Pr. 189. Bbonncmen ts-Bcdingungcn: WonnementZ> Preis pränumerando! Vierteljährl. 3,30 Ml, tnonaü. 1,10 MI� wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummet mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Bein 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, fcanönien Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Rio Infcrtions-Gcböijr belrägt für die scchsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Ziauni W Pfg,, fjir polistsche und gewerlschastliche Vereins- lind Versnmmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „bileine Mnzeigen", das settgedrurkte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes tveitere Wort 10 P,g. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen baß erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- siaben zählen für zwei Worte. Jnserate fiir die nächste Nummer inüffcn bis k Uhr nachmsttags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, cklchtlüt IZglich. Verlinev VolksblsK. Telegramm- Adresse: „Ssilisliliwdli»! kek»»". 2entralorgan äer fo2ialäemokratifcken Partei Dcutfchlands. Redaktion: 831. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS8Z. Freitag, de««. Juni 1913. Expedition: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Der größte IPanamift. Aus Wien wild uns vom 4. Juni geschrieben: Endlich ist das Gelichter, das in Ungarn seit Jahr und Tag das Gesetz mit Füßen tritt, das Volk verhöhnt und seine Stellung nur mit brutaler Gewalt behauptet, von der der- dienten Strafe ereilt worden: der Mann, der den Minister- Präsidenten Lukacz den„größten Pananiisten von Europa" genannt hat, ist von dem Budapester Strafgerichtshof, der aus beamteten Richtern besteht, wegen erbrachtenWahr- heitsbeweises freigesprochen worden. Dem Gerichtsurteil kommt deshalb ein so entscheidendes Gewicht zu, weil es dieselbe Strafkammer ist, die den Wahrheits- beweis zuerst gar nicht zugelassen hat � weil nämlich unter der Bezichtigung des Panama nur ein durch Bestechung er- wirkter Mißbrauch der Amtsgewalt zu verstehen sei— und den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis verurteilte. Der Angeklagte ist der frühere Staatssekretär und gegenwärtige Abgeordnete der Kossuthpartei Zoltan D6sy: er hatte zu- erst den Lukacz in der Presse beschuldigt, einen Betrag von etwa vier bis fünf Millionen, der den Beamten des Finanz- Ministeriums übergeben worden war, nicht abgeführt, viel- mehr ihni der Wahlkasse der Regierungspartei überwiesen zu haben, wo er dann für Wahlbestechungen verwendet worden ist. Da die Beleidigungen durch die Presse in Ungarn vor die Geschworenen gehören, wollte Lukacz gar nicht klagen: erst als T�sy die detaillierte Beschuldigung in einer Rede in das Schimpfwort unigesetzt hat, entschloß sich Lukacz zu der Klage, die vor den gelehrten Richtern erfolgreicher schien, und die er nicht mehr umgehen konnte, weil das ganze Land von der Beschuldigung jenes Panama widerhallte. Das erste Mal war ihm das Gericht günstig, und der Angeklagte, der Lukacz' Ankläger war, wurde verurteilt. Die königliche Tafel hob das Urteil auf, ordnete den Wahrheitsbeweis an, und was irun in der Verhandlung der vorigen Woche bewiesen wurde, war so ungeheuerlich und so durchschlagend, daß das Gericht zu einer Freisprechung schreiten inußte. Und so ist es ge- schehen, daß ein Gerichtshof„im Namen des Königs" gestern verkündet hat, der Ministerpräsident Ungarns, der erste Ver- trauensmann des Königs, sei ein Ganner und Dieb! Eine derartige Brandmarkung wird ein aktiver Ministerpräsident wohl selten erlebt haben! Und sie hat ihre Wirkung sogleich gehabt: Herr von Lukacz, der noä) Sonntag in Schönbrunn zur Audienz war und versichern ließ, Franz Josef habe ihn in„huldvollster Weise" empfangen, hat noch gestern seine De- Mission einreichen müssen. Ter Urteilsspruch ist ein Stoß ins Herz der ungarischen Korruption. Von allem Beiwerk losgeschält und die kleinen, aber sehr bezeichnenden persönlichen Schmutzereien des Lukacz bei- feite gelassen, ist von einer ungarischen Regierung folgendes bewiesen worden. Als die Khuen und Lukacz, der erste als Ministerpräsident, der zweite als Finanzminister, die „Mission" erhielten, die antidualistische Mehrheit des Reichs- tages, die ihren Ausdruck in der Koalitionsregierung gefun- den hatte, zu beseitigen, und eine Mehrheit zu begründen, die Wien widerspruchslos pariert, brauchten sie vor allem Geld. und, weil sie den Schwindel im allergrößten Maßstab planten, natürlich viel Geld. Wie es nun zu schaffen? Die gewöhn- liche Methode, wonach in Ungarn, und übrigens auch in Oesterreich, Bestechungsfonds zusammengebracht werden, be- steht in dem Verkauf von Auszeichnungen und Adel: aber da in Ungarn nachgerade alle Wucherjuden schon„nobilitiert" sein dürsten, war auf diese Weise nicht viel zu holen. Man mußte also dicker zugreifen. Und das geschah in der Art, daß der Lukacz an die Ungarische Bank allerlei staatliche Liefe- rungen und Geschäfte mit der Bedingung verklopfte, daß ihm die Bank für jeden der drei Verträge eine b e- stimmte Summe im Geheimen überweise, die nicht dem Staate, sondern der Regierung, eben zu Wahl- bestechungszwecken, gehören solle. Die Beträge, die jene Bank dem Lukacz derart„zugewendet" hat. waren nicht weniger gjs 4,7 Millionen Kronen! Man wird doch vernünftigen Leuten nicht darzutun brauchen, daß es genau so ist, als ob die Millionen dem Staate direkt g e st 0 h l e n worden wären l denn natürlich hat die Bank, obwohl man die Frechheit hatte, es so darzustellen, die Millionen nicht aus der eigenen Tasche genommen, und nicht aus eitel Patriotismus hergegeben. Vielmehr ist es selbstverständlich so. daß der Staat die Vertrage um genau den Betrag überzahlt hat. den die Bank der Regierung„zur Disposition" übergab: daß der Staat um den Betrag weniger bekam, den die Regierung erhielt! Daß das Schandgeschäst berausgekommen. ist nur einem Zufall zu danken. In der Regel ist es natürlich so. daß beide Teile, die ja beide Betruger sind, alle Ursache zum Schweigen haben: und daß man von der varlamentarischen Kontrolle in einem Lande nichts erwarten kann, dessen parla- wentarische Mehrheit das Produkt dieses schmutzigen Han- dels ist ist selbstverständlich. Um das Schandgeschäft zu ver- decken, wurde dem Generaldirektor jener Bank, jenem Herrn den Elek, der absolut nicht vor Gericht aussagen wollte, die Ermächtigung gegeben, derartige„Leistungen" als„geheime Auslagen" unverrechnet zu buchen. Um sich aber wieder vor �dm zu schützen, wurde bestimmt, daß er dabei von einem anderen Direktor kontrolliert werden soll. Nun meinte aber oieser. als der Elek mit solchen RiesenbetWimm als„ge- Heimen Auslagen" anrückte, der Elek lasse das Geld in die eigene Tasche fließen, und erhob gegen ihn diese Beschuldi- gung. Das wollte sich der Elek nicht gefallen lassen, und er bewies vor einem Ehrengericht, daß er nichts veruntreut, die Millionen vielmehr Lukacz übergeben habe. Es kennzeichnet die ungarische Moral, daß diese drei Ehrenrichter die Un- schuld Eleks attestierten und von der Schweinerei des Lukacz schwiegen! Und daß der Lukacz vor ihnen die Geschichte als eine Selbstverständlichkeit zugestand, ist auch nicht übel! Er konnte es auch ohne Gefahr wagen, denn er wußte ja, daß in Ungarn eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Hat doch selbst Herr D6sy die Anklage, zu der er sich schon ange- schickt hatte, wieder fallen gelassen, als Aussicht schien, seine Partei werde sich mit dem Lukacz versöhnen! Nur dem Um- stand, daß sich die politische Gegnerschaft seither immer mehr verschärft hat, ist es zu danken, daß dieses wundersame Bild von der ungarischen Sittlichkeit vor der großen Oeffentlichkeit enthüllt wurde. Aber nun man es gesehen, ist es einem, als blickte man in einen Abgrund von Schufterei und Ge- meinheit hinein! Man hat ja nie gezweifelt, daß es in Un- garn und insbesondere in den ungarischen Wahlen wenig sauber zugeht, aber die Offenheit, mit der das Bestechen der Wähler im riesenhaftesten Ausmaße zur Grundlage des ungarischen Parlamentarismus gestaltet wird, die überrascht auch den, der die ungarische Korruption aus der Nähe zu beobachten Gelegenheit-hatte! �. Mit der ungarischen Regierung und dem ungarischen Parlamentarismus wird durch die Enthüllung dieses Panamas und durch den vernichtenden Richtersprnch fast nicht weniger die Wiener Hofburg getroffen.� Denn schon, daß dieser Lukacz ein Jahr gehalten wurde, ist kom promittierend genug. Und es besteht auch der dringende Verdacht, daß man in Wien von diesen unsauberen Macht Nationen vorweg genaue Kenntnis hatte, sie als zulässig er achtet hat, und auch bereit war. an ihrer Vertuschung skrupellos mitzuwirken. Ist doch wegen der Sache ein Minister aus der Regierung Lukasz ausgetreten(der Unter- richtsminister Graf Zichy), und also war die Krone über das Panama genau unterrichtet. Nach dem unsäglichen Skandal des verräterischen Generalstabsobersten der Skandal des von einem Gerichte als Gauner gebrandmarkten Minister Präsidenten: das sind fürchterliche Wunden, unter denen das sagenhafte Prestige der Großmacht gründlich flöten gehen wird. Und was die Empörung des ungarischen Volkes gegen Wien wenden muß und wenden wird, ist die unvergeßbare Tatsache, daß man diesem Klüngel von Abenteurern und Hoch staplern die W a h l r e f 0 r in ausgeliefert hat, daß man, weil sie für den Moloch die Bewilligungen prompt zustande brachten, ihnen das geheiligte Recht des Volkes preisgab, welches man in den feierlichsten Zusagen beschworen hatte! Und nun haben wir die Entstehung jenes berühmten „Willens der Nation" genau kennen gelernt, auf den sich die schamlosen Oligarchen unausgesetzt berufen, haben auch die moralische Beschaffenheit der Wähler kennen gelernt, die man in Massen kauft, und denen zu Liebe das allgemeine Wahl- recht aufgeopfert wurde! Das Wien, das sich init dem Junkertum gegen das Volk verbündet hat. wird die Folgen seines schnöden Wortbruches und seiner moralischen Mitschuld an diesem ungeheuren Skandal noch zu spüren bekommen! Und wenn Wien erst dem teuflischen Rate folgen würde, den Spießgesellen des Lukacz, den verrückten l�isza. mit der Regierung zu betrauen, so zeigen ihr die heutigen wilden Szenen im Reichstage, wohin diese kurzsichtige Politik letzten Endes führen muß. Erhebt sich doch in Ungarn alles, was die moderne EntWickelung repräsentiert, gegen die Oligarchen. Herrschaft, und wenn Wien nicht bald einlenkt, wird der Sturm, der den Junkerübermut niederwerfen wird, auch über die Großmacht hinweggehen. ** * Demission des Kabinetts Lukacz. Wien, 6. Juni. Der Kaiser hat beute vormittags den ungarischen Ministerpräsidenten Lukacz in Audienz empfangen und die von ihm unterbreitete Demission angenommen. Lukacz wurde mit der einstweiligen Forifiihrung der Geschäfte betraut. ES ist wieder fraglich geworden, ob Graf Stefan Tisza schon jetzt zum Ministerpräsidenten ernannt werden wird, bielmehr wahrschein- lich, daß der Honvedminister Baron H a z a i ein UebergangS- Ministerium bilden wird.___ Der Kfehrbeitrag in der Budget- Kommission. Vor Beginn der Donnerstagssitzung, der 100. Sitzung der Budgetkommission, fand eine zweistündige vertrauliche Besprechung zwischen den Fraktionsdelegierten und der Regierung statt zur Ver- ständigung über strittige Fragen. Dann wurde zunächst die am Mittwoch vertagte Debatte über die Besteuerung der Akticngcscll- schaftcn zu Ende geführt, die einen ausschließlich steuertechnischen ' Charakter hatte. Der Regierungsentwurf wurde gegen die Stimmen des Zentrums und der Konservativen angenommen. Hierauf wurde die Debatte über Z 1 wieder aufgenommen, der die Sätze und Staffel des Wehrbeitrages enthält. Graf W e st a r p berichtete über die vertraulichen Besprechungen, die zu einer Einigung nicht geführt haben. Es lagen mehrere Voischläge vor. Ein Vorschlag A sieht eine Steuer von 9.2 Proz. bei Vermögen bis 59 999 M. vor, die' bis auf 1,4 Proz., bei Vermögen von 5 Millionen und mehr steigt, jedoch nicht über 1,25 Proz. des Ge- samtvermögens. Dieser Vorschlag soll schätzungsweise 329 Millionen vom Vermögen und 89 Millionen vom Einkommen bringen. Ein Vorschlag des Grafen Westarp soll 899 Millionen bringen, ein Vor- schlag Gothein 799 beziv. 765 Millionen, ein Vorschlag Roland- Lücke, der eine Durchstaffelung vorsieht, 949 Millionen. Die Mehr- heit der Fraktionsdelegierten hat, wie Graf Westarp weiter berichtete, davon Abstand genommen, eine Reichseinkommen- Veranlagung zu schaffen: es geniige der Veranlagungsmodus in den Einzelstaaten, zumal es sich nur um eine einmalige Abgabe handele. Die Re- gierung hat die finanzielle Wirkung des Antrages Westarp berechnet. Das Ergebnis würde sein: Ertrag aus dem Vermögen 859 Millionen, aus der Besteuerung der Aktiengesellschaften 49 Millionen und aus dem Einkommen 89 Millionen: zusammen 979 Millionen. Ein Antrag Gothein fordert bei 3 Millionen Vermögen eine Abgabe von 1,3 Prozent, bei 5 Millionen 1,4 Prozent und bei noch größerem Vermögen 1,5 Prozent. Die Forderung im Antrag Westarp, daß über 1,25 Prozent des Gesamtvermögcns nicht erhoben werden koll, beantragten die Volksparteiler zu streichen, weil die großen Vermögen stärker zum Wehrbeitrag herangezogen werden müssen. Die Sozialdemokraten beantragten eine noch stärkere Heranziehung speziell der Millionenvermögen. Von 6—19 Millionen soll danach 1,5 Proz. und dann von je weiteren 19 Millionen ein Zehntel Prozent mehr erhoben werden. Nach unten hin sollte dafür eine Ermäßigung eintreten. Vermögen bis 39 999 M., also auch Einkommen bis 3999 M. müßten von der Abgabe befreit werden. Schatzsekretär Kühn wendete sich gegen diesen Vorschlag, der ihm besonders bedenklich erscheine wegen der Höhe der Abgabe, die von dem ganz großen Vermögen erhoben werden soll. Der Schatz- sekreiär erklärte, er sei momentan nicht in der Lage, sagen zu können, ob die Negierung dem sozialdemokratischen Vorschlage werde zustimmen können. Steucrgesetze solle man nicht gegen einzelne Personen machen. Genosse David bezeichnete die Argumentation des Schatzsekretärs als eine sehr merkwürdige.. Vor den schwerreichen Leuten Halt zu machen, ist völlig ungerechtfertigt. Je größer das Vermögen, desto stärker wird der Wehrbeitrag von den sonst für den Luxus zu ver- wendenden Ausgaben bestritten. Will die Regierung ein Unannehm- bar gegen die sozialdemokratische Forderung aussprechen, so mag sie das nur tun; das Volk würde dann die Haltung der Regierung nicht verstehen können.— Abg. Schiffer bekämpfte den sozialdemokratischen Antrag, der von großen Vermögen Ab- gaben in einer Höhe erheben will, die dann selbst ein Vermögen darstellen. So zu verfahren, bedeutete aber die Vermögenskonfiskation, und dagegen müsse energisch Front gemacht werden.— Genosse Wurm antwortete dein Abg. Schiffer, jede Steuer bedeute eine Art Vermögenskonfiskation. Wenn die Rüstungen wicklich der Erhaltung des Friedens dienen, wie immer behauptet wird, so haben die schwerreichen Leute einen besonderen Vorteil von dieser angeblichen Friedensversicherking und müssen dementsprechend auch zahlen.— Schatzsekretär Kühn betonte, das Maß des Interesses, das jemand an der Erhaltung des Friedens hat, darf niemals für die steuerliche Veranlagung und Belastung maßgebend sein. Die Arbeiter haben auch ein großes Interesse am Frieden, sie werden aber nicht zum Wehrbeitrag herangezogen.— Diesen Darlegungen des Schatz- sekretärs gegenüber machten unsere Genossen auf den folgenden Satz zur Begründung des Wehrbeitrags im Entwurf aufmerksam:„An der Erhaltung des Friedens, dem die Verstärkung der Wehrmacht des Reiches dienen soll, sind die großen Erwerbsgescllschaften besonders interessiert." Mit der heutigen Erklärung deS Schatzsekretärs stehe dieser Satz in grellem Widerspruch. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt, dagegen wurden die höheren Sätze bei den großen Vermögen nach dem volksparteilichen Antrag an- genommen.- Angenommen wurde ferner ein s 0 z i a l d e m 0- kratischer Antrag, wonach Personen mit einem Vermögen bis 59 999 M., deren Jahreseinkommen 3999 M. nicht übersteigt, vom Wehrbeitrag befreit sind. Im übrigen wurde dem Antrage des Grafen Westarp zugestimmt. Die weiteren Abstimmungen wurden auf Freitag vertagt. * Keine Finanzministerkonferenz. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Nach einer in der vorigen Woche verbreiteten Pressemeldung sollten die Finanz- minister Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und Hessens in Berlin eintreffen, um an den Besprechungen über eine Verständigung in der Deckungsfrage teilzunehmen. Diese Mitteilung ist ebenso wie eine frühere gleiche Nachricht völlig unzutreffend. Besprechungen der� Finanzminister der Bundesregierungen in Berlin sind nach der gegen- wältigen Sachlage nicht erfolgt und auch nicht vorgesehen. Ob später der Gang der Verhandlungen zu einer solchen Besprechung führen wird, läßt sich naturgemäß heute noch nicht sagen. Das iviederholte Gerücht von neuen FinanzministerkonfdrenM mag darauf zurück- zuführen sein, daß die Bundesregierungen wie bei allen größeren Vorlagen so auch bei der Deckungsvorlage Vertreter nach Berlin entsandt haben, um über die Beratungen fortlaufend uulerrichtet zu sein und an etwa notwendig werdenden Besprechungen zum Zwecke der Berichterstattung teilzunehmen. -» Tie Fürsten wolle« zahlen— aber nur einmal! Die„Tägliche Rundschau"„hört", daß trotz des Widerspruch» der Regierung gegen die Aufnahme des Wehrbeitrages der Bundes- fürsten in das Gesetz doch Aussicht dafür vorhanden ist, daß die BundeSsürsten sich mit dieser Aufnahme ihres Beitrages in das Gesetz einverstanden erklären werde». Dagegen sei eine e»t« schiedene Ablehnung zu erwarten, falls der Budgetausschuß es unternehmen sollte, die bei dieser Gelegenheit festgesetzte Beitrags- Pflicht der Bundesfürsten durch Bestimmungen in einer anderen Vor- läge zu einer dauernden Steuerpflicht zu machen. Dah die Wehr- und Deckungsvorlagen am Ende an der der- fassungsgeniäßcn Steuerpflicht der Fürsten scheiterten, darauf könnte man es sehr ruhig ankommen lassen. Zier österreichische liriegzininister über cten sali Keckl. Wien, 3. Juni. Im Abgeorbnetenhause beant- wartete der Landcsverteidigungsminister Frhr. v. Georgi bei Beginn der heutigen Sitzung die Jnter- pellation betreffend den Spionagefall Redl. Der Minister führte aus, er möchte am liebsten einen undurch- dringlichen Schleier über die Angelegenheit breiten. Die große Aufregung der Oeffcntlichkeit über den per- abschenungswürdigen Landesverrat Redls müsse um so begreiflicher erscheinen, je näher deni einzelnen das Ansehen und die Ehre der Armee ständen. Redl habe sich selbst gerichtet, doch sei sein Tod keine Sühne für die Ungeheuerlich- keit seiner Schuld. Ans Grund der bisherigen Ergebnisse der militärgerichtlichen Untersuchung gab sodann der Minister eine ausführliche Darstellung des Sachverhaltes, wobei er die Behauptung widerlegte, daß die Militärbehörden die Angelegenheit hätten vertuschen wollen. Der Minister stellte weiter fest, daß Redl mit der vorgefaßten Absicht, Selbstmord zu verüben, nach Wien gekonimen sei. Er habe seinem langjährigen Freunde, dem Generaladvokaten Pollak, diese Absicht mitgeteilt mit der Begründung, daß er sich gegen Moral und Standesehre vergangen habe. Die Militärkommission sei um 12 Uhr 30 Minuten nachts in dem Absteigequartier Redls eingetroffen, wo Redl, mit den Vorbereitungen zum Selbstmord beschäftigt, seine Schuld ein- gestanden habe. Er habe zugegeben, daß er, jedoch erst in jüngster Zeit, veranlaßt durch eine unheilvolle Leidenschaft, Spionage getrieben habe. Auf das entschiedenste habe er vcr- neint, daß er Mitschuldige habe. Nachdem ihn die Kommission verlassen, habe Redl dann Selbstmord verübt. Die Durch- suchung in der Prager Wohnung Redls habe den Beweis geliefert, daß Redl mehrere auf die Mobilisierung der Wehr- macht sich beziehende Instruktionen allgemeinen Inhalts an Agenten fremder Staaten verkauft habe.(Zwischenrufe: Staaten!) Landesverteidigungsminister Frhr. v. Georgi fuhr fort: Die ersten Spuren von Redls Verbrechen' gehen auf den März 1912 zurück. So schwer diese Tat- fache auch wiegt, so kann doch festgestellt werden, daß konkrete Kriegsvorbereitungen aus letzter Zeit nicht verraten werden konnten, weil sie Redl über- Haupt nicht zugänglich waren. Der Minister wiederholte die Feststellung, daß Beweise dafür vorliegen, daß Redls Landes- verrat erst im März 1912 begonnen habe. Bisher seien keine Mitschuldigen festgestellt worden: dem verhafteten Leutnant, der zu Redl in homosexuellen Beziehungen gestanden habe, sei bisher keine Spionage nachgewiesen worden. Die Ge- rächte, daß höhere Offiziere und eine Dame kompromit- tiert wären, seien falsch. Redls Verbindung mit dem russischen Konsul in Prag sei durch nichts erwiesen. Auch be- stehe kein Zusammenhang mit dem Falle Jandric und anderen Spionagefällen der letzten Zeit. Die Gerüchte, daß Redl Geheimnisse der deutschen Armee verraten habe, seien falsch, ebenso die in der Presse aufgetauchte Behauptung, daß er zu Verhandlungen mit dem Preußischen Generalstabe entsendet worden sei. Die glorreiche Armee sei hart getroffen, aber die Schmach eines einzelnen könne nicht der Allgemeinheit zur Last fallen. Der Minister erklärte, er sei überzeugt, daß der Armee wegen dieses einen Unglücksfalles das ihr so kostbare Vertrauen der Bevölkerung und die Hochachtung der fremden Armeen nicht geschmälert werden könne; das erster? werde sie stets zu rechtfertigen und zu verdienen trachten; die letztere, wenn es gelte, vom Gegner zu erzivingen wissen. Er versicherte schließlich, daß die Militärverwaltung die aufgefundenen Spuren mit aller Zähigkeit verfolgen und, wo nur der geringste Verdacht sich rege, mit drakonischer Strenge eingreifen und jeden Schädling wie mit glühendem Eisen beseitigen werde. Ein Antrag des tschechischen Sozialisten Ncmec, die Debatte über die Interpellation zu eröffnen, wurde abgelehnt. politische(leberlickt. Pech! Aus Arnswalde-Friedeberg wird uns geschrieben: Der ReichStagSabgeordnete des KreiseS Arnswalde-Friedeberg, Herr Wilhelm Bruhn hat doch entschieden Pech. Erst der „WahrhcitS''-Prozcß, dann verläßt ihn sein ständiger Verteidiger Rechtsanwalt Bredereck, und nun sein Wahlmacherl Rechtsanwalt Bredereck, der die BeleidigungSprozeffe BruhnS führte, aber in zahllosen derartigen Klagefällen den Gegnern vor- schlug, die Kosten zu übernehmen und ihm außerdem ein Honorar von öS M. zu zahlen, mußte wegen Unterschlagung, weil er Mein und Dein nicht auseinanderhalten konnte, flüchten. Jetzt Friedrich Weißenborn als Mörder.„Fenster- Putzer",„Arbeiter". Als solchen bezeichnete er sich, wenn er in Wahlversammlungen deS Kreises Arnswalde-Friedeberg auftrat. Von Herrn Wilhelm Bruhn wurde Weißenborn nach dem Kreise mit« gebracht, um für ihn die Wahl machen zu helfen. In einer Reihe von Versammlungen trat Weißenborn als Referent auf, zum Teil in Vertretung des Herrn Wilhelm Bruhn. In zahllosen Versamm- lungen war Weißenborn Diskussionsredner, um die Wähler für Bruhn einzusaugen. Weißenborn stellte sich den Wählern als„Arbeiter" vor. Er sprach davon, daß die Arbeiter unmöglich einem Sozial- demokraten die Stimme geben könnten, denn die Sozial- demokratie wolle die Ehe zerstören, die Religion abschaffen usw. Das sagte derselbe Mann, der in einem Triolenvcrhältnis k la Schock lebte, derselbe, der sich auch nicht scheute, sich von einem Mädchen, obwohl er verheiratet war, ernähren zu lassen I Auch der nationalliberale Kandidat bekam Proben Vater- ländischer Gesinnung des Wahlmachers de? Herrn Bruhn in Gestalt von Steinen nachgeschickt, die seinem Wagen galten. Als die National- liberalen von einer Versammlung aus dem Bruche heimkehrten, wurden sie von einem Steinhagel überschüttet. Ein regelrechter Ileberfall, der wahrscheinlich von Herrn Friedrich Weißenbprn, der sich mit geistigen Waffen nicht helfen konnte, inszeniert war. Erst Bredereck, dann Weißenborn! Wie sagte doch Bismarck: Ein anständiger Mensch schreibt (arbeitet) nicht für mich. Bedauerlich ist nur, daß es immer noch Parteien gibt, die der- artige Elemente wie Weißenborn beschäftigen und die dann, wenn ein anständiger Arbeiter mit einem solchen Herrn nichts zu tun haben will, von Terrorismus reden! Einberufung des Landtags. Die beiden Häuser des preußischen Landtags, das Haus der Abgeordneten und das Herrenhaus, sind zum 12. d. Mts. zu einer Session einberufen. Diese wird voraussichtlich nur einige Tage dauern. Die Einberufung war erforderlich, iveil der verflossene Landtag aufgelöst ist. Wozu daS„Vaterland" Soldaten braucht. Am vergangenen Sonntag fand in Erfurt ein von den Re- gimentern der Garnison Erfurt, dem Erfurter Reiter- verein feiner Privatvereinigung), veranstaltetes R e i t e r f e st statt. Aus dem Bericht eines bürgerlichen, sehr rüstungsbegeisterten Blattes ist nun zu entnehmen, daß Soldaten den innerhalb der Kavalleriekaserne belegenen Festplntz zu einem„herrlichen Bilde" hergerichtet hatten, die zweitausend Personen fassenden Tribünen wurden von den Soldaten derRegi- in e n t c r erbaut, auch ein F ü r st e n z e l t für hohe und höchste Herrschaften wurde errichtet. Ferner haben ganze Gruppen von S o l d a t e n fu n d Unteroffizieren bei dem Feste aktiv mitgewirkt als Turner an Geräten und auf Pferden, es wurden Pyramiden gebaut und ein. I n d i a n e r l e b e n im Urwalde" vorgeführt. Von Unteroffizieren des Erfurter Artillcrieregiments wurde eine Quadrille mit Geschützen gefahren; die„in hoher Vollendung ausgeführten schwierigsten Evolutionen auf kleinstem Raum in flottesten Gangarlen riefen starken Beifall hervor", heißt es in dem Bericht. Weiter wurde noch ein Manöverball mit zioei Maschinengewehren(von der Erfurter Maschinengewehrabtcilung) vorgeführt. Man bedenke, welche U ns u m m e v o n Z e i t die Bauten und die Vorbereitungen und Hebungen zu dem Reiterfeste fes fand außerdem am Sonnabend vorher eine Generalprobe und am Dienstag eine W i e d e r h o l u n g des Reilerfestes statt) den Sol- daten und Vorgesetzten gekostet hat. Dem Bestreben nach V e r- k ü r z u n g der D i e n st z e i t setzt die Mililärverwaltung den hart- näckigsten Widerstand entgegen! aber zu einem Vergnügen für zahlungsfähige Herrschaften können massenhaft Soldaten ihrem alleinigen Zweck, der kriegsmäßigen Ausbildung, tage-, vielleicht wochenlang entzogen werden. Das schadet anscheinend nichts. Den„leichtsinnigen Hetzern" ins Stammbuch. Der deutsche Arzt Dr. v. Oettingen, der als Chef- chirurg des serbischen Roteu Kreuzes den Balkankrieg mit- gemacht hat, äußert sich in einem Zeitungsartikel über den Krieg. Er schreibt u. a.:„Es hat zu jeder Zeit Verherrlichcr des Krieges gegeben, und zwar nicht nur unter denen, die in Kriegszeiten im Trüben zu fischen gedenken, sondern auch Dichter und Denker haben sich begeistert über die segensreichen Wirkungen des Krieges ausgesprochen. Mag man darüber richten und streiten, sicher ist, daß das entsetzliche Wesen des Krieges, das Grauen und die Scheußlichkeit nur in jenem haften bleiben, der die Kriegsleiden des Kampfes kennen lernen, te beobachten mußte. Weder der Kulturfortschritt der Nationen noch die vervollkommnete Technik der Waffen haben an der Grausamkeit dcS Krieges irgendetwas geändert. Im Gegenteil I Wenn in früheren Jahrhunderten„die Bestie im Menschen" noch die Genugtuung hatte, Aug' in Auge mit dem Feinde zu ringen, ihn'— sei es mit Kolben oder Zähnen zu vernichten, so kommt das heutzutage nur noch selten vor. Der Soldat ist vielfach nur„Kanonenfutter".... Dann schildert Dr. Oettingen die furchtbaren Leiden des modernen Krieges, und wie ungenügend die sanitären Einrichtungen im Kriege sind. Er schließt:„Den leichtsinnigen Hetzern— es sind meist solche, die selbst nicht ins Feuer kommen—, ihnen sei auch einmal das Kriegselend des Kämpfers vor Augen geführt!" Die leichtsinnigen Kriegshetzer werden sich trotzdem nicht abhalten lassen, ihr schmutziges Handwerk in unverantwort- lichster Weise fortzusetzen. Die politische Geburtsanzeige. Der Kasseler Oberbürgermeister Dr. Scholz gab in unserem Kasseler Parteiblatt die Geburt seines Kindes bekannt. Gegenüber den Anpöbelungen bürgerlicher Blätter betonte das.