Nr. 153. Bbonncmcnts-Bcdingungen: Ktonnemciilä- Preis pränumerando: Pierteljährl. S.Z0 Mk, monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags- nummcr mit Mustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" lg Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungz. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn Z50 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Kumünien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Nie Inferfions-Gcbülfr Beträgt für die sechsgespaltcne Koloncl. zeile oder deren Raum Lg Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versnmmlungs-Anzeigeii l» Pfg. „kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zuliisstg 2 fettgedruckte Worte), icdes weitere Wort 10 Psg. Stellengesiiche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte. Anserale sür..die nächste illummer müssen bis cllchtliit tZzftch. Verlinev VolklsblsK. - Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeditioil ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: »Sniillitmllitt Berlin"« Zentralorgan der rozialdemokrat» fchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morit>plat>, Nr. IS8S. Freitag, den 20. Juni 1913. Expedition: 8Al. 68» �indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritsplap, Nr. 1981. Diktator Militarismus. � Eine ungeheuerliche Milliardenlast hält der unersättliche Militarismus in Bereitschaft, um sie zu den übrigen Mil- liardcnlasten dem geduldigen deutschen Volke auf den Rücken zu legen. Herausfordernd traten die Wortführer der Rüstungspolitik auf den Plan: Her niit den Soldaten! her mit dem Gelde! So will ich's, so befehle ich's! Wird der Herrscher Militarismus nach Gründen gefragt, so zeigt er verächtlich feine breite Rückenfront. Was bedarf es der Gründe, wenn ein Aufftampfen mit dem Säbel die biirger- lichen Parteien zusammenfahren und die Hände an die Hosen- uaht legen läßt: Zu Befehl, Herr Militarismus! Zwar ist den strammstehenden bürgerlichen Parlame>üa- riern nicht ganz wohl bei der Sache. Die Forderungen sind zu maßlos, allzu scharf macht schartig, sie fürchten das Wieder- sehen niit den Wählern, die die neue goldene Last noch zu den anderen Lasten tragen sollen. Darum möchten sie ihnen als Entschädigung für die großen Opfer, als Balsam für die wunden Portemonnaies wenigstens einige volksfreundliche militärische Reformen als Gegengabe mitbringen. Mitbringen? Ach nein, so weit geht bürgerlicher Edel- mut nicht, solche Zumutungen wagt er dem heiligen, unfehl- baren Oberbefehlshaber Militarismus nicht zu stellen. Aber einige harmlose Versprechungen von ihm, daß er geneigt sei, dermaleinst, wenn ihm sinn und Laune danach stehen, viel- leicht der Erwägung näher zu treten, ob hier oder da refor- miert werden könne, dieses weltbewegende Zugeständnis möchten sie gern von ihm haben. Mit dem jetzigen Militär- gesetz die gewünschten Reformen unlösbar zu verbinden durch Einfügung gesetzlicher Bestimmungen— um des Himmels willen! Jedes echt soldatische ReserveoffiziersherK tan�t bei solchem Ansinnen an die Selbstherrlichkeit des Militarismus vor Angst einen tollen Cancan. Rur einige zahnlose Reso- lutionen, die dem Militarismus nicht wehe tun können, die möchten sie als Siegesbeute triumphierend nach Hause tragen. Aber der Militarismus kennt seine Pappenheimer. Es fällt ihm nicht im Traum ein, auch nur solche harmlosen Zu- geständnisse zu machen. Er sammelt allen hochmütigen Spott, den er zur Verfügung hat, auf seinen Lippen und— schweigt! Nicht einmal die Mühe gibt er sich, auf Resolutionen und neugierige Fragen zu antworten. Insofern bildete die Donnerstag fitzung des Reichstags einen Höhe- Punkt— richtiger vielleicht: einen Tiefpunkt der militärischen Kastenüberhebung, die sich in diesen Wochen Tag für Tag im Reichstage breit macht. Allgemeine Wehrpsticht— gut! Sie soll sein, die Sozial- demokratie bestreitet nicht ihre Notwendigkeit, will ihre Ver- wirklichung sogar erst durch die Forderung der Wehrhaftigkeit des Volkes herbeiführen. Aber hebt die allgemeine Wehr- Pflicht die allgemeine verfassungsmäßig verbürgte G e s i n- nungs- und Gewissensfreiheit der Staats- b u r g e r auf? Das Recht und die Pflicht, für Volk und Vaterland mit Gut und Blut einzustehen, wenn eine schwere Stunde das einmal fordern sollte, ist wurzelhaft vereint niit dem Recht und der Pflicht, für Volk und Vaterland in den Zysten des Friedens mit Wort und Tat zu wirken durch die Beteiligung am politischen Leben. Das eine schwebt ohne das andere in der Luft. Was aber nimmt sich die neudcutsche Kriegerkaste heraus? Sie zwingt das Volk, ihre schwere Rüstung zu trogen, sie zwingt lcden gesunden Menschen zum schweren Heeresdienst. Zugleich aber raubt sie jede in in eine Uiilforni gesteckten Staatsbürger sein vor« n eh m st es Recht, seine wichtigste Pflicht. seine Freiheit des politischen Denkens. Mit welchem Reckste? Es gibt kein noch so armseliges Stück Papier, mit dem die Heeresverwaltung ihre Verneinung der Fundamente staatsbürgerlicheii Zusammenarbeitens recht- fertigen konnte. Mit zorniger Erbitterung Ihaben unsere Rediler Heine, V 0 g t h c r'r und Giebel am Tonners- tag der Heeresverwaltung die absolutisiischeil und militaristi- scheu Argumente,� niit denen sie ihren verfassungswidrigen Eingriffen in die Gesiilnungs» und Glaubensfreiheit der Staatsbürger ini Waffenrock notdürftig und von oben herab einen Schein von Recht geben will, aus den Händen geschlagen. Schutz des Vaterlandes, Schutz der friedlichen Arbeit— jawohl! Bei einem Volkshcer wäre beides am sichersten auf- gehoben.. Ter selbstherrliche Diktator Militarismus aber. der sich bis an die Zähne waffnet. uin schon furchterregend mit den Waffen zu klirren, wenn nur irgendwo auf der Welt einem deutschen Geldverleiher die Zinsen nicht rechtzeitig ge- zahlt werden, der seine ständigen kostspieligen Aufrüstungen mit der Notwendigkeit begründet, dem deutschen Volke den Frieden zu fleißiger Arbeit zu erhalten, derselbe Militaris- mus führt jahraus jahrein einen schamlosen Krieg mit Taufen- den und Abertausenden der deutschen Staatsbürger und Steuerzahler. Mit dein ungeheuren Uebergewicht seines wirtschaftlichen und moralischei, Einflusses greift er in die iriedl'che Erwerbsarbeit ein. ächtet er Männer und Frauen, die seiner überlebten, rückständigen, vorurteilsvollen Welt- anschauung seiner monarchisch-obsolutistischen Politikasterei nicht den von ihn, verlangten Tribut zollen. Jeder Kauf- wann, jeder Gewerbetreibende, jeder Arzt, jeder Rechtsanwalt, vor allem aber jeder Saawesitzer. der eine Nase hat. die irgend- einem höheren Uniformträger nicht paßt, wird auf die schwarze Liste gesetzt, wird geächtet; kein Soldat darf ihm einen Pfennig seiner armseligen Löhnung zukommen lassen. Wer gibt der Heeresverwaltung das Recht, über Ge- werbetreibende mit unbequemer politischer Gesinnung die Sperre zu verhängen? Nicht ein noch so dürftiges Fetzchen Papier existiert, mit dem die Militärverwaltung ihre skanda- löse Schädigung fleißiger Steuerzahler rechtfertigen kann. Tie Militärverwaltung hat sich überhaupt nicht uni die Politik zu kümmern, das ist nicht ihres Amtes, das steht ihr nicht zu, davon versteht sie nichts. Noch viel weniger hat sie ein Recht und auch nur den Schiininer von Fähigkeit, über politische Parteien zu Gericht zu sitzen und die einen zu den Böcken, die anderen zu den Schafen zu Wersen. Nur die unerhörte Anmaßung des preußisch-deutschen Kommißgeistes darf sich diese schnöden Vergewaltigungen und Eingriffe in das bürgerliche Erwerbsleben herausnehmen. Wenn es eine Entschuldigung dafür gibt, so liegt sie in der unerhörten Feigheit und Selbstentrechtung der bürgerlichen Parteien, die sich solche Uebergriffe und Beleidigungen ge- fallen lassen. Mit leidenschaftlicher Entrüstung haben unsere Genossen, besonders Genosse Frank, am Donnerstag den Militaris- inus in seine Schranken gewiesen. Eine namentliche Abstini- mung am Freitag wird zeigen, wie viele bürgerliche Abgc- ordnete den Mut haben, der Sozialdemokratie in ihrem Kampfe für die elementarsten staatsbürgerlichen Rechte und gegen den militaristischen Terrorismus zu folgen. vsz Mitzfkuergdetz. Die Budgetkommission des Reichstages setzte am Donnerstag die Beratung des Besitzsteuergesetzes fort. Eine leb- hafte Debatte zeitigte ein Antrag der Nationalliberalen, das Wert- zuwachssteuergesetz vom 14. Februar 1911 am 3L Dezember 191B ausier Kraft zu setzen. Gleichzeitig forderte der Antrag, daß die Einführung von Zuwachs st euer-Ordnun gen durch Gemeinden und K 0 ni m u n a l v e r w a l t u n g e n der staatlichen Genehmigung bedürfen. Eine Aeutzerung des Schatzsekretärs konnte dahin ge- deutet werden, als ob zwischen einzelnen bürgerlichen Parteien und der Regierung die Beseitigung des Zuwachssteuergesetzes bereits vereinbart worden sei.— Genosse S ü de k u m forderte deshalb vom Schatzsekretär eine nicht mißzuverstehende Erklärung.— Genosse H a a s e betonte für die Sozialdemokraten, daß sie zwar dem Zuwachssteuergesetz vor zwei Jahren nicht zugestimmt hätten, aber jetzt die Aufhebung nidst gutheissen und mitmachen könnten. Die Gemeinden erhalten 49 Proz. von dem Ertrage aus dem Gesetz. Ihnen diese Einnahmen zu nehmen, würde heißen, in ihre Finan- zen eine neue Verwirrung hineinbringen, ebenso auch in den Grund- stücksverkehr der Gemeinden. Im Interesse der Gemeinden müsse der Antrag der Nationalliberalen also abgelehnt werden.— Schatzsekretär Kühn gab die Erklärung ab, daß in absehbarer Zeit die Regierung nicht an die Aufhebung des Zuwachssteuergesetzes denke. Sollte die Vermögenszuwachssteucr beschlossen werden, müßten naturgemäß beim Zuwachssteucrgesctz einige Acndcrungen vorgc- nomincn werden. Der nationalliberalc Antrag wurde gegen die Stimmen der Antragsteller und der Volksparteilcr abgelehnt. Debattelos wurde ein sozialdemokratischer Antrag an- genommen, wonach Zuwachsteile unter 1999 M. bei der Feststellung des steuerpflichtigen Vcrmögcnszuwachscs unberücksichtigt bleiben. Tic Nationalliberalc» drückten dann gegen die Stim- men unserer Genossen Bestimmungen durch, wonach die Feststellung des Vcrmögcnszuwachscs erstmalig statt am 1. April 1916 am gleichen Datum 1917 erfolgt für den in der Zeit vom 1. Januar 1914 bis 31. Dezember 1916 entstandenen Zuwachs, und dann sollen in Zcitabständcn von je drei Jahren, statt zwei Jahren, die Fest- stellungen des Zuwachses vorgenommen werden. Einstimmige Annahme fand auch folgender sozialdemokratischer Antrag:„Als Wert des steuerbaren Gesamtvcrmögcns am 1. Januar 1914 gilt das nach dem Wehrbeitragsgesetz festgestellte G e s a in t v e r in ö g c n, soweit seine Feststellung den Vorschriften dieses Gesetzes entspricht." Es folgte dann die Beratung der Steuersätze. Im Eni- wurf der Regierung wird vorgeschlagen, bei einem Zuwachs von nicht mehr als 26 999 M. 9,5 v. H. zu erheben und dann steigend bis 1.5 v. H. bei einem Zuwachs von mehr als einer Million Mark. Uebcrsteigt der Gesamtwert des steuerbaren Vermögens 199 999 M., so erhöht sich der Steuersatz um 9,1 v. H. Der Extrazuschlag erhöht sich bis auf 1 v. H. bei Vermögen von 19 und mehr Millionen. Die Subkommission hat die Skala verkürzt und den kleineren Zu- wachs stärker herangezogen. Das Ergebnis der Arbeiten der Sub- kommission ist in diesem Antrag Südekum niedergelegt: Tie Steuer beträgt für den ganzen Erhebungszeitraum bei einem steuerpflichtigen Vermögenszuwachs von nicht mehr als 59 999 M. 0,75 Proz. des Zuwachses mehr als 59 999— 199 999, 9,99, .. 100 900— 899 909„ 1,95.„ ., 300 999— 599 009, 1 29 .. 590 900-1909090. 1,35„. .. 1 999999. 1,59... Der Extrazuschlag für Vermögen von über 199 999 Mk. bleibt bestehen. Die neue Staffelung wird schätzungsweise eine Summe von 104 bis 100 Millionen bringen. Zentrum und Konservative wandten sich gegen die neue Staffel, weil angeblich der Vermögenszuwachs durch Erbschaften hart belastet werden würde; eine Auffassung, die Genosse Frank als durchaus irrig Nachwies. Die ungemein weitgehende Scho- nung, die durch frühere Beschlüsse der bürgerlichen Mehrheit ge- rade dem Zuwachs aus Erbschaften zuteil geworden sei, schließ: eine harte Belastung aus.— Genosse H a a s e gab die Erklärung ab, daß die Sozialdemokraten sich für die zweite Lesung vorbehalten, eventuell andere Anträge zu stellen, da die Tragweite der neuen Staffelung momentan nicht genau zu übersehen sei.— Gegen die Stimmen der Konservativen und einiger Zentrumsal>geordneten wurde der Antrag Sude- k n in angenommen. Das Zentrum beantragte, den folgenden neuen Paragraphen in das Gesetz einzufügen:„Hat der Steuerpflichtige ein steuer- bares Vermögen von weniger als hunderttausend Mark, so ermäßigt sich seine Steuer um je fünf vom Hun- dert für das dritte und jedes weitere minderjährige Kind." Genosse Südekum glaubte, daß die Grenze von 199 999 Mark doch zu hoch gegriffen sei; 59 999 Mk. dagegen sei akzeptabel, lieber einen gewissen Schutz des Mittelstandes dürfe die Bergün- stigung nicht hinausgehen.— Abg. Graf P r a s ch m a betonte demgegenüber, daß die Grenze von 199 999 Mk. noch nicht einnial hoch genug gesteckt sei. Kinderreiche Familien müßten ohne jede Rücksicht auf die Höhe des Vermögens begünstigt werden.— Abg. G o t h e i n erklärte für die Volksparteiler, daß sie sowohl den Zentrnmsantrag. wie den des LIbg. Südekum ablehnen würden. Es liege gar keine Veranlassung dazu vor, mit deni Gedanken der „sozialen Gerechtigkeit" zu operieren, wenn tatsäckilich ein hoher Vermögcnszuwachs zu verzeichnen sei. Von tzer Steuer würden doch nur Familien betroffen, die wirtschaftlich sehr gut prospc- deren, bei denen eine Begünstigung also unverantwortlich sei, zu- mal es sich um kleine Steuerbeträge handele.— Im gleichen Sinne sprach Abg. P a a s ch c.— Genosse Hause stimmte diesen Darlegungen zu. Vom Vermögenszuwachs könne doch der ganze Unlerhalt für die gesamte Familie abgezogen werden, die Steuer werde also nur vom reinen Zuwachs erhoben. Die Sozial- demokraten lehnten deshalb jede Begünstigung ab. Der Antrag Südekum sei nur ein Eventualantrag zum Antrag des Zentrums. �— Slbg. Erz berger beantragte, die Begünstigung, die der Zcntrumsantrag herbeiführem wolle, von 5 auf 19 vom Hundert zu erhöhen.— Der Antrag Südekum wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Voltsparteiler abgelehnt; ebenso der Antrag Erzberger gegen die Stimmen des Zentrums und der Konservativen; dagegen der Ze n t r u m S a n t r a g gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Volksparteilcr a n g e n o m m e n. Trotzdem für die Nationalliberalen Abg. P a a s ch e gegen die vom Zentrum beantragte Begünstigung ge- sprachen hatte, stimmten sie dann für die Begünstigung. Die Feststellung des Vermögens erfolgt nach dem gemeinen Wert, sofern nicht, wie durch den§ 28. Ausnahmen zugelassen sind. So können laut Entwurf bei Grundstücken die GestchungS- kosten abgezogen werden, darunter Aufwendungen für das Grund- stück und Abnutzungen. Beim Erwerb durch Erbschaft gilt nicht der gemeine Wert, sondern der Ertragswcrt. worunter das 25fache des Reinertrages zu verstehen ist. Dasselbe gilt auch beim Er- werb von Grundstücken, wenn der vereinbarte Preis um mehr als 19 vom Hundert hinter dem gemeinen Wert zur Zeit des Erwerbs zurückbleibt. Diese Bestimmung würde in erster Linie den Besitzern von solchen Vermögen zn- gute kommen, die in landwirtschaftlich benutz- teil Grundstücken angelegt sind.—' Die Nationallibc- ralen beantragten, daß auch bei Grundstücken, die W o h n- zwecken oder gewerblichen Zwecken dienen, der Ertrags- wert angerechnet wird, tvic bei den landwirtschaftlich benutzten Grundstücken, falls sie durch Erbschaft erworben werden.— Ab- geseben von einer kleinen Aeirderung wurden die Bestimmungen im Entwurf angenommen und die Wcitcrberatung auf Freitag vertagt. Aahliieg in Holland. A m st e r d a m, 18. Juni.(Eig. 95er.) Die Sozialdemokratie hat bei den gestrigen Wahlen zur Ztveitcn Kammer im ganzen 144 375 Stimmen aufgebracht und damit ihre 82 000 vom Jahre 1909 um niehr als 02 000 überholt. Bringt man sich ins Gedächtnis, daß wir im Jahre 1897 zum ersten Male nach der Ausdehnung des Wahlrechts an den Wahlen teilnehmen konnten und damals nur 13 000 Stimmen musterten, daß diese Zahl 1901 auf 39 000, 1905 auf 65 000, 1909 auf 82500 stieg, dann erst erfaßt mau die ganze Bedeutung des jetzigen Sprunges auf 144 000. Dabei vergesse mau nicht, daß in Holland das Wahlrecht noch bei weitein nicht allgemein ist, sondern den 950 000 Wählern noch immer 450 000 großjährige NichtWähler gegeniiberstehen. Da kann ganz ruhig gesagt werden, daß Holland sich mit diesen Wahlen den Ländern mit hoher sozialistischer Prozcistzahl an- geschlosseu hat. Was die weitere Bedeutung des Tages für unsere Partei anbetrifft, so hat sie jetzt zum ersten Male einen Wahlkreis in der Hauptwahl erobert(den dritten Amsterdamer Kreis, wo Genosse Troelstra gewählt ist), während wir in 2l Kreisen in der Stichwahl stehen(1909 in elf). Von diesen 21 Stich- wählen sind 11 mit Klerikalen und 10 niit Liberalen aus- zukämpsen. Im Jahre 1909 waren von unseren 11 Atich- Wahlen 7 mit Klerikalen und 4 mit Liberalen; damals er oberten wir in der Stichwahl 7 Kreise, und zwar 5 gegen Klerikale und 2 gegen Liberale. Auch jetzt sind uns viele Kreise in der Stichwahl vollkommen gewiß. Von der gegneri schen Presse werden uns als. Mindestzahl schon 11, als Mari mum 18 Mandate zugerechnet; vermutlich wird die Wahrheit in der Mitte liegen. Am Mittwoch der nächsten Woche wird es sich entscheiden. Die Signatur der Wahl ist übrigens eine zerschmetternde Niederlage fiic die bisherige klerikale Mehrheit. Von ihren 69 Mandaten behauptete sie nur 42, und ihre eigene Presse hat keine Hoffnung, daß sie es auf mehr als 46 Mandate bringen wird,»vobei dann noch zwei dissidente Klerikale einbegriffen sind, die zum Beifpiel die Zolltarifvorlage der heutigen kleri- kalen Regierung bekämpfen. Das Abdanken dK Kabinetts ist denn auch schon sicher. Ter Angriff auf den Freihandel. ist abgeschlagen. Das allgemeine Wahlrecht, das auch die liberalen Parteien auf ihr Programm übernommen hatten. hat einen großen Sieg erstanden und wird in der neuen Kammer so gut als gewiß die Zweidrittelmehrheit, zur Ver fassungsrevision notwendig, finden. Auch ist das im letzten Moment von der klerikalem Mehrheit zustande gebrachte Altersversicherungsgesetz von den Wählern verurteilt; das neue Kabinett wird es außer Wirkung lassen müssen und statt dessen die unentgeltliche, prämienfreie Staatspensionierung einzuführen haben. Möchten eventuell die Liberalen in einer dieser Hinsichten ihrem Programm zuwider handeln, so würde ihnen unsererseits die schärfste Bekämpfung bevorstehen. Einige Einzelheiten zu unserem großen Erfolg seien noch mitgeteilt. In Anisterdam brachten wir seit 1999 unsere Stimmenzahl von 13 669 auf 26 536(99 Proz.), in Rotrer dam von 6997 auf 14 137(135 Proz.), im Haag von 3698 auf 8961(169 Proz.), in Utrecht von 2163 auf 4216 (199 Proz.), in Haarlem sogar von 989 auf 2766(189 Proz.), IN Rotterdam besonders ist das Resultat überwältigend. In dieser großen Hafenstadt, wo es uns b isher infolge des schlechten Wahlrechts noch nie gelang, ein Mandat zu er ober», kommen wir jetzt in drei von fünf Kreisen in aussichts volle Stichwahl, während uns in einem vierten Kreise noch keine zweihundert Stiinmen fehlen, um auch da die Stichwahl zu erreichen. Dasselbe war in einer Reihe anderer Städte der Fall, so daß wir jetzt schon mit einer noch viel größeren Ausdehnung unserer Mandatenzahl in vier Jahren rechnen können. Der Vollständigkeit wegen erwähnen wir auch noch die Stinunenzahl der Partei der ausgeschiedenen Linksmarristen. Sie erhielt in den 18 Kreisen, in denen sie kandidierte 1345 Stimmen. Heute abend kommt die Parteileitung(Parteivorstand, Kammerfraktion, Redaktion des Zentralorgans) zusammen, uni die Stichwahlresolution des jüngsten Parteitages auszuführen. Sie macht die Stichwahlunterstützung für die Liberalen davon abhängig, ob diese einige Verschärfungen ihres eigenen Programms akzeptieren wollen und uns ihrer- scits auch gegen die Klerikalen, mit denen wir in der Stich- wähl stehen, unterstützen werden. Schon hat am Abend, als das Wahlresultat in einer Amsterdamer Parteiversammlung bekanntgegeben ward, Genosse Troelstra mit aller Deutlich- keit den Freisinn darauf hingewiesen, daß wir nicht gesinnt siud.� mit unseren Stichwahlbedingungen.zu feilschen und daß die Liberalen sich ihrer Verantwortlichkeit bei der Beantwor- tung unserer Fragen nicht genug bewußt sein können. Unnötig zu sagen, daß unsere Erfolge am Abend des Wahltages hellen Jubel in der Arbeiterklasse hervorriefen. Es kam in mancher Stadt zu spontanen Straßendemonstratio- nen, die die Polizei vernünftigerweise nicht störte. politilebe Qchcrücht. Begeisterung, die nichts kostet. Unter den Jnteressentengruppen, die für ihr Vaterland nur schöne Worte haben, sonst aber recht energisch die Tasche zuhalten, stehen die Agrarier an erster Stelle. Dem Reichstag sind die Be- schlösse des Ausschusses der Vereinigung der Steuer, und Wirt- schaftsrc former zu den Teckungsfragen der Wehrvorlage zuge- gangen. Unterzeichnet ist das intereffante Schriftstück von dem Herrenhäusler Grafen v. Mirbach-Sorquitten. Es wird darin versichert, daß die agrarischen Wirtschaftsreformer trotz schwerer prinzipieller Bedenken freudigen Herzens zugestimmt haben, daß ein einmaliger außerordentlicher Wehrbeitrag erhoben wird. Nur stehen sie auf dem Standpunkte, daß hinsichtlich der Einschätzung jede unnötige Belastung vermieden werden muh. Eine unnötige Belastung erblicken die Agrarier be- kanntlich auch darin, wenn sie zur Nachprüfung ihrer Einschätzung ihre Bücher vorlegen sollen. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, dann hätte man es jedem Agrarier überlassen müssen, selbst zu bestimmen, wie hoch der Wehrbeitrag sein soll, dem er seinem Vater- lande opfern will. Mit dem Ertrag hätte der Kriegsminister aller- dings wohl kaum auch nur 100 neue Gewehre kaufen könne», denn die Bescheidenheit auf dem Gebiete des Steuerzahlens ist nirgend so ausgeprägt vorhanden, als wie gerade bei den Agrariern. Mehr Wert legen die agrarischen Wirtschaftsreformer auf den weite- ren Ausbau des Systems der indirekten Steuern. Wenn man das Ausland zum Vergleich heranziehe, so wird aus- geführt, so zeige dieses System sehr bedeutende Lücken. Lege man den besitzenden Klassen zu hohe Lasten auf, so unterbinde man eine kräftige- Weiterentwickelung unseres Wirtschaftslebens. Und nun kommt die ungeheuerliche Behauptung, daß manche Grund- besitzer 40 v. H. ihres Einkommens schon heute an Steuern zu bezahlen haben. Daß das nicht wahr ist, liegt auf der Hand. Wenn die Agrarier wirklich einen Grundbesitzer anführen können, der 40 Proz. seines Einkommens an Steuern bezahlt, dann kann es sich nur um Besitzer eigener Gutsbezirke handeln, die die Kom- munalstener, zu der sie veranlagt werden, an sich selbst bezahlen. Da diese Kommunalsteuern, die eigentlich nur auf dem Papier stehen, bei den preußischen LandtagSwahlen angerechnet werden, so kommt es vor, daß Gutsbesitzer, die mit einer direkten Steuer von 3 M. veranlagt sind, trotz alledem Wähler der ersten Klasse werden, eben weil ihnen die Kommunalabgaben, die sie in der eigenen Tasche behalten konnten, als Steuerleistung angerechnet werden. Wenn man dann weiter bedenkt, auf welch feine Weise die Agrarier ihr Einkommen berechnen, dann kann allerdings ein- mal der Fall eintreten, daß die Steuerleistung, sowohl die direkte, als die fiktive, auf 40 Proz. des angegebenen Einkommens steigt. Dieses angegebene Einkommen ist aber nicht das wirkliche Ein- kommen, denn die Agrarier verstehen es, alles was sie in ihrem Haushalt brauchen, ferner Badereisen, Zuschüsse für die Söhne, die bei der Garde dienen usw., unter die Geschäftsunkosten zu schieben, und dann von ihrem Einkommen abzuziehen. Es ist also xin ungeheuerlicher Schwindel, wenn der Eindruck erweckt werden soll, als ob jemand in der Tat ganz glatt 40 Proz. seines Ein- tommens an Steuern zu bezahlen hätte. Der Inhalt der Eingabe läßt sich dahin zusammenfassen, daß die Agrarier für das Reich eine geradezu unschätzbare Begeisterung zur Verfügung haben, daß sie im übrigen aber den Daumen auf den Beutel halten, und der Regierung den Rat erteilen, sie möge weitere indirekte Steuern einführen. Die Amnestie. Zur Ausführung der Bestimmungen des Amnestie- erlasses schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.":„Im selben Moment, wo der Erlaß in Berlin im„Staatsanzeiger" erschien, hatten die Strafvollstreckungsbehörden und die Gefängnisverwaltungen die er- forderlichen Anweisungen in Händen und konnten mithin sofort ans Werk gehen. Wie sehr die Beschleunigung angestrebt wurde, geht daraus hervor, daß eine jede Strafvollstreckungsbehörde, also auch das kleinste Amtsgericht, seine Gnadenanträge unmittelbar an das Justizministerium einzureichen hat. Die Strafvollstreckungs- behörden sind angewiesen, jede bereits begonnene Strafvollstreckung zu unterbrechen, wenn andernfalls der Gnadenbeweis wirkungslos bleiben müßte." An dem Urteil über den ungenügenden Umfang und die anfecht- baren Ausführungsbestimmungen der Amnestie wird dadurch natürlich nichts geändert. Ter TLehrbeitrag. Ueber die endgültige Gestaltung des Wehrbeitrages finden im Reichsamt noch fortdauernd vertrauliche Besprechungen statt, zu denen nunmehr auch die Regierung Stellung genommen hat. Wie der„Bcrl. Lok.