Ar. 13«. nbonneottntS'Bcdlngungen: slioimcments- Preis pränumerando! Sicrteljährl. 8�0 MI., Monat!. 1,10 MI-, wöchcnllnb 28 P>g. frei in? HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter SonntagZ. Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Wonnement: 1.10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ. Preislifte. Unter Kreuzband für -»«•V.W«- www ugv/u..tvJ| U k. Teutschland und Oesterreich. Ungarn ZJBO Marl, für baS übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Poflibonnemems nehmen am Belgien. Dönemarl, sollend. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 3«. Jahrg. V Ofchctnt ttgNch. Verlinev VolksblÄkt. ZentmXovqan der fozi aldcmokrati fchen Partei Deutfchlands. Die Insertion!-Lebilh? deträgt für die scchSgespaltenc Kolonel- eile oder deren Raum 60 Pfg., für wlitischc und gewcrlschastlichc Vereins- und VersnmmIungS-Anzeigen 00 P-g. „Meine tsnieigen", da- scttgcdrulkte Wort 20 Pfg. szuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort tll Pig. Stellengesuche und Echlasstellenan- zeigen daK erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort ö Pfg. Worte über lö Buch. i laben zählen für zwei Borte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpediiion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdcmohrat R'.rllo". Rcdahtion: SRI. 68, Ltndcnstrassc 69. Fcrusprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Dienstag, den 3. Juni 1913. Sxpedition: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Mcit für den IPapicrftorb. Die Beratung des Militärctats bietet alljährlich die Gc- lcgcnheit, ungezählte Wünsche und Beschiverdcn vorzutragen, deren Berechtigung ernstlich nicht bestritten werden kann. In das Etatsgcsetz selbst lassen sich die gewünschten Aenderungen in der Regel nicht hineinarbeiten und so behilft sich der Reichstag mit Resolutionen. Diese Resolutionen stellen den Ausdruck des Willens der Mehrheit des Reichstages dar, sie sollen Richtlinien sein für das Verhalten der Regierung. In parlamentarisch regierten Ländern sind sie das auch, in Deutschland dagegen sind sie Futter für den Papierkorb der Regierung. Gelegentlich einmal gibt die Regierung eine Zu- sammenstellung der Entschließungen des Bundesrats zu den Beschlüssen des Reichstages heraus, bei deren Lektüre man belehrt wird, daß und weshalb den Reichstagsbeschlüssen nicht Rechnung getragen wurde. Meist wird dann bei der nächsten sich darbietenden Gelegen- hcit die Resolution wieder eingebracht und das geht oft Jahre bindurch so fort, bis entweder der Reichstag müde wird, die Forderung erneut zu stellen, oder bis die Regierung sich herab- läßt, der Resolution endlich Folge zu geben. So kommt es, daß Resolutionen existieren, die bereits ein recht ehrwürdiges Alter erreicht haben. Der Weg der Resolution bietet aber doch auch für die bürgerlichen Parteien manche Annehmlich- keit. Wünsche, denen man aus partcitaktifchen Gründen Rechnung tragen muß, deren Erfüllung aber durchaus nicht ersehnt wird, werden in die Form von Resolutionen gekleidet, in der sicheren Erwartung, daß der Bundesrat seine Zustimmung versagt. Auf diesem Gebiete sind neben dem Zentrum besonders die Fortschrittler un- gemein Produktiv und es macht sich besonders im Wahlkampf sehr schön, wenn man in„allen Lebenslagen" Resolutionen zitieren kann, für deren Nichterfüllung dann die Regierung, der sofort Urfehde angesagt wird, als schuldiger Teil bczeich nct tvird. Anläßlich der nunmehr fast abgeschlossenen Beratung der Wchrvorlage in der Budgetkvmmission sind nicht weniger als 23 Resolutionen angenommen worden, denen auch das Plenum die Zustünmung nicht versagen wird. Daß viel da bei herauskommt, glauben die bürgerlichen„Resolutio n ä r c" natürlich selbst nicht, wünschen es vcrmntlich auch garnicht. Jedenfalls besteht für die Regierung nicht der leiseste Zwang, auch nur einer dieser Resolutionen Rechnung zu tragen. Sehen wir uns nun einige dieser Resolutionen an: Der Reichskanzler soll Maßnahmen treffen, den Train zu heben. Tatsächlich gilt der Train, bei all seiner großen Bedeutung für den Ernstfall, in militärischen U reisen nicht als vollwertige Truppe. Die Offiziere, die zum Train versetzt werden, gelten nicht gerade als besondere Strategen. Ter Adel, der sich zu den cinzclncn feudalen Reiter- Regimentern drängt, bleibt dem Train fern. Im ganzen Gardekorps ist das Garde- Train-Bataillon der einzige Truppenteil mit einem rein bürgerlichen Offizierkorps. Wirkliche Arbeit zu leisten, die obendrein auch noch bestimmte Anforderungen an den Vcr- stand stellt, hat den Adel nie gelockt und wird ihn auch künftig nicht locken. Dieser Resolution ist ein wenig rühmliches Ende sicher. Anders steht es mit der Resolution, die den Reichs- kanzler auffordert, für eine Hebung der Wehrfähig- keit der Jugend durch eine bessere körper- lichc Ausbildung zu sorgen. Ilm aber zu verhüten, daß etwa auch Arbeitcr-Turnvereine die lieber- lassung militärischer Einrichtungen fordern könnten, ist aus- drücklich der Zusatz gemacht, daß darunter nur solche Vcr- bände zu verstehen sind, die das Bestreben haben, durch systematische körperliche Ucbung die schulentlassene Jugend für den Heeresdienst vorzubereiten. Aus dieser Resolution werden die staatlichen Bc- Hörden, allen voran die Militärverwaltung, das Recht herleiten, noch mehr als bisher den Jungdcutschlandbund und ähnliche Parasitäre Gebilde zu unterstützen. Andere Resolutionen verlangen die Beseitigung rein adeliger Offizier kor p s, den öfteren Austausch der Ossi- ziere der Grenzrcg im entcr, die Verringerung der Burschen, letzteres aber nur insoweit, als eine An- zahl Offiziere zwei Burschen haben, einen als sogenannte Ordonnanz. Daß die rein adeligen Offizicrkorps bestimmter Regimenter mit bürgerlichen Elementen durchsetzt werden, ist nicht anzunehmen, dagegen spricht nach Ansicht des Kriegs- Ministers die„Traditio»:". Tradition und D i s z i- p l i n, das sind die zwei Zauberformeln, mit denen Herr v. Heeringen jeden Einbruch in sein Gebiet zu bannen sucht. An sich betrachtet, könnte es für die Fortbildung der Offiziere, die ihre ganze Dienstzeit in feudalen Garnisonen derbringen, nur von Vorteil sein, wenn sie auch den Dienst in kleinen Grenzgarnisonen Praktisch kennen lernen würden. Wie viele Offiziere eines in der Residenz stehenden, vielfach zu Spalierbildungen verwendeten hochfcudalcn Reiterregiments würden wohl bereit sein, eine Versetzung etwa «ach S t a l l u P ö n e n mitzu, nachen? Wenn die höfische Sonne sie nicht mehr aus allernächster Nähe bcscheinen kann. dann sinkt rasch die Freude am Militärdienst. Ter Kriegs- winister wird dieser Resolution natürlich keine Folge geben; « wird sich darauf stützen, daß es— T r a d i t i 0 n ist. daß diese feudalen Regimenter in der Residenz ihren Standort haben, und mit der Tradition darf unter keinen Umständen gebrochen iverden I Tradition. ist es natürlich auch, daß jeder Offizier einen Burschen hat. 12 600 Mann werden auf diese Weise dem Dienst mit der Waffe teilweise, 11 000 Mann werden ihm f a st völlig entzogen. In der Verfassung steht kein Wort davon, daß der Offizier ein Anrecht auf Zuweisung eines Burschen hat, im Militäretat steht gleichfalls nichts davon, aber es existiert eine vor 100 Jahren er- lassene Kabinettsorder, die das bestimmt! Vor hundert Jahren hatte Preußen eine Armee, die sich mit der heutigen Armee überhaupt nicht vergleichen läßt. Wer kann wissen, aus welcher momentanen Laune heraus und unter welchen Umständen diese Kabinettsorder damals er- lassen wurde! Und daraus leitet die Militärverwaltung das Recht her, 23 600 Soldaten einer gründlichen Ausbildung zu entziehen. Mindestens wird damit bewiesen, daß die heutige Dienstzeit sehr wohl verkürzt werden kann. Ob der st r c n g e Arrest, die geradezu un- menschliche Strafart beseitigt wird, steht dahin, jedenfalls hat die Militärverwaltung ein besonderes Entgegenkommen nicht in Aussicht gestellt. Der nationallibcrale Abgeordnete S e m l c r sang sogar ein Loblied auf den strengen Arrest, da andere Strafarten auf die Soldaten doch nicht abschreckend genug wirken. Herr Semler war als Kolonial interessent zahrclang Kolonial r e f e r e n t und er hat offenbar gemeint, seine barbarischen Ansichten über die Neger auf die deutschen Soldaten übertragen zu müssen. Zu scharfen Zusammenstößen zwischen den Sozialdemo- kraten und der Heeresverwaltung hat bekanntlich die Frage des Militärboykotts geführt. Zwar wünscht eine Resolution „den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür zu sorgen, daß seitens der Militärverwaltung Soldaten der Besuch einer Räumlichkeit nicht verboten werden darf, weil der Inhaber eine bestimmte politische Ueberzeugung hat oder Angehörigen einer politischen Partei seine Räume, zur Verfügung stellt, et sei denn in der Zeit, in der politische Ver- sammlungen in dem Anwesen abgehalten werden." Aber es besteht kein Anlaß zu der Annahme, daß etwa nun im Handumdrehen eine andere Praxis angewendet wird. Man darf nämlich nicht vergessen, daß die Willfährig- keit der Militärverwaltung, den Boykott zu ver- hängen, die b c st c W a f f e in der Hand kleinlicher, schikanöser Verwaltungsorgane ist, die es als eine ganz besonders vornehme Aufgabe betrachten, oppositionellen Parteien die Versammlungslokale abzutreiben. Die Militärbehörde stützt sich bei der Vcrhängung des Boykotts stets auf die An- gaben der Verwaltungsbehörden, die natürlich wiederum be- strebt sind, ihr oft mehr als bescheidenes Teil zur Bekämpfung der Sozialdemokratie beizutragen. Gleichwohl steht die Tat- fache fest, daß das heutige System des Militärboykotts für die Zukunft einfach nicht zu halten ist. Eine besonders kitzliche Frage schneidet eine andere Re- solution an, die Ersparnisse verlangt a) durch Einführung einer kciegsgemätzen, einfachen und ein- heitlichen Uniform für Krieg und Frieden; b) durch den Ersatz von aktiven Offizieren für alle Stellen, für welche die Felddien st tauglichkeit nicht mehr die un- bedingte Voraussetzung ist, durch inaktive Offiziere; 0) dadurch, daß Offiziere, die für ihre Stellen noch vollkommen geeignet sind, nicht nur deshalb pensioniert werden, weil i h r N a ch m ann sie übersprungen hat. Tie Verwendung angeblich oder wirklich nicht nichr fcld- dicnstfähiger Offiziere ist zu einer sehr brennenden Frage gc- worden, seitdem die große Säge geradezu elektrisch betrieben arbeitet. Die Heeresverwaltung ist bestrebt, möglichst viele Stellen für aktive Offiziere zu schaffen, so daß die Möglichkeit für die inaktiven Offiziere immer mehr schwindet, von der Heeresverwaltung beschäftigt zu werden. Bei den Bc- kleidungsämtern z. B. könnte man ganz gut inaktive Offiziere verwenden, allein diese Stellen braucht man wieder für aktive Offiziere, damit sie sich die Anwartschaft auf eine höhere Pension erwerben können. Eine Acnderung im System der Pensionierungen widerstreitet aber nach Ansicht der Heeres- Verwaltung der vielgerühmtcn Tradition und der Disziplin. Reform des militärischen Besch iverdercchts, Bekänipfung der Soldaten in ißhandlungen, Revision des ehrengerichtlichen Verfahrens lauter Dinge, die von den Sozialdemokraten seit Jahren gefordert werden. Daß diesen Forderungen jetzt ein anderer Erfolg bcschieden sein»mrd, nachdem sie von bürgerlicher Seite erhoben worden sind, ist nach den seither gemachten Er- fahrungen kaum zu erwarten. Das trifft auch zu für die ge- forderte Reform des Einjährig-Freiwilligen- dien st es, für Bekämpfung des Luxus in dzr Armee und für ein Paar Dutzend anderer Wünsche, die Ist- äußert worden sind. Zentrum und Liberale haben verkündet, die Heeresvorlage sei eine dringende Notwendigkeit, ihre Bewilligung müsse aber an die Bedingung geknüpft iverden. daß die Heeresverwaltung dem Reichstag Zugeständnisse auf den verschie- densten Gebieten machen müsse. Das hat die Heeres- Verwaltung nun aber nicht getan, die Annahme der Reso- lutionen konnte sie freilich nicht verhindern. Was aber sind Resolutionen, die die Heeresverwaltung zu nichts verpflichten? Mit diesen Resolutionen gleich Skalps am Gürtel werden die liberalen und die ultramontanen Redner hinausziehen, zu verkünden, was sie erreicht haben, und die Heeresverwaltung läßt es geschehen und— lacht sich den Buckel voll. Die Beratungen haben klärlich gezeigt, daß die vorhandenen Mißstände im S y st e m wurzeln und daß sie nur gleichzeitig mit dem bc- stehenden System beseitigt werden können. Das erreicht man aber nicht damit, daß man Material liefert für den Papier- korb des Bundesrates, sondern nur dadurch, daß man die Forderungen der Heeresverwaltung ablehnt und daß man nicht rastet, bis mit diesem System ein für allemal gebrochen wird. ver ertrag de! einmaligen Kehr- beitrage;. Eine Subkommission der Budgctkommission des Reichstags hat bekanntlich in vertraulichen Verhandlungen nüt der Rc- gierung eine Grundlage für die Erhebung des Wehrbeitrags geschaffen, nach der die unterste Verniögensgrcnze für die Er- Hebung wesentlich heraufgesetzt und das Einkommen in kapitalisierter Form mit zu dem Beitrag herangezogen wird. Das Reichsschatzamt war ersucht worden, eine Berechnung des Ertrages nach diesen Grundlagen anzustellen. Diese Bc- rechnung liegt jetzt vor. Nach den Beschlüssen der Sub- kommission legte das Reichsschatzamt seinen Berechnungen die folgenden Beitragssätze zugrunde: von den ersten 50 000 M. 0,1 Proz. ,„ weiteren 50000„ 0,35, „„„ 100 000„ 0,45„ „„, 300 000„ 0,55„ ,,„ 500000, 0,65„ „,„ 500 000„ 0,75, „,_ 1000 000, 1,0„ „„„ 8 000 000„ 1,1„ ,., 5000000„ 1,2„ „„, 6 000 000„ 1,3„ ,,, Beträgen• 1,5, Die Erträgniffe sind, hiernach berechnet, folgende: Diese Aufstellung gilt nur für Preußen, da dem Reichs- schatzamt nur die preußische Einkommens- und Ergänzungs- steucrstatistik für die Ertragsbcrcchnung vorlag. Preußen hätte also zusammen 396 Millionen Mark aufzubringen, und da man bis zum 31. Dezember noch eine Verniögenszunahme von 13>/z Proz. mit einem Ertrag von 63 Millionen Mark erwartet, so würden rund 450 Millionen Mark Vermögens- abgäbe auf Preußen entfallen. Das Reichsschatzamt berechnet die Einnahme im Reiche nach dem Verhältnis von 8: 5 gegenüber Preußen, so daß nach dem vorstehenden Ergebnis rund 720 Millionen Mark für das ganze Reich zu erwarten wären. Hierzu kommt nun der Wehrbcitrag vom Einkommen, der in Preußen� nach den Steuersätzen der Subkommission be- rechnet, auf 73,8 Millionen M. veranschlagt wird. Umgerechnet auf das Reich, wieder nach dem Verhältnis von 8: 5, ergibt die Einkommenbcsteuerung 120 Millionen Mark, so daß der vom Reichsschatzamt berechnete Betrag sich auf 840 Millionen Mark beläuft. � Die offiziöse Mitteilung über diese Steuer- bcrechnung erklärt dies Ergebnis für nicht befriedigend. Vor- aussetzung sei gewesen, daß niindestcns 1000 Millionen Mark erzielt werden. Die Budgetkommisston werde also zu einer Erhöhung der Sätze des Wchrbeitrages von: V e r m ö gen kommen müssen, umsomehr, als sich eine lebhafte Bewegung gegen den Vorschlag der Einkommenkapitalisierung geltend mache. politische(lebeffickt. Ablenkung. ... In einem Land, das ein Reichstagswahlrecht»vie da? unsere hat,»oird sich immer nur eine geduldige oder heimtückische Minderheit für die chinesische Schachtel des preußischen Wahlrecht? interessieren lassen. Ihr könnt euch aus den Kopf stellen und mit den Füßen zum Volke reden: Nie wird dieser Wahlmodus eine Mehrheit hervorbringen— die Mehrheit, von der schwärmerische „Evolutionäre" erwarten, daß sie eine Reform des Wahlrechts„er- zwinge". Eine Mehrheit des Abgeordnetenhauses, das die Ein- führung de? Reichstagswahlrechts„erzwän»:", ist gar nicht denkbar. Selbst wenn sie bor den Wahlen, in Form bon Wahlversprechen, be- standen hätte, so wäre sie bereits vor Zusammentritt des hohen Hauses nicht mehr vorhanden. Nur wer das Abgeordnetenhaus kennt, weiß, was die reform- freudigeren der Volksmänner, bis in die Reihen der Fortschrittler hinein, an diesbezüglichen Hintergedanken leiden I Immerhin haben sie die Beruhigung, daß das bestehende Wahl- recht sie jeder Gefahr enthebt, eine.einschneidende' Wahlreform zu .erzwingen'. Mit dem berühmten Stimmzettel— den eS überdies bei den preußischen Wahlen gar nicht gibt— ist da nichts zu machen. Der Kampf um ein anderes Wahlrecht zum Abgeordnetenhaus kann und wird nicht in den drei.Abteilungen' ausgefochten werden. Dieses Wahlrecht wird nicht reformiert. Entweder es bricht, unter dem nötigen Druck, zusammen, oder es bleibt im wesentlichen wie es ist. Wahlen wie die, die jetzt stattgefunden haben, scheinen mir eine müßige Ablenkung. Franz Xaver Schmitt im„März'. Militärischer Kulturmord. Ein englischer Philanthrop, Sir Max Wächter, hat in einer Broschüre„England, Deutschland und der Friede Europas" eine Zusammenstellung der alljährlichen Militärausgaben Europas gegeben und sehr zeitgemäße Glossen an diese Rech- nung geknüpft. Wächter bezeichnet die jährliche Wchrlast Europas auf 7320 Millionen, sicherlich um etliche Milliarden zu wenig, wie seine Veranschlagung der deutschen Rüstungs- ausgaben beweist, die er mit nur l-lOO statt 2000 Millionen ansetzt. Freilich wären auch schon 7320 Millionen jährlich eine ungeheuerliche Summe. Denn Sir Wächter bcantlvortet die von ihm aufgeworfene Frage:„Was bedeutet diese Summe?" folgenderinaßen: .Der Panama! anal wird, wenn b o I l e n d e t, ungefähr 1600 Millionen Mark kosten. Europa gibt also für seine Kriegs- rüstungen jährlich mehr als viermal so Vielaus, wie die Kosten des gewaltig st en und teuer st en In- genieurunternehmenS der Welt betragen. Wenn wir den Wert bon Handelsschiffen im Durchschnitt zu 300 M. pro Tonne brutto ansetzen, so beträgt der Wert der ganzen eng- lischen Handelsflotte von 10 000 Schiffen und von lg Millionen Tonnen brutto 5700 Millionen Mark, während der Wert aller Handelsflotten der ganzen Welt, die 40 Millionen Bruttotonnen umfassen, 12 000 Millionen Mark beträgt. Die europäischen Staaten geben, wie wir gesehen haben, für ihre Land- und Seerüstung 7320 Millionen Mark pro Jahr oder über sechshundert Millionen Mark pro Monat aus. Mithin geben sie alle 10 Monate eine Summe aus, die dem Werte der ganzen Handelsmarine Englands gleich- kommt, und alle 20 Monare einen Betrag, der ebenso groß ist wie der Wert aller Handelsschiffe der ganzen Welt. Europa verwendet jedes Jahr bedeutend mehr für Rüstungszwecke als für Erziehung, Hygiene und alle anderen sozialen Zwecke zusammen. Außerdem wachsen die militärischen Ausgaben der Völker von Jahr zu Jahr mit fortwährend gesteigerter Schnelligkeit. Dabei sind die Geldverl u st e nicht die einzigen, die zu beklagen sind. Die gegenwärtige Organisation Europas .. führt nämlich nicht bloß zu einer enormen Geldverschwen- dung, sondern auch zu einer ebenfo enormen Ver- schwendung von menschlicher Energie und von «l e n s ch l i ch e r Arbeit. Mehr als 4 Mllionen der kräfngsten jungen Leute stehen in den Heeren und in den Marinen Europas unter Waffen, und mehr als eine Million Zivilisten sind fortwährend mit der Produktion von Kriegsschiffen, Waffen, Puloer und anderem Kriegsmaterial beschäftigt. In anderen Worten:mehr alSSMillionen der tüchtig st en Arbeiter, die in Landwirtschaft und Industrie zum Wohle der Volksmassen tätig sein könnten, werden der Produktion entzogen. Durch diese Entziehung von S Millionen der besten Arbeiter und von 1 Million Armecpferden werden die Völker Europas jährlich um eine Summe geschädigt, die mehrere tausend Millionen Mark beträgt.' Für uns Sozialisten ist das ja nichts Neues. Das Bürger- tum in seiner ungeheueren Mehrheit aber, an das die Bc- trachtungcn Sir Max Wächters gerichtet sind, ist taub gegen alle Argumente der Vernunft. Hat es doch sogar das Mosse-Blatt fertig gebracht, einem berühmten deutschen Gelehrten, dem Professor Wilhelm Ostwald, aus einem Artikel über die kultur- Sie Schule der Diplomaten. London, 30. Mai.(Eig. Ber.) Heute, da durch die geschickte oder ungeschickte Führung der Diplomatie, wie die Erfahrung gelehrt hat, die LebenSinteresien der Volksmasien aufs empfindlichste berührt werden und die Völker da- her der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten immer mehr Be- achwng schenken, ist ein Buch, das die Probleme, die die auswärtige Politik der modernen Welt beschästigen, in anregender Weise und ohne die übliche diplomatische Geheimniskrämerei behandelt, nur zu begrüßen. Ein solches Buch ist das unlängst von Sir Harry I o h n st o n herausgegebene Werk:„Common seuse in foreign polioy" 0,Ter gesunds Menschenverstand in der auswärtigen Politik'). Sir Harry Johnston ist der ver- dicnstvolle Aftikasorscher, der Gründer des britischen zentral- aftikanischen Protektorats, dem das englische Reich viel verdankt. Er betrachtet zwar das Streben der kapitalistischen Staaten, sich neue Länder zu erschließen, hauptsächlich von dem Standpunkt der imperialistischen Ideologie, die diesen Drang herleitet aus der Pflicht der zivilisierten Länder, auf dem ganzen Erdball die Natur zu bändigen und kommt so zu dem Schluß, daß eS im Interesse der Menschheit liege, wenn sich die rivalisierenden Staaten über die Verteilung der noch unentwickelten Länder einigten. Doch auch für den, der den Standpunkt des VerfafferS nicht teilt und die zivilisatorischen Vorwände der kapita- listischcn AuSdehnungSpolitik durchschaut, bietet das Buch manches Interessante. So ist das, was Slr Harry über die Rolle, die heute die Ansichten und Stimmungen des Volkes in der auswärtigen Politik der großen Staaten spielen, sagt, durchaus lesenswert. Wie in allen seinen Schriften erweist sich auch hier der Verfasser als einer jener klugen und umsichtigen Menschen, die der englische Staat ausschickt, um seine Macht in anderen Weltteilen aufzurichten oder zu befestigen, und die nicht wenig dazu beigetragen haben, die englische Kolonialpolitik so erfolgreich zu gestalten. Man kann es wohl ver- stehen, wenn eine Kolonialpolitik, die sich wellerfahrener Männer bedient, die wieSir Harry Johnston den modernen Strömungen wie dem Sozialismus und der Frauenemanzipation verständnisvoll gegenüber- stehen, weit mehr Erfolge zu buchen hat als eine von ledernen Bureaukratcn und stumpfsinnigen Gewaltmenschen ausgeführte Politik. Von besonderem Reiz sind die freimütigen Ausführungen, die Sir Harry über die geistige Ausrüstung des Durchschnittsdiplomaten macht. Er macht sich weidlich lnsttg über den Lehrplan, dem die Aspiranten für den diplomatischen oder konsularischen Dienst folgen müssen, der von der mittelalterlichen„feudalen' Universität Oxford übernommen worden ist und der den künftigen Diplomaten gerade das Wissen vorenthält, welches sie am notwendigsten mörderischen Folgen des Rüsiungswahnsinns im allgemeinen und der neuesten deutschen Wehrvorlage im besonderen die drastischsten Stellen zu streichen! Das Schicksal der modernen Kultur ist nun einmal un- löslich mit der modernen Arbeiterklasse und ihren sozialistischen Idealen verknüpft!