Kr. 160. flbonnenttotS'Bedinaungen: STBoraicmeniä- Preis pränumerando: Bierteljährl. Z,Z0 Mk, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 2S Pfg. frei ins Haus. Swzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste: Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2ch0 Mark, für das übrige Ausland t Mark pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. »tanänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. eklchtllif lZgllch. Verlinev VollisOlclkk. Die MerfionS'Gebiiljr beirägt für die sechsgespaltenc Kolonel- zcilc oder deren Raum KV Pfg.. für politische und gewerfschastliche Vereins- und Versamuilungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnieigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), ledcs weitere Wort lo Pig. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort. 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über löBuch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die näch'te Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sszialdfmoürat Berlin". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 Tl. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplatz, Nr. 1983. Hieckergang öes Parlaments. Aus Wien wird uns vom 2ö. Juni geschrieben: Wer hätte vor sechs Jahren, als in Oesterreich zum erstenmale ein Parlament, auf Gruod des allgemeinen und gleichen Wahlrechts gewählt, zusammentrat, glanben wollen, daß es nach knapp sechs Jahren mit der Volksvertretung so übel stehen werde! Und wer hätte gefürchtet, daß die Hoff- nungen, die man von dem großen demokrattschen Fortschritt der Wahlreform erwattete, auf allen Seiten erwartete, so schlimm trügen iverden? Wohl mögen diese über- strömenden Hoffnungen nur aus jenem leidenschaftlichen Hochgefiihl, das damals ganz Oesterreich erfüllte, zu verstehen, sein und zum Teil muß ihre Erregung na- türlich auch als eines der Mittel begriffen werden, Ivomit die Wahlreform gegen die schleichenden Feinde verteidigt und gegen ihre Ränke durchgesetzt wurde; aber wenn auch der ganze Ueberschwang jener Kampfzeit abgezogen und an das österreichische Abgeordnetenhaus nur der Maßstab des nüchternen Werttages angelegt wird, so kommt noch immer ein wahrhaft erschreckendes Defizit heraus. Es ist natürlich nicht erstaunlich, daß trotz der Wahlreform aüs dem öfter- reichischen Abgeordnetenhause kein Jdealparlament geworden ist— derlei lvird auch anderswo nicht anzutteffen sein—, aber dieses österreichische Parlament ist nicht einmal ein normales Parlament. Ihm fehlt die Sicherheit seines Daseins, die Unerschütterbarkeit seines Bestandes auch weiter, was alles anderen Parlamenten vergönnt und nirgendwo einer Bezweiflung ausgesetzt ist. Es hat noch immer kein gesundes Leben erlangt, und man inuß es schon als Glück preisen, daß es in den Abgrund, an dessen Rand es sich immer bewegt, noch nicht hinein- gefallen ist. Aber Freude macht dieses Parlament weiß Gott keinem Menschen. In diesem Jahre war es ganz besonders arg, und wenn auch die eigentlichen Schwierigkeiten, mit denen es zu kämpfen hatte, auf dem Gebiet der auswärtigen Politik, in den ans- wältigen Verwickelungen zu suchen sind, so hätte natürlich ein lebenstüchttges Haus ihnen ganz anders widerstanden. In diesem Jahr hat das Parlament eigentlich nur in der Erscheinung der Ferien existtert, gegen welche Verlvandlung die Abgeordneten vielleicht weniger einzuwenden haben— weil nämlich, indem man das Haus weder schließt noch vertagt, sondern nur einfach mit den Sitzungen aussetzt, die Diäten weiter gezahlt werden, also gezahlt werden, als ob das Haus das ganze Jahr versammelt wäre—, die aber die Geringschätzung, die in der Bevölkerung herrscht, eher noch mehrt. Das Abgeordnetenhaus hat am 20. Juni die letzte Sitzung dieser Sonimertagung gehalten. Das ergibt also für dieses Jahr 170 Tage; wieviel Sitzungen, meint man, sind aber in diesem Jahre gehalten worden? Nicht niehr als 29 Sitzungen, also so viel, als ihrer ein Haus, das auf Oekonomie hält, etwa in einem Monat haben wird. Nun ist ja richttg, daß das Parlament an dieser Zeitvergeudung nicht allein schuldig ist, den Haupttcil der Schuld die Re- gierung trägt, die das Parlament vom 7. März bis 15. Mai mit Berufung auf die ungeklärte auswärtige Lage gewaltsam feiern ließ; aber einem ernsthaften, selbstbewußten und vor allem arbeitsfreudigen Hause hätte sie diese Gewalt eben nicht bieten können. Die Wahrheit ist eigentlich, daß die Abgeordneten über jeden ausfallenden Sitzungstag nur froh sind, was sich schon faßlich darin zeigt, daß das Haus auch während der gehäufteften Arbeit nie mehr als vier Sitzungen in der Woche abhält; es hat die englische Sitte des Wochenendes gleich auf drei Tage(Sonnabend, Sonntag, Montag) erstreckt. Es gibt kein Parlament der Welt, das in der Abwicklung seiner Aufgaben so unsäglich schwerfällig wäre, was sich ja ausreichend durch die geradezu phantastische Mannigfaltigkeit seiner Parteien erklärt; keines aber auch, dem der Begriff der richtigen Zeiteinteilung so fremd wäre wie diesem Hause, das überhaupt erst in der letzten Woche der Tagung zu arbeiten anfängt, und auch keines, das bei seiner Tagung aus andere Körperschaften, wegen deren es seine