Nr. 156. ( 5 Pfennig) M0NtaM6UKMbe( 5 Pfennig) Bbonnements-Bedingongen- LbonnementS- Preis pränumerando: Dterteijährl. szi WL. monatl. 1,10 SKI, wöchentlich 28 Pfg. frei InS Hau? Einzelne Stummer 5 Pig, Sonntags» nmmner mit Mustriericr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- «bonncment: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Mark, für da? übrige Ausland � Mark pro ÜKonoL PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Zlumänien, Schweden und die Schweiz, «chtim lägiich. 36. Jahrg. vi« TnlertionS'GebQftr keträgt für die fechsgefpaltene Koloncl- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für . is fettgedrulku Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wstterc Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pf g, Worte über 16 Buch- ftabcn zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Stummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe: „SsiiiliHntkrat Btrtli". Zcntralorgan der fozialdemokratifchcii parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68. Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Moristplav, Nr. 1883. Montag, den Ä3. Juni 1913. Expedition: 8 AI. 68, Lindenftraße 69. Kernsvrecker: Amt Moritivlati, Nr. 1881. Patrioten über Dir! Der janze, moralische Niedergang, die Verwilde» runy auf der jaiizen Linie ist Folge des Mangels an Religion! Jebildete Leute entblöden sich nicht, die jöttlichen Grundlagen anzutasten, auf denen das Heils- jebäude ruht. Aber, Jott sei Dank, wir sind sozusagen tvujours en veäette! Amtsvorsteher v. Wehrhahn in H auptmanns „Roter Hahn". So mußte es komnien, und das ist des Jubiläums» rummels geziemender Schluß: noch steht das loyale deutsche Bürgertum am Rinnstein und schreit solange aus Leibes kräften Hurra, als auf dem Fahrdamm noch ein Pferdeapfel der kaiserlichen Es'orte dampft, und schon erhält dieses loyale deutsche Bürgertum einen Faustschlag in den zum Hurra weit geöffneten Mund, daß ihm die Zähne wackeln. Denn um nichts anderes handelt es sich bei der Berge» waltigung des Hauptmannschen Festspiels in Breslau, als um einen brutalen junkerlichen Fausthieb in die Zähne just des braven Bürgertums, das hochgestimmt und blindlings alles mitzufeiern entschlossen ist, das Jahr 1813 so gut wie Prin» zessinnenhochzeiten und Regierungsjubiläen. Aber dieses Bürgertum soll eben nur das gaffende Spalier am Rinnstein abgeben— so will es die feudale Sippe. Wenn es, statt nur zum Hurra die Kinnbacken aufzureißen, einmal aus Eigenem ein Wörtchen zu sagen sich getraut und sei es auch durch den Mund eines Dichters wie Gerhart Hauptmann, flugs erhält es einen derben Stoß und wird in seine Schranken zu rückgewiesen. Der Patriotismus von 1813 sah das Bürger tum Gut und Blut für des Vaterlandes Freiheit einsetzen. Der Patriotismus von 1913 will von dem Bürgertum, soweit es nicht uniformiert und dekoriert ist, nichts wissen. Patrio tisch ist das Klingling Bumbum und Tschingdada der Wacht Parade, patriotisch ist der besoffene Rundgesang bei Krieger» vereinsfesten, patriotisch ist der wehende Busch des Leibjägers auf der dahinrollenden Hofkutsche Serenissimi. Aus dem Wege, bürgerliche Kanaille! Als einen poetischen Dolmetscher dieser bürgerlichen Kanaille hat man an den„maßgebenden Stellen" Gerhart Hauptmann richtig eingeschätzt. Es war ein Mißgriff der Breslauer Instanzen, diesen Dramatiker mit der Abfassung des Festspiels zu betrauen, es war ein Mißgriff und ein weit bedenklicherer des Dichters, den Auftrag nicht kurzerhand ab- zulehnen. Hier gehörte Joseph Laufs, Pardon! Herr v. L a u f f, vor die Front! Der hätte die Sache gemacht, fein nach der Kriegervereinsweise, mit viel Trara und Schneddere- deng. mit viel Bumbum und Hurra, und zum Schluß wären in schwarz-weiß-roter bengalischer Beleuchtung sämtliche Hohenzollern erschienen, die Siegesallee als lebendes Bild— das Publikum fingt stehend das„Heil Dir im Siegerkranz! Aber Gerhart Hauptmann war ein Mißgriff. Er konpte nun einmal nicht den rechten Ton treffen, selbst wenn er in die Schreibtischlade, in der S ch i l l e r als Stimulantien faule Aepfel zu bergen pflegte, Lederzeug, Putzpomade und königlich Preußische Fußlappen gelegt hätte— zur Erzeugung des vorschriftsmäßigen Kommißgeruches, der jeder Kommiß- seele so berauschend in die Nase sticht. Er traf den Ton nicht, und der Unmut der Patrioten wallte aus. Die Kriegervereine rückten geschlossen, mit kriegerisch geschultertem Regenschirm, an, das schlesische Junkertum, aus ganz besonders feudalen Geldsäcken bestehend, näselte seine gespielte Entrüstung daher, der Fürstbischof Kopp schwang den Weihwedel, der Krön- prmz den Husarensäbel— Patrioten über Dir, Poet! Und da war denn keine Rettung niehr. Den Dichter trifft dieses Schicksal verschuldet und un- verschuldet. � Törichtes Gerede ist es. als wollten wir hier für einen sozialdemokratischen Dichter eine Lanze brechen. Ein sozialdemokratischer Dramatiker ist G e r h a r t H a u p t- mann nie gewesen und hat es nie sein wollen, sondern auch in seinen besten Tagen hat er die Dinge nur mit klein- bürgerlicher Realistik betrachtet und behandelt. Aber nament- sich, weil m den„Webern" rebellisches Feuer auflohte, er- schien er den Staatsrettern vom Schlage des Polizeijunkers Wehrhahn als staatsgefährlich. Die Satten und Sorglosen zeterten, das Weberdrama wurde von Verboten ereift, der Polizeiminister v. Köller donnerte im Dreiklassen- Parlament gegen den Umstürzler und der gute»Onkel Chlodwig Hohenlohe schrieb am 14. Dezember 1893 die klassischen Worte in sein Tagebuch: Heute abend im„Hannele", ein gräßliches Machwerk, sozial- demokratisch- realistifch. dabei von krankhafter, sentimentaler Mystik, unheimlich, nervenangreifend, überhaupt scheußlich. W i r g in g c n nachher zu Borchardt, um uns durch Champag- ner und Kaviar wieder in eine menschliche Stimmung zu versetzen. . Aber gegen die spä.eren Werke Hauptmanns brauchten die Herrschaften auf der anderen Seite der Barrikade nicht '"ehr Sekt und Kaviar als Gegengift anzuwenden. Er stolperte in Mystik und Symbolik hinein, wurde zahm und zahmer, schwach und schwächer, und als er mit viel ge- Wreizter Würde seinen fünfzigsten Geburtstag feiern ließ. er reis geworden für die Filmdramatik und— was schlimmer ist!— für einen telegraphischen Glückwunsch Bethmann H 0 l l we g s. Unverschuldet hat er darum den Groll der Patrioten entfesselt, und doch verschuldet, denn entschlossen, seine Aufgabe zu erfüllen, hätte er rasseln müssen wie eine Kavallerieschwadron, donnern wie ein Leier» kästen. Dem stand der Dichter in Hauptmann im Wege und er konnte sich auch nickt dazu verstehen, den Tropf Friedrich Wilhelm III. in der Heldenpose darzu- stellen, wie ihn die Jubiläumsdenkmiinze zeigt, sondern er gab. wie es recht und billig ist, den Krieg von 1813 als eine Volkserhebung. Aber verleugnen die Hurrapatrioten von 1913 wirklich den Geist von 1813? Den, der die Volksmassen hinriß, sickjer- lich! Aber die das Haberfeldtreiben gegen Hauptmann eröffneten, haben schon damals ihresgleichen gehabt. Eine Anweisung des Berliner Polizeipräsidenten von Le Coq an die Berliner Redakteure verlangt von ihrer Tätigkeit die Erweckung patriotischer, preußischer Gesinnung, des Gehorsams, des Vertrauens und der Liebe für den König, der Ehr- furcht gegen das Gesetz und die bestehende Verfassung und der Achtung gegen die Obrigkeit. Die Hauptpflicht der Redak- teure sei die Ehrerbietung und Folgsamkeit gegen die Voll- zieher des königlichen Willens, Enthaltung von lautem Tadel an Maßregeln der Regierung, vor allem aber bescheidenes Versagen eigenen Urteils! Datum dieser Verordnung: 25. September 1813! Sie sind sich wie man sieht, von damals bis auf diesen