( 5 Pfennig) MoNtagSltUSgltite(- Mennig) Ur. 149. Rbonnements-Redingungen: IffioratemcntS- Preis pränumerando: Lrerteljährl. Z,Za MI, monatl. 1,10 Mk., wächentlich 28 Pfg. frei WS Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nununer mit Mustrierier Sonntags- Beitage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2�0 Marl, für das übrige Ausland i Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, iKlMlünien, Schweden und die Schweiz, Crfchlint täglich. 30. Jahrg» Die TnJertions'Gcbüljr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewer lschaftliche Vereins- und Versaininlnungs-Anzeigen L0 Pfg. „Atetne Tlrtzeignt", das fettgedrullte Wort 20 Pfg.(zulässig i fettgedrullte' Worte), jedes wtitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafslellenau- zeigen das erste Wort 10 Psg,. jedes wertere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- ä laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer inüjsen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse-, „SMlaiiiillwl!«! Rerlli". Zentralorgan der rozialdemokratifd�en Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Ll. 68. LindenCtraße 69. ifernfprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Air uns Nilhelm. Wir feiern nicht mit! Wir stehen gleichmütig und achselssuckend beiseite, wenn sich ein schäumender Sturzbach von Festreden, Fcstartikeln und Festhurras über das Land ergiestt. Wir wissen wieviel abgrundtiefe Heuchelei in diesem rasselnden Tamtam mit laut wird und wissen, wie die eingefleischten Monarchisten über den Träger der Krone reden, wenn sie unter sich sind — würden alle Majestätsbeleidigungen bekannt, die in diesen Kreisen fallen, die Staatsanwälte müßten Nachtschichten einführen. Wir wissen auch, daß, sobald morgen der Rausch verflogen ist, der grämliche Katzenjammer wieder an seine Stelle tritt und mancher Patriot fluchend auf den Tisch haut, da er zum Wehrbeitrag in das gefüllte Portemonnaie greifen muß. Aber heute schreien sie Hurra, heute knallen die Sektpropfen, heute weht die Fahne schwarz-weiß-rot. Sei's drum! Ter Sozialdemokratie als einer grund- sätzlich republikanischen Partei würde es übel und possenhaft anstehen, wollte sie sich an der Huldigung bei einem monar- chischen Amtsjubiläum irgendwie beteiligen. Ueber diese Tatsache, daß wir Republikaner sind und bleiben, pflegen sich besonders gern, jene ostelbischen Hurraschreier zu er- staunen und zu entrüsten, die nicht einmal die bescheidene Würde eines Hirten mit der Erblichkeit verknüpfen würden. Eben dieselben Herrschaften sehen jetzt mit lautem Ge- schrei die„Vaterlandslosigkeit" der Sozialdemokratie aufs neue bestätigt, weil wir für da-i maschinenmäßige Aus- und Zuklappen der Kinnbacken— Hurra! Hurra!— nur ein leises Lächeln übrig haben. Aber jeder Hosenmatz weiß heute schon, daß die Monarchen nicht das Vaterland sind und daß die Konventsmitglieder, die im Jänner 1793 für den sechzehnten Ludwig den Tod«an» phrase votierten, mindestens ebenso gute Vaterlandsfreunds waren, wie die Höflinge, die an sonnigen Tagen vor dem großen Unge- Witter schrien:„Es lebe der König!" Aber bei unserer Ablehnung des Monarchismus kann unsere Stellung zu den verschiedenen Monarchen doch ver- schieden sein. Es gibt Potentaten, denen auch der republi- kanisch gesinnte Zeigenosse nachrühmen wird, daß sie nie- mals absolutistischen Neigungen nachgegeben haben und alles in allem mehr die ersten Bürger ihres Landes gewesen sind. Wilhelm II. gehört zu der anderen Kategorie. Nicht als ob wir, wie wohl allzu biereifrige Staatsanwälte annehmen, dem Deutscheu Kaiser die Gefühle des Hasses entgegen- brächten— bewahre! bewahre! Selbst wenn er mit seinen Worten und Taten uns weniger Garben in die Scheuer geführt hätte, als es— sehr wider seinen Willen!— der Fall ist, würden wir objektiv genug sein, auch ihn als das Produkt der Verhältnisse einzuschätzen. Was jedem Proletarier recht fein soll, muß auch dencm billig sein, die auf der Menschheit sogenannten Höhen wan- dein. Wahrhaftig! Wenn man das hündische Geschlecht der Byzantiner, dem nur ein Schweif zum Wedeln fehlt, aller Orten und alle Stunde um ihn bemüht sieht, wenn man wahrnimmt, wie ihm der Blick in die Wirklichkeit der Dinge stets durch Weihrauchwolken, � Flaggenntasten und Girlanden versperrt wird, wie er„sein Volk" immer nur im Bratenrock und Zylinder zu Gesicht bekommt, wie ihm sogar bei dem Besuch der Firma Krupp eine sorgfältig aus- gesuchte Garde von Arbeitern mit Fettansatz vorgeführt wird, dann schreibt man es weniger auf sein eigenes Konto, daß sich die Welt in diesem Kopfe anders malt als wohl sonst in Mcnschenköpfen. Kaum ein kennzeichnenderes Wort gibt es da, als jener Laut erstaunten Unwillens beim Kaiser, als ihm Bülow im November 1998 im Auftrage des Reichs- tages von der gärenden Mißstimmung eines ganzen Volkes Mitteilung machte:„Was wollen Sie? Es jubelt mir ja alles zu!" Nun lassen sich zweifellos die vielen Widersprüche im Wesens Wilhelm II. rein individuell erklären. An die Vererbiingstbeorie denkt man, wenn man bei Treitschke die bekannte Schilderung Friedrich Wilhelms l�'. liest: „Er glaubte an eine geheimnisvolle Erleuchtung, die den Königen vor allen anderen Sterblichen durch Gottes Gnade bcschieden sei____ Die knappe Sparsamkeit des alten Regiments betrachtete er längst mit Unwillen; um eine präch- tlge, des Hohenzollernschen Namens würdige Hofhaltung hoffte er alles zu versammeln, was Deutschlands Kunst und Wissenschaft an großen Namen besaß____ Schon als Kronprinz hatte er den Ausbau der Marienburg und des Kölner Domes gefördert; jetzt sollten überalldic halbzertrümmerten Bauten d'er deutschen Vorfahren prächtig aufer- stehen.... Er hatte sich in einem seltsam verschlungenen Eni- wicklungsgang so eigentümliche Ideale gebildet, daß er zuweilen in den Worten, niemals in der Sache mit der Durchschnitts- Meinung der Zeitgenossen übereinstimmen konnte; er redete eine andere Sprache als fein Volk." Aber trotz der Fülle der zutreffenden Vergleichspunkte ist Wilhelm II. ein anderer als Friedrich Wilhelm IV. Jener, der ganz und gar ein Romantiker, dessen Blick der mittelalterlichen Vergangenheit zugekehrt war. während der Jubilar von heute, wenn nicht in seinen politischen An- schauungen, so in seinen persönlichen Neigungen und Jnter- essen manchen Zug aufweist, der den Junkern als allzu modern schwer auf die Nerven fällt. Die Widersprüche im Wesen Wilhelms II. erklären sich nämlich nicht rein indi- viduell, sondern aus den Verhältnissen der Zeit. Dieser Hohenzoller sitzt auf dem Thron in einer Zeitspanne, da Muckertum, Bourgeoisie und Arbeiterklasse miteinander ringen, und jede der drei Klassen ist mächtig in ihrer Art. Da geht es nicht an, daß der Monarch sich auf eine dieser Klassen gegen die andere stützt, was unter minderentwickel- ten Verhältnisse möglich war, sondern er nmß zwischen den Klassen lavieren und zusehen, daß er der einen nicht zu viel, der andern nicht zu wenig gibt. So füllt Wilhelin II. einmal dem Muckertum die Kompottschüsseln, das andere Mal erwirbt er durch bürgerlichen Verkehr, durch die Begün- stigung technischer Dinge und vor allem mit seiner Welt- Politik, den Beifall der Bourgeoisie und er glaubt sicher ehrlichen Gemütes auch, mehr für die Arbeiterklasse getan zu haben als ein anderer. Diese Stellung zwischen den Klassen gibt die zeitgeschichtliche Grundlage für den vielbe- nannten Zickzackkurs der wilhelminischen Aera. mag die be- sondere Färbung dieses Zickzackkurses auch Ausfluß des Tem- peramentes Wilhelms II. sein. Zur Sozialdemokratie hat Wilhelm fast iinmer die Stellung schärfster Abwehr- eingenommen. Es klang zwar einmal durch:„Meine Sozialdemokraten sind gar nicht fo schlimm!", aber die Worte von den„vaterlandslosen Ge- seilen" und der„Rotte Menschen, nicht wert, den Namen Deutsche zu tragen", entsprachen sicher auch den: innersten Wesen des kaiserlichen Redners. Wir tragen ihm solche Worte nicht nach, um so weniger, als sie ihre Korrektur in sich selber haben. Zu Beginn dieser fünfundzwanzig Jahre hieß es stolz und siegesgewiß:„Die Sozialdemokratie ist eine vorübergehende Erscheinung, lassen Sie mich nur mackjen, mit der werde ich schon fertig werden!" Und heute, am Jubiläumstag? Vier einViertel Millionen sozialdemokratischer Stimmen, hundertzehn Sozialdemo- kraten im Reichstag— nicht trotz, sondern zum Teil durch Wilhelm! Mit der Freundschaft und Feindschaft Wilhelm II. hat es eben sein tragisches Bewenden. Die dreihundert Millionen Mohammedaner hat er einst seiner Freundschaft versichert, Abdul Hamid seinen Freund genannt. Abdul Aziz von Marokko seinen Schutz zugesagt. Die beiden Abduls sind längst durch kräftige Fäuste von ihrem Thron heruntergeholt worden und die Welt des Islam bröckelt auseinander. Der„vorübergehenden Erscheinung" der Sozialdeinokratie aber hat Wilhelm II. bittere Fehde ge- schworen, zerschmettern möchte er sie am liebsten, und sie wächst, blüht und gedeiht, sie hat rote Backen und pralle Muskeln und sieht aus wie daS ewige Leben, und das Tra- gischste ist: jede der vielumstrittenen Reden des Kaisers hat ihr Tausende neuer Anhänger zugetrieben. Die Blitze, mit denen Jupiter unsere Köpfe treffen wollte, haben nur un- zählige neue Köpfe erleuchtet. Darum feiern wir, dankbaren Herzens, doch mit! Mil- lionen,„viele Millionen vorübergehender Erscheinungen" grüßen den Träger heute mit dem Ruf: Es lebe die Republik!_ Illonarchiitilchei' lubiläurnskaicndcr. 1. Juni. Die eRgierung erläßt eine Prozeßordonnanz, durch welche die Verwaltungsbehörden befugt werden, das fernere Erscheinen einer inländischen Zeitung oder Zeitschrift wegen fortdauernder, die öffentliche Wohlfahrt gefährdender Haltung zeitweise oder dauernd zu verbieten. Eine Gefährdung der öffentlichen Wohl- fahrt ist als vorhanden anzunehmen, nicht bloß wenn einzelne Artikel für sich ihres Inhaltes wegen zur strafrechtlichen Ver- folgung Anlaß gegeben haben, sondern auch dann, wenn die Gesamthaltung des Blattes das Bestreben erkennen läßt oder dahin wirkt: die Ehrfurcht und die.Treue gegen den König zu untergraben, den öffentlichen Frieden durch Aufreizung der Angehörigen des Staates gegeneinander zu gefährden, die Ein- richtungen des Staates, die öffentlichen Behörden und deren Anordnungen durch Behauptungen zu entstellen oder durch Schmähungen und Verhöhnungen dem Hasse oder der Verachtung auszusetzen, zum Ungehorsam gegen die Gesetze oder gegen die Anordnungen der Obrigkeit anzureizen, die Gottesfurcht und die Sittlichkeit zu untergraben, die Lehren, Einrichtungen oder Gebräuche einer der christlichen Kirchen oder einer anerkannten Religionsgemeinschaft durch Spott herabzuziehen. 6. Juni. Rundreife des Kronprinzen. Die Stadtverordneten zahl- reicher Städte beschließen alle Empfangsfeierlichkeiten zu unter- lassen und auch keine Deputationen zu schicken. Der Krön- prinz versichert öffentlich, er habe von den Verordnungen nichts gewußt, er sei abwesend geloesen. Er habe keinen Teil an den Ratschlägen gehabt, die dazu führten. 18. Juni. Die Stadtverordneten von Berlin beschließen, ftünftig alle Adressen und Deputationen an das Königliche Haus über- Haupt zu unterlassen. '23. Juni. Die Stadtverordneten von Königsberg in der Neumark lehnen alle Empfangsfeierlichkeiten für die Prinzen Albrecht und Friedrich Karl ab, selbst eine Begrüßung. 31. Juli. Tod des Prinzen Friedrich. Die Stadtverordneten von Berlin beschließen mit 34 gegen 26 Stimmen die Absenkung einer Adresse oder einer Deputation zu unterlassen. Expedition: 8Al. 68, LindenltraOe 69. Fernsprecher: Amt Moripplnst, Nr. 1984. 24. September. Der Minister de? Innern gibt eine Königliche Order vom 7. April bekannt, die sich mit der Erscheinung befaßt, daß viele Beamte sich der Opposition gegen die Regie- rung angeschlossen hätten. ES heißt darin:.Wer als Beamter geschworen hat, dem Könige, seinem Allergnädigsten Herrn, untertänig, treu und gehorsam zu sein, ist diese? Eides weder als Wähler noch als Gewählter entbunden, und wenn Ee. Maj. bestimmt den verfassungsmäßigen Weg vorzeichnet,«nif welchem seine Beamten ihn begleiten sollen, sie sind alle zum Gehorsam ... verpflichtet." 8. Oktober. Der König antwortet auf eine Adresse der schlesischen Dorfgemeinde Steingrund, die angefragt hatte, wen sie wählen solle:„Wenn die Gemeinde bei den Wahlen mir ihre Treue bekunden will, so kann dies nur durch die Wahl solcher Männer geschehen, welche den festen Willen haben, Mein« Minister in der Durchführung der ihnen von Mir übertragenen Auf- gaben zu unterstützen. Ein feindliches Verhalte» gegen Meine Regierung läßt sich mit der Treue gegen Meine Person nicht bereinen." 18. Oktober. Zur Feier der Schlacht von Leipzig werben in verschiedenen Städten deutsche Fahnen polizeilich verboten. Die königlichen.Gebäude in Berlin hissen«ur pre»bische Fahnen. 