Kr. 140. Bbonnements-Bedingunge n- Abonnements» Preis pränmnerondot Lierteljährl. 3,30 Mb, monatL 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post.Zeitunas. Preisliste, Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,-0 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Poslabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. eitoelnt tzgnch. * T. Verliner Volksblnkt. Die Insertion!-Lebühi' beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raiiin SO Pfg,. für politische und gewerkschastlichc Vereins- und PersaininlungS-Anzeigen M Pia, „Aleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlafstellcnair- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort S Pfg, Worte über 1- Buch- staben zählen für zwei Worte, Jnseraie für die nächste Nunurvr müsse» bis 5 Uhr nachmittags In der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SoziaWemolirat Rcrlin". Zentralorgan der Ibzialdcinokratifcbcii Partei Deutfcblande. Redaktion: 8 Tl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moriuplat,. Nr. 1S83. Sie australischen Wahlen. London,-t. Juni.(Eig. Ber.) Am 31. Mai fanden in Australien die Wahlen zum Bundesparlament und Bundessenat statt. Das genaue Resultat der Wahlen ist noch nicht bekannt, da das Zählen der Stimmen der ablvesenden Wähler, die außerhalb ihres Wahl- kreises wählen können, viel Zeit�in Anspruch nimmt. Doch werden die noch ausstehenden Stimmen an dem bisher ge- wonnenen Resultat nicht viel ändern können. Von den 75 Mitgliedern des Bundesparlaments(House of RePresen- tativesj erhält die Arbeiterpartei 36, die liberale Partei 39. Die Arbeiterpartei hat somit ihre Mehrheit im Ab- geordnetenhause eingebüßt und wird die Zügel der Re- gierung der liberalen Partei anvertrauen müssen. Die Wahlen des Jahres 1910, die die Arbeiterpartei ans Ruder brachten, nahmen folgenden Verlauf: die Arbeiter- Partei erhielt 44, die liberal-konservative Koalition 29 und die Unabhängigen 2 Mandate. Heute gibt es in Australien nur noch zwei im Parlament vertretene Parteien. Die Arbeiter- Partei, die sich hauptsächlich auf die Gewerkschaften stützt, aber bisher auch noch viele Mitläufer aus dem Bürger- und Bauernstande hatte, hat ihre Gegner alle in ein Lager ge- trieben. Die liberale Partei Australiens ist ein Mischmasch ohne bestimmtes Programm und ohne.innere Festigkeit, in dem die reaktionären Elemente des Landes den größten Einfluß besitzen. Diese Partei soll nun mit einer Mehrheit von drei Stimmen im Abgeordnetenhause eine Regierung bilden. Die geringe Mehrheit läßt auf keine lange Dauer einer solchen Regierung schließen. Dazu kommt, daß sich die liberale Re- gierung einem feindlichen Senat gegenüber befindet, Gleichzeitig mit den Wahlen zum Abgeordnetenhaus, die alle drei Jahre stattfinden, fanden auch die Wahlen zum Bundessenat statt, der sich alle drei Jahre zur Hälfte erneuert. Bis zu diesen Wahlen hatte die Arbeiterpartei 21 von den 36 Senatoren. Die 18 bleibenden Senatoren gehörten samt- lich der Arbeiterpartei an, und von den' 18 frei gewordenen Sitzen holte sich die Arbeiterpartei nicht weniger als 12, so daß also im australischen Bundessenat jetzt 30 Arbeiterparteiler 6 Liberalen gegenüber stehen. Unter diesen Umständen wird die liberale Regierung kaum etloas gegen den Willen der Arbeiterpartei unternehmen können. Diese wird es stets in der Hand haben, durch das Vorgehen des Senats die Auf- lösung des Abgeordnetenhauses herbeizuführen. Die Ursache, weshalb die Arbeiterpartei bei den Senatswahlcn weit besser als bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus abgeschnitten hat, ist hauptsächlich in der Verschiedenartigkcit der Wahlkreise zu suchen. In den viel größeren Wahlkreisen zum Senat kommt der politische Einfluß des städtischen Proletariats vollständiger zum Ausdruck. Schließlich fand auch noch am selben Tage ein Referendum über sechs Gesetze statt. Es sind Gesetze über die vcr- schiedensten Gegenstände, wie Handel und Gewerbe, öffentliche Körperschaften, Arbeiterschutz, wirtschaftliche Streitig- ketten und Staatseisenbahnen, Ueberwachung der Trusts und Verstaatlichung der Monopole. Das Referendum bedarf zu seiner Annahme nicht nur einer Mehrheit aller Wähler, sondern es muß auch in der Mehrheit der Staaten an- genommen werden. Sicher ist bisher erst die Annahme des Gesetzes über die Trusts. Es dürste noch eine geraume Zeit dauern, ehe das Schicksal der sechs Gesetze bekannt wird. Eine wahrhaft komische Lage würde entstehen, wenn das Referendum angenommen wäre und die Regierungsmehrheit sich danach richten müßte. Eine solche absurde Lage kann auch nur dort entstehen, wo die Mehrheit der Volksvertreter infolge einer ungerechten Wahlkreiseinteilung oder ähnlicher Umstände nicht die Mehrheit des Volkes vertritt. Das Bemerkenswerteste an dem Wahlkampf war die große Erbitterung, mit der er geführt wurde, und die Zuspitzung der Klassengegensätze, die sein Verlauf verrät. Die Arbeiterpartei verlor zahlreiche bürger- liche und bäuerliche Elemente, die sich bisher als der Hemmschuh der Partei erwiesen haben. Die Mandate, die sie im letzten Parlament inne hatte, stammten zur Hälfte aus ländlichen Wahlkreisen ohne namhafte industrielle Bevölkerung. Die Hälfte dieser Kreise hat sie bei den stattgefundenen Wahlen verloren. Das industrielle Proletariat trat jedoch geschlossen für die Arbeiterpartei ein. Gegenüber dem gut organisierten Angriff der Liberalen mit ihrer mächtigen Presse harte die Arbeiterpartei einen schweren Stand, �n einem Lande mit ungeheuren Entfernungen, wie es Australien ist, muß die Presse notwendigerweise bei der Agitationsarbeit eine äußerst wichtige Rolle übernehmen. Die Arbeiterpresse in Australien ist aber erst in ihren Kinderschuhen, und die demokratischen Blätter, die früher die Arbeiterpartei unter- stützten, holten jetzt die kollektivistische Poliiik der Partei für sehr bedenkllq und schlagen sich seitwärts in die Büsche. Das gilt zum Beispiel von dem Mclbourncr „Age", das im Jahre 1910 so viel zum Siege der Arbeiter- Partei in Viktoria und Tasmanien beitrug. Das Blatt hat Angst bekommen vor den sogenannten extremen Elementen der Arbeiterpartei. Die Stimmung des Bürgertums war be- herrscht von den letzten Streiks. Mit Unwillen betrachtete man die gewerkschaftsfreundliche Haltung der Regierung Fisher, der man namentlich nicht verzeihen konnte, daß sie sich im Januar des vorigen Jahres weigerte. Truppen gegen die streikenden Straßenbahner in Brisbane zu schicken, wozu sie von der liberalen Regierung des Staates Queensland aufgefordert worden war. Allgeniein fühlten die besitzenden Klassen auch, daß die kollektivistischen Ziele der Arbeiter- Partei aufgehört haben, nur ein Programmpunkt zu sein, daß die Arbeiterpartei alle ihre Politik hindernden verfassungsmäßigen Bestimmungen ohne Zere- monie hinwegräumen würde. Mit der Schaffung eines staatlichen Postdampferdienstes zwischen Tasmanien und dem Festlande sollte ein Anfang mit der Verstaatlichung der Industrien gemacht werden. Die Furcht, die diese Politik der Arbeiterpartei unter den besitzenden Klassen hervorrief, führte zur Sammlung aller nichtproletarischen Elemente und zu dem großen Sturmlaus gegen die Arbciterregierung, der jedoch nur einen Scheinerfolg gehabt hat. Denn lebensfähig wird eine liberale Regierung nicht sein. Dafür sprechen die politische Lage und der Umstand, daß die liberale Partei Australiens— wie übrigens so manche andere liberale Partei— kein bestimmtes Programm besitzt, mit' dem sie die Volks- massen an sich ziehen könnte. Auch hat sie keine Vergangenheit, mit der sie prunken könnte. Die Arbeiter- Partei dagegen hat wirkliche Leistungen auf sozialem wie auf kulturellem Gebiet zu verzeichnen. Im vorigen Jahre noch schuf sie das Mutterschutzgcsetz, das jeder Frau bei der Geburt eines Kindes eine Prämie bis zu 5 Pfund gewährt. Sie hat die nördlichen Gebiete erschlossen und den Bau der großen Bahn begonnen, die den Westen mit dem Osten Australiens verbinden soll. Wenn sie aus sozialem und wirtschaftlichem Gebiete noch nicht mehr erreicht hat, so ist das weniger ihre Schuld als die der Verfassung, die sie abzuändern bestrebt ist. Wie das Referendum vom Jahre 1911 betvies, ist die große Masse des Volkes leider noch nicht so weit fortgeschritten wie ihre Führer.. Was deshalb nottut, ist die Schaffung einer Arbeiterpresse in Australien und eine intensive und planmäßige Agitation. Die große australische Demokratie, in der Männer und Frauen die gleichen Rechte genießen, wird der Augenblickserfolg der Reaktion nicht lange aushalten könne». Die Wahlen vom 31. Mai bezeichnen den Anfang eines neuen Geschichtsabschnittes für Australien, in dem heftige Klassenkämpfe an der Tagesordnung sein werden. Man redet schon davon, daß in einigen Monaten wieder Neu- wählen stattfinden werden. fto Streikbrecher als Meuchelmörder! Die Scharfmacher schreien nach Ausnahmegesetzen gegen die Arbeiterschaft, die das Koalitionsrecht zur Verbesserung ihrer Lage benutzt. Polizei und Gerichte werden angerufen, den Bestrebungen der organisierten Arbeiter entgegenzuwirken. Als Material zur Be- gründung der Scharfmacherfordcrungen dienen unkontrollierbare oder erfundene Terrorismusgeschichten. Es nutzt nichts, wenn man diese als erlogen kennzeichnet, die unwahren Behauptungen werden endlos oft wiederholt, und Oeffentlichkcit und Behörden werden so über die Form, in der sich gewerkschaftliche Kämpfe abspielen, getäuscht. Während man die organisierten Arbeiter als eine Räuber- und Mörderbande hinstellt, preist man die messer- und revolverbewaffneten Arbeitswilligen als„dem Staate besonders liiisfliche Elements". Die notwendige Folge ist, daß diese Leute sich den Streikenden — und nicht nur diesen gegenüber— in einer Weise fühlen und bewegen, die längst zu einer schweren Kalamität geführt hat. Schon zur Zeit des Krimmilschauer Weberstreiks erklärte einer von ihnen: „Wir Arbeitswillige können einen totschlagen!" Wie die Hintzeschen .Siebenmonatskinder" in Moabit unter den Augen der Polizei wüteten, ist ja gerichtlich festgestellt worden. Mehrfach schon sind Streikende. Gewerkschaftsführer und harmlose Passanten den Messern und Revolvern von Arbeitswilligen zum Opfer gefallen. Nur einige Fälle aus der letzten Zeit! Der berufsmäßige Streikbrecher Joseph R u p p e r t. ein Schützling der„Berliner Neuesten Nachrichten", erschoß in Magde- bürg einen harmlosen Familienvater. Das Gericht sprach ihn frei, weil es annahm, er habe in eingebildeter(Putativ-) Notwehr gehandelt. Am 1. April geriet R u v p c r t vor einer Tischlerei in der Ilsedomstraße in Berlin, wo gestreikt würde, er aber nicht tätig war, mit Passanten in Streit. Als er Miene machte, eine Waffe zu ziehen, wurde er zu Boden geschlagen, konnte aber noch auf die Menge eine Anzahl Schüne abfeuern. Weil man ihm die Hand festhielt, verletzte er sich dabei selbst. In Kassel schössen Ende März dieses Jahres drei Arbeitswillige auf den streikenden Möbelträger O st e r t a g. Von drei Kugeln in den Kopf und einer in die Schulter getroffen, brach Ostertag zu- sammen. Nach Aussage bürgerlicher Augenzengen hat Ostertag nicht das geringste unternommen, was seine drei Gegner zu der Annahme einer Notwehr veranlassen konnte. Er sprach nicht mit ihnen, sondern mit einem anderen Arbeitswilligen, mit dem er von Jugend an befreundet war! Welcher Ouälität die„nützlichen Elemente" auch sonst sind, mag die Tatsache erweisen, daß ein Mjähriger junger Mensch, der das Unglück hatte, in einer Fabrik in der Möllendorffstraße in Lichten- berg zwischen Arbeitswillige zu geraten, aus Verzweiflung über die Beleidigung, die ihm dort zuteil wurde, einen Selbstmordversuch unternahm. S 0 sehen die Lieblinge der Scharfmacher, so sehen die Schütz- linge unserer Sicherheitsbehörden aus!— Zu all den Schandtaten der Arbeitswilligen ist am Mittwoch- abend in Frauendorf bei Stettin eine Bluttat gekommen, Expedition: 8TI. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. die wohl alles in den Schatten stellt, was man bisher auf diesem Gebiete leider verzeichnen mußte. In Frauendorf streiken die Arbeiter der Weitzschen Zichorienfabrik. Als am Mittwochabend nach 7 Uhr die Tagschicht der Streikbrecher die Fabrik verließ, saß der streikende Arbeiter Kill mit seinem Schwager auf einem Brunnen vor seinem in der Nähe der Fabrik liegenden Hause in der Herrenwieserstraße- Er ging dann auf den gegenüberliegenden Bürgersteig, der sich an dem Wiesengelände hinzieht, und begegnete dabei dem Streikbrecher Brandenburg, einem übelbeleumdeten Menschen s ob er diesen anredete, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Jedenfalls haben etwa zehn Schritt von Kill entfernt stehende Personen davon weder etwas gesehen noch gehört. Sie haben lediglich beobachtet, daß Brandenburg, ebenfalls ohne ein Wort zu sagen, ein langes Brotmesser, das er vorn an der Weste und in den Beinkleidern ver- steckt trug, mit Blitzesschnelle ergriff und dem Ahnungslosen, der ihm mit beiden Händen in den Hosentaschen entgegengetreten war, von unten her iu de» Leib stieß. Der Getroffene brach schwer verletzt zusammen. Ehe sich die Umstehenden vom ersten Schreck erholen konnten, fuchtelte der Mörder mit dem blutbefleckten Messer umher und rief so laut, daß es auch auf dem Boden des nächsten Hauses gehört wurde:„So, nun kann noch einer kommen!" Dann lief er zur Fabrik zurück, in deren Torweg zwei Gendarmen und einige Streikbrecher standen, die den Vorfall beobachtet hatten, allerdings kaum gesehen haben konnten, da sie etwa 150 bis 200 Meter vom Tatort entfernt standen. Da von allen Seiten Augenzeugen des Vorfalles herbeiströmten, mochte es wohl auch der Mörder mit der Angst zu tun bekommen haben. Denn er stürzte mit dem Rufe:„Herr Wachtmeister! Herr Wachtmeister!" ans die Gendarmen zu. Ein anderer Streikbrecher. der sich mit in der Gruppe befand, äußerte:„So ist's richtig!" und alle, auch die Gendarmen, lachten. Sie mochten wohl die ganze traurige Schwere des Verbrechens noch nicht recht erfaßt haben. Gleich darauf lief Herr Weiß, der Besitzer der beslreitlcn Fabrik, zum Tatort, er sah sich das ohnmächtig gewordene Opfer des Mordhelden, dem die Eingeweide aus dem Bauche quollen, an und lies sofort zurück, um eine Tragbahre zu schicke», auf welcher der Verletzte zum nahe gelegenen Frauendorfer Ärankcnhaujc gebracht wurde. Kill erlag der tödlichen Verletzung, als er eben im Ärankenhause eingeliefert war. An seiner Bahre trauern die Witwe und drei unversorgte Kinder. Kill wird allgemein als ein ruhiger, wortkarger Mensch ge- schildert, dem eine Bedrohung des Streikbrechers durchaus fern- gelegen habe. Daß ja überhaupt in den langen Streikwochen die Streikenden eine mustergültige Ruhe und Ordnung bewahrt haben, beweist überdies, daß bisher auch nicht ein einziger Zwischenfall ge- meldet wurde. Dabei wurden die Streikenden durch mit Revolver, Messer und Gummiknüppel, sogenannte Totschläger, bewaffnete Streikbrecher provoziert. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Frauendorf. W 0 l l i n k e n, G 0 tz l 0 w und Unigegend die Kunde von der feigen Mordtat und von allen Seiten strömten Menschenmasseu zu- sammen, die sich vor der Fabrik ansammelten und in begreifliche Erregung gerieten. Sie waren besonders empört, weil ihnen erzählt wurde, daß die Gendarmen der Bluttat zugesehen hätten und glaubten, diese. hätten sie durch schnelles Eingreifen verhindern können. Zufällig war auch Genosse D i e h m e, der Streikleiter, kurze Zeit nach dem Mord auf dem Tatplatze erschienen und es gelang ihm, die erregte Menge zu be- ruhigen, welche den Verbrecher gefesselt sehen wollte. Als etwas Ruhe eingetreten war, suchte D i e h m e ein nahes Lokal auf, um die blutige Tat der Verbandsleitung telephonisch zu melden. Während seiner Abwesenheit verbreitete sich das Gerücht, der Mörder sei fort, man habe ihn vom Fabritgrundstück aus über die Eisenbahngleise entfliehen lassen. Das entfesselte in der erregten Menge wilden Zorn. Es wurde das Holztor der Fabrik eingedrückt. Als man un- begreiflicherweise duldete, daß die Streikbrecher sich an den Fenstern der Straßenfront zeigten und nun die Menschen zu neuer Wut reizten, wurden Fensterscheiben eingeworfen. Insgesamt mögen cä etwa 20 Scheiben gewesen sein, die auf diese Weise in Trümmer gingen. Es sollen Frauen und Kinder gewesen sein, die mit Steine» warfen. Als Diehme zurückkehrte, sah er gerade noch, wie einige Gendarmen aus dem Torweg traten und blank zogen. Er trat ihnen entgegen und bat sie, ihn versuchen zu lassen, die Menge zu beschwichtigen. Ter am Orte stationierte Gendarm war vernünftig genug, auf dieses Ansinnen zu hören und seinem Stoib- münder Kollegen zuzurufen:„Steck mal Deine Plempe ein. Die Leute sind auch so zu beruhigen." Genosse Diehme wurde nun in das Kontor gerufen und ihm dort der Mörder gezeigt, der noch nicht gefesselt. Da er ihn nicht kannte, holte er einen anderen Arbeiter, der Brandenburg kannte und stellte dann fest, daß dem Mörder nun Fesseln angelegt waren. Sie teilten dies der Menge mit und forderien sie auf, ruhig nach Hause zu gehen. Dieses taten allerdings nur wenige, da sie sehen wollten, wenn der Mörder ins Gefängnis transportiert, wurde. Immerhin trat eine bemerkenswerte Ruhe ein, so daß der inzwischen erschienene Landrat Dr. Peter mit den Verwandten des Kill auf der Straße verhandeln konnte. Der ruhige Auflauf sollte sich aber in ein blutiges Gemetzel verwandeln, als die Stettincr Polizei in fünf Automobilen auf der Bildfläche erschien. Genosse Diehme bat noch den Land- rat, da sich die Menge schon.beruhigt hatte, die Polizei wie.- der fortzuschicken, damit nicht noch ein größeres Unheil ent. stehe; aber der Kommissar sagte:„Jetzt habe ich das Kommando; halten Sie das Maul!" Dann flogen die Säbel aus den Scheiden und ohne ein Wort zu sagen, wurde in die Menge eingeschlagen. Den ersten Hieb über den Hinterkopf erhielt der Arbeiter I a n k e, als er mit ausgebreiteten Armen die Menge zurückdrängte und zu beruhigen suchte. Blindwütend wurde auf flüchtende Frauen und Kinder einge- schlagen, am Boden Liegende erhielten noch Säbelhiebe; es knallten die Polizeirevolver. Daß einzelne Personen aus der Menge sich zur Wehr setzten, mag zutreffend sein. Es kann auch möglich sein, daß auf beiden Seiten Schüsse fielen, doch irgendwelche Schuß- Verletzungen wurden nicht festgestellt. Die meisten Verletzten haben Säbelhiebe auf die zur Abwehr erhobene» Hände und den Hinterkopf erhalten. Ein Beweis, daß die Polizei ihr Heldenwerk gegen Fliehende verrichtete! Ein anderer Frauendorfer Arbeiter wurde ebenfalls von der Polizei übel zugerichtet. Wie die Polizei in ihrer blinden Wut vorgegangen ist, mag noch hier ein Vorfall, der sich vor dem Hause Herrenwiesener Straße 4 abgespielt, beleuchten. Tort stachen vier Schutzleute auf einen jungen Menschen ein, der sie flehentlich bat, ihn doch in Ruhe zu lassen und als ein Vorübergehender die Schutzleute aufforderte, von ihrem sinnlosen Tun Abstand zu nehmen, erhielt auch er einige Säbelhiebe über den Kopf und die linke Hand. Den Streikenden wird man die Schuld an dem bedauerlichen Vorfall nicht in die Schuhe schieben können, denn sie haben sich auch am Mittwochabend sehr zurückgehalten, was schon aus der Tatsache hervorgeht, daß unter den vielen Verletzten sich nur e i n Streikender befindet. Hätte die Stettiner Polizei mehr Besonnenheit bekundet, so wäre diese Metzelei unterblieben. Ja, hätte die Polizei von An- fang an es nicht unterlassen, den Streikbrechern mehr auf die Finger zu sehen, wäre sie dagegen eingeschritten, wenn diese Burschen auf harmlose Passanten mit Flaschen und Steinen war- sen und sich mit Messer und Revolver ausstatteten, so wäre sicher- lich Brandenburg nicht zum Mörder geworden und die Bluttat hätte nicht zu dem fürchterlichen Gemetzel geführt. Aber die Stettiner Polizei handelte hier nicht anders, als in Streikfällen die Polizei allerorten zu tun pflegt. Die schamlose Hetze gegen die organisierte Arbeiterschaft hat die Wirkung ge- zeitigt, daß die Behörden in jeder Lohnbewegung ein Verbrechen sehen. Und die widerliche Verherrlichung jener schwachen Cha- raktere in der Arbeiterschaft, die den Bestrebungen ihrer klassenbewußten Kollegenschaft entgegentreten, hat es zuwege gebracht, daß je länger je mehr unter diese Schwächlinge sich Rohlinge mischen, die hier, statt das Eingreifen der Behörden fürchten zu müssen, dielmehr unter deren Schutz ihren wilden Trieben die Zügel schießen lassen können. Für diese Zuspitzung der Verhältnisse tragen unsere Scharf- wacher die Verantwortung! Der Aehrbeitrsg in der Budget- Kommiiiion. Ueber den Umfang und die Art, wie das Einkommen zum Wöhrbeitrag herangezogen werden soll, wurde in der Freitags- sitzung der Kommission lebhaft debattiert. Die Konservativen wollten, daß Einkommen bis SO MO M. mit dem sechsfachen. Ein- kommen von SOOM bis 100 000 M. mit dem achtfachen und Ein- kommen über 100 000 M. mit dem zehnfachen Betrage in Anrech- vuitg gebracht s kapitalisiert< werden.-- Die Volksparteiler dagegen forderten, daß Einkommen von 7500 M. und darüber ohne l�rcksicht auf daS Vermögen mit dem achtfachen Betrage heran- gezogen werden. Wenn das Einkommen zum mindesten 60 Proz. aus der Beschäftigung in freien Berufen, im Gewerbe, Handel oder der Landwirtschaft herrühre, ist der Beitrag der Abgabepflich- iigen um 30 v. H. herabzusetzen.— Die Sozialdemokraten stellten die folgenden Forderungen: „Das Einkommen wird, soweit es aus ruhegehaltsberechtigter. lebenslänglicher Anstellung stammt, mit dem 12!� fachen, im übrigen, wenn es nicht mehr als 10000 M. beträgt, mit seinem sechs- fachen, wenn es mehr als 10 000 M., aber nicht mehr als 50 000 M. beträgt, mit seinein achtfachen, wenn es mehr als 50 000 M., aber nicht mehr als 100 000 M. beträgt, mit seinem zehnfachen, i- wenn ei mehr als 100 000 M., aber nicht mehr als 500 000 M. beträgt, mit seinem 12 �fachen. wenn es mehr als 500 000 M. beträgt, mit seinem 15fachen i Betrage in Ansatz gebracht." Weiter forderten die Sozialdemokraten, daß durch Reichs- g e s e tz das Einkommen festgestellt wird, die Veranlagung also nicht den Bundesstaaten überlassen bleibt. Genosse David wandte sich gegen die volksparteiliche Forderung, den Wehrbeitrag erst von Einkommen von 7500 M. an zu erheben. 90 Proz. aller akademisch gebildeten Beamten würden nach dem volksparteilichen Antrage von dem Beitrag befreit bleiben. Das wäre aber eine schreiende Ungerechtigkeit gegen den geschäftlichen und gewerblichen Mittelstand, der mit dem Vermögen, das im Betriebe steckt, herangezogen wird. Die Beamten haben in der Regel ein sicheres Einkommen bis zu ihrem Ableben, und bei ihrer so oft betonten nationalen Gesinnung werden sie doch gern zahlen. Besonders wichtig und notwendig ist, durch ein Reichsgesetz das Einkommen festzu- stellen und demgemäß abgabepflichtig zu machen. Die sozialdemo- kratischen Forderungen, wie auch die von David gegebene Begrün- dung wurden von allen bürgerlichen Parteien angegriffen. Der Hinweis des Genossen David, daß die Zahlung eines Wehrbeitrags sich wiederholen werde, animierte den Grafen Westarp zu der Erklärung, daß von einer Wiederholung keine Rede sein könne. DaS Zentrum fei damit einverstanden, daß Einkommen von über 200 000 M. mit ihrem zwölffachen Betrage in Anrechnung gebracht werden. Die sozialdemokratischen Anträge, die die Veranlagung durch Reichsgesetze und eine stärkere Heranziehung der großen Vermögen herbeiführen wollen, wurden abgelehnt gegen die Stimmen unserer Genossen, der Bolksparteiler und Elsässer. Ter 8 1 wurde sodann nach den Anträgen Westarp-Erzberger gestaltet.