_ Ganz wie bei uns. Eine der furchtbarsten Menschheitssorgen ist die Krebs- krankheit. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich die medizinische Forschung bemüht, das Wesen dieser mörderischen Krankheit zu erforschen und Mittel zu ihrer Heilung zu finden. Sicherlich wäre die Medizin schon viel weiter, wenn ihr nur ein Hundertstel, ja nur ein Tausendstel jener Riesensummcn für Forschungszweckc zur Verfügung stände, die alljährlich der Inbegriff aller Kulturfeindlichkeit, der Hort aller Menschheits- kncchtung, der Militarismus, verschlingt. In der neueren Zeit haben verschiedene renommierte Mediziner über vielversprechende Heilerfolge berichten können, die durch Radiumbestrahlung gerade auch bei Krebs erzielt worden sein sollen. Lasse sich auch bei der Kostspieligkeit solcher Behandlung kein abschließendes Urteil über die neue Fornl der Krebsbekämpfung fällen, so ermutige doch der er- zielte Erfolg mindestens die Fortführung der Versuche im großen Stile. Deshalb hat denn auch die medizinische Fakultät der Stadt Wien die heroischsten Anstrengungen gemacht, unr von der österreichischen Regierung 200000 Kronen fiir Beschaffung eines Gramms Radium zu erlangen. Die tveitläufigsten Kon- ferenzen und diplomatischen Verhandlungen sind zwischen der Fakultät und den Regierungsvcrtretcrn wegen des Gramms Radmm, das heißt der 200000 Kronen, gepflogen worden— vergebens! Für einen wichtigsten Kulturzweck, für Be- kämpfung einer furchtbaren Krankheit, die alljährlich Tausende von Menschen qualvoll vernichtet, hat Deutschlands Ver- bündeter keine 200 000 Kronen(— 170000 M.) übrig. Umso weniger, als die österreichische Mobilmachung während des Balkankonflikts ja Hunderte und Aberhundcrtc von Millionen gekostet hat I Ganz wie bei uns! Denn auch bei uns sind die Staats- ausgaben für hygienische Zwecke lächerlich geringfügige. Auch bei uns sind ausreichende Mittel für die Krebsforschung nicht vorhanden. Dafür wird auch die Mchrforderung unseres Militarismus— für nur drei Jahre 1400 Millionen mehr!— umso sicherer bewilligt werden! Das Jahrhundertfestspiel ohne Preuftenfahnen und Eisernes Kreuz. Allen Hurrapatrioten, denen eine Jahrhimdertfeier verfehlt erscheint, wenn sie sich über das Niveau einer byzanti- nischen Komödie erhebt, ist bitterer Schmerz widerfahren: Das Jahrhundertfestspiel Gerhart Häuptmanns erlvcist sich als ungenügend„patriotisch"! Der„Deutschen Tageszeitung" schreibt ein bekümmerter Patriot: „Die heutige Sonnabendvorstellung zuni Gedenken der Be- freiung Preußens vor hundert Jahren war bei aller glänzenden Aufführung nur eine Verherrlichung der französischen Revolution, eine Verherrlichung Napoleons und eine Ber- böhnung Preußens und seiner Helden. Das Eiserne Kreuz und die Preuße nfahne glänzten durch Ab» Wesenheit, dafür herrschte da« schwarz-rot-goldene Banner. Bezeichnend für den Geist des ganzen Stückes war der Jubel eines gewissen Teils der Breslauer Bevölkerung. Unser Breslauer Mitarbeiter bestätigt uns, daß im konser- vativ-klerikalen Lager durchgängig die Stimmung herrscht, die in dem Agraricrblatt zum Ausdruck kommt. Er schreibt uns: Das mit Spannung erwartete Jahrhundertfestspiel Haupt- mauus in der Breslauer Halle der Zehntausend brachte den „Patrioten" eine unangenehme Uebcrraschung. Die konservativ- klerikale Presse konstatiert grollend, daß Hauptmann seine Dichtung nicht in eine Verherrlichung, sondern in eine Ver- dammung des Krieges und eine Apotheose des Friedens ausklingcn läßt. Schon in der Erstaufführung am Sonnabendabend wurde der Protest der blauschwarzen Patrioten laut, die es Hauptniann nicht verzeihen konnten. daß er seine höchste Kraft in die Schilderung einer Rcvolutionsszcnc von 1793 legte und die Gestalt Napoleons historisch würdigt, während er den König Friedrich Wilhelm von Preußen, den Zaren und den österreichischen Kaiser in der Versenkung verschwinden läßt. Das klerikale brauchen. So schreibt er:.Es mag interessant sein, hier anzu- geben, welches die bevorzugten Lehrfächer der Kandidaten im Jahre 1911 waren: Englischer Aufsatz, Griechisch und Latein. Spanisch, englische Geschichte, moderne Geschichte, politische Wissenschaft, Nationalökonomie und natürlich das obligatorische Französische und Deutsche. Niemand nahm Zoologie, Botanik oder Mathematik. Die Geologie wurde von einem Kandidaten gewähl», der durchfiel, während da« melancholische Gebräu, das die Namen Logik und Psychologie und moralische und metaphysische Philosophie führt, nur von einem Kandidaten studiert wurde, der in diesen Fächern die Prüsung bestand. Es war ein Uebersetzeraspirant, der möglicherweise mit der gleich fruchtlosen Form ge- ehrter Albernheit, die er in China antreffen würde, Vergleiche anstellen wollte. Nur zwei unter den vielen Aspiranten sahen sich auch nur die Fragen über Logik, Psychologie, Metaphysik und Philosophie an, die zweifelsohne auf Kosten der Staatskasse von Professoren der(Swiftschen) Universität Loputa präpariert worden waren. Falls man diese Bemerkungen als unehrcrbietig betrachten sollte, möchte ich meine Leser auf die Probefragen verweise», die in dem Heft über daö Examen deS Monats August 1911 gegeben werden. Unter diesen Fragen befanden sich: WaS waren die Beziehungen zwischen dem JntuitioniSnius und dem UtilitorianiSmuS in der britischen Moraltheorie vor Mill? Ferner: Welche Gründe haben wir, anzunehmen, daß andere Personen existieren?(Man sollte glauben, der Examinator hätte sich vergewissern können, indem er jemanden ersuchte, ihn zu kneifen.) Dann: Aller Idealismus mutz subjektiver Idealismus sein. Man kritisiere dies. Oder: Kann die Ansicht, daß daö Diktum äs omni ot do millo das fundamentale Prinzip der syllogistischcn Folgerung ist, austecht erhalten werdcp? Dieses veraltete Wühlen im Wortunrat, daS ker vernichtenden Karikatur eines Burnand oder Mark TwainS würdig ist. mag nütz- lich gewesen sein zum Spintisieren bei den zeilverschwenderischen Griechen in wannem Wetter in der Borhalle oder in den Hainen von Akadcine oder zur Verzögerung der Mahlzeit eines intelligenten Ungeheuers in vorgeschichtlicher Zeit. Aber welchen Nutzen könnte eine Bekanntschaft mit all diesen Wortkunststückchen der Metaphysik, Logik und Psychologie für einen britischen Gesandtschaftssekrelar am Hofe Wilhelms II. haben? oder für einen Uebersetzeraspiranten� in Smyrna? oder für einen Gesandten in Argentinien, der die Tat- fachen betreffend Maul- und Klauenseuche von A bis Z und die Preise der britischen Kurzhornbullen wissen muß und verstehen muß, wie er eine englische Gouvernante auS dem HauShalt eines ver- rufenen Jndustrleritters schafft?' Sir Harry Johnston verlangt eine gründliche Umgestaltung des Erziehungsplans für Diplomaten. Er will ihre Erziehung in Ein- klang bringen mit den Anforderungen der Neuzeit. Er ver- Breslauer Blatt erhebt feierlichen Einspruch gegen das Stück Hauptmanns: „Wir wollten keine Verherrlichung der Re« volution in der Jahrhunderthalle, keine Ver» herrlichuitg eines faulen Frieden?, wenn eS sich um die höchsten Güter der Nation handelt." Daß gerade ein klerikales Blatt diesen Abscheu vor dem Frieden hat, ist übrigens für die neuere Zentrumsrichtung bezeichnend. Der Vers, an dem die gutgesinnte Welt am meisten Anstoß nimmt, lautet: „Allein ich sehe dämmern fern des Friedens Tag, So sehr die giftige Pestilenz auch beute noch Und finsterer Wahnsinn toben in Europas Blut.' Der Schluß, an den Kriegsheldcn Blücher gerichtet, sagt: „Du wackrer Graukopf lieg an Deinem Ort, Was leben bleiben soll, das sei Dein Wort. Ich schenk eZ Deutschland, brenn' es in sein Herz— Nicht Deine Kriegslust, aber Dein Vorwärts!' Dieses„Vorwärts" fiel den festfeierndcn Rückwärtscrn besonders hart auf die Nerven, sie zischten denn auch wacker am Schlüsse des Festspiels._ Man schlägt sich«nd verträgt sich. Der von uns in Nr. 133 mitgeteilte Vorgang aus dem Wahl- kreise Stolp-Lauenburg hat noch ein Nachspiel gehabt: eS ist jetzt ans Tageslicht gekommen, daß auch die Konservativen genug Dreck am Stecken haben. Der Vorsitzende des liberalen Wahl- Vereins erklärt in den liberalen„Stolper Neuesten Nachrichten' folgendes: Von zehn Konservativen, darunter auch der Landrat, Landtagsabgeordneter Brüning, war gegen Schwuchow Strafantrag gestellt worden. Da Schwuchow nun während der Wahlbeweguiig von einem Vorstandsmitglied des konservativen Vereins ein anonymes Schreiben beleidigenden Inhalts erhalten hatte, revanchierte er sich und stellte gegen das Vorstandsmitglied Strafantrag. Nun war Holland in Not und es kam zwischen den Konservativen und den Liberalen zu einem Ver- gleich. Die Strafanträge sollten von beiden Seiten zurückgenommen und über die Angelegenheit beiderseits Stillschweigen beobachtet werden, auch sollte die beiderseitige Presse von den Vorgängen nichts berichten. Unter diesen Bedingungen nahmen neun von den kon- servativen Antragstellern den Strafantrag zurück. Der zehnte aber, Landtagsabgeordneter v. Brüning, verlangte von Schwuchow ein im einzelnen formuliertes Schriftstück, durch das Schwuchow erklären mußte, daß seine Behauptungen jeder Grundlage entbehnen und er nicht in der Lage sei, Vorgänge anzuführen, die seine Behauptungen bewiesen. Schwuchow gab diese Erklärung ab, nach der liberalen Darstellung, um die betreffenden Zeugen der Vorgänge vor Unan- nehmlichkeilen zu bewahren, die ja in Hinterpommcrn nicht auS« geblieben wären, auch wenn die Vorgänge passiert waren. Peter Schwuchow erhielt dafür von dem Vorstandsmitglied de? konservativen Vereins eine schriftliche Erklärung, in der sich dieser als Verfasser des anonymen Briefes bekannte und wegen der Beleidigung um Entschuldigung bat. Die beiderseitigen Strafanträge wurden darauf zurückgenommen, ebenso ein dritter Strafantrag gegen einen liberalen Redaitenr. Auch wurde auf das bestimmteste ver- einbart, daß. abgesehen von der festgelegten Veröffentlichung durch den Landrat im Kreisblatt, keine der hiesigen Zeitungen einen Bericht über die Vorgänge in die Oeffentlichkeit bringen sollte. Trotzdem brach man auf konservativer Seite das gegebene Wort. Auf die weitere Entwickelung der sauberen Angelegenheit dürfte man gespannt sein._ Oertelsche Erziehungsresultate. Zu der Arbeitslosendemonstration in B r e 8 l a u, die von der Polizei in der üblichen Weise verhindert werden sollte, hatte die„Deutsche Tagesztg." bemerkt: „Wenn die Arbeitslosen m den Städten, die nicht auf dem Lande arbeiten wollen, sich zu einer förmlichen Gefahr für den friedlichen Bürger ausbilden, so Ivird es die höchste Zeit, daß schärfere Maßnahmen gegen sie ergriffen werden.' Diese freundliche Stellungnahme hat einen Agrarier in Schrcibendorf, Kreis Strehlen, veranlaßt, folgende gefühlvolle Karte an den Vorsitzenden des Breslaucr Gcwerkschaftskartells zu senden: „Bitte, schicken Sie Ihre sogenannten Arbeitslosen, auf deutsch: Faulenzer, Bummler, die neulich demonstriert, aufs Land. Wir müssen uns für teures Geld Ruthenen, Russen, Polen. Schweizer usw. kommen lasten, weil Sie und Ihr Anhang Land« arbeit nicht mehr leisten mögen, lieber in die Stadt gehen, Ge- legenheitsarbeit oder gar keine suchen, Ihre Damen auf der Garten st raßc, und dann möchten wir Ihre tuber- lulöse Nachzucht hier mit Kuhmilch auskurieren.' langt von den jungen Diplomaten, daß sie sich mit juristischen, historischen, politischen und sozialen Fragen be- schästigcn, daß sie zum Beispiel Probleme wie die Stellung der Frau in zivifierten Ländern, Freihandel und Schutzzoll, Saozia- lisinuS, das Verhältnis in Arbeiterfragen und in Afrika znm Sklavenhandel verstehen. Vor allen Dingen verlangt er, daß man die„monströs anachronistische und unverschämt snobistische- An- siellungSbedingung abschafft, nach der jeder, der zum diplomatischen Dienst übergehen will, ein Nebeneinkoinmen� von wenigstens vier- hundert Pfund haben muß. Beachtenswert ist auch folgender PaffuS aus dem Kapitel:„Nur der angeborene Snobismus unserer Staats- leute verhindert, daß der konsularische und diplomarische Dienst für alle Zwecke verschmolzen werden. Die konsularische Arbeit in den großen Handelszentren und Seehäfen würde eine aus- gezeichnete Lehrzeit für die Kanzlei und Botschaft abgeben. Es gibt viele Offiziere in unserer prächtigen Handelsflotte, die ebenso gut den Walzer tanzen können, als der fescheste Attache in Wien oder Berlin. Verschiedene Gesandtschaften haben in der Ber« gangenheit auf den Talenten eines kaum je genannten Dolmetschers geruht oder eines vizekonsnlarischen Ilebersctzers von gemischter Her- kunft, der einen lächerlichen Gehrock trug und nicht zu der feine» Gesellschaft gerechnet wurde, der alle Geheimnisse' wüßte und sie höchst treu und loyal bewahrte, der die Telegramme entzifferte und die meisten der Depeschen in drei Sprachen entwarf und der in dem Lande, in dem er geboren, ähnliche notwendige permamente Lohn- sklaven interviewte. Haben wir. die wir gereist sind und dem Staate gedient haben, nicht alle derartige Menschen gekannt? Den Mann mit dem komischen Namen, mit den Spitznamen unter dem Personal der Kanzlei, der persönlich dem AuZivärtigen Amt ganz un» bekannt war, der nur ein Name war, mit dem ein kleines Gehalt rn der Liste des Auswärtigen Amtes verbunden war? Und Voch em höchst vertrauenswürdiger Diener des Reiches und die wirklich- Ursache, iveshalb wir dies erfuhren und beizeiten innehielten, ehe wir d a S taten.' Man hat vielfach die Beobachtung gemacht, daß unter allen Diplomaten sich die englischen noch ain vorteilhafteste ausnehmen. Zweifelsohne ,st dieS richtig. Bei wichtigen Anläffcn setzt sich die herrschende Klaffe Englands über die Tradition und den Snobismus hinweg und ernennt Männer wie Cobdcn, um einen Handelsvertrag mit Frankreich zu schließen, oder Bryce, um herzliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten zu pflegen. Doch wenn iwon die Diplomatie in England, wie Sir Harry Johnston versichert, so reformbedürftig ist, um lvieviel mehr resormbediirfttg mutz ste in Ländern wie Deutschland und Oesterreich sein,.wo der �cann, der keinen„Henkel* zu seinem Namen hat, nicht die geringste Aussicht hat— mag er auch noch so befähigt sei»— seinem Lande in diplomatischer Eigenschaft zu dienen? Die Roheit dieser Zusammenstellung von Arbeitslosen mit Dirnen, die dem zahlungsfähigen Publikum dienen, das Hineinziehen lungenkranker Kinder in die Beschimpfungen ist eine Leistung, deren nur Agrarier Oertelscher Erziehung fähig sind. Da zu den Organisationen, die um Abstellung der Not beim Brcslauer Magistrat petitionierten, auch die christlichen Gewerkschaften gehören, kann sich der Briefschreiber ja bei ihnen erkundigen, weshalb ein Uebergang von Industrie- und Stubenarbeitern zu landwirtschaftlicher Beschäftigung für viele Arbeiter ausgeschlossen ist._ Ter Eid eines Schutzmanns. Das Schwurgericht zu Essen verurteilte am Freitag nach elf« stiindigcr Verhandlung den kgl. Schutzmann P r e u ß aus Schonne- beef, Polizeidirektionsbezirk Essen, wegen wissentlichen Meineids und wegen verleumderischer Beleidigung eines katholischen Pfarrers zu 2 Jahren Zuchthaus und b Jahren Ehrverlust.— • Schutzmann Preuh hatte dem ihm befreundeten Kesielschmied Konrad, mit dem er ineinemHause wohnte, erzählt, erhabe, als er mit einem Kollegen in der Nähe der katholischen Kirche Posten gestanden, nachts gegen 1/nl2 Uhr mit einer Dirne gesprochen, die gefragt habe, wo der katholische Pastor wohne. Er habe es gesagt und gefragt, was sie da wolle. Da habe die Dirne erwidert, sie sei bestellt; worauf er sPrcuhj dann verständnisinnig ge- sagt habe, er wisse Bescheid. Zu seinem Kollegen habe er darauf gesagt: Da kannst Du sehen, was Ihr für Kadetten habt.— Einige Zeil später zeigte Prcust den Konrad wegen einer Lappalie an, worauf dieser ein Strafmandat erhielt. Konrad teilte dann dem Pfarrer brief- lich nril, was Prcust über ihn gesagt hatte. Der Pfarrer unterbreitete den Brief der Polizei und Preust strengte gegen Konrad Klage wegen Beleidigung an. Am IS. September v. I. hatte sich Konrad vor der Straf- kammcr zu Essen zu verantworten. Preus; bestritt unter seinem Eide, die Geschichte an Konrad erzählt zu haben. Der Staatsanwalt bean- tragte gegen den Angeklagten drei Monate Gefängnis. Die Straf- kammcr kam jedoch zu einer Freisprechung und zwar auf Grund der Aussagen zweier anderer Zeugen und auch der dem Gericht glaub« würdig erschienenen Angaben des Konrad. Ein Zeuge, ein alter Mann. Vorstandsmitglled der katholischen Kirchengemeinde und Airchenkassenrcndant, sagte aus, auch ihm habe Preuß die Sache erzählt. Der Sohn dieses Alten war auch zugegen gewesen, als Preuh die Sache dem Konrad erzählt hat. Am Schlüsse der Strafkammerver- Handlung hat dann der Vorsitzende, wie in der jetzigen Schwurgerichts- Verhandlung nebenbei durch das Zeugnis einesRichters, der damals mit- gewirkr Halle, wie auch durch das Zeugnis des Pfarrers und des Kon- rad festgestellt worden ist, erklärt, man solle es nun mit der Freisprechung Konrads gut sein lasten. Auch hatte der Vorsitzende die Vertreter der Presse gebeten, von der Sache kein Aufhebens zu machen, und er hat auch den Pfarrer ersucht, die Sache ruhen zu lassen. Dieser hat sich dazu bereit erklärt, wenn nichts in die»rote Presse" komme. Dann hat der Vor- sitzende zu dem freigesprochenen Angeklagten Konrad gesagt: Und Sie, Konrad, gehen Sie ja nicht zur.Arbeiter- Zeitung". Der Pfarrer scheint sich die Sache aber doch anders überlegt zu haben, denn er machte� schließlich doch Anzeige gegen Preuß wegen Beleidigung. Die StaatSanwallschaft beantragte zunächst nach umfangreicher Untersuchung Einstellung des Verfahrens wegen Mangel an Beweisen. Die Beschlnßkammer des Landgerichts war jedoch anderer Ansicht, und so kam es zu der Anklage gegen Preuß wegen Beleidigung und wegen wissentlichen Meineides. Vor der Verhandlung vor der Strafkammer war übrigens Konrad auch noch einmal zum Kommistar geladen worden, der ihn.außerdienstlich" veranlassen wollte, die ganze Sache zurückzunehmen. Die Beweisaufnahme vor dem Schwurgericht gestaltete sich für den Schutzmann so erdrückend, daß das Gericht zu der bereits gs- nannten Strafe kam.— Wir fragen, wie wäre die Sache aus- gegangen, wenn Konrad nicht das Glück gehabt hätte, solch un- verdächlige Zeugen zur Seite gehabt zu haben? Dann wäre er wohl unschuldig ins Gefängnis gewandert! Das Sncle cles Lalkankrieges. Die iuteruatioualc Fiuanzkommisfiou. Paris, 1. Juni. Das französische Ministerium des A e u ß e r n übersandte den Mitgliedern der Mittwoch zu- sammentrctendcn internationalen Finanzkom- Mission ein Schriftstück, durch welches ihnen ein Ueberblick über die der Finanzkommission obliegenden Arbeiten er- leichtert lverden soll. Dieses Schriftstück beruht, wie in der Einleitung hervorgehoben wird, auf den von den türkischen Delegierten herrührenden Angaben über die Verwaltung der türkischen Schuld sowie auf den„sehr interessanten Arbeiten der deutschen Delegierten". Der„ T e m p s" behauptet, daß dieses Schriftstück bei gewissen Delegierten Befremden hervorgerufen habe. Man habe sich gefragt, warum dasselbe lediglich den lobenden .Vunweis aus die deutschen Darlegungen enthalte und die Darlegungen anderer Delegierten zu ignorieren scheine. Gewiß, die Konferenz sei eine fachmännische und der erste französische Delegierte werde die Pflicht haben, unparteiisch den Vorsitz zu führen. Aber deswegen dürfe man die Politik nicht außer Acht lassen. So bilde es für Rußland einen wesentlichen politischen Akt, in Paris für die Sache der Balkanstaatcn einzutreten. Dabei habe Rußland das vollste Recht, auf den Beistand Frank- reicho zu rechnen, wie Frankreich seiner Zeit in Al» gcrcias auf den Beistand Rußlands gezählt habe. Die De- legierten der beiden verbündeten Länder müßten mitein- ander in engster Fühlung bleiben, und Ivenn Frankreich auch die Pflicht habe, die wirtschaftlichen Interessen seiner Inhaber türkischer Wertpapiere zu verteidigen, so dürfe man doch nicht durch Ungeschicklichkeiten das Einvcr- ständnis der beiden Regierungen gefährden. Minister Pichon habe auch in dieser Hinsicht dem Botschafter Jswolski Zu- sichcrungcn gegeben. Wir für unser Teil, so schließt der „Temps", sind der Ansicht, daß Frankreich in den Orientfragcn seinem russischen Bundesgenossen die führende Rolle überlassen muß. und daß Rußland das Recht hat, seine Auffassung zuerst zu äußern. � Ein serbisch bulgarischer Eiuignngsversuch. Ssfia, 2. Juni.