Ar. ISS. Bbonnonents-Bfdingunacn; llbonnements- Preis pränumerando: Bierteliöprl ZLV MI, monall. 1.1V Mt, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Neue Well' 10 Pfg. Post- «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in die Poft-ZeitungS- Prerslisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,80 Märt, für das übrige iluSIand « Marl pro Monat. PoftabonnementS »ehrnen am Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, kumänien, Schweden und die Schweiz. 30» Jahrg. vlchtllit UgNch. Verlinev Volksblcttk. Die Insertion;'Ledithr beträgt für die s-chsgespaltene«olonel- geilt oder deren Raum so Pfg.. f?,r politische und gewerlschaftliche Pereins- und VersnnunIungS-Anzeigen l» Plg. „Ulelne Itnreigen", das fettgedru-kle Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), iedes iveltere Wort ly P-g. Stellengesuche und Schlafstellena, i- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lSBuch- Stäben zählen für zwei Worte. Jiiscrale ür die nächste Nummer müssen bis k Telegramm- Adresse: „ZspiSllltlllslltitt kttlil,-. Tentralorgan äer tozuXdcmökrutitdbcn parte» Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Expedition: SM. 68, L-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384.' Nachlese. Verklungen der Kommersgesang, verhallt Rapier- und Sporenklang— und wie die graue Fassade der Häuser, von denen man die bunten Girlanden und Tuchfctzen herabgerissen hat, so starrt auch der graue Alltag unsere Jubiläumspatrioten wieder an. Nachdem sich des Sektes muntere Geister aus den Köpfen verflüchtigt und nur einen katzenjämmerlichcn Bodensatz zurückgelassen haben, heben die Nörgler wieder an zu nörgeln. In den Kasinos der Garde entrüsten sich die Junker, daß sich Wilhelm II. mit Herrn Ballin gemein mache und einem Herrn James Simon einen hohen Orden an die Brust hefte, und in den heiligen Hallen der Börse raunt man sich unter aufgeregten Handbewegungen zu, daß er trotz allem ein Kaiser des Feudalismus sei und bleibe. Aber drei Tage wenigstens währte der Rausch, drei Tage hingen die Girlanden und Tuchfetzen an den Va.lonen und Pfeilern, drei Tage donnerten die Hurrasalven, drei Tage liefen die Setz- und Druckmaschinen der bürgerlichen Presse auf den Rhythmus: Heil Dir im Siegcrkranz I Was aller- dings diese bürgerliche Presse ihren Lesern zu dem Jubiläums- tage kredenzte, war, wie vorauszusehen, der schale, abgestandene und lauwarme Trank des Byzantinismus. Daß sich die Blätter der Rechten eine Güte antaten, darf nicht Wunder nehmen. Sie betrachten sich ja als die„Trümer Seiner Majestät", sie. die ostclbischcn Latifundienjunker, sehen in ihm nur ihren ersten Klassengenossen, den größten Großgrundbesitzer im Reich, und wenn sich einmal, wie es in den Zirkus-Busch- Phantasien immer versichert wird, die grüne Fahne der Land- Wirtschaft gegen das rote Banner entrollt und die sozial- demokratische Saat von derbgesohlten Bauernstiefeln zer- trampelt werden soll, dann sehen die Bündler Wilhelm II. an der Spitze ihres Heerestrosses. Darum wurde in den Organen, die statt Druckerschwärze Schollengeruch ausatmen, deni kaiserlichen Herrn Treue geschworen, und sogar Herr Dr. O c r t e l kletterte schwerfällig in den Sattel seines schwer- fälligen Pegasus und sang los: Heut' klopfen die Herzen mit stärkerem Schlag, Wir weihen imS wieder auf-Z neue Und bringen Dir dankend an Deinem Tag Das feste Gelübde der Treue. In Fehde und Frieden, im Glück und in Rot, Wir halten Dir Treue, die Treue zum Tod! Gott höre es, Kaiserl Wenn aber wieder einmal die Getreidezöllc herabgesetzt werden und Wilhelm H. die„rettende Tat" begrüßt und sich gegen den„Kornwuchcr" wendet, zerflattern alle diese Treue- schwüre wie blauer Rauch aus der langen Pfeife, ein zweiter Rupprecht-Ranscrn ruft die Agrarier auf, unter die Sozialdemokraten zu gehen und O e r t e l stimmt seine Harfe zum Preise der Republik. Machen so die großgrundbesitzenden„Triaricr" ihre Kaiser- und Königstreue von ihren mehr oder minder ge- füllten Kompottschüsseln abhängig, so sind die liberalen Hasen- süße viel unbedingtere„Triarier Seiner Majestät". Man mag ihnen auf die Hühneraugen treten— sie schreien Hurra! Man mag ihnen vor den Bauch stoßen— sie schreien Hurra! Man mag ihnen Funken aus den Augen schlagen— sie schreien Hurra! Damals, im November 1908, als die Ent- hüllungen des„Daily Telegraph" die bekannte Revolution von Papier durch Reich und Reichstag rauschen ließen, schrieb Herr Naumann im Nanrfn des deutschen Liberalismus in der„Hilfe": Auf wen soll denn nun da§ deutsche Volk eigentlich seine Augen richten? Die Stelle, wo der Kaiser gestanden hat, ist in gewissem Sinne durch ihn selb st ihres früheren An- sehenS entkleidet worden. Wenn der Kaiser künftig den nationalen Gedanken vertreten wird, bleibt stets die u n- auslöschbare Erinnerung, daß er von sich erzählt hat, er habe den Engländern einen Kriegsplan geliefert. Wenn er in einer Thronrede von den sreundschastlichen Beziehungen zu allen Mächten redet, bleibt der Gedanke, daß er cS war, der den stanzösisch-rusfischen Vorschlag nach London mitteilte. Wenn er zum Flottenbau auffordert, bleibt die peinliche Bor. st e l l u n g, daß er gesagt hat, wir sollten diese großen Kosten tragen, um gegen die Ostasiaten kämpfen zu können. ES wird nie wieder, wie eS vorher gewesen ist; alle kaiserlichen Handlungen sind nun umgeben von einem Schatten. Die unauslöschbare Erinnerung? Die peinliche Vor- stellung? Nie wieder? Du lieber Himmel! Wie spottschlecht kennt Herr Naumann das liberale Bedientenvölkchen! In der bengalischen Beleuchtung dieses Jubiläums war nichts von einem Schatten uni die kaiserlichen Handlungen zu bc- merken, und der November 1908 ist für die deutsche Bourgeoisie längst tojo Vergangenheit. Nur die Festarttkel der bürger- lichen Preise, die in allem Byzantinismus schwelgen, brauchte Wilhelm II. zu lesen, um in der Meinung beseligt zu werden, daß er durch Gottes Gnade über daS Gewimmel der Sterblichen emporrage und mit dem Scheitel an die Sterne stoße. Da ist die„Kölnische Z e i t u n g", das längst pflaumen- weiche Organ des Nationalliberalismus, das einst in einem Augenblick der Verdrossenheit mit einer„Revision der mon- archischen Gesinnung" gedroht hatte, das sich heute wie folgt 1 ausläßt:> t Wir fühlen an diesem Tage, wie sehr unser mensch. l i ch e S(!), unser politisches Dasein mit diesem Hohen« zollernhause verbunden ist, fühlen es durch das Nachdenken am heutigen Tage erst bewußt so stark, daß diese Monarchie die Lebensluft ist, in der unser Leben erst gut gedeiht, und mit dem, wenn es hinginge, eines unserer besten Güter verloren wäre. Es ist das echt monarchische Gefühl, daS vielgepriesene und auch vielgescholtene Treuderhältnis, mit dem seit der Fcudalzeit der Soldat seinem Kriegsherrn ergeben gewesen ist zu allen Zeiten, in jeder Lage, und dem seit Anbeginn der Widerstand aller bewußten und unbewußten Gegner des Staates gegolten hat. So etwa haben in den Zeiten des französischen bss- empire, des niedergehenden Kaisereiches, die Kammer- mamelucken den dritten Napoleon angewedelt! Aber es kommt noch besser! Während selbst sehr monarchisch gesinnte Männer in der Vielseittgkeit Wilhelms II. ein Haar gefunden haben und betonen, daß er in all den Wissensgebieten, in denen er sich zu betätigen liebt, nur ein Laie ist, ist er für das nattonalliberale Organ„der modernste, fleißigste, geistig regsaniste Herrscher der Neuzeit, ein Anreger und nationaler Erzieher von außerordentlicher intellektueller und moralischer Energie, ein Mann, dessen geistige Interessen alle Gebiete des Denkens und Lebens mit gleicher Eindring- lichkeit umfassen, ein unermüdlich Lernender, in der ersten Reihe der Männer, mit denen sich die Welt immer wieder beschäftigt, weil der Reichtum ihrer Persönlichkeit und ihres Wollens dazu anregt. Auf keinem europäischen Throne hat in der letzten Generation ein Mann gesessen, de? mit solch vibrierender Lebhaftigkeit des Geistes seine Zeit studiert hat. Das kan« man feststellen, ohne sich dem Verdacht byzantinischer Schmeichelei auszusetzen." Wären die Nationalliberalen ob ihrer Harmlosigkeit nicht über diesen Verdacht erhaben, nian könnte auf den frevlen Gedanken kommen, sie wollten durch das Schwingen ihrer Weihrauchfässer mit Gewalt den. Kaiser betäuben und in die schwindelnden Höhen des Zäsarismns hinaufjagen. Von den nationalliberalen zu den fortschrittlichen Maine- lucken! Zwar das„Berliner Tageblatt" hat ge- trennte Buchführung: im politischen Teil den Männerstolz vor Königsthronen, im lokalen Teil den Purzelbäume schlagenden Byzantinismus. Im politischen Teil blicken die Leit- artiklcr sorgenvoll in die Zukunft, im lokalen Teil klettern Masses junge Leute mit Fixigkeit aiff Loko- motiveu, um zu erhaschen, wie sich Wilhelm II. und Nikolaus II. guten Tag sagen. Die„Frankfurter Zeitung" dagegen, die ganz unvcrdientermaßen in den Geruch eines wirklich fortschrittlichen Organs gekommen ist, verschmäht die doppelte Buchführung und serviert Byzanti- nismus, angerührt mit Männerstolz vor.Königsthronen. Als handele es sich um Buckskintuch I. Qualität, wird der Kaiser von ihr als„ein Mann von Qualitäten" gefeiert. Beileibe kein demokratischer Ueberschwang in der Kritik, 0 nein! sondern das Frankfurter Weltblatt sieht Wilhelm II.„mit psychologischem Auge" an und findet es ganz bc- greiflich, daß er nach„einer Art von Fangschnüren" trachtete, die ihm auf der Ilniforni des Zaren wohlgefielen, und daß er, um sich die gleichen an- heften zu können, sich„zum Gcncraladjutanten weiland Seiner Majestät Kaiser Wilhelms des Großen" ernannte. Und wenn endlich das Börsenorgan den Romantiker Wilhelm feiert als einen derer,„die sich an einem Regenbogen erfreuen oder gar dabei dem lieben Gott in den Himmel schauen" im Gegensatz zu den anderen,„die aus dem Regenbogen die An- regung zu einem neuen Krawattenmuster schöpfen", so erklärt sich das wohl daraus, daß der Leserkreis der„Frank- furter Zeitung" ausschließlich aus geschäftstüchttgcu Individuen besteht, denen der Regenbogen als gottgelvolltes Krawattenmuster erscheint. Das alles sind freilich nur Stichproben von der byzantinischen Hochflut, die der 16. Juni übers Land hat stießen lassen. Es versteht sich auch ani Rande, daß die bürgerlichen Schmocks aus dem Ordcnsgekribbel der Jubiläumsauszeich- nungen so lveissagen, wie es die alten Weiber ans dein Kaffeesatz zu tun pflegen. Und doch ist�a wenig zu bemerken. Daß Dernburg mit einem ganzen Schub anderer ins Herrenhaus berufen worden ist, bringt das genannte Frankfurter Blatt ganz aus dem Häuschen— er teilt die Ehre mit dem General Löwen seid mit der wächsernen Nase. Der erbliche Adel ist unter anderm Herrn Laufs— auch Schiller wurde geadelt I— und dem früheren ReichLanwalt Ols hausen angehängt worden, der gegen Karl Liebknecht ivegen angeblichen Hochi Verrats Zuchthaus beantragte. Der Rote Adler zlveiter für Dr. Krupp von Bohlen und Halbach zeigt, daß die Enthüllungen über die eigentümlichen Geschäftspraktiken der Firma dem Gatten der Inhaberin nichts geschadet haben. Und während alle Staatssekretäre und Minister mit Orden begnadet worden sind, betrachtet Herr v. Bethmann Holl- weg, der schon der Grafenwürde gewiß war, mit melancholischem Lächeln das Bild, das ein schwacher Ersatz ist fiir Orden und Würden. Wegen der langsamen Erledigung der Heeresvorlage soll ihni Wilhelm II. ernstlich grollen. O jerum, jerum, jerum! Das ist die Garde! Noch ein solcher Sieg, und die Garde ist verloren! Wenn sich unsere Militärgewaltigcn und die sonstigen Rüstungsinteressenten auf die nächste Militärvorlage rüsten, mögen sie nur von vornherein die Garde als einen verlorenen Posten betrachten. Ihre Stellung ist durch das Vorpostengefecht der R e i ch s ta g s- debatten seinerzeit in der Budgetkommission und durch die Hauptschlacht am Mittwoch im Plemim so erschüttert worden, wie in dem deutsch-französischen Kriege die alten Kompagniekolonncn der Garde als Gefechtsformation, lind das Echo, das die Reichs- tagsdebatten im Volke finden tverden, die Kritik, die bis zu der nächsten Wehrvorlage in taufenden und abertausenden von Volts- Versammlungen außer an anderen überflüssigen, kostspieligen und im Kriegsfall geradezu gefährlichen monarchischen Liebhabereien besonders an das Gardeprinzip des preußischen Militarismus geübt worden ist, mutz das übrige tun. Heiß wogte die Schlacht am Mittwoch hin und her, aber mehr hin als her! Die Verteidiger der Regierung, der Wehrvorlage und des Gardeprivilegs, an der Spitze der Kriegsminister, hinter ihm seine freiwilligen Flügeladjutanten aus den konservativen Parteien, waren von vornherein in der Defensive, und sie sind bis zum Schluß nicht aus ihr herausgekommen. Mit Mühe haben sie die Position gehalten, die ihnen die Budgetkommission mit Hilfe der Erdwälle und Stacheldrähte der Zentrumstaktik vorläufig ge- lassen hat.<" Die Begründung des sozialdemokratischen Antrages hatte Ge- nosse Lensch übernommen. Mit trefflicheren Gründen und mit einem Witz, der seine zündende Wirkung weniger durch Behendig- keit als durch urwüchsige Derbheit erzielte, rückte er den feierlich aufgeputzten und mit friederiziawischem Gewehrgriff präsentieren- den Gardekorps zu Leibe. Es gibt keinerlei gesetzliche Grundlage für die Existenz der Garde, im Gegenteil, die Bildung der Elite- regimenter steht mit der Reichsverfassung in Widerspruch. Wenn aber irgendwo Begriffe fehlen, so müssen Worte herhalten. Worte, Worte, nichts als Worte find für die Begründung der gangen Wehr- Vorlage angeführt worden, ganz � besonders aber müssen Worte herhalten, um die berfaffungswidrige Ausnahmestellung der Garde aufrechtzuerhalten. Ein�s der beliebtesten Wode in solchen Fällen der Hoffnungslosigkeit ist das von der Kommandogewalt des Kaisers, in die die ruchlosen Sozialdemokraten schnöde eingreifen wollen. Mit Recht sah Genoffe Lensch in dieser sogenannten KPnunando- gewalt eine der stärksten Wurzeln unserer gesamten politischen Rück- ständigkeit, nnd vor allem der Aufrechterhaltung des deutschen Absolutismus. Mit schneidendem Hohne kritisierte unser Redner die mannigfachen Ausnahmcrechtc und-pflichten der Garde, von den schreienden, für den Kriegsfall'vbcr sehr gefährlichen Uni. formen an über die Ausnutzung der Garde zu höfischen Spalier- zwecken hinweg bis zu der Bevorzugung der Gardeoffiziere. Heute sucht man mit Eifer in allen Gegenden Deutschlands die Rekruten für die Garde zusammen, die sozialistenrcinstcn Gegenden werden bevorzugt. Aber es wird der Tag kommen, an dem es auch im Gehirn der zehnmal gesiebten Gardcsoldaten tagen wird, an dem sich auch die Garde nicht mehr als Waffe gegen das Volk benutzeil läßt. Der Herr Kriegsminister, dem bei seinem übervollen militari- stischcn Herzen so oft der Mund übergeht, hatte in der Budget- kommission die Bemerkung gemacht, daß die Annahme des sozial- demokratischen Antrags der Regierung die Wehrvorlagc unannchni- bar machen würde. Also erst die Garde, dann das Vaterland! Oder— da die Garde hauptsächlich Schutzwehr für die Monarchie sein soll: erst der Kaiser, dann das Vaterland! Damit hatte der Kriegsminister von vornherein die ganze Front seiner Stellung schutzlos preisgegeben, und alle Versuche des Herrn Tobias von Heeringen, nachträglich einige Berichtigungskolonnen in die gefährdete Position zu werfen, scheiterten elend. Nach Herrn Müller- Meininge», der die Sympathie der Fortschrittlichen Volkspartei für die sozialdemokratischen Garde- nnträgc zum Ausdruck brachte, nicht ohne die lauwarme Kompromiß- taktik der Liberalen mit einigen unpassenden Angriffen auf die Sozialdemokratie zu decken, hielt der konservative Auchadligc Graefe eine aufreizende Rede, die er mit albernen antisemi- tischen Mätzchen für seine geistig nicht sehr anspruchsvollen näheren Freunde lieblich würzte. Der Provok'tcur ist der in Berlin gut bürgerlich und nicht„hochivohl" geborene Sohn des bekannten Augenarztes Graefe. Dieser um die Wissenschaft verdiente Mann ist später geadelt worden, und so darf der jetzige Reichstags- abgeordnete stolz ein„von" vor seinem Namen tragen. Er hat sich außerdem im Mecklenburgischen ein Rittergut gekauft, und gestützt auf so biel untrügliche Kennzeichen eines„Edelsten und Besten" markiert er den ahnen- und ahnungslosen Junker mit unnachahm- I icher Grazie. Unser Genosse S ch ö p s l i n und der Fortschrittler Müller- Meiningen leuchteten dem vor ostelbischen Junkcrstolz beinahe platzenden Sohne des Berliner Augenarztes heim. Der freisinnige Redner fand zum Teil so glückliche Pointicruugcn bei der Abwehr des konservativen Klopffechters, daß ihm auch die sozialdemokratifchc Fraktion mehrmals zustimmen konnte. Genosse S ch ö p f l i n beschränkte sich nicht auf die Abwehr des auchjunkerlichen Gernegroßes. Es gelang ihm trotz der vor- gerückten Stunde und trotzdem die Frage schon nach allen Rich- tungen hin diskutiert worden war, doch noch durch neue Gründe und schlagfertige Witze das ganze Haus zu fesseln und die Ver» teidiger der Garde noch mehr in die Enge zu treiben. Sie wagten kaum dagegen zu demonstrieren, als Schöpflin ihnen zurief, daß ihnen nicht besonders wohl sei, wen« fie heute wieder eine populäre ksordcrung zur Demokratisierung des Heeres ablehnten. Die Sozialdemokratie werde sich wegen dieser Ablehnung an eine höhere Instanz, als der Reichstag sei, wenden: an das deutsche Volk! Und das werde früher oder später ein Urteil sprechen, mit dem die Sozialdemokratie zufrieden sein könnet vzz Keiitüiteiiergelet?. Das Steuerkonl promiß ist in seinen Grundzügen Zivischeil den Vertretern des Z e n t r u in s und der L i b e- raten fertiggestellt worden. Tie Konservativen stehen ihm wegen der Besteuerung des Kindeserbes ablehnend gegenüber. Seine endgültige Form wird das Gesetz erst in den Kommissionsberatungew finden, die Mittwoch begonnen haben. Darüber unterrichtet der nachstehende Bericht. Die Budgetlom'misfixm trat am Mittwoch in die Beratung des B c s i ü st c u e r ge s c tze s ein, das bestimmt, daß von dem Ver» mögenszuwachs eine Abgabe lBesitzsteuer) erhoben werden soll. Als Vermögen gilt nach Z 2 das�geiamtc bewegliche und unbewegliche Vermögen nach Abzug der«chuldeul Zur Steuer sind demnach heranzuziehen: Grundvermögen, Betriebsvermögen und Kapitalver- mögen nach den näheren gesetzlichen Bestimmungen. Genosse S ü d e k u m beantragte als Berichterstatter, die beiden ersten Paragraphen, die die Aufbringung der Steuern den Ein- z c l st a a t e n überläßt, abzulehnen.— Schatzsekretär Kühn verteidigte die Porlage. TaS Reich wie auch der Reichstag können mit ihr durchaus zufrieden sein. DaS Reich erhalte eine sichere Ein. nähme, ohne in die Steuerhoheit der Bundesstaaten einzugreifen, und der Wunsch der Parteien nach Einfuhrung einer Besitzsteuer werde erfüllt.— Abg. Gröber machte auf die großen Schwierig- leiten aufmerksam, die dieses Gesetz zur Folge haben müsse, be- sonders wenn die Landtage ihrerseits gesetzgeberisch in die Ans- sührung dieses Gesetzes eingreifen werden. Entscheidend für das Zentrum sei, daß eine Verständigung auf der Grund- Inge der Vorlage nicht möglich ist, sondern wahrscheinlich nur auf. dem Boden einer Besitzsteuer direkt durch das Reich. Das Zentruni werde an der Verständigung mitarbeiten. Auch mit dem vorliegende» Entwurf werde die Steuerhoheit der Einzelstaaten angetastet. Ter Bundesrat könne somit kein- Einweichungen mehr erheben, wenn auch auf einem anderen Wege dasselbe versucht werde.— Abg. v. P a y e r tritt für Ablehnung der ersten beiden Paragraphen ein. Der vor- geschlagene Weg sei schon deshalb ungangbar, weil der Entwurf eine Art Strafgesetz gegen die Bundesstaaten darstelle, indem sie ge- zivungen werden sollen, nach bestimmten Grundsätzen und Vor- ichriftcn vom VermögenszrlwachS Abgaben zu erheben. Einschneidender könne man in die Rechte der Bundesstaaten nicht eingreifen. Tie Erbschaftssteuer wäre ein sehr empfehlenswerter Weg gewesen, aus dem Steuerdilemma herauszukommen. DaS Wert- zuwachssteuergesctz müsse in ein primäres Rcichsgesetz umgearbeitet werden. Abg. Basser mann erklärte namens der Nationalliberaleii, daß auch sie den Eirtwurf ablehnen. Bei Ausgaben, wie solche für die neue Militärvorlage, müsse danach getrachtet werden, sie durch reichseigene Einnahmen zu dechen. Die Nationallibcralcn seien für eine Verständigung. In erster Linie forderten sie eine Reichs- Vermögenssteuer, aber der Reichskanzler habe diese Steuer rundweg abgelehnt. Ein anderer gangbarer Weg tväre die E r b a n f a l l st c u e r, auch ivenn dabei Konzessio- »cn gemacht werden müßten. Jetzt müsse wohl oder übel auf dem Boden des ZuwachSsteuergesctzcs eine Einigung versucht werden. Abg. Graf Westarp trat riamenS der Konservativen für die Regierungsvorlage ein. Der Besitz sej von den Einzelstaatcn und Kommunen schon in durchaus gerechter Weise belastet, dazu komme noch der Wehrbeitrag. Die Konservativen wollten trotzdem noch dafür eintreten, dem Besitz weitere 80 Millionen aufzuladen; direkte reichseigene Einnahmen zu schaffen, lehnen sie aber ab. ES . pi»r schon unrichtig, dem Reich im Jahre!906 einen Teil der Erb- schaftsbestcuerung zu übertragen; dos gelte erst recht für eine Reichs. Vermögens- und Erbanfallfteuer. Auch die Zuwachöfteucr greife in die Befugnisse der Einzelstaaten ein, die immer mehr gezwungen werden sollen, ihr Steuersystem den Bestimmungen dcS Reichs anzupassen. Die Regierungsvorlage lasse den Einzelstaaten wenigstens freie Hand in der Ausgestaltung ihrer Steuersysteme, die nicht er- fchüttcrt werden sollten. Der Gedanke der sozialen Gerechtigkeit bei Steuergcsetzcn bedürfe nicht der Normativvorschriften durch das Reich. Von ö e r Regierung erwarten die Konser- vativen endlich bestimmte und klare Erklärungen darüber, ob sie an ihrer Vorlage fe st halten wolle. Sollte der Regicamgsentwurf keine Mehrheit finden, so würden die Konservativen an der Verständigung über eine andere Regelung mitarbeiten. Abg. Speck(Z.) erklärte für seine Person, daß er bereit sei, für die Regierungsvorloge zu stimmen. Den Einzclstaaten könnte man durch Reichsgesetz die unterste Grenze der Vermögens- dclastung und die Staffelung vorschreiben, so daß die kleinen Vcr- mögen geschont würden. Abg. Speck-erklärte sodann, auch an der Verständigung auf einer anderen Grundlage mitarbeiten zu wollen. Schabse.kretär Kühn bestritt, daß die Regierungsvorlage in die Rechne der Bundesstaaten eingreife, die im Ausbau ihrer Steuersystem« nicht gehindert würden. Die Regierungsvorlage soll gerade den Bundesstaaten eine Sicherung bringen. Eine Erklärung darüber abzugeben, wie der Bundesrat sich zu einer Verständigung der Parteien auf anderer Grundlage als der der Regierungsvorlage stellen werde, könne er nicht. Ter Bundesrat werde sich erst entscheiden, wenn dt« Beschlüsse des Reichstags eine Uebcrsicht gestatten. Die beiden ersten Pragraphcn wurden gegendicStimmen der Konservativen sowie der Zentrumsabgeordneten Graf Praschma und Speck abgelehnt. Die nächstfolgenden Paragraphen bestimmen, was alles als Vermögen im Sinne des Gesetzes zu betrachten ist. Die Bestiin- niungcn gleichen im allgemeinen denen ini Gesetz über den Wehr- bcitrag. Die Konserbatiben fordern, daß auch di« Aktiengesellschaften zur Zahlung der Zuwachssteuer herangezogen werden.— Die Abstimmung wird später erfolgen. Nach der Regierungsvorlage(fj 13) soll von einem Zuwachs, der den Betrag von 2000 M. nicht übersteigt, die Zuwachssteuer nicht erhoben werden. Die Nationalliberalen beantragten statt MOO M. zu sagen 10 000 M. Nach jj 14 sollen vermögen bis 6000 Mark der Besteuerung nicht unterliegen. Die Nationallibe- r a l e n beantragten, die Ziffer 6000 durch 20 000 zu erfetzen. Wenn das steuerbare Gesamtvermögen eines Steuerpflichtigen am Enve des Verantaguiigszeitraumes den Betrag von 20 000 M. nicht über- schreitet, so gilt als Zuwachs der Betrag, um den dieses Vermögen die Summe von 6000 M. übersteigt. Die Nationalliberalen wollen hier die Ziffern 20 000 durch 40 000 und 6000 durch 20 000 ersetzt wisfen. Ter Zuwachs soll in diesem Falle auch dann der Steuer- Pflicht unterliegen, wenn er die Summe von 10 000 M. nicht er- reicht. Die Sozialdemokraten beantragen, im§ 13 die Ziffer 2000 durch 6000, und im§ 14 die Ziffer 6000 durch 12 000 zu ersetzen. Die kleinen Vermögen und der geringe Zuwachs sollten, wie Genosse H a a s e betonte, gewiß geschont werden, aber die nationalliberalen Anträge gingen zu weit.— Abg. Gröber trat für die national- liberalen Anträge ein, ebenso Abg. F i s ch b e ck namens der Volks- parteiler, während Graf Westarp die Stellungnahme der Kon- servativen von der Gestaltung anderer Bestimmungen abhängig machte.— Bei der A b st i m m u n g wurden die Vorschläge der Regierungsvorlage einstimmig, die sozialdemokratischen Anträge gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, die national- liberalen Antrüge dagegen angenommen. Zur Besteuerung deS VerinögenszuwachseS durch Erbschaft be. kntrageit die Nationalliberalen folgende neue Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen:«Fällt in den Veranlagungszeitraum der Erwerb einer Erbschaft, so ermäßigt sich, wenn der Erbe ein Abkömmling des Erblassers ist und zur Zeit des Erbfall» das 21. Lebensjahr noch nicht bollendet hat, und wenn das steuerbare Vermögen den Gesamtwert von SO 000 M. nicht übersteigt, die Ab- gäbe>An einen Betrag, der für jedes bis zur Vollendung des 2U Lebensjahres fehlende volle Jahr auf fünf vom Hundert der Abgabe berechnet wird. Die Gesamtermäßigung darf SO vom Hundert der Abgabe nicht übersteigen." Tie Konservativen stellten diesen Antrag:«Ter Er- werb von Todes wegen der nach 11 Nr. 4z. bis c des Erbschaftssteuergesetzcs von der Erbschaftssteuer befreiten Abkömm- linge bleibt insoweit steuerfrei, als dos ererbte Ver- mögen in der Hand des Erblassers nicht mehr der Zuwachsbesteue- cung unterliegen würde." Für den Fall der Ablehnung dieses Antrags beantragen die Konservativen:«Fällt in den Veranlagungszeitraum der Erwerb einer Erbschaft, so bleibt, wenn der Erbe ein Abkömmling dc» Erblassers ist und zur Zeit des Erbfalls daS 2l. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, und wenn das steuerbare Vermögen den Gc- samtwert von fünfzigtausend Mark nicht übersteigt, der aus dem Erbfall herrührende Zuwachs insoweit steuerfrei, als das ererbte Vermögen in der Hand deS Erblassers nicht mehr der Zuwachsbesteuerung unterliegen würde." Abg. O e r t e l erklärte, die Gestaltung der Besteuc- rung des Vermögenszuwachses durch Erbschaft sei für die Konservativen ausschlaggebend für ihre endgültige Stellungnahme zum Gesetz. Werde das K i n d e S e r b e der Besteuerung unterworfen, so sei für die Konservativen das Gesetz unannehmbar, das nicht zu einem oersteckten Erbschaftssteuergesetz gemacht werden dürfe. DaS Ver- mögen, das durch Erbschaft auf die Kinder übergeht, könne nicht als Vermügenszuwachs angesehen werden. Nur wenn zwischen der letzten Veranlagung eines Vermögens und seines Uebergangs in die Hände eines Abkömmlings ein Zuwachs eingetreten ist, könne eine Besteuerung eintreten, sonst aber nicht.— Schatzfekretär Kühn bekämpfte die konservativen Anträge. Es sei möglich, bei der Besteuerung einen Unterschied zu machen zwischen dem Zuwachs, der aus einer Erbschaft oder sonst Ivoher stamme. Ter Schatzfekretär bezeichnete dagegen den nationalliberalen Antrag als akzeptabel.— Abg. F i sch b e ck stimmte den Konservativen darin zu, daß die Besteuerung der Erbschaften der springende Punkt sei. Die Volkspartei mache ebenfalls die Entscheidung davon abhängig. Seit Wochen werde an einer Verständigung gearbeitet, die aber doch nicht so kommen dürfe, daß sich die Mehrheit der bürgerlichen Par- teien der konservativen Minorität unterwerfe. DaS vorliegende Gesetz würde ein schreiend ungerechtes werden, wenn die Erbschaft nicht der Besteuerung unterworfen würde. Wer 10 000 M. zu- sammengespart und dabei gedarbt hat, solle Steuern bezahlen, nicht aber, nach den Forderungen der Konservativen, wer 25 000 M. erbe. Solchen Ungerechtigkeiten würden die Voltsparteiler ihre Zustim- inung niemals geben. Die Erbschaftsbesteuerung müsse nicht nur de» Betrages wegen für den FiSkus durchgeführt werden, sondern auch um eine Handhabe zu erhalten, die Vermögen richtig ein- schätzen zu können. Genosse S ü d e k u m bestritt, daß es sich beini vorliegenden Gesetz um eine versteckte Erbschcistsstruer handele. Die Be- steuerung des Erbes der Abkönimlinge werde durch das Gesetz klipp und klar eingeführt von Reichs wegen. Südekum bekämpfte sowohl die Anträge der Konservativen, wie den Antrag der Nationalliberalen.— Abg. Gröber wandte sich gegen den konservativen Antrag, der scbon seiner inkorrekten Fasrnng wegen unanehmbar sei.— Abg. Graf W e st a r p gab die Erklärung ab, die Konseiwativen hätten bisher viel Entgegenkommen zu einer Verständigßng bewiesen, erstens durch ihre Zustimmung zu den ersten beiden Paragraphen der Regierungsvorlage und zweitens durch die Bereitwilligkeit, weiter mitzuarbeiten, trotzdem diese Paragraphen abgelehnt worden«seien. Im Jahre 1006 bei Schaf- fung vcS Erbschaftssteuergesetzes wurden feierliche Erllärungen abgegeben, weiter könne und wolle man vom Reich au» nicht gehen, al» beim Gesetz von jenem Jahre. Jetzt aber werde ein anderer Weg beschritten,— Schatzfekretär Kühn bestritt, daß 1006 die Re- gierung Erklärungen in der Art abgegeben hat, wie Graf Westarp jetzt behauptet. Bei der Abstimmung wurden die beiden konservativen Anträge gegen die Stimmen der Antragsteller und des Zen- trumS abgelehnt: der nationalliberale Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Nachmittags soll eine engere Kommission zur Vorberatung der weiteren Paragraphen zusammentreten. Donnerstag wird die Be- ratung fortgesetzt. » Die Retchen protcrtieren, Der„Bund der Industriellen" protestiert in einer Eingabe gegen die Beschlüsse der Budgetkommission über den Wehr- beitrag. In der Begründung des Protestes wird ausgeführt: „Eine Besteuerung der industriellen Kapitalien bi» zur Höhe von V/j Proz. mühte zu Störungen und Erschütte. r u n g e n zahlreicher Unternehmungen führen. Sie bedroht und gefährdet die für die Ausdehnung der deutschen industriellen Pro- duktion unbedingt notwendige Kapitalsbildung, deren ungestörtes Fortschreiten durch das rasche Anwachsen der deutschen Volkszahl und deren noch rascher wachsenden Bedarf geboten ist. Eine der- artige Belastung der in der deutschen Volkswirtschaft arbeitenden und bei der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung unter hohen Zinssätzen und knappem Gcldangcbot auft äußerste in Anspruch ßenommenen Anlage- und Betriebskapitalien würde auch in 'hren wirtschaftSpolttischen Konsequenzen überaus bedenklich sein, sie würde den Beginn einer Konfiskation bedeuten können." Auf einen ähnlichen Ton gestimmte Proteste aus den Kreisen der schweren Industrie veröffentlicht die„Rhein.