Ur. 141. 30> Jahrg. HbonnementS'Bedlngunaen: II �LnA�JI I VIe Infcrtions- Gebühr tldonnementS- Preis pränumerando:|H Hfl) lHiil y/ Hfl BW� I � beträgt für die fechZgespalleue Kolonel. SierteljShrl. 330 HU!., monatl. 1,10 Ml, I �WJ fl»>W f/ RH DW WW IBr-J Zeile oder deren Rauni W Pfg,, für wöchentlich W Pfg, frei WZ Hau-,-�HH! �H WD MW flH DW W>>H> �fl Hfl //„kleine Mnzeigcn", das fettgednlckie Beilage.Tie Neue Welt» 10 Pfg, Post. HWfl[ f RR H BH W H B B B W B B 1 Aw Wort 20 Psg,«zulässig 2 fettgedruckte Slbonnement: 1,10 Mark pro Monat. I I I �H l �Hl|H �H �H Worte), fedes weitere Wort 10 Pfg. eingetragen in die Post- geitungZ. � Wfl I flW RR>W yflÄ v gM HR ��B�flH( Stellengesuche und Schlafstellenan- Preisliste. Unter Kreuzband für I RH I, BH �W/ �H zeigen daZ erste Wort 10 Psg„ jedeZ Deutschland und Oesterreich. Ungarn �D I I �Hl �W/ HR\ /- weitere Wort 5 Pfg, Worte über 16 Buch. 2,50 Mark, für das übrige Lusland HHVt~S S 1/ ▼/ S HWMX. /- siaben zählen für zwei Worte, Inserate Z Marl pro Monat. Postabonnements �——-—. 1/ H�\ fut die nächste Nummer müssen bis nehmen an: Belgien. Dänemark, s-3 /!(.__. C ▼/- ä k Uh« nachmittags in der Expedition Holland. Italien, Luxemburg. Porwgal,---- A A\V-0" abgegeben werden. Die«�siedilion ist Rumänien. Schweden und die Schweiz. V__—--Q. �■/ bis 7 Uhr abends geöffnet. Berliner Bolllsblntk. Tentralorgan der fozfoldcmokratifcbcn Partei Deutschlands. Redaktion: 831. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 1383. £in gestäupter Professor. Professor Ludwig Bernhard, Ordinarius für National- ökonomie an der Universität Berlin, hat trotz seiner der- hältnismäßigen Jugend schon viel in der Oeffentlichkeit von sich reden gemacht. Bei einem Gelehrten gilt frühzeitiger Ruhm im allgemeinen als etwas Erfreuliches; was aber den speziellen„Ruhm" des Professor Bernhard charakterisiert, ist der Umstand, daß Herr Bernhard dem Fach- wie Laien- Publikum leider weit weniger durch wissenschaftliche Leistungen aufgefallen ist als durch Dinge, die eher den Titel sensationell denn wissenschaftlich verdienen. Was die wissenschaftliche Qualifikation Bernhards an- betrifft, so darf getrost gesagt werden, daß wohl seit Jahr- zehnten kaum ein Mann die ordentliche Professur der Volks- Wirtschaftslehre in Berlin bekleidet hat, der geringere wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen gehabt hätte. Dessen sind sich auch Bernhards Kollegen bewußt gewesen, die sich mit Händen und Füßen gegen seine Berufung nach Berlin gesträubt haben. Aber Bernhard erfreute sich hoher Gunst im Kultusministerium— hatte er doch ein Buch verfaßt, das die Polenpolitik der Regierung verteidigte— und so wurde er als„Strafprofessor" der Fakultät aufgezwungen. B. nahm diese Strasprofessur trotz der ablehnenden Haltung der Fakultät au. „Die Meinung Ihrer Kollegen sagt, weil Sie glaubten, man sei ein der Auslese der deutschen Gelehrten gleichartiger Professor, auch wenn man auS anderen als wissenschaftlich e'n Gründe» Professor an der Berliner Universität geworden sei." Mit diesen bittern, aber treffenden Worten hat der Münchener Professor Lugo Brentano in einem offenen Brief an Bernhard(vgl.„Frankfurter Zeitung" vom 28. April 1913) dessen damalige Haltung beurteilt. Als Bernhard nach Berlin kam, stand er im Rufe, in sozialpolitischer Hinsicht äußerst radikal zu sein. In diesem Sinne hatte er noch 1905 auf der Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik ,in Mannheim die Arbeitersrage behandelt. Immerhin waren seine wissenschaftlichen Leistungen auf diesem Gebiete nicht derart, daß man ihn besonders beachtet hätte, da machte er Anfang 1912 plötzlich wiederum von sich reden, diesmal durch einen Gesinnungswechsel denkbar schroffster Natur. Im April 1912 hielt Bernhard auf der Tagung des Vereins der Eisenhüttenleute in Düsseldorf ein Referat über „Schwerindustrie und Sozialpolitik", in dem er einen Still- stand der Sozialpolitik sowie verstärkten Schutz der Arbeits- willigen forderte, gleichzeitig auch die Arbeiterschaft der Rentenerschleichung, der Sabotage, des Terrorismus usw. be- schuldigte. Dieser Vortrag eines Mannes, der bisher als einer der eifrigsten Verfechter der deutschen Sozialpolitik ge- gölten hatte, erregte begreifliches Aufsehen. In dem er- wähnten„Offenen Brief" erhielt Bernhard von Professor Brentano eine Antwort, die einer wissenschaftlichen Hinrichtung gleichkam. Das hielt Bernhard jedoch nicht ab. weiter in der gleichen Richtung zu arbeiten. Er dehnte seinen Vortrag zu einer Broschüre und so entstand die Schrift:„Unerwünschte Folgen der deutschen Sozialpolitik". Auch diese Leistung Bernhards hat Aufsehen erregt, größeres noch als sein Vortrag, aber wieder war nicht der wissenschaftliche Wert der Arbeit die Ur- fache hierfür, sondern die schroff gegen die Arbeiterschaft ge- richtete, kapitalistische Tendenz. Auch diese Tendenzschriftstellerei unter der Maske scheinbarer Wissenschaftlichkeit hat jetzt ihre gebührende Antwort er- fahren. Es ist erfreulich, daß sie diesmal aus den Reihen der Sozialdemokratie ertönt; Genosse Kampffmeher hat sie erteilt in der soeben herausgekommenen Broschüre„V 0 m Kathedersozialismus zum Kathederkapita- l i s m u s", eine Antwort auf Professor L. Bernhards„Un- erwünschte Folgen der deutschen Sozialpolitik".') Bernhard hatte von einem„Barock der Sozialpolitik" ge- sprachen, einem Uebermaß an sozialpolitischen Beratern, das nur hemme und lähme, eher Schaden als Nutzen stifte. Demgegenüber� legt Kampffmeher die klaffenden Lücken unserer heutigen Sozialpolitik bloß, er zeigt nacheinander an Hand genauer Statistiken usw. den völlig unzureichenden Schutz der Heimarbeit, die entsetzlichen gesundheitlichen Gefahren der chemischen Jndufirie. die enormen Unfallziffern der schweren Eijenindufirie. der Bergwerksbetriebe usw. Den Leser dieser Darstellung beschleicht banges Entsetzen; freilich ein Mann vom Schlage Bernhards wird sich über verstümmelte Hände, eitrige Geschwüre, Lungentuberkulose usw. nicht sonderlich erregen. Für ihn sind ja alle Leiden des Jndustrieproletariats nur von untergeordneter Bedeutung, Hauptsache ist ihm, datz die„Dispositionsfreiheit des Werk- leiters" unangetastet bleibt � und durch keinerlei gewerbliche Schutzgesetze grftört wird,(seine Stimme nimmt höchstens einen iragischen Ton an, wenn er berichten muß, wie so ein armer Walzwerksbesitzer gezwungen wurde, die Mittagspause über die„natürliche Zeit" auszudehnen, d. h. über die Zeit. die unbedingt zur Einnahme der Mittagsmahlzeit erforder- Uch ist.— _*) Herausgegeben vom Landesvorstand der sozialdemokratischen V«tei Bayerns, Buchdrucker«, und ZettungSverlag Ludwigshafen a.Rh. Sonntag, den 8. Jnni 1913. Einen besonders breiten Raum nimmt in der Kampff- meyerschen Schrift die Widerlegung der Angriffe Bernhards ünf die staatliche Arbeiterversicherung ein. Hier ist Bemhard besonders leichtfertig vorgegangen. Sowohl seine Ausführungen über den„sozialdemokratischen Terrorismus in den Krankenkassen" wie über„Rentenerschleichung und Renten- Hysterie" beruhen auf einem Material, das— wie Kampffmeher eingehend nachweist— teils direkt unrichtig und längst widerlegt, teils maßlos übertrieben, entstellt und einseitig ausgesucht ist. Zum Beweise der angeblichen sozialdemokratischen Miß- Wirtschaft in den Krankenkassen verweist Bernhard z. B. ein- fach auf die Reichstagsdebatten von 1911, so daß der un- befangene Leser glauben muß. dort hinlängliche Beweise finden zu können. In Wahrheit haben diese Debatten der Sozialdemokratte Gelegenheit gegeben, das Märchen von der „Mißwirtschaft" und„Parteiherrschast" in den Krankenkassen gründlich zu widerlegen. Erklärte doch schließlich der Haupt- kämpe der Reaktionäre, Graf Westarp, daß er eine Beweislast für die einzelnen angeführten Fälle nicht anerkenne I Mit gutem Grund, denn diese Fälle waren eben nicht zu beweisen, weil sie zu neun Zehntel auf erlogenen und maßlos verzerrten Darstellungen beruhten. Davon» schweigt aber Professor Bernhard. Ganz ebenso verhält es sich mit seinem„Material" über den Mißbrauch der sozialen Versicherung durch Renten- erschleichung. Die wichtigen Aussagen der deutschen Arbeiter- sekretäre tut Bernhard niit einer Handbewegung ab, für ihn stellen die Aussagen der Aerzte die einzig„unparteiische" Quelle dar, obwohl hunderttausend deutsche Arbeiter von der„Unparteilichkeit" gewisser berufsgenossenschaftlicher Ver- trauensärzte ein Liedlein singen können, obwohl ferner einer dieser Aerzte, ein Dr. Möller eine Schmähschrift tendenziösester Art verfaßt hat, in der er die Zahl der Simulanten bei der Unfallversicherung aus 99 Proz. angibt! Den Arbeitersekretären wird von Bernhard kurzerhand der Vorwurf gemacht, daß sie den Arbeitern die Rentensucht „suggerieren", wieder ein Beweis für die Wissenschaftlichkeit eines Mannes, der mit leichter Mühe erfahren könnte) wie die Arbeitersekretäre in Tausenden von wenig aussichtsreichen Fällen vom Prozeß geradezu abraten. Ueberhaupt strahlt, sobald von sozialdemokratischen Angestellten die Rede ist, Bernhards Objettivität in vollem Glänze; er polemisiert dann nicht mehr, nein, er schinipft. So nennt er zum Beispiel die sozialdemokratischen Krankenkassenbeamten in dem gleichen Absatz„Umstürzler",„Parasiten",„Wühler",„Hetzapostel" usw. Diese Seite der Bernhardschen Polemik hätte bei Kampffmeher vielleicht eine etwas stärkere Unterstreichung verdient. Im übrigen leuchtet die Schrift trefflich in all die Schliche tendenziöser Mache hinein, deren Bernhard sich zur Erreichung seines Zieles bedient hat. Und das ist auch das wesentliche, denn mit Kampffmeyers Untersuchungen ist der Nachweis er- bracht, daß die Bernhardsche Schrift kein Werk objektiver Forschung darstellt, sondern �verfaßt ist in der vorgefaßten Absicht, die Schädlichkeit der Sozialpolittk um jeden Preis zu beweisen. K a t h e d e r k a p i t a l i st— mit diesem Namen ist Bernhard treffend gekennzeichnet. „Mit der Bezeichnung Kalhedcrsozialisten— schreibt Kampff- meyer— wollte man die Schmoller und Wagner nicht nur als Verkünder eines gewissen lebensfremden akademischen Ideals treffen, nein man suchte sie auch als Freunde und„Gönner" der sozialistischen Bewegung zu charakterisieren. Und mehr als ein Gönner ist Prof. Bernhard dem Kapitalismus, er ist ein kritikloser Verteidiger dieses Wirtschaftssystems". Ein Zeichen der Zeit, daß die kritiklosen Verteidiger des Kapitalismus heute die Lehrstühle wieder einnehmen dürfen, die schon fast von ihnen geräumt schienen! ver Aehrbeittsg in der Budget- Kommission. Neue Begimstigungen für die Agrarier. Die Natioualliberalen als Helfershelfer der Schwarzblauen. Die Debatte über die Beranlagung des in landwirtschaftlichen Betrieben und Grundstücken angelegten Vermögens wurde in der Sonnabendsitzung der Kommission fortgesetzt. Genosse Em mel be- kämpfte lebhaft die beabsichtigte Begünstigung der Landwirtschaft, bei der nicht der g e m e i n e W e r t zur Veranlagung kommen soll, sondern der 25 fache Betrag des Ertragswerts, nach einem konservativen Antrag gar nur der 20fache Betrag. Auch die Landwirtschaft habe den gemeinen Wert zu versteuern, nicht aber einen künstlich herabgedrückten Wert. Mit der angeblichen Eigenart des landwirtschaftlichen Betriebes könne die beabsichtigte Begünstigung nicht begründet werden;„Eigenart" zeigten auch die Betriebe anderer Berufe, die dann ebenfalls berücksichtigt werden mutzten. Die Sozialdemokraten würden also sowohl den RegierungS- entwurf al§ auch den konservativen Antrag ablehnen. Ein Regierungskommissar machte darauf aufmerksam, datz die Annahme deS konservativen Antrages einen Ausfall von ZvMillionen beim Wehrbeitrag ergeben würde. Abg.Gothein forderte, auf Material gestützt, datz die Beranlagung nach dem gemeinen Werte erfolge. Die Begünstigung des Grundbesitzes bei der Steuerveranlagung erzeuge fortgesetzt stärkeren Unwillen. Die Landwirtschaft beim Wehrbeitrag abermals begünstigen, sei einfach unverantwortlich.— Ein Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. Antrag Behrens will auch den Gärwereien die gleiche Begünsti- gung zu teil werden lassen, wie den landwirtschaftlichen Bettieben. Die Regierung wendet sich auch gegen diese Forderung. Der bayerische Zentrumsabgeordnete Matzinger will entdeckt haben, datz gerade bei der Veranlagung auf der Grundlage des Ertrags- wertes die Landwirtschaft sehr hoch belastet werde. Obwohl nun Herr Matzinger das auf keinen Fall will, trat er doch für die Ein- schätzung nach dem Ertragswert ein.« Angefochten wurde auch die Bestimmung, datz der Besitzer eines landwirtschaftlichen Grundstückes den Wert seiner Arbeit und der seiner Familienangehörigen bei der Veranlagung in Abzug bringen darf. Diesen Wert festzustellen, wird, wie nachgewiesen werden konnte, gar nicht möglich sein. Der Großgrundbesitzer, der sich gar nicht um die Bewirtschaftung seiner Güter kümmert, könnte nach dieser Bestimmung ebenfalls einen hohen Abzug machen, ohne die geringste Arbeit geleistet zu haben. Mit solchen Praktiken wird be den landwirtschaftlichen Betrieben das steuerpflichtige Vermögen sehr zusammenschmelzen. Dazu die Hand zu bieten bei einem einmaligen Wehrbeitrag kann doch, wie selbst von dem Nationalliberalen Roland-Lücke betont wurde, niemand verantworten. Genosse David zeigte, datz der Geldwert der vom Besitzer geleisteten Arbeit kaum nachgewiesen werden könne; außerdem müßten dann auch die in der Familie konsumierten Lebensmittel aus dem eigenen Betrieb mit in genaue Anrechnung gebracht werden. Das geschähe aber nicht. In Hessen habe man vor drei- zehn Jahren ein Steuergesetz gemacht, das den gemeinen Wert bei allen steuerbaren Vermögen zur Grundlage habe. Dieses Gesetz habe sich bewährt und sei von den Nationalliberalen und vom Zenttum mit geschaffen worden. Warum wollten diese Parteien nun im Reichstage zu einer anderen Veranlagung des land« wirtschaftlichen Vermögens schreiten? Sehr groß an Zahl seien die Grundstücke in der Nähe großer Städte, die zwar noch ein bitzchen landwirtschaftlich benutzt werden und einen sehr geringen Ertrags- wert liefern, aber, weil sie der Bebauung erschlossen werden sollen. heute schon einen großstädtischen Bodenpreis haben. Die gewaltigen Vermögen, die gerade durch solche Grundstücke repräsentiert werden. so zu begünstigen, wie es die Konservativen und die Regierung beab- sichtigen, wäre eine schreiende Ungerechtigkeit. Allein die Veranlagung nach dem gemeinen Werte garantiere die gerechte Heranziehung des landwirtschaftlichen Vermögens.— Genosse Süd ekum wies auf die Aeutzerung des Senatspräsidenten Strutz hin, der die Be- günstigung der Landwirtschaft durch. die Regierungsvorlage als so hahnebüchen bezeichnete� datz er als Reichstagsabgeordneter gegen das ganze Gesetz stimmen würde, falls diese Begünstigung im Gesetz bestehen bleibe. Die Natioyalliberalen stellten sich in einen flagranten Widerspruch zur nationalliberalen Fraktion im preußischen Landtage, die bisher stets für die Besteuerung nach de« gemeinen Wert eingetreten ist. Herr Paaschs vertrat zunächst diesen Standpunkt auch in der Kommission. Bei der Abstimmung aber fiolen die Nationalliberalr« um und stimmten mit dem Zentrum und den Konservativen. S ü d e k u m wies noch darauf hin, datz die preußische Re- g i e r u n g früher ebenfalls eine andere Stellung eingenommen habe, die gleiche, wie jetzt die Sozialdemokraten.— Nach weiterer unwesentlicher Debatte wurde der Antrag Behrens abgelehnt, ein dem konservativen ähnlicher des Zentrums angenommen, so datz eine noch weit über die Regierungsvorlage hinausgehende Begünstigung der Landwirtschaft einttitt. Die nächste Sitzung findet am Montag statt. • Die Reichsvermögenssteuer.' Die„Tägliche Rundschau" schreibt: Der Kanzler habe zwar gesprächsweise den festen Entschluß geäußert, unter keinen Um- ständen eine Reichsvermögenssteuer vorzuschlagen, aber eS liege keine ebenso entschiedene Erklärung des Kanzlers vor, daß er ge- gebenenfalls einer von der Mehrheit des Reichstages angebotenen Reichsvermögenssteuer nicht annehmen werde. DaS Blatt fährt dann fort: „Wie wir selbst von unterrichteter Seite erfahren, stehen selbst solche E i n z e l st a a t e n, die sich bisher am schärfften gegen eine ReichSeinkommen- und Reichsvermögenssteuer ge- wehrt haben, der geplanten Besteuerung des Einkommens inner- halb des Wehrbeitrages durchaus nicht mehr so unfreundlich gegenüber, wie anfangs erklärt wurde. Wenn die Grenzen nicht gar zu niedrig angesetzt würden, würde sich zweifellos eine Mehr- heit im Bundesrat finden, die dieser?lbänderung der RegierungS- Vorlage zustimmen würde.— Wir geben diese Mitteilung immer- hin mit einigem Vorbehalt wieder, wenn schon sie von ganz auS- gezeichnet unterrichteter Stelle herrührt." Entgegen den Mitteilungen der„Täglichen Rundschau" schreibt der Mannheimer„General-Anzeiger", das Organ BaffermannS, er habe aus denkbar bester Quelle erfahren, datz der Reichskanzler in den allerletzten Tagen noch und zwar in einer innerlichen Erregung, die sonst kaum bei ihm wahrgenommen werde, zu führenden Par- lamentaricrn geäußert, eine Reichsvermögenssteuer sei und bleibe für die Verbündeten Regierungen unannehmbar. Eine. Einigung, wie sie die Zentrumspresse empfehle, habe nur dann Sinn, wenn man es zur Auflösung des Reichstages tteiben wolle. In Zentrumskreisen soll man, nach der Angabe des Mann- heimer„General-Anzeiger", ernsthafter als bisher den Gedanken einer Reichstagsauflösung erörtern und im Regierungslager sei man fest entschlossen, wenn die von der Regierung geplante Deckung mißlinge, an das Land zu appettieren. » Billige Bosheit. ' Die evangelische Toto Hand will durchaus zu dem Wehrbeitrag herangezogen werden. Die Kreisshnode Berlin-Kölln Stadt beschloß, das Konsistorium zu ersuchen, bei den zuständigen Stellen dahin zu wirken, daß das Vermögen der evangelischen Mirchengemeinden in gleicher Weise wie das Vermögen der Privat Personen zu der Wehrabgabe herangezogen werde. Diese auffällige Steuerwilligkeit findet ihren Grund wohl weniger in dem besonder ren Patriotismus der evangelischen Kirchenmänner als in der Ab- ficht, gegen die katholische Tote Hand eine kleine Bosheit zu der üben. Wissen die Gescheitelten doch, daß die Geschorenen schon jede Heranziehung des Kirchenvermögens verhindern werden. Sei' Frauendorftr Ifiördcr in Freiheit gefetzt? Zum Frauendorfer Streikkonflikt erfährt unser Stettiner Korrespondent aus guter Quelle, daß am Donnerstag während der Unruhen zwei Kompagnien Infanterie auf dem Kasernenhof marschbereit standen, um nach Frauendorf aus- zunicken. Gegen 10% Uhr erging dann an die Mannschaft das Kommando zum Abtreten, denn inzwischen hatte die Polizei ihre blutige„Arbeit" verrichtet, deren Spuren erst am Freitagabend ein Gewitterregen vom Straßenpflaster wusch. Aber während alle Machtmittel des Klassenstaates gegen eine über einen feigen Meuchelmord entrüstete Volksmenge angewandt wurden, erfreute sich der Mörder selbst der liebe- vollsten Nachsicht der Behörden. Er wurde nur in Polizei- gewahrsam nach Stettin gebracht, nicht aber in Unter-- fuchungshaft genommen. Am Freitagmittag 12 Uhr wurde Brandenburg vollends aus derHaft lvieder entlassen, weil er angeblich in Notwehr gehandelt haben sollte. Innerhalb eines halben TageS kann man aber nun Wohl in einem Fall, der solch schwere Folgen hatte, nicht mit Sicherheit feststellen, inwieweit Schuld oder Unschuld in Frage kommen. Dabei ist fest- zustellen, daß die nächsten Tatzeugen, die Arbeiter Engelke, Bater und Sohn, bis heute noch nicht vom Untersuchungs- richte» vernommen wurden! Die Nachricht der Haftentlassung des Mörders wirkte so ungeheuerlich, daß im Zweifel an ihre Richtigkeit ein Per- treter des Stettiner Parteiblattes den Staatsanwalt aufsuchte, der die Frauendorfer Angelegenheit bearbeitet. Er versuchte ihm klarzumachen, daß durch die von vier bürger- lichen Zeitungen verbreitete Nachricht von der Haftentlassung Brandenburgs in die Frauendorfer Bevölkerung neue und schwere Erregung getragen würde, was leicht zu neuen Kon- flikten führen könne, weshalb schnellste Dementierung der Nachricht erforderlich sei. Ihm wurde jedoch in sehr gereiztem Tone die Antwort: Solange die Untersuchung nicht abgeschlossen ist, verweigere ich Ihnen jede Auskunft; die Frauendorfer Bevölke- rung wird sich auch so beruhigen. Solche An- sichten müssen auf die erregte Bevölkerung geradezu auf- peitschend wirken, zumal sie als eine versteckte Drohung mit netten Polizeiattacken gedeutet werden können und aus dem verweigerten Dementi nur die Bestätigung der Haftentlassung spricht! Tatsächlich soll sich der Mörder auch schon auf der Flucht befinden. Streikende wollen ihn gesehen haben, als er mit der Straßenbahn zum Bollwerk fuhr, und seine Frau soll ihn mit einem Bündel Kleider versorgt haben. Der Mör- der wäre demnach also per Schiff oderBahn entflohen. Und die Möglichkeit zur Flucht wäre ihm durch die Behörden gegeben worden._ Ruffifcher als Rußland. Es ist bereits auf der kürzlich stattgefundenen Düffel- dorfer Vertreterversammlung des bürgerlichen Reichsver- bandes der deutschen Presse eingehend dargelegt worden, daß das Recht keines anderen Landes— Rußland nicht ausgenommen— die Presse so unbarm- herzig der Willkür der militärischen Instanzen ausliefert. wie der Gesetzentwurf der deutschen Regie- rung gegen den Verrat militärischer Ge- Heimnisse. Prüft man eingehend diesen Entwurf, so findet man, namentlich bei den emschneidendsten Neuerungen, eine erstaunliche Aehnlichkeit mit dem russischen Gesetz vom 6. Juli 1912, das von der liebedienerischen dritten Duma fast unbesehen angenommen wurde. Die deutsche Reichsregierung hat sich aber nicht nur die russische reaktionäre Gesetzes- macherei zum Muster genommen und den Geist der russischen Strafbestimmungen nach Deutschland übertragen, sie hat an Schärfe und Dehnbarkeit ihrer Bestimmungen den russischen Lehrmeister noch übertroffen. Vergleichen wir beispiels- weise die entsprechenden Bestimmungen über den Aufenthalt an befessigten Orten. Das russische Gesetz besagt: ,§ 113. Wer ohne gehörige Erlaubnis, unter Verheimlichung z-ines Standes oder Namens, seiner Staatsangehörigkeit oder Nationalität, oder mittels anderer Listen in einen russischen be- festigten Platz, ein russisches Kriegsschiff oder in eine andere zur Landesverteidigung bestimmte Anlage eindringt, wird bestraft mit Gefängnis." Im deutschen Gesetzentwurf(§ 8) genügt bereits eine unrichtige Angabe gegenüber einer Behörde, einem Beamten oder einer Militärperson über Namen, Stand. Gewerbe, Wohnort oder Staatsangehörigkeit, um mit Festungs- Haft bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu ein- tausend Mark bestraft zu werden,„wenn nicht nach den Um- ständen die Annahme ausgeschlossen ist, daß der Aufenthalt an dem Orte oder die unrichtige Angabe mit landesverräterischen Ztvecken zusammenhängt." Und zwar erstreckt sich diese drakonische Bestimmung nicht nur auf Festungen, Reichs- kriegshäfen oder andere militärische Anlagen, sondern auch auf „Plätze, wo Gegenstände für die Bedürfnisse der inländischen Kriegsmacht hergestellt, ausgebessert oder ausbewahrt werden", d. h. fast auf sämtliche Ortschaften des Deutschen Reiches. Noch kraffer tritt die Tendenz: russischer als Rußland l in den Bestimmungen über die Presse hervor. Das russische Gesetz lautet(Art. 10344. Ziff. 5): c �. .Wer durch die Presse Nachrichten verbrettet, welche dte äußere Sicherheit Rußlands oder seine Streitkräfte oder die für die militärische Verteidigung des Landes bestimmten Anlagen betreffen und durch ein gesetzliches Verbot von der Veröffentlichung aus- geschlossen sind, wird bestraft mit Gefängnis von 2 bis 8 Monaren oder mit Hast bis zu 3 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 300 Rubel." Dieser Gesetzartikel kann als ein Muster der Bestimmtheft im Vergleich mft der kautschukarttgen Fassung des deutschen Gesetzentwurfs bezeichnet werden, die der Presse die tückischsten Fußangeln legt.§ 9 des Entwurfes besagt nämlich lakonisch: „Wer fahrlässig ein militärisches Geheimnis in die Oeffentlich- keit gelangen läßt oder ein militärisches Geheimnis, das ihm kraft seines Amtes, Berufes oder Gewerbes oder eines von amtlicher Seite erteilten Auftrages zugänglich war, an einen anderen ge- langen läßt und dadurch die Sicherheit des Reiches gefährdet, wird mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 5000 M. bestraft." Man könnte hier einwenden, daß die oben angeführte Bestimmung des russischen Gesetzes keineswegs alle Maß nahmen gegen die Presse erschöpft, da dem Minister des Innern in demselben Gesetz ein umfassendes D i s- kretionsrecht auf diesem Gebiete verliehen worden ist. Dieser Einwand ist richtig. Aber eben dieser charakteristische Zug der russischen Gesetzgebung, die durch das Hinter- türchen der diskretionären Bestimmungen der Verwaltung die ärgste Willkür einschmuggelt, verstärkt die Aehnlichkeit des russischen Spionagegesetzes mit dem deutschen Regierungsentwurf noch mehr. Denn was die nffsische Regierung durch die an den Minister des Innern verliehene diskretionäre Gewalt schamhaft zu verhüllen sucht, wird im§ 1 des Entwurfes der deutschen Regierung offen proklamiert: daß dasSpionagegesetz durch die dehnbare Fassung des Begriffs militärische Geheimnisse" den Zweck ver folgt, die Presse zu knebeln, und sie in Ab hängigkeit zu setzen von derPräventivzensur der militärischen Kommando st eilen. In der Tat würde durch die Annahme des§ 1 des Re- gierungsentwurfes, wonach als„militärische Geheimnisse" nicht nur Schriften, Zeichnungen und Gegenstände, sondern auch Nachrichten bezeichnet werden, deren Geheimhaltung den militärischen Behörden als notwendig erscheinen, der unhalt- bare Zustand geschaffen werden, daß die Presse keine militärische Nachricht ohne vorherige Erlaubnis der betreffenden militärischen Stelle veröffentlichen dürfte. Dieser Zustand wäre gleichbedeutend mit der Schaffung der ärgsten Form der Präventivzensur, der Zensur der einzelnen Ressorts, die den schlimmsten Mißbräuchen Tür und Tor öffnet. Selbst die russische Regierung hat bei aller ihrer Knebelungswut gegenüber der Presse nicht gewagt, eine solche generelle Bestimmung in das Spionagegesetz vom 5. Juli 1912 aufzu- nehmen. Gestützt auf Teil H Art. 1 dieses Gesetzes, wonach „der Minister des Innern... Preßnachrichten, welche die äußere Sicherheit Rußlands oder seine Streitkräfte oder die zur militärischen Verteidigung des Landes bestimmten Anlagen betreffen, für eine bestimmte Zeit verbieten" kann, hat der Regierende Senat in Petersburg im Dezember v. I. ein Verzeichnis der militärischen Fragen und Nachrichten veröffent- licht, deren Behandlung in der Presse untersagt wird. Es finden 'ich darunter: Mitteilungen über die„Schlagfertigkeit der Armee und Flotte", über„den Gang der Ausbesserungsarbeiten auf den Schiffen", über„die Eigenschaften der im Bau begriffenen oder zum Bau geplanten Schiffe" usw.