zurückgewiesen, wohl aber solche, die uns auf dem Umwege über die Charite brandschatzen. Wir müssen klare Verhältnisse haben, und dazu gehört die Kündigung des Vertrages. Stadtv. Dr. Zadel: Jetzt, wo wir die Charitö nicht mehr brauchen, haben wir auch die Pflicht, für plötzliche Erkrankung?- fälle dieser Art besser als bisher zu sorgen, und zwar in allen unseren Krankenhäusern; dazu gehören Jsolierräume und etn geeignetes Wartepersonal. Oberbürgermeister Mermuth: Wir werden diesem Wunsch nach- gehen. Daß die Jrren-Deputation nicht gehört ist, beruht daraus, daß die Angelegenheit durchaus eine A r m e n s a ch e ist. Auch die Charite braucht Klarheit der Verhältnisse. Zurzeit kann eine geordnete Prüfung, ob wir die Aufnahmepflichtigen sind, gar nicht stattfinden. Damit mutz aufgeräumt werden. Die Versammlung beschließt im Sinne des Magistratsantrages. Die Unterführung des Tunnels der Nordsüdbayn unter d-er Weidendammer Brücke war dergestalt ge- plant und auch von den Aufsichtsbehörden gebilligt worden, das; die Brücke selbst bestehen bleiben konnte. Der Bruch des Unter- grundbahntunnels an der Spreekreuzung hat die Auffassung bei diesen Behörden geändert, und es soll nunmehr auf ihr Verlangen während des Baues der Verkehr durch je eine Notbrücke tm Zuge der Albrechtstratze und unmittelbar neben der alten Brüne vermittelt werden; letztere wird völlig abgebrochen und später wieder aufgebaut. Die auf etwa 1 Million Mark berechneten Kosten werden nach Ansicht der städtischen Tiefbauverwaltung zum größten Teil durch die vereiufachte Bauausführung des Tunnels unter ver Spree wieder eingebracht werden. Die Versammlung erklärt sich mit der Vorlage einverstanden. Schluß �9 Uhr. �_ Hus der Partei. Aus den Organisationen. Der �achte sächsische Reichstagswahlkreis iP i r n a- Sch a n d a u- S e b n i tz) umfaßt 15 Städte und 203 Dörfer. In 146 Ortschaften hat der sozialdemokratische Kreisver- ein Mitglieder, während in 72 Orten, in denen bei Per Reichstags- wähl ebenfalls Stimmen für die Partei abgegeben wurden, noch keine Mitglieder vorhanden sind. Die Fluktuation ist im Vereine ungemein stark, weil sich das Dresdener Industriegebiet weit in den Kreis erstreckt. Trotzdem hat sich die Zahl der Mitglieder von 5398 auf 5883, also um 485 erhöht, darunter die der weiblichen Mitglieder von 485 auf 537. Die Einnahmen und Ausgaben bilan- zieren bei einem Kasscnbestcmde von 807 M. mit 20 518 M. Den Hauptwert in der Agitation legte der Verein auf die Wissenschaft- lichc Durchbildung größerer Kreise der Arbeiterschaft mit den Theorien des Sozialismus. Dies trmrbe zu erreichen gesucht durch zwei sechs Vorträge umfassende Wanderkurse des Abgeordneten des Kreises. Genossen Rühle, an denen 191 Genossen teilnahmen. In 58 Volksversammlungen wurde zu allen bedeutenderen politischen Tagesfragen Stellung genommen, außerdem wurden in den l6 Gruppen des Vereins 199 Versammlungen abgehalten. Flug- blätter wurden 136 500, Broschüren 3300 und Agitationskalender 20 000 verbreitet. In 79 Gemeinde- und 5 Stadtparlamenten sitzen 171 Vertreter der Partei. 152 Mitglieder wurden zur Erwerbung der Staatsangehörigkeit veranlaßt. Trotz der vielen zu über- windenden Schwierigkeiten hat die Jugendbewegung, für die in den einzelnen Bezirken besondere Ausschüsse eingerichtet wurden, gute Fortschritte gemacht. Ueberall ist eine Zunahme der Leser der„Arbeiter-Jugend", deren Zahl zirka 500 beträgt, zu verzeichnen. Aus dem Gebiete des Kinderschutzes hat der Verein wesentliches geleistet- Für alle Bezirke wurden besondere Kommissionen ge- bildet, die bestrebt waren, der Jugend den gesetzlich gewährleisteten Schutz zu sichern. Ter Wahlkreis Rothenburg— Hoyerswerda hielt in Weitzwasser feine Generalversammlung ab. Aus dem für neun Monate gegebenen Geschäftsbericht gehl hervor, daß unsere Bewegung in diesem in der Hauptsache ländlichen Kreise langsame, aber stete Fortschritte gemacht hat. Der Hauptort des Kreises ist das Dorf Weitzwasser, der Hauptort der deutschen Glasindustrieunter der Firma Arbeiter gerade | t- 1[| c-i../ Vv-J. iV' t-l i L> 1, 1- ut-l. Ul LLl I Ll li. Durch das Zusammenlegen sämtlicher Glashütten .Vereinigte Lausitzer Glaswerke." wird auf die bort ein ungeheurer Druck ausgeübt, um sie in die gelbe Zwangs. .bewegung" hineinzubringen und von der Partei fernzuhalten. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl im ganzen Kreise in dem Zeit- räum von neun Monaten von 1036 auf 1182. Der Abonnentenstand der Partelpresse stieg von 2S43 auf 2SS2. Gcwertschaftlich organi- stert find im Kreise 3642. Es sind 13 Ortsgruppen vorhanden. Die Elnnahme betrug 2663 M. Die Zahl der Gemeindevertretcr ist auf 46 gestiegen. Im vorigen Jahre ist zum ersten Male der Zehnpfennigwochenbeitrag eingeführt worden, womit gute Er- fahrungen gemacht worden sind. Zum ersten Male wurde in den Kreisvorstand eine Genossin gewählt. Die Parteitagsdelegaiur wurde dem Bezirkssetretär Eberlc-Görlitz übertragen. Dem Bericht des Zentralvorstandes deS sozialdemolra- tischen Wahlvcrcins für den 17. hannoverschen W a h l k r e i s ciünehmen wir, daß eine lebhafte Agitation ent- faltet worden ist. Am 7. Juli 1912 fand der erste von der Polizei genehmigte Festzug zum Parteifest statt. Der Zug wies 5600 Teil- «ehmer auf.— Bei der Landagitation wurden 22 060 Landboten, 8000 PolkSkalender und 6000 Polksblättcr verbreitet. Gemeinde- Vertreter in Landorten haben wir 13. in Harburg und Wilhelms- bürg, dank der herrlichen hannoverschen Städte- und Landgemeinde- Ordnung keinen! Ortsvereine im Wahlkreise gibt es 10. neuge- gründet wurden 3. Die Mitgliederzahl nähert sich dem achten Tausend. Die Kassenverhältnisse sind sehr gut. Das Harburger ..Volksblatt" steht, trotz der hohen Ausgaben für Neubau, Neuein- richtung, Vermehrung des Personals auf gesunder finanzieller Grundlage. Die Abonnentenzahl ist 12000. An Strafen und Gerichtskosten wurden im verflossenen Jahr 1143 M. bezahlt. Die am Sonntag in Harburg stattgcfundene Kreisgencralversammlung gab ihrer Zufriedenheit über die Geschäftsführung Ausdruck. Be- schlössen wurde, den Parteitag mit drei Delegierten zu beschicken. Angenommen wurde folgender Antrag: »Die heutige Generalversammlung beschließt, den Partei- vorstand zu ersuchen, auf die Tagesordnung des diesjährigen Parteitages die Agrarfrage zu setzen. Es soll eine Studienkom- Mission eingesetzt werden, die sich mit dieser Frage zu beschäftigen hat. Die Ergebnisse sind dem nächsten Parteitage zu unter- breiten." Der Sozial de mokratischc Verein für Schwarz- �urg-Rudolstadt hielt am 25. Mai seine diesjährige General- Versammlung ab. Das Ländchen hatte bei der letzten Volkszählung 100 683 Einwohner in 7 Städten, 153 Dörfern und 14 Gutsbezirken. Tie Zahl der eingetragenen RcichstagSwähler betrug bei der letzten Wahl 22 026. Abgegeben wurden ISSN Stimmen, wovon Genosse Hofmann-Saalfeld 10 164 und der bürgerliche Kandidat 9264 er- hielt. Der Verein zählte am 31. März 46 Ortsgruppen mit 2226 männlichen und 520 weiblichen Mitgliedern, die in 69 Orten wohnen, ein Mehr gegen das letzte Jahr von 415. In 6 Städten gibt es 14 sozialdemokratische Stadtverordnete und in 24 Gemeinden 50 Ge- meinderatsmitglieder. Der Bericht über die Tätigkeit des Land- tagcs befriedigte die Generalversammlung nicht völlig, immerhin wurde von allen Seiten anerkannt, daß unter den gegebenen Ver- Hältnissen nicht mehr für die werktätige Bevölkerung herausgeholt werden konnte. Die Presse hat sich in letzter Zeit recht günstig ent- wickelt, so daß an eine Erweiterung des Umsangcs herangetreten werden konnte. Der Abonnentenjtand beträgt im Fürstentum 2410 in 50 Filialen. Im ReichStagSivahlkreiS Schwarzbnrg-Sonders- Hausen hat sich die Mitgliederzahl unserer Parteiorganisation um 148 vermehrt, sie beträgt jetzt 1596(116 weibliche Mitglieder). Am Sonntag wurde in Arnstadt eine Kreisgencralversammlung abgehalten. Aus dem Bericht des Kreisvorstandes ist noch zu ent- nehmen, daß die Partei im Landtag durch einen Abgeordneten, in 4 Städten durch 18 und in 12 Landgemeinden durch 24 kommunale Abgeordnete vertreten ist.— Anschließend an den Bericht über die Tätigkeit des Genossen Bärwinkel im Landtage wurde eine Resolution angenommen, in der dem einzigen sozialdemokratischen Vertreter der Dank ausgesprochen und gleichzeitig dagegen protestiert wird, daß seine Tätigkeit von gegnerischer Seite als gegen die..Würde des Hauses" verstoßend bezeichnet wurde.— Für die seit Neujahr erscheinende„Volkszeitung" lKopfblatt der Er- furter„Tribüne", wurde durch einstimmigen Beschluß der AbonnementSpreis pro Monat von 60 auf 70 Pf. erhöht. Kreis- »orort bleibt Arnstadt. polbiedlestts, Cmchtitcfcea ulw, Pressprozefi. Wegen angeblicher Beleidigung deS Stadtrots in Eisenburg lSachsen-Altenburg), begangen durch eine Notiz in der„Ältenburger Volkszeitung", wurde Genosse Dilreiter, der Verantwortliche unseres Ältenburger Parteiblattes, zu einer Geldstrafe von 150 Mark verurteilt. In der unter Anklage gestellten Notiz war die Ausweisung einer unterstützungsbedürftigen alten Frau, die nach einem Orte in Schlesien zuständig war, besprochen und kritisiert worden.___ Hus Induftrie und Handel. Balkankrieg und Textilindustrie. Das blutige Ringen der Völker im Orient hat auch der Textil- lnoustrie recht schmerzende Wunden geschlagen. Nicht nur in Deutschland, sondern in allen entwickelten Industrieländern waren die Wirkungen des Krieges zu spüren. Einen geradezu katastropha- len Charakter, wie bisher noch nie, nahm die Krisis in Oesterreich und in der jungen Textilindustrie Rumäniens an. Gelbst das be- deutendste Land der Textilindustrie der Welt, Groß- britannien, spürte die Folgen der gestörten Warenzirkulation. Die britische Baumwollindustrie besitzt in den Balkanstaaten sehr gute Kunden. Der Bezirk Manchester liefert allein für 13% Millionen Pfund Sterling Textilwaren dorthin. Rumänien und die Türkei stehen unter den Garnkunden Englands an vierter Stelle; in der Getvebeausfuhr steht Rumänien und die Türkei an dritter Stelle. Beide Länder importieren mehr als zweimal soviel an Baumwollwaren aus England, als alle übrigen Staaten Europas zusammengenommen. Die Garnausfuhr aus England nach der Türkei. Rumänien und Bulgarien ging iin letzten Quartal 1912 auf 4,6 Millionen Pfund zurück, im gleichen Zeitraum des Vor. jahreS betrug diese 7,9 Millionen Pfund. Die Ausfuhr von Ge- weben sank von 120 auf 80 Millionen Pfund. In Deutschland machen sich ähnliche Wirkungen je länger je mehr bemerkbar. Sosort nach Beginn des Krieges zeigten sich erhebliche Erschütterungen. Eine Anzahl Betriebe der DekleidungS- brauche und kleinere Branchen hatten allerdings durch die dringen- den und erhöhten Anforderungen der kämpfenden Armeen einen intensiven Beschäftigungsgrad zu verzeichnen. In allen übrigen Zweigen aber gab es Unsicherheit und Zeichen beginnender Krise. Das Moratorium(gesetzlich verordneter Zahlungsaufschub) Ser- biens, Griechenlands und Bulgariens, die fast vollständige Ein- stellung der Bankeniätigkeit. die plötzliche Einstellung des TranS- Ports der Warenkollis durch die Postverwaltung, die Sistierung der Güteraufnahmen durch die Eisenbahnverwaltungen, die zahl- reichen Bankrotte alter und großer Handelshäuser, ganz besonders in Rumänien und Oesterreich— 90 Proz. aller rumänischen Grossisten kamen nach österreichischen Feststellungen in Zahlung»- schwierigkeiten— die fortgesetzt drohende Gefahr weiterer politischer Verwickelungen und die Unsicherheit, ob die ausstehenden Forde- rungen jemals realisiert werden können und ivann dieses der Fall sein wird, alles das störte die nach langer Stagnation im Ausstieg begriffene Konjunktur der deutschen Textilindustrie und brachte d-deutende Verluste. Große Firmen, wie die Wollenwcberei A. Münch in Gera, kamen in Zahlungsschwierigkeiten. ES wurde gemeldet, daß die Firma mit 850 000 M. in den Balkanstaaten engagiert sei. Nach einer Meldung der„Frankfurter Zeitung" sind die Mitglieder des„Verbandes sächsisch-thüringischer Webereien" mit 3 Millionen Mark am Balkan interessiert. Nicht unerheblicher Schaden entstand auch dadurch, daß bei Beginn des Krieges alle unterwegs befindlichen Waren einfach ausgeladen wurden, lange Zeit ungeschützt den Unbilden der Witterung ausgesetzt waren und viele Monate auf Ablieferung warten oder den Rückweg antreten mußten. Die Ausfuhr von Textilwaren nach dem Balkan ging bei Be- ginn des Krieges sofort zurück. Das vierte Ouartal 1912 zeigt er- hebliche Ausfälle. Das bedeutete verminderte Beschäftigung. Der Rückgang hat bis beute angehalten. An einigen Positionen unserer AuSfuhrftatiftik sei das nachgewiesen. Die Ausfuhr seidener Posamentierwaren nach Bulgarien. Griechenland, Serbien und der Türkei sank im ersten Quartal 1913 gegen erstes Quartal 1312 von 163 auf 39 Doppelzentner. Die Ausfuhr von Plüschen sank in den vier genannten Staaten von III Doppelzentner auf 30 Doppel- zcntner, die Ausfuhr wollener Kleiderstoffe von 5686 aus 1678 Doppelzentner, die Aussuhr baumwollener Stoffe von 6175 auf 2357 Doppelzentner. Reben dem Rückgang