Arbeiten unterbrechen muß(Landtage, Delegationen), Rücksicht zu nehmen hätte. Dazu kommen natürlich die ewigen Störungen durch Obstruktionen, zn deren Bewältigung der erschöpfte Organismus nicht mehr ausreicht; der Mangel einer den Verhandlungsnotivendigkeiten angepaßten Geschäftsordnung; die allen Vorstellungen spottende Unfähigkeit der Regierung. die statt die auscinanderstrebendcn Teile zu binden, was ganz eigentlich ihre Pflicht wäre, der fortschreitenden Zer- setzung tatenlos zusieht: und das Ergebnis ist, daß jeder Tagungsabschnitt mit einer Art Flucht abschließt, und von dem Ricsenberg der zu leistenden Aufgaben nur gerade das allerdringendste, das, was den§ Ii verhütet, fertig lvird. Die Folge ist aber: allgemeine Enttäuschung, und das Sinken des einmal so froh begrüßten Parlamentes in der Schätzung der Menschen. Der Ursachen dieses parlamentarischen Niederganges sind natürlich viele, aber die Grundursache ist wohl die. daß der Mangel des staatlichen Gemeinsamkettsgefühls. wie er die Nationen in Oesterreich beherrscht, seine Widerspiegelung in dem Mangel an parlamentanschem Gemeingefühl findet. Im Grunde genomnien, schaut es in dem österreichischen Parla- ment so aus. wie es in dem österreichischen Staate ausschaut- wie in diesem die zentrifugalen Strömungen immer mehr überhandnehmen und das Gefühl der Verdrossenheit, an diesen künstlichen und unwahrhaftigen Staat gefesselt zu sein, allmählig alle hergebrachten Bindungen über- wuchert, so mangelt im Parlamente den nattonalisti- scheu Parteien wieder das Gefühl, an der Ein- richtung der Volksvertretung jenes hohe Gut zu besitzen, das nicht in Gefahr gebracht werden darf und vor dessen Notwendigkeiten die chauvinistischen Versttcgenheiten zurück- treten müssen; den Nationen fehlt(man kann das ungewöhn- liche Wort nicht vermeiden, weil es allein die Sachlage aus- spricht) die Liebe zum Staate, den Parteien fehlt die Liebe Parlament. Von diesem Mangel parlamentarischer Solidarität rühren im Wesen all die Verlegenheiten, Schwiengkeiten und Krankheiten des Parlaments her; was in allen Parlamenten so selbstverständlich ist, daß dessen Sein den Parteien ja gar nicht mehr bewußt ist, die Unbezweifelbarkeit der Existenz des Parlaments: das ist dem Parlament des Nationalitätenstaates schier unerreichbar. Und es ist natürlich nicht überraschend, daß in dem Augenblick, da dieser Mangel der staatlichen Zu- sammengehörigkeit der zusammengeheirateten Völker der Hausmacht besonders schroff hervorttitt, in dem Augenblicke der staatlichen Schwäche auch die Schwäche des Parlamentes empfindlicher werden mußte. Von Geburt aus ist ein öfter- reichifchcs Parlament ein schwächliches Gebilde, und die sorg- samste Pflege, die unermüdlichste Fürsorge täte not, um die Keime seiner Entwickdlungsmöglichkeiten, die natürlich auch vor- Händen sind, zur Entfaltung zu bringen. Aber die brutale Vergewaltigung, der es um der ständigen auswärtigen Ver- Wickelungen seit Jahren ausgesetzt ist, scheint schon alle Keime verschüttet zu haben. So ist von der nun abgeschlossenen Tagung wenig Erfreuliches zu melden. Ursprünglich wollte man an die verlorene Zeit noch eine Tagung im Juli, die Julisession, wie man sie nannte, an- knüpfen; da sollten die Steuervorlagen beschlossen werden, deren Bewilligung die Regierung zur Voraussetzung der Gesetze über die Erhöhung der Bcamtengehältererklärt.Aberdic Trägheit derMehr- heitsparteien und die Frivolität der Keinen Obstruktionsparteien waren stärker als selbst der Druck von den Beamten und ihren Organisationen; die Julisefsion ist also ins Wasser gefallen. Bis auf ein paar kleine Vorlagen ist die Tagung ganz un- fruchtbar geblieben, und die Hoffnung, daß sich das Parlament des fortschreitenden Verfalles erwehren und eine Auferstehung feiern werde, ist auf den Herbst vertagt worden. Neben den sachlichen Schwiengkeiten hat das Parlament, und fast nicht weniger, auch mit der ganz entsetzlichen Minderwertigkeit der bürgerlichen Parteien und Abgeordneten zu kämpfen, die, ins- besondere bei den Deutschen, nur noch von der einen Sorge des skrupellosesten Kampfes gegen die Sozialdemokratte erfüllt sind, und also immer unfähiger werden, das Parlament zu führen und zu leiten. Aber so wenig für die Großmacht ein Aufschlvung denkbar ist, so wenig wahrscheinlich ist er auch dem Parlament. Dieser liebe Staat zwingt alle Ansprüche zur tiefsten Bescheidenheit hinab. ver Aehrdeitrag in zweiter Celung. Der Reichstag erlebte am Donnerstag eine kleine lieber- raschung. Der Präsident hatte die Sitzung vorsichtshalber schon zu 11 Uhr früh einberufen, wahrscheinlich mit der angenehmen Ab- ficht, eine Dauersitzung von erheblicher Länge zur wirksamen Förderung der Deckungsvorlagen möglich zu machen. Aber es kam anders. Die zweite Beratung des Wehrbeitrags mitsamt der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs zur Aenderung des Reichsstempelgesetzes war schon um Bl4ß Uhr zu Ende. Eine neue Sitzung anzuberaumen war nicht möglich, so daß die Fraktionen den unerwarteten freien Nachmittag zu ausgiebiger Beratung ihrer Stellung in der dritten Lesung benutzen konnten. Bei der Beratung des WehrbeitragS entspann sich eine längere Debatte über die