Kr. 143. flbonnementS'ßedlngungen: WonnemmtS- Preis pränumerando: Bierteljährl. SM MI, Mona». 1,10 MI, wöchentlich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- BeUage»Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiwngS- PrelSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die Inkertionz-Leduhi' beträgt für die sech-Zgespaltenc Kolonelzeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- lind VerfammlungS-Anzeigen W Pfg. „Aleine Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort lv Pig Stellengesuche und Schlafstcllcnati. zeigen das erste Wart 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer inüssen bis eridjclnt IZgll». Verlinev VolksblÄK. Uhr nachmittags in der Erpeditio.. abgegeben werde». Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozislitemoliriit Berlin", Zcntralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: 8Äl. 68, I-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Koloniale Dreadnoual)ts. Der Versuch der englischen Imperialisten, die Tochter- stauten mit in den wilden Strudel des Rüstungswahnsinns zu ziehen, hat nicht den erwarteten Erfolg gezeitigt. Die liberale Mehrheit des kanadischen Senats hat die Vorlage, nach der Kanada dem Mutterlande 3 Dreadnoughts schen- ken sollte, verworfen und die konservative Regierung muß jetzt, um den Plan ausführen zu können, an das Land ap- pellieren, das die Rüstungsfragen in zwei sich heftig be- kämpfende Lager gespalten hat., Das geplante Geschenk hat es übrigens fertig gebracht, daß der alte Zwist zwischen den französischen und englischen Kanadiern, den zwei Gene- rationen umsichtiger Staatsmänner fast zu beseitigen der- standen hatten, wieder neu angefacht worden ist. Alles dies hat unter den englischen Imperialisten eine tiefe Verstim- mung hervorgerufen. Doch von der Dreadnoughtverlegen- heit hat man sich bald erholt. Wenn Kauada die drei Schiffe nicht baut, muß sie eben England bauen. Das ist heute die Forderung der englischen Rüstungsschwärmer, die sich auf den Marineminister berufen, der noch am 31. März dieses Jahres im Parlament erklärte: „Ich muß wiederholen, daß die kanadischen Schiffe unbedingt notwendig sind für die ganze Weltverteidi- gung des britischen Reiches vom Ende des Jahres 1915 oder vom Anfang des Jahres 1916 an... Erhalten wir sie nicht, so wird eine Lücke entstehen, die durch weitere Opfer, die von anderen ohne unnötigen Aufschub gebracht werden müssen, gefüllt werden muß." Herr Churchill ist den Leute� die keine Gelegenheit verstreichen lassen, um bewußt oder unbewußt für die Rüstungsfabrikanten Reklame zu machen, auch schon auf halbem Wege entgegengekommen. Er hat den Befehl ge- geben, den Bau von drei Dreadnoughts des diesjährigen Programms um neun Monate zu beschleunigen. Da diese drei Schiffe privaten Werften zum Bau anvertraut worden sind, ist zu hoffen, daß der Appetit des Rüstungskapitals nun auf einige Zeit gestillt ist. Doch darf man nicht vergessen, daß die kanadischen Dreadnoughts sämtlich in England ge- baut werden sollten, daß sich deshalb das englische Rüstungs- kapital schon auf den Bau der Schiffe eingerichtet hat und mit dem Auftrag rechnet. Herr Churchill hat schon A gesagt und er wird jedenfalls auch noch B sagen müssen, dafür wird schon die wieder heftig einsetzende Riistungspropa- ganda der konservativen Presse sorgen. Die liberale Presse warnt die Regierung vor einer Flottenpolitik, die das mit Deutschland in dieser Frage angebahnte Einverständnis über den Haufen werfen würde. Doch die„Times" meinen heute, daß man in gut unterrichteten Kreisen Deutschlands die englische Flottenpolitik schon verstehen werde und daß kein Wieder- aufleben des alten Streits zu erwarten sei. Wir würden bei dieser heiklen Frage nicht verweilen, wenn nicht die letzte Phase der englischen Rüstungspolitik so recht drastisch zeigte, wie hohl die Argumente sind mit denen die Rüswngsschwärmer— und zwar nicht'nur in England— ihre Forderungen zu begründen belieben. Vor etlichen Jahren klang das Argument noch plausibel. Eng- land mußte rüsten, so hieß es, weil die Deutschen fest ent- schlössen seien, in England einzufallen. Nun hat man diesen Popanz langsam seit der deutsch-englischen Annäherung in die Versenkung verschwinden lassen, ohne jedoch ein neues Schreckgespenst erfunden zu haben. Man sollte glauben, daß mit zunehmender Entspannung auch eine Verlang- samung des Rüstungstempos eintreten könnte. Den» wenn nicht das Aufrüsten Selbstzweck sein soll, muß es sich doch nach der auswärtigen Situation richten. Doch über diesen kleinen Mangel hat man sich mit einer Phrase hinweg- geholfen. Heute ist es die„wliole-rvorld defence"(die Welt- verteidigung) des britischen Reiches, die die Vermehrung der Flotte über das Verhältnis 16 zu 16 hinaus gebieterisch erheischt. Was die Worte eigentlich bedeuten sollen, hat noch niemand erklärt: doch die ganze Pressemeute des Mari- nismus wird nicht müde, den Ausdruck iuimerfort zu wieder- holen. Gäbe man ihm einen bestimmten Sinn, so könnte man auf eine Absicht der englischen Regierung schließen, in der ganzen Welt den Raufbold zu spielen und gegen alle Folgen einer derartigen Politik gewappnet zu sein. Aber an einö solche auswärtige Politik denkt in England kein Mensch außerhalb des Irrenhauses. In Wirklichkeit ist die „■wdote-wewld defence" nichts anderes als eine bequeme dehnbare Formel, die sich mit Leichtigkeit allen Wünschen der Rüstungsfabrikanten und allen Träumen der Militärs anpaßt. � � Tie einzige Kolonie, die den Forderungen der englischen Imperialisten in der Rüstungsfrage vollkommen nachgekom- wen ist. ist N e u s e e l a n d. Dieser Tochterstaat hat der eng- lischen Flotte einen Schlachtkreuzer geliefert, zu dessen Her- stellung sich die Neuseeländer das Geld in England borgen wußten. Das große Kriegsschiff fährt augenblicklich von einem Hafen Neuseelands zum anderen, um das patriotische Gefühl der Neuseeländer zu pflegen. Aber wie aus Be- richten, die hier einlausen, hervorgeht, haben die Bewohner bon„Gottes eigenem Lande" ihren jungen Militarismus Marinismus schon herzlich satt. Diese führen in dem ivng?n Staate zu denselben Folgeerscheinungen wie in der alten Welt. Der Genosse Bloodworth hat dem„Clarion" einen Brief aus Auckland geschickt, in dem er die Wirt- schaftliche und soziale Not des Landes mit der Rüstungspolitik der neuseeländischen Regierung in Verbindung bringt. Er zitiert den Bericht der Schulinspektoren des Bezirks Auckland, in dem die Ueberarbeitung der kleinen Kinder der Farmer lebhaft bedauert wird. Die Inspektoren erwähnen dort, daß die Schulkinder wegen der harten Arbeit, die sie vor und nach der Schule verrichten müssen, frühzeitig zu„kleinen müden Männern und Frauen" würden. Ter Genosse schreibt dazu: „Die Kuh ist das heilige Tier in diesem LandcSteil. Auf der Prosperität der Molleveiindustrie beruht in großem Maße die Prosperität der ganzen Nordinfel. Hätten wir das Geld, das uns der Dreadnought gekostet hat, dazu verwendet, Wege und Schulen zu baueng wären unsere zwei Millionen Pfund dazu gebraucht worden, die Farmer von der Schuldenlast zu befreien oder ihnen die neuesten Maschinen für ihren Betrieb zur Verfügung zu stellen, dann wäre es nicht notwendig gewesen, Reichtum aus dem Lebensblut kleiner Kinder zu pressen. Tie schlimmsten Schrecken zu Anfang der Jndustriezeit übertrafen diese Zustände nicht... In diesem Lande hört man allgemein, daß es nutzlos ist, aufs Land zu gehen, wenn einer nicht eine starke Frau und eine Fa- milie von Kindern hat. Und lvarum? Weil die Landmonopolisten und Landagenten den kleinen Ansiedler in ihren Klauen haben. Die Zinsen, die er für das geborgte Geld zahlen muß, belasten 'ihn so schwer und die Anschaffung von Maschinen ist so kostspielig, daß er es nicht erschwingen kann, für Lohnarbeit auf seinem Gute zu bezahlen; er wird dazu getrieben, sein eigenes Fleisch und Blut zu Sklaven zu machen, lind die Regierung, die oft mit sehr übertriebner Reklame den Ansiedler aus weit entfernten Ländern hierher lockt und die in vielen Fällen der Landeigen- tümer und Geldleiher des Ansiedlers ist, nimmt den Ertrag seiner Arbeit und der Arbeit seiner Frau und Kinder und vergeudet ihn in Kriegsschiffen und Gewehren oder in Flaggen, mit dem sie die Straßen schmückt, wenn das Schlachtschiff im Hafen ein- läuft." Derselbe Protestruf klingt aus einem Briefe, den der Schriftsteller Israel Zangwill von einer befreundeten Dame aus Christchurch in Neuseeland erhalten hat. Dort heißt es: „Tie Ausgaben für Kriegszwecke übertreffen jetzt unsere Ausgaben für Erziehunyszwecke und es scheint, als ob das Mili- tär unsere Schulen erobern wird... Freiplätze in höheren oder technischen Schulen können jetzt nur die erhalten, die ihre militärische Pflicht getan haben. Ueberall kommt die gepanzerte Faust zum Vorschein. Das Gesetz macht auch den militärischen Dienst zur Grundlage des Staatsbürgertums. Unsere Burschen, die sich weigern, diese Pflicht zu leisten, verlieren ihre Bürgerrechte. Die Frauen, die keinen militärischen Dienst tun müssen, sind daher wohl berechtigt, anzunehmen,. daß sichrer Militarismus in einer nicht fernen Zeit bemühen wird, ihnen das Wahlrecht zu nehmen." Ueberall dasselbe Bild! Militarismus und Marinis- mus bringen dem Volke Not und Barbarei selbst in den jungen Ländern, wo die Menge der noch ungehobenen Natur- schätze dem Menschen ein leichteres Fortkommen sichern sollte. sreiiinniger Sieg in Berlin 12. Bei der Stichwahl im 12. Berliner Landtagswahlkreis hat der freisinnige Kandidat Pastor Dr. R u n z c den Sieg iiber den sozialdemokratischen Gegenkandidaten Eugen Ernst davongetragen. Im ganzen wurden 697 Stimmen abgegeben, so daß die absolute Mehrheit 319 Stimmen betrug. Von den 697 Stimmen haben erhalten: R u n z e(Freisinnige Volksparteij 365 Stimmen. Eugen Ernst(Sozialdemokrat) 332 Stimmen. Am 3. Juni waren auf Ernst 332 Stimmen gefallen, während Runze 313 Stimmen erhalten hatte und für den konservativen Kandidaten Ulrich 37 Stimmen abgegeben worden waren. Von den 37 konservativen Wahlmännern haben nach uns gewordener Mitteilung nicht weniger als 28 ihre Stimme für den f 0 r t s ch r i.t t l i ch e n Kandidaten abgegeben. Ten Rat der ultramontanen„Schlesischen Volksztg.", aus Rache für Barnim für den Sozialdemokraten zu stimmen, hat, wie ja auch zu erwarten war, kein einziger der konser- vativen Wahlmänner befolgt. Die Konservativen haben trotz aller Drohungen und wilden Gebärden feurige Kohlen auf das Haupt der Freisinnigen gesammelt. Die Sozialdemokratie hat denn auch nach dem Ausfall der Hauptwahl vom 3. Juni nicht mehr aus die Eroberung des Wahlkreises gerechnet. Daß aber die Hauptwahl vom 3. Juni so ungünstig für die Sozialdemokratie ausfiel, liegt zum großen Teil an der Zusammensetzung der Wählerschaft des Wahlkreises. Da ein sehr großer Teil der Wähler aus Beamten besteht, war es für die bürgerlichen Parteien mög- lich, die Wählerreserven, die beim ersten Wahlgang— zum Teil vielleicht geflissentlich— sich der Abstimmung enthalten hatten, bis zum letzten Mann gegen die Sozialdemokratie heranzu- holen. Immerhin ist auch der Ausfall der Wahl in Moabit ein Beiveis für das unaufhaltsame Vordringen der Sozialdemo- kratie, das Gewähr dafür bietet, daß das nächste Mal der Kreis für die Sozialdemokratie erobert werden wird, selbst wenn dann noch, was freilich als ausgeschlossen gelten kann, die öffentliche Abstimmung bestände. Der Aehrbeitrsg in der Budget- Kommission. In der Montagssitzung wurde die Beratung des Wehrbeitrags fortgesetzt. Dauernde Nutzungen(z. B. die Einkommen aus den Bergwerksregalen) sind mit dem LSfachen Betrage der jährlichen Einnahme zu veranschlagen. Die Sozialdemokraten be- tonten, daß solche Einkommen eigentlich noch höher veranlagt werden müßten. Der Wert von Renten oder anderen auf die Lebenszeit einer Person beschränkten Nutzungen und Leistungen wird nach dem Lebensalter bestimmt. Als Wert wird angenommen bei einem Alter von 1 bis 15 Jahren das 18fache, von 15 bis 25 Jahren das 17fache der jährlichen Rente; bei einem Alter von 75 bis 89 Jahren noch nur das dreifache. Im Entwurf wird bestimmt, daß eine Erklärung über das Vermögen ab- geben muß, wer ein Vermögen von mehr als 19 909 M. besitzt- Die Konservativen wünschten, daß diese Erklärung erst bei einem Vermögen von 69 999 M. abgegeben werden soll. Die Sozial« demokraten traten für die Regierungsforderung ein, die von bürger- licher Seite angefochten wird. Es kämen über 11 Millionen Zensiten in Betracht, die zwischen 19—39 999 M. Vermögen hätten; die Veranlagungsarbeit würde eine ungemein schwere werden. Die Volksparteiler wünschten die Erklärungspflicht bei 19 999 M. be- ginnen zu lassen. Die Nationallibcralen beantragten, diese Pflicht erst bei 25 999 M. beginnen zu lassen; falls aber ein Einkommen von 5999 M. vorhanden sei, solle die Deklarationspflicht schon bei 19 999 M. beginnen. �Von sozialdemokratischer Seite wurde die Zustimmung zum nationalliberalen Antrag ausgesprochen, während die Konservativen ihre endgültige Stellungsnahme sich vor- behielten. Unsere Genossen und die Volksparteiler forderten, daß Bestimmungen darüber getroffen werden, die den Beitragspflichtigen auch die Erklärungspflicht über ihr Vermögen und Einkommen auf- erlegt. Der nätionalliberalc Antrag wurde gegen die konservativen Stimmen und ein paar Stimmen des Zentrums angenommen, der konservative Antrag fand Ablehnung. Nach Z H des Entwurfs sind die Reichs«, Staats« und Gemeindebehörden verpflichtet, den Veranlagungsbehörden Auskunft über die Vermögensverhältnisse der Beitragspflichtigen zu geben. Unsere Genossen forderten, daß diese Pflicht der Aus» kunfterteilung auch auf Banken, Bankier?, Sparkassen und andere Anstalten ausgedehnt wird. Die Nationalliberalen be« fürchten eine starke Abwanderung de? Kapitals nach fremden Banken, falls die sozialdemokratische Forderung Gesetzeskraft erlangt. DaS Zentrum erklärte, daß es vorläufig den sozialdemokratischen Antrag ablehne, aber je nach der Gestaltung der Strafbestimmungen bereit sei, für ihn zu stimmen. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde der Antrag abgelehnt. Der Beitragspflichtige kann an« gehalten werden, eidesstatiliche Versicherungen über sein Vermögen abzugeben. Im Weigerungsfalle kann eine Geldstrafe bis 599 M. verhängt werden. Diese Strafe kann wiederholt werden, bis die Erklärung abgegeben wird. Diese Strafbcstimmuug wird als unzulänglich bezeichnet, denn das Gesetz dauert nur vier Jahre. Ein reicher Mann kann.die Abgabe der Erklärung während der vier Jahre durch Auslandsreisen verzögern; er zahlt dann lediglich— selbst wenn er zehnmal bestraft würde nur wenige tausend Mark Strafe. Hingegen wurde ausgeführt, daß die Vcr« anlaguugskommission einen solch renitenten Beitragspflichtigen ein« fach einschätzen kann und daß diese Einschätzung gültig sei, wenn der Beitragspflichtige sich nicht rechtzeitig in vorgeschriebener Weise erklärt hat. Nach dem Entwurf soll der Wehrbeitrag zur Hälfte binnen Monatsfrist»ach Zustellung des Veranlagungsbescheides bezahlt werden, die andere Hälfte bis spätestens 31. März 1915. Das Zentrum forderte drei Zahlungstermine, der letzte soll der 31. März 1916 sein. Auch nach dem Entwurf kann der Wehrbeitrag bis auf drei Jahre gestundet, serner auch die Teilzahlung gestattet Iverden. Die Stundung ist dann von einer Sicherheitsleistung abhängig. Der Zentrumsantrag wurde angenommen. Beitragspflichtige, die wissent« lich falsche Angaben macheu, können mit dem 29fachen Betrage bestraft werden. Das Zentrum fordert, daß neben der Geldstrafe auch auf Gefängnis bis sechs Monate und zeitweiliger Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte zu er« kennen sei, falls der hinlerzogene Betrag mindestens 399 M. ans« macht. Unsere Genossen betonten ihr Einverständnis mit dieser Forderung, die von der Regierung bekämpft wurde, speziell soweit die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte in Frage kommt. Tie Volksparteiler forderten, statt 399 M. 19 Proz. zu sagen und bekämpften neben den Nationalliberalen die Aberkennung der Ehren- rechte. Mit der von den Volksparteilern beantragten Acnderung wurde der Zentrumsantrag gegen die Stimmen der Nationalliberalen und Konservativen angenommen; gegen den volksparteilichen Antrag stimmten unsere Genossen. Sodann wurde die Frage lebhaft debattiert, was mit einem etwaigen Neberschuß ans dem Wehrbeitrag gemacht werden soll. Unsere Genossen wünschten die Verwendung für sozial« politische Zwecke, der Abg. Behrens für die Veteranen und für WohnungSzwecke, das Zentrum will den Ueberschuß zur Schulden- t i I g n n g verwenden, während die Volksparteiler wünschen, falls der Ueberschuß mehr als.zwei vom Hundert beträgt, er den Wehr« beitragspflichtigen wieder zurückgezahlt werden soll. Schatziekreiär Kühn sprach sich für den Zentrumsantrag aus. unannehmbar sei der volksparteiliche Antrag, der eine ungemein zeitraubende und teure Berechnung erfordern würde. Abg. Behrens ist der Meinung, die beste Verwendung eines Ueberschusses wäre, ihn dem ReichZkriegsschatz zuzuführen. Die Konservativen sprachen sich für den volksparteilichen Antrag aus. Der sozialdemokratische Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, ebenso der Antrag Behrens gegen die Stimmen unserer Genossen und des Antragstellers, der volksparteiliche Antrag gegen die Volks- parteilichen und konservativen Stimmen; angenommen wurde der Zentrumsantrag gegen die sozialdemokratischen und Volks- parteilichen Stimmen, sowie der Summe des Nationalliberalen Noland-Lücke. Das Zentrum forderte weiter, das} das Gesez über den Wehrbeitrag durch kaiserliche Verordnung auch ruf die Schutz- gebiete ausgedehnt werden solle. In einzelne r Schutzgebieten wohnten reiche Leute, die sehr wohl zahlen könnten! so in Kiautschou ein Dutzend ehemaliger chinesischer Vizekönige, in anderen Gebieten abgesetzte Sultane, die alle sehr reich seien. Mit groger Mehrheit wurde der Zentrumsantrag angenommen, gegen den Staatssekretär S o l f sich aussprach. Dannt ist die erste Lesung des Wehrbeitrags beendet. In einer längeren GeschäftsordnungSdebaite verlangten unsere Genossen, dasi ein s i tz n n g S f r et e r Tag eingeschoben werde, um den Fraktionen Gelegenheit zur Aussprache zu geben. Die Sozial- demolratie behalte sich ihre Entscheidung über die weiteren geschäft- lichen Dispositionen vor. Gegen den sitzungsfreien Tag wandten sich die bürgerlichen Parteien, am Dienstag soll das Erbrecht des Reichs auf die Tagesordnung gesetzt werden. Die Konservativen wünschen vor der Erledigung der zweiten Lesung des Wehrbeitrages die erste Lesung des Besitzsteuergesetzes, von dessen Gestaltung die des Wehrbeitrages abhängig sein wird. Unsere Genossen wiesen darauf hin, dag die KommissionZmitglieder derart mit Sitzungen und Arbeit überlastet sind, daß unmöglich in diesem Tempo weitergearbeitet werden kann! vor allen, muß die SitzungSdauer sowohl in der Kommission wie im Plenum herabgemindert loerden. Die Kommission beschloß, Diens- tag in die Beratung des Erbrechtes des Reichs ein- zutreten.__ Zentrum, Konservative und kaiserlicher Statthalter. In der reichsländischen Zentrumsprcsse mehren sich die Stim- men, die den Rücktritt des kaiserlichen Statthalters von Elsaß- Lothringen, Grafen von Wedel, verlangen. Zwar wird zugleich dem Staatssekretär Freiherru Zorn von Bulach, dem Schloß- Hauptmann der HohkönigSburg, der Marsch geblasen, doch ist in den Tönen ein merklicher Unterschied. Die in Straßburg aus dem Schöße der Zentrumssraktion des Landtages gespeiste Gutakorre- spondenz betont ausdrücklich, daß nach dem Gesetze Graf Wedel die verantwortliche Stelle in Elsaß-Lothringen ist und daß eS sich in erster Linie um ihn handeln müsse, wenn von Rücktritten die Rede ist. Auf konservativer Seite in Berlin wisse man ganz ge- nau, was von den Versicherungen zu halten ist, Graf Wedel werde bleiben. Dieserhalb sei auch neulich konservativerseits auS Berlin gemeldet worden, Graf Wedels Stunde habe geschlagen, dagegen werde Freiherr Zorn von Bulach im Amte bleiben, denn— für den gegentvärtigen Staatssekretär in Elsatz-Lothringen habe man im Lager der preußischen Konservativen immer noch eine kleine Schwäche von der Zeit her, da Freiherr Zorn v. Bulach als elsäs- sischer Reichstagsabgeordneter der Hospitant der konservativen Reichstagsfraktion war. Es geht also bei den Blauschtvarzen, die sich auch in dieser Frage eine rührende Treue bewahren, um den kaiserlichen Statt- Halter selbst, wie dies schon vor Beginn der diesjährigen reichs- ländischen Landtagsses�ion, in einer auch an dieser Stelle gewür- digten, auffällig pointierten NeujahrSbetrachtutig der»Kölnischen Voltszeitung" über Dinge und Personen in Elsaß-Lothringen, mit aller Deutlichkeit gesagt worden war. Im„Vorwärts" wurde schon damals darauf hingewiesen, daß der tiefere Grund der Zentrums- feindschaft gegen den Statthalter Wilhelms II. in Elsaß-Lothringen nicht die vorgeschützte mangelnde Rücksicht auf die Volksforderungcn und Volkswünsche im Lande. sei, sondern die fatale Tatsache, daß Graf von Wedel mit einer gewissen Konseguenz darauf ausgeht, das traditionell— hpiläufig mit gänzlich untauglichen Mitteln— versuchte Werk der monarchisch-germanisatorischen Eroberung in den 1871 gewonnenen Provinzen, gestützt auf den ProtestantiS- m u s und erforderlichenfalls gegen das nationalistisch verseuchte reichsländische Zentrum, durchzuführen. Wenn das Zentrum jetzt die unglaubliche Dummheit der neuen Ausnahmegesetzvorschläge für Elsaß-Lothringen zum Anlaß nimmt, um den Rücktritt des Grafen von Wedel zu fordern, so ist ihm entgegenzuhalten, daß das reichs- ländische Zentrum bis in seine nationalistische Verzweigungen hin- ein mit dem ehemaligen starken Manne Elsaß-LothringenS, dem Herrn Ernst Mathias von Kölker, trotz seiner brutalen Gewaltpolitik persönlich ganz vortrefflich auskam, derart, daß man heute noch von Zeit zu Zeit selbst in Wetterles„Nouvelliste" weh- wütige Rückblicke auf jene Zeit vorfindet,— warum? Weil der pommersche Junker in seinem groben Klasseninstinkt über die na- tionalen Gegensätze hinweg den Weg gefunden hatte zu dem mit Recht sogenannten Notabclnregiment, zu der Hinter- treppenregierung der ob protestantischen oder katholischen, ob alt- deutsch-gouvernementalen oder französisch-nationalistischen Groß- bourgeoisie im Lande. Dieser Hintertreppenregicrung hat Graf von Wedel, der sein eigener Minister ist, seit seinem Erscheinen im Lande in der alten Form, und man kann wohl sagen, im wescnt- lichen ein Ende gemacht, während der nominelle Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach dazu gelegentlich immer noch genie die Hand bietet. Daher der Unterschied in der Behandlung der beiden