(Meldung der„Agence Bulgare".) Die Ministerpräsidenten P a s ch i t s ch und G c s ch o w'hatten heute nacht in Zaribrod eine Zusammenkunft, um ihre Ansichten über die Lagc� auszutauschen. Sic einigten sich'prinzipiell. daß die Ministerpräsidenten der verbündeten Staaten zu- sammcntreten sollen, um zu versuchen, zu einem- Ein- vernehmen über alle die Verbündeten berührenden Fragen zu gelangen._ Ungarn. Der Prozeß Lutacz-Dösy. Budapest, t. Juni.(Eig. Ber.) Der Prozeß deS ungarischen Ministerpräsidenten Lukacz gegen den gewesenen Staalssekretär Dssy hat nun sein Ende erreicht, wenn auch das Urteil deS Gerichtshofes noch ausständig ist.— Die königliche Tafel kassierte als Gerichtshof zweiter Instanz doS erstrichterlichc Urteil und räumte die Beweis- führung dem Angeklagten ein. Nun wurde bei der nochmaligen Vernehmung volles Licht in daS bisherige Dunkel gebracht. Dem Angeklagten Dösy, der den Ministerpräsidenten Lukacz den größten Panamisten der Welt genannt und ihn beschuldigt hatte, Riesen- summen, die dem Staat gehörten, zu Wahlzwecken verwendet zu haben, gelang die Beweisführung vollkommen. Die höchsten Staatswürdenträger, gewesene Minister, aktive Staatssekretäre und hohe Staatsbeamte wie auch die leitenden Direktoren der größten Finanzinstitute mußten trotz ihrer zurück- haltenden Aussagen dennoch eingestehen, daß die Anklage des Staats- sekretärs nur zu berechtigt sei. Nun ist es zur Genüge bewiesen, daß der Ministerpräsident zu seiner Bereicherung direkt Geschäfte mit dem Staate abschloß, daß er von Finanzinstitujcn, die Verträge mit dem Staate abschlössen, Riesensummen entgegennahm, die jedoch nur zum Teil der Kasse der Regierungspartei zur Propaganda bei den Reichstagswahlen zugeführt wurden. Mag da? Urteil so oder so lauten: ändern kann eS die Sachlage nicht. Gleichviel, ob Dvsy vielleicht trotz der gelungenen Be- Weisführung zu einer gelinden Strafe verurteilt oder freigesprochen wird, Lukacz ist gerichtet. Die Erlaubnis des König?, daß der gewesene Unterrichtsminister Zichy, seines Amtseides enthoben, frei aussagen durfte, ruft den An- schein hervor, daß die Stellung Lukacz's nun auch nach oben hin er- schüttelt ist und die Berufung deS Justizministers und Lukacz's selbst nach Wien läßt voraussetzen, daß die Tage der Regierung Lukacz- Tisza gezählt sind. Ein weiteres Resultat dieses Prozesses wird jedoch die Ver- nichtung der gegenwärtigen Regierungspartei sein. In dem Prozeß wurde bewiesen, daß diese Majorität mit Ricsensummen erkauft wurde, daß es einzelne Bezirke im Lande gab, in welchen die Be- stechungcn der Wähler 600 000, ja 700 000 Kronen kosteten. Unter diesem Eindruck mutz die Partei, die derart zustande kam und die die eigentliche Trägerin der gegenwärtigen Politik ist, zusammen- brechen. Das Urteil wird Dienstagnachmittag publiziert. franhreicb. Beginn der Beratung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit. Paris, 2. Juni. Die Kammer begann die Beratung des Gesetzentwurfs über die dreijährige Dienstzeit. Le Hörissö. der Präsident der Hecreskommission sprach zugunsten des Entwurfs._ Proteste gegen die dreijährige Dienstzeit. Paris, 2. Juni. Auf Veranlassung des Allgemeinen Arbeiterverbandes fanden gestern in verschiedenen Provinz- städten Protestversammlungcn gegen die dreijährige Dienstzeit statt. Spanien. Wicderantritt des Ministeriums Romanoucs. Madrid, 1. Juni. Der König hat den Grafen Romanones mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Romanones erklärte, das neue Ministerium werde die Mitglieder deS alten ohne jede Aenderung umfassen. Italien. Die Wahl Rasis von der Kammer annulliert. Rom, 31. Mai.(Eig. Ber.) Wieder einmal hat sich die Kammer mit der Wahl des Ex- Ministers Nasi beschästigen müssen. Nasi, den die Stadt Trapani seit seiner Verurteilung schon ein Dutzend Male gewählt hat, hat jetzt die Zeit hinter sich, während der ihm durch das Urteil deS Senats die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt waren. Trotzdem hat die Mehrheit der Kammer ihn nicht für wählbar erklärt, weil er wegen eines Verbrechens verurteilt wurde, das nach dem neuen Wahlgesetz die Wählbarkeit ausschließt. Offenbar steht die Entscheidung der Kammer, im Gegensatz zu dem Urteil des Senats, der in seiner Eigenschaft als oberster Gerichtshof ohne AppellinstaNz den Exminister nur zu einer zeitweiligen Ausschließung von öffentlichen Ehrenämtern verurteilt hatte. Die Kammer hat sich mehr von dem Wunsch leiten lassen, ein moralisches Exempel zu statuieren, als von dem Geist und Buchstaben des Rechtes. England. Die russischen Schergen in Aegypten. London, 31. Mai.(Eig. Ber.) Die Anstrengungen der englischen Arbeiterschaft, die Regierung zu bewegen, den in Aegypten von russischen Schergen verhafteten Russen Adamowitsch wieder auf freien Fuß zu setzen, haben nichts gefruchtet. Siif Edward Grey erwiderte im Parlament auf eine Rede Mac Donalds, daß es nicht richlig sei, anzunehmen, daß sich ein Ausländer, der nach Aegypten gehe, damit unter den Schutz der britischen Flagge stelle. Er unterstehe dort der Gerichtsbarkeit des Konsuls seines Heimatlandes. Nach den Kapitulationen habe ein Konsul daS Recht, die Auslieferung eines Untertanen seines Staates zu verlangen, ohne auch nur Gründe an- zugeben. Formell mag die englische Regierung mit ihrer Untätigkeit im Rechte sein, wie Shylock im Rechte war, als er sein Pfund Fleisch verlangte. Aber eine so lebtose Abstraktion können auch die Kapitulationen nicht sein, daß man auf Grund dieser Vertrags- bestimmungen einen Menschen verhaftet und ausliefert, dem noch kein Verbrechen zur Last gelegt worden ist. Und wo bleibt da die nationale Ehre, die sonst, wenn man internationale Händel sucht, stets eine so große Rolle spielt? Wo ist die so oft gehörte Be- hauptung, daß unter dem Schutze der britischen Flagge jeder ver- folgte Flüchtling frei aufatmen kann? Bei der englischen Arbeiterschaft hat Greys rückgratlose Haltung den größten Unwillen hervorgerufen. Der Sekretär des Londoner Gewerkschaftskartells hat dem Minister folgendes Schreiben geschickt: .Mein Vorstand hat mich beauftragt, Ihnen zu sagen, daß er Ihre Antwort als ungenügend, cmsweichend und gänzlich unbefriedigend betrachtet. Wichtiger als alle Formalitäten und Fiktionen ist die Tatsache, daß Lord Kitchener heute der wirkliche Herrscher Aegyptens ist und daß in dem Lande ohne seine und Ihre Zustimmung nichts unternommen, werden kann. Adamowitsch ist ünwr der britischen Flagge und. mit Ihrer Sanktion unverant-. worllicherwcise verhaftet worden. Das ist ein Werk, das Ihre russenfreundliche Politik der letzten sieben Jahre krönt und das die Wangen jedes freiheitsliebende» Engländers vor Scham erröten machen muß. Das geringste, was Sie jetzt tun können, ist, daß Sie Ihren Einfluß� bei der russischen Regierung dazu verwenden, um die baldige Befreiung des Adamowitsch als einen Gnadenakt durchzusetzen, wie Sie es in dem Malecka-Fall taten." Nach russischem Gesetz kann Adamowitsch nicht wegen eines Verbrechens verurteilt werden, das in einem Lande, wo es begangen wurde, kein Verbrechen ist. Er kann jedoch aus Rußland verbannt werden. Auch kann man ihn dort im Gefängnis halten, ohne ihm den Prozeß zu machen, oder ihn auf administrativem Wege nach Sibirien schicken, um ihn lebendig zu begraben. In Anbetracht dieser Möglichleiten verlaugt der.Daily Citizen" von dem eng- tischen auswärtigen Minister, daß er jetzt wenigstens von der russischen Regierung verlange, daß sie öffentlich eine Anklage gegen den russischen Genossen erhebe. Amerika« Ein Gesetz zur Verhinderung unerwünschter Einwanderung. Wafliington, 2. Juni. Senator Dtllingham wird heute einen Gesetzentwurf einbringen, der die jährliche Einwanderung aus einem Lande auf zehn Prozent von der Anzahl Personen gleicher Nationalität beschränkt, die nach der letzten Zählung in den Ver- einigten Staaten von Nordamerika wohnen. Dillingham nimmt an, daß der Gesetzentwurf die Einwanderung aus Griechenland, der Türkei, Italien und Ocsterreich-Ungarn vermindern und die aus England, Deutschland und den übrigen Ländern des nördlichen und westlichen Europas vergrößern wird. Rua der partci. Toteuliste der Partei. In München starb im Alter von 68 Jahren ber Genosse Sieg« fried Pelz. Der Verstorbene stammte aus Schlesien und lam Ende der 70er Jahre als junger Handlungsgehilfe nach Berlin, wo er die ersten sozialistüchen Anregungen' empfing. Nach kurzem Aus- enthalt in verschiedenen anderen deutschen Städten ging er in die Schweiz; dort wurde er vollends zur Sozialdemokratie herüber- gejührt. Anfang der achtziger Jahre ging er nach Nürnberg. Hier beteiligte er sich lebhast an dem Parteileben, auf dem damals schwer die Fessel des Ausnahmegesetzes lastete. Als es wieder möglich wurde, einen sozialdemokratischen Wahlverein zu errichten, befand sich Siegfried Pelz unter den Mitgründern und entfaltete eine eifrige Tängkeit in der politischen Organisation, deren Kassengeschäfte er viele Jahre leitete. Auch wurden ihm vielfach Vertrauensposten über- tragen. 1890 und 1893 stellten ihn die Parteigenossen im Wahlkreise Ansbach-Schwabach als ihren Lkandibaten sür den Reichstag auf. Auf deutschen und bayerischen Parteitagen war Pelz wiederholt als Delegierter anwesend. Ins Privatleben zurückgetreten, übersiedelte er vor einigen Jahren nach München. Die Parteigenossen werden seiner ehrend gedenken._ Aus den Organisationen. Im Agitationsbezirke Zwickau(18., 22. und 23.> Reichstags- Wahlkreis) ist die Mitgliederzahl im verflossenen Geschäftsjahre von 17 s6ö auf 18 720 gestiegen. Die Zahl der weiblichen Mitglieder beträgt 3226. Die geringe Mitgliederzahl erklärt ftch ans der Ab- Wanderung der Bergarbeiter im 18. Kreise und durch die gewallige Krise in der Stickereiindustrie im 23. Wahlkreise. Um eine schnellere und vorteilhaftere Erledigung der Agilationsarbeit sür �den Bezirks- sckretär zu ermöglichen, wurde das Sekretariat von Reichenbach nach Zwickau verlegt. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter stieg von 214 auf 262. In einer Reihe von ländlichen Orten des Obervoigtlandes, wo es vor Jahren nicht möglich war, eine Versammlung abzuhalten, sitzen jetzt Genossen im t Gemeinderat. — Die Tätigkeit auf dem Gebiete des Bildungslveseus wird durch einen Bildungsausschuß mit dem Sitz in Zwickau �geregelt. Der Ausschuß veranstaltete für 8 Orte 13 Vorrragskurse sowie Licht- bildervorträge usw. Insgesamt wurden 72 Veranstaltungen für 63 Orte getroffen.— Das Parieiblatt„Sächsisches Bolksblatt" hat im Berichtsjahre finanziell besonders gut abgeschnitten. Der Abonnenteustand beträgt 24 000. Die Einführung-einer Frauen- beilage und einer Modenbeilage ist zu konstatieren.— Die Generalversammlung des 18. Kreises sprach sich gegen die Doppelkandidaturen zum Reichs- und Landtage aus. Nachklänge von der Ermordung SchuhureicrS. Kunschaks Bruder, der christlichsoziale österreichische Landtag?« abgeordnete und„Arbeiterführer" Leopold Kunschal hat sofort nach der Ermordung Schuhmeiers durch seinen nun zum Tode tvr* urteilten Bruder einen höchst zerknirschten, geradezu-rühreu�eu Brief an die Familie des Ermordeten geschickt. Jetzt aber, nach dein Urtell der Geschworenen, wirft Kunschaks„Christlichfoziale»rbeiter« zeitung" die Frage auf, ob Schuhmeier nicht selbst an jeiiro» gewaltsamen Tode schuld gewesen sei, weil er einst der, Lehrer seines Mörders im Arbciterbildungsverein»Apollo" gewesen äst>chd weil doch— in der Schwurgerichtsverhandlung wenigstens hätte nach- geforscht werden sollen,„ob denn nicht dieselbe Sozial» demokratie(deren Opfer Schuhmeier und Kunstyak geworden sein sollenll) es ist. die den Mord ihrem Anhängern gelehrt und empfohlen habe".— Ein nctteS Brüderchen, Gleichermaßen christlich und sozial! Dabei mußte Kunschak vor Ge- richt selbst die wüsten Zustände in seinem Elternhaus hekundcn, die den zum Meuchelmörder gewordenen Sohn beeinflußt hätten! Eine gepfefferte Interpellation. Unser österreichisches Parteiblatt, die»Gleichheit" in Wiener Neustadt, ist wegen einiger harmloser Sätze konfisziert worden, die in dem bürgerlichen.Volkswirt" in Wien und in einer Anzahl Partciblätter ungestört erschienen sind. Nun hat im österreichischen Parlament unser Genosse Pernerstorfer eine Interpellation ein» gebracht, in der der Justizminister wörtlich gefragt wird: .Schämen Sie sich nicht, daß sich unter Ihrer Verant« Wartung ein Beamter straflos so stech an den Rechten der Staats« bürger vergreifen darf?"_ poUzeiliches, Omchtlichea uftp* Preßprozeß.--UiOß! Wegen Beleidigung von Polizeibeamten wurde Genosse Neu» mann von der Essener. A r b e i t e r- Z'e i-r n n g" am Freitag zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Unser Essener Porta. otaU hatte im März d. I. die Heldentar eines Streikbrechers und' das Verhalten der Polizei bei diesem Akt kritisiert. Hierbei soll die Polizei beleidigt worden sein. ---- IvCtzU Nachrsebtcn« Die Verhandlungen nach dem Friedensschlusi. London, 2. Juni.(W. T. B.) Wie des Neutersche Bureau erfährt, haben auf ihrer heutigen Konferenz die Delegierten der Türkei und der verbündeten Balkanstaaten erörtert, welches Vorgehen bei der Abfassung der Protokolle, die dem Vertrage anzufügen sind, einzuschlagen sein wird, und be- schlössen, diese Abfassung einer Kommission zu übertragen, die am Mittwoch zusammentreten wird. Die Konferenz wird wahrscheinlich am Donnerstag wieder zusammenkommen. Die griechischen Delegierten brachten wiederum das Anliegen vor, die alten Verträge mit der Türkei sollten sofort wieder in Kraft treten; aber die türkischen Telegietten wünschen diese Frage erst nach dem Inkrafttreten, des Londoner Vertrages und nach der Diskussion über die anderen Angelegenheiten zu behandeln. Mctallnrbcitcrausspcrrung in Stuttgart. Stuttgart, 2. Juni.(W. T. B.s Nachdem bereits am Sonn- abend die Arbeiter der Werkzcugabteilung}>ex Firma Robert B o s ch die Arbeit niedergelegt hatten, ist heute ihrem Beispiele eine weitere Abteilung aus dem Grunde gefolgt, weil Arbeiter wegen Verweigerung einer Arbeitsleistui� ciitlaisen worden waren. Da nunmehr durch die Einstellung der Arbeit in zwei wichtigen Betriebs- zweigen der gesamte Betrieb in Frage gestellt worden ist, hat die Firma den Gesamtbetrieb von heute abend an ge- schlössen. Es kommen im ganzen ungefähr 4000 Arbeiter in Betracht. KSeit TMta«euoffe». ei' bei Hummel, Sophienstr. b. Jaloufiearbeiter abends 81/, Uhr bei Walter, Adalbertstr. 62. Kiltoi- und Koffermacher Korbmacher Bei Krause, Muslauer Str. 20. ßürrtemuachcr Bei Preust, Holzmarltstr. 65. Perlmutt-, Dorn- u. 8temnußarbeiter um e uhr bei Ernst Thomas, Mclchiorstr. 5. abends 8 Uhr im Gewerkschaftshause, Engel» räiavurrarucn-icr ufcr 14 gaa[ 5 Bllderrahmenmacher um e uhr b« Wahlisch. Skaiitzerstr. 22. ßodenleger im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 10, 8 Uhr. Vergolder im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Arheilslosensaal. Donnerstag, den 3. Juni: abends 6 Uhr in HcrmelS Vereinshaus, crictKell WKlltr Holzmarllslr. 21. Sargtischler abends 7 Uhr Bei Kühn. Petersburger Str. 84. Beziii Ober-Scböneveide. Heute Dienstag, den 3. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Warnede, Wilhelmwcnhosstr. 18: Mitglieder- Versammlung DW Tagesordnung: 1. Berich! von der Generalversammlung. 2. Verbands- und Branchen» angelegenheiten._ UniversalFern�las 1913 Ein billiges aber gutes Glas 1 uiiiuiiiiiiiiiinmitiiiiuiiiiiiiiiiniiiniiiitiiiiiiiiiiiiiniiiiMnitiiiiiiiiTniiiiuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiinHiui Hervorragende Lichtstärke, erzeugt durch Riesenlinsen auBergewdhnllcher Qualität, zaubert Bilder von überraschender Plastik hervor. 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Schreiben keine Po st karten zu benutzen." Diesen Vermerk trägt ein Schreiben der Firma Linden berg u. Meyer, Unternehmer, Wandsbeck-Ham- bürg, in dem diese den„Herren Arbeitgebern" in schauder- hastestem Deutsch folgendes Angebot machen: .Infolge heutiger Lage aus dem Arbeitsinarkt und des Vor- gehens der organisierten Arbeiterschaft sowie deren Organe ist eS unbedingt erforderlich, datz den Herren Arbeitgebern Gelegenheit gegeben wird, sich gute und arbeitswillige Handwerker und Arbeiter bei eintrelenden Streiks und Aussperrungen zu sichern. Durch unser Unternehmen ist es heute den Arbeitgebern mög- Iich,_ die oft(!) unberechtigten Forderungen der Arbeiter zurück« weisen zu können und erfolgt die Uebernahme der bestreikten Arbeit durch uns als selbständige Unternehmer. Wir können jeden Betrieb innerhalb 24 bis 43 Stunden mit ca. 1500 Handwerkern und Arbeitern und ev. mehr über- nehmen. Viele industrielle Unternehmungen sowie Arbeitgeber- verbände haben Verträge auf Jahre hinaus mit uns ge- schlössen und möchten wir nicht unterlassen, auch Ihnen die Schließung eines solchen Vertrages mit uns zu empfehlen." Es folgt dann das Angebot persönlicher Rücksprache und der Hinweis auf gedruckt beigelegte Anerkennungsschreiben. In diesen sind folgende Firmen angeführt: Aachener Musterkarten- fabrik Gluba u. Nebe; Äarl Lucas, Brauerei, Herford; Chemische Tüngerfabrik, Rendsburg; Waggon- und Maschinenfabrik A.-G. vorm. Busch. Bautzen; Berliner Kalksandstcinwerke Robert Guthmann, Niederlehme; Fischereihafen-Betriebsgcnossenschaft, Geestemünde; Norddeutsche Brauereivereinigung, Bielefeld; Delmcnhorster Wagenfabrik; Äarl Tönjes A. G-; Zeitter u. Winkelmann, Braunschweig; Glas- und Spiegelmanufaktur stinon u. Co., Leipzig; Alfred Appel, Hamburg; Lübecker Maschincnbau-Gesellschaft; Midgard, Deutsche Seeverkehrs-A.-G., Nordenham; Chemische Produktenfabrik Pommerensdorf bei Stettin; Edler u. 5trischc, Hannover; Waggonfabrik Rastatt; guckerwarenfabrik Gustav Mahn u. Co., Wolfenbüttel; etreidehebcr G. m. b. H., Hamburg; H. W. Rümcker, Stuhl- rohrfabrik, Bergcdorf; Deutsche Zelluloidfabrik, Eilenburg; Vereinigte Berliner Mörtelwerke; I. Zcidler, Niederlehnie; Hermann Michaelscn, Altona; Elmshorner Lederfabrik Hcinr. �5. W. Kruse; Villeroy u. Boch, Dänischbnrg bei Lübeck; Baltische Mühlcn-Akt.-Ges., Neumühlcn bei Kiel; Gustav Verclas, Hannover; Kohlenhandlungsgesellschaft m. b. H., I- Holm, Sonderburg; Elmenhorst u. Co., Hcnneburg(ivar besonders mit dem Kontrolleur I. Eggers zufrieden); Paul Wolf u. Co., Darmstadt; Ludwig Alter, Darm- stadt(dankt für Ernst Rokowsky, Artur Wagner, Paul Beck, Anton Lehner. Kurt Müller, Ernst Bolzta, Felix Schnabel, Johann Scherer. Alois Machachewsky); Karl Hirschberg, Oelkuchenmühlen, Hamburg; Chemische Fabrik Ahrensbök, Fürstentum Lübeck(Kontrolleur Buhrig war seiner Aufgabe voll gewachsen). Recht eigenartig muß es berühren, daß sich unter diesen Firmen auch die Lübecker Maschinenbau-Gcsellschast befindet, bei der sich im Herbst 1910 die Streikbrecher derart rabiat aufführten, daß einige von ihnen zu insgesamt dreizehn Jahren Gefängnis wegen Landfriedens- bruchcs verurteilt wurden! Die Streikbrechervcrniittelung scheint sich ini übrigen zu rentieren, denn Lindenberg u. Meyer haben sogar ein Bank- konto bei der Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg. Sic scheinen also immer noch Dumnie zu finden, die sich lieber, statt sich mit ihrer Arbeiterschaft zu einigen, mit zweifelhaften Elementen umgeben. Man darf es wohl aber als Aufschneiderei ansehen, wenn Lindenberg u. Meyer binnen 24—48 Stunden 1500 Mann versprechen. Ein so „wohlassortiertes" Streikbrecherlager unterhalten sie wohl kaum, es müßte denn sein, daß sie die gesamte Kundschaft der Hamburger Kaschemmen mobilisieren. Das„Streng vertraulich" könnte zu der Annahme ver- leiten, daß sich die Streikbrecher-Agenten ihres wenig estimierten Gewerbes schämen. Möglich auch, daß es nicht der Fall ist. Vielleicht will man dadurch nur verhüten, daß die mit dem Angebot gütigst Bedachten sich nicht weiter über dessen Wert erkundigen. Sie könnten nämlich sonst erfahren, daß Linden- berg u. Meyer das Geschäft der nicht gerade rühmlich be- kannten Firma Auguste Müller Witwe fortsetzen! Berlin und Clingcgcnd. Paritätischer Arbeitsnachweis für das Brauereiarbeiter- gewerbe. Am Sonntag nahmen die Mitglieder de? Brauereiarbeiterver- bandes in einer guibesuchten Versammlung zu einem Entwurf für den paritätischen Arbeitsnackweis Stellung. Bezirksleiter T r ö g e r führte aus, daß es das Bestreben des Verbandes von jeher gewesen sei, die Arbeitsnachweisfrage in für die Arbeitnehmer günstiger Form zu lösen. Die heutige Arbeitsvermittelung sei unhaltbar. Auf der einen Seite habe man den Nachweis der Ringbrauereien, auf der anderen den des Verbandes sowie den der ringfreicn Brauereien. Das führe zu solch technischen und anderen Unzuträglichkeiten, daß die Organisationsleitung lviederum an die Unternehmer herantrat, um eine günstige Aenderung zu erlangen. Die Arbeitgeber stellten nun sechs reaktionäre, für die Arbeiterschaft unannehmbare Bedingungen. unter welchen sie ihre Zustimmung geben wollten. Die Drohung, daß die Arbeiterorganisationen einfach einen paritätischen Nachweis mit den ringfreien Brauereien gründen würden, veranlaßte die Unternehmer, von ihrem Vorhaben abzustehen und ihren Vereinsmitgliedern die Vorschläge des Verbandes zu empfehlen. Die Arbeitsnachweisung im Gewerbe bekommt damit ein neues Gesist. Ein Kuratorium von je sechs Mitgliedern der Arbeiter und der Unternehmer würde von jetzt ab über die Beschwerden usw. beider Parteien zu ent- scheiden haben. Bis jetzt entscheidet im Ringnachweis ein so- genannter unparteiischer Vorsitzender, Herr Dr. Freund, über alles. Die Stellenvermittler fühlen sick als Herren im Hause. Liegt irgend etwas vor, so wird den. Organisationsvertretern ge- sagt:„Bitte, wenden Sie sich an Herrn Dr. Freund" oder„Der Herr Direktor H. oder U. will das so und so". Solch unerbaulichen Vorgängen wird eine Schranke gesetzt, indem die beteiligten Arbeiter- organiiationen vier Neuntel der Kosten, bisher nichts, die Unternehmer fünf Neuntel beizusteuern haben. Arbeitsvermittler werden natürlich auch aus den Kreisen der Arbeiter genommen, was bis jetzt nicht der Fall ist. An den 7898 in Frage kommenden Arbeitern ist der Brauereiarbeiterverband mit 4430 Mitgliedern beteiligt. Die übrigen verteilen sich auf andere Organisationen. Pro Kopf beträgt die beizutragende Summe 67 Pf., das bedeutet im Verhältnis zu dem jetzigen Zustand sogar eine Verbesserung. Ebenso ist das Reglement, das von dem Kuratorium je nachdem verbessert werden kann, ein großer Fortschritt; denn Herr Dr. Freund war bis jetzt in der Lage, den Geschäftsgang nach Gutdünken zu ordnen. Leider mußte eine bittere Pille mügefchluckt werden, der Prozentsatz, das ist die Berechtigung der Brauereien, einen bestimmten Teil von Arbeitern einzustellen, die nicht durch den Arbeitsnachweis gehen. Dem Brauereiarbeiterverband ist es übrigens nach hartnäckigem Kampf gelungen, diesen Prozentsatz auf ein Minimum herab- zudrücken. Stellt nach dem neuen Reglement eine Brauerei über ihren ausgemachten Satz ein, so hat sie für jeden Fall 60 M. Konventionalstrafe zu entrichten. Da die Unternehmer diesen Entwurf aller Wahrscheinlichkeit nach annehmen werden(die Unternehmer haben den Nachweis ange- nomine») ersucht, Träg er um einmütige Zustimmung. In der ebenso langen als interessanten Debatte wird der Ent- Wurf von Verschiedenen äußerst scharf kritisiert. So sagte Peters: Er sei der Meinung, die Sache müßte vertagt und einer späteren Versammlung vorgelegt werden. Die Annahme des Vorgeschlagenen wäre gleichbedeutend mit einem Verkauf der Arbeiter. Da ihnen auch nichts Gedrucktes vorliege, könne man unmöglich heute schon Entscheidungen treffen. Dieselbe Ansicht vertrat Riedel, der meinte, das Ganze sei ein Hohn auf die organisierte Arbeiter- schaft. Ein anderer sagte, der paritätische Arbeitsnach- weis biete nur den Unorganisierten und Bundesgesellen Vorteil. Ein vierter gab dem Gedanken Ausdruck, daß die Sache ja nicht so pressiere. Diesen Ansichten traten mit Entschiedenheit Hübner, Reichardt, Schmidt, Schuldt, Schwedler, Schicke» danz, Etzel, Freund und Richter entgegen. Sie betonten den praktischen Wert, den ein paritätischer Arbeitsnachweis, besonders innerhalb des Braugewerbes für den Brauereiarbeiterverband hat. j Sind auch in dem Entwurf noch etliche Mängel vorhanden, so ist eS eben Sache der Arbeiter, auf Beseitigung dieser hinzuwirken. Ein» stimmige Annahme sei nur zu empfehlen. In seinem Schlußwort widerlegt T r ö g e r verschiedene Ein» wände. Es handelt sich darum, ob eine einigermaßen günstige Lösung dieser schwierigen Frage den jetzt bestehenden miserablen Verhältnissen vorzuziehen ist oder nicht. In diesem Sinne bitte er die Anwesenden, zu entscheiden. Bei der Beschlußfassung wurde die Borlage e i n st i m m i g an- genommen. Zu Kuratoriumsmitgliedern wurden gewählt; I. als Organisationsvertreter des Brauereiarbeiterverbandes zum 1. Mitglied Tröger, 1. Ersatzmann Hodapp, 2. Ersatzmann Schulde; II. von den in der Branche Beschäftigten zum 2. Mitglied Jung» Hans, 1. Ersatzmann S ch i ck e t a n z, 2. Ersatzmann B r a« m i n g e r.