Bestimmung, daß bei land- und forst- wirtschaftlichen Grundstücken der Ertragsweit bei der Feststellung des Vermögens zugrunde gelegt werden soll, und daß als solcher das 25fache des Reinertrages zu gelten habe. Die Konservativen be- antragten wieder wie schon in der Kommission, daß nur das Lvfache als Ertragswert zugrunde gelegt werden solle. Die sozialdemo- kratische Fraktion beantragte Streichung des ganzen Paragraphen. Genosse Emmel wies in seiner Begründung unseres Antrages nach, daß der Paragraph nur eine Bevorzugung des Agrariertuins im Auge habe; es müsse aber für die Agrarier bei der Feststellung des Vermögens gleichfalls der gemeine Wert zugrunde geleg werden, sie dürften nicht auf Kosten-der anderen Abgabepflichtigen begünstigt werden. Einem Versuche von konservativer Seite, ihre Forderung mit Erfahrungen in Hessen zu begründen, traten die Genossen Ulrich und David sofort mit schlagkräftigen Gründen entgegen, während Genosse S ü d e k u m die Benachteiligung der Städte durch den agrarischen Antrag und die Bestimmung der Gesetzesvorlage nachwies. Bei der Abstimmung fielen sowohl de� konservative wie der sozialdemokratische Antrag, so daß der Paragraph in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse angenommen wurde. Die sozialdemokratische Forderung, eine andere Skala für die Besteuernng der Einkonimen zur schärfere» Erfassung der höheren Einkommen zu beschließen, führte zu einer längeren Debatte. Die bürgerlichen Parteien ließen sich durch unseren Ge- nassen Wurm nochmals ins Gesicht sagen, daß die Verschlechterung der Beschlüsse der ersten Kommissionslesung auf ein Millionen- geschenk an Millionäre hinauslaufe, stimmten aber den sozialdemo- lratischen Antrag nieder. Expedition t 8Tl. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Genosse Hofrichter begründete den sozialdemokratischen Antrag, daß etwaige Ueberschüsse des Wehrbeitragcs für Unterstützung von Kriegsteilnehmern, für Bekämpfung der Tuberkulose und für Förderung des Mutter- und Säuglingsschutzes und der Wohnungsreform verwendet werden sollen. Die Konser- vativen lenkten die unbequeme Anregung auf ein Nebengeleise, die Mehrheit lehnte wie üblich den sozialdemokratischen Verbesserungs- antrag ab. Die Aenderung des Reichs st empelgesetzeS wurde ohne erhebliche Debatte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen._ Franzosen und€ngländer. Lviidon, 25. Juni.(Eig. 93er.) Der Besuch des Präsiden- ten der französischen Republik in London geht mit dem ge- wohnlichen militärischen Klimbim und dem vorjchrifts- mäßigen Getöse vor sich, das überall die Begegnung der Häupter der modernen zivilisierten Staaten begleitet und das eigentlich nur bei einem Palaver zweier Negerhüuptlinge am Platze ist. Von der überschivenglichen Begeisterung, mit der die Sensationspresse Englands ihre Spalten füllt, merkt man nichts. Nicht als ob das englische Volk dem französischen nicht zugetan wäre und das Einverständnis, das zlvischen beiden Ländern besteht, nicht billigte. Im Gegenteil, das englische Volk ist herzlich froh, daß der alte Hader zwischen ihm und seinem sogenannten„Erbfeind" vergessen und begraben ist und der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung Platz ge- macht hat. Aber von einer überschivenglichen Freude, die nur zu leicht als eine Demonstration gegen andere Völker ge- deutet werden könnte, ist dieses Gefühl weit entfernt.' Ter Besuch des französischen Präsidenten, der von dem französischen Minister des Auswärtigen begleitet ist, ist ein Geschöftsbesuch. Die Kreise, auf die sich Herr Poincarö und die bestehende fran- Mische Regierung stützen, fühlen das Bedürfnis, der Welt die Wirksamkeit des englisch- französischen Einverständnisses zu Remonstrieren. Tie Ableugnung Asguiths, daß zwischen der englischen und französischen Regierung geheime militärische Abmachungen bestünden, und das enge Zusainmengehen Deutschlands und Englands in der Balkankrise hat zweifellos unter den französischen Reaktionären Besorgnis hervorge- rufen. Sie träumten von einem gegen Teutschland gerichteten Bündnis, nach dem England mit einem Heere Frankreich zur Hilfe kommen sollte, und eine Zeitlang schien es, als ob dieser Gedanke infolge der Bemühungen der englischen Militaristen auch hierzulande Wurzel fassen sollte. Aber die praktische Sinnesart der Engländer hat diese Hirngespinste bald zer- streut. Der englische Imperialismus hat zu viele aktuelle Fragen zu lösen, als daß er seine Zeit mit Träumereien und Abenteuern von fragwürdlgem Nutzen vertrödelte. Daß die Besorgnis um die Wirksamkeit der Entente den Anlaß zu der Reise des Präsidenten gab, beweist am deutlichsten die jeden- falls sorgfältig vorbereitete Rede P 0 i n e a r 6 s auf dem gestrigen Staatsbankett. Er wies auf das„beständige Zu- sammenarbeiten" der beiden Regierungen während der Bal- kanwirren hin und kam dann wieder zurück auf das„tägliche Zusammenwirken". Im Gegensatz zn dieser Betonung der Unversehrtheit der Entente stehen die Worte des englischen Königs, der von„dem Geiste des Vertrauens uiid der gegen- seitigen Freimütigkeit" sprach,„in dem Frankreich»nd Groß- britannien die verschiedenen Probleme behandelt haben". 