der Ausfuhr nach den kriegführenden Staaten steht eine durch den Krieg verursachte Senkung der Ziffern unseres Textilwarenexports nach Rumänien und Oeftcrreich-Ungarn. Neben diesen direkten Ausfällen geht eine indirekte B e e i n- trächtigung des Beschäftigungsgrades der deutschen Textilindustrie einher. Wie bereits bemerkt, wurde die vom Krieg verursachte Verschlechterung des Geschäfts für die österreichische Textilindustrie zur Katastrophe. Der infolge der MilitärtranSporte hervorgerufene Wagenmangel auf den Eisenbahnen verschärfte die Stockung des Warenabsatzes. Die Erzeugung wurde eingeschränkt, Arbeiter wurden zu Tausenden entlassen. Trotz alledem aber häuften sich die Warenlager. Vom Juli bis einschließlich Dezember 1911 haben die österreichischen Baumwollwebereien 2,3 Millionen Stück Ware verkauft, in der gleichen Zeit des Jahres 1912 mir 0,6 Millionen Stück. Momentan wird die Situation verschärft durch den am 10. April dieses Jahres von den serbischen Handels- kammern über österreichische Waren verhängten Bohkott. Durch den unterbundenen Absatz der Baumwollwebereien wurden die Baumwollspinnereien in Mitleidenschaft gezogen. Vom Garnverlaus konnte keine Rede mehr sein. Die Unternehmer bestürmten die Regierung mit Eingaben um Abhilfe. Schließlich wurde eine große Erportaktion eingeleitet. Exportvergütungen wurden gewährt. Das führte zu einem forcierten Garriabfluß nach den deutschen und holländischen Märkten. Selbst bis nach England sollen österreichische Garne gegangen sein. Auch die Baumwollwebereien traten mit den deutschen Unternehmungen auf vielen Plätzen in scharfe Konkurrenz. Tie Ausfuhrziffern beleuchten den geschilderten Vorgang. In den ersten drei Monaten 1913 wurden aus Oesterreich Baumwollgarne. bis zu Nr. 47 in Deutschland eingeführt 23 608 Doppelzentner gegen nur 1049 Doppelzentner im ersten Ouartal 1912. Nach Holland führte Oesterreich im Januar und Februar dieses Jahre» 5075 Doppelzentner aus gegen 46 Doppelzentner im ganzen Jahre 1912. Die scharfe Konkurrenz der österreichischen Spinner auf dem holländischen Markte führte zu einer Reduktion der deutschen Garnaussuhr nach den Niederlanden. Die Garn- ausfuhr Deutschlands nach den Niederlanden sank in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 4090 Doppelzentner. Die Folg« der forcierten Ausfuhr von Garnen nach Deutschland durch die österreichische Baumwollspinnerei ist der Schrei der deutschen Unternehmer nach vorübergehender Erhöhung der Zölle gegen Oesterreich. Einige deutsche Baumwollspinnervereinigungen haben entsprechende Wünsche geäußert. Eine Bindung der Zölle durch Handelsverträge ist nicht vorgesehen. Ter„Verband der deutschen Baumwollgarn-Berbrauchcr" ist dem Verlangen der Spinner in einer Eingabe an das Reichsamt des Innern entgegengetreten. MeS in ollem: die Schädigungen der deutschen Textilindustrie durch den Balkankrieg sind viel größer als anfänglich angenommen wurde. Wie furchtbar aber mögen erst die Wunden sein, die ein Krieg der großen Kulturnationen schlagen würde. Deshalb: Kampf gegen die Kriegs- und Rüstungspatriotenl Di« chinesische Revolution hat nicht nur die Siaarsverfassung verändert, sondern auch in außerordentlich starkem Maße die Lebens- aewohnheiten der Chinesen. Symptomatisch ist dafür die radikale Beseitigung des Zopfes. Aber auch die Kleidung ist zum Teil „reformiert", d. h. europäisiert worden. Findige Händler, besonders Japaner, haben sich das zu Nutzen gemacht und europäische Kleidungsstücks fertig eingeführt. So wird jetzt aus Hankau be- richtet, daß dort eingeführt wurden Wert 1912 1911 Hüte.... 254 829 16 302 M. Anzüge... 176 648 21 043„ Schuh«... 74103 8776. Handschuhe.. 65 121 9 678„ Ein Rückschlag ist allerdings schon eingetreten. ES hat sich ge- zeigt, daß die Chinesenkleidung für die Bevölkerung bequemer, billiger und praktischer ist, und ein großer Teil der jungen modernen Chinesen kehrte deshalb zur alten Tracht zurück. Die Folge war, daß die auf Spekulation eingeführten Kleider zum Teil mit Verlust abgestoßen werden mußten. Für das Landvolk und überhaupt für die Allgemeinheit der Bevölkerung wird in absehbarer Zeit� der europäische Anzug nicht in Frage kommen. Anders ist es mit Hüten. Das Zopfabschneiden im mittleren und südlichen China war allgemein und der Chinese bedarf jetzt einer Kopfbedeckung. Die Lag« des Eisenmarttcs ist noch immer stark abgeschwächt. DaS geht auch auS dem Bericht des Stahlwerksverbandes hervor: Der H a lb z e u g markt zeigt infolge der Ungewißheit der weiteren Gestaltung des internationalen Eisenmarttes auch im In- lande nicht mehr ganz die bisherige Stärke und Anspannung. Die Verbraucher halten unter dem Druck der auf dem Weltmarkt ge- fallen«» Preise zurück, und der Abruf ist weniger dringend als zeither. Das gleich« gilt vom Auslandsmärkte, wo seitens der belgi- sehen und der französischen Werke Preisreduktionen erfolgten. In Großbritannien besonders trägt die unnatürliche Lage des Warrant- Marktes sowie die llllöglichkeit eines Au'sstandes in der zurzeit sehr gut beschäftigten Schisfsbauindustrie zür Unsicherheit des Marktes bei und veranlaßt ein« abwartende Haltung der Verbraucher. Mit Rücksicht auf diese Umstände imirde der Verkauf im Jnlandc für das dritte Vierteljahr zwar zu den bisherigen Preisen, aber mit einer erhöhten Unterstützung der Ausfuhr der Halbzeug weiterver- arbeitenden reinen Werke freigegeben. In schwerem Oberbaumaterial liegt das Geschäft nach wie vor günstig, und der Anfang Mai vorliegende Auftragsbestand übertrifft den der Vergleichszeit deS Vorjahres um nahezu 400 000 Tonnen. Auch die Aussichten sür die nächste Zukunft können als günstig angeseben werden. In Gruben schienen war der Ab- ruf für die getätigten Abschlüsse befriedigend. Am Auslandsmärkte herrschte infolge d«S Rückganges auf dem belgischen Eisenmarkte ein scharfer Wettbewerb der belgischen Werte. In Rillen- s ch i e n e n ist die Lage im Inland« sowohl wie im Auslande nach wie vor sehr günstig. Die Lieferwerke können sür diescs Jahr kaum noch etwas übernehmen und sind zum Teil bis zum Sommer des nächsten Jahres schon besetzt. In F o r m e i s e n hat sich das Früh. jabrsgeschäft infolge der ungünstigen Lage des, abgesehen vom hoben Geldstande, auch steuerlich überlasteten Baumarktes bis setzt in be- scheiden«« Grenzen bewegt. Der Spezifikationseingang ist noch de- sriedigend, und die eingehenden Neuaufträge werden fast ausnahms- los mit kurzen Fristen gegeben, beruhen also aus einem wirklich dringenden Bedarf, während für langfristige Abschlüsse weiter Zurücklmltung geübt wird. Eine wichtige Aenderung der Zolltarifvvrlage in Amerika wird zugunsten der einführenden Staaten vorgenommen werden. Die Vorlage sieht einen sünsvrozentigen Vorzugszoll für Waren vor, die auf amerikanischen Schiffen eingeführt werden. Der Staats. sekretär hat nun dieser Tage dem Vorsitzenden der Finanzkom- Mission des Senats erklärt, daß diese Bestimmung der Tarisvorlage unzweifelhaft eine Verlegung von Pertragshflichten darstellt. Die Sonderkommission des Senats wird daher beantragen, diesen Para- graphen zu st r e i ch e n. Der Routenkampf beendet. Zwischen der Canadischen Eisen. bahngesellschast und der Nordatlantischen Dampferkonvention war ein Routenkampf ausgebrochen, weil die Canada Gesellschaft wider den Willen der Konvention eine Linie Kanada— Trieft einrichtete. Jetzt scheint der Kampf beendet, denn ein Telegramm meldet auS Hamburg: Nachdem die Canada Pacific Eisenbahngesellschast ihren Zwischendecksfahrpreis nach Kanada von 90 aus 120 M. erhöht hat, sind die nordallantischen Dampfichifislinien diesem Vorgehen ge- folgt.— Die Auswanderer zahlen also die Kosten des Kampfes und Friedensschlusses. Soziales. Die Kruppsche Fabrik von einer anderen Seite. Ein Gegenstück zu den vielen Aufmerksamkeiten, welche die Firma Friedr. Krupp den in den Werken mit der Abnahme von Kriegsmaterial usw. beschäftigten Offizieren und Beamten erweist, denen sie nicht nur eine opulent« Verpflegung mit Wein, sondern auch Dienstmädchen, Toilettenseife, Servietten, Putzmittel, Puder usw. zu einem lächerlichen Preise besorgen läßt, stehen die zahl- reichen, zum Teil harten Geldstrafen, mit denen die Arbeiter schon bei der kleinsten Unpünkfichkeit und bei dem geringsten Verstoß gegen die Anordnungen bedacht werden. Schon in der am Krupp- schen JubiläumStage, dem 7. August 1912 in der Essener„Arberter- zeitung" mitgeteilten Strafliste wurde auf diese zum Teil horten Strafabzügc hingewiesen. Die Firma Hai für diese Geldstrafen schon vor ziemlich 50 Jahren eine mehrfach abgestufte Strastare ausarbeiten lassen, die zum Teil erhöht, auch heute noch besteht. Wie vielfach sie angewendet wird, kann man auch an einer andern, zum Andenken aufbewahrten, für die Arbeiter des Bandagenwalz- Werkes vom 5. bis zum 28. Februar 1868 erlassenen Straflrft« er- sehen. Diese Liste lautet: Art de» Vergehens Betrug Unehrlichkeit..... Rachlässigkeit in der Arbeit do. do. do. do. Fehlerhafte Arbeit... Schlafen in der Arbeitszeit do. Streik....... Ungehorsam Bummeln........ Unerlaubtes Ausbleiben... do».„„ do.»». do.„»» do.••• do... Schnapsholen....... Unterlassenes Abgeben d. Rummer oder Richtabmelden in der Menage........ Nummer nicht abgenommen.. Nummer nicht abgegeben oder hängen gelassen..... do. Zu spät gekommen..... do...... do...... do...... do...... Trunkenheit........ Unerlaubtes Verkaufen von Brotmarkeu....... Zahl der bestraften Arbeiter 1 1 1 1 15 3 7 1 ö 1 2 2 5 1 1 8 14 1 9 4 1 11 3 1 8 36 114 189 1 2 1 Höhe der Strafe Taler I Sgr.! Pf. 15 6 15 10— 7 6 6— 15 10 15 5 15— 10|— 7 I 6 16.- 10— 7 1 6 6.— 1 A 10 5 2 15 10 7 5 2 18 6 6,— per Friedrich Krupp H..... Man ersteht aus dieser Liste, daß in 24 Tagen, einschließlich 3 Sonntagen, auf der Betriebsabteilung»imdageuwalzwerft einer einzigen, aber noch lange nicht der größten Betriebsabteilung, allem 432 Strafen in Höhe von 2% Silbergroschen bis 1 Taler und im Gesamtbetrage von rund 217 M. erkannt wurde, davon allein 333— 77,08 Prozent, also über drei Viertel wegen Zuspätlommcn. Wer nicht zur Minute da war, wurde eben notiert. Herr Alfted Krupp Pflegte zu sagen:„Die Straf« soll den Bestraften ihre Fehler abgewöhnen." Ob er mit diesen Strafen seinen Arbeitern„ihre Fehler abgewöhnt" hat. wissen wir nickt; aber er selbst ist mit ihnen der reichste Mann in Deutschland geworden. Wie viele Ar» beiter dadurch zu früh in'« Grab gehetzt worden sind, wird freilich nie festgestellt werden können. Lieber ins Gefängnis-IS in die preußische Fürsorgeerziehung. Wie schlimm es um die preußische Fürsorgeerziehung destellt ist, zeigt wieder einmal deutlich folgender Fall: Aus der oft» preußischen Erziehungsanstalt Eichhos war kürzlich der Fürsorge. zögling Albert Kirschning auS Tilsit entlausen. Er wurde schließe lich von der Polizei gefaßt und machte, da» Geständnis, er hätte m-t einem Kollegen zusammen eine Anzahl schwerer Einbruchsdiebstähle verübt. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, doch die ergab, daß der Fürsorgezögling sich falsch beschuldigt hatte, und zwar nur deshalb, damit er statt in die Erziehungsanstalt in das Gefängnis komme. Er sollte aus der Untersuchungshaft nach der Erziehung»- anftalt gebracht werden. Um aber den Transport nach dort unter allen Umständen zu verhindern, überfiel er den Beamten, der ivn abholen wollte, in der Zelle und schlug ihm mit der Ofentür derart über den Kopf, daß der Mann besinnungslos zusammenbrach.? er Fürsorgezögling wurde darauf gefesselt, worauf sein Weiter- tranSport erfolgte. Die preußische Fürsorgeerziehung züchtet also Verbrecher, anstatt die jungen Leute zu ordentlichen Menschen zu machen. Kinderarbeit. Die Rittergutsverwaltung in Wandersleben l Gothaische Do. man« aus preußischem Gebiet) beschäftigt jetzt jeden Tag ungefähr 50 Schulkinder aus dem Dorfe beim Rübenziehen auf dem Felde. Die Kinderchen. eS sind fast alle Jahresklassen beteiligt, erhalten für den Nachmittag je 10 und 15 Pfennige'LlrbeitSlohn? Sie müssen immer fleißig arbeiten und in der bekannten gebückten Haltung auf den Dämmen entlang: sie sind stets unter Aufi'icht des Inspektors. damit für den horrenden Lohnsatz auch„genügend" Arbeit geleistet wird. Abends find die Kleinen natürlich vollständig kaputt und nicht mehr imstande, ihre Schulaxbriten zu machen. Todes-Anzeigen Sozialdemokratiseber Wabivereln Li ißerlJeichstagstfaltreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Restaurateur Qustnv Henning- Alexandrinenstr. 44 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 31. Mai, nach« mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Luisenstädtischen Äirchhoscs in Neukölln, Hermann- strage 186/130, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 20S/14 Ter Lorstand. Watil?erEin |i.i5.Berl.RBielistagswaliIlff£is. Den Mitgliedern zur Nachricht, |baB unser Genosse, der Gastwirt >Vi!Kelm KöWer Lothringer istr. 67 (IV. Zlbteilung) verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Mai, nach- mittags 5 Uhr, aus dem' Kirchhose der Sophien-Gemeindc, Freien- walder Straße, statt. 