— Vermögen von 10 000 bis 30 000 M. werden nur dann für den Wehrbeitrag herangezogen, wenn der abgabepflichtige Be- srtzer gleichzeitig ein jährliches Einkommen von 5000 M. hat; Vermögen von 30 000 bis 50 000 M. nur dann, wenn der Bescher ein jährliche, Einkommen von 3000 M. hat. Außerdem werden nach den sozialdemokratischen Anträgen die großen Vermögen etwas schärfer herangezogen, als anfänglich in Aussicht genommen war. Nach Z 14 des Entwurfes soll das Vermögen der Ehegatten zur Heranziehung für den Wehrbeitrag zusammengelegt werden. Das Zentrum forderte für Familien mit Vermögen unter 200 OOO Mark eine Ermäßigung des Beitrages um je 10 v. H. für den dritten und jeden weiteren So� der jeiner Dienstpflicht genügt hat. Abg. Behrens forderte für solche Abgabepflichtige, die nicht Soldat waren, eine Erhöhung des Wehrbeitrages um 10 V. H.. ebenso für solche Pflichtige, die 35 Jahre alt sind, ohne eine gesetzlich gültige Ehe eingegangen zu sein.— Die Konservativen forderten, daß dem Haushaltungsvorftande auch das Vermögen der Angehörigen hinzugerechnet wird, aus welchem ihm eine Nutznießung zusteht.— Genosse Wurm verlangte, im Zen- trumsantrag 100 000 statt 200 000 M. zu setzen. Der Antrag Behrens sei unannehmbar. Die Erfüllung der Militärdienstpflicht bei der allgemeinen Wehrpflicht dürfe nicht prämiiert werden. Die Geburtenziffer durch eine Junggesellenfteuer heben zu wollen, sei völlig verfehlt. Wenn Staat und Gesellschaft den sozialdemo- kratischen Bestrebungen folgen würden, die gute soziale Verhältnisse herbeiführen wollen, wäre ein Geburtenüberschuß garantiert.— Sowohl von der Regierung wie auch von bürgerlichen Rednern wurde der Antrag Behrens bekämpft und dann abgelehnt, ebensp der sozialdemokratische Antrag; dagegen fand�der Zentrumsantrag Annahme. Die Kommission beschloß weiter,'den Stand des Ver- mögens und Einkommens am 31. Dezember 1913 als für die Ver- anlagung maßgebend zu bestimmen. Den Grundstücken, die der landwirtschaftlichen Benutzung dienen, soll bei der Veranlagung der 25fachs Betrag zugrunde gelegt werden. Die Sozialdemokraten beantragten, diesen Para- graphen zu streichen, also landwirtschaftliches Vermögen wie an- dexes zu behandeln. Das Zentrum und die Konservativen hatten Anträge gestellt, die die Begünstigung des landwirtschaftlichen Vor- mögens noch erhöhen.— Die Debatte über diese Anträge wird am Sonnabend sortgesetzt werden. * Das Großkapital revoltiert. Die„Kölnische Zeitung" erklärt zu der in der Budgetkom- Mission erfolgten Einigung über die Ausgestaltung des einmaligen Wehrbeitrags: „Daß die Vorschläge der Kommission schließlich Gesetz wer- den, ist uns denn doch zweifelhaft, und wir hoffen, daß die Regierung diese Vorschlage, wenn sie ihr auch von einer großen Mehrheit des Reichstags entgegengebracht werden, im Interesse unserer wirtschaftlichen und politischen Entwickelung von der Hand weisen wird. Der Schatzsekretär hat bei der Erörterung gestern die Erklärung abgegeben, die Regierung werde sich allen- falls mit einer Belastung der großen Vermögen von 1 bis 1% Prozent abfinden. Nichtsdestoweniger hat die Kommission den Höchstsatz auf IM Proz. festgesetzt. Es läßt sich nicht bestreiten, daß eine Abgabe von IM Proz. vom Vermögen in Verbindung mit den gewaltigen Lasten, die unsere gewerblichen Betriebe an Staats steuern, an Kommunallasten, an Beiträgen sozialpolitischer Natur, an mehr oder weniger freiwilligen«Stiftungen usw. zu tragen haben, ganz außerordentlich drückend sein wird und in nicht wenigen Betrieben geradezu krisenhafte Störungen hervorrufen muß. Andererseits ist aber die Be- fürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß das Groß- kapital, wenn die schwere Belastung wirklich Gesetz werden sollte, sich dagegen wehren und zu Maßregeln seine Zuflucht nehmen wird, die dem Zwecke der Gesetzgeber, aus diesen großen Vermögen möglichst viel Geld zu ziehen, ein Schnipp- chen schlagen. Das wäre gewiß zu verurteilen; aber die Regierung muß mit dieser naheliegenden Möglichkeit rechnen. Es ist de-halb sehr am Platze, daß sich die Regierung die Frage vorlegt, ob sie gerade im Interesse des Aufkommens des erforderlichen Betrages sich mit der hohen Wgabe, die von der Kom- Mission vorgeschlagen wird, abfinden darf, oder ob sie auf einem »irrigeren Höchstsatz beharren muh." Die Sehnsucht nach den Meitern. Eine Überaus amüsante Debatte hat sich dieser Tage auf der Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft zu Breslau entsponnen. Die Gesellschaft, eine Organisation von Kolonialinteressenten und Kolonialschwärmern, vermißt in ihren Reihen die Arbeiter, und noch mehr bedauert sie eS, daß sie mit ihrer Agitation und Propaganda nicht an die Kreise des ProletarialS herankommen kann. Auf daS Vergnügen und die Ehre, bei ihren Kongressen mit den Vertreiern der Arbeiterschaft zusammen zu sitzen, würden die Herren Geheimräte, Kommerzienräte und Professoren ja schließlich verzichten, aber sie möchten doch gar zu gern die Arbeiter für die Förderung der Koloniolpolitik gewinnen und ihnen ihre Ab- neigung gegen die kapitalistischen und militaristischen Unternehmungen jenseits der Meere austreiben. ES sind nun zwar in dieser Beziehung schon gewisse Anfänge gemacht worden, und mit begreiflichem Stolz erzählte einer der Redner, daß er jährlich zweimal von einem Vertreter der Ver' einigung der Straßenkehrer in Berlin um einen kolo- malen Vortrag gebeten werde, und ein anderer rühmte, daß in Magdeburg zu den Veranstaltungen der Kolonialgesellschaft jedes- mal 600 bis 600 Arbeiter sogar in schwarzen Gehröcken oder schwarzen Anzügen erschienen. Aber die Magdeburger Gelben und die Blaue Berliner Slraßenfegervereinigung, die vielleicht ein be- sondereZ Interesse an dem kolonialen Schmutz nimmt, genügt den Herren denn doch nicht, und sie haben den dringenden Wunsch, an breitere Schichten heranzukommen. Die Frage ist nur, wie das gemacht werden soll, und so wurde denn recht eifrig über die Mittel und Wege hin und her geredet. Im Prinzip war man sogar zum äußersten entschlossen, denn der ehemalige Kolonialstaatssekretär v. Lindequist stieß auf Zu- stimmung, als er ausrief:.Die Deutsche Kolonialgesellschafi muß in dieser Beziehung— verzeihen Sie daS harte Wort— etwas demokratischer werden!" Es wurde dann wieder des längeren und breiteren bewegliche Klage darüber geführt, daß die Führer der Sozialdemokratie die Arbeiterschaft daran verhinderten, die»belehrenden" Abende der Kolonialgesellschafi zu besuchen, bis ein Braunschweiger Kommerzienrat auf den genialen Vorschlag verfiel, den Gewerkschaften Borträge von Mitgliedern der Kolonial- geselllchaft anzubieten. Wir sind überzeugt, daß diese Anregung bei den Gewerkschaften die denkbar größte Gegenliebe gefunden haben würde; denn was könnte ihnen sympathischer sein, als daß heute eine Leuchte der Kolonialgesellschafi. morgen der General Keim vom Wehrverein und übermorgen ein Wanderredner des Deutschen Flottenvereins feine natürlich durch Lichtbilder verzierte Weisheit.verzapfte". Und schließlich, da der einen.unparteiischen" Organisation recht ist, waS man der anderen zubilligt, wird man eS dann auch mit Freuden begrüßen, wenn sich der Generalleutnant v. Lieber herabläßt, als Referent in freigewerkschaftlichen Versammlungen die Schönheiten de» Programms des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozial« demokratie zu erläutern. Zu schade, daß der hübsche Gedanke auf der Kolonialversamm- lung gleich wieder im Keime zerstört worden istl Als schon alles von seiner Vortrefflichkeit überzeugt war, erhob sich ein Landrichter aus Köslin und stellte fest, daß die Gewerfchaften sozialdemokratisch seien. Er würde eS als ein großes Unglück ansehen, wenn eine so angesehene Gesellschaft wie die Deutsche Kolonialgesellschafi m i t der Sozialdemokratie paktieren oder sie als gleich. berechtigten Faktor anerkennen würde. Das schlug ein. Mit der Sozialdemokratie paktieren— nein, das war unmöglich. Mahnend erschien vor dem geistigen Auge der Versammelten die Ge- statt des Kasseler Oberbürgermeisters, der sich durch eine Geburts- anzeige in einer sozialdemokratischen Zeitung den gerechten Zorn aller wahren Freunde de-Z Vaterlandes zugezogen hat. Man erkannte, daß man sich durch den Wunsch, die Arbeiterschaft heranzuziehen, habe verleiten lassen, einen sehr be- denklichen Weg zu betreten. Eine kleinlaute Resolution wurde an- genommen, in der es heißt, die Deutsche Kolonialgesellschaft werde in dem Bestreben nicht nachlassen, für den kolonialen Gedanken immer weitere Kreise des deutschen Volkes zu gewinnen. Nicht ein- mal dazu schwang man sich auf, nach dem Vorbild des seligen Nalionalvereins zu Anfang der sechziger Jahre die Arbeiter für die geborenen Ehrenmitglieder zu erklären, und seufzend geben die Ar- beiterfreunde einem anderen Kommerzienräte recht, der schon im Laufe der Debatte resigniert geäußert hatte:.Das Glück, die Arbeiter zu unseren Mitgliedern zu haben, werden wir, glaube ich, nicht erleben."_ poUtifcbe Qcberficbt Zur Stichwahl im 12. Berliner Landtagswahlkreise macht die klerikale„Schlesische Volksztg." einen sehr akzep- tablen Vorschlag. Sie fordert direkte Unterstützung des Ge- nassen Ernst gegen den fortschrittlichen Kandidaten Dr. R u n z e bei der bevorstehenden Stichwahl. Das Zentrumsblatt schreibt: .Diesem Freisinn gebührt eine Lehre; es geht nicht länger an. daß er bei allen Parteien sein Glück versucht und als Hausierer ins Hans kommt. Er hat sich der Sozialdemokratie angeschlossen, ist ihr gehorsamer Diener und Lakai geworden, um Konservative und Zentrum zu schädigen. Nicht die Sozialdemokratie hat ihre Prinzipien verleugnet, sondern der Freisinn. Daber gebührt ihm, wenn es sich um die Stichwahl R u n z e- E r n st handelt, die gebührende Strafe für sein Verhalten. Ganz abgeseben davon, daß Herrn Runze auch nur durch indirefte Hilfe ein Mandat zu verschaffen, den Wählern des Herrn Rechtsanwalt Ulrich recht schwer, ja fast unmöglich fallen möchte. Darum ist es nur recht und billig, daß sich die freisinnige sichere Erwartung, daß Herr Runze schließlich„das Rennen machen wird", nicht erfüllt und der Genosse Ernst ihn im Finish um Kopfeslänge schlägt. Mit der einen der so„aus- sichlSreichen Sticbwahlen" kann es also leicht Essig sein." «schließlich erörtert das Zentrumsblatt noch weiter die Notwendigkeit einer positiven Unterstützung des Genossen Ernst und begründet diese seine Auffassung mit der Schlechtigkeit des Freisinns.— Die Sozialdemokratie wird nichts dagegen haben, wenn die Konservativen diesen Rat des mit ihnen ver- bündeten Zentrums befolgen. Eine freisinnige ZAahllüge. AuZ SchleSwig-Holstein wird uns geschrieben: Bei der Stichwahl im Wahlkreise ElmShorn-Pinneberg. die zwischen unserem Genossen v. Elm und dem freikonservativen Wahl- rechtsfeind Grafen v. Moltke auSzufechten war, sind die fort- chrirtlichen Wahlmänner wie Schafleder ausgerissen, ja 12 von ihnen haben sogar noch für den freikonservativen Wahlrechisseind gestimmt. Slatt nun schämig von der Geschichte möglichst wenig zu reden, machen die fortschrittlichen Blätter ein großes Geschrei und behaupten- die Sozialdemokratie habe den Kreis an die Reaktion ausgeliefert- So schreibt die„Voss. Zeitung": „Im Wahlkreis ElmShorn-Pinneberg haben die Sozialdemo- kraten den Konservativen erfolgreich Hilfe geleistet. Dort wurde der bisherige freikonservative Abg. Graf Moltke in der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten v. Elm mir 214 gegen 120 Stimmen wiedergewählt, nachdem im ersten Wahlgang 204 freilonseroative, 117 sozialdemokratische und für den Reichslagsabgeordneten Fegter 113 fortschrittliche Stimmen abgegeben waren. Der fortschrinliche Kandidat war also mit nur vier Stimmen Mehrbeil durch den Sozialdemokraten aus einer für diesen auSsicbtslosen Stichwabl verdrängt worden. Das war nur dadurch möglich geworden, daß die Freikonservativen mir Hilfe der Sozialdemokratie sieben fort- schrittlicke Wahlmannsmandate für ungültig erklärt hatten." Am Abend des 16. Mai wurde festgestellt, daß v. Elm 122, der Forischrittler Fegter 121 Wahlmänner erhalten habe. Am anderen Tage aber behauptete die Leitung der Fortschrittlichen Bolkspartei, Fegter habe 122 Stimmen und v. Elm nur 121, so daß Fegter mit v. Moltke in Stichwahl komme. Nicht nur diese Nachricht wurde dulch die fteisinnige Provinzpresie verbreitet, sondern auch die, daß die Sozialdemokraten gleich im ersten Wahlgange für Fegter stimmen würden. Diese letztere Behauptung war direkt unwahr; die Sozialdemokratie dachte gar nicht daran, im ersten Wahlgange ein- fach zugunsten des Freisinns abzudanken. Während so öffentlich die unwahre Behauptung verbreitet wurde, stellte die Leitung der Fort- schrittlichen Volkspartei im Kreise an die sozialdemokratische Partei- leitung die Zumutung, sie möge gleich im ersten Wahlgange einige ihrer Wahlmänner für Fegter abkommandieren, damit er in die Stich- wähl komme. Damit blitzten die Fortschritller aber ab. Im ersten Wahlgangs erhielten Stimmen: v. Moltke 202, v. Elm 117, Fegter 113. Es mußte also Stichwahl stattfinden zwischen v. Moltke und v. Elm. Nun behauptet die„Voss. Ztg.", die Sozialdemolratie habe darauf hingearbeitet, daß nicht Fegter, sondern v. Elm in die Stichwahl gekommen sei, sie habe dazu die Hand geboten, daß sieben fortschrittliche Wahlmänner für ungültig erklärt wurden. Die Gültigkeit der Wahl dieser sieben Wahlmänner ließ sich einfach nicht verteidigen. Aber auch die Konservativen und die Sozialdemokraten haben sich gefallen lassen müssen, daß ihnen je 4 Wahlmänner gestrichen worden sind. Rechnet man den Fort- schrittlern die 7 und den Sozialdemokraten die 4 gestrichenen Wahl» männer zu, dann hätte immer noch v. Elm eine Stimme Mehrheit gegen Fegter(121 gegen 120) und mußte mit Molike in die Stich- wähl kommen. Es ist also n i cb t S mit der Auslieferung des Kreises Pinne- berg an die WahlrechtSfeinde durch die Sozialdemokratie. Fest steht vielmehr, daß die sreisinnigen Wahlmänner insgeheim den Beschlutz gefaßt haben, bei einer Stichwahl zwischen v. Elm und v. Moltke fitfi der Stimme z u enthalten. Sie haben also den Wahlkreis der Reaktion ausgeliefert. Da« war z» erwarten. Einmal fehlt es den fortschnttlichen Wahlmännern an dem Mut, für den Sdzialdemokraten zu stimmen, dann aber auch wollen sie die Konservariven nicht gar zu sehr erbosen, denn sie brauchen deren Unterstützung gegen die Sozialdemokratie der der ReichsiagSwahl. So liegen die Dinge in Wirklichkeit. Nationalliberaler Jammer. Die„Nationalliberale Correspondenz'. das offizielle Organ der nationalliberalen Partei Deutich- landS. gibt in ihrer Nummer vom 6. Juni an erster stelle einer Zuschrift aus dem Barnimer Landtagswahlkreise Raum, in der längere Ausführungen zu dem Wahlresultat, das in diesem Wahlkreise zu verzeichnen ist. gemacht werden. Der Artikel ist ein herzbewegendes Gejammer darüber, daß die Konservativen dieses Wahlkreises die Nationalliberalen so ganz nichtssagend behandelt haben. Die Angabe der Konservativen in ihrem Wahlaufruf, sie hätten vergeblich ein Zusammen- gehen mit den Liberalen gegen die drohende Sozialdemokratie nachgesucht, wird als unwahr bezeichnet, soweit es die National- liberalen betrifft. Dann wird ausführlich die Entstehung des Wahlkompromisses, das zwischen den Fortschrittlern und den Sozialdemokraten abgeschlossen wurde und das zur Wahl von drei Sozialdemokraten führte, dargelegt. Zum Schluß wird gesagt: „Die Konservativen hätten dies Ergebnis vermeiden können, wenn sie von vornherein anstatt mit den Fortschrittlern, mit den Nationalliberalen Fühlung gesucht hätten. Der verbreiteten nationalliberalen Organisation in Barnim wäre es bei einem Rückhalt nach rechts wahrscheinlich gelungen, eine große Zahl von mittelparteilichen Wählern an sich ziehen und im Verein mit den Konservativen den Kampf gegen die Sozialdemorratie mit Erfolg durchzuführen. Wie wenig aber die Konservativen geneigt waren, mit den Nalionalliberalen, die sie schon 1908 übergangen hatten, Hand in Hand zugehen, geht auch daraus hervor, daß sie nicht einmal den Versuch gemacht haben, bei der jetzigen Wahl wenigstens das eine Mandat zugunsten der Rational- liberalen auch ohne ein Abkommen mit diesen den Sozialdemokraten zu entreißen. Die Fortschrittler hielten trotz ihrer insgeheim mit den Sozialdemokralen geschlossenen Vereinbarung äußerlich an ihrem Wahlbündnis mit den Nationalliberalen fest und forderten auch bis zuletzt ihre Wahlmänner auf, für das dritte Mandat den nationalliberalen Amtsgerichtsrat Äade zu wählen. Hätten nun die Konservativen aus freien Stücken gleich im ersten Wahlgang auch an dritter. Stelle für ihren dritten konservativen Kandidaten den Nationalliberalen Kade gewählt, so würde dieser in Gemäßheit des von ihnen selbst angebotenen, allerdings nicht angenommenen bürgerlichen Kompromisses alsbald gewählt und damit den verbündeten Sozialdemokraten und Fortschrittlern wenigstens ein Barnimer Mandat entrissen worden sein. Dieses Ziel hatten aber die Konservativen trotz der ihnen von den Nationalliberalen zugesagten Stichwahlhilfe nicht genügend im Auge. Allerdings war die Möglichkeit gegeben, daß auch dieses Ergebnis durch hinterlistige Quertreibereien noch vereitelt wurde. So traten denn auch auffallenderweise in dem einen Wahllokal liberale Wahlzettel zutage, auf denen wider jede Abrede der Nationalliberale Kade an die erste Stelle der drei liberalen Kandidaten, anstatt an die dritte gesetzt war. Die an der Hand dieser Wahlzettel für Kade abgegebenen 28 Stimmen gingen seiner Gesamtzahl in der dritten Stelle sonach verloren und fielen unter die zersplitterten. Sollte hier nur ein Versehen vorgelegen haben? Die betreffenden Zettel waren von der Zentral- stelle der Fortschrittlichen Volkspartei versandt worden. Die jetzige Landlagswahl von Ober- und Niederbarnim gibt noch mehr zu denken wie die von 1903. Die Nationalliberalen wurden bei beiden von rechts vernachlässigt, von links getäuscht. Die Quittung darüber ist die rote Fahne über dem Landtags- Wahlkreise des Ministerpräsidenten und Reichskanzlers." Diese Darlegungen scheinen durch die Veröffentlichung im offiziellen Organ der Partei auch die Ansicht der Parteileitung wiederzugeben. Mögen daher doch die Konservativen sich der Nationalliberalen gnädigst annehmen und ihnen ihren Frieden wiedergeben! Wie das Deutschtum gestärkt wird. Die Ansiedelungskommission hat in Westpreußen wieder eine Anzahl Güter zu Ansiedelungszwecken erworben. Dabei wurden un- verhältnismäßig hohe Preise bezahlt. Für das Gut Seehof bei Äulmsee wurde eine halbe Million entrichtet. Der Morgen Land wurde mit 969 M. bezahlt. Das Rittergut Gottschalt im Grau- denzer Kreise wurde für 910 000 M. erworben; für den Morgen wurden hier 72ö M. entrichtet. Für das Rittergut Tursnitz wurden Millionen Mark angelegt. Der Morgen kostete hier SlX) M. Mün.sieht daraus, wie überaus teuer die Güter gekauft sind, denn der Preis von 500 M. für den Morgen ist auch schon ein recht de- deutender. Je teuerer die Aasisdelungslommiision kauft, desto schwieriger wird die Lage der Ansiedler; die Lasten, die sie zutragen haben, steigen ständig, weil die Preise für die Grundstücke gerade infolge der Tätigkeit der Ansiedelungskommission fortgesetzt in die Höhe gehen. Das schönste dabei ist, daß die Güter deutschen Agrariern abgekauft sind!! Sie haben natürlich ein glänzendes Geschäft ge- macht und werden über die„Stärkung des Deutschtums" hoch- erfreut sein und für die„nationale Politik" warm eintreten. Den armen Ansiedlern, die mit dem Strick um den Hals angesetzt werden, werden aber die Augen aufgehen, wenn sie unter den schweren Lasten zusammenbrechen._ ]Sacb dem ßalhanlmege. Tie Botschafterkonfercnz über das Schicksal der Aegäischcn Inseln. London,'6. Juni. Die heutige� Sitzung der Bot- schaftervereinigung hat 21/2 stunden gedauert. Tarauf hat sie sich auf den kommenden Montag vertagt. morgen Schlug» morgen In modernen Herren— u.JürjLgl.-Anzllgen 1550 ai50 Herren- J a ckeff-Anzug e SS?, Herren- Ja ok ef f-AnzOge arau, m-u-a- cr—xoa. h Herren- Jacke 1 f-AnzUg e S5S SS.SZSS,!?8,"2"5 T-T Ä>->_ T ä /-vb- �'T' f 1 r~1 Ä kommgame u. Cheviots, gestreitt und 1 1 1 Ol 1 u CJ-UrYOll-J-Vl IZ�Uy O melleh.„Ersalr tUr MaSarbeil"____ M. Herren-Jackeff-Anzüge ST50 Jünglings- Jackefl- Anzüge 0™.° 12.50 Jünglings- Jacketf- Anzüge 1950 Jünglings- Jackefl- Anzüge SÄSÄSESSÄi; 2350 r . Knaben"Anzüge für Jedes Alfer. j i Große Auswahl zu sehr billigen Preisen. 1 j Nicht abgeholte MaJS"AnzUge sind j i ganz besonders billig ausgezeichnet." BoenSohn Spezial-Haus größfen Maßstabes für Herren- u. I�naben-KIeidung Chausseesfraße 2,9/30 Berlin 11 Brückensfraße 11 Gr. Frankturfersfr. 2,0 Gegr. 1891 Schöneberg, Hauptstr.io Prompter Versand nach außerhalb. Von 20 Mark an franko. PrakflÄhe BelTelUtheine und Maß-Anleitungen kolTenfrei' Sonntags nur von S-IO geöffnet. Haupt-Katalog Nr. 47(Neueste Moden) auf Wunsch kostenlos u. portofrei itsnnr Vemaltultgsstelle Kerlm. N 54, LimenKr. 83—85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1239, 9711. Montag, den S. Juni, abends 8Vz Uhr: Bezirks- Versammlungen wr Moabit wr Sloablter GeseUschaKtsihuufee, Wiclefitr. 24. Tagesordnung: Bericht von der Gcneral-Versammlung. Wr Charlottenburg im Volkslxuuie, Charlottenbars, Rosinenstrafte 3. Tagesordnung: 1. Lichtbilder-Vortrag;„Wohnungselend und Wohnungsreform in der Großstadt-. Reserent: Kollege F,(K u t j ch m i d t. 2. Bericht von der General-Versammlung, Die Kollegen werden ersucht, zu dem Vortrage ihre Frauen mitzubringen, 119/9 Die Ortsverwaltang. Steinarbeltea*! Deutscher Holzarbeiter- Verband. :: Montag, den 9. Juni, abends 8 Uhr:: in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 58,59: > Vorr�altanzt Uvrlln. �. Mitglieder-Versammlungen: Komblnrerte Versammlung. Wchin, Slmd so n Rcicchenberger Hof, Reichcnbcrger Straße 147. Wchler. Lttirk SV I Vodach, Waldemarstraße 75. Die Jahresberichte der Zahlstelle Berlin werden im Bureau ansgegebe«. Sie sind durch die Bertrauensmänuer für alle im Betriebe beschäftigten Mitglieder abzuholen. raB- Bertrauensmännerkarte legitimiert.~9tM 84/S Die Ortsverwaltang. Tagesordnung: 1. Vortrag des ArbciterselretärS Genossen Ad. Ritter über: „Die Voiksfärsorge." 2. Aussprache über die Beschickung der Baufachausstellung in Leipzig. Auch zu dieser Versammlung sind die Frauen der Kollegen mit eingeladen,— Vor Beginn der Versammlung gelangen die Plakate und Billetts zu dem am 12, Juli staltsindendcn Sommerfeit zur Ausgabe, Das Komisce erwartet, daß die Kollegen allseitigen Anteil an der Bcr- breitung derselben nebmen, Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 171/10" Die Ortsvcrwaltuug. � ist der schönste Ausflugsort? " Immer noch Vichelsmerder» beim Alten Freund. an der neue» Hcerstrasie -fönier-Puäer __ gleieh wertvoll für Damen '' zur Teintpflege.— Dose«o Pf. m an& fö aa MM A Beste, von ersten Aerzten empfohlene Wund- und " 2E � ES b üb■ ÜS fial B Kühlsalbe. Zur Kinder- u. Schönheitspflege.—(60 Pf.) Schweiß beseitigt Hautgeruch und nur den übermäßigen Schweiß, also kein„Schweißvertreibungsmittel". Große Dose 75 Pf.(Apotheken und Drogerien). fipIS Dr. R. Reiss IdlKCt BaB■!' Lm Rheumasan mlenicet- Fabrik Berlin-Charlottenburg4. Lerantw. Redakt.: Alfre�Melepp, Neukölln. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berl-n. Trud u. Verlag! Vorwärts Luckdr. u LerlagsanstaU Paul Singer ä! Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilage» ii.lliltrrha!lungzbl. üuio. mmm. i. Jeüöjjf jles Jormörta" Kerliner MikalsIM. s°«°ck«d.7.MMZ. Gexverkfckaftlickes. Die gelbe Seuche als Geschäft. Die gelbe Seuche Hat nicht nur auf manche charakter- schwache Arbeiterkreise korrumpierend gewirkt, sondern auch den Geschäftssinn gewisser Leute geweckt. So Hat sich„auf An- regung von grotzindustrieller Seite" der Verlag von Hermann Zieger in Leipzig bewogen gefühlt, auf eine vom Metall- arbeiterverband(Ortsverwaltung Leipzig) herausgegebene Bro- schüre:„Gelb oder Rot?" eine Gegenbroschüre:„Rot oder Gelb?" herauszugeben, die er in nachstehendem be- merkenswerten Schreiben den Industriellen empfiehlt: »Betr.: Werkvereine. Leipzig, Marienplatz 2, den.. Mai 1913. Herrn... Vor einiger Zeit traten die freien Gewerkschaften mit einer Propagandabroschüre„Gelb oder Rot?" hervor, die in Form eines Romans vom Weien der Werkvereine eine völlig falsche Dar- stellung gab und hauptsächlich die Absicht verfolgte, diejenigen Ele- menre in den roten Organisationen zurückzuhalten, die der gelben Be- wegung zuneigten. Die27seitige Broschüre wurde an verschiedenenOrten in Mengen an die Arbeiter verleilr und ihnen in die Wohnung zu- gesandt. Sie ist verhältnismäßig geschickt geschrieben und offenbar geeignet, die ruhige EntWickelung der Werkvereinsbewegung zu schädigen. Es ist dies um so mehr der Fall, weil die Einkleidung des Tentes in R o m a n f o r m die Arbeiter und deren Frauen auch tatsächlich zum Lesen veranlaßt, was bei Flugblättern und Streitschriften sonst weniger der Fall zu sein pflegt. Außerdem gibt aber die Romanform dem Verfasser die Möglichkeit, sich vom Boden der Tatsachen viel weiter zu entfernen, als dies bei Streit- schriften oder sonst zulässig ist. Zweifellos ist der Versuch, die Verdrehungen und falschen Darstellungen des Roman« nur durch Flugblätter von gelber Seite aus zu widerlegen, ungenügend. Der Schlag muß vielmehr mit gleicher Waffe pariert werden. Auf Anregung von großindustrieller Seile hat es ein als Fachschriflsteller bekannter und mit der Industrie in engster Be- ziehung stehender Ingenieur unter dem Pseudonym Hermann Martin unternommen, ebenfalls in Romanform unter der Ueber« schrift: Rot oder Gelb? eine Entgegnung auf die sozialdemo- datische Tendenzschrift zu schreiben, in der die Behauptungen der- selben gründlich widerlegt werden. Dabei sind die neueren Ver- Handlungen über die Werkvereinsstage, namentlich die Aus- sührungen in der Versammlung der Delegierten des Zentral- Verbandes Deutscher Industrieller, der.Bund", die„Arbeitgeber- zeitung* und sonstiges aktuelles Material ausgiebig benutz! und, auf das Verständnis des Arbeiters zugeschnitten, in die Handlung verflochten. Außer der Widerlegung der sozialdemokratischen Verdrehungen verfolgt der neue Roman die Absicht, den Werkvereinsmitgliedern daS erforderliche Agitationsmaterial an Tatfachen zur Abwehr sozialdemokratischer Angriffe in die Hand zu geben, aus den Reihen der sozialdemokratischen Organisation und der unorgani- sierten Arbeiter den Werkvereinen neue Mitglieder zuzuführen, den Boden für die Gründung neuer Werkvereine vorzubereiten und die beteiligten und fernerstehenden Kreise durch eine Schilderung des Milieus in den gelben und roten Organisationen aufzuklären, um der Verhätschelung der Streikgewerkschaften durch doktrinäre Lehrer und deren urteilsschwachen Nachbetern entgegenzuwirken. Die Ziele des Antwortromans„Rot oder Gelb?" dürsten am besten durch eine Verbreitung derselben durch die Industrie selbst erreicht werden und zwar durch Vermittelung der bestehenden Werkvereine, durch Verteilung vor dem Fabrikror und namentlich auch durch Zusendung in die Wohnung der Arbeiter ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Stellung derselben. Um solche Verbreitung zu ermöglichen, ist der Preis des Romans mit Umschlag aus 20 Pf. für das Stück festgesetzt. also bei der zirka Hundertseitigen Broschüre auf dem buchtechnisch geringsten Maß belassen, doch wird bei gleichzeittger Bestellung einer größeren Anzahl durch Verminderung der Portospesen noch eine weitere Herabsetzung möglich sein.— Der Verfasser wird Ihnen für alle Abänderungs- Vorschläge, zu denen Sie der übersandte Korrekturabzug etwa anregt, danken. Ich bitte deshalb, mir solche Vorschläge zugänglich zu machen, um sie an den Verfasser weiter leiten zu können. kleines Feuilleton. Der Kampf um den Sezessionspräsidente». Die Konflikte, die die Wahl des Kunsthändlers Cassirer zum Vorsitzenden der Sezession nach sich ziehen mußte, sind in hellem Brand. In einer zweiten Generalversammlung wurden am Freitagabend die Proteste der Refusierten weiter verhandelt. Die Opposition hat sich entschlossen, deutliche Fragen zu stellen. nämlich: 1.„Welche Kunstwerke find vom Künstler selbst ausgestellt und stehen noch in seinem alleinigen Eigentum? 2. Welche Kunstwerke stehen im Eigentum Dritter und sind nur mit Erlaubnis des Künstlers ausgestellt? a) Welche von den Kunst- werken find verkäuflich? b) Welche von diesen Kunstwerken stehen im Eigentum des Herrn Paul Cassirer oder an welchen von diesen Kunstwerken steht Herrn Paul Cassierer ein Verfügungsrecht oder eine Gewinnbeteiligung irgendwelcher Art zu und welche von diesen Kunstwerken sind verkäuflich?" Das find in der Tat entscheidende Fragen, die sich wohl schon mancher vorgelegt hat, der die jüngste Sezessionsausstellung krittschen Blickes durchmustert hat. In der Tat. man wußte nicht, wo der Salon Cassirer anfing und wo die Ausstellung. Jedenfalls müssen diese beiden Faktoren völlig rein voneinander gehalten werden. Denn Ausstellungen sind bisher nicht dazu veranstaltet worden um die Interessen von Kunst- Händlern zu fördern. Die opponierenden Künstler bringen in einer Denkschrift weiteres Material bei, das die Situation klarstellt und die Zusammenhänge von Kapital und Künstlertum aufdeckt. Sie führen aus: „Die demoraltsterenden Tendenzen des Kunsthändlers Cassirer als Präsident zeigen sich, wie in der außerordentlichen General- Versammlung erörtert werden könnte, insbesondere darin, daß er von den neugewahlten Vorstandsmitgliedern, namentlich soweit sie ihm bis dahin entgegengetreten waren, sofort in seinem Salon Kollektivausstellungen veranstaltete; daß er mit einer ganzen Reihe von Künstlem. d,e er„machen" will, langjährige Verträge schließt und sich ben Einfluß auf ihre ganzen Produktionen sichert, und daß er auch andere Künstler in pekuniäre Abhängigkeit von sich bringt. Daß auf diese JBeife Herrn Cassirer unwillkürlich eine Mehrheit innerhalb der Sezeffion erwächst, bedarf keiner weiteren Ausführung. So lange dtefe Zustande fortdauern und die Ausstellung der Sezession eme Filiale des Salons Cassirer genannt werden muß (und auch von seinen eigenen Freunden genannt wird), kann es nicht möglich sein, die wahren Werte der modernen Kunst festzustellen. Es bedarf daher einer gründlichen Rem, gung, um den Künstlern ihre Freiheit im Schaffen zurückzugeben. Es wäre ein Segen für d,e gefamte Kunstwelt und besonders für das Berliner Kunstleben, wenn Herr Cassirer sich mutig genug Zeigen würde, die Konsequenzen aus der durch ihn verschuldeten Situation zu ziehen." Wo häoat er f Nämlich der Briefkasten. Der Berliner Brief- fasten. An den Häusern- gewiß, aber wo?«n den Verkehrs- Schließlich sei noch bemerkt, daß der Roman„Rot oder Gelb?" in der Hauptsache auf Metallarbeiter zugeschnitten ist, trotzdem dürfte er sich aber als Aufklärungsschrift auch für andere Industrien eignen. In Erwartung recht baldiger Rückäußerung zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergeben Hermann Zieger." Der Eifer, den hier der Verlag entwickelt, ist verständlich. Je schwärzer(oder röter!) er die freien Gewerkschaften malt, desto reichlicher rinnt der Angstschweiß der Industriellen, desto reichlicher laufen aber dann auch die Aufträge ein. Und darauf kommt es am Ende doch an. So muß die gelbe Seuche auch geschäftskundigen Verlegern zum besten dienen. Berlin und Umgegend. Tie A. E.-G. will keine Zulagen bewilligen! Die Packer. Lagerarbeiter, Hills-, Hof-, Transportarbeiter usw. von der Ä. E.- G.- T u« b i n e n f a b r i k(H u t t e n st r a ß e) waren am Donnerstag in den„Arminiussäleu" zahlreich zu einer B e t r i e b s v e r s a in m l u n g zusammen gekommen, die der Deutsche Transportarbeitervcrband veranstaltet hatte. Es handelte sich um die zchnprozentige Lohnerhöhung, die für die in Betracht kommenden etwa 799 Arbeiter gefordert worden waren. Der Arbeiter- a u s s ch u ß berichtete über das Ergebnis der Verhandlung mit der Betriebsdirekiion. Der Direktor Blume nthal vom genannten Turbinenwerk habe, so wurde ausgeführt, einige Tage nach der Unlerbreitung der Wünsche der Kollegen kurz und bündig erklärt, daß er auf die Forderungen nicht eingehen könne. Er habe sich einfach auf den Standpunkt gestellt, daß die Teuerung nicht so groß fei. Auch meinte er, andere Firmen zahlten noch weniger. Auf Einwendungen sei er nicht eingegangen, habe aber dasür eingeworfen, das Elend der Arbeiter rühre daher, daß sie zu früh heirateten. So trete ein Betriebsdirektor einer großen Millionengesellschaft indirekt für eine Beschränkung des Kindersegens ein, während andere Kreise den Arbeitern Antipatrivtismus vorwürfen, wenn sie den Kindersegen einzuschränken suchten. Dabei sei übrigens das heiratsfähige Alter der Arbeiter in den letzten 19 Jahren bereits um 6 Jahre gestiegen. Direktor Blumenthal habe sie für seine ablehnende Stellungnahme auf die angeblich schlechte Konjunktur hingewiesen. In einem wunderbaren Gegensatz dazu stehe die just vor einigen Tagen(Dienstag) im„Vorwärts" veröffentlichte Notiz folgenden Inhalts: „Die Allgemeine Eleftrizitätsgesellschaft teilt mit, daß entgegen anders lautenden Angaben die Zahl der Beschäftigten keineswegs zurückgegangen sei, vielmehr seien die starken vorjährigen Akkord- ziffern der Ä. E.-G. sowohl in bezug auf die faktuierten Umsätze, als auch die vorliegenden Aufträge durch die Ziffern des laufen- den Jahres erheblich überschritten." Was sei nun richtig? Was Direktor Blumenthal sage, oder was im„Vorwärts" stehe. Einen eigenartigen Eindruck mache auch folgende Aeutzcrung des Direktors Blumenthal: Er könne eine Ant- wort geben auf den Hinweis auf die niedrigen Löhne der ungelernten Arbeiter, nämlich: die gelernten Arbeiter verdienten zuviel. Wenn so vom Direktor gleichsam ein Keil zwischen die Arbeiterschaft zu treiben versucht werde, so dürsten sich die Ungelernten dadurch nicht beeinflussen lassen in ihrem Verhältnis zu den Gelernten, sondern ihre Antwort könnte nur die sein, sich noch straffer zu organisieren und auf diese Weise zu auskömmlichen Löhnen zu kommen, die in einem angemessenen Verhältnis zu den Löhnen der Gelernten ständen. In der nun folgenden Diskussion kam vielfach eine recht erregte Stimmung gegenüber der runden Ablehnung des Betriebsdirektors zum Ausdruck. Einige Redner verlangten, man solle gleich be- schließen, ob man nicht mit einem Streik antworten wolle. Andere traten aber dafür ein, es erst mit nochmaligem Verhandeln im guten zu versuchen. Allgemein war man aber der Meinung, daß der Stand der Löhne der Ungelernten unbedingt eine Erhöhung erfordere und diese energisch verlangt werden müsse. F r o m k e, der Vertreter des Transportarbeilerverbandes, führte u. a. dazu noch aus: Man müsse sich wundern über den im Bericht des Ausschusses schon gekennzeichneten Standpunkt des Herrn Direktors Blumenthal, der doch sicher ein liberaler Mann sein wolle, aber wie ein Konservativer rede und handle. Redner habe auf zentren? Da, wo die Menschen zusammenströmen? Wo am ehesten sich das Bedürfnis einstellt, einen Brief zu expedieren? Keine Spur. Er hängt da, wo ihn niemand vermutet. In kleinen Neben- straßen, versteckt, niemals an einer Ecke. Fast immer muß man laufen, um zu ihm zu gelangen. Eine Ungeschicklichkeit? Mehr. Ein Symptom. Wer bestimmt das? Nun, Beamte der Post. Wonach gehen sie, wenn sie es bestimmen? Nun— sicher nicht nach den Verkehrs- bedürsnissen. Sondern nach dienstlichen Gesichtspunkten. Und das ist so deutsch, so behördenmäßig, daß es sich zu betrachten lohnt. Man denke sich ein großes Geschäft so geleitet,— daß der Besitzer sagt:„Ja. aber um vier müssen wir schließen, denn da muß ich zum Skat!" Man stelle sich das vor: länger als zwei Wochen würde eS nicht gehen, dann wäre die Pleite da. Hier geht es schon hundert Jahre so, und die Pleite wird aufgehalten, weil alle zahlen müssen. Was sind das für Leute, die da sitzen? Welche Kurzsichtigkeit, welche Unfähigkeit, zu entdecken, was wir brauchen. Aber es ist noch etwas anderes. Es ist die unglaubliche Ansicht, daß wir der Institution wegen da find. Daß es ganz gleich ist. wie wir uns mit den dumm auf- gehängten Kästen abfinden, wenn nur der interne Dienst klappt. Aber der ist uns ganz egal. Wir wollen gut bedient werden,— wie die Leute, die man dafür bezahlt, das machen, ist ihre Sache. Ich kann mir nicht helfen, dieser blaue häßliche Kasten ist mehr, als man von ihm verlangen kann. Er ist ein Symbol. Ein Symbol für den preußischen Staatsbeamten. Denn er ist von Natur aus leer, hängt an der verkehrten Stelle und ist nie da, wenn man ihn braucht. Gesang auf öffentlichen Plätzen. In der„Köln. Ztg." finden wir folgende Anregung: Der alte Uhland hat gut reden: Singe, wem Gesang gegeben. Die meisten Menschen schämen sich heute zu singen. Das kann man selbst auf der Landstraße, wie fast überall, erfahren. Schreitet ein singendes Paar fröhlich daher, so wird es sofort stumm, sobald es in die Nähe der ersten Häuser kommt oder auch nur ein Mann, Weib oder Kind sich zeigt. Unser Volk wird dadurch immer ärmer an Schätzen des Gemüts, die in den alten schönen, harmlos und mit innigem Behagen gesungenen Liedern ruhen. Sie werden vergessen. An die Stelle des guten Volksgesanges tritt der fad- freche Opereltenschlager. Das ist schon oft beklagt worden. Auch in der Schule hat man dem Volksgesang wieder mehr Liebe geschenkt. Aber eine sterbende Blume ist schwer zu retten. Vielleicht, wenn man sie, wie ein erfahrener Gärtner, in einen frischen Boden pflanzt. Wenn harte Lebenspflichten und üble Gewohnheiten heute den Sinn für guten Volksgesang be- drohen, so sollte man seine Schönheiten um so eifriger zeigen: nicht nur in den Uebungsräumen der Gesangvereine und gegen Eintritts- geld an„Liederabenden", die man nur im Festkleide besuchen kann, sondern auf der breiten Straße des Lebens, in der weiten Oeffent- lichkeit. In vielen Städten, so in Dresden, ist es schöne Sitte daß an bestimmten Tagen auf freien beliebten Plätzen ein Musik- korps spiest. Die Vorübergehenden lauschen gern dieser Kunst und nehmen von ihr auch wohl ein Stück mit nach Hause. Warum ahmen Grund der Statistik über die Lohnverhältnisse der hier in Betracht kommenden ungelernten Arbeiterschaft festgestellt: Es verdienten in dem Betriebe s Kollegen bei einem Stundenlohn von 49 Pf. pro Woche(zu 53 S l u n d e n) 22,29 M., 59 Kollegen bei einem Stundenlohn von 42 Pf. pro Woche 23,36 M., 258 5lollegen bei 44 Pf. pro Woche 24,52 M., 19 Kollegen bei 45 Pf. pro Woche 25,15 M., 122 Kollegen bei 46 Pf. pro Woche 25,79 M., 8 Kollegen bei 47 Pf. pro Woche 26,25 M., 72 Kollegen bei 48 Pf. pro Woche 26,85 M., 31 Kollegen bei 59 Pf. pro Woche 23 M., 33 Kollegen bei 52 Pf. pro Woche 29,17 M. Und nur von 34 Kollegen seien höhere Verdienste— zwischen 39,35 M. und 33,85 M.— festgestellt. Diese Ausstellung spreche von selber laut und vernehmlich dafür. wie sehr die fraglichen Arbeiter einer Lohnzulage bedürften.— Was nun den Einwand angehe, die A. E.-G. fei nicht in der Lage, die Löhne zu erhöhen, und am allerwenigsten im Turbinenwerk, so mögen, außer der oben wiedergegebencn Notiz im„Vorwärts", auch hiergegen einige Zahlen angeführt werden, die aus einem im Mai 1913 von der A. E.-G. selber zu Reklame-- ziv ecken herausgegebenen Heftchen entnommen sind. Die Gesellschaft habe danach 1993/94 35 Turbinen, 1997/98 131 Turbinen, 1999/19 174 Turbinen, 1919/11 284 Turbinen und 1911/12 312 Turbinen fabriziert. Und während die Pferdekräfte der 1993 94 hergestellten Turbinen 11 699 waren, hatten die 1911/12 her- gestellten Turbinen 735 699 Pferdekräfte. Es sei also ein steter Auf- fchwung des Turbincnwcrks zu verzeichnen. Und da solle für die Be- dürftigsten der Arbeiter, für die Hilfsarbeiter, keine Lohnerhöhung mög- lich sein?! Auch der Reingewinn der A.E.-G. sei gestiegen. Erhabe 1919/11 schon über 22 Millionen Mark und 1911/12 über 24 Millionen Mark betragen. Im übrigen glaube er nicht, daß der Generaldirektor R a t h e n a u mit dem Verhalten des Betriebsdirektors Blumenthal einverstanden sein werde. Direktor Rathenau habe vor zwei Jahren auf einer Aktionärversammlung betont, die Lohnvcrhältnisfe der A. E. G.-Arbeiter hätten sich in letzter Zeit durchaus gehoben, denn er könnte erklären, daß selbst Lehrlinge und auch Arbeiterinnen im Durchschnitt einen Stundenlohn von 65 Pf. verdienten, und es gäbe eine Reihe Arbeiter, die selbst 1 M. und mehr pro Stunde schrieben. Das habe nun nicht ganz zugetroffen, wie obige Zahlen zeigten; die Betriebsdirektoren mögen ihm aber alles so schön dargestellt haben. Jedenfalls erhoffe Redner vom Generaldirektor Ralhenau, daß er, loenn er von der Versammlung und der Lage der Dinge er- fahre, sich ins Mittel legen und den Direktor Blumenthal veranlaffen werde, zu verhandeln und von seinem starr ablehnenden Verhalten abzugehen. Deshalb aber dürften nicht die Brücken ab- gebrochen werden, sondern es müßten weitere Verhandlungen folgen. In einer späteren Versammlung sei dann weiter Stellung zu nehmen. Die Versammlung beschloß nach weiterer Diskussion gegen zwei Stimmen, die Subkommission des Arbeiterausschusses zu beauftragen. nochmal zu verhandeln und die Direktion auf die Situation auf- merksam zn machen._ Tie Tarifbewegung der Töpfer. In einer am Donnerstag abgehaltenen Versammlung der Ver- trauensmänner des Töpferverbandes berichtete S e g a w e, daß durch einen Bericht über eine Unternehmerversammlung bekannt geworden sei, die Unternehmer beständen darauf, daß der neue Tarif bis zum 31. März 1916 abgeschlossen werden solle. Es werde sich also, wie schon vorauszusehen gewesen sei, weniger um die Lohnsätze als vielmehr um die Dauer und den Ablauftermin des Tarifs handeln. Wenn die Unternehmer beabsichtigen, die Tarif- löhne herabzusetzen) so könne man allerdings verstehen, daß sie den Tarif auf möglichst lange Zeit abschließen wollen. Auch sei zu be- denken, daß der 31. März 1916 der Ablauftermin des Bauarbeitox- tarifs sei. Wenn die Unternehmer im Töpfergewerbe bisher ver- sicherten, sie würden in der Tarifsrage nicht gemeinsame Sache mit den Bauunternehmern machen, so scheine diese Versicherung jetzt widerlegt durch das Verlangen, den Ablauf des Töpfertarifs gleich- zeitig mit dem Ablauf des Bauarbeitertarifs festzusetzen. AngiT- ficht« der Haltung der Unternehmer sei wenig Hoffnung auf eine Einigung zum Abschluß eines neuen Tarifs vorhanden, denn auf das Verlangen der Unternehmer könnten die Töpfer nicht eingehen. Wahrscheinlich werde also am 1. Juli, nachdem der jetzige Tarif ab- gelaufen sei, eine tariflose Zeit eintreten. Vor allen Dingen hätten die Kollegen die Pflicht, während dieser Zeit fest zur Organisation zu stehen, damit die Konjunktur, wenn sie sich wieder gebessert habe, ausgenutzt werden könne. die Gesangvereine dieses Vorbild nicht nach? In Dresden sang der .Tannhäuser" am ersten Pfingstmorgen in einem großen Bolkspark und Taufende freuten sich der finnigen Einleitung des Festes. Ob in Großstadt oder Bauerndorf: kein Gesangverein sollte sich zu vornehm halten, auf Straßen und Plätzen auch dem schlichten Volk seine künstlerischeir Gaben auszuteilen. Es wird dankbar sein. Nicht nur zwischen den vier Wänden singen I Jeder Verein müßte es sich zur schönen Pflicht machen, vor oder nach der Uebungsstunde in der Woche einmal auf einem freien Platz still zusammenzutreten und einige seiner Lieder zum besten zu geben. Vielleicht macht einer- unserer Arbeiterchöre einmal die Probe aufs Exempel, was die Berliner Polizei von dieser Kultur- betätigung denkt. Notizen. — Theaterchronik. Die Aufführung von„T r i st a n und Isolde" in der Krolloper mußte um einige Tage verschoben werden, dafür findet Sonnabend eine Wiederholung von„Lohen- g r i n" statt, — Kunstchronik. Zum Leiter der nächstjährigen Großen Berliner Kunstausstellung wurde Prof. Karl Lang- Hammer gewählt. — Professor Theodor Wehl, einer unserer hervor- ragenden Hygieniker, Dozent an der Technischen Hochschule in Char- lottenburg, ist gestorben. Von seinen Werken sind das„Handbuch der Hygiene" und das umfassende„Handbuib der Arbeiterkrankheiten" bekannt geworden. Auch mit Fragen der städtischen Hygiene hat sich W. besonders befaßt. — Eine Volks st ernwarte, die mit einem großen Re- ftaktor und allen Errungenschaften der.Himmelstechnik" ausgestattet werden soll, beabsichtigt eine„Freie Vereinigung von Freunden der Astronomie" in Dresden zu gründen. — Der Nachfolger Gabriel Seidls. Mit Gabriel Seidl, dem heimgegaiigenen Münchener Baukünstler, verliert das Deutsche Museum in München den Meister, der den großen neuen Bau für die Sammlungen entworfen und die architektonifche Leitung der Ausführung in Händen hatte. Der Vorstandsrat des Deutschen Museums hat nunmehr beschlossen, Prof. Emanuel Seidl. den Bruder des Verstorbenen, mit der Weiterführung zu betrauen. — Der unverbesserliche Druckfehler. Mit dem Druckfehlerteufel kämpfen Götter selbst vergebens— das hat der Geograph Brun einmal erfahren müssen, wie die„Rassegna Nazionale" erzählt. Er schickte in die Druckerei einen geographischen Artikel, in dem von einer Hochfläche die Rede war, die 36 999 Fuß über dem Meeresspiegel läge. Beim Korrekturlesen verbesserte Brun den Zahlenirrtum und strich eine Null iveg, bei der nächsten Korrektur aber las er nicht 3 699, sondern die Hochebene war in- zwischen auf 3 699 999 Fuß angewachsen. Nun war der Geograph ein etwas hitziger Mensch: er schrieb an den Rand 36 999 Fuß! 36999 999 Bestien! Den Erfolg sah er. als er�die fertig ausgedruckte Arbeit vor sich hatte: der Setzer hatte kaltblütig gedruckt, daß auf der Hochebene, die 36 999 999 Fuß über dem Meeresspiegel läge, 36 999 999 Tierarten lebten I Achtung! Marmorarvcit». Der Streik bei der Firma Wiesen v0 r u ii b G. m. B. ist Beendet. Matzregelungen der am streik Bcieiligt gewesenen Arbeiter finden nicht statt. Aus Betriebs« iMinischen Gründen, sowie wegen augenblicklichen Arbeitsmangels können vorläufig nur 21 Wann die Arbeit wieder aufnehmen. «Autzer den drei angeblich wegen Arbeitsmangels Entlassenen waren 29 Kollegen am Streik Beteiligt.) Neueinstellungen werden, mit Ausnahme eines Steinmetzen, nicht vor- genommen, B is a ll e A u S st ä n d i g e», einschlietzlich der drei vor dem Streik Entlassenen, wieder in Arbeit sind. Die während des Streiks neu ein- -ge st eilten Arbeiter kommen zu dem Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Arbeit zur Entlassung. Um ferneren Matzregelungen und Arbeitseinstellungen vorzu beugen, wird eine Schlichtungskommisfion eingesetzt, bestehend auS S Arbeitern des Betriebes, von denen 2 durch die Arbeiterschaft und 1»durch die Firma gewählt wird, welche alle sich aus dem Arbeits verbälwis ergebenden Differenzen zu schlichten hat. Wird eine Einigung hierbei nicht erzielt, so sind die beiderseitigen Organisation? Vertreter anzurufen. Bevor letztere nicht entschieden haben, dürfen Arbeitseinstellungen und Ent lassunaen nicht erfolgen. Damit dürfte die Gewähr geboten sein, dah Umstände, welche den setzt beendeten Streik verursachten, nicht wieder eintreten. Arbeitsangebote sind zu unterlassen, bis alle Beteiligten wieder eingestellt sind. Auskunft wird im Verbandsbureau erteilt. Zentralverband der Steinarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. veuvlcbes Reich. Zu den Differenzen im Malergewerbe. Wie bereits gemeldet, beantwortete der Hamburger Arbeigeber berband des Malergewerbes die Annahme der Schiedssprüche mit mehreren Verstötzen gegen die zwischen den Zentralorganifationen getroffenen Abmachungen. Aus diesem Grunde konnte die Arbeit nicht aufgenommen werden. Da der Arbeitgeberverband Hamburg auch bisher die Tarif- und