Ur. 134. flboniMtnenU'Bedindu ngen: Abonnement?• Brei? pränumerando: Ziert eljähil.»A> Mk, monatl. I,IV Mb, wöchentlich LS Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Eomitax'. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post. Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband tür Teutschland und Oesterreich- Ungarn Lchv Mark, für da? übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnemen:? nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. kUchelnt lZglich. Zerlinev Oolksblntk. Die TnfertionS'Gcbüljr beträgt für die sechsgespaltcue Kolonel- zcilc oder deren Raunr m Pfg., für politische und gewcrkichaftliche Lereins- und Lersiunmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine Anreigen", das fcttgedrulkie Wort 20 Pfg.(zulässig ÜfcttgedNiclte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenlin- zcigeii das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lä Blich- staben zählen für zwei Worte. Inserate kür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat RcrllD". Zcntralorgan der rozialckmokrati fchen Partei Dcutfchlands. Redahtion: SSI. 68, Lindcnstraeec 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 1. Juni 1013. Expedition: SM. 68, I-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Mortüplati, Nr. 1.98t. ver vorfriede. Tic Unterzeichnung des Friedensprotokolls in London beendet einen Abschnitt in der Lösung der orientalischen Frage und eröffnet neue Möglichkeiten weltpolitischer EntWickelung, denn dieser Friedensvertrag bedeutet keine definitive Lösung weder für die Sieger noch für die Besiegten. Tie Balkan st aaten stehen jetzt vor dem Problem der definitiven Abgrenzung ihrer Gebiete. Die an sich wegen der Nationalitätenmischung schon sehr schwierige Frage ist dltrch die Verschiedenartigkeit des Kriegsglücks und durch die Politik der Großmächte noch komplizierter geworden. Indem Oesterreich Serbien den Zugang zur Adria verwehrte und so den wichtigsten wirtschaftlichen Zweck vereitelte, den das serbische Bürgertum durch den Krieg zu erreichen hoffte, schuf es zugleich den jetzt niit so großer Schärfe zutage tretenden Konflikt zwischen Serbien und Bulgarien. Da der Weg zur Adria versperrt ist, will Serbien freie Bahn über Mazedonien und Saloniki an das Aegäische Mecr. Deshalb will es die im Bündnisvertrage Bulgarien zugestandenen mazedonischen Ge- biete nicht herausgeben, deshalb verlangt es, seine Grenze un- mittelbar an die griechischen zu rücken und hat mit Griechen- land einen Verteidigungsvertrag gegen Bulgarien geschlossen, um Griechenland iin Besitze Salonikis, der ein Freihafen werden soll, zu schützen. So ernst aber auch diese Differenzen sind, so ist es doch heute noch das unwahrscf)einlichere, daß es zwischen den Balkanstaatcn zuin Kriege kommen wird. Dazu sind die Völker zu sehr erschöpft und dagegen spricht auch das Interesse Rußlands, das seine durch die Fehler der österreichischen Politik neu gestärkte Stellung nicht durch einen solchen Krieg cnttverten lassen will. So ist die Meinung berechtigt, daß schließlich auf dent Balkan zunächst Ruhe werden wird. Wie lange freilich diese unfertigen Staaten, zu denen noch das Kunstgebilde Albanien kommt, Frieden halten werden, bleibt zweifelhaft. Denn die sozialdemokratische Lösung der balkanischen Einheitsrepublik, in der sowohl die Nationaliätenfragen wie die Wirtschaft- liehen Interessen ausgeglichen werden könnten, findet an den rivalisierenden Gegnerschaften der herrschenden Schichten vor- läufig noch unüberwindbarcn Widerstand. Noch wichtiger aber für das übrige Europa als die Zu- kunft der Sieger, ist die des Besiegten. Schon jetzt hat die Niederlage der Türkei weltpolitisdje Wandlungen von großer Bedeutung angebahnt. Und als eigentlicher Sieger aus den mörderischen Kämpfen der anderen geht England hervor. Tic türkische Revolution schien die Wiedergeburt der Türkei einen Moment lang zu bedeuten. Das Erstarken der Türkei ober war eine Drohung für das britische Reich, das an seinen wichtigsten weltpolitischen Stellungen, in Cypern, in Aegypten, am Persischen Golf, türkisches Gebiet innc hat. Und diese Drohung schien um so gefährlicher, da der deutsche Imperialismus die Türkei in Dienst und Rechnung seiner Weltpoliiik gestellt hatte. Tie Niederlage der Tiirkeit sichert für absehbare Zeit die englische Weltstcllung. Zugleich be- endet sie die Liquidierung der Stellung, die Deittschland bisher in der Türkei innc hatte. Daher die Abschwächung des deuftch-englischen Gegensatzes. Die Bagdadbahn scheidet als imlitärisch-politischer Faktor aus der deiitsch-englischen Rechnung. England und Deutschland finden in dieser Frage eine gegenseitige Verständigung. Die Bagdadbahn endet bei Basra, der Persische Golf mit dem ganzen Mündungsgebiet des Tigris und Euphrat wird unbestrittene englische Ein- flußsphärc. Zugleich hat die geschickte Leitung der englischen Diplo- matte das moralische Prestige Englands außerordentlich ge- stärkt. England erscheint den Völkern im Osten mächtiger als je und die nach Asien zurückgedrängte Türkei beeilt sich, für den Versuch einer Reorganisation ihrer Verwaltung und Neugestaltung ihres Staates englische Beamte, englische Hilfe zu gewinnen. Ter Einfluß Englands in Vorderasien scheint wieder im Wachsen zu sein, zugleich erscheint die Türkei mehr als je auf das Niveau einer Kolonie herabzusinken. Tics bedeutet aber zugleich, daß die orientalische Frage, die freilich im Zeitalter des Jinperialismus ein ganz anderes Ansehen gewonnen hat, mit all ihren Gefahren offen bleibt. Zu dem alten Problem von Konstantinopel und den Meerengen tritt in stets steigender Bedeutung das neue der asiatischen Türkei hinzu. In Syrien, in Armenien, in Arabien harren Aufgaben der Lösung, die auch eine weitaus stärkere Staatsmacht als die türkische kaum bewältigen könnte, selbst wenn sie nicht ununterbrochen auf die rivalisierenden und ihr oft feindlichen Interessen Teutschlands, Rußlands, Englands und Frankreichs stoßen würde. i Sc lebensunfähiger sich aber die Türkei erweist, desto größer{ die Versuchungen für die Mächte, aktiv einzugreifen und Teile ihres Gebiets in eigene Kolonien zu verwandeln. Und noch ein Punkt bedarf besonderer Hervorhebung. Die Abschwächung deS deutsch-englischen Gegensatzes, die während der jüngsten Entwickelung zunächst eingetreten ist, hat sich auch in der Abnahme des gegenseitigen Wettrüstens zur See geäußert. Zugleich aber hat sie Deutschland die un- geheure Vermehrung des Heeres gebracht. Der Verminderung des deutsch-englischen Gegensatzes-' entspricht so die Vergröße- rung des deutsch-französischen und des deutsch-russischen Gegen- satzes, der gerade durch die deutsche Heeresvermehrnng, wenn nicht erzeugt, so doch offenbar geworden ist. Das Wettrüsten zu Lande mit Rußland ist aber womöglich noch sinnloser und aussichtsloser als das Wettrüsten zur See mit England. Trotz aller Reaktion hat die russische Revolution der ökonomischen Entwickelung Rußlands freie Bahn gebrochen und diese eilt mit Riesenschritten voran. Schon die letzte Hochkonjunktur- Periode hat in Rußland viele finanziellen Wunden geheilt, die die Revolution und der japanische Krieg geschlagen hatten. Noch ein oder zwei solcher Perioden und die russische Macht steht stärker als je da. Dies bedeutet aber für Deutschland bei der Fortdauer des bisherigen Systems die Versuchung zu weiterer Heeresvermehrnng und befreit England von der Sorge der deutschen Seerüstungen 1 von der anti-englischen Flottenpolitik muß Deutschland zur anti-russischen Heeres- Politik zurückkehren, von der See- zur'Kontinentalpolitik. So bedeutet der Balkankrieg auch für den deutschen Im- perialismus eine wichtige Wendung. Die asiatische Politik, die die aussichtsreichste erschien, erscheint heute erfolgloser als je und sicher bleiben nur die ungeheuren Lasten und die unge- heuren Gefahren, die diese Rüstungspolitik, die immer mehr zum Selbstzweck wird, über die Nationen verhängt. Um so energischer, zielbewußter und ausdauernder muß daher die Arbeiterklasse aller Länder im gemeinsamen Kampf gegen den Imperialismus sich zusammenschließen. 4- ** Aenßerungen der Balkandelcgierten zum Friedensschluß. London, 30. Mai. Nach Danews Rede erklärte P 0 p 0- witsch, die montenegrinischen Delegierten seicp äußerst unbefriedigt von den Bedingungen, die sie gezwungen worden seien anzunehmen. Da England eine führende Rolle dabei übernomnien habe, Montenegro Skutaris zu berauben, so betrachteten sie es jetzt als ihren Schuldner und erwarten von ihm, daß es ihnen wenigstens eine Aenderung der albanischen Grenze verschaffe, welche ihnen anbaufähiges Land undeinenatürlicheStraßezwischenPodgoritza undFpekgebe. Skuludis(Griechenland) verlas eine Erklärung, wonach die griechischen Delegierten den Vertrag auf das aus- drücklichc Versprechen der türkischen Delegierten hin unter zeichnet haben, auf der heutigen Sitzung die Erklärung abzu geben, daß die Verträge und Konventionen, die vor dem Kriege zivischen den beiden Regierungen in Kraft Ivaren, niit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen wieder volle Gültigkeit erlangen würden. O s m a n N i s a m i er- klärte, er bestreite zivar nicht das Prinzip der Erneuerung der Konventionen, er habe aber die Instruktionen nicht erhalten, die er an jenem Vormittag zu erhalten hoffte. Zum Schluß kündigte D a n e w an, daß nach Beratung unter einigen Delegierten beschlossen ivorden sei, daß ein Zusatzprotokoll zu dem Vertrag unterzeichnet werden soll, wonach der Vertrag unmittelbar nach der Unterzeichnung in Kraft tritt. Die serbischen, griechischen und montenegrinischen Delegierten erklärten, dies sei das erste, was sie von einem solchen Zusatzprotokoll hörten und sie hätten keine Vollmacht, es zu unterzeichnen. G r e Y erklärte darauf den Delegierten, die Räume des Palastes ständen zu ihrer Ver- fügung, wenn sie die Beratung fortzusetzen wünschten, und verließ dann den Palast. Die türkischen und bulgarischen Delegierten unterzeichneten sodann das Zusatzprotokoll, worauf die Delegierten beschlossen, Montag oder Dienstag im Palast zusammenzukommen, um das Protoll der heutigen VerHand- lungen zu genehmigen. Verständigung zwischen Bulgarien nnd Griechenland. Wien, 31. Mai. Die„Politische Korrespondenz' meldet von amtlicher griechischer Seite aus Saloniki: In der Unterredung mit S a r a f 0 w erklärte V c n i z e l 0 S, es sei dringend geboten, Zwischenfällen wie den letzten bewaffneten Zusammenstöbcn zwischen griechischen und bulgarischen Truppen durch eine freundschaftliche Verständigung zwischen den Regierungen der Verbündeten über die Verteilung der eroberten Gebiete ein Ende zu setzen. Im Hinblick auf den Abschluß des Vorfriedens sei es an der Zeit, daß die Lenker der Geschicke der Verbündeten sich an den Tisch setzten, um Meinungsverschiedenheiten durch gegen- seitige Zugeständnisse beizulegen. Sollte es sich als un- möglich erweisen, ein Einvernehmen zu erzielen, wäre die Lösung der Differenzen einem Schiedsgerichte anzuvertrauen. Die Antwort Sarasows war vom gleichen friedlichen Geiste erfüllt und ungefähr in gleichem Sinne gehalten wie die Worte Venizelos. Vertagung der Begegnung der Ministerpräsidenten. Sofia, 3l. Mai. Die Begegnung des Ministerpräsidenten G e s ch 0 w mit dem serbischen Ministerpräsidenten Paschitsch ist vertagt worden. Eine Beratung der Delegierten des Balkanbundes. London, 31. Mai. Wie das Reutersche Bureau erfährt, berieten in ihrer heutigen Zusammenkunft die vier B a l k a n m i s s i 0 n e n über die Einleitung von Verhandlungen über besondere Abmachungen mit der Türkei wegen verschiedener Fragen, die aus dem Kriege hervorgegangen und nicht durch den Friedensvertrag geregelt sind. Die gefaßten Beschlüsse werden den türkischen Delegierten vorgelegt werden, um zu einem gemeinsamen Plan für die nächste Zusammen- kunft am Montag zu gelangen. Am Montag werden die Delegierten ihre Entscheidung über den Ort der Verhandlungen und über die Fragen, die noch ihrer Lösung harren, treffen. „yagelichlsg" in eiisk-cothkingen. Aus dem Reichstage. Bei der Fortsetzung der Be? ratung der sozialdemokratischen Interpellation über die Vor- gängc in E I s a ß- L 0 t h r i n g e n kam am Tonnabend einer der meistgenannten Männer in der Angelegenheit, der elsaß- lothringische Untcrstaatssckretär Mandel, zn Wort. Man vermutet in ihin den eigentlichen Vater aller gegenwärtigen Hindernisse. Schon am Freitag war der Herr auf der Bundesratsestrade dadurch ausgefallen, daß er gelegentlich den sozialdemokratischen Redner durch Zwischenbemerkungen unterbrach, ein Verhalten, das man bei den streng gemessenen norddeutschen Regierungsbureaukraten nicht gewohnt ist, und das auch augenscheinlich die lebhafte Mißbilligung des Ober- buroankraten Bethmann Hollwcq erregte. Wenn der Herr Mandel aber keine schlimmeren Eigen- schaften hätte als diese und als seine etwas poltcrnd- nrwüchsigc Redeweise, die der Reichstag am Sonnabend kennen lernte, so könnte er uns schließlich noch besser gefallen als das übliche Aufgebot der Regierungsvertreter. Leider ist aber die natürlichere Art des Süddeutschen nur eine Acußerlichkeit des Herrn Mandel. Im Innern ist er ein n tu> deutscher Reaktionär, der sich vor keinem seiner preußischen Regiernngs- tollegen zu verstecken braucht. Es war geradezu erbarmungs- würdig, daß der Herr nicht-s anderes zu sagen wußte, als die dürftigen Argumente seiner schriftlichen Begründung noch einmal zu wiederholen. Dabei entichliipfte ibm freilich manch urkomische Beiner- kung. So schilderte er die Bauern. Handwerker und Arbeiter des Elsaß als Männer mit deutscher Gesinnung, die eigcnt- liche Bourgeoisie dagegen tauge nichts. Unter allgemeiner Heiterkeit wurde ihm von sozialdemokratischer Seite da- zwischengernfen, daß nicht nur ini Eliaß die Bourgeoisie nichts wert sei. Einen geradezu seltenen Lachcrsolg hatte er mit der weiteren Bemerkung, daß die Bourgeois im Elsaß sich weniger vor der elsaß-lothringischen Regierung als viclniehr vor ihren Vettern und noch mehr vor ihren Cousinen in Paris fürchten. Und eine dritte geistvolle Bemerkung entschlüpfte ihm, als er gelegentliche Ausnahmegesetze mit Hagelschlägen Urnd ihrer Unvermeidlichkeit verglich. Das ist natürlich ein ganz unpassender Vergleich. Hagel- schlüge sind natürliche Erscheinungen, die durch nnabwend- bare Naturvorgänge herbeigeführt werden. Ausnahmegesetze dagegen sind nichts Natürliches, sondern sie sind künstliche Mittel unfähiger Regierungen, um mit Gewalt natürliche Eikttvicklungsvorgänge gesellschaftlicher Art gewaltsam zu hindern. Gegen Hagelschläge ist der Mensch schutzlos. Gegen Ausnahmegesetze dagegen kann sich der Mensch schützen. Er braucht sich nur seine Rechte zu erkämpfen oder die vorbände- neu zn sichern und mit Furchtlosigkeit und Energie den Dummköpfen, die nach Oxenstiernas verderblichem Worte Ausnahmegesetze zum Regieren brauchen, entgegenzutreten. Von bürgerlicher Seite wurde nichts Erhebliches zur Sache gesagt. Von unserer Fraktion hielt Genosse W e i l l, der Vertreter von Metz, eine scharfe, gut dokumentierte Rede. Sie erreichte einen glanzvollen Höhepunkt mit der Darlegung der Notwendigkeit, die Reichslande zu einer Republik, selbst- verständlich im Rahmen des Deutschen Reiches, aber zugleich mit freier demokratischer Verfassung umzugestalten. Genosse P c i r 0 t e s, gleichfalls ein Elsaß-Lothringer, gab Herrn Mandel die wohlverdiente überlegen-humoristischc Antwort. Tic Steiierfreiheit der Fürsten? des Rcichsiags Budgctkommisiion des Reichstags setzte am Sonnabend die Beratungen des Wehrbcitragcs fort. Abg. Graf Westarp wendete sich lebhaft gegen die Besteuerung der Fürsten, die als Träger der Staatsgewalt einer Besteuerung nicht unterworfen werden dürfen. Daran könne auch durch Rcichsgesctze nichts ge- ändert werden. Die ablehnende Haltung der Regierung gegen den sozialdemokratischen Antrag sei gerechtfertigt.— Abg. Gröber polemisierte gegen die Regierung, die den Begriff„Souveränität" ganz falsch auslege. Die Auffassung der Regierung setze den Abso- lutismus voraus, der aber glücklicherweise nickst mehr existiere. Schon allein die Tatsache, daß auch die Landesherren im Zivil- verfahren der allgemeinen Gerichtsbarkeit unterstellt seien, beweise, daß die Souveränität der Fürsten nicht mehr in dem von der Rc- gicrung angeführten Sinne bestehe. Wenn ein Landesherr einen gewerblichen Betrieb besitze, müsse er auch heute schon die aus dem Betriebe lastenden Steuern bezahlen. In Württemberg sei aus- drücklich nur das Krongut von der Steuerpslicht ausgenommen. Tie Unterwerfung der Landesherren unter die Steuerhoheit des Staates fei Hegebenz die Regierung werde nicht imstande seuy daZ föc�euleil zu bewciscir. T-a die Souveräne öcr Bui'.dcsstaatcn nicht uuch Souveräne des Reichs seien, könne ihre Steuerpflicht für Reichszwccke nicht mehr ernstlich bestritten werden. Wenn ein beut- scher Landesherr in einem anderen deutschen Bundesstaat Besitz- tum habe, miisie er dort, wie die Praxis zeige, wie jeder andere Besitzer Steuern und Abgaben bezahlen. Wenn dem König von Preußen in den Reichslanden eine Erbschaft zufallen würde, müsse er dort nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen die Erbschafts- stcuer bezahlen. Soweit der Wchrbeiirag in Betracht komme, hätten nach der Erklärung des Schatzsekretärs die deutschen Fürsten ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen, den Beitrag nach Maßgabe des Ge- sctzcz zu zahlen. Deshalb sei die Aufnahme einer die Fürsten be- treffenden Bestimmung im vorliegenden Gesetz nicht notwendig; dagegen müsse bei den noch zur Beratung stehanden weiteren Stcuer- gcsctzcn die Steucrpflicht der Fürsten entschieden werden.— Genosse S ü d c k u m stellte fest, daß die Mehrheit der Kam- Mission die Steuerpflicht der Fürsten anerkennt, ebenso auch, daß die Fürsten sich auch dem Veranlagungsverfahren zu unterwerfen haben. Nicht einig sei die Mehrheit in der Frage, wie die fürstliche Steucrpflicht gesetzlich ausgesprochen werden solle. Wenn die So- zialdemokratie auch im Gesetz über den Wehrbeitrag die Steuer- Pflicht der Fürsten ausgesprochen wissen wolle, so keineswegs deshalb, um ein neues Recht zu schaffen, sondern um auszusprechen, was rechten? sei. In England niüssc laut Gesetz der König wie jeder andere Staatsbürger Steuern bezahlen. Nach Auffassung der deutschen Regierung wäre somit der König von England kein Sou- verän. Mit anderen Worten: Nach Ansicht derdcutschen Regierung sei der Mann ein Souverän, der keine Steuern bezahle. Sollte den Monarchisten diese Einschätzung der Fürsten gefallen?— Abg. v. P a y e r bekämpfe gleichfalls die Ansicht der Regierung und der Konservativen als grundfalsch. Selbst wenn man die Souveränität der Fürsten in ihren Bundesstaaten anerkennen wollte, so kenn« doch das Reich keinen Souverän. Oder wolle die Regierung behaupten, daß z. B. dem Fürsten von Lippe Souveräns- tätsrechte über das Reich zustehen? Der sozialdemokratische An- trag sei gerechtfertigt, allerdings müsse eine redaktionelle Aenderung eintreten. Noch richtiger würde es aber sein, dem volksparteilichen Antrage zuzustimmen, der das zur Repräsentation und zur Kunst- pflege dienende Kronvermögcn von der Steuerpflicht für den Wehr- beitrag ausschließe.— Abg. F i s ch b e ck drückte sein Befremden darüber aus, daß die Regierung jetzt schweige. Sie müsse doch un- umwunden erklären, wie sie sich endgültig zu den Anträgen stelle. Genosse H a a s e führte aus, daß auch bei den Sozialdemokraten die von einzelnen Rednern aufgeworfenen formalen Bedenken bestanden, aber nach genauer Prüfung der Sachlage konnten diese Bedenken als hinfällig betrachtet werden. Der sozialdemokratische Antrag verhindere, daß Auslegungen zugunsten der Fürsten ein- treten könnten. Wenn der Reichstag sich mit dem freiwilligen Beitrag der Fürsten begnügen würde, so entstehe die Gefahr, daß dann später die Regierung komme und sage: Der Reichstag hat sich mit dem freiwilligen Beitrag zufriedengegeben und damit aner- kannt, daß eine Steuerpflicht für die Fürsten nicht existiert. ES fei deshalb dringend geboten, die Steuerpflicht der Fürsten klipp und klar im Gesetz auszusprechen. Wolle weiter die Regierung mit ihrem Hinweis auf den 1871 unter den. deutschen Fürsten abgeschlossenen Bündnisvertrag glauben niawen, die Fürsten hätten dabei besonders daran gedacht, einen !Wgrl gegen ihre spätere Heranziehung zu Steuern vorzuschieben? Das hieße denn doch die deutschen FUrstsen direkt beleidigem— Staatssekretär L i S c o erklärte, die Verhältnisse in anderen Län- dem berührten Deutschland nicht. Die Fürsten seien vor der MichSgründung steuerfrei gewesen, hätten somit auch heute noch auf dieses Privileg Anspruch. Herr Lisco versuchte dann, durch juristische und staatsrechtliche Darlegungen diese Auffassung zu vcr- leidigen. Genosse L c n s ch führte aus, die Souveränität vieler beut- scher Fürsten beruhe darauf, daß Napoleon vor reichlich hundert Iahren ihre Existenz nicht gekannt habe, sonst würde er sie hinweg- geblasen haben. Das Volk würde es nicht verstehen, wenn jetzt die Fürsten nicht zur Erfüllung der Steucrpflicht angehalten würden. Ein Vorschlag des Genossen Frank, die Debatte abzubrechen, um in Ruhe eine passende Formulierung für die Anträge suchen zu können, wurde abgelehnt. Abg. Fischbeck wünschte darüber Auskunft, ob die Fürsten bereit seien, vom Kronfidcikommiß frei- willig eine Vermögensabgabe zu leisten.— Abg. Gröber wünschte zu wissen, ob die Fürsten auch vo» ihrer Zivilliste einen Beitrag leisten würden. Es sei zu befürchten, daß nach der freiwilligen Beitragslcistung deren Höhe bemängelt und dann eine Hetze gegen die deutschen Fürsten einsetzen werde, die vermieden werden sollte. Darum solle die Regierung der Steuerpflicht und Veranlagung zustimmen.— Schatzsekretär Kühn bestritt, daß die Erbschafts- und WcrtzuwachSsteuer zum Vergleich herangezogen werden könn- tcn, denn das seien doch indirekte Steuern, die naturgemäß die Fürsten leisten müßten. Vom Kronvermögen dürfe keine Abgabe erhoben werden, auch nicht von der Zivilliste. Die Steuerfreiheit der Fürsten aufzuheben, sei nicht angängig. Die .Kommission könne in den an das Plenum zu erstattenden Bericht ihre Auffassung über die Steuerpflicht der Fürsten hineinschrcibcn, aber von der Aufnahme einer Bestimmung in das Gesetz rate er dringend ab.— Abg. Erzbergcr erklärte, von dieser Auskunft nicht befriedigt zu sein. Er fei auch der Meinung, daß die Ver- mögen der Fürsten außerordentlich überschätzt würden. Sollte noch das Krongut von der Steuerpflicht befreit werden, so würden die Fürsten zusammen nur eine verhältnismäßig geringe Summe auf- bringen und dann komme die Hetze, die recht unangenehm werden könne.— Schatzfckrctär Kühn fürchtete auch, daß man gegen die Fürsten solche Vorwürfe erheben werde. Es stehe aber doch außer Zweifel, daß die Fürsten ihre Vermögen genau einschätzten und dementsprechend bezahlen würden, auch von solchen Vermögen, die in anderen Staaten in Grund und Besitz angelegt seien. Ein sozialdemotratischer Antrag fordert unter Zurückziehung des ersten Antrages, daß der Bundesrat bestimmen soll, wer für die fürstlichen Vermögen eine zur Veranlagung giltige Erklärung ab- zugeben hat.— Genosse David machte darauf aufmerksam, daß die Regierung, wenn der Reichstag die Steuerpflicht der Fürsten ausspricht, nicht nein sagen kann, weil es einfach unmöglich sei, den Wchrbeitrag an der Steuerpflicht der Fürsten scheitern zu lassen. Der Reichstag habe'jetzt die Macht in der Hand, und es würde ihn eine schwere Verantwortung treffen, wenn er von dieser Macht des Augenblicks keinen Gebrauch machen wollte.— Abg. Schiffer erklärte, die Nationalliberalen lehnen den sozialdemokratischen An- trag ab, weil sie es nicht mitmachen wollen, daß der Reichstag eine für ihn günstige Situation gegen die Fürsten auszunützen trachtet. Das Vertrauensverhältnis zwischen den Fürsten und dem Reichs- Parlament werde erheblich gestört werden.— Abg. G o t h e i n be- dauerte diese Erklärung, der Genosse David noch die Tatsache entgegenstellte, daß der Nationalliberale F u n ck im Plenum des Reichstags die Steuerpflicht der Fürsten bejaht hat.— Graf Westarp erblickte in dem neuen sozialdemokratischen Antrage eine schwere Beeinträchtigung der Fürsten, weil ihnen das Recht ge- nommcn werden solle, ihr Vermögen selbst zu deklarieren. Dieses Recht besitze sonst jedermann.—?!ach weiterer unwesentlicher Debatte wurde her volksparteiliche Antrag abgelehnt, dagegen der sozialdemokratische Antrag angenommen, womit die Verpflichtung der Fürsten zur Leistung des Wehrbeitrags aus- gesprochen ist.— Die nächste Sitzung findet Mittwoch statt.. Sie„deutsche Panik" in England. Aus London wird uns geschrieben: Aus der von uns wiederholt citiertcn Artikelserie der „Daily News" verdient die Geschichte der„deutschen Panik", die in England vor etlichen Jahren ausgebrochen war, be- sondere Hervorhebung. Ihr handgreiflichstes Endergebnis war der Bau der vier Extradrcadnoughts und eine gewaltige Zunahme der Rüstungsausgaben im allgemeinen, dje den Urhebern der Panik direkt zugute kani. Wir findet! hier zum ersten Male die Geschichte dieser für den modernen Patriotis- mus so charakteristischen Episode ini Zusammenhange dar- gestellt und durch Dokumente gestützt. Es sind meist Aus- zügc aus Reden und Briese. die der Leffeutlichkcit zu- gänglich sind, die aber erst im Znsamnienhang ihren richtigen Wert offenbaren und Licht auf eine der kühnsten Machen- schaften des Rüstungskapitals werfen. � Nach der ins einzelne gehenden Schilderung der„Daily News" handelte es sich in erster Linie um die Agitation der Rüstungsfabrikantcu. Kic Firma, die in dieser Agitation die erste Geige spielte, war die Gcschützfabrik zu Coveutrh, die drei großen dem Rüstungstrust angeschlossenen Werken gehört. Die Geschützfabrik zu Coventry ist ztvar nicht einer der allergrößten Betriebe in der Rüstungs- brauche, doch hatte sie im Jahre 1906 einen sehr energischen geschäftsführenden Direktor, den Herrn M n l l i n e r. Dieser fing im Jahre 1906 an, die englische Regierung mit Warnungen zu bombardieren, bereu Inhalt der war, daß man in Deutsch- tand, und zwar in den Kruppschen Werken in Essen daran sei, Einrichtungen zur Herstellung von Kriegsmaterial zu treffen, die alles, was in England vorhanden sei, weit überträfen. Die Regierung schenkte diesen Warnungen zuerst keine Aufmerk- samkcit. Doch der Geschäftsführer der Geschützfabrik war unermüdlich. Drei Jahre lang verfolgte er seine unwilligen Auftraggeber. Er gewann einflußreiche Politiker der Opposition für sich, beeinflußte Publizisten und Zeitungen und sah seine Anstrengungen schließlich mit Sieg gekrönt, als es ihm gelang, „einen der größten Soldaten" des Landes von der Nähe der drohenden„deutschen Gefahr" zu überzeugen. Die Regierung lud Herrn Mulliner zu einer Kabinettsitzung ein, wo er den Ministern seine„Informationen" auseinandersetzte. Als die von den Rüstungspatrioten geschürte Hetze ihren Höhepunkt erreichte, kapitulierte die Regierung. Später hat es sich nun herausgestellt, daß die Angaben, die den Vorwand zu der großen Rüstungsvermchrllng in England lieferten, dreister Schwindel waren. Leider kam die Erkenntnis der Wahrheit zu spät: sie kam erst, nachdem das Unheil angerichtet, die Millionen verpulvert worden waren und nachdem England und Deutschland um ein Haar in einen furchtbaren Krieg ge- stürzt worden waren. Dies ist die Episode in ihren Hauptunirissen. Doch auch ihre Einzelheiten entbehren nicht des Interesses. Herr Mulliner begann seinen Feldzug im Mai 1906. als er einen Brief an die Adniiralität schrieb, der später(1909 und 1910) im Untcrhause von oppositionellen Mitgliedern, die die Regierung zu Rüstungsvcrmehrungen drängten, zitiert wurde. Der Brief lautete: „Wissen Sie, daß Krupp augenblicklich ungeheure Aus- gaben niacht, um sehr große Schiffsgcschütze und Montieriings- stücke schnell herstellen zu können? Wir haben letzthin sehr viel mit Deutschland zu tun gehabt und sinden, daß Krupp alle großen Maschiucnwerkzeug- fabrikantcn auf die nächsten ein oder zwei Jahre voll mit Aufträgen versehen hat. Wir schätzen, daß die Firma Krupp gegenwärtig weitere 8 Millionen Pfund ausgibt für die Er- Weiterung der ungeheuren Werke, die sie schon besitzt. Ihr ganzer Plan scheint auf Schnelligkeit der Produktion hinanSzul'aufcn. So stellt sie zum Beispiel ungeheuer nlächtige Drehbänke her, die ein Geschiitz von ILzölligcm Kaliber �ur selben Zeit bohrt imd dreht, wodurch sie wenigstens eine Ersparnis von einem Drittel der Zeit zu erzielen gedenkt.... Diese Betrichserweiterungen usw. werden es ihr möglich machen, eine Produktion zu erzielen, die über die gesamte .Produktionsfähigkeit Großbritanniens weit hinausgeht." Neben dieser Jiisormation gab es noch andere Angaben, deren Urheber jedoch nicht bekannt ist. So hieß es, daß die Firma Krupp vom Jahre 1900 bis 1909 die Zahl ihrer Arbeiter von 62 000 auf über 100 000 vermehrt habe, daß sie sich zur Herstellung einer genügend großen Zahl von Geschützen und Montierungsstücke» vorbereitet, um die Bedürfnisse von 14 Hellingen zu befriedigen, damit man in Deutschland Plötz- sich 14 Schlachtschiffe bauen und so die Vorhcrrsdstfft Englands zur See vernichten könne. Diese von„Sachverständigen" her- rührende Jnforination bildete das Material, mit dem man die Panik und die Rüstungsaufträge vorbereitete. Im Monat November 1908 gelang es Herrn Mulliner,„einen unserer größten Generale" zu überzeugen, dessen Vorstellungen bei der Regierung Gehör fanden. Wer dieser General war, das hat Herr Mulliner nicht ausgeplaudert. Doch ist be- merkenswert, daß im November desselben JahrcS Lord Roberts im Oberhaus« eine Resolution einbrachte, in der es hieß, daß das Reich in Gefahr sei. Der Fcldmarschall meinte in seiner Rede:„Ich kann nicht unihin, zu fühlen, daß uns in einer nicht sehr fernen Zukunft ein schreckliches Erwachen be- vorsteht." Am 3, März 1900 hatte Herr Mulliner die Ehre, vor dem Kabinett zu erscheinen, dem er auseinander- setzte, welche gewaltige Vorbereitungen zur Aufrüstung man in Deutschland mache. Und das ganze Gebäude der unmittelbar bevorstehenden „deutschen Gefahr" beruhte auf plumpen Lügen, wie eS sich später herausstellen sollte, nachdem die Nation ihr Geld ans- gegeben hatte und die„Sachverständigen" verstummt waren. Die gewaltige Kruppsche Betricbserweiterung, die das Mittel sein sollte, England die Seeherrschaft streitig zu machen, er- wies sich als eine Erfindung. Was der Geschäftsführer der Eovcntrycr Geschützfabrik steif und fest behauptet, was ihm, „dem wahrhaft patriotischen Manne", die Politiker, früheren Minister, Journalisten und Generale nachgebetet, was die Re- gierung zum Handeln gezwungen hatte, war eine Lüge. Nach den Angaben Herrn M u l l i n e r s gössen die deutschen M a- schinenwerkzeugfabrikantcn zwischen 1907 und 1900 ihre gesamte Produktion in die Kruppschen Werke. Am 1. Ja- nuar befanden sich in den Essener Werken Krupps 6K00 Ma- schiuen und Maschincnwerkzeugc aller Größen: am 1. Januar 1809 war ihre Zahl auf 7200 gestiegen. Danach produzierte Deutschland nur 330 Maschinen und Maschinenwerkzeuge im Jahre. Eine groteske Annahme! Am 1. Januar 1907 be- schäftigte Krupp 64 353 Personen, davon 3374-5 in Essen. Am 1. Januar 1909 betrug die Gesamtzahl der von Krupp be- schästigten Personen nur 63 191. Die Zahl war also gesunken und nicht um 60 Prozent gestiegen, wie die Urheber der „deutschen Panik" behauptet hatten. In ähnlicher Weise „verrechneten" sich die Nüstungstreiber in bezug auf die Zahl der deutschen Dreadnoughts. Herr Balfour berechnete am 16. März 1909 die Zahl der deutschen Dreadnoughts wie folgt: Fertiggestellte deutsche Dreadnoughts Dezember 1910... 