seitens des Zentrums. Warum das reichsländische Zentrum im Augenblick wieder so furchtbar aufgebracht ist gegen den Statthalter von Wedel, das ist das Scheitern der Gehaltszulagen für die Geist lichen in der Ersten Kammer, eine Ablehnung, die durch die Haltung der Regierung herbeigeführt wurde und die vom Zentrum auf den Willen des Statthalters zurückgeführt wird. Diese Zulagen waren von der klerikalen Mehrheit der Zweiten Kammer in die RegierungS- Vorlage über Gewährung von Teuerungszulagen an Beamte und Lehrer gegen die Stimmen der Sozialdemokratie und der Fort- schrittler und gegen den Widerspruch der Regierung aufgenommen worden,— ein Widerspruch, der sich auf das gänzliche Fehlen von Deckungsvorschlägen für diese auf über 370 VW M. geschätzte JahreS- ausgäbe stützte. Ein sozialdemokratischer Deckungsvor- schlag, die Ausgabe für diese Erhöhung des Kultusbudgets auf dem Wege kirchlicher Umlagen von den verschiedenen Konfessionsange- hörigen zu erheben und zugleich endlich die Frage des Austritts aus den Religionsgemeinschaften gesetzlich zu regeln, war von der klerikalen Mehrheit der Zweiten Kammer glatt abgelehnt worden. Angesichts der Deckungsschwierigkeit.nun,, da auch das Zentrum davor zurückschreckte, eine dauernde Jahresausgabe auf Anleihe zu nehmen, kam die klerikale Gruppe in der Ersten Kammer auf den genialen Einfall, die Teuerungszulagen für die Beamten und die Lehrer einfach abzulehnen und solche Zulagen nur für die Geist- lichen zu bewilligen, obwohl die Geistlichen« Elsaß-Lothringen erst vor drei Jahren eine Gehaltserhöhung bekommen haben und die neue Besoldungsordnung für Beamte und Lehrer erst für den 1. April d. I. in Kraft treten soll und obwohl diese neue BesoldungS- regelung den nichtetatsmäßigen Beamten und Lehrern gar nichts bringt, wofür die auf den 1. Oktober 1S12 zurückgreifende Teue- rungSvorlage einen Ersatz bieten sollte. Der ungeheuerliche An- schlag, alle Beamten und Lehrer bei den Teuerungszulagen leer ausgehen zu lassen und nur den Gei st lichen solche zu ge- währen, wurde allen Ernstes durch den Zentrumsabgeordneten Dr. Vonderscheer und die Bischöfe von Straßburg und Metz in der Ersten Kammer versucht, der Antrag wurde jedoch von der Ersten Kammer mit 18 gegen 8 Stimmen in namentlicher Abstimmung abgelehnt. Allerdings lehnte dieses Instrument der Reaktion später dann auch das ganze TeuerungLgesetz ab. Aber das wütende Gebelfer gegen die Erste Kammer und gegen die Regierung, das sich daraufhin ii�,der reichsländischen Zentrumspresse erhob, durch- schaut man nun ohne Mühe. Der tiefere Beweggrund des Zen- trumsärgers, das ist die Ablehnung der erhöhten Gcistlichenbesol- dung, denn die Beamten und Lehrer, von denen die jüngeren noch mit 1200 M. Jahresgehalt auskommen müssen, hätten ja bei An� nähme des klerikalen Antrages n u r für die Geistlichen doch nichts bekommen. Die klerikale Demagogie des gegenwärtigen zentrüm- lichen Schimpffeldzuges gegen Regierung und Erste Kammer ist daher allzu durchsichtig— zumal für die Lehrer und Beamten selber. Die Sozialdemokratie hat bei der Festsetzung der neuen Ver- sassung für Elsaß-Lothringen gegen die Einsetzung der Ersten Kammer und gegen die Statthalterwürde gestimmt, sie beantragte das Einkammersystem und die Einführung der republikanischen Staatsverfassung. Es ist für sie daher ein legitimes Vergnügen, zuzusehen, wie sich Zentrum und Konservative die Hörner einstoßen an denselben Institutionen, die sie in ihrem Interesse geschaffen haben. Ifiatienprotelt gegen die Frauendorfer Folizeitaten. Der Fabrikarbeiterverband hatte am Sonnabendabend in Frauendorf eine öffentliche Versammlung einberufen, die gegen das Fraucndorfcr Blutbad und die Stellungnahme der Behörden wie der bürgerlichen Presse zu demselben Protest erheben sollte. Der in Aussicht genommene Saal erwies sich bald als viel zu klein, so daß die Versammlung in einen an- grenzenden Garten verlegt werden mußte. Aus Frauendorf und Umgebung strömte die Arbeiterbevölkerung in dichten Scharen zur Versammlungsstätte, wo sich bald eine unzähl- bare Menschenmenge zusammendrängte. Sicher sind es über 3000 Personen gewesen. Arbeitersekretär Genosse Decker besprach die bekannten Ereignisse und geißelte scharf die un- nötige Säbelattacke der Stettiner Polizei wie die Lügen- berichte der bürgerlichen Presse, die zunächst die Nachricht kolportierte, daß ein Streikbrecher von einem Streikposten erstochen sei, um dann— als daS Verbrechen des Streik- brechcrs Brandenburg nicht mehr zu verschleiern war— die Bluttat als entschuldbare Notwehr auszugeben. Genasse eise protestierte gegen die vorzeitige Hastentlassung des ordbuben, die wohl auf die Suggestivwirkungen der bürger- lichen Lügenpresse auf den Untersuchungsrichter zurückzuführen sei, während Genosse T h i c m c seine Beobachtungen während der Polizeischlacht schilderte.— Folgende Resolution fand einstimmige Annahme, indem sich für sie ein Wald von Händen erhob: »Die Versammlung legt schärfsten Protest ein gegen die nor- eilige Haftentlassung des Meuchelmörders Brandenburg, die er- folgte, ehe die Untersuchung über seine blutige Tat hinreichend Klarheit geschaffen haben konnte. Ein solches Borgehen ist ge- eignet, verbrecherische Streikbrecher zu neuen Mordtaten anzureizen und so neue Konflikte vorzubereiten. Ferner verurteilen die Versammelten auf da« entschiedenste die verlogene Berichterstattung der bürgerlichen Presse und geloben diese nicht mehr in ihren Wohnungen zu dulden." Ruhig wie sie gekommen und während der Versammlung ausgeharrt hatten, gingen die Menschenmassen auseinander, trotzdem inzwischen die Dunkelheit herangebrochen war und die Arbeiter durch die Haftentlassung des Mörders aufs äußerste erbittert sind. Allerdings hatte sich auch die Polizei zurück- gehalten und nur wenige Posten ausgestellt, so daß keine Ruhe- störungen zu befürchten waren. Am Sonntagnachmittag nahmen die Stettiner Arbeiter zu der gleichen Angelegenheit ebenfalls in einer Massenversamm- lung Stellung; auch sie verlief durchaus ruhig und würdig. »* * Der Mörder Brandenburg ist tatsächlich auf freien Fuß gesetzt worden! Wie unseren! Korrespondenten aus absolut sicherer Quelle mitgeteilt wurde, war die Frauendorfer O r t s p o l i z e i b e h ö r d e darüber äußerst überrascht, da Brandenburg ein übelberüchtigtes, rauflustiges Subjekt ist, das ihr schon viel zu schaffen machte. Der Ortspolizet- behörde ist auch zu Ohren gekommen, daß der Mörder schon vor der Tat Bemerkungen machte, die auf einen vor- sätzlicheu Mord schließen lassen. Inzwischen dürfte sich Brandenburg in Sicherheit gebracht haben, nachdem ihm die Justizbehörde die Tür ins Freie öffnete l Politische(leberlicdt. „Widerspruch wird nicht erhoben." Aus dem Reichstage. Erst ganz am Schlüsse der Montagsitzung warf in einer kurzen, aber interessanten Geschäftsordnungsdebatte das Hauptstück der gegen- wärtigen Tagung des Reichstags, die Wehrvorlage, ihre Schatten voraus. Am Dienstag steht die zweite Beratung der Riesenforderung des imperialistischen Mili- tarismus auf der Tagesordnung. Der heutige Montag war nur mit Vorlagen meist untergeordneter Natur' ausgefüllt, er galt als Tag der Sammlung für die kommen- den großen Debatten und als gute Gelegenheit für die Frak- tionen, vorher noch einmal innerhalb des eigenen Kreises Stellung zur Wehrvorlage zu nehmen. So war die Atmosphäre mit Spannung geladen, und das kurze Wetterleuchten am Schluß der Sitzung fand deshalb ein wohl- vorbereitetes Haus. Das Zentrum und die Konservativen, unterstützt durch das kleine Häuflein der Freikonservativen, gaben bei der formellen Feststellung der Tagesordnung für Dienstag Erklärungen ab, in denen sie ihrem bedrückten Herzen wegen der Fortsetzung der getrennten parlamentarischen Erledigung der Wehr- und DeckungSvorlagen Luft machten, Man widersprach nicht geradezu dem Lorschlage des Präsi- deuten, die zweite Beratung der Wehrvorlage auf die Tages- ordnung zu setzen, aber man wiederholte freilich die schon in der Budgetkommissiofl abgegebenen Verwahrungen gegen eine Verabschiedung der Wehrvorlage ohne gleichzeitige Verab- schiedung der Deckungsvorlagen. Man darf der weiteren Entwickelung der Dinge mit Jnter- esse entgegensehen. Die Beratung der Deckungsvorlagen wird sich noch lange hinausziehen. Wenn die zweite und die dritte Beratung der Wehrvorlage eher zu Ende gehen sollten, als die der Deckungsvorlagen, so wird die Wehrvorlage mit großer Mehrheit abgelehnt— falls der Dreibund der Rechten seine Drohung wahr macht und sich den Konse- quenzen solcher konsequenten Handlungsweise gewachsen fühlt. Als der Präsiden! nach dem feierlichen Verlesen der drei Erklärungen Spahn— Westarp— Schultz-Bromberg die übliche parlamentarische Formel gebrauchte:„Widerspruch gegen die Tagesordnung wird nicht erhoben I". durchzog heitere Bewegung das Haus, weil die Formel in dem Witz- losen Munde des Präsidenten unbeabsichtigt und darum um so mehr als beißende Satire wirkte. Entweder der feierliche Widerspruch, der kein geschäftsordnungsmäßiger Wider- spruch war, ist nur eine drohende Kulisse, um die National- liberalen zu schrecken und dahinter zugleich den Rückzug in der Teckungsfrage langsam in die Wege zu leiten: oder er ist ein reaktionärer Schachzug, der künftige Ueberraschungcn vorbereiten soll. Tie nächsten Tage werden voraussichtlich den Schleier von den Mysterien der vereinigten Rechten hinwepziehen. Die sachlichen Debatten, die der Geschäftsordnung?- debatte vorangingen, wurden ohne besondere Anteilnahme des Hauses erledigt. Unsere thüringischen Genossen Bau- d e r t und L e u t e r t nahmen zu der Aenderung zweier Reichstagswahlkreise, die durch den Gebietsanstausch thü- ringischer Staaten notwendig geworden war. das Wort, um bei der Gelegenheit auf die üblen Folgen der Kleinstaaterei hinzuweisen. Die für die Kolonien vorgesehene Rechtsfähig- keit von Vereinen benutzte Genosse Noske zu einer Kritik schwindelhafter Kolonialnnternehmen. Bei der Beratung eines Gesetzentwurfs, der Entschädigungen für Schöffen und Geschworenen festsetzt, vertrat Ge- nosse Peus nachdrücklich den Standpunkt der Fraktion: er wies darauf hin, daß man mit der Verwirklichung solcher langjährigen sozialdemokratischen Forderunaen in Zukunft schneller bei der Hand sein solle. Genosse Landsberg wünschte bei der Beratung eines Gesetzentwurfs über inter- nationale Regelung Wechsel- und scheckrechtlicher Verhältnisse, den die Regierung auf einen leisen Wunsch der kapitalistischen Interessentenkreise hin eingebracht hat, daß die Regierung viel berechtigteren und dringlicheren Wünschen der Arbeiter nicht immer nur taube Ohren und schwere Beweglichkeit entgegensetzen solle. Wie der Militarismus mit Menschenleben spielt. In diesen Tagen, in denen das deutsche Volk in noch größerem Maßstabe als bisher der Kasernenkulwr unter- warfen werden jsoll, zeigt der Misitarismus sich in seiner ganzen brutalen Rücksichtslosigkeit, die sogar über Leichen hinweggeht. Es ist fast, als ob die Vertreter des militaristischen Systems mit besonderem Trotz auftrumpfen wollten, um zu zeigen, wie wenig sie sich um das Wohl der 'söhne des Volkes und die Volksmeinung kümmern. Auf dem Truppen übungs Ml atz Arys haben in den letzten heißen Tagen Manöver stattgefunden, die eine große An- zahl Todesopfer gefordert und für sehr viele Soldaten schwere Gesundheitsschädigungen nach sich gezogen haben. Der in Bromberg erscheinenden„O st deutschen Rund- schau", also keinem sozialdemokratischen„Hetzblatte", wird darüber„von geschätzter Seite" geschrieben: »Bekanntlich haben vom 2. bis einschließlich 4. Juni hier auf dem Truppenübungsplatze und der Umgebung von AryS die DivisionSmanöver der 41. Division unter persönlicher Leitung deS Armeeinspekteurs v. Prittwitz u. G a f f r o n stattgefunden. Bei diesen Manövern wurden an die Mannschaften iibermenschlichc Anforderungen gestellt. Trotz- dem die Truppen, wie das Jnf.-Regt. 148, eine 18 st und ige Bahnfahrt zur Nachtzeit hinter sich hatten. wurde sofort nach Ankunft ein längerer Marsch von fast 30 Kilometern mit vollem Gepäck angetreten. Bereits an diesem Tage gab es eine Reihe Erkrankter. Am zweiten Manövertage, also Dienstag, fanden nach einem längeren Anmärsche auf dem Truppenübungsplatz selber ztoei Gefechte statt, bei denen ganz ungeheure Verluste eintraten. Nicht weniger als über 300 Mann machten in der Division schlapp. DaS 14 8. Inf.- Regt, hatte allein vier Tote und eine Reihe schwer Erkrankter. Am meisten litt von diesem Regiment die 6. Kompagnie, die am dritten Mcmövertage nur mit etwas mehr als ein Viertel der Kompagnie antreten konnte. Auch das Inf.» Regiment 1S2 hat einige Tote. Tie ungeheuren Verluste müssen einmal auf die kolossale Hitze, eS waren zeitweise 85 Grad CelsiuS im Schatten, dann auf die zu hohen Anforderungen und nicht zu» letzt auf einen Mangel in der Verpflegung zurückgeführt werden. Die Beerdigung der vier Opfer des 143. Regi- ments hat heute unter militärischen Ehren in AryS statt- gefunden." Nach all den bisherigen Ersahrungen ist es ganz zwecklos, eine strenge Untersuchung und eine Bestrafung der Schul- digen zu verlangen. Wir hören schon jetzt den Kriegsminister. falls der Fall im Reichstage zur Sprache kommt, ein paar Redensarten über„unglückliche Umstände".„Ungunst dsr Witterung" usw. stammeln. An den ernsten Willen, solche oder andere Ungeheuerlichkeiten zu vermeiden, glauben wir schon lange nicht mehr, sie liegen zu tief im militaristischen System begründet. Dagegen gibt es nur ein Mittel: das Volk muß in seiner Mehrheit voll gerechter Entrüstung dieses System mit einem kräftigen Ruck von sich werfen. Solange das nicht der Fall ist, solange das stehende Heer in seiner heutigen Gestalt nicht einem aus demokratischer und sozialer Grundlage aufgebauten Milizsystem Platz gemacht hat. wird die privilegierte Offizierskaste mit Nichtachtung aus die ihnen überantworteten„Kerls" und das Volksempfinden herab- blicken._ JubiläumsbyzantiuiSmus. Wirklich schlimm steht's um diejenige Literatur, die an- läßlich des Regierungsjubiläums deS Kaisers auf den Bücher- markt geworfen wird: denn sogar Blätter wie die„Rheinisch- Westfälische Zeitung", wenden sich gegen den ekelerregenden Byzantinismus. In einem Leitartikel rechnet das Organ der westfälischen Schlotbarone mit dem im Verlag von Bong u. Co. erschienenen sogenannten Prackitwcrk ab, das den Titel führt: „Unser Kaiser. Fünfundzwanzig Jahre der Regierung Kaiser Wilhelms IL. 1888—1913". Der Schluß des Artikels lautet: »Ist's genug?— In diesem Stile zeichnet die Jubiläums- literatur. die in diesen Tagen den Büchermarkt überschwemmt, der Nation das Wesen des Herrschers. In einem von schmeichlerischer Lobhudelei triefenden, mit jedem Satz, jedem Wort nach der Orden?« schatulle hinschielenden Stile. Mcht dem Kaiser sollen seine Irr- tümer vorgeworfen werden: er ist ein Mensch, ein wie wir alle durchschnittlich begabter und in der einzigen und ehr- lichen Betätigung seiner netten Gaben gewih sympathischer Mensch. Wäre es in noch weit höherem Matze, wenn nicht allzu gefällige Schranzen ihn in seiner romantisch« mittel- alterlichen Idee vom Gottesgnadcntum de« Herrscher? immer wieder bestärkten, zum Schaden seines Ansehens als Persönlich- keit, zum Schaden vor allem der deutschen Kunstentwickelung, die, wenn auch nichl unterbunden, so doch im Tempo ihres Wachsrums aufgehalten wird. Bücher wie das vorliegende sollte jeder ernste Deutsche seiner Familie fernhalten; sie säen daS Gift byzantinischer Gesinnung in die jungen Seelen, denen neben der Achtung vor dem Repräsentanten der Nation doch auch der Mut charaktervoller Kritik anerzogen werden sollte 1' Wie arg müssen es die Byzantiner treiben, wenn solche Proteste von solchen Stellen kommen! Wir und die Milizforderung. In zwei R. L. gezeichneten Artikeln der„Leipziger Volks- zeitung', betitelt.Unsere Aktiow gegen die Militärvorlage', werden gegen die Parteileitung und den.Vorwärts' Borwürfe erhoben. Beide sollen den Kampf gegen das RüstungStcciben viel zu lahm geführt, der.Vorwärts' soll sogar unsere Milizforderung schmählich verleugnet haben. Die französischen Militaristen, ein Barihou, ein Etienne, ein Clemenceau, Blätter vom Schlag« des.Temps', .Matin' usw. werden für die in diesen Artikeln gelieferten Argumente sehr dankbar sein. Können sie doch unseren französischen Genossen in ihrem Kampf gegen die dreijährige Dienstzeit von neuem die schon so oft widerlegte Behauptung entgegenschleudern, die deutsche Sozial- demokratie führe nur einen Scheinkampf gegen die ganze Heeresvorlage. Auch der so jämmerlich abgesührte Professor Andler kann dank deS in den R. �.-Artikeln gelieferten.tatsächlichen' Materials von neuem sein Geschwafel von der.imperialistischen' deutschen Sozialdemokratie anheben. Merkwürdig ist nur, datz in der deutschen reaktionären Presse das Gezeter und das Gezeifere über die rüstungsfeindliche Haltung und die Milizforderung der Sozialdemokratie und besonders des.Vorwärts' nicht aufhören will, was fich durch zahlreiche Zitate belegen ließe. Davon scheint R. L. nichts gemerkt zu haben. Wer die Artikel der.Leipz. VolkSztg.' liest, mutz zu der Meinung kommen, der.Vor- wärtS' sei in der RüstungSfrage noch windelweicher als die Fort« schrittSpartei. Nach R. L. hat der„Vorwärts' auf die Milizforderung überhaupt verzichtet und ist nur für Herabsetzung der dreijährigen Dienstzeit bei den berittenen Truppen und für Abschaffung des Ein- jährigenprivilegS eingetreten. Wie liegen die Dinge aber in Wirklichkeit? Als die Heeres- Vorlage offiziell bekanntgegeben wurde, hat sie der.Vorwärts' so- fort als erster in einem äuherst scharfen Artikel unter auSdrück- lichem Hinweis auf unsere Milizforderung kritisiert. Der Artikel erregte ein Wutgeheul in der gesamten bürgerlichen Preffe. In vielen Artikeln und Notizen, die sich mit der Heeresvorlage be- schästigten. ist dann im.Vorwärts' immer und immer wieder auf die Milizforderung Bezug genommen worden. Als die französische Regierung nach Bekanntwerden der deutschen Heeresvorlage den Gesetzentwurf über die dreijährig« Dienstzeit einbrachte, erschienen im.Vorwärts' zwei Artikel über die Herabsetzung der dreijährigen Dienstzeit bei den berittenen Truppen. Ausdrücklich wurde aber in diesen Artikeln auf unsere Milizforderung verwiesen und eS wurde nachdrücklichst betont, datz e« sich um eine Teilforderung handele, die vor allem unseren französischen Genossen zugute kommen sollte. Kein Mensch wird doch leugnen wollen, datz die Abschaffung der dreijährigen Dienstzeit in Deutschland den Kampf gegen die dreijährige Dienstzeit in Frankreich nicht unwesentlich gefördert hätte. Der in diesem Artikel gelieferte Nachweis, datz die Verkürzung der Dienstzeit technisch möglich sei, schlietzt noch lange keinen Verzicht auf die Milizforderung in fich. Der„Vorwärts' weitz so gut wie seine Kritiker, datz die Miliz, wenn auch alle EntwicketungStendenzen des modernen HeereSwesens zu ihr hindrängen, überall, wo sie in der Geschichte auftrat, ein Produkt revolutionärer Kräfte war. Diese Kräfte werden nicht allein durch gewitz nicht unnötige Zeitungsartikel und VersammlungS- resolusionen geweckt und lebendig. Sie bedürfen auch einer zähen, unablässigen Aufklärungsarbeit in kleinerem Kreise, in unseren Organisationen, um von hier aus weitere VolkSmaffen zu ergreifen und mitzureißen. Wir beziveifeln aber, datz die Aufrüttelung der Masten durch eine Kritik erreicht wird, die die Wahrheit und die Tat- jachen entstellt._ Landtagsnachwahl in Eljaft-Lothringen. Die Nachwahl im Landtagswahlkreise Brumatb, die am Sonn- tag stattfand, bracht« dem Zenttumskandidaten Didio 3099 Stimmen. Auf den liberalen Kandidaten Dr. Bostetter entfielen 3031 Stimmen. Im ersten Wahlgange hatten erhallen: der Zentrumskandidat 2853, der liberale Kandidat 2225 Stimmen, während auf den sozial« demokratischen Kandidaten Schott 838 Stimmen entfallen waren. Unsere Parteigenosten gaben für den zweiten Wahlgang die Parole aus, für den liberalen Kandidaten zu stimmen. Da in der Stich- wähl der liberale Kandidat nur zwei Stimmen weniger erhielt als im ersten Wahlgange Sozialdemokraten und Liberale zusammen, so ist anzunehmen, datz die sozialdemokratischen Wähler vollzählig für den liberalen Kandidaten gestimmt haben. Wenn es dem Zentrums- kandidalen trotzdem gelungen ist, das Mandat zu holen, so ist daS dem Umstände zuzuschreiben, datz in den katholischen Orten noch Reserven vorhanden waren, die infolge der in den letzten Tagen betriebenen leidenschaftlichen Agitation an die Wahlurne gebracht wurden. In bezug aus religiöse Verhetzung ist bei dieseür Wahl- kampi alles getan worden, was getan werden konnte. Der LandtagSwahllreiS Lrumalh gehört zu den umstrittensten Kreisen in Elmtz-Lothringen. Bei der Wahl im Oktober lSll hatte der ZenlrumSkandidat im zweiten Wahlgange 3095 Stimmen er- halten, während auf den liberalen Kandidalen 3054 Stimmen enl- fielen. Damals betrug also der Unterschied 41, diesmal 38 Stimmen. Ter Kampf«m ein Krematorium in Köln. Die Stadtverordnetenversammlung zu Köln erlebte am der- gangenen Freitag ein Schauspiel, da« bezetchnend ist für die Wort- 'brüchigkeit und Unduldsamkeit deS Zentrums. Die Zentrums- Mehrheit hat die Errichtung eines Krematoriums abgelehnt. Da» allein wäre noch nichl« Auffälliges, wenn nicht die Kölner Krematoriumsfrage eine sehr inleresfant« Vorgeschichte hätte. Vor 3 Jahren hat der OberlandeSgerichtSrat Rotfchild der Stadt Köln fem gesamtes Vermögen von etwa insgesamt 350 000 M. vermacht, unter der Bedingung, datz die Stadt Köln für etwa 50 000 M. den Grund und Boden für ein Krematorium kaufe und für 100 000 M. daS Krematorium bauen und betreiben laste. Die Zinsen von 500 000 M. sollten Lungenkranken aus dem Mittel stände zugute kommen. Zur allgemeinen Ueber« raschung nahm daS RatbauSzentrum am 21. März 1907 die Erb- schuft an. Sein Führer Geheimrat Kaufen sagte damals mit schöner Duldsamkeit: „Die Feuerbestattung widerspricht der Sitte der christlichen und israelitischen Religion. Das allein ist aber meines Erachtens kein Grund, den Anhängern dieser Bestattungsform die Erfüllung ihrer Wünsche zu verweigern, denn man soll io religiöser Hin- ficht keinen Zwang ausüben.' Ganz Köln war nun feit Jahren der Meinung, datz eS fein Kre« matorium bekommen werde, sobald die Feuerbestattung in Preutzen erlaubt sei. DaS Gesetz kam, und nun konnte ja daS Krematorium bei erster Gelegenheit auch im heiligen Köln gebaut werden. Kamen doch noch e'nmal Zweifel, fo besänftigte man sie mit der Versiche- rung:„DaS Zentrum kann sich gar nicht weigern. ES hat sich ja durch die Annahme der Erbschaft f e st g e l e g t'. Aber eS kam doch ander«. Die jesuitische Dialektik deS Zentrums ist wieder einmal