-Westf. Ztg.". Wenn der Arbeiter bis zu 10 Proz. seines knapp bemesse- ncn Einkommens an indirekten Steuern bezahlen muh. dann stellt man das immer als eine Selbstverständlichkeit hin, wiewohl eine derartige Belastung weit eher als eine Konfiskation des Ein- kommens bezeichnet werden könnte, um so mehr, als diese Be- lastung eine dauernde ist. Der Wehrbeitrag dagegen ist eine ein- m a l i g e Abgabe, die noch obendrein auf drei Jahre verteilt werden kann. Wer ein Vermögen von einer Million Mark hat, bezahlt drei Jahre hindurch jedes Jahr 5000 M.. und das nennt man dann eine Konfiskation des Eigentums. Nachdem die Be- sitzenden, die bei Wablen stets ihre Opferwilligkeit so ostentativ be- tont haben, einmal bezahlen sollen, ertönt aus der ganzen Linie Heulen und Wehklagen. Fehlt nur noch, daß die Besitzenden Protest- Versammlungen gegen steuerliche Belastungen abhalten, damit könnte man dem ,. Opferjahr 1913" erst die richtige Weihe geben. Im übrigen können ja die Herren ihren Einfluß geltend machen. um die neuen Heeresausgaben herabzusetzen. Dann brauchten sie sofort weniger zu zahlen. politische(Übersicht. Liberaler Zeitungsbyzantinismus. Der Kapitalismus, der mit Menschenleben recht der- ichwenderisch umgeht, wird äußerst sparsam, wenn es sich um Ausnutzung dcS Rohmaterials handelt. Was hat nicht die moderne Chemie aus den einst wertlosen Rückständen der Kofsbereituilg hervorzuzaubern gewußt. Und neben der Verwertung der Rückstände, der immer intensiveren Ausnutzung des Rohmaterials überhaupt, werden immer neue, früher unbeachtete Stoffe in den Kreis der Verarbeitung gezogen. Als kapitalistisches Geschäft ver- olgt die bürgerliche Presse genau dieselben Prinzipien sie sind ja ihre einzigen). Man denke nur, was die Scherl- Zeitungen oder die meisten illustrierten Blätter für koloffalen vedarf von Rohmaterial zur Herstellung der Beilagen für den Annoncenteil haben. Billig und in Fülle liefern die verschiedenen Monarchen mit ihren Familien solchen Rohstoff. Der Byzantinismus, den diese Presse pflegt, entspringt so unmittelbar denselben kapita- listischcn Verwertungsprinzipien, die zur Ausdehnung der Rebenproduktion von Benzol, Ammoniak usw. bei den Kokereien geführt haben. Und diese Verwertungsprinzipien deS in der Presse investierten Kapitals tragen natürlich stets den Sieg davon über die politischen Prinzipien, die sonst je nach den Konkurrenzverhältnissen und Gruppeninteressen in den verschiedenen Blättern zum Ausdruck kvmmen. Daher dann der klaffende Widerspruch, der in der nachstehenden Notiz des„Kunstwarts" gezeigt wird: «Man weiß ja: B e r l i n ist der Sitz der Ultrakonservativen. Nicht? Wie, eS ist bei allen Wahlen Kampfplatz der Fortschrittler nnd Sozialdemokraten? Und die Berliner Fortschrittsblätter hätten gelegentlich dieser Feste unmittelbar nach frciheilflammenden Aufrufen Seiten über Seiten mit den gleichgültigsten Kleinigkeiten vom Hofe vollgescbmockt, weil sie die Wünsche ihrer Leser kannten? Soviel ist richtig: auch aus dem blauesten Ostelbien haben wir von solchen Anhündelungen nie gehört. Also: weder sie selber, die hinter allem sich Gutcn-Tag-Sagen und ach, gar Geschenkausstellen der Fürsten »achschwänzelten, hatten ein Gefühl davon, daß sie sich, noch die Reporter davon, daß sie i h r e L e s e r p r o st i tu i e r t e n? Dann müssen politische Gesinnungen, ob sie konservativ oder freisinnig sind, doch wohl an und für sich mit Byzantinismus nichts zu tun haben. Der ist eine Gehirntrankheit für sich.«Herzliche Teilnahme am Königshaus"— was helfen denn solche Reden! Der alte Kaiser und Bismarck wußten, was sie davon zu halten hatten, und der neue und Bethmann Hollweg werden's auch wissen. Teilnahme an Tschakos und Epauletten, an Roben und an seidener Unterwäsche, am Nicken und Lächeln, am Räuspern und Spucken— Wonneschauer beim Vorbeischweben eines «höheren LebcnS", dem zu nahen, als der Inbegriff aller Glück- seligkeit erscheint. Und das ist daS echt Byzantinische: es wird zum Ideal, das nachzuahmen diesen Armen im Geiste das höchste wird, wie ein Dienerfrack, die Hofuniform imitiert. Nicht man selber setzt sich das Lebensideal, der Hofbericht setzt es einem. Als welch ein Gewuscl von lächerlichen Winzigkeiten müßte einem Fürsten ein Volk erscheinen, wen» er nicht zu klug wäre, um es nach solchem«Gehudel unter mir" zu messen." Das ist gewiß richtig, es bleibt aber im Ideologischen stecken, wenn der Byzantinismus nur als Gehirnkrankheit gefaßt wird. Es steckt vielmehr sehr viel Geschäfts- und gesundes Klasseninteresse darin: dem Volke muß der monarchische Glaube ebenso wie der religiöse erhalten bleiben zu höherer Ehre und größerem Nutzen der Kapitalsherrschaft. Geheimes und direktes Wahlrecht— nicht in Preuhen, sondern in Ostafrika. Am 19. Juni wird in Dar-eS-Salam der GouvernemcntSrat von Deutsch-Ostafrika zusammentreten, um an erster Stelle über die Bildung eines LandeSratS nach südwestafrikanischem Vorbilde zu beraten. Der neue LandeSrat soll auS 20 Mitgliedern bestehen, von denen 10 von der weißen Bevölkerung der Kolonie durch direkte, geheime Wahlen endgültig— bisher bestand nur daS Präsentationssystem— gewählt werden. während die übrigen 10 Mitglieder nach freiem Ermessen ernannt werden. Zum Zwecke der Wahlen wird das Schutzgebiet in 6 Wahlbezirke eingeteilt, die aus territorial zusammenhängenden Verwaltungsbezirken bestehen. Jeder Wahlbezirk wählt einen Ver- treter, Dar-eS-Salam und Tanger haben jedoch angesichts ihrer Be- deutung für das ganze Schutzgebiet das Recht, zwei Ksudidaten zu entsenden. Als Mitglied des LandeSrateS kann nur gewählt werden, wer mindestens drei Jahre im Schutzgebiet ansässig ist. Zentrnmspolitik. Ueber die beliebte Zentrumsphrase, als Parter der«rechten Mitte" sorge das Zentrum dafür, daß jeder Stand daS Seine erhalte, macht sich die überklerikale«Köln. Korresp." folgender- maßen lustig: «Wie naiv! Solch« Phrasen hört und liest man jetzt wieder anläßlich der Wehrvorlage, bei der das Zentrum die Forderungen und Lasten so abwägen und verteilen werde, daß niemand zu kurz komme, nicht auf Grund christlicher Liebe und Gerechtigkeit, denn vom Christentum hat daS Kölner Zentrum nur den Namen, sondern weil das die Politik der mittleren Linie sei. Die Industriearbeiter und Gewerbetreibenden sollen also die hohen Viehzölle billigen, damit der Bauer seine Kühe und Kälber teuer verkaufen könne: der Bauer soll hohe Preise für landwirtschaftliche Maschinen und sonstige Jndustrieprodukte zahlen, damit der Fabrikherr seinen Arbeitern mehr Lohn zahle. Und unsere Proletarier sollen mit. ihrem«angemessenen Lohn" hübsch zufrieden und ruhig sein, damit die oberen Hundert- tausend Automobile halten und Sekt trinken können, denn das liegt im Interesse der Automobilfabrikanten und Sektbarone. Diese prächtigen Kölner, die sich immer über den Idealismus der Sozialdemolrotie lustig nvcdenl Sie stellen an den Idealismus der Menschen viel höhere An- spräche, als alle Sozialisten. Sie übersehen, daß sie dem Zentrum, dem sie die christliche Grundlage nehmen und nur die christliche.Formel" lassen wollen, eine Politik zumuten welche nur auf dem Boden des Christentums durchzuführen ist.(?) In Wirklichkeit wird der Idealismus natürlich nur von den Arbeitern und den kleinen Leuten gefordert, die Reichen und Mächtigen sind bei der Zentrumspolitik noch stets auf ihre Rechnung gekommen._ Der Zentrumschrist und der kranke Papst. Die L o b b e r i ch e r A f f ä r c. bei der ein Vorstandsmitglied des katholischen Arbeiterverems und des christlichen Tertilarbeiter- Verbandes. Niesten in Lobberich(Rheinland), dem kranken Papst wünschte, daß er«kaputt gehe, und diese Roheit zunächst ab» geleugnet hatte, wurde von der Zentrumöpresse völlig tot- geschwiegen oder aber als sozialdemokratische Erfindung(I) hw- gestellt. Erst als OpperSdorffs«Klarheit und Wahrheit" sich des standalöscn Vorganges bemächtigte, änderten einzelne Blätter die Taktik, beispielsweise die.Augsburger Postzertung"(Nr. 263). Die Art aber, wie dies klerikale Organ daS tat. veranlaßt«Klarheit und Wahrheit" in der neuesten Nummer(24 vom 15. Juni) zu 'olgenden Bemerkungen: „Die Affäre von Lobberich wird immer interessanier. Erst versucht- Ulan, den.christlichen" Skandal abzuleugnen. Als die,es unlautere Manöver mißglückte, gedachte die Kolner Presse durch ein a l l g e m e i n e s S ch w e ig- n die un. erquicklichen Vorgange zu vertuschen und zu verbergen. Ali auch diese sonst so oft bewährte Taktik versagte, h'eb man einfach auf l-ne los, die den Papst gegen die pöbelhaften Angriffe verteidigten. Weil«Klarheit und Wahrheit' den von emer un. glaublichen Roheit des Gemüts zeugenden Ausspruch de» christ. l'chen Vorstandsmitgliedes in gebübrender Weise brandmarkte. leistet diese Wochenschrift angeblich der Sozialdemokrat,« Vor- sckmb.... Zum ochluß schreibt dann«Klarheit und Wahrheit": „Wir haben bis jetzt bermieden, den Lobbericher Fall au» der Psychologie der christlichen Gewerkschaftsbewegung heran» zu beurteilen. Die Polemik de» Augsburger Zentrumsblatte» aber bietet alle Veranlassung dazu, dieses versaummS in ew« spateren Nummer dieser Wochenschrift nachzuholen." Aus der sozialdemokratische» Reichstagsfraktiou. Die Fraktion bestimmte in ihrer Sitzung vom Mittwoch zum Redner für die dritte Lesung der Militärvorlage den Genossen Scheidemann.— Die Fraktion war einsümmig der Meinung, daß unsere Vertreter in der Budgetkoinmission bei der zweiten Lesung der Verstärkung des Kriegsschatzes gegen diese Vorlage zu stimmen haben. Oesfentlich bekanntgegebener Militärboykott. In K e m b e r g(Kreis Wittenberg) hat die Polizei ein neues Mittel zur Schädigung der Wirte gefunden, die sozialdemokratische Bersammluugen bei sich dulden. Während bisher MilitärbohkottS der Oeffentlichkeit gegenüber geheim behandelt und nur den Interessierten bekanntgegeben wurden, erlietz die Kemberger Polizei im dortigen.Generalanzeiger' folgendes Inserat: Bekanntmachung I Das königl. Generalkommando deS IV. Armeekorps hat unterm 31. Mai d. IS. über das Gasthaus.Zur preußischen Krone' hier- selbst daS dauernde Milttärverbot verhängt. Die Polizeiverwaltung. Dr. Schiffer. DaKemberg keineGarnison hat, kannder Zweck der Veröffentlichung nur sein, die Beamten, Angestellten und sonstigen abhängigen Personen des Städtchens zu beeinflussen. Das gilt natürlich nicht als Terra- riZmuS. In Kemberg wurde den Gewerkschaften kürzlich auch ein Umzug verboten, weil durch ihn die.die verbrecherischen Be- strebungen der Sozialdemokratie gefördert' würden. Der Strafrechtsausschuh. Der mit der Ausarbeitung eines Vorentwurfs zum Strafgesetz- buch betraute Ausschuß wird vom 16. Juli bis 16. August eine Ferienpause machen. Der Ausschuß hoffr mit seinen Arbeiten im Sväthcrbst fertig sein zu könne». Dann wird der Entwurf zunächst den Bundesregierungen zur Stellungnahme zugehen. Der Ein- führungSgesetzentwurf wird erst dann aufgestellt, wenn der neue Strafgesetzentwurf in seinen Grundzügen feststeht. Die Situation auf dem ßalhan. Bulgariens Stellung zur Demobilisierung. Sofia, 17. Juni.(Meldung der Agence Bulgare.) Die b u l- garischc Antwort auf die serbische Note bezüg- lich der Demobilisierung hebt u. a. hervor, daß die Konzentrierung bulgarischer Truppen an der serbischen Grenze keineswegs den Charakter und die Tragweite habe, welche Serbien ihr beimesse. Die militärischen Maßnahmen der Bulgaren seien nur die Folge der militärischen Maßnahmen der Serben. Die von der serbischen Negierung ausgedrückte Befürchtung, daß die bulgarische Regierung in der gegenwärtigen Krise sich etwa nicht von dem Gefühle der Solidarität zwischen den Verbündeten leiten lasse und nicht alle friedlichen Mittel zur Lösung der Streitfragen erschöpfen wolle, sei also nicht begründet. Was die serbische Forde- rung anlangt, die Konzentricrung der bulgarischen Truppen sofort einzustellen und gleichzeitig die Effektivstände auf ein Viertel zu reduzieren, hebt die bulgarische Regierung hervor, daß sie schon am 13.(26.) April der russischen Regierung vorgeschlagen habe, ihre SchiedSrichtcrrollc aufzunehmen, daß aber dieser Vorschlag in Serbien kein sympathisches Echo gefunden habe. NichtSdesto- weniger nahm die bulgarische Regierung, stets von dem Gefühle und den Ideen der Brüderlichkeit und Freundschetft beseelt, die dem Vertrage zugrunde liegen, jetzt noch die gleichzeitige Redu- zierung der gegenwärtigen Esfektivstände auf ein Viertel an, indem sie unter dem Titel eines serbisch-bulgarischen Kondominiums in jenen mazedonischen Gebieten, welch« auf Grund deS Artikels 2 de» geheimen Zusatzabkommens zum Bündnisvertrage die strittige Zone bilden, aus bulgarischen und serbischen Truppen in gleicher Zahl gebildete Okkupationskarps läßt, die dort bleiben sollen, bis die schiedsrichterliche Entscheidung gefällt ist. Da aber die gleich. zeitige Demobilisierung unter gegenseitiger Kontrolle eine relativ lange Zeit in Anspruch nehmen könnte, und da die Anrufung des vorgesehenen Schiedsspruches wirksamer gemacht würde durch den Willen, die Liquidierung friedlich zu beendigen, schlägt die bul- garische Regierung der serbischen Regierung vor, daß in den ersten Tagen, die der Ueberreichung dieser Antwort folgen werden, die beiden Verbündeten durch Vermittelung der russischen Regierung erklären, daß sie den Kaiser von Rußland bitten, sein Recht als Schiedsrichter auszuüben auf Grund des Bündnisvertrages und der Zusatzabkommen, sowie der Memoranden, welche die beiden Parteien binnen einer Woche überreichen werden. Bulgarien macht Schwierigkeiten. �Wien, 18. Juni. Wie die„Neue Freie Presse" aus Sofia meldet, hat die Regierung beschlossen, niemanden nach Peters- bslrg zu entsenden, sondern noch fünf Tage zu warten, ob Serbren bis dahin die bulgarische Forderung nach Einsetzung eines Schiedsgerichts auf der Grundlage des serbisch-bulgari- schen Vertrages erfüllen wird. Scharfe Sprache Bulgariens gegen Griechenland. Sofia, 18. Juni.(Meldung der„Agence Bulgare".) Die Regierung beauftragte ihren Vertreter in Athen, bei der grie- chnchen Regierung neuerlich in der energischsten Form gegen die fortgesetzten Verhaftungen von B u l g a r e n in den von griechischen Truppen besetzten mazedonischen Ge> bieten wwle dagegen zu protestieren, daß die Gefängnisse von Saloniki mit Bulgaren überfüllt seien, und daß viele Bul- garen nach Griechenland gebracht würden. fraukreicd. Der sozialistische k�ampf gegen die dreijährige Dienstzeit. Paris, 18. Juni. Kammer. Jaurds setzte heute seine gestrige Rede fort. Er erklärte. Deutschland denke nicht nur an einen plötzlichen Angriff, indem es die beiden jüngsten Reserveklasfen den aktiven Beständen eingliedere, sondern es denke an einen Massenangrisf. Die deutschen Strategen hätten für die erste große Schlacht 1 300 000 Mann vorgesehen. Bei allen Manövern fänden in Deutschland Massenübungen von Reservisten statt. Tie deutsche Militärvorlage ziele darauf hin 60 000 Mann jährlich mehr auszubilden, um in kurzer Zeit über 500 000 Mann mehr verfügen zu können. Metho- disch würde die Offensive mit bedeutenden Truppenmaffeu vor- bereitet. Diese Gefahr verkennen, hieße die Nation über Ge- fahren hinwegtäuschen. Wenn Frankreich nicht überflutet werden wolle, müsse es, um gegen eine Invasion Widerstand feisten zu können, sich darauf vorbereiten, von der ersten Stunde an die Gesamtheit der organisierten Streitkräfte in Linie zu bringen. Es sei geboten, die Grenze mit den Truppen aus dem Osten und Norden zu decken, um eine vollständige Konzentrierung abzuwarten und uin nicht zerstreute Arnieen »n den Rachen des Wolfs zu jagen, wie es Napoleon III. getan habe. I a u c d s fuhr fort, es sei eine Legende, daß er- die «vuzentrierung aller Streitkräfte in dem strategischen Dreieck Moret, Fontainebleau, Monterau predige, wobei der Rest des Gebietes im Stiche gelassen würde. Jaurds lobte von neuem die Reserven und erklärte, für die Unabhängigkeit des Landes werde man alle Bürger auffordern, sich zu stellen. Der Redner machte der Regierung den Vorwurf, sie opfere dem Erfolge des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit den wahren Schutz des Vaterlandes, der in der Verstärkung der Festungen bestände. Man werfe ihm vor, er sei für eine Kon. zentrierung nach rückwärts, indem man z. B. Reservisten aus den Grenzgebieten nach Epernah zur Einkleidung schicke. (Lebhafter Beifall.) Bei der Kritik über die Art und Weise. wie der Minister und Reinach das Minimum des Effektiv- bestandes berechneten, sagte Jaur�s, dieser Effektivbestand sei kein philosophisches System, sondern ein politisches Hilss- mittel.(Beifall auf der äußersten Linken und einem Teil der Linken.) Jaurds fuhr fort: Der Minister sei mit patrioftscher Hast vorgegangen, durch die eine Prüfung der Zahlen un- möglich gemacht wurde. Er erblicke eine der Gefahren des Gesetzesvorschlags darin, daß auf dieses Gefetz alle Macht. Aufmerksamkeit und Opferfähigkeit der Nation abgelenkt werden.(Der frühere Kriegsminister Messimy spendete bei diesen gegen das Gesetz gerichteten Worten Beifall.) Jaurds erklärte, sein Ziel sei, stufenweise das Berufsheer zu ver- ringern und dafür die Kraft des Nationalheeres zu stärken. Er werde mit den Republikanern leidenschaftlich das Gesetz über die zweijährige Dienstzeit verteidigen und werde ver- suchen, der Militärreaktion, die unfähg sei, das Vaterland zu beschützen, eine Niederlage beizubringen, durch die jegliche Rückkehr zur Offensive verhindert werden würde. Jaurds schloß: Je schwächer Ihre innersten Gründe sind, um so schwärzer müssen Sie vor dem Lande malen, um das Gesetz zur Annahme zu bringen, und um so mehr müssen Sie un- kluge Worte reden. Wir haben die Ueberzeuguna. daß wir der nationalen Verteidigung und dem Weltfrieden dienen, an dessen Erhaltung die Republik mithelftn muß.(Lebhafter Beifall auf der äußersten Linken und einem Teil der Linken.) Die Diskussion wird morgen nachmittag fortgesetzit werden. Wie sich die Militaristen räche». Nancy, 18. Juni. Das Kriegsgericht verurteilte von fünf Soldaten, die sich am 18. Mai geweigert hatten, in der Patrouille mitzumarschieren, welche die Meuterer auf dem Uebungsfelde von von Dammartin-leS-Toul verhaften sollte, zntei zu einem Jahr und drei zu zwei Jahren Gefängnis. Keiner von ihnen ist Mitglied des Arbeitsverbandes. Die Angeklagten er- klärten, sie feien ermüdet gewesen, da sie schon einen Marsch hinter sich hatten, und hätten nicht die Bedeutung ihrer Weigerung erkannt. Alle versicherten, nicht gehört zu haben, daß der Hauptmann an sie eine besondere Aufforderung zum Gehorsam gerietet habe. Die Anklage wies besonders auf die Rolle deS Arbeitsverbandes hin und auf das Komplott, daS beabsichtigt habe, besonders die Truppen im Osten zu desorganisieren. Das den fünf Angeklagten zum Vorwurf gemachte Vergehen besteht genau genommen darin, daß sie sich ge- weigert hätten, das Bajonett aufzupflanzen. Italien. Zum Mailänder Generalstreik. Rom, 16. Juni.(Eig. Ber.) Auf ein« schwere Provokation hat daS Mailänder Proletariat mit einem ernsten und folgen- schweren Entschluß geantwortet. Ein Gericht hat e» gewagt, 18 streikende Metallarbeiter, die während der Streikbewegung der vorigen Woche von der Polizei wahllos aufgegriffen worden waren, zu schweren Freiheitsstrafen zu verurteilen. Mehr als 17 Jahre Gefängnis sind über die 13 verhängt worden, gegen die als einzige Belastungszeugen Polizisten auftraten. Und unter den Verurteilten befand sich neben mehreren halbwüchsigen Burschen auch ein gereifter und ruhiger Mann, dem niemand eine Gewalttat zutrauen konnte, der Sekretär der Mailänder Metallarbeitersektion, den man auf eine Polizistenaussage hin zu 1)� Jahren G e- fängnis verurteilt hat. Zunächst hat die syndikalistische Unione sindacala den Protest- streik proklamiert, dem dann in einer Sitzung, der der Parteisekretär Lazzari beiwohnte, auch die lokale Arbeiterkammer beitrat. Ende deS Generalstreiks. Rom, 18. Juni.

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Di« fünf Franksurter. Letfing. Alt-Wien. Deutsches. Der lebende Leichnam. »tammerspiele. Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Berliner. FUmzauber. Mantis Operetten. Der lachende Ehemann. Deutsches Schauspielhaus. Eine Vergangenheit. »kleines. Proseffor vernhardi. Deutsches Opernhans. Der Mikado. Dhalia. Pnppchen. Metropol. Die Kino-Königi«. Wintergarten. Spezialitäten. Skcichshalle«. Stettiner Sänger. Anfang 8'/, Uhr. SomSdieuhaus. tzochherrschaMiche Wohnungen. Frtedr.. Wilh. Schauspielhaus. Das Farmcrmädcheu. Luftspielhaus. Der lustige Kakadu. Ras«. Der Traum ein Leben. Luise«. Die Allwördens. Folies Caprice. Ein Pechvogel. Die Krampssache. Ansang 8'/, Uhr. AeueS Volkstheater. Ernst fem. Theater am Nolleudorfplatz. Der Manu mit der grünen MaSke. Ansaug 8 Uhr. AdmiralSPalast. SiSballett: Flirt in St. Moritz. '.' Sternwarte, Jnvastdenstr. 57—62, Zeltlller-IIittlerv.»??,/ Donnerstag, abends 8 Uhr: vor I,cibgardlst. Freitag, abends 8 Uhr: Der I-elbjrwdlat. 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Juni: Großer Sommernaehtsball. Anfang 8 Uhr. Turnverein„Fichte" Berlin Mitglied des Arbeiter-Turner-Bandes. Sonntag, den 22. Juni 1913, nachmittags 3 Uhr; Großes Spielfest auf dem städt. Spielplatz im Treptower Park. Stafettenläuje• Wettspiele» JÄassenanfführungeti 186/5* Von sämtlichen Männer-, Franen- und Lchrlings-Abteilnngen wird zahlreicher Besuch seitens der Arbeiterschaft erwartet. Jßetropol-Theater. ttbendS 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jui. Freund und G. Okonkowsst. Mufik von Jemn Gilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. Volksgarten-Theater. Badstr. 8 und Bellerrnannstr. 20/25. Donnerstag, den 18. Jnni 1813: Stottmert. DHeater und Spezialitätenvorstelluug. Ia laasebizrer �saebt. Origmalposse in 2 Äst. v. W. Gehricke. Dazu das vollst, neue Spczial.-Progr. Heute: Gr. Brillant-Fenerwerk. Achtung! Achtung! Tiwslkhrer Richard Heinrich ladet hierdurch Freunde und Bekannte, Schülerinnen und Schüler zu der am Sonnabend, den 28. 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Berlin LW. H.erzu 3 lvetlooen u Untrrimltunr,. 152 30 3-w°s. i. Keilllge des Lmiilts" Kerlimr AlligdlM. tt w! wlZ. Keickstag. IS�-. Sitzung. Mittwoch, den 13. Juni 1913, nachmittags 3 Uhr. Am BundesratStisch: v. Heeringen. 2. Beratung der Wehrvorlage. 6. Tag. Es wird zuerst über die zurückgestellten Anträge und Reso- lutionen über Verkürzung der Dien st zeit. Ein- jährigenprivileg, Burschenwesen usw. abgestimmt. Der sozialdemokratische Antrag A l b r e ch t und Genossen aus Ein- führung der allgemeinen einjährigen Dienstzeit wird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt, ebenso der Eventual- antrag auf Beseitigung des Einjährigenprivilegs. Dagegen wird die fortschrittliche Resolution Ablast und Genossen, die den Reichskanzler ersucht, eine Verkürzung der Dienstzeit nach Möglichkeit eintreten zu lassen, angenommen. Da- für stimmen die Fortschrittler, Sozialdemokraten, Polen und die Zentrumsabgeordneten Gröber und Müller-Fulda sowie einige weitere Zentrumsabgeordnete. Ebenso wird eine weitere fortschritt- liche Rejolution auf Ausdehnung der Einjährigendienstzeil auf Kunsthandwerker und ähnliche Berufe �sogenannter Künstler- Paragraph) angenommen. Dagegen stimmen nur die Sozial- demokraten und die Konservativen. Sodann wird eine Resolution der Budgetkommission auf Reform des Einjährigen- Fr e i w i l li g e n d i e n st es inr Sinne einer Erweiterung und Er- leichterung der Zulassung auf Grund der Fachausbildung gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Der sozialdemokratische Antrag Albrecht und Genossen, das B u r s ch e n w e s e n zu beseitigen, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Polen, des Fortschrittlers Ncumann-Hofer und des Zemrumsabgeordneten Müller-Fulda abgelehnt. Ein Antrag Ablast und Genossen, das Burschenwesen einzuschränken, namentlich keinem Offizier mehr als einen Burschen zu erlauben, wird mit den Stimmen der gesamten Linken und des Zentrums an- genommen. Nunmehr tritt das Haus in die Beratung der Anträge über da? Gardekorps ein. Hierzu liegt ein Antrag Albrecht und Genossen vor:»Bestimmungen, durch die das Gardekorps und die sonstigen Eliteformationen sich von den übrigen Truppenteilen unter- scheiden, sind unzulässig. Bestehende Bestimmungen dieser Art werden aufgehoben." Ferner eine Resolution Ablast und Genossen: »Den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, dast keinerlei Privilegierung einzelner bestimmter Truppenkörper nach Garnisonsort, Avancement usw. stattfindet." Abg. Dr. Lensch(Soz.): Unsere Partei legt Wert darauf, dast hier ein Antrag und nicht nur eine Resolution angenommen wird. Auch die bürgerlichen Parteien sollten sich das überlegen, nachdem der Reichskanzler sich erst vor wenigen Tagen in so schroffer Weise gegen jede Demokratifierung und Reformierung des Heeres ausgesprochen hat. Ein Antrag ist notwendig, weil Resolutionen billig sind wie Brom- beeren. Wenn der Korb voll ist, lästt die Regierung sie wegfahren. (Heiterkeit.) Vielleicht überlegt es sich der Schatzsekretär Kühn ein- mal, ob er diese Malulatur nicht günstig verkaufen kann.(Er- neute Heiterkeit links.) Für die Existenz eines Gardekorps fehlt j e d e g e s e tz l i ch e G r u n d I a g e. In der Kommission hat sich der Abg. Gröber die gröstte Mühe gegeben, nachzuweisen, dast kein Gesetz besteht, das die Existenz einer Garde verbietet.(Heiterkeit links.) Auf diese Weise kann man alles beweisen. ES bleibt dabei, dast daS Bestehen von Eliteregimentern mit der Reichsverfassung in Widerspruch stehs. Aber gerade wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zu rechter Zeit sich ein. Was sage ich: ein Wort nicht, eine Unmasse von Worten, ein wahrer Platzregen von Worten, sogar der Abgeordnete Erzberger.(Stürmische Heiterkeit links.) Auch er hat zu be- weisen versucht, dast die Garde ein Recht auf Existenz hat. Man hätte erwarten sollen, dast die Militärverwaltung unS für unseren Antrag dankbar hätte sein müssen, denn der Kriegsminister hat in der Kommission erklärt, dast die Garde ungefähr erst sieben Tage später mobil gemacht lv erden kann als die übrigen Truppen. tHört! hört l links.) Das ist ja auch klar, denn die Garde setzt sich aus ganz Preusten, cinschliehlich Elsast- Lothringen, zusammen und die Berliner Bevölkerung, die doch am Ort wohnt, ist überhaupt nicht in ihr vertreten. Die Berliner Bevölkerung wird in die Grenz- bezirke abgeschoben. Wenn die Dinge so liegen, wenn die Schlagfertigkeit des Heeres unter der Existenz der Garde leidet, so must doppelt und dreifach unterstrichen werden, dast der Kriegs- minister iir der Kommission unseren Antrag nicht nur schroff abge- lehnt, sondern erklär! hat: wenn dieser sozialdemokratische Antrag angenommen wird, dann fällt das ganze Gesetz.(Stürm. Hört! hört: bei den Sozialdemokraten— Abg. Ledebour: Das beweist, dast daß ganze Geietz überflüssig ist!— Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten). Monatelang hat sich die Regierung stra- paziert, uns zu beweisen, dast die gewaltige Verstärkung des Heeres im Interesse der Sicherheit des Reiches notwendig ist. dast vom Balkan her trübe Wolken herüberziehen, dast die Serben und Griechen, die Montenegriner und Buk- garen drauf und dran sind, über das Deutsche Reich her- znfallen, dast von Rustland auf der einen und von Frank- reich auf der andern Seite Gefahr droht, dast dort schon die Messer geschliffen werden, die uns an die stehle gesetzt werden sollen, dast der PanslawismuS eine Gefahr ist, und nun erklärt in demselben Augenblick der Kriegsminister: wenn Ihr mir die Garde streicht, dann ist das alles Makulatur, was ich Euch erzählt habe.(Stürmisches Hört! hört! bei den Sozialdemo« kraten.) Also erst die Garde, dann das Baterland! Wenn wir Sozialdemokraten Ehrenzeichen für Förderung unserer Bestrebungen zu vergeben hätten.— ich würde sofort den Antrag stellen, dast der Genosse Hceringen eine goldene Ehrenkette be- kommen soll.(Groste Heiterkeit.) Die Acusterungen des Kriegs- Ministers beweisen jedenfalls, dast es mit der Aufrechterhaltung der Garde eine besondere Bewandtnis haben must. Da man die wahren Gründe aber nicht offen aussprechen kann, must man irgend etwa« vorspiegeln und sich hinter spanische Wände verstecken. So hat man in der Budgetkommission erklärt, die Beseitigung des Gardeprinzips fei absolut unmöglich, denn das wäre ei» Eingriff in die Kommandogewalt! Seit Wochen schon hat man uns immer wieder, wenn wir irgendwelche Anträge auf Reformen im Heer gestellt haben, gesagt, das dürft Ihr nicht, das wäre ein Ein- ariff in die Kommandogewall. Als wir seinerzeit beantragten, von den zwölf Adjutanten des Kaisers sechs als überflüssig zu streichen, da erklärte das Zentrum, und der Kriegsminister pflichtete ihm nlückitrablend bei. das dürfe man nicht, das wäre ein E r n g r» f s in die Kommandogewalt. Ebenso war es immer noch, wenn wir die M i l i t ä r j u st, z reformieren wollten usw. -In diesem mystischen Begriff der Kommandogewalt, wie er sich hier in Deutschland ausgewachsen hat, haben wir die schwerste W ur' e l unserer gesamten politischen Rückständig- keit(Sehr wahr! bei den Soztaldem.) In Deutschland werden die Soldaten nicht auf die Verfassung vereidigt, sondern lediglich auf heu Landesherrn, dem sie die Treue schwören müssen, und dadurch werden die Soldaten zu w i l l e n I o s e n I n st r u- Kenten ihres speziellen LandeShei'rn. Die Kommandogewalt be- deutet nichts weiter als die Aufrechterhaltung deS deut- schsn Absolutismus in seiner schärfften Form.(Lebhafte- Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In diesen Tagen mag es sehr fest- und freudestörend sein, an die Debatten über das per- sönliche Regiment zu erinnern, wie sie der Reichstag öfter, ins- besondere 1993 gehabt hat. Inzwischen ist die Gegnerschaft gegen den Absolutismus bei den bürgerlichen Parteien ja wieder völlig abgeflaut, aber die damals besprochenen Zustände wurzeln in erster Linie in der Einrichtung der höchsten Kommandogewalt, die wieder ihre Wurzeln schlägt in den für Deutschland und deutsche Verhältnisse so bezeichnenden Fridolincharakter. Ge- wist, ein treuer Knecht war Fridolin und in der Furcht des Herrn, und die deutsche Bedientenhastig- keit ist auch heute noch eine auch im Auslande sehr be- kannte Erscheinung. Die bürgerlichen Parteien verschulden allerdings selbst durch ihre Feindschaft gegen das Aufsteigen der Arbeiterklasse das Fortbestehen des Absolutismus. Statt der Arbeiterklasse größere politische Rechte zu gönnen und ihr zu gestatten, auS der politischen Sklaverei herauszukommen, lassen sich die bürgerlichen Parteien selber in die gröstte politische Sklaverei hin- einzwingen.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aus diesen Gründen ist es für uns die schärfste und dringendste Notwendigkeit, mit diesem mystischen Begriff, dem Feigenblatt des deutschen Absolutismus ein Ende zu machen, und unser Antrag auf Beseitigung des Gardeprinzips soll das wenigstens auf einem Ge- biet tun. Fraglos tritt gerade bei dem Gardeprinzip der deutsche Absolutismus am schroffsten in die Erscheinung. Ihrer ganzen ge- schichtlichen Entstehung nach ist die Garde nichts weiter und soll nichts weiter sein als das persönliche Werkzeug eines Autokraten. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir wissen doch auch, dast diese Auffassung keineswegs historisch überwunden ist, wir erhalten fast täglich Beweise dafür, daß die Auffassung des Heeres als eines persönlichen Werkzeugs eines Selbstherrschers, noch existiert. Die Garde stammt aus der schönen Zeit des Serenissimus, des Zopf, der Wachtparade und der Soldatenspielerei, aus jener Zeit, aus der wir ja noch heute austerordentlich groste Uebcrreste haben. Wenn wir uns heute noch diese Gardctruppen ansehen, in ihren teil« weise unsagbar geschmacklosen, schreienden Uniformen, mit all dem Brimborium und lächerlichem Tand, der drum- und dranhängt(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), so greift man mit Händen, dast dieses Institut aus der politisch schmach- vollsten Zeit des deutschen Volkes hervorgegangen ist, eben aus dem deutschen Absolutismus, der seine Wurzeln im 18. Jahrhundert hat. Ist etwa bei der Garde die Soldatenspielerei völlig über- wunden? Von der Garde kava llerie hat selbst der Kriegs- minister unlängst gesagt, dast in ihr ein sehr starker Luxus herrschte. Ihre'Uniformen— das Leibgardehusarenregiment in Potsdam zum Beispiel, dessen rote Jacken der Voltsmund mit der nicht sehr respektablen Bezeichnung.Affenjacken" belegt hat, ist kenn- zeichnend dafür, in welcher Art und Weise diese Truppen, die ja wohl auch ins Feuer gehen sollen, ausgestattet werden init einer Uniform, die für den Ernstfall total unbrauchbar ist.