„Volksblatt", daß der Oberbürgermeister, der königl. preußischer Hauptmann der Reserve sei, eine staatScrhaltende Tat begangen habe, weil er durch die Geburtsanzeige im„Volksblatt" der sozialdemokratisch gesinnten größeren Hälfte der Einwohner Kassels eine Mahnung zur Nach- folge auf dem Wege zur Bekämpfung deS Geburtenrückganges habe erteilen wollen. Hierüber ist die„Krcuz-Zeiwng" ganz aus dem Häuschen geraten; das Junkerblatt schreibt: „Der Vorfall hat außer der persönlichen eine politische Seite. Der Kasseler Oberbürgermeister ist für den Posten des Over- bllrgermeisters der königl. Stesidenzstadt Charlottenburg ausersehen und würde als solcher einen der hervorragendsten Posten der Selbst- Verwaltung von Groß-Bcrlin einnehmen. Nach dem Bekenntnis des„Kasseler Volksblattes" kann nunmehr kein Zweifel darüber sein, daß der Herr Oberbürgermeister ausdrücklich eine tiefe Ver- beugung vor der sozialdemokratischen Partei gemacht hat, indem er dem Parteiblatt noch bar Geld zuführte, obwohl er eS nicht nötig hat. Wenn ein abhängiger Geschäftsmann mit großer Nrbeiterkundschafl außer in bürgerlichen Blättern auch in sozial- demokratischen Zeitungen inseriert, dann kann er sich immer noch mit einem Schein von Recht darauf berufen, er wäre dazu aus Erwerbsinteresje leider genötigt. Wenn aber ein unabhängiger Privatmann und noch dazu der Chef einer städtischen Ver- waltung, der die Obrigkeit darstellt, zugleich ein königlich preußischer Hauptmann d. R., ganz offen und ungeniert die sozial- demokratische Parteikasse füllt, dann ist dies ein ties bedauer- sicher Vorgang, der in der Oeffentlichkeit besprochen tverden muß. Er führt dazu, daß in der öffentlichen Meinung die Grenzlinie zwischen bürgerlich und sozialdemokratisch vollends verwischt wird, und wenn ein solcher Oberbürgermeister als das Haupt einer königlichen Residenzstadt gewählt und be- stätigt wird, dann kann sich breiten Schichten die Ueberzeugung aufdrängen, daß auch die Regierung nichts dagegen einzuwenden hat, wenn Persönlichkeiten in solcher Stellung ihre Sympathie mit der Umsturzpartei öffentlich bezeugen." Mag also der Mann noch so tüchtig sein, nach der Ansicht der preußischem Junker ist er nicht geeignet, den Posten eines Ober- bürgermeisters zu bekleiden, nur weil er in einer sozialdemokratischen Zeitung inserierte. Dagegen würde sicher ein Minderbegabter preußischer Junker den Posten bekleiden dürfen, sofern er nur eine tüchtige Attacke gegen die Sozialdemokratie reitet. Das Elend der Veteranen. Bei dem Jubiläumsrummel erinnerte man sich in K ö s l i n der notleidenden Veteranen. Der Magistrat wollte ihnen am 13. Juni und weiter an jedem Jahreswechsel eine Spende von 20 M. zukommen lassen. Die Stadtverordneten meinten jedoch, daß die dauernde Unterstützung der Veteranen Sache des Reiches sei, gewährten deshalb nur eine ein- malige 20 Mark-Spende und beschlossen, von den Veteranen mit Einkommen bis zu 1200 M. keine Steuer« zu erheben. In der Begründung dieser Vorschläge wurde nun durch den Magistrat das Veteranenelend so beleuchtet:„Es sind in Köslin 208 Kriegsteilnehmer aus den Jahren 1864, 1866 und 1870/71, von denen 163 weniger als 1200 M. Einkommen haben. Die meisten haben neben einer geringen Unfall-, Invaliden-, Alters- oder Veteranenrente überhaupt kein Einkommen, müssen sich von ihren Kindern er- nähren lassen und sind körperlich und geistig so hinfällig, daß sie als Arbeitskraft gar nicht mehr in Frage kommen. Nur sehr wenigen ist es vergönnt, einen sorgenfreien Lebensabend zu genießen." Herrlichen Zeiten führe ich euch entgegen, sagte einst Wilhelm IL Ob nicht an seinem Regierungsjubiläum die hungernden Veteranen sich dazu einen besonderen Vers machen werden?_ Eine Leistung. Wie die„Rhein.-Westf. Ztg." schon jetzt au? einem demnächst im „Deutschen Herold" erscheinenden Artikel des Herrn Kekule v. Stra- donitz mitteilen kann, hat der Kaiser in 25 Jahren 2 8 Orden und Ehrenzeichen gestiftet. Einige dieser Orden sind besondere Auszeichnungen, die nur für ihn und seine Frau bestimmt sind. Andere sind Zwischenstufen schon bestehender Orden, die zur„Entlastung" der alten Orden eingerichtet wurden. Neben einer großen Reihe von Orden stehen dann noch eine große Anzahl von„Gedenkzeichen", die auf kaiserliche Anordnung im Verlaufe des letzten Vierteljahrhunderts geprägt wurden. Die 25jährige Regierungs- zeit des Kaisers wird also wenigstens für die Ordensforscher reiche Ausbeute bieten. Der„verfassungstreue" mecklenburgische Landtag. Der mecklenburgische Landtag nahm am Mittwoch eine Reso- lution an, in der gegen die Drohung des Ministers mit der O k t r o y i e r u n g als einem Bruch der Verfassung Verwahrung eingelegt wird. Hierfür stimmten auch die Bürger- meister.— Dicie„Verwahrung" soll ein Mißtrauensvotum sein gegen die Minister, ein Mißtrauensvotum, das aus„Verfassungs- treue" diejenigen Landtagsabgeordneten dem Minister ausstellen, die seit Jahren krampfhaft verhindern, daß in Mecklenburg überhaupt verfassungsrechtliche Zustände einkehren. Das ist in der Tat ein guter Witz. Man kann gewiß schärfster Gegner einer eigenmächtigen Handlung durch die Regierung sein, so lange aber eine Clique recht- liche Zustände überhaupt unmöglich macht, muß schon im Notfall mit Gewalt einmal Recht geschaffen werden. Ob die nun von unten oder von oben kommt, ist letzten Endes gleichgültig.— Der Landtag debattierte dann über ein künftiges Wahlgesetz und lehnte geschlossen die direkte Wahl ab. Nur ein nationalliberaler.Landstand" stimmte für direkte Wahl._ Agrarische Handwerkerfreundlichkeit. Ein Kapitel von der agrarischen Handwerkerfreundlichkeit kam auf dem niederschlcsischen Sattler- und Tapezierer-Ver- b a n d s t ag e in I a u e r zur Verhandlung. Mit Rücksicht auf die erhöhten Rohproduktenpreise verlangten die Meister von ihren Kunden eine Erhöhung des jährlichen Abonnementsproises für die Instandhaltung von Pferdegeschirren um 2 M. pro Geschirr und Pferd. Bei allen Kunden fanden die Sattler Entgegenkommen. Nur die Agrariea: bezeugten ihre Handwerkerfrcund- l i ch k e i t in besonderer Weise. Im Kreise Bolkenhain gründeten sie einen Ring und verpflichteten sich, die erhöhten Preise nicht zu zahlen. Im Kreise Grünberg wurde der Wunsch der Sattler um Erhöhung der Preise mit der W eg nähme der Ar- beit und Einstellung eigener Gutssattler beantwortet. Eine große agrari s ch e Leuchte aus dem Kreise Schweid- nitz schrieb, daß die Sattlermöister die Rentabilität der Güter über- schätzten, während die Landwirte mit ihren Produkten i m m er b i l- ligcr würden. Wenn die Sattler auf ihrer Forderung be- stehen blieben, würden die Rittergutsbesitzer sich genötigt ehen, zur Selbsthilfe zu schreiten, indem sie in den landwirtschaftlichen Fachzeitungen zum Boykott der Sattler auffordern würden! Vor den Wahlen trieften die Agrarier bekanntlich nur so von Handwerkerfreundlichkeit. Wie es damit aber in Wirklichkeit aus- sieht, zeigt diese Schilderung der tatsächlichen Verhältnisse aufs neue. Leider sind die Handwerker immer noch nicht eines Besseren zu belehren. Bei den Wahlmännerwahlen stimmten sie namentlich in den ländlichen Kreisen für ihre eigenen Bedrücker. Wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen! Preustische Kultprarbeit in Nordschleswig. Ein beliebtes Kampfmittel gegen die Dänen ist die Verdrängung ihrer Muttersprache aus Kirche und Schule. Dieses Mittel hat man am letzten Freitag in der Gemeinde Barsmark im Kreise Apenrade zur Anwendung gebracht. In der dortigen Schule bestehen noch wöchentlich zwei Unterrichtsstunden in der dänischen Sprache. Die Kinder können nach freiem Ermessen daran teilnehmen oder nicht; natürlicherweise lassen die dänischen Eltern ihre schulpflichtigen Kinder an diesem Unterricht in der Muttersprache teilnehmen. Damit wird es nun aber bald wieder vorbei sein, denn in einer Sitzung dcS Gemeinderats wurde die gänzliche Aufhebung ZeS Hänichen Unt errichts beschlossen. Diese Vergewaltigung des selbst« verständlichen Rechtes der dänischen Gemeindebewohner hat wahr- scheinlich den Landrat und den Kreisschulinspektor als indirekte Urheber, denn beide waren in einer Sitzung anwesend, um durch Beeinflussung des weisen Rates die Exekution zu beschleunigen. Die dänischen Bewohner empfinden den Beschluß als einen unerhörten Gewalt st reich. Die Haltung des KreisschulinspektorS erscheint unbegreiflich. Er stößt einen Teil der Bewohner rigoros von sich und unterstützt die Willkürlichkeit der preußischen Zwangspolitik in einer Weise, die allgemeine Verurteilung findet. Hat die Interpellation bereits gewirkt? Genosse Dr. Liebknecht hat im Reichstag den Reichs- kanzler befragt, was er zum Schutze des schlesischen Berg- manns Jakubik aus Myslowitz zu tun gedenke, der in dem russischen Grenzort Nieska von den russischen Be- Hörden verhaftet und wegen der für den oberschlesischen Berg- arbeiterstreik betriebenen Agitation angeblich zu lebenslang- licher Zwangsarbeit nach Sibirien verbannt worden ist. �etzt meldet die„Kattowitzer Zeitung", daß Jakubik nicht nach Sibirien verschickt, sondern im Gefängnis Vendzin unter- gebracht sei, und als lä st iger Ausländer nach Deutschland abgeschoben werden soll. Damit kann die Sache natürlich nicht erledigt fern. Deutschland hat die Pflicht, eine Sühne für die brutale Miß- Handlung eines deutschen Bürgers zu fordern! franfemd*. Die antimilitaristische Propaganda. Paris, 5. Juni. Heute vormittag überraschte die Polizei zwei Personen, welche antimilitaristische Broschüren über die Mauern einer Kaserne warfen, in denen die Soldaten z» Manifestationen gegen daS dritte Dienstjahr aufgefordert wurden. Die beiden wurden verhastet. Italien. Korrupte Parlamentarier. Rom, S. Juni. In der heutigen Sitzung der Kammer gab der Präsident bekannt, daß die Abgeordneten Abignente, Tom» maso, MoSca und Riccardo Luzzato wegen des Be- schlusses der Kammer in der Angelegenheit des Justizpalastes ihre Mandate niedergelegt haben. England. Neue Schisse. London, 5. Juni. Unterhaus. Ter Unionist Lee stellte die Anfrage, welche Schritte die britische Regierung zu unternehmen gedenke hinsichtlich der drei Schlachtschiffe, die die kanadische Regierung für die Reichsflotte zu stellen be- absichtigte, die sie aber infolge unvorhergesehener Umstände nicht zu stellen in der Lage sei. � Der Erste Lord der Admiralität, Churchill, antwortete, daß die durch die Ablehnung der kanadischen Flottenvorlage ge- schaffene Situation ein sofortiges Handeln verlange, um die Flotte und um den Kräfteüberschutz der Flotte, der für den Schutz de? britischen Reiches in der ganzen Welt erforderlich sei, auch im Herbst und Winter 1915 und im Frühjahr 1916 auf ihrer Höhe zu erhalten. Unter diesen Umständen habe die Regierung beschlossen, den Bau von drei Kontrakt schiffen (Schiffen, die auf Pribatwerften erbaut werden) innerhalb des Programms dieses Jahres zu beschleunigen, und es seien bereits von der Admiralität Anweisungen ergangen, die sicherstellen werden, daß mit ihrem Bau zu einem möglichst frühen Termin begonnen werde, anstatt im März nächsten JahrcS. Rußland. Ein Notschrei aus der zarischen Bastille. Das sozialrevolutionäre Organ„Snamja Truda" per- öffentlicht folgende Einzelheiten aus dem Leben der politischen Gefangenen in der berüchtigten Schlüssclburgcr Festung: Von den Teilnehmern des vorjährigen Protestes in diesem Kerker, die mit 30—44 Tagen Karzer bestraft wurden, sind bis zum März dieses Jahres gestorben: Skorodumow, Torioschtvili, Saposhnikow, Kurashew, Lucno und andere, deren Namen vorläufig unbekannt sind. Zahl- reiche andere Gefangene sind an der Schwindsucht er- krankt; bekannt sind vorläufig 24 solcher Fälle. In den Karzern finden folgende Szenen statt: Der Gefangene Ku- rashew wird mißhandelt; auf die Forderung der anderen Ge- fangenen setzt der Chef Agafonow ein Protokoll auf, das er dem Mißhandelten zum Unterschreiben überreicht; dieser unter- schreibt, ohne den Inhalt kennen zu lernen, und erst später stellt sich heraus, daß der Sachverhalt im Protokoll vollkommen gefälscht ist. Der Gefangene Lazki ist im Karzer erkrankt und kann beim Appell nicht aufstehen; darauf zerrt man ihn in Anwesenheit des Direktorsgehilfen Rubis in die Höhe und schleudert ihn auf den Fußboden; mit blutigem Kopfe, an allen Gliedern wund, bleibt der.Gefangene im Karzer liegen. Der Gefangene Jossi, der sich beim Appell im Karzer nicht erhob, wird gleichfalls auf den Fußboden geschleudert und von dem Oberaufseher Adelberg mit Füßen getreten.— Diese Beispiele geben nur einen kleinen' Ausschnitt aus dem Leben der politischen Gefangenen in dieser Marterhöhlc des Zarismus. Hunger, Krankheiten, Mißhandlungen, Roheiten ohne Ende— das ist das Schicksal der endlosen Zahl der politischen Gefangenen, die in den russischen Kerkern dahin- siechen. Zur Illustration der oben gekennzeichneten Zustände seien nachstehend einige Daten aus dem Bericht der Budget- kommission zum Gefängnisetat angeführt: Am 1. Januar 1913 belief sich die tägliche Durchschnittszahl der Gefangenen in allen Gefängnissen auf 190000, für die nur xa. 140 000 Plätze vorhanden sind. Die erschreckenden Gesundheitszustände in den Kerkern werden natürlich von amtlicher Seite verschleiert. Dennoch sieht sich auch die Re- gierung zu dem Geständnis gezwungen, daß die Zahl der Lungen schwindsüchtigen von 1646 im Jahre 1910 auf 2530 im Jahre 1912 gestiegen ist. Diese Zahlen bezichen sich allerdings nur auf die Lungenkranken, die in den Ge- sängnishospitälern behandelt werden. Die übergroße Mehr- heit der Tuberkulosen siecht ohne jede Behandlung in den ge- meinschaftlichen Zellen und in den Karzern dahin. )Zu3 der Partei. Aus den Organisationen. In Schwientochlowitz tagte am Sonntag eine, Konferenz für den Wahlkreis Beuthen-Tarnowitz. Anwesend waren aus Königshütte 6, Beuthen 4, Mikultschütz 2 und aus Schwientochlowitz, Bismarckhütte, Hohenlinde, Lipine, Mrchowitz je ein Delegierter. Die Kreisvcrivaltung war durch 7 MitgIZeder ver- treten. Ter Geschäftsbericht wies nach, daß in der Berichtszeit 114 609 Flugblätter und 39 999 Volkskalender verteilt wurden. Die Mitgliederzahl hat sich durch den großen Wechsel im Arbeitsverhält- nis und Schikanen nur um 37 erhöht, trotz 517 Neuaresnahmcn. In der Hauptsache trägt die große?lrbcitslosigkeit in der Montan- Industrie die Schuld an dem geringen Fortschritt der RLitglieder« zahl. Gegenwärtig zählt der Kreis 859 Mitglieder. Ter Kassen- bcricht balanziert bei einem Bestände von 71,79 M. in Einnahme und Ausgabe mit 4245.15 M. Bei der Beratung über die zukünftige Gestaltung der Agitation wurde von allen Rednern hervorgehoben, daß das Bestehen der P. P. S. neben der deutschen Gestrmtpartei der Agitation hinderlich sei, für die Gewerkschaft sogar ein« direkte Gefahr bedeute. Ter Wunsch nach einer Einheitspartei verdichtete sich zu folgenden, einstimmig angenommenen Antrag, der dem deutschen Parteitag in Jena vorgelegt werden soll: ..Der diesjährige Parteitag m Jena wolle beschließen: Der vom Parteitag in Mannheim�(1906) gutgeheißene Einigungsant�ag mit der P. P- S. wird aufgehoben. Sonderorganisationen innerhalb der Partei sind unzulässig. In sogenann- ten gemischtsprachigen Gegenden ist die Agitation mwh dem Sprachenbedürfnis einzurichten und diesem möglichst Rechnung zu tragen." Zum Delegierten nach Jena wurde Hörring-Bcuthen gewählt. Eine Konferenz der deutsche» Arbeiterorganisationen BelAicns. Brüssel, 2. Juni.�lEig. Ber.) In Belgien wurden in dep letzten Jahren in einigen Städten deutsche Arbeiterorganisationen— dem Wesen nach Bildungs vereine gegründe, die sich zur Ausgabe machen, die nach Belgien verschlagenen deutschen Arbeiter der sozialistischen Be- wegung zu erhallen, indem sie sie der deutschen Organisation zu- führen, aber auch auf die Pflicht vcrwe scn, den belgischen GeWerk- schaften beizutreten. Der B r ii s s e l e r D e u t i ch e A r b e i t e r v e r e i n. die alle Stammorganisation— in deren Geschichte auch der Name Karl Marz -ine Rolle spielt— der schon mehrfach mit den deutschen Arbeiter- organisationen Belgiens Fühlung genommen. hat kürzlich die Initiative ergriffen durch eine reguläre Verbindung und einverständ- nches Arbeiten die Zwecke der deutschen Organisaftonen Belgiens zu fordern und die schwächeren unter ihnen durch gemeinsame Aktionen »n unterstützen. Diesem Bestreben galt die erste deutsche Konferenz der deutschen Arbeitervereine Belgiens, die am Sonntag zur Beratung im Brüsseler Maison du Peuple zu- fammentrat. Es waren anwesend der Bor st and de» Brüsseler Arbeitervereins— darunter drei weibliche Funktio- näre— dann die Vertreter des Antwerpener, Lütticher und G e n t e r Arbeitervereins. Genosse Fischer, das älteste Mitglied des Brüsseler Vereins, gab einen Ueberblick über die Brüsseler Verhältnisse und erinnerte an die Zeit, da der Brüsseler Verein eine ganz kleine Vereinigung war, in der sich die deutschen Arbeiter zufallsweise zusammenfanden. Seit zirka zehn Jahren kann man von einer richtigen regulären Vereins- lätigkeit reden. Heute zählt der Brüsseler Verein 299 Mitglieder. Er hat eine reichhaltige, besonder« sozialwissenschaftlich gediegene Bibliothek, geordnete Zusammenkünfte mit wissenschaftlichen, politi- scheu und literarischen Vorträgen und ist in mancherlei Betracht eine Heimstätte für die einwandernden deutschen Arbeiter. Der Verein hat auch seinerzeit das Lesezimmer errichtet, das nun gemeinsam mit der belgischen Partei verwaltet wird. Durch dieses ivie die vom Verein betriebene Kolportage haben die deutschen Arbeiter alle Möglichkeiten, die sozialistische Bewegung zu verfolgen und sich mit allem vertrant zu machen, was ihnen für ihre Ausbildung not tut.— Es erfolgten dann die Berichte der Provinzdelcgicrten, an die sich eine Diskussion über Vorschläge für gemeinsame Maßnahmen bezüglich der Agitation. deZ UnterslützungSwesenS, des UebertrittS in die belgischen Gewerkschaften. deS Borlrägß- und Bibliothekswesens, der Kolportage usw. anschloß.— Der von den Brüsseler deutschen Genossen gegründete Antwerpener Verein steht gut und konnte sognr zur Gründung einer Zahlstelle in einem Vorort schreiten. Die dortige Bibliothek wird auch von den deutschen Seeleuten benutzt. Der Genter Verein ist nach der AusstellungSeröffming infolge der Abreise deutscher Arbeiter zurückgegangen, wie denn überhaupt die Fluktation in den deutschen Organisationen außerordentlich groß ist und die Vereinsarbcit überall sehr erschwert. Die Konferenz befaßte sich besonder? auch mit den Verhältnissen der deutschen Arbeiter in der Provinz Lüttich, die dort in ziemlicher Anzahl— an 2— 3999 meist als bereits eingesessene Bergarbeiter— leben. Auch bei diesem Punkt wurden verschiedene Anregungen und Vorschläge für die künftige Werbearbeit diskutiert und die Einleitung' einer cnt- sprechenden Verbindung mit der belgischen Partei beschlossen.— Schließlich erklärten sich die Delegierten mit dem Vorschlag der Brüsseler, für die Schaffung einer Zentralstelle in Brüssel für die Bestrebungen der deutschen Arbeitervereine Belgiens, ein- verstanden. Der Vorsitzende E b e r l o e schloß die Konferenz um V»2 Uhr mit dem Hinweis, daß gute Vorarbeit für die nächsten Aufgaben der deutschen Arbeiterorganisationen Belgiens gemacht wurde. polirellkkes, ßmchtlicbes ufw. Prcßprozessr. Genosse Mittwoch, der verantwortliche Redakteur des Känigsberger Parteiblaltes, hatte einen Strafbefehl, der noch nicht rechtskräftig geworden war, abgedruckt und dadurch den§ 17 des Preßgesetzes verletzt. Die Königsberger Strafkammer ver- urteilte ihn zu der b o hen S t r a f e v o n 1 9 9 M a r k. Der Staatsanwalt hatte nicht weniger als 299 Mark beantragt. Die„BolkSzeitung" in Mainz hatte von dem katholischen Pfarrer Michel in Wies-Oppenheim behauptet, er habe die Pfennig-Bciträge für einen Kirchenbau, die seine Getreuen irrtüm« lich in die Markrubrik der Sammelliste eingeschrieben hatten, so wie sie gezeichnet waren, einkassieren lassen. Da sich heraus« stellte, daß diese Notiz auf einer unrichtigen Information beruhte, erklärte Redakteur Genosse Münk vor dem Schöffengericht, daß er zur Abgabe einer entsprechenden Erklärung bereit sei. Doch davon wollte der Herr Seelsorger nichts wissen; er verlangte unter allen Umständen Bestrafung, da Münk ein Feind der Kirche sei und zum Austritt aus jeder Religionsgemeinschaft auffordert. Der Wille des frommen Herrn geschah: Genosse Münk wurde zu fünfzig Mark G e l d st r a f e verurteilt. Die Zahl der Prcßprozcsse gegen sozialdemokratische Zeitungen im Monat Mai belief sich auf 12. Es wurde erkannt auf 2 Monate, 6 Wochen Gefängnis und zirka 1299 M. Geldstrafe. Einmal erfolgte die Freisprechung de« Angeklagten. Im Mai 1912 wurden 14 Prozesse mit 4 Wochen Gefängnis und 1899 M. Geldstrafe gezählt, wobei 4 Freisprechungen._ Hirn Industrie und Kandel. Pcrfichcrungsfusioncn. In den letzten Monaten ist eine ganze Anzahl von Zusammenschlüssen im PrivatversicherungSgewcrbe er- folgt, und es stehen anscheinend neue Fusionen bevor. So ist kürz» lich die Düsseldorfer Versicherungs-A.-G. an die„Albingia" Ver- sicherungS-A.-G. übergegangen, ferner ist ein Fusionsvertrag zwischen der Deutschen Lebensversicherungsbank Arminia in München und der VereinSversicherungsbani für Deutschland in Düsseldorf ge- schloffen worden. Ferner soll die Deutsche Refonn Ver- sicherungsbanl-A.-G. in Berlin auf die„Freia" Bremen-Berliner Versicherungs-A.-G. übergehen. Für die vielen Fusionen im Versicherungsgewerbe sind in der Oeffentlichkeit alle möglichen Gründe bekannt gegeben worden. Vornehmlich aber hat man die Zusammen- schlüsse auf die wachsende Konkurrenz im Versicherungsgewerbe zu- rückgeführt. Es ist richtig, daß der Wettbewerb im LerficherungS- gewerbe vielfach scharfe und unerquickliche Formen angenommen hat, doch wird aus Fachkreisen bemerkt, daß zum erheblichen Teil die Zusammenschlüsse darauf zurückzuführen seien, daß die fusionierten Gesellschaften nicht prosperieren konnten. Und zwar leiden sie an einer mangclbaften Kalkulation, die in zu niedrigen Prämien und in verhältnismäßig zu hohen Kosten zum Ausdruck komme. Ferner hätten die bestehenden größeren Versicherungsgesellschaften die Tendenz, sich möglichst zu Ber- s i ch e r u n g s t r u st s auszuwachsen, das heißt,' alle Zweige dcS VcrsicberungSgewcrbes zu bearbeiten. Daher komme es, daß z. B. Gesellschaften, die mit der Unfallversicherung begonnen haben, sich nach und nach LcbensversicherungS- und Feuerversicherungsunter- nehmungen angliederten, in der Hoffnung, dadurch auf dem gesamten Berficherungsmarkte eine hervorragende Stellung zu erlangen. BcrbandSfrazen. In einer außerordentlichen Mitgliederver- sammlung. die am Donnerstag stattgefunden hat, wurde der Walz- drahtverband unter Aufnahme deS Eisenwerkes Kraft um ein Jahr verlängert.- In letzter Stunde wurde auch nach langwierigen Verband-. lungcn die Röhrenkonvention, aber zunächst bloß auf weitere 14 Tage, verlängert, nachdem die Schwierigkeiten, die sich anfänglich den «yndikatsbcftrebungen entgegengestellt hatten, beseitigt worden waren und damit der Boden für weitere Verhandlungen geebnet war. Eine Kommission, der auch die Mannesmannröhren werke angehören, wird morgen die Grundlage der Syndizicrung weiter beraten. Bis zur nächsten KonvenlionSsttzung dürfen nur Spezifikationen, nicht aber Abschlüsse zu den heurigen KonvenftonSpreisen hereingenommen werden. lieber den Saatcnstand in Preußen Anfang Juni schreibt die „Siat. Korr.": Von der Winterung hat sich der Winter- weizen den Witterungsunbrlden gegenüber am Widerstands- fähigsten erwiesen; auch scheint er von Schädlingen wenig heim- gesucht zu werden. Allgemeine Klage wird aber in den Berichten aus den von der Witterung ungünsftg beeinflußten Gegenden über den Winterroggcn geführt; er hat zumeist kurzen Halm und leidet auch sehr unter Schädlingen. Dagegen werden die Ernteaus. sichten beim Roggen in den von hinreichender Befeuchtung be- troffenen Landesteilen als durchaus zufriedenstellend bezeichnet. Das, was er im Osten gegen den Vormonat verloren hat, wird. durch seine Zunahme im Westen wieder ausgeglichen. Die Wintergerste und die Oclfrüchte, Winterraps und Rübsen, haben sehr unterSchädlingen zu leiden. Letztere haben außerdem den Witterungsunbilden vielfach nicht widerstehen können und sind nur ganz vereinzelt günstig beurteilt worden. lieber das Auf. laufen der Sommersaaten lauten die Berichte sehr ver- schieden, im großen und ganzen aber hinsichtlich der Getreide- srüchtc, mit Ausnahme des Sommerroggens, doch noch zu» s r i e d e n st e I l e n d, nicht jedoch auch hinsichtlich der Hülsen- fruchte, da letztere wie der Roggen unter der Trockenheit und der Kälte sowie ben Insektenfraß erheblich gelitten chaben. Uebei die H a ck f r ü ch t e ist noch nicht viel zu sagen. Die Kartoffeln sind"zum großen Teil noch nicht aufgegangen, auch die Zucker- und Futterrüben haben in manchen Bcrichtsbezirtcn Frostschaden er- litten. Die Witterungsunbilden in den östlichen Gebieten haben hier auch den Flachs in seiner Eniwickclung sehr beeinträchtigt. letzte NadmeMen. Stürmische Debatte über die dreijährige Dienstzeit. Paris, 5. Juni. In der heutigen Sitzung der Kammer setzt« Th a l a m a s seine Kritik an der dreijährigen Dienstzeit fort. Er empfahl eine größere Nutzbarmachung der Reserven wegen der schwachen Geburtsziffer in Frankreich und drückte die Ansicht aus, daß drei Jahre Kaserne nicht einen Mann mehr und nicht eine Stunde Gewinn für die Mobilisierung ergeben würden. Thalamus schlug vor, das Alter für die Aushebung herabzusetzen, die Jahres- klaffe in zwei Abteilungen einzuberufen, die Dienstzeit für die be- rittenen Waffen zu verlängern und die 17- und 23tägigen Uebungen der Reservisten der Deckungstruppen zusammenfallen zu lasten. Thalamas warnte schließlich vor der Marokkoexpedition und vor den Schatten der Marschälle, welche wieder in den Gängen des Kriegsministeriums herumspuiten.