222/4 De? Vorstand. OeBtsEher ßoIzarheiler-Verbani Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler I�uäolf l(udn (Schöneberg, Belziger Str. 21) im Alter von 51 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Mai, nach- mittags ZJJhr, von der Halle des zweiten Schöneberger Gemeinde- FriedhoscS, Blanke Hölle, aus statt. Den Mtgliedern scrner zur Nachricht, dag unser Mttglied >ViIde!m Köhler Lothringer Str. 67, im Alter von 58 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Lophien-Kirchhoses in der Freien- ivalder Straße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/17 vi« Ortsverwaltung. SozialiieDiQkratiscberWaiiiYereiii i. i 6. Herl. Heiebslasswahlkreis Am 28. Mai verstarb unser Ge- nasse, der Form« Walter UippKe. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Tonnabend, nachmittags 4'/« Uhr, von der«alle des Philippus- Apostel-Kirchhoses aus auf dem städtischen Friedhos in der Müller- straße, Eike Seestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. VeEbani! i Brauerei- BJühlen- arbEitenLYepw.BePDisgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fahrer l�icharcl kalk (Brauerei PatzenHofer XO) am 22. Mai im Alter von 29 Jahren plötzlich gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sand am 26. Mai aus dem AufcrstehungS-Kirchhose in Weißenlee statt. 43/14 Tie Ortsverwaltung. SoziaidefflofratiseherWablyereiii Neukölln. Am Montag, den 26. Mai, ver« starb unsere Parteigenosfin Emma Pestel Reuterstr. 53(2c Bezirk). Ehre ihrem Andenke«: Die Beerdigung sand gestern Donnerstag, den 29. Mai. in Luckenwalde statt. 237/7 Her Vorstand. SoziaMefflokra'i»eberWab]yereiii Britz-Buckow. Nachruf. Am Montag, den 26 Mai, ver- starb nach schwerem Leiden unser Mitglied Paul Sckrotter im 31. Lebensjahre. Ehr« seinem Andenken: 202/1 Ter Vorstand. Am Sonntag, den 25. Mai 1313, verschied infolge eines Herzschlages beim Baden unser Kollege Walter Kurze Kiesholzstr. 18a. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung, sür die um zahlreiche Beteiligung ersucht wird, findet heute Freitag, den 30. d. M., nachmittags'/,3 Uhr. nur dem Treptower Gemeindefriedhof statt. Jugendliche, die derselben bei- wohnen wollen, trefien sich mittags um 1 Uhr am Lausitzer Platz. Bio erdeitenlle Jugend Berlins. Deutseber MetallarbeitEr-Yerhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner- lehrlmg Wslie?' Kurze an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Freitag, den 30. Mai, nach- mittags 2'/z Uhr. von der Leichen- halle des Gemeinde-Friedhoses in Treptow. Kiefholzstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/20 Die Ortsverwaltung. Yerbantl der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle GroS-Berlln. Am Montag, den 26. Mai, verstarb unser Mitglied (Zottlieb(Hier. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung l findet am Freitag, den 30. Mai, nach- mittags 4'/, Uhr. von der«alle des Georgen-Kirchhoses, Weißen- see, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 56/17 Die Ortsverwaltung. Zentral-Yerband der Töpfer u. Beruissenossen Deutscblands. Filiale GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege TVaugott Buder (Bezirk Charlottenbura) am 27. Mai im Alter von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigmig findet beute Frettag. den 30. Mai, nachmittags 21/« Uhr, aus dem Tud-West- Kirchhos in Ttahnsdors statt. Um rege Beteiligung ersucht 132/11 vor Vorstand. Beutseber Bauarbeitercerband. JEwelgrereln Berlin. Am 29. Mai starb unser Mit- glied, der Maurer Rudolf Netzband (Bezirk Norden II). Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 2. Juni, nachmittags 4'/, Uhr. von der Hall« des städti- schen FriedhoseS in Buch aus statt. 143/2 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege (Zustav Henning Alexandrincnstraße 44, Bezirk 6, verstorben ist. Ehre seine« Andenke«: Die Beerdigung findet statt am Sonnabend, den 31. Mai, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Luisenstädlischen Kirchhoses. Neukölln, Hermann� straße aus. Um rege Beteiligung ersucht 73/3 Tie Ortsverwaltung. Am Mittwoch, den 28. d. Mts. verschied nach kurzem schweren Leiden meine mnig. und treu- gelieble Frau 1033b /VZsrtfia Wegener im 52. Lebensjahr«. Dies zeigen betrübt an Adolf Wegener, Charlotte Wegener. Di« Beerdigung findet am Sonn- abend. 31. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes(Nordend) aus statt. Am 28. Mai verstarb nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau und Mutter �arie patiLck geb. Schröder. Um stille Teilnahme bttten Albert Rausch und Sohn. Beerdigung: Sonnabendnach- mittag 6 Uhr von der Halle des Gememde-Friedhoss, Weißensee, Rölckestraße, auS. 102Zb Aßn Sonntag, den 1. Juni 1913 findet per Urabstimmung die Wahl des Borstandes und der Kommissionen Eichberg, Naunynstr. 6'/. Wählisch, Skaliyer Str. 22. Daus, Lausitzer Str. 46. Dietrich, Reichenberger Str. 91. Schulze, Forster Str. 17. Kram, Liegnitzer Str. 18. Lier, Naunynstr. 9. Grundmann, Piicklerstr. 29. Engel, Oppelner Str. 47. in folgenden Lokalen, statt: Mix, Skalitzer Str. 59 c. Schötzick, Wrangelstr. 58. Otto, Markusstr. 47. Boeker, Weberstr. 17. Teter, Palisadenstr. 52. Kluge, Langestr. 53. Grunwald, Memeler Str. 67. Beutliug» Rochowstr. 12. Schulz, Schreinerstr. 18. Sohle, Liebigstr. 17. utschke, Weidenweg 65. Meier, Petersbotger Str. 79. Jäger, �Tilsiter Str. 41. Rott, Stratzmannstr. 29. Wrubbel, Heidenfeldstr. 29. Zw arg, Friedeberger Str. 1. Wiegel, Elbinger Str. 8. Wahlberechtigt ist nur das Mitglied, welches seine Beiträge bis Februar dieses Jahres entrichtet hat. Die Wahl beginnt um 8 Uhr früh und endet mittags 12 Uhr. 214/6* Das Zentral-Wahlbureau ist bei P. Hoffmann, Königsberger Straße 28. Ter Vorstand. SozialdemokratiklKr Aahlverein für 12.Berl.Eekl)$ta(|$wat)lbrei$ Sonntag, den 1. Juni 1913, vormittags von 9 Uhr ab: Urwahl des Vorstandes und der Kommiffionsmitglieder für Groß-Berlin in folgenden Lokalen: Rickert, Steimnetzstr. 36. Orlowski, Lützowstr. 108. Witwe Augustin, Oranienstr. 103. Schröter, Markgrafenstr. 102. Kcufner, Möckernstr. 83. Borgfeld, Nosttzstraße 23. Nowad, Gitschiner Straße 66. Sliebke, Planuser 75. Neurath, Mülleuhofsstr. 11. Arndt, Lachmannstr. 5. Zentrale: Thomse«, Gneisenaustr. 30. SV Wahlberechtigt ist jedes Mitglied, das den Beitrag für Februar 1913 bezahlt hat. Das Wahlrecht kann in irgendeinem der vorgenannten Lokale ausgeübt werden. Die Wahl beginnt um g Uhr vormittags und wird um IL Uhr mittags geschlossen. 206/l*»er Vorstand. Verwaltungsstelle Kerlm. N 54, Fimenstr. 83—85. Vertvaltuna: Telephon: Amt Norden 1387. Kassierer: Ami Norden 135. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1233, 9714. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines geliebten Mannes Karl Pietack sage hiermit allen Verwandterl, Freunden und Bekannten meinen herzlichen Dank. 1632b Tie trauernden Hinterbliebenen Ww. Th. Pietack. Sonntae, den 1. Jnnl, vorm. 10 Uhr, t im Saale des Voigt-Theater», Badstraße 58: Branchen- Versammlung aller Wickelet- und Jsolations- Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheitcn und Verschiedenes. iUs Ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, in dieser VerHammlnng pünktlich zu erscheinen. 119/1 Die Ortsverwaltung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines liebenÄalcrS, unseres gutenSchwieger- und Großvaters 28a Karl Buiry sagen allen Beteiligten unseren herz« lichsten Dank. Tie Hinterbliebene». Tanksaguna. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Otto voege sage ich allen Teilnehmern, insbesondere dem Gesangverein.Liedertaset-, Oberschöneweide, meinen aufrichtigsten Dank. 1021b Witwe Anna Doege. Danksagung. Für die vielen Beweise berzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Vaters, Bruders, Schwagers, Schwiegersohnes und Onkels, deS Brauers Hans VurseN sagen wir allen Freunden, Bekannten. Mitarbeitern, dem Brauerei- und Mühlenarbesterverband, dem vierten Wahlkreis, Bezirk 355, dem Spar- verem„Weibnachtsfreudc-, Herrn Waldeck Manasse, dem Gesangverein .Morgengrauen-, sowie allen Be- teiligten den besten Dank, 1024b .Johanna Dorsch nebst Sohn 5. Kandtagswahlvezirll Heute Freitag, den 30. Mai, abends 8Vs Uhr, in„Graumanns Festsälen", Naunynstraffe 27: ParteimitgliederUersammlung. Tagesordnung: Bericht des Wahlkomitees. --------------------- Mitgliedsbuch legitimiert! 136/15 Zahlreichen Besuch erwartet Das Wahlkomitee. I, A,: I. Wer!, Reichenberger Str. 1«S. JUNO D.. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gastwirts iHax Schade sprechen wir allen Teilnehmenden, insbesondere Herrn Waldeck Manasse für die trostreichen Worte am Sarg« de» Entschlafenen, ferner dem Vor stand de! 6. Bcrl Reichst.-Wahlkr,, den Funktionären der 17, Abt, den Genossen des Bezirks 798a. den Frauen des LescabendS. den Mit- gliedern des Arb.-Schwnnmvcreins Nord, den Sparbrüdern deS Spar- Vereins Nord, den Mitgliedern der 207» und 207d Armentommission und dem freien Gastwirtes erband unfern herzlichsten Dan! aus, Witwe Pranslska Schade und Tochter, Aösliner Str. 3. Weicheein mit Henkels Bleich-Soda. FaudgrvtMiicke der Straßenbahn, verkaust Verhältnisse halber ganz billig, Hciert, Lankwitz» Derßtiügerftr. 4» Äö/ö' Küflanlch. Badersport. Köpenick. Freunde des Rudersports. welche gewillt, einen Arbeiter- Ruderverein zu gründen, mögen sich am Sonn- abend, den 31. Mai, abends 8 Uhr, im Restaur. Gerichtslanbe, Köpenick, Kaiserin-Auguste-Viktoria-Str. 23, ein- finden. 2 Vierer vorhanden, Die Eiubernfer. Würzburger Hühneraugenmittel fort Das Hühnerauge selbst Hansextrakt) Dl% H> Unger in WÜrzbllfg. Berlin(20 Pf.): Salomon- Äpotheke, Charlottenstraße 54.— kiesst- AjwHidlw. Barnimstr. 33.— Wo nicht, zuhaben: Hoien-Apotheke, WUratwi, '■'-»> f�lux�vocke �okannistkal bleute 6-8 vkr und täglich bis I. Juni. Mark 3,—, I,—, 0,SV. >Vettbev�erbe: Tester Anlaut— KurTester Auslaut*— Dauer— Zum ersten Male gleichzeitiger Start auf Anlaufbahnen! S Verkauf nur Im Fabrikgebäude! MSie sparen Geld! Ubei Wenn Sie direkt in der I Möbelfabrik l |HJalteriä:WilliMaaß,S35| H kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebäude— eigene 9 Tischlerei und Polstere!.— ÄufWunsch Teilzahlung.® 35 m Permanente Musterzimmer-Ausstellung.■■ 35 H.& P. Uder. Uerlin SO. 16, � engel-Qfcr 5. Tabak-Oroßhandlang und Tabakfabrik. EV Ranch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten.'VS Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkauf er. 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In den Tod gelrieben Zwei Enuhlungea von Ernst preczang In der ersten Erzählung.Zantje Potters"— ifts ein Fischer. der fich mit seiner arbeitsamen Frau gegen eine völlige prole- tarisieruag und Verarmung wehrt, aber immer weiter hinob- gestoßen wird«ud schlietziich seinem zerschellten Boot ia die Tiefe folgt.— Die zweite Erzählung—.Zm Moor"— zeichnet den Kampf einer Wib alter Feind ihrer Fam!_ führte Tochter der Witwe zu heiraten. Die alte Frau wird eben- I.. � I- zeicha __cn einen Amtsvorsteher, der ein litte ist und seinen Sohn hindert, die Verfalls. nachdem sie höher als El wurden. Ral Meer geben den beiden em ste fich hart geri Lhre und pfiicht l atur- und Mensch, acht, in den Tod getrieben, weil die Stavdesrücksichten gewertet enschenschilderungen von Moor und Erzählungen ihr besonderes Kolorit. Den gesiineliestv ist derjenige, der nicht die stopfende Eigenschaft gewöhnlichen Kakaos besitzt, möglichst theobrominann ist und durch seine Znsammensetzung mehr als nur Kakaopnlver, nämlich auch direkte Blut- und Nervenelemente liefert, 2i. O- Nährsalz-Bananen-Kakao ist in diesem Sinne eine Spezialität meiner Firma und mit minderwertiger Marktware nicht zu vergleichen. Derselbe ist ein physiologisches I.ebensgetränk von besonderer Güte nach Nährwert. Bekömmlichkeit u. Geschmack, das Beste für Erwachsene, das Gesündeste für Kinder. '/.-Pf d.-Paket 5 O Pf„'/.-Pfd.-Paket 1.00 M, 5 Pakete 4.75 M., 10 Pakete 9.00 M. Zu haben In den Verkaufastellcn der 266/3 Konsumgenosseoschan Berlin u. Umgegend, in den Niederlagen der Kaffeerösterei„Mocca", in Apotheken, Drogerien und vom alleinigen Fabrikanten: D. MADER, Berlin S, Prinzenstr. 86. Verlangen Sie aber ausdrücklich Dr. Rud. We il's. Der Pariser Garken und Anderes VON ZNinna kauksty Die Erzählungen der längst«erstnrdenrn Autorin find in den ckrrllen de» Doste, stet, gern geirien worden. Der vorliegende Dan» wird daher breiten Schichten witstommen /ein. A Wer gm geM« Baoii 1 Matt Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, �7« 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12. MWlettettei! Wanderkarken HSIl siel» oorrüfig Buchhandlung Vorwärts Cinbcnsir. 69(Caben) 2. ZtrcuMch-Sliddcutfche (2�8. Königl. Prenfl.) Klasseniotterke 6, Klasse 17. ZiehilligStaz 2S, Mai 101Z Bonnittag Sluf jede gezogene Nummer find zwei gleich hob« vitewililie gefallen, und zwar je einer anf die iiole gleicher Nnmwer in den beiden Zldteilunge» I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammem beigefügt. 