unterschätzt worden. Am Freitag hat eS einmütig den Bau des Krematorium« abgelehnt und den überraschten Liberalen seinen glatten Umfall wie folgt plausibel gemacht:„Von einem Um« fall, meine Herren, ist bei unS keine Spur vorhanden. Ms wir im Jahre 1907 für die Annahme der Erbschaft und damit für die Er- richiung eines Krematorium? stimmten, sagten wir unS im stillen: Den Spatz können wir uns leisten, denn in Preutzen wird die Feuer- bestattung doch noch lange nicht erlaubt. Darin haben wir unS leider getäuscht. Der preutzische Staal erlaubt jetzt den Gemeinden die Er« richtung von Krematorien. Wir aber haben keine Lust, von dieser Er- laubnis Gebrauch zu machen. Deshalb lehnen wir jetzt das Krematorium ab und zahlen die vor sechs Jahren angenommene Erbschaft von einer halben Million wieder heraus.' So geschah eS. Lieber verzichtet die Partei der christlichen Nächsten- liebe auf 500 000 M. für bedürftige Lungenkranke, als datz sie religiös Andersdenkenden gestattet, nach ihrem Gewissen über ihren Leichnam zu der- fügen. Mit brutaler Intoleranz nutzt nun schon seit Jahren da? Kölner RathauSzentrum feine Mehrheit auS. ES hält sehr schwer, sie zu brechen. Wegen deS DreiklaffenwahlrechtS und der Oeffentlichieit der Wahl ist es bisher nicht gelungen, auch nur einen einzigen Sozial- demokraten in das Rathau« zu bringen, obwohl daS Reichstags- Mandat in unserem Besitz ist._ ]Sach dem ßalhanknege. Schluß der Friedenskonferenz. London, 9. Juni. Die Friedenskonferenz hat heute, wie das Reutersche Bureau erfährt, ihre Sitzungen beendigt und die Delegierten haben sich endgültig ge- trennt, nachdem sie einstimmig eine von dem Serben Pawlo- witsch vorgeschlagene Resolution in folgender Form an- genommen hatten:„Bei der gemeinsamen Ausführung deS Artikels 7 des Friedensvertrages vom 17./3l). Mai 1913 haben die Delegierten der bei der Konferenz vertretenen Länder erkannt, daß man leichter zu einem endgültigen Ergebnis kommen würde, wenn der Friedensvertrag durch einzelne unter den beteiligten Regierungen abgeschlossene Akte vervollständigt würde. Infolgedessen haben sie beschlossen: 1. den verschie- denen Regierungen die Sorge zu überlassen, mit dem Ab- schluß solcher Akte untereinander einzeln vorzugehen, und 2. mit dem heutigen Tage die Konferenz zu schließen. Die internationale Finanzkommissio». Paris, 9. Juni. In der heutigen Sitzung der inter- nationalen Finanzkommiffion, die unter dem Vorsitze Jacquin de Nargeries tagte, wurde der bereits ausgearbeitete Entwurf für die Geschäftsordnung erörtert. Mehrere Artikel wurden vorläufig angenommen: die zweite Lesung wird in einer der nächsten Sitzungen stattfinden. Der bulgarische Delegierte Standciow ver- las im Namen der Balkandelegierten eine Erklärung, in der der Arbeitsplan für die Gegenstände, welche die Kommission auf Grund des Artikels sechs des Londoner Vertrages zu be- handeln hat, festgestellt wird. Der Präsident übergab dem Bureau der Kommission einen Brief des Verwaltungsrates der ilvtt« publigus ottomane über die in ihrer Interessen- sphäre liegenden Dinge. Der heute beratene Entwurf der Geschäftsordnung sieht eine Tagung der Kommission in verschiedenen technischen Aus- schüssen vor, die folgende Bezeichnungen erhalten werden: Ausschuß für die Schuld, Ausschuß für die Garantien, AuS- schuß für Konzcsstonen und Verträge und für die pekuniären Forderungen. Die Bureaus dieser Ausschüsse werden später ernannt werden. Der Entwurf der Geschäftsordnung setzt ferner die Zahl der Delegierten fest, die an den Beratungen in den technischen Ausschüssen teilnehmen können, und be- stimmt, daß die Beratungen der Kommission geheim sein sollen und daß die Urkunden nur mit Zustimmung sämtlicher vertretenen Regierungen bekannt gemacht werden dürfen. Giigaim. DaS Kabinett TiSza. Budapest, 9. Juni. DaS Kabinett de« Grafen TiSza ist heute neu gebildet worden. Graf TiSza übernimmt das Präsidium. Der Abgeordnete Johann Sandor wird Minister des Innern. Graf Serönyi Ackcrbauminifter. der Abgeordnete Baron Emmerich Ghillany Minister s latsro. Der gemeinsame Finanzininister, Baron Burian, und die übrigen Minister deS Kabinett« Lukacz verbleiben im neuen Kabinett. Der Minister für Kroatien, Slavonien und Dolmatien ist nock nicht ernannt. Die Minister werden sich dem Abgeordnetenhause am Donnerstag vorstellen. ftarnkmcb. Die Beratung des Gesetzentwurfs über die dreijährige Dienstzeit. Paris, 9. Juni. Tie Kammer nahm heute die Be- rotung des Gesetzentwurfes über die dreijährige Dienstzeit wieder auf. T i s s i e r setzte seine Rede fort und sagte etwa: Wir wissen ja, daß die Völker zu beiden Seiten der Vogesen den Frieden brennend wünschen, und daß jetzt allein die Parlamente für den Krieg entscheiden können, aber wir kennen auch die chauvinistischen Aufregungen und sind entschlossen, alles zu tun. um eine starke Armee zu besitzen. Aber einig über dieses Ziel, sind wir verschiedener Meinung über die Mittel dazu.(Beifall bei der äußersten Linken und einem Teile der Linken.) Redner bestritt die Behauptung Lefevres. daß Frankreich zwei Milliarden Frank weniger als Deutsch- land für seine Armee ausgegeben habe: vielmehr habe das Parlament in den letzten vierzig Jahren dem Kriegsministe- rium 28 Milliarden bewilligt, während Deutschland nur 27 Milliarden ausgegeben habe. Die französische Marine habe zehn Milliarden gekostet, die deutsche nur fünf. Kriegs- minister Etienne, den Redner unterbrechend: Frankreich hat 1871 mehr als zwei Milliarden ausgeben müssen, um die Armee und ihr Material wieder herzustellen, während das siegreiche Deutschland seine Waffen sich bewahrt?a8e: Lefevrs habe also recht gehabt zu sagen,. Deutschland hätte über zwei Milliarden mehr als Frankreich für die Armee ausgegeben. T i s s i e r plädierte ausführlich für starke Armeereserven und verwarf Berufsarmeen. Er tadelte die Gegnerschaft des Kriegsministeriums gegenüber den Reservisten und fügte hin- zu, der Kriegsminister sei stets von Anhängern alter Tradi- tionen umgeben.(Der Kriegsminister ruft dazwischen: Das ist eine Fabel.) Tissier hielt sein? Behauptung aufrecht und übte an der Art. wie die Mitglieder des obersten Kriegsrats ernannt würden. Kritik, woraus sich Rede und Widerrede mit dem Kriegsminister ergab. Tissier fuhr fort, die deutsche Gefahr bestehe nicht allein in der Kriegsgefahr, sondern auch in dem wirtschaftlichen Kampfe, der Frankreich zugrunde richte, und wenn man nun noch zweihunderttausend junge Leute mehr in die Kaserne schicke, so würden zum größten Teil Fremde ihre Plätze in dem französischen Wirtschaftsleben einnehmen. So würde Deutschland seine Kolonie rn Frank- reich bald noch blühender sehen. Er fügte hinzu, man müsse die Offiziere zu fleißiger Arbeit antreiben.(Widerspruch,) Kriegsminister Etienne sagte, in keinem Lande arbeiteten die Offiziere mehr als in Frankreich.(Beifall.) Tissier erklärte zum Schlüsse, alles Gewünschte für die Verbesserung der zweijährigen Dienstzeit� und der Re- serven bewilligen zu wollen, aber nicht die dreijährige Dienst- zeit, die eine schwere und obendrein unnötige Bürde für das Land darstellen würde. Bei IIa t(Radikaler), vor schwachbesetztem Hause sprechend, meinte, wie Lefevre, daß Deutschland den über» raschenden Angriff anwenden werde: er fei aber kein Freund davon, sich rückwärts zu konzentrieren oder nur mit Hilfe der Festungen Widerstand zu leisten, und man dürfe den Krieg nicht mit einem Rückzüge eröffnen. Der Gegenentwurf von Jaurös über die Milizarmee sei ja sehr interessant, aber entspreche nicht den Erfordernissen der. Gegenwart.. Er halte die dreijährige Dienstzeit für das Maximum der militärischen Leistungsfähigkeit Frankreichs, aber nebenher müsse das Land auch wirtschaftliche Anstrengungen machen. Der Republikaner und Sozialist Au gagneur warf der früheren und gegenwärtigen Regierung vor, nicht nur durch eine zügellose Propaganda, sondern auch dadurch, daß sie den Schrecken vor der Stärke Deutschlands ausbeutete, einen Druck auf die öffentliche Meinung ausgeübt zu haben. (Beifall auf der äußersten Linken.) Der zugestandene Grund für die dreijährige Dienstzeit sei das deutsche Heer, die heim- lichen Gründe seien, der Wunsch zum Gesetz von 1995 zurück- zukehren, das Mißtranen gegen Reservearmeen, und die. An- hänglichkeit an Berufsarmeen sowie endlich die Expedition nach Marokko. Der Redner glaubt, daß eine zweijährige Dienstzeit genüge. Redner legte den Nachdruck darauf, daß der Generalstab stets ein Gegner des Gesetzes von 1995 ge- blieben sei. Er befragte dann Mcssimy über die Nutzbar» machuug der Reserven im Balkankriege. Messt my antwortete, daß in Bulgarien allerdings nur eine Stimme sei über die außerordent« lichen Dienste, welche die Reserveregimen» ter geleistet hätten, aber erst nach 29 Tagen im mobilen Zustande, auf türkischer Seite hätte man dasselbe festgestellt. In den ersten Tagen hätten die Reservisten sehr schlecht standgehalten. eS würde somit eine große Torheit sein, Reserveregimenter schon vom zehnten Mobilmachungstage an an die Front zu bringen, da sie dann erst seit drei oder sechs Tagen rhren Kriegsformationen angehörten. Es wäre usi- möglich, sie vor Ablauf von 29 bis 25 Tagen in der Schlacht zu verwenden.(Beifall im Zentrum und bei einem Teil der Linken.) Messimy fuhr fort, er habe seit 1993 seine Meinung geändert, weil er erst seitdem mehr militärische Erfahrungen gesammelt habe. Damals hätte er gewünscht, daß Frankreich mit gutem Beispiel bei der Herabsetzung der Militärausgaben voranginge. Frankreich habe dieses Beispiel gegeben und von 1999 bis 1995 sein Militärbudget nur um fünf Millionen Frank vermehrt. Die Budgets der Nachbarn aber wären in derselben Zeit um dreihundert Millionen gestiegen. Da somit Frankreichs Beispiel nicht befolgt worden sei. müsse eS seine militärischen Anstrengungen in irgendeiner Form erhöhen. um nicht durch die Ueberzahl erdrückt zu werden.(Lebhafter Beifall im Zentrum und einem Teil der Linken.) Augagneur erwiderte, der Balkankrieg beweise be» sonders, daß das ganze Volk Waffen tragen müsse.(Beifall bei einem Teil der Linken und auf der äußersten Linken.) Fortsetzung der Debatte morgen. Letzt* ffoebriehten. Die Homerule Bill. London, 9. Juni.(W. T. B.) Unterhaus. Heute begann die zweite Lesung der Homerule Bill, die mit der vom Oberhaus in der letzten Sitzungsperiode abgelehnten Bill übereinstimmt. Premierminister ASquith führte aus, daß die Bill in der ver» gangenen Session von der großen Mehrheit de? HauseS unterstützt worden sei, die Wahlergebnisse seit Einbringung der Bill im vorigen Jahre hätten keinen Beweis geliefert, daß das Urteil, daß das Unterhaus damals aussprach, von der Mehrheit der Wähler gemiß- billigt worden sei. Die Abgeordneten auS Ulster seien zum größten Teil für die Homerule Bill. Er unterschätze die Bedeutung der Opposition in Ulster nicht, er frage, ob eS einen Ausweg oder einen Plan gebe, der mit der allgemeinen Politik der Bill im Einklang stehe, um das Gefühl der Feindseligkeit zu beseitigen. Er müsse eS aber ablehnen. Ulster das Recht zuzugestehen, gegen eine Forderung der überwiegenden Mehrheit des irischen Volke» sein Veto einzu- legen. Die Verleihung der Autonomie werde in Irland da! Gefühl der Verantwortung und den Geist der Toleranz wecken.— Der frühere Führer der Konservativen, Balfour, empfahl Ablehnung der Bill. Die Abstimmung wird morgen abend erfolgen. Eine serbische Drohnote. Belgrad, 9. Juni.(23. T. 23.) Nach übereinstimmenden Berichten der serbischen Blätter ist zwischen dem Minister- Präsidenten Paschitsch und den Parteiführern ein Einver- nehmen dahin erzielt worden, daß von Bulgarien in bin- dender Form die Antwort auf die serbische Note bezüglich der Revision des serbisch-bulgarischen Bündnisvertrages ge- fordert werden soll. Sollte Bulgarien die Revision ablehnen, dann würde die Annexion der eroberten Ge- biete proklamiert werden. Schweres Antomobilunglück in Madrid. Paris, 9. Juni.(W. T. B.) AuS Madrid wivd gemeldet: Ein AutomobilomniöuS stürzte bei Durango von einer Brücke in den Fluß. Ein Reisender wurde getötet und 30 verwundet. Sozialdemokratischer Wahlvereln für den 4. Berliner Reichstagsvahlkreis. Dienstag, den 10* Juni, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. Z9: k�ortsetTunx Uer (ZEnerAl-Versammlung vom 27. �ai. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Verbands-Generalversammlung. 2. Beratung und Beschlußfassung über eingegangene Kreisanträge. 3. Verschiedenes. Ter Vorstand. 214/11« Tragt Absätze und Sohlen Continental Enorm haltbar Erhältlich bei fast allen Schuhmachern Deutscher Tabakarbeiter-Verbanii Kahlatelle Berlin. Mitglieder-Versammlung aller in der Zigarrenbranche beschäftigten Ar- beiter und Arbeiterinnen am Donnerstag, den 12. Jnni, abends'/«{) Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Generalversammlung in Heidelberg. Resercnt: Gauleiter H e n t s ch e I. 2. Anträge zu derselben. 3. Ausstellung der Kandidaten. Zigarrenarbeiter, Wickclmacher, Sortierer find besonders dazu eingeladen. Zigarrcnarbeitcr, Wickelmacher, Sortierer erscheint pünktlich und zahlreich, die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert es. Qle OrtsTerwaltong. Elegante Mn-Mn fertig u. naeh Mass Mark wöchentliche Teilzahlung. S.BOltUCll Frankfurter Allee 75 Sektion der Zigarettenarbeiter. Am Freitag, den 13. Juni 1313, abends 8 Uhr, findet in den Musiker-Sälen, Kaiser Wilhelm-Straße 18 m pt. eine Mitglieder- Versammlung der in der Zigarcttenbrauche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt. Tagesordnung: 1. Aufgaben unserer kommenden Generalversammlung. Referent: Kollege H e n t s ch e I. 2. Ausstellung der Delegierten zu derselben. 3. Branchenangelegenbeiten. Es ist Pflicht jedes einzelnen, zu dieser so wichtigen Versammlung zu erscheinen. Bie Scktlonsleltang. Deiitschn fttonsporlittlKiltr- Unbud. Bezirksvcrwnltung Grof?-Berlin. Mitglieder des Deutschen Transportarbeiterverbandes aus sämt- iichen Brauereien und Niederlagen Berlins und Umgegend! Donnerstag, den 12. Juni, abends 7>/, Uhr, im„G e w er ks ch a fts h a u s", Engelufer 16, Saal 2 u. 3: Sfaneben-Vertammlung Tagesordnung: 1. Unsere Lohnbewegungen im verflossenen Quartal. 2. Der paritätische Arbeitsnachweis sllr das gesamte Braugewerbe Grofi-BerlinS. 3. Wahl der Kuratoriumsmitglieder und deren Stellvertreter für unsere Organisation. 4. Mitteilungen.(35/14 Kollege»! In Rücksicht aus die sür jeden Kollegen äuherst wichtige Tagesordnung, ganz besonders durch die Neugestaltung des Arbeitsnach- weises, erwartet das Erscheinen jedes einzelnen Kollegen llls vrsnchenleltung. Deutscher MetallarFeiter-Verband Verwattungsketle Serlm N 54, limenkr. 83-85. Berwaltung: Kassierer: Arbeits», ichweis: Telephon: Amt Norden 1987. Ana Norden 185. Amt Norden 1239, 9714 Donnerstag, den IS. Juni, abends 8 Uhr: ZdonatsoerscStmnimiD der ßauansehläger lm.GewerkschaftShauS', Engel- User 15, Saal I. Tagesordnung: 119/12 1. Verbands- u. Branchenangelegenbeilen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen u. pünktliche!! Besuch erwartet__ Die OrtsverwaUung._ UnivcrsalFern�las isiz Ein billiges aber gutes Glas! luuiiiiiiiltiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniuiinTiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiMiiiiiiitti : 1 Mark: • a Hervorragande Lichtstärke, erzeugt durch Riesenlinsen außergewöhnlicher Qualität, zaubert Bilder von überraschender Plastik hervor. Enorme Helligkeit, welche noch beiDämmerungdiefixier. ten Gegenstände, wie durch einen Reflektor beleuchtet, deutlich erkennen läßt, macht unser Modell 1913 zum besten Universalglas fUrRelie, Sport, Thealer, Jagd etc. Zusenoung � erfolgt ohne jede Anzahlung f Tage aar Probe mit bedingungslosem RUcksendungsrechf Preis mit feldlädiHgem Etui and zwei Umhlngerlemen nur 36 Mark und 10°/« bei monatlichen Teilzahlungen von nur 0 Mark. Bei Nichtgefallen haben Sie nur die minimalen Portospesen zu tragen, verlangen S e Anilchtuendnog. Postkarte genügt. Bial&Freund, Postfach 120/553 Breslau II wöchentliche Teilzahlung q liefere elegante � Herren- i Noden| fertig und naeh Maßt � Garantie Ifir tadeJ- e losen Sita* Julius I Foblnn 1 Schneidermeister• I. Geschäft;« Gr. FiankUr 3(1.37': 6chuhpuh Servus das Beste ■''V:' I' ./HM-' II. Geschäft: Kein Laden Turmstr.lG' in. Geschäft:• Kottbusser Str. 14• . Nur 2. Etage• •......... mit Dosenöffner. In großen Dosen a 20 Pf. überall zu haben. Fabrik Chemische Werke Lubszynski& Co. Aktiengesellschaft, Berlin-Lichtenberg. H.Pfau, Direksenstraße 20 zwischen Babnhos Alepanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Lteserant sür alle Kranfenfaffen. Ökruckbsndaxen, Lelddlnden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Sinspensorlen, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«IrÄ 10-2. 5—7. Sonntags 10—12. Ziehung bereits 18. Juni I9I& Automobil- Pferde- EOSC Westfälische t? ätettc rie* mSSX Gewinne im Werte von Mk. 50• soböo l. Hzupircwloa: 1 Aatönobil— ML Lose aas-er. schied. Taoa. 5 � Porto und Litte 30 Pfg. extra empfiehlt o. veracedet 2. Hzoptgetrlnn: I Zweitpennee*= ML Qeoeral-Debit-----—- Qust. Pfordt© Essen-Babr oed alle durch Plakate kenntl. Verkaulutellen. Tod u. Teufel Reichci's Wanzen- Fluid ,, Radikal** tätet Mc tt'anzen auf der Stelle u. Ist absolut nicht steckend, ffl, 5« Pf.. L». 8 Reichere Schwaben- HP« zl al pul v er..PO n dr e Slartlnf*. unfehldar Nch-r zur Schwaben- AuSrottuna PS. SO l'f, I, Ü, Pfd. 4, Verstäuber 60 P|. u.?SPt t!tttrfl.6. Sprsthappar. 60Pf.u. 1.60....... ?e»elQ re»»Ie»e Vernlclttung der Srut. Uotten Hell oder 20 Jahren ala aleherer Wottenachutz bewährt, Pulver, unwgingllch, PS. 56 Pf.,t,Z.Pfd. 1 "Aether, wohlriechend, FL 75 Ps.,I.56u. Z.5I. RelgNei'» Zpeilslrnittel»-nd vsi, ungeheurer Stärke und Übermächtiger Wirkungskraft. Man kaufe r\ P A fh P 1 fk M n,ir in den"w■ I�BB Packungen u. meid© anwirk- ,im.9h�;n. Einzig echt™rd ÄXi Tod u. Teufel. fiÄt btto Reichel, Eisenbahnstr. 4. Anerkennungen tut aller Welt. Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Unger.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anweisung frei Ohne Zweisei die bequemste».wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in»Min. sort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Snlhäli Saiicylsäure u. indischen tzansextrafl.) Dn H# Unger jn WÜrZbUrg. Berlin(20 Pf.): Salomon• Apotheke, Eharlottenflrafie 54.— Greil- Apotheke, Barnimstr. 33.— Wo nicht, zu Haben: Rosen-Apotlieke, Wlirzburq iapte man. eiwa.9.Lusoforrn. anuerdanni auf diiTBelr. /Stelle odep mache Umschläge mii 5%. hösang. ; Echt nup in grdnen Flaschen mii >vxißßep ümhdJlang voaO,65MK«nu. lllftAtillll Erstklassig! Unsere Marine' 9 Pfg. CigareFFe Ceorg A.Jasmal"2ii Akk. Ges. Dresden Orößle deutsche Cigarekhenfabri'- er ■*tm QualitäU Btteuho. SUMi.: Wfrch Wietep»,««LSll». JnsgrawKetl vertmtw.: Td.Glmte.VckU». Druck u. Berlag:«orwärt» Buchdr. u. verlagsanstal« Gatll stnger 4 Eo., IBerlm SW. HierAit 8«ellgäe«■'n,UM:bnlt"nHf st. 143. 30. MM, 1. Jjfiiiijje des Lmiirts" Kerliner Pslksdllllt. UeM,i«.z.niisi3. Keicbstag. 1S7. Sitzung. Montag, den S. Juni 1913, nachmittags 3 Uhr. Am Bundesratstisch: L i s c o. Bei der Beratung eines Gesetzentwurfs betreffend Aenderung zweier Reichstagswahlkreise, die dadurch notwendig geworden ist, daß das Großherzogtum Sachsen und das Herzogtum Sachsen-Meiningen durch Staatsvertrag einen Gebietsaustausch vorgenommen haben, der einige Gemeinden im 3. Wahlkreis des Großherzogtums und im 2. des Herzogtums be- trifft, bespricht Abg. Baudcrt(Soz.) das thüringische Kleinstaalelend und die üblen Folgen der dort vorhandenen staatlichen Zersplitterung. Es besteht bei uns der . dringende Wunsch, nach einer baldigen weiteren Abrundung nicht nur der Reichstagswahlkreise, sondern auch der gerichtlichen Zuständigkeit. Auch in der Verwaltungsgerichtsbarkeit macht sich die Zersplitterung höchst unliebsam bemerkbar.'Wir begrüßen also jeden Schritt zur Vereinheitlichung und fordern endliche Beseitigung des Kleinstaats- elends, das ein schweres Hindernis für den Befreiungskampf des Volkes darstellt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Lcutcrt(Soz.): Wir begrüßen den kleinen Fortschritt, den die Vorlage bringt. Aber man hätte bei diesen beiden Kreisen nicht Halt machen sollen. Wenn schon einmal an eine Aenderung der Reichstagswahlkreise gegangen wird, sollte sie allgemein erfolgen. Aber an dieses große Reformwerk traut sich die Regierung nicht heran.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Gesetzentwurf wird angenommen. Es folgt die Beratung eines Gesetzentwurfs betreffend Aenderung des Schutzgcbietsgcsetzes, wonach die Befugnis zur Verleihung der Rechtsfähigkeit an Vereine im Schutzgebiete vom Bundesrat auf den Reichskanzler übertragen werden soll. Abg. Dr. Scmler(natl.) wünscht, daß auch die Kolonialgesell- schaffen ebenso behandelt werden sollen, wie Vereine, die ihren Sitz in einem Schutzgebiet haben? es ist nicht einzusehen, warum die Kolonialgesellschaften bei Gesuchen um Verleihung der Rechtsfähigkeit den umständlicheren Weg über den Bundesrat auch in Zukunfr ein- schlagen sollen, und beantragt die Ueberweisung des Entwurfs an eine Kommission. Abg. Dr. KÄz«r(§.), v. Böhlcndorff-Kölpin(k.) und Dr. Wald- Pein(Vp.) stimmen dem Antrag auf Kommissionsberatung zu. Abg. Noske(Soz.): Durch die Ueberweisung an eine Kommission wird die Erledigung des Entwurfs um Monate hinausgeschoben werden, denn die An- regung des Abg. Semler muß sehr genau geprüft werden. Die Verleihung der Rechtsfähigkeit an Kolonialgesellschaften ist deshalb dem Bundesrat übertragen worden,"damit die be- treffenden Kolonialgesellschaslen und ihre Verhältnisse gründ- lich geprüft werden. Trotzdem sind eine ganze Reihe schwindelhafter Kolonialunternehmungen entstanden. Es besteht daher auch jetzt noch die Notwendigkeit, die Verleihung der Rechts- fähigkeit an diese Gesellschaften nicht zu erleichtern. Die Kommissions- beratung lehnen wir natürlich nicht ab; aber allen Versuchen, dem Kapital noch fesselloser die Möglichkeil zu geben, sich in Schwindel- Unternehmungen auf die Kolonien zu stürzen, darf der Reichstag nicht nachgeben.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Entwurf wird an eine Kommission von 14 Mitgliedern ver- wiesen. Es folgt die Beratung eines Gesetzentwurfs, der Entschädigungen für Schöffen und Geschworene festsetzt. Staatssekretär Dr. Lisco empfiehlt den Entwurf. Abg. Pens(Soz.): Wir begrüßen mit großer Freude diesen längst überfälligen Gesetzentwurf, denn wir wünschen die Mitwirkung aller Stände an der Rechtspflege. Das Gesetz bemüht sich, dahin zu wirken, daß man von einer Klassenjustiz nicht mehr soll reden können. Schon bisher konnte man Arbeiter zum Schöffen- und Geschworencnamt heranziehen, ebenso ihre Vertrauensmänner— aber das geschah nicht, wohl aus Rücksicht auf diese Stände.