13 Juli 1911..... 17 April 1912.... 21 oder 25 Die wirklichen Zahlen sind: Effektive Stärke Deutsche Dreadnoughts Mitte 1912..... 13 „ 1913..... 17 „ 1914..... 21 Für das Jahr 1912 bedeutet dies eine Vermehrung um eine Kleinigkeit von 8 bis 12 Dreadnoughts! Die„Daily NewS" schließt die Artikelserie mit den Worten: „Im Juli 1911 wurde der Krieg zwischen diesem Lande und Deutschland nur eben vermieden. Es bestand keine greifbare Ursache zu einem Streit, doch der verschlimmernde Faktor war der Flottenbau. Und der einzige Teil des Volkes, der von einer solch mörderischen Kalamität profitiert haben würde, wären die in der Rüstungsindustrie in beiden kriegführenden Ländern interessierten Leute gewesen. Sie würden in der Tat eine reiche Ernte eingeheimst haben. Was für uns Uebrigen Blut und Tränen, finanzieller Rrnn und Bettelarmut ist, würde für sie durch eine geheimnisvolle Alchymie zu Gold, zu unermeßlichem Reichtum verwandelt worden sein. Der einfache Bombcnwerfer, der ein einziges Gebäude in die Luft sprengt, wird als Verbrecher zermalmt. Ist es nicht die dringliche Pflicht der Regierungen, ohne Aufschub die Zivili- sation zu beschützen— die Monarchien zu beschützen, denn die Monarchien werden den nächsten großen Krieg nicht über- leben— vor der beständigen Anhäufung vulkanischen Materials, die den Völkern der Welt von Regierungen aufgezwungen wird, die den mächtigext Einflüssen gehorchen, die ihrer Natur nach international und rein kommerziell sind und den allge- meinen Bedürfnissen der Menschheit gänzlich teilnahmslos gegenüberstehen?" Nun, mit dem Verschwinden der Monarchien würden sich die Völker noch abfinden. Doch was sagen die Monarchen dazu?_ politirebe(leberllcbt. Ei» konservativer Wahlbluff. Im Landtagswahlkreis Oberbarnim-Niederbaruim wird von einem konservativ-liberalen Wahlbündnis gesprochen, das von konservativer Seite angeboten sein und dahin gehen soll: die Konservativen und Freikonservativcn verzichten auf ihre Kandidaten und treten sofort im ersten Wahlgang geschlossen für die beiden fortschrittlichen und den einen nationallibcralcn Kandidaten ein. Dies konservative Angebot stellt sich als ein auf freisinnige Verständnislosigkeit berechneter Wahlköder dar. Die Konservativen hoffen dadurch zunächst die rund zehn Mandate, die den Konservativen durch gemeinsames Vorgeyen der Liberalen mit den Sozialdenlokraten entrissen werden können, für sich zu retten. Das ist der eine Gewinn, den die Konser« vativen durch ihr Angebot einstreichen wollen. Dazu kommt dann möglicherweise»och eine Prellerei der Liberalen auch um die drei Mandate in Ober- und Nicder-Barnim- In diesen! Kreise wird bekanntlich in neun Wahllokalen gewählt. Der Schlaumeier, der die konservative Entsagung in Barnim zurechtgedrechsclt hat. hat nun offenbar so gerechnet: ein Teil der Konservativen stimmt für den konservativen Kandidaten. Dadurch wird Stichwahl notwendig. In- zwischen sind jene zehn konservativen Mandate durch Wahlenthaltung der Sozialdemokraten den Konservativen ge- rettet. Alsdann werden unter Benutzung der durch die Tat- fache, daß in nenn Lokalen gewählt tvird, hervorgerufenen Verwirrung vielleicht gar noch auch den Konservativen in Barnim die Mandate zugeschanzt. Liberale, die den Kampf gegen die Reaktion ernstlich wollen und den Konservativen incht zu 10—13 Mandaten verhelscii wollen, werden das konservative Manöver durchschauen und entivedcr von der Wahl fernbleiben oder sofort für den sozialdemokratischen Kan- didatcn eintreten müssen.__ Reichsstempelsteuer für Lebensversicherungen. Um die laufenden Kosten der Wehrvorlage aufzubringen, hat die Reichsregierung bekanntlich dem ReickiStag« auch den Eniwurs eines Gesetzes betreffend Ausgestaltung und Uebernahme des BerficherungS- stcnipels aus das' Reich zur Beschlußfassung und Verabschiedung vor- gelegt. Da dadurch die durch die einzelstaatliche Besteuerung des Versicherungsvertrages herbeigeführte Buntscheckigkeit auf diesem Gebiete beseittgt Ivird, wäre da« Lorgeben der Regierung zu begrüßen, wenn die Vereinheitlichung lediglich der Sache selbst wegen und nicht aus fiskalischen Gründen erfolgen würde. Aber der RcichSstempel auf Versicherungen soll für die Reichskasse nicht weniger als 33 Millionen Mark einbringen. Die geplante und an sich notwendige Reform soll von den Interessenten teuer bezahlt werden. Der Entwurf bringt eine so erhebliche Verteuerung der Versicherungen, daß. sofern er in der vorliegenden Fassung die Zustimmung des Reichstages stndcn sollte, der Abschluß von Versicherungen in der nachteiligsten Weise beeinflußt, ja in vielen Fällen hintangehaltcn werden ivilrde, ganz besonders der Abschluß von Lebensversicherungen. ES kommt hinzu, daß nicht toie bisher bei der Lebensversicherung der Stempel nur einmal, beim Abschluß der Versicherung, sondern jährlich bei jeder Prämie erhoben lverdcn soll und zwar in Höhe von einem Prozent der Barprämie. ES liegt auf der Hand, daß ein Stempel in dieser Höhe die Lust. Versicherungen einzugehen, nahezu unterbindet. Eine derartige Politik steht im Widerspruch mit gesunden und vernünftigen voltswirtschastlichen Grundsätzen und mit der von den Einzelstaatcu seither geübten Praxis der Förderung des Versicherungswesens dadurch, daß der Abzug der Lebens- Versicherungsprämie vom stcuerpflichtigen Einkommen in bestimmter Höhe gestattet wird. Zwar sollen bei der Lebensversicherung Prämien für Versicherungssummen unter 2000 M. von der Be- steuerung srei bleiben, aber die Ungerechtigkeit und der unsoziale Charakter der Steuer wird dadurch nicht geringer; denn die steuer« freie Versicherungssumme ist viel zu niedrig gehalten. Folgen des preustrschen„Arbeitsscheuengesetzes". Die preußischen Provinzen richten sich ans die Folgen des neuen AuSsührungSgesetzeS zum NnterstützungSwohnsttzgesetz ein. Dem zurzeit tagenden westfälischen Provinziallandtage ist eine Lorlage unterbreitet worden, wonach 119 000 M. für die Erweiterung der KorrektionSanstalt Benninghausen ausgegeben werden sollen. ES wird ausdrücklich gesagt, daß die Anstalt erweitert werden müsse, um dort„männliche Arbeitsscheue unterzubringen".— Die Macht- Haber in Preußen haben jS bekanntlich verstanden, ans dem vorliegenden Gesetz eine Art Strafgesetz gegen die Armen zu machen. Konservativer Terrorismus. Der konservative Wahlterrorismus in Ostpreußen wird beleuchtet durch eine nationalliberale Resolution, die die libe- ralen Wahlmänner von Graudenz-Rosenberg faßten: .Die Wahlmänner erklären, daß sie an der Abgeordnetenwahl in Freystadt nicht teilnehmen werden. Die jetzige Wahlmänner- wähl hat wieder zur Genüge durch die Beeinflussung. Bedrohung und den Terrorismus, die von konservativer Seite ausgeübt worden sind, bewiesen, daß sie nicht die Stimme des Volkes kundgibt. Auch wird es als eine besondere Härte empfunden, daß die Wahlmänner aus der Stadt Graudenz, die etwa ein Drittel aller Wahlmänner darstellen, zur Landtagswahl nach Freystadt, der fast kleinsten und ungeeignetsten Stadt des Wahlkreises, fahren müssen. Wir erheben durch unser Fernbleiben von der Ab- geordnetenwahl in Frehstadt Protest gegen ein Wahlrecht, das zum Schaden unseres lieben Vaterlandes allein die Sonderinteressen einer einzelnen Partei stützt." Die beiden liberalen Kandidaten haben ihre Kandidaturen aus den oben angeführten Griinden niedergelegt. Ein neuer Retter in der Not. Es gibt bald kein Mittel mehr, das die gestempelten.Patrioten" in ihrer Not, dem sinkenden Ansehen des Monarchismus wieder au die Beine zu helfen, nicht schon angewendet hätten. Aber eifriges Rachdenken vermag doch auch auf diesem so abgegrasten Gebiete noch etwas Neues zn ersinnen: die fürstlich-lippische Regierung bietet ihren loyalen Untertanen in einer offiziellen Bekanntmachung ein sogenanntes.Vivatband" zum Kauf an, das der RegierungS- rat Winkel in Königsberg in patriotischer Opferwilligkeit erfunden hat. ES ist das ein Band, „wie man es unter dem Namen Vivatband von der Zeit des Siebenjährigen Krieges an bis in die Zeit von 1813 ganz all- gemein anläßlich von Sieges- und Friedensfeiern als Feftschmuck an der linken Brust oder linken Schulter trug. Die damaligen Bänder tragen neben den Bildern der Regenten die der Heer- fllhrer.... Diese Sitte ist in Ostpreußen mit außerordentlich großem Erfolge wieder neu belebt worden, und wir weisen gerne darauf hin. daß auch im hiesigen Fürstentum der Versuch gemacht wird, die Bevölkerung aufzufordern, wieder Vivatbänder zum Aus- druck der freudigen Stimmung an allen patriotischen Festlagen als Festschmuck zu tragen". Man sieht, die Preisfechter des.monarchischen Gedankens' geben sich in der Tat alle Mühe, beim Volke die Neigung zum— Dusel wieder zu wecken, aber sie haben Grund zu fürchten, daß ihre Bemühungen ein Jahrhundert zu spät kommen. Hemmnisse der inneren Kolonisation. Innere Kolonisation in großem Stil ist nur möglich auf billigem Grund und Boden und bei genügendem Angebot von An- siedelungSlustigen mit ausreichendem Vermögen. An diesen beiden Voraussetzungen mangelt eS aber meistens, denn wie die Verhält« nisse heute im kapitalistischen Zeitalter nun einmal liegen, steigt der Bodenpreis dort sehr schnell, wo nur der Anfang mit der An- siedelung von Kolonisten gemacht wird. Besonder? ist daS der Fall in der Provinz Hannover. Neuerdings werden immer öfterer derartige Preissteigerungen deS Grund und Bodens gemeldet. So berichtet der.Hannov. Courier' aus dem Kreise Geestemünde, daß dort in letzter Zeit wieder eine Anzahl neuer Rcntengüter geschaffen worden sind. Aber die Besiedelung von kreiseigenem Land werde durch verschiedene Umstände stark behindert und schreite deshalb nur langsam voran..Der Mangel an ge- eigneten Ansiedlern mit ausreichendem Vermögen und die Schwierigkeit. Oedländereien billig zu er- werben, dauern unvermindert fort." Aehnliche Klagen kann man auch in anderen bürgerlichen Blättern lesen. Die„Hannoversche land- und forstwirtschaftliche Zeitung", das amtliche Organ der Landwirtschaftskammer, berichtet fast in jeder Nummer über derartige Preissteigerungen. Jüngst noch mußte sie zugestehen, daß die Ansiedelung weiterer Kolonisten im Lehner Bruche sKreis Lingen) nur dann ge- lingen werde, wen» die Preise für daS Land nicht zu sehr in die Höhe gingen. Daran ist aber nach den bisherigen Erfahrungen in der Provinz Hannover nicht zu zweifeln. Die Ursache dieser die umfangreichere Ansiedelung vcr- hindernden Preistreiberei ist darin zu suchen, daß die Kolonate als Privateigentum vergeben werden. Der privat« Grund und Bode» ist aber heute ein Spekulationsobjekt, und wie jede Spekulation birgt auch die Grundstücksspekulation die schwersten volkswirtschaftlichen Gefahren. Auch ei« Erfolg kolonialer Kulturarbeit. Dr. Paul R o h r b a ch, der bekannte wissenschaftliche Verfechter d-S deutschen Imperialismus, dem man sicherlich keine Vorcingc- nrnnmenhcit gegen die deutsche Kolonialpolitik nachsagen kann, be- findet sich zurzeit auf eine Afrikareis«. Tie„Frankfurter Ztg." veröffentlicht seine Reisebriesc, deren einer den Titel trögt:„Käme- runcr Versäumnisse". In diesem Briefe schreibt Rohrbach u. a.: .In ganz Süd-Kamerun, man kann fragen, wen man will. Kaufleute, Verwaltungsbeamte, Militärs, gibt«s nur eine Stimme über die grauenerregende Zunahme der Geschlechts- krankhciten unter den Eingeborenen. Hand in Hand damit geht die immer deutlicher zu beobachtend« Abnahme der Bevölkerung in den T r ä g e r d i st r i k t e n. Exakte Zah- lcn für sie lassen sich nicht geben, weil von wirklicher Eingeborenen- statistik in Kamerun, mit sehr wenigen Ausnahmen, noch nirgends die Rede ist. Die alten jtzamerunkenner bestätigen die Tatsache abcx einmütig. Es tann auch nicht anders sein, wenn man sich die aus dem Trägerverkehr folgenden geschlechtlichen Zustände vergegcn- wärtigt. Bei den Jaundes und den meisten übrigen Stämmen in Süd-Kamerun aeben sich die Weiber gegen Bezahlung ohne viel Umstände zum Verkehr mit durchziehenden Fremden her; in manchen Fällen werden sie auck von ihren eigenen Männern dazu vermietet. Es ist ein einfaches Geschäft, und die Frauen genieren sich nicht, sich anzubiet«». Ich habe eS selbst erlebt, das eine ganze Gesellschaft am Wege stand und sang: wir schlafen gerne mit den Fremden, die durchziehen, aber sie müssen gut zahlen, sonst laufen wir fort, wenn sie uns haben wollen— wozu der Boy, der mir den Gesang über- setzte, die treffende Venierkuug auf Negerenglisch machte: jaunde people like nioney so muck l Es ist klar, daß sich bei dieser Praxis eine zunehmende Verseuchung der großen Triigcrstrahen mit Ge- schlechtskrankheiten aller Art ergeben muß. Die ebenso unabluend- bare Folge ist, daß, im Verein mit dem massenhaften T r ä g e r d i c n st der Frauen, der in derselben Richtung wirkt, die Zahl der Geburten sich andauernd verringert. Von irgend welcher durchgreifend und systematisch gearteten Be- kämpfuug der sexuellen Krankheiten ist nirgends in Kamerun die Rede. Man kennt das Uebel aus den Berichten der Acrzte, und man läßt es doch immer weiter um sich fressen, obwohl die einfachste llebcrlegnng jedermann sagen sollte, wohin die Dinge treiben. Es kommt einen ha r t an, zu schreiben, daß dreißig Jahre nach der Erklärung der deutschen Schutz- Herrschaft über Kamerun in weiten Teilen der .Kolonie die gesundheitlichen Z u st ände bei den Eingebornen schlimmer geworden sind als sie früher waren, und daßBevölkerungsabnahme statt Zunahme stattfindet!" Ein Soldatenschinder. Der Obermaat Jürgens von der zweiten Werftdivision ist im Dezember v. I. wegen Mißhandlungen Untergebener in 85 Fällen zu fünf Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt worden Der Verurteilte ging an das Reichs-Militärgericht und erreichte dort daß die Sache an daS OberkriegSgericht zur nochmaligen VerHand- lung zurückverwiesen wurde. Jetzt ist er erneut zu vier Monaten und 23 Tagen Gefängnis und Degradation verurteilt worden. Es wurde ihm wieder nachgewiesen, daß er in zahlreichen Fällen die Soldaten in gröblichster Weise mißhandelt hat. Nur ein Fall der Mißhandlung konnte ihm nicht nachgewiesen werden, weshalb die Strafe um eine Woche ermäßigt wurde.— Der Fall zeigt wieder, daß trotz aller Kritik in der Oeffentlichkeit und im Parlament die Militärmißhandlungen nicht verschwinden werden. Es liegt offenbar auch weniger an einigen gemeinen Kerlen, die ihre Vorgesetzten- stellungen zur Mißhandlung Untergebener mißbrauchen, eS muß am «Ystem schon etwas nicht stimmen, wenn es möglich ist, daß einzelne Mißhandlungen bis zu 86 Fällen— ja es sind schon zu hunderte» solcher Mißhandlungen von einzelnen verübt worden— vornehmen können. Bei genügend scharfer Aufficht müßte das unmöglich sein Schutz vor Rußland! Die ungeheure Last der neuen Wehrvorlage wird vor allein damit beschönigt, daß es nötig sei, das deutsche Volk vor Rußland zu schützen. Es scheint aber, daß das Deutsche Reich oder seine Machthaber die neue vermehrte Kraft höchstens dazu zu brauchen gedenken, alle Dummheiten und Gemeinheiten der österreichischen Thronfolgerpartei gegen Rußland in Schutz zu nehmen. Dem arbeitenden Volke gegenüber fühlen sich dagegen die deutschen Machthaber als ergebenste Werkzeuge des russischen Zaren. Als jüngst ein deutscher Bergmann die russische Grenze überschritt, um für einen deutschen Streik Beiträge zu sammeln, wurde er gefaßt und für die Zeit seines Lebens nach Sibirien geschickt. Wir haben bisher noch nicht gehört, daß die deutsche Regierung auch nur einen Finger rührte, um den Deutschen vor diesem infamen Willkürakt der russischen Regierung zu schützen. Ein Gegenstück dazu liefert ein Vorgang, der am Donnerstag, den 29. Mai, im englischen Parlament besprochen wurde. Es handelt sich um den von uns schon mit- geteilten Fall des Russen Ädamowitsch in Alexandrien (Aegypten), der seit einigen Monaten unter dem Pseudonym Arles ein Gewerkschaftsblatt für die Matrosen der russischen Handelsmarine herausgab. Der Mann war nichts weniger als ein blutiger Revolutionär, sondern ein Liberaler. Aber er organisierte die Arbeiter und drohte die Profite einiger russischen Schiffahrtsgesellschaften durch Lohnerhöhungen ein wenig zu schmälern. Das mußte uni jeden Preis verhindert werden, und so veranlaßte der russische Konsul die ägyptische, d. h. englische Polizei, Ädamowitsch in Alexandrien verhaften zu lassen. worauf die Polizei ihn dem Konsul auslieferte, angeblich auf Grund der Kapitulationen, die jeden russischen Untertan in Aegypten der Willkür des russischen Konsuls dort unter- werfen sollen. Die englische Regierung wurde an: Donnerstag, den 29. Mai, wegen dieser Angelegenheit iin Parlament von Ramsay Mac Donald scharf angegriffen infolge des Sturms, der sich in der englischen Gewerkschaftswelt darob erhoben hatte, daß ei» friedlicher Gewerkschaftler, der unter dem Schutze der englischen Flagge lebte, ohne jeden Wider- stand den russischen Honkern preisgegeben wurde. Sir Edward Greys Antwort war sehr lahm. Er suchte einen Teil der Schuld von sich auf die deutsche Regie- r u n g zu schieben, deren Konsul die russischen Bluthunde willig unterstützt habe. Bei Ädamowitsch wurde nämlich ein deutscher Paß gefunden, auf den Namen Karnelson lautend. Dieser deutsche Paß hinderte nicht, daß Ädamowitsch als Russe dein russischen Konsul ausgeliefert wurde, er bewirkte aber, daß der deutsche Konsul bei Ädamowitsch als einem Deutschen eine Haussuchung vornahm. Mit welchem Rechte, davon wird nichts mitgeteilt. Das bei diesem gefundene Material, auf Grund dessen seitdem schon viele Verhaftungen russischer Matrosen vorgenommen wurden, blieb aber nicht bei dem deutschen, sondern kam zum russischen Konsul. Wir bezahlen also nicht bloß deutsche Soldaten, um den österreichischen Imperialismus vor dem russischen zu schützen, sondern auch deutsche Diplomaten, damit sie den russischen Henkern als willige Diener zur Verfügung stehen. Hier ist ein Fall, wo die deutsche Ehre vor dem Ausland in der Tat aus dein Spiele steht. Was werden die deutschen Patrioten tun. die gefährdete Ehre der Nation zu wahren? Vas Panama des österreichischen JVIiUtarismus. AuS Wien wird uns geschrieben: Die Begleiterscheinungen der Spionagenssäre Redl sind durchaus so, daß sie den österreichischen Militarismus bis auf die Knochen blamiere». Schon daß der Verrat, obwohl, wie jetzt zu- gegeben wird, auf ihn nicht wenige Indizien hinwiesen, durch- aus ein Jahrzehnt— solange soll der Verrat des Spionage- obersten schon währen— unbekannt geblieben ist, ist einfach eine hodenlose Schande. Oberst Redl war seit dem Jahre IftOY im Evidenz-(Spionage-)bureau des Generalstabcs und erfreute sich des allergrößten Ansehens. Während der Annexionskrisis war er stellvertretender Leiter dieses Bureaus, im vorigen Jahre wurde er Generalstabschef des achten Korps. In allen Spionageprozcssen fungierte er als Vertreter des Kriegsministeriums und uiianfccht- barer Sachverständiger. Und das, obwohl genug vorlag, um ernsten Verdacht zu, erregen. Nun liefert das Kriegsministeriunr selbst folgende Bekenntnisse: Es fiel auf, daß gewisse militärische Maß- nahmen, die lediglich geplant waren, stets schon vor ihrer Aus- führung in den militärischen Maßnahmen der betreffenden Nach- barmacht(Rußland!) ihre Antwort fanden. Diese Plibw konnten aber nur wenigen, und zlvar hochstehenden militärischen Persön- lichkeiten bekannt sein. So lvar der Kreis der Offiziere, die sich dieser Verräterei schuldig gemacht haben konnten, ziemlich enge. Redl wurde verdächtig, weil er schon seit längerer Zeit über seine V e r h ä l» i s s e lebte. Er hatte sich tatsächlich, 'eitdem er im Dienste der fremden Macht stand, von seinen Schul- den befreit(man wußte also, daß er verschuldet war!), und kam zum Schluß sogar in die Lag«, ein recht luxuriöses Leben zu.. führen. Redl war einer der bestbezahlten Spione jener fremden Macht. Während deS letzten Winters soll er hunderttausend Kronen bezogen haben. Er hielt sich zwei Automobile, veranstaltete auf seine Kosten häufig Champagnergelage und gab auch sonst um vieles mehr aus, als ein Mann seiner Stellung auszugeben imstande ist. Von Bekannten über seinen Autonwbilkanf befragt, gab er leichthin zur Antwort,„er habe eine kleine Erbschaft gemacht, und es scheine ihm am besten, das Geld in einem Automobil anzulegen"...» Das alles wird jetzt deutlich zugegeben, und man hat den uniformierten Lumpen weiter wirtschaften lassen! Denn offenbar sind mancherlei russische Gegen- maßregeln, wahrscheinlich auch die Heranschiebung russischer Truppenmassen an die österreichische Grenze während der Balkan- krise, auf die Spionenberichte zurückzuführen. DaS besonders Schuftige und auch echt Oesterreichische, was auch die Oeffentlichkeit mit der größten Erbitterung erfüllt, ist nun, daß man auch diese entsetzliche Sache tier- tuschen wollte. Die Entlarvung de? Schuldigen wurde folgendermaßen arrangiert: Er wurde nach Wien zum Rendezvous mit einem Spionageagcnten geladen, mit dem er, wie man wußte, in Beziehungen stand. Der Verdächtige leistete dieser Aufforde-. rung sofort Folge. Er kam von Prag im Automobil, be- gleitet von seinem Diener, am Samstag an und stieg in einem Hotel der inneren Stadt ab. Während er sein eigenes Automobil vor dem Hotel warten ließ, fuhr er in einem Taxameterautomobil zu jenem Agenten. Die Fahrt wurde natürlich schon überwacht. In seinem eigenen Automobil hatten mittlerweile die behördlichen Organe Nachschau gehalten und eine Browningpistole und das Etui zu einem Taschenmesser gefunden. Redl hatte den Agenten nicht am vereinbarten Orte getroffen und war schon deshalb etwas besorgt. Er wurde vollends unruhig bei einer Szene, die sich bei seiner Rückkehr ins Hotel beim Eingange abspielte. Der Oberst lvar in Zivilkleidung hierher gekommen. Trotzdem über- reichte ihm beim Hoteleingang ein Unbekannter das Messeretui mit den Worten:„Herr Oberst Redl, Sie haben daS in Ihrem Automobil vergessen." Redl erschrak aus i>aS heftigste, denn er vermutete in dem Unbekannten sofort einen Polizeiagcnten, der das Automobil durchsucht haben konnte. Der Offizier begab sich nun nach seinem Zimmer, vor dem ihn bereits vierOffizierc erwarteten. Sie traten mit ihm ein, und nun wurde ihm das ihn schwer belastende Material vorgehalten. Knapp nach seiner Abreise aus Prag war nämlich auch in seiner dortigen Mahnung eine Haussuchung durchgeführt worden, deren be- lastendes Matertal nach Wien telephoniert wurde. Die Offiziere zogen sich nach der Unterredung zurück, und Redl verließ für kurze Zeit, auf Schritt und Tritt von Polizeiagenten verfolgt, das Hotel. Zwei Offiziere blieben im Hotel zurück. Als Oberst Redl zwischen 8 und g Uhr in sein Absteigequartier zurückkehrte, fand er auf seinem Tische eine ihm nicht ge- hörende Browningpistole, daneben eine Anleitung zur Behandlung der Waffe. Es war jene Seite anfge- schlagen, auf der der AbfeuerungsmechaniSmus geschildert ist. Oberst Redl entschloß sich offenbar sofort zum Selbstmord, denn er schrieb um 9 Uhr abends seinen ersten Abschiedsbrief, dem bis%2 Uhr früh mehrere andere folgten. Er versah jeden einzelnen Brief mit der Angabe der Stunde, zu der er geschrieben worden ist. Als um 4 Uhr früh der Diener deS Obersten beauftragt wurde, im Zimmer Nachschau zu halten, fand er seinen Herrn in einer Blutlache auf dem Boden liegend auf. Oberst Redl hatte sich gegen 2Nhrfrühvordem Spiegel erschossen. An? dieser liebevollen, wie gesagt, amtlichen Schilderung der„Ueberführung", auf die sich die Herreu vom Kriegsministerium offenbar ungemein viel einbilden, geht deutlich hervor, daß man dem Lumpen bewußt die Möglichkeit bot,„ritter- lich" aus der Welt zu gehen. Man hatte nur einen Ge- danken: den Skandal zu vertuschen. Um die„Berirrung" entschuldbarer zu mache», wird jetzt auch erzählt, der Verräter lväre homosexuell veranlagt gewesen und wäre vor 15 Jahren in das Netz von Päderasten geraten, die ihn seither mit Erpressungen verfolgten und in quälende Schulden stürzten. Aber man wird gut daran tun. dieser Erzählung von der geschlechtlichen Entartung nicht allzu sehr zu trauen. Sie kann auch eine glatte Erfindung sein, ersonnen und bestimmt, eine schwindlerische Entschuldigung zu bilden. Denn erstens ist in Offizierskreisen von dieser'Veranlagung nichts bekannt geworden, und dann erzählt man wieder, daß man in der„Gesellschaft" recht viel von„Dameubeziehungcn" wußte, was alle? nicht gerade auf einen Homosexuellen schließen läßt. All das ereignet sich im Gebiete des Militarismus, den seine Klopsfechter als die Hochschule aller edlen und erhabenen Gesinnun- gen preisen! Deshalb ist der Fall dieses Verräters, der auf der höchsten Sprosse der militärischen Karriere stand, ein Panama des ganzen Militarismus, und nicht de« österreichischen allein. Spanien. Die Ministerkrise. Madrid, 39. Mai. Veranlassung zu der Demission deZ K a b i n e t t s gab die gestrige Rede des Führer» der Konservativen, in der dieser erklärte, cS sei ihm unmöglich, den Liberalen sein« konstitutionelle Unterstützung zu gewähren, deren sie bedürften, um regieren zu können. Mau ra tvarf den letzten liberalen Kabinette» ihre Kompromisse mit den Republikanern und Sozialisten vor, deren Ziel zwar scheinbar sei, diese für die Monarchie zu gewinnen, die in Wirklichkeit aber nur bezweckten, diese Parteien zu bewegen» daß sie den Liberalen die Macht überließen. i Kammer und Senat vertagten sich heute nach Verlesung de» Dekret», in dem die Demission des Kabinetts angenommen wird. Madrid, 31 Mai. Die Lösung der Kabinettskrise dürfte ziem« lich mühselig sein. Man glaubt, daß die liberale Partei am Ruder bleiben, daß entweder dem Grafen RomanoneS das Ver- trauen bestätigt oder Garcia Pricto an die Spitze der Regierung berufen werden wird. Marokko. Tie Aufständischen auf dem Rückzüge. Rabat, 3t. Mai. Hadj el Hasse«, der am 24. Mai Agadir und Funti, da» das Wasser für die Stadt liefert, besetzt hatte, hat sich vor übergroßen Streitkräften nach Norden zurückziehen müssen. Hadj cl Hassen hat sich mit einer vor Taineragh lagernden Mahalla wieder vereinigt. Ter Kreuzer„Du Shaila" kreuzt vor der Küste. Unterwerfung einzelner Stämme. Paris, 3t. Mal. Aus Mazaga« wird unter dem 39. Mai ge- meldet: Aus Tarudant ist eine Deputation in Marakesch einge- troffen, um dem Sultan in einem Briefe ihre Unterwerfung anzu- zeigen.— Mulay el Zin teilt mit, daß angesichts de» Erfolgs seiner Mahalla alle Stämme um Gnahe gebeten hätten. El Hiba ist nach dem Atlas entflohen. 6ewerfcrchaftUcbe9. Die fcbwdzcnfclHn ßewcrhrcbaftcn und der Generalstreik. Der Ausschuß des Schweizerischen Gewerkschaftsbundcs chrachtc in semer letzten Sitzung die Beratung der Frage des Generalstreiks, die ihn schon früher beschäftigte, zum vor- läufigen Abschluß. Es lag ein gedrucktes Referat des Sekretärs Genossen H u g g l c r vor, auf dessen Antrag 'folgende Resolution beschlossen wurde: 1. Die Schweizer GewerkschaftZverbände lehnen den sogen. revolutionären Generalstreik ab. Sollte wider Erwarten in der Schweiz irgendwo eine derartige Streikaktion propagiert oder inszeniert werden, dannn betrachteten es die Gewerkschafts» verbände als ihre Pflicht, in Verbindung mit den Ver- trauenSmänncrn der politischen Arbeilerorganisaiion solchen Ver- suchen entgegenzutreten und nötigenfalls die organisierten Arbeiter direkt aufzufordern, sich an diesen anarcho-syndikalistischen Experi- mentcn in keiner Weise zu beteiligen. 2. Der Generalstreik ist normalerweise nicht geeignet als Waffe im wirtschaftlichen Kampfe der Arbeiter gegen das Unter- nehmertum, weil er in der Regel die Arbeiterbevölkerung oder andere am Kampfe unbeteiligte Volkskreise schwerer schädigt alS die Unternehmer, gegen die er sich richtet, einzelne Arbeitergruppen viel mehr als andere gefährdet und öfters angewendet nicht nur unwirk- sam zu werden droht, sondern schließlich die Bestrebungen der Gewerkschaften auf Einführung von Tarifverträgen zu Nichte machen würde. Sympathie- oder Solidaritätsstreiks, die von vornherein auf wenige von einander abhängige Berufsgruppen be- schränkt werden, ebenso die sogenannten generalisierten Streiks, die-fich nicht über das Gebiet einer Industrie hinaus ausdehnen, können nicht als Generalstreik im oben bezeichneten Sinne gelten. Die Stellungnahme der schweizerischen GewerkschaftS- verbände zu solchen Konferenzen richtet sich nach den an den Bauarbeiterkonserenzen und im Gewerkschaftsausschuß im Jahre 1911 gefaßten Beschlüssen. 3. Politische Massenstreiks als Notwehr- oder Protestaktionen können von den Gcwerkschaftsverbänden erst dann unterstützt werden, wenn cS sich darum handelt, Maßnahmen der Behörden, durch die gemeinsame LebenSintcressen oder unentbehrliche Rechte und Frei- yeitcn der Arbeiterklasse ernstlich bedroht werden, zu verhindern und in solchen Fällen, wo die Arbeiterklasse in ihrem Ehrgefühl derart verletzt wurde, daß das Ansehen der Organisation durch kein anderes Protestmittel besser gewahrt werden kann, als durch das eines Massenstreiks. Auf Unterstützung einer solchen Streik- aktion durch die Gewerkschaftsverbände und den Gewerkschaftsbund kann nur gerechnet werden, wenn die zwischen Bundeskomiree und Itomitee der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz vereinbarten Bedingungen für die Unterstützung eine? politischen Massen- streiks sind. 4. Massenstreiks als Mittel zur Eroberung der politischen Macht erscheinen kau:n empfehlenswert. Sollte der Parteitag der sozial- demokratischen Partei der Schweiz die Anwendung dieses Mittels als Waffe im politischen Kampf akzeptieren, so müßten die Gewerk- schaflsvcrbände für sich das Recht fordern, im gegebenen Fall an de» Beratungen teilnehmen zu dürfen und sich vorbehalten, von Fall zu Fall zu solchen Aktionen Stellung zu nehmen. S. Bundeskomitee und GewcrkfchastsauSschuß sind der Ueber- zcngnng, daß die Arbeiterklasse in der Schweiz sich für ihre Wirt- schaftlichen und politischen Interessen erst dann wirksam wehren kann, wenn sie möglichst vollzählig organisiert ist. Ter Beitritt aller Arbeiter und Arbeiterinnen zur Gewerkschaft und die ständige Mitarbeit jedes cmzclnen amAusbau derOrganisation, wo sich hierzu Gelegenheit bietet, werden zur Wahrung der gemeinsamen und der besonderen Interessen der Arbeiter aller Industrie- und Berufsgruppen mehr beitragen, als selbst der berechtigtste und bestvorbereitete General- - �streik." Tie Resolution wird dem am 13., 14. und 15. September 1313 in Zürich stattfindenden schweizerischen Gewerkschaftskongreß zur definitiven Beschlußfassung vorgelegt. Dieser Kongreß hat ferner folgende Punkte der Tagesordnung zu behandeln: 1. Bericht über den Stand der Gc- werkschaftsbewcguug in der Schweiz. 