Tag gleich geblieben, die Polizeijunkcr und die Kommißseelen I Aber zwischen 1813 und 1913 liegen hundert Jahre Entwicklung, und heute ist es eine brennende Schmach, daß der Ansturm der Kriegervereinsseelen den Mann mund- tot machen kann, der, trotz all der künstlerischen Mängel seines Festspiels und trotz all der schwachen Stellen seines Lebenswerkes, doch ein echter Dichter ist, der so oft Herzen bewegt und hingerissen hat und der für die gaiiz« zivilisierte Welt mehr den deutschen Geist vertritt, als Kronprinz und Fürstbischof und sämtliche schlesischen Feudalherren und Kriegervereinler zusammengenommen! Aber das mißhandelte Bürgertum reagiert doch kräftig? „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los"— so 1913 wie 1813! Das Bürgertum? Ja, Kuchen! Das Bürgertum selbst hat ja, als der Kronprinz die Brauen runzelte, als der Fürstbischof den Kopf schüttelte, als die schlesischen Junker murrten, als die Kriegervereinler die Regenschirme schulter- ten, den Dichter mundtot gemacht. Statt zu erklären: Krön- Prinz, wir danken für Dein Protektorat, wenn Du nicht mehr willst!, statt zu sagen: Ihr schlesischen Junker, zieht unsert» wegen ruhig die verrosteten Säbel und die mottenzerfressenen Tschakos eurer Ahnen aus der Ausstellung zurück, wenn Ihr nicht mehr wollt!, statt dessen setzt der Magistrat der Stadt Breslau dem Dichter den Stuhl von die Türe, und es herrscht nur ein wenig Kummer darüber, daß es sich ja nur niehr um vier Vorstellungen gehandelt habe, nur mehr uin vier, und die hätte man doch noch ruhig stattfinden lassen können. Und wie lehnt sich das Bürgertum in setner Gesamtheit auf? Wird die Breslaner Ausstellung boykottiert. Demonstriert Berlins akademische Jugend, die zu des Dichters fünfzigsten Geburtstag in vollem studentischen Wichs paradierte? Das Bürgertuni, wo bleibt das Bürgertum? Das Bürgertum steht geduldig am Rinnstein und reckt die Hälse nach rechts und reckt die Hälse nach links, um, so- bald der wehende Federbusch des Leibjägers auf Serenissimi Hofkutsche auftaucht, zum Hurra den Mund zu öffnen, in dem ihm noch die Zähne wackeln. O l>ie Kreslauer Hrbeiter gegen den Rauptmann- 8feandat Breslau, 22. Juni. fPrivaitelegramm des„Vorwärts.) Eine überaus stark besucht« öffentliche Volksversammlung, in»der auch das bürgerliche Element recht gut vertreten war, protestierte beute gegen den Jubiläumsrummel und den Hauptmann-Skandal. Die Versammlung, die im großen Saale des Gewerkschaftshauses statt- fand, war so stark besucht, daß eine N treten haben. Sie bilden dann das Gegenstück zu Frau Geheim- rat, die zu ihrem großen Schmerz ewig rundlich, ach wie rundlich, bleibt, obgleich die Fülle ihres Leibes in ein mörderisches Korsett gezwängt ist. „Mir hält kein Rock mehr am Leibe, seit ich hier bin!" rief kürzlich das vorletzte Mädchen von Geheimrats zum Küchenfenster hinaus ihrer Freundin von Majors zu. „Ja, Anna, das geht mir auch so, nächstens werden wir uns Gardinenhaken zwischen die Rippen schlagen."— Klirr— klirr—, zwei Fenster wurden fast zu gleicher Zeit zugeschmettert, nach einer Weile hörte ich die helle, durchdringende Walkürenrufe, die unzweifelhaft aus dem Munde von„gnädigen Frauen" kamen, dann war alles still. Ich sah die beiden Spreche- rinnen noch einmal, als sie mit ihren schweren Reisekürben das stille, vornehme, hochherrschaftliche Haus verließen.-- Zwei Wochen lang sah ich weder bei Geheimrats noch bei Majors einen Mädchenkopf am Küchenfenster auftauchen. Bis ich eine? Tages hörte, wie der Postbote einer hochgewachsenen, rot- wangigen und adrett gekleideten Köchin nachrief: „Sie, Fräuleinchen, Sie sind ja wohl bei Geheimrats? Dann nehmen Sie man die Zeitung mit." Das also war meine neue Nachbarin. Während der ersten Tage bekam ich sie nicht zu Gesicht. Du lieber Himmel! Sechs Zimmer, ein Hund, eine Geheimrätin— so was will versorgt sein. An einem Sonntagabend war eS. So gegen dir siebente Stunde. Eine weiche, milde Frühlingsluft strich zu meinem offenen Fenster herein, über den Tisch hin, an dem ich arbeitete. Die Vögel im Nachbargarten hatten bereits ihre Nester aufgesucht, tiefe Feier- stimmung breitete sich wohltuend über Höfe und Gärten aus. Bis eine häßliche Dissonanz dazwischenschrillte. In der Küche von GeheimratS war das Gaslicht aufgeflammt, durch das offenstehende Fenster konnte ich die Rätin sehen— drohend, schnaubend, mit einem Gesicht, dessen Röte selbst den stark aufgetragenen Puder zurücktreten ließ. Der wuchtige Busen hob und senkte sich, und der Mund, dieses gefürchtete Ausdrucksmittel der Gestrengen, zuckte noch von dem Ruf, den er ausgestoßen hatte. „Berta!" Scharf und schneidend hatte es geklungen, so daß ich von meinem Sitze aufflog. „Berta!" „Gnä Frau!" ertönte jetzt eine Stimme aus dem Hinter- gründe, und dasselbe Mädchen erschien in der Küche, dem der Post- böte damals in meiner Gegenwart die Zeitung ausgehändigt hatte. „Wo ist das Schnitzel für Fifi?" „Berta!" Jetzt wurde die Situation schwül. „Gnä Frau?--* „Berta, belügen Sie mich nicht!" „Gnä Frau?--" „Sie sollen mir Antwort geben, Sie, Sie—* „Gnä Frau, ich---* „Wo ist das Schnitzel für Fifi, wollen Sie jetzt antworten?" „Schnitzel--? Für Fifi--?" „Verstellen Sie sich nicht so, Sie unverschämte Person, Sie Habens gegessen, gestehen Sie's! Pfff!" „Natürlich Hab ichs gegessen, gnä Frau, zum Essen lagS doch da, dachte ich---" -Pfff!" Frau Geheimrat rückte ihrem Gegenüber, für dessen Wohl- ergehen ich in diesem Augenblick zitterte, bedrohlich näher. Doch ich täuschte mich. Bertchen blieb seelenruhig auf ihrem Platze stehen, einer Jeanne d'Arc gleich, hob sich ihre hohe, kräftige Gestalt von der hellen Küchenwand ab. „Sie dachten. Sie dachten," höhnte Frau Geheimrat mit näseln- der Stimme.„Ich weiß schon, was Sie dachten, Schnitzel schmeckt besser als Hering, nicht wahr? Pfff!" „Ganz gewiß, gnä Frau." Frau Geheimrat rang nach Luft. „Sie sind eine ganz fieche Person, wie können Sie das Schnitzel essen und dem armen Tierchen den Hering hinlegen, Sie, Sie-- Pfff!" „Ich konnte doch nicht wissen, daß der verfaulte Hering mein SonntagSessen sein sollte, wo ich die ganze Woche arbeiten mutz. Denken gnä Frau vielleicht, ich brate Schnitzel in der besten Butter für das Viech, derweil ich faule Heringe fresse? Den Zahn lassen Sie sich man ziehen, gnä Frau!" Berta hatte nun ebenfalls ihre Tonlage höher gestellt, und der weiche Abendwind trug das Duett in die Höfe und Gärten hinein und lockte die Anwohner an die Fenster. Wie zwei Hähne, die sich mit gesträubtem Gefieder und geschwollenem Kamm gegeneinander einstellen, so standen sich die beiden Frauen gegenüber. „Sie sind eine Diebin! Sie haben gestohlen, ich zeige Sie an!" Frau Geheimrat hatte eS geschrien, hell, wie ein Trompetenstoß, war es ihr aus dem Munde gefahren. Doch jetzt wurde die Küche blitzschnell dunkel, ich hörte noch ein Getöse, wie wenn ein Stoß Porzellangeschirr auf den Zementboden der Küche hinschmettert. und dazwischen die kläglich« Stimme der gnädigen Frau. Und dann trat Ruhe ein, eine tiefe, erquickende Ruhe, und die Feierstimmung des Sonntags hüllte HauS und Hof wieder schlummernd ein.