23. Oktober. Landtagswahlen. Die Regierungspartei bringt nur 37 Abgeordnete durch. Das war vor fünfzig Jahren in Preußen! Der gegenwärtige Wilhelm II. war damals 4 Jahre alt. Welch« Wendung durch wessen Fügung?, Der junge und der alte Herr Hitze. In den siebziger Jahren weilte der junge Westfale Franz Hitze als Student der Theologie auf der Universität Wnrzburg. Er beschäftigte sich neben seinem Hauptstudium emsig mit der sozialen Frage, las Ketteln-, Lassalle, Marx und die übrige sozialistische Literatur und redete darüber vor einer Schar Stndiengenosscn. Die Borträge hat er dann, nut vielen Anmerkungen als Zeichen seiner Belesenheit begleitet, im Jahre 1877 unter dem Titel:.Die soziale Frage und die Bestrebungen zu ihrer Lösung' herausgegeben. In diesem Buche geht Hitze dem Kapitalismus scharf zu Leibe: Das große Kapital verdrängt die Mittelstände(Handwerker und Kleinbauernl immer mehr in die Reihen der Lohnarbeiter; das größere Kapital besiegt in der allgemeinen Konkurrenz wieder das kleinere, und so sammelt sich dasselbe in immer wenigeren Händen an, während der andere Teil der Menschheit, das Proletariat, in materiellem und sittlichem Elend dahinsiecht. Indem Hitze das im einzelnen darlegt, bekundet er einen recht scharfen Blick für die wirtschaftliche Entwickelung und findet ebenso zahlreiche wie scharfe Worte für die Sünden des Kapitalismus und das Elend der Massen. Die Gedanken des ehernen Lohngesetzes sind ihm sehr geläufig, und er kommt am Schlüsse seiner Untersuchungen über die Lage de? heutigen Proletariats zu dem Ergebnis, daß ihm gegenüber daS Los eines Sklaven beneidenswert sei, da ein solcher doch wenigstens zu essen habe. Der Unternehmer aber, der Kapitalist, beutet seinen Sklaven, den sogenannten freien Arbeiter, möglichst aus, und wenn seine Kraft verbraucht ist, dann mag er gehen, eine neue frische Arbeits- kraft tritt an seine Stelle. Handelt ein solcher Kapitalist anders als der römische Sklavenhalter, der seinen ausgedienten Sklaven. auf die Insel Aeskuläp aussetzte oder den Fischen zur Speise vor- warf? In seinem drei Jahre später herausgegebenen Buche „Kapital und Arbeit" bekannte sich Hitze als entschiedenen Gegner der heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Gleich in der Vorrede betont er, daß die heutige gesellschaftliche Ordnung weder den„materiellen Produkliousbediugungcn", noch den„Jnter- essen der sozialen Verteilung", noch endlich den„geistigrechuichen Anschauungen der Freiheit und Gleichheit" genüge, daß sie„in ihrer ausschließlich privatwirtschaftlichen Gestaltung" an organischen Ge- brechen leide und der„Ergänzung und Fortbildung zum Sozia- lismus hin" bedürfe. Und Hitze entwarf nun einen ausführlichen Plan zur„Reorganisation der Gesellschaft", der sich von den Plänen utopistischer Sozialisten dadurch unterschied, daß er die Gesellschafts- ordnung nach rückwärts, nämlich ins Mittelalter hinein revidierte. Immerhin waren die gesellschaftskritischen Gedanken des jungen Hitze und seine Borschläge zur Aeuderuug der Dinge uwstürzlerisch genug, um die älteren und besonneneren Gemüter im klerikalen Lager in Aufregung zu bringen. Herr von Hertling nahm Hitzes Buch zum Anlaß einer Besprechung in den„Christlich-sozialen Blättern", worin er warnte, daß man die heutige Gcsellschafts- ordnung in weitestem Umfange als auf falscher Grundlage ausgebaut ansehe und deshalb mit einer radikalen Reform rechne. Das führe entweder zu einem verderblichen politischen OüietiSmu», der in Erwartung des großen Umschwunges die Hände in den Schoß lege, oder zu einem StaatssozialiSmus, der alles freie, selbständige Leben ertöte. Franz Hitze hat die väterliche Mahnung seine? Partei- und Glaubensgenossen Heriling zu beherzigen gewußt. Er wurde reicher an Jahren und Erfahrungen, reicher an Aemtern und Würden. Im Herbst 1380 wurde er Generalsekretär des Verbandes katholischer Arbeitgeber und Arbeiterfreunde; 1882 kam er als Zentrums- abgeordneter in den Landtag, 1884 in den Reichstag und 1893 wurde er Professor für christliche Gesellschaftslehre au der Universität Münster. Er nannte nicht mehr die Kapitalisten Sklaven- Halter und erzählte den Arbeitern nicht mehr, daß sie dem materiellen und moralischen Tlend preisgegeben seien. Als er 1898 seine .Arbeiterfrage" herausgab, da fand sich darin kein Wort mehr von der.Erneuerung der Gesellschaft auf ständischer Grundlage"; der christliche Zukunftsstaat, den der junge Kaplan in glück« verheitzenden Farben geschildert hatte, war abgetan, die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung war wieder in ihre alten Rechte eingesetzt. Und jetzt hat Franz Hitze, dessen Haar unterdes weiß geworden ist, wiederum ein Buch herausgegeben:.Zur Würdigung der deutschenArbeiter-Sozialpolitik", eine Kritik der Bernhardschen Schrift.Unerwünschte Folgen der deutschen Sozial- Politik". Das Buch enthält recht treffende Bemerkungen, soweit es sich gegen den Berliner Professor wendet. WaS uns hier besonders interessiert, iä die Bestätigung der Tatsache, datz Herr Hitze, der Stürmer und Stürzer von damals, gegen die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung nicht das mindeste mehr einzuwenden hat, ist weiter sein Bemühe», die Arbeiter mit dem GegenwartSstaat, den er jetzt im rosigsten Lichte erstrahlen lägt, auszusöhnen. Man höre den einen Satz, wo er von der.inneren Versöhnung und Wiedergewinnung der Massen" spricht: Was in Jahrzehnten versäumt war, konnte nicht in Jahr- fünften wieder gut gemacht werden. Umgekehrt erfordert eS die Arbeit von Generationen, die Einbußen in unseren sittlichen Volkskräften wieder auszugleichen, unser Volk wieder mit dem freudigen Glauben und Vertrauen in den Be- stand unserer Gesellschaftsordnung und den ge- rechtenSinn der dirigierenden Klassen zu er« füllen, das Gefühl der christlichen Solidarität, die Liebe zum Vaterlande und zur Kirche neu zu beleben und zum Gemeingut der ganzen Nation zu machen. Vor SO Jahren verdammte Hitze den kapitalistischen Staat in Grund und Boden. Cr entwarf kühne Pläne zur Reorganisation, zum Umsturz der Gesellschaft. Sein christlicher Zukunftsstaat war eine Utopie. Herr Hitze hat sich unterdes geändert, aber der Utopist ist er geblieben, wenn er meint, es genüge ein bißchen Sozialreform, um die Massen zum Glauben an die Fürtrefflichkeit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und an den.gerechten Sinn der dirigierenden Klassen" zu erziehen. Diese Erwartung ist sehr töricht. Lustig aber ist eS, wenn Herr Hitze sich in seinem jüngsten Buch um den Nachweis bemüht, wie oft und wie stark die Sozialdemokratie ihre Anschauungen gewechselt habe. Herr Hitze, der Unwandelbare l politische Qeberlicbt. Feierliches und Anderes. Die bürgerliche Presse hat recht viel Papier an ihre Sonntagsausgaben verwandt, um das Regierungsjubiläum würdig zu begehen. Di« repräsentative Rolle, die der Monarch nach den Lehren des bürgerltchen Staatsrechts inne hat, wird auch in diesen Feierartikeln respektiert. Es wird eine Ueber- ficht gegeben der Geschichte der letzten 25 Jahre, um dann, was die Nation als Ganzes in harter Arbeit geleistet oder das, was die herrschenden Klassen in ihrem Interesse durch- gesetzt haben, mehr oder minder geschmackvoll, mehr oder minder vollständig dem Einfluß Wilhelms II. zuzuschreiben. Auch einige Vorbehalte werden gemacht, so, wenn die All- deutschen und Scharfmacher die Entlassung Bismarcks oder die Verabsäumung eines Weltkrieges schmerzvoll vermissen, oder die liberale Presse an jene Eigenschaften erinnert, die zur Novemberabrechnung geführt haben, nicht ohne nach 25 Jahren nochmals die Illusion zu erneuern, wie herrlich liberal es in Deutschland geworden wäre, wenn Friedrich III. länger ge- lebt hätte. Ter flüchtige Blick, der über diese Zeilenreihen gleitet— und mehr wäre überflüssige Zeitverschwendung—, erhält so ettva denselben Eindruck, den der andere Kitsch her- vorruft, der den Berliner Straßenreihen als Festfchmuck an- gelegt worden ist. Aber eines soll doch noch hervorgehoben werden: die „Kr euz z ei t u n g" hält das Regierungsjubiläum für den gegebenen Anlaß, erneut ihren Schmerz über den sfi a l l d e s Soziali st engesetzes kum Ausdruck zu bringen und sie fordert nun schleunigst die„endliche Ueberwältigung der revolutionären Bewegung". Was nützt, meint das Junker- organ, die schönste Weltpolitik, wenn nicht vorher der Sozial- demokratie der Garaus gemacht worden ist. Und als passende Einleitung zum Jubiläum erinnert die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" an das u n e i n g e l ö st e Königswort. Das Blatt der Negierung spricht genau so, Alockenfilm. ,. t Tirweil beS Menschen Fürrecht Lachen ist. Rabelais. foilte �ubiläumglck Usseln. Der biedere Provinzonkel, der in diesen weihevollen . Jubiläumstagen in die deutsche Haupt- und Residenzstadt ge- kommen ist, sperrt Maul und Nase auf ob der Pracht und des feinen 5tunstgeschmacks, die aus dem Festschmuck der Straßen zu ihm sprechen.— Sprechen? DaS ist viel zu gelinde ausgedrückt. Treffender ist brüllen, kreischen. Denn ein solcher Aufwand an Holz, Pappe, Papiermache, grellbuntem Köper- und Nesselstoff, Kiefernnadeln und Papierblumen ist wohl noch nicht dagewesen. ES ist, als ob die Ausstattung Skiinste des seligen Schmie... pardon EchauspieldirektorS Strtese sich verhundertfacht, nein der- tausendfacht hätten. Doch reden wir nicht weiter davon. Wem beim Anblick dieser neudeutschcn StraßenschmückungSkunstorgie nicht der Geist vor Ehrfurcht still steht, der ist eben ein banausische? Riesenrindvieh 1. Klasse oder, um es kadinisch auszudrücken, ein bos inöicus niaximus. Der versteht natürlich auch die lieferen symbolischen Zusammenhänge nicht, die zwischen den mit Goldfarbe beklecksten Pappschildern, den bunten, flatternden Leinenlappen und den herrlichen Zeiten bestehen, denen wir im Laufe der letzten SS Jahre entgegengeführt worden sind. Interessant wäre höchstens die Untersuchung, wieviel Quadratmefer überpinselte Pappe und wie- viel Kilometer schwarz-wciß-rotcs usw. Leinenzeug auf einen Hof- lieferantentitel oder einen Orden kommen. Das unumschränkte Selbstverwaltungsrecht der Welt- und Jntelligenzstäot Berlin bringt es mit sich, daß- alle Kunst- und Ver- schönerungspläne der Stadt erst dem Oberhofmarschallamt ein» gereicht werden müssen. Und das ist gut so. Welch greulichen Kitsch würden diese kommunalen Pachulken sonst auf Straßen und Plätze setzenl Natürlich haben auch die Jubiläumsstraßen- ausschmückrrrigspläne �>em Oberhofmarschallamt und der aller- höchsten Stelle vorgelegen und haben dort noch manche Korrek- turen erfahren. So wissen wir, dank unserer guten Beziehungen zu Hofkreisen, daß der belorbeertc Schweinskopf mit Wurst- ornamcnten und das Schaukelpferd, die man auf einer Anzahl Banner an den Flaggenmasten der Leipziger Straße bewundern kann, der kunstsinnigen Inspiration des OberhofmarschallanrteS zu danken sind. Die besagten guten Beziehungen ermöglichten uns aber auch xinen Einblick in eine Anzahl von Straßenausschmückungsplänen, wie es die konservative Presse tut, von der„künstlichen Mache" der Wahlrechtsbewegung. Es macht sich über den Massenstreik lustig und meint: „Die bisherige Interesselosigkeit der Massen an der sozialdemokratischen Wühlarbeit beweist jedenfalls, daß sie unter der„Herrschaft der Herrschenden" in Preußen sich ganz wohl befinden und keine Beeinträchtigung ihrer berechtigten Interessen empfunden hat." Wenn die„Norddeutsche Allg. Zeitung" damit sagen will, daß die Regierung die wichtigste und dringendste Aufgabe der Gegenlvart für erledigt hält und sie deshalb dem neuen Land- tag keine Wahlreform vorlegen wird, so mag sie damit die Jubiläumsfreude der Junker gestärkt haben. Aber auf die Interesselosigkeit der Massen sollte das Regierungsblatt nicht allzusehr vertrauen. Da könnte es doch noch manche Eni- t ä u s ch u n g erleben._ Es wird weiter gehandelt. Dem kategorischen Imperativ des Reichskanzlers leisten die bürgerlichen Parteien Gehorsam: es wird weiter gekuh- handelt. Nachdem die Besprechungen der bürgerlichen Parter- führer am Sonnabend ziemlich unvermittelt abgebrochen waren, wurden sie Sonntag in Gegenwart des Reichsschatz- sekretärs wieder aufgenommen und die eifrigen Kompro- mißler hoffen bis Dienstag noch zu einer Einigung zu kommen, wo dann das Werk sofort der Budgetkommission vor- gelegt werden könnte. Auch die Konservativen nehmen jetzt an den Verhandlungen teil und ein bürgerliches Blatt will so- gar wissen, daß zu weiteren Verhandlungen auch Genosse Dr. Südckum hinzugezogen werden soll. Von dieser Absicht ist dem Genossen Südekum nichts bekannt ebenso wenig wie dem Fraktionsvorstand, mit dem zunächst die Verhandlungen über die Teilnahme von sozialdemokratischen Vertretern zu führen wären. Die Reichsregierung selbst scheint dem Kom- promiß trotz des heftigen Widerspruchs der sächsischen Re° gierung günstig gegenüberzustehen. Wenigstens läßt darauf eine offiziöse Meldung der„Köln. Ztg." schließen, durch die dem Kompromiß feindliche Artikel energisch abgeschüttelt werden und die Annahme als völlig unzutreffend zurück- gewiesen wird, als könnte es sich dabei um Ansichten von Re- gierungsftellen handeln. Dagegen leistet ein Teil des Zentrums unter Führung Gröbers jedem Kompromiß, in das irgendwie die Erbanfallsteuer hineingearbeitet wird, entschiedenen Widerstand, und noch heftiger widerspricht die konservative Presse. So verbittet sich die„K r e u z z e i t u ng" recht unwirsch die Mahnung der„Germania", den Bogen nicht zu überspannen: die konservative Partei werde an der Forderung festhalten, daß die Erbschaften der Kinder völlig steuerfrei bleiben. Die Möglichkeit, daß die Konservativen ihre grundsätzlichen Bedenken in dieser Frage zurückstellen, sieht die„Kreuzzeitung" nicht gegeben. Dagegen tritt die „Nationalliberale Korrespondenz" mit großem Eifer für das Kompromißwerk ein. Wir Sozialdemokraten stehen dem ganzen Handel sehr kühl gegenüber. Unsere Stellung ist stark genug, um die Schädigung der Besitzlosen zu verhindern. Wenn die National- liberalen. statt klare und konsequente Politik zu machen, statt die Erbschaftssteuer durchzuführen, für die sich das deutsch« Volk bei den letzten Wahlen in überwältigender Majorität ausgesprochen hat, dem Zentrum Liebesdienste erweisen will, um von den Schwarzblauen wieder in Gnaden aufgenommen zu werden, mögen sie es nur tun. Nutzen wird ihnen der neueste Umfall nicht bringen. Offiziere als Weinhändler. Daß pensionierte Offiziere neben Kognak und Zigarren auch Weine verkaufen, ist bekannt; weniger