2. Reuregelung der BeitragSlcistung an den Gcwerkschaftsbund. 3. Förderung der Organisation der schlechtcstgestellten Arbeiter und in solchen Industriezweigen, für die noch keine Zentralverbände bestehen. 4. Förderung der gewerkschaftlichen Arbeitslosenversicherung. 5. Stellungnahme zu den Jugendorganisationen. 6. Die Bedeutung der Tarifverträge und endlich Stellungnahme zu der bevorstehenden eidgenössischen Gelverbegesetzgebung. Berlin und Cingegcnd. Achtung, GaslwirtSgehilfcn! In den Schultheiß-Bierhallen, Mte Jalobstr. iOö, Jnh. Heinrich Baxmaim, legten die organisierten Kellner die Arbeit nieder, weil Herr Baxmann es ablehnt, mit der Organisation einen Tarif abzuschließen, welcher die Ab- schaffung von Nicht- Kellner- Arbeiten sowie die Auerkennung der Organisation regeln soll. Herr Laxmann erklärte den Per- tretern der Organisation:»Der Verbanö möge ihn» den Buckel runter rutschen". Herr B. wies dann den Verbändlern die Tür. Der Betrieb ist für organisierte Gehilsen gesperrt. Verband der GastwirtSgehiifen, Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Töpfer! Die letzte allgemeine Miiglie derver sainmlung hat beschlossen: Die Bauverlrauensmänner sind verpflichtet, auf ihren Bauten säint- liche Arbeiten nach der Meistervorlage und dem zurzeit in Kraft befindlichen Tarif zu berechnen, um festzustellen, welche Unterschiede in den Bezahlungen bezw. Berechnungen herauskommen. Leider haben bisher nur einige Vertrauensmänner dies getan. Am kommen- den Tonncrtag, den ö, Juni— siehe Inseratenteil— findet eine Bauvertraucnsnlänncr-Versammlung statt, in dieser müffen un- bedingt die Berechnungen zur Stelle sein. Sollten sich die Kollegen nicht ganz klar sein, wie dieses oder jenes nach der Meistervorlage zu berechne» ist, so ist dieses unserem Bureau zu melden, daniit dann jemand von der Lohnlommission nach dem Bau kommt, um die betreffende» Sachen zu berechnen. Weiter ist unbedingt nötig, daß alle Bauten dem Bureau gemeldet werden und in der Ver- fammlung vertreten sind._ Die Verbandsleitung. ' Achtung, Töpfer! Wegen Tarifbruch sperren wir hiermit die Firma»Kunsttöpferei und Chamottefabriken, G. m. b. H.. Ehar- lottenburg, Reue Kantstr. 4. Ecke W'tzlebenstraße", und deren aus- führenden Meister Heinrich Handle, Berlin. Dolzigerftr. 11. Zurzeit kommen die Bauten Atncndestraße m Reinickendorf und in Waidmannslust in Betracht..'.. � Die Firma erllärt, sie munc leider 6 Proz. vom-tanr abziehen, weil es ihre Preise, die sie vom Bauherrn erhält, nicht erlauben, deu Tarif emzuhalieu. Auch hier wieder daS alte Lred. Die Unter- uehmer drücken sich gegenseitig die Preue herunter, und dre Gesellen sollen darunter leiden. Die Energie, die man anwendet, um den Gesellen die Löhne herabzusetzen, sollten die yerren Meister ge- brauchen zur Beseitigung der Preisdrückerei unter iich; dann stände es besser im Gewerbe. Verbandsleitung. Die Färberei und chemische Waschanstalt Karl Pollnow duldet keuieu gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und keine organisierte Arbeiterin in ihrchn Betrieb. Für orgamsierte Arbeiter und Arbeiterinneu ist der Betrieb vorläufig gesperrt, bis dre Inhaberin, Frau Wolfs, die Organisation in ihrem Betrieb anerkennt. Die Branchenleitung der Färber und Wäscher. Verwaltung Berlm. Deutscher Textilarbeiterverband. Achtung, DestillationSgehilsen! Die Differenzen mit Herrn Max Hafer st roh. Pankstr. 4, sind durch Vertragsabschluß zur beider seiligen Zufriedenheit geregelt. Die in der Nr. 131 des.Vorwärts' geäußerte Ansicht, daß Herr Hafer st roh einen Gehilfen gemaßregelt hat, kann, weil auf falschen Informationen beruhend, nicht aufrecht erhalten werden. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Verband der Gastwirtsgehilfcn. Ortsverwaltung II. veutfcbes Reich. Stitninnngsmache der Scharfmacher im Malergewerbe. Die wegen ihrer frivolen und nun mit einer schweren Nieder- läge beendeten Machtprobe von der öffentlichen Meinung bös mit- genommenen Führer des Arbeitgeberverbandes im Malcrgcwerbe suchen jetzt, nach Beendigung ihrer Aussperrung sich auf recht unlautere Weise wieder als die verfolgte Unschuld hinzustellen. Obwohl der Porsitzcndc des Unternehmerverbandes im Maler- gewcrbe nach Annahme des neuen Schiedsspruches mit der Lei- tung des Gchilfenverbandes vereinbarte, daß vor Aufnahme der Arbeit zunächst schnellstens örtliche Verhandlungen über die den Orten verbliebenen Streitfragen stattfinden sollten, und versicherte, seine Ortsgruppen, die teilweise die Regelung der örtlichen Differenzen zur Bedingung für die Aufhebung der Aussperrung machten, in diesem Sinne instruieren zu wollen, lief er einen Tag später, am 24. Mai, bereits zu den Unparteiischen und jam- merte ihnen alles mögliche über t>ic Schlechtigkeit der Gehilfen vor, die nicht ohne weiteres in die Werkstellcn hineinliefen. Er stellte es so dar, als forderten die Gehilfen jetzt vielfach höhere Löhne als die Schiedssprüche vorsehen, und die Durchführung der Ziffer 4 des neuen Schiedsspruchs, nach der, wenn während der Aussperrung Sondertarife in größerem Umfange abgeschlossen worden sind, deren Bedingungen örtlich allgeniein durchgeführt werden sollen. Wenn die Gchilfenorganisationen solche Schwierigkeiten machten, müsse er jegliche Verantwortung ablehnen. Natürlich war diese Sachdarstellung unrichtig, maßlos ausge- bauscht und völlig einseitig. Nichtig ist, daß die Ortsvcrwaltungcn der Gehilfen sich erst Klarheit darüber verschafftcn,j)b die Aussperrung aufgehoben würde, ob die Unternehmer die Schiedssprüche anerkennen, wann mit der Wiedereinstellung begonnen, wann und in welcher Weise die laut Reichstarifvertrag und Schiedssprüche verbliebenen örtlichen Differenzen erledigt werden sollten u. a. Das war ganz selbstverständlich und entsprach durchaus den Wim- schen und Interessen beider Parteien wie auch den Abmachungen deren Vertreter. Im Gegensatz dazu machten die Unternehmer die größten Schwierigkeiten. Das gesamte Rhcinland-Westfnlen lehnt bis heute die Schiedssprüche ab und verlangt von den Gehilfen durch Revers die Anerkennung eines voni Unternehmcrvcrband herausgegebenen Tarifs. Wer die Unterschrift unter das Machwerk verweigert, soll auf eine schwarze Lifte kommen und ein Jahr lang keine Arbeit mehr erhalten. In Hamburg wurde entgegen den Abmachungen der Zentralorganisationcn ein einseitiger Untcrnehmcrarbcitsnach- weis errichtet und entgegen den Schiedssprüchen und einer pro- tokollarischcn Erklärung für den Gau Norddeulschland die allge- meine Lohnerhöhung einfach außer Kraft gesetzt. In einer Anzahl anderer Städte lehnen die Unternehmer den Abschluß eines Lohn- tarifes und die Annahme der Schiedssprüche ab, während die in einigen Städten kurz nach Annahme der neuen Bedingungen von den Gehilfen meist aus Unkenntnis geinachten Schwierigkeiten mit verschwindenden Ausnahmen sofort beseitigt worden sind. Das eine bat der Untcrnchmerverband durch seine Jeremiade und unrichtige Darstellung der Differenzen, an denen lediglich er durch seine sinnlose Aussperrung und die Disziplinlosigkeiten und Tarifbrüche seiner Kollegen, besonders im Rheinland und in Norddeutschland die Schuld trägt, zunächst erreicht, daß ihm die drei Unparteiischen ein«chreibcu zur Verfügung stellten, das, weil es die Behauptungen des Vorsitzenden des llntcrnehmerverbandes als wahr voraussetzt, den Anschein erwecken kann, als seien die Gehilfen und nicht die Unternehmer die Veranlasser der Differenzen. Da das Schreiben zum Zweck der unlauteren Stimmungsmache auf Veranlassung des Unternehmerverbandcs die Runde durch die bür- gcrliche Presse macht, drucken wir eS hier ab: ..An Herrn Emil Kruse in Berlin. Auf Ihre geschätzte Zu- schrift vom 24. Mai gestatte ich mir, zugleich im Namen der Herren Rath und Dr. Prenncr, folgendes zu erwidern: Die Er- ktärnng der Malcrgcbilfen, die Wiederaufnahme der Arbeit von der Beendigung der örtlichen Verhandlungen öder von der Gc- Währung böhcrer Löbne, insbesondere der Bezahlung der in den Sondcrtarifcn vorgesehenen Löhne, abhängig zu machen, ist nnzu- lässig. Was im besonderen die Sondcrtarifc anbelangt, so ist durch Ziffer 4 unseres Schiedsspruchs vom 16. Mai d. I. den Gchilfcnorganisationen lediglich unter bestimmter Voraussetzung die Möglichkeit eingeräumt, sich mit den örtlichen Arbeitgeber- organisationcn gütlich auf die in den Sondertarifcn vorgesehenen Löbne zu einigen. Der Deutsche Arbcitgebcrvcrband darf selbst- verständlich seinerseits seinen Ortsgruppen keinerlei Hindernisse bereiten und keinerlei darauf abzielende Weisungen erteilen. Andererseits darf von Gehilscnseitc keine Zwangsmaßregel behufs einer Einigung angewendet werden: falls eine Einigung nicht erzielt wird, so gelten die Schiedssprüche in vollem Umfange. Wir Unparteiischen müssen uns bei den gegebenen Verhältnissen mit diesen Feststellungen begnügen. Im übrigen iit es in erster Linie Sache des Arbeitgebcrvcrbandc?. auf Einbaltung der tarif- lichcn Verpflichtungen seitens der Arbeiterorganisationen zu drängen. Mit vorzüglicher Hochachtung crgcbcnst lgez.1 v. Schulz." Jedenfalls ist es immerhin sonderbar, daß die Unparteiischen, ohne vorher mit sämtlichen Tarifpartcien in Verbindung zu treten und den ihnen einseitig unterbreiteten Sachverhalt zu prüfen, in so bestimmter Weise Stellung gegen cine Partei nehmen. Das trägt unseres Erachtens durchaus nicht zur besseren Erledigung be- stehender Schwierigkeiten, besonders in Zeiten bei, in denen die Gegensätze so zngesvitzt sind, wie jetzt zwischen den �Unternehmern und Gehilfen im Malergcwerbc. Ob dadurch der Sache noch be- sonders gedient ist, daß ohne vorherige Informierung einer Partei beigcsprungcn wird, die die ganzen Differenzen durch eine aus organisationsfcindlichen Gesinden herausbeschworene Machtprobe und jetzt wieder begangene Disziplinlosigkeit und Tarifbrüchc ganzer Gauvcrbändc einzig und allein verschuldet hat, muß unbedingt be- zweifelt werden._ Lohnbewegungen der Schiffszimmerer. Nach neunwöchiger Dauer ist der Streik der SchiffSzimmcrer in Oderberg iMark) beendet worden. Die geforderte Er- höhung des Stundenlohnes von 45 auf 48 Pf. wurde anerkannt. Dieser Erfolg ist um so bemerkenswerter, als damit eine Bewe- gung zum Abschluß gelangt, die veranlaßt wurde, weil die Unter- uehmer die Mitwirkung des Verbandes der Schiffszimmcrcr bei Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht anerkennen wollten. Wenn vor Jahresfrist das Verlangen der Wcrftbesitzcr in Oderberg noch möglich war, daß jeder Antrag auf Aendernng der Arbeitsverhältnisse durch den Gcsellenanssckmß der Innung erfolgen müsse, so denkt heute keiner der beteiligten Unternehmer mehr an die Ausschaltung deS Verbandes bei der Siegelung der Lohn- und Arbcitsverhältniffe. In C r a n z- N e u e n f c l d e ist auf die eingereichte Forde- rung der Lohn der Schifsszimmcrcr von 47Vj aus 53 Pf. pro Stunde erhöht, die Arbeitszeit von 10�4 auf 10 Stunden täglich herabgesetzt worden.. In Plaue a. d. S. ist es den organisierten schiftszimmerern in zwei Betrieben gelungen, den Lobn ohne Arbeitseinstellung um 2 Pf. pro Stunde zu erhöben, während in den beiden anderen Be- trieben, wo die Arbeiter den Weg zur Organisation noch immer nicht finden konnten, zu dem alten LohnZortgearbeitet wird. In Wewelsfleth mußte der Streik ohne Erfolg ahgc- brochen werden, nachdem ein Teil der Streikenden, von de» Unter- nehmcrn eingeschüchtert, sich zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit erklärt hatten. Ter Textilarbeiierbervand im Jahre 1912. Von einer so guten Konjunktur, wie sie in dcn Zahlen für die gesamte Volkswirtschaft zum Ausdruck tomint, kann in der Tcriil- industrie für das Jahr 1912 nicht gesprochen werden. Wie in der aufsteigenden Periode des deutschen Wirtschaftslebens der Jahre l8v8 bis 1900 die Textilindustrie mir für ganz kurze Zeit— an ihrem Ende— beteiligt war, so scheint das auch für die mit dem Jahre 1909 begonnene Prosperitätsperiodc der Fall zu sein. Die Berichte, die allmonatlich von dcn Ortsverwaltiliigen des Verbandes über dcn Beschäftigungsgrad, und, soweit das dcn Arbeitern mög- sich ist, über die Geschäftslage dein Vorstände erstattet werden» lassen keinen Zweifel, daß mit Ausnahme der Spinnereien, Wirkereien, Jutefabriken, Seide- und Samtbctrieben die Beschäftigung oft recht viel zu wünschen übrig ließ. Aus allen diesen Berichten ist klar ersichtlich, daß die Beschäftigung wenig befriedigend war. Der Druck der Krisis bat gewiß nachgelassen, aber noch immer standen zahlreiche Maschinen still. Von einer lückenlosen starten Inanspruchnahme, wie etwa in den Jahren 1906/07, kann in keiner der großen Branchen dieser Industrie die Rede sein. Die am Ende des Jahres 1911 allgemein bemerkbare Besserung des Beschäftigungsgrades hielt nicht an. Sehr bald machten sich wieder Schwankungen bemerkbar. Dabei ist es selbstverständlich, daß die Baumwoll- und Kammgarnspinnereien von diesen Schwankungen nicht berührt wurden. Tie Baumwoll- und Kammgarnspinncreicn Hilden unter der Krise überhaupt am wenigsten gelitten. Diese Spinnereien sind bei weitem nicht imstandc, den deutschen Garn- bedarf zu decken. Es müssen alljährlich für viele Millionen Mark Baumwollgarne hauptsächlich aus England eingeführt werden. Ebenso bezieht Deutschland etwa 20 Proz. seiner Wollgarne vom Ausland. Aus diesen Tatsachen resultiert die fortdauernd gute Beschäftigung bei dcn Spinnereien. Desgleichen waren einige andere Branchen, Jute, Samt und Seide stark in Anspruch ge- nommen. Ter uiigehindcrtcn Entfaltung der Konjunktur im Textil- gewcrbe steht vor allem die sich immer mehr verschärfeudc Teiierung entgegen. Tie Textilindustrie ist in der Hauptsache aus den Massen- konsilm angewiesen. Arbeiter, Handwerker, Bauern kaufen ihre Massenartikel. Ist die Kaufkraft dieser Bcvölkcriingsschichlen ge- schwächt, dann mutz das zurückwirken auf dcn Absatz von Tcriil- Produkten. Erschwerter Absatz wirkt aber zurück aus die Prodnk- tion der Industrie. Das Jahr 1912 war nun ein Jahr hochge- schraubter Lebensmittelpreise. Die kleinen Leute, also die Haupt- konsiimentcn der Erzeugnisse der großen Branchen der Tertil- industrie, waren trotz aller Einschränkungen im Verbrauch von besseren Lebensmitteln genötigt, einen größeren Teil ihres Ein- kommens für Ernährung der Familie anszilgeben. Da die Ein- nahinen nicht entsprechend den gesteigerten Ausgaben stiegen, ilntcrvlicven die sonst nötigen Käufe von Textilsabrikatcn. Tic Mitgliederzahl des Verbandes stieg von 82 981 männlichen» 48 445 weibliche», zusammen 131427 Mitglieder» im Jahre 1911 auf 87 884 männliche, 54 750 weibliche, zusammen 142 634 Mitglieder im Jahre 1912. Tie Zunahme beträgt 41207 Mitglieder. Die ständig zunchiiiendei» Zahlen der weiblichen Mitglieder be- weisen, daß die Arbeitcrinnciibcwcgung im Gewerbe unanfhaltsain vorwärts schreitet. Ein nicht geringer Teil der daniit vcrbiindciien agitatorischen Arbeit entfällt auf jene weiblichen Mitglieder, die durch die Arbeiterlnncnkonfcrcnzcil und durch Diskussionsabcnde zur Mitarbeit geschult, sich in selbstloser Arbeit und Aufopferung an allen Agitationen beteiligten. Besonders ist es die Hans- agilation, der sich die Arbeiterinnen immer mehr zuweiidcn. Daß dies Agitationsgcbiet den Arbeiterinnen besonders zusagt, beweisen die überraschenden Erfolge, die an verschiedenen Orten dabei er« ziclk wurde». Tie Einnahmen und Ausgaben des Verbandes balanziercn mit 4) 86 028 M. Ter Kasscnbcstand stieg vo» 4 464 263 M. auf 1691917 M, Für llntcrjtützuiigen verausgabte der Verband: Kralitcniintcrstütziing 363 418 M., Arbeitslosenunterstützung 141 631 Mark, Sterbeiiiiterstiitzuiig 17 221 M., Reiscunterftützung 41 428 M, Streikilntcrstützung 708 065 M.. Gcinaßrcgelteniintcrstütziing 48 277 Mark, Umzugslinterstützung 13 784 M., Notunterstützung 10203 M, Rechtsschutz 11 024 M. Neben diesen Untcrstützungslcistungen ist der Kampf um wirtschaftliche Besserstellungen, um gülistigerc Lohn- und Arbeitsbedingungen lebhafter denn je geführt worden. DaS Jahr 1911 brachte der Organisation 259 Bewegungen in 963 Be- trieben mit 70 622 Beteiligten, dagegen waren im Jahre 1912 326 Bewegungen in 766 Betrieben mit 73 896 Beteiligten zu verzeichnen. Der Verlauf der Bewegungen bezüglich der erzielten Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen ist wesentlich giinsti- gcr als im Borjahre. Insgesamt wurden bei allen Bewegungen erreicht für 16 651 Personen 49 760 stunden Arbeitszeitverkürzung pro Woche, für 36 558 Personen 43 197 M. Lohnerhöhung pro Woche. außerdem für 3910 Personen bessere Bezahlung der Ucbcrzcitarbcit und für 22 731 Personen sonstige Verbesserungen des Arbeitsvcr» hältiiisscs. Tarife wurden 18 für 2280 beteiligte Personen abgeschlossen. Im Vorjahre sind von den Mitgliedern an Beiträgen 2 174 814 Mark geleistet worden. Nimmt man diesen Betrag als werbendes Kapital für das Jahr 1912, dann ist er fast restlos dcn Mitgliedern in Form von Lohnerhöhungen wieder zugeflossen. Die ideellen Werte in Form der Arbeitszeitverkürzung sind dcn Lohnerhöhungen mindestens gleich zu achten. Dazu kommen noch rund l 358 000 M. an die Mitglieder gewährte llntcrstützilngcii. so ansehnlich die Erfolge sind, hätten sie im Interesse der Mitglieder noch besser sein dürfen; es darf aber bei der Beurteilung nicht außer acht bleiben, daß die Tertilindnstric in ihrer Gesamtheit eben nicht die anhaltend gute Konjunktur zu verzeichnen hatte, wie es in vielen anderen Industriezweigen der Fall war. Trotzdem werden sich auch in diesem Jahre wieder„bezahlte Federn" finden, die sich im Schweiße ihres Angesichts abmühen. »m den Textilarbeitern nachzuweisen, daß ihnen die Organisafion gar nichts nützen kann. So manche Lohnforderung könnte heute schon ohne weiteres mit dcn Mitteln beglichen werden, die viele Tcxtiluntcrnehmcr dem„glorreichen Rcichsverband" und seinen Sekretären zuführen. Das Geld, das für diese vermeintlichen „Organisationsvcrnichter" ausgegeben wird, trägt»ach keiner Seite hin Zinsen. Ter Tcrtilarbclterverband wächst an-!abl der M't- gliedcr von Jahr zu Jahr und damit wachsen auch seine Erfolge. J*ctzU Nachnebten, Tie vertagte Ministerzusammcnkunft. Wien, 31. Mai.(W. T. B.) Ueber die Gründe der Ver. schicbung der Zusammenkunft zwischen den Ministerpräsrden. ten Paschitsch und Neschow erfälirt die„Neue Freie Presse aus Belgrad: Ministerpräsident Paschitsch ist zu der Zusam- menkunft nur uirter der Bedingung, bereit, daß Bulgarien noch vor der Revision des Bündnisvertrages prinzipiell zu- stimmt. Eine diesbezügliche Mitteilung wird stündlich aus Sofia erlvortct. Belgrad. 31. Mai. tW T B) Wie in maßgebenden Kreisen versichert wird, ist die Anregung zu der Mammen. kunft der Mliiiftcrpräsidenten Pascbitlch und Geschow von bulgarischer Seite erfolgt. Auch dcr',.Politika" zufolge tmrd von der serblichen Regierung die Forderung aufgefteul. oax Bulgarien vor der Zusammenkunft der beiden MlNisterpra. sidenten seinen Standpunkt in der Grenzfragc genom Praz,. sicre. B,s zur Stunde ist es noch ungewiß, ob und wann die Zusammenkunft stattfinden soll. sevclt-Ncwctt hat der Angeklagte Rewett den Lorwur? der Vr- trunkcnhcit zurückgenommen und sein Bedauern ausgedruckt. Rooses velt hat darauf den Richter ersucht, die Geschworenen anzuweijen, nur auf nominellen Schadenersatz zu erkennen. Leräntw. Redakt.i Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verar.tw.: rd-GlockeftLert-n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchör.!4 VerlagSanstaU Paul Singer& Co., Berlin SW. "Hirrt» 4 Beilage». Nr. 134. 30. Jahrgang. 1. KeilU des„Www" Krim WIMIutt Zonntaz, 1. Juni 1913. Reichstag» 156. Sijj'ung. Sonnabend, den 31. Mai 1913. mittags 12 Uhr. 'b r ü2?1 Bundesratstisch: v. Bethmann Hollweg. Dr. Del- Die Besprechung über die Interpellation Albrecht u. Gen.(Soz.) betr. Ein- schränkung des Vercinsgcseyes und des Prefj- gesetzes in Elsah-Lothringe» chnrd fortgesetzt. Abg. Dr. van Calker sNatl.): Ich hoffe, dah aus der Diskussion eme gute Wirkung für die innere Entwicklung Elsaff-Lothringens hervorgehen wird. Wir sind in einer eigentümlichen Lage. �vir zollen über einen Entwurf sprechen, über den die Regierung noch gar nicht sich zu äusiern in der Lage war. Es liegt die Gefahr na �e, daß wir uns präjudizieren für unsere Stellungnahme zu dem Entwurf, wenn er kommt. Wir müssen uns daher sehr vor« Richtig ausdrücken._ Die Sache liegt aber nun einmal so, daß wir Stellung nehmen müssen zu dem Antrag der elsäsfischen Regierung. Wir können dabei noch kein Urteil abgeben, aber E n t s ch e i d u n g s- gründe für ein Urteil beibringen. �Wir müssen daran denken, wie allgemein die Entrüstung hier ln}..3onuat war über die nationalistischen Umtriebe, und wie der ebässischen Regierung zum Ausdruck gebracht wurde, sie dürfe das nicht dulden. Herr E ni m e l hat gestern den nationalistischen Chauvinismus sehr milde beurteilt. Aber ich warne vor einer so milden Auffassung, ich halte die nationalistische Bewegung für eine große Gefahr. Man soll sie nicht übertreiben, aber auch nicht unter- Ichätzen. Aus dem Vorwurf, der im Januar allgemein der elsässischen Llegier'ung gemacht wurde, weil sie nicht einschreite, sind ihre Anträge zu erklären. Aber die vorgeschlagenen Maßregeln sind nicht g-e eignet, das zu erreichen, was sie sollen. Gewiß mürden sie die nationalistische Bewegung treffen, aber ihre mög- llichen Nachteile sind größer als ihre Borteile. Daß es sich um Ausnahmegesetze handelt, würde mich nicht schrecken: wenn Ausnahmegesetze notwendig sind, so mache ich sie. Sind sie aber in diesem stalle notwendig? Verletzt würden durch sie die nicht nationalistischen Kreise der Bevölkerung Elsaß-L othringens, und diese Empfindlichkeit ist berechtigt, denn sie entspringt der Befürchtung, die Entwickelung Elsaß-Lothringens werde gehemmt, und in den Kreisen der Reichsleitung herrschen andere Ansichten, als bei Verleihung der Berfassung. Ich freue mich deshalb, daß der Reichskanzler das klar und entschieden bestritten, daß er sich zu der Versassung bekannt hat, daß. er zu seinem Werke steht. Tatsächlich hat die Verfassung auch günstig gewirkt. Ohne sie wäre eS nicht möglich gewesen, daß die Erste und Zweite Kammer Elsaß-Lothringens sich mit so über- toältigender Mehrheit gegen den Nationalismus ausgesprochen pätten(Sehr wahr l bei den Nationalliberalen), deshalb sind die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht erforderlich, sondern wir dürfen abwarten, ob nicht aus der Bevölkerung die ge- nügcnde Reaktion gegen die deutschfeindlichen Elemente kommen wird,(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Daß die Zustände in Elsaß-Lothringen sich so entwickelt haben, daß die nationalistische Bewegung so sichtbar ist, hat allerdings auch die Regierung mit verschuldet. Wenn der oberste Richter des Landes sich so scharf gegen die Regierung wendet, wie es in der Ersten elsäsfischen Kammer geschehen istz und in der ganzen Kammer nicht e i n Mann aufsteht, der die Regierung verteidigt, so kann nicht alles so sein, wie es muß. Die nationalistische Bewegung in Elsaß-Lothringen wirkt wie ein Thermometer sllr unsere Beziehungen zu Frankreich: naturgemäß sind im Elsaß die Beziehungen' zu Frankreich enger als im übrigen Deutschland. Deshalb Elsaß und Frankreich zu beleidigeg ist ein schweres Unrecht der alldeutschen Presse, und ich freue mich, daß der Reichstag sich gestern einhellig gegen die Beleidigungen Frankreichs gewandt dat. Die notwendige Reaktion gegen die deutschfeindlichen Elemente wird aus der elsässischen Bevölkerung selbst kommen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Röser(Vp.): Aus den Verhandlungen wird die elsässische Bevölkcrungßdie Beruhigung entnehmen, daß die Vorschläge der elsässischen Regierung nicht Gesetz werden können, und ich bin dem Herrn Reichskanzler für seine Erklärung, ein neuer Kurs soll nicht eingeschlagen werden, dankbar und verzeihe ihm deshalb die Entschuldigungen der elsässischen Regierung. Wir unsererseits können die elsässische Regierung nicht entschuldigen. Die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen sind geeignet, die ruhige Eni- Wickelung zu hemmen und aufzuhalten. Die Vor- schlüge kommen vor allem den Nationalisten zugute, die Gelegenheit bekommen, sich als Hüter der elsässischen Eigenart aufzuspielen. Der Nationalismus hat im Volke keinen Boden, aber vollständig kann er nur von unten her überwunden werden. Eine solche Volksbewegung ist vorhanden; sie kann gefördert werden durch Vertrauen, nicht durch Polizeimaßregeln.(Bravo! bei der Vg.) Abg. v. Laszcwski(Pole): Die Maßnahmen gegen ausländische Blätter können nach ihrem Wortlaut auch gegen polnische Zeitungen angewandt werden. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt der „Post", die. als die Maßnahmen bekannt wurden, schrieb:„Wir haben Elsaß-Lothringen mit dem Schwert gewonnen und können mit ihm machen, was wir wollen."(Hört! hört!> Die Hakatisteu wollen ja auch in den polnischen Provinzen eine Be- schränkung der Preßfreiheit. Daher wollen wir nickt dazu unsere Hand bieten, hier einen Präzedenzfall zu schaffen. Wie das Vereins« und Versammlungsrecht schon von den unteren Instanzen beschränkt werden kann, das haben wir zur Genüge in den polnischen Provinzen erlebt. Da sind erhöhte Vollmachten für die Zentralinstanz umso weniger notwendig.(Bravo bei den Polen.) Abg. Schultz(Rpt.): Wenn die Regierung nach pflichtmäßigem Ermessen Ausnahmemaßnahmen für nötig hält, wird sie sich in ihrer Einbringung durch die hier geübte Kritik ni'cht abhalten lassen. Ick halte ein so kategorisches Nein gegenüber einer noch nicht ein- gebrachten Vorlage, wie es hier vielfach ausgesprochen worden ist, für nicht richtig. Es ist das auch parlamentarEch ganz unge- wöhnlich. Insbesondere wird es das Zentrum vielleicht einmal bedauern, daß es durch seine Haltung die Nationalisten in Sicherheit gewiegt hat. Man unterschätzt die Gefahr des Nationalismus in Elsaß- Lothringen. Er ist ein glimmender Brand an der feuergefährlichsten Stelle des Reiches. Wir täten gut, ihn von vornherein auszutreten, sonst wird eine hell lodernde Flamme daraus entstehen. Mein Partei- genoffe v. D i r k s e n hat bei der Berfassungsvorlage einen Antrag eingereicht, der genau dem entsprach, was jetzt die Regierung vor- schlägt. Damals hat die Regierung kein Wort für unseren Antrag übrig gehabt.(Hört! hört' rechts.) Wir haben davor gewarnt, daß'man sich ohne irgendwelche Vorsichtsmaßregeln auf die ab- schüssige Bahn von Kompensationen begab, die sogar die Sozialdemokraten befriedigte. Abg. Hauß(Elf.): Alle Reden, die hier noch gehalten werden, dienen ja wohl doch nur dazu, einen Leichnam ein- zubalsamieren. Der Nationalismus lebt überhaupt nur von den Fehlern der elsaß-lothringischen Regierung. Die Zahl der Nationalisten in dem Sinne, daß sie eine Lostrennung Elsaß-LothringenS von Deutschland erstreben, ist so äußerst gering, daß derentwegen solche Maßnahmen wirklich nicht notwendig sind. Wird die Regierung mit diesen paar Leuten nicht fertig, so mag sie das ruhig der elsaß-lothringischen Bevölkerung überlassen. Wenn es überhaupt noch solch unversöhnliche Elemente gibt, so sind die Fehler und Taktlosigkeiten der elsaß-lothringischen Regierung daran schuld. Daß man für Ausschreitungen einzelner Protestler wie W e t t e r l« und B l u m e n t h a l die ganze Bevölkerung dort strafen will, ist eine Politik des Kasernenhofs, aber nicht staatsmännischer Klugheit.(Sehr gut I) Der frühere Statt- Halter von Eliaß- Lothringen und Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe schreibt in seinen Memoiren: Es scheint, daß man von Berlin so viele vepatorischen Maßnahmen verlangt, damit die elsaß-lothringische Bevölkerung zur Verzweiflung ge- bracht und zum Aufstand getrieben wird."(Hört I hört!) Unsere Regierung legt ein Mißtrauensvotum des Parlaments zum anderen: es scheint ihr nur darauf anzukommen, daß ihr die kaiserliche Gnadensonne scheint. Die Folge ihrer Politik ist nichts als eine zunehmende Radikalisierung des elsaß-lothringischen Bürgertums.(Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Wcill(Soz.): Der Vorredner hat der Regierung von Elsaß-Lothringen sein tiefempfundenes Mitleid mit der Behandlung aus- gesprochen, die ihr gestern und heute hier widerfahren ist. Ich hatte bis zu dieser Stunde mit gespanntester Ungeduld auf die Erklärung gewartet, die der Herr Unter st aatssekretär Mandel_bem Reichstag über die Gründe seines Vorgehens geben wird.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Calker war der Meinung, die ganze Debatte sei eigentlich vom Uebel, denn es sei höchst be- denklich, über BundeSratsvorlagen zu verhandeln, über die die Regierungen selbst noch keinen Beschluß gefaßt hätten. Der Gang der bisherigen Debatte hätte ihn aber eines besseren belehren können. Die Debatte hat zweifellos den Beweis erbracht, daß es überaus nützlich ist, sich rechtzeitig mit derartigen Absichten der Regierungen zu befassen(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten), denn ich glaube kaum, daß wir nun späterhin noch irgend welche Zeit zu verlieren haben werden mit einer solchen Vorlage, daß die Regierung noch Lust verspüren wird, den Anregungen des Herrn Staatssekretärs Mandel irgendwelche Folge zu geben. Der Reichskanzler hat ja die Vorlage gestern verteidigt, aber das Empfinden wird allgemein gewesen sein, daß diese Verteidigung höchst zaghaft und zurückhaltend war und daß der Reichskanzler viel mehr Gründe gegen als für die Vorlage beigebracht hat. Sie sei eine harmlose Kleinigkeit, das war der einzige Grund, den er eigentlich dasür an- geben konnte, sie sei eigentlich keine unerträglicke Ausnahme- bestimmung. Nach unserer Meinung aber ist jedeAusnahme- bestimmung von vornherein unerträglich.