(Beifall auf der äußersten. Linken und einem Teile der Linken.) Das frühere Mitglied des Kabinett? Briand, A n bre ü e f e v r e, suchte hierauf Chautemps zu widerlegen, und sagte, er glaube an die Möglichkeit eines plötzlichen Angriffs durch Deutschland. Der Redner wies darauf hin, daß Frankreich in den letzten dreißig Jahren zwei Milliarden weniger für KricgSrüswngen ausgegeben habe als Deutschland. Frankreich träume übrigen? von keinem Angriff, es sei friedlich, obgleich eS Elsaß-Lothringen nicht bergessen habe. Der Redner entwickelte darauf ausführlich die These, daß die finanziellen Hilfskräfte Frankreichs viel weniger schnell erschöpft werden würden, als die Deutschlands, und daß die. Mobilisierung Rußlands langsam von statten gehen würde, im Interesse Deutschlands würde also ein plötzlicher, rascher Krieg liegen.(Die Kammer folgte den Darlegungen LefevreS mit leb- haftem Interesse.) Der Redner gab dann der Meinung Ausdruck, daß cS strategisch vorteilhafter sei, gegen den Feind uz ziehen, als daS Grenzland einem Einfall preiszugeben, das 16 Proz. der französischen Bevölkerung, 39 Proz. der Reichtümer Frankreichs und. ein Zehntel seines Gebietes umfasse.(Lebhafter Beifall.) Lefevre sprach sodann von der Notwendigkeit eine? sicheren Grenzschutzes und erklärte, daß diejenigen, die angreifen wollten, auch wissen müßten, daß dieses ein gefährliches Unterfangen sei, und daß sie selbst, wenn sie den Sieg davontrügen, außerordenlich erschöpft sein würden. Der Redner erinnerte an den Zeitraum vor 1879, wo alles sich durch trügerische Zuversicht habe einschläfern lassen. Der Sozialist G n e S d e protestierte lebhaft dagegen, daß Napoleon III. allein für den Krieg von 1879 verantwortlich sein solle. Lefevre antwortete: Wir bedauern lediglich, daß er stattge- funden hat, trotz der Opposition, die sich auch in Deutschland gezeigt hat.(Beifall fast überall.) Die äußerst« Linke protestierte lärmend, weil der Redner er- klärte, die Republikaner selbst seien für den Krieg von 1879 ver- antwortlich. Der Tumult war groß. Präsident Deschanel erteilte mehrere Ordnungsrufe. DaS Zentrum und die Linke spendeten Lefevre Beifall. Der Sozialist Ghcsquieres drohte dem Redner mit der Faust.. Lefevre schloß mit folgenden Worten: Wenn wir, die Besiegten, oder die Söhne der Besiegten morgen in denselben Irrtum zurück- fallen würden, so würden wir verdienen, zermalmt zu werden. (Der Rest des Satzes verlor sich in dem donnernden Beifall, der auf der rechten wie auf der linken Seite ertönte.) Der Sozialist C o l l y unterbrach die Ausführungen LeftvreS durch den Zwischenruf: Sie sind ein komödienhafter Patriot. (Heftige Erregung fast überall im Hause.) Colly wurde wegen dieses Zwischenrufes zur Ordnung gerufen und dieses wurde im Protokoll vermerkt. T i s s i e r bekämpfte die Argumente LefevreS und betonte namentlich, daß die Niederlage von 1879 nicht dem damaligen Parlament zuzuschreiben sei, sondern gewissen Offizieren und der kaiserlichen Politik. Er bekämpfe ferner die kolonialen Expe» ditioncn und protestierte gegen die Truppensendungen nach Ma» rokko. Kriegsminister Etienne sagte: Wenn wir nicht in Marokko wären, wer, so frage ich Sie, würde dann dort sein? Tissier bekräftigte, die Massen des Volkes in Deutschland und in Frankreich wünschten sehnlichst den Frieden, und stellte fest, daß die Regierungen beider Länder, um die Abstimmung zu erlangen, die sie wünschten, dieselben Gründe vorbrächten. Sodann vertagte di Kammer die Weiterberatung auf Montag. Wegen Beleidigung deutscher Beamte» verurteilte Straßburg i. E., 5. Juni.(W. T. B.) Heute vormittag ber» handelte die hiesige Strafkammer über die Offizialklage gegen den verantwortlichen Redakteur Karl Lutz vom»Journal d'Alsace» Lorraine" wegen verleumderischer Beleidigung der in Elsaß» Lothringen eingewanderten deutschen Beamten. Der Strafantrag war vom Staatssekretär Freiherrn Zorn v. Bulach gestellt worderr, Ihm hatten sich zwei altdeutsche Beamte angeschlossen. Der An- geklagte hatte in einem Artikel vom 23. Januar d. I. die deutschen Beamten als Parasiten bezeichnet. Der Gerichtshof erkannte auf einen Monat Gefängnis �nid Veröffentlichung des Urteil! in deutscher und französischer Sprache in vier Zeitungen. Die Platten sind zu vernichton. DaS Gericht nahm als erwiesen an, daß eS dem Angeklagten darüm zu tun war, die altdeutschen Beamten zu beleidigen. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate Gefängnis be-- antragt. Unwetter in Kurhesse«. Kassel, 5. jimi.(P. C.) Das gestrige und heutige Unwefter hat Kurheffen und die benchbarten Gebiete in ungewöhnlichem Maße betroffen. An vielen Orten sind die Felder verschlammt und verwüstet, und die Ernte ist zum großen Teil vernichtet. Zahl» reiche Gebiete sind durch Blitze verbrannt oder schwer beschädigt. Bei Rothenburg an der Fulda stürzte die Brücke ein, die hier über die Gnde führt. Besonders empfindlich ist der Schaden, der im Werratal und in der Nähe von Heeringcn angerichtet worden ist. In der Nähe von Burghausen wurden vier Schulkinder durch das Hochwasser ergriffen und fortgerissen. Alle vier stnd ertrunken. Im Dorfe Schwebda, das IM Meter unter Wasser steht, wurde das Automobil eine? Arztes mit drei Insassen von den Wassermassen in die Höhe gehoben und forigcrissen. Die Automobilisten mutzten 1)4 Stunden in den Fluten aushalten, bis sie endlich mit dieler Mühe in Sicherheit gebracht werden konnten. Grubenunglück auf der„Guten Hoffnungshütte". Obcrhnusen, 5. Juni.(P. C.) Auf der..Guten-HoffnungS» Hütte" in Bottrop riß plötzlich das Seil eines Förderkorbes, in dem sich vier Bergleute befanden, die zur Schicht fahren wollten. Der Korb stürzte mit den Leuten in die Tiefe, wobei drei von ihnen sehr schwer und einer leicht verletzt wurde. Einer von ihnen ist bereits seinen Verletzungen erlegen. Wurst waren �Rotwurst..... Pfd. 55, 85 pf. �Landleberwurst____ Pf4 1.00 �Jagdwurst...... pfnnd 1.10 �Feine Leberwurst.. pf�d 1.25 *Teewurst........ pinnd 1.30 Bauernmettwurst... pw 1.25 Zervelat- u. Salamiwurst pfd.1.30 RollschlnKen 1-50 Landschinken�r2 pm.I-BS, 1.55 Mausschinken ��.�fund 1-35 Schinkenspeck 1-20 Magerer Speck.... Pfund 90 pt Fetter Speck...... Pfund 80 pt Delikatess- Würstchen D.6od.8Paar 95 Pf, D.12Paar 1.85 Jägcrsalat, Fleischsalat,|'�9 Schweinekopf, Delikatessälze J 55 Pf. 'Obst a. Gemüse Radieschen rot od weiss sba 10 fc. Salat.......... s Köpfe 10 pt. Kohlrabi........ Mandel 25 pt Gurken.. staok 10, 15, 20 pt. Blumenkohl sopf 15, 23, 28 pf. Tomaten........ Pfund 28 pt Neue Kartoffeln. s Pfund 20 pf. Stachelbeeren..... Pfund 25 pt. Bananen........ Pfund 33 pt Austral. Aepfel.. Pfd. 35, 45 pt Zitronen...... Dt*. 45, 55 pt Erdbeeren, Werdersche Kirschen Spargel Bd. 12, 2 5, 3 5, 48 pf. Lutter u. Käse Koch- u. Backbutter prund 1.03 t Tischbutter....... p.-u-d 1.10 Tafelbutter pm. 1.17,�" 6Q pt Tafelschmalz...... Pfund 68 pi. Marmelade leiohttrefarbt. Pfd. 33 pr. Echter Emmenthaler. pfnnd 1.05 Bayrisch. Schweizerkäse p«. 88 pt. Limbarger i-fd 45, Romatour-t. 28 pf. Steinbuscherpra.88, Holländer75 pt Camembert....... staok 20 pt (IMuihdm Leipzigerstr. Rosenthalerstr. ithnmüld Freitag u. Sonnabend, soweit vorhanden.*. ArtiKel werden nicht zugesandt "F risches Fleisch Schmorfleisch.... Pfund 90 pf Rinder Kamm u. Brust 70 pf Fehlrippe......... Pfund 75pf. Gulasch........... p/und 70 pf. GehacKtes......... Pfund 60 pf. Kalbs Kamm u. Brustprd.75pf. Brustspitze....... Pfund 95 pf HammelKeule..... Pfund 90 pf HammelrücKen ira 90 Pf SchweineKotelettes pfd 1.00 SchweineKamm.. Pfund 90 pi RücKenfett........ pfund 55 pf. Liesen............. Pfund 60 pf Kasseler..... Pfund 85 pf. bis 1.00 WildschweinKeule pfund 1.00 Wildschweinrüchen..... pfund 90 pf Wildschweinblatt Pfund 70 pf RehKeulen... stück 5.00 bis 7.50 RehrücKen. stück 7,00 bi, 10.00 Rehblätter... stück 1.50 ms 2.25 Fische Kabeljau Ohne Kopf in ganz. Fisch. Pfd. 9 Pf Seelachs ohne Kopf in ganz. Fisch. Pfd. 9 Pf. Schellfische, Rotzungen.... Pfd. 9pf. Brat-Schollen...... pfd. 9pk Steinbutten........ pfd 55 pf. Ibachs in ganzen Fischen.... Pfund 58 Pf. L-eb. Aale 65, 78, 95 pf. 1.10, 1.30 I�eb. 8cbleie uderV-Ptt.schv.Pfd�OPf. -i- Geflüg'el Junge Gänse.... p». 75. 88 pf. Gänse-Rümpfe stck. Z.75 bis 4.50 Jun�e Enten. stock 2. 15 bis 3.90 Junge Hübner stck. 65 pf.Ms 1.75 Brat-u. 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I. zu eröffnen- den paritätischen Arbeitsnachweis sur die Brauindustrie Grotz-Berlins. Be- sähigte Mitglieder der Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Brauer«- und Mühlenarbeiter wollen sich daher bis spätestens am 14. Juni cr. b« der unterzeichneten Ortsoerwallung schristtich unter der Bezeichnung .Paritätischer Arbeitsnachweis melden.„.�/15 Die Anstellung erfolgt aus Vorich ag der beteiligten Organisationen durch das Kurators um des paritattschen Arbeitsnachweises für die B. induftrie Grotz-Berlins.� Verband der Brauerei* u. Mühlen, arbeiier. Ortsverwaltung �crll». I. A.: Ludwig Hvdapp.. söchcii ivt a ff r c g e l u u g des Planvertrcters sind die Kollegen der Firma Retchcubcrger Str.«»,«0 und Ritterstrafte 38- Streik getreten. Ter Betrieb ,st ÄÄmdsiil! öei' Mmlit, Ortsverwaltung Berlin. Hierzu 3 Beilagen. Kr. 189. 30. Jahrgang. 1. Knlqt des Jonöits" Cetlinct DslkÄR Freitag, 6. Juni 1918. GcwerkfcbaftUcbca. Sin Sd�wurzeuge der Scharfmacher. Ein sensationeller Prozeß, der mit Rücksicht auf die jetzige Verhätschelung der Arbeitswilligen und ihrer Treiber von hoher Bedeutung ist, begann am Mittwoch vor der Halleschen Strafkammer. Angeklagt ist der' Maurermeister William Pfeiffer, der in unzähligen Streikprozessen anläßlich der letzten Bauhandwerkerstreiks gegen eine große Anzahl Maurer und Bauarbeiter als schwurkräftiger Zeuge auftrat und da- durch viele Familienväter unglücklich machte. Die Anklage lautet zunächst auf Verleitung zum Meineide, Ab- gäbe falscher eidesstattlicher Versicherungen, Betrug, Urkundenfälschung usw. Mit Pfeiffer sind auch dessen Frau und Tochter in die Untersuchung gezogen und noch neun weitere Personen unter Anklage gestellt worden. Zu der Verhandlung sind zunächst vier Tage in Aussicht genommen, und nachdem wird sich Pfeiffer noch vor dem Schwurgericht wegen Mein- e i d e s zu verantworten haben. Pfeiffer hat im schwören eine solche Sicherheit und Fertigkeit erlangt,' daß er sich u. a. von einem Flugmaschinen- erbauer Bandasch eine Forderung von 20000 M. zuge- schworsn und andere zum Mitschwur verleitet haben soll. Das auf betrügerische Weise erworbene Geld soll der Arbeits- willigenfreund und-Agent in Kneipen mit Damenbedienung verpraßt haben. Pfeiffer benimmt sich in der Verhandlung wie alle Ehren- männer gleichen Schlages. Er heult und erklärt, reuevoll vor seine Richter zu treten, um mildernde Umstände zu erlangen. Als im Gefängnis der Herr Pastor zu ihm gekommen sei und gesagt habe, Pfeiffer tun Sic Buße, da habe er sofort die Wahrheit gesagt. Dabei schwindelte Pfeiffer aber im Verlaufe der Verhandlung ungeniert weiter. Bei dem Falle der Aus- Plünderung des Bandasch rückte der Arbeitswilligenfreund mit nicht weniger als neun gefälschten eidesstattlichen Versicherungen im Gericht an. Auch Frau und Tochter soll er zu Eides- Verletzungen verleitet haben. Es wurde deni Pf. vorgehalten, daß er gelegentlich in einer Kneipe gesagt habe:„Es i st doch gut, wenn man Freunde hat, die sich zur Verfügung st eilen, tvcnn man Eide braucht." Seine Komplicen und Eidcshelfer soll Pfeiffer als„Klub-Kanone" bezeichnet haben. Die von Pfeiffer Verführten bedauern schwer, sich mit diesem gemeingefährlichen Mann eingelassen zu haben. Der wohlhabende Zeuge Bandasch hatte, bevor er sich mit Pfeiffer einließ, 100000 M. geerbt; jetzt besitzt er nur noch 11 000 M. Pfeiffer, ein sog. schlichter Mann aus der Werkstätte, avancierte zunächst durch seine Dienste als Arbeitswilliger, dann wurde> er Polier, Arbeitswilligenagent, permanenter Schwurzeuge gegen Streikende, und schließlich machte er schnelle Karriere als Maurermeister. Den Mcisterkollegen Pfeiffers liegt der Prozeß schwer in den Gliedern, und auf unsere Justizverhältnisse wird er ein eigentümliches Licht werfen. Denn wo William Pfeiffer, der sich jetzt seit fünf Monaten wegen Meineids in Haft befindet, gegen Streikende als Belastungszeuge auftrat, da wurden alle Entlastungs- zeugen in den Hintergrund gedrängt. Pfeiffer war gewisser- maßen der Roebsr cks drouos der Anklagen. Ja es war da- mals so weit, daß die Verteidiger in Streikprozessen auf Ver- nehmung von wahrhcitsliebendeu Entlastungszeugen ver- züchteten, weil man befürchtete, Pfeiffers Gegenzeugen könnten in Hast genommen werden. Seine Aussagen aber dienten den Scharfmachern mit als gerngesehenes Material zur Knebelung der Arbeiter- bewegung._ Berlin und dingcgcnd. Die Aussperrung im Malergctverbe. Die Arbeitgeber des Malergewerbes von Hamburg, Altona, Wandsbek und Umgegend, weigern sich, die Schiedssprüche der Herren Unparteiischen zur Schaffung des Reichstarifvertrages durch- zuführen. Eine Versammlung der Gehilfenschaft nahm letzthin hierzu Stellung und beschloß, weiterhin im Kampfe zu beharren, um den Lohn- und Arbeits- bedingungen des Reichstarifvertrages Geltung zu verschaffen. Gegenwärtig stehen noch im Kampfe zirka 1200 Arbeiter. Die Arbeitgeber sind nunmehr krampf- Haft bemüht. Arbeitswillige heranzuziehen. Hierzu b e- nutzen dieselben auch die„Berliner Morgen�- p o st". Eine Annonce versucht, 2000 Malergehilfen zur Abreise von Berlin nach den Elbstädten zu veranlassen. Die Kollegenschaft von Berlin wird deshalb ersucht, den Werbungen der Hamburger Malermeister nicht Folge zu leisten. Zuzug nach Hamburg ist unbedingt fern- zuhalten!_ Oeffcntliche oder geheime Abstimmung? Unter den Mitgliedern der Zahlstelle Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes ist kürzlich eine Urabstimmung über die Frage vorgenommen worden, ob der Wochenbeitrag ein- schließlich des örtlichen Zuschlages auf der seitherigen Höhe von 1,La M. erhalten bleiben, oder ob er auf 1,15 M. ermäßigt werden soll. Die Abstimmung erfolgte in verschiedenen Lokalen mittels Stimmzetteln, auf welchen sich am Schluß ein Vordruck für Namen und Buchnummer des Abstimmenden befand. Durch diesen Vordruck fühlte sich ein Mitglied in seinem Gewissen bedrängt, er schüttete sein Herz in der„ V o I k s- Z e i t u n g" aus. Diese fühlte sich in der Rolle des Schützers der bedrängten Unschuld und machte aus der Geschichte eine große Staatsaktion. Insbesondere suchte das Blatt einen Gegensatz zwischen dem Verhalten der Sozialdemokratie, die sonst stets für geheime Abstimmung eintritt, und dem Holzarbeiter- verband zu konstruieren, der die öffentliche Abstimmung praktiziert. Demgegenüber sei zunächst darauf hingewiesen, daß der Ver- gleich hinkt. Richtig ist, daß es nicht nur sozialdemokratischer Grund- sah ist, sondern daß auch in jedem demokratischen Gemeinwesen alle Wahlen geheim sein müssen. Zwischen einer Wahl und einer Ab- stimmung besteht aber doch ein gewiffer Unterschied. Es sei nur an die Praxis in den Parlamenten erinnert; dort finden die Wahlen, z. B. der Präsidenten, geheim statt, während in manchen wichtigen Fällen namentlich abgestimmt wird. Doch das nur nebenbei Im vorliegenden Falle hätte die bewegliche Klage über die Ge- wissensbed'rängnis bei der Angabe des Namens auf dem Stimm- zettel einen Sinn, wenn der einzelne aus seiner Abstimmung einen Nachteil zu erwarten gehabt hätte. Man braucht aber nur das Ergebnis der Abstimmung zu betrachten— 5799 stimmten für die Beibehaltung, 5382 für die Ermäßigung des Beitrages— um zu erkennen, daß sich die Anhänger der beiden Ansichten so ziemlich die Wage hielten. Bei solchem Stimmenverhältnis einen Nachteil von seiner Abstimmung zu erwarten, zeugt doch von einer übertriebenen Aengstlichkeit. ÜeberdieS sind solche Urabstimmungen doch nur eine Ausnahme; in der Regel werden die Abstimmungen in den Versammlungen durch Handaufheben vorgenommen, ohne daß sich jemand durch diese öffentliche Abstimmung in seinem Gewissen bedrängt fühlt. Aus dem Bericht, den der„Vorwärts" in der Mittwochnummer über die letzte Generalversammlung der Holzarbeiter gebracht hat, schließt nun die„Volks-Zeitung", daß ihre Kritik geholfen hat. Sie druckt den„Vorwärts"-Bericht ab und zieht aus ihm das Ergebnis, daß der H a u p t v o r st a n d des Holzarbeiterverbandes der allejn Schuldige sei, der die„geheime Wahl" seit elf Jahren illusorisch ge- macht hat. Diese Auffassung gründet sich auf eine von Glocke ab« gegebene Erklärung, wonach das Schema der Stimmzettel vom Hauptvorstand vorgeschrieben sei. Diese Wendung, die durch die Kürze des Berichtes bedingt war, kann allerdings zu Mißverständnissen Veranlassung geben. Glocke hat zum Ausdruck gebracht, daß die Zahlstelle Berlin schon seit längerer Zeit bei Urabstimmungen die gleichen Stimmzettelschema verwende, wie es bei Urabstimmugen im Gesamtverband in Gebrauch sei. Bei den Urabstimmungen im G e s a m t v e r b a l?o e war es allerdings seither Brauch, und dieser Brauch wird auch künstig beibehalten werden müsien, daß der Abstimmende Namen und Buchnummer auf den Stimmzettel schreibt, denn der Hauptvorstand, der die Abstimniung leitet, muß die Möglichkeit haben, sich dagegen zu schützen, daß sich Unberechtigte an der Ab- stimmung beteiligen. Bei einer nur für den Ort gültigen Ab- stimmung läßt sich diese Kontrolle in anderer Weise ausüben. Sie geschieht seither schon in der Art, daß nur der zur Abstimmung zu- gelassen wird, der sich durch sein Mitgliedsbuch ausweisen kann. Die Unterschrift auf dem Stimmzettel ist entbehrlich; der Vordruck ist gemacht worden, weil bisher dieses Schema bei Abstimmungen benutzt wurde. Es hätte auch des Notschreis in der„Volks-Zeitung" nicht bedurft; eine Anregung in der Generalversammlung hätte völlig genügt, um den anstößigen Vordruck zu beseitigen, der sich nur deshalb so lange erhalten konnte, weil ihn bisher niemand als Mißstand empfunden hat. Berichtigung. In dem Bericht über die Versammlung der Rohr- leger und Helfer in der letzten Nummer des„Vorwärts" ist ein Druckfehler enthalten. Sie ring hat nicht gesagt,„daß Wiesen- thal zu gleicher Zeit eine Versammlung von 8 Personen abhalte", sondern er sprach von 28 Personen. Deutfches Reich. In den Linke-Hofmaun-Wrrken in Breslau legten am Mittwoch- vormittag 250 Schmiede und Schlosser die Arbeit nieder. In den letzten Wochen haben sich die Arbeitsverhältnisse derart verschlechtert, daß die Arbeiter es nicht mehr aushalten konnten. Ein Entgegen- kommen auf die Wünsche der Arbeiter lehnte die Direktion rundweg ab. Alle Ausständigen gehören dem Metallarbeiterverband an. Heimarbeit und Heimarbeiterlohnbewegung in der Lcderhandschuhindustrie. Von den nicht viel über 3000 mit dem Zuschneiden in der Leder- Handschuhindustrie beschäftigten männlichen Personen'werden 350 bis 400 als Heimarbeiter beschäftigt. Diese Zahl erscheint zwar gering, sie beträgt aber immerhin zirka 12 Prozent der überhaupt beschäftigten Gehilfen und sie wird für einzelne Be- triebe, die neben den Fabrikarbeitern einen größeren Prozent- satz Heimarbeiter beschäftigten, ein Hemmnis, für erstere Lohn- erhöhungen zu erzielen. Ein Beispiel dafür ist die Handschuh- macherlohnbewegung bei der Firma M. u. P. Händel in Grimma. Dort kam eK wegen einer äußerst bescheidenen Lohn- forderung zum Streik, der aber verloren ging, da sich die bestreikte Firma durch Vergebung von Heimarbeit helfen konnte. Von den Handschuhfabrikanten wird Heimarbeit vergeben, um an den Arbeitslöhnen, an den sonstigen Produktionskosten, wie Miete, Licht, Heizung, Einrichtung ber Betriebsräume, deren In- standhaltung und Reinigung als auch an den Versicherungs- beitragen Ersparnisse zu erzielen.»Aber trotz dieser Benachteiligung gegenüber den in den Fabriken beschäftigten Gehilfen nehmen nicht wenige Handschuhmacher gerne Heimarbeit an, sobald sie am Fabrikationsorte ihres Aufenthalts im Berufe eine Bcschäfti- gung aus irgendeinem Grunde nicht erhalten können, nicht abreisen wollen, oder überhaupt der Heimarbeit wegen der vermemtlidstn größeren„Bequemlichkeit" den Vorzug geben. Das Zuschneiden der Lederhandschuhe verursacht eine nicht unerhebliche Entwickclung feinen Staubes. Lungenerkrankungen, Schwindsucht sind die unter den Handschuhmachern am häufigsten vorkommenden Krankheiten. Von dem Heimarbeiter werden diese Nachteile nicht beachtet; er ist infolge geringerer Entlohnung genötigt, kleines femUeton. Gegen die Tartüffö des Patriotismus. Auf einem Bankett, das Sonntag in Paris zur Erinnerung an Emile Zola veranstaltet wurde und dem mehr als 300 Freunde und Verehrer des ver« storbenen Dichters beiwohnten, hielt Anatole France eine be- merkenswerte Rede, in der er auf die gegenwärtige politische Lage in Frankreich anspielte.„Wir find hier versammelt", sagte er.„um den fünften Jahrestag des Einzuges Emile ZolaS ins Pantheon zu feiern, und unsere Huldigung gilt nicht bloß dem großen Schrift- steller, der sein Leben dem Kampf gegen das triumphierende Verbrechen widmete, sondern auch seiner Lebensgefährtin, die an Herz ihm gleichkam, dieser bewundernswerten Frau, die in den Tagen der Prüfung weibliche Anmut mit männlichem Mute vereinte. Meine Aufgabe wäre mit dieser doppelten Hul- drgung erfüllt, wenn ich nicht auch diejenigen begrüßen wollte, welche sich hier in treuem Gedenken an Zola zusammengefunden haben, und dadurch�den Beweis erbringen, daß sie nichts von dem, was sie in vergangenen Tagen getan, bereuen. Es genügt jedoch nicht, wie viele glauben mögen, ein für allemal gerecht zusein; man muß Nch das Gcrechtsein vielmehr zur Lebensregel machen. Man kann allerdings die Gerechtigkeit nicht als Beruf aus- üben; dem Irrtum unterworfen, wie alle Menschen, würden wir� nicht wagen, uns als Beispiel für gerechtes Empfinden an- zuführen. Die Möglichkeit eines Irrtums würde jedoch weit seltener sein, wenn wir die beiden Hauptursachen menschlicher Irrtümer, den Egolsmus und die Furcht, genauer erkennen würden. Die Feinde der Gerechtigkeit und der Wahrheit ändern sich so wenig, daß sie immer leicht erkennbar sind. Wie sie während der„Affäre" waren, so sindsieauch heute noch: sie sind die Förderer von Zwietracht und Haß, die Panikerreger und die Unheilstifter, die Leute, welche bei allen Herausforderungen und Agitationen und Attentaten am Werke sind, die Tartusts des Patriotismus, die allzeit bereit sind, uns mit einem geweihten Mcper zu ermorden. Bürger! Begeistert und angeregt durch die großen Benpiele, deren wir heute gedenken, sollt Ihr Front machen gegen die Machenschaften der Feinde der Gerechtig- keit und der Wahrheit, des Friedens und der Freiheit, des Völker« rechts und des SraatsvermögenS und der sittlichen Werte der ge- samten Menschheit. Wendet euch, wenn es das Staatswohl und den Schutz der Ziviliiation gilt, nicht an die Regierungen der Gewalt- lätigkeit und der Reaktion, nicht an die Geschästspatriotcn, sondern an alle physischen, winenschastlichen und moralischen Kräfte unserer großen und edelmutigen Demokratie, an unser starkes Pro- l e t a r i a t; dann wird man ,eheii. auf welcher Seite die festesten Stützen des nationalen Geistes und des BodcnS, der uns so am Herzen liegt, stehen!" Dle,e zündenden Worte des berühmten Dichters haben natürlich in nationalistischen Kreisen einen Sturm der Ent- rüstung hervorgerufen. Theater. . K a m m e r sp i e l e d e S D e u t s ch en T h e a t e r S:„Kais er- licheHoHeit." Lustlpiel von I. A.« l m o n s- M e e s. Waß- wann, dessen ironisch seine Charaklerisierungskunst den französischen Komödien»Freund Teddy" und Eroberung von Berg-op-Zoom" wesentlich zu dem lang anhaltenden Erfolg in den Kammerspielen verhalf, hat auch in diesem hollandlichen Lustspiel eine Rolle, die feiner Art vortrefflich liegt. DaS mag ein Grund gewesen sein, das Lustspiel„Kaiserliche Hoheit" anzunehmen. Man rechnete wohl, der Darsteller könne der Schwankfigur des ölig-salbungsvollen kindisch« eitlen Dichtermannes, der sich sogar auf seine Aehnlichkeit mit einem russischen Großfürsten etwas einbildet, soviel belustigende Komik ein- verleiben, daß den Hemmungen, die in dem Stück sind, die Kraft ausgehen würde: Waßmann tat auch daö möglichste. Sein braun- gelockter, sich im Rhythmus sanfter Phrasen selbst berauschender Dolf van Erkelenz, mit dem gepflegten Vollbart und den roten Kinderbäckchen war ein ebenso natürlich wie humoristisch durchgeführter Typ, der auch in den verrücktesten Situationen, was die schauspielerische Mimik anlangt, noch ein Gepräge der Echtheit bewahrte. Aber halten ließ sich das Stück trotz alledem nicht. Zwischen Komödienintentionsn und Schwankeinfällen pendelte es unsicher hin und her und des temperamentvollen Elans entbehrt es in einem Falle so sehr wie im andern. Es fehlt die Fixigkeit im Ausspielen der ulkenden Trümpfe. Van Erkelenz, der journalistelnde und reimende Snob, ist sehr zufrieden, daß er. der Doppelgänger einer kaiserlich russischen Hoheit, in einem Welthotel ein paar Tage leibhaft an Stelle jener figurieren darf. Der Hotelier, für den die gelegentlichen Besuche des Peters- burger Wundertieres eine äußerst lukrative Reklame sind, braucht dem Poeten gar nicht lange zuzureden, die Rolle des Angekündigten vor dem Chorus der erwartungsvollen Gäste zu übernehmen. Ein blau- blütig erhabener Oberkellner gibt ihm Unterricht in den Gepflogenheiten des Originals, im Stiefelschmeißen und russischen Fluchen. Aber noblssso oblige! Harte Kämpfe"hat der sittsame Dichter, der sich mit_ Lieb- und Leidenschaften bisher immer nur beim Neimen be- schäftigte, in seiner Fürstenqualität mit sentimentalen Miffes und zudringlichen MimmiS zu bestehen. Alles Mögliche setzt seiner Seelen- ruhe zu: Spitzel, Scheinattentate, der plötzlich auftauchende Groß- fürst. Schließlich erscheint als Retterin die mißtrauisch gewordene Gattin, die ihn nach einem kleinen Koketteriegeplänkel in Gnaden wieder aufnimmt.