bekannt dürfte aber sein, daß sich dem letzteren Geschäfte auch aktive Offiziere widmen. Dem Reichstage ist eine Petition des Vereins der Weingroßhändler zu- gegangen, in der darauf hingewiesen wird, daß das Offizierskasino der Jnfanterieregimenter Nr. 29 und 69 in Trier ein sehr umfangreiches Weingeschäft betreibt. Eine ganze Anzahl Offizierskasinos werden von dort aus mit Wein versorgt, u. a. die Kasinos der Infanterie- Schießschule und der Technischen Institute in Spandau, und die Petition behauptet, daß die abkommandierten Offiziere der Regimenter 29 und 69 es sich überall angelegen sein lassen, die betreffenden Kasinos dafür zu interessieren, daß sie ihre Weine aus Trier be» die leider aus verschiedenen Gründen nicht zur Ausführung ge- kommen sind. So sollen denn wenigstens unseren Lesern die Ent« würfe hier serviert werden. Ein Plan ging dahin, an geeigneten Stellen im arbeiterreichcn Osten und Norden Berlins eine Anzahl symbolischer Denkmäler aufzustellen, die den Triumph des allerhöchsten Jubilars über die vaterlandslosen Gesellen ausdrücken sollten: große, rot ange- strichene Blöcke auS Papiermache, auf die eine eisengepanzerte Faust niederschlägt, sollten durch«ine Anzahl von Rissen, Sprüngen und abgesplitterten Stellen andeuten, daß..., na, das Symbol wird wohl ohne weiteres jeden: Leser einleuchten. In der Sitzung des Hofmarschallamtes, in der über diese Pläne beraten wurde, äußerte aber ein kleiner Sekretär schüchtern, daß bei der Respektlosigkeit der in Betracht kommenden Bevölkerung mit allerlei Inschriften aussen breiten Flächen der Blöcke zu rechnen sei. Wenn dann so ein Strolch in Zahlen die Stärke der Sozialdemokratie vor 2S Jahren und die von heute in recht großer schwarzer Schrift an die Blöcke schmiere... der Redner kam nicht weiter. Die maßgebenden Herren des Kollegiums ließen einige verlegene„hm, hm" vernehmen und erklärten, daß man lieber auf die Ausführung dieses Planes verzichten wolle. Ein weiterer Plan ging dahin, der Tatsache Rechnung zu tragen, daß während der 2SjShrigen RcgierungSzeit des aller- höchsten Jubilars Deutschland zu einer kultur- und segenspendendcn Kolonialmacht geworden sei. DaS sollte auch bei der Straßen- schnnickung berücksichtigt werden. Es leuchtete ohne weiteres ein, daß hierfür das sogenannte Kameruner Viertel im Norden, die Kamerun-, Togo-, Windhuk-, Otavi- usw. Straßen in Betracht kämen. So sollte hier an einer freiliegenden und besonders ins Auge fallenden Stelle ein echt exotischer Obelisk Ausstellung finden. Wie man noch heute bei einigen Stämmen Zentralafrikas, bei den erschlagener Feinde sehen kann, so sollte der Obelisk aus Schädeln und Knochen gebildet werden, die mit unserer Kolonialgeschichte im Zusammenhang stehen. Aus dem Sand- feldc,.der Omaheke Deutsch-Südwestafrikas, sollten Knochen und Schtroel hergeschafft werden. Dort waren sie«n großer Menge zu finden. Hatte doch im September 1994 die geniale, humane und weitblickende Strategie des General« von Trotha viele Hunderte von Männern, Frauen und Kindern der Hereros dem Tode des Verschmachtens ausgesetzt. Ein ähnliches Kolonialmonument war von einer renommierten Eiscnbahnbaufirma speziell für die Kameruner Straße vorgesehen worden. Das Material zu diesem Obelisk hatten die vielen Hundert schwarzen Arbeiter geliefert, die bei einem von dieser Firma durchgeführten Eisenbahnbau in Ka- merun draufgegangen find. Leider konnte infolge zu später Be- ziehen. In ähnlicher Weise liefert das OffizierSkafino des 1. und 2. Bataillons des Regiments Nr. 161, daS sich ebenfalls in Trier befindet, an andere OffizierSkasinoS. Für Rechnung des Kasinos in Trier werden ganz enorme Mengen Wein gekaust» und die Käufe werden auf den Namen einzelner Offiziere abgeschlossen. Mit Recht weisen die Weinhäudler darauf hm, daß in dem Augenblick, da die neue Wehrvorlage von neuem un« geheure Opfer von der gewerblich tätigen Bevölkerung verlangt, mit besonderem Nachdruck dafür gesorgt werden muß, daß der ge- werblich tätigen Bevölkerung nicht durch Handelsunternehmungen aktiver Offiziere und Beamter Konkurrenz gemacht wird. Die Petenten wünschen außerdem, daß die OffizierskafinoS genau wie jede Weinhandlung, den Bestimmungen des neuen Weingesetzes ent- sprechend, zur Führung von Lager«»nd Expeditionitfrüchern verpflichtet werden.— Aus der Petition ergibt fich auch die ganz interessante Tatsache, daß der Weinbetrieb einiger preußischen Jnfanterieregimenter seit Jahren zur Gewerbesteuer veranlagt wird._ Das ist alles? Der König von Sachsen hat aus Anlaß des 2Sjährigen RegierungsjubilaumS des Kaisers alle über Angehörige des fach» fischen Hecreskontingents verhängten Disziplinarftraseu, soweit sie am 16. Juni 1913 noch nicht oder nur teilweise vollstreckt sind, in Gnaden erlassen, sowie befohlen, daß auch noch eine Anzahl der von sächsischen Militärgerichten verurteilten Militärpersonen zu Gnadenakten vorgeschlagen wer- den sollen._ DU Lage auf ciem ßalhan. Von einer„hoffentlich entscheidenden Wendung zum Besseren" spricht die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung". Die Gefahr eines bewaffneten Zusammenstoßes zwischen Bulgarien und Serbien erscheine wesentlich verringert. Die einmütig abmahnende Haltung der Großmächte sei in Belgrad wie in Sofia nicht ohne Wirkung geblieben. Gewisse Zeichen sprächen dafür, daß die freundschaftliche Mahnung der Großmächte zur Demobilisierung ihren Zweck nicht verfehlen werde. Ver- ständigen sich Bulgarien und Serbien über Abrüstungsmah- regeln, so werde man von einem endgültigen Ein» lenken in die Bahn friedlicher Erledigung der noch schwebenden Streitfragen sprechen können. Konferenz in Petersburg. Paris, 15. Juni. Wie die„Agence Havas" aus PeterS- bürg erfährt, sieht die russische Regierung die Ant- Worten der Könige von Bulgarien und Ter- b i« n als befriedigend an. Infolgedessen hat der Minister des Aeußern Ssasonow die Ministerpräsidenten der vier verbündeten Staaten eingeladen, baldmöglichst zu einer Konferenz in Petersburg zusammenzukommen. Die Demobilisierung. Konstantinopel, 16. Juni. Alle Botschafter befitzen jetzt In- struktionen für den Schritt bei der Pforte, durch den dieser empfohlen werden soll, teilweise zu demobilisieren. Ueber die Form der Demarche, die in einigen Tagen erfolgen soll, ist noch kein Beschluß gefaßt worden. Tie Ermordung des Großwesirs. Konstantinopcl, IL. Juni. DaS von der Polizei entdeckte HauS, in dem sich der Mörder Mahmud SchewketS, Zia, ver- borgen hielt, liegt in dem Stadwiertel Beschikasch. Z i a benach- richtigte die Behörden, daß er fich ergeben wolle. Es wurden Polizeimannschaften entsandt, die ihn verhafteten und nach dem Konstantinopeler MilitärgouverncmentSgebäude brachten. Gestern nacht hat die Polizei im Stadtviertel Dinanyolu in Stambul ein Haus umstellt, in welchem sich ein oder zwei M i t s ch u l d i g e an der Ermordung des GroßwesierS aufhielten. Das HauS wurde gegen elf Uhr abends durch Einbrechen einer Tür eingenommen. Die Bewohner waren indes durch eine geheime Pforte entflohen. Amerikanische Schiedsverträge. Washington, 15. Juni. Bei der gestrigen Feier des Flaggentages hielt Staatssekretär Brpan eine Rede, in welcher er erklärte, er erwarte, daß bis Weihnachten 25 N a- tionen den Schiedsgerichtsvertraa mit den Ver- einigten Staaten abgeschlossen haben würden.� stellung und wegen zu befürchtender Transport- und Zollschwierig- leiten da? erforderliche Knochenmaterial nicht herbeigeschafft werden. Man verzichtete daher auf den Plan. Damit fiel auch die Absicht, den Kolonialhelden Peters, Wehlan, Arenberg usw. durch ent- sprechende Statuen, ähnlich der Fliegerpappsäule auf dem Dönhoffs- platze, zu gedenken. Die Ornamente sollten hier aus stilisierten Nilpferdpeitschen, Schambocks, Ladestöcken, Galgen und anderen afri- konischen Requisiten bestehen. Es ist bedauerlich, daß diese Seite von des Reiches Größe, Macht und Herrlichkeit bei der StraßcnauS- schmückung nicht berücksichtigt werden konnte. Wir wollen daher wenigstens den Plan als kalte Schüssel vom Jubiläumsfeste der Nachwelt für einige Zeit aufbewahren. Das sich durch würdige Einfachheit und Bescheidenheit auszeich- nendc Jubiläumsprogramm mußte ebenfalls um eine Nummer ge- kürzt werden, die dem Ganzen einen besonderen Glanz verliehen hätte. Zwei durch Bande persönlicher Freundschaft mit dem aller- höchsten Jubilar verbundene Monarchen hatten um Zulassung zur Jubiläumsfeier gebeten. Es waren dies der Exsultan der Türkei Abdul Hamid und der Exsultan von Marokko Abdul AsiS.(Siehe Reden Wilhelms II. vom 8. November 1898 und vom 2. April 1995.) Abdul Hamid verfügt zwar nur noch über ein halbes Dutzend Odalisken; das ist alles, was ihm von den 299 Millionen Mohamme- danern geblieben ist. Immerhin hätte aber ein öffentlicher, vielleicht auf der Schloßfreiheit aufgeführter Bauchtanz dieser sechs Harems- damen eine sehr hübsche Allegorie der deutschen Orientpolitik ge- liefert. Abdul Asis hätte mit zwei Dienern, über die er jetzt noch „unabhängiger Herrscher" ist, auf dem breiten Promenadenweg Unter den Linden eine schneidige Fantasia mit all ihrem wilden Geschrei, Flintengeknalle usw. geritten und damit ein schönes Sinn- bild der deutschen Marokkopolitik geliefert. Leider scheiterten all diese schönen Programmplänc an der Geldfrage. Da beide Herrscher seit längerer Zeit dauernd arbeitslos stich, verlangten sie beide für sich und ihr Gefolge Reise- und Zehrgeld. Darauf konnte aber das Hofschatullenamt angesichts der großen Jubiläumsausgaben nicht eingeben. Nun, wenn daS begeisterte und schaulustige Straßenpublikum auch keine echt arabische Fantasia zu sehen kriegt, so wird eS doch in puncto Reitkunst auf seine Rechnung kommen. Die überfütter- ten Berliner Polizeigäule sind zwar keine sehnigen arabischen Wüstenrenner und die behäbigen blauen Reiter keine tollkühnen Beduinen, aber daS Kurbettieren auf der Stelle, das Herumtänzeln auf den Hühneraugen des süßen Hurrapöbels, das Auswischen der Patriotengesichter mit Pserdeschwänzen verstehen sie ausgezeichnet. Und das sind schließlich Jubiläumseindrücke von nachhaltiger Wirkung. Oraet. Hus Groß-Bcrlin» Patriotische Künste. Dicht vor dem Potsdamer Platz wohnt ein Konditor: er hat im Schanfenster ein großes Kissen liegen mit Troddeln an den vier Ecken, darauf ruhen Reichsschwert und Szepter und obendrein die Krone, alles monumental, vergoldet und aus Marzipan. Diese marzipanene Knetung ist ein Symbol für das Meiste, was es während dieser Tage an patriotischen Künsten in der Reichshauplftadt zu sehen gibt. Der Emge- weihte hatte wenig erwartet: er konnte aber unmöglich glau- ben, daß fast ein Dutzend Künstler nötig sein würde, um etwas zustande zu bringen, was man getrost dem jüngsten Tapezierlehrling zutrauen könnte. Nun ist es gewiß richtig. daß die Kunst nichts hervorzubringen vermag, was ihr nicht von den Lebenskräften der Zeit diktiert wird: es kann heute niemand mehr ein überzeugendes Schloß bauen. Weil die Zeiten der Könige vorüber sind, mußte das Posener Schloß eine Kopie aus romanischen Tagen werden. Es war also nicht zu er» warten, daß irgend etwas Geniales, Blutvolles. Lebendiges in den jubilierenden Straßen zu treffen sein würde. Immer- hin, so kläglich brauchen selbst zeitlose Künste nicht zu ver- sagen. Und das sollten sie besonders dann nicht tun, wenn zuvor wochenlang tronipetet wurde, was es alles an Sdhön» heit und Einheitlichkeit zu sehen geben soll. Bis auf ganz wenige Ausnahmen fehlt jeder Zipfel dessen, was allein dem Stadtbild zum Schmuck dienen könnte: großzügige Dis- Position weniger aber geklärter Elemente. Bunter Wirrwarr an allen Ecken. Am schlimmsten vom Brandenburger Tor bis zum Schloß. Die Marmorbrüche am Rand des Tier» gartens wurden wie zum Schweineschlachten mit Girlanden aus Weichspapierblumen bekränzest: das wirkt überaus lächer» lich. Die Westseite des Tores entbehrt nicht eines gewissen Pathos: es wurden die Linien der Architektur, die Vertikalen der Säulen, die Horizontalen der Gesimse mit schlichten grünen Girlanden betont(allerdings aus Papier): dazu be» kam das Tor in seiner Ganzheit einen stillen, grünen Hinter- grund dadurch, daß die Häuser links und rechts flächig mit Tannengezweig bekleidet wurden. Damit ist das Lobesame aber auch erschöpft, und es beginnt sofort ein wahrer Hexen» sabbat von Kirmisdudelei. Gelb-rote Besessenhert hat sich auf die Masten der elektrischen Lampen gestürzt und hat schwerfällige Brettgerüste in verwirrender Masse links und rechts aufgestellt. Vorher muß man an einer Doppelreihe von Rabitzsäulen, auf denen vergoldete Viktorien schunkeln. vorbeiflüchtcn. Kommt man an die Friedrichstraße, so sieht man links und rechts klobige Kronen in den Lüften schaukeln. Man überlegt qualvoll, wie diese abermals rot-gelben Käse- glocken wohl an den Himmel geschraubt sein mögen. Man überzeugt sich rasch, daß anscheinend auch für die Schaufenster eine rot»gclbe Parole ausgegeben worden ist. die freilich nur in wenigen Fällen befolgt wurde. Dann steht man vor der Universität und ist angenehm überrascht über den Ton des Rotes, der die Ausschmückung dieses Bauwerkes bestimmt: es ist dieses Rot sehr viel vornehmer als der Schießbuden- stoff. der im Lauf der Linden angewendet wurde. Auch sonst ist der Architekt(er heißt Heinrich Straumer) der Universi- tätsbeflaggung ganz glücklich gewesen: er hat wenigstens ver- sucht, ein Helfer des ihm überlieferten Bauwerkes zu sein. Die Pfeiler freilich, die er doppelreihig quer über den Platz gestellt hat. sind nichts als Störenfriede und wirken außer- dem durch ihre barokken Auswüchse mehr als grotesk. Was die Leipziger Straße betrifft, so mangelt ihr nicht ein ge- Wistes System: Girlanden von Front zu Front, in der Mitte durch ein Banner beschwert. Das wirkt einen ganz sympathi- scheu, beweglichen Rhythmus. Am Potsdamer Platz gibt's dann wieder etwas zum ärgern, eine schwer verständliche Ueberbauung der beiden Torhäuschen. Es war ein Triumph- bogen beabsichtigt: es wurde aber nur ein bespanntes Leiter-, gerüst. Somit wäre die ganze Angelegenheit dieser Straßen- schmückerei trostlos, wenn nicht in der Mohrenstraße irgendein begabter Mensch nach Münchener Art violette Maibäume auf- gestellt hätte, die an hellgrünen Bändern große rosabeschleifte Kränze tragen. Das weht gar lustig im Winde. Und zum anderen: die Königgrätzer Straße: ihr gab der Architekt Friedmann mit ganz geringen Mitteln, mit blauen Bändern und weißen Blumen, einen charaktervollen Ausdruck. Er bewies unwiderlegbar, daß nur das einheitliche Zusammen- fassen des Straßenzuges bei solcher Stadtausschmückung ir-' gendeine dekorative Wirkung hervorzubringen vermag. Man wird sich Herrn Friedmann merken müssen, wenn es einmal gilt, Berlin für den ersten Mai zu beflaggen. Mag aber dein sein, wie ihm wolle: Das Geld, das hier zum Teil aus städtischen Mitteln vergeudet worden ist. hätte bester verwendet werden können. Im Zeitalter der— Absperrungen! Aus Anlaß des RcgierungSjubiläumZ werden fol- gende VerkehrSbc schränkungen erforderlich. Am 16. Juni etwa von 7 Uhr vormittags ab bis nach beendigter Parolcausgabe im Zeughaus« gegen IVi Uhr nachmittags wird der gesamte Verkehr über die Kaiser-Wilhelm-Brücke. den Lustgarten, die Schloßsreiheit, die Echloßbrürfe, den Platz am Zeughaus« und den Kaiscr-Franz.Josef-Platz.abgelenkt". Außerdem wird der Wagenvcrkehr gegen 7% Uhr vormittag? in der Prinz-Friedrich- Karl- und Universitätsstratz« und gegen L?L Uhr vorm. in der Burg- straße zwischen König- und Kaiser-Wilhelm-Straße. in der Straße am Zeughaus« und am Kupfergraben auf einige Zeit unterbrochen. Am 17. Juni von etwa 9� Uhr vormittags ab wird der Verkehr über die Westseite des Königsplatzes, die benachbarten Straßenzüge, die Siegc-allee, die Charlottenburger Chaussee östlich der Siegesallee und später auch über den Pariser Platz, die Süd- feite der Straße Unter den Linden, den Kaiser-Franz-Josefplatz und den Platz am Zeughaus« abgelenkt. Tie Schloßbrücke, die Schloßsreiheit, der Lustgarte» und die Kaiser-Wilhelm-Brücke wer- den etwa von 16 Uhr vormittags ab bis gegen 12 Uhr mittag» für jeden Verkehr gesperrt. Von etwa 16>t Uhr vormittags ab wird auch der Wagenvcrkehr in der Kaifer-Wilhelm-Straße bis zum Neuen Markt nach Bedarf abgelenkt oder unterbrochen. Von etwa SM Uhr abends ab tritt kür die Kaiser-Wilhelm-Brücke, den Lustgarten, die Schloßfreiheit und die Schloßbrücke die gleiche Sperrung wie am Vormittage ein. Um dieselbe Zeit wird auch der Wagenverkehr über den Platz am Zeughause, dem Keiler- Franz-Josef-Platz, die Südseite der Straße Unter den Linden, den Pariser Platz, die Charlottenburger Chaussee vom Brandenburger Tor bis zum Kleinen Stern, die Bellevue-Allee, die Paul- und Rathenower Straße nach Bedarf.abgelenkt". Der„große Tag" der Taschendiebe. Der.Feftrummel", der bereits am Sonntag ein Heer von Gaffern angelockt hatte, soll wieder den Taschendieben reiche Ernte gebracht haben. Je andächtiger so ein„Patriot" den Flitter- kram der Straßenausschmücknng bestaunt, desto bequemer hat es ein Langsinger, ihn um sein Portemonnaie zu erleichtern. Einer reichen Brasilianerin wurde bei ihrem„Linden"-Bummcl ein sehr wertvolles Schmuckstück wegstibitzt, eine mit Brillanten und Ru- bmen besetzte Uhr samt der mit Edelsteinen besetzten goldenen Kette. Mehrere Taschendiebe wurden von der Kriminalpolizei bei der .Arbeit" erwischt. Heiratsschwindel einer Frau. Meist sind eS Männer, die ben Heiratsschwindel betreiben. Daß aber auch Frauen sich darauf verstehen, zeigt eine„Frau P r v- f e s s o r H a r t m a n n", die einen Gutsbesitzer gründlich rupfte,. bis sie jetzt entlarvt und festgenommen wurde. Die Gaunerin hatte nicht nur ihren achtjährigen Sohn zur" Mithilfe abgerichtet, sondern benutzte dazu auch noch eine Reihe von ahnungslosen Agenten. Ein Gutsbesitzer lernte durch eine Heiratsanzeige eine Dame kennen, die sich ihm als die Witwe eine? vor nicht langer Zeit gestorbenen Professors Hartmann vorstellte, sich für eine Tochter wohlhabender Eltern ausgab und auf jede erdenkliche Weise den Anschein erweckte, daß sie über ein bedeutendes Vermögen verfüge. Ihr Söhnchen unterstützte durch scheinbar harmlose' Fragen und Bemerkungen ihr ganzes Lügengewebe. Bei Zusammenkünften wunderte sich der Jungt, daß der neue Onkel keinen Diener habe, sondern seinen Mantel selbst tragen müsse. Ein onderesmal fragte er, ob der Onkel denn keinen Wagen besitzt. Dann wieder zeigte er sich er- staunt, daß der Onkel nie in Uniform chimme. Viele andere Onkels trügen doch immer Uniform. Daraus schloß der heiratslustige Gutsbesitzer unwillkürlich auf einen vornehmen Bekanntenkreis seiner Angebeteten. Diese selbst zeigt« sich nicht abgeneigt, zum zweiten Male einen Bund für das Leben zu schließen, erklärte aber bestimmt, daß sie in Berlin nicht bleiben wolle und ihrem Gatten nur auf ein Gut folgen werde. Der Heiratskandidat, der sich unter diesen Umständen seine Zukunft sehr rosig ausmalte, verkaufte sein Gut, um allen Wünschen entsprechen und» auch während der Braut- zeit standesgemäß auftreten zu können. Die Zusammenkünfte mit der„Professorswitwe", die Ausflüge mit ihr und ihrem Söhnchen und noch mehr die wertvollen Geschenke, die er ihr machte, kosteten ihm einen erheblichen Teil des Erlöses für. sein Gut. Das machte ihm jedoch einstweilen um so weniger Sarge,, als er mit eigenen Augen sah, wie eifrig seine Zukünftige sich um die Beschaffung eines neuen Gute» bemühte und wie wählerisch sie war. Dem Gutsbesitzer dauerte die Geschichte schon etwas lange: aber hochadlig« Namen, die die Frau gelegentlich als die ihrer Bekannten fallen ließ und anderes mehr lockten ihn immer von neuem und ver- scheuchten jedes Mißtrauen. Auch das störte ihn noch nicht, als ein Professor, den sein« Geliebte für ihren' Bruder ausgab, ichnr bei seinem Besuch erklärte, er müsse sich irren, weil er gar kerne Schwester besitze. Die Geliebte half lächelnd über den kleinen Zwischenfall hinweg, indem sie sagte:„So ist nun mein Bruder, jetzt verleugnet er mich auch noch." Endlich schöpfte der Hrrrats- kandidat doch einigen Verdacht, ging der Sache aus den Grund und entlarvte jetzt die„ProfefforSwitwe" al» düe Frau eines kleinen Agenten, der nichts besitzt und in Tempelhoi mit seiner Familie Stube und Küche bewohnt. Ihrem harmlofe» Manne hatte die Schwindlerin ihren Aufwand damit erklärt, daß sie alle? von reichen Freundinnen geschenkt bekomme. Grofzfeuer. In der neunten Abendstunde wurde die Feuerwehr gestern von mehreren Seiten aus nach der Kleinen Frawkfurter Straße 16 gerufen, wo der D a ch st u h l des Eckhauses in größerer Ausdehnung in Flammen stand. Die Wetzl: rückte mit den Zügen 4, 7 und 17 an und eröffnete unter Leitung des Brand» inspektors Mende sofort einen umfassenden Löschanarisf. Es wurde aus drei Leitungen Wasser gegeben, die von Dam�spritzen gespeist wurden. Immerhin dauerte e» fast eine Stunde, ehe die Gefahr als beseitigt gelten konnte. Der Dachstuhl ist fast vollständig ver- nichtet worden. Ueber die Ursache des FeuerS war nichts Be- stimmteü mehr festzustellen, da die Flammen schon z» weit um sich gegriffen hatten, als man auf die Gefahr aufmerksam' wurde. Verzweiflungstat einer unehelichen Mackter. Auf entsetzliche Weise hat am Sonntag eine junge, Mutter sich ihr«? außerehelich geborenen Kindes zu entledigen gtCucht. Das 23jährige Dienstmädchen Elisabeth Dankert, das im Haus« Schönhauser Allee 21 bei den Eltern wohnt, hatte mit einem jungen Manne ein Liebesverhältnis unterhalten. In der Äacht zum Montag gebar die Dankert«inen Knaben, ohne daß die Angehörigen etwas von der Entbindung bemerkten. Al» gestern vormtttag die Eltern abwesend waren, steckte sie den Knaben, den sie verborgen gehalten hatte, in die Röhr« des angeheizten Küchen- Herdes. Di« zufällig dazukommende Schwester fand das Kind und riß es aus dem Ofen heraus, doch war der Körper des ÄindeS auf Brust und Rücken bereit» mit furchtbaren Brrrnh. w u nd e n bedeckt. Ein herbeigerufener Arzt ordnete an, daß eS schleunigst in das Kaifer-Friedrich-KinderkrankenhauS gekracht wurde. Die Mutter, die beim Eintreffen de» Arzte» zufamznen- gebrochen war, wurde der Charitä als Polizeigefangen« überwiesiien. Auf dem Transport dorthin äußerte sie, sie könne sich gar nicht vecht erklären, wie sie zu der Tat gekommen sei. Erst als die Schwerter die Küche betrat und das Kind aus dem Ofen herausriß, sei ihr zvm Bewußtsein gekommen, was sie getan hatte. Wieder ei» Bootsunglück! Kein Sonntag vergeht, ohne daß auf den Gewässern der Um« gebung Berlins der Wassersport seine Opfer fordert. Der gestrige Sonntag hat wieder bei Grüna«ein Bootsunglück gebracht, das ein Menschenleben kostete. Ein Herr und eine Dame fuhren nach S Uhr abends in einem Ruderboot auf dem Langen See. Als sie in der Nähe des„GescllschaftShauses" die Plätze wechseln wollten, schlug das Boot um, so daß beide ins Wasser fielen. Der Herr rettete sich durch Schwimmen, die Dame aber ging unter und e r- trank. Die Persönlichkeit der Ertrunkenen konnte vorläufig nicht ■estgestellt werden. Ihr Begleiter vermochte selber keine Angaben darüber zu machen. Ausraubung eineS Turnplatzes. In Oberschön«weide haben Einbrecher den Turnplatz der Freien Turnerschaft heimgesucht. Sie drangen in den Raum ein, in dem die Turngeräte aufbewahrt waren, und raubten ihn fast vollständig aus. Auch Spielgeräte fielen ihnen in die Hände. Vor nicht langer Zeit war die Freie Turnerschaft schon einmal durch Einbrecher geschädigt worden. Brunnenuuglück in einer Laubenkolonie. Beim Bau eines Bunnens hat sich am Sonntag in Tempel- h o f in einer an der Manteuffelstraße gelegenen Laubenkolonie ein schwerer Unfall ereignet. Der 28jährige Zigarrenhändler Maurer, wohnhaft zu Tempelhof« der Kaiserin-Augusta- Straß«, grub sich auf seinem Laubengrundstück einen Brunnen. Ms er in der Grube stand, fielen plötzlich über ihm die Erd- massen zusanlmen und verschütteten ihn. Die herbeigerufen« Feuerwehr konnte ihn erst nach längeren Bemühungen herausziehen, doch war er bereit? erstickt. Tödlicher Straffenbahnuuf-ll. Beim Aufspringen auf einen fahrenden Straßenbahnwagen verunglückte gestern früh die 35 Jahre alte Zeitungsaus- t r ä g e rin Auguste Schulze, geborene Eckardt, aus der Brüsseler Straße 51. Sie hatte die Morgenzeitungen aus- getragen und wollte mit der Straßenbahn schnell nach Hause fahren. AIS ein Motorwagen mit einem„Anhänger" der Straßenbahn- linie 25 in voller Fahrt die Müllerstraße entlang kam, versuchte sie vor dem Hause Nr. 139 auf den Motorwagen zu springen. Sie glitt jedoch aus, fiel dabei hin und kam unter die Räder des An- Hängewagens zu liegen. Angestellte der Straßenbahn brachten die Verunglückte, die schwere innere und äußere Verletzungen erlitten und das Bewußtsein verloren hatte, nach der Hilfswachc in der Lindower Straße, wo jedoch nur noch ihr Tod festgestellt werde.'' konnte. Ans der Strafje vom Tode überrascht wurde am Sonntagabend eine Greisin, die durch die Friedrichstadt wamderte, um sich die Dekorationen anzusehen. In der Friedrich- straße brach sie plötzlich zusammen und verlor das Bewußtsein. Ein Schutzmann brachte sie mit einer Droschke sofort nach der Charit«, doch konnte hier der Arzt nur noch den Tod der alten Dame feststellen. Es handelt sich um eine 65 Jahre alte Pensionärin Alwine Markus, die im Altersversorgungsheim in der Gr. Hamburger Straße 26 wohnte. Hus aller Melt. Ein kleiner P�aebabmer. Für Lyriker und andere gottbegnadete Dichterlinge ist Hoch- konjunktur. Der Jubiläumsrausch bietet ihnen eine so bald nicht wiederkehrende Gelegenheit, ihre Schleimereien an den Mann zu bringen. Wenn jedes kleine Amtsblatt, jeder Generalanzeiger mit feinem mehr oder weniger gelungenen Festhhmnus anrückt, warum soll schließlich die sich liberal nennende„Nationalzeitung" ihre Fertigkeit im Ausschleimen unter den Scheffel stellen? Man weih, was sich schickt! Hier tut eS ein gewisser Viktor Hahn, der in Erinnerung an die Lobsprüche, die der Liebenberger Phili Eulenburg für seine verrückten Anhimmelungen des Kaisers ernst erntete, ein auch sonst wunderschönes Gedicht also schließt: Heute aber, o Kaiser, heut' bringen wir Dir unsre Kränze, Und auS jeglichem Kelch grüßt Dich demantener Thau. O Du Gesegneter! Güt'ger! Nimmer noch haben dieAugen Freud'ger vergossenes Naß besserem Danke gezollt. Wahre noch lang' der Welt die Güter des Friedens in Ehren I Glänze in schimmernder Wehr lang' noch voran Deinem Volkz Ist es denn wirklich zum Weinen, Herr Hahn l Der Herrenreiter im Aeroplan. Eine in der Geschichte des Pferdesports einzig dastehende Lei- stuug ist am Sonntag dem bekannten Herrenreiter Leutnant von Egan-Krieger gelungen. Er war für den Nachmittag auf der Grunewaldrennbahn im Preise von Leipzig als Starter ge- meldet, hatte aber außerdem noch einen Ritt im Jagdrennen in Magdeburg übernommen. Nachdem er dieses Rennen, das auf dem Programm als erstes figurierte, gewonnen hatte, stieg er um 3.46 Ahr in einem von Leutnant Stall gesteuerten Jeannin-Ein- decker vom Magdeburger Rennplatz« auf und landete um 5.15 Uhr unter ungeheurem Auffehen des zahlreichen Publikums auf der Srnnewaldrennbahn. Die startenden Reiter zum Preise von Leipzig waren bereits abvewogen, und eS bedurfte der ausdrücklichen Genehmigung der Kommissäre, daß Herr von Egan-Krieger an dem Rennen noch teil- nehmen durste. Anter stürmischem Beifall der Zuschauermenge ging„Dragoner" durchs Ziel und Leutnant von Egan-Krieger schuf damit den Rekord eines doppelten Sieges an zwei verschiedenen Rennplätzen am gleichen Tage. Fortsetzung des Brindejvncsche« ZjfernflngeS. Der französische Flieger Brindejonc, über dessen kühnen Sturm- ffug von Paris nach Warschau wir vor einigen Tagen berichteten. hat am Sonntag früh 6 Uhr 25 Minuten seinen Flug fortgesetzt. Während bei seinem Aufstiege in Warschau das Wetter schön war. ist er in W i l n a gegen 9 Uhr morgens bei starkem Wind gelandet. Um 1 Uhr 36 Minuten setzte er seinen Flug fort und ist in D w i n s k um 4 Uhr nachmittags wohlbehalten ange- kommen. Am Montag bei Tagesanbruch gedenkt er seinen Flug nach Petersburg fortzusetzen. Vom Exprestzng überfatzren. Ein schweres Unglück, dem mehrere Menschen zum Opfer fielen, hat sich am Sonntag in der Nähe der französischen Bahn- station C l a i r m o n t zugetragen. Ein von Calais heranbrausen- der Sxpreßzug überfuhr an einem Bahnübergang eine alte Frau und ihre beiden 13 und 16 Jahre alten Enkel- linder. Die Verunglückten wurde gräßlich verstümmelt tot auf- gefunden.