-Anz." hört, hat sie folgende Forderungen aufgestellt: 1. Hinaufsetzung der Höchstgrenze der Einkommen- b e st e u e r u n g auf 10 000 M.; 2 keine Kapitalisierung des Einkommens durch die beschlossene Multiplikation; 3. Er- Mäßigung des Höchstsatzes der Steuer auf 1 Proz., allein- falls auf 1(4 Proz.; 4. bei den Strafen Beseitigung der Ab- erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte, überhaupt eine Milderung der Strafen. Teuerung und Untersuchung dauert fort! Ueber die„Tätigkeit" jener Kommission, die einst zur Untersuchung der Verhältnisse im Vieh- und Fleischhandel eingesetzt worden war, berichtet eine offiziöse Korrespondenz: „Die Vernehmung der Sachverständigen über die Verhältnisse imVieb- und Fleischhandel ist nunmehr beendet. Es sind im ganzen 180 Salbvcrständige in vier Gruppen, und zwar aus Berlin, Süddeutschland, Ost- und Westdeutschland ver« nommen worden. In jeder Gruppe befanden sich Vertreter der Landwirtschaft, des Viehhandels, deS Fleifckergewerbes und von Gemeinden(aber nicht von Konsumenten!). Die Vernehmung jeder Gruppe hat zwei Tage in Anspruch genommen. Zwischendurch fanden durch eine Unterkommission Ermittelungen über die Vieh- preise vom Stall zum Viehhof auf sieben großen Viehmärktcn statt. Das auf diese Weise gewonnene Material wird nun- mehr im Reicksamt des Innern verarbeitet und zu einer systematischen Zusammenstellung verwertet. Im Herbst wird dann die Kommission noch einmal zu- sammentreten und sich entscheiden, ob auf Grund der ge- wonnenen Ergebnisse Vorschläge zur Abstellung vorhandener Mißslände im Vieh- und Fleischhandel zu machen sind. Gleich- zeitig wird auch ein Beschluß darüber gefaßt werden, ob cS angebracht erscheint, das durch die Enquete gewonnene Material zu veröffentlichen." So und davon können die Arbeiter satt werden! Eine Wendung in der Welfeufrage. Nach der Verheiratung der Tochter des Deutschen Kaisers mit dem Sohn de» Herzogs von Cumberland wurde angenommen. daß nunmehr auch der seit dem"Jahre 1866 bestehende Streit zwischen dem preußischen Königshaus und den Cum- berländern beigelegt sei. Die Kundgebungen der Welfenpar- tei deuteten aber auf das Gegenteil hin. Nunmehr scheint doch ein Ausweg gefunden zu fein, auf dem die Streitigkeiten aus der Welt geschafft werden sollen, bei denen es sich in erster Linie um den braun fchweigifchen Thron handelt. Die„Nord- deutsche Allg, Ztg." vom Dienstagabend veröffentlicht an der Spitze des Blattes einen an den Reichskanzler gerichteten Brief des Prinzen Ernst August, des Sohnes des Herzogs von Cumberland, olgenden Wortlauts: „Eure Excellenz beehre ich mich davon in Kenntnis zu setzen, daß mein Herr Vater, Seine Königliche Hoheit der Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, den Eni- schluß gefaßt hat, in der Voraussicht der Aufhebung der Be- fchlüsse de? Bundesrats vom 2. Juli 1335 und 28. Februar ISO? feine Rechte auf die Regierung in dem Herzogtums Braun- schweig auf mich zu übertragen. Der Uebernahme der Regierung in Braunschweig durch ein Mitglied unseres Hauses standen bisher die vorbezeichneten Be- fchlüsse des Bundesrats entgegen. Tie bekannten, meine Per- son betreffenden jüngsten Ereignisse, insonderheit meine Ver- lobung mit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, haben die den Beschlüssen des Bundesrats zugrunde liegende Sach- und Rechtslage geändert. Mit Zustimmung meines Herrn Vaters habe ich meine An- stcllung als Offizier im Königlich preußischen Heere nachgesucht und Seiner Majestät dem Kaiser und Könige Treue und Gehör- sam eidlich gelobt. Tarin liegt das Versprechen, daß ich nichts tun und nichts unterstützen werde, was darauf gerichtet ist, den derzeitigen Be- sitzstand Preußens zu verändern. Diese Sach- und Rechtslage wird in Verbindung mit dem Verzicht meines Herrn Vaters auf den braunschweigischcn Thron nach meiner Ueberzeugung die Aufhebung der früheren Be- fchlüsse de? Bundesrats rechtfertigen. Ich darf mir vorbehalten, eine Verzichterklärung meines Herrn Vaters auf den bvaunschweigischen Thron seinerzeit zu überreichen." Die Welfenfrage entstand bekanntlich dadurch, daß im Jahre 1866 der König Georg V. von Hannover, der Vater des jetzigen CumberländerS, gestürzt und da? Königreich Hannover von Preußen annektiert wurde. Im Jahre 1884 starb dann der Herzog Wilhelm von Braunschweig, ohne direkte Erben zu hinterlassen. Da der Herzog von'Cumberland nächster Thronerbe war, rekla- mierte dieser den braunschweigischen Throüsitz. Am 2. Juli 138S beschloß jedoch der Bundesrat,„die Ueberzeugung der Ver- bündetcn Regierungen dahin auszusprechen, daß eine Regierung des Herzogs von Cumberland in Braunschweig mit den Grund- Prinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung nicht vereinbar sei, da der Herzog sich in einem dem reichsverfassungs- gemäß gewährleisteten Frieden unter Bundesmitgliedern wider- treitenden Verhältnisse zu dem Bundesstaate Preußen befinde, und im Hinblick auf die von ihm geltend gemachten Ansprüche«ruf Gebietsteile dieses Bundesstaats". Am 21. Oktober 188S wählte die braunfchweigifche Landesversammlung dann einstimmig den Prinzen Albrecht von Preußen zum Regenten. Auf loiederholtes Reklamieren und Protestieren deS Herzogs von Cumberland wiederholte der Bundesrat am 28. Februar 1907 seinen Beschluß vom 2. Juli 1886. Nunmehr scheinen die Braunschweiger, wenn ' auch nicht Aussicht auf ein anständiges Wahlrecht, so dafür auf einen richtiggehenden Herzog zu haben. Vom Moloch Militarismus. Infolge der Heeresvermehrung hat der M i li t ä r fi S ku s in der sächsischen Oberlausitz zwei Rittergüter bei Berthelsdorf und Großhennersdorf aufgekauft, um sie zu Remontedepots einzurichten, nachdem er kurz zuvor zu demselben Zweck die Rittergüter Bischdorf und Herwigsdorf bei Löbau zu demselben Zweck erworben hat. Dadurch werden große seither landwirtschaftlichen Zwecken und der Viehzucht dienenden Flächen fruchtbaren Landes zum großen Teil brach gelegt, denn wo seither landwirtschaftliche Produkte erzeugt wurden, sollen sich jetzt Militärpferde tummeln. Eine große Anzahl Bewohner der betroffenen Gegenden haben gegen diese Ankäufe protestiert und besonders darauf hingewiesen, daß durch die große Anzahl neu errichteter Remontedepots in einem dicht bevölkerten Landesteile S ch w i e r i g» ketten in der Versorgung mit landwirtschaft« lichen Produkten entstehen müssen. die sicher auch wesentlich im Preise steigen würden. Außerdem sei auch die Entziehung so großer Flächen Landes für die landwirtschaftliche Bebauung ein schwerer Nachteil. DaS sächsische Mini st erium des Innern hat darauf seine Ermittelungen veranstaltet und aus Grund der Ergebniffe den zahlreichen Beschwerdeführern in Gestalt eines Bescheides eine Ver» tröstung geschickt, in der bestritten wird, daß eine Verteuerung un- entbehrlicher Nahrungsmittel, wie Kartoffeln und Eier, zu be» fürchten sei; im Anschluß daran aber auch ausgefiihrt: Ander? ist freilich die zweifellos eintretende Verminde« rung der Viehhaltung und hiermit der A u s s a l l von Fleisch, vor allem aber der Ausfall von Milch zu beurteilen. Die beiden Güter(die zuletzt erworben) lieferten mehr als 26 Prozent der in der Genosienschaftsmolkerci Herrnhut verarbeiteten Milch, nämlich 620 000 Liter im Jahres» durchschnitt. Da jedoch die im Kleinhandel von der Molkerei ver- kaufte Milchmenge immerhin weit hinter den nach Leipzig und Dresden versandten Molkereiprodukten zurückbleibt, so geht auch hier die Befürchtung eines eintretenden Milchmangels über das Ziel hinaus. Am meisten begründet sind die Befürchtungen der Orts- einwohner, die jetzt Teile der Rittergutsfluren in Einzelpacht haben und die nun damit zu rechnen haben, nach Ablauf der Vertragszeit die Pachtfelde r entweder her- geben zu müssen oder nur gegen eine erheblich hohen Pacht Wetter bewirtschaften zu können. Als solche Einzel» Pächter, von denen mancher seinen Wirtschafts- betrieb auf eine Fortdauer dieser Pachtbeträge eingerechnet hat, kämen allein in BerthelSdorf IIS Per» s o n e n mit etwa 180 Hektar Pachtfläche in Betracht. ES er» scheint daher dringend erwünscht, daß auf diese kleinen Pächter Rücksicht genommen werde.... DaS Ministerium deS Innern muß also zugeben, daß der ge- fräßige Militarismus durch das Aufsaugen der Rittergüter in der betroffenen Gegend einen bedenklichen Notstand gezeitigt hat, wenn es auch so weit wie nur irgend möglich zu beschönigen sucht. Doch hat er nur leere Vertröstungen und seine Antwort an die Be- chwerdeführer so eingerichtet, daß er beim Kriegsministerium nicht aneckt und den Militarismus in seiner Gefräßigkeit auf Kosten der Kultur und der BolkSernährung keine chwierigkeiten bereitet._ Eine Zentrumsdemonstration gegen das Regierungs» jubiläum. In C ö S f e l d i. W. wurden einige Jefuitcnpater ausgewiesen. Sie reisten Montag früh ab. Als die Abreise allgemein bekannt war, wurden— so meldet die „Köln. Ztg."— fast allenthalben Fahnen, die wegen des Kaiserjubiläums aushingen, wie auf Verabredung eingezogen. Von dem festlichen Umzug, der den Glanzpunkt der Jubiläumsfeier bilden sollte, blieben die katholischen Vereine fern. Auch die übrigen Vereine konnten durchweg nur wenige Getreuen um ihre Banner scharen. Sozialdemokratische Betätigung eines Soldaten. Vor dem Kriegsgericht Erfurt stand am Mittwoch de« Gefreite Otto K. vom 19. Artillerieregiment in Erfurt unter der Anklage der Betätigung antinationaler Ge- s i n n u n g und der Sachbeschädigung. � Diese nmstürzlerischen Taten hatte ein sogenannter„vaterländischer" Turner denunziert. Der Angeklagte war schon vom Standgericht des- wegen zu drei Tagen strengem Arrest und 1 M. Geldstrafe verurteilt worden, doch hatte der Gerichtsherr Berufung eingelegt, weil die Bestrafung nicht den Bestimmungen des Gesetzes entspreche. Und nun die Ursache der Aktiven: Der Angeklagte war am zweiten Osterseiertage in seinem Heimatsonte Rothenstein bei Jena auf Urlaub gewesen und war hier mit Bekannten zusammengetroffen. die früher, wie er selbst, der freien Turnerschaft angehörten, dann aber ins„vaterländische" Lager binübergewechsclt waren. Der Angeklagte soll ihnen wegen dieses Gesinnungswechsels Vorhaltun- gen gemacht haben und dabei auch ein Abzeichen des„nationalen" Turnvereins beschädigt haben. Ein„teutscher" Turner hatte bei der Vernehmung ausgesagt, es seien deshalb Turner aus der Freien Turnerschaft ausgetreten, iwil ihr so viele Sozialdemo- traten anghörten. Ferner hatten„t e u t sch e" Turner den An» geklagten denunziert, er habe als Soldat mit Mitgliedern der„sozialdemokratischen" Freien Turnerschast verkehrt und aus dem„sozialdemokratischen Liederbuche" Lieder mit» gesungen. Dem Angeklagten wurde von seinen Vorgesetzten das Zeugnis eines tüchtigen Soldaten mit einwand» freier Führung ausgestellt. Der Anklagevertreter hielt für„erwiesen" daß die Freie Turnerschast sozialdemokratisch sei; das sei auch„amtlich bestätigt' worden. Also habe sich der Angeklagte der Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung schuldig gemacht. Da? Gericht erkannte wegen U n g e h o r s a auf drei Tage Mittelarrest und 3 M. Geldstrafe. st und 3 M. Geldstrafe. pseue Spannung auf clem Balkan. ITT S Der Waffenerfolg über die Türkei hat das Selbstbewußt- sein der Balkanstaaten gewaltig erhöht. Der einstige mächtige Protektor. Rußland, bekommt das jetzt sehr zu fühlen. Sein Konferenzvorschlag ist zwar formell von den einzelnen Regie- rangen angenommen worden.- aber weder Serbien noch Bulgarien beeilen sich, ihre Ministerpräsidenten nach Petersburg zu senden. 5!och größere Schwierigkeiten machen sie aber in der Demobilisierungsfrage. Statt der Abrüstung werden vielmehr strategische Verschiebungen der Truppen vorgenommen, die bei einem etwaigen Ausbruch der Feindseligkeiten in möglichst vorteilhaften Posi. tionen stehen sollen. Dabei operieren die serbische und griechische Armee offenbar nach einem gemeinsamen Pigj, gegen Bulgarien. Ein sehr wichtiger Friedensfaktor ist freilich die Tatsache, daß es allen Staaten an dem zum Kriegsjjjjj.� so notwendigen Gelde fehlt. Es wäre ein frevelhaftes Spiel. wenn sich die Balkanvölker um nationalistischer und dynastischer Phantome willen zum Verbluten brächten und den Frieden Europas wieder vor eine Katastrophe stellten. Ein blutiger Zwischenfall. Sofia, 19. Juni. Zwei Bulgaren aus dem Torfe Bogdankzi im Distrikte von Gewgeli flohen infolge von Bedrückungen durch die Serben in der Richtung auf den nächsten bulgarischen Posten. Die serbischen und griechischen Truppen schössen auf sie und auf den bulgarischen Posten, der das Feuer erwiderte. Ein serbischer und ein griechischer Soldat wurden getötet; die Bulgaren erlitten keine Verluste. Der srrbisch-bulgarische Zwist. Sofia, 13. Juni. Die bulgarische Antwort auf die serbische Forderung nach Revision des Bündnisvertrages wird morgen überreicht werden. Sie widerlegt Punkt für Punkt alle von der serbischen Regierung zugunsten ihres Verlangens ange- führten Argumente und stellt peremptorisch fest, daß Bulgarien keine seiner vertragsmäßigen Verpflichtungen vernachlässigt habe. Die Antwort lehnt jede Aenderung des Bündnisvertrages ab. Die ganze serbische Argumentation sei von dem bereits vor dem Kriege ge- hegten geheimen Wunsche inspiriert, die von Serbien zu erwerben- den Gebiete auf Kosten Bulgariens auszudehnen. Belgrad, 18. Juni. Das Regierungsorgan„Samouprava' er- klärt, daß der bulgarische Antrag, betr. den russischen Schiedsspruch, nicht als Antwort auf die letzte serbische Note betrachtet werden könne. Durch diesen Antrag weiche Bulgarien der direkten Be- antwortung des serbischen Vorschlags über die Demobilisation aus. Die von Bulgarien angeführte siebentägige Frist sei zu kurz, um eine Revision des serbisch-lmlgarischen Bündnisvertrages, der rechtlich nicht mehr in Kraft stehe, durchzuführen. Von bulgarischer Seite werde immer nur auf aus dem Vertrage resultierende Rechte Bulgariens hingewiesen. ES sei aber die Tatsache übergangen, daß Bulgarien die Pflichten, durch die es Vcrtragsrechte erwerben sollte, nicht erfüllt habe. Serbien und Bulgarien befänden sich im Ver- hältnis zweier Kompagnons, von denen der eine auf Ucberlassung des vertragsmäßigen Gewinnanteils besteh«, obwohl er den Vertrags- mäßig zu leistenden Kapitalsbeitrag für das Unternehmen nicht geleistet Hab«. ES sei undenkbar, daß irgendein Gericht auf der Welt eine so monströse Forderung als berechtigt anerkennen könne. Bulgariens neueste Balkanpolitik. Sofia, 18. Juni. Die offiziöse„Bulgaria" schreibt: Die Regierung ist der treue Interpret der Gefühle der Nation, wenn sie bestrebt ist. mit der T ü r k e i freundschaftliche Be- ziehungen herzustellen und die schwebenden Fragen auf fried- lichem Wege zu lösen. Gegenüber Rumänien wird sie daS Petersburger Protokoll zur Durchführung bringen und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern enger knüpfen. Im Rahmen des Allianzvertragcs mit Serbien wird sie dessen Durchführung verlangen und jeden Gedanken an eine Konzesston zurückweisen. Die bulgarische Nation und die Regierung hoffen, daß der Schiedsrichter ein Urteil fällen wird, welches nicht die Ambitionen, sondern die vernünftigen Interessen der beiden Parteien befriedigt. Was Griechenland betrifft, so muß dieses vor Beginn der Unterhandlungen die Gebiete räumen, die es nach der Ver- schiebung der bulgarischen Truppen nach dem thrazischen Kriegsschauplatz widerrechtlich besetzt hat. Massenverbannuilg ans Konstantinopel. Konstantinopcl, 18. Juni. Der Militärgouverneur von Kon- stantinopel veröffentlicht eine Liste der Personen, die nach Sinope deportiert wurden, weil sie durch Wort und Schrift die Gemüter zu erregen suchten und eine Gefahr für die Hauptstadt bildeten. Unter den Deportierten befinden sich 60 Beamte, 7 Advo- katen, 8 Journalisten, einige Aerzte und Professoren. 13 Nicht- muselmanen, 150 muselmanische Krämer und Handwerker, 2 frühere Brigadegeneräle, ein früherer Oberst und 10 frühere Offiziere. Falschmeldungen. Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht in seiner Jagd nach Sensationen ein Telegramm seines Petersburger Korrespondenten, wonach der Abgeordnete der zweiten ReichSduma O h s o l ein ..Spitzel des PolizeidepartementK gewesen sei und eine ganze Reihe lettischer Sozialdemokraten an den Galgen gebracht habe". Ferner werde auch der sozialdemokratische Schriftsteller I a n s o n von den lettischen Blättern als Spitzel bezeichnet. Seine Mitteilungen über Ohsol schöpft das„B. T." aus dem„bedeutenden liberalen" lettischen Blatt„Dsimtenes Westnests", daS mit den unanständigsten Mitteln die lettische Sozialdemokratie bekämpft, und von den demo- kratischen lettischen Blättern längst der gemeinsten Verleumdung überführt worden ist. Sachlich wird sich unsere russische und lettische Parteipresse zu den gegen Ohsol erhobenen Beschuldigungen äußern. Zunächst jedoch sei festgestellt, daß die Anklage, wie sie im„B. T." formuliert wird, auch abgesehen von der trüben Quelle, aus der sie stammt, den Eindruck einer Mache erweckt. Weder ist die zweite Duma Ohsols wegen von Stolhpin aufgelöst worden, noch hat Ohsol eine besondere Rolle in dem bekannten„Hochverratsprozeh" gegen die sozialdemokratische Fraktion der zweiten Duma gespielt, der bekanntlich auf die Provokation der„Ochrana" zurückzuführen ist. Ten� Gipfel der Unanständigkeit erklimmt der Korrespondent des..B. T." in seiner Anklage gegen Janson, der angeblich von den lettischen Blättern als Spitzel bezeichnet wird. Hierbei wird die Tatsache unterschlagen, daß die demokratische lettische Presse bereits gegen diese Insinuation Front gemacht hat. Auf die„Anklage" der„Dsimtenes Westnesis"— desselben Blattes, aus dem das „B. T." nun seine„sensationelle Enthüllung" schöpft— erschien in der russischen und lettischen demokratischen Presse u. a. folgende Erklärung bei Genossen HuysmanS. Sekretär des Jnter- nationalen sozialistischen Bureaus:„In der letzten Zeit werden wieder verleumderische Gerüchte gegen den Genossen Q. Braun �Pseudonym des oben erwähnten Genossen Jauson. D. Red.), früheres Mitglied des I. S. B. und Redakteur deS Zentralorgans der Sozialdemokratie Lettlands, verbreitet. Wir sind ausreichend über dies« Angelegenheit unterrichtet und erachten es, um dieser Verleumdung ein Ende zu setzen, für notwendig, zu erklären, daß der Genosse Braun das volle Vertrauen aller So- z i a l i st« n verdient." Oeftenvieb. »Krieg oder Urlaub!" Wien, 18. Juni.(Eig. Bcr.) Einer Interpellation unseres Genossen Abg. Dr. Schacherl ist zu entnehmen, daß die bei 40 Grad Celsius noch zu vormittägigen Gcschützübungen gezwunge» nen. nach Eattaro eingezogenen Reservisten infolge der Bcurlau- bung von nur 20 Proz.(trotz kaiserlicher Beurlaubungsorder) eine Demonstration unter den Rufen„Krieg oder Urlaub!" v-ranstalteten Di« Offiziere beruhigten die Leute— sie würden schon heim- veschickt werden. Einzelne Offiziere sagten ihnen, sie seien doch W ä h i e r und hätten einfach Abgeordnete wählen sollen, die 'pnen helfen und im Parlament ihre Freilassung erzwingen I Italien. DaS Ende der Legislaturperiode. R-m, den 17. Juni.(Erg. Ber.) Die italienische Kammer ist >«e Ferien gegangen, damit hat aller Wahrscheinlichkeit nach die heutige Legislaturperiode, die 23. ihres Schlages, ihr Ende erreicht. Das Beste, was man von ihr sagen kann, ist, daß sie vor- ccussichtlich durch das Gesetz über die Wahlrechtserweiterung eine Kammer ähnlichen Kalibers unmöglich gemacht haben wird. Das wäre das höchste Lob, das man ihr spenden könnte, daß sie durch das neue Wahlrecht den nachfolgenden Kammern die Möglichkeit genommen hat, der heutigen zu gleichen. Damit man nur ja wußte, wes Geistes Kind sie war, hat sie ausgerechnet in ihrer letzten Sitzung den Kolonialkredit von 100 Millionen für Libyen bewilligt, hat sich also zum so und so dielten Male des hauptsäch- lichen Vorrechts jeder Kammer begeben, den Voranschlag ver Aus- gaben im einzelnen zu beraten und zu bewilligen. Da die Kammermehrheit während der ganzen Lcgislawr unter so strenger Fuchtel stand wie selten eine, hat sie an Ouan- tität der gesetzgeberischen Arbeit Bemerkenswertes geleistet. Vom 24. März 1909 bis zum 16. Juni 1913 hat sie 1137 Gesetze ange- nommen, von denen 1036 von der Regierung vorgeschlagen waren. Verworfen hat sie keinen Gesetzentwurf, aber die Regierung hat deren 32 zurückgezogen. An Interpellationen wurden 1250 ein- gereicht, aber nur 262 kamen zur Sprache; die Zahl der Jnter- rogationen bclief sich auf 5339, von denen 2220 zur Verhandlung kamen. Die Legislaturperiode war eine der längsten. Man nimmt mit Bestimmtheit an. daß man auch diesmal ihr natürliches Ende, das im März 1914 eintreten würde, nicht abwarten wird, sondern die Kammer im August auflösen und im Oktober die Nculvahlen ansagen wird. Am Grabe der Legislaturperiode kann man nur dem Wunsche Ausdruck geben, daß sie, die als letzte aus dem alten Wahlrecht hervorgegangene, auch die letzte sein möge, die sich unter die Fuchtel eines Diktators beugt und sich als Dienerin eines Herrn fühlt, anstatt sich als Volksvertretung zu fühlen und zu betätigen. franhmcb. Ein sozialistischer Schiedsgerichtsantrag. Paris, 19. Juni. In der K a ni m e r verteidigte der Sozialist F o u r n i e r einen Antrag, durch welchen die Re- gierung aufgefordert wird,, mit den anderen Großmächten die Errichtung eines internationalen Parla- m e n t s zu vereinbaren. Der Minister des Auswärtigen, P i ch o n, erkannte die edlen Absichten des Redners an, führte jedoch aus, daß seine Vorschläge Utopien seien. Frankreich würde keine Aussicht haben, die Schaffung eines internatio- nalen Parlaments zu erreichen. Es sei Frankreich nicht ein- mal geglückt, auf der Haager Konferenz die Errichtung eines obligatorischen Schiedsgerichts für solche Fälle zu erreichen, bei denen die Ehre der Nation nicht auf den: Spiel stehe. Unter den neun Staaten, die das obligatorische Schieds- gericht abgelehnt hätten, hätten sich Deutschland, Oester- reich-Ungarn, Italien und die Türkei befunden. Wenn man zu schnell vorgehen wollte, würde man die Sache des Schieds- gerichts schädigen. Die bessere Art� friedlich zu sein, wäre, gerecht und entgegenkommend zu sein, ohne den gefährlichen Geist der Herausforderung, das Recht für sich zu haben und stark genug zu sein, sein Recht behaupten zu können. Frank- reich lasse sich nicht durch Träume schwächen und werde die notwendige Stärke bewahren, um sich Achtung zu verschaffen. (Lebhafter Beifall.) Die für den Antrag Fournier beantragte Dringlichkeit, die Pichon bekämpft hatte, wurde sodann mit 419 gegen 142 Stimmen abgelehnt. )Zus der Partei. Aus den Organisationen. Im Wahlkreise Mühlhau sen-Langensalza-Weißen» s e e dielten unsere Genossen am Sonniag ihre Generalversammlung ab. Die Mitglioderzahl ist auf 1555 angewachsen. In acht Orten des Kreises sind sozialdemokratische Vereine vorhanden. Als Reichs- tagskandidat wurde für den wegen Erkrankung zurückgetretenen Kreisvorsitzenden Otto Schäfer der Arbcttersekretär Alwin Un- deutsch- Magdeburg aufgestellt. Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Reckling- Haufen« Borken verzeichnet im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Zunahme von 436 männlichen und S3 weiblichen Mitgliedern, so daß jetzt der Verein 2283 männliche und 942 weibliche Mit- glicder zählt. Infolge der starken EntWickelung des Bergbaues im Gebiete dieses Wahlkreises ist die Zuwanderung von Bergleuten aus Nachbarkreisen groß und sichert eine andauernde Entwickclung der Partei. Auch die Presse entwickelte sich gut, so daß noch in diesem Jahre an die Gründung einer eigenen Zeitung und an die Errichtung einer eigenen Druckerei gedacht wird.— Die Polizei betreibt die Nadelstichpolitik gegen unsere Genossen stark. Ein Meineidsverfahren gegen sechs Genossen von Buer aus Anlaß eines Maifeierprozesses wurde soeben vom Gericht eingestellt. Neben der Polizei tut noch die katholische Geistlichkeit in dieser schwärze- sten Ecke des schwarzen Münsterlandes(im Volksmunde„Finster- land") das ihrige, um unseren Genossen das Arbeiten schwer zu machen. Aber trotzdem geht eS vorwärts. In der Generalversammlung des Wahlkreises Cottbus- Spremberg wurde berichtet, daß sich die Mitglicderzahl des Vereins im letzten Geschäftsjahr von 2464 auf 2693 erhöht hat. Die Zahl der weiblichen Mitglieder beträgt 186; sie ist um 36 gestiegen. Der Vertreter des Kreises, Genosse Giebel, machte kurze Ausführungen über die Haltung der Fraktion zu den Heer- und Deckungsvorlagen. Er verteidigte die Saltung der Fraktion und betonte, daß durch diese Haltung die Pläne der Rechten und der Nationalliberalen durchkreuzt worden seien. Nur auf diese Weif« konnte sich die Fraktion einen Weg offenhalten, um so alle? zu tun, daß Steuern geschaffen werden, die in erster Linie die be- sitzenden Klassen belasten. Dem Abgeordneten und der Fraktion wurde für ihr Verhalten das Vertrauen ausgesprochen. Zum Parteitage wurde folgender Antrag angenommen: „Da die bisherigen Kampfcsmittel der Arbeiterklasse zur Erreichung des allgemeinen, gleichen, direkten und gebeimen Wablrechts für alle öffentlichen Körperschaften allein nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt haben, soll der Parteitag beschließen, die planmäßige Erziehung der Arbeiterklasse zum politischen M a s s c n st r e i k in die Wege zu leiten." Die Genossen Giebel, Rabold und Torr wandten sich gegen den Antrag. Die gegenwärtige Zeit bürde uns andere Aufgaben auf, Genosse Bartels hieß die Tendenz des Antrages gut; er trat für die Propaganda des Massenftreikgcdankens ein. Der Antrag fand die übergroße Mehrheit, Der Geschäftsbericht der Parteiorganisation deS Kreises Waldenburg i. Schl. zeigt, daß die Organisationsverhältnisse trotz starker Abwanderung der Bergarbeiter sich auf dem vorjährigen Stand gehalten haben. Die Organisation hat hier gegen außer- ordentlich schwierige Verhältnisse und gegen die sirupellofe Gegner- schast der Reichstreuen schwer zu kämpfen. An Strafen sind der- hängt worden: ein Monat Gefängnis und 581 M. Geldstrafe. Außerdem schwebt noch der bekannte Meincidsprozeß. in den drei Genogcn verwickelt sind und der am 30. Juni zur Verhandlung kommt. Beschlossen wurde die Anstellung eines Parteisekretärs für den Kreis Waldenburg. Tie Wahl fiel auf den Genossen Karl Franz, den bisherigen Lokalbcamten der Maurer. Einen besonderen Teil der Tagesordnung bildete eine kurze sachliche Auseinandersetzung über die Haltung der Fraktion bei den Militär- vorlagen und über die Anwendung des politischen Massenstreiks. Diese Debatte wurde in der Hauptsache zwischen dem Abgeordneten des Kreises, dem Genossen Sachse,, und dem politischen Redakteur der..Bergwacht", dem Genossen Schiller, geführt. Beschlüsse oder Resolutionen wurden nicht gefaßt. X: ÜferoS* jätr-i} jvOHif Itsla*bi»]n3 Totenliste der Partei. Karl G ü rlich, ein sehr bekannter Kämpfer der deutsch- österreichischen Sozialdemokratie, ist in Wien gestorben. Er bat sich insbesondere in der Organisationsarbeit im Neunkirchencr Industriegebiet(Niederösterreich) und im Böhmerwald hervorgetan, wo er 1907 in zwei Reichsratswahlkreisen in die Stichwahl kam. Gürlich war Administrationsbeamter des Parteiwochenblattes „Volkstribüne" in Wien.________ Jugendbewegung* Gnade statt Recht. Die Arbeiterschaft in Weinböhla plante für den Palm- sonntag eine Konsirmandenfeier für ihre schulentlassenen Kinder. Die Macher der sogenannten nationalen Jugendbewegung witterten eine Gefahr für ihren Jugendfang. Die Organe des Staate? bc- mühten sich nun, diese Gefahr abzuwenden. Die Schulbehörde ver- bot kurzerhand den Fortbildungsschülern die Teilnahme an dem Fest. Die Arbeitercltern waren natürlich nicht willens, sich ihr na- türliches Recht, mit ihren Kindern die Stunden der Muße in edler Geselligkeit zu verbringen, rauben zu lassen. Die„Konfirmanden- feicr" wurde in einen„Elternabend" umgewandelt und die zahl- reich erschienenen Eltern und Kinder erlebten einige schöne Stunden. Wütend über den gelungenen Elternabend, nahmen sich die Be- Hörden heraus, einigen Jugendlichen, die an dem Fest teil- genommen hatten, Strafmandat« ins Haus zu schicken. Gegen diese Zeugnisse königlich-sächsischer Jugenderziehung wurde natürlich richterliche Entscheidung beantragt. Es durfte von vornherein als selbstverständlich angenommen werden, daß die gesetzlich unberech- tigten Strafverfügungen von den bürgerlichen Richtern aufgehoben werden würden. Davor scheint nun aber doch den Erzeugern der absonderlichen Strafbcfehle zu schrecken. Statt dem ordentlichen Gerichtsverfahren seinen gewöhnlichen Weg gehen zu lassen, lud die Gemeindebehörde die Antragsteller zur Begründung ihres Ein- spruchs zu sich. Unser Meißener Parteiblatt vermutet, daß mit diesem wunder. lichen Verfahren bezweckt werden solle, die Bestraften zur Rück- nähme des Einspruchs zu bewegen, wenn ihnen der Erlaß der Strafe im„Gnadenwege" in Aussicht gestellt wird. Nachdem also die Herrschaften, auf Recht und Gesetz höhnisch pfeifend, Strafverfügungen verhängt haben, möchten sie durch gnädigen Erlaß der unberechtigt versügten Strafe noch als Wohltäter der Menschheit erscheinen. In Wirklichkeit haben die.Strafsünder" nicht nur kein« Ur- fache, Gnade zu erflehen, sondern sie haben ein Recht auf Ge- n u g t u u n g für die ungehörige Belästigung der Polizeibehörde. Sie verlangen die Gewährleistung ihres gesetzlichen Rechts. Liberale Heldentaten gegen junge Arbeiter. Der Kampf gegen die proletarische JugendbildungSbestrebun- gen, durch den die liberale Stadtverwaltung Bayreuths den Staat zu retten sucht, wird immer gehäsfiger und reaktionärer. Wie die«Frank. Volkstribüne" berichtet, sind dieser Tage abends eine Anzahl junge fortbildungsschulpflichfige Arbeiter von der Fabrik loeg in den Arrest geholt worden, um die Karzerstrafen abzusitzen, die ihnen auferlegt wurden, weil sie an dem Steno- graphieunterrickt im Jugendheim teilgenommen haben I Es wirkte einfach aufreizend, zu sehen, wie ein kleiner schlecht genährter Bursche in Hose und Hemd, barfuß und noch im Arbeitsschmutz, vom Schutzmann wie ein Verbrecher in das Schulgefängnis geschafft wurde. Um so aufreizender wirkte dieser Anblick, als die fo be- handelten jungen Arbeiter nichts weiter getan haben, als daß sie das von ihren Eltern eingerichtete und unterhaltene Jugendheim besucht haben, um die Bildungslücken auszufüllen, die unsere mangelhaften Volksschuleinrichtungcn an ihnen gelassen haben. Und solcher Liberalismus will sich als Hort der Freiheit auf- spielen!_ Hetzte rtaebriebten« Naumann mit unserer Hilfe gewählt. Pyrmont, 19. Juni.(W. T. B.) Bei der heute statt- gehabten Reichstagsstichwahl für den Wahlkreis Waldeck-Pyr- inont erhielten Amtsgerichtsrat Biet meyer(Wirtsch. Ber- gung) 6337 und Friedrich Naumann(Fortschr. Volks- Partei) 658» Stimmen. Naumann ist somit gewählt. Französische Wahlreform. Paris, 19. Juni.(W. T. B.) Die Kommission der Kammer für das allgemeine Wahlrecht stimmte, nachdem sie den Minister- Präsidenten B a r t h o u und den Minister deS Innern Klotz über die Anschauungen der Regierung gehört hatte, mit 19 gegen 13 Stimmen für den Antrag Jaures, der den vom Senat geneh. migten Wahlreformvorschlag verwirft. Die Kommission faßte so- dann mit 19 gegen 13 Stimmen den Beschluß, den Text der Kammer wieder aufzunehmen, denselben Berichterstatter zu er- nennen und zu verlangen, daß die Kammer noch vor den Ferien ihre Entscheidung treffe._ Der Kampf um die dreijährige Dienstzeit. Paris, 19. Juni.(W. T. B.) Bei Wiederaufnahme der De- batte über die dreijährige Dienstzeit bekämpfte Benazet den Gegenentwurf Jaures. Die deutschen Gesetze von 1912/13 bc- wiesen, daß der deutsche Generalstab vor all«» Dingen danach strebe, besonders die jungen Truppen für einen brutalen Angriff heranzuziehen. Benazet erinnerte dann an die Feststellungen, die er mit Messimv zusammen über die Verwendung von Reserven im Balkankriege gemacbt habe und behauptete, daß Deutschland auf die unmittelbare Verwendung der Reserven verzichtet habe. Wciterberatung morgen vormittag. Scrbisch-bulgarische Kämpfe. Wien, 19. Juni. Die„Südslawische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Extrablätter melden den Beginn ernster Treffen in Mazedonien. Ausgaben der„Wetscherna Posta" besagen, daß bulgarische Freischärler die Serben an mehreren Punkten ange- griffen haben. Von den amtlichen Stellen werden keine Aus- künfte erteilt. Der Färberausstand im Rheinland. Krefeld, 19. Juni.(P. C.) Die ausständigen Färber haben heute nachmittag eine Versammlung abgehalten, worin in ge- hcimer Abstimmung über die Fortsetzung bzw. Aufhebung des Aus- standes abgestimmt wurde. Es stimmten für die Fortsetzung des AusstandeS 900 Arbeiter, während 200 für die bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit stimmten und 500 sich der Abstimmung enthielten. Es wurde jedoch beschlossen, mit den Färbereibesitzern in Verhandlungen zu treten, bei denen zur Bedingung gemacht werden solle, daß keine Maßregelungen vorgenommen werben dürften, und daß alle Ausständigen die Arbeit in den nächsten zwei bis drei Wochen wieder aufnehmen dürfen. Eisenbahnkatastrophc i» Amerika. Tan Francisco, 19. Juni.(W. T. B.) Bei einem Eisen- bahnzusaiymenstoß bei V a I l e j o(Kalifornien) auf der Strecke der Napa Vallay Transportation Company sind 10 Prrfonea ge» tötet und 35 verletzt worden. XnöXüß jntoS' Aus der eigenen Konditorei: hansbacKene Art, mit oder ohne Rosinen 45, 90 p, 1.80 CUOertfteim K Uhnmiüd Freitag o. Sonnabend, soweit vorhanden. �Artikel werden nicht zugesandt Ständiger Verkauf: „Trumpf" feine Speiseschokolade Pfd. 1»OU Kaffee- o.T eegebäck Dose ca. 1 Pfund Q C Inhalt I/O Pf- Residenz- Zwieback wohlschmeckend, wochenlang haltbar Paket 1 Dutzend 25 Pf- Wurst&aren *Rotwurst..... Pfd. 55, 85 Ft. *Landlebcrwurst.... Pfd. 1.00 Jagdwurst...... pfnnd 1.10 �Feine Leberwurst.. Pt°-d 1.20 �Teewurst........ piund 1.30 Bauemmettwurst... ptund 1.25 Wcstfäl. Kochmettwurst pid, 1.10 Mausschinken 1-35 Schinkenspcck 1.20 Speck so Pt Ifnd 80 pt Delikatess Würstchen dos« 6 oder 8 Paar 95 P/.. 12 Paar 1.55 Hernes Halberst. Würstchen Dose 4 oder 6 Paar 85 Pf, 8 Paar 1.70 Weine Speisen-Fabrikate (gefärbt) ICH Ol □1 L J �Fleisch Schmorfleisch........ Pfund 90 pf. RinderKamm u.-Brust Pfund 75 pf R.OaStbeef unausgeschält...... Pfund 1 Mk. KalbsKeule U.-RiicKcn im Ganzen. Pfund 1.10 KalbsKamm und Bug' Pfund 85 pf Kalbsbrust Pfund 75, Spitze Pfund 1.00 HammelHeule und-Rüchen im Gi)tzulnd 90 pf Diche Rippe. Pfund 85, Dünnung Pfund 80 pf. SchweineKotelettes... Pfund 1.00 SchweineKamm Pfund 90,-bauch Pfund 65 pr. Frischer Schinken im GanzenPfd 85 pr RücKenfett. Pfund 55» hiesen 65 pf PöKelzunge Pfund 1.30, Kasseler 85 pr.h l.OO Zur Bowle inKL nasche Vi Fl. hei tOPl Obcrmoseler. 65pf 63pi Wormeldingcr.. 75 pc 72 pl 1 91 1 Oberbilligcr 95 pt. 92 pt. 1912 Edenkobener 70 pt. 65 pt 1911 Wcinhcimer 85 Pf. 82 pi. 1910 Mettcnhelmcr 95p 92 n. Roter Tischwein Inkl. nasche Vi Fl. bei 10 Fl. 1 909 Saint Mathicu 65 pf. 63 vt 1 909 Sainte Barhera 75 pf. 73 pi 1909Almando.. 80 pi 78 p, Fruchtsäfte garant rein, mit Raffinade eingekocht Himbeersaft v, fi. 85 pl, eztn 1.10 Kirsch-.. Johanoisbeersaft>/. fl 85 pt Kirschsaft eitro. Ananassaft'/.fi 1.20 Zitronensaft.fi 85 pi. � 1.20 Pudding- und Gries• Pudding- Pllll/pp mit rersohiedenem Ge- n« riiiTvl öchmack.. 5 Pakete** Rote Grütze-Pulver mit rer- schied Geschmack.. 5 Pakete Creme-Pulver 05 M 3 Pakete 11 Eis-Pulver SUXkf Pakete 28 Pf. 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Die KaSeekiiChe ist von 2 Uhr ab geöffnet.-- �-7-3-- � Erwachsene SO Pfennig. Kinder 10 Flennlg. iJ®"" Jedes Kind erhält eine Stocklaterne"Vr 55/12 UNA "lARK Während der Jubiläumswoche Täglich: Große patriotische Feier. 3 Kapellen! Große elektrische Feerie! Lerantw Redafteur: Albert Wachs, Berlin. In ieratenteil verantw.: Uh viiocke.Beri'n. Druck u Vec�a tierwaris Buoivr n<natt»auU jtzur ve» Jnvait»er J»>era»e übcrnimmi die Redattion dem vublikum gegenüber keinerlei Vrrantwarruna_ : nge r z, Eo.. Äcrlin L w. H erzu 3 Beilagen n. llnterhaltunaSbt 9,. i®. so.»« i. KtiilM des Lsmiilts" Kerliller Noldsdllltt. M«�o.?mi.s.3. Keickstag. ISS. Sitzung. Donnerstag, den 19. Juni 1913, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Heeringen. S. Lesung der Wehrvorlage. 7. Tag. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Preußischer Kriegsminister v. Hccringcn: Die von dem Abg. Z u b e i l aufgestellte Behauptung, daß der verstorbene Major v. Roon seinen Burschen erschossen oder erstochen hätte, ist frei erfunden und gehört in das Gebiet der Fabel.� in Dänemark von dem großen Deutschen Reich denken. das Furcht davor hat, daß einige Matrosen bei einem Kolonial- warenhändler in Apenrade einkaufen.(Sehr wahr! auf ver- fchiedenen Seiten.). Wenn das alles so weiter geht, so trägt der Kriegs« m i n i st e r die Verantwortung für eine Beeinträchtigung der Schlagfcrtigkeit der Armee: denn auf. die Dauer kann die Stimmung nicht ohne Einfluß sei», die entsteht, wenn die Soldaten, die einer Bewegung oder Richtung angehört haben und wieder an- gehören werden, sehen, wie die>e Bewegung geschmäht und verfolgt wird. Die Abstimmung wird eine Probe auf den Stolz und den Rechtssinn des Reichstages und des deutsche» Bürgertums sein. Lehnen Sie unseren Antrag ab, so werden sich viele gerechtdenkende Leute im Lande sagen, daß nur die Sozialdemokratie die Tyrannei des Mili- l a r i s m u s bekämpft.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Liesching(Vp.): Der Militärboykott ist ein sehr un- angenehmes und peinliches Thema. Wohl werden über« wiegend Sozialdemokraten und Polen von dem Militärboykott ge« troffen; aber auch andere Parieieu baben gelegentlich unter ihm zu leiden.— Wenn man sich so emsig bemüht, die Soldaten von jeder Berührung mit Sozialdemokraten fernzuhalten, so muß man logischer- weise überhaupt keine® ozialdemokroten zum Dienst zulassen.(Große Heiterkeil.) Nicht die Sozialdemokraten, sondern die Wirte und zwar die„ i ch t s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e mehr als die sozialdemolratifchen werden durch den Boykott geschädigt.(Sehr wahr! links.) Das unerhörte Vorgehen des Generals Deimling in Straßburg hat den Unwillen über das ganze mililärische Boykoiifyflem in die allerweitestei, Kreise ge» tragen. Der sozialdemokratische Antrag will die Boykoltirage im Rahmen eines Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke regeln. Dieser Weg scheint uns ungangbar. Wir werden daher für die Resolution der Kommission stimmen.-- Der Militärverwaltung aber möchte ich zurufen: nicht durch klein- liche Verbote, sondern durch eine würdige Behandlung w»rS der Sache der Disziplin am besten gedient.(Bravo! links.) Generalleutnant v. Wandel: Die Richtlinien für Lokalvcrbote gehen allem von militärischen Gründen aus. Alle a n q e b- l i ch e n Vernöße, auch der Königsberger Fall werden unienuckt werden. Dauernde Verbote dürfen nur bei vorliegendem Nackweis ausreichender Gründe aus der Perion- lichkeit des Wirtes verhängt werden. Der Gastwirteverband mit über 100 000 Mitgliedern erklärt selbst den dauernden Boykott sozialdemokraiisckcr Lokale für r i ch t i g. Wenn in Stuttgart. Frei- bürg usw. kein Militärverbot existiert, so baben eben die Vorgeietzten keinen Grün 0 dazu gefunden.(Heiterkeit links.) Der Mann in Burg bat zur Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten auigeforderl und nach einer P o l i z e i f e st st e l l u n g«klart, ex spende ein Faß Bier, wenn der Sozialdemokrat gewaolt werde. (Zurufe bei den Sozialdemokraten: Was geht daS Sie an?) In Straßburg marschierten bloß zwei Kompagnien mrt 100 Meter Abstand, es gab gar keine Verkehrsstörung.(Abg. B oh l e; Unerhört, eine ,olche Schilderung, ich war ja selbst dabe,.) Ich kann nnr berichten, was mir dienstlich gemeldet ist. (Heiterkeit links.), Mg. PeiroteS(Soz.): In Straßburg werden nicht nur bürgerliche, sondern selbst- verständlich erst recht sozialdemokratische Blätter boykottiert. Als wir in Straßburg eine Maifeier veranstalten wollten in einem städtischen Lokal, aus das die Mehrheit der Bevölkerung Straßburgs wohl ein Recht hat, wurde dem Wirt vom Gouverneur mit dem Militärboykott gedroht.(Sehr richtig I rechts.) Das ist ein unerhörter Terrorismus, iveiter nichts. Man Hot ja auch unseren Genossen Göhre als Prediger boykottiert. «Abg. Kreth jk.j: Das war auch die höchste Zeit!) Solch b�r u t a�e Ueberhebuug— tBizepräsident D o v e: Das dürfen Sie einem Abgeordneten nicht Vorwersen!> Dann bedauere ich, daß die deutsche Sprache keinen passenden, hier zu- lässigen Ausdruck für ein solches Benehmen hat. Warum boykottieren Sie uns denn nicht auch bei Ein- lsuartierungen? Dazu sind wir gut genug! In M ü l h a u s e n hat man einen Lokalboykott für den Ge- burtstag Wilhelms II. aufgehoben, dann wieder verhängt. So ernst ist es Ihnen damit! Die vom General Keimling hervor- gerufenen Verkehrsstörungen in Straßburg, Hagenau und an anderen Orten sind vom Gemein derat und vom L a n d t a g. wo der höchst deutschenfreundliche Abg. W o lf interpellierte, scharf v er- urteilt worden. Herr v. Wandel aber leugnet sie I Ein Gastwirt in Straßburg erklärte, daß er mit der Sozialdemokratie gar nichts zu tun haben wolle, man möge den . ererbten � Boykott aufheben. Man sagte ihm, er solle a�b w a r t e n. Das war alles!— Mit Ihrem Boykott ruinieren Sie nicht die Sozialdemokraten, sondern Existenzen des Mittel st andcs. In Straßburg— das sage ich dem Kriegsminister— sind den Soldaten zwar die t e u e r e n, nicht aber auch die billigeren Bordelle verboten.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Die elsässische Regierung hat die vom Straß- burgcr Gemeinderat geforderte Aufhebung der gesetzwidrig existierenden Bordelle abgelehnt— wie unter der Hand gesagt wurde, aus Betreiben der Militärverwaltung! (Stürmisches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In K o l m a r verlangte die Militärverwaltung mit Erfolg gegen den Willen der Bürgerschaft die Erweiterung eines Bordells. Sie aber sagen hier, im Interesse der Disziplin müßten die Soldaten von Dirnen lokalen ferngehalten werden. Wie können Sie das mit einer solchen Praxis vereinbaren? Den Fortschriitlern sage ich: wenn Sie auf diesem Gebiet etwas erreichen wollen, müssen Sie für unseren Antrag stimmen!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Auf Antrag des Abg. H a a s e(Soz.) wird die Abstimmung eine namentliche sein. Sie findet morgen statt. Abg. Dr. Frank(Soz.): Die Antwort des Herrn v. Wandel war nach dem alten Schema:.auf Einzelfälle können wir nicht eingehen". Der Kriegs- minister muß sich doch darum kümmern, wie seine Richtlinien durchgeführt werden. Meine Frage, wie die Disziplin in den großen militarboykottlosen Garnisonen München, Siuttgart, Freiburg usw. ist— blieb unbeantwortet. Wenn die Disziplin dort nicht gestört ist, beweist das die G r u n d l o s i g k e i t des Mitilärboykolts! Von dem politischen Erpress ungsver- such der Bb a u n s ch w e i g e r Kommandantur hat man nicht gesprochen und nur vergeblich versucht, die provokato- rischen Umwege der Dcimlingschen Truppen in Straßburg— zu leugnen, die Deimling anordnet, um den Bürgern des eroberten Landes die Gewalt des Militärs beizubringen.(Zu- ruf bei den Sozialdemokraten: Provokation oder Verrücktheit I) Auf die unzähligen Fälle von Schädigungen der Gewerbetreibenden, auf das skandalöse Borgehen in Königsberg ist die Militärverwaltung mit keinem Wort eingegangen. Nicht in einem Fall eine Rechtfertigung— nackter Terrorismus, nackte Militärdiktatur in einem Augenblick, wo dem Volke so ungeheure Opfer auferlegt werden. Das zeigt, wie sicher die Militärverwaltung ihrer Leute ist, und was sie dem Reichstage sogar in dieseni Moment bieten zu können glaubt. Und da kommen die Fortschrittler mit formellen Bedenken, daß man das Verbot der Militär- boykotte nicht ins Gesetz hineinarbeiten dürfte. Ja, können Sie denn, nach allem, was wir so ost erlebt haben, noch Vertrauen zu diesem Kriegsminister habe»? Können Sie sich von Resolutionen irgendeine Abhilfe versprechen? Wenn Sie den ehrlichen Willen haben, zu helfen, dann müssen Sie durch das Gesetz rechtliche und richterliche Garantien schassen.(Sehr wahr! bei den Sozial demokraten.) Recht bezeichnend war, daß die Nationalliberalen auch nicht ein bescheidenes Wörtchen des Protestes gefunden haben. Ich hatte Ihnen als nachahmenswerte; Muster Ihren Parteigenossen in Apenrade, den Vorsitzenden des dortigen HandelsvereinS, vorgeführt, der sich in einer energischen Eingabe an die Militärbehörde gegen den Versuch gewandt hat, die Angehörigen der verschiedenen polnischen Parteien geschäftlich zu schädigen: aber ick sehe, dieses gute Beispiel hat Ihre schlechten politischen Sitten nicht verbessert. lHeiterkeit.) Nun aber noch ein Wort zum Z e n t r u m. Im Straß- burger Gemeinderat hat auch Herr Pros. Spahn seine Stimme gegen das Vorgehen des Generals Deimling erhoben. Hier im Haus aber hat er keine Nachahmung bei seiner Partei gefunden. Wie lange ist es her, da haben Sie Worte flammender Entrüstung ge- funden. weil eine Anzahl Mitglieder des I e s u i t e n o r d e n S in Deutschland sich nicht so frei bewegen können, wie wir es mit Ihnen wünschen. Wenn es siw aber darum handelt, Tausende, viele Tausende von deutschen Staatsbürgern, von Gewerbetreibenden zu schützen gegen die schwersten geschäftlichen Nachteile, gegen den ge- schäftliche» Ruin, da schweigt die groß« Zcnlruinspartei, da hat ihre Abneigung gegen Ausnahmegesetze und Ausnahmepraktikcn ein Loch, da ist sie mit einem solchen Vorgeben ganz einverstanden. Wenn das HauS des Nachbarn brennt, und nach der Meinung der Zentrums- pactei in diesem Nachbarhaus Sozialdemokraten wohnen, dann schaut sie lächelnd und gemäßigt zu.(Sehr wahr! links.) Dieses Verhallen de» Zentrums ist geeignet, über die Ernst- lichkeit Ihrer Angriffe gegen Ausnahmegesetze Licht zu verbreiten! (Lebhafte Zustimmung links. Lachen im Zentrum.) Das deutsche Volk wird in dieser Sache begreifen, daß wir es sind, die das Recht vertreten gegen Gewalt und Terrorismus I(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten) Ein württkmbergischcr MilitörbcvollmSchtigter erklärt gegenüber dem Abg. Dr. Frank, daß doch auch in Stuttgart über zwei Gast- bäuser das Militärverbot verdangt ist. und zwar über den.Goldenen Bären" und über den.Hirschen" in Feucrbach, die VersammlungS- räume der freien Gewerkschaften.