9Venn das Resultat der Visite eine Bekräftigung der englisdh- französischen Freundschaft ist, so wird kein vernünftiger Mensch etwas dagegen haben können; denn es kann der Welt nur zum Vorteil gereichen, wenn zwei große, hochgebildete Nach- barvölker ihre Angelegenheiten frei von der alten Gehässigkeit und in freundschaftlichster Weise regeln. Doch das Bedeutsamste an diesem Besuche ist, daß er die Welt auf die Erscheinung aufmerksam macht, daß zwei Völker, die sich Generationen lang als Erbfeinde betrachtet haben, in kurzer Zeit die besten Freunde werden können, wenn nur bei den Herrschenden der gute Wille vorhanden ist. Es gibt Leute, die allen nationalen Streit auf die Unvereinbarkeit der Temperamente und Ideale der verschiedenen Völker zurückführen wollen. Diese gedankenlosen Menschen bekleiden zu- weilen sehr hohe Aemter im Staate und beeinflussen durch ihre Reden große Volkskreise. Ter Gegensatz zwischeii Germanen und Slawen, der in Teutschland von dem Militarismus zu einem großen Raubzug benützt wird, ist eine Frucht dieser Schule. Wer nun die Wandlungen, die sich in den Beziehnn- gen zwischen dem englischen und dein französischen Volke in den letzten Jahren vollzogen haben, auch nur oberflächlich studiert, muß einsehen, wie unhaltbar diese Ansichten sind. Hier hat man zwei Völker, die sich jahrhundertelang bekämpft haben, die sich die bluttgsten Land- und Seeschlachten geliefert haben, die sich im Temperament mehr unterscheiden als irgend zwei andere Nationen Europas, die sich beständig gezankt und heruntergesetzt haben. Da plötzlich finden die Regierungen der beiden Länder, daß es vorteilhafter für sie sei, ihre Tiffe- renzen in Afrika, Asien und Nordainerika auf gütlichem Wege beizulegen, und wie durch ein Zauberwort verschwindet der alte von den herrschenden Klassen geschürte Hader und die Völker fallen sich einander in die Arme. Wer diesen Um- schwung im Lande selbst miterlebt hat, kann seine Größe ain besten bewerten. Es sind kaum mehr als 13 Jahre vergangen, als der da- mals mächtigste Staatsmann Englands, Joseph Chamberlain. den Franzosen die berüchtigte Predigt hielt, in der er ihnen ankündigte, er werde ihnen„bessere Manieren" beibringen. Damals noch waren die Franzosen in englischen Augen ein entartetes Volk, dem man alle Laster und Unhigend nachsagte. Und die Franzosen zahlten den Engländern natürlich mit gleicher Münze heim. Der jahrhundertlange Haß der beiden Völker gegeneinander hat auch in der Sprache seinen Niederschlag gefunden. Der Franzose sagt von einem Zech- preller, daß er sich auf englisch empfehle(Hier ä i'anglaise), und der Engländer behauptet, daß sich ein Zechpreller auf französisch empfehle(to tabe b'rencb leave). Wir wollen von den Untugenden und Lastern schweigen, deren Erwäh- nung die Höflichkeit verbietet. Engländer hatten sich in Paris und Franzosen hatten sich in London Beschimpfungen gefallen zu lassen. Dann kam im Jahre 1904 die Entente und söhnte mit einem Schlage die„Erbfeinde" aus. Heute machen sich Franzosen und Engländer gegenseitig Komplimente. Die Atmosphäre des Hasses, des Mißtrauens und der Verdäch- tigung ist gewichen und beide Nationen erkennen jetzt mit freierem Blick die Vorzüge und Verdienste ihres Nachbars an. Wie war das möglich? Haben sich Charakter, Temperament und Ansichten der Engländer und Franzosen über Nacht ver- ändert. Kein Mensch, der bei rechten Sinnen ist, wird dies behaupten wollen. Nur das künstliche Aufpeitschen der Leiden- schaften hat aufgehört, die gehässige und unwissende Beurtei- lung des Nachbars in der Presse und auf der Nednertribüne ist verstummt. Und wenn diese Wandlung in England und Frankreich möglich ist, wird sich manch einer fragen, weshalb sollte sie nicht zum Beispiel in Deutschland und Frankreich möglich sein? Vielleicht liegt diese Verständigung nicht im Interesse der militärischen Kreise der beiden Staaten, die vor geben, die Nation zu sein. politifcbc Ckbcrfkbt. Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Fraktion wählte in ihrer Sitzung am Mittwoch Die Konkurrenzklansel. In der Sitzung der Reichstagskommission am 26. Juni lagen wieder zahlreiche Kundgebungen aus Handlungsgehilfenkreisen gegen die Kompromitzdorschläge der Regierung, namentlich aber gegen die .absolut ungenügende" Gehaltsgrenze von 1500 SD?, vor. Die Kommission kam zu dem Entsckiluß, wegen der unmittelbar bevorstehenden langen Sommerpause des Reichstags nicht erst noch in die zweite Lesung einzutreten, vielmehr den interessierten Kreisen Zeit und Gelegenheit zu lassen, sich zu den bisherigen Kommissionsarbeiten und zu der durch die Regierungserklärungen geschaffenen Situation ergiebig zu äußern. Als zuverlässige Unterlage soll ein vorläufiger Konimissions- bericht erstattet werden, der auÄ den nur der Kommission zw gegangenen neuen Entwurf der Regierung aufnehmen soll. Au eine Anfrage erklärte Staatssekretär Dr. L i s c o, daß von dem Gerücht, die Verbündeten Regierungen wollten die Vorlage zurück- ziehen, in Regierungslreisen nicht däs geringste bekannt sei. an Stelle des verstorbenen Genossen Kaden den Genossen Ledeboitr in den Fraktionsvorstand. Für die Rüstung, aber gegen die Zahlung. Der Vorstand des Bundes der Industriellen