__ Hetzte Nachrtchten« Eine Agitationsrede des französischen KrirgsministerS. RenneS, 15. Juni.(W. T. 58.) Bei einem Festessen hielt Kriegsminister Etienne eine Rede. Man stehe vor der Tatsache, daß Frankreich gegenwärtig 476 666 Mann gegenüber 886 606 habe, die Deutschland nächstens haben werde. Was solle man tun, um nicht die Beute deS Auslandes zu werden? Seit 43 Jahren leben wir im Frieden; wir haben ihn ertragen, diesen Frieden, selbst um den Preis der schwersten Opfer, weil wir nur, «wenn astgegriffen, Krieg führen wollten. Als der 5kriegsminister erst darüber nachdachte, wie man die Armee der zweijährigen Dienstzeit verstärken könne, erfolgte schon der Donnerschlag iv» Deutschland, die Vermehrung der Effektivstärken, und in wachem Maßel Hätten wir da untättg bleiben, die Tatsachen lediglich zur Kenntnis nehmen sollen, ohne zu erwidern? Dann hästwn wir Europa anzeigen müssen, daß Frankreich nun über» wuvden sei, und das Land auffordern, zu sterben ohne gekämpft zu habotc. Wohlan denn: ich habe meinem Lande das Alarmsignal gegeben. •Da Deutschland seine Effektivstärke plötzlich von 766 666 auf 886 6116 Mann vermehrt, so muß es irgendwelche Pläne habe«. Welche, das habe er nicht zu ergründen. Aber als ftan» zösischPr Kriegsminister müsse er Maßregeln treffen, und deS- halb hqPe die Regierung den Mut, von dem Lande so schwere, aber notwentdige Opfer zu verlangen. Wollt ihr, rief der Minister auS, Vasallen oder Trabanten Deutschland» werden? (Rufe von allen Seiten: Nein, Nein.) Nun, wir auch nicht. Wir werden q lso unser Ziel verfolgen und bis zum Ende gehen.(Großer Beifall.)_ Schweres Bauunglück auf der New Jorker Untergrundbahn. New Pvrt, 15. Juni. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern Nacht beim 5öau einer neuen Strecke der New Forker Untergrund- bahn zugetwigen. Bei den Sprengarbeiten löste sich ein 16 Tonnen schwerer Feksblock und begrub U Arbeiter unter sich, die sämtl'ch getötet«ntsr«._ Etzöffnung des Mainzer GutenbergmuseumS. Mainz, tzö. Juni. Im Beisein von Vertretern der Behörden fand heut« vormittag hier die Eröffnung des im Jahre 1966 bei der 566jährigen t-tzeburtsfeier deS Erfinders der Buchdruckerkunst ins Leben gerufdnen GutenbergmuseumS statt. In den Räumen des Museums sink Urkurttien ausgestellt, welche auf das Leben des Alt» meisterS fflezvg haben, ferner die ersten Druckwerke und solche, die den Werdegang der Typographie bis auf die heutige Zeit darstellen. tTbeater* Kon tag, 1«. Saat 1913. Anfang lll, Mr. Prater. Das Bummelmädchen. Anfang 7'/, Uhr. KSnigl. Schauspielhaus. Die Ouilzolvs. Königgrätzer Strasse. Macbeth. Anfang 8 Ubr. Sgl. Opernhaus. Lohengrin. Neues Opern(Kroll). Tann- Häuser. llrauia. Geschlossen. Lessing. Alt-Wien. Deutsches. Der lebende Leichnam. Saminerspiele. Kaiserliche Hoheit. Berliner. Filmzauber. Schiller O. Geographie und Liebe. Schiller> Charlottenbnrg. Zwei Wappen., Moutis Operetten. Der lachende Ehemann. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. Kleines. Prosessor Bernhard!. Deutsches Opernhaus. Fidclio. Thalia. Pupvchen. Metropol. Die Kino-Känigin. Wintergarte». Spezialitäten. Retchshalleu. Stettiner Sänger. «nfang Sll, Ubr. Komödienhauö. Hochherrschaftliche Wohnungen. Frirdr.< Wilh. Schauspielhaus. Da» Farmermädchen. Lnstspielhaus. Der lustige Kaladu. Rose. Der Traum ein Leben. Luisen. Die Allwördens. FolieS Eapriee. Ein Pechvogel. Di« Krampssache. Anfang S1/, Uhr. Neue? Volkstheater. König Krause. Theater am Nollcndorfplau. Der Mann mit der grünen Mas'e. Anlang 3 Ubr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte. Jnvalidenftr. 57—62. VMA "lARK Während der Juhiläumswoche Täglich: Große patriotische Feier. 8 Kapellen! Große elektrische Feerie! Oberspreewaldfahrt am 13. Jnli und 17. Angnst 1913. Den Teilnehmern der Tour wird hiermit Gelegenheit gegeben, die schönsten Punkte des i Spreewälds kennen zu lernen: Lübbenau— Lehdc(Spree-Vencdig)— Leipe — Polenzschänke— der prächtige Erlen- Wald— Forsthaus Eiche— Kanno-Mühlc, — WotschofÄs— Lübbenau. Hein« Fnßwandernng!— Aar 6 Personen im Kabn� Teilnehmerkarten a 5,75 M. für Kahn und Bahnfahrt 3. Klafft sind in unseren Zahlstellen zu haben. Am Sonntag, den K. Juli findet folgende --- Unterspreewaldfafari statt. Es wird allen Freunden und Mitgliedern des Vereins hiermit � Gelegenheit gegeben, auch den Nntersprcewald kennen zu lernen: Kahnfahrt von Lübbcn über Schiepzig durch den herrlichen Wc Iis— Moldenliaucrhütte— Puhl— ÄdlcrShorst— Gr. Wasser'/�rg. Von Gr. Wasserburg Wagcnsahrt über Wendisch-Buchholz bis Halb-/, Tcilnehmerkarteu a 2,50 M. für Kahn und Wagensahrt fichv bis zum 2. Juli in unseren Zahlstellen zu haben. Am nächsten Sonntag, den 22. Juni: hs Besuch Potsdam und Sanssouci=*= Gang durch die Stadt— Russische Kolonie— Ruincn-Berg— S hmssouci und anschlietzende Gärten— Bornstedt. Teilnehmerkarten a 35 Pf. inklusive Nachmittagskaffee sind iip unseren Zahlstellen zu haben.-—- Zahlstelle I: Frif« Wahliseh, Sfnlifter Srt. 2 3. Zahlstelle 11: Georg Weihnacht, Grünstr. 21.. Der neue Tourcnplan ist erschienen und gelangt in der am 18. Juni bei W ä h I i s ch, Sialitzer Str. 22, stattfindenden Sitzung zur Verteilung. Gäste willkommen! 1/6 Das Passepartouf-Armband der Mltfe beiludet sldi eine für alle Uhren passende, verstellbare H�Jltevor- rlditung mit elngelügter weldier Ledereinlage zum Schufte des Uhrc �hfluses und Pendanlhalfer zum Bejesligen des Uhrhalses, Paicnf In allen in Belradif kom* wenden Staaten In echt Silber Ii. 10.—, Gold platllerl Ii. 10.—. echt Gold 333/OOr/JH. 43.— In Tula-Silber M. 12.-, extra stark platt. M. 17.-, 14 kor. Gold 585/OCfl M. 67.— DIE GROSSE MODE ist das Tragen der Uhr am Arirci.band Jede beliebige Uhr mit einem Handgriff absoful sicher'Anzusetzen (Das Passepartout kann auch an vorhandene Armbander zwlsdiemj�seftt werden) sSS Belmonte& Co. Den, i vi Ecke Hoher BERLIN Steinweg an der Char- loltenstrasse Versnndableil.: Leipziger Strasse Xf. Gegen Voreinsendung oder Nachnahme. Bei Nlchlgejalle o Befrag zurück. ■J: [Karl Thomas, riscmenniisiei «! früher KGhnke& Thomas �gfl"1- Bernauer Sir. 79. * Günstige Zahlnngsbedingnngen. Stilvolle Kleinwohimngen (komplett) la Qualitätsarbeit.' Wirkliche Oekrauelismöbel lief und hoch. Preisgekrönt beim BSettbewerb sür Ärbeiter- und Beamteu-Wohnungen Möbelmesse 1911. UeterÄnt der Konsum-Genossenschaft. ♦—»eee eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeoeeeeeeeeei äj&gf"i'-'"vf•■■■;•\.t'- t.11 n i ii ryiif h h ti t :- 1)■''■Vv'■■ LüVVSKY'3 i-.t-l nt_____ ro. -i-'ii\ i',-''j-..■ w garantiert triistfrei! 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Nr. 149. 30. IahlMg. fitilmt des„Www" Inlinn: WIMIott Moutag. 16. Itttti 1913. Mlkelm II. und die geMig Hrmen. Deutschlands Kaiser über alle?, Ueber alles in der Welt! Deutsche Jägerzeitung. In dem theatralischen Stile, der seit fünfundzwanzig Jahren für offizielle Feste Vorschrift ist. feiern die Patrioten das Regierungsjubiläum Wilhelms H. Schön! Habeant sibi I Mögen sie ihren Wilhelm ungeteilt für sich behalten! Wir würden ihnen nicht einmal die manchmal echte, öfter noch erheuchelte Festesfreude trüben, wenn sie dabei noch einen Rest von Scham bewahrten und sich nicht eine üble Schlammflut von Byzantinismus aus tausend aufgezogenen Schleusen über das Land ergösse. Ober- lehrer, Hofprediger, sogar ein leibhaftiger Gcneralfeldmarschall in Gestalt des un- vermeidlichen Freiherrn v. d. Goltz, der doch eigentlich an seiner Blamagen langer Reihe genug haben sollte, haben es sich nicht nehmen lassen, bei dieser Gelegenheit in meist miserablem Deutsch zum Lobe ihres kaiserlichen Herrn als Schriftsteller zu paradieren. In jeder Beziehung dünne Broschürchen, schlanke Bücher, korpulente Folianten— alles ist vertreten und fast alles ist illustriert: der kaiserliche Jubilar schaut uns strenge und ernst in hundert Trachten und Stellungen entgegen, immer mit dem- selben heroischen Zäsarenblick und dem Schnurrbart, der sich stets mehr der Barttracht des„großen Kurfürsten" an- nähert. Auch das ist vielleicht ein Sinn- bild. Nun wird einem schon ganz anders, wenn man in einer dieser Schriften etwa liest:„Der Kaiser ist stolz auf den Ein- druck, den diese einzig in der Welt da- stehende Triumphstraße(Siegesallee) aus alle Besucher der Reichshauptstadt macht. hn der Reichshauptstadt zeugen Dom und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von den Anregungen, die der Kaiser dem modernen Kirchenbau gegeben hat. Auch auf die Musik erstreckt sich sein bestimmender Ein- fluß." O ja! O ja! O ja l Er erstreckt sich schon...„Einen helleuchtenden Be- weis ausgeprägter Gerechtigkeitsliebe be- deutet der Empfang jener Arbeitcrdepu- tation, die sich in einem Bergarbeiter- streik an das laiz�esväterliche Herz des Kaisers wendet." Sieh einer an! Wir vernehmen weiter, daß am 13. Juni 1913 „ein treues Volk alles Parteihaders ver- gißt und ihm in Dankbarkeit zujubelt als dem Schirmherrn des Friedens, dem Pfleger der Frömmigkeit und Gottesfurcht, dem Förderer der Reichswohlfahrt, dem Helfer der Armen und Bedrängten, dem Wächter des Rechts". Hm, hm I Aber das ist, verzapft von dem königl. Hof- und Domprediger Karl O h l y, fast Männerstolz vor Königs- thronen, verglichen mit einem Werkch'en, das sich furz und knapp„Unser Kaiser Wilhelm 2." nennt, einen(oder eine?) K. Dorenwell zum Verfasser(oder Verfasserin?) hat und bei Franz Borgnieycr in Hildesheim erschienen ist. gibt," sagt Treitschke,„viele Arten, Geschichte zu schreiben, und jede ist berechtigt, wenn sie nur ihren Stil rein und streng einhält." Dorenwell schreibt in der Art der Stammtischanekdote Geschichte und versteht, man muß es ihm lassen, diesen Stil rein und streng bis zum bitteren Ende ein- zuhalten. Es ist der sentimentalisierte. für die pattiotischen Tränendrüsen zurccht gemachte, kleinbürgerlich frisierte Wilhelm IL. der uns aus diesem Werk gewinnend entgegen- lächelt ein Potpourri aus„Heil Dir im Siegerkranz" und „Ueb' immer Treu und Redlichkeit". Schon die Kapitel- Überschriften lassen das Herz jedes Gcndarmeriewachtmeisters hüpfen. Da wären zu nennen: Erste Jugend. Fröhliches Leben und Treiben im Neuen Palais. Prinz Wilhelm und der Matrose. Ein edler Charakterzug. Wie innig Prinz Wilhelm seine A' tler liebte. Eine fröhliche Wanderfahrt. Prinz Wilhelm als K o m p a g n i e ch e s. Hochschätzung der Armee seitens desKaisers. Wie dankbar der Kaiser ist.(Hier wird als Beispiel für Wilhelms II. Dankbarkeit ausgerechnet— Bismarck angeführt I) Der Kaiser auf der„Hohenzollern" als Schiffsprediger. Der Kaiser als barmherziger Samariter. Es wird dann immer filmhafter: Kaiser und Leiermann. Der Kaiser als liebenswürdiger Ritter. Wie der Kaiser das Alter ehrt. Wie der Kaiser einer alten Waschfrau eine unverhoffte Freude machte.(Die patriotische» Tränen fließen.) Der Kaiser imKreise einerArbeiterfamilie. (Nieder mit der Sozialdemokratie!) Wie der Kaiser einmalWeihnachtsmann ge- Wesen i st.(Mit dem Weihnachtsbaum wird das re-, Publikanische Prinzip glatt erschlagen.) Herrn drohte Gefängnisstrafe"— es scheint also ein recht massiver alter Herr gewesen zu sein. Aber er machte sich auf gen Berlin, erwirkte eine Audienz bei Wilhelm H., und„die Angelegenheit mit dem Amtsrichter wurde nach kurzer Zeit zur großen Freude des Herrn M. ohne Gefängnissttafe erledigt". Sozial- demokraten aber brummen, ohne Ein- griff der Kabinettsjustiz, wegen Beleidigung an Amtsrichtern. Mit einigen Stellen auS dem Schluß- kapitel„Ein Arbeitstag unseres Kaisers" ziemt es, zu enden:„WaS umschließt ein einziger solcher Briefstoß nicht alles an Bitten, Hoffnungen, Entscheidungen! Die zwei Buchstaben„ja" an den Rand geschrieben, wie können sie oft eine ganze Familie dem Elend entreißen l Ein einziger Namenszug, tvie kann er ein ganzes Menschenleben in neue Bahnen lenken! Alle diese Schriftstücke prüft der Kaiser mit Gründlichkeft und Gewissen- haftigkeit und entscheidet erst nach weiser Ileberlegung. Dafür sind zahlreiche Bei- spiele bekannt geworden.... Unser Kaiser ist nicht nur der erste Diener des Staates, er ist auch der am meisten) beschäftigte.... Unten über den Schloß-' platz hasten die Menschen. Mancher, dem die Arbeit und Sorge treibt, schaut hinauf« zu den kaiserlichen Fenstern und denkt.