500) 91 7 0713 76 850 62 71664 73 805 60 901 7 2037 276 461 568 624 65 89 929 7 3101 66 94 350(500) 68 79 702 806 16 26 63 7 4005 10 34 97(3000) 149 616 775 97 928 7 6135 234 301 72 605(3000) 833 68(1000) 952 7 6020 280 328 77 471 99 693 761 «17 980 7 7 004 315 86(1000) 416 647 661 739 41 65 57 800(3000) 27 33 35 69 975 78074 113 21 435 72 79 674 699 731 7 9023 62 76 112(500) 189(600) 373(600) 474 606 82 609 68 936 80035 81 118(500) 85 295 303 33 455 65 89(3000) 81079 100 253/1000) 451 513(1000) bl 041 720 926 86 8 2016 248 (600) 337 508 722(1000) 76(1000) 86 955 68 8 3006 102 76 88 402 648 66 867 8 4147 207(1000) 98 304 71 435 814 955 83133 95 307 83 477 511 686 809 74 8 8029 76 190 294 303 M 438 68 69(500) 516 652 944 94 8 7640 64 745 82 845 91 98 936 88412 76 713 88008 161 488 544 gtOO) 606 82 87 703 664 99 9 0099(500) 166 220 668 683 763 91215 26(6000) 49 83 376 412 51 87 668 988 0 2093 268(600) 308 473 74 615 67 91 696 93079 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87 973 117020 564 774(3000) 808 982 118013 183 119039 211 89 427 66 606 78 685(600) 852 92 963 12 0073 146 317 23 470 676 717 838 56 83 1 21102 95 213 396 819 997(3000) 12 2080 120 81 795 885 950 1 2 3039 126 222 29 352 592 661 739 852(3000) 124133 89 333 730 903 12 5 078 160 246 97 318(500) 675 97 703 34 837 63 93(600) 96(1000) 12 6303 82 427 673 687 792 1 27145 463 80 601 741 950 89(1000) 12 8375 452 623 67 700 65(1000) 865 1 2 0023 66 205(3000) 62 340 44 65 796(1000) 984 13 0020 270 447 67 611 23 733 900 1 31306 27 87 467 842 998 132235 404 44 657 733 820 44 63 66(1000) 905 61 63 13805« 319 456 574 659(IOOO) 76 821 134066 285 340 416 19 78 500 22 27 64(600) 961 13 3 236 304 31(600) 456 581 926 30 136034 116 294 365 408 95 1 3 7 062 248 633 66 671 874 843 1 3 8214(500) 301 4 8 597 640 790 844 1 3 0001 76 86 150 263 59 445 502 705 44 837 14 0327(3000) 63 443 600 94 695 875 905 22 1 41070 281 380 624 66 682 790 946 1 4 2076 100 94 785(600) 863 95 14 3 054 76 91 180 213 322 60 80 65 432 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UrrnlUsch Sndd rutsche (228. Königt. JfvcitfJ.) Klajscnlottrrle 5. Klasse 17. ZiehungZtag 29. Mai 1913 Nachmittag 9(uf jede gezogene Nummer find zwei gleich Hobe tiZewiniie gefallen, und zwar jr einer auf die Los« gleicher Nummer i« den beide» ülbleiluugen I u. II. Nur dl« Gewinne über 24V M. sind in Klamoiem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku.«erwg: Vorwärt, Buchdruckerei u. Verlagkmstalt Paul Singer u. Co.. Berlin Nr.M. SO. Jahrgang. 3. Cfilnje des Jraiirts" Kcrlim MMM. 30. Pili 1913. Zur Nah! des Griten Bürgermelfters an Stelle des verstorbenen. Oberbürgermeisters Schustehrus waren die Charlottenburger Stadtverordneten zu Witt. woch zusammenberufen. Aber wider Erwarten wurde die Bohl noch nicht vollzogen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen bedarf es nämlich vorher eines Gemeindebeschlusses über das Gehalt. Während nun der Normalbesoldungsetat ein Gehalt von 19 500 bis 24 000 M. vorsieht, wozu noch für den Oberbürgermeister Schustehrus eine persönliche ruhegehaltsfähige Zulage von 3000 M. kam, war sich die Mehrheit des Ausschusses dahin schlüssig ge- worden, als Gehalt für den neu zu wählenden Ersten Bürger- meister sofort 24 000 Mark und ausserdem noch eine Re- Präsentationszulage von 3000 M. zu beantragen. Wie der Bericht- erstatter, Stadtverordneter Dr. Meyer(lib.), ausführte, hat sich der Ausschuss bei diesem Antrage lcdiglicb von sachlichen Er- wägungen leiten lassen, da festgestellt sei, dass andere gleich grosse Städte ähnliche oder höhere Gehälter zahlen. Demgegenüber stellte Gerwsse Hirsch fest, dass das Gehakt nur mit Rücksicht auf den Kandidaten der Mehrheit so bemessen werden solle. Der Aus- schuss habe bei der Umschau nach Kandidaten zunächst alle die- isnigen Oberbürgermeister von der Liste gestrichen, die heute be- reiis mehr als 24 000 M. beziehen. Erst nachdem der in Aussicht genommene Kandidat erklärt hatte, dass er 27 000 M. beanspruche, habe sich der Ausschuss zu diesem Schritt entschlossen. Gruirdsätz- Xich ständen die Sozialdemokraten auf dem Standpunkt, dass der Normalbesoldungsetat nicht durchbrochen werden dürfe. Allerdings sei der Etat in Anbetracht der Teuerungsverhältnisse revisions- bedürftig, aber man dürfe mit der Revision nicht bei dem am besten bezahlten Beamten, sondern bei den Unterbeamten und Arbeitern anfangen. Einen besonders unangenehmen Beigeschmack gewinne diese Durchbrechung des Normaletats dadurch, dass sie nicht aus sachlichen, sondern aus persönliche« Gründen erfolgen solle. Nachdem sich Stadtverordneter Dr. Stadthagen im Gegen- satz zur ersten Lesung, wo er sich gegen eine Durchbrechung des Besoldungsetats ausgesprochen hat, mit dem Antrag des Aus- schusses einverstanden erklärt hatte, bekämpfte Genosse Dr. Bor- chardt heftig die Repräsentationszulage. Er warf die Frage auf, welche repräsentativen Perpflichtungen ein Oberbürgermeister von. Charlottenburg eigentlich habe und verlangte Auskunft dar- über, ob die 24 000 M. als Anfangsgehalt oder als Endgehalt ge- dacht seien. Der frühere langjährige Stadtverordnetenvorsteher Kauf- mann, der infolge des Fraktionszwanges, den die liberale Frak- tion ihren Mitgliedern in der Frage der Oberbürgermeisterwahl auferlegt hatte, aus dieser Fraktion ausgeschieden ist, bestätigte vollinhaltlich unter lebhafter Bewegung der Versammlung die von unserem Genossen Hirsch gemachten Feststellungen. Trotzdem be- kam es der Berichterstatter Dr. Meyer fertig, in seinem Schlutz- wort seine Behauptung, dass die Gehaltsfrage nicht auf die Person zugeschnitten, sondern durch die teuren Zeitverhältnisse bedingt sei, aufrechtzuerhalten. Ja, er fügte sogar, als ihm durch Zwischenrufe zu verstehen gegeben wurde, dass seine Darstellung nicht richtig sei, hinzu, er beanspruche als Berichterstatter mehr Glauben als andere Mitglieder des Ausschusses. Dieser Miss- brauch mit dem Schlusswort führte zu einer erregten Geschäfts- ordnungsdebatte. Genosse Hirsch beantragte eine zweite Lesung. Die Mehrheit widersprach, man einigte sich aber schliesslich, um die Geschäftsordnungsdebatte nicht ins Unendliche zu ziehen, dahin, die eben geschlossene Debatte wieder aufzunehmen. Nun ergänzte Genosse Hirsch seine Ausführungen durch die Mitteilung, dass sogar noäi am Tage der letzten AuZschuhsitzung ein Mitglied der liberalen Fraktion— es war das der Berichterstatter Dr. Meyer— telephonisch den Kandidaten angefragt habe, ob er statt mit einem Gehalt von 27 000 M. auch mit einem solchen von 24 000 M. und einer Zulage von 3000�M. zufrieden sei, und dass der Kandidat sich in zustimmendem Sinne geäussert habe. Diese'Tatsache steht unanfechtbar fest und konnte von keiner Seite bestritten werden. Das Ergebnis der Abstimmung ivar die Annahme des An- träges des Ausschusses. Stach der Städteordnung nuisste nun der Magistrat zu dem Beschlutz der Versammlung Stellung nehmen. Er zog sich auch sofort zu einer Sitzung zurück, trat aber zum all- gemeinen Erstaunen dem Beschlüsse nicht bei. Der Magistrat er- klärte sich mit einem Stellengebalt von 27 000 M. für den Ersten Bürgermeister einverstanden, lehnte aber die Gewährung von Re- Präsentationsgeldern mit der Begründung ab, dass die Gewährung von besonderen Repräsentationsgeldern in anderen Städten keinen Borgang habe, auch deni Stelleninhaber etatsmässig in Ansehung bestimmter Summen Pflichten zuweise, deren. Auferlegung der Magistrat nicht für zweckmässig erachte. "Somit war ein Gemeindebeschlutz nicht zustande gekommen; auf Antrag des Genossen Hirsch, dem sich Stadtverordneter Otto namens der Liberalen anschloß, wurde die ganze Vorlage an den Ausschuss zurückverwiesen. Die Wahl selbst konnte unter diesen Umständen noch nicht erfolgen. Von den sonstigen Vorlagen, mit denen sich die Versammlung zu beschäftigen hatte, erwähnen wir die über die z i n s b r i n« gende Anlage städtischer Gelder. Hiernach soll die Kassen- und Finanzdeputation ermächtigt werden, verfügbare städtische Gelder an öffentliche Körperschaften und deutsche Gross- danken, au letztere jedoch in der Regel nur gegen Sicherheit, bis zur Tauer von sechs Monaten zu begeben. Die Borlage wurde nach kurzer Debatte einem besonderen Ausschuß überwiesen. An- genommen wurde die Magistratsvorlage betreffend Bewilligung von 15 000 M. zur Straßenausschmückung zum Regierungsjubiläum des Kaisers. Die sozialdemokratischen Redner Lehmann und Z i e t s ch bekämpften die Vorlage und gaben die Anregung, die Gelder lieber für soziale Zwecke zu verwenden. Nach Erledigung einer Reihe weiterer Vorlagen bewilligte die Versammlung entsprechend einer Vorlage des Magistrats für die .Hinterbliebenen der vier verunglückten Kanalisations- arbeiter Witwengeld und Waisengeld nach den bestehenden Grundsätzen. Außerdem sind den Hinterbliebenen je 200 M. Zu- schütz zu den Kosten der Beerdigung aus dem Dispositionsfonds gezahlt worden. Den Schluß der Versammlung bildete die Besprechung einer Reihe von Interpellationen, darunter eine vom Genossen Will begründete Anfrage, ob die Absicht besteht, die Bauflucht- linien der Strasse 46 abzuändern, wodurch die dringend notwendige Regulierung dieser istrasse verzögert würde. Wie Stadtrat Sembritzki erwiderte, besteht die Aussicht, daß trotz der allerdings beschlossenen Aenderung der Baufluchtlinie die Ar» b-iten noch in dieser Bausaison ausgeführt werden können. Hoffent- lich gehen die Erwartungen des Magistratsvertreters in Erfüllung, damit endlich einmal die jeder Beschreibung spottenden Zustände am Nonncndamm beseitigt werden. Partei- EtogelegenKeiten» Zur Lokalliste. In Lilylcnrave jT.»B.) findet am Sonntag, den 1. Juni, im Lokal Sommers Waldrcstaurant die Fahnenweihe des Turnvereins Friesen statt. Wir machen darauf aufmerksam, daß da» Lokal der organisierten Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. Das Lokal ist daher streng zu meiden. In Rouchfaugswerder hat das Lokal Zur Linde den Besitzer ge- wechselt, der jetzige Inhaber Herr Sudars stellt sein Lokal nach wie vor zur Verfügung, 3 In Köpenick hat das Lokal Zum Lindengarten den Besitzer ge- wechselt; der neue Inhaber W. Armbrecht stellt dasselbe ebenfalls zur Verfügung. In Neu-Zittau heißt der Inhaber des Gasthofes zum Deutschen Hause. Berliner Str. 94/95 nicht mehr Stein, sondern Alb. Ritter. Ausserdem weisen wir darauf hin, daß in Bohnsdorf die Lokale von M, Schulze und W. Wirth nach wie v«-c gesperrt sind. Die Lokalkommisfion. Neukölln. Am Sonntag, den 1. Juni, findet eine Familien« Partie nach dem Grunewald statt. Abfahrt morgens 7 Uhr vom Bahnhof Neukölln nach Zehlendorf. Frühstück im Walde. Für Nach- zügler: mittags 1 Uhr im Restaurani Hundekehle. Fahrpreis inkll Kaffeekochen 60 Pf., Kinder unter 10 Jahren 35 Pf. Um zahreiche Beteiligung, hauptsächlich mit Kindern, wird ersucht. Zernsdorf. Sonnabend, abends 8>/z Uhr, im Lokale von I. Knorr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Spandau. Heute Freitag, abends 8V2 Uhr, findet bei Köpnick, Pichelsdorfer Str. 39, die Generalversammlung des Wahlvereins statr. Es ist eine äusserst wichtige Tagesordnung zu erledigen. ßcvlimr N�chrichtcrs. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Der Antrag des Magistrats auf Kündigung des Ver- träges, der in den Iahren 1879 und 1892 zwischen Stadt- gemeinde und Charit6verwaltung über das bei der Charit6 zu unterhaltende„I r r e n d e p 0 t" geschlossen worden war, wurde gestern ohne weiteres angenommen. Ge- iwsseZ a d e k begrüßte es mit Freude, daß endlich dieses Ver- hältnis, das im Laufe der Jahre zu einem Hindernis für die EntWickelung des Jrren Wesens der Stadt geworden sei, gelöst werden solle. Bedauern müsse man nur, dass die Vororte für ihre Geisteskranken auf die Charits angewiesen bleiben, die diese Kranken als Lehr- Material benutze, aber für sie keine Heilanstalt nach modernen Prinzipien sei. Für den Magistrat sprachen Stadtrat K a- lisch und Oberbürgermeister Mermuth. Herr Kaiisch führte gegen die Charitsverwaltung eine ganz ungewöhnlich scharfe Sprache, wie man sie bei dem Stadtfreisinn leider höchstens dann gewöhnt ist, wenn es— und das trifft auch für die vorliegende Sache zu— an den Geldbeutel geht. Der Vertragskündigung wurde ohne Ausschussberatung zugestinimt. Im ersten Teil der Sitzung kam es zu einer nochmaligen Aussprache über die Speisung bedürftiger Ge- meindeschulkinder. Der Ausschuss empfahl, der not- wendig gewordenen Nachbewilligung von Mitteln selbstver- ständlich zuzustiminen, außerdem aber den Magistrat uni Ein- setzung einer gemischten Deputation zur weiteren Bearbeitung der ganzen Frage zu ersuchen. Genosse- Rosenfeld stellte fest, daß die Ausschussberatung die Unzulänglichkeit der bisherigen Schulspeisungseinrichtungen, der Verbindung mit dein Kinder-Volksküchenverein, ergeben habe, so dass nur von einer endlichen Uebernahme auf die Stadt eine Besserung zu erwarten sei. Stadtschulrat Fischer trat diesen An- griffen entgegen, und die weitere Debatte brachte dann einen scharfen Zusammenstoß zwischen ihm und unserem Redner. Vorsteher-Stellvertreter Cassel griff mit einer Rüge ein, weil er den Freisinnigen das Verständnis für die Notlage hungernder Kinder nicht absprechen lassen wollte. Den Ausführungen der freisinnigen Redner war allerdings nicht viel von solchem Verständnis anzumerken. Die Ver- sammlung beschloß, was der Ausschuß vorschlug. Jubiläumsrausch und Blumentage. Es scheint, als ob die gegenwärtige mit allen Mitteln künstlich erzeugte Fest» und Jubiläumsstimmung von den bürgerlichen Jugend» vereinen, Wohltätigkeitskomitees usw. benutzt werden soll, durch Ver- anstaltung von Blumentagen wieder einmal einen Bettel en gros auf die Grotz-Berliner Bevölkerung zu inszenieren. Den Anfang macht am kommenden Sonntag, den 1. Juni, der Vorort Nieder-Schönhausen. Wie uns von dort berichtet wird, sind massgebende Personen schon in fieberhafter Tätigkeit, junge Mädchen und Schullinder als Helfer in den Dienst dieser Bettelei zu stellen. Da Nieder-Schönhausen ein beliebter Ausflugsort der Groß-Berliner Bevölkerung ist, rechnen die Arrangeure dieser Bettelei natürlich mit einer erheblichen Einnahme. Die Ausflügler wollen daher beherzigen, dass die Erträgniffe für den Verkauf von Blumen für Zwecke der- wendet werden, die mit den Bestrebungen der werktätigen Be� bölkerung nichts gemein haben. Halte daher jeder seine Taschen zu Mord und Totschlag in Berlin. Die agrarische Presse behauptet immer mit Vorliebe, daß die Grossstadt der Herd von Verbrechen sei, und sie kann nicht laut genug die Verhältnisse auf dem Lande rühmen. Auf dem Gebiete der Sittlichkeit liegt es aber auf dem Lande recht schlimm, wie das bereits statistisch erwiesen ist. Auch bezüglich der schweren Verbrechen schneiden die von den Agrariern be- herrschten Landesteile schlecht ab. Ein Mord in Berlin wird nach ganz Deutschland berichtet und fast überall besprochen. Es entsteht so leicht der Eindruck, als ob Mord und Toffchlag in der Reichshauptstadt besonders häufig wären. Es beruht dies auf der Gliederung des Nachrichtendienstes der deutschen Presse. Die Statistik beweist aber gerade das Gegenteil. Mit Ausnahme von Schleswig Holstein kommen Mord und Tot- schlag ini Verhältnis zur Bevölkerung fast nirgends so selten vor als gerade im Landespolizeibczirk Berlin. Von 199 009 Lebenden der Bevölkerung fielen 1911 in Schleswig-Holstein 1,19 Mord und Totschlag zum Opfer. Im Landespolizei- bezirk Berlin betrug diese Zahl 1,53, fast ebensoviel in Hessen- Nassau mit 1,52. In allen übrigen Landesteilen sind die Zahlen höher, so in Sachsen 1,61, in Hannover 1,69, in Posen und Schlesien je 1,75, in Brandenburg 1,89, Ostpreußen 1,93, Rheinprovinz 2,99, Pommern 2,93, Westprcußen 2,95, West- falen 2,29. Berlin steht auch unter dem Durchschnitt des Staates, der 1,81 beträgt, also ungefähr dem von Brandenburg entspricht._ Jagd auf Fürsorgezöglinge. Jn der bürgerlichen Presse erscheinen von Zeit zu Zeit Nach- richten über entwichene Fürsorgezöglinge, die einem Steckbrief ganz ähnlich sehen. Es wird dadurch der Anschein erweckt, als ob es sich um wer weiß welche Verbrecher handele.' Man lese nur folgende Notiz, die jetzt wieder verbreitet wird: „Auf zwei Fürsorgezöglinge fahnden die Polizeibehörden Groß- Berlins. Es handelt sich um die 15jährigen Mädchen Emma P. und Luise G., die vor einigen Tagen aus dem Fürsorgeheim in Prenzlau entwichen sind. Es wird angenommen, daß die beiden Flüchtigen sich nach Verlin gewendet haben, wo sie Bekannte be- sitzen. Emma P. ist 1,38 Meter groß, hat blaue Augen, blondes Haar und an der rechten Stiniseite eine Narbe. Luise G. ist 1,52 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und über dem rechten Auge eine kleine Narbe. Beide Mädchen trugen bei ihrer Flucht AnftoItSkleidung." Ein schwerer Verbrecher kann nicht schlimmer verfolgt werden als das hier bei entwichenen Fürsorgezöglingen geschieht. Gerade durch eine solche Hetzerei werden die Fürsorgezöglinge erst gebrand- markt. Dabei befinden sich zahlreiche Kinder in Fürsorgeerziehung die sich nicht das Geringste haben zuschulden kommen lassen, und wiederum viele andere nur wegen leichter Verfehlungen. Es ist un- verantwortlich, diese jungen Menschenkinder in der oben gckenn- zeichneten Weise noch zu hetzen, zumal sich nahezu der zehnte Teil der Berliner Fürsorgekindcr ständig auf der Flucht befindet. Auch ein Zeichen für die Güte der so viel gerühmten Fürsorgeerziehung! Von„Züchttgungsschnüffleru" weiß wieder einmal die»Pädagogische Zeitung" zu erzählen. Sie berichtet, daß in Berlin— ähnlich, wie schon vor zwei Jahren — Eltern geprügelter Schulkinder anonyme Schreiben erhalten haben, die zu einem Vorgehen gegen die prügelnden Lehrer auffordern. Ein Brief, den daZ Lehrerblatt wörtlich mitteilt, macht Eltern darauf aufmerksam, daß ihr Kind in der Schule schwer gezüchtigt worden sei. Er empfiehlt ihnen, den Jungen durch einen Arzt untersuchenzu lassen, und dann bei der»städtischen Schul- ratskommission"(diese sinnlose Bezeichnung gebraucht der Brief) Anzeige einzureichen. Schließlich rät der anonyme Verfasser, daß alle Eltern geprügelter Kinder sich an den„Vorwärts" wenden möchten, damit»einmal durch einen gewaltigen Artikel alle Knabenquälereien an die Oeffentlichkeit kommen". Unterzeichnet ist eine angebliche „Kinderschutz st elle". Ein anderer Brief, den die»Päd. Ztg." gleichfalls im Wortlaut wiedergibt, ist an einen Rektor gerichtet. Er macht diesen auf übertriebene Züchtigungen aufmerksam, die an seiner Schule vorgekommen seien, und enthält folgenden Wunsch: „Gott der Herr aber gebe Ihnen eine rechte Liebe ins Herz, damit auch Sie sich der armen, wegen jeder Kleinigkeit verprügelten Wesen annehmen". Hier ist eine angebliche„Priv a t- Kind er- schutz-Vereinigung" unterzeichnet, und beigefügt ist ein un- deutlich geschriebener Name, den die„Päd. Ztg." als„Mayerhofer" deutet. Nach der Darstellungsweise der beiden Briefe muß man ver- muten, daß beide denselben Verfasser haben. Daß dieser in dem einen Brief unter Hinweis auf den„Vorwärts" einen„gewaltigen Artikel" veröffentlicht sehen möchte, in dem anderen Brief aber unter An- rufung Gottes(die bei dem durchaus ernsten Ton des ganzen Briefes nicht als Spott angesehen werden kann) dem Rektor»die rechte Liebe inS Herz" wünscht, das gibt zu denken. Vor zwei Jahren, wo der Anonymus sich gleichfalls hinter einer angeblichen' „Privat-Kinderschutz-Vereinigung" und in einem anderen Brief hinter einer angeblichen„Geheimen Privat- Vereinigung Kinder- freunde" versteckte, sprachen wir die Vermutung aus, daß man es mit einem nicht ganz Zurechnungsfähigen zu tun habe. Die„Päd. Ztg." machte sich damals lächerlich durch die Wichtig- tuerei, mit der sie die von ihr mitgeteilten Briefe behandelte. Sie meinte, daß in Berlin von einer„Zentralstelle" aus systematisch ge- arbeitet werde. Diesmal wiederholt sie diesen Unsinn nicht, sondern vetzuügt sich mit der Veröffentlichung der Briefe. Ausleckende Krankheiten— so schreibt man uns— werden bei der zunehmenden Wärme in den dicht bevölkerten Mietskasernen unserer Arbeiterviertel leichter verbreitet als in den mit wenig Mietern be- setzten Häusern, die nur große Wohnungen enthalten. Eine viel zu wenig beachtete Ursache leichter Verbreitung übel- riechender Dünste und Krankheitsstoffe sind unsere schlecht und dürstig gelüfteten Treppenflure. Die meisten Treppenflurfeuster sind fest verschloffen. Der Haus- wart hat den Vierkautschlllffcl und in den Fenstern sind nur die kleinsten Scheiben zu öffnen(ohne daß da? ganze Fenster aufgemacht zu werden braucht.) Diese kleinen Scheiben, die als Treppenflur- lüfter dienen sollen, sind aber wegen ihres viel zu geringen Quer- schnittes durchaus ungeeignet, die oft so mannigfaltigen, widerlichen Dünste aus den vier- und fünfstöckigen Treppenflurcn abzuführen. Geht man mittags solch' eine Treppe hinauf, da kann man in jedem Stockwerk etwas anderes riechen und wer hoch oben wohnt, der hat cö am schlechtesten, denn gerade dort oben haben die üblen Gerüche einen sehr unvollkommenen Abzug. Die Treppenflure sind eben Luftschachte, die dringend der Lüftung bedürfen. Deshalb sollten besonders die Fenster im obersten Stockwerk eine große Luftöffnung haben, deren Offenhaltung und Schließung mit zu den Aufgaben des Hauswarts gehörte.— Ein Hindernis für geeignete Luftroinigung ist die bekannte Furcht:„ES zieht!" Es braucht aber nicht zu ziehen, die Fensteröffnung braucht nicht übertrieben groß zu sein, dann entsteht eben keine wahrnehmbar nachteilige Zugluft und der Treppenflur kanu doch von üblen Gerüchen schnell zu befreien sein. Eine Ouadratscheibe von 30 bis 40 Zentimeter Seite wäre in vielen dunstigen, fest verriegelten Treppenfluren für das oberste Fenster schon eine merkliche Wohltat. Oft ist aber da« oberste Fenster für die Hände nicht zugänglich, da muß eben der Hauswart mit Hilfs- Mitteln versehen sein, um für ausgiebige Lüftung zu sorgen. Wie oft sind bei Feuersgefahv die unlüftbaren Treppenflure so schnell verqualmt und unpassierbar, daß die Feuerwehr erst durch Einschlagen der Scheiben Abzug schaffen muß. Es ist ein entschiedener Mangel unserer Baupolizei- ordnungen, daß sie eine Lüftung der Treppenflure nicht aus- drücklich vorschreiben, denn in vielen Häusern hat man mit der un- heilbaren Furcht abergläubischer Mieter zu kämpfen:»es zieht", so daß selbst ein ordnungsliebender Hauswart an lustfeiudlichen Mietern heftige Gegner findet, die jeder Belehrung, jedem Widerspruch gegen ihre Einbildung unzugänglich sind, worunter gesundheitliebcnde Nachbarn oft zu leiden haben!— Eine Familientragödie. In der Kaiserstraße 43 hat die 42 Jahre alte Frau Krüger sich mit ihren drei Kindern im Aller von 17, 10 und 6 Jahren mit Gas vergiftet. Als der Gasgeruch bemerkt und die Wohnung geöffnet wurde, fand man Frau und Kinder besinnungslos daliegen. Die sofort herbeigerufenen Samariter der Feuerwehr und ein Arzt stellten mit Sauerstoffapparaten bei allen Personen Wiederbelebungsdersuche an, die jedoch bei der Mutter und der 10 Jahre alten Tochter Martha ohne Erfolg blieben. Der 6 Jahre alte Knabe hatte fast garnicht gelitten, während die älteste 17 jährige Tochter schon so schwer erkrankt war, daß sie nach dem Krankenhau» Am Friedrichs- Hain gebracht werden mußte. Eine Lebensgefahr für sie besteht je- doch nicht mehr. Der Knabe wurde Verwandten in Pflege gegeben und die beschlagnahmten Leichen nach dem Schauhause übergeführt. Ursache zu dem BergiftungSschritt soll in getrübten Familienverhältnissen zu suchen sein.__ Franz Tulbcras Drama„Koraffenkettlin" vor dem preußischen Oüerverwaltungsgcricht. Der Polizeipräsident von Schöneberg hatte durch � Verfügung vom IL. Oktober 1911 dem damaligen Direktor des Neuen Schau- spielhauscZ(Nollendorfplatz), Herrn Alfred Halm, die öffentliche Auf- ' führung von Franz Dülbergs Drama„Korallenkettlin" verboten, weil die öffentliche Ordnung in sittlicher Beziehung gefährdet er- scheine. Herr Halm klagte und im Laufe des Verfahrens wurde diesem der Dichter beigeladen. Der Verhandlung lag nicht das Buch zu- gründe, sondern eine zur Aufführung bestimmte Bearbeitung, die einen anderen Ausgang des Stückes enthält, als die Buchausgabe. Mit dem Buch stimmt sie bis Seite 69 überein.— Herr Dlllberg batte �das verbotene Stück u. a. Herrn Professor von Wilamowitz- Moellendorf zur gutachtlichen Aeufjening übergeben. Dieser liest sich über das im Mittelalter spielende Stück in der Hauptsache dahin aus: Ein naiv sinuliches, ganz junges Mädchen steht in der Gefahr, von ihrem Vater dem Kloster zugeführt zu werden, was ihr so entsetzlich sei, daß sie lieber der Schande(als Bordell- wadchen) in die Anne laufen wolle. Aber im äußersten Moment empöre sich die Unschuld in ihrer Seele und sie schütze sich gegen den Mann(einen ältern Lüstling), indem sie ihn mit seinem Dolche löte. Sie sei bereit, den Mord durch den Tod zu sühnen. Dann kommt die stärkere Versuchung. Ein Fürst mache sie, wenigstens für ihr eigenes Gefühl, zu seiner Gattin. Dann nahe ihr wieder die Askese(in Gestalt der Einwirkungen eines Priesters). Die Askese werde als eine Art unreinlicher Sittlichkeit geschildert. Sie iveise sie wieder von sich. Als ihr aber doch die Unsittlichkeit der Existenz aufgehe, wähle sie den Tod. Die Tendenz sei eine sittliche. Die Durchführung zwinge den Dichter, das Leben der Schande und auch den Liebesrausch zu schildern. Das Mittelalter- liche Milieu gebe ihm Gelegenheit, die Askese und die Prostitution vorzuführen, die sich geradezu als das gäbe», was sie seien. In der Bühnenbearbeitung werde die Heldin zum Schluß(sie ist aus dem Schloß geflohen) äußerlich �in die Sphäre zurückgeführt, welche sie zuerst aufgesucht hatte, was zur Folge haben mußte, daß die In- fassen der Frauenhäuser eine breite Rolle spielen, aber nur als Folie der Heldin.— Die Darstellung des Unreinen sei nicht Selbstzweck des Stückes.