(Bravo! rechts. Ironischer Bei- fall bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Da können Sie sich was darauf einbilden!> Abg. Dr. Müllrr-Meiningen(Vp.): J» der Budgetkommission haben die Sozialdemokraten selber eingesehen, daß ihr Antrag gegen den Militärboykott absolut unhaltbar war. weil er Gesetzessorm hatte(Abg. S ch ö p f I i n: In der damaligen Form!> Wir haben auf Ihren eigenen Wunsch die Praxis, wie sie in Sachsen ist in die Form einer Resolulion gegoffen. Sie haben IN der Kommission daiür g-stimmr. Auch der Wortlaut Ihres jetzigen Vorschlages gelingt nicht: er umfaßt solche Fälle wie das Verbot der.Neuen Slraßburgcr Ztg.", wie den Boykott gegen die RöniqSberger Brauereien nicht. Wir wollen ebenso e b r l i» wie Sie die Sacke bekämpfen. Aber m ein Gesetz über die Friedens- prüfen, siärke, dos wesentlich miliiärlechn'icken Charakter Hai, dürfen Sie nickt die unmöglichste» Materien Jfineiubrüige». Sie reizen damit einen späteren reaktionären Reichstag auf. in irgendeine kleine Novelle zur Gewelbeordnimg ein Zucht- Hausgesetz einzuarbeiten. DaS ist lehr kurzsichtig. iWiderspruck bei den Sozialdemokraten.)— Im Straßburger Fall möchte ich den KnegSminister fragen, auf Grund welcher gesetzlichen Be- ftrmmung das Verbot der fortschrittlichen Zeitung durch den Unglückswurm General Deimling steht. So treibt man doch k-'ne moralische Eroberungspolitik in Elsaß-Lothringen.(Lebhafter Be, fall bei de7 Volkspartei.) Kriegsminister v. Heeringeu protestiert gegen den Ausdruck Unglückswurm". Den General Deimling habe ich bisher nicht b e f r a gt. Das Reichspreßgesetz hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich denke mir aber, daß General Deimling das Verbot ausgesprochen hat, lediglich in Ausübung seiner Pflicht, die Disziplin seiner Lenke nicht schädigen zu lassen, (Große Unruhe links.) Und das hat doch etwas Berechtigung. Das Vorkommnis selber bot gar keinen Anlaß zur Be- s ch w e r d e. Hoffentlich haben wir noch das Recht, in einer deutschen Stadl zwei Batterien über die Straße ziehen zu lassen. Das Straßburger Volk hat gar keinen Anstoß daran ge- nommen. Das Armeekorps in Straßburg hat viel zu viel zu tun, als daß der General Kavallerie und Artillerie auf der Straße spazieren führen könnte. In dem, was er getan hat, lag keine Provokation, sondern war seilte soldatische Pflicht. (Bravo! rechts.) Abg. Frank(Soz.): Ich konstatiere zunächst, daß unsere Fragen durch den Kriegs- minister nicht beantwortet worden sind. Ich nehme an, daß der Kriegsminister noch nicht Zeit gefunden hat, sich eine Meinung über diese Dinge zu bilden, oder aber, er billigt die Vorkommnisse sämtlich. Nun noch ein Wort zu der Straßburger Sache. Der Kriegsmiuister hat behauptet, daß das Volk mit dem Vorgehen Deimlings einverstanden gewesen wäre. Ich stelle fest, daß der Gemeinderat von Straßburg und der Landtag von Elsaß-Lothringen das Verhalten des Generals einmütig gcmiß- billigt habe.(Stürmisches Hört! hört! links.) Der Kriegsmiuister ist auch falsch informiert, wenn er behauplet, daß einmal ein paar Batterien über die Straße gezogen seien. Wahr ist, daß Herr Deimling mit seinen Ulanen Tag für Tag erhebliche Umwege gemacht hat.(Erneutes Hört! hört I links.) Ich b e d a u r e, daß der Kriegsminister dies Verhalten billigt. Herrn Müller-Meiningen dürfte ein Fall des Boykotts interessieren, der sich in M e i n i n g e n ereignet hat. Dort wurde der Boykott über den Gasthof„Zum Adler" verhängt, weil die sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten während der Dauer der Laudtngssession dort ihr Quartier aufgeschlagen hatten,(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Herzog von Meiningen, an den sich die Abgeordneten beschwerdeführend wandten, erklärte sich außerstande, sie vor der militärischen Willkür zu schützen,(Stürmisches Hört! hört!, links.) Dabei ist, wenn ich mich nicht irre, der Herzog Chef des in Frage kommenden Regiments. Dr. Müller- Meiningen erklärt unsere Klagen für gerechtfertigt, hält unser Verlangen für gereckt- fertigt und will doch nicht für unseren Antrag stimmen. Dabei kann er doch aus den Worten, die der Kriegsminister gesagt oder noch nicht gesagt hat, entiiehmon, daß die Militärverwaltung e»t- schlössen ist, n a ch wie vor an d e m a l t e n U n>v e s e n f e st- zuhalten. Nun sagt Dr, Müller-Meiningen. ein Militärboyiolt gehöre nicht in ein Gesetz über die Präsenzstärke.(Sehr richtig' rechts.) Wenn die Herren von der Rechten Sehr richtig I rufen, sollte ein fortschrittlicher Führer stutzig iv erden. (Zustimmung des Abg. Dr. Müller- Meiningen, Heiterkeit.) Jw dem die Forischrittler eine Resolution gegen den Militärboykott beantragten, haben sie einen Zusammenhang zwischen dem Gesetz und der Materie des Boykotts cmerkannt. Wenn gesetzlich das Verbot des Boykotts ausgesprochen wird, so möchte ich die Regierung sehen, die es wagen würde, darum die Wehrvorlag eab- z u l e h n e n. Beweist doch die Existenz boykotlfreier Garnisonen, daß die Armee ohne Boykott auskommen kann. Nach den Er- klärungen des württembergischen Militärbevollmächtigten muß ich das zurücknehinen, was ich zuin Lobe der Stuttgarter Garnison gesagt habe. Immerhin kommt diese große Garnison mit dem Boykott eines Vorortlokales auS, während Königsberg z. B. 170 verbotene Lokale hat. Der Reichstag muß zeigen, daß er einen Willen auch gegenüber der Militärverwaltung hat, und die gesetz liche Festlegung des BoykottverbotS beschließen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Der. General Deimling hat das bekannte Zeilungsverbot nicht erlassen, weil die Zeitung einer bestimmten Richtung angehörte, sondern weil ein Artikel in der Zeitung stand, der dem General nicht paßte.— Der General Deimling ist uns schon längst bekannt. Er war es der hier im Reichstag vor wenigen Jahren erklärte: ES ist ganz gleichgültig, was der Reichstag beschließt, wir tun doch, was wir wollen. (Stürmisches Hört! hört!) Tie Diskussion über den Boykott schließt. Abg. Haupt(Soz.) stellt in persönlicher Bemerkung fest, daß die Tnrstellung des Boykottfalles in Burg durch v. Wandel nicht richtig ist(nämlich daß der Boykott wegen Agitation für Abg. Haupt verhängt worden sei). Abg. Bernstein(Soz.) begründet den sozialdemokratischen Antrag, daß die Beförderung innerhalb der Armee nur von der persönlichen Tüchtigkeit abhängig gemacht werden und auf die gesellschaftliche Stellung oder die Zugehörigkeit zu einer Religionsgeselljchast oder politischen Partei keine Rücksicht genommen werden dürfe. Ties soll als Artikel 1s eingefügt werden.— Schon 1643 ist in England jede derartige Protektion abgeschafft worden, nach der Restauration der Stuarts wurde sie zwar wieder eingeführt, aber heute ist im englischen Heer jedes Standesvorrecht beseitigt. Es gibt dort viele hohe Offizier«, die einmal Gemeine waren, sogar der gefeierte General im Burenkriege Macdonald war einmal Gemeiner gewesen, und so ist es auch im Beamtenkörpe r Eng. lands. Ich selbst habe angehört, wie in London der Finanzsekretär von Jamaica— heute ist er c r st c r Gouverneur— in einer Versammlung erklärte, er als Demokrat protestiere gegen die Ovation für Queen Victoria zu ihrem bOjähnge» Re gierungsjubiläum. Das hat ihm in der Laufbahn gar nicht ge schadet. Der Exekutor der französischen Revolution, Napoleon, dem das deutsche Volk zu vielem Dank verpflichtet ist für die Beseitigung manchen feudalen Restes, verkündete ebenfalls das gleiche Recht aller Tüchtigen aus allen Stellen im Staat und im Heer. Wir fordern, daß dieses Recht im Gesetz festgelegt werde. Wie not- wendig das ist, haben gerade die Auseinandersetzungen über den Militärboykott vorhin gezeigt; wird doch dem„Volksheer" verboten, dort zu verkehren, wo seine Brüder V e r kc h i e n! Und sehen wir nicht den Militärboykott über die B r e s l a u c r Aus- stellung und gegen das H a u p t m a n n s e st s p i e l(Präsiden Kaempi: Wir sind jetzt nicht mehr beim Boykott!), das den Ge danken Goethes über die Befreiungskriege entspricht. Der Mann, der das Hauptmann-'Stück verbannt hat, soll auch den Goethe aus'einem Bücherschrank verbannen!(Sehr gut! links.) Wir wenden uns sowohl gegen die prinzipielle Zurücksetzung der Juden als der Konfessionslosen beim Militär. Man verdeutscht ja alles mögliche, warum sagt man für Garde nicht Leibwache— das wäre viel zutreffender sür das Wesen! Die Osfiziersaspiranten müssen„gewählt" werden— man versteckt die prinzipielle Ablehnung der Nichtgewählten hinter dieser„Wahl" Zur Wahl dürfen vom Bczirkskommando nach den Bestimmungen über eine sicherc bürgerliche Lebensstellung eben keine Leute aus dem Volke gestellt werden. Das zeigt den Charakter des Heeres, das kein Volkshcer ist. Dieser Modus erzeugt aber auch ein P h a r i- s ä e r t u m, denn die Offiziere gelten als die Tüchtigsten und Ehrenhaftesten, obgleich nicht die Tüchtigkeit und Ehrenhaktigkcit, sondern andere Umstände— vor allem die Abstammung— in erster Linie in Betracht kommen. Und welche Bürgschaften bieten die Offiziersanwärter für ihren Charakter? Haben wir nicht gestern hier im Reichstag ad oculos demonstriert erhalten, wie einer einen großen Vater und einen erbärmlich kleinen Geist haben kann. Hat nicht gestern Herr v. Graes« einem großen Teil der Bevölkerung in Pücklerausdrücken Mut und Vater- landstreue abgesprochen in einer Weise, wie man daS sonst nur bei dem Abschaum der Menschheit findet.(Präs. Kacmpf rügt diesen Ton.) Albrccht von Graefe, der große Gelehrte, hat den Antisemitismus verworfen. Uebrigens behauptet Dühring von dem großen Graefe, daß er ein Juden- Mischling sei.(Lebhaftes Hört! hört! und Heiterkeit links.) Die Tapferkeit im Felde hat mit der Zugehörigkeit zu einer Religions- genossenschaft gar nichts zu tun und ebensowenig Charakter und Tüchtigkeit mit der sozialen Herkunft. Der allverehrte Jgnaz Auer hätte z. B. nicht preußischer Offizier werden können, weil eine Mutter und auch er als Kind infolge der elenden bayerischen Heimatsgcsctzgcbung haben betteln müssen. Wir legen keinen Wert darauf, daß unsere Freunde Offiziere werden, aber nur eine Regelung im Sinn unseres Antrags kann den Charakter eines Volks Heeres sichern. Wenn Sie nnscren Antrag ab- lehnen, dann sind Ihre Worte von Volksheer und Volk in Waffen mindestens objektive Unwahrheiten! In der Masse der Soldaten lebt in ganzen Regimentern ein ganz anderer Geist als der sozialistenfeindliche der Verwaltung und )er Offiziere. Was die Masse des Volkes in wachsendem Matz denkt, das denkt auch der Soldat. Halten Sie die heutigen Zustände aufrecht, so verschärfen Sie nur den Gegensatz zwischen Soldaten und Offizieren, Parteipolitisch brauchten wir ms nicht zu bedauern, aber nn Interesse der Gerechtigkeit haben wir unseren Antrag eingebracht.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsministcr v. Heeringrn geht darauf zurück, daß der Bor- rcdner einen Artikel des Generalleutnants v. W r o ch e m in der „Täglichen Rundschau" zitiert hat, wonach Offiziere, die nach zehn Jahren abgehen, um sich ihren Gütern zu widmen usw.. zu hin- recht eine Pension beziehen, indem sie einen Unfall vorschützen. Auf meine Anfrage nach näheren Angaben ist der Verfasser mir die Antwort schuldig geblieben, ich habe ihn deshalb neuerdings darum gebeten. Jedenfalls bitte ich, versichert zu sein, daß der Militär- fiskus niemandem eine Pension zahlt, der nicht einen klagbaren Anspruch darauf hat. Den aus dem Wrochemschen Artikel von dem Vorrrdner abgeleiteten Borwurf der Simulation muß ich vom Offizierskorps zurückweisen. Abg. Graf Praschma(Ztr.) erwidert auf die Bemerkung des Abg. Bernstein über die Einstellung der Aufführungen des Hauptmannschen F-stspiÄs auf der Brcslauer Ausstellung mit einem Zitat aus einer sehr abfälligen Kritik Artur West- p h a l s in der„Welt am M o n t a g". Auch die gewiß nicht reaktionäre„Neue Freie Presse" in Wien hat das Stück ebenso ab- fällig kritisiert.(Hört! hört! rechts.) Präsident Kacmpf erteilt dem Abg. Bernstein nachtraglich für die Kennzeichnung des Abg. v. Graefe einen Ordnungsruf. Das Haus vertagt sich. Abg. Graefe(f.)(persönlich): Abg. Bernstein hat aus obskurem Dunkel eine Behauptung vorgelesen, wonach mein Bater als ein Judenmischling bezeichnet worden wäre. Ich bewillige dem Abg. Bernstein im voraus jeden Preis für jeden Tropfen jüdischen Blutes, den er meinem Vater nachweisen kann.(Stür- mische Heiterkeit links.) Abg. Bernstein(Soz.): Die von mir verlesene Stelle in bezug auf den Vater des Abg. v. Graefe ist aus dem wohlbekannten Eugen Dühring. Was Herr v. Graefe weiter gesagt hat, weise ich einfach mit der Bemerkung zurück, daß ich bei der Wertung von Menschen überhaupt nichtuachihrerAbstammung frage.(Beifall links.— Abg. Kreil,(k.): Das glaube ich!) Nächste Sitzung: Freitag 2 Uhr.(Kurze Anfragen, namentliche Abstimmung über den Militärboykott, Weitcrberatung.) Schluß: 714 Uhr._ Achte Gkneralvtrsimtnlmlg des Uerbaudes der Deutscheu Danzig, 17. Juni. Die Verhandlung beginnt mit der Generaldiskussion über den 3. Punkt der Tagesordnung: Beratung der AbänderungSanträge zum Statut und zu den Vorstandöbcschlüssen. Als erster erhält Schleffler- Berlin das Wort. In Berlin stehe man grundsätzlich auf dem Standpunkte des Vorstandes, der nicht viel an den Untcrsrützungseinrichtungen geändert wissen will. Der Hauptzweck einer Organisation dürfe niemals darauf hinaus- laufen, die Kollegen in allen Lebenslagen gegen die Unbill des Ge- werbes zu schützen, weil dann die gewerkschaftlichen Grundsätze ver- loren gehen. Eine Erhöhung der setzigen Unterstützungssätze eben- tucll bei erhöhten Beiträgen müsse zu ungesunden Verhältnissen führen. Die Berliner Kollegen seien deshalb mit dem Verbands- vorstände dahin einig, daß lediglich eine gerechtere Verteilung der Unterstützungen innerhalb der jetzigen Bcitragshöhe in Frage kommen könne. Bähringer- Jena schließt sich dem an und fordert in erster Linie eine andere Regelung der Reiseunterstützung und in zweiter Hinsicht eine anderweitige Einrichtung des Kranken- und Jnvalidenuntrslützungswesens. Knie- Stuttgart und a r- schall- Elberfeld fordern eine Regelung dahin, daß den älteren Mitgliedern etwas mehr gegeben werde, daß dagegen an den Reise- Unterstützungen erhebliche Abstriche gemacht werden können. In der Vorlage des Vorstandes wird die Bezugsberechtigung für Reise- Unterstützung von 280 auf 140 Taye herabzusetzen beantragt. Krasser- Zwickau und P i e t s ch n e r- Magdeburg halten das Prinzip, den jüngeren Kollegen zugunsten der älteren etwas zu nehmen, für richtig, wünschen aber einen Mittelweg, da der Sprung von 280 auf 140 Tage Bezugsberechtigung zu groß sei. Einen vollständig entgegengesetzten Standpunkt nimmt F r i t s ch e- Hannover ein, der im Interesse der Kollegen in den kleineren Orten eine Erhöhung der Krankenuliterstützung fordert und dies damit begründet, daß die Unterstützungssätze in den Krankenkassen so niedrig bemessen sind, daß davon eine Familie auch unter Zubilfcnahme der Krankeiiuiiterstützung durch die Organi- sation nicht existieren könne, worauf ihn Döblin erwidert, daß er den Zweck"der gewerkschaftlichen Organisation vollständig ver- kenne. Erb- Karlsruhe befürwortet eine Beitragserhöhung um 10 bis 15 Pf. zum Zwecke einer besseren Arbeitslosenunterstützung. F a b e r- Berlin führt in eindringlicher Weise aus, daß es Zeit sei, die Kollegen daran zu erinnern, daß der Verband eine gewcrk- schaftliche Organisation und keine Unterstützungskasse ist. Die Unterstützungssätze ständen an der Grenze der Möglichkeit. Die bisherigen Friedcnsjahre können sehr Wohl durch Kampfesjahre ab- gelöst wertzen, worauf gewisse Strömungen in Arbeitgeberkreisen schließen lassen. Und für diesen Fall werde der Gewerkschaft der Buchdrucker durch Erhöhung der Unterstützungseinrichtungen ein schlechter Dienst erwiesen. Wenn eine Beitragserhöhung in Frage komme, dürfe sie nur gewerkschaftlichen Zwecken dienen. Müller- Köln betont, daß die mustergültigen Unterstützungs- einrichtungen auf agitatorische Gründe zurückzuführen sind. Heute brauche der Verband eine solche Agitation nicht mehr. Die Mit- glicdschaft erscheine den Kollegen ohnehin erstrebenswert. Hohe Unterstützungen seien sogar eine Gefahr für die Organisation. Nachdem dann noch einige Redner sür, einige gegen erhöhte Uiiterstützu>igen gesprochen, wird die Genneraldiskussiou durch An- nähme eines Schlußautrages beendet und eine Kommission von 15 Mitgliedern gewählt, welche mit Vorschlägen an die General- Versammlung herantreten soll. Es beginnt nun die Besprechung über die allgemeine und tarifliche Lage. Döblin führt in einem großzügig angelegten Referat dem Verbandstage die entstandenen beruflichen Schwierigkeiten vor Augen, die eine besondere Beachtung verdienen. Es ist das die Maschinensetzersragc, die entstanden ist infolge der tech- nischcn EntWickelung und die berufliche Sonderkoalierung des Ilnternchmcrtums. Insbesondere treten diese Erscheinungen im Zeitungswescn und Luchhandel auf. Manche Kollegen könnten sich absolut nicht in den Gedankengang hineinleben, daß einzelne Grup- Pen im Interesse der Hebung des Gesamtberwfes Konzessionen machen müßten. Das sei aber bei der letzten Tarifrevision nicht zu umgehen gewesen, da ein weiteres Entgegenkommen der Prinzi- pale ausgeschlossen und ein Kampf nicht rätlich schien. Die Kollegenschast müsse sich wohl oder übel mit den Wirkungen der Masseneinführung der Setzmaschine abfinden und Aufgabe der Orga- nisatwn sei es, unter Berücksichtigung der Tatsachen so viel wie möglich für die Kollegen zu erreichen zu suchen. Die wirtschaftliche EntWickelung sei auch die Ursache des Zusammcnarbeitens mit den Prinzipalen zur Bekämpfung der Schleuderkonkurrenz. In anderen Berufen sei derjenige Arbeiter den Unternehmern der liebste, der als„Gelber" oder„Halbgelbcr" sich willig beuge, während durch die Tarifgemeinschaft nur derjenige eingestellt werden dürfe, der zu tarifmäßigen Bedingungen arbeite. Hierin liege der große Wert der Tarifgemeinschaft. Die jetzige Strömung gegen den Tarif sei aus Prinzip von den Scharstnachern der rheinisch-westfälischen Schwereisenindustrie in die Unternehrnerkreisc im Buchdruckerei- gewerbe hineingeleitet. Der Deutsche Buchdrucker-Ver- ein(Untcrnehmervereinigung) habe zwar auf eine Anfrage erwidert, daß er auch ferner wünsche, mit den Gehilfen in Frieden zu leben, er habe aber auch gleichzeitig erklärt, daß er für die nächste Tarifrevision mit verschiedenen Wünschen kommen werde. So weit es beurteilt werden könne, liegen diese»Wünsche" nicht im Interesse der Gehilfen. Auch die„Freie Vereinigung" der Prinzipale in Berlin hat in einem Rundschreiben zwecks Mitglieder- gewinnung erklärt, daß es mit den periodischen Lohnerhöhungen— 1896— 2% Proz.. 1901= VA Proz., 1906— 10 Proz. und 1911= 11 bis 12 Proz.— nicht mehr weiter gehen könne. Daraus sei zu ersehen, daß die nächste Tarifrevision eine der schwierigsten werden würde, die der Verband je gehabt habe. Hiermit niöchten sich die Kollegen abfinden und danach beurteilen, wie sie sich zu den An- trägen auf Erhöhung der Unterstützungssätze zu stellen hätten. Be- zeichnend für die Strömung im Deutschen Buchdrucker-Verein sei daß er sogar die Frage ventiliert habe, ob ein Kollektivvertrag tnit der Gehilfenorganisation überhaupt noch zu empfehlen sei. Redner geht dann noch mit einigen Worten auf die Hilfsarbeiter- frage ein, betont, daß er noch einige Punkte zurückbehalten habe, bei denen sich eine Erörterung in geschlossener Sitzung empfehle, und unterbreitet dann der.Generalversammlung folgende Reso- lution: „Die achte(ordentliche) Generalversammlung des Verbandes der Deutschen Buchdrucker billigt einmütig das Verhalten der Ge- Hilfenvertretung sowohl bei der letzten Tarifrevision als auch in der Tarifausschußsitzung vom 21. und 22. April 1913. Die Generalversammlung steht nach wie vor auf dem Bode» der Tarif- gemeinschaft. Von der Erklärung der Prinzipalsvertreter, daß die Prinzipalität ebenfalls eine friedliche Verständigung mit der Gehilfenschaft auch in der Zukunft wünscht, nimmt die General- Versammlung gern Kenntnis. Sie bedauert jedoch, daß diese Zu- sicherung, soweit es sich um eine solche des Hauptvorstandes des D. B. V. in der Leipziger Unterredung handelt, an Bedingun- gen geknüpft wurde, welche das Vertrauen der Gehilfenschaft zur Friedensliebe der Prinzipale nicht unetheblich beeinträchtigen mußten. Die Generalversammlung unterläßt es trotzdem, dem Bei- spiele des Deutschen Buchdrucker-Vereins zu folgen und ficht da- von ab, schon jetzt Forderungen zur nächsten Tarifrevision zu stellen. In einer Zeit fortgefetzter technischer Umwälzungen muß es mindestens als unklug betrachtet werden, schon drei Jahre vor Ablauf des Tarifs sich auf Forderungen festzulegen, deren Be- rcchtigung aus gewerblichen und volkswirtschaftlichen Gründen später schließlich nicht nachzuweisen, deren vorzeitige Stellung und Propagierung wohl aber geeignet ist, eine spätere friedliche Vcr- ständigung zwischen Prinzipalität und Gehilfenschaft zu er- schweren. Die Generalversammlung richtet an die Mitglieder des Ver- bandes die dringende Aufforderung, ihr Verständnis für den Ernst der Zeit durch rege Anteilnahme am Organisationsleben und durch einiges Zusammenwirken zu bekunden. Rur bei solcher Mitarbeit jedes einzelnen Mitgliedes wird die Organisation be- fähigt sein, bei der Gestaltung der gewerblichen Verhältnisse wirk- lich nutzbringend mitzuwirken und der Gehilfenschaft ihren be- rechtigten Anteil am Arbeitsvertrage zu erhalten." Ü. Ektmalvttsmnllmlg der Deutschell Metatlalbkiter. Breslau, 18. Juni 1913. Dritter Tag. Die Verhandlungen beginnen morgens 8 llhr mit der Ver- lesung eines Telegrammes der italienischen Metallarbeiter. Sie schicken brüderliche Grütze und entschuldigen ihre Nichtanwesenheit, die durch Kämpfe im eigenen Lande erzwungen ist. Tie De- legierten, die als Reichstagsabgeordnete in Berlin durch wichtige Abstimmungen immer noch zurückgehalten werden, ersuchen tele- graphisch um weiteren Urlaub; er wird von der Generalvcrsamm- lung genehmigt. W i d m a n n- Göppingen eröffnet nun wieder die gestern ab- gebrochene Diskussion zum allgemeinen Geschäftsbericht» Es liegen von gestern her noch 21 Wortmeldungen vor. Im Mittelpunkte der Debatte»stehen neben anderen Fragen im besonderen die der ungeteilten Arbeitszeit und die des«onn- abendmittagschlusses. Die letztere hat unter den Rednern viele Freunde, aber auch die ungeteilte Arbeitszeit wird immer wieder als Gewinn für die Arbeiter gekennzeichnet, trotz der Ein- Wendungen, die man gegen sie machen kann. Die Diskussion wird dann durch einen Schlutzantrag abgekürzt. Schlicke führt in seinem Schlußworte kurz aus, daß die Beanstandungen der Stellung des Vorstandes zu den Unternehmer- nachweisen ohne völlige Berücksichtigung der Gründe erfolgt sei, die dazu angeführt waren. Nun zu den Grenz st reitig- leiten. In den Großbetrieben, wo wir die ausschlaggebende Mackt sind, müssen wir auch in den taktischen Fragen entscheidend sprechen. Der Vorstand will mit den anderen Verbänden noch über diese Frage auf der Grundlage verhandeln, daß in den Be- trieben, die ihrer ganzen Art zu einem bestimmten Berufe gehören, dann die Organisation die Führung für diesen Betrieb zu über- nehmen hat, zu der dieser Beruf gehört. Tie Nebenberufe eines solchen Betriebes sollen so lange zu den Gebieten der Hauptberufs- organisation gehören, als sie nicht ganze in sich geschlossene Be- triebsabteilungen darstellen. Die Hamburger Resolution der Ge- werkschaftcn enthält den Passus: unter Wahrung des jeweiligen Besitzstandes. Das ist ein Passus, zu dem gesagt werden kann, wie es paßt, legt