— Neben WaßmannS Erkelenz trat in der flotten Darstellung vor allem der ulkige aristokratische Oberkellner B i e n S f e l d t S sehr markant hervor. ät. V. Humor und Satire. Heb' immer Treu' und Redl'ichkeit... (Revidierte Faffung.) Betrüge Gott und alle Welt, von Skrupeln unbeschwert, nimm, was dir in die Hände fällt, wenn es dem Feind gehört. Verleit' auch and're zum Betrug, Verrat und Meineid schwör'n, so kommst du bald mit Fug und Lug daheim zu hohen Ehr'n. Kein Mittel sei dir zu gemein. du edler Offizier, nur muß dem Feind es schädlich sein, dann"'Ätzt es sicher dir. Ja, der heißt Zierde der Armee, der tüchtig stehlen kann; er komint geschwinde in die Höh' und ist ein Ehrenmann. Drnm stehlt, Spion und Offizier, dem Feinde, was ihr könnt! Dem Vaterlande dient ja ihr, das stolz sich christlich nennt. Franz. Notizen. — AlbertKöster hat, wie nun bestätigt wird, den Ruf nach Berlin an Erich Schmidts Stelle abgelehnt. Abgeschreckt hat ihn. wie aus der Begründung der Ablehnung in der„Voss. Ztg." zu er- sehen ist, wesentlich auch die Befürchtung, durch allzugroße R e p r ä- s e n t a t i o n s P f l i ch t e n in der wissenschaftlichen Arbeit behindert zu werden. Bei solchem Standpunkt paßt er freilich nicht unter die hohen- zollernschen Leibga�isten. Im Hintergründe einer Kandidatur des Grazers Bernhard Seuffert raucht jetzt wieder Gustav Roethe als Anwärter für den vakanten Posten auf. Der würde sich freilich besser den Pflichten, die Köster nicht passen, zu fügen wissen. Er ist gut vorgeschult. — Theaterchronik. Die Direktion Meinhard und Bernauer wird ihr drittes Theater, das K o m ö d i e n h a u s, am 15. Sep- tember d. I. mit der Premiere von Raoul AuernheimerS Lustspiel „Das Paar nach der Mode" eröffnen. — Kunstchronik. Im Plakatwcttbewerb für die Große Kunst- ausstellung in Karlsruhe 1915 fielen die drei ersten Preise an die Berliner Maler Schlier, Meycrhufer und Plontke.— Prof. Lang- Hammer wurde zum Präsidenten der üächstjährigen Großen Ber- liner Kunstausstellung gewählt. — Das Joachim-Denkmal in der Akademischen Hoch- schule für Musik in Charlottenburg wurde gestern enthüllt. Adolf Hildebrand hat es geschaffen. — Deutsche Naturwissenschaftliche Gesell- schaft. Die Ortsgruppe Berlin veranstaltet am Sonntag, den 8. Juni, einen geologischen Ausflug durch den Grüne- Wald. Treffpunkt früh 8 Uhr am Bahnhof Steglitz, Rückkehr gegen 2 Uhr. — Das T o n k n n st l e r f e st in Jena, das 48. des Allgemeinen Deutschen Musikvereins, hat begonnen. Die bisher auf- geführten Werke jüngerer Komponisten— Karl Ehrenberg, Oskar Himer, Desire Thomanin— haben keine Ueberraschungen über das technische Können hinaus gebracht. Fredcrik Delius fiel mit einem Werk gegen frühere Tondichtungen ab. — Dichter und Verleger. Bei C. G. Börner in Leipzig wird demnächst folgender Brief verkauft, den Gottfried August Bürger seinem Verleger schrieb:„Da, Bursche, ist neues Manuskript. Du willst mich aber nur kuranzen, denn das neuliche ist gewiß noch nicht alle... Hänge dich nur immer auf, Trompeter! Dann gehe ich zu einem anderen Verleger... Wenn ich mich aber aufhänge, so fresse ich die andere Halbscheid vom Mspt. auf.... Komm mit einer braven Tasche von Geld zurück, Tausendsasa! Bring's nicht durch! Spiele mir ja kein I'hombre, als mit deinem lieben, dich zwiebelnden Autor." — Wiener Theaterzen sur. Die Neue Wiener Bühne wollte das Stück„Schauspiel" von Oskar Kokoschka zuin erstenmal aufführen. Es wurde aber von der Zensur verboten. — Ein neuer Höhenrekord. Die französischen Aero- nauten Bienaime, Senouques und Jacques Schneider haben mit ihrem Freiballon„Jcare" in senkrechtem Aufstieg die Höhenmarke der 10 Kilometer überfahren und mit einer Leistung von genau 10,081 Meter den bisherigen französischen Höhenrekord gebrochen. viel länger als sein Fabrikkollege zu arbeiten; die Möglichkeit, die Arbeitszeit beliebig auf zwölf und noch mehr Stunden ausdehnen. auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten zu können, betrachtet er als einen Vorteil. So also ist es um die angebliche Beguemlichkeit des Handschuhmacher-Heimarbeiters bestellt. Gegenwärtig ist die Handschuhindustrie Deutschlands sehr gut beschäftigt, sie leidet an einem Mangel an Arbeitskräften, dem manche Handschuhfabrikanten unter geschickter Ausnutzung des ein mal vorhandenen Hanges zur Annahme von Heimarbeit dadurch zu begegnen suchen, daß sie solche durch Inserate anbieten und außer halb des eigentlichen FabrikationsorieS sogen. Schnittfilialen— eine Art Zwischenmcistersyslem— errichten lassen. Nach mrd nach dämmert aber bei dieser Heimarbeiterkategorie die Erkenntnis, daß ihre Arbeitsmethode nur die Methode besonderer Uusbeuwng Darstellt, daher ist es dem Verband der Lederarbeiter bereits im Herbst vorigen Jahres gelungen, von einer Firma in Zwickau, die über ganz Deutschland verstreut eine größere Anzahl Handschuhmacher als Heimarbeil-r beschäftigt, trotz der ungünstigen Umstände, die sich in solchen Fällen einer Lohnbewegung in den Weg stellen., eine Erhöhung der Stücklöhne durchzusetzen. Dieselbe Firma, es ft't die Handschuhfabrik von Louis Größer in Zwickau hat neuerdmgs ihren Heimarbeitern das Angebot gemacht, eine Nebenarbeit i.n Wegfall und dafür 12 Pf. per Dutzend Handschuhe in Abzug zu bringen. Dip Firma bezeichnet diesen Vorschlag als ein ihren Heimarbeitern gemachtes vorteilhaftes Entgegenkommen während in Wirklichkeit diese Rebenarbeit den Handschuhmachern gar nicht zukommt, und sie in keiner Fabrik zu machen verlangt wird. Die Gräßerscken Heimarbeiter haben, indem sie seit Jahven diese mühsame Nebenarbeit ohne Entgelt verrichteten. der Firma bei fedem Dutzend ein Geschenk von mindestens 12 Pf gemacht; sie sind sich jetzt aber einig geworden und haben die Leitung des Lederarbeiterverbandes beauftragt, dahin zu wirken, daß diese Nebenarbeit ohne jeden Abzug in Wegfall kommt. Eine diesbezügliche Forderung ist der Firma Gräßer bereits hinter breitet und ihr gleichzeitig die eventuelle Arbeitsverweigerung an- gekündigt worden. Da die Konjunktur in der Handschuhindustrie eine günstige ist. wird der Ausgang dieser Lohnbewegung den Beweis liefern, daß wenn sich die Heimarbeiter organisieren, auch ihre Lohn- und Arbeits bedingungen aufgebessert werden können. Als Radikalmittel qber käme in dieser Hinsicht allerdings in Betracht der Verzicht auf die Annahme jeder Heimarbeit. Eine Notwendigkeit für sie liegt nicht vor, sie besteht lediglich zum Nachteil der Arbeiter und könnte ohne solchen für die Handschuhindustrie vollständig beseitigt werden._ Achtung, Leitcrgcriistbaiier! Am 14. März d. I. wurde in Köln. nachdem ein 14tägiger Streik vorausgegangen war, mir den Unter- nehmern im Lcitergerüstbau ein Tarifvertrag abgeschlossen, wobei die Lohn- und Arbeitsverhältnisse einer Regelung unterzogen wurden. Aber bald daraus muhte man die Erfahrung machen, daß die Unter nehmer sich herzlich wenig um die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen bekümmerten und die alten Mißstände wieder einzu- führen versuchten. In einer Sitzung mit der Verbandsleitung und der Kommission der Arbeiter gaben auf energische Vorstellung die Unternehmer die Erklärung ab, nunmehr den Tarifvertrag einzu halten. Jetzt haben sie wiederum ein anderes Mittel gefunden, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Man versucht planmäßig die alten, ein gearbeiteten, organisierten Arbeiter von der Arbeit auszuschließen und dafür neue einzustellen. Besonders hat man eS auf die Leitung der Sektion der Gerüstbauer abgesehen. Bei einer Firma wurden Leute eingestellt zu einem Stundenlohn von 38, 42 und 4S Pf., obwohl für Anfänger ein Stundenlohn von 48 Pf. im Tarif vorgesehen ist. Der betreffende Unternehmer erklärte, daß diese Arbeiter als Lagerarbeiter in Frage kämen; sie wurden aber als Gerüstbauer mit beschäftigt. In den letzten Tagen wurde bei einem Unternehmer nun plötzlich der Sektionsleiter entlassen, angeblich weil er vor längerer Zeit einmal ein paar Tage von der Arbeit weggeblieben sei. Der Entlassene war nachweislich krank und das wußte auch der Unternehmer. Alle Bemühungen der Orts« Verwaltung des Deutschen TranSportarbeiterverbandes am Orte, den Unternehmer zu vcranlaffen, diese Entlassung zurückzunehmen, waren erfolglos, so daß die Kollegen des Entlassenen sich solidarisch erklärten und die Arbeit einstellten. Die Gerüstbauer in Köln sind zu 100 Proz. organisiert und find der felsenfesten Ueberzeugung. daß mit dieser Entlassung der erste Schritt zur Bekämpfung der Organisation gemacht worden ist. ES ist nicht ausgeschlossen, daß diese Äbwehrbewegung auch noch weitere Kreise zieht, da die Unternehmer sich vor kurzem auch zusammen- geschlossen haben. Auch ist es ja selbstverständlich, daß die Kollegen der anderen Betriebe jegliche Streikarbeir verweigern werden. Da aber auch sonst noch eine Reihe Gerüstbauer ohne Arbeit sind resp. nicht eingestellt werden, ersuchen wir, unter allen Um- ständen den Zuzug von Gerüstbauern von Köln fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiterverband: Die Ortsverwaltung Köln. Kotzdes Feldzug. gegen den lugendfcljriftenausfcljuß. Der frühere Lehrer Wilhelm K o tz d e aus Rathenow und der Verleger Jos. A h o l z aus Mainz führen seit einiger Zeit einen erbitterten Kampf gegen den Hamburger und Berliner JugendschriftcnauSschuß. In einer im Oktober vorigen Jahres von den beiden veröffentlichten Broschüre; die den Titel führt:»Der vaterländische Gedanke in der Jugendliteratur, eine Streit- und Wehrschrift." bezichtigen sie die Jugcndschriftenausschüsse der vaterlandslosen Gesinnung und iozialdemokralii scher Tendenz. Und warum? Weil der Hamburger und der Berliner JugendschriftenauSschuß das bei Scholz in Mainz erschienene Buch:»Die Geschickte des StabStrompeler« Kostmann", das Wilhelm Kotzde zum Verfasser hat, in ihren Verzeichnissen nicht in Empfehlung gebracht haben sollen I In oer Hauptsache richten sich die Angriffe gegen den Vorsitzenden des Hamburger Jugend- schriftenausschusses, den Lehrer Hans Brunckhorst. gegen den anerkannten Sachverständigen in der amilichen Jugendschriften- kommission der Hamburger Oberschnlbehörde, den Lehrer Hermann L. Koester, wie auch gegen den Berliner Lebrer Herrn Hüb n er. In der„Sfteit- und Wehrschrift" führt Koyde z.B. aus, daß„es sich hier nicht um die Zugehörigkeit zur sozialdemo- kratischen Partei handelt, diese ist bei Lehrern natürlich unmöglick. Aber eS ist soweit gekommen, daß Gottfried Röhl, der Vorsitzende des deutschen Lehrervereins sich auf dem letzien deutschen Lehrerlage in Berlin entschieden gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen inner- halb einer bestimmten Gruppe der Lehrerschaft wenden mußte". An einer anderen Stelle beißt es:»Wenn sich nun auch die Hamburger und ihre Freunde in Berlin und anderwärts nicht offen zur Sozialdemokratie bekennen, so bedarf es nur einer Untersuchung ihrer literarischen Tätigkeit, um die ganz sozialdemokratischen Ge- dankenreihen, die sie zur Geltung zu bringen suchen, zu erkennen.' Und nm den hier aufgestellten Satz beweisen zu können, werden nun längst widerlegte Auslassungen von Wolgast dem geistigen Führer der„Hamburger", noch einmal entstellt autgetiicht; Zitate aus der»Pädagogischen Reform" gebracht ünd last not loast eine Stelle Hermann KoesterS aus einem pädagogischen Jahresbericht per- öffentlicht, in dem er die erfolgreiche Tätigkeit deS Arbelter-Bstdungs- ausschusses in Berlin auf dem Gebiete zur Bekämpfung der Schund- literatur wie folgt anerkennt:„. »Man muß dem ernsten Streben, mit dem der Ausichuß unter Führung von Heinrich Schulz für die Verbreitung guter Lektüre eintritt, hohe Anerkennung zollen, wenn man auch einigen Büchern gegenüber einen weniger engherzigen Standpunkt wünschte. Um nun aber auch dies Zitat als Beweis für seine Behauptung, daß die Führer des Hamburger Jugendschristenausschusses sozialdemokratischen Tendenzen huldigen, verwerten zu können, kommt ftotzde im Anschluß daran zu folgender sonderbaren Bemerkung: »Also, man muß dem ernsten Streben unter der Führung von Heinrich Schulz hohe Anerkennung zollen, wenn man auch... usw. Heinrich Schulz ist nun ein ehemaliger Bremer Lehrer. Da erkennen wir schon die Zusammenhänge." Das ist also ein Beweis dafür, daß die Ausschüsse sozialdemo kratischen Tendenzen huldigen! Und ähnlich fadenscheinig sind die anderen von Kotzde ange führten.Beweise". Den in der Streitschrift enthaltenen Unwahr« heiten und Entstellungen ist der Hamburger Jugend- schriftenausschuß ganz energisch zu Leibe gegangen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Hans Brunckhorst, hat eine Entgegnung ver- öffentlicht, in der jede von Kotzde �aufgestellte Behauptung glatt widerlegt resp. richtig gestellt wird. So wird u. a. darauf hin- gewiesen, daß der Hamburger Jugendschriftenausschuß von den Bänden der Mainzer Volks- und Jugendbücher, die er hat prüfen können, vier angenommen hat. Und unter diesen befand sich auch „Die Geschichte des Stabslrompeters Kostmann" von Kotzde. Da? Jnteressanieste ist, daß selbst die Lehrer für die Annahme des Büches gestimmt haben, die Kotzde so maßlos angegriffen hat, nämlich Brunckhorst und Köster. Hans Brunckhorst faßt dann auch seine Ansicht über die Prüfungsausschüsse dahin zusammen, daß er sagt, ihre Aufgabe ist, für die Jugend gute Bücher auszuwählen, nicht aber die. für oder gegen die konservative, nationalliberale, freisinnige oder sozial- demokratische Partei Stellung zu nehmen. Das besorgen die politi- schen Parteien gegenseitig. Die PrüfungsauSschüsie haben nicht politische, sondern literarische Aufgaben zu löien. Wie noch in Erinnerung sein dürfte, hat sich nicht nur die Tagespreise mit den Kotzdeschen Anschuldigungen recht lebhaft befaßt, sondern auch das Preußische Abgeordnetenhaus. Der Dürerbund selbst bat sich verpflichtet gefühlt, eine Er- k l ä r u n g zu veröffentlichen, in der es hieß: „Die Behauptung, daß die Hamburger Herren heimliche sozial« demokratische Propaganda trieben, halten sie nach ihren eingehenden Jnforniationen für so von Grund aus falsch, daß ihnen diese Be- dauptmig, wo Böswilligkeit nicht in Frage kommt, nur durch den Mangel an Einblick oder durch eine starke Voreingenommenheit er- klärlich scheint. Es ist nickt ihre Sache, zu untersuchen, welche Gründe diese Voreingenommenheit bei den Herren Kotzde und Scholz haben kann. Im Interesse der Mehrheit aber mußten sie betonen, daß die Angaben von Kotzde irrtümlich und irreführend sind." Und wenn eS in der Erklärung heißt: ES ist nicht ihre Sache, zu untersuchen, welche Gründe diese Voreingenommenheit bei Kotzde und Scholz haben kann, so würden das wohl die Gründe sein. die unser Genosse Hirsch anläßlich der Debatte im Preußischen Abgeordnctenhause angeführt hat. Er führte im Parlament aus, „daß der Verlag Scholz sich an den BildungSauSschuß der sozial- demokratischen Partei gewandt und geradezu flehentliche Briefe an einen Volsitzenden(Heinrich Schulz) geschrieben hat. Weil da« Geschäft mit der sozialdemokratischen Partei aber nicht zu machen war, geht man nun aus einmal gegen die Lehrer vor". Unser Bruderorgan in Hamburg, da».Echo", hat sich, wo es galt die literarischen Jntereflen der Jugend zu wahren, auf die Seite der von Kotzde angegriffenen Lehrer gestellt. In mehrere» Artikeln hat es das Treiben von Kotzde und seinen Freunden ge- bührend niedriger gehängt. Die Folge allerdings war, daß Koyde ick beleidigt gefühlt hat und gegen den Redakteur Ernst K ö p k e vom„Echo" den Weg der P r i v a t k l a g e beschritt. Am Dienstag stand vor dem Schöffengericht Hamburg in dieser Sache Termin an. Nach längerer Verhandlung schlössen die Parteien folgenden Vergleich: »Nachdem im Laufe der Verhandlung Herr Kotzde versichert hat, daß die Auslegung, als habe er mit seinen Schriften gegen die sogenannte Hamburger Bewegung ist der Jugendschriftenfrage eine De- uunzierung seiner Gegner in ihrer amtlichen Stellung beabsichtigt, irrig ist, erklärt Herr Köpke, daß er die in den inkriminierten Artikeln erhobenen Vorwurfe der Denunziation nicht aufrech« erhalte. Im übrigen erklärt Herr Köpke, soweit die Artikel sonst beleidigende Aeußerungen enthalten, bedaure ich dies und erkläre, daß mir die Absicht der Beleidigung ferngelegen hat. Insbesondere nehme ich auch den, dem Privatkläger gemachten Vorwurf»gewerbsmäßiger Verunglimpfung seiner Gegner" mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Der Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens. 3. Ceneralversümmlullg der Käcker und Konditoreu. Frankfurt a. M., 4. Jum. Vierter BerhandlungStag. Die gestrige Abendsitzung zog sich bis nach Mitternacht hin. Es wurden in ihr die Taktik bei verflossenen und kommenden Lohn- kämpfen besprochen. In der heutigen öffentlichen Sitzung nahm die Generalver» sammlung drei Reserate entgegen. Zunächst sprach PerbandSvor- sitzender A l l m a n n- Hamburg über Unsere Lohnbewegungen und Streiks". Er gab ein Bild der Löhnkätnpfe und ihrer Erfolge in der ver- ■lossenen Geschäftsperiode. Wir haben im Vorbericht bereits darüber berichtet. Es verdient noch hervorgehoben z*u werden, daß neben der Beseitigung des Kost- und LogiswesenZ beim Arbeitgeber im Bäcker- und Konditoreilleingewerbe auch die Erringung des wöchentlichen Ruhetages ganz erireultche Fort- Schritte gemacht hat. Nach einer Erhebung des Verbandes vom Jahresschluß 1312 waren von 44 282 erfaßten Bäckergesellen nur noch 28 186 oder S9,1 Proz. in Kost und QogiS beim Arbeitgeber. Von 6510 Konditoren im Kleingewerbe hatten 4326 oder 74.2 Proz. noch Kost und LogiS beim Arbeitgeber, während für 1684 oder 25,8 Proz. das System beseitigt war. Für 10 808 Bäcker und Kon- ditoren ist in der Geschäftsperiode der wöchentliche Ruhe- tag, also die sechsschichtige Arbeitswoche errungen worden. Daß die Arbeitgeber in immer höherem Maße die Organisation anti' kennen und respektieren müssen, das geht am besten aus dem Stand der abgeschloffenen Tarifverträge hervor. Am Schlüsse des Jahres 1312 waren 222 Tarisverttäge für 7320 Betriebe mit 20 628 Be- ieiligten von den Arbeitgebern mit dem Verband abgeschlossen. Allmann betonte, die Vorbereitungen zu den Lohnkämpsen müßten noch bedeutend besser und energischer betrieben werden. Werde der Verband trotz aller Friedensliebe in den Kampf getrieben, dann müsse er aber auch so gerüstet dastehen, daß der Kamps unter Umständen nicht bloß Wochen-, sondern monatelang geführt werden könne. An das Referat schloß sich kein« Diskussion. Der Verbandstag erneuerte einmütig eine schon auf dem letzten Verbandstag gefaßt« lange Resolution, in der die Forderungen des Verbandes nieder- gelegt sind. Das Thema: Ter Tcrrorismu» der Arbeitgeber dehandelte hieraus Gauleiter H e tz s ch o I d- Berlin. Das unwahr- hafte Geschrei der Scharfmacher und ihrer feilen Preßorgane über den TerrorismuS der Arbeiter und deren Organisationen sei in der Neuzeit bei allen, denen die Arbeiterorganisation unbequem wäre, zu einer wahren Epidemie ausgeartet. Dabei sollten die Unter- nehmerorganisationen erst vor der eigenen Türe den recht hoch liegenden Schmutz wegfegen. Die Arbeitgeber unseres Berufes änd bei Ausübung und Anwendung von Terror und Zwangs- Mitteln gegen andere durchaus nicht zimperlich und wühlerisch, im Gegenteil, vielfach find sie in der Wahl ihrer Mittel sehr krupellos, sowohl gegen die Arbeiter als auch gegen ihre eigenen Internebmerkollegen. ja sogar gegen die nicht Order parierenden Lieferanten. Geradezu im großen wird gegen die Arbeiter im gesamten Berufe mit schwarzen Listen, mit Maßregelung in offener und versteckter Form, sogar durch Proklamation in ihren Zeitungen, durch Sperrung der Arbeitsnachweis« für Organisierte, durch den Gebrauch der Jnnungslegitimation als Steckbrief, durch Gewalt, Untreue und Wortbruch vorgegangen, also in jeder nur denkbaren Weise. Gegen die eigenen Unternehmerkollegen ope- rieren die Unternohmerorgcmisationen und deren Führer mit Ma» terialboykott, mit Beschimpfung, mit Verrufserklärung, mit Jnnungs- und Konventionalstrafen, die gegen die Gesetze verstoßen, und� anderem mehr. Eine Reihe Einzelfälle anführend, bewies der Redner die Richtigkeit dieser Sätze. Die von den Bäcker- zwangsinnungen m letzter Zeit gegen die eigenen Jnnungskollegen beliebten Jnnungsstrasen bezeichnete Hetzschold als die gefährlichste. aber auch bequemste Art von Terror. Diese Jnnungsstrasen könnten weder vor den bürgerlichen Gesetzen, noch vor der bürger» lichen Moral bestehen. Alle höchst instanzlichen Urteile bestätigten, daß Konventionalstrafen, die im wirtschaftlichen Kampfe verhängt wurden, dem Geiste der Gewerbeordnung und den guten Sitten widersprechen. Zum Schlüsse betonte Redner, für die Organi- sation gebe es nur einen Weg, um den Terror der Unternehmer zu beseitigen. Aufklärung und Schulung der BcrufSangehörigen, Schaffung starker und in sich finanziell und moralisch gefestigter und unangreifbarer Organisationseinrichtungen, da? sind die Mittel, die Hinterlist und Niedertracht mit Leichtigkeit zu über» winden, die der Freiheit eine Gasse bahnen und die einst den Gegner zwingen werden, auch der Arbeiterschaft in unserem Be- rufe Gleichheit vor dem Gesetz und Freiheit in der Ausübung ihres Kbalitionsrechtes zuzugestehen.