(Heiterkeit bei den kleines feuilleton. Die Literatur im Buchhändler-Katalog. Die kleine Gloffen- zeitschrift.Der Zwiebelfisch" notiert aus dem Kataloge einer sehr angesehenen Berliner Buchhandlung folgende Perlen des Geschmacks und Stils: „Avenarius.Hausbuch deutscher Lyrik"—.Müßte in jedem Haushalte"(I) zu finden sein." D e h m e l.IM ausgewählte Gedichte'—„Ein bekanntes Buch für jedermann, erübrigt sich wohl weiterer Empfehlung." Ernst„Asmus Sempers Jugendland"—.Was Humor betrifft, findet sich alles darin vereinigt." Wörishöffer.Urwald und Wüstensand"—.Die Oede und Undurchdringlichkeit sind darin so richtig beleuchtet."(!) Bj ö rns o n„Gesammelte Werke"—„Ein Kommentar erübrigt fich wohl infolge der Reichhaltigkeit seines Wissens." GanghoferS„Gesammelte Schriften"—„Unübertroffen werden GanghoferS Werke bleiben in unserem Leben." Ibsen.Sämtliche Werke"—„Sollren nie in einem Heim(!) fehlen." Wir stellen der.sehr angesehenen" Buchhandlung die folgenden Katalognotizen ohne Honorar zur freundlichen Verfügung: Goethe„Faust".— Das Beste, wo man hat. Heine„Gedichte".— Was die Liebe betrifft, ist Heine prima. Zola„Nana".— Dies Buch gehört der Hausfrau! Der bekannte Budapester Dichter, der auch bereits ins Französische über- fetzt ist. erweist sich hier als erstklassiger Kenner des Weibes. Blumenthal-Kadelburg„Gesammelte Schwänke".— Daß beide Firmenmhaber Millionäre geworden sind, beweist wohl am besten die Solidität des Geschäfts. Herwegh„Lieder eines Lebendigen".— Was den Titel be- trifft, so sieht man, daß der Dichter noch am Leben ist. Der Inhalt ist dementsprechend. Daniel Sanders.Sprachbriefe".— Das Buch handelt von der Muttersprache und bedarf es für einen gebildeten Menschen wohl keiner weiteren Empfehlung. Kunsthändler und Ausstellungsleiter. Die schlimmen Erfahrungen. die die Sezession mtt ihrem Eassirer als Leiter gemacht hat, scheinen den Kölnern nicht aufgestoßen zu sein. Wenigstens hat der Kölnische Kunstvcrcin Herrn Cassirer zum künstlerischen Organisator seiner Ausstellungen berufen. Das Gefühl für gewisse Dinge scheinr in Deutschland unter dem Druck der kapitalistischen Umwertung völlig verloren zu' gehen. Ein Händler, der diese oder jene Künstler an der Hand hat und darum poussieren muß. ein Händler. der diese oder jene alten oder neuen, erst noch zu lancierenden Meister im Keller hat— ivird zum Leiter von öffentlichen Ausstellungen berufen. Das heißt alle Objektivität von vornherein in die Wüste jagen und dem Kunsthandel neue Trümpfe in die Hände spielen. Warum soll Herr Easfirer nicht auch vw Rationalgalerie dirigieren— oder Herrn Bode ablösen? Schließ- Sozialdemokraten.) Wir wünschten, daß dies nun endlich geschähe. Würde denn die von un§ geforderte Wahl der Volksrichter ihre Un- Parteilichkeit gefährden? Die Wirksamkeit der gewählten Gewerberichter beweist das Gegenteil!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Heute kommen gerade höchst geeignete Männer nie zum Amt eines Volksrichters, angeblich aus wirtschaftlichen Motiven. Dieser Grund wird ja durch dieses Gesetz beseitigt— wenn auch dann nicht das ganze Volk zu den Aemtern der Schöffen und Geschworenen heran- gezogen wird, so wird das das beste Argument für unsere Forderung der Wahl sein!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Höhe der Entschädigungen soll ja der Bundesrat festsetzen— aber das müßte in durchaus gleicher Weise für alle geschehen— nicht wie jetzt bei den Zeugengebühren, je nach den Einkommensverhältnissen des Betreffenden. Die Vorlage ist eine Erfüllung alter Wünsche von uns und an- deren Parteien. Man erkenne doch an diesem kleinen Gesetz, wie gut es ist, unseren Anregungen schnell zu folgen. Wir freuen uns über des Staatssekretärs Zugeständnis, daß durch die Heranziehung der Arbeiter wertvolle Kräfte für den Justizdienst gewonnen werden. So ist es mit all unseren Forderungen nach voller Gleichberechti- gung aller Staatsbürger.(Bravo! bei den Soz.) Staatssekretär Dr. Lisco: Die Tagegelder für Schöffen und Geschworne werden für alle gleich sein. Abg. v. Calkcr(natl.) begrüßt die Vorlage ebenfalls, würde aber von der Wahl der Schöffen und Geschwornen Hineintragung der Politik ia die Gerichtssäle befürchten. Bei der Auswahl der Schöffen und Geschwornen dürfen politische Rücksichten keine Rolle spielen— auch bei der Aufstellung der Urlisten sollten diese völlig ausgeschlossen bleiben.(Sehr wahr! links.) Für dieses wichtige Amt muß auch jeder Zeit haben; die Justizverwaltung follte darauf hinwirken, daß nicht nur„Geeignete" ausgewählt, sondern daß nur Ungeeignete ausgeschaltet werden. Das Gesetz und eine solche Praxis werden das Vertrauen des Volkes zur Rechtspflege erhöhen. (Beifall links.) Abg. Schedlbauer(Z.) bedauert die bisherige Fernhaltung der Arbeiter vom Amt des Schöffen und Geschwornen. Die Vor- würfe, die von angesehenen Juristen immer wieder dem Laien- richtertum gemacht Iverden, sind vollständig unberechtigt. Abg. Holtschke(k.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu dem Entwurf. Abg. Warmuth(Rp.) desgleichen. Abg. Pcus(Soz.): Alle bürgerlichen Parteien erklären sich jetzt für das Gesetz, sie haben aber bisher zumeist nichts getan, um Arbeiter zur Rechts- pflege heranzuziehen. Die Politik soll im Gericht schweigen I Das hat seinen guten Sinn, indem man es dahin versteht, daß die Befangenheit durch politische Gesinnung im Gericht keine Rolle spielen darf, aber das Wirken verschiedener politischer Anschauungen in gegenseitiger Abmessung und Ausgleichung kann uns nur nützlich sein, während das Vorhandensein nur einer politischen Richtung der Klassenjustiz Vorschub leistet. Wie wichtig wäre es bei Streikprozessen, daß auch die Auffassung der organi- siertcn Arbeiter mitspräche, statt daß inan in jedem Streikenden einen Revolutionär erblickt. Sehr wesentlich wird es sein, ob auch noch nach der Verabschiedung dieses Gesetzes die politische Gesinnung des Staatsbürgers ihn vom Richteramt ausschließen wird. Dann werden wir auch viel schärfer kontrollieren können, als das geschieht, während man jetzt allerlei angebliche Rücksichten vorschieben kann.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Calker(natl.) erklärt nochmals, daß Politik bei der AuS- wähl der Volksrichter keine Rolle spielen dürfte, nur muß der Be- treffende sich den Tatbestand unbeeinflußt vergegenwärtigen können. Wahl der Richter würde sie politisieren. Der Entwurf wird angenommen. Es folgt die erste Lesung eines Gesetzes, das bestimmt, daß Wechselrechte, die im Ausland infolge der Erlassung von Moratorien nicht vollstreckt werden können, trotzdem nicht er- löschen, sondern nur für die Dauer des Moratoriums ruhen. Der Entwurf wird einer Kommission von 14 Mitgliedern über- wiesen. Hierauf vertagt fich das Haus. Präsident K a e m p f schlägt vor, die nächste Sitzung auf DienS- tag 2 Uhr festzusetzen mit der Tagesordnung: Kurze Anftagen, Be- ratung der Wehrvorlage. Abg. Dr. Spahn schehen habe. M e w e s-Falkenhaaen schließt sich bezüglich der Maifeier dem Porredner an. Bezüglich des Verhaltens der Reichstagsfraktion zur Wehrvorlage redet er von„allgemeinem Befremden", woraus Wels erwidert, daß Aeußerungcn eines einzelnen Parteiortes doch nicht verdienen, als solche der Allgemeinheit bezeichnet zu werden. Man könne zur Fraktion das Zulrauen haben, daß in ihr der Nieder- schlag der Energie des Volkes konzentriert sei und sie diesen mit aller Tattraft betätigen werde. In ihr sei der beste Wille Vorhan. den, alles zu tun. was gegen die Heeresvorlage unternommen werden könne.(Beifall.) Angenommen wird eine Resolution des Genossen Liebknecht, die zur Landtagswahl feststellt, daß das preußische Dreiklassenwahl. recht seine gemeingefährliche Aufgabe, den Volkswillen zu strangu- lieren, bei den jetzigen Landtagswahlen wiederum erfüllt habe. Der Wahlrechtskampf des preußischen Proletariats mußte ge. gebenensalls auch unter rücksichtslosester Anwendung der stärksten außerparlamentarischen Mittel geführt werden. DaS belgisch« Proletariat wird durch die Resolution zu seiner ausgezeichneten Führung des Wahlrechtskampses auf? wärmne beglückwünscht. Zur Jugendbewegung werden zwei Resolutionen angenommen, die zur Förderung derselben durch Bildung von Kommissionen zu planmäßigerer Aufklärung auffordern. Die zweite Resolution ist für den deutschen Parteitag bestimmt, sie lenft die Aufmerksamkeit aus die notwendige Aufklärung der weiblich e n Jugend und fordert vom Parteivorstand hierzu, daß er größere Mittel zur Ver- fügung stellt... m. Die Generalversammlung nahm hierauf«in Referat des Ge- nossen Georg Schmidt über die L a n d a r b e i t e r f r a g e im Kreise entgegen; alsdann wählte sie als Delegierten zum Parteitag in Jena die Genossen Stahl und Fielitz. Die Wahl des Kreisvorstandes, der Kommissionen und Revisoren ergab die ein- stimmige Wiederwahl der bisherigen Genossen. Die nächste Krcisgeneralversammlung soll in Hennigsdorf ab- gehalten und so einberufen werden, daß es möglich jsi zur bereit? bekannt gegebenen Tagesordnung des deutschen Parteitages Stellung zu nehmen.... Um 5� Uhr wurde die Generalver,ammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Den Polsdamer Genossen dankt der Vorsitzende für die prächtige und sinnreiche Ausschmückung des Saales und den Arbeitersangern für ihr stimmungsvolles Be. grüßungslied._ Generalversammlung des deutschen Knndes für Mutterschutz. Unter dem Vorsitz. dcS Herrn Sanitätsrats Rosenthal-Breslau begann am 8. Juni im Architektenhause die Generalversammlung des deutschen Bundes für Mutterschutz. Der erste Redner, Sani- tätsrat Dr. Alexander, ein Arzt der alten preußischen Schule, de« hanoelte die Frage der„Beeinflussung des Rückgangs der Geburten". Er wies auf die Wehrvorlage hin. mernte. daß wir keine Ursache hätten, höhnisch auf Frankreich herabzusehen. da auch hier bei uns trotz zunehmender Eheschließungen die isc- burtenzahl zurückgehe. Es gerieten dabei nationale Politik �uno soziale Politik einander ins Gehege. Es sei zugegeben, daß«i kinderreichen Familien größere Sterblichkeit herrsche.. müsse das Wohl des Jndiviouums hinter das Staatswohl surua- treten. Sinken der nationalen Stärke bedeute Rückgang der wo• macht. Weiteres Sinken der Geburtenzahl, denn relaiwe Einschränkung fei ins Auge zu fassen, bedeute weniger b e i t e r. Schon heute kämen alljährlich zirka 356 666 Land. Jeder davon nähme ungefähr 2 60 Mark mit nach tpcmie. ES handele sich also nicht nur um die Heersrage, sonoern�es ipwie auch die Kapitalfrage in dieses Gebiet. Die wirtschattl'chen llr- fachen seien keineswegs allein auSfchlagge�d. mcht an erster Stelle. Der Ruckgang habe bei uns sejt Jahren emge. etzt, durch KonzeptionSverhütrnngSmittel und �? chlesische Aerztekammer mache die„moderne �rauenhewegung verantwortlich für den Geburtenrückgang. Die waren zu vergnügungssüchtig geworden, wollten kein« S�nerzm.�&e"- Auch der Arbeiter von heute habe denken gelernt, er habe daourch zweifellos an Bildung zugenommen, aber auch vwle schädigende Ansichten eingesogen,(fr wolle sich nicht mehr für ern große Kinderza'hl abrackern. So denke auch die Arbeiterfrau. Auch die nicht ins Erwerbsleben gedrängte Frau wolle nicht viele Kinder haben, sie putz« sich lieber, amüsiere sich lieber, sie wünsche die Aborte, und das ethische Gefühl stumpfe somit bei Mann und Frau ab. Auch die Geschlechtskrankheiten spielten eine Rolle. Ihre Ein- schränkung würde größere Geburtenzahl bewirken. Das Schlimmste aber seien ihm die Sexualannoncen, von denen er zum Beispiel im„Breslauer Generalanzeiger" zwölf in einer Nummer gefunden, auch die„Jugend" und andere Blätter klagte er an. Die sozialdemokratischen Zeitungen und die konservativen brächten diese Inserate nicht oder verschwindend wenig. Pro- spekte von Versandhäusern wie die Margonal-Kom- pagnie seien zu verwerfen. Dann zögen auch zahlreiche Hausiererinnen im Lande umher, die den Frauen Mutter- spritzen und ähnliche Gegenstände verkauften; vor allen Dingen hätte daS Bilzsche Buch, das in 1 0VO OOö Exemplaren abgesetzt worden wäre, wegen seiner Kapitel über Geschlechtsange- legenheiten sehr geschadet. Es mühten mehr G e b ä r a s y l e an- gelegt werden, in cenen keine Nachforschungen angestellt würden, die Humanität müsse einsetzen, die Verbrechen mindern. Der Redner wünschte ein Gesetz gegen die Sexual- annoncen. Vorgehen gegen die Antikonzep- tions mittel, gegen die Kurpfuscherei. Es sei natio- nale Pflicht, die zum Teil unverständigen Frauen vor Ausbeutung ihrer Gesundheit und ihres Geldboutels zu schützen. Ter zweite Redner, der Statistiker Dr. Silbergleit, nennt den Geburtenrückgang das Gespenst der Negation. Die Hygiene des Kindes sei allerdings in den Vordergrund getreten. Es gebe Säuglingsfürsorge, Schulfürsorge. Dazwischen klaffe noch die Lücke:„das unbeaufsichtigte Kind". Bei unseren 65 Millionen Einwohnern habe die Geburtenzahl 1816 auf 31 pro pausend gestanden. Diese Zahl war verhältnismäßig imnier höher. In den SOer Jahren hätten allerdings niedrigere Zahlen eingesetzt, aber nach dem Kriege 1871 begann die Zahl sehr zu steigen, erreichte 1876 die Höhe 42. Stand dann auf 41 in den Wer Jahren. Leise Abnahme begann in den 8l)er Jahren, sank im Jahre 1911 aus 36,2 und 1912 auf 28,7. Das bedeute eine Ab- nähme um fast ein Drittel. Ostpreußen hatte z. B. 1849 noch die Geburtenzahl 52, im Jahre 1911 nur noch 32. Der Vergleich mit anderen� Ländern sei schwer, weil manche Länder Zamn eine Ge- burtenzählung hätten, andere, wie England, erst spätere Geburten- anzeige, so daß die vor Anmeldung Gesrorbenen schon zu den Tot- geborenen gerechnet würoen. Tie österreichische Geburtenzahl sei 34. Tie Valkanvölker hätten besonders hohe Ziffern. Ruß- land habe 196S die Geburtenzahl 44 aufzuweisen gehabt. Die Slawen freuten sich noch harmlos des reicben Kindersegens. Die Geburtenzahl Italiens sei 33. Frankreich habe 1916 nur noch 19,7 aufgezeigt. Die Großstädte differierten natürlich stark mit dem flachen Lande. 1916 hatte beispielsweise Berlin die Geburtenziffer 23,5, Themnitz, Düsseldorf 21. Es geht eben ein Denken durch die Köpfe und ein Willen durch das Denken, konstatiert der Statistiker, der nur für eine relative Beschränkung zu haben ist. Der Min- derung der Sterblichkeit sei eine Grenze gesetzt, die Bedeutung de? Ersatzes bleibe bestehen und die Geburtenpolitik habe zu be- ginnen. Wenn 1W8 85 660 Knaben weniger geboren seien als 1964, so gebe das eben einen bedeutend geringeren Soldaten- Zuwachs für den betreffenden Jahrgang. Die Abnahme der Ge» burten zeigte ein deutliches Gepräge. Die ehelichen Geburten nehmen ab, die unehelichen halten sich auf gleicher Höhe. Die frühere eheliche Fruchtbarkeit in Berlin sei z. B. von 246 pro Tausend auf 96 gesunken. Liege Degeneration vor? Höchstens bei jugendlichen Arbeiterinnen ließe sich das vielleicht nachweisen. Die Geschlechtskrankheiten kämen allerdings auch beim Geburtenrückgang in Betracht, weniger der Alkohol. Das Beispiel der Reichen habe auf die Arbeiter gewirkt. In der Hauptsache aber machte der Statistiker im Gegensatz zu Dr. Alexander die wirtschaftlichen Zustände als Ursachen des Ge- burtenrückgangs geltend. Die Berufsarbeit der verheirateten Frauen, die Teucrungszeiten und das Wachwerden der Arbeiterin, die nicht nur Dienstbote oder Sklavin des Mannes sein wolle. Auch ErbschastSrücksichten lösten den Willen der Geburtenrückgänge aus. Von gesetzlichem Vorgehen gegen die AntikonzeptionSmittel verspricht er sich keine Hilfe. Er fordert Bekämpfung der Säug- lingssterblichkeit. Bessere Wirtschaftspolitik. Weg mit der Teuerung. Besonderer Schutz der Mutter, jeder Mutter, weg mit dem Pharisäertum. In der Diskussion geißelte Dr. Bornstcin die politischen Vor- gänge: Wehrvorlage usw., lobte die Intelligenz der Berliner Ar- beiterschaft, betonte, daß die Slawen nur unter dem Kommando der Kirche so viele Kinder in die Welt setzen, geißelte besonders daS von der Regierung verlangte Zölibat der Staatsbeamtinnen und tadelte die fast vollständige Abwesenheit der großen liberalen Berliner Presie bei der Tagung. Ein anderer Redner schlug vor, daß sich die Wehrvorlage danach richten solle, ob der Zahler ver- heiratet sei und wie viele Kinder er habe. Einige Frauen traten für die falscherweise angeklagte Frauenbewegung ein. Eine von ihnen erzählte, daß in Frankreich zufolge des Verbotes der Nach- forfiAlng nach der Vaterschaft jährlich Hundertc von deutschen Maochen und Frauen unehelichen Kindern daS Leben geben. Sie versprachen immer, wiederzukommen und die Kinoer später zu holen, aber sie blieben in der Regel alle fort. Also Frankreich vermehre sich zum Schaden Deutschlands. Außerdem wurde die Wohnungsfrage, die Bodenreform verschiedentlich in die Debatte geworfen. Verbani'stllg der Hlitarbkiter. Der Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und-arbeite- rinn«n Deutschlands hält gegenwärtig in Berlin seine elfte ordent- lichc Generalversammlung ab. Sie wurde am Montag im Gewerk- schaftShaus« eröffnet.— Nachdem die einleitenden Geschäfte erledigt waren, erstattete der Verbandsvorsitzende M e tz s ch k e- Ältenburg den Bericht des Vorstandes. Der Redner verwies auf einen Beschluß der vorigen General- Versammlung, der im Beisein der verstorbenen Genossin Jhre'r als Vertreterin des Verbandes der Blumenarbeiter gefaßt wurde und dahin geht, daß die Verschmelzung mit dem Verbände der Blumcnarbeiter und anderen berufsverwandten Verbänden sympa- tdisch� behandelt werde, aber»och verfrüht sei, jedoch sollten die Vorstände der beteiligten Verbände die Verschmelzungsfrage weiter verfolgen und ihrer Lösung entgcgenführen.— Infolge dieses Beschlusses so führte der Redner aus— habe der Verband der Bluinenarbeiter einen Entwurf für die Verschmelzung ausgearbeitet und in seiner Generalversammlung 1911 beschlossen, sich mit dem Verbände der Hutarbeiter zu verschmelzen, mit der Gencralver- sammlung dieses�Verbandes 1913 gleichzeitig zu tagen und dann in gemeinsamer Sitzung endgültig über die Verschmelzung zu bc- schließen.— Nach dem Beschluß des Blumcnarbeiterverbanocs habe sich die Dresdener Filiale des Lutarbcitcrverbandcs gegen die Ver- schmclzung ausgesprochen, weil sie mit Rücksicht auf die immer stärker werdende Zahl der Strohhutarbeiterinnen verfrüht sei.— Hierauf habe der Derbandevorstand sämtliche Filialen deö Hut- arbeitcrverbandes aufgefordert, zur Verschmelzungsfrage Stellung zu nehmen. Das Ergebnis der Stellungnahme sei das gewesen, daß sich von den 44 Filialen de» Verbandes nur 2 für die sofortige Verschmelzung erklärten, während die übrigen 42 Filialen sich zwar nicht gegen die Verschmelzung aussprachen, sie aber als noch ver- früht erklärten. Ties Ergebnis sei den Blumenarbeitern mitgeteilt worden mit dem Ersuchen, einen Vertreter zur gegenwärtigen Generalversammlung der Hutarbcitcr zu senden, auf der sich ent- scheiden werde, od die Verschmelzung erfolgen werde oder vertagt werden solle. r, Infolge des Beschlüsse» der vorigen Generalversammlung habe Wh der Verbandsvorstand in der Verschmelzungsfrage auch an den Verband der Kürschner gewandt. Aus der Antwort gehe hervor, "»D di« Kürschner die VerschmclzungSsrage noch nicht diskutiert haben und noch nicht feststehe, ob sie der Verschmelzung geneigt seien oder nicht. Angesichts dieser Sachlage habe der Verbands- vorstand die Sache nicht weiter verfolgt. Er halte es auch nicht für angebracht, wegen der Verschmelzung noch weiter bei anderen Verbänden anfragen zu gehen. Hoffentlich werde dem Verschmel- zungsplan nun Zeit gelassen werden, sich in aller Ruhe auszureifen. Hinsichtlich der Agitation und der EntWickelung des Berufes führte der Redner aus: Im Jahre 1916 waren im Berus beschäftigt 8666 männliche und 17 666 weibliche Personen. Im Jahre 1912 waren es 9666 männliche und 21 666 weibliche Personen. In der Strohhutindustrie stieg in den drei Jahren die Zahl der Arbeiter von 3466 auf 3666, die der Arbeiterinnen von 12 666 auf 15 666. 66 Proz. der Bcrufsangehörigen sind in der Strohhutindustrie be- schäftigt. Mindestens die Hälfte der Strohhutarbeiterinnen sind Heimarbeiterinnen. In den übrigen Branchen war die Zunahme der Arbeiterzahl verhältnismäßig gering. Das bedeutet aber keinen Stillstand der Produktion, denn besonders in der Haarhut- und Wollbutindustrie ist die Produktion durch Zunahme der Maschinen- und Teilarbeit enorm gesteigert.— Im Herbst und Winter findet ein starker Zustrom von unorganisierten Arbeitern und Arbeite- rinnen nach den Hutfabriken statt. Auf die Gewinnung dieser Massen ist das Schwergewicht in der Agitation gelegt worden. Seit 1916 ist die Mitgliederzahl von 8171 auf 11681, also um 2917-- 35 Proz. gestiegen. Die Zahl der männlichen �Mit- glieder stieg von 5156 auf 5829, die der weiblichen von 3615 auf 5259. Die ersteren haben sich um 16, die letzteren um 42 Proz. vermehrt.— Die Steigerung der Mitgliederzahl könnte weit höher sein, wenn überall mehr Wert auf die Erhaltung der Mitglieder im Verband, auf die Hauskassierung und die wöchentliche Verteilung des Fachblattes gelegt würde. Wo die Hauskassierung eingeführt ist, war die Fluktuation nur gering. In den letzten drei Jahren wurden 334 Lohnbewegungen teils mit. teils ohne Streik geführt. An den Bewegungen waren 16 635 Personen beteiligt. Für 5666 Beteiligte sind etwa 566 6ÖÖ M. an Lohnerhöhungen und für 3812 Beteiligte� Zuschläge_ für Ueber- stunden erreicht worden.— Als eine auffallende Erscheinung be- zeichnete es der Redner, daß bei den Lohnbewegungen die Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit fast ganz fehlte. Das erkläre sich daraus, daß die Hutindustri« ein Saisongewerbe sei, in dem viele Wochen Arbeitslosigkeit herrsche. Andererseits müsse aber fest- gestellt werden, daß in vielen Orten der Schluß der Arbeitszeit am Sonnabend in den ersten Nachmittagsstunden durchgesetzt worden sei, ohne daß die Arbeitszeit an den anderen Wochentagen verlängert worden sei. Die Arbeitslosigkeit habe einen großen Umfang erreicht. � In den letzten drei Jahren seien unter den Mitgliedern 22 766 Fälle mit 665 423 Tagen Arbeitslosigkeit verzeichnet. Die durchschnitt- liche Arbeitslosigkeit pro Mitglied betrug im Jahre 1916 14% Tage, 1911 17% Tage. 1912 28% Tage. Die meisten Arbeitslosen kommen auf die Strohhutarbeiterinnen. Sie würden meist am Schluß der Saison entlassen, beim Beginn der neuen Saison nicht wieder eingestellt. Tie Fabrikanten stellen dann mit Vorliebe Unvrgani- sierte ein und die Verbandsmitglieder bleiben arbeitslos. Der Verband betrachte es als seine Aufgabe, diesem Uebelstande ent gegenzuwirken. Den Kassenbericht gab der Kassierer S i e f e r t- Altenburg. In den drei Jahren der Berichtszeit hatte die Verbandskasse eine Einnahme von 623 621 Mark, eine Ausgabe von 518 733 M.. also einen Ueberschutz von 164 883 M. Für Unterstützungen wurden 333 854 M. ausgegeben. Für Kampfzwecke wurden 56 616 M. verwandt. Das Verbands- vermögen ist von 178 686 M. auf 282 968 M. gestiegen.