- wohl im füllen: Der hat's leichter als ich. Ach. wenn sie's wüßten, was in solchen Beratungs- und Entscheidung$- stunden durch Kopf und Herz unser, ks Herrschers geht, sie würden andcjvs denken. Nein, er hat's schwerer als wir." Der patriotische Stammtisch„Leichen- wagen mit Troddeln" erhebt sich zu ei aem dreimaligen Hurra und der Leierirvnn (s. a. der Kaiser und der Leiermann) intoniert die Melodie: Deutschlands Kaiser über alle», Ueber alle» in der Weltl felt-freuden. Zk�debZMnd: Bin ICIVs? D e r K a iser und der pflichtgetreueUntcrtan. (Hände an die Hosennaht!) Es"fehlt nur die bekannte Anekdote vom alten Fritz und dem Bahnwärter. Das Buch enthält 162 Seiten— 162 Brechpulver. Wie Weltgeschichte für die Armen im Geiste— das Buch sollte in allen Jdiotcnanstalten am 16. Juni gratis verteilt werden � geschrieben wird, dafür ein paar Beispiele. Nirgends war bei den groß angelegten Unternehmungen des letzten Vierteljahr- Hunderts die Blanrage so offensichtlich, als, mit Vorschuß- lorbccren über- und überschüttet. Graf Waldersee als„Welt- Marschall" nach China gesandt wurde: als er ankam, fand er nichts mehr zu tun, und irrte als ein rechter Opercttengeneral unter fremdem Kriegsvolk umher, das ihn geringschätzig lächelnd musterte.„Der Oberbefehl über die gesamte Truppcnmacht wurde dem Gencralfeldmarschall v. Waldersee übertragen. Und er hat", so sieht die Sache bei Dören- well aus,„vortreffliches geleistet. Ihm gelang es nach mehrfachen Kämpfen und unter schweren Opfern, den Aufstand zu unterdrücken". Aber manchmal criveist der Verfasser dem Verhimmelten auch einen rechten Bgren dienst. Da wird unter anderem er- zählt, wie der Kaiser das Alter ehrt: bei zwei Gelegenheiten ließ er sich nämlich einen Hundertjährigen und einen Zwei- undue-mzigjährigen vorstellen, wechselte ein paar gleichgültige Worte mit ihnen und drückte ihnen kräftig die Hand. Nicht recht dazu passen will die Geschichte vom„Kaiser und der Exzellenz mit der Serviette". Als nämlich Wilhelm II. bei der kaiserlichen Tafel eine alte Exzellenz be- merkte, die nach Altvätersitte die Serviette am talse befestigt hatte, redete er sie an:„Sagen ie. lieber T.. wollen Sie sich denn noch jetzt rasieren lassen?" „Eine brausende Heiterkeit," setzt der Chronist hinzu,„wurde durch diese Worte ausgelöst." Wir als eingeschworene Anti- Monarchisten trauen dem Monarchen doch mehr Taktgefühl zu, als daß er einen harmlosen alten Herrn wegen eines harm- losen Veriloßcs gegen die augenblicklichen Tischsitten dem be- schämenden Gelächter einer übermütigen Tafelrunde preisgeben sollte. Erbaulich ist auch und ein Seitenstück zur Geschichte vom alten Fritz und dem Müller Arnold die Geschichte vom Kaiser und dem Ritter des Eisernen Kreuzes.„Ein Herr M-, Ritter des Eisernen Kreuzes, war wegen Beleidigung eines Amts- richtcrs in gewisse. Ilngelegenheiten geraten und dem alten Wie ich kürzlich auf ein paar'Lage in Berlin war, fand ich eines Manzens die Königgrätzer Straße gedrängt voll Renschen. Ich glaubte in einem Augenblick vo: r Geistesverwirrung, das sei die Bewegung d,.r pceußi- schen Landtagswahlen; aber als i-ft mich zu vergewissern suchte, ergab sich, da'ß niemand der bewegten Menschen wußte, wach das für ein Ding sei: Landtagswahlen. Da gegen em« pörte man sich über meine Unbildung: Der Zar kommt doch! Bald darauf schrieb ich hadaS Tagebuch meines Mißvergnügen»:„In Berlin erweckt das Spitzenhöschen eine-: Prinzessin mehr innere echte Teilnahme, cLi irgendein politisches Ereignis". Gewiß, das ist das Berlin der P a r a- fiten, das dck kein Opfer für seine Echan- lust scheut. Aber diese Parasr ken entwickeln doch eine zähe Hingebunlg an ihre Sache, und sie wimmeln so dicht und gewaltig, daß die Millionen der anderen für i h ic e Angelegen- heilen sich ein Beispiel nehmen könnten. Man sie ht die Schau- lust eindringlicher als die Politik. Das Wunderbare aber der EntWickelung ist, daß in Deutschland die Gaffer höfischen Schaugeprängel immer an- spruchsvoller werden. In der guten alten Zvit hatten es die hohen Herren gar nicht so leicht, sich das Wohlgefallen ihrer geliebten Untertanen zu sichern, und die Untertanen ihrerseits legten Wert darauf, daß sie auch etwas Reelles vrm den höfischen Lustbarkeiten hätten. Sie fühlten sich als Gäste ihre-r allergnädigsten Landesväter und erhoben danach ihr« Forderungktn. Da gab es auf offenem Markt gebratene Ochsen, Brunnen sprudelten ohne Unterlaß roten und weißen Wein, und eS regne jte Kupfer- oder gar Silberstücke. Man tanzte, sang, soff, buhlte— alle? in der nächsten Nähe der Gottesgnadenherrschaften. Die Monarchie hatte einen greifbaren Wert. Heute gibt es keine unmündige Untertanen mehr» sondern nichts als politisch berechtigte Staatsbürger. Eiicht man aber näher zu, so, scheint es, hat man in Deutschland z/war nicht sowohl die Rechte des Monarchen wesentlich eingeschränkt, als vielmehr seine Verantwortlichkeit und sein« Pflichten. Wie, ihm di« deutsche Sorte von Verfassung gütigst alle persönlichen sjfinanzsorgen und auch die Haftung für seine monarchisch« Polfctik abgenommen hat, so findet man auch keine höfischen FestleistunAen mehr. Wenn der Hof feiert und jubiliert, so begnügt sich de.x deutsche loyale Bürger und die noch loyalere Bürgerin, durch Vermittelung der Schutzleute die Herrlichkeiten der majestätischien Welt zu— ahnen. Er schmaust nicht mit, er trinkt nicht mit, er ist nicht Gast, sondern Zuschauer, kostenloser Zuschauer. Er drängt sich auf den Straßen in stinkend schwitzender Enge(sofern er nicht vom Regen gewaschen wird), läßt geduldig Hufen von Schutzmanns- gäulen seine Zehen polieren, harrt stundenlang, nimmt Beschimp- fungen und Püffe aus sich, fällt mit Wonne bor Erschöpfung in Ohnmacht, nur um den erhabenen Eindruck eine halbe Sekunde zu genießen, daß ein oder einige Automobile zwischen den Menschen- Horden auftauchen und entschwinden. Daran begeistert sich das Selbstgefühl der Staffagen. Niemals ist die monarchische Gesinnung so bescheiden gewesen, wie im Deutschen Reich des 20. Jahrhunderts, und niemals war es so bequem dem„Volke" höfische Feste zu spenden. Es fordert gar nichts als unter Lebensgefahr zuschauen zu dürfen, wie eS von allem— ausgesperrt ist. A. E. \ Der Hbnberr* ffirofeeS Festspiel von Franz von Kriechebauch. DaS Erwachen deS EpimenideS ist in der dramatischen Literatur ein beliebtes Motiv: Jemand schläft beiläufig hundert Jahre und ist beim Erwachen sehr verdutzt über die Umänderung der Zustände und Sitten. Der Dichter des vorliegenden Festspiels hat nun dieses Motiv in einer neuen und zeitgemäßen Weise um» gedreht. Personen: Der Ahnherr aus dem 16. Jahrhundert. Ritter Theobald. Profesior Speichelsammler. Lakaien. Schauplatz: Ein Berliner Schloß. Aus einem heimlichen Gemach tritt eine reichgeschmückte Per- sönlichke.t: Der Ahnherr. Ja. ich bin es, bin der Ahnherr, Und mir scheint, ich Hab' geschlafen. Heda, Dienerl (Lakaien treten aus.) Bringt mir eilig Einen Humpen Grllneberger Und ein halbes Schwein zu essen. (Es geschieht.) Sagt, wie lang' Hab' ich geschlafen? Beinah' glaub' ich: vierzehn Stunden. Was ist heute für ein Tag? Ein Lakai. Majestät, wir haben Montag, Datum 16, Monat Juni, Anno neunzehnhundertdcelzehn. Der Ahnherr. Ha, Du bist verrückt mein Kind. Anno neunzehnhunderldreizehn? Weißt Du nicht. Du Lauiejunge, daß wir jetzo uns befinden noch im fünfzehnten Jahrhundert? Sprecht, Ihr andern, wie verhält sich'S? Chor der Lakaien. Majestät, wir haben Montag, Datum 16, Monat Juni Anno neunzehnhundertdreizehn. Der Ahnherr. Ha, wär'S wahr? Ich hält' geschlafen seit dem sllnfzehnten Jahrhundert? Auf, man ruse den Chronisten, Daß er meine Tat verzeichne In den Tafeln der Geschichte. An die fünfmalhundert Jahre Schlief der hochhochhochhochselige Ahnherr dieses hohen Hauses! Ja, das macht uns keiner nach l Eigentlich ist's fast unglaublich, Doch bei mir und meinesgleichen Ist so vieles ja unglaublich Und trotzdem ganz unbeslreiibar... Ha. wer ist der aalgewandte Schwarzberockte Glatzkopf da? L a l ai. Ew. Majestät geruheu Den Professor Speichelsammler Hier zu sehn, den Hofchronisten. Der Ahnherr. Schreibe, schwarzes SchlangenmännleiN, Was sich eben zugetragen. Wohlverstanden? Komm, kusch nieder, Leck' mir beide Füße ab! (ES geschieht, der Professor rpacht Anstalten, noch einen Schritt weiter zu gehen.) Oer böbere Deruf. Bon Dora Duncker. Herr Krauskopf war von seiner Gattin verlassen worden. Tr trug diesen �bchicksalsschlag weder mit Fassung, noch mit Ver- zweiflung. Gr fluchte der Stunde nicht, die ihm sein Weib ent- führt hatte, noch segnete er sie. Er fragte ganz einfach, fragt« sich Tag und«acht: warum ist sie gegangen? Der armftllige Zettel, den sie ihm hinterlassen hatte, sagte ihm nichts, gar nichts. In ihrer hübschen, flüchtigen Schrift stand nichts darauf, etls die paar rätselhaften Worte:»Lebe wohl. Ich mußt« gehn. Uch folge einem höheren Beruf." Weder der verlassene Gatte, noch seine Nächsten konnten sich einen L«rS auf diesen»höheren Beruf" machen. Mieze Kraus- köpf Halle nienmls Neigung für einen Beruf gezeigt— geschweige denn für einen höheren. Sie amüsierte sich für ihr Leben gern, zog sich gern hüblsch und fesch an, schwärmte für Theater und öffent- liche Bälle, war ein bisse! kokett, warf ein wenig leicht mit dem Geld umher, aller alle? in allem war Mieze KrauSkopf der beste Kerl von der Meli! Die Freunds nahmen sich des Verlassenen treulich an. Auf jede Art suchten sie ihn zu trösten und zu zerstreuen. Es war keine leichte Aufgpbe, denn Krauskopf hatte für nichts Sinn. End- lich kam einer von Krauskopfs Freunden auf eine Idee:»Der Kientopp"..M«>inetwegen", brummt« KrauSkopf. Mieze hatte ihn auch gemocht, de»„Kientopp", sehr gern sogar. Freilich war sie nie mit ihm zusammen dagewesen. Allein, oder mit einer Freundin, nachmittag? von fünf bis sieben, während er noch im Bureau arbeitete. Der gute Frelsnd, der sich in Kientöppen auskannte, hatte einen gewählt, in dem man die neusten Schlager zuerst zu sehen bekam. Also ging man hin und nahm auf dem teuersten Platz, der Terrasse, seinen Sitz ein. DaS Publikum lachte laut, als die fünf eintraten, wieder mal auf Kosten einer geplagten Schwiegermutter, di« au» einer unver- dienten Not in die andere geriet. Krauskopfs Freunde lachten mit. Er verzog keine Mlene. Was interessierten ihn Schwiegermütter I Er hatte nie eine gehabtl Mieze war Waise gewesen, als er sie geheiratet hatte! Ach, Mieze, wo bist du!? Ein neuer Film aus dem Rokoko. Ein junger Marquis führt eine ältere Marquise, seine Mutter, mit zierlichen c ritten auf der Schlohterrasse spazieren, während eine schlanke wunderschöne Frau, vor der zwei Lakaien sich tief devot verneigen, hochmütig davonrauscht. Die alte Dame stuft in einen Sessel, der junge Mann steigt die Stufen zum Park hinunter, er trifft in einer verschwiegenen Allee das Kammerkätzchen seiner Gattin, das mit Weiler nichts! Genug für heute! Ihr da ruft mir meinen ersten HauSbeamten, denn ich will Jetzt ein wenig noch regieren. Sonst am Ende nahm' das ganze Brandenburger Land noch Schaden. Seht, da ist er schon, der Brave. Euern Namen, Ritter, sagt mir, Bon der traurigen Gestalt. Theobald? Ein hübscher Name! Also los, wir woll'n selbander Jetzt regieren, daß eS kracht! Theobald. Wie Gott will, ich halte still. Wollen Majestät geruhen, Erst einmal auf Dero Heer Respektive einen Bruchteil Einen Blick zu werfen. Bitte! Der Ahnherr (am Fenster). Diese Reiter da in Panzern Sollt' ich kennen, will mich dünkm. Ja, sie scheinen mir dieselben, Die man vor ö(X> Jahren Brauchte, wenn man Krieg führte. DaS beweist mir, daß das gute Alte gute Mittelalter Immer noch in Anseh'n steht. Meine höchste Anerkennung» Ritter Theobald! Theobald. Ersterbend Küss' ich Eurer Majestät den — wolll's erlauben— Saum des RockeS. Ferner leg ich hier devolest Bor ein kleines Todesurteil, DaS zu unterzeichnen Eure Majestät geruhen möchten. Der Ahnherr. Todesutteil? Aber gerne. So was bin ich ja gewöhnt. Nett, daß diese alte Sitte AuS dem schönen Mittelalter Immer noch sich hat erhalten. Weiter, Theo, das Regieren Macht mir mächllg Spaß, auf Ehre! Ganz wie früher! Also weiter. Theobald. Ew. Majestät, der Glaube Unsrer Väter nimmt im Lande Tag für Tag und stündlich ab. Der Ahnherr. O verflucht! WaS muß ich hören! Frömmigkeit geht über alles! Wer nicht Christum usw.... Kommt nicht auf die Himmelsleiter. Er versteht mich, denk' ich, schon. Doch ich hoffe, die Behörden Sind noch fromm und gottergeben? Theobald. Fromm wie Abraham, jawohl. Fromm sind sie, von vorn bis hinten, Der Beamte überhaupt Glaubt fast mehr, als wie erlaubt. Der Ahnherr. Ist daS Volk auch brav und bieder? Theobald. Leider kann man das nicht sagen, Doch wir haben eine gute Polizei... dem Rücken zu dem heranstürmenden Marquis steht unv Stern- blümchen auszupft. „Reizender kleiner Käfer", bemerkte Krauskopfs Nebenmann. Jetzt wendet die Kleine den zierlichen Kops mit kokettem Augen- aufschlag und geht d«m Liebhaber graz.ös ein paar Schritte entgegen. Die Balustrade der Terrasse im Zuschauerraum kracht. Krauskopf hat sich halben Leibes darüber hingeworfen, um dem Film näher zu sein, ihn mit den Augen zu verschlingen. Mit den Fingern hat er sich in den Rockörmel des neben ihm sitzenden Freundes fest verankert.— „Seht Ihr denn nicht?" ächzte er,„Mieze! mein« Mieze!" Dunnerlittchen, sie warS, wie sie leibt und lebt, KrauskopfS entlaufene Gattin! Ter zierliche Wuchs, der graziöse wiegende Gang, der leicht übergcpuderte Blondkopf— nichts fehlte. Aber wie kam sie in die Arme des französischen Marquis? Wie in das Rokokokostüm? Wie auf den Film? Krauskopf stürzte laut stöhnend die kleine Holztreppe der Terasse hinunter, überrannte die Barmaid und verlangte aus rauh zusammengeschnürter Kehle von dem ersten besten Angestellten im Parkettraum, den Herrn des Hauses zu sprechen. T'er war nicht anwesend, aber sein Stellvertreter, eiiv-smarter junger Mensch. Der gekränkte, bis zum Zerspringen aufgeregte Gatte verlangte Genugtuung dafür, daß man seine Frau hier in den Armen eines französischen Marquis öffentlich zur Schau stellte. Man zog den Schwerbcleidigten aus dem Parkettraum fort, in d«n langen schmalen Gang hinaus, der bis auf die Straße lief. Der Freund, der Krauskopf hergebracht und der ihm jetzt auf dem Fuß gefolgt war, brachte so etwa? wie Ordnung in die hitzige Debatte, indem er mit einiger Mühe zu erkunden versuchte, wo der Film mutmaßlich aufgenommen sei. „Von unserm Hause nicht," erklärte der mehr und mehr zu- geknöpfte smarte junge Mensch.