Vertrauensbrüche nicht rückgängig ge« macht hat, bestehen die Differenzen weiter. Der Arbeitgeberverband versucht, sichexlich ohne Erfolg, durch besondere Matznahmen Arbeits- willige heranzuziehen, um die fatale Situation zu retten, die er durch feine fortgesetzten Scharfmachereien und Provokationen gegen die Gehilfen geschaffen hat. Vom Kampf gegen die Gewerkschaften« Im Oktober vorigen Jahres wurden von dem Schöffengericht in Sagan zehn Genossen in ihrer Eigenschaft als Zahlstellenvor- ätzende verschiedener Gewerkschaften von der Anklage der Heber- retung des§ 3 Absatz 2 des Vereinsgesetzes freigesprochen. Die Zahlstellen der Gewerkschaften wurden nicht als politische Vereine betrachtet. Das fteisprechende Urteil war hauptsächlich auf Grund der Aussagen des Polizeiinspektors und eines Wachtmeisters ge- ff. lt, die auf Grund ibrer langjährigen Tätigkeit in Sagan nichts ür die Annahme anführen konnten, die Gewerkschaften hätten :.ch politisch betätigt. Dieser �Prozeß hatte nun einen weiteren zur Folge, der am Mittwoch in Sagan zur Verhandlung stand. In dem ersten Prozeß führte ein Llmtsgerichtsrat Albrecht den Vorsitz. Auf die Frage an den Polizeiinspektor, warum denn eigentlich das Strafverfahren eingeleitet worden fei, schwieg der Polizeiinspektor. Dafür beautwortete de; Vorsitzende selbst die Frage dahin, daß dies auf höhere Anordnung geschehen sei. Der Protokollführer hatte aber— wahrscheinlich aus Versehen— die Antwort so protokolliert, als wäre sie vom Polizeiinfpekwr gegeben worden. Auf Grund dieses Protokolls wurde, nun gegen den Poli- zciinspektor ein Disziplinarverfahren eröffnet. Um das Verfahren von sich abzuwenden, begab sich der Inspektor zu dem Protokoll- sichrer. Zwischen beiden kam es nun wegen der unrichtigen Auf- nähme der angeführten Aussage zu einem heftigen Wortwechsel, bei dem der Polizeiinspektor dem Protokollführer zu große LiebenS- Würdigkeiten gesagt haben mag. Letzterer klagte gegen den In- spektor wegen Beleidigung und erzielte auch dessen Verurteilung zu 20 M. Geldstrafe. Bei dieser Verhandlung wurde einwandfrei festgestellt, datz der Polizeiinspektor die ihm laut Protokoll zuge- srtirieoene Aeutzerung nicht getan hat. Der darüber vernommene Schöffe erklärte außerdem noch, daß ihm damals der Protokollführer gesagt habe: ES ist eine sehr wichtige Sache, aber die Leute werden wohl nicht zu packen sein. Der ebenfalls als Zeuge vernommene Amtsanwalt konnte nichts Bestimmtes mehr aussagen. Durch die Erklärung des PolizeiinfpektorS, datz die Gewerkschaften keine poli- tischen Vereine seien, wäre er zu sehr zum Nachdenken gezwungen gewesen, um die Anklage noch aufrechterhalten zu können. So wird der Kampf geführt gegen die freien Gewerkschaften. Hus der parteü Erklärung. In der Versammlung des ö. Berliner Landtagswahlbezirks am 1. d. M. hat der Genosse Scharlau die Behauptung aufgestellt, der Parteivorstand oder einzelne seiner Mitglieder hätten dem Genossen Fritz das Material in der Angelegenheit Borchardt zur Verfügung gestellt und ihn vorgeschoben. Dazu erklären wir: datz weder der Parteivorstand noch irgend eineS seiner Mitglieder dem Genossen Fritz Material ausgeliefert oder ihn zu seinen: Vorgehen veranlaßt hat. Als Fritz das Material vom Vorstände verlangte, hat dieser vielmehr die Herausgabe strikt abgelehnt. Berlin, den 6. Juni 1913. Der Parteivorstand. Totcnliste der Partei. Einer von der ganz alten Garde, der Schlosser Paul Friedrich in Breslau ist am Montag dort gestorben. Friedrich gehörte mit zu den wenigen noch am Leben befindlichen Gründern der sozialdemokratischen Breslauer Arbeiterbewegung. Er war Teilnehmer der GründungSvcrsammlung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins im Jahre 18S8 und war auch einer der «rften Pioniere der Bewegung am Ort. für die er auch in schwerer Zeit werbend wirkte. Im großen Breslauer Geheimbundprozeß vom Jahre 1873 wurde er mit vielen anderen Genossen, die schon längst der kühle Rasen deckt, zu längerer Gefängnisstrafe verurteilt. Bis zum Fall des Schandgesetze« mutzte fich Friedrich aus Sorge um seine Existenz vom Parleileben zurückziehen; zum Teil mutzle er seinen Lebensunterhalt im Auslände suchen, weil die bürgerlich- kapitalistischen Machthaber ihm in der Heimat jeden Verdienst ver- sagten. Nach seiner Rückkehr in die Heimat und nach dem Fall des Sozialistengesetzes nahm Friedrich feine Tätigkeit für die Partei wieder auf. Keine Parteiversammlung fand statt, an der er nicht teilnahm, mochten auch seine zermürbten Körperkräste immer mehr schwinden. Der Schwerkranke ließ es sich selbst nicht einmal nehmen, an der bOjährigen Gründungsfeier der Partei noch teilzunehmen. Die Breslauer Genossen ehrten das Andenken des alten braven Kämpen für die Arbeiterschaft durch zahlreiche Beteiligung an seiner Beerdigung in der würdigsten Weise. Die Tagung deS Nationalkomitres der sozialistischen Partei der , Bereinigten Staaten. Vom 11.— Ib. Mai tagte in Chicago die weitere Partei- leitung, 70 Mitglieder stark, wovon 5 Frauen. Viele sind tätige Gewerkschaftler. Die Tagung begann gleich mit einer wichtigen gemeinsamen Aktion von Gewerkschaften und Partei. Auf Antrag D. Mc. Donalds, Sekretärs von über 80 000 organisierten Zeraleuten in Illinois, wurde eine scharfe Protefteingabe an den Präsidenten Wilson gegen die Schreckensherrschaft der Soldner- banden der Bergwerksbesitzer in Weftvirginia beschlossen und Ata Kommission: Siebs, Berger, Germer, gewählt, die die Zsfiäude an Ort und Stelle untersuchen soll..._.. Der Zusammenbang mit der Internationalen soll enger werden. Man beschloß, 2 Sekretäre im Internationalen Bureau und 20 Stimmen, wie die übrigen großen Nationen, auf den Kongressen zu beanspruchen. Zum Wiener Kongreß soll auf je 10 000 Mitglieder ein Vsrireter entsandt werden. Es sind jetzt rimd 110 000 Mitglieder. Entschiedene Ablehnung erfuhren die namentlich von Ohio und Texas ausgehenden Versuche, die Partei ins s y n d i k a- l i st i s ch c Fahrwasser zu lenken. Der Antrag auf Streichung d�r Verurteilung der Sabotage aus dem Statut fiel mit Dreiviertel Mehrheit: 43 gegen 14. Ebenso ging es mehreren aus derselben Quelle stammenden Beschwerden über Zahl und Bezahlung der Beamten, die eingehend geprüft und völlig unbegründet befunden wurden. Bessemer-Ohio, der sich Briefe auS dem Hauptbureau widerrechtlich angeeignet hatte, wurde aus dem Komitee ausge- schlössen. Weiter wurde beschlossen, die B i l d u n g s organisation aus» zubauen und nach Anträgen der Chicagoer Jugendgvugpe, die Jugendbewegung planmäßig zu fördern. Der engere Parteivorstand wurde von 7 auf b Mit- glieder verringert. H a h w o o d war wegen seiner syndikalistischen Agitation schon abberufen; Hillqultt und Dpargo lehnten Wieder- wähl ab. So wurden Berger wieder-, Göbel i früheres Mitglied), Maurer, Germer und Ameringer neugewählt. Fast alle Mitglieder sind Deutsche, aus der Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen und zumpist noch lebhaft darin tätig. So sind die Aussichten auf immer raschere Durchdringung der schon im Umbildungsprozetz begriffenen Gewerkschaftsorganisation und Schaffung der einheitlichen sozia- listischen Arbeiterbewegung sehr günstig.— Leitender Nationalsekretär wurde Genosse Lanfersick, Rechtsanwalt, Parteisekre- tär von Kentucky und Mitglied der Stadtverwaltung von Newport. Er gehört der Partei feit 1903 an. Seine Vorfahren find Arbeiter und seit 1803 im Lande._ Genossen scbaftlickes. Zehnter Genossenschaftstag. Vom 16. biS 18. Juni findet in Dresden im städtischen AuS- stellungSpalast der zehnte ordentliche Genossenschaftstag deS Zentral- Verbandes deutscher Konsumvereine statt. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: Der internationale Genossenfchaftstag in Glasgow vom 25. biS 27. Apgust 1913, Berichte des Vorstandes, des Aus- chusseS. der Unterstützungskasse-u-nd deS TarffamtS. Ferner stehen auf der Tagesordnung Referaie über daS Musterstatut für Bezirks« konsumvereine, über die Volksfürsorge und über Voraus- setzungen und Technik deS Betriebes konsumgenossenschastlicher Schkächtereien und Molkereien. In den zehn Jahren seit Bestehen des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine hat sich die.Zahl der ihm angeschlossenen Konsum- vereine von 635 auf 1200 gesteigert, die Zahl der diesen Bereinen angeschlossenen Mitglieder ist angewachsen von 575 449 auf 1 495 561, der Gesamtumsatz der Konsumvereine betrug im Jahne 1903 176 400 000 M. und ist bis zum Jahre 1912 angewachsen auf 603 Millionen Mark; der Wert der in eigener Produktion her- gestellten Waren erfuhr eine Steigeung von 14 700 000 M. auf 104 Millionen Mark. Das eigene Kapital vermehrte sich voy 18 Millionen Mark auf 56 Millionen Mark, das fremde Kapital von 22 Millionen Mark auf 183 Millionen Mark. Zu diesem Zwecke bildet man für die B7 wichtigsten Waren auS dem tatsächlichen Jahreskonsum eine Verbrauchseinheit pro 100 Tonnen, an der ttze einzelne Ware mit einem bestimmten Prozentsatz Parti- zipiert. Für die Wareneinheit ergeben sich in den ersten 4 Monate» der Jahre 1912 und 1913 auf Grund der amtlichen Notierungen der Großhandelspreise folgende Indexziffern in Mark: 8o2ia!es. B erHandlungen vor dem OberversicheruagSamt Potsdam. Potsdam, den 3. Juni 1913. Landwirtlchaftlicher Betriebsunfall ober Unfall im Haushalt? Ein rechtlich interessanter Streitfall unterlag heute der Prüfung und dem Urteil des Potsdamer OberverstcherungSamte». vor dem die 63jährige Bauunternehmersfrau Karoline Noack aus Lüders- dorf ihre Ansprüche durch ihren Ehemann vertreten ließ. Am 20. Juni v. I. kam sie auf einem mit Holz beladenen Wagen aus der Forst. Ter vom Kutscher gelenkte Wagen stürzte um und die Frau fiel herunter. Sie trug dabei einen Knöchelbruch davon und begründete auf diesen Unfall ihren Rentenanspruch. Die Ber- sicherung wies sie mit ihrem?lntrag ab. In der Berufungsinstanz machte die Klägerin geltend, sie habe das Holz, das sie immer aus dem Walde holte, zum Feuern verwendet und damit das Vieh- futter gekocht. Infolgedessen habe sie sich landwirtschaftlich betätigt und in diesem Betsiebe den Unfall erlitten. Da bekanntermaßen derartige Unfälle als Betriebsunfälle von den Parteien angesehen zu werden pflegen, forschte der Borsittende Regierungsrat Dr. Bothr nach dem Umfang h�S landwirtschaftlichen Betriebes. Den eigenen Angaben zufolge befttzmt die Eheleute Noack 1 Hektar Land, 2 Schweine, 2 Ziegen und Htihner. Weitere Nachflogen ließen er- kennen, daß im Haushalt der Klägerin keine sachliche Trennung bei der Zubereitung der Speisen und des Futters stattfindet und datz auf demselben Herd gekocht wird, daher also auch das Holz in der Hauptsache bauswrrtschaftlichen Zwecken dient. Diese Feststellungen führten dazu, datz die Berufung der Klägerin virüifgewiksen wurde, da sie persönlich ihren Holzbedarf in der Hauptsache für den Hausbedarf und nicht für ihre landwirtschaftlichen Bedürfnisse gedeckt hat. Die Verletzung könne daher' nicht als landwirtfchast- licher Betriebsunfall anerkannt werden. Röntgenuntersuchung angeordnet. Der 42jährige Arbiter Hermann Ludwig aus Metzelthin zog sich im Mäxz 1910 eine Ouet- schung der linken Schulter durch einen Deichselstotz zu. 1911 mel- dete L. erst den Unfall an und erhielt eine Lvprozenlige Rente. Die BersscherungSanstalt wollte die Rente auf 10 Pro;, herabsctten, da merkliche Unfallsfolgen nicht vorhanden seien. Diesem Bescheid trat L. durch seine Berufung entgegen. Er behauptet, seit dem Swtz den linken Arm nicht mehr verwenden zu können und daher verminderter erwerbsfähig zu sein, als die Berufsgeupssen- schast annimmt. Der zuständige Gutsvorsteher, der Arbeitgeber deS L., versicherte in einem Schreiben, er könne den BerufungS- kläger nur. mehr zum Schweinffüttern verwenden und das Ein- kommen des L. sei pro Tag um 1 M. verringert. Ter Gepichsisarzt Gehennrat Dr. Roth vermochte keinen Anhalt für eine Renten- gewährung zu finden. Das Oberverficherungsamt bw'chloß daher, um endgültig den Zustand des L. zu ermitteln, L. im stadtischen Krankenhause mit Röntgenstrahlen uniersuchen zu lassen. Bom Bullen gespießt. Ein jammervolles Bild bot heute vor dem Oberttersicherungsamr der 46jährige Arbeiter Wilhelm Weg- ner auS Fredersdorf. Am 24. Juni 1910 wurde W. auf einem Gutshofe von einem wilden Bullen erfaßt und an die Mauer ge- drückt. Er wurde vom Stier so zugerichtet, datz man ihm mehrere Rippen extrahieren mutzte. Ter linke Lungenflügel wurde stark verletzt und noch heute plagt sich der Bedauernswerte mit osienen Wunden. In beiden Instanzen verl»ngte W.. ber seither 100 P»zz. also die Bollrcnte bezieht, außerdem die Hilfsloscnrente, weil er zum größten Teil auf fremde Hilfe angewiesen ist. � Das Ober- vscsicherungsamt war geneigt, seinem Antrag zu entsprechen und ihm 25 Proz. zu bewilligen, war aber gesetzlich daran verhindert, da der Kläger selbst zeigte, datz er nicht in sämtlichen Fällen flem- der Hilfe bedürfe.__ Hus Industrie und Kandel. Sinkende Tendenz der Warenpreise im Großhandel. Seit Februar d. I. ist anscheinend in der Tendenz der Waren- Preisbewegung im Großhandel eine fundamentale Veränderung ein- getreten. Während nämlich bis zum Januar 1913 fast jeder Monat eine Erhöhung des Preisniveaus brachte, mgcht sich seit Februar eine fortschreitende Erleichterung beiuerlbar. Besondere Beachtung verdient die Toffache, daß die durchschnittliche Höhe der Warenpreise be- teits geringertst als im Lorjahcp. Um die Prejsveränderungen in ihrer Einwirkung auf den Konsum�richtig beurteilen zu können, müssen die Preise mit der Verbrauchsmenge in« Verhältnis gefetzt werden. 1912...... 1918...... Zu- resp. Abnahme in Prozent... Januar 6 464,47 6581,98 Februar 6 639,33 6 499,71 Marz 6 690,12 6 451,97 April 7 005,47 6 826,00 + 1,82- 2,10— 3,56 — 9,70 Der Monat April brachte also im Vergleich zum Lorjahre be- reits eine Senkung des Warenpreisniveaus um 9,70 Proz. Im Ver» gleich zu den früheren Hochkonjunktckrjabren ergibt fich allerding« noch eine ganz bedeutende Steigerung. Für den Monat April der Jahre 1906 bis 1911 berechneten sich nämlich die Warenpreis-Jndex- Ziffern, wie folgt: Für die wichtigsten vegetabilischenNahrungs m irt»4 ergaben sich nachstehende Indexziffern in Mark: Weizen. Roggen. Kartoffeln Reis.. April 1912 749,56 1019,28 1027,18 25,99 Bei den animalischen Nahrungsmitteln sich die Bewegung der Indexziffern folgendermaßen: 1913 679,65 860,97 531.30 23,07 Zu- resp. Abnahme — 69,91 — 158,31 — 495,38 — 2,92 gestaltete Schwäne Rinder. Kälber. Hammel Agril 1912 1 002.75 903,— 203,38 64.- Fündie wichtigsten gewerblichen Roh- und Betriebs- st o f f e wurden nachstehende Indexziffern berechnet: 1918 973,77 938,»— 215,11 72,40 Zu- resp. Abnahme — 28,98 35,00 11,73 8,40 Steinkohle Petroleum Roheisen Baumwolle April Zu- re 1912 729,45 149.86 365.00 269,01 Die allgemeine Erleichterung gegenüber dem Vorjahre ist also lediglich die Folge einer Abschwächung der LebenSmittelteuerung. 1913 761,87 155,17 385,44 290,77 p. Abnahme -I- 32,42 5,81 -- 20.44 21,76 Krieg und LuxnS. In der Generalversammlung der Aktien- geflllschaft vorm. H. GIadenbecku.Sohn äußerte der Cor» fitzevde, datz das LuxuSwarengxschäft im Jahre 1912 wegen der politischen Ereignisse sehr ungünstig verlaufen sei. Das Unter- nehmen betreibt in der Hauptsache eine Bildgieherei und es ist er- Ilärlich, daß das Publikum sich in solch ernsten Zeiten poch Möglich- keit von dem Erwerb von Gegenständen zurückhält, die für die Lebensführung nicht unbedivAt notwendig find. DaS hat fich auch in anderes Gewesbezweigen, die fich mit der Herstellung von Luxus- gegenständen befassen, bemerkbar gemacht. Em eigenartiger Konflikt. Die Firma Stumm besitzt im Gebiete der Metzer Schlachtfelder St. Privar und St. Mariaaux ChömeS große eisenerzholtige TerroinS. Hier hat sie nun seit einiger Zeit Fördergruben angelegt, um ihre Hütten' mit dem gewonnenen Erz zu beschicken, Deuischland ist arm an hochgradigen' Erzen, während unsere Eisenindustrie gewaltige Mengen verlangt. Gelegentlich eines Manövers— im April d. I. — bemerkte der Kaiser die Gruben. Er sah in dem Betrieb eine Pietätlosigkeit gegen die dort beerdigten Toten. So lebhaft war sein Protest, daß die Firma sich veranlaßt sah, den Betrieb vor- läufig einzustellen— Wenn Arbeiter einen Pfennig Lohnzulage verlangen, dann ichreit man über den Ruin der Industrie. Aller- dings, ganz gutwillig will die Firma auf den Weiterbetrieb nicht verzichten. In einem Bericht beruft sie fich darauf, daß die Erze für ihre Werke dringend notwendig seien. Pietät in Ehren, aber schließlich gehen die Lebenden und die Erfordernisse des Wirtschaft- lichen Lebens doch vor. Wenn Lebende sich den Betrieb gesundheitZ- gefährlicher Betriebe gefallen lassen müssen, dann kann man nicht verlangen, daß der Toten wegen die Industrie gestört wird. Auf den Abschluß der Angelegenhett darf man gespannt sew. Gerichts- Zeitung. �in Nachspiel zum MeincidSprozeß Schröder. Auf Grund deK Reichs geseyes vom 20. Mai 1898, betreffend die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen Pe»sonen, hatte Genosse Johann Meyer, einer der im Meineidsprozeß Schröder im Jahre 1895 Verurteilten und im Jahre 1911 im Wiederaufnahmeverfahren Freige- sprochsnen, seinen durch die Untersuchung und Strafhaft er- littenen Schaden bei der Dtaatsanwaltschast in Essen an» gemeldet. Er beanspruchte den vollen Verdienstausfall bis April 1899 m der von ihm berechneten Höhe von 11 400 M. und begehrte ferner seit dem Jahre 1903 bis an sein Lebens- ende eine Rente. Durch Verfügung des Justizministers wurde die Ent- schädigung Meyers aus 7200 M. festgesetzt, seine weiteren An- spräche aber abgewiesen. Meyer erhob nunwehr Klage gegen den preußischen Justtzsiskus. Zur Begründung machte er«Itend, bei'seiner Einliaserung in das Zuchthaus sei er ein vollständig gesunder Mensch gewesen. Aber schon während der Strafest sei er gesundheitlich gänzlich zusammengebrochen. Während dieser Zeit leien seine Frau, sein Kind und sein Schwiegervater der während seiner Abwesenheit für Frau und Kind geiorgt habe. gestorben, wie er annehmen müsse, aus Gram über sein Un- glück und seine schände. Nachdem er im April 1899 aus dem Zuchthcwse entlassen worden s«. habe er versucht, seine Arbeit als Kassierer beim Bergarbeiterverband« wieder aufzunehmen. sedach habe k schon nach kurzer Zeit diese Stelle wieder auf- geben müssen, da er unter seder Anstrengung zusammen- gebrochen let und auch sein Gedächtnis stark gelitten habe. Insgesamt verlangte er für die Zeit bis zum 1. April 1913 nach Abzug der gezahlten Entschädigung von 7200 M. noch die Summe von 33 460 M. Die ihm vom Bergarbeiter- verbände gezahlte Beihilfe von monatlich 73 M. brauche er sich nicht anrechnen zu lassen, da es sich hier nicht etwa um einen Anspruch gegen den Verband handele, sondern nur um eine Unterstützung, die der Verband gewährt habe, ohne auch nur moralisch verpflichtet gewesen zu sein. Ferner begehrte er vom 1. April 1913 ab bis an sein Lebensende eine �ahres- rente in Höhe von 1980 M. Dieser Betrag entspreche� der Summe, auf die sich sein Einkommen belaufen Hab«) wurde, wenn er gesund und beim Bergarbeiterverbande bis heute geblieben wäre. Der Justizfiskus, vertreten durch den Ob er staarsanwalt in Hamm, beantragte Klageabweisung. Die an den Klager gezablte Entschädigungssumme von 7200 M. habe auch den Ersatz des Vermögensschadens mit umschloffKM den« in dem fich an die Slrafvollslreckung anschließenden Zeitraum bis 1. April 1900«litten habe. Der Fiskus bestritt, daß fca jetzige Krankbsitszustand auf die erlittene Strafhaft zurück- Stühren fei, sowie daß Meyer schon während der Strafvollstreckung krank gewesen sei. Die 2. Zivilkammer des Lanimerichts Dortmund hat vor kurzeyl dem Kläger weitere 13 953 M. zugesprochen, so daß Meyer insgesamt 21 153 M. erhält. Weiter wurde de« unschuldig Verurteilten eine jährliche Rente von 1989 M. bis zu seinem 65. Lebensjahre zugebilligt. Das Gericht hielt für erwiesen, daß Meyer als völlig gesunder, kräftiger Mann in das Zuchthaus eingeliefert worden, nachher aber völlig gebrochen gewesen fej. Seine Hand war, wie Zeugen bekunden, stark zitternd geworden, sein Gehvermögen hatte erheblich abgenommen und offenbar zeigte Meyer Gedächtnisschwäche. Seine Sprache war monoton ge- worden und er suchte häufig nach Worten. Auch nach einem Obergutachten des Oberarztes an der psychiatrischer? Klinik in München sei es sehr wahrscheinlich, daß die Krankheit des unschuldig Verurteilten auf den Ausenthalt im Zuchthaus zurückzuführen sei. Das Leiden des Klägers könne, wie der Oberarzt bemerke, seinen Grund in den heftigen Gemütsbewegungen darüber haben, daß er unschuldig im Zuchthaus saß, während Frau und Kind draußen zugrunde gingen. Diesem Gutachben schloß sich das Gericht an und hielt den erbrachten Beweis der höchsten Wahrscheinlichkeit als zur Fest- stellung des.Kausalzusammenhanges für ausreichend, da, wie der Gutachter betone, ejn weitergehender Kausalzusammen- hang überhaupt ärztlich nicht feststellbar sei. Indessen kam das Landgericht zu der Ansicht, daß der Verdienst deS Klägers nicht die von ihm angegebene Höhe erreicht haben würde, auch habe er nach der Strafentlassung Einkünfte gehabt, die er sich anrechnen lassen müsse. Die beanspruchte Rente vom 1. April 1913 ab sei ihm zuzubilligen. Als Endtermin dieser Rentenpflicht des Justizfiskus sei das 65. Lebensjahr des Klägers gewählt worden in der Annahme, daß Meyer nur bis dahin im vollen Besitze seiner geistigen und körperlichen Kräfte geblieben wäre.__ Das polizeiwidrige Hurra. Am 7. März fand in Kellers Saal in der Koppenstraße eine Jugendvcrsammlung statt zum Protest gegen die unberechtigte polizeiliche Auflösung von sieben anderen Jugendversammlungen, die einige Tage vorher erfolgt war. Kellers Saal war überfüllt. Vor dem Lokal auf der Straße standen mehrere Hundert Menschen, die keinen Einlaß mehr fan- den. Die in starker Zahl anwesende Polizei suchte die Menschen aus der Koppenstraße zu verdrängen. Dabei gingen einige Schutz- leute mit gezogenem Säbel und schußbereitem Revolver yor. In der Menge, die keinen Anlaß zu cknem derartigen Einschreiten ge- geben hatte, wurde hier und da gesungen, auch begrüßte man das unbegründete und schneidige Lorgehen der Schutzleute mit Hurra- rufen- Sin junger Mann namenS Nimmergnt wurde von einem Schutzmann ergriffen, weil er in das Hurra seiner Umgebung eingestimmt hatte. Nimmergut erhielt eine polizeiliche Strafver- fügung über S M. Er soll durch sein Hurrarnsea groben Unfug perübi haben. Außerdem wird in dem Strafbefehl behauptet, Nimmergut habe sich an einem Auflauf beteiligt und laut gesungen. Da Nimmergut gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben hatte, kam die Angelegenheit gestern vor dem Jugendgericht Brrlin-Mitte zur Verhandlung. Durch die Aussage eines Schutzmanns und eines anderen Zeugen konnte nichts weiter festgestellt werden, als daß der Angeklagte ein einziges Mal Hurra gerufen hat.