— alles Bestimmungen, deren kautschukartige Fassung die Erörterung der Militär- oder marinetechnischen Fragen in der Presse, ganz zu schweigen von der Aufdeckung der Korruption und der Mißwirtschaft in der Armee und Flotte unterbinden kann. Immerhin ist es anzuerkennen, daß selbst die russische Regierung die Unmöglichkeit einer generellen Ausschaltung der Presse einsieht, und ihr durch die Veröffentlichung ihres Indexes gewisse Anhaltspunkte gibt. Der Geist der deutschen Regierungsvorlage jedoch kann am besten durch die Anmerkung gekennzeichnet werden, die am Schluß des russischen Indexes prangt:„Die Wirkung der genannten Verbote er st reckt sich nicht auf die Nachrichten, die vom Militär- oder Marineressort zur Veröffent- lichung genehmigt worden sind". Gelangt das Spionagegesetz in der Fassung der� Regierung zur Annahme. so wird von militärischen Dingen schließlich nur das in der deutschen Presse berichtet werden dürfen, was die Zensur der Militär- oder Marinebehörden passiert hat. pol'tifcke deberficbt. Zigarrenkisten als Wahlurnen. Am 25. April hat der Reichstag dem Beschluß des Bundesrats zugestimmt, nach dem solche Wahlurnen künftig zur Anwendung gelangen sollen, die die geheime Wahl zur Wirklichkeit machen. Bis heute ist aber dieser gemeinsame Beschluß des Bundesrats und Reichstags noch nicht veröffentlicht. Weshalb nicht? Der preußische Minister des Innern v. Dallwitz war bekanntlich gegen bessere Sicherung der Geheimhaltung der Wahl durch solche Urnen. Wollen der Staatssekretär Delbrück und der Reichskanzler nachträglich dem preußischen Polizeiminister noch die Konzession machen, daß für die am 11. Juni stattfindende Rcichstagsnachwahl in Waldeck-Pyrmont noch Zigarrenkisten als Wahlurnen dienen können? Nachdem Bundesrat und Reichstag die Aenderung des Wahlreglements beschlossen haben, muß sie auch veröffentlicht werden. Weshalb ist die Veröffentlichung noch nicht erfolgt? Die mecklenburgische Ver�assnngskomödie. Die Verfassungspläne der Regierung sind von der Ritterschaft wieder zertrümmert worden. Für den Freitag war der Landtag noch einmal zusammenberufen worden, um die Regierungserklärung zum jetzigen Stand der Verfassungsfrage entgegenzunehmen. Un- längst hatte ein Minister mit der Oklroyierung einer Verfassung ge- droht. Optimisten sahen daher dieser Sitzung deS Landtages mit Spannung entgegen, weil sie hofften, daß es mit der Ottroyierung Ernst werden würde. Sie haben sich in ihren Erwartungen sehr getäuscht. Der Regierungsvertreter Verla« einen Regierungserlaß. in dem der Großherzog zunächst seiner lebhaften Befriedigung Aus- druck gibt, daß in einigen Fragen der Landtag der VerfassungS- Vorlage der Regierung seine Zustimmung gegeben habe. Anderer- seits freilich hätten die Stände Beschlüsse gefaßt, denen der Groß» Herzog teils aus sachlichen Bedenken, teils wegen der mangelnden Einigung der beiden Stände nicht zustimmen könne. Diese Be- schlüsse forderten eine neue, eingehende Prüfung, und deshalb sei der Landtag bis zum Herbst zu vertagen. Die Verfassungskomödie ist also wieder einmal auS und sie hat geendet mit einem glatten Sieg der Junker, die sich durch ein der- artiges Verhalten der Regierung natürlich nicht bewogen fühlen werden, etwa im Herbst oder später der Einführung einer Verfassung freundlicher entgegenzukommen._ Tie Missionare vor die Front. Herr Paul Rohrbach fordert in einem Artikel der „Täglichen Rundschau" mit größter Offenherzigkeit eine stärkere staatliche Förderung des MisfionSwesens, da sonst in Afrika durch das Erstarken des Islams unter den Eingeborenen das Ansehen der weißen Herrschasten leiden könne. Er schildert das Umsichgreifen des Mohammedanismus und kennzeichnet die Folgen des Einftitts der aftikanischen Eingeborenen in die islamitische Religionsgemeinschaft folgendermaßen: „Dieser ist überall, wo Islam und Heidentum in Berührung miteinander stehen— sei es in Ost-, sei eS in West-, sei es in Zentralafrika—, mit der Idee einer starken sozialen Hebung verbunden und steigert daS Selbstgefühl der Ein- geborenen nicht nur gegenüber dem sofort der Verachtung anheim- fallenden„Buschneger", sondern auch gegenüber dem Weißen ganz bedeutend. Der Islam gestattet die Vielweiberei weiter. Das ist beim Neger ein Motiv von geradezu entscheidender Kraft, so sehr, daß sich im e n g l i s ch e n Westaftika jetzt sogar eine„ch rist- I i ch e" Negerkirche zu bilden anfängt, die ihren Mitgliedern unter Berufung auf das Alte Testament die Vielweiberei g e st a t t e t." In zwei Punkten also werden unsere christlichen Missionen Konzessionen machen müssen, wenn sie es mit dem Islam aufnehmen wollen. Erstlich müßten auch sie die soziale Hebung der Eingeborenen fördern. Ob sie das tun werden? Ja ob sie das tun dürfen? Wozu sollen denn die Missionen den deutschen Kolonialausbeutern dienen? Doch gerade nm das Selbstgefühl der Eingeborenen zu beugen und dadurch schrankenlosester kapita- li st i scher Ausbeutungswirtschaft die Wege zu ebnen! Dagegen würde bei unseren Kolonialmenschen die Forde- rung sicherlich geringeren Bedenken begegnen, daß das den Schwarzen gepredigte Christentum die Vielweiberei zulassen müsse. Wie Herr Rohrbach selbst mitteilt, hat das Misfions- christentum in Englisch-Westafrika auch bereits diese Kon- Zessionen zu machen begonnen, und was die doch so prüden Engländer fertig bringen, das werden die fortgeschritteneren Deutschen doch erst recht können! Um so mehr, als doch seinerzeit schon die Luther und Melanchthon in der Frage der Vielweiberei so große Kon- Zessionen gemacht haben. Freilich wollte Luther nur fürst- lichen Personen die Mehrehe gestatten, nicht aber den „groben Bauern". Vielleicht aber gestattet man der kolonial- politischen Ausbeutung wegen auch den bekehrten Negern die Vielehe. Ist Afrika gleich Europa erst mit der kapitalistischen Kultur beglückt, so werden die Neger ja ohehin kein Bedürfnis nach der offiziellen Vielehe mehr haben, da die illegitime Viel- weiberei, wie sie in Europa herrscht, dem plumpen System der mohammedanischen Vielweiberei weitaus vorzuziehen ist! Zum Blockabkomme« in Baden. Die badische Soziald�nokratie beruft zum 21. und 22. Juni nach Freiburg i. Br. einen Parteitag ein, der sich in der Haupt- fache mit der Taktik bei den LandtagSwahlen beschäftigen soll. Auch die Nationalliberalen und die Fort- schrittler haben zum 22. Juni Parteikonferenzen einberufen zu dem Zweck, Stellung zu nehmen zu den Vorschlägen über ein gemeinsames Wahlabkommen der drei Parteien der Linken. Fideikommisse in Prcusicu. Nahezu 7 Proz. der gesamten Bodenstäche des preußischen Staates sind fideikommissarisch gebunden. Besonders in den letzten Jahren haben die Fideikommisse außerordentlich zugenommen. Von 1880 bis 1900 sind IIS neue Fideikommisse gegründet worden, also im Durchschnitt jährlich mehr als 11. IVOS, als die Wirkung der er- höhten Getreidezölle einsetzte, nahm die Fideikommißbildung einen fast doppelten Umfang an; 190ö wurden 23, 1907 16, 1908 19. 1909 25 und 1910 17 Fideikommisse neu begründet. ES wurden also seit 1906, daS heißt unter den erhöhten Getteidezöllen, jährlich 20 neue Fideikommisse gegrünoet, während es in der Aera Caprivi nur jährlich 11,6 waren. Aus dem amtlichen Bericht über das Jahr 1910 sei folgendes wiedergegeben: „Am Ende des Jahres 1910 waren in Preußen 2 401 737 Hektar oder 6,89 Prozent des GesamtumsangeS des Staates fidei- kommissarisch gebunden. Von den 17 neu errichteten Fidei- kommissen liegen vier im Regierungsbezirk Oppeln, drei im Bezirk Breslau, je zwei in den Bezirken Frankfurt a. O. und Marienwerder und je einer in den Bezirken Königsberg, Danzig, Bromberg, Lüneburg, Münster und Kassel. Die neu errichteten Fideikommisse haben eine Gesamtfläche von 22 323 Hektar; außerdem wurden in demselben Jahre noch den be- reils bestebenden Fideikommissen durch Erweiterung eine Fläche von 2670 Hektar angeschlossen, so daß für das Jabr 1910 ein Gesamtzugang von 24 993 Hektar vorliegt. Aufgelöst wurden zwei Fideikommisse mit zusammen 1127 Hektar Fläche und ab- gelöst durch Verkleinerung von bestehenden Fideikommissen 1675 Hektar, so daß also ein Gesamtabgang von 2803 Hektar vor- liegt. Es betrug somit der Mehrzugang an Fideikommissen 15 und an Fideikommißfläche 22 189 Hektar. Auf die Gesamtfläche des preußischen Staates berechnet, betrug der Mehrzuganq an Fideikommißfläche 0,07 Prozent. Den größten Zuwachs an Fideikommißfläche weist die Provinz Schlesien mit 9123 Hektar auf: es folgen dann in weitem Ab« stände Westpreußen mit 4732 Hektar und Hannover mit 2768 Hektar. Drei Provinzen haben dagegen einen Mehr- abgang von Fideikommißfläche zu verzeichnen, nämlich Pommern mit 990 Hektar. SchleSwig-Holstein mit 372 Hektar und Sachsen mit 41 Hektar. Bezüglich der Verteilung der Fidei- kommißfläche steht die Provinz Schlesien mit 16,94 Proz weit über dem Staatsdurchschnitt von 6.89 Proz. Die größte Ausdehnung der Fideikommißfläche findet sich tn den Regierungsbezirken Oppeln mit 21.6 Proz. und Stralsund nnt 21,1 Proz.. wo sie also mehr als ein Fünftel der gesamten Oberfläche beträgt und den Staats- durchschnitt um mehr als das Dreifache übersteigt,«in wenigsten ist der Grund und Boden in den Provinzen Hannover mit 2.11 Proz. und Rheinland nnt 2,92 Proz. fideikommissarisch ge- bunden. Im Bertchisjare 1910 waren von dem fideikommissarisch 9-- bundenen Besitz im Staate 46,6 Proz. Waldfläcke Nach Regierungsbezirken ist die Fideikommißwaldfläche am größten in den Regierungsbezirken Trier mit 78 Proz. und Arnsberg mit 7S.7 Proz.. während sie in de» Bezirken Aurich nur 8 4 Stralsund 18.7 und Schleswig 19.9 Proz. deS gesamten fideikommissarisch gebundenen Besitzes beträgt." Die stetig steigende Zunahme der Fideikommisse ist der beste Beweis, wie die Landwirtschast unter der agrarischen Schutzzollpolitik gedeiht. Es gibt jetzt keine bessere Kapitalsanlage, als große Lati- fundien, für die der Staat durch seine Agrarpolitik die Rentabilttat sichert. Kasernenroheit. Wegen Mißhandlung und vorschriftswidriger Behandlung hatte sich vor dem Kriegsgericht in D r e« d e n der Sergeant Till vom Ulanenregtmenl Nr. 17 tit Olchatz zu verantworten. Der disziplinarisch mehrfach bestrafte und wenig gut beurteilte Angeklagte war bereits als Gefreiter wegen vorlchnfts- widriger Behandlung bestraft worden und dennoch wurde er Unter» offizier! Am 7. Mai waren die Mannschaften vom Exerzieren ein- gerückt und mußten sofort das Sattelzeug putzen. Der Ulan Mehner war etwas später fertig geworden ilnd kam als lester 0» Treppe herauf. Obgleich der Dienst zu Ende war und eine Veranlassung zu Ausstellungen nicht vorlag, erhielt Wehner vom Angeklagten den Be- fehl, schneller zu laufen.- Der Soldat kam dem nach, aber der Ter- geant lief hinterher und schlug den Untergebenen mit der Faust in schmerzhafter Weise inS Genick und hinterS Ohr! Die Mißhandlung war so heftig, daß Wehner ein Stück zur Seite flog. Dann wurde der Soldat i n d i e Unteroffiziers st übe bestellt und hier erhielt er abermals vom Sergeanten mehrere Schläge gegen das rechte erfrorene Ohr und als er die Stube der- ließ, versetzte ihm der Soldatenschinder noch einen Fußtritt ins Gesäß. Der Anklagevertreter er- blickte in den Schlägen ins Genick eine Mißhandlung, während nach seiner Meinung sich die übrigen Lorgänge nur als.vorschriftswidrige Behandlung" darstellen, da es an der.erforderlichen Erheblichkeit" fehle! Er sei der Anficht, daß sich der Angeklagte in einer begreiflichen, vielleicht auch b e- rechtigten! Erregung befunden habe und mit Rücksicht auf die minderschweren Fälle zehn Tage Arrest eine aus- reichende Sühne sei. Selbst das Kriegsgericht, von dem man gewiß schon Milde in Mißhandlungssachen gewöhnt ist, ging über diesen Antrag hinaus, erkannte aber immerhin auf die für diese Roheit außerordentlich gelinde Strafe von 14 Tagen mitt- leren Arrest. In einem zweiten Falle mußte vor demselben Gericht der Unter- offizier Ente vl ein vom Grenadier-Regiment Nr. 101 wegen Mißhandlung eines Untergebenen auf der Anklagebank Platz nehmen. Am K. Mai stand der Angeklagte mit seiner Kor- poralschaft auf dem Flurgange, als der Grenadier Lenk vorbei- ging und versehentlich den Unteroffizier berührte. Der Vor- gesetzte drehte sich um und versetzte dem Soldaten mir dem Notizbuch einen Schlag gegen das rechte Ohr, der die Zerreißung des Trommelfells zur Folge hatte. Der Soldat hatte sofort Ohrensausen und Schmerzen und begab sich am folgenden Morgen, da eine Ver- schlimmerung eingetreten war, ins Lazarett, wo er vierzehn Tage verbleiben mußte. Der Arzt stellte a l S Ursache der Trommelfellzerreißung einen Schlag fest und nun erst brachte der Soldat die Mißhandlung zur Sprache. Der mißhandelte Soldat gab als Zeuge an, daß er jetzt noch zeitweise Ohrensausen und Schmerzen habe und das Hörvermögen erheb- lich herabgesetzt sei; in den letzten Tagen seien sogar Ohrenblutungeu aufgetreten. Hier ließ der Anklagevertreter den Begriff Mißhandlung überhaupt fallen und beantragte— da ein erheblicher Schlag nicht nachgewiesen und zu den eingetretenen Folgen auch nicht erforderlich sei— wegen .vorschriftswidriger Behandlung' auf 8 Tage Arrest zu erkennen. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des An- Ilagevertreters, nur nicht bezüglich des Strafmaßes, an und erachtete 3 Tage gelinden Arrest als eine ausreichende Sühne! Es führte aus, daß die Verfehlung de? Angeklagten eine geringfügige und die eingetretene Trommelsellzerreißung als ein unglücklicher Zufall anzusehen sei. Militärjustiz. Weil er seinem Hauptmann mit dem eigenen Selbstmorde ge- droht hatte, erhielt ein Grenadier des 11. Regiments in Breslau ein halbes Jahr Gefängnis! Dieser Hauptmann hatte dem Soldaten drei Tage Arrest zudiktiert. Aus dem Briefe, den der Grenadier mit der Mitteilung, er werde Selbstmord verüben, on den Hauptmann geschrieben hatte, entnahm das Gericht den versuch, den Vorgesetzten durch Drohung an der Vollstreckung einer festgesetzten Strafe zu verhindern. Dieses Vergehen wurde mit sechs Monaten Gefängnis geahndet! Doch meinte der VerhandlungS- leiter, Kriegsgerichtsrat Bolik, die Strafe wäre viel höher aus- gefallen, wenn der Angeklagte nicht.ein so guter Soldat' wäre!— Nach Abbüßung seiner Strafe und nach seiner Dienstzeit wird der Verurteilte wohl alles andere, nur kein guter Patriot fein. JSach dem ßalkanhncgc. Die Haltung Rumäuiens. Wie», 7. Juni. Nach Meldungen, die aus Bukarest hier eingetroffen sind, hat die Regierung den Großmächten die Annahme des Petersburger Protokolls notifiziert und die Ab- ficht ausgedrückt, in einem neuen Balkankonflikt nicht indifferent bleiben zu wollen. Ei» serbisches Dcmruti. Belgrad, 6. Juni. Das Serbische Preßbureau meldet: Alle Nachrichten über angebliche Zusammenstöße zwischen der bulgarischen und. serbischen Armee an der alten und neuen Grenze bei Pirot, VeleS und Gjevgjelll sind unwahr. Ebenso unwahr ist die Nach- richt, daß man Vorbereitungen zum Abzug der serbischen Truppen aus Monastir treffe. Die Räumung JStipS auf dem linken Ufer des Wardar ist in aller Ordnung ohne blutige Zusammenstöße vor sich gegangen. Alle derartigen falschen Nachrichten werden im gegenwärtigen Augenblick mit einer gewissen Absicht in die Welt gesetzt und sind mit Vorsicht aufzunehmen. Die serbischen Truppen haben den gemessenen Befehl, nirgends aggressiv auszutreten. waS auch bisher streng eingehallen wurde. Hin- sichilich ähnlicher in Belgrad selbst auftretender Nachrichten kann fest- gestellt werden, daß man von amtlicher Seite an die in Belgrad er- scheinenden Zeitungen die Aufforderung erließ, derartigen unwahren Nachrichten keinerlei Glauben zu schenken. Sendung englischer Soldaten nach Skutari. Malta, 7. Juni. 330 Infanteristen haben Befehl erhalten, sofort nach Skutari abzugehen. Das Reutersche Bureau erfährt dazu von amtlicher Seite: Die Truppensendung von Malta nach Skutari bedeutet nicht eine Ver- mebrung J>er englischen Streitkraft. DaS Kontingent ist von der- selben Stärke wie die Abteilung englischer Landungstruppen, die jetzt Stadt besetzt hält. Es handelt sich nur darum, die Marine- ooieilung durch Landlruppen abzulösen. Uebcr die Dauer der Be- setzung ist noch kein Entschluß gefaßt. Diese wird völlig von den Maßnahmen der Botschaftervereinigung betreffend das Statut Albaniens abhängen. (lugart,. Ziija Minifterpräsideut. Budapest, 7. Juni. Ter König empfing den Grafen Tisza in Schönbrunn in Audienz und betraute ihn mit der Kabinettsbildung. Graf Tisza wird voraussichtlich die früheren Minister in seinem Kabinett beibehalten. Die Opposition hat angekündigt, daß. wenn TiSza Ministerpräsident wird, der Kampf nicht nachlasse, sondern schärfere Formen annehmen werde. Und die Sozialdemo. traten, die in der Abwehr der Reaktion mit der Opposition verbunden waren, kündigen revolutionäre Mittel an. ßcKrpeiL. Staatliche Arbeitslosenfürsorgc. . Zürich, 5. Juni.(Eig. Ber.) In Bern ist am Montag die Sommersession Der Äundesra:sversammlung(National- und Ständerat) eröffnet. Tie s.o z i a l d e m o k r a t i s ch e F r a k- tson hatte schon in der Märzseiuon durch den Genoffen Engster £inc auch von mehreren bürgerliaien Abgeordneten unterstützte Resolution(.Motion') einreichen laßen, welche den Bundesrat ein- ladt, die Frage zu prüfen, ob und eventuell auf welche Weise die »ursorg, für unverschuldete Arbeitslose, ins- besondere die Versicherung gegen die Folgen unverschuldeicr Ar- beitslosigkeit durch den Bund gefördert und unterstützt werden könnte. Genosse Eugster hatte seinen Antrag schon in der März- session begründet, jetzt geschah das gleiche in französischer Sprache von unserm Genossen S i g g- Genf, der besonders auf die großen Leistungen der Gewerkschaften für Arbeitslosenunterstützung hin- wies und entweder ihre Subventionierung oder die Schaffung einer eidgenössischen Arbeitslosenversicherung empfahl. Wir sind aller- dings der Meinung, daß es da kein„Entweder-Oder" geben, son- dern das eine und das andere getan werden soll. Genosse Frei- Basel konnte in wirksamer Weise die Resolution mit den dreijährigen Erfahrungen der doppelseitigen Arbeitslosenfürsorge in Basel unterstützen. Die im Kanton Basel-Stadt bestehende Arbeitslosen- Versicherung zählte Ende 1312 1138 Mitglieder, die 3333 Frank Bei- träge leisteten, während die Kaffe 36 300 Frqnk Ausgaben hatte, wovon der größte Teil Arbeitslosenunterstützung und wovon die Staatskasse einen Beitrag von 27 000 Frank leistete. Dazu kamen noch die StaatSbeiträge an die gewerkschaftliche Arbeitslosenunter- stützung. Diese doppelseitige Arbeitslosenfursorge hat sich nach dem Urteil aller Beteiligten bestens bewährt und sie heischt förmlich eine finanzielle Förderung durch den Bund. Ohne diese würde es vielen Gemeinden kaum möglich sein, eine wirksame Arbeitslosen- fürsorge durchzuführen. Auch von demokratischer und freifinniger Seite wurde die Re- solution unterstützt. Bu'ndesrat Schultheß akzeptierte die Resolution sim Sinne wohlwollender Prüfung. Die Resolution wurde schließlich«erheblich" erklärt, das heißt, angenommen. Frankreich. Ein Geheimzirkular au die Offiziere. Paris, 6. Juni.(Eig. Ber.) Die heutige„Humanits" hat dem Kriegsminister eine Ueberraschung bereitet..Sie veröffentlicht nämlich ein als„vertraulich" bezeichnetes Rund- schreiben des Kriegsministeriums, das mit Hinweis darauf, daß es dem Kriegsminister„von verschiedenen Seiten" zu Ohren gekommen sei, daß„sich einige Offiziere manchmal zur Aeußerung ungünstiger Meinungen über die Militärvorlage hinreißen lassen", die kommandierenden Generäle auffordert, die ihnen unterstellten Offiziere daran zu erinnern, daß sie, wenn sie„für sich selbst eine volle Freiheit des Urteils haben", bei Aeußerung ihrer Meinungen zur größten Zurückhaltung verpflichtet seien. Die Regierung sei allein in der Lage, voll- ständig und genau unterrichtet zu sein. JedeungehörigeAeußerung über die Vorschläge oder die Handlungen der Regierung habe zu allen Zeiten, namentlich aber in der jetzigen ernsten Lage, den Charakter eines Vergehens gegen die Disziplin. Der Minister erklärt schließlich, daß in der durch die Militärvorlagen hervorgerufenen Polemik das Fernhalten von jeder Kritik die einzige Haltung sei, die der Würde der Funktion und der Achtung vor den Pflichten der Offiziere entspreche. In dem Leitartikel, den Jaurös an den Text dieses Rundschreibens anschließt, hebt er hervor, daß die Regierung darin eingestehe, daß eine große Zahl von Offizieren der drei- jährigen Dienstzeit feindlich sei— denn andernfalls hätte es ihr doch nicht nötig geschienen, ihnen durch die Korps- kommandanten den Mund verbinden zu lassen. Jaures fragt, ob Herr Etienne und die Seinen etwa behaupten würden, auch diese Offiziere seien wie die Soldaten von der Arbeitskonföderation aufgewiegelt worden. Werde man sie vielleicht auch in daS famose„Komplott" verwickeln wollen. Jaures protestiert dagegen, daß man jetz! den Ofsizieren nicht etwa nur öffentliche Kundgebungen gegen die dreijährige Dienstzeit— denn solche hätte es nicht ge- geben—, sondern auch private Acußerungen im intimen Kreise verbieten wolle. Nur die Anhänger der Vorlage dürften noch frei sprechen, die anderen müßten entweder heucheln oder schweigen, wenn sie sich nicht der Denunziation, der Spionage, der Maßregelung aussetzen wollten. Interessant ist jedenfalls auch das Bekenntnis über die „ernste Lage". Es zeigt, daß sich die Regierung über die Opposition, die die Vorlage in den Volksmassen findet, keiner Täuschung hingibt. In der Tat schweigt denn auch die bürgerliche Presse, die in der ersten Zeit die freudige Bereit- schast aller Volksschichten beteuerte, jetzt über diesen Punkt vollständig und begnügt sich, die Notwendigkeit der Reform durch Vergleiche mit Deutschland und Exempcl aus der früheren und neuesten Kriegsgeschichte zu beweisen. Die erste Woche der parlamentarischen Diskussion hat die Situation nicht geklärt, aber von einer Popularität der dreijährigen Dienstzeit wagt kein Mensch mehr zu reden. Amerika. Republikanische Klassenjustiz. Paterson(New Jersey), 7. Juni. Der Redakteur eines Arbeiterblattes, der den Streik in der hiesigen Scidenindustric unterstützt hatte, ist zu einer Gefängnis- st rase von Ibis 15 Jahren, je nach guter Führung, und zu einer Geldstrafe von 250 Dollar verurteilt worden, weil er zu Feindseligkeiten gegen die Regierung aufgereizt hatte. Die Verurteilung ist auf Grund eines Gesetzes erfolgt, das unmittelbar nach der Ermordung des Präsidenten Mc Kinley gegeben wurde und das nun zum ersten Male an- gewendet worden ist. Aus der Partei. Ein unzulässiges Verfahren. Von einigen Parteigenossen ist in jüngster Zeit ein Rundschreiben verbreiiet worden, durch das für ausländische Genossen Hilfe erbeten wird. So wenig auch die guten Absichten verkannt werden sollen, von denen die betreffenden Genoffen sich haben leiten lassen, so muß doch entschieden gegen ihr Borgehen Einspruch erhoben werden. Wird in ähnlichen Fällen die Hilfe der Partei notwendig, dann ist es Auf- gäbe des Parteivorstandes, einzugreifen. Private Rundschreiben, wie das erwähnte, bitten wir unbeachtet zu lassen.- Berlin, den 7. Jum 1913. Der Parteivorstand. Erbauung eines Bolkshauscs in Köuigsbcrg i. Pr. Ein seit Jahren ersehntes Ziel der Königsberger organisierten Arbeilerschefl soll numnebr verwirklicht werden. Die VoUshauS- geiellschasl hat ein großes Grundstück mit Garten am Schloßteich, der schönsten Stelle Königsbergs, erworben. Hier soll ein großes Gebäude für die Bureaus der Gewerkschaften und für eine moderne Druckerei sowie ein Saal sür 1800 Personen errichtet werden. polireili-be», Sei-ickrlickes usw. Historisch oder politisch? In Königsberg i. Pr. war zum. 20. April d. I. eine Jugendversammlung einberufen worden, in welcher Redakteur Marck- wald sprechen sollte über das Tbema:.17. März 1813— 18. März 1848". Die Bersanimlung wurde von der Polizei als angeblich politisch sofort bei Beginn aufgelöst. Arbeitersekretär Krüger und Lagerist Schiemann erhielten nun Sirafmanbaie in Höhe t>on öö 95!. resp. 10 M., der elftere als Veranstalter, letzterer als Leiter der Ver- sammlung. Beide beantragten gerichtliche Entscheidung. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht führte Krüger aus, daß er die Versammlung nicht veranstaltet habe, da er an dem fraglichen Tage gar nicht in Königsberg habe sein können. Außerdem sei die Ver- sammlung auch keine politische, da der Vortrag lediglich eine objek- tive geschichtliche Darstellung aus der angegebenen� Zeit habe geben sollen. Man könne doch eine Lersamm- lung nicht lediglich aus dem Grunde für politisch er- klären, Iveil ein Sozialdemokrat spricht. Halte man den Vor- trag für politisch, so seien auch die ganzen Vorträge bei den Jahrhundertfeiern volitisch. Der Amtsanwalt beantragte, Krüger freizusprecheu und Schiemann zu 30 M, zu verurteilen. Das Gericht verurteilte beide Angeklagte und beließ es bei den Strafen der polizeilichen Strafmandate. Die Versammlung sei eine politische, denn sie habe im Rahmen einer politischen Partei stattgefunden. Ob es sich dabei um die sozialdemokratische Partei oder eine andere handele, sei natürlich ganz gleichgültig. Die Erfahrung lehre, daß in solchen Versammlungen politische Tendenzen verfolgt werden, und Krüger sei iniizubestrafen, da er als Lpiritus rector der ganzen Sache anzusehen sei. Die Erfahrung, daß in-. solchen Versammlungen politische Tendenzen verfolgt werden, kann das Gericht doch nur in der bürgerlichen Jugendpflege gemacht haben. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt._ Jugendbewegung. Die Hetze gegen die proletarische Jugendbewegung in Bayer«. Das Vorgehen der Bahreuther Raihausliberalen. die glauben, die freie Jugendbewegung mit Polizeischikanen zu Tode Hetzen zu können, macht in Oberfranken Schule. In dem schönen FichtelgebirgSstädtchen W un s ie d e l, daS immer mehr zu einem lebhaften Jndustriemritelpunkt wird, sollte am Sonntag eine Zu- sammenkunft werktagsschulfreier junger Arbeiter und Arbeiterinnen stattfinden; neben Unterhaltungen verschiedener Art war eine An- spräche des Redakteurs Puchta-Bayreuth über das Wesen der Arbeiter-Jugendsache vorgesehen. DaS Bezirksamt Wunsiedel er- blickte darin etwas ungeheuer Staatsgefährliches, und da es auf geradem gesetzlichem Wege nicht vorgehen konnte, nahm es seine Zuflucht zu dem Bayreuther Kniff, indem es durch eine öffentliche Bekanntmachung unter Strafandrohung den Stbülern und Schülerinnen der Fortbildungsschulen den Besuch der Versammlung verbot, weil es sich um eine politische Veranstaltung handele, deren Besuch den Schulpflichtigen ohne Erlaubnis der Schul- Verwaltung nicht gestattet sei. Den Beweis sür den politischen Charakter der Veranstaltung schenkte sich das Bezirksamt, es wäre ihm auch schwer gefallen, ihn zu erbringen. Der Schlag ist natürlich vollständig daneben gegangen. Es wurde sofort eine Protest- Versammlung der Wunsiedeler Arbeiterschaft einberufen, die so massenhaft besucht war, daß der in Aussicht genommene Saal nicht ausreichte und die Versammlung unter freiem Himmel tagen mußte. Sie gelobte nach einem Referat Puchtas, mit eiserner Zähigkeit auf die Förderung der proletarischen Juqendsache bedacht zu sein, auch wurde eine erhebliche Anzahl neuer Abonnenten auf die.Arbeiterjugend' gewonnen. So hat das Vorgehen, das die Jugendbewegung unterbinden sollte, sie erst recht zum Leben erweckt. In Bayreuth selbst hat übrigen? die Hetze gegen die Arbeiter« jugend schon wieder eine neue Blüte gezeitigt. Den Fortbildung?-- schulpflichtigen, die im Jugendheim Stenographie usw. lernen, wurde von der Schulverwaltung je zwei Stunden Karzer zudiktiert. Damit dürste wohl der Gipfel erreicht sein. Letzte Nachrtditcn. Oesterreich-Ungarn und Italien gegen ein Provisorium in Albanien. Wien, 7. Juni.(W. T. B.) Gegenüber dem von Frankreich vertretenen Standpunkte, daß angesichts des ilmstandes, daß Albanien ein noch ganz unbekanntes Land sei, vorläufig nur ein Provisorium geschaffen werden solle, stellt die„Wiener Allgemeine Zeitung" fest, daß Oesterreich-Ungarn und Italien diesen Stand- punkt nicht teilen könnten, weil die baldige Schaffung stabiler Zu- stände in Albanien, woran Oesterreich-Ungarn und Italien ganz besonders interessiert seien, im Interesse Albaniens notwendig, und weil die Schaffung eines definitiven Statuts die Vorbedingung für die Einführung einer Ordnung verbürgenden Verwaltung in Albanien sei. Die Behauptung, Albanien sei ein unbekanntes Land, könne unmöglich für Oesterreich-Ungarn und Italien gelten, wo man die albanesischen Verhältnisse bis in alle Einzelheiten kenne. Alle diese Gründe seien sür Oesterreich-Ungarn und Italien be- stimmend, sich gegen ein Provisorium ablehnend zu verhalten und das Augenmerk darauf zu richten, daß möglichst bald ohne Ver- schleppungen und Verzögerungen ein definitives Statut für Albanien geschaffen werde. Bulgarische Okkupationsgclüste. Belgrad, 7. Juni.(W. T. B.) Der„Politika" zufolge versuchten die bulgarischen Truppen die militärischen Posi- Honen bei Valandova östlich von Doiran zu besetzen. Seitens des serbischen Kommandanten wurde den bulgarischen Truppen eine Frist von 24 Stunden zur Rückkehr auf das Gebiet jenseits der Demarkationslinie gestellt. Zum bulgarisch-scrbischcn Vcrtragsstreit. Belgrad, 7. Juni.(W. T. B.) Die„Politika" veröffentlicht eine Unterredung des Kronprinzen Alexander mit einem Mitar- beiter des Blattes über den s crbisch-bulgarischen Gegensatz. Der erbische Kronprinz verweist ans die im Vertrage nicht borge. ehcne und über denselben weit hinausgehende Hilfe, welche Serbien den Bulgaren während des Balkankrieges, insbesondere vor Adrianopel, geleistet habe und stellt fest, daß die serbischen Ansprüche aus Mazedonien sich auf ein Gebiet beziehen, welches von den Türken seinerzeit nicht den Beilgaren, sondern den Serben entrissen wurdÄ. Auch die geographischen und etnologischen Eigen- heiten sprachen ausschließlich zugunsten der serbischen Forderung. Die serbische Regierung und die serbische Skuptschina haben kürz- lich dargelegt, daß das rechte Wardaufer für Serbien eine Lebens- rage bedeute, in welcher Serbien nicht nachgeben könne, demnach sei die Haltung Serbiens klar. Serbien habe sein letztes Wort gesprochen. Ueber das rechte Wardaufer könne es aber keine weiteren Unterhandlungen geben. Bulgarien hat sich nunmehr über die Grenzfrage zu äußern. Bezüglich der Haltung Europas erklärte der Kronprinz, es sei begreiflich, daß Europa an der endlichen und raschen Liquidation des Balkankrieges das größte Interesse habe._ Schweres Grubenunglück in Nordamerika. Shamokin(Pennsylvania), 7. Juni.(W. T. B.) Auf einer Kohlengrube in Susguehanna ereignete sich eine Explosion, bei der zahlreiche Bergleute verschüttet wurden. Die Rettungsmann- chaftcn haben zwei Tote und vierzehn Verletzte, von denen zwei in Lebensgesahr schieben, zutage gefördert. Später haben sie noch zwanzig Bergleute auf der Galerie gefunden und sie eben. 'alls herausgeschafft. Verletzt war von diesen niemand. Man glqubt, daß sich jetzt niemano mehr in der Grube befindet. 11 A.Weriheim V MONTAG BIS MITTWOCH Trikotagen Knaben■ Sweater mit Aassdmitt o. kurzen Ärmeln, cinierbig, 4 Grtssen.» 90 FC bis 1 ,25 Knaben-Sporthemden Ferkai, gestreift 4 Gitaen......... 1.45 bis 2.10 Herren- Sporthemden„ � Perksl, gestreift......... 2.60, 4.00 Herren- Sporthemden weiss Panama, mit Stebemlegekngen..... 3.60 Herren-Oberhemden Trikot, Mako, mit farbigem Einsat«, 3 Grössen 2.00, 2.15, 2.25 Herren-Oberhemden Trikot, porös, weiss mit farbigem Einsatz, 3 Gr. 3.85,4.10,4.25 Reise• Plaids_ aebottbdies Moster, 8.75, 14.75. 18.00 Damen- Plaids_.... scbottiscbes Mater.. 3.25, 5.00, 6.75 Strümpfe Damenstrümpfe gewebt, engt LAnga, schwarz oder lederfarbig.. 35, 48 Ff. Damenstrümpfe schwatz, bleu, braun mit Druckmoster........ 00 Ft. 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Die Selbsthilfe ist hier so gut wie ausgeschlossen, da die g e° Werk schaftliche Organisation unter der Viertelmillion der Beschäftigten noch außerordentlich schwach ist. Die Folge davon ist, daß, während in den meisten deutschen Industrien eine wenn auch langsame, so doch stete Arbeitszeitverkürzung sich durchsetzt, in der G r o tz e i s e n i n d u st r i e eine V e r- längerung sich bemerkbar macht. Seit dem l. April 1909 besteht für Hochöfen, Röhren- gießereien, Stahl-, Puddel-, Hammer-, Preß- und Walz- werke eine Bundesratsverordnung, die ein genaues Verzeich- nis der Arbeiter, die Ueberstunden und Sonntagsarbeit leisten, den Umfang dieser Ueberarbeit, ferner eine Regelung der Pausen und endlich eine achtstündige Mindestruhezeit zwischen zwei Schichten vorschreibt. Die Unternehmer waren ob dieses Eingriffs in ihr Herrenrecht im höchsten Grade ungehalten, die Arbeiter erklärten sie für völlig ungenügend. Einen Nutzen hat die Bundesratsverordnung auf jeden Fall gehabt, durch die Meldepflicht der Unternehmer sind wir in die Lage gekommen, festzustellen, daß unter dem„gesetzlichen Schutz" in der Tat die Dauer der Arbeitszeit, die sich aus der regelmäßigen Zwölf st undenschicht plus der Ueberstunden und der S o n n t a g s a r b e i t zu- sammensetzt. erheblich zugenommen hat. Läßt man die erste Zeit ihrer Geltung vom 1. April bis Ende 1909, wo die Register noch beträchtliche Lücken aufweisen, außer Betracht, so ist die EntWickelung in Preußen, dem Hauptsib der Groß- eisenindustrie, nach den Berichten der Gewerbeinspektoren in runden Zahlen folgende: 1910: 193 000 Arbeiter mit 18,6 Millionen Ueberstunden, davon 7,3 Millionen an Sonntagen. 1911: 208 000 Arbeiter mit 21,2 Millionen Ueberstunden, davon 9,4 Millionen an Sonntagen. sl912: 220 000 Arbeiter mit 24.6 Millionen Ueber- stunden, davon 11,5 Millionen an Sonntagen. Demnach ist die Zahl der Arbeiter nur um etwa 6 Proz. jährlich gestiegen, die Ueberstunden aber um 14 und 16 Proz., die Sonntagsarbeit allein um 23 bis 23 Proz. Dabei stellt z. B. der Beamte von Düsseldorf fest, daß die Menge der Ueberstunden in Wirklichkeit wahrscheinlich noch erheblich größer ist, weil die Register zum Teil nachlässig, zum Teil absichtlich falsch ge- führt worden sind. Im Düsseldorfer Bezirk sind von der Gesamtzahl der Arbeiter nicht weniger als 37 324— 52 Proz. durchschnittlich monatlich zur Ueber- arbeit herangezogen worden. Die durchschnittliche Dauer der Ueberarbeit an Werktagen betrug fast% Stunden, die der S o n n t a g s a r b e i t 3*4 Stunden— wohlgemerkt bei einer 12stündigen regelmäßigen Arbeitszeit und einer 24stllndigen Wechselschicht alle 14 Tage. Für d»n einzelnen Arbeiter ergeben sich Arbeitszeiten von 14 und 13 Stunden täglich, dazu noch eine 2— 3stündige Sonntagsarbeit. Es kamen sogar Fälle von 36 bis 39stündiger ununterbrochener Arbeits- zeit vor. Und was für Arbeit in den Hochöfen und Gießereien! Wahrlich, die P r o f i t s u ch t der Unternehmer kennt keine Grenzen, menschliches Rühren ist ihr gänzlich fern, sie geht über Leichen. kleines Feuilleton. Der Auszug der Sezesfion. Die Generalversammlung der Sezesfion hat am Freitagabend zu einem ebenso unerwarteten wie unerhörten Resultat geführt: die übergroße Majorität der Sezession hat vor dem Sturm der Opposition die Fahne gestrichen und ist aus- getreten. Die SezesfionSmehrheit ist also ausgerissen, mit ihrem Präfidenten Casfirer in der Mitte hat sie ihre Sache preisgegeben— und aus die Angriffe der Opposition nur mit einigen Protesten zu antworten gewußt. Die Opposition, die sich weder durch Lieber- mannS Verzicht auf Einigungsversuche, noch durch SlevogtS Auf» forderung zum«»Stritt beeinflussen ließ, blieb als Rumpf Sieger. Die ausscheidenden 44, unter denen die führenden Namen der alten Sezesfion sich befinden, haben Herrn Eassirer eine Ehren- erllärung ausgestellt, in der eS u. a. heißt: „Wir wissen, daß Herr Casfirer seine Mittel zu eigennützigen Zwecken innerhalb der Sezession nicht gemißbraucht hat, daß er als Präsident eine Politik persönlicher Interessen nicht betrieben hat, und daß er nur aus künstlerischem Idealismus unter uns gewirkt hat." Die siegende Opposition, der auch Corinth sich beigesellt hat, zählt nur 14 Anhänger. Sie hat erklärt, daß sie ihre Sache, da die VerfammUmg ihr keine Gelegenheit zur Aufklärung gab, vor die Gerichte bringen werde. Bloße Künstlerstreitigkeiten find natürlich für die Oeffentlichkeit ohne erhebliches Interesse. Aber die kapitalistische Jnfizierung einer Künstlerorgannation, die die Opposition in« Feld geführt hat. ver- dient alle Austnerksamkett. Mag man den Liebermann und Slevogt, Berlach und Gaul, der Kollwitz und Pechstein alle künstlerischen Sym- vatbien bewahren: sachlich haben sie sich ins Unrecht gesetzt. Man kam, solch« spezialmerten Angriffe nicht aus der Welt schaffen, indem man dem Angegriffenen sein Vertrauen ausspricht und— davon- oebt. Der Füll Eassirer rst der erste dieser Art in Deutschland. Er wird kaum der letzte bleiben. Der Kunsthandel will die Kunst- v-oduktion konttoll, ere,,. daS liegt im Wesen der Entwicklung. Ob die aenossenschastliche Organisatton der Künstler dagegen auf die Dauer ankommt, ist»ne Zukunstsfrage. Ob die Ausgeschiedenen sich unter Casfirers Fitttchen neu oraaniiieren werden d Herr Caiftrer hat sich»n einem Interview sehr elegisch darüber ausgelapen swaS natürlich wenig sagen will). Ob die Opposition die Sezession, deren Herrin sie jetzt ist, weiter führen will und� kann. Vorläufig hat sie die Ausstellung zu verwalten, in der sie— o, Ironie— selber(außer Corinth) Die Oeffentlichkeit aber wartet, daß die Affäre Casfirer klar- gefüllt wird Sie ist keineswegs zu Ende— trotz des Coups der Mehrheit. Der patriotische Turnsport. Am Sonntag wird daS Stadion I »w Berliner Grunewald eröffnet. Die Angelegenheit hat emm j Darum auch der Haß gegen die Arbeiterorgan i- s a t i o n, deren Bestreben es ist, solch menschenmor- denden Zuständen ein Ende zu machen. Ter Kriegerverein im Dienste des Unternehmertums� Ein Mitglied des Bauarbeitervervandes in dem schleswig- holsteinischen Flecken Hohenwestedt, der auch an einer Lohnbewe- gung der Bauarbeiter des Ortes beteiligt war, erhielt vom Vor- sitzenden des Kriegervcreins folgende Aufforderung in einem ein- geschriebenen Brief: Hohenwestedt er Kriegerverein. Hohenwestedt, den 1. Juni 1913. An den Kameraden H....... in Hohenwestedt. Es wird gegen Sie der Vorwurf erhoben, daß Sic � 1. bei der Arbeitsbewegung in Jiuiien Streikposten gestanden und dafür Entschädigung aus der sozialdcmo- kratischen Gewerkschaftskasse empfangen haben, 2. eine direkte Verhandlung mit den Meistern nicht gesucht haben, sondern Ihre Interessen durch den sozialdcmo- kratischen Gewerkschaftsführer Kober haben vertreten lassen. 3. Wir laden Sie hiermit ein. zu der am Dienstag, den 3. d. Mts., abends 8 Uhr, in der„Harmonie" stattfindenden VorstandSsitzung zu erscheinen, um Ihre R c ch t f e r t i- gung persönlich vorzutragen. Mit kameradschaftlichem Gruß (Siegel) Der Vorstand. (Preußischer Landes-Kriegerverband. I. A. Jensen, Vorsitzender. Hohenwestedter Kricgerverein). Die Aufforderung, die ganz im Stile einer polizeilichen Vor- ladung gehalten ist, spricht es mit erfreulicher Offenheit aus, daß die Kriegervereine die Interessen der Unternehmer gegen die Ar- beiter verfechten. Sie sind also ausgesprochene Gegner der für Verbesserung ihrer Lebenslage kämpfenden Arbeiter. Das sollten sich alle Arbeiter merken, die heute noch den Kriegervcreinen nach- laufen. Berlin und Umgegend. Arbeiterforderunfien an die Deutsche Töafien- und Munitionsfabrik. Tie Arbeiter und Arbeiterinnen der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik in Moabit hatten vor einiger Zeit eine Kom- Mission eingesetzt, die der Direktion eine Reihe von Forderungen unterbreiten sollte. Das ist geschehen. Die Kommission hat mit der Direktion verhandelt. Das Ergebnis der Verhandlungen trug Sommer als Referent der Kommission in einer am Freitag ab- gehaltenen Betriebsversammlung vor. Die erste Gruppe der For- derungen richtete sich auf hygienische Verbesserungen hinsichtlich der Klosett-, Wasch- und Garderobenanlagen. Diese Forderungen sind in der Hauptsache bewilligt. Die geforderte Einrichtung einer W a r m w a s s e r l e i t u n g ist'wegen der be- vorstehenden Verlegung des Betriebes abgelehnt worden. Die ge- forderten Ventilationsanlagen in der Härterei und Saudbläserei sind angebracht worden.— Weiter wurde die Ab- schasfung der Geld st rasen gefordert. Diese Forderung ist soweit bewilligt, daß die Strafen auf die Hälfte des bis- herigen Matzes herabgesetzt werden sollen. Arbeiterinnen werden wegen Zuspätkommens nicht bestraft, wenn sie 7 Minuten nach Be- ginn der Arbeitszeit an ihren Plätzen sind. Eine dritte Gruppe von Forderungen betraf die Lohn frage. Die geforderte Ver- legung des Zahltages am Sonnabend auf den Freitag hat die Direktion abgelehnt. Auch der geforderten Verlegung der Inventur vom Winter in den Sommer wurde aus geschäft-� lichen Gründen nicht stattgegeben/ doch will der Direktor versuchen, diese Aenderung bei der Generaldireitwn durchzusetzen. Als Ein- stellungslohn wurde gefordert für Arbeiter 4S Pf., für Schlosser 65 Pf., für Arbeiterinnen 2714 Pf., eine allgemeine L oh n e r h öh u n g von 5 Pf. für sämtliche Arbeiter sowie 36 Pf. Akkordzuschlag. Bewilligt wurden 46 Pf. für Arbeiter, 66 Pf. für Schloffer, 26 Pf. für Arbeiterinnen. Den am schlechtesten Ent- lohnten soll eine Zulage von 214 Pf. gewährt werden. Die Kommission forderte eine Aufbesserung der Akkord- löhne derart, daß die Schlosser 96 Pf., die Maschinenarbeiter 76 Pf., die Ardeiterinnen 46 Pf. pro Stunde verdienen können. Das bezeichnete der Direktor als nicht angängig. Er erklärt» sich aber bereit, in Einzelfallen, wo die Akkordsätze den Arbeitern nicht ausreichend erscheinen, mit der Kommission zu»verhandeln, die zu diesem Zweck bestehen bleiben soll. Haufen Geld gekostet. Die Arbeiter werden weniger oder nichts davon haben, und die Dummen, die sich als Statisten ergattern ließen, klagen bereits über Mühe und Arbeit. Den Genuß haben die anderen. Da hebt sich kein Bein zum Wettlauf, ohne daß eine nattonale Gesinnung zur Vorbedingung gemacht würde. Hatte man gedacht, es gehören Muskeln dazu und ein klarer Kopf, so zeigt sich jetzt, daß hier stumm und versteckt mehr Politik gemacht wird als allen aufgelösten Jugendorganisationen je auch Mir nachgesagt wurde. Da inspizieren Offiziere, da wird der alte Hülsen-Häseler mobil gemacht, da redet v. d. Goltz,— und alle sind sich einig, daß dem Volke weniger die Gesundheit als die Gesinnung erhalten werden muß. Ein EinweihungSspektakel wird aufgetan, der weniger den Sport zu propagieren bestimmt ist, als die Monarchie, die es nöttger hat. Die Arbeiter handeln nur folgerichtig, wenn sie sich ihrerseits zusammentun und wirklich frisch„nd frei turnen. Denn sie treten auch außerhalb des Turnplatzes für Luft und Licht ein. sperren ihre Mitmenschen nicht in schlechtgelllftete Fabrik- räume und verlangen von niemand, er solle zwei oder drei Jahre unhygienisch schlafen und Körper und Geist ohne Sinn. Verstand und Nutzen malträtieren lassen, wie es beim Militär geschieht. Sie betteiben den Sport um seiner selbst willen, sie verkoppeln mcht den Beinschwung mit der patriotischen Demonstratton. Eine Umfrage über daS Kino. DaS Börsenblatt für den deutschen Buchhandel hat eine Umfrage über die Beziehungen zwischen Kino und Buchhandel veranstaltet. Sie sollte die Frage klären, ob der Kinobesuch die Nachfrage nach Büchern weckt, be- sonde-S nach solchen, deren Inhalt verfilmt vorgeführt wurde. Von den Antworten sind die meisten von erfreulicher Deutlichkeit. Richard Dehme! lehnt das ganze Genre mit lcidenfchaft- lichem Ernst ab: „Die sogenannte Kinoballade, also die Filmserie mit poetisch angehauchtem Zusammenhang, bedeutet meines Erachtens den Ersatz des Kolportageromans und der JahrmarktSmoritat durch Schlechteres. Ich habe deshalb, was ich gegenüber falschen Zei- tungsmeldungen hiermit ausdrücklich feststelle, die lukrativen An- träge der bekannten Filmfabriken auf Ausschlachtung meiner Dichtungen abgelehnt. Gründe? Wozu mit Brombeeren um sich werfen! Was nützt es, wenn drei bis vier arme Dichter fünf bis sechsmal ausführlich beweisen, daß aus Kienholz nie Rosen wachsen können; die kapitalkräftige Reklame macht das Unglaub- liche glaublich. Kein Maler wird es für nötig halten, lang und breit auseinanderzusetzen, ivieso der Kientopp mit bildender Kunst nichts zu tun hat, obgleich da Bilder vorgeführt werden. Nun, ebensowenig hat die mechanische Reporterei von momentanen Theatereffekten, in die da irgendeine organische Szene zerknipst wird, mit Dichtkunst und Schauspielkunst zu tun; erst recht nichts, wenn mau epische oder balladeske Motive ins Melodramattsche ver- ballhornt. Mit vechunzter Kunst das Kino zur BollSbildungS- In der Diskussion kam zum Ausdruck, daß man zwar befriedig fein könne wegen der Bewilligung der hygienischen Forderungen. daß man aber mit den Zugeständnissen, in der Löhnfrage durchaus nicht zufrieden fein könne. Namentlich wurden die Löhn. der Hilfsarbeiter als ungenügend bezeichnet. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand einstimmige Annahme. Die Annahme des paritätischen Arbeitsnachweises fnr das Braugewerbe dnrch die Handwerker. Wir berichteten in Nr. 136 des„Vorwärts", daß die Mitglieder des Brauereiverbandes den paritätischen Arbeitsnachweis einstimmig annahmen. Am Freitag haben nun auch in gut besuchter.Ver sammlung die Mitglieder der anderen beteiligten Verbände hierzu Stellung genommen. S ch l i ch t i n g von den Maschinisten und Heizern gab in längeren Ausführungen ei» Bild von den früheren und den sich in Zukunft gestaltenden Verhältnissen. Er unterzog be- sonders das Reglement einer gründlichen Würdigung und empfahl zum Schluß die Annahme des Entwurfes. Verschiedene in der Die- kussion auftauchende Fragen wurden von Siering und von Schlichting in seinem Schlußwort beantwortet. Nach derein- stimmigen Annahme des Statuts und des Reglements wurden wiederum einstimmig zum Kuratoriumsmitglied Schlichting. zum 1. Ersatzmann Sie ring und zum 2. Ersatzmann E. Schulze vom Sattlerverband gewählt. Achtiulg, Putzer! Die Differeuzen mit der Aktiengesell- schaft für Hoch- und Tiefbau teil, vorm. Gebr. Helfmann, auf dem Neubau der Städtischen Straßenbahn, Geibelstraße, am Urban, sind noch nicht beigelegt. Der Bau bleibt also bis auf weiteres für Putzer gesperrt. Deutscher Bauarbeiter-Verband, Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Achtung, Schuhmacher'. Die Firma Höring, Usedomstr. 17, ist weiter streng zu meiden Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Fleischcrgescllci»! Mit dem Fleischermeister Paul W o n t o r a. Neukölln, Elbestr. 33, ist ein Tarifvertrag abgeschlossen. Der Betrieb des Fleischermeisters Eule, Neukölln, Elbestr. 29, ist nach wie vor wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages für unsere Mitglieder gesperrt. Zentralverband der Fleischer. DeuklcKes Reich. Abwälzung der Betriebsunkosten auf die Arbeiter. Einen Streck von grundsätzlicher Bedeutung führen die Arbeiter der Strickmaschinensabrikabteilung der Firma Gebr. Slevoigt in Chemnitz. 116 Arbeiter streiken, weil die Finna verlangt, daß die Arbeiter einen Teil zu den Kosten des Werkzeugs. daS sie benutzen, beitragen sollen. Die Arbeiter lehnten dieses Ansinnen ab, da sie mit Recht der Meinung sind, daß die Betriebskosten der Unternehmer tragen mutz. Die Ver- Handlungen des Arbeiterausschusses und der Organisationsleitung mit der Fabrikdirektton waren ergebnislos. So blieb den Arbeitern nur der Streik. Die Arbeiter erwarten strengste Solidarität. Ter Krefelder Seidenfärberftrelk dauert unverändert fort. Auch die Färber der Schweiz und Süddeutsch- lands beharren im Ausstand. Die Einigungsverhandlungen haben zu keinem Resultat geführt. Der Streik übt seine Wirkungen auch auf die Seidenwebereien aus. Die Betriebe in Markgröningen. Waiblingen und Offenbach sind ganz oder teilweise st i I l g e l e g t. Mehrere hundert Arbeiter sind dadurch brotlos geworden. Die süd- deutschen und schweizerischen Seidenwebereien sind nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen der Kundschaft gegenüber nachzukommen. 16 Seidensabrikanten versenden an ihre Auftraggeber nachstehendes Zirkular: Zürich, den 28. Mai 1913. An unsere Kundschaft! Wir gestatten uns, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß der seit Monaten andauernde Stteik der Seidenfärbereiarbeiter � in Krefeld nunmehr auch auf die süd- deutschen und auf die schweizerischen Slrangseidenfärbereien über- tragen worden ist. Die Lage ist zurzeit derart, daß in den süd- deutscheii, in den Baseler und in den Züricher Färbereien alle Ar- beiter in den Streik getreten sind. lieber die voraussichtliche Dauer der Bewegung läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen, da die süddeutschen und die schweizerischen Färbereibesitzer gleich ihren Krefelder Kollegen aus Gründen der Selbsterhaltung gezwungen sind, die Forderungen der Arbeiterschaft in der anstalt„veredeln" zu wollen, das ist ungefähr so, als wollte man die Nachkommenschaft eines BastardköterS durch Kreuzung mit einer degenerierten Rassehündin„heben"." Die speziellen Beziehungen zwischen Buchhandel und Kino charakterisiert Heinrich Lilienfein dahin: „Nach meiner wiederholt ausgesprochenen Meinung haben Literatur und Kinematograph nichts miteinander zu tun. Die Verfilmung künstlerischer Werke halte ich für gleichbedeutend mit ihrer Verkitschung. Daß gar ein Kinobesucher, der einen Roman- film sieht, sich verleiten lassen sollte, nach dem zugrunde liegen- den Romanbuch zu greifen, sich um den Namen des Verfassers zu bekümmern, am Ende gar seine„Gesammelten Werke' sich an- zusckaffen, halte ich für einen Wahn, so rührend kindlich, daß es mir grausam vorkäme, dagegen zu eisern." HanS von Hoffensthal schreibt: „Der Roman ist eine Kunstform. Das Kino hat mit Kunst aar nichts zu tun. Ich habe Kientöppe in den Hauptstädten dreier Weltteile gesehen, fand aber alle Darstellungen, die sich in irgend- einer Weise anmaßten, das gesprochene Wort zu ersetzen, immer geschmacklos, der unnatürlichen Mimckanstrengiingen, dumm-thea- tralischen Gesten wegen lächerlich und kindisch." Kräftig geht auch Ludwig Thoma gegen den Modegötzen ins Zeug: „Die Versilmung von Romanen halte ich für eine Abscheulich- keit. Wenn man die Möglichkeit, mit der Kiuemathographie alles Leben auf der Erde zu fassen, derartig beiseite stellt, daß man die Gemütsbewegungen von grimassierendcn Schauspielern, diese Taubstummenunterhaltungen bringt, so verurteilt sich das selbst. Es wird dadurch niemand für die Literatur gewonnen, es wird ausschließlich die Schauspielkunst, die sich doch nicht vom gesproche- neu Worte lossagen kann, verhunzt, und außerdem wird der ge- meinen, verlogenen Sentimentalität Tür und Tor geöffnet. Wir haben zum deutschen den vielleicht noch erbärmlicheren französischen rührseligen Kitsch. DaS ist der Gewinn." Garibaldis letzter Wille. Der Besitzer deS unveröffentlichten Archivs von Garibaldi, ein Doktor C u r a t o l o, bringt wieder einmal die nur allzu bekannte Sache zur Sprache, daß Garibaldis letzter Wille von seinen Erben mißachtet worden ist. In seinem Zusatz zum Testament, den der Große elf Monate vor seinem Tode schrieb, sprach er deutlich seinen Willen aus, daß seine Leiche gleich nach seinem Tode auf einem offenen Scheiterhaufen ver- brannt werden sollte und erst nachher dem Bürgermeister sein Tod zu melden sei. Außer dieser seit langer Zeit bekannten Be- stimmung enthält eine noch nicht veröffentlichte Handschrift, die das polittsche Testament Garibaldis darstellt, die folgenden Worte: „Nach meinem Tode empfehle ich meinen Sühnen und meinen Freunden, meine Leiche zu verbrennen, und ich glaube, das Recht zu haben, über sie frei zu verfügen, nachdem ich mein ganzes Leben für die Rechte des Menschen eingetreten bin. Ein wenig Asche soll man in eine Kristallflafche tun und unter dem Wacholder- Hauptsache abzulehnen. Infolge dieser mißlichen Ver- Hältnisse, auf die wir keinen Einfluß besitzen, werden wir zweifel- los in die Lage kommen, von den für Streikfälle vorgesehenen Schutzbestimmungen Gebrauch machen zu müssen." tEs folgen 16 Unterschriften.) Es ist bezeichnend, daß die Unternehmer in diesem Zirkular be- tonen, daß die Krefelder Färbereibesitzer die Forderungen der Arbeiter in der Hauptsache abgelehnt haben. Die christlichen»Führer in Deutschland behauplen bekanntlich das Gegenteil. Aus einen Schwindel mehr oder weniger kommt es diesen Leuten allerdings nicht an; behaupten sie doch auch, sie hätten, statt Mitglieder zu verlieren, eine Zunahme z» verzeichnen, während nach ihrem vollzogenen Arbeiterverrat vom Anfang April d. I. allein 133 ehe- malig christlich Organisierte dem Deutschen Textilarbeiterverband beigetreten sind. Im übrigen steigt die Mitgliederzahl des Tertil- arbeiterverbandes unter dem Einfluß des geführten Kampfes auger- ordentlich. Er hat in der letzten Zeit im Krefelder Bezirk allein SOO Mitglieder gewonnen.