Pr. 147. flbonnementS'Bedinguaaen: Abonnements< Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 MI, monatb 1,10 MI, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HaoS. Einzelne Nummer 6 Pfg. EonntagS- nummcr mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Prnsliiie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Vostabonnements nehmen am Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxen, bürg, Portugal. —'Tien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. erscheint tSgNch. Vevlinev Vollisblerkt. Die Insertion!-Lediihr beträgt für die sechsgesvaltene Kolonel- zcile oder deren Ramn 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- Und Versammlungs-Anzeigen M Pfg. „Klttnt Hnztigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 12 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis B Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iit bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SotfiiliUnioliritl Berlin", NOS Zcntralorgan der foztaldemokratffcben Partei Deutfchlands. Rcdahtion: SSI. 68, Litidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplati. Nr. 1383. Die innere liolonlintion und die fleilchteuerung. Für Politiker und Gelehrte, von der fortschrittlichen bis Sur halbagrarisch-reaktionären Richtung, ist seit einiger Zeit die innere Kolonisation zum Allheilmittel geworden. Auf sämtliche Wirtschaftsfragen der Gegenwart wissen sie nur eine Antwort: innere Kolonisation. Sie soll der„Landflucht" ein Ziel setzen, den Geburtenrückgang aufhalten, der Fleisch- teuerung steuern usw. usw. Obgleich all diese Erscheinungen auch in Ländern mit überwiegendem ländlichem Kleinbesitz konstatiert werden, so in Frankreich, versichern die neu ge- backenen„Bauernfreunde", daß es in Deutschland anders sein wird, wenn es nur gelinge, einige neue Bauernstellen zu schaffen. Insbesondere, meinen sie. wird der deutsche Arbeiter volle Fleischtöpfe haben, wenn die� innere Kolonisation im großen Maßstabe getrieben wäre. Sie berufen sich dabei auf die Tatsache, daß in den kleinen Betrieben relativ mehr Vieh gehalten wird als auf den Gütern. Merkwürdig nur, wie dieselben Volkswirte, die jetzt auf die größere Anzahl von Stück in den kleinen Betrieben hin- weiseti. den Unterschied zwischen Vieh und Vieh übersehen. den sie Wohl kennen, wenn die Rede von der geringen Eni- Wickelung der Viehzucht in Deutschland ist. Wenn wir sagen. daß die Viehzucht mit der Bevölkerungszunahme nicht gleichen Schritt hält, meinen sie, das heutige Vieh dürfe mit dem früheren nicht verglichen werden. Wissen sie aber nicht, daß es die großen Güter sind, wo man gerade die fetten, fleischigen Mastochsen antrifft, mit denen die mageren Kühe und abge- ackerten Ochsen des Parzellenbauers gar keinen Vergleich aus- halten können? Abgesehen davon, ist es klar, daß der Bauer, der eine Kuh oder einen Ochsen hat, das Vieh zur Feldarbeit ver- wendet. Ferner kommt es doch darauf an, aus welchen Gründen der Gutsbesitzer weniger Vieh hält als der Bauer. Daß die Viehzucht wenig rentabel wäre, ist kaum anzu- nehmen. Die hohen Getreide- und Futtermittelpreise sind allerdings ein bedeutendes Hindernis für die Viehzucht, aber für die bäuerliche mindestens im gleichen Maße wie für die der Gutsbesitzer, die doch auf eigenem Grund und Boden Futter bauen können. Die Grundursache, warum die Vieh- zucht der großen Güter relativ wenig entwickelt ist, liegt, ab- gesehen vom Mangel an Kapital, darin, daß die Güterbesitzer die Vieh- und Fleischpreise hoch halten wollen. Aus Angst, daß eine starke Vermehrung der Viehbestände die Preise drücken könnte, schränken sie ihren Viehbestand aus das Miniinum ein. Die Bauern richten sich noch nicht so genau nach den Marktverhältnissen, weil sie das Vieh entweder in ihrer Wirtschaft brauchen oder darin das einzige Mittel sehen, zu Bargeld zu kommen. Wo aber die Bauern sich eben- falls auf den Markt einrichten, befolgen sie die gleiche Taktik wie die Großgrundbesitzer, schränken bewußt die Produktion ein, um die Preise in die Höhe zu treiben. So beispielsweise in der Schweiz. Tasselbe tun die Milchgenossenschaften in Süddeutskland. Daher sind die Milchpreise in der Schweiz so- wohl wie in Süddeutschland in den letzten Jahren sehr stark in die Höhe gegangen, obgleich dort der Bauer der Haupt- lieferant von Milch ist. Daraus folgt, daß es um die Fleischversorgung Deutsch- lands kaum besser bestellt wäre, wenn der Großgrundbesitz aufgeteilt wäre. In den ersten Jahren würden wir viel- leicht Uebersluß an Fleisch haben, worauf aber eine Produktionskontingentierung und Preissteigerung sicher ein- treten würden. Wir sagen: vielleicht. Deiln zunächst ist noch gar nicht abzusehen, woher die Bauern die gewaltigen Summen, die zuin Ankauf des Bodens und zur bedeutenden Vermehrung der Viehbestände notwendig sind, nehmen könnten. Ist es den Großgrundbesitzern, die für den Boden nichts oder nur wenig zu zahlen haben und umgekehrt jährlich aus ihm große Summen herauswirtsckiaften, oft schon schwer, Geld zu erhalten, um so mehr für den Bauern, der dabei zu- nächst aus der Viehzucht mehrere Jahre nicht cininal die Zinsen würde herauswirtschaften können. Tic Viehzucht arbeitet bekanntlich niit sehr hohem stehendem Kapital und hat eine lange Umschlagszeit, die der Bauer gar nicht im großen Maßstabe aushalten kann. In der Tat zeigt die bäuerliche Viehzucht auch nur mäßige Fortfchritte. Auf den Betrieb berechnet, kamen Stück: Betrieben:, Schweine gn-öeiiieocii. m2 � igZI 1907 Unter 0,5 Hektar 0,0941 0,94 Von 0,5 vis 2 Hektar/ U'oa 0,86 f 9.™ IM 2, 5. 2,65 3,15 1,62 3,1 5, 20. 5,9 7,4* 2.7 6,0 . 20, 100, 14,8 20,2 i 14.0 Ueber 100 Hektar.. 61.5 97.6 i � 57.7 Je größer der Betrieb, um so größer sein Viehbestand und so bedeutender der Fortschritt, den seine Viehzucht in den letzten 25 Jahren gemacht hat. Wer also wirklich'für' die Zu- kunft sorgen will, kann nicht den Kleinbetrieb, auch nicht den mittleren Bauernbetricb. als Ideal der landwirtschaftlichen Betriebsorganisation empfehlen. Mindestens wäre die Fleisch-' beriorgungsfrage nach einigen Jahren wiederum gktuell. _ Um die wahre Sachlage zu verdunkeln, verweisen die Verteidiger der inneren Kolonisation, wie schon erwähnt, auf. die relative, im Verhältnis zur Bodenfläche, stärkere Vieh-' Haltung in den kleinen Betrieben. Die Viehzucht steht aber keineswegs in direkter Beziehung zur Bodenfläche. Deshalb täuscht dieser Vergleich nur, statt ein richtiges Bild von der tatsächlicksen Fähigkeit der einzelnen Betriebsgrößen zu geben. ihre Viehzucht auszudehnen. Aber auch im Verhältnis zur landwirtschaftlich benutzten Fläche sind die Fortschritte des Klein- und mittleren Betriebes keineswegs größer als die des Großbetriebes. Es kamen nämlich auf 100 Hektar landwirtschaftlich benutzter Fläche: Betrieben Rindvieh Schweine �N 1882 1907 1882 1907 Von 2 bis 5 Hektar 81,8 95,5 40,6 94,0 , 5, 20. 60,2 75,5 28,9 00,8 , 20. 100. 42,1 56,9 17,5 89,2 Ueber„. 19,7 33.0-, 6.2 19,6 Die kleinen und kleinsten Betriebe haben tatsächlich im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Fläche mehr Vieh. Wollen die Freunde der inneren Kolonisation die Verwandlung von ganz Deutschland in Zwergbetriebe? Diese Betriebe haben aber eine relativ geringe Vermehrung ihres Viehbestandes vornehnien können, selbst die Betriebe mit 5 bis 20 Hektar Land vermehrten ihren Rindviehbestand bloß um 25 Proz. in 25 Jahren! Tagegen stieg er bei den Großbetrieben um rund 70 Proz. Daraus geht also unwiderleglich hervor, daß die innere KoloPsation keine Lösung der Teuerungsfrage darstellt, daß die bürgerlichen Parteien überhaupt außerstande sind, irgend- eine Lösung dafür zu finden. Der Grund aber, warunt die Fortschrittler für die innere Kolonisation eintreten, liegt, ab- gesehen von ihren politischen Hoffnungen auf den Bauern- fang, darin, daß der Handel noch immer dem Bauer die Preise diktiert und ihin einen bedeutenden Teil seines Profits weg- nimmt. Der Großgrundbesitzer emanzipiert sich rasch vom Einfluß des Handels, knüpft direkte Beziehungen zuin städti- sehen Konsumenten oder Großhändler an, findet auch den Weg zur Bank oder Genossenschaftskasse, während der Bauer noch zum bedeutenden Teil sich in Abhängigkeit vom Wucherer und Händler befindet, der ihm die Produkte unter dem Markt- preise abnimmt. Das Interesse des Handels läuft also auf Erhaltung des Parzellenbauertums aus, und die Fort- schrittspartei vertritt auch in dieser Beziehung das Handels- kapital. Demgegenüber stellen wir die Forderung der Ver- staatlichung des Großgrundbesitzes auf, die allein imstande wäre, auch das Problem der Fleischversorgung zu lösen. Durch Einrichtung von großen Musterwirtschaften würde die Vieh- zucht auf einer rationellen Basis gestellt werden können und sie würde sich dem Bedarf, nicht aber der wucherischen Aus- beutung der Konsumenten anpassen. Der»iriegdchztz. Die Budgctkom Mission des Reichstags erörterte in der Sitzung am Freitag allgemeine Finanzfragen. Die Regierung fordert die Verdoppelung des im Juliusturm in Spandau liegenden Kriegsschatzes in der Höhe von 120 Millionen in gemünztem Gold. Dazu sollen in Zukunft noch 120 Millionen in Silbergeld kommen, so daß der Kriegsschatz die Höhe von 240 Millionen er- reichen würde. Weiter will die Regierung für 120 Millionen 5- und 10-Markscheine ausgeben. Die Ausgabe dieser Kassenscheine soll dazu dienen, die Goldreserve zu erhöhen; es soll also für die 120 Millionen Kassenscheine Gold in gleicher Summe zurückgehalten werden. Diese Maßregeln dienen dazu, daß das Reich im Kriegs- falle sofort über die besonders zu Beginn des Krieges notwendigen Barmittel verfügt. Der auf das Toppelte vermehrte Reichskriegs- schätz würde auch, wie die Regierung in der Begründung sagt, die Möglichkeit bieten, 720 Millionen Mark mehr in Noten zu Zahlun- gen für Heer und Marine sowie für den allgemeinen Verkehr ver- fügbar zu machen. Nach einem Referat des Genossen Südckum als Bericht- crstattcr, der die Ablehnung empfahl, sprach der Volksparteilcr v. Schultzc-Gacvernitz seine Zustimmung zu der Vorlage aus. Bedenklich sei aber, in größere» Umfange Papiergeld in ver Form von Reichskasscnscheinen in Ur- zu bringen. Der Ratio- nalliberale Roland-Lückc mein, Silbcrbestand erhöhen und um denselben Betrag noch w isscnschcine auszugeben, die gar keip gesetzliches Zahlung„d und von jedermann im Verkehr zurückgewiesen wer» müsse als eine- merhin bedenkliche Maßregel angese� Die Verstx �..g des Kriegsschatzes sei dringend g..nn je stärker wir militärisch rüsten, desto höher müssen ,rt verfügbaren �rmittel sein. Deshalb sei es gut, auc'.. hohen Vesta n' Silbergeld zu besitzen, um es nötig- dem Verkehr zu.�ren zu können. Gefordert werden w' �aß die Regierung h�pslichtet wird, erst die Ratschläge der'-.„dank einzuholen, ehe sie in einer Zeit der Krise den zu scha;�en Silberschatz zur Ausgabe für den Verkehr angreift.■* Schatzsekrctär Kühn betonte, die Verpflichtung der Rcichs- hauptkasse bestehe, der Rcichsbank auf Verlangen Reichskassenscheine abzunehmen; das sei durch Gesetz schon vorgeschrieben. Selbstvcr- ständlich würde der Silberschatz nur nach vorherigcr Verständigung mit der Rcichsbank angegriffen werden.— In sehr interessanten Darlegungen äußerte sich der Reichsbankdirektor v. Glascnapp über die zur Erörterung stehenden Fragen. Abg. Gothein wandte sich scharf gegen die von der Regierung vorgeschlagenen Maßregeln. Für 120 Millionen Silbergeld mehr zu prägen, dazu ncch, gestützt auf diesen Metallbestand, das Dreifache dieses Betrages an Noten ausgeben, müsse als ein gefährlicher Weg bezeichnet Expedition: SSI. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 1384. werden. Die Reichsbank verfüge heute schon über sehr große Silberbestände, die aber eine unterwertige Deckung für Banknoten darstellen. Es wäre besser, die Erledigung dieser Angelegenheit auf den Herbst zu vertagen und inzwischen die Sachverständigen zu Rate zu ziehen.— Von der Regierung wurde weiter betont, daß die außerordentliche Heeresvcrmehrung dazu zwinge, den Kriegsschatz zu verdoppeln. Ebenso brauche gerade die Militär- Verwaltung im Kriegsfalle sehr viel Silbergeld, was auch schon für den Frieden zutrifft. Nach Reichskassenscheinen sei eine ungemein starke Nachfrage, der man gerecht werden müsse. Alle gegen die Erhöhung des Silberbestandes und hegen die Vermehrung der Aus- gäbe von Kassenscheinen erhobenen Bedenken dürfen als unbegründet betrachtet werden. Im weiteren Verlauf der Debatte wurde gewünscht, die alten und abgegriffenen Kassenscheine aus dem Verkehr zu ziehen. Dann wurde die Weiterberatung auf Sonnabend vertagt. Abstimmungen. Der Reichstag hat am Freitag die Generaldebatte der zweiten Lesung der Wehrvorlage beendet und über die entscheidenden Punkte, besonders über die Präsenzziffcr, abgestimmt. Das Ergebnis entspricht der bisherigen Haltung der Parteien. Auf der bürgerlichen Seite fühlt mau ange- sichts der ungeheuerlichen Mehrforderungen die Verpflichtung. wenigstens so zu tun, als ob man etwas täte. Man will nicht alles so bewilligen, wie es die Regierung verlangt. Man streicht irgend einen unwesentlichen Schnörkel und macht dabei die Kraftanstrengungen, die der Hans- tvurs: im Zirkus heuchelt, lvenn er als Karikatur auf seinen Kollegen von der Schlverathletik Gewichte von einigen Hundert Pfund stemmt. In Wirklichkeit stemmt er aber nur Attrappen aus Pappe. Die Regierung und die Konservativen kommen den Preis- stemtnern dabei$u Hilfe. Sie machen ein Aufhebens, als ob es sich um wirkliche Gewichte handelte. Sic stellen die a c- strichenen Kavallerieregimenter als die Ivich» tigsten Teile der Vorlage hin, ohne die sie nicht wert sei, den Namen deutsche Wehrvorlage zu tragen. Um so stolzer kommen sich die übrigen bürgerlichen Parteien vor, wenn sie dennoch den Mut haben, die Streichungen durchzuführen. Und wie werden sie sich deswegen erst bei ihren Wählern in Positur setzen! Um so lipber wird der katholische oder liberale Michel es glauben, Äaß die übrigen Mehrforderungen unbedingt notwendig geivesen seien! Denn sonst hätten doch die tapferen Schneiderlein im Reichstage, die da so ohne weiteres an 1600 Kavalleristen streichen, sicher auch die über 105000 sonstigen Kavalleristen, Infanteristen, Artilleristen, Pioniere, Verkehrs- und Trainsoldaten gestrichen. Sicher I Wer's nicht glaubt, bezahlt einen Taler Wehrbeitrag extra! Wir Sozialdemokraten werden aber diese schlaue Spcku- lation auf die Leichtgläubigkeit des deutschen Wählers durch- kreuzen, soweit es nur in unserer Macht liegt. So wie bisher die Fraktion im Reichstags die bürgerliche Heuchelei aufgedeckt hat, wie sie immer uiid imnier wieder den im- erschütterlichen Nachweis geliefert hat, daß auch nicht ein Fünkchen Berechtigung für die enorme Heeresvergrößerung vorliegt, wie sie daneben die bürgerlichen Abstriche in ihrer Unzulänglichkeit und in ihrer roßtäuschcrischen Harmlosigkeit für die militärischen Ansprüche des Imperialismus bloßgestellt hat, so werden die Genossen im Lande, wo immer sie nur in Versammlungen und in der Presse dazu Gelegenheit haben, diese Aufklärungsarbeit der Fraktion fortzusetzen haben. Ist auch die jetzige Wehrvorlage nicht mehr zu verhindern, so muß doch durch die Kritik der parlamentarischen Kämpfe um diesen Beutezug des Militarismus und seines Antreibers, des Imperialismus, der zukünftigen Wehrvorlage so früh wie möglich ein Bollwerk im Volke entgegengesetzt werden. Auch die Resolutionen, die die bürgerliche Mehrheit der Budgctkommission und auch die Mehrheit des Plenums an- genommen hat, und die günstigenfalls kleine Verbesserungen herbeiführen werden, sollen nur dem gleichen löblichen Zwecke dienen, den Pelz des Militarismus zu waschen, ohne ihn naß zu niachen, durch den auffälligen Eifer bei dieser Wäsche aber zugleich dem biederen staatserhaltendcn Bürger Sand in die Augen zu streuen. Gewiß stimmte auch die sozialdemokratische Fraktion mit für solche kleinen Abschlagszahlungen: Aber wir verfallen nicht der gefährlichen Einbildung, daß dadurch irgend etwas Wesentliches erreicht sei. Wir haben an Stelle von papiernen Resolutionen Anträge eingebracht, die die von uns sür notwendig gehaltenen Verbesserungen in d i c W c h r v 0 r- läge hineinarbeiten und sie damit zum unlöslichen Bestandteil des neuen Militärgesctzes machen wollen. Dadurch würde die Durchführung der Beschlüsse des Reichstages er- zwungen, die Regierung müßte auf die Gefahr hin, daß das ganze Gesetz scheitert, die notwendigen Reformen zugestehen. Mit der Beratung dieser Anträge wurde am Freitag noch begonnen. Genosse Graduaucr begründete in eingcheijjier Darlegung die Notwendigkeit einer Verkürzung der D i e n st z e i t auf ein Jahr oder— falls die Forderung ab- gelehnt werden sollte— der Beseitigung des skandalösen Vorrechts der einjährig- frei willigen Dien st- zeit. Genosse Gradnauer zerpflückte alle die lockeren Argu- mente, mit denen die Militaristen die Aufrechterhaltung der zwei- und dreijährigen Dienstzeit zu stützen versuchen. Nichts blieb übrig als ein schreiendes Unrecht gegen die große Masse der Wehrpflichtigen, das um so erbittern der in einem Jahre wirkt, das der Erintterung an die Volksopfer vor hundert Jahren gewidmet ist, und in dem mit großem Gepränge das Jubiläum eines Mannes gefeiert wird, der einst feierlich die Parole aus gegeben hat, daß das Heer als Waffe gegen den„inneren Jeind" dienen solle. Die Debatte geht am Sonnabend weiter. Bei der Ab stimmung werden wir sehen, wie sich die bürgerlichen Parteien zu solchen Anträgen stellen, deren Annahme eine wirkliche Verbesserung unseres gegenwärtigen Heereswesens bedeuten würdod___ Die„fflarconiatmoiplläre". London, 10. Juni.(Eig. Ber.) Der nie endenwollende „Marconiskandal" hat in England eine„Marconiatmosphäre" er- zeugt, die zurzeit den Bestand der liberalen Regierung gefährdete Tic ganze Affäre hat im Laufe der Zeit einen jo verwickelten Eha rakter angenommen, daß es schwer ist, sich in den Neben- und Irr wegen zurechtzufinden. Aber gerade diese Kompliziertheit, diese Mischung der verschiedensten Finanz- und politischen Interessen macht den Vorfall für alle die sehr beachtenswert, die die politische Entwicklung Englands verfolgen. Ursprünglich handelte es sich bei dem Marconisall um einen Kontrakt, den die britische Regierung mit der englischen Marconigesellschaft im März des vorigen Jahres zwecks Errichtung von 6 Funkentelegraphenstationen zur Vcrbin dung des britischen Weltreichs geschlossen hatte. Dieser Kontrakt wurde heftig kritisiert, und zwar hauptsächlich(wie es sich später herausstellen sollte) von Leuten, die an dem Nichtzuftandekommen des Vertrags ein materielles Interesse hatten. Zunächst war eine mit der Marconigesellschaft rivalisierende Gesellschaft daran inter cssiert, daß das Parlament den Vertrag nicht ratifiziere. Dann hatten die-Baissespekulanten, die sogenannten Bären, die während der schon vor der Zeichnung des Kontrakts einsetzenden wilden Mar conispekulation den Kurs der Marconiaktien herunterzudrücken be- strebt waren, ein sehr großes Interesse daran, die Kritik zu unter- stützen und ihren eigenen Senf Hinzuzutun. Und schließlich fanden sich noch die journalistischen Sensationsmachcr klerikal-antisemitisch antiparlamentarischen Gepräges ein, um von der Jagd zu Profi- ticren. Aus der Behauptung, daß der Vertrag die Marconigesell- schaft zu sehr begünstige, wuchs bald die Anschuldigung, daß der Vertrag durch Korruption entstanden sei,-Ter geschäftsführende Direktor der englischen Marconigesellschaft Godfrey JsaacS ist näm- lich der Bruder des englischen Justizministers Sir Rufus Jsaacs. Es wurde nun mehr oder minder deutlich die Verdächtigung aus- gesprochen� daß der Direktor der Marconigesellschaft durch seinen Bruder den Postminister'Samuel zur Zeichnung des Kontrakts be- trogen habe. Da alle drei Personen Juden sind, erlebte man bald eine regelrechte antisemitische Hetze seitens eines Häufleins kleri- kaler Reaktionäre, die von den Herren Belloc und Cecil Chesterton geführt werden. Ciegen den letzteren erhob der Direktor der Marconigesellschaft eine Anklage wegen Beleidigung. Der Fall kam nach langer Verzögerung vor einigen Tagen zum Abschluß. Herr Chesterton fiel jämmerlich rein. Seine Verteidigung wird ziemlich treffend durch die Worte des Richters gekennzeichnet, der bei der Fällung des Urteils bemerkte, daß die Anschuldigungen, die der An- geklagte in seinem Blatte erhoben, von einer-unbesiegbaren Un° wissenheit und Voreingenommenheit" zeugten. Chesterton wurde zu einer Geldstrafe von 100 Pfund und zur Tragung der schweren Kosten des Verfahrens verurteilt. Er hatte jedoch die Genugtuung, das Vorleben des Finanzmannes aufzudecken, und dieses Inter- mczzo zeigte der Welt wieder einmal, daß die Akkumulation des Kapitals'nicht auf dem Wege der Enthaltsamkeit und des Sparens vor sich geht, sondern— nur auf weniger ideale Weise. Dieses penetrante klerikal- antisemitisch- antipavlamentarische Parfüm der-Marconiatmosphäre" scheint sich nunmehr verflüchtigt zu haben. Aber eine andere Ingredienz macht sich jetzt um so deutlicher bemerkbar. Schon während des wilden Spiels mit den Marconiaktien tauchten Gerücht« auf, daß sich Minister durch ihre Kerrntnis, daß der Marconikontrakt gezeichnet werden würde, be- -reichert hätten, indem sie die Aktien zu einem billigen Preise auf» kauften, um sie während der Hausse wieder loszuschlagen. Di« Gerüchte nahmen immer bestimmtere Formen an. Man nannte an der Börse die Namen deS Schatzkanzlers, des Justizministers, des Postministers. Die Regierung sah sich schließlich im Oktober deS vergangenen Jahres genötigt, eine parlamentarische Unter» suchungSkommiffion einzusetzen, die die Borgeschichte des Marconi- kontrakts erforschen sollte; dem Parlament sollte der Kontrakt erst zur Genehmigung vorgelegt werden, wenn die Kommission Bericht erstattet hätte. Seit vielen Monaten sitzt nun diese Kommission und vernimmt Zeugen. Die Leute, die die Korruption der Minister aufdecken sollten, die Koryphäen des Anklägerchors, versagten in geradezu lächerlicher Weise. Der„große Finanzmann" Lawson zog all« sein« Anschuldigungen zurück und der deutschfresserische hohe Priester des heiligen Jingo Herr Maxse, der englische Derouledc, versuchte seinen Rückzug durch eine freche Herausforderung des Parlaments zu rechtfertigen. Man ließ den armen Schacher, dessen Gehirnverrenkungen ja doch niemand ernst nimmt, schließlich laufen. Und doch war an dem Gerücht etwas Wahres, obwohl gerade dies den Anklägern der Minister unbekannt war. Im Oktober de« Jahre» 1912 hatten die Minister im Parlament erklärt, daß sie zu deiner Zeit mit englischen Marconiaktien etwas zu tun ge- habt hätten. Zweifellos stimmte das. Doch vergaßen sie zu sagen, daß verschieden« von ihnen zu Anfang des vorigen JohreS einen -llutter"(Geschäftchen) mit amerikanischen Marconiaktien gemacht hatten. Dieses Geschäft war vielleicht die Grundlage aller der Gerüchte über die Korruption der Minister. Erst zu Anfang diese» Jahres fühlten sie sich bemüßigt, öffentlich bekannt zu geben, daß der Schatzkanzler Lloyd Georg«, der Finanzminister JsaacS und der Haupteinpeitscher der liberalen Partei Master of Elibank (jetzt Lord Murray) einige Tausend amerikanische Marconi- aktien gekauft und einen Teil davon wieder verkauft hatten. Die amerikanische Marconigesellschaft soll nun nicht? mit der englischen Marconigesellschaft, die den Regierungskontrakt bekommen hat, zu tun haben; Tatsache ist aber, daß die amerikanischen Aktien mit den englischen stiegen. Lloyd George suchte dieses Geschäft vor der Untersuchnngskommission damit zu erklären, daß er eS nicht als Spekulation, sondern als Jnvesticrung für seine alten Tage be- zeichnet«, wenn er nicht mehr Schatzkanzler sein und als„armer Mann", wie er sich trotz seines JahreSgehaltS von öOO Pfund nannte, seine'Ersparnisse nötig haben würde. ES fragt sich nun, ob dieses Geschäft der Minister, zu dem ihnen der Bruder deS Finanzministers einen Wink gegeben haben soll, korrupt zu nennen ist. E» ist kaum anzunehmen, daß sich die Minister einer korrupten Handlung bewußt waren, als sie die amerikanischen Aktien kauften; denn die Gefahr, ertappt zu werden, war doch zu groß, liegen doch die Listen der Aktienbesitzer zu jedermanns Einsicht offen da. Es wird ihnen daher jetzt von ihren Gegnern auch nur Mangel an -Diskretion und Feingefühl" vorgeworfen. Am inefften Auffehen hat aber die gestern bekanntgeworden« Tatsache hervorgerufen, daß Lord Murray nicht nur für sich und seine Kabinettsfteunde, fondern auch für die liberale Partei, deren Gelder er als Chief Whip verwaltete, amerikanische Marconiaktien gekauft Hai. Das kam bei der Vernehmung des Konkursverwalters eines flüch- tigen Maklers heraus, der für Lord Murray und die liberale Parteikasse Gelder investierte. Die liberale Parteikasse soll mit einer Forderung von 30 000 Pfund an der Konkursmasse beteiligt sein. Wenn man bedenkt, daß Lord Murray, der.Organisator des Sieges", bor wenigen Monaten seine viewerfprechende politische Laufbahn urplötzlich aufgab, um Leiter eines großen Geschäfts» Unternehmens zu werden, daß er augenblicklich im fernen Ecuador in geschäftlichen Angelegenheiten weilt, so kann man begreifen, wie günstig die Lag« für das Entstehen von allerlei Gerüchten und Verdächtigungen ist: was die-Marconiatmosphäre" ist. Dazu kommt, daß das Uniersuchungslomitee zu einem Tummelplatz der Parteileidenschaft geworden ist. Man hat dort den eigentlichen Zweck der Untersuchung fast ganz vergessen und beschäftigt sich hauptfächlich nur noch mit Nebenfragen, die geeignet erscheinen, dem Gegner eins auszuwischen, wobei die liberale und konservative Presse natürlich tüchtig mitmacht. Die Konservativen halten die Situation für günstige um die Regierung zu stürzen. Zwar wagen sie sich nicht aus Furcht, daß die Liberalen ihre schmutzige Wäsche ans Tageslicht ziehen könnten(wie Lloyd George ja auch schon gedroht hat) offen heraus; aber sie geben sich die redlichste Mühe, dem Volke Abscheu gegen das Ministerium einzuflößen. Und wirklich hat auch daS Ansehen der liberalen Regierung bei den Massen schwer gelitten.-Was ist denn mit meinem Lloyd Georg« loS?" fragt sich der liberale Arbeiter, der in dem beredten Schatzkanzler bisher den Sankt Georg gesehen hat, der daS Volk von dem Drachen der Not und der Armut befreien wollte.-Als er in Limehoufe gegen die Reichen und Mächtigen der Welt wetterte, glaubten wir, daß er es wirklich ernst meinte, daß er die Wechsler aus dem Tempel jagen würde. Und hier sehen wir ihn mitten untdr den Wechslern im freundschaftlichsten Verkehr."