beschloß ein- stimmig an den Reichskanzler und Bundesrat einen telegra- phischen Protest zu senden, um die Negierung zu bitten, den Kommissionsbeschlüssen über den Wehrbcitrag die G e n e h- in i g u n g zu versagen. Auch der Vermögenszuwachs- steuer solle nur zugestimmt werden, wenn der wieder im Be- trieb angelegte Zuwachs Begünstigungen erhalte. Ausdrücklich wird der Bundesrat, der die Funktionen einer E r st e n Kammer zu versehen habe, gegen den Reichstag scharf ge- macht, ein nettes Stück von den doch liberalen Herren. Ge- scheiter täten sie freilich, wenn sie sich sagten, daß sie jetzt nur gercchterweise die Strafe abzutragen haben für ihre besinnungs- lose Rüstungsbegeisterung. Und sie sollten noch froh sein, diesmal so billig davon zu kommen. General v. Wandel nnd die Gastwirte. Bekanntlich suchte sich General v. Wandel bei Besprechung des Militärboykotts gegen die Augriffe des Genossen Dr. Frank dadurch zu verteidigen, daß er behauptete, ein deutscher Wirteverband mit über 100000 Mitgliedern billige unter gewissen Voraussetzungen das Militärverbot, und als apn andern Tage Genosse Frank ein Protesttclegramm mehrerer Wirtsverbände und Innungen verlesen wollte, wurde er durch den Einspruch des konservativen Grafen Westarp daran gehindert. Am Mittwoch fand nun in Trier der 21. Bundestag deutscher Gastwirte statt. Der Vorsitzende (Kämpf-Leipzig) erklärte, er habe die Eingabe an das Kriegs- »Ministerium zwar unterschrieben, aber von ihrem Inhalt keine Kenntnis genommen. Gleichzeisig wurde festgestellt, daß der General v. Wandel den Sinn des Schriftstückes unrichtig wiedergegeben hat, da er nur einen T e i l(I) des Schreibens verlesen habe. Tatsächlich sei nur gebilligt worden, daß während der Dan er einer sozial- demokratischen Versammlung eine mili- tärische Sperre eintrete. Schließlich wurde ein- stimmig eine Resolution angenommen, die bedauert, daß die Bundesleitung ihre Unterschrift zu der bedenklichen Petition gegeben hat, und verlangt,'„daß der Militär- boykott für alle deutschen Wirte aufgehoben wird". General v. Wandel wird also bis zur dritten Lesung der Militärvorlage eine neue Ausrede für den skandalösen Miß- brauch des Militärverbotes suchen müssen. Um Kadens Reichstagsmandat. Nach einer Meldung der.Tägl. Rundschau" werden im vierten sächsischen Neichstagswahlkreise die Reformer mit den Konservativen voraussichtlich wieder zusammengehen und mit Unterstützung der deutschsozialen Partei einen gemeinsamen Kandidaten in dem durch Kadens Tod verwaisten Reichstagswahlkreis Dresden- Neustadt äufftellen. Von der Fortschrittlichen Volkspartei wurde der Rechtsanwalt Friedrich Klöppel wiederum als Kandidat auf- gestellt, der 1912 auch die Unterstützung der Nationalliberalen fand. 1912 wurden, wie wir nochmals mitteilen wollen, 31 640 sozial- demokratische, 13 393 antisemitische, 73L9 fortschrittliche und 319 Jen- trumsstimmen abgegeben._ Badische Zcntrumstaktik. Gegen die Sozialdmokratiel lautet die kle- rikale Wahlparole. Herr Wacker, dessen sauberer Feld- zugsplan freilich durch das Wahlabkommen vereitelt worden ist, empfiehlt sich jetzt allen Reaktionären als einzig zuver- lässiger Sozialistcntöter. Im führenden Organ des Zen- trums, im„Badischen Beobachter", veröffentlicht er jetzt über die Wahltaktik des Zentrums bei den kommenden Landtags- wählen it.' a. folgende Grundsätze:.. „Die Bekämpfung der Sozialdemokratie und die möglichst weitere Reduzierung ihres bedenklichen Einflusses ist zurzeit die allerwichtigste und dringendste Kampfarbeit im poli- tischen Leben. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie hat vor jedem anderen den Vortritt, auch vor dem gegen den Großblock, ... Es ist mein redliches Bemühen, für meine Person und in meiner Stellung in der Partei den sozialdemokratischen Einfluß zurückzudrängen, so weit es möglich ist. Hat das Bemühen Er- folg, so wird es allen Vorteil bringen, die außerhalb des sozial- demokratischen Lagers stehen. Das ist auch meine Absicht. Ich wünsche, daß meine Partei mit ihrer Bekämpfung der Sozial- demokratie den Interessen der Allgemeinheit einen möglichst großen und wichtigen Dienst leistet." Das schreibt derselbe Wacker, der von 1890 bis 1903 der Sozialdemokratie die Wahlhilf? bei allen Land- und Reichs- tagswählen gewährleistet hat. Wieder ein Spionageprozest. Vor dem Reichsgericht in Leipzig fand am Donnerstag der Spionageprozeß gegen den 37jährigen früheren Schutzmann Peter Ja e nicke wegen Verrats militärischer Geheimnisse statt. Der An- geklagte, der sich geisteskrank stellte, wurde gefesselt in den Saal geführt. Er wurde beschuldigt, mit dem früheren Schutzmann Wilhelm G l a u ß aus Wilhelmshaven und dem früheren Signal maat Albert Ehlers Teile des Signalbuchs der deutschen Marine an England verraten zu haben. Glauß, der seiner zeit aus dem Untersuchungsgefängnis entwich, von England aber ausgeliefert wurde, ist wegen schweren Diebstahls in Aurich zu sieben Jahren Zuchthaus, Ehlers am 27. Juni 1912 vom Reichs- gesicht wegen Spionage zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Jaenicke ist bereits in Aurich wegen des mit Glauß ge� meinschaftlich verübten Diebstahls zu 3>/g Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die