__ Hustand. Drohender Riesenstreik im englischen Schiffsbau. Aus London wird uns unter dem 3. d. M. geschrieben: Der schon seit Monaten sich vorbereitende Konflikt im englischen Schiffs- bau ist jetzt in das entscheidende Stadium eingetreten. Gestern wurde in Edinburgh eine Konferenz zwischen den Vertretern des Arbeitgcberverbandes und den föderierten Schiffsbaugewerkschaften abgehalten, die aber zu keinem endgültigen Ergebnis führte. In dieser Konferenz teilten die Arbeitervertreter das Ergebnis der Abstimmung der Arbeiter über die Frage der Proklamierung eines allgemeinen Streiks mit. Es hatten 12213 Mitglieder für den Streik g e st i m m t und 1343 für die Annahme des Vorschlages der Arbeit- geber, dahingehend, daß die ganze Frage auf drei Monate vertagt werde. Für den Streik ist also eine Dreiviertelmehrheit abgegeben tvorden. Die Gewerkschaft der K e s s e l s ch m i e d e, der wichtigsten beteiligten Arbeiterkategorie, die aber nicht an dem bisherigen Tarif- vertrag beteiligt ist, hat schon früher beinahe einstimmig für den Streik und die gemeinsame Aktion mit den anderen beteiligten Gewerkschaften gestimmt. Die Arbeiter fordern eine allgemeine Lohn- erhöh» ng von 3 Pro z. für Akkordarbeit und von 1 Schilling die Woche für Zeitarbeit. Außerdem fordern sie eine besondere Lohn- erhöhung von 2l/z Proz. für die Nieter. Spät abends kamen die Unternehmer dahin überein, den Ar- beitern so weit entgegenzukommen, daß sie die Lohnerhöhung für Zeitarbeit bewilligen, die Lohnerhöhung für die Nieter in Erwägung ziehen wollen, aber die für Akkordarbeit ablehnen. Das hat die Arbeiter nicht befriedigt, aber den sofortigen Ausbruch des Streiks verhütet. Nächste Woche soll es zu einer erneuten Kon- ferenz kommen. Der Schiffsbau ist bekanntlich eine der wichtigsten englischen Industrien und macht schon seit geraumer Zeit eine Periode der beispiellosen Prosperität durch. Kommt es zum Kampfe, dann würde er unmittelbar wohl mindestens 206 000 Arbeiter in Mit- leidenschaft ziehen. Aeltbunä für frzuenitimmrecht. Tie internationalen Frauenstimmrechtlerinnen, die auf ihrer diesjährigen Europawallfahrt glücklich über Holland in Berlin an- gelangt sind, hielten Freitagabend in den Kammersälcn in der Tclwwer Stratze eine Vorkonferenz ab. Die Reden, die bei dieser Gelegenheit geschwungen wurden, entsprachen jedoch keineswegs dem zirkusartigen Gepränge, mit dem der ganze Klimbim in Szene gesetzt war. Für Kenner schien es, als ob die sogenannte dritte Garnitur der internationalen Frauen angetreten sei. Die„unge- Frönte Königin" des Weltbundes für Frauenstimmrecht, Mrs. Carrie Ehapman-Catt, war gar nicht anwesend, man raunte sich zu, sie bättc den Ungarinnen, die sich der Vorbereitung der großen Frauentagung in Budapest nicht gewachsen gezeigt Jjätteir, mir einem Stab von Frauen zu Hilfe eilen müssen. Frau Stritt führte den Vorsitz und wer dieser sonst ziemlich streitbaren Amazone zu- hörte, wie ihr der vermittelnde Honigseim ununterbrochdn von den Lippen träufelte, dem konnte sie beinahe leid tun. Es sprach zuerst eine Engländerin, die wenig oder gar nichts Neues über die Frauenstimmrechtsbewegung ihres Landes zu ver- künden hatte, nur die Hoffnung ausdrückte, daß endlich der Sieg ihrem Kampfe werden möge, und daß ihnen die„teutonische" Ab- kunft die Kraft zu kämpfen gegeben. Bei dem Worte„teutonisch" brach unter den anwesenden männlichen und weiblichen nationalen Elementen natürlich ein toahrer kuror teutonicus los. Dann sprach eine finnische Landtagsabgeordnete über die Wirkung des Fauenstimmrechts in Finnland, dem europäischen Lande, das seinen Frauen zuerst das Stimmrecht verliehen. Daß strauch begraben, den ich so gern hatte, auf der linken Seite der Straße, die zum Brunnen führt." Tie Söhne und Freunde des Toten toaren feig genug, diesen Willen nicht auszuführen und seinen Leichnam in die Erde zu verscharren. Man erinnert sich daran, daß sogar die Elemente gegen diese Undankbarkeit und diesen Treubruch Einspruch zu er- heben schienen. Als man die Leiche in den Sarg bettete, brach ein furchtbares Geioitter aus: der Himmel verfinsterte sich, der Wind rüttelte an den Grundfesten des Hauses, und die Wellen des Meeres gingen so hoch, daß die Trauerversammlung fast fürch- tcn mußte, von den Fluten bedeckt zu werden. Etwas unheimlich mag den Anwesenden schon geworden sein, die ihre Ehrung eines großen Toten damit begannen, daß sie seinem ausdrücklichen Willen hohnsprachen. Ter Schutz von Schiffen durch Druckluft. Auf dem amerikanischen Kreuzer„North-Earolina" ist ein neues Verfahren zum Schutz gegen Verletzung unter Wasser ausgeprobt worden und hol sich so bewährt, daß alle größeren Kriegsschiffe der amerikanischen Flotte mit diesem Schutz versehen werden sollen. Der Ingenieur Wotherspoon hat, wie in der„Umschau" berichtet wird, Druckluft zum Entleeren und Ausfüllen überfluteter Schiffsräume angewandt, da es bei größerem Wasserandrang nicht möglich ist, das Wasser durch Pumpen zu ent- fernen. Er läßt in den beschädigten Schiffsraum Drucklust ein- strömen und es gelingt ihm dadurch fast immer, den Schaden auf diese Stelle zu beschränken. Der gefährdete Raum erhält den höchsten Luftdruck und wird dann mit Luft von etwas geringerem Drucke umgeben; schließlich wird der Luftllberschuß an die benach- barten Räume abgegeben. Dadurch erhalten zugleich auch die Schotten eine Stütze. Für gewöhnliche Fälle genügt ein Ueberdruck von 1'-/z Atmosphären. Die Schutzvorrichtung ist ohne Schwierigkeit in die Schiffe einzubauen, wobei man in der Regel die vorhandenen Druckluftanlagcn, die heute bereits�in Kriegsschiffen zum Einführen frischer Luft wie zur Ableitung schädlicher Gase vorbanden sind, be- nutzen kann. Der Apparat eignet sich auch gut zur Prüfung wasfer- dichter Räume und zur Unterdrückung von Feuer; im letzleren Falle wird nicht Druckluft, sondern ein unentzündbares Gas sn die brennenden Räume gepumpt. Mufft. Volks- Sinfonie- Konzerte des Blüthner- Orchesters. Alles, was Menschenantlitz trägt, auch der Aller- ärmste, hat, mit dem Reichsten und Höchstgcstelllen, das gleiche Recht an die Segnungen der Kultur. Nicht am Volke liegt es, daß die Theater- und Konzerträume immer leerer geworden sind, sondern einzig und allein daran, weil sie sich ihm durch ihre Preise ver- schließen. Sobald die Kunst zum Volke geht, zeigt sich� gleich das gewaltigste Interesse, das glühendste Bedürfnis der großen Masse. Jeder echte Poet und Künstler will gar nichts anderes, als zum Volke reden. Kein noch so bedeutender Musiker fühlt sich in seiner Würde verletzt, wenn er vor einem das durch blutige Revolution errungen worden, wagte aber weder die Finnin noch Frau Stritt auszusprechen. Eine„Be- wegung", so hieß es, habe den Frauen dort das Stimmrecht ge- bracht. Und in diesen sanften. Ort und Anwesenden angepaßten Tönen plätscherten die Mitteilungen der Auserwählten des finni- scheu Volkes dahin. Eine noch weniger stimmlich begabte, dafür aber sachlich ihrer Aufgabe korrekt gewachsene Dänin folgte, gab ein Bild der bereits zweimal mit weiblichen Wählerinnen vorge- noinmenen dänischen Gemeindewahl, teilte mit, daß alle dänischen Parteien das Frauenwahlrecht auf ihrem Programm hätten und daß es demzufolge mit dem allgemeinen politischen Wahlrecht scharf vorwärts gehe. Mit einem mächtiggroßen Wort, mit einiger Kenntnis der den Frauen ungünstigen niederländischen Gesetzgebung und mit großer Unkenntnis über deutschsozialc Angelegenheiten setzte der Vortrag der vierten, der holländischen. Rednerin ein und verlief auch so. Bei ihr bewahrheitete sich das alte Wort, der größte Schreier hat immer Recht. Sie erntete kolossalen Beifall. Nach diesen vier Rednerinen, von denen drei unser schönes Deutsch jammervoll ge- radebrecht hatten, kam die Rednerin von Toronto in Kanada zu Wort. Jhxen echt amerikanischen Gurgellauten wurde auch mit größtem Interesse gelauscht, wennschon es den Anschein gewann, als ob es mit dem Verständnis des deutschen Publikums nicht weit her sei, was aber nicht weiter schadete, da die Kanadierin, die hier Europens übertünchte Höflichkeit auskostete, im Grunde genommen nichts Neues aus Kanada zu verkünden hatte. Zur Abwechselung sprach dann in gut verständlichem Französisch eine Norwegerin voller Stolz von ihrem Lande, das seinen Frauen das Wahlrecht wie etwas ihnen selbstverständlich Gebührendes zuerkannt, wogegen die schwedische Rednerin auf die die schwedischen Frauen noch sehr hindernden, hohen, festen Mauern des Gesetzes hinwies. Ja, sie betonte sogar, daß nach der Stockholmer Tagung des Weltbundes für Frauenstimmrecht im Jahre 1911 eine Reaktion gegen die Frauen eingesetzt habe. Der Schwedenkönig aber habe nun ver- sprachen, daß er der gesetzgebenden Körperschaft das Frauenwahl- recht baldigst zur Genehmigung unterbreiten werde. Und dann kam der Spiritus rector, die eigentliche Dirigentin des Weltbundes, der Reverend Anna Shaw. Sie war zwar als erste Rednerin auf dem Programm vermerkt worden, aber sie behält lieber das letzte Wort. Ihr ganzer Vortrag war auf den einleitenden Satz zu- geschnitten:„Unsere Bewegung ist keine Revolution!" Das sagt olles. Und dieser schlaue Priester in Frauenkleidung hat es im Lauf der Jahre auch tatsächlich verstanden, die paar wirklich radi- kalen Elemente im Weltbund unschädlich zu machen. Der Welt- bund wandelt unter ihren Fittichen so gemähigte Bahnen, daß sich ruhig alle Erdensekten, Katholiken und Juden, mitsamt den inter- nationalen„regierenden" Frauen ums Weltbundbanner scharen können, vorausgesetzt natürlich, daß sie die„priesterliche Ober- Hoheit gelten lassen. Zu bedauern ist, daß dieser Reverend,„unser Reverend", wie ihn die Vorsitzende der Berliner Ortsgruppe be- geistert bezeichnete, nur die eine englische Sprache redet, oder reden will, denn sonst möchte es vielleicht sehr schnell um die Aureole, die diesen Priesterschädel umgibt., geschehen sein, denn die naiv- ersonnenen Kindergeschichten, die Bibelklänge, die sie durch Humor- voll-amerikanische Wiederholung ihren Reden einzuflechten versteht, würden einer wirklich kritikverständigen deutschen Oeffentlichkeit gegenüber nicht auf die Dauer wirken und mit dem fromm-gemäßig- ten Einschlag, den diese Priefterseele der internationalen Frauen- stimmrechtsbewegung einzuhauchen verstanden, würde es dann trotz aller agitatorischen Begabung bald vorbei sein. Es machte fast einen komischen Eindruck, wenn man die verschiedenen monistischen, israelitischen, katholischen Elemente mit frommem Augenaufschlag den Ausführungen Anna Shaws, die in den Worten gipfelten: „TKst all,.who believe God, who obey the Lord...." lauschen sah. Uns Sozialdemokraten kann es aber schließlich einerlei sein. Em Indurtric und F>andeL Ein trübes Bild. Bon der Lage der Zigarrervsabriien ent- wirft die Firma Loeser u. Wolff ein trübes Bild. Die steigenden Lasten— Steuern, Zölle—, dazu ein Rückgang des Verbrauches reduzierten den Gewinn der Unternehmer auf ein Minimum. Der Konsumausfall stellte sich auf zirka 10 Pvoz. Neben der Ver- teuerung komme dabei die wachsende Beliebtheit der Zigaretten in Betracht. Das moderne Spiel-, Sport- und Wanderwesen erwiese sich als Feind der Zigarre. Dazu kämen noch Trustbeklemmungen. Ein deutsches staatsmonopol werde in der Fachpreffe eifrig er- örtcrt. Manchen Firmen könnte es jedenfalls passen, tvenn ein Staatsmonopol sich als milchende Kuh zeigte. Die Spesen im Zi- garrenhandel sind enorm gewachsen. Weit über Bedarf wuchs die Zahl der vielfach elegant, oft luxuriös ausgestatteten Zigarren- lüden. Dabei sind horrende Summen investiert worden. Sich diese bei einer eventuellen Monopolisierung anständig kapitalisieren zu lassen, ist der größte Wunsch aller interessierten Kreise. Ein staatliches Monopol liegt schon seit Jahren sozusagen in der Luft. Deshalb die gewaltige Vermehrung der teuren Läden, die Auf- bietung aller Mittel zur Vergrößerung des Absatzes. Bei einer Auditorium von Arbeitern sich zu produzieren berufen wird. Man überzeuge sich doch einmal hiervon in den Volks- konzertendes Philharmonischen und des B l ü t h n e r- O r ch e st e r s, die nunmehr beide miteinander abwechselnd in den größten Sälen Berlins bis Mitte September konzertieren. Schwer- lich spielten sie jemals hinreißender als jetzt vor einer überwiegend aus Arbeitern zusammengesetzten Zuhörerschaft, die fast immer bis auf den letzten Platz die Räupre füllt! Musikoerständigere Schichten mag es immerhin geben— Musikempfänglichcre, kunsthungrigere nicht! Das(IX.) Volks- Sinfonie- Konzert des unter Guido von Fuchs' vortrefflicher Leitung stehenden Blüthner- Orchesters, dem wir im lichtfreundlichen, gut akustischen Saale des Moabiler Gesellschaftshauses anwohnten, trug in seinem glücklich gewählten Programm einen recht volkstümlichen Charakter. ES wurde flankiert von Otto Nicolais Ouvertüre zu seinen„Lustigen Weibern von Windsor" und von Johann StraußenS Walzer„Wein, Weib und Gesang". Meisterhaft vorgetragen, gab er einen prächtigen Abschluß und beeinträchtigte nicht im mindesten die weihevolle Stimmung. die zuvor namentlich von Mendelssohns„Italienischer Sinfonie" (mit 21 Jahren in Italien komponiert) und Robert Schumanns „Träumerei" ausgegangen war. Konzertmeister Nikolas Lambinon trug kleine Stücke älterer Komponisten für Violine mit Harfen- beglcitung, vor. Effektvoll machte sich auch eine Pizzicato-Serenade für Orchester. An wohltuendem Wechsel musikalischer Formen wie Gattungen fehlte es also nicht, obwohl wir ihm nur von Fall zu Fall das Wort reden möchten. Der höchste erzieherische Zweck dieser Volks- konzerte liegt naturgemäß in der künstlerischen Wiedergabe der Musikwerke an sich. Dafür bieten beide Orchester vollste Gewähr. e. k. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg: Freiwild von Artur Schnitzler. Die Aufführung dieses bald zwei Jahrzehnte alten dramatischen Erstlings Schnitzlers war ein glück- licher Griff. Das Stück hat eine Kraft, einen inneren Zusammeu- hang und eine Plastik, die von der vagen, in lauter Stimmungs- nüancen zerfließenden Weichheit seiner letzten Dramen sehr vorteil- Haft absticht. Daß das Schauspiel Tendenz, gesellschaftskritische, polemische Tendenz besitzt, was heutzutage bei der Kritik nicht mehr für vornehm gilt, erhöht noch seinen Wert. Dramatische Tendenz ist nicht ein Ausspielen von Schlagworten, so wenig wie das Demonstrieren einer Ansicht an einem zu diesem Zweck verstandesmäßig konstruierten Einzelfall. Dann freilich stünde sie im Widerspruch zum Schöpferischen und böte billige Surrogate. Wo aber dichterische Phantasie am Werke, geht sie in das Gestalten selbst organffch-fruchtbar ein. So auch in diesem Schnitzlerdrama. Scharfe Schlaglichter wirft es auf den blöd- brutalen Unsinn deS Duells, auf die ftivole Gesinnungslumperei, die in den schutzlos armen Mädchen nur ein willkommenes Freiwild ihrer Lüste sieht. Eine bewußte Stellungnahme gesellschaftlichen Er- Monopolisierung gedenkt man für das Anlagekapital eine dauernd hohe Verzinsung herauszuschlagen. Die Konsumenten müssen'S natürlich bezahlen.__ Die Zukunft Konstantinopels. R Konstantinopel, Anfang Juni. Im Anschluß an einen Artikel des Generals von der Goltz begann die hiesige Presse die Frage der Verlegung der Hauptstadt von Konstantinopel ins Landinnere zu erörtern. Der Diskussion wurde aber durch einen Ukas des Militärgouverneurs rasch ein Ende gelegt. Ob man die Hauptstadt verlegt oder nicht, so wird doch Kon- stantinopel mit dein Verlust Rumeliens als administratives Jen- trum eine starke Einbuße erleiden. Das wiegt im wirtschaftlichen Leben dieser Stadt um so mehr, als Konstantinopel längst seine Bedeutung als Durchgangspunkt des Welthandels verloren hat und nur noch als großes K o n s u mH tionszentrum sich aufrecht erhält. Um diese Behauptung zu unterstützen, seien zunächst einige Zahlen über den Handel Konstantinopels mitgeteilt. Es betrug nach den letzten türkischen Publikationen über den auswärtigen Handel: in Millionen Piaster die Einfuhr Konstantinopels... 1480,7 die A u s f u hr„... 470,0 Konstantinopel bezieht also dreimal soviel vom Auslande, als es an das Ausland verkauft. Nun hat ja die Türkei überhaupt einen Ueberschutz der Waren- einfuhr. Dieser Ueberschutz ist aber vevhältnismäßig lange nicht so groß wie jener von Konstantinopel. Es beträgt die gesamte Einsuhr der Türkei 4233,6 Millionen Piaster, die Ausfuhr 2208 Millionen Piaster. Ein Teil des ausländischen Warenbezugs von Konstantinopel wird nach dem Jnlande weiter expediert, das meiste wird aber von der Riesenstadt selbst verbraucht und mit dem Äelde bezahlt, das in der Hauptstadt, diesem administrativen Zentrum mit seiner zahl- reichen Beamtenschaft, dem Hauptsitz der Staats- und Armee- Verwaltung, dem Sitz der Eisenbahndirektionen, der großen Banken usw., aus den Steuern zusammenströmt. Die EntWickelung der Dampfschiffahrt und der Eisenbahnen hat es aber der Provinz er- möglicht, ihren ausländischen Warenbedarf direkt, ohne Vermitte- lung von Konstantinopel, zu beziehen und direkt ihre Waren nach dem Auslande auszuführen. Ferner sank die Handelsbedeutung Äonstantinopels sowohl für die Ausfuhr nacb fremden Ländern wie die Einfuhr nach dem Jnlande, und es blieb nur noch der Ricsenbedarf der Weltstadt. So hat sich als asiatischer Exportplatz S m y r n a entwickelt. Die Ausfuhr dieses Hafens übersteigt jetzt jene Konstantinopels. Es wurden nämlich aus Smyrna und Umgegend für 693 Millionen Piaster Waren ausgeführt, lvährend, wie oben festgestellt, die Aus- fuhr aus Konstantinopel bloß 470 Millionen Piaster betrug. In Konstantinopel selbst geht die Handelsbedeutung der alten Stadtteile, Stambul und Galata, immer mehr zurück gegenüber den asiatischen Teilen, die an dem Ausgangspunkt der Anatolischen Eisenbahn liegen. So beträgt schon jetzt die Warenausfuhr von Stambul und Galata 219 Millionen Piaster, dagegen jene von Haidar-Pascha und Umgegend 233 Millionen Piaster! Für den Handel Syriens gewinnt Beirut eine hervorragende Bedeutung; hier hat mit der Erbauung des Suezkanals der Handelsverkehr über Aegypten zugenommen. Mazedonien wird von Saloniki aus versorgt. Nur noch für den Handel AdrianopelZ war Konstantinopel maßgebend, und auch das geht jetzt verloren. Die kommerziellen Aussichten Konstantinopels sind unter diesen Umständen zweifellos sehr trübe. Von Saloniki aus— einerlei, ob griechisch oder bulgarisch oder neutralisiert— wird ihm nunmehr erst recht eine starke Konkurrenz erwachsen, und außerdem wird mit der Konkurrenz der Handelshäfen zu rechnen sein, die sich Bulgarien im Aegäischen Meer, in der nächsten Nähe von Kon- stantinopel schafft. Wie so manche Weltstadt des Orients, die seit Jahrhunderten in Ruinen liegt, so wird auch Konstantinopel zugrunde gehen— wenn nicht der Handelsverkehr, die Industrie, die Kultur des 20. Jahrhunderts und eine vernünftige Handelspolitik diesem Ende vorbeugen._ Kapital und Arbeit in England. In einer Versammlung in Mertbhr erklärte der Arbeiterabgeordnete I. P o i n t e r- Sheffield, von 1901 bis 1910 seien die Löhne um 3 Millionen Pfund Sterling zurückgegangen, während das Einkommen, das der Steuer unterliegt (über 160 Pfd. Sterl.) um 249 Millionen l3 Milliarden Mark) ge- stiegen sei. In derselben Zeit sei die Kaufkraft des Lohnes um 12fl„ Proz. gesunken. Für Streiks haben die Gewerkschaften von 1910—1911 rund 3'/., Millionen Pfund Sterling ausgegeben, während die Lohneinbußen l2'>/2 Millionen betrugen. Es sei daher nötig, ein wirksameres Mittel zu finden. Streiks sollten nicht aufgegeben, aber nur als letztes Mittel angewandt werden. Dafür müsse das Par- l a m e n t, das heute dem Vorteil weniger diene, zu einem wirk- scheinungen gegenüber spricht sich eindrucksvoll, Resonanz im Denkg und Gefühl des Zuschauers weckend, aus. Aber diese Beziehung zu einem Allgemeinen geht mit vollständig individualisierender Charakteristik der Personen und Situationen Hand in Hand. Skainentlich die beiden ersten Akte: die Schilderung der Offizierstypen und des Komödienvölkchens, das ausgezeichnet motivierte Renkonter zwischen dem zynisch-frechen Oberletitnant Karinski und Rönning, und die Szenen, in denen dieser seinen Sekun- danten die überraschende Erklärung gibt, er denke gar nickt daran, sein junges Leben der Pistolenkugel eines Raufbolds auszusetzen, er- regten angespannte Teilnahme. Der Beifall war da von einem, auch für Schilier-Theater-VerhälMisse ungewöhnlichen Elan. Die Dar- stellung verdient im ganzen warmes Lob. Rönning und ferne Braut, die junge gehetzte Schauspielerin fanden in Konrad W i e n e und Leonore E h n sympathische Vertreter; N o a ck s Karinski, anfangs wenig überzeugend, wuchs in dem Schlußakt zu beträchtlicher Höhe. _ dt. Notizen. — In der Großen Berliner Kunstausstellung ist der 8. Juni ein billiger Sonntag. Eintrittspreis von nachmittags 2 Uhr an 23 Pf. — Auch Du. mein Sohn Brutus. Engelbert Humper- dinck ist unter die Filmkomponisten gegangen. Er soll zudem von Reinhardt inszenierten Film„Mirakel" die Musik schreiben. ES ist dies das erste Mal, daß ein Musiker von Rang für einen Film komponiert.(Hoffentlich ist der klingende Ersatz für das Opfer ent- sprechend.) — Der Berkennermut deS„BerlinerTageblatt". Der Feuilletonredakteur des„Berk. Tagebl." sucht die hier gerügte Verstümmelung des Ostwaldschen Aufsatzes gegen den Rüstungs- taumel zu rechtfertigen. Er beruft sich auf die höheren Interessen des Deutschtums, die nicht zulassen, das eigene Volk des Kultur- mordes an der französischen Nation zu beschuldigen. Da der Zensor Ostwalds vier Wochen gebraucht hat. um seine Entschuldigung zustande zu bringen, wird man ihm billigerweise alle mildernden Umstände nicht versagen können. — Der Rücktritt Pawlows. Der berühmte Professor der Physiologie an der Petersburger Universität, Pawlow, ist auS der Petersburger Medizinischen Akademie ausgetreten, weil die Akademie die Doktordissertation einer seiner Schülerinnen, die er für gut erklärt hatte, von der Akademie als ungenügend bezeichnet wurde. — Ein Ersatz für Platin. In der rheinischen Gesell- schaft für wissenschaftliche Forschungen machte Prof. Borchers die Mitteilung, daß unter seiner Leitung im Aachener Jnsttiut eine Legierung hergestellt sei, die in ihrem'Widerstande gegen die stärkst«, Säuren dem Platin durchaus nicht nachstehe. famen Werkzeug zur Verbesierung der Lage beS Volkes ausgebaut werden. Das Parlament werde tun, was die öffentliche Meinung von ihm fordert. Es sei wie ein Karren, der nur vorwärts gehl wenn er gestoßen wird. Kohlcnwucher in Rußland. Der„Vorwärts" hat vorige Woche mitgeteilt, daß die russische Regierung der Duma den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt hat, das die zollfreie Einfuhr von Kohlen vor- läufig auf ein Jahr gestatten soll. Es handelt sich dabei um eine K a mp s m a ßna h me gegen das süd russische Syn dikat Produgol, das tünstlich einen Kohlenmangel herbei- geführt hat, der bereits viele industrielle Werke zu Betriebs einschränrungen gezwungen hat. So sieht die Sache wenigstens der deutiche Konsul in Charkow an, der die Ansicht vertritt,„daß die Notlage hauptsächlich durch die Spekulationsmachen- schatten der im Syndikat Produgol vereinigten großen belgischen und französischen Gruben veranlaßt worden sei. Das Syndikat, das seit mehreren Jahren mit dem russischen Finanzministerium wegen deffen angeblicher Tendenz, die Kohlenpreise zu drücken, im Kampfe liegt, soll im Herbst 1Sl2 die wirtschaftliche Lage für günstig genug gehalten haben, diesen Streit zum Austrag zu bringen und zu diesem Zweck eine Preissteigerung vorgenommen und die Förde- rung künstlich zurückgehalten haben." Uebrigens wird dieser Vorwurf der willkürlichen Produktions Hemmung durch die Ziffern der Kohlenförderung im Donezbecken das hier in Frage kommt, gestützt. Im Jahre 1912, also einer Zeit allgemeiner Hochkonjunktur, war nur«ine verhältnismäßig geringe Steigerung festzustellen. Es betrugen: die Kohlenförderung.. 1299,43 Mill. Pud(t. V. 1217,63) der Kohlenabsatz... 