(Lebhafter Beifall.) Der Verbandstag stimmte einmütig einer im Sinne dieser Ausführungen gehaltenen, vom Referenten vorgelegten Resolution zu, in der alle Mitglieder und Zahlstellen aufgefordert werden, icden Fall von Terrorismus öffentlich an den Pranger zu stellen, aber unbeschadet dessen das Schwergewicht auf die eigene Macht und Wcrbekraft zu legen und deshalb mit aller ihnen zu Gebole stehenden Energie dahin zu wirken, daß die Organisation gestärkt und ausgebaut wird, um sie zu einem festen Schutzwall gegen jede Art von Unternehmerterrorismus zu gestalten.' Ueber die Wohlfahrtseinrichtungen der Unternehmer verbreitet« sich Redakteur W e i d le r- Hamburg in einem groß- zügigen Referat, in dem er die Praktiken der Unternehmer, um flie Arbeiter an ihre Betriebe zu fesseln, ausführlich beleuchtete. Ter Kernpunkt seiner A-usführungen ist in einer von ihm vorge- legten Resolution niedergelegt, in der gesagt wird: In Anbetracht der durch eine Erhebung wiederum bestätigten Tatsache, daß den ..WohliahrtSeinrichtungen der Unternehmer" in oen Groß- betrieben unseres Organisationsgebietes ebensowenig eine sozial- politisch« Bedeutung zukommt wie ähnlichen Einrichtungen in anderen Industrien; in weiterer Erwägung, daß sie von den Unternehmern nur geschaffen werden, um die Arbeiterschaft an die Betriebe zu fesseln, in entwüvdigcnder Weise durch Almosen willfährig zu erhalten und sie von einer kraftvollen Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen abzulenken, verpflichtet die 13. Generalversammlung des Zentralverbandes der Bäcker, Kon- ditoren und verwandten BerufSgenossen Teutschlands die Mit- glieder der Organifaticn, nach Möglichkeit auf Zuwendungen auS solchen Einrichtungen— als der Ehre und den wirtlichen Jnter- essen der Arbeiterschaft zuwiderlaufend— zu verzichten und ohne direkten Zwang sich nicht an Unterstützungsvereinen, PenfionS-, Alters-, Sparkassen und dergl.. soweit sie von den Unternehmern für ihre Betriebe errichtet wurden oder errichtet werden, zu be- teiligen. Wenn dagegen die Arbeiterschaft eines Betriebes, durch den Druck des Unternehmers gezwungen, sich einer Beteiligung an den„WohlfahrtSeinrichtungen" nicht entzielwn kann, so haben die Mitglieder der Organisation mit allen Kräften dafür einzutreten, daß solche Kassen oder Unterstützungsvereine usw. einer Verwal» tungSkörperschaft unterstellt werden, auf deren Zusammensetzung die Arbeiterschaft selbst d-urch die Wahlen nach freiem Ermessen einen bestimmenden Einfluß hat, damit der Willkür der Betriebs- leitung in der Gewährung der„Wohltaten" Schranken gezogen werden können. Die Funktionäre der Organisation haben die be- sondere Verpflichtung, sich über das Wesen und die Wirksamkeit aller„WohlfahrtSeinrichtungen" in den Betrieben ihres Bezirks fortlausend und eingehend zu unterrichten, daS gewonnene Ma- teriai zu sammeln und eS zur Aufklärung der Kollegen zu ver- wenden, cvent. dem Hauptvorstand« zur Verfügung zu halten. Die Resolution wuvde einstimmig angenommen. Der VerbandStag vertagte sich dann. Sosiales. Wie die„Große Berliner Straßenbahn" sich bereichert. Jeder, der bei der„Großen Berliner" als Ersatzfahrer oder Schaffner eintritt, ist verpflichtet, eine Kaution von 100 M. zu hinterlegen. Die Gesellschaft läßt von dem Stellungsuchenden ein zwei Druckseiten umfassendes Schriftstück unterschreiben, in dem unter anderem der Gesellschaft das Recht eingeräumt wird, von der Kaution bis zu 75 M. zu kürzen, wenn der Beschäftigte außer der Ausbildungszeit nicht mindestens 12 Monate in Diensten der Ce- sellschaft verbleibt. Dieser Betrag soll zur Deckung deS während der Ausbildungszeit gezahlten Lohnes uno der dem Lehrfahrer oder Lehrschaffner gezahlten Lehrzulage dienen. Während der AuS- bildungszeit zahlt die Gesellschaft 2 M. bis 2,50 M.. bei Dienst. leistung als selbständiger Schaffner 3,20 M., bei Dienstleistung als selbständiger Fahrer 3,70 M. für jeden Tag, an dem Dienst geleistet wird. Mit diesen Lohnsätzen von 12 M. bis 22,70 M. pro Woche werden die Leute abgespeist und riskieren dabei, ihre sauer ersparten oder zusammengepumpten Groschen, die sie als Kaution gestellt haben, zu verlieren. In einem Prozeß, der vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte schwebte— leider ist für die Lohnsklaven der Straßenbahn da? Ecwcrbegericht nicht zuständig— ist festgestellt, daß die Straßen- bahngescllschaft einen Fahrer einige Tage vor Ablauf der 12 Mo- natc entlassen hat, weil der Betreffende etwa vier Wochen vorher eine Weiche überfabren hat— nach der Behauptung der Gesell- schaff um einen Meter, nach der Tarstellung de? Fahrers bei schlüpfrigem Wetter trotz Benutzung deS Sandstreuers um zehn Zentimeter— und einem Kontrolleur, der ihm Vorhaltungen machte, in der Erregung erklärt hat, er solle es besser machen. DaS Ueberfahren der Weiche, insbesondere bei schlüpfrigem Wetter, passiert auch alten, erfahrenen Führern. Daß ein Mann, der 12 Monate hindurch bei einem Lohn von 3,20 M. bis 3.70 M. pro Tag für die millionenreiche Firma Profit geschunden hat. in der Erwartung. Anstellung zu finden, dann von dieser Firma einige Tage vor Ablauf der Probezeit entlassen wird und die Firma noch die Spargroschen des Betroffenen einbehalt, ist auck eine Blüte unserer goitgegcbcnen Ordnung. Diese Tatsache kennzeichnet aber auch die Arbciterfreundlichkeit des die Bcrl'ner Vcrkchrsverbältnisse beherrschenden Instituts. Aus Mitteln der Allgemeinheit und ihrer darbenden Angestellten wirtschaftet die Gesellschaft einen Millionengewinn heraus. Auch vom Gestcht»- punkt der Angestellteninteressen muß mit allen Mitteln dahm wirkt werden, daß das Verkehrsmonopol der Gesellschaft in stadtisiye Verwaltung übergeht. Aufsallenderweise hat daS Gericht die Klage auf Herausgabe der 75 M. abgewiesen. Weder der Hinweis auf die verspäte« Geltendmachung des EntlassungSgrundeS,— fall» man einen solchen für vorliegend erachten wollte— noch die Darlegung, rat; eine ungerechtfertigte Bereicherung der Gesellschaft vorliege unv daß der Vertrag gegen die guten Sitten verstoß«' haben om Richter bewogen, einen für den Arbeiter günstigen Standpunit nn. zunehmen. Der Rubter erklärte, daß bei den strengen Vor,chrltten des Reichshaftpflichtaesetzes die größten Anforderungen an ow Zu- verlässigkett deS Personals der Gesellschaft zu stellen stnd. das deS- wegen bei der Beurteilung des schuldhaften Verhalten» oem lud- jektiven Ermessen der Gesellschaft ein weiter Spielraum zugestanden werden müsse; bei dem verzweigten VerwaltungSapparai rn ein Zeitraum von 4 Wochen, von der Verfehlung biszur üntlayung gerechnet, nicht zu lang. Ein Verzicht auf den Entlassungsgrund siege also nicht vor. DaS Urteil ist unhaltbar. Die KautionZvereinbarung verstößt gegen die guten Sitten und gegen den im§ 123 G.O. zum Schutz der Arbeiter ausgesprochenen Grundsatz über Gleichheit der Kün- digungSfristen für beide Teile. Ueberdies liegt keiner der Ent- lassungsgründe des§ 123 der Gewerbeordnung vor. Das Reichsgericht gegen die„Produttion". Nach Einführung der Konsumvereinssteuer in Hamburg, Juni 1S11, schuf, wie unsere Leser wissen, der Konsum-, Bau- und Spar- verein.Produktion" für den gesamten Kleinverkauf seine« Betriebes eine selbständige Handelsgesellschaft, die vom Konsumverein ihre Waren bezieht und an jedermann, natürlich auch an die Mitglieder des Konsumvereins.Produktion", alle Waren verkauft. Obwohl so der Konsum-, Bau- und Sparverein.Produktion" einen Klein- verkauf im Sinne des hamburgischen Steuergesetzes Vom 30. Juni 1311 nicht mehr besorgt, wurde er doch auf Grund des eben genannten Gesetzes zur Konsumvereinssteuer veranlagt. Gegen die Veranlagung erhob die.Produktion" Klage beim hamburgischen Landgericht. Am 15. Februar 1312 wurde sie jedoch mit dieser Klage abgewiesen. Die dagegen eingelegte Berufung wurde am 15. November 1312 vom Hanseatischen Oberlandesgericht verworfen. Jetzt hat das Reichsgericht, wie wir dem„Hamburger Echo" entnehmen, an das von der„Produktion" Revision eingelegt war, gegen die„Produktion" unter Zurückweisung der Revision ent- schieden. Im wesentlichen hat das Reichsgericht sich auf den Stand- Punkt gestellt, daß das Oberlandesgericht den Begriff„Konsum- verein" richtig ausgelegt habe, daß eine Verletzung des hamburgischen Steuergesetzes vom 30. Juni 1311 durch das Oberlandesgericht, wenn das überhaupt vorläge, aber nach§ 543 der Zivilprozeßordnung gegen Revision beim Reichsgericht nicht angefochten werden könne. Wie der preußische Staat Kulturaufgabcn erfüllt. In Königsberg i. Pr. ist seit Jahren die Erweiterung der staatlichen Kunst- und Gewerkschule dringend notwendig. Obwohl der Staat allein den Ausbau dieser Schule vorzunehmen hat— sie ist eine staatliche Anstalt und der Staat hat außerdem für das höhere Schulwesen zu sorgen— rührt er keinen Finger, sondern erwartet, daß die mit Lasten überbürdete Kommune ihm diese Pflicht abnimmt.' Und er weiß, die Gemeinde seinen Wünschen gefügig zu machen. In Königsberg bestehen nämlich Handels- Hochschulkurse, deren Umwandlung in eine vollberechtigte Handels- Hochschule überaus erforderlich ist. Denn dann könnten die Stu- dierendcn ihre volle Ausbildung bis zum Abgange unter Ablegun� der bis jetzt nicht möglichen Diplomprüfung an der Königsberger Handelshochschule beendigen. Jetzt müssen sie an einer auSwärti- gen Schule ihre Studien beenden, damit sie das Diplomexamen machen können. Der Minister für Handel Und Gewerbe hat sich bisher geweigert, seine Zustimmung zu dieser Umwandlung zu geben. Er ist aber nicht abgeneigt, dann die Genehmigung zu er- teilen, wenn die Stadt für den Staat den Ausbau der Kunst- und Gcwerkschulc vornimmt. Und da Königsberg im Interesse von Ge- werbe und Handel gezwungen ist, für die Erweiterung beider An- stalten einzutreten, so muß sie in den saueren Apfel beißen und wiederum große Opfer auf sich nehmen, die eigentlich der Staat aufbringen soll. Der Ausbau der Kunst- und Gewerischule kostet der Gemeinde nebst Hergabe des Gebäudes die Summe von 423 003 Mark. W.endet sie dieses Geld für den Staat auf, dann erteilt der Minister für Handel und Gewerbe die Genehmigung zur Umwandlung der Handelshochschulkurse in eine Handelshoch- schule. Gibt die Stadt die halbe Million Mark für diese staatlichen Zwecke nicht, so unterbleibt der Ausbau der Kunst- und Gewerk- schule und der Handelshochschulkurse. Und dabei schwimmt der Staat im�Goldc— aber für die dringendsten Kulturaufgaben hat er nichts übrig, die weiß er unter Anwendung unfairer Mittel den überbürdeten Kommunen aufzuhalsen. Wieder Herr BüSschcr. Mehr wie uns lieb war, haben wir uns im Laufe der Zeit mit dem Maurer- und Zimmcrmeister BüSschcr in Eberswalde befassen müssen. Wir müssen es heute leider wieder tun. Der dem Jnnungsverband Deutscher BaugewerkSmeister an- gehörende JnnungSbezirkSverband Brandenburgischer BaugewerkS- meister läßt seine Einladungen für den ordentlichen Bezirkstag zu Potsdam am 3. und 13. Juni 1913 ergehen. In der Tagesordnung finden wir zu unserem Erstaunen unter Punkt 5 folgendes ver- zeichnet:„Bericht über die Tätigkeit der Nordöstlichen BaugewerkS- Berussgenossenschaft. Referent Herr Maurer- und Zimmermeister O. Büsscher-EbcrSwalde." Soll Herr BüSschcr selbst über seine gewinnbringende Tätigkeit rn der Berufsgenossenichast recht eingehend und aufklärend sprechen? Wünscht der JnnungSbezirkSverband aus authentischer Quelle zu hören, wie gewinnbringend die Tätigkeit deS Herrn Busscher für ihn selbst gewesen ist? GericKts- Reitling. Eine in sich haltlose Anklage. Am 28. Februar sollte in der Löwenbrauerei eine für Jugend- liche bestimmte unpolitische Versammlung abgebalten werden. Zur Besprechung stand das Thema:„Die wahren und die s a.'.' Freunde der Arbeiterjugend". Der Polizei- Präsident zog aus dem angegebenen Thema den Schluß, daß die Versammlung eine politische sei. Deshalb wurde ein Polizei- leutnant zur Ueberwachung der Versammlung beordert und ihm der Auftrag erteilt, die Teilnahme von jugendlichen Personen an der Versammlung zu verhindern Nachdem der Einberufer Habersaat die Versammlung eröffnet hatte, forderte ihn der Polizeileutnanr auf, die jugendlichen Personen zu entfernen. In der Ueberzeugung, daß dieS Verlangen ungesetzlich sei. weigerte sich Habersaat, der Aufforderung des Polizeileutnants nachzukommen. Eine zweite Aufforderung des Beamten hatte keinen anderen Erfolg. Der Polizeileutnant erklärte nun die Versammlung als aufgelöst auf Grund deö Allgemeinen Landrechts.— Eine Beschwerde,, die Habersaat wegen dieses Vor- ganges an den Polizeipräsidenten richtete, wurde dem Sinne nach dahin beantwortet: Die Auflösung der Versammlung sei keine Auf- iösung im sinne des Vereinsgesetzes, sondern sie sei anzusehen als die Verhinderung einer strafbaren Handlung, nämlich der Teilnahme jugendlicher Personen an einer politrschen Versammlung. Habersaat, der sich nach der Auflösung, die eigentlich keine Auflösung war, nicht sogleich aus dem Saale entfernte, sondern die Anwesenden aufforderte, dazubleiben, erhielt eine Straf» Verfügung, welche ihm eine Uebertretung de« ß 18 Abs. 4 des Reichsvereinsgesetzes zur Last legt.— Dieser Paragraph bedroht den mit Strafe, der sich nach erfolgter Auflösung einer Versammlung nicht sofort auS dem Saale entfernt. Vor dem Schöffengericht Berlin-Wedding, welches sich gestern auf Anrufung HaberfaatS mit der Angelegenheit be- schäfiigte, vertrat der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Kurt �osenfeld, den Standpunkt: Die Versammlung war keine politische, die Auflösung war deshalb unberechtigt. Aber ganz ab- gesehen davon, hat sich der Angeklagte nicht strafbar gemacht, selbst wenn die polizeiliche Ansicht über� den Charakter der Versammlung zutreffend wäre. Das Reichsvereinsgesetz führt alle die Gründe an. auS denen eine Versammlung aufgelöst werden darf und dann folgt im§ 18 Abs. 4 die Strafandrohung gegen den, welcher sich ailS einer aufgelösten Versammlung nicht sofort entfernt. �trafb«stiun7nmg im§ 18 Abs. 4 kann sich demnach nur auf solche Fälle zu beziehen, wo die Auflösung aus einem der im Vereinsgesetz angegebenen Gründe erfolgt ist. Im vorliegenden Falle ist die Versammlung aber nicht aus vereinsgesetzlichen Gründen, sondern unter ausdrücklicher Berufung auf das Allgemeine Landrecht auf- gelöst worden. Für solchen Fall sieht das Gesetz keine Strafe vor. also muß der Angeklagte freigesprochen werden. Der Ver- teidiger beantragte außer der Freisprechung die Ueber- nähme der Lerteidigungskosten durch die Staats- lasse. PaS Gericht erkannte auS den vom Verteidiger angeführten Gründen auf Freisprechung. Es lehnte aber den Antrag, die Verteidigungskosten der Staatskasse aufzuerlegen, ab mit der Be- gründung, der Angeklagte habe im Vorverfahren jede Aussage ver- weigert, er habe also nichts getan, um den Sachverhalt aufzuklären. Es sei deshalb nicht ohne Verschulden des Angeklagten zur gericht- lichen Entscheidung gekommen. *• * Wunderliche Begründung! Der Angeklagte ist beschuldigt, eine strafbare Handlung begangen zu haben. Solche liegt nicht vor, weil der Talbestand, den die Anklage schildert, keine strafbare Handlung darstellt. Das hat die Anklagebehörde und. das Gericht übersehen. Trotzdem lehnt das Gericht die Uebernahme der Verteidigungskosten ab, weil der Angeklagte unterlassen hat, die Staatsanwallschaft und das Gericht zu belehren. Hoffentlich legt der Angeklagte wegen Nichtaufbürdung der Berteidigungskosten für die überflüssige Anklage Berufung ein. Eine Zcntrnmsstütze wegen Unterschlagung von Ardeitergeldern ver- urteilt. Der Hauptlehrer und Organist Kulbatzki auS Groß-Ramfau(Kreis Allenstein) hatte sich vor der Strafkammer in Allenstein wegen Unterschlagung von 3843 Mark zu ver- antworten. Obwohl er ein Einkommen von 4233 M. hatte, betrug seine Schuldenlast 15 533 M. Er war Kassierer der Sterbe- lasse des katholischen Arbeitervereins St, Andreas in Groh-Ramsau. Diese Kasse hat Kulbatzki betrogen. Außerdem hat er eine Reihe Arbeiter direkt um ihre Spargroschen gebracht: die Arbeiter brachten ihm ihre Ersparnisse, damit er sie an die Sparkasse abführe. In elf Fällen hat er sie aber nicht abgeliefert, sondern für sich ver- braucht. Diese famose Staatsstütze war schon einmal vor Gericht, aber die Verhandlung wurde vertagt, weil der Versuch unternommen wurde, den Angeklagten als geistesgestört hinzustellen. Er wurde auf sechs Wochen nach einer Irrenanstalt zur Beobachtung gebracht, doch bereits nach drei Wochen schickte ihn die Anstalt wieder zurück, weil er eben nicht geisteskrank war. In der letzten Hauptverhandlung erklärte der An- geklagte, daß er ein Trinker geworden sei, in der Kirche will er Ohnmachtsansälle bekommen haben. Und den geistigen Defekt, den er zu besitzen glaubte, versuchte er damit zu begründen, daß er gestand, vom siebenten Lebensjahr bis zum Eintritt in die Präparandenanstalt sich sexueller Ver- fehlungen schuldig gemacht zu haben, Von den Zeugen wurde bekundet, daß der Angeklagte wieder- holt betrunken gewesen sei. Spuren eine» geistigen Defekts wären an ihm nicht bemerkt worden. Die ärztlichen Sachverständigen eribnten, daß der Z 61 des Strafgesetzbuches nicht in Anwendung kommen könnte. Dagegen fei der Angeklagte ein vorgeschrittener Alkoholiker und sittlich nicht ganz einwandfrei. Nach seinem Vorleben liege geistige Minderwertigkeit vor. Die Strafkammer kam zur Verurteilung des Angeklagten und erkannte auf ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Drei Monate wurden ihm von der Untersuchungshaft angerechnet._ Geisteskrank oder Verbrecher? Zu einem Kamvf zwischen Gerichtsdienern und einem gcfähr- lichen Verbrecher kam es am Schlüsse einer Sitzung der 7. Straf- lammcr des Landgerichts I. AuS der Untersuchungshaft wurde der Händler und Artist Franz Karow vorgeführt, der sich wegen einer Reihe schwerer SiltlichkeilSverbrechen und wegen Zu- hälterei zu verantworlen hatte. Der in Verbrecherkreisen unter dem Spitznamen.Artistenfranz" bekannte und wegen seiner Gewalttätigkeit gefürchtete Angeklagte hielt sich mehrere„Bräute" zu gleicher Zeit, die ihm in jeder Nacht ihren Verdienst abliefern mußten. Er selbst bezeichnete sich häusig als.Rennstallbesitzer", da er mehrere Bräute.laufen" ließ. Mit dem erlangten Schaudlohn spielte der gefährliche Mensch den noblen Kavalier. Nebenbei betätigte er sich auch als ein sehr gefährlicher „Kinderfreund", indem er sich an mehreren Schulmädchen in der schwersten Weise verging. Das Gericht legte ihm für feine vielfachen Schandtaten eine Gefängnis st rafe von drei Jahren und neun Monaten auf. Kaum hatte der Borsitzende daS Urteil verkündet, als der An- geklagte versuchte, mit einem mächtigen Satze über die Schranken der Anklagebank hinweg auf da« Gericht loszustürzen. Zwischen den Gerichtsdienern Krieger und Marlini und dem wie wahnsinnig um sich schlagenden Verbrecher kam es zu einem furchtbaren Hand- gemenge, bei welchem den Beamten die Uniform in Stücke gerissen wurde und sie auch mehrere blutende Verletzungen davontrugen. Der Tobende wurde schließlich überwältigt und, nachdem man ihn gefesselt hatte, in das Gefängnis zurücktransportiert. Hu 9 aller Alelt. Unwetter im Reiche. Tie abnorme Temperatur hat in verschiedenen Teilen des Reiches zu schweren Gewitterbildungen geführt. Vor allem im Rheinlande haben wolkenbruchartige Gewitterregen, verbunden mit Wirbelstürmen, schweren Schaden verursacht, und zu umfangreichen Verkehrsstörungen geführt. Ueber das Unwetter liegen folgende Meldungen vor: Koblenz, 5. Juni. Ein Wolkenbruch, der gestern abend zwischen Koblenz und Rhens niederging, hat die zwischen diesen beiden Orten gelegenen Waldtäler vollständig verwüstet. Die Bahngleise und die Landstraße find zwei Meter hoch mit Geröll bedeckt. Pioniere und Infanterie sind mit den Auf- räumungsarbeiten beschäftigt. Abends um 11 Uhr konnte der erste Zug wieder von Koblenz über Niederlahnstein nach Frankfurt und auf der Strecke Koblenz— Trier abgelassen werden, dagegen kann der Betrieb auf der Strecke Koblenz— Boppard vor morgen nicht eröffnet werden, und auch die Strecke Koblenz— Mayen ist noch nicht be- lriebsfrei./ In Rhens mußten gestern mehrere Leute durch die Feuerwehr auS den o b e r st e n S t o ck w e r k e n der Häuser gerettet werden- Viel Vieh ist ertrunken. Ob auch Menschenleben vernichtet worden sind, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Auf der Königsbacher Brauerei stehen Flaschenbierwagen bis zur Decke inden Erdmassen. Bei dem Orte Kärlich wurde heute morgen ein 73jähriger Mann tot aufgefunden, der anscheinend er« trunken und durch die Wassermassen aufs Feld geschwemmt worden ist. Entinge», 5. Juni. Gestern nachmittag suchte ein schwerer Gewitter stürm den Schwarzwalt und sein Vorland heim. Auf dem hiefigen Bahnhof fwd sämtlich» Dächer ab- gedeckt. Vier umgestürzte leere Personenwagen fielen eine 24 Meter hohe Böschung hinunter. Von einem Güterzuge auf der Strecke Eutingen— Ergenzingen wurden fünf Wagen vom Sturm aus dem Gleise gehoben und über den Bahndamm geschleudert. Auch auf der Ncckarbahn hat der Sturm übel gehaust. Am schlimmsten auf dem Bahnhof in Mühlen, wo gleichfalls alles dem Erdboden gleichgemacht wurde. Außerdem fiel überall schwerer Hagel nieder, der namentlich das Dorf Eutingen heimsuchte. Verlctziiugen von Personen werden von verschiedenen Seiten gemeldet. Bisher befand sich ein schwerer Fall darunter. Gießen, 6. Juni. Die gestern hier niedergegangenen schweren Gewitter mit W i r b e l st u r m haben großen Schaden ange- richtet, namentlich auf dem zur Regimentshundcrtjahrfeier errichteten Festplatze. Die Eingangshalle zur Fe st Halle, eine große Wirtschaftshalle und viele Schaubuden gingen in Trümmer. Militär ist mit den Aufräumungsarbeiteu beschäftigt.— Im Philosophenwalde sind viel Bäume geknickt, auch sonst sind zahlreiche Bäume entwurzelt worden. Bremerhaven, 5. Juni. Gegen 8 Uhr früh ging hier ein heftige? Gewitter verbunden mit einem wolkenbru chartigen Regen nieder. Die Straßen standen etwa einen bis zwei Meter unter Wasser. Ueber 233 Häuser sind überschwemmt und abgeschnitten. Verschiedene Warenhäuser in der Bürgermeister« Smidt-Straße sind durch Ucberschwemmung heimgesucht worden und haben schweren Schaden erlitten. Der Gesanttschaden wird auf un« gefähr 13 3 333 M. geschätzt._ Schweres Grubenunglück. Durch einen Scilbruch hat sich am Mittwoch auf dem Schacht Jakobi I der Gute HoffnungLhütte bei Oberhausen ein schweres Unglück zugetragen. Aus bisher nicht festgestellter Ursache ritz das Seil eines Förderkübcls, der Kübel sauste in die Tiefe und verletzte vier Mann schwer und einen Mann leichter. Einer der Schwerverletzten ist seinen Ver- lctzungcn bereits erlege n.�__ Galante Jugend. Daß die nationale Jungdeutschlandbewegung die Fungens nicht, wie vielfach behauptet wird, zu rauhe» Kriegskuechten erzieht, geht auS einer Nummer der„Deutschen Jugcndwehr" hervor, die der Bund der Deutschen Jugendwehren in diesen Tagen an die JiinglmgS- vereine versendet, um in deren Reihen für feine Ziele und für seine Zeitschrift zu werben. In dieser Nummer findet sich ein Artikel mit der Ueberschrifl:„Wie unterhalte ich mich in Gesellschaft?" Darin heiß: es: Hat man eine Dame zu unterhalten, so unterlasse man ja nicht, hier und da eine kleine Liebenswürdigkeit.über ihr AeußereS einzuflechten, das haben die Frauen alle gern, wenn mait es geschickt zu sagen weiß. Eine Dame wird selbst, falls man sie aus Versehen auf den Fuß getreten bat, nicht allzu böse sein, wenn man sich aus der unangenehmen Lage zu ziehen versucht durch eine Entschuldigung, wie etwa:„Fräulein haben aber auch einen zu kleinen, niedlichen Fuß, daß ich ihn gar nicht zu sehen vermochte." Die nationale Jugendbewegung will eben die Jugend ganz er- fassen und ihr auch den Ersatz für einen Tanz- und AnstandskursuS bieten. Menschenfresser. Der Oberrichter der Goldkiiste, Sir Brandford G r i f f i t h, ist soeben in Plymouth eingetroffen, nachdem er in Sierra Leone die Gerichtsverhandlung gegen eine geheime Gesellschaft geleitet halte, die furchtbaren Schrecken unter den Bewohnern hervorgerufen. Diese„Lcoparden-Gesellschaft" bestand unter dem Stamm der M e n d e s: Menschenopferung und Menschenfresserei bildeten den Hauptzweck der fanatischen Sekte. Männer und Frauen und Kinder verschwanden auf geheimnisvolle Weise und die„Menschen« Leoparden" hausten so furchtbar, daß das allgemeine Entsetzen immer mehr zunahm. Die Regierung beauftragte daher den Oberrichter, die mächtige Gesellschaft und ihre furchtbaren Gebräuche auszurotten, und der Erfolg seiner Untersuchung war, daß zunächst 133 Leute verhaftet und unter Anklage gestellt wurden. 43 wurden dann laut Richterspruch gehängt und eine große Zahl der übrigen ist deportiert worden. Man hofft so, diesem grausigen Treiben end- gültig ein Ende gemacht zu haben. Die entsetzlichen Einzelheiten, die bei der Verhandlung ans Licht kamen, werden in einem offiziellen Bericht bekannt gemacht werden. Kleine Notizen. Mord und Selbstmord. Die 26 Jahre alte GerberSehefrau Frieda Do r n, die sich feit einigen Monaten von ihrem Manne ge- trennt in dem bayerischen Grengort R o g e n a u aufhielt, ist von dem 44jährigen Ziegeleiarbeiter Heinrich Schwodinger, ihrem Lieb- haber, aus Eifersucht durch Stiche in die Brust und Z e r» trümmerung der S chä deldecke ermordet worden; der Täter hat sich erhängt. Schwerer Bootsunfall. Auf der infolge der starken Regenfälle ochwasser führenden W e r r a kenterte am Donnerstag früh ein ahn. in dem sich der Gastwirt Hoppe au» der Ziegelei, einem Ausflugsorte bei Hann.-Münden, und der Arbeiter Schelp auS Laubach befanden. Beide sind ertrunken., Zum Zwischenfall in Epson». Frau D a v i s o n, die bei dem Rennen in Epsom gelegendlich ihres Angriffe? auf ein Renn- Pferd de? Königs verunglückte, ist nicht getötet worden, wie unsere gestrige Meldung cirrtümlicherweise sagte, sondern nur schwer verletzt. Sie hat gestern Vormittag das Bewußtfein wiedererlangt. Der bei derselben Gelegenheit ku Schaden gekommene Jockey Jones ist so weit wiederhergestellt, daß er heute nachmittag nach Newmarket abfahren kanm. Mordversuch eines Gendarmeriewachtmeisters. In Kettwig- drang Her Gendarmeriewachtmeister Reim in die Wohnung einer Rentiere ein und versuchte, die Frau zu ermorden, verletzte sie jedoch nur leicht. Er flüchtete darauf und erschoß sich selbst. Zum Grubenunglück bei Oberroßbach. Die Leichen der beide« in der Grube von Oberroßbach verunglückten Bergleute sind gestern vormittag geborgen worden. Die Grube wurde geschlossen. ES ist unzweifelhaft, daß die Gase infolge des anfangs Februar ein- gedrungenen Wassers- sich entwickelt haben.» Tätlicher Fliegcrunfall. Als der Chefpilot Bernard und feine Paisagierin, Fräulein Amicei, mit einem Doppeldecker bei Buc in der Nähe von Versailles niedergehen wollte, überstürzte sich das Flugzeug und zerbrach auf dem Erdboden. Bernard und Fräulein Amicei wurden getötet. Großfcucr in einer Kaserne. Ein heftiges Feuer kam Donners- rag früh im Hauptquartier der Terriorialarmee in Liverpool zum Ausbruch und zerstörte das Dachgeschoß vollständig. Mai? glaubt, daß das Feuer von Anhängerinnen des Frauenstimmrechts angelegt worden ist. Schwerer Straßenbahnzusammenstoß. Gestern abend sind in Breslau in der Gartenstraße gegenüber dem Hauptbahnhof zwei Straßenbahnwagen zusammengesroßen. Dabei wurden zehn Personen teils schwer, teils leichter verletzt. Die Wagen sind sehr schwer beschädigt worden» Eingegangene Druckschriften. Von der„Reuen Zeit" ist soeben das 36. Hest deS 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des H-stes beben wir hervor: Die polirische Situation in Frankreich. Von Albert Thomas(Paris).— Ahne und steuern. Bon Gustav Eckstein.— Chinas Erdrosselung. Von Th. Rothstein(London).— Die Tariferneuerung im Baugewerbe. Brm A. Ellinper.— Zur Rohstoffversorgung der Bamnwolltudnstrie. Vau r mit Brut yernichtet radikal Rademachers Goldgeist, gea. gesell. Nr. 75 198. Geruch- u. farblos. Reinigt die Kopihaut v. Schuppen, beförd.d. Haarwuchs, verhüt. Zuzug von Parasiten.- Wichtig für Schulkinder, Tausende v. Anerkennungen. Fl. a 0.50 u. 1.00 M. in Apotheken und Drogerien. Man weise Nachahmungen zurück u. achte genau auf d. Namen; Hoidieiiti Der gesündeste ICakao ist derjenige, der rieht die stopfende Eigenschaft gewöhnliehen Kakaos besitzt, möglichst theobrominarm ist und durch seine Zusammensetzung mehr als nur Kakaopulver, nämlich auch direkte Blut- und Nervenelemente liefert, NährsaiSz-Bananen-SCakao ist in diesem Sinne eine Spezialität meiner Firma und mit minderwertiger Marktware nicht zu vergleichen. Derselbe ist ein physiologisches Lebensgetränk von besonderer Güte nachNährwert, Bekömmlichkeit u. Geschmack, das Beste für Erwachsene, das Gesündeste für Kinder. '�-Pfd-PaketSOPf,,'/j-Pfd.-Paket 1.00 M., 5 Pakete-4.75 M., 10 Pakete 9.00 M. Zu haben In den Verkauf»stellen der 266/3 KoDsamgenossensehan Berlin u. 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Die Subskription findet statt Dienstag, den 10. Juni 1915 in Bti Üli bei dem Bankhause MfiüiiElSSOllll fi CO., der in Franlfurt a. M. S. DieicnnJi Direetion der Biseoelo-Gesellsclialt, Berlioer Baiiiiels-Oesellseiiaft . Direetion der Discösta-ßesellseliaft, sowie in Amsterdam bei dem Bankhause Hope& Co., j zu den ße „„ ,, Lippmann, Rosen- 1 dingungen, thal& Co. I welche diese Häuser veröffentlichen werden während der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstunden, und zwar in Berlin und Prankfurt a. M. zu nachfolgenden Bedingungen: Berlin, im Juni 1913. Mendelssohn& Co. S. BleichrSdor. 1. Der Subskriptionspreis beträgt 92,75•/. vom Nominalbeträge in Mark, zuzüglich 4I/2 0/0 Stückzinsen vom 1. Februar 1913 bis zum Tage der Abnahme. Den Stempel der Zuteilungsschlußnote trägt der Zeichner zur Hälfte, 2. Die Subskription erfolgt auf Grund des zu diesem Prospekt gehörigen Anmeldungsformulares, welches von den vorgenannten Stellen bezogen werden kann. Jeder Subskriptionsstelle ist die Befugnis vorbehalten, die Subskription auch schon vor Ablauf der festgesetzten Frist zu schließen und nach ihrem Ermessen den Betrag jeder einzelnen.Zuteilung zu bestimmen. Die Zuteilung erfolgt sobald wie möglich nach Schluß der Subskription. 