— Herr Lloyd George wird sich auf Ueberraschungen vorbereiten müssen. Wenn er demnächst wieder zu einer Massenversammlung spricht, wird ihm aus dem Hintergerunde das fatale Wort en-tgegenfchallen: Mareonil ♦• ♦' London, 13. Juni. Der Bericht der mit der Untersuchung in Sachen des von der Regierung mit der Mareoni-Gesellschaft ab- geschlossenen Vertrages beauftragten parlamentarischen Kam- Mission spricht die Minister von jedem Mißbrauch und von jeder Art von Korruption frei, indessen findet der von der unionisti- chen Minderheit der Kommission redigierte Bericht einige Minister tadelnswert hinsichtlich des Kaufes von Aktien der amerikanischen Mareoni-Gesellschaft, deren Verwalter Godrey Jsaacs gleichzeitig Generaldirektor der englischen Marconi-Gesellschaft ist. von Gerhart Hauptmann zu einem schlesischen Magnaten über dieses Festspiel in entschieden ablehnender Weise geäußert. Wir haben Veranlassung, anzunehmen, daß der Krön« prinz die zuständigen Instanzen von seiner Auffassung in Kenntnis gesetzt hat und bereit ist; die Konsequenzen zu ziehen." Auch unser Feuillctonmitarbeiter hat bekanntlich mancherlei Einwendungen gegen die historische Treue und den poetischen Wert des Breslauer Hauptmann-Festspiels gemacht. Diese Ausstellungen richteten sich gegen den kulturhistorischen und ästhetischen Wert des Festspiels. Der Entrüstungssturm aber, der inzwischen von Kriegervereinsvorsitzenden. Universitäts- hämorrhoidariussen und Zentrumspfäfftein gegen das Ge» legenheitsstück des schlesischen Dichters inszeniert worden ist, der trotz all seiner Schwächen der stärkste deutsche Dramatiker des letzten Menschenalters bleibt, zielt nicht gegen dichterische und historische Mängel des Festspiels, sondern einzig und allein gegen dessen trotz aller Verschwommenheiten und Schief- heiten modern-menschlichen Geist. Die ganze geistige Richtung patzt den Hurrapatrioten und Dunkelmännern nicht. Da aber der im Namen von 236(XX> Vereinsmitgliedern höchst eigenmächtig produzierte patriotische Unverstand eines halben Dutzends von Kriegervereinsvorsiandsmitgliedern nicht ausreichte, um die Festspiele zu inhibieren, und da auch das Aufgebot etlicher akademischer Zöpfe und Tröpfe der Oeffent- lichkeit ebenso wenig imponierte wie der Aufmarsch der mobilisierten Zentrumsmannen, hat die schlesische Rückwärtserci sich einen neuen Verbündeten verschrieben, den Kronprinzen. Daß der Kronprinz jemals ernstlichere historische Studien getrieben, ist nicht bekannt geworden. Wohl aber hat er ein Buch über Reiseerlebniffe und Jagdabenteuer geschrieben. Warum auch nicht? Aber ein forscher Jäger braucht deshalb doch noch nichts von Geschichtsvorgängen zu verstehen. Und vollends hat noch nie eine Seele, nicht einmal eine holz- böckische Reporterseele, etwas davon erfahren, datz der Krön- Prinz literarische Interessen pflege. Wenn aber trotzdem jetzt der Kronprinz gegen Gerhart Hauptmann ins Feld geführt werden soll, so ist das die arm- seligste Retirade unserer Rückwärtser, die gedacht werden kann. Der Kronprinz soll die„Konsequenzen ziehen". Ja welche denn? Datz er keine Autorität in literarischen Dingen, nahm doch schon bisher alle Welt an! Soll er etwa den Militär- boykott nicht nur über die Festspiele, sondern über Breslau verhängen? I Denn die Zurückziehung seines„Protektorats" würde doch nur ein Schlag ins Wasser sein. pol'tilcbe deberficbt Das Steuerkompromist. Ueber die vertraulichen(I) Besprechungen zwischen den Liberalen und dem Zentrum macht die Scherlpresse folgende Angaben: -An die Stelle der Erhöhung der Matrikularbeiträge soll die ermögenszuwachssteuer treten. Wie die Regierung vorgeschlagen, soll zwar das KindeSerbe, nicht aber das Gatten- erbe herangezogen werden; veranlagt ssoll aber diese Steuer ent- gegen dem RegierungSentwurf nicht alle zwei, sondern alle drei Jahre werden... Alle Vermögen unter 20 000 M. bleiben steuer- rei. Dafür bat man aber die Steuersätze gegenüber der Regie- rungSvorlag« bedeutend erböht. Di« Staffel beginnt mit 1 Proz. tatt Vi Proz. Außerdem sind für die Besteuerungen des Kindes- erdes besondere Erleichterungen vorgesehen. So soll ein Kind, das dem Betrieb der Eltern mitgearbeitet hat, für jedes Jahr der Mitarbeit 750 M. als steuerftei angerechnet erhalten. Ferner bleiben alle Erbanfälle unter SO 000 M. steuerftei, wenn ein un- mündiges Kind trotz der Erbschaft pekuniär schlechter gestellt ist als vor dem Tode des Ernährers. Mit diesen Erleichterungen sollen die hauptsächlichsten Einwände der Konservativen gegen die Besteuerung des KindeSerbeS beseitigt werden. Daneben ist noch eine klein« Reichsvermögenssteuer in Vorschlag gebracht'worden; man könnt« sie vielleicht ein«-Reichs- ergänzungSsteuer" nennen. Im Kompromiß heißt sie-F e st st« l- lu n g sg e b ü h r". Es soll von jedem Vermögen bei der jedes- maligen dreijährigen Veranlagung, gleichviel, ob.der Betreffende eine Vermögenszuwachssteuer zahlt oder nicht, eine Abgabe von 20 Pf. pro 1000 M. erhoben werden. Das macht etwa ein Drittel der preußischen Ergänzungssteuer aus. Man befürchtet allerdings, daß der Bundesrat gegen die Einführung dieser Abgabe sich sträuben werde. Wenn auch gestern in der Budgctkommission das Erbrecht des Reiches beschlossen wurde, so rechnet man doch nicht mit seiner Einführung. Wie schon mitgeteilt, wird auch die bestehend« Wertzuwachssteuer für Grundstück« ganz aufgehoben, so daß dieser Wertzuwachs künftig mit dem übrigen besteuert wird. und zwar einfacher und geringer als eS jetzt der Fall ist. Die vor- gesehene Herabsetzung des Be s i tz we ch s e l st e m p e l S auf die Halste soll nicht erst 1917, sondern sofort in Kraft treten. Dafür bleibt die erhöhte Zucker st euer dauernd erhalten. Um den Ausfall an Einnahmen zu decken, wird die bestehende Reichserbschaftssteuer erhöht, und der Anteil der Bundesstaaten an dieser Steuer von Vi auf% herabgesetzt. Ueber die Beseitigung des Reichsstempels schweben noch die Ver- Handlungen. Die Ausgestaltung der Stempelsteuer ist in folgender Form qedacht: Bei der Besteuerung der Mtiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung sollen die Regierungsvor- schlage unverändert bleiben. Der Versicherung» st empel für Unfall- und für Feuerversicherungen von Immobilien soll ganz fortfallen und der bei Lebens- und sonstigen Feuer- Versicherungen erheblich h- rabgesetzt werden. Ueber die Staffelung des Wehrbeitrages schweben noch Ver- Keine Teuerungszulagen, sondern aber wann? Familienzulagen— Handlungen. Den Ertrag der Ver- läufig auf 120 bis 130' lionen aus der beibehal Stempeln, etwa 7 Millu aus der Feststellungsgeb dingS 10 Millionen durch 'nszuwachssteuer berechnet man vor- neu Mark. Man erwartet 40 Mil» suckersteuer, 30 Millionen aus den der Erhöhung der Erbschaftssteuer, "illionen Mark, von denen aller- >W ll der bestehenden Wertzuwachs- steue r abzuziehen find. Di« Zustimmungdec eumsstehtaus.es kam in seiner gestrigen FraktionSsitzr. i zu keinem Beschluß. Wie verlautet, widerstrebt der agrariso».' des Zentrums jedweder Besteuerung des Kindeserbes. Die Vi.'S Kompromisses rechnen auf den Anschluß der Reichspartei un».'Wirffchaftlichen Ver- einigung." Nach Mitteilungen von anderer Seite ist auch die Be- steuerung des Gattenerbes enthalten. Das Kompromiß stößt sowohl beim Zentrum als namentlich auch bei den Kon- servativen vorläufig noch auf Widerspruch. Auch die s ä ch- fische Regierung verharrt in ihrem Widerstand gegen jede Art von Reichsvermögenssteuer. Dagegen setzt sich die „Germania" heute mit großem Nachdruck für das Kompro- miß ein._ Der Kronprinz gegen Gerhart Hauptmann? Die„Schlesische Volkszeitung" schreibt: „Wie wir au? einer Quelle erfahren, die wir als gut in- formiert ansehen müssen, hat sich der K r o n p r i n z. der Pro- tektor der JahrhundertauSfiellung, nach der Lektüre des Festspiels Das preußische Abgeordnetenhaus hatte in einer Reso- lution die Staatsregierung ersucht, in einem Nachtrahsetat für das Etatsjahr 1913 kinderreichen Unterbeamten und mittleren Beamten mit einem 3000 M. nicht übersteigenden Gehalt in allen Verwaltungen unter Abstufuna nach der Zahl der Kinder Teuerungszulagen zu gewähren. Wie eine offiziös bediente Korrespondenz meldet, hat die Regierung beschlossen, dieser Resolution jetzt keine Folge zu geben; sie will jedoch in eine eingehende Prüfung über die Frage der Gewährung von Familienzulagen eintreten. Das heitzt nichts anderes, als die Frage der Zulagen für die unteren und mittleren Beamten aüf die lange Bank schieben. Daß auch der Beschlutz des Dreiklassenparlaments nichts als eine bewußte Täuschung war. ist von sozialdemo- kratischer Seite im Abgeordnetenhause gründlichst dargelegt worden!_ Kaiserjubiläum und Grostindustrie. Der Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln versendet dieses Rundschreiben: Köln, den 3. Juni 1918. An unsere Kölner Mitglieder! Bon einigen Seiten, besonders in der Presse, ist die An« .egung gegeben worden, die Industriearbeiter am Montag, den 10. Juni, anläßlich der 2Sjährigen Regierungsfeier des Kaisers, nachmittags zu beurlauben. Es erheben sich gegen diesen Vor« schlag doch erhebliche Bedenken, erstens mit Rücksicht auf die daraus sich ergebenden Verufsfälle, dann auck in Anbetracht dessen, daß bei der Menge der Feiertage eS nicht im Interesse der Arbeiter liegen kann, die Arbeit au einem halben Tage ruhen zu lasten. Nachdem auch der Arbeitgcberverband � für den Bezirk der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl« industrieller in Düsseldorf seinen Mitgliedern mitgeteilt hat, daß die maßgebenden Firmen sich geeinigt haben, dem auch dort laut gewordenen Wunsche vorbedachter Art aus betriebstech« nischen Gründen nicht Rechnung zu tragen, empfehlen wir unseren Mitgliedern, unter allen Um st än den zu vermeiden, daß eine allgemeine Einstellung der Betriebe an dem bezeichneten Nachmittage stattfinde. dagegen denjenigen Arbeitern, die aus trif« tigen Gründen, z.B. als Mitglied der patrio» tischen Vereine oder Inhaber öffentlicher Aemter usw. Urlaub zu haben wünschen, diesen zu erteilen, jedoch nicht unter Fortzahlung des Lohnes. Hochachtungsvoll Der 1. stellv. Borfitzende Der Geschäftsführer (gez.) O. Rhazen.(gez.) Paul Steller. Der 1. Vorsitzende des Scharfmachervereins ist Geheimer Kommerzienrat V o r st e r, freikonservativer Landtagsabqcord- neter, Mitbegründer und hervorragendes Mitglied des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie.£>. Rhazen ist der Generaldirektor der Deutzer Gasmotorenfabrik. Selbstverständlich verzichten die sozialdemokratischen Ar- beiter gern auf einen Feiertag aus solchem Anlaß. Ten patriotischen Arbeitern ist aber zu gönnen, datz sie für die Teilnahme am Jubilieren durch Lohnentziehung bestraft werden sollen. Die Proletarier mögen sich ein Beispiel an den Groß- industriellen nehmen, denen der ganze Jubiläumsrummel zu- wider ist, sobald es an den G e l'd b e u t e l geht. Die Herren Scharfmacher werden sich zwar gern an den Festessen be- teiligen, aber nur, wenn die Tausende Arbeiter in ihren Fabriken inztbischen dafür sorgen, datz auch an diesem großen patriotischen Tage der Gold ström des Mehrwerts keine n Augenblick versiegt! Militärische Schreckensurteile. DaS Danziger Kriegsgericht verurteilte den Musketier Winkler zu sechs Jahren und den Musketier Chikoretzki zu neun Mo- naten Gefängnis. Beide gehörten dem Infanterieregiment Sft. 128 an. Sie trafen eines Tages auf der Straße einen Unter- offizier, mit dem sie in Streit gerieten. Sie sollen ihn dabei tätlich angegriffen haben, und Winkler hat dabei von seinem Seitengewehr Gebrauch machen wollen! Das Kriegsgericht erkannte wegen Beleidigung und tätlichen Angriff« auf einen Borgesetzten auf die ungeheuer hohe Strafe. In Königsberg wurde vom Kriegsgericht der Arbeitssoldat Karl Grade wegen Achtungsverletzung, Gehorsamsverweigerung und Beleidigung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Es Handell sich hier um einen krankhaft veranlagten Soldaten, dessen Vergehen darauf schließen lassen, daß er unmöglich geistig normal sein kann. Der Sergeant befahl ihm eines Tages, mehr Wasser in seine Waschschüssel zu gießen.� Darauf erwiderte der An« geklagte, er hätte Wasser genug, und wenn der Herr Sergeant etwas von ihm haben wolle, sollte er ihn melden. Er hat dem Vorgesetzten gedroht, ihn beleidigt und dabei gesagt, ihm seien die Folgen seiner Handlungsweise gleichgültig, es sei ihm ganz egal, ob er ins Zuchthaus komme oder ob er einen Kopf kürzer gemacht werde. Den Unteroffizieren drohte er, sie, falls sie in seine Nähe kämen, mit dem Messer zu ersiechen. Auch dem Oberleutnant gegen» über verweigerte er den Dienst, wobei er sagte, daß er sich der Schwere seines Vergehens bewußt sei. Man zweifelte nun an seiner geistigen ZurechnungSfähigkeit und holte das Gutachten eines Oberarztes ein. Dieser stellte den An« geklagten in der Verhandlung als den TypuS eines Psycho« p a t i k e r s hin und erklärte, er sei teils infolge Erbbelastung, teils durch Alkoholgenuß degeneriert, freilich meinte der Sachverständige, dieser krankhaste Zustand sei noch nicht so hoch- g r a d i g, daß der Z 51 des ReichsstrasgesetzbuchS anzuwenden fei. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Jahre Gefängnis und zwar mit Rücksicht auf die.Schwere der Vergehen". Der An» klagevertreter hatte neun Monate Gefängnis beantragt. StraßetiKämpfe in Konftantinopcl. Konstantinopel, 13. Juni. Die Polizei hatte einen der Mörder des Grostwesirs Schewket Pascha in Pera in der Piräusstraße unweit des deutsche« General- konsulats festgestellt. Bei dem Versuche, ihn zu verhaften. entspann sich heute nachmittag um 3 Uhr ei« Feuer- g e f e ch t. das bis zur Stunde f4 Uhr 5 Minuten) noch anhält. Mehrere Personen find verwundet worden. Konstautinopel. 13. Juni. Der Mörder, dessen Verhaftung gemeldet wird. heisit Z i a. Bei dem Versuch, ihn festzn- nehmen, schost er den Leutnant Hilri, Ordonnanzoffizier des Stadtkommandanten Oberst Dscheral, in die Brust und den Untersuchungsrichter Saruel in den Fuß. Das Haus. in welchem sich anscheinend ungefähr acht Personen mit Revolvern und Gewehren verteidige«. so daß Polizei und Militirfeuerwehr es bisher nicht einnehmen konnten, ist übelberüchtigt und gehört einem englischen Untertan. Der englische Botschafter hat jedoch der Polizei das Eindringen erlaubt. Das ganze Stadtviertel ist abgesperrt: mehrere Leute solle» schon getötet sein. Konstantinopel, 13. Juni. Unter den bei Einnahme des Hauses in der Piräusstraße verhafteten Personen, befindet sich auch der Mörder des Großwesirs, Zia, selbst, sowie der ebenfalls wegen Teilnahme an der Ermordung Mahmud Schewkcts gesuchte frühere Rechtsstndent N a z m i. Konstantinopel, 13. Juni. In Stambul sind heute im ganzen löst Personen verhaftet worden. Die bisherige Untersuchung. Konstantinopel, 13. Juni. Blättermeldungen zufolge hat die Untersuchung über das Attentat bisher ergeben, daß sich im Automobil befanden: Topal Tewfik, der Chauffeur Dschewal, Tscherkcß Abdurrahran, Sohn des Obersten Nazmi, der im Jahre 1908 außer Dienst gestellt wurde, ein Berufs- spicler und ein gewisser Nazmi, dessen Persönlichkeit noch nicht genau bekannt ist und der ein beschäftigungsloser früherer Rechtshörer sein soll. Bis gestern abend wurden etwa 40 Personen verhört, die Zahl der Schuldigen dürfte etwa 10 betragen. Mehrere Personen, die mit den Schuldigen in Verbindung standen, sind verhaftet worden. Bei der gestern im Hause Topals vorgenommenen Durchsuchung wurden 5 Revolver, eine Menge Patronen und Photographien entdeckt. Topal Tewfik war Besitzer eines Kaffeehauses und Mitglied der liberalen Entente. Vor einigen Wochen war er wegen Affichicrung regierungsfeindlicher Plakate verhaftet, aber bald wieder freigelassen worden. Sämtliche Individuen, die an der Tat unmittelbar beteiligt waren, gehören den unteren Ständen an. Die Situation auf dem Balkan. Die Mächte für die Demobilisierung. London, 13. Juni. Wie das Ncutersche Bureau erfährt, haben die Mächte sowohl der Türkei als den Verbündeten mitgeteilt, daß eine teilweise Demobilisierung emp- fchlcnswert wäre, um die friedliche Lösung der schwebenden Streitfragen zu erleichtern. Belgrad, 13. Juni. Die Vertreter der Großmächte über- reichten heute mittag der serbischen Regierung die Note, durch welche die sofortige Verminderung der äugen- blicklichen Kriegsstärken in Anregung gebracht wird. Die Stellungnahme Bulgariens. Sofia, 13. Juni. Auf bulgarischer Seite wird an dem Standpunkt festgehalten, daß daE unbestrittene Gebiet von Serbien geräumt und in der strittigen Zone ein Kondominium errichtet werden muß, bevor ein Schiedsgericht in Frage kommt. Tie Cholera im Okkupationsgebiete. Saloniki, 12. Juni. Infolge der zahlreichen Fälle von Cholera- e r k r a n k u n g e n, die in den Küstenstrichen von Doiran, Cavalla und Serres in den von den bulgarischen Truppen besetzten Gebieten festgestellt wurden, bat die griechische Regierung prophy- laktisch« Maßnahmen ergriffen, um einer Ansteckungsgefahr vorzubeugen. Sie hat eine sanitäre Zone zwischen den bulgarischen und den grie« chischen Truppen bestimmt und eine fünftägige Quarantäne für alle aus den verseuchten Gebieten herrührenden Gegenstände angeordnet und hat ferner ein Lazarett eingerichtet. Im Umkreis von 14 Kilometern ist auf der Linie Saloniki,— Serres zwischen den bezeichneten Punkten keinerlei Verkehr gestattet. Dngarn. Neue» Kämpfe« entgegen. AuS Budapest wird uns vom 12. Juni geschrieben: Nach dem mit Schimpf und Schande verjagten Panamisten Lukacs wurde der Panamist und Gewaltmensch Tisza der Minister- Präsident von Ungarn. Man könnte füglich sagen der Minister- Präsident gegen Ungarn, denn das ganze, außerhalb des Re- gierungSklüngelS stehende Land erblickt in dieser Ernennung eine Provokation ärgster Art und ein Versuch zur Rettung des auf Dieb- stahl mit Gewalt gegründeten Regimes der Regierungspartei. Die Korruption, deren nur ein winziger Teil im Prozesse Dssy— LukäcS enthüllt' wurde, und die Gewaltmaßregeln stehen im Dienste einer Politik, deren einziges Ziel die Vereitelung des allgemeinen Wahlrechts ist. Und so ist eS kein Zufall, daß der Graf Tisza, der typischeste Vertreter der Ge« walt- und Schandpolitik, die Verkörperung der wahlrechtsfeindlichen Reaktion ist. Er ist der Hort und die Hoffnung all jener an Zahl schwachen, aber an politischem und gesellschaftlichem Einfluß starken Gruppen, die die Klassenherrschaft der Gentry und die Rassenherr- schaff des magyarischen Adels, die feudale und nationale Unter- drückung unversehrt erhalten möchten. Er ist aber auch ihre letzte Hoffnung und ihr letzter Einsatz in diesem Spiele. Wird er sich behaupten können, dann ist die demo- kratische EntWickelung auf lange Zeit zurückgeworfen: sein Sturz würde aber nicht nur den Zusammenbruch seiner Partei, sondern auch de? alten Ungarn bedeuten, dessen repräsentativer Mann er ist. Der Ruf nach dem allgemeinen Wahlrecht wird immer stärker im Lande, es stoßen immer neue gesellschaftliche Schichten zum Wahlrechtsheer und die sich diesem Verlangen entgegenstemmende Regierung muß immer zu verwerflicheren und verzweifelteren Mitteln greifen, um den Sturz abzuwehren. Aber eine jede neue Gewaltmaßregel trägt die Erbitterung in neue Schichten, der Widerstand wächst, die Regierung greift zu noch stärkeren Mitteln und so treibt alles einer Situation zu, wo entweder der Widerstand zusammenbrechen oder aber eine gewaltsame Explosion erfolgen muß: die Existenz der Regierung stellt den Bestand des Staates in Frage. Das Kabinett Tisza bedeutet, daß die Methoden, die seit einem Jahre hauptsächlich im Abgeordnetenhause angewendet wurden, nun auch auf daü Land übertragen werden, denn man merkte, daß je unumschränkter die Regierungspartei im Reichstage hauste, um so stärker wurde der oppositionelle Geist im Lande. Nun wird der Graf TiSza versuchen, nach seiner Fasson auch im Lande«Ordnung zu machen". In seiner am Donnerstag abgegebenen Regierungserklärung stellte er ein Gesetz gegen die„Zügellosigkeit" der Presse, ein anderes znm Schutze der Arbeitswilligen und noch etliche betreffend die Reform der Verwaltung in Aussicht! Die Presse muß mundtot gemacht werden, denn die Regierung besitzt trotz ihrer Frei- gebigkeit keine Presse. Nun wird den oppositionellen Blättern, nicht nur unserem Parteiorgan, scharf zugesetzt. Am T�ge der Ernennung des Grafen TiSza wurde das Kolportagerecht des' verbreitetsten bürgerlichen Blattes fbiS 200 000 Exemplare)«Az Est' entzogen und am Tage der Vorstellung deS neuen Kabinett» wurden außer unserem Parteiorgan.RöpSzawa" auch noch zwei bürgerliche Blätter konfisziert. Die sozialdemokratische Partei bereitet sich auf schwere Kämpfe vor, denn es ist ganz bestimmt, daß die Regierung Tisza gegen die sozialdemokratische Presse und gegen die freien Gewerkschaften einen Feldzug plant, der ein Ringen auf Leben und Tod sein wird. Aber die Regierung TiSza gefährdet nicht nur die innere Tut- Wickelung Ungarns, sondern ist ein Herd der internatio» nalen Kriegsgefahr. Nicht nur in diesem Sinne, daß sie eine neue(kleine) Wehrresorm ankündigt, sondern auch nach dem sie die brutale Unterdrückung der Nationalitäten fortsetzen, in Kroatien die Suspendierung der Verfassung weiter befürworten und damit die Kriegsgefahr an der südlichen Grenze der Monarchie verlängern wird.—__ Ein Knebelgesetz. Budapest, 13. Juni. Im Abgeordnetenhause brachte der Justizminister eine Gesetzvorlage ein, in welcher für Majestätsbeleidigungen und für An- griffe auf die monarchische Regierungsform schwerere Strafen als bisher gefordert werden. Die Strafe für Majestätsbeleidigungen soll auf drei Jahre Gefängnis, diejenige für Agitation gegen das Königtum auf fünf Jahre Gefängnis erhöht werden. Die Vorlage wird da- mit begründet, daß die anfangs unterschätzte Bewegung, die zwar auch heute noch geringfügig sei, einen besonders leiden- schaftlichen und rohen Charakter angenommen habe, wodurch eine nachdrückliche strafrechtliche Verfolgung erforderlich ge- worden sei. Der bisherige Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Paul B e ö t h y wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt. Die Opposition blieb der Sitzung fem. frankreieb. Beschleunigter Offiziercrsatz. Paris, 13. Juni. Die Kammer hat heute vormittag den Gesetzentwurf angenommen, nach welchem die im zweiten Jahrgang die Militärschule besuchenden Schüler schon mit dem 11). Juli 1918, die Schüler des jetzigen ersten Jahrganges schon mit dem 1. Januar 1914 nach Ablegung deS Schlußexamens zu Unterleutnants ernannt werden können, um dem Mangel an Leutnants und Unterleutnants, der augenblicklich 1400 beträgt, abzuhelfen. Die Beratung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit. Paris, 12. Juni. In der heutigen Sitzung der Kammer bekämpfte General Pedoya die dreijährige Dienstzeit. Er führte auS. er halte den Bestand von 67 000 Mann in der französischen gegenüber 73 000 Mann in der deulschcn Kavallerie für ausreichend: denn sie könnten alle an der Ostgrenzc verwendet werden, während die deutsche Kavallerie sich auf die Olt- und West« grenze berteilen müsse. Die Besetzung Nancys durch deutsche Truppen nach Ausbruch eines Krieges brauche nicht notwendig bedenkliche Folgen zu haben.(Bewegung.) Er glaube nicht an die Möglichkeit eines plötzlichen Angriffs an dieser Stelle oder an einer anderen. Im übrigen würde der Kampf von langer Dauer sein, und die Re» servisten an der Grenze könnten in 2 Stunden feldmarschmäßig aus- gerüstet sein.(Lebhafte Zurufe in der Mitte.) Pedoya war weiter der Ansicht, man rege daS Land auf, mißbrauche die Leichtgläubigkeit des Volkes und seine Unkenntnis militärischer Dinge, indem man von einer plötzlichen deutschen Invasion von 400 000 oder gar 800 000 Mann spreche. Man könne höchstens annehmen, daß starke Rekognoszierungsabteilungen die französische Grenze überschreiten würden.(Andrö Leftzvre unterbrach der Redner mit dem Zuruf: Vorhut! Widerspruch auf der äußersten Linken.) Pedoya erklärte weiter, zu behaupien, man könne zunächst nicht auf das Bündnis mit Rußland rechnen, hieße den Zusammenbruch dieses Bündnisse» konstatieren. Andrö Lefövre erwiderte, er habe niemals an der Treue und Aufrichtigkeit der Verbündeten Frankreichs gezweifelt. Er könne nicht zugeben, daß man wegen der Unzulänglichkeit des russischen Eisenbahnnetzes von einem Bankrott des Bündnisses spreche. Die Annahme einer Verzögerung der russischen Mobilmachung sei über- dies vielleicht eine pessimistische Hypothese. Hypothesen müßten jedoch stets pessimistisch sein, wenn es die nationale Sicherheit und Ver« teidigung gelte.(Beifall im Zentrum und bei einem Teil der Linken. Henry Patö führte als Berichterstatter aus, niemand denke daran, zu den ungerechten, durch das Gesetz vom Jahre 1905 auf- gehobenen Privilegien zurückzukehren, jedoch müsse Frankreich, obwohl eS zu den friedfertigsten Staaten zähle, jeder Invasion siegreich Wider- stand leisten können. Wir wollen lieber die verlangten Opfer tragen, erklärte Patb, als der Vernichtung anheimfallen, die von der Ver- wirklichen des alldeutschen Traumes ausgeht.(Beifall im Zentrum.) Die Anhänger des Friedens um jeden Preis täuschen sich. Eine neue Katastrophe würde den Sturz des Regimes nach sich ziehen, welches das nationale Interesse nicht gewahrt hat, das allen andern vorangeht. � Jolh stimmte den Rednern zu, dle gegen den geringen Nutzen, den man auS dem Gesetz von 1905 gezogen habe, protestiert hatten.- Er kritisierte namentlich die Inferiorität der Luftflotte. Kriegs- minister Etienne erklärte, daß 12 Luflkreuzer in Auftrag ge- geben worden seien. I o l y fuhr dann fort und sagte, Frankreich sei in Europa nicht isoliert, aber eS fei unerläßlich, daß es so handele. alS ob es isoliert fei. Rußland müsse mit Frankreich die Anstrengung teilen, die durch die Vermehrung der deutschen Streitkräfte gefordert wer de. Frankreich müsse von Rußland verlangen, daß es die im Jahre 1910 von der Grenze zurückgezogenen Armeekorps wieder dorthin bringe. Rußland könne nicht nur eine Vcrteidigungs- stellung einnehmen. Wenn die Deutschen einen Teil ihrer Heercsverstärkungen gegen Rußland richteten, so sei der Grund mindestens der, daß sie einen plötzlichen Angriff befürchteten. Der Redner wünschte die Verwirklichung des Traums Viktor Hugos von den Vereinigten Staaten Europa«. Die Kammer beschloß darauf, in der nächsten Woche weitere Sitzungen zur Beratung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit abzuhalten. Dann wurde die Sitzung aufgehoben._ Interpellation über die Soldatendemonstratrove«. Paris, 13. Juni. Der Abgeordnete für Nancy, Driant, interpellierte über die Zwischenfälle, die sich anläßlich der An- kündigung des Gesetzes über dle dreijährige Dienstzeit ereignet haben und richtete eine Anfrage an die Regierung, welche Maßnahmen sie gegen die revolutionären Organe zu ergreifen gedenke. Driant machte darauf von den Informationen Mitteilung, die er über De« monstrationen erhalten habe, die sich möglicherweise am 24. September bei der Entlassung der Jahresklasse ereignen könnten.(Zurufe auf der äußersten Linken: Das ist eine Denunziation I Zurufe und Widerspruch auf vielen Bänkeiu) Driant sagte, die Parole würde sein, daß die Leute sich so stellen würden, als wenn ihre Dienstzeit beendet sei, und würden am 24. Segtcmber in Zivilkleidung zu ihren Familien zurück- kehren. DaS würde eine beiondere Art von Fahnenflucht sein.(Bewegung und Widerspruch auf der äußersten Linken.) Der Abgeordnete Claujsat(unifizierter Sozialist) prvte- stierte gegen die HauSsuchungen, die in ganz Frankreich bei angeb- lichen AntiMilitaristen vorgenommen worden feien und dagegen, daß man bei einer Anzahl von Soldaten die Tornister untersuchte. (Abgeordnete auf der äußersten Linken begleiten die Rede durch häufige empörte Zwischenrufe.) Der Abgeordnete Colly unter» brach den Redner und sagte, die Regierung komme auf die Maß- regeln des verfallenen römischen Kaiserreichs zurück. Claussat ver- las zum Schlüsse seiner Rede einen Brief, in welchem dem General Pau, der die Untersuchung der Touler Zwischenfälle geführt hatte, vorgeworfen wird, er habe ohne Erbarmen die Jugend der Regimentervernichtet. Ministerpräsident B a r t h o u wandte sich gegen die Worte deS Vorredners, die auf den General Pau abgezielt waren. Barthou sagte, eS sei das Recht deS Redners, die Regierung, selbst in leiden« schastlicher Weise, anzugreifen, aber es sei unmöglich, General Pau wegen der getroffenen Maßnahmen anzugreifen, für welche die Re- gieruna verantwortlich sei und die volle Verantwortung übernehme. (Lebhafter Beifall in der Mitte und auf der Rechten.) Vartho» fügte hinzu, General Pau habe die Untersuchung mit tadelloser Kaltblütigkeit, Mäßigung und Unparteilichkeit geführt.(Beifall.) C l a u f s a t sagte zum Schluß, alle diese Haussuchungen seien wertlos gewesen. Die Sitzung wurde sodann auf nächsten Freitag vertagt. Portugal. Wieder ein Bombenattentat. Paris, 13. Juni. Mehrere Blätter veröffentlichen folgende Depesche aus Lissabon: Als sich gestern nachmittag die amt- lichen Persönlichkeiten zu eintm vom Gemeinderat veranstalteten Festessen begaben, explodierte eine Bombe. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, ebenso weiß man noch nicht, ob eS sich um einen von den Monarchisten angestifteten politischen Anschlag handelt. Marokko. Die Kämpfe der Spanier. Paris, 13. Juni. Nach einer Meldung aus Tanger fand gestern nachmittags auch in der Gegend von Arfila ein heftiger Kampf zwischen Spaniern und Marokkanern statt, dessen Ergebnis in de« Abendstunden noch nicht bekannt war. Zahlreiche Stämme hätten den Befehl erhalten, sich den Aufständischen anzuschließen. So seien selbst die Eingeborenen der Gebiete von Fhak und Tanger nach Elksar abgegangen. Madrid, 13. Juni. Nach Meldungen, die das Kriegsministerium au§ Marokko erhielt, wurde gestern die Kolonne des Generals Primo de Ribera, als sie sich verproviantieren wollte, in ihrer neubesetzten Stellung bei Laurient in der Nähe der Brücke von BuSfeja in einen heftigen Kampf verwickelt, dessen Ergebnis noch unbekannt ist. Der Seepräfekt von Cadix telegraphierte dem Marineminister, daß das Kanonenboot.Lauria" 63 Mann, darunter 13 Verwundete der Besatzung der.Concha" aufgenommen habe. Der Kommandant der.Concha" sei auf der Brücke gefallen. Die Marokkaner hätten neun Gefangene gemacht; drei Mattosen würden vermißt. Schwere Berluste der Franzose«. Rabat, 13. Juni.(Meldung der Agance HavaS.) Oberst Mangin, der am 6. Juni in der Richtung auf Ksima, wo sich die Truppe« Moha Saids befanden, aufgebrochen war, mußte mehrere Anhöhen im Sturme nehmen. Die Verluste auf französischer Seite sollen 45 Tote, darunter einen Offizier, und 109 Verwundete be- tragen. Die französische Artillerie richtete verheerende Verluste in den Reihen des Feindes an. Oberst Mangin ist am 11. Juni nach der KaSbah von Tadla zurückgekehrt. Letzte JVachricbten. Gegen die Politik des Grafen Tisza. Budapest, 13. Juni. Im Gemeinderat von Budapest bean- tragte der Führer der demokratischen Partei, Dr. Vazsonyi� ein Mißtrauensvotum gegen das Kabinett TiSza. Bürgermeister B a r c z y stellte hierauf einen Vermitte- lungsantrag» in dem die Hauptstadt den Wunsch ausdrückt, daß der leidenschaftliche Kampf der Parteien bald beendet sein möge und die normal? Wirksamkeit des Parlaments Wiederher- gestellt werde. Die Stadtvertretung fordert ferner die EntWicke- lung deS Staatswesens und die Erhaltung der öffentlichen Frei- heilen, widrigenfalls sie im Falle deren Verletzung die Regierung nicht unterstützen könne. Hierauf zog Vazsonyi seinen Antrag zu- rück, und der Antrag des Bürgermeisters wurde einstimmig angenommen. Keine Kursänderung in der türkischen Regierung. Konstantinopel, 13. Juni.(W. T. B.) Die Ernennung des Prinzen Said Halim zum Großwesir zeigt, daß der bisherige Kurs der Regierung beibehalten werden soll: denn Prinz Said besaß wohl im Kabinett am meisten das Vertrauen Mahmud Schetmets, der sich besonders in Fragen der auswärtigen Politik'im weitesten Maße auf Said verließ. Prinz Said ist ein europäisch erzogener und europäisch denkender moderner Mann, der Enkel des berühm- ten Aegypters Mehmcd Ali, ein ergebener Anhänger des Komitees und bei verschiedenen diplomatischen Aktionen erprobt, wie bei den türkisch-italienischen Friedensverhand- lungen. Gross« Posten Domen-Wie 1.(5,1.85 Taghemden, Nachtjacken, Beinkleider in versch. Garnierungen Belle-Allianeestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm / Wurstwaren w Cervelot- oder Salamiwurst.... 