1007,00„„(t. V. 934,56) Hierzu bemerkt der Bericht des Konsuls:„Hervorzuheben ist noch, daß die Anlhrazilproduktion und der Absatz sich im Verhältnis lebhafter entwickelten als Produktion und Absatz der Steinkohlen- Industrie. Dies dürfte seinen Grund nicht zum wenigsten darin Haben, daß die Anthrazitgruben noch nicht syndiziert sind und die Entwickelung daher natürlich, ohne Rücksicht auf Spekulation und Preistreibereien vor sich geht." Soziales. „Prämien" oder„Strafen" für Arbcitcrschutsvcrletzungen? In Thorn kommen recht häusig Fälle von Uebertretungen gegen das Kmderschutzgesetz vor dem Schöffengericht zur Aburteilung. In den letzten drei Wochen mögen ungefähr zwölf Gewerbetreibende bestraft sein, weil sie Kinder unter vierzehn Jahren oder jugend- liche Arbeiter über die gesetzlich erlaubte Zeit hinaus beschäftigten. Am 4. Juni gelangten wieder vier Fälle zur Aburteilung. Wie in den früheren Prozessen wurde auch diesmal jeder der Profit lüsternen Herren zu ganzen dreihundert Pfennigen„Strafe" ver- urteilt. Eine solche Rechtsprechung ist eher geeignet, zu Ueber- tretungen von Arbeiterschutzvorschriften anzureizen, als davon ab zuhalten. Nicht ernst gemeinte Redensart. „Wenn ich nicht Vorschuß kriege, kann ich nicht weiterarbeiten/ hatte der vor der 5. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts kla- gende Stadtreisende F., der im Holzgeschäft von Max Scharf ange� stellt war, zum Buchhalter gesagt. Der Prinzipal hatte das als eine freiwillige Arbeitsniederlegung angesehen und stellte den Kläger, als er wieder im Geschäft erschien, nicht mehr ein. In der Verhandlung ergab sich, daß der Chef gerade zu der Zeit, als er den Reisenden für ausgeschieden betrachtete, diesen zur Kranken- kassc anmelden ließ. Diesen Widerspruch erklärte der Beklagte damit, daß er sich für den Fall, daß F. sich etwa krank melden ließ, sichern wollte. Außerdem ergab die Verhandlung, daß der Kläger die obige Aeußerung in den vorhergehenden Monaten wiederholt getan' hatte. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten zur Zählung des Restgehalts von 145 M. Das Vertragsvcrhältnis war nicht als gelöst zu betrachten, denn die angekündigte Arbeitsniederlegung war, da sie wiederholt geschah, vom Kläger offenbar nicht ernst ge- meint. Aus der im März erfolgten Anmeldung zur Krankenkasse ergibt sich, daß auch der Beklagte für März das Vertragsverhältnis als bestehend erachtete. Vom Braugewerbe. Das deutsche Braugewerbe hat sich anscheinend von dem durch die neue Besteuerung erlitteneu schweren Schlag wieder etivas erholt. Denn während die früheren Berichte der Brauerei- und Mälzerei-Berussgenossenschaft sehr trübe gestimmt waren, spricht der soeben erschienene Bericht für 1912 von einem günstigen Abschlüsse. Man fand eben den schönen Ausweg— das Bier „dünner" und ungefährlicher zu machen und so die neuen Steuern ganz auf das Publikum abzuwälzen. Der uns vorliegende Bericht erwähnt, daß die Löhne der Ar- beiter um 3 Proz. wieder gestiegen sind, und dennoch hatten die Braucreibesitzcr um ein Viertel weniger Beitrag zu entrichten als im Vorjahre. Das erklärt sich daraus, daß das Reichsversiche- rungsamt die Rücklagen zum Reservefonds ermäßigen ließ und auch der Betrag für gezahlte Unfallentschädigungen um fast 50 000 Mark wieder zurückgegangen ist. Die Genossenschaft führt dies darauf zurück, daß eine bessere Ausbildung des berufsgenossen. schaftlichen Verwaltungsapparates eingetreten sei, zweckmäßigere Heilbehandlung, erste Hilfeleistungen, zunehmende günstigere Un- fallverhütungstätigkcit und„schärfere und bessere Rentenkontrolle". Letzterer Punkt wird wohl die Hauptsache des Rückganges sein» Wenn auch der Bericht immer wieder von einem günstigeren Unfallstand spricht, so verschweigt er aber, daß die Zahl der Un- fälle im Jahre 1912 wiederum um 700 gestiegen ist und insgesamt 14 668 betrug. Auf 1000 Vollarbciter entfielen somit durchschnittlich 118 Unfälle, wahrlich kein Beweis für einen besseren Unfall- schütz in der Brauindustrie. Auffällig bleiben wie in jedem Jahr die Zahlen der einzelnen Sektionen. Während z. B. in der Sektion Straßburg auf 1000 Arbeiter nur 6« Unfälle entfallen, beträgt diese Zahl in der Sektion Berlin 165. Eine Erklärung hierfür versucht der Bericht nie zu geben. Ist es die stärkere Ausnutzung der menschlichen Arbeitskraft in der Großindustrie, die vornehmlich in der Sektion Berlin, Hamburg usw. vorhanden ist, gegenüber den Kleinbetrieben des Elsaß usw.? Bequem ist ja die Ausrode, daß in Berlin usw. die Brauerciarbcitcr jede kleine Verletzung der Genossenschaft an- zeigen und so die Unfallziffer künstlich vermehrten. Der Unter- schied ist aber zu groß geworden. Die Zahl der entschädigten Unfälle ist dagegen von 1640 im Jahre 1904 auf 1081 zurückgegangen. Man versteht also jetzt die Renten eher zu verweigern und entschädigt nicht mehr jede Ver- letzung. Nebenbei läuft natürlich auch die bessere Heilbehandlung in der Wartezeit, erste Hilfe usw., wodurch die Unfallfolgen etwas gemildert werden können. Ja, der Bericht ist sehr erfreut über das Bestreben einzelner Sektionen, eigene Renlenquetschen einzu- führen, wodurch die Renten noch mehr gedrückt werden können. Etwas widerlich� liest sich eine Bemerkung des Berichts, daß man hocherfreut über den Rückgang der Todesfälle, die in früheren Jahren bei 107 000 Versicherten durchschnittlich 120 betrug und jetzt nur noch 112, obschon die Zahl der beschäftigten Arbeiter gestiegen sei.—„Also 29 Men,chcnleben zedes Jahr allein in unserem Ge- werbe bleiben vor dem schrecklichen Tode durch Unfall verschont und ihren Angehörigen erhalten durch die zweckmäßigere Ge- staltung der berussgenossenschaftlichen Verwaltungstäligkeit.— Mit 25 alljährlich bei unserer Bcrufsgcnossenschast durch Unfall- fürsorge vom Tode geretteten braven Arbeitern ist die Zahl nicht zu hoch angenommen." Man spricht auch vom �egen der Unfallverhütung usw., hat aber immer„die braven Arbeiter" gemaßregelt, wenn sie besseren Unfallschutz verlangt hatten. Tie Berufsgenossenschaft vergißt dabei ganz, daß die Arbeiter selbst heute der Frage Unfallschutz >aehr Bedeutung beilegen als früher, auch ihren Forderungen auf Schutz mehr Gewicht geben können, weil eben ihre Organisation erzieherisch wirkt und durch Wort und Schrift mehr Aufklärung geschaffen werden konnte, als durch alle Maßnahmen der Genossen- schaft selbst. Welche Wirkung allein die Auszahlung des früheren Freitrunkes an die Brauereiarbeiter auf die Unfallverhütung hatte, ist gar nicht genug zu erwähnen. Jetzt wird nicht mehr der ganze Freitrunk während der Arbeit konsumiert, sondern von der großen Mehrzahl der Arbeiter zum Leidwesen mancher Unternehmer in bar verlangt. Davon steht aber im Bericht kein Wort. Danach haben nur die Unternehmer es verstanden, die Unfallgefahr zu minderw die Arbeiter aufzuklären, die Bierfahrer vorsichtiger zu machen, daß sie bei jedem Eisenbahnübergang auf den Zug acht geben, „damit nicht alle zwei Monate ein Fuhrwerk überfahren und der Bierfahrer und sein Mitfahrer schwer verletzt oder zumeist sogar getötet wird." Für die Konzentration dcS Braukapitals spricht auch der Um- stand, daß die Zähl der versicherten Betriebe von 9028 auf 8925, also wieder um 103 zurückgegangen ist. Wieder waren es die Brauereien, welche den größten Rückgang hatten und zwar von 6271 auf. 6115. Auch die Mälzereien sind von 764 auf 750 zurück- gegangen, die Bierniederlagen dagegen von 1972 auf 2039 gestiegen. Weniger Betriebe und mehr Arbeiter. Denn die Zahl der be- schäftigten Vollarbeiter ist von 121 215 auf 124 010 gestiegen. Die größte aller Sektionen bleibt Sektion�VI Berlin mit 33 756 Ar- beiter als Versicherte, während z. B. Sektion Stratzburg nur 2700 Versicherte zählt. Nach der Statistik im Bericht wurden als Folgen der ent schädigten Unfälle verzeichnet: 112 Fälle mit tödlichem Ausgang, 25 Fälle mit völliger, 528 mit teilweiser und 414 Fälle mit vor übergehender Erwerbsunfähigkeit. Gegen das Vorjahr ist die Zahl der Todesfälle um 8 gestiegen und dennoch der unverständliche Jubel der Berufsgenossenschaft über erhöhten Unfallschutz, weil man es verstanden hat, die meisten Verletzten mit ihren Ansprüchen ab- zuweisen. Trotz aller Vorsicht plaudert der Bericht an einer Stelle doch etwas aus. Er weist darauf hin, daß künftig eine Mehrbe- lastung durch die höheren Renten infolge der erhöhten Lohngrenze auf 1800 M., der Zahlung des Unfallzuschusses an die Kranken- lassen und der neuen Bestimmung, daß die Rentenherabsetzung und Aufhebung erst vom Ende des auf die Bescheidzustellung fol- genden Monats usw. für die Genossenschaft zu erwarten sei. Man tröstet sich aber wie folgt:„Eine Mehrbelastung indessen auch nur in geringem Grade, weil die Scktionsvorstände sich bemühen werden, nach Möglichkeit die Rcntenänderung entsprechend zu be- schleunigen." Man wird also in Zukunft mit unheimlicher Eile sich„bemühen", die Renten noch schneller herabzudrücken oder ganz zu entziehen und von den Spruchinstanzen auch jede Unter- stützung in dieser Beziehung erhalten. Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Konigl. Opernhans. Sonntag: Die Fledermaus. Montag: DaS Rheingold,(älnfang 8 Uhr.) Dienstag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Siegfried.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Götterdämmerung.(Ansang 6'/2 Uhr.) Sonnabend: Carmen. Sonn- tag: Geschlossen.(Ansang 7'/, UhrA Montag: Lohengrin.(Ansang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Fesworstcllung: Ariadne aus Naxos. Montag: Volksvorstellung: Die Quitzows. Dienstag: Volks Die Rabensteinerin. Mittwoch: Festvorstellung: Ariadne auf Naros. Donnerstag: Vollsvorstellung: Zwischen der Schlacht. Die Neuvermählten. Freitag: Vollsvorstellung: 1812. Sonnabend: Der große König. Sonn> tag: Geschlossen. Montag: Die Quitzows.(Ansang 7'/z Uhr.) Neues Overntheater. Sonntag: Bajazzo. Cavallsria rusticana. Montag: Der fliegende Holländer. Dienstag: Lohengrin.(Anfang 7'/, Uhr.) Mittwoch: Der Trompeter von Säkkingen. Donnerstag: Die Meistersinger von Nürnberg..(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Tannhäuser. Sonnabend: Tristan und Isolde.(Anfang 7 Uhr.) Sonntag: Der Trompeter von Säkkingen. Montag: Tannhäuser.(Anfang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelio. Abends: Der Mikado. Montag: Die Königin von Sab«. Dienstag: Der Freischütz. Mttwoch: Der Mkado. Donnerstag: Die Königin von Saba. Freitag: Der Mikado. Sonnabend: Die Königin von Saba. Sonntag: Der Mikado. Montag: Fidelio.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag bis Mittwoch: Der lebende Leichnam. Donnerstag: Der blaue Vogel. Freitag bis Montag: Der lebende Leichnam.(Ansang 8 Uhr.) Kammcrspiele. Sonntag: Kaiserliche Hoheit. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Dienstag: Kaiserliche Hoheit. Mittwoch: Mein Freund Teddy. Donnerstag: Kaiserliche Hoheit. Freitag: Die Einnahme von Berg- oP-Zoom. Sonnabend bis Montäg: Kaiserliche Hoheit.(Ansang 8 Uhr.) .«leiues Theater. Allabendlich: Prosefsor Bernhardt.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgräher Straße. Sonntag: Das Buch einer Frau. Montag: Die fünf Frankfurter. Dienstag: Die fünf Frankfurter. Mittwoch: Das Buch einer Frau. Donnerstag: Die fünf Franksurter. Freitag: Die süns Franksurter. Sonnabend: Das Buch einer Frau. Sonntag: Die süns Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Macbeth. (Ansang 7'/, Uhr.) Lessing-Thcater. Bis auf iveiteres täglich: Alt- Wien.(Ansang 8 Uhr.) Montis Operctten-Theater. Allabendlich: Der lachende Ehemann. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Allabendlich bis Sonntag: Der Dieb. (Ans. 8 Uhr.) Montag: Eine Vergangenheil.(Ansang T'/s Uhr.) Lustspielbans. Allabendlich: Der lustige Kakadu.(Ansang 8'/, Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. Abends: Moral. Montag: Hasemanns Töchter. Dienstag: Geographie und Liebe. Mittwoch: Geographie und Liebe. Donnerstag: Freiwild. Freitag: Moral. Sonnabend: Moral. Sonntag: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Geographie und Liebe.(Ansang 8 Uhr.) Schiller> Theater Eharlottenbnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Freiwild. Montag: Moral. Dienstag: Freiwild Mittwoch: HasemannS Töchter. Donnerstag: Geographie und Liebe. Freitag: Zwei Wappen. Sonnabend: Freiwild. Sonntag: Zopi und Schwert. Montag: Zwei Wappen.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- iiüilhelmstädt. Schauspielhaus. Allabendlich: Das Faruiermädchen.(Ansang 8'/« Uhr.) Neues Bolks-Theater(Neue Freie Bolksbühne). Sonntag- nachmittag 3 Uhr: König Krause. Abends(außer Montag und Donners- tag: König Krause. Montag u. Donnttstag: Ernst sein.«Ansang 8-/. Uhr.) Thalia-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Polnische Wirtschaft. Allabendlich: Puppchen.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Thearer. Im Garten: Allabendlich: Achtung, es geht los.— Im Saale: Der Traum ein Leben.(Anfang 8>/, Uhr.) Theater am Nollendorfplati. Allabendtich: Der Man» mit der grünen Masle.(Ansang 8 Uhr.) Urania- Thcaier. Sonntag: Der Aierwaldstättcr See und der Gotthard. Montag: Ueber den Brenner nach Venedig. Dienstag• In den Dolomiten. Mittwoch: In den Dolomite». Donnerstag: Von Meran zum Ortler. Freitag: Von Meran zum Ortler. Sonnabend: Ueber den Brenner nach Venedig. Sonntag: In den Dolomiten. Montag: Un- bestimmt.(Ansang 8 UhrF Komödienhaiis. Allabendlich: Hochherrschaftliche Wohnungen.(Zln- ang 8>/, Uhr.) Folies Eaprice. Allabendlich: Ein Pechvogel. Die Krampfsache. (Ansang 8'l4 Uhr.) Admiralspalast. EiSballett: Flirt in St. Moritz.(Ansang 9 Uhr.) Meiropol- Theater. Soimtagnachmittag 3 Uhr: Flotte Bursche. Leichte Kavallerie. Allabendlich: Die Kino. Königin.(Anfang 8 Uhr.) Pratcr- Theater. Allabendlich: Das Bummelmädchcn.(Anfang 7'/, Uhr.). NeichShallen-Thenter. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Ubr. Sonntags 7-/, Ubr.) � Paiiage-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. BSinrergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr. /Iiis aller Welt. Heiratsmarkt unter dem Protektorat des Erzbischofs. Alle möglichen katholischen Vereine senden zurzeit Abordnungen zu dem neuen Erzbischof von Köln, um sich seiner Huld zu empfehlen. Dabei eröffnet sich mancher interessante Ausblick auf das klerikale Geistesleben. So erfährt man, daß selbst der„Verein mittlerer Staatsbeamten" zur Vertretung seiner Standes- interessen einen geistlichen Beirat braucht und nur durch den Mund eines Kaplans und dem Kirchenfürsten zu verkehren wagt. �_____ �__ i Etwas unfreiwillig Komisches hatte der Empfang des„Ver- Forderungen auslbandeS gesell ig er Bereine katholischer Richtung." Der Vorsitzende bezeichnete als einen der Hauptzwecke der geselligen Veranstaltungen dieser Vereine, zur Vermeidung der Misch- ehen mitzuwirken. Der Erzbischof hat freudig das Protelio- rat über diese nützlichen Bestrebungen übernommen und betont, „die Frage der Mischehen sei äußerst wichtig und die Mitarbeit der Vereine zur Vermeidung solcher Verbindungen wertvoll und wichtig." Gut und schön. Wie aber, wenn trotzdem einmal ein evan- gelischer Höllenkandidat oder gar ein jüdischer Schwerenöter sich auf einen Ball„katholischer Richtung" verirrt? Die Folgen eines so „gemischten" Walzers sind nicht auszudenken. Kein katholisches Mägdelein lasse sich daher zum Tanze führen, ehe denn sie den Beichtzettel des Jünglings gesehen hat. Dann erst ist einige Ge- währ dafür gegeben, daß nur„Bekanntschaften katholischer Rich- tung"(unter dem Protektorate des Erzbischofsj) angebändelt werden._ Ein französischer Dampfer von Piraten überfallen. Der französische Dampfer„Robert Lebaudy", der den Postdienst zwischen Kanton und Futschau versieht, wurde am 5 Juni, nach- mittags 3 Uhr, von chinesischen Piraten auf dem West River in der Nähe von Duneky überfallen und gekapert. Die Piraten legten sich in kleinen Schiffen längsseits des Dampfers und kletterten wie die Katzen an Bord. Die kleine Besatzung wurde von den mit Revolvern und langen malaiischen Messern bewaffneten Seeräubern nach kurzem Kampfe auf dem Hinterdeck eingeschlossen. Die Piraten erbeuteten ungefähr 50000 Marl in bar. Ein chinesischer Passagier wurde getötet und ein chinesischer Heizer und fünf europäische Passagiere wurden verwundet, als sie versuchten, den Piraten Widerstand zu leisten. Amerikanische Justiz. Wie wir seinerzeit meldeten, hatten die amerikanischen Wollwarenfabrikanten in Lawrence unter Führung ihres Präsidenten William Wood während des Generalstreiks im Januar vorigen Jahres Dynamitattentate in- s z e n i e r t, um die öffentliche Meinung zuungunsten der Arbeiter einzunehmen. Wood und seine beiden Spießgesellen A t t e a u x und C o l l i n§_ wurden ipiter Anklage gestellt. Die Geschworenen, die am Sonnabend in B o st o n ihr Urteil fällten, haben, wie nicht anders zu erwarten war, Wood freigesprochen. Ueber die Schuldfrage gegen den Fa- brikanten A t t e a u x konnten sich die Geschtvorenen nicht einigen, so daß auch er straffrei ausgeht,' nur Collins wurde für schuldig besiinden. Man vergleiche mit dieser Art Justiz die barbarischen Urteile gegen amerikanische Arbeiter, die es wagten, im Streik zu gesetzlichen Mittelir�zu greifen. Tie Korruption in der New Aorker Polizei. Ein jetzt veröffentlichter Nachtrag zu dem Bericht der Alderman« kommission über die Einrichtungen der New Dorker Polizei kritisiert das New Uorker Geheimpolizeiwesen und sagt, zwischen den Ge- Heimpolizisten und den Verbrecherbanden bestünden feste Ab- m a«ch u n g e n. Ein gewisser Benjamin Levy habe erklärt, daß er Verbrecher veranlaßt habe, Einbrüche zu machen, so daß man Gelegenheit hatte, einige Verhaftungen vor- zunehmen. Der Bericht sagt, daß die ganze Polizei nicht einen Pfifferling wert sei. Kleine Notizen. Eine Sclbstmordepidcmie. In Mailand herrscht«zugenblicklich eine richtige Selbstmordepidemie. An einem einzigen Tage wurden den Behörden zwölf Selb st morde gemeldet. Unter den Selbst- mördern befindet sich auch ein Kind von 12 und ein Greis von 90 Jahren. Drei Persönen durch Blitzschlag getötet. Wie aus L u b l i n an der schlesisch-russischen Grenze berichtet wird, wurden am Freitag von sechs Arbeitern, die sich während eines Gewitters unter einen Baum gestellt hatten, durch Blitzschlag drei getötet und die anderen drei schwer verletzt. Mord und Selbstmord. Aus Stuttgart wird gemeldet: Als am Sonnabend mittag die Wirtin R e h m im Brennerstübel den bei ihr wohnenden arbeitslosen Tagelöhner Kaiser zur Zahlung auf- forderte, ergriff dieser ein Messer und tötete die Frau durch einen Stich ins Herz. Darauf schnitt er sich selbst deu Hals ab und starb gleichfalls kurz darauf. Marktpreise von Berlin am K. Juni 1913, nach Erinittelungcn deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,36 bis 20,40, mittel. 20,28— 20,32, geringe 20,20—20,24. Roggen, gute Sorte 16,48— 16,50, mittel 16,44—16,46, geringe 16,40—16,42(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 16,20— 16,70, mittel 15,70—16,10, geringe 15,20—15,60. tafer, gute Sorte 17,40—19,30, mittel 16,30—17,30(frei Wagen und ab ahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,20—15,50. Mais(runder), gute Sorte 00,00— 00,00. Richtstroh 4,00—4,40. Heu alt 6,40— 7,70, neu 0,00. Ma rtthallenpreise. 100 Kitogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speis ebohnen. weiße 30,00—60,00. Linsen 35,00— 60,00. Karlossein(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bau«hsteisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Bulter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpjen 1,40—2,40. Aale 1,40— 3,20. Zander 1.40-3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,50, Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,50-60,00. Briefkasten der Redaktion. Die turlstlsche Sprcqstunde sindet Linden st raye 69, vorn vier Trrppe» — Fahr st»hl—, lvochrntägliih von 4M, bis 716 Uhr abends, eonnadrilds, don 4Mi bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brtcskaftca bestimmten Anfrage ist ein Buihstade und eine Zahl aiS Mrrtzrichcn beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfrage», denen teine AbonncmcntSguittung beigefügt ist, verde» nicht brantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. B. 199. Wenden Sie sich unter Sachdarstellung an das deutsche Konsulat in Prag.— A. D. 52. Sie sind nicht zahlungspflichtig.— St. P. B. 31Äti. 1. Die Klage iit ohne Aussicht aus Erfolg. 2. und 3. Befragen Sie einen Arzt.— F. H. 70. An das Amtsgericht Neukölln. — G. N. 13. 1. Dadurch entstehen keinerlei Nachteile. 2. Durch einen solchen Vermerk wird das Recht auf Erhebung der Räumungsklage ausrecht- erhalten. 3. Sie sowohl wie Ihre Frau sind invalidenversichcruugspflichtig. Krankcnverficherungspfticht besteht zurzeit nicht, würde aber mit dem 1. Januar 1914 eintreten.— Sch. 29. 1. Bei dem Berliner Polizei- Präsidenten. Wir halten aber ein solches Attest nicht für erforderlich. 2. Ostenbarungseid kann über den Ort der Anlegung des Vermögens Ihrer Mutter gefordert werden.— W. S. 25. Das Mädchen ist zur Zahlung verpflichtet, jedoch u. E. nicht zur Zahlung von l.Y M. 5 M. monatlich dürsten unter Berücksichtigung der Verhältnisse angemessen sein. Die Adresse der Leute, die das Kind in Pflege nehmen wollen, ist dem Vormundschastsgericht mitzuteilen, wenn der Antrag über- hauvt nachgeprüft werden soll.— Wilmersdorf. 1. Ja. 2. u. 3. Nein. — E. H. 199. Am Wannice und Müggelsee. Verbindungen ersehen Sie aus dem Fahrvlan.—„Bjerne- 1. Ja, um die Staatszugehörigkeit aus- recht zu erhalten.— G. H. 12. Solche Firmen sind uns nicht bekannt, vielleicht kann Ihnen im Bureau der Metallarbeiter-, Linienslr. 83/85, geraten werden.—„Tuala 1886". Der Artikel ist nicht erschienen.— Aus- schuf? 199. Das glauben wir nicht.— Amerika. Fragen Sie doch erst an bei der Organisation der Seeleute. Sektion des Transportarbeiter- Verbandes, Engcluscr 21.— H. A. 76.„Humanitü", Paris, 142 Rue Montmartre. Pro Jahr 31 Frank.— I. Schwarze, Turin. Bundes. geschästsstelle: C. Fischer, Offenbach a. M.— Westfalen 19. Westsale.— ®ch. 37. Volksleschallc, Adalbert str. 41, von'/36— 10 Uhr, Sonntags von 9—1 und 3—6 Uhr.— P- G» 84. Sichere AuSkunsl gibt Ihnen die Leitung Ihrer Organisation. Wir glauben für das Reich.—(g. 8 K!776 Jahre F Pf. Pf. Q-n Jahre Mädchen-Hemden q!� 55 Pf bis 1 00 Mädch.- Beinkleider oÄsSn 80 pl ws f0 Hemdhosen MM 1.1 8dek.Tei-Y.liuU mit SHckOTM-Aneati.... OrÖSSCn O � Pf- W® " IntOOr«!« 2" t* 4°° NSäctaen-Heradsn lä!J;95'--Ä l" lUidch. KacSithcgiden~---" 656i! r90 bis«D« 120 cm mt SS•S|Mrig> fSnimSf Mlol AM»u» r.Io-».llioeet»Ii 30 bis-M2S SO bis llKnCnO-»iHnnUUa«r Sticker.-Ein- n. Ansät. 45 cm 1 65 cm 1 Stlck.-Kin-u Ans. KZ cm »u« fein. Ii«nforc6 mit 30 bis KnaliBn-llaclitherad.«�.%x Knaben-Hemden Eenforc# mit Ealspriete in 8 |20 tiobis r Mädch.-Nachthemd. hv70rös*ca l40 bk 2 80 and'karzcm Arm......... OrÖSSCn 8 Pf- bis Knaben- Hemden A SÄlm H-1J.'pr!e.s! üi�opössm i" ws A* DaImM ASffl AM*■ AulemHei�orc* 30 bis A JJ 50 bis 405 rsüucnun-iseinKieiaer»?"->» aaeker« 45 cm» u pi- 65«n■ JMESgBAlt. UABMfllAn us i.ia.m Eenfore« mit 45 bis 436 75 bis ridSHItkl« nemuen SUckerei-Kln- and Ansmt... 70 cm> lOOcm MMd»le-MaFkilBeMMi M.. fein Renforo« mit 65 bis ASS 90 bis A50 ■ idCUbca» IldiltHlfieilEsli stick.-Ein-..Ansatz 85 cm A 120 cm«D 75 bis �95 65.bis 44V 90.1ns 49« 80 cm 1 HO cm 1 ca. 4000 Paar KbiderstlefeS Knallen- Händen.r;§JS10n-»S 1° farbig und schwarx, n Chevreaux, Boxcalf,— Lackleder, im sortiert 26 920» A20 3i C[20»HLOO tzF 30 35 V 39 V dMSOHU Biesdorf Statioa dsr Stadtbahn □ Rute 20 Mk. an Neu-Sadowa Stal.Sadowa, a.d. 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Im Samariterdienst ausgebildete Kollegen be- mühten sich sofort um ihn und reichten Stärkungs- und Erfrischungs- mittel, die aber ihre Wirkung verfehlten. Sonnenburg verfiel in Bewußt- losigkeit, und ein schnell herbeigeholter Arzt ordnete die Ueberführung nach dem Krankenhause in Ober-Schöneweide an. Dort ist Sonnen- bürg gestern Sonnabend, vormittag 11 Uhr, obne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, am Gehirnschlag gestorben. Sonnenburg galt als einer der ältesten Genossen im Nieder« barnimer Kreise. Gegen Ende der 3t>er Jahre trat er aktiv in die Bewegung ein. Er gehörte bald zu der kleinen Gruppe der Genossen in Friedrichshagen, die sich unermüdlich der Förderung unserer Partei- bewegung widmeten. Im Jahre 1830 gründete er mit anderen Genössen den Arbeiterbildungsverein und trug sein Teil dazu bei, den Verein auf eine gewisse Höhe zu bringen. Dabei war Sonnenburg außerordentlich lernbegierig und ar- beitete eifrig auch an seiner eigenen Fortbildung. In der Folge sehen wir Sonnenburg bei jeder Parteiaktion am Orte wie im Kreise. Mit jeder Sehne an der Partei hängend, widmete sich Sonnenburg mit aller Liebe der Agitation und der Organisation. Seine Kreis- genossen entsandten ihn'�in den Kreisvorstand und wählten ihn wiederholt als Delegierten zu den Parteitagen. Im Jahre 1896 traten die Genosien von.Friedrichshagen in eine erfolgreiche Agitation für die Gemeindewahlen ein mit dem Ergebnis, daß auch Sonnen- bürg als Gemeindevertreter gewählt wurde. Mit ganz besonderer Hingebung hat sich Sonnenburg seines Auftrages entledigt. Mit Takt und Zähigkeit vertrat Sonnenburg in der Gemeinde die Interessen der arbeitenden Bevölkerung, und es kann ohne Ruhmredigkeit gesagt werden, daß manche soziale Ein- richtung, die beute Friedrichshagen besitzt, nicht zum wenigsten auf Sonnenburgs Initiative und auf seine ausdauernde Tätigkeit zurück- geführt werden kann. Fünfzehn Jahre lang hat Sonnenburg in der Gemeindevertretung gewirkt und immer und bei jeder Gelegenheit klare sozialistische Kommunalpolitik geleistet. Erfolgspolitik unter Hintansetzung unserer Grundsätze war ihm zuwider. Unser Freund gehörte dem Ausschutz der sozialdemokratischen Gemeindevertreter Groß-Berlins an und öfters vertrat er auch auf den Geineindevertreterkonferenzen seine Ansicht über besondere, all- gemein interessierende Fragen. Sonnenburg hat sich durch sein auf- richtiges Wesen auch die Achtung der bürgerlichen Gegner in der Gemeindevertretung zu erringen gewußt. Und als er Ende 1911 aus ärztlichen Rat im Interesse seiner Gesundheit seine ihm lieb gewordene Tätigkeit als Gemeindevertreter einstellen mußte. widmete Bürgermeister Dr. Stiller dem Ausscheidenden warme Worte des Dankes und der Anerkennung für die der GeMelltde geleisteten treuen Dienste. Im Anschluß an diese Kundgebung in der Gemeindevertretung erschien in der Wohnung Sonnenburgs eine Deputation der Vertretung, die im Auftrage der Gemeinde ihm als sichtbares Zeichen dieser Anerkennung eine Bronzefigur mit ent- sprechender Widmung überreichte. War Sonnenburg auch nicht mehr im Gemeindeleben engagiert wie früher, so blieb er nach wie vor der unermüdliche, nie ver- sagende Poneigenosie. Gerade die Parteitätigkeit hielt ihn aufrecht. Und mehr wie einmal hat er uns erklärt, daß er ohne die Partei- arbeit gar nicht leben könne. Jahrelang hat er auch der örtlichen Parieiorganisalion vorgestanden und immer versucht, die Genossen geistig zu heben durch Arrangierung geeigneter Veranstaltungen. Nun ist auch er dahingegangen, erst bö Jahre alt. plötzlich, ahnungslos. Ein treues Herz hat zu schlagen aufgehört! Bis zum letzten Atemzug hat Sonnenburg unserer Sache gedient, selbstlos wie immer. Die Familie verliert einen treusorgenden Familien- Vater, und die Kollegenschaft, die mit ihm gearbeitet hat. einen ge- wissenbasten, braven Kollegen. Sonnenburg hat sein Leben lang in der uneigennützigsten Weise für die Armen und Enlerbten gewirkt. Alle, die den Verstorbenen gekannt haben, werden ihn in gutem Andenken behalten. » Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 6 Uhr vom Eis- keller, Friedrichstr. 