—»In Frankreich etwa?" stöhnte KrauSkopf.»Sicher, sie ist nach einem Schloß bei Paris entführt worden! Gewaltsame Verführung—I" Der stellvertretende Direktor zuckte mitleidig mit den Achseln. Himmel, war daS ein Rhinozeros! »Bitte, meine Herren, gehen Sie auf Ihre Plätze. Ich werde telephonisch Erkundigung einziehen und Ihnen Bescheid sagen." Mit schlotternden Knien ließ Krauskops sich zurückführen. Die drei auf der Terrasse waren aus dem Häuschen vor Vergnügen. „Wo steckt Ihr denn! Ihr habt viel versäumt! Deine Frau als junges Bauernmädel, einen Säugling auf dem Arm, von den Eltern grausam verstoßen— einfach Puppe sag' ich Dir!" Krauskopf war wie erschlagen. Er ächzte nur noch. Ein Säugling— in den paar Tagen— es war das Letzte! Ein« Viertelstunde später erfuhren sie, daß die Films mit dem Rokoko- kammerkätzchen und dem verstoßenen Baucrnmädel in nächster Um- Der Ahnherr. Mit Spieß und Schwerten? Haut sie tüchtig drein, wie früher, Um dem Volk daS Maul zu stopfen? Theobald. Ganz genau so, Majestät. Der Ahnherr. Zahlt das Pack auch tüchtig Steuern? Theobald. Ganz gehörig, kann man sagen. Der Ahnherr. Wieviel zahlt es denn dem Fürsten? Theobald. Runde 20 Millionen! Der Ahnherr. Dunnerlitzchen, halt mich fest! Dies, mein braver Hausverwalter, Geht noch über's Mittelalter. Na, ich sehe zur Genüge, Alles, alles blieb beim Alten, Und so soll es Gott erhalten Abermals fünfhundert Jahr! Uäh— wie ich gähnen muß! Kinder, jetzo bin ich müde. Das Regieren greift mich an. Will mich wieder schlafen lege? In dem heimlichen Gemache Dieses mittelalterlichen Wenig restaurierten Schlosses. Swön war's doch, so zu erwachen Anno neunzehnhundertdreizehn Und befriedigt anzusehen, Wie die Leute hier noch steh'n Bei dem fünfzehnten Jahrhundert. D'rum.Feh ich mich schlafen lege, Weift Euch alle aus die Knie, Mit mir rufend: Hie, hi, hi, Hohenzollern allewege! �iibälter, Sozlaldernohraten und Dirnen. Zwei kleine Geschichtchen. l. Leutnant von Zizewitz war ein preußischer Offizier wie sie nur noch in Märchen oder in Reden des Kriegsministers vorkommen. Er war von einem Kavallerie-Regiment an der russischen Grenze in die Garde versetzt worden und erregte dort ein ungeheures Auf- sehen. Und das mit Recht: denn er spielte nicht, soff nicht und hatte weder eine Choristin noch eine Balletelevin zum Verhältnis, sondern war im geheimen verlobt mit einer ganz blonden, ganz runden, ganz verliebten ostpreußischen Pfarrerstochter, die beim Abschied zu ihm gesagt hatte:„Mein Allerbaster, vergaß mich nich!" Die Garde stand vor einem Rätsel und ihr Ruf auf dem Spiel. Die Kameraden beschlossen daher, Zizewitz in das standesgemäße Leben einzuführen und nahmen ihn zu dem Zweck mit in die Friedrichstadt. ES war Sonnabendabend und das Portal des.,Palace of dancing" strahlte im festlichen Glanz. Zizewitz wurde vor all der Pracht ganz verlegen und meinte, er könne doch hier nicht mit, da»i bei den Herrschaften noch gar keinen Besuch gemacht habe und außerdem in Zivil sei. Kamerad Bredow beruhigte ihn lachend und deutete zart an, daß ein AnstandSbesuch gerade hier gänzlich unangebracht sei und nur gut bezahlte Unanständigteitsbesuch« ge- wünscht würden. Die Herren stiegen also die Freitreppe hinauf, wobei die Kameraden einigen ihnen begegnenden Damen Groschen- stücke in den Taillenausschnitt warfen, was Zizewitz nur für eine originelle Art von Wohltätigkeitsfest halten konnte. Dann betraten sie den Saal. gebung von Berlin aufgenommen seien, wahrscheinlich in Potsdam, Wannsee oder Steglitz. Die befreundete Firma habe einen unge- wöhnlich talentvollen Menschen aus die Fahrt geschickt. Möglich auch, ein Teil der Aufnahmen sei im Atelier der Firma, in Frie- denau gemacht worden. Beim Morgengrauen fuhr Krauskopf mit dem Freund nach Potsdam, wohin der Rokokosilm wieS. Von da nach Wannsee, Steglitz— nirgends eine Spur. „Der smarte junge Mensch ist mit im Komplott. Wir werden genasführt. Sie ist in Paris— mit dem Marquis und dem Säugling— verlasse Dich darauf!" „Unsinn! Auf nach Friodenau!" Mit geringer Mühe erforschten sie daS Atelier der bekannten Firma. „Drüben, linker Hand, das Eckhaus. Hinterhaus vierter Stock." Je höher sie kamen, um so stärker duftete es nach Staub, Leim, frischem Holz und Sackleinwand. Die Tür zum Allerheiligsten stand offen. Der große Raum mit der offenen Bühne und dem photographischen Apparat war augenblicklich leer. Aus den Nebenräumcn klang ein lautes Durcheinander, Lachen, Schwatzen und dazwischen eine feste Kommandostimme, die im Unteroffizierston knappe Befehle uno Rügen erteilte. „Wie sitzt die Perücke, Junge— Du sollst doch keinen„August" markieren!— Fräulein, mit hängenden Schuhbändern werden Sie schwerlich eine vornehme Dame darstellen können.— Menschens- kind, wenn Sie den Brief so überreichen, wird man ihn für eine eingewickelte Erbswurst halten. Nun aber loS, Kinder— eins, zwei, drei— ruff aufs Trapez." Eine Schar kostümierter Männlein, Weiblein und Kindlein, teils in Bauerntracht, teils in vornehm sein sollender Herrschafts- garderobe, stürmten an Krauskopf und dein Freund vorbei auf die Bühne. Auch der Kommandierende, ein hübscher junger Mensch — italienischer Typus— wurde sichtbar. Krauskopf wollte hinter den großen Beleuchtungsapparat für Mondnächte, in dessen Schutz sie Posta gefaßt, hervorstürzen, aber der andere hielt ihn wie mit eisernen Klammern fest „Halt! Noch ein bißchen! Ist das amüsant! Vielleicht tritt Deine Frau gleich auf, dann kannst Du sie in flaeranli ertappen!" flüsterte er. Auf der Bühne wurde eine ländliche Szene zur Aufnahme vorbereitet. Der Kommanoierende sah in den Apparat und rief dann den Photographen herbei, der die Kurbel in die Hand nahm. „Wenn ich„los" rufe, fangen Sie an, Kellermann. Gruppe rechts weiter vor. Willy, nicht so stumpfsinnig. So ist'S gut. Allans, los!" Der Photograph drehte, die Maschine schnurrte. DaS Genie, Fabian genannt, kommandiert die Handlung: Da spielte Musik; an kleinen Tischen saßen dicke Damen mit dünnen Kavalieren, und einige Paare tanzten einen Tanz, dessen Bewegungen eine der späteren Stunde vorbehaltene Handlung an- deuten zu wollen schienen. ZizewitzenS Kameraden wurden mit herzigen Willkommensrufen empfangen, etwa:„Na, Bubi, willst Du's auch mal wieder probieren!", kurz Zizewitz mußte den Ein- druck gewinnen, daß er hier gleich in den vertrautesten Zirkel der besten Gesellschaft eingeführt worden sei. Er äußerte diese Ansicht auch gegen Bredow, der sie sofort unter großem Jubel den An- wesenden mitteilte und eine ältere Dame, die sicherlich schon 1866 Ehrenjungsrau am Brandenburger Tor gewesen war(jetzt hatte sie sich bis in die Friedrichstraße zurückgezogen), nahm den kleinen Ostpreußen untern Arm, der, seiner guten Erziehung bewußt, auch sofort eine Unterhaltung begann:„Baronin haben sicher mit Jubiläum von Majestät viel Arbeit."„Das jlaubste," antwortete die Hof-(und Straßen-) Dame,„bei die vielen Fremden!" Zi�ewitz war etwas erstaunt, die Unterhaltung über das Kaiserjubiläum ging aber weiter, man sprach von Hofansage und Theütre pare, bis die Hofdame sagte:„Weißte, was mir das liebste Andenken ans Jubiläum wäre?"—„Nein, Baronin, wenn es aber in meinen Kräften steht..."—„Das wirste noch leisten können, Klcener! Gib mir ein Pfund, dann gehn wir gleich! Ich Hab' später noch wo anders zu tun." Zizewitz erhob sich langsam. Er wußte alles! Dahin also hatten ihn die ehrvergessenen Kameraden geschleppt! Zu— Dirnen II Es war kein Zweifel! Anfangs hatte er das Du der Dame für alt- preußische Einfachheit gehalten, aber ein— Pfund wollte sie! Wofür anders, als für die Betätigung verbotener Lust! Gemessenen Schrittes begab sich Zizewitz zu Bredow und sprach:„Herr Baron, Seine Exzellenz, der Herr Kriegsminister hat erst vor wenigen Tagen gesagt, für den Soldaten seien die Lokale verboten, in denen Zuhälter, Sozialdemokraten und Dirnen verkehren. Was für den gemeinen Mann gilt, muß doppelt für den Offizier gelten. Ich verlasse dies Lokal und werde morgen dem Kommandeur von meiner Verirrung Meldung machen!" Bredow starrte Zizewitzen erst sprachlos an, dann sprach er ihm wie einem gemeingefährlich Ver- rückten zu. Er bewies ihm, daß der Kriegsminister bei dem Worte „Dirnen" natürlich höchstens an einen Taler und nicht an ein Zwanzig-Markstück gedacht habe und daß die Moral der Gemeinen natürlich geschützt werden müsse, daß es aber an der der Offiziere doch bei Gott nichts mehr zu schützen gebe. Außerdem wolle die Dame das Pfund gar nicht für— das, sondern zur Deckung ge- scllschaftlicher Spesen und überdies fei er doch ein Kavalier und Edelmann! Zizewitz sah das alles ein, aber er war noch nicht be- ruhigt. An den Nebentischen saßen Herren, die zwar sehr elegant waren, aber am Handgelenk seltsame blaue Zeichnungen zeigten und immer aufstanden und hinausgingen, wenn ihre Dame mit einem Herrn das Lokal verließ. Sollten das am Ende— Zizewitz wagte es gar nicht auszusprechen— Zuhälter sein? Aber Bredow wußte ihn auch da vollständig zu beruhigen. Er stellte ihm zwei der Herren bor und stehe da, der eine war der Conte Larifari und der andere der Prinz Lukschakow. Jetzt blieb Zizewitz nur noch eine Sorge: aber da kam gerade der Besitzer des Lokals, Zizewitz eilte auf ihn zu, zog ihn in eine Ecke und fragte schüchtern:„Erlauben Sie..., verzeihen Sie..., aber Sie sind doch nicht am Ende... Sozialdemokrat?" Da schlug der Wirt ein beleidigtes Gelächter auf und rief:„Erlauben Sie mal! Mit'nem Lokal, wo die Mäd- chen die besten Kavaliere finden! Ich bin der einzige Wähler erster Klasse hier und natürlich wie meine Kundschaft konservativ!" Jetzt war Zizewitz beruhigt. Jubelnd kehrte er zu seiner Hof- dame zurück, der Saal verschwamm bald vor seinen Augen, man ging noch irgendwohin, wo Spieltische waren, und dann kam ein fremdes Bett, und als er am andern Mittag in seinem Kasernen- zimmer aufwacbte, hatte er das dumpfe Gefühl, ein paar tausend Mark Spielschulden und kein Geld mehr zu haben. Außerdem hatte er ein paar Tage später eines körperlichen Uebelbefindens wegen Gelegenheit, sich recht eindringlich der„Hofdame" zu er- tnnern. II. Der Grenadier Schulze ging mit seiner Braut spazieren. Da fing es an zu regnen. Da er seinen eigenen guten Nock anhatte uns ein ordentlicher, sparsamer Mensch war, sahen sie sich nach einem Unterschlupf um und entdeckten gerade vor ihnen eine „Brief übergeben. Allgemeine dankbare Verbeugung vor der Gutsherrschaft.— Drolliger Kratzfuß, Willy.— Schneller, schneller, zum Schlafen ist nachher Zeit! Na also! Gott sei Dank, das erste Bilo hätten wir!" Ter hübscye Mensch sank in einen Stuhl. KrauSkopf stürzte hinter oem Mondscheinapparat auf ihn los wie ein Tiger. „Mein Herr," keuchte er atemlos,„wo haben Sie mein« Frau, die Geliebte des schuftigen Marquis, das verstoßene Bauern- mädchen mit dem Säugling?" Das Personal glotzte lachend. Der Regisseur erhob sich und fragte mit vornehmer Verbeugung:„Was beliebt, mein Herr?" Ter Freund drängte Krauskopf beiseite. Zu Fabian sagte er bedeutungsvoll:„Sie haben Nebenräume, wie ich sehe— bitte, mein Herr, ein Wort!" Sie gingen in die Tischlerei rechter Hand. Hinter ihnen kicherte die Rotte Korah. Der Freund ließ Krauskopf nicht zu Worte kommen und erzählte kurz. Fabian begriff, lächelte n elan- cholisch uno warf sein schwarzes Lockenhaar in den Nacken. „Ich verstehe, mein Herr, und weiß Ihren Schmerz zu wür- digen. Aber meinen Star werden Sie mir nicht fortholcn wollen! Ich gebe ihn nicht heraus— um keine Welt!" Und mit geläufigem Zungenschlag fing der junge Mensch an, die eminente Begabung Mieze Krauskopfs für ihren..höheren Beruf" auseinanderzusetzen. „Ich habe sie entdeckt," schloß er,„entdeckt im Dunkel des Zu- schaucrraumes. Sie sehen und mir sagen: Mit dieser Frau wird endlich gelingen, was die deutsche Kinematographie feit langem erstrebt— mit dieser Frau werden wir Frankreich schlagen— war einS! UebrigenS, da ist sie selbst!" Wirklich stand Mieze Krauskopf in der Tür eines kleinen Nebenraumes, ihres GardcrobcnzimmerS, reizend anzusehen im hellen Seidenkostüm, einen Erntekranz mit flatternden bunten Bändern auf dem blonden Zockenhaar. Hinter ihr die gleichfalls verschwunoene Freundin in schlichtem Zivil, als Dame d'honneur. Den verlassenen Gatten sehen, einen durchdringenden Schrei ausstoßen, über Latten und Leimtische fort, das die Späne flogen, an ihm weiter die Treppe hinunterjagen, war eins. Krauskopf nahm seine ansehnliche Leiblichkeit zusammen und stürzte ihr nach, zwei Stufen auf einmal nehmend. Die Frau oder das Leven, das galt ihm gleich. Sie lief wie ein Wiesel vor ihm her, neben ihnen die johlende Straßenjugend. hinter ihnen die kostümierte Rotte LtoraH, Fabian, der Geniale, Kellermann, der Phowgrafh mit seinem Apparat. „Los, los', Kellermann," schrie der Höchstkommandierende,„eine t fmnose Jagd nach der Frau kriegen wir so bald n«ht wieder auf l Film." ordentlich aussehende Wirtschaft. Sie gingen hinein und setzten sich an einen Tisch, wo ehrsame Bürgersleute ihr Bier tranken. Aber der Regen dauerte fort und trieb noch mehr Leute von der Straße herein. Darunter auch zwei Herren mit zwei sehr auf- fallenden Damen, die augenscheinlich über irgend etwaS nicht einig werden