1.40 ff. Leberwurst............. Pfund 1.10 Jagdwurst................... Phnd 1,10 Landleber- od. Rotwurst I pfud 95 rt Schinkenspeck........... Pfand 1.25 _ Speck Lebensmittel Butter»nd Käse Soweit Vorrat. 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Hierzu 4 Beilaarn u.»ntetuaUunglbL »147. 3o.i.sw i. KeillM des„Ullmarts" Aerlim DsidsdlM. (Quittung. Im Monat Mai gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: 3. Berlin R. B. 3,—; durch Grönert B. H 50,—. 5. Meske- Schlachtensee 20,—; Köln Reg. W. 20,—. 6. Fallenberg O.-Schl. A. L. 3,—. 1Z. Bez. Kassel f. 6 Kr. 3. Qu. lRinteln-Hofgeismar 465,06, Kassel 023,84, Eschwege-Schmalkalden 108,66, Fritzlar-Hom- berg 40,68, Hersfeld-Rotenburg 54,06, Waldeck-Pyrmont 67,74) Sa. 1450,04. 14.. 6. schleSw.-holst. Kr. Rest 1012/13 08,50; Bez. Breslau f. 0. Kr. 3. Qu.(Guhrau 16,22. Militsch 34,28, Oels 27,62, Brieg 84,20, OHIau 04,44, Neustadt 24,86, Falkenberg O.-S. 2,02, Neige 23,34, Glogau 42,08) Sa. 340,06; Bez. Pommern für 14 Kr. 3. Qu. sAnklam-Demmin 23,40, Ran« dow-Greifenhagcn 674,25, Usedom-Wollin 153,06, Stettin 578,48, Pyritz-Saatzig 16,65, Naugard-Regenwalde 15,06, Greifenberg 15,75, Stolp-Lauenburg 30,57, Bütow-Schlawe 7,20, Köslin-Kolberg 155,43, Belgard-Schivelbein 11,01, Neustettin 8,01, Stralsund-Rügen 107,16, Grerfswald-Grimmen 106,32) Sa. 2002,34; Berlin, ges. v. Tezett, Schloss. u. Schmied., Tezett, Gitterw. Schulz-Tempelhof 50,—; Aus dem.Hamburger Echo"-Vertrieb 10000,—. 15. Berlin, Kranz- Lbersch. v. Pers. d. Fuhrhof Kroll z. L.-W. 11,—; v. d. Arb. d. Wagenfabr. Franke, Jnselstr. 20,—; 11. sächs. Kr. Rest 1012/13 300,—; Berlin, Hilssarb. d. Fa. Felix Lande z.L.-W. 10,-; F. R. T. (Mexiko) 10,10. 16. Emden. 1. hannov. Kr. 3. Qu. 251,46; Anhalt II 3. Qu. 626,61, Bez. Halle Rest f. Schweinitz-Wittenberg 300,—. 17. Berlin, Ueberich. v. Märzkr. d. Fa. Israel 31,15, Hamburg f. Binnenschiffer 3. Qu. 101,10; Berlin Dr. S. 10,—; Uebersch. v. Märzkr. v. d. Fa. Sudikatis, Lichtenberg 7,80. SV. Berlin Dr. L. A. 100,—; Bez. Hannover f. 12 Kr. 2. Halbs. 1012/13(Osnabrück 235,—, Melle 30,77, Nienburg 113,36, Hannover 3042,50, Hameln Restbeitr. 1. Halbs. 1012/13 477,—. 2. Halbs. 1012/13 550,—, HildeS- heim 337,54, Einbeck 168,14, Göttingen 188,15, Goslar 116,—, Celle- Gifhorn 257,78, Uelzen 06,70, Lüneburg 264,66) Sa. 5886,60. Sl. Bez. Westl. Westfalen f. 8 Kr. 3. Qu.(Dortmund-Hörde 2. Qu. 1012/13 1617,06, 3. Qu. 2016,56, Recklinghausen 640.52. Münster 45,62, Hamm 302,32, Bochum 1242,67, Lüdinghausen« Beckum 2. Qu. 00,80, 3. Qu. 150,60, Arnsberg-Olpe 18,20, Ahaus-Stein- iurt 23,43) Sa. 6158.23; Oldenburg I Restbeitrag 1012/18 20.—; SS. Breslau-Land 3. Qu. 430,20; Berlin Machetes 20; v. d. Kall. d. Moorelichtgesellschaft 13,—. SS. Breslau-Land-Neumarkt Rest- deitrag 1012/13 113,43; P. L., Bern 100,—. S4. Bez. Branden- bürg f. 14 Kr. 3. Qu.(Westprignitz 211,32; Ostprignitz 7,71; Ruppin-Templin 30,—; Prenzlau-Angermünde 60,50; Oberbarnini 136,08, Osthavelland 506.04. Westhavelland 776,34, Zauch-Belzig 440,40; Friedeberg-Arnswalde 32,16, Landsberg-Soldin 176,78, Züllichau-Crossen 136,84, Guben-Lübben 324,52, Sorau-Forst 533,36, Kalau-Luckau 317,83) Sa. 3708,43. S«. P. W. 23 u. P. 35. 24 200,—; Berliu v. d. Koll. d. Fa. O. Ahlberndt 5,—; S7. Bez. Nordbayern f. 21 Kr. 3. Qu.(Amberg 36,86, Neumarkt 11,70, Neunburg 6.24, Neustadt a. W. N. 74,64, Hof 404,18, Bayreuth 444,40, Forchheim- Kulmbach 140,54, Kronach 140,02, Bamberg 147,64, Nürnberg 3046,35, Erlangen 033,82, Ansbaih-Schwabach 313.72, Eichstätt 32,52, Dinkelsbühl 40,88, Rothenburg 34,06. Aschaffenburg 150,22, Kitzingen 52,66, Lohr 50,04, Neustadt a. S. 33,36, Schweinfurt 265,88, Würzburg 407,02) Summa 7746,45. L8. Berlin, Neue Wasserleitung 5,—; Bez. Görlitz f. 6 Kr. 3. Qu. (Grünberg 143,88, Sagan 148,64, Bunzlau-Lüben 172,47, Löwen- berg 31,62, Görlitz 565,24, Rothenburg- Hoyerswerda 170,66) Summa 1232,51. SS. Lübeck 3. Qu. 1115,60.»v. Berlin. Mitgl. d. U.-Dr. 2,—; Knabe 3.—; Krüger d. Reinhardt 0,35; Schulz z. L.-W. 1,—; Wille z. L.-W. 2,-; Kurz z.L.-W. 5.-; A.B. 50.-; H. H. 50,—; Hennig-Argentinien 5,—; Gr.-Berlin a konto s. 8 Kr. 5000,—; darunter: Alexander F. 6,—; Dost 20,—; Fr. K. 0,08; Räch 5,—; Kranzübersch. d. Arb. d. A. E.-G. Abt. Schapow, Schlegelstr. 12.75; A. B. Mister 1,—; Berbandsmiigl. d. Buchdr. Trowitzsch u. Sohn d. Bertelo 5,—; Schuhmacher v. Mohr u. Speier 15,—; Typographia d. Wählisch 3,70; Ottilie Baader z. L.-W. 20,—; A. R. Klostersir. 3,60; Pers. d. Buchdr. Seydel u. Cie 27,80; Berbandsmitgl. d. Buchdr. Liebheit u. Thiesen 20.—; Taschen-Werk- stelle v. I. Demmh z. L.-W. 10,—; W. Gieshoit 50,—; v. d. Schneidern d. Fa. Horwitz u. Co. z. L.-W. 15.—; Gutenberg 23,—; v. d. Herrenmaßschneid, d. Fa. Hoffmann, Friedrichstr. 50/51 50,—; fs-sWahl- sonds 5,—; Schneider d. Fa. Rudolph Hertzog 10,—; Schneider d. Genossenschaft„Hoffnung" 40,80; Kranzübersch. v. Kollegen u. Kolleginnen d. A. E.-G. Ackerstr., Abt. Meister Ronneburg 5,—; Uebersch. v. Märzkr. v. d. Arb. d. Karosseriefabrik Utermöhle, Gr. Franksurterstr. 137 16,10. Berlin, den 11. Juni 1013. Für den Parteivorstand: Otto Braun, Lindenstr. 3. Postscheckkonto: Nr. 7018, A. Gerisch. F. Ebert, O. Braun, Berlin. Lmdenstr. 3, beim Postscheckamt Berlin. Reickstag. 161. Sitzung. Freitag, den 13. Juni 1013, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: v. Heeringen, Delbrück. Die Genehmigung zur Einleitung einer Privatklage wegen Be- leidigung gegen den Abg. Dr. H a e g y(Elf.) wird entsprechend dem Antrag der GeschäftsordnungSkommisfion nicht erteilt. Der Gesetzentwurf zur Einführung des Gesetzes über den Unter. ftützungswohusitz in Bayern wird in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen. Hierauf wird die Beratung der Wehrvorlage fortgesetzt. Abg. Stacken(Z.): Auch der Reichskanzler hält die Bewilligung der Wehrvorlage zusammen mit der Deckung für eine einheilliche Aufgabe, die Durchführung der Wehrvorlage ohne die gleichzeitige Verabschiedung der Deckungsvorlagen nicht für möglich. In diesem Sinne werden wir mitarbeiten.— Mit den in der Kommission gefaßten Resolutionen ist es uns heiliger Ernst; angesilbls der großen vom Bolke geforderten Opfer war eS unsere Pflicht, den Wünschen des Volkes Ausdruck zu geben. Diese Wünsche in die Vorlage hineinzuarbeiten, war selbstverständlich nicht möglich. Die Resolutionen sind aber keineswegs nur Material für den Papier- korb' so einmütigen Wünschen des Reichstags kann sich der Bundes- rat und die Militärverwaltung auf die Dauer nicht entziehen. Der Redner geht hierauf auf die»n der Kommission vorgebrachten Wünsche und dort gefaßten Resolutionen ein.(Bravo! im Zentrum.) Abg Rogalla v. Brederstetn(t.): Der Interpretation der Rede des Herrn Reichskanzlers durch den Abg. B a s s e r m a n n können wir nicht folgen. Der Reichskanzler hat ausdrücklich gesagt, daß er die Lösung der Tcckungsfrage m»t derselben Entschiedenheit und den- selben Konsequenzen fordert w,e die Verabschiedung der Heeres- vorlaae lTehr richtig! recht».) Das entspricht genau unserer Auf- fassuna und auch der Ausfaitung des gesamten Volkes. (Sehr richtig! rechts. Lachen� lniks.) Den ungeheuerlichen Vorwurf deS Abgeordneten Müller- Meiningcn. wir wollten die Verabschiedung der Heeresvorlage verschleppen, weise ich auf das allerentschiedenste zurück. Für eine Demo- kratisierung der Armee sind wir unter keinen Umständen zu haben.(Bravo! rechts.) Wir werden einen Eingriff in die K o m m a n d o g e w a lt nicht dulden. (Bravo! rechts Lachen links.) Nicht nur die Wiederherstellung der Bestrichenen Kavallerieregimenter, sondern sogar ihre Vermehrung »erlangen wir im Interesse des Volkes, das an der Ost- und West- grenze in schwerer Arbeit seine Existenz erwirbt.(Gelächter bei den? Sozialdemokraten.) Abg. Mertin-Oels(Rp.) tritt für die Bewilligung der Kavallerie- regimenter mit Rücksicht auf die Gefährdung Schlesiens im Falle eines feindlichen Angriffs ein und versucht in militärtechnischen Ausführungen nachzuweisen, daß kein anderes Kampsmittel die speziellen Aufgaben der Kavallerie lösen könne. Eine Ablehunng wäre vor den Wählern kaum zu rechtfertigen. Geben Sie dem patriotischen Schlesien den nötigen Schutz!(Bravo! rechts.) Abg. v. Gamp(Rp.) verlangt das gleiche für Ostpreuß e n, von wo der zündende Funke von 1813 ausgegangen sei und das bei seiner geringen Volkszahl infolge der hohen Tauglichkeitsziffer die schwersten Opfer für das Heer zu bringen habe. Im Mobilmachungsfalle würden der Provinz alle Arbeitskräfte entzogen und sie wäre der russischen Reiterei ausgeliefert. Wir aber wollen Vorsorgen, daß kein Rusie anders denn als Gefangener beut- schen Boden betritt. Solchen Grenzschutz� kann nur die Kavallerie bieten.(Abg. Ledebour: Also legen Sie Gardekavallerie hin!) O ja— wenn Sie das bewirken können— das wäre uns schon recht I Die oft preußische Viehzucht bedarf des Schutzes. Die Heeresverwaltung sollte jetzt im Jubiläumsjahr doch mehr für Ostpreußen tun! Kriegsminister v. Hceringcn: Was die beiden Vorredner gesagt haben, ist durchaus richtig. Die Heeresverwaltung ist durchaus sich ihrer Pflicht bewußt, deutschen Boden zu schützen. Geben Sie uns auch die Mittel, dieser Pflicht in vollem Umfang zu dienen, das ist die Bitte, die ich an den hohen Reichstag richte.(Beifall rechts.) Abg. Liesching(Vp.): Wir stimmen für die Vorlage dem deutschen Volk zuliebe. Man tut so, als ob ohne die drei Regimenter n i ch t s bewilligt würde, während wir doch so sehr viel bewilligen!(Sehr wahr! b. d. Vp.) Wenn von den Kavallerie- regimentern allein der Schutz des Vaterlandes abhänge, ist eS eigentlich unverständlich, daß die Heeresverwaltung sie nicht schon voriges Jahr gefordert hat. Die Notwendigkeit der Kavallerie haben wir ja dadurch anerkannt, daß wir eine sehr er- hebliche Vermehrung der Kavallerie bewilligt haben. Kriegsminister v. Heeriagen tritt nochmals für die Bewilligung der ganzen sechs Kavallerieregimenter ein. Damit schließt die Debatte. Abg. Ledebour(Soz., persönlich): Der Abg. Gamp-Massaunen hat auf einen Zwischenruf von mir herleiten zu können geglaubt, daß ich mit seiner Forderung der Vermehrung der Kavallerie über- einstimme. Das ist eine durchaus unrichtige Auslegung.(Große Heiterkeit rechts.) Wir haben nur betont, daß, wenn die Heeres- Verwaltung eine Verstärkung der Kavallerie an der Grenze für not- wendig hält, sie dies Ziel durch eine Verlegung der Garde- Kavallerieregimenter aus dem Innern an die Grenze er- reichen könne, und daß sie. wenn sie das nicht tue, die höfischen den militärischen Gründen voran st elle.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Abstimmung über die vorliegenden Abänderungsanträge ist. namentlich. Der Antrag Rogalla V.Bieberstein(k.) auf Bewilligung von acht Kavallerieregimentern wird mit 302 gegen 67 Stimmen bei fünf Enthaltungen abgelehnt. Der Antrag B a s s e r m a n n auf Bewilligung von sechs Kavallerieregimentern wird ebenfalls abgelehnt mit 203 gegen 150 Stimmen bei sechs Enthaltungen. Abg. Ledebour: Jetzt kommt die Auflösung.(Heiterkeit.) Vizepräs. Dove: Herr Ledebour. über die Auflösung wird hier nicht entschieden.(Erneute große Heiterkeit.) Der Antrag der Kommission auf Streichung von drei Kavallerie- regimentern wird angenommen. Sodann wird Artikel I im übrigen in der Kommissionsfassung angenommen. Der Antrag A l b r e ch t(Soz.), wonach die Uebungszeiten der Reservisten so gelegt werden müssen, daß die Einberufenen die Möglichkeit haben, an den Wahlen zum Reichstag und zu den Landtagen teilzunehmen, wird abgelehnt, da auch das Zentrum dagegen stimmt. Hierauf wird über eine Reihe Resolutionen der Kom- Mission abgestimmt. Ueber die Resolution auf Aenderung des Namens des Trains, gegen den unter großer Heiterkeit nur die äußerste Rechte und äußerste Linke des Hauses stimmt, erfolgt Hammel- s p r u n g. Die Resolution wird mit 188� gegen 128 Stimmen angenommen. Erst bei der nächsten Abstimmung betreten die Konservativen den Saal wieder, worüber große Heiterkeit entsteht, weil das so auf- gefaßt wird, als ob die Konservativen beim Hammelsprung nicht durch dieselbe Tür wie die Sozialdemokraten gehen wollten I Angenommen werden die weiteren Resolutionen auf Abänderung des Gesetzes über die Unter st ützung der Familien von Mobiltsierten, über Förderung der Schießausbildung der Landwehrmänner, über Jnnehaltung der Vorschriften betreffend Anstellung von Militäranwärtern duxch die Gemeinden, Förderung der freiwilligen Krankenpflege, Ersparnisse durch einheitliche Uniformierung. Verwendung nicht mehr felddiensitauglicher Offiziere für geeignete Stellen und Vermeidung übermäßiger Pen- sionierungcn, sowie Einschränkung des Luxus- und Parademäßigen. Es folgt die Beratung des sozialdemokratischen An- trags aus einjährige Dienstzeit vom 1. Oktober 1015, eventuell Abschaffung der besonderen Vor- rechte der Einjährigfreiwilligen in der Ableistung der Dienstpflicht. Die Kommission beantragt nur die Einleitung einer Reform des Einjährigfreiwilligendienstes im Sinne der Zulassung fachlich Aus- gebildeter zu fordern. Eine Resolution Ablaß(Vp.) will auch hervorragenden Turnern das Einjährigenrecht gegeben sehen, fordert weitere Abschaffung der Privilegierung einzelner bestimmter Truppenkörper nach Garnisons- ort, Avancement usw. und will den Reichskanzler ersuchen, die Heeres dienstzeit zu verkürzen. Abg. Dr. Gradnauer(Soz.): Es handelt sich hier um eine Militärvorlage, wie sie seit Gründung des Reiches noch nicht da war. Auch der letzte Mann, der nur irgend waffenfähig ist, soll zur Kaserne herangeholt werden. In der Stunde so ernster Entschließung ist das eine heilige Pflicht des Deutschen Reichstages, sorgfältig zu prüfen, ob es nicht einen Weg gibt, der es uns in absehbarer Zeit möglich macht, aus diesem Zustand hinauSzugelan gen, den man schon mehr als llcbrrmilitarismus bezeichnen muß.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach dieser Richtung zielen unsere Anträge. Wir kommen mit ihnen einer Pflicht nach, die wir dem deutschen Volke schuldig sind. Wir sind uns wohl bewußt, daß wir im Reichstag für die Beseitigung des Einjährig- FreiwilligendiensieS eine Mehrheit nicht finden werden. Wir wissen. daß viel zu viel tiefwurzelnde Klasseninteressen, veraltete zünstlerische Militäranschauungen eine Aorwärtsentwickelung in dieser Richtung erschweren. Wir glauben aber, daß wir mit unseren Anträgen gewissermaßen das Signal aus st ecken, welches die Richtung geben soll, in der in der nächsten Zeit marschiert werden nniß.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Im deutschen Volk werden unsere Anträge gut verstanden werden. � Wir haben uns nicht auf eine Resolution beschränkt, sondern wünschen die Einfügung der Forderung in die Vorlage, weil solche Resolutionen nach Verabschiedung der Vorlage doch meist fromme Wünsche bleiben und im Papierkorb des Bundes- rats verschwinden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir fordern die Verkürzung der Dienstzeit für alleMann- Ich asten tn der Armee aus ein Jahr, zunächst aus Gründen der Gerechtigkeit. Es ist ein ungerechter Zustand, daß die übergroße Zahl der jungen Leute die doppelte und dreifache Dienstzeit auf sich nehmen miiffen, wie der kleine Teil, der durch die Bermögensverhältnisse der Eltern imstande ist, in einem Jahr seiner Dienstpflicht zu genügen. Die Verkürzung der Dienstzeit würde ferner Hunderttausende von jungen Leuten auf längere Zeit dem wirtschaftlichen Leben wieder zurückgeben.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Das wird der gesamten Kultur« entwickelung Deutschlands und der persönlichen EntWicke- lung der dabei beteiligten Leute in hohem Maße förderlich sein. Unsere Anträge sind ferner geeignet, den Schutz des Deuffchen Reiches zu gewährleisten, ja sogar noch zu verstärken. Die Verkürzung der Dienstzeit wäre auch geeignet, den furchtbaren internationnlen Spannungszustand, der ganz Europa belastet, zu mildern und schließlich zu beseitigen. Der Kriegsminister hat es gestern in mißverständlicher Auf- sassung unserer Anschauungen über die Aufgaben des Heeres so dar- gestellt, als wollten wir eine Annee, die nur imstande sei, sich im Lande in verschanzten Stellungen gegen einen herankommenden Feind zu wehren. Nein, wir wissen auch, daß eine Armee auch geeignet sein muß, eventuell gegen den Feind vorzugehen. Wenn wir sagen, wir wollen eine Verteidigungsarmee, so meinen wir damit, es soll nicht ein Heer sein, welches' durch seine ganze innere Struktur dahin wirkt, daß andere Völker sich stets be- droht fühlen und glauben müffen, eS habe aggressive Pläne. Ein Heer mit einer langen Dienstzeit, das ausschließlich dem Kommando einiger weniger hochgestellter Persönlichkeiten untersteht, sozusagen einen absolutistischen Charakter trägt, ist eine Gefahr für alle anderen Völker.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie fühlen sich von einem solchen stehenden und unvolkstümlichen Heer ständig bedroht. Dagegen sind wir überzeugt, daß eine Armee mit kurzer Dienstzeit mir volkstümlichen Einrichtungen, wo Bürger und S o ld a ten� e i n s sind, eine demokratische Armee, die beste Friedensgewähr ist.(Sehr wahr! bei den Soz,) Der Kriegs- minister meinte, ein Volksheer mit kurzer Dienstzeit, ein loses Ge- füge, wie er sagte, sei nicht geeignet, einen aggressiven Krieg zu führen. Die Kriegsgeschichte der neuesten Zeit beweist das Gegenteil. Ich verweise nur auf die Erfahrungen im Balkankriege. Die bulgarische und die serbische Armee find Armeen mit einem sehr milizartigen Charakter. Die länger aus- gebildeten Mannschaften bilden einen verhältnismäßig geringen Bruchteil des bulgarischen Heeres, und in den Schlachten im Balkan- kriege hat eine ungeheuer große Zahl von bulgarischen Soldaten mit- gekämpft, sind vorgegangen und haben den Feind in seinem eigenen Lande besiegt, die sogar erst in d e r K r i e g s z e i t s e l b st a u s- gebildet worden find.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Das beweist, daß eine Armee, wie wir sie wünschen, nicht die Befürchtungen erfüllen würde, die der Kriegsminister schwarz- seherisch an die Wand malte. Die Behauptung, das sei ein loses Gefüge, ist nichts als eine Legende, die die Militaristen sich zurechtmachen, um nur nicht bolkstümliche Reformen zugestehen zu müssen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Daß eine Verkürzung der Dienstzeit die Konfliktsstimmnng in Europa beseitigen könnte, ist offensichtlich. Die Wirkung unserer Militärvorlage ist, daß auch in anderen Ländern neue militaristische Rüstungen vorgenommen werden. Ja, bei uns sind die Rüstungs- treiber sogar schon am Werk, zu behaupten, daß die Rüstungen in Frankreich, die die Folge unserer Rüstungen sind, bereits wieder eine neue deutsche Militärvorlage zur Folge haben müßten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraien.) Wir stehen also vor einer unübersehbaren Entwick- lung des RüstungLwesens, wir müssen sogar mit der Möglichkeit rechnen, daß auch bei uns wie in Frankreich wieder eine Verlängc- rung der Dienstzeit in Aussicht genommen Iverden köiintc. Wohin soll dieser Zustand treiben? Sollen die europäischen Völker schließlich zu einer furchtbaren Katastrophe'gelangen? Will man das nicht, dann kann ein Ausweg nur gefunden werden dadurch, daß die Völker zur Verkürzung der Dienstzeit übergehen. Das würde zu einer Abschwächung der gegenseitigen Bedrohungen beitragen. Die Behauptung deS Kriegsministers, das Vorgehen Frankreichs sei nicht eine Antwort aus unsere Rüstungen, sondern erfolge aus inneren Gründen, muß ich zurück- weisen. Sie wird nicht richtiger dadurch, daß auch Herr Erz- b e r g e r sie in seiner geradezu nationalistischen Hurrarede, die er uns unter Zusammenfassung aller chauvinistischen Argumente neulich gehalten hol(Sehr wahr! bei den Sozialdem.), ausstellt. Er wies auf das Datum der Veröffentlichung unserer Vorlage hin, aber er weiß doch genau, daß schon erhebliche Zeit vorher der Umfang für HeereSforderungen bekannt war. Und wer wollte Wohl glauben, daß es möglich wäre, im französischen Parlament eine Mehrheit für die Verlängerung der dreijährigen Dienstzeit zu finden, wenn nicht unsere Vorlage vorhergegangen wäre.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Gewiß sind einzelne militaristische Stimmen in Frank- reich schon in den letzten Jahren laut geworden, die die zweijährige Dienstzeit nicht gebilligt haben. Aber solche Militärtreibereicn gibt es doch auch bei uns.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Also Frankreich wird durch Deutschland zu diesem unkulturellen Schritt genöiigt. Und es ist ziveifellos, daß ein tiefer Groll darüber beim französischen Volk zurückbleiben muß. Eine Verkürzung der Dienstzeit bei uns würde also in Frankreich außerordentlich beruhigend wirke». Eine der wichtigsten Ausgaben der Reichs- regierung wäre es, durch Vereinbarungen mit den anderen Re- gierungen die Dienstzeit international herabzusetzen. Dann würde das Mißtrauen in allen Ländern gemindert werden, und wir blieben mindestens von weiteren Wehrvorlagen in den nächsten Jahren ver- schont.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ist es nun möglich, die Soldaten in einem Jahre k r i e g s- mäßig auszubilden? Die Fortschrittliche Volk Spart ei, die noch in der Kommission beantragt hatte, daß die Beurlaubung der Mamischasten schon nach 18monatiger Dienstzeit geschehen soll, und daß versuchsweise bei je einem Infanterieregiment pro Division und bei je einer Kompagnie pro Jägerbataillon die Rekruten- einstellung zweimal im Jahre erfolgen soll, ist bedauerlicherweise hier im Plenum von diesem Standpunkt zurückgegangen.(Hört! hört! und Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ein solcher Rückschritt macht dem Namen„Fortschrittliche Vollspartei" keine Ehre.(Sehr gut!! bei den Sozialdemokraten.) Hier im Plenum stellt die Volkspartei nur eine allgemeine Resolution auf Verkürzung der Dienstzeit in Anbetracht der besseren körperlichen und geistigen Ausbildung der Jugend und verlangt nur die Vorbereitung der Dienstzeit- Verkürzung. Eine ganz gleiche Resolution ist schon bei der vorigen Heeresvorlage angenommen worden, sie hat aber nicht im mindesten Früchte getragen, und es ist ein Köhlerglaube, anzunehmen, daß die jetzige Resolution bei der Heeresverwaltung irgend etwas erreichen wird.(Lebh. Zust. b. d. Soz.) Der Kriegsministec erklärt zwar seine Sympathie für die Ausbildung der Jugend, aber auch, daß selbst eine noch so fortgeschrittene Jugendpflege mit einer Ver- kiirzung der Dienstzeit»och lange nichts zu tun habe(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten). Da wäretzden Herren Forlschrittlern doch zu empfehlen, sich das Zentrum zum Muster zu nehmen, das sofort mit der Ablehnung der ganzen Vorlage droht, wenn seinen Wünschen irgendwie nicht entsprochen werde. Aber diesen Mut hat die Volkspartei offenbar nicht! Der Resolution der Volksparlei er- mangelt jedes bestimmten Inhalts, sie fordert keinen bestimmten Zeitpunkt für die Endigung der Vorbereitungen der besseren körper- lichen Ausbildung; sie besogt also im Grunde gar nichts. Meine Freunde haben stets eine bessere Fürsorge für die Jirgend verlangt; speziell eine Verbesserung der Fortbildungsschule fordern wir, um für das körperliche und geistige Wohl besser zu sorgen. Die bürgerlichen Parteien lassen sich aber bei ihrer Für- sorge für die Jugend von politischen Tendenzen leiten, sie wollen die Jugend in bestimmtem politischen Sinne beeinflussen. tSehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) ES ist auch falsch, wie die Freisinnigen es wollen, die Verkürzung der Dienst- zeit abhängig zu machen von ungeheuren Umgestaltungen im Schulwesen; nein, heute schon ist die Verkürzung der Dienstzeit zu fordern.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten.) Dost austerordentlich viel Unnötiges im heutigen Heerwesen vorhanden ist. hat in der Kommission der Kriegsminister selbst zu- gegeben. Er sagte, viel Ballast ist bereits über Bord geworfen. Dieser Ballast wurde früher stets als„unbedingt nötig" bezeichnet. Weiter sagte der Kriegsminister, Vs der Ausbildungszeit wird benutzt zur Heranbildung selbständiger Schützen, nicht mehr zur Heran« bildnng voir Paradesoldaten, wie in früheren Zeiten. (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Er gibt also zu, daß Vs der Dienstzeit auch heute noch in überflüssiger Weise verwendet wird.(Widerspruch rechts, Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Kriegsminister berief sich auch auf das Schiehreglement der Schweiz und rühmte die Schweizer Soldaten. Er hat übersehen, dast es in der Schweiz nur eine Ausbildungszeit von 65 Tagen gibt.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Wenn sogar der KriegSminisier sich auf die Strammheit der Schweizer Wehrmänner beruft, so beweist das doch wahrlich, dast die 65 Tage Ausbildung samt den späteren Uebungen genügen!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Drill und Griffckloppen bildet die Soldaten zu Automaten aus— der Krieg braucht aber Selbständigkeit, das erkennen alle Militärs von �Einsicht an. Der Drill beeinträchtigt die Kriegs- tüchtigkeit eher, während die Ausbildung für den Dienst im Gelände auch die notwendige Disziplin gibt. Der Drill macht d i e Körper steif und die Köpfe dumpf, statt die Soldaten geschmeidig zu machen. Auf tadellose Gewehrlage und Präsentieren, Kniedurchdrückcn usw. wird heute das Hauptgewicht gelegt und sogar ein stramm konservativer Ober st erklärt, daß dies a u f Kosten der Krieg Smästigkeit geht. Im Offiziersreglement erfordern die Vorschriften über Präsentieren, Frontmachen»tw. den Raum von Seiten.(Rufe bei den Sozialdemokraten: Hört I hört! Reiner Blödsinn!) Beim 1. Garderegimcnt z. F. in Potsdam wird der vor 156 Jahren üblich gewesene friderizianische P a r a d e g r i f f g e ü b t.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wochen sind nötig, um das einzudrillen.(Rufe bei den Sozial- demokraten: Skandal! KriegSmästigkeit!) Ich frage den Kriegs- minister, ob das zur KriegSmästigkeit gehört und ob das etwa bei der ganzen Garde eingelernt wird Z Wenn daS so ist, so ist das ein klassisches Beispiel dafür, wieviel Törichtes und Unsinniges im heutigen Heerwesen noch herrscht. In diesem ungesunden Drill liegt auch die Wurzel der scheußlichen Soldatcnmißhandlungen, die Sie nicht los werden, wenn Sie die Axt nicht an die Wurzel des UebelS legen. Bei den Geländeübungen, wo nicht auf Parade- drill gesehen wird, kommen Soldatenmisthandlungen nicht vor. Man sagt, der Drill ist nötig, um die Disziplin aufrecht zu erhalten. Dadurch erzielen Sie nur eine mechanische Disziplin, die durch Furcht und Schrecken die Soldaten zu willenlosen Figuren erzieht. Wir aber wollen eine Disziplin, die auf Fr e i w i l l i g k e i t und Berufs- s r e u d i g k e i t beruht. Sie wollen die Soldaten in der Kaserne von dem übrigen Volk abschliesten, namentlich von einem freiheitlichen Volksleben wollen Sie die Soldaten loslösen. Um dies Ziel zu er- reichen, dazu freilich braucht man den heutigen AuSbildungsmodus. Mit dem i n n e r e n Feind hat die Vorlage nichts zu tun, sagte der Kriegsminister, dazu genüge die Polizei, meinte er. Auf unsere Zurufe über Mansfeld und das Ruhrrevier korrigierte er sich und meinte, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung sei unter Umständen Militär notwendig. Manche Leute sehen die vffent- liche Ruhe schon gefährdet, wenn irgendwo ein kleiner Streik aus- gebrochen ist. In Mansfeld und im Rnhrrevier haben die Arbeiter die öffentliche Ordnung nicht gestört, und die Verwendung der Soldaten dort war verwerflich, ist eine Schwäche und Schande.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Natürlich behaupten wir nicht, dast diese neugeforderten 115 666 Soldaten gegen Volksunruhen gebraucht werden— aber man will einen immer grösteren Teil deS Volkes in der Armee „brav" machen und zum Gehorsam erziehen. Diese„ErziehungS- absicht" zu„guten, patriotischen Männern" hat der Kriegsminister selbst als einen Hauptzweck dieser Vorlage erklärt.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Patriotisch und national hat bei der Armeeverwaltung nicht den Sinn, in dem wir alle Freunde unseres Vaterlandes sind, sondern man versteht darunter die Ausrechterhaltung aller heute herrschenden Ungerechtigkeit und den Gehorsam dagegen! Man will die Soldaten auch nachher noch in der Hand behalten gegen die Bestrebungen und das freiheitliche Aufsteigen des Volkes. Nicht wir haben doch daS Wort vom„inneren Feind" geprägt, sondern der sein Jubiläum feiernde oberste Kriegsherr, der die Soldaten aufforderte, gegen den inneren Feind vorzugehen. Es jährt sich auch bald das Jubiläum jener Kaiserrede vom 23. 11. 18S1 im die Garderekruten, dast sie auf seinen Befehl auch auf Verwandte und Brüder, auf Geschwister und Eltern— nach einer damals vom konservativen„Volk" verbreiteten Lesart— schießen müßte».(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Worte, die in Millionen Arbeiterherzen widerhallten, zeigen uns das wahre Wesen des heutigen Militarismus und seiner„ErziehungS- arbeit!"