Dr. 155. H&onnemcntS'Bedlngungeij: aSomtcmenlä• Preis pränumerando: Lierteljährl. 330 MI. monott. UO MI. wöchemlich 28 Pfg. frei inä Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nununer mit Muftrierter Soimtags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich. Ungarn a60 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die Tnfcrtions-Gebülsr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Psg., sür politische und gcwerlschastliche Vereins. Bersnmmlungs-Anzeigen Zg Pfg. und «»eillt tZgNch. Z* f. Verlinev VolllsblAtk. »Kleine Mnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. szulässig 2 settgedruckte Worte), jedes weitem Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 16 Buch- staben zählen sür zwei Worte. Jnsernte siir die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedirioil ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozialdcmoKrat Berlin", Zentralorgan der rozialdemokratifchen partei Deutfcblands. Redaktion: SLl. 68, Lindcnstrasac 69. Ferusprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 22. Juni 1913. Expedition: 8Al. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Am Sonnabend mittag hat der Tod einen prächtigen Menschen »nd unermüdlichen Kämpfer aus unseren Reihen gerissen. Zwei Telegramme aus Dresden folgten schnell aufeinander. Ein 12 Uhr 17 Min. aufgegebenes Telegramm meldete, daß Kadens Befinden leider hoffnungslos sei, und wenige Stunden später folgte die Trauerkunde, daß Kaden gestorben ist. Damit war die Hoffnung vernichtet, daß Kaden die schwere Erkrankung, von der er vor wenigen Wochen niedergeworfen wurde, überwinden und seine alte Tätigkeit wieder übernehmen werde. Leben und Kämpfen waren für Kaden untrennbare Begriffe. Der ins Grab gesunkene Kämpfer ist am 26. September 1850 in Großenhain in Sachsen geboren. Nachdem er aus der Schule entlassen und das Zigarrenmachen erlernt hatte, ging er 1867 auf die Wanderschaft. Um diese Zeit schloß er sich auch der sozial- demokratischen Partei und dem Allgemeinen deutschen Tabak- arbeiterverein an. Mitglied der Partei und Gewerkschaft sein, hatte zur Folge, daß er auch seine ganze Kraft als Agitator ein- setzen mußte. Kadens Fähigkeiten waren nicht gering. Neben dem gesunden Menschenverstand verfügte er über einen köstlichen unverwüstlichen Humor, und er hatte die Gabe, sein Denken und Fühlen in Worten ausdrücken zu können. So wurde er schon in jungen Jahren ein erfolgreicher Redner. Sein Haupttätigkeitsgebiet wurde Dresden und Umgegend. 1871 hatte er sich in Dresden niedergelassen. Dort wirkte er m Gemeinschaft mit I. Auer, Max Kayser und anderen alten Genossen. Ihre Tätigkeft war so erfolgreich, daß schon 1877 der Wahlkreis für die Partei erobert wurde,'dessen Abgeordneter Kaden seit 1808 gewesen ist. Alle Leiden, die ein Kämpfer zu erdulden hatte, hat Kaden erdulden müssen. Der Kampf stellte in den Jahren, in denen Kaden in den vordersten Reihen stand, nicht geringe Anforderungen an den Opfermut der Genossen. Die Organisationen waren schwach und oft ganz unterdrückt. Die wenigen Genossen, die immer zu- sammenhielten, mußten z. B. bei Wahlen nicht nur Flugblätter schreiben, sondern auch die Druckkosten bezahlen und auch noch die Verbreitung übernehmen. Von sicherer Siegeszuversicht getragen, wurden alle Plagen nicht beachtet. Besonders scharf setzten die Verfolgungen ein, als Bebel 1877 in Dresden in den Reichstag gewählt wurde. 1878 kam das Sozialistengesetz. Wenn Sachsen im Laufe der Jahre einen Welt- rühm erlangte durch die Niedertracht und Kleinlichkeit seiner Sozialistenverfolger und durch die kühnen Leistungen der Justiz. gymnastik seiner Richter, so war der Ort. wo Kaden lebte und wirkte, der Mittelpunkt der Verfolgungen. Die Verfolgungen hatten immer zwei Seiten. Gelang es den Verfolgern, einen Genossen zu treffen, dann»ourde das Leid in dem Bewußtsein ertragen, für eine große Sache gewirkt zu haben. Aber der große Eifer kleinlicher Verfolger wird nicht immer von den klügsten Leuten entwickelt. Sehr oft muß gesteigerter Eifer Mangel an Geist ersetzen, und da galt es denn, die Verfolger irre- zuführen. Hierin war Kaden ein Meister. Es war ein Genuß, zuzu- hören, wenn Kaden seine Erinnerungen aus der Zeit der schlimm- ften Verfolgungen zum besten gab. Je schlimmer die Verfolgungen wurden, um so mehr war die Kampfeslust gestiegen. Kaden hielt auf seinem Posten aus, und als das Sozialistengesetz fiel, wurde Kaden auf dem Parteitag in Halle in die ncugebildete Kontroll- kommission gewählt. Seit H. Meisters Tode im April 1006>var Kaden Vorsitzender der Kontrollkommission. Seit 1898 ist Kaden ununterbrochen Reichstagsabgeordneter für Dresden-Neustadt. Von 1885 bis 1897 war er Mitglied des sächsischen Landtages, wo er als einer der schlagfertigsten Redner der Fraktion wirkte. Seit einer Reihe von Jahren litt er an Gicht. Trotz heftiger Schmerzen wurde sein Humor nicht getrübt. Hatte er doch das schöne Bewußtsein, daß die 45 Jahre, die er im Kampf gestanden, xiue ununterbrochene Reihe von Siegen gewesen waren. AlS Kaden 1903 in Dresden den Parteitag begrüßte und hier- bei einen Rückblick auf die Erfolge warf, die seit 1871. als zum eisten Male ein Sozialistenkongretz in Dresden tagte, errungen fnri. da hätte Kaden sagen können, daß er nicht wenig zur Er-' ttngung d« Erfolge beigetragen hat. Aber als echter Proletarier! bettachtete er sich immer nur als Mann, der in Reih und Glied des kämpfenden Proletariats stritt. Jetzt ist das von Begeisterung für die große Sache schlagende Herz zum Stillstand gekommen. Der beredte Mund, der so manchen Proletarier für den Sozialismus gewonnen hat. schweigt. Trauernd steht das Proletariat an dem Sarge eines seiner besten Kämpfer. Kadens Name glänzt in der Geschichte der ruhmreichen Kämpfe � des Proletariats. Für alle Zeiten werden die Proletarier in dank- barer Erinnerung derer gedenken, die mit unvergleichlichem Opfer- »»t die Kämpfe siegreich durchgekämpft haben, die gekämpft werden mußten, um die Arbeiter von Unterdrückung und Aus- 1 zu befreien.' Die Defensive der tliilitariften. Es ist der große Gewiim, den die gegenwärtigen Militärdebatten im R e i ch st a g e wider den Willen ihrer Veranlasser haben, daß sie an der Hand der sozialdemo- kratischen Anträge in die Schlupfwinkel und dunklen Ecken des heutigen militärischen Systems erbarmungslos hinein- leuchten. Der Verlauf der Dinge ist nicht so bequem und einfach, wie ihn sich die Rüstungstreiber uiid Parforcemilitaristen am liebsten gewünscht hätten, und wie sie ihn nach dem Bei- spiel der Rüstungsdebatten der letzten Jahre erwarten durften: eine im Eiltempo erledigte summarische Beratung der Forde- rungen und der Deckung und eine baldige Annahme des Gesetz- entwurfs mit Hurra und bengalischer Beleuchtung. Dieses Mal ist die Sache etwas schwieriger. Die mili- tärischen Forderungen sind so maßlos, daß sie schon aus diesem Grunde eine hastige Erledigung im Geschwindschritt nicht zu- lassen. Die Deckung aber hat so viele Haken und Schwierig- leiten, daß selbst Wochen- und monatelange Beratungen vor und hinter den Kulissen und die betriebsamste Schachermachei den schweren Block nur langsam von der Stelle rücken. In- zwischen aber benutzen die Sozialdemokraten das gute par- lamentarische Mittel, durch die Stellung von Anträgen immer erneut und von immer neuen Punkten aus die Feste des Militarismus zu berennen. Eines nach dem andern haben wir zur Sprache gebracht. Wir haben eine eingehende und gründliche� Beratung der wichtigen Forderung der Verkürzung der Dienstzeit herbei- geführt; wir haben das Einjährigenprivilig erneut vor dem Lande in seiner aufreizenden Ungerechtigkeit an den Pranger gestellt; wir haben die Notwendigkeit einer Erziehung zur Wehrhaftigkeit als Verteidigung für die Schaffung eines wirk- lichen Volksheeres ausführlich dargelegt; wir haben die durch nichts begründete Bevorzugung der Garde der öffentlichen Kritik preisgegeben: wir haben verlangt, daß der Soldat auch Bürger bleiben muß, wenn er den Wasfenrock trägt; mit un- angreifbaren Beweisen haben wir die Anmaßung des Mili- tarismus, mit dem er in das gewerbliche Leben der Steuer- zahler eingreift und von seinem beschränkt politisch-höfischen Standpunkt aus wilden Terrorismus ausübt, bloßgestellt und die öffentliche Meinung gegen diese Anmaßung wachgerufen; wir haben gegenüber der Militärbureaukratie und-Hierarchie den einzig richtigen Grundsatz vertreten, daß die Beförderung im Heere nur von der persönlichen militärischen Tüchtigkeit abhängig seist dürfe; scharf haben wir den Mißbrauch der Staatsbürger im Waffenrock zur gewaltsamen polizeilichen Bekämpfung ihrer Brüder und Kollegen ohne Waffenrock zurückgewiesen; gestützt auf reichhaltiges und in seiner Furcht- barkeit stellenweise erschütterndes Material haben wir die Dringlichkeit einer Reform des Militärstrafgesetzbuches jedem denkenden Menschen zum Bewußtsein gebracht; und endlich haben tvir den neueren Versuchen, die Jugend körperlich zu „ertüchtigen", die scheinheilige Maske vom Gesicht gerissen, durch die sie den harmlosen Bürgersinann vortäuschen möchten, es sei wirklich nur auf die körperliche Gesundheit der Jugend abgesehen, während in Wirklichkeit hinter der Maske das häßliche Gesicht politischer Proselytenmacherei lauert. Gewiß hätten auch iwch andere Fragen durch Anträge besonders behandelt werden können. Aber niemand wird be- streiten, daß unsere Fraktion auch schon durch die Reihe ihrer Anträge und durch die Reden, die dazu gehalten worden sind, wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet hat. So eingehend und ausführlich und so sauber voneinander getrennt lassen sich die wichtigen Fragen der Militärreform im Rahmen der her- kömmlichen Arbeit des Reichstages, also vornehmlich beim Militäretat, nicht behandeln, wie es dieses Mal bei der Wehr- Vorlage geschehen ist. Den bürgerlichen Parteien, besonders den rechtsstehenden Parteien, ist dieser Gang der Dinge nichts weniger als an- genehm. Sie knurren deshalb auch oft genug darüber, können aber dennoch nicht umhin, sich an den Debatten zu be- teiligcn, wenn sie nicht bewirken wollen, daß das Ergebnis der Debatten noch mehr als sonst der Sozialdemokratie zu- gute kommen soll. Für die Regierungen und die Rüstungs- treiber ist dieser Verlauf von großem erzieherischen Werte. Sie werden in Zukunft etwas weniger leichtsinnig das heiße Eisen neuer Militärvorlagen anfassen. Tun sie es aber doch, so werden die diesjährigen Debatten in vortrefflicher Weise den zukünftigen Militärreformen den Weg gebahnt haben. Mit offenere» Ohren als je zuvor folgt dieses Mal die Oeffent- lichkeit den Militärberatungen des Reichstages, und bereit- williger als sonst neigt man sich der Notwendigkeit zu, den starren unbeweglichen Militarismus zur Anpassung an die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse zu zwingen. Die Militärreformen marschieren. Es wird die Zeit kommen, wo sie ihr Ziel erreichen. Am Sonnabend stand zuerst die M i l i t ä r j u st i z unter dem hellen Licht der sozialdemokratischen Kritik. Unsere Ge- nassen Kunert, Peus und Stadthagen trieben die Regierung und die Vertreter der bürgerlichen Parteien, die entWeber jede Reform verweigerten oder Formalien oder Aus- flüchte gegen die sozialdemokratischen Anträge vorbrachten, in die Enge. Die Schande d'er Soldatenmißhandlungen stand im Mittelpunkt der Erörterungen. Mit Nachdruck wiesen unsere Genossen darauf hin, daß das größte Verdienst an dem Zurückgehen der Soldatenmißhandlungen in erster Linie der Sozialdemokratie und ihrer unermüdlichen Kritik der Soldatenschinderei zu dastken sei. Zu dem fortschrittlichen Antrag, der für die männliche Jugend im schulpflichtigen Alter Turnunterricht der- langt, wird von sozialdemokratischer Seite ein Zusatz gefordert, der die skandalösen Eingriffe der preußischen Kultus- Polizei in das Arbeiterturnwesen unmöglich machen will. Der SpreckM der Fortschrittlichen Volkspartei, Herr Müller- Meiningen, mußte sich bei dieser Gelegenheit von dem Kriegs- minister mit den Waffen um die Ohren schlagen lassen, init denen er selber dieser Tage mehr als einmal gegen die Sozial- demokraten in der Luft herumgefiichtelt hatte: man dürfe die gewünschten Reformen nicht durch Anträge in das Militär- gesetz hineinbringen wollen. Jetzt wollte er es selbst und des- avouierte damit die ganze bisherige Taktik der Fortschrittler gegen die sozialdemokratischen Anträge. Das war eine der- diente Strafe für fortschrittliche Halbheit und Rechnungs- trägerei. Von unserer Seite deckte Genosse Heine m gründlichen und sachkundigen, durch jahrelange juristische Praxis ge- stützten Darlegungen die Treibereien des preußischen Kultus- Ministeriums gegen die Arbeiterturnvereine auf und geißelte zugleich die politische Heuchelei des Jungdeutschlandbundcs. Am Montag fällt die Sitzung aus. Am Dienstag wird die Beratung fortgesetzt und wahrscheinlich beendet werden. Dz; Steuerhompromlß. Die Kompromißverhandlungen der Führer der einzelnen Reichstagsfraktionen in der B e s i tz st e u e r f r a g e sind jetzt beendet, und es ist für alle einzelnen Bestimmungen eine wenn auch hin und her wechselnde Mehrheit vorhanden. Auch für die G e s a m t a b st i m m u n g ist eine Mehr- heit gesichert. Das Wesentlichste ist, daß die Einkommen beim Wehrbeitrag nicht mehr kapitalisiert werden sollen, son- dcrn daß eine Abgabe von den Einkommen erhoben wird, die bei einem Einkommen von fivlll) M. beginnt und von 1 bis 8 Proz. gestaffelt ist. Vor der Veranlagung werden vom Einkommen 5 Proz. des versteuerten Vensögens abge- zogen. Die strittige Frage der Ertrag sberechnung für Grund st ucke wird aller Voraussicht nach durch einen Antrag Schiffer gelöst werden, wonach die städtischen und ländlichen Grundstücke gleichmäßig nach dem Ertrags- wert besteuert werden, der auf das 2Sfache des Rein- e r t r a g e s bezw. der Miete und Pacht berechnet wird. � Es soll jedoch den Grundstücksbesitzern freistehen, den gemeinen Wert zugrunde zu legen, falls diese Berechnung für sie günsti- ger ist. Abzüge sind zulässig für die eigene Arbeit des Be- sitzers im Betriebe. Das- gilt auch für städtische Grundstücke. Für die fortlaufenden Ausgabe» bleibt die beschlossene Vermögenszuwachs st euer bestehen. Hin- zu tritt die Herabsetzung der Entschädigung aus der bestehen- den Erbschaftssteuer an die Einzelstaaten auf die Hälfte des bisherigen Satzes. Der S ch e ck st e m p e l fällt. � Die Frage der Heranziehung der toten Hand dürste wegen der großen Schwierigkeiten, die sich bei der Erörterung daraus ergeben haben, ausgeschlossen bleiben. Zweifelhaft ist, ob der heute in der Kommission aufgehobene Jmmobilienstempel in der ziveiten Lesung nicht wieder hergestellt wird. Die Konservativen stehen nach wie vor absests. Bei der Schwierigkeit und Größe der Materie und bei der Schnelligkeit, mit der die vorläufige Einigung erzielt worden ist, ist es natürlich nicht ausgeschlossen, daß es noch zu irgend- welchen Zwischenfällen kommen wird. Die Steuervorlagen der Komnriffion. Die Budgettoininission des Reichstages setzte am Sonnabend zunächst die Beratung der Äenderung des Reichs stempelgesetzes fort. Von den gefaßten Beschlüssen sind die folgenden hervorzuheben: Beseitigung des Scheckstempels, des Stempels für Jmmo- bilicn, Haftpflicht- und Unfallversicherung; die Stempelsteuer für Feuerversicherungspolicen wnridc von 25 auf 15 Pf. pro 1000 M. herabgesetzt, die Steuer auf Lebensversichcrungspolicen um 50 Proz. ermäßigt. Räch Beendigung der ersten Lesung des Reichsftempclgesetzes gab Schatzsekrctär Kühn einen Ueberblick über den mutmaßlichen Ertrag der in erster Lesung beschlossenen Gesetze zur Deckung der lausenden Ausgaben für die Wehrvorlag«. Die BermögenSzuwachsstener wird jährlich 190 Millionen bringen, wovon im ersten Jahre rhr�r Erhebung 10 Millionen, später nur 5 Millionen für die Bundes- ftaaten in Abzug gebracht werden müssen. Der dauernde Ertrag ist mit 90 Millionen zu berechnen. Di« Beibehaltung der jetzigen Höhe der Zuckerst euer bringt jährlich 40 Millionen, die Aende- rungen im Reichsstempelgesetz 45 Millionen, ohne das Erb- recht des Staates. 8 Millionen gehen davon durch die in der Sonnabendsitzuug beschlossene Aufhebung des Scheckstempels ab. Die jährliche dauernde Ausgabe beträgt 185 M illio- nen, so daß ein Ausfall von jährlich 13 Millionen zu ver- zeichnen ist. Dazu kommen noch bis zum 1. April 1915 jährlich 23 Millionen, die aus den Einnahmen des Stcmpelsteuergesetzes an die Bundesstaaten zu zahlen sind. In den nächsten drei Jahren wird außerdem, wegen des erst allmählichen Einganges der Steuern, noch ein Ausfall von 140 Millionen aufzubringe« fein. Aus dem Etat von 1912 stehen zu diesem Zwecke 70 Millionen al< Höchstsumme zur Verfügung. Die Kommission trat hierauf in die zweite Lesung deS Entwurf« über den Wehrbeitrag ein. Di« Konservative» beantragen, die durch Kompromiß beschlossene Abgabe bei den größten Vermögen von Ich Proz. auf IchS Proz. herabzusetzen.— Schatzsekretär Kühn trat für den konservativen Antrag ein.— Genosse David trat dem Schatz- sekretär scharf entgegen, dessen Haltung geradezu unglaublich sei. Lorhin habe der Schatzsekretär dargelegt, ein wie hohe« Defizit klafft, und Ida noch die großen Vermögen zu entlasten, sei unverantwortlich, zumal die wirtschaftliche Konjunktur sich verschlechtere, also die Einnahmen des Reichs zurückgehen werden.— Abg. Gröber wandte sich ebenfalls gegen den konser- vatwen Antrag, ebenso Abg. G o t h e i n.— Der Pole Graf MielzinSki trat für den konservativen Antrag ein, um zu ver- hindern, daß große Kapitalisten wegen ldeS Wehrbeitrags aus- wandern. Die Natioualliberalen erklärten sich für den konservativen Antrag, der dann gegen die konservativen und nationalliberalen Stimmen sowie die Stimme des Zentrumsabg. Herold abgelehnt wurde.— Ein« längere Debatte zeitigte die Besteuerung der Aktiengesellschaften, die nach einem konservativen Antrag schärfer angefaßt werden sollen, wäh- rend ein volksparteilicher Antrag Milderungen forderte.— Der konservativ« Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen und die Weiterberatung dann auf nächsten Montag vertagt, llach dem tnailändcr Generalstreik Rom, 18. Juni.{©ig. Ber.) Vielleicht ist es noch zu früh, um der Mailänder General- streikbewegung, die am Sonnabend einsetzte, um am Dienstag- abend z« enden, ein Nachwort zu schreiben. Sowohl was den Anlaß als was die Leitung betrifft, hat der Streik unter wesentlich anderen Bedingungen stattgefunden als die frühe- ren politischen Streiks in Italien. Noch nie hat man zur Waffe des Generalstreiks gegriffen, um gegen ein Gerichts- urteil zu protestieren; noch nie hat eine derartige Bewegung in Händen eines Komitees gelegen, das zwei ganz wider- strebende Richtungen einschloß. Diese beiden Umstände waren offenbar der Bewegung nicht günstig. Man wußte von vorn- herein, daß es unmöglich sein würde, die Aufhebung des Urteils gegen Bacchi und Genossen zu erzwingen. Das Ein- vernehmen zwischen Sozialisten und Syndikalisten, das die Gefahr gezeitigt hatte, konnte natürlich nicht mit einem Schlage das Mißtrauen aus der Well schaffen, das die Ar- beiterorganisationen der einen Richtung denen der anderen entgegenbringen. Der Streik wurde gleich nach dem Bekanntwerden des Urteils von den Syndikalisten erklärt, dann aber auch von der Arbeiterkammer gutgeheißen und von ihr gemeinsam mit der Unione findicale geleitet. Ein Generalstreik wie der vom Jahre 1904 war es nicht, immerhin umfaßte er am Montag und Dienstag den größten Teil der Arbeiterschaft, schätzungs- weise etwa drei Viertel. Bäcker, Gasarbeiter, Metallarbeiter, Buchdrucker sowie die Arbeiter der meisten Fabriken haben dem Aufruf zum Streik Folge geleistet. Von den Tram- bahnern hatten sich in den beiden letzten Tagen etwa der achte Teil zum Dienste gemeldet. Im großen ganzen hat sich die Arbeiterschaft wacker gehalten und auch gegenüber den schweren Provokaftonen der Polizei eine bewundernswerte Ruhe be- >vahrt. In Regierungskreisen hat der Streik vor allem des- halb Besorgnis erregt, weil man sein Ueberspringen auf andere Städte befürchten mußte. In der Tat hatte sich die Arbeiterschaft Roms, Turins und anderer Städte sowie vieler kleinerer Städte berell erklärt, auf Wunsch der Mailänder Streikleiwng den allgemeinen Ausstand zu proklamieren. In Mailand selbst bestand dagegen von feiten der Behörden offen- bar keinerlei Bestreben, den Streik schnell und gelinde zu be- endigen. Sie haben vielmehr alles darauf angelegt, he Arbeiter zum äußersten zu treiben, sicher weil sie sich davon eine reiche Ernte der Reaktwn versprachen, die man bei den nächsten Parlamentswahlen in die Scheuern zu bringen hoffte. Die Arbeitsaufnahme wurde beschlossen, nachdem den Streikenden die folgenden Zugeständnisse der Behörden mitgeteilt worden waren: sofortige Freilassung aller während der drei Streik- tage Verhafteten rmd Verhandlung des Prozesses Bacchi und Genossen in zweiter Instanz vor Ablauf eines Monats. Diese Zugeständnisse gaben den Ausschlag für die Einstellung des Streiks. Heute sagt nun die„Tribuna", daß die Präfektur diese Zugeständnisse nicht gemacht habe und nicht habe machen können. Man muß eine ruhigere Stunde abwarten, um entscheiden zu können, ob jetzt die„Tribuna" ihre Leser irre- geführt hat. Auf alle Fälle bleibt die Tatsache, daß die Be- wegung erst eingestellt wurde, nachdem die Streikenden ein« ihren Forderungen entsprechende Genugtuung erzielt zu haben glaubten. Di« Bewegung ist nicht abgeflaut, sondern aus einen Mehrheitsbeschluß hin einmütig und diszipliniert ein- gestellt worden, in Ertvartung des Urteils der zweiten In- stanz, von dem man schon jetzt sagen kann, daß es nicht den Charakter der Klassenrache tragen wird, wie das Schandurteil der ersten. Ein Ruckblick auf die Streiktage würde kaum etwas anderes bieten, als die Aufzählung einer langen Reihe von Polizeiexzessen. Sogar Frauen und Kinder sind mißhandelt worden, und bei den Verhaftungen ging man so blindwütig zu Werke, daß sogar ein Geheimpolizist arretiert wurde. Ernste Exzesse von seiten der Streikenden sind nicht vorge- kommen. Ein Polizeileutnant wurde durch einen Messerstich verwundet, aber der Schuldige ist kein organisierter Arbeiter. Immerhin zeigt auch dieser Streik, wie nötig es ist, daß die Organisaftonen in derartigen Situationen selbst auf Ordnung halten und die nicht zur Arbeiterschaft gehörenden Elemente tunlichst aus ihren Reihen entfernen. Ob übrigens die Zahl der Exzesse während des Streiks größer war(von denen der Polizei natürlich abgesehen) als sonst in vier Tagen normalen Lebens, bleibt dahingestellt. Der„Avanti" läßt die Frag« offen, ob der Streik als ein Sieg oder als eine Niederlage aufzufassen ist. Die Tat- fache des Streiks allein sei ein Sieg, und ein großer Sieg, auch wenn die Bewegung die Behörden nicht zu Zugeständ- nissen gezwungen hätte. Der Streik sei nur das erste Gefecht in einem größeren Kampfe, nur das Vorspiel der großen Sinfonie, die kommen würde. Die Wiederaufnahme der Arbeit ist ohne Zwischenfälle erfolgt, doch darf man nicht vergessen, daß Mailand nach offtzieller Statistik 43 000 Arbeitslose zählt. Diese brauchten keine Fabrik zu verlassen, um protestierend die Straßen zu durchziehen: fiir sie gibt es auch nach beendetem Streike keine Arbeit. Die Existenz dieses großen Heeres von Arbeitslosen hat die Streikleitung während der ganzen Bewegung mit Be- sorgnis erfüllt: wer hungert, neigt zum Exzeß, wer hungert, ist leicht versucht, seine Gefährten zu verraten. Wenn aber das Vorhandensein von 43 000 Arbeitslosen für den Streik eine Drohung war, so ist es eine viel größere und ernstere Drohung für die Regierung und für die von dieser angestrebte „Ordnung". Hoffentlich haben die Streiktage von Mailand etwas dazu beigetragen, die Regierung auf diese Tatsache auf- merksam zu machen._ pol'tifcbc QcberHcbt» �ortschrittler und Militärboykott. Der sozialdemokratische Antrag, in das Wehrgesetz einen Ar- ftkel aufzunehmen, durch den die Verhängung des Mili- tärboykotts lediglich aus politischen Gründen unmöglich gemacht werden sollte, ist im Reichstag mit 201 gegen 127 Stimmen abgelehnt worden. Für den Antrag stimmten die Sozialdemo- traten, Polen, die Elsässer Dr. Haegy, Thumann und Windeck, der Däne Hansen, der Zentrumsabgeordnete Birkenmayer, der Nationalliberale Kölsch und die Fortschrittler Ahlhorn, Gunszer, Dr. Neumann-Hofer und Röser, während der Abg. Gothein sich der Stimme enthielt. Die übrigen Fortschrittler stimmten gegen den Antrag und begnügten sich mit der die Militärver- waltung zu nichts verpflichtenden Resolution der Budgetkommission. Zu diesem skandalösen Verhalten der Fortschrittler schreibt die „Berliner Volks-Zeitung": „Die Haltung der Fortschrittlichen Volkspartei, die in der gestrigen Reichstagssitzung Seite an Seite mit dem Rückschritt, mit Konservativen, Zentrum und Nationalliberalen, gegen das von den Sozialdemokraten geforderte gesetzliche Verbot des Mili- tärboykotts stimmte, wird im Lande ein allgemeines Kopf- schütteln erregen. Eine solche Haltung ist um so verwunder- licher bei einer Partei, die selbst unter dem politischen Boykott der Gegner, der Konservativen, unterstützt durch den amtlichen Regierungsapparat, bei allen Wahlen schwer gelitten hat und noch leidet. Haben die Herren von der Reichstagsfraktion schon die Ergebnisse und Feststellungen der Bcckerprozesse in Greifs- wald vergessen? Der wirtschaftliche Boykott auf dem politischen Kampfplatz ist immer verwerflich, mag er nun von einer ein- zelnen Partei oder von einer Behörde ausgeübt werden. Die Volkspartei hätte klüger gehandelt, wenn sie gegen die weitere Duldung dieses Kampfmittels gestimmt hätte." Die„wuchtigen" Reden, mit denen die Abgeordneten Müller- Meiningen und Gothein so oft den Militärboykott bekämpft haben, sind einfach sinnlos, wenn die Fortschrittler nicht den Mut haben, die einzig mögliche Konsequenz aus ihren Worten zu ziehen. Diesen Mut besitzen sie aber nicht, wie die Abstimmung am Freitag klar bewiesen hat. Arbeiterbildung und Geldsackinteressen. DaS hessische Ministerium des Innern hat sich dieser Tage wieder einmal als Vertreterin nacktester Unternehmerinteressen erwiesen. Es hat eS nämlich fertig gebracht, der von der Stadtver- ordnetenversammlung m Offenbach a. Main beschlossenen obligatorischen Mädchenfortbildungsschule die Genehmigung zu versagen. Offenbach war als eine der ersten Städte dabei, die nach der Aenderung der Reichsgewerbeordnung gegebene Mög- lichkeit zur Schaffung einer obligatorischen Mädchenfortbildungs- schule zu benutzen. Nicht nur die sozialdemokratische Mehrheit, sondern die gesamte Stadtverordnetenversammlung beschloß die Errichtung dieser so wichtigen Schule, und ebenso ein- stimmig waren Schulvorstand und Kreisschulkommission in der Be- fürwortung de» Projekts. Dagegen erhoben aber die F a b r i- kanten Offenbachs, vertreten in der Handelskammer und in pri- vaten Organisationen, lebhaften Protest. Die Offenbacher Unter- nehmer, die in Schuh- und Lederwaren-, Seifenfabriken usw. mehrere tausend jugendliche Arbeiterinnen beschästigen, fürch- teten, wöchentlich vier Arbeitsstunden opfern zu müssen, ohne diese vom Lohn abziehen zu dürfen. WaS selbst von bürgerlicher Seite kaum für möglich gehalten wurde, trat ein: das Ministerium de« Innern trat den Gründen der Unternehmer bei und versagte die Genehmigung mit der AuS- rede, die Errichtung von Mädchenfortbildungsschulen könne nicht durch Sonderregelung in einzelnen Gemeinden, sondern nur durch landesgesetzliche Regelungen erfolgen. Diese Regelung aber sei bei der bevorstehenden Revision des VolksschulgesetzeS zu erwarten. Diese Revision steht steilich schon seit einer Reihe von Jahren im Hessenlande„bevor" und wird, wie jeder weiß, noch weitere Jahre, vielleicht ein Jahrzehnt, auf sich warten lassen. Hessen wird also trotz der nun reichsgesetzlich gegebenen Möglichkeit noch auf lange Jahre dank der.bildungsfreundlichen" Regierung vor der obliga- torischen Mädchcnfortbildungsschule bewahrt bleiben. Noch während das Ministerium sich gleich den Ossenbacher Unternehmern auf die von Frankfurt drohende wirtschaftliche Kon- kurrenz berief, kam wie zum Hohn von dort die übrigens längst erwartete Nachricht, daß der Frankfurter Magistrat der Stadtver- ordnetenversammlung die Errichtung einer obligatorischen MädchenfortbildungSschulc vorschlage, die in ihren Leistungen(Zahl der Schulstunden usw.) noch erheblich über die Ossenbacher Ab- sichten hinausgeht. In Offenbach aber bleibt es bei der Nicht- genehmigung. Die verloren gegangene Wahlbekanntmachung. Im Dorfe Diehlo bei Fürstenberg a. O. wurde die Land- tagSwahl gar nicht erst bekannt gemacht. Jedenfalls glaubte der dortige Gemeindevorsteher, es sei besser, den Wählern den Serger über, die Dreillassenschmach zu ersparen. In dem Dorfe hat somit nur ein kleiner Bruchteil der Wähler, der vom Ziegelmeister der Ziegelei kommandiert wurde, bei den Wahlen am 16. Mai gewählt. Auf eine Beschwerde ging vom LandratSamt folgender Be« scheid ein: „Der kgl. Landrat deS Landkreises Guben. Journ. Rr. 2432. Guben, den 9. Juni 1913. Auf Ihre Beschwerde vom 19. v. MtS. gegen den Gemeinde- Vorsteher kann ich nichts mehr veranlassen, da die Wahlmänner- wählen zum«bgeordnetenhause bekanntlich am 16. v. M:S. statt- gefunden haben. Nach dem Bericht deS Gemeindevorstehers scheint der UmlausSzettel auf unaufgeklärte Weise verloren gegangen zu sein. Unterschrift unleserlich.