— Schmutz habe der Dichter genug angefaßt. Das sei aber sein Recht, da er vom Leben geboten werde. Die Seele habe er aber nicht beschmutzt. Als unsittlich könne das Stück nicht beanstandet werden. . Der Bezirksausschuß kam unabhängig vom Gutachten zu der Auffassung, daß das Stück nicht geeignet sei, die öffentliche Ordnung durch Verwirrung der Sittlichkeit zu stören. Er hob das Verbot ans. Das Oberverwaltungsgericht als Berufungsinstanz beschäftigte sich am 29. Mai mit der Sache. Der Vertreter des Klägers und des Beigeladenen Dülberg, Justizrat Jonas, konnte sich zugunsten der Zulässigkeit der öffentlichen Aufführung des DramaS noch aus Gutachten des Barons v. Puttlitz, Intendanten der Königlich-Württembergischcn Hofthealer, und des Hofrats Zeiß, artistischen Leiters der Königlich-Sächsischen Schauspiele, berufen. Das Obervcrwaltungsgericht, vor dem das Stück vorgelesen wnrde, änderte aber die Vorentscheidung ab und erklärte das Verbot für gerechtfertigt. Gründe: Das Stück biete iin ersten längeren Auftritt eine Darstellung des Dirnenwesens und des Ge- schäfts der Dirnen, die breit angelegt sei, und ebenso Aeußerungen der Heldin, die sie in einer merkwürdigen sittlichen Verfassung zeigten. Diese Darstellung müsse auf die Zuhörer unbedingt schamberletzend wirken und die sittlichen Begriffe ver- wirren. Nun würde ja eine Schilderung solcher Dinge noch nicht ein Verbot rechtfertigen, wenn die Schilderung durch die spätere Entwickelung bedeutend abgeschwächt würde. Die entsprechenden Regungen im Stück träten aber nicht so hervor, daß der Zuschauer das Gefühl haben könne, daß eine Darstellung statlfinde, um dann erst den wirklich ernsten sittlichen Gegensatz zu bringen, und daß letzlerer als das Siegreiche sich darstelle. Wenn auch manches in dem Stück voin Standpunkt der Aesthetik als schön angesprochen werden möge, so bleibe doch der Gesamteindruck einer schamver- letzenden, die sittlichen Begriffe verwirrenden Darstellung, der das Verbot rechtfertige._ s!»' Wegen Gattenmorbverfuchs wurde gestern abend der 39 Jahre alte'Revolverdreher Gustav Matth es aus der Liebenwalder Straße in das Polizeipräsidium eingeliefert. Der Mann hatte bis zum 1. Mai mit seiner um ein Jahr jüngeren Frau und seinen drei Kindern im Alter von 8, l2 und 15 Jahren in der Lieben- Wälder Straße eine kleine Wohnung inne. Für den Lebensunter- halt sorgte die Frau durch Reinemachen. Dlatthes selbst hatte wenig Lust zum Arbeiten und war auch jetzt wieder eine ganze Zeit lang ohne Beschäftigung. Um sich Geld für Alkohol zu verschaffen, dem er stark zutrank, verkaufte er fast die ganze Wohnungseinrichtung. Wenn er dann abends betrunken nach Hause kam, mißhandelte er Frau und Kinder. Diese verließen ihn deshalb vor vier Wochen und zogen nach der Utrechter Str. 4, wo eine Schwester der Frau wohnt. Der Mann versuchte nun im Lause der Zeit wiederholt seine Frau zu bewegen, wieder mit ihm zusammenzuziehen. Er drohte ihr auch, daß er sie andernfalls erschießen werde. Diese Drohungen teilte er auch den Kindern mit, wenn er sie- auf der Straße traf. Nachdem er gestern den ganzen Tag über vergeblich versucht hatte, seine Frau in der Utrechter Straße zu sprechen, sah er sie gegen 5 Uhr, als er in dem Schanklokal von Päsler im Hause Müllerstr. 33/34 war, mit dem 12 Jahre alten Sohne vor- übergehen. Er stellte sie auf der Straße zur Rede und forderte sie «ruf, mit in die Wirtschaft zu kommen. Als sie sich aber weigerte, packte er sie einfach am Arm und zog sie hinein. Hier sprach er eine Weile ganz ruhig mit ihr, zog dann aber plötzlich einen Re- volver und feuerte einen Schuß auf sie ab, der aber fehlging. Die Bedrohte eilte in die Küche des Wirtes, gefolgt von ihrem Vkanne, der auch dort noch mehrere Schüsse abgab, die aber ebenfalls alle fehlgingen. Jetzt versuchte der Revolverheld die Flucht zu ergreifen. Auf der Straße wurde er aber bald gestellt und der Polizei über- geben, die ihn noch gestern abend nach dem Polizeipräsidium über- führte. Beim Spielen den Tod gesunde» hat gestern abend der 9 Jahre alte Schüler Konrad Rutke, der bei seiner Mutter, einer Auf- Wärterin, am Grünen Weg 3 wohnte. Der Knabe spielte gegen 7 Uhr in der Holzmarktstraße an dem Ufergeländer der Spree in der Nähe der Badeanstalt. Plötzlich verlor er das Gleichgewicht und fiel ins Wasser hinab. Es gelang zwar, ihn bald wieder her- auszuziehen, doch blieben alle Wiederbelebungsversuche ohne Er- folg. Wie auf der Hilfswache in der Holzmarktstraße festgestellt wurde, war sein Tod bereits eingetreten. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Gefaßte Fledderer. Zwei Stadtbahnräuber raubten in der Nacht zum vergangenen Sonntag einem Kausinann aus Charlotienburg. der in dem Zug eingeschlafen war, für 2999 M. lose Brillanten, einen silbernen mit Saphir und Brillanten besetzten Bleistift und ungefähr 1999 M. bares Geld. Der Gefledderte erwachte auf dem Bahnhof Putlitz- straße als ihm die Täter die Hosen aufschnitten und die Geldbörse entwendeten. Bei der Verfolgung warfen nie beiden die goldene Uhr nebst Kette, die sie ihm ebenfalls abgeknöpft hatten, über das Geländer der Brücke hinweg auf die Eisenbahnschienen, wo sie später aufgefunden wurden. Die Täter entkamen jedoch mit den übrigen Beutestücken. Vorgestern gelang es nun der Kriminalpolizei, die Räuber in den Personen zweier schon wiederholt vorbestrafter Stadtbahnfledderer Albert Lauenburg und Emil Berke in ihren Behausungen festzunehmen. Auf die Spur der Verbrecher war sie durch einen Händler gekommen, dem sie die Steine zum Kauf angeboten hatten. Dieser teilte seinen Verdacht der Kriminalpolizei mit, die dann beide festnahm. Sie bestritten trotzdem, die Täter zu sein, auch förderte eine Haussuchung nichts zutage, was dem Manne ge- stöhlen worden war. Dennoch gelang es der Polizei, fast die gesamte Beute und auch einen großen Teil des Geldes wieder herbei- zuschaffen. In der Wohnung des einen Verhafteten fanden Beamte eine Karte von einem Mädchen mit deren Adresse. In der Annahme, daß dieses die Geliebte des Fledderers sei und sie jedenfalls mit ihm unter einer Decke stecke, wurde auch deren Wohnung durchsucht. Hier fand man denn auch die Brillanten und das Geld. Exzeß eines Gardeunteroffiziers. Wegen eines schweren Exzesses wurde Mittwochabend der Sergeant Lemberger von den Garde- füsilieren verhastet und gefesselt nach der Kasernenwache gebracht. In einem Restaurant in der Seestraße 22 war es zwischen Lemberger und einem Studenten zu Differenzen gekommen, die schließlich dazu führten, daß Lemberger tätlich gegen den Sludenten vorging und ihn mit einein Revolver bedrohte. Als man einen Schutzmann herbeirief, griff der Sergeant auch diesen an. Da er sich nicht fest- nehmen ließ, mußten noch einige Polizeibeamte geholt werden, ehe es gelang, den Sergeanten zu überwältigen. Er wurde gefesselt zur Wache der Gardefüsilierkaserne transportiert. Mit der Hundesperre beschäftigte sich am Mittwochabend eine überfüllte Versammlung in der„Neuen Philharmonie" in der Köpenickerjslraße. Von den verschiedensten Rednern, unter denen bekannte Sachverständige sich befanden, wurde dargelegt, daß ihrer Meinung nach von einer Tollwut der Hunde ernstlich nicht geredet werden könne. Es wurde schließlich beschlossen:„Die Versammlung bittet das königl. Polizeipräsidium, bei dem leichten Seuchengange der zurzeit festgestellten Tollwut, die mildesten gesetzlichen Maß- regeln anzuordnen, die gestatten, daß die Hunde entweder ohne Maulkorb an der Leine geführt werden oder mit Maulkorb, unter gewissenhafter Ueberwachung, frei laufen dürfen." Ein Unfall ereignete sich am Mittwochabend an der Viktoria- brücke. Ecke Schöneberger User. Dort war ein Arbeiter damit be- Ichäfligt, ein Gerüst, das zur Reinigung der dort aufgestellten Figur benutzt worden war, abzunehmen. Als der Arbeiter die Leiter los- gelöst hatte und im Begriff war, sie zu entfernen, schlug dieselbe über: unglücklicherweise wurde die gerade vorübergehende, Kur- fürslenstraße 7 wohnhafte Blumenhändlerin Kägler von der fallenden Leiter so schwer an den Kopf getroffen, daß dieselbe besinnungslos zusammenbrach. Auf der Unfallstation wurde ihr ein Verband an- gelegt, alsdann wurde die Frau nach ihrer Wohnung gebracht. Vorort- �acbricdten. Wilmersdorf-Haleusee. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Der Bund der Haus- und Grundbesitzervercinc Groß-Berlin verlangt Berücksichtigung der Interessen des Miltclstandes, insbesondere des städtischen Haus- und Grundbesitzes bei Neuregelung des T a x w e s e n s. Die Petition wurde dem Magistrat als Material überwiesen. Seit Jahren besteht am Orte ein Gesundheitsverein, der sich einen Mitgliedern u. a. dadurch nützlich macht, daß er ihnen Laube nland, das zum guten Teil von der Stadt gepachtet ist, zu einem billigen Preise überläßt. Die Kolonisten haben vor kurzem die Weisung erhalten, das Gelände zum 1. Juni zu räumen da es für städtische Zwecke benutzt werde i und nun petitionieren sie darum, ihnen die gepachteten Grundstücke wenigstens so lange, bis sie abgeerntet haben, zu laffen. Der Petitionsausschuß halle be- chlossen, der Stadlverordnelenversammtung Uebergang zur Tages- ordnung vorzuschlagen, dabei aber gleichzeilig den Magistrat zu er- suchen,„so lange als irgend angängig von der Inanspruchnahme des Terrains abzusehen". Gen. Riedel empfahl dem Magistrat dringend, 'owohl auf die Petemen als auch auf die Pächter des unbenutzten Friedhossgeländes, das gleichfalls zum Juni geräumt werden soll, Rücksicht zu nehmen. Wenn der Magistrat nach dem Wortlaut des Verirages auch das Recht habe, zu jeder Zeit die Räumung des Ge- ländes zu verlangen, so sei es doch nicht mehr als billig, die Pächter 'chadlos zu halten, zumal die Stadt nicht selten den großen Grundbesitzern, mit denen sie in Verkehr treten müsse, beträchtliche Summen zu opfern habe. Es wurde dem Anlrage des Petitionsausschusses gemäß beschlossen, nachdem der Magistratsvertreter zugesagt hatte, daß er auf die Laubenbesitzcr nach Möglichleit Rücksicht nehmen wolle. Eine längere Auseinandersetzung gab es bei der zweiten Be- ratung der mehrfach von uns erwähnten Vorlage betreffend die Zu» stiurmung zu den Verträgen über die Verpachlung von Reklame- flächen, den Verlauf von Zeitungen und die Aufstellung von Auto- malen auf dm Bahnhöfen der Untergrundbahn. Der Finanzausschutz, hatte in den Gesetzentwurf mit dem Hofbuchhändler Stille die Bestimmung gestrichen, wonach der Buchhändler bestimmte buchhändlerische Erzeugnisse nicht vertreiben darf, sobald dies von der betriebführenden Gesellschaft, der Polizei oder den Aussichtsbehörden verlangt werde; nur der Stadtgeineinde sollte ein solches Recht reserviert bleiben. Der Satz im Vertragsentwurf, der das Feilhalten anstößiger Schriften und Bilder unbedingt verbietet, wurde durch die Bestimmung ein- geengt, daß nur sittlich anstößige Schriften und Bilder vom Ver- kauf ausgeschlossen sein sollen. Während der Stadt- verordnete Gottschalk, ein Rechtsanwalt, hinsichtlich der Regreßpflicht verschiedene Bestimmungen des Vertrages be- mängelte, wies Genosse Schröder darauf hin, daß trotz der vom Finanzausschuß beantragten Aenderungen den bekannten Zensurgelüsten des Buchhändlers Slilke freier Spielraum bleibe. Sicher werde er als Pächter des Eisenbahnbuchhandels auch auf den städtischen Untergrundbahnhöfen den„Vorwärts". den„Simplizissimus" und andere von den preußischen Behörden boykottierte Zeitungen und Zeilschriften vom Verkauf ausschließen, wenn ihm solche skandalöse Bevormundung des Publikums nicht klipp und klar im Vertrage untersagt werde. Die Stadtverordneten- Versammlung sei es daher ihrer Selbstachtung schuldig, daß sie in den in Betracht kommenden§ 4 deS Vertrages einen Satz einfüge, wonach aus politischen oder religiösen Gründen Drucksachen nicht vom Verkauf ausgeschlossen werden dürften. Stadlverordneter Leidig meinte, daß der von Schröder befürwortete Antrag überflüssig sei, doch wandte er sich init Schärfe gegen den Magistrat, weil er die Bestimmungen über die Regreß- Pflicht in den Verträgen nicht klar genug bei den Verhandlungen im Finanzausschuß berücksichtigt habe und nun erst auf die Anregungen des Herrn Gottschalk hin unverbindliche Zusagen mache. Nach längerer Erörterung endeten die Auseinandersetzungen damit, d.atz die Vorlagen mitsamt dem Antrag Schröder und Riedel zur noch- maligen Beratung an den Finanzausschuß zurückverwiesen wurden. Von den sozialdemokratischen und von fortschrittlichen Stadt- verordneten war folgender Antrag gestellt worden: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, zu veranlassen, daß den hierfür dem Alter»ach in Betracht kommenden Schülern und«chülerinuen der Gemeindeschulen un nächsten Winter- Halbjahr der gemeinsame Besuch klassischer Vorstellungen in einem geeigneten Theater, sowie gleichfalls der gemeinsame Besuch der Berliner Urania auf Kosten der Stadt ermöglicht werde." In der Begründung des Antrages bedauerte Schröder, daß die ablehnende Haltung des Magistrats in der Theaterfrage auf lange Zeit hinaus für die Schulkinder den Besuch des geplanten Wilmersdorfer Stadtthcaters unmöglich mache. Bürgermeister PeterS erklärte, daß der Magistrat dem Teil des Antrages, der vom Besuch klassischer Theatervorstellungen handle, beipflichten werde; den Besuch der Urania halte er aber nicht für erforderlich, da für die städtischen Schulen Projektionsapparate angeschafft seien. Nachdem die Stadtverordneten Dr. Edel. Dr. Helmke und Schröder auseinandergesetzt hatten, daß der Magistrat im Irrtum sei. wenn er glaube, daß Projektionsapparate die Urania ersetzen könnten, überwies die Versammlung den Antrag dem Finanzausschuß.