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Man könnte dem Feind im Feuergefecht gar keine besseren Schiestscheiben geben, wie diese schreiend eingekleideten Soldaten. Daraus geht auch hervor. dast man mit der Garde heute alles mögliche beabsichtigt, aber gewst nicht in erster Linie ihre Verwendung im Kriegsfall. Und fehlt es denn an Erinnerungen an die Zopfzeit und an die Wachtparade? Sehen Sie sich einmal die Potsdamer Wachtparade an! Der Schellenbaumträger des L Garderegiments ist ein Schwarzer, nicht etwa ein Zentrumsmann(Stürmische Heiterkeit), sondern ein richtiggehender Neger auS Kamerun. Zwar ist das an sich zweifellos nur eine Kleinigkeit, es ist aber doch im höchsten Mäste kennzeichnend für den Serenissimi« Scharakter dieses Regiments. In Gemäldegalerien sehen wir mitunter Porträts der Serenissimi aus dem 18. Jahrhundert, wo im Hinter- grund ein derartiger schokoladenfarbiger Neger steht. Das kommt uns heute sehr abgeschmackt vor und man sagt: da» war halt ein Serenissimus!(Heiterkeit.) Aber heute läuft der Neger in Potsdam mit dem I. Garderegiment hermn. Der Präsentier- griff aus der Zeit des alten Fritz, der jetzt bei der Garde eingeführt ist, beweist ebenfalls, wie stark noch die Gardetruppcn im Geist der Serenissimuskultur stehen. Jeder, der selbst einmal den Kuhfuß ge- tragen hat(Heiterkeit), weist auch, dast gerade bei den Griffübnngen die allermeiste So ldatenquä lerei und-Schinderei vor- kommt.(Zustimmung links.) Wer sich aber den Fridericianischen Präsentiergriff mal angesehen hat, erkennt sofort, dost er außer- ordentlich viel Mühe und Umstände machen must. Dieser Griff steht nicht im Exerzierreglement. Er ist lediglich da für die Garde. für die preußische Garde, xour le roi de Pnisse(für den König von Preußen). Dazu ist aber der preußische Soldat wirklich zu gut, um lediglich derartig abgeschmacktes Paradezeug leisten zu müssen. Wenn nun die Eindrillung der Garde für den Paradedienst in erster Linie steht, so möchte ich doch den Kriegsminister fragen, wie selbst auch nur damit die Tatsache vereinbar ist, daß gerade in Potsdam häufig genug Mannschaften des 1. Garderegiments ver- wendet werden für rein höfische Bedürfnisse, z. B. als Licht- st ä n d e r auf der Mopke am Neuen Palais und bei Fackelzügen! diese sind nicht etwa mit den Fackeltänzen zu verwechseln. Die Fackeltänze sind eine freiwillige Sache, die lediglich die preußi- schen Herren Minister zu erledigen haben, und es wird niemand gezwungen, preußischer Minister zu werden.(Erneute Heiterkeit.) ES ist also jedermanns eigene Sache, ob er einen Fackeltanz mit- machen will oder nicht. Wohl aber wird man gezwungen, Soldat und bei der Garde Soldat zu werden. Wir erheben deshalb gegen einen derartigen höfischen Mißbrauch der Dienstzeit des Soldaten für Zwecke, die absolut nichts mit der Kriegsbereitschaft zu tun haben, an dieser Stelle sckärfsten Protest.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Und wenn das etwa als ein Ausfluß der allerhöchsten Kommandogewalt hingestellt werden sollte, so würde das nur beweisen, dast es die allerhöchste Zeit ist, diese W u ch e- rungen der Kommandogewalt höchst energisch zu bö- schneiden.' Was haben wir in den letzten Wochen hier in Berlin erlebt! Es ging da, glaube ich. ein Familienfest vor sich am Hofe, da wurden überall auf den Straßen für mehrere Stunden Gardesoldaten auf- gestellt, die zu präsentieren hatten.(Zuruf rechts: Ja, warum denn nicht?) Ihnen ist die jetzige Dienstzeit ja noch viel zu kurz— eine derartige Verwendung der Soldaten aber beweist, dast die zwei- jährige Dienstzeit zur Sicherung der Wchrhaftigkeit des deutschen Volkes noch viel zu lang i st.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir uns daran erinnern, vor welchen Leuten denn diese preußischen Soldaten die Gewehre präsentieren mußten: vor dem Zaren und seiner Kumpanei!(Pfui- Rufe und erregtes Sckreien rechts, Gegenrufe bei den Sozialdemo- kraten: Ruhe dort drüben!— Präsident Dr. Kaempf: Es geht nicht an, von der Tribüne des Reichstages ftemde Souveräne in dieser Weise zu beleidigen, ich rufe Sie zur Ordnung.— Beifall rechts.— Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Eine Be- leidigung des Zaren an dieser Stelle habe ich nach meiner Person- lichen Empfindung nicht ausgesprochen.(Sehr richtig bei den Sosial- demokraten. Präsident Kaempf: Ich habe erklärt, daß in �hren Worten eine Beleidigung des Zaren log und must Sie bitten, sich zu fügen I— Beifall rechts, Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Abg. L e d e b o ur: Wird man die russischen Spitzbuben nicht Kumpanei nennen dürfen?— Präsident Kaempf: Ich bitte, keine Unterbrechungen I— Groste Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.).' Wegen dieser Zustände, die man im Reichstag nicht so kritisieren darf, wie in jeder Volksversammlung(Stürmische Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts), must das Garde- prinzip also erhalten bleiben? Der Kriegsminister hat weiter er- klärt, es müsse unbedingt erhalten bleiben, weil die Garde eine tiefe monarchische Bedeutung habe.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die Garde steht in erster Linie in Berlin und Potsdam. Berlin und Potsdam senden Sozialdemokraten in den Reichstag und noch dazu was für welche!(Stürmische lang anhaltende Heiterkeit.) Gerade wenn ich als den Vertreter Potsdams hier meinen Parteifreund Dr. Liebknecht vor mir sehe und sagen wir mal als Vertreter Berlins meinen Freund Ledebour — wenn das die Früchte der monarchischen Gardeerziehung sind, dann tut mir die ganze Garde leid!(Schallende Heiterkeit.) Man hat mit besonderem Nachdruck betont, gerade die Schlachten, die diese Gardetruppen geschlagen haben, wären der beste Beweis dafür, wie direkt unentbehrlich derartige Elitetruppen seien. An dem Feldzug im Jahre 1813 hat die Garde mit AuS- nähme der einen Schlacht von Großgörschen überhaupt keinen Anteil genommen. 1814 wurde freilich die preußische Garde für gut befunden, den Einzug nach Paris mit vorzunehmen. Sie hatte die besten Quartiere bekommen und sah am propersten von der ganzen Armee aus. Die Garde war damals in der Hauptsache zum Renommieren da und diejenigen preußischen Bataillone, die die entscheidenden blutigen Schlachten von Dennewitz, Grostbeeren, an der Katzbach, bei Leipzig und die von 1814 geschlagen hatten, wurden einmal von dem König Friedrich Wilhelm III. von Preusten besucht, sie sahen gerade nicht sehr proper auS, aber sie hatten doch diese Krone dem König wieder emporgehoben von de in Komposthausen, auf den Napoleon sie hingetreten hatte! Als der König von Preusten an jenen wirklich leistungsfähigen Bataillonen, die allerdings den Nachteil hatten, dast sie nicht bei der Garde standen, vorbeiritt, da sagte er: „Schmutzige Leute, sehen schlecht aus!" (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Leute mußten selbst- redend draußen bleiben, das war der Dank, die Gardetruppen, die lackierten(Heiterkeit links) durften nach Paris hineinmarschieren I Ich bin der letzte, der die vom Kriegsminister hervorgehobenen Leistungen des Gardekorps bei Saint Privat 1879 irgendwie heruntersetzen wollte. Aber wenn man die Dinge etwa so darstellen will, als ob der'Gardecharakter dieser Truppen die Seele des Kampfes gewesen sei, dann verweise ich darauf, daß der fach- verständige Friedrich Engels geschrieben hat, dast die preußischen Truppen die ihnen vorgeschriebene Kompagniekolonne nach den fürchterlichen Verlusten im feindlichen Feuer sehr rasch auf- gegeben haben, und dast sie in dichten Schützen- schwärmen, die man von oben herab als ordnungswidrig bekämpft hatte, und im feindlichen Feuer im Lauffchritt vorgegangen sind; die Soldaten seien wieder einmal gescheiter gewesen als die Offiziere— das heißt also, die Offiziere waren wieder einmal diimmer gewesen als der Mann. �Heiterkeit links.) Das ist die Garde, das ist das Kennzeichen dafür! So erreichen Sie mit Ihren Legenden das Gegenteil von dem, was Sie wollen. Im Gegensatz zu den Klagen der Liberalen über die feudale Exklusivität der Gardeoffizierskorps beschäftigt sich unser Antrag mit der Garde als Ganzes. Die Liberalen haben sich einmal sehr gefreut, als der frühere Kriegsminister v. Einen« die feudale Exklusivität der Gardeoffiziere zugab, womit er ungefähr aus- gesprochen hatte, dast am Tag die Sonne scheine. Aber schon am nächsten lllkorgen erwies sich dieser freisinnige Erfolg in seiner ganzen Größe, als man bei der Ausmusterung der Kadetten sah, daß die A d l i g! n wieder zur Garde kamen und die anderen anderswohin. Immerhin gestand Herr v. Einem ivenigstens die Dinge zu, Herr v. Heeringen aber leugnet sie. Es ist ganz unglaublich, was wir in der Kommission an Ableugnungen von Dingen erlebt haben, die man nicht wegleugnen kann, es fei denn, dast man Kriegsminister ist.(Glocke des Präsidenten.) Präsident Kaempf: Für diese Aeusterung rufe ich Sic zur Ordnung!(Unruhe bei den Sozialdemokraten, Bravo! rechts.) Abg. Lensch(fortfahrend): Ich denke in keiner Weise daran, dein Herrn KriegSminister eine absichtliche Wegleugnung von Tatsachen vorzuwerfen. Mich er- innert der Kriegsminister immer an ein bekanntes Bild, das ein blindes Mädchen auf der Wiese darstellt. Daß die feudalen Regimenter in den letzten 25 Jahren zugenommen haben, ist eine Tatsache,' die selbst Herr Bassermann wiederholt beklagte. Verwunderlich ist diese Entwickelung nicht. Es ist historisch begründet, dast sich aus und über der Cränke.Mir Bourgeoisie eine orbme double, eine Neufeudalitüt bildeb Zahlenmäßig ist nachgewiesen worden, dast, wenn Regimenter in e n t l e g e n e Gar« nisonen verlegt werden, sich die adligen Angehörigen der Offizierskorps verlieren w i e S p r e n im Wind. Es ist vergebene Liebesmüh, ableugnen zu wollen, dast die Avancementsverhältnisse in der Garde günstiger sind als in andere» Truppenteilen. Die Zahl der Offiziere. die bis zum Major oder darüber hinaus gegangen, beträgt anderswo 36 bis 37. bei der Garde aber 89 Proz.(Hört! hört! links.) In jeder Weife stellt die Garde den Militarismus in Reinkultur dar. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit beim Militärgerichtsverfahren, der vom Gesetzgeber als Ausnahme gedacht worden war, ist bekannt- lich, wenigstens soweit es sich um Prozesse gegen Offiziere handelt. überall zur Regel geworden. Im Gardekorps aber wird sogar das Urteil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ver« kündet. Freilich kommt es überhaupt nur in den seltensten Fällen gegen Gardeoffiziere zu Anklagen wegen Soldatenmißhandlung. Vor einiger Zeit wurde ein Gardehanptmann v. G r o l l m a n'n in einem solchen Prozeß verurteilt und bald darauf nach Breslau versetzt. Einige Zeit darauf wurde er und zwar unter Ueberspringung zahlreicher Vordermänner zum Maj or befördert.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ist dem Kriegsminister dieser Fall bekannt? Ich selbst erinnere mich dabei an einen Fall, den ich per- sönlich, allerding« vor einigen Jahrzehnten(Hört! hört! und Heiter- keit rechts), in Potsdam mit eigenen Augen gesehen habe. Der Fall(nach rechts) liegt allerdings ziemlich zurück, aber er hat, wie Sie gleich sehen werden, eine ziemlich aktuelle Bedeutung. Dort in Potsdam im Lustgarten, also auf der k l a s s i s ch e n S l e l l e d e r preußischen Soldaten Mißhandlungen(Unruhe rechts) wagte ein Hauptmann mit der flachen Klinge auf die Soldaten einzuhauen. Einen Soldaten hat er den Degen in de» Leib gerannt. (Lebh. Hört I hört I und Pfuirufe b. d. Soz.) Nachher aber hiest es, der Soldat sei in den Degen hineingeraten.(Lebhafte Zurufe links.) Die Geschichte respektive diese Erklärung ist ja nicht neu, man kann sie schon bei einem gewissen Münchhausen nachlesen. (Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der betreffende Hauptmann ist heute läng st General(Bewegung), steht mit an den obersten Stellen in der Armee. Ich habe den Namen schon gelegentlich in der Komntission genannt; im übrigen kommt es auf den Namen hier nicht an. Sorgfältig wird das R e k r u t e n m a t e r i a l für die Garde zusammengesucht. Man sucht sich aus Leute mit möglichst sozio- l i st e n r e i n e n Gehirnen, uni eine für alle inneren Zwecke schlagfertige Truppe zu haben.(Sehr richtig! rechts.) Ihr(nach rechts) Kriegsminister sprach ja wieder einmal von der Feuerspritze, wie reimt sich damit zusammen, dast bei jeder stattfindenden De- monstration größeren Umfanges die Garnisonen alar- m i e r t werden? Wir fteilich sind nicht so töricht, dorthin zu gehen, wohin man uns haben möchte, wohin uns Bismarck und seine kleinen Nachäffer etwa von der.Deutschen Tagesztg." hinlocken möch&n. Als vor 18 Jahren der Kaiser die bekannte Rede hielt, in der bvn der hochverräterischen Schar, von der»Rotte von Menschen' gesprochen wurde, da wandte der Kaiser sich dabei nicht an die Feuerwehr, sondern an die Garde. Man sieht auch hieran, daß der Hauptzweck der Garde ist, im gegebenen Falle das Volk niederzuhalten. iZiiruf bei der Reichspartei: Nicht das Volk, sondern Sie!) Eine Partei von 4>/z Millionen Wählern hat eS nicht nötig, sich mit einem Zwergpüppchen über de» Begriff„Volk" zu unterhalte». (Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Garde ist nicht nur nicht in der Verfassung begründet. sondern ist e i n H o h n auf d i e V e r f a s s u n g und eine sl ü n- dige Gefahr für die Verfassung. Verfassung und Garde sind etwa dasselbe tvie Preszfreiheit mit d e in Galgen daneben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Darum sind nicht allgömciii gehaltene theoretische Resolunonen, sondern strikte präzise Anträge am Platze, um diesem verfassungswidrigen Garde- Prinzip ernsthaft auf den Leib zu rücken. Wir bitte» also den Reichstag um Annahme unserer Anträge. Sollten diese aber abgelehnt werden, so werden wir uns auch damit abzufinden wissen. Wir wiffen. das} der Tag kommen wird, an welchem eä auch in oem Hirn der sorgfältig st ausgesuchten Garde- rekruten tagen wird. Wenn der Tag kommen wird, an dem die Leute auf die Aufforderung, auf Vater und Mutter zu schießen, antworten werden, aus Vater, auf Mutter schieße ich nicht l dann ist Ihre(nach rechts) Zeit vorüber und unsere Zeil bricht an.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten, Zischen rechts, erneuter Beifall bei den Sozialdemokraten.) KriegSminister v. Hceringen: Ich bitte sowohl die sozialdemo- kratischen, wie die fortschrittlichen Anträge abzulehnen, namentlich '.der den Antrag der sozialdemokratischen Partei. Der sozialdemo- ratische Antrag zielt darauf, alles gleich zu machen, alles zu verr un genieren.(Sehr gut! rechts.) Wer den Zusammenhang zwischen Armee und Volk aufrecht- erhalten will, der soll nicht Wandertruppen schaffen. Damit schneidet er daS Band zwischen Armee und Volk durch. Auch ein Beförderungsprivileg einzelner Truppenteile existiert tatsächlich nicht. lHeiterkeit links.) Es ist geradezu falsch, daß die Garde ein solches Privileg haben soll. Die Beförderung ist genau geregelt. Neber die adligen Regimenter haben wir in diesem Jahre schon öfter gesprochen und ich kann nur wiederholen, daß >vir jetzt eine viel größere Mischung haben als früher. Wenn bei einem adligen Regiment, das an die Grenze verlegt wurde, die adligen Offiziere angeblich den Abschied genommen haben, dann iit auch schon daS limgekchrte geschehen, nämlich bei dem zwölften Dragonerregiment, das in G n e s e n steht. Die militärische Nommandogewalt des Kaisers ruht sicher auf der Verfassung, dem Reichsmilitärgesetz. Das hat nichts Mystisches, sondern eine sehr reale Grundlage. Aus der Reichsverfassung ruht aber mehr als die Kommandogewalt des Kaisers. Die Regierung hat noch nie- malS versucht, an den verfassungsmäßigen Rechten anderer Reichs- instanzen zu rütteln. Ich bitte, rütteln sie auch nicht an de» Rech ten seiner Majestät.(Unruhe bei den Sozialdemokraten. Beifall rechts.) Wenn nach Artikel 03 der Reichsverfasiung der Kaiser die Pflicht hat. für die Einheitlichkeit der Organisation der Armee zu sorgen und daraus die Velfassungswidrigkcit der Garde gefolgert ivird, so kann ich auf die Ausführungen verschiedener Mitglieder, tvie des Abgeordneten E r z b e r g e r in der Kommission hiniveisen, daß die Einheitlichkeit der Organisation ganz genau iu dem Reichs- Militärgesetz festgelegt ist. Ich bestreite auch ganz entschieden, in der Kommission das Wort gebraucht zu haben: Erst die Garde. dann das Vaterland. Ich habe mich sofort gegen diese falsche Auslegung— ich hatte das Wort.Verdrehung' gebraucht. das, wie Sie sich erinnern lverden, von dem Präsidenten moniert wurde(Heiterkeit)— gewendet. Hier handelt es sich wieder um die Kommandogewalt des Kaisers. Ei» Eingreifen wäre ei» Eingreifen in den Geist der Armee. Ich habe auch nicht zugegeben, daß die Existenz der Garde die Mobilmachung und schlagfertigkoit schädige. Das ist mir nicht im Traum eingefallen. Im Gegenteil, die Mobilmachung der Garde ist durchaus gesichert. Es ist Phantasie, daß die Schlagfcrtigkeit dadurch geschädigt würde. Hinsichtlich der Mißhandlungen habe ich betont, daß nicht nur ich, sondern auch die oberste Stelle mit Energie darauf hält, daß gegen sie eingeschritten wird und daß der Kaiser durchaus der Meinung ist, solche Mißhandlungen seien ein Fleck auf der Ehre der Armee. Denken Sie doch an die Amnestieorder zu feinen, Jubiläum, lvorin gerade Bestrafungen wegen Mißhandlungen ausdrücklich ausgenommen sind.(Lebhafter Beifall rechts.) Tie Rekrutierung der Garde aus den verschiedensten preußischen Orten hat besondere monarchische Bedeutung, und daraus ruht insbesondere auch die Bedeutung der Garde. Der Ab- geordnete L e n> ch hat von der.Potsdamer Wachtparade' gesprochen. Das ist ein Ehrenname, der nach der Schlacht bei Lenthe» entstanden ist. Der Vorredner sagte, im Jahre 1313 hätte die Garde mit Ausnahme von Großgörschen gar nichts geleistet, sondern nur einen Svazjergang gemacht. Am 30. März 1811 war die Schlacht.,»bei Paris, da verlor das erste Garde- reaiment allein drei Viertel seiner Offiziere und ein Drittel seiner Mannschaften, nachdem es bei Großgörschen im Jahre vorher schon zwei Drittel seiner Offiziere haue liegen lassen. Wie kann der Abgeordnete das als einen Spaziergang bezeichnen. 18Sti stieß da« erste Garderegiment mit flammender Bravour bis zu den Höhen von Blumenau und verlor übee die Hälfte. Der Vorredner ist dann auf das Jahr 1870 gekommen. Ich möchte ihn auch an die Attacken bei V i o» v i l I e und Mars-Ia-Tour erinnern. Da haben drei Gardcregimenter die 38. Brigade vor der Zertrümmerung bewahrt. I» jedem Feldzug macht natürlich auch der Sieger Fehler. Der alle Moltke hat einmal erklärt, es komme nur daraus an, daß man die Ivenigsten Fehler macht. Weshalb nun in ausreizender Weise zu sagen, daß die Offiziere dümmer gewesen wären als die Mann- fchaften, dafür habe ich überhaupt keinen Ausdruck,(sehr richtig! rechts.) Der Offizier hat seine Schuldigkeit im Frieden und im Kriege bis 1370 und»ach dem Jahre 1870 gern».(Beifall.) Ich weise iveiter aus die große» Verluste der Garde bei St. Privat hin, daß die Gardeschützen alle ihr« Oifiziere aus dem Platze ließen. Selbst wenn man sich aus den Standpunkt stelle, daß das durch schlechte Führung entstanden wäre, müßte man den Mut. dl- Tapferkeit und Eni- schlossenheit anerkennen, die in derGard« damals geherrschthat.(Beifall.) Glauben Sie, daß Sie Regimenter mit so ruhmvoller Vergangen- heit einfach durch ein Gesetz aus der Welt bringen können, ohne daß Sie damit daö innere Wesen der Arme» erschüttern und die Leistungssähigkeit gegen den Feind< Ich nicht. Die Garde ist nicht, wie Dr. L« n s ch sagt, eine Haustruppe gewesen, die sich nachher ausgewachsen hat. Rein, die Garde ist aus der Anerkennung der Leistungen der Linie entstanden. Es ist ein merkwürdiges Zu- sammentreffen, daß gerade heute das g. Garderegiment hier sein 100 jähriges Jubiläum feiert unter der Anteitnahme von über o(i00 alte» Leuten.(Bravo! rechts), und daß gerade an demselben Tage hier im Reichstag eine solcke Rede gegen die Garde gehalten werden kann. Die Garde ist eine in, Frieden mrd Kriege erprobte Truppe, die ihre Pflicht und Schuldigkeit bei jeder Gelegenheit in überreichem Maße getan hat. an der eine Kritik, lvie sie hier geübt ist. überhaupt vorbeigeht. lLebhaster Beifall reckt«. Zischen bei den Sozial- demokraten. Erneuter lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Müller-Meiningcn(V.l: Wir wiederholen nickt die langen Reden aus der Kommission und begnügen uns mit kurzen Erklärungen. Wir stellen nur Anträge, die auch will» lich Aussicht auf Erfolg haben und verzickten. � um mit Rosa Luxemburg zu reden, auf Demonstrationsanlräg», um die Massen mobil zu machen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) W t r lehnen alle sozialdemokratischen Anträge ab, die nicht zur Sache selbst gehören. Aber die Gardeanträge gehören zur FricdcnSpräscnz und daher stehen wir ihnen sympathisch gegen- über. Wir leugnen nicht die großen Verdienste der Garde. Sie hat auch ihre Schuldigkeit getan. Aber das recktsertigt doch nickt das Be- sl»hen privilegierter Regimenter. Unverständlich ist, wie man überhaupt im Existenz nobilisierter Regimenter leugnen kann. Bei allen aHt Garde-Kavallerieregimenlern gibt eS einen einzigen bürgerlichen Offizier.(Hört! hört! bei den Liberalen.) .. Jetzt sind alle noch bürgerlichen Generale geadelt worden. Ich bedauere das, denn in den weitesten Kreisen des Volkes wird das als eine absichtliche Provokation der öffentlichen Meinung angesehen werden.(Unruhe rechts.) Die offizielle Entnobilisiexung Gerhart Hauptmanns und die Nobilisiminq dieser 30 bürgerlichen Generale, fast an demselben Tage vor sich gegangen, bilden eiire merkwürdige Beleuchtung unserer ganzen politischen Verhältnisse. (sehr richtig! links.) Da« Bürgertum sieht in der Nobilisierung eine Zurücksetzung und Beleidigung, denn es muß zu der Ansicht kommen, daß der schlichte bürgerlich- Name z u schlecht ist, um hohe militärische Stellungen zu bekleiden. Wir wollen die Garde nicht abschaffen, wohl aber wollen wir ihre Schäden und Privilegien bei der Aushebung und beim Avancement beseitigen. In Frankreich und Oesterreich gilt eS für ehrenvoll, die Grenz- wacht zu halten. Da« sollten die körperlich tüchtigsten Soldaren auch bei im«. Wie die Garde heute ist. ist sie ein Fremdkörper in u n s e- rem V o l k« h e e r.(Widerspruch recht«.) Die Kommandogewalt lvird durch Abschaffung der Gardeprivilcgien nicht angetastet. Unter den Augen de« allerhöchsten Kriegsherrn dienen doch alle Truppen- teile, nicht nur die Garde. Die Armee ist eine st a a t l i ch e Ein- richtung, kein Teil darf eine persönliche Prätorianer- t r u P p e bilden. Der Geist der Truppe wird nicht durch Privilegien gestützt, die ungerecht sind. Auch in der Armee muß der Fortschritt sich durchsetzen zum Heile des ganzen Vaterlandes.(Beifall bei der Fortschrittlichen Volkspartei.) Abg. v. Gracfc(kpns.): Wenn im bürgerlichen Leben sich jemand die Zwangslage eine« anderen zunutze macht, um sich Vorteile zu verschaffen, so nennt man da« Erpressung. (Sehr richtig: rechts!— Zurufe link«: Kein Kanitz, keine Kähne!) Ich spreche nicht über die Flottenvorlage, sondern über die Wehrvorlage.(Heiterkeit rechts.) Aber die Regierung be- findet sich in keiner Zwangslage, wenn sie nicht will.(Sehr gut! rechts.) Was wird nicht alles mit der Wehrvorlage verkoppelt. Es grenzt ja ans Lächerliche. Sogar der Mittellandkanal hat herhalte» müsse». ES fehlte nur noch, daß ein humorvoller Kopf auch die mecklenburgische Verfassungsfrage mit der Wehr- vorläge in Verbindung bringt.(Heiterkeits rechts. Zuruf: Kommt noch!) Wenn der KriegSminister als autoritativste Stelle erklärt, daß keine Bevorzugung des Adels stattsindet, so hat die Linke kein Recht, das zu bestreiten.(Lachen ImlS.) Wa§ gegen die AuSführuiigen des Kriegsministers gesagt ist, sind statistische Oberflächlichkeiten. Die Bevorzugung de« Adels behauptet die Linke ja auch bei der Verwaltung. Dabei find all« SlaatSsekrelüre bi« auf Herrn v. I a g o Iv bürgerlich und in den nachgeordnete» Stellen gibt cö sehr wenig blaues Blut, aber mehr Blut, das der Linken sympathischer ist.(yeilcrkeit rechts. Abg. Rogalla v. Bieberslein: Juden!) Noch haben wir ei» hoinogenes Offizierkorp«.(Bravo! rechts.) Es gibt nicht viele Outsiders, die sich nachher in»„Berliner Tageblatt' und anderen sozialistensreundlickien Blätlerit breitmachen.(Zustimmung rechts. Lachen links.) Rein adelige OffizierlorpS wolle»» auch wir nicht.(Zuruf links: Na also I) Sie sind aber keine»villkürliche Erscheinungen, sonder»» verdanke» ihre Entstehung der Enlwickelung und könne,» nur auf dem Wege der Enlwickelung beseitigt Iverden.(Sehr richtig! rechts.) Diese Enlwickelung hat sich auch aus anderen Gebieten gezeigt und beruht auf der Tatsache, daß gewisse Kreise inehr aufbauend wirken.(Aha!- Rufe links.) Ein Kausmann nimmt lieber einen Kaukmannssohn ais Lehrling und die Regimentskommandeure nehmen lieber Söhne alter Soldatensmnilien. Die alte S o l d a te n f am i l i e ist das Wichtigste, nicht der Adel. Die hohe Bedeutung der Tradition in der Armee kann mir der beurteilen, der lange gedient hat. Man weiß nicht, welch ungeheure Selbstbeherrschung dem Offizier noltut. Der Osfizierersatz ist homogener in den überwiegend landwirt« sch oft lich en Gegenden, die Söhne der Großindustriellen gehen nichl i» die Offizierkorps. Infolgedessen»st die Behauptung, daß di-je Regiinenter bevorzugte Garnisonen haben, eine Fabel, denn die adligen Offiziere»vollen unter den befreundeten Familien bleiben und wenn die Regimenter da herausgerissen werden, gehen sie. Sind Perleberg. Schwedt, Ostrowo usf. bevorzugte Garnisoiten? Wenn ein Bleichröder oder FriedländerrFould Kommandeur des Gardekorps wäre,»Vörden die Freisinnigen den Adel nicht so bekäinpfen— eS sind doch sonst auch»nanche frei- sinnige Herren froh, Ivenn sie durch Nobilisierung den Hos»nit Müh und Not erreichen.(Große Heiterkeit.) In England erkennt man die patriotischen Verdienste des Adels freudig an, bei uns aber hat Abg. Z u b e i l die Oifiziere von 1870 und besonders den Hauptmann v Roon verdächtig» und beschimpft mürimscher Widerspruch bei den Sozialdemokraten. � Vizepräsident Dave rügt diese Ausdrücke), obgleich sein alter KriegSkau»erad v. Normann hier»nchrmals die Beschuldigungen gegen Roon alS unberechiigt erklärt hat. Haben nicht viele Junker Großes geleistet und leistet der Adel nicht heule noch so viel. ,. B- in den Kolonialkriegen?(guruse b. d. Soz.: E n l e n b« r g I Arenberg!) Herr M» l l e r- M e i n i n g e n ivird keine solche Glanzleistungen vollbringen wie leythin der Leutnant v. E g a n- Krieger(er flog vom Rennplatz Magdeburg„ach der Grunewald- bahn, ritt auf beiden Bahnen und gewann erste Preise. Anm. d. Red. — Das Haus bricht über diese Zuinutung an Herrn Dr. Müller in große Heilerkeit aus.) Emen Kok». MoseS oder M a n a f s e habe ick noch nicht unter de» Kolonialsreiwilligen gefunden.(Heiter, teit rechts.) Wenn bürgerliche Paneien den auf Demokratisierung der Armee abzielenden Bestrebungen Unterstützung leihen, so sind sie die Vorfrucht der Sozialdemokratie, die de» monarchischen Charakter der Armee zerstöre» will. Man will an ihr- Stelle eine parlamentarische Armee setze». iHehr »vahr! rechts.) Ick hoffe, so lange ein Hohenzoller die Krone trägt, wird kein Kanzler und kein KriegSminister diesen Tendenzen enigegenkomme»(Hurra! hnrra! bei den Sozialdemokraten) und«sie (nach linls)»verde» immer schmer.chaster für da« Gehege Ihrer gähne ans Granit beißen!(Lebhafter Bestall recht?.— Heiterkeit bei den Sozialdeinokralen.) Abg. Gras Praschina(Z.) spricht gegen den sozialde»»okratlsche>, Antrag. Es unterliegt leine»» Zweifel, daß aus der K o m m a»» d o- gewalt de« Kaisers das Recht folgt, das GardekorpZ so lvie jetzt zu formieren. Schon darum könnten wir nicht für den Antrag stimmen. Außerdem aber hat der Abg. Dr. Lensch dein Antrage eine Begründung gegeben, die etwaige Zweifel über unsere Haltung völlig beieiiigen»nah. Mit Recht hat mein Vorredner gesagt, daß die Absichle» der Sozialdemokraten auf ein« völlige Umwälzung der Fundamente unseres Heenvesen« binauslausen. Wohin eine solche Politisierung der Armee führt, haben wir in der Türkei gesehen.(Zurus de« Abgeordnelen Ledebour: Die deutsche Armee ist längst politisiert!) Diese Vehauplung zu beweisen, dürste ihnen schiver fallen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.)— Auch den sortschrittlichen Antrag lehnen wir tu« unserer prinzipiellen Slellmig zu der Kommandogewalt de« Kaisers berau« ab.— Aus eigenster Erfahrung heraus kann ich bezeugen, daß von einer all- gemein?»» Mißstimmung, die in der Linie gegen die Garde Herrichen iall, keine Rede sein kaum U»d auch>» der Bevölkerung herrscht keine Mißstiinmung gegen die Garde. Selbst in der über- wiegend sozialdemokrarisch wählenden Bevölkerung Berlins und seiner Bororie ist von einer Mißstimmung gegen die Garde nichts zu entdecken. Da» hat man zumal in den letzten Tagen ge- sehen.(Heiterkeit und Beifall rechis und im Zentrum. Zuruf bei den Sozialdemokraten.)— Wir haben also gar keine Beranlassung, nnS an dem Sturmlanf gegen das„Gardeprinzip' zu beteiligen. Ich kann im allgemeinen unterschreiben, was mein Vorredner gesagt bat.(Hört! bört! links. Wenn von einem Ueberwiegen des Adel» gesprochen wird, so vergißt man die vielen R o b i l i» t i e r u n g e n, die gerade in den letzten Jahren vorgenommen sind. Wenn z. B. Kollege v. Payer zum ReichSschatzselretär ernannt werden würde, würde das alS eine Verstärkung des adligen Elements in der ReichSverwaltung betrachtet werden.(Heiterkeit.) Für einen nützlichen Austausch zwischen den einzelnen Garnisonen sind wir durchaus und werden daher für die entsprechende Resolution stimmen. (Beifall im Zentrum.) Abg.Kienath(natl.): Resolutionen, indenen wehrfreuiidlicheParieieit ihre Wünsche niedergelegt haben, kann man nicht derart abtun, wie der Abg. v. Gräfe eS getan hat.(Sehr wahr! links.) Wir der- kennen nicht die Verdienste des Adels. Aber bei der Beurteilung dessen, loa« der Adel in der Vergangenheit militärisch geleistet hat, darf nicht vergeffen werden, daß damals das Bürgertum von der militärischen Laufbahn so gut wie ausgeschlossen war. Die Zeiten sind inzwischen andere geworden, und das Bürgertum kann verlangen, mit gleichen Rechten zur Verteidigimg des Vaterlandes zugelassen zu werden.(Sehr wahr! links.)— Wir lehnen die gegen die Garde sich wendenden Anträge als zu weitgehend ab, ivir nehmen aber die Resolutionen an, die sich gegen das nicht weg- zuleugnende und nicht zn rechtfertigende Ueberwiegen des Adels in bestimmten Truppenteilen wenden und die einen ersprießlichen Aus- lausch zwischen den Garnisonen verlangen. An gewissen Stellen ist man nur zu geneigt, die Existenz von Mißständen zu leugnen. In, wahren Interesse der Armee liegt diese Leugnung nicht.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Schöpslia(Soz.): Der Abg. b. G r ä f e hat von Erpressung geredet. Das sagt ausgerechnet ein Vertreter der konservativen Partei, der Partei, aus deren Mitte das Wort„Kein Kanitz, keine Kähne' ge- falleir ist, der Partei, die nie gezögert hat, der Regierung die Faust aufs Auge zu setzen, um ibre Forderungen erfüllt zn sehen.(Lebhafte Zustimmung links.) Also, wenn»vir Erpressung üben, so folgen»vir iiur I b r e in(nach rechts) Beispiel. Nennen Sie es Erpressung oder nicht, jetzt ist der Augenblick da, wo der Reichstag»infiande wäre, von der Regierung die Erfüllung lang- erhobener Forderungen zu verlangen, lind es ist allerdings b e- klagensivert, daß jetzt die bürgerlichen Parteien zurückzucken und die Gelegenheit vorüvergehen lassen, Reformen zu verlangen, für die früher selbst das Zentrum sich eingesetzt hat.(Sehr währ! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. v. Graefe warf uns vor, die Offiziere be« schimpft zu habe». Was das Schimpfen anlangt, so sind uns die Herren von rechts»veit über. Ich möchte an die wiederHollen, un- geheuerlichen Beschimpfungen erinnern, die seitens Mitgliedern der Rechten hier im Hause gegen die Freiheits- und Einheits» käinpfer von 1848 ausgestoßen worden sind.(Sehr wahr! linls.) Wir haben niemals Offiziere beschimpfl und erkennen ihre Helden- taten bereitwilligst an. Wir bestreiten auch nicht, daß Adlige in den Kolonialkriegen Bravourslücke vollführt haben. Aber haben das nichr auch die Gemeine n gelan?(Sehr richtig! links.) Diese deutschen Helden aber können es nicht zum Offizier bringen, höchstens zun« Feldwebel.