(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ein klassisches Zeugnis dafür, daß die Dienstzeit verkürzt werden kann, ist das Privileg der Einjahrig-Freiwilligen. Wenn Sie die Dienstzeit nicht verkürzen wollen, ist es Ihre Pflicht und Schuldigkeit, mindestens dieses Privilegium zu beseitigen. In Italien besteht eine starke Bewegung datür, und in Frankreich würde bei der Wiedereinführnng der dreijährigen Dienstzeit das Privileg sicher nicht wieder eingeführt werden. Wenn jetzt 115 000 junge Leute mehr als früher eingestellt werden, ist e« unvermeidlich. daß viele Leute, die mindestens an der Grenze der Tauglichkeit stehen, 2 und 3 Jahre dienen müssen, während sehr kräftige und ge- sunde junge Leute der besitzenden Klasse nach wie vor nur ein Jahr zu dienen haben. Die Resolution des Zentrums fordert die Einleitung von Re- formen, wonach auf Grund einer besseren Fachausbildung Leute zum einjährigen Dienst zugelassen werden. Das ist keine wirkliche Reform. Auf Grund des sogenannten Kunstparagraphen ist das heute schon möglich. Die betreffenden jungen Leute haben sowohl im Heer wie auf den Kunstschulen eine schwere Stellung. Diese ganze Resolution bedeutet nur S a n d i n die Augen des Volkes. In der Kommission sagte der Kriegsminister, die Einjährigen würden nicht genügend ausgebildet. Diesen Nachteil müsse man aber hin- itehmen. weil man den besitzenden Klassen die zweijährige Dien st zeit als zu große Belastung nicht zumuten dürfe.(Lebhaftes Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Und das sagt man angesichts einer Vorlage, die dem Volke so ungeheure Opfer zumutet. �Das beweist beut- lich, wie der Patriotismus jener Kreise um so höher steigt, je mehr Vorrechte sie haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hier gibt es nur ein Entweder— Oder. Entweder können die Einjährigen richtig ausgebildet werden, dann ist die Verkürzung der Dienstzeit für alle möglich. Oder die einjährige Dienstzeit reicht zur Ausbildung nicht auS, dann muß das Privileg aufgehoben werden.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Würden die Söhne der Besitzenden dann mit den anderen zusammen in der Kaserne leben müssen, dann würde der Ruf nach Verkürzung der Dienstzeit auch von diesen Kreisen mit Energie erhoben werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial« demokraten.) Wir fordern gleicheSRecht für Alle und haben dabei die Mehrheit des deutschen Volkes auf unserer Seite. Lehnen Sie unsere Anträge ab, so geben Sie uns Gelegenheit, Ihre Volks- feindlichkeit vor dem ganzen Lande zu zeigen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten, Zischen rechts, erneutes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonn- abend 11 Uhr. Schluß 5% Uhr._ Mus der Partei. Aus den Organisationen. Ter Sozialdemokratische Verein für die beiden Reichstags- Wahlkreise B r e s l a u- O st und-West hielt am Donnerstag seine Generalversammlung ab, in der der Bericht über die neun Monate dauernde Geschäftsperiode gegeben wurde. Mit Beginn der Be- richtsperiode wurde das Vertreter-System eingeführt, daß sich bisher gut bewährt hat. Der Verein mit seinen 24 Distrikts- und über 300 Bezirkssührern zählt zurzeit 3579 Mitglieder, darunter 1597 weibliche. Ein zeitweiser Rückgang von 445 Mitgliedern ist in- zwischen schon wieder ausgeglichen. In 9 monatlichen Distrikts- Versammlungen wurden regelmäßig belehrende Vorträge gehalten. Außerdem fanden statt 1 Generalversammlung, 4 Vertreter- und 3 allgemeine Mitgliederversammlungen und eine Anzahl öffentlicher Volksversammlungen. Flugblätter wurden insgesamt 364 500 und 1500 Broschüren verteilt. Auf dem Gebiete der Frauenbewegung wurde eine rege Agitation entfaltP. In 6 Frauenabenden, von denen jeder 6— 8 Versammlungen umfaßte, wurden eigens für die Frauen geeignete Tchemen behandelt. Bei den Stadtverordneten- Wahlen konnten drei Mandate behauptet und vier neue dazu ge- Wonnen werden. Die Kosten der Stadtverordnetenwahl betragen 6141,12 M. Die Bibliothek erfreute sich steigender Benutzung. Jetzt ist eine Zentralbibliothek für Breslau mit einem besoldeten Bib- liothekar errichtet worden. Die polizeilichen und gerichtlichen Ver- folgungen gegen Angehörige der Breslaucr Arbeiterbewegung sind enorm. Insgesamt wurde erkannt auf 40Monate, 20Wochen und drei Tage Gefängnis und 2002 M. G e l d st r a f e. Die Vereinskasse vereinnahmte in der Berichtszeit 32 132,53 M. und verausgabte 29 555,06 M., so daß ein Bestand von 2577,47 M. verbleibt. Für den Wahlfonds gingen extra 5893,37 M. ein. Tie „Volkswacht" konnte in der neunmonatigen Berichtszeit 17 000 M. erübrigen und ihren Abonncntenstand trotz der großen Arbeits- losigkeit in Breslau halten. Ihr Strafkonto wurde durch die Justiz mit 2 7 0 0 M. und drei Monaten Gefängnis be- lastet. Ter Bildungsausschuß veranstaltete in der gleichen Zeit 1 wissenschaftlichen Vortragskursus über drei Abende, 2 Wissenschaft- liche Einzelvorträge, 19 Volksvorstcllungen mit den besten Kräften der Breslauer Theater, einen Unterhaltungsabend und eine Führung durch eine Bilderausstellung und eine Wandschmuckausstellung. Außerdem wurden auf Veranlassung des Bildungsausschusses 25 000 Merkblätter zur Aufklärung über Verhütung von Geschlcchtskrank- heiten verbreitet. An die Berichte schloß sich eine längere sachliche Debatte. Die Vorstandswahlen wurden wegen vorgerückter Zeit vertagt. Eine Wahlkreiskonferenz für den Reichstagswahlkreis Kattowitz-Zabrze tagte Sonntag in Kattowitz. Vertreten waren Kattowitz durch 7, Zabrze 4, Zaborze 3, Paulsdorf, Laura- Hütte und Neudorf durch je 2 Delegierte. Der Bericht der Kreis- leitung hebt hervor, daß die Abhaltung von öffentlichen Ver- s a m m l u n g e n so gut wie ausgeschlossen ist, selbst in den Orten, wo sogenannte„liberale" Bürgermeister als Polizeicheis die Verfügung darüber haben. Deshalb haben in der Berichtszeit im ganzen nur 23 öffentliche Versammlungen stattgefunden. Die Agitation ist dadurch ungeheuer erschwert und in der Haupt- fache nur auf die Verteilung von Druckschriften und den per- sönlichen Verkehr angewiesen. Verteilt wurden 140000 Flugblätter und 25 000 Volkskalender. Der Zuwachs an Mitgliedern ist wegen der großen Arbeitslosigkeit gering. Der Mitgliederwechsel aus dem gleichen Grunde sehr stark. Gegenwärtig zählt der Kreis 671 Mit- glieder. Die Einnahmen und Ausgaben betragen bei 112,12 M. Kassenbestand 3284,64 M. Die Ausstellung des Reichstags- k a n d i d a t e n wurde wegen der Schwierigkeiten mit der P. P. S. bis nach dem Parteilag in Jena vertagt, dem bekanntlich ein Antrag aus Beuthen-Tamowitz wegen Schaffung einer Einheitspartei vorliegt. Als ReichstagSkandidat für den �Wahlkreis OelS— Groß- Wartenberg wurde von der am Sonntag stattgefundenen Wahl- ireiskonferenz Genosse Redakteur Karl OlonSky- Breslau auf- gestellt. Der erste braunschweigische ReichStagSwahl- kreis, Braunschweig- Stadl und Land und Kreis Blanken« bürg a. H.. zählte am 31. März d. I. 9927 Mitglieder, darunter 1681 weibliche, gegen 9486 Mitglieder am 30. Juni v. I. mit 1604 weiblichen. Die Stadt Braunswiveig zählt 7779 Mitglieder gegen 7616 im Borjahre, das Land 2148 gegen 1870 im Vorjahre. Der .Volksfreund" hat im Kreise 10 985 Abonnenten, die„Neue Zeit" 87, die Gleichheit" 464. der„Wahre Jacob" 2861. Der Volks- freund-Kalender" wie die Monatsschrift„Empor" wurde unentgelt- lich verbreitet. Sozialdemokratische Gemeindevertreter zählte der Kreis 73 in 33 Orten gegen 59 in 26 Orten im Vorjahre. Sei' Zahrzzbericht<>e§ Zentralverbandes deutscher Konsumvereine für das Jahr 1912 ist in Form eines dicken Buches von 768 Seiten Stärke erschienen; er wurde außerdem auch der„Konsumgenossen- schaftlichen Rundschau" einige Nummern hindurch als Beilage ge- geben. Wir fürchten, daß die unheimliche Stärke des Jahresbe- richts die meisten Interessenten abhalten wird, ihn auch nur teil- weise zu lesen. Etwa 250 Seiten werden allerdings von umfang- reichen und vielgestaltigen Tabellen eingenommen, die in der üb- lichen Weise umfassende Auskunft nicht nur über den Stand und die Entwicklung der Konsumvereine, sondern über das Genoffenschafts- Wesen überhaupt geben. Die Sammlung und Bearbeitung umfäng- lichen Tatsachenmaterials gibt diesem Jahresberichte den Haupt- wert; er wird dadurch zu einem sehr brauchbaren Gcnossenschafts- Handbuche. Einige Textkapitel aber sind entschieden zu sehr in die Breite gehend gehalten, sie könnten kürzer, weniger um- schweifig sein, ohne daß das Werk an praktischem Wert einbüßte, an Raum würde aber gewonnen, dadurch sicher eine bessere Lesbar- keit erzielt und dem Buche wird der Charakter eines„Berichtes" nicht allzusehr genommen. So steht z. B. daS erste Kapitel: NahrungSmittelteucrung und Konsumgenossenschaften mit einem„Jahresbericht" doch nur in einem ganz losen Zusatnmenhange. An sich ist daS Thema(bearbeitet von Dr. A. Müller) selbstverständlich äußerst wichtig und aktuell. Solche Fragen könnten und sollten jedoch in besonderen Broschüren be- handelt werden, die sich als selbständige Arbeit darstellen, für die der Verfasser auch persönlich die Verantwortung zu übernehmen hat. Im Jahresbericht können sie aber leicht als offizielle Meinung des Zentralverbandes angeschen werden, was bei Meinungsverschieden. heiten über diese und jene Frage innerhalb der Konsumvereins- bewegung leicht zu Irrtümern und Differenzen führen kann, die anders leicht zu vermeiden find. Wenn man schon Gelehrsamkeit beweisen will, braucht daS ja nicht unbedingt im Jahresbericht zu sein, der schwierige theoretische Arbeiten nicht gut verträgt, wenn er seinem eigentlichen Zwecke entsprechen soll. Nur für sich genommen stellt das an erster Stelle stehende Ka. pitel eine sehr eingehende und vielseitige Untersuchung der wichtigen Frag« dar. Auch hier ist viel Tatsachenmaterial mühsam zusammen- getragen und übersichtlich bearbeitet, ohne wohl den Anspruch zu erheben, lückenlos zu sein. Die Arbeit ist in der Hauptsache eine statistische. Sie zeigt die verschiedenartigen Einflüsse, die bei der Preisbildung und der Teuerung der Waren mitwirken. Die Zahlen der amtlichen Statistiken verschiedener Großstädte, nationaler und internationaler Länder usw. werden verglichen und beleuchtet, woraus der Schluß gezogen ist, daß die Teuerung seit 1895 eine internationale Erscheinung ist, die in den meisten Kulturländern wirkt, wenn auch in den einzelnen sehr verschieden. Für die Ur- fachen der Teuerung werden meist Auslassungen aus amtlichen Quellen benützt, die aber wohl doch nicht ohne größte Vorsicht zu gebrauchen sind.— Als eine der Ursachen der Teuerung werden die wirtschaftlichen Kartelle und Trusts angegeben. Das ist ja bekannt und es kann nicht bestritten werden, daß ihnen gegenüber auf dem Gebiete der Warenverteilung eine gute Konsumentenorganisation Nützliches für die Warenverbrauchcr zu leisten vermag. Hinge- wiesen wird auch darauf, daß die Lohnerhöhungen für Arbeiter und Beamte meist nicht die Ursache der Teuerung mancher Produkte sind— wie die Unternehmer oft behaupten—, sondern umgekehrt eine Folge derselben. Die Rolle, die die Schutzzölle gerade bei der Teuerung der wichtigsten Lebensmittel spielen, ist recht knapp be- handelt. Soweit es sich um gesetzliche Maßregeln gegen die Teue- rung handelt, hätten sich die Konsumvereine nickst darum zu küm- mern, sagt der Verfasser; das sei Sache der politischen Parteien. Hier kommt der bekannte überspannte Neutralitätbstandpunkt zum Ausdruck. So ganz gleichgiltig kann es den Konsumvereinen doch wohl nicht sein, ob nach der Richtung hin etwas und was geschieht. Der Verfasser meint aber, für sie genüge es, wenn ein Genossen- schaftsgesetz bestehe, das den Konsumvereinen weitesten Spielraum gewährt und sie vor ungerechtem Steuerdruck schützt. Wenn er sich jedoch unter den politischen Parteien, auf die er verweist, umsieht, so wird er finden, daß in Deutschland nur eine Partei für diese Forderung eintritt: die sozialdemokratische. Und die Konsumvereine werden es in Zukunft vielleicht noch oft nötig haben, sich zur Ver- tretung ihrer Interessen in den Parlamenten auf die wirksame Hilfe der Sozialdemokratie zu stützen. Andere Wirtschaftsgruppen— z. B. die Landwirte und ihre Genossenschaften— verstehen in dieser Hinsicht ihre Interessen viel besser zu wahren und sie sind weniger schüchtern, wenn es gilt, die Partei in Anspruch zu nehmen, die ihnen am nächsten steht. Damit reden wir keineswegs parteipolitischer Be- tätigung der Konsumvereine das Wort. Wenn es aber ein Gebiet gibt, wo politische und wirtschaftliche Interessen der Mindcrbe- mitteltcn eng ineinanderstrahlen, dann ist es das der Lebensmittel- teuerung. Das muß natürlich auch zum Ausdruck kommen in den beiderseitigen Organisationen. Ueber„Wirtschaftliche Kämpfe der Genossenschaften" schreibt ebenfalls Dr. Müller. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die Konsumvereine geradezu von Feinden umringt sind, dann wird er in diesem Kapitel geliefert. Die Feindschaft in bürgerlichen Kreisen gegen sie wächst mehr und schneller, als die zu bemerkende Einsicht und Toleranz gegenüber den Arbeitergenossenschaften. In der Hauptsache gipfelt die Betrachtung in eine Auseinandersetzung mit den mittelstandsretterischen Bestrebungen weiter Kreise des Bürgertums. Es enthält auch einen Abschnitt über die„Stellung- nähme der politischen Parteien zur Genossenschaftsbewegung". Da steht u. a. folgender sonderbare Satz(Seite 179):„Nichts kann den Konsumvereinen angenehmer sein, als die Feststellung der Tatsache, daß die politischen Parteien sich wenig oder gar nicht mit dem Kon- sumvcreinSwesen beschäftigen." Es dürfte doch auch dem Heraus- geber des Jahrbuchs nicht unbekannt sein, daß sich die sozialdemo- kratischen Organe: die Presse, die Organisationen, die parlamen- tarischen Fraktionen, fast ununterbrochen mit den Konsumvereinen „beschäftigen". Und zwar indem sie für deren Weiterentwicklung unter den organisierten Arbeitern arbeiten, sie den Behörden und der Gesetzgebung gegenüber schützen und vertreten usw. Man wird doch aber nicht etwa die groteske Behauptung aufstellen wollen, daß dies den Konsumvereinen nicht angenehm oder auch nur gleichgiltig sein kann. Es würde der nötigen Neutralität kaum schaden, dem gegenseitigen guten Einvernehmen aber nur nützen, wenn endlich einmal auch in der Literatur des Zentralverbandes mit ein paar anerkennenden Worten auf diese Tatsache hingewiesen würde, statt sie fort und fort indirekt zu verleugnen. Umsomehr. da eine der- artige Vogelstraußpolitik ganz zweck- und wirkungslos bei denen bleibt, auf die sie berechnet ist. Wird doch neuerdings der„sozial» demokratische" Charakter der Konsumvereine auch daraus konstruiert, daß sie mit den„sozialdemokratischen" Gewerkschaften in enger Fühlung sind. Daß der„Jahresbericht" z. B. auf Seite 171 und 295 dem„Vorwärts" und der„Neuen Zeit" eins auszuwischen sucht, läßt fast eine Voreingenommenheit des Verfassers gegen die Sozialdemokratie vermuten. Gegenüber den ersten beiden Kapiteln ist das dritte von Dr. Maier über»Die Besteuerung der Konsumvereine" zu kurz ge- kommen. Für dieses außerordentlich wichtige und stark aktuelle Gebiet wäre etwas mehr Ausführlichkeit wohl am Platze gewesen. Neu organisiert ist die BerlagSanstalt des Zentralverbandes, worüber näheres gesagt ist. Im übrigen handelt es sich um Be- richte über die Unterstützungskasse, die Tätigkeit des Tarifamts, der Fortbildungskommission und ähnliches. Die wichtigsten Zahlen über die Entwicklung deS Zentralverbandes und seine einzelnen Einrichtungen im Berichtsjahre wurden bereits früher bekannt gegeben. Die Bewegung marschiert kräftig vorwärts, dank dem Interesse, das ihr die organisierte Arbeiterschaft in der neueren Zeit entgegen- bringt. Tie Konsumvereine des Zentralverbandes find proletarische Organisationen durch und durch. Gerade dieser Umstand gibt ihnen einen hohen sozialen Wert und die Gewähr weiterer guter Eni» Wicklung.__ Iftderflrbeiterturnerbund ein politischer verein? Von weittragendster Bedeutung für alle dem Arbeiterturner- bunde angeschlossenen Arbeiterturnvereine ist ein Prozeß, der am Tonnerstag zum wiederholten Male das preußische Oberverwal- tungsgericht beschäftigte. Mehr als 69 weitere Prozesse von Ar- beiterturnvereinen schweben beim Oberverwaltungsgericht. sind vorläufig zurückgestellt. Bei allen handelt es sich um d>e,elbe große Frage, nämlich darum, ob der Arbeiterturnerbund(Zentral- sitz Leipzig) ein politischer Verein sei und ob schon deshalb Sie U)m zugehörigen Arbciterturnvcrcinc als politische Bereine anzusehen wären. Das wird nämlich von den Polizei- und VerwaltungS- behörden behauptet. Und auch der Regierungspräsident zu-v?'»- dam hatte das behauptet und hatte in den beiden jetzt zur Ver- Handlung gelangten Sachen gebilligt, daß die zuständigen Amts- Vorsteher die„Freie Turnerschaft Staaken" und den Turnverem „Borwärts" zu Trebbin für politisch erklärt hatten, um sie den Vorschriften des Reichsvereinsgesetzes über politische Vereine zu unterstellen. Dazu gehört bekanntlich außer der Einreichung von Statuten und Verzeichnis der Vorstandsmitglieder auch, daß keine jugendlichen Personen in politische Vereine aufgenommen werden dürfen. Das charalterisiert besonders die Bedeutung der Prozesse. Die Vorsitzenden Schilling«Ttaakca) und Knorr(Trebbin) klagten gegen den Regierungspräsidenten. Es ist schon einmal verhandelt worden, eine ganze Anzahl von Nebenalten jlnb heran- geholt und sehr ausführliche Schriftsätze getvechlelt worden. Ein Kommissar, zur Wahrnehmung des öffentlichen Interesses v«M Minister des Innern ernannt, hat sich ebenfalls eingehend schrift- lich geäußert. In Gegenwart des Kommissars, Herrn von Bergen, wurde nun am 12. Juni neu verhandelt. Rechtsanwalt Wolfgang Heine trat als Vertreter der beiden Kläger, nach Erörterung seiner Beweisanträge bezüglich des völlig unpolitischen Wirkens der beiden örtlichen Ärbeiterturnvereine, in sehr ausführlichen Darlegungen der Auffassung der Behörden, die sich mit der des Kommissars deckt, entgegen: Daß der Arbeiter- turnerbund überhaupt kein politischer Verein sei, ergebe sich bereits aus den Auskünften des Kriminalkommistars Förstenberg zu Leipzig, der den Arbeiterturnerbund, der ja seinen Sitz in Leipzig habe, seit Jahren beobachte und noch erst kürzlich zu dem Ergebnis gekommen sei, daß der Arbeiteriurnerbund keine politische Tätigkeit entfalte. Wenn nun die schriftlichen Darlegungen des Kommissars zurück- griffen auf die Entstehungsgeschichte des ArbeitcrturnerbundeS, so zeige gerade d-�se, daß es si« nicht um eine politische Gründung handele. Ende der achtziger Jahre deS vorigen Jahrhunderts sei es für die Arbeiter immer schwieriger geworden, in der Deutschen Turncrschast zu bleiben, und zwar, weil diese sich immer mehr ins politische Fahrwasser begab und unaufhörlich Demonstrationen für konservative Politik und gegen andere Richtungen veranstaltete. Dazu kamen Anträge, Sozialdemokraten auszuschließen. Was Wunder, daß Arbeiter, die etwas aus sich hielten, nicht mehr dabei sein wollten. Viele wurden auch ausgeschlossen. Ganz natürlich gründete man stch selber Vereine.� Dies zog weitere Kreise, und zur Förderung der Bewegung aus Schaffung selbständiger Arbeiter- turnvereine bildete sich der Arbeiterturnerbund. Man könne vielleicht davon sprechen, daß das Ueberhandnehmen der politischen Wirksamkeit in der„Deutschen Turnerschaft" mit ein Anlaß wurde, Arbeiterturnvereine zu gründen. Aus diesem Anlaß könne man aber nicht auf einen politischen Zweck der Arbeiterturnbewegung schließen. Wenn man dann auf die von der„Deutschen Turner- schaft" ausgehenden Denunziationen gegen die Arbeiterturnvereine damit antwortete, daß doch auch andere Arbeiter ausscheiden sollten, so fei das auch ein ganz natürlicher Vorgang. Man konnte ja auch mit Recht sagen, daß im Gegensatz zu der Deutschen Turnerschast in den Arbeiterturnvereinen niemand wegen seiner politischen An- ficht verfolgt werde. Ein anderer Anlaß für den Fortichritt der Arbeiterturnvereine sei der immer stärker hervortretende soziale Gegensatz und der Gegensatz in den ganzen Lebensverhältnissen. Töricht würde es sein, aus dieser Entwickelung schließen zu wollen, daß die beteiligten Arbeiter so gehandelt hätten, um die Sozial- demokratie zu fördern.— Weiter sei verwiesen worden auf den Vertrag, den die Zentralstelle für die arbeitende Jugend mit dem Arbeiterturnerbunde abgeschlossen habe. Dieser Vertrag diene nur der Förderung von Spiel, Turnen und gesunder Bewegung in frischer Lust. Ja, werde das denn zu einer politischen Angelegen- heit, wenn die Zentralstelle für die arbeitende Jugend sich darum bemühe!? Doch wohl keineswegs! ES müsse überhaupt entschieden der Erwägung entgegengetreten werden, daß eine unpolitische Sache zu einer politischen werde, wenn eine politische Partei oder eine Institution, die mit einer solchen in Verbindung gebracht werde, jene Sache fördere. Denn sonst müsse die Einschränkung der Trinksitten und des Alkoholmißbrauches auch eine politische Ange- legenheit sein, da es keine politische Partei gebe, die sich diese Ziele nicht auch angelegen sein ließe.— Ter Anwalt ging dann auf eine Reche von der Gegenpartei bzw. vom Kommissar angezogener Zitate aus dem„Handbuch" und der„Arbeiter-Turnzeitung" ein. Wenn an verschiedenen angezogenen Stellen von einer„Erziehung zu ganzen Männern", von„körperlicher Tüchtigkeit" usw. die Rede sei, so wäre absolut nicht einzusehen, wieso das für einen politischen Zweck sprechen solle. AuS mehreren Jahrgängen der„Arbeiter- Turnzeitung" habe die Gegenpartei einen Hinweis auf die Reichs- tagswahlen Herausaefunden. Darauf könne kein entscheidendes Gewicht gelegt werden. Neun Zehntel des Inhalts der Zeitung behandele rein turnerische Angelegenheiten, sonstige Sportfragen, Berichte von den Vereinen usw. Und von verschiedenen Artikeln, die sich mit der Judikatur des Staates beschäftigten, sei kein ein- ziger, welcher polnisch wäre. Der Inhalt dieser Artikel sei lediglich eine Polemik, teils gegen die Justiz, teils gegen die Verwaltungs- behörden, teils gegen die„Deutsche Turnerschast", und zwar immer von dem Standpunkt aus: Wir sind kein apolitischer Verein! Auch einzelne wenige Lieder aus dem Nummern umfassenden Turner- liederbuch, welche politische Änklänge hätten, könnten nicht ver- wertet werden, einen politischen Zweck des Arbeiterturncrbundes anzunehmen. Uebrigens: Ter Arbeiteriurnerbund habe doch nicht den Zweck, die„Arbeiter-Turnzeitung" und das Liederbuch her- auszugeben. Nein, beide seien nur ein Mittel zum Zweck, das Turnen unter den Arbeitern zu fördern. Bei der ganzen Be- Handlung der Sache müsse das Wesentliche in den Border- grund gerückt werden. Es gehe nicht, das Unwesentliche für das Wesentliche� zu erklären.— Auf ein früheres Urteil könne nicht zurückgegriffen werden, denn seit dem Inkrafttreten des Reichs- vcreinsgesetzcS lägen die Tinge doch ander-. Ter Anwalt zog dann noch verschiedene Urteile von Strafrichtern an, die zugunsten der Arbeilerturner ausgefallen sindz außerdem das Urteil des Kammer- aencht» vom 17. Mai diese? Jahres, das in einer Arbeiterradfahrer» �achc prinzipiell ausgesprochen hat, daß selbst ein Verein, der einem polmschen Bunde angehöre«für den der R a d f a h r e r b u n d er- klart worden ist), ein unpolitischer Verein sein könne.— Er kam zu dem Schluß, daß der Arbeiteriurnerbund erstens kein poli- Är-T�"in sei, und daß zweitens, wenn er doch vom Gericht als lolcher erklärt werden sollte, noch nicht die einzelnen ö r t- r-i e m vereine deshalb politisch wären. Das Wirken jedes ört- l'.chen� Vereins müsse für sich betrachtet werden. -ver Kommissar des Ministers erklärte, von seiner gSgenteuigen Meinung nicht abgehen zu können. In ihr werde er noch bestärkt durch das Programm des Sportfestes in Wettzeniee, das am Tage der Stadioneinweihung abgehalten .f.'"i-Ctr?n heiße es: Sei die bürgerliche Sportbewegung impe- r istnch arientiert, dann müßte sich die Arbeitersportbewegung ,ozialdcmokratlsch orientieren." Wolfgang Heine erwiderte: Einmal gehe jenes Pro- gramm nicht vom Arbeiteriurnerbund aus, und zweitens seien die Worte nur zu verstehen als eine Orientierung im Sinne einer Weltanschauung und nicht als Aufforderung zur Agitation tut eine polititche Partei. Heine verwies darauf, wie die Deutsche Turnerschaft, die ganz offensichtlich Politik treibe, von den Behörden IN jeder Weite gefordert werde und betonte, daß es eine ganz krane llngerechtlgkeit tein würde, wenn der Arbeiteriurnerbund für politnch erklart werden sollte. � �'""O�gericht erklärte, daß es wegen der großen Materialtulle, die in dieser prinzipiellen«ache vor- liege, heute die Beratung doch nicht würde zu Ende führen können. Tie Enttcheidung wurde daher ausgesetzt. Das heißt, es wird die �-ache ein aiirermal beraten und entschieden, ohne daß ein neuer Termin angesetzt und ohne daß öffentlich publi- ziert wird. Die Entscheidung wird lediglich den Parteien schriftlich mitgeteilt werden. � Jugendbewegung. Echt preußische Kulturfeinbschaft im Jubiläumsjahre. Der Dirigent des Erfurter ArbeitersängerchoreS, Genosse Steiniger, beabsichtigte, wie der„Vorwärts" bereits be- richtete, an eine Anzahl Arbeiterkinder Gesangsunterricht zu er- teilen und sie in die Werte großer Komponisten einzuführen. Ob- wohl Genosse Steiniger seine Vorbildung auf einem Konserva- torium erhalten und am Hoftheater in Weimar bei Ausbildung der Kinderchöre eine leitende Stellung eingenommen hat. Wurde ihm vom Magistrat die Fortsetzung seiner Tätigkeit auf Grund einer alten Kabinettsorder verboten, weil die Polizei Zweifel in seine Befähigung und sonstige moralische Qualifikation setzte. Er er- hob Beschwerde gegen den Bescheid, und um die Sorge der Erfurter Polizei um das Wohlergehen der Arbeiterkinder etwas zu be- schwichtige»., fügte er dem Schreiben auch den Nachweis über seine Befähigung und einwandfreien Lebenswandel bei. Doch die Be- Hörden kommen niemals in Verlegenheit, wenn es gilt, der prole- tarischen Jugendbewegung Hindernisse in den Weg zu legen. Stei- niger erhielt kürzlich folgendes Schriftstück zugewandt: „Ich bin zu meinem Bedauern nicht in der Lage, Ihnen die Genehmigung zur Leitung des aus schulpflichtigen Kinoern be- stehenden Chores zu erteilen und verbiete hiermit, daß weitere Hebungen im Saale des„Tivoli" gehalten werden. Nach den für sämtliche Schulgattungen geltenden Bestimmungen sind Schülervcreinigungen nur dann zulässig, wenn sie sich nur auf Schüler, die einer und derselben Anstalt angehören, beschrän- ken, so daß der Anstaltsleiter eine Verantwortlichkeit'dabei übernehmen kann. Nach den von mir angestellten Ermittelungen gehören die in den Chor aufgenommenen Kinder verschiedenen städtischen Schulen an, so daß eine einheitliche Aufficht nicht ge- übt werden kann. Außerdem ist es unstatthaft, daß Schulkinder in eine Gastwirffchast gerufen werden, da Unzuträglichkeiten bei dem Fehlen der Personen, denen ein AuffichtSrecht über die Kinder zusteht, unvermeidbar sind. Dr. G u t s ch e, Stadtschulrat." Auch diese„durchschlagenden" Argumente sind nicht geeignet, den Eltern der in Frage kommenden Knaben und Mädchen die Ueberzeugung beizubringen, daß die Erziehung ihrer Kinder durch das Singen schöner Volkslieder usw. gefährdet sei. Doch hat die Behörde durch ihr Vorgehen erreicht, daß schulpflichtige Kinder über solche Maßnahmen zum Nachdenken veranlaßt werden. Dessen» ungeachtet werden aber die Ordnungsstützen" weiter Heulmeiern. daß die böse Sozialdemokratie es ist, die die Jugend politisch vergiftet._ Soziales. Eine Erweiterung der Sonntagsruhe im HandelSgewerbe ist am Mittwoch von der Hamburger Bürgerfchaft nach hartnäckigen Redekämpfen beschlossen worden. Die sonntägliche Verkaufszeit ist auf drei Swndcn am Vormittag beschränkt. Die bisher übliche Ge- fchäftSzeit in den Mittagsstunden kommt in Wegfall, nur für den Blumcnhandel ist eine 4l4stündig« Verkaufszeit zugelassen und für den Handel mit Fischwaren ist die dreistündige Verkaufszeit, gemäß der bisherigen Gewohnheit, auf die Abendstunden verlegt. Außer- dem beschloß die Bürgerschaft, den Senat zu ersuchen, beim Bundes. rat dahin zu wirken, daß der Verkauf von Tabakfabrikaten in Re» staurants bei der reichsgcsetzlichen Regelung der Sonntagsruhe«nt- sprechend eingeschränkt werde. Hus Industrie und Handel. Mißerfolg der Anleihezeichnung. Offiziell wird mitgeteilt:„Während die anfangs März d. I. vom Reich und Preußen aufgelegten Anleihen mit zu- sammen löst Millionen Mark noch um etwa öl) Proz. überzeichnet wurden, haben die nunmehr begebenen Reichs- und Staats- anleihen trotz des niedrigen Kurses und der günstigen ZahlungS- bedingungcn die Ungunst der gegenwärtigen Lage des Anlägemarktes erfahren müssen. Die Reichsanleihe im Betrage von 50 Millionen Mark ist zwar beinahe voll ge- zeichnet worden, von der preußischen Anleihe in Höhe von 17S Millionen Mark werden aber dem Konsortium nicht uner- hebliche Bestände verbleiben, die erst allmählich, namentlich auch durch Verwendung zu Schuldbucheintragungcn in feste Hände zu überführen sind. Die Qualität der vorliegenden Zeichnungen ist besonders gut. Es überwiegen bei weitem Schuldbuch, und Sperrzeichnungen und auch die Zeichnungen auf freie Stücke, meist kleinere Beträge, sind erkennbar durchweg solche von ernsthaften Zeichnern." Wie von anderer Seite gemeldet wird, stammen die Zeichnungen in überwiegender Mehrzahl aus Kreisen der B e- russgcnossenschaften, Sparkassen und ähnlicher In- stitute. Dagegen haben sich industrielle Unternehmungen und Prt- vate nur in sehr geringem Matze an der Substription beteiligt. deren Aktien sie für 12 Millionen befitzt. Als Ganzes ging dann dieser Komplex von Gesellschaften vor zwei Jahren in den Konzern der A. E. G. auf, was dadurch zum Ausdruck kam, daß die Firma mit der soeben erwähnten Züricher Bank 21 Millionen Mark eigene Aktien gegen eine gleiche Summe junger Aktien der Bank aus- tauschte. Gegenwärtig besteht das nominelle Aktienkapital der Ge» sellschaft aus 25 Millionen Mark, die 6 Proz.