__ Achtung, Gastwirtsgchilfen! Nach 16stündigem Streik sind die Differenzen mit den Schultheiß-Bierhallen, Alte Jakobstr. 106, Jnh. H. Baxmann, zugunsten der Streikenden erledigt. Die Sperre ist somit aufgehoben. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin. DeubkcKes Reich. Achtung, Klempner und Installateure! In Magdeburg ist seit Montag, den 2. Juni, im Klempner- und Jnstallationsgewerbe Streik ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Arbeilerfrcundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltung Magdeburg. Die städtischen Arbeiter in Mainz. Während die höheren Beamten in Mainz beständig durch Zu- lagen erfreut werden, wird bei den städtischen Arbeitern an allen Ecken und Enden geknausert. Ab und zu, um ihnen den Mund zu stopfen, wird dann eine sogenannte Lohnregulierung vorgenommen. Wie ein solches Ding in der Praxis aussieht, das wird aus einer Resolution ersichtlich, die die städtiichcn Gasarbeiter einstimmig an» genommen haben. Die Resolution sagt u. a.: „Die Arbeiter sind in ihrer Erwartung, daß die Stadtvcr» waltung ihnen eine wohlverdiente und gerechte Lohnzulage zu- kommen lassen werde, schwer getäuscht worden. Sogar die für eine Unmöglichkeit gehaltene llebergebung einzelnem Gruppen und Arbeiter ist eingetreten. Die Arbeiter sehen sich(«eshalb veran- laßt, sofort erneut in eine Lohnbewegung einzutreten und beauf« tragen den Arbeitsausschuß, die notivendigen Schritte zu unter- nehmen. Die Arbeiter verpflichten sich und sind entschlossen, mit aller Energie für ihre Forderungen einzutreten." Fabrikarbeiter und-arbeitcrinnen! Dje bei der Firma Heermann u. Co., Kokosbutter- und Lelfabnk m Billwärder bei Hamburg beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Heizer und Maschinisten haben am 21. Mai d. I. wegen Ablehnung jeglicher Lohnerhöhung die Arbeit eingestellt. Die im Betrieb beschäftigten Handwerker, Metallarbeiter und Böttcher haben sich solidarffch erklärt und ebenfalls die Arbeit eingestellt. Die Firma ist nunmehr eifrig bemüht, ihren Betrieb mit Arbeitswilligen zu besetzen, vornehmlich versucht man Handwerker von auswärts heranzuziehen.— Zuzug nach dem Betrieb ist deshalb streng fernzuhalten.— Von der Firma wird die in ihrem Betriebe hergestellte Pflanzenbutter, die zurzeit durch Hintzegardisten hergestellt wird, unter nachstehenden Marien vertrieben: Bega, Vegona und Vegetaline. Vornehmlich wird die Butter in den Städten Hamburg und Umgegend, Düsseldorf, Elber- feld, Straßburg. Augsburg, Deffali. Stuttgart, Magdeburg und Leipzig abgesetzt. Achtung, Stukkateure! Die Stukkateure von Plauen im Vogt- lande haben am Sonnabend beschlossen, in den Streik einzutreten, weil ihnen die Unternehmer statt der gewünschten Verbesserungen Verschlechterungen angeboten haben. Die Kollegen allerorts werden ersucht, den Zuzug nach Plauen fernzuhalten. Arbeitcrfreundliche V Zeitungen werden um Nachdruck gebeten. Deutscher Bauarbeitcrverband, Verwaltung Plauen. kleines feuiUeton. Gerhart Hauptmanns Festspiel. Aus Breslau wird uns geschrieben: Man möchte dem Dichter Gerhart Hauptmann einen sehr guten Freund wünschen, einen besseren als' er sich selbst einer ist, der ihn zurückhielte, wenn cr selbst seine Natur, sei es aus Gefälligkeit, sei es aus dem Glauben, ihm sei alles gegeben, per- gewaltigen will, der ihm aber vor allem gesagt hätte, daß ein Dichter leiser, wehvollcr Menschlichkeit nicht zugleich auch Fanfare lauter, populärer Festlichkeit fein kann. Gerhart Hauptmann, dem sein Schlcsicrtum den Auftrag der Stadt Breslau eintrug, das Festspiel der Jahrhundertfeier zu schreiben, mußte hier einen Mißerfolg sich holen. Festspiele müssen repräsentativ sein, Fresken, bunt, groß und ohne Detail. Ist aber nicht das Detail von je die Domäne Hauptmanns gewesen, So fehlt denn dem„Festspiel in deutschen Reimen"(als Buch erschien es bei S. Fischer, Berlin) vor allem der große Atem, es fehlt ihm das Sonore, Hallende und— der Geist jener Zeiten. Eins hat Haupt- mann, den eine nationale Verbohrtheit dafür undeutsch schimpfte, richtig�erkannt: es war das Zeitalter Napoleons, nicht des Blüchers, oder Scharnhorsts oder Kleists. Druck erzeugt Gegendruck, aber der Druck ist das Primäre, und erst Napoleons Genie schaffte ihm geniale Gegner. Hauptmann setzte dafür den Kaiser stark in den Mittelpunkt und erst die gehäuften Anführer seiner Gegner können ihm die Wage halten. Aber ob er auch schon den zwölfjährigen Napoleon die Masse bändigen läßt, ob cr ihn später im Glanz seiner Marschälle oder als einsam thrbnenden Imperator zeigt: es ist �eimoch nimts von Napoleon in dem Festspiel, man sieht zwar seine Macht, aber man fiihl: sie nicht. Es fehlt der Geist der Zeit, nur die Tatsachen sind da. Und ein zweites fehlt oder ist schief gesehen: nämlich die loyale Natur dieses Volksaufftandcs von 1813 und der daraus ent- springende endliche Mißerfolg. Es wird eine gewaltige Energie lebendig, Königstreue bringen cs über sich, den König zu zwingen, aber alles bleibt in einem machtvollen Anlauf stecken, weil keiner über die kriegerischen Eroberungen hinaus an die Sicherung der bürgerlichen Eroberungen dachte, weil nach der Evolution des Volkes die Revolution der Könige kam. nach Waterloo Karlsbad. Ein Fcsffpiel für 1bl3 muß 1818 ahnen lassen. Ter heldenhafte Ansturm muß die Tragik des im letzten Sintie Nutzlosen haben, die grimme Lächerlichkeit eines tragischen Ton Quixotcwms. Die Apotheose darf dann aber nicht, wie bei Hauptmann, in der Feier des wiederkehrenden ii'liedeiis bestehen, sondern im Hinweis ans eine Zukunft, in der die Volkscnergie, die 1813 frei wurde, nicht vegen t�n äußeren, sondern gegen den inneren Feind der Freiheit sich wendet und ihre Kraft oazu benutzt, das eigene Haus zu säubern. Bei offiziellen deutschen(lösten hat(olche Apotheose allerdings ihre Haken. Gerhart Hauptmann hat nicht sehr viel mehr gegeben, als Gelegenheiten für Reinhardt. Er dichtete Regicinöglichkeiten, � sich Reinhardt nickt entgehen ließ. Von Ausstattungshöhe. Punkten war der Abend beherrscht.,-r-aS dazwischen gesprochene Wort war Ueberlcitung, Erläuterung, aber nicht Erhebung. Aber die Jahrhunderthall? in ihrer edlen Kühnheit war so schön, die Eternschen Kostüme bald witzig, bald pathetisch, aber immer treff- lich, die Massenszenen, besonders der gewaltige Zug zum Dom, bester Reinharot, so daß der Erfolg den aufgewendeten Zahlen ent- sprechend war, und— sicher nicht das geschäftliche Unternehmen—, sondern höchstens der Dichter der„Weber" und der„Rose Bernd" Schaden bei denen haben wird, die an sein« Sendung glaubten. Hebbel als Welt- und Zeitdramatikcr. Aus Hebbels dramatisches Schaffen wirft ein eigentümlich scharfes Licht ein jetzt erst von Friedrich Hirth in seiner Sammlung ungedruckter Hebbel-Bricfe („Aus Hebbels Rorrespoudeiiz" im Verlag von Georg Müller in München) veröffentliches Schreiben von, Jahre 1844. In diesem an seinen Verleger Canrpe gerichteten Briefe schreibt Hebbel kühn und programmatisch: „Ich habe mir kein geringeres Ziel gesteckt, als den ganzen gcgenwärligen Wclt-Zustand, wie er sich im Verlauf der Ge- schichte abgewickelt und jetzt zur Katastrophe(denn unläugbar steht uns eine solche in Staat und Kirche, wie in Wissen- schast und Kunst bevor) gesteigert hat, in einer Reihe von miteinander korrespondierenden Lebens-Bildern darzustellen. Ob ich dicß Ziel ganz erreichen oder einem Nachfolger einen Theil der Arbeit unerledigt zurücklaßen werde, kann ich nicht wissen, aber dieß weiß ich, daß die dramatische Kunst jetzt nur noch diese Auf- gäbe zu lösen hat, und daß Jeder, der nicht von vorneherein zu den Todten und Gespenstern gerechnet sehn will, meinen Weg gehen muß. Das Prinzip sieht fest, cs handelt sich nur noch um meine persönliche Stellung zu dem Prinzip. Ich werde die ganze Aufgabe in folgenden Stücken, die alle nur eine einzige Kette bilden, abzuthun suchen. Die Vergangenheit in Judith(Judenthum und Heidcnthum), Genoveva(Cbristenthum). Maria Magdalena(Moral, Sittlichkeit, Ehre, Familie), Moloch (positive Religion). Christus(das Mysterium). Die Gegen- wart in D'iat iustitia et pereat mundus; Genie und Welt; der Diamant. Die Zukunft in: Zu irgend einer Zeit. Dazwischen liegen nur noch einige Mittel-Glieder. Der Hauptsache nach ist alles im Geiste scbon concipiert und der Moloch wird nun zunächst auf den Amboß kommen. Es versteht sich von selbst, daß diese Dramen, wenn sie einmal alle vorliegen und eins durch das andere, das erste durch das letzte, und umgekehrt, ins rechte Licht gestellt werden, eine ganz andere Aufnahme finden müßten, als jetzt, wo nur wenige ahnen, was ich will, und die meisten sich wundern, daß ich, der tch doch eben �0 viel bunten Kattun, und mehr, bezahlen könnte, wie z. B. Möns. Gutzkow, keine Puppen für daS Theater drehe."— Eine neue Methode volkstümlicher Kunstpflege. Ju O f f e n b a ch soll,»ach der„Franks. Ztg.", eine neuartige künstlerische Veranstaltung eingeführt werden, um die manches größere Kunstzentrum es be- neiden wird. Allmonatlich werden die Abbildungen der führenden K u n st z e i t s ch r i s t e n im Lichtbild(Epidiaskop) dem großen Publikum vorgeführt werden. Es sollen keine Vorträge sein, die in der Aula der neuerbauten Technischen Lehranstalle» auf Veranlassung des Vereins für«unstpflege abgehalten werden; vielmehr wird der Sprecher,'Dr. Paul F. Schmidt als Kunstpfleger von Offenbach, diese Zeitschriftenschau nur mir kurzen sachlichen Erläuterungen be- gleiten. Da die Monatsschau dem Publikum unentgeltlich freisteht, wird sich jeder einmal im Monat über die neuesten Erscheinungen in der Kunstwelt, im Kunstgewerbe mühelos unterrichten können und auf die Wichtigkeit und Reichhaltigkeit unserer Zeitschriften hingewiesen werden. In einem breiten Publikum kann somit Kenntnis und Ver» ständnis der Kunst erweckt und vertieft werden. Theater. Deutsches Schauspielhaus: Der Dieb von Henry B c r n st e i n. In einer seiner Novellen behandelt Maupassant die Gier der Weiber nach Schmuck— aus Gefallsucht und Eitelkeit. Da ist eine Frau, die viel Juwelen besitzt. Als ihr Mann dahinter kommt, redet sie ihm ein, es seien nur unechte Pretiosen. Nach dem Tode der Frau stellt sich heraus, daß die Schmuckstücke sehr kostbar waren und daher nur durch ehebrecherisöben Verkehr zusammengebracht wurden. Der Mann hat die Verstorbene abgöttisch geliebt— nun diese furchtbare Offenbarung!.. Das Bernsteinsche Schauspiel variiert dies Motiv. Frau Voysin schafft sich die kostbarsten Toiletten an— nur. um ihrem Manne zu gefallen. Da sie daö Geld dafür nicht besitzt, so stiehlt sie eS der steinreichen Frau des Freundes von ihrem Gallen, in besten Haufe sie leben. Der jugendliche Sohn des Gast- gebers ist in sie verschossen. Sie läßt sich den Hof machen— nicht« weiter. Nur verleitet sie den harmlosen Anbeter, die Kasse der eigenen Stiefmutter fortgesetzt um beträchtliche Summen zu er- leichtern— und sie selber stiehlt auch. Wie der Vater des verführten Jünglings dahinter kommt, soll dieser sofort auf zwei Jahre nach Brasilien in ein Kaufhaus. Mittlerweile wird aber die junge Frau als Diebin entlarvt. Zur Sühne geht nun sie mit ihrem Gatten nach Brasilien, um in Arbeit und Sparsamkeit das gestohlene Geld ersetzen zu können. Dieser Zug des Stückes ist larmoyant. Die Pariser Autoren lieben derlei Sentimentalitäten aus Kosten der Wahrheit. Die Aufwendung kriminalistischen Scharfsinns und technischer Raffinements in der Führung der Fabel vermag über die Hohlheit dieses Theaterstückes nicht zu täuschen. Daß mehr als mittelmäßig gemimt wurde, kann nicht behauptet werden. Elsa Galasrös ausgenommen, die im zweiten Alt eine gut künstlerische Leistung vollbrachte. Die Regie ließ eS an Verstößen nicht fehlen. Die Hausclaque hingegen arbeitete mustermätzig. Demnach wurde ein stark überhitzter„Erfolg" erzielt.«. Humor und Satire. Epilog. Wieder steh» sie vor der Urne, Bauch hinein und Brust heraus. Preußens stramme Schicksalsnurne Teilt den Stimmenzettel aus. Nach bekannter indirekter Untertanenschnelldressur. „Hände hoch!" Der Gutsinspektor Wetzt die Schere schon zur Schur. Dachdecker.SluSsperrung in Leipzig. Die Dachdeckermeister Leip- zigS haben sämtliche Dachdecker, sowohl die im Zentralverband wie auch die in der Lokalorganisation organisierten, ausgesperrt, weil sie einem Tarifentwurf nicht zustimmten, der für die Arbeiter Verschlech- terungen brachte. Es wird gebeten, Leipzig zu meiden. In der Nürnberger Portefeuilleindnstrie ist eS wiederum zu einem Tarifabschlusi zwischen der Vereinigung der Lederwarenfabrikanten Deutschlands und dem Verband der Sattler und Portefeuiller ge- kommen. Trotzdem der Geschäftsgang seit IS Jahren noch nicht so schlecht war als gegenwärtig, gelang es doch, ohne Arbeitseinstellung die Mindestlöhne um 1 M. zu erhöhen, für alle Zeitlohnarbeiter und Arbeiterinnen eine Lohnerhöhung von 2 Pf. pro Stunde ab 1. Sep- tember 19l3 und 2 Pf. ab I.März ISIS zu erreichen. Die auf Zeit- lohn Beschäftigten erhalten die auf Wochentage fallenden gesetzlichen Feiertage zur Hälfte, alle aufAkkord beschäftigten männlichen mit 2,S0M. und weiblichen Arbeiter mit 1,2S M. pro Feiertag vergütet. Wegen der Bezahlung der Ueberstunden, des Akkordlohntarifes, des Wartens auf Zuschnitt, der Schlichlungskommission usw. gelten die Bestimmungen des Reichstarifes. Die an sich nicht großen Erfolge finden ihre Er- klärung in dem schlechten. Geschäftsgang und den rückständigen Ver- Hältnissen in den übrigen Gewerben Nürnbergs. Erst wenn diefe einigermaßen nachgekommen sind, wird es den Portefeuiller» möglich sein, mehr zu erreichen. Was sie bereits haben, danken sie ihren guten OrganisationSverhSltnissen, denn alle Portefeuiller und Portefeuille-Arbeiterinnen sind freigewerkschaftlich organisiert. ElnsUna. Tas Ende der Mailänder Streikbewegung. Rom, 31. Mai 1313.(Eig. Ber.) Nach einigen unruhigen Tagen. in denen man eine Ausdehnung des Streiks auf die gesamte Arbeiterschaft drr Stadt befürchtete, ist der Mailänder Sympathie- streik dadurch beigelegt worden, daß die Besitzer der Automobil- fabriken sich bereit erklärten, mit ihren Arbeitern zu unterhandeln. Die Ausdehnung des Automobilftreiks auf alle Metallarbeiter, und die Versuche, auch die anderen Ardeiterkategorien zum Niederlegen der Arbeit zu veranlassen, war gerade durch die Weigerung der Unternehmer veranlaßt worden, mit dem streikenden Personal der Automobilfabriken nicht zu verhandeln. So be- zeichnet die Bewegung, die ganz von den Syndikalisten ge- leitet war und im Gegensatz zu dem Rat der Arbeiterkammer und der sozialistischen Parleiseklion auf den Generalstreik hingedrängt hatte, insofern einen Sieg, als sie die Einschüchterung der Unter- nehmer und der Behörden erreicht hatte; mißlungen war sie aber insofern, als sich die Arbeiterklasse nicht bereit gefunden hat, auf das Signal der Syndikalisten hin den allgemeinen Ausstand zu proklamieren. Eine ernstere Störung der Ordnung ist nur während des partiellen Streiks der Trainbabner erfolgt. Während der zwei Tage dieses Streiks wurden die Traniwagen von der Kavallerie bedeckt! die Streikenden versuchten auch durch Errichtung von Barri- kaden den Verkehr zu hemmen. Als eine Gewalttat der Polizei ist eS zu bezeichnen, daß diese den Vorsitzenden des Streikkomitees, den Syndikalisten Corridoni, verhaftete, weil er für die Ausdehnung des Streiks Propaganda machte. Da der Streik nicht strafbar ist, kann auch die Propaganda für den Streik nicht verboten sein. Vor allem war die Verhaftung CorridoniS und anderer im Vordergrund der Bewegung stehenden Syndikalisten eine kolosiale Dummheit der Polizei, die zu ernsten Unruhen hätte führen können. Es hat den Anschein, als ob gerade dieser Uebergriff der Polizei, der die Gefahr einer energischen Reaktion nahelegte, die Unternehmer zum Nachgeben veranlaßt hat. Legen yütteozsdeitei'schllt?. Mit einem nicht zu überbietenden Eifer hetzt die Werkspresie ! legen den von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften ge- orderten Hüttenarbeiterschutz, über dessen zwingende Notwendigkeit aber auch in den Kreisen der ernsthaften Sozialpolitiker kaum noch ein Zweifel besteht. DaS gerade reizt die Werksjournalisten, Gegengründe scheffelweise anzufahren. Jedoch: blinder Eifer schadet nur! Das müssen auch die Hüttenbarone erleben. Ihre zungen Leute verderben ihnen schließlich doch den Brei, sie schlagen mit jedem neuen Grund gegen Hüttenarbeiterschutz die anderen durchschlagenden Gründe zu Boden, oder aber deren Haltlosigkeit liegt klar zutage. Zuerst operierte man mit der schweren Be- lastung der Industrie; weitere Lasten zu tragen sei unmöglich. Die Geschäftsberichte der Aktiengesellschaften, deren glänzende finanzielle Entwicklung, die steigenden Ausschüttungen an die Aktionäre, werfen solche Einwände aber unbarmherzig zu dem Ge- rümpel abgetaner Argumente. Die früher oft erhobene Bedenken — zum Schein erhoben—, kürzere Arbeitszeit verführe zu Wirts- ' Hausbesuch und sonstigen schädlichen Ausschweifungen, ist zu ab- genutzt. Damit läßt sich schon gar nichts mehr machen. .Stimmt'S?' Er schwingt die lange Peitsche. .König, Gott und Baterland I' Wählbar ist ein jeder Deutsche, Doch gewählt wird Heydebrand. Von der Weichsel bis zur Elbe Steht die Zeit seit langem still, Und die Dummheit bleibt dieselbe, Weil der liebe Gott eS will. Trostlos leuchtet über Blinden Seine Sonne fort und fort. Lustig flattert in den Winden Ein zerfetztes Königswort. (E. Steiger im.SimPlicissimuS'.) Notizen. — Musikchronik. Dienstagabend 8'/, Uhr findet in der Berliner Bockbrauerei das VII. VölkS-Sinfonie- Konzert des Blüthner-OrchesterS statt. AIS Solist wirkt der Flötist Richard Möbus mit. Das Programm enthält: Ouvertüre zur Oper .Die weiße Dame' von Boieldieu, Militärfinfonie Nr. 11 von Haydn, AK von Bach, Fantasie aus»Hansel und Gretel' von Humperdinck und den Walzer»Du und Du' von Joh. Strauß. Eintritt 30 Pf.— Weitere Konzerte finden am Mittwoch in der Brauerei Königstadt, und am Freitag im Moabiter GesellschastshauS, Wiclefstr. 