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann hat der Abg. v. Graefe auch einige Witze über die Juden gemacht. Er sprach von Kohn und Manasse. Aber wieviel Adlige gehen in die liberalen Zeirungen und suchen sich dn?ch Inserat so ein goldenes Reb eckchen. sSlürmische Heiterkeit.) Wie wiirhe es um die Existenz manches adligen Offiziers aussehen, lvcnn er nicht sein Blut durch einen jüdischen Zuschuf: aufgefrischt hätte.(Er»eute Heiterkeit.) Im übrigen kann es Ihnen (nach rechts) auch wirklich nichts schaden, wenn Sie durch Zuführung semitischen Blutes etwas zur Ä u f f r i s ch u n g i h r e r A r l tun. (Heiterkeit und Zustimmung links.) Der Abg. v. Graefe hat auch gsmeint, wir würden uns unsere Zähne an dem grmmnen FelS der Armee ausbeitzen. Wenn Sie davon wirklich jo fest überzeugt wären. hätten S'.e Herrn v. Graefe nicht beaustragt, mit einer solchen Heftig- keit die Garde zu verteidigen. Ihr Vertrauen zur Armee scheint einigermaßen erschüttert zu sein.(Widerspruch rechts.) Ein Boll- iverk für Sie war sie vielleicht vor zwanzig Jahren, heule ist sie es nicht mehr. Die Verhältnisse haben sich geändert. Vielleicht erleben Sie eines schönen Tages mit diesem Bollwerk ihr blaues Wunder.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo« lraten.) Graf Praschma hat erwähnt, daß die ganze Berliner Bevölkerung doch mit den Hohenzoller» sympaihisteren müsse, denn die Straße» seien ja gedrängt voll gewesen mit Menschen beim Regierung»- jubiläum des Kaisers. Nun. diese Massen laufen mit derselben Be- geisterung und mit demselben Eifer, um ja nicht zu versäumen, ivenn es sich etwa um eine öffentliche Aktion handeln würde, die der Monarchie ein Ende bereitet.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der K r i e g s m i n i st e r hat bestritten, daß es in der Armee Befördcrungsprivilegien gibt. Wenn er das wirklich glaubt, dann ist eS um seine Kenntnis der preußischen Armee schlecht bestellt. sehr richtig! links.) Er beruft sich immer auf die Be- limmunge», die ja meist ganz korrekt sind. Aber die Praxis sieht eben anders aus.(Sehr richtig! links.) Der Kriegsminister hat weiter bestritten, die Annahme der Wehrvorlage von der Garde abhängig gemacht zu haben. Dabei hat er klipp und klar in der Kommission erklärt: wird der sozialdemokratische Antrag angenommen, so würde das das Gesetz für die Regierimg u n a n- nehmbar machen.(Stürmisches Hört! hört! bei den Sozial« demokraten.) Wir können also mit Fug und Recht sage», daß der KriegSminister sich auf den Stnndpunkl gestellt hat: erst die Garde, dann das Baterland.(Sehr richtig! bei den Syzialdemokraien.) Auch die Garde ist nicht dazu da, man- a r ch i s ch e n Zwecken zu dienen, auch nicht in einem monarchischen Älaat. Sie ist ein Teil per Armee und hat welter nichts z» tun, als das Baterland zu schützen.(Sehr richtig! links.) Theoretisch wäre doch das Teu»che Reich denkbar ohne den Kaiser und ohne die B u n d e s f ü r sl e n.(Wider- sprach recht».) Aber können Sie sich den� Kaiser und die Bundessiirsien ohne das Volk vorstellen?(Sehr gut! beiden Sozialdemokraten.) Daher ist die Armee nicht für den Fürsten, ondern zum Schutz des Volkes da.»Sehr gut! bei den Sozialdemokralen.) Es ist miz„(cht ein« gesallen, die Leistungen der Garderegimenter herabzusetzen. DaS ist nicht unsere Ausgabe und entspricht nicht unsere» Neigungen. Bei- nahe in einem feinimeiitalen Ton hat der Kriegsmunster bei dieser Abwehr aus unsere angeblichen Angriffe darauf verwiesen, daß daS zweite Garderegimenl zu Fuß heute sein hundertjähriges Besteheir feiere und daß das doch ein vorzügliches Regiment sein müsse Ein Mitglied dieses Hauses hat beim zweite,, Garderegiment zu Fuß ge« dient, und ich habe es gefragt, ob es Anlaß habe, diese Feier mitzu- machen. Es bat mir geantwortet: I wo werde ich!(Hört! hört! b. d.Soz.) Dieses Mitglied»st der Abg. S l a d t h a g e n.(Stürmische Heiler« keit im ganze» Hanse.) Wir sind der Meinung, daß, wenn die Soldaten»m Interesse der Allgemeinheit ihre Pflicht"tun, es un- würdig ist. sie mit Litzen und Sternen und ähnlicken Kinkerlitzchen auszuzeichnen.(Sehr richtig! bej den Sozialdemolraten.) Denken Siß sich doch einmal diö Hache aus das parlamentarische Geöict übertragen und stellen Sie sich pg� xj„ Abgeordneter hat eine guw Rede gehalten und wird nun durch«,»« Litze ausgezeichnet, ast? etwa Dr. Oertel.(Hiürmische Heiterkeit.) Mo» iollie darauf verzichten, die Soldaten wie putzige alte Damen mit Aeuger« lichkeiten auszustatten, weil das g»r nicht mehr»n die heutig« Zeit hineinpaßt.»Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.), 1 vlommiision mußte der KriegSminister zugeben, daß bei diese!»' starkflen Armeekoips die Mobilmachung außerordentlich erschwert i st. Daran kann er nicht rütteln. Die miliiärischen Aufgab«" der Gardelruppen sind abiolnt die gleiche» wie bei den anderen Truppen, wozu dann noch die Privilegierung, die ein Regiment gelten läßt und das andere weniger. Wir fordern Einheitlicklert der Armee. Verkürzung der Dienstzeit und Erfüllung der Soldaten m,t dem einen Gefühl: Ich habe meine-Pflicht für das Vaterland erfüll:— aber keine GroßZ'ehung de» Gardestolzes!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie auch unsere populären und notwendigen Forderungen ioohl ist Ihnen nicht dabei. Sie wisse», daß das Volk unfere Forderungen teilt. An das Byst. daö eine höher« I n st a n z ist »pie der Reichstag, werden wir mit unseren Forderungen gehen und mögen Sie sich dagegen sträuben, mit allem. 39nea 4«««fot steht,— der Sieg wird bei den gerechtfertigten Forderungen des Lölkes und bei der Demokratie sein!(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Hceringen: Was der Abgeordnete zuletzt sagte, das können wir ruhig erst mal abwarten.(Heiterkeit und Beisall rechts.) Ich kann nur wiederholen, dah die Garde keine Avancementsvorzüge hat. Früher existierten solche, jetzt nicht mehr. Ich habe nicht geleugnet, daß Schwierikeiten bei der Mobilmachung der Garde vorhanden sind; aber ich habe hinzugefügt, daß diese Schwierigkeiten durch besondere Mahnahmen behoben worden stv>— Wenn in Südwestafrika keine Beförderun- gen von Unteroffizieren und Soldaten zu Offizieren vorgekommen sind, so liegt das daran, daß die einzelnen Mannschaften dort nicht so lange im Felde geblieben sind wie 1870/71, (Sachen und Widerspruch b. d- Soz.) Sie sagen immer, ich hätte erklärt:„Erst die Garde, dann das Vaterland!" Wenn man gesehen hat, wie Sie in der Kommission das monarchische Fun da» ment des Heeres angriffen, mußte num sich fragen, cb die Vorlage das Opfer eines Entgegenkommens da- gegen ertragen könne. Mit aller Entschiedenheit weise ich die Behauptung zurück, daß die Armee sozial» d e m o k ra t i s ch sei. Zwischen ihr und Ihnen(zu den Soz.) klafft ein stockwerkstiefer Abgrund; die Armee ist und bleibt für Kaiser u n d R e i ch, Sie aber sind nur für das Reich ohne Kaiser! (Sehr wahr! b. d. Soz.—. Beifall rechts.) Abg. Tr. Müllcr-Meiningen(Pp.): Ter Abg. v. Graefe hat hier eine provokatorische Rede gehalten.(Schreiender Widerspruch des Abg. Kreth.) Ter Hitzantisemitismus des Abg. v. Graefe ist bezeichnend für das gegenwärtige geistige Niveau der konser- vativen Partei.(Sehr wahr! links.) Ter geistige Vater der kon- scrvativen Partei, Julius Stahl(der bekanntlich getaufter Jude war) mühte sich im Grabe umdrehen.(Heiterkeit und Zustimmung links. Abg. Oertel(k.) ruft': Tann aber links herum! Er- ncute Heiterkeit.) Der verunglückte Flieger Abramowitsch war Jude und der e r st e D e u t s ch e, der im Hererokrieg fiel, a u ch c i n e r. Was sagen Sie dazu, Herr v. Graefe? Wollen Sic die Kohn und Manasse, die Sie doch aus dem Offizierstand ausschließen, auch Pom Wehrbeitrag ausschließen?!(Sehr gut! links.) Ich habe die Junker nicht angegriffen, Sic, die Halb- junker, könnten frph sein, wenn Sie den alten nackensteifen preußischen Junkern glichen! Auf Bismarck berufen Sie sich? Wie hat er die Junker gebrandmarkt und den Kampf gegen die Parlamentsjunker als eine Aufgabe der Krone bezeichnet! Der frühere Llriegsminister v. Einem hat noch vor ein paar Jahren und zwar mit Bedauern zugestanden, daß sich ganze Regimenter, die Ihlll, 1806, 1870 bürgerliche Offiziere aufwiesen, inzwischen zu rein adeligen Regimentern umgebildet haben. Und dann kommt so ein konservativer Abgeordneter, der eben erst h i n e i n g e s ch m e ck t hat(Sehr gut! und Heiterkeit links.) und will uns die Bevorzugung des Adels abstreiten! Ueber alle Statistik aber geht Abg. v. Graefe lachenden Mundes hinweg.(Abg. Kreth: Dafür versteht er etwas von der Armee! Lachen links.) Ich habe 1008 das kolossale Ueberwiegen des Adels in den höheren Offiziers- stellen nachgewiesen: alles„Zufall"! Gleichberechtigung?„Besteht ja schon!" Tie Engländer, die TiSraeli, von dem vielleicht sogar v. Graefe schon was gehört hat, an die Spitze gestellt hattet,, schämcn sich solcher antisemitischen Mätzchen(unausgesetzte„Witze" des Abg. Kreth); sie achten ihre Lords, iveil sie an der Spitze der Kultur stehen— nicht wie unsere T a l M l j u n t e r I(Abg. Oertel erhebt sich in seinem ganzen Umfang, schallende Heiter- keit links.) Wir werden in unserem Kampf für unsere gerechten Forderungen nicht nachlassen.(Beifall link«. Höhnisches Bravol rechts.) Abg. Zubeil(Soz.): Wir haben uns über die Rede des Abg. p. Grac�e nicht auf- geregt. Wir betrachten sie vielmehr als ein vorzügliches A g t t a- tions mittel.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mir ist es durchaus nicht cingesallen, das ganze Offizierskorps der Beschimpfungen und Mißhandlungen der Mannschaften zu beschul- digen. Was ich behauptet habe, ist nur, daß nicht bloß Unter- offiziere, sondern auch Offiziere sich an den Tötlichleiten und Schimpstvorten betei'igt haben, deren sich oie Soldaten wehr- los ausgesetzt sehen. Dem Kriegsmintster wird doch auch bekannt fein, daß vor dem Krieg 1870 Offiziere von ihren Regt- m e n t e r n v e rieht werden mußten, weil sie bei ihren Sol- datcn zu„beliebt">oaren.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Was ich über den Premierleutnant v. R o o n gesagt habe, halte ich aufrecht- Er hat seinen Burschen erschossen oder erstochen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten,) Sein Verhalten war so, daß ote gesamte Bürgerschaft Gubens empört war. Was dieser Menschenschinder an uns verbrochen hat, wird jeder bestätige», der 1874 in Guben gedient hat. Daß kurz nach dem Feldzug ein Edelster der Nation die Soldaten in dieser Weise behandelt hat, sei am Schluß eer Debatte nochmals festgestellt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Kriegsmiinster v. Heeringen; Der Abg. v. Normann, der die Gubener Verhältnisse aus dem Jahre 1870 kannte, hat gesagt, daß der Premierleutnant p. Roon ein vortrefflicher und wohlwollender Vorgesetzter war.(Zuruf bei den So- zialdemokralen: Natürlich!) Er ist im Kriege zweimal verwundet worden iiiw hat das Eiserne Kreuz bekommen, ifcört! hört! recht».) Ich muß dagegen protestieren, daß hier auf Vorgänge zunickge- i" W". die so weit zurückliegen.(Beifall rechts.) Selbst- verständlich kommen ai.ch Uebergrtffe der Offiziere vor, denn die Offiziere sj�p keine Engel. Auch im Kriege sind Miß- �k>ex daß Offiziere wegen zu großer „belieb. heit von ihre» Regimeniern kurz vor dem Kriege haben verietzt werden müssen, ist nicht vorge- k o m m e N.(Widerspruch beiden Soz.) Ich wehre mich vor allein gegen me Lerallgemeinerungcn des Ahg. Zubeil, in denen ich r t itz0*0// Beleidigung des deutschen Offizierkorp» erblicken muß. WeSyalb hat sich übrigens per Abg. Zubeil eine solche Be- Handlung von v«r,i v. Roon gefallen lassen?.Sehr gut! recht». Lachen bei den Soz�) iie Tistusiion schließt. Tie sozialdemokratischen Anträge werden a o g e l e n t, die fortschrittlichen Anträge gegen die Rechte angenommen.» u p 8 v-�te£i(?l!nß: Donnerstag, 2 Uhr. Fortsetzung. Schluß Aijjte Kkneralversainuilung des Uerimdks der ileutscheu önchdrucktr. D a n z i g. 16. Juni. Ter Vervan�tas beginnt seine Arbeiten, nachdem der Ver- baiidSvorsitzendc � o p l i n die Tagung offiziell eröffnet und der Vorsitzende des Danziger Orisvereins das Programm der örtlichen Veranstaltungen bekanntgegeben hat, mit der Wahl verschiedener Kom misiienen. An auswärtigen Gästen sind anwesend: Staut- n e r- Stuttgart für da« Internationale Buchdruckcrsekretariat, R e i s Ni Ü l i e r-»nd D w o r a c e l- Wien für die Buchdrucker und Schrift., ießer Oesterreich«. � e i n d l. und R o t b- n st e i n- Audavost für d>e Kollegen Ungarns und L or t i h o st- Pari« für den französischen Buchdruckerverband. Außerdem wohnen Vertreter de» Verbandes Per Buch- und Steindruckereihilfsarbeitcr und der Lithographen und Sieindrucker den Verhandlungen bei. An Stelle des von der Gen-raltommission delegierten Vertreters Jansson. der verhindert ist, übernimmt �öbl in die Vertretung der �enerallommissio». was e'.nigc Heiterkeit hervorruft. Nachdem der Vorsitzende mit anerkennenden Worten des ver- storbenen langjährigen Gauvorstehcr« Klapproth- Hannover ge- damt, verweist er auf den Umstand, daß es heute gerade 6ö Jahre sind, seitdem von Leipzig aus der Aufruf an die Kollegen erging, Organisation ins Leben zu rufen und daß es die Lehrlings- Suchterei und die damit verbundene Lohndrückerei waren, welch« «IS Hauptgrund« für die Notwendigkeit der Organisation angeführt wurden, fcchan damals sei von den Kollegen der Wert der Tarif- Gemeinschaft erkannt, denn man habe sich nicht nur mit der Organi- sierung der Gehilfen begnügt, sondern einen Aufruf auch an die Prinzipale zum Zwecke der gemeinsamen Bekämpfung der Schleuder- preise gesandt. Redner weist dann ferner an einigen Vorkommnissen »ach, daß Scharfmacher im rheinisch-westfälischen Bezirk darauf Hinarbeilen, die für das Gewerbe segensreich wirkende Tarif- gemeinschaft zu zerstören und konstatiert die volle Einmütigkcft der Gehilfenschaft in bezug auf die prinzipielle Auffassung von der Notwendigkeit der Beibehaltung d«r Tarifgemeinschaft. Zu Punkt l der Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und Genehmigung des Rechcnschaftsvmchtö nimmt E i fl c r(Vorstandsmitglied) das Wort. Er weist in kurzen Ausführungen auf den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht hin. Ter Mitgliederbestand stieg in der Berichtszeit von 61 924 auf 67 278. Ta in Teutschland etwa 74 000 Buchdrucker beschäftigt sind, so stehe» demnach inkl. der Gutenbcrgbündler nur noch etwa 6000 Kollegen außerhalb der Gehilfeiiorganisation. Eine ebenso erfreuliche Weitcrentwickelung hat die Tarifgemein- s ch a f t genommen. Tie Zahl der tariftrcuen Firmen ist in den beiden Berichtsjahren von 7650 auf 8051 angewachsen und die Zahl der tariftreuen Orte von 2158 auf 2242. Das Zusammenarbeiten von Prinzipalen und Gehilfen zur Bekämpfung der Schleuder- konkurrenz hat sich als sehr zweckdienlich für das Gewerbe erwiesen. Der technische Fortschritt innerhalb deS Berufes hert eine ganz erhebliche Mehreinführung von Setzmaschinen gebracht, was insofern ungünstig auf das Arbeitsverhältnis eingewirkt hat, als sich eine steigende Arbeitslosigkeit bemerkbar machte, was sich wiederum in den Ausgaben an Arbeitslose zeigte. Betrug doch die Arbeits- lose»Unterstützung in den beiden letzten Jahren 2 072 249 Mark! In Verbindung mit der Arbeitslosigkeit ist auch die Reise- unter st ützung auf 411 030 M. angewachsen. Wenn nun auch die beiderseitige Jnteresiengemeinschaft die Notwendigkeit des Festhaltens an der Tarifgemeinschaft bedingt, so wurde doch mehrfach von Unternehmerseite versucht, die infolge des starken Vordringens der Setzmaschine eingetretene größere Arbeitslosigkeit gegen die Gehilfen auszunutzen. Und auf der vor- jährigen Generalversammlung der Unternehmerhauptorganisation ging man dazu über, für die nächste Tarifrevision(1016) die An- sammlung eines Abwehr- und Streikfonds zu beschließen. Die Tarifrevision im Jahre 1016 wird demnach anscheinend nicht so glatt ablaufen wie die letzte im Jahre 1011. Der Verband wird schon jetzt seine Vorbeugungsmahregelii zu treffen wkssen. Sein Vermögen in der Hauptkasse betrug am Schlüsse des Geschäfts- jahres 9 768 791 M. gegen 8 998 458 M. des Vorjahres. Dazu kommt noch ein Bestand in den Lokalkassen von rund 3 Millionen Mark, so daß das Gesamtvcrmögen des Verbandes über 12 Millionen Mark beträgt. Neben den enormen Reise- und Arbeitslosenunter- slützungen gab der Verband in den beiden letzte» Jahren 1 884 330 Mark an Krantenunterstützung aus, 693 132 M. I n v a- l i d e u u n t e r stü tz u n g. 191 574 M. Sterbeunterstützung, 84 139 Mark für U m z u g s k o st e n. 12 000 M. für Rechtsschutz ufw. Die Gesamtsumme der gezahlten Unterstützungen beträgt in den Jahren 1911/12 5 350 569 M. Außerdem wurden au« den Gaukassen noch Zuschüsse zu den Unterstützungen in Höhe von über 800 000 M. gezahlt. Natürlich müssen solch enormen Ausgaben auch ent- sprechende Einnahmen gegenüber stehen. Diese belaufen sich in der Berichtszcit auf insgesamt 7 003 278 M. Aus der Statistik ergibt sich ferner, daß im Jahre 1911 4 Proz. und im Jahre 1912 4Ä Proz. der Mitglieder arbeitslos waren. Die Kranken- z i f f e r ist dagegen in den beiden Jahren von 3,15 Proz. auf 3,75 Prozent gesunken. In der nun beginnenden Diskussion erkennt M u s s i a l- Berlin die Tätigkeit des Verbandsvorstandes in sehr lobender Weise an, auch in bezug auf die Beseitigung von Streitigkeiten innerhalb der Sparten, wünscht ober«inen Ausbau des gedruckten Rechen- schaftsberichts, was Sch w e i n e s b e i n- Bremen unterstützt. Letzterer wünscht auch noch, daß der Verbandsvorstand auf ver- leumderische Broschüren der Gegner gleichfalls mit Broschüren ant- Worten möge, weil die Abwehrartikel im„Korrespondent" nicht dort gelesen würden, wo man die Broschüren umsetze. Steinhardt- Hamburg beantragt die Verteilung einer Bro, schüre an die Delegierten, in welcher Berkommnisse im„Hamburger Fremdenblatt" klargelegt werden. Da Döblin au» taktischen Gründen den Antrag abzulehnen bittet, so entspinnt sich hierüber eine längere Debatte, die schließlich mit der Annahme eine« An- trage« endet, welcher besagt, daß eS jedem Delegierten freisteht, der Generalversammlung geeignet erscheinende« Material zu unter- breiten. Im Verlauf der weiteren Diskussion werden dem Verbands- vorstände eigentliche Monitas über seine geschäftliche Tätigkeit nur in kaum nennenswerter Weise gemacht, dagegen wird von mehreren Delegierten eine öftere„Abbürstung" der Gutenbergbündler gewünscht, damit auch die jüngeren Kollegen von vornherein wissen, init was für Leuten man eS zu tun habe. Dem traten der Ver- lxindsvorstand und die große Mehrheit der Redner entgegen. Bei der Bedeutungslosigkeit der Gutenbergbündler würde es verkehrt fein, auf ihr Geschrei einzugehen. Höchstens könne man sie bei besonderen Anlässen mal in entsprechender Weise kennzeichnen. Eine lebhafte Auseinandersetzung führt ein Zusammenstoß zwischen Döblin und dem Hamburger Delegierten Steinhardt herbei, da Sieinhardl dem Vcrbandsvorsitzenden den Vorwurf macht, daß durch sein Eingreifen in die Angelegenheit mit dem Verlage der Großeinkaufsgcnossenschaft die Kollepen nicht zu ihrem Rechte ge- kommen seien Steinhardt wirft dem Verbandsvorsitzenden Engherzigkeit vor und ungerechtes Behandeln der Gehilfen, die keine Rechte hätten�worauf Döblin erwidert, daß er darauf verzichte, den Beifall Steinhardts zu erringen. E« genüge ihm die Desavouierung Steinhardts durch die übrigen Hamburger Dele- gierten. Die von Steinhardt empfohlene Taktik sei eine solche, wie sie wohl geübt sei, als die Gewerkschaftsbewegung noch in den Kinderschuhen gesteckt habe. Schweinitz. Hannover hält Stein- Hardt für unbel«hrbar und stellt sich ganz auf den Standpuntt Döblin«. Da aber auch P r ö p p e r- Hamburg da« Verhalten de« Herrn Kaufmann von der GroheinkaufSgesellschaft scharf kriti- siert, so kommt eS über den Zusammenstoß der 78 Gehilfen in der Genoffenschaft mit Herrn Kaufmann noch zu einer längeren Debatte. P r ö p p e r muß �zwar zugeben, dah sich die Kollegen in formeller Bcziebung Verstöße gegen die tariflichen Bestimmungen haben zuschulden kommen lassen, ist aber der Meinung, daß die Verstöße des Herrn Kaufmann gegen den Tarif viel bedeutender sind und daß er erst die Gehilfe» zu ihrem Vorgehen provoziert habe. Döblin betont, daß es ihm fern liege, Kaufmann in Schutz zu nehmen, aber man dürfe dessen Verhalten nicht der Genossenschaft entgelten lassen. Trotz aller- Worte bleibe die Tat- sacke bestehen, dah die Gehilfen für ihre plötzliche Kündigung keinen tariflichen Grund gehabt hätten. Und hierdurch sei die Situation erst für die Gehilfe» verschlechtert worden. Man hätte der Orggni- sation einen größeren Dienst erwiesen, wenn man vorsichtiger gewesen wäre. Nach dieser Aussprache wird der Geschäftsbericht des Vorstandes gegen eine stimme(Steinhardt) genehmigt. Graßmann,»weiter Vorsitzender, leitet sodann die Be- ratungen über die Anträge auf Abänderung der Unterstützung«. einrichtungcn mit Darlegung der finanziellen Verhältnisse und der Wirkung der Anträge ein und stellt in Aussicht, daß an die Er- füllung der meisten Wünsche nicht zu denken sei, gibt dagegen zu. dah ein gerechter Ausgleich zwischen Leistung und Gegenleistung '-ehlt. Den richtigen Weg zu finden, soll Aufgabe der morgen beginnenden Diskussion sein. It. Knikralmfoliiiuliing der Aeutfchen Metall ittbeiter. Breslau, 16. Juni 1913. � Die Verhandlungen begannen mit den üblichen Begrüßungs, ansprachen. Die Reihe der ausländischen Begrüßungsredner er- öffnet Hansen. Er spricht für die dänischen und zugleich für die schwedischen Metallarbeiter. Beer, der Vertreter der Oester- reicher, betont, daß die Erfahrungen der deutschen Metallarbeiter auch die Oesterreichcr zu guten Erfolgen geführt haben. Bardos, der Vertreter der ungarischen Metallarbeiter, kann mitteilen, daß. seine Organisation heut auf 27 000 Mitglieder angewachsen ist. Dad g so n, der Vertreter der Engländer, betont, daß die eng- lischen bürgerlichen Blätter den Deutschen als Englandfrcsser schil- dern, er habe in dem brüderlichen Händedruck der deutschen Metall- arbeiier nur Freundschaft gefunden. Die Arbeiter in Eng- l a n d w o l l e u keinen Krieg!(Wiederholter Beifall.) Nach dem Vertreter der Schweizer Metallarbeiter Dürr sprechen noch Sanpe für die deutschen Kupferschmiede und Scheffel für den Zentralvervand der Maschinisten und Heizer. Die serbischen Metallarbeiter konnten keinen Vertreter ent- senden. Der frühere Vertreter uud"/». seiner Kollegen wurden im Feld getötet. Schlicke faßt alle Begrüßungsreden in der Antwort zu« sammen, daß die deutschen Metallarbeiter sich mit den Metall- arbeitern der anderen Länder immer als eine brüderliche inter- nationale Familie fühlen werden. Auch der Deutsche Metall- arbeiterverband sei dafür, daß der Jndustneverbani aus normaler Entwickelung heraus entstehen und herauswachsen muß. Nach der Mittagspause wird durch S e e m a n n-Königsberg ein v-rläusiger Bericht der MandatspriifunsSkom Mission erstatict. Es liegen eine ganze Anzahl Proteste vor.-Für den zum badischen Landesparteitag gehenden Parteisekretär H a h n- Mannheim wird ein Ersatzmann telegraphisch berufen werden. Hahns Disposition wird als ein Unrecht an der Metallarbeiter. tagung gekennzeichnet. Gegen den Delegierten Müller- Mühl. heim mußt« plötzlich eine Untersuchungskommission eingesetzt wer- den. Müller hat geradezu unglaublich gegen die Verbandsinter- essen gehandelt; es bestehen Zwei je l an seiner Zurechnungsfähig- keit. Es wurde beschlossen, einen Ersatzinairn zu berufen. In Hamburg mußte auf Anordnung deS Verbandsvorst-rndes wegen der Aufstellung einer besonderen Kandidatenliste durch ein- zelne kleine Bcrufsgruppen die Wahl der Delegierten nochmals vorgenommen werden. Gegen diese Maßnahme des Haupwor- siandes ist ein Protest eingelaufen, die Anordnungen des Vor- standes werden von der Generalversammlung gebilligt. In Bremen haben bei der Wahl Unregelmäßigkeiten stattgefunden, aber auch ohne diese Vorkommnisse wären die anwesenden Bremer Delegierten glatt gewählt werden. Deswegen werden die Mandate für gültig erklärt. Nach der Wahl des Vorstandes werden die Anträge auf BeHand- lung der Arbeiteverhältnisse in der Schwereisenindustrie, Stellung zur ungeteilten Arbeitszeit und der Ferienfrag« in der Metall- industrie abgelehnt. Ein»euer Tagesordnungspunkt wird ringe. fügt; er lautet:„Das Ko a l i t i o n s r e ch t, die Hand. habung des Reichsvereinsgesetzes und deren Wirkung auf die Arbeiter". Dieses Thema wird in ge« schlössen«! Sitzung verhandelt werden. » Breslau. 17. Juni 1918. Der zweite Sitzungstag beginnt mit einer Kranzniederlegung am Grabe Lassalles. Die Breslauer Polizei war nicht auf ihrer berühmten Höhe; sie glänzte durch Abwesenheit. Der am Grabe niedergelegte Kranz trug die Lassallesche Widmung:„Wer die Macht hat. hat das Recht; strebt nach der Macht, dann gewinntJhrdas Rech t." �. Die Generalversammlung gibt den Delegierten, die als Reichs- tagsabgeordnete zu einer wichtigen Abstimmung nach Berlin müssen, Urlaub. Nun beginnt die Beratung de» 2. Punkte? der Tagesordnung: Berichte de« Borstande« und Ausschusse» und Beratung etwaiger Anträge zu diese« Punkte und dem Verbandsorgan- Daö Wort hat nun der Verbandsvorsitzende Schlicke» Gtutd« gart: Kollegen und Kolleginnen! Schon gestern sagte ich. daß der Gedanke des I»du st ri ev e r ba n d e s marschiere. Der Vorstand steht auf dem Standpunkt, daß sich Liebe nicht er- zwingen läßt, bestimmte Voraussetzungen der Entwickelung müssen vorhanden sein. Grenz st reitigteiten haben wir leider nicht nur mit anderen Verbänden, sondern auch in den eigenen Reihen. Die Richtung des Vorstandes ist: ES kommt nicht darauf an, in einem gewissen Betriebe alle vereinigt zu haben, die Schlosser oder Dreher genannt werden; es kommt darauf an, daß alle in einem Betriebe Beschäftigten einheitlich organisiert sind. Wir müssen zur Betriebs- und Jndustrieorganisation kommen. Die Re» solution deS Hamburger Gewerkschaftskongresses trägt der Ent. Wickelung der Metallindustrie nicht Rechnung. Neben der Forde. rung des JndustrievcrbandeS gehört die der Betriebsorganisation. Gegenüber den laufenden Strenigkeiten steht der Vorstand auf dem Standpunkt, wenn Vernunftgründe nicht überzeugen, dann müssen wir genau so handeln wie die. die sich nicht überzeugen lassen wollen. Aber die Tatsachen sprechen so klar, daß eine baldige Ver» ständigung möglich sein muß> Vorstand und Mitglieder sind bei einer so großen Organi. sation, wie wir sie darstellen, selbstverständlich nicht immer einig. Da» trifft im besonderen auf den Zeitpunkt zu. mit dem ein Kampf zu beginnen hat. Wir dürfen nicht nervös werden, wenn die Unternehmer es wollen. Den Zeitpunkt eines Kampfes müssen immer wir Arbeiter bestimmen. Bedenklich ist. daß an verschiedenen Orten die Leitungen Forderungen aufgestellt haben. die den Arbeitsnachweis der Unternehmer betreffen. Wir lehnen den Unternehmerarbeitsnachweis strikte ab. wir dürfen dann nicht Forderungen, die ihn angehen, aufstellen. Der Unternehmer» arbeitsnachweis muß mit anderen Mitteln bekämpft werden. Er muß dann aber zur grundsätzlichen Position werden. Neben- fragen, die geeignet sind, unsere Kraft im Kampfe zu zersplittern, haben wir viele; z. B. die Verkürzung der Arbeitszeit. Früher verstand man darunter nur tägliche Verkürzung; heute ist bei den Unternehmern der Sonaocndnachmittagschluß aktuell: sie kommen nach ihrer Meinung so billiger weg. Wir haben keine Ursache, darauf hereinzufallen. Mit der durchgehenden Arbeitszeit sind wir noch nickt zur Klarheit gekommen. Die Mehrheit des Vorstandes ist der Meinung, daß sie nur eingeführt Iverden kann, wenn der Achtstundentag für die Metallarbeiter durchgesetzt ist. Selbstverständlich nehmen wir auch die geringste Arbeitszeitverkürzung dann, ivenn wir in anderer Form nichts erhalten wurden. Die Arbeitszeit darf aber nicht verkürzt wer- den, um nachher einen höheren Verdienst durch Ueberzeitarbeit zu erzielen. Wenn solche Uebersiunden geleistet werden, dann sollten sie gar nicht bezahlt werden!(Beifall.) Die Unternehmer machen mit den bezahlten Ueberstunden das beste Geschäft. Der Vorstand ist der Meinung, dah die Solidarität bei großen Kämpfen so aufgefaßt wird, daß durch Umlageverfahren die Kosten aufgebracht werden. Das wirkt ganz anders als der Klingelbeutel. (Sehr richtig!) Nun zu den Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ver- bandeS, dazu muß gesagt werden, daß wir keine Ursache haben. die Wäsche, die durch das Tragen schmutzig geworden ist. auf vem Markte zu waschen. Es wird in vielen Anträgen mehr Agitation, Statistik und Konferenztätigkeit verlangt. Statistiken machen aber auch Arbeit und die Zahlstellen unterstützen un« durchaus nicht. Zur Gewerkschaftsschule und zur Parteischule liegen auch Anträge vor. Die Tätigkeit der Parteischule sehe ich sehr skep» tisch an. Schwerverständliche Wissensgebiete werden dort gelehrt, der Besuch der Parteischule selbst erweckt bei unseren jungen Leuten Hoffnungen, die nicht erfüllt werden können. Nun komme ich zum V e r b a n d s o r g a n. Unser Redakteur S ch e r m ist bis jetzt immer gelobt worden. Wenn die Redaktion, die in letzter Zeit so grob angegriffen worden ist. fest um sich gehauen hat. so war da» nicht nur ihr gutes Recht, sondern auch ihre Pflicht. Der Vorstand kann dies nur billigen. Die Fülle der allgemeinen An» träge zwingt den Vorstand, zu sagen, daß neben vielem Selbstver- fHbiMMjat, auH manches AnauSfk�rkiare verlangt wird. Man vat rurS den Borwurf gemacht, daß wir den Gehaltsvcrhält- nisseu unserer Beamten zuviel Aufmerksamkeit zu- wenden. Der Vorstand als Beauftragter der Organisation und Arbeitgeber hat die Pflicht, seine Angestellten anständig zu be- zahlen. Der Metallarbeiter, der gegen diesen Standpunkt ist, darf auch nicht sagen, daß die Unternehmer den Arbeiter nicht zu seinem Rechte kommen lassen. Seemann- Königsberg erstattet, ehe in die Diskussion über den VorstandSbericht eingetreten wird, den t endgültigen Bericht der Mandatsprüfungskommission. Er beginnt mir den Leipziger Vorkommnissen. Das Leipziger Zentralwahlkomitee hat beim Vorstand die Ungültigkeitserklärung der Leipziger Mandate verlangt, weil die Leipziger„Volkszeitung" durch ihre Stellungnahme in einem Versammlungsbericht dafür ge sorgt habe, daß nur Delegierte nach Breslau gekommen sind, die für den Leipziger Antrag, die Parteischule betreffend, eintreten Der Vorstand hat nur die Wahl zweier Bezirke für ungültig er- klärt, die Mandatsprüfungskommission beantragt bei der General- Versammlung, sämtliche 8 Leipziger Delegierte als nicht gewählt zu bezeichnen und dafür die nach Breslau zu berufen, die nicht gewählt wurden, oder Leipzig auf der Generalversammlung überhaupt un- vertreten sein zu lassen.