Oeffentlichkeit wurde für die ganze Dauer der Ver- Handlung ausgeschlossen. Jaenicke wurde zu 6 Jahren Zuchthaus, 19 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Diese und die in Aurich verhängte Strafe wurde zu einer Gesamtstrafe von neun Jahren Zuchthaus zusammengezogen. Militärpersonen als Kollektanten. In den vergangenen Tagen sind der Militarismus, die Mehr forderungen der Regierung an Geld und Menschenmaterial, Gegenstand eingehender parlamentanscher Debatten gewesen. Nicht nur von sozialdemokratischer Seite, sondern auch aus den Reihen der bürgerlichen Parteien wurde scharfe Kritik geübt und Beseitigung alter überlebter Einrichtungen gefordert. Der Kriegsminister hatte einen schweren Stand. Ganz besonders nachdrücklich wandte er sich gegen den sozialdemokratischen Antrag auf Verkürzung der Dienstzeit, trotzdem zugegeben werden mußte, daß die große Zahl der Offiziersburschen in einem Jahre hinreichen aus- gebildet würden. Soldaten finden aber nicht nur als Streikbrecher, als„Mädchen für alles" und noch mehr, ohne Schaden für ihre Kriegstüchtigkeit Verwendung. Nein, man hat jetzt eine andere neue Beschäftigung für Soldaten gefunden. Und'diese Neuerung ist in K o t t b u s in die Erscheinung getreten. Dort durchziehen seit einigen Tagen Gefreite vom 52. Jnfanterie-Negiment, jeder ausgerüstet mit einer großen S a m m e l k i st e, die Straßen der Stadt, um im Auftrage des Herrn Major Vehr— der gleich- zeitig Mitglied des nationalen Jugendpflegeverbandes Kottbns ist und Kriegsspiele ausarbeitet und leitet— Haus für Haus frei- willige Gaben zum besten der Jugendwehr ein« z u s a m m e l n. Miliiärperspnen als Kolleltanten l WaS sagt wohl der Kriegsminister dazu? Ein Tendenzprozeh vor dem Kriegsgericht. Wegen im Dienst begangener Beleidigung eines Vorgesetzten und Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft mußte sich der Gefreite d. L. und Lagerhalter Genosse Felix Weiß aus Bischofswerda vor dem Dresdner Kriegsgericht verantworten. Weiß, ein führender Parteigenosse in Bischofswerda, hatte am 24. April an der Kontrollversammlung teilzunehmen und kam kurz vorher über den Schützenplatz. Vor dem Schützenhause stand der Bezirksmajor Beyer aus Bautzen mit anderen Ossi- zieren. Als Weiß grüßend vorbeiging, sagte der Oberleutnant Hebestreit, Fabrikbesitzer in Bischofswerda, bei dem Weiß früher als Metallarbeiter beschäftigt war, und der selbst auch an der Kontrollversammlung teilnehmen mußte, zum SDiajor:„Das ist auch ein Roter, aber noch nicht der schlimmste!" Darauf hat sich der Major Weiß genau angesehen. Nachdem der Major die Kriegs- artikel verlesen hatte, begann der Feldwebel mit dem Aufrufen der einzelnen Leute. Dabei ging der Major auf und ab und suchte den Mann, der ihm kurz vorher als Roter bezeichnet worden war; bald erkannte er auch Weiß am Anzug wieder. Dem Major gefiel die Haltung des Genossen Weiß nicht. Als W. darauf eine andere Stellung einnahm, kam der Major zurück und fragte W., bei welchem Regiment er gedient habe. Diese Fragen beantwortete Weiß sachgemäß, und der Major erwiderte aber darauf, daß er nicht glauben könne, daß beim Regiment eine solche Schlappheit geherrscht habe, wie sie W. jetzt an den Tag lege. Darüber ärgerte sich Weiß schon, weil er beim Militär vorzüglich beurteilt worden ist und nicht eine Strafe erlitten hat. Während des Verlesens soll W. dann nicht geantwortet haben, als sein Name aufgerufen worden war.(Hinterher wurde aber das Gegenteil festgestellt.) Durch diese? Versehen kam W. mit auf die Liste der Fehlenden, und als er dann mit raustreten mußte, sagte der Major zu ihm, er solle sich in den Hals hinein schämen! Weiß wird nun be- schuldigt, bei den einzelnen Vorgängen im Gliede gesprochen, mit Bezug auf den Major die Worte Hund, Luder und Stück Sch..... gebraucht, und schließlich geäußert haben:„Der(Major) soll nur morgen mal zu mir kommen, da werde ich ihm Bescheid sagen!" Die beleidigenden Worte bestreitet Weiß ganz entschieden, gibt aber zu, eine Aentzerung gebraucht zu haben, weil er durch das sonderbare Auftreten des Majors ihm gegenüber, das auf Absicht- lichkeit beruhte, gereizt worden sei. Der Hauptzeuge im Prozeß, Werkmeister Teich, der in der Fabrik des Oberleutnants Hebestreit beschäftigt ist, erzählte am folgenden Morgen während der Arbeit von den Vorgängen bei der Kontrollversammlung und erwähnte dabei, daß Weiß den Major schwer beleidigt habe. Darauf sagte ein Mitarbeiter, das wäre Stoff für Hölzel.