-- Frau Geheimrat hat noch an demselben Abend ihren Leib- und Magenarzt holen lassen, während Bertchen kaum eine Stunde nach dem lieblichen Intermezzo das Haus durch den„Ausgang für Herrschaften" verließ. Ich aber harre nun ihrer Nachfolgerin und der Dinge, die sich dann wieder ereignen dürften. k�ommerzienrat StilKe. Der OrdenSregen, der aus Anlaß des Regierungsjubiläums niedergegangen ist, weist neben einem Wust von gleichgültigem Zeug auch einige Nummern auf. die in ihrer Art nicht ohne Interesse find. Unter anderem hat beispielsweise der Verlagsbuchhändler Hermann Stilke die Krone zum Roten Adlerorden vierter Klasse erbalten. worin wir ein schönes Zeugnis monarchischer Objet-lv>läl zu erblicken geneigt sind. Herr Stille war nämlich jahrelang der Verleger der Hardenschen„Zukunft", in der bekanntlich ein fortlaufender „pikanter" Klatschkrieg gegen Wilhelnr H. geführt wurde— ein Krieg, der sich zu dem grandiosen grundsätzlichen Kampf des Pro» letariats etwa verhält wie daS Weibergeklatsch irgend eines Fürsten- Hofes zur großen französischen Revolution. So sehr wir uns aber über die hier bekundete monarchische Objektivität auch freuen, meinen wir doch, daß man auf halbem Wege stehen geblieben ist. Wenn Herr Stilke dekoriert wird, ist nicht recht einzusehen, warum die Verdienste unbclohnt bleiben sollen, die sich sein Kompagnon Horden um das dankbare Vaterland erworben hat. Ganz im Gegenteil: wenn eS bei dem geschäftlichen Manager Herrn Stilke zu einem Orden langt, müßte der geistige Urheber jenes pikanten Klatschkrieges zum mindesten in den erb- lichen Adelsstand erhoben werden. Unter dem Namen Isidor von SchabelSki wäre er ganz sicher eine Zierde des preußischen Adels geworden, zudem eine Zierde, die den preußischen Junkern von allen anderen Menschen herzlich gegönnt worden wäre. Hat man aber, was vielleicht nicht von der Hand zu weisen ist, allerhand reaktionäre Bedenken gebabl, weil Herr Haiden im Sinne der preußischen Junker zu wenig bodenständig ist. hätte sich auch diese Schwierigkeit aus die einfachst« Weise lösen lassen. Da die Klatschartikel des Herrn Horden mit den„pikanten" versteckten Majestätsbeleidigungen wie die warmen Semmel gingen, müssen so- wohl Herr Kommerzienrat Stilke wie Herr Haiden selber an der Chose einen gewichtigen Batzen verdient haben. Man hätte Herrn Harden also einfach auferlegen können, irgendein Gut mit zu- gehörigem Schloß in Ostelbien anzukaufen. Um in zarler Weise die Glorie seines Eulenburg-FeldzugeS zu symbolisieren, hätte Herr Harden sich ohne Frage gern in Hinterpommern nieder- gelassen._ Vom Jahrmarkt des Lebens» Der feft fänger im exiL Die Blätter des deutscheu Bürgerhaufes haben ihre Leser zum silbernen Kaiserjubiläum durch allerhand Bilderchen ergötzt. Unter anderem brachten sie eine umfassende Galerie von Charakterköpfen der Persönlichkeiten, die als Freunde oder Mitarbeiter des Kaisers der jüngstdeutschen Aera mit idaS Gepräge gegeben. Man sieht Pierpont Morgan. Man sieht auch Herrn Alfred Krupp. Einer aber fehlt.„Nicht gedacht soll seiner werden", dekretierte vor fünf Jahren S. M. und ließ sein Bild forthängen.„Nicht gedacht soll seiner werden." dekretierten sie Heuer bei Masses, und der Eulen- burger, er, dem«in moderner Herzog von Saint Simon in der Berliner Hofgeschichte unter Wilhelm dem Enkel einen so inter- «ssanten Platz zuweisen müßte, ist aus der Erinnerung der Festtage wie wegradiert. Nirgendwo begegnet man in dem Kranz erlauchter Männer, der„wie der Sterne Ehor um die Sonn« sich stellt," den Zügen des Barden, der einst, wenn der Herrscher,„wie Frithjof auf Ellida," auf seinem Drachen das Nordmcer bezwang, neben ihm am Steven stand und zu Aegirs Preis und Ehr die Harfe schlug. Er konnte singen. Er sang gar süß, und gewiß nicht weniger er- habene Griffe tat er in die Leier als der neueste Fürstensänger: Herzog Rudolf von Rheinbreitbach. Alles ist eitel, spricht der Pre- diger.„Die Herrlichkeit der Erden muß Rauch und Asche werden." Seit Maximilian Harden Fürst Phili den zarten ästhetischen Di- lettantismuS der Rosenlieder und der AntinouSspicle mißgönnte und auS tiefstem sittlichen Pflichtgefühl die ahnungslose germanische Volksseele vor diesem Weichling schützen zu müssen glaubte, ist er ein stiller Mann, der auf seinem Schlosse seine Krankheit hingebend und sorgfältig pflegt. Man möchte klagen wie David um Jonathan: „ES ist mir leid um Dich, mein Bruder Jonathan; ich habe große Freude und Wonne an Dir gehabt; Deine Liebe fit mir sonderlicher gewesen, denn Frauenliebe ist." Wir aber wollen in diesen Fest. tagen seiner gedenken; denn eS gehört sich so. Und wir weihen, um im rhethorifchen Zug dieser Tag« zu bleiben, diesem charakteristischen Repräsentanten der dritten Kaiserperiolde ein stilles Gla». Skaal! Ein flcgel» Im politischen Kampf« begegnet man hin und wieder Leuten, die ihre bodenlose Unwissenheit mit einer selbstgefälligen Arroganz verbinden und durch wüstes Schimpfen auf die Arbeiterschaft bei feltlpiel zur f eier der königlich preußifeben freibeitskriege 1813—1815. Unter dem Protektorat S. K. Hoheit des Kronprinzen. Schauplatz: Arbeitszimmer des hochseligen Ahnherrn. Der König: Nein, nein! Gewißlich nicht! Ihr Beeden Könnt mich dazu nicht bereden, Daß ich den blut'gen Korsen schone. Mich drängs, mein... äh... Volk aufzurufen. Schon nähert es sich Unserm Throne. Schon schwillts um seine heil'gen Stufen, Mit Gott für UnS auf ewig, amenl Ter König rief und alle, alle kamen. Stein: Du riefst, o König, und schon fahler Erblaßt der Korse, dess' Geschäft der Mord. Denn wie ein Jubiläumstaler Klang ihm ins Ohr Dein furchtbar Wort. Der König: Was sucht Ihr mich dann stets zu hemmen Und meine Kampflust einzudämmen? Tann hcißts in den verdammten Schmökern, Nur ich sei schuld an all dem Zogern, Derweil mich's doch allmächtig packt, Wie Lützows wilde, verwegene Jagd. Scharnhorst: Verzeihung. Majestät geruhen. ES den Ereignissen zuvorzutuen, Ich bemerke in aller Ergebenheit: Major von Lützow ist noch nicht so weit... Der König: Dies Zögern stürzt uns ins Verderben! Sofort ist ein Freikorps anzuwerben. Und ein gewisser Körner zu veranlassen, Die nötigen Freihcitslieder zu verfassen, Natürlich am besten so, daß man. Sie auch nach Karlsbad verwenden kann. Scharnhorst: Dann bitt' ich. daß Majestät uns beehrt Ilitb die Freiheitskriege für eröffnet erklärt. Allerdings bin ich etwas skeptisch Ob des Erfolgs. Zum Beispiel die Wunden Behandelt man immer noch nicht antifeptisch Und da» Luftschiff ist auch noch nicht erfunden. UnS fehlen noch drei Kavallerieregimenter Und die Drucklegung der Jahrhunderibänder Ist noch nicht fertig. Und ferner glaubt man, Ein gewisser Skribent, namens Gerhart Hauptmann, Wolle sich mit Napoleon verbünden, Um eine unvölkische Gesinnung zu entzünden. Und schließlich halten Majestät eS nicht für vermessen: Aber Sie haben die Stiftung des Eisernen Kreuze« vergessen. Der König: DaS Kreuz. daS stift' ich. aber nicht m-�t. Sonst wird'S dem Urenkel gar zu schwer Und er könnte sich allerhöchst giften, Wenn wir ihm alles vor der Nase weg stiften. Der Hauptmann, der kann nicht an uni ran. Wir haben den Leutnant mit zehn Mann. Wir haben jede Dummheit auf unsrer Seite, Im Offizier- und ProfessorNeid«. Auf sie haben wir unser Sach' gestellt Und die Dummheit, ihr Herrn, regiert die Welt. Und außerdem sproßt einst aus meinem Blut Ein schneidiger Oberst— na, is schon gut. Also loö mit der preußischen Wiederbelebung. Erst machen wir'n bißchen Volkserhebung Und jagen den Bonaparte davon. Dann machen wir'n bißchen Reaktion. Dann führt mein Aeltefter die drei Klassen ei«. Und dann ist'ne Lust, ein Preuße zu fein. Dann macht mein Jüngster. Wilhelm der Groß«. Mit ein paar Handlangern die ganze Chose. Und dann liegt Deutschlands Zukunft auf dem Wasser. Und dann gibt» ein paar vaterlandslose Hasser, Und die schlagen wir dann in die Pfanne. Hurra! Also! Wie stehen wir Zollern nu da? Stein(ergriffen): O Majestät, wer ahnte das. Wenn er in Geschichtsbücher« über Sic la» Sie sind ja überhaupt die Seele von» Janze Und ich nichts als eine ergebene Schranze, Der Sie die Städteordnung diktierten Und die Sie herrlichen Zeiten entgegen führten. Scharnhorst(noch ergriffet): O, Majestät, ich glaubte immer. Sie hätten vom ganzen Geschäft keinen