(im Vorjahr 5 Proz.) abwarfen. Für das Schachtelsystem der Verbindungen zwischen den einzelnen Werken ist charakteristisch, daß die Gesellschaft nicht nur nach oben mit der Züricher Bank, sondern auch wiederum an 10 Untergesellschaften interessiert ist, die in den verschiedenen Ge. genden verstreut sind. So die Kleinbahnen in Hirschberg i. Schill« Mühlheim a. Rh., Frankfurt, Elektrizitätswerk in Augsburg, Höchst a. M.. Warschau usw. Statistisch läßt sich die Konzentratio» des Kapitals nur durch Zählung der Betriebe verfolgen. Die tat» sächliche Konzentration läßt, wie dieses Beispiel zeigt, jede statistisch erfaßbare Konzentration weit hinter sich. Steigende Eisengewinnung. Die Ermattung, die sich zurzeit auf einigen Gebieten des Eisen« Marktes zeigt, hat aus das Tempo der ProduktionS« steigerung noch nicht zurückgewirkt. Die deutsche Roheisen« gewinnung hat auch im Monat Mai d. I. wieder kräftig zugenommen. Sie belief sich auf 1 S41 600 Tonnen gegen 1 492 157 Tonnen im Vorjahre. In den ersten fünf Monaten 1913 wurden m Dentfch« land 7 959 315 Tonnen Roheisen gewonnen, das sind 846 984 Tonnen mehr als in der vorjährigen Vergleichsperiode. In den ersten fünf Das Kapital an der Arbeit. Die bulgarische Staatsregierung beabsichtigt, bald mit der Erschließung der noch fast unberührten Waldungen, die in dem von ihr eroberten Teil Mazedoniens liegen, zu beginnen. Zu diesem Zweck hat sie ein Syndikat ins Leben gerufen, dem größere bulgarische und ungarische Holzhändler, sowie die Banrfirma P o r g e s in Paris angehören. Es werden zunächst die in Frage kommenden Waldungen durch Fachleute untersucht. Alsdann ist die Ausstellung von Sägemühlen, wahrscheinlich in Saloniki, geplant. Die Hölzer sollen dort ver- arbeitet und die Produkte nach den holzverbrauchenden Ländern exportiert werden. Diese Angelegenheit ist angesichts des großen Waldreichtums Mazedoniens für den internationalen Holzhandel von Bedeutung._ Aus der Elektrizitätsindustrie. In voriger Woche wurden an der Berliner Börse neue zehn Millionen Mark Aktien der Elettrizitätslieferungs-A.-G. ausge- eben, die das Kapital dieser Gesellschaft auf 30 Millionen erhöhen. üie Aktien wurden von der Bank für elektrische Unternehmungen in Zürich— Mitglied des Konzerns der A. E. G.— übernommen. Die Gesellschaft hat im Jahre 1912, wie ihr Prospekt mitteilt, eine Reihe von Konzessionsaufträgen zur Abgabe elektrischer Energie im Süden der Provinz Hannover erlangt.(Kreis Hameln, Graf- schaft Schaumburg. Kreis Holzminden, Stadt Hameln.) Zur Ver- sorgung dieses Gebietes wird gegenwärtig ein Kraftwerk in Afferde bei Hameln errichtet, wozu offenbar ein Teil der neuen Kapitalien verwandt werden soll. Die A. E. G. hat damit auf einem neuen Gebiet Fuß gefaßt. Auch von der Elektrizitäts-A.-G. vorm Lahmeyer u. Co. ist der Geschäftsbericht 1912/13 erschienen. Ursprünglich selbständig, ver- schmolz sich diese Gesellschaft zuerst mit gelten u. Guilleaume, von £ Monaten der Jahre 1912 und 1913 entwickelte sich die Produktion von Roheisen absolut und im Verhältnis zur Bevölkerung?« bewegung, wie folgt: Produktion in Tonnen �j�Mog�mm 1912 1913 1912 1918 Januar... 1 385 493 1 609 714 21.05 24.14 Februar... 1 337 134 1 492 511 20.29 22,36 März.... 1446 143 1 628 190 21.92 24,37 April.... 1 427 559 1 587 300 21.93 23,73 Mai.... 1463 610 1 641 600 22.57 24,62 Für die ersten fünf Monate der Jahre 1907 bis 1913 ergäbe» sich nachstehende Vergleichsziffern: q»-: Produktion Erzeugung pro Kopf Jan. Mai in Tonnen in Kilogramm 1007.,,. 5 811617 85,87 1908.... 5 093 296 81,87 1909.... 6 185 068 81,69 1910,... 5 982 961 92,95 1911.... 6 419 642 98,60 1912.... 7112 331 107.33 1913.... 7 959 315 119,13 Auf die hauptsächlichsten Bezirke verteilt sich die Pro« dultion in den Monaten Januar bis Mai 1912 und 1918 nach Tonne» wie folgt: 1912 1913 Rheinland-Westfalen...... 3 082 970 3 866 218 Siegerland, Lahnbezirk, Hessen-Nassau 337 158 411 712 Schlesien..'....... 426 624 406 099 Mittel» und Ostdeutschland.... 373 234 414 434 Bayern, Württemberg. Thüringen. 130 856 126 388 Saarbezirk.......... 630 371 666 003 Lothringen, Luxemburg..... 2 186118 2 668 417 Ein Rückgang der Gewinnung ist in Schlesien, Bayern, Würftem- berg und Thüringen eingetreten. Versammlungen. lieber die Bedeutung der Internationalen Baufach-Ausstellung sprach in den letzten zwei Wochen der Reichstagsabgeordnete Dr. W e i l l in 3 Versammlungen der Baubranchen in einem etwa Inständigem Vortrag, der durch zahlreiche Lichtbilder reich illustriert wurde. In klaren Ausführungen zeichnete der Redner das Bild, das sich in Leipzig dem Besucher entrollt; er führte seine zahl« reichen Zuhörer in die Jndustriehallen, in denen alle dem Bau- gewerbe einschlägigen Zweige vertreten sein werden. Sie konnte» einen Einblick in die gewaltige Rtaschinenhalle tun. in der man fast sämtliche Maschinen im Betriebe vorführt; ein wohlgelungenes Bild stellt das„Monument des Eisens", den Palast, den der Stahl» werkS-Verband mit dem Verein deutscher Brücken» und Eisenbau- fabriken zusammen erbaut hat, dar und viele andere wundervolle Bauten, von denen die Eisenbetonhalle, die die Ausstellungen der wissenschaftlichen Abteilung, der deutschen Bundesstaaten, der Städte usw. aufnimmt und dazu ausersehen ist, später als ständige Ausstellungshalle der Stadt Leipzig bestehen zu bleiben, erwähnt sei. Besonderes Interesse beanspruchen ferner die Ausstellungen oes Preußischen, Bayerischen und Sächsischen Staates. DaS AuS- land beteiligt sich zum Teil in der wissenschaftlichen Abteilung, zum Teil in eigenen Pavillons, und zwar haben Oesterreich-Ungarn. Rußland, Italien, Rumänien, Schweden und Norwegen, Holland, Dänemark, Amerika usw. die Ausstellung beschickt. Ganz besonderes Interesse verdient die Gruppe IV, die dem Arbeiterschutz gewidmet ist. Der Arbeiterschutz, der noch recht im argen liegt, der aber einen wichtigen Teil des Bauwesens überhaupt bildet, soll die Äerufs» gefahren der Bauarbeiter wesentlich herabmindern und für zahl« reiche Arbeiterfamilien die Angst und Sorge um den Ernährer wenigstens bis zu einem gewissen Grade beseitigen. Den Arbeitev- schütz auf Bauwerken, wie ihn die Arbeiter Deutschlands schon seit Jahren fordern, stellt die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands an einem eigenen Bau dar. Der Bau ist auf einem rund 670 Quadratmeter großen Platz in eigener Regie nach dem Entwurf des Architekten Schade- Leipzig aufgeführt worden. Daß sich dabei kein nennenswerter Unfall ereignet hat, ist auch geeignet, dem Bau von vornherein eine gewisse Mustergültigkeit zu verleihen. Deshalb darf gerade seine Darstellung bei allen gerecht und sozial denkenden Besuchern als überaus wertvolles Ausstellungsobjekt auf die größte Beachtung rechnen. Es ist verdienstlich, daß die Gewcrk- schaften die Gelegenheit, sich als Kulturfaktor zu zeigen, gut benutzt haben, um so nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten den gewerkschaftlichen Wünschen und Forderungen Nachdruck zu ver» schaffen.— In der Gartenvorstadt Leipzig-Marienbrunn wird die Bedeutung der Gartenstadtbewegung in der Neuzeit dargelegt. Welche Bedeutung der Ausstellung in den weitesten Fachkreisen bei» gemessen wird, geht daraus hervor, daß weit über 200 Kongresse im Rahmen der Ausstellung abgehalten werden. Der Vortragende, dem starker Beifall gezollt wurde, hat somit in geschickter Weise aus dem AusstellungLprogramm alles das her- ausgeschält, was nötig war, um die Zuhörer die Größe der Ver- anstaltung ahnen zu lassen. . 1Wljrfe,. Mehr als �OSorfen. kük'? Zieller Sonnabend, 14. Juni 1313 Ansang VI, Uhr. Prater. Das Bummelmädchen. Anfang 7>/, Ubr. Kgl. Opernhans. Carmen. Anfang 7 Uhr. Neues Oper»(Kroll). Tristan und Isolde. Ansang 8 Mr. Urania. Ueber den Brenner nach Venedig. Königl. Schauspielhaus. Der große König. Lessing. Mt-Wien. Deutsches. Der lebende Leichnam. Äammerspiele. Kaiserliche Hoheit. Berliner. Filmzauber. «öniggriiher Strafte. Das Buch einer Frau. Schiller©. Moral. Schiller Charlottenburg. Freiwild. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Deutsches Schauspielhans. Der Dieb. Kleines. Professor Bernhard!. Deutsches Opernhaus. Königin von Saba. Thalia. Pupbchen. Metropol. Die Kino-Königin. Anfang 8*1, Ubr. Komödienhans. Hochherrschaftliche Wohnungen. Friedr.- Wild. Schauspielhaus. Das Farmermädchen. Lustspielhaus. Der lustige Kakadu. Rose. Der Traum ein Leben. Luisen. Die Allwördens. Folies Capricc. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallcn. Stettincr Sänger. Ansang 8'/, Ubr. Neues Volkstheater. König Krause. Theater am Nollendorfplay. Der Mann mit der grünen Maske. Ansang 3 Uhr. oS�THWre Große Frankfurter Str. 132. Anfang S'j, Uhr. Der Traum ein Leben. Auf der Gartenbühne: * Es geht los! Große Posse. Ansang 4'/, Uhr. Ktetroiiol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jul. Freund und G. Okonkowski. Musik von Jeu» Ollbert. In Szene geseht v. Dir. Rich. Schultz DaZstioii: Großes Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mark, von 6 Uhr ab 50 Pf. Kimler unter 10 Jahren die Hälfte' Passage-Panoplikum Die 3 Schwestern Liiiput die kleinst. Schwest. der Welt. Der weltberühmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson bei seinem Training. Aryo die schwebende Jnngtran!_ IWT* Alles lebend!"tKi! Alles ohne Extra-Entree! Reicbsballen-Tbeater Stettiner Sänger. „Stueke's Pfingstlalirf Berliner Burleske von Meysei. Anfang 8 Uhr. Votksgarten- Theater. Badstr. 8. Bellermannstr. 20/25. liplr Konzert, Theater- u.Spfi- 11111• zialitäten-Vorsteliung. Admiralspalast. St. Moritz. Eisballctt: Flirt iu Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. 8ebiIIef-7bealer0.T�°.er' Sonnabend, abends 8 Uhr: Moral. Sonntag, abends 8 Ubr: prlnr Friedrich von Hamburg. Ein Berkaus von Karten zu dieser Sonntagsvorstellung findet nicht statt. Montag, abends 8 Uhr: Oeographlc nnd Elebc. SehilleF-Thealer Ch\TrT',: Eonnabend, abends 8 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Kopf und Schwert. Eirr Verlaus von Karten zu dieser Somitagsoorstellung findet nicht statt. Montag, abends 8 Uhr: Zwei Wappen.__ Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Heute: In lauschiger Xacht. Originalposse in 2 Akt. v. SS. Gehrickc. Dazu das Riesen-Speziaiitätcn-Progr., u. a. i he original 4 Darnetts. V©igt-Tlieater Badstrafte 58. Sonntag, den 15. Juni 1313: Zum vorletzten Male: Stuf nach Amerika! Austreten von Spezialitäten allerersten Ranges. Kassenössnung 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. dlihmralspalasS Lis-Arens. | Auch bei der größten Hitze kühler Aufenthalt. Male das famose Eisballett Flirt in Die kleine Charlotte. Bestaurant 1. Banges. Nach 10'/, Uhr halbe Preise. Brauerei Friedrichshaiu Am Kölligstor. Oek.: Erust Uebing. SSST" ieden Dienstag- und Donnerstagnachmittag:-MB Kaff ee-frei-Vorstellung der X orddeutschen und Apoll©- Sänger bei freiem Entrce. Freitags: Frei-Konzert. Uemaltnngsstktle Serlm D 54, Linienstr. 83-85 Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Amt Norden 1337. Amt Norden 185. Amt Norden 1233, 3714 Montag, den 16. Juni 1913: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Oerwaltungsttelle Berlin in folgenden Lokalen: NOrdeni PhamssWe, Müllerstr. 1413, abends 8'/, Uhr. NOrdeil* Ob*slos �««tsälc, Schwebtet Strafte 23, abends N0rd6n I Frankes Festsäle, Badstr. 19, abends 8% Uhr. Die Bolksfürsorge. Referent: Kollege Rudolf Wissest. Tegel: Restaurant Mnllcr, Berliner Str. 84, abends« Uhr. Weste» und Schöneberg: JÄrÄffÄ'' netan* t'omeniussäle, Memeler Strafte 67, abends S'L Uhr. UJtCil. Vortrag. I iphtonhoPfl* Kestanrant J. Erteil, Pfarrstrafte 74, klCINvllvLrg. abends 8'/, Uhr. Stralau- Rummelsburg: Ä'" r%eTn"!astm*w WoiRoncaa' Peakerts Festsäle, Berliner Allee"351, n vlUvlldvv. abends ö1/, Uhr. CilrlanhaTipUa* Oewerkschaftshaas, Siigelnfcrlo, Saal 4, OliUCllUCkll HB. abends 8'!, Uhr. Vortrag des Reichstags- abgeordneten Daoidsohn über:„Dentscher Humor-. Moillrnlln* Bartschs Festsäle. Hermannstr. 48/49, abends ITBUILUllll. S'/j Ubr. Vortrag des Kollegen Barth über:„Est» Blick in die Reichsversicherungsordnung-. Steglitz: Restaurant 8ehellhase, Ahorustr. 15, abends 8'/- Uhr. Köpenick u. Friedriebshagen: Hagener Strafte 1, abends 8'l3 Uhr. Vortrag des Genossen Dr. Moses über:„Der Geburtenrückgang im Deutschen Reiche-. Die Kollegen werden ersucht, auch die Frauen zu dieser Versammlung mitzubringen. Obersehöneveide, Niederschöneweide, Johannisthai II flmif* Frochowski, Rathausstr. 13(gegenüber lliai U« üiug.. der Post), abends 8'/z Uhr. Bortrag. Spandau: 5>i»rdet-kl, Bismarckstr. 8, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Kencht von der Ceneralversninmlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 113/18 Die Ortsverwaltnng. 8 Uhr: Das Buch einer Frau. Deutsches Schauspielhaus 8 Uhr: Der Dieb. Theater amKolMorftilatz Allabendlich 81/, Uhr: Der Mann mit der grünen Maske. Kroll-Oper 7 Uhr: Tristan unii Isolde. Sonntag: Der Trompeter von Eäckwgen. Montag: Tannhäuser. Montis Dperetten-Ttaeater (fr. Neues Theater). Amt Norden 1141. Svmmerpreise. Gasisp. Jul. Spielmann. 8 Uhr: Der lachende Ehemann kseijoiei Kahn!& H0Ftzer':crnsprecher: Morgen Sonntag nach Königst. 2062. Billige Extrafahrten ab: WälSBütlFÜCkB TtfiimSfer(Tornows) Abfahrt 71/, Uhr. 8 A7 Hl|P B•.Ä(|jy||/ hix, u. zurück 2 M. nnck. I�f»llf Vllllll5> Abfahrt 10 Uhr. Hin und zurück Fägllch nach IliBlie /NUNlL Wochent. 50 Pf., Sonntags 1 M. Jeden Montag u. Donnerstag nach HVcudeuschlov- «riluau- Iirau»peuhurg- Zieue Mähte Jeden Donnerstag n. Freitag nach �icu- Ahlheek, hngeu'''u�>''�oltersäorker8chleu8e Jeden Mittwoch nach �Aeudensehloß-Clräuuu- Krampenbarg- Ziegenhals Jeden Mittwoch nach TeUpltZ. Abs. 8 Uhr, hin Von Cakö Alsen(Schief. Brücke) Abfahrt je'/, Ab Neukölln-Wildenbruchbrücke Jeden Montag u. Donnerstag nach Vi eu- Ahlheek- orhfnfirt Friedrichshagen und Aen-Helgolaud' Jeden Dienstag und Freitag nach Weudensehloll, 1 U Uhr Cirttnan- Waididyll- Müggelheim( Hill u. zurück », W�den� Krampenburg 50 Ab Cafe Alsen(Schlesijche Brücke) Abfahrt ea.'/, stunde später. Dampfer sind an Vereine usw. hllllg zu vergeben. Abjahrt 2 Uhr hin u. zurück 50 Ps. u. zurück 2 M. Stunde später. Bevor Bis Ihre diesjährige Dampferpartie unternehmen, besichtigen Sie erst Voigts Krampenburg und Sie werden finden, daß es der schönste und passendste Ausflugsort ist.* R. Voigt, Post Schmöckwitz, Fernsprecher: Köpenick 227._ ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, aÄSw beim Alten Freund. Verwaltung Berlin Lallen- und Kontormöbclbrancbc. Montag, den Kl. Juni, abends 6 Uhr, im„Englischen Hof", Alexanderstrafte 87c: =ü Branchen-Versammlung== Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht von der letzten Generalversammlung. 3. Ver- bands- imd Branchenangelegenheiten. Die Jahresberichte der Zahlstelle Berlin werden im Burra» ausgegeben. Sie find durch die Vertrauensmänner für alle im Betriebe beschäftigten Mitglieder abzuholen. IW Vertranensmännerkarte legitimiert.-Mi> 84/13 Die Ortsverwaltnng. Sebntnoarenbaus früher Klein :: Große Frankfurter Str. 141:: Bedeutend billigere Preise als bisher. -„Vorwärt8"-Ec8er 5 Pro®. Rabatt.—— Sigm. Mosse. Rechnllilgs- Abschloß der I Greift zu! ISB (ed. Herrn, der sich eleg. u. bili. kleiden will, empfehle eleg. ilo- natsgarderobe in feinsten Werkstatt. Berlins gearb., von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebr.(fürjed.Pig.pass.) Monats-iackett-Anzüge 8,10, 14,18M Monats-Rock-Anzüge 10, 12, 16, 20 M. Monats-Paletots 8, 10, 14, 18 M. 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Sa. der Einnahmen. b) Ausgaben. 1. Für ärztl. Behandlung 2. FürArznei und sonstige Heilmittel..... 3. Krankengelder: a) an Mitglieder.. b) an Angehörige der Mitglieder... 4. Unterstützung an Wöch- nerinnen..... 5. Sterbegelder.... 6. Kur- u. Verpflegungs- kosten an Kranken- Anstalten..... 7. Ersatzleistung für gewährte Krankenunterstützung...... 8. Zurückgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder. 3. Für Kapitalanlagen (Sparkasse, Zusüh- rungen zum Reserve- sonds)...... (21 426,65 u, 1701,84 M.) 10. Verwaltungsausgaben: a) persönliche... b) sächliche.... 11. Sonstige Ausgaben. 12. M. 3 421,03 1 782,24 2 732,40 78 403,41 1 116,45 300,75 18 445,75 213,13 107 021,17 14 615,40 3 828,66 23 150,33 672,75 1883,— 1 578,— 14 531,— 7 383,67 374,91 23 198,49 6 783,31 2 070,14 750,70 Sa. 106 826,56 der Ausgaben c) Abschluft. Summa der Einnahmen 107 021,17 Summa der Ausgaben. 106 826,56 Ergibt sür den Schluß des Rechnungsjahres einen Kassenbestand von.. 194,61 2. Vermögensnachweis für den Schluß d. Rechnungsjahres 1912. Das Gesamtvermögen der Kasse setzt sich wie folgt zusammen: 1. Aktiva: a) Der Behand für den Schluß d. Rechnungs- jabres 1312 lt. vor- stehendem Abschluß b) Spariassenbnch. W. 134,61 61 485,49 Summa 61 680,10 2. Passiva: nicht vorhanden. Hiernach beträgt der Ueber- " schuß der Aktiva... 61 680,10 Nach dem vorjährigen Ab- schlusse betrug der Ueber- schuß der Aktiva... 60 153,78 Ergibt gegen das Voriahr an Ueberschuß der Aktiva mehr....... I 526,33 58 434,59 56 732,75 1 701,84 Zum Reservefonds gehören nach den stattgesundenen Ueberweisungen... Nach dem Vorjahr. Abschluß betrug der Reservefonds Ergibt gegen das Vorjahr an Reservesonds mcbr. Als Betriebssonds ver- bleiben der Kasse von dem Betrage: a) bar...... b) Bankeinlagen..■ Ergibt einen Betricbs- fonds von..... 3 245,51 Zehlendorf, den 15. Mai 1913. Der Borstand. F. Schweitzer, Borfitzender-Stellvertr. 194,61 3 050,90 ZjeniPäle"W.ö. rriedplchßr. 162. Eigene öe-Tch-afle m allen Sladtieilen ■JordenL Sic OXC u s t e r h v. ch Einheitspreis für Damen und Herren 12.50 Luxusausiührun� für Damen u. Herren 16. 50 'Lerwtfwortlicher Rchaktnrr:«lsred Wielepp, Neukölln. Für Hn gnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts ivuchdruckerei u. Berlagsunstul: Paul Singer iL To., erlin SÄ Kr. 147. 80. Iahrgaug. 2. Kcilme dts Jormirts" Kerlimr HolMItft Sonlmdelld, 14. Ilwi 1013. ßewerhrchaftUcbca. Rüchgang der Löhne im Bergbau. Noch ist Hochdruck im Kohlenbergbau, noch wird mit allen Kräften gefördert, noch verlängern Ueberftunden und Ueberfchichten die normale Arbeitszeit, und doch macht sich in einzelnen Bergbau- bezirken ein Rückgang der Löhne bemerkbar. Im Vergleich mit dem 4. Vierteljahr 1912 war im 1. Viertel 1913 der auf eine verfahrene Schicht erzielte Lohn niedriger: im Braunkohlenbergbau in Halle um.. 6 Pf. „ linksrheinischen Braunkohlenbergbau um 2„ Such im Salzbergbau und im Erzbergbau fängt es schon mit den Lohnkürzungen an. Im Salzbergbau, im Bezirk Halle, ist der Schichtenverdienst um 1 Pf., in Clausthal jedoch um 4 Pf. gesunken. Erheblicher macht sich der Rückgang schon in den verdienten Lohn- summen für das ganze Vierteljahr bemerkbar. Im Steinkohlen- bergbau des Oberbergamtsbezirks Dortmund und aus den staatlichen Gruben zeigt sich noch ein kleiner Aufstieg, dagegen verdienten die Arbeiter in der Vergleichszeit weniger: in Oberschlesien...... 3 Mark im Bezirk Halle...... 9, im linksrheinischen Bezirk... 8, Halle, Salzbergbau..... 4, im Bezirk Mansfeld.... 4„ im Oberharz....... 4„ rechtsrheinischer Erzbergbau.. 8„ linksrheinischer„.. 4„ Bei den Lohnrückgängen kommen insgesamt 97 009 Arbeiter in Betracht. Das ist eine verhältnismäßig große Zahl. Wenn man weiter berücksichtigt, daß im Bergbau zurzeit noch Hochkonjunktur herrscht, dann kann man der Erscheinung ernsthafte Bedeutung nicht absprechen. Man merkt, die Unternehmer sind rücksichtslos, weil sie in der organisatorischen Zerrissenheit der Bergarbeiter ein Moment der Schwäche erblicken, das sie der Willkür des Kapitals gegenüber außerordentlich benachteiligt. Wollen sich die Bergarbeiter nicht endlich aus diesem Zustand der Schwäche befteien, nicht endlich durch Schaffung einer einheitlichen Organisation ihre Widerstandskraft steigern, ihre Kampffähigkeit erhöhen? Wenn nicht, dann wird die nun einsetzende Krise ihnen noch schwere, tiefe, schmerzende Wunden beibringen. Noch ist es Zeit zum Rüsten— aber es ist auch die allerhöchste Zeit._ Berlin und Umgegend. Achtung! Rohrleger und Helfer! Am gestrigen Tage ist der Tarifvertrag zwischen dem Arbeit- geberverband im Rohrlegergewerbe für Berlin und Umgegend und dem Deutschen Metallarbeiterverband abgeschlossen worden. Noch im letzten Augenblick versuchte Herr Wiesenthal, den Tarifabschluß un- möglich zu machen bezw. zu hinhern. Nachdem der Tarifvertrag nun abgeschlossen ist. haben unsere Mitglieder nunmehr auch das Recht, den Facharbeilsnachweis für das Rohrlegergewerbe zu be- nutzen. Außer dem Deutschen Metallarbeiterverband ist noch Kontrahent der Allgemeine Deutsche Metallarbeiterverband, Verein Berlin und Umgegend, der sich von der Wiesenthalschen Organisation ab- gezweigt hat. Deutscher Metallarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berlin. Die Transportarbeiter und der paritätische Arbeits- Nachweis im Braugewerbe. Als letzte freie Gewerkschaft nahm am Freitag auch der Transportarbeiterverband in sehr stark besuchter Ver- sammlung zum paritätischen Nachweis Stellung. Bevor der Branchenleiter A lisch diese Frage behandelte, ging er des näheren auf die Lohnbewegungen im verflossenen Quartal ein. Augenblicklich hat der Verband noch langwierige Verhandlungen mit der Malz- bierbrauerei Groterjan. Im übrigen könnte man mit den letzten Kämpfen, bis auf den Kampf in den Weißbierbrauereien, zufrieden sein. Sind in den verschiedenen Weißbierbrauereien nicht bessere Erfolge erzielt worden, so ist das Schuld der Kollegen selbst, denen es an dem nötigen Interesse mangelte. Doch hoffe er, daß sich dies in Zukunft hebe. Uebergehend zur Hauptfrage gab A l i s ch in längeren Ausführungen ein detailliertes Bild des kommenden Arbeitsnachweises, der für zirka 2000 Mitglieder des Transport- arbeiterverbandes in Frage kommt. In der lebhasten Diskussion beantwortete Alisch verschiedene aufgeworfene Fragen und ging dann noch auf die äußerst betrüblichen Grenzstreitigkeiten zwischen dem Transportarbeiter- und dem Brauereiarbeiterverband ein. Nach einstimmiger Annahme der Vorlage wurde als Kuratoriumsmitglied Alisch, als 1. Ersatzmann T i e tz, als 2. Ersatzmann B a l k e gewählt. Von den Mitteilungen, die gemacht wurden, interessiert besonders die, daß verschiedene Fahrer von der Steuerbehörde in unerhörte Strafen genommen wurden, weil sie nicht die nötigen Begleitpapiere bei sich hatten._ Mißstände in der Berliner Parkverwaltuug wurden in der letzten Sektionsversammlung der st ä d t i s ch e n Gärtner im Allgemeinen deutschen Gärtnerverein besprochen. Die Stadt Berlin genießt, soweit das Arbeitsverhältnis der Gärtner in Betracht kommt, schon heute den Ruhm, weit hinter den anderen größeren Städten von Groß-Berlin zurückzustehen. Besonders kraß kommt dies bei der Arbeitszeit zum Ausdruck. Während in den Parkverwaltungen von Charlottenburg, Neukölln, Schöneberg, Lichtenberg, Wilmersdorf, Weißensee die Höchstarbeits- zeit 9 Stunden beträgt, herrscht in der Berliner Parkverwaltung noch eine Höchstarbeitszeit von 10 Stunden. Trotz der langen regelmäßigen Arbeitszeit findet noch wieder- holt eine weitere Verlängerung der Arbeitszeit statt. So auch wieder in den letzten Tagen. Zum bevorstehenden Jubiläum des Kaisers häufen sich nämlich die Arbeiten. Jetzt wurde verlangt, daß die Arbeitszeit von 6—9 Uhr abends verlängert werde. Wer aber glaubt, daß für diese Mehrarbeit eine Mehrbezahlung stattfinden würde, ist schwer im Irrtum. Wohl hat die Stadt Berlin 70 000 M. zur Ausschmückung der Straßen bewilligt. Den Gärtnern wird jedoch nicht 1 Pf. Aufschlag für die geleistete» Ueberftunden bezahlt. Als ein Teil der Gärtner sich weigerte, diese Ueberftunden ohne Ueberstundenbezahlung zu leisten, wurde sogar einigen empfohlen, sich nach anderer Stellung umzusehen! Unbillig ist es auch, daß verlangt wird, von 4>/z bis 9 Uhr abends ohne Esscnspause zu arbeiten. Unsinnig ist es, wenn von den Gärtnern verlangt wird, sie sollen morgens angeben, ob sie durch irgendwelche Gründe verhindert sind, abends Mehrarbeit zu leisten. Unsinnig ist dies deshalb, weil erst kurz vor 6 Uhr abends die Weiterarbeit bis 9 Uhr verlangt wird. Ungehörig ist es. wenn nachgeschnüffelt wird, ob die angegebenen persönlichen Behinderungsgründe auch wirklich bestehen. Es wird uns mitgeteilt, daß die Direktion der Parkverwaltung eine möglichste Einschränkung der Ueberftunden wünscht; dann möge die Direktion aber auch dafür sorgen, daß derartige Ueber- griffe der Reviervorsteher, wie die, welche sich im III. Revier zu- getragen haben, vermieden werden. Besonder? notwendig ist es aber, daß, wenn schon mal Ueberftunden gemacht werden, diese auch mit Ueberstundenaufschlag bezahlt werden. Oeurkcbes Reich. Tarifabschlüsse im Dachdeckergewerbe. Nach längeren Verhandlungen gelang es, in Kassel einen für die Arbeiter günstigen Tarif mit den tätigen Unternehmern abzuschließen. Bisher herrschten dort nocg Klassenlöhne. Der Stundenlohn, der für einen Gesellen S8 Pf. betragen sollte, wurde nur einem Teil der Leute bezahlt, im übrigen zahlten die Unter- nehmer ganz nach Willkür. Nach dem jetzigen Abschluß steigt der Stundenlohn von S8 auf 65 Pf. Die tägliche Arbeitszeit wird von 10 auf 9>i Stunden verkürzt. Der festgelegte Lohn ist jedem Gesellen zu zahlen außer solchen, die das 20. Jahr noch nicht er- reicht haben. In Hannover wurde ebenfalls ein Tarif abgeschlossen. Dort beträgt die Lohnerhöhung 4 Pf. in drei Jahren, und zwar steigt der Lohn von 71 auf 75 Pf. Die Angestellten des Verbandes wurden bisher bei Verhandlungen schroff zurückgewiesen. Diesen Standpunkt haben nun die Meister aufgeben müssen. In Zukunft haben jene Zutritt zu den Verhandlungen und auch zu den Sitzungen der Schlichtungskommission. Auch für Wolfenbüttel und Thiede wurden neue Verträge abgeschlossen. Die Löhne steigen um 4 bzw. 3 Pst Die Schiefergriffelarbeiter der Firma Mohr u. L ö h r S in Steinach in Thüringen befinden sich feit 7. Juni im Streik. Den staatlichen Griffelmacheru im Herzogtum Meiningen wurde eine Lohnerhöhung von ö Proz. ab 1. Mm bewilligt und eine weitere Erhöhung von 5 Proz. in Aussicht gestellt. Die Firma Mohr u. LöhrS weigert sich, diese Lohnerhöhungen zu bewilligen./ Die Färbereibcsitzer in Barmen-Elberfeld erklären in einer Bekanntmachung, daß nach Beendigung des Krefelder Streiks, spätestens jedoch am 1. August, eine allgemeine Lohnerhöhung ein- treten soll, und zwar eine Erhöhung um 1 M., unter der Bedingung. daß die Arbeiten in allen Betrieben am Dienstag, den 17. d.M., in vollem Umfange wieder aufgenommen werden und keine neuen Arbeits- einstellungen erfolgen. Verhandlungen mit der Organisatio» der Arbeiter lehnen die Färbereibesitzer ab. Erfolgreiche Lohnbewegung der Handschuhmacher» Heimarbeiter." Die kürzlich von uns gemeldete Lohnbewegung der Bort der Handschuhfirma Louis Größer- Zwickau beschäftigten Heim- arbeiter endete mit einem vollen Erfolge der letzteren. Es war dem Lederarbeiterverbmrd trotz der schwie-t rigen Verhältnisse gelungen, die Heimarbeiter zu verständigen und zu veranlassen, auf die Abschaffung der zeitraubenden Neben- arbeit nur einzuwilligen, wenn damit eine Lohnkürzung nicht verbunden ist. Dieser Forderung hatten sich gleichfalls die von der genannten Firma in ihrer Zwickauer Fabrik beschäftigten Handschuhmacher angeschlossen. Da sich die Firma zunächst ab- lehnend verhielt und durch Zirkulare ihre Heimarbeiter irrezu- führen und einzuschüchtern versuchte, wurde ihr seitens der Heim- arbeiter die Arbeitsverweigerung in nahe Aussicht gestellst die Zwickauer Fabrikarbeiter jedoch reichten die Kündigung ein. Mit der Möglichkeit eines solidarischen Zusammenstehens ihrer über ganz Deutschland verstreut wohnenden Heimarbeiter hatte die Firma Größer nicht gerechnet. Sie sah sich aber nun dadurch gezwungen, nachzugeben. Wie sie auch der Leitung des Leder- arbeiterverbandes mitteilte— vorher wollte man von den„Leuten in Berlin" nichts wissen— kommt für ihr gesamtes Personal! (davon 30 Proz. Heimarbeiter) die Nebenarbeit ab 9. Juni itf Wegfall, wodurch eine zirka zehnprozentige Lohnerhöhung er- reicht ist. Einen gleichwertigen Erfolg gelang es für die von der Lieg- nitzer Handschuhfirma S. Alexander vorwiegend in Breslau und Haynau beschäftigten Handschuhheimarbeiter durchzusetzen,, � Ein koalitionsfeindlicher Unternehmer. Die Großschlächterei und Wurstfabrik von Friedrich Löckenhast in Duisburg-Ruhrort duldet keine organisierten Arbeiter in ihrem Betriebe. Sobald die Firma Kenntnis erhält, daß einer ihrer Gesellen organisiert ist, wird er entlassen. Sie will sich aber auch dagegen schützen, daß nicht etwa ein organisierter Arbeiter in ihren Betrieb hineinkommt; deshalb muß jetzt jeder einzustellende Arbeiter erst die Erklärung abgeben, daß er kein Verbandsmitglied ist. Die Organisationsleitung ist im Besitze einer ganzen Anzahl von Zu- schriften, die Löckenhof an Gesellen, die um Arbeit nachfragten, sandte, in denen es heißt, daß die Einstellung erfolgen könne, wenn der Bewerber nicht Mitglied des Zentralverbandes der Fleischer ist. Dabei verabscheut die Firma nicht etwa das Geld der organisierten Arbeiterschaft. Sie liefert an eine große Anzahl Ärbeiter-Konsum- vereine und an Geschäfte, die lediglich organisierte Arbeiterkundschaft haben. Daß die Arbeits- und Lohnverhältnisse sowie die BeHand- lung der Leute vieles zu wünschen übrig lassen, sei noch besonders festgestellt. Unter den Fleischergesellen ist die Firma unter dem Namen„Rheinische Knochenmühle" allen wohlbekannst Die Bauschlosser in Chemnitz stehen in einer Tarifbewegung. Der gegenwärtige Tarif läuft am 30. Juni ab und die Meister drohen mit erheblichen Verschlechterungen; im besonderen soll die Auslösung bei auswärtigen Arbeiten und die Ueberstundenbezahlung eine Herabsetzung bis über 50 Proz. erfahren.