3. Bei der Subskription ist eine Kaution von des gezeichneten Nominalbetrages in bar oder in solchen Effekten zvi hinterlegen, die die Subskriptionsstelle als zulässig erachten wird. 4. Die Abnahme der zugeteilten Beträge kann gegen Zahlung des Preises vom 19. Juni d, J. an geschehen; sie muß spätestens am 19. Juli d. J. erfolgen. Zugeteilte Beträge bis 5000 Mark sind am 19. Juni d. J. abzunehmen. Bei vollständiger Abnahme wird die hinterlegte Kaution verrechnet oder zurückgegeben. Anmeldungen auf bestimmte Abschnitte können nur soweit berücksichtigt werden, als dies nach dem Ermessen der Subskriptionsstello mit den Interessen der anderen Zeichner verträglich ist. 5. Ali den deutschen Plätzen können nur die von den Berliner Häusern ausgestellten Interimssoheine in Original-Obligationen umgetauscht werden. Direetion der Oisconto-Gesellschaff. Berliner Handeis-Geseüschaft. Verkauf nur Im Fabrikgebäude: 1 Wenn Sie MSie sparen Geld! Öbei ä MöklfaU '35 i Warnung! Wieder sind ganz minderwertige Nachahmungen meines nl...' soooo I. Haupigcwina; I Automobil= Mk, toooo inptgewinn: IZweiapäoner---- Mk. 5000 schied. Taus. 5«. Porto und Liste 30 Plg. extra eopfiehU o. Kandel z. Maep, gewinn: I Zweispänner= Mk. Geoeral-Deblt Gust. Pfordte Essen-Ruhr oed alle durch Plakate kenall. Verkaufsstellen. *.■;■ v: MPl Ä y:; Dr. SimmeB Spezial-Arzl für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. O / DR. v. M. 6.— PetenMien g Neu erschlossenes Gelände, be- g n pinnend ca. 7 Min. v. Babnb.» g Fredersdorf, Strecke Strausberg, g vi Kostenfreie Auskunft b. u. Ver-» g treter Puhle i. u. Verkaufs-■ a pavillon a. Babnb. 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I U) ?adaers Jedes Paar ohne Ausnahme| Oranien- StraBe 29— Ecke Adalbert- Straße(Hochbahn Kottbuser ToiQ— Oranien■ jtra8te_29 Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Reukölln, Lür de» Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag; VorwärtH jöuchdrusterei«. VerlaaSanitalt Laul Singer u.Co� Berlin MI, Kl. 139. 30. ZahrgauK. 1 Kcilm dks Jotmärtö" ßttlintt WsM Freitag, 6. Itrai 1913. Heute flugblattverbreitung in Groß'Berlin. Partei- Hngelegcnbeitcn. Die Kreisgeneralversammlung des Zentralwahlvereins für Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg findet am Sonntag, den 8. Juni, vormittags 9 Uhr, im Volks- Hause, Charlottenburg, Rosinenstr. 3, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der.Funktionäre. 3. Stellungnahme zur Verbandsgeneralversammlung und Beratung der Anträge. 4. Sonstige eingegangene Anträge. Zur Teilnahme verpflichtet sind alle gewählten Dele- gierten. Gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches ist auch den Mitgliedern der Zutritt zu den Verhandlungen gestattet. _ Der Vorstand. Niederbarnim. Die Flugblattverbreitung findet für unseren Wahlkreis nicht heute, am 6. Juni, sondern am Freitag, den 13. Juni, statt._ Der Kreisvorstand. Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg. In allen örtlichen Wahlvereinen des Kreises, mit Ausnahme von Diensdorf, Halbe, Ketschendorf, Krausnick, Langewahl, Markgraf- pieske, Motzen, Neu-Ziltau, Petersdorf, Nauen und Sputendorf, findet heute Freitag Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Zahlreiche Beteiligung aller Parteimitglieder ist bringend ge- boten. Der Zentralvorstand. Steglitz. Heute Flugblattverbreitung von allen Bezirkslokalen aus.— Am Mittwoch, den 11. Juni, finden wieder AbteilungS- Versammlungen statl, in denen ein Vortrag über.Fünfzig Jahre deutsche Sozialdemokratie" gehalten wird. Treptow-Baumschulcnweg. Heute Freitag, abends 7l/z Uhr, wichtige Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Neinickendorf- Ost. Die für heute angesetzte Flugblatt- Verbreitung findet erst am Freitag, den 13. Juni, statt. LerUner I>sacbricbren. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordneten hatten gestern eine Reihe wichtiger Vorlagen zu erledigen. Den Bebauungsplan für den der Bebauung vor» behaltenen Teil des Aufmarschgeländes am Viktoriapark empfahl der Ausschuß so zup Annahme, wie die Magistratsoorlage beantragte. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, den zu bebauenden Teil noch weiter zu beschränken und noch Plätze für Spiel und S p o r t zu schaffen, war im Ausschuß abgelehnt worden. Er wurde gestern im Plenum wiederholt und von unserem Genossen Leid damit begründet, daß in dieser Gegend ein Mangel an geeigneten Spiel- und Sportplätzen besteht und vielleicht bald noch fühlbarer werden kann. Die bisher im- bebaut gebliebene Hälfte des benachbarten Tempelhofer Feldes darf, so führte unser Redner aus, nicht uneingeschränkt zu Spielen benutzt werden— zum Beispiel haben Lehrer über Zurückweisung von Schulklasseu geklagt— und vielleicht wird auch sie in nicht zu ferner Zeit ein Opfer der Bauspekulation werden. Der Antrag wurde von Stadtrat B e r n d t hauptsächlich wegen der Kosten bekämpft und dann von der freisinnigen Mehrheit abgelehnt. Der Be- baungsplan wurde angenommen. Auch die Magistratsvorlage über die bauliche Um- gestaltung des Universitätsviertels kam unverändert aus dem Ausschuß zurück. Stadtverordneter Mommsen als Ausschußberichterstatte meinte, die Ver- quickung mit dem Kaiferjubiläum noch einmal beifällig unter- streichen zu sollen. Tie Idee erinnert ungefähr an den Ein- fall jenes Ehemannes, der zuni Geburtstag seiner Frau sich selber eine Kiste Zigarren schenkte. Genosse H e i m a n n fertigte Herrn Mommsen ab und erklärte im übrigen, die sozialdemokratische Fraktion erwarte nach den vom Ober- bürgermeister im Ausschuß gemachten Mitteilungen ein baldiges Zustandekommen der Untertunnelung der„Linden" und die endgültige Beseitigung des Entschädigungsanspruches der Universität. Die Magistratsvorlage wurde angenommen. Es folgte dann die Beratung des von der sozialdemokra- tischen Fraktion eingebrachten Antrages wegen Ver- letz un g jugendlicher Arbeiter durch einen Polizeihund. Genosse R o s e n f e l d begründete ihn in streng sachlichen Ausführungen, zum offensichtlichen Verdruß der freisinnigen Mehrheit. Sie antwortete mit höhnendem Zuruf, als er davon sprach, daß er beim Anblick der Ver- letzungen entsetzt gewesen sei. Stadtverordneter Mommsen empfahl einen von den bürgerlichen Fraktionen eingebrachten Antrag auf Aussetzung der Beratung. Daß er die Richtig- keit der vom„Vorwärts" gegebenen Darstellung des .Sachverhalts anzweifelte und die durch ärztliche Atteste fest- gestellten Verlctzungn als„angeblich" bezeichnete, ist echt Mommsensche Art. Dem Vorschlag, zu warten bis zur Er- ledigung des gerichtlichen Verfahrens, das nicht gegen den Schutzmann, sondern gegen ein paar Jugendliche wegen ganz harmloser Uebertretungen schwebt, stimmte auch die sozial- demokratische Fraktion zu. Zu einer Vorlage, die auf Steigerung der Leistungs- fähigkeit des Wasserwerks Müggelsee abzielt, sprach Gefiosse Woldersky den Wunsch möglichster Beschleuni- gung gus. Ter Magistratsantrag auf Kündigung des Vertrages zwischen Stadtgemeinde und Berliner Elektrizitätswerken wurde— debattelos ange- u o m m e n. Ter Beschluß� bedeutet zunächst weiter nichts als einen vorbereitenden Schritt zu einer Neuregelung der Elektrizitätsversorgung. Eine Neuregelung auch des öffentlichen Uhren- Wesens steht bevor, doch mußte der Vertrag mit der Ge- sellschaff„Normalzeit" noch auf kurze Frist verlängert werden. Genosse Leid betonte, daß die Absicht einer endlichen Ueber- nähme auf die S t a d t möglichst bald sich verwirklichen müsse. Stadtrat B e r n d t gab eine verheißungsvolle Antwort. Für zwei neue Volksbadean st alten im Osten und im Norden sollen die Grundstücke erworben werden. Genosse Z u b e i l regte an. auch mal den Stadtteil Gesund- brunnen zu berücksichtigen. Der Zusamnienhang zwischen Bade- und Turnwesen war ihm ein Anlaß, bei dieser Ge- legenheit auf die Notwendigkeit einer anderen Lösung der Turnhallenfrage hinzuweisen, die der Regierung eine weitere Drangsalierung der Arbeiterwrnvereine er- schweren würde. Der Magistrat schwieg dazu. Zu der Ausbeutung des Elendes der Drehorgelspieler wird uns noch geschrieben: Es gibt in Berlin etwa 15 bis 20 Drehorgelverleiher, die je 10 bis 30 Drehorgeln zum Verleihen auf Lager haben. Sie leben in der Mehrzahl nicht ausschließlich von dem Verleihen, sondern sind im Hauptberuf Gastwirte oder Hand- werker, zum Teil auch Angestellte von Drehorgelfabriken, und ver» schaffen sich durch das Verleihen ziemlich mühelos einen sehr erheb- lichen Nebenverdienst. Nachfrage armer Leute, die sich trotz der hohen Pacht von wöchentlich 4 M. in ein derartiges Abhängigkeits- Verhältnis, das eine Schraube ohne Ende ist. begeben wollen, ist immer vorhanden, obwohl die Drehorgelspieler Grotz-Berlins sich einer unausgesetzten Hetze seitens der Polizeibehörden zu erfreuen haben. Seit langen Jahren werden Gewerbescheine für Drehorgel- spieler fast gar nicht mehr ausgestellt. Die Polizei will auf diese Weise einen Druck ausüben, um durch fortgesetzte Strafmandate das Drehorgelspielen möglichst auszurotten. Die Not hat sich aber auch hier stärker gezeigt als das Bestreben der Polizei. In einem bestimmten Berliner Stadtteil arbeiten etwa 30 Drehorgelspieler, von denen nur zwei den Gewerbeschein haben. Allen übrigen ist er versagt worden. Sie sind daher als sogenannte.wilde" Spieler ewig auf der Flucht vor der Polizei, werden oft genug durch Schutz- leute von den Höfen gewiesen und„aufgeschrieben". In manchen Vororten nimmt ihnen die Polizei die Orgel einfach fort. Zu der Pachtsumme kommen dann noch die vielen Strafmandate. Sonntags ist es am schlimmsten, weil dann erst von 3 Uhr nachmittags an gespielt werden darf. Die beste Verdienstzeit fällt aber in die Mittagstunden, und gerade in dieser Zeit wird auf die Dreh- orgelspieler polizeilicherseits förmlich Jagd gemacht. Der polizeiliche Einwand, daß sich unter den Spielern viele unlautere Elemente be- finden, die sehr wohl andere Arbeit leisten könnten, ist unhaltbar. Vielleicht hat das vor langen Jahren mal eine Zeitlang zugetroffen- Heute bestehen die Leiermänner fast ausnahmslos aus sehr bedürf- tigen, häufig verkrüppelten Leuten, denen nur diese Arbeitsleistung, um nicht zu verhungern, übrig bleibt. Man sieht ja unter ihnen als leuchtendes Beispiel für die Dankbarkeit des Vaterlandes auch Veteranen, die auf Stelzbeinen humpeln und mit Kriegsdenkmünzen dekoriert sind. Für die Proteste der„organisierten" Drehorgelspieler gegen die Ausbeutung der Verleiher haben sich die letzteren bereits gerächt. Sie verleihen jetzt an alle Leiermänner, die sich zu einem Verein zusammengeschloffen haben, keine Orgeln mehr. Besser konnten. diese Menschenfreunde sich selbst gar nicht kenn- zeichnen. Diesem Treiben könnte die Armenverwaltung, wenn sie ernstlich wollte, einen kräftigen Riegel vorschieben. Sie brauchte nur eine Anzahl guter Drehorgeln anzukaufen und diese ohne weiteres ge- eigneten Personen überlassen oder dieselben in eigener Regie ver- leihen mit der Maßgabe, daß die Orgel nach Abzahlung der Kauf- summe Eigentum des Leiermannes wird. Dann werden die gewerbs- mäßigen Verleiher in ihrem Ausbeutungssystem lahmgelegt, und vielen Bedürfligen ist geholfen._ Ter Mörder Töeihenborn als christlicher Jugend« agitator. Friedrich Weißenborn war nicht nur eine Leuchte der antisemi- tischen Bewegung, er trat auch zeitweise als ein christlicher Jugenderzieher öffentlich hervor. Im Jahre 1905 veranstalteten die Christliche», voran der selige S t L ck e r mit seinem Schwiegersohn Mumm, eine wüste Hetze gegen die im Oktober 1904 begründete freie Jugendorganisation in Berlin. Weißenborn, der stets einen feinen Spürsinn für reichlich fließende Einnahmequellen be- saß, wußte das öffentliche Interesse für die Jugend- bewegung für sich auszunützen. Unter der Marke„Deutsch- nationaler Agilationsverband" veranstaltete er in Gemeinschaft mit dem Antisemitenjüngling Franz B o r o w i c z Prolestversammlungen gegen die„sozialdemokratischen Jugendverhetzer". Die erste Ver- sanimlung fand am 3. Lklober 1905 in den„Handwerkersälen", Sophienstraße, statt. Sie war besucht von 20 deutschnationalen Jünglingen und zirka 500 Mitgliedern der freien Jugendorganisation. Weißenborn kam es natürlich nicht auf eine sachliche Auseinander- setzung mit seinen Gegnern, sondern lediglich auf den finanziellen Erfolg der Versammlung an. Wer nicht das vorgeschriebene Eintritts- geld von 20 Pf. bezahlen wollte oder konnte, erhielt keinen Einlaß. Weißenborn verstand sein Geschäft ausgezeichnet. Er fand nicht nur recht sensationelle Theniala für seine albernen Vorträge, er wußte es auch meist so einzurichten, daß die Versammlungen keinen rechten Abschluß fanden, um für eine neue Versammlung das Interesse wachzurufen. In den Versammlungen, die er in Arbeiter- gcgenden abhielt, nannte er sich. Arbeiter". Sprach er in einer „besseren Gegend", war er„Schriftsteller". Das Motiv des Weißenborn war durchsichtig genug, um es bald als eine öffentliche Gefahr zu erkennen. In einer großen Versammlung in den„Ger- maniaiälen" am 16. Dezember hielten die Anhänger der freien Ju- gendorganiiation eine gründliche Abrechnung mit dem antisemitischen Gauner. Charakteristisch ist, daß die Polizei in ungeheuer großer Zahl Beamte zu Fuß und zu Pferde zum Schutze Weißenborns und seiner Helfer aufgeboten hatte. Der Erfolg dieser Versammlung war, daß Weißenborn die Bekämpfung der freien Jugendorganisation durch Veranstaltung von Versammlungen einstellte. In der Agitation des Graten Pückler fand er eine neue Einnahmequelle. Wcißenborns Klient, der damals etwa neunzehnjährige Franz B o r o w i e z, der über die Versammlungen des Weißenborn fulmi- nante Berichte für die„Siaatsbürger-Zeitung" lieferte, hat inzwischen das ehrsame Handwerk eines Postkartcnhändlers ergriffen. In einer sozialdemokratischen Versammlung in der„Neuen Welt" hörten wir ihn Postkarten mit dem Bildnis des„Genossen Bebel" anpreisen. Beim Spielen ertrunken ist der 6 Jahre alte Sohn Fritz des GaSarbeiters Radloff auS der Sellerstraße 15. Die aus den Eltern und acht Kindern bestehende Familie wohnt dort im ersten Stock des OuergebäudeS. Der kleine Fritz ging Dienstagabend um 8 Uhr noch entgegen dem Verbot der Mutter nach dem Hof hinunter, um zu spielen. Von dort begab er sich dann auf die Straße und später wurde er noch an der Seller- brücke am Nordhafen gesehen. Vergeblich warteten die Eltern eine Zeit lang auf seine Rückkehr, dann suchten sie ihn überall, aber um« sonst. Niemand konnte ihnen sagen, wo er geblieben war. Mittwoch- abend fand ein Schiffer ihn als Leiche im Nordhafen wieder. Der Knabe ist ohne Zweifel beim Spielen von der Böschung ins Waffer gefallen._ Sittlichkeitsexamen für Brautpaare. Wenn Brautleute ihre Eheschließung von einem P a st o r segnen lassen wollen, können sie sich auf allerlei gefaßt machen. Die Kirche nimmt ein nach ihren Segnungen verlangendes Brautpaar nicht unbesehen hin, sondern sucht zunächst mal Klarheit darüber zu ge« Winnen, wie intim etwa die Beziehungen der beiden Heiratslustigen bereits geworden sind. Nach dem Ergebnis des Examens, das darüber angestellt wird, bestimmt sich das äußere Drum und Dran der zu gewährenden kirchlichen Trauung. Wie streng manche Pastoren darauf halten, daß keine„Unwürdige" den Jungfernkranz tragen darf, ist ja bekannt. Einem' Brautpaar, das in einer Berliner Kirchengemeinde wohnt und dort die kirchliche Trauung begehrte, wäre durch so ein Examen beinahe die ganze Sache verleidet worden. Um die Trauung zu be- stellen, ging die Braut in der vorgeschriebenen Sprechstunde zur Küsterei. Hier traf sie nicht den Küster an, sondern nur seine Gattin, die nun die Bestellung entgegennahm und die Personalien notierte. Als die Küstersgattin auS den Wohnungsangaben er- sah, daß Braut und Bräutigam in demselben Hause wohnen, fragte sie:„Wohnen Sie zusammen?" Die Braut erwiderte: „Nein, ich wohne bet meinen Eltern, und mein Bräutigam hat in demselben Hause eine andere Wohnung."„Wollen Sie sich da als Jungfrau aufbieten lassen?" fragte jetzt die Küstersgattin. Die Braut empfand diese Frage als un- gehörig. Sie antwortete aber mit bloßem„ja", ohne merken zu lassen, wie sie über dieses Eindringen in eine allerpersönlichste An- gelegenheit dachte. Erst ihr Bräutigam, dem sie später darüber berichtete, hielt für nötig, der Kirche seine Meinung zu sagen. Er reichte eine Beschwerde an den Gemeindekirchenrat ein und faßte in seiner Entrüstung den Entschluß, ganz auf die kirchliche Trauung zu verzichten. Die Beschwerde hatte die Wirkung, daß der Küster selber ihm in die Wohnung gelaufen kam und ihn bat, sich zu einer Rücksprache nach der Küsterei zu bemühen. Hier suchte die Küstersgattin den Bräutigam zu beschwichtigen, der Küster aber legte ihm eine Verfügung vor, durch die er wohl- gemerkt: er, der Küster, nicht seine Frau— angewiesen sei, derartige Fragen an ein Brautpaar zu richten. Das besänftigte den Bräutigam soweit, daß er— seine Beschwerde zurückzog. Er schrieb dem Gemeindekirchenrat, durch Kenntnis- nähme der Verfügung habe er sich überzeugt, daß jene an seine Braut gerichtete Frage der Vorschrift entspreche. Das Brautpaar ist jetzt nach wie vor sogar bereit, den Segen der Kirche entgegen« zunehmen. Selbstverständlich ist eS jedermanns Recht, in diesem Punkte zu tun und zu lassen, was er will. Auch wer nicht gläubig ist, kann nicht daran gehindert werden, beim Hochzeitmachen den Pastor zu bemühen, der ihm als Dekorationsstück dienen soll. Es wird aber sehr viele Leute geben, denen die von dem. Küster ge- gebenc Ausklärung keineswegs als ausreichender Grund gegolten hätte, nun doch wieder noch den Pastor um seinen Segen zu bitten. Den Küster(nicht seine Frau) schützt die Verfügung, für die Kirche aber liegt die Sache nur um so schlimmer. Diese Ausfragerci über die Intimität der Beziehungen zwischen Brautleuten ist um so schärfer zu verurteilen, wenn sie sich auf eine Vorschrift stützt. Läge nur ein ungehöriger Uebergriff einer einzelnen Person vor, so könnte durch Zurechtweisung des Schuldigen eine Wiederholung ver- hütet werden. Besieht aber eine Vorschrift, die derartiges fordert, dann muß jedes Brautpaar sich auf ähnliche Fragen gefaßt machen. Wir nehmen wenigstens an, daß wirklich jedes Brautpaar so aus- gefragt werden soll, nicht nur Heiratslustige aus dem„niederen Volk", fondern auch Töchter und Söhne aus der„vornehmen Ge- sellschaft." Kann uns jemand einen Fall nennen, wo zum Beispiel eine Kommerzienratstochter und ein Exzellenzensohn, die einander heiraten wollten, einem derartigen SittlichkeitSexamen unterworfen worden sind?___ Schwerer Gerüstunfall in der Wcisteufeer Gasanstalt. Gestern nachmittag gegen Uhr ereignete sich auf dem Ge» lände der Wcißensecr Gasanstalt ein schwerer Gerüstunfall. Eine Leipziger Firma baut dort einen Kran, und war zu diesem Zwecke ein 14 Meter hohes Gerüst aufgestellt. Dieses Gerüst stürzte nun gestern nachmittag, und zwar, wie uns berichtet wird, durch Zer- reißen eines Strickes zusammen und begrub die darauf beschäftigten vier Monteure unter sich. Bei den sofort borgenommenen Rettungsversuchen stellte sich heraus, daß der Monteur John K r ä f t aus Leipzig, zurzeit in Weißensee wohnhaft, tot war. Der Monteur A u g u st T i e d e m a n n aus Leipzig trug einen Beckenbruch davon; ferner wurde ihm das Schulterblatt ausgerenkt und die rechte Hand verstaucht. Ter Monteur Max M i t s ch k e, zurzeit Weißensee, Sedanstr. 60, erlitt einen Bruch des rechten Oberarms sowie Verstauchung des rechten Fußes, und der Monteur Max M e l z i g, zuxzeit Weißensee wohnhaft, eine Verletzung des rechten Fußes. Der Tote wurde nach dem Weitzenseer Schauhause gebracht, die beiden Erstgenannten mittels Krankenautomobil nach dem Pankower Krankenhause, während der zuletzt Genannte nach seiner Wohnung gebracht wurde. Ein nächtlicher Raubanfall wurde auf den bei einem Grünkram- bändler in Köpenick angestellten Kutscher verübt. Dieser war vor- gestern abend nach Berlin qefabren, um für seinen Arbeitgeber Einkäuje zu besorgen. Auf der Chaussee zwischen Rummelsburg und Ober- Schöncweide trat ein Unbekannter an den Kutscher heran und bat ihn, mitfahren zu dürfen. Dies wurde abgeschlagen, weil da? Aussehen des Fremden wenig vertrauenerweckend war. Trotzdem kletterte dieser auf den Wogen und wollte über den Kutscher, der ein« größere Summe Geldes bei sich führte, herfallen. Dieser aber er- wehrte sich mit dem Peitschenstiel und einem Sitzbrett des Angreifers, der nun vom Wagen sprang und»ach vorn lief. Plötzlich hielt dieser das Pferd an und bearbeitete es derart mit einem Messer, daß eS erheblich verletzt wurde und nicht weiter konnte. Als auf die Hilfe« rufe des Kutschers mehrere Arbeiter herbeieilten, entfloh der Räuber. Das Pferd mußte der Abdeckerei übergeben werden. Einsam gestorben ist die 63 Jabre alte Almosenempfängerin Henriette Nowarski, die in der Gabelsbergerstr. 6 seit zwei Jahren für sich allein eine kleine Stube bewohnte. Sie hatte schon länger an Atemnot gelitten. Eine schreckliche Ueberraschung wurde Mittwochabend dem Bücher revisor Richard S. aus der Posencr Straße zuteil. Als er um 6 Uhr nach Hause kam, fand er keinen Einlaß. Er ließ durch einen im Hause wohnenden Klempner öffnen und sah jetzt zu seinem Schrecken. daß seine 43 Jahre alte grau als Leiche an der Türklinke hing. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Frau hatte schon vor vier Jahren einen Schlaganfall erlitten, war seitdem auf der linken Seite gelähmt und sehr nervenleidend und hatte schon öfter Selbstmordgedanken geäußert.— Den Tod im Wasser suchte gestern nachmittag eine Arbeiterfrau Schulz, die bis zum 1, Mai mit ihrer Familie in der Lübecker Strqße gewohnt hat. Sie sprang an der Sandkrugbriicke in den Schiffahrtskanal, wurde aber gerettet und nach der Charits gebracht. Beim Sammeln von Kohlenabfällen vom Tode überrascht wurde gestern auf dem Schlesischen Güterbahnhof eine Frau, deren Per- sönlichkeit noch nicht festgestellt werden körnte. Bahnarbeitcr fanden sie auf einem Gleise tot unter einem Wagen liegend. In der Nähe stand ihr Kinderwagen, in dem sie bereits einige Abfälle gesammelt hatte. Die Frau ist ohne Zweifel am Hitz- oder Herzschlag gestorben. Sie ist etwa 40 Jahre alt und hat wohl in der Nähe des Bahnhofes gewohnt. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht, Ermäßigte Preise auf der Strecke Spandau bis Bahnhof Börse über Lehrter Bahnhof sind jetzt eingeführt worden. Der Fahrpreis für die 3. Klasse ist von 3V auf 20 Pf. herabgesetzt worden. Leider sind die Fahrpreise für die Arbeiterwochenkarten auf dieser Strecke nicht ermäßigt worden.. Die Feuerwehr auf der Affrnjagd. Die Berliner Feuerwehr, von der inan scherzweise sagt, daß sie das„Mädchen für alles" sei, befand sich gestern nachmittag im Westen Berlins auf der Affenjagd. Einer Rentiere in der Bendlerstraße war ein kleiner Affe entsprungen, der trotz aller Bemühungen nicht wieder eingefangen werden konnte. DaS Tierchen sprang in dem Garten von einem Baum zum anderen und suchte sich die höchsten Baumkronen aus. In ihrer Verzweiflung erbat die Rentiere von der Feuerwehr Hilfe. Der Bitte wurde auch entsprochen und es erschienen bald drei Feuerwehrleute, die nun eine förmliche Jagd auf den Flüchtling veranstalteten. Das Aeffchen war aber schneller wie die Feuerwehrleute und alle Maß- nahmen nützten nichts, so daß schließlich die Jagd eingestellt werden mußte. Noch heute sitzt der Affe fröhlich auf einem Baum in dem Garten. Die Jahresgencralversammlung des Berliner Volkschors fand am Montag, den 2. Juni, statt. Die Verhandlungen ergaben einen er- freulichen Fortschritt dieser Arbeiterorganisation auf allen Gebieten. Der Chor hat jetzt völlig das Stadium der Isolierung überwunden, in dem er sich früher befand. Er steht gegenwärtig in enger Fühlung mit den beiden freien Volksbühnen; er ist Mitglied des Arbeiter- sängerbundcs und wirkte bei besonders festlichen Veranstaltungen der Berliner Arbeiterschaft, z. B. bei den, Begrüßungsabend zum Preußentag, mit. Die Wirkungen sind nicht ausgeblieben. Der Besuch seiner Konzerte hat sich gehoben, 16 000 gegen 12 000 ini Vorjahre. Die Zahl seiner singenden Mitglieder ist fast verdoppelt: sie beträgt jetzt über 450. Auch seine Kassenver- Hältnisse, die noch vor kurzem ein starkes Defizit aufwiesen, sind wieder sehr gebeffert. In den Konzerten des Vorjahrs wurden auf- geführt: Händels Judas Makkabäus, Mendelsohns Walpurgisnacht, Wagners Parsifal, Cssar Franks Seligpreisungen. Das Programm für den Winter 1913/14 steht noch nicht ganz fest. Jedenfalls be- ginnt es mit einer Wiederholung von Haydns Schöpfung. Der große Zustrom neuer Mitglieder ist die Veranlassung, daß der Chor für die nächste Zeit jeden Freitag im großen Saale de? Gewerkschaftshauses feine Uebungen abhalten wird. Gäste als Zuhörer sind dafür stets herzlich will- kommen. Der Chor ist im vergangenen Jahre auch in den Besitz seiner ersten Stiftung, der Gene-Guttmann-Stiftung, gelangt, deren Zinsen neben anderen bestimmten Einnahmen dazu verwendet werden sollen, dem Chor gelegentlich Sängerreisen in die Provinz zu ermöglichen, um dortige Arbeiterkreise mit seine» Kunst- bestrebungen und Leistungen bekannt zu machen sowie zu ähnlichen Organisationen anzuregen. Der Chor vermittelte auch allmonatlich zirka 300 Abonnemcntsplätze im Deutschen Opernhause zu Charlotten- bürg an seine Mitglieder.' Vorort- JSacbricbtem Neukölln. Eine unordentliche Buchführung scheint jetzt wieder in einigen Kirchengemeinden Neuköllns zu herrschen. Nicht nur eine erhebliche Anzahl Personen, die bereits 2—3 Jahre der Kirche den Rücken ge- dreht haben, werden wieder zur Kirchensteuer veranlagt, sondern häufig auch solche, die schon vor 6—7 Jrhren ausgeschieden sind und mehrere Jahre keine Kirchensteuer mehr bezahlten. Man sollte eigenl- lich annehmen können, daß, wenn ein solcher Irrtum vorgekommen ist, alles getan würde, ihn zu beseitigen; weit gefehlt. Auf der Steuerzahlstelle wird den zu Unrecht Veranlagten gesagt, sie müßten zum Rathaus gehen, hier verweist man sie jedoch wieder an die be- treffende Kirchengemeinde. In einem Falle wurde von dem Vor- steher gesagt, daß die Bummelei an der Steuerzahlstelle liege. Wozu solche Scherereien? Gibt es keiyen einfachen Weg, die