Schimmer Ich hatte so in Erinnerung. Als fehlte Ihnen jeglicher Schwung, Sie wären voll Angst vor der Freiheit gcwest Und ich hätt' Ihnen den Aufruf abgepreßt. Nun seh' ich. Sie sind schon viel weiter als wir Und sind schon bei der Zentenarfeier schier. Sie wissen schon, was Ihr Urenkel tat. Und daß er Stein ganz verschwiegen hat. Und daß die Totenkopfhusaren Der deutschen Dichtung weit über waren. In der zwar Stein und ich agiert Von Ihnen jedoch niemand ein Wort verlien Wo die Fürsten und ihr Glitzergefolg Verschwanden hinter dem Volk, dem Volk. Der König: Volk. Volk, ich versteh' immer Volk! Wa« schier, Mich da« Volk, wenn-nein Hau« in Berlin residi Dann schaffen wir das Volk wieder ab. Aber jetzt bring ich 1813 auf Trab. Der Aufruf erst, dann da» Eiserne Kreuz. Gerufen und gestiftet Hab' ich bereits. Jetzt braucht das Volk nur den Krieg noch gewinnen; Tann braucht sich's um nichts mehr zu bemühn, Und ich werd durch jubelnde Bürger und Bürgerinnen Durchs Brandenburger als Sieger zieh«. Dann gibt's Denkmäler. Dankgottesdienste Und heilige Allianzgespinste. Und wenn da« Volk von seinen Strapazen Aufwacht, dann pfeifen schon alle Spatzen. In einem gesalbten Spitzelton DaS Lied von der Heiligen Reaktion. Und darum ernenn' ich schon jetzt für den Vormarz Fürst Metternich zu meinem Marschall Vorwärt- l Gruppe. Aus der Ferne, gedämpft, ein Freiheitslied, in da, sich lber Jahrzehnte hinweg die Klänge des Schlesismen Weberliedes mischen.) IH«Syle!chen den Eindruck von Politikern erwecken. Ein Muster- exemplar dieser Sorte, ein A. Z., beantwortet in der Nr. 25 der Wochenschrift„Der Kritiker" die von dem Blatte gestellte sonderbare Preissrage:„Wer ist der dümmste und korrupteste Mensch in Berlin?" mit folgender Stilübung: Der dümmste und korrupteste Mensch in Berlin ist der So- ziaidemokrat; denn unter dem Vorgeben, die Freiheit zu erstreben, knechtet er sich und sein« Parteigenossen. Er arrangiert Streiks in den Industrien, die dem englischen Großkapital unbequem werden, und ruiniert damit seine eigene Erwerbs- Möglichkeit. Kein anderer Sozialdemokrat der Welt ist so auf- opfernd inlernational wie der deutsche und läßt sich von der ganzen Welt für ihren Eigennutz aussaugen. Wenn der Preis für die d ü m m st e Beantwortung der Frage i» einem Freibillett nach Dalldorf bestände, A. Z. hätte die sicherste Anwartschaft auf den Ehrenpreis. CbnTtUcbe Gcrchäftscmpfeblung. In Regensburg ist kürzlich ein Tapezierer Karl ver- haftet worden, der eine Privatiere in ihrer Wohnung ermordet und beraubt hat. Der Mörder stammt von streng christlichen und zentrümlich gesinnten Eltern und ist selber stets sehr fromm und ein grimmiger Feind der Organisation gewesen. Seine Eltern, die ein Geschäft betreiben, erließen aus Anlaß der Verhaftung ihres Sohnes im Regensburger Zentrumsblatt folgende Danksagung. Da es uns unmöglich ist, für die uns persönlich oder brieflich aus Anlaß unseres Schicksalsschlages erwiesenen Beileids» bezeugungen zu danken, fühlen wir uns verpflichtet, auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Ganz besonderen Dank aber unseren lieben Hausbewohnern, werten Kundschaften und Nachbarschaft. Möge sie der allmächtige Gott von so schwerem Schicksal verschont lassen. Wir bitten die uns noch fern- st e h e n d e Nachbarschaft, daß sie unsere Kunden werden mögen. I. und M. Karl, Produktengeschäft. Ein herrlicher AuSfluß christlich-zentrümlichcn Geschäftssinnes, der das grausige Verbrechen des eigenen SohneS in so widerlicher Weise zur Reklame benützt. I�leulcb bezahle deine öcbulden» Die in nüchterne Paragraphen umgegossene„ewige Gerechtig- Uü* schießt manchmal sonderbare Blüten. Eine der sonderbarsten aber ist es wohl, daß ein Toter mit seinem hinterlassenen Vermögen für einen an ihm verübten Mord haften muß. Im Mai fand in Posen der Prozeß gegen Frau Dr. Blume statt, die der Ermordung ihres Mannes beschuldigt war. Die gesamten Kosten der SchwurgerichtSvcrhandlung betragen 7856,53 M. Die Gerichts.. lasse hat zur Deckung dieses Betrages die bei der Posener Spc- lditionsfirma Hartwig untergebrachte Wohnungseinrichtung des Dr. Blume mit Beschlag belegt und wird außerdem, da bei der Zwangsversteigerung des Mobiliars die Gerichtskosten nicht ge- deckt werden können, sich an dem sonstigen Nachlasse des er- mordeten Dr. Blume schadlos halten. Bielleicht verfällt noch ein findiger Jurist auf die Idee, die direkten Anverwandten des Ermordeten für die entstandenen Kosten haftbar zu machen? Sin imtfilblend Rerz. Im Kampfe um die Existenz erwachsen dem Volke manch un- erwartete weis« Berater. Da sind wohlhabende Männer und Frauen, die viel Sympathie mit der bedrängten Arbeiterschaft haben, nur schade, daß ihre Sympathie leider niemals bis an ihre Börse reicht. Sie wollen die Armut aus der Welt schaffen, ohne daß den Reichen etwas von ihrem Ueberfluß genommen wird. Auch gegen die Teuerung haben sie ein Mittel. Das besteht jedoch nicht im Erhöhen der Löhne, sondern im Gegenteil: der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt darin, daß die Arbeiter immer noch zuviel essen. Wer das nicht glaubt, der höve, was dieser Tage ein Herr Croß in London den Mit- gliedern der Wohltätigkeitsgesellschaften erzählte. Der Herr hat. wie er sagte, an sich selbst ein Experiment gemacht und gefunden, daß der Mensch ganz gut für eineMark und 75 Pfennig in der Woche leben kann. Für 25 Pf. den Tag kann er alle seine Nahrungsbedürfnisse befriedigen. Er kaufe nämlich wöchentlich drei Laib Brot, ein Pfund Hafergrütze, einen Liter Milch, ein Pfund Bohnen, ein Pfund Datteln, ein Pfund Reis, 55 Gramm Fett. 140 Gramm Margarine, ein halbes Pfund Karwffeln, ein halbes Pfund Zucker, Tee, Pfeffer, Salz usw. Was wohl in dem Undsoweiter stecken mag? Vielleicht präparierte Sägespähne? Möglicherweise kommt ein Menschenfreund nächstens noch auf die Idee, den inneren Menschen mit Sägespähnen aus- zustopfen, und so den dummen Magen zu täuschen. Herr Croß hat die Speisekarte selbst probiert und versichert, daß er sie wieder auf längere Zeit versuchen werde,„um sich die angenehmen Erinnerungen an da§ erste Experiment wieder ins G e- dächtnis zurückzurufe n". Der Mann wäre, wenn er sich dauernd an seine Speisekart« gewöhnt hat, imstande, noch Großartiges für den Kapitalismus zu leisten. Vielleicht wird es schließlich doch noch möglich sein, die Unter- Haltungskosten eines menschlichen Arbeitstieres etwa? herabzu- drücken! Mit diesem befriedigenden Bewußtsein verließen die „Wohltäter" das Vortragszimmer, um in einem der erstklassigen Restaurants die halbjährigen Kosten des idealen Speisezettels mit einem Male zu verschlingen. Bnrfcben berauel Einen urkomischen, dabei aber beschämenden Anblick bietet der junge Krieger, wenn er als Offiziersbursche mit dem Marktkorb in der Hand die gnädige Frau beim Einkauf begleitet. Als unsere Parlamentsvertrcter während der Debatten über die Wehrvorlage die Abschaffung des Burschen dienftes verlangten, blieben sie natürlich in der Minderheit. Die Militärenthusiasten, die sonst patriotische Purzelbäume vor dem„vornehmsten Rock" schlagen, hatten kein Empfinden für die schmachvolle Degradicrung der 300 Träger des vornehmsten Rockes, die im Offiziershaushalte den Befehlen der Gnädigen gewärtig sein müssen. Was sollte auch die Frau Hauptmann und die Frau Major ohne den Burschen ihres Mannes anfangen? Vor allem aber würde ihr Portemonnaie darunter leiden. Daß dem so ist, sieht man aus einem recht charakteristischen Gesuch im christlichen Traktätchenblatt„Der Sonn- tagsfreund". Dort heißt es: Suche nach Metz ein häusliches, zuverlässiges Mädchen, das kinderlieb ist sein Junge von 5 Jahren). Leicht« Stelle, da Bursche vorhanden. Angebote mit Gehaltsansprüchen an Frau Hauptmann N..., Potsdam. Vielleicht ist die verehrte Frau Haupmann R. besser als der Kriegsmiaister in der Lage, über die inneren Zusammenhänge der militaristischen Ausbildung der Offiziersburschen und der leichten Stellung der Dienstmädchen im OfsizierShaushalt zu urteilen. Spiel und Sport Das Spielfest des Turnvereins„Fichte" in Treptow. Das gestrige Spielfest de? Turnvereins„Fichte" brachte dem Verein einen großen sportlichen Erfolg.