� Man wird natürlich schwer das Gegenteil dieser Behauptung beweisen können, daß der Umlaufzettel, der die Bekanntmachung der Wahl enthielt, auf..unaufgeklärte Weise" verloren ging. Dieses „Wahlkuriosum" eröffnet aber für konservative ländliche Wahlbezirke ganz angenehme Ausfichten. Man läßt die Bekanntmachung während des Umlaufs einfach.auf unaufgeklärte Weile verloren" gehen und kommandiert am Wahltage kürzweg eine Anzahl Wähler zur konser- vativen Stimmabgabe. Schwere Anschuldigungen. Gegen die Polizei im Ruhrrevier werden in dem in Bochum erscheinenden polnischen Blatt„Wiarus Polski" und in unserem Bochumer Parteiblatt schwere Vorwürfe erhoben. Der frühere ReichStagSabgeordnete Johann B r e j S t i, Besitzer de« polnisch« Blatte», teilt mit, daß er gegen den Kriminalkommissar Klann bei der Staatsanwaltschaft wegen Verleitung zum DiebstaM und zum Verrat von Geschäftsgeheimnissen unter Aufwendung vo» Geldern aus der Staatskasse Anzeige erstattet habe. Außerdem habe er(Brejski) auf Grund des 8 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Zivilklage gegen Klann angestrengt und beantragt. das Gericht möge dem Kriminalkommissar unter Auswerfung einer Strafe verbieten, fernerhin Bemühungen anzustellen, um das Personal des polnischen Blattes in der Absicht, GeschäftSge- Heimnisse zu erfahren oder Manustripte zu erhalten, zu bestechen. Unser Bochumer Parteiblatt sagt zu dieser Erklärung BrejskiS: „Wir fteuen uns besonders auf den nunmehr in Aussicht stehen- den Prozeß, um so mehr, als Beamte der Kriminalpolizei vor längerer Zeit auch Laufburschen, also jugendliche Arbeiter des ..Volksblattes", zum Diebstahl von GeschästSeigentum gegen Bezahlung von Bestechungensgeldern zu ver» leiten versucht haben." Nach den Vorgängen bei der Essener Polizei ist man ja an manches gewöhnt. Die hier erhobenen Beschuldigungen sind aber so schwer und bestimmt, daß die preußische Regierung schleunigst dafür wird sorgen müssen, daß die Untersuchung gegen die be- schuldigten Polizeibeamten eingeleitet wird. Bestrafte Gesetzesverächter. Die zweite Strafkammer des Landgerichts I, Berlin, verurteilte am Sonnabend den Grafen Albrecht v. Königs- m a r ck wegen Zweikampfes mittels Pistolen, der jedoch uu- blutig verlief, zu sechs Monaten Festung, dessen Gegner, den Rechtsanwalt Dr. Staman n- Hamburg, zu drei Monaten Festung und den Major a. D. v. Goßlar wegen Kartelltragens zu drei Tagen Festung. Da? Duell war die Folge eines Zusammen- stoße» auf einem Hamburger Rennen. Die deutsche Regierung und die Fremdenlegion. Anscheinend will sich das Reichsamt des Aeußern noch ein- gehender mit dem Fall des Usedomer Bürgermeisters Trommel beschäftigen, der Amt und Familie im Stiche ließ, um in die Fremdenlegion einzutreten. Trotz der Behauptungen der fran- zösischen Behörde und des Kommandos der Fremdenlegion, daß Trömmel geistig völlig intakt sei und mit vollem Bewußtsein der Tragweite seiner Handlung seinen Eintritt in die Fremdenlegion vollzogen habe, glaubt offenbar die deutsche Regierung nicht an die völlige geistige Gesundheit Trömmels und dürste entsprechende Schritte bei der ftanzösischen Regierung unternehmen. Es wird soeben bekannt, daß das Auswärtige Amt sich vom Oberpräsidenten der Provinz Pommern die Akten des Falles Trömmel und die Photographie des jetzigen Fremdenlegionärs einfordern lieh. Barbarische Militärjustiz. Zu einem Jahre und drei Monaten Gefängnis hatte das Kriegsgericht in Breslau den Grenadier Karl M a s u r vom Regiment 11 verurteilt wegen tätlichen Angriffs auf eine militärische Wache. Er hatte angetrunken einem Korridorposten einen Schlag mit der geballten Faust ins Gesicht gegeben, weil der Posten zur Nacht gemäß seiner Instruktion Mannschaften, die in die Retirade gehen wollten, zurück- gewiesen hatte, da sie nicht vorschriftsmäßig angezogen waren. Die Berufung von M. verwarf jetzt das O b e r tri e g s g e r i ch t (weil ein Posten für einen Soldaten eine geheiligte Person sein müsse), recknete aber zwei Monate UntersulbungShafl an. Fünf Jahre Zuchthaus als„Mindeftstrafe" verhängte das Kriegs« gericht der 16. Division in Trier gegen einen Musketier vom 69. Jnfanterie-Regiment. Der Angeklagt«, der bereits im Jahre 1993 alS Unsicherer eingestellt wurde, war von Beruf Korbmacher und ist vor seiner Militärzeit ständig im Lande herumgereist; er ist also, wie der Vertreter deS Angeklagten ausführte, sozusagen auf der Land- straße groß geworden, ohne irgendwelche Erziehung zu genießen. ES war daher auch nicht verwunderlich, daß ihm daS Soldatenleben nicht behagte. Zweimal hat er bereits 8 Monate Gefängnis und 1 Jahr 6 Monate Gefängnis wegen Fahnenflucht verbüßt; ei» drittes Mal bekam er wegen unerlaubter Entfernung 14 Tage strenge» Arrest. Und nun muß er fünf lange Jahre ins Zuchthaus. Die neue ßalkanlmCe. Der diplomatische Notenwechsel zwischen den Balkan- staaten nimmt seinen Fortgang. Aus beiden Seiten macht man sich bittere Vorwürfe über allzu weitgehende Ansprüche und über Vergewaltigung der Angehöngeu der eigenen Nation durch die anderen. So hat Bulgarien den Noten an Serbien auch ähnlich lautende an Griechenland folgen lassen. Von einem Nachgeben ist noch nirgends etwas zu spüren, was in Petersburg merklich verstimmt. Neben der diplo- matischen Aktion dauern die strategischen Anfmärsche, die von einzelnen Grenzscharmützeln begleftet sind, fort. Serbisch-bulgarische Zusammenstöße. Belgrad, 21. Juni. Nach amtlichen Benchten kam es in den letzten Tagen an der serbisch- bulgarischen Demarkationslinie an drei Stellen zu Geplänkeln zwischen serbiichen und bulgarischen Patrouillen. Auf seilen der Serben wurden ein Unteroffizier und zwei Soldaten getötet und ein Unteroffizier ver- w u n d e t. Die bulgarischen Verluste find unbekannt. Nu neuer DemobilifiernngSauttag Serbiens. Belgrad, 21. Juni. Die serbische Regierung hat durch ihren Gesandten in Sofia der bulgarischen Regierung eine Note überreichen lassen, in welcher ihr Demobilisierungsanttag erneuert und die bulgansche Regierung zur Beschickung der Konferenz eingeladen wird. Serbien lehnt ad. Sofia, 21. Juni. Wie die„Agence Bulgare" meldet, hat der serbische Gesandte Spalaikowitsch heute nachmittag die A n t- wort der serbischen Regierung überreicht, in der die Vorschläge Bulgariens, betreffend die Demobili. s i e r u n g abgelehnt werden. KriegSentschädigungSansprüche deS BalkanbundeS. Paris, 21. Juni. Das„Echo de Paris" will wissen, daß die Ballanverbündeten ihre KriegSenlschädigungsiorderungen bedeutend ermäßigt haben. Bulgarien habe ursprünglich IM« Millionen ver- langt, dann habe e« seine Forderung auf 800 Millionen herabgesetzt, während Serbien und Grieckenland je 6—700 Millionen verlangten. Gegenwärtig betrügen die von den Balkonverdündeten der inter- nationalen Finanzkommission übermittelten Beldreklamattonen zu- sammen etwa eine Milliarde. Oeftemicb. Das Parlament und Wilhelm lt. Wien, 20. Juni.(Eig. Ber.) Einige Berliner Chauvinisten- blätter regten sich darüber auf. daß einige Worte zum Ruhm Wilhelms H, die der deutschuationale Budgetbericht. erstatter Dr. Stcinwender im Wiener Abgeordnetenhaus sprach. mit wüstem Skandal aufgenommen würden. Es ist sestzu- stellen, daß die allerdings sehr stürmischen Protestrufe der slawische« Abgeordneten sich dagegen wandten, daß Uhg. Steinwendcr eine von den flawischen Parteien des Hauses nicht gewünschte Kundgebung durch ein Hintertürchen und unter Mißbrauch seines Berichterstatteramtes herbeiführen wollte. Den slawischen Parteien in Oesterreich, die die Mehrheit der Bevölkerung vertreten, wird man es übrigens nicht verbeulen können, daß sie Wilhelm II. nicht feiern wollen, da die preußischdeutschen Behörden Hunderttausende österreichischer Arbeiter als rechtlose Ausbeutungsobjekte betrachten und be- handeln. (Ingarn. Annahme des Knebelgesetzes. Budapest, 20. Juni.(Eig. Ber.) Das Abgeordnetenhaus hat ohne Debatte und e i n st i m m i g(die Opposition war wohl hinter dem Polizeikordon?) das Gesetz über die Per- schärfung des Majestätsbeleidigungs-Para- g r a p h e n und die Bestrafung»republikanischer Betätig uug" angenommen. Unser Korrespondent schreibt uns noch: Die erste Leistung der neuernannten Regierung Tisza war ein Gesetz über die Be- leidigung des Königs und die Angriffe gegen die Institution des Königtums, welches von dem Rumpfparlament ohne De- batte angenommen wurde. Man könnte nicht behaupten, daß die Perjon deS Königs von Ungarn und die Institution des Königtums bisher des gesetzlichen Schutzes entbehrten. Auf die Majestätsbeleidigung stand bisher eine Strafe von zwei -wahren Gefängnis; erfolgte dieselbe durch Druckwerke oder Schriften, so erhöhte sich die Strafe bis zu drei Jahren, aber Staatsgefängnis. In dem neuen Gefetz tritt an die Stelle des Staatsgefängnisses gewöhnliches Gefängnis, eine Geldstrafe bis zu 4 0 0 0 Kronen und der Verlust der volitischen Rechte. Die Organisierung, Unterstützung oder Be- teiligung an einer Bewegung, welche— wenn auch mit gesetzmäßigen Mitteln �— die Aufhebung der Institution des Königtums bezweckt, wird mit Staatsgefängnis bis zu f ü n f Jahren, einer Geldstrafe bis zu40v0Kronen und mit dem Verlust der politischen Rechte bestraft. Das ärgste aber ist, daß alle diese Delikte von nun an der Kompetenz der Schwurgerichte entzogen und den ordentlichen Gerichten zu- gewiesen werden. Es ist der erste Schlag gegen die Schwurgerichte, welche seit einem Jahre in allen politischen Prozessen gegen die Regierung und ihr System entschieden babcn und in welchen sich der aus dem Parlament vertriebene Geist der Auflehnung und des Protestes eine Tribüne errichtet bat. Es spielt aber bei dieser Kampagne gegen die Schwur- gerichte auch ein persönliches, niedriges Moment mit: die Geschworenen haben den Abgeordneten Kovücs, der den Grafen Tisza angeschossen hat. freigesprochen. Run antwortet der in den Besitz der Macht gelangte Junkerhäuptling mit einer Strafexpedition gegen die Geschworenen.— Das Gesetz richtet sich gegen die vor einem Jahre ge- gründete republikanische Partei, die sich, im Kreise der kern- magyarischen Bauernschaft der großen Tiefebene und in den Schichten der kleinbürgerlichen Intelligenz viele Anhänger er- worden hat. Während die berühmte Großmacht mit ihrer Prätention, die staatliche und politische Ordnung der Dinge am Balkan in aller erster Reihe zu bestimmen, den Frieden Europas gefährdete: entstand ihr in der republikanischen Be- wegung der magyarischen Bauern ein neuer Widerstand und eine Kalamität, welche keineswegs dazu angetan ist, ihr An- sehen zu heben und die Hoffnungen auf ihren Zusammenbruch zu entkräften. Auf Spatzen schießt man nicht mit Kanonen — und wird das schwere Geschütz einer Ausnahmgesetzgebung gegen eine Bewegung aufgefahren, so zeugt das für die Kraft dieser Bewegung oder wenigstens für das schlechte Gewissen der Herrschenden. In der republikanischen Bewegung und in dem Ausnahmegesetz wider dieselbe tritt die gründliche Wand- lung der Politik der Habsburger Dynastie in sinnfälliger Form in Erscheinung. Vor sieben Jahren verkündete der Minister Kristoffy im Namen der Krone das Programm des allge- nieinen Wahlrechtes und nahm den Kampf gegen Junker und Oligarchen in diesem demokratischen Geiste auf. Heute sitzen die Junker und Oligarchen in der Regierung und bringen Ge- setze zum Schutze des Königs und Königtums. Der Wort- bruch der Krone dem Volke gegenüber rief die republikanische Bewegung ins Leben und vertrieb auch die letzten Illusionen einer cäsaristischen Politik, deren Erinnerungen in der Seele des Volkes lange nachwirkten. Das Volk Ungarns weiß, daß die Krone eine ihm fremde und feindliche Klassenmacht ist, und daß diejenigen, die die Sache des Wahlrechtes auf die Krone gestellt, ihre Sache auf nichts gestellt haben. Aus der republikanischen Bewegung spricht der Groll und die Em- pörung eines betrogenen Volkes. Kelgien. Erneute Propaganda für das Wahlrecht. Brüssel, 19. Juni.(Eig. Ber.) Die belgische Arbeiter- Partei wird ihre Propaganda für das Waylrecht aufs neue aufnehmen. Die von der Regierung ernannte Wahlrechts- kommission ist eingesetzt und wird heute unter dem Vorsitz deS Ministers des Innern ihre Beratungen beginnen.' Die Zusammensetzung der Kommission, in der die Sozialdemo- kraten keine proportionell entsprechende Vertretung haben. und in die andererseits Klerikale berufen wurden, denen im Punkt der Wahlrechtsreform nichts Gutes zuzutrauen ist, be- gegnct allenthalben Mißtrauen in der Arbeiterschaft und ge- bietet Wachsamkeit und ein neues Einsetzen der Aktion. Ter Generalrat der Arbeiterpartei, der bereits vorige Woche über Maßnahmen für die neue Wahlrechtspropaganda beraten hat. hat sich gestern wieder versammelt und Richtlinien für die nächste Zeit festgelegt. Das vom Generalrat herausgegebene Manifest-- ein Aufruf an die Arbeiter zur Protestaktion gegen die neuen Militärlasten, die neuen Steuern und zum erneuten Kampf für das gleiche politische Recht— wird im ganzen Lande verbreitet werden.— Das Wahlrcchtskomitee der Arbeiterpartei, das den Generalstreik organisiert und die Wahlrechtsaktion wieder zu leiten hat. wird bereits nächsten Mittwoch seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Die schriftliche Propaganda füe das Wahlrecht ist einein eigenen Komitee überwiesen, das zusammen mit der sozialistischen Presse ar- beiten wird«IB � Teller.... 4 Grössen 18 bis 30 Durchschläge»Gr 30 bis 70 pl Salatsiebes aröu« 60 bu 90 pl Dekorierte Artikel: Kaffeekannen« Grössen 40 pl w. 1 m. 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LerlagSanstall Paul Singer L Co., Berlin ZW. Hier»« 4 Beilage«. ».155. 30.3.�, i. jZejlilge des Jotiiiitts" Kerliller Uolksbllltt. Reichstag 1«7, Sitzung. Sonnabend, den 21. Juni 1913, mittags 12 Uhr. Am BundesratStisch: v. H e e r i n g e n. Zweite Lcfutig der Cdchrvorlage. Sächsischer General Leuckhart v. Weißdorf: Die Behauptung des Abg. Stadthagen, daß es in der geheimen Order des verstorbenen Königs Georg von Sachsen als richtig bezeichnet worden wäre, wenn mißhandelte Soldaten st raffrei Notwehr üben könnten, ist völlig unbe- gründet. Ueberhaupt ist es ein starkes Stück, wie der Abg. Stadthagen jenen Erlaß, der sich aus vor 2V Jahren vor- gekommene Soldatenmißhandlungen bei zwei Regimentern bezieht, ausschlachtet, um die heutigen Verhältnisse im Heer anzugreifen. Seitdem ist die Häufigkeit der Soldatenmißhandlungen im Reich, wie insbesondere auch in Sachsen, sehr bedeutend zurückgegangen. (Beifall rechts.) Abg. van Calker(natl.): Eine eingehendere Diskussion über die Reform des Militärrechts sollte eigentlich nur in der Kommission stattfinden. Maßlose Kritik schädigt übrigens mehr als sie nützt, lieber den Begriff der Disziplin bin ich ganz anderer Anficht wie die Sozialdemokraten. .Autorität von oben' allein tut es nicht, es muß auch.Gehorsam von unten' da sein. Auch Schweizer Offiziere waren meiner An- ficht. Die„Hände an der Hosennaht' allein tun es nicht.(Ironischer Beifall bei den Sozialdemokraten.)— Andererseits muß ich zugeben, daß unsere Wissenschast sich zu wenig mit der Kritik des Heeres beschästigt hat.(Hört l hört! links.) Das Reichsmilitär- g e r i ch r, so tüchtiges es leistet, kann nicht über das geltende Militärrecht hinweg. Dieses mutz also reformiert werden. Die M i u d e st st r a f e n find durchweg zu hoch. Aber das allein tut es nicht. So ziemlich jeder Paragraph des Militärstrasgesetzbuchs muß bezüglich der Tatbestands- merkmale reformiert werden.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Aber man kann hier nicht im Zusammenhang mit der Wehrdorlage dieses Gesetz reformieren wollen. Die Militär- Verwaltung bekämpft mir uns die Soldatenmißhandlungen, aber mau sollte die gewohuheitsgemäße Körperverletzung Untergebener als qualifiziertes Delikt behandeln und obligatorisch mit Zuchthaus st rafe und Ausstoßung aus dem Heere bestrafen.(Beifall links.) Ferner gewährt das geltende Recht nicht den genügenden Schutz gegen gemeingefährliche Geistes- kranke, wie jetzt gerade die Fälle aus Bremen und Frankfurt a. O. beweisen.— Den Riilitärrichtern fehlt oft die Vorbildung, deshalb schlage ich eine Militärrecht-Akademie vor.(Beifall bei den National- liberalen.) Abg. v. Brockhausen(kons.): Die Sozialdemokratte will die Kommandogewalt d e S Kaisers durch das parlamentarische Regime ersetzen. Wenn Wagner im.Faust', statt spazieren gehen zu können, die Rede des Herrn Stadthagen hätte hören und beantworten muffen, so hätte er gesagt:.Mit Euch, Herr Stadthagen, zu spazieren, ist weder ehren- voll, noch ein Gewinn.' Diese MißhandlungSrede war eine Miß« Handlung des HauseS. Manche Regimenter bestehen fast ganz aus Freiwilligen. Herr Stadthagen hat beim zweiten Garde- regiment gedient, an dessen Jubiläumsfeier aber wohl nicht teil- genommen: die 8000 Teilnehmer an diesem Regimentsjubiläum haben einem Bekannten von mrr erzählt, daß sie mit der ihnen zuteil gewordenen Behandlung zufrieden waren.— Notwendige Reformen müssen natürlich durchgeführt werden, aber diese große Vorlage ist zu gut dazu, die Zeit mit solche» Resolutionen und mit )o viel sozialdemokratischen Reden zu verbringen. Die Beschwerdeordnung ist so einfach und klar, daß sie jeder Soldat versteht. Wenn Aenderungen nötig sind, wird sie die Heeresverwaltung schon vornehmen. Aus den strengen Arrest kann im Interesse der Disziplin und damit der Schlagfertigkeit des Heere« nicht verzichtet werden. Wir find auch gegen die Resolution der Budgerkommissionf, die Ehrengerichlsvorschristen sind Sache der K o m m a n d o g e>v a l t. Sozialdemokraten wird das Offizierkorps nicht unter sich dulden, auch nicht Leute, die aus irgendwelchen Gründen mit der Sozial- demokratie zusammengehen wollen.(Bravo! rechts.) Der st r e n g e Ehrbegriff der Offiziere ist eine der Stützen der Macht des preußischen HeereS. Unser Kaiser, der stet» allen Fortschrilten sein Interesse widmet, wird hoffentlich am Ehrengerichtsverfahren nichts ändern.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Müller-Meiniugen(Vp.): Unser ganzes Militärrecht ist höchst unübersichtlich, eS bedarf sicher einer Zusammenfaffung und Reform. Von dem Gesetz von 1872 ist keine Bestimmung mehr gültig. DaS Militärstrafrecht schreit nach einer Reform. Aver die sozialdemokratischen Anträge sind natürlich unannehmbar.(Abg. Stadthagen: Für Siel) Soll der Soldat dem Hauptmann, der ihm sagt:.Rommel, stell Dich mal g'rad her!'(Heiterkeit!) erwidern dürfen:.Haupt- mann. Du bist der größte Rommel!' oder ihm eine hinhauen können? Und nach dem sozialdemokratischen System könnte man bei der Wehrvorlage schließlich auch das Kaligesetz reformieren, denn Kali wird ja auch zur Pulverfabrikation verwendet!(Au! bei den Sozial- demokraten.) � Die Resolutton der Budgetkommission faßt nur die gerecht- fertigten Resormwüusche der Reichstagsmehrheit zusammen. Dem Abg. v. Brockhausen erwidere. ich, daß gegen den Geist des Gesetzgebers schon gewohnheitsmäßig die Militärgerichte die Oeffent- lichkeit ausschließen, auch da, wo die Disziplin garnicht gefährdet werden kann, wie wenn ein Offizier auf dem Bahnhof einem Zivilisten eine Ohrfeige gegeben hat und dergleicker inehr. Das alte preußische Ehrengericktöverfahrcn war demokratisch, die Offiziere richteten. jetzt haben sie nur ein Gutachten ab- zugeben und das Militärkabinett entscheidet I(Beifall links.) Abg. Kunert(Soz.): Die Kalauer des Vorredner» gegen unsere Anträge waren keine Gründe I Und Abg. van Calker bewegte sich in dem berühmten „Einerseits-AndererseitS'. Wir sehen doch immer wieder, daß wir die Schandtaten der Soldaren ichlnder nicht aus der Welt schaffen können, wenn wir nichr ganz andere Mittel als bisher ergreifen und von unten auf arbeiten. In seiner außer- ordentlich rückständigen Art hat Abg. v. Brockbausen gesprochen. Darauf braucht man wirtlich nicht sehr einzugchen. Energische Maßregeln gegen die niederirächtigen. frechen und gemeinen Soldaienpeiniger würden dock die D i S z i p l i n b r« ch e r treffen, nicht die Disziplin! Herr v Brockhausen spricht von uns gewissermaßen als Rebellen, er vergißt aber selbst, daß er auch ein Rebell ist. zwar "ich, Sozialrebell— ober» a n a l r e b e l l!«Sehr gut! beiden Sozialdemokraten.) UebrigenS hat er c« nickt als sehr ehrenvoll be- zeichnet, sich mit unseren Anträgen befassen zu müssen. Wegen einer ahnlichen Aeußcrung von unserer Seite hat Vizepräsident Paasch« eine scharfe Rüge erteilt! Unsere Anträge sollten ein P r ü f st e i n dafür sein, ob etwas für die Soldaten gebessert werden soll oder nicht. Es ist eine unverschämte Schamlosigkrtt, daß von junkerlichen und scharfmacherischen Naturen das Volk zum Packesel gemacht werden soll, um dafür mit P r ü g e ln regaliert 8» werden.(Glocke de« Präsidenten.) Natürlich meine ich nicht des Wie notwendig unsere Anträge find, be- weisen die zahllosen Fälle von Soldatenmißhandlungen. Ist eS nicht eine nichtsnutzige Gemeinheit, wenn Vorgesetzte ihre Untergebenen gezwungen haben, den Inhalt von Speinäpfen auf- znesscil, tierische und menschliche Exkremente zu verzehren, sich Zaum und Kandare und Sattel anlegen und mit der Peitsche und Sporen bearbeiten zu laffen, auf Befehl zu onanieren und andere U n zucht zu treiben,— wenn sie sie in Krankheit. Tod und Selbstmord getrieben haben! Wir beantragen ja nur ein Stück bedingter Notwehr, nicht das Notwehrrecht an sich. Jeder in diesem Hause beansprucht das allgemeine Menschenrecht, Beleidigung mit Beleidigung, Körperverletzung mit Körperverletzung zu erwidern. Jeder hat dieses Recht, nur der Soldat nicht.— Herr van Calker ist gewiß kein Radikaler, sondern ein gut Konservativer, aus Versehen unter die Nationalliberalen gekommen(Heitel keit), umso wertvoller, daß sogar er die Reformbedürstigkeit des Militärrechts anerkennt. Rechts- widrigen Befehlen muß die Gehorsamsverweigerungspflicht gegenüber- stehen; wenn aber derVorgesetzte nun zum Angriff übergeht, so befindet sich der Soldat in der Notwehr— das gibt in einer früheren Schrift sogar Herr v. C a l k e r zu! Er spncht den Mannschaften in Notwehr das Recht deS Waffengebrauchcs zu. Darum ist Herr v. Calker allerdings herumgegangen. Auch eine Anzahl den Konservativen nahestehende Schriftsteller traten für ein bedingtes Notwehrrecht ein und sogar konservattve Beamte I DaS geschieht auch in einem vom KriegSgerichtsrat Dr. Steine heraus- gegebenen Sammelwerk. Nur der rechtliche Befehl soll nach dieser Auffassung unbedingt zu befolgen sein. Dies stimme auch mit der Praxis des ReichsmilitärgcrichlS überein. Wenn aber ein eingeschränktes Notwehrrecht statt hat, so sehen wir auch nicht ein, warum wir nicht auch das uneingeschränkte Notwehrrecht fordern sollen, wie eS angesehene Rechtslehrer tun. In der Theorie existiert dieses Neckt sogar, indem durch§ 2 deS Reichs militär- strafrechtS die a l l g e m e i n e n Bestimmungen des zivilen Reichs- strafgesetzbucheS als gültig anerkannt werden. In§ S3 und 54 des NeichsstrafgtsetzbuchcS wird aber das allgemeine Notwehrrecht anerkannt. Demgegenüber ist unser Antrag ja nur ein Teilstück. Nehmen Sie sich auch ein Beispiel an den Reichsbeamten, die schrift- stellerisch für ein unbedingte» Notwehrrecht eintreten, das übrigens der Zentrumsabgeordnete Dasbach 1904 gefordert hat I(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Werden die Liberalen den ver- nünftigen schrift st ellerischen RechtsauSfllhruugen des Herrn v. Calker folgen, der als Konsequenz des Kadavergehorsams die Anarchie hinstellte! Die Konservativen aber sind doch für das Duell, für da« modernisierte mittelalterliche Faustrecht— da wollen Sie den Soldaten das Notwehrrecht verweigern? DaS Recht, das wir verlangen, ist ein elementares Menschen- recht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Können Sie denn nur Lasten auf das Volk legen. Je kräftiger das Beschwerderecht reformiert und gehandhabt wird, desto seltener wird das Rot- wehrrecht gebraucht werden. Sichern sie Beschwerderecht und Not- wehrrecht, so werden Sie Mißhandlungen und Kadavergehorsam be- seitigen! Dem Militärrecht an sich wird dadurch noch kein Haar ge- krümmt. ES bleibt ein AuSnahmerecht, ein Klaffenrecht, ein schand- bares Unrecht, reif zum Untergang.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Dave: Sie dürfen kein geltendes Recht als schandbares Unrecht bezeichnen. Ich rufe Sie zur Ordnung. Oberst v. Gang ermann erklärt, soeben erst von der Front gekommen zu sein, wo er als Regimentskommandeur sehr streng darauf gehalten habe, daß keine Mißhandlungen vorkämen. Auch werden mcht alle, die sich erfolglos beschweren, bestraft. Ein Unteroffizier, der ein strammer Soldat aber ein kleiner Schlingel war. mußte von mir bestraft werden. Dann redete ich ihm väterlich zu(Zuruf bei den Sozialdemokraten: wie Väterchen I), er mußte aber darauf von mir wegen desselben Vergehens nochmals bestraft werden, be- schwerte sich, wurde mit dieser Beschwerde abgewiesen, wurde aber nicht besttaft. Die sozialdemokratischen Anträge sind also über- flüssig und würden unsere ganze Disziplin ausheben. Abg. Pens(Soz.): Mein Parteifreund Stadthagen hat gestern eine Rede gehalten, die vielen nicht gefallen hat, und doch hat er nur Tat- stachen vorgebracht und darüber ein Maß von Entrüstung geschüttet. das durchaus angebracht war. Wenn der Abg. V. Brockhausen gemeint hat, eS sei kein Vergnügen, dem Abg. Stadt- Hagen zuzuhören, erwidere ich ihm, daß die Abgeordneten über- Haupt nickr zum Vergnügen hier find, sondern daß es ihre Pflicht ist, allen Mißstände», besonder« auch den Soldatenmißhandlungen, entgegenzutreten. Die Soldatenmißhandlungen bestehen bis zur Stunde fort. Freilich haben sie wobl in gewiffen Regt- meutern aufgehört, in denen es Offiziere gibt, die sich unsere Erziehung haben angedeihen lassen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber«S gibt auch noch Regimenter mit Offizieren und Unteroffizieren, die bi« zur Stunde ähnliche Infamien begehen, wie sie von uns seit vielen Jahrzehnten auf da« heftigste kritisiert werden. Wenn jemand auf diesem Gebier ein Verdienst hat, so ist eS die Sozialdemokratie, so hat in der deutschen Geschichte auf diesem Gebiet das größte Verdienst unser Genosse Bebel. (Lebhafter Be fall bei den Sozialdemokraten.) Wenn Bebel auch nur ein Verdienst hätte unter seinen vielen Verdiensten— dies Verdienst vor allem gehört ihm, daß er Hunderttausende von Soldaten vor Mißhaudlungcu geschützt hat, indem er immer wieder die andern Soldaten zu teil gewordenen Mißhandlungen kritisiert hat. Wenn der Abg. Bebel nicht seit Jahrzehnten stets so energisch dagegen aufgetreten wäre, so wäre keine Verminderung der Soldatenmißhandlungen eingetreten. Im Mittelalter hat es allerdings Herren und Knechte gegeben. Da hatten die Herren noch»aS naive Bewußtsein, daß sie tun und lassen dürften, was sie wollen, und auch die Knechte fanden das in der Ordnimg. Aber in den letzten Jahrzehnten haben die Knechte aufgehört, Knechte bleiben zu wollen. In ihrem Bewußt- sein ist der Wunsch entstanden, gleichberechtigt zu werden, und diese Gleichberechtigung werden wir all' Ihrem Widerspruch zum Trotz erzwingen. Auch der Kriegsminister v. Heeringen wendet sich gegen die Soldatenmißhandlungen, aber doch nur. weil unsere fort- geletzte Kritik ihn dazu zwingt. Wir haben Sie dazu sogar ge- zwungen, daß bei dem Amnestieertaß die Soldatcnmißbändler aus- drücklich ausgenommen worden sind.(Sehr gut I bei den So- zialdemokraten) DaS Heer ist doch viel älter als die Sozial- demokratie. Warum haben Sie nicht in früheren Jahrzehnten die Miliiärmißbandlungen beseitigt, als es noch keine Sozialdemokratie gab. Ick selbst habe hier in Berlin bei den Alexander» ge- dient. Damals ging man durch die Karlstraße an dem offenen Exerzierplatz vorbei und konnte Hineinsrhen, was dort passierte. tonnte sehen, wie dort Soldaten mißhandelt wurden. In den Kleinstädten wurde sogar auf den Marktplätzen exerziert. Jeder- man sah die Soldatenmißhandlungen, ohne Anstoß zu nehmen. Heute sind die Plätze abgesperrt, weil man sich schämen gelernt hat, weil man weiß, das Publikum ist anders ge- worden, als vor Jahrzehnten. Es erträgt den Anblick der Miß- Handlungen nicht mehr. Und so muffen Sie sich mehr und mehr vor der Oeffentlickkeit flüchten! Schade, daß das nötig ist. Es wäre viel besser, wenn die Exerzierplätze zu sehen wären, damit jedermann sich davon überzeugen könnte, daß die Soldaten anständig behandelt werden.(Sehr richttgl bei den Sozialdemokraten.) Es gibt zwei Arten von Offizieren, solche, für die man durch das Feuer gehen kann(Hört! hört! rechts)... Warten Sie doch! Ich habe ais Soldat die Empfindung gehabt, für meine zwei Haupt- leute, die ich gehabt habe, hätte ich durchs Feuer gehen können. (Erneutes Hört!' hört! rechts.) Sie müssen aber auch das andere hören.(Heiterkeit.) Ich hatte nämlich auch Unteroffiziere und Offiziere, das waren so infame Bestien, daß ich die Empfindungen, die der Abg. Stadthagen geäußert hat, noch heute nachempfinden kann. Und darauf kommt eS an; die Gesetze bestehen nicht für die anständigen— die könnten fast ohne Gesetze auskommen— sondern für die infamen Kerle, die leider in unserem heuttgen System sich noch schrankenlos be- tätigen können. In meiner Kompagnie war ein Premier- leutnant, der trat die Leute mit Füßen. Die Leute kamen zu mir und ich habe mir überlegt, ob ich nicht eine Be- schwerde einreichen sollte. Ich mußte mir aber sagen, was mir bei Einreichung einer solchen gemeinschaftlichen Beschwerde hätte passieren können. Ich weiß nicht einmal, waS mir passiert wäre, wenn bekannt geworden wäre, daß ich mit den Leuten auch nur darüber gesprochen habe. DaS ist eine Ueberspannung der Idee der Disziplin. Disziplin ist nach meiner Auf- faffung nichts anderes als die strenge Befolgung der Gesetze. Rur den erachtet die Disziplin als Vorgesetzten, der das Gesetz mit der größten Strenge auch im Verkehr mit seinen Untergebenen wahrt. Die Mannschaften zu quälen, ist eine Disziplinlosig- keit.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Gewiß haben dazu in erster Linie die Unteroffiziere Gelegenheit. Aber auch die Duldung der Mißhandlungen, eine Lässigkeit in der Beanfsichttgung der Unteroffiziere, ist bei den Offizieren genau so zu beurteilen, als wenn sie selbst Mißhand- lungen begehen würden. In manchen Kompagnien läßt man eben die Unterofffziere schalten und walten, wie sie eS wollen. Das Recht der Notwehr kann nicht so leicht überspannt werden, denn wer dieses Recht ausübt, der weiß auch, daß feine Tat hinterher abgeurteilt wird, daß er. wenn er fein Recht über ein geloiffes Maß hinaus ausübt, später erst recht bestraft wird. Dieses Bewußtsein ist ein genügender Schutz gegen jeden Mißbrauch des Rechtes aus Notwehr. Ich gebe zu, daß so unerhörte Sachen wie früher, wo Leute gezwungen wurden, ihren eigenen Unrat zu kauen, schmutzige Strümpfe zu verschlucken, mit Zahnbürsten die ganze Stube zu reinigen usw. usw., seltener geworden find. Aber auf- gehört haben sie nicht. Dann ist noch ein andere» Punkt. ES betrifft die Strafe des strengen Arrestes. Der Mensch der letzten Jahrzehnte hat eine höhere Kultur, er erträgt eS nicht mehr, so be- handelt zu werden wie vor 50 oder mehr Jahren. Aber das ist nicht einmal der springende Puntt bei der Frage deS strengen Arrestes, sondern der springende Punkt ist, daß diese Strafe nicht für alle verhängt wird, daß ein Unterschied gemacht wird zwischen den sog. Gemeinen und den Unteroffizieren ohne Portepee auf der einen Seite und den Portepeeträgern auf der anderen Seite. Diesen Unter- schied erträgt unser Bewußtsein nicht mehr, das heißt die Klaffenunterschiede sogar in das Gesetzbuch hineintragen; in der bürger- liehen Strafrechtspflege kommen solche Klassenunterschiede sogar in der Praxis natürlich leider auch oft genug vor. Aber daß der Klaffenunterschied geradezu im Gesetzbuch selbst steht, dieses Unerhörte liegt doch nur beim Militärftrasgesetzbuch vor.— Nun ist gesagt worden, selbst von liberaler Seile, diese Beratung der Militärvorlage wäre nicht die richtige Stelle, um die Nefornv der Militärrechtspflege durchzusetzen. Ich gebe es zu. daß es besser wäre, wenn man es in anderer Weise machen würde. Aber wir haben eS ja noch nicht erlebt, daß die Regierung eine» dahingehenden Gesetz- entwurf eingebracht hätte. Jetzt, wo die Regierung das stehende Heer so ungeheuer vermehren will, wo daher viel mehr Gelegenheit geschaffen wird für die Mißhandlungen, da hätte es sich doch die Militärverwaltung überlegen müffen, ob sie nicht einen solchen Gesetz- entwurf einbringen sollte. Sie könnten ja damit die Enttvickelung der Sozialdemokratte vielleicht verlangsamen und deshalb hätten die bürgerlichen Parteien sofort, als die Vorlage einaebracht wurde, erklären müffen: Regierung, nimm deine Borlage mit nach HauS, wir diskutieren erst dann darüber, wenn gleichzeitig die nötigen Reformen vorgeschlagen werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Freilich. v auch mit Reformen nützen Sie unZ. Sie können diese Scylla und CharibdiS nicht vermeiden, wenn Sie aber glauben, nun darum unentfchloffen bleiben zu müssen und die Entwicklung zurückhalten zu sollen, dann sagen Sie nur vielen tausend Menschen, daß sie als Soldaten sich alle« gefallen laffen müssen. Eines Tages werden unsere Wünsche doch erfüllt werden, das dauert nicht etwa noch gar zu lange.(Abg. Kreth: Wie lange?) Jeden- falls nicht so lange, wie Sie es wünschen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben doch schon manches erreicht, und weil wir noch nicht mehr erreicht haben, darum sehen Sie hier 110 Sozial- demokraten und ein Drittel des deutschen Volkes st i m m t s o z i a l d e m o k r a t i f ch. Wir bekommen aber auch noch die Hälfte! Wenn Herr v. Calker immerhin doch eine andere Haltung einnimmt, als Herr v. Brockhausen, dann ist dos auch die Folge der Rücksichtnahme auf die Sozialdemokratie. Sie können machen. WaS Sie wollen, es schlägtdoch ,» unseren Gunsten a uS. Wir stellen aber unsere Forderungen keines- weg» nur, um zu unserem Privatvergnügen agitieren zu können sondern wir wollen dem Soldaten helfen gegen ihre Peiniger.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere mich noch sehr gut, wie sich an mich und andere Berliner die Unteroffiziere nicht herangetvagt haben, weil sie sich dachten, die 5terle melden mich, dann fliege ich ins Loch; die polnischen Sol- daien aus dem Osten aber wurden mit der Faust vor die Brust gestoßen, weil man wußte, daß diese Früchte ländlich-junkerlicher Erziehung sich alles gefallen laffen. Zweifellos ist ja auf dem Lande das Ehr- gefühl nach dieser Richtung weniger entwickelt, so wie sich ein Banernknecht oder auch ein Bauernsohn mißhandeln läßt, so läßt sich nickt jeder sozialdemokratische Arbeiter mißhandeln. Ich sage das deshalb, weil man als einen Beweis gegen unsere Behauptungen angeführt hat, daß sich soviele Freiwillige zu gewiffen Regimentern melden. Die jungen Leute vom Lande find so wenig verwöhnt, daß sie sogar in der Kaserne manches finden, was sie vorher ent- b e h r e n mußten. Die Teilnahme von von 4000 bis 5000 alten Soldaten bei der Jubiläumsfeier eine« Berliner Garderegiments be- weist auch nichls, denn ei ist eine glückliche Gabe der Natur, daß der Mensch das Häßliche au« der Vergangenheit viel leichter vergißt, wie das Angenehme. Gewiß gibt eS auch Vorgesetzte, an die man gern denkt, und auch ich habe mich darüber gefreut, daß ein alter Vorgeietzler sich nicht gleich gefürchtet hat, mit mir. einem sozialdemokrattichen Abgeordneten zuiammen über die Straße zu gehen.