24, statt. — Festlonjunktur in der Kg l. Oper. Die Veran- staltungen des Kgl. Opernhauses ermangeln so ziemlich deS öffent- lichen Interesses. Man weiß ein- für allemal, waS das System Hülsen leistet sund mißtraut daher auch jedem Neubau eines Kgl. Opernhauses, solange diese? System, das ja nicht bloß am Namen Hülsen hängt, weiter besteht). Muß man von der Kgl. Oper not- gedrungen reden, so handelt eS sich sicher nicht um Kunstangelegen- heften. Eben macht dies vorbildliche Institut von sich reden, da eS für die sogenannten Festaufführungen, die keine sind, doppelte Preise fordert. Neugierige sind gewarnt. — Petersburg als Zweimtlltonenstadt. Nach dem Bericht über das Jahr 1312, den die stattstische Abteilung des Petersburger Stadtamtes soeben veröffentlicht, hat die Einwohner- zahl der russischen Hauptstadt die zweite Million bereits überschritten. Die genaue Ziffer ist 2 l)18 536. Die durchschnittliche Vermehrung der Bevölkerung beträgt alljährlich 43(XX) Köpfe. � Diesem Aufschwung stehen jedoch andere bedenkliche Momente gegenüber. Der Sterblich- keitsprozentsatz hat zugenommen. Im Jahre 1311 betrug er 21,1 von IlXX). — Die Zukunft des K o m ö d i en h au ses. Die Direktoren Meinhard und Bernauer, die bereits das Berliner Theater und das Theater in der Königgrätzer Straße«geschäfts- tüchtig' ausschlachten, haben auf eine Reihe von Jahren nun auch das Komödienhaus übernommen(vom 1ö. September an). Da verfiel man auf den grandiosen Einfall— technische Schwierigkeiten vorzuschieben. Im kontinuierlichen Betrieb lasse sich keine unter 12 Stunden hinabgehende Arbeitszeit einfiihren. Das in der Praxis schon längst bekannte Problem der dreifachen Schicht entzog solcher Schlußfolgerung die Grundlage. Tann sollte Arbeitermangel das Hindernis für die Einführung der Achtstunden- schicht sein. Es sei nicht möglich, die auf zirka 133 333 Mann zu beziffernden Arbeitskräfte zu beschaffen. Deshalb müsse es bei der Zwölfstundenschicht bleiben. Mit solcher Dummpfiffigkeit ist schon gar kein Durchkommen. Die Rechnung ist ökonomisch und mathe- inatisch falsch. Zwar sind in der Großeisenindustrie zirka 333 333 Menschen beschäftigt, ein großer Teil davon aber überhaupt gar nicht in den in Betracht kommenden Hüttenbetrieben. Auf sie ent- fällt noch nicht der dritte Teil. Oekonomisch ist die Rechnung falsch, weil sie von der alten Produktionstechnik ausgeht, bei der tausende Verrichtungen, die jetzt automatisch sich vollziehen, von Hand- arbeitern zu leisten waren. Tie„Rh.-Westf. Ztg." kam kürzlich auf den schlauen Gedanken, die Forderung besseren Hüttenarbeiter- schutzes durch Hinweis auf die Bequemlichkeit der Arbeit abzu- lehnen. lind sie findet, daß die Zahl der Feuerarbeiter immer mehr schwindet, die schweren Verrichtungen in wachsendem Maße von der Maschine übernommen werden. Bald hatte das Blatt das Vergnügen, auf Grund einer von der Südwestdeutfchen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller herausgegebe- nen Denkschrift den Beweis zu erbringen, daß die fortschreitende Technik den Arbeiter immer mehr aus den Feuerbetrieben ver- dränge. Der Verfasser— Dr. Alexander Tille— zeigenden Weg, den die EntWickelung gegangen, nämlich den, an die Stelle der Menschenarbeit den Automaten zu setzen. Man müsse sich ein großes modernes Hüttenwerk vor Augen halten, um die verblüffend weitgetriebene Ausschaltung der menschlichen Handkraft zugunsten der Maschine zu erkennen.... „Für den Unternehmer sind technisch-vollkommene Einrich- tungen wirtschaftlicher als altmodische und beschwerliche, und gefährliche Arbeiten teurer als leichte und ungefährliche, und er vermeidet sie und verringert sie aus eigenem Antriebe, wo er kann. Diese Verbesserungen beginnen bereits mit der Ueber- dachung der Betriebsstätten. Auf einem Werk an der Saar sind im Hochofenbetrieb nur noch 2Z� Prozent aller Arbeiter nicht unter Dach beschäftigt. Fast überall sind an die Stelle großer Menschenmengen, die der Glut oder der Gefahr besonders aus- gesetzt waren, wenige Kräfte getreten. Zum Aufladen des Roh- eisens waren an einer Hütte früher 24 Mann mit schweren Ar- beiten beschäftigt, heute 6 Mann bei leichter Arbeit. Das Ent- leeren der Klärteiche der Hütte, bei dem die Arbeiter in Schlamm und Wasser treten müyen, erfolgt heute automatisch. Beim Transport der Rohmaterialien sind 63 Prozent Arbeiter weniger notwendig geworden. Das Entleeren des Materials in die Gicht- schüssel des Hochofens erfordert nur die Hälfte der Arbeiter. Durch die Einrichtung des doppelten Gichtverschlusses sind die Arbeiter den gefährlichen Gasen nicht mehr ausgesetzt. Die Gaskanalreinigung ist auf den sechsten Tteil der Zeit herabgemindert, das Abstechen des Eisens am Ofen ist nur noch 4 bis Smal gegen früher 13 bis 12mal in der Schicht nötig. Das Stopfen des Gichtloches erfolgt maschinell. Kurzum, die Zahl der Feuerarbeiter im Hochofenbetrieb hat sich für die gleiche Er- zeugung berechnet, um 33 bis 43 Prozent vermindert. Dabei sind diese verminderten Feuerarbeiter nicht mehr entfernt so sehr der Hitze ausgesetzt wie ehedem." Diese Darlegungen bezwecken den Nachweis, daß die Leichtig- keit und Bequemlichkeit der Arbeit keinen Anspruch auf Ver- kürzung der Arbeitszeit rechtfertigt. Daß sie den Einwand, die große Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte gestatte nicht die Ein- fuhrung der dreigeteilten Schicht, über den Haufen werfen, daran denkt man nun wohl nicht. Der Versuch, die Arbeit als nicht auf- reibend erscheinen zu lassen,, zerschellt aber wieder an der Tatsache des schnellen Verbrauchs der Arbeiter. Haben doch im vergange- nen Jahre die Gewerbeinspektoren festgestellt, daß der Arbeiter- Wechsel in der Eisengroßindustrie darum so groß sei, weil die Leute nach kurzer Zeit einfach auf die Straße gesetzt werden. Trotz der planmäßigen Verjüngung des Arbeiterstammes ist aber die Krankenziffer in den Hüttenwerken um zirka 53 Prozent höher als im Durchschnitt aller Krankenkassen. Also, mit der Bequemlich» keit und gesundheitlichen Ungefährlichkeit der Arbeit, die man vor- täuschen möchte, ist eS auch nichts. Ein Einwand nach dem anderen, den die Unternehmer gegen den geforderten Hütten- arbeiterschutz ins Feld führen lassen, zerschellt an dem granitenen Felsen der entgegenstehenden Tatsachen. Tie Aufsehen erregen- den Feststellungen der Fabrikinspektoren über das Durchschnitts- alter der Stahlwerksarbeiter, das systematische Abstoßen der schnell verbrauchten Arbeitskräfte, das ununterbrochene Heranholen noch junger, unverbrauchter Kräfte, die hohen Krankenziftern, alles Er- scheinungen furchtbaren Raubbaues können in ihrer demonstrativen Bedeutung auch nicht durch eine andere„wissenschaftliche' Arbeit vermindert werden, die ebenfalls von dem genannten Verein schnell bestellt und den„maßgebenden" Stellen zur gefl. Beachtung unter- breitet worden ist. Ter Verfasser, Dr. rer. pol. R. Kind erhielt den Auftrag, nachzuweisen, daß die zwönlfstündigen Arbeits- schichten in Wirklichkeit weit kürzere Arbeitszeiten umschließen. Vielleicht' hat Herr Kind das Prädikat„gut" bekommen. Er „beweist" ziffernmäßig, daß die jetzige zwölfstündige Schicht den Arbeiter durchweg nur 6 bis 3 Stunden in einer Täfigkeit fessele. Die übrige Zeit werde durch Pausen ausgefüllt. In manchen Betrieben stelle sich die effektive Arbeitszeit gar nur auf 4 Stunden 37 Minuten!— Solche Rechenkünste sind einfach gar nicht disku- tabel. Die Arbeit hält jeden in den Hüttenbetrieben Beschäftigten während der ganzen Schicht gefangen. Neben den Hauptarbeiten im eigentlichen Produktionsprozeß ist noch eine Summe von Neben- und Vorrichtungsarbeiten zu leisten, die einfach nicht berücksichtigt werden. Wir nehmen von den Machenschaften des Verein? für Scharftnacherei und gegen Sozialpolitik— genannt„Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller— Notiz, um zu zeigen, mit welchem Eifer und mit welchen Mitteln man einen besseren Hüttenarbeiterschutz zu verhindern sucht. Bei dem Einfluß jener Gesellschaft könnten ihre Treibereien Erfolg haben, wenn nicht auf die Fadenscheinigkeit und völlig hinfälligen, sich meistens wider- sprechenden Argumente hingewiesen würde. Klmftmu der in den Konsnmbnckereitn btschiistigten Arbeiter. Frankfurt a. M.. 31. Mai. Dem VerbandStag der Bäcker, der morgen hier beginnt, ging heute«ine Konferenz der in Genossenschaftsbetrieben beschäftigten Bäcker voraus. Tie Konferenz, die von ungefähr 123 Delegierten beschickt war, hatte die Aufgabe, eine Frage zur Entscheidung zu bringen, die in den letzten Monaten im Fachorgan sehr eifrig de- battiert wurde: Reichs-, Bezirks- oder Ortstarif? Notwendig machte sich die Stellungnahme zu dieser Frage, weil der mit dem Zentralverband deutscher Konsumvereine abgeschlossene ReichZtarif am 31. Juni 1314 abläuft. Einmütigkeit bestand darin, daß der Reichstarif am 1. Juli dieses Jahres gekündigt werden soll. Nur über die Gestaltung deS neuen abzuschließenden Tarifs gingen die Meinungen auseinander. Die Konferenz trat ohne Entgegennahme eines Referats gleich in die Diskussion über die Frage Reichs-. Bezirks- oder Ortstarif? ein. Tabei zeigte es sich sofort, daß die Mehrzahl der Delegierten auf dem Standpunkt steht, daß die Or- ganisation den Reichstarif nicht entbehren kann. Besonders waren es die Vertreter aus den ländlichen Bezirken, die die Borteile deS Reichstarifs gegenüber den Orts- oder Bezirkstarifen hervorhoben. Durch den moralischen Druck des hinter dem Reichstarif stehenden Zentralverbandes deutscher Konsumvereine werde viel mehr erreicht als durch Verhandlungen zwischen Organisationen und örtlichen Vereinen. Das mußten auch die größten Opponenten gegen den Reichstarif, die Vertreter von Rheinland und Westfalen, zugeben. Diese machten mehr grundsätzliche Einwände gegen den Reichstarif. Die zentralen Tarifverhandlungen im Baugewerbe, bei den Malern und auch bei den Holzarbeitern, brachten ihnen die lleberzeugung, daß der Reichstarif doch nicht allzu große Vorteile für die Arbeiter» schaft bringe. Einsfimmigkeit herrschte darüber, daß der bestehende Tarif große Mängel aufweist, die unbedingt ausgemerzt werden müßten.— Ter Inhalt des Tarifvertrages ging fast allen Tele- gierten über dessen Form. Ein Vertreter des Vorstands, Kahl» Hamburg, wies darauf hin, daß die Tarifidee sich seit Abschluß des ersten Reichstarifs gewaltig ausgebreitet habe. Damit hätte sich aber auch die Lage der Arbeiter wesentlich verbessert. Man müsse auch bedenken, wie schwer es überhaupt sei, die kleinen Vereine in ein Organisationsverhältnis zu bringen. Wenn man jetzt Be- zirks- oder Ortstarife abschließe, dann fange man wieder von vorne an. Man solle auch nicht verkennen, daß es eine sehr große Anzahl Konsumvereine gebe, die froh wären, wenn sie von ihrem Tarif wieder los wären. Lediglich dem Zentralverband deutscher Konsum- vereine sei es zu verdanken, daß man diese Vereine im Tarifoer» hältnis habe. Tiefer sei mit allem Nachdruck dahinter, daß die an» geschlossenen Vereine sich nicht außerhalb des Tarifs stellen. Bei der prinzipiellen Abstimmung, welche Art Tarifver» träge abzuschließen seien, entschieden sich die Delegierten einstimmig für den Reichstarif. Der Vorstand unterbreitete nun einen Entwurf für einen neuen Tarif, den Kahl- Hamburg ausführlich begründete. Zu- nächst stellte er fest, daß die Vorlage in vielen Fargen weit über die heute geäußerten Wünsche hinausgehe. Der Vorstand habe be- sonders zwei Fragen in den Vordergrund gestellt: die Erhöhung des Minimallohnes und eine zeitgemäße Regelung der Ortszuschläge, Besonders eine Reform dieser Zuschläge habe der Vorstand als Fundament der neuen Tarifverhandlungen vorgesehen. Verbessc- rungen bringe der neue Entwurf in der Ferienfrage, ferner bezüg- lich der Hilfsarbeiter, Einbeziehung anderer im Beruf beschäftigten Personen, wie Backmeister, Schichtenführer usw. Eines dürfe man bei der Beratung nicht übersehen, daß mit Rücksicht auf die Kon- kurrenzfähigkeit der Genossenschaften die Forderungen nicht zu hoch bemessen werden dürften. An dieses Referat schloß sich eine D e b a t t'e. die die ganze Nachmittagssitzung ausfüllte. Dabei kamen wiederholt Wünsche zum Ausdruck, die zeigten, daß besonders in den kleinen Vereinen bei Tarifabschlüssen großzügige soziale Gesichtspunkte oft vermißt wer» den. Die Redner begründeten eine Reihe Anträge, die über die Vorstandsvorlage hinausgingen. Diese Wünsche bezogen sich be- sonders auf bessere Ausgestaltung der Ferien, größere Berücksichti- gung bei Ortszuschlägen, Verlängerung der Eßpausen bei Schicht- arbeit, Einführung der achtstündigen Arbeitszeit und Zuschläge für Nachtarbeit. Verbandsvorsitzender A l l m a n n- Hamburg warnte die Delegierten, ihre Forderungen über die Vorstandsvorlage hin- auszuspannen, da diese das Ergebnis gegenseitiger Verhandlungen mit dem Transportarbeiterverband seien. Würden weitergehende Anträge angenommen, müßte erneut mit diesem verhandelt werden. Schließlich gelangte der Entwurf des Hauptvorstandes ohne wesentliche Aenderungen zur Annahme. Damit waren die Arbeiten der Konferenz erledigt. 13. Gtneraloersammlnng der Kölker und Konditoren. Frankfurt a. M., 1. Juni. Im hiesigen Gewerkschaftshause wurde heute vormittag die 13. ordentliche Generalversammlung des Zentralverbandes der Bäcker, Konditoren und verwandten Berufsgenossen Deutschlands eröffnet. Die Tagung ist von 113 Delegierten, 4 Vorstandsmit- gliedern, 3 Gauleitern und 2 Vertretern des Verbandsorgans be- sucht. Die Generalkommission vertritt K übe-Berlin. Als Gäste sind Vertreter der Bruderverbände von Schweden, Dänemark, Nor- wegen, Oesterreich und der Schweiz anwesend. Zur Leitung dps Bureaus wurden Verbandsvorsitzender A l l m a n n- Hamburg und Hetzschold- Berlin als Vorsitzende, und W i n k l e r» Dresden und M e tz o l d- Berlin als Schriftführer bestellt. Bei der Festsetzung der Tagesordnung wurden Anträge, die Frage der Verschmelzung sämtlicher Organisationen der Nah- rungsmittelindustrie auf die Tagesordnung zu setzen, mit allen gegen 3 Stimmen abgelehnt. Tas Vorstandsmitglied W e i d l c r< Hamburg hatte vorher für den Vorstand erklärt, da bereits der letzte Verbandstag in Berlin in einer Resolution ausgesprochen habe, daß der Verband prinzipiell und aus Zweckmäßigkeitsgründen für die Errichtung eines Verbandes aller in der Nahrungs- und Genuß- Mittelindustrie beschäftigten Arbeiter sei, wäre eine erneute Stellungnahme überflüssig. Erst wenn von der anderen Seite be- stimmte Vorschläge kommen würden, könne man erneut in eine Be» ratung über diese Frage eintreten. Abgelehnt wurde auch, die Ab- schaffung der Nachtarbeit als besonderen Tagesordnungspunkt zu behandeln. Die vorgesehene Tagesordnung fand Bestätigung. Nach Entgegennahme einer Reihe Begrüßungsansprachen und' der Wahl verschiedener Kommissionen erstattete Verbandsvorsitzen- der A l l m a n n den Geschäftsbericht des Borstandes. Er verwies auf den gedruckten Geschäftsbericht, der die drei letzten Jahre umfaßt. Es wird in demselben konstatiert, daß die verflösse- nen drei Jahre für den Verband in jeder Beziehung außerordentlich erfolgreich waren, sowohl in der Vergrößerung der Mitgliederzahl, als auch in den Erfolgen bei den Lohnkämpfen und auch in der finanziellen Entwickelung der Organisation. Die Zahl der Mitglieder stieg in der Geschäftsperiode um rund 13 333: von 23 353 am Schlüsse des Jahres 1339 auf 33 361 Ende 1312. Den Fortschritt deS Verbandes kann man erst richtig ermessen, wenn man berücksichtigt, daß er vor neun Jahren, Ende 1333, erst 6332 Mitglieder zählte. Der Aufschwung ist also gerade- zu glänzend. Auch die Zahl der weiblichen Mitglieder vergrößert sich ständig. Unter den 33 361 befinden sich 4939 weibliche Mit» glieder; 1939 waren es erst 3361. An erfolgreichen Lohnkämpfen war die Berichtsperiode außerordentlich reich. DieS ist ja nicht verwunderlich, denn die Ge- schaftSperiode stand von Anfang an im Zeichen aufsteigender Wirt» schaftskonjunktur. Solche Zeiten müssen die Verdandsmitglieder ausnutzen, um nachzuholen, was sie leider in früheren Jahren wegen der damals noch schwachen Berufsorganisation versäumt haben. Das gilt in noch höherem Maße für die Arbeiter und Ar- beiterinnen in der Honigkuchen-, Waffel- und Kakes-, sowie in der Schokoladen- und Zuckerwarenindustrie, als für die Arbeiter in den Bäckereien. Ein weiterer Ansporn zu diesen zahlreichen Lohn» kämpfen war die enorme Steigerung der Preise aller LebenSmitte l» die die Kollegen und Kolleginnen geradezu dazu aufpeitschen mußte, nun alles daranzusetzen, einigermaßen den AuS» gleich in ihrer Lebenshaltung dadurch herbeizuführen, daß sie ver- suchten, ihre so schon kummerlichen Löhne durch die Lohnkämpfe etwa? zu verbessern und auskömmlicher zu gestalten. Die meisten und umfangreichsten Lohnkämpfe hatte das Jahr 1311 aufzuweisen. denn in dieses Jahr fallen die großen und erfolgreichen Streiks der Bäcker und Konditoren in Berlin und Hamburg, desgleichen ,der Streik in den Schokoladenfabriken von Dresden und Umgegend. Die Organisation hat sich in der Geschäftsperiode mehr und mehr Anerkennung bei den K l e i n m e i st e r n des Bäcker- und Konditor- gewerbeS. wie be, den Brotfabrikanten und ebenso auch be, den Fabrikanten der Lebkuchen-, KakeS- und Waffel-, Schokoladen- und Zuckerwarenindustrie zu erringen gewußt Obgleich deren Organu. sationen noch auf allen ihren Schartmachertagungen gegen die Forderungen des Backerverbandes und gegen o-n Abschlug von Tarifvertragen Sturm geblasen haben, mehrte sich zusehends dm Zahl der Ärbeitgeberkorporationen und auch die Zahl der einzelnen Arbeitgeber, die es im Kampfe nicht erst auf eine Kraftprobe mit der Organisation ankommen lassen wollten, sondern es vorzogen. sich zu verstandigen und Tarife über die Lohn- und ArbckltSbedin» gungen mit ihr abzuschließen. Insgesamt fanden in der Geschäftsperiode statt: 328 Lohn« bewegungen und Streiks, die sich auf 523 Orte mit 1'2 357 Betrieb«, erstreckten. In diesen Betrieben waren 33 363 Arbeiter und Arbeite- rinnen beschäftigt, von denen 31 897 an den Lohnkampsen dire�j veteMgk Earen. Von den 328 LoHnkämpsen endigten 271 oHne Arbeitsniederlegung, also als friedliche Lohnbewegungen. Diese erstreckten sich auf 262 Orte mit 5776 Betrieben und 20 766 Beschäftigten, von denen an den friedlichen Lohnkämpfen 16 113 Ar- beiter und Arbeiterinnen direkt beteiligt waren. In 57 Fällen kam es zum Angriffstreik, Abwehrstreik oder zur Aussperrung unserer Kollegen und Kolleginnen. Es wurden mit den Unternehmern resp. mit deren Korporationen 23ö Tarife für 17 10g Beteiligte ab- geschlossen, davon 204 Tarife bei den friedlichen Lohnbewegungen und 31 Tarife bei Streiks. Die E r f o l g e der Lohnbewegungen inkl. der Streiks und Aus- sperrungen waren: Für 14 012 Beteiligte wurde eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung von 69 091 Stunden oder für den einzelnen Beteiligten von durchschnittlich 4,93 Stunden errungen. Für 25 606 Beteiligte wurde eine wöchentliche Lohnerhöhung von 43 155 M. oder für den einzelnen Beteiligten von 1,69 M. er- rungen. Lohnaufschlag von Ueberstunden oder über- Haupt erst die Bezahlung der Ueberstunden wurde für 23 258 an om Lohnkämpfen Beteiligte errungen, desgleichen für 7198 Be- teiligte höhere Bezahlung der Sonntagsarbeit. Beseitigung von Kost undLogis beim Arbeitgeber oder nur die Beseitigung der Kost oder die Erringung von Ferien wurden für 17 046 an den Kämpfen Beteiligte erreicht. Das sind Erfolge, die zu weiterem rüstigen Streben für die Vergrößerung der Organisation und die durch solche Stärkung mög- lich werdenden weiteren erfolgreichen Lohnkämpfe anspornen müssen. Nach dem Kassenbericht war es dem Verband möglich, das Vermögen des Verbandes in den drei Jahren nahezu zu verdoppeln. Es betrug am 1. Januar 1910 214 210?N., Ende 1912 aber 410 852 Mark. Die Einnahmen betrugen 1 919 725 M., die Ausgaben 1 723 082 M., der Ueberschutz also 196 642 M.! davon entfallen 28 731 M. auf die Lokalkassen. Die Ausgaben für Unterstützungen sind stark in die Höhe gegangen. Die Arbeitslosenunterstützung pro Mitglied gerechnet ist im Jahre 1911 etwas gefallen, dagegen 1912 wieder in die Höhe gegangen; die Reiseunterstützung war 1910 höher als im Jahre 1912 und fiel 1911 wieder etwas. Die Krankenunter- stützung ist von Jahr zu Jahr gestiegen, im letzten Jahre ganz be- deutend. Insgesamt wurden für diese drei Unterstützungsarten verausgabt 458 145 M. für 426 573 Tage; davon entfallen auf Ar- beitsloscnunterstützung 260 253 M. für 231897 Tage, auf Reise- Unterstützung 19 762 M. für 18 087 Tage und auf Krankenunter- stützung 178 124 M. für 176 594 Tage. Die Zahl der Arbeitslosen- unterstützungstage ist gegen die Periode 1907—1909 um 65 000 Tage gestiegen, die Zahl der Krankentage hat sich mehr als verdoppelt. Das Sterbegeld ist von 1910 auf 1911 um die Hälfte gestiegen, im Jahre 1912 gleich geblieben. Für Streiks im Berufe wurde 1911 viermal mehr verausgabt als in den zwei vorhergehenden Jahren und dem darauf folgenden Jahre; insgesamt 233 008 M. Für Streiks an andere Verbände wurde im letzten Jahre die gleiche Summe aufgewendet als in den beiden früheren Jahren zusammen, nämlich 59 744 M. Allmann ging dann auf die vorliegenden Anträge ein. Die Lohnkämpfe würden in der Zukunft erbitterter und viel lang- wieriger sein als bisher. Dazu sei es notwendig, den Kampffonds zu starken. Leider deute darauf nur ein Antrag hin, der durch vier». Extrawochenbeiträge im Jahre die Kampfmittel vermehren wolle. Dagegen hätten 68 Zahlstellen Anträge gestellt, welche die Unter st ützungen erhöhen wollen, ohne für die nötige Deckung zu sorgen. Damit würde man aber die Organisation zu Lohnkämpfen unfähig gestalten. Die Anträge auf Einrichtung neuer Bezirke und Anstellung neuer Bezirksleiter müßten alle ab- gelehnt werden, denn in keinem der in Betracht gezogenen Gebiete sei die Mitgliederzahl so stark, daß ein angestellter Bezirksleiter sich bezahlt machen würde. Am Schlüsse seiner Ausführungen betonte der Redner, regste Mittätigkeit und Aufklärungsarbeit eines grckßen Teiles der Mitglieder fei eS bisher gewesen, die den Erfolg erfreu- lichen Fortschrittes der Organisation herbeigefiihrt hätte. ES gelte auch in der Zukunft, alles daran zu setzen, weiter die große Mass« der Mitglieder zu eifrigster Mitarbeit anzuspannen. Wo das er- reicht würde, werde man in jeder Weise in der Zukunft noch bessere Fortschritte erzielen können als bisher.