(Große Unruhe.) Ernst Sch äf e r-Leipzig fragt als erster Diskussionsredner zu diesem Punkte: Warum verteidigt nicht der Vorstand seinen Be- schluß, der durch die Mandatsprüfungskommission als falsch be- zeichnet wird? Der Versammlungsbericht der Leipziger„Volks zeitung" war durchaus objektiv abgefaßt. Wir bedauern allerdings auch, daß die angegebene Stelle in Fettdruck so auffällig erschienen ist. Ich erwarte von dem Gerechtigkeitsgefühl der Generalverl sammlung, daß sie im Interesse des Verbandes entscheidet. Wenn «Sie wollen, dann lassen Sie die Leipziger unvertreten; aber kom men Sie dann auch nach Leipzig und verteidigen Sie dort ihren Beschluß. Nach ihm sprechen noch eine ganze Reihe Redner, im besonderen auch Leipziger Delegierte. Nachdem ein Schlußantrag abgelehnt ist, lgeht die Debatte, die Leipziger Vorkommnisse bis ins einzelne be- handelnd, weiter. Die Mandatsprüfungskommission zieht ihren Eventualvor schlag, den sie am Morgen mitgemacht, für den Fall der Kassierung der acht Leipziger Mandate, die nicht gewählten 8 Kandidaten zur Generalversammlung nach Breslau berufen zu laffen, zurück. Nach längerer Diskussion wird über den nun verbliebenen Vor schlag der Mandatsprüfungskommission, die Leipziger Delegierten- Mandate zu kassieren, namentlich abgestimmt. Die Leipziger Man- date werden mit 212 gegen 50 Stimmen für ungültig erklärt. Leipzig bleibt auf dem Verbandstage ohne Vertretung. Es werden nun noch eine Reihe anderer Proteste abgelehnt. So die aus Chemnitz, Düsseldorf, München und Braunschweig. Die Diskussion über den Vorstandsbericht, für den eine große Anzahl von Anträgen mit zur Besprechung vorliegt, wird dann ab- gebrochen, die Sitzung wird auf morgen vertagt. Jugendbewegung. Opfer des Kriegsspielunfugs. Tie Wehrkraftvcreine Halle, Merseburg und Schkeuditz hatten in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ein Kriegs- spiel bei«s chj( o p a u veranstaltet. Die Schkeuditzer Wehrkraft- fugend, meist Schüler von 12 bis 14 Jahren, niarschierten am Sonn- .tagvormittag nach der Nachtübung in so scharfem Schritt nach Hause, daß, nachdem kaum die Hälfte des Weges zurückgelegt war, vier Jungen nicht mehr mitkommen konnten. Der leitende Lehrer wies sie in den Chausseegraben mit den Worten: Wer nicht mehr mitkommen könnte, solle sich in den Straßengraben niedersetzen und auf die nächste Abteilung warten. Die vier ohne Aufsicht zurückgelassenen ermatteten Knaben ruhten sich zunächil eine Weile aus und trieben dann— wahrscheinlich durch das nächtliche „Kriegsspiel zu allerlei Räubcrtaten angeregt— in einer nahen Sandgrube �allerlei Unfug an den ausgestellten Geräten. Plötzlich gaben die Sandmassen der Grube nach und verschütteten drei Knaben derart, daß nur noch die Arme und der Kopf zu sehen waren. Auf das Hilferufen der drei Verunglückten und ihres .Kameraden eilten zufällig in der Nähe befindliche Leute herbei. Die Jungen wurden herausgeschaufelt und nach dem Dorfe Rögbitz gc- üragcn. Da sie erheblich verletzt schienen, mutzte ein Auto- an obilvonSchkeuditz requiriert werden, das die Ver- letzten ihren entsetzten Eltern zuführte. Alle drei Jungen liegen setzt an ihren Verletzungen danieder, der eine hat schwere Leiden davongetragen. Der Leiter dieses Kriegsspiels und auch des verhängnisvollen Rückmarsches war der Schkeuditzer Rektor M i k i s ch, der sich als Sozialistentöter besonders hervortut. Er sucht allzährlich zuin Ge- wcrkschastsfest durch seine Schulgcwalt die Kinder von der Bctcili- gung am Umzug fernzuhalten. Er ist es, der den Jugendlichen die Teilnahme an den Veranstaltungen der Arbeiterjugend zu verbieten versucht und der kürzlich in seinem Haß gegen die proletarische Jugendbewegung sich dazu hinreißen ließ, einen Fortbildungsschüler wegen eines geringen Vergehens unter Hinzuziehung eines Teils der Lehrer vor der Klasse durchzuprügeln, um ihn dann als sozialdemokratischen Jugendführer herunterzumachen und die anderen Schüler vor diesem„Menschen" zu warnen.' Auf das Be- treiben dieses echt nationalen„Jugendpflegers" wurde auch vor zwei Jahren den Leitern der Arbeiterturnerschaft die moralische und sitt- liche Befähigung zur Erteilung des Turnunterrichts an Zöglinge ab- gesprochen._____ Hiis Industrie und Kandel. Die Zolltarifrcvifion im amerikanische« Senat. Der neue Zolltarif, der vom Repräsentantcnhause mit 281 gegen 139 Stimmen angenommen wurde, wird aller Wahrscheinlichkeil nach im Laufe des Juli auch die Sanktion des Senats erhalten. Im Re- Präsentantenhause wurde man nach achttägiger Generaldebatte in Zeit von weiteren acht Tagen mir der Durchberatung der einzelnen Positionen fertig. Im Senat, wo die demokratische Mehrheit nur auf schtvachen Füßen steht und die„großen Interessen" ihre persönlichen Ver- treter Hadem ist an eine solche Durchpcilschung des Tarifs nicht zu denken, ebenso wenig aber auch an eine Wiederholung der endlosen Schachereien und Mogeleien, die in Zolltarifdingen zu den ältesten Traditionen des amerikanischen Oberhauses gehören. Eine Woche hat der Senat gebraucht, uin einen republikanischen Obstruklions- antrag. der auf„öffentliche Verhöre" über die einzelnen Tarif- sätze abzielte, unschädlich zu machen. Der republikanische Antrag wurde mir 41 gegen 36 Stimmen, einem sogenannten strikten Pa.teivotum, abgelehnt: das heißt, das geschlossene Votum der Demokraten stand dein der Republikaner reaktionärer wie„fortschrittlicher Observanz gegenüber, mir dem einzigen Roosevelt-Senator: Peindexler, auf demokratischer Seite. Diese Abstimmung wird vielfach als eine entscheidende Probe aufS Exempel betrachtet. Wenigstens ist jetzt keine Frage mehr, daß die Demotrareir auch im Senat stark genug sind, ihren Tarif durchzusetzen, und auch die Bereitwilligkeit, die Verantwortung für die Maßregel zu über- nehmen, scheint auf dieser Seile vorhanden zu sein. Ist schon das Tempo dieser Tarifrevision in der amerikanischen Zollrarifgeschichte ohne Beispiel, so tritt als weitere Anomalie noch hinzu, daß im Senat diesmal eher Neigung zu einer weiteren„Abwärt-revision" als zu einer Hinaufschraubung der vom Repräsentantenhause beschlossenen Tarifsätze besteht. Das zuständige Senatskomitec hat dem Präsidenten Wilson den Triumph bereitet, auch noch Vieh und Fleisch, Weizen und Mehl, ferner noch Roheisen und Ferromanganeisenerze auf die„Freiliste" zu setzen, freilich nur ein bescheidener Trost für den deutschen Export, der aus seine wichtigsten Artikel, lvie Kalisalze. Spielzeug, Kohlenteerprodulte und Oele, Baumwollspitzen usw. keine Er- leichterrmgen zu erwarten hat. Kohlenteerprodukte werden sogar, ebenso wie unverarbeitete Pelze, noch stärker belastet! Wohl find nach der Haltuug des Komitees Reduktionen der Zölle auf Stahj» Eisen und gewisse Metallwaren, sowie auf Seide, Wolle und Woll- waren, irdene und Glaswaren wahrscheinlich, und es kommt für Deutschland nun auf die Arten der Eisen- und Textilwaren an. die von dem Segen der Zollermäßigung bettoffen werden, da in ge- wissen Spezialitäten beider Produktionszweige noch immer eine Möglichkeit deutschen Wettbewerbs auf dem amerikanischen Markt besteht. Ungewiß ist noch das schließliche Schicksal der zollfreien Rohwolle, sowie der gemäß der Bill nach 3 Jahren eintretenden Zollbefreiuung des Zuckers. Gestrichen werden wird die öprozentige Vergünstigung für Einfuhrwaren, die auf amerikanischen Schiffen befördert werden, wahrscheinlich auch die Klausel, die der Zoll- behörde das Recht verleihen wollte, zur Ermittelung des Aus- fuhrwertes von Waren die Geschäftsakten der Importeure ein- zusehen._ Born Kaffccmarkt. Trotz aller Machinationen der brasilianischen Kaffeewucherer gleiten die Kaffee preise im Großhandel un- aufhaltsam abwärts. Im Vergleich zum Vorjahre ist bereits eine recht bedeutende Ermäßigung eingetreten. In Hamburg kostete nämlich ein Doppelzentner Kaffee, unverzollt, durchschnittlich in Mark Santos.. Campinas. Rio... La Guapra März 148.60 152,40 145,40 130,00 1912 April 149,00 154,00 147,00 152,00 März 133,40 139,40 131,40 136,40 1913 April 129,00 135,00 126,50 131,00 Offenbar rechnet man in deutschen Großhandelskreisen noch mit weiteren Preissenkungen. Die Gesamteinfuhr von Rohkaffee betrug in den ersten vier Monaten dieses Jahres 643 806 Doppelzentner gegen 850 953 Doppelzentner im Vorjahre. Der Wert der Einfuhr ist von 96,34 auf 95,28 Millionen Mark zurückgegangen. Ein schärferer Preisrückgang am Kaffeemarkt, besonders aber eine mehr- malige gute Ernte könnte die brasilianische Kaffeevalorisation in recht ernste Schwierigkeiten bringen, die ihre bisherigen günstigen Resultate hauptsächlich dem zufälligen Zusammentteffen mehrerer für sie günstiger Umstände zu verdanken hat. V Soziales. Arbeitslosigkeit. Die Krise schreitet in einem die Arbeiterklasse ungeheuer treffenden Umfang vorwärts. Das Reich, die Staaten und die Ge- meinden stehen tatenlos der Arbeitslosigkeit gegenüber. Das Reich verweist auf Staat und Gemeinden, der Staat auf das Reich und die Gemeinden, die Gemeinden wieder auf den Staat. Die Pflicht zum Eingriff schiebt so eine Stelle auf die andere. Und doch wäre es höchste Pflicht aller drei Faktoren, die Arbeitslosigkeit, die leider naturgemäße Folge unseres Produksionssystems, wenigstens zu lindern. Aus Nürnberg wird uns geschrieben: Die Arbeitslosigkeit hat gegenwärtig in Nürnberg einen ge- waltigen Umfang angenommen. Selbst in den Wintermonaten der schlimmsten Kriscnjahre dürfte das Elend kaum größer gewesen sein. Beim städtischen Arbeitsamt kommen auf 100 Stellenangebote 220 Stellengesuche, und täglich verschlechtert sich das Verhältnis noch mehr. Vor wenigen Wochen sind in Nürnberg einmal über 400 und ein andermal 220 Arbeiter für eine rheinische Kohlenzeche angeworben worden und dahin abgereist. Die Armenpflege mußte feststellen, daß die Unterstützungsansprüche eine ungeheure, noch nie zuvor erreichte Höhe erreicht haben. Der Oberbürgermeister wird fortgesetzt mit Hunderten von Gesuchen um Unterstützung oder Zuweisung von Beschäftigung überschwemmt usw. Im Gemeinde- kollegium sahen sich daher die Sozialdemokraten am Dienstag ver- anlaßt, entschiedene Abhilfemaßnahmen zu verlangen, indem sie beantragten: 1. Sofort 30 000 M. zur Verfügung zu stellen, um-Heimat- berechtigten Barunterstützungen gewähren zu können; 2. geeignete Arbeitsgelegenheiten zu beschaffen und bei der Staatsregierung im gleichen Sinne zu wirken; 3. den gemeindlichen Kollegien baldigst den Entwurf einer städtischen Arbeitslosenversicherung vorzulegen; 4. das städtische Arbeitsamt zu beauftragen, bei umfangreichen Arbeitsvcrmittelungcn nach auswärts genaue Erkundigungen über den Zweck der Vermittelung und über die Entlohnung anzustellen und das Ergebnis zu veröffentlichen. Die Wortführer der bürgerlichen Parteien konnten das Elend nicht in Abrede stellen, suchten sich aber mit leeren Ausflüchten um ernsthafte Maßnahmen herumzudrücken, wobei es auch an gelegent- lichen Beschimpfungen der Arbeitslosen nicht feblte, indem man ihnen mangelnden Sparsinn vorwarf, die Arbeiter seien an dem geschäftlichen Niedergang selbst schuld durch ihre frivolen Streiks usw. Tie sozialdemotratischen Anträge auf Bewilligung von 30 000 M. und Einführung der Arbeitslosenunterstützung wurden abgelehnt; das einzige praktische Ergebnis ist die Annahme eines freisinnigen Antrages, der sich dem zweiten sozialdemokratischen Antrage nähert. Nach ihm soll die«stadt ihre geplanten Arbeiten chleunigst in Angriff nehmen und die Regierung uni das gleiche ersucht werden soll; weiter soll an die Regierung das Gesuch ge- richtet werden, die staatliche Arbeitslosenversicherung baldigst in Angriff zu nehmen. Angenommen ivurdc auch der Antrag be- züglich der Verinittelungen von Arbeit nach auswärts. Das ist alles, was der Freisinn für die Rot der Arbeitslosigkeit übrig hat. Gerickts- Leitung. von Oppersdorfs gegen Trimborn. In der Privatklagcsachc des Herrenhausmitglicdes Reichs- grasen Hans von Oppersdorfs gegen den Redakteur Dr. jur. Hubert Trimborn in Breslau stand gestern wieder Verhandlungstermin vor der 145. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wollncr an. Es bandelt sich um zwei Jahre zurückliegende Vorgänge. Graf von Oppersdorfs, damals noch Mitglied der Zentrumsfrakti�n, hatte in der clsaß- lothringischen Verfassungsfrage einen der Mehrheit der Fraktion entgegengesetzten Standpunkt eingenommen und hatte mit 27 Zen- trumsmitgliedern für das Gesetz gestimmt. Er geriet darüber in Fehde mit der sogenannten Kölner Richtung innerhalb der Zen- trumsfraktion und speziell auch mit dem Vorsitzenden der fchlefischen Zentrumspartei Geh.-Rat Dr. Porsch, zu dem er schon längere Zeit in Gegnerschaft stand. Gegen den Privatkläger hatte dann die „Augsburger Postzcitung" einen beleidigenden Artikel gebracht, in .welchem ihm politisch unlautere Mottve nachgesagt wurden: er gehe mit seiner politischen lleberzeugung hausieren, spiele, wo es ihm geeignet scheine, den Demokraten, es komme ihm lediglich daraus an, Wahlerfolge einzuheimsen; es tvurde von gewissenlosen Quertreibereien gesprochen und dem Privatkläger vorgeworfen, daß er nach alter Gewohnheit seinen Fraktionsgenopen in den Rücken lalle usw. Diesen Artikel hatte die von Dr. Trimborn redigierte„Schlesische Volkszeitung" vom 4. Juli 1911 unter der Ueberschrift„Parteidisziplin und Sonderbcstrebungen" übernom- men und mit einer Einleitung versehen. Gegen den Redakteur der „Augsburger Zeitung" hatte Graf Oppersdorfs die Privatklage er- hoben, diese wurde aber im Wege eines Vergleichs aus der Welt geschafft. In diesem Vergleiche gab der verklagte Redakteur dem Grafen O. eine Erklärung ab, in welcher diesem das Zeugnis aus- gestellt wurde, daß er sich bei seiner politischen Tätigkeit lediglich von seiner gewissenhaften lleberzeugung leiten lasse. Der Versuch, bei der gestrigen Verhandlung die Sache durch eine gleichartige Erklärung zu erledigen, scheiterte. Nach längerer Verhandlung erkannte das Gericht den An- geklagten der Beleidigung schuldig und verurteilte ihn zu 159 M. Geldstrafe eventuell 15 Tagen Gefängnis. Dem Privatkläger wurde die PublikattonsbefugniS in der„Schlesischen Volkszeitung", der ..Augsburger Postzeitung" und der„Kölnischen VolkSzeiwng" zu- gesprochen. Die BernfSehre des Zahntechnikers. In Rosenthal-Wilhelmsruh hatte die Gemeindeverwaltung-, um die Zahnpflege bei Schulkindern zu fördern, die Eltern durch einen öffentlichen Vortrag eines Zahnarztes über diesen Gegenstand belehren lassen. Unter anderem wurde dabei die Frage erörtert, ob man kleinen Kindern schadhafte Zähne plombieren oder sie ohne! weiteres ziehen soll. In der Diskussion brachte Frau Schulwitz zur Sprache, daß ihr gegenüber ein Zahntechniker, von dem sie ihrem vierjährigen Kinde einen schadhaften Zahn plombieren lassen wollte, eine der Meinung dieses Zahnarztes entgegengesetzte Meinung geäußert habe. Sie nannte zunächst keimen Namen, aber auf eine Bemerkung des die Versamnilung leitenden Rektors teilte sie hinterher mit, daß es sich um den Zahntechniker Diemer in Wilhelmsruh handle. Herr Diemer, der selber in der Versamm- lung anwesend war, geriet hierüber in so große Aufregung, daß er rief:„Das ist eine stinkende Lüge!" Später veröffentlichte der gekränkte Zahntechniker noch in einem Lokalblatt für Rosenthäl-- Wilhelmsruh eine Annonce, in der er die Tarstellung der Frau Schulwitz als„Verleumdung" zurückwies. Daß Frau Schulwitz ihn wegen ihres Kindes um seinen Beistand gebeten hatte, war richtig. Herr Diemcr bestritt aber, daß er die Äcußerung getan habe, die: Frau Schulwitz in jener Versammlung ihm nachgesagt hatte. Eeine Abwehrversuchc empfand nicht nur Frau Schulwitz, sondern auch ihr Ehemann als Beleidigungen. Schulwitz ging gegen Diemer inrl einer Beleidigungsklage vor, so daß Frau Schulwitz als Zeugin vernommen werden konnte. Vor dem Amtsgericht Pankow wieder» holte sie unter Diemers Widerspruch ihre Angabe, Diemcr habe gesagt, daß bei so jungen Kindern schadhafte Zähne nicht plombiert» sondern gezogen würden. Das Gericht sprach daraufhin den Angc» klagten schuldig der Beleidigung, doch sah es nur den Zuruf:„Das ist eine stinkende Lüge!" als strafbare Beleidigung an, nicht auch das Wort„Verleumdung", das Diemer nur zur Abwehr einer von ihm als unwahr zurückgewiesenen Angabe gebraucht habe. Tiemer wurde zu 19 Mark Geldstrafe verurteilt mit der sonderbaren Be- gründung, daß auch das Wort von der„stinkenden Lüge" unter den in Wilhelmsruh bestehenden Verhältnissen nicht so auf die Gold- wage zu legen sei. Gegen dieses Urteil wandten Kläger und Angeklagter sich an die Berufungsinstanz, so daß gestern das Landgericht Berlin III (Strafkammer 4) sich mit dem Streit zu beschäftigen hatte. Ter Borsitzende, Landgerichtsdirektor Ehrecke, meinte, Frau Schulwitz werde Herrn Diemer wohl falsch verstanden haben, und schlug dann � einen Vergleich vor. Diemers Verteidiger, Rechtsanwalt Reff, wünschte, der Kläger solle erklären, daß er keinen Grund habe, an Diemers Fähigkeit zu �zweifeln. Rechtsanwalt Weinberg, der dem Kläger Schulwitz zur Seite stand, lehnte das ab, da ja nicht Schul- witz, sondern dessen Ehefrau über den Zahntechniker Diemer ge- sprachen habe. Nach langem Hin und Her kam schließlich ein Ver- gleich zustande, durch den der Angeklagte Diemer die der Klage zu- gründe liegenden Aeutzerungen, so weit darin Beleidigungen zu sehen seien, mit Bedauern zurücknahm. Er verpflichtete sich, die gc- richtlichen Kosten ganz zu übernehmen, und zahlte�sofort zu den außergerichtlichen Kosten einen Beitrag von 10 M. Sobald die Ge- richtskosten bezahlt sind, will Kläger, Schulwitz, die Klage zurück- nehmen. Er tat noch ein übriges und erklärte, seine Frau habe der Berufsehre Diemers nicht zu nahe treten wollen. Das Züchtigungsrecht des Lehrers vor dem Zivilsenat des Reichsgerichts. Wiederholt haben wir hervorgehoben, daß das Reichsgericht im Gegensatz zum Oberverwaltungsgericht und zu so manchem prcußi- schcn Landgericht der Verprügclung von Kindern feindlich entgegen- steht. Wer als Erzieher prügelt, zeigt, daß er unfähig ist zu er- ziehen. Weit entfernt von dieser bereits im Mittelalter vom Dichter Walther von der Vogelweide verteidigten Anschauung stehen die heutigen preutzisch-dcutschen- Gesetze. Um so anerkennenswerter» wenn das oberste deutsche Gericht gegen, wenigstens gegen da3 Uebcrmaß von Prügelei Front macht. Am Dienstag entschied daS Reichsgericht nach siebenjährigem Kampf im Gegensatz zum Land- gericht zuungunsten eines Lehrers, der durch seine Prügelmethode ein Kind lebenslänglich unglücklich gemacht hat. Möglich war ihm die Entscheidung, ohne daß das Oberverwaltungsgericht in seiner Zusammensetzung als Gerichtshof zur Entscheidung von Kom- petenzkonflikten hindernd in den Arm fallen konnte, weil die Klage gegen den Fiskus gerichtet lvar. Der Gang des Prozesses war folgender: Am 22. Oktober 1996 beauffichtigte der Tcminarobcrlehrcv Dr. E. eine Klasse der Seminarschule zu Mettman«. Hierbei fiel ihm auf, daß der Sohn des Webermeisters S. unaufmerksam war und nicht auf den unterrichtenden Seminaristen achtete. Als der S. das Wo« Katheder nicht richtig nachbuchstabiercn konnte, ließ Dr. E. ihn vortreten und versetzte ihm mit seinem Rohrstock einen Schlag auf das Gesäß. Als der Junge dann in die Bank zurück- gegangen lvar und laut heulte, ließ er ihn wegen Störung des Unterrichts wieder vortreten und versetzte ihm in gleicher Weise einen zweiten Schlag. Da der Schüler trotz der Schläge das nötige Verständnis für Dr. E.s Lehrmethode nicht bekommen hatte und von neuem heulte, schlug ihn dieser mit dem Rohrstock mehrere Male über den Rücken. Infolge dieser Züchtigung haben sich bei S. Läh- mungserscheinungen gezeigt, die auf seine Berufsbestimmung von ernstem Einfluß gewesen sind. Obgleich er ursprünglich in geistiger Beziehung gut angelegt war, hat er sich nur als Knecht auf dem Lande verdingen können.(Die ärztliche Untersuchung hatte vier Striemen mit Schwellungen und eine blau unterlaufene Stelle auf dem Rücken ergeben.) S. und sein Vater haben Schadenersatz- ansprüche gegen �dcn preußischen Fiskus geltend gemacht. Der Fiskus hat dem Scminaroberlehker Dr. E. wäbrerrd des Prozesses den Streit verkündet, um sich für den Fall seiner Verurteilung durch eine Regreßklagc gegen Dr. E. schadlos halten zu können. Nachdem erst das Landgericht Elberfeld die Ansprüche des S. anerkannt, die Ansprüche seines Vaters aber abgewiesen hatte, ent- chied das Oberlanvesgericht Düsseldorf auf vollständige Abweisung der Klage. Dieses Urteil ist am 2. Ferbuar 1912 vom Reichsgericht aufgehoben worden, weil es für die die Haftpflicht bedingend« Frage des Verschuldens des Lehrers nicht—'wie das Oberlandes- gericht ausführte— nur darauf ankommt, ob der Lehrer sich sagen mußte, daß seine Züchtigung dem Jungen gesundheitliche Nachteil« bringen mußte, sondern auch darauf, ob er bei der Züchtigung überhaupt sein Züchtigungsrecht überschritten bat. Die Sache ist dann zur andcrwciten Verhandlung und Entscheidung an einen anderen Senat des Oberlandesgcrichts Düsseldorf zurückverwiesen worden. Dieser Senat hat auch auf Abweisung des Kläger? ch ieden und zur Begründung ausgeführt, daß der Lehrer Dr. v. die Züchtigung nur zu Zwecken des Ilnlerrichts vorgenommen habe, und zwar die erste Züchtigung wegen der Unaufmerksamkeit deS Schülers, die zweite und dritte wegen des eigensinnigen Verhaltens des Schülers und zur Erzwingung seiner eigenen Autorität. Ob es pädagogisch richtig war, den heulenden Jungen weiter zu schlagen, könne dahingestellt bleiben, denn die Beweisauftrahme habe er- geben, daß Dr. E. nicht geschlagen habe, um seinen Aerger auszu» toben, sondern nur aus Unterrichtszwecken. Daß die Schläge von sckiädlichcr Wirkung sein würden, habe er nicht annehmen können. Gegen dieses Urteil hatten die Kläger wiederum mit Erfolg Revision beim Reichsgericht eingelegt und besonders geltend gemacht, daß das Oberlandcsgericht die ganze Art der Züchtigung hätte be. rücksichtrgcn und dann zu der Auffassung gelangen müssen, daß das Züchtigungsrecht überschritten worden ist.— Das Reichsgericht hat das Urteil des Oberlandcsgerichts Düsseldorf abermals ausgehoben und das landgerichtliche Urteil dahin abgeändert, daß sowohl die Schadenersatzansprüche des klagenden Sohnes wie des Vaters dem Grunde nach gerechtfertigt sind und der Beklagte auch verpflichtet ist, dem �.�allen aus den Folgen der Züdjtigung noch weiterbin ent» stehenden«chaden zu ersetzen. Das Reichsgericht erblickt in dem Verhalten des Seminaroberlehrers Dr. E. eine scholdhafte Pflicht. Verletzung durch Ueberschreiten feines Züchttgungsrcchts. Die Ueberfchrcitung des Züchtigungsrechts tiegt nicht nur darin, daß tt überbarrpt die dritte Züchtigung vorgenommen hat, sondern in der ?lrt und Weife, wie sie vorgenommen worden ist.(Aktenzeiche»»: III. 181/13.) verantwortlicher Redakteurl Albert Wach«. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku. Verlag: Vorwärts ivuchdruckerer u. Verlagsanstalt Paul Singer«.Co� Berlin! Nr. 152. 30. Jahrgang. 2. KeilM des Jotroirts" Sttlin« WKMM Donnerstag, 19. Ivni 1913. Gcwcrhrchaftlicbcs. Die Hngft um den Profit. Der bekannte günstige Wind hat uns ein Schriftstück auf den Redaktionstisch geweht, das uns einen deutlichen Beweis erbringt, in welch hohem Grade die Macht der Gewerkschaften von den Unternehmern gefürchtet wird und welch starke Waffe insbesondere der Streik für die Arbeiterschaft ist. Das Schreiben lautet: Dresden, Datum des Poststempels. Deutscher Jndustrieschutzverband Sitz Dresden Begründet vom Verbände Sächsischer Industrieller. Sehr geehrte Firma! Die mit dem bedeutenden Erstarken der gewerkschaftlichen Organisationen und der offensichtlichen Verschärfung der Arbeits- kämpfe zunehmende Wichtigkeil des finanziellen und moralischen Streikschutzes für jeden Arbeitgeber veranlaßt uns, Ihnen den An» schluß an unsere Organisation dringend zu empfehlen... Bis Ende 1912 wurden insgesamt 667 Arbeitseinstellungen mit 817 62ö M. für 1 137 958 ausgefallene Arbeitstage entschädigt, während in 663 Fällen der Ausbruch von Streiks verhütet und der damit für die Arbeitgeber verbundene Schaden abgewendet werden konnte. Berücksichtigen Sie, welch bedeutende Beiträge der einzelne organisierte Arbeiter an seinen Verband zahlt<13—70 M. jährlich) und Sie werden zugeben, daß die finanzielle Gegenleistung an unseren Verband für die im Interesse eines geregelten Betriebes wichtige Sicherung in Streitfällen und bei sonstigen Arbeiter« bewegungen für einen vorausschauenden Arbeitgeber nicht ins Gewicht fallen kann. Die Mitgliederzahl der freien Gewerkschaften hat sich im Laufe des Jahres 1911 um 272 vi» aus fast 2Vz Millionen gehoben. Ihre Jahreseinnahme sEnde 1911: 74 Millionen Mark) und ihr Vermögensbestand sEnde 1911: 69 Millionen Mark) find gleichfalls im steten Wachstum begriffen. Ohne diese enormen Mittel und die daraus gezahlten Streikunterstützungen wäre es den Gewerkschaften nicht möglich, Streiks durchzu- führen. Ohne einen Hinreickenden Schutz gegen die materiellen Schäden aus Streiks und Aussperrungen werden aber die Arbeit- geber ihrerseits auf die Dauer gar nicht in der Lage sein, sich in Lohnbewegungen nachdrücklich zu wehren und die vielfach übertriebenen Forderungen der Gewerkschaften zurückzu- weisen. Da die letzte Generalversammlung unseres Verbandes im Prinzip beschlossen hat, die Entschädigung im Falle eines Streiks häufig nach der Dauer der Mitgliedschaft abzustufen, liegt eS in Ihrem Interesse, sich möglichst bald, noch unter den alten Be- dingungen unserem Verbände anzuschließen. Wir sehen Ihrem geschätzten Bescheide bezw. Ihrer Beitritts- erklärung mit Interesse entgegen und zeichnen Hochachtungsvoll Deutscher Jndustrieschutzverband Sitz Dresdens Grützner. Das Bezeichnende an diesem Schriftstück, das wir mit einigen Kürzungen wiedergegeben haben, ist die Tatfache, daß nur von den freien Gewerkschaften die Rede ist. Rur sie empfinden also die Unternehmer als eine wichtige und ge- fährliche Macht. Es geht aber auch weiter daraus hervor, daß man von den gelben Werkvereinen sehr wenig hält, ddnn sonst würde nicht eine wirksame Streikversicherung als einziges Rettungsmittel empfohlen. Der Jahresbeitrag beträgt 1 M. für je 1000 M. der Jahreslohnsumme, das Eintrittsgeld die Hälfte des vollen ersten Jahresbettrages. Die Entschädigung bei Arbeits- einstellungen bettägt für jeden ausfallenden Arbeitstag pro Arbeiter 25 Proz. des durchschnittlichen Tagesverdienstes. Wenn also sämtliche 50 Arbeiter eines Betnebes mit zu- sammen 200 M. Tageslohn streiken, wird die tägliche Ent- schädigung 50 M. betragen. Noch interessanter als diese nackten Zahlen und Mit- teilungen ist die dem Schreiben beigefügte, nach Branchen geordnete Referenzenliste, die eine Zusammenstellung von Anerkennungsschreiben aus der Holz-, Metall-, Stein-, Leder-, Glas-, Ton-, Papier-, Nahrungsmittel- und chemischen Industrie enthält. Diese Liste enthält vor allem das ungewollte Eingeständnis, daß die sonst so viel ge- schmähten und oft auch in den Reihen des eigeneniVerbandes kritisierten Gewerkschaftsbeamten überall ihre volle Schuldig- keit getan und mit viel Geschick die Interessen der Arbeiter vertreten haben. Wir können uns kaum eine beffere Propagandabroschüre für die gewerkschaftlichen Organisattonen denken. Sie rüttelt die Indifferenten auf und zeigt denen, die schon in den Gewerkschaften stehen, welche Macht sie prattisch bedeuten, wenn es auch die Unternehmer den Arbeitern gegen- über nicht eingestehen wollen. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, wollten wir alle Zeugnisse des 39 Seiten starken Heftchens auch nur auszugsweise zum Abdruck bringen, aber einige interessante Stellen möchten wir doch wiedergeben. So heißt es u. a. Mitglied Nr. 836. iDampfzündholzfabriken, 62 Arbeiter.) ... Ich kann allen Betriebsunternehmern den dringenden Rat geben, sich unserer Organisation anzuschließen. Es ist dies ein Gebot der Selbsterhaltung angesichts der kolossal an- schwellenden Macht d er G e w er ks ch a ften, die uns in wenigen Jahren über den Kopf wachsen. Daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter auch gleichzeitig die tüchtigsten sind, geht aus folgendem Zeugnis hervor: Mitglied Nr. 3186. tSp ezialfabrik für Her« stellung von Fußböden. 25 Arbeiter.) ... Wir hatten bereits seit dem vorigen Jahre Schwierig- leiten mit dem Deutschen Bauarbeiterverband, weil dessen Geschäfts- stelle in Düsseldorf ohne jede vorherige Verhandlung mit uns über unseren Betrieb im Rheinland die Sperre verhängt hatte. Da wir diejenigen Leute, die wegen der Sperrerklärung sich weigerten, im Rheinland zu arbeiten, natürlich entlafien mußten, so verloren wir nach und nach unsere besten Arbeitskräfte. Daß die Politik der Arbeitgeber oft darauf hinausläuft, die Arbeiter bei den Verhandlungen an der Nase herum zu führen, wird durch folgendes Dankschreiben verraten: Arbeitgeber schutzverband der Holzindustrie Nr. 38. ... insbesondere Herrn Direktor Grützner unseren allerverbind- lichsten Dank für die uns während der langen Streikdauer (22 Wochen) bewiesene tatkräftige Unterstützung und Raterteilung abzustatten. Ohne jene erprobten Ratschläge, die durch Ihre Dtp lomatie den Gegnern viel zu schaffen machten. wäre in unseren Reihen kaum ein so langer Widerstand möglich gewesen. Kurzum, aus allen Dankschreiben fühlt man noch die Angst nachzittern, die der Streik verursachte. Daß sich die Unternehmer in dieser Weise organisieren, ist selbstverständlich ihr gutes Recht. Daß es aber angestchts solcher Tatsachen noch Arbeiter gibt, die durch Eintritt in gelbe Werkvcreine aus ihre stärkste Macht, auf das Streikrecht verzichten, sollte man eigentlich nicht für möglich halten. kerlin unci llmgeg-rnck. Für die Kutscher und Hilfsarbeiter auS den Fräsereien, Hobel- und Schneidemühlenbctriebcn ist nunmehr nach langwierigen Ver- Handlungen zwischen dem Verein der Fräsereibesitzer und dem Deutschen Transportarbeiterverband wiederum ein Tarifvertrag zustande gekommen. Die Zugeständnisse der Unternehmer sind allerdings als sehr minimal zu bezeichnen. Wie wir bereits be- richtet haben, hatten die Arbeitnehmer in einer ihrer letzten Ver- sammlungen beschlossen, ihre Forderungen dahin zu reduzieren, daß die Arbeitgeber jetzt gleich beim Inkrafttreten des neuen Vertrages den Anfangslohn um 1 M. pro Woche erhöhen sollten und daß am 1. März 1914 eine weitere Zulage von 1 M. pro Woche erfolgen sollte. Bei den nachfolgenden Verhandlungen waren die Unter- nehmer aber nicht dazu zu bewegen, dieses Verlangen ihrer Ar- beiter anzuerkennen. Die Zugeständnisse, welche sie machten, gehen dahin, daß der Tarif auf die Dauer von vier Jahren abgeschlossen wird und gleichzeitig mit dem Tarif der Holzarbeiter abläuft, also am 13. Februar 1917. Am 1. Oktober dieses Jahres erfolgt in allen Betrieben eine Lohnaufbesserung von 1 M. und weiter am 1. Ol». tober 1914 eine solche von 3v Pf. pro Woche, so daß dann der An-. fangslohn für die branchenkundigen Kutscher 31 M. bezw. 31,3V M. pro Woche und für branchenunkundige Kutscher anstatt bisher 26 M. 27 M. beträgt. Der Lohn für die branchenunkundigen Kutscher erhöbt sich bei einer Beschäftigungsdauer von 3 Monaten ebenfalls auf 31 bezw. 31,59 M. Ter Mindestanfangslohn für ältere Hilfsarbeiter bettägt 26 M. pro Woche. Der Anfangslohn für die jungen Arbeiter bettägt nach wie vor bei einem Alter von 17 Jahren 17 M., bei 18 Jahren 18 M- und bei 19 Jahren 19 M. pro Woche. Die Arbeitszeit der Kutscher beginnt morgens Uhr und endet abends zwischen 6— 7 Uhr. Die Arbeitszeit der Arbeiter richtet sich nach Fabrikanfang und endet spätestens 7 Uhr abends. U eberstunden werden den Arbeitern nach 7 Uhr abends mit 1V Pf. Aufschlag vergütet. Für das Füttern der Pferde an den Sonntagnachmittagen erhalten die Kutscher bis zu 2 Pferden eine Vergütung von 39 Pf. und in Bettieben mit 3 Pferden und mehr eine solche von 1 M. Alle übrigen Bestim- mungen des Vertrages sind im wesentlichen beibehalten. Angesichts der ungünstigen Geschäftslage in der Holzindustrie und der Tat- fache, daß das Fräsereigewerbe immer mehr zurückgeht, haben die Arbeiter in einer Versammlung beschlossen, den Tarif auf der Grundlage der vorstehenden Zugeständnisse abzuschließen. Der Tarif ist bereits vor einigen Tagen von den beiderseitigen Kon- trahenten unterzeichnet worden. Im Anschluß hieran machen wir darauf aufmerksam, daß die- jenigen Kutscher, welche in tariftteuen Betrieben beschäftigt sind, sich im Besitze einer gelblichen Legitimationskarte befinden. Wir bitten besonders die Arbeiterschaft in der Holzindustrie hierauf achten zu wollen. Deutscher Transportarbeiterverband, Deuttoes Reich, Zum Textilarbeiterstreik in Barmen. Der Deutsche Texfilarbeiterverband hat den Königlichen Ge- werberat Beierling um seine Vermittelung zur Beilegung des Färberausstandes ersucht. Beierling hat sich hierzu bereit erklärt. Der Unternehmerverband hat diese Vermittelung jedoch abgelehnt mit der Begründung, daß ein großer Teil der früheren Arbeiter die Arbeit in den bestreikten Färbereien wieder aufgenommen und den von den Unternehmern vorgeschlagenen Tarif anerkannt haben. Die Unternehmer seien in ihren Zugcständniffen bis an die Grenze des Möglichen gegangen und könnten keine weiteren Zugeständnisse mehr machen. Es dürfte dennoch zur Beilegung'der Differenzen kommen. Die Arbeiter wollten bei den ungenügenden Zugeständ- nisten der Unternehmer keinen Tarif abschließen. Die Unternehmer verzichten jetzt auf den Abschluß des Tarifvertrages. Bisher be- stand ein Vertrag._ 25 000 M. für die Gelben. Daß die gelben Werkvcreine im Interesse und mit Unterstützung der Unternehmer gegründet wurden und von ihnen ausgehallen werden, das ist von der organisierten Arbeiterschaft schon von vorn- herein gesagt worden und im Laufe der Zeit ist diese Tatsache immer augenfälliger geworden. Fabrikbeamte stehen an der Spitze, in der Arbeiterannahme wird den Neueintretenden der Beittitt zum gelben Werlverein zur Pflicht gemacht, die'Beiträge werden vom Lohn gekürzt! Kann es eine noch innigere Verbindung zwischen der Fabrikleitung und dem gelben Verein geben? Gewiß nicht! Bisher ist aber von den Gelben noch immer, und zuletzt am 23. Mai anläßlich einer Privatklage vom Vorsitzenden des gelben Werkvereins, dem Akkordmeister Weber von der sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz, geleugnet worden, daß der Werkverein Volksbüknenarbeit unä poli�eifckikane. Künstlerproteste. In dem wohlorganisierten UnterdrückungSfeldzugc, den die Polizei gegen die verhaßte.Freie Bolksbühns" führt, erlebten wir dieies Frühjahr e,ne neue Etappe. Die Polizei will es schon lange nicht dulden, daß die Volksbühne am Karfreitag künstlerisch wett- volle Musikwerke aufführt I Dank dem kindlichen Bevormundungs- system, da§ auf Grund vorsintflutlicher Ukase der Polizei noch zu- steht, schreibt sie bekanntlich vor, daß nur geistliche Musik an jenem Tage zulässig. Präsentiert man ihr dann etwa den.Heiligen Franziskus" von Tin el oder Liszts.Heilige Elisa- d e l h so befindet diese absonderliche Kunstbehörde, daß diese Oratorien— keine geistliche Musik sei. Als dann schließlich Cesar F r a n ck s.Seligpreisungen" zugelassen wurden, kam eine neue, um so groteskere Anmasung zum Vorschein. Es wurde der.Freien Volk-bühne" eröffnet, daß die»Neue Well", der einzige zu solchen Zwecken geeignete Saal, der ihr zurzeit zugänglich ist. sich überhaupt nickt zur Aufführung geistlicher Konzerlwerke eigne, daß daher die Erlaubnis zu Karfreitagskonzerlen, möchten sie noch so geistlich sein wie immer, in Zukunsi nicht mehr erteilt werden würde. Die Volksbühne hat daraufhin gegen diese Willkür gerichtliche Entscheidung beantragt. Außerdem aber hat sie sich an führende Persönlichkeiten der Musikwelt, serner an protestantische Theologe» und ewige Kriiiker gewandt, um deren sachverständiges Urteil zu vernehme». Alle dieie kompetenten Personen haben einmütig das Vorgehen der Polizei verurteilt. In dem.Wer beHeft", das die'.Freie Volksbühne" soeben herausgibt, werden die Ergebniffe der Umfrage mitgeteilt. Hier sind einige der Urteile. Eugend'Albert: i Ich erackie eS für einen großen Fortschritt auf dem Gebier- der Kuliur. wenn Werke wie.Franziskus" und.Heilige Elisabeth" uiw. dem Volk zugänglich gemacht werden, und es ist mir rätselhaft, daß die Polizei die Aufführung unter- sagt bat. Zu Ihrem Prozeß wünsche ich Ihnen einen vollen Erfolg im Interesse der Kunst und des Fortschrittes. Conrad Ansorge: Ihre durchaus edlen Bestrebungen, die Bildungsstufe des Volkes durch Aufführungen ernster und bester Kunstwerke zu er- höhen, sollten eigentlich nur begelsterten Widerhall finden. ES ist darum unbegreiflich, daß Zöpfe einer längst übetwundenen Zeil noch störend»nd hindernd zu wirken vermögen. Während zum Beispiel am Spandauer Bock— wie ich-s Zelbst gesehen— Tauiende von Menichen am Karfteilag in Bier schwimmen und loben und an den Seitenwänden im Lokal die einzig denkwürdigen Plakate angebracht sind:.Der HeUtgkeil de? Tages wegen wird eriuchl. nicht zu laut zu sein" uiw. usw.. darf ein ernstes Kllnstioerk an dem gleichen Tage nur unter gewiffen Bedingungen aufgeführt werden oder es darf nur als Bruchstück dem Programm einverleibt »erden.