— Zuzug von Bau- schlossern nach Chemnitz ist fernzuhalten. kleines feuiUeton. Der Märchenbrunne». Seit dem Virchowkrankenhaus und der Stadt der Alten Leute in Buch wußten wir, daß Ludwig Hoff- mann das soziale Element der Baukunst mit besonderer Hingabe pflegen wollte. Die Schulen unseres Stadtbaumeisters verleug- neten daneben niemals den Spielgenossen der Kinder. In dem neuen Märchenbrunnen am Friedrichshain haben sie sich nun zu- sammengefunden, der Pfleger des Sozialen und der Freund des Kindlichen. Wer es bis heute noch nicht glaubte, daß durch archi- tekwnische Formen Werke der Menschlichkeit geleistet werden können, der wird durch diesen märchenseligen Brunnen eines Besseren belehrt sein. Dieses dreiterrassige Wasserbecken, um dessen Rand Dornröschen und Schneewittchen, Hänsel und Gretel gestellt sind, ist mehr als eine architektonische Bildung. Dies Wasserbecken mit seinen Märchengruppen, dazu die Tiere, die gemächlich auf dem Gesims der abschließenden Bogenwand lagern, dazu die geheimnisvollen Wege, in denen überraschend die ge- steigerten Gestalten des Menschenfressers und der Frau Holle, Rübezahls und der Riesentochter auftauchen und schließlich der große, runde Platz mit dem Springbrunnen in der Mitte und den gegen die Büsche zart stehenden Kinderfiguren, das alles ist mehr als eine Organisation aus Architektur und Plastik. Eine' unge- wöhnlich anmutige Art des Märchenerzählens und des Beflügelns der kindlichen Phantasie, ein Locken der Kinder heraus aus der Dumpfheit der Hinterhäuser hinein in das Grün des Parkes, hin- aus aus der Enge der übervölkerten Stuben hinein in ein mildes Träumen und lebhaftes Plaudern mit guten und gar gefährlichen Geistern, solche Hygiene �es Leibes und der Seele, solche freud- volle Erziehung und bereichernde Unterhaltung will dieser Märchen- brunnen leisten. Die Gebrüder Grimm sind unter die Architekten und Bild- Hauer gegangen; es ist fast rührend zu sehen, wie ein fast sechzig- jähriger Baumeister, dazu etliche Steinklopfer, die auch nicht mehr zu den Jüngsten gehören, sich in das Reich des Kindes verloren. Sie verirrten sich dabei freilich niemals in das Kindische, sie wahrten die Gesetze des Raumes und der Körper, sie blieben Künstler und schufen so, genau wie das erzählende Brüderpaar. Dinge, die zugleich den Kleinen ein liebesames Geheimnis, den Erwachsenen em künstlerisches Genießen sein können. Es war etwas wie ein Abenteuer, diese Fülle der literarischen Motive zu gestalten, ohne dabei in den Strudel der Formlosigkeit zu geraten. Das Abenteuer wurde untadelig bestanden. Nach dem Vorbild barocker Anlagen, wie der zu Nymphenburg oder Würzburg, hat Hoffmann eine ebenso abwechselungsreiche, wie sich wirksam steigernde, stets aber fest gefügte Raumgliederung der plastischen Beweglichkeit zum rahmenden Gefäß gegeben. Kommt wan vom Königstor, so erlebt man die Anlage in ihrer ganzen, bewußten Großheit; mit einem einzigen Blick übersieht man den hinzuführenden, sich zusammenziehenden und dann wieder sich breit entladenden Heckenixkeg. sieht die sprudelnde Unrast des von weiß- Sischtiaen Wasserbüfcheln und Speifröschen belebten Spiegels, sieht dze schön geformte Ruhe der bog, gen Ruckwand und durch diese �en hindurch den Springstrahl inmitten des grünenden Rund- Kommt man von den Seitenstraßen und steigt man die irrgartenartigen Pfade, die an den plötzlich auftauchenden Hermen der Riesen vorbeiführen, hinauf oder hinunter, so öffnet sich un- erwartet der ovale Raum des Wasserbeckens mit seinem steinernen Puppengesindel. Diese Puppen gehören zu dem Besten, was die Gegenwart an Plastik hervorbrachte. Sie sind nicht eigentlich modern, was das Problem anbelangt; sie sind von Jgnatzius Taschner mit verwunderlicher Naivität gestaltet worden, sie zeigen alles, was das Kinderherz braucht, und befriedigen zugleich des Erwachsenen Bedürfnis nach dem Ornamental-Plastischen. In ihren Einzelheiten sind diese Taschnerschen Figuren von entzücken- der Anmut; man beachtet die Haarbehandlung am Dornröschen und Schneewittchen oder die liebreizende Art, Miederknöpfe und Kleiderrüschen als Einschnitte zu gebrauchen. Auch witzig bis zur Burleske sind diese Märchengruppen; man schaue sich den Zungen- blecker beim Schneewittchen oder den gestiefelten Kater recht von der Nähe an. Die Tiere, die Rauch auf das Gesims gelegt hat, sind wirklich eine Bereicherung des Architektonischen, sie entwachsen dem horizontalen Bauteil. Die Hermen W r b a s haben fast monumentales Pathos und find doch in all ihrer Tölpelhaftigkeit rechte Kindergesellen. R. Br. Das Flugzeug der Zukunft. Gelegentlich des glänzenden FlugeS von Paris nach Warschau wird die Ansicht, die ein hervorragender englischer Flieger, Graham White, über die Zukunft des Flug- zeuges ausspricht, sicherlich interessieren. Graham White meint nämlich, wie die„British Rewiev" mitteilt, daß das gegenwärtige Flugzeug nicht die endgültige Form sei, sondern es wird sich, wie er behauptet, ein wirkliches„fliegendes Schiff" entwickeln, dessen Anfänge man in den Wasserflugzeugen vor sich hat. Dieses„flie- gende Schiff" wird in der Zukunft auch den Perkehr über die Welt- meere übernehmen, und hat demgemäß natürlich viel größere Ab- Messungen, als die heutigen Flugzeuge, außerdem wird es stärker gebaut und luxuriös eingerichtet sein. Mit einem Motor von 200 Pferdekräften und einer Flügelspannung von 22 Metern kann man nach Graham Whites Ansicht ein zwei Tonnen schweres Flug- zeug betreiben, daß außer dem Flieger wenigstens sechs Fahrgäste aufnehmen kann, und mit stärkeren Maschinen und bei größeren Flügelspannweiten erhält man ein Flugzeug von noch größerer Tragkraft. Die gegenwärtigen Flugzeuge sind nach Graham Whites Aeußerungen nur Versuchsflugzeuge, und die Flugmaschinen, die in den Dienst des Handels treten werden, werden„fliegende Schiffe" sein, wie er sie angedeutet hat,� die nicht Werkzeuge des Sportes, sondern des Verkehrs und Geschäftes sein werden. Die Einrichtung eines Flugpostdienstes zwischen England und Frankreich ist nach seiner Meinung nur eine Frage der Zeit, und über lang oder kurz wird ein Luftverkehrsdienst eingerichtet, der es dem Finanzkönig der Londoner City möglich macht, wenn er morgens seine Post durch- gesehen hat, nach Paris zur Börse zu fliegen und abends wieder zuhause zu sein, ohne daß er sich den Beschwerlichkeiten einer See- reise oder dem Rütteln des Eisenbahnwagens auszusetzen hätte. Humor und Satire. Gips. Wenn der Landesvater Jubiläum feiert, streicht der Bürger sein Berlin mit Bronze an— die Fassaden werden liebevoll verschleiert, daß man sie nicht sehen kann. Prächtig gipsern steht die griech'sche Säule, rot und gold erglänzt das simple Holz.— Staunend sehen's alle Drofchkengäule und der Weise ftagt sich: Nun, was sollSZ-« Unten grau und oben schlvach vergoldet gleichen wir der Säule, die da ragt; und der Stadtrat, der dafür besoldet, hats bewilligt und hat Ja gesagt.. � Ja die weiß-rot-goldne Stadtverkleistrung paßt für diesen Jubeltag: � Hurrarufe, Freudentaumel und Begeistrung——' Leinwand I Pappe I Lack I _ Notizen. — Theaterchronik. Das Deutsche Opernhaus Hat zt» der Festvorstellung am 16. Juni„Fidelis" 200 Billetts dem Charlottenburger Magistrat zur Verteilung an arme Bürger, Insassen vo« Spitälern usw., zur Verfügung gestellt. — Liebermann in der Kunstdeputation. Professor Max Liebermann, der infolge der Differenzen zwischen Bürgermeister Reicke und der Sezession aus der städtischen Kunstdeputation aus- schied, ist in der geheimen Sitzung der Berliner Stadtverordneten« Versammlung einstimmig als Mitglied der Kunstdeputation wieder« gewählt worden. — Wandgemälde für das Meereskundemuseum. DaS Museum für Meereskunve soll in seinem historischen Saale in Wandgemälden die Bilder alter berühmter Häsen zeigen. Die preußische Landeskunstkommission hat drei Berliner Künstler auf- gefordert. Entwürfe dafür zu schaffen. Sandrock soll Venedig im 14. Jahrhundert darstellen, Sandkuhl das Amsterdam des 17. Jahr- Hunderts und Walzer Lübeck im 16. Jahrhundert. — Ludwig Martinelli, der klassische Anzengruber- darsteller, ist im 80. Lebensjahre in Äleichenberg bei Graz gestorben. Nachdem er in Graz und Prag als scharfer Charakteristiker Volks- tümlicher Figuren sich seinen Namen gemacht hatte, wirkte er noch im kraftvollen Alter zwei Jahrzehnte am Wiener Volkstheater. Seine Verkörperung des Steinklopferhans, deS Wurzelsepp, die Anzengruber als die beste anerkannte, des Düsterer find unerreicht geblieben. Martinelli hatte in Anzengruber seinen Dichter gefunden, wie dieser in ihm seinen Interpreten. — Die 100 Porträts von AntinoS. Unter der Leitung des französischen Archäologen Albert Gayet haben auch in diesem Jahre wieder Ausgrabungen in Antinos stattgefunden, bei denen interessante Funde gemacht wurden. Das wichtigste Resultat der mehrjährigen Arbeiten ist nach Gayets Ansicht eine einzigartige Galerie von 100 Porträts. ,100 Porträts," erklärte der Forscher, .sind jetzt für die Ausstellung bereit. Die einen find Wachsbilder. und gerade diese sind wirkliche Meisterwerke. Die anderen find in Ton modelliert und mit farbigem Stuck bedeckt. Diese Porträts verkörpern eine ganze Kultur und enthüllen eine eigenartige Kunst." Die norwegische« Gewerkschaften im Jahre ISIS. Der Jahresbericht der gewerkschaftlichen Landeszentrale Nor Wegens ergibt für das verflossene Jahr eine Mitgliederzunahme von 77l4, so dah die Mitgliederzahl jetzt 6(1829 beträgt. Für Arbeits- losenunterstützung find von 14 Zentralverbänden 148 136 Kronen ausgezahlt worden. Die übrigen 11 Zentralverbände haben diese llnterstützungssorm noch nicht eingeführt. Den höchsten Betrag für diese Zwecke zahlten die Metallarbeiter mit 74 449 Kronen, sodann die Holzarbeiter mit 24 686 Kronen und die Buchdrucker mit 13 876 Kronen. An Krankenunterstützung zahlten 12 Verbände ins- gesamt 483ö9<1 Kronen. Auch hier stehen die Metallarbeiter an der Spitze mit 313 899 Kronen; darauf folgen die Buchdrucker mit 68 126 Kronen, die Holzarbeiter mit 19 691 Kronen, die Modell- tischler mit 13 360 Kronen usw. Für Streiks und Aussperrungen wurden an Unterstützungen 469 941 Kronen ausgezahlt, wozu 46 799 Kronen andere Ausgaben kommen. An Sterbegeld und für andere Versicherungseinrichtungen find 131 043 Kronen verausgabt worden und für Jnvalidenunrerstützung usw. 12 033 Kronen. Die Gesamtausgaben betragen 1 611 774 Kronen. Dieser Ausgabesumme steht ein Einnahmeposten von 2 002 314 Kronen gegenüber. Das Vermögen der Gewerkschaften stieg im Berichtsjahre von 1,3 au 1,7 Milliouen. Nuslana. Unternehmer-Terror. Einen neuen Beitrag zum Kapitel„Unternehmer-Terror* liefert die Direktion der Maschinenfabrik Moenus A.-G. in Frankfurt a./M. Die Maschinenfabrik Moenus ist die größte Spezialfabrik Europas für Schuh- und Gerbereimaschinen und beschäftigt in einer beson- deren, von der Fabrik abgeschlossenen Versuchsabteilung eine größere Anzahl von Oualitätsarbeitern. Daß diese Leute wenig Lust ver- spürten, einem unter Leitung eines Reserveoffiziers stehenden gelben Werkvcrein beizutreten, ist sehr verständlich. Um so schärfer muß aber das Vorgehen der Direktion verurteilt werden, die den Arbeitern der Versuchsabteilung eröffnen ließ, daß sie dem Werkverein beitreten müßten, wenn sie nicht entlassen oder in eine andere Abteilung mit bedeutend schlechterem Lohn ver- setzt sein wollten. Der Fall ist besonders deswegen interessant, weil hier die Unternehmer in besonders plumper Weise die Arbeiter zu vergewaltigen versuchen. Eine sofort eingeleitete Protest aktion verlangt von der Direktion eine bündige Erklärung, daß sie diesen Zwang in Zukunft unterläßt, anderenfalls werden sich die Arbeiter mit allen zulässigen Mitteln ihre Rechte erkämpfen. Die Direktion hatte kürzlich auch versucht, bei den kaufmännischen und technischen Angestellten für den Werkverein durch einen Anschlag am schwarzen Brett Stimmung zu machen. Alle die, die den Be- strebungen des Werkvereins„sympathisch" gegenüberstünden, sollten eintreten. Aber kaum war der Anschlag erschienen, als auch schon jemand da« Wort„Werkverein" mit dicken Strichen, zur Heiterkeit 'ämtlicher Angestellter, gelb umrahmt hatte. Am nächsten Tage war der Anschlag verschwunden. Was also selbst bei halbwegs auf- geklärten Angestellten nicht mehr verfängt, das brauchen sich erst recht nicht freiorgänisierte Arbeiter bieten zu lassen. Nerbandstag der Sutarbetter. Zu Beginn der am Freitag abgehaltenen Sitzung erstattete S i e f e r t Bericht vom Gewerkschaftskongres«.— Die Versammlung erklärte sich mit den Beschlüssen des Kongresses und der Haltung der Delegierten des Verbandes einverstanden. Hierauf wurde beschlossen, den Sitz des Bcrbandsausschusscs in Luckenwalde zu lassen. Der Sitz des Vorstandes bleibt in Altenburg, da Anträge, ihn zu verlegen, nicht mehr vorliegen. �Inzwischen hatte die Statutenberatungskommission ihre Ar- bciten beendet, soweit' sie sich auf die Jnvalidcnkasse beziehen. Die Kommission beantragt, daß neue Mitglieder der Jnvalidcnkasse vom 1. Juli 1913 ab nicht mehr aufgenommen werden. Die Unter- stützung beträgt täglich 0,50 M. Sie soll nach einer Mitgliedschaft von 20 Jahren auf die Dauer von 104 Wochen, nach 30 Jahren auf die Tauer von 156 Wochen gewährt werden. Wer die Höchst- sätze bis zum 1. Januar 1914 bezogen hat, gilt als ausgesteuert. Bon der Schuldforderung, welche die Jnvalidenkasse an die Ver- bandskasse hat, sollen in diesem Jahre 3000 M., dann jährlich 2000 M. abgetragen werden, bis Schuld und Zinsen getilgt sind.— Diese Anträge der Kommission wurden mit 46 gegen 2 Stimmen angenommen.— In der Frauensterbekasse treten keine Aende- rungen ein. Tie Beratung des Verbandsstatuts hatte die Kommission noch nicht beendet. Tie Generalversammlung erledigte deshalb erst einige andere Angelegenheiten. Eine vom Verbandsausschuß beantragte Gehaltsflala für die Angestellten wurde nach längerer Debatte angenommen. Danach beträgt das Anfangsgehalt des Vorsitzenden 2500 M., des Kassierers und des Redakteurs je 2300 M., der Lokalbeamten 2000 M. Alle Gehälter steigen um 100 M. jährlich bis zur Höchstgrenze von 3200 M. für den Vorsitzenden, 3000 M. für den Kassierer und den Redakteur, 2800 M. für die Geschäftsführer in Filialen mit meh- reren Angestellten oder mit mehr als 1000 Mitgliedern, 2500 M. für die übrigen Lokalbeamten. Alle Angestellten erhalten nach einem Dienstjahre 2 Wochen, nach 5 Jahren 3 Wochen Ferien. Die Beiträge für die Angestelltenversicherung werden ganz, die Bei- träge für die Unterstützungsvereinigung zur Hälfte aus Verbands- Mitteln gezahlt. Wer der Unterstützungsvereinigung nicht ange- hört, hat die Hälfte der AngestMtenvcrsicherungsbeiträge selbst zu zahlen. Die Wahl des Borstandes ergab die einstimmige Wiederwahl des Vorsitzenden M e tz s ch k e und des Kassierers S i e f e r t. Als Redakteur wurde Staub einstimmig gewählt.(Bisher hatte der Vorsitzende gleichzeitig die Redaktion geführt.)— Als Ausschutzvorsitzender wurde G r a s s o w, als sein Stellvertreter S ä m i s ch gewählt. Hierauf legte die Statutenberatungskommission das Ergebnis ihrer Arbeiten vor. Sie beantragt, den Ver- bandsbeitrag in der bisherigen Höhe zu belassen und zwar: 1. Klasse 85 Pf.. 2. Klasse 65 Pf., 3. Klasse 45 Pf., 4. Klasse 25 Pf. — Zu der vielbesprochenen Frage des L o k a l b e i t r a g e s be- antragte die Kommission: „Alle Filialen sind verpflichtet, Lokalkassen mit wöchentlicher Beitragsleistung einzurichten. Mit Zustimmung des Verbands- Vorstandes geben sich die Filialen Ortsstatuten, wodurch die Ein- nahmen und Ausgaben geregelt werden. Die Höhe der Lokal- beitrüge setzen die Filialen fest, doch soll bis zur Gencralver- sammlung 1916 ein Mindestbeitrag von 10 Pf. für männliche und 5 Pf. für weibliche Mitglieder erhoben werden." In einer Resolution, die ebenso wie die vorstehenden Anträge angenommen wurde, wird den Kollegen in den Saisonstädten empfohlen, ihrem Verdienst entsprechend höhere Lokalbeiträge zu entrichten, da der Verband und die Lokalkaffen durch die Saison- arbeiter höher belastet werden. Zum Unter st ützungswesen wurden die Anträge der Kommission angenommen, deren wesentlichste Bestimmungen fol- gende sind: Die Reiseunterstützung wird von 80 Pf. auf 1 M. täglich erhöht. Die Arbeitslosenunterstützung, die bisher nur nach Bei- tragsklaffcn abgestuft war, wird auch nach der Mitgliedsdauer ab- gestuft. Sie beträgt pro Tag in der 1. und 2. Klaffe 1,60 M., in der 3. Klasse 80 Pf., in der 4. Klasse 70 Pf. und wird gezahlt nach 52 Beitragswochen für 30 Tage, nach 104 Beitragswochen für 60 Tage, nach 260 Beitragswochen für 72 Tage. Diese Staffelung bezieht sich auf die drei ersten Klassen. Für die 4. Klasse bleiben die bisherigen Bestimmungen bestehen.— Die Krankenunterstützung wird in allen Klaffen nack 52 Beitragswochen gewährt und zwar in der 1. Klasse für 100 Tage a 1,30 M., in der 2. Klasse für 60 Tage a 1,00 M., in der 3. Klasse für 60 Tage a 0,50 M., in der 4. Klasse für 42 Tage a 0,50 M, In der 4. Klasse wird die Krankenunterstützung mit der Arbeitslosenunterstützung aufgerech net.— Das Sterbegeld beträgt je nach der Beitragsklasse 70, 40, 30, 20 M.— Die Streikunterstützung beträgt in der 1. und 2. Klasse 15 M.. in der 3. Klasse 12 M., in der 4. Klasse 7,80 M. Es wurden noch verschiedene Anträge angenommen, die sich au verwaltungstechnische und organisatorische Angelegenheiten be ziehen. Am Sonnabend werden die Verhandlungen fortgesetzt. Gerichts-Leitung. Was nach Meinung eines Gerichts„jeder weiß". Vorgestern hat das Jugendgericht Berlin-Mitte darüber zu eni scheiden gehabt, ob die Versammlungen für Jugendliche, die in Berlin zum 28. Februar 1913 angekündigt waren, als„politische" angesehen werden mußten. Das Gericht hat das verneint und hat 24 Jugendliche, die der Uebertretung des Vercinsgesetzes beschuldigt wurden, freigesprochen. Gestern mußte mit der Frage nach dem angeblich„politischen" Charakter jener Versammlungen auch die Jugendstrafkammer des Landgerichts Berlin III sich beschäftigen in einem Prozeß, der gegen einen jugendlichen Arbeiter Becker ver handelt wurde. Das Berliner Polizeipräsidium hatte die angekündigten Ver sammlungen, weil sie von dem sozialdemokratischen Reichstags� abgeordneten Büchner einberufen worden waren und in ihnen über „Die falschen und die wahren Freunde der Jugend" gesprochen wer den sollte, im voraus sämtlich für„politisch" gehalten und Polizei beamte in die Versammlungslokale geschickt mit dem Auftrag, das Zustandekommen dieser für Jugendliche bestimmten Versammlun- gen von vornherein zu verhindern. Jw dem Versammlungslokal der Triftstratze faßte Polizeileutnant Maurer die ihm gegebene An Weisung zunächst so auf, daß er schon vor Eröffnung der Versamm lung dem Leiter sagte, die Jugendlichen hätten sich zu entfernen. Als dieser dann erklärte, man werde nun überhaupt kein« Ver- ammlung abhalten, aber gesellig beisammen bleiben, forderte der Leutnant, daß alle sich entfernten. Hier soll nun Becker sich an die Anwesenden gewendet haben mit den Worten:„Wir sind alle über 18 Jahre, ich bleibe hier, Ihr bleibt auch hier!" Gegen Becker wurde Anklage erhoben mit der Beschuldigung, öfscntlich vor einer Men chenmenge zum Ungehorsam gegen eine von der Obrigkeit ge- troffenc Anordnung aufgefordert zu haben.(§ 110 des Strafgesetze buchs.) Weil er am 28. Februar tatsächlich noch nicht ganz 18 Jahre alt war, kam er vor die Jugendstrafkammer. Der Angeklagte versichert«, gesagt zu haben:„Die unter 18 sollen rausgehen, die über 18 können drin bleiben." Er sei der An icht gewesen, daß die über 18 Jahre alten Personen sich nicht zu entfernen brauchten. Als Zeugen wurden zwei der drei Beamten vernommen, auf deren Darstellung die Anklage sich stützte, die Schutz leute Wudick und Dettbarn. Leutnant Maurer schied als Zeuge aus, weil er inzwischen verstorben ist. Der Staatsanwalt sah nach den Zeugenaussagen als erwiesen an, daß Becker zum Ungehorsam gegen eine Anordnung der Obrig- kcit, als deren Repräsentant ein Polizeileutnant gelten müsse, auf- gefordert habe. Vielleicht könne sogar eine Aufforderung zum Un- gehorsam gegen ein Gesetz, gegen das Vereinsgesetz, das die Teil- nqhme von Jugendlichen an politischen Versammlungen untersagt, angenommen werden. Als mildernd sei sein jugendlicher Leichtsinn zu berücksichtigen, darum genüge eine Geldstrafe von 20 Mark. Der Verteidiger» Rechtsanwalt Kurt Roscnfeld, vermißte jede Feststellung darüber, daß es sich, wie der Staatsanwalt meinte, um eine„politische Versammlung" gehandelt habe. UebrigenS habe Becker sich mit seiner Aufforderung, zu bleiben, nur an die über 18 Jahre alten Personen gewendet, die ja nach dem Vereinsgesetz, auch wenn es sich wirklich um eine„politische Versammlung" ge- handelt hätte, teilnehmen durften. Man könne auch nicht von einer Aufforderung zum Ungehorsam gegen eine obrigkeitliche Anordnung reden, weil der Polizeileutnant als bloßer Vollzugsbeamter nicht Obrigkeit im Sinne von§ 110 war. Unter Obrigkeit seien nur ölche staatlichen Organe zu verstehen, die die Regierungsgewalt in größerem Umfange selbständig auszuüben haben. Ter Angeklagte ei freizusprechen. Nach längerer Beratung des Gerichtes wies der Vorsitzende den Angeklagten noch darauf hin, daß er auch bestraft werden könne wegen Aufforderung zu einer strafbaren Handlung, zur Uebertre- tung des Vercinsgesetzes.(§ III des Strafgeseßbuchs in Verbin- dung mit§§ 17 und 18 des Vereinsgesetzes.) Hierzu führte der Verteidiger aus, daß eine Aufforderung an Jugendliche, in einer politischen Versammlung zu bleiben, nicht vorliegt, weil eben der Nachweis des„politischen" Charakters der„Versammlung" fehle und Becker sich ja gerade an die nicht mehr jugendlichen Teilnehmer gewendet habe. Man konnte erwarten, daß das Gericht die Sache, wie der Ver- leidiger gefordert hatte, vertagen werde zum Zweck der Feststellung, ob die„Versammlung" eine„politische" war. Aber das Gericht glaubte, mit dieser ausschlaggebenden Frage sich ohne weitere Be- Weiserhebung abfinden zu dürfen. Das Urteil lautete auf schuldig der Aufforderung zu einer trafbarrn Handlung. Becker habe die Worte:„Wir find alle über 18 Jahre, ich bleibe hier, Ihr bleibt auch hier!" in der„Versamm- lung" gesagt, obwohl er wußte, daß auch Personen von weniger als 18 Jahren im Saal verweilten. Der Zweck seiner Worte sei gewesen, diese Jugendlichen zu veranlassen, daß sie im Saal blieben.„Wir kennen," führte weiter der Vorsitzende in der Ur- teilsbegründung aus,„den Einberufer und das Thema. Schon aus dem Thema und der Person des Einbcrufers ist zu entnehmen, daß es sich um eine politische Versammlung handelte. Jeder, der im politischen Leben steht, weis), daß der Zweck dieser Versammlung war, die jungen Leute in sozialdemokratischem Sinne zu beein- lusscn. Die Versammlung war also eine politische. Der Ange- klagte aber hat aufgefordert, daß Personen von weniger als 18 Jahren in ihr blieben, also hat er zu einer strafbaren Handlung aufgefordert." Gegen Becker wurde auf 59 Mark Geldstrafe erkannt._ Ein Rechtsanwalt unter der Anklage der Unterschlagung. Der vor einigen Tagen in seinem Bureau in der Schönhauser Allee verhaftete Rechtsanwalt Richard Thiel hatte sich gestern unter der Anklage der Unterschlagung vor der 11. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Der in Zentrumskreisen sehr bekannte Angeklagte wurde be- chuldigt, die Summe von 7143 M., die er in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt in der Erbschaftsregulierung des verstorbenen Reichs- tagspräsidenten Grafen Ballestrem in Empfang genommen hatte, unterschlagen zu haben. Nach dem Tode des Grafen Ballestrem erhielt der Angeklagte von dem Testamentsvollstrecker, dem Landgerichtspräsidenten Graf von Matuschka, den Auftrag, eine Hypothek von 50 000 M., die zu der Erbschaftsmasse gehört, cinzu- treiben. Nachdem das betreffende Grundstück zur Zwangsvoll- treckung gekommen war, erhielt der Angeklagte wiederholt größere Beträge in dieser Sache zugesandt. Von diesen hatte er, wie die Verhandlung ergab, den Betrag von zirka 7000 M. auf sein Privat- bankkonto überschreiben lassen und dann das Geld nach und nach ■ür sich verbraucht. Nachdem gegen ihw Anzeige erstattet worden war, wurde der veruntreute Betrag von dem Angeklagten zurück- gezahlt.— In dieser Sache stand schon einmal vor mehreren Wochen Termin an, zu dem der Angeklagte ohne ausreichende Eni- schuldigung nicht erschien. Die Folge war der Erlaß des Haft- befehls, der dann vor einigen Tagen vollstreckt wurde.— Der Staatsanwaltsschaftsassessor Dr. Ruche hielt nicht Unterschlagung, sondern Untreue für vorliegend und beantragte mit Rücksicht auf den schweren Vertrauensbruch des Angeklagten eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Die Rechtsanwälte Justizrat Wronker und Dr. Franke beantragten in erster Linie die Freisprechung, da die sogenannte Ersatzbereitschaft vorgelegen habe, andererseits aber, wenn das Gericht zu der Ueberzeugung komme, daß der Ange- klagte sich strafbar gemacht habe, die Zubilligung mildernder Um- stände und die Verhängung einer Geldstrafe, da der Angeklagte schwer herzleidend sei und offenbar in einer momentanen Verwirrtheit gefehlt habe.— Das Gericht billigte dem Angeklagten auch mildernde Umstände zu, erkannte aber, da er als Rechtsanwalt in der schwersten Weise das ihm geschenkte Vertrauen mißbraucht habe, auf die höchstzulässigc Geldstrafe von 900 M. Nächtliches Hundcbellen. Ein Hundebefitzer aus Steglitz sollte die Polizeiverordnung, die sich gegen Störungen infolge Hundebellens richtet, und den § 360, Ziffer 11, des Strafgesetzbuchs(grober Unfugparagraph) ver. letzt haben. Es wurde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er nicht seine Nachbarschaft vor den Störungen durch nächtliches Bellen seines Hundes geschützt habe. Das Landgericht verurteilte ihn auf Grund des 8 360 Ziffer 11 des Strafgesetzbuches wegen Erregung ungebührlichen Lärms. Die Polizeiverordnung dagegen erachtete das Landgericht für uygültig.jre-il hie Materie des ruhestörenden Lärms erschöpfend durch das Strafgesetzbuch geregelt sei. Das Kammergcricht verwarf jetzt die vom Angeklagten gegen feine Verurteilung gerichtete Revision. Die Strastammer habe fest- gestellt, daß der Hund des Angeklagten an verschiedenen Tagen namentlich des Nachts grundlos gebellt habe. Wenn er als Besitzer des Tieres das duldete pnd keine Abhilfe schaffte, die die Nachharn davor bewahrte, dann sei Angeklagter als derjenige anzusehen, der den ruhestörenden Lärm bewnrkte. Bus aller Alelt. Konfcrvatives pccb. Vor einigen Tagen wurde in Häverstedt, einem kleinen westfälischen Orte,«in Bezirksfest der Arbeiterturner gefeiert— natürlich nicht, ohne daß ein ansehnliches Polizeiaufgebot dorthin beordert worden war. Das Fest verlief in der besten Weise. Zwei Tage darauf kam die konservative„Neue Wests. Volkszeitung" und servierte ihren Lesern ein« Schauermär über ein„Sittlich- k ei tsverbrechen zweier roter Turngenossen", dem eine arme Frau zum Opfer gefallen wäre, die mit ihren Kindern friedlich dahin geschritten. „Dieses mit Zuchthausstrafe bedrohte Verbrechen wurde am hellen Tage trotz des starken Polizeiaufgebots verüht. Was wäre wohl alles geschehen, wenn man nun überhaupt keine Polizei dorthin gestellt hätte? Man sieht auch hier wieder usw.... Hier haben es zwei der roten Turngenossen einmal versucht, die oft gepredigte freie Liebe der Sozialdemokratie in die Praxis umzusetzen." Das war natürlich eine angenehme Mahlzeit für die so fitten- trengcn Hüter der Ordnung. Aber die Freude dauerte nicht lange, denn nun kam unser Bielefelder Parteiblatt her und ging dem Schwindel zu Leibe. Es stellte fest, daß allerdings an dem frag- lichen Tage ein paar betrunkene junge Burschen eine Frau be- lästigt hatten, daß es aber dabei zu einer unsittlichen Handlung nicht gekommen war. Zu den Arbeiterturnern gehörten diese betrunkenen Leute nicht, und es ist sehr wohl möglich, daß ie unter die konservative Gefolgschaft zu rechnen sind. Der Schwindel zog also nicht lange. Nun wollte es der höse Zufall, daß just um dieselbe Zeit einem Vertrauensmanne des Bund es der Landwirte, dem Gutsbesitzer Niemeher in Hartum— in der Nähe von Häverstedt— ein sehr unangenehmes Malheur wider- ühr, ausgerechnet diesem Manne von echt konservativer Gesinnung. wohlgesegnet mit allerlei irdischen Gütern— er nennt drei Guts- Höfe sein eigen. Und das kam so: Schon Monate, ja Jahre lang war eine am Dortmund-Emskanal arbeitende Firma in der un- verschämtesten Weise bestohlen worden: Kohlen, Schwellen, Eisentcile— alles hatten die Debc brauchen können, und die Diebereien wurden so umfangreich, dehnten sich andererseits so über den ersten Schauplatz aus, daß ein Spezialkommissar mit ihrer Aufdeckung betraut werden mußte. Seinen Bemühungen ist es jetzt auch gelungen, Licht in das geheimnisvolle Dunkel zu bringen: Eine unvermutet vorgenommene Haussuchung bei dem schwer reichen, christlich gesinnten, echt konservativen Guts- befitzer Niemeyer hatte das Ergebnis, daß mehrere Wagen- ladungen Diebesgut ans Tageslicht gefördert werden konnten. Der edle Mann hatte mit seinen Söhnen auf diese Weise auch nachts an der Mehrung seines Gewinns gearbeitet; tagsüber mimte er den konservativen Biedermann, griff stündlich zur Bibel, und spät abends zog er mit seinen Sprößlingen IoS, um sich oben- drein noch an unrechtem Gut zu bereichern. Es ist ein besonderes Verhängnis für die konservative„Neue Wests. Bolkszeitung", daß das dem Gesinnungsgenossen just jetzt passieren mutzte, wo sie einen skandalösen Schwindel über angeb- liche sozialdemokratische Schlechtigkeiten zu kolportieren versuchte. Die Pest in Dentsch-Ostafrika. Wie aus Deutsch- Ostafrika gemeldet wird, herrscht in Usmao im Bezirk Muansa die Pest und greift von Tag zu Tag weiter um sich. Die Krankheitserscheinungen treten recht bösartig auf und verlaufen f a st sämtlich töd- lich. Die Zahl der täglichen Todesfälle beläuft sich bereits auf über 30._ Ein Lebensmittelwucherer. Die infolge einer Strafanzeige des stanzöfischen Senators und Schokoladenfabrikanten Meiner eingeleitete Untersuchung über die an der Pariser Börse im Herbst vorigen Jahres vorgekommenen wucherischen Zucker spekulationen ist nunmehr beendet. Es ist festgestellt worden, daß der Fabrikdirektor Normand in DreSlincourt(Dep. Oise) Ende September vorigen Jahre? 