(Heiterkeil links.) So mancher von diesen 4000 bis 5000 ist heute Beamter usw. und ganz in den Geist deS Militarismus hineingewachsen. Es gibt ja auch noch genug Kriegervereinler I Wir können hoffen, daß das, was wir wollen, sich durchsetzen wird. Beim allgemeinen Wahlrecht läßt sich auf die Dauer der Klasfenstaat und sein Militarismus nicht aufrecht erhalten. Neberall marschiert die Demokratie? Denken Sie nur an den Wahlsteg der holländischen Sozialisten! DaS flriegSministerium läßt sich in dieser ganzen Debatte immer wieder verprügeln, nur ab und zu ein paar Worte, aber nie- mal» eine Stellungnahme zu den prinzipiellen Frage«. Der gestrige Dankerlaß de« Kaiser» ist ja i« einem bescheideneren To« ge« halten, als man in der Vergangenkeit gewöhnt war, vielleicht wird dieser Ton noch bescheidener.'(Präsident K a e m p f untersagt diese NuZdrucksweise.) Hätte man doch dem Kaiser geraten, in diesem Dankerlay die Reform des Miliiärrcchts anzukündigen l— Herrn v. G r a e fe erwidere ich, daß gegen den Sieg der Demokratie schließlich auch kein Hohenzoller etwas ausrichten wird. Sie selbst haben uns ja gezeigt, daß der Kaiser gegen Sie den Mittellandkanal nicht durchsetzen konnte und gegen uns konnte er das Z u ch t h a u s g e s e tz nicht durchsetzen. Üeberlegen Sie sich daher sehr wohl, ob Sie uns durch Ablehnung unseres An- träges wieder nützen wollen; durchsetzen wird er sich doch.(Beifall bei den Sozialdemokraten.— Abg. Kreth: Na setzen Sie sich mal hin!) Präsident Kaempf rügt nachdrücklich die Verballhornung eines Faustzitats gegen den Abg. S t a d t h a g e n als unparlamentarisch. Kriegsminister v. Heeringcn weist zunächst die Ausdrucksweise des Abg. P e u s über den kaiser- lichen Dankerlatz zurück. Das ganze deutsche Volk habe das Jubiläum des ÄaiserS�gefeiert.(Rufe bei den Sozialdema- traten: Na! Na!) Den Soldaten braucht die Sozialdemokratie nicht zu helfen, die Vorgesetzten haben schon lange vor der sozialdemokratischen Agitation gewußt, daß wohlwollende und ge- rechte Behandlung� der Untergebenen der beste Weg ist. lLebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten: Mißhandlungen!) Sie sagen, daß Sie die scharfen Gesetze nicht für die braven Offiziere, fondern für die weniger braven fordern, so ist es aber auch mit den strengen Disziplinarstrafen für Soldaten, die kommen auch nicht gegen die braven Soldaten zur Anwendung. Und doch wollen Sie sie ab- schaffen!(Sehr gut! rechts.) Die Vorgesetzten, die sich das ver- dammungswürdige Vergehen der Soldatenmitz- Handlung zuschulden kommen lassen, erleiden nicht nur ihre Strafe, sondern das hat auch seine Konsequenzen für ihre Lauf- bahn. Ein Unteroffizier kann wegen Mißhandlung unter Um- ständen noch am Ende seines zwölften Dienstjahres mit Frau und Kindern auf die Straße gesetzt>verdcn, das ist doch die ab- schreckendste Strafe, die es gibt. Sie wollen, daß es in den Strafen keinen Unterschied zwischen Vorgesetzen und Untergebenen geben soll, aber das ist in allen Armeen der Welt der Fall und ist ein Erfordernis der Disziplin. Der Vorgesetzte, der einen Soldaten mißhandelt, vergeht sich schwer und wird schwer bestraft, aber er greift dqch nur in die Rechts- sphäre dieses einzelnen Mannes ein; der Untergebene aber, der sich an dem Vorgesetzten vergreift, vergeht sich nicht nur gegen diesen einen Vorgesetzten, sondern gegen den ganzen Stand!(Aha! bei den Sozialdemokraten; Unruhe rechts.) Die Soldatenmißhandlungen gehen ständig zurück, 1912 wur- den nur noch l1,2o Proz. der Offiziere und Unteroffiziere deswegen bestraft, im Hanzen nur 24 Offiziere, ich wollte freilich, es wäre §ar keiner. Aber die Offiziere und Unteroffiziere sind nun einmal eine Engel, sondern energische, teniperamentvolle Persönlichkeiten, die sich hinreißen lassen. Jeder, der ein Herz für die Armee hat, verurteilt aber die Mißhandlungen auf das allerschärfste. Der Abg. P e u s hat erklärt, daß die Um. zäunung der Exerzierplätze beweise, daß man sich vor der Oeffent- lichkeit fürchte." Nun, als ich das Regiment 117 in Mainz kom- mandierte, mußte ich beim Exerzieren auf dem Schloßplatz Polizei- ltchen Schutz in Anspruch nehmen gegen Bürger, die meinen Sol- daten zuriefen: Werft doch dem Kerl das Gewehr an den Kopf! und dergleichen mehr.(Hört! bört! rechts, lebhafte Rufe bei den Sozialdemokraten: Warum?) Sagen Sie doch den Leuten, die zum Militär kommen, nicht immer, daß sie beim Militär gepeinigt werden, sondern, daß sie ihre Pflicht und Schul- digkeit tun sollen, dann wird auch manches besser werden. Mit der Verallgemeinerung einzelner Vergehen von Leuten, die die Armee nicht kennen, setzen Sie die Armee nur runter. Wer die Armee kennt, weiß, was wir an ihr haben, und diesen Glauben läßt sich das deutsche Volk durch derartige Reden nicht nehmen!(Leb- hafter Beifall rechts.) Abg. Stadthagen(Soz.): Ter Abgeordnete van Calker und selbstverständlich auch Dr. Müller haben sich gegen meine„übertriebene Kritik" ge- wandt. Bringen Sie mir doch ein Beispiel dafür, daß ich über- trieben habe! Ich habe mich nur auf rechtskräftige Ur- teile und auf den Erlaß des Prinzen und späteren Königs Georg von Sachsen gestützt. Die Erklärung Dr. Müllers, daß unsere Anträge unannehmbar seien, beweist nur sowohl eine gewaltige Selbstgefälligkeit, als eine große Hilflosigkeit, die in Ermangelung von Gründen, Scheingründe geltend macht. Sehr bezeichnend ist es, daß die liberalen Parteien jetzt von dem Standpunkt zurück- kommen, den sie vor Jahren selbst noch in diesen Fragen einge- nommen haben. Ich habe auch keineswegs behauptet, daß in der Armee nichts als Quälereien getrieben werden, sondern nur, daß nach der bestehenden Rechtslage die Möglichkeit besteht, daß sich die Soldaten all diese kannibalischen Gemeinheiten wehrlos gefallen lassen müssen. Der liberale Dr. M ü l l e r- Meiningen hat es von sich gewiesen, daß ein Soldat, der von dem Hauptmann beschimpft wird, oen Hauptmann wieder schimpfen dürfte. Ter liberale Herr Dr. Müller kennt also eine verschiedene Ehre, und er meint, daß die Ehre des Soldaten in dem Augenblick vorbei ist, wo er seine Pflicht im Heeresdienst erfüllt. Nach dem bestehen- den, auch für das Militär geltenden Strafgesetzbuch besteht das Notwehrgesetz, einen rechtswidrigen Angriff auf sich oder seine Angehörigen auf der Stelle in gleicher Weise zurückzuweisen. Eine Beleidigung ist ein rechtswidriger Angriff, und das ist eben das Empörende, daß für den Soldaten chas allgemeine Staats- dürgerrecht der Notwehr nicht gelten soll. Deshalb bean- tragen wir, dieses Recht den Soldaten ausdrücklich zu geben. Noch 1 892 standen auch die Liberalen auf diesem Stand- Punkt, es ist außerordentlich interessant für die Entwickelung ihrer Gedanken, daß sie jetzt nicht mehr auf diesem Standpunkte stehen. Die Konservativen behaupten, die Sozialdemokraten wollten nur die Kommandogewalt des Kaisers beseitigen. Das sollen wir dadurch tun, daß wir den Soldaten ein wirkliches Beschwerderecht geben und sie nicht wehrlos den scheußlichen Gemeinljeiten ausliefern wollen? Dieselben Herren, die für sich das Vorrecht des Duells in Anspruch nehmen, um ihre Ehre zu verteidigen, die sagen, wenn die Unteroffiziere nicht mehr die wehrlosen Soldaten »reinigen dürften, dann würde die Disziplin untergraben und die Ltommandogewalt beseitigt. Die Inhaber der Kommandogewalt selbst sind aber, wie ihre Erlasse gegen die Soldatenmißhandlungen beweisen, der entgegengesetzten Ansicht. Das Lachen der Konservativen bei meiner gestrigen Rede hat Herr v. Brock- hausen dahin zu erklären versucht, daß die Konservativen gelacht hätten wegen meines Auftretens in später Abendstunde. Ich stelle fest, daß wir vorher die Vertagung beantragt hatten(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten!, daß sie aber von den Konser- vativcn abgelehnt wurde! Es bleibt schon dabei, Sie haben gelacht in dem Augenblick, als gegen die Soldatcnpeinigungen Stellung genommen werden sollte, und darüber, daß das geschehen sollte. Dem Kriegsminister erwidere ich, daß der einzelne Mann aus dem Volk mindestens dieselbe Ehre hat wie irgendein noch so hoch stehender Offizier, und dieses Gut müssen wir schützen dagegen, daß es infolge des Kadavergehorsams verletzt werden kann. Wenn der Vorgesetzte den Soldaten beleidigt oder schlägt, so vergeht er sich dadurch auch gegen den ganzen Stand, ja, er mißhandelt dadurch das ganze Volk, das in der Armee nicht von Berufsleuten, den Offizieren und Unteroffiziere», sondern von den Soldaten repräsentiert wird. Scharnhorst hat vor hundert Jahren erklärt, daß solche Offiziere, die nicht begreifen könnten, daß die Soldaten ohne Schläge unter- vchtet werden müssen« nicht jn das Heer gehören und hin» ausgeschmissen werden müssen.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten.) Die heutigen Konservativen sind natürlich anderer Ansicht. Der Rückgang der Verurteilungen wegen Soldatenmißhandlung ist noch lange kein Beweis für einen Rückgang der Mißhandlungen selbst. Es besteht ja kein wirkliches Beschwerderecht, wie viele Soldatenpciniger werden freigesprochen bei Ausschluß der Oeffentlichkeit, und wie oft werden Mißhandlungen und Beleidi- gungen nur als geringfügige, nicht zu ahndende Vergehen behandelt!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokiaten.) Prinz Georg von Sachsen hat in seinem Erlasse sehr scharf darauf hingewiesen, daß die Vorsitzenden der Kriegsgerichte nicht selten gegen den Mißhandelten und für den Mgeklagten Sol- datenpeiniger Partei genommen hätten(Hört! hört! bei den So- zialdemokraten), und gerade deshalb erklärte der Befehl des Prinzen die strengste Gerechtigkeit für eine der Hauptstützen einer richtigen und gedeihlichen Handhabung der Disziplin. Gewiß gab es wenigstens einige Regimenter, wo Mißhand- lungen nicht vorkamen. Das sind z. B. die Truppenteile, in denen der spätere General v. Pape schon von seiner Leutnantszeit an es durchgefetzt hat, daß auch außerhalb des gewöhnlichen Be- schwerderechts Beschwerden entgegengenommen werden konnten. Ob das heute noch passiert, weiß ich nicht. Ich habe gestern aus- geführt, daß aus dem Erlaß des Prinz Georg von Sachsen hervor- ginge, daß dieser das Recht der Notwehr anerkannt habe. Das ist mir bestritten worden, aber ich muß dabei bleiben. Jn diesem Erlaß heißt es von den Soldatenmißhandlungen als von einer unwürdigen, jedem Gesetz und jeder Vorschrift und jeder Menschlichkeit widersprechenden BeHandlungsweise. (Hört! hört!) Es wird weiter darin gesagt, daß die Mißhand- lungen die Uniform und das standesbewußtsein verletzen, und daß man dadurch, statt der Sozialdemokratie entgegenzuarbeiten, ihr nur neuen Vorschub leiste. Damit wird anerkannt, daß es gerade nur die Sozialdemokraten sind, die stets diesen Mißhandlungen entgegenwirken. Vor allem wird in diesem Erlaß anerkannt, daß sich die Disziplin auf das Ehr- gefühl stützen müsse.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer das aber anerkennt, der erkennt logischerweise auch das Recht der Notwehr an.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Dieser Er- laß, der nicht für, sondern gegen die Sozialdemokratie gerichtet ist, legt ganz mit Recht dar, daß man die Ehre in dem zur Fahne einberufenen Bürger nicht ersticken, fondern im Mgenteil stützen und erhalten müsse. Daraus folgt, sich dagegen zu wehren. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ein solcher Mann von Ehre darf es sich nicht erst gefallen lassen, wenn man ihn zwingen will, Kot zu essen und dergleichen. Ich frage jetzt den Herrn Kriegsminister: Macht ein Mann, dem der Unteroffizier befiehlt, feinen eigenen Kot zu essen, der diesem Befehl aber nicht nachkommt, sich strafbar oder nicht? Das ist die Frage, auf die es ankommt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Das Hin und Her der Herren Nationalliberalen und Liberalen zeigt nur, wie außerordentlich stark in-den bürgerlichen Kreisen der Gedanke der Ehre gesunken und der des Kadavergehorsams gestiegen ist.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Dr. Müller-Meiningen hat allerdings die Auf- fassung, daß ein Bürger, der zum Militär eingezogen ist, sich zu- nächst alles gefallen lassen mutz und sich erst hinterher beschweren kann. Eine solche Auffassung hat mit Liberalismus nichts mehr zu tun.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Will der Herr Dr. Müller-Meiningen vielleicht ein Mittel angeben, auf welche andere Weife ein Soldat sich solchen unwürdigen Befehlen ent- ziehen kann, wenn man ihm nicht das Recht der Notwehr gibt? Ich glaube, selbst das Reichsmilitärgericht, das wenigstens in einem Fall das Notwehrrecht anerkannt hat, steht hier auf einer höheren Rechtsauffassungsstufe als der Abg. Müller-Meiningen. Wenn Sie den blinden Kadavergehorsam, dei�ich auf dienstpflichtwidrige Befehle bezieht, anerkennen, so müssen Sie auch die Pflicht aner- kennen, sich beleidigen, sich prügeln, sich ruinieren zu lassen oder sich dagegen aufzulehnen. Gewiß kann man auf dem Verwaltungswege einiges bessern, aber wie können Sie die Niederträchtigkeiten verhüten, in den Fällen, wo sich Mann gegen Mann, Unteroffizier und Untergebener gegenüberstehen, wenn in all den raffinierten Quälereien der Soldat, der sich nicht gefügt hätte, noch gewärtig sein müsse, wegen Wider- stand vor versammelter Mannschaft zu min- bestens fünf Jahren Gefängnis verurteilt zu werden? Herr Dr. Müller-Meiningen, es handelt sich darum, diesen Miß- stand zu beseitigen, nicht Witze über Kali usw. zu machen. Es handelt sich jetzt darum, daß wir die 139 000 Mann, die mehr eingestellt werden sollen, vor diesen Scheußlichkeiten bewahren. Da heißt es nicht auszuweichen durch matte Re- Elutionen, sondern für unsere Anträge zu stimmen. Sonst müssen wir annehmen, daß Ihnen der Kadavergehorsam höher steht als die Ehre des einzelnen, weil Sie meinen, das« der Kadavergehorsam einst dazu gebraucht werden soll, um der Arbeiterklasse und der großen Masse des Bürgertums die Gleichberechtigung aus der Hand zu schlagen. Aber Sie werden das Gegenteil bewirken. Partei- politisch kann uns die Ablehnung unserer Anträge nur recht sein. Aber im Interesse der Ehre unserer Soldaten bitte ich Sie, unsere Anträge anzunehmen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Leuckhart v. Weißdorf erklärt nochmals kurz, daß der Erlaß des Prinzen Georg von Sachsen das Recht der Notwehr nicht anerkannt habe Hiermit wird die Debatte über die Militärjustiz geschlossen. Vizepräsident Dave schlägt vor, mit Rücksicht auf die schlechte Besetzung des Hauses die Abstimmung zu vertagen. Zur Geschäftsordnung beantragt Abg. Lcdcbour(Soz.), ebenfalls mit Rücksicht auf die schlechte Besetzung des Hauses, auch die Debatte selbst zu vertagen. Der Antrag findet nicht die genügende Unterstützung, die De« batte wird also fortgesetzt, und zwar beim Kapitel„Kapitulanten- wescn und Militäranwärter". Abg. Liesching(Vp.) erklärt, daß seine Partei im Gegensatz zu ihrer Stellung in der Budgetkommission einige nicht im unmittelbaren Zusammenhange mit der Borlage stehenden Punkte nicht jetzt, sondern lieber im Herbst, in besonderen Initiativanträgen behandeln wolle, und sie daher aus formalen Gründen für jetzt ablehne. Er begründet darauf folgenden Antrag: In Artikel III, der die Dienstprämie der Kapitulanten bestimmt, anzufügen, daß den Kapitulanten, die nach mehr als 12jähriger Dienstzeit entlassen werden, außer dem Kapitalbctrage von 3000 M. für jedes über die 12jährige Dienstzeit hinausgehende weitere Dienst- jabr 4Proz. Zinsen ausbezahlt werden sollen zieht aber später den Antrag zurück. Artikel III(Aenderung des MannschaftSversorgungsgesetzeS) wird angenommen. Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.) begründet einen Antrag auf Einfügung eines Artikels lila, wonach im Reichsmilitärgesetz die Verpflichtung der Regierungen auS« gesprochen wird, dafür zu sorgen, daß die männliche schulpflichtige Jugend Turnunterricht erhalte.— Für das Turnen hat die Militärverwaltung nur platonische Sympathie. Ein Antrag Mumm(Antis.) will die Unterstützung des Reichs nur den auf dem Boden der beutigen Staats« und Gesellschaftsordnung stehenden Turnvereinen zuteil werden lassen. Der sozialdemokratische Antrag enthält Aufhebung aller landesrechtlichen Vorschriften, durch welche die Erteilung des Tuniunterrichls von der politischen oder religiösen Gesinnung deS Lehrers oder der Schüler abhängig ge« macht oder die Gemeinden in der Ueberlassung der Turnhallen an Tunivereine beschränkt Die B u d g e t k o m m i s s i o n beantragt eine allgemeine turnfreundliche Resolution. Kriegsminister v. Heeringen: Die Militärverwaltung hat nicht nur schone Worte für daS Turnen, sondern sucht das Turnen in jeder Weise tatkräftig zu u n t e r st ü tz e n und eine organische Verbindung zwischen Militär« und Zivilturnern herzustellen. Jn diesem Sinne akzeptiere ich die Kommsionsresolufionen. Wohl aber möchte ich bitten, den fortschritt« lichen Antrag nicht in dieser Form anzunehmen. Man kann doch nicht verschiedene Materien in einer Vorlage ineinander arbeiten. Das heiße soviel, wie etwa in ein Kaligesetz den Vogelschutz ein» arbeiten.(Heiterkeit.) So macht man Wurst, aber keine Gesetze. (Heilerkeit.) Wird dagegen de? Antrag Ablaß in eine Resolution um» gewandelt, so habe ich nichts gegen ihn einzuwenden. Abg. Heiue(Soz.): Der Autrag M u m nr hat jedenfalls den Porzug der Ehrlichkeit, wenn er gerade heraus die Förderung auf die Vereine einschränken will, die aus dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung stehen. Ehrlichkeit ist immer daS Beste und die Annahme des Antrags Mumm würde durchaus im Geiste dieses Reichstags sein, der grundsätzlich alle sozialdemokratische Anträge ablehnt. Aber auch der Antrag Ablaß bedeutet für unS nickt mehr als die Kommissions» resolution mit oder ohne Mumm(Heiterkeit), wenn nicht gleich» zeitig unier Unterantrag mit angenommen wird. In Preußen und anderswo, namentlich in N o r d b a y e r n, das ja immer gewisse jächsisch-preußische Polizeiallüren hatte(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), würde die Annahme des Antrags Ablaß nur zu einer weiteren Bevorzugung der sogenannten bllrger« lichen auf Kosten der A r b e r t e r t ur n v e r e i n e führen. Es stimmt ja, daß das Turnen an sich nicht mehr verfolgt wird, wie zur Zeit der Reaktion nach den Freiheitskriegen, als schon das Wort„Turnen" verboten wurde.� Ich glaube auch nicht, daß die deutsche Turnerschaft, wie Müller» Meiningen zu fürchten scheint, im Heere noch„demokratischer" Tendenzen verdächtigt wird. Ach nein, in diesem Falle sieht Ab- geordneter Müller- Meiningen zu schwarz. Die„Deutsche Turnerschaft" gilt mit Recht selbst in der Armee als völlig harmlos. Die Verfolgung richtet sich gegen die turnerische» Be- strebunge» von Arbeitern, Poic» und Dänen. Ueber die Schikanierung von Polen und Dänen sprechen vielleicht nachher die betreffende» Abgeordneten. Hier einige Angaben über die Verfolgung der Arbeiterturnvercinc. Unserem Parteigenossen Adler, der ein geprüfter Turn« lehr er ist, wurde die Genehmigung zur Erteilung von Turn- Unterricht in Schleswig untersagt, weil er als Sozialdemokrat nicht die sittliche Reife zur Erteilung von Unterricht besitze. (Stürmische Pfuirufe bei den Sozialdemokraten.) Die weitere Konsequenz würde sein, daß allen sozialdemokratischen Vätern das Recht der Erziehung ihrer Kinder abgesprochen wird. (Bewegung.) Schöne Aussichten für die Zukunft Deutswlandt! Aus keinem Reichsgesetz läßt sich die Berechtigung zu diesem Vorgehen ableiten. Auch aus keinem preußischen Gesetz und auch nicht aus dem A l l g e m e i n e n L a n d r e ch t. Ja, selbst die Kabineltsorder von 1834, die zur„Begründung" dieses Borgehens dienen muß, wird zu Unrecht angezogen. Denn sie macht nicht den Unterricht an Erwachsene genehmigungspflichtig, sondern nur den Unterricht, der als Ersatz für Unterricht in der Volksschule dienen soll. Wir haben die Sache zur richterlichen Entscheidung gebracht und Land- und Reichsgericht haben entschieden, daß der Unterricht an Erwachsene nicht genehmigungspflichtig sei. Sofort schlug die Regierung einen anderen Weg ein. Sie veranlasste die Gemeinden, den Turnunterricht in den Fortbildungs« schulen für obligatorisch zu ertlären. Es wird nun im allgemeinen keineswegs Turnunterricht in den Fortbildungsschulen er« teilt, aber er steht theoretisch, fiktiv auf dem Unterrichtsplan, und also ist der Turnunterricht in Arbeiterturnvereinen ein Ersatz für Schulunterricht und also ist er genehmigungspflichtig. Die Genehmigung wird— in Preußen muß man sagen: natürlich— nicht erteilt und die Schulräume werden den betreffenden Turnvereinen nicht mehr eingeräumt und wenn sie alsdann in Wirtslokalen tagen, wird auch gegen die betr. Gastwirte vorgegangen, obwohl nun dazu auch nicht der geringste Rcchlsvorwand selbst in der„berühmten" Kabinettsorder von 1834 zu finden ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie es denn so geht, wirkte die Verwallungspraxis endlich auch auf das Reichsgericht ein. Es revidierte seine frühere Stellung» nähme und entschied, daß jeder an Personen in„schutzbedürfligem", Alter erteilte Unterricht genehmigungspflichtig sei. Natürlich gab sofort die Regierung dem Begriff der „Schutzbedürstigkeit" die vou ihr erwünschte Ausdehnung und er» klärte: die Studenten stehen unter einer gewissen Aufsicht, aus der ihre Schutzbedürftigkeit hervorgeht. Also sind auch die Ar- b e i t e r schutzbedürflig, die etwa im st u d c» t i s ch e n Alter stehen. So hat man denn die Handhabe, die Erleilung von Turn» Unterricht an Personen bis zu 25 Jahren genehmigungspflichtig zu machen. Natürlich werden alle diese Schikanen iiichl angewandt, um einen besseren Unterricht erteilen zu lassen. Sie sucht den Arbeiterturnunterricht zu beseitigen und nennt diese Aeseiligung echt preußisch Fürsorge.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiterturnvereine haben gesucht, sich weiter zu akkomodieren, und der Turnverein„Fichte" hat eine Liste von geprüften Turnlehrern eingereicht, die notorisch Nicht sozialdemo» kraten sind und sich bereit erklärt haben, m dem genannten Verein Turnunterricht zu erteilen. Darauf hat die Negierung kurzerhand erklärt: Genehmigung zur Erleilung von Turnunterricht im Verein „Fichte" wird überhaupt nicht erteilt.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also die Absicht ist, das ganze Tnrncn m der Arbeiterklasse zu unterdrücke». Das wird alles auf administrativen Wegen gemacht, auf dem eS für die Schulauffichtsbehörden keinerlei Grenze» gibt. Man kann wegen der geringsügigsten Bagatelle, wegen einer Bestrasuiig zu 3 M. bis an das Oberverwaltungsgericht gehen, während hier die Schulauffichtsbehörden Geldstrafen bis zu 1000, 10000 und mehr Mark und Gefängnisstrafen verhängen können, ohne daß es dagegen eine Appellation gibt. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Außer in Ruß- land gibt es so etwas in der ganzen zivilisierten Welt nicht. Für jeden Tag der Erteilung eines unerlaubten Unterrichts wird eine Geldstrafe von 100 M. festgesetzt und für 100 Tage macht das eben 10 000 M. An die Stelle dieser Geldstrafe kann eine entsprechend lauge Freiheitsstrafe treten, aber sie wird niemals ganz voll» streckt, weil eben die Behörde selbst einsteht, daß das nicht geht. Es herrscht hier die reine Willkür, alles hängt von der gutenLaune der Schulbehörde ab. Dazukommen noch Brr» solguitge» der Schulkinder und deren Eltern. In Anhalt ist jetzt eine Verfügung herausgekommen, die jedem Kinde, das eine �.urnnunde des Arbeiterturnvereins besucht, Prügel oder A r r e st st r a s e androht.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Schüler der sogenannten gehobenen Voltsschule werden der einfachen Volksschule überwiesen und so wird vielleicht die ganze Zukunft eines jungen Menschen verkümmert. Aber was schert sich die Bureaulratie um die Zukunft junger Leute. ihr ist das alles vollständig gleich.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Diese Maßnahmen fmd aber nicht nur ungerecht, sondern nuch unklug, denn man schaftt mit ihnen nur jugendliche Märtyrer. Wenn so ein Fortbildungsschüler oder efit junges Mädchen wegen des Besuchs der Turnstunde eines Arbeiterturnvereins den Sonntagnachmittog im Karzer zubringen muß, glauben Sie, daß diese jungen Leute mit einer besonders guteil Gesinnung groß werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer einmal wegen emer Sache Prügel bekommen hat, der hängt an dieser Sache sein ganzes Leben lang.(Sehr richtig! hei den Sozialdemokraten.) Run sucht man diese Nngerechtigkeiien und Nichtswürdigkeiten damit begründen, daß in den Arbeiterturnvereinen sozialdemo- lratische Politik getrieben würde.(Sehr richtig! rechts.) Do« D sehr f a lsch. Aber selbst wenn eZ geschähe, warum sollen denn dann junge Leute nicht an den Turnübungen dieser Vereine teil- nehmen dürfen? Die Deutsche Turnerschaft dagegen ist ein aus- gesprochen politischer Berein. sZehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie hat eine ganz bestimmte Gesinnung als Voraussetzung für�die Zugehörigkeit, und sie schließt Leute anderer Gesinnung aus.(Sehr richtig I bei den Sozialdem.) Sie nennt das allerdings eine nationale Gesinnung. Aber national in dem Sinne, daß man das Beste für das Vaterland will, sind wir auch. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Deutsche Turnerschaft ist politisch, das beweist schon ihre Frontstellung gegen die Sozial- demokralie. Wenn die Förderung einer Partei politisch sein soll, dann ist die Bekämpfung einer Partei erst recht politisch.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Selbst wenn aber in den Arbeilerturnvereinen Politik getrieben würde, würde daraus nur folgern, daß an den Versammlungen dieser Vereine Personen unter 18 Jahren nicht teilnehmen dürfen. Turnübungen aber sind keine Versammlungen. Es hat bisher noch kein einziger Fall nachgewiesen werden können, wo in einem Arbeiterturnverein ein p o l i t i s ch e s W o r t gesprochen worden wäre.(Hört I hört! bei den Sozialdemokr.) Man beruft sich auf einige politische Lieder in einem Liederbuch. Aber es ist nicht nachgewiesen worden, daß in einem Arbeiierturnverein eines dieser Lieder gesungen worden wäre.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In den Kommers- büchern der studentischen Vereine stehen auch politische Lieder, und es ist noch keinem Menschen eingefallen, diese Vereine deshalb für politisch zu erklären.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Dann hat man politische Artikel aus der„Arbeiter-Turner-Zeitung" herangezogen. Und ein ganz findiger Rechtsanwalt, der die Klage des Polizeipräsidenten gegen die Arbeiterrurnvereine vertrat, hat sich auf die Statuten berufen. Darin stände, daß die Arbeiter- turnvereine auch die g e i st i g e Ausbildung ihrer Mitglieder be- zweckten und geistige Ausbildung sei sozialdemokratisch. (Stürmische Heilerkeit bei den Sozialdemokraten.) Nun wissen wir. daß jemand mit einer gediegenen geistigen Bildung mehr Chance besitzt, Sozialdemokrat zu werden, als ein anderer.(Heitere Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aber so unbescheiden sind wir doch nicht, daß wir geistige Bildung und sozialdemokratische Gesinnung einander gleichsetzen. Dann hat derselbe findige Kopf gesagt, die Turnvereine wollten ihre Mitglieder auch zu ganzen M ä» n ein erziehen und ganze Männer, das seien Sozialdemokraten.(Stürmische Heiterkeit und Zustimmung bei den Sozialdemokralen.) Schon die Entstehung der Arbeiterturnvereine beweist ihren un- politischen Charakter. Sie sind entstanden, weil die anderen Vereine politisch waren.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Seit den Faschingswahlen von 1887, bei denen Herr Götz hier im Reichstag seinen Einzug hielt, ging dieses Treiben der deutschen Turner schaft gegen ihre sozialdemokratisch gesinnten Mitglieder. Durch dieses Vorgehen der Deutschen Turnerschaft und auch durch das zunehmende Interesse der Arbeiterschaft für die Frage/t der Körperkultur sind die Arbeiter- turnvereine so groß geworden. Insofern besteht ein Zusammenhang der Arbeiterturnerbewegung mit der allgemeinen Arbeiterbewegung, als die Bestrebungen beider parallel und nach derselben Richtung nebene:»ander hergehen. Dazu kommt, daß die Mitglieder der Arbeiterturnervereine sich vorwiegend aus den Kreisen der in- dustricllen Arbeiterschaft zusammensetzen. Aber damit ist doch kein p o l r t r I ch e r Zusammenhang mit der Sozialdemokratie als Parier beiviesen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn unser Nürnberger Parteitag den Beitritt zu den Arbeiter- turnvereinen einpfohlen hat, so unterstützt damit die Sozialdemokratie die Arbeiterturnvereine, aber die Arbeiterturnvereine fördern nicht die Sozialdemokratie.(Sehr richtig! bei den Sozialdeniokraten.) Jede Partei hat neben ihren rein politischen auch allgemeine kulturelle Bestrebungen, die Partei des Herrn Werner ausgenommen.(Heiterkeit und Sehr gut! links.) Jede Partei will, daß die Sache des Turnens gefördert wird, will, daß der Alkoholmißbrauch bekämpft wird, auch hier auSgenvmmcu die Partei des Herrn Werner, denn dos ist ein kulturelles Bestreben.(Erneute Heiterkeit und Sehi� gut! links.) Damit aber wird weder die Förderung des Turnens, noch die Bekämpfung des Alkohols etwas Politisches, und trotzdem sehen wir, daß die Polizei auch den Arbeiter» A b st i n e n t e n b u n d für politisch erklärt und damit verhindert, daß junge Leute unter 13 Jahren vom Saufen abgehalten werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dann hat man die Weltanschauung, die in den Arbeilerturnvereinen herrschen soll, herangezogen. Es ist richtig, daß es in diesen Vereinen eine Weltanschauung gibt, es ist auch richtig, daß es nicht die Well- anschauung des Muckertums ist. Aber gibt es eine Welt- anschauung nicht auch in den katholischen Gesellen- vereinen und in den christlichen Jünzlingsvereinen? Seit Inkrafttreten des Reichsvereinsgesetzes vermeiden die Arbeiterturnvereine ängstlich jeden Schritt ins politische Gebiet. Sie haben sich loyal dem Gesetz unterworfen. Ganz anders die Vereine, die sich der behördlichen Protektion erfreuen. Der Jung- deutschlandbund ist ausgesprochen politisch. Er treibt eine geradezu verbrecherische Erhitzung der Kricgslust unter der Jugend und eine gehässige Ueberhebung gegen Anders- denkende. Ganz anders die Wandervogel vereine, die streng unpolitisch sind. Dafür haben sie auch nicht die Fahrpreisermäßi- gungen bekommen, sondern erst nachdem sie sich dieser Ermäßigung wegen dem Jungdeutschlandbund angeschlossen Hatten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In dieser politischen Tendenz liegt der Todeskeim des Jung- dcutschlandbundes, denn die Jugend wird auseinander- g e r i s s e n in verschiedene politische Lager. Wa§ soll werden, wenn die Kinder und Brüder von Sozialdemokraten sich die politische Be- bvrmuudung im Jungdeutschlandbund nicht gefallen lassen? DaS muß doch einmal kommen! Dann macht eben die ganze Be» w e g u n g Ba n k e r o t t. Wir wenden uns dagegen, daß ein g e- h ä s s i g e r jf a n a t i s m u s in die Jugendbewegung hineingetragen wird, wir verlangen, daß mit dieser Politik ein Ende gemacht wird. Wir bitten� um Annahme unseres Antrages, dann hat wenigstens der Reichstag seine Schuldigkeit getan und auf den, der dann noch Un- gesetzlichkeiten begeht, fällt die Verantwortung. Diesen Leuten ist dann aber wenigstens das Siegel der Ungesetzlichkeit aufgedrückt!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Mülkr-Meiningen(Vp.): verzichtet aufs Wort.(Abg. Dr. Arendt ruft: Er hat keinen Mumm!) Stürmische Heiterkeit, die sich erneut, als Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.) die Tribüne besteigt. Ter HauShaltSausschuß(Heiterkeit) will Unter- stützung der Vereine und Verbände, die die körperliche Pflege der Jugend sich zum Ziel gesetzt haben. Aber eine Grenze muß ge- zogen werden. Wo man nicht mehr singen kann— Deutsch- � a„ d. Deuschland über alles—. da ist es für uns mit jeder Gemeinschaft vorbei. Darum haben wir unseren Zusatzantrag gestellt. Das Deutsche Reich kann nicht Be- strebungen unterstützen, die auf seine Untergrabung hinzielen. (Bravo! rechts.) Hierauf vertagt das Haus die W e i t e r b e r a t u n g aus DienStag 3 Uhr pünktlich.(Die heute ausgesetzten Abstimmungen sollen um S Uhr vorgenonunen werden.) Schluß 53/i Uhr.