(Lebhafter Beifall.) Die Verhandlungen werden sodann auf Montag vertagt. 'Ziigenäbetveguiig. Wie Jugendliche in die bürgerliche Jugendbewegung gepreßt werden. Der Kampf um die Jugend nimmt immer mehr u n g e s e tz- l i ch e Formen an und zeigt, daß den Freunden der bürgerlichen Jugendbewegung jedes Mittel recht ist, um Mitglieder in diese hineinzupressen. In Waldau. KreiS Liegnitz, verkündete der Orts- geistliche während der Kirche von der Kanzel herab, daß am 18. Mai im Dorfe eine Versammlung Jugendlicher stallfinde, zu der alle FortbildungSschüler erscheinen müssen. In Waldau ist eS aber so. wie in den meisten anderen Orten: Es kommen eben nicht mehr alle Ortsbewohner in die Kirche. Infolge- dessen hatten auch vier Fortbildungsschüler keine Kenntnis von der Versammlung und gingen nicht hin. Groß war aber das Erstaunen, als die vier amtliche Strafbefehle folgenden Inhalts er- hielten: Sie haben am 18. d. Mts. bei der V e r s a m m l u n g der Fortbildugsschüler unentschuldigt gefehlt. Die Uebertretung wird bewiesen durch die Anzeige des Schulleiters. Es wird deshalb hiermit gegen Sie auf Grund der ZZ 9 und 10 des Statut« der Fortbildungsschule eine bei der hiesigen Amts- lasse zu erlegende Geldstrafe von 50 Pf., an deren Stelle, wenn sie nicht beizutreiben ist, eine Haft von einem Tage tritt, hierdurch festgesetzt.(Dann folgen die Angaben über Einspruch usw.) Waldau, den 21. Mai 1913. Der Amtsvorsteher (folgt Name). Abgesehen davon, daß in Waldau zwar eine ländliche Fort- bildungSschule besteht, die im Interesse der Agrarier während des Sommers aber keinen Unterricht erteilt, ist es geradezu ein Hohn,.auf Grund des Statuts der Fortbildungsschule" einige Schüler deshalb zu bestrafen, weil sie nicht an einer Verfamm- lung teilgenominen haben, wozu sie überhaupt nicht die geringste Verpflichtung hatten. Der.gesetzeskundige" Amtsvorsteher wird die Strafbefehle wieder zurücknehmen müssen, sonst wird ihm die richterliche Entscheidung, die angerufen worden ist, eines besseren belehren. Auf alle Fälle ist das Borgehen gegen die mit den Strafbefehlen bedachten Fort- bildungSichüftr wieder ein neuer Beweis dafür, mit welchen Mitteln verl'uchl wird, der bürgerlichen Jugendbewegung Mitglieder zuzuführen. Der Zweck heiligt auch hier die Mittel.' Zus Incliiftm und Kandel. Ter Lerliuer Arbeitsmarkt im Monat April. Die Depression auf dem Berliner Arbeitsmarkle hat sich noch verschärft, da zu den daniederliegenden Großindustrien der Metall� und Maschmen-, der Holz- und Baubranche noch die Tamenkonseklion hinzutrat. Der Metallarbeiterverband zählte am Schlüsse des Berichtsmonats ,,rka 4000 Arbeitslose, ebenso groß ist die Zahl der unbeschattigten Holzarbeiter, und die P r i v a tbau tätig ke. t m Groß-Berlin liegt fast ganz brach. In den ArbeitSirachwelsen kamen aus 100 offene Stellen 176 Männer bezlv 136 Frauen gegen 162 bezw. l2> in der Parallelzeit deSVor- jahres. Bei den Frauen fft ein ganz erhebliches Heruntergehen der Kassenmilglieder zu verzeichnen, die sonstigen Daten auS der Mitgliederbewegung der Krankenkasse., und d.e Einnahmen der Lal�deSversicherunqSanstalt Berlin auS Markenbeiträgen geben keinen weiteren Anhalt für die anhaltend ichlechte Konjunktur, die den Berliner Arbeitsmarkt beherrscht. Em preußischer Oberbürgermeister für die kommunale Lebensmittelversorgung. In der Staatswissenschaftlichen Vereinigung zu Königsberg i. Pr. sprach Geh. Regierungsrat Dr. Wilms, der Oberbürgermeister von Posen, über die modernen Probleme der großstädtischen Kommunen. Bei dem Gebiete der Lebensmittelversorgung wies er darauf hin, daß ein Hauptnahrungsmittel, das Brot, ganz besonders dazu geeignet wäre, d a ß s i ch d i e K o m- munen seiner annähmen, falls zwingende Gründe hierfür vorliegen sollten, da sidb die Bearbeitung dieses Artikels, wie kaum ein anderer, zum Großbetrieb eignete. Die Erfahrungen, die man mit dem Seefischverkauf, in Verbindung mit Koch- kursen, gemacht hätte, wären recht ermutigend. Schwieriger sei die Frage der F l e i s ch v e r s o r g u n g. Nur in be- scheidencm Maße sei hier das Ausland herangezogen worden; die Ergebnisse seien im allgemeinen zufriedenstellend gewesen, und man hätte noch bessere Resultate erzielen können, wenn man den Fleischverkauf für längere Zeit hätte durchführen k ö n n en. Es existierten indes Rücksichten auf das Fleischergewerbe. Was werden die liberalen Stadtväter und Magistratsherren sagen, die immer ihre manchesterlichen Theorien ins Treffen führen, wenn sie zur kommunalen Lebensmittelversorgung Stellung nehmen sollen? In Wirklichkeit aber ist es nur die Sorge um den Gevatter Bäcker und Fleischer, die sie davon abhält, das durchzuführen, was dringend im Interesse der Allgemeinheit liegt. Der Milchkrieg in Cham(Kanton Zug) ist in ein neues inter- essantes Stadium getreten und es hat gerade den Anschein, als ob die Bauernfübrer die Bauern mit Gewalt dem Ruin entgegentreiben wollen. Durch Bemühungen der Regierung des Kantons Zug ist die Basis zu einer Verständigung zwischen dem Verband der zugerisch- aargauischen und luzernischen Milchgenossenschaften und der Nestlä und Angela Swiß Milk Co. in Cham gefunden worden: 1. Die Nestls und Angls Swiß Milk Co. hat ihre frühere Offerte wieder aufgenommen und offeriert einen Jabrespreis von 17,50 Fr. per 100 Kilo franko Cham. Der Vorstand des Verbandes der zugerisch-aargauisch-luzernischen Milchgenossenschaft akzeptiert diesen Preis. 2. Es soll an Cham sämtliche Milch des Verbandes, die noch nicht an Käser definitiv ver- kaust ist, geliefert werden. Unter nichtverkaufter Milch ist die Milch von mindestens 6000 Kühen zu verstehen. 3. Diejenigen Genossen- schaften, die zufolge eingegangener Verträge(Butter- und Schotten- lieserungen usw.) die Milch nicht sofort liefern können, erhalten eine Maximalfrist von drei Monaten zu dieser Lieferung. Der Vorstand hat über diese Vereinbarung eine Abstimmung veranstaltet, die aber negativ ausgefallen ist. Als Resultat wurde der Milchsiederci mitgeteilt, daß höchstens für die Milch von 2500 Kühen garantiert werden könne. Infolgedessen hat die Siedcrci ihre Offerte wieder zurückgezogen und der Kampf geht weiter, heftiger als vorher. Es ist eine Selbsttäuschung der Bauern, wenn sie sich einbilden, den Milchpreis auf der künstlich gesteigerten Höhe halten zu können. Bei der infolge der großen Käseüberproduktio» vorhandenen Milchschwemme ist der Preis auf die Dauer nicht mehr zu halten. Was wird die Folge sein? Die Milchsiederei mit den ihr zu Gebote stehenden Millionen kann warten, und die Bauern verbände werden bald genug noch merken, daß sie doch nachgeben müssen, denn wenn die vielen Tausend Liter Milch, die täglich in die Chamer Milchsiederei geliefert wurden, auch noch dauernd ver buttert und verkäst werden, so ist ein bedeutender Butter- und Käse- abschlag die unausbleibliche Folge, zur Freude der Konsumenten und nicht zum wenigsten der Arbeiterschaft; denn diese leidet unter der fortwährenden Preissteigerung am meisten. Nicht daß man den Bauern ihren Verdienst nicht gönnte; nein, aber die Art und Weise, wie die Milchpreise in den letzten Jahren künstlich in die Höhe getrieben und die Bauern zur einseitigen Milchwirtschast verleitet wurden, rächt sich jetzt. Der Kaliabsatz. In der gestrigen Gesellschaftsversammlung des Kalisyndikats wurde mitgeteilt: Während das Kalisyndikat im ersten Quartal dieses JahreS einen Mehrabsatz von 6 Millionen Mark gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres erzielen konnte, ist der Mehr- absatz in den absatzschwachen Monaten April und Mai je 250 000 M. gewesen, so daß sich also das Plus in den ersten fünf Monaten 1913 auf zirka 6'/, Millionen M. gegen den gleichen Zeitraum des Vor jahreS stellt. Dieser Mehrabsatz, der an sich befriedigend ist, hat nicht genügt, um die Beteiligung der 28 neuen Werke zu decken, welche in den letzten Monaten des Jahres 1912 und ab 1. Januar 1913 dem Kalisyndikat als Gesellschafter beigetreten sind, sowie der- jenigen Werke, welche Zusatzquoten erhalten haben. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß das A u S I a n d an dem Mehrabsatz weniger beteiligt ist als das Inland, und daß be- sonders daS Geschäft in den östlichen Staaten Europas unter den Balkanwirren und der G e l d k r i s i S gelitten hat. Auch der Absatz nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika ließ in den ersten Monaten dieses Jahres infolge ungünstiger Verhältnisse auf dem amerikanischen Düngemittelmarkte zu wünschen übrig. Die„Allgemeine Elektrizitäts-Gcsellschaft" teilt mit, daß entgegen anderslautenden Angaben die Zahl der Beschäftigten keineswegs zurückgegangen sei. Vielmehr seien die starken vorjährigen Rekord- ziffern der A. E.-G. sowohl in Bezug auf die fakturierten Umsätze als auch die vorliegenden Aufträge durch die Ziffern des laufenden Jahres erheblich überschrrtten worden. Währungsreform in Amerika. Senator Tillmann hat einen Brief des Präsidenten Wilson veröffentlicht, in welchem dieser eine sofortige Währungsreform empfiehlt und er- klärt: Wir sind loyaler Weise dem Lande gegenüber verpflichtet, sie durchzuführen, so daß jeder Versuch, eine künstliche Verwirrung zu schaffen, nachdem die Tarisvorlage Gesetz geworden ist. durch ein freies Kreditsystem ausgeschaltet wird, das es jedermann, reich oder arm, ermöglicht, im Geschäftsleben selbst seine Vorsorge zu treffen. Soziales. Ein neuer Knebel für die Laudarbeiter. Unter Bruch der Reichsverfassung wurde im Jahre 1912 bekanntlich vom Preußischen Landtag ein Gesetz beschlossen, mit Hilfe dessen arbeitsscheue Personen durch die Verwaltungs- (Polizei-) Behörden in Arbeitshäusern untergebracht werden sollen. Als unsere Genossen im Landtage auf diesen Ver- fassungsbruch hinwiesen und betonten, daß das Gesetz nur eine Waffe gegen mißliebige Arbeiter sein sollte, war die Regierung und die Junkcrmehrheit sehr entrüstet. Jetzt zeigt sich von Tag zu Tag mehr, daß insbesondere den Landarbeitern mit diesem Gesetz eine neue Rute gebunden worden ist. Ganz kraß tritt der Mißbrauch des Gesetzes im Interesse der Junker in folgendem- Schreiben zutage, das ein Guts- Vorsteher im ostpreußischen Kreise Pr.-Eylau an einen Arbeiter richtete: .Liebhausen, den 22. Oktober 1912. Der Deputant Hermann Krause au? Liebhausen wird hiermit nach Maßgabe des Gesetzes vom 23. Juli 1012(G. S. S. 195) nochnials und zwar zum letztenmal aufgefordert, die Arbeit auf- zunehmen und zwar unter der Verwarnung, daß im Weigerungs- solle nach Absatz II(Verfahren zur Anordnung des Arbeitszwauge«) Abs. 1 und 2 gegen Krause die Unterbringung in einem Arbeits- bause beantragt werden ivird, weil er durch seine Arbeitsscheu das Fortlommen feiner Familie gefährdet. Desgleichen wird gegen den Schorwerker Otto Krause die Unterbringung und Einleitung der Fürsorgeerziehung beantragt werden, da ein längeres Verweilen im Elternhause bei Krause unter den obwaltenden Umständen die Erziehung de« Otto ftrmchd gefährdet. Der Gutsvorstand. (L. S.) gez. Mattern." So wird ein ehrlicher Arbeiter, der es bei irgend einem Agrarier nicht mehr aushalten kann, einfach zu einem Arbeits- scheuen gestempelt. Zur Ausführung dieser Drohung ist es ja schließlich nicht gekommen. Aber die Tatsache, daß solche Drohungen von einer amtlichen Stelle ausgesprochen werden können, spricht Bände und beleuchtet wie ein Blitzlicht die preußischen Zustände. Werden die vorgesetzten Behörden nun gegen diesen Gutsvorsteher einschreiten? Augenunfall durch Glühbirnen. Die minderjährige Arbeiterin Elsa T. hat am 7. oder 8. No� vember 1910 im Betriebe eine Verletzung deS linken Auges erlitten. Der Unfall ereignete sich dadurch, daß der Arbeiterin im Betriebe der Gasglühlichtgesellschaft Auer beim Lampeneinrichten eine Birne zersprang und ihr ein Stückchen Glas in das linke Auge flog. Trotz der Schmerzen, welche die C. sofort empfand, arbeitete sie noch etwa 8 Tage weiter, ehe sie den Augenarzt zu Rate zog. Der von der Verletzten bei der Norddeutschen INctall-Bcrufsgenossenschaft er- hobene Anspruch auf Unfallrente wurde zurückgewiesen, weil nicht erwiesen ist, daß die C. im November 1910 im Betriebe einen Un- fall erlitten hat. Außerdem hängt nach ärztlicher Ansicht die Eni- zündung der Hornhaut des linken Auges mit dem angeblichen Unfall ursächlich nicht zusammen. Inzwischen war auch das unverletzte rechte Auge in der gleichen Weise erkrankt. Die von der Klägerin gegen den Ablehnungsbescheid erhoben« Berufung wurde vom Schiedsgericht für Arbeiterversicherung für den Stadtkreis Berlin zurückgewiesen. Das Schiedsgericht stützt sich auf ein von dem Prof. Dr. A. eingefordertes Gutachten. Nach diesem Gutachter besteht eine sogenannte parenchymatöse Horn- Hautentzündung, die nur aus luetischer Grundlage entstehen kann. Nach dem Ausfall der ärztlichen Untersuchung kann indessen kein Zweifel bestehen, daß die Verletzte hereditär belastet ist. Gogen diese Entscheidung rekurierte die Klägerin beim Reichsversicherungs« amt. Es wurde betont, daß, wenn die Basis für die Erkrankung der Augen auch bestanden haben mag, dann ist dem Unfall zum mindesten eine verschlimmernde Wirkung beizumessen; um so mehr dürste dies der Fall sein, als das verletzte linke Auge von der Er» krankung an parenchimatöser Hornhautentzündung betroffen wurde. Das Rcichsversicherungsamt forderte ein ärztliches Ob er gut- achten von dem Direktor der Königlichen Universitäts-Augenklinik Professor Dr. Br. ein. Der Obergutachter kommt zu dem Er- gebnis, daß die parenchymatöse Hornhautentzündung auf beide» Augen als Unfallfolge aufzufassen ist. Darauf verurteilte das Reichsversicherungsamt die Berufsgenossenschft zur Entschädigungs» Pflicht. In den Urteilsjjründen des erkennenden Senats heißt es u. a.:„Das Reichsversicherungsamt hat zunächst den von der Klägerin behaupteten Unfall als erwiesen angenommen, denn die Klägerin hat von Anfang an behauptet, daß eines Tages um die Wende des Monats Oktober 1910 bei der Arbeit eine Glühbirne geplatzt sei und daß sie in demselben Augenblick im linken Auge einen Schmerz gefühlt habe. Diese Angaben sind von der Zeugin M. bestätigt worden. Es ist daher durchaus wahrscheinlich, dag ein der vielen umherspritzenden Glassplitterchen das Auge der Klägerin getroffen hat. Wenn nachher weder von der Samariterin nock) von dem erstbehandelnden Augenarzt Dr. T. eine Verletzung des Auges gefunden worden ist, so findet dies, wie auch Prof. Dr. B. annimmt, eine genügende Erklärung dadurch, daß der Splitter nur gegen und nicht in das Auge hineingeflogen ist. Im übrigen hat das Rcichsversicherungsamt gemäß dem dort ihm eingeholten Obergutachten den ursächlichen Zusammenhang des auf beiden Augen der Klägerin bestehenden Leidens mit dem Unfälle bejaht. Das Gutachten wird dadurch bestätigt, daß die- Klägerin von dem Unfälle an Schmerzen auf dem linken Auge gefühlt und daß das Leiden von diesem Auge seinen Ausgang genommen hat." Der Klägerin wurde vom Beginn der 14. Woche bis zumt->i 31. Juli 1912 die Vollrente und vom 1. August 1912 ab eine Rente! von 25 ißroz. zuerkannt._ Unfall in der Wohnung. Ein Bauunternehmer in Barmen hatte mehrere Zimmerer zu! einer größeren Arbeit nach dem entfernten Botropp geschickt. Da noch keine Baubude errichtet war, so muhten die Handwerker ihre Arbeitsgeräte mit in ihr gemietetes Zimmer nehmen. Als nun der 23 Jahre alt« Zimmerer E. einen Kasten auf den Schrank im Zimmer stellen wollte, fiel von diesem unerwartet ein Revolver herab, der sich beim Aufheben entlud und den jungen Mann schwer an beiden Augen verletzte. Für seinen Beruf ist der junge Mann dauernd unfähig geworden. Er verlangte von der Berufsgenossen, schaft Unfallrente. Doch hier hatte er kein Glück, denn die Bau- gewerksberufsgenosienschast erklärte, daß von einem Betriebsunfall keine Rede fein könne, weil die Verletzung bei der Ordnung der eigenwirtfchaftlichcn Angelegenheiten sich ereignet habe und weder örtlich noch zeitlich und ursächlich mit dem Betrieb im Zusammen- hange stand. Dem Schiedsgericht schrieb der Verletzte, daß von einem Betriebsunfall doch die Rede fein müsse, denn er habe keine Vergnügungsreise gemacht, sondern sei von seiner Firma auf Montage geschickt worden. Er sei gezwungen gewesen, das ganze Handwerkszeug in die ihm fremde Wohnung zu nehmen und dort einer Betriebsgefahr zum Opfer gefallen. Das Reichsversicherungs- amt habe immer erklärt, daß die Reisen der Monteure zum Be- triebe gehörten. Und um eine solche Montagereise handele es sich im vorliegenden Fall«. Denn um diese Reise auszuführen, sei jeder Monteur gehalten, neben dem etwaigen Werkzeug auch Kleidungs- stück« usw. mitzunehmen, was eben zu seinem persönlichen Ge- brauch: diene. Derartige ihm selbst gehörige Dinge seien daher in diesem Falle dem Arbeitsgerät durchaus gleichzuachten, und sei auch ein Monteur bei der Unterbringung derartiger Gerätschaften in der Wohnung, die er sich doch notwendigerweise mieten muß, wenn er an einem fremden Orte Arbeiten ausführen will, immer noch im Betriebe. Die eigenwirtschaftliche Tätigkeit in der Woh. nung beginne eigentlich erst dann, wenn er sich wirklich wohnlich eingerichtet habe,. Der Unfall sei aber entstanden bei der Unter- bringung des Arbeitsgerätes in einer ihm ganz fremden Wohnung. Er konnte auch nicht wissen, daß ein geladener Revolver auf dem Schranke lag, und sei somit einer Betriebsgefahr zum Opfer ge» fallen. Das Schiedsgericht gab jedoch der Genossenschaft recht. Ebenso das Rcichsversicherungsamt. In den Gründen heißt eS: Die Reise sei allerdings vom Kläger im Interesse des Betriebes zurückgelegt worden und„der versicherten Betriebstätigkeit zuzurechnen. Die Verrichtung aber, die er am Tage nach der Ankunft in Botropp in der dort gemieteten Wohnung vornahm, sind eigenwirtschaftlicher Natur und können dem Betriebe nicht zugerechnet werden. ZTCan kann auch nicht von dem Gesichtspunkte aus zu Bejahung eines Betriebsunfalles gelangen, daß der Unfall den Kläger nicht be- troffen hätte, wenn er nicht die im Betrtebsinteress« zurückgelegte Reise nach Botropp hätte machen müssen. In diesem weiten Sinn« kann der ursächliche Zusammenhang zwischen dem Betrieb und dem Unfälle nicht geltend gemacht werden, denn eS ist davon auszugehen, daß das Gewerbeunsallversicherungsgesetz Entschädigungen gewährt für die Folgen von Unfällen, die sich bei dem Betriebe ereignen, d. h. bei einer Tätigkeit, die die Zwecke des Betriebes zu fördern bestimmt sind." Dies treffe aber im vorliegenden Falle nicht zu, denn„hier stand das eigenwirtschaftlich« Interesse deS Klägers selbst dann noch im Vordergrund, wenn, wie schließlich behauptet worden ist, der Revolver beim Herabnchmen von Handwerkszeug vom Schrank gefallen ist". Oeorg A.Uasmatei Akh Ges. Dresden "Größte deuteche Cigarehten fa brIK. r*m Theater. Di««» tag, 3. Juni 1913. Anfang 7'/4 Uhr. Vvater. Das Bummelmädchen. Ansang 7>/, Ubr. «gl. Opernhaus. Orpheus und Eurydike. «Snigl. Schauspielhaus. Der ge- hörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Anfang 8 Ubr. Urania. Der Vierwaldstäiterfee und der Gotthard. Stetes Opern tKroll). Der fiie- gende Holländer. ISessing. Ält-Wien. Dentsches. Der lebend- Leichnam. Stammerspiele. Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Berliner. Filmzauber. Söniggräher Strafte. Frankfurter. Die fünf Schiller O. HasemannZ Töchter. Schiller-Charlottenb. Geographie Westens. Gc- Der lachende Der und Liebe. Theater des schlössen. Montis Operetten Ehemann. Deutsches Schauspielhaus Dieb. Kleines. Professor Bernhard!. Deutsches Opernhaus. Der Mikado. «omödienhaus. Hochherrschajtlichc Wohnungen. Metropol. Die Kino-Königin. Thalia. Puppchen. Wintergarten. Spezialitäten. Rrichshallen. Stettiner süngcr. Anfang S1!, Uhr. Friede.< Wilh. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Luftspielbaus. Der lustige Kakadu. Luisen. Die Allwördens. Rose. SHorte und Fessel. Im Garten: Die Allwördens. Folies Gaprice. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 8'/, Ubr. Neues Volkstheater. Ernst seiy. Theater am Nollcndorsplaft. Der Mann mit der grünen Maske. Anfang 9 Rhr. Admiralspalast. 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IOSE=THEATE Große Frankiurtei Str. 132. Ansang 8llt Uhr. Krone und Fessel. Auf der Gartenbühne: .4.elttmis! Ks geht los! Große Posse. Ansang 411, Uhr. lontis Operetten-Theater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Sommerpreisc. Gastsp. Jul. Spielmann. 8 Uhr: Der lachende Ehemann. passage-�anopMun� Die 3 Schwestern Liliput die kleinst. Schwest. der Welt. Oer weitberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei seinem Training. • die schwebende Jnngtran! Alles lebend! Alles ohne Extra-Kntree! Boigt-Theater. Badstrafte 38. Heute sowie täglich: Ans nach Amerika! Sens. Ges.-Burlcs ke i. 5 Akt. o. Zappert. Vollständig neue Spezialitäten. Kassenöffnung 2 Uhr. Anfang 4>/, Uhr. IS/. LOCJSCHER Gärte m � Täglich: Großes Militär- »3 Doppel-Konzert. Eintritt I Marlr. von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Heute, Dienstag, 3. Juni, ahends S'/s tlhr: Volks-Slntonie-Konzert des Blüthner- Orchesters Dirigent; Gnldo v. Fuchs. Solist; Rich. Möhns(Flöte). A. d. 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Ranges. Wein- und Bier-Abteilung. ----- Berliner——- luinnr-aaiirte» W. Wntzfcy MtOderbergerStr-JS 8. VreuMch-Suddetttsche (828. KSnigl. Nrrnß) Klassenlotterie L«lasse 20. Ziehungstag 2. Juni 1913 Vormittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus dl« Lose gleicher Nummer in den beiden Zlbteilungen l u. II. Stur die Gewinn« über 240 M. sind in Klammern beigefügt. 