„Gesunde und taten- froheMenschen braucht die moderne Zeit"— diese Devise war dem umfangreichen Programm vorangestellt—, und wahrlich, wer den gestrigen glänzenden Vorführungen beizuwohnen Gelegenheit hatte, konnte sich überzeugen, daß die Arbeiterturner sich bemühen, dieses Programm in die Wirklichkeit umzusetzen. Etwa 1600 Turner und Turnerinnen marschierten um H3 Uhr nachmittags unter Vorantritt der Neuköllner Turnerkapelle in ihrer Turn- und Sportkleidung vom Turnplatz des Vereins nach dem großen städtischen Spielplatz in Treptow. Viele taufende Zuschauer begleiteten den Zug, und in kurzer"Zeit war der erhöhte Promenadengang ringS um den Platz dicht von Menschen besetzt. Von hohen, schattenspcndenden Bäumen umgeben, liegt etwa zwei Meter tiefer die große, gut gepflegte Rasenfläche, eingerahmt von einer 880 Meter langen Laufbahn, das ganze eine ideale Anlage, zu einer großen volkstümlichen Veranstaltung wie geschaffen. Unter den Klängen der Musik marschierten die Turner in ihrer weißen Turnkleidung und die Turnerinnen in blauweiß gestreiften Sweatern und blauen Turnhosen zu den Freiübungen auf, den ganzen Platz ausfüllend. Auf dem grünen Rasen boten die exakten Uebungen, verschönt durch die einheitliche Kleidung, ein abwechselungsreiches Bild. Dieser einleitenden Massenvorführung folgten nun die Einzelkämpfe. Die Stafettenläufe über 800 Meter(10 Läufer ä 80 Meter) nahmen das Interesse des Publikums in vollem Rkaße in Anspruch. In 9 Läufen maßen 170 Männer, 190 Lehrlinge und 80 Turnerinnen ihre Kräfte. Den Sieg errangen in scharfem Kampfe die 3. Männer-, 3. Lehrlings- und 5. Frauen-Abteflung. Zwischendurch hatten beim Tau» ziehen die Abteilungen ihre Lträfte gegenseitig gemessen. Dann folgten, über den ganzen Platz verteilt, T u r n s p i e l e, wäh- rend den Abschluß des sportlichen Programms die Olympischen Stafetten(jede Mannschaft 4 Läufer, 800. 400 und zweimal 200 Meter) bildeten, die noch einmal die Blicke vieler Tausender an die Laufbahn fesselten. Tann sammelten sich Turner und Publikum in großen Massen um die Tribüne, wo der Vorsitzende G o t t s ch a I k in flammenden Worten der Begeisterung das Pro- gramm und die Kämpfe des Turnvereins„Fichte" Revue passieren ließ. Ein dreifaches„Frei Heil" auf den Verein und den Ar- beiterturnerbund schloß die Feier. Resultate. Kinsettenlau? Letjriitiae: 1. Porlaut 4. 1,44 Mm., 2. Borlaus: 3. L-A. 1,41 Min., 3. Vorlauf: �.L-A. t.4Sft. Min., E n d- i n n t•? 0.9L 1 in1; Min— Männer: 1. Vorlauf: 2. M.-ll. 1,6»/, Min.. 2. Botleuft 3. M.-A.' IM'/. Min.. 3. Vorlaus- 3. M.-AIMMin., E n d l a u j- 3. M.-A. 1.37-,. Min.- F r a u c n: 5 Ft-A 2,04'/. Mm Tauziehen: Männer: 13.. ö.. 4., 3 1., 2., 12.,10.,18. M-Abt. — Frauen: 4.. 2., 6. Fr,-Abt.— Lehrlinge: 2., 12.. 10, 15., 16.. OIy'mpt'sch�Stasette: 1.-1. M.-Abt. 4'/. Min., 2.-8. N.-Abt. 4,0-/. Min._ Resultate der Fnustballserienipicle desNrbeitcr.TurnerbundcS. Kreis I. Bcztrt 5 Ludlenberg I: Friedrirssclde l 78: 55 Lichtenberg l. Köpenick I 72: 00. Ob-rjchöneweide I: Friedrichs, e de I 75. 45. Slchtni» bcrg II: Lberlchoneweide II 68: 77. Lichtenberg II- Köpenick II 66. 91. Kuaendmannschasten. Niederschoneweid-: Adlers hos II 52.66. Riederschonewetd«: Ob-rschön-weide I 51: 73. Niederschonewewe: Oder- ichöricweidc II 60: 42. Adlershos: Lichtenberg 52: 60. Oberschonewewe. "'�Fußballspiel'- Resultate. Friedrichshagener FiifbMllub Mcmaiiia 2. Manlijchasi gegen Treptower Fußballklub Preuzen 2. Mannschaft 4.., Halbzcil 1:2.— Alcmania 1. Mannschaft gegen Prerihen 1. Mannschaft 5.1, «..--»m«.........» bnwS-iiillnl 2:1 zu Gunsten Vlllorias. DaS Spiel war reich an spannenden Momenten. Wien-Bcrlin. Diese über 598.1 Kilometer führende klassische Dauerfahrt wurde diesmal nur von Ehrenprersfahrern bestritten, während die Geldpreisfahrer nicht zugelassen waren. 83 Fahrer hatten gemeldet: die Fahrt begann am Sonnabend früh 4 Uhr in Ftoridsdorf bei Wien und endete in Mariendorf beim Kilometerstein 10.4. Leider hatten die Fahrer unter Sturm und Regen zu leiden. so daß die meisten ausgaben und der erste mit einer fünfstündigen Verspätung eintraf. 1. Paul Thiel(Breslau) vn 30 Stunden, 23 Minuten, 16 Sekunden; 2. P. Rathmann(Breslau) in 33 Stun» den. 5 Minuten. 19 Sekunden; 3. Andr. Reitberger(Münchens Im Vorjahre hatte der erste Wertpreisfahrcr etwa 25 Stunde« für die Fahrt benötigt. Radrennen im Olympia-Park. Dem Goldenen Rade über 100 Kilomeier mit Motorführung>var prächtiger Sonnenschein und sehr auter Besuch beschieden. Leider brachte das Rennen, das von Guignard. Hall, Janke, Stellbrink und Vander» stuvft bestritten wurde, nicht den erwarteten Verlauf. Janke. der am Sonntag vorher die Meisterschaft von Deutschland'n Dussel» darf gewonnen hatte, kam nach dem 20. Kilometer zu?vall und mußte aufgeben. Stellbrink, der bis nach dem 40. Kilometer an der Spitze gelegen hatte, blieb infolg« von Radschäden zurück. Nmt war der Weg für G u i g n a r d, den Meisterfahrer von Frankreich, frei; er fuhr so vorzüglich, daß er vom 60. Kilometer an die Bahn» rekords schlug... �. Halbdauerfahren Egg-Stol mit Tandem» führung in drei Läufen. 800, 400 M. 1. Lauf 1. Egg in 12:07; 2. Stol, 1. L.— 2. Lauf(15 Kim.) als Verfolgungsrennen. 1. Egg in 18: 38; 2. Stol. 120 Meter zurück.— 3. Lauf(10 Klm.) 1. Stol in 12: 51; 2. Egg, 1. L.— Wertung: 1. E gg 4 Punkte; 2. Stol, �Flieger-Match in drei Läufen. 800, 500, 300, 200 M. 1. Lauf(1200 Meter): 1. Rütt in 1: 49; 2. Friol,% L.; 3. Elle» aaard, 4. W egener, 5. Arend.— 2. Lauf(800 Meter): 1. Arend in 1: 15; 2. Rütt. dicht auf; 3, Friol; 4. Wegener; 6. Elleaaard.-- 3. Lauf(400 Meter): 1. Rütt in 0: 25; 2. Friol; 8. Wegener; 4. Ellegaard; 5. Arend. Wertung: 1. Rütt(4 Punkte); 2. Friok(7); 3. Arend(11); 4. Wegener(11); 5. Ellegaard(12). Das Goldene Rad. 100 Kilometer. 2000, 1200, 1000, 800, 800 M. 1. G u i g n aa r d in 1: 11: 18(bisher 1: 13: 18); 2. Vanderftuhft 6810 Meter. 3. Stellbrink 19 060 Meter 4. Hall 28630 Meter zurück. Janke nach dem 20. Klm. durch Sturz aus- geschieden. Vorgabefahren. 1200 M.. 100. 75. 50. 25 M. Hieve! (130 Meter Vorgabe); 2. I o k i e l(120); 3. E. Wegener(150); 4. Rütt(10)._ Kleines Gefpracb. Eine lonnenheiße Wiese. Blauer Himmel. Der B a t e r. Ach. hier ist eS schön... Wie, hier wollen tmr rasten— bist Du müde? ® e i So h n. Ein wenig. Ja. hier ist eS still. Ferien! Vater, ich freue mich so, daß Ferien sind. Einmal keinen Herrn Lehrer, keine Rechenaufgaben... eS ist so angenehm. D e r V a t e r. Ich gönne eS Dir.— Sieh die weißen Wolken— jetzt kommt ein leichter Wind und treibt sie davon, sie lösen sich auf... Die W«a ist schön. Junge, das wirst Du noch merken, wenn Du es noch nicht weißt... (Stille) Der Sohn. Sag, Bater— wenn ich hier so liege, dann muß ich so daran denken— worum find wir hier so allein? Hier ist eS doch hübsch, die Luft ist rein, der Himmel so vergnügt blau- warum freuen sich nicht mehr Leute daran, alle Leute? l Der Vater. Wo denkt Du hin? Sie müssen arbeiten. Ich arbeite doch auch sonst, habe mir nur heute einen freien Tag ge» nommen. Arbeiten müssen sie— ja... Der Sohn. Aber... wann freuen sich die anderen Leute daran? weiß ja, meine Freunde fahren in den Ferien an die See. ins Gebirge... Aber die andern, eS muh doch noch vielmehr Leute geben, wann liegen b i e hier im Grase und sind weich hingestreckt, sehen den Käfern zu, hören aus das Brummeln der Bienen..