__ Achte KeneralotrsWmlung des Verbandes der Veiitscheu Vlichdrucker. Danzig, 21. Juni. Die heutige Sitzung befaßte sich vorwiegend mit der Beratung Einzelanträgcu zum Statut, da die Kommission, der die Bor- d« gruudsätzllcheu Abäuderungsauträge zum Unter»| stützungswescn übertragen ist, ihre Arbeiten noch nicht beendet hat. Die erste Serie dieser Eiuzelanträge befaßt sich mit der Einteilung der Gaue und Bezirke, den Aufnahmebedingungen, der Vertretung auf den Generalversammlungen usw. Die sehr eingehende Debatte hierzu zeigt, daß man allgemein strengere Aufnahmebedingungen wünscht und verschiedene bisherige Maßnahmen abzuändern be- müht ist. Steinhardt- Hamburg bezeichnet das hervortretende Be- streben, möglichst nur gut ausgebildete Kollegen, die auch in orga- nisatorischcr Beziehung ihre Schuldigkeit tun, zur Aufnahme bczw. zur Wiederaufnahme zuzulassen, als ein Zeichen der Uebersätti- gung, was wohl darauf zurückzuführen sei, daß 94 Proz. der Orga- nisation angehören. Auch D ö b l i n betont, daß die Verbandseinrichtuugen so be- schassen sein müssen, daß den Kollegen die Mitgliedschaft begchrens- wert erscheinen müsse und es nicht erst vieler Agitation für den Eintritt bedürfe. Aus diesem Gefühl der Sicherheit heraus ist denn auch wohl folgender Vorstandsantrag geboren, der besagt, daß der Eintretende ,,in technischer Beziehung derart ausgebildet sein muß, daß er seinen Beruf voll auszufüllen vermag und in gesundheitlicher Beziehung von der Mitgliedschaft seines Konditionsortes unter Zustimmung des Gauvorstandes für aufnahmefähig erklärt werden mutz." Der Antrag gelangte einstimmig zur Annahme. Ebenso ein weiterer Vorstandsantrag, der besagt, daß„Taubstumme oder mit sonstigen körperlichen Gebrechen Behaftete ohne vorherige Zu- stimmung des Verbandsvorstandes nicht aufgenommen werden dürfen". Ausgetretenen oder Ausgeschlossenen wird der Wieder- eintritt durch Erhöhung der Einschreibegebühr von 2 auf 3 M. erschwert. Eine größere Minderheit war für 5 M. Der Vcrbandsvorstand hatte auch beantragt, die Bestimmung in§ 13 des Statuts, wonach dem leitenden Redakteur des„Korrespondent" das Recht zusteht, Sitz und Stimme im Verbandsvorstand zu be- ansprachen, zu streichen. Dieser Antrag erweckte verschiedentlich das Gefühl, als ob der Verbandsvorstand die volle Gleichberech- tigung des leitenden Redakteurs als lästig empfinde, und so traten denn mehrere Redner gegen den Vorstandsantrag auf. Nachdem jedoch sowohl der Verbandsvorsitzende D ö b l i n wie auch der Redakteur K r a h l erklärten, daß lediglich praktische Gesichtspunkte für die Beseitigung dieses Rechtes des leitenden Redakteurs maß- gebend seien und das Zusammenarbeiten der Redaktion des „Korrespondenten" mit dem Verbandsvorstande ein nach jeder Richtung harmonisches sei, ließen die Bekämpfer des Vorstands antrage» ihre Oppositionsstellung fallen und erklärten, daß man sich seitens der Redaktion dann aber auch nicht über Beschneidung des Rechtes der Redaktion beklagen möge, wenn vielleicht später einmal das Verhältnis zwischen Redaktion und Vorstand kein so harmonischs sein möge wie heute. S e i tz- München erinnerte hier bei an die bekannten Fälle G a s ch und R e x h ä u s e r und war der Meinung, daß es praktischer sei, wenn die Redaktion des „Korrespondent" von Leipzig nach Berlin verlegt werde. Da ein Bedürfnis hierfür aber von keiner Seite als vorliegend an- erkannt wurde, so wurde schließlich beschlossen, es bei dem bis herigen Zustande zu belassen. Unter den Anträgen, die eine längere Debatte in Anspruch nahmen, ist weiter ein Vorstandsantrag zu nennen, der besagt, daß die„Amtsdauer der besoldeten Gauvorsteher mindestens auf drei Jahre festzulegen" ist. D ö b l i n begründet den Antrag mit der Entwickelung des Verbandes und der moralischen Verpflichtung der Organisation, die Angestellten einigermaßen wirtschaftlich sicher zu stellen, was man bei der einjährigen Wahlperiode nicht sagen könne. Der Antrag wird mehrfach bekämpft, weil sich in der bisherigen Praxis die Befürchtungen als nicht stichhaltig erwiesen haben. Der Vorstand zieht dann seinen Antrag mit dem Be- merken zurück, daß er auf die Annahme nicht dringen wolle und die Aussprache ihm genüge. Eine etwas erregte Debatte ruft ein Antrag Hamburg- Altona hervor, welcher fordert, daß die Ganvorsteherkonfercnzen unter Hinzuziehung eines Stenographen aufgenommen werden, und daß die Protokolle den Mitgliedern zugestellt werden sollen. S t e i n h a r d t- Hamburg begründet den �Antrag mit der Ab- fassung von Zirkularen und einer Broschüre, die in vollständig falscher und tendenziöser Weise seine Stcllungnabme zu verschiede- nen Fragen wiedergegeben hätten. Nachdem verschiedentlich darauf bingewiesen ist, daß die Unterrichtung der Mitglieder von wichtigen Borgängen in der Organisation auch aus anderen Wege als dem der stenographischen Aufnahme interner Verhandlungen zu erreichen ist, wird der Antrag abgelehnt. Eine Reihe von Anträgen will die Vertretung auf den Ge- neralvcrsammlungen prozentual anders geregelt wissen als bisher. Beschlossen wird nach längerer Aussprache, daß der bisherige Modus bestehen bleibt mit der einzigen Aenderung, anstatt 509 Mitglieder 600 einen Delegierten wählen zu lassen. Ein Antrag des Bezirks Gera will Bestimmungen festgesetzt wissen, die es den Mitgliedern unmöglich machen, den sogenannten Gelben anzugehören. Die Aussprache hierüber fördert das Resultat zu- tage, daß man es allgemein als selbstverständlich� be- trachtet, daß ein„Gelber" nicht Mitglied einer freien Gewerkschaft sein könne. Dazu brauche es keiner besonderen statutarischen Be- stimmung. Ein Ausschluß könne jedoch nur dann erfolgen, wenn die Tätigkeit eines solchen Kollegen auch wirklich alle Merkmale der„Gelbsucht" zur Schau trage. Verschiedene Anträge, die eine längere Auseinandersetzung erfordern, werden zurückgestellt, nach- dem sich ergibt, daß eine nochmalige Erörterung der Materie sich bei Beratung der erst morgen zu erwartenden Kommissionsanträge ergeben würde. Ferner geht der Verbandstag über eine Anzahl Anträge hinweg, welche das Verhältnis der Organisation zu solchen Mitgliedern näher im Statut präzisiert wissen will, die auch noch Prinzipalsvereinigungen bzw. Prinzipalskasscn angehören. Dagegen erfordert der Punkt 4 der Tagesordnung Stellungnahme zu den Anträgen, betreffend die Sparten, eine mehrstündige Debatte. Von einer großen Anzahl Ortsgruppen liegen Anträge vor, dahinlautend, daß die Zentralkommissionen der einzelnen Sparten die Berechtigung haben sollen, auf allen Gauvorsteberkonferenzen durch je ein Mitglied vertreten zu sein. Andere Anträge verlangen die Zustimmung des Verbandstages zur Bildung neuer Sparten. Döblin führt dazu einleitend aus, daß der Vorstand be- müht gewesen sei, den bestehenden Sparten gerecht zu werden, in- dem regelmäßig Aussprachen mit ibncn stattgefunden haben, daß der Vorstand aber einer weiteren Spartenbildung entgegentreten müsse. Gehe die Entwickelung der Spartenbildung so weiter, dann werde sich schließlich das Verbandsleben nur noch auf die Sonder- gruppen konzentrieren, und es könne dann schließlich die Wirkung der Spartenvertretung sehr zum Nachteile des Verbandes aus- schlagen. Was im Organisationsintereffe von den Sparten ge- schehc, werde vom Verbände unterstützt, doch müssen sie in dem jetzigen Rahmen bleiben. Braun- Berlin vertritt(als Maschinensetzers sehr entschieden den Standpunkt, daß die vorliegenden Anträge ihre Berechtigung haben und ist der Meinung, daß man den Sparten mit Vorein- genommcnbcit gegenüberstehe. Wie sich indes ergibt, sind unter den anwesenden Delegierten allein 14 Maschinensetzer, 13 Kor- rektoren und 7 Maschinenmeister Mitglieder von Spartenvcreini- gungen, die als Vertreter des Verbandes delegiert sind, so daß von einer Zurücksetzung nicht geredet werden kann. Die Redelust unter den Befürwortern des weiteren Ausbaues der Sparten ist indes so groß, daß es noch stundenlanger Debatte bedurft hätte, alle anzu- hören, wenn nicht schließlich ein Schlußantrag der Auseinander- setzung ein Ende gemacht hätte. Man einigte sich dann unter Ab- lehnung aller anderen Anträge auf einen Antrag M a i s i n i- S ei tz gegen 6 Stimmen dahin, daß die Vorsitzenden der Zentral- kommissionen der einzelnen Sparten zu allen solchen Gauvorsteher- Konferenzen mit beratender Stimme hinzugezogen werden müssen, in denen Interessen der Sparten mit zur Erörterung stehen. Da» durch wird der bisherige Zustand von der Generalversammlung sanktioniert._ 12. Verbandstag der Slchtimder. Stuttgart, 20. Juni. Fünfter Vcrhandlungstag. In der heutigen Sitzung gab zunächst die Kommission zur Regelung der Beitrags- und Nntcrstützungsfrage einen Teilbericht. Die Kommission schlägt vor, die �Beiträge in 4 Klassen zu erheben und die 1. und 2. Klasse um je» Pf. zu er» höhen. Die Beiträge sollen betragen: in der 1. Klasse 25 Pf., 2. Klasse 40 Pf., 3. Klasse 50 Pf. und in der 4. Klasse 80 Pf. pro Woche. Als Verdienstgrenze für die einzelne Beitragsklasse schlägt die Kommission folgende Lohnsätze vor: 1. Klasse bis 13 M.Wochen- verdienst, 2. Klasse 13 bis 17 M., 3. Klasse 17 bis 24 M., 4. Klasse über 24 M. Die weiblichen Mitglieder können nur in die 1. und in die 2. Klasse eintreten. Dem Antrag, für die sveiblichen Mit- glieder auch die 3. Klasse offen zu lassen, hat die Kommission nicht zugestimmt. Ihre Lohnsätze bedeuten gegenüber dem Vorstands- Vorschlag eine Erhöhung um 1 M. in der 1. und 2. Klasse irnd um 2 M. in der 3. Klasse. An diese Kommissionsvorsckiläge schloß sich eine längere De- batte, in der wiederum eine Reihe Abänderungsvorschläge gemacht wurde. Die Redner wandten sich besonders gegen die Erhöhung des Beitrages in der t. Klasse, man müßte auf die sehr schlecht bezahlten weiblichen Beschäftigten Rücksicht nehmen. Kloth erklärte für den Vorstand, daß dieser nun vorschlügt, fünf Beitragsklassen mit fol» genden Sätzen einzuführen: l. Klasse 20 Pf., 2. Klasse 30 Pf., 3. Klasse 40 Pf., 4. Klasse 50 Pf., 5 Klasse 80 Ps. In namentlicher A b st i m m u n g wurde dieser Vorschlag mit 45 gegen 43 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt. In weiteren Abstimmungen wird mit großer Mehrheit beschlossen, den Beitrag in der 1. Klasse aus 20 Pf. zu belassen. Mit 65 gegen 25 Stimmen wurde jedoch der Vorschlag der Kommission, für die 2. Klasse 40 Pf. festzusetzen, abgelehnt. Damit war jede Bei- tragserhöhung verworfen. Es entspann sich nun eine Auseinandersetzung über den Fraktionszwang der Berliner Delegierten. Bei der ersten Abstimmung hatten sich nämlich drei unbesoldete Vorstandsmitglieder, die als Delegierte da sind, der Stimme eui- halten, obwohl vorher Kloth für den Berbandsvorstand erklärte, die anwesenden Vorstandsmitglieder seien sämtlich für die Ein- führung der fünften Beitragsklasse. Die Berliner Delegation hatte dagegen gestimmt. Verbandsvorsitzender Kloth erklärte nun, es sei unzulässig, einen Fraktionszwang auszuüben. Die Berliner bestritten, daß bei ihnen ein Fraktionszwang bestehe, in der Bei- tragsfrage hätten sie beschlossen, jedem freie Hand zu lassen. Die ganze Beitragsfrage wurde schließlich nochmals an die Kommission zurückverwiesen. Später schlug die Kommission vor, fünf Beitragsklassen in folgender Weise einzuführen: Klasse 1 20 Pf., Klaffe 2 25 Pf.. Klasse 3 35 Pf., Klasse 4 50 Pf.. Klasse 5 80 Pf. Gegenüber den jetzigen Beiträgen bedeutet dies lediglich den Unterschied, daß zwischen der ersten und zweiten Klasse eine 2ö-Ps.-Klasse eingeschoben wird. Die weiblichen Mitglieder können nur in den drei ersten Klassen steuern. Die Verdienstgrenze soll festgesetzt werden, für Klasse 1 bis 8 M. Wochcnverdienst, Klasse 2 8 bis 12 M., Klasse 3 12 bis 15 M., Klasse 4 15 bis 24 M. und Klasse 5 über 24 M. Diese Vorschläge der Kommission fanden schließlich nach weite- ren Erörterungen gegen wenige Stimmen Annahme. Bei der Weiterberatung der so n st igen Anträge wurde ein Antrag angenommen, um eine intensive und erfolgreiche Agitation betreiben zu können, sollen in allen Zahlstellen des Ver- bandes obligatorische Agitationsausschüsse gewählt werden. Dem Vorstand überwiesen wurden Anträge, den Sitz des Gauleiters von Elberfeld nach Köln zu verlegen, ferner für den Gau 12 einen zweiten Kollegen anzustellen. Die Verhandlungen wurden dann vertagt. Es findet eine Abendsitzung statt._><» Mocken Spielplan cter Lerlmer Cbeater. Neues Overuthcater. Sonntag: Tannhäuser. Montag: Lohengriw sAnsaug 7*/, Uhr.) Dienstag: Der fliegende Holländer. Mittwoch: Der Trompeter von Säkküigen. Donnerstag: Der Evangelimann. Freitag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Mignon. Sonnlag: Lohengrin.(Ansang Tla Uhr.) Montag: Cavalleria rasticaaia. Bajazzo.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Lperuliaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidello. Abends: Oberon. Montag: Der Mikado. Dienstag: Martha. Mittwoch: Die Königin von Saba. Donnerstag: Der Freischütz. Freitag: Die Königin von Saba. Sonnabend: Martha. Sonntag: Die Königin von Saba. Montag: Der Mikado.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Dbeater. Allabendlich: Professor Bernhard!.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Tlicater in der Königgrätzer Strasse. Sonntag: Die sünj Frank- surter.(Ansang 8 Uhr.) Ab 23. Juni: Geschlossen. Lesfiug-Theater. Bis aus weiteres täglich: Mi- Wie«.(Ansang 8 Uhr.) Moutis Operetten-Theater. Allabendlich: Der lachende Ehemann. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Allabendlich: Eine Vergangenheit. (Ansang Sonntags 8'/, Uhr, wochentags 8'/, Uhr.) Luftsvielbaus. Allabendlich: Der lustige Kakadu.(Anfang 8'ft Uhr.) Schillcr-Tbcater O. Allabendlich: Leibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Gharlottenburg. Svlmtag: Freiwild. Montag: Zwei Wappen. Dienstag: HasemaimS Töchter. Mittwoch: Freiwild. Donnerstag: Zwei Wappen. Freitag: Freiwild. Sonnabend: HasemannS Töchter. Sonntag: Hasemanns Töchter. Montag: Freiwild.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstadt. Schauspielhaus. Allabendlich: Das Farmermädchen.(Ansang 8'/. Uhr.) Thalia- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Polnische Wirtschaft. Allabendlich: Puppcbcn.(Ansang 8 Uhr.) Neues Nolks-Theatcr(Neue Freie Volksbühne). Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Ernst sein. Abends 8 Uhr: Ernst sein. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, Sonnabend: König Krause. Mittwoch: Mutter MewS.(Ansang 8'/. Uhr.) Rose. Theater. Im Garten: Allabendlich: Achtung, es geht loS.— Im Saale: Das Tagebuch einer Verlorenen.(Ansang 8llt Uhr.) Theater am Nollendorfplatz. Allabendlich: Der Mann mit der grünen Maske.(Ansang 8'/, Uhr.) Ilrania-Theatcr. Sonntag: In den Dolomiten. Montag, Dienstag: Ueber den Brenner nach Venedig. Mittwoch, Donnerstags Auss Matter. born. Freitag und Sonnabend: In den Dolomiten. Sonntag: Auss Matterhorn. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Thrater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die drei Schlyestern. Allabendlich: Die Allwördens.(Ansang S1/, Uhr.) Komiidielihauö. Allabendlich: Hochherrschaftliche Wohnunge».(An- sang S'U Uhr.) Folie« Gapriee. Allabendlich: Ein Pechvogel. Die Krampssache (Ansang 8-/. Uhr.) � � � Metropol, Theater. Allabendlich: Die Zkino- Königin.(Ansang Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr. Admiralspalaft. Eisballelt: Flirt in St. Moritz.(Ansang S Uhr.) � Prater- Theater. Allabendlich: DaS Bummelmädchen.(Anfang ReichShallcn-Theater. Allabendlich; Stettin« Säuger.(Ankana 8 Uhr. Sonntags Vi, Uhr.)_" Marktpreise von Berlin an, LO. Juni 1913, na» Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. 100 Kilogramm Weizen, gute Sorte"Ki 16 bis 20,20, mittel 20,08—20,12, geringe 20,00-20,01 Roggen, gute Sorte 16,30, mittel 00,00—00,00, germge 00,00—00,00(ab Bahn). Futter- gerste, gute Sorte 16,10—16,50, mittel 15,60—16,00, geringe 15,20—15,50 Hafer, gute Sorte 17,30—18,80, mittel 16,10—17,20. Mais(mixed), gute Sorte 15,30—15,60. Mais(runder), gute Sorte 00,00—00,00. Nichtttrob 4 40 biS 4,50. Heu, alt 6,20—7,80, neu 6,00—6,60.' M a r I t h a l I e u p r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zinn Kochen 30,00— 50,00. Spcisebokmen, weitze 30,00—60,00. Linsen 35,00_ 60 00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 5,00—10,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 140— 2 00 Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00—5,40. 1 Kilogramm Karpien 1,40—2,40. Aale 1,40—320 Zander 1,40-3,60. Hechte 1,60-3,00. Barsch« 1,00-2,40. Schiet« 1.60-350 Biete 0M-1M W Stück Krebje 1.60-30.00. pogonuuuuuLiUULJUUUUUUuuuuuuuuuuaDOODaDoaooijaDtxiooouauüüiJuuuuuuuuuLMLiaaoDaoDaaanaaaaDoaaaaDonDa □ □ □ □ ö L�andeshufer Leinen- □ und Gebüd»Weberei Gröftfes Leinen» und Wäschehaus FV Grünfeld Berlin W In dieser Woche biefef der □ so lange der Vorrat reicht P zu außerordentllclx □ zurllekgefetjl. Prellen □ a □ □ □ □ □ □ n □ □ □ □ □ □ □ Gelegenheitskäufe I Aus den zahlreichen Posten seien hervorgehoben: Leipziger Sireße □ 20-21 5 □ □ § □ □ □ □ □ □ □ Auswahlsendungen können nicht gemacht werden Versand von 24 Mark an gastfrei ffcran Voreinsendang od. Nachnahme. Damen-Tagheinden MM. SacktnlrttrvcU und Soum- 2« DamensBehikieider Urt» Ii. OMekU Kni«k>nn mit Hohlnaht 1)50 und Süden«flaibel........... M. dk DamensN&chlhemden Manedeidudt Kknonotonn« roll SUckerei-�lnsatz C5% SatanabacMufi und SekianboftdechtelU M. 3 Damen« W äsche Elrachw MueUnlflekc in Taghand«� fidr&Mdarn, Nachlkcmdoi, u4w«ts« m d roao Mau, gaM, g�t äZ Ho, um 44% vom Ii Jheumi Wte«woflfgt. 0»dedl 160X169 n« 6 MundtUdv. M.9J0 »60X230 12 Mündt 13.40 »«0X270 12 Munde 10.80 160X300 12 HundL 17.80 Oarten-ba« Nrd— Tut, blau nsoctaa aatt i- Kftffee'Tischdecken i�oder gr»ch EcurovpcJfa»v(eb. 130X160«au 3 76 3,80 Reste Juni im 2. Stockwerk von UeinWWWWWWWW ronnnnrirrimnnnrinnDognnnhnmDaaoPDaoapoDoopaooapooonnnnrinoppaaoaPDOoonaDPaQapaQPoaapppopppapap Hälfte bisherigen Rcsteprciscs Bettbezüge HKlcSmniadlger WaKhCo«, mft KnopücNu« Mu I SaU: 1 Obnrbmt 130X2001 2 Klmei 83X83 /•" Mtmüdn Bdldoraait, mit KnopIsch�jC nno 1 SaUl» Otxrbmi 130X300, 2 Ktxxr 83X83 v""' Bettlaken Meubuntiädlg WOKhmloff, Ciefia 130X2» M. 270 MtuKoddadc HoIbUnan. Graft. 160X 225, K 3** Handtücher Botnlehm Gersfeakgrn. mit nur Borde, Qnse««2X100, Dutund M. 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Zwischen dem Vorstand der Genossenschaft der Kinodarsteller, den Regisseuren der Filmfabriken und dem Präsidenten der Bühnen- genossenschast wird demnächst eine Sitzung stattfinden, in welcher der Plan besprochen wird, einen Lohntarif für Filmdar- st e l l e r zu schaffen. Der Vorstand der Kinogenossenschaft hat be- reit? einen detaillierten Vorschlag ausgearbeitet, den er dann vor- legen wird. Oeutlcbea Reich. Die Former in Stolp in Pommern haben eine Lohnbewegung eingeleitet Die Unternehmer versuchen, noch bevor sie über die eingereichten Forderungen verhandeln, Ar- beitSkräfte von auswärts heranzuziehen. Es mutz daher dringend ersucht werden, den Zuzug von Formern nach Stolp i. P. fernzuhalten. Di« Parteipresse wird um Abdruck gebeten. Die Stundenlöhne in der deutschen Weihgerberei. Die Weitzgerberei ist ein verhältnismätzig kleiner Zweig der deutschen Lederindustrie; sie produziert in der Hauptsache Glace- leder für die heimische Handschuhindustrie, hat aber auch einen star- ken Export nach den Vereinigten Staaten, seit dort die Handschuh- fabrikation sehhaft geworden ist und in grötzerem Umfang betrieben wird. Insgesamt oürften in Deutschland in den Weitz- und Sämisch- gerbereien sowie in den hierzugehörigen Lederfärbereien nicht ganz 5000 Personen beschäftigt sein, von denen der weitauS�grötzte Teil — zirka 60 Prozent— im Lederarbeiterverband organisiert ist. Eine Folge dieses guten Organisationsverhältnisses ist, datz eben- falls der überwiegende Teil der überhaupt vorhandenen Arbeiter unter durch Tarifverträge geregelten Lohn- und Arbeitsbedingun- gen beschäftigt wird. Am Jahresschlutz 1912 bestanden für die ge- nannten Branchen 59 mit dem Lederarbeiterverband vereinbarte Tarifverträge, die in 177 Betrieben 3344 Arbeiter— rund 80 Proz. der Beschäftigten— umfassen. Aus einer neueren Feststellung deS Lederarbeiterverbandes lätzt sich erkennen, welchen Einflutz die TarifvertragSpolitik des Verbandes auf die Verbesserung der Löhne und die Verkürzung der Arbeitszeit auszuüben vermochte, und es ergibt sich hierbei, datz in den Vertragsbetrieben bei durchweg besseren Löhnen eine kürzere Arbeitszeit besteht, wie in denjenigen Betrieben, für deren Arbeiter ein Tarifvertrag noch nicht existiert. Nach diesen Feststellungen betrug die Arbeitszeit in den Ver- tragsbetrieben innerhalb der Weitzgerberei und Lederfärberei— die Eämischgerberei schalten wir ihrcS geringen Umfanges wegen hier auS— in III Betrieben mit 1311 beschäftigten Personen 914 bis 10 und für 44 Betriebe mit 2243 Personen 814 bis 914 Stunden pro Tag. Die Stundenlöhne in den Vertragsbetrieben stellen sich für dieselbe Arbeitergruppe wie folgt: Von den 3524 Arbeitern hatten 824 einen Stundenlohn von 38— 40 Pf., 1829 Personen Kleines feuilleton. Ter Verfasser des„Rinaldo Rinaldint". Die launische Göttin d«S Nachruhms hat aus der Zahl der kleinen und kleinsten Literaten, die in der Glanzzeit von Weimars Literaturblüte neben den leuch- tenden Sonnen unserer Klassiker ihr kümmerliches Lichtlein ent- zündet hatten, einen der unbedeutendsten zu ihrem besonderen Liebling auserkoren. Ter Sekretär an der herzoglich-weimarischen Bibliothek Christian August V u l p i u s würde in der Literatur- geschichte nur als der Schwager Goethes, höchstens noch als ein viel- geschäftiger Bearbeiter von Theaterstücken und Operettentexten fortleben, wenn der eifrige Federheld nicht bei seinen verschieden- artigsten Versuchen, durch Schriftstellerei sein kümmerliches Ein- kommen �zu vermehren, den klassischen Räuberroman in die Welt gesetzt hätte, den»Rinaldo Rinalduii". Nur dieses Buch noch hält die Erinnerung an den Bruder von Goethes Christiane wach, degen 150. Geburtstag auf den 22. Juni fällt. Schon bevor Vulpws seinen vielbewunderten und vielbeweinten Briganten auS dunklen Waldesklüften auftauchen Uetz, hatte schon der. Räuber als Romanheld die Herzen des Publikums erschauern lassen, und einen besonderen Impuls hatte dieser Zweig der Unter- haltungSltteratur durch Schillers Erstlingsdrama, durch seinen »Verbrecher aus verlorener Ehre" empfangen. VulpiuS aber schuf nun einen eigenen Stil für den Räuberroman, der für«ine un- geheure Flut von derartigen Büchern vorbildlich wurde und dies« von dem Spietz. Cramer, Schlenkert u. a. gepflegte Unterströmung der Romantik erst eigentlich entfesselte. Seinen Helden hatte der Bibliothekar nicht frei erfunden, sondern Rinaldo hat wirklich existiert, frailrch nicht als verführerischer Don Juan und edler Rächer der Unschuld, sondern als ein gefährlicher Wegelagerer und Verbrecher. Der Autor verlegte seine Geschichte zum erstenmal in das klassische Land des Brigantentums. und macht« seine Haupt- figur rührender und verführerischer, indem er ihr etwa» von dem hochherzigen Menfchenbeglückertum Karl MoorS und von der lockeren Sinnlichkeit des Heinseschen.Ardinghello" verlieh. Liest man heute das einst so gierig verschlungene Machwerk, so findet man. datz die rasch ermüdende Schilderung renommistischer Heldentaten und ge- sährlicher Abenteuer immer wieder durch sützliche Liebesszenen mit unzähligen Schönen unterbrochen wird. Die Mischung von Edel- mut und Verbrechen, von Unwiderstehlichkeit und Melancholie wird noch pikanter gemacht durch ein Element des Mvstischen. Zu dem Bekanntwerden de» Romans, der 1798 zunächst in drei Bänden erschien, trug die überall herumgeflüsterte Mär bei, Goethe habe dem Schwager bei dieser Geschichte geholfen. Natür- Kch ist davon kein Wort wahr, sondern vulpius war der alleinig« Vater deS RomanS. Die in den. Text eingestreuten Liedchen und Ronurnzen wurden rasch populär. Am bekanntesten wurde die auf eine VolkSmelodi« gesungen« Romanze»In des Waldes finsteren Gründen/ Und in Höhlen fies versteckt', die selbst bis in unser Jahrhundert noch hereintönt. In der ersten Auflage des Buckcs ssirbt Rinaldo den Heldentod in den Armen einer seiner vielen Geliebten. AlS er nun überall so populär wurde, schien es dem praktischen VulpiuS unNug. ihn so früh sterben zu lassen, und so l«« er ihn in der Fortsetzung»Fernando Fernandini' wieder aufleben. Eine zweite Fortsetzung folgt« dann erst 20 Jahre später. hatten 41— 50 Pf. und 871 Arbeiter bezogen einen Stundenlohn von 51— 66 Pf. In den 29 Nichtvertragsbetrieben waren von 572 Arbeitern 510 Arbeiter 10 Stunden und 62 Arbeiter 9—914 Stunden be- schä?ftigt; eine kürzere, wie die neunstündige Arbeitszeit besteht hier überhaupt nicht. Als Stundenlöhne kommen in denselben Betrieben in Betracht: 30— 40 Pf. für 497 Arbeiter, 42— 45 Pf. für 82 Arbeiter und 51 Pf. für 23 Arbeiter. Die vorteilhafteren Arbeitsbedingungen in den Vertrags- betrieben lassen sich noch besser erkennen durch eine Gegenüber- stellung des Prozentverhältnisses. Es hatten Arbeitsstunden: � O'/j-lü � Proz. der Arbeiter in den Vertragsbetrieben.... 33 0/0 4% 62% 1% in den Nichtvertragsbetrieben. 8ö0/0 0 0/o H% k> /0 In den Vertragsbetrieben herrscht somit die 9— 9 14 stündige mit 62 Proz., in den Nichtvertragsbetrieben die zehnstündige Arbeitszeit mit 89 Proz. vor. Eine kürzere Arbeitszeit wie die 9stündige gibt es in den Nichtvertragsbetrieben überhaupt nicht, während in den Vertragsbetrteben nur noch ein Drittel der Ar- beiter die lOstündige Arbeitszeit zu absolvieren hat. Die Stundenlöhne beginnen, wie oben ersichtlich, in den Nicht- vertragsbetrieben bereits mit 80 Pf., in den Vertragsbetrieben je- doch ist der niedrigste Stundenlohn 6 Pf. höher. Es arbeiten unter 40 Pf. Stundenlohn in den Vertragsbetrieben 21 Proz., in den Nichtvertragsbetrieben 76 Proz. der Arbeiter; bei über 40— 51 Pf. (in den Vertragsbetrieben 40—6614 Pf.) arbeiten ohne Vertrag 24 Proz., in den Vertragsbetrieben 79 Proz. der Arbeiter. Den Höchstlohn von 51 Pf. erhalten in den Nichtvertragsbetrieben nur 4 Proz der Arbeiter, während in den anderen Betrieben 25 Proz. den Höchststundenlohn von 51—5614 Pf. beziehen. Zu demselben ungünstigen Ergebnis für die ohne Tarifvertrag beschäftigten Personen kommt man bei einem Vergleich der im Akkordlohn erzielten Höchstverdienste. Diese schwanken in den Vertragsbetrieben zwschen 27 und 39 M., in den NichtVertrags- betrieben dagegen zwischen 24 und 36 M. In ersteren Betrieben arbeiten zu den niedrigsten Sätzen nur 5 Proz., zu den Höchstsätzen dagegen 34 Proz. Dagegen entfallen in den vertragslosen Be- trieben auf den niedrigsten Verdienst 12 Proz., auf den Höchst- verdienst von 36 Mk. aber nur 6 Proz. der Arbeiter. Der mittlere Verdienstsatz stellt sich in den Vertragsbetrieben für 61 Proz. der Akkordarbeiter auf 30— 35 M., in den Nichtvertragsbetrieben da- gegen beträgt er für 82 Proz. nur 30— 33 M.. Die auffallende Rückständigkeit der Lohn- und Arbeits- bedingunizen in der einen Kategorie der Betriebe findet ihre Er- klärung in dem dort vorhandenem ungünsfigerem Organisations- Verhältnis; wo die Arbeiter in ihrer größeren Mehrzahl innerhalb der Gewerkschaft stehen, da finden wir bessere Arbeitsbedingungen vor, dort sind dieselben auch durch Tarifvertrag vereinbart und festgelegt._ Enttäuschte Arbeitswillige. Der„Essener Arbeiterzeitung' ist ein Brief von Arbeitern aus Emden zugegangen, die sich in Essen hatten anwerben lassen, ohne, wie sie schreiben, gemutzt zu haben, wohin die Reise ging. Die Leute sind als Streikbrecher im Hafen zu Emden benutzt worden. Es war ihnen ein Tagelohn von 4,50 M. bei freier Beköstigung und pro Ueberstunde 80 Pf. versprochen worden. Nachdem sie auf„ein Stück Papier" ihren Namen mit Bleistift hätten schreiben müssen. wäre die Reise nach Emden gegangen. Das Essen, das sie auf dem Wohnschisf bekämen, wäre für das Vieh zu schlecht. Als deshalb mehrere Arbeiter die Arbeit niedergelegt hätten, seien ihnen 25 M. wegen Kontraktbruchs einbehalten worden und 20 M. für Bekösti- gung. Auf dem Wohnschiff wimmelte es von Ungeziefer. Die in den Kohlenbunkern arbeitenden Leute hätten kaum Waschgelegen- heit. Viele mutzten auf Strohsäcken auf dem Futzboden schlafen. Die Behandlung sei unbeschreiblich. Bei der Entnahme von Ge- tränken würden die Arbeiter stark übervorteilt. Leuten, die 65 M. Lohnguthaben hatten, sei gesagt worden, sie müßten noch 2 M. her- auszahlen. Der Brief schließt:„Es sind noch Leute hier, darunter Unterdessen aber hatte Vulpius noch einen ähnlich klingenden Roman geschrieben, und seine Nachahmer konnten sich nicht genug tun, in ähnlichen Titeln, wie»Concino Concini" oder in»Seiten- stücken' und»Gegenstücken' zum Rinaldo. Auch dramatisiert wurde der Stoff in ellenlangen vielaktigen Schauspielen, und so war durch die? eine Werk eine ganz« Literaturmode, eine Jahrzehnte an- haltende Freude an Räubergeschichten hervorgerufen worden. Hauptmanns Mission. Gcrhart Hauptmann hat der frei- sinnigen ReichStagSfraktion auf ihr Telegramm anläßlich der In- hibicrung der weiteren Vorstellungen seines Festspiels folgendes Antworttelegramm gesandt: »Allen aufrecht gesinnten Herren und besonders Ihnen, ver- ehrter Herr Ablag, tiefsten Dank. Nach dem, was ich jetzt er- fahren und täglich erfahre, beglückwünsche ich mich zu der un- gewollten Mission, die das Fatum mir zuteilt. Niemand zu Liebe habe ich meiner aufrichtigen Uebcrzeugung von dem Wesen der großen Zeit als fünfzigjähriger Mann und Deutscher Ausdruck geben müssen, und ich werde auch fernerhin zu meinem Wahl- spruch halten:„Geh deines Weges gerade, schenken wird sich dir Gnade", womit ich aber nicht die Gnade von irgend jemand, außer Gott, meine, der allein sie zu vergeben hat." Wir wollen hoffen, datz die Protestbewegung, die Hauptmann? Matzregelung hervorgerufen hat. kraftig und weithallend die Mission ausübt, die dem Dichter als ein ungewollt«? Falum er- scheint. Und an Stelle der mystischen Gnadenerwartung, die ja Hauptmann im Blute liegt, wollen wir hellodernden Zorn und kraftvoll zupackend« Kampfeslust setzen. Denn gegen brutale Junker, strupellose Pfaffen und bürgerliche KnechtSbrut kommt män mit HernHutischer Gottergebenheit nicht weit. Die Gastwirte und die Kunst. Wir dürfen jetzt getrosten Mutes in die Zukunft sehen, denn die deutsche dramatilche Kunst hat einen neuen Helfer erhalten.„Wir müssen", so wurde neulich aus einem Kongreß gewichliger und zu weilen Kreisen deS öffenllichen Lebens in enger Fühlung stehenden Persönlichkeiten ausgerufen,»wir müssen die deutsche dramatische Kunst in Schutz nehmen.' ES war der Berbandstag der deutschen Gastwirte in Bremen, auf dem dieser Appell erging. Man lache nicht! Man bedenke, waS es bedeuten kann, wenn die deutschen Gast- und Speisehausbesitzer sich der dramatischen Kunst annehmen. Wenn sie etwa beschließen, den jungen aufstrebenden und den älteren, nur mangelhaft aufgeführten dramatischen Dichtern einen Freitisch zu gewähren. Vielleicht jede Woche einmal Rinderbrust und Bouillonkartoffeln und an den hohen Festtagen zu besonderer Inspiration noch eine halbe Flasche Mosel. Und wenn sie es sich außerdem angelegen sein lassen, die übrigen Gäste auf den jungen Dichter aufmerksam zu machen, so hat er zur Rinderbrust auch noch eine kostenlose Reklame als Beigabe. Also man unterschätze daS Mäzenatentum der Gastwirte nicht! Die Könige sind nicht mehr wie vordem in der Lage. Pensionen für Dichter auszuwerfen. Sie haben zuviel andere Repräi'enlationS- kosten. Die Herren Restaurateure werden an ihre Stelle treten. Aber leider I Ganz so war der Aufruf nicht gemeint. Nicht so materiell. Es handelt sich nur um eine ideelle Unterstützung der dramatischen Kunst. Verheiratete, die gern ihre Freiheit wiederhaben möchten und nur zurückschrecken, weil ihnen das Geld abgezogen wird und sie dann dem Elend weiter preisgegeben sind. Wir bitten also, soviel wie möglich den Zuzug fernzuhalten." Staatliche Doppelbesteuerung bei Wanderarbeitern. Das Reichsdoppelsteuergesetz schreibt vor, datz die Reichsangc- hörigen nur an ihrem Wohnfitz mit Staatssteuern belastet werden dürfen; eine doppelte Besteuerung mutz unterbleiben. Tatsächlich unterblieb sie in vielen Fällen aber nicht, namentlich nicht bei Wanderarbeitern, die ihren Arbeitsplatz wechseln. Wie in der Frage der Gemeindedoppelbesteuerung, so wird in den letzten Monaten zwischen dem preußischen Finanzministerium und der Regierung des Fürstentums Lippe auch in Beziehung auf die Staatssteuer« leistung der Wanderarbeiter Verhandlungen geführt worden, die wenigstens teilweise ein bestimmtes Ergebnis gehabt haben. Viele von den 15 000 Wanderarbeitern Lippes wurden bisher sowohl in Lippe wie in Preußen an ihren zerstreuten Arbeitsplätzen zur Staatssteuerleistung herangezogen. Der preußische Finanzminister hat jetzt die lippesche Regierung davon verständigt, datz die preutzi- schen Behörden angewiesen werden sollen, bei den jugendlichen un- verheirateten Wanderarbeitern, im besonderen bei den minderjährig gen, aus Lippe eine Veranlagung zur Staatssteuer an den preutzi- schen Arbeitsplätzen zu unterlassen. Matzgebender Wohnsitz soll bei diesen Wanderarbeitern der Staat Lippe sein. Die Anordnung ist eine bedauerliche Halbheit, da sie nicht vor weiterer doppelter Belastung von Wanderarbeitern schützt. Diese unvollkommene Durchführung des Reichsgesetzes über die Doppel- bestcuerung trifft gerade Arbeiter, die wirtschaftlich am schlechtesten gestellt sind, es wäre sehr notwendig,, datz sich, wenn sonst nichts hilft, der Reichstag ihrer annimmt. Ein Kampf ums Koalitionsrecht. Brüssel, 19. Juni.