man ihn aus. Ter Vorstand ist durchaus nicht gegen statistische Erhebungen. Das habe ich auch Nicht gesagt. Wenn der Vorstand Statistik macht, dann bedarf er aber der guten und schleunigen Mithilfe der Zahlstellen und Mitglieder. Unsere Ortsverwaltungen können sich selbst auch gut helfen, indem sie ge- wissermaßen über ihre Betriebe Buch führen. Wenn sie in ruhigen Zeiten nach und nach Aufzeichnungen ansammeln, also Qualitäts- listen der Betriebe führen, dann kann man bei wichtigen Maß- nahmen die tatsächlichen Verhältnisse beurteilen. Der Vorstand hat aber auch von den Aufträgen für statistische Erhebungen, die er auf der letzten Generalversammlung erhielt, eine ganze Reihe durchgeführt. Nun nochmals zum Sonnabendmittagschluß. Ver- kürzung der täglichen Arbeitszeit mutz unsere wichtigste For- derung bleiben. Ich möchte warnen, daß wir uns für die Zukunft zu dieser Frage festlegen, es handelt sich doch um eine taktische Maßnahme. Das gleiche gilt für die Frage der ungeteilten Ar- beitszeit... Ich danke für die sachliche Kritik des Vorstandes, ich hoffe, daß unser gutes Einvernehmen hier sich damit auch auf das Ein- vernehmen zwischen der Gesamtmitgliedschaft und dem Vorstande erstreckt; so ist mir um die Zukunft nicht bange. Nach dem Antrag des Verbandsausschusses wird dem Vcr. bandskassierer Werner Entlastung erteilt. Die Einzclberatung der zum Geschäftsbericht vorliegenden Anträge beginnt. Severing-Bielefeld beantragt, sie insgesamt dem Vor- stände als Material zu überweisen. Es wird dementsprechend be- schlössen. Eine Reihe der Anträge wird von Vertretern der sie be «erantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den antragenden Orte noch ausführlich begründet. Besonders erfolgt« dies bei den Anträgen, die statistische Feststellungen in der Elektro� industrie verlangen und denen, die Berufskonferenzen wünschen Cohen- Berlin spricht gegen die allzu vielen Berufs- konferenzen. � Mit Ausnahme der Leipziger Anträge, die Durch- führung einer«schlofferstatistik verlangen, auch wünschen, daß in das Verwaltungsreglement Uebertrittsbcdingungen für � Wiescn- thaler eingefügt werden, werden alle zu diesem Punkt vorliegenden Anträge als Material für den Vorstand überwiesen. Nur noch der Düsseldorfer Antrag, eine Aenderung in der Art der Delegierungen zur Gewerkschaftsschule eintreten zu lassen, wird abgelehnt. Ueber einen Osnabrücker Antrag, der mehr Propaganda für die Arbeitsruhe am l. Mai fordert, entwickelt sich eine kurze Debatte, sie wird durch die Annahme eines Antrages auf Ueber gang zur Tagesordnung erledigt. Die Nachmittagssitzung beginnt mit dem Bericht der Rechnungskommissiou, den Richter- Charlottenburg erstattet. Vorerst muß ein von der Statutenberatungskommission ihr überwiesener Antrag erledigt werden. Es handelt sich um die Erhöhung der Tagesdiäten für Delegationen zu Generalversammlungen, Bezirkskonferenzen und ähnlichen Zusammenkünften. Nach kurzer lebhafter Diskussion wird der Antrag angenommen. Nun werden die Presseanträge verhandelt. Es dreht sich in erster Linie um Anträge aus Barmen, Berlin, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Nürnberg und Frankfurt a. M. Sie fordern gleicherweise, daß die Stuttgarter„persönlichen Streitigkeiten, die aus der po- litischen Tätigkeit von Verbandsmitgliedern herrühren, nicht in der„Metallarbeiter-Zeitung" zum Austrag gebracht werden dürfen". H e i d i n g e r- Stuttgart spricht gegen die Leitung der „Metallarbeiter-Zeitung". Sie hat ihren Standpunkt in der Metallarbeiter-Zeitung" ganz einseitig ausgesprochen, während sie Erklärungen der anderen Seite strikte abgelehnt hat. S ch e r m- Stuttgart, der Redakteur der„Metallarbeiter- Zeitung", antwortet«darauf: Wenn ich auf die Angriffe richtig eingehen wollte, dann müßten«vir hier die ganzen Stuttgarter Streitigkeiten aufrollen. Es handelt sich darum, daß die„Metall- arbeiter-Zeitung" Angriffe, die gegen die Beamten des Verbands- bureaus erfolgten, zurückgewiesen hat. Diese Angriffe find unter dem besonderen Hinweis erfolgt, daß es sich um Beamte aus dem Hauptbureau des Deutschen Metallarbeiterverbandes handle. Unter diesen Umständen ivar es verdammte Pflicht und Schuldigkeit, ab- zuioehren. Als 1911 gegen mich die gröbsten Angriffe erhoben wurden, habe ich eine Uniersuchungskommission beantragt. Das Schiedsgericht, das über den Ausschluß gegen mich verhandelte, hat mich freigesprochen. Es kann doch nicht der Wille der Ver- bandskollegen sein, durch einen Beschlutz der Generalversammlung indirekt das Schiedsgerichtsurteil zu korrigieren. Von Cohen wird, ehe in der Diskussion fortgefahren wird, eine Erklärung der Berliner Delegierten zu den zur Debatte stehenden beiden Anträgen verlesen. Sie lautet: „Tic Berliner Delegierten sind der Ansicht, daß durch die in der Berliner Resolution gekennzeichneten Streitigkeiten keinem Teile der Arbeiterbewegung gedient ist. Bei Austragung per- sönlicher Meinungsverschiedenheiten sollte deshalb von allen Sei- ten das unter Gleichgesinnten notwendige Matz eingehalten werden. In diesem Sinne ist die Berliner Resolution nur aufzu- fassen, die von der Erwartung ausgeht, daß auch von Partei- seite Angriffe unterbleiben, damit nicht für unsere Zeitung wieder die Notwendigkeit entsteht, dieselben abzuwehren." Baumann- Frankfurt a. M. betont, daß es sich für die Frankfurter bei dem Beschluß ihres Antrages nur darum gehandelt habe, die Schädigung, die solche Zeitungsdiskussionen erzeugen, in Zukunft zu vermeiden. Nach Annahme eines Schlußan träges, werden die beiden der Sache gleichlautenden Anträge, die das Unterlassen von politischen Zeitungsdiskussionen verlangen, angenommen. Die Anträge auf Beseitigung der Arbeitergesuche unter Chiffre aus der„Metallarbeiter-Zeitung" werden abgelehnt, nachdem Schlicke erklärt Hätz daß sich darunter auch Arbeitgeber decken, die freiorganisierte tüchtige Arbeiter suchen und sich nicht dem Boykott ihrer Untcrnehmerfreunde aussetzen wollen. Ein Antrag aus Riesa, den Schnapsgenuß in der„Metall- arbeiter-Zeitung" auffälliger zu bekämpfen, wird der Redaktion überwiesen. Tie Behandlung der Statutenänderung wird zurückgesetzt. M a s s a t s ch l Stuttgart spricht über den vierten Punkt der Tages- ordnung: Die Syndikate und Kartelle und ihr Einfluß auf dir Arbeiter- schaft. Wir rekapitulieren seine Ausfürhungen ganz kurz, weil be- chlosscn wurde, den Vortrag als Broschüre erscheinen zu lassen. Die Kartelle staunte man früher als etwas ganz Autzerordent- liches an, man nannte sie eine vorübergehende Erscheinung, später wurde erst erkannt, daß sie ein normales Produkt der kapitalistischen EntWickelung sind. M a s s a t s ch zeigt die unendlich verschieden- artig ausgebaute Macht der Kartelle, weist darauf hin, daß die Kartellgcsetzgebung auch in außerdeutschen Ländern versucht, Nor- men für die Behandlung der Kartelle zu schaffen, aber mit sehr wenig Erfolg, und bewnt zum Schluß, nachdem er noch den Monopolbetrieb Krupp und seine sozialpolitischen potemkinschen Dörfer charakterisiert hat, daß es Aufgabe der Arbeiterorgani- ationen sei, so mächtig zu werden, daß sie mit den Kartellen als Macht zu Macht zu verhandeln vermögen. Wie wir schon erwähnten, wird beschlossen, den Vortrag in Druck erscheinen zu lassen, demzufolge wird auch von einer Tis- kussion Abstand genommen. Der Vorsitzende verliest eine Erklärung, die an erster Stelle die Namen S e v e r i n g und P a>v l o lv i t s ch als Unterschrift trägt. Wir zitieren die Erklärung wörtlich, unter Weglassung einiger kleiner unwesentlicher Stellen: „Tie unterzeichneten Teilnehmer der Generalversammlung erklären hierdurch, daß sie bei aller Sympathie für die Bcstrebun- gen, mit persönlichen Streitigkeiten den Raum der„Metall- arbeiter-Zeitung" nicht in Anspruch zu nehmen, den Beschluß des Verbandstages: „Persönliche Streitigkeiten, die auS der politischen Tätigkeit von Verbandsmitgliedern herrühren, dürfen nicht in der „Metallarbeiter-Zeitung" zum Austrag gebracht werden", als verbindlich nicht anerkennen können. Ganz abgesehen davon, daß der Beschluß von der unmög- lichen Voraussetzung ausgeht, daß die Streitigkeiten in der „Metallarbeiter-Zeitung" zum Austrag gebracht«Verden, während sie doch nur erörtert werden, fehlt in dem Beschluß jede Bestimmung darüber, wer vor der Aufnahme des Artikels entscheiden soll, ob die zu besprechende Streitigkeit als eine aus politischer Tätigkeit von Verbandsmitgliedern entstandene per- s ö n l i ch e Angelegenheit oder eine sachliche Auseinander- setzung ist. Sachliche Meinungsverschiedenheiten sind nicht zu vermeiden. Zur Erörterung dieser Meinungsverschiedenheiten bedarf das Verbandsorgan aber das not lv endige Maß von Met- nungsfrcihcit, ohne dessen Gewährung eine fruchtbrin- gende Erörterung nicht denkbar ist. Die Durchführung des Be- schlusses bedeutet darum nichts anderes als cntloeder die Mei- nungsfreiheit zu unterbinden, oder aber neue unliebsame Er- örterungen über den angeblichen Mißbrauch der»Metallarbeiter- Zeitung" hervorzurufen.__ Inseratenteil verantw.: Tb. Glicke, Berlin. Druck».Verlag: Borwärtt AuS diesen Gründen legen die unterzeichneten Teilnehm« der Generalversammlung gegen den Beschluß die entschiedenste Verwahrung ein." Es folgen 18 Unterschriften. Die Erklärung gebt zu Protokoll. Ein zu gleicher Zeit eingegangener Antrag spricht aus, daß die beiden angenommenen Anträge keine Mißbilligung der Hat» tung der Redaktion der„Metallarbeiter-Zeitung" aussprechen woll» ten. Nach kurzer lebhafter Diskussion wird dieser Antrag ein- st i m in i g angenommen. Nach etlichen persönlichen Bemerkungen vertagt sich der Kon- grcß auf morgen. 19. Gklltralversammluvg der Hamburger Großemdaufs« Gesellschaft. Dresden, den 19. Juni. An den ordentlichen Genossenschaftstag des Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine schloß sich die 19. Generalversammlung der Grotzeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine an. Den Geschäftsbericht über das verflossene Jahr gab der Geschäfts- führer Seifert-Hamburg: Das Ergebnis in bezug auf den Umsatz ist sehr erfreulich. Es wurde ein Umsatz von 136 Millionen gegen» über 109, S Millionen im vorigen Jahr erzielt. Das find 33 Proz. vom Umsatz der Vereine. Während der Umsatz der Vereine um 19 Proz. stieg, ist der Umsatz der Grotzeinkaufsgesellschaft uia 24 Proz. gestiegen. Die größten Abnehmer der Grotzeinkaufsgesell» schaft sind der gastgcbende Dresdener Verein, der Leipzig-Plagwitzer Verein, der Verein„Eintracht" in Essen und die„Produktion" in Hamburg. Auch das begonnene Geschäftsjahr läßt auf ein günstiges Ergebnis schließen. Die Bankabteilung, die erst vier Jahre besteht, hat sich sehr gut entwickelt. Viele Vereine lassen alle ihre Zahlungen über die Bankabtcilung gehen. Die Bankeinlagen betragen jetzt 29 Millionen Mark. Der Ueberschuß wird für genossenschaftlich« Zwecke verwendet. Es werden den Vereinen Hypotheken auf ihre Grundstücke gegeben und es wird ihnen ein'offener Bankkredit er- öffnet. Das finanzielle Geschäftsergebnis des letzten Jahres ist sehr günstig. Der Reingewinn beträgt 1 941 000 M. Wir können Ihnen deshalbe eine höhere Dividende geben, und zwar von 4 Proz. für die angeschlossenen Vereine und von 2 Proz. für die nichtange- schlossenen kaufende«: Vereine. Die EntWickelung der Großeinkaufs- gesellschaft macht eine Erhöhung des Stammkapitals notwendig und wir bitten Sic, einer Erhöhung von 2 auf 4 Milliorien zuzustimmen. Unsere Reserven werden dann etwa 6 Millionen betragen. Die Erfolge des letzten Jahres sind der treuen Mitarbeit der Vereine zu danken. Bleibt sie uns erhalten, so wird auch in Zukunft die Großeinkaufsgesellschaft eine geachtete Stellung einnehmen. Ueber die Eigenproduktionsbetriebe der Groß« einkaufsgesellschaft berichtete Geschäftsführer Lorenz« Hamburg. Auch hier ist das geschäftliche Ergebnis ein günstiges. Die Seifenfabrik erzielte einen Umsatz von 6,ö Millionen gegenüber 4,6 Millionen im Jahre vorher. Eine zweite Seifen- fabrik in Düsseldorf ist im Bau. Welche geachtete Stellung unsere Seifenfabrik in Fachkreisen einnimmt, zeigt die Tatsache, daß uns vor kurzem eine Kokospalmenplaiuage und eine Walfischfang- konzession angeboten worden ist. Die Ergebnisse der drei Zigarrenfabriken in Hamburg, Frankenberg und Hocken- heim(Baden) sind günstig. Es wurden 46 000 Mille Zigarren im Werte von 2,3 Millionen Mark hergestellt. Auch hier sind Erweite- rungsbauten vorgenommen oder doch schon geplant. Wenn man be- denkt, daß die Zigarrenarbeiter bei der Großeinkaufsgesellschaft vorbildliche Lohn- und Arbeitsbedingungen genießen, dann müßte allerdings der Umsatz noch größer sein. Mit Beginn des jetzigen Geschäftsjahres ist die Nordhäuser Kautabakarbeiter- g e n o s s e n s ch/ f t der Grotzeinkaufsgesellschaft angeschlossen «vorden. Eine-Ausnahme in den Eigenproduktionsbetrieben macht die Zündbolzsabrik in Lauenburg a. E., die mit einem Ver« lust voi« 15 000 M. abschließt, der aber nur darauf zurückzuführen ist, daß einmal der ganze Betrieb infolge der Zündholzsteuer neu eingerichtet werden mußte und außerdem, daß die Produktions- menge, die«vir bewältigen dürfen. Von Staats wegen beschränkt ist. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen unserer Angestellten sind durch Tarife geregelt. Geplant sind eine Teigwarenfabrik und eine K i st e n« fabrik in Gröba. Außerdem soll in Gröba eine kleine "Gartenstadt gebaut werden, in der 80 bis 100 Wohnungen für die Angestellten der Großeinkaufsgesellschaft in Gröba eingerichtet werden sollen. Wir schreiten» ganz systematisch auf dem Wege der Eigenproduktion vorwärts. Einen Stillstand gibt es nicht. Eine neue soziale Maßnahme ist die Errichtung eines Pensionsfonds für Angestellte, die mindestens 10 Jahre bei der G. E. G. angestellt sind. Er soll die Leistungen der staatlichen Versicherung und der Unterstützungskasse des Zentralverbandes in der Weise ergänzen. daß unsere Angestellten mindestens den Staatsbeamten gleichgestellt sind. Beiträge werden nicht erhoben. Der Fonds soll erhalten werden durch Zuwendungen aus den Reingewinnen der G. E. G. In diesem Jahr bitten wir, 400 000 M. abzuführen. Wir wollen nicht nur technische, sondern in viel höherem Maße auch soziale Musterbetriebe sein. Tie Versammlung genehmigte die Jahresrcchnung und stimmte der Erhöhung des Stammkapitals zu. Den Geschäftsführern wurd» Entlastung erteilt. Sodann wurde die Versammlung geschlossen. pariamentarilcbes. Die Konkurrenzklauselvorlage gescheitert? Zwischen der ersten und der zweiten KommissionSlesung be* mühten sich die bürgerlichen Parteien, mit der Regierung zu einer Verständigung zu kommen. Die Kommission war bereit, von dem Beschluß der ersten Lesung in der Frage der Gehaltsgrcnze und der geheimen Konkurrenzklausel abzugeben. Namentlich die Gehalts- grenze ist in der Vorlage zu einer Klippe gelvorde». Alle bürger- lichen Parteien machten das Herabgehen auf ein Gehalt von 2000 M. für das Verbot der Konkurrenzklausel davon abhängig, daß auch die Sozialdemokraten dafür stimmen. Unsere Vcr- treter in der Kommission erklärten sich hierzu schließlich bereit, so« fern u. a. die Entschädigung auf mindestens 50 Proz. gesetzlich be« messen würde. In diesem Punkt gab zwar die Regierung nach; sie erklärte aber in der Donnerstagssitzung, daß die angebotene Vcr« botsgrenze(beim Jahresgehalt von 1500 M.) das äußerste E n t- gegen kommen bedeute. Mit einer unwesentlichen Modiftkation waren die Liberalen und die Zentrumsmitglieder nunmehr be« reit, diese Bedingung der Regierung zu schlucken. Nachdem die Sozialdemokraten erklärt hatten, sie würden dieses Kom- promitz nicht schließen, erklärte das Zentrum, es werde ein Kompromiß ohne sozialdemokratische Beteiii« gung nicht annehmen. Aehnliche Auslassungen, aber weniger bestimmt, fielen auch von den liberalen Vertretern.— Da sich die Regierung hartnäckig weigert, auch nur den Mindestforderungen, die der Reichstag einmülig aufstellte, das erforderliche Entgegen- kommen zu zeigen, ist damit die Aussicht für die Gesetzesvorlage nicht allzu günstig. Die Verantwortung für das Nickitzustande» kommen eines in etwas befriedigenden Fortschrittes für die Hand- lungsgchilfen tragen die bürgerlichen Parteien. Von ihrer Hal» tung hängt es ab. ob nicht doch noch die 2000.M.-Grenze von der Regierung angenommen«vird.— Die Kommission nimmt in der nächsten Woche in zweiter Lesung die Einzelberatung auf. Aus der Wahlpriifungskommission des Reichstages. Die Wahl des konservativen Abgeordneten v. Bolko im Wahlkreise Sagan-Sprottau wurde beanstandet,-ter Protest behauptet, daß die Wahlarbeit für den konservativen Kaildi baten im Bureau des Kreisausschusses gemacht lvurde, wo- durch dieser Kandidatur ein amtlicher Charakter gegeben worden ist. Die Kommission stimmte in ihrer Mehrheit dieser Auffassung zu und beschloß Beweiserhebung.— Für gültig erklart wurden die Wahlen der Abgg. Dr. Werner(Antis.)» Herzog(Antts.)«ch Bruckhoff(Fortschr. Volksparteil.______ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer a.®o, Berlin AM na.u*»» 2. KeilU des Lmiills" Mim Msdlali.»«...-o-*«- für die freundliche Vermittelung gedankt und erklärt, daß sie mit ihren Arbeitern einzeln verhandeln wollen. Auch eine persönliche Rücksprache mit den Herren führte zu keinem Ergebnis. Eine Ver- fammlung am 17. Juni bedauerte den ablehnenden Standpunkt der Brauereien, erklärte jedoch, an der Forderung, die Arbeits- und Lohnbedingungen vertraglich zu regeln, festzuhalten. Die Ver- sammelten erwarten von feiten der Brauereien mehr Entgegen- kommen, um einen Vertrag auf friedlicher Grundlage zum Abschluß zu bringen und erwarten endgültigen Bescheid bis zum 21. Juni. Da die Brauereien bereits versuchen, Arbeitskräfte heranzuziehen, so ergeht an die Arbeiterschaft das Ersuchen, keine Arbeits- angebote nach Stolp anzunehmen, sondern Zu- zug fernzuhalten._ Ein mißglückter Streikputsch. Der Krefeld»» Seidenfärberstreik hat bekanntlich auch die Färber in Süddeutschland und in der Schweiz in Mitleidenschaft gezogen. Große Quanten Streikarbeit für den Niederrhein mußten von den dortigen Färbern angefertigt werden, und zu diesem Zweck wurde von früh bis spät in die Nacht hinein mit zahlreichen lieber- stunden gearbeitet. Ter Kampf wurde zur Notwendigkeit. Die Möglichkeit der Zersplitterung der Kräfte durch organisierten Streik- bruch war den christlichen Führern dort nicht gegeben. Man ver- suchte deshalb mit allen Mitteln die Färbereiarbeiter Thüringens rebellisch zu machen und in eine Bewegung hineinzuhetzen. Der Deutsche Textilarbeiterverband sollte durch eine große Ausdehnung des- Streiks aktionsunfähig gemacht werden. Diesen Zweck ver- folgte zweifellos auch das nachstehende Telegramm, welches der Vorstand des Deutschen Textilarbeiterverbandes am 9. Juni aus Köln a. Rh. erhielt: »Hiesiges Gewerkschaftskartell ersucht mich, Ihnen sofort Er- gebnisse meiner Reise nach Krefeld und zurück mitzuteilen. Habe Lage der streikenden Seidenfärbereiarbeiter für sehr aussichtsvoll gefunden, wenn folgende, sehr überraschende Feststellung richtig verwertet wird. Streikarbeit machen am wenigsten die badischen und schweizerischen Färbereien, welche Sie zur Arbeits- einstellung veranlaßt haben. Das ist beinahe zweifellos, denn große Posten Seidenwaren werden an Färberei Ludwig Hirsch in Gera und Schieber nach Greiz in Waggons geschickt. Krefelder und süddeutsche Kollegen sind erstaunt, daß solche Streikarbeit dort gemacht wird, wenn nicht diese Unternehmer sofort an- gegriffen werden. Mindestens kann Lohnbesserung überall er- reicht werden, wenn energisch aufgetreten wird. Sekretär Karl Schmidt, Berlin." Selbstverständlich konnte es dem Textilarbeiterverband nicht einfallen, in Gera und Greiz irgend etwas zu unternehmen. Im Krefelder Streik handelt es sich um Strangfärber, das heißt, die Färber färken das Garn; in Gera und Greiz, bei den beiden im Telegranim genannten Finnen sowie bei allen übrigen kommen nur Stückfärber iu Frage, das heißt, es werden die aus rohweitzem Garn fertiggestellten Gewebe gefärbt. Ein Färben von Seiden- garn ist also in Gera und Greiz unmöglich. Es gibt aber auch keinen Arbeitcrsckretär Karl Schmidt in Berlin, ebensowenig hat das Gewerkschaftskartell zu Köln mit der Sache etwas zu tun. Das ganze Telegramm beruht also auf einem groben und sehr plumpen Schwindel. Der Absender ist der Hereingefallene. Trotz alledem dürfte der Fall beweisen, daß die Arbeiter aller- orts sich derartige Telegramme genau ansehen, bevor sie irgend etwas unternehmen. Unsere Gegner kämpfen mit allen Mitteln. Ein christlicher Verleumder. Einen ordentlichen Denkzettel hat das Schöffengericht zu Leipzig am 18. Juni dem Herrn Martin Fromm, Vorsitzenden des Christlichen Keram- und Steinarbeiterverbandes(Sitz Köln) ver- abreicht. Fromm wurde wegen verleumderischer Beleidigung zu 399 Mk. Geldstrafe eventuell 39 Tage Gefängnis verurteilt. Im vorigen Jahre hielt der christliche Sekretär Küper aus Dortmund im sächsischen Steinbruchsort Röcknitz unter freiem Himmel eine Versammlung ab. Genosse Staudinger, Redakteur am„Stein- arbciter", nahm mit einigen Genossen an der Versammlung teil. Der christliche Küper erhielt später ein Strafmandat, weil er die Versammlung nicht gemeldet hatte. Genosse Staudinger hielt dann ebenfalls unter freiem Himmel eine Versammlung ab, auch er er- hielt eine Gerichtsvorladung, weil auch diese Versammlung nicht gemeldet gewesen sein sollte. Ab.er Staudinger legte über seine Versammlung eine Bescheinigung vor und somit mutzte diese An- zeige fallen gelassen werden. Vor Gericht wurde nun auch unser Genosse darüber vernommen, ob Küpers Versautmlung eine öffentliche war. Staudinger mußte darauf die Antwort in bejahendem Sinne geben. Darauf schrieb Herr Fromm in seiner„Keram- und Steinarbeiter-Zeiwng", Staudinger sei ein Polizeispitzel und De- nunziant. Staudingcr strengte gegen Fromm die Beleidigungs- klage an, Fromm erhob Widerklage. Ein Termin im Januar wurde vertagt und zum zweiten Termin Mitte März d. I. war Staudingcr nicht erschienen, weil durch ein Versehen seines Anwalts ihm der Termin nicht bekanntgegeben war. Zum Unglück versäumte auch Staudingers Anwalt den zweiten Termin um einige Minuten, und so wurde durch Versäumnisurteil die Klage unseres Genossen abgewiesen. Nun brachte Fromm einen großen„Siegesartikel" und verhöhnte Staudinger neuerdings als Polizeispitzel. Damit war unserem Genossen erneut die Möglichkeit gegeben, Klage wegen verleumderischer Beleidigung zu erheben. Herr Fromm erschien zur Verhandlung nicht, sein Anwalt versuchte auch nicht im gc- ringstcn den Wahrheitsbeweis zu führen, ja der Anwalt gab selber zu, daß er persönlich Staudinger einen solchen Vorwurf gar nicht machen würde.— Bemerkt sei, daß die Anzeige gegen Küper von einem Gendarmen ausging. Daß unser Genosse als Anzeiger gar nicht in Frage kommen konnte, bedarf wohl gar keiner besonderen Betonung. Das Gericht folgte dann auch im vollen Umfang den Ausführungen des Verteidigers unseres Genossen. Eine volle Stunde dauerte die Beratung des Gerichts. Das Urteil stellte fest, daß Staudingcr als Anzeiger absolut nicht in Frage kommen kann. Ein sozialdemokratischer Redakteur halte in erster Linie das Ver- einsrecht hoch, eine Denunziation komme gar nicht in Frage. Herr Fromm könne unmöglich glauben, daß ein Sozialdemokrat der Polizei Spitzeldienste leiste. Die Beleidigungen seien wider besseres Wissen erfolgt, eine Verurteilung nach§ 187 des Str.G.B. mußte deshalb erfolgen. Staudinger stehe an exponierter Stellung in seiner Gewerkschaft und man könne es verstehen, wenn er die Sache aufklären wolle.— Die Widerklagen, die Herr Fromm gege? Staudingcr erhoben hatte, wurden verworfen. Metallarbeiterstreik in Braunschweig. In der Braunschweigischen Maschinenbauanstalt kann sich die Direktion absolut nicht entschließen, den Arbeitern die neunstündige Arbeitszeit zu gewähren, wie sie in allen übrigen Fabriken in Braunschweig seit Jahren üblich ist. Immer wieder vertröstete sie die Arbciter, die sich jedoch nicht länger an der Nase herumführen lassen wollen. Sie beschlossen am Sonnabend den Streik und legten Dienstag früh die Arbeit nieder, nachdem die Verhandlungen ergebnislos blieben. 