konnten. ES handelte sich, wie man hörte, um Gelosachen. Grenadier Schulze und Braut tranken ihr Bier und warteten, bis der Regen aufhöre. Die zwei Herren und zwei Damen wurden im Verlauf ihrer Auseinandersetzung sehr laut und erzählten sich irgend etwas vom Palace of Dancing, und ein Herr sagte:„Drei hast Du gehabt", während die Dame behauptete, nur zwei gehabt zu haben. Und da sie sich mit Vernunftgründen nicht einigen konnten, beschlossen sie, zu Tätlichkeiten überzugehen, und der eine Kavalier eröffnete daS Gefecht, indem er der Dame die Tasche wegriß, was diese mit einem Wurf ihres BierglaseS quittierte. Der zweite hielt schon den Zopf seiner Begleiterin in der Hand. Eine guigezielte Ohrfeige hatte ihr das Gebiß so verschoben, daß sie am Aussprechen der geläufigsten Schimpfworte gehindert war. Jetzt aber trat der hemdsärmelige Wirt in Aktion. Er schritt in Begleitung eines wuchtigen Hausknechtes hinter dem Ausschank hervor, ein kurzes Durcheinander folgte, dann befinden sich die zwei Paare vor der Tür, und am Kampfplatz lagen nur noch zwei Zähne und ein Zopf, die den Hinausgeflogenen durch die Türe ge- reicht wurden. Dann schritt der Wirt siegesbewußt hinter seinen Ausschank zurück und sagte zu den Männern am Stammtisch: „Son Lumpengesindel fehlt mir gerad noch. Da könnt' ich warten, bis anständige Leute zu mir rein kommen. Und die Polizei würd' mir was pfeifen! Was meinen Sie, wenn es hieß, bei dem Sozialdemokratenwirt verkehren sone Huren und Luden!" Die Gäste stimmten dem Manne zu, Grenadier Schulze und Braut tranken aus und, da der Regen aufgehört hatte, setzten sie ihren Spaziergang fort. Am andern Nachmittag aber sagte der Feldwebel zu Schulze: „Sie scheinen ja ein ganz Gefährlicher zu sein! Verkehren in Lokalen mit Zuhältern und Dirnen, und der Wirt ist noch sozial- demokratischer Stadtverordneter! Die Untersuchung ist schon im Gang! Na. in Ihrer Haut möchte ich nicht stecken!" Karl Pauli. Vom Jahrmarkt des Gebens. �ur keine JMUiz. In den Reichstagsdebatten über die HeereSvorlage spielte der militärische Wert oder Unwert deS Milizsystems eine erhebliche Rolle. Die trefflichen Hiebe des Genossen Noske gegen den Gama- schendienst glaubte der Kriegsminister von Heeringen dadurch parieren zu können, daß er von der Miliz als von einem„losen G e f ü g e" sprach, dem der deutsche Arbeiter nicht die Sicherung seines Arbeitsplatzes anvertrauen werde. Hätte Herr von Heeringen sich mit der Chronik seiner Familie vertraut gemacht, so müßte ihm die Erkenntnis dämmern, daß bereits früher das lose Gesüge der Miliz die Gamaschenknöpfe ganz jämmerlich in die Pfanne gehauen hat. Kriegsminister von Heeringen stammt aus einer kurhessischen Offiziersfamilie. Vorfahren von ihm befehligten bei jenen kur- hessischen Truppen, die an England verkauft und im nord- amerikanischen Unabhängigkeitskriege gegen die Aufständischen der- wendet wurden. In diesen Freiheitskämpfen, die doch in erster Linie für die Sicherheit des Arbeitsplatzes geführt wurden, sind die für sehr kriegStüchtig geltenden turhefsifchen Truppen von den nord. amerikanischen Milizen mehrfach geschlagen und zum großen Teil gefangen genommen worden. Sollte Herrn von Heeringen die Familienchronik seines Hauses doch bekannt sein, und sollten diese unangenehmen Erinnerungen ihren Teil dazu beitragen, daß der Kriegsminister jetzt so grimmig gegen daS Milizsystem- zu Felde zieht? Ver UnzucKtstruft. Zu allen Zeiten trösteten sich die Kapitalisten, die ihr Geld in schmutzigen Gewerben machten, mit den Worten„Geld stinkt nicht". Ebensowenig wie im Altertum der römische Kaiser Vespasian Weit hinten am Ende der Straße holte KrauSkopf seine Mieze ein. Er scherte sich nicht um das gaffende Friedenau, nicht um den Photographen, der jede Bewegung, Kampf und Sieg, Trotz und Versöhnung, Tränen und Msse auf die Platte brachte, nicht um Fabian, der händereibend unter den Zuschauern stand und laut rief:„Es lebe die Entdeckung durch den Kinematographenl ES lebe die Jagd nach der Frau! Hurra! Hurra! Hurra!" Ganz Friedenau heulte mit. und Fabian wußte, er hatte die Franzosen geschlagen._ Vie lußc vulcligung. Mein ältester Junge trat zu mir an den Schreibtisch. „Papa, ich bringe Dir Material für eine kritische Glosse." Damit legte er einige Stückchen Bonbons vor mich hin.— „Nanu!" Ich sah ihn erstaunt an. „Du mutzt die Dinger etwas genauer betrachten. Es ist eine ganz neue Sache." „Bester Junge, ich bin kein Bonbonschriftsteller und mache keine Bonbonverse." „Das sind auch keine gewöhnlichen Bonbons. Das sind p a- triotische Bonbons zum Jubiläum des Kaisers." Ich sah mir die Dinger an— und bei allen Göttern: ich hatte es mit einem Erzeugnis der patriotischen Jubiläumsindustrie zu tun.— Das eine Stückchen Bonbon trug die Inschrift 1888; ein anderes die Jahreszahl 1ö13. Wenn man diese beiden Stücke in den Mund steckte, hatte man die ganze Regierungszeit des Kaisers intus. Wieder ein anderes Stückchen zeigte in bunten Zügen die Kaiserkrone. Und nun flogen meine Gedanken plötzlich zum Burenkrieg zurück.— Als in Deutschland die Burenbegeisterung an allen Stammtischen gedieh, wurde in der Berliner Friedrichstraße ein Spucknapf ver- kauft, der den Kopf Chamberlains zeigte. Das war eine politische Flegelei ersten Ranges. In einem Punkt aber hatte der Mann recht: er verstand sich auf Symbolik. Er wollte Verach- tung und Abscheu zum Ausdruck bringen und drückte diese beiden Dinge durch den Spucknapf zwar roh, aber doch zutreffend aus. Unser patriotischer Bonbonfabrikant aber will verebrungsvoll schwärmen und an einer dynastischen Huldigung teilnehmen. Wie man aber dem Kaisertum huldigt, indem man die Kaiser- kröne in den Mund steckt und dann auflutscht, will meinem schlichten Verstand njcht einleuchten,— Wenn ich ein überzeugter Monarchist wäre: diese patriotische Huldigung würde bei mir trotz ihrer Süßigkeit einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen.— Anstoß daran nahm, Steuern aus die Bedürfnisanstalten heraus- zuziehen, scheut sich der moderne Unternehmer, seinen Mehrwert aus den ekelhaftesten Dingen zu ziehen. Vor allem der smarte Uankce ist bahnbrechend auf diesem Gebiete. In New-Aork besteht seit längerer Zeit ein Trust, der das horizontale Gewerbe monopolisiert hat. Der Trust besitzt allein in New-Iort 46 Bordelle, in denen mehr als 1666 junge Mädchen ihr weißes Sklavenleben führen. Der Jahresgewinn des letzten Jahres betrug mehr als 6 Millionen Mark. Nach den Feststellungen des Staatsanwaltes W h i t m a n hat der Trust zur Förderung der Un- sittlichkeit vier Präsidenten; Generaldirektor ist ein gewisser G o l d b e r g. Eine große Anzahl Politiker und Polizei. b e a m t e waren von Goldberg und seinen Freunden mit derartig großen Summen bestochen worden, daß ein Einschreiten gegen die Oberzuhälter unmöglich war. Whitman hat bei seinen Unter- suchungen Privatdetektive benutzen msissen, da die städti- schen Geheimpolizisten fast ausschließlich jm Dien sie der weißen Sklavenhändler standen. In Deutschland kann so etwas natürlich nicht passieren. Da hat man es bisher erst zu einem gewissen Kartellverhältnis gebracht, das dahin geht, daß die Bordellbesitzer ihre Sklavinnen gegenseitig austauschen, damit die Fleischlüsternen immer frische Ware be- kommen. Ver gekränkte verr Justizrat. Die Jubiläumsfeiern schießen diese» Jahr aus der Erde wie die Pilze nach einem warmen Sommerregen. Von allerhöchster Stelle angefangen bis zum letzten Kegel- und Rauchklub, der Heuer sein övjähriges oder mindestens doch LlljährigeS Jubiläum feiert. Und mit den Jubiläen stellen sich auch pünktlich die vielen Gratu- lanten und Lieferanten ein. die die Jubilar« beglückwünschen wollen. Darum hagelt es eben nur so Glückwunsch, und Ergeben- heitsadressen von allen Seiten. Es darf also nicht wundernehmen, daß die Stadt Gießen sich beeilte, dem dort befindlichen Leib- regiment Seiner Majestät zu seiner Hundertjahrfeier seine unter. tänigsten Glück, und Segenswünsche darzubringen, Die Sache hat aber einen recht bedenklichen Haken. Man hat eS nämlich bei der Absendung der Glückwunschadresse geflissentlkl, übersehen, einen Beigeordneten mitunterzeichnen zu lassen, der seines Zeichens Justizrat u�d gleichzeitig eine Fortschritts größe ist. Das ist sehr bitter für einen guten Demokraten, und wir können ihm den Schmerz nachfühlen. In der letzten Stadwer- ordnetenversammlung hat er nun seinem Kummer Ausdruck ge- geben und sich darüber beschwert, daß man ihn bei diesem Bück- ling vor dem Militarismus nicht mitmachen ließ. Vielleicht tröstet sich der Brave damit, daß er zu den Feierlich- leiten nach Berlin kommt. Ein Gang durch die künstlerisch mit SchweinSköpfen, Baumkuchen und ähnlichen Wahrzeichen de? Berliner Gewerbefleißes ausgeschmückte Leidiger Straße biet« vollen Ersatz. Eine jVlabnung. V Diese Tage bringen für unser« braven Patrioten mancherlei Anstrengung. Nicht nur, daß sie ungezählte Hurras steigen lassen müssen, auch bei den diversen Festmählern sollen sie tapfer ihren Mann stehen. Da möchten wir ihnen eindringlich eine Epistel vor Augen führen, die wir einem Kalenderabriß des„Christlichen HauS» freundes" entnehmen. Dort heißt es:„Weh denen, so Helden sind, Wein zu saufen und Krieger in Völlerei. Jes. 5, 22. Wenn wir dieses Wort lesen, können wir wohl kaum anders, als der vielen armen Menschenkinder gedenken, die ihr Heldentum in Fressen und Saufen beweisen. Bleibt fern von Gelagen, wo man bis tief in die Nacht, ja bis zum frühen Morgen beim Spielen und Trinken zusammensitzt. DaS sind Werk« der Finsternis, die sich für einen Christen nicht ziemen I" ES ist nur gut, daß den alten JesaiaS seit langer Zeit schon daS Zeitliche gesegnet hat. Eine so deutliche Anspielung auf manche feudale Liebesmahl« könnte ihm leicht ein schneidiger Staatsanwalt übel nehmen und als ein« Beleidigung des Osfizierkorps auslegen« Aber vielleicht versteht unsereins sich nicht auf die Aesthetik der loyalen Untertänigkeit. Vie geschmackvolle Vame. Das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel hat an Krethi und Plethi die Frage gerichtet, ob die„Verfilmung" eines Romans dem Absatz deS Werkes schaden oder nützen würde. Unter den Herr- schaften, die bei dieser Gelegenheit ihren Geist strapaziert haben, befindet sich auch eine gewisse Nannh Lambrecht, die wir zu kennen nicht die Ehre Hadem Ihre Ausdrucksweise ist aber derart« daß sie an dieser Stelle eine bescheidene Erwähnung verdient.—, Die Dame Nannh Lambrecht hebt also an:„Ich habe keine gut« Meinung von dem Kino. Darum interviewte ich mein Dienst- mädchen, genannt Dien st spritze. Die Dien st spritz« sagt», usw." Es folgt nun ein Passus, der die Gedanken des Dienstmädchens wiedergeben soll, dabei aber so vollendet läppisch ist, daß man in jeder Zeile die süße Talentlosigkeit der Familienblattschmterantin merkt. Der Ausdruck„Dienstspritze" kehrt als ein Triumph des menschlichen Witzes dann noch mehrfach wieder. Es liegt uns völlig fern, mit der geschätzten Nannh Lambrecht eine Diskussion über literarische Manieren führen zu wollem In aller Bescheidenheit aber muß die Anmerkung gestattet sein, daß uns nach dem Genuß des blöden Pensionatsgewäsches eine Sehnsucht nach dem natürlichen Mutterwitz eines wirklichen Berliner Dienst- mädchens überkam. Der andere Kai Ter I Der Berliner Bildhauer Friedrich Pfannschmidt hat eins neue Kaiserbüste vollendet. Wie die„Magdeb. Ztg." dazu schreibt, zeigt das Werk nicht den Kaiser, wie ihn sonst die Künstler darzu- stellen pflegen, als den temperamentvollen jungen Herrscher, dessen BildtypuS etwa Max Koncr und Reinhold Begas festgestellt haben. Pfannschmidt schuf vielmehr ein außerordentlich ähnliches Bildnis des Kaisers in seiner jetzigen Erscheinung. Der helmlose Kopf blickt ruhig ein wenig zur Seite und die Züge tragen nicht den Charakter, den sie anzunehmen pflegen, wenn der Kaiser repräsentativ auftritt, sondern geben vielmehr die Erscheinung des im intimen Kreise sich bewegenden Mannes. Die Büste ist also auch so ein Produkt demokratischer Bckritte- lung. Wo bleibt denn der Respekt des„gemeinen Mannes" vor der Majestät, wenn ihm S.M. nicht mehr„repräsentativ" und ohne jede Heldenpose dargestellt wird! Psannschmidt hätte Cllall�C Lroscnüre gratis und franko per Post i. verschloss. Kuvert oder in den Instituten. Weitere Auskünfte i. d. Sprechstund, kostenlos. Der nächste Berrenvortrag��l�ml: abends'/jIO tthr, in den Arminhallen, Kommandanten. itrasze über: Harnleiden, wirksame und kurpsuscher- hafte LehandlunaS- Mcplinl, 0«!» n.il Demonftrat. an natur. Methoden, ferner über HH! liCii'DtUa getreuen Bachsmodellen. Eintritt frei.— Fragebeanlworiung. Bevor Sie Ihre dlechÄhrige Dampferpartie unternehmen, be- '«Voigts Krampenburg und Sie werden finden, daß es der schönste und passendste Au s flugs o rt ist.• R. Voigt, Post Sohmsckwilz. Fernsprochor; KSpanick 227. Warnung! Wieder sind ganz minderwertige Nachahmungen meines „Kapitüti-Kautabalt", ähnlich verpackt, angeboten worden; man lasse sich nicht täusche».— Jedes Stück des„Kapitän- Tabak" muß verpackt und mit Aufdruck gesch." versehen sein. Nur durch seinen hochfeinen Geschmack ist der „Kapitün-Iabak" so allgemein beliebt. Niederlagen(Priemdosen daselbst gratis) gibt gern an: C. Röcker, Sellin, Griiner Wey Ü9. Kst�86i.i. Stoffe für elegante MaBanzllge, Ulster. Paletots Mtr. 4.—. 6.—. 8.— M. etc. Damen■ Kostümstoffe, Damenluche „Neuheiten'' Mtr. 2.—, 3.—, 4.— M. etc. Loden f. Pelerinen Mti. 1.50, 2,50 M. etc. Schneidermeister, welche unsere Stoffe tadellos u. schick verarbeiten, weisen wir nach, Arbeitslohn nebst Zutaten zirka 25,-, 30— M.* Tuchlager Koch£ Seeland G. m. b. H. 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