(Eig. Ber.) In Brüssel sind augenblicklich 1400 Wagenbauer ausgesperrt. Die Arbeiter in der Brüsseler Wagenfabrikation sind fast voll- zählig organisiert. Kaum 5 Proz. stehen außerhalb der Gcwerk- schaft. Vor ungefähr drei Jahren, auch gelegentlich einer Ans- fperrung, ist zwischen den Unternehmern und Arbeitern dieser Branche ein Kollektivvertrag zustandegekommen, in dem den Ar- beitern unter anderem ein sechstägiger bezahlter Urlaub, die Frei» gäbe des 1. Mai, die Einfuhrung des Schiedsgerichts und die— Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation zugesprochen wurde. Die Organisation, die natürlich über die ihr aus dem Vertrag erstandenen Rechte gewacht und auf die Einhaltung der zugesprochenen Bedingungen bestanden hat, ivas die Unternehmer heute eine himmelschreiende Tyrannei zu nennen belieben, ist den Herren allmählich unangenehm geworden und sie haben im Zusammenhang mit Vorfällen, die auf den Generalstreik zurückgehen, am 17. Mai den Vertrag gekündigt. So weit, so gut. Aber dieselben Unternehmer, die früher ausdrücklich die Eewerkschaftsorganlsation der Arbeiter anerkannt haben, er- klärten jetzt, datz sie von nun ab nur mit ihrem Personal ver- handeln wollen und gezwungen seien,„alle jene, die Mitglied der Zentralorganisation der Wagenbauer sind, zu entlassen". Vom 7. Juni an, so hieß ei in dem Schriftstück, hat sich jeder Arbeiter, der in der Gewerkschaftsorgani-. fation verbleibt, als entlassen zu �betrachten. Eine entsprechende Bestimmung wurde sodann überall in die Fabrikordnung aufgenommen. Im größten. Etablissement in Brüssel hatte sie folgenden Wortlaut: „Ich Unterzeichneter erkläre mich mit der obigen Werk» stättenordnung einverstanden und nehme die daselbst festgesetzten Arbeisbedingungen an. Ich verpflichte mich über- dies, dem Zentralverband der Wagenbauer nicht mehr anzugehören.' Ein weiterer Satz besagt, datz der Arbeiter bei Nichteinhaltung dieser Bestimmung sofort entlassen wird. Diese von Vandervelde in der gestrigen Kammcrsitzung als einzig dastehender zynisch- offener Angriff auf die gewerkschaftliche Freiheit charakterisierte Ver- gewaltigung des Rechts der Arbeiter wird von den Unternehmern damit motiviert, datz die Gewerkschaft die Unternehmer»tyrannr- Die Gastwirte wollen den Kampf gegen da» Kino führe" helfen. Um der Kunst willen, denn„der größte Teil der junge» Leute, die früher unsere ständigen Gäste waren, sind jetzt im Kino", sagte der Kongretzredner. Dort werden schlüpfrige Dramen aufgeführt. Dort sind unsere Töchter wegen der herrschenden Dunkelheit der Vetführung preis- gegeben. Daher mutz die dramatische Kunst geschützt werden. Die ernsten Theater müssen den Kientopp mit seiner Filmromantik wieder verdrängen. Dann werden die jungen Leute schon wieder auf den rechten Weg zurückkehren, der zu den edleren Genüssen einer— Weißen oder eines Glas Lager führt. Es lebe die Kunst I Die Kinofrage im Reichstag. Der Kampf um das Kino ist nun auch in den Reichstag verlegt worden. Das Präsidium des Deutschen Bühnenvcreins hatte seine Denkschrift gegen di«„Kino- keuche" auch dem Reichstag übermittelt, dessen Pctitionskommission Die Frage eingehend behandelte. Ebenfalls zur Beratung gestellt war eine Denkschrift der finematographischen Fachpresse, die Gut- achten zugunsten des KinoS anführt von Männern wie Albert Bassermann, Harry Walden, Joseph Giampietro, Dr. Karl Hage- mann, Hermann Bahr, HanS Heins Ewers, Johann«? Schlaf, Victor Holländer und anderen, die erklärt haben, datz der Kine- matograph als ein neues Ausdrucksmittel der Kunst anzusprechen sei. Auch vom Schutzverband deutscher Lichtbildtheater war ein« Schrift zugunsten des„Kientopps" eingegangen. Von prinzipielle'- Bedeutung war ein« Erklärung des Re- gierungSkommissars Landmann. Er präzisierte den Standpunkt der Regierung wie folgt:„Es wird anerkannt, datz Mißstände bestehen, und es ist beabsichtigt, die kinematographischen Vor- führungcn dem§ 33s der Gewerbeordnung zu unterstellen. Ein entsprechender Gesetzentwurf liegt bereits dem Bundesrate vor. Es wird außerdem ein Gesetzentwurf vorbereitet, der Mißständen im Reklamewesen entgegentreten soll. Eine reichsrechtliche Rege- lung der Zensur ist nicht in Aussicht genommen.' Di« Petitionskommission des Reichstages einigt« sich dahin, dem Reichstag vorzuschlagen, sämtliche Petitionen dem Reichs» kanzler als Material zu überweisen. Trinkbecher aus Eis. In diesen Tagen der sommerlichen Glut lechzt der Mensch nach eisgekühltem Trünke. Die Eiskühlung der Getränke steht nun aber im Begriffe, eine große Umwälzung zu erfahren. Der einfache Gedanke:„Nicht Eis im Getränk, sondern das Getränk in Eis' hat nämlich zu der ebenso originellen wie prak- tischen Erfinidung des Eisbechers geführt, über den H. Herzberg in der„Umschau" berichtete. Das neuartige Trinkgefätz besteht/ wie schon der Name besagt, aus einem gänzlich aus Eis gefrorenen Becher, der zu bequemer Handhabung in eine Schutzhülle aus Papier gesteckt wir4>. Er kann in allen Graden von Durchsichtigkeit — von der des Glases bis zu der des Porzellans— ja sogar auch leicht gefärbt werden. In bezug auf Kältckapazität und Jsolations- vermögen ist er so beschaffen, datz er gleichmäßig, und zwar natür- lich nur sehr langsam abschmilzt. Bei einmaliger Einfüllung bei Sommertemperatur kann er bis zu einer halben Stunde benutzt werden. Ein zweimaliger Gebrauch des Eisbechers ist jedoch nicht möglich, da er bei Wiedereinfüllung sofort durchbricht. Damit ge- schieht also einer der wichtigsten hygienischen Forderungen Genüge: jedem sern eigenes Trinkgefätz! Auch die Schutzhülle wird nur einmal benutzt. Bei der Herstellung des Eisbechers galt eS zunächst» fterc", das; sie ihnen wirtschaftlichen Schaden zufüge— durch ver riugerte Produktion—, daß sie die Unternehmer zwingen, nur organisierte Arbeiter auszunehmen usw. Vandervelde und H u h s in a n s haben in der Kammer erzählk, auf welcher Seite die Tyrannei� ist, unter der die armen Unternehmer angeblich schmachten. Tie Ziffern bezüglich des geringeren Erträgnisses— es sollen 15 bis 20 Proz. sein— bedürfen vor der Hand noch der Kontrolle, und was z. B. den Vorwurf betrifft, daß die Unternehmer nur gewerkschaftlich organisierte Arbeiter aufnehmen dürfen, so erklärt sich das damit, daß die Herren seinerzeit diese Forderung akzeptiert haben. Ucberdies aber: da es fast nur organisierte Wagenbauer gibt, wo wollen die Herren denn ihre Arbeiter her haben, wenn nicht eben aus der Organisation? Aber das ganze Auftreten der Unternehmer, ihr Verhalten nach dem Generalstreik, ihre Anklammerung an einzelne Vorfälle von angeblicher„Disziplinwidrigkeit", das Aufkündigen des Kollektivvertrages, die Weigerung, sich einem Schiedsspruch zu unterwerfen u. a. m. ist nichts weiter, als die Revolte gegen dw Macht der Organisation, gegen das Kontrollrecht der Arbeiter, gegen das Recht des Arbeiters kurzweg. Die Zertrümmerung der Organisation— das ist das Ziel, das sich die Herren gesteckt haben und weshalb sie schließlich zur Aushungerung der tapferen und selbstbewußten Arbeiter geschritten sind. Ter Herr Arbeitsminister, sekundiert von etlichen Klerikalen und— oh! natürlich, in Wirt- jchaftlichen Tingen geht man mit der Regierung;— Liberalen, hat seine Sympathien den Aushungerern zugewendet(einige Klerikale indes hielten immerhin mannhaft zu der Auffassung, daß die Unternehmer das gewerkschaftliche Recht der Arbeiter gegen Recht und Gesetz vergeivaltigt haben). Die zielbewußte belgische Arbeiterschaft aber verfolgt mit voller und tätiger Sympathie den Kampf der Ausgesperrten, der durch seine prinzipielle Seite Jnter- esse und Bedeutung für die ganze belgische Gewerkschaftsorgani- sation gewinnt Zum Kau, Pf der Färbereiarbeitcr in der Schweiz. Gerade zur rechten Zeit veröffentlicht das schweizerische Arbeiten sekretariat aus feinem reichen haushaltsstatistischen Material einen sehr wertvollen Beitrag zur Lage der kämpfenden Färbereiarbeiter. Danach waren die Verhältnisse von sieben Färbereiarbeiteni im Kanton Zürich in Zahlen folgende: Fa» milie 1 2 3 4 5 S 7 Total Per- sonen hiervon verdienen 3 3 2 2 2 1 2 Ein- hiervon nahmen total nahmen Franken Ausgaben total 3440.32 3603.87 2818.44 2821.33 2746.31 2695.88 2860.73 3256.52 3545.21 2648.29 2762.36 2620.68 2645.20 2800.97 Hierbon wirkliche Ausgaben Franken 3234.55 3417.33 2520.16 2733.39 2589.78 2641.89 2778.04 3405.70 3502.78 2803.76 2807.03 2714.73 2684.20 2793.04 33 15 20986.88 20279.23 20712.29 19915.14 Den wirklichen Einnahmen im Gesamtbetrage von 20 279,23 Fr. stehen wirkliche Ausgaben in der Höhe von 19 915,14 Fr. gegenüber. Der Reinertrag der Arbeit von 15 Personen im Jahre 1912 beträgt also im ganzen 364,09 Fr. oder pro arbeitendes Familienglied ein Nettojahresarbeitsertrag von 24,20 Fr.! Nun stellen wir das Einkommen des FärbereiarbeiterS dem wirklichen Gesamteinkommen der Familie und den wichtigsten Be- dürfniskosten, dem Nahrungsmittelverbrauch gegenüber. Dabei muß vorausgeschickt werden, daß in allen sieben Familien nur der Vater in der Färberei verdiente. Die übrigen Einnahmeposten kommen bald�von der Arbeit der Frau als Seidenweberin,-Zettlerin oder als Schneiderin, Putzerin, in einzelnen Füllen aus Erwerbsarbeit fast volljähriger Kinder. Kmder. Wirkliches � Einkommen Familie «Spoi. unter 14 Jahren 1 2 3 4 5 6 7 3256.52 3545.21 2648.29 2762.36 2620.68 2645.20 2500.97 Ausgaben für Nahrung Franken 1984.43 1786.68 1326.16 1476.84 1217.12 1548.54 1490.44 Färberlohn total 1612.- 1572.20 1473.65 1679.70 1584.20 1581.05 1618.25 das Problem der Wasserdichtigkeit des Eises zu lösen, das bislang überhaupt noch nicht in Frage gekommen war. Die überaus rasche Herstellung des Eisbechers geht folgendermaßen vor sich: Der Ge- frierapparat besteht aus zwei Hauptteilen: der äußeren Form und ocm inneren Kern. Nach Einfüllung von Wasser in die Form und Einsetzung des Kernes wird das Wasser in den von Form und Kern gebildeten Zwischenraum hinaufgedrückt. Sobald nun der Gefrier- apparat in irgendein Kältemittel hineingehängt wird, entsteht der Eisbecher. Nun ist aber die Umwandlung von Wasser zu Eis mit einer Raumvergrötzerung verbunden, die eventuell ein Ausbauchen oder sogar Platzen der Form herbeiführen könnte. Dem hat man dadurch abgeholfen, daß man dem Kern unten eine Tauchhüllung gab, in die das Wasser nur ganz wenig hineindringt. Der Gefrier- Vorgang geht lagenwcise von außen einwärts vor sich, und zwar wird zuerst der obere Rand geschlossen, weil die gewöhnlich 3 Milli. meter starke Wand sich nach oben zu verdünnt. Erst zuletzt gefriert der Boden des Bechers, der sich durch die Volumenvcrgrößerung selbsttätig wölbt. Die im Wasser absolvierte Luft, welche sonst Blasen im Eis bildet, wird bis in die Tauchhöhlung hinausgetrieben, so daß das Verfahren von selbst die Wasserdichtigkeit des EiseS be- sorgt. Die Herstellungskosten des Eisbechers sind nur minimal, und sie lassen sich in Kühlkästen und Schränken lange aufbewahren' oder transportieren. Humor und Satire. Hauptmann adel Denn den offiziellen Führern stets gefällt nur so ein Stück, das von unfern dümmsten Schmierern hingekleistert fäustedick. Fürsten mußt du stets verhimmeln kriegerisch, bumbum trara, mußt die Pfaffenglocken bimmeln, hallelujah, hoch, Hurra I Jdi- sowie Patrioten schenken dir dann ihre Gunst, eher gib den Kerls noch Zoten— aber bloß nicht was wie Kunst! B u ni b u m. Notizen. — In derProte st Versammlung,-die der Schutz- verband Deutscher Schrift st eller am Montag, den 23. d. M., abends S'/a Uhr, in dem Oberlichtsaale der Philharmonie, Bernburger Str. 22, veranstaltet, werden zu der Tagesordnung: .Hauptmann und die Unberufenen" reden: Müller- Meiningen, Wolfgang Heine, HanS Kyser, Artur Eloesser. Es folgt eine freie Aussprache. — I m K a i n z- The a te r am kleinen Wannsee wird Donnerstag als Premiere„Teja" von Sudermann zusammen mit .Philotas" von Lessing gespielt und am Sonntag nachmittag 3 Uhr wiederholt. Montag und Sonnabend geht„Des Meeres und der Liebe Wellen" in Szene, Dienstag die Lustspiele von I. V. Wid- mann, Mittwoch„Medea"(für Schüler ermäßigte Preise). — Musikchronik. Dienstag abend SM Uhr find.t in der Berliner Bockbrauerei, Fidicinstr. 2/3, das XIV. Volks-Shm- phonie-Konzert(Richard Wagner-Abend) des Blüthner- Orchesters statt. Als Solist wirkt der Konzertmeister Nicola» Lambinou mit..Eintrittskarten 30 Pf.' In zwei Fällen reicht der Färberlohn nicht einmal für die Nahrungsmittel aus, in vier Fällen knapp und nur in einem Fall ergibt sich ein Ueberschuß von Bedeutung. Insgesamt stehen sich 20 712,29 Fr. wirkliche Ausgaben und 11 120,95 Fr. Färberlohn gegenüber. Es steht also fest, daß diese sieben Familienväter mit ihrem Färberlon nur 51 Proz. ihrer Familienausgaben bestreiten konnten. Der Färberlohn reicht also kaum zur Hälfte aus, um eine Familie durchs Leben zu bringen. Und da weigern sich die Färbereibesitzer, auch nur die bescheidenste Erhöhung dieser absolut unzulänglichen Arbeitslöhne zu bewilligen und treiben sie die Arbeiter in den offenen wirtschaftlichen Kampf I Sie Berliner Gewerktcisaften im fahre 1912. Die Berliner Gewerkschafts- Kommission hat soeben ihren 115 Seiten umfassenden Geschäftsbericht für das Jahr 1912 her- ausgegeben. In der Rubrik:„Allgemeines" wird zunächst festge- stellt, daß nach der amtlichen Statistik der Stadt Berlin am An- fang des Jahres 1912 1 054 049 Personen versichert waren, und zwar 644 144 männliche und 409 905 weibliche in 145 Berliner- und 65 Vorort-Krankenkassen. Es kommen also nach dieser Statistik auf je 100Versicherte 61,1 Proz. männliche und 38,9 Iveibliche Beschäftigte. Diese Zahl ändert sich jedoch wesentlich, wenn man nur Berlin allein in Betracht zieht, da erfahrungsgemäß ein hoher Prozentsatz von Arbeitern in Berlin beschäftigt, und bei den Krankenkassen in Berlin angemeldet ist, seinen Wohnsitz aber in Berlin nicht hat. In den Berliner Krankenkassen allein waren vorhanden am 1. Januar 1912 gegen Krankheit Versicherte 492 556 männliche und 333 346 weibliche, insgesamt 825 902 Personen. Tie Anteilziffer der Geschlechter in den Betrieben, die in Berlin ihren Sitz haben, verschiebt sich zu Ungunsten der männlichen Personen. In Berlin selbst zählen wir auf je 100 Versicherte 59,6 Prozent und 40,4 Pro- zent weibliche Beschäftigte. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Groß-Berlins, die an die Gewerkschaftskommission angeschlossen sind, betrug am Jahresschluß 311 923 Mitglieder, die 49 Zentralverbänden und 56 Verwaltungsstellen angehören. Davon sind 277 055 männliche, 29 886 weibliche und 4 932 jugendliche Mitglieder. Gegen das Vor- jähr ist eine Zunahme von 11 780 männlichen, 3 269 weiblichen und 79 jugendlichen, insgesamt 15 128 Mitgliedern zu verzeichnen. Der Zuwachs beträgt demnach 4,86 Prozent. Im Vorjahre betrug die Zunahme in Prozentziffern ausgedrückt, 11,9, sie kann daher ur das Berichtsjahr als nicht erheblich bezeichnet werden. Die Erklärung hierfür dürfte zum Teil in der leider immer noch an- haltenden Arbeitslosigkeit im Baugewerbe und den dadurch stark beeinflußten verwandten Jndustriegruppen zu suchen sein. Bei Durchsicht der Zahlen ist festzustellen, daß die Zunahme bei den männlichen, weiblichen und jugendlichen Personen verschieden ist, nämlich: in der ersten und letzten Gruppe(Männliche und Jugend- liche) mit 4,25 bezw. 1,58 Prozent unter dem Durschnitt, während bei den weiblichen Mitgliedern eine prozentuale Zunahme von 10,96 zu verzeichnen ist. An der Zunahme von 15 128 Mitgliedern für die Gesamtheit ind 41 Verwaltungsstellen mit 18 378 Mitgliedern beteiligt, denen ll Verwaltungsstellen mit 3250 Mitgliederabnahme gegenüber- tehen. Die Zunahme ist entsprechend dem oben bereits genannten Prozentsatz bei allen Gewerkschaften, wie der Bericht bemerkt, nur als gering zu bezeichnen. Eine Reihe von Gewerkschaften ist in der Mitgliederzahl zurückgegangen. Es werden hierfür verschiedene Ursachen, u. a. große Arbeitslosigkeit, Verlegung von Industrie- zweigen nach außerhalb usw. angeführt. Die Fluktuation, die Ein- und Austritte aus den GeWerk- chaften, hat im Berichtsjahre erfreulicherweise nachgelassen, gegen- über dem Jahre 1911, und zwar um 7 Prozent. Es traten im Laufe des Jahres den Gewerkschaften bei III 928(die eingeklam- merten Zahlen beziehen sich auf das Vorjahr, 124 415 Personen, davon 85 215( 98 043) männliche, 22 886(22 359) weibliche und 3827( 4013) jugendliche. Die DurchschnittZprozentziffer der Neu- aufgenommenen beträgt 35(42), sie erhöht sich bei den weiblichen Aufnahmen auf 76,7, bei den jugendlichen auf 73 Prozent und sinkt bei den männlichen Aufnahmen unter den Durchschnitt auf 30,7 Prozent. Die Beteiligung der einzelnen Gewerkschaften an dieser Fluktuation ist sehr verschieden. U e b e r den Durchschnitt von 35 Proz. Mitgliederfluktuation stehen 28, unter dem Durchschnitt 26 Verwaltungsstellen, die Notenstecher stehen genau auf dem Durchschnitt, die Xylographen haben keine Angaben gemacht. Bis zu 50 Prozent Fluktuation hatten 44, über 50 Prozent 13 Verwaltungsstellen, und zwar ein- zelne wieder recht hohe Ziffern, so die Blumenarbeiter 95.5, Schiffszimmerer 93,7, Fleischer 83,1, Gärtner 78, Friseurgehilfen 7,2 und Hausangestellten 73,1. Immerhin sind aber diese Ziffern im Vergleich zu denen des Vorjahress für alle genannten Gruppen niedriger, was, wie der Bericht betont, als ein erfreuliches An- zeichen allmählich eintretender Besserung zu betrachten sein dürfte. Tasselbe trifft auch auf die hier namentlich nicht aufgeführten Gewerkschaften zu. Die geringste Fluktuation zeigen die Zu- chneider mit 4. Lederarbeiter mit 6,3, Buchdrucker mit 6,6, Glas- arbeiter mit 7,5, Lithographen mit 9.9, Töpfer 11. Hoteldiener 16, Brauerei- und Mühlenarbeiter 17, Böttcher 17,6 und die Lager- arbeiter mit 18 Prozent. Die drei größten Gewerkschaften, Metallarbeiter, Transport- arbeiter und Holzarbeiter, weisen auf: Holzarbeiter 19,5, Trans- Portarbeiter 38,3 und Metallarbeiter 39,3 Prozent Fluktuation. Ausgetretene, ausgeschlossene und abgereiste Mitglieder werden im Berichtsjahre 94 538 gleich 30,4 Prozent von der Gcsamtziffer ge- zählt.'Der prozentuale Anteil ist wie bei den Neuaufnahmen bezw. Wiedereintritten sehr ungleich. Er beträgt bei den männlichen 25,9( 71 772 Austritte), bei den weiblichen 78,8(19 453 Austritte) und bei den jugendlichen Mitgliedern 78 Prozent(3 358 Austritte). Bei den Jugendlichen dürfte indessen dieser Prozentsatz etwas günstiger werden, wenn man berücksichtigt, daß ein Teil derselben jedes Jahr als vollberechtigte männliche Mitglieder in die Listen der Gewerkschaften übergeführt werden. In oer Reihenfolge im Stärkeverhältnis der Größten Gewerk- schaften, ist eine Veränderung gegenüber dem Borjahre nicht ein- getreten, wohl aber bei den kleinsten. Tie Zigarrensortierer und Lagerhalter sind als selbständige Organisationsgruppen durch An- schluß an bestehende verwandte Zentralverbände ausgeschieden. Es zählten am Jahresschluß die 10 größten Gewerkschaften: Die Zunahmen der Mitglieder der zehn größten Gewerkschaften ! beträgt gegen das Vorjahr 17 612 oder eine Steigerung von 7,1 ' Prozent. Gegenüber der Mitgliederzahl ist eine Steigerung von 77,2 auf 79, demnach um 1,8 Prozent eintreten. Die zehn kleinsten Gewerkschaften zählen zusammen 2796 Mitglieder oder 0,89 Proz. der Gesamtziffer. Mitgliederzahl und Prozentziffer sind damit gegen das Vorjahr um 2729 Mitglieder und 0,91 Prozent Anteil» ziffer, zurückgegangen. Die Kaffenverbältnisse. Tic Berliner Gewerkschaften hatten im Jahre 1912 eine Ein- nähme von insgesamt 15 211 299,90 M., gegen das Vorjahr ein Mehr von 1935 654,80 M. Diese Mehreinnahme rührt zum er- heblichen Teile aus Zuschüssen aus den Kassen der Hauptvorstände her, die im Berichtsjahre 1 526 287,24 M. hergaben, gegen das Vorjahr ein Mehr von denselben Stellen in Höhe von 979 775,18 Mark. Die reinen Einnahmen aus Beiträgen betrugen 10 167 194 M. oder 66,8 Proz. der Gesamteinnahmen. Die übrigen Einnahmen setzen sich zusammen aus den schon erwähnten Zuschüssen aus den Hauptkassen, aus Eintrittsgeldern und sonstigen Einnahmen (Extrabeiträge usw.). Die„besonderen Einnahmen" betragen 469 566,93 M., gegen das Vorjahr ein Mehr von 28 312,33 M. Die Gesamtausgaben betrugen demgegenüber 11 065 588,93 M., gegen das Vorjahr- mehr 698 136,67 M. oder eine Steigerung um 6,3 Proz. Die einzelnen Unterstützungszweige partizipieren an diesen Ausgaben sehr verschieden. Die Streikunterstützung hat mit 1 196 878 M. gegen das Jahr 1911 965 507 M. weniger gekostet, wo diese nämlich 2 162 380 M. betrug. Bei allen übrigen Unter- stützungszweigen sind gegen das Vorjahr Mehrausgaben zu ver- zeichnen, die bei der Reiseuntcrstützung 18,7, Arbeitslosenunter- stützüng 19,6, Krankenunterstützung 6,7, Sterbegeld 31,9, Invaliden- Unterstützung 8, Rechsschutz 7,9 und bei dem Titel„Besondere Unterstützung" 38 Proz. Steigerung ausmachen. Eine Tabelle in dem Bericht zeigt weiterhin, in wieweit alle Unterstützungszweige im einzelnen an der Gesamtausgabe prozen- tuäl partizipieren. Diese Darstellung ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil durch sie der Beweis erbracht ist, daß 83,48 Proz. der Ausgaben an die Mitglieder in der Form von verschiedenen Unterstützungen wieder zurückfließen, denn auch die in der Tabelle angeführten 22,29 Proz. Ausgaben an die Hauptkasse kommen den Mitgliedern bei ausbrechenden Lohnkämpfen und sonstigen Diffe- renzen wieder zugute. Es kann also von einer„Vergeudung von Arbeitergroschen", wie die Gcwerkschaftsfeinde es immer behaupten, keine Rede sein. Unter den Unterstützungseinrichtungen vereinigt die Arbeitslosen unter st ützung, schon vom sozialpolitischen Standpunkte aus, das regste Interesse auf sich. Auf je 100 M. Ausgaben kommen im Durchschnitt 21,90 M. allein auf die Arbeitslosenunterstützung. Dieser Durchschnittssatz wird von einer Reihe von Gewerkschaften, deren Mitglieder stark mit Arbeitslosigkeit zu rechnen haben, erheblich, zum Teil um das Doppelte des Durchschnittssatzes, überschritten. Uebcr die Einnahmen und Ausgaben für Kranken- und rbeitslosenunter st ützung in Berlin in den letzten zehn Jahren gibt eine Tabelle Aufschluß. Es wurden von 1903 bis 1912 insgesamt eingenommen 98 399 662 M., ausgegeben 78 950 439 M. Ueber die Hälfte der Ausgaben, nämlich 41 254 770 M., wurden in dieser Zeit für die drei Unterstützungszweige Streik-, Kranken- und Arbeitslosenunterstützung ausgegeben. Der Bericht hebt mit Recht hervor, daß diese Leistungen die volle Anerkennung jedeS Sozialpolitikers verdienen, besonders wenn man in Betracht zieht, daß namentlich Arbeitslosen- und Krankenunterstützung verhält- nismätzig junge Einrichtungen sind, und daß die Mehrzahl der Ge- werkschaften erst nach und nach zur Einrichtung dieses Unter- stützungszweiges geschritten sind. Lohnbewegungen (Angriffsstreiks, Abwehrstreiks, Aussperrungen und Lohnbewegun- gen ohne Streik) haben im Berichtsjahre nicht viel stattgefunden und kann dieses im allgemeinen als ein verhältnismäßig ruhiges bezeichnet werden. Beteiligt waren an allen Arten von Lohn- bewegungen insgesamt 94 406 Personen, davon 86 295 männliche und 8111 weibliche, in zusammen 4127 Betrieben und 3772 Streik- tagen. Die Mehrzahl der Betriebe— 2403— führten Lohnbewegungen ohne Arbeitsniederlegung, während die Mehrzahl der Streiktage— 1220— bei den Angriffsstreiks zu finden sind. Die Zahl der Lohnbewegungen ohne Arbeitsniederlegung, die von 30 Organisationen geführt wurden, beträgt 460. Das Vorgehen war in 411 Fällen erfolgreich, 36 teilweise erfolgreich, 10 erfolglos, in 2 Fällen waren die Lohnbewegungen am 1. Januar 1913 noch nicht zu Ende geführt.. Beteiligt waren an diesen Lohnbewegun- gen ohne Streik: 62 888 Personen, davon 57 324 männliche und 5564 weibliche. Angriffs st reiks sind 134 zu verzeichnen und zwar in 1013 Betrieben mit 14 308(12 682 männlichen und 1626 weiblichen) Beteiligten mit zusammen 1120 Streiktagen. Das Vorgehen hatte Erfolg in 94 Fällen, teilweisen Erfolg in 15, keinen Erfolg in 24 Fällen. Ein Streik war am 1. Januar noch nicht zu Ende geführt. Zur Abwehr wegen angedrohten Verschlechterungen usw. waren 18 Organisationen in 114 Fällen gezwungen, die Arbeit niderzulegen. Das Resultat war: 65 Fälle erfolgreich, 14 teilweiser Erfolg, 31 erfolglos. Am 1. Januar waren zwei Angriffsstreiks nicht beendet. An Aussperrungen sind im Berichtsjahre in Berlin 24 zu verzeichnen, an denen 15 Gewerkschaften mit 10 986 Personen beteiligt waren. Das gesamte Resultat der Lohnbewegungen(Angriff- und Abwehrstreiks, Aussperrungen und Lohnbewegungen ohne Arbeits- niedcrlegung) ergibt, daß in 581 Fällen das Vorgehen Erfolg hatte, 66mal ein teilweiser Erfolg und 72mal kein Erfolg zu verzeichnen war. In 6 Fällen war am Schluß des Berichtsjahres noch kein Resultat erzielt. An Strafen wurden in diesem verhältnismäßig ruhigen Jahre von den Gerichtcn�verhängt: Geldstrafen in 159 Fällen in Höhe von 2 750,50 M., Freiheitsstrafen bei 17 Personen auf insgesamt 432 Tage oder 1 Jahr 2 Monate und 7 Tage Gefängnis- Der Bericht enthält auch die einzelnen Berichte der Gewerk- schaften, sowie die Berichte der der Berliner Gewerkschaftskommis- sion angeschlossenen Unterkommissioneu der Vororte. Der Kassenbericht der Gewcrkschaftskommissian Berlins und Umgegend zeigt folgendes Bild: Gesamteinnahme 370 268.56 M. Dem steht eine Ausgabe von 122 173.38 M. gegen- über. Das Gesamtvermögcn beträgt 235 274,02 M. Was den Arbeitsmarkt betrifft, so fiel die BeschäftigungS- gelegeicheit im Jahre 1912 gegenüber dem Vorjahre ganz erheblich und die von der Berliner Arbeitsnachweisstatistik zusammengestellte Uebersicht zeigt, daß vom April ab die Flaue einsetzte. Der Nieder- gang dürfte nicht als eine vorübergehende Erscheinung anzusehen sein, sondern als allgemeiner Rückgang der Industrie und Brach» liegen des Baugewerbes. Die Vermittelungstätigkeit der Arbeit- nehmernachweise umfaßte den größten Teil der Vermittelung. bei ihnen wurden 211 542 offene Stellen gemeldet, eä folgen dann feit paritätischen Nachweise mit 184 229, die Arbeitgebernachweisc mit S4 582, die Vorortnachwcise mit 41 912 und endlich die konfessio- Hellen Vereine mit 15 032 offenen Stellen. Jedoch umfassen diese Zahlen bei weitem nicht die gesamte Arbeitsvermittelung für Groß-Berlin, da noch viele Stellen durch das Annoncen- und Agentenunwesen, sowie das weitverbreitete Umschauen in den Be- trieben und auf den Baustellen besetzt werden. Eine graphische Darstellung in dem Bericht zeigt die Lage des Berliner Arbeits- Marktes nach Angebot und Nachfrage in den Arbeitsnachweisen für 1812 und 1911. Im übrigen wird in dem Bericht noch eine Uebersicht von der Kommission für Statistik der Arbeitslosenzählung, der Arbeits- losenversicherung in Schöneberg, über die Tätigkeit des Gewerbe- gerichts zu Berlin, über das Berliner Jimunaswesen und über die Jugendfürsorge gcgebciu Soziales» Kleinstädtisches vor dem Berliner KaufmannSgericht. Die Leiterin des Wiirftocker Zweiggeschäfts einer Berliner Hutfirma wurde nach vier Tagen ohne Kündigungsfrist entlassen. Sie klagte hierauf auf Zahlung ihres Gehaltes in der letzten Sitzung des hiesigen Kaufmannsgerichts. Als Grund der Ent- lassung wurde hauptsächlich angeführt, die Klägerin habe im Unterrock Kunden bedient. Diese erwiderte: richtig sei, dah sie ihren vierzehnjährigen Vetter, der kurz nach Gcschäftseröffnung einen Handspiegel kaufen wollte, allerdings um ihn schnell abzu- fertigen, im Unterrock bedient habe, sonst aber nicht. Unglücklicher- weise habe das eine ihr nichtgenehme Nachbarin wohl gesehen. Der harmlose Vorfall sei zu einem Kleinstadtklatsch aufgebauscht, so daß die v-chuljugend ihr höhnend nachgelaufen sei. Das Kauf- mannsgericht beschloß, die über den Unterrockfall von der Beklagten «ngegebcnen Zeugen vernehmen zu lassen. Die Schweigepflicht der Gewerbegerichts-Beisitzer. Mit dem seltenen oder vielleicht noch nicht dagewesenen Fall, oaß ein Landgericht sich mit der Amtsentsevung eines Gewerbe- gerichtsbcisitiers zu befassen hatte, mußte sich am Dienstag die dritte Strafkammer des Landgerichts Leipzig beschäftigen. Das Verfahren richtete sich gegen den Schneider Richard Krütze in Würzen, der sich einer groben Pflichtverletzung dadurch schuldig gemacht haben sollte, daß er entgegen der gesetzlichen Vorschrift über seine Abstimmung bei einer Urteilsfällung Mitteilung machte. Wie die Verhandlung lehrte, war die Anzeige ein Vergeltungs- akt des Stadtrats von Würzen, der es sich hat gefallen lassen müssen, daß der Spruch des Gewcrbcgcrichts durch das Landgericht umgestoßen wurde. Im vorigen Jahre hatten die Arbeiter der Maschinenfabrik E. A. Schütz gestreikt. Ten Arbeitern wurden Zeugnisse aus- gestellt, in denen bemerkt war, daß sie mit dem größeren Teil der Arbeiter gestreikt haben. Tiefer Satz war von einem Dreher be- anstandet worden, ebenso das Zeichen: M. g., das von den Ar- bcitern als„Mit gestreikt" gedeutet wurde. Das Zeichen erklärte die Firma als harmlos, es sei das Signum des Angestellten, der die Zeugnisse ausgestellt habe. Das Gewerbegericht Würzen wies die Klage des Drehers ab mit der Begründung, der Zusatz wegen des Streiks sei nicht zu beanstanden, weil das Zeugnis auch auf die Führung ausgedehnt worden sei. Mit dieser wunderbaren Definition war der Arbeitnehmer- beisitzer Kr. nicht einverstanden. Er teilte deshalb einem Streiken- den, der als Zuhörer erschienen war, mit, daß er natürlich nicht für Abweisung der Klage gestimmt habe. Am Jahresschluß hat er auch dem Lbmmm der Beisitzer in seinem Bericht davon Mitteilung gemacht. Nun war aber über jene Gewerbegerichissitzung auch ein Bericht in der„Volkszeitung für das Muldental" erschienen, in dem ebenfalls über die Abstimmung K.s Aufklärung gegeben wurde. Diesen Bericht sollte K. abgefaßt oder veranlaßt haben. Auf� Ansuchen des Stadtrates hatte darauf die Kreishauptmann- schaft beim Landgericht Leipzig die Amtsenthebung K.s wegen grober Pflichtverletzung beantragt. K. bestritt, den Bericht veranlaßt oder geschrieben zu haben Daß er dem Streikenden Mitteilung gemacht habe, gab er zu, er habe sich damit rechtfertigen wollen. Er glaube nicht, daß er sich damit einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht habe, denn er vertrat doch die Interessen der Arbeiter. Uebrigens sei er nie über die Schweigepflicht belehrt worden. In dem Ortsgesetz für das Gewerbegericht in Würzen sei auch keine Erläuterung gegeben, was als grobe Pflichtverletzung angesehen werde. K. gab auch zu, dem Obmann Bericht gegeben zu haben, dies geschehe.zu statistischen Zwecken alljährlich. Wie schon bemerkt, hat das Landgericht Leipzig die wunderbare Rechtsaufsassung des Stadtrates Troiysch in Würzen korrigiert mit der Begründung, die Beteiligung an einem Streik sei nicht tadelnswert? sie sei also objektiv vom moralischen Standpunkte aus nicht zu verwerfen, zuinal weder Kontrakt- noch Treubruch vorlag. Tas Zeugnis sei aber daher unrichtig, und die Firma sei zu verurteilen, ein Zeugnis ohne Zusatz auszustellen. -vcr Staatsanwalt beantragte die Amtsentsetzung K.s und be- bauptete. K. habe gewußt, daß die Vorschrift der Schweigepflicht der Schossen und Geschworenen auch entsprechende Anwendung auf Eewerbegcrichtsbeisitzer findet. K. habe sich sagen müssen, daß der Vorgang in die Presse kommen werde, und daß dadurch die Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verschärft würden. �cAfsanwalt Dr. Marschncr hingegen führte aus, daß ein ein- facher Mann wie K. unter Pflichtverletzung etwa die Beugung des Rechts verstehe. Der Schöffenrichter müsse sehr häusig die Schöffen belehren. Auch der Schwurgerichtsvorsitzende müsse dies nach dem Gesetz tun, obwohl die Geschworenen sich meist aus Leuten höherer Kreise rekrutieren. Darum sei es wünschenswert, daß auch die Gewerberichter ihre Beisitzer belehrten. K. habe spontan und in der Erregung geglaubt, sich dem Streitenden gegenüber recht- fertigen zu sollen. Das Landgericht lehnte den Antrag der Kreishauptmannschaft ab, die Kosten wurden auf die Staatskasse übernommen. Es ver- trat die Auffassung, K. habe sich spontan gegenüber seinen Standes- ? Massen und dem Obmann geäußert. Mit dieser Mitteilung über eine Abstimmung habe St. objektiv eine Pflichtverletzung be- gangen, aber er habe versichert, er habe es nur getan, um sich zu rechtfertigen. Der Gerichtshof war sich im Zweifel, ob sich K. der Pflichtverletzung bewußt war. Der Gerichtshof war aber auch für den Fall, daß