329 Modelltischler, Dreher, Schlosser, Kessel- schmiede, Kupferschmiede, Schmiede, Former und Gietzereiarbeiter sind ausständig._ Hualand. Ein gelber Mordbube. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen Angehörigen zweier See- mannsorganisationen ist am Mittwochabend im Hafen von Glasgow erfolgt. Nach einer Versammlung gerieten die Angehörigen des Ver- bandcs der Seeleute und eines unternehmerfreundlichen Bereines miteinander in Streit, bei dem Revolver und Messer eine Rolle spielten. Ein gelber Matrose- erschoß einen Angestellten des Ver- bandcS der Seeleute. Der Täter wurde verhaftet und konnte nur mit Mühe vor der Wut der erbitterten Kameraden des Ermordeten durch Polizeibeamte geschützt werden. StMveroräneten-verismmIllng. 2 2. Sitzung vom Donnerstag, den 19. Juni, nachmittags S Uhr. Vorsteher Michrlet eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. In den Ausschuß zur Vorberatung des Antrages Dr. AronS betreffend den Turnverein„Fichte" sind als Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion deputiert die Stadtvv. Böhm,. Meyer, Rosenfeld. Stadthagen und Z u b e i l. Um 6 Uhr findet die feierliche �Einführung der neu- gewählten und bestätigten Stadträte Geh. Kommerzienrat Konrad v. B o r s i g und Magiftratsrat Dr. Simonsohn statt. Oberbürgermeister Mermuth vereidigt nach einer sehr herzlichen Einführungsansprache Herrn v. Borsig auf die Verfassung und verpflichtet ihn auf die Städteordnung. Darauf heißt auch der Vorsteher Michelet die beiden Herren mit warmen Worten will- kommen. In die Gaswerke-Dcputation wird für den ver- storbenen Bracke(N. L.) mit 49 gegen 22 Stimmen Stadtv. S p e n d i g(A. L.) gewählt. GewerfcrchaftUcbca. Berlin und Umgegend. Chemigraphen-Konfercnz. Der Zentraltarif für Deutschlands Chemigraphen und Kupfer- drucker, der Ende 1993 auf fünf Jahre abgeschlossen und Ende 1998 für weitere fünf Jahre erneuert wurde, läuft mit Ende dieses Jahres ab. Aus diesem Anlaß tagte bereits am 1. und 2. Dezember 1912 in Jena eine aus allen Teilen des Vertragsgebietes beschickte Konferenz von Vertretern der Gehilfen des Chemigraphie- und Kupferdruckgewerbes, die zu dem Ablauf der Tarifgemeinschast Stellung nahm und die sich einmütig für ihre Erneuerung entschied, sofern bei der Tarifrevijion den berechtigten Wünsche« der Gehilfen in ausreichendem Matze Rechnung getragen werde. Sie besprach eine Reihe Abänderungen, deren Notwendigkeit sich im Laufe der Tarifdauer erwiesen hat. Inzwischen haben sich auch die Sektionen der Chemigraphen und Kupserdrucker des Verbandes der Lithographen und Stein- drucker mit dem Ablauf der Tarifgemeinschast und der Frage ihrer Erneuerung beschäftigt und sie haben sich durchweg im Sinne der Jenaer Chemigraphentonferenz vom Dezember 1912 entschieden. In einer Reihe von Anträgen, die sie an die Zentralkommisswn der Chemigraphen und Kupferdrucker einreichten, haben sie dm Forderungen und Wünsche der Gehilfen geltend gemacht. Das umfangreiche Äntragsmaterial, das bei der Zentralkom-, Mission einging, hat diese nun einer neuen Konferenz von Ver- tretern der Chemigraphen und Kupserdrucker, die am IS. Juni im Berliner Gewerkschaftshause tagte, unterbreitet. Sie hat alle An- träge einer eingehenden Beleuchtung und Sichtung unierzogen. Alle Anträge, die aus der sorgsäUigen Prüfung durch die Konferenz hervorgingen, sollen durch die Zentralkommission zweckentsprechend verarbeitet und dem Tarifamt für Deutschlands Chemigraphen und Kupferdrucker als die Anträge der Gehilfen zur Tarifrevision ein- gereicht werden. Sodann erörterte die Konserenz noch die Ergebnisse einer Statistik über die nichttariftreuen Firmen und die in diesen be- schäftigten Gehilfen und Lehrlinge. Sie lehrt, daß eine ganze An- zahl dieser Firmen nur wenige oder gar keine Gehilfen beschäftigt; es handelt sich also um kleine Betriebe. Einige arbeiten auch nicht für den Markt, sondern für den eigenen Bedarf bezw. Verlag. Trotzdem sollen die nichttariftreuen Firmen nicht aus dem Auge gelassen werden und zur gegebenen Zeit soll versucht werden, sie für die Tarifgemeinschaft zu gewinnen. Merkwürdige Neugier. Daß ein Unternehmer den anfragenden Arbeiter fragt, wo er zuletzt gearbeitet habe, ist begreiflich und erklärlich. Bei seiner Branchenkenntnis informiert er sich so auf die einfachste Weise dar- über, welcher Art Arbeit derselbe zuletzt geleistet hat und was ihm infolgedessen anvertraut werden kann. Bei der A. E.-G. und den B. E.-W. geht man schon lange weiter und verlangt von den um Arbeit Anfragenden die schriftliche Ausfertigung eines„Einste!- lungsgesuches", in dem sie neben den genauen Personalien auch die Angabe der Beschästigungszeit für nicht weniger als die letzten rf Jahre verlangen. Dieser Tage wurde im Apparatebau der E.-G. in der Grünthaler Straße von einem 33jährigen Arbeiter sogar verlangt, daß er alle Beschäftigungen vom 14. Lebensjahre ob mit genauer Bezeichnung von Beginn und Ende der jedes- maligcn Beschäftigung angeben möchte. Der Arbeiter hat es vor- gezogen, statt sich dieser unfruchtbaren und schließlich vielleicht doch nutzlosen literarischen Beschäftigung zu unterziehen, die Zeit zum Suchen anderer Arbeit zu verwenden. Es wäre vernünftig, wenn die Arbeitslosen solchen Firmen überhaupt in weitem Bogen aus dem Wege gingen. Vielleicht würde deren überflüssige Neugier da- durch etwas weniger brennend. Brauer, Böttcher und Arbeiter im inneren Betriebe der Brauerei Groterjan, Aktiengesellschaft, Prinzen-Allee, haben wegen Differenzen die Kündigung eingereicht Es ist Pflicht aller organi- sierten Brauereiarbeiter und Böttcher, Arbeitsangebote nach der Brauerei Groterjan zurückzuweisen. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter, Ortsverwaltung Berlin. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Verband der Böttcher, Ortsvcrwaltung Berlin. Verband der Maschinisten und Heizer, Bezirk Groß-Berlin. Oeutlches Reich. Die Brauereiarbeiter haben den Brauereien in Stolp ihre Forderungen in Foikm eines Tarifvertrages zugehen lassen. Die Brauereien haben jedoch in einem Schreiben an den Bezirksleiter kleines feuilleton. Epilog. Das Jubiläum ist vorüber. Der papageienbunte Schmuck ist heruntergenommen, die Provinzler haben sich verlaufen, die Orden sind in die Schubfächer gelegt worden. Was ist noch übrig. Die gedruckten Gratulationen. Alle haben geschrieben. Alle. Die Rohrlegerfabrikanten haben Wilhelm als den ihrigen proklamiert, die Sportsleute haben sich nicht eniballen können, ein Referat über„Kaiser und Sport" zu geben, die Industrie predigt:„Der Handel unter Kaiser Wilhelm" und so bringt jeder sein Gewerb?, seine Beschäftigung in Beziehung zu einem Mann, der 25 Jahre parallel damit gelebt hat. Die„Deutsche Juristenzeilung" jubelt dem„ersten Juristen Deutschlands" zu. die demokratische' Presse müht sich verlegen, um nichi byzantinisch zu erscheinen, die Mitarbeiter des Kaisers, das Benin von 1888, fernliegende Dinge heranzuziehen. Wenn sie ehr- lich wären, würden sie sagen müssen: Die Entwickelung ist ihren Gang gelaufen, unter ihm, fast nie mit ihm. Gewiß, erlebte, war da, als hier ein Aufschwung kam, da ein Eriolg, geiördcrt hat er nicht-. Nicht die Kunst, zu der er alsein„materialistischer Illusionist" kein Verhältnis hat, die ihm bestenfalls zur Repräsentation dient oder zu einem verschwommenen Gottesdienst, nicht die Wiriichaftsiormen, die er nie begriff, und deren Symptome er bekämpfte, nicht die Wlssenschait, deren ruhige Entwickelung er nie abwarten konnte. Allenfalls das Militär. Wa» für Glückwünsche! Was für Menschen! WaS für Gratu- kanten! Stellen wir uns aus den Standpunkt des Patrioten: weI»eS Verhältnis soll er denn zum Kaiser haben? Keines. Er kann keins haben, denn bei der Arbeit, bei dem. was sein Leben ausmachte, bekam er seinen Einfluß nicht zu spüren. Beim Festefeiern— da war er da. Hoch genug ging es ja her— didldumdei— und so mögen Hoteliers und sonstige Nutznießer der Festkonjunktur ihn segnen und lobpreisen. Zur Jahrhundert-Festspiel-Tragikomödie. In einem Schreiben an die bürgerliche Presse läßt Gerhart Hauptmann durch seinen juristischen Vertreter die von konservativer Seite lancierte Meldung dementieren, er habe die Jnhidierung der Auffühiung„ge- billigt". Der Dichter habe dem Vertreter des Breslauer Magistrats »ur erklärt, er„verstehe" das Vorgehen des Magistrals,„es sei un- getahr so. als wenn jemand einen heftigen Stoß in die Wirbel- säule erhalte". Im übrigen soll es der Fürstbischof Kopp gewesen sein der den derzeltrgen Obersten der Danziger schwarzen Husaren gegen Haupt- mann mobil gemacht hat. Der andere Festdichter. Herr Josef v. Laufse's«llschast für Braunkohlenbergbau und Brikett- a b r i k a t i o n in Köln. Ihre Gesamtförderung betrug im ver- gangenen Jahre über 5 Millionen Tonnen. ES wurden 626 197 Tonnen Braunkohlen und 79 669 Tonnen Ton abgesetzt und l 424 874 Tonnen BrikettS hergestellt. Von 4 756 006 Tonnen Gesan.tabsatz des Kölner»Braunkohlenbrirett-BerkaufsvereinS sind das ca. 30 Proz. Die SyndikatSbeieiligung beträgt 1435 661 Tonnen, wozu noch 143 675 Tonnen der BeißelSgrube und 158 646 der Clarenberg-«kl.- Ges. kommen. Insgesamt sind in der Gesellschaft mehr ls ein Drittel der S h n di k a« S fö r d er ung ver- in igt. Die Rhein. Akt.-Ges. für Braunkohlenbergbau usw st�lll i»e Vereinigung folgender früher selbständigen Werke dar: Skl.-Ges. Fortuna, Gewerkschaften Sibnllagrubc. Gräfrath. Donatus und Lüfte und Gruhlwerk. Zu ihrem Konzern gehören außerdem die Gewerl- schaft BeißelSgrube. die Clarenberg Akt.-Ges. für Kohlen- u»d Ton- industrie in Frechen bei Köln, sowie die Akt.-Ges. Rhein, sches Elek- trizitätSwerk und die G. m. b. H. Elektrizitätswerk Mülheim a. Rh. Als neueste Erwerbung ist die Pachtung der Grube Carl zu buchen. die Eigentum der Gewerkschaft deS Eisensteinbergwerk« Bellerhammer ist. Aus dieser Grube soll der Förderbetrieb eingestellt und nur die BrikettfabrU weitergeführt werden. md 13.4 im Mai 1912); m der Ausfuhr 821. r an evaren und >.1 an Gold und Silber(gegen 716,6 und 7.4 im Mai 1912); st, den fünf Monaten Januar— Mai d. I.: ln der Einfuhr 4547,5 an Waren und 132.6 an Gold und Silber(gegen 4473,3 und 39.7 im enlfprechenden Zeiträume 1912); in der« u S f u h r 4187.6 an Waren und 46.5 an Gold und Silber(gegen 8494,6 und 68,0 im entsprechenden Zeiträume 1912.) Soziales* Zum Kampf ßtßcn die Arbeitcrturnvcreine. In Tilsit hat der Arbeiterturnverein wiederholt Eingaben an die Stadtverwaltung gerichtet, in denen ersucht wird, dem Verein eine städtische Turnhalle zur Verfügung zu stellen, damit die Mitglieder die überaus nützlichen körperlichen' Uebungen vor- nehmen können. Die Gesuche sind aber von der.freisinnigen" Stadtverwaltung glatt abgelehnt worden, und auf die letzte Ein- gäbe erhielt der Verein"von der städtischen Polizeiverwaltung folgenden üoeraus bezeichnenden Bescheid: .Der Arbeiterturnvcrein„Freie Turnerschaft" gehört dem Arbeiterturnerbunde Deutschlands an, der eine politische Organi- sation innerhalb der sozialdemokratischen Partei ist. Demnach ist auch der Arbeiterturnverein„Freie Turnerschaft" ein poli- tischer Verein. Es ergibt sich übrigens auch daaus, daß er seine Turnübungen im Wcstendgarten abhält, in dem die freien Ge- werkschasten und sozialdemokratischen Vereine zu verkehren Pflegen. In dem Lokal sind unter anderem die Büsten von Bebel und Liebknecht aufgestellt. Auch haben die freien Gewerkschaften den Verein mit Geld- Mitteln unterstützt und bisher seine Feste besucht Wir machen daher darauf aufmerksam, daß dem Arbeiterturnverein„Freie Turnerschaft" als politischen Verein nach§ 17 des SieichsvereinS- gesetzes vom 19. April 1999 Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, als Mitglieder nicht beitreten dürfen. Zugleich ersuchen wir gemäß§ 3 des Reichsvereinsgesetzes den Borstand, uns binnen zwei Wochen die Satzung sowie das Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes einzureichen Ebenso ist uns jede Aenderung der Satzung sowie jede Aenderung in der Zusammensetzung des Vorstandes binnen einer Frist von zwei Wochen nach Eintritt der Aenderung anzuzeigen. I. V.: Q u e n t i n." Der Turnverein will gar nicht im Parteilokal Hebungen ab- halten. Er bemüht sich, dafür eine städtische Turnhalle zu be- kommen. Seine dahingehenden Anträge werden hartnäckig ab- gelehnt, und da er nun gezwungen ist, das Parteilokal zu benutzen, wird ihm daraus ein Strick gedreht, um seine Auflösung durch- zusetzen. So geht die Polizeiverwaltung, die in den Händen einer „freisinnigen" Verwaltung ist. gegen Arbeiterturner vor. Zwcckverband für Klrinwohnungsbau. Einen Zweckverband für den Bau von Kleinwohnungen haben 39 Gemeinden des Kreises Worms gebildet. Der Verband de- absichtigt, in allen Gemeinden billige, gesunde Wohnungen nach Bedarf zu errichten. Die erforderlichen Mittel gibt die hessische Landesvcrsicherungsanstalt zu 3!4 Proz. Die Gastwirtschafte» in den preußischen Städten. lieber das Wirtschaftsgewerbe geben mehrere statistische Er- Hebungen Aufschluß, zunächst die preußische Landesstatistik. Diese gewinnt ihre Zahlen an Hand der Betriebssteuer-Ergebnisse, ver- offentlicht aber das Material nicht nach einzelnen Städten. Sodann kommt die Gewerbestatistik in Betracht. Die ist aber zu allgemein gehalten. Wichtiger sind schon die Mitteilungen aus den statistischen Aemtern der einzelnen Städte. Aber auch sie ergeben, weil sie nach' verschiedenartigen Gesichtspunkten aufgestellt sind, kein einheitliches Bild. Nur in einer Beziehung gestatten sie in größerem Umfange die Möglichkeit eines Vergleiches, nämlich hinsichtlich des relativen Verhältnisses der Wirtschaften zu der Gesamtbevölkerung. Von Interesse ist hierbei die Frage, ob während eines bestimmten Zeit- raumes die auf eine gewisse einheitliche Bevölkerungszahl kom- mende Anzahl der Wirtschaften gestiegen oder gefallen ist. Für die preußischen Städte ergibt sich hier folgendes Bild: Von 1898 bis zum 1. Januar 1911 entwickelte sich die Zahl der auf je 1090 Ein- wohner entfallenden Wirtschaften in Berlin von S,7 auf 6,1, in Magdeburg von 2,8 auf 2,9, in Neukölln von Ich auf 4P, in Elbing von 4.S auf 6,3 und in Linden bei Hannover von 2,8 auf 2,9. Hier ist also die Zahl der Wirtschaften gestiegen. Unverändert blieb sie in Frankfurt a. M.(5,5) und in Hildesheim l2,4). Gefallen ist die Zahl der auf je 1999 Einwohner kommenden Wirtschaften von 1898 bis 1911 in Breslau von 4,3 auf 3,8, Köln von 3,6 auf 2,9, Dort- mund von 2,7 auf 2,6, Duisburg von 2,9 auf 2,5, Düsseldorf von 2,3 auf 2,9, Essen von 1,8 auf 1,5, Hannover von 4,9 auf 4,9, Königs- berg von 5,6 auf 4,4, Barmen von 3,5 auf 3,1, Bochum von 3,8 auf 2,7, Cassel von 3,7 auf 2,9, Krefeld von 3,4 auf 3,3, Danzig von 5,4 auf 2,5, Elberfeld von 3,6 auf 3,2, Erfurt von 3,2 auf 3,9, Gelsen- kirchen von 2,6 auf 1,8, Halle von 4,6 auf'3,4, Mülheim-Ruhr von 3,5 auf 2,6, Posen von 4,4 auf 3,5 und Saarbrücken von 6,9 auf 4,7. Weiter ist für folgende Städte ein relativer Rückgang in der Zahl der Wirtschaften nachgewiesen: Bielefeld von 3,6 auf 3,5, Bonn von 4,1 auf 3,2, Brandenburg von 5,2 auf 5,1, Bromberg von 5,2 auf 4,3, Frankfurt a. O. von 5,9 auf 4,4, Görlitz von 3,4 auf 3,1, Hagen von 5,4 auf 3,9, Harburg von 3/4 auf 2,8, Herne von 2,6 auf 1,7, Königshütte von 2,1 auf 1,9, Oderhausen von L,8 auf 2,1, Osnabrück von 3, 7. auf 2,7, Remscheid von 4,8 auf 3,8, Solingen von 6,2 auf 4,6 und Spandau von 5,2 auf 4L. Die Erscheinung, daß die Zahl der Wirtschaften, die auf je 1999' Einwohner der betreffenden Stadt entfällt, in dem genannten Zeitraum gesunken ist, überwiegt also fast auf allen Linien. Wirtschaften mit weiblicher Bedienung nach dem Stande vom 1. Januar 1911 wurden gezählt in Berlin 798, Breslau 51, Köln 17, Dortmund 9, Essen 29, Frankfurt a. M. 46, Hannover 45, Königs- berg 299. Magdeburg 26, Bochum 13, Cassel 4. Danzig 19, Elberfeld 39, Bielefeld 3, Bonn 11, Bromberg 3, Frankfurt a. O. 29, Görlitz 64, Hagen 2, Harburg, 1, Königshütte 11 und Spandau 11. Wie- viel von diesen als.Animierkneipen" anzusprechen sind, erhellt aus der Statistik nicht._ Prämien für Arbeiterschutzvcrletzungen. Der Thorner Jugend.schutz" floriert lustig weiter. Wieder standen zwei Unternehmer wegen Uebertretung des Kinderschutz- gesetzeS als Angeklagte vor dem Schöffengericht. Der eine, ein Schneider, hatte ein noch nicht zwölfjähriges Kind zu Laufburschen- diensten verwandt. Er erhielt die„in Thorn übliche Strafe' von drei Mark. Der andere Angeklagte, seines Zeichens ein Bäcker- meister, wurde freigesprochen, weil das von ihm ausgenutzte Kind nur„gelegentlich" beschäftigt wurde. Die„gelegentliche Beschäfti- gung" erfolgt morgens vor dem Gange zur Schule. Wer gewohnheits- und gewerbsmäßig in Thorn zum Schutze der Kinder erlassene Gesetze übertritt, darf also singen:„Sehen Sie, das ist ein Geschäft, das bringt noch etwas ein". Die zum Himmel kchreiende, völlig straflose Ausbeutung von Kindern zu ländlichen Arbeiten ist an der so überaus großen Milde des Gerichts bei Ver- fehlungen gegen gewerbliche Arbeiterschutzvorschriften mitschuldig. Sericbts- Leitung» Wucher. Wucherische Ausbeutung der Notlage oder des Leichtsinns geld- suchender Personen wurden dem Kaufmann Hans Wienk in Wil- mersdork zur Last gelegt, der sich gestern vor der Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten hatte. Der Angeklagte hatte in verschiedenen Fällen an kleine Beamte, die in Bedrängnis waren, Geld verliehen' und sich dabei Vorteile gesichert, die mit seinen Leistungen in auffallendem Mißverhältnisse standen. Die Opfer, die die Darlehnsnehmer für die Gewährung von Geld bringen mußten, waren riesengroß; durch Prolongationen der gewöhnlich auf kurze Dauer gegebenen Darlehen wuchsen die ursprünglich kleinen Schuldsummen lawinenartig an und man konnte dem An- geklagten nachrechnen, daß für ihn 199 bis 129 Proz. Zinsen ab- fielen.— Der Staatsanwalt beantragte auf Grund der Ergebnisse der Beweisaufnahme gegen den Angeklagten ein Jahr Gefängnis, 1599 M. Geldstrafe und 3 Jahre Ehrverlust. Der Gerichtshof hielt den Angeklagten in drei Fällen des gewerbsmäßigen Wuchers für überführt, und zwar in zwei Fällen unter Ausbeutung einer Notlage und in einem Falle unter Ausbeutung des Leichtsinns und verurteilte ihn zu 5 Monaten Gefängnis, 999 M. Geldstrafe eventl. noch 69 Tagen Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte meldete Revision an. Ostclbische Gerechtigkeit. In Ostelbien denkt die Klassenjustiz nicht daran, mit Spitz- findigkeiten zu operieren. Sie geht vielmehr ganz offen und un- geniert auf ihr Ziel los. Da standen vor dem Jnsterburger Schöffen- gericht zwei Angeklagte: der Herr Inspektor und„sein" Arbeiter, ein Kuhmelker. Dieser ist eines Abends in seiner Wohnung etwas zu laut gewesen und hat dadurch den Herrn Inspektor in seiner Ruhe gestört. So etwas kann der Vorgesetzte des Arbeiters nicht ruhig hinnehmen, denn dann könnte seine Autorität gefährdet werden. Er stellt also am anderen Morgen den Kuhmelker nach ostelbischer Art wegen seines„ungebührlichen" Verhaltens zur Rede. Das bringt den Kuhmelker, der keine Hundenatur ist. in Erregung, er gebraucht in der Erwiderung einige Worte, die als Beleidi- gung aufgefaßt werden. Auch hält er dem Inspektor— man denke, welch ein Verbrechen— den Pcitschenstock entgegen. Der Inspektor sühnt auf der Stelle dieses„widerspenstige" Betragen; er gibt dem Kuhmelker eine Ohrfeige und schlägt ihm mit dem Stock über die Schultern. Beide waren angeklagt. Das Schöffengericht erklärt auch, daß sich der Jnsprktor der Körververletzung schuldig gemacht habe, aber er sei straffrei. Der Kuhmelker habe sich der Beleidigung schuldig gemacht und werde zu 29 M. Geldstrafe verurteilt. Er kann noch von Glück sagen, daß er nicht ins Gefängnis gekommen ist. Die Justiz hat noch mit ihm Einsehen gehabt und sein Vergehen „milde" geahnt. Der Herr Inspektor hat den Arbeiter gemiß- handelt: er bleibt straffrei. Der Arbeiter, der nur einige heftige Worte in der Erregung gebraucht hat, mutz 29 M. und hie Gerichtskosten bezahlen. Marktpretse von Berlin am 18. Jnni ISIS, nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 190 Kilogramm Weizen, gute Sorte 20,16 bis 20,20, mittel 20,08—20,12, geringe 20,00—20,04. Roggen, gute Sorte 16,30, mittel 00,00-00,00, gertilge 00,00—00,00(ab Bahu). Futter« oerfte, gute Sorte 16,10—16,60, mittel 15,60—16,00, geringe 15,20—15,50. JSaftr, gute Sorte 17,30—19,00, mittel 16,10—17,20. Mais(mixed)� gute Sorte 15,30—15,60. Mais trunder), gute Sorte 00,00-00,00. Rrchtswoh 5,00. Heu, alt 6,20-7,60, neu 6,20-6,60. Marlthaltenpreile. 100 Kllogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50,00. Sveiscbobnen, Meitze 30.00—60,00. Linsen 35,00—60,00. Karlosseln(Kleinhdl.) 5,00—9,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule t. 60-2, 40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50-2,40. Butter 2,20— 3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,40-3,20. Zander 1,40—3,60. Hechle 1,60-3,00. Barsche 1,00—2,40, Echltie 1,60—3,50, Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebs« 2,00-60.00. _ Witterungsübersictit vom 19. Juni 1913. rumo»» S E fN E S- .§5 Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien o S B B B« 760 NO 760030 759920 762 SW 763® 76l!WNW § « A«euer alb bd. eiter 2 wollenl Regen 3 bedeckt 3'dcdeckt «s -j» #« I? Elutionen £i 11 B _ B taparanda etersburg Scillh Werde«! Paris 764 751 765 758 765 91 92D 9292® N 9292© Vetter 8 bedeckt bedeckt alb bd. 2!balb bd. 3bedcckl u 0 9 12 13 15 Wetterprognose für Freittag. den SV. Juni IvIZ. Kühler, bei oeränderliiber Bewölkung und ziemlich srischen westlichen Winden: dann Regen mit Gewitterneigung._ Nermltungsstkllt Kerlm Verwaltung: Kassierer: Telephon: Amt Norden 1987. Amt Norden 185. >i 54, sirncnftf. 88-85. Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714 Sonntag, de« 22. Jnni 1913, vormittags 10 Uhr « Branchen-Versammlung n der fcUcnarbeiter im Lokal von Meyer, Pankstratze 82. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Fritz Karl über: Jnnungswese«. 2. Werkftattcmgclegenheiten und Verschiedenes. In Anbetracht der äutzerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend notwendig. Achtanj»! Achtniia;! Erwerbslose(Kranke) Da wegen QuarlalSschlutz daS Bureau am Montag, den 39. Jnni. geschloffen ist, sa erlügen wir die Kollegen, ihre Unterstützung bis zum S8. Juni abheben zu lassen. fge Sonnsbonii, aen zß wni,«irck am Freitag, den 27. Juni, gezahlt. Für Montag, den 30. Juni, wird am Sonnabend, den 28. Juni, getahlt. zum Da sämtliche Mitgliedsbücher eingezogen werden, muh bi»______ S8. Juni die Unterstützung abgehoben sein» ausgeschloffe« davon find diejenigen Kollegen, welche ihre Unterstützung«-st nach Beendigung der Kranlhcit abheben. 120/6_ Die Ortaverwalfnng. mit Brat Ternlchtet radikal Rademachers Goldgelst, S«. geach.Nr. 7518B.(Jorncb- n. farbloa. Eeinigt die oplhant ▼. Schoppen, befdrd.d. Haarwncha, verbat Zuzng von Paraaitea.- Wichtig für Scbnlklndcr. Tansende r. Anerkennungen. Fi. a 050 n. 100 kl. In Apotheken und Drogerien. Man weise Nachahmungen zurück a. achte genau auf d. Namen: Goldgeist! Ortskrankenkasse Reinickendorf. Bekanntmachung. Eine außerordentliche General-Versammliiiig der Ortskrankenkaffc Hierselbst findet am Freitag, den 87. Juni 1913. abends 8 Uhr, im iDselmiaclivn Reftdenzstr. 184, hierselbst, statt. 273/7 Tagesordnung: 1. Belchlutzsassung über Erhebung einer Beschwerde an die oberste Per- waltungsbehörde über die Entscheidung deS Ober-Verficherungsamts Grotz. Berlin betr. Nichizulassung der Kasse. Eoeniucll 2. Beratung und Be- schlutzsassung über die noch cinzu reichenden Satzungen als besondere OriStrantenkasse. 