— ES folgte eine geheime Sitzung, in der die Versammlung den am Dienstag von uns bei der Erörterung der Seeparkangelegen- h e i t erivähnten Verträgen zustimmte. Schüttelt erg. Heber den Ausfall der LandtagSwahken berichtete in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Küter. Der Redner bemerkte u. a., daß, obwohl die Genossen etwas spät in den Besitz des Wahlmaterials gelangt seien, die für die Sozial- demokratie abgegebene Stimmenzohl als eine ganz ansehnliche zu bezeichnen sei. Und gerade diese Stimmenzahl habe die Schändlich- keil des LandtagSwahlrechts Wiedel um in helle Beleuchtung gerückt. Obwohl die Sozialdemokratie am Tage der Urwahl 8995 Anhänger mustern konnte, habe sie nur 142 Wahlmänner durchbringen können. Die Freisinitigen jedoch hätten mit nur 6333 Wählern 442 Wahl- männcr erhalten. Küter teilte noch mit, daß die am 3. Juni, früh 9 Uhr, stattfindende Abgeordnetenwahl als Terminswahl angesetzt sei. Die llrivahlbezirke'l— 54 wählen in der Schlotzbrauerei, von 53— 197 im Gesellschaftshaus des Westens. Den Bericht von der Verbandsversammlung erstattete Genossin. Böhme. An der sich daran anschließenden Debatte beteiligten sich die Genossen Thielike, Urban, Cheminsky, Lippert und Dams, die sich gegen das Vorgehen des Zentralvorstandes Groß-Berlins in Sachen Borchardt wandten. Ein Antrag Lippert, der das Vorgeben der Funktionäre des fünften Kreises gegen Borchardt nicht gutheißt und letzteren ersucht an seiner LandlagSkandidatlir festzuhalten, wurde abgelehnt. Dogegen gelangte ein Antrag Thielikc-Urban zur Annahme, worin der Ueberzeugung Ausdruck gegeben wird, Genoffe Fritz sei durch andere Personen zu seinem Vorgehen veranlaßt worden. Zum Schluß wurden noch geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Die regelmäßigen Spielabende der Freien Elternvereinigung finden von heute ab wieder an folgenden Tagen statt: Knaben: Montag und Freitag, abends Uhr. Mädchen: Jeden Mittwoch in den Neuen Ralhaussälen, Meiiiiiiger Str. 3. Sonnabends von 5— 7Vz Uhr auf dem städtischen Spielplatz, Rubensstraße. Die Arbeitereltern werden ersucht, ihre Kinder zu den Spielabenden zu senden. Lichterfelde. In der Mitgliederversammlung des WahlvereinS berichtete der Vorsitzende Genosse Wienicke über den Ausfall der LandtagSwahl. Redner teilte mir, daß 24 sozialdemokratische Wahlmänner, davon zwei in der II. Abteilung gewählt worden seien. Da bei der im März stattgefundenen Ersatzwahl bereits 21 sozialdemokratische Wahl- inänner gewählt worden seien, könne das diesmalige Resultat nicht befriedigen. Auch müsse konstatiert werden, daß die Genossen nicht in der gewünschten Weise tälig gewesen seien. Unter Vereins- angelegenheilen wurde der Bildungsausschuß aufgehoben. Den Bc- richt von der Verbandsversammlung erstattete Genosse Weißel. Nach der Wahl der Delegierten zur KreisgPteralversammlung sowie zur Verbandsversammlung ersucht Genoste Wienicke die Versammellen, bei der am 19. Juni stattfindenden Geni ein deVertreter- st i ch w a h l fleißig mitzuarbeiten. Aufgenommen wurden vierzehn männliche und drei weibliche Mitglieder. Lichtenberg. Eine heftige Explosion, bei der leider mehrere Personen schwer zu Schaden gekommen sind, ereignete sich gestern abend nach 9 Uhr in der Rittergutstratze 121/123. In der dort befindlichen Fabrik zur Herstellung von Rohmaterial für die Kunsttvoll- fabrikation, die der Firma Julius Leib holz gehört, hatten sich auf bisher unaufgeklärte Weise Benzindämpfe entzündet, die dan die Explosion herbeiführten. Dabei wurden fünf Personen schwer und drei leicht verletzt. Sic wurden inittels Kranken- wagen ins Krankenhaus befördert. Auch in dieser Fabrik war kein ausreichendes Verbandsmaterial vorhanden. Der Arzt, der die erste Hilfe leistete, mußte sich erst solches aus der in der Nähe bc- findlichen Zentrale der Konsumgenossenschaft besorgen, die vor einiger Zeit bei einem anderen Unglück ebenfalls aus der Verlegen« heit helfen mutzte. Es gehörte sich doch, daß in einem Betriebe, der mit gefährlichen Betriebsmitteln arbeitet, ausreichende Rettungs- mittel vorhanden sind. Spiel und Sport Ter 8. Juni. Eine fieberhafte Tätigkeit ist augenblicklich in den bürgerlichen Sportvereinen zu beobachten. ES gilt, am 3. Juni im Grunewald- Stadion als echter teutscher Sportsmann dem als mächtigsten Förderer des Sports gepriesenen Wilhelm II. seine nationale reichs- deutsche Gesinnung durch kräftiges Hurrabrüllen zu bezeugen. Alle Sportgebiete werden vertreten sein und der noch jung« Hans Dampf-in-ollen-Gaffen(Jungdculschlandbund) will mit 19 999 Jugendlichen vertreten sein. Leider finden wir in allen diesen Sportvereinen einen großen Prozentsatz von organisierten Arbeitern und häufiger noch deren Söhne und Töchter. Bei vielen Arbeitern, die diesen Vereinen an- gehören, ist es nur die allzu große Denkfaulheit, mit welcher man sich über den recht eigentümlichen Zwiespalt leicht hinweghilft. Nachdem die gesamten bürgerlichen Sportvereine ohne Unter« schied die Mitgliedschaft innerhalb des Jungdeuifchlandbundes er- warben haben, müßte man eigentlich annehmen, daß jeder einer modernen Arbeiterbewegung angehörige Arbeiter diesen Vereinen den Rücken kehrt. Es ist jedem sportliebenden und sporttreibenden Ar- beiter möglich, auf allen Gebieten des Sports seine Betätigung mit seinen Klassengenossen zu finden. Es ist deshalb zu begrüßen, daß die Arbeitcr-Sporiverbände am gleichen Tage im Schloß Weißen fee ein großes Ar- beiter-Sporifest veranstalten, um der organisierten Arbeiter- schaft zu zeigen, daß man ohne Hurrageschrei einen gesunden Volks- tümlichen Sport betreiben kann. Ohne jeden Firlefanz, ohne Humpen und Eichenkranz wird bei diesen Vereinen nur als Mittel zur Ge« simdung der geistigen und körperlichen Kräfte ein wahrer Volkssport betrieben. Es liegt im Interesse der sporttreibenden Arbeiter, diese Veranstaltung in Weißensee zu besuchen. Ganz besonders möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, daß organisierte Arbeiter und noch viel mehr deren Kinder der hurrapatriotischen Veranstaltung im Grunewald fernbleiben. Sie werden dort auch gar nicht gewünscht, da ja nur nationalgesinnte Sportleute gebraucht werden. Alles Nähere über das Sportfest in Weißensee bringt das Inserat am Sonntag. »» • Die Nordabteilungeu des Turnvereins„Fichte» begingen nm letzten Sonntag die Feier des Aljährigen Bestellen des Aebeiler- TurnerbundeS aus dem schön gelegene» Turnplap in Reinickendorf. Zu den athletischen Wcltkämpsen der Männer traten 38 an. Erster waren beim Augclstoßen: Schmälte 12. Abt. rechts 9,59 Meter, links 7 49 Meter. Gnatz 17. Abt. rechts 9,05 Meter, links 7,50 Meter. Beim Speerwerfen: Vots 17. Abt. 31,35 Meter. Hemke 9. Abt. 27,92 Meter. Beim Diskuswerfen: Ehrenberg 9. Abt. 26 Meter,«teye 16. Abt. 23,60 Meter. Beim Seit- springen; Zobel 17. Abt. 5,32 Meter, Anton 5. Abt. 5,10 Meter. Beim Stabhochspringen: Schmallc 12. Abt. 2,80 Meter. Wolf 17. Abt. 2,60 Meter. — Die nun jolgenden Freiübungen wurden von zirka 50 Frauen und 300 Männern und Lehrlingen nack� kurzem Ansmarsch ausgeführt und verfehlten ihre Wirkung nicht. Beim Tauzichei! der Lehrlinge siegte die 5. Ab- Icilnng. ES folgte nun ein Turnen der geübteren Männer und Frauen am Reck und Barre», dem sich die Staffeltcnläuic anschlössen:-9 Lebrlinge: 1000 Meter. S.Abt. 2 Min. 3t Sek.. 15. Abt. 2 Min. 31«/, Sek. b) Männer: 1000 Meter. S.Abt. 2,22«/,, 17. Abt. 2. Mannschaft 2,26, 17. Abt. 1. Mannschaft 2 Min. 22«/, Sek.(wegen falschen Startens zurückgestellt), c) Turnerinnen: 600 Meter. 6. Abt. 2 Min. 5 Sek., 2. Abt 2,53/j. Es folgten darauf einige Wettspiele, von denen namentlich die FanftballfpiAe gute Resultate zeitigten. Bartanj. 9.— 16. Männer-Abteilnng 49—34 Punkte. 5.— 12. Abteilung 23—38 Punkte.— Faustball 5.(1. M.)— 17. 2 Mannsch. 65—61 Punkt«. 12—16. Abteilung 104—86 Punkte. 9.-17. 1. Mannsch.(40 Mm.) iK 170 Puillle. Die Bedcuwnz deZ TageZ sührle Tg. LieZke in einer kräf tigei; Sinsprache den etwa 1000 Zuhörern zu Gcmütc. Biöchte jeder einzelne be- strebt sein, dahin zu wirken, daß auch der letzte Arbeiter der„Deutschen Turnerschast" und dem„Iungdeutschlandbunde" den Rücken kehrt.— Gemeinsame Spiele, mit jung und alt bUdeten' den Schlug der Ver- anstaltung. Arbeiter- Radfahrer- Bund„Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 1. Juni: 1 Abt.: 0 Uhr: Zernsdorf. 1 Uhr: Eichwalde(Witte). Start: Bülowstr. 58..— 3. Abt.: 5 Uhr: Luckenwalde. 1 Uhr: Grotzbeeren(Heinze). Start: Schönleinstr. ö.— 3. Abt.: 5 Uhr: Wandlitz(Lassan). 12 Uhr: Bernau(Salzmann). Start: LaufitzerPlatz 13. — 5. Abt.: L Uhr: Buckow(Märkische Schweiz). 1 Uhr: Strausberg(Rot- käppchens). Start: Elysium.— 6. Abt.: 6 Uhr: Körbislrug CBadetour). 9 und 1 Ubr: Adlershos(Wöllstein). Start: Odcrberger«tr. 38.— 7. Abt.: 7 Uhr: Wandlitz(Seelrug). 13'/, Ubr: �chönwaldc(Schulz). Start: Schulstr. 39.— 8. Abt.: 4 Uhr: Freienwalde(Raddatz). 13 Uhr: Eichwalde(Witte). Start: Levetzowstrage.— 9. Abt.: 8 Uhr; Wandlitzscc. I1/, Uhr: Schönwalde(Schulz). Start: dachillingslr. 33.— 11. Abt. am 4, Juni: 9 Uhr: Spitzmühle. Start: Große Hamburger Str. 18/19.— Ortsgruppe Neukölln; 1 Uhr: Eichwaldc(Witte). Start: Hohcnzollernplatz. — Ortsgruppe Charlottenburg: 3 Uhr: Brandenburg."— Ortsgruppe Obcrschöneweide: 12 Uhr: Woltcrsdorf(Alter Ärua).— Gäste an sämtlichen Touren willkommen. Arbeitrr-Radfahrer-Verein„Grost-Berliu". Touren am Sonn- tag, den l. Juni� Früh 4 Uhr: Jüterbog(Müller). Nachm. l Uhr: Eich- walde(Witte). Start: Mariannenplatz.— Mittwoch, den 4. Juni, abends 9 Uhr: Vortrag. Arbeitcr-Touristenverein„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Wanderungen am s-onntag, den t. Juni: I. Ncuhof, Zesch, Tornow- ce, Gr.-Köris. Abs. nach Ncuhof Anhalter Bahnh. 0 Uhr.— II.(Phototour) Ruppiner Schweiz. Abs. nach Gnewikow Sonnabend ist 12 Uhr Stcttiner Bahnhos(Fernb.).— III. Fürstenwolde, Rauensche Berge, Scharmützclsee. Abs. nach Fürsienwalde Schlesijcher Bahnhof 4.10 Uhr. Gäste stets will- kommen. Arbeiter- Wanderbund„Tie Naturfreunde". Sitz Berlin. Sonntag, den 1. Juni: I. Rathenow— Wohensee—Markgrasenberge— Rathenow(Nachttour). Abs. Lehrter Bahnhof Sonnabend abends 11.40 Uhr. II. Erlner— Pectzsee— jstienitzscc(Baderas!) Fredersdorf(Nachttour.) Abs. Schlejischcr Bahnhos Sonnabend abends 11.53 Uhr. III. Wandlitzsce— Forsthaus Rcnathe— Bogensce— Wandlitzsec. Abf. Stettiner Bahnhos 5.15 Uhr früh nach Reinickendors-Rosenthal, von dort mit der Kleinbahn nach Wandlitzsee. IV. Rüdnitz— Liepnitzsee— Zepernick. Abf. Stettiner Fernbahnhof 5.59 Uhr früh. V. Frohnau— Hohenschöpping— Borgsdors. Abs. Stettiner Vorortbahnhos 7.30 Uhr jrüh. VI. Schönwalde— Mühlenbeckersec— Schönwalde, Abf. Stettiner Vorort- bahnhos 13.30 Uhr mittags nach Reinickendors-Rosenthal, von dort mit der Kleinbahn nach Schönwalde. Arbeiter- Wandcrberein„Berlin". Sonntag, den 1. Juni: Wanderjahrtni nach: I. Dabmsdvrs-Münchcberg— Hoppegarten— Maxsee— Hcidckrug— Kesselsec— Liebenberger Mühle— Äapel— Möllnsee— Alt- Buchhorst Löcknitzsahrt bis Erkner. Abs. 5.25 Uhr, Schesijcher Bahnhos. II. Besuch der Rüdcrsdorser Ralkberge. Abf. 7.29 Uhr Schlesischer Bahnhos bis Strausberg— stienitziee— Rlldersdors. Daselbst Besichtigung der Kalksteinbrüche. Für Führung durch Beamte des Bergwerks haben die Teilnehmer 50 Pf. zu zahlen. Gäste willkommen. Zu der am 8. Juni stattfindenden Oberspreewaldfahrt sind noch Teil- Nehmerkarten ä 5,75 M. in unseren Zahlstellen: Fritz Wählijch, Slalitzer Straße 22, und Georg Weihnacht, Grünstr. 21, bis Mittwoch, den 4. Juni, zu haben. Arbeiter-Tamaritcrbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 4. Abt. Lichtenberg. Donnerstag, den 5. Juni, Schorn- wkbcrstr. 60, bei Pickcnhagen. Berlin, 5. Abt. Neukölln. Freitag, den 6. Juni, Wcichselstr. 9, Jdcalkasino. Schöneweide. Am Montag, 2. 6., bei Schulz, Siemensstr. 13. N o w a w e s. Am Dienstag, 3. 6., in der Fortbildungsschule. M a r i e n d o r s. Am Montag, 2. 6.. bei Löwenhagcn, Chaussecstr. 37. Spandau. Am /Mittwoch, 3. 6., bei Pccziles, Pichelsdorzer Str. 5. Berlin. Am Freitag, den 30. Mai: Monatsversammlung der dienst- tuende» Mitglieder im Restaurant Augustin, Oranicnstr. 103, abends 8-/, Uhr. Arbeiter- Tchwimmerbund. Adlershof. Zur Gründung einer Schwimmabteilung berust der Arbester-Schwimmerbund eine Versammlung nach dem Lokal von Kaul, Bismarckstr. 16, abends 8 Uhr, ein. Bundesredakteur Zepmeisel spricht über„Die Bedeutung deS Schwimmens sür die Arbeiterschaft". Interessenten wollen sich recht zahlreich einfinde». frauen-I�efeabenäe. Alt-Glicnickc. Heute Freitag, 8 Uhr, bei Rodenbusch, Rudower Straße 54. Genossin Siede! referiert über„Die Frau im lverktätigen Kampfe".