K. sich der Pflichtverletzung bewußt war, voll über- zeugt, daß die Frage nach der Gröblick'kcit der Pflichtverletzung zu verneinen war, denn Personen wie 5». sind nicht so diszipliniert wie Berussrichter, die wigen. daß sie im Falle einer Ueberstimmung das Urteil mit zu vertreten haben. Ein Stadt ahne leerstehende Wohnungen. Aus Rüstingen in Oldenburg wird uns geschrieben: Es klingt sonderbar, ist aber leider Tatsache, daß hier so gut wie keine einzige leerstehende Wohnung zu verzeichnen ist. Durch die Verlegung des Geschwaders nach unserer Nachbarstadt Wik- helmshaven ist in den letzteil Jahren ein beängstigender Mangel an kleinen Wohnungen zu verzeichnen. Um den Wohnungsbau zu fördern, ist die Stadt neben der Vermittelung von Hypotheken und Uebernahme der Hypothekengarantien zur Erbauung von Er- werbshäusern und Mietshäusern geschritten. Bei den elfteren haben die Erwerber eine Anzahlung von 10 Proz. zu leisten, die ratenweise oder in Gestalt von Arbeit geleistet werden kann. In letzteren sind in einer Achthäusergruppe Familien mit vielen «udern untergebracht. Auch die Militärbehörden leiden unter der Wohnungsnot im »adegebieti einem großen Teil der verheirateten Unteroffiziere ist »«och nicht gelungen, eine Wohnung zu erhalten. Wie es heißt, hat hierfür der Kaiser aus seinem Dispositionsfonds bei seiner letzten Anwesenheit 80 000 M. zur Verfügung gestellt, wofür so- genannte Doecker-Barackcn mit dreiräumigen Wohnungen her- gestellt werden sollen. Die Kaiserliche Werft ist infolge"des Woh- nungsmangels nicht in der Lage, die zur vollständigen Jnbetrieb- nähme der neuen Torpedowerft nötigen älteren Arbeitskräste her- anzuziehen. Nach Verständigung mit dem Reichsinarineaint wird das Reichsamt des Innern in der Nähe der neuen Werft eine neue Arbeiterkolonie durch eine Baugenossenschaft in den nächsten Jahren erstehen lassen, wofür jährlich 500 000 M. zur Verfügung gestellt sind. Um sofort Wohnungen schaffen zu können, sind der genannten Genossenschaft vom Staate und der Landesvcrsichcrungsanstalt Hannover bereits etwa 400 000 M. Baugelder zuin Ausbau einer schon angelegten Kolonie zur Verfügung gestellt worden. Bei der Ausschreibung von 6 Wohnhäusern mit 48 Wohnungen zeigte sich aber, daß die verbündeten Bauunternehmer Preise forderten, die gegen die bisherigen weit hinausgingen und wohl bezwecken sollten, daß die Genossenschaftswohiiungell nicht billiger als die Privat- Wohnungen, für die teilweise Wucherpreise verlangt werden, im Mietspreise kämen. Hier hatten aber die Uiiternehmer die Rech- nung ohne den Wirt gemacht, denn die Genoffenschaft' beschoß ein- stimmig, fortan in eigenes Regie zu bauen. Nachdem die Geld- gcber diesem Beschluß zugestimmt haben, ist mit dem Bau bereits begonnen. Jetzt wird nun seitens der Bauunternehmer versucht, der Genossenschaft die Materialpreife in die Höhe zu schrauben und sie bei den Behörden anzuschwärzen. So enthielt ein kürzlich in der„Deutschen Tageszeitung" erschienener Artikel u. a. die Behauptung, daß die Genossenschaft nur Sozialdemokraten als Mit- glieder aufnehme. Diese Lüge dürfte bei den Behörden umso- weniger Glauben finden, als deren Vertreter stets an den Sitzun- gen der Verwaltung der betreffenden Baugenossenschaft teilnehmen und auf die strengste Einhaltung der statutarischen Bestimmungen achten. Allen Machinationen unserer Gegner zum Trotz ist aber Aussicht vorhanden, daß der befchrittcnc Weg zu einem gedeihlichen Ziele führt und wieder gezeigt werden kann, daß die Arbeiterschaft imstande ist, auch auf dem Gebiete des Wohnungswesens fortschritt- lich und vorbildlich zu wirken. Sericdts- Deining» Wieder mal„Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze." Ein Anarchistcnprozcß wurde gestern wieder vor dem Land- gcricht I sSlraskainmer 12 unter Vorsitz des Landgerichtsdireklors Liliaj verhandelt und zwar wieder unter dem üblichen Ausschluß der Oeffcntlichkeit. Angellagt war der Bürstenmacher Kmestedt, der am 27. Januar und am 24. Februar in zwei Bersanimlungsreden sich der„Aufforderung zum Umgchorsam gegen Gesetze" schuldig ge- macht haben toll. Den Antrag ouf Ausschluß der Leffentlichkeit begründete Staatsanwalt Hcinzniann in gewohnter Weise mit der Besorgnis, daß„die öffentliche Ordnung und die Staatssicherheit ge- fährdet" werden könnlen. Der Verteidiger Rechtsanwall Siegfried Weinberg widersprach und warnie davor, für solche Prozesse den Ausschluß der Oeffentlichkeit durch stäudige Wieder- holung zu einer Art„Gewohnheilsrccht" werden zu lassen. Im Lichle der Oeffentlichkeit zu verhandeln, sei gerade bei politischen Prozessen dringend zu wünschen und liege im Interesse nicht nur des Angeklagten, sondern auch der Rechtspflege. Den vorn Staatsanivalt gellend geinachten Gründen trat das Gericht bei und es schloß die Oeffcntlichkeit aus. Hinler verschlossenen Türen wurde dann bis in den Abend hinein verhandelt. Die Staatsanwaltichaft führte vier Zeugen ins Feld, drei Polizeibeainte. die sine Versammlungen überwacht batten, und außerdem den Kriminalkommissar Kunze, der wohl sich darüber äußern sollte, was ihm über Anarchisten im allgemeinen und über Kniestcdt im besonderen zugetragen worden war. Auf Antrag der Verteidigung waren 14 Zeugen geladen worden, zumeist Personen, die an den Versammlungen teilgenommen hatten. Im Lause der Verhandlung entschloß sich der Staatsanwalt, sich ohne den Aom- rnissar Kunze zu behelfen, und auch der Verteidiger konnte dann aus die Mehrzahl der Zeugen des Angeklagten verzichten. Ter Staatsanwalt beantragte für die beiden Reden zweimal vier Monate Gefängnis, die auf eine Strafe von 6 Monaten Gefängnis zusammenzuziehen seien. Aus der Begründung des Urteils, das erst am Abend gegen >48 Uhr gesprochen wurde, war zu entnehmen, wozu der Angeklagte „aufgefordert" haben sollte. Eine strafbare Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze liege nur vor, wenn aufgefordert worden sei, bestimmte Gesetze zu verletzen. Kniestedt habe in seiner ersten Rede allgemein über die Ursachen der Arbeitslosigkeit und über Ausbeutung des Proletariats durch das Kapital gesprochen. Da- bei habe er durch„die versteckte Art seiner Darlegung" aufgefordert, die Arbeit einzustellen und zum Generalstreik zu schreiten. Ebenso habe er zunächst allgemein über den Krieg gesprochen und im An- schluß daran erklärt: Wir respektieren nur die Gesetze, die wir selber unS geben.„Versteckt" habe er zum Ungehorsam gegen die Militärgesetze aufgefordert. Die Aufforderungen seien indirekt, seine Zuhörerschaft werde aber gewußt haben, was er meinte, es liege also Aufforderling zum Ungehorsam gegen bestimmte Gesetze vor. Für die zweite Rede konnte das Gericht sich nur auf unvoll- kommene Notizen des überwachenden Polizeileutnants stützen, so daß hier Freisprechung erfolgen mußte. Dagegen wurde für die erste Rede auf eine lßcfängnisstrafe von 4 Monaten erkannt. Lic. Traub als Kläger. Vor der 147. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amtsrichters Wachler stand gestern die Verhandlung einer Privatklagc an, die der jetzige Abgeordnete Lic. Traub gegen den Redakteur des„Evangelisch-Kirchlichen Anzeigers" Superintcn- dcnt a. D. Brandin angestrengt hat. Zur Klage standen mehrere Artikel des„Evanglisch-Kirchlichen Anzeigers", in denen die heftig-' sten Angriffe gegen Traub in beleidigender Form enthalten sind. Eine vom Angeklagten erhobene Widerklage stützte sich auf einige Ausdrücke, die der Privatklägcr in seiner Zeitschrift„Christliche Freiheit" über das Urteil des Edanglischen Obcrkirchenrats in Be- zug auf den Angeklagten gebracht hat. Zu den Vcrgleichöverhandlungen, die der Vorsitzende anregte, bemerkte Lic. Traub: Er sei zum Abschluß eines Vergleiches bereit, da die Aktualität des Prozesses ja erledigt sei. An der persönlichen Bestrafung des Angeklagten liege ihm nichts, sondern nur um die materielle Feststellung, die auch schon Professor Dr. Kahl zum Aus- druck gebracht habe: daß durch das Urteil des Oberkivchenrats weder seine personliche, noch bürgerliche Ehre irgendwie an- getastet worden sei. Der abgeschlossene Vergleich hat folgenden Wortlaut: Ter Auge- klagte erklärt, daß er gegen die persönliche Ehrenhaftigkeit des Privatklägers keine Vorwürfe habe erheben wollen und nicht er- hoben, und daß er die den Gegenstand des Verfahrens bildenden beledigenden Ausdrücke mit Bedauern zurücknehme. Andererseits erklärt der Privatkläger, daß er nicht anstehe, die zur Widerklage gestellten Ausdrücke, soweit der Angeklagte darin Beleidigungen erblickt, gleichfalls mit Bedauern zurückzunehmen. Die gerichtlichen Kosten trägt der Angeklagte, die außergerichtlichen werden gegen- einander aufgewogen. Dieser Vergleich soll ohne jeden redaktio- nellen Zusatz der Parteien je einmal im„Evangclisch-Kirchl. Anz." und in der„Ehristlichcn Freiheit" veröfscntlicht iverden."— Klage und Widerklage wurden hierauf zurückgenommen. Zur Haftung der Eisrnbahn. Sin Kaufmann fuhr mit der Untergrundbahn vom Leipziger Platz nach dem Nollendorfplatz. Dort stieg er aus und reichte seiner Mutter, um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein, die Hand. In demselben Augenblick rollte die Tür zu. Die Finger der rechten Hand d«S Kaufmanns wurden verletzt. Er verlangte Schadenersatz. Nach dem Haftpflichtgesetz schließt eigenes Berschulden des Ver- letzten die Haftpflicht der Eisenbahn aus. Al- eigenes Verschulden wird in der Regel das Aussteigen vor Halten der Bahn angesehen Der Beweis, daß solches Verschulden vorgelegen habe, liegt dey Bahn ob. Die verklagte Gesellschaft für Hoch- und Untergrund- bahnen wendete nun ein, der Kläger müsse vor dem Anhalten des Zuges ausgestiegcii und seine Hand seiner Mutter entgegengestreckt haben. Ihr Versuch, dies zu beweisen, zeigt, daß sie aus der be» dauerlichen Rechtsprechung in Unsallsachen gegen Arbeiter gelernt hat. Finden sich hier so manche Aerzte, die„wissenschaftlich" be» weisen wollen, daß der nnsallverletztc, crwerbsunsähig gewordene Arbeiter gar nicht crwerbsunsähig sei oder nicht durch den Unfall erwerbsunfähig geworden sei— warum soll die„Wissenschaft" nicht auch dazu verwendet werden können, darzutun, daß der Eisenbahn« Unfall vor dem Halten des Zuges sich ereignet haben müsse? Die Beklagte legte das Gutachten eines RegierungsbcmmeisterS und Privatdozenien an der Technischen Hochschule vor. DieS führte aus, es sei nicht nur wissenschaftlich, sondern auch nach praktischen Versuchen technisch nicht möglich, daß die Tür nach Anhalten des Zuges sich von selbst ganz schließt; sie könne höchstens ein Stück zurollen, aber jedenfalls nicht so weit, daß die Hand eines auf dem Bahnsteig stehenden Mannes zwischen Tür und Rahmen verletzt werden kann. Die Gerichte kamen auf Grund der Beweisaufnahmen und wohl auch aus Grund ihrer eigenen Erfahrungen in allen Instanzen zu der Auffassung, daß das Gutachten unhaltbar ist, und ver. urteilten die Bahn. Das Reichsgericht führt« in seinem am Diens» tag gefällten Urteil aus: Das Kammcrgericht ist auf Grund unan» fechtbarer tatsächlicher Würdigung zu der Uebcrzeugung gekommen, daß der Unfall sich so, wie behauptet war. abgespielt hat. Daß der Vorgang mit cineiii sundainentalen Grundsatz der Physik nicht ver- cinbar sei, läßt sich im Gegensatz zu den Sachverständigen nicht sagen.(Aktenzeichen: IV. 104/13.) Es wäre zu wünschen, daß auch in Unsallsachen eine gleich ver» ständige Ansicht Platz greifen möchte, und daß auch bei Unfällen. die ei» Arbeiter im Betriebe erleidet, die Beweislast, daß die nach dem Unfall eingetretene Minderung der Erwerbsfähigkeit nicht Unsallfolgen seien, der Berufsgenossenschaft auferlegt wurde. Eine unwirksame Anordnung des Reichskanzlers. Das Oberverwaltungsgericht hatte am Freitag darüber zu ent- scheiden, ob eine Anordnung des Reichskanzlers, die gemäß ß 60 Absatz 2 des Reichs-ZuwachSsteuer-Gesctzes einer Gemeinde eine Gemeinde-Wertzuwachssteuerverordnung bis auf weiteres beläßt, auch ohne Verkündung rechtswirksam sei. Das Oberverwaltungs- gcricht verneinte diese Frage in einem Rechtsstreit des Kaufmanns Elvenich gegen den Oberbürgermeister von Gelsenkirchen, und zwar im Gegensatz zum Bezirksausschuß und zu den Darlegungen des als Kommissar erschienenen Geheimrat Cunow vom Rcichs-Schatz- amt. Tas Oberverwaltungsgericht erachtete die nichtverkündete Anordnung des Reichskanzlers, wodurch der Gemeinde Gelsen- kirche» vorläufig noch die Wertzuwachssteuer-Qrdnung vorn 3. No- veinbcr 1910„belassen" worden war, für nicht rechtswirksam. E. wurde deshalb von der von ihni erhobenen Gemeinde-Wertzuwachs- steuer freigestellt. Ter wesentliche Teil der vom Senatspräsidenten Dr. Strntz verkündeten Begründung ging dahin: Die Anordnung des Reichs- kanzlers sei die Basis einer lokalen Suspension eines Reichsgesetzes. Der Bezirksausschutz irre, wenn er annehme, sie habe keinen Sin- fluß aus das Rechtsve'hältnis zwischen den Steuerpflichtigen und dem Steuergläubiger. Nehme der Reichskanzler den Antrag' einer Gemeinde auf vorläufige Belastung der bisherigen Wertzuwachs- steuerordnuiig an, dann, schaffe der Reichskanzler damit für die Steucrpslichtigcii ein anderes Recht, wie für die übrigen in Betracht kommenden Reichsangehörigcn. Die Rechtslage werde eine andere, und zwar, komme es auf die Entschließung deS Reichskanzlers an, ob die Gerneinde-Wertzulvachsstener-Ordnung noch weiter bestehen. oder das Reichs-Zuwachsstcuergesetz zur Anlvendung kommen soll. Eine Anordnung von solcher Bedeutung sei keine intern« Berwal- tungsanordnung, sondern eine Rcchtsvcrordnung im evidentesten Sinne. Rechtsverordnungen müßten aber verkündet werden. Hier handele es sich nun um eine vom Reich ausgehende Rechtsverord» nung. In Wissenschaft und Literatur usw. sei aber anerkannt, daß Rechtsverordnungen des Reiches nichts anderes seien, alS in einfacherer Weise zustande gekommene Reichsgesetze. Es komme so Artikel 2 der Reichsverfassung in Betracht, welcher die Beröffent- lichung vorschreibe. Da solche fehlt, sei die RechtSanordnnng des Reichskanzlers nicht rcchtswirksam geworden. Es müsse dem Ober» bürgermeister überlassen bleiben, nunmehr die Heranziehung zur Werrzuwachssteuer auf Grund deS Reichs-Zuwachsstcuer-Gesetzes vorzunehmen._ Schutzleute als Zuhälter. Vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Berlin I beginnt am Montag der mehrfach erwähnte Prozeß gegen die drei Kriminal- schutzleute, die beschuldigt sind, mit Dirnen, die ihrer Auflicht unter- stellt waren, in unerlaubtem Verkehr gestanden zu haben. Di« An» klage richtet sich gegen den Kriminalschutzmann Paul Thiede, dessen Ehefrau Marianne, den Kriminalschutzmann HanS Bachmann und den Kriminalschntzmann August Seegcbarth. Die drei Schutzleute sollen als Beamte für an sich nicht pflichtwidrige Handlungen Ge- schenke und andere Vorteile angenommen und gefordert haben. Thiede wird ferner zum Vorwurf gemacht, von einer Prostituierten unter Ausbeutung ihres unsittlichen Erwerbes teilweise den Lebens» unterhalt bezogen zu haben. WttternngSüberücht vom ZI. Juni 1913. SXMone» 181|| Iii®f �_ Swinemdc. Samburg Berlin Frankl. a.M 7614 ZW München|764iS3 Wien 1759® 7651« 764'ONO 763D i Weiler 2. bester Äbedeckt Zchaw bd URcgen 5>Regcn 1 bedeckt «s* t* Mi «tattonen taparanda etersbilrg Scilly Zlberdeen Paris 765 760 765 765 765 ßS N NNO NW SO 4«olkenl Z bedeckt l Nebel 2 bedeckt l bedeckt Ä ak U 7 13 XI 13 Wetterprognose für Sonntag, de« SS. Juni 1913. Ziemlich kühl, vielfach wollig bei mätzigen nordöstlichen Winden; feint erheblichen Niederschläge. . Berliner W etterburea«. WaiserftandS-Nachrichten der LandeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit B r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor . Krassen . Frankfurt Warthe,«chrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden . Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandaus , Rachenowl Spree, Svrembergfl , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrona Main, Hanau Mosel. Trier J)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Unterpegel. !€€€€€««♦«»SSSIsJÄ. Unserem langjährigen Partei' genossen � HRkhÄer � die herzlichsten Glückwünsche~ zu seinem 80. Geburtstage. V 86« Bezirk 180, IV. Kreis. 3€€€€€€� $ 88« Bezirk 186, Spezialarzt f. Haut-. Harn«. Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder «rt, Ehrlich Hata> Kuren in Dr, Homeyer-V Untersuchung., Fäden i. Harn usw. kMMiiil. 81, Spr. 10—2, 6—9, Sonnt. 11—2. Honorar mäftig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Kiliigt Laiidpariclicii, IVO Mark Anzahlung und geringer Teilzahlung, verlaust westlicher Vorort, direkt am Bahn- hos, besonders günft. Bedingungen. an»VorwärtS-leser schon mit B«rUi»,* Ii Knlprodeatr. 19. Achtung: Bewilligte Bäckerei! Achtung: Meiner geehrten Kundschast und Rachbarschast zur Kenntnis, datz die Differenzen mit dem Vertrauensmann der Bäcker und Konditoren zur beiderseitigen Zusriedenheit beigelegt sind. 1280b Hochachtungsvoll Bäckermeister Oburek, Otamstr. 38. Oer Vertrauensmann der BBcker und Konditoren Berlins und Umgegend. Birkhorst am vahnbof Nannenhclde, Rordbab». billige Acker- und Waldparzellen an Chaussee und königl. Forst. Berläuser am Bahnhos anwesend. 1200b' Einem hochgeehrten Publikum, allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich die vollständig renovierten Konzert- und Festsäle i i (Torrn. Keller) CLoppenstraße ÄS übernommen habe. Ich empsehle den geehrten Vereinen und Gewerkschaften meine Lokalitäten, Säle mit Tbeaterbühnen zu 2000, 800 und 500 Personen zu Versammlungen, Hochzeiten und Fcsllichleuen jeder Art. faul Obiglo, Jtoppenstrape 29. Amt Königstadt 4311. N.3. Jetzt wie in der Saison sind noch verschiedene Sonnabende und Sonnrage zu vergeben. i9999999999999999999900999999999e999«9e99 Or.Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, Ä« 10— 2. 6— 7. Sonntags 10— 12. t □R.v.M.6.- Pefersha�en idiiiimisiiiiiiiiMiiiiiiiiinmiiiiiii S ca. 7 Min. v. Babnh Fredersdorf, S ■ Kostenfreie Auskunft b. u. Ver-■ ■ treter Pub1.© I. u. Verkaufs- a ■ paTillon a. Bahnh. Fredersdorf. J Nleschaike& Nilsche g p Berlin, Neue KÖnlgsfr. 16 � � Fspr-Amt: Kön igst. 6376. � Theater und Vergnügungen sGiehe Wochen-Spielplan.) Reue Freie Volksbühne. Sonntag, den 22.Junt, nachm. 8 Uhr: Neues Volks-Theater: Ernst sein. KletneS Theater: LottchenS GeburtS- tag.— Der Arzt semer Ehre.— Der Unverschämte. Deutsches Opernhaus: gidello. «BenbS 8 Uhr: NsueS volkS-Theater: Ernst sein. «Bends 81/, Uhr: NeneSvollS-Theater: Montag, DienS- tag, Donnerstag. Freitag, Sonn- abend: König Krause. Mittwoch: Mudder MewS. Schlller-Thealer 0.1SS' Sonntag, abends 8 Uhr: Der I-elbgardlst. Montag, abends 8 llhn Der I-elbgardlnt. Schiller-Theater Sonntag, abends 8 Uhr: Freiwild. Montag, abends 8 Uhr: _ Zwei Wappen. DentacheaSchaaMplelhaDo B'l, Uhr: Eine Bergangenheit. Berliner Theater. B Uhr- Filmxauder. 8 Uhr vie fünf Frankfurter. Kroll-Oper 8 Uhr: Tannhäuser. (Saftfpiei: Gertrud GeyerSbach und Kammersänger AloiSPennarint). Montag Vj, Uhr: Lohengrin. TheateramKollendorftlatz Säglich 8'/, Uhr:«urleöte Svtele. Der ManD mit der grllaeo Maske. — Variete—_— Kino— Stadt-Theater «It-Moabii 47/48. Tbeater und Spezialitäten. GrSBter Schlager dos Thalia-Theaters Bis früh um fünfe. Muftk von Paul Linde. Konzert 4, der Voistell. 6 Uhr. «leine Preise. V olgt-The ater Badstrafte 58. Sonntag, den 22. Juni 1918: Der Bettelftudent. VolkSstück mit Gelang und Tanz in 6 Bildern. Kaffenöffnung 10 Uhr. Ansang 4 Uhr. Volksgaden-Theater. Badstr. S und Bellermannstr. 20/25. Täglich: Konzert, Dheater und Speztalltätenvorttellung. In iaaocbigcr lllaebt. Posse tu 2 Alten v. W. Gehricke. Dazu da» brillante Spezialität.-Progr. Ansang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Passage-Panoptikum vie S Schwestern Liliput die kleinst. Schwest der Welt Oer weltberQhmte amerikanische Negerboxep Andrea Johnnon bei seinem Training. kna die schwebende Jungtrau! WM- Alles lebend!"«W All«t ohne Kxtra-i/ntree! JÄetropol-Theater. AbenbS 8 Uhr: Die Kino-Königin. Operette m S Akten von Jul. Freund und S. OkontowSki. Musik von Jean«ilbert. In Szene gesetzt v. Dir. Rich. Schultz. W-SFI f/' LOGISCHER'NSI 1 GARTEN � Hente Sonntag: Eintritt 50 Pf. | Bänder unt. 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: GroBes Militär- Konzert (3 Kapollen). Täglich: MilitSr-Doppel-Konzert Jltontis Operetten-Theater (lt. Neues Theater). Amt Norden 1141. Sommerpreise. Gastsp. Jul. Spielmann. 8 Uhr: Der lachende Ehemann. ISkPSkH im UNA Hark Hochinteressante VSlkerschan •« •« Lichtenberg! Lichtenberg! Sozialdemokratisclier Bezirkswahlverein. Heute Sonntag, den 22, Juni: :: Großes Sommerfest in Diez9 Seeterrasse, Röderstraße 11—13 und Caf£ Bellevue, Hauptstraße 2. Konzert x Spezialitäten x Gesang x Turnerische Auffuhrungen x Kinderspiele x Verlosung x Fackelzug Land- und Wasser-Feuerwerk. Konzertbeginn 4 Uhr. 14/13 lAnlaO t Uhr. Eintritt SO PI dea Sälen ron 6 Uhr: TfinZ. Herren zahlen SO Pf. nach Die Kafleeküche ist von"2— 6 Uhr geöffnet_ DM" Jedes Kind erhält eine Stocklateme gratis!-M> Um zahlreichen Besnch der Arbeiterschaft bittet I i Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Wir machen darauf aufmerksam, daß auf unsere Anregung im DEUTSCHEN THEATER ab Mittwoch, den 28, Juni, allabendlich 81/, Uhr Die Schiffbrüchigen ein Theaterstück in drei Akten von B r 1 e n z aufgeführt wird.......... „Das Stück enthält weder eine Skandalgesehiohte, noch irgend ein widerliches SchausnieL noch ein obsxönea Wort. Jeder kann es hören, auch oie Frauen, wenn man nicht der Meinung ist, die Frauen müßten dnmm und anwissend bleiben, um tugendhaft zu sein."[106/1](Brienz.) (Näheres im Anschlag des Deutschen Theaters.) Brauerei Friedrichshain Am KönigStor. Del.: Ernat Ueblng. DV Jeden Dienstag- und Oonnerstagnachmlttag;-M> Kaffee-7rei-Vorstellung der Norddeutschen und Apollo• Sänger freiem Entree. Freitag«: FreiJkonzert. -„eines" Nollcndorr-Theater- Nollendorlplatm 4. Vorführungen bal g.öffn.t.m Daah, untw tnlM HUnrnel und angenehm nerabgekQhltee Temperetw. Mitgiftjäger. Sctiauepiel In 2 Akten «d Der Auserwählte. Herxensroman einer Telepbonietln. Des weiteren 9 kervorra.ende Bilder. Vorelellang 7 und 2 Uhr Sämtliche Plätze elnd numeriert. „Cines"-Palast!r".-Ä 1 Du gröeete, ach«nele und bequerr�te Lichtbild-Theater der Walt Die letzten 7 Tage fltin UNallei� Dmi gewaltlnale Film-Drama aller Zelle. t QUO UuQIS t Vorstellung 7 und U Uhr. Von 30 PI. b. 3.25 Id. Inkl. Steuer. Plätte tod 1 M. an sied numeriert. Schiueizer-Qarten | Am Frledrlchshaln 29/32. Am Frladrlchshain 29/32. Hente sowie taglieh: Theater Spezialitäten. Zum Schluß: == Der Herzverführer. Operette von E 1 y. Musik von Holländer. OSE=THEATE 1 Grote.Tranffum: stt 132. Tagehoeh einer VeHoraieii. flnfana 8'/, Uhr. Suf der Gartenbühne: �elilnDg! L» gebt lo»! Gr. Poffe. Borher Konzert Einakter. Bunter Teil. Apjang 4 Uhr. Admiralspaiast. Eis-Arena Angenehm kühler Aufenthalt. Heute 2 Vorstcllmigen nachm. tind abends Das sensationelle Eis-Ballett Flirt in St. Moritz. Beg. d. Nachm.-Vorst.(z. halb Preis.) um 4'/, ü„ Schluß 7 U Beginn der Abend-Vorst, nm 9 Uhr. F.'"1"!! ab 71/, Uhr. Ab 10»/, Uhr halbe Preise. — Erstklassige Küche.— . Wein- u. Kler-Abtell., Kreuzberg-Fesisäle und Garten Bej Otto Entert, S W.,Kr#uzberj«t 48 Jeden Sonntag; Gregs Spezialitäten- und Theater-Vorst Enlr. 15 Pf. Jeden Mittwoch: Residenz. Sänger. Irden Freilag: Paul Mantheys tust. Sänger. Passep. u.Vorzugsl. güllig. Stet« neues Programm! Einige Sonnabende und Totensonntag an Vereine zu vergeben. flsuv Welt, HaMonhelde 108—1 14. Montag, den 23. Juni, abends S'/i Uhr: Pensionsfonds-Konzert d. BlilthueF- Orchesters. Dirigent: Cinido v. Facha. SoL; M. Ekabiid, kgl. Hofopemsäng. A.d.Progr.: K. Wagner, Meistersinger- Vorsp., Elsas Traumerzähl a..Lohengrin", Liszt:.Lea Prä- Indes", St.Saäns: Arie s., Samson und Dalila", R. Wagner: Tann- h änser-Onvertnre. Karten» 30 Pf. i. d. bakanntenVor- verkaufsstellen a.abds. a. d. Kasse Berliner Klndl-Branerel- Ausschank Hermannstr. 211/18 Neukölln Ferospr.: Ncokölln 79. _ Oekonom: Robert Bergnar._ Täglich Großes Gartcnkonzcrt Anfang; Wochentags 7 Uhr, Sonntag nachmittags 4 Uhr. Entree: Wochentags 15 Pf., Sonntags 20 Pf. Saiaoakarte pro Person I H."" Schwarzer Adler, Lichtenberg Frankfurter Chaussee S, am Ringbahnhof Frankfurter Allee. Tttglich das erstklassige SpezlalitAten-Programiu und nie The Original Lestons. Die eleganten Eqatllbrlsten. PfltZ Brand« The 4 Renellos. Der groBe Damen-Flug- Ajkt. Donnerstag, den 26. Juni: Benefiz für den Humorieten Fritz Brand. •SSSSSSSSSSSBSSSSSSSMSSSMSM«»«— ♦— Schloß Weißeusee Inh. E. Niemann. Heate Sonntag: Großes 6Ute-Konzert ausgeführt vom Badetskl-Orchester, Dir. Wllh. V. Leefa ans Wien. Ferner: Großes Land- und Wasser-Feuerwerk; Anfang des Konzerts 4 Uhr. Entree 20 Pf. Im Bal-champStie: Großer Elite-Ball. Reiehshaileo-Thealer Stettiner Sänger. „Stocke's Pfingstlalirr Berliner Burleske von Meysel. Anfang 71/, Uhr. i-V-V ryV,." &itg-lncater .R�ckestliTr Tijlidt■ Jagend-Vontellum| von 4l,i-7 Uhr— Sonntags von ö-6 Uhr.! Besucher anter 16 Jahren zahlen aar| allen Plätzen 20 Pf. Erwachsene: 39. 49. 59.€9 Pf. taki Programm und Garderobe. Von 7—11 Uhr V ors'e Hang nur /Cr| Erwachsene. 1 Neue Well f A.Scholz. Hasenheide 109-1 14 Heute Sonntag, den 22. Juni 1918: Auf. 4 Uhr. Entree 25 Pf. Im Riesen- Pesteaal: Großer Ball. saaw Elysium, Landsberger Allee 40/41. Titglich Konsert Spezialitäten mit Frans Sobanskl. An! uef~ tBrofter Ball. nang 3'/, Uhr. Entree 10 Pf. Alhambra 83oKner>l6enter«Ätrahe 15. Großer Ball, Grofte» Orchester. Anfang Sonntag« 5 Uhr. A.. Zameitat. Cichbornsäle Relniekendorf-West, Eiehbornetr. 60. (Neu eröffnet.) Gröftte« und eleg Lalleiabllfsement. Jeden Sonntag im gr.Saal(1 töOPers.) »all. Ansang 4 Uhr. Schneidige« Ballorchester. Tanzl.Mar Possart und Ma; Mai. 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KilM Ks Juimärts" fnlinn Sotttttag, 22. Juni 1913. Montag, den 23. Juni: frauen-Leleabend. parte!- Hngelcgcnheiten. Schöneberg. Am Dienstag, den 24. d. M., abends 8 Uhr, findet in den„Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8, die Wahlvereins- vcrsanunlung statt. Tagesordnung: 1.„Amerikanische Kulturbilder und Erwerslebe n." Referent Genosse Müller. 2. Bericht von der Kreis- und Verbands-Generalvcr- sanimlung. 3. Ausfall der Agitation. 4. Verschiedenes. Stcglib. Dienstag, den 24. Juni: Mitgliederversammlung des Wahlvereiiis bei Schellhase, Ahornstraste 15a. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreis-Generalvcrsammlung. 2. Wahl zweier Schriftführer. 3. Geldbewilligung für die Ferienspiele. 4. Tele- giertenwahl zur auhcrordentlichen Berbands-Generalverfammlung. 5. Bericht von der Verbands-Generalversammlung.— Die Bibliothek des Wahlvereins wird der Inventur wegen vorläufig ge- schlössen; es wind gebeten, am Dienstag alle entliehenen Bücher zurückzugeben. Lichtcrfcldr. Dienstag, den 24. d. M., abends 8% Uhr, findet tm Lokal von Fr. Wahrendorf, Bäkeslraste 7, eine austerordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Max Groger. Bericht von der letzten Kreis-Generalversammlung sowie der von Grost-Berlin. Aufhebung des örtlichen. Bildungsaus- schusses� Verschiedenes. Lankwitz. Am Mittwoch, den 25. Juni, bei H. Schulz, Mühlen- straste 21, Generalversammlung des Wahlvereins. Nieder-Schönhausen-Nordend. Am Dienstag, den 24. Juni, abends SVi Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von Manke, Charlottenstraßen Ecke Beuthstraste. Tagesordnung: 1. Vortrag 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Reinickendorf-Ost. Am Dienstag, den 24. Juni, abends 8 Uhr, bei Sadau, Residenzstraste 124, Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wissell:„Fünfzig Jahre deutscher Sozialdemokratie". 2. Partei- und Vereinsange- legcnheiten. Pankow. Am Dienstag, den 24. Juni, abends 8� Uhr, im Restaurant„Zum Kurfürsten", Berliner Straste 102, Mit- gliederversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Verbands-Generalversammlung. Ortsangelegenheiten. Verschie- denes. Borsigwalde-Wittcnau. Die Fortsetzung der Mitgliederver- sammlung vom 17. Juni findet Dienstag, den 24. Juni, abends 8V2 Uhr, in den„Borsigwalder Festsälen" statt. Schönwaldc-Schönerlinde. Der gemeinsame Zahlabend beider Orte findet heute Sonntag, nachmittags 5 Uhr, bei Schulz, Schön- Walde, statt. Genosse Schindler-Pankow wird über Landtagsloahlen sprechen. Gleichfalls findet für Basdorf heute nachmittag 4 Uhr der Zahlabend statt. Tagesordnung: Bericht von der Verbands- Generalversammlung. ßevhmv Nacbricbten. Im Reiche der Victoria regia. In etwa einer Woche wird sich wieder mal die schönste Ulld ssTostte Wultderblukö der Natur im neuen Dahlemer Botanischen Garten zu herrlicher Pracht entfalten. Bis da- hin ist, damit die Königin der Blumen ungestört bleibt, ihr gläserner Palast für neugierige Augen gesperrt. Schämig mitten in der Nacht öffnet der Riesenkelch sich zur Blüte. Wunderbarer Duft erfüllt bis zum Sonnenaufgang die Halle. Dann wechselt Frau Königin das schneeweiße Kleid, zieht ein rosarotes an und tauscht es nach abermals einer Nacht mit strahlendem Blau. Kurzlebig nur ist das Naturwunder. Nach zwei Tagen sinkt der Blütenkelch schnell in sich zusammen, verschwindet unter dem Wasser. Die Sorgfalt des Kunstgärtners und dietropischeWärmedesGlashauseshaben aber auch in diesem Sommer wieder mehr als 30 Blüten zum Ansatz gebracht. Wenn alles glückt, wijrd die Blumenkönigin an ihren Empfangstagen bis in den August hinein zu sehen sein. Ein Wunder sind auch die riesigen, fleischigen Blätter mit dem aufgebogenen breiten Rand. Spielend tragen sie die Last eines Babys. Hier wärmen sich auf ihnen freilich nur Treib- Hausfrösche mit philosophischem Gleichmut. Und da draußen in heimischer Luft, auf den weiten grünen Flächen sproßt und blüht und duftet es. daß jedem Naturfreunde das volle Herz aufgeht. Dem eingeschworenen Botaniker lacht das Herz im Leibe, und auch der Laie kann sich nicht sattsehen an der vielseitigen Weltenflora, deren grandiose Fülle der Schollen- lieber kauni für möglich gehalten hat. Es fehlt wohl nichts, was die Erde an Pflanzen birgt, und selbst unsere heimischen Gewächse sind in wenig bekannten Spielarten von wunder- barem Farbenreiz vertreten. Den Hauptanziehungspunkt für Massenbesuch bilden neben den gerade jetzt in schönster Blütcnpracht stehenden Rosen- kulturen die„Dahlemer Alpen". In Miniaturforniat ist da alles zusammengedrängt, was die Gebirge der Erde au Flora hervorzaubern. Man träumt sich auf deu Tausende von Metern hohen Gipfel des Himalaya, durchwandert die Felsen- gehänge der Dolomiten, sieht in eine Alpenwelt von zwerg- haften Dimensionen. Edelweiß. Almenrausch. Enzian gedeihen ftrn von der Heimat. Vielgestaltige Kakteen mit wunderlichen, glühendrotcn Blüten erinnern au die endlose niexikanische Steinwüstc. Dicht daneben taucht auf idyllischem Teich das Wunderland Indien auf... herrliche Lotosblumen in satten Farben. Und in den mächtigen gläsernen Schauhäusern. die tropische Hitze atmen, steht neben Palmenriesen der Gummi- bäum und das Zuckerrohr, die Baumwoll- und die Tabaks- staude. So wunderschön vieles ist. fehlten auch nicht die Schatten- feiten. Genaue Kenner wollen behaupten, daß es noch schöner fein könnte, wenn nicht gar so sehr/an Arbeitskräften gespart würde. Das macht sich an Palmen, die dem Absterben nahe sind, recht unangenehm bemerkbar. Auch die Grotten- ousstattung des Aquariums liegt fast still. Oder sollte die in Fachkreisen nicht unbekannte«Spannung im Direktorium daran schuld sein? Man erzählt als offenes Geheimnis, daß hier zwei grundverschiedene Gelehrtennaturen aufeinanderplatzen. war schon eine Todsünde, als der gescheitere Direktor, der eigentliche Schöpfer des Gartens, vor einigen Jahren den bulgarischen Zar hier im Schlapphut empfing und in seiner gelehrten Zerstreutheit den hohen Begleiter, den deutschen Kaiser, einfach übersah. Seitdem kriselt es so. daß Professor Urban sich entschlossen hat. im Herbst seinem gesellschaftlich talentvolleren DirektionSkollegen Professor Engler das Feld zu räumen. Der Botanische Garten ist jetzt im Sommer von 2—7 Uhr täglich geöffnet. Draußen an den Eingangstoren steht: nur Sonntags, Dienstags, Mittwochs und Freiags. Was stimmt nun, da auch an anderen Wochentagen geöffnet ist? Wer einen Katalog beim Pförtner kauft, erwirbt damit das Vorzugs' recht des Zutritts von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Die Schauhäuser sind Sonnabends sämtlich geschlossen, sonst von 10—12 und von 1— 6 geöffnet. Kinder unter 10 Jahren finden überhaupt nicht mehr Einlaß, weil sie in jugendlichem Unverstand den Blumenbestand plünderten. Auf diese Weise sind schwer ersetzbare Pflanzen verschwunden. Kinder im Alter von 10— 14 Jahren haben in Begleitung Erwachsener Zutritt. Für Schulen und Vereine bestehen besondere Be stimmungen, die von der Verwaltung zu erfahren sind. Verschmelzung von Ortskrankenkassen. Ueber das Weiterbestehen der Ortskrankenkassen hat jetzt das Oberversicherungsamt entschieden. Die Mehrzahl der Ortskrankenkassen wird aufgelöst, es bleiben nur noch 15 mit zirka 300 000 Versicherten bestehen, unter ihnen die der Schlosser, Mechaniker, Buchbinder, Tischler, Wäschefabrikatton, Hutmacher, Maurer, Buchdrucker, Steindrucker, Kaufleute, Bureauangestellten. Die jetzige Allgemeine Ortskrankenkasse wird auch die zukünftige und dadurch von zirka 90000 auf über 400000 anwachsen._ Bebauungsplan für Treptow. Wie bekannt, besitzt Berlin in der Gemeinde Treptow nicht nur die umfangreichen, dauernd zur Erholung bestimm ten und von der Bebauung ausgeschlossenen Anlagen des Parkes und des Plänterwaldes, sondern auch große Flächen bebauungsfähigen Landes, das zurzeit noch als Lauben- und Ackerland verpachtet ist. Für dieses bcbauungsfähige Ge lände soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Wegen Ge staltung desselben haben zwischen Berlin, der Gemeinde Treptow und der Aufsichtsbehörde schon seit Jahren VerHand lungen geschwebt. Die im Januar 1912 von der Regierung erlassene Baupolizeiordnung für die Vororte machte indes eine völlige Umarbeitung der zum Teil schon völlig fertig gestellten Pläne erforderlich, da die neue Baupolizeiordnung für große Teile Treptows die bisher nicht vorgeschriebene offene Bauweise einführte. Der Magistrat hat. um einen erstklassigen und den Forderungen des modernen Städtebaues in jeder Weise entsprechenden Bebauungsplan zu gewähr- leisten, beschlossen, sich mit Sachverständigen von anerkannter Bedeutung in Verbindung zu setzen. Der Professor Eberstadt, der vor kurzem zum Mitglieds der neuen städtischen Woh- nungsdeputation gewählt worden ist, und der Architekt Her- mann Jansen haben deshalb entsprechende Aufträge vom Ma- gistrat erhalten. Eberstadt entledigt sich seines Auftrages in Gemeinschaft mit dem von ihm hinzugezogenen Professor Bruno Möhring._ Ende des städtischen Seefischverkaufes. Mit Rücksicht auf die heiße Jahreszeit wird der städtische Seefischverkauf mit Ende der nächsten Woche eingestellt. Die letzten Verkaufstage sind der nächste Dienstag und Donnerstag. Der� Wiederbeginn des Seefischverkaufs ist auf Dienstag, den 2. September, festgesetzt._ Auf seinen Vater geschossen. Gestern vormsttag schoß der Kaufmann Solomon Ortkin, der mit seinem Vater aus Rußland nach Berlin gekommen war, im Haufe Joachimsthaler Straße 35 in Charlottenburg, beim Früh- stück mit einem bereit gehaltenen Revolver auf seinen nichts ahnenden Vater und verwundete den alten Herrn schwer. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhaus Westend geschafft, der Attentäter aber von der Polizei festgenommen. Allem Anschein nach ist der Revolverheld geistesgestört. Berliner Einbrecher als Geflügelzüchter. Durch die Berliner Kriminalpolizei aufgeklärt worden sind nunmehr die vielen Einbrüche, die seit dem h�gangenen Winter in Oranienburg, Biesenthal und den umliegenden Ortschaften aus- geführt wurden. Fast in jeder Woche wurden in der dortigen Gegend mehrere Einbrüche ausgeführt, ohne daß es gelingen wollte, der Täter habhaft zu werden. Diese machten an einzelnen Stellen bei den verschiedenen Eigentümern recht gute Beute. So fielen ihnen im Mai d. I. bei einem Besitzer in Biefenthal, wo sie mit größter Frechheit in dessen Wohnung eindrangen und mit einem dort vorgefundenen Schlüssel den Geldschrank öffneten, allein außer anderen Sachen 5000 M. bares Geld in die Hände. Die dortigen Behörden wandten sich schließlich au die hiesige Kriminalpolizei, die Polizeihunde entsandte und Nachforschungen in dieser Sache an- stellte. ES gelang ihr jetzt auch festzustellen, datz zwei schon wieder- holt mit Zuchthaus vorbestrafte Einbrecher Peter und Fiolka die Täter waren. Peter hatte sich mit seiner Geliebten in Bergfelde eine kleine Besitzung erworben und trieb hier mit seinem Freunde Fiolka eifrig Geflügelzucht. Weil man in dem Ort mit seiner guten Zucht rechnete, erfreute er sich bald eines guten Ansehens. Niemand ahnte, dast beide Männer einmal oder zweimal in der Woche verschwanden, um in der Umgegend auf Einbrüche aus- zugchen. Gewöhnlich wählten sie zur Ausführung dieser Einbrüche die Nächte von Freitags zu Sonnabends. Während Peter von der hiesigen Kriminalpolizei in Berlin festgenommen wurde, ver- haftet« auf deren Veranlassung ein Gendarm Fiolka in seiner «Sommerwohnung in Bergfelde. Eine hier vorgenommene Durch- suchung förderte noch ein ganze Unmenge von Gegenständen zutage, die den deutlichen Beweis lieferten, datz die Beiden wirklich die gefährlichen Einbrecher sind. Sie wurden wegen der zahlreichen Einbrüche dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Patriotismus auf anderer Leute Kosten. Uns wird geschrieben:„Aus Anlast des Regierungsjubiläums machten die Berliner Elcktrizitätstverke am Sonnabend, den 14. d. Mts., bekannt, daß am Montag, den 16., um 2 Uhr nachmittags Bureaus und Werkstätten geschlossen würden und Arbeiter wie Angestellte, soweit es der Betrieb erlaubt, frei hätten. Als selbst- verständlich nahmen Arbeiter und Monteure an, dast der Tage- lohn voll bezahlt wird. Wie erstaunt waren sie aber, als ihnen am Mittwoch bekanntgemacht wurde, dast fiir Montag nur sechs Stundeit Lohn bezahlt werden. Datz diese Mitteilung bei den Betreffenden keine Freude verursacht hat, ist wohl erklärlich, zumal bei den niedrigen Löhnen, welche die B. E. W. zahlen, jeder Lohn- ausfall doppelt empfunden wird. Es wäre dieser Millionengesell- schaft wohl möglich gewesen, ihren Patriotismus auf eigen« Kosten zu betätigen und nicht auf Kosten der Arbeiter. Leider sind diese schlecht organisiert, so dast sie sich eine solche Behandlung gefallen lassen müssen." Belohnungen für Ermittelung der Automobilattcntäter. 9000 M. Belohnung sind nunmehr insgesamt auf die Auf- klärung der beiden Automobilanschläge in Hennigsdorf und im Grunewald ausgesetzt. Der Verein der Kraftdroschkenbesitzer Groß- Berlins hat jetzt ebenfalls eine Belohnung von je 500 M. für Ermittelung der Täter in beiden Fällen ausgeschrieben, so dast für Hennigsdorf zusammen 6500 M. und für Grunewald 2500 M. ausgesetzt sind. Die Ermittelungsbehörden stellen fortwährend Nach- forschungen nach den Tätern a»> die jedoch zu einem greifbaren Resultat bisher weder in dem einen noch den: anderen Falle ge- kommen sind. Auffällig ist es, dast sich trotz allen Aufforderungen und Hinweisen auf die hohe Belohnung bisher noch nicht das Liebespaar gemeldet hat, das zu der Zeit des Anschlages im Grunewald gesehen worden ist. Es ist sehr leicht möglich, dast dieses Bekundungen machen kann, die für die weiteren Nach- forschungen vielleicht ohne dast sie es annehmen, von großer Wichtigkeit sind. Zur Beleuchtung der Pflegeverhältuisse im städtischeu Jrrenwesen. Die vielerörterte Leidensgeschichte des ehemaligen Irren- anstaltspfleglings Paul Donnerstag, der von dem Fuhrherrn Bernhard Tönies aus der Soldiner Str. 11 ein ganzes Jahr lang gegen einen Wochenlohn von einer einzigen Mark als Stallmann beschäftigt und schließlich, als er sich nicht länger in dieser Form behandeln lassen wollte, voit Tönies nach der Irrenanstalt Dalldorf zurückgeschoben wurde, hat jetzt durch Urteil des Landgerichts I ihre endgültige prozessuale Erledigung gesunden. Bekanntlich wurden in den Vorinstanzen die Lohnansprüche des D., der sich mit einer ge- pachteten Drehorgel kümmerlich ernährt und durch körperliche Krankheit in eine sehr bedrängte Lage geraten ist, abgewiesen. Das Gewerbegericht war der Ansicht, daß Donnerstag, solange er von der Anstalt Dalldorf in Familienpflege gegeben war, aus irgendwelcher, noch so umfangreichen Arbeitsleistung überhaupt keinen Lohn zu beanspruchen habe, was natürlich" den Pfleg- ling in Verkennung einfachster Menschenrechte zum Arbeits- sklaven macht. Der Pflegling muß sich dann alles gefallen lasset wenn er nicht von dem„Pfleggpden",>vie es"ja hier auch geschehen ist, in die Irrenanstalt zurückgeschoben sein will. Leider hat das Landgericht sich auch nicht auf einen anderen recht- lichen Standpunkt gestellt. Die jetzt vorliegenden Entscheidungs- gründe führen u. a. folgendes aus: Der Pfleglingsvertrag niif dem Fuhrhcrri? Tönies sei von dem Direktor der Dalldorfer Irrenanstalt, Gehcimrat Sander, nicht in dessen Eigenschaft als Vertreter des Magistrats(??), sondern in der Eigenschaft als gerichtlich bestellter Pfleger des Donnerstag geschlossen worden. Bei Abschluß des Vertrages habe weder die Anstalts- direktion noch der Fuhrherr Tönies den Willen gehabt, dem Pflegling Donnerstag persönlich irgendwelche Ansprüche zu- zuwenden(I). In Ermangelung dieses Willens kann der Pflegling auch nicht für sich irgendwelche unmittelbaren Rechts herleiten. Auch ein stillschweigend mit der Uebertragung von Arbeit geschlossener Dienstvertrag liege nicht vor, weil der Fuhrherr den Pflegling nicht als einen Dienstverpflichteten, sondern eben als einen ihm von der Anstalt übergebenen Pflegling annehmen wollte(!). Soweit von einer ungerecht- fertigten Bereicherung des Fuhrherrn Tönies die Rede sein dürfe, könnte sie höchstens auf Kosten der Anstalt(??) erfolgt sein. Habe der Fuhrherr seine Vertragspflicht, der Anstalts- direktion eine mehr als 50 Pf. pro Tag werte Beschäftigung des Pfleglings anzuzeigen, verletzt, so könne nur die Anstalts- direktion Rechte hieraus herleiten, aber nicht der klägerische Pflegling. Dieses Urteil spricht Bände. Es muß in jedem Satz als Fehlurteil, wie es im Buche steht, empfunden werden. Die Rechte und Pflichten eines gerichtlich bestellten Pflegers sind gänzlich andere als diejenigen eines Jrrenanstaltsdirettors. Wenn also wirklich, wofür es an jedem Nachweise fehlt, Geheimrat Sander den Vertrag als gerichtlich bestellter Pfleger abgeschlossen hätte, so hätte er zunächst nicht das gewöhnliche Formular für Anstaltsverträge benutzen dürfen. Er hätte als Vertrauensmann des Gerichts auch die unbedingte Pflicht gehabt, dafür zu sorgen, daß sein Pflegebefohlener nicht zum Arbeitssklaven wird. Somit widerspricht sich das landgerichtliche Urteil in der bündigsten Form. Ist der Vertrag von einem gerichtlich bestellten Pfleger, also von Herrn Sander in der Eigenschaft eines Privatmannes abgc- schlössen, so kommen im Hinblick auf die Bewertung und Be- zahlung geleisteter Arbeit des Pfleglings irgendwelche An- st a l t s rechte doch überhaupt nicht in Betracht. Vielmehr scheidet dann die Anstalt für die Lohnfrage völlig aus. Es ist an der Hand dieser abwegigen Urteilsbegründung nur noch klarer geworden, datz die Pfleglingsverhältnisse und die Pflcglingsverträge bei den Berliner städttschen Irren- anstalten von Grund aus geändert werden müssen. Warnung vor Schlafstellenschwindleru. Als entlassener Artillerist tritt ein dreister Schlafstellen- schwindler auf, der schon zahlreiche Zimmervermieterinnen geschädigt hat. Der Gauner erklärt, er sei soeben vom Militär entlassen worden und habe nun in der Nachbarschaft Beschäftigung gefunden. Augenblicklich stehe er, wie dies ja auch bei seiner Lage kaum anders der Fall sein könne, so gut wie mittellos da und er könne nicht einmal seine auf den: Bahnhof lagernden Sachen einlösen. Der«schlustefsekt der ganzen Erzählungen besteht darin, dast der Schwindler um eine Summe bittet, die er bei der ersten Gehalts- zahlung sofort wieder zurückerstatten werde. Hat der Betrüger seinen Zweck erreicht, so geht er fort, um nimmer wiederzukommen. Der Gauner, der etwa 25 Jahre alt ist, nennt sich bald Werner, bald Kienker, bald Hnffchel, Auf einem Baugerüst durchgebrochen und abgestürzt ist auf dem Neubau Müllerstratze 82 der Arbeiter Paul Thun! aus Wittenau. Während Th. auf dem Gerüst arbeitete, brach plötzlich ein Brett unter seinen Mihen durch, und der Arbeiter stürzte aus der Höhe des zweiten Stockwerks ab. Er erlitt schwere innere und äußere Verletzungen und wurde nach dem Paul-Gerhardstift gebracht. Der Zustand des Verunglückten ist fast hoffnungslos. Der Arbeiter hatte kaum angefangen zu arbeiten, als er ver- unglückte. Explosion«einer Kiste mit Zündern. Auf t>em Spandauer Güterbahnhofe explodierte gestern nach» mittag ciuk Kiste mit Zündern, die für daS Feuerwerkslaboratorium bestimmt waren. Der Güterbodenarbciter Raschke wurde auf der Stelle getötet. Der angerichtete Sachschaden ist beträchtlich. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Die gestohlenen Perserteppiche. Ein unglaublich dreistes Diebesstück vollbrachte gestern ein Un- bekannter in der Potsdamer Straße. Ein Wagen der Firma Stähr u. Co., Grtfchiner Straße 80, der mit einer Ladung Perserteppiche versehen war, hatte vor einem Grundstück kurze Zeit unbeauf- sichtigt gehalten. In diesem Moment trat ein fremder Mann an das Gefährt heran, riß ein langes Rollenpaket, das mehrere perfische Tcppiche im Werte von über tausend Mark enthielt, vom Wagen herunter und machte sich mit seiner wertvollen Beut« aus dem Staube. Der freche Med entkam auch ungehindert. Obwohl der Diebstahl kurz darauf bemerkt und die Verfolgung des Täters aufgenommen wurde, war dieser nicht mehr zu fassen. Möbeltischlereien in Flammen. Wegen eines gefährlichen Brandes wurde die Jeuerwehr gestern früh gegen 2 Uhr nach der Friedrichsberger Straße 11 im Nordosten Berlins ge- rufen. AlS der erste Löschzug eintraf, standen im zweiten und dritten Stock des Fabrikgebäudes Möbeltischlereien in Flammen. Das Feuer hatte Möbel, Hölzer, Werkzeuge, Fußböden und Schal- decken erfaßt und drohte auch einen größeren Umfang anzunehmen. Trotz kräftigen Wassergebens dauerte es aber doch über eine Stunde, ehe der Brand gelöscht war. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich dann noch bis 5 Uhr morgens hin. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt. Die betroffenen Tischlereibctriebe erleiden großen Schaden. Zu Tode gekommen. Freitagabend verunglückte in der Schering- straße 8 ein Mädchen von 10 Jahren, da? bei dem Portier Marls zu Besuch war, als eS am Abend das Gas anzündete. Durch un- vorfichtigeS Umgehen mit dem Anzünder erlitt das Mädchen schwere Brandwunden. Es wurde nach dem Lazaruskrankenhause gebracht und ist hier um i Uhr nachts seinen Leiden erlegen. Oeffeutliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benutzung für jedermann,£30, Adalbertstraße 41. In der Zeit vom 22. Juni bis L Juli inkl. werden in der Ausleihbibliothek keine Bücher ver- liehen. Die in den Händen der Leser befindlichen Bücher müssen zum Zweck der Jnventuraufnahme bis zum 24. d. MtS. zurück- gegeben werden. Der Lesesaal, in dem 613 Zeitungen und Zeit- schriften aller Parteien und � Richtungen ausliegen, ist nach wie vor abends von ö'/, bis 10 Uhr geöffnet. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben wie am 28. Mai d. I. an der Viltoriabrücke, Ecke Schöneberger User, bei Entfernung des Gerüstes eine Frau von der Leiter getroffen wurde und blutend nach der Unfallstation in der Eichhornstraße geführt werden mußte, namentlich die Dame, welche die Verletzte nach der Unfallstation begleitete, werden gebeten, ihre Adresse an Kägler, Äurfürstenstr. 7, gelangen zu lasten. Auf dem Spielplatz im Hnmboldthaiu find verschiedene Gegen- stände gefunden worden, die Mittwochs oder Sonnabends, abends zwischen 6 und 8 Uhr, abgeholt werden können beim Spielleiter Willy Klimpe!, N, Templiner Straße 16 n. Turnverein Fichte, Berlin. Heute, Sonntag, den 22. Juni 1913, nachmittags 3 Uhr großes Spielst si aus dem städtischen Spielplatz im Treptower Park. Stafettenläufe, Wettspiele, Massen- aufführungen von sämtlichen Männer«, Frauen« und Lehrlings- ableilungen. Zahlreicher Besuch seitens der Arbeiterschaft wird erwartet._ Vorort-]Nachncbtm Lichtenberg. Polizeischikanen und kein Ende. Mit den Veranstaltungen von Gartenvergnügen des hiesigen Wahlvereins wächst auch die Nervosität unserer Polizei. Die Mai- feier bracht« bereits die gewaltsame Entfernung der am Eingang eines Lokals angebrachten Fahnen durch Polizcibeamte. Auch zu dem heute, Sonntag, in den Lokalen Diez' Sceterrasse, Röder- straße, und Cafe Bellevue, Hauptstraße, stattfindenden Sommerfest arbeitet die Polizei äußerst gewissenhaft. Unter Leitung des Vor- fitzenden, Oberbürgermeister Ziethen, findet heute ein Patrioten- rummel, pcrrdon, eine Jahrhundertfeier aller bürgerlichen Vereine sowie Jugendvereinigungen statt. Ein Festzug mit Fahnen und Militärkapellen bewegt sich durch die Straßen Lichtenberg?. Wochen- lang ist bereits die Reklametrommel hierzu geschlagen worden. War es dem Wahlverein verboten, Plakate in den Schaufenstern von Geschäftslokalen auszuhängen und bedurfte es stets des gemein« samen VorsprechenS von mehr denn 300 Inhabern auf dem Polizei- Präsidium um die Erlaubnis zum Aushang derselben zu erhalten, so sah man jetzt überall Plakate mit schwarz-weiß-rotem Rand in den Schaufenstern prangen. Auf dem Präsidium wurde einem Genosten gesagt, daß der Aushang der Plakate zu unserem Sommer- fest nur gestattet wird, wenn jeder Ladcninhaber einen dahin- gehenden Antrag beim zuständigen Polizeirevier stellt. Dies ist geschehen. Bald danach sah man denn Schutzleute von Geschäft zu Geschäft eilen, um zu bescheiden:«Bis zum 22. Juni darf ausgehängt werden." Den Lokalinhabern Diez und Tempel wurde bedeutet, daß nur Gartendekoration im Innern gestattet sei. Außen- dekoration, rote Fahnen, Embleme, Transparente usw. jedoch be- schlagnahmt würden. Im Gegensatz zu diesem polizeilichen Ver- bot werden im Lichtenberger Tageblättchcn Hausbesitzer in den- jetrigen Straßen, in denen der Festzug der Patrioten vorüberzieht. aufgefordert, zu dekorieren. Daß aus diesem Grunde von unseren Genossen all« Maßnahmen ergriffen werden, den Schikanen zu begegnen, versteht sich von selbst; es ist aber auch dringend nötig, daß die Arbeiterschaft den polizeilichen Zwaugsmaßregclil einen Massenbesuch unseres Festes entgegensetzt. Neuköll«. Eine Waste Familienfzene hat sich in der gestrigen Nacht in dem Hause Reuterstraße 80 ab- gespielt. Dort wurde der 47iShrige Stubenmaler Friedrich Cilinsti von feinen Stiefsöhnen überfallen, mißbandelt und schließlich in lebensgefährlicher Weise mit kochendem Wasser verbrüht. Es wird darüber folgendes gemeldet: Cilinsli, der vor etwa zehn Jahren eine Witwe mit drei Kindern heiratete, galt in dem ganzen Hause als ein unsreund- licher Mensch, der mit seiner Frau in ewigem Unfrieden lebte. Seinen Wochenlohn pflegte er meist zu vertrinken, so daß die Frau für den Lebensunterhalt der Familie sorgen mußte. In der Trunkenheit mißhandelte Cilinski seine Frau häufig so schwer, daß sie zu den Nachbarn flüchtete. Aus diesem Grunde trennte Frau C. sich vor einiger Zeit von ihrem Mann, nahm ihn aber schließlich doch wieder auf, da derselbe Besserung versprach. Kaum hatte C. sich mit feiner Frau wieder ausgesöhnt, als er auch seine früheren Gewohnheiten wieder aufnahm. Da er die Bedauernswerte auch nach wie vor � mißhandelte, rief sie schließlich ihre beiden erwachsenen Söhne zur Hilfe. Als der Maler gestern nacht wieder angetrunken nach Hause kam, und die Frau schlagen wollte, warfen sich die Söhne auf den Trunkenbold und schlugen so lange auf ihn los, bis er bewußtlos zu Boden sank. Schließlich ergriff einer der jungen Burschen einen Kessel mit kochendem Wasser und goß den Inhalt über den Trunkenen aus, der an beiden Beinen entsetzliche Brandwunden erlitt. Die Sühne setzten den Maler dann vor die Tür, wo Nackbarn auf das Stöhnen des «chwerverletzten hinzukamen und den Mann auf die Unfallstation brachten. Der Verletzte wurde alsdann in das Kreiskrankenhaus Buckow gebracht. Ein Wüstsing wurde gestern von der Neuköllner Kriminalpolizei in der Person des 25 Jahre alten Bäckers Arnold Zischner aus der Witzmanw straße festgenommen. Zischner hatte mit seinem Freunde nach- mittags dessen Laube in der Köllnischen Allee aufgesucht. Als dieser sich zur Ruhe legte, verging er sich an dessen sechsjährigem Töchter chen, so daß es in ärztliche Behandlung gegeben werden mußte. Da die Kleine den Vorfall bald tmrauf den Eltern erzählte, konnte der Unhold auch sofort ergriffen und abgeführt werden. Eharlottenburg. Neber das Thema: Sozialdemokratie und Privatangestelltc sprach in der Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Ohlhof. Redner wies nach, daß das immer größer werdende Heer der Privatangestellten sich bisher hauptsächlich aus dem Nachwuchs des nicht mehr selbständigen Bürgertums rekrutiere. Aber auch diese Schicht erhalte vroletarischen Zustrom, der schon proletarische Empfindungen und oamit Verständnis für unsere Bestrebungen hineinbringe. Wichtig sei es, dieselben zu Mitkämpfern zu machen. Wir dürften keine Förderung unserer Ideen erwarten von dem neugegründeten Bankbeamtenverein, der nur ein Anhängsel der Demokraten sei. Wollten wir diese Leute aber gewinnen, so müßten wir unter den besonderen Verhältnissen auch etwas Be- sonderes tun. Er verlange eine besondere Propagandakommission, die Flugschriften und Broschüren herausgebe, die den Verhältnissen der Privatangestellten angepaßt seien. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Redners. Dann gab Genosse Schäfer die Berichte von der Kreis- und Verbandsgeneralversammlung. Er wies besonders auf die bedauerlichen Zeichen der Mitglieder- und Abonnentenabnahme der Parteipresse hin und forderte die Genossen auf. bei der Agitation ihre ganze Kraft einzusetzen, damit die Scharte wieder ausgewetzt werde. In der Diskussion wurde das letzte Flugblatt begrüßt, das vorteilhaft gegen die sonstigen ab- steche. Bemängelt wurde aber das Fehlen eines Kupons oder einer Karte zum Bestellen des„Vorwärts" und für die Beitritts- erklärung zum Wahlveretn. SLieffenHofer legte den Genossen ans Herz, daß jeder auch nur einen Bekannten, der noch nicht zu uns gehört, immer und immer bearbeite, bis er von dem Wert unserer Bestrebungen überzeugt zu uns kommt. Die Agitation von Mund zu Mund, die früher die bekannten großen Erfolge gebracht habe, sei heute gänzlich eingeschlafen.— Nach Erledigung einiger Ver- einsangelegenheften wurde die Versammlung geschlossen. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern vormittag gegen 11 Uhr in der Eosanderstraße. Dort lief ein etwa 5. bis Kjähriger Knabe kurz vor ejnem heran- nahenden GeschästSanto der Firma MichelS u. Cie. über den Damm und wurde, da der Chauffeur daS Gefährt auf der abschüssigen Straße nicht sofort zum Stehen bringen konnte, überfahren. Das Kind wurde in bewußtlosem Zustande nach der Unfallstation in der Berliner Straße gebracht, wo der Arzt einen schweren Schädel- bruch feststellte und den Kleinen nach dem Krankenhause Westend schaffen ließ. Ober-Schöneweide. Die hiesige OrtSkrankenkaffe ist auf ihren Antrag Betreffend Zulassung als allgemeine Ortskrankenkasse in ablehnendem Sinne beschieden worden mit der weiteren Matzgabe, daß auch die Zulassung als besondere Kasse nicht stattfinden könne. Begründet wird diese Entscheidung damit, daß durch das Fortbestehen der Kasse mit ihren hohen Leistungen und dem guten Vermögensstand die LeistungS- fähigkeit der zu bildenden Kasse für den Kreis Niederbarnim ge- fährdet sei. ES ist dies eine recht sonderbare Begründung, um so mehr als anderen Kassen im Kreise der Bescheid wurde, daß sie umgekehrt gerade durch ihre niederen Leistungen und den schwachen Vermögens- stand die Gefährdung veranlassen würden. Wie verlautet, wird die Kasse gegen diese Entscheidung Be- schwerde beim Handelsminister einlegen; wird dieser nicht stattgegeben, wäre die Kasse mit Jahresende zu schließen. Ueber das Schicksal der Kreislasse ist bis dato noch nicht end« ültig entschieden; so viel darf indessen vorausgesagt werden, daß ie Leistungen zum Schaden der Versicherten wesentlich geringere sein werden, als bei den leistungsfähigen Kasten im Kreise. Die gesamte Wasterlieferung für den Ort erfolgt seit dem 19. Juni durch die Stadt Lichtenberg; von diesem Zeitpunkte ab ist das Gemeindewafferwerk im OrtSteil Ostend stillgelegt. Mit den Arbeiten für die neue Kanalisation wird alsbald begonnen, so daß ab April nächsten Jahres der neue Betrieb einsetzen soll; die Aus- führung erfolgt so, daß das alte Verfahren bis dahin weitergeführt werden kann» Weihensee. „Weihensee-Greifswalder Straße". Die von der Eisenbahndirektion beantragte Umbcnennung des Bahnhofes.Weißensee" der Ringbahn in«Greifswalder Straße" macht den Haus- und Grundbesitzern diel Kopfzerbrechen. Mit dieser Angelegenheit hatte sich auch die letzte Gcmeindevertretcr- fitzung zu beschäftigen. Der Name Weißensce dürfe, so betonten die bürgerlichen Herren, aus dem Kursbuche nicht entfernt werden, allenfalls wolle man noch einer Namensänderung in„Weißensee- Greifswalder Straße" zustimmen; ein solches Gesuch ergeht nun- mehr auch an die Eisenbahndirektion. Eine rege Debatte rief die Bewilligung von Mitteln für die Feuerwehr hervor. Diese forderte 1300 M. für 600 Meter Schläuche und 20 Normalverkuppelungen. Der Herr Brandinspektor in eigener Person begründete die Vor- lag«. Bei dieser Gelegenheit wurden die Vorgänge beim letzten Dachstuhlbrande in der Albertincnst�iße einer Kritik unterzogen und dabei im allgemeinen die Schlagfertigkeit der jetzigen Wehr sehr in Frage gestellt. Während des ganzen Brandes sei die sachgemäß« Leitung vermißt worden. Schösse Louis forderte die Errichtung einer ständigen Feuerwache, ihm schloß sich Genoff« Taubmann an, der diese Forderung schon vor 12 Jahren gestellt hatte; auch sei die ganze innere Einrichtuno der Wehr zu reformieren. In letzter Zeit hätten sich die persönlicyen Zwistigkciten gerade in den führenden Stellen so zugespitzt, daß an dem Weiterbestehen der Wehr gezwei- felt werden müsse. DaS häufige Wechseln der Mannschaften, die sich zum größten Teile aus Gemeinidearbeitern rekrutieren, habe seinen Grund darin, daß die Gemeindearbciter in ihrem Arbeits- Verhältnis und der Bezahlung nicht sicher genug gestellt seien; durch ihren Austritt aus dem Gcmeindcdienst vollzöge sich auch der Aus- tritt aus der Wehr. Die Schulung der Mannschaften leide dar- unter. Schösse Mewes fang nach alter Weise ein Loblied auf die Arbeitsverhältnisse unserer Gemeindearbeiter, die nach seiner Mei- nung viel besser bezahlt würden als in anderen Orten. Genosse Taubmann erwiderte ihm. daß, solange die Gemeinde noch Stunden- iöhne von 35, 38 und 40 Pf. zahle, kein Anlaß bestehe, die Ar- beitsvcrhältnisse als vorbildlich zu bezeichnen. Als sich noch Ge- nosse Schlemminger zum Wort meldete, geriet der Vorsitzende, Bei- geordneter Dr. Klamroth, wieder in nervöse Stimmung; der Herr meinte unserem Genossen das Wort nur erstatten zu wollen, w.mn er über Arbeitersachen nicht mehr rede, da letztere nach seiner Mei- nung mit der Feuerwehrangelegenheit nichts zu tun hätten. In der geheimen Sitzung wurden noch weitere Einzelheiten über die Feuerwehr bekanntgegeben, durch die die Notwendigkeit, mit dem jetzigen System endlich auszuräumen, nur noch mehr illustriert wurde. Für das vom Verein Berliner Säuglingskrankenhaus hier errichtete Säuglingsheim übernahm die Gemeindevertretung die Bürgschaft für die erste Hypothek, da die Gemeinde selbst zu einem Drittel Mitinhaber des Gebäudes ist. Für die Verbesserung de: Feldscheunen auf dem Rieselgute Birkholz wurde eine Summe von 4000 M. bewilligt. Hohen- Schönhause». Eine Unwahrheit leistet sich wieder mal das hiesige Lokalblatt In der Nr. 49 desselben wird behauptet, daß die Kinder des sozial- demokratischen Gemeindevertreters R. am 16. Juni an den Jubi- läumsfestlichkeiten teilgenommen hätten. Damit kann nur der Ge- nosse Reyhcr gemeint sein. Festgestellt sei hiermit, daß die Be- hauptung des Blattes den Tatsachen nicht entspricht. Lübars-Watdmannslust. Aus der Gemeindevertretung. Nach einem ftüher gefaßten Beschlutz sollte der Staatsbeitrag zu der Amtszulage des ersten Lehrers an der Schule zu Waidmannslust eingeklagt werden, weil die Regierung die Zahlung des Beitrages schon jahrelang verwei- gert. Der Gemeindevorsteher teilte hierzu mit, daß er die Klage noch nicht eingeleitet habe, sondern wegen der Zahlung nochmals bei der Regierung vorstellig geworden sei; dort sei ihm erklärt worden, daß der Minister an der Entscheidung der Frage:„ob die Regierung verpflichtet sei, einen Staatsbeitray zur Amts�lage des ersten Lehrers zu zahlen, obwohl die Stelle nicht mehr bestehc", ein Interesse habe.(Richtig ist, daß der betreffende Lehrer die erst? Stelle nicht mehr inne hat, aber er amtiert weiter als Lehrer an dieser Schule.) Da die Rechtslage nach den Mitteilungen des Ge- meindevorstehers für die Gemeinde ungünstig sein soll, hielt die Gemeindevertretung die Herbeiführung einer gerichtlichen Entschci- düng auf Gcmeindekosten nicht für dienlich, sie hob den Beschluß der Klageerhebung auf und erklärte die Sache für erledigt.— Ganz besonderes Interesse erweckte ein abzuschließender Pachtvertrag zwischen der Gemeinde und der Eisenbahnverwaltung zwecks Pach- tung eines zirka 7 Meter breiten Geländestrcifens zwischen dem Bahnhos Waidmannslust und der Parallclstraßc, Es ist bisher der Ortspolizeibehörde trotz des bestehenden auf Grund des Gesetzes gegen die Verunstaltungen von Ortschaften am 31. Mai 1910 er- lassenen Ortsstatuts nicht gelungen, die Eisenbahnverwaltung zu veranlassen, diesen Streifen, der als Vorgarten zu betrachten ist und der das Ortsbild in seinem jetzigen Zustande erheblich beein- trächtigt, durch gärtnerische Anpflanzungen gemäß den diesbezüglichen Bestimmungen zu versehen. Auch die Privatunterhandlungen des Gc- meindevorstehers mit der Eisenbahnverwaltung haben kein anderes Resultat gezeitigt als den vorliegenden Vertrag, der eine Pachtdaucr von 5 Jahren und eine jährlich zu zahlende Pachtsumme von 40 M. vorschreibt, sowie der Gemeinde gestattet, den Geländestreifen anzu- pflanzen und zu pflegen. Trotzdem wurde dieser Vertrag mit 6 gegen b Stimmen angenommen. Unsere Genossen stimmten da- gegen, da ihre Anregungen und Anträge,„die Parallelstratze dem Verkehr entsprechend zu verbreitern und hierzu den in Frage kom- menden Geländestreifen zum großen Teil anzukaufen" stets abge- lehnt wurden. Die hierfür ins Feld geführten Gründe sind in einem Vertrage zu suchen, den die Gemeinde im Jahre 1906 mit dem Fiskus geschlossen hat. AuS demselben geht hervor, daß die Parallelstratze als Kompensation für die willkürliche Sperrung der Nimrodstraße durch den Bahnkörper der Gemeinde so verklausuliert übereignet wurde, daß das Eigentumsrecht der Gemeinde über die Parallelstraße völlig in der Luft schwebt. AuS diesem Grunde glaubt man den erforderlichen Ausbau dieser Straße nicht vornehmen zu können, ohne dabei mit der Eisenbahnverwaltung in Konflikt zu ge- raten. Es ist fast unglaublich, daß zwei Behörden, die dazu berufen sind, dem Verkehr Rechnung zu tragen, sich gegenseitig solche Schwierigkeiten machen können. Nowawe<. Das Gcwerbcgericht hatte sich im abgelaufenen zweiten Geschäfts- jähre, das die Zeit vom 1. April 1912 bis 81. März 1913 umfaßt, mit insgesamt 143 Streitfällen zu beschäftigen. Zuständig war es jedoch nur in 118 Fällen, von denen erledigt wurden: ohne Ver- Handlung durch Belehrung oder Rücksprach« 42 Fäll«, durch Vergleich 37 Fälle, durch Klagezurücknahme 16 Fälle, durch Nichterscheinen der Parteien 2 Fälle, durch Versäumnisurteil 9 Fälle und durch End- urteil 12 Fälle(in 7 Fällen wurde der Beklagte, in 2 Fällen'er Kläger und in 3 Fällen der Beklagte teilweise verurteilt), lr er Wert des Streitgegenstandes betrug bis 20 M. in 34 Fällen, mehr als 20 bis 60 M. in 22 Fällen, mehr als 50 bis 100 M. in 16 Fällen und mehr als 100 M. in 4 Fällen. Der höchste Wert des Streit- gegenständes betrug 269,60 M., der niedrigste 1,50 M. Von den Klagen wurden erledigt in weniger als einer Woche 55, in 1 bis 2 Wochen 19, in 2 bis 4 Wochen und über 4 Wochen je eine. 15 Streitsachen wurden an JnnungSschiedSgerichte, 4 an andere Gewerbegerickte und 2 an ordentliche Gerichte verwiesen, während 4 Gefindestreitsachen. die besonderem Verfahren unterstehen, ab- gewiesen werden mußten. AI» Einigungsamt wurde daS Gewerbe- gericht nicht angerufen, auch hat es weder Gutachten abgegeben noch Anträge gestellt. In der Zusammensetzung deS GewerbegerichtS find in der Berichtszeit Aenderungen nicht eingetreten. Am 3. Februar d. I. wurden daS VerhandlungSzimmer und die Gewerbegerickis- schreiberei nach dem der Gemeinde gehörigen Hause Lindenstr. 