380 000 Sack Zucker angekauft und eingelagert hatte. Der Untersuchungsrichter lud Normand bor und teilte ihm mit, daß er gegen ihn die Anschuldigung wegen wucherischer Warenanhäufung erhebe. Schwere Grubennnfälle. Auf der LudwigSglückgrube in Z a b r z e stürzten Freitag vor- mittag große Kohlenmassen ab und begruben eine Anzahl Bergleute unter sich. Bisher konnte eine Leiche und mehrereschwerverletzteBergleute geborgen werden. Auf dem Kaiserschacht in C l a u s t h a l im Harz verunglückten in der Nacht zum Freitag zwei Bergleute tödlich dadurch. daß der Förderkübel aus 40 Meter Höhe abstürzte. Ein dritter Bergmann wurde schwer verletzt. Entgleisung eines Arbeiterzuges. Auf dem Lizentbahnhof in Königsberg entgleiste Freitagabend kurz vor 8'/, Uhr ein vom Pregelbahnhof kommender Arbeiter- «isenbahnzug beim Einlaufen in die Station mit der Maschine und den ersten vier Personenwagen vierter Klasse; die Maschine schob sich mit den folgenden Wagen ineinander und zertrümmerte sie. Soweit festgestellt wurde, sind etwa 10 bis 15 Personen verletzt. Die Verletzungen bestehen meist in Arn:- und Beinbrüchen, getötet ist niemand. Das Unglück ist wahrscheinlich dadurch entstanden, dah eine Weichen- zunge beim Passieren der Lokomotive e n t z w e i g e sp r u n g e n ist. ♦ Bei einem Zugzusammen st oh auf der New Dorl— New- haben and Hartford-Bahn wurden vier Personen getötet und zwanzig verletzt._ Kleine Notizen. Tödlicher Absturz eines amerikanischen Aviatikers. Der Aviatiker Andrew Drew stürzte mit seinem Apparat in Lima im Staate Ohio aus beträchtlicher Höhe ab und blieb sofort tot. Kesselexplofiou ans eine« Dampfer. Durch eine Kessel- explosion auf dem amerikanischen Dampfer„Peck" wurden fünf Personen getötet und sechs verwundet. Lrlefkaften cler Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Linden st ratze 69, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentäglich von bis 7% Uhr abends, Sonnabends, von bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieftasten bestimmten Ausrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfrage», denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, Verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man tu der Sprechstunde bor. E. R. 10. Nur nach Vorlegung des Mietsvertrages zu beantworten. — S. 00. Falls ein solcher Beschluß der Gemeindevertretung vorliegt und von der Aussichtsbehörde genehmigt ist, sind irgendwelche Schritte aussichtslos.— 21. K. 83. Sie sind noch zahlungspflichtig. Auch ist die t Wangsvollstreckung zulässig. Die Lohnbeschlagnahme jedoch nur, soweit ie mehr als 28,85 M. pro Woche verdienen.— 2l. K. 41. 1.. 3. und 4. Ja. u Nein.— G. F. 100. Ja, und zwar in der Gehaltsklafle G. Der monatliche Seitrag beträgt 1b, 60 M., wovon Arbeitnehmer und Arbeit- geber je die Halste zahlen.— Ei« vorsichtiger. 1. Außer dem Verlust des Meschästanteils erstreckt sich die Hastpfltcht aus die Hastsumme. 2. und 3. Ungünstiges nicht bekannt. 4. Binnen drei Monaten nach dem Ausscheiden. — P. 1876. 1. Sie sind unterhaltspflichtig. Anderweiter Geschlechtsver- kehr gilt auch in einem solchen Falle als Ehebruch. 2. Erst dann, wenn die frau Rechts aus dem Ehevertrag herleitet, können Sie unter Angabe hrer Beweismittel den Hcrausgabeanspruch bestreiten. 3. UniereS Er- achtens sind Sie zur Anbringung des Schildes besugt. Ein Recht zur Vertragslösung und zur Kürzung der Miete besteht nicht. 4. Derartige Veröffentlichungen haben keine Rechtswirkung. Sie können durch Erklärung zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll die sogenannte Schlüsselgewalt der Frau ausschließen.— P. 10. Ja.— I. L. 099. 1. Nein. 2. Im Rahmen des Brieskastens nicht zu behandeln. Wir haben unter dem 18. März darüber einen längeren Artikel gebracht.— H. 20. Wir raten, sich an die.Wiener Arbeiterzeitung� mit der Ansrage zu wenden. Recht so. 1. Ja. 2. Die Jnvatidenverficherungsanstalt läßt Sie nach Stellung des Antrages durch einen Vertrauensarzt untersuchen. P. K. 100. Nein. H. K. 50. Die Erpclbande stand am 30. Juni, 30. Juli und 4. Dezember 1895, außerdem am 18. Dezember 1898 vor Gericht.— Franz 9495. Vorwärtsexveditton Sesenheimer Straße 1.— O. W. 30. Nester mit Petroleum begießen.— Stfllei>Stiefel für die Reife MWWWWIM LeinenJfdiuhe• Tennisfchuhe• Sandalen• Braune Schuhe Stiller-Berg-Stiefel nniiiiiiiiiiiini Neue erprobte Modelle Zentrale: Berlin C., JcniTalemcr Strafe 32-35, am Dönhoff- Platz iiuiiiiHiiiiiiiiiiiiunnuniiiiiimiiniiiiiiiiiiitiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiuiiimiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiuiiiiiiiiniiiiiHmiiiiimiiiiiiuui Potsdamer Strafe Nr. 2 Tauenizlcn- Strafe 19 a Taucnlzien» Straifje 7 b Friedrich- Straße Nr. 75 König-Straße Nr. 25-26 Rotenthaler Straße Nr. 5 Oranien- Straße Nr. 161 Gr. Frankhirler Str. 121 Chautsee-Sir. Nr. 114-115 Schönebg., Haupl-Str.144 Neukölln, Berg-Straße 25 Chari.jWllmersdorler Str. 45 €€€€€«•» Unserem Genossen o Fritz Hofftnann 0 nebst seiner lieben Frau Leeta <0f zu ihrer heutigen Vermählung bringen ein donnerndes Hoch q Die Genossen 0 des Wahlvereins-Vorstandes (p Att-Glienlclre. 40a « C' w « w o © c I Todes-Anzeigen SozlsüdemoMeherWabivereiD Ld. 2. ßerl. Reictistagswatilkreis. Bezirk 73. Am 11. Juni verstarb nach langem, schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Tapc- zicrermcister fieinricli Klotz Königrätzcr Straße im 64. Lebensjahre. Ghre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Juni, nach- mittags 4>/. Uhr, aus dem Zentral- inedho, in Friedrichsjelde slalt. nJR? te8e Beteiligung ersucht Der VorNtand. DemscliEr Metallarheiier-Vertiantl Verwaltungsstelle Berlin. v®cn. Soi£9e« bur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser E:rnil Müller am 12. d. Mts. an Lungcnlciden gestorben ist. Die Beerdigung findet Mon- tag, den Ib. Juni, nachmittags 4-/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Kirchhofes in der Müllerstraße aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Gürtler Ksrl Hoffmann Rahnsdorser Mühle. Die Beerdigung findet Sonn- taa den 15. Juni, nachmittag» oi, Uhr, von der Leichen-Halle d-z Rahnsdorser KirchhoseS in Rahnsdorser Mühle aus statt. Ehre ihrem Andenke«: Rege Betelligung wird erwartet. 119/19 Die Drtsrerwaitur.g. Verband der Haler, Lackierer, Anstreicber usw. Filiale Berlin. Nachruf. t Unseren Kollegen zur Nachricht, «ab unser Mitglied, der Kollege frm Crusinski a« Dienstag, den 10. Juni,»er. starben ist. �hre seinem Andenke«: Die Ortsrerwaitn 139/14 Verband d. Brauerei- u. Mühlen- arheiteru.»erw. Berufsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 11. Juni, der Kollege, Handwerker- Hilss- arbeiter Paul Prescher (Böhmisches Brauhaus) nach langen Leiden an der Pro- letaricrkrankhcit verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung erfolgt am Sonnabend, den 14. Juni, nach- mittags'1,6 Uhr, aus dem Aus- eistehungSlKirchhos in Wcißensce, Lichtenberger Str. 110— 123. Rege Beteiligung erwartet 43/17 Die Ortsverwattnng. SoziaidemokratisetierWalilverein Neukölln. Am 11. Juni verstarb unsere Parteigenossin ffilu Hedwig TseharDtke Q (Zictenstr. 60, 20. Bezirk). Ehre ihrem Andenken: �Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 15. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jakobi-Kirchhoses in Neukölln aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 237/10 Ter Norstand. Zentralverband der Maschinisten 1 u. Heizer sowie Berufsg. Deutschl. Geschäftsstelle Groll-Berlin, Bezirk Osten. Am 11. Juni verstarb unser Mitglied, Kollege 152/12 Otto Moewius. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Juni, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichen- balle des Auserstehungs-Kirchhoses, Wcißensecr Weg, aus statt. Die Geschättsstellenverwaltung. Danktiagnne. tjür die große Anteilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters und Schwiegervaters, des Zimmermanns ÜiU'I Öietze sagen wir hierdurch allen Kameraden des Beerdigungsvereins Groß-Berlin» und vom Baugeschäst Paul O. Böttcher, den Genossen des Wahlverems sür den IV. Berliner Reichstagswahlkrcis, msbesondcre Herrn W. Manasse für die guten und trostreichen Worte und allen denen, die in so hohem Maße dem Verstorbenen ihre Verehrung und uns wohlwende Teilnahme er- wiesen haben, unseren tiefgefühlten Dank.+34 Berlin den 13. Juni 1913, Emil fechmldt und Frau, -r. geb. Di-tze Karl, Erna und Elsbeth IMetie Zelterftraße 27 I. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser jugendlicher Kollege, der Hausdiener Willi Flatau am 7. Juni im Alter von 17 Jahren durch Ertrinken verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14, Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes, Seestr., Ecke Müllcrstr., aus statt. 65/17 Die Bezirksverwallung Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Beteiligten meinen herz lichsten Dank. 14a Frau Flatlzowslzz' nebst Kindern Danksagung. Für die vielen Beweise herz- lichstcr Teilnahme bei der Bccrdi- gung unseres lieben Sohnes Frietfrich Heimreieh sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den drei Vereinen in Adlcrshof; Arbeiter- Radsahrervercin.Ziel", Sozialdemokratischer Wahlvcrein und Holzarbeiter-Verband, unse- ren herzlichsten Dank.. 101/13 Familie Hclmrelch. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, meines lieben Sohnes und Bruders sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten, dem Personal der Firma Rüster u. Gocrlinger, dem Metallarbcitcrvcrbandc, dem Verein der Metallschleifer, dem Wahlverein des vierten Kreises und den Sängern unseren herzlichsten Dank. 66a Em:» u. Kosa Pcrtack. Eamilie Bttngcr. Danksagung. ia Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, BruderZ und Onkels, des Gastwirts Otto Neumanu sagen wir allen Beteiligten, besonders Herrn Waldcck Manasse für die trost- reichen Worte sowie dem Wahlverein, dem Verein der Freien Gast- und Schankwirte, dem Männerchor Ober- sprce und Oft unseren herzlichen Dank. tau Marie Neumann �r, HflOfohtettotten Wanderkarken hält stets vorrätig Buchhandlung vorwärts cindenskr. 69(Cohen) onofirensfröfa.--- 5/: frankfurterjfrJJÖ. SalfliH-ansverltinilil| JaMläamsPrelse!| «2300 SOSlfime ArtS-.lli.-. 2i.-u.75,- sonst bis 30»—, 50a—» SO«— bis 22 Ow— a.3000I1flntel...6-,iö.-.2p.-«.to.- sonst bis 18.—, 33,—, 65.— bis 105. j Vorsteh nde PreisT�ewähre ich aniässlich des 25jshr destehens meiner Pirna| Reise-Mäntel, Staub-Mäntel, Reise-Kostüme, Strand-Kostüme, zu Ausverkaufs- Preisen. iciWiiMiiMii: KÄmta 5!;; z°-, 12:; Modelle für lU der fpUheren Preise 1 WiWMa V e r k a n t der.IE ä n t o 1 und K o s t II in e In den Frelslasen von M. 6.— bis M. tO.— nur vormittags von DVs— 12 Uhr. Sonntags geöffnet von S— IS Uhr. Alle Grössen vorratig. WM«„FoHn". Eingetragene Genosssenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz am 31. Dezember 1912. Aktiva. Kassakonto...... 69,57 Bankkonto...... 1 304,35 Jnventarkonto..... 10 874,— KautionSkonto..... 430,— Warenkonto...... 24 429,46 Kontokorrentkonto... 16 550,42 M. 53 657,80 Passiva. Kapitalkonto..... 2 250, Rcservesondskonto... 190,59 Akzcptkonto...... 12 325,24 Darlehnskonto.... 17 044,26 Unkostenkonto..... 1 678,26 Kontokorrentkonto... 18 322,65 Gewinn- und Verlustkonto 1 846.80 105/15 M. 53 657,80 Mitgliederzahl am 31. Dezember 1912: 9. Ausgetreten keiner, ein- getreten keiner. Betrag der Hast- summe 2250 M. Bewag des Geschäfts- guthabens 2250 M. Die Hastsumme sowie das Geschästsguthaben haben sich weder vermehrt noch verringert. Her Torstand. Gustav Berger. Fritz Wolff. Otto Schroepp. + Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., Brunnenstralle 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Rücke, Blusen, Hille etc. Anfertigung nach Mall in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Keine Flliolen. IMark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig und nach Mass! Garantie für tadellosen Sitz. Jonasv Kurzbers Oranienstr.ieo1- 1 zwischen Moritz- u. Oranienplatz. | Bitte genau auf Sirasse 1 |u Hausnummer zu achten. f Versteigerung. 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Hoppe'iNreh(.Kramorek,Ad»lberUl.«6 Max Kniffert, Landab. Allee 29. Ernst Küster, FrankL Allee 197. Felix Kynast, Dlnenstr. 5. Ladenthin, 0.wegn et. Emil Lleske, Grüner Weg 122. Ew. Liesegang, Danzigerstr. 42 Carl Lindenberg, LTcbeaerztr. 4. August Mante, Ebertystr. 57. Hermann Markan, Blgaerstr. 107 Mattke, Gipsstr. 9. E. Mertins, Keichenbergerst. 188. MOhlsteff, Spandan, BUsarekitt. 5. Fritz Mülle, GrUestr. 4. Alfred Müller, Brunnenstr. 87. Roman Nowak, Wienerstr. 8. Friedrich Gate, Madaietr. 10. Paul Otto, Danzigerstr. 91 Herrn. Proeil, Nonnendamm. Friedrich Probst, Andreasstr. El Bäckerei„Nordstern" Inh.: Gast. Müller Filialen i. verschied. Btadtteflan raff BredlowBbersTsIdent.ieWörtbant.lb Otto Büttner, Heok.lIs.Blagbsbist Jl. II Pirriinr Kklli.,BohenzollernpI.U II. ritUiCl Baekow s. Bild. Kruieabiu. Mai FOCtlJ Sumrline, 170 Hanls dt, Well.ueerriiuIutrrnB.lt 1 Hlekel, Fr., Gr. Hamburgerst. 87 Gust. Nobert, Potsdameretr. 115a H. Petermeier, Strelltzerstr. 8. 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Man mutz eine gewisse Gliederung eintreten lassen, ob es sich um reine Parteiblätter handelt, ob bestimmte Interessen- gruppen hinter dem Blatte stehen oder aber ob das Inseraten- geschäst und damit die Jnserateneinnahme in erster Linie für ein Blatt bestimmend ist. Bei den vielverschlungenen Fäden mancher bürgerlichen Blätter zu grossen Jndustriekonzernen, zu Aktiengesell- schaften, zu Bank- und Börseninteressenten, zu Panzerplatten- und Kanonenfabrikanten ist es nicht immer leicht, in die geheimen Kanäle, aus denen manchen kapitalistischen Blättern Mittel zu- flietzen, hineinzuleuchten. Und aus diesem Grunde hat ein Ver- gleich der Abonnementspreise der einzelnen Zeitungen nur eine sehr bedingte Bedeutung. Aber trotzdem ist eine solche Zu- sammenstellung nicht ohne größeres Interesse. Beginnen wir zuerst mit der politischen Presse. Da ist zunächst die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Re- gierungsorgan. par excellence. Dieses Blatt hat den Vorzug, neben dem„Reichsanzeiger" amtliches Publikationsorgan aller möglichen Gründungen zu sein. Von Gesetzes wegen flietzen diesem Blatt jährlich Hunderttausende von Jnseratengeldern zu. Es muß auch amtlich in vielen staatlichen Bureaus gehalten werden. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich 4 M., also pro Monat 1PS M. Trotzdem erfordert das Blatt Zuschüsse. Dann folgt das Organ der Deutschkonservativen Partei: „Die Neue Preußische Kreuzzeitung" mit der' De- vise:„Vorwärts mit Gott für König und Vaterland." Trotz aller Scharfmacherei will sich ihr Abonnentenstand nicht recht heben. Das Blatt kostet vierteljährlich 9 M. oder 3 M. monatlich. Aber auch bei diesem Abonnementspreis kann es sich nur halten, wenn recht erhebliche Zuschüsse aus Mitteln reicher Parteianhänger geleistet werden. Folgt die„Deutsche Tageszeitung", das Organ der Agrarier und Landwirtschaftsbündler. Trotzdem der Text dieses Blattes noch anderweitig Verwendung findet durch Herausgabe an- derer Zeitungsausgaben, kostet das Blatt monatlich 1,59 M. Das freikonservative Blatt Freiherr v. Zedlitzscher Observanz, die„P o st", kostet, trotzdem lokaler Text von der„Deutschen Tages- zeitung" verwendet wird, monatlich 2 M. Die mit der„Post" verwandten„Berliner Neuesten Nachrichten", die bald in jeder Nummer einen gegen die Ar- beiterbewegung gerichteten scharfmacherischen Artikel bringen müssen, um den Wünschen ihrer industriellen Hintermänner und der Panzerplattenfabrikanten zu genügen, kosten trotz aller Sub- ventionen vierteljährlich 5,50 M. oder 1,84 M. monatlich. Der„R e i ch s b o t e", das Pastorenblatt, aber in neuerer Zeit konservatives Hetzblatt erster Sorte, mutz von seinen Abon- nenten mit 4,30 M. vierteljährlich oder 1,45 M. monatlich bezahlt werden. Die„Tägliche R u n d s ch a u", die alldeutsche Politik macht und unter dein Einfluß des Teutsch-Evangelischen Bundes steht, erhebt von ihren Lesern monatlich 1,85 M. Abonnementsgeld. Die„G e r m a n i a", das Berliner Zentruinsblatt, sucht seine Leser unter ihren katholischen Anhängern. Abonnementspreis 4,50 M. vierteljährlich oder 1,50 M. monatlich. Offizielles Organ der„Fortschrittlichen Volkspartei" ist die „Freisinnige Zeitun g", die in recht knappem Umfange erscheint und monatlich 1,30 M. kostet. Eine der ältesten Berliner Zeitungen ist die„V o s s i s ch e Zeitun g", die dem waschechten Berliner Kommunalfreisinn dient. Ter Verlag zieht aus den hohen Inseratenpreisen viele Hunderttausende. Monatsabonnement 2,70 M. Tann folgen die Zeitungsunternehmungen der Verlagsfirmen Masse, Scherl und Ullstein. In diesen Verlagen erscheinen die ver- schiedenartigsten Zeitungsprodukte, Wochenschriften, illustrierte Blätter u. a. mehr, die alle mehr oder minder wieder von ein- ander profitieren. Das„Berliner Tageblatt" betätigt sich politisch in der Propagierung des Liberalismus, der teils liberal-demokratisch, teils rechtsnationaUiberal schillert, je nachdem es sich um rein politische Fragen oder um solche mehr wirtschaftlicher Natur handelt. Der große Inseratenteil und die Herstellung dieses Blattes in einem großen Verlag ermöglicht es, oder besser gesagt erfordert es, um die in der eigenen Annonzenexpedition einlaufenden In- serate unterzubringen, den Lesern eine Reihe von Beilagen zu geben zu einem monatlichen Abonnementspreis von 2 Mark 10 Pfennigen. Im Mosseverlag erscheint auch die„V o l k s z e i t u n g", in der öfters teilweise gleicher lokaler Text verwendet wird wie im „Tageblatt".'Die„Volkszeitung" hat immer einen demokratischen Charakter gezeigt; und sie hat früher diesen Charakter in recht mannhafter und erfrischender Weise zum Ausdruck gebracht. In den letzten Jahren aber, nach Aufgabe der Selbständigkeit und Ueber- gang in den Mosseverlag, hat die„Volkszeitung" diesen Charakter mehr vermissen lassen; wiederholt hat sie in letzter Zeit direkt arbeiterfeindlichen Regungen Raum gegeben. Da der„Volks- zeitung" auch die Einrichtungen des„Tageblatt" sehr zugute kommen, sind die Herstellungskosten keine sehr großen. Aus diesem Grunde ist auch der Abonnementspreis auf 0,85 M. monatlich oder 20 Pf. wöchentlich normiert. Es bleiben noch übrig die großen Jnseratenplantagen von Scherl und Ullstein:„Lokalanzeiger" und„Morgenpost", In erster Linie ist das Jnseratengeschäft ausschlaggebend für Umfang und Inhalt der Blätter. Der Abonnementspreis ist bei diesen Zeitungs- Unternehmungen mehr Nebensache. Ein möglichst geringes Abonne- mentsgeld sichert eine hohe Auflage und diese wiederum sichert viele Inserate und hohe Jnserateneinnahmen, und das um so mehr, da man in der Auswahl der Inserate durchaus nicht wählerisch ist. Trotzdem kostet der angeblich unparteiische, in Wirklichkeit mehr konservative„Lokalanzeißer" monatlich 1,25 M. zu abonnieren. Ein Extrageschäft macht der„Lokalanzeiger" mit seinen„Bildern vom Tage", die besonders bezahlt werden müssen von dem, der sie haben will; die aber wiederum einen Teil des sogenannten„Roten Tages" bilden, für den ein besonderes Abonne- ment eingerichtet ist. Die Ullsteinsche„M o r g e n p o st" unterscheidet sich vom „Lokalanzeiger", daß sie etwas sozialliberal schillert und in sensa- tioneller Aufmachung den Gipfelpunkt zu erreichen sucht. Sie steht im Zusammenhang mit der„B. Z. am Mittag" und anderen Ablegern des Ullsteinverlages. Artikel aus der„B. Z." von heute wandern in die„Morgenpost" von morgen und umgekehrt„Morgen- post"notizen in die„B. Z. am Mittag". Inserenten, denen die Inseratenpreise der!„Morgenpost" zu hoch sind, werden auf eine besondere Ullstein-Ausgabe, die„Berliner Allgemeine Zeitung", verwiesen, die dann, mit„Morgenpoft"tert vollgepfropft, als selb, ständige Zeitung erscheint, natürlich zu niedrigerem Preise. Die hohen Jnserateneinnahmen in Verbindung mit Heraus- gäbe besonderer Ableger, ermöglichen es dem Verlag, den Abonne- mentspreis für die„M o r g e n p o st" auf 20 Pf. pro W o ch e festzusetzen oder vierteljährlich 2.00 M. Einige kleinere Zeitungen sowie Wochenblätter können bei unserer Betrachtung ausscheiden. Dieser bürgerlichen Presse steht' nun der sozialdemokratische „Vorwärts" mit 1,10 M. Monatsabonnement gegenüber. So» weit die politische Presse in Frage kommt, ist der„Vorwärts" billiger als jedes andere Parteiblatt in Berlin, bis auf eine AuS» nähme. Und das ohne jede Subventionierung. Zwar erscheinen eine große Anzahl Zeitungen täglich zweimal, der„Vorwärts" nur ein- mal; aber an Textumfang kann auch der einmal erscheinende „Vorwärts" sich mit den zweimaligen Ausgaben der übrigen Presse jederzeit messen. Dabei ist zu bedenken, daß in einer ganzen Reihe bürgerlicher Zeitungen im Text eine ganze Anzahl hoch- bezahlter Reklamen enthalten sind, was beim„Vorwärts" aus- geschlossen ist. Dazu kommt die außerordentlich miserable Bezahlung, welch» die bürgerliche Presse ihren Zeitungsboten zuteil werden läßt und die zur Verwendung von Kindern führt. Beim„Vorwärts" ist die Kinderarbeit verboten; die ZeitungS- boten werden nach vereinbarten Tarifsätzen entlohnt und erhalten für einmaliges Austragen mehr Austrägerlohn als die bürger- lichen Zeitungen ihren Austrägerinnen für zweimaliges Austragen zahlen. Soviel über die technische und geschäftliche Seite der Sache. Daß der„Vorwärts" den Kampf der Arbeiterklasse gegen eine Welt von Gegnern führt, daß er in diesem Kampfe gegen die privat- kapitalistische Ausbeutung, g e g e n die Privilegien der herrschenden Klasse, für die sozialistische Ordnung der Dinge auch von den Staatsgewalten gehaßt und verfolgt wird, das bedarf wohl keiner besonderen Betonung. Diese Tatsache macht es unseren Partei- genossen aber zur doppelten Pflicht, ihr Blatt, ihr Kampforgan, das nur ihren Interessen dient, durch rege Agitation zu einer Verbreitung zu verhelfen, die es zu einem immer wuchtigeren Propagandamittel im Kampfe für unsere sozialistische Welt- anschauung macht. Eingegangene DnicKfeKrificen. Alltag eines Fröhlichen. Humoresken von Scheu. 8 M., gebunden 4M.— Der Trampel. Die Geschichte eines zielbewußten Mädchen?. Von Em. Este. 2,50 M., in Pappband 3,50 M.— Die Krummbacher und der Kanengufti. Erzählungen von K. F. Kurz. 8,50 M., gebunden 4,50 M. A. Langen, München. Dauer vom 14. bis 22. 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Blei, Zink, Lötzinn, Zinn, Mesfingipäne, alle Metalle höchstzahlend. Schermer, Rü. dcrSdoilerstratze 21. 144 Unterricht. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fott- geschttitene. einzeln oder im Zirkel. wird englischer Unlerttchl etteUl. Auch werden Uebettetzungen an- geserttgl. G. Swienty. Liebknecht Cbarloitenburg. Stuttgatterplatz 9 Gartenbaus IN._ 441V* Auto-Fachschule(Ingenieur Schal Piro), staalltch lonzessioniett. mit großer Reparatur-Werkstätte, Berlin- Wilmersdorf, Berlinerstraße 16 Tag- und Abendlurse. Honorar 100 Mark. 137K* Verschiedenes. Patentanwalt Müller. GUfchiner. straße 81._ 2439K* Patentanwalt Wessel. Gllschiner- stratze 94».. HSchftdeleihend� Pfandleihe, Schwedterstratze 11. 248/8* m tf. Lederwaren steppt Neukölln. Donaustraße 100.+95 Allen Freunden.»VorwättS'lesem zur gefälligen Nachttcht, daß Ich daS Lokal meines»erstorbenen BaterS Adolf Abendroth. Gottschcdstraße 33, vom 15. Juni weiterführe. Um ge- neigten Zuspruch bittet Max Abend- roth. 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Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt« Buchbruckeret u. Vertagsanftalt Paul Singer u.So, Berlin ZM, Ar. 147. 30. Jahrg. Sciitte-Stilijt drs Jotmirb" füt UMii-Sjlek Ii|ni 1913. vom ISärcbenbrunnen. In diesen Tagen, wo das Jubilieren um den Kaiser jeden bis- fjcr dagewesenen Rekord schlagen soll, wäre es eine besonders air heimelnde Aufgabe, sich der Annehmlichkeiten zu erinnern, die die Stadt Berlin, ganz besonders soweit K u n st f r a g c n in Betracht kommen, dem zurzeit regierenden Demarchen zu danken hat. Wie zielbewußt führte Wilhelm II. sich wenige Tage nach dem Regie- rungsantritt mit dem kategorischen Imperativ an die Abordnung der städtischen Behörden ein:„Sorgen Sie dafür, daß in Berlin Kirchen gebaut werden I" Wie landesvätcrlich milde klang wenige Monate darauf bei der Ucbergabc des Forckenbcckens die Mahnung:„Vor allem biite ich mir aus, daß das fortdauernde Zitieren meines Herrn Vaters gegen meine Person endlich unter- bleibt!" Welches innige Verständnis für die Gedankenwelt der Berliner Arbeiterschaft fetzte es voraus, als der Kaiser einer anderen städtischen Abordnung, die da glaubte, sich am 3. Februar 1895 für die angekündigte Stiftung der Standbilder in der Siegesallee bedanken zu müssen, mit dem folgenden froh gcmuten Optimismus entgegentrat:„Ich hoffe nun aber auch, daß die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied des Be- kenntnisses und der politischen Parteien... einmütig und treu zu ihrem Fürsten halten wirdl" Es wäre noch mancherlei zu erzählen, etwa von der An- prcisung des in Berlin hingerichteten Bürgermeister Thilo von W a r d e n b c r g als eines trotzigen, aber tüchtigen Kerls, von der Beanstandung des Portals am Friedhof der Märzgefallenen, von den Jagdgruppen am Großen Stern, die die Große Ber- liner als„kleineres Uebel" stiftete, nachdem der Kaiser ihr die Einführung des Oberleitungsbctriebs im Tiergarten gestattet hatte. Aber die Betrachtungen über diese und diesen gleichartige Handlungen würden sich ins Aschgraue auswachsen, und daher bc- ginigen wir uns mit der Erinnerung an eine Angelegenheit, die vor Jahren das peinlichste Empfinden weckte, von der man dann lange Zeit gar nicht sprach, und die nun, wo sie endlich zum Ab- schlug kommen soll, in jedem aufrechten Menschen die Frage wecken muß, wieviele Jahrzehnte es denn wohl her sein mag, daß bei unseren fortschrittlichen Stadtvätern die letzte Spur von Bürger st olz flöten gegangen ist. Um den H o f f m a n n- schen Märchenbrunnen handelt es sich, der nun doch noch, und zwar am Sonntag, draußen im Friedrichshain enthüllt wird. Es war am 31. Mai 1991, als der Magistrat an das Polizei- Präsidium die Mitteilung richtete, daß er am Friedrichshain eine Brunncnanlage errichten wolle, für die der Stadtbaumeister Hoff mann in Rücksicht auf die vielen dort spielenden Kinder Entwürfe zu Märchcnbruunen angefertigt habe. Eine solche Ankündigung war erforderlich, weil die Baupolizei bekanntermaßen königlich und nicht städtisch ist. Der Magistrat bat, die Angelegenheit möglichst zu beschleunigen. Monate vergingen. Erst am 24. September gab der Polizeipräsident eine Antwort des Inhalts, daß der Kaiser sich mit den Entwürfen befaßt habe. Der Monarch habe sich nicht zu entschließen vermocht, die Einrichtung der Brunnen nach den vorgelegten Projektzeichnungen zu genehmigen. Die schweren architektonischen Anlagen sollten in mehrere kleine Gruppen aufgelöst werden; mit den Entwürfen möge man aber einen Bildhauer betrauen, der sich auf dem Ge> biete gemütvoller Darstellungen schon bewährt habe. Man war starr vor Staunen, als man im Rathause dies« Antwort las. Das der Polizei und letzterhand dem Könige zu- stehende Recht in Bauangclegenheiten war bis dahin so aufgesaßt worden, daß nur etwa verkchrstcchnischc Bedenken in Frage kommen konnten, und nun mutzte die Stadt gewahr werden, daß der Monarch diese Befugnis zu dem Recht erweiterte, seine p r i- vatcn Kunstanschauungen der Bürgerschaft und den in ihren Diensten stehenden künstlerischen Kräften etwa in derselben Weise aufzuzwingen, wie einem Garderegimcnt Befehle erteilt werden könne n. Die städtische K u n st d e p u t a t i o n, in der bekanntlich unser verstorbener Genosse Singer ein sehr tätiges Mitglied war, begriff denn auch die Sachlage. Sic empfahl dem Magistrat, den Polizeipräsidenten um die Erklärung zu ersuchen, ob er die Ausführung des Märchcnbrunnens genehmigen oder der- sagen wolle. Im Falle der Vcrsagung hätte das P e r w a I- t u» g Sst r c i t v c r sah r e n Platz greifen müssen. Auch die '0 l'Cml'ch ohne Unterschied der Partei dem Kaiser da-. Recht, nach der künstlerischen Seite hin in die Angelegenheit einzugrerfen, und selbst die„Post" meinte warnend, daß der Bogen nicht uber>pannt werden möge, da er sonst den unbedachten Schützen schwer verwunden könne. Es will immerhin etwas sagen, daß selbst daS freikonservative jBlalt von der Btannhafligkeit des Magistrats und der Stadtver- ordnetcnveriaiinnlung falsche Begriffe hatte. Bevor in dieser Hin- ficht die Tatsachen reden konnten, war dem Stadtbaurat Hoff- mann noch in besonderer Weise zu Gemüte geführt worden, daß es, wenigstens nach der Auffassung des Kaisers, mit seinen künft- lerischen Qualitäten nicht gar so weit her sei. Die Jury der Großen Berliner K u n st a u s st e 1 1 u n g hatte dem Schöpfer des Märchcnbrunnens einstimmig die große goldene Medaille zuer- kannt. Wilhelm II. entschied aber, daß dem Künstler nur die kleine goldene Bceuaille zugesprochen werden solle; die künst- lerische Richtung des Berliner Stadtbau rats entspr�ch� nicht seinen, des Kaisers, Inten- t i o n e n. In der Angelegenheit des Märchenbrnnncns selbst wurde Oberbürgermeister K i r s ch n e r und Baurat H o f f m a n n vom Kaiser nach Hubertusstock zur Audienz befohlen. Eine solche Audienz wirkt Wunder, soweit der Bürgerstolz vor Königsthronen in Betracht kommt,.iie Folge der Unterhaltung war, daß der Magistrat an die K u n st d e p u t a t i o n die Anfrage richtete, ob und in welcher Weise bei der Ausführung des Märchen- brunncns unter Festhaltung der Grundideen des ausgearbeiteten Projekts den Anregungen des Kaisers entsprochen werden könne. Bevor die Kunstdeputation recht zum Atcmschöpfen gekommen i°ar. befaßte sich dann am 17. Oktober 1901 die Stadtver- ordneten Versammlung init der Sache. Der sozial- demokratische Antrag auf Einleitung des Vcrwaltungsstreitvcr- fohrens wurde abgelehnt, mochte auch dem Kaiser jede Hand- �b« formalen Rechts zu seinem Eingriffe fehlen. Das einzige, wozu uran sich aufraffte. War eine lendenlahme Erklärung, die dem— �"lizejpräsidenten nur nach der bmipolizeilichen Rich- hin Eingriffe zugestehen wollte. . Die belanglos dieser schüchterne Einspruch war. braucht nicht KW zu werden. Wenn am Sonntag die Hülle gefallen sein wird, werden die , Märchengruppen dastehen als Mahnung an die Arbeiter- s ch a f t, daß ihrer noch die Aufgabe harrt, den Absolu- �tismus zum Märchenschemen zu machen. Partei- �lngelegenkeiten» Ordentliche Generalversammlung des Verbandes der sozialdemokratischen Jfikchlvejreine Berlins und Umgegend, am Sonntag, den 15. Juni, vormittags 9 Uhr, in den Germania-Prachtsälen, Chausseestr. 