____ Jugeudveranstaltungea. Neukölln. Am Sonntag, den I.Juni: Wanderung nach Fredcrs" dors—Stienitzsee— Kalkberge— Erkner. Fahrgeld 1 Mk. Abs. Bahnhos Neu- kölln 0.08 Uhr.___ eingegangene Druchfebriften, Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 35. Hest des 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: Die Rückkehr zur Diktatur in Eisaß-Lothringen. Von Jean Martin(Mülhausen i. E.).— Staat und Kirche. Von August Erdmann.(Schluß.)— Wehr- vorläge und Volkswirtschast. Von August Mai.— Zur Organisation der 'Arbeiterbildung. Von Emil Rauch.— Gesetzlicher Minimallohn und Streik- recht. Von J. Sachse(London).— Literarische Rundschau. Die„Neue Zeit" erscheint loüchenllich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Poslanstallen und Kolporteure zum Preise von tt.LZ M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Vom»�Wahren Jacob" ist soeben die 13. Nummer des 30. Jahr- gangs 10 Seiten stark erschienen und enthält ein Porträt des verstorbenen belgischen Partctgenossen Hectoc Denis. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Von der„Gleichheit", Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 18 des 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Fünfzig Jahre.— Lassa llcs Erbschaft. Von R. Luxemburg.— Die zweite Konferenz der Textilarbeiterinnen Schlesiens. Bon Martha Hoppe.— Die Rüstungslast. II. Von H. B.— Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. I. Von Anna Blas.— Sie war eine Kämpserin! Von Emil Unger.— Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Haussrauen und: Für unsere Kinder. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 3,00 M. Brief haften der Redaktion. Die intiftifdie Sprechstunde findet Lenden st ratze SU, vor» vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentäglich von 4>z, bis 7>,i Uhr abends, Sonnabends, don 4M, bis 6 Uhr abends ftaee. Jeder sür den Briefkasten beftimmeen Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Mcrlzctchcn bctzusügen. Brlefltche Antwore wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSauittnng beigefügt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in«er Sprechstunde vor. Cr. A. 72. Wenden Sie sich an den Obmann der Kinderschuh- komuiisston Emil Böske, Lindenstraße 2. Im übrigen sind Ihre Fragen im Brieslastcn des„Vorwärts" vom 27. Mai bereits beantwortet.— W. ll. 100. Sic könnten mit Aussicht aus Ersolg rellamiercn, sosern nicht etwa die 28täglgc Frist verstrichen ist.— H. S. 9. Sie hasten sür die Prämie eines Jahres.— Hcrmsdors 1913. Das hängt von der Steuerordnung der Gemeinde, in der das Mädchen wohnt, ab. Zulässig ist die Besteuerung. — C. K. 8513. 1. Ja. 2. Nein.— Streitende. Der Standpunkt des Steuerbeamten entspricht der Rechtsprechung. Eine Berufung wäre daher aussichtslos.— B. 63. Eine Klage erscheint zurzeit aussichtslos. Sie müssen den Fälligkeitstermin abwarten und alsdann sür den Fall der Nichteinlösung des Wechsels beim Amtsgericht Lichtenberg die Wechsclklage erheben.— St. S. 800. Die Entscheidung des Gewerbegerichts ist cnd- gültig. ES läßt sich also nichts iveiter unternehmen.— M. 78. In Ihrem Falle unseres ErachtenS ja. Legen Sie Berufung ein.— A. 3. Ja. Sic können aber für die Zeit der vorjährigen Erwerbslosigkeit Steuererlaß verlangen.— N. 100. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts.— R. F. 1875. Nein, da das fragliche Gesetz sür die Erzeuger unehelicher Kinder keine Anwendung findet.— König Kranse II 1. und 2. U. E. Nein. 3. Ja. 4. und 5. Nein. ffi. M. 165.' 1. uiü> 3. Nein.— L. M. 76. 1. Ja. 3. und 3. Nein. B. Z. 100. Nein, die Gemeinde kann jedoch Marktstandgeld erheben. W. K. Ja, und zwar in Höhe von 30 Proz. des ortsüblichen Tagelohns, das sind in Berlin 1,08 M. pro Tag.— H. R. 51. 1. Der Wirt kann von den Erben Bezahlung beanspruchen, 2. Richten Sie an den Vor- der Veranlagungskomvüssion ein Erinnerungsschreiben.— 731. 1. Ja, und zwar vor Abiaus des MonatS. 2, Ja, für Z. Nein. sitzenden - P. P-............ einen weiteren Monat,— X.?) Deutscher Arbeitcr-Abstinentenbund. Ortsgruppe Berlin, Freitag, den 30. Mai 1913, abends 8>/z Uhr, im Gcwcrlschajtshausc, Engel- user 15: Versammlung. Vortrag:„Warum sind wir Wein-, Bier- und Schnnpsseinde". Diskussion. Käste willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbciasse der Metallarbeiter. (E. H. 29). Hamburg.(Filiale B a u m s ch u I c n w e g.) Soimabeud, den 31. Mai, abends 8'/z Uhr, im Lokal von Boche, Baumschulenstr. 54: Mitgliederversammlung.' Tagesordnung: Bericht von der General- Versammlung. Landsman nschaft Ileckeriiiüilde-Usedom-Wolliu. Die Landsmani«- schast ersucht Parteigenossen und Genossinnen, welche aus dem Kreise gc- bärtig sind und hier wohnen, an der am Sonnlag. den 1. Juni, nach- mittags 0 Uhr, im Lokal von Rodrigo, Borsigstr. 34, stattsindendcn Per- jammlung teilzunehmen._ Marktpreise von Berlin am 28. Mai 1913. nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 30,70 bis 30,80, mittel 30,08— 20,72, geringe 20,60— 20,04. Roggen, gute i&oile 00,00— 16,75, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futtcr- gerstc, gute Sorte 16,30— 16,70, miltel 15,00—16,10, geringe 15,10—15,50. Hafer, gute Sorte 17,00—19,50, mittel 16,50— 17,50(frei Wagen und ab iöahn). Mais(mircd), gute Sorte 15,30— 15,50. Mais(runder), guie Sorte 00,00—00,00. Richtstroh 4,80—5,00. Heu 0.00—8,00. M a r k t h a 1 1 c n p r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00, Sveiscbobnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—3,40, Rindfleisch, Bauchsteisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40—3,40. Hammelfleisch 1,50— 3,40. Butter 3,30—3,00. 60 Stück Eier 3, 00— 4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—3,40, Aale 1,80— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,30, Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs- 2,75—60,00. Witterungsübersicht vom 29. Mai 1913. ktatwnen Swinemdc. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien Wetterprognose für Freitag, den 39. Mai 1913. Wärmer und vielsach heiter, aber sehr veränderlich bei mäßigen süd- lichcn Winden; etwas Regen und Gewitterneigung; nachher kühler. Berliner Wclterbureau. Wafferstands-Nachrichten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau ')+ bedeutet Wuchs, Fall.—") Unterpegcl. �Aussergewöhnlich preiswerte Neuheiten—, Herren-Halbschuhe Damen-Leinenschuhe die führende Mode! braun Chevreau, grosse Messingösen..... 9.50 .12.50 . 8.50 braun Kalbleder, zum Knöpfen oder Riemenschnürung................. schwarz Chromleder, Lackkappe. 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Die Garantie des vollen Erfolgs liegt aber in der Verwendung des echtenPräparates„mitdemschwarzcnKopf. Diese Forderung beim Einkauf ist unerläßlich. Freitag, den 30. Mai 1913. Ansang 3 Uhr. | Lustfpielhauö. Opernaussnhnmg deS Konservalorium des Westens. Ansang 7>/. llhr. | Pratcr. Da» Bmnnielmädchen. Ansang 7'/, Uhr. \ Hönifll. Opernhaus. Mignon. | Königs. Schauspielhaus. Volks- Vorstellung: Prinz Friedrich von Homburg Anfang 8 Ubr. I Urania. Ueber den Brenner nach Venedig. | Neues Opern(Kroll). Bajazzi. CavaUeria rusticana. 1 Lessing. Alt-Wien. Deutsches. Der lebende Leichnam. | siammerspiele. Die Einnahme von Berg-op-Aooin. l Berliner, gitmzauber. s Köaiggrätzer Strafte. Das Buch einer Frau. ! Schiller«. Hasemanns Töchter. Schiller.Eharlottenburg. Moral \ Theater des Westens. Der liebe Auguftin. I Montis Operetten. Der lachende Ehemann. s Deutsches Schauspielhaus. Ein idealer Gatte. I Thealer am Nollcndorfplatz. Der Mann mit der grünen Maske. Kleines. Prosessor Bernhardt. i Deutsches Opernhaus. Martha KvmödienhauS. Hochherrschasilichc Wohnungen. Metropol. Die Kino-Königw. Thalia. Puppchcn. j Luisen. Die drei Schwestern Ran» dolf. Wintergarten. Spezialitäten. | Reichshallen,«tettmer Sänger. Anfang 8'/. Ubr. | Friedr.> Wilh. Schauspielhaus Das Farmermädchen. Residenz. Die Frau Präsidentin. Lnftspielhaus. Der lustige Kakadu. Rose. Jhone und Fessel. | Folies Caprice. Die Bairf. Sein letzter Wille. Der Cowboy. Ansang 8>/, Uhr. ! Rene« Volkstheatcr. König Krause. Anfang 9 Ubr. I Abwiralspalaft. EiSballeU: Flirt in St. Moritz. 1 Sternwarte, Jnvalidenftr. 57—62. Schiller-Thealer O.�eaTr' Freitag, abends 8 Uhr: Haaemann« Töchter. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. Sonntag, abends 8 Uhr: Mural. ISeWHeF-Thealer Chcr' Freitag, abends 8 Uhr: Mural Sonnabend, abends 8 Uhr: CSeugraphle and IJebe. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Itönip: Lear. Sonntag, abend« 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Berliner Theater. fW Filmzauber. 8 Uhr: I Das Buch einer Frau. Kroll- Oper 8 Uhr�: Sajazzi. Hierauf: ICavalleria rusticana. |(Kastspiel Or. Waldemar Staegemann.) Sonnabend: Meistersinger. Sonntag: Tannhttnscr. Thealer des Veslens. 1 8 Uhr. Bolkstüml. Vorstellung: Der liehe Augustin. Residenz-Theater. ( Schlich der Spielzeit am 31. Mai. Hie Frau Präsidentin. (Madame la Preeidonte). I Schwank in 3 Akten v. M. Henncquin und P. Veber. Morgen und folgende Tage: IMe Frau Prösldenttn. Folies Capriee. f Mein letzter Wille | Ans. S'/i{ Her Cowboy l Moll und Haben. Am 2. Juni: Premiere: Parisiana. JÄontis öperetten-Theater Theater amKoIlendorfpIatz 8 Uhr: Zum 1. Male; Der Mann mit der grünen Maske. (fr. Neues Theater). Amt Norden Itsl. Sommerpreise l Abends 8 Uhr: Gastspiel Julius Spielmann: Her lachende Ehemann. Dasjcchftc im Jiavariar/iam Triedrichftr. Scbs Tauben ffr. ein vielgerühmtes Tftei ftermerh. der Stehnik. und JZtaumhunft, Berlins vomehmftes Sicht bild-Jheat er begeht Sonnabend, den 3t Ittdi abends 8 3lhr die&röf[nungs-3eier .mit einem ,9c/t-Spielplan, .der umrahmt von aktuellen, heiteren Jutcrmczzos in-, den?.. dramati/chcn film JUchard Wagner einen hlaßifchen ftejtragziirßiO' graphic des nteifters bringt und die £cbcnskämpfe, iiebes- kämpfe des Kün/tlers unverlierbar, miedergibt. Neue Welt. Arnold Scholz. Uasenhetde 108/114. Täglich Konzert und Yorsteliung Anfang 5 Uhr. Entree 25 Pf. Jeden Hlcnstag;. Mittwoch, Donnerstag: nnd Sonntag:: Großer Ball. Saison-, Abonnements- und Vorzugskarten haben Gültigkeit. Brauerei Friedrichshain Am Konigsior. Jeden Dienstag Ork.: Ernst Eiebing. und Donnerstagnachmittag: Kaffee-Trei-Vorstellung der Norddeutschen und Apollo- Mttnger icl freiem Enttee. Freitags: Frei-Konzert. Hentsches Schansplclhans 8 Uhr: Ein Idealer Gatte. IOSE=THEATEI Kroßt Frankfurter I«r. 132,| Krone und Fessel.! Ansang S'l, Ubr:' Morgen: Krone und Fessel. Auf der Garttubühne: Achtung! Es geht los! Gr. Posse. Konz. Bunt. Seil. Ans. 4'/,. Urasila. Tanbenstraße 48/49. Wissenschaitliches Theater. Abends 8 Uhr: Ueberden Brenner nach Venedig lOCISCHER CARTSN Täglich nachm. 4 Uhr: ErJfflllär-Dflppelkoözert Eintritt 1 Mark, von 6 Ubr ab 50 PI. Eizder unter 10 Jabren die Hälfte. Jahresabonnements an allen drei Scbalterkassen. Passage- Panoplikum Der weltberühmte amerikanische Negerbozer Andrea Johnson bei sein. Training zum Kampf um die Weltmeisterschaft. Jon CrOt, der akrobatische Schlafwandler! Oer Mann mit der eisernen Hand. die schwebende Jungtran! Alles lebend! IKS Aga, Alles ohne Extra-Entree! Brauerei Friedrichshain. Heule Freitag, d. 30. Mai, adds.S'/.U.: Volks-Sinfonie-Konzert des BlUthnor- Orchesters. Dirigent: Guido von Fuchs. SoL: Gittfried Zeelandar(Cello). Karten a SO Pfennig bei A. Werth eirn. Leipziger Straße; P. Horsch, Engelufer 15; allen Verkaufsstellen der Neuen Freien Volksbühne, d.Konsumgeschäfton d. Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend; Verband für Thestervergünstigung, Linkst. 42; Orchosterb ureau, Lützowstraßo 76 nnd an der Abendkasse. idmiralspalast- Eü-lrena Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich das er. erfolgreiche EisbaUott Flirt in 8t. Moritz. Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Itangcs. Wein- nnd Bier-Abteilung. 3töe)ropol-7heater. Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von JuL Freund und®. Okonkowski. Musik von Jean«llbcrt. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. _ Ansang 8 Uhr: Boigt-Theater. Badstrafte 58. Freitag, den 30. Mai 1913; Jlnf nach Amerika. Spezialitäten allererst. Ranges. Kassenöffnung 2 Uhr. Ansang 4'/, Uhr. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. „Stucke's Pfiugstlaliil" Berliner Burleske von Heysei Anfang 8 Uhr. Für den Inhalt der Jnierare übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei BerantUiortuna.__ Arbeiter, Kandwerker, Mann jeder praktisch Jeder jeder � � arbeitende der für seine Arbeit, für seinen Beruf, besonders vorteilhast geeignete Kleidung nötig hat, kaust diese bei der bekannten Firma flrbeitsKkidung ♦ Berufskkiflung. Hauptgelchäst: Alexanderstr. 12. Zweiggeschäfte: Rosenthaler Str. 5Z— Landsberger Allee 148— Kcnkölln: Bergstr. Reelle billtge Preise, erprobte solide Ltualitäte», guter Sitz, richtige Machart, beste Verarbeitung, gröftte Auswahl. 6«. tlaa» Scbwarzkopf, G.ur.d. n., BcrUs M37. verantwortlicher SMgktezn: Ajftcjz Wicjepv, Aieukölln. Für des Lnjergtenlxtl verants-i Tlf. Glocke, Berlin. Drnckll.Vxrlag: Borwärt» Bilchdrnckeret u. Berlagsanllatt Kaul Singer u. SM, Berlin SÄ.