3. Verschiedenes. In der Generalversammlung sind nur die gewählten Verireter slimmberechligt und werden dieselben mit dem Ersuchen um recht zahlreiches und pünttliches Erscheinen hierdurch eingeladen. Die Delegierten baden zu ihrer Legittmattan die besonders ergehenden Einladungen vorzulegen. Mitgliedern, die nicht zur Kasscnverwetung gehöre», kann der Zutrttt nicht gestattet werden. Anstagen und Beschwerden, zu deren Beantwortung Einsichlnalime in die Bücher eriorderlich ist, sind spätestens drei Tage vor Stattfinden der Generalversammlung an die Kaisenverwaliung Berlin- Reinicken- dors, Deuischcstr. 1, einzureichen. Bcrlw-Rcinickendors, 19. Juni 1913. Dar Vorstand der OrUkrankenkaste. Neubecker, L i e b r e n z, Vorfitzender. Schriftsübrer. r i Unserem Genossen Karl Kosenblatt nebst Gattin die herzlichsten' Glückwünsche zur Silberhochzeit. WaHlvercin Lichtenberg. 6. Gruppe. 73A Allgemeiue Krauken- vnd Sterbkkasskd.Metallarbkiter V. o. G., Hamburg. Filiale Berlin 4. Sonnabend, 21. Juni. ab. S1/. Uhr, bei Bringmann, Andreasstr. 26: �itgliöljesvekSWlnIling. Tagesordnung: Kaflenbericht. Jahresbericht. Be- richtcrslattung von der Gcnerawer- sammlung. Neuwahl der Ortsver» walwng und BerichiedencS. 1257b Die Ortsverwaltung. st. Taus Festsi vorm. Bnß' Salon Große Frankfurter Straße 85. Empsehle meinen 2000 Ouadrat- metcr grohen Naturgarten und Fest- säle jür Vercinssestlichleiten. Sonn. abende im Juli und August sowie Im Herbst noch frei.* Gute Bedienung. 300 Mark 104'4' Anzahl, an Bert. Porz, von 2000 M. an. 10 Ps.-Tour elektr. Bahn. Linie 164. Hohenschönhausen, Hauplstr. 17, Hs. pt. A.-B e rl ei h.J i. ftitut j j l! fH A. öoroiiert, Fiiedrichstr. 115, £AHm0ran6 Sor 2cl.92tb. 10654, verl Fl ack-, Smotmg-, Gehrockanzüge in verschied. PreiSIag. bis z. elegantesl. Genre. Sehr grone Ausw. Mätz. Presse. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden beim Begräbnis meines ManneS und Vaters Eni 11 I.angwltz sagen wir allen Verwandten, Freunden, Bekannten, Parteigenossen und Ge- nosfinnen, dem Bezirt 768 des 6. Ber- liner ReichstagswahIkreiscS, dem Per« sonal, den Arbeitern und Arbeite- rinnen der Konsumgenosscnschast Lichtenberg, den Kollegen und Kolle- ginnen des Fabrikarbciterverbandes, er Agitattonstommission der X. Per- kaussstelle der Konsmngenossengeschaft, der Genossin Neumann, der Haus, Wirtin sowie den Mietern auS Turiner Str. 3, den Sängern des Vereins Wcddinger Männerchor sür den ein- drucksvollen Gesang, aus diesem Wege unseren besten Dank. 77A Berta Lungwitz Danksagung. Sagen allen Teilnebmern, die der Beerdigung unseres Sohnes Willi beigewohnt haben, auch für die Herr- lichen Kranzspenden unseren besten Dank. 58A Familie Liehr.�if6 Todes-Anzeigen DentseberMetailarbelter-yerband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mjglied, der Klempner �tax Banse T-llstr. 6, am 17. d.'Mts. an Lungenlridui. gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. Juni, nach- mittags IVi Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Kirchhofes d in Neukölln, Martendorf er Weg,« aus statt. Rege Beteiligung erwartet 120/7 Die Ortsverwaltung. Wasche mit Henkels BNMMdÄk Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄplJu 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Spezial-Arzt Dr. med. Wockenfuss Haut-, Harn-, Frauenleiden, Ehrlich- Hata-Kuren, Blutuntersuchung. Schnelle, gründl.jSchmerzl.Behdlg. Friedrichstr, 125(„SÄ' Sprechet. 10-1 n. 5-8, Sonnt. 9-1 1 Verband der Bueh- und Stein- j druckerel-Hiltsarbelter und Arbeiterinnen Dentschlands. OrtsTorwaltnng Berlin. Am 16. d. MtZ. starb nach kurzem Krankenlager unser Mtt- glied Bans Wendler im Alter von 33 Jahren. Ehre seinem Andeuke« l Die Beerdigimg findet am 20. Juni, Freitag, 4 Uhr Kir den auf dem nachm. ___ Gethsemanejos in Nordend statt. Die Ortsverwattung. Verband d.GenieiiKie-o.Staatsärb. Filiale OroB-BerUn. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege �doH Warnstedt welcher bei der Gemeinde Weißen- jee beschäftigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Frei- tag, den 20. Juni, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle deS Gemeinde-FriedhcseS in derRölcke- strntze aus statt. 34/12 Die OrtsverwallMg. 35 i W» Verkauf nur im Fabrikgebäude! MSie sparen Geld! öbel Wenn Sie I direkt in der Möbelfabrik i H. Walter ia:Willi MaaB, K|| kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— eigene■ Tischlerei und Polsterel.— AufWunsch Teilzahlung. 5■■Permanente Musterzimmer-Ausstellung. m 35 %. O. fl-J.TJüi9 Nährsalz- Bananen- Kakao ist wohlschmeckend, äußerst nahrhaft und stopst nicht. Beste Krastnahrung bei Magen- und Darmkatarrh, bei Schwäche- zuständen, bei Unterernährung und Nervosität. 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Krastel und sein Fluggast, der Werkmeister G e r b i tz, aus einem Frehtag-Baumann-Toppcldecker aus 50 Meter Höhe abgc- stürzt. Beide Flieger waren sofort tot. Wir erfahren über die Katastrophe folgende Einzelheiten: Das herrliche, sonnige Morgcnwctter hatte gestern früh zahl- reiche Flieger auf das Feld hinausgelockt. Ter Wind war nur gering und leicht böig, so datz fast alle Fluglehrer„schulten". Auch Reimar Krastel, der bei der Firma Freytag-Baumann angestellt ist, wollte einen Uebungsflug mit Passagier machen. Der Appa- rat, ein Doppeldecker mit Pfeilform, der während der letzten Flug- Woche unter Gasser mehrmals aufstieg, und der auch schon von anderen Fliegern glücklich gesteuert worden ist, besäst eine auto- matische Stabilisation. Die beiden vorderen Tragdecks waren in Ansätzen am Rumpf der Maschine drehbar gelagert'und standen durch starke Draht- seile mit dem hinten gelegenen Höhensteuer in Verbindung. So- bald die Maschine eine Bö von oben bekam, wurden die Trag- flächen nach unten gedrückt und durch den so entstehenden Zug der Seile das Höhensteuer auswärts gezogen, so dast also der Apparat wieder in die Gleichgewichtslage kommen mustte. So einfach die Einrichtung auch war, erschwerte sie die Steuerung ungemein, da der Pilot, um das Höhensteuer nach oben oder unten einzustellen, auch die ganzen Tragflächen mitdrehen mustte. Ferner wies die Einrichtung den Uebelstand aus, dast der automatische Stabilisator, der vorläufig nur für den Flug einer Person eingerichtet war, verstellt werden mustte, sobald ein Fluggast die Fahrt mitmachte. Der Stabilisator scheint Krastel verhängnisvoll geworden zu sein, da es leicht möglich ist, dast dieser Mechanismus versagt hat. Bald nach 4 Ilhr kam Krastel mit seiner Maschine auf das Feld. Er wurde von dem Werkmeister Gcrbitz begleitet, der an dem Aufstieg teilnehmen sollte. Krastel wollte den Stabilisator in der Luft durch den Werkmeister beobachten lasten, da nach seiner Ansicht der Mechanismus nicht leicht genug arbeitete. Ter Doppel- decker hatte bereits einige Runden zurückgelegt, bei denen alle? in Ordnung zu sein schien. Die Maschine rückte zwar einige Male heftig, doch führten die übrigen Flieger, die den Versuchen Krastels folgten, dies auf zu heftige Steuerbewegungen des Piloten zurück. Als der Doppeldecker vom Wrightschuppen wieder herumkam, neigte er sich plötzlich in der Nähe der Rumplerschen Fabrik stark Nach vorn über und stürzte dann, sich überschlagend, aus 50 Meter Höhe zu Boden. Die beiden Jnsasten wur- den beim Aufprall auf den Boden aus der Karosserie heraus- geschleudert und trugen so schwere Verletzungen davon, dast sie fast auf der Stelle ver starben. Die Unglücklichen wurden in die Unfallstation geschafft, wo der Arzt nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen konnte. Die Schuldfrage ist in diesem Falle nicht so ohne weiteres fest- zustellen. Die Firma behauptet, daß Krastel, der ein schwächlicher Mensch gewesen sei, die Steuerung nicht habe halten können. Nach ihrer Ansicht sei der Flieger schon nach den wenigen Runden so angestrengt gewesen, dast er die Steuerhebel nicht mehr halten konnte und die Maschine zu Boden stürzen mußte. Nach Ansicht der Konstrukteure ist der Stabilisator in Ordnung gewesen und kann den Sturz nicht verschuldet haben. Ueber diesen Punkt gehen die Ansichten jedoch weit auseinander und erst die Untersuchung der Kommission dürfte hier Aufklärung bringen. Partei- Hngdcgenbeiten. Lankwiv. Sonntag, den 22. Juni, veranstaltet der Bildungö- Itusschust einen Familienausflug nach Osdorf. Treffpunkt: Schulz. Kurfürstenstraste. Abmarsch 2 Uhr. 3 Uhr: Kaffeekochen bei König. Um rege Beteiligung wird ersucht. Karlshorst. Am Sonntag, den 22. d. Mts., findet ein Familien- auSflug nach der Ravsnsteiner Mühle statt. Abfahrt nachmittags 2 Uhr vom Bahnhof Karlshorst. Die für Dienstag, den 24. d. MtS. fällige Mitgliederversammlung findet erst am 25. d. Mts. statt. . Strausberg. Am Sonnabend, den 21. Juni, abends 8s'z Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Rückblick auf die verflossene Land- C�ttchiebeue�"6"1®cn0�£ Allenberg. 3. Vereinsangelegenheiten und Bezirk Waidmannslust. Die Abteilungen Waidmannslust und Hermsdorf veranstalten am Sonnlag, den 22. Juni, einen Tages- ousflug nach Heiligensee, Stolpe, Hohen-Neuendorf. Treffpunkt für Waidmann-Uust Schweizerhaus", für Hermsdorf Roon- und Schulzen- o fis* Pünktlich 8 Uhr früh. Nachzügler werden von 2 Uhr nachmittags an bei Blessin in Hohen-Neuendorf erwartet. LerUner I>sacbricbten. Tie Stadtverordneten hatten gestern eine kurze Sitzung. Das bemerkenswerteste Er- cignis war diesmal die Einführung von zwei neuen Stadt- raten, des Großindustriellen Geheimen Komnierzienrats v. Borst g und des bisherigen Magistratsrats Simon- söhn. Die Begrüßungsreden des Obcrbürgcrnieisters Wer- muth.und des Stadtverordnetenvorstehers Michelct priesen die beiden Neuen als ganz ungewöhnlich wertvolle Bereiche- rungen des Magistratskollegiums. Besonders dem Herrn V.Borsig wurde eine mehr als reichliche Fülle von Komplimenten ins Gesicht gesagt. Das Arbeitspensum, das den Stadtverordneten vorlag. war nicht groß. Zu deni Magistratsantrag, betreffend die Uebernahme der Arbeitgcbcrbciträge zur Angestellten- v e r s i ch e r u n g für die in Anstalten der Stadt beschäftigten Viktoriasch we st ern empfahl die sozialdemokratische Fraktton Vorberatung in einem Ausschuß. Die Arbeit- geberbciträge müßten eigentlich vom Viktoriahaus gezahlt werden, dieses aber erklärt, hierzu nicht imstande zu sein, so daß die Stadt in ihren Säckel greifen müsse. Genosse Wehl beleuchtete das Verhältnis des Viktoriahauses zu» Stadt Berlin und forderte Verstadtlichung dieses Instituts. Die Einsetzung eines Ausschusses wurde beschlossen. Tor Tank des Kaisers für das Ständchen der Kinder scheint m den Kreisen derer, die um diese Veranstaltung sich bemüht haben, alz ein bißchen zu k a r g empfunden worden zu sein. Bürgerliche Blätter wutzten nur von wenigen Worten zu melden, die der Kaiser vom Fenster aus in den Schlosthof hinuntergerufen habe. «ach dem Bericht der.Volks-Zeitung" z. B. hätte der Dank folgender- maßen gelautet:„Ich danke euch, ihr lieben Kinder! Ihr habt sehr schön gesungen und eure Sache gut gemacht. Ihr habt mir mit eurem Ständchen eine große Freude bereitet." Der„Lokal-An- zeiger" gab einen noch kürzeren und merklich kühleren Wortlaut an, nämlich:„Kinder, ich danke euch, ihr habt eure Sache recht nett ge- macht; ich habe mich gefreut." Das ist in der Tat weniger als man bei Wilhelms II. sonstiger Redelust hätte erwarten können. In der„Volks-Zeitung" veröffentlicht jetzt Fräulein Lilli Jan- nasch, die in der bürgerlichen Jugendpflege tälig ist, einen von tiefem Bedauern erfüllten Artikel, der die Knappheit dieses Dankes mit den Worten:„Weniger als ein Almosen" zu kenn- zeichnen versticht. Sie sieht in dem Verhalten, das der Kaiser und seine Gattin bei dem Ständchen der Kinder des Volkes zeigten, den Ausdruck einer„schmerzlich berüh- renden Volksfreindheit". Wenn auch die Kinder„Ivohl die Bitterkeit dieser Abfertigung nicht empfunden" hätten, so sei sie doch s-bmerzlich für die Lehrerschaft. Der Lehrerschaft hätte der Kaiser, meint Lilli Jannasch, persönlich seinen Dank aussprechen sollen, indem er entweder eine Deputation zu sich heraufbeschied oder selber hinunterging. Schließlich hebt sie noch hervor, daß die Kinder, da sie schon sehr früh von Hause hatten aufbrechen müssen, hungrig nach dem Schloß kamen und hungrig wieder fortgingen. „Warum hat das Kaiserpaar", fragt sie,„nicht die Idee gehabt, dieses Kinderständchen durch eine Kinderschokolade mit Kuchen zu belohnen? Warum hat es sich diese unVergleich- liche Gelegenheit entgehen lassen, einmal in seiner langen Regierungszeit die Kinder des Volkes bei sich zu Gaste zu laden? Und wenn es schon selbst nicht auf diesen Gedanken kam, warum hat nicht jemand aus der Umgebung das Kaiserpaar darauf hin- gewiesen, daß eine Jubiläumsschokolade in der Alexanderkaserne oder im Schloß verabreicht, für die mühevolle, umfassende Arbett, die das Ständchen verursacht, ein geeigneter Dank wäre und herz- liche Freude bereiten würde? Allenthalben ist es sonst Sitte, daß man die Jugend bewirtet, wenn sie zu Ehren der Erwachsenen Aufführungen veranstaltet! Jeder Bürger betrachtet die Bewirtung in solchem Falle als Ehrensache, besonders wenn es sicb um Kinder handelt, denen daheim vielfach nur ein magerer Tisch beschieden ist. Daß viele bedürftige und schlecht ernährte Kinder sich unter der Sängerschar befanden, das bedurfte keiner besonderen Hervor- Hebung. Aber ganz allgemein war immerhin zu erwägen, daß Kinder, die stundenlang stehen und gehen müssen, die früh um 5 Uhr aufgestanden sind, um zeitig am Treffpunkt zu sein, sehr leicht zusammenklappen können, wenn sie nicht eine wohltuende Erquickung im Magen haben. Den Kindern eine Frühstllcksschokolade zu reichen, wäre also schon aus Zweckmäßigkeitsgründen eine dankenswerte Tat gewesen. Warum hat vom Roten Kreuz, von wo aus man doch sehr nahe Beziehungen zur Kaiserin hat, niemand den Anstoß dazu gegeben, daß die Kaiserin� eine solche Bewirtung der Kinder ver- fügte?" So habe die Idee des Ständchens mit einem M i ß k l a n g geendet. Die„Volks-Zeitung" selber brachte über den Verlauf des Ständchens einen Bericht, der nichts von einem Mißklang ver- riet und sich höchst befriedigend über die„schöne Feier" äußerte. Sie schilderte mit Behagen, wie der Kaiser in großer Gcneralsuniform entblößten Hauptes mit seiner Gattin an das Fenster getreten sei und sich verneigt habe, wie beide von dem Gesang ergriffen gewesen seien und lebhaften Beifall gespendet hätten, und so weiter, ivian darf vermuten, daß besser als jener begeistert-rührselige.Volks-ZeitungS"-Bericht der Artikel des Fräu- lein Jannasch den Stimmungen entspricht, die der Dank des Kaisers in der Lehrerschaft hervorgerufen hat. Es ist sehr glaubhaft, daß manchem Leser der bürgerlichen Preffe, der sich durch ihre Schweifwedeleien nicht hat beirren lasten, der Dank des Kaisers zu denken geben wird. Der biederen„Volks-Zeitung", die alles so schön mitgemacht hatte, wird cS nicht leicht geworden sein, jetzt ihre Spalten dem Klagelied der Enttäuschten zu öffnen. In der Lanbe verbrannt. Ten Tod in den Flammen fand gestern vormittag ein kleines Mädchen. Gegen 8'/« Uhr wurde die Neuköllner Feuerwehr nach der Laubenkolonie„Böhmisches Dorf" an der Köllnischen Allee gerufen, wo die Laube des Arbeiters Fuhrmann aus der Niemetzstraste 11 zu Neukölln in Brand geraten war. Als die Feuerwehr dort anlangte, stand die Laube bereits in hellen Flammen. Vor ihr versuchte, laut schreiend und sich ganz wahnsinnig gebärdend, die Ehefrau des Be- sitzerS in die brennende Laube einzudringen, aus der das Wimmern ihres Kindes, ihrer 5 Jahre alten Gertrud, hervordrang. Ihr verzweifelter Kampf, in das Feuermeer zu dringen und das Kind zu retten, blieb jedoch erfolglos. Selbst die Feuerwehr vermochte nicht sofort in die Laube einzudringen. Erst als sie durch energisches Vorgehen den Brand zum Teil gelöscht hatte, konnte sie in den Innen rauni gelangen. Hier fand sie das Kind aber nur noch als völlig verkohlte Leiche wieder. Gerade als sie den verbrannten Körper hervorgeholt hatte, erschien der Vater der Kleinen, der inzwischen auf seiner Arbeitsstelle benachrichtigt und daraufhin sofort herbei- geeilt war. Auch er brach beim Anblick der Leiche in verzweifeltes Schluchzen aus. Wie das Feuer entstanden ist, ließ sich nicht mehr feststellen. Wie eS scheint, hat das Kind mit Feuer gespielt und ist so der Brand ausgebrochen, von der Mutter aber erst so spät bemerkt worden, daß sie ihr Kind nicht mehr retten konnte. Die Mutter selbst konnte darüber noch nicht befragt werden. Prämiicrung und Ankauf von Ausstellungswcrkcn. Eine Kommission der städtischen Kuustdeputation trat gestern vormittag mit der Ausstellungsleilung der Großen Berliner Kunst- ausstellung zusammen, um über die Preisverteilung auf der Jubiläumsausstellung zu entscheiden. Im Hinblick auf die große Bedeutung, welche der Architekt« auf der diesjährigen Ausstellung zugewiesen ist, erkannte die Kommission dem Architekten Arnold Hartmann-Berlin den Ehrenpreis der Stadt Berlin(3000 M.) zu für seinen Entwurf eines Nationalparks aus dem Plchetswerder bei Berlin, der im Saal 4815 ausgestellt ist. In» übrigen wurden für die Stadt Berlin folgende Bilder angekauft: Madonna von Paul Plonlke lSaal 3>; Bildnis des Protestor Ignatius Taschner von Ernst Hettcmann(Saal 24); Rast auf der Diele von August v. Brandis lSaal 8B); ferner von Max Ester eine kleine Plastik: Ein Star(Baal 22 A) und endlich künstlerische Plaketten von August Vogel(in den Sälen 15 und 16). Von der Kinosteuer. Der Magistrat teilt mit:„Nach der Ordnung lür die Be- steuerung von Kinematograpbemhearern usw. im Stadtbezirk Berlin vom 8. März 1913 unterliegt die öffentliche Veranstaltung von Tanz- bclustigungen der Kartenstener, sobald ein Eintrittsgeld von 1,23 M. und darüber erhoben wird." Da für diese Steuer gemäß Z 10 der Steuerordnung sowohl der Veranstalter wie auch der Besitzer des für die Veranstaltung her- gegebenen Raumes als Gesamtschuldner hasten, kann den Saal- besitzem zur Vermeidung derartiger Regreßansprüche mir dringend empfohlen tverden, sich von der rechtzeitigen Anmeldung jeder steuerpflichtigen Veranstaltung durch Einsicht der den Veranstaltern(Ver- einen usw.) darüber erteilten Bescheinigung der Steuerkasse zu über- zeugen oder aber selbst diese Anmeldung, welche svätens am letzten Werklage vor dem Beginn der Veranstaltung bewirkt sein muß, direkt zu veranlasten.... � Außer diesen Tanzbelustigungen sind auch sonstige steuer- Pflichtige Veranstaltungen gemäß 8 8 der Steuerordnung spätestens am letzten Werktage vor ihrem Beginn der Steuerbehörde zu melden, selbst wenn deren Ertrag ausschließlich zu vorher� an« gegebenen gemeinnützigen oder wohltätigen Zwecken bestimmt ist. Eine nette Bekanntschaft. Eine unangenehme Reisebekanntschaft machte gestern eine junge Russin, die nach Berlin gekommen war, um hier Stellung als Er- zieherin anzunehmen. Auf der Reise hierher lernte sie im Zuge eine Landsmännin kennen, die sich ihr gegenüber als eine 26 Jahre alte Schneiderin Zirolschock vorstellte und angab, ebenfalls nach Berlin fahren zu wollen, um hier Beschäftigung zu suchen. Beide Damen kamen in ein Gespräch und beschlossen endlich in Berlin gemeinsam ein Zimmer in einem Hotel zu beziehen, um dadurch Geld zu sparen. Das taten sie denn auch. Am anderen Morgen entfernte sich die Erzieherin, um bei ihrer Herrschaft, wo sie angestellt worden war, einmal vorzusprechen. Auf Rat ihrer� Begleiterin, die in dem Zimmer zurückblieb, übergab das junge Mädchen ihr die Schmucksachen und den Gepäckschein, damit ihr die Sachen auf dem Wege durch Berlin nicht gestohlen werden könnten. Bei der Rückkehr von diesem Gange machte die Erzieherin aber die un» angenehme Entdeckung, daß ihre Begleiterin ausgegangen war und die Schmucksachen sowie den Gepäckschein mitgenommen hatte. Nach- dem sie eine Weile vergeblich gewartet hatte, ging sie zum Bahnhof, um sich zu erkundigen, ob ihr Gepäck noch da sei. Zn ihrem Schrecken wurde ihr aber mitgeteilt, daß eine andere Russin dieses auf den Schein hin abgehoben habe. Jetzt war es der jungen Dame klar, daß sie das Opfer einer Gaunerin geworden war, die sie um ihre ganzen Schmucksachen und alle anderen Habseligkeiten gebracht hatte, so daß sie nunmehr ganz mittellos dastand. Die Nach- forschungen nach der Diebin, die wahrscheinlich mit ihrer Beute gleich weitergereist ist, waren bisher ohne Erfolg. Vorstandssitzung des Deutschen Städtetages. Unter Vorsitz des Oberbürgermeisters von Berlin hat am 17. d. M. im Berliner Rathause eine Borstandssitzun g d e§ Deutschen Städtetages stattgefunden. Der Geschäftsführer des Preußischen Städtetages Dr. Luther wurde bis auf weiteres mit Wahrnehmung der Geschäfte auch des Deutschen Städtetoges beauftragt. Für die nächste Hauptversammlung des Deutschen StädtetageS, die im Mai 1914 in Köln stattfinden soll, fand eine Vorbesprechung über die Tagesordnung statt. Erörtert wurde auch ein gemeinsames Vorgehen der deutschen Städte bei Ausstellungen und Unterstützung von Vereinen, die nicht nur örtliche Bedeutung haben; es soll den Städten empfohlen werden, ihre Beschlußfassung über solche Fragen auszusetzen, bis eine gutachtliche Aeutzerung des Deutschen Städtetages vorliegt._ Mit dem Bau der Nord-Südbahn wird es jetzt Ernst. Die untere Chaustcestrahe ist zwischen Ticck- und Jnvalidenstraße für den Fahrverlehr gänzlich gesperrt; nur die Straßenbahnwagen, deren Gleise seitwärts verlegt worden sind. dürfen noch passieren. Zwei mächtige Rammen treiben die T-Eistu» in den Boden, an denen später die Spundwände ihren Halt finden sollen. Auf der östlichen Seite ist bereits mit den Ausschachtungs- arbeiten begonnen worden. Der ausgeyobene Boden wird auf Feld- bahnen zu den Ladeplätzen befördert; in den Nachbarstratzen türmen sich Berge von Baumaterial aller Art aus. Zum Glück dauert diese Verkehrsstörung nicht lange, denn nach Einbau der Straßenbrücken wird der Fahrverkehr, der jetzt durch die Querstrasten abgelenkt werden muß, wieder freigegeben und der Tunnelbau unter der Schutzdecke ausgeführt. In dieser Weise sollen die einzelnen Srrastenabschnitte vorübergehend gesperrt werden, so daß der Wagenvcrkehr nicht glänzlich unterbrochen, sondern nur zeitweise abgelenkt zu werden braucht. Auf der nördlichen Strecke, zwischen Wedding und Seestratze, sind die Arbeiten schon erheblich vorge- schritten; die Straßen sind fertig überbrückt und der Tunnel streckenweise schon soweit ausgeschachtet, dast demnächst mit der Betonierung wird begonnen werden können. Tic in Sachen des Automobilanschlages berhafteien jungen Leute, Mechaniker Wilhelm Lemke und«chloster Otto Schulz, sind kurz nach ihrer Verhaftung wieder entlassen worden, weil sich herausgestellt hat, dast sie mit der Tat nichts zu tun haben. Im Tegeler See ertrunken ist gestern nachmittag zwischen, 6 und 7 Ilhr der Hausdiener Paul Schulz. Sch. hatte mit B», kannten im See gebadet, wobei er plötzlich in den Fluten versank« Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. In der Narkose gestorben ist gestern der fünf Jahre alte Sdhn Marian des Schlossers Schich ans Oberschöneweide. Der Kleine sollte in einer Klünk in der Blumenstraße wegen einer Mandel- Wucherung operiert werden. In der zu dieser Operation not- wendigen Narlose verstarb jedoch das Kind. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. Ein Opfer des starken Strassenverkehrs wurde, wie wir mit- teilten, am vergangenen Dienstag ein junger Mann, dessen Persön- lichkeit nicht festgestellt werden konnte. Wie sich jetzt herausgestellt hat, handelt es sich um den erst 15 Jahre alten Arbeitsburschen Georg Heyer aus der Eylauer Str. 10. Heyer war in dem Hause Friedrichstr. 