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die hier beabsichtigten Ausnahmebestimmungen konnten nur das Ziel erreichen, das Selbstbewußtsein eines freiempfindenden Volkes zu kränken und zu erbittern. Das ist keine weise Politik. Wenn die Vorlage einen Sinn haben soll, so müßte man doch be- weisen, daß seit der Verfassung für Elsaß-Lothringen irgendwelche grundlegenden Aenderungen in der Stimmung der elsaß-lothrin- zischen Bevölkerung, ihren Neigungen und ihrer Politik hervor- getreten wären.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Selbst Herr v. Calker bezeichnete den Nationalismus als große Gefahr. Das bestreite ich absolut und ich vermisse in all den An- klagen, die erhoben worden sind, auch nur die bescheidenste De- finition des Begriffes„Nationalismus".(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich will nicht bestreiten, daß hie und da die französische Presse nicht gerade sehr taktvolle Bemerkungen gemacht und vor allem den französischen Geist hat vermissen lassen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Selbst in der Ersten Kammer mutzte die Regierung sich sagen lassen, daß ihre ganze Vorlage lediglich kleinlicher Verärgerung über solche gelegentlichen Taktlosigkeiten entspringt, die sich'auch nicht entfernt vergleichen lassen mit denen, die von der alldeutschen Presse begangen werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben heute eine Zuschrift bekommen, daß es unrichtig ist. daß in einem der Blätter von der französischen Armee als von unserer Armee gesprochen worden, sei, dieser Ausdruck fand sich vielmehr in einem B r i e s eines Pariser Korrespondenzen. Das„Journal d'Alsace- Lorraine" wurde sogar vor kurzem in der fran- zösischen nationalistischen Preise als ein Blatt verurteilt, das mit der deutschen Regierung besonders gute Beziehungen unterhält.(Hört hört! bei den Sozial- demokralen.) Schließlich muß die Regierung ja selbst zugeben, daß man in Lothringen ohne französische Presse nicht auskommen kann'. Andererseits kann der Nationalismus auch in deutschen Blättern betrieben werden: was soll also das ganze Vorgehen, wenn Sie nicht Ausnahmebestimmungen haben wollen, die Sic willkürlich an- wenden können und die irgend ein untergeordnetes Organ zu persönliche» Rankünen benutzen kann— sollen doch unter Rleines feuiücton» Ter Papagei. Ein rechtsstehendes Blatt bringt eine schlechte Satire auf die Beschlüsse der Budgetkommission, die über die Wehr- Vorlage beraten hat. Das„Zukunitsbild", oas da entrollt wird, enthält einen Punkt 2, der mit erfreulicher Offenheit zeigt, daß es fich beim Militär weniger um Nützlickkeitsstandpunkte handelt, als um Propaganda eines Systems, das sich nicht mehr anders zu helfen »veiß. Alio Punkt 2:„Die Armee muß dem Volke gründlich ver- leidet werden. Aus Ersparniskeitsrücksichten ist daher eine einheit- liche, graue, unansehnliche Uniform ohne jeden Schmuck, ohne jedes Abzeichen einzuführen. Dem gemeinen Mann inuß der Stolz auf des Königs Rock gründlich ausgetrieben werden." Hier ist es klar gesagt. Unsere Soldaten laufen wie die Papa- geien herum, ein alter General hat alle Farben des RegenbogenS auf dem Leib, und er würde im Gelände, wie längst die Praktiker wissen, iofort niedergeknallt werden, weil man ihn in Hamburg sieht, wenn er in Lübeck angewackelt kommt. Aber dafür glotzen ihn die biedern Deutschen auf der Straße an, und worüber sie bei einem Negerhäuptling grinsen, darüber strahlen sie bei dem General: die Ausstattung ist es, die den Mann macht. Den Leuten wird eine Eitelkeit künstlich anerzogen, die Augen werden daran gewöhnt, daß diese häßliche Uniform„schön" sei— und in den Augen eines Kuh- Inechtes, der beim Stallausmisten nicht gerade in einer feinen Litewka arbeitet, mag sie das ja auch sein. Für einen Menschen, dessen Augen wirklich gebildet sind, ist sie scheußlick. Aber darauf kommt es ja gar nicht an: man will die Leute beduseln. Der bunte Rock! Wie sagt jener?„Des Königs Rock." Haben Sie schon ein- mal eine Einkleidung der neuen Rekruten mitgeinacht? Nun, da lomnicn die Röcke der alten Mannschaften, deren Schweiß und Schmutz ausgekocht, aber nicht vergessen worden ist, aus der staubigen Kammer und sind gar kein Symbol von des Königs Herrlichkeit. •sondern nur widerlich. Des Königs Rock! Der Stolz auf des Königs Rock! Gewiß: auf den Rock. Oder werden etwa die Röcke angespuckt, getreten, geschlagen? Der ge- meine Mann, der Kerl wird es. Wie gesagt: Stolz. Und Bewunderung. Denn er umhüllt gleichmäßig Gerechte und Unteroffiziere. tu. Das Wunderbare. Von den vielen Weltwundern des Altertums ragen nur noch die Pyramiden Aegyptens trotzig empor: unbeirrt durch den neuen Geist, der die Welt zu ihren Füßen beherrscht, reden sie die Sprache terner Jahrtausende. Die feiner und reicher acstalteten Wunderwerke, wie der Semiramis hängende Gärten, den Tempel der Artemis zu Ephesus und das gewaltige Zeusbild des Phidias aber hat die darüber hinrollende Zeil abgeschliffen und �'(jlne amerikanische Zeitschrift stellte durch eine Rundfrage fest, welches wohl die sieben wunderbarsten Werke der Gegenwart wären. und welchem vor allen anderen der erste Preis gebühre. Da erhielt die drahtlose Telegraphie 1244 Stimmen, das Telephon 985. Dann folgen der Aeropla». das Radium, die Antiseptika und Antitoxine (künstliche Heilmittel), die Spektralanalyse, die Röntgenstrahlen. Welche Wandlung im Begriff des Wunderbare» I Nicht das Riesenhafte Körpergewaltige und Körperschöne, das den antiken Welt- wundern eignete, wird heute angestaunt. Der moderne Mensch zollt die höchste Bewunderung den geheimen, unsichtbaren Wirkungen, die etwas von der Wesensart der Gedanken an sich haben. Von allen wirkenden Naturkrasten hat jene die größte Bedeutung für die Gegenwart erlangt, für die wir kem«inneSorgan haben: die Elektrizität. Den Gedanken trägt sie durch den Rauin, Züge reißt sie vorwärts und füllt unsere Nächte mit Sonnenglanz. Im 19. Jahr- hundert wurde unsere alte Erde ein höherer Organismus. Sie er- hielt Nerven durch das Netz von Kabeln und Leitungsdrähten, das heute ihren Leib durchwirkt. Theater. Theater am Nollendorfplatz: Sommergastspiel unter Artur Retzbach: Der Mann niit der grünen Maske, Burleske von I. Horst und A. L i p p s ch ü tz. Herr Retzbach, der vor ein paar Sommern eine wirkliche Burleske„Die Million" in sehr hübscher Aufmachung herausgebracht, hat mit der„Grünen Maske", wenn es natürlich auch am üblichem Premierenapplaus nicht mangelte, keinen Treffer gehabt. Den Autoren Horst und Lippschütz ist herzlich wenig eingefallen. Hypnose und Suggestion wurden in Schwänken schon oft, manchmal sogar recht drollig als treibende Kraft der Handlung verwandt; in diesxm neuen Falle quälen sie sich mühselig und ohne jeden Zug echter Komik einen Wirrwarr von Unmöglichkeiten ab. Ein Kammerdiener schafft sich von einem Varietsdirektor Einnahmen, indem er seinen Herrn, einen Ministerialrat, allabendlich hypnotisiert und ihn im Trancezustande mit einer grünen Maske mysteriöse Wahr- sagerkunststücke vor dem Publikum exekutieren läßt. Natürlich ist das nur Vorwand und Vorbereitung für den Clou des Abends: einen Akt, der sich aus lauter Varietenummern zusammen- setzt. Eine Schlangentänzerin und eine virtuose Akrobatentruppe er- wiesen sich als Attraktion, indes: was dieser Kunst der Beine folgte, diese Sängerin, die unter gewaltigem Gestenaufwande Rokokoszenen und blutige ungarische Balladen vortrug und bei der der indisch- vokalreiche Name das einzig Klangvolle war, das stellte um so härtere Anforderungen an die Geduld. Zwischendurch gabs eine Parodie auf großsprecherische Kinoüberschriftcn und, nach dem immer noch zugkräftigen Keanschen Muster, eine Fortsetzung des Theater- spieles im Zuschauerraum, vor allem eine Maffe von Couplets, deren herkömmlich witzlose Texte durch flotte Schlagermelodien Friedrich Bermanns und Viktor Holländers belebt wurden' Else Bötticher zeigte da im Spiel wie im Gesang ein ausgesprochenes Soubretten- talent für verschmitzte Rangenhaftigkeit. dt. Humor und Satire. Vetternwirtschaft. Wenn der Bürger sich erdreistet, Frei und rundheraus zu fragen: Was hat Bethmann denn geleistet? Hört man wohl die Antwort sagen: Positiv Steht es schief! Immerhin: er dachte tiefl Von dem Lenker unsreS Staates Hört man nun von ungefähre, Daß er— wenn auch dritten Grades— Richard Wagners Vetter wäre. Plötzlich steht Beth erhöht, Zweifel scheinen fortgeweht. Und man sieht ihm keine Not an. Und man möchte Theobalden Mit Vergnügen für den Wotan UnsreS Preußenhimmels halten. Wo er sitzt Und nicht schwitzt, Sondern immer kräftig blitzt. Wer in Verfolg des Weilern Lehrt uns die Erfahrung Mores, Denn sein Geist steckt in den Kleidern, Eines preußischen Majores; Und man spricht: Vctlernpflicht Kennt der Genius scheinbar nicht! (»Jugend".) Nottzcu. — Bleibt H o f f m a n n Stadtbaurat? Zu dieser Frage, die mit Hoffmanns Wahl zum Opernhäusarchiteklen aktuell wird, teilt das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mit: Ueber die Art der Tätigkeit des Stadtbaurats Ludwig Hoffmann beim Opernhaus sei seines Wissens eine Bestimmung noch nicht getroffen worden. Jedenfalls denke der Stadtbaurat nicht daran, seine ihm lieb- gewordene Tätigkeit, in der xr unter den günstigsten Umständen hat wirken dürfen, zu verlassen. Sagen wir vorsichtig: er denke jetzt nicht daran. Und warten wir ab, wie er, der Mann der sorgfältigsten Gründlichkeit, denken wird, wenn erst die Opernhausarbeit ihn einspinnt. — Theaterchronik. Im Josef-Kainz-Theater am kleinen Wannsee finden jetzt Jnterimsvorstellungen zu 2,20 M. und 1,20 M. statt, und zwar heute nachmittag 3 Uhr: Mcdca, 6 Uhr: Lustspiele von I. B. Widmann, ebenso am Montag b'/z Uhr: Lustspiele. — Immer wieder FitgerS O st ergedicht und die Konservativen. Ueber das Gedicht von Artur Fitger, das in der Osternummer des„Vorwärts" stand, niag die konservative Presse sich durchaus nicht beruhigen. Hartnäckig' wie ein gewisses Grautier bleibt sie bei ihrer Ignoranz in Dingen der zeitgenössischen Literatur. Nach wie vor weiß sie nicht, daß Fitger, der doch ein ganz bekannter Dichter war, seit Jahren tot ist, und mit diesem Irrtum geht sie nun in ihrem Sinne ackern. Die„Mitteilungen aus der konservativen Partei" drucken das Gedicht Fitgers ab und malen folgenden Schnörkel einer in Düsternis beharrenden Phantasie hinzu: „Der Verfasser Artur Fitger ist ein Liebling der blaßroten Presse, also ein echter liberaler„Kultur'träger. Daß er seine tendenziösen Erzeugnisse(nebenbei ist er auch noch Maler) jetzt der ganz roten Presse anbietet, zeigt, daß die Kluft zwischen Linksliberalen und Sozialdemokraten garnicht so groß ist." Wozu sich bemerken ließe, daß die Kluft im Literaturwiffen des konservativen Blattes jedenfalls viel größer ist. � Der Wert des EberSwalder Goldfundes. Profeffor Schucharht schätzte den- Metallwert de« EberSwalder Fundes auf 7000 M ein. Der Kunstwert erhöht diese Summe, wie er feststellt, auf 20 000 M. � Die Wiener Freie Volksbühne zählt jetzt, wie in der Delegiertenversammlung des Vereins mitgeteilt wurde, 24865 Mitglieder und 316 781 Kronen Jahreseinnahme. — O e st e r r e i ch i s ch e Südpolexpedition. In der heutigen Sitzung der geographischen Gesellschaft wurde von einer geplanten österreichischen Südpolexpedition Mitteilung.gemacht, die am 2. Mai 1914 unter Führung des Grazer Forscher« Felix König mit dem von der Filchnerschen Expedition angekauften Schiff „Deutschland" zu wissenschaftlichen Zwecken unternommen werden soll. Der Fonds für diese Spedition ist bereits aufgebracht und das Projekt ist in seinen Einzelheiten festgelegt. dem Sozialistengesetz ganz harmlose Elemente als Sozia- listen gebrandmarlt und derfolgt worden sein.— Ich weise auf die Tatsachen der elsässischen Geschichte seit 1S11 hin. auf die Landtagswahlen, auf die A b l e h- nung aller nationali st ischen Verhetzungsversuche im vorigen Jahre, auf die geschlossenen Friedenskund- gedungen in allenTeilen desLandes und der K a m mer. Sollten etwa die von enltäuschten Hoffnungen reden, die erwartet haben, daß das elsaß-lothringische Volk von der Verleihung der Verfaffung an seine ganze Eigenart aufgeben würde. Das wäre eine kränkende Zumutung. Der Mann ist bei uns gottlob noch eine seltene Erscheinung, der dereinst als Leutnant der französischen Mobilgarde Itraßburg verteidigte und heute als Staatssekretär von Elsatz-Lothringen Ausnahmebestimmungen gegen sein eigene« Land empfiehlt. Das ist die Regel bei uns zu Lande noch nicht, und diese Politik der Unterdrückung der nationalen Eigenart darf keine Regierung treiben. Der Reichskanzler meinte, wenn die elsaß-lothringische Regie- rung diese Mittel für notwendig halte, müsse man sie ihr geben. Die elsaß-lothringische Regierung hat unser Vertrauen nicht, und man darf unS auch nicht einwenden, sie sei besonders geeignet, die Bedürfnisse und Empfindungen des clsaß-lothringischen Volkes zu würdigen, weil einheimische Elsaß-Lothringer in ihr fitzen. Nach allem, was wir erfahren haben, ist das keine Beruhigung für uns. Es ist ja auch nichts Neues, daß eine Sache immer in denjenigen ihre schlimmsten und gefährlich st en Feinde findet, die sie zuvor verlassen haben. sLebhafte Zu- stimmung.) Der Reichskanzler meinte, der Nationalismus sei keineswegs eine quantits negligeable. Auf diese Weise wird er aber immer zu neuem Scheindasein erweckt. Die Regierung hat die Pflicht, die Selbständigkeit und das nationale Persönlich« keitsgefühl zu achten und zu stärken, und ich kann nur meine Freude darüber aussprechen, daß der Reichskanzler gestern die Auffassung, die er im Jahre IllllS vertreten hat, auch dies- mal nicht preisgegeben hat. Er hat gestern wieder hervor« gehoben, daß Elsaß< Lothringen mit seiner neuen Verfassung ieine Angelegenheiten in seiner Eigenart in voller Selbst- ständigkeit erledigen soll. Die nationale Eigenart Elsaß-Lothringens mußte aber mitbestimmt werden durch seine Geschichte, in der es die größten Ereignisse Frankreichs miterlebt hat. Es ist nicht ver- wunderlich, daß Elsah-Lothringen von der großen R e- volution in seinen ganzen Anschauungen den st ä r k st e n Eindruck empfangen hat, und es ist ebenso wenig ver- wunderlich, daß es noch immer in seinen Erinnerungen daran hängt. Das darf niemand beklagen, hat doch der Kaiser selbst in Vie das geschmackvolle Wort gesprochen, daß ein Volk, das seine Geschichte ehrt, seinem Herzen nahe st eh t. Diese Empfindungen werden vielfach von den Eingewanderten in Elsaß-Lothringen sowie von den Altdeutschen im Reich nicht genügend geachtet, und manche Konflikte werden dadurch hervor« gerufen, daß die Altdeutschen der elsaß-lothringischen Bevölkerung überall ihre Auffassung aufdrücken wollen. Solchen Bestrebungen sollte die Regierung entgegentreten, nicht durch Zwangsmaßnahmen, sondern durch eine vernünftige Politik. Der Nationalismus, den ich geschildert habe, wird von nie« m a n d für gefährlich erachtet. Die Frage ist, ob es noch einen anderen Nationalismus für Elsaß-Lothringen gibt. Herr v. Calker sprach von einem Nationalismus, der durch das Ausbleiben von Orden und Titel» hervorgerufen wird.(Heiterkeit.) Herr Schultz führt ihn darauf zurück, daß der Diktaturparagraph aufgehoben sei. Aber wir haben doch nie gehört, was das für ein Nationalismus ist, der so gefahrdrohend, so ungeheuer verhängnisvoll für den Bestand "BüS"Reiches ist und sogar, wie der Reichskanzler gestern an- deutete, für den Frieden Europas. Bestrebungen, die auf eine Abtrennung Elsaß-Lothringens hinzielen, gibt eS in Elsaß-Lothringen nicht.(Zuruf: WetterlS!) Wetterlö gehört dem Nationalbund und der Zentrumspartei an, und beide haben in ihrem Programm als erste Forderung die der Um- Wandlung Elsaß-Lothringens in einen Bundesstaat innerhalb deS Deutschen Reiche?. Sympathien mit Frankreich sind natürlich in Elsaß-Lothringen vorhanden; aber niemand betreibt die ver- brecherische Politik, um den Preis der Rückkehr zu Frank- reich, einen Krieg zwischen großen Kulturnationen zu entfesseln. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich habe mich gewundert, daß in der Ersten elsaß-lothringischen Kammer der Staatssekretär Zorn von Bulach von den Re- publikanern sprach, die eine Autonomie gesondert vom Reich erstreben. Wo sind diese? Alle Parteien, die für die Autonomie eintreten,— und das tun alle ohne Ausnahme— verlangen die volle Autonomie, d.h. die U m w a nd l un g.E ls a ß-Lo t h r ing e ns in einen vollberechtigten Bundes st aat des Deutschen Reiches, die Weiterführung der Aufgaben, die zum ersten Mal 1911 ernstlich in Angriff genommen worden sind. Wenn wir schließlich verlangt haben, daß diese künftige Verfassung, die wir wollen upd haben müssen, mit allen freiheitlichen Einrichtungen versehen wird, daß sie dynastisch nicht belastet wird, soZentspricht daS unserer politischen Grundanschauung (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten) und außerdem gerade der nationalen Eigenart Elsaß-Lothringens, die erfreulicherweise auch der Reichskanzler geachtet wissen will.(Zuruf.) Jawohl, wir verlangen eine rsepub Ii konische Verfassung, Verantwortlich- keit der Mini st er, ein freiheitliches Wahlrecht mit Proporz, aber dieser Bundesstaat wird natürlich Bestandteil des Deutschen Reiches sein.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Die nationalen Ueberlieferungen legen uns b e- stimmte Verpflichtungen auf. Sie sind auf die großen Ereignisse der Revolution zurückzuführen, auf den Sturm der Bastille, die Erklärung der Menschenrechte. Wenn wir die Konseguenzen daraus ziehen, so weisen sie uns die Pflicht zu, auch innerhalb des Deutschen Reiches einzutreten für die Freiheit, und die Bastille der feudalen Borrechte zu stürme«. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Förderung der Entwickelung, die dem Lande seinen Charakter erhält, die Förderung der Versöhnung im Lande sollte die Politik der Regierung sein. Wenn heute noch die kurzsichtige Politik der Regierung die elsaß- lothringische Frage hat am Leben erhalten können, so würde sie durch Anerkennung dieser Ziele endgültig und in aller Augen ge- löst sein.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Und wenn der Reichskanzler sich gestern darüber beklagen konnte, daß die f r a n- zösische Presse sich mit der Vorlage befaßt habe, als ob sie eine Erscheinung der französischen Politik wäre— die Tatsache ist nun einmal vorhanden, daß derartige Absichten über die Grenzen hinaus wirken(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten), und eine weise Regierung sollte mit dieser notwendigen Folge rechnen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es ist nicht zu bestreiten, daß sowie die Absicht der elsaß-lothringischen Regierung bekannt wurde, die französische chauvinistische Presse sie auSgenutzl hat und daß die erste Veröffentlichung erfolgte unter j der Ueber- schrift.die Antwort auf Bern'. Also nicht der Nationalismus gefährdet den Frieden, sondern wenn man in diesem Zusammenhang davon reden kann. hatdieelsaß-lothringischeRegierung dem Friedenswerk, das in Bern erfolgreich begonnen wurde, mit diesen Maßnahmen Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Die Benrer Konferenz hat Elsaß-Lothringen bekanntlich in den Mittelpunkt ihrer Bestrebungen gestellt. Elsaß-Lothringen. das ein großartiges Jnstrnment des Friedens sein könnte, wird heute durch die Schuld der Regierung mißbraucht als ein Borwand zu feindseligem Mißtrauen und Mißverständnis.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Unterstaatssekretär Mandel(mit lebhaftem Ahal links begrüßt): Die Interpellation war an den Reichskanzler gerichtet, der Ver« kreier der elsaß-lothringischen Regierung hatte also an sich keinen Anlast zu sprechen. Nachdem aber der Porredner mich so liebenswürdig gereizt hat und in der Debatte ver- schiedene tatsächliche Unrichtigkeiten vorgekommen sind, muß ich doch zur Richtigstellung daS Wort ergreifen. Daß in der Reichsgesetz- gebung ein Vorbehalt besonderer Art gegenüber Elsaß-Lothringen gemacht wird, ist gar nichts so Ungeheuerliches, wie Herr E m m e l meinte. Es ist z. B. auch im'Einführungsgesetz zur Gewerbe« ordnung geschehe«.— Der Verein der Fremdenlegionäre ist gewiß seinerzeit mit den angeführten staturarischen Bestimmungen ge- gründet worden, aber im Laufe der Zeit haben sich die Leute beikommen lassen, ob bewußt oder unbewußt, für die Fremdenlegion zu wirken.(Hört I hört! rechts. Lebhafre Zurufe links: Beweise!> Herr Emmel, Sie haben ja selbst im Landtag gesagt: Sie wollten nicht leugnen, daß die Leute mit ihrer Zugehörigkeit zur Fremden- legion renommiert haben.(Abg. Emmel: Jägerlatein!) Die blauweitz- und rote Fahne hat allerdings dazu dienen sollen, d i e dummen Schwaben, wie man dort sagt, zu ärgern. (Lachen links.) Der Vorsitzende des Vereins hat das selbst anerkannt, indem er jetzt das blau in grün verwandelt hat. (Große Heiterkeit.) Von-Ägsnes provocateur sind wir ganz frei. In dieser Beziehung habe ich ein gutes Gewissen. Die Mitglieder der lägus Airenne mögen gewiß keine bösen Gedanken bei ihrer Mitgliedichaft zu diesem französischen Luftschifferverein ge- habt haben, aber es mußte den Leuten doch zum Bewußtsein ge- bracht werden, daß sie als Deutsche nicht in einen Verein gehören, der die Enthaltung der französischen Luftmacht gerade gegenüber den deutschen Rüstungen im Spiel hat.(Zuruf bei den Sozial- demokraten.) Auch deutsche Offiziere gehören ihm an!) Der Verein Louvsrnr francais hat im Anfang allerdings nur die Auf- gäbe, die Toten von 1879/71 zu ehren, aber in kurzer Zeit ist daraus ein politischer Verein geworden, der die Sympathien der Lebenden für Frankreich wachhalten und neue Sympathien erwecken wollte. Von dem Augenblick an war es unsere Pflicht, gegen den Verein ein- zuschreiten. Er hat sich dann aufgelöst von selbst, ohne daß wir etwa« gegen ihn unternommen hätten. Wir haben aber schriftliche Dokumente, daß ein neuer Verein lediglich eine Fortsetzung dieses Souvenir frarnjais ist. Und wenn dieser neue Verein vor einigen Tagen vom Schöffengericht in Metz von der Anklage, ein politischer Verein zu sein, freigesprochen worden ist— nun, meine Herren, die Regierung wird durch ein Schöffen- gerichtsurteil in dieser Beziehung nicht nervös. >Hört I hört I bei den Sozialdemokralen.) Man hat dann vom Z i ck z a ck k u Qs, der elsaß- lothringischen Regierung gesprochen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind gewiß verschiedene Strömungen vorhanden gewesen; aber so lange der gegenwärtige Statthalter am Ruder ist, ist von einem Zickzackkurs nicht die Rede, sondern das Bestreben ist kerzengrade darauf gerichtet, das Land dem Deutsch- tum zuzuführen, allerdings nicht mit einer gewaltsamen Ger- manisationspolitik, wohl aber durch eine unparteiische und gerechte Verwaltung. Das ist der einzig richtige Weg, um im Lande Ruhe und Frieden zu erhallen.(Zuruf b. d. Soz.: Und nicht Ausnahmegesetze?) Man hat eine Deklaration des Nationalismus vermißt. Der Nationalbund als solcher hat sich erst vor zwei Jahren zusammengetan. Sein Ziel ist es, alle Parteien zu durchdringen, so daß die Elsaß-Lothringer eine komplkte Masse gegenüber den Eingewanderten bilden. Bei den Wahlen ist er in der Hauptsache auf.den Krücken anderer Parteien in den Land- tag gekommen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten! Welcher Partei?) Sie verstehen mich schon.(Heiterkeit. Zurufe bei den Sozial- demokraten: Nein! nein!> Wäre auch nur eine stark nationalistische Minderheit vorhanden gewesen, so wäre das ganze Verfaffungswerk wahrscheinlich vereitelt gewesen. DaS Volk von Elsaß-Lothringen hat sich aber auf sich selb st besonnen.(Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten: Na alsol) Die Nationalisten sind zwar parlamentarisch überwunden, haben aber eine große Presse und massenhaft Vereine für sich. Sie hoffen auf die nächsten Wahlen und sind unterdessen ungemein rührig. Gewiß ist das Volk im großen und ganzen deutsch, der Bauer ist deutsch, der Handwerker ist deutsch, der Arbeiter ist deutsch. Aber nun kommt die B o u r g e o i s i e, der paffen die neuen Verhältnisse nicht. Diese Leute haben vor ihren Vettern und namentlich Cousinen in Paris mehr Respekt und mehr Angst als vor den Deutschen.(Stürmische Heiterkeit links.) Allerdings ist diese Schicht der Bourgeoisie ver- hältniSmäßig dünn, aber schon geht daS Gift dieser natio- nalistischen Agitation über auf die Kreise der wohlhabeadm Bauern, und wenn sie sich an die Jugend wendet, ist eS höchste Zeit, daß wir eingreifen. Leichten Herzens haben wir das nicht getan. Wir haben den Sturm in den Kammern und im Reichstag vorhergesehen. Aber es war unsere Pflicht, rechtzeitig einzu- greifen. Es handelt sich um die akademische Jugend und die Jugend der Angestellten in Handel und Industrie. Wir bekämpfen rncht die französische Sprache an sich, aber den Bildungsschwindel, der den Leuten weiß macht, daß zu den vornehmen Schichten nur gehört, wer französisch spricht. Lehnen Sie die Vorlage ab, so haben wir das unsrige getan. Der deutsche Reichstag trägt dann die Ver- antwortung. Wenn es aber nicht anders geht, werden wir in ein oder zwei Fahren wieder vor Sie hintreten müssen. Herr Hauß hat ein Wort des Fürsten Hohenlohe zitiert. Dieser war leine Kampf n'a tu r. Fürst Bismarck hat damals mit dem Paßzwang zur rechten Zeit eingegriffen. Für daS sehr fteiheitliche deutsche Reichsvereins- und Pretzgesetz ist Elsaß-Lothringen be- dauerlicherweise.n o ch nicht reif. Also, lehnen Sie unsere Maß- nahmen ab, so hat der Reichstag die Verantwortung.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Haas(Vp.): Alles was uns der Herr UnterstaaiS- sekretär vorgetragen hat, waren Kleinlichkeiten, Baga- teilen, derentwegen man doch keine Ausnahmegesetze macht.(Sehr richtig! links.) Und hat denn überhaupt jemals in der Welt ein Ausnahmegesetz etwas genützt? Man kann geistige Be- strebungen nie durch Polizei bekämpfen. Und ein Ausnahmegesetz gegen einen deutschen Bundesstaat wider- spricht noch dazu vollständig dem föderativen Charakter des Reichs. Nationalistisch gesinnt ist daS elsaß-lothringische Volk nicht, aber seine Eigenart will es bewahren, und das ifl s e i n gutes Recht. Man darf nicht altpreußische Eigenart, die an � sich auch berechtigt ist, nach Elsaß-Lothringen verpflanzen wollen, so wenig wie nach Baden und Bayern. Die preußische Art zeigt sich ja nicht nur in der Regierung, in der Sozialdemokratie zeigt sie sich ebenso. Würde man einen.Vorwärts�-Redakteur in ein preußi- sches Landratsamt versetzen und einen preußischen Landrat in die.VorwärtS'-Redaktion. eS würde sich gar nichts ändern, es würde derselbe schroffe Ton bleiben (Große Heiterkeit), und wer nicht pariert, der fliegt. Wir Süd- d e u l s ch e sind anders, wir sind gemüllicher. Die Elsässer fühlen sich in ihrer Art als Deutsche, und sind auch wirtschaftlick, eng mit Deutschland verbunden. Durch die elsässische Regierung ist jetzi wieder zum Teil daS Gute verdorben worden, was in Bern geschaffen worden ist. Wir wünschen, daß es vorwärts geht auf dem Boden der Freiheit und des gleichen Rechts.(Bravo! bei der Volkspartei.) Abg. Peirotes(Soz.): Es handelt sich hier bei der Besprechung der Vorlage um ein noch ungeborenes Kind, also gewissermaßen um ein Ver- brechen gegen keimendes Leben. Herr Unterstaatssekretär Mandel hat die Jämmerlichkeil der Begründung der Vorlage durch seine Rede noch zu übertreffen gesucht, wenn das überhaupt möglich gewesen wäre. Er sagte, es existieren in Elsaß-Lothringen noch andere Ausnahmegesetze, er hat nicht das geringste Verständnis dafür, daß wir uns dagegen wenden. Für die Notwendigkeit der Aenderung de« Preßgesetzes beruft er sich als Kronzeugen auf den Landesausschuß, mit dem die Regierung selbst nichr auskommen konnte. Gegenüber meinem Freunde Emmel erklärt der Unterstaatssekretär Mandel den Verein der Fremden- legionäre für außerordentlich gefährlich. Den Beweis dafür ist er schuldig geblieben. Aber wenn man Anklagen erhebt, muß man auch Beweise für die Schuld des Angeklagten beibringen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Ausrede von der jetzt grün gewordenen Fahne mutet etwas kindlich an— wenn sich die.dummen Schwaben' darüber ärgern, geschieht ihnen recht. Diese süddeutsche Regierung hat leider gar keinen Sinn für Humor. Ein kaiserliches Gericht erklärt den„Souvenir alsacien-lorraine'' für einen keines« wegs politischen Verein— der Unterstaatss ekretär erklärt ihn trotz dieser moralischen Ohrfeige für politisch! Man hofft wohl, aus der hier angekündigten Berufung ein besseres Urteil' herauszuholen! Grundfalsch ist die Auffassung, als wäre der Nationalismus immer schon dagewesen, bald stärker, bald schwächer. Der Ratio- naliSmus ist zurückzuführen in seiner jetzigen Form darauf, daß Elsaß-Lothringen bei der Verfassungsgesetzgebung zu wenig Freiheit erhielt, nicht das bekam, was es verlangte. Die Nationalisten sind Leute, die politisch verkracht waren und sich nun dieser Idee bemächtigten. Sie sind aber bei den Wahlen schwer unterlegen. Ich kann es der Bourgeoisie nicht verdenken, wenn sie vor den Cousinen in Paris mehr Respekt hat, als vor unsererRe- gierung— das liegt aber an dieser.(Heiterkeil.) Gibt denn das Strafgesetzbuch nicht reichlich genug Mittel gegen Preßübergriffe und wird nicht ebenso oft wie die deutschen durch elsässische Blätter das Elsäsiervolk durch altdeutsche Blätter beleidigt. Hat nicht ein solches Blatt bei der Gravenstadener Affäre alle Elsässer Gesindel genannt, das auswandern soll.? (Hört! hört I) Herr Mandel fürchtet besonders die Beeinflussung der Jugend. Aber sie lernt kaum noch französisch und in vielen Werken müssen Schweizer und Luxemburger angestellt werden, weil unsere jungen Leute überhaupt oft nicht mehr genügend französisch können. Die weitere Behauptung von einer allumfassenden Agitation der Nationalisten ist vollkommen falsch. Das hat sich bei den Landtagswahlen und seitdem immer deutlicher gezeigt. Die Argumente des Unterstaatssekretärs sind also durchaus nicht st ich- haltig. Man beruft sich auf die Preßunterdrückung in Frankreich. Freiheitliche Gesetze aus Frankreich führt man bei uns nicht an. Ueberdies ist das ftanzösische Gesetz fast nie angewendet und richtet sich gegen Ausländer und nicht gegen Staatsangehörige; dazu kommt, daß das französische Ministerium dem Parlament ver» anlwortlich ist, und ein Ministerium, das ein solches Ausnahme- gesetz mißbräuchlich anwenden wollte, würde von der Entrüstung des Volkes weggeschwemmt werden wie eine Eierschale von einer Meereswoge.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ueberlassen Sie die Nationalisten ruhig den Parteien in Elsaß« Lothringen. Bei den Wahlen haben sie bewiesen, daß sie mit dem Nationalbund sehr gut fertig werden.