unordentliche Veranlagung zu korrigieren, oder hofft man dadurch jemand wieder zu gewinnen? Am einfachsten wäre es, wenn den betreffenden Steuerzahlern an der Steuerkasse gegen hinreichenden Ausweis über die Nichtzugehörigkeit zur Kirche auf der Steuerkarte die irrtümlich angesetzte Kirchensteuer gestrichen würde. Letzteres ist, soweit wir im einzelnen Falle feststellen konnten, auch von einigen Beamten ge- schehen. Damit würden den Steuerzahlern unnötige Gänge erspart. I« der fortgesetzten Generalversammlung des Wahlvereins wurde bemängelt, daß. der Vorstandsbericht nicht gedruckt vorlag. Namentlich Genosse Klüß vertrat die Auffassung, daß bei einer so vielseitigen und umfangreichen Arbeit wie sie dem Vorstande ob- liege, es ohne gedruckten Bericht überaus schwer sei zu entscheiden. ob und wo der Vorstand etwa gefehlt haben könne. Genosse Graf machte dem Vorstande den Borwurf, daß er der Jugendsektion zu wenig Beachtung schenke. Im Anschluß hieran wurde von fast allen Rednern betont, daß alles daran gesetzt werden müsse, um die Jugend von den bürgerlichen Vereinen fernzuhalten. Für diesen Zweck dürften weder Arbeit noch Geldausgaben gescheut werden. Vor allen Dingen solle man sich aber in den Reiben der eigenen Parteigenossen einmal unischauen, da werde man finden, daß die Kinder mancher Genossen den bürgerlichen Vereinen angehören oder an deren Veranstaltungen teilnehmen; diesen Genossen müsse gesagt werden, daß sie sich an ihrem eigenen Nachwuchs versündigen, wenn sie dagegen nicht einschreiten. Gewünscht wurde auw von einer Rednerin, daß für die jungen Mädchen besondere Heime errichtet würden. Es sei bedauerlich, daß in ganz Groß-Berlin nicht ein einziges derartiges Heim bestände. � Die_ jungen Mädchen und Frauen müßten vor allen Dingen in unserem Sinne aufgeklärt werden. Die einen seien die Mütter der Gegenwart, die anderen die der Zukunft. Wenn unsere Ideen bei den Frauen Anklang finden, so sei bezüglich der Jugendbewegung schon viel erreicht, weil die Mütter in der Regel einen größeren Einfluß auf die Kinder haben als der Vater. Damit hänge aber zusammen, daß man den Leseabenden der Genossinnen die größte Beachtung schenken müsse. Alles müsse ge- tan werden, um auch die Frauenbewegung zu fördern. Bei der Frage der Borwärtsagitation wurde auch gewünscht, daß die lokale Be r i chtcrstatrung etwas mehr gepflegt werden möge. Nach einem kurzen Schlußwort deS Genossen Scholz erfolgte die Vorstandswahl. Es wurden gewählt: Vorsitzende: Scholz und Hclbig, Sekretär: Radtke, Schriftrührer: Feller. Viertelsführcr: Widulla, Kahlbaum, Kiesewetter, Albrecht; Beisitzer: Beyersdorff, Notlmann, Grubich, Bölian; Revisoren: Bunzel, Rummel, Kupke. Als Verlreterinnen der Frauen: Genossin Scholz und Lietsch. Lokalkommission: Rohr, Hendrischke, Schröder. Bildungsausschuß: Schulz, Heinrich, Kliemke, Wiese, Butenschön, Klüß und Genossin Bölian. Spielpnrtien nach Treptow und dem Plänterwald veranstaltet der hiesige Wahlverein an jedem Sonntagvormittag und Mittwochnach- mittag. Treffpunkt Sonntags vormittags 7 Uhr am Rathause. Erkstr., Mittwochs nachmittags 2 Uhr Wildenbruchstraße 36, Ecke Weserstraße. Um zahlreiche Beteiligung der Kinder wird ersucht. Leichtsinniger Umgang mit Schußwaffen hat schon oft schweres Unheil angerichtet. Mit um so größerem Recht beschweren sich die Anwohner und Kolonisten der Laubenkolonie„Lerchenheim" über das Gebaren eines Gärtnereibesitzers, der dort in der Nähe sein Grundstück hat und mit Vorliebe mit der Schußwaffe umzugehen scheint. Gestern nachmittag traf ein Geschoß aus seiner Stockflinte eine Frau Heidrich aus der Ringbahnstratze 28, die ahnungslos in ihrer Sommerlaube saß, in die linke Wade. Als der unvorsichtige Schütze den Aufschrei der Frau vernahm, versteckte er schnell die Flinte, mußte sie aber nachher doch einem herbeigeholten Kriminal- beamten herausgeben. Die verletzte Frau hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Bor den Augen der Mutter überfahren wurde gestern nach- mittag gegen 4 Uhr in der Bergstraße das vierjährige Töchterchen Irmgard des Kaufmanns Richter aus der Donaustraße 24. Das Kind geriet unter einen Pferdeomnibus, dessen rechtes Hinter- rad dem Mädchen über den rechten Oberschenkel hinwegging, so daß das Glied fast vollständig abgetrennt wurde. Die Kleine wurde in die nächste Unfallstation und von dort in das Buckower Krankenhaus gebracht, wo eine Amputation des Beines notwendig wurde. Schöneberg. Hypothekcn-Bankvcrrin. Der Magistrat hatte zum Mittwochabend eine Versammlung der Schöneberger Hausbesitzer nach dem Gesell schaftshaus des Westens einberufen, in der über das Projekt der Gründung des„Berlin-Schöneberger Hypotheken-Bankvercins" nähere Erläuterungen gegeben werden sollten. Die städtischen Körperschaften hatten die Uebernahme der Garantie für den neuen Verein davon •abhängig gemacht, daß mindestens ö0 Hausbesitzer ihren Beitritt erklärten. Schon nach Schluß der stark besuchten Versammlung zeichnete sich eine große Anzahl der Teilnehmer als Mitglieder ein. Die Meldungen haben die vom Magistrat als Bedingung gesetzte Zahl schon am vorgestrigen Abend erheblich überschritten. Die Gründung deS Vereins ist also gesichert. Tempelhof. Mit dem üblichen Aufwand ist nunmehr der erste Teil deS Parkgürtels auf dem Tempelhofef Felde dem öffentlichen Verkehr über- geben worden. In reklamehafter Weise war alles vorbereitet, damit die geladenen Herren die aus der Einöde hervortretende„Garten- stadt" bewundern konnten. Wenn die Terrainspekulation hier ge- schickt gearbeitet hat. so doch nur, um für sich einen fetten Gewinn zu erhoffen. Für die große Masse wird selbst in dieser neuen MietS- kasernenstadt wenig Raum vorhanden sein, da sie die teuren Mieten nicht erschwingen kann. So läuft der ganze Tamtam, der am Milt- wochabend in'Szene gesetzt wurde, darauf hinaus, zahlungsfähige Mieter anzulocken. Mit dem Bau einer neuen Kirche wird unser Ort beglückt werden. Die evangelische Kirchengemeinde hat bereits zu dem Bau bei der Kurmärkischen Ritterschaftlichen Darlebnskasse eine Anleihe von 300 000 M. aufgenommen. Lichtenberg. An Fleischvergiftung gestorben. Die Frau deS Arbeiters Ferdinand Hasenberg hatte am Mittwoch auf der Frei- dank ein Pfund Rindfleisch gekaust, von dem die Eheleute und ihre beiden Kinder aßen. Der Mann erkrankte daraufhin am Nach- mittag auf seiner Arbeitsstelle bedenklich und mußte in das Augusta-Vikwria-Krankenhaus geschafft werden, wo die Aerzte eine schwere Fleischvergiftung feststellten, der H. am gestrigen Tage erlag. Die Frau des Arbeiters war ebenfalls von einem leichten Unwohlsein betroffen worden, erholte sich jedoch nach einigen Stunden wieder, während die beiden Kinder trotz des Genusses des verdorbenen Fleisches gesund blieben. Sturz vom Gerüst. Beim Bau des hiesigen neuen großen Straßenbahnhofes ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Unfall. Der 2öjährige Maler Wilhelm Ulbrich war mit dem Anstrich der Außenwand beschäftigt, als er infolge eines Fehl- tritts vor den Augen seiner Arbeitskollegen aus einer Höhe von 12 Metern zu Boden stürzte. U. wurde in das Lichlenberger Krankenhaus geschafft, wo die Aerzte schwere innere Verletzungen sowie einen Bruch des rechten Oberschenkels feststellten. DaS Be- finden des Verunglückten ist hoffnungslos. ftfmdrichsfelde. Die zugeknöpften Patrioten. Gegen hie Stimmen der sozial- demokratischen Vcrtrerer wurde bekanntlich den sogenannten patriotischen Vereinen zu einer von ihnen veranstalteten Jahrhundert« feier aus Gemeindemilteln eine Beihilfe gewährt. Von unseren Ge- nassen wurde daS Verlangen dieser in Hurrapatriotismus machenden Vereine in gebührender Weise gekennzeichnet. Einer dieser Patrioten läßt sich in der Angelegenheit jetzt noch einmal im Amtsblättchen aus. Nach seiner Meinung sei der Gemeindesäckel schon deshalb zu einer Beihilfe für die Feier verpflichtet gewesen, weil es sich ja um eine Volksfeier gehandelt habe. Rühmend hebt der Schreiber her- vor, daß alle bürgerlichen Vertreter geschlossen für die patriotische Subvention gestimmt hätten. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Neunzehntel der Herren Gemeindevcrtretcr gehören nämlich den antragstellenden Bereinen an. Der Antrag um Beihilfe zu der Feier war in einem so abkanzelnden Ton gehalten, daß ein Ge- meindcvorstand mit einigermaßen Rückgrat ihn entschieden zurück- weisen mußte. Um diese Diktatur zu verdecken, wird den sozial- demokratischen Vertretern der Ton in der Vertretung vorgeworfen. Letztere verwiesen in der Sitzung darauf, daß das Einkommen der Arbeiter bis auf den letzten Groschen versteuert würde, während die besitzenden Kreise sich von einer gerechten Besteuerung zu drücken wüßten. Den von unseren Vertretern erhobenen Einwand, daß die Ge- meinde ihre Arbeiter mit Hungerlöhnen abspeise, dieweil sie falte Patrioten zur Betätigung ihre« Patriotismus unterstützt, erwähnt der Herr nicht. Er begnügt sich mit der Behauptung, daß die Be- sitzenden mehr Steuern zahlen wie die arbeitende Bevölkerung. Zu der ökonomischen Erkenntnis, daß alle Werte letzten Endes durch die Arbeiterklasse hervorgebracht werden, hat sich natürlich der patriotische Mitarbeiter des AmlsblätlchenS noch nicht durchringen können.__ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Köpenick. Heute Freitag, den S. Juni, 5 Uhr, im Rathaussaal. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist b«. rechttgt, ihnen al» Zuhörer beizuwohnen. Spiel und Sport. Die sportliebende Arbeiterschaft Groß-BerlinS wird am kommenden Sonntag sich in Wcißensee zu einem Sportfest zusammenfinden, zu derselben Zeit, da im Stadion im Grunewald bürgerliche angeblich Sport treibende Verbände ihr Hurra brüllen werden. Treffpunkt der mitwirkenden Sportvereine: Turner: Werneuchener Straße, Ecke Elbinger Straße, mittags l. Uhr. Athleten und Schwimmer: Brauerei Friedrichshain, Abmarsch pünktlich VL Uhr. Radfahrer: Treff- Punkt am KöntgStor, mittags l'i, Uhr. Abfahrt 2 Uhr. Programm bestehend in Konzert, Gesang, Festreden, sportliche Vor- führungen, Kinderspiele. Die Turnvlätze des Turnvereins Fichte find am Sonntag, den 8. Juni, sämtlich geschlossen. Arbeiter- Radfahrer- Bund„Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Alle Ablcilungen z�i m Arbeiter- Iportse st. Wt.«�>tarl 12V, Uhr an den bekannten Stellen. Sammelstart l'/t Uhr Arnswalder Platz, Elbinger Straße.— 2. Abt. Achtung! Neuer Start: Fontanc-Promenade 18.— 11. Abt., am 11. Juni, 9 Uhr: Oranienburg.— Ortsgruppe Neukölln, zum Arbeitcr-Svortsest. Start: 1 Uhr, Jdealpassage.— Ortsgruppe Charlotten- bürg: 2 Uhr zum Arbeiter-Sportsest.— Die Vereine von Bezirk 2 und 21 werden dringend ersucht, an dem Sammelstart der Ortsgruppe Berlin leU« zunehmen. Ortsgruppe Reinickendorf. Am Sonntag, den 8. Juni. Tour: Sport- fest Weißenirc. Sammelstart: 1 Uhr nachmittags, Kolonie- und Exerzier- straßen-Ecke. Arbeiter-Radfahrer-Bercin„Groß-Berlin". Touren am Sonn- tag, den 3. Juni, srüh 6 und 10 Uhr und mittags 12 Uhr nach Veiten (Grunow). Start: Mariannenplatz. Anschlußstart: Gartenplatz. Gäste willkommen. Arbeiter-Athlelenbund�fKreis 4). Den Kollegen zur Kenntnis, daß der Trcfspunlt zum Arbeitcr-sportfest am 8. Juni um 1 Uhr mittags sich Brauerei Friedrichshain bejindet. Wir bitten die Kollegen, sich pünktlich einzufinden. Die Ordner haben sich späiciicns mittags'1,2 Uhr bei dem Kollegen Keller in Schloß' Weißensee zu melden. Sportkartell Lber-Schöneweide. 8. Juni: Sportfest Wcißensee. Abmarsch der Vereine: 12 Uhr, Siemensstr. 12 und 28. 1 Uhr: Anschluß an Sporlkartell Lichtenberg. Tie 11. Männer-Abteilung des Turnvereins„Fichte" ver- anstaitct am 28. und 2V. Juni eine Tprecwaldfahr» durch den Obrrsprecwaid. Bahnfahrt bis Lübbenau. Dann per Kahn über Leipe, Polcnzschänke, Kannomühic, Lehde usw. usw. bis Lübbenau. Rücksahrt nach Berlin. Bahn- und Kahnfahrt ca. 5,50 M. Die übrigen Ausgaben nach persönlichem Bedürfnis. Treff: 23. nachts 12 Uhr Görlitzer Bahnhof. 216» sahrt 12.30 Uhr. Jede weitere Auskunst sowie Anmeldungen zur Teilnahme Dienstag, Mittwoch, Freilag und Sonnabend abends von 8—10 Uhr, in der Turnhalle Bergmannstr. 28/29. Schluß der Teilnehmerliste a m 15. Juni. Arbetter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Am Sonntag, den 8. Juni, Westen sich die Genossen um'/,! Ubr in der Elbinger Straße, Ecke Werneuchener Straße, uni gemeinsam zum Sportseft zu marschieren. Lcgitimationskarte mitbringen. Ucbungsabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Am Montag, 9. 6., Oranienstraße 103, Restaurant Augustin. Berlin, 5. Abt. Neukölln. Freitag, den 6. Juni, Wcichselstr. 8, Ideal kasino. B e r l i n. 6. Abt. Mariend»r st Ober-Schöneweide. swaße 12. N o w a w e s. Am Dienstag, 10. 6., Friedrichstraße, Ecke Wilheimstr., bei Schmidt. Arbeiter- Wanderverein„Berlin". Sonnabend, den 7. Juni: Wanderfahrt nach: I. Bernau— Börnicke— Seeseld. Abfahrt 7 Uhr Stcttincr Vorortbahnhof.— II. Blumberg— Bernau. Abfahrt 7 Uhr Wriezener Bahnhof(Fruchtstraße). In Seeseld Nachtquartier(Swohlager). Morgens: Wageiffahrt bis m den LIumcnthal-Forst, dann Fußwanderung bis Sterne« deck, dort Treffpunkt mit Gruppe 111.— III. Sonntag, den 8. Juni: Wanderfahrt nach Sternebeck, Harnekop, Rädikow, Baaste, Freienwalder Forst, Karlsberg. Falkenberg. Abfahrt 5.30 Wriezener Balmhos(Fruchtstr.) Arbciter-Wanderbund„Tie Naturfreunde". Sitz Berlin. Am Sonntag, den 8. Juni: I. Geologische Wanderung: Niederfinow(bei schlechtem Wetter in Liepe Nachtquartier), Plagesenn, Chorin. Slbsadrt Stettiner Fcrnbahnbos Sonnabendabend 7.46 Uhr. II. Faitcnberg, Baascc, Lcuenbcrg. Abf. Stcltiner Fernbhs. Sonntagnorm. 5.59 Ubr. III. Potsdam, Tempiin, Lienewitzice, Michendorf.'Abs. Bhf. Friedrichsw. 6.17 Uhr vorm. IV. Wannst«, Sakrow, Romerichanze, Potsdam. Abs. Bhs. Friedrich- siraße 6.47 Uhr vorm. V. Buch, Gorinsee, Summtsee, Birkenwerder. Abf. Stettiner Vorortbhs. 6.50 Uhr vorm. VI. Rahllsdorf, Woltersdorf, Tasdorf. Abs. Schlesischer Bhs. 1.23 Uhr nachm. Gäste zu allen Touren willkommen. Arbeiter-Touriftenvercin„Tie Natnrfreunde". Ortsgruppe Berlin. Wanderungen am Sonntag, den 8. Juni: I. Nassenheide, Neu- Holland, Liebenbcrg. Grüncberg. Absahrt Stcttincr Fernbhs. nach Nassen- Heide 5.42.— II. Melchow, Samithjee, Bukowsec, Bicsenthal. Absahrt nach Melchow Stettiner Fernbhs. 5.53; Gesundbrunnen 6.04. Gäste stets will- kommen. Am Montag, 9. 6., bei Schulz, Königsgraben 2. Am Montag, 9. 6., Chausseestr. 27. Am Montag, 9. 6., bei Schulz, Siemens- VriLfKaften der Redahtion. TW luriftilche epreHlltunde findet Lenden st raße 69, vorn vier Treppe» — Fahrstuhl—> wvlhrntägllch von vis 7>z> Uhr abends, Sonnabend», von m tis 6 Uhr abend» statt. Jeder für den Brwftaftcn destimmien Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl al» Merkzeichen beizufügen. Briestiche Annvork wird nicht rrleilt. Anfragen, denen keine Adon»emcni»qaittu»g beigefügt tft, Verden nicht tcautwortet. iktlige Frage»«rage man t» der Sprechstunde vor. I. 47. 1. Miiideststrass 1 Tag, Höchstswafe 6 Monate Gesängnis. 2. Etwa 70 M.— R. M. 70. Erst nach Ablauf von S Jahren, sofern der Gläubiger nicht glaubbast macht, daß inzwischen Vermögen erworben ist.— L. 7. Ja.— ll. 25. Nicht zulässig.— M. 37. DaS Vormund- Ichastsgericht muß um eine AuScinanderletzungsbescheinigung angegangen iverdcn. Die Anmeldung kann bei dem Standesamt Schöneberg oder bei dem Standesamt NowawcS stattfinden.— K. T. 10. 1. Ja, 14 Tage. 2. und 3 Nur dann, wenn Sie gegen das halb- oder ganztägige Aus- setzen protestieren.— R. P. 99. t. Er muß beim Amisgericht das Slus- gebotsvcrsahren beantragen. Nach Erlaß des AusschlußurteÜs ist die Bank zur Zahlung verpflichtet. 2.«IllcrSrcnte noch nicht, aber Invalidenrente, falls der Betreffende enverbsunsähig ist. 3. Der Antrag ist bei dem Vcrsicherungsamt Berlin, Am Köllnischen Park 3, zu stellen. — H. B. 7. Die Hinterlegung war gerechtfertigt. Sic mußten aber dem Eigentümpr von der Hinterlcgiing Mitteilung machen. Ist die» ge> ichehcn, so können die Kosten Ihnen nicht zur Last gelegt werden— R. Z. 1892. Ja.- K. H. 177. 1. und 2. Schreiben Sie nochmals an das Vormundschastsgcricht. 3. Nein.— B. 54. Die gesetzlichen Ge- bührcn betragen etwa 60 M. Diesen Betrag zuzüglich der Volliireckungs- kosten sür Beitreibung der Buße kann der?lnwalt vom Schuldner ein- ziehen. ES ist die Regel, daß in derartigen Sachen«in über die gesetzliche Gebühr hinausgehendes Honorar vereinbart und gezahlt wird— ZSttterungSubersicht vom 5. Juni 1913. kiakwnen '1 '1 e? Swinemde. 762 SO Hamburg i 760 SO Berlin™ C) Franks. a.M 763 SN München 764 SW Wien|761W Etun 3 wolkig 3wollig 2w olkig twoikig swoikeiii swolkenl u« c* »II i? HS) Etatlonen "U Ä o i€ if'M tu Haparandä76l!NW VctcrSburgi Seilst} 755® Aberdeen 766'Sttll Paris! 76 ISSN Wetter 2 wölken! 4 bedeckt •Dunst 2 wölken! »hi c-- ti 14 11 12 18 Wetterprognose für Freitag, den«. Juni 1913- EtwaS kühler, vielfach wolkig mit leichten R-genfällen, mäßigen westlichen Winden und sortdauernder Gewillerneiaung. Bertiner W e t t er b u r e au. süd- WasserstandS-Nachrichte« der LandeSanstall sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welte: bin cai Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Nattbor , Krossen , Frantiurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden „ Barby , Magdeburg Waffcrstand Saale, Grochlitz Havel. SvandauK v. Rathenow») Spree, Sorembcrg) BeeSkow «. s» r, Münden Minden Rhein. Maximilian« au Kaub ' Köln Neckar. Hcilbron» Main. Hanau Mosel. Trier am 4. 6. om 106 25 4 63 80 167 229 457 231 215 63 143 45 seit 3.6. cm1) — 4 —2 —6 —2 -2 +« +8 +8 +5 +9 —7 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Nnterpegel. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt««uchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin Nr. 139. 30. Iahrgavg. 3. KW iw„Hütniiitlü" Ktlintt MksblM fmlnä.ß. Juni 1915. Stadtvcrordnetcn-Vcriammlung. 20. Sitzung dom Donnerstag, den ö. Juni 1913, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr und widmet zunächst dem am 3. d. M. verstorbenen früheren Stadtv. H e r b i g einen ehrenden Nachruf, den die Ver- sammlung stehend anhört. Der Ausschuß für die Wahl von 9 unbesoldeten Stadträten, deren Wahlzeit mit Ende dieses Jahres abläuft, isr gewählt und hat sich konstituiert! ihm gehören von der sozialdemokratischen Fraktion Bruns, Hcimann, Pfannkuch, Dr. Rosen- f ei d an. Die Herren Simonsohn und Löhning haben die Wahl zu be- soldeicn«tadträten angenommen. Mit dem Bebauungsplan für das Aufmarsch- g e l ä n d e, wie ihn der Magistrat vorgesehen hat, hat sich der ein- gesetzte Ausschuß nach langer Beratung einverstanden erklärt. Danach verbleibt es bei der Bebauung des südlichen Teils mit viergeschossigen Häusern; sowohl die Wünsche, die auf Zulassung fünfgeschossiger Mielkascrnen gerichtet waren, als die in entgegen- gesetzter Richtung aus völlige oder teilweise Freilassung des Ge- ländes für Spiel- und Sportzwelle sind abgelehnt worden. Re- ferent ist Stadtv. Stapf(A. L.). Stadtv. Leid(Soz.): Wir sind mit den Prinzipien des uns hier empfohlenen Bebauungsplanes durchaus einverstanden; wir Kitten nur den Wunsch, daß in Zukunft in gleichen Fällen dieselben Prinzipien Anwendung finden, wenn es sich um Arbeiterviertel handelt. Im Laufe der Beratungen sind an uns zahlreiche Wünsche herangetreten, die darin gipfeln, daß nicht das gesamte Gelände bebaut, sondern ein Teil davon für«portzwccke freigehalten wird. Das Bedürfnis dafür ist in jener Gegend ganz besonders groß. Gewiß sind zwei schöne Spielplätze in dem Plan vorgesehen, aber sie sind für Kinder bestimmt und eignen sich für sportliche Spiele nicht. Daß das vorhandene Bedürfnis sehr groß ist, lehrt ein Blick auf das Tempclhofcr Feld am Sonntage. Das Tempelhofer Feld gehört aber nicht der Stadt, sondern dem Fiskus, und möglicher- weise wird es später ebenso verkauft und bebaut, wie es mit der Westhälfte schon geschehen isl'. Dann hätten wir überhaupt keinen Ersatz, um das sportliche Bedürfnis zu befriedigen, und keinerlei Gelegenheit mehr, ihn zu beschaffen. Tatsächlich sind auch schon Lehrer, die sich mit Schulkindern auf dem Teinpelhofer Felde ein- gefunden hatten, von dort fortgewiesen worden. Wir beantragen deshalb, nur den an der Dreibundstraße gelegenen Teil zu bc- bauen, den übrigen Teil des Geländes aber freizulassen, und wir empfehlen Ihnen diesen Antrag zur Annahme. Stadtrat Vcrndt: Dieser Antrag ist bereits im Ausschuß gründlich erörtert und dort abgelehnt worden. Maßgebend für die Ablehnung war einmal die Erwägung, daß ein Teil der vielen für dieses Terrain aufgewendeten Millionen durch Bebauung eines beträchtlichen Teils wieder eingebracht werden müsse. Sport- liche Spielplätze der gewünschten Art würden ferner nicht sowohl den Berliner Bürgern als den angrenzenden Tempelhofer und Neu-Tempelhofer Bewohnern Vorteile zuwenden, auf die sie doch gar kein Recht geltend machen können. Stadtv. Licbenow(A. L.) tritt diesen Ausführungen bei. Der Bebauungsplan sehe zwei völlig genügende Spielplätze vor. Der Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt, die Vor- läge nach dem Magistratsantrag angenommen. Die Vorlage wegen Umgestaltung des Bauviertels hinter der Universität und Errichtung eines Gebäudes zum Abschluß des uuiKUgestaltenden H e g e l p l a tz e s hat die Ausschuß. beratung bereits passiert. Einstimmig hat der Ausschuß die Ma- gistratsvorschläge genehmigt, wonach von den neuen Museums- bauten unter Ueberbrückung der Spree eine Straße in südwestlicher Richtung bis zu dem halbrunden Platz an der Dorotheenstraße geführt und an letzterem ein Rundbau zur Aufnahme des Reichs- schulmuseums errichtet wird. Die vom Magistrat bezüglich der Durchführung der Untertunnelung der Linden am Lpernhause und bezüglich der Zurücknahme der von der Universität gegen Berlin wegen des Kastanienwäldchens angestrengten Prozesses abgegebenen Erklärungen sind im Ausschuß„von verschiedenen Seiten" als ausreichend erachtet worden. Referent ist Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.). Dieser bemerkt zum Schluß, daß die Versammlung, wenn sie die Vorlage annehme, damit sich auch den Teil der Begründung zu eigen mache, der der Vorlage einen Jubiläumscharakter aufpräge. Allerdings sei darüber im Aus- schuß überhaupt nichts gesagt, aber folglich auch dagegen keine Einwendung erhoben worden. Stadtv. Hcimann(Soz.): Ich habe mich zum Wort gemeldet, nur um mitzuteilen, daß meine Freunde den wesentlichen Inhalt der Vorlage billigen und dafür stimmen werden. Wie ich schon in der ersten Lesung erklärte, haben wir uns durch die Form, durch die die Vorlage als Jubiläumsvorlagc bezeichnet wurde, nicht hin- lassen, weil die vorgesehene Anzeige an den König auf gesetz- lichcr Grundlage beruht. Im Ausschuß ist von dieser Frage mit reinem Wort gesprochen worden, und da der Referent nur über die Verhandlungen des Ausschusses zu berichten hat, hatte er nicht nur keinen Anlaß, sondern meiner Ansicht nach auch keine Berechtigung, aus Eigenem in dieser Beziehung etwas hinzuzufügen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Vorlage war an sich noch l'o unfertig, daß wir bei der ersten Lesung unsere Zustimmung nicht ohne weiteres glaubten zusagen zu können; sie gab uns vor allem nicht genügend Garantie für die Sicherung gewisser schon er- wähirter Projekte usw. Der Oberbürgermeister hat nun im Aus- schuß erklärt, daß auch für den Magistrat die neuen Projekte in engster Verbindung stehen mit der Linden-Ilntcrtunnclung und mit der Beseitigung des Prozesses mit den llnivcrsitätsbehördcn in einer chr die Stadt günstigen Weise. Mit der Erklärung, die einschließt, daß entgegengesetztenfalls die Projekte nicht zur Aus- führung kommen werden, sind wir im Ausschuß zufrieden gewesen. W'.r wünschen daber den Verhandlungen mit den Behörden guten Fortgang, um insbesondere in der Gestaltung unseres städtischen Berkehrswescns Fortschritte zu machen. Stadtv. Jacobi(A. L.): Unsere Bedenken in bezug auf die Kosten und die schon erwähnten Vorbedingungen sind im Aus- schuß zerstreut worden. Es ist festgelegt worden, daß die Unter- tunnelung der Linden und die Beseitigung des lltkiversitäts- Prozesses integrierende Bestandteile des Projektes bilden Unter diesen Unisländen werten wir der Vorlage einmütig zustimmen. Stadlv. Ladewig(R. L.) spricht in demselben Sinne. Im Schlußwort wendet sich der Referent M o m m s c n gegen die il'in von dem Kollegen Hcimann erteilte Rüge; er glaubt mit der Erwähnung, daß gegen jenen Passus der Begründung im Ausschuß lein Einwand erhoben sei. die Befugnisse des Referenten nicht überschritten zu haben. Die Vorlage wird e i n st i m m r g gutgeheißen. Von den Stadtvv. Dr. Arons u. Gen.(Soz.) ist am 29. Mai der Antrag eingebracht worden, die Versammlung wolle be- i cli ftefcen* J,Dic Versammlung nimmt mit Bedauern und Entrüstung davon Kenntnis, daß am 19. Mai jugendliche Arbeiter nach Verlassen des städtischen«pielplatzcs im Friedrichs- Hain durch einen Polizeihund schwer verlebt worden sind, und protestiert gegen ein Verhalten üwr Polizei, durch welches die Besucher der städtischen Parkanlagen Gcsahren für Leib und Leben ausgesetzt sind." Stadtv. Dr. N-seiikeld«Soz.): Ter Spielplatz im Friedrichs- Hain wird seit 191 l von der heranwachsenden Generation der Arbeiterschaft eifrig benutzt, dank dem Entgegcnkoiniiicn der Park- depntation. Tic jungen Lenke erholen sich dort von des Tages> Arbeit und pflegen dann mit Gesang den Spielplatz zu verlassen. I So geschah es auch am 19. Mai. Die jungen Leute sangen das Schcfselsche Lied„Ter fahrende Schüler":„Wohlauf, die Luft geht frisch und rein!" Am Ausgang des Friedrichshains wollten die Leute sich eben voneinander trennen, als ein Beamter der Schutz- Mannschaft mit einem Hund erschien. Ihm schien der Gesang nicht zu gefallen und das Auseinandergehen zu lange zu dauern; er soll kommandiert haben:„Ein bißchen schneller, sonst werde ich Euch auseinanderbringen!" Da sprang der Hund auf einen der jungen Leute zu und biß ihn, so daß er laut aufschrie. Darauf wandte sich ein anderer an den Beamten und bat ihn höflich, ihm die Nummer mitzuteilen, um über ihn eine Beschwerde zu ermöglichen. Tie Antwort war:„Scheren Sie sich nach Hause!"