245 beschäftigt. Er wollte von seiner Arbeitsstelle nach Hause gehen, als er schon zwei Häuser weiter von dem Kraft- omnibus erfaßt, überfahren und so schwer verletzt wurde, daß er schon auf dem Wege nach der Hilfswache am Tempelhofer Ufer verstarb. Tachftuhlbrand im Osten Berlin?. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr nach der N i g a e r.S t r a ß e 15 im Osten Berlins gerufen, wo der Dachstuhl des Ouergebäudcs in Brand geraten war. Die Flammen hatte» auch den Fußboden und mehrere Boden- verschläge mit Inhalt ergriffen. Brandmeister Gempp ließ sofort eine mechanische Leiter errichten und kräftig Wasser geben, wodurch es gelang, die Gefahr innerhalb einer halben Stunde zu beseitigen. Der Dachstuhl des Quergebäudes ist nur teilweise zerstört worden. Ueber die Ursache des Feuers ist nichts ermittelt. In den gestrigen Nachmittagsstunden wütete in der Birken- st r a ß e 28, Ecke Stcphanstraste, in Moabit schon wieder ein großer Dachstuhlbrand Als der 15. Löschzug aus dem Depot in der Turmstraße eintraf, war das Feuer schon sehr weit vorgeschritten, weshalb durch einen Nachalarm schleunigst noch ein zweiter Zug herangezogen wurde. Obgleich aus mehreren Schlauch- leittingen Wasser gegeben wurde, dauerte es doch über eine Stund«, ehe der Brand unterdrückt war. Ter Dachstuhl des Eckhauses ist größtenteils vernichtet worden.. Tie Auftäumungsarbeiten hielten die Wehr dann noch mehrere Stunden auf der Brandstelle fest. Die Ursache des Feuers konnte nicht mehr sestgestellt werden. Ter Verein für Kinder. Volksküchen und Volkskinderhorte hat in seinen 17 Anstalten im Monat Mai 1913 285 034 Portionen Mittagessen an bedürftige Kinder verteilt, welche demselbe» oatt, der städtischen Schulbehörde, von den städtischen Säuglingsfürsorg« stellen, den Auskunfts- und Fürsorgcstellen für Lungenkranke und anderen Wohltätigkeitsvereinen überwiesen wurden. Die Leiche �eines achtjährigen Knaben wurde gestern abend vor dem Hause Stralauer Allee 1 aus der Spree gelandet. Passan- ten sahen die Leiche gegen 7 Uhr in der Nähe der Lbcrbaumbrücke auf dem Wasser treiben. Ein Schutzmann landete sie mit einem Kahn und brachte sie nach dem Schauhause. Hier konnte bald fest gestellt werden, daß es sich um den 8 Jahre alten Schüler Mieczvs laus Paul aus der Rüdersdorfer Straße CW handelt Der Knabe wurde seit Dienstagabend vermißt. An diesem Abend wollten ihn Spielgenoffen, mit denen er Streit hatte, nicht in das Haus hineim lassen. Als die Eltern davon später erfuhren, war er verschwunden. Ob nun der Knabe in der Dunkelheit in der Stralauer Allee inS Wasser gefallen ist oder gar aus Furcht freiwillig in die Spree ge� sprangen ist, steht noch nicht bestimmt fest. Zeugen gesucht. Personen, die Zeugen eines Unfalles einer älteren Frau auf der städtischen Straßenbahn an der Ecke Revaler und Warschauer Straße ani Donnerstag, den 12. Juni, abends zwischen 9 und 19 Uhr waren, werden ersucht, ihre Adressen abzu- geben bei Albert Froebel, Markusstraße 18. Vorort- ad? rickten. Lankwitz. Tie findige Polizei. Der verflossene Jubiläumsrummel scheint auch die hiesige Polizei in einem Matze in Anspruch genommen zu haben, so daß ihr zur Ausführung anderer Aufgaben recht wenig Zeit übrig geblieben ist. Zwei Ortsbewohnern waren am Sonnabendnachmittag zwei Knaben im Alter von 3—4 Jahren abhanden gekommen, weshalb einer der Bäter der Bermitzten sich auf die Polizeiwache begab, um die Hilfe der Polizei zu erbitten. DaS war jedoch nicht so einfach, denn infolge des Jubiläumsfestes war das Rathaus nebst Polizeiwache abgesperrt. Erst nach längerem Parlamentieren mit einem der ab< sperrenden Beamten wurde ihm durch eine Hintertür Eiw laß gewährt. Nach mehrmaligen Anfrageir in der Nacht sowie am Sonntage konnte nicht» über den Verbleib der Kinder ermittelt werden, trotzdem die Kinder bereits am Sonn- abendnachmittag in nächster Nähe von Lankwitz von der Tempelhofer Polizei in Gewahrsam genommen wurden. Doch erst im Laufe des Montags gelang es der Lankwitzer Polizei, den Aufenthalt der Kinder zu ermitteln. Beim Abholen der Kinder soll dem Vater des einen Kindes von der Tempelhofer Polizei versichert worden sein, datz schon am Sonnabend sämtliche umliegenden Polizeibureaus von dem Auffinden der beiden Kinder benachrichtigt worden wären. Wenn das zutrifft, so mutzte man das späte Auffinden der Kinder der Lankwitzer Polizei zur Last legen, die allerdings durch die starke Inanspruchnahme an den Jubiläumsfestlichkeiten ihren eigentlichen Pflichten entzogen wurde. Neukölln. Spirlparticn nach Treptow und dem Pläntcrwald veranstaltet der hiesige Wahlverein an jedem Somrtagvormittag und Mittwoch nachmittag. Treffpunkt Sonntag vormittags 7 Uhr am Rathause, Erkstratze. MillwochnachmiltagS 2 Uhr Wildenbruchstr. 86-, Ecke Weferftratze. Am 26. und 27. Juli d. I. findet eine Ferienpartie nach Strausberg, von da bis Freienwalde, statt. Kostenpunkt für Kinder 3,69 M., für Erwachsene 4,50 M. Meldungen, sowie eine Einzahlung von 2 Mk. pro Teilnehmer werden bis zum 12. Juli bei den Spielleitern sowie im Sekretariat, Neckarstratze 3, angenommen. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Treptow-Baumschulenweg, Nieder-Tchöneweide. Am Sonntag, den 22. d. M., findet in der Kvnigsheide das in jedem Jahr wiederkehrende W a l d f e st des MänncrchorS.Ober- spree" statt. Der Festzug setzt sich um l'/z Uhr vom Lokal August Krause, Baumschulenwcg, Kiefholzstr. 249, in Bewegung. Auf dem Festplatz finden dann Volksbelustigungen, Scheiben- und Armbrustschietzen, Kegelspiel, Präsenteverlosling und Spiele aller Art für die Jugend statt. Da ein Teil des UeberschusseS den beiden Wahlvereinen zu- gute kommt, so werden die Parteigenossen gebeten, sich an dieser Veranstaltung zahlreich zu beteiligen. Kalkberge- Rüdersdorf. Ein schwerer Unglücksfall hat sich an der Verladerampe der im Bau befindlichen Thyssenschen Kalksandsteinfabrik am großen Stienitz- see zugetragen. Dort wurde der 10 Jahre alte Sohn des Schiffs- eigners Walz von einem herniedergehenden Kontergcwicht der Seil- bahn auf den Kopf getroffen. Der bedauernswerte Junge erlitt eine schwere Schädelverletzung, die seine sofortige Ueberstihrung ins hiesige Verbandskrankenhaus notwendig machte. Dort ist er wenige Stunden nach seiner Einlieserung seinen schweren Verletzungen er- legen. Tempelhof-Mariendorf-Marienfelde. Neber die Bolkssürsorge wird in einer von der Gewerkschafts- kommission am heutigen Freitag, abends 8>/, Uhr, nach dem Buhrowschen Lokal, Mariendorf, Chausleestr. 27, einberufenen Ver- sammlung Arbeitersekretär Genosse A. Ritter referieren. Sämtliche Funktionäre der Partei, der Gewerkschaften und der Konsumgenossen- schast sBezirksführer, Vertrauensleute, Kassierer, Kommissionsmit- glieder) sind zu diesem Vortrag besonders eingeladen. Nieder-Schönhausen, Nordend. Eine Spielpartie findet Sonntag, den 22. Juni, morgens 8 Uhr, nach Hermsdors statt. Treffpunkt: Marktplatz. Erwachsene werden ersucht, mit daran teilzunehmen. Fahrpreis für Erwachsene bin und zurück 20 Pf., für Kinder 10 Pf. Treffpunkt für Nachzügler: in Hermsdorf, Restaurant»Bellevue*. Daselbst Kaffeckochen. Eichwalde. Eine eigenartig sparsame Gemeindevertretung ist anscheinend die unsrige. Trotz der von den bürgerlichen Vertretern stets bezeich- neten überaus traurigen Finanzverhältnisse bewilligte die Ver- tretung dem Kriegerverein zur Jahrhundertfeier 50 M., zum Re- gierungsjubiläum für ein sogenanntes Volksfest 300 M.; außerdem 600 M. für Ausstellung eines Kriegerdenkmals, das der Kriegerverein großmütig der Gemeinde überlassen will. Das Denkmal hat der Kriegcrverein von einem Eichwalder Einwohner geschenkt be- kommen. Den Schulkindern ist auf Kosten der Gemeinde zum Ju- biläum ein sogenanntes Gedenkblatt überreicht worden mit dem Bemerken, dasselbe einzurahmen und zu Hause an die Wand zu hängen. Jugendberanstaltungea. Neukölln. Ani Sonntag, den 22. Juni, finde! eine Wanderung nach Spandau— Papenberge—Heiligensec— Tegel statt. Abfahrt Lehrt« Fern bahn hos 6.23 Uhr nach Spandau. Fahrgeld 40 Pf. Lankwty. Am 21. Juni veranstaltet die arbeitende Jugend von Lankwitz eine Nachlpartie nach Jagdschloß Grunewald— Schildhorn— Großes Fenster— Schwanwcrder. Rückfahrt 1t Uhr vorintttagS von Zchlachtenfe«. Trest'punlt Sonnabend 10 Uhr abends Sc»dlitz>, Ecke Derfflingerstraße. Kostenpunkt 50 Pf. Pankow> Nieder. Schönhaufe». Am Sonntag, den 22. Juni Tagcspartie nach Lehnitz— Krabowsce—FriedrichSIbal— Oranienburg. Tress Punkt 7 Ubr Pankow, Nordbahnhoj. Abfahrt pünktlich 7 Uhr 14 Minuten. Fahrgeld SO Pf._ Spiel und Sport. Arbeiter« Radfahrerbund»Solidarität.(Ortsgruppe Berlin) Touren zum Sonntag, den 22. Juni: Alle Abteilungen 10 Uhr Werneuchen(Schiotttc). 1 Abt.: 4 Ubr: Wriezcn a. Oder. Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: am 21., abends 7 Uhr: Freienwalds. (Raddatz). Start: Fontanepromenade 18.— 3. Abt.: 5 Uhr: Tiefenfee. Start: Lausitzcr Platz t2.— 4. Abt; 5 Ubr: Tiefenfee. Start: Küstriner Platz.— 5. Abt.; 4 Ubr: Wanderfahrt durch de» Blumenthal. Start Elysium.— 6. Abt.: 6 Uhr: Blumentbal. Start: Lderberger Str. 28.— 7. Abt. Start: Schulstr. 20.— 8. Abt. Start: Levctzowslraße.— 9. Abt. fort: Schillingstr. 22.— 10. Abt. Start: Gr Frankfurter Str. 30.— 11. Abt.: Am 25. Juni: 9 Uhr: Streijzllge durch den Grunewald. Start Große Hamburger Str. 18/19.— Ortsgruppe Neukölln: 8 Uhr: Wichen. dorf-Watdsest. Start: Knescbcckstr. 48/49.— t Ubr: Pichclswerber(Alter Freund). Start: Jdcalpassage.— Ortsgruppe Charlottenburg: 4 Uhr: Kloster Lehnin. Ist, Uhr: Wannsee.— Ortsgruppe Lichtenberg: 12'/, Uhr: Werneuchen. Start': Psarrstr. 74. Ortsgruppe Lber-Tchöncweide. Sonnabend, 21. Juni: Lampion- lour nach Mariendorf. Start: Abends 8 Uhr. Sonntag, den 22. Juni: Familientour nach SchmetterlingShorst. Siart: Restaurant von Theodor Schüffler, Siemensstr. 28. Arbeiter-Radfahrerverein Grost-Berliu. Touren am Sonnabend, den 21. Juni, abends 9 Uhr: Lampiontour nach dem Miiggclschlößchen. — Sonntag, den 22. Juni, nachmittags 1 Uhr: Müggelfchlößchen. Start: Mariannenplatz. Anschiutzstart: Babnhos Treptow. Ter Tnrnverein»Fichte" tritt am Sonntag, den 22. Juni, nachmittags 3 Uhr, auf dem großen Spielplatz im Treptower Part mit seinem d i e s j ä h r i g c n S p i e l s e st vor die Or'scnllichtcit. Dem rcichbaitigen Programm entnehmen wir, daß eine Reihe Spiele, wie Barlauf, Kapitänball, Schiagball, Kaffball, Lausball usw. stattfinden: auch Tauziehen jehlt nicht. Am letzteren werden sich auch die Frauenabteitungen messen. Nach einleitenden Freiübungen werden die Vorläufe zum Stafeitenlauf der Lehrlinge über 800 Meter gelausen. Nicht weniger als 19 Mannschaiten gehen an den Start. Den Beschluß bildet eine Olympische«tasctlc(800, 200, 200, 400 Meter) der Männerabtcilungen. Alsdann ersolgl Rückmarsch nach dem Turnplatz. Köpcnicker Landstraße. Der Verein ladet die Arbeiter- schast herzlich ein, beim Ausflug nach Treptow sich dieses fröhliche, Herzen und Alane stärkende Leben und Treiben mit anzusehen! Die 17. LehrlinjjSabteiiung des Turnocreins»Fichte" ver- anstaltet am kommenden Sonnabend, abends 8 Uhr, in der Schulturnhalle Chrisiianiastr. 36—39 ein öffentliches Turnen. Gäste herzlich willkoinmcn. Arbeiter- Schwimmverein„Berlin"(Mitglied des Arbeiter. chwimmer- Bundes». Arn Sonntag, den 22. Juni, finden folgende Schwimmlourcn stall: Abt. I: Nach Freibad Grünau. Treffpunkt morgens Uhr Schlesischer Bahnhof(Untergrundbahns.— Abt. III und V: Gemein samer Ausflug nach Bauniwerder, Treffpunkt sämtlicher Mitglieder morgens Uhr am Babnhos Bcnssetstraße.— Abt. IV: Nach Baummerder. Treff. »unkt«m 7 Uhr am Oranienburger Tor. Freunde und Gönner sind herz. /ich eingeladen. Arbeiter- Douristenvcrein»Tie Naturfreunde". Ortsgruvpe Berlin. Sonntag, den 22. Juni: I. Wanderung von Könlgs-Wuitcrbausen nach Pätz, Hinterer Pätzersee(Sonnenwendseier). Abfahrt nach Königs. Wusterhausen nachts 12,40 vom Görlitzer Bahnhos.— II. Groß- Köris. Hinterer und vorderer Pätzersee(Zusammentreffen mit Tour I), Groß-Besten. Abjahrt nach G: oß-Köris ab Görlitz er Bahnhof 0,45(Sonnlagssahrlarte). Spanva«. Spandau ohne Theater. Seit der Einstellung der Theater- aufführungen im„Roten Adler" sind die Theaterbesucher allein auf Berlin angewiesen. Das Interesse wendet sich daher wieder dem in Aussicht genommenen Bau des Stadttheaters zu. Aber trotz der immer wiederholten Erklärungen der Direktion des Theater», daß der Bau, welcher schon wiederholt in Angriff ge- nommen werden sollte, in nächster Zeit bestimmt aufgeführt wird, besteht doch nur wenig Hoffnung auf Verwirklichung des Projekts. Einstweilen beherrschen hier die„Kientöppe" das Feld. Tie„Ber- einigten Spandauer Lichtspiele" wiesen im Programm der letzten Jugendvorstellung außer anderen patriotischen„Schlagern" folgende Nummern auf:„Jung-Teutschland", Geländeübungen der Pfad- finder,„Die Wacht am Rhein", Kriegsbilder und Äaifermanöver am Rhein. Da auch in den Abendvorstellungen den erwachsenen Besuchern eine ähnliche geistige Kost zugemutet wird, so ist es erklärlich, wenn die„Vereinigten Spandauer Lichtspiele" sich nicht gerade der Wertschätzung der organisierten Arbeiter erfreuen. Gäste stets willkommen. Ardetter-PZanderverein Berlin. Sonntag, den 22. Juni: I. Besuch von Potsdam und Sanssouci: Gang durch die Stadt, Rufsifche Kolonie. Ruincnberg, Sansiouci und anschließende Gärten, Bornim. Teilnehmer. karten a 85 Pf. inkl. Nachmittagstaffee sind in unseren Zahlstellen: Fritz Wählifch. Skalitzer Str. 22, und Georg Weihnacht. Grünstr. 21. zu haben. Treffpuntt: Sonntag früh bis'/,8 am Hanpteingang Potsdamer Bahnhof. Gäste willkommen!— II. Achtung, Mitglieder! Tour II ist wie nach- stehend geändert: Wanderfahrt»ach Wannsee— Moorlake— Sakrow— Nedlitz — Bornstedt. Treffpunkt bis 6 Uhr: Wannseebahnhof. Gäste willkommen! Arbeiter- SPanderbund„Die Naturfreunde". Soimtag, den 22. Juni: I. Hammclspring— Kloster Himmelpsort— Fürstenberg.(Nachttour.) Abfahrt Slctimer Fernbahnhos Sonnabendabend tÖ.l? Uhr.— II. Ncnn- Haufcn—Ferchesar— Rathenow— Nennhausen. Abfahrt Lehrter Bahnhos 4.53 Uhr vormittags.— III. Birkcnwcrder— Smnmlfec— Buch. Abfahrt Stcttiner Vorortbahnhos 6,45 Uhr vormittags.— IV. Erkner— Sticmtzscc— Strausberg. Abfahrt Schlesischer Babnhos 5,53 Uhr vo>mlttags.— V. Rüdnitz— Hellice— Bernau. Abfabrt Stettiner Fernbahnhos 5,59 Uhr vormittags.— VI. Tegel— Stolve. Treffpuntt Endstation der Straßenbahn in Tegel um l'l, Ubr nachmittags. Märkische Spielvereinigung. Am Sonntag, 22. Juni, nachmittags Uhr, stehen stw Reinickendorser Ballspielklub und Tempelhofer Viktoria im Reisespiel für die 1. Kl. gegenüber. Das Spiel findet in Weißens«, Rennbahnstr. 40, statt. * Arbeitcr-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lehr abend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 5. Abt. Neukölln. Freitag, den 20. Juni, Wcichselstr. 8, Jdealtasino. Martendorf. Montag, 23. 0., Chausieestr. 27, Restaurant Büro. Ober-Schöneweide. Montag, 16. 6., SiemenSstraße 12. Nestau- rant Schulz. N o w a w e S. Montag, 23. 0., Wilhelm«, Ecke Frledrichftraße, Nestau- rant Schmidt. N o w a w e S(Abt. Potsdam). Mittwoch, 25. 6., Potsdam, Kaiser- Wiiheim-Straße, Restaurant Glaser. Berlin, ll'kilglicdervcrsammlung am Freitag, 27. Juni, 8'/, Uhr, Restaurant Augustin, Oranienslr. 103. Die Kolonne Rosenthal des Arbeitcr-Sainariterbulides hielt am Sonntag eine Samariterübung ab, wobei die im letzten Kursus aus- gebildeten Samariter ihre Prüfung im Praktischen ablegten. Es war an- genommen, daß die Saaldecke im Lokal Milbrodt durch Gasexplosion ein- gestürzt sei und eine Anzahl Personen verlebt seien. D:e Art der Ber- letzung wurde durch Karten, welche den Betreffenden angehängt wurden, markiert. Als die Samariter im Garten zerstreut waren, wurden sie durch Hilseruse ausgefordert, den Verletzten zu Helsen. Das geschah in ruhiger, sachlicher Weise. Aus einem im Garten schnell hergenchteten Strohlager, koniilen die ichwerer Verletzten gebettet, die leichter Verletzten aus Stüblen bequem, unter Aussicht eines Samariters placiert werden, nachdem an der Ilngiücksstclle bereits Notverbände angelegt waren. Hier wurde von Herrn Dr. Müller-Reiuickcndors jeder Verband im Beisein des betreffenden Not- belsers kontrolliert. Bei der allgemeinen Kritik kam der Arzt zu dem Resultat, daß die Leistung der Samariter eine zufriedenstellende sei, da die angelegten, zum Teil recht schwierigen Verbände durchaus zweckentsprechend waren.__ Huö aller Melt. Voll cles süßen Meines. Eine kleine Dissonanz hat es bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Posen gegeben. Ein verheirateter Oberleutnant vom 47. Infanterieregiment rief in der letzien Sonntagsnacht einen größeren Srratzentumult hervor. Der Herr, der sich in der denkbar lustigsten Stimmung befand, ließ sich in einer Droschke in der dritten Morgenstunde nach Hause fahren. In der Viktoria- trotze verließ der Offizier die Droschke und hielt eine flammende Rede gegen die Polen. Der politisierende und deklamierende Oifizier setzte seine fulminanten Reden gegen die Polen noch weiter fort, als eine Reihe ebenfalls spät nach Hause kommender Polen durch die Srratze ging. Bald hatte sich, da der Offizier entsetzlich tobte und schrie und den Umstehenden die schwersten Beleidigungen entgegen rief, seinen Degen zog und jeden nieder st echen drohte, eine große Menschen- menge angesammelt. Der Offizier wankte nunmehr auS der Viltoriastratze in die Friedrichstratze und beleidigte die Menge weiter. Es wäre wohl noch zu einer blutigen Begegnung gekommen, wenn nicht zwei andere Offiziere in einer Droschke vorüber gekommen. schnell ihren Kameraden in diese gepackt und mit ihm davon gefahren wären. Einem Gerücht zufolge hat der Offizier seine Entlassung ein- gereicht. Warum denn bloß! Nach Ansicht der Regierung ist doch der Kampf gegen die Polen ein h ö ch st patriotische» Werk und hat mit Politik nicht» zu tun. Und daS bißchen Weinseligkeit? Das steht doch in ursächlichem Zusammenhang mit Liebesmahlen. ES wäre daher sehr schade, wenn die Militärverwaltung das Gesuch befürworten würde, denn so gesinnungstüchtige Vertreter der preutzi- schen Polenpolitik verdienen Förderung. Silenbaknkataftropke auf clem Lalkan. Ein furchtbares Eisenbahnunglück hat sich am Donnerstag, wie ein Telegramm aus Saloniki meldet, während der strategischen Aufmärsche der Bulgaren gegen die Serben und Griechen zugetragen. In der Nähe der Ortschaft I e n i k ö j zwischen Drama und Tanthi stießen zwei Eisenbahn- züge zusammen, von denen der eine mit b u l- garischen Truppen besetzt war. Fünf bulgarische Offiziere und vierzig Soldaten wurden ge- tötet und viele verletzt. Grauenvoller Knabenmord in Braunschweig. Ein in seinen Einzelheiten noch ungeklärter Knabenmord ist am Mittwochabend in Braun schweig aufgedeckt worden. Seit Dienstagnachmittag war der feSsjährige Sohn des Tischlers e n t e s vermißt worden. Erst Mittwochabend gegen 10 Uhr fand man in einem Wandschrank der Gontesschen Wohnung die Leiche des Knaben, der durch einen Revolver schütz in den Kopf und einen Stich mit einem dolchartigen Messer getötet worden ist. Der Tat dringend verdächtig ist die Tante des Kindes, eine Frau Marie Buschhorn, die sich seit drei Wochen bei den Eheleuten Gentes zu Besuch aufgehalten hatte. Die Buschhorn verließ Mittwochabend 7>/z Uhr die Wohnung und kehrte gegen 11 Uhr zurück. Als sie die Wohnung betrat und hörte, datz man die Leiche aufgefunden habe, ging sie sofort wieder weg und ist seit diesem Lugenblick verschwunden. Mit der Buschhorn sind aus einer Kommode 700 M. in Wertpapieren und 40 M. bares Geld verschwunden. Die Spur der wahrscheinlichen Mörderin ist noch nicht gefunden._ Ein Märtyrer seiner Ucberzeugung. Die heroische Aufopferung der Frauenrechtlerin Miß D a v i s o n, die sich, wie bekannt, beini Derbyrennen in Epsom vor das Pferd des Königs warf und dabei i h r Leben einbüßte, hat am Donnerstag bei dem Rennen in A s c o t eine Wiederholung erfahren. Während des Rennens um den Goldpokal warf sich ein Mann mit einer Fahne in den Farben der Frauen- rechtlerinnen vor das führende Pferd Tracerh und brachte es zum' Sturze. Der Mann kam dabei zu Tode, der Jockey blieb unverletzt. Des Publikums be- mächngte sich angesichts dieses neuen Attentates eine große Erregung. Auch König Georg, der dem Rennen beiwohnte, zeigte sich über den Vorfall sichtlich bewegt. Geld stinkt nicht. Eine Erbschaft von drei Millionen war nach dem Ver- mächinis eines gewissen Albert S a p e n e aus Easarille dem König Alfons von Spanien zugefallen. DaS Testament Sapenes wurde jedoch von seinen natürlichen Erben mit der Begründung an- gefochten, datz Sapene bei Abfassung de? Testaments nicht im Besitz seiner Geisteskräfte gewesen sei. König Alfons macht jedoch ebenfalls seine Ansprüche gellend, so datz es zu einem Prozeß gekoinmcn ist, der am nächsten Montag vor dem Madrider Gericht entschieden werden wird. Absturz zweier Flieger. Der französische Militärflieger Leutnant Person stürzte am Mittwoch in der Nähe von Revers aus einer Höhe von 150 Meter ob und erlitt lebensgefährliche Ver- letzungen.— Am gleichen Tage ist in E t a m p e s der Flieger D e w e q e r aus einer Höhe von 50 Meter abgestürzt. Er war o f o r t tot._ Kleine Notizen. In den Flammen umgekommen. Bei einem Brande, der Mitt- woch abend in einem Haus« der Kronfelder Straße in Jena Ivahrscheinlich infolge einer Gasexplosion in der Badestube aus- brach, sind zwei Personen, ein 23jähriger Telegraphen- a r b e i t e r und ein vierjähriges Kind, ums Leben ge- kommen. Eine Frau erlitt schwere Brandwunden. DaS Hau? brannte vollständig aus, von dem Mobiliar konnte fast nichts ge- rettet werden. Gerettet. Die vierzehn Bergleute, die, wie berichtet, Mittwoch früh auf Schacht 1 der Zeche Friedrich Heinrich in L i n t- 'ort durch Zubruchegehen einer Strecke eingeschlossen wurden, sind gerettet worden. Sie sind sämtlich unverletzt und wohlauf. Krieg im Frieden. Ein schwerer Unglücksfall, der unter der Mannschaft ernste Beunruhigung hervorrief, hat sich bei den gestrigen Schietzübungen des 50. französischen Artillerieregiments m R e n n e s ereignet. Aus bisher noch unbekannten Gründen kre- oierte eine Granate weitvordemZiel« und verletzte 50 S o l- > a t e n schwer. Zwei Mann sind derart schwer verwundet, datz ihr Zustand hoffnungslos erscheint.— Bei einer Hebung auf dem Schietzplatze von Neumarkt. Galizien, explodierte eine ranate. Zwei Soldaten wurden getötet, fünf schwer verletzt. Folgenschwerer Gerüsteinsturz. Bei einem Neubau in der un» garischen Ortschaft Hetrozsuny stürzte aus unbekannter Ursache das G e r ü st ein. Zwei Arbeiter waren sofort tot. ebenso ein vorübergehender Eisenbahnschlosser. Mehrere Arbeiter wurden schwer, andere leichter verletzt. «llgem eine«ranken- und Sterbekaffe der Metallardeiter. V. fl.®. Hamburg.(Filiale Lichtenberg II(srüher Rumm-lsburg). Sonntag, den 22. Juni, vormittags 9'/, Uhr. bei Oskar Blume. Ait-Sox- bagen Nr. 56, Ecke der Neuen Babnhosstraße: Mitgliederversammlung. ...,._ ma BB0n d« General- imijcii �»'»v44x.11-uuyiiyoniraBC: a/tuaucucHJ«!» Neuwahl der Ortsverwaltmig und Berichterstattung von der Versammlung in Rcgensburg. »„Wasserstands. Nachrichten„. ber L�ndesanllalt�für�Gewässertunde. mitgeteilt vom Berliner �etterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l. Jnsterburg Weich sei, Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Frantjurt a r t h e, Schrimm , Landsbera Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel. Soandany Rathenow y Spree, Gorembergy Beeskow Weser, Münden Minden Rhein. Maximiliansau Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main. Hanau Mosel.Trier am 13.6. om 78 17 —8 70 82 lSS 222 OZ» 206 44 124 88 seit 17.6 cm') —6 0 0 0 +2 —8 —2 ....___,.-_____—■_ �______*)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— y UnterpegÄ verantwortlicher Redakteur: Albert Wach», Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.! Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei». BerlagSanstalt Paul Singer». So., Berit« J