—_ L. Humperdinck: Ich bin fest überzeugt, daß da« von einer Verkennung des WesenS der geistlichen. Musik ausgehende Polizeiverbot sich ans dle Dauer nicht ouftechterhaltcn läßt. Alfred Kerr: Alle Polizistenverbote für Karfreitag und Bußtag sind ohne Daseinsrecht. Stimmungen befehlen zu wollen ist komisch. Seltsam ist auch der Unterschied zwischen einem„würdigen" Konzertsaal und einem„unwürdigen".(Was wollen diese Aberglaubensvorstellungen?) Ein Ort kann durch nichts Menschliches„ent- weiht" worden sein. Kraft eines Bachichen Werks wird jeder Ort zum geweihten Ort.(Auch durch eines von Mozart; jogar durch ein vollendetes Kunstwerk von Offenbach.) Ein unwürdiger Saal ist ein Saal mit schlechter Akustik. Wenn jetzt Aufführungen.in der.Neuen Welt" am Karfreitag und am Bußtag nicht zugelassen werden können", so ergibt sich aber- mals die Forderung: der Polizei Befugnisse wegzunehmen, denen ihre Urteilskraft nicht gewachsen ist. Bei dem hohen, tapferen, erziehenden Geist, welcher das große Lebenswerk der„Freien Volksbühne" durchweht, wär eS für mein Geiübl siunreicher, wenn die Polizei durch die„Freie Volksbühne". statt daß die„Freie Volksbühne" von der Polizer kontrolliert wird. Friedrich Naumann: Es ist mir unbegreiflich, warum man der„Freien Volks- bühne" Schwierigkeiten macht, wenn sie an kirchlichen Festtagen der Arbeiterschaft eine ernste und wertvolle Musik zu bieten sucht. Auch ich kann nur wünicken, daß Ihre Bestrebungen von polizeilichen S ch i k a n e n in Zukunft völlig verschont bleiben. Mit bloßen Polizei- Verordnungen kann man eine Erhebung des menschlichen Geistes nicht herbeiführen. Siegfried Ochs: Ich weiß nicht und verstehe es nicht, warum die„Neae Welt" weniger geeignet zur Aufführung eines ernsten Werkes ist als ein anderer Saal. Der Umstand, daß dort sehr häufig getanzt wird. kann kaum ausschlaggebend sein. Denn dann müßte man ja auch sämtliche geistlichen Konzerte in der„Philharmonie" verbieten. Ich bin selbst nur zweimal in der„Neuen Welt" gewesen, um dort musikalische Ausführungen zu hören, und es ist mir dort nichts auf- gefallen, was mich irgendwie gestört haben sollte. Dr. Pfeiffer: Ich erachte eS im Interesse der Volksbildungsbestrebungen fiir außerordentlich nützlich, derartige Aufführungen herausbringen zu können, ganz gleichgültig, in welchem Saale sie stallsinden. Die Hauptsache ist doch schließlich der Inhalt und die Art der Dar- bieluiia, und bei der ernslbaflen Arbeit, die Sie zu leisten gewillt find, sollten keine Schwierigleiten erhoben werden, wo es sich um eine Sache handelt, die in jeder Hinsicht als gut und ideal zu be- zeichnen ist. Max v. Schillings: Ich nehme gern Veranlassung. Ihnen zu sagen, daß ich den Ent- schluß der„Freien Volksbühne", ihr Programm durch Aufnahme der systematischen Musikpflege zu erweitern, sehr dankenswert finde. Daß infolge einer Polizeiverfügung Werke wie Tinels„Heiliger Frau- ziskus", Liszts„Legende von der heiligen Elisabeth" unausgeführt bleiben mußten, halte ich für außerordentlich bedauerlich. Ich bin der Aifficht, daß Bestimmungen, auf denen eine solche Poli�ei- verfügung beruht, unbedingt einer Revision bedürfen.... Die vom Polizeipräsidium angezogenen Verordnungen kenne ich nicht, bin aber der Ansicht, daß ein Lokal durch die würdige Aufführung eines religiösen Werkes geweiht, sogar geheiligt werden kann, wäh- rend umgekehrt häufig genug in Lokalen, die in polizeilichem Sinne würdig sind, unwürdige Aufführungen stattfinden. Richard Strauß: Ich schließe mich dem Protest der«Freien Volksbühne* bon ganzem Herzen an. Würdiger kann ein so- genannter Büß- und Bettag nicht begangen werden als durch Aufführung eines edlen Kunstwerkes. Ich kenne den Festsaal der„Neuen Welt" nicht, aber wäre er das unwürdigste Lokal der Alten Welt, er würde durch eine würdige Ausführung eines so erhabenen Kunstwerkes wie Fr. LisztS»Heilige Eltsabeth" geadelt werden. Felix Weingart»er: Nach meiner Ansicht hat es kulturellen Wert, wenn an kirchlichen Feiertagen gute Aufführungen guter geistlicher Musik veranstaltet werden. Daß Tinels„Franziskus", Liszts„Elisabeth" und Cösar Francks„Bsatitudes" zu diesen Werken gehören, unterliegt wohl keinem Zweifel. Ein polizeiliches Verbot erscheint deshalb in keiner Weise gerechtfertigt. » Es ist uns nicht bekannt, ob die Berliner Polizeiverwaltung in der Lage ist, die Tragweite dieser Gutachten zu beurteilen. Nach bekannten Mustern zu urteilen, wird dergleichen über ihren Horizont geben. Auch verbietet es der gesunde Untertanenverstand, den zu züchten Aufgabe dieser autokralischten aller Bureaukratien ist, daß Maßnahmen der Obrigkeit bekrittelt werden. Trotzdem wollen wir den Karfreitagswächterit verraten, daß die Humperdinck, Schillings, Strauß zu den allerersten Komponisten der Gegenwart zählen und daß Ansorge, Ochs, Weingartner, jeder in seiner Art, Meister hoher musikalischer Kultur sind. Mehr aber wird es vielleicht den Herren vom Alexanderplatz imponieren, wenn wir ihnen sagen, daß Richard Strauß Hofkapellmeister des Königs von Preußen und Schillings Hofkapellmeister des Königs von Württem- berg ist. Daß der Reichstagsabgeordnete Pfeiffer dem Zentrum an« gehört, ist besonders schmerzlich. Denn in geistlichen Dingen... Wir find nicht so optimistisch, zu glauben, daß in Preußen die Vernunft und Gerechtigkeit einer Sache ausschlaggebend wird, am wenigsten gegen die Polizei. Mögen die Gerichte entscheiden, wie sie wollen; der Kampf gegen die Polizeieingriffe in Kunst- und Kulturleben muß erst recht beginnen, selbst wenn dieser neueste Miß- brauch vom Gerichte untersagt wird. Wir wollen das Recht haben, am Karfreitag aufzuführen und zu ver» anstalten, was wir für würdig hctlten, und uns nicht länger mit»geistlichen Mklfiken" narren lasten. vom Werk unterstützt werde. Ein Arbeiter, der den gelben Verein als Streikbrecherverein bezeichnet hatte, ist deshalb verurteilt worden. Jetzt endlich ist die Bombe geplatzt. Vor dem Gewerbegericht! Da klagte ein Arbeiter auf Rückzahlung der ihm für den gelben Verein vom Lohn abgezogenen Beitrüge. Man hatte ihn in den Verein gepreht. Entweder dem Verein beitreten, oder Du be« kommst keine Arbeit hier! Arbeit mustte der Mann aber haben. Also fügte er sich. Während der Verhandlung, in der er den Bc- weiK zu erbringen versuchte, dajj der Verein eine WohlfahrtS- einrichtung des Werkes sei, führte der Vertreter der Firma aus, dast diese dem Verein schon 26000 M. gespendet habe! Nun ist aber der Charakter der Gelben schon zu bekannt, als dast sie mit dein Märchen, die Werkvereine seien WohlfahrtS- einrichtungen, noch irgendwo ankommen. Die sonst so schäbigen Chemnitzer Unternehmer bedürfen zur Sicherung ihrer Riesenprofite, die sie durch die Erstarkung der Gewerkschaften bedroht sehen, einer Gesellschaft, die zum Verrat der berechtigten Arbeiterinteressen taugen. Diesem Zwecke haben die Gelben zu dienen, zu diesem Zweck erhalten sie die Summen von den Unternehmern, die gute Verzinsung erwarten. Die Vcrräterei kann unmöglich von Dauer sein. Dank der politischen und gewerkschaftlichen Schulung der Arbeiterschaft wird ein immer stärkerer Damm gegen unlautere Elemente erstehen. Die Klagesache selbst wurde vertagt. Das Urteil in dieser Sache ist von prinzipieller Vedeutnng; wir werden eS sofort mitteilen. 10« Gellossenschllststllg des Zenwlvkrtmdes deutscher Konsumvereine. Dresden, den 18. Juni 1L13. Die heutige zweite Hauptverhandlung wurde kurz nach 0 Uhr vom Vorsitzenden Barth-München eröffnet, der mitteilte, daß Re- gierungsrat Dr. Kilppert wie gestern, so auch heute, im Auftrage der sächsischen Regierung der Tagung beiwohnt. Hieraus referierte Angst-Basel über:„Die Voraussetzungen und die Technik für den Betrieb konsumgenossenschaftlicher Schlächtereien und Molkereien". Gr_ sprach aus den Erfahrungen heraus, die der im Jahre 1805 ge- gründete Allgemeine Konsumverein von Basel mit solchen Einrich- tungen gemacht hat. Dieser Verein ist heute die größte Wirtschafts- gemeinschaft des Kantons Basel-Stadt, denn von feinen 142 000 Einwohnern sind 35 000 Mitglieder des Konsumvereins, d. h. unge- fähr alle Famirtenvorftändc. Nicht nur Arbeiter gehören dem Vcr- ein an, sondern auch Angehörige der höheren Stände und Berufe und vor allem viele Mittelständler, die den Durchschnittsumsatz pro Mitglied auf 700 Fr., das heißt 500 Mk. hcrabdrücken.(Heiterkeit und Zuruf: Wären wir doch erst soweit!) An dem Gesamtumsatz von 20 Millionen oder 200 Frank pro Kops der Bevölkerung werden je? Millionen von der Schlächterei und von der Molkerei erzielt. Nach� einem fehlgeschlagenen Versuch vor 30 Jahren deckt jetzt die Schlächterei des Vereins den dritten Teil des Fleischbedarfs von Basel und wird nicht nur eine Verzinsung und Amortisation des Kapitals und eine Zurückstellufig offener und stiller Reserven er- zielt, sondern die Mitglieder erhalten noch 8 Proz. Rückvergütung. (Hört! hört!) Die Zahl der in diesem Betrieb beschäftigten Per- sonen beträgt 218 und die Arbeitsbedingungen sind etwa um 20 Proz. besser als in den anderen Schlächtereien. Für den Ver- kauf der Fleisch- und Wurstwaren sind 27 Verkaufslokale einge- richtet. Außerdem werden in weiteren 18 Verkaufslokalen neben anderen Lebensmitteln auch Wurstwaren abgegeben. Ein wichtiges Prinzip für die Errichtung einer konsumgenossenschäftlichen Schläch- terei ist es, daß nicht ein Fachmann, sondern ein Kaufmann an die Spitze gestellt wird, der nicht nur ein geschickter Organisator, son- dern auch ein überzeugter Genossenschaftler und mit seiner ganzen Seele bei dem Unternehmen sein mutz. Die Schlächterei des allge- meinen Konsumvereins in Basel deckt nicht nur den Bedarf der Mitglieder in Basel, sondern versorgt auch bis in eine Entfernung von 200 Kilometer hinaus die kleineren Konsumvereine mit Fleisch- nxiren. Die Errichtung einer Schlächterei darf nur aus das äußerste Drängen der Mitglieder in der Generalversammlung erfolgen, da- mit diese dann die moralische Verpflichtung empfinden, ihr eigenes Unternehmen zu halten. Auch beim Einkauf des Viehs hat sich der Kaufmann als geeigneter erwiesen als der Fachmann. Ungefähr 90 Proz. der Ochsen Und über 50 Proz. der Schweine werden aus dem Ausland, besonders aus Dänemark, Schweden und Dänemark bezogen. Außerdem wird aus Argentinien Gefrierfleisch impor- tiert. Oberster Grundsatz ist, daß kein Atom verloren gehen darf. Deshalb müssen an die eigentliche Schlächterei Nebenbctriebe an- geschlossen werden. Außerdem muß eine sorgsame Ueberwachung des Personals stattfinden, besonders der Fleischermeister, die ja im allgemeinen nicht gerade höflich sind.(Heiterkeit.) Große Schwierigkeiten ergeben sich bei dem Betriebe einer Molkerei. Sie kleines fcuilleton Bürgerstolz im Jubiläumsjahr. Die Absetzung des Haupt» mann-Festspieles scheint sich»ls eine regelrechte Blamage des Bürgertums herauszustellen. Desselben Bürgertums, das doch gerade die(schwachen) Versuche ihres Festdichters, die bürgerlich-frei- heitliche Tendenz der BefteiungSkriege zu betonen, kräftig in Schutz nehmen müßte. Aber diese Jubiläumsmarionetten sind elend um» gefallen, als an hoher oder höchster Stelle Unwille laut wurde. Die liberalen Blätter sind noch dabei, festzustellen(es kribbelt wie in einem Ameisenhaufen), ob und wieweit'S. M. senior oder junior mit Ungnade gedroht haben, für den Fall, daß... (nicht auszudenken I). Man raunt und wispert. Aber nix Gewisses weiß man nicht. Haben die Breslauer Bürgermeister, die in Berlin gratulierten, einen Wink bekommen? Hat der Kronprinz einem schlesischen Magnaten gegenüber(wie das Kammermädchen von dessen Nichte weiter erzählt hat) seine Mißbilligung geäußert oder gar mit der Niederlegung seines Prolektorats gedroht? Das find die Fragen. die freisinnige Männerherzen bestürmen. Ach, es war alles so nett verlaufen! Das liberale Freidenkervolk hatte in diesen Jubiläumstagen an Servilismus alles Denkbare geboten, seine Loyalität war bis zur Hündischkeit gegangen— und nun das! Und es standen doch bloß noch vier Vorstellungen bevor! So wird gejammert und geklagt. Der zunächst Verantwortliche aber, der Breslauer Magistrat, hüllt sich in vielsagendes Schweigen. Natürlich, denn in diesem Gewissenskonflikt hat er schmählich versagt. DaS Bürgertum hat schweifwedelnd apporliert, was ihm von irgend tooher zugemutet oder auch nur angedeutet wurde. So handelt in Preußen die gewählte Vertretung einer freisinnigen Stadt. Die Unterdrückung des Hauptmannschen Festspiels ist gewiß eine Schmach, aber daß die berufenen Verteidiger des Bürgertums die Hand dazu boten, das ist die viel größere Schande. Eine in ihrer Art große Zeit hat ein Epigonentum beerbt, dessen sich die Ahnen schämen müßten! Die bürgerliche Freiheit und Würde, für die jene Blut und Leben gelassen haben, ist von den Enkeln einem monarchischen Stirnrunzeln geopfert worden. In einer Zeit, wo nur ein ganz wenig Mut dazu gehörte, steifnackig zu bleiben. Aber dieses feige Geschlecht erstirbt ja heute schon vor einem Kinderherz.• G. Hauptmann will bielleicht in Berlin einen Vorwag tzalten, um.die Festspielaffäre dadurch zum Abschluß zu bringen". Einem Besucher hat er ferner mitgeteilt, daß.alle Bemühungen einflußreicher' Männer, unter denen sich Angehörige des hohen Adels und konsenvative hohe Beamte befinden, die Katastrophe zu ver- hindern, fruchtlos geblieben sind". Reinhardt soll eine Aufführung des Festspiels m Berlin K" nen.(Reklame gratis; nur die guten Hofbeziehungen etwas ge- rdet. Na, ja.) l bestehen bor allem in der Unregelmäßigkeit der Milchzufuhr, die es t oft notwendig macht, daß große Milchmengen zu Käse verarbeitet werden müssen, aus dem kein Gewinn erzielt werden kann. Trotzdem � ist den Konsumvereinen anzuraten, an die Errichtung von Groß- schlächtereien und Molkereien heranzugehen. Im Lexikon der Ge- nossenschaftsbewegung darf es das Wort„unmöglich" nicht geben. �(Beifall.) In der Diskussion wurde ndie Schwierigkeiten, die ein Verein > mit dem Betrieb einer Schlächterei gehabt hat, hervorgehoben. R u p p r e ch t- Hamburg erstattete den Bericht der Fort- > bildungskommission unter besonderer Bezugnahme auf die konsum- � genossenschaftlichen Unterrichtskurse. Er begründete einen vom � Generalrat bereits genehmigten Antrag, daß jeder Konsumverein künftig pro Jahr und Mitglied 5 Pf. an die Fortbildungskommission ] zahlen soll, damit sie eine umfassendere Tätigkeit als bisher ent- falten kann. Pur Begründung verwies er daraus, daß die englischen � Genossenschaften etwa das 25fache von dem, was hier gefordert > werde, für Bildungszwecke aufwenden. Der Antrag wurde gegen � tvenige Stimmen angenommen. Nachdem Lorenz. Hamburg über die Unterstützungskasse des Zentralvcrbandrs Deutscher Konsumvereine berichtet hatte, referierte Dr. August Müller- Hamburg über die Tätigkeit des Tarifamts des Zentralverbandes und über die bevorstehende Tarifcrncuerung. Der Zentralverband habe bisher zwei große Zentraltarife mit den Bäckern und Transportarbeitern abgeschlossen, die am 1. August 1914 ablaufen, wenn sie ein Jahr zuvor gekündigt werden. Da diese Kündigung in sicherer Aussicht steht, werden die Vorberei- tungen für die neuen Tarife alsbald zu treffen sein. Es soll ein erweiterter Kreis von Personen zu den Vorberatungen zugezogen und auch der Generalrat soll gehört werden. Die Konsumvereine mögen nur dafür sorgen, daß die Fragebogen, die demnächst ausgc- sandt werden, möglichst rasch beantwortet werden, Die Angestellten können versichert sein, daß die Genossenschaften' sich bei der Neu- aufstellung der Tarife vom sozialen Pflichtgefühl leiten lassen wer- den, andererseits aber müssen sie auch auf die praktischen Möglich- leiten Rücksicht nehmen. Das Tarifamt hat seine Tätigkeit auch auf Lokaltarife ausgedehnt, soweit in ihnen die Bestimmung ent- halten ist, daß Differenzen vor das Tarifamt gebracht werden sollen, und die Parteien verpflichtet sind, sich bodingungslos dem Schiedsspruch des Tarifamts zu unterwerfen.— Bornemann- Braunschweig führte Beschwerde darüber, daß der Transport- arbeiterverband alle ungelernten Arbeitskräfte, die die Konsumver- eine brauchen, lediglich aus seinen eigenen Reihen nimmt und da- durch andere verdiente Gewerkschaftler und Genossenschaftler von der Anstellung in den Konsumvereinen ausschließt.— Lorenz- Hamburg berichtete über Streitigkeiten zwischen dem Betrieb der Großeinkaufsgesellschaft in Gröba und der Ortsverwaltung Riesa des Metallarbeiterverbandes. Die Ortsverwaltung habe die Be- schlüsse des Kölner Gewerkschaftskongresses in der schwersten Weise verletzt, und der Metallarbeiterverband und die Cicneralkommission seien um Abhilfe ersucht worden.— U m b r e i t stellte als Ver- treter der Generalkommission den Braunschweigern gegenüber fest, daß die Generalkommission an dem Grundsatz der Arbeitsvermitt- lung durch die zuständige Gewerkschaft nicht rütteln lassen könne. Billigen Forderungen in bezug auf die Unterbringung gematzregelter Gewerkschaftler habe der Transportarbeiterverband Erfüllung zuge- sagt, man möge sich nur rechtzeitig an ihn wenden.— Nach weiteren Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern des Transport- arbeiterverbandes und Braunschweiger und Kölner Delegierten stellte Dr. Müller in seinem Schlußwort fest, daß die Leitung 'des Bäcker- und Transportarbeiterverbandes stets alles getan habe, um die Tarif« einzuhalten.— In das Tarifamt werden v. Elm, Lorenz und Rieger wieder- und Dr. August Müller ncugewählt. In die Fortbildungskommission wird der neue juristische Berater Dr. Mayer-Berlin gewählt. In den Vorstand wird Liepmann-Lud- wigshafen wieder- und für den verstorbenen Vorsitzenden Rade- stock Oertel-DreSden neugewählt. In den Ausschuß werden, wie schon vor 10 Jahren Elm. Staudinger und Obbig-Zwickau entsendet. Tarauf beschloß Barth mit Worten des Dankes den 10. Genossen- schaftstag. Der nächste findet wahrscheinlich in Bremen statt. 13. perbaudstag der Kuchbiuder. Stuttgart, 17. Juni 1913. Zweiter BerhandlungStag. Die Debatte über die Lohnbewegungen füllte die heutige Sitzung voll aus. Die Redner besprachen meist örtliche Bewegungen, wobei besonders die Lohnbewegung der Kontobucharbeiter in Hannover einen breiten Raum einnahm. K ü st e r- Hamburg verlangte für die einzelnen Bezirke größer« Bewegungsfreiheit. Der Drei-Städte-Tarif(Berlin. Leipzig und Stuttgart) würde sich immer mehr über ganz Deutschland auS- breiten, da sei es angebracht, datz bei Erneuerung dieses Tarifes auch di« Vertreter der übrigen Städte gehört würden, um den Ver- hältnissen der einzelnen Orte mehr Rechnung zu tragen. Gegen diesen Borschlag wandten sich mehrere Redner. Drahtlose Zeitsignale. Man erinnert sich, datz vor kurzem in Oesterreich ein Sturm durch die Blätter ging, weil eine Empfangs- station für drahtlose Signale auf dem Observatorium der Jesuiten in Graz entdeckt wurde. Kurz darauf kamen auch aus dem Elsaß Nachrichten, daß private Abnahmestationen beständen. Alle Ver- mutungen, datz es sich um Spionage handelte, wurden aber sehr bald dahin aufgeklärt, daß nur einige Uhrmacher sich solche Stationen eingerichtet hatten, um die Zeitsignale abzunehmen und ihre Uhren danach zu richten. Von solcher Spionagefurcht weiß sich Nordamerika frei. Denn der soeben erschienene Jahresbericht für 1912 des Marineobserva- toriumS in Washington rühmt im Gegenteil, wieviel Abnehmer die Zeitsignale hätten. Das Zeichen ffir die Mittagsstunde wird seit dem Jahre 1905 auf drahtlosem Wege an sämtliche Schiffe in amerikanischen Gewässern gegeben. Der Bericht fügt bei, daß das Observatorium in Washington dank dieser Methode einen Vor- sprung von mindestens 2 Jahren vor den anderen Observatorien hat. Sobald die mächtige radiotelegraphische Station in Arlington beendet sein wird, können die amerikanischen Signale, die nach der Pariser Vereinbarung um 3 und um 17 Uhr astronomischer Zeit nach Greenwicher Rechnung gegeben werden, von allen Schiffen mit Antennen aufgenommen werden, die sich in dem größten Teil des Nordatlantischen Ozeans, das Caraibischen MeereS und des GolfcS von Mexiko befinden. Dank einer überaus liberalen Gesetz- gebung in Amerika über die drahtlose Telegraphie, die jedem Bürger gestattet, die Signale zu empfangen, nimmt man an, daß bis Ende 1913 zehntausend Uhrmacher in Amerika darauf einge- richtet sein werden, mit Hilfe ganz einfacher Apparate die Stunden- signale von Arlington zu empfangen. Theater. Schiller-Theater 0.: Der Leibgardist, Komödie von Franz Molnar. Die elegant gestutzten, etwas parfümierten Ironien dieser im Kleinen Theater früher viel gespielten Komödie des Ungarn Molnar fanden auch bei dem an einfach gesündere Kost gewohnten Publikum deS Schiller-TheaterS eine sehr beifällige Auf- nähme. Keine versteckte Anspielung, keine boshaft frivole Malice ging wirkungslos vorüber. DaS Interesse an der in aller Gewagt» heil so gewandten, zum Teil auch psychologisch feinen Mache über- wog. wenigstens für die Spieldauer, das Gefühl der Leere. Im Miltelakt— der Werbung in der Opernloge, bei den Klängen der Puccinischen Bohömemusik— macht sich die Spekulation aus billige Effekte aufdringlich bemerkbar. Bei weitem witziger und ftischer ist das Drum und Dran der andern beiden Aufzüge. Hedwig P a u l y gab da« kapriziöse schillernde Geschöpf, die Virtuofin weiblicher Verlogenheit, die in Manchem an die Art Strindbergscher Kanaillen streift, mit großem Charme und über- Krüger- Berlin betonte, man solle nicht allzu sehr danach streben, unter die Fuchtel des Drei-Städte-TarifS zu kommen, es sei besser, aus eigener Kraft zu versuchen, etwas herauszuholen. Ein Reichstarif für das Buchbindergewerbe sei noch in weiter Ferne. D ü r r-Stuttgart kann auch nicht empfehlen, noch mehr Städte in den Drei-Städte-Tarif einzubeziehen. Dabei würde für die Kollegen in der Provinz nichts gewonnen. Man solle wohl ver- suchen, die Bestimmungen des Drei-Städte-Tarifs überall� zur Durchführung zu bringen, vermeiden müsse man jedoch, eine größere Anzahl Städte zu gleicher Zeit in die Tarifbewegung hinein- zuziehen...,. Einen anderen Standpunkt nahm Lipfert- Ludwigshafen am Rhein ein. Er ist für einen Reichstarif, von dem die Provinz einen großen Vorteil hätte. Die Löhne und Arbeitsverhältnisse müßten doch nicht nur in Berlin, Leipzig und Stuttgart geregelt werden, sondern in allen Orten. Herzog- Hannover begründete einen Antrag, daß Streiks nur nach einer vorhergehenden geheimen Abstimmung erklärt werden dürfen, und zwar wenn sich eine Zweidrittelmajorität (bisher Dreiviertelmehrheit) dafür ergibt. Die Abstimmung über den Abbruch eines Streiks soll in derselben Weis« erfolgen. Böhmer- Nürnberg wandte sich gegen diesen Antrag. Eine Zweidrittelmehrheit sei zu gering, man solle nach wie vor an der Dreiviertelmajorität festhalten. Brucks- Breslau hält es für gut, daß der Reichstarif noch in weiter Ferne liegt. Tarifverträge seien nicht unter allen Umständen erstrehenswcrt. Bei Bewegungen in zurückgebliebenen Gegenden solle der Vorstand etwas weitherzig sein und die dortigen Kollegen nach Möglichkeit unterstützen. Im Laufe der weiteren Debatte machte der Vertreter des Ver- bandcs der Buchdrackereihilfsarbeiter H o r n k e- Berlin einige Richtigstellungen. Bezüglich eines Reichstarifs erklärte er, sein Verband begrüße es, wenn die Buchbinder einen Tarif über ganz Deutschland erstrebten, weil sie dasselbe wollten. Vorläufig könnten sie allerdings an den Abschluß eines Reichstarifs noch nicht heran- gehen. Kn o ll-Berlin, der Vertreter der Generalkommission, meinte, die Ausführungen zahlreicher Redner habe die Erkenntnis vermissen lassen, daß zu einem Vertragsabschluß zwei gehören. Die Frage des Ablaufstermins sei stark übertrieben worden. Die Bedenken gegen einen einheitlichen Ablauftermin seien in Wirklichkeit nicht so groß. Der Unterschied, ob die Tarife zusammen oder verschieden ablaufen, sei nur ein gradueller, kein prinzipieller. Die Entwicke- lung laufe auf den Reichstarif hinaus. Der Begriff Reichstarif sei übrigens kein einheitlicher, die Löhne könnten dabei auch örtlich oder bezirksweise festgelegt werden, wie bei den Bauarbeitern. Nicht der Ablaustermin, der kein Objekt sei, für das man kämpfe, sei das Maßgebende, sondern die Stärke der Organisation. Metz- Frankfurt a. M. polemisierte gegen di« Ausführungen Knolls. Was für die Steinsetzer gut wäre, brauche nicht auch für die Buchbinder gut zu sein. Für diese könne keine Rede davon sein. einem Reichstarif zuzustreben. In der Etmsbranche bestehe ja eher die Möglichkeit des Abschlusses eines Reichstarifs als in der Buchbinderbranche. Ein einheitlicher Ablauftermin sei zu ver- werfen, bei ihm würden di« Kämpfe schärfer, die Erfolge geringer. Redner betont in seinen weiteren Ausführungen, in vielen Be- trieben, besonders in Mainz, würden Frauen mit Gehilfenarbeit beschäftigt. Es müsse festgestellt werden, was Gehilfen- und was Mädchenarbeit sei, damit die Funktionäre sich danach richten. Hemminger- Stuttgart meint, wenn die Arbeitgeber be- sonderen Wert darauf legten, einen einheitlichen Ablauftermin festzulegen, solle man sich nicht so sehr dagegen sträuben. Ein ein- heitlichcr Ablaufternrin habe auch seine Vorteile. Redner hält eS für notwendig, daß der Verbandstag zum freien Samstagnach- mittag Stellung nimmt. In Stuttgart sei dieser eingeführt, dafür würden aber an den übrigen Tagen Ueberswnden gemacht. Die tägliche Arbeitszeit müsse aber verkürzt werden, nicht die wöchent- liche.' Z i n k e- Leipzig erklärt sich gegen den freien Samstagnach« mittag, wie er in Stuttgart durchgeführt fft. Das Hauptgewicht müßte auf die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit gelegt werden. Durch Schlußantrag wurde die Debatte geschlossen und die Vcr. Handlungen vertagt._ Marktprette von Berlin am 17. Juni IvlZ, nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sott« 20,16 bis 20,20, mittel 20,08—20,12, geringe 20,00—20,04. Roggen, gute Sötte 16,30. mittel 00,00—00,00, geringe 00.00—00.00(ab Bahn). Futter. gerftc, gute Sötte 16,20—16,70, mittel 15,70—16,10, geringe 15,20—15,60. Haser, gute Sorte 17.30—19,00, mittel 16,10—17,20. Mais(mixed), gute Sorte 15,30—15.50. Mais irundcr), gute Sott« 00,00—00,00. Richtstroh 4,40. Heu, alt 6,20—7,60, neu 6,00— 6,40. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00-50,00. Spcisebobnen. weiße 30,00—60,00. Linien 35,00—60.00. Kartoffeln(KIcinhdl.) 5,00—9,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,40—2 00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch ILO— 2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3.00— 4,80. 1 KUogramm Karplen 1,40—2,40. Aale 1,40— 350,»ander 1.40-3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1 60—3 50 Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Krebse 2.00—60.00.'' laschender Natürlichkeit. Sebr gut war auch Herr P a e s ch k e in der Doppelrolle deS SchaustnelerS und Grafen, ebenso Paul B i l d t in der Nebenfigur des ausgedienten HausfteundeS. Nur Fanny W o l f f S Theatermama fiel. allzu derb karikiert, aus dem ge» schlossenen Rahmen.