— Nachdem der Amtsanwalt die Bestätigung der polizeilichen Strafverfügung beantragt hatte, plädierte der Berteidiger. Rechtsanwalt Dr. Kurt Roseufcld auf Freisprechung und Auferlegung der Verteidigungskosten guf die Staatskasse llntsr den Linden werde oft Hurra gerufen, und noch Nie sei es jemand eingefallen, das als eine strafbare Handlung anzusehen. Was Unter den Linde» straflos geschehe könne doch nicht strafbar sein, wenn eS in der Koppen straße ebenfall» geschehe. Der Angeklagte habe also keinen grobe» Unfug begangen. Min» besten» aber könne nicht angenommen werden, daß er daS Bewußt» sein gehabt habe, sich durch ein einmaliges Hurrarufen strafbar zu machen. Da» Gericht hielt die Angelegenheit für noch nicht genügend geklärt. Die Verhandlung wurde vertagt. Zu dem neuen Termin soll noch ein zweiter Schutzmann geladen werden, der diesmal nicht erschienen war, weil er auf Urlaub ist. Dieser Schutzmann soll im Vorverfahren den Angeklagten als einen der größten Krakeeler be- zeichnet haben. Wenn daS zuträfe— sagte der Gerichtsvorsitzende — würde die Sache doch wesentlich ander» liegen. Wie viele von den Erwachsene», die ans Anlaß der jüngste» Hochzeitsfeierlichkeiten an Bahnhöfen und anderwärts Hurra riefen, mühten fistiert und verurteilt werden, wenn die vorstehend ge- schilderte Anklage eine berechtigte Grundlage hat? Was ist eine Lersammlnng i« Sinne des ReichSvereinSgesetzeS? Der sozialdemokratisch« Verein für Müllrose hatte am Kar- sreitag im Lokal von Noak einen Lichtbildervortrag über die ..Deutsche Revolution 1848/40*. Daraufhin wurden Lehmann als Veranstalter, Roth als Vortragender und Noak als Lokalinhaber vom Landgericht Frankfurt a. Q. wegen Uebertretung der Ver- ordnung des Oberpräfidenten der Provinz Brandenburg vom 21. Juli 1011 angellagt. Diese zum Schutze der äußern Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage erlassene Verordnung bestimmt, wie auch die in anderen Provinzen erlassenen gleichartigen Ver- Ordnungen, daß am Karfreitag öffentliche Berfammlunge» oder Umzüge, welche nicht gotteSdienftlichen Zwecken dienen, nicht statt» fänden dürfen. Das Landgericht sah die Zusammenkunst zur An- hörung deS Lichtbildervortrags als eine Versammlung an und er- achtete sie für öffentlich, weil nach seiner Annahme der Zutritt jedermann gegen 30 Pf. offen gestanden habe, wenn sich auch nicht habe nachweisen lassen, daß andere als Vereinsmitglieder und ihre Angehörigen dort gewesen seien. Eine Versammlung sei eS ge- Wesen, weil die Teilnehmer den gemeinsame« Zweck verfolgt hätten, den Vortrag anhören und zugleich ihre Zugehe rief eii zum sozialdemokratischen Verein stiufchweigend zu betonen. Die Angeklagten legten Revision ein. Sie machten geltend, das Landgericht verwechsele einen Vortragsabend mit einer Ver» fammlung. Die anwesenden Zuhörer hätten sich an dem Vor» traasabend ganz passiv verhalten und lediglich»uaehört. DaS Kammergericht hob denn auch am Montag die vor- entfcheidung auf und verwies die Sache zu nochmaliger VerHand- lung an das Landgericht zurück. Das Kammergericht schloß sich in Uebereinstimmung Mit dem Vertreter der Ob-rstaatsanwaltschast der in einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts ausgesprochenen Auffassung über den Begriff der Versammlung an. ES ging da- wit von folgenden Erwägungen auS: Unter einer Versammlung ist zu� verstehen eine geplante(nicht zufällige) Zusammenkunft einer grozeren Anzahl von Personen Zur Erreichung eines gemeinschaftlichen inicht bloß gleichen, Zwecks. Zusammenkünften andern Art unterscheide sich die Veriamm- lung durch ibren Zweck. Wahrend durch andere Zusammenkünfte nur persönliche Interessen jeder einzelnen der zusammengetroffenen Peqonen befriedigt werden solltens bezwecke die Versammlung die lolgung eines den Zusammentretenden gemeinsamen Zwecks. eine Einwirkung auf die Allgemeinheit, und zwar eine Einwirkung -uf des Wille« d« Lersammslten, m ife Lwftigvj Bshalten aus dem, den Gegenstand der Erörterung bildenden Gebiete zu bestimmen. Daher seien Zusammenkünfte zum Zwecke der Unter- Haltung, Erheiterung, Belebrung oder des Kunstgenusses(Gesell- schastsspiele, Schaustellungen, Vorstellungen, Ausführungen und sonstige Lustbarkeiten, gemeinschaftliche Uebungen in Gesang, Tur- nen und dergleichen, wissenschaftliche Vorträge, gemeinsame Un- terrichtSftunden, Vorlesungen usw.) keine Versammlungen im Sinne deS Reichsvereinsgesetzes. Allerdings sei der in dex Einladung angegebene Zweck nicht unter allen Umständen entscheidend. Es komme vielmehr immer auf die tatsächliche Gestaltung an. Es könnten, je nach Lage der tatsächlichen Verhältnisse, auch weitere Zwecke damit verbunden sein, die eine solche Zusammenkunft zu einer Versammlung werden lassen könnten.— Was nun den vor- liegenden Fall angehe, so könne ein solcher Vortrag an sich noch nicht die Annahme zu einer Versammlung begründen. Die Frage sei, welches der Zweck sei. Wäre nur eine bloße Belehrung be- zweckt, dann könne von einer..Versammlung" überhaupt nicht die Rede sein. Es könne aber auch noch ein anderer Zweck damit ver- folgt worden sein. Welchsö war der Hauptzweck: das sei eine Frage. Das sei bisher nicht festgestellt. Deshalb müsse die Sache an das Landgericht zurückverwiesen werden. Ein..Muster"-Polizist. In die Geheimnisse der Polizeiwachen leuchtete wieder einmal ein Prozeß hinein, der vor der Waldendurger Strafkammer zur Verhandlung kam. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung stand der Polizist Hahn aus Waldenburg unter Anklage. Dieser hatte einen in Begleitung seiner Familie ruhig seines Weges gehenden Berg- mann nur deshalb verhaftet, weil er seinen Hund ohne Maulkorb an der Leine führte. Auf der Polizeiwache wurde der Bergmann von Hahn so schwer mißhandelt, daß er eine Woche lang arbeits- unfähig war. In einem zweiten nachgewiesenen Fall verhaftete Hahn einen ebenfalls ruhig seines Weges gehenden Musiker Fleischer ohne Grund und fesselte diesen, obwohl er nicht den ge- ringsten Widerstand leistete, so stark, daß beide Handgelenke stark bluteten und jetzt noch nach reichlich vier Monaten die Narben deutlich erkennbar sind. Auch Fleischer wurde von dem Polizisten so heftig ins Gesicht geschlagen, daß er aus Mund und Ohren stark blutete. Obgleich zwei andere Polizisten die Aussagen des Miß- handelten bestätigten, wagte dieser Musterpolizist noch zu behaup- ten, die Zeugen haben die Unwahrheit gesagt. Ja, sein Ver- teidiger, ein eifriges Mitglied des Reichsverbandes zur Vekämv- fuug der Sozialdemokratie, wollte sogar den Nachweis erbringen. daß Hahn ein pflichttreuer, eifriger Beamter sei. Die Beweise für die Schuld dieses„pflichttreuen, eifrigen Beamten", waren aber so erdrückend, daß ibn das Gericht zu zwei Monaten Ge> fäagniS verurteilte. Bis zum Termin war dieser Musterpolizist noch im Dienst. Er hatte also Gelegenheit, seinen„Pflichteifer" immer wieder aufs neue zu betätigen. Schleuderware. Als einen gemeingefährlichen Raubzug gegen den deutschen Buchhandel bezeichnete der Staatsanwalt die Handlungsweise des Buchhändler? Georg Jüterbock, gegen den gestern die 10. Strafkammer des Landgerichts I eine Anklage wegen Betruges zu ver- handeln hatte. Der Angeklagte hatte sich als Verlagsbuchhändler ausgegeben und bei verfcksiedenen großen Verlagsbuchhandlungen in allen Gegenden Deutschlands wertvolle Werke bestellt, die er sofort auf einem Wagen zu Schleuderpreisen weiterverkaufte. Auf diese Waise hatte sich der Angeklagte in den Besitz von Büchern im Gesamtwerte von zirka 30 000 M. zu setzen gewußt. Zu den Ge» schädigten gehören u. a. die Firmen BrockhauS, Härtel usw. Der Schwindel kam zur Entdeckung, als der Angeklagte, nachdem cr einen anderen Buchhändlsr angezeigt hatte, von dem Kriminal- Wachtmeister Lahmann aufgesucht wurde und dieser ihn gerade da- bei traf, wie er wertvolle neue Bücher mit auffallend geringen Preisen auszeichnete. Er wurde verhaftet, dann aber bald willier auf freien Fuß gesetzt. Um einer erneuten Verhaftung zu cnt- gehen, legte sich der Angeklagte den Namen Georg Jüterbock von Wcsternhagen bei. Staatsanwaltsrat Dr. Hofstaedt bezeichnete den Angeklagten als einen gemeingefährlichen Schwindler, der einen förmlichen Raubzug gegen den deutschen Buchhandel unter- nommeri habe. Dem Antrage des Staatsanwalts gemäß lautste das Utteil anf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Hus aller Sielt. Zunahme der Auswanderung. Die Zahl derer, die den Staub des Vaterlandes von ibren Schuhen schütteln und versuchen, stck in der Fremde eine bessere Existenz zu schaffen, ist wieder im Aufstieg begriffen. Ueber Hamburg sind im Mai d. I. 25 470 Auswanderer befördert worden, eine Zahl, die auch in früheren Jahren noch in keinem Monat erreicht wurde. Im Mai 101 l waren es 17 470. Unter den 35 470 Auswanderern waren 043 Reichsdeutsche und 24 580 Angehörige fremder Staaten. Die Zahl der auswandernden Reichsdeutschen hat sich gegenüber dem gleichen Monat des Bor- jahreS um 367, die der fremdländischen Auswanderer um 7642 erhöht._ Unwetter in der Mark. Folgenschwere Gewitter sind DonnerStagnachmittag in der Um» gebung BersinS zur Entladung gekommen. Besonders heftig tobte das Unwetter in der Nähe von Strausberg und bei Ebers- Walde. Auch Müncheberg wurde schwer heimgesucht. Ver« hängnisbolle Folgen sollte hier ein Blitzstrahl für den Feldarbeiter Z e r k o w i tz haben. Z. wurde auf freiem Felde vom Blitz getroffen und hat seitdem die Sprache gänzlich verloren. Auch ist er völlig gelähmt. Unter tragischen Umständen hat der siebzigjährige Maurer Karl Albert aus Mühlbeck den Tod ge» ftmden. A. hatte nachmittags bei seiner kranken Frau am Bett ge- sessen und mit ihr zusammen Kaffee getrunk-n. als plötzlich ein Blitzstrahl ins Zimmer eindrang und den alten Mann traf. A. wurde auf der Stelle getötet. Bei D r e e tz wurden zahlreiche Rinder und auch Pferde vom Blitz erschlagen. Auch die dorttge Windmühle des Besitzers Pritschow sollte ein Opfer deS Gewitters werden. Durch Blitzstrahl wurde sie angezündet und brannte total nieder. Bei R h i n o w wurde der Malermeister Z e t t auf der Chauffee Pom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. Blutiger Kampf unter der Erde. Em furchtbare» Drama spielte sich, wie aus Lille gemeldet wird, am Donnerstag m einem Schacht der Zeche vonFerfah ab. Eine Schicht war eben hinabgefördert worden, als au» dem Schacht Hilferufe ertönten. Mehrere Bergleute stiegen eilig in den Schacht hinab und fanden die Leiche des Oberhäuers Finst und eines HäuerS vor. Zwei verwundete Bergleute lagen neben ihnen. Die beiden letzteren wurden von Gendarmen verhastet, da sie nach Aussage eines Bergmanne» den Oberhäuer Finst überfallen hätten, der nach ver- zweifelter Gegenwehr, wobei er einen der Angreifer tötete, seinen Verletzungen erlegen sei. Die beiden Verhafteten leugnen die ihnen zur Last gelegte Tat._ Ein kleines Mi�serstauduis. Aus Wien wird der„Fxankf. Ztg." folgendes amüsante Ge- schichtchen erzählt: Es ist in der Wiener Burg ein alter Brauch, daß die�Gäste nach Schluß der Hostafel sich kleine mit feinen Bonbons gefüllte Schachteln mitnehmen mit der offiziellen Begründung: als Andenke» für die Sind«. Gewöhnlich entsteht da um den Tisch. auf dem die Bonbonnieren aufgestapelt find, ein kleines Se- dränge, und es bedarf ewiger Geschicklichkeit, wenn mau nicht leer ausgehen will. Unlängst' passierte eS, wie die Fama er- zählt, ewem Husarengenera!., daß er an die Süßigkeiten nicht herankommen konnte. Doch andere, denen mehr Glück beschieden war, überließen ihm großmütig einen Teil ihrer Beute. Der General hielt gerade drei Schachteln in der Hand, als Kaiser Franz Joseph, der wie gewöhnlich lächelnd dem Gedränge um die Bonbonnivren zusah, auf ihn zukam. .Wieviel Kinder haben Sie, Herr General?" frug der Monarch leutselig. Der General glaubte m seiner Verwirrung, daß der Kaiser ihn wegen seiner drei Schachteln interpelliere, und antwortete stotternd: „Drei, Majestät. Von Exzellenz Berchthold eins, von Exzellenz Krobatin eins und von Graf Paar eins. Der Kaiser sah den General erstaunt an, ging kopfschüttelnd weiter und murmelte nur:„Schöne Sachen sind daS." Explosion in einer Zementfabrik. Eine folgenschwere Explosion hat sich Donnerstag nachmittag in der Zementfabrik von Bornet u. Co. in Gent ereignet. Eine An- zahl Arbeiter war mit der Aufstellung eines Motors beschäftigt, als plötzlich eine Benzinexplofion den Motor auseinander riß. Die Eisenteile wurden in dem ganzen Räume herumgeschleudert und richteten großen Schaden an. ZweiArbeiter wurden auf der Stelle getötet, während eine ganze Anzahl anderer schwer verletzt wurde. Der Materialschaden ist bedeutend. Die„Blüte" der Ratio«. In einem Kabarett zu L i e g n i tz kam eS Ende voriger Woche zu einer argen Prügelei, deren Urheber„hoffnungsvolle" Bihtschchen der Breslauer Studentenschast waren. Durch die fort- währenden Sticheleien der Studenten gegen andere Besuch« kam es zu einem Wortwechsel, der in schwere Tätlichkeiten aus- artete. Dabei wurde ein Lieguitzer Fabrikbesitzer von den Studenten so verhauen, daß er von der Sanitäls- kolonne nach seiner Wohnung geschafft werden mußte, wo er jetzt schwerkrank daniederliegt. Die Namen der akademischen Raufbolde wurden von der Polizei festgestellt. Wie mögen die Prügelhelden als Staatsanwälte oder Richter später wettern über die Verrohung der Arbeiterklasse, wenn sie viel- leicht einen streikenden Arbeiter abzuurteilen haben, der sich in den Maschen des Gesetzes fängt._ Ein Naturwunder. Die große Macht des heiligen BureaukratiuS hat schon mancher zu spüren bekommen. Daß der Gefürchtete aber auch in die Biologie einzugreifen vermag, bewies er kürzlich an einem Bahnarbeiter in Pankow. Der bekam nämlich vom Amtsgericht Köln eine amtliche Zustellung folgenden Inhalts: „Sie werden hierdurch aufgefordert, am 30. d. M., vorm. 0>/z Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht Köln, Appellhofplatz, Zimmer 206, Hl. Stockwerk. Eingang Portal 3, zu erscheinen. wird noch bemerkt, daß Sie nach den angestellten Ermittelungen erst im Oktober Ihre Niederkunft zu erwarten haben und da- her zum Termin zu erscheinen in der Lage und auch ver- pflichtet sind. Herrn Gustav M. in Pankow." Im Zeitalter des Geburtenrückganges ist es immerhin ein Trost, daß die aus Köln kommende biologische Erkenntnis neue Wege weist. Kleine Notizen. Ein Kutschgeschirr vom Rangierzuge erfaßt. Das Gefährt deS Fabrikbesitzers Jungmeier in Straubing geriet an einer Ueberfahrr unter einen Rangierzug. Kutscher und Pferd blieben gräßlich verstümmelt tot am Platze liegen. Dem Fabrikanten wurde ein Fuß abgefahren. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Schweres Automodilunglück. Der rumänische Abgeordnete Ben- iura und seine Gemahlin sind in der letzten Nacht infolge eines Automobilunfalls in der Nähe von Bukarest in einen Fluß gestürt und ertrunken. Geschoßexplosion. In der russischen Artilleriewerlstatt K r e m e n t- s ch u g explodierte ein Schrapnell, wobei ein Beamter getötet und ein Feuerwerker verwundet wurde. Fleischvergiftungen. Räch dem Genuß von Fleisch find in Hofen(Bezirk Kempten) acht Personen erkrankt. Ein Knabe ist bereits gestorben. Eine strenge Untersuchung ist ein- geleitet. Clsenbllhnunsall. In Goegrs Marienhüite bei Osnabrück er». eignete sich am Donnerstag ein Unfall. Die Lokomotive und der Packwagen eines Personenzuges stürzten an einer Weiche um. D« Lokomotivführer und der Heizer erlitten schwere Verletzungen. Ein Eifersuchtsdrama. Freitag früh hat in Wien die Sljährige Kellnersfrau Appollonia P o I o n h i ihren 32jährigen Mann nach einer heftigen Eifersuchtsszene im Beisein ihres 0jährigen Sohnes erschossen und sich sodann durch mehrere Revolverschusse selbst en tleibt. Bllgemeiue Krauten- und Sterbekasse der Metallarbeiter- «G. H. 23), Hamburg.(Filiale Bernau i. M.) Am Sonnabend- den 7. d. M.. abends 8 Uhr. findet im Restaurant„Zu den vier Linden- (Jnh. Schmidt), Königstr. 247, unsere diesjährige Haupt» erfaumilimg mit sehr wichtiger Tagesordnung statt. Freixeligioie Gemeinde. Sonntag, den 8. Juni, vormittag? g Uhr, Poppelallee 15— 17, Rixdorj, Jdealpassage, und Tegel, Echlieper- straße 30: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Frank» furter Straße 6: Vortrag von Herrn 81. Fischer:„Revolution der Liebe-. Damen und He»en als Äälte willkommen. Berein der Frxldeuker für Fcuerbestattnng. Versammlung Montag, den S. Juni, abends 8l|, Uhr, Rosenthaler Str. 11/12. Gäste willkommen. ßneffearten der Redaktion» »le jurtftitche Sprcqftmive fiatei S t n 6 e a t» t a 6 c 69, vor« biet Sttvvea — A a» r ft»» l—, Biudientaa-ld) vou 4% bis 7H Uhr obeab», eoaaobcubS, boa 454 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für dru vtteflastea brftttamtta Aufrage ist ein«achs-nde aad eiae sticht als Merkzeichen beizufügen,»rttfliche Autwott wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbaaarnicntSqaittaag betgefügt ist, »erden nicht d-antworttt. Mlige Kragen ttage man ta der Sprechftande vor. SO. Z. 1005. Anspruch aus Rückgängigmachung de« Kaufs habe» Sie nur dann, wenn der Verkäufer trotz Aufiorderung unter Fristtetzung die Mangee nicht beseitigt und wenn es sich um erhebliche Mangel handelt. scheuer- oder Kratzstellen an der Politur sind u. 6. keine erhebliche» Mangel. Bevor der Verkäufer die Sachen abholen kann, muß er klagen. Soweit wir die Angelegenheit überblicken, find sie zur Weiterzahlung der vereinbarten Raten verpflichtet.— M. 100. 1. bis 3. Ja.— H. M. 81. Rem. rellamieren Sie bei der Kirchengemewde.— E.«. 7S. Der im« mitgeteilte Entwurf entspricht nicht den Vorschriften über ew gemewschast- llches Testament. Sz genügt nicht die Unterschrift der Frau, sondern diese muß einen eigenhändig geschriebenen, mit Dattrm, llntersibrist und Orts- bezeichnnng versehenen flusatz machen, daß daS Testament«ich als daS ihrige gilt.— Z. gs. i, und 2. Rein.— 100. F. Z. 1. und 2. Ja. sosern die Versicherungen aus den Namen Ihrer Frau laute».— C. F. S5. Die Beschaffung eines SrbschemS ist erforderlich, ohne Verlegung eines solchen zahlt die Sparkasse an die Erben nicht ans. Der Antrag ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die Mutter ver- starben ist, zu stellen. Ihre übrigen Fragen, find unverständlich. — M. R. 18. Das Kind dürjen Sie nicht hilflos zurücklassen. — A. O. SZ. Der Steuerbeamte hat insoweit Recht, als die Zettdauer in dem lausenden Steuerjahr liegen muß.— F. 83. Die Nachkomme». F. G. 30. Ihre Angaben reichen nicht aus. Die Frage läßt sich nur be. antworten, wenn die Höhe des Wochenverdienstes und ferner angegeben wird, ob Familie zu unterhalten ist und wie groß letztere ist.— I. R. 20. In fünf Jahren bei einfacher Urkundenfälschung, bei schwerer Urkundensälschung in zehn Jahren.—-.1�-.� vifz V m_ Ä Lebensmittel Soweit Vorrat, Verkauf nicht an Wiederverkäufer. Nicht am Spittelmarkt. Tand 78 Pt Pfnn" 90 Pt Frischer Sparsei..5, 20, zs Grüne Gurken.... s, 10, 15 besonders billig: ?k. 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Kaiserliche Hoheit. Berliner. Filmzauber. KöniggräUer Strasse. Die süns Franlsurter. Schiller O. HasemannS Töchter. Schiller-Charlottenb. Geographie und Liebe. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. tsct Der Deutsches Schauspielhaus Dieb. Kleines. Professor Bernhardt. hes Opernhaus. Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Komödtenhaus. Hochherrschastliche Wohnungen. Metropol. Die Kino-Königin. Thalia. Puppchen. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Slettiner Sänger. Anfang S'lt Ubr. Friede.. Wilh. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lustspielbaus. Der lustige Kaladu. Luisen. Die Allwördens. Rose. Der Traum ein Leben. FolteS Eaprice. Ein Pechvogel. Die Krampfsache. Anfang 8'/, llbr. NeueS Volkstheater. König Krause. Theater am Nollcndorfpints. Der Mann mit der grünen Maske. Ansang 9 Ubr. Sldmiralspalast. EiSballett: Flirt in St. Moritz. Sternwarte. Jnoalidenftr. 57— 62. Deutsches Schanspielhans _ 8 Uhr: Der Dieb._ Theater amKöllenilorJplatz Allabendlich 8-/, Uhr: Der Mann mit der grünen Maske. Sehiller-Thealer 0. xS«.«1 Sonnabend, abends 8 Uhr: Hosemanns Töchter. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Konzert. Sonntag, abends 8 Uhr: jloral. Montag, abends 8 Ubr: Ilascmanns Töchter. Sehiller-Thealer Chbr«?r Sonnabend, abends 8 Uhr: Geographie und Liebe. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Teil. Sonntag, abends 8 Uhr: Freiwild. Montag, abends 8 Uhr: Moral. Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Theater in der KöDiggrälzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Kroll-Oper 7 Uhr: Lohengrin. Sonntag: Bajazzo u. Cavalleria rusticana. Mis Operetten-Theater (fr. Neues Thoafar). Amt Norden 1141. Sommervreise. Gastsp. Jul. Spielmann. 8 Uhr: Ter lachende Ehemann. IOSE=THEATE Srotze Franffurtei stt. 132. Ansang 8'/, Uhr. Der Traum ein Leben. Auf der Gartenbühne: �.«•ittnnk: Es geht los! ■ Große Posse. Ansang 4'/, Uhr. Ädiiiiralspalast- Angenehm kühler Aufenthalt. 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MMstZ W* LOGISCHER-NSJ Ii n r\ wrfwwr».» irvd GARTEN | Heute nachm. 4 Uhr: Monster-Konzert (5 Kapellen) Erkscher Männer-Gesangverein. Eintr. 1 M. Freik. aufgeh. Abonn. zahl. 0,50. Abends; Große Fest-Illumination. Reichshallen-Theater Steftiner Sänger, Jneke's _|p Pfingstfatirr Berliner Burleske � von Meysel. Anfang 8 Uhr. KCetropol- Theater. nbcnds 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonlowski. Musik von Jeau Gilbert. In Szene gesetzt o. Dir. üiich. Schultz. Morgen nachmittag 3 Uhr: beichte Kavallerie und Flotte Bursche. Brauerei Friedrichshain Am Köuigstor. Jeden Dienstag Oef.: Ernst Giebing. und Oonnerstagnachmittag: Jeden Dienstag- und Oonnerstagnachmittag: antd Kaffee-Tr ei-Vor Stellung der Xorddeutschen und Apollo- SÄnger eiem Entree. Freitags: Frei-Konzert. bei freiem Reederei Kahnt& Hertzer Kä«: BV Billige Extrafahrten ab: WäiSenlirÜrke Morgen Sonntag rin ch» /Tornowsv Abfahrt Uhr, u. 15. Juni nach"UpiDÄ � id/ll) hin u. zurück 2 M. Soaatag nach Krampenhufg Abfahrt g Uhr] hin und zurück und Krampendurg— Tlegeubals Abfahrt 2 Uhr J Täglich nach NeUe MÜtllC tJtnVÄ QnMgs� Jeden Montag U.Donnerstag nach IVcudcuscbl««-' Gräuau» Rrauipcuburg- Kiene Räblc Jeden Donnerstag u. Freitag nach Hicu-Ablbcch, hnsce1,r 1 u oltersdorferSchleuse Jeden Mittwoch nach IH�cndcuschlaL-Griiuau- Rx-aiupcuburg- ISlcgcubals Jeden Mittwoch nach T QUpitZ,, Abs. 8 Uhr, hin u. zurück 2 M. Von Cafö Alscn(Schief. Brücke) Abfahrt je'/, Stunde später. Ab I>ieul<ülln->Vildenbrucbbrücke Jeden Montag n. Donnerstag nach Xcu-Ablbech- Frlcdrlchshagen und UTeu-Helgoluud Jeden Dienstag und Freitag nach Vtz'cudcuscbluö, Grünau- Waldidyll- Hilggelhelm s-'"'"ÄSKÄ.Krampeiiburg Ab Cafö Alsen(Schlestjche Brücke) Abfahrt ea. Stunde später. Dampfer sind an Vereine usw. billig zu vergeben. Abfahrt 2 Uhr hin u. zurück 50 Ps. 