- D e r V a t e r. Bist Du närrisch? Sie arbeiten l I— Der Sohn. Alle? Alle arbeiten? Arbeiten sie immer, da» ganz Jahr über? Wo arbeiten sie? In den Fabriken? Wie ist eS in Deiner Fabrik? Der Vater. Wer hat Dir da, in den Kopf gesetzt? WaS soll es? Natürlich arbeiten sie da« ganze Jahr über— dafür werden sie ja auch daS ganze Jahr bezahlt. Du bist noch recht jung. Der Sohn, Aber haben sie denn nie Ruhe? Sehen niemals die Natur, wie wir sie sehen still, ruhig, in einem ruhigen Glanz der VormiltagSionne...? Der Vater. Aber do». An Sonntagen. Alle Sonntag. Der Sohn. Gewiß, alle Sonnlag. Aber... nie tagelang hintereinander? Nie mit dem glücklich ruhigen Bewußtsein, morgen ist wieder ein freier, unendlicher leerer Tag? Morgen darf ich wieder die kleinen Wclichen de« glitzernden Sees sehen, darf baden. lausen..) Da« nie? Der Vater. Aber Junge. Du wirst ja ordentlich poetisch I Rein, das haben nur ganz wenige. Ja. Der Sohn. Wir zum Beispiel. Der Vater. Ja, wir. Der Sohn. Warum nur wir? I Warum jene nicht? Während wir hier liegen, höre ich sie in ihren Werkstätten rummeln, arbeiten. klopfen... und wir ruhen hier und atmen reine Luft.... Der Vater. Junge...1 Der Sohn. Die Fichten wachsen, rauschen— für wen? Da« Wasser blinkt in der Sonne, der Weg stäubt, die Waldkräuter duften ein bischen-- für wen? für wen?— Alles jubelt,— sie arbeiten. Du zürnst mir?— Vater... Bater!— Dervater. Du wirst nie Geld machen, mein Sohn!— Der neue Lederftrumpt Der Kampf, der feit einigen Jahren gegen die Schundliteratur geführt wird, mag einige kleine Erfolge aufzuweisen haben, im großen und ganzen aber erweist sich der gemeingefährliche Schund leider als ein sehr hartnäckiger Gegner. In der Ha m b u r g e r Jugendschriftenwarte wurde beispielsweise festgestellt. daß in vierundzwanzig Papiergeschäften, die billig« Bücher aus» legen I8mal gut« und 147mal schlechte Sammlungen angeboten wurden. Die Schundliterarur tritt nicht mehr so offen auf wie früher, aber fie ist noch immer in ungeminderter Rüstigkeit vor» handen.— Auf dem Hintergrund dieser Tatsachen gewinnt ein WarmrngS- artikcl Bedeutung, den der„Hamburger I u g e n d s ch r i f t e n» a u S s ch u ß" erläßt. Zur Aufklärung im besonderen der Eltern geben wir die folgenden Stellen wieder: Eine bewundernswerte Findigkeit entwickeln die Schund» Verleger, um über die wahre Natur der Hefte, ihre Gemeinheit oder Dummheit hinwegzutäuschen. Ein beliebtes Mittel ist eS, einen Serientitel zu wählen, der für die Jugend viel Anlockendes und daneben für die Erwachsenen ebenso viel Beruhigendes ent- hält. So gibt der Dresdener Romanverlag, ein ans- gesprochener Schundverlag, eine neue Serie heraus unter dem Namen„Der neue L e d e r st r u m p f". Er verwendet dabei den Titel de? bekannten Cooperschen Lcderstrumpf und hofft, daß die Sympathien, die Rescr Lederstrumpf bei der Jugend hat, auch der neuen Geschichte zufließen. Er hofft außerdem, daß die Eltern. die den alten Lederstrumpf als gute Erzählung kennen, nun auch den neuen Lederstrumpf durchgehen lassen werden. In diesen Er- Wartungen hat der Verlag sich nicht getäuscht; denn kaum eine Serie findet bei der Jugend so viele Leser wie dies«. Aber man sollte einmal in diese Hefte hineinsehen. Man wird erschrecken über den Wust von Roheiten und Gemeinheiten; man wirb er» kennen, daß auch nicht die allergeringst« Verwandtschast zwischen dem alten und dem neuen Lederstrumpf vorhanden ist. Der neu« Lederstrumpf bringt nichts als eine wüste Häufting von Greuel» fzenen. Daß wirklich von nichts anderem als von Mord, Totschlag, lieber fall und Brandstiftung die Rede sein kann, wird durch die folgende Zusammenstellung bewiesen. In 10 von diesen winzigen Zehnpfennig-Heften loerden 90 Menschen erschossen(alle einzeln aufgeführt). 8 erstochen. 22 erschlagen, 5 außerdem noch skalpiert, 3 aufgehängt, 3 erdrosselt, 2 mit einer glühenden Zstzhlenschaufelj erschlagen, 2 durch Faustschläge betäubt, 1 wird ermordet, 1 ver» giftet. 1 überrannt, 1 gepeitscht, 1 von einem Bären zerrissen, 1 an den Haaren hinter einem reitenden Indianer Hergeschleist, 1 in ein Branntweinfaß gesteckt, 4 Menschen wird der Kopf zer» schmettert, 1 der Leib mit einem Messer zerfleischt, einem Kind« mit einer eisenbeschlagenen Keule der Schädel zerschmettert« 1 Mann wird fünf Tag gemartert, 1 Frau gemartert, 1 Mädchen geraubt, 1 jtind geraubt, 1 Kind gepeitscht, 1 Hund erstochen, 17 Pferde werden vergiftet, 2 Maultiere erschossen, 2 Leichen von Bären zerrissen. Außerdem werden zwei Blockhäuser überfallen und in Brand gesteckt. Ein« Brücke mit 100 Sioux in die Lust gesprengt, und schließlich werden noch geschildert 2 Gemetzel, 1 Mut- bad, 2 Gefechte, 1 Schlacht mit Hunderten von Toten, 1 Masser». gemetzel und 1 Massenmord. Breslau. Wie waren fie so stolz auf daS Gelingen, ihr treues Dienerherz, wie tapfer schwoll'S! Ihr Ruhm bereits schien durch die Welt zu dringen, und mancher sagte was von Männerstolz. Hier ward die sprichwörtlich bekannte deutsche Verlotterung des Bürgertum« vermißt, hier trotzten Bourgois der Hundepeitsche. die fie so gern schweifwedelnd sonst geküßt. Fast war die Prüfung rühmlich schon bestanden, nur ein paar Tage noch— dann war'S vollbracht. Da aber wurde den Examinanden durch ihre Rechnung doch ein Strich gemacht. Der Kronprinz rief, und alle, alle kamen auf allen Vieren wedelnd angefegt. Wer zählt die FortschritlSmänner, nennt die Namen, die fich mal wieder auf de» Bauch gelegt. Franz. fahrend Volk der Gegenwart Die menschliche Gesellschaft im zivilisierten Staat ist in ihrer -trultur ziemlich genau bekannt. Die Schichtung der einzelnen i lassen, die Klassenübergänge, die Stände und Kasten, die Berufe -üb Erwerbskreise sind im wesentlichen erforscht. Zwischen den bekannten Bestandteilen des GesellschastskörperS finden sich aber manche scheinbar fremde Einschüsse, die wie Fremd» körper für sich dastehen und vom Gesellschaftskörper nicht assimiliert 'ind. lieber diese Einschüsie ist noch verhältnismäßig wenig bekannt. Am meisten hat sich die volkskundliche und soziologische Literatur noch nit den Zigeunern befaßt. In neuerer Zeit beginnt auch der Schausteller- eruf in der Art einer gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter aus er Nngreifbarkeit herauszutreten: die Unternehmer hatten ja schon ingere Zeit ihre Organisationen. Die Artisten sind ebenfalls mehr- ach organisiert, aber das alles hat erst wirkliche Bedeutung ge- oonnen durch die furchtbare Krise, die die verschiedenen Arten der artistischen Berufe jetzt zu ertragen haben. Der Kapitalismus räumt sicr auf, wie eS diese Berufe noch nicht erlebt haben: er konsolidiert ind vernichtet zugleich. Die kapitalistische EntWickelung läßt die zweifelhaften Zwergbetriebe immer mehr verschwinden und setzt an ihre Stelle den ortsständigen oder reisenden Großbetrieb. Die tinematographie hat dem Artistenberuf ebenso Schaden getan wie em Beruf der kleinen Schauspieler, und nicht zuletzt ist es uch eine Geschmacksänderung des Publikums, der sonn- 'gliche Zug des Städters in die freie Natur, die dem Artisten- :ruf schwere Wunden schlägt. Wo sich das Tingeltangelwesen trotz- im noch erhält, da findet sich das anspruchloseste Publikum zu ihm irr ein Publikum mit offenen Nebenabsichten, die das Artistentum illendS ganz in den Sumpf drücken und die in den gehobenen rtistenkreisen auch die heftigste Verurteilung und Bekämpfung finden. >i» kleinen Schausteller- und Zirkusunternehmen, die sich der ipitalistischen Entwickelung zum Trotz immer noch erhalten, können nr in der allerhintersten