— Die Jnvalidenkasse verzeichnet eine Einnahme von 24 831 M., eine Ausgabe von 36 873 M. Die Frauensterbekasse hatte 15 165 M. Einnahmen und 11682 Ausgaben. Unter Hinzurechnung der Be- stände dieser Kassen stellt sich das Gesamtvermögen der Hauptkasse auf 339 713 M. Grassow- Luckenwalde erstattete den Bericht des Ausschusses, der sich aus eine Anzahl von Beschwerden ohne allgemeines Interesse erstreckte. In der Diskussion, di« sich gleichzeitig aus alle drei Berichte erstreckte, wurden Einzel- heiten ans der Verbandstätigkeit besprochen und Wünsche hinsichtlich der Agitationsarbeit ausgesprochen. Es wurde gewünscht, daß die früher geführten Lohnstatistiken wieder ausgenommen werden, damit sicheres Material für Verhandlungen bei Lohnbewegungen geschanen werde. Die Redner, welche zur Verschmelzungsfrage sprachen, meinten, die Verschmelzung sei auch jetzt noch nicht zeitgemäß. Ein Dresdener Delegierter beantragte, die Verschmelzung zu ver- tagen. Stach den Schlußworten der Referenten wurde dem Vorstand und dem Ausschuß Entlastung erteilt. Als über den Dresdener Antrag abgestimmt werden sollte, stellte der Vorsitzende M e tz s ch k e fest, daß der Vorsitzende des Verbandes der Blumenarbeiter eingeladen sei, auch zugesagt habe zu erscheinen, aber bis jetzt nicht erschienen sei.— Nun entstand die Frage, ob man die Abstimmung bis zum etwaigen Erscheinen des Vorsitzenden der Blumenarbeiter aussetzen solle. Da aber nicht bekannt war, ob er überhaupt erscheinen würde, stimmte die Vch:- sammlung sofort ab und beschloß dem Dresdener Antrage gemäß, die Verschmelzung zu vertagen. Hierauf behandelte die Versammlung den zweiten Punkt der Tagesordnung: Statntcnberatung. Die Erörterungen drehten sich zunächst um die Invaliden lasse. Sie ist eine besondere, von der Verbandskasse getrennte Einrichtung. Die männlichen Verbandsmitglieder sind berechtigt, aber nicht verpflichtet, der Jnvalidenkasse beizutreten. � Diese Kasse hat etwa 1266 Mitglieder. Sie ist in der gegenwärtigen� Ver- sassung nicht mehr lebensfähig, weil die Beiträge im Verhältnis zu den Leistungen zu niedrig und die Hälfte der Mitglieder schon bezugsberechtigt sind. Es handelt sich nun um die Frage, ob und wie die Jnvalidenkasse saniert werden kann, ob sie zu einer obliga- torischen Einrichtung gemacht oder ob sie aufgehoben werden soll. Diese Angelegenheit rief eine eingehende Debatte hervor, die am Schluß der Sitzung noch nicht beendet war. Hus der Partei. polüeilkliCB, Gmchtlichcs ufw. Zwei Urteile. 166 M. Strafe wegen Beleidigung der Direktion der Straßenbahn- und ElektrizitätSgescllschaft Königsberg erhielt Genosse Marckwald-Königsberg. Die Gesellschaft hatte im vorigen Jahre beim Streik der Siraßenbahner dem KönigSberger Magistrat wahrbeilSwidrig mitgeteilt, daß die Straßenbahner das Streikrecht verlangt hätten. In Wirtlichkeit hatte die Gesellschaft versucht, den Straßenbahnangestelllen das KoalitionSrecht zu nehmen. In der Stadlverordneienversammlung hatte M. deshalb gesagt, die Gesellschaft s-bwindle, was sie schwindeln könne. Und in einer Volks- Versammlung Halle er erklärt, die Gesellschaft habe wider besseres Wissen dem Magistrat Mitteilungen über den Dtreikgemackt. Einer der Direktoren. Dr. Krieger, vormals freisinniger Landlagsabgeordneler, hatte in Bezug auf Marckwald von einem Bubenstück gesprochen. Auf die von M. erhobene Widerklage wurde Direktor Krieger z u 2 6 M. Geldstrafe verurteilt. Huq Industrie und fjandel. Ueber die K.njunkturausfichten heißt eS in dem Wochenbericht der„Berliner Handels-Gefellschaft': „In den Berichten auS den industriellen Gebieten häufen sich die Symptome, welche auf eine Abschwächung der Kon- junktur hinweisen. Es wird immer klarer, daß die an die politische Beruhigung geknüpften Hoffnungen zunächst nicht in Er- füllung gehen. Man hatte vielfach damit gerechnet, daß unmittelbar nach Einstellung der Feindseligkeiten eine starke Erleichterung des Geldmarktes und ein neuer Aufschwung in der industriellen Tätig- keit eintreten werden. An Stelle des letzteren zeigt sich aber zu- nehmende Zurückhaltung des Handels und des Konsums; beide legen sich in ihren Bestellungen die größte Reserve auf, da sie mit einem weiteren Nachlassen der stark ins Weichen gekommenen Preise rechnen. So schmilzt der Auftrags- bestand bei den Produzenten immer mehr zusammen, und diejenigen Werke, welche sich nicht früher durch langfristige Verträge gesichert hatten, sind bereits nach neuer Beschäftigung auf der Suche, wo- durch die Unsicherheit der Marktlage natürlich noch verstärkt wird." Liebesgabe als Wehrbeitrag. Die Großhandelspreise zeigen zwar eine etwas sinkende Tendenz, aber die augenblickliche L�porttätigkeit scheint darauf gerichtet zu sein, die Preise im Inlands wieder in die Höhe zu bringen. Diese Politik kostet dem Volke viele Millionen. I» den ersten 4 Monaten des laufenden Jahres sind Zölle im Beirage von 51 173676 M. mittels Einfnhrscheinen beglichen worden, gegen 41 964 296 M. in der gleichen Zeit des Vorjahres und 38 857 236 M. in demselben Abschnitt 1911. Seit August v. I. bis Ende Mai d. I. sind bereits zirka 44 Millionen Mark als direkte Ausfuhrprämien auf Roggen gezahlt worden. Es betrug nämlich der Ausfuhrüberschuß fAustuhr nach Abzug der Einfuhr) für die Zeit vom 1. Augnst bis 31. Mai: 1916/11 1911/12 1912/18 Dz. Dz. Dz. Roggen..... 2 315 768 5 141 926 S 68i 436 Roggenmehl.... 1486 886 1236 912 1 845 642 Rechnet man mit einer durchschnittlichen Ausbeute von 66 Proz. für Roggenmehl, dann ergibt sich ein Ausfuhrüberschuß von ins- gesamt 8,7 Millionen Doppelzentner Roggen. Die Ausfuhrprämie muß von den Konsumenten getragen werden, sie dient sogar noch dazu, ihnen die Preise hinaufzuschrauben. Die„Begeisterung" für den Wehrbcitrag rechtfertigte doch wohl den Verzicht auf LiebeS- gaben. Wie war's aber, wenn die Ausfuhrprämie für da« Opfer auf des Vaterlandes Altar eingezogen würde? Da die Junker be- haupten, die Börsenjobber schluckten die Ausfuhrprämie, die Exporteure dagegen der Ansicht sind, die Großgrundbesitzer seien die glücklichen Empfänger, darf man wohl erwarten, daß sowohl die Vertreter des Handels, als auch die der Agrarier, der Ueberführung der Ausfuhrprämie an den Wehrfonds begeistert zustimmen werden. Oder sollte das ein Irrtum sein? Jedenfalls sollte man die Probe auf die patriotische Tragkraft nicht unterlassen. Die Welt-Rohseidencrute. Das Syndikat der Lyoner Seidenhändler gibt die Gesamt- Rohseidenernle für da? Jahr 1912 mit 267 466 Doppelzentner an. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß Ostasien in immer stärkerem Maße die Seidenproduktion beherrscht(1912: 73 Proz.). ES lieferte die Rohseidenernte Jahresdurchschnitt 1966-68 1969-11 1912 in Europa... 57 366 43 656 49 960 Doppelzentner in der Levante und Zentralasien. 31 146 29 336 23 666» in Ostasien... 138 346 167 876 194 566 Zusammen.,. 226 846 245 256 267 466» Beteiligt find an den ostasiatischen Lieferungen Ehina, Japan und Vorder- und Hinterindien. Die deutsche Salinenindustrie und ihre Arbeiter. Die Erhebungen über die Verhältnisse der deutschen Salz» Herstellung, soweit sie von Salinen betrieben wird, haben für da» Jahr 1911 folgendes Ergebnis gehabt: Nord- u.West- Süd- deutschland �'�ngen h�tschl. Zahl der Betriebe.. i.. 28 15 26 . Arbeiter..... 1 715 1 633 1 862 .„ pro Betrieb 61 69 52 Durchschnittl. Jahresvecdienst. 1 234 1 267 1 192 Wochenlohn.. 23,73 23.21 22,92 Wert der Jahreserzeugung..7 689 666 4 986 660 7 090 000 „„, p. Arbeiter 4 188 4 778 5 20« Es ist zu beachten, daß in dem Posten Löhne die Gehälter der Angestellten einbegriffen sind. Der eigentliche Arbeitslohn wird also noch niedriger sein. UebngenS bestehen auch inner- bald der oben summarisch zusammengefaßten ProduktionSgebiete erhebliche Lohnunterschiede. So wurden bezahlt in folgenden Salinebezirken: KS. Mark Im norddeutschen Salinebezirk.. 1201 23,10 „ osthannöversch- braunichweigi- scheu Salinebezirk..... 1379 26,52 , westfälisch- westhannöverschen Salinebezirk....... 1186 21,86 , Weserbezirk....... 1099 21,18 , sächsisch- thüringischen Saline- bezirk......... 1207 28,21 , mittelrheinisch> fränkischen Sa- linebezirk........ 1000 19,23 , lothringischen Salinebezirl.. 1665 26,48 „ badisch-sckiwäbischen und ober- bayerischen Salinebezirk... 1247 28,94 Ueber die Höhe de« Unternehmer„IohneS" wird nichts mitgeteilt. Doch darf man annehmen, daß er verhältnismäßig höher sein wird, als die elende Entlohnung der Arbeiter. Die rumänische Petroleumproduktion. Der rumänische„Staatsanzeiger" veröffentlicht eine Liste von 61 Rasfinerien. die im Jahre 1913/14 zusammen 57 549,4 Tonnen Leuchtöl an den Markt bringen sollen. An der Spitze steht die Steaua Romana mit 8478,1 Tonnen, also 15 Proz. der Gesamtproduktion. Mit weiteren 6 Rasfinerien wird sie 29 935 Tonnen produzieren. Elf Prozent der Firmen beherrschen also 52 Proz. der Produktion. Soziales. Unzulässiger Sonntagsdienst. Der frühere Portier Kuklinzki war von der Weltfirma Stoll- werk gegen ein monatliches Gehalt von 125 M. und mit monat» licher Kündigung angestellt und mußte dafür von morgens 6 Uhr bis abends 8% Uhr tätig fein. Der Kläger war am 19. Mai Plötz» lich entlassen worden, weil er sich geweigert hat, ohne besondere Bezahlung auch noch Sonntag» Dienst zu tun. Bei Abschluß de? Anstellungsvertrages war dem K. nichts von dem Sonntagsdienst mitgeteilt worden. Der Vertreter der Firma glaubte aber, eine solche Arbeitsleistung als selbstverständlich voraussetzen zu müssen. Der Kläger dagegen wurde in seiner Auffassung dadurch bestärkt, daß er des Himmelfahrtstage» wegen erst am 2. Mai anzutreten brauchte. Er hat auch an einem Sonntage und an den beiden Psingstfeiertagen seinen Posten auf Wunsch des Betriebsbeamten ausgefüllt, aber immer in der Voraussetzung, er bekomme die be» sondere Leistung exlra vergütet. Als er erfuhr, er irre sich hierin und ihm noch dazu eine Dienstordnung zugemutet wurde, die auch nicht einen einzigen Tonntag für ihn frei ließ, weigerte er sich und wurde kurzerhand entlassen. Gr klagt« nun vor dem hiesigen G»- Weichegericht auf 56 M. Restgehalt für Mai und ISS M. vi» zu« TOrauf der AiwdigMgSfrist, ermäßigte aber unnätigenveise gestern biese letztere Forderung um die Hälfte. Der Vertreter der Firma lieh sich jedoch auf einen Vergleich auf dieser Basis nicht ein, fon- dern erklärte, die Angelegenheit vor die nächste Instanz bringen zu wollen. DaS Gericht verurteilte die Firma zur Zahlung. Schriftlichkcit der Lehrverträge auch für Maschinenbetriebe. Herr Weise beschäftigte in seiner Maschinenschlosserei auch mehrere Lehrlinge, die in den verschiedenen vorkommenden Ar- beiten unterwiesen werden. Zwei der Lehrlinge wurden auch nach Slblauf des sogenannten Probemonats noch eine Zeitlang beschäf- tigt, bevor der Lehrvertrag schriftlich in der Weise abgeschlossen wurde, wie es Z 126b der G.O. vorschreibt. Nach Absatz 2 dieses Paragraphen ist der Lehrvertrag von dem Gewerbetreibenden oder seinem Stellvertreter, dem Lehrling und dem gesetzlichen Stell Vertreter des Lehrlings zu unterschreiben und in einem Exemplar dem gesetzlichen Vertreter des Lehrlings auszuhändigen. Diese Vorschrift sollte übertreten sein. DaS Landgericht als Berufungsinstanz verurteilte den An geklagten. Es verwarf seinen Einwand, daß sein Betrieb ein Fabrikbetrieb sei und daß deshalb Z 126b nicht Anwendung fände. DaS Landgericht erachtete für entscheidend, daß die Lehrlinge im Rahmen des Betriebes des Angeklagten zu den verschiedensten Teilarbeiten herangezogen worden seien und somit eine Handwerks- mäßige Ausbildung genossen hätten. Angeklagter legte Revision ein und wiederholte seinen Ein wand. Er machte geltend: Entweder sei der Betrieb ein Hand- werksmäßiger und dann fände 8 126b Anwendung oder der Be- trieb sei ein fabrikmäßiger und dann fände§ 126b keine An Wendung. DaS Kammergericht verwarf aber am S. d. M. die Revision. Es führte begründend aus: Der Einwand des Angeklagten sei verfehlt. Es könne dahingestellt bleiben, ob es sich um eine Hand- werksmäßige Ausbildung handelte. Auf jeden Fall habe es sich nach den tatsächlichen Feststellungen um eine Ausbildung im Gc werbe des Angeklagten gehandelt. Auch auf diesen Fall treffe der 8 126b der G.O. zu. Die Lehrverträge hätten darum nach den Vorschriften des§ 126b der G.O. schriftlich abgeschloffen werden müssen. Da es nicht geschehen sei, so sei Angeklagter mit Recht verurteilt worden. Gerichts-Zeitung. Das„Parteiprogramm" auf der Kranzschleife. Kränze für Märzgefallene hatte der Gärtner Gey in Berlin vor dem 18. März dieses Jahres im Schaufenster seines Blumen ladenS ausgehängt. Sie und die daran befestigten roten Schleifen mit Widmungsinschriften waren auf Bestellung angefertigt worden, aber bekanntlich tun Geschäftsleute auch bestellte Waren ins Schau- fenster, um ihre Leistungsfähigkeit zu zeigen und sich dem Publikum zu empfehlen. Geh, der gleichfalls nichts anderes als das beab sichtigt hatte, mußte sich gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mittc (142. Abteilung) verantworten, da die Polizei, sich durch die Wid- mungsinschriften beunruhigt gefühlt und die Aushängung als einen Verstoß gegen die Borschriften des preußischen Preßgesebes auf- gefaßt hatte. Es handelte sich um sechs rote Kranzschleifen, die nach Meinung der Polizei deshalb nicht hatten ausgehängt werden dürfen, weil die Inschriften nicht unter die durch§ g des Gesetzes ohne weiteres zur Aushängung zugelassenen Ankündigungen für gewerblichen Verkehr zu rechnen seien. Die Inschriften galten ihr als Plakate, und es scheint, daß sie in der Aushängung so etwas wie eine Demonstration gesehen hat. Der Amtsanwalt hielt die Auffassung der Polizei für richtig und beantragt« gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 20 M. Der Verteidiger Rechtsanwalt Kurt Rosen- fcld wies darauf hin, daß gegen Geh die Polizei bereits früher ähnlich vorgegangen ist. Damals sollte schon das ihn strafbar machen, daß die Schleifen der in seinem Schaufenster ausgehängten Kränze'rot waren. In jener Strafsache lernt aber das Gericht zu einer Freisprechung, weil in einem Arbeiterviertel eine rote Kranz- schleife schwerlich Anstoß erregen könne.' Daß auch diesmal das Gericht nicht verurteilen dürfe, legte der Verteidiger in längeren juristischen Ausführungen dar. Gey habe, um noch mehr Kranz- bestellungen zum 18. März zu erhalten, dem Publikum zeigen wollen, daß er Kränz« dieser Art und Schleifen mit solchen Wid- mungen zu liefern übernehme. Er habe mit der Aushängung nichts anderes getan als das, was jeder Geschäftsmann tue und tun dürfe. Das Urteil zu finden, schien dem Gericht einige Mühe zu machen. Erst nach reichlich langer Beratung konnte der Vor- sitzende verkünden, daß Gey schuldig gesprochen sei. Gegen einfache Kranzschleifen, auch wenn si« rot seien, lasse sich nichts einwenden, ebensowenig gegen kurze Widmungen, um die es sich in jenem früheren Prozeß gehandelt habe. Hier seien aber längere Texte gewählt worden. Eine Widmung, wie z. B.:„Sie haben uns genug gedrückt. Ein Feigling, wer sich dann noch bückt!" bedeute geradezu ein Parteiprogramm, daS Programm einer politischen Partei. Der Angeklagte habe, indem er solche Inschriften aus- hängte, nicht mehr einen nur gewerblichen Zweck verfolgt. Er habe zeigen wollen, was dieser Partei der 18. März sei, sagen wollen:„Lebt danach, handelt danach!" Mildernd sei zu berück- sichtigen, daß er wegen der früheren Freisprechung auch jetzt sein Verhalten für zulässig gehalten haben werde. Darum sei eine Geldstrafe von 3 M. ausreichend. ! Die auf schwindelhafter Basis erfolgte Gründung der„Berliner Erwerbs- und Bcrkehrsgescllschaft" hat zu einem gerichtlichen Nachspiel geführt, welches die 2. Straf- kammer deS Landgerichts II beschäftigte. Wegen Betruges waren der Kaufmann Philipp Lempp und der Techniker Ernst Eckmann angeklagt.— Der Angeklagte Lempp, der sich den Titel„Direktor" beilegt, gründete vor einiger Zeit in Gemeinschaft mit dem Mit- angeklagten Eckmanu unter der Firma„Berliner Erwerbs- und Verkehrsgesellschaft" eine G. m. b. H.. welche einen Schnelltransport von Schlachtvieh mittels großer Automobillastzüge einrichten wollte. Ferner war ein Unternehmen zur Aufzucht von Magervich und die Eröffnung eines großen Viehhandels auf dem Magerviehhof in Friedrichsfelde geplant. Trotzdem beide Angeklagte völlig mittel- los waren und schon den Oftenbarungseid geleistet hatten, wurde ein Automobillastzug von der Firma Bussing gemietet und der Betrieb der G. m. b. H. nahm seinen Anfang. Da keinerlei Bar- mittel vorhanden tvaren, nahmen die Angeklagten zu dem bei der- artig faulen Gründungen nicht mehr ungewöhnlichen Mittel des Kautionsschwindels Zuflucht. Um sich die Jnseratenkosten zu er- sparen, meldeten sich die Angeklagten auf mehrere Inserate von stellungssuchenden Personen. Den sich meldenden Personen er- klärte der„Herr Direktor", daß schon vier andere Automobil- lastzüge in Bestellung gegeben seien. Es wurden nun vier Personen als Inspektoren engagiert, die zusammen 1606 M. als Kaution stellen mußten. Der Betrieb mußte jedoch nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden, da sich die Firma Büssing den Autolastzug schleunigst zurückholte, als die Miete nicht mehr bezahlt wurde. Auf die Anzeige eines der Hereingefallenen wurde Lempp verhaftet. dann aber später, nachdem ein Verwandter die Beträge zurückgezahlt hatte, wieder aus der Hast entlassen, trotzdem es sich, da er schon Dreimal wegen Betruges vorbestraft ist, um Betrug im straf- schärfenden Rückfalle handelt.— Vor Gericht behauptete der An- geklagte Lempp, daß er zur Führung des Titels„Direktor" berechtigt sei, er sei der Gründer des„Deutschen Bauernbundes" und somit gleichzeitig auch der Vater des„Bundes der Landwirte". Er sei berechtigt auf Lebenszeit den Titel„Direktor des Deutschen Bauern- bundes" zu führen. Das Urteil lautete gegen Hempp auf 9 Monate und gegen Eckmann auf 3 Monate Gefängnis. Hus aller Melt. Graf Zeppelin in Wien. Das Luftschiff„Sachsen" ist gestern früh ö Uhr 30 Minuten in Baden-Oos unter der persönlichen Führung deS Grafen Zeppelin zur Fahrt nach Wien aufgestiegen. An Bord befinden sich außer dem Graf Zeppelin junior, Dr. Eckener, Kapitän Glund und Fahr- ingenieur Siegle. lieber dem Neckartal traf die„Sachsen" das in Friedrichshafen aufgestiegene Luftschiff„L. Z. 19", das auf der Fahrt nach Frankfurt begriffen war. Beide Schiffe tauschten Signale aus, worauf „L. Z. 19", der in der kurzen Zeit von 2 Stunden 20 Minuten von Friedrichshafen gekommen war, sich nach Norden wandte, während die„Sachsen", die die Fahrt über den Schwarzwald gleichfalls in der ungewöhnlich kurzen Zeit von 1 Stunde 10 Minuten gemacht hatte, dem Remstal zusteuerte. Um 8 Uhr 43 Minuten überflog die„Sachsen" Neuburg an der Donau und bald darauf Ingolstadt in einer Höhe von etwa 80 bis 90 Meter. Es flog in flotter Fahrt in der Richtung auf Regensburg weiter, flog 9 Uhr 43 Minuten an Landshut und um 10 Uhr an Landau an der Isar vorüber. Die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft des Grafen Zeppelin mit dem Luftschiff„Sachsen" hat in Wien Ueberraschung hervorgerufen, da man die Ankunft erst am 10. d. M. erwartete. Nach Eintreffen der Nachricht, daß das Zeppelinluftschiff bereits auf- gestiegen sei. begaben sich die Mitglieder des österreichischen Nero- klubs, der Flugtechnischen Gesellschaft und der Flugfeldgesellschaft schon in den frühen Morgenstunden nach Aspern, um in aller Eile die letzten Anstalten zum Empfange der„Sachsen" zu treffen. Das Luftschiff erschien um 2 Uhr 38 Minuten über dem Flug- felde von Aspern, von der inzwischen angesammelten Vieltausend- köpfigen Menschenmenge mit brausenden Hurra- und Hochrufen türmisch begrüßt. Um gegen den aus Nordwesten wehenden Wind landen zu können, machte das Lustschiff eine große Schleife in süd- westlicher Richtung über den Platz hinaus und kam dann in lang- samem, sicherem Fluge, sich allmählich immer mehr senkend, zu dem ür die Landung bezeichneten Platze. Hier ergriffen hunderte von Soldaten die Seile, welche von dem vorderen Teile des Lustschiffes herabgeworfen wurden. Brandstiftung in einem Lehrerseminar. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag brach gegen 1 Uhr nach einer von der„Oberrheinischen Korrespondenz" ausgegebenen Meldung im Lehrerseminar von Ettlingen an verschiedenen Stellen Feuer au?. Die Zöglinge konnten sich nur wenig bekleidet ins Freie retten. Im Zeichensaal und in dem unter ihm liegenden Waschsaal wurden verschiedene mit Petroleum getränkte Brandherde gefunden. Es gelang, das Feuer zu löschen, bevor es eine größere Ausdehnung angenommen hatte. Im Schlafsaal sind zwei Betten verbrannt. Der Schaden ist nicht erheblich. Es ist eine strenge Untersuchung eingeleitet worden, doch ist bis jetzt das Resultat noch nicht bekannt.__ Tie Suffragetten haben sämtliche Gebäude der Londoner Hurst-Park- Nennbahn in Brand gesetzt. Trotzdein die Feuerwehr sofort herbeigerufen wurde, gelang eS nicht, eine einzige Tribüne zu retten. Der Pavillon ivurde ein Raub der Flammen. Da man befürchtet, daß das Feuer im Laufe der Nacht auch die Stallungen ergreifen wird, hat man 'ämtliche Rennpferde ins Freie hinausgelassen. Eine furchtbare Feuersbrunft hat, wie aus New Jork gemeldet wird, aus Long Island gewütet und die Fabrikgebäude der Columbia Paper Box Company und das benachbarte Haus des amerikanischen Drogistenvereins fast voll- kommen zerstört. Das Feuer, das durch das Papier Nahrung erhielt, griff infolge des starken Windes mit rasender Geschwindigkeit um sich und schlug auf die chemische Fabrik des Drogistenvereins über, in der sofort mehrere Explosionen erfolgten. Die Feuer- garben erreichten zum Teil eine Höhe von 30 Meter. Die Löschung des Feuers bereitete bei der ungeheueren Hitze unsägliche Schwierigkeiten. 