96/97, aus, woselbst vorher eine Trauerfeier ab- gehalten wird, statt. Zw Wahl im 12. Candtagswahlbezirlt. Die„Freisinnige Zeitung" ist über unsere Festnagelungen der freisinnigen Wohlmachinationen im 12. Landtagswahlbezirk wenig erfreut. Sie hilft sich mit der Ausrede, daß unsere Mitteilungen „an Unrichtigkeiten und Entstellungen daS Menschenmöglichste" leisteten. Dabei bestreitet die„Freisinnige Zeitung" mit keinem Worte unsere Feststellungen, die wir über die Koalierung der freisinnigen, nationalliberalen und konservativen Partei bei den Wahlmänncr- Stichwahlen gemacht haben. Sie kann das auch gar nicht. Sie meint nur, daß aus wahltakiifchen Gründen so gehandelt worden wäre, wie das geschehen sei. Das wissen wir natürlich auch Die „Freisinnige Zeitung" verschweig, aber ihren Lesern die Tatsache. daß die Forischrittliche Volksparlei den antisemitischen, judeniresse- rischen Wahlmannskandidoten, Rechtsanwalt Ulrich, als Kandidaten aller bürgerlichen Parteien empfohlen hat. Alles aus wahltaktiichen Gründen! Diese recht mlercssante Situation, in welche die Fortschrittliche Volksparlei geraten ist, war aber bezeichnend für den Freisinn. Darum sucht die„Freisinnige Zeitung" unsere Mitieilungen über die Prüfung der eingegangenen Proteste gegen die Wahl von Wahl- männern mit dem Hinweis zu erledigen, daß die Proteste ordnungs- gemäß erledigt worden seien. Sie schreibt: Tie ireisinnigen Beisitzer im Wablvorsiande gelangten nach gewissenhafter Prüfung der vorgebrachten Einwände zu der Ueber- zeugung, daß Verstöße gegen das Wahlreglement hier nicht vor- lagen, sondern daß durch die, en Massenprotest lediglich becktzwe wurde, das Wahlresultai zu korrigieren. Sie mußten daher zur Gültigkeitserklärung kommen. Der konservative Beisitzer jedoch stimmte— entgegen der Behauptung des„Vorwärts"— stets gegen die Gültigkeit. Interessant war das Verhalten der sozial« demokratischen Beisitzer. Sie stimmten bei den fortschrittlichen und konservativen Wahlmännern für Ungültigkeitserklärung; als aber der Protest gegen die oben erwähnten zwei sozialdemokratischen Wahlmänner zur Verhandlung kam, stimmten sie mit einem Male für die Gültigkeit der beiden Wahlen, ein augenfälliger Beweis dafür, daß sie ihre Abstimmung lediglich nach ihrem Parteiinteresse einrichteten. Was nun aber den Protest anlangt, der sich auf die Anwesenheit einer Frau im Wahlvorstand stützt, so war dies ein Fall für sich, der mit den eben genannten Protesten gar nichts zu tun halte. Selbstverständlich haben die freisinnigen Beisitzer hier auch für die Ungültigkeit gestimmt, so daß diese herbeigeführt worden ist. Ebenso haben die freisinnigen Beisitzer auch in allen sonstigen Fällen, wo eine wirkliche Ungesetzmäßigkeit nachgewiesen war, für die Ungültigkeit der Wahl gestimmt." Die„Freifinnige Zeitung" gibt also den von unS behaupteten Tatbestand vollkommen zu, nach dem die Proteste borlagen und auch die beanstandeten Wahlen von der Mehrheit des Wahlvorstandes für gültig erklärt worden sind. Wo da eine Unrichtigkeit liegen soll, muß der„Freisinnigen Zeitung' vorbehalten bleiben. Feststellen wollen wir nur, daß der Grund zu den Wahlprotesten in der un- gesetzlichen Zusammensetzung der Wahlvorstände lag und daß der Wahlkommissar selber erklärte, daß diese Proteste unter allen Um- ständen zur Ungültigkeitserklärung der in Frage kommenden Wahl- männer führen müsse. Das taten aber die freisinnigen Wahl- Vorstandsmitglieder nicht; sie kamen vielmehr durch Mehrheitsbeschluß zur Gültigkeitserklärung. Die Behauptung der„Freisinnigen Zeitung", die freisinnigen Beisitzer hätten bei Erledigung des Protestes, der sich auf die An- Wesenheit einer Frau im Wahlvorstande bezog, für UngültigkeitS- erklärung gestimmt, trifft nicht zu. DaS Gegenteil ist wahr. Die freisinnigen Beisitzer haben die in diesem Bezirke— dem 1293. Ur- wahlbezirk, IL- Abteilung— gewählten Wahlmänner für gültig erklärt. Damit fallen die Verlegenheitsausreden der„Freisinnigen Zeitung" in sich zusammen. Die von der„Freisinnigen Zeitung' behaupteten Unrichtigkeilen und Entstellungen liegen ganz auf ihrer Seite. Partei- �ngeiegenkeiten. Wilmersdorf. Heute Sonntag findet für unseren Ort eine Flugblattverbreitung statt. Die Mitglieder finden sich hierzu um 8 Uhr in ihren Bezirkslokalen ein. Am Dienstag, den 19. Juni, abends 8 Uhr, findet eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Reichstags- abgeordneter Dr. Ludwig F r a n k- Mannheim das Thema„Für den Massen st reik!" behandeln wird. Wir ersuchen, für rege Propaganda Sorge zu tragen. Treptow-Baumschulcnweg. Für beide Ortsteile findet umstände- halber der Zahlabend schon am Dienstagabend statt, und zwar für alle Bezirke gemeinsam. Für Abteilung 1(Baumschulenweg) in Sauers Gesellschaftshaus, Baumschulenstr. 78, und für Abteilung 2 (Treptow) in Karl Ludwigs Parkrestaurant, Am Treptower Park 26. Hohenschönhausen. An Stelle des Zahlabends findet Mittwoch, den L?'sMß�M�MLe"Mn Mhher eine wichtige Mitglieder- Versammlung statt. FtMyr lWchhvlz. Heute Sonntag, früh 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung von Karl KäbneS GesellschaftshauS aus. NowaweS. Mittwoch, den 11. Juni, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Schmidt, Wilhelmstr. 11—43: Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht von der Kreisgeneral- veriammlung. 3. Besprechung kommunaler Angelegenheit. 4. Wahl der Delegierten zur Berbandsgeneralversammlung Groß-Berlin. berliner �admckten. Im Freibad. 30 Grad im Schatten! Wer denkt da nicht mit einem gewissen Neid an jene Völkerstämme, die sich dank ihrer „Wildheit" weder niit einem Korsett zusaminenpressen noch ihren Hals mit einem sechs bis acht Zentimeter hohen steif- leinenen Geländer umgeben! Wir bekommen große Lust, auf kurze Zeil die Mode unserer hochstehenden Zivilisation mit der Mode der„Wilden" zu vertauschen und unseren Körper von all dein, unnützen Ballast, mit dem wir ihn beladen, zu befreien. Die wasserreiche Umgebung Berlins ist für Freibäder wie geschaffen. Wo erst einmal der Anfang gemacht war. da stieg die Zahl der Besucher bald auf Tausende und Zehntausende, und es zeigte sich, daß alle polizeilichen Verbote und Regle- mentierungen an dieser vernünftigen Idee scheitern mußten. Wer Berlin und die große Liebe der Berliner zum Frei- bad kennt, der zieht schon früh hinaus. Wer später kommt, muß es sich neben einer unangenehmen Bahnfahrt gefallen lassen, am Eingang das ominöse Schild mit den Worten: „Zeitweise wegen Ueberfüllung geschlossen", vorzufinden. Mit seiner Frcquenzziffer an der spitze marschiert Wannsee. Es ist das Ahldeck oder Swinemünde der Proletarier. Kommen wir vom Bahnhof Nikolassee, dann sehen wir schon von weitem die blaue Fläche des Wannsecs durch die Kiefernspitzen schimmern und bald haben wir den langgezogenen und all- mählich abfallenden Strand init seinen: bunten Leben und Treiben vor uns. Fast glauben wir ein riesiges Indianer- lager zu sehen. Ein Anblick, der durch die zum Teil rotbraun gebrannten Gestalten und durch das bunte Durcheinander großer und kleiner Zelte erhöht wird. Der ausgestellte Polizeiposten und das am Eingang prangende Schild mit den Worten:„Das Tragen von dreieckigen Badehosen ist ver- boten", belehren uns aber bald, daß wir uns hier unter den Fittichen preußischer Kultur befinden. Mit Argusaugen wacht das Auge des Gesetzes darüber, daß das Maß der be- hördlich attestierten Badehose eingehalten wird und daß der Badeanzug unserer Blonden und Brünetten alles gut deckt, denn man ist ja hier nicht bei Hofe, wo man die Geschenke der Natur weniger sorgfältig verstecken soll. Glaubt aber doch ein kecker Tandn oder eine fesche Maid mit einer etwas knappen Badehose auszukommen, dann dürften sie bald für ihr schnödes Treiben die fliegende Wache am Waldesrand kennen lernen. Das Auge des Gesetzes wacht! Dürfen wir Männlein und Weiblcin doch überhaupt froh sein, in unseren konzessionierten Badehosen runilaufen zu können! Um ein Haar wäre uns aus dieses Recht durch das Geschrei der Mucker und Astloch- gucker genommen worden. Sie sind von dem Druck der öffent- lichen Meinung aus der Offensive in die Defensive gedrängt worden und nüissen nun mit Schaudern zusehen, wie sich alt und jung. Mann und Weib ungezwungen der Freude des Freibades hingeben. Hier tritt all das Kleinliche, Beengende und Lächerliche der Mode, des Schicks und der Eleganz vor den Elementarrechten der Natur in den Hintergrund. Wir können hier nicht einmal an der äußeren Umhüllung be- urteilen, welcher Klasse die uns umgebenden Menschen an- gehören, welchen Maßstab wir sonst gar zu oft anzulegen ge- neigt sind. Es ist eben das Versöhnende der Natur, daß sie alle Unterschiede, welche die zwerghafteu Menschen künstlich um sich her errichtet haben, erbarmungslos niederreißt. In ihrem Bereich finden wir nur verbindende, nicht trennende Kräfte. Und weil uns weniger gekünstelten Menschen das so Wohl tut, benutzen wir jede Gelegenheit, dorthin zu gehen, wo wir die EntWickelung gewisser Teile jener Kräfte wahr- nehmen können. Das Freibad mit seinem ungezwungenen und ungekünstelten Verkehr der Generationen und Geschlechter untereinander wird sein Teil dazu beitragen, den: uns vor- getäuschten Götzen der Sittlichkeit die Maske vom Gesicht zu reißen._ Allgemeines Arbeitersportfest in Weistensee. Am heutigen Sonntag wird das 1. Allgemeine Sportfest der Arbeitersportverbände vor sich gehen. Wiederholt ist in den letzten Jahren der Wunsch ausgesprochen worden, einmal das gesamte Gebiet der Leibesübungen in einer einzigen großen Veranstaltung der Berliner Arbeiterschaft vor Augen zu führen. Jetzt soll nun dieser lange gehegte Wunsch zur Wirklichkeit werden. Von den Schwierigkeiten einer solchen Veranstaltung kann sich jeder ohne weiteres einen Begriff machen. Von allen Lokalen Groß-BerlinS ist das Schloß Weitzensee wohl das einzige, das einigermaßen den gewaltigen Ansprüchen genügt, die an ein Sportfest gestellt werden müssen. Der See bietet den Schwimmern günstige Gelegenheit für ihre Vorführungen, mehrere Bühnen kommen den Athleten und Turnern zugute, wenn auch die letzteren ihren Lieblings- wünsch, mit über 1990 Turnern gleichzeitig auf einem großen Platz ihre Leistungen zu zeigen, nicht durchführen können. Immerhin steht eine ziemlich große Wiese zur Verfügung, wo Frauen und Jugendliche in großer Zahl sich zeigen können. Für unsere Kleinen werden auf einem besonderen Platz Kinderspiele veranstaltet. Auch für die Radfahrer ist gesorgt, so daß schon jetzt mit Sicherheit fest- steht, daß das Publikum ein gutes Sportprogramm zu sehen be, kommt. Um dem Feste einen imposanten Anfang zu geben, marschieren alle Sportler vom Friedrichshain aus direkt nach dem Festlokal. Die Treffpunkte sind: Turner: Werneuchener Ecke Elbinger Straße um 1 Uhr; Athleten und Schwimmer: Brauerei Friedrichshain um izh Uhr; Radfahrer: Königstor um VA Uhr, Abfahrt 2 Uhr. Nachmittags 6 Uhr sollen von den verschiedenen Bühnen aus Ansprachen durch die Vertreter der Zentralverbände an die Gäste gehalten werden. Damit dürfte der sportliche Teil des Festes einen würdigen Abschluß finden: Diest'Aikfptzachen sollen sich nicht nur mit dem Wert der Leibesübungen fü� die Arbeiterschaft im all- gemeinen, sondern vor allem auch mit dem Kampf der Behörden gegen die Arbeiterverbände beschäftigen. In diesem Zeichen des Kampfes wird überhaupt das ganze Fest stehen. Bisher haben die Sportler diesen Kampf getrennt geführt, nun werden sie sich zu gemeinsamer Aktion verbinden, um dem vereinten Ansturm der Gegner nicht nur standzuhalten, sondern auch aus ihm siegreich hervorzugehen. Die Vorkehrungen für das Fest sind in so umfangreichem Maße getroffen, daß nur noch einigermaßen gutes Wetter nötig ist, um einen vollen Erfolg zu verbürgen. Wenn im Grunewald die Jungdeutschlandbündler sich die Kehle heiser schreien und die Tribünen des Stadions die befrackte» Herr- schaften beherbergen, dann wird draußen im äußersten Nordosten Groß-Berlins in schlichter Weise bei billigem Eintrittsgeld ein wirkliches Volksfest dem Sport neue Freunde werben. Im W e st e n ein Sportfest zu politischen Ver« dummungszwecken! Im Nordosten ein Arbeitersportfest, das die Eolidari, tat der Arbeiterschaft aufs neue bekräftigen soll—— dieser Gegensatz zwischen dem Villenviertel deS Westens und den Arbeiter- quartieren des Nordostens zeigt kraß und hart auch den Unterschied in der Tendenz der F e st e. Darum können wir unS wohl der Hoffnung hingeben, daß die Bemühungen der Weißenseer Fest- leitung von Erfolg gekrönt sein mögen und daß der I u b i l ä u m S- f e i e r ein würdiges Gegenstück durch das F e st der Arbeiter- s o l i d a r i t ä t erstehen möge. Eine schnellere Erledigung der Steuereinsprüche muß dringend gefordert werden. In letzter Zeit sind uns wieder- holt Klagen darüber vorgetragen worden, die die langsame Er- ledigung von Einsprüchen gegen die Steuerveranlagung betrafen. Es ist gar nicht Seltenes, daß in einem Zeitraum von über zwei Monaten auch nicht die einfachsten Einsprüche erledigt werden. Uns liegt unter anderem ein Fall vor, in welchem bereits in den ersten Tagen des April der Einspruch eingelegt, aber bis heute noch keine Entscheidung getroffen ist. Dieser bureaukratische Schnecken- gang ist in dem vorliegenden Falle um so verwunderlicher, als dem rechtzeitig eingelegten Einspruch eine Bescheinigung des Ar- beitgebers über den vollen im Jahre 1912 gehabten Verdienst, wel- cher der Veranlagung zu Grunde zu legen ist, beigefügt war, irgendwelche anderen Zweifel auch nicht vorliegen. Da die Steuer gezahlt werden mutz, ganz gleich, ob die Veranlagung zu Recht erfolgt ist oder nicht, so ging denn auch dem betreffenden Zensiten Mitte Mai die Aufforderung zur Bezahlung zu. Stellt sich die Veranlagung später als unberechtigt heraus, so wird der Betrag allerdings zurückgezahlt. Aber, wer unseren SteuerftSkuS kennt, der weiß, daß er es damit nicht so eilig hat. Manchem armen Teufel trifft es sehr hart, wenn er die Steuer, um keine weiteren Unannehmlichkeiten— Mobiliarpfändung, Lohnpfändung usw.— zu haben, zahlen muß, obwohl er ein so geringes Einkommen hat, das der Besteuerung überhaupt nicht unterliegt. Einem Stun- dungsgesuch wird auch in den seltensten Fällen seitens der Steuer- deputation stattgegeben. Im Interesse der minderbemittelten Bevölkerung muh daher „etwas mehr Dampf" bei der Erledigung von Steuereinsprüchen verlangt werden. Das Jubiläumsständchen im Schlosthofe. DaS Nachrichtenamt des Magistrats teilt mit:„Unter Bezug« nähme auf die von einzelnen Zeitungen gebrachten Nachrichten über die Erkrankung von Gemeindeschulkindern bei den beiden Gesangs- proben im Zirkus Busch stellen wir fest, daß die Teilnahme der Kinder an dem Jubiläumsständchen für den Kaiser durchaus frei- willig ist, wie sie es auch bei den Proben war. Die Schulverwal- tung hatte durch Heranziehung von Rettungswachen alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, uni etwa eintretendes Unwohlsein von Kindern erfolgreich behandeln zu lassen. Auch wurden unab- hängig davon erfrischende Getränke(Himbeer- und Zitronenlimonade) bereit gehalten und ausgiebig verabreicht. Tatsächlich hat es sich nach dem Urteil des anwesenden Arztes nur um Fälle leichten Un- Wohlseins, durchaus nicht um Ohnmächten mit Bewußt, einSstörung oder andere schwere Erkrankungen gehandelt. Die erkrankten Kinder konnten sämtlich bald nach Schluß der Probe nach Hause entlassen werden, nachdem der bis zuletzt anwesende Stadtschulrat für das Volksschulwesen im Verein mit zwei Schulinspektoren dafür gesorgt hatten,� daß fie in Begleitung ihrer Lehrer oder älteren Mitschülerinnen mit Droschke oder Straßenbahn nach ihrer Wohnung gelangen konnten. Für die Hauptprobe iin Schloß- hos und das Ständchen selbst sind die umfassendsten Vor- kehrungen getroffen, damit etwa unwohl werdende Kinder die nötige Pflege und Behandlung erhalten. Uebrigens hat die städtische Schulverwaltung die Teilnahme von 2700 Kindern an der Ein- weihung des Stadions abgelehnt, weil die beantragten Extrazüge für die Rückbeförderung nicht gestellt werden konnten und die Schul- Verwaltung die Verantwortung für eine gefahrlose Rückbeförderung der Kinder nicht glaubte tragen zu können." Wir können nur wiederholen, daß die Eltern gut tun, ihre Kinder von diesen Massenveranstaltungen fernzuhalten. Was die Beteiligung von Kindern an der Stadionhuldigung betrifft, so handelt es sich um Kinder auS Vororten, so von Neukölln. Auch hier handeln die Eltern nur im Interesse ihrer Kinder, wenn sie dieselben zurück- halten. Die erste Sitzung der Deputation für Wohnungswesen fand am Sonnabend im Rathause statt. Die Deputation be- steht aus fünf Magistratsmitgliedern sden Vorsitzenden der Armen-, Krankenhaus- und Waisendeputation, ferner Baurat Hoffmann und den neuen städtischen Medizinalrat Weber), acht Stadtverordneten(von unserer Fraktion H e i m a n n und Wurm) und fünf Bürgerdeputierten(darunter der Professor der Nationalökonomie Eberstadt). Den Vorsitz führt Stadt- rat F i s ch b e ck, der mit einem Rückblick über die Entstehung der Deputation und ihre Aufgaben die Sitzung eröffnete. Der Minister des Innern hat trotz dringenden Wunsches der Stadt- Verwaltung die Wohnungspolizet ihr nicht gewährt; es habe sich die Möglichkeit nicht ergeben, einzelne das Wohnungswesen betreffende polizeiliche Zuständigkeiten aus ihrem engen Zu- sammenhange mit den der st a a t l i ch e n Polizeiverwaltung in Berlin überwiesenen und dieser aus gewichtigen Gründen zu belassenden Polizeigebieten, vor allem der Haus-, der Gesundheits-, und der Sittenpolizei, loszulösen und unter der Bezeichnung.Wohnungspolizei" einer anderen Behörde zu übertragen. Nur eine Befugnis hat der Minister an die Stadt über- tragen, nämlich daß der Oberbürgermeister die Befugnis er- hält, innerhalb der durch die Gesetze für die Polizei fest- gelegten Grenzen bei etwaigem Widerstande der Haus- eigentümer oder der Wohnungsinhaber zur Erzwingung des Zutritts für die Wohnungsinspektoren und Wohnungspfleger gemäß§ 132 ff des Landesverwaltungsgesetzes Zwangs- Verfügungen zu erlassen. Die Deputation wählt aus ihrer Mite Kommissionen für die Besetzung der Stelleu(darunter des Wohnungsamtes, Wohnungsinspektoren und Jnspektorinnen, Pfleger und Pflege- rinnen, und für die Einteilung der Pflegebezirke. Das Amt wird am 1. Oktober d. I. seine Tätigkeit be- ginnen, bis dahin müssen die Wahlen der Beamten und Pfleger vorgenommen werden. Vier Kinder vom Erstickungstode gerettet. Durch die Berliner Feuerwehr wurden gestern vormittag vier kleine Kinder vom Erstickungstode gerettet. In der K ö t h e n e r Straße 5 war in einer Mansardenwohnung im Vorderhaus, die von der Familie des Wagenwäschers E l st e r e i t benutzt wird, auf noch nicht ermittelte Weise Feuer ausgebrochen. In der Wohnung hielten' sich nur die vier im Alter von 1 bis 5 Jahren stehenden Kinder Sigmund, Gerhard, Werner und Vera auf, während die Eltern auf dem Hof mit dem Waschen eines Automobils beschäftigt waren. Die FeuerSgefahr wurde von der Straße aus bemerkt, als gegen L Uhr Rauchwolken aus den Fenstern der Mansarden- Wohnung drangen. Mehrere Personen eilten die Treppe hinauf, vermochten aber nicht mehr in die brennende Wohnung einzu- dringen, da sie schon vollständig verqualmt war. Inzwischen hatten andere Leute die Feuerwehr alarmiert, die unter Benutzung eines Rauchschutzapparates in die Wohnung vordrang. Die Feuerwehr- Mannschaften fanden die Kinder bewußtlos vor und schafften sie ins Freie. Hier wurden sofort im Beisein eines Arztes Wieder- belebungsversuche angestellt, und es gelang auch, alle vier wieder ins Leben zurückzurufen. Da sie aber sehr erschöpft waren, so wurden sie in zwei Automobilen des Verbandes für erste Hilfe nach dem Elisabeth-Krankenhaus gebracht. Das Feuer, das einen Reise- korb mit Wüsche erfaßt hatte, konnte schnell gelöscht werden. 70 00« M. für Ausschmückung von Feststrasten. Der Magistrat will 70 000 M. hergeben, um einige Plätze zur Jubiliäumsfeier ausschmücken zu helfen. Die gesamten Kosten sind höhere. Man will aber mit 70 000 M. auskommen, die anderen Kosten sollen durch Private aufgebracht werden. 70000 M. ist ein schöges Stück Geld, mit dem man manche Träne trocknen könnte. J« schwere Lebensgefahr geriet am Freitagnachmittag beim Baden im Familienbade zu Wannsee ein Frl. M. aus der Altonaer Straße. Sie war mit einer Freundin bis an die äußerste Boje hinausgeschwommen, beim Herumschwimmen um die Boje verließen sie aber die Kräfte, so daß sie plötzlich hintenüber fiel und untersank. Ein in der Nähe befindlicher Herr wurde aufmerksam, er schwamm eiligst hinzu und eS gelang ihm, die bereits Untergegangene zunächst bei den Haaren und unter die Arme zu fasten und so mit ihr einige Meter schwimmend, Grund zu erreichen. Glücklicherweise war die Gerettete noch bei Bewußtsein, so daß sie von ihrem Netter und ihrer Freundin gestützt zur Bädeanstalr geführt werden konnte.— Die gellenden Hilferufe einiger badenden Damen waren in der Badeanstalt völlig unbeachtet geblieben. Weit und breit war kein Bademeister sichtbar; erst auf energisches Winken hatte sich schließlich ein Herr bequemt, in einen Kahn zu steigen und auf die Gruppe zuzufahren. Seine„tatkräftige" Hilfe war aber nicht mehr nötig. Aber selbst wenn die Hilferufe Beach- tung gefunden hätten, würde die Dame bei dem Mangel jeglicher Rettungsanstalten unweigerlich ertrunken sein, wenn nicht der Bade- gast zufällig in der Nähe gewesen wäre und ohne Besinnen seiner- seits das Retmngslverl aufgenommen hätte. Es ist dringend zu fordern, daß seitens der Badeverwaltung für bessere Aufsicht und Vorkehrungen für eine schnell sunktionierende Hilfeleistung bei solchen Unfällen Sorge trägt._ Ei« Luftballon am Aabrikschornstein. Die gestrige nationale Ballonwettfahrt, die vom Berliner Ver- ein für Luftschiffahrt von der Gasanstalt in Schmargendorf an ver- anstaltet wurde, hatte stark unter dem böigen Wind zu leiden. Zwar ließ derselbe bei der Abfahrt der ersten Ballons etwas nach, beim Untergang der Sonne brieste es aber wieder stark auf. Schon der Start des ersten Ballons..Bitterfeld" mißglückte. Derselbe konnte aber noch ergriffen werden, wurde dann erleichtert und unternahm seine Fahrt ohne weiteren Zwischenfall. Schlimmer erging es dem an sechster Stelle startenden Ballon„Atlas" des Kaiserlichen Aeroklubs, der von Herrn Dr. Henoch geführt wurde. Das Fahrzeug war offenbar nicht gasdicht. Obgleich eins von denen, die zuerst gefüllt wurden, verzögerte sich der Start immer wieder. Schließlich passierte es, daß der Füllansatz sich öffnete, der Ballon mutzte herniedergeholt und nachgefüllt werden. Er kam nun mit dem Ballon„Nordhausen" des Sächsisch-Thüringischen Vereins für Lustschiffahrt zu gleicher Zeit zum Start. Bei der Abfahrt drückte„Nordhausen", von einer Böe gegen den„Atlas" geworfen, diesen zur Seite, kam aber bald frei und stieg in die Höhe. Nun sollte„Atlas" gestartet werden. Augenscheinlich litt er aber auch jetzt schon wieder an starkem Gasverlust. Fast in demselben Matze wie der Führer beim Abwiegen unten aus der Gondel Ballast aus- gab, entströmte oben dem Ballon das Gas. Bei der Abfahrt gab es zunächst eine kurze Schleifwur. Herr Dr. Henoch aber gab Ballast und nun erhob sich der Ballon, allerdings sehr schwerfällig. Ueber die ersten Anlagen der Schmargendorfer Gasanstalt kam er noch hinweg. Dann traf er fast mit der Mitte die Spitze eines hohen Schornsteins. Dieser riß ein weites Loch in den Ballon, und der Wind warf die Hülle über den Schornstein hinweg. Glücklicher- weise hielten Netz und Hülle soviel aus, daß sie die Gondel ab- fingen, so daß diese nicht zu Boden stürzte, sondern in halber Höhe des Schornsteins hängen blieb.. Die Insassen des Ballons erleich- terten die Gondel sofort durch Auswerfen des Ballastes und an- derer Gegenstände, um zu verhüten, daß das Netz riß und sie in die Tiefe stürzen ließ. Sie mußten durch die Feuerwehr mit Hilfe einer mechanischen Leiter aus ihrer schwierigen Lage befreit wer- den. Die Feuerwehr entfernte auch die Ballonhülle, die in Brand gesteckt werden mußte, da sie sich nicht ablösen ließ. Es muß als un- verantwortlich bezeichnet werden, daß ein Führer von der Erfahrung und Qualität des Herrn Dr. Henoch mit dem Ballon die Fahrt über- Haupt unternahm. Unter den obwaltenden Umständen durfte er die Verantwortung für Material und Menschenleben nicht auf sich laden. Es ist der reine Zufall, daß es zu keinem schlimmeren Unglück gekommen ist. Beim Baden ertrunken. Gestern abend ertrank im Tegeler See in der Nähe dqr Insel Baumwerder der 21jährige Schlosier Otto Laetz aus Charlottenburg, Oberstraße 3. Der Ertrunkene, der angeblich nicht schwimmen konnte. hatte sich zu weit hinausgewagt. Die Leiche ist noch nicht ge- funden._ Keine Milderung der Hundesperre. Der Königliche Polizeipräsident hat folgendes Schreiben an den Vorsitzenden der Berliner Abteilung des„Weltbundes gegen die Vivisektion und zum Schutz der Tiere", Herrn Profeffor Dr. Förster in Friedenau, gerichtet: „Auf die gefällige Eingabe vom 29. vorigen Monats erwidere ich ergebenst, daß eine Milderung der bei Tollwut vorgeschriebenen Sicherheitsmaßregeln nicht von dem Seuchengange abhängig ge- macht werden darf, dessen leichteres oder schwereres Austreten wäh- rend der Hundesperre auch gar nicht festzustellen wäre, sondern daß sie nur für mindergefährdete Bezirksteile zulässig ist. Der am 18. Februar dieses Jahres getötete tollwutkranke Hund ist über einen Tag frei in Berlin umhergelaufen. Er hat 15 Menschen.und zwei Pferde gebissen, und es ist ohne Zweifel anzunehmen, daß die Zahl der von ihm verletzten Hunde bei der Neigung dieser Tiere, auf der Straße zusammenzulaufen, recht erheblich ist. Nur durch die sofort in Kraft gesetzte Sperre und die An- ordnung, daß umherschweifende Hunde zu töten sind, die getroffen wurde, weil als erste Erscheinung der Wutkrankheit die Sucht auf. tritt, vom Hause zu entweichen, ist es also wahrscheinlich gelungen, dem Umsichgreifen der Seuche vorzubeugen. Auch der Spandauer Hund ist im Landespolizeibezirk Berlin frei umhergelaufen und hat andere Hunde gebissen. Es kann deshalb Berlin als minder gefährdeter Bezirk nicht angesehen werden. Ich glaube aber auch im Interesse der Hundebesitzer es bei den getroffenen Matznahmen belassen zu sollen. Jede Milderung der Sperre steigert die Möglichkeit einer Weiterverbreitung der Tollwut. Und da die Sperrmaßregeln jedesmal auf mindestens drei Monate verlängert werden müssen, wenn die Wut oder der Verdacht der Seuche an einem Hunde festgestellt wird, der frei umhergelaufen ist, dürfte die Aussicht auf Beendigung der Sperre nach Ablauf der gesetzmäßigen Frist durch die jetzt gültigen Be- stimmungen am sichersten gewährleistet sein. gez. I a g o w." Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern nachmittag in dem Elektrizitätswerk der Bergmann 8t.*®. in Reinickendorf. In der Ab- teilung Kabelwerk, wo die Kabel geprüft werden, kam ein Schlosser der Starkstromleitung zu nahe und wurde so- gleich getötet. Dieser Unfall soll. wie uns berichtet wird, der dritte innerhalb einer Woche fein, der tödlich ver- lief. Bereits am Sonnabend vor acht Tagen soll sich ein ähnlicher Unfall wie der gestrige ereignet haben, indem ein Arbeiter gezwungen war, unmittelbar neben einer nicht ausgeschalteten Starkstromleitung zu arbeiten. Er rutschte aus und fiel auf die Drähte, so daß der von diesen ausgehende starke Strom seinen Körper durchfuhr und den Tod herbeiführte. Nach der Darstellung, die uns gegeben wurde, konnte dieser Unfall verhütet werden, wenn etwas mehr Bedacht aus Schutz von Leben und Ge- sundheit der dort beschäftigten Arbeiter genommen würde. Außer diesen beiden Unfällen passierte es am Dienstag, daß ein Arbeiter von einer zerspringenden Schmirgelscheibe tödlich verletzt wurde. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 4. d. MtS. wurde am Eingang des Tempelhofer Hafens(Teltow- lanal) die Leiche eines vierzehn bis siebzehn Fahre alten unbekannten jungen Mannes gelandet. Der Tote, anscheinend Schüler, ist zirka 1,58 Meter groß, schlank, dunkelblond, hat dunkle Augen, runde? volles Gesicht. Er war bekleidet mit grau-rötlicker Hose, schwarzen S-bnürstiefeln, grauen Strümpfen gezeichnet A. P., Trikothemd, weißem Chemisett, weißem Stehkragen und schwarz- und weiß- punktiertem Schlips, in diesem eine Nadel mit großen, roten Stein. Die Leiche hat zirka zwei bis drei Tage im Wasser gelegen. Rekognoszenten wollen sich an den Amtsvorstand Berlin-Tempelhof wenden. Mitteilungen nimmt auch jedes Polizeirevier und die Kriminalpolizei, Zimmer 346a HI zu Nr. 1969 IV 5413 entgegen. Auf dem Spielplatz im Humboldtham wurde am letzten Spielabend ein Taschenfeuerzeug gefunden. Dasselbe kann Mitt- woch oder Sonnabend von 6— 558 Uhr beim Spielleiter Willy Klimpe!, N., Templiner Straße 16 II, abgeholt werden. Der Zoologische Garten hat in diesen Tagen eine ganze An- zahl ebenso seltener wie schön gefärbter Vögel erhalten, die in einem der Glaskäfige des Neuen Vogelhauses untergebracht sind. Es sind sogenannte indische Honigsauger oder Nektarinien, etwa von der Größe unserer kleinsten Laubsänger, aber mit im männlichen Ge- schlecht prachtvollem, metallischem Farbenglanz, die mit ihrem dün- neu, gebogenen Schnabel lind ihrer beweglichen feinen Pinzel- zunge die Kelche von Baumblüten nach Nektar und kleinen In- selten durchstöbern. Vorort- J�acbnchten. Neukölln. Eine städtische Haushaltungsschule soll zum 1. Oktober b. I. Hierselbst eröffnet und im Schulgebäude der 1. Mädchenmittelschule, Donaustr. 129/126 untergebracht werden. Nähere Mitteilungen über den Stoftverteilungs- und Stundenplan usw. werden in den nächsten Tagen folgen. Aufnahmefähig sind Schülerinnen, die mindestens ein Jahr die 2. Klasse eines Lyzeums, einer höheren Mädchenschule, einer Mittelschule oder die 1. Klasse einer Volks- schule besucht haben. Treptotv-Baumschulenweg. Aus der Gemeindcvertretersitzuug. Der Bürgermeister teilte mit, daß mit der Nachbargemeinde Niedcrfchöneweide ein Ab- kommen getroffen ist, wonach in Rotfällen auf Anruf die dortige Tampfspritze gegen ein? allerdings erhebliche Gebühr zur Ver- fügung steht. Dann soll am 7. Juni die Gemeinde mit Staftctten- läufern des Jungdeutschlandbundes beglückt werden, die aus dissem etwas umständlicken Wege einen Schreibebries von der russischen Grenze nach der Kaserne des Telegraphenbataillons bringen wollen. Der Gemeindevorstand glaubt, daß einige Herren dem Eintreffen des Briefes beiwohnen müssen, und tatsächlich fanden sich einige Opferwillige dazu. Wichtiger war schon eine Mitteilung aus den Verhandlungen der Schuldeputation; diese ist von der Regierung um ein Gutachten über die Einführung des achtklassigen S ch u l s y st e m s in den Groß-Berliner Gemeinden ersucht wor- den. Die Regierung vertritt jetzt im Gegensatz zu früher die Aus- sassung, daß die achttlassige Volksschule der in den Vorort- gemeinden bestehenden siebenllassigen vorzuziehen sei. Die Treptower Schuldeputation hat sich dieser Ansicht angeschlossen und empfiehlt die Einführung von acht Klassen. Diese Erweiterung würde für Treptow etwa jährlich um 11(XX) M. höhere Personal- kosten verursachen, während die erforderlich werdenden Räume in der Hauptsache vorhanden sind. Die Entscheidung in dieser Frage fällt natürlich erst später. Ten Kostenanteil des Z w e ck v e r- b a n d e s hat der Kreis aus seinen Ueberschüssen zu decken über- nommen und leistet damit endlich einmal auch ein wenig für die Gemeinden. Der Bebauungsplan für das Gelände der Treptower Bodengesellschaft ist nach langer Zeit von der Auffichtsbehörde ge- liehmigt worden; es ist nun wohl auch einmal mit der Erschließung dieses kleinen Teiles von dem vielen brachliegenden Gelände innerhalb des Gemeindegebietes zu reäßnen. Zu beschließen hatte die Vertretung u. a. über die Umpflafferung der Lohmühlenstraße zwischen Wiener und Treptower Brücke und der Herstellung der Regenwasserkanalisation in der Kiefholzstratze zwischen Elsen- und Treptower Straße. Beiden Projekten wurde zugestimmt. Als Ersatz für ausscheidende Armenkommissare wurde für den zweiten Bezirk Herr Werkmeister Schwarz, für den dritten Bezirk Herr Obergärtner Schulz gewählt. Eine Neuregelung des gesamten Armemvesens wurde für den kommen- den 1. Oktober in Aussicht gestellt. Schließlich fand die Mehrheit noch das Bedürfnis, dem Gemeindevorstand 250 25 5" 625 �50 9*0 50 In den etwas stilleren Zeiten lasse Ich in meinen Näherei- Werkstätten in Landeshut einzelne Posten Stoffe, Stickereien und Spitzen für Damenwäsche aufarbeiten, Diese Bestände kommen von tneaor wocho ab zu besonders billigen Preisen /Nkoi-Eade-An-Ug � � ffir Kmdftr* w�iß mit n#»! hlaiiAM Snnrtctri Trikot- Bade- Anzüge Nr. 3437. 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Druck u.Lerlag: Vorwärts ivuchdruilerei tu LerlagSanftalt Paul Singer u.Eo., Berlin ZU, Hr. 141. 30. Jahrgang. 3. KeilM des„Botin iittö" ßftliittt lolUlolt. Sollntag, 8. liiuilOlB. Aus vergilbten Pergamenten. Eim Folge von Tagebüchern. Briefen und Berichten aus der napoleonischen Epoche. Herausgegeben von Theodor Rehtrisch. Verlag von Georg Wigand. Leipzig. Erster Band: Otto v. Odeleben, Mit Napoleon im Felde von 1813.. Zweiter Band: Karl v. Suckow, Aus meinem Soldatenleben. Dritter Band: Aus dem Tagebuch eines Freiwilligen. Vierter Band: Wilh. Ludw. Viktor Gras Henckel von Donnersmark, Im Dienste König Friedrich Wilhelms deZ Dritten. Fünfter Band: C. Geißler, Denkwürdigkeiten aus dem Feld- zvg in Spanien. Sechster Band: Ernst Moritz Arndt, Meine Wanderungen und Wandlungen mit dem ReichSfreiherrn vom Stein. Siebenter Band: Henrik Steffens, Was ich erlebte. Achter Band: von Löhberg, Briefe in die Heimat. Neunter Band: Friedrich von Müller, Erinnerungen aus den Kriegszeiten 1806—1813. Zehnter Band: Christian von Mertens, Vor hundert Fahren. Elfter Band: von Wachholz, Unter der Fahne des schwarzen Herzogs Anno 1800. Zwölfter Band: Die Hansestädte unter dem Kaiserreich Napoleons. Aus der Flut von mehr oder minder zweiselhasten patriotischen Büchern, die das Jubiläumsjahr 1813 und seine unmittelbaren Vorgänger schon über den Büchermarkt haben rauschen lassen, ragt diese Sammlung kleiner, in feldgraues Leinen vorteilhaft gebundener Bändchen hervor. Zwar dienen auch sie dazu, den landläufigen Jubiläumspatriotismus zu beleben, ist doch ihr Herausgeber, Theodor R e b t r i s ch, eine der schmetterndsten Fanfaren der preußischen Legende, aber was diese Bändchen wertvoll inacht, ist ihr Charakter als Dokumente. Es sind Memoiren, Zeitgenossen der napoleoni- scheu Epoche sprechen zu uns, der Atem der Zeit lebt auf diesen Blättern, und selbst iver befangen den Hauch geschichtlicher Din�e aus der Nähe verspürt, wird nie so mit der Wahrheit in Konflikt geraten, als wer hinterdrein für die Kinderstube an der Weltgeschichte bastelt und modelt. Des» halb fällt für den, der vorurteilslos in dieser Sammlung zu lesen vermag, manche Erkenntnis ab, die zu vermitteln nicht gerade Aufgabe der patriotischen Geschichtslegende und wohl auch nicht Absicht des Herrn Theodor Rehtrisch ist. Allerdings sind die einzelnen Bändck)en der Sammlung von recht imgleichem Werte. Allzu bekannt sind, als daß es lohnte, hier noch mit einem Wort darauf einzugehen, Arndts Wanderungen mit dem Reichsfreiherrn vom Stein. Nicht anders verhält es sich mit den Erinnerungen des Romantikers und Preußenschwärmers Henrik Steffens, die auch in mannigfachen Llusgaben, mehr oder minder gekürzt, im Umlauf sind. Immerhin fällt in diesen Seiten der Blick ab und zu auf bemerkenswerte und wenig bekannte Stellen. Ein Genvebildchen etwa aus der Zeit der höchsten patriotischen Be- geisterung. da die Freiwilligen in Breslau zusammenströmten und schnell ausgebildet wurden:„Eine alte Frau sah eines Tages, wie der Unteroffizier die ungeschickten jungen Leute wohl zuweilen ungeduldig bei den Schultern faßte, in den Rücken stieß, um die Brust vorzudrängen, den Bauch zurück- stieß, wohl auch mit geballter Faust unter das Kinn fuhr, um den Kopf in die Höhe zu richten." Steffens fand, wie sich schon aus diesen seinen Worten ergibt, in dieser altpreußischen Erziehungsmethode kein Haar, in Vorausahnung jener „schmerzlosen Stöße", die später ein preußisches Kriegsgericht erfinden sollte. Eigentümlich berührt es auch, ivie der Hang für Kinkerlitzchen selbst von der großen Welle nationaler Be- geisterung nicht hinweggespült werden, konnte. Die Frei» willigen, die sich an Gardebataillone anschlössen, erhielten nämlich die Erlaubnis, statt der weißwollenen Gardelitzen am Kragen Silberlitzen zu tragen.„Die Gardejägerkompagnie", erzählt nun Steffens,„hatte gelbe wollene Litzen, und viele der sich meldenden Studierenden, die vorzüglich in diesen Detachements zu dienen wünschten, machten Ansprüche auf goldene!" So war es wirklich ein großes Geschlecht, das der große Augenblick traf. Auch Friedrichs. M üller, der spätere großherzog- r toennanfdhc Staatskanzler und Freund Goethes, ist nicht als Kriegsmann in die Ereignisse verwickelt getoesen. Im " rf"l' der preußische Feudalstaat bei Jena und Auerstädt zusammengebrochen und Herzog Karl von Weimar, der em preußisches Kontingent kommandiert hatte, eilends auf und davon war. mußte der Regierungsrat Müller ebenso eilends hinter dem siegreichen Franzosenkaiser drein, um seinem Herzog die Krone zu retten. Auf diesen Bittstellerfahrten im kaiserlichen Gefolge erlebte er Großes und Kleines. Oft genug hatte er mit Napoleon persönlich zu tun, der ihm beim ersten Zmammentrefsen sagte:„Der Krieg ist ein häß- liches Handwerk, ein barbarisches, vandalisches: aber was kann rch dafür? Man zwingt mich dazu wider meinen Willen." Für die deutschen Potentaten im Westentaschenformat war damals schlechtes Wetter:„Es ist fürwahr." schrie der Kaiser einmal Muller an,„jetzt die beste Zeit, seine Staaten im Nu zu verlieren. Sie sehen, wie ich's mit dem Herzog von Braunichweig gemacht habe. Ich will diese Welsen in die Sümpfe Italiens zurückjagen, aus denen sie hervorgegangen sind. Wie diesen Hut(hier warf er ihn zornig zur Erde) will ich sie zertreten und vernichten, daß ihrer in Deutschland nie mehr gedacht werde. Und große Lust habe ich. es mit Ihrem Fürsten ebenso zu machen!" Da war es denn für Müller wenig tröstlich, zu sehen, daß Napoleon, der unmöglich Rang und Titel aller dieser Duodezmonarchen im Kopf behalten konnte, die Herzogin von Weimar in einem Brief als Groß- Herzogin anredete. Gwdllch gelang es, den Erderschlltterer doch zu besänftigen: Weimar mußte eine erhebliche Kriegs- kontribution zahlen und cm Kontingent zu einem Regiment stellen das aus de» thüringischen Kleinstaaten gebildet werden sollte, aber sofort erhob sich heftiger Zank zwischn Gotha und Weimar, wer das Kommando über das Regiment erhalten tollte. Bei diesem Bruderstreit bemühte sich jeder der beiden Zwergstaaten, nachzuweisen, sicher sehr zum Gaudium der französischen Marschälle und Minister, daß er der ältere und vornehmere sei. Schließlich trat man die salomonisch Ent« 'chidung. die ganz und gar an die Zeiten des heiligen römi- Ischn Reichs teutschr Nation erinnerte, daß zwischn Gotha und Weimar das Kommando abwechseln solle. Müller be- ' gleitete auch Goethe zu seiner Audienz bei Napoleon bis ins Vorzimmer, wie es überhaupt seine Rolle gewesen ist, im Vorzimmer Weltgeschichte zu belauschen, und vernahm nach- her aus erster Hand Denkwürdiges über diese Uiiterredung, bei der Napoleon, auf die Schicksalsdramen anspielend, das inhaltschwere Wort sprach:„Was will man jetzt mit dem Schicksal? Die Politik ist das Schicksal!" Auch in dem Bäiidchn:„Die Hansestädte unter dem Kaiserreich Napoleons" werden Berichte von bürgerlichen Augenzeugen beigebracht. Ein reitender Ratsdiener, eine Pfarrerstochter und ein Senator, alle drei ans den« Frei- staat Lübeck, verbreiten sich iiber die Ereignisse während und nach Blüchers Kapitulation im Jahre 1806. Besonders putzig nehmen sich der Ratsdicner aus, der jeden genossenen Schnaps registriert und mit ungehenchelter Ehrfurcht von dem hochmögenden Herrn regierenden Bürgermeister spricht, und der Senator, der gravitätisch zu berichten weiß:„Dann trank ich wie gewöhnlich zwei Tassen Tee und aß eine halbe Semmel dazu; die andere Hälfte tat ich in meine Westentasche," dnrcki welch lobenswerte Genauigkeit sich die Nachwelt auch nach hundert Jahren nicht die Köpfe zu zerbrechen braucht, ivas der wohlansehnliche lübeckische Senator Peter Wilckens zum Frühstück zu sich zu nehmen geruhte. Der zweite Abschnitt gibt die recht interessanten Erinnerungen eines Bremer Senators wieder, der sich zur Franzosenzeit als Präfekturrat betätigte, während der dritte und letzte eine Lebendige, wenn auch außerordentlich einseitige und gehässige Schilderung von Hamburgs bösesten Tagen 1813 und 1814 enthält. Die übrigen acht Bändchen stammen sämtlich von Männern, die irgendwie aktiv an den kriegerischen Ereignissen teilgenommen haben. Ob nun einfacher freiwilliger Jäger, ob Wundarzt, ol mecklenburgischer Junker— es sind im Durchschnitt wackere, brave und nicht unsympathische Menschen, die aus den Erlebnissen einer bunten Zeit das Bemerkens- werteste festhalten. Manchmal geht ihre Anspruchslosigkeit und Harmlosigkeit sogar etwas weit, wie bei dem sächsischen Major v. O d c l e b e n, der in Napoleons Hauptquartier den Feldzug von 1813 mitmachte und davon nur ganz allgemein und unpersönlich zu berichten weiß. Ein flotter Schildercr dagegen ist � der preußische Junker Gras Henckel v. D o n n e r s m a r ck, der freimütig gesteht, daß die ihm in der Jugend beigebrachte Bildung nur aus Lücken bestand, weshalb es freilich reichlich zum Kavallerieossizier langte. Wie es um das Heer bestellt war, das sich noch immer in der Sonne friderizianischen Schlachtenruhmes für unbesiegbar hielt, schildert Donnersmarck in einer Reihe anschaulicher Bilder:„Der Kommandeur", berichtet er von dem Offizier- korps seines Regiments,„Oberst v. d. Merwitz hatte sehr heftige hämorrhoidalische Beschwerden: dabei war er überaus borniert und grob. Oberst v. Quitzow hatte immerwährend Unterleibsbeschwerden. Rittmeister v. Heidebrandt spielte das Bioloncell recht gut, war aber ebenfalls sehr dick und litt an Unterleibsbeschwerden." Und alle diese Unterleibs- beschwerden mitten im idyllischsten Frieden, ehe noch ein Schuß gekracht hatte! Auch der Bruder Friedrichs II.. Prinz Heinrich, der Sieger von Freiberg, wird porträtiert:„Der Herr hatte eine sonderbare Passion, Leichen zu besehen; da er aber keine blassen Leichen leiden konnte, so mußten sie erst, wenn sie nicht rot toaren, geschminkt werden. War nun jemand in der Stadt gestorben, so richtete er dahin allemal seine Schritte."„Der Prinz aß etwas unangenehm für die Zuschauer, denn er aß viel mit den Fingern." Auch über die Schlacht von Jena erfährt man maitckierlei Interessantes, und als der Graf mit dem Feldmarschall Kalkreuth 1810 nach Paris geschickt wird, um Napoleon zu seiner zweiten Heirat zu gratulieren, geht es dem preußischen Junker übel genug. Bei einem Essen schnauzt ihn der Polizeiminister Fouchs auf die Frage, ob Nachrichten aus Spanien da seien, unwirsch an: „Für Sie gibt es kein Spanien!" und der Kaiser spuckt sogar, als er die Antwort erhält, Donnersmarck beherrsche die franzö- fischen Tänze nicht, indigniert in elegantem Bogen dicht an seinem Kopf vorbei. Tolle Zeiten! Der Militärwundarzt des weimarischen Kontingents, Geißler, der Mecklenburger Karl v. Suckow und der Leutnant v. Martens, beide in königlich württembergischen Diensten, und der Major v. Coßberg von den Truppen des Königreichs Westfalen— sie alle gehören zu jenen zahllosen Deutschen, die unter den Adlern Napoleons in ganz Europa bald hierhin, bald dorthin geworfen wurden. Der Wundarzt G e i ß l e r erzählt unterhaltend von den Schwierig- leiten, Strapazen und Gefahren des spanischen Feldzuges, deschreibt als Fachmann die mustergültige Einrichtung franzö- sischcr Lazarette, und erwähnt, daß den militärischen Kranken- Wärtern beim Lohnempfang die Instruktion vorgelesen wurde mit der jakobinischen Vorschrift,„daß kein Krankenwärter sich unterstehen solle, einen Priester, er habe Namen wie er wolle, zu einem Kranken zu lassen, denn da, wo man die Menschlichkeit pflege, müsse der Fanatismus sich nicht einschleichen, dieser mache schon Gesunde krank und Kranke gewiß noch kränker".„Ich erinnere mich aber auch nicht," fügt G e i ß l e r trocken hinzu,„daß irgendein Kranker je nach einem Geistlichen verlangt hätte." v. Suckow, der mecklenburgische Junker im württembergischen Offiziersrock, ein frischer/ lebendiger und liebenswürdiger Typ, berichtet von manchem Hin und Her. von mancher lustigen und traurigen Begebenheit, ehe er, selbst hier nicht ohne einen Beigeschmack echten Humors, in erschütternden Tönen das namenlose Elend jener„großen Armee" besingt, die im stolzen Paradeschritt nach Rußland hineinmarschierte und als ein elender Haufe von Lumpen und Fetzen zurückkehrte. Ist Suckow mehr ein munteres Blut, so stellt der westfälische Major v. Coßberg den ernsten Pflichtmenschen dar. Schon auf dem Hinmarsch nach Rußland verursachten die unerhörten Anstrengungen bei den Truppen oft Verzagtheit und Teilnahmslosigkeit. So steigt Coß- b e r g einmal in der Sonnenglut des September, um sich aus- zuruhen, bei einem Gebäude vom Pferde, findet es aber so von Nachzüglern aller Armeekorps überschwemmt, daß er es vorzieht, sich in einiger Entfernung davon auf einem Rasen- platz neben einen toten, ganz nackten Menschen niederzulassen, „so abgestumpft gegen alle anderen Gefühle, daß ich nur einzig und allein mich dem angenehmen Gedanken zu iiber- lassen versuchte, wie gut es doch sei, daß derselbe noch nicht in Fäulnis übergegangen, weil ich sonst meinen Kaffee in der brennenden Sonnenhitze hätte trinken müssen". Auf dem Rückzug besitzt Coßberg noch einen schönen Hühnerhunt», der fünf Minuten von seinem Herrn entfernt. Hungrigen in die Hände fällt, getötet und sofort verzehrt wird. Schon drei Wochen vorher wurde er„von den russischen Gefangenen, so oft er sich blicken ließ, mit gierigen Augen verfolgt, und in- dem ich ihn auf einem der Märsche nötigte, einen Pferde- knochen, womit er sich schleppte, fallen zu lassen, sprangen mehrere von diesen Unglücklichen aus den Gliedern, welche sich förmlich um den Knochen schliigen, so daß ich genötigt wurde, den Frieden niit Gewalt herzustellen." Ein Teil der Rheinbuiidtriippen machte den Fcldzug von 1813 an der Seite der Franzosen bis zum bittern Ende mit. Dazu gehörte auch das Württembergische Kontingent, bei dem Mertens als Leutnant steht. In diesem Kontingent waren die Stockprügel für die Soldaten noch nicht abgeschafft: eine Pfarrersfamilie im Anhaltischen verdrießt es sehr, daß der Hauptmann des Leutnants Mertens diese Exekution un- mittelbar vor ihrem Hause vollziehen läßt. In Erfurt sieht der Erzähler cinen aufs Rad geflochteneu Verbrecher— im Jahre 1813!!—, ein Anblick, der. wie er bemerkt, nicht zu seiner Aufheiterung beitragen konnte. Als die Württem- berger dann von Napoleon abgefallen waren und sich schon ihrem eigenen Ländle näherten, hört M e r t e n s im Quartier von einem biederen Bauern im Badischen, was das Volk über die russischen„Befreier" denkt.„Wenn wir unsere Freiheit," wettert der.„diesen Horden verdanken sollen, so ist es wahr- hast weit gekoiiiinen; es wäre mir lieber, die Franzosen hätten dieses Sklavenvolk wieder bis zur entferntesten Grenze ihres Reiches verjagt und diesmal auch ihr Petersburg zu einem Aschenhaufen gemacht.".. Der spätere braunschweigische General v. Wachholz hat als junger Offizier 1800 den bekannten Zug des Herzogs von Braunschweig-Oels mitgemacht. Als sich das Freikorps sammelt, ist der Andrang von Offizieren ungeheuer; die Mannschaft aber besteht aus ganzen zwgnzig Mann. Das ändert sich nur langsam, und auch als die Reihen gefüllt sind, befinden sich halbe Kinder von sechzehn Jahren, die ganz seid- dienstuntauglich sind, darunter— die älteren Soldaten wer- den auf dem Marsch von ihren Liebchen und ihren Frauen begleitet, so daß eine ganze Weiberkolonne dem Korps folgt. Kennzeichnend ist für eine Zeit, da der Menschenhandel der deutschen Potentaten des achtzehnten Jahrhunderts noch in aller Erinnerung brennt, daß sich plötzlich unter den Soldaten die Meinung verbreitet und nur mit Mühe widerlegt werden kann, das Korps sei in Bausch und Bogen an England oder Oesterreich verkaust. Obwohl W a ch h o l z natürlich mit be- schönigenden Farben malt, ergibt sich doch aus seinen Auf- Zeichnungen, daß die„schwarze Schar" eine wilde Bande war, die vor Plünderungen. Erpressungen und Exzessen aller Art durchaus nicht zurückschreckte. �. Das interessanteste der vorliegenden zwölf Bändchen ist jenes, das die Eindrücke eines preußischen Frei- willige» aus den Jahren 1813 und 1814 wiedergibt. Der junge Beflissene der Gottesgelahrsamkeit, der im Jahre der patriotischen Begeisterung als freiwilliger Jäger die Büchse Ichultert, bei Leipzig im Kugelregen steht und mit den siegreichen Heeren der Verbündeten bis nach Paris gelangt, malt nämlich mit ganz ausrichtigen Farben. In seiner Brust glüht die Flamme eines lauteren Patriotismus, aber gerade deshalb vermeidet er es sorgfältig, den Anschein zu erweckt, als sei in dem glorreichen Jahre alles patriotische Tugend und Vollkommenheit gewesen. Die freiwilligen Jägerkorps schildert er, bei aller patriotischen Opferwilligkeit, die sich in ihnen vorfand, als eine reichlich gemischte Gesellschaft, in der so mancher Unterschlupf suchte,-um dem Zuchthaus zu ent rinnen. Die Kriegskommissare hergleicht unser Freiwilliger einmal mit den Harpyien, den gefräßigen Raubvögeln in der Sage des Altertums, und erzählt zum Beleg, viele Ein- wohner Berlins hätten, als Beisteuer für den Hunger der Freiwilligen. Schinken und Speckseiten aufgebracht.