Provinz noch weiterkommen und es wäre ne dankbare, aber auch schwere Aufgabe, diese? rudimentäre rtistentum der Wandemden Kunstreiterbanden nach ihren Existenz« :rhältniffen und nach ihrem Menschenmaterial zu erforschen. WaZ in und wieder aus Gerichtsberichten an die Oeffentlichkeit dringt, ißt ungeahnte Tiefen erkennen. Ein solcher Einblick in jenes Milieu wird auch durch die Be- inntmachung eines magdeburgischen Pfarrers eröffnet, die er jetzt in .ner artistischen Fachzeitschrist veröffentlicht. Da ist ihm ein kräftig ebauter junger Mann mit blauen Augen und schwarzen Haaren in le Sprechstunde gekommen, der in einem Wanderzirkus namens ?einS aufgewachsen ist und sich Paul Reichelt nennt. Er gibt an, nr 13. Oktober 1832 in Oppeln geboren zu sein, aber über seine lltern und über seine Herkunft weiß er kein Wort. Aufgezogen oorden ist er von einer Frau namenS Rosa Henkel, die in dem ahrenden ZirkuS als Schneiderin tätig gewesen, aber etwa 1903, ls Paul Reichelt 13 Jahre alt war, in der Nähe von Köln ver- '.orben ist. TodeSdatum und auch das richtige Todesjahr wie auch er Ort ist dem jungen Menschen unbekannt. Diese Rosa Henkel oll nun Briefe von den Eltern deS Reichelt und auch andere -apiere, die sich auf ihn bezogen, gehabt haben; feit ihrem Tode md diese Papiere aber verloren; Reichelt weiß nur anzugeben, daß e in rumänischer Sprache geschrieben gewesen seien. Ein modemer Kaspar Hauserl In einem Staatswesen, in dem onst kaum ein Apfel zur Erde fallen kann, ohne daß die Rechts- erhältniffe dieses Falles festgelegt oder festzustellen wären, wird ein Menschenkind jahrelang durch die Lande geschleppt, ohne jede Ver- liüpfung mit Herkunft und Eltern. Die arme Frau, die das Kind neizehn Jahre lang wie ihr eigenes hielt, bis sie in einem harten remden Orte der Tod niederzwang, ist stumm. Was würde sie für runde haben? Ihr eigenes Kind ist eS wahrscheinlicht nicht gewesen. iin Pflegekind jedenfalls auch nicht, denn ein wandernder Zirkus wird azu kaum ausgewählt. Ein Findelkind, ein ausgesetztes, ver- -ugneteS, im ersten Augenblick seines Erdenwallens von der lutter verstoßenes oder verlassenes Kind? Ein entführtes Kind - eS ist fast alles Vermuten rührseliger Kitsch, aber eS ist alles «uch möglich. Oder ist jene Frau die heroische Freundin eines sirlusweibeS, der ein Kind unter dem Herzen wuchs und die dann orstarb, verdarb? Kein StandeSamtSregist»-. meldet, daß um jene '.eit in Oppeln ein Knabe geboren worden w. Also eine heimliche ieburt, eine schwere Stunde vielleicht, al» der ZirkuS schon wieder packt zur Weiterreise war. Nun, nach einundzwanzig Jahren -rden die Eltern gesucht. Eltern, die der junge Mensch niemals inte, vielleicht deshalb auch niemals vermißt hat und gar nicht zu o ätzen weiß. Fürwahr, Romantik genug, ausgebaut auf der Tragik einer xistenzform, die vielen immer noch in heimlichem Glänze strahlt. t Rumänien ist eS gewesen, da eben bei einem solchen wandernden rkus, der in einem Dorfe sein Zelt aufschlug, zwanzig junge .Irschen anZ dem Dorfe die Zirkusleute überfielen und fünf von nen töteten, wei'l sie der gleißende Flitter gereizt und ihr >egehrcn danach geweckt hatte. Der trügerische Schimmer einer achtenden Welt war vor ihnen aufgegangen, sie, die in der ärm- chen Enge ihres Heimatsnestes für Gold hielten, was nur glänzte, • iaubten, ein rascher Griff— und sie gingen der Herrlichkeit entgegen. So wie jene rumänischen Burschen dachten, denkt die Menge ücht überall, aber bei der Jugend der ländlichen Orte bricht immer roch die Bewunderung und auch der Neid durch, wenn die fahrenden Leute, das„unehrliche Volk" von ehedem mit Trommelklang in das Dorf zieht. Sie sieht das Tragische nicht, das in jener Freiheit und Ungebundenheit liegt, der Reiz des Ungezähmten ist mächtiger und es sind dieselben psychologischen Reflexionen, die so viele junge Bürschlein auS dem Binnenlande zur See treibt und sie die Hafen städte mit den geringsten Mitteln und auf die beschwerlichste Weise erreichen läßt.' Dieselben Gründe, die die Jugend nach der Schund literatur lechzen läßt und in die aufregenden Kinosäle lockt. Die Sucht nach dem Ungewöhnlichen, da? Ungenügen am Alltäglichen, das flackernde Lebensgefühl, alles das find Umstände, die das Leben und die Welt jener dunklen Schichten wie ein faszinierendes Ziel erscheinen lasten. Jener elternlose Mensch, der seine Eltern sucht, zeigt ein Bild aus jener Welt des ArtistentumS. ES vermehrt noch die Tiefen jener Welt, daß eS in ihr auch steile Höhen gibt. Artistenhonorare, die sich sehen lassen können. Und von diesen überträgt sich dann leicht der Schimmer auch auf die niederen Chargen; es ist noch gar nicht so lange her. daß man erst erfahren mußte, wie steil es neben den Riesengehältern bergab geht, beim Theater sowie bei den Artistenunternehmungen. Im strahlenden Lichte der Bühne und der Arena vergißt sich das aber leicht wieder und man muß schon sehr scharfsichtig sein und sehr nahe sitzen, um auch äußerlich zu erkennen, daß all die gleißende Pracht eben doch nur Illusion ist und der Frohsinn, der Tausende Abend für Abend zu Lachen bringt, oft nichts ist als einstudierte Pose, Grimasse für das tägliche Brot. Hinter den Kulissen und hinter dem Reitergang sieht das Bild ganz anders aus; der urkomische August, an dessen nicht neuen und auch nicht geistreichen Witzen und an fatalistischen Kapriolen die Menge oben in den Gängen ihre wiehernde Freude hat, ist hinter dem Rücken der Menge vielleicht ein gesetzter oder sicher gar mürrischer Familienvater. Abgedroschen, rührselig, unleidlich sentimental ist das, nicht wahr? Kitsch l! mit zwei AusrusungSzeichen, sagt der Kenner, der alles da? zu kennen vermeint. Nun, vor kurzem ist ein so lustiger Zirkusaugust gestorben; kein Mensch denkt wohl in der Vorstellung. daß ihm auch Menschliches widerfahren, Krankheit und Tod auch ihm zugedacht sein könne. Aber hinter dem Rücken des Publikums— sonst hätte es seinen Tod vielleicht für einen Witz gehalten, belacht und beklatscht— stirbt der Mann doch, nach langer, langer Krank- heit. Jetzt tritt erst zutage, daß er, der sich vor dem Moloch der Menge zur Spottgeburt erniedrigte, Familienvater war. Jetzt, nachdem er tot ist, liest man im Fachblatt der Artisten, in derselben Nummer, die von dem elternlosen Burschen handelt, folgendes: Nochmalige dringende Bitte. Mein Mann, der Originalaugust Charles Fredt, ist mir in den letzten Wochen durch den Tod entristen worden. Die jahrelange Krankheit meines Mannes hat dazu ge- führt, daß wir schon seit längerer Zeit in bitterster Not find und buchstäblich mit dem Hunger kämpfen. Alles Entbehrliche und Un- entbehrliche ist längst versetzt. Die Kosten der Beerdigung haben die Sachlage noch verschlimmert und nur durch das Eingreifen des Direktors Koschke und des Zirkus Henry ist mir die Beerdigung meines Gatten ermöglicht worden. Nochmals richte ich an alle früheren Kollegen meines Mannes, die jahrelang mit ihm zusammen gearbeitet haben, das dringende und herzliche Ersuchen, mir doch für die erste Zeit ein kl. Scherflein zufließen zu lasten, damit meine Kinder und ich über das Schlimmste hinwegkommen. Frau Anna Fischer, gen. Fredt. Das ist also die WirMchkeit, der Kitsch für die Kenner! Das Dunkel dieser Einschüsse im Gewebe der Volksschichten ist noch nicht erhellt. Wir wisten noch zu wenig von diesen Kreisen. Auch den vorurteilsfreien Menschen hält etwas zurück, ganz in jenen Kreisen für eine Zeit aufzugehen, um sie kennen zu lernen. AuS der Geschichte find diese Einschüsse fast bester bekannt, als auS der Gegenwart. Untr zwar deshalb, weil sie Rudimente einer großen Klasse sind, der Klaste der unehrlichen Berufe; vom Henker und der Dirne bis zum Komödianten und