20 Feuerwehrleute, die vom Dache der chemischen Fabrik aus das Uebergreifen des Feuers verhindern wollten, stürzten mit dem Dachstuhl in die Tiefe. Sie erlitten zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Es gelang erst nach mehr- tündiger Arbeit, des Feuers Herr zu werden. Der Schaden ist enorm und beläuft sich auf über 5 Millionen Mark. Allein die Papierfabrik enthielt Dachpappe int Werte von 1 Million Mark, die ein Raub der Flammen wurde._" Kleine Notizen. Mord und Selbstmord aus Eifersucht. Der 36 jährige Bau- Unternehmer Harms aus Oberhausen überfiel heute vormittag in der Eintrachtstrahe die 30 jährige Emma Elze, mit der er ein Liebes- Verhältnis unterhalten hatte, und stach sie mit einem Taschenniesser in Hals und Pulsadern, fo daß der Tod sofort eintrat. Dann durchschnitt sich HarmS selbst die Pulsadern und mußte im hoffnungs- losen Zustande nach dem Krankenhause gebracht werden. Zwei Arbeiter tödlich, drei Arbeiter schwer verlebt. Ein Transport- wagen stürzte heute morgen in einem Hochosenwcrk von einer Schwebe- bahn in eine Gruppe von Arbeitern. Zwei Mann wurden tödlich, zwei andere schwer verletzt. Ein Dampfer im Nebel gestrandet. Der englische Dampfer „Orpheus", auf dem sich außer dem Kapitän noch 31 Mann Be- atzung befanden, ist bei starkent Nebel an der französischen Küste in der Nähe der Insel Ouessant aufgelaufen. Die Lage des Dampfers, der eine Ladung Korn mit sich führte, ist hoffnungslos. Die Mann- 'chast konnte mir vieler Mühe gerettet werden, während die Ladung völlig verloren zu sein scheint. Zwei zur Hilfe geeilte Schlepp- dampfer mußten unverrichlelec Sache wieder umkehren. Auf dem englische» Unterseeboot„E 13", das erst soeben der Admiralität übergeben worden ist, explodierte eine Maschine. Ein Mechaniker wurde getötet, 23 Mann schwer verletzt. Das Untersee- boot mußte in den Hafen geschleppt werden. Ein bulgarischer Major vergiftet. Der bulgarische Major Popow ist im Dorfe Pangäon von Griechen vergiftet ivorden. Marktpreise Vau Berlin am 7. Juni 1913, nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,24 bis 20,30, mittel 20.12—20,18. geringe 20,00—20,00. Roggen, gute Sorte 10,30—10.40. mittel 16,28—16,32, geringe 16,20—10,24(ab Babn). Futter. gcrste, gute Sorte 16,20—10,70, mittel 15,70—16,10, geringe 15,20—15,00. ' afer, gute Sorte 17.40—19,30. mittel 16,30— 17,30(srci Wagen und ad ahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,20— 15,50. Mais(runder), gute Sorte 15,10—16,00. Nichlftroh 4,40—5,00. Heu alt 6,60—8,20, neu 0,00. Ma rkthallenp reise. 100 Kiiagr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sveiscbohnen. weiße 30,00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Kartosseln(Klcmhdl.) 5,00— 8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.3(4—1.80. Schweinefleisch 1,40—2.00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,20— 3,00. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpjen 1,40—2,40. Aale 1.40— 3,20. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,60—2,80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,50, Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebse 3,00—60.00. Witterungsübersicht vom 9. Juni 1913. Stationen = 2 »=! n H ef Wetter r Swinemdc.j7K0sWNW| 4!bedeckt tamburg j 762 WSW 5 wolkig erlin|762'NW 1«bedeckt Franks. a.M 765 Still s bedeckt Mm'' b9S »" i? nSi ünchcn 1766,® J 2Regen Wien Stationen zaparanda �3 s« 745SW Zetersburg 757 WSW 768 W 754 WSW 769 NNW Wetter 6 bedeckt 2 heiter 3 heiter i 3i$unft 2 heiter ti 10 14 5 12 13 Sei II tj Aberdeen Paris 763WNW j 2)volkenl! 20 Wetterprognose für Dienstag, den 19. Juni 1913. Nachts kühl, am Tage wieder ewas wärmer, bei srisckici, westlichen Winden und veränderlicher Bewölkung, ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a u. S» Unserm Abteilungssiihrer Ci) Genossen Jritzjluf| die herzlichst. Glückwünsche � zum(ilcburtstage! 100a A Die Funktionäre der 29. Abteilung des 4. Berliner<§ Reichstagswahlkreises. ASSsSSAHtzHßOßH Todes-Anzeigen SozialdemokratiseherWablverein U Uerl. Reiebstagswaltreis. Görlitzer Viertel, Bez. 147. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, Karl ZiegBer Mariannenstr. 5, verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Tie Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 11. Juni, nach. mittags 4'/, Uhr. von der Halle des Thomas-Kirchboses in Neu- lölln, Hermannslratze, aus statt. Der Borstand. Am Sonnabend, den 7. Juni, abends 12 Uhr, entschlief nach langen, schweren Leiden mein innigstgeliebtcr Mann. unser Vater, Bruder und Onkel, der Gastwirt Otto �eurnarm im 42. Lebensjahre. Dies zeigt im Namen der trauernden Hinterbliebenen tief- betrübt an Zfi»«« �faric Xeumann. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den lt. Juni, aus dem hiesigen Kemeindc-Friedhos AU- Glienicke statt. Tie Leichenfeier beginnt um 3 Uhr im Trauerhause, Nieder- Schönewcide, Grün- auer Str. 3. 4Ä liede�cliöiiEWEiile. Am 7. Juni verstarb unser Ge- nosse, der Gastwirt Otto ISteurrmrm Grünauer Str. 5. Bez. III. Ehre seinem Andenken! Die Leichenfeier beginnt am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, im Trauerhause, Grünauer Str. 5. Um rege Beteiligung ersucht 202/6 Her Voinstauck. VErband der(reien Gast- und ScbankwirtE Deutschlands, Zahlstelle Ober-Schüneweide. Am Sonnabend, den 7. Juni, verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Kollege Otto Neunmrm. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den lt. Junt, nachmittags Doch, i 1 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Um rege Beteiligung bittet Idoi?■Voi-ataack. Danksag; 1111$;. Allen lieben Verwandten und Be- kannten sagen wir hiermit unseren tiesgesühlten Dank für die vielen schönen Spenden und die große Be- teitigung bei der Beerdigung meiner lieben Frau �.ama Siewert geb. Grosse. Berlin, 9. Juni 1913, 86A Otto Siewert als Gatte. Yerliand der ßueli- und Slein- dfuckepei-Usaplieltef [indAfbeitepinnen Deutschlands. Ortsverwaltnng Berlin. Am 8. d. MtS. verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied Villi RoHllovsk! im Alter von 23 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. Juni, nachm. 5'lf Uhr. aus dem Georgen-Kirch- Hof, Landsberger Allee, statt. 28/1 Die Ortsverwaltung. Am 6. Juni verschied in Buch nach langem schweren Leiden unser lieber Kollege, der Schrift- jetzer Max Wirth im 40. Lebensjahre. Ehr« feinem Andenke»! Das Personal der Bucbdruckerei A. Seydel& Cie. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Friedens- Kirchhofes in Nordend aus statt. Sagen hiermit allen Beteiligten, insbesondere dem„Verband der Böttcher", bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres treusorgenden Vaters unseren herzlichen Dank. Frau Ww. Kluck 35a nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Begräbnis meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Schraubendrehers Lmst Niche sagen wir allen Freunden und Be» kannten, insbesondere Herrn Lädt« für'die trostreichen Worte, sowie dem Gesangverein„Oberspree", den Kollegen der Firma Lüben u. Buhsc, dem Metallarbciterverbaud und dem Wablvcrein unseren herzlichsten Dank. Witwe ATiche und Kinder. Hiermit sagen wir allen Freunden und Bekannten sür die Teilnahme und die Blumenspenden beim Heim- gange unseres auf so traurige Art verunglückten lieben Sohnes und Bru- derS Walter Fischer unseren besten Dank. 1 l45b Emil Fischer u. Frau nehsf Kindern. Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, die meinem lieben unver- getzlichen Manne und Vater, dem Korbmachermeister Hennsnii Zimmer die letzte Ehre erwiesen haben, meinen herzlichsten Dank. JnSbcsonoere Herrn Melle sür die sinnreichen Worte am Sarge deS Entschlasencn, sowie dem Wahlverein, 14. Abteilung, 265. Bezirk, und dem Sparverein 1909„Ohne Not". 86A Witwe Olga Zliumer, Blumenftrahe 67. Kranzspenden sowie sämtliche ßlumcnarrangfcm ents liefert schnell und billig Panl Gross, lindenstr. 69, Tel.Mpl.7203. Hpeziaiarzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkrnnke jeder Art, Ehrlich Hat»> Kuren in Mtt.Co.konz. Laborat. s Blut- Untersuchung., Fäden i. Harn usw. fnainett 81, Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mäftig. auch Teilzahl. Separates Tamenzimmer. zi.ii, vrijtun;-piirn Dr. Homeyer r��'�kl ei h-J u ss> � u t l'tn(li Bordiert, gbicbridjftr. 115, ® v"mCranbTor. Tel. Nrd. 10654, Verl. Fiack-, Smoling-, Gchrockanzüge in verschied. Preislag. bis». elegantest. Genre. Sehr grotze AuSw. Mäh. Preise. H;& P. Uder,•e.SÄT. Tabak-GroUhan/z Uhr nach mittags mit anderthalbstiindiger Pause. Ueberstunden'werden mit 20 Proz. Zuschlag bezahl!. Ferner bringt der Vertrag sür die- jenigen Arbeiter, die im Wochenlohn stehen, eine Regelung der Aus- Icgung des Z 616 B G.-B. sowie anderweitige Bestimmungen zur Regelung der sonstigen Arbeitsbedingungen. Der Vertrag gilt vom 1. Juni 1913 bis 31. Mai 1916. Oeutlebes Reich. Ter Zentralvcrbaud der Glasarbeiter im Jahre 1913. Das abgelaufene Geschäftsjahr war für den Verband ein ziem- lich gutes, stieg doch die Mitgliederzahl von 17 863 auf 20 097; das ist der höchste Mitgliederstand seit Gründung der Organisation. Gleich den anderen Organisationen war auch im Glasarbeiter- verband die Fluktuation ziemlich bedeutend. Den 6286 Neuauf- nahmen stehen 4042 Abgänge gegenüber, so datz der wirkliche Ge- winn nur 2244 Mitglieder beträgt. Die Ursache dieser Fluktuation liegt zum grotzen Teil in der Eigenart des Berufes. Das Zwischen- meislersystem hemmt zum Teil den Fortschritt der Organisation. Dazu kommt, datz die Unternehmer die gelben Verbände stark prote- gieren, und da die Glasindustriellen meist sehr kapitalkräftig sind und ihre überlegene wirtschaftliche Macht die Glasarbeiter sehr fühlen lassen, hält die Furcht leider noch sehr viele Glasarbeiter ab, der Berussorganisation sich anzuschließen. Die Agitation für die gewerkschaftliche Organisation wird auch dadurch erschwert, daß viele Glasfabriken in entfernt liegenden ländlichen Orten liegen. Entsprechend der Mitgliederznnahme sind die Einnahmen der Organisation gestiegen. Die Gesamteinnahme betrug 484 429 M. An Unterstützungen wurden gezahlt: für Streitende und Gemäß- regelte 121 894 M., sür Arbeitslose 52 586 M., für Kranke 28194 Mark. Trotz beträchtlicher Ausgaben stieg das Verbandsvermögen um 102 551 M. auf 279 797 M. Befriedigend ist der Vermögens- bestand jedoch nicht. Den Glasarbeitern steht ein sehr kapital- kräftiges Unternehmertum gegenüber, das schon aus eigener Kraft lange Kämpfe führen kann. Dazu kommt noch, datz die Unter- nehmer sehr gut organisiert sind, nur ganz wenige Unternehmer stehen ihrer Organisation fern. Das allein schon müßte die Glas- arbeiter in die Organisation treiben und sie für deren ständigen Ausbau und Erstarlung sorgen lassen. Im Berichtsjahre wurden hartnäckige Kämpfe von oft sehr langer Tauer geführt. Es sanden sechs Angriffsstreiks mit 610 Beteiligten, 9 Abwehrstreiks mit 320 Beteiligten und 4 Aussperrungen mit 1159 Beteiligten statt. 3 von den 4 Aussperrungen entstanden aus Angriffsbcwcgungen; sie verliefen erfolgreich sür die Arbeiter. Autzer diesen Kämpfen wurden 39 Lohnbewegungen obne Zlrbcitseinstellung mit 3446 Beteiligten geführt und 5 Abwehrbewe, guugen mit 409 Beteiligten. Von diesen 44 Bewegungen hatten 32 vollen Erfolg, 10 teilweisen Erfolg, zwei waren erfolglos. Er, zielt wurden: Arbeitszeitverkürzung für 468 Personen mit zu, sammen 1432 Stunden pro Woche;; Lohnerhöhung für 3356 Per, sonen zusammen 5146?R. per Woche, außerdem sür 777 Personen anderweitige Verbesserung im Arbeitsverhältnis. -Auch Tarifverträge finden allmählich Eingang in diese In- dustrie. Abgeschlossen wurden 22 Tarife für 38 Betriebe mit 1897 Beschäftigten, init den noch bestehenden Tarifen sind 45 Tarife füh 340 Betriebe indirekt mit 5352 Beschäftigten in Geltung. War die Organisation somit durch die organisatorische Selbst, Hilfe erfolgreich tätig, so blieb ihr der Erfolg dort versagt, wo die Gesetzgebung in Frage kommt. Bekanntlich gehören die Glashütten zu denjeniigen Betrieben, in denen Jugendliche von 14 Jahren an bereits des Nachts arbeiten dürfen. Diese bundesrätlichen Aus« nahmebestimmungen waren 1912 abgelaufen und wurden dann bis zum«!. Llpril 1913 verlängert. Die Organisation hat in der Zwischenzeit alles getan, um der Regierung und dem Parlament klarzumachen, datz es dringend notwendig ist, der Jugend in den Glashütten größeren Schutz angedeihen zu lassen und wenigstens die Nachtarbeit zu verbieten für Jugendliche unter 16 Jahren. Es wurden vom Verbände Erhebungen veranstaltet, die in einer Bro- schüre veröffentlicht, krasse Fälle von Ausbeutung Jugendlicher fest. stellten. Doch die Bemühungen der Arbeiter waren vergeblich. Die Regierung gab dem Drängen der Unternehmer nach, es bleibt auch in Zukunft alles beim alten. Verboten wurde die Nachtarbeit Jugendlicher in den Weitzglas- und Flakonglashütten, wo eS aber schon jetzt fast keine Nachtarbeit mehr gibt. Die Regierung rannte mit dieser Bestimmung offene Türen«in. Wenn irgendwo noch Betriebe mit Wcchselschicht in dieser Industrie vorhanden sind, dann hat die Behörde das Recht, diesen Ausnahmezustand zu genehmigen. Die Glasarbeiter können hieraus lernen, datz nur durch die Or, ganisation eine Besserung ihrer Arbeits- und Berufsverhällnisse er- zielt werden kann. Meineidsaffärcn in der Arbeiterbewegung. Am Donnerstag, den 5. Juni, wurde aus dem Gefängnis zu Magdeburg der Böttcher Willy Zehner, ein sogenannter Streik- sünder, entlassen, wo er laut Urteil der Erfurter Strafkammer 1 Jahr und 3 Monate interniert war. Zehner und einige Metall. arbeiter waren während der Metallarbeitcrausfperrung in Thüringen im Jahve 1911 mit einigen Arbeitslvilligen in Differenzen geraten, wobei es zu einer Prügelei kam, an der sich Zehner— wie er vor Ge» richt entschieden betonte— nicht aktiv beteiligt haben will. Obwohl die Arbeitswilligen einen ausgesperrten Arbeiter so mitzhandelt hatten, datz er laut um Hilfe schrie, wurde keine Anklage gegen sie erhoben. Zehner wurde jedoch auf Grund der Aussagen des Arbeitswilligen- agenten August Büchel zu der oben ernmhnten hohen Strafe vcr- urteilt. Büchel vermittelte für die Wcltfirma I. A. John Arbeits- willige und fungierte in verschiedenen istreikprozessen als Kronzeuge. In der Verhandlung gegen Zehner behauptete er, datz ein Zeuge bei einer Prügelei zugegen gewesen sei. Dieser beschwor das Gegenteil: obgleich er seine Aussagen klar und bestimmt gemacht hatte, wurde er auf Antrag der Staatsanwaltschaft und auf Grund der Aussagen. des Arbeitswilligenvernnttlers sofort wegen Mein« cidverdachts in Haft genommen. Sechs Wochen lang mußte der Mann im Untersuchungsgefängnis verweilen. Doch schließlich gab ihn der Staatsanwalt frei, weil er einsehen mutzte, datz auch Ar» beitSwillige irren können. Datz die familiären Verhältnisse deS Mannes während der langen Haft zerrüttet und seine Ehefrau an den Rand der Verzweiflung gebracht wurde, sei nur der Vollständig. keit halber erwähnt. Doch bald sollte die Oeffentlichkeit über die moralische Qualifikation deS Kronzeugen B ü ch e l etwas Auf» klärung erhalten. Am 21. Februar 1913 wurde er vom Erfurter Schöffengericht wegen Betrug zu 75 M. Geldstrafe ver» urteilt. Büchel hatte nämlich bei der Prügelei eine AugenveL- letzung erlitten. Die Firma I. A. John gab ihm in Anerkennung seiner treuen Dienste als Arbeitswilligenvermittler 30 M., damit er die Kosten für die ärztliche Behandlung zahlen könne. Doch be- hielt der Agent das Geld für sich. Dieser Fall ist ein weiterer Be» weis dafür, datz ein Mensch, der die Interessen seiner Klassen. genossen so verrät, wie Büchel es getan hat, auch sonst kein Per» trauen verdient. Wie die Erfurter organisierte Arbeiterschaft über den Fall denkt, hat sie dadurch bewiesen, datz sie am Donnerstag- abend im GewerkschaftshauS unter starker Beteiligung eine Be- grützungsfeier für den aus dem Gefängnis entlassenen Zehner veranstaltete._ Ein Schwurzeuge der Scharfmacher. Die Meineidsschiebereiendes Maurermeisters William Pfeiffer, die in Halle das größte Aufsehen erregen und das Stadt- gespräch bilden, wurden am Sonnabendabend nach vier« lägiger Verhandlung vor der Strafkammer Halle a. S. vor» läufig zu Ende geführt. Erst Anfang Juli wird sich der Schwurzeuge gegen die Streikenden und für die Arbeitswilligen mit mehreren von ihm verführten Personen vor dem Schwurgericht � zu verantworten haben. Pf. erwies sieb in den Verhandlungen als ein Meineidsbaner schlimmster Sorte. Er hat zahlreiche von ihm abhängig gewesene Geschäftsleute durch Verleitungen und An- stiftungen zur Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen ungliick- lich gemacht, in Untersuchungshaft und inS Gefängnis gebracht. Mehreren winkt das Zuchthaus. Pfeiffer selbst soll.einem Freunde zuliebe" um ein Objekt von 32 M. einen Meineid geleistet haben. Er arbeitete aber nicht bloß in Meineidsverbrechen, sondern kaufte auch falsche Wechsel und fälschte Urkunden in be» trügerischer Absicht. Es war sür ihn nur eine Kleinigkeit, aus 50 M. 500 und aus 1000 M. 10 000 M. zu machen. Einem Geschäftsmann holte er rechtswidrig ein gepfändetes Schwein und zwei Sack Hafer aus dem Stalle. Tann ersuchte er eine Frau Stoye zu beschwören, ihr verstorbener Ehemann habe diese Taten begangen. Da Pf. in den Verhandlungen immer den Moralischen heraussteckte und sein gutes Familienleben so sehr betonte, hielt ihm der Gerichts- Vorsitzende sein Verhältnis mit einem jungen Mädchen vor. Er soll als verheirateter Mann mit dem jungen Mädchen intim verkehrt, dann als sich Folgen zeigten, Zeugen gesucht und diesen versprochen haben, gelegentlich eidliche Gegendien st e zu leisten. Ein Geschäftsmann, der Pfeiffers HeimathauS gekauft hatte, erklärte, als er einzog, habe er dort eine Animierkneipe mit Damenbedienung vorgefunden, wie sie schlimmer nicht gedacht werden konnte. Er habe sich geschämt, zu sagen, wo er wohnte und sich geekelt, mit Pfeiffer weiter in Geschäftsverbindung zu treten. Aeutzerst interessant ist eS, wie dieser Arbeitswilligen- und llnternehmerfreund den Meistertitel erlangte. Auf die Frage deS Vor- sitzenden, ob Pfeiffer auch Zeichnungen machen könne, entgegnete er, so recht wären ihm die Zeichnungen immer nicht gelungen. Der Staatsanwalt stellte fest, datz Pfeiffers Architekt Schotte ausgesagt Howe, er Schotte habe für Pfeiffer die Meister« Prüfungszeichnungen gemacht und Pfeiffer habe sich das Meister- diplom erschlichen. Pfeiffer, der am Donnerstagabend fünf Jahre Zuchthaus erhielt, wurde am Freitag und Sonnabend noch zu weiteren vier Jahren ZuchthauS-Zusatzstrafen verurteilt. Diese Strafen wurden vor« läufig zu einer Gesamtstrafe von sieden Jahren Zuchthaus mit Nebenstrafen zusammengezogen. Drei Mitangeklagte erhielten Ge« angnisstrafen. Pfeiffers 72 jähriger Vater wurde mit vier weitere» Angeklagten freigesprochen. ODO GDD ODO Thealer und Vergnügungen Dienstag, 10. Juni 1313. Ansang 7 Nkr. ttgl. Opernhaus. Die Walwre. Ansang VI, Mr. P rater. DaS Lummelmädchen. Ansang 7'/, Übt, König!. SchansPiclhauS. Die Zsabcnstelnerin. Urania. In den Dolomiten. Neues Opern(Kroll). Lohengrin. Aniang S Ubr. Lessing. Mit. Wen. Deutsches. Der lebende Leichnam. Uammerspiele. Kaiserliche Hoheit. Äerliner. Fiimzauber. Königgräker Strafte. Die sünf Frankfurter. Dchiller«. Beographie und Liebe. Schiller-Eharlotteub. Freiwild. Vlontis Operetten. Der lachende Ehemann. Deutsches Schauspielhaus. Der Dieb. Kleines. Professor Bernhard!. Deutsches Opernhaus. Der Frei- Komod�enhauS. Hochhcrrschastliche Wohnungen. Metropol. Die Kino-Kömgin. Thalia. Puppchen. Wintergarten. Spezialitäten. ReichShallcu. Stettiner Sänger. Ansang 8'/4 Uhr. Friedr.< Willi. Schauspielhaus. DaS Farmermädchen. LnstsPielhauS. Der luftige Kakadu. Luisen. Die Allwördens. Stos«. Der Traum ein Leben. Folies Eaprice. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 8'/, Ubr. Neues BolkStheater. König Kraule. Nollendorfplatz. mit der grünen Theater am Der Mann Maske. Ansang S Ubr. Admiralspalast. EiSballett: Flirt in St. Moritz. '.» Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— SL. 5M!!ek'-7deslöt'0.A«''.7n Dienstag, abends 8 Uhr: Ovoxraphte and Liebe. Mittwoch, abends 8 Uhr: Geographie and Liebe. Donnerstag, abends 8 Uhr: Freiwild. Schiller-Thealer Dienstag, abends 8 Uhr: Freiwild. Mittwoch, abends 8 Uhr: Haaemanns Töchter. Donnerstag, abends 8 Uhr: Geographie and Liebe. Berliner Theaier. s mr: Filmzauber. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. TbeateramKolIendorfplatz Allabendlich 3'/, Uhr: Oer Mann mit 6er xrünen Maske. Dentachea Schanapielhaaa 8 Uhr: Der Dieb. 7'/, Uhr: Lohengrina Mittwoch: Der Troinp. v. Säckingen. Donnerstag: Die Meistersinger. Frei- tag: Tannhäuser. Sonnab.: Tristan und Isolde. Sonntag: Der Troinp. v. Säckingen. Montag: Tannhäuser. Idmiralspalast- Angenehm kühler Aufenthalt. AUabendlioh das ct. erfolgreiche Eisballett Flirt In St. Moritz. Bis 6 ühr und von i.0'1, Uhr halbe Kassenpreise. Reatanrant I. Rangea. Wein- und Bier-Abteilung. iDiitis 6peretten-Theater (fr. Heues Thealer). Amt Norden 1141. Sommervreise. Gastsp. Jul. Spielmann. 8 Ubr: De« lachende Ehemann. pass�PaMptikom Die 3 Schwestern Liüput die kleinst. Schwest. der Welt. Der weltberühmte amerikanische R§egerSi0xer Andrea Johnson bei seinem Training. A rrn die schwebende .-Aga, Jnnelran! POy Allca lebend! Alles ohne Extra-iintree! Brauerei FriedfricWshain Am Königötor. Joden Dienstag. Oek.: Ernst Llebing. und Dsnnersiagnachmittag: Kaffee-Trei-Vorstellung der norddeutschen und Apollo- Jünger bei freiem Entrec. Freitags: Yrei-Kouzert. . MWelle SeliiülDßslifii'skg nFirlifWTlfaw am Schlesischen Bahnhos. Täglich ligste Dasipfer-Eitralatirte!!: 1 ffoltersd. Sebleose M H. lim Mliiiie 10 PL Goseoer Berge(Bert. Seliweizl IKÄÄ 40 Pf. Sflöiitags n°ch Woltersil. Scöleiise W fe k Hl. Äl Best. Kyffiiäaser. Dort jeden Donnerstag u. Sonntag Diilirär-Konzert u. Ball, stlööb i08e-inc�! Grog- Frankfurter Str. 132. Anfang 8'l, Uhr. Der Traum ein Lebe«. Auf der Gartenbühne: Achtung! FZ« geht lo»! Große Posse. Ansang 4'/, Uhr. Aketripsl-Liiester. Abends 8 Uhr Die Kino-Königin. Operelte in 3 Akten von Int. Freund und G. OkonkowSki. Musik von Jean Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. VetKt-TIiSfltSI' Badstrafte 58. Heule Dienstag, den 10. Juni 1313: Anf nach Amerika! Senf. Ges.-Burleske i. 5 Akt. v. Zappert. Vollständig neue Spezialitäten. Kassenöfsnung 2 Uhr. Ansang 41/, Uhr. | Neue Welt i A.Scholz. Hasenheide<08-114 Täglich Konzert und Vorstellung. Anf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Morgen Mittwoch, 11. Juni: Großes Kinderfest. u Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mark, von 6 ühr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. VolksgaHen- Theater. Badstr. 8. Bellermaiinstr. 20/25. • Konzert, TfieateF-nSpe- : zSaiitMorstelloiig. Heute: In laaschlger Macht. Originalposfe in 2 Alt. o. 33. Eehricke. Dazu das neue Svezialitäten-Progr., u. a. The Driginal 4 Damcits. Relehsliallen-Theater Stettiner Sänger. „SMe's Pfiagstfalrt' Berliner Burleske von Mejrsei. Anfang 8 Uhr. RerllnerlllR-Trio Adr.:.Neukölln w? Lohns tr. 741. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Ptg.