__ dt Notizen. — Eine öffentliche Prot« st Versammlung gegen die gewalttätige Att. mit der der Breslauer Festausschuß gezwungen wurde, die Aufführungen deS Hauptmann fchen Festspieles vor der Zeit abzubrechen, veranstaltet der Schutzverband Deut« scher Schriftsteller am Montag, den 23. Juni, abend« >L9 Uhr im Oberlichtsale der Philharmonie. Der Schutzvcrband w»ll damit Einspruch erheben gegen den Versuch, ein noch so be« rechtigteS ablehnende« künstlerisches Urteil durch derartige Zwang«- matzregeln zu vollstrecken. — Die Sezession hielt eine Generalversammlung ab, in der beschlossen wurde, unter Festhaltung der wesentlichen bisherigen Prinzipien die Idee der Sezeifion weiter zu vertreten und zu ent- wickeln. Trotz des AuStnttS emer Anzahl von Mngliedern, die sich mit Herrn Cafsicer folidanich erklärt haben, gehört noch ein an- sehnlicher Mitgliederbestand der Sezession an. ES wurde auch eine Reihe namhafter Künstler aufgenommen. Die aus der Sezeffion Ausgeschiedenen sollen beabsichtigen, eine neue Bereinigung zu bilden— wieder unter dem Vorsitz de« Herr« Cassirer. — DaS Theater im Dienst der Hygiene,«»f An- regung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- kronkheiten werden rm Deutschen Theater während de« MonatS Juli.Die Schiffbrüchigen" von B r i e u x zur Auf- führung gelangen. Das Werk behandelt die Tragödie eine« Syphi- litikers und die verheerenden Folgen, die diese Krankheit m seine spätere Ehe bringt. Das Stück stellt sich mit deutlicher Absicht den Dienst der Aufklärungsarbeit. Das sich in durchaus dezenten Formen bewegende Drama ist bereits mit großem Erfolg m anderen Städten zur Darstellung gekommen. In Berlin wird die erste Auf- führung am 25. Juni statlfinden.. — Kunst in der Weißbierstube. Der«ankaturist Heinrich Zille hat den Auftrag erhalten, eine bekannte Weißbier- stube in der Friedrichstraße mit Wandgemälden auS dem modernen Leben auszustatten. Bischofs- Kulm soll Bilder auS der Bieder- meierzeit beisteuern. — BerlinundMünchen. In M ü n ch e n gibt das Hof. und Nattonaltheater im Anschluß an Wagner« 1«>. Geburtstag eine Reihe ganz billiger Volksvorstellungen. In Berlin ver« doppelte man die ohnehin schon unerschwinglich hohen Preise bet Königlichen Oper und veranstaltete Wagneraufführungen pour 1« M dö IVusse— als Luxusdarbietungen für die Reichen. Hus der Frauenbewegung. Das Problem der Sommerferlen. Die großen Schulferien rücken heran und Tausende von Kin dern werden diese Wochen am Meere oder im Gebirge verleben. Geistig und körperlich erfrischt, mit braunroten, dicken Backen kehren sie in die Heimat zurück, wo sie ihren Schulkameraden noch wochenlang ihre Erlebnisse schildern. Eine Reihe von Stiftungen und die Ferienkolonien sorgen dafür, daß auch ärmeren, körperlich schwachen Kindern diese Sommerferien zur Quelle der Freude und Gesundung werden. Was wird aber aus der großen Masse der Kinder, besonders in den Großstädten? Wo und in welcher Weise verbringen sie ihre Ferien? Die Antwort auf diese Frage lautet wenig tröstlich. Einige Familien besitzen auf dem Lande noch eine Großmutter oder Tante, die bereit ist, das eine Kind aufzunehmen. Wohnt die Familie in der Nähe eines großen Gartens, so wird es auch möglich sein, daß die zurückgebliebenen Geschwister durch häufigen Besuch des Gartens aus den schulfreien Wochen ihren Nutzen ziehen. Aber wie groß ist die Zahl derjenigen, die so weit von Gärten entfernt wohnen, daß sie ihre Kinder un- möglich allein dort hinschicken können! Vater und Mutter haben zu tun und können die Kinder unmöglich begleitet. So bleibt, da das Spielen auf den Höfen verboten ist, nur noch die Straße übrig. Daß dieser Ausweg nicht nur ein schlechter, sondern auch ein äußerst gefahrvoller ist, wissen die Eltern wohl, sehen aber keine andere Möglichkeit, ihren Kindern ein wenig Luft und Sonne zu verschaffen. Verregnen gar die Ferien, so ist des Jammers kein Ende. Wohin nun mit der kleinen Gesellschaft? Die Wohnung ist meistens nur eine Unterkunft für die Nacht; selbst dafür reicht sie kaum aus, aber zur Not mag es gehen. Unmöglich wird aber dieser Zustand, wenn mehrere Kinder solch eine Wohnung zum Spiel- und Tummelplatz benutzen, müssen.„Wenn Ihr bloß wieder in dieSchule müßtet, dann wäre ich Euch los", hört man so manche Mutter klagen. Und wenn sich die Kinder am Nachmittage langweilen, heißt es:„Nein, daß Ihr aber auch gar nichts für die Ferien aufbekommen habt." So kommt es, daß die so lang herbeigesehnten Schulferien für Eltern und Kinder zur Qual werden. Auf welche Weise könnte hier Abhilfe geschaffen werden? Was ist zu tun, um den Kindern diese Schulferien nutz- und glückbringend zu gestalten? Unsere französischen Genossen haben sich schon vor mehreren Jahren diese Frage vorgelegt und sind zu dem Ergebnis gekommen, die ganze Angelegenheit von den Gewerkschaften aus ener- gisch in die Hand zu nehmen. Und so kommt es, daß wir heute in französischen Gewerkschaftsblättern häufig Berichte über die Kinderkolonien finden. Kinderkolonien nennen die fianzösischen Gewerkschaftler diejenigen Ortschaften, in denen sie Kinder der Mitglieder bei Bauern und Arbeitern in Pflege gegeben haben In großen Scharen fahren diese Pariser Kinder, von ihrem Führer und seinem Helfer begleitet, gemeinsam in das schön gelegene Dorf, das von den Funktionären zu einem der Ferienaufenthalts- orte gewählt worden ist. Wie glücklich klingen die Briefe der Kin- der und ihrer Pflegemütter, die die ihnen anvertrauten Kleinen oft so liebgewinnen, daß sie sie kaum fortlassen wollen, und häufig kommt es vor, daß im folgenden Jahre ein Brief an das Pflegekind abgeht, in dem es als lieber Gast eingeladen, also unentgeltlich aufgenommen wird. Kehrt das Kind von diesem Aufenthalte ge- sund und fröhlich heim, so spricht es mit Liebe und Dankbarkeit von VaterS Organisation, die ihm ermöglicht hat, dem Kinde so viel Gesundheit und Freude zu verschaffen. Und der Bater ist doppelt stolz auf diesen Erholungsaufenthalt feines Kindes, ver- dankt er ihn doch nicht irgendeinem bürgerlichen WohltätigkeitS- verein, sondern der Solidarität seiner Kollegen!— Die französischen Gewerkschaften ermöglichen diese großen Ausgaben durch Extrabeiträge für die Ferienkolonien, ähnlich der Beiträge für die Kranken- und Arbeitslosenunterstützungskassen. Nun wissen wir, daß die französischen Gewerkschaften unter ihrer Zersplitterung außerordentlich zu leiden haben; auch sind sie in finanzieller Beziehung bei weitem nicht so gut fundiert wie unsere deutschen Gewerkschaften, die ein stattliches Vermögen �präsentieren. Nehmen wir noch unsere Genossenschaften dazu, so verfügen wir über ein Material an Menschen und Geld, mit dem sich auch nicht annähernd das Organisationsmaterial der französischen Arbeiterschaft messen kann. Könnte man da nicht die Frage aufwerfen, ob ein Zusammenarbeiten von Ge- werk- und Genossenschaften für die Kinder- sommerkolonien, also für die Gesundung ihrer künftigen Mitarbeiter, nicht sehr am Platze wäre? Es ließe sich wohl er- wägen, ob Gewerk- und Genossenschaften die neue Organi- sation der Volksfürsorge für diese Zwecke mit ausbauten. Ein anderer Weg wäre, wenn die Volksfürsorge die Fericnversicherung für Arbeiterkinder in den KreiS ihrer Aufgaben mit einbeziehen würde. Beide Wege lassen sich einschlagen, Sache der Beteiligten ist es, zu prüfen, welcher Weg am geeignetsten erscheint, um den erwünschten Erfolg zu ver- schaffen. Diese ganze Angelegenheit bedarf noch eingehender Be- sprechung und Ueberlegung. Bis dahin sei eS mir gestattet, für die jetzt beginnenden Schul- ferien einige Vorschläge zu machen, um den Großstadtkindern so viel Nutzen als nur möglich aus den Sommerferien zu bieten. Könnten nicht von den Frauenleseabenden aus für jede Gruppe eine oder zwei Frauen gewählt werden, die gewillt sind, an einigen Nachmittagen der Woche die Kinder des Bezirks zu sammeln, um mit ihnen gemeinsam einen größeren Park aufzu- suchen? Die Eltern- und Hausarztvereine von Groß-Berlin machen seit Jahren gemeinsame Spaziergänge und Ausflüge. Die Kinder würden ihr Abendbrot mitnehmen, um länger im Freien bleiben zu können und würden abends wieder gemeinsam an ihrem Ver- sammlungsort. in der Nähe ihrer Wohnung, ankommen. Bei schlechtem Wetter könnten unsere Lokalbesitzer ein größeres Zimmer zur Verfügung stellen, damit die Kinder ihre freien Tage nicht allein in den engen Wohnungen zubringen, sondern bei gemein- samem Spiel in gut gelüfteten Räumen. Für die größeren Kinder wäre das schlechte Wetter für gelegentliche MuseumSführungen und gemeinsames Lesen zu benutzen. All dies sind natürlich nur Notbehelfe, die sich einem unwillkürlich aufdrängen, wenn man in den Schulferien in die engen Arbeiterwohnungen kommt, wo ein Kind dem anderen im Wege ist und alle zusammen der Mutter bei ihrer Arbeit keine Minute Ruhe lassen. ES gibt in Berlin Straßen, in denen man beinahe auf Kindern herumtritt. Und kein grüner Baum weit und breit, kein Sandhaufen, keine Aufficht, nichts, gar nichts, um die Kinder vor Schaden zu bewahren. Ich weiß wohl, armselige Notbehelfe, nichts weiter, sind diese letzten Vorschläge, doch bedeuten sie, richtig angewandt, mehr, als ein Tropfen Wasser auf einem heißen Stein. Wir müssen nur dafür Sorge tragen, daß Millionen von Wassertropfen zusammen- lammen, dann wird auch der glühendste Stein einmal erkalten. Daß die Sommerferien unserer Arbeiterkinder ein Problem darstellen, das dringend seiner Lösung harrt, wissen alle, die die �HSltnisse, besonders in den großen Städten, kennen. Die Rot- behelfe der Kinderführungen könnten den Beginn einer umfassen- den Volksfürsorge für die Kinder bilden. Sollten einige der Mei- nung sein, daß diese neuen Maßnahmen nur eine neue Ausgaben- last für die moderne Arbeiterschaft bedeute, so möchte ich darauf hinweisen, daß eine kränkliche, arbeits- und denkunfähige Nach- kommenschaft gerade für die moderne Arbeiterschaft ein fressendes Kapital darstellt, während das Kapital, das für die geistige und körperliche Gesunderhaltung ihrer Nachkommenschaft ausgegeben wird, ein Kapital darstellt, das notwendigerweise sehr hohe Zinsen bringen mutz. Toni Sutzmann. vag ßegräbms der JVIiß Davlfon. London, 14. Juni.(Eig. Ber.) Ein Leichenzug von wunder- barer Erhabenheit und Feierlichkeit bewegte sich heute nachmittag durch die mit Menschen dicht gefüllten Straßen Londons. Man brachte die Leiche der ersten Toten der englischen Frauenrechts- bewegung von Epsom durch London nach der Familiengruft der Ver- storbenen in Morpeth in der Grafschaft Northumberland. Keine Fürstin hat je ein solches Begräbnis gefunden wie diese Frau, die, was man auch immer über die Agitationsmethod« der Suffragetten denken mag, für ihr Ideal in den Tod gegangen ist und sich ihren Mitmenschen in unselbstsüchtiger Weise geopfert hat. Diese Wahr- heit empfanden alle Anwesenden. Wohl wagte sich hier und da in der hunderttausendköpfigen Menge ein Spötter hervor; doch seine Worte erftarben auf seinen Lippen inmitten der ehrfurchtsvollen Menge, die vor der Toten stumm die Hüte abnahmen. Es war ein ergreifender Anblick, dieser lange Zug von weiß und schwarz und violett gekleideten Frauen, der sich von der Station Victoria, wo die Leiche von Epsom ankam, nach der Station King's Croß bewegte, von wo sie nach Nordengland transportiert wurde. Mit zehn Ka. pellen waren die Frauen unter den Klängen der Marseillaise nach der Station Victoria gezogen, und nun brachten sie ihre teure Tote mit feierlichem Trauermarsch zur letzten Ruhe. Die Kapellen spielten HändelS Trauermarsch, jene erschütternde Komposition, die einen so deutlich an den Klageruf einer von unendlichem Leid zerrissenen menschlichen Seele mahnt. Und wenn dann bei dem dritten Viertel jedes zweiten MteS der dumpf« Trommelschlag ertönt«, ging ein Schauern durch die Menge, wie wenn sich etwas Großes, Unbegreifliches zugetragen hätte. Nie zuvor ist uns HändelS Trauermarsch so groß und so erhaben vorgekommen. Hinter den Zugführerinnen schritt die Geistlichkeit. Dann kamen drei Reihen weißgekleideter Mädchen, die Lorbeerkränze trugen. Ihnen folgte ein violettfarbiges Banner mit der Inschrift: „Kämpfet weiter, und Gott wird den Sieg geben." Wieder kamen lang« Reihen weißgekleideter Mädchen mit Lorbeerkränzen. Hinter ihnen schritten die Londoner Mitglieder der Sozialpolitischen Union. Der erste Teil von ihnen ging schwarz gekleidet; jede Frau trug veilchenblaue Schwertlilien in der Hand. Der zweite Teil hatte violettfarbige Kleider an und trug Pfingstrosen, und in der dritten Sektion marschierten weißgekleidete Frauen, die große weiß« Lilien vor sich trugen. In derselben Ordnung, in der gleichen Kleidung und mit denselben Blumen folgte die lange Reihe der Mitglieder ans der Provinz hinter der Leiche. Der Sarg stand auf einem einfachen Wagen und war mit einem violettfarbigen Tuche bedeckt. Vor und hinter dem Leichenwagen wurden je zwei Banner getragen. Auf denen, die vorangetragen wurden, war zu lesen: „Gedanken haben sich verbreitet, deren Macht nicht wieder ein- schlummern kann. Sieg! Sieg!" mti>:„Größere Liebe hat kein Mensch als der, der sein Leben niederlegt für seine Freunde. Die, die dem Sarge folgten, trugen die Inschriften:„Duke et decorum est pro patria mori"(Süß und ehrenvoll ist es, für da? Vaterland zu sterben) und„Wer sein Leben verliert, soll es wieder gewinnen." Unmittelbar vor dem Leichenwagen marschiert« die Fahnenträgerin. Ihr folgten Frauen, die den Hungerstreik mib gemacht haben, Geistliche und persönliche Freunde. Hinter der Leiche schritten die Verwandten, eine zweite Partie Hunger- streikender, etwa 100 Mitglieder der freien Beruf« in ihren akade- mischen Gewändern. Eine Reihe mit Kränzen beladener Wagen bewegte sich im Zuge. Wir bemerkten eine aus weißen Nelken bestehende Blumenspende in Gestalt eines Gefängnisgitters. Den Schluß de? Zuges bildeten die Mitglieder anderer Frauenstimm rechtSorganifationen und einiger Ostlondoner Gewerkschaften mit ihren Fahnen und Bannern. Auffallend groß war die Zahl der Frauen, die sich heran- drängten, um das Begräbnis zu sehen. Mindestens die Hälfte der ungeheuren Zuschauermeng« bestand aus Frauen und Mädchen, die für die Verstorbene wirklich tiefe Sympathie fühlten. Wir sahen mehrere weinen. Wir hörten eine Arbeiterfrau sagen:„ArmeS Herz! Aus tiefer Liebe für ihre Sache ist sie in den Tod gegangen. Wäre sie verheiratet gewesen, so wäre sie sicher eine liebevolle Gattin und Mutter gewesen."„Arme Miß Dlvison" konnte man die Kinder sagen hören, die dies gewiß ihren Müttern abgelauscht hatten. Die Polizei tat ihr Möglichstes, um den ordnungsmäßigen Verlauf der Feierlichkeit zu stören. Sie hatte vorher bekannt- gegeben, daß sie es nicht erlauben werde, daß sich der Sarg durch die belebten Straßen bewege. Schließlich hat sie es doch erlauben müssen. Aber die Folge ihrer Verordnung war, daß sich die Menschenmengen, die den Leichenzug von allen Seiten erwarteten, von einer Verkehrsader in die andere wälzten und so den ganzen Verkehr in Westlondon zum Stillstand brachten. Auch erlaubte sich die Polizei eine Handlung von empörender Brutalität: Frau Pankhurst, die zweimal aus dem Gefängnis entlassen worden ist, damit sie am Leben bleibe, sollt« in einem Wagen dem Sarge folgen. MS sie Ihr Haus verlassen wollt«, um am Begräbnis der' Miß Davison teilzunehmen, wurde sie wieder verhastet und ins Gefängnis transportiert. Dieses Polizeimanöver sieht aus wie ein Akt kleinlicher Rache. In einem Londoner Blatte heißt es, daß ein Teil der Zuschauer die Mitglieder der Sozialpolitischen Union ausgezischt habe. Wir haben davon nicht? bemerkt. Nur die Polizei wurde ausgezischt, als sie die Volksmenge vor der Kirch«, in die der Sarg auf dem Wege gebracht wurde, auseinandertreiben wollte. Um ein Haar hätte sie Prügel bekommen; sie wählte jedoch rechtzeitig den besseren Teil der Tapferkeit. DaS Begräbnis der Miß Davison bat auf da? Londoner Volk einen fiesen Eindruck gemacht. Niemand, der ihr beigewohnt, wird diese letzte Demonstration der ersten Märtyrerin deS Frauen- stimmrechts leicht vergessen. Auf ihre Weise gab sie ihr Leben für den Fortschritt und die Freiheit der Menschheit, und alle Freunde der menschlichen Freiheit werden vor ihrer Bahre ehrfurchtsvoll den Hut ziehen. Mutter und Kind. Wöchnerinnen in Frankreich. Die französische Deputierten- kammer hat am 12. Juni ein Gesetz über den Schutz schwan- gcrer Arbeitte rinnen angenommen, das nachstehende Be- stimmungen enthält: Frauen, die sich im Zustand offenbarer Schwangerschaft befinden, haben das Recht, die Arbeit zu ver- lassen, ohne daß sie sich deS Kontraktbruches schuldig machen. Jede Arbeiterin, Angestellte oder Hausbedienstete, die keine Einkünfte, hat, kann während der letzten vier Wochen SS? und der ersten vier Wochen nach der Entbindung eine tägliche Unter st ützung beanspruchen, wofern sie für sich und sür ihr Kind alle not- wendigen hygienischen Borschriften befolgt. Die Durchführung des Gesetzes kann durch die freien Wöchnerinnen-Unterstützungs- fassen besorgt werden. Das Finanzgesetz wird die notwendigen Mittel, die auf mehrere Millionen veranschlagt sind, festsetzen.— Eine beantragte Zusatzbestimmung, die die Einbeziehung der Heimarbeiterinnen forderte, wurde in eine Resolution um- gewandelt, die die Regierung auffordert, im Finanzgesetz von 1910 die dazu notwendigen Mittel vorzusehen. Angenommen wurde ein Vorschlag, der den Arbeiterinnen industrieller Unternehmungen tvährend eines Jahres nach der Entbindung eine Arbeitsstunde täglich ohne Verminderung des Lohnes zur Säugung ihres Kindes bewilligt. Der Geburtenrückgang in Frankreich. Der Leiter des Pariser Statistischen Amtes. Bertillon, teilte mit, daß im Jahre 1912 die Ziffer der Geburten in ganz Frankreich(750 681) die Ziffer der Todesfälle(692 740) nur um S7 911 übersfiegen habe. Die Jahre 1911 und 1912 seien in dieser Hinsicht die schlechtesten seit dem Jahre 1800 gewesen. Die Kindersterblichkeit in Rußland. Durch einen kaiserlichen Erlaß, der sich mit der Kindersterblichkeit in Rußland befaßt, soll in Petersburg eine besondere Anstalt geschaffen werden, in die Kinder mit ihren sie stillenden Mütter n aufge- n o m m e n werden sollen. Die von den Privatbanken in Peters- bürg und Moskau aus Anlaß deS dreihundertjährigen Jubiläums der Dynasfie Romanow gestiftete Million Rubel ist für die Unter- Haltung dieser Anstalt bestimmt worden, die unter das Patronat der Kaiserin Alexandra Feodorowna gestellt tvorden ist. � ebered)t In Oesterreich ist die Wiederverheiratung katholischer Ge- schiedener verboten. Die Folge ist außer unendlich vielem Herzeleid eine Menge wilder Ehen geschiedener Personen, die nicht einen: sinnlosen Gesetzparagraphen zuliebe auf ein neues Familienlebe: verzichten wollen. Um solchen Personen, die sich noch nicht von überlieferten religiösen Bedenken befreit zu haben, Gewissenskämpfe zu ersparen, hat der frühere katholische Geistliche, jetzige anti- klerikale Schriftsteller Kirch st eiger eine Ersatz-Eheschliehung eingeführt, die unter Vermeidung des kirchlichen Rituals in würdig- ster Weise nach dem Brauche der alten christlichen Kirche die neue Ehe weihen soll. Er erklärt dabei, nicht im Namen des Papstes oder des Staates— sondern im Namen Gottes zu handeln, läßt sich von dem � Paare gegenseitige Liebe und Treu« versprechen und das Versprechen abgeben, daß sie im Falle einer Reform des Gesetzes die staatliche oder kirchliche Eheschließung nachholen wollen. Also eine durchaus ernst« Feier, die dabei keinen Anschein obrigkeitlicher Befugnis zu erwecken sucht. Trotzdem wurde Kirch- steiger im vorigen Jahre der Herabwürdigung der Einrichtung der Ehe angeklagt, aber vom Landgericht Salzburg freigesprochen. Das Gericht stellte nicht nur den ernsten Charakter des Aktes fest, sondern erklärte auch, daß K., wenngleich nicht mehr aktiver Geist- licher, dennoch wegen seines unverlierbaren Priestercharakters zur Erteilung des Segens befugt sei. Seitdem hat K. weiter zahlreiche Weihen vorgenommen. Nun hat eine geschiedene Frau gegen ihren früheren Mann, der eine solche„Salzburger Ehe" eingegangen ist, Anzeig« wegen B i g a m i l erstattet: eine Sinnlosigkeit, da ja gar keine legale Ehe geschlosser worden ist. Das aber hat zu einem neuen Vorgehen gegen Kirch- steiger geführt. Zweifellos auf Antrieb der Klerikalen, die ja im gelobten Kirchenstaate Oesterreich nicht dulden können, daß auch nur ein Schlupfwinkelchen vor ihrer Gewaltherrschaft schützt, hat die Staatsanwaltschaft Salzburg eine neue Voruntersuchung an- geordnet. Es wirb interessant sein, zu sehen, wie lange es dauern wird, bis die Frommen die Justiz mürbe gemacht haben. Ewig gewiß nicht. � ßefundbeitepflege des Kindes- Die Weiterentwickclung frühgeborener Kinder behandelt Dr. Btax W a l l- Breslau in der„Monatsschrift für Geburtshilfe". Der Verfasser geht von 691 Fällen aus und konnte über 183 Kin- der, von denen 87 noch am Leben waren, Nachricht erhalten. Die Untersuchungen ergaben, daß die Behauptung, frühgeborene Kinder seien in höherem Maße als reift zu Idiotie und Epilepsie diS- paniert, sich nicht aufrechterhalten läßt. Ein großer Teil der frühgeborenen Kinder entwickelte sich in durchaus normaler Weise. Bei einem anderen Teile machte sich eine gewisse Verzögerung der körperlichen, geistigen und seelischen EntWickelung bemerkbar. Diese Kinder liefen mit Verspätung, neigten zu Sprachstörungen, blieben längere Zeit als normale Kinder Bettnässer uno konnten in der Schule zuerst nicht recht mitkommen. Diese EnttvickelungS- Verzögerung war aber nicht anhaltend. Der Ausgleich erfolgte allmählich. Es hatte somit den Anschein, alS ob diese Kinder längere Zeit dazu brauchten, daS durch diese vorzeitige Geburt entstandene EntwickelungSdefizit nachzuholen. Tuberkulose im Säuglings- und KinbeSalter. Auf Grund der Literaturangabcn und eigener pathologisch-anatomischer Untersuchungen vertritt Dr. Lubarsch- Ittel im„Neichsrned. Sinz." die Anschauung, daß die Behringschc Hypothese von der Ansteckung durch die Nahrung im frühen Kindesalter wenig Wahr- scheinlichkeit besitzt. Andererseits bestätigt Dr. Lubarsch die Tat- fache, daß die Tuberkulose mit zunehmendem Alter sehr viel häufiger wird und dann eine viel geringere Neigung zum Fortschreiten aufweist. Ueber die Säuglingssterblichkeit in Abhängigkeit von der be- nutzten Ernährungsweise macht Dr. Schweizer- Moskau im „Medizirrkoje Obosrenije" interessante Angaben«, Die Rund» frage erstreckte sich auf 101 Fabrikarbeiterinnen, die 369 Kinder geboren hatten und ergab folgendes: Von den befragten Müttern haben nur etwa 40 Proz. chre Kinder an der Brust allein gestillt und auch diese nur eine äußerst kurze Zeit(bis zu 3 Monaten). Von diesem Zeitpunkte an sinkt der Prozentsatz der Stillenden schon bedeutend. Die enorme Säuglingssterblichkeit m den ersten 3 Monaten und insbesondere im zweiten LobenSmonat erklärt sich eben durch die frühe Darreichung von gemischter Nahrung. Von den verstorbenen Kindern entfällt fast die Hälfte auf die- jenigen, die in einem Alter bis zu 3 Monaten neben der Brust auch mit Brei gefüttert wurden. Von diesen gemischt genährten Kindern starben zwei Drittel innerhalb der ersten beiden Lebensjahre. An den Ueberlebenden werde eine hochgradige Ab- zehrung beobachtet. Manchmal wiesen die Kinder allerdings auch eine beträchtliche Gewichtszunahme auf, aber nur nn Anfang. Je früher die Breifütterung begonnen hat, desto weiter blieb daS Gewicht htttter dem normalen zurück. Einen Beitrag zur Statistik der Tuberkulosesterblichkeit in Baden bringt Dr. E. G. Dresel- Heidelberg in der„Deutschen mediz. Wochenschrift". Seine statistische Zusammenstellung zeigt, daß in Baden in den Jahren 1906/10 die Tuberkulosesterblichkcit in allen Altersklassen erheblich geringer war als in den Jahren 1881/88. Insbesondere war bei der Säuglingssterblichkeit> 'f EckeKindürstenst.Tel.Ch.l04l6 Aach Sonntags geöffnet. Genaue Augengläser Lieferant für alle Krankenkassen. Optiker Stendel, inh. Emil Klein, Berlin C, Roßstraße 32. 10 Minuten vom Gewerksohaftshause. sucht einige Waggon Möbel, bes. Schränke, in jeder Ausführung, auch einfache und auch in kleinen Posten, gegen sofortige Cassa zu kaufen, nur Gelegenheitskäufe. Gefl. Off. unter K. 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Rege Beteiligung erwartet Der BildungsauSschutz. Trebbin. Am Sonnabend, den 21. Juni, abends Z'/z Uhr, im Schiitzenhaus(W. Fromm): Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag. 3. Bericht von der Kreis- und Verbands-Generalversammlung. 4. Partei- angelegenheiten. S. Lokalfrage. Rudow. Am Sonntag, den 25. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Lokal von A. Palm: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Be- richte und Geschäftliches. Rcinickendorf-Wcst. Freitag, den 2». d. Mts., wichtige Flug- blattverbreitung von den Zahlabendlokalen aus. öerlmer I�acbricbteii. Die märkische Schweiz. Um Naturidylle zu bewundern, die einen kleinen Schimmer von Schweizer Charakter verraten, reicht für uns naturbegeisterte Berliner die Fußwanderung, so wunderschöne Plätzchen die Mark auch in der näheren Umgebung der Reichs- Hauptstadt aufiveist, nicht mehr aus. Gastronomisches Bedürfnis hat ja an der Oberspree, am Seddinsee vor Gosen, mit mehr ironischem als berechtigtem Namenswohlklang die Berliner Schweiz geschaffen. Wer ganz bedeutend mehr sehen und genießen will, muß schon etwas Kleingeld in seinen Beutel tun und auf der Ostbahn in aller Morgenfrühe bis Dahmsdorf-Müncheberg und von da mit der Klingelbahn in die märkische Schweiz hineinfahren(ab Bahnhof Friedrich- straße 3. Klasse 1,65 M., Kleinbahn 0,55 M., Sonntags- Fahrkarten bedeutend billiger). In gut zwei Stunden ist das reizende Buckow, von deni ein bekannter Arzt älterer Berliner Periode sagte, daß hier„die Lunge auf Samt geht", erreicht. Bei Millionen von Proletariern walzt bekanntlich die Lunge auf der Tretmühle. Der Fußweg von Müncheberg nach der Bienen- und Honigstadt ist für die eintägige Tour nicht empfehlenswert, weil es nachher noch genug zu wandern gibt und man mit der Zeit rechnen muß. Im Fluge geht es durch das sehr schöne Städtchen, das stellenweise Ge- dirgsart zeigt, am Buckower Schloßpark vorbei, der leider, seitdem sich hier das Bellersche Rettungsheim für Trinker- kindcr heimisch gemacht hat, nicht mehr so ohne weiteres zugänglich ist, auf der Wriezener Straße in 20 Minuten nach der Bollersdorfer Höhe, von wo man einen großartigen Aus- blick über den buchtenreichen Schermützelsee(nicht zu vcr- wechseln mit dem Scharmützelsee bei Fürstenwalde) hat. Wie von so vielen märkischen Seen erzählt auch hier die Sage, daß im Schermützel, der viel tiefer sei als die umgebenden Berge hoch sind, ein Teil der Stadt Buckow begraben liege. Nach dem Abstieg von der Höhe leitet der liebliche Poeten- steig am malerischen Sophienfließ zu einer regelrechten Berg- Partie durch die Pritzhagener Forst, wie dieses Waldgebiet zum Unterschied von der südlicher gelegenen Buckower Forst heißt. Ein wunderbar schöner Wald! Tiefe Schluchten wechseln in schneller Folge ab mit waldumrauschten Hügeln, die herrliche Aussichtspunkte bieten. Man vergleicht mit der Romantik des Blumentals und wird fast an den Harz erinnert. Durch den Moritzgrund besteigen wir ohne größere Anstrengung nacheinander die Jenashöhe, die Friedrich-Wilhelmshöhe, den Finkenherd. Dann geht's wieder bergab zur Wolfsschlucht, in deren Mitte auf einer kleinen Anhöhe ein mächtiger Granitblock, der sogenannte Teufelsstein, liegt. Wieder ändert sich die Szenerie an dem kleinen und dem großen Tornowsee. die beide von prachtvollen Buchenhainen umsäumt sind, in denen das„Elysium" dicht am großen See zu einer wundervollen Parkanlage lim- geschaffen worden ist. Von allen Seiten rauschen Berggnellen zu Tal. Nur schwer trennt man sich von dem entzückenden Fleckchen Erde, wird aber gleich dahinter neu belohnt durch die .Silberkehlc, eine wildromantische Waldschlucht, die in ihrer im- s posanten Struktur auf kleinem Räume eigentlich der Clou der märkischen Schweiz ist. Am großen Tornowsee entlang über Pritzhagener Mühle, Blutbuche, Schweizerhaus, Güntherquell und den Griepensee treten wir den kürzesten Rückweg an, be- suchen, wenn noch Zeit ist, dicht bei der Stadt den Botzelbcns mit der Musikhalle und den Luise�erg. In fünf Stunden mit reichlicher Ruhegelegenheit ist�üe eindrucksvolle Fußwanderung geschafft. Die untergehende Sonne vergoldet längs der Kleinbahn die Aecker und Wiesen, die Höhen und Seen. Meilenfern liegt uns die echte Schweiz. Werden wir ihre lachenden Gefilde, ihre ragenden Berge jemals sehen? Aber auch die Buckower Schweiz ist schön, eine glänzende Perle in der sonst so viel gelästerten Mark. Die Vorklaffen der Gemcindeschulen. die zu den bisherigen Neben- und Hilfsschulklassen als neue Lehr- einrichtung für Schwachbefähigte hinzugekommen sind, haben sich in diesem Sommerhalbjahr auf 33 vermehrt. Sie sind angegliedert an 31 über die ganze Stadt verteilte Gemeindeschulen, wobei im all- gemeinen jede dieser Schulen je eine Vorklasse hat(mit Ausnahme einer einzelnen Schule, an der drei Vorklassen bestehen). In diesen 33 Vorklaffen sitzen jetzt 61S schwachbefähigte Kinder(315 Knaben und 301 Mädchen). dagegen saßen im letzten Winter in damals 31 Vorklaffen erst 521 Kinder(294 Knaben und 227 Mädchen.) Nach ihrer Bestimmung sollen die Vorklaffen solche Kinder auf- nehmen, die in der 8. Klasse der normalen Gemeinde- schule im ersten Jahr trotz regelmäßigen Schul- besuchs keinen Erfolg gehabt haben und nach Ablauf des Jahres in der unleren Abteilung dieser untersten Klasse bleiben müßten. Kinder, die schon im ersten Jahr sich ungeeignet für den Unterricht in der normalen Gemcindeschule zeigen, können noch vor Ablauf des JahreS in eine Vorklasse über- wiesen werden. Nach einjährigem Besuch einer Vorklasie kann ein Kind, tvenn eS hier Fortschritte gemacht hat. die jetzt Erfolg von einer Wiedcrcinweisung in die normale Schule erwarten lassen, in diese zurückkehre». Waren die Fortschritte so befriedigend, daß das Kind durch den einjährigen Besuch der Borklasse die Reife für die 7. Klaffe der normalen Schule erlangt hat, so tritt es so- glei-b in die 7 Klasse ein. Diejenigen Kinder, die auch durch die Borklasse nur wenig oder gar nicht gefördert werden konnten, werden nach Ablauf des Jahres geprüft, ob Ueberweisung in eine Hilfs- schule nötig ist. Ein nochmaliger Versuch mit der Vorklasie ist zulässig, namentlich dann, wenn durch Krankheit die Teilnahme am Unterricht der Vorklasse auf längere Zeit unterbrochen wurde. Doch länger als zwei Jahre darf kein Kind in der Vorklasse bleiben- Kinder, die zweifellos selbst für die Vorklasse zu schwach wären, können ohne weiteres in eine Hilfsschule für Schwachbefähigte über- wiesen werden. Ferngehalten werden den Hilfsschulen die idiotischen Kinder, für die natürlich nur die Jdiotenanstalt sich eignet und möglichst sofortige Unterbringung in ihr zu wünschen ist. Die Ueberweisung in eine Hilfsschule wird oft von den Eltern eines schwachbefähigten Kindes nicht gern gesehen. Manche Eltern empfinden diese Maßregel, die für ein wirklich schwach- befähigtes Kind eine Wohltat bedeutet, geradezu als Zurücksetzung und schweres Unrecht. Irrtümer in der Beurteilung eines Kindes sind gewiß möglich, nicht nur bei Eltern, die oft blind gegen den Jntelligenzmangel ihres Kindes sind, sondern auch bei Lehrern, die zuweilen die Befähigung eines sich vielleicht langsam entwickelnden Kindes unterschätzen. Aber die Vorklaffen können dazu beitragen, die Besorgnis vor ungerechtfertigter Ueberweisung in eine Hilfsschule zu verringern. Die Vorklassen schaffen durch ihre besonderen Ein- richtungen(zweckentsprechende Unterrichtsmethode, geringere Klaffen- frequenz) dem Kinde die Möglichkeit, hier seine Kräfte zu entwickeln. Und sie erleichtern ihm, wen» die Bemühungen von Erfolg gekrönt sind, die Rückkehr in die normale Gemeindeschule. Gültigkeit der Wahl des Kämmerers Böff. Der Ausschuß zur Lorprüfung der Wahlen zum Zweck- verband hat gestern die Wahl des Kämmerers B ö ß zum Mit- glied des Zweckverbandes einstimmig für gültig erklärt. Es ist damit die von unserer Seite im Plenum des Zweck- Verbandes zum Ausdruck gebrachte Auffassung anerkannt. Dem Ausschuß lag der Wortlaut des Erkenntnisses des Ober- Verwaltungsgerichts vor, das am 24. April die Wahl Dern- burgs für ungültig erklärte. In der ausführlichen Be- gründung dieser Entscheidung wird als entscheidend für die Verneinung der— wie das Obervcrwaltungsgericht zugibt, nach dem Wortlaut des Gesetzes recht zweifelhaften— Frage, ob ein außerhalb der wählenden Gemeinde ivohnender Bürger des Zweckvcrbandsgebietes zum Zweckverband delegiert werden könne, erachtet, daß der Zweckverband nicht ein gemeindeartiges Gebilde mit selbständiger Mitgliedschaft der Einwohner"ihres Gebietes, sondern ein korporativer Zu- sammenschluß von Gemeinden ist. Ausgeführt wird jedoch in demselben Erkenntnis, daß der Gesetzgeber bei besoldeten Magistratsmitgliedern ausdrücklich von der Bedingung des Besitzes des Gemeinde- oder Bürgerrechts abgesehen hat. Da Böß zum besoldeten Magistratsmitglied in Berlin gelvählt war, so war er nach dieser Entscheidung