Musiker, Heerpauker und Pfeifer, Kesselflicker und Schäfer, die in enger Verwandtschaft mit den freien Künsten standen. Die Protektoren der Pfeifer, die Pfeiferlönige, waren die Reichsgrafen von Rappoltstein, und es ist bezeichnend für die soziale Stellung der Pfeifer, daß ihre Protektoren sür sie das Recht der Zulassung zum Abendmahl vom Papste ausdrücklich erwirken mußten. Sonst waren die unehrlichen Berufe, seit dem Kirchenvater Augustinus als Leute, die sich„öffentlich mit schändlichen Dingen nähren", von den kirchlichen Rechten ausgeschlossen, und noch vor wenig mehr als hundert Jahren konnte die Neuberin, die gefeierte Schauspielerin, nicht auf dem Gottesacker zu Laubegast, sondern nur an der Kirchhossmauer begraben werden. Die Armenordnung des Königreichs Sachsen von 1810 sah die reisenden Komödianten als Vagabunden an. Ueber alles das sind wir fast besser unterrichtet, als über die Reste jener fahrenden Leute, die sich bis in die Gegen- wart herein erhalten haben. Das fahrende Volk von einst ist nur in seinen oberen Schichten, wenn auch nicht ganz, aber doch nahezu im bürgerlichem Sinne gesellschaftsfähig geworden. Auch literarisch ist das Stoffgebiet wenig ausgebeutet; so dankbar eS ist, so spröde ist eS auch. Zola hat in seinen jungen Jahren darüber geschrieben und Baudelaire hat ein erschütterndes Bild jener Welt ge- zeichnet: den alternden Schausteller, an dessen zerfetzter Bude mit der auZgcblichenen Bcmalnng und dem trüben Oellämpchen die Menge vorübertreibt, den neuen helleuchtenden, musikbrausenden Attraktionen zu. Und Baudelaire läßt seine Schilderung auSklingen mit einem Ausblick auf die andere Art derer, die für die Menge leben muffen und deren Existenz oft nicht weniger unsicher und der bürgerlichen Regeln ledig ist, als die der fahrenden Leute. Da» ist, sagt« Baudelaire, daS Bild des alten Schriftstellers, der die Generation überlebte, deren gefeierter Unterhalter er war. Das Bild des alten Dichters ohne Freunde, ohne Familie, ohne Kinder, verkommen durch das Elend und die Undankbarkeit der Oeffentlichkeft. DaS Bild de» Dichters, in dessen Bude die rasch vergessende Welt nicht mehr ein» zutreten vermag._ Hugo H i l l i g. Die �subiläumskokarde. Der Festzug des Kriegervereins wand sich durch die Straßen des Ortes. Voran die Vereinsfahne, dahinter eine unentwegte Blechmusik: die Kaiserhymne, immer die Kaiserhymne. Hinter der Musik der Vereinsvorstand: Karl Priebs, Alfons Krause und Jgnaz Knilling. Vorsitzender Priebs verdrehte den Kopf wie ein aufgeregter Hahn nach rückwärts und krähte dazu:„Wetten, Krause! Es find mindestens hundert Kokarden!" Er starrte verzückt auf die schwarz-weiß-roten Sterne, die jeder schulentwachsene männliche Zugteilnehmer fichtbar am Hute tragen mußte. Erstens als Jubiläumsdemonstration, zweitens weil Geld gebraucht wurde. Stück zehn Pfennige. „Es sind mindestens hundertzwanzig!" juchzte Priebs. „Es langt zu einer neuen Fahne!" jodelte Knilling. „Ich bin für eine große Kaiserbüste ins Vereinszimmer." sagte Krause. „Fahne!" beharrte Knilling. „Büste!" entschied sich PriebS. So gelangte der Zug zur Festwiese. Als die Bierfässer angezapft waren, hockte Knilling zivischen PriebS, Krause und einer Batterie von Lagerbiergläsern, verdrehte selig die Augen und fistelte Hingeriffen:„Kinder! Genau gezählt hundertdreiundzwanzig Kokarden. Das gibt'ne neue Fahne!" „Büste!" jubelten PriebS und Krause und himmelten noch ein- mal in den Biernebel des Festplatzes hinein:„Büste!..." „Fahn!" Knilling. „Büste!"... PriebS und Krause. So verging der Nachmittag. Und als sich das Vorstandskleeblatt gegen Abend wieder nach der Stadt zu fortpflanzte, schlug sich Knilling auf die knalligen Schenkel und juchheite:„Hundertdreiundzwanzig Kokarden! Wer hätte das gedacht! Gab das ne feine Fahne!" „Büs------" Büste, wollte PriebS sagen, aber der Mund blieb ihm offen. Denn da drüben auf der anderen Seite der Straße— da drüben Donnerwetter noch einmal—, da drüben taumelle einer die Straß« daher und sang lästerliche Sauflieder. Der Hut saß wie ein zer- knüllter Sack im rosigen Säuferantlitz und über dem Hutrande strahlte eine schwarz-weiß-rote Kokarde die Inschrift ins Weite: „Mit Gott für König und Vaterland!" Eine von den 123. „Der versoffen« Pietsch natürlich," knurrte PriebS.„Der blamiert unser ganzes Fest. Morgen steht alle? im Sozzenblatt!" Und er wies mit der Faust nach dem Torkelnden, der jetzt stehen blieb, wie ein entwurzelter Baum schwankt« und dazu brüllte: „Lieb Vaterland, magst ruh— hig sein, lieb Vaaaa— ter— land-- Er lehnte sich mit offenem Maule an die Häuserwawd und alle? an ihm brüllte. Die drei stierten einander ratlos an. „Verdammt!" flucht« PriebS— dann kam ihm eine Erleuch- hing. Wirklich, eine richtige Erleuchtung. Die erste feines Lebens, „Ich— ich kauf dem Kerl die Kokarde ab..." Da war er schon drüben... Ein kurzer Wortwechsel—«in Griff nach dem Hute de» Gröhlenden— dann war PriebS um zehn Pfennig und der andere um die Kokarde leichter. „Gott sei Dank!" Die drei atmeten ehrlich auf, gingen weiter. „Weest Du, PriebS, eine neue Fahne---' Diesmal mußte Knilling abbrechen, denn wieder kam ein laute» Gegröhle dahergetost:„Es braust ein Ruf wie Dooonerhall--" Ein taumelnder Sänger, voll Lagerbier bis an den Hutrand. darüber die Jubiläumskokarde. Diesmal kaufte sie Knilling. Eine Seitenstraße weiter: wieder eine torkelnde Kokarde... hinterdrein zwei Eingehenkelte... dann noch ein paar... dann immer noch ein paar... dann--- Dann sagte Vorsitzender PriebS:„Knilling! Kraus«! Die ver» fluchte Kokarde! Morgen steht alles im Sozzenblatt! Alles! Wir müssen uns verteilen! Müssen die Heimkehrenden abfangen! Müssen den Besoffensten die Kokarde abnehmen! Wenigstens den Besoffensten!" Und sie verteilten sich an die Straßeneingänge, die auf dem Wege vom Festplatz zur Stadt genommen werden mußten. „Um 8 Uhr in der deutschen Eiche!" KnillingS Stimme zitterte wehmütig und umflort. Als man sich in der„Deutschen Eiche" traf, brachte jeder der drei zwei Hände voll Kokarden zutage. ES war ein schöner Haufen. Bon den hundertdreiundzwanzig fehlten nur drei. Die saßen an den Hüten der drei Vorstandsmitglieder. «. G.' Achtung! Keuhölln. konntag, den 29. Juni, vormittags 9 Uhr. in BartschS FestsSlen (großer Saal), Hermannftr. 49: Oeffentliehe Sänger- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag:„Welche Vorteile bietet ein großer Chor gegenüber von leinen Gesangvereinen. 2. Diswsflon(Freie Aussprache). 3. Gründung ines größeren ChoreS. Hierzu werden alle Neuköllner Gesangvereine sowie sangeskundige und angesfteudige Arbeiter eingeladen, um die Gründung eines größeren üängerchores vorzunehmen. 11/9 . A.: Männergesangverein„Schneeglöckchen" u.„Melodia". Mitglieder des Arbeitcr-SängcrbundeS. ». Fm- n. Zwemmmer- Eiiirichtnngen. «r,»du Kleba. 34?, 414. 475, U9 M. aeiTfn«immer SJ4. 434 M., eajrtlKlie bis 2000 M. «Sk wSwau, geicbltÄi M M.'fä'aic'Eso?» 68M, Umb»a 60 M. oba» EuKi Garaoli«; ev. äilttns-erldchteraagen. QeolIii.8-6, Sotmta«« KflnlAdea. Venia? Im Kab-lksebi I ,ll"«Wi----■— Jahr« ,00». ist der schönste Ausflugsort? Immer noch PichelsWerder, beim Alten Freund. an der neuen Heerstrafte Spezialarzt f. Hant-, Harnleiden, Schwäche. F.hrllch-Hata-Knp. Dr. med. Karl Reinhardt. IMntilnln- Neanderstr. 12, Sprech,'t. b— l/L. Sonntags 10—11. H P Potsdamer Str. 117, Sprechst. �,11— 2 u,'/,K—'/,19 Uhr UUUMlt. a[,enjjä. Sonntags 11—1; f. grauen 3— 4, SonnlagSII— 1. Mikroskop, u. chem. Blut- u. Harnuntersuchungen. Ausklärend- 48 Seiten starke Broschüre gratis u. trantio in verschl. Kuvert durch Pon od. in d. Jnftituten. Jede weitere tlusk. lostcnIoS tn den Sprc. 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