500) 944 6 9049 126 343 635 38 914 33 7 3076 97 199 217(600) 309(1000) 478 628 742(500)'61 025 71170 225 788 967 76 7 2017 671 87 601 763 68 829 935 7 3093 149 236 316 42 447 641(IOOO) 719 866 983 7 4020 52 112 372 400 7 6071 72 236(1000) 466 539 601 61 89 791 835 029(500) 76100(600) 315 69 595 634 7 7 000(500) US 60 328 67 480 673 783 86 839 85 96 7 8197 368 85 471 667 03 634 890 971 73 97(500) 7 8035 203 11(3000) 310(500) 421 622 771 88(500) 820 49 919 39 86121 640 765 72 Ü30 904 13 81014 672 830 92 984 82 82363 490 978 83lfi30 61 168 237 348(1000) 432 99 643 65 740(600) 860*0 623 84065 389 692 710 33 822 93(500) 971 33103 38 420 24 686 724 866(1000) 912 88057 414 553 88 S4 742 69 801 24 76 3 7 211 27(1000) 340(5001 47(5000) 569 775 838 969 89 8 0079 100 669 621 854 96(3000) 932 8 9650 801 10 76(500) 9 0226 322(10 0 0 0 0) 71 78(500) 82(500) 612 20 52 69 603 765 824 96(600) 97 91259 884 0 2465 66 863 9 3 216 18 27 44 83 363 410 24 575 627 826 955 9 4167 69 631 748 71 836 9 6107 233 34 300(1000) 1 45 87 488 94 631 749(3000) 824 67 988 9 6006 84 452 66 514 602 46 763 981(500) 07105 68 238 344 640(500) 716 34 96 900 4 37 74 9 8145(=00) 48 99 260 339 478 609 60.' 875 91 92 971 9 9093 116(1000) 224 46 369 403 62 875 19 0027 336 417 653 82 624 70 96 1 01137 433 571 819 865 1 8 2 017 69(600) 409 10 13(3000) 602 13 748 853 82 913 31 IO3107 15 67 37 362 603 881 84 918 1 04048 66 151 628 735 48 856 951 10 5062 118 79 311 442 47 70 694 629 62 901 7 29 1 06179 290 359 768(600) 67 801 24 924 1 0 7079(500) 104 246 77 80 88 399 662 675 794 608 17 980 1 0 8033 160 361 67 411 23 72 570 735(600) 42 863(3000) 998 10 9010 62 <3000) 205 26 329 560 614 61 768(1000) 110050 53 168 209 16 312 78 617 111198 370 4SI(3000) 633 779(500) 112128 202 462 840 113039 117 19(1000) 31 372 423 762 875 976 90 114030 58 468 73 677 667 90 841 916(600) 118042 254 320 518 19 69 87 832 44(500) 47 976 116048 302 678 93 923 117024 44 279 308 451 685 807 44 902 64 118019 (600) 37 241 334 404 609 88(500) 804 73(600) 81 118064 141 212 491 677 344 12 0016 375(1000) 98 409 18 48 959 1 21052 336 75 413 22 658(500) 692 733(3000) 831(500) 940 122077 212 58 86 446 564 677 871 933 1 23069 103 266 92 353 476 605(1000) 47 62 70 804 17 940 1 24069(1000) 250 61(500) 74 76 77 344 45 626 46 746 98 99 895 1 2 5 029 58 194 310 45 66(18 ODO) 646 800 961 92 1 2 6074 89 553 70 610 66(500) 99 771 893 1 2 7 002 8 39 330 74 89 659 851 75 922 48 73 1 2 0049 119 63 245 (3000) 64 86(5001£50(1000) 61 659 994 1 2 0001 41 141(800) 419(3000) 28 653(3000) 914 45 13 0231 629 683 701 27 76 1 31016 100 64 725 71 98 505 (500) 41 939 1 32102 47 337 426 627 719 87 925 68(3000) 13 3212 27(3000) 435 663 614 748<500! 943 1 34172 339 618 875 84 703 24 1 3 5 452 612(3000) 611(1000) 71 90(1000) 799 893 136223 41 339 610(3000) 29 860 1 3 7264 55 69 311 31 573 540 64€9 86 723 938 1 38171 72 229 49 303 43 403 605 633 67 749 823 73 180145 297(1000) 322 706 16 63 948 140087 105 899 932 141000 21 142 415 24 98 983 1 4 2053 70 148 85 386 561 898 970(600) 14 3 043(3000) 116 263(1000) 423(600) 29 675 767 72 86 827 919 65 1 44007 190 349 563 73 638(IOOO) 716 21 33 998 1 4 5 015 42(500) 68 63 71 78 145 391 596 634 785 994 1 4 6311 610(1000) 20 731 873 913 31 147180 427(3000) 607 813( 3000) 90 984 143101 247 330 66 74 81 418(500) 66 94 658 641 43 752 804 1 40439 665 15 0006 67 183(1000) 275 660 724 804 11 989 1 51004 5 (500) 172 253(5000) 358 96 421 152015 240 41 67 303 623 15 3001 600 69 76 78 606 60 895(500) 154110 299 493 616 18 611 76(500) 726 824(600) 73 905 62 1 5 5 042 343 67 660 780 928 1 5 6005 33 527 670 709 55 70 87 930 1 57133 52 67 310 519 627 87 765 70 824 33 41 70 1 5 8051 104 38 385 425 34 696 673(500) 985 1 5 0008 119 682(3000) 86(3000) 611 59 852 64 86 160118 59 239 96 465 601 87 934 1 61023 232 332 407 68 703 04 842 54(10 0 0 0) 928 1 62132 240 317 479 737 889 1C3003 125 41 86 262 810 1 84282 438 61 521 97(500) 708 966(1000) 16 5 037 169 531(500) 36 674 843 942 1 6 6088 216 66(500) 595 516 803 48 936 1 67203 315 830 938 1 6 6232 371 613 36 611 79 734 866 92 699 1 6 8067 119 69 208 27 305 40 73 786 870 74 988 170064 364 432 62 648 SO 837 917(1000) 22 1 71212 493 672 761 913 30 1 72188 370 99 548 744 893 1 7 3501 936 174147(600) 238(1000) 310 518 33 810 1 7 5360 94 404 69 (500) 656 678 809 935 1 76156 349(1000) 409 75 78 680 901 177141 54 61 221 460 726 834 979 1 70)30(1000) 327 74 (3000) 446 646 860(1000) 962 1500) 17 9044 737 42 180049 60 86 453 634 705 800 1 31036 86(500) 135 601 85(IOOO) 690 725 898 906 69 1 82134 98(1000) 200 447 519 645(IOOO) 49 750 61(1000) 73 79 853 66(500) 53(10001 32 (1000) 99 1 83 008 63 90 229 491 93 626 836 928 1 8 4069 (1000) 239 48 336 77 433 68 675 713 912 18 5022 292 525 40 707 186205 85 98 562 798 916 1S7002 8 131 84 233 89 411 90ß(3000) 18 8047 321 634(600) 735 68 621 53 1 80177 260 475 661 806 188009 27 III 24 80 265 465 88 574 701 12 42 76 900 191012 108 239 40 432 587 603 20 837 943 1 9 2018(3000) 369 468 95 511 674 716 929(500) 193067(500) 142 200 75 409(10 BOB) 76 523 767 892(500) 910(1000) 194041 74 392 414 93 97 628 37 633 859 1 95116 97 201 348 562 624 711 981(500) 19 6541 608 913 1 97182 227 437 542 1S&120 309 53 461 80 592 874 912 1 9 8016 82(590) 70(1000) 199 219 49 306 73 840 2 8 8012 24 43 283 405 9 504 671 808 934 89 201133 (3000) 56 297 324 48 676 909 2 0 2104 429 42 49 819 27 352 913 2 0 3060 70 74 209 93 309 14 32 68 473 97 590 13000) 922 36 78 81 2 8 4350 625 691(1000) 783 910(3000) 16(3000) 89 205141 93 370 600 628 791 829 84 916 2 0 6079 17» 442 78 613 86 760 836 06 919(1000) 20 7007 124 696 813 81 208093 256 90 339(3000) 491 680 209009 73 95 341 429 (10001 580 683 95 787 814 21 0016 136 88 97 252 400 574 643 55 745 04 901 93 211134 76(3000) 204 30 78 374 76(3000) 402 63 812 1500) 65 11000) 21 2002 43 69 223 46 49 316 19 452 689 799(500) 828 21 3089 210 67 409 500 39 651 889 945 21 4024 106 240 91 304 670(500) 836 76(500) 936 21 5026 96 137 202 69 77 707 (600) 839 925 21 6025 119 275 76 86 320 447(500) 514 92 623 63 785 968 85 21 7266 70 77 514 60(600) 792 816 21 8003 164 201(500) 651 734 36 68 823 65 948 64(500) 21 0029(1000) 255 389 604 63 77 712 818 53 2 2 8050 177 94 216 459 575 800 2 21043 71 92 151(500) 236 43 4 3 426<54,0) 552(1000) 82 937(10001 2 2 2 221(3000) 367 458 626 803 98 918 80 81 2 2 3 204 8 66 73 338 440 668 89 651 64 897 966 2 2 4014 126(3000) 258 330 404(3000) 27 63 79 567 605 18 81 803 16 66 969 84 2 2 6215 340 84 405 63 616(600) 622 816 2 2 5066(10001 119 204 79 309 446 60 533 67 80(500) 88 650 729 227015 62 439 228148 233 47(500) 33(1000) 397 436 828 2 2 9296 337 493 699 722 900 288076 395 433 67(500) 231099 321 425 676(1000) 627 29 721 815 964(15 0 00) 2 3 2117 42(1000) 243 468 623 49(500) 732 930 2 33100 46 319 49 482 539 691 973 96 s. VrettMch-Suddentsche (238. Konigl. Urruß.) Klastenlotterle b. Klasse 20. ZiehungStag 2. Juni 1913 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nuinmer in de» beiden Abteilnngen I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 100 207 29(3000) 606(1000) 860 89 9C6 1157 492 627 78 775 92 2070 190 213 376 401(3000) 516 32 37 63 83(500) 618 (500) 885 3026 73) 86 229 348 456(500) 633 56 82 4073 112 35 1600) 708 51 822 38 49 990 8032 47 237 9) 349 11000) 72 (3000) 424 550 67 841 903 40 6115 211 79 4.1(500) 21 539 56 663 7124 228 95 362 469 669 987 8006 23(5O0J 63 36 601 19 729 62 9 021(30U0) 60 138 208 376 82 434 10X09 203 316 72 85 419 44 729 44 801 13 11075 118 440 678 665 900 1 2108 346 467 642 61 601 736 809 24 1 3131 380 464 546(600) 682 864 76 905 6 1 4178 96 250 406 28 622 88 865 1 5094 162 661 67 600 7 24 870 938 16168 95(3000) 299 (1000) 393 642 732 823 78 1 7154 233 329 410 521 68|600| 668 853 967 70 18462(500) 617 20 67 649 967 10004 235 63 68 347 522 616 2 0093 171 210 453 77(1000) 534 692 763 67 860 926 29 21063 84 89 185 275 421 64 82 604 684 991 2 2010(3000) 142 69 209 53 65(1000) 316(1000) 418 66 737 860 63 2 3000 110 41 280 425 50(30001 662 668 762 970 2 4034 364(600) 622 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Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag; Vorwärts Buchdruckerei u�öerlagSan sta It�Pa u l Singer».Co., Berlin Nr. 186. 30. Jahrgang. 2. fifilngt d» Jorroirts" Sttlintt DcksM Dienstag, 3. Inn! 1913. Partei- TJugelegenKeiten. Zweiter Wahlkreis. Bei der UrWahl am Sonntag haben sich 1007 Mitglieder beteiligt. Gewählt wurden als erster Vorsitzender H. Schröder mit 973, als zweiter Vorsitzender L. Jacubowski mit 997, als erster Kassierer G. Schmidt mit 998, als zweiter Kassierer B. Lohse mit 1091, als erster Schriftführer Joh. Rautmann mit 998, als zweiter Schriftführer Fr. Beil mit 988, als Beisitzer Frau M. Wurm mit 9S8, M. Appel mit 962, als Revisoren Fr. Schäfer mit 961, W. Balkow mit 856, R. Henning mit 615, als Preß- kommissionsmitglieder Fr. Ewald mit 988, G. Häußer mit 963, als Lokalkommissionsmitglied R. Reinhardt mit 766, als Schiedsgerichtsbeisitzer Fr. Schwende mit 998, als Revisor für Groß- Berlin G. Schmidt mit 999 Stimmen. Außerdem erhielten E. Naundorf als Revisor 491 und M. Pönitz als Lokalkommissionsmitglied 176 Stimmen. Vierter Wahlkreis. Die UrWahl am Sonntag für den Vor- stand und die Kommissionen brachte folgendes Resultat: 1. Vor- sitzender: P. Hoffmann, 2. Vorsitzender: F. Ruf, 1. Kassierer H. Barenthin, 2. Kassierer: W. I ö ch e 1, 1. Schriftführer H. Poetzsch, L.Schriftführerin: ElseBougartz, Beisitzerin A. Fahrenwald, Revisoren: E. Gernth, F. Kupfer- schmidt, A. Nigbur, K. Klingler, G. Richter A. Fischer; Beschwerdekommission: H. M a a s ch, G. Müsch hold, A. Schmidt, H. Meißner, F. Krüger, R. Pietsch F. Adamski; Aktionsausschuß: P. Hoffmann; Aspiranten H. Barenthin, M. Sassen, G. Müller; Schiedskommission K.Melle; Revisor für Groß-Berlin: P. Burghardt; Preß' kommission: G. Davidsohn; Lokalkommisfion: Beiersdorf Der Vorstand. Tempclhof. Mittwoch, den 4. d. MS., abend SVs Uhr. im »Wilhelmsgarten', Berliner Str. 9: Generalversammlung. Tage?- ordnung: 1. Bericht und Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Bericht von der Verbands-Generalversammlung von Groß-Berlin. 3. Wahl von Delegierten. 4. Verschiedenes. Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung findet am Mittwoch abend im Lokal Glaser, Kaiser-Wilhelm-Straße, statt. ßcrlincr JVacbncbtcn. Die Abgeordnetenwahleu zum Landtage finden heute in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends statt. In den Landtagswahlbezirken 1—4 findet Terminswahl statt, während in den Bezirken 5—12 Fristwahl angeordnet ist. Die Wahlmänner müssen in der angegebenen Zeit sich ihres Auftrages erledigen. GcschäftSpatriotismus. Der GeschästspatriotismuS, der gewöhnlich mit Fahnen, Schau fensterdekoration und Illumination arbeitet, tritt diesmal aus Anlaß des kommenden Regierungsjubiläums ganz ungeniert auch in Zeitungs inseraten hervor. Eine Berliner Firnia empfiehlt Dekorationsartikel, auch gleich für die schier endlosen Jahrhundertfeiern, und bringt als Klischee die Feldmarschallsgestalt des Gefeierten, der Millionen von Deutschen als.vaterlandslose Gesellen' bezeichnete sowie die anlockende Ueberschrift.Heil unserem Kaiser'I Noch deutlicher befolgtdaSpatriotische Gcschäftsprinzip des Verdienens eine große Kindergarderobcnfirma aus der Leipziger Straße. Sie kündigt an, daß der zehnte Teil sämtlicher im Monat Juni erzielter Einnahmen aus sofort oder am gleichen Tage beglichenen Einkäufen dem.Roten Kreuz' für seine Wohlfahrtseinrichtungen als RegicrungSjubiläumsspende überwiesen werden soll. Durch den erhofften und wohl auch erreichten stärkeren Umsatz fließt natürlich die größte.Spende' in die Kassen solcher Firmen. Auf demselben Niveau stehen schließlich auch die F r e i l i ch t bühnen, die sich durchweg in Patriotismus nicht genug tun können, wohl weil sie dabei am besten auf ein nicht ganz freiwillig erscheinendes und zahlendes Publikum hoffen. Als ob es nicht genug andere und viel interessantere Stoffe gäbe, die sich bedeutend besser für eine Freilichtbühne eignen! Die Veranstalter.wollen der deutschen Kunst, vornehmlich der Theaterkunst. wieder zu heimatlichem Charakter verhelfen'. Ja, geht das denn wirklich nur mit Patriotismus? Selbst die große Zeit vor hundert Jahren könnte sehr wohl so dargestellt werden, daß sie die Wahrheit veranschaulicht und nicht auf geschichtlich gefälschte, ge- schäftliche Verherrlichung herrschender Personen abgestempelt ist. Die Verfasser der patriotischen Spektakelstücke, die nieist an Naivität nichts zu wünschen übrig lassen, wissen natürlich ganz genau, daß sie mit ihren Machwerken.oben' Anklang finden, vielleicht ein Piep- mätzchen ergattern, und für die übrigen patriotischen Theaterspieler fällt auch etwas ab. Nur nicht fiir die mitwirkenden Kräfte, meist engagementslose Sommerschauspieler, die werden gewöhnlich recht armselig bezahlt. Militärvcrcin der Luftschifser. Tie Militär- und Kriegervereine mehren sich wie der Sand am Meere. Es existieren für alle möglichen Waffengattungen Militär- vereine. Um den Mitgliederschivund aufzuhalten und neue Mit- glieder zu werben, versenden die Militärvereine an die ehemaligen Kameraden des betreffenden Truppenteils Anschreiben, in denen zum Eintritt in den Verein aufgefordert wird. Auffälligerweise erhalten auch solche Personen derartige Aufforderungen, die schon seit vielen Jahren ihre Dienstzeit beendet haben und die froh sind, den bunten Rock nicht mehr tragen zu brauchen. Vielfach haben auch Personen, die sich längst offen zur Sozial- demokratie bekennen, solche Aufforderungen zum Eintritt in den Militärverein erhalten. Das läßt darauf schließen, daß die Bereinsleitungen mit Hilfe von Listen, die ihnen vom Regiment oder vom Bezirkskominando geliefert werden, arbeiten. Nach dem Mitgliederstande der verschiedensten Mrlitärvereine ist es mit dieser ganzen Vereinsmeierei nicht weit her. Uns liegt jetzt ein Zirkular vor. das ein.Verein ehemaliger Kameraden der Luftschiffertruppen' an frühere Soldaten der genannten Waffengattung gerichtet hat. Wir erfahren aus dem Anschreiben, daß auch dieser Verein, gleich de» übrigen Militärvereinen, in erster Linie den Zweck verfolgt, »die Liebe und Treue zu Kaiser und Reich zu befestigen und zu erhalten und dann durch gesellige Zusammenkünfte die Erinnerungen r>kr die aktive Dienstzeit wachzuhalten". Der Verein will seine Mitglieder fesseln durch verschiedene Vorteile, die er verspricht, so durch kostenlosen StellennachioeiS bei Stellenlofigkeit. durch Rabatte beim Einkauf und durch Gewährung einer Begräbniskostenbeihilfe berm eintretenden Todesfall. Der Verein, der seit Oktober 1896 bestehen soll, hat es bis heute buch seinen eigenen Angaben auf 155 Mitglieder gebracht, es seien alle Jahrgänge bis 1832 vertreten. Wieviel von dieser Zahl nur auf dem Papier steht, Ivird nicht verraten. Der Verein hofft aus den Beitritt neuer Mitglieder»mit besonderer Rücksicht darauf, daß voraussichtlich im Herbst dieses Jahres die Weihe der Allerhöchst ge- nehmigten Fahne veranstaltet wird". Wer sich nunmehr nicht zum Beitritt zu dem„Berein ehemaliger Kameraden der Lustschiffertruppen' bewegen läßt, der ist ein ganz hartgesottener Vaterlandsfeind! Vorübung zum Jubiläum. Glühende Mittagshitze, auch hier im Vorort. Ich gehe langsam nach Hause. Drüben auf der Wiese die Budenstadt zum Schützenfest aufgefahren— lärmbereit, krachbereit, �in ein paar Stunden geht der Rummel loS. Jetzt noch brütende Stille. Da— welch' hold' selige Melodie läßt mich den Kopf heben? In feierlicher Getragen heit glückt einem Balkonbewohner auf der Harmonika S. M.s Auto- signal. Ganz froh schaut er drein; ein Künstler, ein zustiedener Kunstler. Er kann's! Nächstens kann er die Skatpartner in der Kaffeepaufe begeistern:»tari— tara, bald hier, bald dal'... Die gestrige Frühjahrsparade brachte die übliche militärische Pompentfaltung auf dem Tempelhofer Felde. Infolge der Hitze wurde die Truppenvorstellung auf einmaligen Vorbeimarsch der Fußtruppen vor dem Kaiser beschränkt, während die sonst beliebten Rciterattacken auf einfaches Vorbeireiten reduziert wurden. Trotz dem hatten die Mannschaften der Sanitätskolonne noch zu tun, bc- sonders unter den unvermeidlichen Zuschauern. Die größte Freude herrschte unter der Schuljugend, die wegen der Parade nicht zur Schule zu gehen brauchte.__ Ein Rückgang der Bevölkerungszahl Berlins ist in diesem Jahre 1913 nicht mir im März, wie alljährlich, sondern auch im April eingetreten. Nach dem Ergebnis der Bevölkerungs- fortschreibung, das jetzt vom Berliner Statistischen Amt bis zum 1. Mai veröffentlicht worden ist, war als Bevölkerungszahl anzu nehmen für Ende Februar 2 999 282, für Ende März nur 2 986 399, für Ende April nur 2 978 842. März und April des Jahres 1913 haben hiernach einen Bevölkerungsrückgang gebracht, der sich auf zusammen 2 9 4 4 9 stellt. Da der April vorigen Jahres mit der Bevölkerungszahl 2 979 979 schloß, so ist für den ganzen zwölfmonatigen Zeitraum von Ende April 1912 bis Ende April 1913 überhaupt kein Bevölkerungszuwachs mehr zu verzeichnen. Der April war sonst regelmäßig sehr erheb- lich an dem Bevölkerungszuwachs beteiligt, den das ganze Jahr brachte. Aber es fiel allerdings schon im vorigen Jahr auf, daß auch damals der April bereits mit einem zunächst noch geringen Rückgang abschloß. Zu erklären ist diese besonders in 1913 sehr starke Abweichung von der früheren Regel daraus, daß jetzt die Zuzüge nach B e r l i n, die im Frühjahr gewöhnlich recht zahlreich waren, loeit durch die Wegzüge übertroffen worden sind. Für März und April zusammen waren diesmal in Rechnung zu stellen 64 249 Zugezogene, aber 86 592 Weggezogene, so daß sich ein Wegzugsplus von 22 343 ergab. Da für März und April zusammen aus Geburten und Sterbefällen nur ein Ueberschuß von 1993 blieb, so stellt sich der Bevölkerungsrückgang, wie angegeben, auf 29 449. Was Berlin verliert, gewinnen zumeist die Vor- orte._ Vom Berliner Wohnungsmarkt. Eine erneute Mehrung der leerstehenden Woh' nungen ist in Berlin durch die letzte der alljährlich hier statt' findenden Zählungen festgestellt worden. Nachdem eine Reihe von Jahren hindurch die Zahl der leerstehenden Wohnungen Berlins sich immer weiter erhöht hatte, brachte die am 1. Januar 1912 vor- genommene Zählung einen Rückgang. Die nächste Zählung wurde nicht am 1. Januar 1913, sondern schon am 1. Dezember 1912 aus- geführt, und diese hat nun ergeben, daß inzwischen wieder eine Mehrung eingetreten ist. Man darf freilich, da von Dezember bis Januar sich nock manches geändert haben kann, die Ergebnisse der beiden letzten Zählungen nur mit einem gewissen Vorbehalt neben einander setzen. Die Ergebnisse vom 1. Dezember 1912 veröffentlicht jetzt daS Berliner Statistische Amt in feinen Monatsberichten. Als leerstehend wurden diesmal 26 397 Wohnungen ermittelt, davon waren 24 494 nur Wohnungen, während die übrigen 1993 mit Ge' werberäumen fhiervon 1654 mit Läden) verbunden waren. Bon Gewerberäumen, die nicht mit Wohnungen verbunden waren, wurden diesmal 5979 ldarunter 1292 Läden) als leerstehend gezählt. Am 1. Januar 1912 dagegen wurden als leerstehend nur 24 348 Wohnungen gezählt, im besonderen 22 376 Wohnungen ohne Ge Werberäume, 1972 Wohnungen mit Gewerberäume(davon 1524 mit Läden), ferner 6347 Gewerberäume ohne Wohnungen(die Zahl der leerstehenden Läden ist für damals nicht angegeben). Vom I.Januar bis zum 1. Dezember haben bei den Wohnungen ohne Gewerberäume die leerstehenden sich vermehrt, verminderl haben sich dagegen die leer- stehenden Wohnungen mit Gewerberäumen und die leerstehenden Ge- Werberäume ohne Wohnungen. Wie immer, sind auch diesmal die leer- stehenden Wohnungen am zahlreichsten in den äußeren Stadtteilen. Allerdings�ist vom Januar zum Dezember die EntWickelung in den einzelnen Stadtteilen verschieden gewesen. Beispielsweise haben die leerstehenden Wohnungen ohne Gewerberäume sich auf dem Gefund- brunnen nicht vermehrt, sondern vermindert, während auf dem Wedding eine bedeutende Vermehrung eingetreten ist. Hier spricht der Ilmstand mit, daß auf dem Wedding eine lebhaste Bautätigkeit das Wohnungsangebot gesteigert hat. Die Hausbesitzer Berlins werden über diese Aenderung des Wohnungsmarktes, die nicht zu ihren Gunsten ist, ein Wehgeschrei erheben. Die durch die Zählung vom Januar 1912 ihnen bc- rcitele Freude, daß für sie sich eine Besserung anzu- bahnen schien, ist nur von kurzer Dauer gewesen. In Berlin hat die Wohnungsfrage wohl hauptsächlich darunter gelitten, daß hier im letzten Jahre die Bevölkerungsvermehrung inkolge zahlreicher Wegzüge nach Vororten sehr viel zu wünschen übrig ließ. Leider hat aber von solchem.Wohnungsüberfluß' die zur Miete wohnende Bevölkerung keinen Vorteil, da die Mieten deshalb doch nicht sinken. Woh- nungsnot in dem Sinne, daß die Minderbemittelten wegen der für sie unerschwinglichen Höhe der Mieten für menschenwürdige Woh- nungen ihren Wohnungsverbrauch aufs äußerste einschränken müssen. besteht nach wie vor. Sie wird weiterbestehen, so lange das Woh- nungswescn dem profitheischenden Kapital überlasten bleibt. Den Tod auf den Eisenbahnschiene» fand gestern morgen ein 36 Jahre alter Arbeiter Johann Gnazh, dessen Wohnung noch nicht bekannt ist. Der Mann sprang gegen 7 Uhr an der Ecke der Hoch- und Böltcherstraße über das Geländer der sogenannten Hochbrücke, als gerade ein Zug herangefahren kam. Der Lebensmüde fiel auf daS Gleis, so daß der Zug ihn auf der Stelle tötete. Ei» Opfer seiner Spielleidenschaft ist der 29 Jahre alte Fahr- stuhlführer W. geworden, der bei seinen Eltern in der Blumenstraße wohnte. Der junge Mann spielte mit mehreren Bekannten in einer Schankwirtschaft in der Blumenstraße Karten und verlor