110. Provisorische Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, Kassenbericht, Bericht der Revisoren. 2. Wahl des Vorsitzenden, Schriftführers, Kassierers, der Revisoren und der weiblichen Vorstandsbeisitzer, sowie Bestätigung der von den Kreisen gewählten Funktio- näre des Verbandes. Wahl der Mitglieder zum Be- zirksbildungsausschuß. 3. Anträge der Kreislvahlvereinc. Anträge: Historischer Kalender. 0. Kreis: Die Verbandsgeneralver- sammlung möge beschließen: An Stelle des Historischen Kalenders ist ein praktischer Wandkalender herauszugeben. Wochen-Abonncmcnt. 4. Kreis: Um den Leserkreis des „Vorwärts" bedeutend zu vergrößern und dadurch mit der prin- zipiellen Aufklärung tiefer in die Berliner Arbeiterschaft einzu- dringen, ist der„Vorwärts" im obligatorischen Lö-Pf.-Wochen- avonnemcnt zu liefern.— 6. Kreis: Für den„Vorwärts" ist das Wochenabonnement zum Preise von 25 Pf. pro Woche einzuführen. Das Monatsabonnement ist jedoch beizubehalten. Zcitungs-Beschwcrdckommission. 4. Kreis: Der Zeitungs- Beschwerdekommission sind ztvecks Einziehung restierender Abonne- mentsgelder Legitimationskarten auszustellen. Sammellisten. 4. Kreis: Die Generalversammlung wolle beschließen, daß Sammellisten nur bei Wahlen zu gesetzgebenden Körperschaften �Reichstags-, Landtags- und Stadtvcrordnetenwahlen) oder sonstigen die Allgemeinheit berührenden Angelegenheiten (große Streiks usw.) von feiten der Partei herausgegeben werden. Entschädigung der Delegationen. Rlederbarnim: lieber die Höhe der Entschädigungen bei Delegationen zu Parteitagen, Kongressen usw. entscheidet die Berbandsgeneralversammlung.— Sämtliche bei diesen Tagungen gegen Entgelt tätigen Genossen sind bezüglich der Entschädigung den Delegierten gleichzustellen. Angelegenheit Borchardt. 4. Kreis: In Sachen Borchcrrdt soll in vollem Umfange(sckwie der Bericht der Schiedskommission) auch die Perteidigungsred» des Genossen Borchardt im nächsten „Mitteilungsblatt" veröffentlicht werden.— Teltow-Bees- ko w: Nachdem der Bericht der Untersuchungskommission über die Angelegenheit Borchardt wörtlich im„Mitteilungsblatt" veröffent- licht worden ist, wird der Zentralvorstand von Groß-Berlin ersucht, auch die Verteidigungsrede Borchardts in gleicher Ausführlichkeit in der nächsten Nummer des„Mitteilungsblattes" den Genossen zur Kenntnis zu bringen. Der Genosse Borchardt ist zu ersuchen, zu diesem Zweck seine Verteidigungsrede dem Zentralvorstand einzu- reichen. Reorganisation. N i e d e r b a r n i m: Die Verbandsgeneral- Versammlung wolle beschließen: Eine Kommission, bestehend aus 9 Genossen, mit Kooptationsrecht ist einzusetzen, die den Ursachen des Rückganges in der Organisation und der..Vorwärts"abonnenten nachforscht und Mittel zur Abhilfe in Vorschlag bringt.— T e l- tow-Beeskow: Um eine möglichst großzügige Reorganisation der Partei Groß-Berlins durchzuführen, wird der Zentralvorstand Grotz-Berlins beauftragt, der nächsten Verbandsgeneralversamm- lung eine Vorlage zu Unterbreiten, nach der die acht Wahlvereine Groß-Berlins zu einem einheitlichen Bezirksverein zuscnnmenzu- legen sind. Die Generalversammlung beschließt, daß die Zahlabende bei- behalten werden, um die Kleinarbeit erledigen zu können. Zur Aufklärung der Mitglieder und Agitation unter den uns noch Fernstehenden sind Bezirksvcrsammlungen abzuhalten. Den Leitern der Zahlabende ist mehr Material zwecks besserer Ausgestaltung derselben zu übermitteln. Um die Fluktuation unter den Mitgliedern einzudämmen, ist die Hauskassierung durchzuführen. Der geschäftsführcnde Ausschusi. Zur Lokallistc. Ju Werder ist nur daS Lokal„Schwarzer Adler", Fischer- straße 98— nicht 18— frei. Der Inhaber heißt Karl N e i n e r t. 0. Wahlkreis. Die Genossinnen der 18. Abteilung veranstalten am Montag, den 16. Juni einen Dampferausflug nach Schmöckwitz. Abfahrt>/,9 Uhr vornnttags von der Reederei Nobiling(Restaurant Schultheiß� an der Jannowitzbrücke. Straßcnbahnverbindung mit Rummer 35, 36, 37 und 41 bis Jannowitzbrücke. Die Genossinnen der 19. Abteilung veranstalten am Montag, den 16. Juni ein Kaffeekochen im Schloßpark Nieder-Schön- hausen(Jnh. Schüßler).__ Britz-Buckow. Am Dienstag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, in Beckers Gescllschaftshaus: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: l. Berichterstattung von der Kreis- und BerbaildSgeneralversammlung. 2. Bericht der Gemeindevertretung. 3. Verschiedenes. Ober- Schöncwcidc. Am Sonntag, den 15. Juni, findet ein AuSslug nach Ahrensfelde statt. Abfahrt 1 Uhr 56 Min. vom Marktplatz an der Edisonstraßc bis Friedrichsfelde(Kirche); dort 2 Uhr 42 Min. Mahlsdors(Ostbahn). Montag, den 16. Juni, abends 8'/-. Uhr. im Lokale des Herrn E. Anders. Bahnhofstraße: WahlvereinSver- sammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleitung und Neu- wähl derselben. 2. Berich! unserer Gcmeindcvertreter. 3. Diskussion und Verschiedenes. FriedrichShgge». Morgen Sonntag, den 15. Juni, findet ein F a m i l i e n a u S s l n g nach Restaurant Ravenstein statt. Treff- Punkt nachmittags 3 Uhr am Eingang zum Kurpark. Bezirk Waidmanuslust. Heute Sonnabend, den 14. Juni, abends 8'/., Uhr, findet in Birkcnwerder im„Gesellschaftshaus" die Mit« gliedervcrsamnilung des Wahlvereins statt. Morgen Sonntag, den 15. Juni, früh 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung. Hohen- Schönhauscn. Morgen Sonntag früh 8 Uhr: Flugblatt« Verbreitung von den Bezirkslokalen aus. berliner Naebnebten. Andenken an die Hochzeit im Kaiserhause. Ein starkes Stück mutet der Berliner Magistrat den Eltern der- jenigen Kinder zu, die sich auf höhere Anordnung an den patriotischen Feierlichkeiten der letzten Zeit beteiligt haben und dabei erkrankt find. In Wilmersdorf passierte e§ einem Maurer dieser Tage, daß er von der städtischen Behörde die Aufforderung erhielt, 1 Mark 50 Pr. zu zahlen, weil seine Tochter, die unter Führung des Lehrers von Wilmersdorf aus an der Begrüßung der in Berlin ein- ziehenden Fürstlichkeiten teilnehmen mußte, aus Anlaß der O h n- macht, die sie befiel, auf einer Sanitätswache ein Ruhe« lager sowie stärkende Tropfen erhalten hatte. Mit Recht meint der Vater, es iei schon arg genug, daß seine Tochter infolge der ihr von oben zugemuteten Anstrengung krank geworden ist, und er hält es für eine selbstverständliche Anstandspflicht des Wilmersdorfer Magistrats, sich seiner von Berlin aus behelligten Person anzu- nehmen. Besteht die Stadt Berlin irtr Ernst darauf, daß Kosten für das bißchen Samariterdienst gezahlt werden sollen, der bei der patriotischen Gelegenheit gewährt wurde und ja wohl auch gewährt werden mußte, dann mag der Wilmersdorfer Magistrat auch die Zahl ungspflicht erfüllen. Denn die städtische Schulbehörde ist im vollen Maße für das Unheil verantwortlich, dem die armen Kinder sich auf behördlichen Anlaß aussetzen mußten. Schwerer Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen. Ein schwerer Zusammenstoß auf der Straßenbahn ereignete sich gestern morgen kurz nach 9 Ilhr an der Ecke der Brunnen« und Jnvalidenstraße. Der Unfall entstand dadurch, daß einem Straßen- bahnwagen der Linie 36 auf der Fahrt vom Gesundbrunnen nach dem Kreuzberg in der Brunnenstratze nahe der Anklamer Straße die Bremse versagte. Der Wagen lief nun in voller Fahrt die ab- schüssige Bahn der Brunnenstratze nach der Jnvalidenstraße zu hinunter. Als er diese erreichte, kam von der noch steileren Veteranen- straße herunter ein Wagen der Linie 50(Schönhauser Allee— Schöneberg, Wartburgstraße), um in die Jnvalidenstraße einzufahren. Der schadhafte Wagen faßte diesen mit so großer Wucht, daß er ihn aus den Schienen hob, vollständig umdrehte, so daß er nach der entgegengesetzten Aich- tiing stand und mit der Spitze auf dem Bürgersteig vor dem Waren- Haus Greifenhagcn hielt. In das Gewirr geriet auch noch ein Pferdeomnibus der Linie 23, der vom Rosenthaler Tor her die Brunnenstratze hinauffuhr. Seine Pferde kamen zu Fall und der Kutscher wurde nur durch die Ledcrdccke, unter der er mit den Beinen sitzt, auf dem Bock festgehalten. Rettungswagen vom Ver- band für erste Hilfe erschienen alsbald an der Unfallstelle und brachten die Verletzten nach den benachbarten Unfallstattonen und Krankenhäusern. Die drei Wagen waren so schwer beschädigt, daß sie aus dem Betriebe herausgenommen und nach den Bahnhöfenge« bracht werden mußten. Der Zusammenstoß war so heftig, daß an beiden Wagen sämtliche Spiegelscheiben auf der linken Seite zertrümmert wurden und ein Hagel von Scherben ergoß sich auf die ahnungslos dasitzenden Passagiere. Der Fahrer der Linie 36, Schenk, erhielt einen so gewalttgen Stoß, daß er auf der Stelle bewußtlos zu Boden sank und der Motorwagen die Brunnenstratze weiterrollte, bis er am Rofenthalertor etwa neben dem Schwebebahngerüst felbsttättg anhielt. Auch der Schaffner Klausch hatte einen so schweren Nervenchoc und eine Armver- letzung davongetragen, daß er sich nicht im Stande sah, helfend einzugreifen. Eine Panik bemächtigte sich nach dem Zusammenstoß der Passagiere. Fast alle waren bei dem mit furchtbarer Gewalt er« folgten Anprall von den Sitzen geschleudert worden und lagen blutend oder ohnmächtig am Boden. Die meisten hatten Verletzungen durch Glasscherben erlitten, waren jedoch in der Angst und dem Schreck über die Katastrophe vollkommen kopflos. Inzwischen bemühten sich Passanten um die Verletzten und benach- richtigten die Feuerwache in der Oderberger Straße, die so« fort alle ihr zur Verfügung stehende Rettungswagen an die Unfall- stelle entsandte. Die Schwerverletzten wurden in daS Kranken- hauS am Friedrichshain geschafft, während die leichter Verletzten riach der Unfallstation in der Eichendorffsttatze gebracht wurden, wo sie Notverbände erhielten. Vom Straßenbahnhof in der Ackerstraße eilten zwei Rettungswagen herbei, welche zuvörderst den entgleisten Straßenbahnwagen der Linie 50 wieder eingleisten und nach denr Depot abschleppten. Auch der Triebwagen der Linie 36 mutzte aus dem Betriebe gezogen werden. Der Unfall hatte eine ungeheure Menschenansammlung veranlaßt, welche stundenlang an der KreuzungS- stelle ausharrte, so daß ein zahlreiches Polizeiaufgebot zur Aufrecht- erhaltung des Verkehrs herangezogen wurde. Bei dem Zusammenstoß auf der Straßenbahn wurden'zwei Männer so schwer verletzt, daß sie nach dem 5ttankenhause gebracht werden muhten, der Straßenbahnführer Max Schenk von der Linie 36, der in der Reinickendorfer Str. 106 wohnt, nach der Charitö, der Handelsmann Nathan Stark ans der Dragonerstr. 48, nach dem Kronkenbaiise am Friedrichshain. Erheblich verletzt wurden ferner der Laufbursche Han§ Weiß ans der Graunstr. 86; der Hausdiener Otto Eising aus der Kniprodestr. 11/12; der Schlächter Michael Sippe! ans Reinickendorf-Ost, Sommerstr. 47; der Kellner Paul Schultz aus der Schwcdter Str. 35» und die Witwe Emma Teuber geb. Honiick aus der Ruppiner Str. 17. Die anderen Fahrgäste und Angestellten kamen mit leichteren Verletzungen davon. Es sind: Frau Emma Lindemann geb. Siebett, Gleimstr. 58; Witwe Marie Bergcr, Stralsundcr Str. 18; Bote Richard Jänike, Liebig« straße; Frau Marie Redsfeld geb. Schultze, Brunnenstr. 51; Arbeiterfrau Berta Hani geb. Werner, Koloniestr. 28; Frau Klara Scharfenberg geb. Venus, Prinzenallee 52; Dreher Albert Vetter, Reinickendorf-Ost, Scheringstraße 96/97; Koch Erich Krüger, Wofliuer Str. 36; Musiker Oskar Wigand, Fehrbelliner «tr. 49; Reittiere Hedwig Ladcwig, geb. Schüler, aus Bergfelde; Elsbcth Gronak, geb. Räker, Reinickendorf-Ost, Scheringstr. 67; Frau von der Hue, Pankow. Görschstr. 22; Else Falk. Brunnenstr. 93; OmnibuSkutscher JfagraknS, Marheinekcplatz 11; Musiker Albert Ba- ranewski, Franscckistr. 2; Kaufmann Max Vallentin, Schönhauser Allee 135; Schutzmann Dhes, vom 101. Revier; Ofensetzer Stanislaus Oneitsch, Marienbnrger Str. 11. » Die Grotze Berliner Straßenbahn teilt offiziell mit: Heute vor- mittag um 9 Uhr 25 Minuten fuhr der Motorwagen 1651 der Straßenbahnlinie 36 an der Kreuzung der Brunnenstratze und Jnvalidenstraße gegen den Hinterperron des die Kreuzung be« fahrenden Motorwagens 2245 der Linie 50. Durch den Anprall wurde der Wagen aus dem Gleis gedreht, wobei er gegen einen Omnibus der Linie 23 stieß. Es wurden außer den beiden Fahrern 19 Personen zumeist durch Glassplitter verletzt, darunter-4 erheblicher. Tie Unfallstrecke liegt im Gefälle. Die Bremsen des auffahrenden Wagens erwiesen sich bei der Unter- suchung nach dem Unfall, soweit bei dem beschädigten Zustande des Wagens festgestellt werden konnte, als einwandfrei. Der Fahrer wurde nach der Charite gebracht und ist bisher noch nicht ver« nehmungsfähig. In dem Bericht über die letzte Berliner Stadtvcrordnctenfitzuug hat in unliebsamer, den Sinn entstellender Weise der Druckfehler- teufel sein Unwesen getrieben. Der Passus m der Rede de» Ge- Nossen Stadthagen lautete richtiggestellt: Die bereinigten Senate meinen nämlich, die Kabinettsorder müsse ausgelegt werden im Sinne der damaligen Zeit; die Privat« lehrer müßten also überwacht werden auch in religiöser und politischer Beziehung, und politisch Verdächtige könnten keinen Er- laubnisschein bekommen. Verdächtig war in jener Zeit Friedrich Ludwig Jahn, der sich des Hochverrats schuldig gemacht hatte, „weil er die höchst gefährliche Lehre von der Einheit Deutschlands aufgebracht hat". Demnach dürfte also doch ein Schulerlaubnis- schein auch allen denen, die auf dem Boden der heuligen deutschen Verfassung stehen, nicht erteilt werden. Zu solchen wunderbaren Konseguenzen führt diese Entscheidung! Zwei Parteiveteranen gestorben. Am Donnerstag wurde auf dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallee der 64 Jahre alle Zimmerer Karl Dietze zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der zuletzt im 4. Wahlkreise wohnte, war ein altes Parteimitglied und hat unter dem Sozialistengesetz der Partei treffliche Dienste ge« leistet. Im Jahre 1878 schloß Dietze sich dM Partei au, zu einer Zeit, wo unsere Genossen gehetzt und geächtet wurden. Mannhast und opferbereit hat Dietze die schwere Zeit des Schandgesetzes mit überwinden helfen. Dietze hat besonders in Niederbarnim den schwierigen Kampf für Verbreitung unserer Ideen geführt, immer in vordersten Reihen stehend. Er gehörte längere Zeit als Vertreter Niederbarnims dem Zentralkomitee an und hat auf diesem schwierigen Posten sowie in allen Situationen, in die er kam, enist und ziel- bewußt für unsere Sache gestritten. Wenn später sein Alter es ihm weniger ermöglichte, in der bisherigen Weise tätig zu sein, so soll dem treuen Parteiveteran der Dank der Partei nicht gemindert und seiner ehrend gedacht werden. Am 11. Juni ist nach achtjähriger Krankheit der Tapezierer« meister Heinrich Klotz im Alter von 65 Jahren gestorben. Klotz, der sich schon in früher Jugend unserer Partei anschloß, ließ cS sich Ende der 70 er und Anfang der 80 er Jahre besonders angelegen sein, unsere in schamloser Weise verfolgten Genoffen in der uneigen- nützigsten Weise zu unterstützen und denen gastliche Aufnahme zu gewähren, die, durch die Fuchtel des Sozialistengesetzes mit der Ausweisung bedacht, genötigt waren, heimlich nach Berlin zu kommen, um ihre privaten Berhältniffe zu ordnen, obwohl er selber darunter zu leiden hatte. Die Beerdigung dieses Veteranen findet heute nachmittag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des städtischen ZentralfriedhofeS in Friedrichsfelde aus statt. Ein Lnstmörder verhastet. In Berlin verhastet wurde gestern wegen eine? Lustmordes in Schlesien der 19 Jahre alte aus Bautze im Kreise Frankenstein ge« bürtige Bäcker und Konditor Max Weigel, der früher in Berlin in der Lehre war und im September vergangenen Jahres in einer Bäckerei in Wilmersdorf als Gehilfe arbeitete. Weigel ist jener Unhold, der vor vier Wochen in Zadel in Schlesien, am 16. v. M. die sechs Jahre alte Tochter Emilie des Oberschwcizers Schneider vergewaltigte und dann erwürgte. Die JubiläumSauSschmückung, die vorzugsweise Unter den Linden und am Pariser Platz weit vorgeschritten ist, hat durch den gestern niedergegangenen Guß arg gelitten. Die Fahnen und Girlanden sind durchnäßt und hängen wie Scheuerlappen von den Gebäuden; die Blumen find vom Sturm zerzaust und die Pappmasten völlig durchgeweicht. Man wird wohl wieder von neuem anfangen müssen. Die Automobilisten huldigten gestern im Stadion dem Kaiser durch Herrenfahren, Jagdspringen. Hindernissahren, Damenreiten und Freistockspringen. 500 mit Blumen geschmückte Kraftwagen führte der Kaiserliche Automobilklub vor. Die starken Regengüsse machten den Huldigern einen argen Strich durch die Rechnung. Vier Woche« tot in der Wohnung gehangen. Wir brachten gestern die Mitteilung, daß in einer Wohnung im Hause Metzer Str. 2b der ftricgsinvalide Theodor Ratzow, der von seiner Frau getrennt lebte, tot aufgefunden wurde und daß fest« gestellt werden konnte, daß Ratzow schon seit vier Wochen tot sein mußte. Zu diesem auffälligen Vorgange wird uns berichtet: Ratzow, der gern trank, erhielt wöchentlich drei bis vier Mal von seiner in der Belforter Straße wohnenden Ehefrau warme? Esten zugesandt. Am 14. Mai ersuchte Ratzow eine Nachbarsfrau, seiner Frau mitzu« teilen, daß er sich sehr krank fühle. Als die Ehefrau am Mittag das Esten bringen wollte, wurde die Wohnung nicht geöffnet. Am 17. Mai machte ein Hausbewohner dem Hauswirt Mit- teilung, daß R. seit drei Tagen sich nicht habe blicken lassen und daß er sich vielleicht ein Leid angetan haben könnte, da er Selbstmord» abficöten geäußert habe. Der Hauswirt wehrte ab. Am 20. Mai wurde von einem Hausbewohner dem Polizeirevier von dem Verdacht Kenntnis gegeben. Auf dem Revier soll ge- antwortet worden sein, es sei Sache de« Hauswirts, sich um die An« gelegenheit zu kümmern. Auch ein in der Ramlerstraße wohnender Bekannter R.'S, der auch von den Selbstmordabfichten durch eine von Ratzow an ihn gerichtete Karte erfahren hatte, sei vom Polizeirevier ebenfalls an den Hauswirt verwiesen worden. Der Wirt sei allein Polizei, er müste die Wohnung öffnen. Aber es geschah nichts. Erst, als dieser Tage im Hause Reparaturen vorgenommen werden sollten, mußte die Wohnung geöffnet werden. Dabei wurde die an der Tür- klinke hängende Leiche des R. gefunden, die schon ganz in Verwesung übergegangen war. Wir wollen hier nicht feststellen, ob die Polizei oder den Hau»- wirt der größere Teil der Schuld trifft. Hätte es sich um ein Ver« brechen gehandelt und um keinen Selbstmord, so hätte die Polizei durch ihr passives Verhalten doch unbedingt einen geradezu unver- zeihlichen, gar nicht gut zu machenden Fehler begangen. Gesangsprobe im Achlosthof. Unter vielen Schulkindern herrscht seit Wochen eine gewisse Erregtheit. Nicht weniger denn 7606 Kinder sind aus den ver- schiedensten Schulen und Klassen� herausgesucht worden, um am Montag, den 16. Juni, im Schloßhofe vor dem Kaiser zu singen. Aus diesem Anlaß werden die zum Singen bestimmten Kinder fort- gesetzt mit Proben und Uebungen belastet, die nachgerade geeignet sind, den regelmäßigen Schulunterricht zu gefährden. Da« zeigte sich gestern früh in besonders krasser Weise. Die 7000 Kinder waren bestimmt, im Schloßhofe eine Generalprobe abzuhalten, Sie wurden deswegen vom Unterricht dispensiert und mußten bereits um 7 Uhr morgens in der Nähe des Schlosses in der Alexanderlaserne an- wesend sein. Um 9 Uhr war man endlich so weil, daß im Schloß- Hofe die Aufstellung der Kinder erfolgt war und die Vorträge vor fich gehen konnten. Der Oberbürgermeister suchte sestzustellen, ob der Kaiser von der Stelle au», von der er den Bortragen zu- hören will, auch alleS genau verstehen könnte, und nahm gestern deshalb den„Standpunkt" des Kaisers ein. OhnmachtSanfälle find diesmal nur einige leichtere vorgekommen. Verloren und gefunden wurden am Sonntag, den 8. Juni, beim Arbeitersportsest in Weißensee eine Reihe ton Gegenständen. Efl wird gebeten, die Gegenständ« beim Genoffen F. Keller, Grüner Weg 29, abzuholen oder abzugeben. Vorort- Nachrichten. Lichtenberg. Die letzte Stadtverordnetenversavimlung hatte zunächst von einem neuen Akt vcrkehrsfreinidlichcn Fiskatismus Kenntnis zn nehmen. Die Stupiverordnetenversammlung hatte beschlossen, die Eisenbahn- Verwaltung zu ersuchen, am Bahnhof Rummelsburg einen zweiten Zugang zu schaffen. Die vom Magistral eingereichte Petition m dieser Sache beantworicte die Eisenbahnverwaliung ablehnend. Sie erkenne ein Bedürfnis für den zweiten Zugang nicht an. Aber. man wolle gnädigst den ansgeiprochenen Wünschen entgegen- kommen. Nur eine Bedingung sei zu erfüllen: die Sladtverwalmng müsse die erforderlichen Baulosten und auch die Betriebskosten über- nehmen.— Die Erfahrungen bei der Ueberführung an der Gürtel- slraße, die die Eisenbahn� auf Kosten der Stadt ausführte, haben den Geschmack an solchen Geschäften gründlich verdorben. Rummelsburg wird demnach keinen zweiten Zugang erhalten. Sodann lag eine Anfrage vor. die den Zweck hatte, den Magistrat zu einer Vorlage betreffend eine Stiftung saus Anlaß der Jahrhundertfeier) zu ver- anlassen.� Gewünscht wurde dos Znrversügungstellen eines städtischen Grundstücks als Spielplatz. Oberbürgermeister Z i e t h c n erklärte, der Magistrat plane eine dcmcntiprechende Vorlage. Genosse Grauer führte aus, daß die Schaffung eines Spielplatzes ja schon beschlossen worden sei, der Byzantinern bedürfe es gar nicht. Ttadiv. Schachtel beantragte, eine Vorlage betreffend den Ab- schluß von Verträgen niit FriedrichSselde in öffentlicher Sitzung zu verhandeln, damit die Bürgerschaft in der Rachbargemcinde erfahre, daß nicht Lichtenberg, sondern die Verwaltung von Friedrichsselde die Erledigung der Angelegenheit erschwere und ihr eine unnötige Schärfe gebe. Mit Rücksicht auf die Sache selbst wurde der Antrag nach Abgabe der Erklärungen zurückgezogen.— Gegen den Eintritt des Genossen Grauer in die Schuldeputation hat die Regierung Einspruch erhoben; der Magistrat beantragte deshalb, eine Ersatzwahl vorzunehmen. Die Versammlung wünschte Kenntnis von dem Schriftwechsel zu erlangen. Aus diesem Grunde erfolgte Vertagung. Zu einer langen Erörterung kam es sodann in der Turn- hallcnfrage. Die Stadtverordnetenversammlung hatte beschloffen, allen Turnvereinen die �chulturnballen zur Verfügung zu stellen. Der Magistrat hat es nicht für nötig gehalten, dem Beschlüsse zu entsprechen oder die Genehmigung der Regierung einzuholen. Bei der bekannten Stellung der Reglerung habe er das für zwecklos gehalten. Auf Anfrage des Genossen John erklärte der Oberbürgermeister, das Stadtbauaml habe bereits ein Projekt für eine städtische Turnhalle ausgearbeitet. Die Genossen Grauer, Eisenstädt, John und Elias griffen den Magistrat wegen seines Verhaltens an. Er hätte die Pflicht gehabt, sich als Beauftragter der Stadtverordnetenversammlung zu fühlen, nicht als fteiwillig in Vorahnung funktionierendes Organ der Klassen- regierung. Die bürgerlichen Stadtverordneten Schumacher und Schachtel kennzeichneten das Verhalten der Regierung als unklug und parteiisch. Der letztere beantragte, als Antwort auf das ein- seitige Verhalten der Regierung für alle Vereine die Hallen zu schließen. Genosse Grauer erklärte, daß unsere Genossen eine solche Rachepolitik ablehnten. Stadtv. Schumacher forderte daraufhin den Magistrat auf, schleunigst für die Erbauung einer städtischen Turnhalle zu sorgen, damit man auf diese Weise endlich aus den unerquicklichen Verhältniffen herauskomme. Er faßte die Zusage deS Oberbürgermeisters in diesem Sinne auf. Einen Widerspruch hörte man nicht. Man kann demnach darauf rechnen, daß die Parteilichkeit und Kurz- sichtigkeir der Regierung unseren Turnvereinen recht bald zu einer Turnhalle verHilst.— Sodann beschloß die Versammlung, dem Magistrat eine Petition der„Verbündeten Frauenvereine", die auf Schaffung eines Wohnungsamtes hinzielt, zur Be- rücksichtigung zu überweisen.— Mit geringen Aenderungen gelangte dann die Magistratsvorlage betreffend Reorganisation der Armen- und Walsenpflege zur Annahme. Der Antrag unserer Genoffen, anstatt der vorgeschlagenen 25 Bezirke, deren 56 einzurichten, wurde mit einer ganz geringen Majorität abgelehnt. Eine Vorlage, die die Einrichtung von neuen Lehrerstellen verlangt, gab dem Genossen John Gelegenheit, die hohe Frequenz besonders in den unteren Klassen zu beleuchten, er forderte, hier mehr Stellen einzurichten. Die Majorirät ließ sich gern überzeugen, daß Sparsamkeit das Empfehlenswerteste sei, sie bewilligte nur die in der Vorlage geforderten Stellen, obwohl auch ein Lehrer einige Stellen mehr verlangte. Weil die Werks- deputation aus Anlaß der Projekte der Erbauung eines neuen Gaswerks einige Informationsreisen unternommen hatte, inler- pellierten einige bürgerliche Herren unter Führung deS Herrn Schachtel. Sie verlangten Maßnahmen des Magistrats,„um den überhandnehmenden Informationsreisen... vorzubeugen". Der Magistrat verteidigte die Informationsreisen als durchaus notwendig und zweckentsprechend. Die Aussprache vcranlaßte den bürgerlichen Stadlverordnelen Schumacher zu erklären, daß er gegenüber solchen Versuchen, die Bewegungsfreihett der Deputationen einzuschnüren, die Verantwortung für Beschlüsse von einschneidender Bedeutung ab- lehne. Zum' Protest gegen seine Freunde verließ er sodann die Versammlung. Sachlich gab Genoste Tüwell dieselbe Erklärung ab. Unsere Genossen hatten folgende Interpellation eingebracht: „Ist der Magistrat gewillt, der Entscheidung des Bezirksausschusses in Sachen der Aufstellung der Wählerlisten zur Stadtverordneten« Versammlung schon jetzt Rechnung zu tragen? Insbesondere, will der Magistrat bei Aufstellung der neuen Wählerliste entsprechend der bisherigen Rcchtsanschauung den Fiskus, die G. m. b. H. und die Genossenschaften außer Betracht lassen?"— Befremdlicherweise er- klärte der Magistrah er sei nicht in der Lage, die/, Uhr, bei Hoffmann, Dragonerstr. 15: Mitgliederversammlung. Bericht von der Generalversammlung. Neuivahl der OrtSverwaltung. Marktpreise von Berlin am IS. Juni 1913, nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,16 bis 20,20, mittel 20,08—20,12, geringe 20,00—20,04. Roggen, gute Sorte 00,00—16,45, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00(ab Bahn). Futter- acrste, gute Sorte 16,20— 16,70, mittel 15,70— 16,10, geringe 15,20— 15,60. Haser, gute Sorte 17,40—19,30, mittel 16,20—17,30(frei Wagen und ab Bahn). Mais(mixed), gute Sorte 15,10—15,40. Mais(runder), gute Sorte 15,00-15,80. Richtstroh 0,00-0,00. Heu alt 0,00-0,00, neu 0,00. Markthallenpreise. 100 Kiwgr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen, weisse 30,00-60,00. Linsen 35,00-60,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1F0— 2,40. Butter 2,20-3,00. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,40— 3,20. Zander 1,40-3,60. Hecht« 1,60—3,00. Barsche 1.00-2.40. Schleie 1,60—3,50, Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Krebse 3,00-60,00. Witterungsübcrsicht vom 13. Juni 191?. Stationen £ II >v— i Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien II 8? 761 764 764 766 WN» WNW W SW 767 W 767|W Bettet 3 Im 16 bd. ÄRegen 4-•-• 1 3 1 bedeckt Dunst bedeckt heiter «t«- ä n i* Wlö fftfltfonfn Haparanda Petersburg Seilly Aberdeeu Pari« NNW W WNW O WNW Vetter 8jbedeckt Lbcdeckl 3N-beI Äheiwr Lsbedeckt i Wetterprognose fftr Sonnabend, de« 14. Juni 1918. Ein wenig wärmer, zeitweise Heller, aber noch veränderlich, mtt etwas Regen und ziemlich sttschen westlichen Winden. Berliner D ett erburean. WafferfiandS-Nachrichteu der Landesanstalt für Gewässerkunde, mllgetellt vom Berlmer Wetterbureau Wasserstand M-mel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franksutt Warth«, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leidneritz , Dresden , Barby Magdeburg l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. 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