(H. ist ein Feind unseres Genossen Weiß, weil er 200 Mk., die er früher mal von W. geborgt hat, zurückzahlen soll.) Bald wußte auch der Chef von den angeblichen Vergehen unseres Genossen, dem man schon längst gern einmal etwas ausgewischt hätte. Es dauerte auch nicht lange, da kam Hölzel in die Fabrik und erhielt das ganze Material vom Werk- meister Teich, der hinzufügte, Hölzel solle nun mit Weiß machen, was er wolle. Hölzel hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als einen Brief an den Major Beyer zu schreiben, dessen Adresse er wieder nun virn Hebcstreit holen konnte. In dem„Schriftstück" brachte Hölzel dann die beleidigenden Worte zur Sprache, die er selbst gar nicht gehört hatte. Daß es sich hier um ein Denunziantenstück hau- delt, gab selbst das Gericht zu. und der Verhandlungsführer cha- rakterisierte diese„Tat" noch ungewollt dadurch, daß er sagte, man ' wolle Weiß eben eins auswischen. Ganz richtig erwiderte Genosse Weiß:«Wenn ich einem Kriegerverein angehörte und nicht So- zialdemokrat wäre, stünde ich heute nicht bor Gericht!" W. machte dann noch geltend, daß das Auftreten des Majors bei der Kon- trollversammlung hinterher allgemein abfällig beurteilt worden sei. Der Kronzeuge Teich behauptete bestimmt, daß Weiß die be- leidigenden Worte getan hat, nur ein Zeuge unterstützte diese Aussage notdürftig. Dagegen haben andere Zeugen, die näher an SlLeiß standen, nichts oder nicht viel von Aeußerungen gehört. Das nach mehrstündiger Verhandlung verkündete Urteil lautete auf-- i Wochen strengen Arrest!! Das Gericht hielt die Anklage für gedeckt und führte aus, daß nur die bisherige Straf- losigkeit und die vorzügliche Beurteilung des Angeklagten bestim- mcnd gewesen seien, von einer Gefängnisstrafe abzusehen. Kasernenroheiten. Das Kriegsgericht Erfurt hatte sich, wie so oft, ai». Mittwoch mit einigen Fällen brutaler Soldatenschindereien zu be- schäftigen. Der Unteroffizier Karl Mark von der vierten Batterie 19. Artillerieregiments in Erfurt verlangte auf dem Truppenübungsplatze Ohrdruf von einem Kanonier von der ersten Batterie die Fütterung eines Pferdes, das seiner Pflege nicht unter- stellt war. Der Soldat weigerte sich, weil vom Futter- meister das Futtern fremder Pferde verboten war. Darauf zerrte ei» Sergeant den Kanonier in den Stall und hielt ihn fest, während der Unteroffizier Mark mit einer Fahrpeitsche auf den Mann einschlug. Das Urteil gegen diesen prügelnden Vorgesetzten lautete auf vierzehn Tage Mittelarrest. Fester packte das Kriegsgericht dann in dem folgenden Falle zu, indem sich der Hornist Hermann Lutardt und der Musketier Otto D r e s s e l, von der 3. Kompagnie des 95. Infanterieregiments in Hildburghausen, wegen brutaler Mißhandlungen von Rekruten zu verantworten hatten, die beim Exerzieren „aufgefallen" waren. Der Aufmarsch klappte nicht und mußte deshalb wiederholt werden. Aus Aerger darüber traten diese„Kameraden" einen Rekruten mit ihren schweren nägelbeschlagenen Stiefeln in d i e Kniekehle und Nierengegend, so daß der Mißhandelte sofort zusammenbrach. Er war dann mehrere Tage d i e n st u n f ä h i g. Andere Rekruten erhielten Tritte gegen die Beine und einer wurde derart gegen den Hoden getreten, daß er längere Zeit nach Luft ringen mußte. Damit die Fußtritte richttg„zogen", hatten sich die Angeklagten an ihren Nachbarn fest- gehalten. Das Kriegsgericht verurteilte Lutardt zu vier und Dressel zu drei Monaten Gefängnis. l)!e neue ßalhanhnfc. Nur spärliche Nachrichten sind am Donnerstag aus den Balkanstaaten eingegangen. Es gewinnt aber den Anschein, als ob die beessre Einsicht siegen werde. Die serbische Sknp- schtina hielt am Donerstag eine geheime Sitzung ab, in der jedenfalls eine entscheidende Entschließung gefaßt worden ist. firanhmcb. Generäle gegen die dreijährige Dienstzeit. Paris, 26. Juni. Gestern abend fand eine Versammlung gegen das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit statt. Mehrere Universitatsprofessoven und Generale befanden'sich unter den Rednern. General Per-cin erklärte, das Ge- etz würde das Heer schwächer machen als es heute ist. Der Redner entwickelte zahlreiche Gründe für die Verwendung der Reserven und kritisierte die Kriegspläne, die in der Kammer von Anhängern des Gesetzes dargelegt worden waren. Zum Schlüsse sagte er, Deutschland müßte einen plötzlichen Angriff scheuen, weil er ihm nicht gestatten würde, alle seine Kräfte auszunutzen. Darauf sprachen mehrere Parlamentsmitglieder in demselben Sinne. Der sozialistische Deputierte Albert Thomas erklärte, es sei angebracht, den Gedanken einer Zurückeroberung von Elsaß-Lothringen aufzugeben und an seine Stelle ein Ideal zu setzen, das den Wünschen der Demokratie mehr entspräche. Die Versamm- lung endete mit der Annahme einer Resolution gegen die dreijährige Dienstzeit. In seiner Rede hatte sich General Percin auch dafür aus- gesprochen, daß die Soldaten ihre Militärzeit in den Garni- onen ihrer Heimat abdienen sollten. Er fügte hinzu, daß in den Grenzgegenden an einem bestimmten Tage des Jahres alle waffenfähigen Leute ihren Offizieren vorgestellt und an jenen Punkten versammelt werden sollten, wo in Kriegs» zeiten ihr Posten wäre. So würde den Soldaten der Gedanke klar gemacht, daß sie gleichzeitig für die Unantastbarkeit Frankreichs und für die Verteidigling�ihrcs eigenen Herdes kämpfen würden. Beim Verlassen des Saales sang die Menge die Internationale und die„Hymne auf das 17. Regiment", welches im Jahre 1907 meuterte, als es bei den Winzer- unruhen in Südfrankreich einschresien sollte. Die Angst vor deutschen Pferdeankäufen. Paris, 2b. Juni. Am Schluß der Kammersitzung am Mittwoch rechtfertigte Kriegsminister E t i e n n e auf eine Anfrage über die fehlerhaften Bedingungen, unter denen die Pserdeankäufe für die Armee von den Remontekommissionen gemacht worden wären, deren Vorgehen. Der Kriegsminister zeigte, daß die Ankäufe unter