56. parterre ImkS, verlegt, wo bedeutend größere Räume zur Verfügung stehen._ Jugendveraustaltunge». Lichtenberg. Heut« ist daS Jugendheim geschlossen Von morgen, Montag, den 23. Juni, an finden jeden Montag w'd Mittwoch gemeinsame Spiele aus dem Spielplatz der Konfumgenossenschast, Rittergutstratze. statt," Der Karte llturnplatz an der TreSkowallee beim Sl-ktrizttSiSwerk steht den Jugendlichen ieden Tag zur Verfügung, Zur Benutzung der Badeanstalt Rummelsburo. Hauptstraft-, find diMgc Badekarten im Heim zu haben, v i,-r i Sonntag, den 29. Juni: Tagesdartie nach Tegel-HeUIg-nI««— v-rmS- „„tt. Trefipunkl morgens 7 Uhr: Jugendheim. Absahrt vom Schlesifch-n Bahnhof tMadaistrabe). Lim« 3,. Fahrgeld 40 Pf. Diejenige»,»-'che nicht an der Partie teilnehmen, treffen sich aus dem Turnplatz,. Schoneberg. Heute Sonntag, den 22, Juni: Ausilug"«*'"f Grunewald und Besichtigung des Botanischen Garten» in Dadle«. Treff. Punkt vorm. 10 Uhr: Kaifel.Wilhclin.PIatz. Nachzügler'1*2 Uhr POtStm. am Eingang de» Botanischen Gatten», Elchenallee. Versammlungen. Generalversammlung der Holzarbeiter. In der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung wurde zuerst die Wahl von zwei in Stichwahl stehenden unbesoldete» Bei. sitzern zum Hauptvorstand vorgenommen. Die Wahl ftel auf Winkler und Liebermann. Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung: die Ein. führung einer niedrigeren Beitragsklasse. In ver Generalversammlung vom 19. Mai lagen mehrere An.- träge vor, die eine Staffelung der Lokalbciträge wünschten. Ei» anderer Antrag verlangte die Herabsetzung des Ge,amtbcitrage» auf 1 M unter gleichzeitiger Herabsetzung der Arbeitslosenunter- stützung. Durch den Beschluß der Generalversammlung, de» Bei« trag auf 1.25 M. zu belassen, jedoch die Frage einer Urabstimmung zu untettverscn, mußten alle anderen, die Beitragshölje detreffenden Anträge als erledigt detrachtet werdein Nach der Uradstim- mung traten einige Branchen erneut an die Verwaltung heran mit dem Antrage, neben dem ordentlichen Beitrag von 1,25 M. noch eine zweite, niedrigere Beitragsklasse einzuführen, bei der dann auch die Unterstützungen entsprechend niedriger bemessen werden könnten. Die Lrtsverwaltung hat sich infolgedessen mit der Frag« beschäftigt und ist nach eingehenden Beratungen zu dem Beschluß gekommen, der Generalversammlung den folgenden Antrag zu unterbreiten: Die Generalversammlung wolle beschließen: Der Beitrag für die Mitglieder der Berliner Zahlstelle des Deutschen Holzarbciterverbandes beträgt pro Woche 1,25 M. Die Unterstützungssätze aus �er Lokalkasse für alle Unterstützungs- zweige des Verbandes werden in der bisherigen Höhe gezahlt. Für Mitglieder mit besonders niedrigem Verdienst kann der Beitrag aus 1 M. pro Woche nach vorhergehender Prüfung durch die Orlsverwaltung festgesetzt werden. Auch kann die Orlsverwaltung für Branchen, bei denen aus agitatorischen Gründen eine Herabsetzung des ordentlichen Bei- träges notwendig erscheint, den Beitrag auf 1 M. pro Woche für ein« begrenzte Zeit festsetzen. Die Unterstützungssätze auL der Lakalkaffe bei Arbeitslosig- keit oder Krankheit werden für die Mitglieder, die pro Woche 1 M. zahlen, entsprechend gekürzt. Hat ein Mitglied durch Zahlung deS höheren Beitrages von 1,25 M. bereits Anrechte an die höheren Unterstützungssätze er- warben, so treten nach dem Uebertritt in die niedrigere Beitrag». klaffe mit einem Wochenbeitrag von 1 M. die niedrigeren Unter- stützungssätze erst nach einer Illwöchigcn Beitragsleistung in der niedrigeren Beitragsflasse in Kraft. Beim Uebertritt aus der niedrigeren in die höhere Beitrags- klaffe werden bei bereits bestehender Bezugsberechtiguna des Mit. gliedeS die höheren Unterstützungssätze nach einer 26wöchigen Aarenzzeit gezahlt. Glocke erläuterte die Borlage unter besonderer Berücksichti- gung ihrer agitatorischen und technischen Wirkung. Es sei nur ein Notbehelf, zu dem die Verwaltung gedrängt würde, da die Ver- waltung für den Einheitsbeitrag sei, bei dem daZ solidarische Empfinden stärker zum Ausdruck komme. An diesen Antrag knüpfte sich ein« längere Debatte, in der zum Teil dafür, zum Teil auch dagegen gesprochen wurde. Die Befür- worter des Antrages traten besonders auS agitatorischen Gründen für einen Staffelbeitrag ein. Ein niedrigerer Beitrag, als der zurzeit in der Höhe von 1,25 M. bestehende Wochenbeitrag, sei be- sonders für di« Mitglieder jener Branchen nötig, in denen noch sehr schlechte Löhne gezahlt werden. Die Gegenseite sprach sich ebenso entschieden gegen den An- trag aus. Man möge sich hüten, auf diesem Wege den ersten Schritt zu tun und das Einheitsprinzip zu durchbrechen. Die Folgen könnten nicht erfreulicher Natur sein. Tie Versammlung nahm zuletzt den Antrag mit einigen un- wesentlichen Aenderungen einstimmig an. Der Absatz: Für Mit- alieder usw. lautet jetzt:... mit einem Verdienst bis 27 M. kann... usw. Ferner: Ausnahmefälle werden von der Ver- waltung berücksichtigt. Der Absatz: Auch kann die OrtSdcrwaltung... usw. wurde gestrichen. Die beantragten Unterstützungssätze für die I-M.-Beitragsklasse wurden ebenfalls einstimmig angenommen. Neber die Schaden des Submissionswesens sprach in einer öffentlichen und gutbesnchten Versammlung der Korbmacher Relchstagsab�eordneter Genosse L e n s ch. In der Diskussion wurden die Wünsche der Korbmacher zur Sprache gebracht. All die Mißstände, die bei dem Vergeben der Geschoß- körbe immer noch vorhanden find, wie Berücksichtigung der Innung, Berücksichtigung solcher Existenzen, die nicht imstande sind, die Bei- träge für die Krankenkasse zu zahlen, u. dgl. ES wurde auch ge- klagt, daß die maßgebenden Behörden sich nicht darum kümmern, wie die Werkstätten aussehen, in denen die Arbeiten hergestellt werden. Die Versammlung war der Meinung, daß nur in sanitär und hygienisch einwandfreien Werkstätten solche Arbeiten angefertigt werden dürften. Der Referent richtete an die Korbmacher da» Er- suchen, alles vorhandene Beschwerdematrial der sozialdemokrati- schen� Fraktion zur Verfügung zu stellen, damit auch die Schäden des Submissionswcsens im Korbmacherberufc den bürgerlichen Ver- tretern sowie der Negicrung vor Augen geführt werden können. Eine Resolution, die die Wünsche der Korbmacher«nthält und sich mit dem Redner sowie den sozialdemokratischen Mitgliedern der Submissionskommission einverstanden erklärt, wurde einstimmig an* genommen. Hus aller(ftelt. Die ftaategefäbrUchc Rindcrfchau. 'In Lauen st ein bei Pirna lieferten die in diesem stufte- ren Winkel zahlreichen bürgerlichen Sozialistenfreffer ein tolles Stückchen, über das man herzlich lachen möchte, das aber auch einen so tiefen politischen Stand dieser Kreise dokumentiert, daß man nicht zu rechter Freude kommt. Das Direktorium des Landwirtschaftlichen KreisvereinS Dresden veranstaltete eine Rin- dcrschau und bestimmte als geeignetes Grundstück dazu das Schützenhaus in Lauenstein. Inserate und Plakate tvaren schon veröffentlicht und der Wirt des Schützenhauses hatte alle.rfordcr- lichen Borbereitungen getroffen. Da kam plötzlich eine Zuschrift, die dem Erstaunten Wirt ankündigte, daß die Rinderschau nicht auf seinem Grund st ück stattfinden könne, weil er in seinem Lokale sozialdemokratische Versammlungen geduldet habe. Als Schadenersatz- anspräche geltend gemacht wurden, antwortete man, es solle eine gerichtliche Entscheidung herbeigeführt werden. Die Herren scheinen demach kein Gefühl für das Lächerliche ihrer Situation zu haben. Ein weiterer Kommentar scheint über- flüssig. Zur Bremer Schreckenstat. Von den bei der Bluttat in der katholischen Marien- schule in Bremen schwer verletzten Kindern sind in- zwischen vier ihren Verletzungen erlegen. Das Befinden des Lehrers Möllmann gibt immer noch zu schweren Besorgnissen Anlaß, er dürfte kaum mit dem Leben davon kommen. Ebenso ist das Befinden der übrigen schwer verletzten Kinder s e h r e r n st. Nach Mitteilung der Kriminalpolizei hat der Wahnsinnige im ganzen 35 mal in die Kinder schar hineingeschossen. Ueber die ärztliche Untersuchung im Jrrcnhause ist bis jetzt noch nichts bekannt. Ein Opfer der Lynchjustiz. Richter Lvnch hat wieder einmal ein Opfer gefordert. In H o t s p r i n g S war ein Steger, der ein achtjähriges weißes Mädchen vergewaltigt und ermordert hatte, ins Gefängnis gebracht worden. Die Einwohner drangen unter Führung eines Bruders des ermordeten Kindes in das Gefängnis und führten ihn, da der Sheriff und seine Gehilfen gegen die Ueberzahl ohnmächtig waren, auf den Marktplatz. Hier wurde er erst in Teer getaucht und in Federn geivälzt, dann band man ihn an eine Telegraphen- fiange und benützte ihn über zwei Stunden lang als Zielscheibe für ein Wettschießen aus Revolvern. Die Lynchrichter entfernten sich dann ruhig, ohne daß die Behörden auch nur gewagt hätten, gegen sie einzuschreiten. Die Hölle von Sing-Sing. Aufsehende Enthüllungen über die Zustände im amerikanischen Gefängnis von Sing-Sing sind gestern vor dem obersten Ge- richtshofe gemacht worden. Es wurde festgestellt, daß die Zellen für die Gefangenen nur eine Länge von 7 Fuß, eine Breite von 3 Fuß 4 Zoll und eine Höhe von 6 Fuß 6 Zoll besitzen. In diesen Zellen finden sich Möbel überhaupt nicht vor, nur nachiS wird von den Wärtern ein S t r o h s a ck, der von Unrat strotzt, dem Gefangenen in die Zelle hineingeworfen. Die Gefangenen leiden Hunger, da sie nur alle 24 Stunden 350 Gramm Brot und einen Becher Wasser erhalten, während Fleisch niemals verabfolgt wird. Der oberste Gerichtshof hat beschlossen, das Ge- fängniS niederreißen zu lassen, da eS in seiner jetzigen Ge- stall ein Schandfleck für das auf sonst so hoher Stufe be- sindliche GefängniSwesen der Vereinigten Staaten darstellt. Ter Braten des Landarbeiters. Vor der ersten Strafkammer des Breslauer Landgerichts spielte sich dieser Tage ein Vorgang ab, der ein recht bezeichnendes Licht auf die Ernahrungsverhältnifie der Landarbeiter wirst. An- geklagt war ein Tagelöbner aus der Umgebung Breslaus. Ihm wurde zur Last gelegt, daL krepierte Pferd eines Besitzers, das schon einen halben Tag herumgelegen hatte, für etwa 17 M. gekauft, abgehäutet und das Pfund für 20 Pf. ausgeschtachlet zu haben. Der delikate Braten fand reißen- den Absatz im Dorfe. Wie einer der Zeugen bekundete, hatte ihm das Fleisch.mit Pfeffer gebraten", großartig ge- schmeckt. Er hatte sich gleich zehn Pfund gesichert, denn.auf dem Lande ist man froh, wenn man so etwas kriegt".— Ein Kreistierarzt bekundete, daß er das Fleisch untersucht und einwand- frei befunden habe. Medizinalrat Dr. Martini als Sachverständiger betonte, daß im allgemeinen das Fleisch verendeter Tiere als b e- denklich anzusehen sei. Ob es in diesem besonderen Falle gesundheitsschädlich war, konnte er nicht sagen. Der Staatsanwalt beantragte zwei Wochen Gefängnis für den Angeklagten. Das Gericht sprach ihn jedoch frei, weil ihm daS Bewußtsein der Strafbarkeit gefehlt habe, Kleine Notizen. Folgenschwerer Betriebsunfall. In der Emaillier-Abieilung der Schwelmer Eisenwerke sollte bei einem Bottich die Dichtig- keit deS Deckels durch Anwendung von 0,2 Atm. Druck geprüft werden. Dabei flog aus noch nicht aufgeklärter Ursache der Deckel ab. Dem 27 jährigen Schlosser Strüng wurde die S ch ä d e l d e ck e abgerissen? er war sofort tot.-Ein zweiter Arbeiter kam mit leichteren Verletzungen davon. Zwei Arbeiter getötet. Bei den Bauarbeiten am neuen Kanal- Hafen in Wanne ereignete sich ein schwere» Unglück. Durch eine umkippende Lokomotive wurden zwei Arbeiter zu Tode ge- quetscht. Attentate der Frauenrechtlerinnen. Der östliche Flügel deS Labo- ratoriums der Universität St. Andrews sSchottland) ist durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Nach sicheren Anzeichen ist der Brand das Werk von Anhängerinnen des Frauenstimmrechts.— In der St. Johanniskirche in Southrnd on Sea fand man «inen Haufen Streichhölzer auf dem 30 Patronen lagen. Ein Streichholz war angezündet aber anscheinend durch den Windzug auSgelöschl worden. Am Tatort wurden Druckschriften für das Frauenslimmrecht aufgefunden. Keine Eisenbahntataftrophe. Die Meldung au» Saloniki, daß bei Jenilöj zwischen Drama und Tanti zwei bulgarische Militär- züge zusammengestoßen seien und daß 5 Offiziere sowie 40 Soldaten den Tod gefunden hätten, ist, wie die Agence Bulgare feststellt, vollkommen falsch._ fraucn-Lefeabende. (Soweit nichts anderes angegeben am Montag.) 2. Kreis. Wiemers, Bülowstr. 68. Vortrag des Genoffen Dr. Ha- naucr:.Naturwissenschaft im Haushalt". Satz, Hornstr. 2: Vortrag der Kenoffin Kaschewsti. Fröhlich, BIllchcrstr. 46, Ecke Fontanepromenade: Vortrag der cgeuossin Baader. Lörisch, Markgrasenstr. 88: Genossin Wurm: »Das Konimunistische MaMsest". Forlsetzung. 3. Kreis. Fn der l., 2. 5. Abt., Rltterftr. 123 bei Stramm, spricht Genosse Mann über Erzichungssragen. Die 3., 4., 6., 7. Abt. ist bei Henntg, Sllexandrinenstr. 44. In der 8., 3., 10. Abt.. Wusterhausenerstr. 16 bei JSmcr, Sprcehos-Kantinc. spricht Genosse Manaffe. Bohnsdorf. Villa kahl, abends 8>/, Ubr. Borsigwalde-Wittena». Abends 81/, Ubr: Lescabend für Frauen in den Borsigwaldcr Feslsäleu. Vortrag des Genossen Dr. Alsred Bernstein. Brih-Bnckow. Mltwoch, 25. Juni, abends Uhr, bei Becker, Cbaussecslr. 37: Lescabend. Bortrag der Genossin Frau Kl. Bohm-Schuch über„Kinderserienssiele". Gharlottenburg. 1. Gruppe: Genossen schaftSrcstaurant Haeseler- Ecke Soorslratze. 2. Gruppe: Höhst, Nebringstr, 25. 3. Gruppe(Kietz): Bade, Kaiscrin-Augusta-Allee 52. 3. Gruppe(Moabit): Olm, Rcuchlmstr. 5. 4. Gruppe: Liedtte. Suarezstr. 4. 5. u. 6. Gruppe: VolshauS, Rosinenstr. 3. 7. u. 8. Gruppe: Tunack, Wiclandstr. 4. In allen Leseabenden findet ein Bortrag statt. Friedenau. Abends S'l.. Uhr findet im Lokal von Klabe. Handjerh- stratze 60, der Leseabend der Frauen statt. Neserent: Genosse Rcnnert über .Tubcrkulolc als VoltSkranlheit". Die Liften von der Ferienkolonie find an diesem Slbend abzurechnen. Johannisthal. Am Dienstag, den 24. Juni, im Arbeiterbetm. ES wird gelesen:„Welchen Wert hat die Bildung sür die Arbeiterin?" Köpenick. Dienstag, den 2k. Junt, abends 8 Uhr, bei Heimig, Bahn- hosslr. 34: Bortrag des Genossen Ludwig-Äöpcnick:.Gott, Ncligiorr, Kirche und Sozialdemokratie"- Lichtenberg. 1. Viertel, Bei Heine, Friedrich-Karlstr, 11, spricht Ge- nasse Glöckner über.Darwinismus". 2. Viertel. Bei Schulz, Kronprinzen- stratze: Genosse Peicrhanscl über.Die Frauen und die Hinterbliebenen- Versicherung". 3. Viertel. Bei Bluiue, Alt-Bozsagcu. Genosse Nichter über .Entstehung der Religion". 4. Viertel. Bei Krüger, Türrschmidtstratze. Ge- iiossc Jotm über.Unsere Kinder". 5. Viertel. Bei Erdmann, Wilhelm- stratze. Vortrag des Genossen Link». 6. Viertel. Bel Hossinann, Möllen- dovffllratze. Genosse Nitschte über.Verschiedene Ehrbegriffe". Pankow. Bei Ellersbach, Berliner Str. 102. Stcinickrndorf-Os«. Abend» 8 Uhr bei Sadau, Rcfidcnzstratze 124. Kurt Hcinig spricht über.Wcltwirtschast". Ober-Tckiönewetde..VereinSbaus", Rathausstr. 10. Tegel. Abend» 8'/, Uhr, Schlicpcrstr. 30. Thema;»Die Schule." Referentiii Gcnosfi» Arendtee. Temprlhof. Mittwoch, den 25. d. Mts., abends SV, Uhr, bei Becker, Berliner Str. 41 42. Treptow. Bei Julius Schmidt. Kiefholzstr. 22: Bortrag des Ge« nassen A. Meitza« über:.Das Recht aus Ardeil".— Baumschulen- w c g. Für die Monate Juni und Juli finden Frauenleseabende nicht statt. Weistense«. Der Frauenleseabend fällt ails. Der nächste findet am Montag, den 30. Juni, abends 8V- Uhr, bei Pcukert, Berliner Allee 25, statt.__ BHefltartcn der Redahtfon. Tie tnttRlfitie Sprraftunde findet Linden st rage 6!», dorn dter Treppen — Zaprstopl—, ivocheniii glich von 4>> dt» 74» Uhr adcndS, eonnadcnd», do»»u,"»!» 6 Upr abends statt. Jever sUr den Brirstaftea dcsttmmien Anfrage ist ein Bilchstndc und ctne Zapl als Merkzeichen drisnfügea. Briefliche Antwort wir» nicht ertlU«. Antragen, denen keine AdonnementSantttn», betgefdg« ist, vrrd-n nicht beantwortet,«kiiige Fragen trage man t» der Tprechstnndr vor. C. R. 13. Sosern ein Schuldtitel vorliegt, könnte der Gerichtsvollzieher die Wohnung öffnen, sallS nicht ans irgend welchen Talsachen eine Ge- sährdung des PsandslüetS gefolgert werden konnte, war die soiortige Ab- bolurig unzuläffig. Sic können sich bei dem aufsichtführeuden Richter des Amtegerichts Bcrlin-Wcdding deichwcren.— Wt. K. 26. Sie können bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt, Zahlungsbeschl beantragen.— 2t. 6. Sosern da» Testament in der Form gültig ist, ist es unansechtbar.— BS. D. 75. In.- Rcngiertg. Ja.— Als. darf 215. In, für Ihre Frau und zwar die Hälfte des Satzes, zu dem Sie hätten veranlagt werden können, sofern Sie derselben Kirchcngemcinde angehört Hütten.— Lotte 5. 1. Di« Entziehung der Armenunterstützung ist nicht wahrscheinlich. Es ist aber zweckmässig, datz fich Ihre Mutter vor dem Umzüge»nt der Armenvcrwaltung i» Verbindung setzt. 2. Wenden Sie sich an den Gemewdearbeiterverband, Sektion des Bade» und Pflege- Personals.— A. Tcki. Gharlottenbnrg 100, Das Verfahren ist losten» los.— 1876. 1. Nein. 2. Handwcrtskammcr.- M. 14. 1. Nein. 2. Der Fiskus ist unseres Erachtens ichadencrjatzpstichiig. Jur übrigen empfiehlt sich eine Beschwerde bei dem Poltzelprasidenlen, —'W. R. 1001. Für einen solchen Fall besteht sowohl dem Kinde aiS auch der Frau gegenüber auch serirerhin die Unterhaitungspslichl. — N. R. 12. Strafbar nicht: jedoch könnte der Pfarrer, wenn er nach- trägttch die Unrichtigkeit crsährt, die Trauung ablehnen. Ist Ihr Ein- spruch zurückgewiesen, so können Sie innerbalb 4 Wochen nach Iustellimg des Bescheides Berufung bei dem Vorsitzenden der Veraniagungslommissivn einlegen,— R. L. 1840. 1. Bescheinigung über die Staatszugehörigteil, Geburtsurkunde sowie ein Ehefähigkeitszeuaui-Z der Hcimatbcbörde. 2, Ge» burtsurkunde, 3. Der Anfgebotsantrag ist bei dem Standesamt, in dessen Bezirk Sie oder Ihre Frau wohnen, persönlich zu stellen,— P. F., Treptow. Nein, Sie bleiben an den Mietsvertrag gebunden.— M. W. 100. 1. Wir empschlcn.Dimcker, Kindcrbarbcit und ihre Bekämpfung'. Preis 50 Pf. 2. und 3. Die Beschästignng von Kindern in landwirtschasUichcn Betrieben ist leider noch unbeschränkt zulässig. Das Kinderschutzgcsetz er» streckt sich nur aus geiverbliche Betriebe. Eine Handclsgärtnerei gilt als Gewcrbeliciricb.—/, Uhr, von der Leichenhalle des Domkirchhoses in der Müllerstraße aus statt. Der Vorstand. Deutseher Hetallartieiter-Veilianii Verwaltungsstella Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß miser Mitglied, der Rohrleger i l�eilldolä Scharka Simeonstraße 27, am 18. d. Mts. an Blutoergistung gestorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 22. Juni, nachm. 8�/, Uhr, von der Leichenhalle des I Kirchhofes der Dom-Gemeinde in der Müllerftraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 128/10 vis Ortsverwaltung. Deutscher Bauarhelterverbsnil. Xwelgvereln Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangverein? zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Emst Heibig am 19. d. Mts. an Lungenschwind- I sucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken! , Die Beerdigung findet am Man- I tag, den 28. Juni, nachm. 4 Uhr, j von der Halle des Zentral-Fried- I hoses in Friedrichsseide aus stait. ! Um rege Beteiligung ersucht 1143/12 Ber'Vorstand. Donnerstag abend entschlies sanst nach langem, schwerem Leiden mein geliebter Mann, unser guter Bater 1265b Emst HeBbig im 51. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Juni, nach« mittags 4 Uhr. von der Halle des Zentraisriedhosesin Friedrichs- selbe aus statt. I-uise Heibig geb. Thiele nebst Kindern. Goßlerstr. 8. ZentrahrerbaDd der Maschinisten| u. Heizer sowie Berulsg. Deutsehl. Geschäftsstelle Groll- Berlin. Bezirk Köpenick. Am 19. Juni verstarb unser Mitglied, Kollege 152/15 Ldmlie. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. Juni, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes in Köpenick Iaus statt. Die Geschäftsstellenverwaltung. m Radfahrer-Biind „Solidarität", Ortsgrupgs Charlottenburg. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, 1 daß unser langjähriger Sports- genösse, der Maschinist gito«elirige! I am 13. Juni im Alter 1 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 1 11/6 Die Verwaltung fc'« 4! von Am 28. Juni, srüh 41/. Uhr, 1 starb nach langem, schwerem I Leiden mein lieber Mann, unser s guier Latcr, der Fcilcnhauer �äoik Lehmann Gropiusstr. 5. Um stille Teilnahme bitten Vfilwe Marie Lehmann u. Sohn.{ Die Beerdigung findet aml Äioniag. den 23. Juni, nachmittags| 'b„ Uhr, von der Halle des Pauls- Kirchhofes in Plötzcnsee aus statt.\ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Krauzsvcnden bei der Beerdigung'meine? lieben Mniines, unseres treusorgcnden Baters. lagen wir allen Freunden und Bekannten unseren herzlichen Taut. 1.301b Tlgues Hein nebst Kindern .Fehdcniäer Straße 12. 1> a n k h a k' n n g. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzjvenden beim Begräbnis meiner unvergeßlichen Frau und lieben Mutter lülsa Trenter geb. Kremp sagen wir allen Verwandten. Bekannten, insbesondere Herrn Zllanassc sür die trost- reichen Worte sowie den Sängern des Rixdorfer Männerchors sür den eindrucksvollen Gesang, auf diesem Wege unseren besten Dank. 1278b Willy Trenter und Sohn. BunkKa�unK. Für die vieleu Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer Mutier sagen wir allen Verwandten. Bekannten, den Kolleginnen und Kollegen der Abt. flügge und Hibo sowie dem Lotterievercin 578 unseren innigsten Dank. 24A Brost Nesemann nebst Kindern. Sdnra KWiii Dehrodt-dozöge�;! .Fertig: am Lager: "70;«:36m. MiiiMW�Wgu ICutawayu. Weste Seinltleider ilito5; 8«. Fertige schwarze Kieldung für Knaben und JUnglinge :: in größter Ans wähl;; Feine Maß- Anfertigung in ca. 10 Standen;; Baer Sohn Kleider- Werke Berlin. Gegr. 1891. ChansseestraOo 29— 30. 11. BrUckenstraGo 11. Gr. Frankfurter Str 20. SohSneberg. Hauptstr. 10. Biesdorf Station der Stadtbahn □ Rute 20 Mk. an Meu- Satiowa SUt.Sadowa, a.d. Sirasse n.Biesdort □ Rate 1 5 Slk. an Auskunft bei unserem Vertreter Neugebauer, Biesdorf. Karl- •traue, Na 39, Nou-Sadowa; Restaurant �Waldfrieden*'. Nieschalke&Nitsche Berlin NO 43, Neue Königstr. 16 Fernsprecb. Amt Könlgat. 6376. MohrenstrJfs Kolonnader». 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Der Zutritt zu dieser Versammlung ist nur gegen Vorzeigung der Lcgitimationskarte gestattet. Ter Borstand: Der AuffichtSrat: Max Lichtenberg, Hugo Köhler, Friede. Hülle. J. Massa, Vorsitzender. IM NerwnltlmgsSklit Kerlin C 54, Liuienstr. 88-85. Verwaltung: Kassierer: Arbeitsnachweis: Telephon: Avil Norden 1987. Amt Norden 185. Amt Norden 1239, 9714 Dienstag, den 84. Juni, abends K Uhr: Vvi'ssmmlung für alle in den Betrieben zur Ißerltellung von gelochten Blechen belclM. Moliegen im„Englischen Garten", Alexauderstr. 27c. Tagesordnung: Wie stellen wir uns zur Kündigung des Tarifs? Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den ÄS. Juni, abends 8 Uhr: Mtu»! Allgemeine Versammlung M!®! der Mohrleger und Helfer Groß-Berllns in den Konkordia-£>älen, Andrcasstr. 64. Tagesordnung: Wahl der Schlichtungskommisfion. In Anbetrocht der sehr wickitigen Tagesordnung ist es unbedingt notwendig, daß jeder Rohrleger und Helfer bestimmt erscheint. Achtang! Erwerbslose(Kranke) Acht1p"c; Da wegen Quartalsschluß das Bureau am Montag, den 30. Juni. geschlossen ist, so ersuwen wir die Kollegen, ihre Unterstützung bis zum 28. Juni abheben zu laffen. 120/9 Für llonnabonii. den 28 iuni, wird am Freitag, den 27. Juni, gezahlt. Für Montag, den 30. Juni, wird am Sonnabend, den 28. Juni, gezahlt Da sämtliche Mitgliedsbücher eingezogen werden, mutz bis zu« 28. Juni die Unterstützung abgehoben sein, ausgeschlossen davon find diejenigen Kollegen, welche ihre Unterstützung erst nach Beendigung der Krankheit abheben. Öle Ortsverwaltnng. Wer ii Verwaltung Berlin. Das Bureau befindet fich jetzt im Gebäude des Holzarbciter-Berbandcs, Rungestr. SO. Telephon: Amt Moritzplatz 10623 und 3573. Die Bibliothek ist Wege« Inventur bis anf weiteres geschlossen. Noch ausstehende Bücher müssen bis spätestens 30. Jnni zurück- geliefert sein._ Mitglieder-Versammlungen Achtung! Kodenleger! Achtung! Montag, den SS. Juni, abends« Uhr, im„öewerksclialtsbans", Enoelufer 13, Saal 8. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Situation in unserer Brauche. 2. Bericht von der Gmeraloersammlung. 3. Verbandsangelegeuheiten. Das Erichemen aller organisierten Kollegen ist dringend erforderlich. —— Mitgliedsbuch legitimiert.. Mustlnnstrumentenarbeiter. Montag, den 23. Juni, abends 8 Uhr, im„Getverkschaftsbans", Engelufer 15, gr. Saal. Tagesordnung: 1. Bericht von der Keneraloersammlung: Die Regelung de? Beitrage? in unserer Branche. 2. Branchenangelegenheiten. Jedes Vcrbandsmitglied aus der Musikinstrumentenbranche muß an- wesend fem.' - Mitgliedsbuch legitimiert.——— Einsetzer. Mittwoch, den»5. Juni, abends 8 Uhr, im„Gewcrkschaltsliaus", Saal 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht von der Eencraivenainmlung. 3. Verbandsangelegeuheiten. Sargtischler. Mittwoch» den S». Juni, 8 abends V2 Uhr, bei Kühn, Petersburger Dtr. 81. Stellmacher. Donnerstag, den 26. Juni, abends 8'/, Uhr, im Rosen« thaler Hof, Rosenthaler Str. It/tS. Tagesordnung: 1. Vortrag des Aenossen N 0 l l st a d t:„Ter Nutzen der„VolkS» fürsorge-- und ihre Bekämpfung durch die Gegner". 2. Bericht von der Generalversammlung.____ ßraQ(l)e der ploune--Meiter. »ittwoch, den 25. Juni, abends S'/a Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Versaitittslttug mit Frauen. TageS Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen W. N i t s ch k e:„Das Wesen der Volk?« fürsorgc". 2. Bericht von der Gencralvccsanimlung von Groß-Berlin. 4/19 I>le Orlsvcrtvaltung. Vi tanitvortlichcr Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.k TH. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlaasanstalt Vau! Singer n. Co., Berlin ZA» Nr. 155. 30. Jahrgang. 4.§t\\m Ks„ilutiBirls" Sctlintt Sonntag, 22. Inni(913. Hrnttalversammlung der Dentschkn Metallarbeiter. Fünfter Tag. Breslau, 20. Juni 1313. Tie Verhandlung über die Statutenbcratung rd fortgesetzt. Vorerst wird beschlossen, den gestern kurz vor Schlutz der -gung gesagten Beschluß, d.ie Stasfelbeitragstommission aus neun itglicdern, von denen dr.ei Gegner der Staffelbeiträge sein äffen, zusammenzusetzen, dahin zu ändern, daß die Kommission s elf Mitgliedern zusammenzusetzen ist, die von den elf Bezirken miniert werden. Ter§ L. der Reisegeld und Umzugsunlerstützung behandelt, rd in seinen einzelnen Absätzen sehr viel geändert. Absatz 1 bleibt unverändert. Absatz 2 lautet in Zukunft: Bis zur Hälfte des niedrigsten Betrages der an männlichen Mitgliedern zu zahlenden Reisegelder können erhalten: a) jugendliche Mitglieder, die der niedrigeren Bcitragsklasse(30 Pf.) b2 Wochen hindurch ununterbrochen angehört und für diese Zeit ihre Beiträge gezahlt haben; b) Mitglieder, die innerhalb vier Wochen nach beendeter Lehrzeit oder nach Vollendung des 18. Lebensjahres dem Verbände beitraten und der höheren Beitragsklassc für erwachsene männliche Mitglieder(70 Pf.) mindestens 26 Wochen hindurch ununterbrochen angehören und für diese Zeit ihre Beiträge bezahlt haben. Absatz 3 lautet jetzt: Tas Reisegeld wird in 72 aufeinanderfolgenden Wochen für höchstens 60 Tage bezahlt und kann das reisende Mitglied jedoch nur für soviel Tage Reisegeld erhalten, als ihm bei Bezug von Reisegeld. Uebersicdelungsunterstützung. Erwerbslosenunter- stützung in 72 Wochen vom jeweiligen Erhebungstage zurückge- rechnet, noch an 126 Tagen fehlen. Absatz 1 wird beschlossen: Tas Reisegeld wird in den vom Vorstand bestimmten Zahl- orten ausbezahlt und beträgt 1,26 M. pro Tag. Das betreffende Mitglied hat jedoch nur dann darauf Anspruch, wenn es eine als Tagesleistung zu betrachtende Strecke von zirka ö Wegstunden >25 Kilometer) zurückgelegt hat und sich spätestens an dem dem Ankunftstag folgenden Werktag meldet. An einem Orte darf je- tX'ch, selbst"bei großer Entfernung, nicht mehr als 3.75 M. aus- bezahlt werden, wenn zwischen dem Orte, wo das letzte Reisegeld !:rho.hen wurde, und dem Orte der Zureise ein Zahlort liegt und dieser vom Reisenden übergangen wurde. Der Tag der Ab- Meldung gilt nicht als Reisetag. In Orten, die durch Bekannt- machung des Borstandes gesperrt sind, kann für die Dauer der Sperre das Reisegeld oder die Umzugsunterstützung verweigert werden. Absatz 5 wird neuformulicrt: Reisende Mitglieder, die sich wegen des Umschauens nach Arbeit länger an einem Zahlort(Verwaltungsbereich) aufhalten, können für die Zeit ihres Aufenthaltes eine dem Reisegeld hinzu- zählende Aufenthaltsunterstützung erhalten, und zwar in Orten von über 56 666— 166 666 EinW. für 1 Tag— 1,25 M. mehr „ 100 666—200 066.. 2 Tage— 2,50„. . 206 006- 566 666„„ 3„=3,75,. „ 566 666 Einwohner„4„— 5,00„ § 8 Absatz 6 u. 7 werden die Unterstützungssätze bei Uebersiedelung wie folfst festgesetzt: Im übrigen bleibt 8 8 unverändert. Z 9 Absatz 1 wird neu formuliert: Die Erwcrbslosenunterstützung wird in 72 aufeinfolgenden Wochen für höchstens 126 Tage gewährt und beträgt im Falle von Arbeitslosigkeit: für männliche für weibl. und jugendl. Mitglieder männliche Mitglieder pro Tag pro Woche pro Tag pro Woche l.lö-'zM. 7 M. l,38Va, 1,60 1.66%* 1.83%. 2,-. Bei einer Mitgliedschaftsdauer von über 8 9 16 11 12 6.58% M. 0,66%. 0,75. 0,83%, 0,91%.. 1-- 3,50 M. 4,-. 4.56. 5.-. 5,66. «.-. 52—156 Wochen. 156—266 ,.. 266—364„. . 365-468„. . 468—576„. , 570 im Fall der Krankheit gilt das Gleiche. 8 9 Absatz 2 wird gestrichen, er ist durch die neue Fassung des Absatz 1 erledigt. Im übrigen bleibt§ 9 unverändert. 8 16 bleibt unverändert. Tie Beratung der Statuten wird unterbrochen, Ri ch t c r- Charlottcndurg erstattet den endgültigen Bericht der Rcchnungskommissioa. Es betrifft die Revision der Gehaltsordnung und Anstellungsverhältnisse der Verbandsbeamten. Richter betont, daß die Gehaltssätze der Verbandsbeamtcn seit einem Jahrzehnt nicht verbessert worden sind. Im allgemeinen Werden in der Arbeiterbewegung die Angestellten höher bezahlt. Aus all diesen Gründen ist eine Aenderung der Gehaltsskala bc- rcchtigt.. Als Material zu dieser Frage liegt den Delegierten eine Bro- schüre über die Gehaltsverhältnisse der Angestellten in der Arbeiter- bewegung vor. Nach kurzer Diskussion toird ein Vorschlag akzeptiert, der be- stimmt, daß die Gehaltsvorlage des Vorstandes im ganzen angc- nommen oder abgelehnt werden soll; im letzteren Falle würde die Rechnungskommission aus den während der Debatte eingelaufenen Anträgen eine neue Vorlage auszuarbeiten haben. Die Vorlage des Vorstandes wird in namentlicher Abstimmung mit 143 gegen 112 Siimmen a n g r« o m m e n. Nipp- Mannheim erklärte unter Zustimmung vieler Tele- gierter, daß die 112 Stimmen nicht gegen die Gehaltsvorlage über-. Haupt, sondern in erster Linie wegen dem Wunsche nach Aenderung der Einzelheiten mit„nein" gestimmt hätten. Für ernige Mitglieder des Stuttgarter Hauptbureaus und die Bevollmächtigten der Berliner Verwaltung wird ein Jahresgehalt von 4266 M. bewilligt. Die Tagesdiäten der Bezirksleiter werden um 1 M. erhöht. Dem Verbandsausschuß wird eine Entschädigung von 5666 M. bewilligt. Der Hauptkassierer erhält eine Erhöhung des Mankogeldes zugestanden. Anträge, die verlangen, daß die Abgeordneten in ihren Bc- zügen, soweit der Verband in Frage kommt, gekürzt werden, er- ledigt man— nachdem der Delegierte Reichstagsabgeordnetcr Brandes die Sachlage klargestellt hat,— durch Uebergang zur Tagesordnung. Es wird nach dem Antrage der Rechnungskommission bc- schloffen, den Angestellten des Verbandes im ersten Jahre ihrer Verbandstätigkeit 2 Wochen Ferien zu gewähren, die Ferien wachsen bis zum 26. Dicnstjahre auf 4 Wochen. Weiter wird bc- schloffen, daß die Beiträge für die Angestelltenversichcrung, die der Verband ganz übernimmt, zu Lasten der Hauptkaffe gehen. Die Statutenberatung toird fortgesetzt. Die 88 11. 12. 13 und 14 bleiben unverändert. Auf Anregung aus der Statutenberatungskommisfion wird der erste Satz zu 8 15, Absatz 1. wie folgt gefaßt: Wird ein Mitglied infolge Eintretens für vom Verband an- erkannte Arbeitsbedingungen oder infolge seiner Verbandstätig- keit arbeitslos, so steht ihm, wenn seine Handlungen mit Ein- Verständnis mit den Verbandsorganen erfolgte und wenn es 26 Wochen... usw.... Die Tagung wird dann abgebrochen. .fX-r--iWVj;■-y•■,••• V.-' O. l. Nur 5 Muttern ab- und wieder anschrauben, das ist die ganze Montage der abnehmbaren Continental- Felge. Kein anderes System ist so einfach. Fragen Sie Automobilisten von Ruf, und Sie werden erstaunt sein, wie günstig man überall urteilt über die abnehmbare Continental Felge ContiiieDlal-Csoiilelioiic- Culta-Perelia-Co., Ummf. rA ZMMMy W WWW an und folgende läge von m°r-°n Montag, den 28. 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