„Ein Fleischer, zeichnet zufällig die seinigen— und nach vierzehn Tagen bietet ihm ein altes Weib einen, der gezeichneten Schinken zum Verkauf an. Sie habe ihn, so äußerte sie sich, soeben fiir ein Spostgeld von einem Kriegskommissar er- standen. Diese haben den sehr richtigen Grundsatz: Was ist das für so viele? und weil sie nicht an'Wunder gtauben, so ersparen sie sich die Mühe des Verteilens und uns hie Mühe. unsere Kinnladen vergeblich in Tätigkeit zu setzen." Oder eine liebliche Vignette zur Schlacht von Großbeeren: „Die Schlacht war entschieden, der Sieg uns»»- Tausend« von Gefangenen wurden angeschleppt und von den wüten- den Siegern mißhandelt. Die Schläge und Stöße der- doppelten sich, wenn sie schrieen:..Tut uns nichts, wir sind ja Sachsen", in den Kot wurden sie getreten, ohne daß die Offiziere es hindern konnten, und mit der spöttischen Be- merkung:„Nun kommt ihr ja hin nach Berlin, ihr Berliner Bürger!" wurden sie, die fast kniend um Schonung baten, aus- geplündert und hin und herge stoßen." Oder aus dem September: „Noch immer wurden Gefangene eingebracht, wahre Jammcrbilder.dieebcnsowohlMitleidalsEnt- setzen erregten. Doch ging ihre Begleitung, auS Land- wehren bestehend, nicht schonend mit ihnen um. denn die Wut und Erbitterung war zu groß. Obgleich zum Teil V e r-- wundct, hungrig und abgerissen, wurden sie, gleich Herden, fortgetrieben, ohne Rücksicht aus die zu nehmen, die vor Ermattung umsanken. Wollten und konnten sie trotz der Schläge nicht wieder aufstehen, so blieben sie liegen und kamen u m." Oder nach der Einnahme von Leipzig: ..Die Beute war unermeßlich. Der eine zog ein halbes Dutzend Beutepferdc nach sich, um sie sogleich an die Kinder Israels zu verkaufen, ein anderer schleppte sich mit schweren Mantelsäcken, ein dritter trug einen zerbrochenen Adler, um ihn gegen das Eiserne Kreuz einzutauschen, ein vierter, Infanterist, bestieg mit Sack und Pack, einen stattlichen Engländer, und andere trieben die Gefangenen dutzendweise wie Schafe vor sich. Unbeschreiblich war die Gier und Habsucht.,. Es fielen unter anderm auch viele Geldwagen in unsere Hände. Um sie schwärmten die Soldaten wie die Bienen. Ebe noch einer von ihnen die Wagen umdrängte, fand sich ein Soldat von unserm Regiment bei ihm ein und füllte seinen ganzen Tschako mit Napoleondorz an." Hätten wir mehr derartiger ungeschminkter Aufzeich- nungen. die auch die Kehrseite des Jubeljahrs beleuchten, die patriotische Legende könnte nicht in dem Umfange grassieren, in dem sie es leider tut. Hermann Wentel. Nur noch kurze Zeit! Kleiderstoffe! Seidenstoffe Waschstoffe! 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Cef.: Ex-nst Eiebing. Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag: Kaffee-frei-Vorstellung der N orddeutschen und Apollo- Sänger bei freiem Eutree. Freitags: Frei-Konzert. Im Weil. Arnold Scholz. Hasenheide 108/114 Das pDänoHle Jn-Pipii. Anfang 4 Uhr. Enlree 25 Pf, Rieh. Arniiolds Schwarzer Adler II Frankfurter Chaussee No. 5. Lichtenberg Am Ringbahnhof Frankfurter Allee. Täglich Gr. Elite-Künstler-Konzerts lust Sänger. Passep. u. Vorzugs;, gültig. Stets neues Programm I y Einige Sonnabende und Totensonntag an�Ver-we�zuvergebem Für-en Jy-alt der Jn.eraee Übernimmt die Redattion dem Publikum gegenüber teiurrlet Veranrwortuuli. M" Mm Oeffentliehe politische Versammlungen. Wilmersdorf. Dienstag, den 10. Juni 1913, abends 8 Uhr, im Viktoria-Garten, »�ilhelmsaue: Oefftl politisehe Versammlung. Tagesordnung: Für den Massenstreik 1 Referent: Reichstagsabgeordneter ör. Frank-Mannheim. Freie Aussprache. 202/2* Ter Einbcrufer: A. Riedel, Mannheimer Str. 32. � telnarlpeliea*! :: Montag, den 9. Juni, abends 8 Uhr in den„Arminhallcu", Äommandantenstr. 58/59: Kombinierte Uersammiung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Arbeitersekretärs Genossen Ad. Ritter über: „vre Vollr�kttr�oi'Ne." 2. Aussprache über die Beschickung der BaufachauSstellung in Leipzig. Auch zu dieser Versammlung find die Frauen der Kollegen mit ein- geladen.— Bor Beginn der Versammlung gelangen die Plakate und Billetts zu dem am 12. Juli stattfindenden Ioinmcrfcst zur Ausgabe. Das Komisee erwartet, daß die Kollegen allseitigen Anteil an der Wer- breitung derselben nehmen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 171/10* Tie Lrtsverwaltunz. P zlkrmltlmgsstkjle Sellin. N 54, Finienstr. 88—85. Verwaltung: Telephon: Amt Norden 1987. Kassierer: Amt Norden 18ö. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Montag, den 9. Juni, abends S1/* Uhr: Bezirks-Versammlungen für Moabit im Zlo»I>Uer Wiclefsir. 81« Tagesordnung: Bericht von der General-Bersammlung. Für Charlottenburg im v!»»rl»tteiil»«rx, Rosinenstr. 3, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung: 1. Lichtbllder-Vortrag:„Wohnungscleiid»nd Wohnungsreform in der Großstadt*. Reserent: Kollege F. G u t s ch m i d t. 2. Bericht von der General-Versammlung. Die Kollegen werden ersucht, zu dem Vortrage ihre Frauen mitzubringen. 119/10 vto OrtsvcrTvltUnnx:. Bureau: S-bastianftr. 37/38. Arbeitsnachweis; Jofthstr. 7. ir und Wäschearbeiter Telephon Amt Moritzplatz 9737. Telephon Amt Königsladt 6734. �btno«! ÄlnSelmSldSr. Achtung! Montag, den 9. Jnni, abends 61/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15: 164/2 Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen Gust. S a b a t h. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Kommission. IteMnim zum Sclbstaufstellen für 3 m Tiese schon a. 12 M. an. Hospumpen, Garten- und Druckpumpen usw. 5 Jahre Garantie. Jllu- strierte Preisliste gratis. liioKIanK& Co., Pumpensabrik, Berlin N. Reinickendorfer Str. 95. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reiehstagswahikreis. D i e»i s t a g, den 10. Juni, abends 8 Nhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. Ä9: FortsetZiu-Ax der General»Versammlung vom 27. Mai. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Verbands-Generalversammlung. 2. Beratung und Beschlußfassung über eingegangene Kreisanträge. 3. Verschiedenes. 214/11* Der Vorstand. / GR. v. S/LS.- an PeterMen iimiiiiBsiBaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinii b ca. 7 Min. t. Babnh. Frerlersdorf, S ■ Kostenfreie Auskunft b. u. Yer-■ a treter Puhle i. u. Verkaufs-■ g pavillon a. Babnh. Fredersdorf.■ ■ Mescbalke& Mische■ p Berlin, Neue KOnlgslr. 16 � � Fspr.-Amt: Königst. 6376. Ar Zum neuen Schultheiß Seestr. 40, Ecke Genter Str. Speisen zu jeder Tageszeit.* Vereinsaslmmcr zu vergeh. I !11 Filiale Berlin. Bureau: Sebaftianstr. 37 ISS. Teleph.: Amt Morwplah 97Z7. Arbeitsnachweis: Jofthstr. 7. Teleph.: Amt Königstadt«794. IM! Firma Peeku. Cloppenburg. Montag, den 9. Juni, abends S'/a Uhr: DW" Versammlung"WK der bei der obengenalmteu Firma beschästigten bsufebboussch neider und Schneldtrinnen in den Armin hallen, Kommaudantenstrasie S7— S8. Tagesordnung: Gewerkschaftsfeindliche Bestrebungen der Firma Peek n. Cloppenburg. Mit Rücksicht aus die fortgesetzten unbegründeten und ungerechtfertigten Entlassungen unserer Verbandsmitglieder ist es Pflicht aller bei der Firma Beschäftigten zu erscheinen._ Die Kommission. Oeutsciisr Tabakarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. aller Ar- am Mitglieder- Versammlung in der Zigarrenbranche beschäftigten beiter und Arbeiterinnen Donnerstag, den 12. Juni, abends Uhr, bei Boeker, Wcöcrftraße 17. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Generalversammlung in Heidelberg. Reserent: Gauleiter H c n t s ch e I. 2. Anträge zu derselben. 3. Ausstellung der Kandidaten. Zigarrenarbeiter, Wickclmacher, Sortterer sind besonders dazu eingeladen. Zigarrcnarbeiter. Wickelmacher, Sortierer erscheint pünktlich und zahlreich, die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert es. Ble Ortsverwaltnng. Sektion der Zigarettenarbeiter. Am Freitag, den 13. Juni 1913, abends 8 Uhr, findet in den Musiker-Sälen, Kaiser Wilhelm-Strasie 18 m pt. eine Mitglieder- Versammlung der in der Zigarettenbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinncu statt. Tagesordnung: 1. Aufgaben unserer kommende» Gencralversammlnng. Reserent: Kollege tz e n t s ch e l. 2. Ausstellung der Delegierten zu derselben. 3. Branchenangelegenhciten. Es ist Pflicht jedes einzelnen, zu dieser so wichtigen Versammlung zu erscheinen. Ble!Gel!tl»nslel.tnng. Achtung: Bewilligte Bäckerei! Achtung! Meiner geehrten Kundschaft und Nachbarschaft zur Kenntnis, daß die Tifiercnzon mit dem Vertrauensmann der Bäcker und Konditoren und dem unterzeichneten Bäckermeister zur beiderseitigen Zufriedenheit bei» gelegt sind. Hochachtungsvoll Bäckermeister Voro�w, Schrkinerstr. 49. Dies bescheinigt:' 1138b Der Vertrauensmann der Bäcker und Konditoren Berlins und Umgegend. Ißvaliilenunterslitzüiigskasse der Steindrueker uod Litbographen. Am DienStag, den 17. Juni er., abends S'/j Uhr, im„Gewerb- schaftshans", Engel- User IS, im groben Saale Generaiverssinniiung pro 1913. Die Herren Delegierten werden hiermit crgebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 19l2. 2. Neu- wähl für den Vorstand. 3. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Rech- nung dcS lausenden Jahres. 4. An- trag aus Abänderung der§Z 1, 3, 4, 6, 10, 17, 23 und 33 des Statuts. 5. Verschiedenes. 11356 Berlin, den 7. Juni 1913. Ter Vorstand. I. A.: A. SchtitB, Vorsitzender. Spezialarzt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata< Kuren in Dl. Homeyer untcrjuchung., Fäden i. Harn usw. Friedrichstr. 81, Spr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mähig, auch Teilzahl. Separates Damcnzimmer. Qsrdst für QualitiUsraucher I Im Fluge ...... üraliscke Molkereibulter (Schutzmarke„Garbe") die Gunst der Hausfrauen erworben. Billigste reinsehmeckende garantiert reine Murblltter! == Zu haben in allen besseren------ Konsum» und Dellkateßgeschäften. Hnr echt mit der Schutzmarke Verband Uraiischer Molkereigenossenschaften BERLIN N, Brunnenstraße 14. 99/13* Nema der Freideilker ffir FeuerbeKMung. GeschöstSst-ll-: Th. Jerwin.<«<»5 Kassierern E. Bunde, S 61, Urbanstr. ö. Ki»»Ull. VltAt. IsVe). Neukölln, Eweftr. 19120. Montag, btn 9. Juni 1913, abends 8'/2 Uhr, im Rosrnthaler Hof, Rosenthalerstr. 11/1S: Mitglieder-Versamnilttttg. Gäste tvillkommeu! fllltbf»ei- I. A.:«>»,. llednisno. Todes-Anzeigen 8li?izlljkmol(sgt. KsöiMtilvsröin siiglisr-össliiin. Bezirk Friedriehsbagen. Den Mitgliedern*ur Nachricht, daß am Sonn- abendvormittag unser langjähriges Mitglied, Genosse Hermann Sonnenburg nach kurzer schwerer Krankheit im 57. Jahre verstorben ist. Der Verstorbene war Mitbegründer des Bezirks Friedriehsbagen und hat während seiner 15 jährigen Tätigkeit als früherer Gemeindevertreter in treuer Pflichterfüllung die Interessen der Partei jederzeit vertreten. Wir verlieren in ihm einen lieben Freund, der stets bereit war, in uneigennütziger Weise sein Ganzes für unsere Sache einzusetzen. Ehre seinem Andenken. Die Trauerfeier findet am Dienstag, den 10. Juni, nachm. 5 Uhr, im Eiskeller, Priedrichstr. 96/97, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht J>le Beelrhsleltong. ülai Sonnabend, den 7. Juni, normittags 11 Uhr, verschied Plötz. iich tm Gehirnschlag mein lieber, guter Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater, Bruder, Onkel und Schwager, der Kor. rettor Bennsim Sonnenburg im 57. Lebensjahre. Mit der Bitte um stille Beteiligung im Namen der trauernden Hinter» bliebenen Fraa I.nlsc Konnenbnrg und Kinder. Todes=Anzeige. Unser treuer Mitarbeiter Hermimn Sonnenburg ist am Sonnabend vormittag den Folgen eines Gehirnschlages c. legen. Er gehörte unserem Geschäft seit seiner Gründung an und war in all den Jahren seinen Mitarbeftern ein Beispiel größter Gewissenhasttgkeit und treuester Pflichtersullung. Sein Andenken bleibt bei uns in Ehren. Vorwärts Buchdrnckerei and Verlagsanstalt Paul Singer& Co, SozialdemoMeberWahiverein f.! UefI. ReielistagswalilkFeis. Petersburger Viertel, Bez. 354/56. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Marie Richter Frankfurter Allee 136, verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 9. Juni, nachmittags 8llf Uhr, von der Hall« des Zentral- Friedhofes in gricdrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 214/12 Der ZZorstand. Am 7. Juni 1913 verstarb nach kurzem Stranljetn unser lieber Freund und Mtarbeiter, der Korrektor Hermann Sonnenburg im 57. Lebensjahre an den Folgen eines Gehirnschlages. Wir verlieren in dem Ver- storbenen nicht nur einen aus- richtigen, treuen Freund und Kollegen, sondern mehr noch einen Berater, dessen ehrlicher, offener Charakter vorbildlich für uns alle fein wird. Sein Andenken wird ständig in uns fortleben! Das Gesamtperkonal der Vorwärts» Buchdruckerei Paul Singer u. Co. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. Juni, nach. mittags 5 Uhr, vom.Eiskeller", Friedrichshagen, Friedrtchstratze, aus statt. MdEFUEtallaFdEitEF-VEFdaaii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mtglied, der Klempner Albert Axnick JohanniSstr. 11, am 5. Juni an Nervenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. d. MtS.. vorm. 10 Uhr, von der Leichenhalle der Anstalt in Wuhlgarten au» statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Paul Glogau Waldstraße 14, am 5. Juni durch Freitod. Die Beerdigung findet am Montag, den 9. d. Mts., nach» mittags 31/, Uhr, von der Leichen- Halle des St. Philippus-Apostel. Kirchhofes in der Msillersttaße, auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. 119/8 Die Ortsverwaltung SozialdemokratiscberWalüvereio I. lUerUeichstagswalilkrels. ur Nachricht, ler Barbier Den Mitgliedern daß unser Genoffe, Osksl- MiHsch Linienstraße 195a(V. Abteilung), gestern Plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Juni, nachmittags 3 Uhr, aus dem Dom-Kirchhos, Müllerftraße. statt. ver Torstand. SozialdemokratisciierWalilverein I.ii.6.BerI.Relclistags-Wahlkreis. Bezirk 788. Am Sonnabend, den 31. Mai, verstarb unser Genoffe, der Schankwirt 228/ 7 �osepK Kladziwa Oudenarder Straße 5. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 8. Juni, nach» mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS St. Sebastian-Kirchhoscs in Reinickendors-West, Humboldt- sttahe, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht vor Vorstand. StmaWEffliikFatiZEdEF WablvereiD iiir Seiiönetierg. Bezirk 8. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Schrift- s-tzer Hermann Märsche tm Wer von 35 Jahren ver» starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Jum, nachmittags >/.5 Uhr, vom zweiten Schöne. berger städtischen Friedhofe, Blanke Hölle, aus siatt. 15/14 Der vorstand. In der Nacht zum Donnerstag entriß mir der Tod meinen innig- geliebten Mann, unseren Herzens. guten Vater, Bruder, Schwager, Sohn, Schwiegersohn und Onkel, den Schriftsetzer 4gA Hermann«ärsede im Atter von 35 Jahren. Dies zeigen tiejbelritbt an hülse dWrsotie und Kinder. Schöneberg-Beriin, 8. Juni 1913, Iedanstr. 38. Di« Beerdigung findet Montag. den 9. d. St., nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle deS II. städtischen �chöueier��ri����us�lMt Verkam! der LiugraplieD, Steindrucke? oerwandteiißeFiile (Deutscher Senefelder-Bund). Am 5. Juni verstarb unser Mitglied und Kollege, der Stein- drucker 109/14 (justav Roussel im Alter von 62 Jahren a» einem Schlagansall. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Juni, nach mittags 4 Uhr, von der Halll des sranzösischen Louisen-Kirch hose», Prinzenallee, aus statt. via Verwaltung der Filiale I. Am 5. b. M. entschlies nach kurzem aber schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere unver» geßliche Mutter hm Züge s«&.Yogelströni im 38. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten llie trauernden Hinterbliebenen Gnstns Züge nebst Sohn und Mutter, Rhinower Str. 10. Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle deS Gethseinane-Kirchhoss, Nordend, au» statt. 34a Am 6. Juni verstarb nach chwerem Leiden mewe liebe rau, unser« gute Mutter, chwieger» und Großmutter, Frau Marie Richter--b. Peper Im Alter von 59 Jahren. Dies zeigen, um stille Teil- nähme bittend, triesbettübt an Otto Hichter und Kinder, Franksurter Allee 183. Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Juni', nach- mittags 31/, Uhr pünktlich, aus dem Städtischen Friedhose in FriedrichSselde statt. 33a Am Donnerstag entschlies nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere unvergeßliche, treusorgende Mutter 1126b Klara Baumgarten geb. Schwarta im 37. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die kauernden Hinterbliebene» Heinr. Baamgarten nebst Kinder» und Bruder, KarlShorst. Die Beerdigung findet Montag- nachmittag 5 Uhr von der Leichen- Halle KarlShorst auS statt. Für die liebeooll�Teilnahme und überreichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner inniggeliebten Frau, meiner guten Mutter Martha Weener sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten unseren aufrichtigsten Dank. Adolf Wegcncr, Charlotte Wcgener, Milastraße 6._ Danksagung Für die groß« AntellnaH jme bei der Beerdigung meine» lieben Manne» und guten VaterS, de« Zimmermanns �.uKust sagen wir hierdurch allen Mitgliedern deS Beerdigungsvereins der Zimmer- leute Groß-Lerlins und allen denen, die in so hohem Maße dem Ver» storbenen ihre Verehrung und uns wohltuende Teilnahme erwiesen haben, unseren ttcsgesühlten Dank. Berlin, den 7. Juni 1313. Frau Amalie Jagsch Ä, 39a. Tilsit er Str. 13. monatlich:■■■■ rück. Off. 0. 749, Postamt 65. 98/20 Reste Oamentuche, schwarz u. sarbig, stostUwstokke, neuest.Wust., Leide, Sani stete, Lesätze, Futterstoffe, PIQsohezuMänfeln.Chev.-Kamm- garne zu Knaben-Aitzügeu. Konfektion: Paletots, KostDme, RJeke, Kinder-Konfektion, auch gediegene Maß-Anfertigung. Stets Gelegenheitskäufe!! Paul Karlej Warschauer Str. 18. V ierwaldst Atter see Ferienhotel„Zum Freienhof", Sfansstad(Schweiz). Durch Neubau verschönert und vergrößert. Angenehmste Sommerfrische. Großer Garten. 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Gemeingefährliche Roheit. Der an Mordversuch grenzende Roheitsakt eines Ehemannes beschäftigte gestern die 12. Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Bedrohung und Körperverletzung war der Fabrikarbeiter Alex Waclawskp angeklagt. Der schon vorbestrafte Angeklagte ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Nachdem er zu einer anderen Frau in Beziehungen getreten war, vernachlässigte er seine Familie und brachte seinen Arbeitsverdienst mit seiner Geliebten durch, während seine Frau und die Kinder hungern mutzten. Seine Absicht ging schlietzlich dahin, seine Frau durch fortgesetzte grobe Mißhandlungen zu ver- anlassen, sich von ihm scheiden zu lassen. Die bedauernswerte Frau, die trotzdem noch an ihrem Manne als Vater ihrer Kinder hing, mutzte nun ein wahres Martyrium durchmachen. Als er eines Wends nach Hause kam und die Frau schon im Bett lag, äutzerte der rohe Patron zu den Kindern:„Mutter wird nun bald für immer schlafen." Er stellte sich dann aus einer Waschleine eine Schlinge her und legte sich zu seiner Frau inS Bett. Als er ver- nahm, datz diese wieder fest schlafe, zog er ihr von hinten die «chlinge über den Kopf, und zwar so, datz der Knoten hinten satz, so datz es, wie die Aerzte bekundeten, den Anschein haben konnte, als habe die Frau durch Erhängen Selbstmord begangen. Als der Angeklagte die Schlinge schon halb zugezogen hatte, wurde die Frau durch das Geschrei der Kinder wach und konnte schnell noch ihre Hand zwischen Hals und Schlinge legen. Der Angeklagte zog nun seine Frau an dem Strick aus dem Bett heraus, wobei ihm das Strickende aus der Hand glitt. Die zu Tode Erschrockene lief nun im Hemd und mit dem Strick um den Hals hilferufend auf den Korridor hinaus und fand bei Nachbarn Unterkunft. Trotz dieses beispiellos rohen Aktes erstattete die Frau keine Anzeige. Erst als er eines TageS Miene machte, sie auS dem Fenster zu stürzen, lief sie zur Polizei und erstattete Anzeige. Die Verhandlung ergab, datz der Angeklagte bei seinen Schand- taten offenbar won dem Bestreben ausgegangen war, einen Selbst- mord seiner Frau vorzutäuschen. Die Strafkammer erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren. Telephonbelcidigung. Durch das Telephon erfolgte Beleidigungen lagen einer An». klage zugrunde, welche gestern die 3. Strafkammer des Land- gerichts III unter Vorsitz deS Landgerichtsdirektors Sehmer be. ichäftigte. Angeklagt war der Chemiker Alexander Dittl Halensee. aus Der Angeklagte ist österreichischer Staatsangehöriger. Als er eines Tages von seiner Wohnung in Halenfee aus eine Verbindung mit dem Amt Moabit wünschte und nicht sofort Anschlutz erhielt, verlangte er den Aufsichtsbeamten dieses Amte? zu sprechen. Der Beamte gab sich alle Mühe, dem Angeklagten eine verständliche Auskunft zu geben, er wurde jedoch fortwährend unterbrochen und mutzte es sich schlietzlich sogar gefallen lassen, datz ihn der Ange- klagte mit den Worten:„Sie Schweinehund, halten Sie die Schnauze!" apostrophierte. Nachdem das jetzige Beleidigungsversahren gegen ihn an- hängig gemacht war, kam der Angeklagte mit einer Rejhe sonder- barer Ausreden. So behauptete er erst, daß er mit den Worten gar nicht den Beamten, sondern seinen im Zimmer befindlichen Bernhardinechund gemeint habe. Hierbei blieb er auch, als ihm vorgehalten wurde, datz die Beamten deutlich gehört hatten, datz der Angeklagte„Sie Schweinehund" gesagt hatte und wohl nicht recht anzunehmen sei, datz er zu seinem Hunde„Sie" sage. Dänn be- bauptete er plötzlich, datz er überhaupt nicht jene Worte gebraucht habe, sondern ein Bekannter, der aber trotz aller Bemühungen überhaupt nicht ermittelt werden konnte. Schlietzlich trat er auch noch mit der Behauptung hervor, datz er im Sinne des 8 bl für seine Tat gar nicht verantwortlich zu machen sei. Die mit seiner Untersuchung beauftragten Gerichtsärzte Medizinalrat Dr. Stoer- mer und Kreisarzt Dr. Kasten-Charlottenburg erklärten den An- geklagten für zurechnungsfähig; er sei ein leichter Psychopath. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 3 Monate». Das Gericht nahm mit Rücksicht auf die bei dem Angeklagten vor- handene geistige Minderwertigkeit von der Verhängung einer Freiheitsstrafe Abstand und erkannte auf 300 M. Geldstrafe. Eine„Bar"-Rechnung. In Hamburg besuchte ein auswärtiger Kaufmann eine Bar. Der Gast bekam bald einen schweren 5wpf, und als er wieder zu sich kam, wurde ihm die Rechnung präsentiert, die sich auf ungefähr 880 M. belief. Das war dem Kaufmann beim doch etwas zu reich- lich, und er weigerte sich, überhaupt zu zahlen, so datz der Inhaber der Bar gegen ihn klagte. Das Gericht lietz sich zunächst die Rech- nung einmal spezialisieren und stellte dann fest, datz an dem Gelage sechs Personen teilgenomnien hatten. Nach den Angaben der Rech- nung mutzte jeder Teilnehmer an dem Gelage sechs Flaschen fran- zösischen Sekt getrunken haben, dazu noch etwa je eine Flasche anderen Weines. Unter diesen Umständen kam das Gericht zu der Ueberzeugung, datz das Verfahren deS Barinhabers, selbst wenn er angenommen habe, datz der Kaufmann nicht betrunken gewesen sei, gegen Treu und Glauben verstoße und wies ihn mit seiner Klage ob. Unlauterer Wettbewerb durch Anzeigen von Geschäftslcutrn in der Rubrik„Kleine Anzeigen".' Der Ingenieur Emil Bülz ist vom Landgericht Elberfeld am 28. November 1912 wegen unlauteren Wettbewerbs zu 50 M. Geld- strafe verurteilt worden, weil er, obwohl Geschäftsmann, unter den kleinen Anzeigen des„Generalanzeigers" Kronleuchter, Gasherde und Badeeinrichtungen billig zum Verkauf angeboten hat, so datz es den Anschein gewann, als ob ein Privatmann die Anzeige er- lassen habe, wodurch der Anschein eines besonders günstigen An- gebots erweckt wurde. Zu der gleichen Strafe ist am 23. November 1912 von demselben Gerichte der Klavierhändler Karl Bongardt in Barmen verurteilt worden, weil er in gleicher Weise ein gebrauchte? Harmonium zum Verkauf angeboten hat. Die von beiden An- geklagten eingelegten Revisionen wurden am Freitag vom Reichs« gericht verworfen. Dicnstbotrnmißhandlung. Mit den schweren Mißhandlungen eines erst fünfzehnjöhrigcst Dienstmädchens durch ihre Dienstherrin hatte sich am Freitag diy Kieler Strafiammer als Berufungsinstanz zu beschäftigen. Das Mädchen war bei einer Landwirtsfrau in Niendorf in Stellung und soll hier nach der Meinung der Frau einmal Wasser i» die Milch geschüttet haben, wodurch es zu Differenzen der Frau mit ihrem Milchabnehmer kam. Als eines Morgens das Mädchen trotz dreimaligen Weckens nicht in den Stall zum Melken kam, begab sich die Frau in die Kammer, packte das Mädchen von hinten und schleifte es, den Kopf nach unten, durch die Kammer und über den Hof nach dem Stall. Das Mädchen kam noch seiner Arbeit nach, begab sich dann aber zu seinem Vormund, der es zum Arzt schickte. Dieser stellte blutige Stellen im Gesicht und im Munde fest und benachrichtigte die Polizei. Als ein Beamter bei der Frau Nachforschungen anstellte, bot sie ihm einen Hundertmarkschein an, damit er die Sache aus der Welt schaffe. Der Beamte brachte dies pflichtgemätz zur Anzeige. Das Schöffengericht verurteilte die Frau wegen Körperverletzung und versuchter Beamtenbestechung zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis. Gegen dieses Urteil hatte die Frau Berufung eingelegt. Vor der Strafkammer entschuldigte sie ihre Handlungsweise unter Tränen mit ihrer leichten Erregbarkeit Die 100 M. habe sie dem Beamten als Schmerzensgeld für da» Mädchen angeboten. Diese Behauptung konnte nicht widerlegt werden, so datz in diesem Punkte auf Freisprechung erkannt wurde. Im übrigen lautet« das Urteil wesentlich milder, nämlich auf nur zwei Monate Gefängnis. i odisommer! T t ö MS - AM tm. Gleichen Schritt mit der zunehmenden Temperatur hSlt das Sehnen nnd Verlangen nach leichter, Kflhler Kleidung. Erst mit solcher wird der Sommer- Urlaub an der See oder im Gebirge wirklich zur Wohl tat und zur Erholung, allen denen aber, die sich mit der schier unerträglichen Bitze der Stadt abfinden müssen, ist sie anbedingtes Erfordernis. Wie erfrischend and wohlthnend wirkt da ein schikes, luftiges Wasch kostüm in schönen Sommerfarben,— eine zarte weisse Bluse mit einem praktischen Waschrock,— ein leichter eleganter Paletot usw. 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