(ruldstlg 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Sctalatstellen- Anzeigen B Pfa.j das erste Wort(fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr alt IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN fOr die nichste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis !2 Uhr, In der Haupt-Expedltlon, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Gardinen! Steppdecken l Portieren I Tischdecken! außergewöhnlich billig! BorwärtSleser 5 Prozent Rabatt extra I GardinenhauS Brüim, Hacke« scher Markt 4(Bahnhof Börse). Sonntags geöffnet. Pfanbleihhaus Hermannplatz 6. Spottbilliger Bettenverkauf. Wäsche- verkauf. Gardinenverkauf. Teppich- Verkauf. Goldwarenlager. Riesen- auSwahl Herwengarderobe. Sonntags- verkaus ebenfalls._ Wanderkarten und Bücher, Reise- führer, Kursbücher hält stets am Lager. Buchhandlung Vorwärts. Lindenftratze«6. Teppiche. sarbfehlerhaste, spott- billig, Gardinen, Portieren, Stepp- decken, halben Preis. BorwärtSlesern 5 Prozent Extrarabatt. Teppich- ThomaS, Oranienstrahe 126. 615K' Borjährige elcgameHerrenanzüge und PaletotS auS jeinsten Matzitosien 20— 40 Marl. Hoien 6—14 Mark. NeriandbauS Germania, Unter den Linden 21.' Tevptme!(>eiilerda,U) m allen Grogen. jasi sür die Häljte deS VetteS Tevvichlager Brünn. Hackelcher Markt 4. Bahndol Börse.(Leier deS »Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) GonmagS g-Ssinet!' Betteustand Ör- ftraße 70, im Keller. Brunnen- 1200R« Kinderwagen, Tellzahlung, Woche J,—. Klapp wagen I RieseiiauSwahl I spottbillig. MeiselSNachs., Warschauer- strafte 80._ 679.0' Grundbegriffe der Politil, von Friedrich Stampfer. Gebunden 3M. Buchhandlung Vorwärts, Linden- strafte 69 EinlausSbureau Weber- strafte 31. 7S6K» Zahngebisse, Goldsachen, Silber» iachen, Platinabsälle, sämtliche Metalle höchstzahlend. Schmelzerei Ehristionat, Kövenickeritrafte 20 a(gegenüber Monteufielfttafte). 59/1» Zahngebisse, Platinabsälle, Gold- elnkaus, Silber, Queckfilbcr, Stanniol Müller, 1104b» höchstzablend Schmelzerei Teltowirftrafte 10. Briefmarken, Münzen laust Groft- mann, Spandauerbrücke 2. 99/1» Fahrräderankauf, auch defekte, allerhöchste PreiSerzielung, Weber- straft- 42. 99/15» l�nterrickt. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird, englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebersetzungen an- aeserttgt. G. Swiemy- Liebknecht Ebarlollenburg, Stnttgarterplatz 9 Gartenbau« III. 44K» Auto-Fachschule(Ingenieur Scha- Piro), staatlich tonzesstoniert, mit großer Reparatur-Werfstälte, Berlin- Wilmersdorf, Berlinerftrafte 16. Tag- und Abendkurse. Honorar 100 Mark. I37ic» (> Pattsfeur-Ausbildung erstklassig und stellungSsicher. Verschiedene 4-Zylinder-Systeme. Honorar 100 Mk., auch Abendkurse. Kostenlose Empseh- lung. Große Reparaturwerkstatt. Köpenickersttafte 116. 731K» Versdiiectenes. SetvanbowStb-GesellschaslOuitzow. strafte IQa.__ t61» Vatriitanwalt Westei, Gttschmer- ftrape 94a Patrutanwalt Müller, Gttschmer- strafte 81._ 243SK» Kunst ftopferet Große Frankiurter- strafte 67. 2399K» Treptow. Ludwigs garten täglich Konzert. Kinderfest und Ball. frei.___ Wäschänstält Viktoria- Mittwochs Sonnabende _ 173* «r-jchke. Köpenick, ilVM' ökUpcniU, Parisiusstrage 18, liefert schneeweiße, im Freien gettockncte Wasche, vier Handtücher 0,10. Abhulmig Donners- tag«.____ 11506 Rascudlcichc, Frau Kubasch, Köpenick, Grünauer Sttafte 45. wäscht schoncndst, sauber. Laken. LeilWälche, vier Handtücher 0,10. KeinVertckhschen Abholung Donnerstags. U51b Höchstbclrihend. Pfandleihe. Schwedtersttafte 11._ 248/8*------------- Luchvruckeret u. Verlagsanstalt Baut Singer�ttCo� Verl'.n Zf/A, �Vohnunxen. Billige Zweizimmerwohnungen, Küche, Bad, Balkon, Vorderyaus 40,—, Gartenhaus 32.— ReiMcken- darf. Scharuweberitrafte 53, Sttaften- bahnhaltestelle. 601K» Umzugshalber Swbe und Küche vom 1. Juni ab zu vermieten. Weichselstrafte 7. f95 Zimtner. M öbliertes Lorderzimmer an besseren Herrn zu vermieten. Nissel, Frtedenstrafte 70, vorn II. 98/11 Schlafstellen. Möblierte Schlasstelle vermietet Frau Sparft, Schioelbcwcrstrafte 49, vorn III. f86, Möblierte Sd Möbiterte Schlasstelle, auch Dame Schützenstr 27 II. 1154b Alietszesuche. Zwei bis drei Zimmer mit direkt anstylieftendem Garten, wodcrnächster Nabe Berlins gesucht. Preisofferte ,E. B.'Ebarlottenburg, Sesenbeimer 1, .VormärtS*. fl03 Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Kunstschmied. sewständlgeSchlofler verl rngt Heinrich», Tempelhof. Ring. bahnstrafte 42. 1153b Tüchtige Zigarren-Pertteibende gesucht. Herren in Großbetrieben er« halten vorschuftloS Kommission; günstige Abrechnung«- Bedingungen. Offerten Z. 1 Hauptexpedition des .V orwärts'. 1146b Kcllerarbcttcr, nüchtern, sowie Kutscher und Mitfahrer sür GeschäslS- wagen verlangt. Offerlen A. Z.. Postamt 31. 745K Tüchtigen Kolonnenführer aus Treppengeländer, Fahrsuiblum- rabmungcn verlangt 5—7 Ubr M. Ruhland u. Co., Epauffccstr. 57. 99/14 K r. rtouzuschncider fürPosUar!»n. s.idr!!. Zuverlässiger und selbständig Arbeiter suwen Max Beck u. Co., Adaibertstrafte 59. 9—12__ Vlcureusenkniivfertnnen per- langen Gebr. Nelson, Leipziger Sttafte 71/72 ll44b* trliiiilig!»slAsdAtA. Wege» Streit oder Lohn- disterciizen iiud gesperrt: Bautischlerei Gehe. Raaho. Nsedomstr. 81. Das Berliner ArvcitSwilltg«p vermittciung-bnrcau b. gelbe« .Handivcrkcrschuvverl'ailbes«. Ärbeit�nachweis d. Stellmacher- inuung»»d der �iageusabri- kanten. Kaiser-Franz-Grenadier. Platz. Zuzug ist streng jernzuhalten. VI«(Irwvervaltuaz Serlln cks» Deutschen Hollarbeiterverbandes Br.l4B 30»«. Z.§t\\� DlMg" f ftBllft WlKSlllM.» 10 W 1913. Zum Candtag$wal)ll!ampf in Barnim. Das Niederringen der Junker in Mederbarnim-Oberbarnim ist eins der erfreulichsten Resultate aus der verflossenen Land- tagswahl. Die Zahl der sozialdemokratischen Wahlmänner stieg von 1908 bis 1913 von 588 auf 1989. Damit war nahezu die Mehrheit aller Wahlmänner erreicht. Zu wählen waren Wahlmänncr ini ganzen Landtagswahlkreise 2383. Zustande gekommen sind nur 2373 Wahlmännerwahlen. Nur 98 Wahlmänner fehlten also unseren Genossen an der absoluten Mehrheit. Bei den Abgeordnetenwahlen im Kreise Niederbarnim- Oberbarnim waren noch nie alle gewählten Wahlmänncr vertreten gewesen. Ein Zusammenschluß aller bürgerlichen Parteien war im Kreise ausgeschlossen. Selbst bei der Scheppschmach 1998 enthielten sich 169 der erschienenen liberalen Wahlmänner der Abstimmung. Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahr- scheinlichkeit rechneten unsere Genossen, daß bei der jetzigen Wahl mindestens 299 bürgerliche Wahlmänner sich der Abstimmung für ein konservativ-liberales Bündnis enthalten würden, gleichviel ob die Konservativen den Liberalen einen, zwei oder alle drei Sitze einräumen würden. Diese Erwartung gründete sich auf den tiefen Gegensatz zwischen Konservativen und Liberalen im Wahlkreise. Der Anschauungsunterricht, den die Konservativen durch ihren Tcrrorismus, der jede ihr nicht genehme Richtung verfolgt, und durch ihren Schein-„Patriotismus" erteilt, der jeden ehrlichen Bürger anwidert, und nicht zuletzt die un- ermüdliche seit Jahrzehnten betriebene Aufklärungsarbeit unserer Genossen berechtigten zu dieser Erwartung. Sie wäre erfüllt worden, auch wenn keinerlei Ab- machungen zwischen der Sozialdemokratie und dem Freisinn rücksichtlich anderer Wahlkreise getroffen wären. Die Stimmung im Kreise ging dahin: wir wollen die rote Fahne auch über dem Landtagswahlkreis aus eigener Kraft auf- hissen; nichts dagegen haben wir, wenn die liberale Leitung uns durch eine Parole unterstützt, die der Stimmung der Liberalen im Kreise durch Aufforderung zur Stimmenthaltung Rechnung trägt und gleichzeitig dazu beiträgt, in anderen Kreisen ein halbes oder ganzes Dutzend Konservativer aus dem Landtag zu jagen. Bei der Wahl am 3. Juni stimmten die acht demokratischen Wahlmänner von vornherein für die beiden an erster Stelle nominierten sozialdeniokratischen Abgeordnetenkandidaten, an dritter Stelle für v. Gcrlach. Bei der erforderlich gewordenen Stichwahl traten dann noch zwei Dutzend Liberale für unsere Genossen Braun, Hofer und H a e n i s ch ein, während der Rest der Liberalen sich der Stimme enthielt. So wurde uns der Vieg mit 1119 gegen 765 konservative Wahlmännerstimmen. Die rege Beteiligung der Sozialdemokratie an der Land- tagswahl geht noch besser als aus der Zahl der Wahlmänner- Wahlen aus der Zahl der sozialdemokratischen Wähler hervor. Im Jahre 1998 betrug die Zahl der sozialdemokratischen Wähler im Kreise: 26592, im Jahre 1913: 45348, ist also um 71 Prozent gestiegen. Betrachtet man die Wahlkreise Niederbarnim und Ober- barnim getrennt und setzt die Zahl der Landtagswähler zur Zahl der Reichstagswähler in Beziehung, so zeigt sich dies Resultat: Es wählten zur R e i ch s t a g s w a h l im Jahre 1993 im R e i ch s t a g s w a h l k r e i s Niederbarnim(aus- schließlich des zu Berlin gehörigen Teils, in dem 4146 sozial- demokratische Stimmen abgegeben wurden) 34 218 Wähler sozialdemokratisch, im Jahre 1997: 59 858(ungerechnet die 7994 auf Berlin entfallende Stimmen), im Jahre 1912: 81379(abgesehen von den auf den Berliner Stadtteil ent- fallenden 11189 Stimmen). Bei der Land tags wähl entfielen 1998 imNiederbarnimerLandtagswahlkreis(einschließlich Lichtenberg) 25 923, im Jahre 1913: 43 229 Stimmen auf die Sozialdemokratie, also 1998: 494, 1913: 2535 Wahl- stimmen mehr als die Hälfte der zur vorangegangenen Reichstagswahl abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen betrug. Im Reichstagswahlkreise Oberbarnim wählten bei der R e i ch s t a g s w a h l 1993 sozialdemokratisch: 7202(bei der vergangenen Wahl 8357), 1997: 7235(bei der Stichwahl 7976), 1912: 8571(bei der Stichwahl 8964). Bei der Land tagswahl in Oberbaruim betrug die Zahl der sozial- demokratischen Wähler 1998: 579, 1913; 2128, also fast viermal so viel. Die Zahl der sozialdemokratischen Wähler betrug also bei der Landtagswahl 1998 nur ein achtel Teil der voraus- gegangenen sozialdemokratischen Reichstagswahlstimmen, 1913 aber ein Viertel der Reichstagswahlstimmen von 1912. Ein erfreuliches Resultat. Es dürfte nicht zuletzt dadurch herbeigeführt sein, daß die Niederbarnimcr Ge- nossen bei der letzten Landtagswahl einen erheblichen Teil Oberbarnims mitbearbciteten. Nach der Ansicht dieser dort agitarorisch tätig gewesenen Genossen ist kaum daran zu zweifeln, daß ein noch glänzenderes Resultat erzielt worden und mit Sicherheit der Wahlkreis Oberbarnim auch in der Reichstagswahl 1912 erobert worden wäre, wenn schon früher in ähnlicher Weise der Kreis bearbeitet wäre und endlich flau- macherische, fatalistische Hoffnungslosigkeit durch zielbewußte Siegeszuversicht aus dem ganzen Kreis vertrieben würde. Vielleicht ermöglicht es die Zukunft, die schwierige Arbeit der Oberbarnimer noch tatkräftiger durch die Niederbarnimer Ge- Nossen zu fördern. Das erfreuliche Ergebnis der Landtagswahl in Ober- barnim- Niederbarnim ist durch die rastlose, zähe, un- ermüdliche Tätigkeit unserer Genossen erzielt. Welche Fülle opferfreudiger Arbeit ist in dem Landtagswahlkampf von taufenden organisierter Genossen geleistet! Geleistet ist sie natürb.ch auch, um den Sieg im Wahlkamps, wenn möglich, zu erfechte», in erster Linie aber, um für die Ideen der Sozialdemokratie und für ihr Ziel zu agitieren und um der Dreiklassenschmckch ein Ende zr bereiten. Der Wahl kanipf ist beendet. Nicht aber der Kampf für das, den: die Wahlarbeit hauptsächlich galt. Die Waffen für dies Ziel sind nickt«"ts de. Hand gelegt. Sie sind neu geschliffen uno sollen auch teuen Kämpfern in die Hand gegeben werden. Es gilt jetzt die Organisation zu stärken, die Verbrcit'ng der Presse und unseres sonstigen Agititions Materials zu fördern. 'Nicht rasten md nicht rosten, heißt es im Wahlkreise Barnim, aber nicht nindcr in allen anderen Wahlkreisen, in- sonderheit hz jenen in denen das Schlachtenglück noch bei den Gegnern war. Ter Gegensatz zwischen Kapitalismus und Sozialdemokratie vird von Tag zu Tag größer. Von oben herab sehen unsere Gegner auf die Sozialdemokratie. Von unten herauf muß und wird der Sieg der Arbeiterklasse über ihre Gegner erfochten werden. Gegen- über der Drangsalierung und Brutalisierung der Arbeiterklasse auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete drängt die Ar- beiterklasse nach Gleichberechtigung. Diese mit allen der Arbeiterklasse zu Gebote stehenden Mitteln zu erkämpfen, ist ihr Menschenrecht und ihre Menschenpflicht. Von unten herauf dringt sie vor und wird die Feffeln sprengen, in denen Hab- gieriger Egoismus und frecher Uebermut sie halten. Sieges- gewiß und kampfbereit muß sie sein und bleiben, bereit, jedes Mittel in Anwendung zu bringen. Schweren Kämpfen geht sie noch entgegen. Um sie zu bestehen, ist es dringend notwendig, die Indifferenten aufzurütteln, die Flauen und Flaumacher vorwärtszuschieben, die Lässigen anzutreiben und in der Gewißheit ihres Sieges die Bereitschaft zum Kampf zu verbreiten. Bereit sein, ist alles. Partei- �ngelegenbeiten. Lichterfeldc. Wir verweisen nochmals auf die beute nachmittag von 4—8 Uhr stattfindende Stichwahl in Hennings Lokal, Jungfern- stieg 5/6, für den 1. Gemeindewahlbezirk, Osten.— Morgen Mittwoch in allen Bezirken: Zahlabcnd. Johannisthal. Mittwoch, abend? 8� Uhr: Mitglieder-Versamm- lung des Wahlvereins im„Arbeiterheim", Lindcnhof, Friedrichstraße. Tagesordnung: Berichte und Geschäftliches. Maricnfeldc. Morgen Mittwoch, abends 8� Uhr, bei Schuster: Mitgliederversammlung' des Wahlvereins. Wichttge Tagesordnung. Schmargendorf. Die Mitgliederversammlung des hiesigen Wahl- Vereins findet am Mittwoch, den 11. Juni, abends SVs Uhr, im Restaurant von H. Goetsch, Warnemünder Str. 14/15(Waldkater) statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag des Genossen Mar Jakobsen(Ober-Schöneweide) über unsere geistigen Waffen. Diskuffion. 3. Abrechnung von der Mai- und Lassalle- feier. 4. Berichterstattung von der Verbands- und Kreisgeneral- Versammlung. 5. Verschiedenes. Mahlsdorf sOstbahn). Der Zahlabend findet morgen in fol- genden Lokalen statt:„Nord" bei Anders, Bahnhofftratze,„Kolonie" bei Linke, Grunowstraße, und„Süd" bei Dräger,„Heidekrug". Wichtige Tagesordnung. Ncuenhagen a./O. Mittwoch, den 11., abends 8'/z Uhr: Zahl- abend bei Wünsche. Bahnhofstraße. Grünau. Mittwoch, den 11. Juni, abends g Uhr, Mitgliederversammlung im Restaurant„Zur grünen Ecke", Köpenicker Str. 88. Vortrag über„Volksfürsorge". Bericht von der Gr.-Berliner General- Versammlung und der Kreisgeneralvecsammlung. Verschiedenes. Bohnsdorf bei Grünau. Mittwoch, den 11. Juni Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins in der„Villa Kahl", Jnh. Backofzer. 1. Vortrag des Genossen Tornow-Friedrichshagen über:„50 Jahre deutscher Sozialdemokratie". 2. Bericht über die letzten beiden Ver- bands-Generalversammlungen. 3. Bericht von der Kreis-General- Versammlung. 4. Wahl der Delegierten zur Verbands-General- Versammlung am 15. Juni. 5. Vereinsangelegenheiten. 6. Ver« schiedencs. Eichwalde. Mittwoch, abends b'/z Uhr: Mitgliederversammlung in Wittes„Waldschlößchen". Tagesordnung: 1. Berichte aus der Verbands- und Kreisgeireralversammlung. 2. Die preußischen Landtagswahlen 1913. 3. Delegiertenwahl. 4. Abrechnung von der Maifeier. 5. Verschiedenes."• Adlershof. Der Zahlabend fällt im Monat Juni aus. Roscnthal. Mittwoch, den 11. Juni, abends 8>/z Uhr: Außerordentliche Generalversammwng im Lokal von Millbrodt. Tages- ordnung: 1. Bericht von der Kreis-Generalversammlung. 2. Neu- wähl des ersten Bezirksleiters. 3. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Spandau. Morgen Mittwoch, abends 8�/z Uhr, für die Be- zirke 1, 2, 3 und 4: Gemeinschaftlicher Zahlabend bei Madetzki, Bismarckstr. 8.______ öerlmer Nacbncbten. „Konservatorium." „In drei Monaten erlernen Erwachsene jeden Alters nach Willy Boehmes ophlhalmobleptischer Methode fließend Klavicrspielen nach den gebräuchlichen Noten ohne Vorkenntnisse. Sicherer Erfolg garantiert. Höchste Auszeichnungen und Anerkennungen usw." Solche und ähnliche marktschreierischen Musikunterrichts- anpreisungen, die sich besonders in der Berliner Lokalpresse breit machen, finden zu leicht ein urteilsloses Publikum. Die oben abgedruckte Anzeige ist typisch für eine große Anzahl anderer, die ihr an Unverfrorenheit und Spekulation aus die Gutgläubigkeit der breiten Massen gleichkommen. All diese Anzeigen sind schon deshalb so unverschämt, well ihre Ver- fasser sagen:„Wir halten dich, Publikum, für so dumm, daß du nur auf plumpen Schwindel hereinfällst." Nirgends gibt es wohl auf irgendeinem Kunstgebiet so viel„Schwimmer", so viel Charlatans, wie in der Musik, nirgends so viel ungebildete und eingebildete Menschen, wie in unserem Virtuosentum. Es wäre eine dankenswerte Auf- gäbe, den Ursachen, die diese nicht wegzuleugnende Tatsache zum Teil allmählich hervorgerufen haben, einmal nachzugehen. Grauenhaft ist es mitanzusehen, welch großes Unheil alljährlich diese Pfuscher als„Stimmbildner",„Klavierpädagogen" usw. anrichten, klägliche Kerle, Genies nicht einmal im Schwindel. Vor zwei Jahren wurde da ein Schwindelkonservatorium ge- schlössen. Der Fall erregte nicht nur in Musikfachkreisen Aus- sehen. Der Leiter, ein ehemaliger Volksschullehrer, der sich widerrechtlich den Titel Professor zulegte, ein Flachsmann als Konservatoriumsdirektor, hatte Lehrkräfte angestellt, die selbst nicht über die Anfangsgründe ihres Lehrpensums hinaus waren. Der„Vertrag", durch den die Lehrkraft dem Konser- vatoriumsleiter völlig in die Hand gegeben war, billigte den Angestellten ein Gehalt von monatlich 39 M. zu, das bei 25jähriger ununterbrochener Tätigkeit in der Anstalt bis auf die Ricsensumme von 89 M. monatlich steigen konnte. Es läßt sich denken, wie gering die Leistungen der Schüler sein mußten, deren Lehrer ihre Aufgabe selbst nicht beherrschten. Gleich- wohl war die Anstalt in vielen Filialen über Groß-Berlin verbreitet, dank des billigen Monatshonorars von 3 M., das der Besitzer nur wieder deshalb so niedrig ansetzen konnte, weil er seinen„Lehrerinnen" nichts bezahlte. Die Anstalt wurde geschlossen, man entrüstete sich eine Zeitlang, und dann blieb alles beim alten, denn der Schivindel blüht ruhig weiter, ja er gedeiht ganz vorzüglich. Man kann häufig im Anzeigen- teil eines Berliner Blattes unter Musik etwa folgendes lesen: „GesuchtjungeDame mit etwas Vorkenntnissen zur unentgeltlichen Ausbildung im Klavierspiel bis zur(die Herren nehmen den Mund gleich ordentlich voll) künstlerischen Reise. Gegen- leistung: Unterricht an Anfänger." Es ist bekannt, daß gerade beim Anfangsunterricht am meisten gesündigt werden kann. Fehler, die bei der Grundlegung begangen worden sind, lassen sich nur schwer und dann mit großem Zeitverlust aus- nierzen, gewöhnlich schleppen sie sich als eine unheilbare Krankheit mit fort und wirken hemmend auf die ganze Ent- Wickelung. Was lernen die Kinder an diesen Anstalten an Misik kennen? Jedes Programm eines solchen Schülerkonzertes gibt Aufschluß über die ganze Faulheit dieser Betriebe. Von den Arbeiten unserer Meister, die doch zum Teil auch bald vom Anfänger zu bewältigen sind, erfahren die Schüler nur wenig; ihr Tummelplatz ist die Ouallenmusik, die seit Jahr- zehnten den bürgerlichen Salon beherrscht, und der Operetten- schlager. Von einer Bildung des musikalischen Geschmacks ist natürlich keine Rede. Und damit mutz nun der ehrliche Musiklehrer oder die Lehrerin konkurrieren. Das Elend unserer Musiker, besonders der Lehrer und Lehrerinnen, das ja zum Schlagwort geworden ist, rührt zum großen Teil von dieser Schwindelkonkurrenz her, bei welcher der ehrlich ringende Künstler nicht mitkommen kann. Die Lehrkräfte, die an diesen Anstalten tätig sind, werden auf jede erdenkliche Weise gedrückt. 1 M. pro Stunde ist„gute" Bezahlung für Lehrer, die eigene künstlerische Leistungen aufweisen können. Es gibt eine äußerlich an- gesehene Anstalt(Namen sollen vorläufig nicht genannt werden), die einer Lehrerin, welche aus Konzerten gute Er- folge aufzuweisen hatte und die ihr Musiklehrerinnen-Examen mit der besten Note bestanden hatte, 75 Pf. pro Stunde be- zahlte. Auf den Einwand der gewissenhaften Lehrerin, daß bei dieser Bezahlung man ja seine ganze Kraft auftciben müsse, um zu leben, wurde die Antwort erteilt: „Ja, Fräulein, Sie brauchen ja nicht so gewissenhast zu sein; dann geben Sie eben schlechteren Unterricht." Dieselbe Anstalt läßt sich laut Prospekt von ihren Schülern monatlich 49 M. bezahlen. Daß es in vielen Konservatorien Sitte ist, dem Lehrer für die Ferienmonate sein Gehalt zu streichen, gleichwohl aber von den Schülern den monatlichen Betrag einzutreiben, dürfte bekannt sein. Das Publikum kann hier viel tun, unter Uniständen das meiste, denn es ist der zahlende Teil. Es lasse sich vor allem nicht verblüffen durch ähnliche plumpe Kniffe, wie in der oben abgedruckten Annonce. Hinter dem größten Marktschreier steckt immer auch der größte Schwindel. Wenn man nicht den einzelnen Privatlehrcr vorzieht, so erkundige man sich genau nach den Leistungen des Instituts, das man wählen will, nach seinen Lehrkräften und prüfe eingehend— denn das täuscht nie— die Programme der Aufführungen. Denn in der Wahl zeigt sich der Geschmack._ Jubiläums-Byzantinismus. Nicht weniger als ein volles Dutzend Kaiserjubiläums- bücher mit einem Schlage preist der„Berliner Lokal-Anzeiger" in seiner Sonntagsnummer an. Damit ist natürlich die Zahl der diesjährigen byzantinischen Literatur noch lange nicht er- schöpft. Als Verfasser zeichnen Leute, die zum Teil in hohen militärischen oder höfischen Stellungen gut aufgehoben sind. Ihnen allen wird sicher der Lohn für ihre patriotische Schrift- stellerei nicht ausbleiben.