— Die elsaß-lothringische Ver- fassung ist hier sehr überschätzt worden. Gewiß, wir haben jetzt eine Volksvertretung und ein bessere« Wahlrecht, aber der seit 49 Jahren verlangten Autonomie ist die elsaß-lothringische Be- völkerung nicht näher gekommen. Die letzte Entscheidung fällt doch immer bei der Zentrale in Berlin. Wenn das elsaß-loth- ringische Volk dem Deutschtum zugeführt werden soll, müssen ganz andere Wege gegangen werden. Es müßten für die große Mehrheit des Volkes erträgliche soziale Berhältniffe und größere politische Freiheiten geschaffen werden. Welche Not und welche» Elend herrscht noch in den Vogeientälern infolge der Zoll- und Steuerpolitik des Deutschen Reichs. Ueberall werden wir zugunsten anderer Bundes- staaten zu den Lasten des Reichs herangezogen. Zum Ausbau unseres K a n a l n e tz e s hat das Sierch keinen Pfennig gegeben. Wir sind wohl durch Kanäle mit Fraukreich verbunden: diese haben aber keinen Anschluß nach Deutschland. Die elsaß-lothringische Frage ist nicht ein Problem des Nationalismus, sondern ein Problem der Demokratie. Es fehlt Elsaß-Lothringen eine r e p u- b l i k a n i s ch e Verfassung, die ihnen erlaubt. sich selbst freiheitlich zu regieren. Statt dessen versucht man jetzt die Verfassung von 1911 zurückzurevidieren. Wir begrüßen die In» diskretion, die es uns ermöglicht hat, diese Dinge hier zur Sprache zu bringen. Der betreffende Beamte hat sich erwiesen als Teil von jener Kraft, die stets da- Böse will, und doch das Gute schafft.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Besprechung. Did Tagesordnung ist er- schöpft. Nächste Sitzung: Montag, d e-n 9. Junr, nachmittags 3 Uhr.(Kleine Vorlagen, Wahlprüfungen, dritte Lesung des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes.) Schluß 4'/, Uhr.__ Hus der partei. Der konfiszierte Engels. Der Wiener Staatsanwalt hat die wissenschaftlich? MonatS» schrift unserer Partei,„Der Kamp f", wegen eines Artikels von Friedrich Engels konfisziert, der vor 6S Jahren geschrieben ist. Der Artikel ist betitelt:„Der Anfang vom Ende Oesterreichs' und untersucht den Zusammenhang zwischen den politischen Verhältnissen auf dem Balkan und der Standfestigkeit der Habsburgischen Monarchie. Diese empörende Konfiskation, die um so aufreizender wirken muß, als der„Kampf' bisher noch nie konfisziert wurde, als in der letzten Zeit immerfort im Parlament die schärfsten Klagen von allen Parteien über das finnlose Wüten der Zensur erhoben werden, ist rasch wieder repariert worden, indem Genosse Dr. Renner den konfiszierten Arfikel als Interpellation im Ab- geordnetenhaus eingebracht bat. Das Kopfblatt für das Begcsackcr Industriegebiet. Vom Vorsitzenden des Kreiswahlvereins des 18. hannoverschen Reichstagswahlkreises wird uns geschrieben: Der„Vorwärts' brachte vor einigen Tagen einen kurzen Aus- zug aus dem Jahresbericht des sozialdemokratischen Vereins Bremen. Es wurde berichtet, daß zum 1. Oktober d. I. für das Vegesacker Industriegebiet, das jetzt 1546 Abonnenten stelle, die Schaffung eines Kopfblattes der„Bremer Bürger-Zeitung' geplant sei. Die für das Kopfblatt in Betracht kommende Abonnentenzahl ist natürlich höher als angegeben, sie beträgt heute schon annähernd 2599 und dürfte mit der Herausgabe de« Kopfblattes auf zirka 3999 Abonnenten gebracht werden. Das Kopfblatt ist nicht allein für da« Vegesacker Industriegebiet, sondern für den 18. Hannover- schen Reichstagswahlkreis bestimmt. In den Kreisen Blumenthal und Osterholz, die als eigentliches Verbreitungsgebiet für das neue Kopfblatt in Frage kommen, sind zurzeit 7999 Gewerkschaftsmit- glieder und 2899 Parteimitglieder vorhanden. Die Zghl der Mit- glieder der Partei und der Abonnenten des Parteiorgans kann also noch bedeutend vermehrt werden. WafferstandS-Stachrichten der Landesanstalt für Gewässeriunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau »)-f bedeutet Wuchs,— Fall.— 0 NntevPegA. Wo che J Alle Preise gelten nur für diese Wochet �aeca-1 � g-i« I•„ PaieW» ,i3«!47� aa f taotas»«'* Wasch-BöcKe, � � 5n T00&o Blaue Böclte. 3« 4» e« »" 12« fantasle-RöcIfe 2-- z« z« 650 gW gpg s» i meidet.• 2iM 2 Weisse Farbige Kleider■ Ü» 22-° 2»°° 9T6 1360 1675 Musselin-Kleider• �22-° 2«- König Strasse 33 am Bahnhof Aiesanderplat: CK a 11 ssee Strasse IIS EcK« lavalMonstrasoe Andreas- Festsäle Telephon: Königstadt 3520. empfiehlt den geehrten Vereinen - Andrcasstr. SA. und Gewerkschaften seine Säle zu Versammlungen und Feftlichteite». Kulante Bedingungen. Einige Sonnabende und Sonntage noch fr e i. ßorgmann& F. Scholz. 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Dezember Aktiva An Banf.Konto..... 9947,50 Haus-Konto.... 1,— Gas-Kautions-Konto. 100,— Debitoren-Konto... 250,— Neubau-Konto.... 200,— Kassa-Konto. 360,87 M. 10859,37 Passiva Per Geschästsanteil-Konto. „ Reservesonds-Konto.. „ HilsSreservesondS-Konto „ Bausonds-Konto... „ Dividenden-Konto.. n Gewinn-Konto.... 1912. 7487,40 1021,95 100,— 1319,52 142.27 788,23 M. 10859,37 Mitgliederbestand am 1. Januar 1912: 181 Genossen, ausgeschieden 12, «cu ausgenommen 23; mitbin 192 Genossen. DaS GeschästSguthaben der Genossen hat sich um 1650 M. erhöht, die Gesamthastsiimme ebenfalls um 1650 M. Letztere belies sich am 31. Dezember 1912 aus 11 550 M. Stralau, den 31. Dezember 1912. 1057b Kau- nnd EFwerbsgrenossenschaft„Torwarts". Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Karl Bohrend. Max Schuldig. Paul Stügelmaier. blovr« u. Stahlbad BUKOWINE Reg.-Bez. Breslau, direkte Bahnverbindung Linie Öls-Ostrowo. 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Keilage des.Fomörts" Kerliller MldsdiR NirtichaMichei' Aocheoberlcht. St. Louis- und San Francisco-Bahn. Es gehört bekanntlich mit zu den Aufgaben des„nationalen" Kapitals, ausländische Unternehmungen und Körperschaften finanziell unterstützen. Bringt die Beteiligung für den deutschen Kapitalisten reichlichen Profit, so gilt das als ein Erfolg der heimischen Bolls- Wirtschaft, und je nach der Höhe der Dividenden und sonstigen Ein- künfte steigt das Lob der Bankhäuser, die den deutschen Einfluy im Auslande mehrten. Wehe aber den Banken, die ausländische Wertpapiere einführten, deren Kurse infolge irgendwelcher Gründe sinken I So verfielen in der vergangenen Woche der Mißbilligung der Finanzpresse die Berliner Handelsgesellschaft und die Deutsche Bank, die vor wenigen Jahren Bonds(Schuldverpflichtungen) der St. Louis- und San Francisco-Eisenbahngesell- s ch a f t in Teutschland einführten. Die Enttäuschung der Besitzer dieser Bonds ist allerdings nicht gering. Im vergangenen Jahre wurden fünfprozentige Bonds der Gesellschaft an der Berliner Börse zu 89 notiert. In der vergangenen Woche handelte man sie zu S8zh Proz., während sie zu Anfang des Monats Mai noch auf 79� standen. Die vierprozentigen BondS erlebten einen Sturz von S2Yi im Vorjahre auf 68 am vergangenen Mittwoch, gegen 73� am Anfang Mai. Die Ursachen des starken Kursrückgangs der St. Louis-Bonds find in Zahlungsschwierigkeiten der amerikanischen Gesellschaft zu suchen. Schon vor mehreren Jahren war die Gesellschaft in finan- zielle Verlegenheiten geraten, so daß man fürchtete, sie würde die Zinsenzahlung für die angegebenen Schuldverpflichtungen einstellen. Durch rasche Ausdehnung, Aufnahme verschiedener anderer Linien und Erweiterung des Anleihemarktes suchte sie der Klemme zu ent- geben. Zu einer Gesundung kam es trotzdem nicht. In den letzten Jahren haben nur die Vorzugsaktien ersten Ranges Dividenden er- halten? die Vorzugsaktien zweiter Gattung haben in den letzten vier Jahren und die Stammaktien seit 1896 überhaupt nicht an der Dividendenzahlung teilgenommen. Am größten waren die Schwierigkeiten im Jahre 1907/08, der Zeit teuerer Geldpreise. Auch die gegenwärtige finanzielle Bedrängnis ist auf die durch all- gemeine Geldknappheit verursachte Unmöglichkeit zurückzuführen, Kapitalien zu beschaffen. Da die Gesellschaft nicht am 1. Juni 2� Millionen Dollar kurzfristiger Noten einlösen kann, ist auf Antrag einer Hauptgläubigerin die Zwangsverwaltung über die Gesellschaft verhängt worden. Die relativ kleine Schuldsumme bildet dabei nur den äußeren Anlaß für den Konkurs. In den nächsten Monaten würde die Bahn vor neuen Schwierigkeiten stehen. Die Maßnahme, die die Gesellschaft aus der früheren Un- rentabilität befreien sollte, hat sie gerade von neuem verstrickt: die angegliederten Linien weisen schlechte Ergebnisse auf. Im laufenden Betriebsjahr hat die Stammlinie noch einigermaßen günstig ab- geschnitten. Einzelne Tochterunternehmungen dagegen, für die von der St. Louis Dividendengarantien übernommen worden sind, hatten große Ausfälle. Die Ueberfchüsse mußten daher zur Dividenden- Zahlung für die Zweiggesellschaften verwandt werden. Als solche nennt man die Chicago Eastern and JllinoiSbahn und deren Tochter. gesellfchaften New Orleans-, Texas- und Mexikobahn. Für die Chicago Eastern and JllinoiSbahn ist denn auch der ZwangSver- Walter eingesetzt worden. Die vielfach« Jneinanderschachtelung von Bahngesellschaften zu schwer durchsichtigen Konzernen ist«ine Eigentümlichkeit des nord- amerikanischen Eisenbahnwesens, dem staatliche Bahnen fremd sind. Die vielfache Konkurrenz durch andere Privatlinien zwingt bei der ungeheuren Schädigung, die durch diese' Kon- kurrenz hervorgerufen werden kann, zu immer neuen Fusionen, die nie zum Stillstand kommen. So entstehen ganze Eisenbahnshsteme, die durch die Kapitalien großer Finanzie- rungSgesellschaften zusammengehalten werden. Die St. Louis, und San Francisco-Bahn gehört dem Rock Island- Softem an. Das Haupt dieses Systems ist die Rock JSland-Gesellschaft mit 138 Millionen Dollar Kapital. Sie ist eine reine Finanzgesellschaft, die sämtliche Aktien einer zweiten reinen finanziellen Kontroll- gesellschaft, der Chicago, Rock Island and Pacific R a i l r o a d (148 Millionen Dollar Kapital) besitzt. Von der Chicago Railroad sind nun zwei große Bahnkonzerne abhängig, deren Stammgesell. schaften die St. Louis und San Francisco und die Chicago, Rock Island and Pacific R a i l w a h darstellen. Von der St. Louis sind nun weitere 13 Eisenbahngesellschasten direkt oder indirekt abhängig, während der Chicago Railway 14'Gesellschaften angegliedert sind. Seit 1896 hat sich dadurch das Eisenbahnnetz der St. LouiS-Gesell- schaft versechsfacht; es umfaßt heute etwa 6000 Kilometer. Finanziell hat diese reichliche Angliederung die Gesellschaft stark„verwässert". DaS Aktienkapital von 50 Millionen Dollar teilt sich in Vorzugs- und Stammaktien. Aber nur die Vorzugsaktien erster Ordnung in Höhe von 5 Millionen Dollar haben seit 1896 regelmäßig ihre Garantiedividende von 4 Proz. erhalten. Die übrigen 45 Millionen in den letzten Jahren völlig dividendenloser Aktien repräsentieren keinen großen Wert mehr. Zu diesen Passiven gesellt sich aber noch eine ungeheure Obligationenschuld von über 300 Millionen Dollar. Von den Bonds werden an deutschen Börsen(Berlin und Frankfurt) 68,6 Millionen Dollar vierprozentiger Anleihe und 42,6 Millionen Dollar fünfprozentiger Anleihe gehandelt. Tie fünf- prozentigen Bonds wurden von der Deutschen Bank und Lazar Speyer-Elissen(Frankfurt) im Januar 1910 zu 90 Proz. und im Januar 1911 zu 88 Proz. ausgegeben. In diesem niedrigen Kurs. der einer rellen Verzinsung von O4/,, Proz. entspricht, liegt nun schon ein gewisser Hinweis, daß der Besitz der Papiere mit großem Risiko verknüpft ist. Sichere, festverzinsliche Anlagen müssen sich mit geringeren Prozenten begnügen. Aber es entbehrt nicht einer gewissen Gemütsnaivität, wenn die Emissionshäuser(Deutsche Bank unbSpeyer) jetzt zur Entschuldigung für ihre frühereAnpreisung der Werte auf diese hohe Verzinsung hinweisen, in der ein Warnungs- zeichen gelegen hätte. Bei der Ankündigung mußte doch aber gerade der hohe ZinS als besonderes Lockmittel herhalten! Als Rettungsaktion für die Besitzer von BondS haben sich die Rew Dorker Emissionshäuser erboten, die am 1. November fälligen CouponS zu bevorschussen, falls die Bonds bei ihnen deponiert werden. Auf Grund der ihnen zeitweilig überlassenen BondS wer- den die Banken natürlich die Reorganisation so regeln, daß ihre Interessen in erster Linie bedacht werden. Wahrscheinlich werden fie in kurzem Prospekte herausgeben, die für Uebernahme neuer BondS wiederum hohe Rentabilität versprechen. Krofter Slllldestag des Arbetter-Kadfahrerbnudes „Freiheit". An den beiden Pfingstfeiertagen tagte im GewerkschastShauS j M Mannheim der fünfte Bundestag des Arbeiter-RadfahrerbundeS �Freiheit". Die öffentlich geführten Verhandlungen begannen am Sonntag, den 11. Mai, vormittags 10 Uhr. Genosse H o f m a n n hieß die Versammlung im Namen der Ortsmitgliedschaften herzlich willkommen. Der Bundesvorsitzende, Genosse L i e h r, eröffnete im Namen des Bundes die Verhandlungen und beleuchtete in län- gcren Ausführungen das bisherige günstige Fortschreiten des Bundes, trotzdem oft schwierige Verhältnisse zu überwinden waren. Als Leiter der Verhandlungen wurden die Genossen Hermann Groß- Berlin und Ludwig H o f m a n n- Mannheim gewählt. Hierauf trat man in die Tagesordnung ein, die folgende Punkte aufwies: 1. Bericht des Vorstandes, 2. Kassenbericht, 3. Bericht der Beschwcrdekommission, 4. Presse, 5. Anträge, 6. Neuwahl. Zum ersten Punkt der Tagesordnung führte der Bundesvorsitzende Gc- nossc Liehr aus, daß der Bund seit dem Jahre 1911 von 84 auf 87 Vereine angewachsen sei. In zirka 80 Sitzungen seien die An- gelcgenheitcn, welche vorlagen, erledigt worden. In den beiden vorhergehenden Geschäftsjahren seien 2600 Post-Ein- und Ausgänge zu verzeichnen, eine Arbeit, die von einer Person e h r e n a m t- l i ch ausgeführt wurde.— Bei der Diskussion über den Geschäfts- bericht wird dem Genossen B a u m a n n in der Klagesache, welche der Bundesvorsitzende Karl Fischer und der Redakteur Martin L a b b e, Lffenbach, vom Bunde„Solidarität" gegen ihn angestrengt haben, Rechtsschutz gewährt. Desgleichen wird dem Genossen Adermann in seiner Klagcsache gegen P r e u ß nach- träglich Rechtsschutz zugebilligt. Am zweiten Verhandlungstage erstattete Genosse Liehr den Kassenbericht für die Zeit vom 22. Mai 1911 bis 30. April 1913. Danach betrug die Einnahme 19 778,90 M., die Ausgabe 13 896,73 Mark, so daß ein Bestand von 5832,17 M verbleibt. Es sind unter anderem ausgezahlt worden an Sterbegeld 1534 M., llnsalluntcr- stützung 2679 M.. für Agitation 1752 M.. für Rechtsschutz 912 M. Der Verein hat beim Gewerkschaftshaus in Breslau ein Guthaben von 1000 M. Nach Entlastung dcS Gesamtvorstandes gab Genosse Kirchner den Bericht der Presse, den der Expedient des Organs, Genosse Siegmund, ergänzte. Beim Punkt Statutenänderung wurde eine Verbesserung beschlossen, indem die Unfallunterstützung nach dem vierten Jahre der Mitgliedschaft auf 1,75 M pro Arbeitstag oder 10,50 M. pro Woche festgesetzt wurde. Ferner wurde dem Bunde ein S y n- d i k u s bewilligt, welcher gegen Vorzeigung einer vom Bund aus- gestellten Legitimation in allen Rechtsfragen unentgelt- lich Auskunft erteilt. Beim Punkt„Neuwahl" wird d�r Genosse Liehr einstimmig wiedergewählt, wohingegen die Wahl des Redakteurs dem Bundes- vorstand überlassen wurde. Die Bannerweike und das zehnjährige Stif- t u n g s f e st des A. R.-V.„Freiheit" in den Räumen des „Kolosseums" vereinigte die Genossen noch recht lange und gab so dem Bundestage einen würdigen Abschluß. Soziales. E>« siebenjähriger Krieg um die Sonntagsruhe. In Halle(Saale) ist in diesen Tagen ein erbitterter und langer Kampf um die Erweiterung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe mit einem geringen Erfolge zu Ende geführt worden. Seit dem Jahre 1906 drängen die Handlungsgehilfen unter Führung des Zentralverbandes ständig auf eine Verbesserung der Sonntagsruhe. Ihre Forderung wurde 1906 mit dem Hinweis ab- gelehnt, daß eine ortsstatutarische Rögelung überflüssig sei, da ja die reichsgesetzliche Regelung nahe bevorstehe. Als dann im Jahre 1908 der Zentralverband in den Monaten Mai, September und November in mehreren öffentlichen Versammlungen und durch Flugblätter, die mit Hilfe der sozialdemokratischen Organisation verbreitet wurden, die Sonntagsruhe erneut propagierte und eine Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung richtete, wurde auch diese von den liberalen Stadtvätern mit dem Hinweis auf die nahe bevorstehende reichsgesetzliche Regelung zurückgewiesen. Der Bescheid stützte sich auch auf ein Gutachten der unter liberaler Leitung stehenden Handelskammer. Die Kammer hatte eine Um- frage bei den Geschäftsleuten veranstaltet, bei der sich heraus- stellte, daß 60 Proz. der Geschäftsinhaber eine Erweiterung der Sonntagsruhe wünschten. Trotzdem erklärte die Handelskammer, sie könnte„eine ortsstatutarische Regelung der Sonntagsruhe weder für Kontore, noch für Verkaufsstellen befürworten". Di« famose Begründung enthielt unter anderem folgende tiefsinnige Bemerkung:„Tie Arbeiter würden bei aufgehobener oder gekürzter Arbeitszeit dazu gedrängt werden, an den Sonnabenden einen früheren Schluß der Arbeitszeit zu fordern, um ihre Einkäufe be- sorgen zu können. Das jedoch noch zu gewähren, sei für unsere Industrie weder wohlhabend noch im Wettbewerb überlegen genug". Jahr für Jahr wiederholten die Handlungsgehilfen ihre Peti- tionen und Jahr für Jahr erfolgte stets die Abweisung mit der Bemerkung: die reichsgesetzliche Regelung stände nahe bevor. Auch national« Vereine wurden mit einer gleichen Antwort abgespeist. Endlich im Herbst 1911 wurde eine gemeinsame Eingabe des Transportarbeiterverbandes, des Zentralverbandes der HandlungS- gehilfen, des Gewerkschaftskartells und eine Eingabe des Halleschen Bürgervereins auf Erweiterung der Sonntagsruhe dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. Ein Gutachten der Kaufmanns- gerichtsbcisitzcr, die sich mit großer Mehrheit für völlige Sonntags- ruhe aussprachen, zwang jetzt auch den Magistrat wenigstens einen Schritt vorwärts zu tun. Nach einem Jahr, also nach 6jährigem Drängen, hatte er endlich eine Vorlage fertig, die im ollgemeinen eine Verkürzung der Arbeitszeit von 5 auf 2 Stunden vorsah. Gegen diese Vorlag« liefen nun wieder die scharfmacherische Handelskammer und 20„erste Firmen" Sturm. Der Führer der Fortschrittler in Halle, der sogenannte Telegramm-Herzfcld, brachte es fertig, daß unter seiner Leitung die liberale Mehrheit der Stadt- verordnetenversammlung in einer stürmischen Sitzung die Bcr- tagnng der Angelegenheit bis zur„nahe bevorstehenden" rcichS- gesetzlichen Regelung beschloß. Da die erst« Abstimmung nicht sofort dies Resultat ergab, wurde fie angefochten. Durch plötzliches Er- scheinen einiger Rechtsanwälte, darunter der nationalliberale Land- tagsabgeordnete Dr. Keil, wurde dann bei der zweiten Abstimmung eine Mehrheit für den reaktionären Beschlutz zustande gebracht. Die nach diesen aufreizenden Vorkommnissen einsetzende heftig« Erregung in der Geschäftswelt nutzte der Zcntralverband der Handlungsgehilfen, unterstützt von der Partei und dem GeWerk- fchaftskartell, geschickt dazu aus. um nach und nach mit etwa 500 Halleschen Firmen eine Vereinbarung über die freiwillige Ver- kürzung der Sonntagsarbeitszeit aus zwei Stunden durchzudrücken. Die Agitation für diese jetzt noch bestehende Abmachung und die von den Gewerkschaften durchgeführte Kontrolle brachten den„ersten Firmen" und ihren liberalen Wortführern die Ueberzeugung bei, daß es keinen Ausweg mehr gab. Nun beantragte nach einer erneuten Petition des Zentralverbandes im Januar d. I. Tele- gramm-Herzfeld und der liberale Reichstagskandidat für Halle, Pfautsch, die erneute Vorlage, eines OrtSstatuts. Bis zum April dauerte es dann noch, bis der Magistrat feine fertig daliegende Vorlage wieder einbrachte. Ein Versuch, die Sache wieder bis zur„reichsgeseblichen Regelung" zu vertagen, gelang diesmal nicht. DaS Statut, das eine zweistündige Beschäftigungszeit an den Sonn- tagen vorsieht, fand jetzt endlich nach 7 Jähren schwerer Kämpfe eine Mehrheit. ES enthält gegenüber der vom Zentralverband der Handlungsgehilfen mit Hilfe der Organisationen durchgesetzten „freiwilligen" Abmachung mit den 500 Geschäftsinhabern keine wesentliche Verbesserung. Was in der Tat durch die gewerkschast- lich« Macht bereits durchgeführt war, wurde imt nur kleinen Aendrnmgen in Gesetzesform gekleidet. Ab«? per siebenjährige Krieg der Fortschrittler gegen den Fortschritt war damit keiner- Wegs zu Ende. Einige von ihnen wurden bei dem Bezirksausschuß in Merseburg vorstellig, damit dieser die Genehmigung versage. In der Stadtverordnetenversammlung dieser Woche lief noch- mals der Telegramm-Herzfeld Sturm für Verschlechterung deü Ortsstatuts. Ihm sekundierte Sanitätsrat Dr. Herzau, General- fckrctär des deutschen Aerztevereins. Er meinte, für die Handel?- angestellten sei der Sonntagnachmittag zur Erholung ausreichcno. Die rückschrittlichen Fortschrittler fanden diesmal keine Mehr- heit. Sie wollen darum nochmals versuchen, aus den Bezirksaus- schuß in Merseburg einzuwirken. Man darf hoffen, daß die jun- kerlich-agrarische Merseburger Regierung sich von den sonderbaren Hallefchen Fortschrittlern nicht zu einer sozialen Vergewaltcgung an der Gesundheit der Handelsangestellten nötigen läßt. �Erfreulich ist, daß die mit großer Energie durchgeführte„freiwillige" Regelung der Sonntagsruhe dem Zentralverbano in den Kreisen der Hand- lungsgehilfen einen wesentlichen Mitgliederzuwachs gebracht hat. Auch für die politische Aufklärung der Handlungsgehilfen konnte der siebenjährige Krieg in großen und gut besuchten Versammlungen der Angestellten gebührerib ausgenutzt werden. Unfall auf dem Heimwege von der Arbeit. Gewerbliche Arbeiter erhalten in der Regel keine Unfallrenie. wenn sie auf dem Wege von und zu der Arbeitsstelle einen Unfall erleiden. Anders kann dies bei der Landwirtschaft sein, wie uns nachstehender Fall beweist: Die Frau eines Fabrikarbeiters zu Bad Orb kam abends vom Felde heim und trug eine Hacke auf der Schulter. Mit der freien Hand half sie einen Kinderwagen drücken, in welchem sich Futter fiir ihre Ziegen befand. Auf dem grünen Klee hatte ihr Kind Platz genommen. Da kam ein scheu gewordene Kuh des Weges gelaufen und fiel die Frau beim Ausweichen in einen tiefen Graben. Die Aerzte stellten eine schwere Gehirnerschütterung fest und verlangte dann später die Verletzte Rente von der landwirt- schaftlichen Berufsgenossenschast. Da kam sie aber schön an. Es wurde ihr zum Bescheid, daß ja gar kein landwirtschaftlicher �Bc- triebs-unfall vorlieg-e, denn sie sei cnf dem Heimwege vom Feld gefallen und habe sich daher„nicht mehr im Banne des versicherten Betriebes befunden". Hiergegen! erhob die Verletzte Berufung und führte aus, daß doch ein Betriebsunfall vorliege, da sie eil,- Hacke auf der Schulter getragen habe, also ein landwirtschaftliches Gerät und einen Wogen mit Viehfutter transportieren half. Es wurden Augenzeugen vernommen, welche unter Eid aussagten, daß die verletzte Frau sich wohl auf dem Heimwege vom Felde bc- funden habe, sie habe aber eine schwere Hacke, getragen, welche zum Kartoffelhacken benutzt wurde und einen von ihrer Schwester gezogenen Wogen schieben helfen,„der mit Gros zum Futtern der Ziegen beladen gewesen sei und auf dem ihr Kind gesessen habe". Die Zeugen schilderten auch den Vorfall genau so, wie die Verletzte zu Protokoll gegeben hatte. Der behandelnde Arzt sagte aus, daß eine Erwerbsbeschränkung von 15 Proz. noch vor- handen sei. da neben verschiedener Narben eine Schmerzhaftigkeit bei sehr gelindem Druck auf den linken oberen Augenhöhlenrand bestehe und das Sehvermögen herabgesetzt, zumal eine Gehirn- erschütterung festgestellt worden sei. Wohl seien die Beschwerden durch eine vorausgegangene Schwangerschaft vermehrt worden, hätten aber ihre Ursache im Unfall gehabt. Das Schiedsgericht verurteilte hierauf die Berufsgenossenschaft trotz allen Sträubens zur Zahlung einer Rente von 15 Proz. Diese beträgt aber bei den elenden Lohnverhältnissen nur 36 M. pro Jahr. Denn im Kreise Gelnhausen beträgt der ortsüblich« Tagelohn-Jahresverdienst landwirtschaftlicher Arbeiter, wonach ia bekanntlich die Unfallrentcn der Kleinbauern und deren Angehörigen festgesetzt werden, nur 360 M. für erwachsene weibliche Personen. Personen. Im Urteile wird ausgeführt, daß nach der Beweisaufnahme ein Betriebsunfall vorliege und die Verletzte zur Zeit de» Unfalls noch im landwirtschaftlichen Betriebe tätig war. Denn sie war beschäftigt mit dem Transport ein«? landwirtschaflichen Gerätes, der zum Kartoffelhacken benutzten Hacke und mit dem Heimfahren von Gras, da? nach der Heimkehr alsbald als Viehfutter verwendet werden sollte._ a. Zum Angestelltenelenb. Folgende Anzeige in der„Dorfzeitung" Hildburghausen illu- striert die soziale Lage der Privatangestellten, deS, neuen Mittel- standes", wie er so gern von bürgerlicher Seite genannt wird: Kaufmann, 73 Jahre alt, 25 Jahre bei der Firma Richter u. Co.. Rudolstadt, als Hauptkassierer, Bureau» und MusikabteilungS- vorstand, auch Uebersee tätig gewesen(Einrichtung der Filiale New Uork), mit Prima-Zeugnissen, infolge Be- triebSeinschränkung ohne Pension entlassen, sucht neue Stellung. Suchender ist der französischen und eng- lischen Sprache in Wort und Schrift, auch literarisch durchaus mächtig, auch mit den romanischen Sprachen . und den Exportverhältnissen vertraut. Gefl. Offerten an L. B. Drugulin, Rudolstadt i. Th., erbeten. Also hinausgeworfen und dem Elend preisgegeben,, nachdem der Angestellte 25 Jahre seine ganze Kraft in den Dienst eines Unternehmens gestellt und dort eine führende Stellung eingenommen hatte. Nicht als ob daS für uns besonders verwunderlich wäre. Aber gerade für jene Angestellten, die immer glauben, daß sie in- folge ihrer gehobenen Stellung die gewerkschaftliche Organisation nicht nötig hätten, mag dieses Inserat eine Mahnung sein. Hier zeigt sich die Interessengemeinschaft vor« Unternehmertum und An- gestellen einmal in schönstem Lichte. Und diese Fäll«, stehen keines- weg§ vereinzelt da, wenn man die Angestellten nicht direkt brotlos machen will, um wenigstens den guten Ruf nach außen zu wahren — die Steinbaukästenfabrik Richter u. Co. scheint aber hierauf keinen Wert zu legen—, dann greift man zu dem bekannten Mittel der Gehaltsreduktion. Mit Gehältern von 75— 100 M. müssen dann ergraute Familienväter, wohlgemerkt in sauberer Kleidung und mit sauberem Stehkragen die StandeSehre aufrechterhalten, um zu Hause mit der Familie zu hungern. Aber auch hier wird eS nicht eher besser werden, bis die Ange- stellten sich zu dem aufgerafft haben, wozu sich die denkenden Arbeiter schon seit Jahrzehnten bekennen, zu einer machtvollen gewerkschast- liehen Organisation. f Diagnose der Epilepsie.' Ausländische. Forscher haben die Beobachtung gemacht, daß bei Krampfansällen der Epilepsie(der Fallsucht), eine starke Ver- Mehrung der weißen Blutkörperchen, eine, wie die wissenschaftliche Bezeichnung dafür lautet, Leukocytose auftritt. Der Stettiner Oberarzt Dr. P. Jödicke hat diese Beobachtung nachgeprüft und hält sie für durchaus zutreffend. In der„Münchener medizinischen Wochenschrift" ist über diese Entdeckung berichtet. Ein Teil der bürgerlichen Presse zieht aus ihr eine etwas vorschnelle praktische Nutzanwendung hinsichtlich der„Rentenerschleichung durch Simu- lation". Die Entdeckung, meint sie, beanspruche ein weit über die Fachkreise hinausgehendes Interesse, da sie nicht nur die Diagnose erleichtere, sondern auch„für Unsallgutachten und gerichtlich-medi- zinische Fälle von Bedeutung sei". Zur Erlangung einer kleinen Unfallrente, zur Befreiung vom Militärdienst und zur Erreichung mildernder Umstände(§ 51 St.G.B.) werden epileptische Krämpfe oft mit Virtuosität simuliert, eine Leukocytose läßt sich jedoch nicht simulieren. Mit Hilfe der Blutuntersuchung dürfte die Entlarvung' von Himulantm viel leichter sein als früher.. Salbstverständlich läßt sich gegen eine- Entlarvung wirklicher Simulanten nichts einwenden. Ein Simulant schädigt unendlich viel nicht Simulierende, die unter dem durch wirklich Simulierende dervorgerufenen Verdacht der Simulation leiden müssen. Aber der Schluß ist zum mindesten übereilt, daß in allen Fällen, in denen echte Epilepsie nicht vorliegt, Simulation vorliege. Es wird genaue ärztliche Untersuchung erst festzustellen haben, ob krampfähnliche Fälle, die nicht als epileptische anzusprechen sind, nicht auch auf Krankheit beruhen und nur zu unrecht bislang als epileptische Fälle angesprochen sind. Es ist jedem Arzt bekannt, daß lange Zeit hin- durch sehr verschiedenartige Krankheiten als dieselbe Krankheit an- gesprochen sind, bis wissenschaftliche Forschung seststelltc, daß es sich um Gruppen verschiedenartiger Krankheiten handelte. Das neue diagnostische Mittel wird vorab oft dazu dienen können, den un- berechtigten Verdacht einer Simulation zu entkräften. Es berechtigt aber keineswegs zu dem Schluß, daß es Krämpfe nicht epileptischer Art nicht gebe._ Em Irsduftrie und Ftendel. 225 Millionen neuer Anleihen. Tas Reich und Preußen, die erst im Februar d. I. insgesamt boO Millionen Anleihe aufnahmen, haben bereits wieder Geld- bedarf. Ein offiziöses Communique meldet: Berlin, 31. Mai. Unter Führung der Reichsbank und der Königlichen Seehandlung(Preußische Staatsbank) gebildete Kon- sorticn übernahmen heute von den Finanzvcrwaltungcn 50 Millionen Mark deutsche Reichsanleihe und 175 Millionen Mark preußische konsolidierte Staatsanleihe, beide vierprozentig und bis 193S un- kündbar. Beide Anleihen dienen lediglich werbenden Zwecken, ins- besondere den Ausgaben für Eisenbahnbautcn usw. und decken den Anleihebedarf des laufenden Jahres. Die öffentliche Zeichnung findet am 12. Juni zum Kurse von 37,90 statt. Für Stücke, die unter Sperrung bis IS. April 1914 in das Reichs- oder Staats- schuldbuch eingetragen werden, beträgt der Zcichnungsprcis 29 Pf. weniger. Während im Februar der größte Teil der Anleihe in Schatz- scheinen ausgegeben wurde, hat man diesmal auf diesen Weg ver- zicbtet, da die Schatzscheincausgabc einen Mißerfolg erlitt. Jetzt will man nur langfristige Anleihen ausgeben. Die Bedingungen für die Kapitalisten sind entsprechend der andauernd angespannten Lage des Geldmarktes noch günstiger als im Februar. Damals mußten die Aulcihcpapicrc zum Kurse von 98,69 Prozent erstanden werden. Jetzt will sich das Reich gar mit 97,99 für 199 begnügen. Auch der Rückzalllungstermin ist von 192S(bei der Anleihe im Februar) auf 1935 verlängert worden. Bis dahin ist eine Ver- ringerung des Zinsfußes unmöglich. Ten Banken wird die Anleihe zu 97 Prozent abgegeben, so daß sie an den 225 Millionen 2,925 Millionen Mark Zwischengewinn einstreichen. Uebrigcns sollen die Banken noch weitere 75 Millionen als Schatzwechsel, die nicht in den Verkehr der öffentlichen Zeichnung gelangen, vor- gestreckt haben. Teutsch-französische Handelsbeziehungen. In der französischen Zeitschrift„Ter französisch-dcutsche Handel" veröffentlicht Ajam einen interessanten Artikel über „Das Problem des wirtschaftlichen Nationalismus", in welchem er etwa folgendes ausführt: Ausgangspunkt jeder Diskussion müßten die beiden Tatsachen bilden: 1..daß, solange nicht Kriegszustand herrsche, Deutschland in Frankreich(und umgekehrt) den Anspruch habe, auf gleichem Fuß wie die anderen Nationen behandelt zu werden, und 2. die beiden Länder wirtschaftlich so eng miteinander verknüpft seien, daß an eine Beseitigung dieser Beziehungen nicht gedacht werden kimjz�. Tie in Frankreich immer wieder auftreteude Behauptung, Bismarck habe ihnen 1871 die Meistbegünstigungsklausel als Sieger ottroyicrt, um dem militärischen/, Uhr: Deutsches Theater: Oamlet. Kammcrspiclhaus: Erdgeist. Nachm. 