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Der Tatbestand ist folgender: Ter Berliner Stadtsekretär Wal- demar Schmidtte trat vor fünf Jahren in die Oeffentlichkeit. indem er für das Trinkerkinder-Rettungsheim„Zetlerhaus". das seit Jahresfrist in Schloß Buckow untergebracht ist. Propaganda machte. Er hat in Perbindung mit anderen Personen, die er später sämtlich verdrängte, das Heim auf eine achtbare Höhe bringen helfen. Das war ihm nur durch stärkste Hinneigung zu ton- angebenden, wohlhabenden Kreisen möglich geworden. Im Heim ließ sich Schmidtke von allen Seiten, auch von den Schwestern und Zöglingen,„Herr Direktor" nennen und herrschte so unumschränkt. daß die Verhältnisse für die Oberin Zeller und andere dem Heim nahestehende Personen unerträglich wurden. Schon vorher hatte Schmidtke nach dem Berliner Rathause die sogenannten Mütter konferenzen einberufen, als deren geistigen Vater er sich stets be zeichnete. Solange der Zuspruch unbedeutend war. sollten auch die unteren Stände herangezogen werden. Bald nahmen die Kon ferenzen aber völlig bürgerlichen Anstrich an. Sie standen zunächst mehrere Jahre in enger Verbindung mit der Geschäftsleitung des Zellerhauses. Nachdem Schmidtke genötigt war. sich von den Ge schäften des Zellerhauses zurückzuziehen, ritz er von diesem Heim, vermöge seines starken weiblichen Anhanges— Herr Schmidtke ist unverheiratet und wird selbst von verheirateten Frauen förmlich vergöttert— die Mütterkonserenzen los, schweißte sie zu einem »Ersten deutschen Müttcrbund" zusammen, machte sich zum .Bundesdirektor" und nahm nach seiner Gewohnheit sämtliche Rechte für sich in Anspruch. Die Frauen ließen sich alles gefallen, bis einem Teile von ihnen die Augen aufgingen, als Schmidtke drei Frauen der Verwaltungsstelle, mit denen er in Differenzen geriet, einfach ihrer Aeinter entsetzte und von den Mütterkonserenzen ausschloß. Tie Streitereien hierüber sowie über die Kafsenvcrwaltung führten zum Hinauswurf der drei Ver- waltungsdamen. Nachträglich wurde herangezogen, daß Herr Schmidtke antisemitische Tendenzen geäußert habe, während zwei der Entlassenen, die jüdischen Damen Kuttner. Mutter und Tochter. die christliche Religion verspottet haben sollen. Auf allen diesen widerlichen Frauenklatsch braucht man nicht näher einzugehen. Interesse für die Leffentlichkeit haben lediglich die von Herrn Schmidtke entworfenen Bundessatzungen, die in ihrer Art wohl einzig da st ehe n. Sie werden ergänzt durch einen angeblich nur von 20 Bundesmitglicdern, gegenüber der fitesamtzahl von rund 700, angenommenen„Sonderbeschlutz" vom Dezember 1012, der in seiner Fassung dem ärgsten Diktator als Musterbeispiel dienen könnte. Erwähnt seien nur folgende Stich proben:„Ter Bundesdirektor iGründer) ist dauernd ge wählt. Er allein hat das Recht zu Ausweisungen aus den Ver sammlungen und aus dem Bunde. Die Bundeszeitschrift ist mit allen Einnahmen aus ihr sein alleiniges Eigentum. Der Wonne- mentsbeitrag, X. des Jahresbeitrages vpn 3 M., kann vom Bundes Direktor nach seinem p xi patzen Belieben verwendet werden. Bei 'Veranstaltungen ches Bundes jeder Art sind nach Abzug der Unkosten *'80- P r o-z e n t d er- Ei n n ahmren H-e r rn Sch m i dt bir-z u feinem p r ida t c n V.ew w e nd u n g zu überweisen. Einkünfte aus Vorträgen des Direktors stehen nur diesem zu. Tie Geschäfts führung durch den Bundesdirektor erfolgt nach wie vor ehren amtlich. Eine Aenderung des Sonderbeschlusses darf nur mit Zustimmung des Bundesdircktors erfolgen!!" Die Satzungen und der Sondcrbcschluh sollen überhaupt nur etwa 20 Bundesmitgliedern bekannt gewesen sei. Zum Mittwoch hatte Herr Schmidtke einen kleinen Kreis nach dem LehrervereinShaus berufen. Am Donnerstag fand ebendort «ine von etwa SOO Personen besuchte Mütterkonserenz um 7 Uhr abends, später eine Protestversammlung der ebenso starten Gegen- Partei in den„Äammersälen", Tcltower Straße, statt. In allen drei Versammlungen kam es zu überaus stürmischen. sufsragcttenähnlichen Auftritten. Herr Schmidtke wies noch vor Eröffnung seiner zweiten Versammlung unter Assi- stenz des Rechtsanwalts Dr. Dehnick zahlreiche ihm mißliebige Per- sonen„kraft seines Hausrechts" aus dem Saal. Sobald Frauen sich gegen Schnridtke aussprachen, wurde ihnen das Wort entzogen. Männep ließ man hier, im Gegensatz zu der Protestversammlung. nicht zum Reden zu. Schmidtke selbst suchte sich unter großem Aufwand weinerlicher Entrüstung zu rechtfertigen, ging aber auf die Hauptsache, aus die Natzungen und den autokratischen Sonder- beschluß, wohlweislich nicht naher ein. Das besorgte die bis Mitter- nacht tagende Protestversammlung. die mit dem selbstherrlichen Regiment des Bundesdirektors unter dem Vorsitz eines Herrn Aütow gründlich abrechnete. Tie überwiegende Mehrheit war sich einig, daß Schmidtke in allem, was er tat. nur die Rechte, die er in den Satzungen und in dem Sonderbeschlutz sich selbst auszuwirken verstand, eingeheimst habe. Eine widerrechtliche Vermögens- bereicherung sei bis jetzt in keiner Weise nachweisbar. Die an-- gem atzten diktatorischen Rechte müßten aber dem Bundesdirektor.ein für allemal genommen werden. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß ein eigentlicher Vorstand überhaupt nicht eristierc und außer Herrn Schmidtke niemand etwas zu bestimmen habe. Wenn die Ehemänner früher erfahren hätten, in welcher Weise ihre Frauen hier am Gängelband gehalten wurden, wäre der große Krach schon längst eingetreten. Unter größter Erregung, in der minutenlang jede Ordnung auf- gelöst war unddieHundertebürgerlicherErziehungs- apostel wild durcheinander lärmten, kam schließlich eine von dem Bundcssynditus, Rechtsanwalt Dr. Cohn, eingebrachte, von der Mehrheit angenommene Resolution zustande, wonach die Mütterkonserenzen weiter bestehen bleiben, die Entlassenen, deren Entlassung nach den Satzungen keine endgültige sein kann, in ihre Acmter wieder eingesetzt und die Satzungen schleunigst so geändert werden sollen, daß Zustände, wie die jetzigen, unmöglich sind. Unter lebhaften Pfuirufen wurde noch behauptet, daß Schmidtke durch sein persönliches Regiment auch chic frühere Leiterin der Mütterkon- ferenzen. Frau Geheime Oberbaurat Garbe, verdrängt habe. Im Vorsaal waren inzwischen die Leidenschaften der Mütter beider Parteien so aüfeinandergeplatzt. daß an Tätlichkeiten nicht viel fehlte. Die Ruhe wird wohl nur einkehren, wenn Herr Schmidtke entweder sich ganz auZ der Oessentlichteit zurückzieht, nachdem er wiederholt so unliebsam von sich reden gemacht hat, oder wenn er die berechtigten Wünsche der Protestler respektiert. Eine Spal- iung scheint indes unvermeidlich zu sein. Gir babcn diese Entwickelung seit Jahren kommen sehen und schauen chr als lachende Dritte belustigt zu. BkSDgisIiei'liDg des turn Vereins„sichte" Das Provinzialschulkollegium suchte im Jahre 1004 einen Ein- griff in die Rechte der Stadtgemeinde Berlin und in die Selbst- Verwaltung. Sie verlangte, die Stadt solle ihre Schulräume den sozialdemokratischen Turnvereinen und den Sokolvereinen nicht mehr hergeben. Gegen diese vom Kultusministerium unterstützte An- maßung der staatlichen Behörden legte der Magistrat unter Führung Kirschners energisch und erfolgreich Verwahrung ein. Die Stadtverordnetenversammlung sprach dem Magistrat hierfür ein- stimmig ihre Anerkennung aus. Am 1. April 1000 trat das Schul- unterhaltungSgesetz in Kraft, das zugunsten der Staatsbehörde leider die Selbstverwaltung der Gemeinde erheblich einschränkte. Auf Ver- anlassung des Provinzialschulkollegiums entzog der Magistrat im Jahre 1000 dem Turnverein„Fichte" die städtischen Turnhallen, Iveil dort Turnunterricht eneilt würde, ohne daß eine Genehmigung des Provinzialschulkollegs vorliege. Die Stadlverordnelenversamm- lung schloß sich dem sozialdemokratischen Protest hiergegen leider nicht an. Das Reichsgericht erklärte dann im Prozeß gegen den „Vorwärts" den auf Veranlassung des Kultusministers vom Provinzialschulkollegium eingenommenen Standpunkt für einen gei'etz widrigen, da ein Turnunlerrichl an Schulentlassene keiner Ge Nehmigung bedarf und die Materie durch ß 36 der Gewerbeordnung geregelt ist.. Dem Antrage der sozialdemokratischen Fraktion im Rathause, dem Turnverein„Fichte" die Schulräume wieder zur Verfügung zu stellen, kam der Magistrat im Juni 1010 nach. Die vereinigten Strafsenate des Reichsgerichts beschlossen dann am 7. Dezember 1012 entgegen der früheren Entscheidung, die Leiter von Privatunterricht jugendlicher Personen bedürften der Erlaubnis der Schulaussichtsbehörde. Nunmehr forderte der Oberbürgermeister Mermuth auf Veranlassung des Provinzialschulkollegiums den Turn- verein„Fichte" auf, eine Unterrichtserlaubnis beizubringen, sonst würden zum 1. Juli die Turnhallen dem Verein entzogen. Die Frist wurde dann bis zum 1. Oktober verlängert. Das Provinziab schulkollegium lehnte, wie wir am 24. Mai darlegten, ohne An- gäbe von Gründen Unterrichtserlaubnisscheine ab und erklärte ferner, daß auch Turnlehrern, die den Unterrichts- erlaubnisschein besitzen, die Genehmigung zur Erteilung des Turnunterrichts im Turnverein„Fichte" nicht erteilt werden könne. Gegen diesen Bescheid, der die durch die Verfassung gewährleistete Gleichberechtigung der Staatsbürger schwer verletzt, ist der Beschwerdeweg eingeschlagen. Inzwischen hat die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung folgenden Antrag unter breitet: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, die Benutzung der städtischen Schulturn hallen den Jugendableilungen des Turnvereins„Fichte" auch fernerhin zu überlassen, oder dem Turnverein„Fichte" Räume zur Verfügung zu stellen, auf deren Benutzung dem Provinzialschul kollegium eine Einwirkung nicht zusteht. Bereits unter dem 1. und 24. Mai haben wir dargelegt, daß die Vorenthaltung der Turnhallen dem Turnverein„Fichte" gegenüber völlig unhallbar ist. Es hieße geradezu eine Prämie auf'llnauf- richtigkeit und Hinterlist setzen, wenn man ein Verfahren billigen wollte, da§ unter formaler Benutzung von Rechtsregeln die Rechts- normen zur Beugung des Rechts selbst mißbraucht, lleberdies er teilt der Turnverein„Fichte" keinen Unterricht, sondern hält Turnübungen ab. Die Abhaltung.solcher Uebungen geht das Provinziaischulkollegium nichts an. Sein Versuch,, die Rechte der Stadtgemeinde und der Selbstverwaltung einzuengen, wird hoffentlich in der Stadtverordnetenversammlung-dcinfclfceit einstimmigen Prolest begegnen, wie im Jahre 1904. Partei- Angelegenheiten. den Gewerkschaften zu „Hohenzollerngarten", Zur Lokalliste. Folgende Lokale stehen der Partei und allen Veranstaltungen zur Verfügung: In Groß-Lichterfeldc T.-B. das Lokal Berliner Str. 131. Juh.: Fritz Müller. In Eharlottendurg die Lokale„Paradiesgarten", Tegeler Weg 63, Jnh.: A. Konrad. und„Klostergarten", am Spandauer Schiffahrts- kanal, Jnh.: Homuth. Berichtigung. Unter Fangschleuse steht das Lokal»Zum See- blick", Jnh.: M. Hiller. Dasselbe liegt im Bcrgluch bei Grünheide und gilt als frei. _ Die Lokalkommission. Alt-Glienicke. Sonntag, den 8. Juni, vormittags 7>/z Uhr. wichtige Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen: 1. Bezirk Ritze, Grünauer Straße 60; 2. Bezirk Rodenbusch, Rudower Str. 54; Bezirk Falkenberg Schäfer, Schirnerstraße. öerliner Nachrichten. Eine Fahrt auf der Löcknitz zeigt schon jetzt die Unannehmlichkeiten der Regierungsspeku- lation, die bekanntlich aus der Verpachtung eines großen fiskalischen Geländes hinter Alt-Buchhorst an eine Kiesbagaerei- gesellschaft jährlich den Betrog von ZtXXXi M. zieht. Wird 'chon wegen eines.verhältnismäßig jo geringen Gewinnes das herrliche Naturgebict der Löcknitz ungünstig beeinflußt, dann ist init hoher Wahrscheinlichkeit darauf zu rechnen, daß der Fiskus auch hier bald mehr Appetit auf Gold entwickeln wird. Infolge zahlreicher Proteste hat sich der Fiskus von den geplanten, umfangreichen Veränderungen des Laufes der Löcknitz und der Gestaltung der benachbarten prächtigen Seen emstweilen ein gutes Stück abhandeln lassen. In den zu- nächst beteiligten und geschädigten Kreisen verschließt man sich aber nicht der Besorgnis, daß der Fiskus weitergehende, Pläne nur zunickgestellt hat, um für ihre Verwirklichung günstigere Zeiten äbzuwarten. Besonders an der Alt-Buchhorster und an der Fangfchlcuser Brücke sind die Tampfbagger zur Ver- ckicfung und Verbreiterung des Wasserbettes bereits in voller Tätigkeit. Die regelmäßig im Sommer verkehrenden Motorboote haben die größte Mühe, sich durch die sperrenden llnge- tüme durchzuwinden. Karambolagen, bei denen es immer noch glimpflich abging, sind jetzt an der Tagesordnung. Unter glsichen Schwierigkeiten leiden die Ruder- und Segelboote, die hier täglich zu Hunderten passieren. Bei den VerHand- lunaen mit den protestierenden Interessenten war zugesagt worden, daß große Dampfer und Schleppzüge nicht verkehren sollen. Sie verkehren aber auf dieser Strecke schon jetzt. Man sieht lange Schleppzüge, die bis hinter Alt-Buchhorst fahren und in das bisher von der Industrie unberührte Naturgebiet eine unschöne Nuance bringen. Am Möllensee hinter Alt- Vuchhorst ist der Wald regelrecht verschandelt. Eine Viertel- stunde hinter den bekannten Alt-Buchhorster.Heilquellen ist ein breiter Stichkanal in den Forst hineingegraben. Am binteren Ende weitet sich der Kanal zu einem mächtigen Schlammbecken. Ein großes Gelände ist völlig abgeforstet. wird nach und nach in 8 Meter Tiefe ausgebaggert, um dett für den Fiskus so goldhaltigen Kies zu gewinnen. Der Kies geht, wie es heißt, hauptfächlich an die Siemens-Schuckert- Werke, die also auch hinter der Industrialisierung zu stehen scheinen. Das abgeholzte Gelände soll ja später wieder auf- geforstet werden, aber auf viele Icchrzehnte hinaus ist der Landschaftsreiz und das Einheitliche des Seebildes zerstört. Noch unleidlichere Zustände werden kommen, wenn erst mal die Kiesbaggerei in vollem Betriebe ist. Es wird starker Auf- merksamkeit bedürfen, um den Fiskus abzuhalten, daß auf den forstfiskalischen Geländen am Werl-, Peets- und Möllen- sec sich noch mehr Industriebetriebe seßhaft machen. Der Zu- sicherung, daß dies nicht geschehen soll, ist in keiner Weise zu trauen._ Beim Probesingen zur Jubiläumsfeier ohnmächtig geworden. Am 16. Juni sollen 7000 Berliner GemeindeschuMnder int Hofe des Schlosses dem Kaiserpaare Volkslieder vorsingen. Zu diesem Zwecke sind aus den einzelnen Gemeindeschulen Schüler und Schülerinnen ausgewählt worden. Es haben auch bereits in einzelnen Gemeindeschulen Gesangsproben stattgefunden. Am Donnerstag begannen die Proben in großen Gruppen in der Arena des Zirkus Busch. Es übten 3500 Knaben. Gestern sollten die Mädchen proben. Wegen der herrschenden Hitze fiele« 34 Mädche» in Ohnmacht. Ueber den Vorfall wirh berichtet: „Tie Kinder rückten nach Schulen geordnet unter Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen in�den Zirkus ein; der Anmarsch dauerte fast eine halbe Stunde, und gegen>410 Uhr war alles soweit gruppiert, daß Rektor Hofimann, der die Gesänge diri- gieren wird, das Zeichen zum Beginn der Vorträge geben konnte. Aber die Probe erlitt eine unerwartete Verzögerung. Schon aus dem Wege zum Zirkus waren einige Mädchen durch den Marsch in den schwülen Straßen schlapp geworden und fielen schließlich in Ohnmacht. Sie wurden sofort in einen Nebenraum des Zir- kus gebracht, wo eine Sanitätsstation eingerichtet war. Dort wurden die Kinder auf Decken gelegt und von den Aerzten be- bandelt. Bald daraus fiel eine Reihe anderer Schulmädchen in Ohnmacht und mutzte von den Sanitätsmannschaften in das Stationszimmer getragen'werden. Schließlich lagen dort im ganzen vierunddreißig Kinder und man hatte Mühe. sie alle unterzubringen. Drei Damen vom Vaterländischen Frauenverein, die auf Veranlassung des städtischen Rettungs- Wesens gekommen waren, nahmen sich im Verein mit den Aerzten und Heilgehilfen der Unfallstation Eichhornstratze nach besten Kräften der Mädchen an. Man labte sie, gab ihnen Erfrischun- gen; nach und nach erholten sich die Kinder wieder und es zeigte sich, daß bei keinem ernstere Symptome vorlagen. Die Kinder wurden, nachdem sie wieder hergestellt waren, unter Geleit nach ihren cltsrlichen Wohnungen gebracht. Die iibrigen Schul- mädchcn im Zirkus blieben wohlauf und konnten an den Ge- sangsproben bis zum Schluß teilnehmen, ohne daß eins von ihnen matt wurde. Den Proben wohnte auch Stadtschulrat Fischer bei. Auch bei den Proben am Donnerstag fielen neun Knaben in Ohnmacht. Sie wurden in der Sanitätsstation behandelt und erholten sich bald." � Die Ursache dieser Ohnmochtsonsälle ist vornehmlich der hepr» schenden Hitze zuzuschreiben. Dazu kommt die Mhetzerei der Kinder. Wir halten es für unverantwortlich, die Gemeindeschulkinder schweren gesundheitlichen Gefahren auszusetzen, wie das im vor» hegenden Falle geschieht, nur um„oben" gut angeschrieben zu tver» den. Den Eltern möchten wir sagen, daß sie nicht genötigt wer- den können, ihre Kinder an dem geplanten Massensingen im Schloß- kose teilnehmen zu lassen; mit dem Schulunterricht hat diese Ver- anstaltung nichts zu tun. Es kann kein Kind zur Teilnahme ge- zwungen ivcrden. Wer dennoch seine Zustimmung zur Beteiligung seiner Kinder an der Schlotzhofsingerei gibt, muß die Folgen selber tragen. Abgesehen von allem anderen liegt die Fernhaltung der Kinder von dieser Veranstaltung schon im gesundheitlichen Jntcr» esse der Schulkinder. Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf hinweisen, daß auch Schulkinder bei der am Sonntag stattfindenden Kaiserhuldi- gung im Stadion Staffage bilden sollen. Verständigen Eltern kann nur der Rat erteilt werden, ihre Kinder auch von dieser Ver- anstaltung fernzuhalten. Die Schule lehnt jede Verantwortung für etwa vorkommende Unglücksfälle ab. Zur Erlernung der Pleureuscnknüpferei werden Frauen gesucht von der Putzfedernfabrik Ruhemann u. Co. (Berlin, Kommandantenstr. 45). In einer„Morgenpost"-Annonce. die Häufig wiederkehrt, verlangt diese Firma Pleureusenknüpserinnen und„auch Frauen, welche drei Tage bei uns lernen müssen". Zwei Arbeiterinnen, die sich meldeten, teilen uns ihre dabei gemachten Erfahrungen mit. Im Kontor wurde ihnen gesagt, sie müßten Mark zahlen, doch würden sie dieses Geld zurückerhalten wenn sie einen Monat für die Firma gearbeitet hätten. Die beiden Bewerberinnen gingen hierauf ein, begaben sich am festgesetzten Tage nach dem im Hause Oranien- straße 70 gelegenen Fabrikationsraum, zahlten jede ihre 5 Mark und lernten los. Indes, noch ehe der erste Tag zu Ende ging, reme sie schon ihr Entschluß. Sie waren überzeugt, daß sie es hier nicht lange aushalten würden, und beschlossen, noch an demselben Abend wieder aufzuhören. Aus ihrer Schilderung des Lern» uud ArbcilsraumeS nebst Zubehör wollen wir nur eine Mitteilung wieder- geben. Sie versichern, daß in diesem Raum weit über 100 Per- sonen beieinander saßen. Für diese große Zahl von Arbeilerinnen 'tehc nur ein einziges Klosett zur Verfügung, wenigstens sei es ihnen nickt möglich gewesen, mehr als eins zu entdecken. In den Pausen zur Frühstücks- und Mittagszeit sei dieses Klosett vpn zahlreichen Arbeiterinnen umlagert worden. Als die beiden Ansängerinnen am Abend erklärten, daß sie nicht weiterarbeiten könnten und ihre 5 M. zurückfordern müßten, wurden sie nach den Geschäftsräumen von Ruhemann u. Co. im Hause Kommandantenstr. 45 geschickt. Hier wünschten sie den Chef elbcr zu sprechen, sie wurden aber von einer Angestellten abgc- ertigt, die ihnen kurz sagte:„Die 5 Mark gibt's nicht zurück!" Das Geld wurde tatsächlich nicht zurückgezahlt, aber die beiden Arbeiterinnen wollen jetzt durch Klage beim Gewerbe- gericht ihren Anspruch gegen die Firma durchzusetzen versuchen. Die Bebauung des Tcmpelhofer Feldes— eine städtebauliche Tat? Boin Verein Berliner Wohnungßmieter wird uns geschrieben: „Die Fertigstellung des nördlichen Teils des Parkgürtels auf dem Tempelhoser Felde ist unter dein Beisein zahlreicher RegierungS« Vertreter, kominunaler Beamter und Stadtverordneter glänzend ge- feiert worden. Die Tatsache ist geeignet, den Anschein zu erwecken. als ob die Anlage des neuen Stadtteiles einen großen Fortschritt im Städtebau darstelle. Einer solcher Absicht muß auf das ent» ickiedenste widersprochen werden. Als ein wesentlicher Fort- schritt lann Neu-Tempelhof schon deshalb nicht angesehen werden, weil nicht der geringste Versuch gemacht worden ist, von dem üblichen Haustypus, der Mielkaserne, loszukommen, oder diesen HaustypuS wenigstens nach Möglichkeit zu verbessern. Die ganze Anlage ist nur auf die Mrkung nach aussen berechnet; daher hat man auf breite, blumengeschmückte Strassen mit dem stolzen Namen Korso Wert gelegt, während die Höfe eng, winkelig und dunkel sind, die Belichtung und Durchlüftung der nur nach dem Hofe be- legenen Zwei« und Dreizimmerwohnungen vollkommen un- genügend ist, der Grundriss der Zimmer in dem Streben, das Grundstück bis auf den letzten Zipfel auszunützen, oft ganz bizarre Formen erhalten hat.(Gibt es doch in diesem Mustsrvisrtel zum Beispiel dreieckige Loggien!) Gälte auf dem Tempelhoier Felde nicht die Berliner Bauordnung, welche fünf Geschosse und die Be- bauung von 7/io des Grundstückes gestattet, sondern Bauklasse I der Vorortbauordnuug(vier Geschosse und 5/jA so wäre es nach den Be- rechnungen, die Eberstadt-Möhring-Petersen und KuczinSki-Lehwess im Anschluss an Goccke gemacht haben, durch geschickte Parzellierung möglich, einen Teil der Bevölkerung in Ein- und Zweifamilienhäusern mit Gärten unterzubringen, und trotzdem dieselbe Rentabilität zu er- zielen, als wenn durchweg vier Geschosse gebaut würden. Aber selbst bei fünfgeschossigem Hochbau lassen sich, wie die Bauten des Ber- liner Spar- und Bauvereins, des Beamlenwohnungsvereins und die Vorschläge von Baurat Redlich- Neukölln für Mietshäuser ohne Seitenflügel usw. gezeigt haben, bessere Lösungen finden als in Neu- Tempelhof. Auch der vielgerühmteParkriug entspricht nicht dem, was die Bewegung für Volsparks erstrebt, da er Kindern und Erwachsenen nicht genügend Gelegenheit zu Spiel und körperlicher Beweguug bietet. Auch hier hat man nur fürs Auge gearbeitet. Viel mehr wird dem Ideal des Volksparks der«chillerhain mit seinen beiden 8 Hektar grossen Spielwiesen entsprechen. UeberdieS ist zu berücksichtigen, dass den Berlinern durch die Anlage Neu- Tempelhofs fast 150 Hektar Spielfläche entzogen wurden, wofür ihnen als Parkring nur wenige Hektar zurückgegeben werden, von denen wieder nur eine ganz ge- ringe Spielplatzfläche abfällt. Dieser Parkring ist eine Freifläche, die für die mutmaßlich 60 000 Einwohner des künftigen Neu-Tempelhof selber kaum ausreicht. Um einer ähnlich schlechten Verwertung des östlichen Teiles des Tempelhofer Feldes vorzubeugen, hält es der Verein Berliner Wohnungsmieter, unbeschadet seiner prinzipiellen Forderung der gänzlichen Freilassung des Tempelhofer Feldes für notwendig, dass für diesen Teil statt der Berliner Bauordnung mindestens Klasse I der Vorortbauordnung eingeführt wird." Uns gegenüber haben sich eine ganze Reihe Sachverständiger in ähnlich absprechender Weise über die spekulative mit modernen städtebaulichen Grundsätzen im Widerspruch stehende Bauweise Neu- Tempelhofs geäussert.