(Hört! hört! bei den Sozialdeinökraten.) Der junge Mann folgte dieser Auf- forderung; der Beamte aber packte ihn am Arm und hielt ihn fest. sofort siel auch der Hund diesen zweiten jungen Mann an, bis er hinfiel, und als er am Boden lag, biß der Hund immer von neuem .aus den Menschen ein. Als der Hund endlich abließ, sorgte der Beamte nicht etwa für einen Arzt, sondern nahm den jungen Mann ohne auf seinen Blutverlust zu achten, auf die Polizeiwache mit. Der Transport ging durch den ganzen Friedrjfhsham und eine große Anzahl von Leuten folgten diesem etwas cigemümlichen Schauspiel. Dort, wo das Denkmal Friedrichs II. steht, kam es zu einem nochmaligen Zusammenstoß; ein junger Mensch lief fort, der Polizeihund packte ihn und versetzte ihm mehrere Bisse. Zwei der jungen Leute sind am nächsten Tage zum Arzt gegangen; der dritte einige Tage später. In den Attesten wird bescheinigt, daß an den Füßen und Armen Bißwunden von 7 und 8 Zentimeter Breite(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) festgestellt wurden. Einer der Gebissenen ist 14 Tage arbeits- unfähig gewesen.(Hört! hört!) Die Atteste sind von unseren Kollegen Wehl und Bernstein ausgestellt. Ich habe, zwei von den jungen Leuten unmittelbar nach dem Vorfall gesehen, und mich hat Entsetzen gepackt, wie sie aussahen. Zwei von den jungen Leuten haben Strafvcrsügungen bekommen; es wird in der einen gesagt, daß der Betreffende uiigebührlicherweise ruhestörenden Lärm verübt habe, indem er mit hundert anderen laut singend daher gezogen sei. Der andere soll auch noch die Anlagen beschädigt hüben— nämlich indem er auf der Flucht vor dem Hunde in die Anlagen lief. Die Strafen lauten auf 4 und ö M. Diese Strafen zeigen doch wohl schon, daß es stch hier nicht um Rowdies handelt. So wichtig ein Polizeihund bei Erniittelung von Verbrechen sein kann, Anlässe wie diese dürfen doch nich�ahin führen, Polizeihunde zu verwenden. Der Fall steht auch niM vereinzelt da. Bei einer Razzia im Treptower Park wurde ein Mann, der sich dort erging, ebenfalls von einem Polizeihund angefallen, der ihm freilich nur Rock und Hose zerriß; im Tiergarten hat ein Polizeihund einem fünfjährigen Kinde in die Wade gebissen. Die Schönheiten unserer städtischen Parkanlagen hat der Obcrbürger» meister erst jüngst gerühmt und die Bürgerschaft zur Benutzung aufgefordert. Solche Vorfälle aber sind eine sehr schlechte Empfehlung dafür. Im Interesse der Bürgerschaft müssen wir dazu das Wort ergreifen, und wir empfehlen Ihnen deshalb die Annahme unseres Antrages.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Mommsen: Von dem Vorfall wissen wir bisher nur aus dem„Vorwärts". Die Darstellung stützt sich ausschließlich auf die Angaben der angeblich Verletzten; wir find darum als Versammlung gar nicht in der Lage, ein Urteil abzugeben. Wir könnten uns nun ja ans Polizeipräsidium um Auskunft wenden, aber das ist ja gar nicht nötig, es sind Strafbefehle mit sehr leichten Strafen erlassen worden. Trotzdem haben die jungen Leute Wider- spruch erhoben und, soviel ich weiß, den Kollegen Rosenfeld mit ihrer Vertretung vor dem Strafrichter betraut. Eine Versamm- lung wie die unsrige soll nicht in ein schwebendes Verfahren ein- greifen. Ich beantrage daher mit den Kollegen Kämpf und Rose- now, die Erledigung des Antrages bis�zur Beendigung des Ver- fahrens zu vertagen. Die Ausdrücke„in it Bedauern und Entrüstung Kenntnis zu nehmen" und zu„pro- testieren" machen die Annahme des Antrages Arons ganz unmöglich. Stadtv. Dr. Roicnfcld(zur Geschäftsordnung): Ich glaube zwar nicht, daß das Versahren eine völlige Klärung bringen wird, weil es sich da nicht um das, was der Beamte getan hat, sondern um das, was die jungen Leute getan haben, handelt; wir sind aber gleichwohl einverstanden und werden für Vertagung stimmen. Der Antrag auf Vertagung wird darauf angenommen. Für die Vornahme von Versickerungsversuchen auf dem Wasserwerk Müggelsee zum Zwecke der künstlichen Erzeugung von Grundwasser werden 30 500 M. verlangt. Stadtv. Dr. Paul(N. L.) läßt sich des längeren über die Vor läge aus, bleibt aber für die Tribüne völlig unverständlich. Stadtrat Benzkn dankt.dem Vorredner für die Befürwortung der Vorlage, stellt aber fest, daß das Wasserwerk Wuhlheide früher als 1910 fertiggestellt werden wird. Stadtv. Woldersk»(Soz.): Ich möchte auch namens unserer Fraktion einige Anfübrungen des Kollegen Dr. Paul unterstreichen. So hat er u. a. crlvähnt, daß der Direktor der Wasserwerke, der ja jetzt wieder sich in der Genesung befindet, unter der Arbeitslast zusammengebrochen ist, und angeregt, ihm eine technische Kraft zur Seite zu stellen. Er hat auch mit Recht bemängelt, daß die Vor- läge erst jetzt kommt, nachdem die Anregung dazu schon vor drei Jahren gegeben war. Wir bewilligen die geforderte Summe, for- dcrii aber möglichste Beschleunigung der Arbeiten. Auch die Er- scheinung der neuerlichen Senkung des Grundwasserspiegels der Gruncwaldsceji mahnt in dieser Beziehung, jede mögliche Vor- kehrung zu treffen. Der Betrag wird bewilligt. Die Wanne»- und Brausebäder beim B o l k s b a d G a r t e n st r a ß e sollen von Grund aus umgebaut und den Ein- richtungen der neueren Volksbadcanstalten entsprechend hergestellt werden. Dazu sind 45 000 M. erforderlich, die ohne Debatte be� willigt werden. Der zivischen Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn bestehende, Ende 1919 ablausende Vertrag über die Mitbenutzung der den städtischen Gaswerken ge- mirigen Kohlenbahn in der Git schiner- und Skalitzer Straße soll durch einen anderen ersetzt werden; die Versamm lung stimmt ohne Debatte zu. Der Magistrat trägt bei der Versammlung darauf an, den „Berliner Elektrizitäts-Werke n" gegenüber von der Vcrtragsbesiimiiiung Gebrauch zu machen, daß zum 1. Oktober 1915 die B.E.W, mit allen Rechten, Konzcssionen und Anlagen im 30 Kilomcterumkreis von Berlin an die Stadtgemeinde zu übergeben sind. Eine solche Erklärung, die die Eingehung neuer Vertragsvcrhälrnisse nicht ausschließt, mutz erstmalig vor dem 1. Oktober 1913 abgegeben werden, da sonst der Vertrag sich stillschweigend um drei Jahre verlängert. Ohne Diskussion beschließt die Versammlung nach dem Ma gistratsantrage. Der Vertrag mit der„N o r m a l z e i t- G. m. b. H." über die Unterhaltung der Kandelaber- und Uraniasäulen- Uhren soll um ein Jahr verlängert werden, da die städtischen Projekte wegen Zentralisierung des gesamten Uhrcndicnstcs noch nicht zur Ausführung haben gebrachr werden können. Stadtv. Leid(Soz.): Wir halten den jetzigen Zustand für un- haltbar. In einer Reihe von neuen Stadtteilen sind bisher alle Bitten und Wünsche der Einwohner um Aufstellung von Uhren nicht erfüllt worden. Die Verwaltung hat daraus selbst erkennen iniisscn, in welcher mißlichen Lage sie sich befindet und wie eine baldige Aenderung des bisherigen Verfahrens und cinc Neuordnung dringend erwünscht ist. Die Stadt sollte eigene Leitungsnetze legen und die Angelegenheit ganz in die eigene Hand nehmen. Die Kosten dafür dürften kaum höher sein als der Betrag, den wir auch jetzt aufzubringen haben. Gegen die Vorlage erheben wir keine Bc- denken, hoffen aber mit Bestimmtheit, daß der Vertrag nicht noch einmal erneuert werden wird. Stadtrat Berndt: Wir sind mit dem Vorredner darüber einig, daß die gegenwärtige Regelung durchaus nicht vollkommen er- scheint. Seit längerer Zeit schweben eingehende und gründliche Er- wägungen im Magistrat, wie durch Zentralisierung des Uhren- Wesens etwas Vollkommenes geschaffen werden kann. Durch die Schwierigkeit und Weitläufigkeit der Arbeiten ist unsere Absicht, Ihnen schon jetzt ein fertiges Projc�t vorzulegen, vereitelt worden; wir glauben aber versprechen zu können, innerhalb eines Jahres Ihnen eine desinitive Vorlage zu machen. Die Verlängerung des Vertrages wird genehmigt. Die Grundstücke Petersburger Platz 4 und Schön- Häuser Allee 79 sollen zur Errichtung von Volksbade- a n st a l t e n ohne Schwimmhallen für 286 000 bezw. 260 000 M. angekauft werden. Der Magistrat hat den Wunsch geäußert, daß die Versammlung über die Vorlage„mit Beschleunigung und in geheimer Sitzung" beraten möchte; Vorsteher Cassel bemerkt dazu, daß die Vorlage so spät an das Bureau der Versammlung gelangt sei, daß er letz» terem Wunsche nicht mehr habe entsprechen können. Stadtv. Liebchcrr sFr. Fr.) beantragt, namentlich mit Rücksicht auf die autzergeioöhnlich hohen Forderungen der Besitzer, Ausschuß» beratung. Stadtv. Zubeil(Soz.): Wir widersprechen der Ausschuhbera- tung nicht, bitten aber, daß nun endlich einmal auch der dicht be- völkerte Gesundbrunnen mit einer solchen Anstalt bedacht wird; die Badeanstalt in der Oderbergcr Straße kann nicht auch noch den Gesundbrunnen versorgen. Magistrat und Versammlung sollten ferner beim Bau von neuen Anstalten auf den betreffenden Ter» rains, wenn diese sich dazu eignen, zugleich den Bau von freien Turnhallen in Aussicht nehmen. Die Frage der freien Turn» hallen wird immer schwieriger; über die Turnhallen, die an Schulen angeschlossen sind, Kit sa der Magistrat kein volles Verfügungsrecht mehr, sondern muß sich dem Provinzialschiilkollegium fügen. Dem Jungdeutschlandbund werden die städtischen Schulturnhallen zur Verfügung gestellt; der Turnverein„Fichte" dagegen verliert seine bisherige Unterkunft mehr und mehr. Gegen freie Turnhallen könnte das Provinzialsckftilkollegium keine Einwendungen erheben; Berlin sollte also dazu übergehen. Schon mit drei bis vier solcher Turnhallen, die sedcrmann ohne Rücksicht auf das politische oder religiöse Bekenntnis zugänglich sind, würden wir zufrieden sein. Auch Stadtv. Väsell(Fr. Fr.) hält die geforderten Preise für enorm hoch und befürwortet Ausschutzberatung. Es wird demgemäß beschlossen und der Ausschutz sofort vom Vorstände ernannt. Schluß der öffentlichen Sitzung*48 Uhr. Jugendbewegung, Aus der christlich-nationalen Jugendbewegung. Nach einer in dem christlich-sozialen„Volk" verössentlichten Zusammenstellung des Berliner Stadtmissionsinspektors Pastors I l g e n st e i n, bestehen zurzeit in Deutschland 2425 evangelische Jünglingsvereine bezw. Vereine christlicher junger Männer mit 144 000 Mitgliedern. Allein 3000 Jugendpfleger sind aus diesen Kreisen hervorgegangen. Die Zahl der Mitglieder der genannten Vereine in den fünf Weltteilen beträgt rund eine Million; der Wert ihrer Häuser wird auf 347(I) Millionen Frank beziffert. Die Mitgliederzahl der 5000 evangelischen Jungfrauenvereine be- trügt rund 250 000. Im Jahre 1912 wurden in Teutschland ferner 200 Bibelkränz- chen mit rund 9000 Mitgliedern gezählt. Der kirchlich liberale „Bund deutscher Jugendvereine" begründet von Pastor Clemens Schultz in Hamburg, zählte 1912 7428 Mitglieder. Bei diesen Zahlen darf freilich nicht vergessen werden, daß in den evangelischen Jugendvereinen mindestens zwei Drittel der Mitglieder unter 18 Jahren und zum Teil weit über das Jung- lingsalter hinaus sind. Auf die kirchlich liberalen Jugend- vereine trifft das allerdings nicht zu. Immerhin verdienen diese großen Organisationen unsere Be- achtung, zumal auch die übrige bürgerliche Jugendbewegung noch im Wachsen ist. Die katholische Jugendbewegung beziffert ihre Gesamtmitgliederzahl auf etwa 300 000, der deutschen Turnerschaft gehören 185 000 Zöglinge an, der Psadfinderbund behauptet 50 000 Mitglieder zu haben, die bayerischen Wehrkraftvereine zählen min- bestens 10 000 Mitglieder, und diese Aufzählung ist noch nicht ein- mal vollständig. Die sozialistische„Arbeiter-Jugend" hat jetzt rund 90 000 Be- zieher. Ein Erfolg nur vierjähriger Arbeit, der angesichts des Riesenkampfs gegen die freie Jugendbewegung etwas bedeutet. Immerhin ist noch die weit übeNviegendc Mehrheit der schul- entlassenen Jugend unter bürgerlichem Einfluß, und die oben ge- gebenen Zahlen reden zu jedem von uns eine eindringliche Sprache. Bürgerliche Jugendpflege. In Klotzsche bei Dresden, einer kleinen Gemeinde, richtete im Dezember vorigen Jahres der bestehende Jugendpflege- ausschuß an den Gemeinderat ein Gesuch um 300 M. für seine Zwecke. Dieses Gesuch wurde mit Hilfe der Vertreter der Land- Wirtschaft abgelehnt mit der Aeußerung, daß die Pfadfinder schon genug Flurschaden anrichteten. Dann wurde der Jugendausschuß in einen Verein zur Pflege der Jugend um- gewandelt und ein General a. D. an dessen Spitze gestellt. Dieser Verein richtete nun ein Gesuch an den Gemeinderat. ihm 1000 M. zur Errichtung eines Jugendheims zu be- willigen. Diese Summe wurde glatt bewilligt, aber mit der von unseren Genossen nachträglich geforderten Bedingung, daß das Jugendheim allen Einwohnern zur Verfügung stehen soll. Nun richtete der General-Vorsitzende ein Schreiben an den Gemeinderat, in dem er mitteilte, daß der Jugendpflegeverein auf die 1000 M. verzichten müsse, wenn das Heim nicht bloß für Vater- ländischgesinnte Jugendliche bestimmt werde. Die bürgerlichen Vertreter im Gemcinderat schwenklen dann auch sofort bis auf zwei wie die Rekruten vor dem Herrn General ein und stellten die 1000 M. bedingungslos zur Verfügung. Be- merkenswert ish noch, daß der Gemeinderat kurz vorher eine Ein- gäbe des Gemeindetages wegen Bewilligung eine? Beitrages zur Schaffung eines Walderholungsheimes für tuberkiilös be» d r o b t e Kinder wegen Mangels an Mitteln ablehnte. �.er Herr General scheint keinen Anstoß daran zu nehmen, daß lein Jugendheim von den Steuergroschen derjenigen bezahlt wird, die er von dessen Benutzung ausgeschlossen wissen will. Auch eine Moral! ?�s"'�t»�etsc von Berlin am 4. Juni 1913, nach Ermittelungen lonigl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 26Af> 20'o0, mittel 20,38 7-20,42, geringe 20,30-r 20,3t, Roggen, gute Sorte 00,00—16,60. mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ob Sabn), Futter. fleritc, gute Sorte 16,20—16,70, mittel 15,60—16,10, geringe 15,10—15,50. Hafer, gute Sorte 17,60— 19,50, mittel 16,50— 17,50(frei Wagen und' ab Bahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,20— 15,50. Mais(runder), gute '--orte 00,00-00.00, Richtstroh 0.00—4,50, Heu alt 6,40—7)70, neu 0.00. ä«orf JhaUenpreife. 100 Jttlogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speifebohnen. weihe 30,00— 60,00. Linsen 35,00_ 60 00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.30— 1,80. Schweinefleisch 1,40_ 2 00. 1 AH_ 9 AH �«-irrtrtipffrpTfrfi 1 Kn_ 9 AH O O/ 1•> rv\ nr* | Todes-Anzeigen| SozialßEffiokratisctiEFWalilverein !. d. 4. Berl. Reiclistagswalilkreis. Petersburger Vierte).(Bez. 361.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Einschaler Max Schumann Zellestraße 6 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Juni, nachm. 5 Ubr, von der Leichenhalle des Zentral-Fricdhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 214/10 Um rege Betelligung ersucht ver Voreitand/ Dentselrer Bolzarbeiter-Verliand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drechsler 0tto Schumann Memeler Straße 48a, im Alter von 28 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 7. Juni, nach- mittag» 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Philipp l(achelriek Arndtstraße 12, im Alter von 38 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen onnabend, den 7. Juni, nach- mittags S Uhr. von der Halle des Heiiig-lkreuz-KirchhoseS in Marien- dorf aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 84/4 Die Ortsverwaltung. DeDlscIier BaiiariieiterverhaDd. Zweigverein Berlin. Am 2. Juni starb unser Mit- zlied, der Maurer ttermann Fritz (Bezirk Norden I). Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Juni, nach- mittaas 41/j Uhr, von der Halle der Gethsemane> Gemeinde in Nordend aus statt. Am 2. Juni starb unser Mit- glied, der Einschaler Max Schumann (Bezirk Osten II). Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Juni, nach- mittags 41;, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht 143/7 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein| I.d. 8. Bert. Reichstags- Wahlkreis. Am Sonnabend, den 31. Mai, verstarb unser Genosse, der Milch- Händler Fuäwix Konietzko (Oudenarder Straße 4). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 6. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Nazaretb-Kirchhofes in Reinicken- dors aus statt. Um rege Betelligung ersucht Oer VorNtnnd. Sozialdemokratischer Wahlverein [.d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Stralauer Viertel, Bezirk 2SO. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Paul Stolz Etralauer Platz 18/1S, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat am Donners- tag aus dem Gemeinde-Friedhose in Nieder-Lehme stattgesunden. 214/3 Der Borftand. Deutscher Tracsportarbeiter-Yerhand. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschäfts- diener 65/13 Bartholomäus Grabikowski am 3. Juni im Alter von 43Jahr«n verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigtmg findet am Sonnabend, den 7. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deZ Mtchael-Kirchhosei, Neu- kölln, Mariendorser Weg, auS statt. Um rege Betelligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein «ezlrk III. Am Dienstag, den 3. Juni er., verstarb unser Genosse, der Schraubendreher «rnst Niche Baumschulenstr. 76, Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. d. M., nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des neuen Kemeinde-FriedhoseS in der Kiesholzfttaße(Bahnstation Baumschuleniveg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 202/3_ Der Borstand. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter V. a. G. Hamburg. Filiale Baumschnlenweg. Am 3. Juni verstarb unser langjähriges Mitglied EhrnsJ; Niche. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. d. M.. nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Treptower Ge- meinde-FriedhoseS, Kiesholzstraße, aus statt. 119/6 Ole Ortsverwaltung. Zentralverb. d.Böttcher,WeinkiiIer und Billsarbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Klnck im Alter von 42 Jahren, am 4. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS Gethsemane-Kirchhoses in Niederschönhaus.-Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 22/9__ Ter Borftand. Sozialdemokratischer Wahlverein Mariendorf. Am 3. Juni verstarb unsere Genossin, Frau Geftruä Krüger Blumenweg 12. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag- nachm. 4'/, Uhr von der Leichen- Halle in der Friedenftraße auS statt. Oer Vorstand. Am 3. Juni verstarb meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Schwiegermutter Klara Dünsch geb. Fechter, an Herzschlag. Dies zeigen tiesbetrübt an Franz Dünsch nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag, dm 6. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle de» Lichten. berger Friedhofs in Marzahn aus statt. K9A Verband der Buch- und Stein- druckerei- Rillsarbeiter und Arbeiterinnen Deutscblands. Ortsverwaltung Berlin. Am 2. b. Mts. verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied ttermann Zeidler im Alter von 34 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 6. Juni, nachm. 4 Uhr, aus dem Luisen-Kirchhos, Westend, Fürstenbrunner Weg, statt. 27/20 Ole Ortsverwaltung. Unser langjähriger, tteuer Mit- arbetter, Herr stud. phil. Fritz Dreher ist am Sonnabend, den 1. Juni, gestorben. 131/4 Wir verlieren in ihm einen lieben, aufrechten Menschen und regen Heiser am Werke der frei- willigen VolkSblldungSarbeit. Ehre seinem Andenken! IX» Vorstand und AusscbuD der Akad. Unterrichtskurse für Arbeiter(E. V.) Berlin. I. A.: W. G e r l o j 1. Am 4. d. Mts. entschlief nach kurzen, aber schweren Leiden meine liebe Frau, unsere un- vergeßliche, treusorgende Mutter Msriv Weiß geb. Keif im 26. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Ole trauernden Hinterbliebenen Faul Weiß nebst Kindern, Dunckerstr. 77. Die Beerdigungfindet am Sonn- abend, den 7. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen-Kirchhoses, Weißen- see, Rölckestraße, aus statt. 34A Achtung! Maler! Warnung! Kollegen, reist nicht nach Hamburg! Der Kampf ist noch nicht beendet. Es find noch 1200 Ausgesperrte vorhandm. Zudem weigern sich die Unternehmer, die Schiedssprüche durchzusührm. Vtnvaltnttgsstellt Kerlin. C 54, Fimenstr. 83—85. Berwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 185. Arbeitsnachweis: Ami Norden 1233, 9714. Sonnabend, den 7. Juni, abends 8 Uhr: _ Versammlung aller in der Metallindustrie beschäftigten Maschinenarbeiterinnen und deren Einrichter Im Rosenthaler Hof, Rosenthalcr Straße 11-12. Tagesordnung: 1. Vortrag des Koll. Petersdorf. 2. Diskussion. 3. Branchenangel egenheiten, Sonntag, den 8. Juni 1913, vormittags 10 Uhr: Branchen- V crfcunmlung der in den Eisenkonstruktions-Werkstätten und der Fahrstuhl- Branche beschäftigten Arbeiter in den.Andreas-FestsäletF, Andreasstraße 21(großer Saal). Tagesordnung: 119/7 1. Vortrag d. Gen. Redakt. P. Müller. 2. Dislussion. 3. Branchenangelegenhelten. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend notwendig. Die Ortsverwaltung. Sauhandwerker Krankenkasse für Berlin und Umgegend. =====(Eingeschriebene HUsskasse Nr. 113.) Sonntag, den 8. Juni, vormittags Ist Uhr: Außcriirdcütlilhc(5f nttol- ilftfiuiimliino bei Wilke, Sebastianstraße 39. Tagesordnung:' 1. Beschlußfassung über den 4. Nachtrag zu den bestehenden Satzungen b ek. das Weiterbestehen der Kasse unter der Reichsversicherungsordnung. 2. Wahl der Hilsskasfierer. 3. Inner« Kassenangelegenhetten._ py Tie Versammlung wird pünktlich eröffnet.-W» =■= Mitgliedehuoh legitimiert. Theater» Freitag, de» fl. Juni 1913. Ansang 7'/. Uhr. Prater. Das Bummelmädchen. Anfang 71/, Ubr. Kgl. Opernhans. Die Hugenotten. Königl. Schauspielhaus. Die Journalisten. Ansang 8 Ubr. Urania. Der Vierwaldftätter See und der St. Gotthard. Sessiiig. Alt-Wien. Deutsches. Hamlet. Kammerspiele. Kaiserliche Hoheit. Neues Opern(Kroll). Carmen. Berliner. Filmzauber. Königgräüer Srrahe. Da» Buch einer Frau. Schiller O. Moral. Schiller-Eharlottenb. Freiwild. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Deutsches SchansPielhanS. Der Dieb. Kleines. Professor Bernhardi. Deutsches Opernhaus. Der Mikado. Komödienhaus. Hochherrschastliche Wohnungen. Metropol. Die Kmo-KSnigtn. Thalia. Puppchen. Wintergarten. Spezialstäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8'/, Uhr. Friedr.< Wilh. Schauspielhaus. Sustspielfmus. Der� luftige Kakadu. Luisen. Die Allwördens. Rose. Krone und Fessel. Folies Capriee. Ein Pechvogel. Die Krampstache. Ansang 8'/, Uhr. NeueS Bolkstheoter. Ernst sein. Theater am Nollendorfplaq. Der Mann mit der grünen MaSke. Anfang 3 Uhr. AdmiralSPalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnoalidenftr. 57—62. Kroll-Opei'. 8 Uhr: Carmen. Gastspiel Dr. Waldemar Staegemann. Sonnabend: Tristan und Isolde. Sonntag: Bajazzo und Cavallsi-ia rusticana. Montag: Der Postillion von Lonjumeau. Montis öperetten-Ikeater (sr. Heues Idealer). Amt Norden 1141. Sommerpreise. Gasisp. Jul. Spielmann. 8 Uhr: Der lachende Ehemann. losc-THHaT Große Frankfurter Str. 132. Ansang 8'/, Uhr. Jtronc und Fessel. Sonnab.: D. Traum e. Leben. Auf der Gartenbühne: �ektung! Es geht los! Posse. Ansang 41/, Uhr. Sehiller-TheaterO.XTer: Freitag, abends 8 Uhr: Boral. Sonnabend, abends 8 Uhr: lla.emanns Töchter. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Bas Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: Moral. Zediller-sdesle!' ChaC Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Freiwild. Sonnabend, abends 8 Uhr: Beographle und L-lebe. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Teil. Donntag, abends 8 Uhr: Freiwild. V«igt-Tlie ater Babstraste 58. Freitag, den 6. Juni 1913: Auf nach Amerika! Sens. Ges.-Burleske i. 5Akt.v.Zappert. Vollständig neue Spezialitäten. Kassenvssnung 2 Uhr. Ansang 41/, Uhr. oabiter Gesellschaftshaus Heute Freitag, 6. Juni, abds. S'/j Uhr; Yolks-Sinfonie-Konzert � BIüthner-OFChesters Dirigent: Guido v. Fuchs. Sol.: Konzertmst. N. Lambinon, Viol. Aus dem Progr.: Hendelssolm: Italienische Sinfonie. Kart, a 30 Pf. bei A. Wertheim, Leipziger Straße; P. Horsch, Engelufer 15; allen Verkaufsstellen d. Neuen freien Volksbühne; den Konsumgoschäften d. Konsumgenossenschaft Berlin u. Umgegend j Verb, für Theaterver- günstigj Lmkstr. 42; Orchester- bureau,Lützowstr.76u. Abendkasse Jtfetropol-Theater. 'Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jui. Freund und G. Okonkowski. Musik von Jean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. ßwltoel' Theater. Filmzauber. Ü Neue Veit l A.Scholz. Hasenheide 108-1 14 Thgllch drojjes Konzert und Varietä-Vorstellung. Dienstags Mittwochs Donnerstags: Qrope Tanz-Kennion. LOGISCHER GARTEN Täglich: Großes� )] Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage-Panoptikum Die 3 Schwestern Liiiput die kleinst. Schwest. der Welt. Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei seinem Training. Kna die schwebende _ Js"' Jungfrau! pny Alles lehend! Alles ohne Fxtra-Fntree! Volksgaden- Theater. Badstr. 8. Bellermannstr. 20/25. j|>|j' KoDzerl, Theater- ü.Spe- Heute sowie täglich: In Istischixer Nacht. Originalposse in 2 Akt. v. W. Gehricke. keiedsdaüen-Theater Stettiner Sänger, „Stueke's Pfingsttalirt" Berliner Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Ädiniralspalast- Angenehm kühler Aufenthalt. AUabendlioh das gi. erfolgreiche Eisballett Flirt in 8t. Moritz. Bis 6 Ubr und von KP/. Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges. Wein- und Bier-Abteilung, Berllnernik-frlo Adr.; Neukölln N Lahnstr.74L 8 Uhr: vCOBBSBS» Morgen, Sonnabend: Große i-Pronailen-Fi 8 Uhr: Das Buch einer Frau. 38/4* MfaMT M UFA» A«»AM RA»_ �-—- uM LlranlwonUcher Rebakteur: Ali red Wielepp, Neuköllns Für de» JnseratenteU verantw.: Xh. Glocke. Berlin. Druck u-Äerlag: Vorwärts Ouchdruclerei u. BerlagSaustalt Paul Smger u. To.. Berlin Sm Der Torstand. Theater araKollendorlplatz Allabendlich 8'/, Uhr: Der Mann mit der grünen Maske. Dentschea 8c hnnsplelhans 8 Uhr: Der Dieb. mit Musik und festlich illuminiertem Dampfer nach: Woltersdorfer Schleuse b. Schmitz(Restaurant BeNevue) Daselbst: Grosser Tomme, nachtsball.— Absahrt abend» 9'/, Uhr von der Schillingbrücke.— Hin und zurück 50 Pfennig. 1110b Bon der Oberbanmbrücke, Falckensteinstrasse Sonnabend, den 7. Jnni: Dampfer-Mondscheintatirt nach Schmöckwitz. Dort«all. Abfahrt abends 9'/, Uhr. Fahrpreis hin und zurück 50 Pf. 10442 Reederei Kleb, Falckenstetnftr. 48, Fernspr. Mpl. 8197. dtakJ