3 Uhr: Neues Volts-Thcatcr: Ernst sein. Theater in der Königgräher Strape: Hundstage. Metropol-Theatcr: Leichte Kavallerie. Flotte Bursche. Kleines Theater: LottchenS Geburtstag.— Der Arzt seiner Ehre.— Der Unverschämte. Cchiller-Thcatcr Eharl.: König Lear. Abends 8 Uhr: NeueS Volks-Theatcr: König Krause. Abends 8>/, Uhr: Neues Volks-Thcater: Montag. Mitt. woch, Donnerstag, Sonnabend: Konig Krause. Dienstag, Freitag: Ernp sein. Lehiller-IKesler O.IS; Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. Sonntag, abends 8 Uhr: Horal. Montag, abends 8 Uhr: Woral. Sehiller-Theaier Ch~' Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Künis Lear. Sonntag, abends 8 Ubr: UaMemanns Tttchter. Montag, abends 8 Uhr: Hascnianw Töchter. Kroll-Oper. 7'/, Ubr: Tannhäuser. Montag; I.oheiig;rin. Berliner Theater. 8 W Filmzauber. 8 Ubr: Das Buch einer Frau. pentHchea Sc hauspie IIiuuh a Uhr: Zum i Malc: Ter Tieb. Thealer dez Westens. �f'fstiiml. Vorstellung: Der liebe Augustin. Theater amKollendorfplatz Allabendlich 81/, Uhr Der Mann mit der grünen Maske. lOSMHEATEI Groge Frankiurter Str. 13». �rone und Tessel. Ansang 8'l, Uhr.— Auf der Gartenbühne: lchtung'. Es geht los: Posse, iionz. Bunt. Teil. Ans.sU. Voigt-Theater. Badftraste 28. Sonnlag. den 1. Juni 1313: uf nach Zlmerika! I«es-Burlesle i. b AN.v.ZavPcrt. es 8pttislitätön-k'ks8oiigl. enössnung 10 Uhr. Ansang i Uhr. ntis ßperetten-Theater leues Theater). Amt Norter 1141, .mcrpreise Gastsp. Ju�Sp elmann. hr: Ter lachende Ehemann. klropeF ThöÄlöv» 9idchm. 3 Uhr: ckwsllem..nd mnt öumde Abends 8 Ubr:#. te Kino- Kömgm. in 3 Alten von Jut. Freund >nd G. Olonlowski. siufik von dcan«nhcrt. sjene gesetzt v. Dir. Rich- Schultz. TOCISCHER-�] GARTEN � Heute am 1. Sonntag im Monat Eintritt 0 K 0 f Js] die Person; titi 1 1. Ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Konzert (3 Kapellen). Täglich: Militär-Doppel-Konzert. Passage-Panoptikum Die 3 Schwestern Liliput die kleinst. Schwest. der Welt. Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei seinem Training. die schwebende i Jungfrau! Alles lebend! 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Konzert:: Gesang:: Festreden:: Sportliche Aufführungen der Turner, Schwimmer, Athleten, Radfahrer:: Kinderspiele, Volksbelustigungen. Mitwirkende: Arbeiter-Turnerbund, Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität", Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Arbeiter- Äthletenbund, Arbeiter-Schwimmerbund und der Arbeiter-Samariterbund. Einlaß 2 Uhr, Konzertbeginn 3 Uhr. = Eintritt 20 Pfennig.== In beiden Sälen Tanz. Herren, die. daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Die Kafleeküche ist von 2— 6 Uhr geöffnet(1 Liter 70, Vj Liter 40 Pf.). Ausführiiches Programm an der Kasse. 286/7* Fahrverbindung: Linie 10, 59, 60, 61, 62, 63, 72, 73.(62 und Z, sowie Stadt- und Ringbahn: Station Weißensee. Um zahlreichen Besuch der Arbeiterschaft bittet Das Komitee. !□! M U i \i 9 9 9 9 \i Iii =ä «.„'"t.,. Schweizer-Garten. Vom 1. Juni ab tfisllch: Theater K Spezialitäten � Sichtspiele =—=— und Sali.—-- schZßJie Seekadetten. Anfang Sonntags J Uhr. Wochentags ä'l, Uhr. Stadt-Theater Alt-Moabit 47/48. »ieues Programm. Excelsior-Lichtspielhaus:: Neukölln EKSf�VS Passage Vom 30. Mai bis 2. Juni: Theater und Spezialitäten O Arbkit schändet mchtl O Ronzerl-Ansang 4 Uhr. Vorst. 5 Uhr. Kleine Preise t._ Reiehshallen-Tliealer Stettiner Sänger. „Stucke's PliuptlalHf Borlinor Burleske von Mejrsel. Anfang 7'/, Uhr. Kreuzberg-Festsäie und Garten Sef.Otto Ernert, SW ,Kreuzbergst. 48 f Jeden Sonntag: Große Spezialitäten- und Theater-Vorst, chntr. 15 Ps. Jeden Mittwoch: Residenz« Sanger. Jeden Freilag: raui Mantheys lust. Sänger. Vassep. u.Dorzugst. gültig. Stets neues Programm! � Einige Sonnabende und Toimsonntag an Vereine zu vergeben. Der Mnske beraubt Spannendes Sensationsdräma in 2 Akten. Die Waffe? Dramatisch. === Auf T erlangen prolongiert:., Sarah Bernhard, die 70jährige. in Die letzte Liebe einer Königin. Jüloabiter Sehätzenhaus. GroPes Konzert.» Srillant-Teaerwerh. Schloß Welßcnsee Inh. E. Niemann. Heute Sonntag: Gr. EHte=Konzert des Rudctakl-Orchesters, Dir. Wilh. V. Leob aus Wien. I Außerdem bei günstiger Witterung von 3 Uhr ab auf den j Terrassen am See: t»r. K ntfee- Konxert, ausgeführt von einer bestrenommierten Wiener Baiuen- Kapelle.> Ferner: Großes Land» u. Wasserfeuerwerk| •ieSeiegiiitiipe!« | Entree 20 Pf. Im Bal-champetie: CroBer Elite-Ball.| Elysium, ÜT:,?'?. Täglich Konzert Spezialitäten mit Franse Sobanski. AM- Großer Vall. HUB Anjang 3'/, Uhr. Entree 10 Pf. Alliiiiszlslizlss!. El«- Arena Angenehm kühler Aufenthalt. Beate 2 Vorstellungen nachm. und abends Das sensationelle Eis-Ballett Flirt in St. Moritz. Beg. d. Nachm.-Vorst.(z. halb. Preis.) um 4' h U-, Schluß 7 U. Beginn der Abend-Vorst um 9 Uhr. Einlaß ab 71/2 Uhr. Ab lO3/. Uhr halbe Preise. — Erstklassige Küche.— . Wein- a. Bier-Abteil., fFeli Charlottenbarg. Kaiser- Friedrich- Str. S4. Heute: Großer Ball DW?- in beiden Sälen."TS Großer Saal am 2. August frei für Vereine. Alhambra Wallner-Tchcater-Strasie 15. Großer Ball. Jeden Sonotag; Großes Orchester. Ansang Sonntags-; 5 Uhr. �A. Igameitat. Volksgarten- Theater. Badstr. 8. Bellermannstr. 20/86.- Konzert, Theater- u. Spezialitäten-Vorstellung. Heute neuesProgramm.Buräluffühiung gelangt aus vielicitigcn Wunschi Der Loder vom Lindhamerhos. Ländl. Charaltergem. in 4 Alt, o. Karl Wexet. ilmsik Kögiösiieim,' Am Treptower I'ark IS. Jeden Mittwoch: Konzert u. Tanz. Jeden Sonntag: Spezialitäten u. Tanz. Neurenovierter Saal sür Ver> eine und Gewerfschasten. ErsMassigc Kegelbahn bestens empfohlen._* Neue Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. Heute Sonntag, den 1.«Nnul: Vollständig neues Programm. Unter anderem: Viktor Ritter die gro&e und kleine Kanone. Im Riesen-Festsaal: Anfang 4 Uhr.* Großer Ball. Entr& 25 Pf. Riet). Arnlrolds Schwarzer Adler: Frankfurter Chaussee No. 5. Am Rlngbahnhof Frankfurter AllM. Licbtenherg Tüglich Gr. Elite- Künstler- Konzert und Spezialitäten-Vorstellung von nur auserlesenen Berliner Hindi-Brauerei- Ausschank Hermannstr. 214/18 Neukölln Fernspr.: Neukölln 79. Oekonom: Robert Bergner. 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Tie Zahl der im Krematorium in der Gerichtstra�e einge- äscherten Leichen ist bereits eine recht erhebliche. Leider haben auch Leichen abgewiesen werden müssen, weil die Angehörigen nicht allen gesetzlichen Bestimmungen genügen konnten, die das preußische Fcuerbestattungsgesctz vorschreibt. Es ist zu bekannt, daß die Aus- führungsbestimmungcn recht harter Natur sind und so kommt es, daß eine ganze Anzahl Leichen nach außerpreußischen Orten zur Einäscherung überführt werden, weil die Vorschriften in Hamburg und Leipzig weniger rigoros als in Preußen sind. In Berlin gibt das städtische Friedhofsbureau unentgeltlich jede gewünschte Aus- kunft. Es braucht sich niemand an Vereine zu wenden, welche die Feuerbestattung übernehmen. Im Rathaus werden den Antrag- die wesentlichsten für die Einäscherung in Frage kommenden Be- stcllern oder Auskunftsuchcnden unentgeltlich alle Ratschläge erteilt, stimmungen wiedergeben: Einäscherungen finden im Krematorium von Berlin gemäß den gesetzlichen Bestimmungen statt. Ter Antrag auf Einäscherung einer Leiche ist an das Fried- bofsburcau Berlin E. 2, Rathaus Zimmer 104, oder an das Krematorium, Gerichtstraß« 37/38, zu richten. Am zweckmäßigsten werden dazu Vordrucke verwendet, die kostenlos vom Friedhofs- burcau oder vom Krematorium und allen Standesämtern aus- gegeben werden. Ter Antrag muß enthalten: das vollständige Nationale des Verstorbenen, Angabe der Zeit, zu welcher die Leiche im Krema- torium eintrifft(bei von auswärts kommenden Leichen: ob, zu welcher Stunde und von welchem Bahnhof die Leiche abgeholt werden soll); Angabc der Zeit, zu welcher die Feier im Krematorium gewünscht wird, Angabe, ob religiöse Feier, Orgclspicl, Gesang, Ausschmückung der Kapelle mit Pflanzen, Beleuchtung usw. ge wünscht wird, Erklärung über den Verbleib der Asche. Mit der Anmeldung sind die durch das Gesetz vorgeschriebenen Papier« tsiebe unter Nr, II) einzureichen, sowie die zu zahlenden Gebuhreir an die Kasse des Friedhofsbureaus abzuführew Bei Anmeldungen von außerhalb ist ein Kostenvorschuß von mindestens 80 M. an die genannte Kasse oder an das Krematorium abzusenden. Vor Eintreffen des Gebührcnbetragcs in der Kasse des Fried- hofsbureaus darf die einzuäschernde Leiche im Krematorium nicht angenommen werden. I.Verkehr mit der Polizei. Bei der Anmeldung ist die Erlaubnis der Ortspolizeibehördc(in Berlin des betreffenden Polizeireviers der letzten Wohnung), für von außerhalb kommende Leichen des Reviers 31, Gcrichtstraße 23, zur Einäscherung nach- zuweisen. Zur Erlangung dieser Erlaubnis sind der Polizei beizubringen: A. die amtliche Sterbcurkundc; lt. die amtsärztliche Bescheinigung über die Todesursache. Anltsärzte sind für die in Berlin Verstorbenen die vier Gerichts- ärztc von Berlin, deren Adressen und Zuständigkeitsbezirke in jedem Polizeirevier zu erfahren sind; C. die Bescheinigung des Leichcnschauers über die vorschrifts- mäßige Einsargung. Lcichenschauer sind für Berlin ebenfalls die vier Gcrichtsärztc. Zur vorschrisismäßigen Einsargung müssen die Leichen in einen dichischließenden Sarg eingesargt fein, der den folgenden, durch die Austührungsanineisung zun» Feucrbestattungsgesetz angeordneten Vorschriften entspricht, Tic Särge müssen aus dünnem weichen Holz oder aus Zinkblech gefertigt und dürfen weder ausgepicht noch angestrichen oder lackiert sein, auch keine Eisen- oder Bronze- teile, ivcdcr zur Verbindung noch zur Verzierung enthalten. Die Fugen sind mit Schellack, Leim oder ähnlichen Stoffen oder mit Kitt zu schließen. Die Särge dürfen die Außenmaße 220 Zenti- Meter Länge, 72 Zentimeter Höhe, 73 Zentimeter Breite nicht überschreiten, Die Leichen in den Särgen dürfen nur auf Säge- oder Hobelspänen oder auf Holzwolle gebettet und»rur mit natur- färben«»» Leinen- oder Baumwollstoffen bekleidet sein. Etwa in den Sarg hineinzulegende Kissen dürfen weder Polster noch Federn oder Watte enthalten und sind mit den gleichen Stoffen zu beziehen, mit denen die Leiche bekleidet tverdcn darf; D. der Nachweis, daß der Verstorbene die Feuerbestattung seiner Leiche angeordnet hat. Dieser Nachweis kann erbracht werden: I. durch eine rechts- gültige letztwillig« Verfügung des Verstorbenen oder 2. dnrch eine mündliche Ertläruirg des Verstorbenen, die von einer zur Führung «ine« ösfentlichcn Siegels berechtigten Person als in ihrer Gegen wart abgegeben beurkundet ist. Die Einäscherung von Personen unter 16 Jahren mutz von dem Inhaber der elterlichen Gelvalt angeordnet sein; E. die Bescheinigung der Ortspolizeibchörde des Stcrbeortes vder des letzten Wohnortes des Verstorbenen, daß keine Bedenken gegen die Feuerbestattung bestehen. ls. Verkehr mit dem Krematorium. Mit dem oben beschriebenen Antrage auf Einäscherung sind dem Fricdhofsburcau bczw, dein Krematorium einzureichen: »> die Erlaubnis der Ortspolizeibchörde zur Einäscherung; b) die polizeilich abgestempelte Beschernigung des Leichenschauers über die vorschriftsmäßige Einsorgung; c) die Sterbeurkunde. Särge, die den Borschriften nicht entsprechen oder die nicht mit der vorgeschriebenen amtlichen Plombe versehen siird, sind von der Einäscherung ausgeschlossen. Im Krematorium findet ein« Umbettuug aus einem unvorschriftsmäßigen in einen vorschrifts- mätzigen �rarg nicht statt. Tie Leichen dürfen nur in den zur Verbrennung bestimmten Särgen, nicht iiiit ilebersärgcn, eingeliefert tverden, Hl. Einäscherung. Trauerfcicr. Tie Einäsche- rungei» finden im allgemeinen in der Reihenfolge der Anmeldungen statt, doch syllen besondere Wünsche nach Möglichkeit berücksichtigt werden. In der Regel schließt sich die Einäscherung unmittelbar an die in Kenntnis gesetzt»verden. Am Soilntagc finden Einäscherungen nicht statt, Trauerfeiern nur bis zum Mittag. � Tic Traucrfeicr in der Kapelle deS Krematoriums findet pünkt- lich zur angesetzten Zeit statt; sie soll nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Für Orgclspiel, auf Wunsch auch für Gesang und Ausschmückung der.Halle sorgt das Krematorium, für evcntl. geistbches Geleit haben die Angehörigen des Verstorbenen Sorge zu trage»». I V. A u s h ä n d i g u n g d c r A s ch c. Tie Asche darf an die Hinterbliebenen nur ausgehändigt werden,»vcnn sie den glaubhaften Nachweis erbringen, daß die Beisetzung an einem behördlich ge- nehmigten BcstattungSort erfolgen soll. Bor der Aushändigung müren die Gebühren berichigt sein. Gegebenenfalls erfolgt die Ver- sendung an die Verwaltung der betreffenden Beftattungsanlage direkt. Bei Versendung der Asche mit der Post sind die dadurch entstehenden Unkosten für Verpackung und Porto in die Rechnung aufzunchvicn, V. Gebübre n. Einäscherung einschl. Orgelspiel und Aschen- kopsel 50 M.. Abholung der Leiche vom Bahnhof 20 2V., besondere Ausschmuckulig der Kapelle bon 20 M, an. große Beleuchtung M.. Streubliimen 3 M., Gesang 20— 40 M., Rückfracht für die veberkiste 2 M.. Verpackung uud Versendung der Asche 2 M., Beisetzung der Asche in der Urnenhalle, im Urnenhain 30 bis i(V\r\ ffD c«.„ C.... ra nr..____•ar, tagte au» Freitag, den 30. Mai, in „Graumanus Festsälen", Naunhnstratzc. Als einziger Punkt stand auf der Tagesordnung: Bericht des Wahlkomitecs. Genosse Werk berichtete über die Entivickelung der Kandi- datenfrage in» 5. Landtagswahlbezirt feit der Vcrbandsgcneral- bersai»»iluiig beziehungsweise seit der Kreiskonfercnz des 4. Ber- lincr Rcichstagswahlkreises vom 22. Mai. Das wesentlichste dieses Berichts ist folgendes: In der Kreiskoilferenz au» 22. Mai sei gegen eine Vcrschwindcnbe Minderheit ein Beschluß der in der Konferenz erschienenen Landcskommission. den Genossen Bor- chardt zur Niedcrlcgung seiner Kandidatur aufzufordern, vcr- worfen worden. Statt dessen sei ans der Versammluiig ein An- trag auf Einsetzung eines Schiedsgerichts gekommen und Adolf H o f s»i a n>» habe unter Würdigung der ganzen Situation im Parteiinteresse und zugleich im Interesse Borchardts einen Vorschlag gemacht, der einstimmig angenommen worden sei. Da- nach solle Genosse Borchardt solange von seiner Kanoidatur im 3. Landtagswahlbezirk entbunden werden, bis ein Schieds- gericht entschieden habe, inzwischen solle ein anderer Genosse zur Landtagslvahl gestellt werden, der sich aber verpflichten solle, das Mandat niedcrzulegcn, wenn das Schiedsgericht zugunsten Bor» charots entscheide. In dem Falle solle dann Borchardt zur Wahl gebracht werden.— Nach diesem Beschluß der Kreis- konfercnz habe sich das Wahlkomitec dahin schlüssig gemacht, einen derartigen Ersatzkandidaten durch die Versammlung der Funk- tionäre des maßgebenden 3. LandtagSwahltreises der heutigen entscheidenden Versammlung vorschlagen zu lassen. Das Komitee habe natürlich die vorbereitenden Schritte tun müssen uud habe den Funktionären zwei Kandidaten präsentieren können. Genosse Paul H o f f m a n n, der Vorsitzende des 4. Reichstagswahl- krcises, habe die meisten Stimmen erhalten. Jetzt habe die heutige Versammlung der Parteimitglieder de? 3. Landtagswahl- krciscS als entscheidende Instanz darüber zu befinden, ob im sinne jenes, von den Funktionärci» akzeptierten Beschlusses der KrciSkouferenz verfahren werden solle. Run habe die Notiz im „Vorwärts", nach der es erschien, als hätten die Funk- tionäre die Aufstellung Paul H o f f m a n n s endgültig beschlossen, in Partcikreisen eine gewisse Erregung hervorgerufen. Dieser Notiz gegenüber sei als selbstverständlich zu betonen, daß natürlich die Funktionäre keine bindenden Beschlüsse fassen könnten und dies auch gar nicht wollten. Das Wahlkomitec lege der Oessentlichkeit gegenüber Wert darauf, festzustellen, daß von ihm die Notiz im„Vorwärts" nicht veranlaßt»vorden sei. Er gebe die Erklärung namens der vier Komitecinitgliedcr nus dem 4. Rcichstagöwahlkreis ab.(Genasse Jakob gab später eine gleiche Erklärung für die beiden Komitecnlitgliedcr aus dem 3. Reichstagswahlkrcisc ab.) Redner betonte nöckmal, daß die Entscheidung bei der augenblicklichen Versammlung liege. Ge- nossc Borchardt, der in Wiesbaden jetzt Bildungskurse ab- halte, sei informiert worden und habe geschrieben, daß er ein- verstände n sei, daß verfahren werde, wie die Kreiskonfercnz beschlossen habe. TaS Wahlkomitec war sich einig gewesen, in der Vcrsamm- lung sie materielle Behandlung des„Falles Borchardt" aus- zuschcidcn und die Angelegenheit der Kandidatur nach der ge- gebenen Situation lediglich vom parteitaktischen t a n d p u n k t aus zu erörtern. Genosse S ch a r l a u als erster Diskussionsredner ging weiter. Er sagte unter anderem, daß zwar Borchardt aus die Aus- -.... v x■ fuhrungen des Genossen Fritz hin in der vorletzten Verbands. Traiierfeier an. Bei großem Andrang zedoch bleibt eine Verschiebung--generalversammlung durch Aufstellung der fraglichen Behauptung der Einäscherung vorbehalten, wovon indessen die Hinterbliebenen nicht ganz fair gehandelt hätte, daß dies aber zurückzuführen sei auf eine sehr begreifliche hochgradige Erregung Borchardts -darüber, daß man ihm plötzlich längst begrabene Dinge entgegen» geschleudert babc. Bis es ihm widerlegt werde, klage Redner den Porteivorstand an, daß er das Material dein Genosscn Fritz aus- gclicsert und diesen vorgeschoben habe, und daß so der Partei- vorstand an der ganzen Zuspitzung der Situation die Schuld trage. Er verlange, daß dies ins Protokoll komme. Tic Situation sclver erfordere aver, zu verfahren, wie vorgeschlagen. Es sprachen dann die Genossen Willi Müller, Adolf H o f f m a n n. R i n t o r f, Protz. Z u b e i l, Jakob, G. Schulz. Werk. Sie hielten sich fast ganz an die Frage, welche Schritte die durch die beiden Beschlüsse der letzten Vcr- bandsgcncralversainmlung geschaffene Situatiol, im Interesse der Partei in bczug auf die Kandidatur im 3. Landtagslvahl- kreise erfordere. Verschiedene der Redner ließen zwar durch- blicken, daß nach ihrer Meinung dem Genossen Borchardt Un- recht gescheben sei. oder doch, daß sie erst vom Schiedsgericht eine endgültige Klarstellung erwarteten: alle aber gingen davon aus, daß das Pa r t e i in ter e s se, das böher stehe als die Person. das Beschreiten des vorgeschlagenen Weges erfordere. Vor allem gelang es dem Genossen Adolf H o s f m a n n, die von Anfang öfter recht erregte Versammlung von der Richtigkeit dieses Weges aus Rücksicht a»s die Partei zu überzeugen. Redner detonte, oaß, wenn der Schiedsspruch günstig für Borchardt ausfalle, es 3. LandtagswahlkreiseS wäre, den einstweiligen Mandestinhabe»: durch Borchardt zu ersetzen. Die Versammlung beschloß gegen einzelne Stimmen, vor- läufig von einer Kandidatur Borchardt Abstand zu nehmen und einen Genossen für die diesmalige Wahl auf- zustellen, der sich verpflichte, das Mandat niederzulegen, wenn durch einen günstigen Schiedsspruch eine Kandidatur Bor- chardts in Frage käme. Der Wille der Versammlung ging also dahin, daß in solchem Falle alsbald die Mandatnieder» legung und die Wiederwahl des Genossen Borchardt zu er- folgen habe.— Dann wurde mit allen gegen etwa 20 Stimmen der Genosse Paul Hoffmann als Kandidat aufgestellt. nachdem er die evivähnte Bedingung der eventuellen Mandatniederlegung eingegangen war. Genosse Paul Hoff mann dankte in einer Anspracke für das Vertrauen und versprach, mit voller jlrast und Energie für die Sache deS Proletariats einzutreten und sich auch sonst des Amtes würdig zu zeigen. IM M. Pvnis werden alö Auslagen in Anrechnung gebracht, i«'cht nur das Recht, sondern so�ar die Pflicht per Genossen des Blöcken-Spielplan äei« Lerliner �keate?. Konigl. Opernhaus. Sonntag: Lohengnn,(Ansang 7 Uhr.) Montag: Marie, die Tochter deS Regiments.(Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Orpheus und Em'ydikc, Mittwoch: Die Zaubcrflöte. Donnerstag: Fidelis, Freitag: Die Hugenotteil. Sonnabend: Der Rosenkavalier. Sonntag: Madama Buttcrf»). Montag: Das Nheingold.(Ansang 71/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Volksvorjtcllung: Ein Fallisse- ment. Montag: Volksvorstellmig: Ariadne aus NaxoS. Dienstag: Volks. Vorstellung: Der gehörnte Siegfried. Siegsrieds Tod. Mittwoch: Volks« Vorstellung: Kriembilds Rache. Donnerstag: Festvorstellung: Ariadne aus NaroS. Freitag: Volksvorslcllung: Die Journalisten. Sonnabend: Volks- vorslellimg: Minna von Barnhelm. Sonntag: Fcstvorstellung: Ariadne ans Naxo». Montag: Volksvoritcllung: Die OuitzowS,(Ansang 7'/, Uhr.) Neues Opcrntheater. Sonntag: Tannhäufcr. Montag: Lohengrin «Ansang 7'/, Uhr.) Dienstag: Der Fliegende Holländer. Mittwoch: Der Troubadour Donners, ag: Die Meistersinger. I«Ansang 7 Uhr.) Freitag: Carmen. Sonnabend: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Bajazzo. davaUeria rustioana. Montag: Der Postillon von Lonjumeau. (Anfang 8 Nhr.) � Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelio. Abend?: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Oberon. Dienstag: Der Mikado. Milllvoch: Zar und Zimmermann. Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Freitag: Der Mikado. Sonnabend: DaS Mädchen aus dem goldenen Westen. Sonntag: Der Mikado. Montag: Die Königin von Saba.(Ansang 8 llhr).„■, Deutsches Theater. Sonntag sbis Donnerstag: Der lebende Leichnam. Freitag: Hamlet. Sonnabend bis Montag: Der lebende- Leichnam. (Ansang 8 111)1-.) Kammcrspielc. Sonntag bis Dienstag: Die Einnahme von Bcrg-op. Zooin. Mittwoch: KniscrlichcHoheit.« Ans. 7'/. Mr.) Donnerstag: Erdgeist. Frei» tag bis Sonntag: Kaiserliche Hoheit. Montag: Der Arzt am Scheidewege. (Aiisang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Lottchens Geburtstag. Der Unverschämte. Ter Arzt seiner Ehre. Allabendlich: Projefsor Bern- hardi.(Anfang 8 Uhr,) Berliner Theater. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgräiier Strasse, sonnlag; Die fünf Frankfurter. Montag: TaS Buch einer Frau. Dienstag: Die süns Frank, uricr. Mittwoch: Das Buch einer Frau. Donnerstag: Die süns Franksuricr. Freitag: DaS Buch einer Frau. Sonnabend: Die süns Franksurtcr. Soiiiitag: Das Buch einer Frau. Montag: Die süns Franksurter.(An- sang 8(ihr.) Lcssing-Theater. Bis aus weiteres täglich: Alt- Wien.(Ansang 8 Uhr.) Montis Opcrctteu-Thcatrr. Allabendlich: Der lachende Ehemann. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches SchansPielhaus. Allabendlich: Der Dieb.(Ans. 8 Uhr.) tkustipielhaus. Allabendlich: Der lustige Kakadu.(Ansang S'j, Uhr.) Schiller-Theater O, Soiiiitagnachmiltag 3 Uhr: Zopf und Schwert. Abend? und Montag: Moral. Dienstag: Hasemanns Töchter.� Mittwoch: Die«Äcschwistcr. Elga. Donnersiag und Freitag: Moral. Somiabend: HasciiiannS Töchter. Sonntag: Moral. Montag: Hascmauns Töchter. (Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Eharlottenburg. Somitagnachmittag 3 Uhr: König Lear. Abends mid Montag: Hascmanns Töchter. Dienstag: Geo. araphie und Liebe. Mittwoch und Donnerstag: Hasemanns Töchter. Freitag: Freiwild. Sonnabend: Geographie und Liebe. Sonntag: Frei- wild. Montag: Moral.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich. Wilbelmstädt. Schauspielhaus. Allabendlich: Das Farmermädche».(Ansang S'U Uhr.) Neues Lolks-Iheater(Neue Freie Volksbühne). Sonntag« nachmittag S Ubr: Ernst sein. ZibendS(außer Dienstag und Freitag-: König Krause. Dienstag und Freitag: Ernst sein.(Ansang 3'/, Uhr.) Thalia-Tbcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Polnische Wirtschaft. Allabendlich: Pufpchen.(Ansang 8 Uhr.) Rosc-Theater. Im Garten: Allabendlich: Die Allwörden».— Im Saale: Sonlitag bis Freitag: Krone und Fessel. Ab Sonnabend: Der Traum ein Leben.(Ansang 81/, Uhr.) Theater am Nollendorfplass. Allabendlich: Der Mann mit der grünen MaSke.(Anfang 3 Uhr.) Urania> Theater. Sonntag: Ueber den Brenner nach Venedig. Montag: Die Nordseeinsel Sylt. Dienstag: Der Vierwaldstätter See uno und der Gotthard. Mittwoch: Die Nordseeinsel Sylt. Donnerstag und Sonnabend: lieber de» Brenner nach Venedig. Freitag und Sonniag: Der Vierwaldstätter See und der Gotthard. Montag: Unbestimmt.(An- fang 8 Uhr.) KomödienhauS. Allabendlich: Hochherrschastliche Wohminzen.(Anfang 8 Uhr.) FolieS Eapriee. Allabendlich: Die Bank. Sein letzter Wille. Der Cowboy.(Anfang 81/« Uhr.) Adiniralspalast. Eisballcit: Flirt in St. Moritz.(Ansang!) Uhr.) Metropol- Theater. Soliniagnachmsttag 3 Uhr: Flotte Bursche. Lcichle Kavallerie. Allabendlich: Die Kino. Königin.(Ansang 8 Uhr.) Prater- Theater. Allabendlich: DaS Bummelmädchen.(Ansang VI, Uhr.) Neichshallen-Theater. Allabendlich: Stettiner Sänget(Ansang 8 Uhr. Sonntags 71/> Uhr.) Passage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr, Marktpreise von Berlin am 30. Mai 10lZ, nach Ermittelungen des königl. Polizeipräsidiums, 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,64 bis 20,70, mittel 20,58—20,62, geringe 20,50—20,54 Roggen, gute Sorte 00,00—16,70, mittel 00,00— 00,«30, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futtergerste, gute Sorte 16,20— 16,70, mittel 15,60—16,10, geringe 15,10—15,50. Haser, gute Sorte 17,60—19,50, mittel 16,50—17,50(frei Wagen und ad Bahn). Mais(mixcd), gute Sorte 15,20—15,50. Mais(runder), gule Sorte 00.00-00,00. Rtchtstroh 4,00-4,40. Heu 6,20-7,60. Wartthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Speisebodnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 36,00— 60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammeisleisch 1,50-2,40. Butter 2,20-3,00. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,80— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsch- 1,00-2,40. Schleie 1,60—3,50, Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3.00-60,«). WitierungSübersicht vom 31. Mai 1913. Gtatwnoi ü fl ~ i §2 c 5 B— II i? StaftOttQi scilly Aberdeen Paris 7 12 0 12 11 Swinemde.! 7 60SSO Hamburg>759>SSW Berlin 759 SW Franks. a.M 760 Still München!76l!SO Dien J76ljD?lJD Wetterprognose für Sonntag, den 1. Juni 1S13. Etwas lüblcr. vielsach heiter, aber veränderlich, bei meist schwachm südwestlichen Winden und j»rIdou«nder Gewitterneigung. verltuer Wettervureau. tt Geffenttiehe politische Versammlnngen. Wilmersdorf. Dienstag, den 10. Juni 1913, abends 8 Uhr. im Viktoria-Garten. Wilhelmsaue: Oefftl politische Versammlung. Tagesordnung: Für den Massenstreik! Referent: Reichstagsabgeordneter Di*. Sundwig Frank-Mannheim. Freie Aussprache. 202/2» Der Einbernfer: A. Riedel. Mannheimer Str. 32. Deutscher Cran$portarbcifcr--Derband Tel.:». Moritzp. 4747 u. 2382 BcZtrhöVCrWaltUtlg GfOßsBerUtl. Bureau: Engeluser 14/15 Betriebs-Vertrauensleute, Branchenleiter, Verwaltungsmitglieder, Distrikts-, Agitationskommissionsniitglieder und Obleute! Au, Montag, den 9. Jnni 1913, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshaus. Engel- Ufer 14/13. groher Saal: Wgemöine Mtionär-Versammlung. Zentral-Verband der Töpfer und Sernfsgenossen Deutschlands. Filiale Groß-Berlin. Tounerstag. den 5. Juni 1913. abends«'/, Uhr. im«önigstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. 1 Tr.(langer Saal): BsuvertrauensmAnner- Versammlung. Tagesordnung: 1. Die augenblickliche Situation im Gewerbe. 2. Verschiedenes. In dieser Versammlung sind die Oscnberechnungen von den einzelnen Bauten abzugeben. Alle Bauten müssen vertreten sein und ihre Pflicht er- Siehe auch unter.GewerkschastltcheS- in dieser VorwartS-Nummer. süllen. l 22,12 Der Vorstand. Tagesordnung: 1. Vortrag deS ReichStckgöabgeordneten G. Bauer übet;.Die volkSsursorge». 2. DiSlusston. 3. Sc- chästlicheS. 65/9 Mitgliedsbuch und grüne LegitimationSIarte sind mitzubringen und am Eingang zur Versammlung zwecks Abstempelung vorzulegen. Ohne Karte und Buch kein Zutritt. IVB. Diese Versammlung/, Uhr, im GewertschaftShause, Engcluser 15. GstmSbel. iL fttchhilhchbm:— A» Ä: 3™"' im Graphischen Bereinshausc, Alexandrwenstr. 44. Zahlreichen Besuch dies« Versammlungen erwarten 156/20 Die Brancbenleltnngen. Gutsverwaltung Birkborst bei lVasaenholde(Rordbahn) offeriert Acker- und Waldparzellen an(shausice und königl. Forst. ____ Bitte Plan zu verlangen. sl022b� Kiilige Gtstllslhllsts- Spreeiuliibfllbrt arrangiert vom Arbeiter- Wunderdund „Die Naturfreunde". Am 8. Juni: Besuch der schönsten und interessantesten Punkte des- Spreewaldes. Wanderung durch die Burger Kolonie an der Mühlsprce entlang nach Burg zum Kirchgang der Wenden. Kahnsahrt von Burg über Forsthaus Sich« durch den herrlichen Erlenwald, vorüber an Kannomühle, SchutzenhauS und WotschasSIa zum Lagunendorse Lehde und dann nach Lübbenau.(Rück- hrt nach Berlin.)— Teilnehmerkarte: 6,40 M.(gültig für Bahnsahrt Kl., Kahnfahrt und Mittagessen), 5,40 M.(ohne Mittagessen�. 1/4' Am Sonnabend, den 21. und Sonntag, den 22. Juni: Gesellschaftsfahrt nach Vessan n. dem Wörlltzer Park Dessau. Besichtigung der Stadt. Wanderung über Sieglitzer Berg nach Wörlitz. Besichtigung de« berühmten ParkcS. Äbendwanderung durch Herr» lichen alten Eichenwald läng» der Elbe nach Coswig.— Teilnehmerkarte 8,— M.(Eisenbahnsahrt, Sond«zug3. Kl., Nachtlogis mit Kaffee, Mttag- effen und BosichtigungSkosten), ohne Mittagessen 7,— M. Sonntag, den 13. Juli: PesKRek des Kloster Chorin, de» Naturschutzparkes Piagesemi und der Schleusen des GroßschlssahrtSwcges. Wanderung von Chorinchcn nach Kloster Chorin. Besickttgung des Klosters. Wanderung durch den Choriner Buchensorst zum Plagesenn und nach Liepe. Besichtigung der Schlcusenanlagen bei Miedersinow.— Teilnehmerkarten 4,20 M.(Eisenbahnfahrt, MUtagessen usw.), ohne Mittagessen 3,20 M. Ausführliche Programme"°d Teilnehmerkarten ise. Boyenslr. 19, P. Harsch, Engelufcr 15, und G. Zepmeisel, Neu- lln. Hermannstr. 