dauernd. Plötzlich stand er auf, zeigte eine Mark und sagte:„Wenn ich auch diese noch verliere, dann erschieße ich mich.' Er verlor die Mark und machte seine Ankündigung, die man nicht ernst genommen hatte, aust der Stelle wahr. Ein Schuß krachte und vor den Augen der entsetzten anderen Gäste brach W. besinnungslos zusammen. Als man mit ihm auf der Hilfswache ankam, war er schon tot. Eine mit Stricke» umschnürte Frauenleiche wurde gestern morgen am Landungssteg der Teltower Kreisschiffahrt in der Röhe des Frei« bades Wannsee aus dem Wasser gezogen. Man glaubte zunächst an ein Verbrechen, doch wurde diese Ansicht erschüttert, als man mittags die ebenfalls mit Stricken gebundene Leiche eines etwa zehnjährigen Knaben fast an derselben Stelle landete. Die Polizei ist der Ueber- zeugung, daß hier eine Mutter mit ihrem Kinde in den Tod ge« gangen ist. Bürgerliche und proletarische Gesundheitspflege. Im Gewerk« schaftshause sprach Freitagabend Genosse Max König- Dresden (Vorsitzender des Verbandes Volksgesimdheit) über das genannte Thema und stellte so einmal den Unterschied zwischen den bürger- lichen und proletarischen Organisationen fest. Heute zahle jede deutsche Familie etwa 59 M. für Arzt, Apotheke und Heilmittel. Das könnte anders sein, wenn ein größerer Kreis der Arbeiter mehr Interesse für hygienische Aufklärung zeigte. Der»Verband Volksgesundheit" steht mit seinem Programm auf dem Boden des Klassenkampfes und sei koaliert mit den anderen großen Arbeiterverbänden für«Sport und Körperpflege'. Der»Verband Volksgesundheit', der zurzeit79OrtSvereine mit zirka 13 999 Mitgliedern hat, erstrebt die Verallgcmeinerikng des heillundlichcn Wissens, soweitdies unter den heutigen Bildungsverhaltnissen möglich ist; ferner Aufklärung über die Ursachen der Krankheiten und über die Grundsätze eines naturgemäßen Lebens. Seine Vcrbandszcitschrift„Die Volks- gesundheit' bringt belehrende, volkstümliche Aussätze aus allen Ge- bieten der Hygiene. Die Ortsvereine haben— den Verhältnissen angepaßt— die Agitation für sozial-hygienische Einrichtungen zu betreiben, eventuell solche selbst zu errichten. In vielen Orten sei in dieser Beziehung durch Errichtung von Luft-, Sonnen- und Schwimmbädern sowie Schrebergärten großartiges geleistet. Oft bauen sich solche Stätten durch die gemeinsame Arbeit mit den Arbeitmurnern,-Schwimmern usw. zu einem Zentralpunkt der Arbeiterkörperkultur aus. Gegenüber den privaten Anlagen dieser Art seien unsere Stätten von wahrem sozialen Geist getragen und wirkten besonders segensreich auf die Kinder und erwachsene Jugend. In der Debatte, die sich bis gegen Mitternacht hinzog, ber« teidigte ein Direktor des NaturheilbundeS diesen, aber alle folgenden Redner wollten davon nichts wissen und unterstrichen lebhaft die Ausführungen des Referenten. In den ausliegenden Listen zeichneten sich eine Anzahl Teilnehmer ein und im Anschluß an die Versamm- lung ging die Gründung eines Ortsvereins Berlin vor sich. „Weltbild und Hiuimelskunde bei den Babyloniern" lautet daS Thema, das Herr Pfarrer Dr. Jeremias, Privatdozcnt an der llniversität zu Leipzig, unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder am Mittwoch, den 4. Juni, abends 8 Uhr, im großen Hörsaale der Treptow-Sternwarte behandeln wird. Der Vortragende wird über die Lehre von der Offenbarung des göttlichen Wissens und Willens im Kosmos und im Kreislauf— den Tierkreis, die Planeten und Fixsterne der Babhlonier— und über Astronomie und Astrologie sprechen. Mit dem großen Fernrohr finden vor und nach dem Vortrage Beobachtungen statt._ Ein angeblicher Mordversuch rief gestern nachmittag in der fünften Stunde in der Köpenicker Straße eine große Aufregung hervor.. In dem Hause 163 erschien bei der Witwe Elisabeth Sieg, geb. Ritz, einer Frau von 49 Jahren, der am 24. September 1898 zu Pcttkow geborene Maurer Wilhelm Friese, der sich ohne Woh- nung in Berlin aufhält, angeblich, um eine Schlafstelle zu suchen. Nachdem er mit der Frau über den Preis einig, geworden war und erklärt hatte, daß er die Schlafstelle nehmen würde, hielt er sich noch stinc Weile bei ihr auf. Plötzlich ertönten aus der Wohnung der Frau gellende Hilferufe. Diese hörte u. a. der Verwalter des Hauses, ein Schutzmann. Als er aus seiner Tür trat, um nach- zusehen, was es gäbe, sah er gerade noch einen Mann die TrepDe hinunterlaufen. Er versuchte, zum Hause hinauszukommen. Ter Verwalter eilte ihm nach, hielt ihn an und ging mit ihm nach der Wohnung der Frau Sieg zurück, um sich zu erkundigen, was vor- gefallen war. Die Frau war ganz aufgelöst und erklärte in der größten Aufregung, daß der fremde Mann, nachdem er die Wohnung gemietet und sich noch einige Zeit mit ihr unterhalten hatte, ihr plötzlich an die Kehle gesprungen sei, um sie zu erwürgen. Sie habe sich losgerissen und sei in ein Nebenzimmer geflüchtet. Dorthin sei ihr der Unbekannte wieder gefolgt. Er habe sie dann noch einmal gepackt, und bei dieser Gelegenheit habe sie gesehen, daß er ein Messer in der Hand hatte. Jetzt habe sie laut um Hilfe ge- rufen, aus Angst, daß er ihr das Leben nehmen würde. Friese, der erst kürzlich eine Strafe verbüßt hat, wurde nach dem 43. Revier gebracht. Er verweigerte hier jede Aussage über das Vorkommnis und erklärte, daß er nur vor dem Richter aussagen würde. Frau Sieg ist bekannt als eine sehr nervöse und aufgeregte Frau. Würge- male waren an ihrem Halse nicht erkennbar. Der Vorfall bedarf noch weiterer Aufklärung. Großfeuer am Friedrichshain. Ein großer Dachstuhlbrand kam gestern früh gegen 7'/» Uhr in dem Eckhaus Kniprodestr. 1, Virchowstr. 19, unmittelbar am Friedrichs- Hain, zum Ausbruch. Als man die Gefahr von der Straße auS bemerkte, war der ganze Flügel an der Virchowsiraße schon vom Feuer ergriffen. Die Feuerwehr Jourde von mehreren Seiten alarmiert und rückte mit vier Löschzügen an. Inzwischen hatte sich der Brand auch nach dem Dachstuhl an der Kniprodestraße aus- gedehnt. Der Löschangriff wurde mit mehreren Rohren durchgeführt, doch ist der Dachstuhl größtenteils vernichtet worden. Nach Ansicht der Hausbewohner soll Brandstiftung vorliegen. Bestimmte Fest« stellungen in dieser Richtung konnten indes nicht gemacht werden. Bei dem Dachstuhlbrande sind während der Löscharbeiten leider auch vier Feuerwehrleute verunglückt. Der Oberfeuerwehrmann Hack erlitt Schnittwunden an der rechten Hand, der Feuerwehrmann Jahnke L-chnittwunden an der linken Hand, der Feuerwehrmann Schober Brandwunden an der rechten Hand und der Feuerwehrmann Beisker eine Gehirnerschütterung. Beisker wurde von der Brandstell« nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Die Tätigkeit der Feuerwehr auf der Brandstelle wurde durch eine starke Rauch- entWickelung sehr erschwert. Es mußten zwei Rauchschutzapparate in Benutzung genommen werden. Zwei Fabrikbrände beschäftigten die Feuerwehr in der Nacht zum Sonntag und am Sonntagnachmittag in der Schönhauser Allee 159 und in der Hennigsdorfer Str. 39/35. In der Schönhauser Allee herrschte das Feuer im zweiten Stock des dortigen Fabrik- gebäudes in der Parfümeriefabrik von Günther u. Weber. Die Flammen hatten fertige Waren, Verpackungsmaterialien und Regale mit Inhalt erfaßt und konnten erst nach längerem Wasser- geben aus zwei Rohren erstickt werden. Der angerichtete Schaden ist erheblich. In der Hennigsdorfer Straße brannten in den Bergmann-ElektrizitätSwerken Regale. Kartons usw. Hier wurde die Gefahr unter Benutzung einer Schlauchleitung bald beseitigt.__ Vorort- JV acbncbtem Neukölln. Schule und Kirche im Dienste des Hurrapatriotismus. In der Arbeiterstadt Neukölln versucht die Schule auf ganz eigen« artige Weise für eine kirchlich-dhnastische Feier unter der Schuljugend Propaganda zu machen. Schon seit einiger Zeit wurden die Kinder aufmerksam gemacht, daß m Kürze.-«in Ainderfest, Schnlfest oder der« gleichen stattfinden werde, wozu alle Kinder erscheinen sollten. In der vergangenen Woche ging man nun einen Schritt weiter und forderte von den Kindern, daß sie für das„Kinderfest" 10 Pf. als Eintrittsgeld mitbringen sollten, für die Eltern und sonstige er- wachsen« Personen wurde der Preis auf 20 Pf. festgesetzt. Auch jetzt konnten die Kinder auf die Frage, um was für ein Fest es sich handele, keine Auskunft geben, da immer nur von einem„Kinderfest",.Schulfest" usw. gesprochen worden war. Viele Eltern ließen sich nun durch die Bitten der Kinder bewegen, einen Obolus zu opfern, andere gaben auch noch Geld mit, um selbst an diesem Kinderfest teilzunehmen. Wie groß war jedoch das Erstaunen, als die Kinder folgende Eintrittskarte mitbrachten: Kindlbrauerei-Ausfchank, Hermannstrahe 214— 21S. Eintrittskarte für Kinder zur Feier des 23 jährigen Regierungsjubiläums S r. Majestät. Veranstaltet von den kirchlichen Vereinen im Genezarethbezirk am Mittwoch, den 4. Juni 1S13. Anfang 4 Uhr. Eintritt 10 Pf. Die Empörung der Eltern war natürlich nicht gering, daß ihnen auf diese Weise das Geld aus der Tasche geholt wurde, um so mehr, da nun bekannt wurde, daß die Kinder sich auf diesem Fest zumeist ganz allein überlassen sind und die Lehrer keine Aufficht übernehmen. Von einem Vater wird uns mitgeteilt, daß er das Geld nunmehr zurückverlangte, daß aber seinem Jungen mitgeteilt wurde, er solle nur hingehen, daS Fest werde sehr schön; wenn er aber nicht hiw gehen wolle, so möge er daS Billett einem anderen Kinde verkaufen. Da nun aber in der beireffenden Klaffe fast alle Kinder ungewollt in den Besitz dieser BillettS gekommen waren, so mußte der Vater wohl oder übel das Billett behalten. Hier kann wohl die Frage aufgeworfen werden: Mit welchem Rechte kann man die Eltern nötigen, den Vertrieb von BillettS zu übernehmen, die ihnen auf diese Weise wider Willen aufgedrängt worden sind? Von einem anderen Vater wird uns zum gleichen„Kinderfest' mitgeteilt, daß der betr. Lehrer den Kindern genau erläutert habe, daß seitens der Kirchengemeinde eine KaiserjubiläumSfeier veranstaltet werde, und daß darauf kein einziges Kind ein Billett ent nommen habe. Auch von dieser Seite wird dagegen Einspruch er- hoben, daß die Schule die Kinder zu derartigen dynastischen Kirchen- feiern verleiten wolle. Unseres Erachtens kann eS nur zum Nachteil der Schule aus- fallen, wenn die guten Beziehungen zwischen Lehrerschaft und Eltern- hauS in dieser Weise gestört werden. Charlottenburg. Die Sitzung der Gcwerkschaftskommission.in welcher auchdieübrigen Gewerkschaftsfunktionäre recht zahlreich versammelt waren, nahm ein instruktives Referat des Reichstagsabgeordneten Genoffen Bauer über die gewerkschaftlich-genoffenschaftliche VersicherungSaktiengesell- schaft„Volkssürsorge" entgegen. Der Redner wies besonders auf die Schäden der verschiedenen Versicherungsgesellschaften hin; dem- gegenüber zeigte er, welche Vorteile der Arbeilerschaft durch Gründung der„Volksfürsorge", die am 1. Juli er. in Tätigkeit tritt, erwacksen. Die Mahnung des Redners, alle in den Gewerk« und Genossenschaften tätigen Kräfte für die Agitation der dem privaten Kapital entgegengesetzten„Volkssürsorge" zu verwenden, fand in der regen Diskussion, in der die Genossen Lindenblatt, Doose, ÄhrenS, Bollentin, Richter, Klawohn und Nordmann daS Wort nahmen, einmütige Zustimmung. Unter Gewerkschaftlichem wurde der Wunsch laut, in einer der nächsten Sitzungen einen Vortrag über„Tarif- Verträge im Spiegel der stattgefundenen Gewerkschaftskongresse" halten zu lassen. Diesem soll nachgekommen werden. Bei der kurzen Besprechung der BolkshauSmarken machte der Obmann Gen. Richter darauf aufmerksam, daß mehr für den Besuch des Volks- Hauses in den einzelnen Gewerkschaften getan werden müffe, zumal jetzt, wo der große Saal neu dekoriert sei und elektrisches Licht er- halten habe; in dem Saal seien auch die jetzt modern gewordenen Lichtbilder vorzüglich herzustellen. Auf der Präsenzliste fehlten die Maschinisten und Heizer und die Musiker. Friedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. Wir wir kürzlich bereits mitteilten, sollte sich die Gemeindevertretung mit der nachträglichen Bewilligung einer Beihilfe zu den Kosten der Jahrhundertseier be- fassen. Wenngleich es sich nur um den geringfügigen Betrag von ISO M. handelt, ist der ganze Vorgang doch in hohem Maße charakteristisch. Beteiligt an der Feier waren nicht weniger als zwölf Vereine. Wie klein müssen diese aber sein, daß sie nicht einmal einen so lächerlich kleinen Betrag aufzubringen vermögen? Und welches Maß von Unverfrorenheit steckt dahinter, nun zu fordern, die nicht im geringsten an der Sache interessierte Allgemeinheit soll für die byzantinischen Bedürfnisse eines verschwüidenden Häufleins die Kosten tragen! All die treffenden Argumente nützten aber nichts, deim— die Macher jener Vereinchen sitzen zum größten Teil in der Gemeindevertretung! Die Einrichtung eines Stottererkursus konnte die volle Zustimmung unserer Vertreter finden. Dieser Kursus wird 16 Schul- lindern im Ortsteil Friedrichsfelde zugute kommen und 265 M. Kosten verursachen. Dagegen wendeten sich unsere Vertreter mit schärfe gegen deu Antrag, 189 M., die der Ortsausschub für Jugendpflege von den bewilligten 500 M. im vorigen Jahre nicht ausgegeben hatte, auf das neue Rechnungsjahr zu übernehmen, denn einmal find dem Ortsausschuß bekanntlich leider schon wieder 1000 M. aus Gemeindemitteln zur Verfügung gestellt und dann hat sich erwiesen, daß die proletarische Jugend- bewegung nicht nur keine Unterstützung erhält, sondern jede nur denkbare Beeinträchtigung erfährt. Und beweist nicht die Tatsache, daß die beträchtlichen Summen— eS steht auch noch die staatliche Beihilfe zur Verfügung— gar nicht gebraucht werden? Bemerkens- wert war hier ein Vorgang, der sich früher schon einige Male ab- gespielt hat, dessen mehrfache Wiederholung in einer Sitzung aber den Schluß zuläßt, daß er zu einer ständigen Einrichtung werden soll. Wenn es nämlich dem Bürgermeister beliebt, keine Debatte entstehen zu lassen, hält er mit den Worten:„Meine Herren! Ich darf wohl zur Abstimmung kommen?" den Maulkorb hoch und— die gesamte bürgerliche Mehrheil schlüpft schweifwedelnd hinein! Unsere Vertreter find nun freilich nicht so gefügig. Deshalb mußte man einen besonderen Maulkorb in Form einer Geschäfts- ordnung konstruieren. Auf Einzelheiten einzugehen, erübrigt sich heute wohl, da es zu gegebener Zeit nötig sein wird. Friedenau. Dir Mitgliederversammlung deS Wahlvereins nahm zuerst den Bericht des Genossen Hagen über den Ausfall der LandtagSwahl entgegen. Danach übten in Friedenau von 9573 eingetragenen Wählern 4178<43,64 Prozent) ihr Wahlrecht auS. E» wurden Stimmen abgegeben für die Liberalen 1993<111 Wahlmänner ge- wählt). Konservativen 1020<14 Wahlmänner), Sozialdemokraten 1105 <11 Wahlmänner). Daß es der Sozialdemolratie in einem Beamten- ort wie Friedenau möglich sei, über 1000 Stimmen bei einer öffent- lichen Wahl aufzubringen, sei ein Erfolg, der unsere Genoffen zu immer größerem Eifer anspornen, sollte.. Die nächsten Wahlen zur Gemeindevertretung müßten zeigen, daß es uns möglich sei, auch unter den schwierigsten Umständen Erfolge zu erringen. Der Berich: von der Generalversammlung von Groß-Berlin, der von dem Ge- nassen Paulus erstattet wurde, rief eine längere Diskussion hervor, die sich hauptsächlich um den Fall Borchardt drehte. Genosse Kussel suchte in längeren Ausführungen den Nachweis zu erbringen, daß dem Gen. Borchhardt Unrecht geschehen sei. Aehnlich äußerten sich mehrere andere Redner. Dem trat Genosse Hagen entgegen; Borchardt hätte nach dem ersten Beschluß der Verbandsversammlung, der ihm«ine scharfe Rüge aussprach, im Jntereffe der Partei_ auf seine Wieder- ausstellung verzichten muffen. Dies habe er nicht getan, sondern trotz der in dem Beschluß niedergelegten Feststellung daS(Interesse seiner Person dem der Partei vorangestellt. Wenn er auch die An zettelung der Königsberger Geschichten durch den Genossen des dritten KreiseS resp. seiner Hintermänner durchaus mißbillige, so müffe er doch erklären, daß im weiteren Verlauf der Sache dem Genossen Borchardt von den Parteiinstanzen, die mit der Angelegen heit zu tun hatten, kein Unrecht gestehen sei. Zur Verband! generalversammlung wurden die Genossen Kamrowski und Kuffel gewählt. Weihensee. Bon einer selten anzutreffenden Denkmalswut find die hiesigen Spießbürger ergriffen worden. Zu verwundern ist allerdings, daß die geplanten Denkmäler nicht fertig werden wollen. Allem Anschein nach liegt das daran, daß es den rechten Patrioten as dem nötigen Geld mangelt. Das Lnisendenkmal sollte schon längst enthüllt sein, es harrt jedoch noch immer seiner Vollendung und vielleicht ergeht es dem Kaiserstein, der aus Anlaß des Regierungsjubiläums den Ort zieren soll, ebenso. Man behilft sich einstweilen mit Grundstein legungen, um so wenigstens den Patriotismus zu bezeugen. Je nach dem die führenden Geister bei dem einzelnen in Ansehen stehen, so fließen die Mittel ein. Die Nase der Komiteemitglieder spielt eine große Rolle; deshalb setzen sich diese Komitees nicht immer aus denselben Personen zusammen. Ist es doch eine be- kannte. Tatsache, baß die Leiter solcher Komitees für ihre gebrachten Opfer und Bemühungen später die bekannten Auszeichnungen in Gestalt eines Ordens oder dergleichen entgegen- nehmen dürfen. Solche Geschichten erregen gewöhnlich den Neid des anderen und man hat hier schon den Fall erlebt/ daß, wenn solch ein Führer den Orden erst weg hat und derselbe sieht, daß wieder andere sich vordrängen, um auch mal an die Reihe zu kommen, er seine Ortspolilik mit einem Schlage ändert. AuS solchen Fällen zieht man die Lehre, daß der ganze DenkmalSrummel nur Mittel zum Zweck ist und daher läßt jeder denkende und vernünftige Mensch seine Hände davon und hält vor allem die Taschen zu. Die Sache hat indessen auch eine ernste Seite; unter den obwaltenden Um- ständen besteht die Gefahr, daß zum Schluß die am allerwenigsten für solche Dinge Interesse zeigende Allgemeinheit zu den Kosten dieser Denkmäler beitragen muß. Die bürgerlichen Gemeindevertreter sind bekanntlich in solchen Dingen nicht kleinlich; wenn ihnen ihr Patriotismus zu teuer wird, dann bewilligen sie einfach die nötigen Gelder aus allgemeinen Mitteln. Eine? größeren Dachstuhlbrandes wegen wurde neben der Weißenseer auch die Zugwache 19 der Berliner Feuerwehr nach der Albertinenstr. 19 alarmiert. Die Flammen hatten an dem trockenen Gebälk deS Daches reichliche Nahrung gefunden, so daß daS Vor- gehen durch die furchtbar« Hitze sehr erschwert wurde. Erst nach mehrstündiger, angestrengter Arbeit wurde man des Feuers Herr. Der Dachstuhl war vollständig ausgebrannt, die Bodenverschläge der Mieter waren ein Raub der Flammen geworden. Die Entstehungs- Ursache konnte nicht mehr ermittelt werden. Lichterfelde. Vom Schriftführer des WahlvereinS wird uns mit Bezug auf die Veröffentlichung des BildungSausschnsseS mitgeteilt, daß die Auflösung des BildungsauSschusseS von der letzten Wahlvereins- Versammlung nahezu einstimmig und daher zu Recht erfolgt sei. Fest stehe, daß die Veranstaltungen im Orte infolge schwachen Besuchs tets mit einem erheblichen Defizit abgeschlossen hätten. Der anfangs April neugewählte Ausschutz habe, trotzdem derselbe mehrere Male zu den Vorstandssitzungen geladen worden wäre, nichts von sich hören lasten. Pankow. Das hiesige KaufmannSgericht halte sich im Berichtsjahre 1912 mit 43 Streitsachen zu befassen, die sämtlich endgültige Erledigung anden. Davon endeten 8 durch Zurücknahme der Klage, 20 durch Vergleich, 1 durch Anerkenntnis, 3 durch Versäumnisurteil, 3 durch Verurteilung nach dem Klageantrag, 3 durch teilweise Verurteilung und 5 durch Abweisung der Klage. Die Anstrengung der Klagen er- olgte in einem Falle vom Unternehmer und in 42 Fällen seitens der Handlungsgehilfen und-Lehrlinge. Bon den Streitigkeiten entfielen 7 auf Betonfabriken, 5 auf Brauereien, 1 ans eine chemische Fabrik, 2 auf Schokoladenfabriken, 5 auf Zigarettenfabriken, 2 auf Drogenhandlungen, 6 auf Eisenkonstruktionsfabriken, 1 aus eine Goldwarenhandlung, 6 auf gewerbliche Verlaufsgeschäfte, 3 aus Materialwarenhandlungen, 2 auf Verlagsanstalten und 3 auf andere zuständige Betriebe. Von den ans dem Vorjahre in das Berichts- ahr übernommenen 6 Sachen wurden 2 durch Vergleich, 2 durch Zurücknahme der Klage, 1 durch Verurteilung nach dem Klageantrag und 1 durch teilweise Verurteilung erledigt. AIS Einigungs- omt gemäß ß 35 deS OrtSstatutS ist daS KaufmannSgericht im Berichtsjahre nicht tätig gewesen. Auch sind- Gutachten und Anträge nicht abgegeben worden. Potsdam. AuS einer argen Klemme haben sich jetzt in Potsdam die Konservativen befreit. Bekanntlich spalteten sie sich bei den Wahl- männerwählen zum Abgeordnetenhause in zwei Lager, von denen das eine für eine Kandidatur v. Stößel Kuren in Iis. Homsyes V Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Ftiednchsir, 81, Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mäftig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmcr. lZulsvenMlIiiiig Birkhorst bei Nassenheide(Nordbahn) offeriert Acker- und Waldparzellen an Chauflce und köntgl. Forst. Bitte Plan zu verlangen.(1022b" Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ÄpiTu 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. Kinmen- nnd Kranihiudttti von ködert Heyer,' Jnh.: P. eollcts Marianncnstr. 8._ Tal. MpTMS. Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehalter, -t Irrigateure, Spritzen etc., Snspensorlen, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt• Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin si, Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. Oskar Wollburg Trauer■ Magazin Berlin N., BmnnenstraBe 56. 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