wählbar, wiewohl er zur Zeit seiner Wahl noch nicht Einwohner von Berlin war. Das Geschäft der Straffenbahn an den Jubiläumstagen. Ein gutes Geschäft hat die Große Berliner Straßenbahn bei den: Jubiläumsrummel gemacht. Von der Großen Ber- liner Straßenbahn und ihren Nebenbahnen wurden an den vier Tagen von Sonnabend bis Dienstag zusammen 7 764 000 Fahrgäste befördert, 1 773 000 mehr als an den gleichen Tagen des Vorjahres. Der Sonntag brachte mit 2 108 000 Per- sonen die höchste Verkehrsziffer seit Bestehen des Unter- nehmens. Die bisherige„Rekordziffer"(2. September 1912) erreichte die zweite Million noch nicht, sondern betrug„nur" 1 870 000. Das Geschäft läßt sich die„Große Berliner" gefallen. Der Märchcnbruuncu erfreut sich eines ungeheuren Besuches, wie zu erwarten war, aber in diesem Umfange auch noch niemals bei einer städtischen monumentalen Anlage beobachtet worden ist. Die'völlig verfehlte Hohenzollerngalerie in der Siegesallee kann sich dagegen verstecken. Der Erfolg im Friedrichshain war aber auch das einzige, was in dem nun glücklicherweise verflossenen Jubiläumsrummel als sympathisch und vor allem als echt künstlerisch empfunden werden konnte. Den Bretter-, GipS- und Pappe-Popanz werden wir ja wohl leider in Berlin noch nicht zum letzten Male gesehen haben. Die Bewunderung aller Kreise beim Märchenbrunnen ist ehrlich. Eine Enttäuschung erleben nur die zahlreichen Frauen, die von weither mit Kinderwagen ankommen. Letztere werden in die Denkmalsanlage nicht hineingelassen, so daß hier in diesen Tagen eine wahre Burg von Kinderwagen aufgefahren war. Die Oeffnung der Anlage für das Publikum erst um 9 Uhr früh erscheint um die jetzige Jahreszeit reichlich spät. Den Aufsichtsdienst versehen vor- läufig, bis der starke Andrang nachgelassen hat, Angestellte einer Wach- und Schließgesellschaft. Außerdem sind ziemlich überflüssig noch ein halbes Dutzend Schutzleute unter Führung eines Leutnants da. Am Dienstag bemerkten wir bei dem. Leutnant auch zwei Kriminalbeamte mit einem Polizeihund. Diese gemeingefährlichen Köter sind ja gerade im Fricdrichshain heimisch geworden. Wenn das Arbeiter iietuese» wäre» l Eine Korrespondenz berichtet:„Ein flottes studentisches Treiben wie in einer kleinen Musenstadt entwickelte sich in der Nacht zum Mittwoch nach Beendigung des Fackelzuges in den Straßen Berlins. Die einzelnen Korporationen zogen von der Alexander- kaserne, wo die Fackeln zusammengeworfen waren, meist in ge- schlossencn Zügen nach ihren Kneiplokalen, um dort den Festtag in der hergebrachten Weise zu beschließen. Dabei wurden laut schallend in den Straßen fidelc Studentcnlicder gesungen und mit den vorüberkommenden„schwarz-braunen Mägdelein" fröhliche Grüße und Scherzwortc ausgetauscht. Da gab es„Gänsemarsch am Rinnstein" entlang,„Dauerlauf auf den Straßcnbahnschienen" und dergleichen mehr. Eine besonders fröhliche Schar exekutierte auf der Gertraudtenbrücke einen Parademarsch vor einem etwas angeheiterten, ordensgeschmückten alten Kriegervcrejnler, der stolz den Zylinder von Anno Tobak schwenkte und für die Ehrung dankte. Am Spittclmarkt wurde um den Brunnen ein Ringelreihen ge- tanzt, da nnspra n geinBruderStudioin das Bassin und brachte dort ein.Kaiserhoch aus. Die zuvorkommende und liebenswürdige Polizei drückte sämtliche Augen zu." Wie aus der Fassung obiger Mitteilung hervorgeht, ist dieselbe in eine für die Studenten wohlwollende Form gekleidet. Wie mag es erst in Wirklichkeit zugegangen sein? lind was wäre Arbeitern passiert, die sich nur entfernt so be- nommcn hätten? Allerdings in die Lag« kommen Arbeiter nicht, daß sie im Bassin eines Brunnens ein Kaiscrhoch ausbringen! Neue Spielplätze im Plänterwald. Aus der Sitzung der Parkdeputation, die gestern stattfand, ist zu berichten, daß man beabsichtigt, im Plänterwald bei Treptow, der bekanntlich im städtischen Besitz ist, Spielplätze einzurichten. Ferner sollen die Inseln Scharfenberg und Baumwerder im Tegeler See wegen ihres interessanten Baum- und Pflanzen- bestandes in die Fürsorge der städtischen Parkverwaltuug über- nommen werden. Im Dienste schwer verunglückt ist gestern früh der 24 Jahre alte Rangierer Gustav Wieseler auS der Metzer Str. 15 zu Adlershof. Wieseler, der verheiratet und Vater eines Kindes ist, glitt in der dritten Stunde auf dem Rangier- bahnhof in Nieder-Schöneweide, wo er beschäfttgt war, aus und geriet so unter die Räder eines Eisenbahnwagens. Diese trennten ihm das linke Bein vollständig ab und rissen ihm vom rechten Fuß die Ferse ab. Der Bahnarzt Dr. Rhomsaen leistete dem Ver- unglückten die erste Hilfe und ließ ihn dann mit einer Sonder- lokomottve naib dem Görlitzer Bahnhof bringen. Ein RünzelscheS Krankenautomobil, das inzwischen benachrichtigt worden war und hier auf ihn wartete, brachte ihn nach dem Krankenhause am Urban, wo er schwer daniederliegt._ Die Kleiderordnung der Droschkenkutscher. Der Polizeipräsident gibt bekannt:„Vielseitigen Wün- schen entsprechend gestalte ich, zunächst versuchsweise, in der Zeit vom 1. April bis 30. September im Droschkenbetriebe das Tragen einer Litewka von echtfarbig dunkelblauem Sersche- oder Trikotstosf mit rotem Umlegekragen und weißer Borte auf diesem, sowie mit kleinen glatten Knöpfen von Weißmetall, unter der Bedingung, daß sie im Betriebe stets zugeknöpft ist." Da werden ja die Droschkenkutscher nichts zu lachen haben, wenn sie bei der jetzt eingetretenen Hitze ihren Rock mit den „kleinen glatten Knöpfen von Weißmetall" stets zugeknöpft tragen müssen._ Haltezeiche» der Straffenbahn. In abschüssigen Straßen hat die Straßenbahn Halte- zeichen angebracht zu dem Zwecke, daß Straßenbahnwagen an diesem Zeichen vor der eigentlichen Haltestelle anhalten müssen, um dann langsam bis zur Haltestelle weiterzufahren. Da- durch soll das Weiterlaufen des Wagens über die Haltestelle hinaus vermieden werden. Solche Haltezeichen befinden sich beispielsweise in der Badstraße sowie in der Hochstraße, um ein Zusammentreffen zweier Wagen zu verhüten. Seit dem Straßenbahnzusammenstoß in der Veteranen- und Invaliden- straße sind in der Brunnenstraße zivischen Anklamer- und In- validenstraße, sowie in der Veteranenstraßc solche Haltezcichen vor den Haltestellen angebracht worden. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird er bekanntlich zugedeckt._ Wenn man keine Zeit hat! Militär kehrt vom Exerzierplatz heim. In langer Kolonne rückt Artillerie heran und versperrt den Uebergang über die Straße. Am alten Kriminalgerichtsgebäude in Moabit geht's vor- bei, aus der Paulstraße nach der Rathenower Straße hinüber. Fuß- gänger und Wagenführer halten an und warten in Geduld, bis der Weg wieder frei wird. Ein Straßenbahnwagen will noch rasch, ehe der Zug die Spitze der Kolonne ihm das Gleis kreuzt, sich in Be- wegung setzen. Zu spät! Schon schiebt der erste Militärgaul seine Nase über das Gleis, und auch der Straßenbahnwagen mutz liegen bleiben. Du hast's eilig, aber es hilft Dir nichts, daß Du in Dich hineinfluchst. Erst k o m m t d a s Militär— und dann das Zivil. Jetzt zieht die Kolonne in der Rathenowcr Straße an der ausgedehnten Front des Kasernengrundstückes entlang, und der Straßenbahnwagen darf, nachdem endlich das Gleis frcigc- worden ist, nebenher weiterfahren. Gegenüber der Einmündung der Turmstraße gibt's ein neues Hindernis, das zu neuem Still- liegen zwingt. Was ist hier los? Eine Autodroschke, die vor dem Eingang des Kasernenhofes auffährt, hält auf dem Straßenbahn- gleis, weil die Dammseite an der Kaserncnfront von dem vorüber- ziehenden Militär eingenommen ist. Ein Offizier in Gala steigt aus, einigen Damen in großer Toilette hilft er ans dem Wagen heraus, alle stehen miteinander auf dem Damm und— warten, bis der Schwanz des letzten Militärgauls vorüber ist. Meinst Du? Ja, wenn D n es wärst— Du würdest so lange warten. Der Offizier aber schreitet mit seinen Damen durch eine in der Kolonne sich bietende Lücke hindurch auf das Kasernentor zu, und hinter ihm setzt der Zug seinen Weg fort. Würdest Du, Zivilist, feinen Be- gleiterinnen in Zivil, wenn D u keine Zeit hast, es nachmachen wollen? Versuche es lieber nicht! Gute Geschäfte an den Jubiläumstagcn haben die Taschen- dicbe gemacht, die in dem Gedränge stehlen konnten wie die Raben. Die Kriminalpolizei hat acht Taschendiebe festgenommen, die größere Anzahl ist sicher nicht erwischt worden. Zwei Verhaftungen sind in Sachen des Automobilanschlages im Grunewald vorgenommen worden. Ob sie sich aber aufrechterhalten lassen,-ist zweifelhaft.� Für 50 000 Mark Juwelen erbeutete eine dreiköpfige Ein- brccherbande, die gestern mit ihrem Hehler von der Kriniinal- Polizei hinter Schloß und Riegel gebracht werden konnte. In der letzten Zeit sind, wie wir wiederholt berichteten, eine Anzahl von Einbrüchen in Goldwarengeschäfte ausgeführt worden, indem die Täter das Eisengitter durchschnitten, die Ä-cheiben einschlugen und dann die Auslagen plünderten, oder aber den eisernen Rollvorhang der Ladenfiir mit einem Stemmeisen gewaltsam erbrachen und sich so Eingang in die Geschäfte verschafften. Der Verdacht der Kriminalpolizei fiel auf zwei Gebrüder Alexander und Johann Zichalski, zwei schon wiederholt vorbestrafte Männer, die sich stets in Begleitung eines Dritten befanden, der den Beamten noch un- bekannt war. Aber erst jetzt gelang es der Kriminalpolizei, den Verdächtigen auch die Einbrüche nachzuweisen. Sie stellte nämlich fest, daß sie geheime Verbindung mit dem Altwarenhändler Alexander Waldberger in der Großen Hamburger Straße unter- hielten und dieser einen schwungvollen Handel niit Goldsachen und Juwelen betrieb, die aus Einbrüchen herrührten. Diesen sowohl wie die beiden Gebrüder nahm die Kriminalpolizei gestern fest, letztere bei einem Gelage, das sie in einem Lokal am Wedding mit ihren Freundinnen veranstalteten. Der dritte im Bunde blieb jedoch verschollen. Aber auch er erfreute sich nicht lange mehr der Freiheit. Es gelang Kriminalbeamten, ihn noch gestern abend in der Person eines Schlächter Gustav Schulz ausfindig zu machen und ebenfalls festzunehmen. Entgleist. Gestern 11 Uhr 47 Min. vormittags entgleiste zwischen Charlottenburg und Westend die Lokomotive des Nord- ringzugcs 1796 mit einer Achse. Personen wurden nicht verletzt. Stiefkinder der Berliner Stadtverwaltung. Zu dieser gestern veröffentlichten Notiz wird uns noch geschrieben: In letzter Stunde «och hatte die Deputation der städtischen Gaswerke verfügt, daß die Arbeiter und Angestellten am Tage der Jubiläumsfeier in der Weise zu beurlauben sind, daß i» den Revicrinspcktionen nur eine Wache von fünf Perfonen mit halbtägiger Ablösung Dienst �-u tun hat. Zu dem Kindesmordversuch in der Schönhauser Allee, über den wir am Montag berichteten, wird mitgeteilt, daß der neugeborene Knabe, der von seiner Mutter in den geheizten Ofen gesteckt wurde, damit er dort verbrennen sollte, gestern m Städtischen Kiiwer- krankenhause in der Reinickendorfer Straße seinen Verletzungen erlegen ist. Die Mutter, das LS Jahre alte Dienstmädchen Elise Dankert, befindet sich noch als Polizeigefangene in der Charite. Sie hat bekanntlich angegeben, nicht gewußt zu haben, was sie mache. Arbciter»Bildungsschiilc. Den Mitgliedern hierdurch zur Kenntnis. daß die Bibliothek nach Beendigung der Kurse jeden Donnerstag von 8 bis S Uhr geöffnet ist. Vorort- l�admcdten. Charlottenburg. Geschäftstätigkeit des Gcwerbegerichtz im Jahre 1912. Bei dem Gewerbcgericht zu Charlottenburg sind iin 21. Geschäftsjahre 1622 neue Streitsachen, davon 23S von weiblichen Personen, gegen 1629 im Vorjahre, anhängig geworden. Die Zahl der Streitsachen hat sich sonach im Berichtsjahre auf der Höhe des Vorjahres gehalten. Auf eine Steigerung um die Zahl der im Baugewerbe zurückgc- gangenen Klagen(76) wäre zu rechnen gewesen, wenn im Berichts- jähre die Lage des Baumarktes eine lebhaftere Beschäftigung zu- gelassen hätte. In etwa 1060 Streitfällen wurde außerdem von der Gerichtsschreiberei, oft mit Benutzung des Kernsprechers zwischen den Parteien eine Einigung vermittelt. Offenbar sachlich oder örtlich unzuständige Streitsachen wurden durch entsprechende Bc- lehrung der Rechtsuchenden erledigt. Von sämtlichen Streitsachen entfielen auf das Baugewerbe und Bauhandwerk 696(579 im Jahre 1911), auf Fabriken aller Art 142(125), auf da? übrige Handlvcrk und Gewerbe 924(884). Der Wert des Streitgegenstandes betrug 1.29 Mk. in 619, mehr als 29—59 Mk. in 459, mehr als 59—199 Mt. in 312 und mehr als 199 Mk. in 185 Fällen. Der niedrigste Streit- gegenständ betrug 9,29 Mk., der höchste 8994 Mk. Durch Zurück- nähme wurden 197, durch Anerkenntnis 24, durch Vergleich 46, durch rechtskräftiges Versäumnisurteil 396, durch Endurteil 26, durch Ruhenlassen des Prozesses, Nichterscheinen der Parteien usw. 366 Klagen erledigt. Zum Zwecke der Zwangsvollstreckung sind 468 Aus- fertigungen erteilt worden. Es wurden 179 il43) Terminstage abgehalten, und zwar 136(194) vor dem Vorsitzenden allein und 34 (39) vor dem Spruchgericht. Die Zunahme der Terminstage von 143 auf 179 ist darauf zurückzuführen, daß ein stellvertretender Vor- • sitzender im Berichtsjahre noch an 41 Tagen Termine abgehalten hat. Die Beschleunigung der Rechtspflege— ein Hauptgrundsatz gewerbegerichtlicher Rechtsprechung— ist noch günftiger als ini Vorjahre geworden, eS wurden rund 75 Proz. gegen nahezu 79 Prozent im Vorjahre, also•% aller Streitsachen, in weniger als einer Woche erledigt. Bei 38 berufungsfähigen Urteilen ist Berufung in 11 Fällen eingelegt, von denen 2 Fälle durch Bestätigung des Urteils erster Instanz erledigt und 9 Fälle unerledigt geblieben find. Neukölln. Ein umfangreicher Dachstuhlbrand kam in der gestrigen Nacht in der Weisestrahe 57 zum Ausbruch. Als die Neuköllner Feuerwehr eintraf, stand der Dachstuhl des OuergebäudeS fast in ganzer Aus- dehnung in Flammen. DaS Feuer drohte auf den Seitenflügel überzuspringen, doch gelang es den Löschmannschaften schließlich, den Brand auf das Ouergebäude zu beschränken, dessen Dachstuhl aller- ding? vollständig vernichtet wurde. Die Lösch- und Aufräumungs arbeiten nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Eine Brandwache blieb bis 4 Uhr morgens auf der Brandstelle zurück, lieber die llr fache konnte nichts ermittelt werden. Mit Lenchtga« vergiftet hat sich gestern der 33 Jahre Kauf- mann R. aus der Friedelstraße. R. war in einem ersten Spezial- geschäft in der Leipziger Straße in Stellung. Gestern vormittag, als seine Mutter und die übrigen Geschwister ausgegangen waren, öffnete er den Gashahn in seiner Stube und vergiftete sich mit Leuchtgas. Bei der Rückkehr der Mutter fand diese ihn tot auf. Irgendwelche Schriftstücke, die über die Ursache zu diesem Schritt Aufschluß geben könnten, hat der Verstorbene nicht hinterlassen. Da auch den Angehörigen kein Grund hierzu bekannt ist, nimmt man an, daß R. m einem plötzlichen Anfalle von Geistesgestörtheit die Tat begangen hat. Lichtenberg. Gerüffelt! Das Zurückziehen der Klage gegen die Gültigkeit der Stadtvcrordnetenmandate unserer fünf Genossen, die in der II. Wählerklasse gewählt sind, hat die Plonz-Schachtel-Gruppe arg verschnupft. Da» OrtSblättchen herrscht die Obcrlehrergruppe folgendermaßen an:.Wenn die Herren nicht von vornherein die feste Absicht hatten, die Klage bis zum höchsten Gerichtshof zu bringen, wäre es richtiger gewesen, sie überhaupt nicht erst anzu- strengen.' Na also! Die Herren Oberlehrer scheinen aber auch ganz vergessen zu haben, daß der juristische Beirat der liberalen Fraktion in recht beweglichen Worten davon geredet hat, daß die obersten Gerichte ja auch mal.anders" entscheiden könnten. Und dann der Zweck der Klage. Die Herren Käst und Genossen als Kläger waren doch die Hoffnung der liberalen Männerl ES ist also heute auf die Festbesoldeten kein Verlaß mehr. Ob es nun noch einmal möglich sein wird, die Sozi aus der zweiten Wähler- klaffe zu entfernen?, Trehtow-Baumschulenweg. Am Sonntag, den 22. d. M., findet in der Königsheide das in jedem Jahr wiederkehrende Waldfest des Männerchors.Ober- sprce' statt. Der Festzug setzt sich um 114 Uhr vom Lokal August Krause, Baumschulenweg, Kiefholzstraße 249, in Bewegung. Auf dem Fest- platz finden dann Volksbelustigungen, Scheiben- und Armbrust- schießen, Kegelspiel, Präsenteverlosung und Spiele aller Art für die Jugend statt. Da ein Teil des UebcrschusseS den beiden Wahl- vereinen zugute kommt, so werden die Parteigenossen gebeten, sich an dieser Veranstaltung zahlreich zu beteiligen. Herzfelde. Eine neue Eisenbahnverbindung soll der hiesige Ort in nächster Zeit erhalten. SS handelt sich um eine Bahnanlage Herzfelde— TrebuS bei Fürstenwalde. Bon TrcbuS aus soll die Bahn über Molkenburg und Waldfrieden mit der Oderbruchbahn verbunden werden. Für die neue Bahn würde natürlich in der Hauptsache Güterverkehr in Betracht kommen. Die Fürstenwalder Gegend ist siir die Herzfrlder Ziegelindustrie ein gutes Absatzgebiet. RegierungS- baurat Neumann hat bereits mit den Interessenten in der Bahn- angelegenheit Verhandlungen gepflogen. Die Vorarbeiten über- nimmt die Firma Lenz u. Co., Berlin. Diese Firma ist auch Eigen- tümerin der Herzfelder Kleinbahn, die u. a. die Verbindung der Gemeinde mit der Ostbahn herstellt. Tegel. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst gedachte Schöffe Reichelt der Tätigkeit des plötzlich verstorbenen Vertreters Schenk; ferner machte er Mitteilung davon, daß der Gemeinde aus dem verpachte- ten Anschlagwescn 1219 Mk. zugeflossen seien; der Pächter erhält 25 Proz. Spesen. Die in früherer Sitzung angeregte Versicherung der Gas- und ElcktrizitätSzähler gegen Brandschaden soll nach ein- geholten Erkundungen unnötig sein, da ein eventueller Verlust durch die sonstige Versicherung gedeckt wäre. Die in voriger Woche statt- gehabte Probefahrt mitAutoomnibussen vom Gesundbrunnen fchlossene Konferenz der beteiligten Gemeindevertrcter hat, weil un- rentabel, zur Ablehnung dieses Projekts geführt; die Betriebs- Unkosten pnj Jahr wurden auf 299 999 Mk. angenommen. Dagegen fei eine S t r a ß c n b a h n Verbindung vorzuziehen, deren D urch- führuiig und Erbauung die 3 beteiligten Gemeinden beabsichtigen. Die Gebrüder Borsig haben der Gemeinde Tegel ein Stipendium von 5099 Mk. für Fortbildungsschulzwccke und 1999 Mk. für die Volksbibliothek überwiesen. Für letztere hatte der Gemeindevor- stand eine Leseordnung vorgelegt, über die nach den Ferien definu tiver Beschluß gefaßt werden soll. 59 Pf. für eine Lesekarte und 5 Pf. Gebühr für 3 Bücher zu leihen auf 3 Wochen war vorgesehen, doch wurde gegen diese Bezahlungsmcthoden verschiedentlich Ein- wand erhoben und auch schließlich abgelehnt mit dem Hinzufügen, daß Lesern bis zu 16 Jahren eine Bürgschaftsunterfchrift abverlangt werden soll.— Mit dem Abdcckereibesiyer Kräbc-Spandau soll ein Vertrag abgeschlossen werden, nach dem diesem die Beseitigung von Tierkadavern aus Tegel zu näher festgesetzten Bedingungen über- tragen wird.— Auf Veranlassung des Rcgierungs-Präsidcnten hat der Landrat an die Gemeinde um Angabe ersucht, was diese an- läßlich des Negicrungsjubiläuins zu wohltätigen Zwecken gestiftet habe. Außer den Borsigschen Zuwendungen erwähnte Herr Reichelt die 1999 Mk. von der Freilichtbühne, die für die Jugendpflege seinerzeit bewilligt wurden, jetzt aber für die Veteranen sein sollen. Herr Reichelt fragte an, ob die Vertreter etwa noch weitere Spenden beabsichtigten, doch niemand antwortete; auch er selbst hob die mangelnden Gemeindcmittel hervor.— Weiter empfahl der Lanorat der Gemeinde gegen den Besitzer des Grundstücks Haupt- straße la die Einleitung des Entcignungsverfahrens zum Zweck der Freigabe des Vorgartens. Diese Verfügung hielt man aber für ungesetzlich, auch wurde in der Diskussion ein gewisser Uebereifer des Polizeibauamts an einigen Beispielen illustriert. Von der Enteignung wird vorläufig, schon in Rücksicht auf die hohen Kosten, Abstand genommen.— Zur Herstellung der Uferbefestigung an der Gaswerksablagc am See muß die betreffende Parzelle vom Wasser- fiskus erworben werden(% Morgen); die beabsichtigte Befestigung in Eisenbeton soll später erfolgen; Kostenpunkt: 49 999 Mk.— Zur Erweiterung des Maschinenhauses im Wasserwerk macht sich ein Anbau nötig; die 19 999 Mk. betragenden Kosten hofft man beim Ankauf der Maschinen zu ersparen.— Die Direktion des Straf- gefängnisses verlangt Beseitigung der Mängel in der Entwässe- rungsanlage; es soll deshalb die Kanalisation aus der Borsig- in die Egellsstratze verlegt und der sogenannte Borsigbrunnen beseitigt werden. Dadurch entstehen 8999 Mk. Mehrkosten, die von der Firma Borsig gedeckt werden. Durch diese Verlegung erwächst der Firma aber der Vorteil, in der Borsigitraße sich eventuell später räumlich besser ausdehnen zu können. Deshalb will die Gemeinde auch von der Regulierung dieser Straße auf 5 Jahre absehen, so- weit nicht ein polizeilicher Zwang zur Regulierung ausgeübt wird. Herr von Borsig sah hierin nur eine Gefälligkeit der Gemeinde seiner Firma gegenüber; für einen Schlackcnsußsteig will letztere allenfalls sorgen.— Dem Besitzer des Tusculum, Herrn Gutsbe- sitzer Wille, wird die Erstattung von 37 999 Mk. Pflasterkosten gegen Zinsvergütung auf 1 Jahr gestundet; die Kreissparkasic hatte die Gemeinde um Zahlung angegangen, weil sie Geld brauche.— DaS älteste Mitglied der Vertretung, Schöffe Nieder, bat weg«� dauernder Krankheit sein Amt niedergelegt; eine Neuwahl soll erst nach den nötigen G e m e i n d e w a h l e n vorgenommen werden. Ltztere finden aber erst im Februar 1914 statt, da die bürgcr- lichc Mehrheit die süße Ferienruhe von fast 3 Monaten sich nicht durch Wahlen beunruhigen lassen will. Genosse Halses wendete sich gegen diese unangebrachte Verzögerung, ebenso Dr. Hennicke, der hervorhob, daß bei der demnächst nötigen Wahl eines neuen Bürgermeisters doch alle Vertreterstellen besetzt sein müßten; sie hatten keinen Erfolg: mit 8 gegen 5 Stimmen verschob man die Wahlen von 3 fehlenden Vertretern auf 8 Monate bis zum Fe- bruar 1914. In der nun folgenden vertraulichen Sitzuna wurde n. a. eine Kommission eingesetzt zur Vorbereitung der Bürgermeisterwahl; ihr gehört unser Genosse Rentner an. Mühlenbeck. In der Mitgliederversammlung des WahlvcreinS erstattete zu- nächst Genosse Käsehagen-Nieder-Schönhausen den Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Alsdann wurde Genosse Paul Bruckmann als Kassierer und Genosse Miersch als Schriftführer gewählt. Als Unterkassierer fungieren die Genossen Wilhelm Kühn, Ferdinand Rückert und Paul Lyson. Bei der LandtagSwahl haben drei Genossen ihr Wahlrecht nicht ausgeübt. Die bisher vorgenommene Unter- suchung in dieser Angelegenheit hatte zum Ergebnis, daß ein Genosse ausgeschlossen werden mußte, weil derselbe auch bei späteren Wahlen von seinem Wahlrecht leinen Gebrauch zu machen beabsichtigt. Da der.Vorwärts" am Ort nur in 27 Exemplaren gelesen wird, ersucht der Vorsitzende die Genoffen, eine rege Agitation für das Parteiblatt zu entfalten._ Jugendveranstaltuuge». Adlcrshof. Sonntag, den 22. Juni: Wanderung nach den Gosencr Bergen. Abmarsch S Uhr._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Wcitzensee. Freitag, den 20. Juni, nachmittags 5 Uhr, im SitzungS' saale de§ Rathauses, Awertinenstr. 6. Diese Sitzungen sind öfsentlich. Jeder SemcindeangehSrtge it berechtigt, ihnen aw Zuhörer beizuwohnrn. Mus aller Kielt* Rodrnrrat in der fortbUdungöfchule. Nicht nur die Abcschützen und die sonstigen schulpflichtigen Kinder muhten sich in diesen Feiertagen des Patriotismus im Hurraschreien produzieren, sondern man verpflanzte diese schöne Sitte auch in die Fortbildungsschulen, die nach unserem gewöhnlichen Untertanenverstand sonst doch die ausschließliche Auf- gäbe haben, bei den der Schule entwachsenen jungen Leuten die Mängel der Volksschulbildung zu korrigieren, sowie allgemeinen und technischen Unterricht zu erteilen. Da aber in Preußen der Patriotismus allemal wichtiger ist als jeglicher Unterricht, und patriotische GesinnnngStüchtigkeit immer höher eingeschätzt wird als wirkliches Können, so ließ man in manchen Orten den Unter- richt in der Fortbildungsschule ausfallen und ließ die jungen Leute dafür zum Hurraschreien antreten. So auch in G e v e l s- b e r g bei Hagen i. W. In der dortselbst erscheinenden..G e v e l S- berger Zeitung" lesen wir, daß die patriotischen Bemühungen der Lehrer und deren Vorgesetzten auf einigen Widerstand gestoßen sind. In gerechtem Zorn über solches Unterfangen berichtet daS liberale Blatt:,. „Anläßlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kai- serS fällt in der hiesigen Fortbildungsschule in allen Klassen am Montag der Unterricht aus. Dafür wurden schon im L a u fe dieser Woche in den letzten Unterrichtsstunden einfache, schlichte Feiern veranstaltet, die geeignet waren, auf die Größe und Bedeutung des Tages hinzuweisen. Wer beschreibt aber das Erstaunen der Lehrer, a l S beim Ans- bringen des Kaiserhochs Schüler sich weigern, mit einzustimmen. In einer Klasse soll die Mehrzahl der Schüler sitzen geblieben sein. Man kann die Erregung der Lehrer nachfühlen, die gezwungen werden, solche Burschen zu unterrichten." Danach haben„solche Burschen" mehr Empfinden dafür, was sich in der Fortbildungsschule gehört und was nicht, und daß die Fortbildungsschule zur Fortbildung da ist und nicht zur Bcr- anstaltung hurrapatriotischer Exzesse. Vielleicht kann sich die GevelSbergcr Jugend auf einen Monster-MajestätSbeleidigungS In der Grube eingeschlossen. Auf der lflg-Metersohlc des Schachtes 1 der Zeche „Friedrich Heinrich" in L i n t f o r t bei Mörs sind Mittwoch- morgen im südlichen Querschlag durch Zubruchgehen einer Strecke vierzehn Mann eingeschlossen worden. sämtliche Leute sind am Leben und können sich mit de« Rettungsmannschaften, die sofort in Tätigkeit traten, der- ständigen. Auch verletzt wurde, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, n i e m a n d. Der Kampf um das Kind. Ein Mittel gegen den Geburtenrückgang glaubt der Landrat des Kreises L i e g n i tz gefunden zu haben, und erließ darum flugS an die Standesämter seines Bezirks folgende Verfügung: „Liegnitz, 4. Juni 1913. Die durch die standesamtlichen Veröffentlichungen in den Zeitungen bekanntgegebenen Adressen von Brautleuten, jungen Eheleuten und Familienvätern, sind mehrfach zu Angeboten von Druckschriften und Mitteln, die die Verhütung von Kindersegen zum Ziel haben, benutzt worden. Das all» gemeine Volkswohl wird dadurch geschädigt. Die Veröffentlichung mit NamenSangabe in den Z e i t u n- gen über Aufgebote, Eheschließungen und Geburten, wie etwaige Auskünfte haben daher in der Folge zu unterbleiben. Ich lmbc nicbts dagegen einzuwenden, daß der Tagespresse die Zahl der Aufgebote, Eheschließungen ohne Siamens- nennung, sowie unter Namensangabe auch die Todesfälle mitgeteilt werden. Freiherr v. Scherr-Thoß." Freiherr v.Scherr-Thoß ist sicherlich ein schlechter Seher ge- Wesen, ivenn er etwa als Wirkung seiner Verfügung eine Stei- gerung der Geburtenziffer im Liegnitzer Kreise voraussah. Was aus wirtschaftlichen Ursachen basiert, läßt sich mit solchen Mittelchen nicht aus der Welt schaffen. Und die Geschäftsleute, deren Re- klame unterbunden werden soll, brauchen ja auch nur vor die Aus» Hängekästen der Standesämter zu gehen, um dort das allerbeste Adressenmaterial für ihre Zwecke zu finden. Tie landrätliche Ver» fügung wird so ihren Zweck verfehlen, und nur die braven Spießer uns Klatschbasen ärgern, die gar zu gern die intimen Angelegen- heilen ihrer lieben Nächsten zu fader Zungendrescherei verwenden. Kleine Notizen. Schweres Brandunglllck. Durch Großfeuer wurde in der Ortschaft B e n t k i r ch e n bei Brilon das stattliche Gehöft des Land- ivirts Lange vernichtet. Fünf Kinder erlitten schwere, zum Teil lebensgefährliche Brandwunden, und konnten nur mit großer Mühe aus den Flammen gerettet werden. Sie wurden in das Krankenhaus in Brilon transportiert. Ein neuer Flugrekvrd. Während der Wiener Flugwoche hat der Flieger I l l n e r am Dienstag einen neuen Höhen» retard aufgestellt. Er stieg mit zwei Passagieren bis zu einer Höhe von 4999 Metern in die Lust. Dvnamitcxplosion. In der französischen Ortschaft Licq» A t h e r c y bei Pau wurden durch eine Dynamitexplosion zehn bei dem Bau eines Elektrizitätswerkes beschäftigte Spanier verwundet, darunter fünf tödlich. Masscnerkrankungen an Trichinose. In der russisch-polnischen Ortschaft Zychlin sind 36 Personen an Trichinose er» krankt. Fünf von ihnen sind g e st o r b e n. Lrlefkaften der Redaktlon. »le I»NstIs«r e»re«ft»»de flnbrt SlnUnfltate 69, vor« vier rrevvr« — Fahrst«»»—, wochentigllih von*V4 bis 7>4 Uhr ade» de, Sonnadrnd», von Oi die 8 Uhr abends statt. Feder für de« Brieflasten veftwimten Anfrage ist ein vachftav«»nd eine Zahl«l» Meriieickien beizufügen. Briefliche Antwort wird«ich« rrtrflt.»«frage«, dene« keine Rbo»nemenlSa»itt»ng beigefügt tft, Verden»ich« beantwortet,«eilige Fragen»rage man»«»er»vrechftnnvr vor. E. 1S13. Universitätsklinik in der Zlegclftratze.— W. E. H. ZZ. Saarburg.— ff. R. 951.>54. Die Vorbildung eine» Fachmannes. Nach aktiver Dienstzeit Kapitulation und Kursus.— E. SZ. Vielleicht In der öffentlichen Bibliothek und Lesehalle, Adalbcrtsir. 41.—®. 87. Charit» oder Klinik In der Ziegelstrahe.— 95t.®. 100. Zentralkonnnisfion der Krankenkassen, Alexanderstr. 39/40.— St. St. IL«. 1. und 3. Bataillon, Posen. 2. Bataillon, Schrimm.— VorwärtSlesrr. Ersuchen Sie die Meierei Bolle um Auskunst.— O. P. 80. HauSarzwerein Otto Wälle, Brunnenstr. 84.— B. 100. Fachzeitung für Grundbesitzer. Siehe Ad reg» buch, II. Teil.— ff. W. 100. 1. Msihlheim in Baden und in Dieben» Hofen. 2. Bezirkskommandv, General, Pape- Str. 3. Mündlich.— Filiale. Wenden Sic sich an den Genossen Börner, Ritterftr. 15.— M. Sch. H. Ssidcnde bei Berlin, Lindcnstr. 2.— 100 L U Das glauben wir nicht. Im übrigen sind uns die Familienverhältnisse nicht bekannt.— P. G. 59. Die Redaktion de».Fachgenossen", Organ der GlaSarheiter, Berlin, Gohler- ftrane 29, wird Ihnen auf Anfrage Auskunst geben. K. B. 45. Ersuchen Sie den Anwalt um Erteilung einer Abschrift de» Honorarscheins und übermitteln Sie uns denselben mit einer nochmalige» Anfrage.— 95t. 8. Sie können bei den Einwohnermeldeämtern, wo Sie den Ausenihalt vermuten, ai» auch bei der Behörde de«.HeimatSorie« an» fragen. Die Auskunstsgebühr kostet in jedem Falle 25 WS 60 Pf. Per» soncn, die sich mit derartigen Sachen befassen, empfehlen wir nicht.— G. W 8. I. 4 Wochen nach der in dem Pfandschein vermerkten Versall- zeit. 2. und 5. Rein. 3. Etwa 7 Mark. 4. Da« kann geschehen. 5. Ja, und zwar 3,50 Mark. 7. Ja, Sie würdet« noch bis einschliesslich Kalender» fahr 1914 kirchensteuerpslichttg bKiben.— A. R. 1880. Ja.— W. St» 3. Unseres Trachtens ja, versuchen Sie es mit einer Klage.— 951. 13. Nein.— D. 30. Da» ist zulässig, sosern Sie im Kalenderjahr 1912 länger als 10 Wochen ohne Beschäftigung gewesen find.— O.. M. 00. Di« Frage lägt sich nur beantworten, wenn Sie uns die Gesamtzahl der geleisteten Beitragsmarken, serner auch da« Ausstellung»- dawm der letzten OuittungS karte und außerdem die Anzahl der in der letzten Outtwngkarte befindlichen Marken genau mitteSrn. Witterungsübersicht vom 18. Juni 1013. Gtatwueu B bI C J | c 2 sS Swwemde. 763NNO Hamburg l7ggr>SO Berlin 176,13 Franks. a.M.7klSW München 764 S Wien>764! SSO «euer I heiter l halb bd. l bald bd. liDrntst l.wolkenl Iwolkenl! 17 cS, »tatlonen taparanda etersburg 7 NO Scillh' Aberdeen Paris vett», Sbedeckt 1 bedeckt 2 halb bd. Dunst Äedecki Ä ti MS, 8 8 13 11 19 Wetterprognose für Donnerstag, den 10. Juni 1013. Zunächst sehr warm, vielsach wolkig bei meist schwachen südliche» Winden;«»was Regen mit Gewitterueigüng: nachher kühler. Berliner W etterboreau. Wasierftands-Siachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M-mel. Tilsit Prezel. Jnfterburg Weichsel. Thorn Oder, Rattbor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , varby , Magdeburg �°R��rf.��naw ÜS fcU Itötan onfl«- Prozeß gefaßt machen..-)-st bedeute. Wuchs.- Ffall.- Un,«Pegel