___ Ohne Hut. Die Gesellschaft für Reform der Männertracht schreibt uns:.Die jetzige warme Witterung nötigt uns. uns be- fonderS hygienisch zu kleiden und alles lieberflüssige abzulegen. Zu denjenigen Kleidungsstücken aber die bei schönem Wetter ent- behrlich sind, gehört vor allem der Hut. Der steife Hut ist natürlich besonders ungesund. Er ist mit Schuld daran, dass der heutigen Männerwelt das Haar viel zu früh ausgeht. Aber selbst der Stroh- Hut ist lästig. Herren, die leicht schwitzen, tragen ibn deshalb oft in der Hand. Aber auch das ist unbequem. Deshalb hat man seit einigen Jahren den Vorschlag gemacht, einfach ohne Hut zu gehen. In Amerika ist das schon ieit länger üblich. Der Amerikaner sst eben in jeder Hinsicht praktisch veranlagt. Aber auch der Deutsche ist ja heute kein Sklave falscher Rücksichten mehr. In Dresden, Bonn und anderen deutschen Städten hat man sogar ebenso wie in London besondere Vereine gegründet, welche die hutlose Tracht einführen wollen. Auch in Berlin hat die Gesellschaft zur Reform der Männer- tracht �Geschäftsstelle: L1-V 61, Teltower Str. 16) begonnen, an den jetzigen heissen Tagen den Hut abzuschaffen. Man kann überall in den Strassen Berlins jetzt hutlose Herren beobachten. Wer unter der Sonne zu sehr leidet, der bedient sich eines Sonnenschirms, der viel mehr schützt als ein Hut. Bei dieser Gelegenheit sei daraus aufmerksam gemacht, dass kürzlich im„Confectionär" das Blusenhemd als offizielle Herrenlrncht für den Sommer empfohlen worden ist. Man kann dem Publikum nur raten, sich diesen Bestrebungen anzuschliessen. Je mehr Anhänger diese neue Sitte findet, umso schneller benimmt sie dem Einzelnen das Gefühl, allein zu stehen." Ob der Vorschlag, ohne Hut zu gehen, viel Anklang findet, ist un» zweifelhaft. Die heftigsten Gegner deS Vorschlags aber werden die Hutfabrikanten sein._ Der neue Hochbahnhof„Stadion" im Grunewald. Der westliche Endpunkt des Hoch- und Untcrgrundbahnbetriebes ist bisher Bahnhof„Reichskanzlerplatz". Der Bahnstrang der Hoch- und Untergrundbahn reicht jedoch, was wenig bekannt ist, bis in den Grunewald hinein. ES folgt nach dem„Reichskanzler- platz" die Station„Preußenallee" und dann der Endbahnhof „Stadion". Selbstmordversuch eineS misthaudelten Soldaten. Am Donnerstag wurde in Lichtenberg auf dem freien Gelgnde in der Nähe der Erziehungsanstalt ein Soldat in einer Blutloche be- wusstloS aufgefunden. Man brachte den Mann, der eine tiefe Schnitt- wunde am linken Handgelenk aufwies, nach der nahen Anstalt, wo ihm ein Notverband angelegt wurde. Mit Hilfe eines inzwischen hinzugcrufenen Arztes gelang es, den Verletzten wieder zur Besinnung zu bringen. Dieser, der Grenadier Willi Zimmermann eines hiesigen Garderegiments, gab an, dass er sich die Wunde mit einem Rasier- Messer beigebracht habe, um sich das Leben zu nehmen. Er sei miß- handelt worden und deshalb lcbensüberdrüssig. Am 2. d. M. habe er heimlich leinen Truppenteil verlassen und sei seit dieser Zeit ziel- und planlos in der Umgebung Berlins umhergeirrt, um Selbstmord zu verüben. Das Befinden des Soldaten ist infolge des grossen Blutverlustes sehr bedenklich. Zimmermann wurde nach dem Garnison- lazarett in Tempelhof geschassr. Trauriges Ende einer Vergnüguugspartie. Gestern morgen gegen 7 Uhr mietete eine aus vier Personen bestehende Gesellschaft nach einer durchzechten Nacht in dem Restaurant „Spreeschlösschen" in Moabit zwei Ruderboote zu einer Kahnfahrt, In der Nähe der Moabiter Brücke schlug der vorderste Kahn, wahr- scheinlich infolge Hefligen Schaukelns der üb-rmürigen Insassen, um, und beide Personen stürzten ins Wasser. Während der Herr von dem anderem Boote aus gerettet werden konnte, ging die deS Schwimmens unkundige Dame sofort unter und ertrank. Die Leiche wurde später geborgen und nach dem Schaubause gebracht, da die Persönlichkeit des jungen Mädchen- nicht festgestellt werden konnte._ Eine Verzweiflungstat. Eine Familientragödie spielte sich gestern in der Gransecr Straße 1 ab. In dem Hause wohnt« seit sechs Wochen der 62 Jahre alte Bürstenmacher Robert Scharte mit seiner 55 Jahre alten Frau Anna und drei Kindern im Alter von 4, 6 und 8 Jahren. Die Leute hatten früher in der Saarbrücker Strasse gewohnt, mutzten aber ausziehen, weil sie die Miete nicht bezahlen konnten. Sie lebten in den dürftigsten Verhältnissen, seitdem der Mann arbeitslos war. Die Frau erwarb den Lebens- unterhalt für die Familhe dadurch, daß sie zu Haufe Schürzen nähte. Hierbei half ihr der Mann. Gestern sollte, wie jeden Freitag, geliefert werden. Sie kam aber nicht dazu, angeblich, weil der Mann in der letzten Woche zu wenig geschafft hatte. Darüber gab eS nun gestern den ganzen Tag Streit. Während dann nachmittags kurz nach 6 Uhr die Kinder auf dem Hofe spielten, kam es in der Wohnung, im dritten Stock des Vorder- Hauses, zur Katastrophe. Es siel plötzlich ein Schuß. Während die Hausbewohner nachsahen, was vorgefallen sei. kam Frau Scharte die Treppe heruntergelaufen und brach im Hausflur be» sinnungslos zusammen. Unmittelbar darauf krachte ein zweiter Schuß. Die Hausgenossen eilten nun in die Wohnung hinauf und fanden Schwarte vor dem Spiegel tot auf dem Fußboden liegen. Er hatte sich eine Kugel in den Kopf geschossen. Frau Scharte hatte einen Schuß in die Brust erhalten und wurde schwerverletzt nach dem Virckow-Krankenhause gebracht. Ter Kinder nahmen sich die Hausgenossen einstweilen an. Hitzschläge. Zahlreiche schwere Hitzschläge, darunter mehrere mit tödlichem Ausgange, werden uns aus Berlin und den Vororten gemeldet. Besonders die Fälle sind tödlich verlaufen, die als leichte nicht be- achtet worden sind und bei denen man daher verabsäumt hatte. sofort einen Arzt hinzuzuziehen. Fast in allen Fällen konnte fest- gestellt werden, dass nicht Sonnenschein, sondern schwüle und feuchte Luft geherrscht hat. als die Personen erkrankten, bewußtlos wurden. In den meisten Fällen handelte eS sich um Männer über iO Jahren. Eine Samariter-Station ist von der Arbeiter-Samariterkolonne in R o s e n t h a l eingerichtet. Im Hause Walderseestr. 5 ist der Kolonne von dem Genossen Gustav M i l b r o d t ein Zimmer für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. An den Sonntagen werden dort stets Samariter anwesend sein. Bei Unglücksfällen ist diese Station sofort anzurufen. Fernsprecher: Amt Reinickendorf Nr. 3362, Milbrodt. Ausflügler und Einwohner wollen von dieser Einrichtung gegebenenfalls Gebrauch machen. Die Ergebnisse der Johanuisthaler Flugwoche. Wettbewerb um den kürze st en Anlanf: 7000 M. A. für Eindecker: Schlegel mit 126,96 Meter(1237.60 M.). Zweiter und driller Preis wurden nicht verteilt. B. für Doppeldecker: v. Gorissen 76.06 Meter 11237,50 M.l. Zahn 103,10 Meter (742,50 M.!, Kießling 119,95 Meter(495 M). Preis d eS Kaiserlichen Aeroklubs(1980 M.) v. Gorissen. Wettbewerb für den kürze st en AuSlauf: 5000 M. A. für Eindecker: Laitsch 49,85 Meter(1237.50 M.), Stiplescheck 62.58 Meter(742,50 M.), Linnekogel 85,40 Meter (495 M). B. für Doppeldecker: Janisch 70,10 Meter(1237,50 M.), v. S'.oeffler 73,25 Meter(742,50 M.). Zahn 121,2 Meier(495 M). Dauer-Wettbewerb o b n e Fluggast. Jede geflogene Minute wurde mit 1,20 M. berechnet. Friedrich 7 Min.(8,41 M.), Schiedcck 293 Min.(351,63 M.i, v. Stöffler 5 Min.(6 M.. Schlegel 51 Min.(61,20 M). Frl. Galantschikoff 11 Mm.(13,21 M.) Hanuschke 296 Min.(355.23 M.). Roth 14 Min.(16,80 Mb. Schwandt 174 Min. (208,82 M.i, Müller 83 Min.(99,61 M.) Dauer-Wettbewerb mit F l u g g a st. Die geflogene Minute wurde mit 2,40 M. berechnet. v. Gorissen 20"Min.(48 M.). Kießling 155 Min.(372,03 M). Zahn 93 Mm. (223,23 M.). Friedrich 7 Min.(16,80 M.). Schauenburg 65 Min. (156.01 2)2.}. Viktor Stöffler 378 Mm.(907,29 M.), Schlegel 274 Min. (657,67 M.j, Kämmerer 188 Min.(451,24 2)2.), Sedlmayr 17 Mm. (40,81 M.). Sliiber 56 Min.(134,41 M.). Boutard 28 Mm.(67,21 M.), d'Ballod 191 Min.(458.44 M.). Roth 39 Min.(93.60 M.). Wecfler 6 Min.(14,40 M.). Stiploschek 652 Min.(1564.94 M.), Stiefvater 348 Min.(835,28 M). Freindt 208 Mm.(547,25 M.). Langer 484 Min.(1161,71 M.j, Ionisch 193 Min.(463,24 9)2.), Linnekogel 661 Min.(1586,54 M.J, Wieling 667 Min.(1600,95 Mb. Michaelis 145 Min.(348,04 2)2.). Dauer-Wettbewerb mit Fluggast und vor- geschriebener Höhe. Die geflogene Höhe wurde mit 5,78 M. berechnet, v. Stoefflcr 329 2>2in.(1902,51 M.i, Schlegel 100 Min.(578,27 M.j,«tiploschek 548 Min. 3163,93 2)2.), Langer 350 Min.(2023.95 M.), Linnekogel 559 Min.(3252,54 M.j, Wieling 537 Min.(3105,31 Mb, Michaelis 145 Min.(838,49 M.) Der Dame ii preis gelangte nicht zur Verteilung, weil die einzige Bewerberin, Fräulein Galantschikoff keinen Slundenflug machte. Fluqzeug-Rennen. Eindecker unter 80 PS. Laitsch 12 Min. 56,8 Sek.(3300 M.i. Hanuschke 17 Min. 31.4 Sek. (1650 M.) Eindecker über 80 PL i Stiploscheck 12 Min. 37,4 Sek. <3300 Mb. Schlegel 13 Min. 40,6 Sek.(1650 Mb. Lailsch dis- qualifiziert. Doppeldecker über 80 PS: Janisch 14 Min. 56.3 Sek. <3300 M.j, Kießling 17 Min. 3.8 Sek.(1650 M.), Zahn 20 Min. 18,8 Sek. Tro st preis für Stagge 500 M. Arbeiter-Bildungsschule. Wir erinnern daran, daß die Kurse des Genossen G r u n w a l d morgen(Sonntag) vor- mittag im Grunewald stattfinden. Treffpunkt 8'/,— 9 Uhr Bahnhof Grunewald. Gäste willkommen. Ins Wasser gesprungen. Gestern abend gegen 7 Uhr stürzte sich der etwa 40 Jahre alle Rohrlegergehilfe Hensel von hier. Schönleinstrasse 7, von der Lohmühlenbrücke in den Landwehrkanal. Es gelang, ihn nach kurzer Zeit aus dem Wasser zu fischen, jedoch blieben die in der Unfallstation an ihm vorgenommenen Wieder- belebungsversuche erfolglos. Straßensperrung. Die Steinmetzstrasse von der Großgörschen- strasse bis zur Göbenstrasse ist wegen Gleisarbeilen von heute ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiier gesperrt. Vorort- 1>foclmd)ten. Neukölln. Der Haß deS Bürgertums gegen die Konsumgenossens chaftcn kam in der letzten Sitzung der Kommission zur Bekämpfung der Leben-- mittelieuerung in seiner ganzen Kleinlichkeit zum Ausdruck, Wie in anderen Gemeinden Gross-Berlms hatte auch in Neukölln die Konsum- genossenschaft beim Magistrat beantragt, den Verkauf austra- li scheu Gefrierfleisches unter städtischer Aufsicht und Kon- trolle betreiben zu dürfen. Dieser Antrag war schon einmal Gegen- stand der Verhandlung gewesen. Er wurde abgelehnt. Nachdem in anderen Gross-Berliner Gemeinden und in Berlin selbst der Verkauf dieses Gefrierfleisches der Konsumgenossenschaft in der beantragten Form gestaltet wurde, erneute sie diesen Antrag auch in Neukölln. Wieder wurde er von der bürgerlichen Mehrheit niedergestimmt. Ausdrücklich wurde von dem Vertreter des Magistrats bekannt- gegeben, dass es sich nur um ein Provisorium handele, das nur für einige Wochen bestimmt sei. Der Antrag war Anlass genug, den ungezügelten Hass gegen die Konsumvereine zum Ausdruck zu bringen. In erster Linie waren es die Vertreter der Schlächtermeister, die gegen den Antrag zu Felde zogen. Ihrerseits wurde eine umfassende Konsumdcbatte eingeleitet, in der im Jnteresse des„niedergehenden" Handwerks der biederen Schlächter- meister ein bewegliches Klagelied angestimmt wurde. Dieser Nieder« gang dürfe durch die Konkurrenz der Konsumvereine nicht noch ge- fördert werden. Auch die anderen bürgerlichen Herren stiesseu in dasselbe Horn und verteidigten die Ansicht derjenigen, die in erster Linie auch bei den Teuerüngsaktionen ihre kapitalistischen Profit- interessen im Auge hatten. Obgleich keiner der Herren jemals australisches Gefrierfleisch gesehen"oder gekostet hatte, genügte eine ZeiiungSnotiz, um zu„beweisen", daß diese Fleischart fast kaum genießbar ist. Alle diese„Argumente" gegen den Antrag der Konnimgenossen« schaft lieferten nur erneut den schlüssigen Beweis dafür, wie die Vertreter des Bürgertums Sinn haben für die sozialen Bestrebungen, die gerade in der Konsumgenossenschaftsbewegung ihren deutlichen Ausdruck finden. Das kann auch von diesen Herren um so weniger erwartet werden, weil doch in ihren Reihen solche Leute fitzen, die mit der Stadt glänzende Geschäfte machen. Sie verstehen eS, Preise zu erzielen, die zum Teil weit höher sind als die der Kon- kurrenz. Der Sinn für ein selbstloses Eintreten im Interesse gemeinnütziger Einrichtungen, wie es die Koniumgenossenschaften sind, ist eine so kostbare Pflanze, dass sie auf diesem Boden nicht gedeihen kann. Vergeblich bemühten sich unsere Kommissionsmitglieder, die bürgerliche Mehrheit von ihrem kleinlichen Beginnen zurückzuhalten. Das Vorgehen dieser Herren wirkt um so lächerlicher, als es der Konsumgenossenschast natürlich nicht verboten werden kann, den Verkauf deS australischen Gefrierfleisches zu bewerkstelligen, waS auch geschehen wird. Lichterfelde. Die Stichwahl zwischen unserm Genossen Kaspar Wenzel und dem bürgerlichen Kandidaten findet am Dienstag, den 10. Juni, nachmittags von 4—8 Uhr, im Lokal von Henning, Jungfernstieg 5, statt. Pflicht eines jeden Genossen muß es sein, bis dahin eine rege Agitation zu entfalten, damit die säumigen Arbeiter alle ihr Wahlrecht ausüben. Zu diesem Zweck findet Sonntag, den 3. d.M., früh 8 Uhr, eine Kuvertverteilung von den Bezirkslokalen aus statt. Die Genossen aus Westen treffen sich wieder im„Weissen Mohr", Kranoldplatz, Ecke Ferdinandstrasse. Lichtenberg. Zu de« Gcrüstunfall am hiesigen neuen Strassenbahnhof wird uns von einem Arbeiter noch mitgeteilt, dass der am Donnerstag erfolgte Absturz vom Gerüst seit kurzer Zeit bereits der dritte Unfall gewesen sei. Am Dienstag, den 27. Mai, seien infolge Bruch eines Rundholzes, auf welchem die Bretter lagen, fünf Maler in die Tief« gestürzt. Zwei der Beschäftigten hätten sich noch au der Eisen- konstruklion festhalten können. Zum Glück seien die Verletzungen der Arbeiter leichter Natur gewesen. Der zweite Unfall habe sich am Mittwoch um 8>„ Uhr ereignet. Als ein Maler um zum Früh- stück zu gehen, die Leiter verlassen babe, sei dieselbe ins Rmschen gekommen, so dass er aus einer Höhe von 5—6 Metern herab- geschleudert wurde und sich ausser einer Kopfverletzung einen Arm- bruch zuzog. Infolge dieses Unfalls hätten zehn Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Wären Hakenleitern verwendet worden, so bätte der Unfall verhindert werden können. Nach der Darstellung des Arbeiters scheint es, als ob auf diesem Bau, der im Submifsionswege an den Mindestbietenden vergeben worden sein soll, nicht mit den nötigen SicherheitSvorrichlungen gearbeitet wird. Nowawes. Tie bürgerliche Jugendpflege am Orte scheint bisher nicht die von ihren Förderern erhofften FrückUe getragen zu haben, denn in der letzten Sitzung des Ortsausschusses für Jugendpflege wurde be- schlössen, die Wehrkraftabteilung aufzulösen, weil über die Arbeit dieser Abteilung, die dem Ortsausschuß bisher unterstellt war, die Meinungen der führenden Personen sehr geteilt sein sollen. Um aber die Jugendpflege im Sinne des Ministerialerlqsses weiter zu treiben uud die Jungen am patriotischen Gängelband führen zu können, will man aui Anregung einiger Offiziere des 1. Garde- regimeniS und einiger Lehrer Q einen neuen Verein gründen. Spauvau. Masscneinstcllung von Arbeitern in den hiesigen königlichen Waffen- und Munitionsfabrilen haben in letzter Zeil stattgefunden. Die Gesamtzahl der jetzt in den königlich technischen Instituten be- schäsligten Arbeiter ha: eine bisher noch nie dagewesene Höhe er- reickit. Trotzdem Tag- und Nachtschicht eingeführt ist, müssen die meisten Arbeiter noch täglich Ueberslunden machen. Em bedauerlicher Bauunfall ereignete sich auf dem Gross-Kraft- werk an der Oberhavel. In einem Gewölbe stürzte bei der Fort- nähme von Deckenstützen ein Teil des Mauerwerks ein. Durch die herabstürzenden Gesteinmassen erlitt der Maurer Georg Möwes einen komplizierten Bruch des Unterschenkels, während der Maurer Karl Schmücke und der Lehrling Otto Mehls mit Quetschungen am Kopf und an den Beinen davonkamen. Die Verletzten, die sämtlich hier wohnen, wurden ins städtische Krankenhaus gebracht. Ueber die Schuldftage mutz erst die eingeleitete Untersuchung Ausschluss bringen. Jugendveranstaltunge«. Tempclhof- Mari-ndors. Die arbeitend- Jugend trifft fick am Sonnlag, den 8. Juni, zur Teilnahme am Arbeitersportfest im Schloß Weissenlee Punkt 21/, Uhr an der Kanalbrücke. Die jugendlichen Arbeiler und'Arbeiterinnen werden ersucht, recht zahlreich an dieser wichtigen Ver» anslallung teilzunehmen. _________ ---------- schwache Suppen, Saucen und alle Fleischgerichte erhalten augenblicklich unvergleichlichen Wohlgeschmack mit einigen Tropfen ? MAGQI Würze. „MAGGls gute, sparsame Küche." Erst beim Anrichten beifügen. AGGIs Würze ist sehr ausgiebig, man verwende deshalb stets den Würzesparer.— Probeflasche 10 Pfg. | Todes-Anzeigen| DentselierMetallarliEiter-YerbaBil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen jul?!achricht, daß unler Mitglied, der Schran- bendrcher I�icke Bautnschnlenlveg, Baumschulen« straße 78, am Z. Jmit an Nerven- leiden gestorben ist. _ Die Beerdigung jiiibet am Sonnabend, den 7, d, M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Treptower Ge- meinde-Friedhojes, Kiejholzstraße, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Klempner Hermann Schleich am 4. d. M, an Lungenlciden. Die Beerdigung findet am| Sonntag, den 8. Jmii, nachmittags 4 Uhr. von der Leichen-� Halle des Dilmersdorser Kirch- Hofes in Wilmersdorf aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet.[ Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- arbeiter Otts IBmst am 28. Mai in G l o g a u ge- starben ist. Ehre ihrem Anden ke»! 11S/3 Die Ortsverwaltung. DeQtsclier BauarbeiterverliaBfl. Zweigverein Berlin. Am 5. Juni starb unser Mit- glied, der Maurer >ViIhelm Heuer (Bezirk Südost). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den g. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Friedhofes in AhrenSselde aus statt. 143/3 Ter Vorstand. Dentober fiolzarbeiler-VEFhaBi. Zahlstelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Robert Patzke Petersburger Straße 3, im Alter von 48 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den S. Juni, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Friedbos der Irrenanstalt in Ncu-Ruppin statt. 84/5 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzllcher Teilnahme und die vielen Kranz. spenden bei de: Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Per- wandten und Bekannten sowie dem Metallarbeiter-Perband, dem Wahl- verein, der Volksbühne, den Kollegen von Stolzenberg, Härtung und Arndt meinen herzlichsten Dank. 77A Aiwe Ida Fouschmski. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, SÄ 10— 2. 5— 7. Sonntag» 10— 12. ZentralhaDsmoOefreiitieWeiiliiii! I.: Seuo Frledrlchntr. 35 an der Zciitral-Markthalle El.: Turmstr. 67, I. Etage, liefert an jedermann elegante Heiren-lMeroden yey nach a ß unter«arantie iüt tadellosen Sitz gegen wöchentliche Teilzahlung von t Mark°n. ZulchneidereimDerkNattimHauI». Aus Wunich Besuch des Reuenden mit neuesten Stoß mustern «enonetei-e Abteilnn«(Or tc rtige Garderobe. »» Tonutags geöffnet. mmmm WESIMANN i ▲ Mohrenstr. 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Hagemeier._ Elsholz, Komiker, stet, Gropius straße 6. 1026b' iiais-GanWe! 4—500 getragene Anzüge für Herren: Smoling, Frack- und Gehrock- Anzüge(auch zu ver- leihen), Sommerüberzieher sowie o Kavalieren getragene, säst neue Sachen(a.seides.j.icd. Figur pass. in größter Auswahl z.unübertrofi. dillixen preisen. 1 Tr.,deshalbbllliger wieim Laden. Il!�ebIlielei1iM.swU'.i�tZi g: Greift zu Jed. Herrn, der»ich eleg. u. bill. kleiden will, empfehle eleg. Monatsgarderobe in feiasten Werkstatt. Berlins gearb., von Herr- Monats-Reck-Anzügo 10, 12, 16, 20 M. Monats-Paletots 8, 10, 14, 18 M. Monats-Herren-Hosen 2,50, 5,00 M. L'is>ter, sebr billig.* Große Abteilung neuer Garderobe MnlHlllon 6r- Frankfurter Str. 08 mUlllQjlcr,(Kähe Strausberger PI.) Bitte genau auf No. 08 zu achten I Gemeinsame Orts- Krankenkasse für öttliii-Wilmersdorf und Umgegend. Mittwoch, den 18. Juni 1013, abends Sllfir. im GeiellschaftShaus, WiihelrnSaue Rr. 112: AaßcrocdcntlitLbc General-Versammlung Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls der letzten Gencraloeriammluna. 2. Wahl zweier Arbeitnehmer-Borstandsmit- gliedcr. Ersatz für die Herren Bredel und Engelhardt für die Amtsperiode bis eventuell 30. Juin 1914. 3. Be- amtenangelegenbeit nach§ 56 Zifi. 8b und§ 57 des Kassenstatuts. 4 Sia- tutenändeningei!— altes Statut— und zwar die AK 12, 18, 20, 29 und 30. 4a. Erganzungsanträge zum neuen Statut, gültig vom 1. Januar 1914 ab nach den Lorschristen der Zi.-V.-O., insbesondere der AK 48 und 66. Z<: Ausnahme eines Tar- lehns sür das Grundstück Kaiser- alles 173a zur Ablösung einer Hypothek. 6. Verschiedenes. Beschwerden und Anfragen, zu welchen Einsichtnahme in Akten er- forderlich sind, können zur Be- sprechung nur zugelassen werden, wenn dieselben mindestens drei Tage vorher schrisilich beim Lorstand ein- gereicht find. Nur Delegierte dürfen an der Ge- neraloersamrnlnng teilnehmen. 273/2 Berlin-Wilmersdorf, 7. Juni 1913. Der Vorstand Lübsen, Bredel, Vorsitzender Schriftführer. 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Jm!19t3. fln alle radfa|)renden Arbeiter und an die organisierte Arbeiterschaft Teutschlands wendet sich. rm Einverständnis und mit Billigung der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, ein vom Arbeiter-Radfabrerbund .�Solidarität" herausgegebenes Flugblatt, das zum Boykott der Mitglieder des Bundes deutscher Fahrrad- und Kraftfahrzeug- Händler auffordert. Bekanntlich hat der Arbeiter-Radfahrerbund..Solidarität" für seine Mitglieder, deren Zahl ISO ovo beträgt, ein eigenes Fahr- radgeschäft auf genossenschaftlicher Grundlage errichtet. Dasselbe besteht erst seit einigen Jahren, hat sich aber in dieser kurzen Zeit zu einem der größten und leistungsfähigsten Unternehmen auf dem Fahrradmarkt entwickelt. Es besitzt in Osfenbach a. M.. dem Sitz der Bundesverwaltung, ein eigenes Gebäude, das mit einem Kosten- aufwand von 320 000 M. im Jahre ISIO errichtet wurde, in dem sick die Zentrale des Geschäfts befindet; in fast allen Großstädten befinden sich Filialen und eine große Zahl von Niederlagen sind in kleinen Städten errichtet. Ter Umsatz des Geschäfts betrug 1912 über m Million Mark. Das Unternehmen hat es sich zum Prinzip gemacht, nur gute Ware zu führen und diese zu angemessenen Preisen an die Ar- beiter abzusetzen; dieser Grundsatz ist deshalb beachtenswert, weil aus dem Fahrradmarkt der Laie die Qualität der Ware schwer beurteilen kann und deshalb für die Konsumenten, die fast aus- scbließlich Arbeiter sind, leicht die Gefahr besteht, schlechte Ware für teures Geld aufgehängt zu erhalten. In den Betrieben des Geschäfts, das eine ziemliche Anzahl Personen beschäftigt, sind außerdem die Forderungen der Arbeiter— achtstündige Arbeitszeit und tarifliche Entlohnung— durchgeführt, die bei den heute im Fahrradhandel existierenden Händlern nicht erfüllt werden, obwohl die Händler für ihre Waren ziemlich hohe Preise nehmen. Das genossenschaftliche Unternehmen von..Solidarität" ist den Fahrradbändlern natürlich ein Dorn im Auge, und sie suchen es auf alle mögliche Art und Weise zu bekämpfen. Sie versuchen jetzt die Fabrikanten durch Vertrag zu zwingen, dem Arbeiter- unternehmen, dem Fahrradhause..Frisch auf" keine Waren zu liefern. Alle Fabrikanten und Grossisten des FahrradmarkteS sollen durch Androhung des Boykotts zur Unterzeichnung eines solchen Vertrages gezwungen werden. Um diesem Terrorismus entgegenzuwirken, werden die rad- fahrenden Arbeiter ersucht, die Geschäfte der Mitglieder des be- treffenden, dem Arbeiterunternehmen feindlichen HändlerverbandeS ßu meiden._ 13. Gklmaloersauimlullg der Mcker und Kouditoren. Frankfurt a. M., 5. Juni. Fünfter Berhandlnngstag. Zur Beratung stand heute zunächst der Punkt: Ter Tarifvertrag mit de« Konsum- und GenossenschastSbäckereie«. Der Referent Kahl-Hamburg verbreitete sich eingehend über den Stand der Tarifgemeinschaft. Es könne festgestellt werden, daß die Tarifidee in den Kreisen der Genossenschaften sich in er- freulicher Weise vorwärts entwickelt habe. Dies sei unzweifelhaft auf die Bemühungen der führenden Kreise in der Genossenschafts- bewegung zurückzuführen, die stets bemüht gewesen wären, den- jenigen Genossenschaften, die den Tarifvertrag noch nicht eingeführt hatten, nahezulegen, nicht abseits zu stehen. Bei Ablauf det bi» zum Jahre 1907 bestandenen Tarifvertrages hätten diesen 79 Per- erne mit 8ö2 beschäftigten Personen zur Einführung gebracht. Beim Ablauf des neurevidierten Vertrages im Jahre 1909 hätte man konstatieren können, daß er in 109 Vereinen, die zusammen 89 Back- meister und 1348 Bäcker beschäftigten, zur Einführung gelangt war. Am Schluß des Jahres 1912 betrug die Zahl der tariftreuen Ver- eine 185, die insgesamt 2S10 Personen beschäftigten. Im Laufe des JahreS 1913 kamen noch 11 Vereine mit 70 Beschäftigten hinzu. Der Redner verwies nun auf die enorm gesteigerte EntWickelung der Eigenproduktion in den Genossenschaften, er hob weiter hervor, läuft, herrscht wohl Klarheit. Die heutigen wirtschaftlichen Ver- Hältnisse seien bedeutend andere geworden als zu der Zeit, wo man den Vertrag einging. Ferner komme hinzu, daß es im Laufe der Dauer des TarifeS durch die Lohnkämpfe gelungen sei, die Ver- Hältnisse der in den Privatbetrieben beschäftigten Kollegen um ein Ez bedeutendes aufzubessern. Et sei ja eine unbestreitbare Tat- e, daß die Genossenschaften sehr wohl mit der Konkurrenz dieser riebe zu rechnen hätten, darum müßten auch diese Verhältnisse in Berücksichtigung gezogen werden. Kahl besprach dann die zu diesem Punkt vorlegenden Anträge, denen zumeist durch die Vor- standSvorlage Rechnung getragen worden sei. Nach der Vorstandsvorlage sollen für alle Arbeiter die Löhne sofort um 3 M. steigen, am 1. Februar 1916 soll eine Zulage von 1 M. und am 1. August 1917 eine weitere Zulage um ebenfalls 1 M. an alle Beschäftigten erfolgen. Die Tarifdauer solle wieder auf 5 Jahre festgesetzt werden. Wenn man eine kürzere Tarifdauer nähme, dann hätte man sich fortgesetzt nur mit der Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Genossenschaftöbäckereien zu be- fassen. Redner ersucht, der Borstandsvorlage zuzustimmen, und ge Gl dann den Vorstand, gemeinsam mit den Vertretern des Tarifamts und der aus der Mitte des Verbandstages zu wählenden Kom- Mission mit den Verhandlungen über die Neugestaltung des Tarifes zu betrauen, und gleichzeitig zu beantragen, den Abschluß des Tarifs nach beendeten Verhandlungen zu vollziehen. In der Debatte wurden eine Reihe Anträge begründet, die schon auf der Konferenz der Konsumbäcker zur Beratung standen. Die meisten der Anträge wurden abgelehnt, darunter auch solche, die von der Konferenz angenommen waren. Zustimmung fand ein Antrag, daß in den kontinuierlichen Betrieben hie Essenspause anstatt 20 Minuten Ii Stunde beträgt. Der Vorlage des Bor- standes wurde mit dieser Aenderung zugestimmt und 6 Delegierte als Mitglieder des Verhandlungstommission gewählt. Nach Referaten über den internationalen Arbcitcrkongreß und den internationalen Böckcrkongrcß wählte der Verbandstag als Delegierte zum Sozialistenkongretz Allmann-Hamburg und Hetz- schold-Berlin, und zur internationalen Bäckerkonferenz Kahl- und Lankes-Hamburg, Hetzschold-Berlin, Pigusch-Herford, Fitz-Leipzig und Hechtel-Nürnberg. Ueber die Bedeutung der Gesellenvcrtreter bei den Innungen referierte Friedmann- Hamburg. Er betonte die Notwendig- keit, daß sich die Kollegen überall bei den Wahlen zu den Gesellen- ausschüssen beteiligen. Mit Schärfe geißelte er die Bosheitspolitik der Herren vom Backtroge, die es verstehen, die äußerst klar aus- edrückten Bestimmungen der Gewerbeordnung zum Nachteile der "ehilfenschaft auszulegen. Er unterbreitete eine Resolution, in der das Programm für die Gehilfenvertreter bei der Ausübung ihrer Tätigkeit in den Ausschüssen festgelegt ist. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Dem Vorstand wurde ein Antrag überwiesen, einen Leitfaden herauszugeben, in welchem die wichtigsten Bestimmungen über die Aufgaben der Ge- sellenausschüsse in den Innungen, sowie der Jnnungsschieds- gerichtSbeisitzer erläutert werden sollen. Dann erstattete die Statutenbcratungskommission Bericht. Die Kommission schließt sich im allgemeinen den Vorschlägen des Vor- standes am Sie tritt ebenfalls für die Einführung des obligatori- schen I-Mark-Beitrages ein, will jedoch für diese Klasse anstatt eine Gehaltsgrenze von 32 M. eine solche von 33 M. festsetzen. Ueber die einzelnen Bestimmungen des Statuts entspann sich nochmals eine ausgedehnte Debatte. Die obligatorische Einführung der 1-Markftaffel wurde in namentlicher Abstimmung mit 53 gegen 57 Stimmen abgelehnt. Diese Staffel bleibt also wie bisher bei den alten Sätzen fakultativ. Später wurde noch beschlossen, über die obligatorische Einführung der Marlstaffel eine Urabstimmung vorzunehmen. Die Erhöhung des Beitrages in der niedrigsten Klasse, bei einem Wochenverdienst von 14 M., von 25 auf 30 Pf., wurde mit allen gegen 3 Stimmen beschlossen. Die übrigen Bei- tragSsätze bleiben wie bisher. Die Einführung von beitragsfreien Marken bei Arbeitslosigkeit und Krankheit, die von zahlreichen Zahlstellen verlangt wurde, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Das Eintrittsgeld für jugendliche und weibliche Mitglieder wurde auf 25 Pf. ermäßigt, der Jnvalidenbeitrag von 20 auf 10 Pf. Im Streikreglement wurde die Bestimmung gestrichen, daß Mitglieder, die der im Kampf befindlichen Branche am Streik- orte, die während de» Kampfes in geregelten Geschäften arbeiten, mindestens den zehnten Teil ihres Wochenlohnes zur Unterstützung der Streikenden beizutragen haben. Dafür sollen alljährlich zwei Streikmarken in der Höhe des regulären Beitrages bezahlt werden. DaS geänderte Statut tritt am 1. IM 1913 in Kraft. Ueber die Geschäftsführung und Beitragseiokassierung in Zahlstelle» referierte D i e r m a i r- München. Seine Ausführungen waren mehr interner Natur.» Ueber den letzten Gewerkschaftskongreß berichtete Barth- Berlin. Die Generalversammlung erklärte sich mit den Beschlüssen de» Kongresses einverstanden. Al» Delegierte zum nächsten Ge- Werkschaftskongreß wurden gewählt: Allmann-Hamburg, Weidler- Hamburg, Barth-Berlin, Rummeleit-Frankfurt a. M., Lämmer- mann-Nürnberg und Diermair-München. Als Sitz des Ausschusses wurde wieder München bestimmt. Der Vorstand bleibt in Hamburg. Die angestellten VorstandSmit- Hetzschold-Berlin bleibt jedoch als VorstandSmit, Damit waren die Arbeiten der Generalversammlung beendet. In später Abendstunde wurde sie mit anfeuernden Worten deS Vor- sitzenden Hetzschold und einem Hoch aus die Organisation ge- schloffen. Der nächste BerbandStag findet 1916 statt, den Ort bestimmt der Vorstand._ Jugendbewegung. Klassenscheidung im Jungdeutschlaudbuud. Mit Pauken und Trompeten ist semerzeit der Jungdeutschland- bund gegründet worden. Offiziere von und zu schreckten nicht davor zurück, Proletarierkinder ins Manöver zu führen. Aber ein Teil bessersituietter Jünglinge scheint doch den Geruch der proletarischen Existenzen in seiner Nähe nicht vertragen zu könne». So wird der bürgerlichen Presse aus Weimar berichtet: .Die Organisation von Jungdeutschland hat in Weimar in- sofern eine bemerkenswerte Erweiterung erfahren, als jetzt eine desondere Abteilung für die höheren Schulen eingerichtet worden ist. Infolgedessen sind nunmehr vom Gymnasium etwa 30, vom Realgymnasium 80 Schüler der Jungmannschaft beigetreten." Aus dieser einfachen Notiz gehl ganz unzweideutig hervor, daß es den BourgeoiSsöhnchen nicht angenehm war, mit dem PlebS ge- meinsame Sache zu machen. Die Folge dieses Vorganges wird nun sein, daß auch die Veranstaltungen der.besonderen Abteilung" ganz andere sein werden, als die der großen Masse. Und es wird auch dann gar nicht lange mehr dauern, bis denen, die aus Unwissenheit oder Dummheit diesem patriotischen Klimbim Gefolgschaft leisteten, die Augen aufgehen und in die besondere Abteilung der Arbeiter- fügend abschwenken, wo sie hingehören. Es dürfte auch kaum zweifelhaft sein, ob nicht über kurz oder lang im ganzen Jung- deutschlandbund eine so. bemerkenswerte Erweiterung" durchgeführt wird, wie sie aus Weimar berichtet wird. In einem Klassenstaate mit so ausgeprägten Klassengegensätzen läßt sich nach unserem Ermessen dieser Kontrast selbst bei den Jugendlichen nicht auf die Dauer verwischen._ „Auf zu froher Jugend." Der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat seinen duftenden Kampfmitteln nun auch eine Broschüre für den Jugendfang hinzugefügt.„Auf zu froher Jugend" ist ihr Titel, und Friedrich N o n n e m a n n ist ihr Verfasser. DaS Heft wird durch die Vermittlung der Unternehmer den jungen Leuten per Post inS Haus geschickt. Die schwarz-weiß-roten Rattenfänger arbetten in der Broschüre zum Teil mit Worten und Begriffen, die sie der fteien Jugendbewegung entlehnt haben. So liest man unausgesetzt von „Jugendgenossen" und auch„moderne Jugendbewegung" wird nicht verschmäht. Sogar durch Elendsschilderungen soll das junge Gemüt für die bürgerliche Jugendbewegung zurechlgeknetet werden: „War die Not bei euch so bitter und groß, daß es darüber zu keinem rechten Familienleben kommen konnte? Mutztest Du sehen, wie Vater und Mutler sich vergeblich abquälten, ja wie vielleicht noch schlimmere Verhältnisse Euer Familienleben zer- rütteten. Hast Du wohl Not, Elend, Krankheit und sonst noch allerlei Schlimme? in der Wohnung Deiner Eltern kennen gelernt, aber keine frohe Kindheit? Du Armer, dann hast Du viel entbehrt und entbehrst noch viel. Aber umsomehr ist es dann Zeit für Dich, daß Du einen festen Boden gewinnst, auf dem Du zu tätiger Jugendfreude gelangst." Dieser„feste Boden" besteht aber nicht etwa in Vereinigungen, die„Not, Elend und noch allerlei Schlimmes' beseitigen wollen. sondern in dem kriegsspielenden bürgerlichen Jugendmischmasch, den Herr Nonnemann als„edle Jugendbewegung" anpreist. Als ob je ein Pfennig Lohnerhöhung, je eine Stunde Arbeitszeitverkürzung, �e eine bessere Behandlung, je ein wirksamerer Jugendschutz durch diese „edle" Jugendbewegung erreicht werden könnte. DaS allein aber gibt den„festen Boden", auf dem Körper, Geist und Gemüt zu „froher Jugend" gedeihen können. Köstlich ist, wie der Verfasser, der augenscheinlich von der land- läufigen Religion so wenig hält, wie tausend andere, sich mit der „Religion" abzufinden versucht. In seinem Bemühen, eS mit den Frommen nicht zu verderben und doch auch die freigeistige Jugend anzulocken, kommt er zu diesen Verlegenheitssätzen: „Gewiß gibt es Richtungen und Menschen, die unter dem Deckmantel der Religion Engherzigkeit, Fanatismus, Herrsch sucht und Wissen Sseindschaft üben. Selbst- verständlich mußt Du Dich von solchen fernhalten. Aber die miß« brauchen die Religion nur, daS sind Heuchler, die daS Beste, wai es in der Welt gibt, durch ihre Heuchelei besudeln und verzerren und bei den Menschen in Mißachtung bringen." Hui, was werden die strenggläubigen evangelischen und katholi- schen Geistlichen ob eines solchen„Freundes" Augen machen. Denn nur sie können es sein, die da als engherzig, fanatisch, herrschsüchttg, wissensfeindlich bezeichnet werden, nur sie können die Heuchler sein, die das Beste besudeln und verzerren. Dessenungeachtet werden sich Reichsverband und.Heuchler" immer zusammenfinden, wenn eS gilt, die Jugend der so bitter gehaßten freien Jugend zu entziehen. Jugendgenossen, seid wachsaml Sorgt dafür, daß der von den Kapitalisten ausgehaltene Reichs» verband, den alle organisierten Arbeiter verachten, seine Tinte um- sonst verspritzt und sein Geld umsonst für Druckerschwärze auS- gegeben hat.„Auf zu froher Jugend I", gewiß, aber— in der freien Jugendbewegung._ Sozialistenbckämpfung engtos. Der Kreistag des Landkreises Stolpe beschloß die Errichtung von 25 Jugendheimen für rund 250 000 M. Diese Heime, von denen jedes 10 000 M. kostet, sollen auf 25 Hauptorte verteilt werden. Der Minister hat 50 000 M. für diesen Zweck bereits in Aussicht gestellt, der Kreis stiftet 100 000 M. und den Rest sollen dio Beteiligten aufbringen. Um da? Stiftungskapital zu beschaffen� soll eine Anleihe von 200 000 M. bei der Pommerschen Landes« Versicherungsanstalt aufgenommen werden. Dieser Beschlutz wurde in öffentlicher Sitzung einstimmig ohne Erörterung beschlossen, nach- dem allerdings eine zweieinhalbstündige vertrauliche Besprechung vor« ausgegangen war. Leinen-Schuhe in neuen schicken Formen imnnwnnniiHmiinnminmiffluinitinniiDiniuiiamuiiiiiii Tennis-Sdiuhc Sport-Schuhe Leinen- Stiefel Lasting-Sdiuhe HaaptgcfchÄft; JcruTalcmcr Str. 32-35 PotMUmer Straft« Nr. 2 Tracnisien- Strafte 19 e Teoeatslcn- Strafte 7 b Friedrlcfa- Strafte Nr. IS Ktaltf- Strafte Nr. 25-29 Rooeäibaler Strafte Nr. 5 r Braune Schuhe in �anz neuen Modefarben Turn-Schuhe Sandalen** Berg-Stiefel Tourenstiefel Hauptgefchaft: JerufalemerSh*. 32-35 iiiuiraiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiinimiiitiiiiiniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiimiiiiimnHilumiiinmiuHMHHMi SchSnebg* Haopt-Str. IM Neukölln, Berg-Strafte 25 CbarL, Wnmcndmrfer Mr. 45 Zweig-Nlederlassangen: Magdeburg» Halle- Cassel Urteil des Landgerichts I. In Sachen der Deutschen Bckleidungsgesellschaft m. b. H., Prozeßbevollmächtigter Rechtsanwalt Weinberg, gegen den Detaillisten- yerband der Bekleidungsbranche, vertreten durch seinen Vorstand David Bäer, hat das Königliche Landgericht I, 10. Kammer für Handelssachen, am W 1913 für Recht erkannt: 1. Der beklagte Verband wird verurteilt, die weitere Veröffentlichung des der Klage abschriftlich beigefügten Plakats:„Die Warnung" bei Vermeidung einer fiskalischen Strafe von£000 jeden Fall der Zuwiderhandlung zu unterlassen.(In dieser Warnung waren gegen die Klägerin Vorwürfe dahin erhoben, daß ihr Geschäftsgebahren ein unreelles sei.) 2. Der beklagte Verband wird mit der Widerklage abgewiesen.(Die Widerklage des beklagten Verbandes ging im wesentlichen dahin, daß der Deutschen Bekleidungsgesellschaft gerichtsseitig verboten werden sollte, sich ihrer bisherigen Reklameankündigungen weiter zu bedienen.) 3. Die Kosten des Rechtsstreits werden dem beklagten Verband auferlegt. Dieses Urteil entspricht vollkommen einem bereits von uns erstrittenen Urteil des Kammergerichts und stellt die denkbar glänzendste Rechtfertigung gegen alle Vorwürfe dar, die gegen uns und unsere Geschäftshandhabung erhoben worden sind. Ganz besonders machen wir jioch darauf aufmerksam, daß in unseren Selbstkosten nicht etwa ein Gehalt für unseren Geschäftsführer mitenthalten ist. Unser Geschäftsführer bezieht nicht einen Pfennig Gehalt oder irgendwelche sonstigen Vergütungen, begnügt sich vielmehr mit dem auf-seinen Geschäftsanteil entfallenen Gewinn. In unseren Selbstkosten, zu denen wir die Umsatzgebühr von 10 Proz. erheben, sind, wie bekannt, unsere sonstigen Geschäftsspesen, wie Miete, Angestelltengehälter etc. natürlich enthalten. Während in anderen Geschäften unserer Branche zur Deckung dieser Unkosten und des zu erzielenden Gewinns auf die Einkaufspreise fast durchweg ein Zuschlag von ca. ob Proz. genommen wird, beträgt unser Geschäftsunkostenzuschlag infolge des großen Umsatzes nur 20 PrOZ., ist also ein ganz ungewöhnlich niedriger. Unser Verkaufssystem verbürgt daher nicht nur die denkbar größte und strengste Reellität, sondern auch ein außergewöhnlich billiges Angebot. Deutsche Bekleidungsgesellschafft m. b. H. Vertrieb von Herren- und Knaben-Garderobe zum Selbstkostennreis 4- 10 Proz. Nutzen. Turmstras« 80 Gr. Frankfurter Str. 4 Chausseestrasse 27 Neukölln nahe Kl» Tiergarten Ecke Fruchtstragse nahe Invalidenstrasse_ Bergstr 7/8 Ecke Prinz-Handjerystr. Verkaufe. Teppiche! fieHIerbafte) in allen Drögen, fast für die Hälfte des WerleS Tepvichlager Brünn, Ha-jeicher Markt i, Bahnbos Börse.(Leier deS »Vorwärts' erbalten S Prozent Rabatt.) sonntags geöffnet!' Bettenstand 9,—. strage 70, im Keller. Brunnen. 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Nach dem nunmehr vorliegenden Abschluß beschränkt sich aber die außeretatsmäßige Entnahme aus dem Ueberschußfonds auf 18 607,03 M., ein Betrag, der gegenüber der Gesamtausgabe des Etats von 18 075 338,99 M. gering ist. Dabei verblieb aber noch beim Ueberschußfonds ein Barbestand von 272 392,94 M., der für 1913 zur vollen Verfügung steht. Charlottenburg. Ein Darlehn in Höhe von 5 000 000 M. hat der Magistrat von Charlottenburg zur Durchführung des Bismarckstraßenunter- nehmens bei der Reichsverficherungsanstalt für Angestellte auf- genommen. Die Stadtverordneren, welche um Genehmigung des Vertrages ersucht werden, hatten bereits in der Sitzung vom 9. April dieses Jabres den Magistrat zur Aufnahme eines Darlehns in Höhe von 10 000 000 M. für jenen Zweck bei der Reichsversicherungs- anstal! ermächtigt; diese kann jedoch bei den hohen Ansprüchen, die gegenwärtig an sie gestellt werden, nur die Hälfte des Betrages zur Verfügung stellen. Das Darlehn ist mit 4Vz Proz. zu verzinsen und vom 1. Juli 1919 ab mit 5 Proz. unter Zuwachs der ersparten Zinsen zu tilgen; außerdem zahlt die Stadtgemeinde an die An- stalt V« Proz. des Kapitals als einmalige Vergütung für die Her- gäbe de? Darlehns. Ober-schönetveide. Die Bolksbibliothck der Gemeinde und die derselben angeschlossene Lesehalle findet trotz der erfreulichen Steigerung der Besuchsziffer immer noch nicht die ihr zukommende Beachtung, obwohl in der Bibliothek sowohl wie in der Lesehalle reichhaltige gute Lektüre vor- Händen ist. ES ist von der Verwaltung in Erwägung gezogen, durch eine Verlegung nach der Wilhelminenhofftraße diese Einrichtungen zu fördern. Von der Kreisleitung wird jetzt versucht, der sogenannten nationalen Jugendbewegung diese Einrichtung nutzbar zu machen. Als Gegenleistung für einen vom Kreise zu leistenden Zuschuß in Höhe von 150 M. pro Jahr sollen den Mitgliedern der Jugendvereine Bücher der Bibliothek überlassen werden; das Kura- torium hat sich bereits mit dem Ortsausschuß für Jugendpflege wegen der Beschaffung geeigneter Bücher ins Einbernehmen gesetzt. Daß durch Anschaffung besonderer mordspatriotischer Lite- ratur das Lesebedürfnis gesteigert und damit die Bibliothek der Ein- Wohnerschaft zu regerer Benutzung empfohlen werden kann, wird das Kuratorium wohl nicht erwarten. Treptow-Baumschulenweg. Einer unserer„Alten", Genosse E r n st N i ch e, ist unserer Be- wegung plötzlich durch den Tod entriffen ivorden. Niche war einer derjenigen, welche mit Recht den jüngeren Genossen als gutes Vor- bild dargestellt werden können. Trotz seines hohen Alters— er stand im 72. Lebensjahre— war er bei jeder Parteiarbeit, sei es Flugblattverbreitung oder sonst eine Tätigkeit, zugegen. Es hatten deshalb einige Genoffen verabredet, dem alten Kämpen zu seinem Geburtstage in einer Form die Anerkennung und Verehrung der Parteigenossen zu bezeugen. Leider konnte er diese Freude nicht mehr erleben, ein Schlaganfall raffte ihn plötzlich dahin. Niche wußte, was es heißt, in schweren Zeiten Sozialdemokrat zu sein und auch in allen Lebenslagen sich als solcher zu betätigen. Unter dem Schandgesetz hat er wacker seinen Mann gestanden. Zwar trat der Verstorbene nie an die große Oeffentlichkei't hervor, aber durch sein gerades, aufrichtiges Wesen sowie durch sein korrektes Handeln im- panierte er jedem, der ihn kennen lernte. Die Beerdigung findet am heutigen Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, auf dem neuen Fried- hose in Baumschulenweg. Äiefholzstraße, statt. Die Genoffen und Genossinnen wollen durch möglichst rege Beteiligung dem überzeugten und verdienten Kämpfer die letzte Ehre erweisen. Alt-Glienicke. Die am 17. März vorgenommene Gcmeindeverordneten-Er- gänzungswahl in der II. Abteilung, aus der Bauunternehmer Otto Dürre mit 3 Stimmen Mehrheit als gewählt hervorging, wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung für ungültig erklärt, und zwar entgegen einem Antrage des Gemeindevorstehers. Der Nicht- bestätigte will das Verwaltungsstreitverfahren einleiten. Der Ge- meindevorsteher teilte alsdann mit, daß Herr Dr. Rosenfeld die Geneh- migung zur Errichtung eines Sanatoriums auf dem Bunzelschen Gelände im Ortsteil Falkenberg erhalten habe. Einem Bebauungs- Planentwurf für das 93 Hektar große forstfiskalische Gelände an der Görlitzer Bahn wurde zugestimmt, mit der Matzgabe, daß 12 Proz. des Terrains für Grünflächen erhalten bleiben. Ferner wurde eine Arbeitsordnung für die Gemeindearbeiter beschlossen; danach muß jeder Arbeiter, soweit er dazu befähigt ist, der hiesigen freiwilligen Feuerwehr beitreten. Für den Schulhaus- Neubau soll ein Darlehen von 100 000 M. zu 4% Proz. Zinsen, 2 Proz. Amortisation und 4 Proz. Abschlußprovision von der Preußischen Pfandbriefbank aufgenommen werden. Zum Richtefest für den Bau wurden 125 M. bewilligt. Aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaiser? beantragt der Gemeindevorstand, den hiesigen bedürftigen Kriegs- Veteranen eine Unterstützung von je 20 M. zu gewähren. Genosse Winkelmann bemerkte hierzu, daß es Sache des Staate? und des Reiches wäre, für die alten Krieger zu sorgen; sollte aber durchaus von der Gemeinde etwas geschehen, so müßten auch die Veteranen der Arbeit bedacht werden, für die in unserem Orte bisher zuwenig geschehen sei. Auch brauchte nicht gerade ein solcher Anlaß hierzu herangezogen werden. Der Antrag wurde angenommen. Tempelhof. In der Generalversammlung deS Wahlverems erstattete der Vor« sitzende Genoffe, O. Ewald zunächst den Vorstandsbericht. Der Mitgliederbestand hat sich seit 1. Juli v.J. um 61 erhöbt, er betrug am 31. März d. I. 585 s495 männliche und 90 weibliche). Die Zahl der„Vorwärts"-Lsser Ist von 756 im Vorjahre auf 735 gestiegen. Im Hinblick auf die bei der letzten Reichstagswahl für die Sozial- demokratie abgegebenen Stimmen könnten diese Zahlen durchaus nicht befriedigen, und es müffe jetzt nach den LandtagSwahlen unsere vornehmste Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß sich der Mitglieder- bestand und die Zahl der„Vorwärts'-Leser bedeutend erhöht. Der vom Genoffen O. Kiehn erstattete Kaffenbericht weist für das dritte Quartal eine Einnahme von 557,50 M. und eine Ausgabe von 472,94 M. auf, so daß ein Bestand von 84,56 M. verbleibt.— Bei dem Bericht von der außerordentlichen Generalversammlung Groß- Seäsuienä untei' Preis! BASTSEIDE ca. 110 cm breit O Q Meter...... ca. 80 cm breit � 95 Meter ca. 45 cm breit Q C Meter...... 5?� Pf. Grosse Posten Sommer-Uoren � extra billig w- � 3 Serien TUPFEN MULLE teilweise bestickt Meter 95 58 pf- 38 pf. w Aussteaer-Waren Einzelne HendtÜCher ohne BDckaieht anf den nc früheren Wert ßtflck 40, 30, Pf. 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Beisitzerin.— Zu Revisoren wurden gewählt: Putzte, M. Lieske. Neumann.— Die Lokalkonimission bilden die Genossen Biersack und Joh. Müller.— Als Bezirksführer wurden bestätigt: 1. Bezirk: PrzypiSnh; 3. Bezirk: Dangloff; S. Bezirk: Joh. Müller;«. Bezirk: Franz Günther; 8. Bezirk: Jos. Listl. Friedrichshagen. Mit der Stiftung eineS WohltätigkeitSfonds aus Gemeindemitteln aus Änlah des RegierungSjubilaumS des Landesherrn be- schäftigte stch die letzte Gemeindevertretersitzung. Bürgermeister Dr. Stiller empfahl den Antrag des GemeindevorsiandeS, wonach der Grundstock zu einer Kaiser-Wilhelm-Stiftung gelegt werden soll. AuS den Ersparnissen früherer Jahre sollen l0 OOO M. fest angelegt und die Zinsen dafür zur Unterstützmrg bedürftiger Genuindemit- glieder verwendet werden, lieber die Verwendung der Mttel be- schließt der Gemeindevorstand. Gleichzeitig hofft man durch diese Stiftung der Bürgerschaft Anregung zu geben, weitere Mittel für diesen Zweck zu spenden. Unsere Genossen Barth und Tarnow wandten sich gegen die Art der Stiftung und ersuchten den Antrag abzulehnen. Zunächst seien die Finanzen der Gemeinde augenblicklich keine günstigen und wenn wir jetzt 10 OOO M. aus laufenden Mitteln ent« nehmen, so stxht unzweifelhaft fest, daß wir im nächsten Jahre mit einer Steuererhöhung von etwa 7 Proz. zu rechnen hätten. Andererseits aber bedeuteten diese 400 M. Zinsen im Jahr gar nicht« bei einem Armenetat von etwa 40 000 M. Im übrrgen liege für die sozial« demokratischen Vertreter gar keine Ursache vor, aus Anlaß dieses Jubiläum« einer derartigen Stiftung zuzustimmen, da die Anhänger der Sozialdemokratie ja nicht einmal als gleichberechtigte Bürger anerkannt würden.- Sollte aber das nationale Bewußtsein in der Bürgerschaft so stark vorhanden sein, so könnte diese ja durch eine private Sammlung eine solche Stiftung einrichten. Der Antrag de« Gemeindevorstandes wurde mit 9 gegen 5 Stimmen bei 2 Stimm enthaltungen angenommen. Ohne Debatte wurde der Beitritt zum Verein für Kleinwohnungswesen beschlossen. Ein Antrag der Bau depntation, einige Fenster und den Balkon des Rathauses mit Blumenschmuck zu versehen, wurde angenommen. Von der fteiwMgen Feuerwehr lag ein Antrag betreffend Errichtung eines neuen Spritzen Hauses vor, und als Platz empfahl dieselbe eventuell das Hinter grundstück des Rathauses. Zur Vorberatung dieses Antrages wurde eine viergliedrige Kommission gewählt. Unter Mitteilungen wurde bekannt gegeben, daß die neue Gemeindebadeanstalt eröffnet sei. Die Eintrittspreise find folgend«: ein Einzelbad 20 Pf., mit Zelle 2ö Pf., 20 Blockkarten 2 M., mit Zelle 2,60 M., ein Kinderbad 6 Pf., 20 Blockkarten 76 Pf., Abonnements für Erwachsene 6 M. mit Zelle, für Kinder.2,60 M., jedes weitere Kind 2 M. Blockkarten sind u. a. in der Konsumgenossenschaft, Drachholzstr. 2, zu haben. "-.LI*«J. M. Schulmeister Wetterprognose für Sonnabend, de» 7. Juni lSlZ. 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