„Der Kaiser im Film",„Der Kaiser als Denker",„Des Kaisers Religiösität und Pflicktbewußtsein", „Jungdeutschlands Kaiser"— so geht es schmalzig in der- selben Litanei weiter. Es versteht sich am Rande, daß sämtliche Bücher das Lob des Jubilierenden in den höchstenTönen erschallen lassen. Der schon vielfach dekorierte Schriftsteller Dr. Adolf Kohut, der in solchen Dingen zu Hause ist, hat sogar„goldene Worte" aus den Reden des deutschen Kaisers zusammengestellt. Man wird dabei lebhaft daran erinnert, wie oft gerade die Reden des Jubilars in der allerbreitesten Oeffentlichkcit, nicht etwa nur von den„vaterlandslosen Gesellen", bekrittelt und be- fehdet worden sind. Auf geschichtliche und persönliche Wahr- heit wird wohl kaum ein einziges dieser Jubiläumsbücher Anspruch erheben dürfen. Mit„Geschichten" wird nun mal bei uns Geschichte„gemacht". Zum Glück gibt es auch noch Leute, die keine patriottschen Schönfärber sind und der Nach- Welt ein etivas anderes Bild erhalten. Nationaler Sport. Bei der Einweihung des Stadions am Sonntag hielt der frühere Minister Podbielski als Präsident des Deutschen Reichsausschusses für Olympische Spiele an den Kaiser eine Ansprache, die folgenden Inhalt hat: „Euer Majestät! Ein Tag des Jubels für Deutschlands Jugend. Ein Tag der Freude für unser gesamtes Vaterland. Das Deutsche Stadion ist aufgebaut. Geschaffen ist eine Stätte für friedliche Wettkämpfe, berufen zur Förderung der Körpcrkraft, zur Stählung der Willenskraft, zur Pflege patriotischen Geistes I Unser Wahlspruch sei: Allezeit bereit für des Reiches Herrlichkeit, ü'/z Millionen Deutsche, geeint im Deutschen Reichsausschuß, huldigen heute hier Euer Majestät dankerfüllten Herzens. Und jubelnd� rufen wir: Der hohe gnädige Protektor des deutschen Sports Seine Majestät der Deutsche Kaiser Hurra!" „Allezeit bereit für des Reiches Herrlichkeit!" ist die Parole des Reichsausschusses,„Pflege des patriotischen Geistes" die Hauptaufgabe des Sportes, der im Stadion gefördert werden soll. Und so waren denn auch Hoch-, Heil- und Hurrarufe am Sonntag das charakteristische Merkmal der Veranstaltung. Die bürgerliche Presse bestätigt in ihren Berichten diese Angaben. Sie schreibt: „Turner und Turnerinnen, Fußballer und Athleten, Schwimmer und Radfahrer, Ruderer und Tennisspieler, Eisläufer und Fechter, Hockeyspieler und Skiläufer, Golfspieler und Schützen, die Studenten der Hochschule, und dann zum Schluß der Jung- deutschlandbund— sie alle marschierten mit Heil-, Hoch- und Hurrarufen am Kaiserpaar vorbei. Unermüdlich grüßte der Monarch. Es war ein überaus schönes Bild, dos sich dem Auge bot. Natürlich bildete die Jugend die Kerntruppen de? Zuges, aber auch das graue Haar fehlte nicht. Neben den Männern die Frauen, neben den Jünglingen die Jungfrauefi, neben den Knaben die Mädchen. Und dann die Farben I In einem mittelalterlichen V o l k s f e st e kann es nicht bunter ausgeschaut haben, als im F e st z u g. Fast dreiviertel Stunde» währte der Vorbeimarsch.— Dann kamen im Lausschritt zwei Kompagnien des 4. Garde-Grenadierregiments. Die Eskaladier-Uebun- gen riefen einen tosenden Beifall hervor. Was da unsere Soldaten mit dem Gewehr über den Rücken leisteten, war in der Tat staunenswert: Tieffprung und Hochilettern und Hürdensprung— natürlich klappte alles vorzüglich." Wenn man bedenkt, daß für die einzelnen sportlichen Vorführungen nur 5—10 Minuten bestimmt waren, die aber noch abgekürzt wurden, so kann man schon begreifen, dah die Hurrabrüllerei und Hocherei das Wesentlichste der Sonntagsveranstaltung im Grunewald ge Wesen ist. Dah die bürgerliche Presse die wirklich imposante Veranstaltung der Arbeitersportler in Weißensee bis auf ein einziges Blatt totschweigt, versteht sich am Rande. Allerdings gab's hier auch nichts zu berichten von Hurraschreien und.Heil dir im Siegerl kranz"-Singen. UebrigenS ist es nicht uninteressant, festzustellen, daß kurz vor der Stadioneinweihung in einem bürgerlichen Blatte folgende Auslassung über den Sport zu lesen war: .Ein Sport, der exklusiv ist, hat seine Existenzberechtigung verloren. Der Sport ist für alle da, für Arme und R e i e, für Starke und Schwache, ein jeder kann und soll in ihm Erheiterung, Abwechselung. Lebensfreude, Gesundheit, Frische, Kraft und neue Energie finden. Und jeder, der sich ihm nach des Tages Arbeit in die Arme wirft, findet dies. Deshalb gehört der Sport in das Programm der Stadt, so sicher, wie auf den Werktag der Feiertag, wie auf die Arbeit die Erholung folgen mufi. Je mehr Arbeit, rastloses Mühen, desto notwendiger günstige, lebens- frische Gelegenheit zur Erneuerung der verbrauchten Spannkraft Wo das hohe Lied der Arbeit so eindrucksvoll gesungen wird, wie in Berlin, wo der Brennpunkt des deutschen Wirtschasts- und Ver« waltungSlebens die Augen der Welt auf sich lenkt, da must für alles dies gesorgt werden, für den Sport der Armen und Reichen, für den Sport in jeder Form, wie ihn ein jeder mag gleichgültig, ob er ihm alle Freistunden seiner Jugend widmet oder ob er sich tändelnd darin die Zeit vertreibt. In ihm mag man nach seiner Fasson selig werden, denn der gleich« flültigste Sport ist immer noch besser, als das, waS die Jugend o von den sogenannten„Grosistadtgenüssen" kostet. Wer so den Wert des Sports, seine Bedeutung für die Allgemeinheit, seine Notwendigkeit im Gesamtbilde der Großstadt' erkannt hat, besitzt nun auch den Maßstab für das, was Berlin als Sportstadt bedeutet." Die obigen Darlegungen über den Sport muten anders an als sie in der Festrede Podbielskis zum Ausdruck gekommen sind. Kein Wort davon, daß der Sport zur Pflege des patriotischen Geistes da sei. Und der Verfasser ist kein anderer als der Festredner im Stadion— Podbielski selber. Dabei schließt die Verwaltung des Stadions die Arbeitersportler aus von der Benutzung der Anlage und beweist deutlich, daß es nur auf den nationalen Sport an- kommt, auf Hohenzollernhuldigung, die mit wirklichem Sport nicht das mindeste zu tun hat. Die Arbeiter-Sportvereine werden allein ihrer Wege gehen. Es ist nur zu hoffen, daß alle die Arbeiter, die sich noch in den bürger« lichen Vereinen befinden, so schnell als möglich letzteren den Rücken kehren und sich in die Reihen ihrer Klassengenossen begeben, wohin sie einzig und allein gehören._ Zehn goldene Regeln des Waldschutzes werden gegenwärtig von der Deutschen Gesellschaft zur Pflege des Waldes in den von Ausflüglern besuchten Waldpartien zum Aushang gebracht: 1. Schont die Gewächse des Waldes, denn sie sind ein Schmuck der Gegend und sollen noch viele erfreuen und neues Leben bilden. 2. Ein bescheidener Blumen- strauß ist jedem gern gestattet, doch dürfen nicht Zweige ein- gebrochen. Bäume verstümmelt und die Pflanzen mit Wurzeln ausgerissen werden, ö. Jungwüchse und Anpflanzungen be- dürfen der Schonung. 4. Werft kein Papier, keine Eierschalen usw. in den Wald— es sollen sich auch noch andere nach euch an oder in dem Walde erfreuen. 3. Vermeidet vor allem das Fortwerfen von Flaschen, Glasscherben usw.— Herum- liegende Glasscherben haben schon oft Unheil angerichtet. 6. Vorsicht beim(an und für sich ja verbotenen) Rauchen, be- sonders bei trockenem Wetter und in der Nähe junger An- Pflanzungen. Keine glimmende Zigarre, kein brennendes Streichholz fortwerfen. 7. Stört nicht die Tiere des Waldes, freut euch an ihnen. 8. Schont die Vogelnester, die Küfer und das Gewürm des Waldes. 9. Laßt den Hund nicht jagen. 19. Der Wegweiser sei eurer Schonung empfohlen, er soll noch nach euch anderen Rat erteilen, er ist ein Freund der Wanderer._ Eine neue Polizeiverordnung hat der Polizeipräsident v. Jagow für einen Teil von Moabit(begrenzt von der Krefelder Straße, Alt- Moabit, der Stromstraße und dem BundesratS-Ufer) sowie für daS Tiergartenviertel(begrenzt von der Straße SiegmundShof, beginnend am Bahnhof Tiergarten, von der Spree, der Sommer- und König- grätzer Straße, vom Brandenburger Tor bis zum Potsdamer Platz, der Linkstraße, der Ostseite der Flottwell- und Dennewitzstraße bis zur Zdurfürstenstraße, der Kurfürstenstraße bis zur Gemarkuugsgrenze mit der Stadt Charlottenburg, dieser folgend bis zum Bahnhof Tiergarten) erlassen. In diesen Gebieten ist die Errichtung neuer Anlagen, die starken Rauch oder Ruß, schädliche Dämpfe oder Gase, üble Gerüche oder ungewöhnliche Wärme verbreiten oder ungewöhn- liche Geräusche oder Erschütterungen verursachen, verboten. Dieses Verbot trifft auch Veränderungen, Erweiterungen bestehender An- lagen. Der Verbandsausschuß des Verbandes Grotz-Berlin und der Magistrat Berlin haben dieser Polizeiverordnung schon zugestimmt. Sie ist, da Gefahr im Verzuge, bereits in Kraft getreten. Bom Zweckverband. Unter dem Vorsitz des Oberbürger- meisterS Mermuth trat gestern der BerbandsauSschuß des Zweck- Verbandes Groß-Berlin im Berliner Raihause zusammen. Anwesend waren von der StaatSregierung der Oberpräsident Dr. v. Conrad und der Oberpräsidialrat Graf v. Rödern. Nach eingehenden Be- ratunyen wurde den vorliegenden Anträgen auf Erlaß von Bau- polizerverordnungen(Baufluchtlinien) für einen Teil Niederschön- Hausens, Berlin-Lichterfelde-Ost, und für eine Promenade in Klein- Schönebeck bei Erkner, sowie für einen Gebietsteil von Lankwitz und für zwei Gebietsteile von Alt-Glienicke gutachtlich zugestimmt. Ferner wurde mehreren Anträgen auf Genehmigung von Straßenbahn- anschlüssen und Verlängerung� von Straßenbahnlinien zugestimmt, und einer Polizeiverordnung für«inen Teil von Steglitz zugestimmt, die den Bau von Hinterhäusern ausschließt. Radfahrerfallen. Radfahrerfallen scheinen noch immer in einzelnen Vororten Berlins zu bestehen, besonders in solchen Ortschaften, die den Fremdenverkehr gern sehen, für diesen aber nicht gern etwas tun. So findet man denn die Fahrwege oft in einem miserablen Zustande und an den Banketts Warnungstafeln, die das Radfahren verbieten. Selten find den Radfahrern eigene Wege angewiesen und in einzelnen Gemeinden, wie z. B. in Treptow, scheint eine völlige Anarchie zu herrschen; auf der einen Chaussee ist das Befahren der Banketts ausdrücklich erlaubt, auf der anderen ist es verboten, ohne daß dies äußerlich erkennbar wäre. Es gehört ein förmliches Studium dazu, dies herauszufinden und in der Regel wird der Radfahrer erst durch die Praxis belehrt, d. h. wenn er ein Strafmandat erhält. Der Amtsvorsteher hat sich besondere Formulare drucken lassen, in denen gleich alle Radfahrersünden aufgezählt sind:.Sie haben", so beginnt dasselbe,»am... die Promenade der hiesigen... (Straße) mit einem Fahrrade befahren, welches mit einer brennenden Laterne nicht versehen war. ferner waren Sie nicht im Besitz einer polizeilichen Radfahrerkarte usw." Zur Verminderung des Schreib- Werkes hätten eigentlich auch die Namen der Zeugen—»Gendarmerie-, Polizeiwachtmeister, Sergeanten"— gleich eingedruckt werden können. Die Strafgelder find nicht zu knapp bemessen; ein Schüler zum Beispiel(resp. dessen Eltern) hat vier Mark zu zahlen— das ent» spricht ja ungefähr seinem Einkommen. DaS Geschäft scheint auch zu blühen, denn die Strasliste von ISIS nähert sich bereits der Nummer 900 1— An der Tempelhofer Chaussee sind wenigstens die schmalen Promenadenstreifen unmittelbar neben den Straßenbahngleisen als„nur für Fußgänger" bezeichnet; sie werden als solche freilich nie benutzt und so sieht man Spaziergänger und Radfahrer auf dem breiten Wege am Ostrande des Parade- selbes stets in friedlichem Durcheinander. Ueberfahren. Gestern abend wurde vor dem Hause Kochhannstr. 33 der fünf- jährige Sohn der Krügerschen Eheleute durch einen Geschäftswagen überfahren. Nach Anlegung eines Verbandes wurde derselbe auf Veranlassung des Arztes nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht._ Einen schweren Verlust hat am Sonntag eine Zeitungsausträgerin erlitten, indem sie vor dem Hause Arndtslraße 12 einen Beutel mit 50 M. 30 Pf. einkassiertem Zeitungsgeld verlor. Da die Austrägerin für den Betrag haftet, wird der' Finder gebeten, den Fund in der Vorwärtsspedi'lion, Gneisenaustraße 72, abzugeben. Gefunden hat am Sonnabendnachmittag ein IZjähriger Schüler vor dem Hause Fehmarnstraße 2i einen Beutel mit Geld, welcher im 112. Polizeirevier in der Genterstratze abgegeben worden ist. Der Verlierer wolle sich dorthin wenden. Im Bernhard Rose-Thcater gab es wieder mal einen Klassiker. Es wurde nämlich Franz Grillparzers Märchen(nicht Schau- spiel!)»Der Traum ein Leben" ausgeführt. So lobenswert die Absicht, so unzulänglicki die Mittel. Zunächst verabsäumte die Regie, die sarbenreiche Fülle szenischer Vorgänge dekorativ aus- zubauen. Ein paar armseliger Versatzstücke und karnevalistischer Lappen von gewöhnlickier Art vermögen nicht orientalische Märchen- Pracht vorzutäuschen. Gülnare müßte doch als Königin ein anderes, reicheres Kostüm tragen; es ist nicht wahrscheinlich, daß sie nur ein Kleid besessen haben sollte. WaS aber die Hauptsache: die von Grillparzer festgehaltene Grundstimmung eines ängstlichen Traumes, der uns mit allerlei Schrecknissen heimsucht, auch mit dem schlimmsten Schrecknis, den Qualen des Gewissens, wurde nicht gewahrt. WaS zum Vorschein kam, war doch eher eine Jahrmarklkomödie, als ein poetisches Märchen. Dazu tat die schablonistische Darstellung reich- lich das ihrige. Vor allem wurde schlecht gesprochen. Der dem spanischen nachgebildete viersüßige Trochäus, den Grillparzer früher in seiner Schicksalstragödie„Die Ahnfrau" angewendet hat. verleilet gar leicht zu hölzern-klappermäßigem Hersagen— und darin wurde Erkleckliches geleistet. Es mangelte an der nötigen Sicherheil: Wenn der Regisseur, während er selber die Hauptrolle zu spielen hat. immer ängstlich umherspähen muß. damit die Mitwirkenden mit ihm Fühlung behalten, dann wird er in seiner eigenen schau- spielerischen Aufgabe allzu empfindlich benachteiligt. Alfred D e d a k überstürzte sich oft bis zur Undeutlichkeit. Rustan ist im.Traum" ein ehrgeiziger Streber— kein überschwänglicher Schwärmer. Immerhin zeigte sein Vertreter zuweilen, daß er ein guter Dar- steller und Sprecher ist. Zanga, der Negersklave, ist das„böse Prinzip", ein anderer Jagow sozusagen. Karl Gr über, obgleich ihm manches glückte, machte ihn mehr groteskkomisch als unheimlich wahr. Else Roscher gab die Mirza schlicht; Charlotte G o e ß n e r (Gulnare), Stephan F r a n z(König), Dora Ca Ivo(altes Weib) mimten farblose Schablonen. Vorort- IVacbricKteii. Steglitz. Siusonie-Konzerte im Freien. Die Frage, ob Sinfonie-Konzerte im Garten ausgeführt werden können, ohne daß der Kunstwert dieser Musik beeinträchtigt wird, führte in der Aprilsitzung unserer Geineindevertretung zu einer lebhaften Aussprache, ohne daß natürlich die Frage entscheidend beantwortet werden konnte. Nunmehr wird die Einwohnerschaft von Steglitz Gelegen- heit habe», sich über die Frage selbst ein Urteil zu bilden. Das erste der drei auf Kosten der Gemeinde zu ver- anstaltenden Konzerte findet am Mittwoch, den 11. Juni, abends von 8V, Uhr ab in den prächtigen Anlagen unseres Stadt- parke« statt.' Da« Blüthnerorchester wird unter Leitung seines Dirigenten WeherSberg Werke von Herold, BrahmS, Leon- cavallo, Wagner und Liszt zu Gehör bringen. Der Eintrittspreis für Erwachsene und Kinder ist aus 30 Pf. festgesetzt. Vorverkauf findet nicht statt.— Günstige Witterung vorausgesetzt, dürfte sich der eigentliche Konzertgarten des Stadtparks als zu klein erweisen. Es bietet sich aber außerhalb des Gartens auf den schönen Wegen in nächster Nähe Gelegenheit, die Musik im Promenieren bei freiem Entree zu genießen, was gewiß für viele Musikfreunde eine willkommene Ge- legenheit sein wird. Zwei weitere Sinfoniekonzerte des gleichen Orchesters finden am Freitag, den 4. Juli, und am Freitag, den 15. August, statt. Lankwitz. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurde der Kassenabschluß der Gemeindekasse von 1912 mitgeteilt. Die Etalüberschreitungen belaufen sich auf 11633 M. Für die in vorletzter Sitzung be- schlossene Kaiser-Wilhelm-JubiläumSstistung wurden die Satzungen sestgelegt. Die 800 M, betragenden Zinserträge sollen würdigen und tüchtigen Schülern und Schülerinnen der höheren Lehranstalten zu ihrer beruflichen Ausbildung zugewandt werden. Ein aus dem Gemeindevorsteher, einem Schöffen und zwei Gemeindevertretern be- stehender Stiftungsvorstand soll die Verwaltungsgeschäfte der Stiftung erledigen. Genosse Radike verlangte u. a., daß man in den Vorstand drei Gemeindevertreter hinzuziehen möge, damit diese und nicht der Gemeindevorstand die Mehrheit bilden. Dem wurde stattgegeben.— Denjenigen Kriegsveteranen, die unter 1500 M. Einkommen haben, sollen in Zukunft die Gemeindesteuern erlassen werden.— Der Ausbau der Elisabethstraße von der Dillges- bis zur Marienstraße wurde genehmigt.— Der im Oktober 1911 gefaßte Beschluß über die Heranziehung der Anlieger zu den Kosten des Ausbaues der Viktoria-, Siemens- und Gärtnerstraße hat noch nicht � die Zustimmung des KreisausschusseS gefunden. Er wurde jetzt in etwas veränderter Form nochmals vorgelegt. Die Anlieger der Gärtnerstraße sollen fünf Seebstel der Kosten gleich 65,20 M. für den laufenden Meter Grundstücksfront, die der Siemensstraße vier Sechstel gleich 40.20 M. und die der Biktoriastraße vier Sechstel gleich 39.73 M. entrichten. Die Anlieger der Viktoriastraße, die durch die neugeschaffene Höhenlage, und die der Siemensstraße. die durch bessere Ausnutzung der Bebauung besondere Vorteile haben, sollen etwas höher belastet werden. Die Abrechnung für den RathauSbau beträgt 605 071 M.; trotzdem für verschiedene Arbeilen schon Nachbewilligungen stattgefunden haben, bleiben noch zirka � 8000 M. Mehrausgaben. Die Versicherung deS Gemeindevorstehers beim Beginn des Baues, daß daS Raihaus keinen Pfennig mehr kosten solle, bat sich demnach nicht bewahrheitet. Ge- mentdevertreter Teurig rügte verschiedene Mängel, die beim Bau in Erscheinung getreten sind; hoffentlich werden dieselben nicht die Wirkungen haben, wie bei der Gemeindeschule II und beim Gym- nasium. In nichtöffentlicher Sitzung wurde von den bürgerlichen Ver- tretern einem Nachtrag zum Lrtsstalut über die Verunstaltung von Straßen und Plätzen zugestimmt, nachdem vergeblich versucht worden war, über dasselbe in öffentlicher Sitzung zu verhandeln. Mitgeteilt wurde noch, daß Lankwitz zwei Kasernen, eine für ein Kraftfahr- bataillon und eine solche für ein Trainbataillon erhalten werde. Petershagen bei Fredersdorf. In der Gemeindcoerftetersiyuitg wurden zunächst für daS laufende Steuerjahr die Höhe der Steuerarten noch einmal festgelegt. Danach werden erhoben: Gemeindesteuerzuschlag 110 Proz., Gewerbesteuer 175 Proz., Betriebssteuer 110 Proz. und als Grundwertsteuer für die in Fortfall gekommene Grund- und Gebäudesteuer 2 Promille. Für die zu errichtende Leichenhalle wurde beschlossen, bei der KreiS- sparkasie eine Anleihe von 8500 M. zu machen, die Summe soll mit 4 Proz. verzinst und mit 4 Proz. amortisiert werden. Die Aus- führung des Mauerwerkes für das Schultor mit Pforte wurde dem Bauunternehmer Lindholz übertragen, hierbei konnte es sich der Schöffe Bresecke nicht verkneifen, wiederholt darauf hinzuweisen, daß ein paar Eisenbahnschwellen den Zweck auch erfüllen, natürlich fiel der Herr Mit seinen hinterwäldlerischen Ansichten glatt ab. Ein Ersuchen deS Landrats, anläßlich des Regierungsjubiläums Wilhelms H für irgendeine Stiftung oder sonstigen gemeinnützigen Zweck aus Gemeindemitteln einen Betrag zu bewilligen, fand kein Entgegenkommen, es ist bloß verwunderlich, daß man sich mit solchem patriotischen Bettel auf die Dörfer»agt. Klein-Schönebeck-Fichtenau. Die Gemeindevertretung konnte in ihrer letzten Sitzung noch keine endgültige Stellung zum Etat nehmen, weil die Auslegungs- frist noch nicht beendet war. Um die Einziehung der Steuern zu ermöglichen, setzte sie nur den Kommunalsteuerzuschlag fest und zwar wie bisher auf 125 Proz. Die von der Mehrheil der Finanz« kommisfiou aus Konkurrenzrücksichten angestrebte Herabsetzung des Steuerzuschlages ließ die Vertretung fallen, weil eine Balanzierung des ElatS sonst nicht möglich gewesen wäre. DaS war auch der Grund, die bisherige Ordnung über die Aufbringung der Grund-, Gebäude« und Gewerbesteuer einer Aenderung zu unterziehen. Die Höhe derselben soll in Zukunft nach Bedarf bei Beratung des Voranschlages der Gemeindesteuern festgesetzt werden. Die bisher jährlich 6 M. betragende Hundesteuer wurde erhöht auf 15 M. für den ersten Hund und für jeden weiteren auf 30 M. Man hofft, dadurch die Haltung von Hunden einzuschränken. Da das Landratsamt auf eine Anfrage erklärt hatte, daß eine anderweitige Benennung der Gemeinde(insbesondere durch einen Doppelnamen) keine Aussicht auf Genehmigung habe, beschloß die Gemeindevertretung, diesen Antrag fallen zu lassen, sie will jedoch bei der Eisenbahn- direktion erwirken, daß der Bahnhof Rahnsdorf in„Rahnsdorf- Fichtenau" umgeändert wird. Um der Einwohnerschaft in dringenden Fällen eine zweckentsprechende ärztliche Hilfe zu gewähren, hat die Gemeindevertretung die Absicht, einen Sauerstoffapparat anzuschaffen; sie beschloß auf Vorschlag des Kommunalarztes, sich den Drägerschen Pulmolor, der eine künstliche Ein- und Ausatmung erzeugen soll, vorführen zn lassen. Eine Irreführung der Oeffentlichkeit. In der„Niederbarnimer Zeitung" wird bekannt gegeben, daß„die Gemeinden Schöneiche, Klein-Schönebeck-Fichtenau und Münchehofe daS Regierungsjubiläum deS Kaisers durch ein Militärkonzert mit großartiger Illumination und Ball feiern". Das ist eine Irreführung der Oeffentlichkeit. Die Gemeinde Klein-Schönebeck-Fichtenau hat weder beschlossen, eine der- artige Feier zu arrangieren noch sich an solcher zu beteiligen. Die Veranstaltung ist wahrscheinlich nur dem Bedürfnis der Krieger- vereine, Kegelklubs, nationalgesinnter Männer der„Bierabende" und geschäftstüchtiger Spekulanten(von denen erst kürzlich einer im Ver» trauen ausplauderte, daß er den großen Paftioten markieren müsse, um seine Geschäfte zu fördern) entsprungen. Die große Mehrheit der Einwohnerschaft steht derartigem hurrapatriotischen Tamtam fern, der letzten Endes auch wieder nur einer Anzahl von Teilnehmern Gelegenheit bieten soll, den Leib gehörig voll Bier zu schlagen. Die Gemeinde hat also mit dieser Veranstaltung nicht daS geringste zu tun; anscheinend bilden sich aber einige Oberpatrioten immer noch ein, sie seien die Gemeinde. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Reinickendorf. Mittwoch, den IL Juni, nachmittag» 5 Uhr. im Rat- hause. Hauptstr. 45. Neukölln. Donnerstag, den 12. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Rat- hause, Berliner Str. 63, neuer Sitzungssaal, 2 Treppen. Spandau. Donnerstag, den 12. Juni, nachmittags i'U Uhr, im allen Rathauje. Lichtenberg. Heute Donnerstag, den 12. Juni, nachmMagS 6 Uhr, im StadtverordnetensitzungSsaale deS Rathauses, Millendorfiftr. 6. Diese Sitzungen sind SsfeiUlich. Jeder GemeindeangehSrlge ift berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Prnnigooorr. erm iwiiiooa), ocn ri.<;uni, aocnos o-;, uyr, iiiioeu In den Lokalen von Kienzier und Schmidt die BezirkSadende deS Wahl» Vereins statt. Tagesordnung: Bericht von der KreiSgcneralverfammlung und Verschiedenes._ ßnefhaften der Redaktion. Xte iktiftlsdie epttfflftuntt ttndet Lt-deafteaSe 69, Bot« vier xttBvea — v-hrftu»,—, woi»en,»glicki»»» tü vi# 7Mi Udr-den»», eonnotcnBI, BD« 4M, Bit 6 Uhr oBenb« statt. Jeder fßt Ben veieftatie» Bestimmten«nfrage ift ei»»UlbftaBe und eine Zadi als Meeizeichea Beizufügen,«riefliche Antwort wirb nicht erteilt, anfragen, denen leine adonnementsanitinng Beigefügt ift, oerb-n nicht Brnniioortet Silige Fragen trage man in der Eprechstunde vor. W. I. 79. 3. OstpreußischeS Feldartillerieregiment Nr. 73. Osterode. Vorläufig Truppenübungsplatz Hammerstein.— A. 100 Z. Wenden Sie sich an die Redaktion„Der Seemamr", Berlin, Engeluser 21.— G. Z. 3. tentrale für Auswanderer, Karlsbad 9/10.— H.