176. Schluß der KartenauSaabe zwei Tage vor dem Statt finden der betr. Fahrt. verband der Schneider. Sebastianstraße 37/38. Filiale Berlin. Tel. Amt Moritzplatz 9737. »««--- Herren-Konfektion! Achtung! Montag, de»». Juni. abendS S1/, Uhr. im Restaurant Gabriel u. Jager, Zehdenicker Str. 10: Sitzung für d. Zwischenmeister der Hosen" u. Westenbranche. Tagesordnung: Bericht übet den Stand der Lohnbewegung in dieser Branche. Bei 8el»al». KönigSgraben S, abends Pünktlich ti Uhr i gWP Versammlung"WW sämtlicher in der pkantasiewarenbrancke betrfiäft. Mfterinnen, Zurdineidertimen und ßügler. Tagesordnung: Slusgabe d« Tarffe. Aussprache über die Auslegung der cinzclnen Positionen. Verschiedenes.________ 163/20 Bei Weihnacht, Grünftr. LI, abends 8'/. Uhr: Sitzung für die Kollegen der fwmz Pohl A©dimidt. BollzähsigeS Erscheinen erwartet Die Kommission. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines ManncS und unseres Vaters, des Metallarbeiters TOdehn Borchert sagen wir allen Freunden und Be- kannten, besonders dem Chef und den Kollegen der Firma Rudolf A. Hart- man», dem Wahlverein Grünau, dem Gesangverein.Sangcslust-. Grünau, dem Metallarbcitervcrband, der Konsumgenossenschast Berlin und Um- aegend, den Laubenkolonisten der Ärbeiter-Baugenossenschaft Paradies, unser» tiesgcsuhltesten Dank. Grünau, den 31. Mai 1913. Witwe Borchert nebst Rinder». Danksagung. Allen Beteiligten bei der Beerdigung meines liebe» Mannes, unseres guten Vaters unseren herzlichsten Dank; ebcnsallS für die herrlichen Kranz- spenden. 46A Witwe Ellae Bnder u. Kinder. Charlottenburg. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meweS geliebten ManncS Edmund Tinius tagen wir hiermit allen verwandten, reimden und Bekannten unseren sie» Dank. 106gb itwe Anna Tinius. Di« trauernden Hinterbliebenen. Feuerbestattung Mark lOO,— mit allem Zubehör u. Gebühren BeerdigungS-Zlnstalt „klamme" Mantcuffelstr. III. AuSsührliche Broschüre grati«. Fernspr.: Moritzp l. 5582. Berlin W. �|]j(Kotanadenst| Berlin IVO. 1 Große FrankfiirterStr. IIS 1 Trauermagazin für Damen-Konfektion! Kleider, Hüte etc. |HB~ AeuBerste Preise' in größtem Maßstabs zu I ganz niedrigen Preisen.| IWestmannj Feinfarbige | Teppiche fraise, creme, blau, rot, gann dickes, smyrna» artiges Ocwebc, von den echten Inderteppiohen kaum zu unterscheiden. Oröße ca. 90X185 cm.., JI. 7,50 130X195 11,«5 160X225,..., 16,50 190X295,.... 21,o0 250X350..... J7,o0 250X400,.... 47,50 300X400,..., 53,50 Passende Bett- und Pnlt- Tcpplche Stck. M. 3,S5, 4,5» n. 7,5«. Nach auswärts per Nachnahme. Teppieli-Spezlalhaus Lm" Emil efNre Berlins. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Der neue Katalog mit bunten Teppichmustern, 750 Abbildungen gratis u. franke. [ Todes-Anzeigen SozialdEFnokratiscliEFWalilYereiD l. d. 6. Beri. Reiclistagswatilkfeis Am Freitag verstarb unser Ge- nosse, der Gastwirt >Vilkefm(iierard Bcuffelstraße 57, Bezirk 701. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, aus dem Friehof in Pankow, Gaillard- straßc statt. Um rege BeteUigung ersucht Ter Borstaud. Deutseher Transportarbeiter-fertanil. Bezirksverwaitung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter EErnü Petzold am 31. Mai im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am DienStag, den 3. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Fricdhoses in Friedrichsfelde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/8 Die Bezirksverwaitung. lenlrafoerti.Oettelier.VeinkiHer und Hlltsarbeitsr Dentsebianiis. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege l£»rl Kröger im Alter von 54 Jahren plötzlich an Herzschlag, am 29. Mai, gc. starben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Juni, vormittags 9 Uhr, von der Leichenhalle deS Nazaretb-KirchhoseS in Reinickcn- dors-West, Kögelstraße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 22/7_ Der Vorstand. Verh,il.Sehnei!!ep,SEhnef!ierinn8n n. Wäscbearbeiter Deutschlands. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Kolleg« VVildetm Werner am 27. Mai im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Juni, nachm. 21/, Uhr, von der Halle der Jerusalcmer Gemeinde, Berg- mannstr. 45— 47, ans statt. 163/13 Die Ortsverwalt«ng. Verband der Bebneider. Bcbneidertnnen c. Wäscbearbeiter Dentsehlands. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Kollege dodannes Damerau am 28. Mai im Alter von 23 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am 1. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des alten Thomas- Mrchhoses, Hcrmannstraße, auS statt. 163/19 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Bc- kannten die traurige Mitteilung,| daß meine innig geliebte Frau, unsere Mutter, Tochter, Schwiegcr- tochtcr und Schwester Fran Elsbeth Leaz geb. TeschendorlT plötzlich und unerwartet ver- starben ist. Um stille Teilnahme bittend zeigt dies im Namen der Hinterbliebenen an «Znstav L,enz, Stallschreibcrstraße 15. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jakobi-Kirch« hoseS, Neukölln, Hermaimstraße, au» statt. 95/19 Dankiagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Freunden und Verwandten, besonder» den Gc- nossinnen der 21. Abt. sür ihre Kranzspende, sowie dem Genossen Tcschtc sür sein« trostreichen Worte und den Sängern meinen herzlichsten Dank. 1072b Mo» Karl. Allen Verwandten und Bekannten, den Kollegen der Firma Kuno Rosen- stock, den Genossen de» vierten Wahl- kreiscS sowie den Mitgliedern de» Metallarbeiter- Verbandes sür die zahlreiche Beteiligung und die Kranz- svcnden bei der Beerdigung meines Manne» den besten Dank. Witwe Klara Krone 1053b nebst Kindern. Occoocx>ocoo<>co<>o<)OöocKt>oo a& tt i f i 2. Wahlkreis: W.:®uB. S SW.t Slckerstr. 174, am KoPPenPlatz, Schmidt, Klrchbnchstr. 14, fio S, und S w.; Herntann Werner, Gneisenauftr. 72. 8. Wahlkreis: St. Fritz, Priilzcnftr. 31, Hof rechts Part. 4. Wahlkreis: Oft e n: Robert W e n g e l s. Gr. Franlsurterstr. 120. — Richard H ack e I b u s ch, PeterSburgerpIatz 4(Laden). 6. Wahlkreis, Süd o st c n: Paul Böhm, Lausitzervlatz 14/10. 6. Wahlkreis: Lea Zucht, Jmmainieirirchstr. IL(Hof). O. Wahlkreis(äioablt): Salomen I o s e p b. Salzlvcdelerstr. 8. Weti�inx: I. H ö n i f ch, Müllcrstr. L4a Ecke Utrechter Str., Laden. liesenthaier und Ornnicuburger Vorstadt: Wilhelm S a u m o n n, RhewSbergcrstr. 67, Laden. G'csnndbrunncn: gitcher, Bastiansir. 6, Laden. tichonhunscr Vorstadt: Karl M a r S, Grelsenhagcner Str. 22. ätdiershok: Karl Schwarzlose, Bismnrckstr. öS. �iit-<-!Iienieke: Wilhelm Dürre, Kövenickerstr. 6. liaunisehulenwes: H. Hürnig, Marienthalerstr. 13, I. Bernau, Böntecntal. Zepernick, Schünow, Schön* brück und Bnch: Heinrich Brösle, Mühlenstr. 5. Laden. Bohnsdorf, Fnlkcnbcre und Falkenhorst; Paul G e n s ch, Bohnsdorf, Genostenschaftshaus.Paradies". Chnrlottenbnrg: Guita» Schnrnberg. Sesciiheimerstrage 1 Fiehvalde, Sehmöekwita: OSkar Mahle, Stubenrauchstr. SS. Brkner, �cn* Zittau: Emst Hoffmann, Friedrichshagener Chnusiee. Fredcrsdorf-Fctershagen, Eggersdorf: S. H ö s e l b a r t h, PelerShnge», Friedenau, Steglitz, Südendc, GrcD- Eichterfclde, I.ankwita: H. B e r» s e e, Alsenstr. 5 in Sieglitz. Frledrichshagcn, Fichtenau, Rahnsdorf, Schönelche, Kl.-Schönebeck: Ernst W e r f in a n n, FriedrichShagen, Köpe. nicker Sfraste 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. •lohaunisthal, Rudow: Max G o n f ch u r, Parkstr. 6. Karlshorst: Richard Küfer, Rödeistr. 9, II. Königs- Wusterhausen, Wildau: Friedrich Baumann, Bahnhofstr. 8. Köpenick: Emil W i b l e r, Kietzerstr. 6, Laden. Eichlenöerg, Friedrielisfelde. Boltensehönhansen: Ollo Scikel, Wnrlcnbcrgjtrasie 1(Laden). Bahlsdorf. Kanlsdorf, Biesdori: P. Heßbcrg, KaiilS« dorf, Ferdinaiidstrabc 17. endorf: August L e i p, Marie Barlcnfcldc: Chauffcestr. 296, Hof. Emil W e i n e r 1, Berliner Sir. 114 II. hieuenhagen, Koppegarten i Gustav Lcy, Wolfersttaste. Neukölln: M. Heinrich, Reckarftr. 2, im Laden: Neukölln, Britz: Rohr, Sicgsricdstraize 28/29. Zlieder-Eehiae: Karl Freitag. Xied er-Schöne weide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, H. > owawes: Wilhelm I a P P e, Lnthcrstr. 2. Olier-Sehöne weide: Alfred Bader, WilHelmmenHofstr. 17, Lade». Fankow, Xiedcrsehöniiansen, Dlordend, Frz.-IZueh- holz, Biankenhurg: Zt i>; m a a», Mühlenstr. 30. Reiniekcndoi'f-. Klasse JLI. 19. ZiehungZtag 81. Mai 1913 Donmttaz 4tnf jede gejo�enr Nummer sind zwei gleich hohe «icwinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose -gfrtichcr Nummer in de» beide» Zlbteilungeo I». H. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammem beigefügt. tOhne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdma verboten) 36 247 433 57 675 618 23(600) 47 771 907 44 82 94 1034 233 92 373 423 632(3000) 950 2206 10 27 63 433 61 682 800 849 3059 116 268 300 418 27 637 626 44 844 47 981 82 97 »600) 4013 83 165 466 725 973 6141 46 331 485 752 70 873 6027 36 231 32 357 603 8 26 83 768 7448 659 867 8024 47 62 307 12 464 65 668 637 72 766 857 9429 518 727 81 843 81 96 968 IOi20 660 675 965 11281 357 434 601(3000) 626 750 902 43 1 2611 161(1000) 214 29 34 614 82 92 740 878 90(1000) 807 1 3084(1000) 172 238 58 442 666 744 846 876 14166(1000) 603(600) 62 833 933(1000) 13093 442 561(600) 601 95 756 89 16007 13 17 106 33 441 681 726 36 83 1 7087 138 323418 80 719( 600) 802 948(1000) 96 18105 264 540 627 809 1 9101 813 24 682 800 39 94 20028 31 89 94 161 603 31 67 716 28 949 21104 44 348 401 647 72 679 808 47 2 2002 646 666(3000) 729 886(600) 921 29181 641 874 908 37 2 4360 89 99 607 766 827 810 31 2 5 098 136 366 422 673 86(1000) 838 28157 253 398(3000) 468 97 660 76(3000) 749 833 39 947 98 2 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27(1000) 48(1000) 633 18 0014 35 210 392 402 74 558 64 91 606 31 838 1 81085 142 343 84 94 415 660 76 843(500) 182030 335 62 72 435 829 931 133162 74 236 84 95 830 97 767 1 8 4029 1500) 216 335 64(600) 671 662 83 911 56 94 186036 85 110 13(3000) 225 85 397 410 612 24 95 742 51 60 76 866 923 186027 93 164 73 99 264 333(600) 721 18712« 55 403 60 829 941 188005 75 83 375 469 74 603 25 87 89 707 11 800 93 189237 98 408( 500) 665 70 985 89 190182 642 860 91 191060 132 244(3000) 418 84 807 39 614 76 80 711 42 65 80 985 93 98 1 92107 119 224 29 42 342 82 444 609 18 76 845(1000) 93 94 183115 251 95 660(600) 611 12 194015 16 114 232 389 622 91 750 56 1 9 5020 259 364(3000) 461 692 631 886 944 1 9 6068 324 78 88 434 514 93 763 835 919 1 9 7033 306 51 479 556 620 911 18 8240 97 327 410 56 643 785 890 1 9 9035 873 75 200199 214 16 71 412 665 729 201110 24 51 227 96 98 341 406 45 84 87(1000) 808 7 2 947 2 021C8 271 465 83 554 602 762(500) 881 949 2 0 3 042 255 94 328 VI 72 422 79 530 31 959 204060 223 455 804 940 63(1000) 205064 112 222 798 858 912 51 80 91 2 0 6005 24 74 440 87 38 659 729 31 827 2 0 7037 111 46 223 468 760 919 62 65 2 0 8047 163 285 394 661 954 2 0 9017 85 104 231 303 55 401 747 85 834 67 (600) 95 21O030 75 302 97 555 63 73 769 868 211123 82(1000) 306 641 52 93 821£3 963 2 1 2092 162 227 305 465(1C00) 757 845 213154 264 77 367 82 91 444 503 26 734 868(1000) 72 Sil 214029 85(1000) 423 92 671 773 810 947(£00) 80 21 5169 325 90 437 842 21 6019 43 49(1000) 125 436 80 637 740 76 82 88 976(3000) 21 7173(1000) 214 44 358 432 73 81 682 91 990 218005 69 147 67 223 28 29 463 95 643 609 691 21 8374 445 734 86 912(500) 56 2 2 0016 49 164 78(500) 232 2 21027(600) 72 93 573 665 772 367 2 22038 203 66 514 39 72 849 937 223436 224003 316 88(600) 637 54 839 967 2 2 8007 95 479 637 689 885 85 615 2 2 6003 44 330 46 425 660 63 759 369 70 93 2 2 7043 165 92 233 34 439 567 773 817 2 2 8115 393 671 794 973 2 2 0055 155 241 520 600 66 713 690 936 82 2 3 0391(1000) 717 982(1000) 231241 95 317 90(500) 421 504 97. 739 820 54 2 3 2.239 103 35 222 331 492(500) 663 656 82 655 97 2�9 233033 93 310 700 821 81 83 953 3. Pr-ußisch-Süddentsch- (328. Känigi. Vreuß.) Klasseulotterke 5. Klasse 19. ZlchungStag S1. Mai 1912 Nachmittag Auf jede gezogeoe Numuicr sind zwei gleich Hobe Gewinne gefallen, nnd zwar je einer ans die Lose gleicher Nummer in den beide» Abteilungen 1». H- Nur die Gewinne über 210 M. sind in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdmck verboten) 41 43 314 33 70 80 445 503 15 1063 109 432 692 757 80 63 865 2123 234 306 440 531 648 716 66 820(600) 53 8132 (500) 34 626(1000) 721 34 4067 224 303(600) 42 487 830 917 82 6 241 337 36 500 11 79 507 709 39 93 911 6032(3000) 148 334 720(500) 77 849 66(3000) 7322(500) 82(500) 620 40 «7(500) 853 93(500) 999 8138(3000) 74(10 000) 75 462 (500) 64 638 714 992 9116 67 218 444 609 62 94 818 80 88(500) 921 25 40 45 18102 10 216(3000) 319 34 408 634 747 60 907(600) 35 11140 270(1000) 313(1000) 936 1 2095(1000) 117(3000) 47 91 225 353 93 419 84 652 901 85 13157 246(1000) 300 19 406 573 362 14167 202 331 471 608 748(1000) 65 1 5029 33 34 154 235 715 849 918 42 16027 90 178 405 564 675 872903 1 7211 374 519 49(1000) 663 753 843 86 979 1 8054 94176(1000) 206 45 328 51 73 84 779 854 1 8022 64 344 059 943 82 20(49 269 96 311 493 514 22 658 846 62 961 85 21054 63 95 122 466 678 760 970 2 2144 260(1000) 663 736 862 23017 218(3000) 692 821 43 979 2*065 84 400(1000) 625 (500) 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In,®e!c!„nxRöe vsdNel«»! 2 Srämtw w 30f"»O W. 2 fc. W'NN« ä« 100000«. 2 au 60000 4JU 50 MO 6 15000 N.. 14 zu 10000 Dl. 34 zu 6000 Sl, 393 ja 3CjO N, 804 ja IOOO S., 1002 ja 600 58. Berantwortsicher Redakteur: Alfred WielePV/ Reukölln. Für den Lnfecatenteil verantw.� Tb- Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-.Psrwärt» Vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer».Eo. Berlin SM ScfuiAc&SUefeC Tauentzien-Strasse 20 König-Strasse 34 Leipziger Strasse 65 Oronien- Strasse 47a Friedenau, Rheinsl. 14 Neukölln, bergstr.' 7/8 Möllcr-Strasse:3a Oranien-Sfrassc 34 Moabit, Turmstr 50 I It. 134, 30. i Mm des JewWtM«« M«"»«. Sonlltag, 1. Jam 1913. Iungdeutfcl)landbund$ Ciebcswcrben fiilt auch der weiblichen Jugend. Die Wege ebnen will auch bier ihm die Lehrerschaft, nachdem sie ihn schon in seinen Bemühungen um die männliche Jugend so eifrig unterstützt hat. Der Jugendpslegeausschutz des Berliner Lehrer- Vereins batte gemeinsam mit dem Sozialen Ausschuh des Vereins Berliner Volks schullehrerinnen und mit mehreren anderen Lehrerinnenvereinigungcn Groh-Berlins zu Freitag eine Konferenz einberufen, in der die Frage„Jung- Deutschland und unsere weibliche Jugend" er- örtert werden sollte. Zweck der Verhandlungen war, die auf dem Gebiet der Jugendpflege arbeitenden Organisationen„einander näher zu bringen", d. h. in das Fahrwasser des Jungdcutschland- bundrs hineinzustcucrn. Einleitend referiert« der Berliner Gemeinde schullehrer Oscar Grapentin, dem die in der„Pädagogischen Zeitung" bekanntgegebene Versammlungsanzeige seinen Titel„Leutnant der Reserve" mit komischer Gewissenhaftigkeit angehängt hatte. Herr Grapentin wirkt selber im Jungdeutschlandbund: er gehört ihm an als Vertreter des Berliner Lehrervereins, der in freund- ichaftlichen Beziehungen zum Bund steht. Dieser Referent dekla- mierte den üblichen Schwall von Redensarten über körperliche Ertüchtigung und sittliche F e st i g u n g. die der Jung- deutschlandbund auch der weiblichen Jugend geben solle. Er schalt «auf die schlechten Menschen, die nur„Genuhsucht" und„Unzu- friedenheit", den„Hätz gegen alles Bestehende" und ..kleinlichen Partcigeist"„schon in die Herzen der Jugend pflanzen" wollen. Der Jungdeutschlandbund will natürlich„keine politische Betätigung", dient„keinem Partciinteresse" und schlicht„jede politische Beeinflussung" aus, meint Herr Grapentin, der Gr- meindeschullehrer und Reserveleutnant. Tie Diskussion ergab zunächst volle Uebereinstimmung dar- über, datz auch die weibliche Jugend alle Rettung vom Jungdeutsch- kandbund zu erwarten habe. Eine Frau v. Glasenapp und der Oberst v. Hülsen, die als Vertreter des Bundes erschienen waren und das Wort ergrifsen, ernteten freudige Zustimmung. Man erfuhr in der Diskussion auch, datz der Soziale Ausschutz des Vereins Berliner Volksschullehrerinnen schon vor Monatrn dem Jungdeutschlandbund angeboten hat, mit ihm zusammen zu arbeiten. Eine eingehende Erörterung knüpfte sich an den neuesten Plan des Jungdeutschlandbundes, Ferienwanderungen mit älteren Gemcindeschulkindern zu veranstalten, der im„Vorwärts" bereits gewürdigt worden ist. Gewandert werden soll nicht nur mit Knaben, sondern ebenso auch mit Mädchen. In den Wein der Begeisterung gotz nachher einiges Wasser der Ge- meindeschulrektor L e i tz k e der die Befürchtung aussprach, datz für die Ferienwanderungen die Mitarbeit des Jungdeutschlandbundes bei vielen Eltern nicht als Empfehlung wirken werde.„Ich glaube kaum, datz sich— sagte Leitzke— ausgesprochene Sozialdemo- kraten herbeilassen werden, ihre Kinder zu diesen Wanderungen mitzugeben, sobald sie wissen, datz der Jungdcutschlandbund dabei ist." Auch bei„patriotischen Festspielen" habe er erlebt, datz„gute liebe Mädchen" ihm sagten, Vater gestatte die Mitwirkung nicht. Er habe aber die Einwilligung doch noch erreicht, und zwar durch persönliche Rücksprache mit den Müttern. Herr v. Hülsen ant- wartete, gerade wegen dieser Schwierigkeiten müsse man erst recht draufgchen. Er fürchte sich nicht davor, datz„Menschen da sind die gegen vaterländische Gedanken sich erklären". Von mehreren Rednern und Rednerinnen wurde hervorgehoben, datz die meisten Lehrer und Lehrerinnen in den Ferien nicht zu haben sind, weil sie verreisen. Eben deshalb wolle der Jung- deutschlandbund eintreten, sagte Herr v. Hülsen. Aus der Ferienpause der Lehrerschaft ergeben sich auch Schwierigkeiten für die Jugendpflege der Schulentlassenen, deren Jugendklubs in dieser Zeit oft ohne Leitung sind. Es wurde angeregt, datz der Jungdcutschlandbund auch hier einspringen möge. Man sieht, wie die in der Jugendpflege tätige Lehrerschaft sich geradezu danach drängt, unter den Einflutz des Jungdeutschland- bundes zu kommen. Sie wird sich hoffentlich nicht wundern, wenn ihre Jugendpflege nur noch als ein Hilfsmittel der Agita- tion des Jungdeut schlandbund es betrachtet wird. Partei- BtogelegenKeiteu. Verband der Sozialdemokratischen Wahlvereine Verlins und Umgebung. Sekretariat: Berlin SW. 68, Lindenstratze 2 L Fernsprecher: Amt Moritzplatz 14 626. Auf Beschlutz des Zentralvorstandes findet die Ordentliche Generalversammlung des Verbandes am Sonntag, den 13. Juni, in den Germania- Prachtsälen. Chaussee st r. 110, statt. Die Verhandlungen beginnen vormittags 9 Uhr. Provisorische Tagesordnung: 1. Bericht des Vorsiandes. Kassenbericht. Bericht der Revisoren. 2. Wafil des Vorsitzenden. SchriftiiihrerS. Kassierers, der Re- visoren und der weiblichen VorstandSbeisitzcr. sowie Bestätigung der von den Kreisen gewählten Funktionäre des Verbandes. 3. Anträge der Rreiswahlvereine. Tic Besetzung der Generalversammlung erfolgt durch Delegierte. Nach dem Beschlutz der autzerordent- lichen Verbandsgeneralversammlung vom 10. November 1912 ist auf 150 Mitglieder ein Delegierter zu wählen. Demnach haben in Ver- bindung mit§'12 Abs. 2 des Verbandsstatuts die einzelnen Wahlkreise folgende Anzahl Delegierte zu entsenden: 1. Wahlkreis... ig Delegierte 2..... 31 3. 4.»• 5. 6. Teltow-Beekow Niederbarnim. Summa öiy Delegierte Sitz und Stimme haben ferner: Die Mitglieder des Ver- bandsvorslandes, die Revisoren, der Parteivorstand, die Reichstags- uud LandtagSabgeordncten resp. Kandidaten der Kreise Grotz-Berlins. eine Vertretung der Redaktion dcS --Vorwärts", 5 Vertreter der Berliner Stadtverordneten. � �emeindevertreter resp. Stadtverordnete von Teltow- Veeskow und 3 Gemeindevertreter resp. Stadtverordnete von �ederbarnim. Vorläufig eingegangene Anträge: Sechster W'a h l k r e i S: Die Verbandsgeneralversammlung möge beschließen: 1. An Stelle des historischen Kalenders ist ein praktischer Wand kalender herauszugeben. 2. Für den„Vorwärts" ist das Wochenabonnement zum Preise von 25 Pf. pro Woche einzuführen. Das Monatsabonnement ist jedoch beizuhalten. Teltow-Beeskow: Um eine möglichst großzügige Reorganisation der Partei Groß Verlins durchzuführen, wird der Zentralvorstand Grotz-BerlinS be- auftragt, der nächsten Berbandsgeneralversammlung eine Vorlage zu unterbreiten, nach der die acht Wahlvereine Grotz-Berlins zu einem einheitlichen Bezirksvcreiue zusammenzulegen sind. Die Generalversammlung beschließt, datz die Zahlabende bei behalten werden, um die Kleinarbeit erledigen zu können. Zur Aufklärung der Mitglieder und Agitation unter den uns noch Fernstehenden sind Bezirksversammlungen abzuhalwn. Den Leitern der Zahlabende ist mehr Material zwecks besserer Ausgestaltung derselben zu übermitteln. Um die Fluktuation unter den Mitgliedern einzudämmen, ist die H a u S k a s s i e r u n g durchzuführen. Niederbarnim: Ueber die Höbe der Entschädigungen bei Delegationen zu Parteitagen, Kongressen usw. entscheidet die Verbandsgeneral- Versammlung.— Sämtliche bei diesen Tagungen gegen Entgelt tätigen Genossen sind bezüglich der Entschädigung den Delegierten gleichzustellen. * Freitag, den 6. Juni, abends 8 Uhr, findet eine allgemeine Flugblattvcrbreitung von den Bezirkslokalen aus statt.' Parteigenossen! Die bei den Landtagswahlen gesammelten Erfahrungen müssen im Interesse der Organisation ausgenützt werden; deshalb ist es notwendig, datz sich jeder Genosse nnd jede Genossin an der Flugblattverbreitung und an der Agi- tation beteiligt. Der geschäftsführeude Ausschutz. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag, vormittags von 9—12 Uhr, findet in folgenden Lokalen die U r w a h l des Vorstandes und der KommissiouSmitglieder für Grotz-Berlin statt: Rickert, Steinmetz- stratze 36; Orlowski, Lützowsir. 108; Witwe Augustin, Oranienstr. 103; Schröter, Markgrasenstr. 102; Keufner, Möckernstr. 93: Borgfeld, Nostizstr. 29: Nowack, Gitschiner Stratze 66: Riebke, Planufer 75; Neurath, Möllenhoffstr. 11; Arndt, Lachmannstr. 5. Um rege Be- teiligung ersucht Der Vorstand. Vierter Wahlkreis. Wir machen nochmals aufmerksam auf die heute stattfindende Urwahl für den Vorstand und die Kommissionen. Die Wahllokale sind im Inserat vom Sonnabend bekanntgegeben. Die Wahlzeit beginnt um 8 Uhr und endet mittags 12 Uhr. Der Vorstand. Borsigwalde-Wittcnau. Donnerstag, den 5. Juni, abends 8 Uhr, findet in den Borsigwalder Festsälen eine öffentliche Protestversamm- lung statt. Tagesordnung: 1. Die letzten Vorgänge im Gemeinde« Parlament. 2. Die in Aussicht stehenden Kirchensteuern. 3. DiS- kusfion. Referent: Stadtverordneter Genosse Dr. A. Bernstein. Am Dienstag, den 3. Juni, abends V'/z Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. ßcrlincr Nacbricbtcn. . 15 . 128 . 13 . 164 . 180 . 99 Im Zeichen des Verkehrs. Der gesteigerte Verkehr in den großen Stratzcnzügen Berlins hat verschiedene Matznahmen erfordert, um besonders belastete Straßen zu entlasten. Diese Matznahmen sind verschiedener Art. Zunächst wurden große Stratzendurchbruchsprojckte entworfen und beschlossen, um den Verkehr, insbesondere von der Leipziger Stratze, abzulenken. Verschiedene von diesen Projekten sind in Ausführung begriffen. So der Durchbruch in der Verlängerung der Linden- stratze nach der Beuthstratze, die Verbreiterung der Hollmannstratze und die Verlängerung nach der Eharlottenstratze; die Verbreiterung der König- und der Landsberger Straße. Vornehmlich aber galt es. die stark belastete Leipziger Stratze und den Potsdamer Platz zu entlasten. Die Polizei hat seit langen Jahren am Potsdamer Platz ein Verkchrskommando etabliert, um den Verkehr in gewissen Ab- ständen zu regulieren. Eine kleine Besserung ist schon eingetreten, aber sie genügt noch nicht. Jetzt verlangt der Polizeipräfident die Ausführung der vor Jahren bereits beschlossenen Verbreiterung der Bellevuestratze, die infolge des seinerzeit erhobenen Protestes gegen die Entfernung der dort stehenden Kastanienbäume noch nicht zur Ausführung gekommen ist. Der Verkehr hat sich in dieser Stratze derart entwickelt, datz von einer ruhigen Wohnstratze keine Rede mehr sein könne. Schwierigkeiten bereitet bei einer Verbreiterung die Frage, was aus den dort stehenden Bäumen werden soll. Der frühere Gartendirektor Mächtig hatte in einem Gutachten erklärt, datz die Bäume dem Untergange geweiht seien; sie seien zum Teil krank. Der jetzige Gartendirektor schränkt dieses Gutachten dahin ein, datz man das nicht von allen Bäumen sagen könne. Bei einer Verbreiterung der Bellevuestratze müssen aber die Bäume fallen. Die Tiefbaudeputation hat sich nun dahin entschieden, datz das Ver- langen des Polizeipräsidenten, die Bellevuestratze zu verbreitern, berechtigt ist. Um aber Rücksicht auf den Baumbestand zu nehmen, wird geplant, den Fahrdamm zunächst auf 10 Meter zu verbreitern, Stratzcnland zu erwerben und neue Bäume anzupflanzen. Gedeihen diese, so könnte nach Verlauf von Jahren die Verbreiterung auf 15 Meter, wie ursprünglich vorgesehen, erfolgen, und die alten Bäume könnten, da Ersatz geschaffen, dann beseitigt werden. Bemerkt sei, datz eine Stratzenordnung in Vorbereitung ist, nach der in bestimmten Stratzen, besonders in der Leipziger Stratze, Fuhrwerke in der Zeit zwischen 11 Uhr vormittags und 7 Uhr abends nicht halten und weder Waren entladen, noch solche auf- nehmen dürfen. Eine tief in das Verkehrslebcn einschneidende Be- ftimmung. Umleitung bei der Straßenbahn. Tic Straßenbahn mutz wegen Auswechselung der Kreuzungsanlagen auf dem Alexanderplatz an der Ecke Landsberger- und Alexandcrstratze verschiedene Linien in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni von 2 Uhr an und in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni von 1 Uhr an umleiten. Linie 3, 68, 69 und 71 fährt dann Strausberg«- und Fricdenstratze, Königstor, Neue Königstratze, Alexanderplatz; 58 und 65 Baltenplatz, Thaer- stratze, Frankfurter Allee, Große Frankfurter, Strausberger Stratze, Königstor, Neue Königstratze, Alexanderplatz; 11, 35 und 36 An der Stralau« Brücke, Stralauer Stratze. Molkcnmarkt, Königstratze, Alexanderplatz, Alexander- und Münzstratzc; 22 und 164 gehen vom Osten nur bis zur Ecke der Landsberger- und Alcrandcrstratzc; 6t vom Westen vis zum Alexanderplatz, Ivo umgestiegen wird. In der Nacht vom 2. zum 3. Juni kommen für die Umleitung in Frage die Linien 11, 22 und 69, und in der Nacht vom 5. zum 6. Juni die Linien 3. 11. 22. 35. 36. 58, 65. 64. 164, 68. 69 und 71. Zeitler-Sttfwng. Die Johann-Jakob-Zeitlet-Sttfwng hat den Zweck, einmalige Unterstützungen im Betrage von wenigstens 30 M. an Web« und Stuhlarbeit«(damit sind gemeint: Weber, Wirk«, Raschmacher, Zeugmacher, Tuchmacher, Strumpf- und Seiden« Wirker) sowohl an Meist« wie Gesellen zu gewähren, welche sich in Geldverlegenheit, namentlich wegen Zahlung der Wohnungsmiete befinden, sofern sie nicht der öffentlichen Armenpflege anheimge- fallen sind. Bewerber müssen seit mindestens zwei Jahren in Ber» lin wohnen; hauptsächlich sollen diejenigen b«ücksichtigt werden, welche mehr als vi« Kinder unter 14 Jahren haben. Die Sttftung, welche unter Verwaltung der städttschen Stiftungs-Deputation steht, hat in diesem Jahre noch Geld zu Unterstützungen zur Verfügung, Gesuche mit Angaben über die Dauer des Aufentha'ltes in Berlitt und über die Zahl der am Leben befindlichen Kinder unter vier« zehn Jahren sind innerhalb 14 Tagen an die städtische StiftungSi Deputation, Poststratze 16 I, zu richten. j Der Dank des Kaisers. Der Kaiser hat in einem Schreiben! an Magistrat und Stadtverordnete für die Glückwünsche und die herzliche Teilnahme der Berliner Bürgerschaft bei der Verheiratung sein« Tochter vielmals gedankt. Im Rathause herrscht darübe? große Freude. Ein schweres Gewitter ging gestern über Berlin und die Vororte nieder. Blitz und Donnech folgten in kurzen Abständen. In zahlreichen Fällen schlug der Blitz ein, ohne aber erheblichen Schaden anzurichten. Die niedergehenden Wassermassen führten große Ucberschwemmungen herbei. Die Ber« liner Feuerwehr wurde 40mal alarmiert. Die meisten Alarme liefen aus dem Osten und Norden Berlins ein, wo zahlreiche Keller« Überschwemmungen eingetreten waren. In der Zeit von SM bis 8 Uhr waren fast alle Löschzüge der Feuerwehr unterwegs undi immer noch wurde aus allen Gegenden telephonische Hilfe verlangt, Zwischen Rügen«- und Lortzingstratze stand das Wasser über einen halben Meter hoch auf der Stratze. Durch diesen See mutzten nun Straßenbahnwagen und andere mit Pferden bespannte Fuhrwerk« ihren Weg nehmen. Zahlreiche Männer zogen Stiefel und Strümpfe aus und wateten, vielfach mit Kindern auf dem Rücken, durch di« Wassermengen. Auch der Verkehr war zeitweise unterbunden.> In der Schönhauser Allee war stundenlang der ganze Verkehr unterbunden. Hinter dem Bahnhof floß das Wasser stromartig durch die Wichert- und Schivelbeiner Stratze in der Richtung nach dem Arnimplatz, mehrfach die Kcllerräume der Häuser füllend. Vor dem Bahnhof war es besonders schlimm in der Gegend des Exerzier- Platzes. Dort mutzten die Pferde eines Gerüstwagcns ausgespannt Und unter den Viadukt der Hochbahn geführt werden. Autos retteten sich durch den Weg übers Trottoir. Schließlich blieben aber doch eine Anzahl Autodroschken und mehrere Motoromnibusse der Linie g mitten im Wasser stecken, weil sie Wasser in die Maschinen be» kommen hatten. Die Passagiere mutzten wegen des Wassers, das weit über die Achsen hinwegreichte, auf die Sitze flüchten. Bald standen auch die Straßenbahnen in langer Reihe. Die Motoromni- busse vermochten dann auf einem Umwege den Verkehr wieder auf« zunehmen. Sie fuhren durch die Buchholzer Stratze und die Pappel« allee, wo sie zwar ebenfalls auf Wasser stießen, das jedoch leichter zu übertvinden toar. An mehreren Stellen mutzte auch die Feuer- wehr die Keller leerpumpen. i Noch schlimmer als Berlin ist Weitzenfee heimgesucht worden, Ein Drittel von Weitzenfee stand üb« eine Stunde unter Wasser, Der Schaden lätzt sich heute noch gar nicht übersehen. Meldungen über Menschcnverluste sind nicht eingegangen. Auch aus Reinicken« dorf, vom Gesundbrunnen und aus Plötzensee wurden abends.Ge« witt«schäden gemeldet. Auch in Lichtenberg richtete das Gewitter Unheil an. Leider fiel ihm auch ein Menschenleben zum Opfer. In der Wolfgang» stratze erschlug der Blitz das 8jährige Kind eines Rohrlegers, das dort kurz vorher mit anderen Knaben gespielt hatte. Die Leiche wurde von der Polizei nach vergeblichen Wiederbelebungsversuchen in Ver« Wahrung genommen. Fast gleichzeitig schlug der Blitz in die Gärt« nerei des Obergärtners F. Rudolf an der Ecke der Bornitz- und Ruschestratze in den Schornstein und entzündete einen Reisekoffer u. a., ohne Personen zu schädigen. Der Brand konnte noch vor Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden. Das Unwetter hat in den dortigen Gärtnereien großen Schaden verursacht. In der Frankfurter Chaussee, nahe der Ringbahn, hat sich das Pflaft« ge- senkt und ist an einigen Stellen von den Wassermengen aufgerissen, An der Ringbahn stand das Mass« um 6 Uhr noch einen Meter hoch, so datz kein Fuhrwerk passieren konnte. Zwei große neue Polksbadeanstalten sollen nach einem Beschlutz des Berliner Magistrats am Petersburg« Platz 4 neben der Psingst« kirche und Schönhauser Allee 79, an der Rinabahnstation, errichtet werden. Zu diesem Zweck sollen die beiden Grundstücke erworben werden. Gleichzeitig soll die Volksbadeanstalt in der Gartenstratze umgebaut und erweitert werden. Ueber die Einsprüche gegen den Plan der Nord-Südbahn wer- den die Aufsichtsbehörden demnächst Beschluß fassen, der den Antragstellern zugestellt werden wird. Wie schon früher mitgeteilt, sind die meisten der nördlichen und östlichen Vorortgemeindeu, welche den Plan bemängelten, nicht als„Beteiligte" im Sinne des Etsenbahngesetzes anzusehen, ihre Einwendungen find trotzdem geprüft, aber aus sachlichen Gründen zurückgewiesen worden,' Die Berichterstattermeldung, nach welcher der Einwand Schönebergs, betreffend die Tunnelkreuzung in der Französischen Stratze, dem Mrnister'der öffentlichen Arbeiten zur Entscheidung vorgetragen' werden soll, entspricht nicht den Tatsachen. � Staatsanwälte nnd Richter bei de» Polizeihunden. Die Teilnehmer am Lehrkursus für Gefängniswesen besuchten gestern nachmittag unter Führung ihres Leiters, des Geh. Oberjustizrats P l a s ch k e. die bei Grünheide(Erkner) belegene Zuchtanstalt für Polizeihunde. In der- selben werden apch die Beamten ausgebildet, welche mit den Polizeihunden zu arbeiten haben. Ein Beamter der Anstalt hat in dieser eine kleine Dienstwohnimg. Es stehen für die Zwecke der Hundedressur große Uebungsplätze zur Verfügung. )ie gestrige Vorführung hat— was die kriminellen Aufgaben der Polizeihunde anbetrifft— arg enttäuscht. Wohl bewahren die Tiere die genommene Witterung, sie wissen sie aber nicht individuell zu verwerten, d. h. sie gehen der ihnen angewiesenen Spur, sosorn diese noch frisch ist, nach. weichen von dieser aber sehr leicht ab, sobald diese die Spur eines anderen Menschen spitzwinklig kreuzt, der sich in un« gefähr derselben Richtung bewegt hat. Vom Hitzschlag getroffen wurden gestern infolge der ungewöhnlich großen Wärme zwei Personen. An der einsamen Pappel auf dem Exerzierplatz.an der Schönhauser Allee fand man den 51 Jahre alten Pantoffelmacher Theodor Liebenau, der ohne Woh- nung war, tot auf. Ein Arzt stellte fest, datz er einem Hitzschlage erlegen war. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nack dem Schauhause gebracht.— In das Elisabeth-Krankenhaus überac- führt werden mußte der 62 Jahre alte Schlosser E m r l Walter aus d« Schwedter Straße, der«benfall» infolge eines Hitzschlages fchto« erkrankt war. Für 1500 331. russisches Fleisch erbeuteten Einbrecher, die in der Nacht zum Sonnabend der Niederlage der Konsum genossen- schaft Berlin und Umgegend in der Kochhannstr. 14 einen Besuch abstatteten. Unter diesem Geschäft befindet sich ein Lagerkeller der Zentrale Auf diesen hatten es die Diebe abgesehen. Sie erbrachen die Kellertür gewaltsam und schleppten daraus mehr als 20 Zentner Meischwaren aller Art, die alle den russischen Stempel tragen. Sie Ss-s. P CVf- ITJC.•_ /r-'1 Jt-....t y t___ r*...r* fT- jn r r? jc i... verpackten das rohe fuhrwerk auf der fleisch in Säcke und luden sie auf ein Schlächter � Ltraße, mit dem sie unbehelligt davonfuhren. Eine Bewohnerin des Hauses sah gegen Mitternacht, wie mehrere Männer das Fleisch aufluden, dachte aber nicht daran, daß es Ein- brecher sein könnten, die mit solcher Frechheit vorgehen würden. Am anderen Morgen, als der Filialleiter kam, stellte sich jedoch heraus, daß der Keller fast ganz geleert worden war. Auf der Klingelfahrt überrascht wurden drei Einbrecher, die Nach längerer Verfolgung festgenommen werden konnten. Zwei von ihnen, ein Arbeiter Franz Kreuz aus der Woldenbergerstraße und ein Bäcker Ernst Hahn aus der Gipsstratze erhielten auf ihr Klin- geln an einer Wohnung in einem Hause in der Woldenbergerstraße keine Antwort. In der Meinung, daß niemand anwesend sei, kantelten sie die Tür auf und durchsuchten die Wohnräume. Durch ihr Geräusch wurde der Mieter tvach, der auf dem Sofa in einem tiefen Schlafe gelegen und von dem Klingeln nichts gehört hatte. Als er sich jetzt plötzlich Einbrechern gcgenübersah, schlug er Lärm. Tie überraschten Diebe ließen jetzt die Beute im Stich und liefen eiligst davon. Der Wohnungsinhaber verfolgte sie jedoch und nahm sie mit Hilfe anderer Leute fest, als sie gerade auf der Straße einen Straßenbahnwagen besteigen wollten, um damit davon zu fahren. — Einem Fensterputzer Hugo Schmidt wurde auf sein Klingeln bei einem Kohlenhändler in der Friedenstraße nicht geöffnet. Auch er kantelte blitzschnell mit einem Dietrich die Tür auf, lief aber davon, als er sah, daß die Tür von innen zugehalten wurde. Es war die Tochter des Wohnungsinhabers, die aus Furcht nicht ge öffnet hatte. Als sie sah, daß der Fremde jetzt davonlief, eilte sie ans Fenster und rief zum Fenster hinaus:„Haltet ihn! Haltet ihn!" Das tat man denn auch und übergab ihn der Polizei, die ihn sowie die beiden anderen Einbrecher gestern dem llntersuchungS richtet vorführte, Besinnungslos aufgefunden wurde gestern früh ein ungefähr 22 Jahre alter Mann, der seinem Aeußeren nach dem Arbeiter- stände angehörte. Passanten, die ihn in der Steglitzer Straße liegen sahen, benachinchtigten einen Schutzmann, der ihn nach der Hilfswache und von dort nach dem Krankenhaus Am Urban bringen ließ. Papiere, die zur Feststellung des Erkrankten führen könnten, fand man nicht bei ihm. Auf einer Lohntüte stand nur der Name Erbig. Der Unbekannte hat blondes, glattgeschorenes Haar und ein bartloses Gesicht. Er trug hellgestreifte Hose und Weste und dunklen Rock. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich in der Nacht zu gestern die Eheftau Helene des Tischlers Hoffmann aus der Linien- straße 142/143. Die Frau war schon seit längerer Zeit hochgradig nervös und hatte außerdem ein inneres Leiden. Seit 14 Tage» spurlos verschwunden ist der TS Jahre alte Pensionär Wilhelm Bläsing aus der Wilmersdorser Straße 132 zu Charlottenburg. Der infolge seines hohen Alters schon etwas geistesschwache Mann verließ bereits am 24. April d. I. einmal die Wohnung seiner Angehörigen und kehrte nicht wieder dorthin zurück. Erst 14 Tage später wurde er im Tiergarten aufgegriffen, wo er planlos umherirrte. Während der ganzen Zeit hatte er nur wenig zu sich genommen. Auch jetzt vermutet man wieder, daß der Ver- schwundene, der seit dem 17. v. Mts. wieder vermißt wird, umher- läuft. ES wird jedoch auch mit der Möglichkeit gerechnet, daß dem Greis ein Unglücksfall zugestoßen ist, und er in einem Kranken- hause Aufnahme gesunden hat. Der Verschwundene ist 1,65 Meter groß und schlank, hat graues Haar, eine große Glatze, einen grauen Backenbart mit auSrasiertem Kinn, ein rundes, gesundfarbenes Ge- sicht, blaue Augen, lückenhafte Zähne und einen etwas krummen rechten Zeigefinger. Die Arbeit der Feuerwehr. Infolge der andauernden Hitze 'entstehen jetzt häufig Preßkohlenbrände. Freitag und Sonnabend wurden solche vom Moabiter-, Ost- und anderen Bahnhöfen und aus Vororten gemeldet. Heute früh um 5 Uhr stand der Dach- und Hausboden Gubener Str. 61 in Flammen. Der 7. Löschzug hatte dort längere Zeit zu tun. Der 15. Löschzug wurde nach der Otto- straße 7 alarmiert, wo die zwanzigjährige Meta Hiller schwere Brandwunden durch Explosion einer brennenden Petroleumlampe erlitten hatte und von Samaritern der Feuerwehr verbunden wer- den mutzte. Derselbe Löschzug rückte nach der Bremer Str. 14 ans. Tort war der Arbeiter Max Müller, Bremer Str. 47, beim Brunnenprüfen erkrankt. Die Feuerwehr sorgte für seine Ueber- führung nach dem Moabiter Krankenhause. Vor dem Hause Köpe- nicker Str. 118 wurde der Kaufmann A. Mirisch, Köpenicker Str. 63, von einem Omnibus der Linie 18 überfahren. Samariter der Wehr brachten den Verletzten nach seiner Wohnung. Ein Wohnungsbrand beschäftigte die Wehr in der Turmstr. 7. Oeffentliche Bibliothek� und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich von 5M— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 617 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Vorort- JVacbncbtem Zur HbgcordnetenwaM in Ober- und )Siederbarnun. Die Wahl findet in Form einer Terminswahl statt, d. b. jeder Wahlmann muß so lange im Wahllokal verbleiben, bis die Wahlen, also auch die eventuell erforderlichen Stichwahlen, vollständig er- ledigt sind. Unsere Wahlmänner treffen sich zunächst in ihren: Ort und begeben sich dann gemeinsam nach dem Sammelpunkt der Gruppe, der auS nachstehender Ausstellung ersichtlich ist. Dort muß jeder spätestens eine Stunde vor Beginn der Wahl anwesend sein. Gruppe l. Wriezen, umfaßt Ober-Barnim. ausschließlich Ebers- Walde. Gewählt wird im Schützenhaus, Schützenstraße 14, vormittags llVa Uhr. Sammelpunkt:„Deutscher Kaiser', Oderstraße. 10V, Uhr. Gruppe II. Reinickendorf, umfaßt Neuholland, Freienhagen, Nassenheide, Friedrichsthal, Schmachienhagen, Malz, Germcndorf, Borgsdorf, Schönfließ, Bergfelde, Stolpe, Glienicke, Frohnau, Heiligensee, Oranienburg, Reinickendorf, Tegel, Birkenwerder, Herms- dorf, Hohen-Neuendorf. Sachsenhausen und Plötzensee. Gewählt wird im Schützenhaus. Residenzftr. 1—2, vormittags 10 Uhr. Sammelpunkt: bei Paul Anders. Hauptstr. 51. vor- mittags 9 Uhr. Die Wahlmänner von Reinickendorf-Ost irejjen sich um 9 Uhr im Restaurant©ad au, Residenzstr. 124, und gehen dann gemein- sam zu Ander? und nach dem Wahllokal. Gruppe III. Rosenthal, umfaßt: Schönerliude. Schönwalde, Bas- dorf. Zühlsdorf, Wensickendorf. Wandlitz, Stolzenhagen. Klosterfelde, Lanke Prenden. Ruhlsdocf, Marienwerder, Klandorf. Z-rpenschleuse. Kienitz, Kreuzbruch, Groß-Schönebeck, Hammer, Liebenthal, Zehlen- dorf, Mühlenbeck. Blankenfelde. Schildow. Liebenwalde. Nieder. Schönhausen, Rosenthal. Wittenau, Borfigwalde, Franz.-Buchholz. Lübars und Waidmannslust. Gewählt wird im Restaurant Schneider, Prinzenstraße 1—3, vorm. 10 Uhr. Sammelpunkt: Gust. Milbrodt, Walderseestr, 5. Gruppe lV. Pankow, umfaßt: Malchow, Heinersdorf, Karow, Blankenburg, Röntgental, Zepernick, Schönow. Bernau, Pankow, Weißensee und Buch. Gewählt wird im„Bellevue", Breitestr. 21a, vorm. 10 Uhr. Sammelpunkt: bei Roczycki, Kreutzstr. 3—4, vorm. 9 Uhr. Gruppe V. Friedrichsfelde, umfaßt: Wartenberg, Falkenberg, Ahrensfelde, Marzahn, Hönow. Seeberg, Eiche, Dahlwitz, Hoppe garten, Lichtenow, Werder, Rehfelde, Hennickendorf, Vogelsdorf, Fredersdorf, Petershagen, Eggersdorf, Bruchmühle, Krummensee, Seefeld, Löhme, Börnicke, Blumberg. Lindenberg, Schwanebeck, Birkholz, Altlandsberg, Friedrichsfelde, Karlshorst, Hohenschönhausen, Biesdorf, Hellersdorf, Wuhlgarten, Herzfelde, KaulSdorf, Mahlsdorf und Neuenhagen. Gewählt wird im Schloßrestaurant, Wilhelmstr. 17a, vorm 10 Uhr. Sammelpunkt im„Lindenpark', Wilhelmstr. 11, vorm. 9 Uhr Gruppe /l. Friedrichshagen, umfaßt: Wilhelmshagen, Schön- eiche, Rahnsdorf-Mühle, Hessenwinkel, Alt-Buchhorst, Bergluch. Gottesbrück, Fangschleuse, Kagel, Zinudorf, Spreeau, Liebenberg, Ober-Schöneweide, Stralau, Erkner, Friedrichshagen, Kalkberge, Klein-Schönebeck, Fichtenau, Rüdersdorf, Tasdorf und Woltersdorf Gewählt wird im„Eiskeller', Friedrichstr. 96/97. 10 Uhr. Sammelpunkt:„Sängerhalle'. Friedrichstr. 61, vorm. 9 Uhr. Gruppe VIl. Lichtenberg l. Gewählt wird im„Schwarzen Adler', Frankfurter Chaussee 5. Gruppe VIII. Lichtenberg II. Gewählt wird in„KernS Fest sälen', Türrschmidtstr. 45. Die Wahlmänner treffen sich abteilungS> weise. Wann und wo ist bereits mitgeteilt. Gruppe IX. Eberswalde. Gewählt wird bei Rohde, Schützen- straße 1, vorm. 10 Uhr. Sammelpunkt: ebenda, vorm. 9 Uhr. Das Zentralwahlkomitee. I. A.: P. Brühl, Berlin 0. 112, Scharnweberstr. 6/7. Schöneberg. Automobilisicrung der Straßenreinigung. Schöneberg ist im Prinzip von der Verwendung des Pferdebetriebes bei der Straßen reinigung abgegangen und hat statt dessen systematisch automobile Straßenreinigungsmaschinen eingestellt. In dem neuen, nur für Automobile bestimmten Straßenreinigungsdepot in der Moxstraße befinden sich nunmehr 12 automobile Slraßenwaschmaschineix vermittels derer sämtliche Asphaltstraßen Schönebergs täglich ein- bis dreimal gereinigt werden. Die weiteren Versuche, welche mit auto- mobilen Straßenkehrmaschinen für die mit Kopfsteinpflaster ver- sehenen Straßen angestellt worden sind, haben ein günstiges Ergebnis gehabt, so daß sich nunmehr die Stadtverwaltung zur Einführung auch dieser Maschinen entschlossen hat. Es sind jetzt drei auto- mobile Straßenkehrmaschinen in den Betrieb eingestellt, ver- mittels derer alle Kopfsteinpflasterstraßen, die Schöneberg noch besitzt, täglich gereinigt werden können. Die gesamten Straßenzüge SÄönebergs werden somit von nun ab nicht mehr durch mit Pferden bespannte Maschinen, sondern durch auto- mobile Maschinen gereinigt. Sämtliche Maschinen werden elektrisch betrieben. Im Laufe des Sommers werden Versuche auch bezüglich der Abfuhr des Straßenkehrichts gemacht werden. Da ein längeres Lagern der Kehrichthaufen auf der Straße unhygienisch ist und einen unschönen Anblick gewährt, soll der Siraßentehricht in Zukunft unter der Slraßenoberfläche gelagert und durch Automobile, die nach einem neuen und eigenartigen System gebaut werden, mechanisch aufgeladen und abgefahren werden. Charlottenburg. In der fortgesetzten Generalversammlung dcS Wahlvereins ent- spann sich über den Fall Borchardt noch eine lebhafte Diskussion. Zempelburg bezeichnete das Verhalten Borchardts in Königsberg jwar nicht als einwandfrei, meinte jedoch, daß nach so langer Zeit leine Veranlassung mehr vorhanden gewesen sei, gegen Borchardt einzuschreiten. Gleich Zempelburg verurteilte auch Zippel daS Vor- gehen gegen Borchardt. Eine entgegengesetzte Auffassung vertrat Stieffenhofer. Nachdem noch einige Redner sich im Sinne Zempel- burgs geäußert hatten, wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 27. Mai tagende Generalversammlung des Wahl Vereins Charlottenburg spricht ihre Entrüstung darüber aus, daß nach dem Beschluß der Berbands-Generalversammlung dem Genossen Borchardt dennoch das Mandat entzogen wurde. Hierin liegt eine grobe Mißachtung des Beschlusses der Berbands-Generalversammlung.' Die folgenden Punkte der Tagesordnung wurden wegen der vorgerückten Zeit kurz erledigt. Neukölln. Ter Frauen- und Mädchenchor Neukölln übt von jetzt ab jeden Dienstag, abends von 3 bis 11 Uhr, im Passage-Restaurant, Neu- kölln, Bergstr. 151/152. Der Chor zählt bereits über 100 Mit- glieöer. Gäste sind willkotmoen. Steglitz-Friedenau. Der Berein Arbeiter-Jugendheim Stcglin- Friedenau DienStag, den 3. Juni, abends V,0 Uhr. im Restaurant hält am chellhase, Ahornslr. 15a, seine erste Mitgliederversammlung ab. Auf der äußerst reichhaltige» Tagesordnung steht ein Bortrag des Herrn M. Schütte über„Heinrich Heine'. Außerdem wird der Vorstand über seinen Kampf mit den Polizeibehörden berichten. Die Arbeiterschaft beider Orte wird ersucht, dem Verein als Mitglied beizutreten und die Versammlung am Dienstagabend zu besuchen. Lichterfelde. Bom Vildungsausschusi erhalten wir mit Bezug auf den Be. richt der letzten Wahlvereinsversammlung folgende Zuschrift: Im jüngsten Versammlungsbericht ist ein Irrtum mitgeteilt worden. Der Beschlutz, den Bildungsausschuß aufzuheben, ist ungültig, weil er einmal ohne Beratung mit dem Bildungsausschutz selbst und zum andern in einer gewöhnlichen Mitgliederversammlung erfolgt ist, während solche Beschlüsse, soweit eine Auflösung der wichtigen Institution des Bildungsausschusses überhaupt inöglich ist, nur in Generalversammlungen geschehen darf. Der Bildungs- auSschutz besteht nach wie vor, die Adresse des Vorsitzenden ist: Kurt Heinig, Berlin-Lichterfelde, Karlstr. 80, I. Alt-Landsberg. Eine Postagentur ist, wie in der letzten Stadtverordneten- Versammlung mitgeteilt wurde, in Bruchmühle eingerichtet worden. Es gehören dazu die Orte Wolfshagen und Rabebrück. Die ZuwachSsteuer hat der Stadt im Jahre 1912 eine Einnahme von 552 M. gebracht. In das Kanalisationsprojekt soll die Domäne nicht einbegriffen werden, weil es der DomänenfiskuS abgelehnt hat, die auf ihn entfallende Zahlung zu leisten. Eine lebhafte Debatte rief die in Ausführung begriffene Kirchhofsmauer her- vor. Es wurde festgestellt, daß die betreffende Firma die Mauer nicht nach dem vorgeschriebenen Plan ausgeführt hat. Die Ver- tretung faßte einstimmig den Beschluß, die Firma zu ersuchen, die Mauer dem Anschlage gemäß herzustellen. Tegel. In dem Disziplinarverfahren gegen de» Bürgermeister Weigert fand gestern Termin vor dem Oberverwaltungsgericht statt. Gegen Weigert hatte der AuSschutz de? Kreises Nieder- barnim im November vorigen Jahres auf Dienstentlassung als Amtsvorsteher mit Belassung von vier Fünfteln der festgesetzten Pension erkannt. Sein Amt als Gemeindevorsteher hatte Weigert schon im Mai 1912 niedergelegt. Die gestrige Verhandlung fand vor dem Disziplinarsenat unter Ausschluß der Oeffenttichkeit statt. Auch die Urteilsverkündung' erfolgte in geheimer Sitzung. DaS Oververwaltungsgericht hob das Urteil des Kreisausschusses teil- weise auf und verfügte, daß Weigert erst vom gestrigen Tage ab vom Dienste entlassen sei. Vier Fünftel der gesetzlichen Pension, oas sind 5400 M., wurden W. auch vom Obcrvcrwaltungsgcricht zugebilligt. Nieder- Schöuhausen. Die Verlängerung der Linie 36 von Schönholz durch die Ger- manenstraße nach Roseitthal ist vom Zweckverband bis auf weüereS abgelehnt worden. Dasselbe Schicksal ereilte die geplante Ver« längerung der Linie 41, die von einer kleinen Rosenthaler Interessen« gru'ppe mit Unterstützung des Gemeindevorstehers Dr. Kruse als Konkurrenzlinie gegen die Gemeinde Nieder-Schönhausen in den Vordergrund gestellt wurde. Dagegen hatte der Zweckverband keine Bedenken gegen die Verlängerung der Siemensbahn von Nieder« Schönhausen bis Rosenthal-Dorf. Ein derartiges Resultat haben beide Gemeinden in Anbetracht der monatelangen Beratungen über weitere Verkehrsverbesserungen bestimmt nicht erwartet. Gespannt darf nian auf das Schicksal der Linie 23 sein, die nach dem auf 90 Jahre lautenden Vertrag mit der Großen Berliner bereits im August 1912 im Betrieb sein sollte. NowaiveS. Aus der Gemeindevertretung. Das Baugesuch der Konsum- gcnossenschaft„Hoffnung" für ihr Grundstück an der Husaren- straße fand die nachgesuchte Genehmigung. Nach den Bedingungen ist die Genossenschaft verpflichtet, für Straßenherstellungskosten eine Sicherheit in Höhe von 15 100 M. zu leisten, die Kosten zur Fußweganlage im Betrage von 1100 M. sofort zu hinterlegen und die üblichen Kanalisationskosten bei der späteren Anlage der projektierten neuen Straßen zu zahlen. Für die Husarenftraße muß sie die zweite Rate des Kanalisationskostenbeitrages in Höhe von 20 M. pro laufenden Meter hinterlegen.— Mit dem Angebot der Firma Pissch auf Anlage der Roonstraße in 11 Meter statt 12 Meter Breite, und zwar mit 6 Meter Fahrdamm und Fußweg zu beiden Seiten, erklärte sich die Vertretung unter der Bedingung einverstanden, daß auf jeder Seite 4 Meter breite Vorgärten vorgesehen und zur Pflasterung des Fahrdammes Kupferschlackensteine verwendet werden.— Die Ausschreibung des Bedarfs an Heizmaterial für die Gemeindeanstalten hat bedeutend höhere Preisforderungen ergeben, als im Vorjahre bezahlt wurden. Für Schmelzkoks sind bisher bezahlt 31,30 M. pro Tonne, für 1913 fordert jedoch die billigste Offerte 32,20 M. Nach der Kosten- Zusammenstellung werden für Heizmaterial gebraucht 20 670 M., im Etat für 1913 sind jedoch nur vorgesehen 16 850 M., die Mehr- kosten würden also 3820 M. betragen. Da nach Ansicht des Bürger- meistere eine nochmalige Ausschreibung zu einem späteren Zeit- Punkt günstigere Angebote möglich erscheinen läßt, nahm die Ver- tretung vorläufig von einem Beschluß Abstand.— Der südliche Teil der Etsenbahnstraße wird, wie Gemeindevertreter Reiff als Berichterstatter mitteilte, eine Tammbreite von 8 Meter erhalten. Leider stehe die Fiedlersche Ecke einer geraden Durchführung hin- dernd im Wege, weshalb sich an dieser Stelle eine Kurve not- wendig mache. Der Fußsteig auf der westlichen Seite erhalte durch Einrücken des Vobachschen Grundstücks eine Breite von 3,5 Meter, an der Kurve jedoch nur«ine solche von ILO Meter. Bedauerlich sei die Verzögerung der Pflasterung wegen nicht rechtzeitiger Fertigstellung der Bauarbeiten an der Eisenbahnunterführung. Gemeindevertreter Nathan gab im Anschluß hieran seiner auch von den übrigen Vertretern geteilten Entrüstung über daS lang- same Fortschreiten der EisenbahnhöherlegungSarbeiten Ausdruck. So, wie die Bahn heute baue, könne eS unmöglich weitergehen. Der frühere Bauleiter habe die Fertigstellung des neuen Bahnhofs bereits zum 1. Oktober 1912 in Aussicht gestellt, dann habe man die Gemeinde auf den 1. Januar und schließlich auf den 1. April vertröstet, und nun stehe man immer noch vor der Un- gewißheit eines sicheren Datums. Wenn, wie er an einem der letzten Tage gesehen habe, am ganzen Bahnbau 12 bis 14 Arbeiter beschäftigt werden, dann könne man noch bis zum Jahre 1914 warten. Die Gemeinde werde durch den langsamen Fortgang des Baues nicht nur an der rechtzeitigen Fertigstellung der Pslaste- rungen gehindert, sondern erleide auch Schaden dadurch, daß der Betrieb der elektrischen Straßenbahn auf der Endstrecke bis zur Plantagenstraße wegen der auf den Schienen stehende» eisenbahn- fiskalischen Baulichkeiten noch nicht aufgenommen werden konnte. Um aus der Zwangslage endlich herauszukommen, beantrage er, den EisenbahnsiSkus aufzufordern, die Schienen binnen acht Wochen zu räumen. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Genosse Fesser beschwerte sich über den Zustand des Eisenbahn- Überganges im Zuge der Plantagenstraße. Der Uebergang sei in der Mitte so schmal, daß er zu Zeiten starken Verkehrs für die Fußgänger geradezu eine Lebensgefahr bilde. Obwohl eine Ver- breiterung möglich wäre und die Eisenbahnbehörde auf den ge- rügten Mißstand bereits durch die Presse aufmerksam gemacht worden ist, sei bis heute noch keine Aenderung geschaffen. Spandau. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete zi» nächst Genosse Willi Jahnke den Bericht des Bildungsausschusses, aus dem folgendes zu erwähnen ist: Die Veranstaltungen des Ausschusses waren nicht immer in dem Maße besucht, wie es wün- schenswert gewesen wäre. Die Lokalfrage, die durch den Verlust des„Roten Adlers" recht fühlbar wurde, wirkte auch hemmend ans die Verwirklichung des Programms des Bildungsausschusses. Redner machte nocki auf die Jugendbibliothek, die sich beim Ge- nossen Koppen befindet, aufmerksam. Er ersuchte zum Schluß noch die Gewcrlschaften, künftig Maskenbälle und ähnliche Vera»,'ml- tungen fortfallen zu lassen und dafür wirkliche Kunst zu pflegen. In den Bildungsausschuß wurden gewählt die Genossen Willi Jahnke und Swars sowie die Genossin Geppert.— Nach dem Be- rich: der Lokalkommission stehen der Partei hier drei große und 12 kleine Lokale zur Verfügung. Ter Geschäftsführer der ver- einigten Kinotheater, der den„Roten Adler" als Unterpächter übernommen habe, stelle die Räume allen bürgerlichen Parteien zur Verfügung, während er sie der Partei strikte verweigere. Mit der Durchführung der Sperre werde sich demnächst eine kombinierte Sitzung zu beschäftigen haben. In die Lokalkommission wurden gewählt die Genossen Kasmirzak. Wagner. Suo und Tischer.— In die Schlicht» ngSkommisfion wurden sechs Genossen und eine Genossin delegiert.— Als Abteilungsführer wurden folgende Ge- nossen gewählt: 1. Abteilung: Strucks, 3. Abteilung: M. Jahnke> 4. Abteilung: Wremer.— Die in den 18 Bezirken gewählten Be- zirkSführer wurden ohne Debatte bestätigt.— Eine längere Debatte entspann sich über einen Genossen, der einem der Bezirksvereine angehört, die sich hauptsächlich mit Kommunalpolitik beschäftigen und die Partei scharf bekämpfen. Sämtliche Redner verurteilten das Verhalten des Genossen und stellten sich auf den Standpunkt. daß es in diesem Mll nur eine Entscheidung gebe: Entweder Wahl- verein oder Bezirksverein. Ter betreffende Genosse erklärte tinter allseitiger Zustimmung, daß er es vorziehe aus dem bürgerlichen Bezirksverein auszuscheiden.— Als Obmann des Bildungsaus- schusses sur den Kreis wurde Genosse Jabnke und als Obmann der Lokalkommisston Genosse Kasmirzak acwäblt. Zu Delegierten für die am 3. Juni in Potsdam tagende KreiS-Generalverjamm- lung wurden die Genossen Völker, Ramm. Peczilles. Ganzer und die Genossssin«tahlkc acwählt— Das Sommerfest des Wahl. Vereins wird voraussichtlich am 22. Juni stattfinden.— Der Be- richt über die Landtagswahl wurde der vorgerückten Zeit wegen vertagt. Mit der Aufsorderung. sich recht rege an der zu entsal. tenden Agitation zur Gewinnung von neuen Mi-gliederrr und „Vorwärts". Abonnenten zu beteiligen, schloß Genosse Volker die Versammlung. Bneffearten der Redaktion. TU jurtstische E»rcchSll-d- findet Lindeoftraße vs.«r» vier Trepde» >— F» l> r st u h l—, wochentiglich»on iVa bIS Tri Uhr adends, Sonnabends, do» VA bis 6 Uhr abends statt. Zeder für den Briefiasten deftimatten«ufragc ist ei» Buchstabe«nd ein« Zahl als Merkzeichen»eizufstgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnrmentsqnittnng beigefügt ist, tcrbta nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der EPrcchstnnde bor. Lichtenberg 3». 1. Kann Ihnen der Klempner lagen. 2. Mi einer Mischung von 2 Teilen Essig und 2 Teilen Oel betupsen, dann trocken nach- -reib«.». Ja. 4.«ein.— Ttargerrd. Unser Nantchmckt V natkirlichstoein ablehnend. lSOS gab eS übrigens noch leine sozialdemokratische Fraktion im prenhischen Sandtag, somit konnte dort auch keme Stellung zu dieser Frage genommen werden.— A. 28. 1. Bemühen Sie stch nach unserer Erpedition. 2. Derartige Adresse steht uns nicht zur Versügung. Z. Er- sahren Sie bei der Zentralstelle sür Auswanderer, Karlsbad 9—10.— W. K. 12. t. Diese Stellen oerdienen kcm Zutrauen. 2. bis 5. Die Zentralstelle sür Auswanderer, Karlsbad 9—10, gibt darüber zuverlässige Auslunst.— K. O. 2». 8 Kilometer, knapp 2 Stunden.— H. E. 7896. Hellmittelempsehlung lehnen wir ab. Arzt sragcn.— H. B. 166. Brannt- mit Plckoerfstertem Schwefel, Hefe und Zucker, oder auch heisies Seifen- n JS' 77* h~i' Pia: ni�t bekannt. Vielleicht zu erfahren denn Metallarbeiterverband, Limenstr. 83—83.— Raab 86. 1. Kann nur der Arzt entscheide». 2. Darüber streiten sich selbst die Fachleute. S. Nein. — R. R. 113. 1. 18. Dez. 1737. 2. Nein, wird aber viel Schwindel damit getrieben. 3. Können wir nicht entscheiden.— P. H. Stistunos- dcputation des Magistrats, Poststr. 16.— It. 1661. Fragen Sie selbst b°rt an.— A. Z. 83. Private Unternehmungen dieser Art können wir nicht cmpsehlen. 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Krauserinnen sür pruna Strauß- sedcrköpfe, aber nur sehr geübte Ar- beitcrinnen finden dauernde und sehr gut bezahlte Beschäftigung bei Gebrüder Nelson, Leipziger- straße 71/72. 391b« Plätterin verlangtBerzau, Pankow- Bcrlinersttaße 34. Tchlafstelle, Herrn oder Dame. Dickmann- Lychenerstraße 23, Hos II Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Glaser. 27, sucht irgendwelche Be- schästigung. Angebote erbitte unter N. 1 Hauptexpedition des„Bor wärts«. i055b Arbeiter, 29, Parteigenosse, sucht irgendwelche Beschästtgung. Offerte G. 1, Hauptcxpedition des„Vor wärts«._ 10836 Rechnungsführer gesucht. Für das am 1. Juli d. I. ins Leben tretende VcrsichcrungSuntcrnehmen .Volkssürjorge« ist sür Berlin die Stelle eines Rechnungsführers zu besetzen. Gesucht wird eine Kraft, die über organisatorische Fähigkeiten verfügt, Kasscnwesen und Buchführung beherrscht, zur Führung der Registratur geeignet ist und einem Bureau selbständig vorzustehen vermag. Kenntnisse der Verhältnisse Groß-Berlins möglichst erwünscht. AnfangSgehalt 3000 Marl. Eventuelle anderweit- Dienstjahre können in Anrechnung gebracht werden. Bewerbungen sind bis zum 14. Juni mit der Auffchrist»Bewerbung zum Rechnungsführer" an den Unterzeichneten zu richten. Die Anstellung soll möglichst sofort erfolge». Da nicht beabsichtigt ist, wie vieisach irrtümlich angenommen wird besoldete Einkassicrer anzustellen, wird daraus ausmerlsam gemacht, daß solche Bewerbungen bei der untcrzeichnclen Kommission oder bei einzelnen Personen unbeachtet bleiben müssen. 105/12* Tie Perwaltungskommission Berlin der„Bolksfürsorge". I. A.: Adolf Bitter, Vorsitzender. Engeluser 15. Zuverlässiger Zementarbeiter, welcher in der Herstellung von Terrazzo belögen sowie Kunst- steinarbciten, Stufen usw. be- wandert, sofort in dauernde Stellung gesucht. R-. Gorges Söhne, Bcrnbnrg a. Ss. Telephon 411. st! II Wegen M a st r c g e l u n g deS Plastvertreters find die Kollegen der Firma M'ienensrand, Reichenbcrger Ttr. 79/80 nnd Rittcrstrafte 38, in den Ttreik getreten. Der Betrieb ist g e« sperrt. 171/9» Zeii{ral?erliaiiil der Steinarteiter, Ortsverwaltung Berlin. Verband der Gastwirtsgehilfen. Für organisierte Gastwirtsgehilfen sind gesperrt: Originäl-Häclrepeler Martin Inhaber Martin, Münzstraste« Ecke Kaiser-Wilhelm Ttraste, wegen Nichtanerkennung dcr Organi« sation. kesilieni-kestzsle Inhaber HVaitersteln, Lands« berger Ttr. 31, wegen Tarisbruch. 31/16» Ortsverwaltnng Perl in. Die Färberei u»d chem. Wasch. anstalt Bari Pollnow, Frank. furtcr Allee«3- ist sür organi- ficrtc Arbeiter it Arbeiterinnen gesperrt, da die Inhaberin Frau Wolfs den Vertrauensmann unserer Organisation wegen seiner VerbandSzugchörigkcit gemaßregelt hat. 195/11 Die Verwaltung Berlin des Deutschen Texlilardcitervcrbandcs. /lciiteng! Holzarbeiter. Lohn- Wege» Streik oder diffcrenzen nud gesperrt: Bautischlerei«ehr. Baabe. Ilsedomstr. 31, und die Bauten: Wttteuau. Charlottenburger Straße, Fabrik Lowe. Hohcnzollcrndamm, Bau BoSwau und Knauer. Zehlendorf- Mitte, Beamtenhäuser und Kruppelheim. Pankow, Berliner Str. 123. G u i m � i d e, Lampen- Fabrik Potsdamer Ztr. 30. Genter, Ecke Luxeinburger Ttr. ivriedrichstr. 333(Fricdrichshaus). Qranlenburger. Ecke Ziegel« ttraste(Poslgebäude). Tuchfabrik»rbmer, Lichtenberg. Möllcndorffftr. 53- Berliner Arbeitswilligen- vcrmittclungsburcau d. gelbe» »Handwerterschuffverbandes»» Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innung und der Wagenfabri- kanten. Kaiser-Franz. Grenadier- Platz. Zuzug ist streng sernzuhalten. Die ürtsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes Der heutigen Ausgabe unseres Blattes liegen folgende Prospekte bei: Für die Ttadtauflage: Milba, Nährmittclfabrik, Berlin SW, Alte �akob- strastc 1>»0/t37. Für Vörden- Osten: Max i-awerntein, Warenhaus »erli«», Wörther Ttr. 39. Verantwortlicher Redakteur: Alfretz zZielepp- Reukölln. Für den Lnseratenieil verantw.: Tb-Glocke, Berlin. Druck u. Gerlag: Vorwärt» Suchdruckerei u. Verlagsanstalt Haul Singer'nTsö�Kcrliit SVL