günstigen Bedingungen gemacht worden seien; trotzdem habe er auf Grund der Klagen, die zu ihm gedrungen seien, eine Unter- suchung eingeleitet. Indem er zu der Frage der Ankäufe von Pferden durch Ausländer überging, sagte Etienne, der Land- wirtschaftsminister habe die notwendigen Maßregeln getroffen, ohne den Züchtern Schaden zuzufügen. Die Gefahr sei übrigens übertrieben worden, da Frankreich in den ersten fünf SDionaten des Jahres 1913 15 740 Pferde gegen 17 000 im Vorjahre ausgeführt habe. Der Anteil Deutschlands habe in den eistest fünf Monaten des Jahres 1913 2900 gegen 3103 in demselben Zeiträume des Vorjahres betragen. Zum Schluß bat der Minister, die Kam- mer möge die Resultate der Untersuchung abwarten. Ministerprä- ident Barthou unterstützte die Erklärungen Etiennes und oct' prach, daß die Resultate der Untersuchung amtlich veröffentlicht werden würden. Die Sitzung wurde hierauf aufgehoben. Cnglancl. Eine Aufrage wegen des letzten Spiouagefallcs. London, 26. Juni. Unterhaus. Der Abg. King(Radikal) ragte, ob beabfichsigt fei, Heinrich Grosse, der wegen Spionage verurteilt worden sei, frei zu lassen. Staals- ekretär des Innern McKenna erwiderte, die britische Regierung würdige wohl die von der kaiserlich deuychen Regierung in dem Falle der drei britischen Offiziere �gezeigte Milde. Wenn jetzt ein deutscher Offizier hier wegen Spionage verurteilt worden wäre, würde es der britischen Regierung viel Vergnügen bereiten, in gleicher Weise vorzugehen, wie die deutsche Regierung. Grosse ist kein Offizier der deutschen Armee, und sein Strafregister schließt eine Verurteilung zu Zuchthaus in Singa- pore ein, weil er falsche Noten in Umlauf gesftzt hat. �oo kann man diesen Fall nicht mit dem der britischen Offiziere vergleichen. (Beifall.) King stellte daraus die Frage, ob man daraus schliefe» müsse, daß es ein Gesetz für Herren mit großem Einfluß und ein anderes Gesetz für gewöhnliche Arbeiter gebe.(Rufe: Fälscher.) Staatssekretär M c K e n n a erwiderte, er verstände nicht die Wich- tigkeit dieser Frage.(Beifall.) Portugal. Ter Revolver im Senat. Lissabon, 26. Juni. Im Verlaufe der gestrigen Sitzung des Senats kam es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen den Sena- toren C o st a und F r e i t a s. Schließlich stürzte sich Costa auf Freitas, der einen Revolver zog und auf Costa schießen wollte. Die Senatoren entwaffneten Freitas. Die Sitzung wurde für kurze Zeit unterbrochen. )Zus der Partei. Aus den Organisationen. Die Kreisversammlung deS2. württembergischen Wa hl« k r e i s e S, der die Oberämter Cannstatt, Ludwigsburg, Waiblingen und Marbach umfaßt, fand letzten Sonntag in Cannstatt statt. Der Kreisverein umfaßt jetzt 54 Ortsvereine mit 7281 Mitgliedern. In der Berichtsperiode von neun Monaten hat sich die Mitgliederzahl um 543 gesteigert. Neben 6721 Genossen sind im Wahlkreis 566 Genossinnen organisiert. In diese Periode fielen die Württemberg!- scheu Landtagswahlen, die eine rege Agitation brachten. In den Bezirken Cannstatt und Ludwigsburg wurden die Genossen Tau- scher and Keil wiedergewählt, in den Bezirken Waiblingen und Marbach mußten wir uns mit erfreulichen Stimmengewinnen begnügen. Die Geschäfte.des Kreises wurden bisher vom Kreisvorsitzenden Genossen Fischer im Nebenamt verwaltet; die Kreisversammlung be- auftragte iedoch den neugewählten Kreisvorstand, die Frage der An- stellung eines Kreissekretärs zu prüfen und der nächsten Kreis- Versammlung Vorschläge zu machen. Beschlossen wurde, das Dele- gationsrecht zum Parteitag voll auszunützen, also vier Delegierte zu wählen, die Wahlen aber durch Urabstimmung vorzunehmen. Die Durchführung des Zehnpfennig- Wochenbeitrags soll vom Kreis- vorstand nach Möglichkeit gefördert werden. Der verschärfte Kampf der württembergischen Schulbehörden gegen den Arbeiterturnerbund rief allgemein den Wunsch nach verschärften Gegenmaßnahmen her- vor. Diesem Wunsche entspricht eine von der Landtagsfraktion be- reits eingebrachte Interpellation, die den Kultusminister fragt, was er gegen das ungesetzliche Vorgehen der ihm unterstellten Behörden zu tun gedenkt._ Wieder ein Nichtbestiitigter. Der in Wildenspring(Schwarzbura- Rudolstadt) zum zweiten Male als Vizeschulze gewählte Genosse Klett ist auch diesmal vom Landrat in Königsee wegen seiner Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei nicht bestätigt worden. Das Selbst- verwaltungsrecht der Gemeinde Wildenspring soll nun seitens der Behörde dadurch illusorisch gemacht werden, daß die letztere einen ihr genehmeren Vizeschulzen einsetzen will. Presseverfolgungcn in Bosnien. In dem österreichisch- ungarischen Neichslande ist jetzt die Ver- folgung der sozialdemokratischen und sonstigen oppositionellen Presse auf einem Höhepunkt angelangt. Man konfisziert Rachrichten aus Wiener Blättern, Reden aus dem österreichischen Parlament, kurz, alle« mögliche, woran selbst die österreichische Staatsanwaltschaft nicht herankommen konnte oder wollte. Man begnügt sich damit aber nicht, sondern eS werden auch Preßprozesse geführt, die in den letzten 14 Tagen zwei Redakteuren unseres Parteiblattes je drei Monate Kerker eingebracht haben. Der Verantwortliche eines serbischen Blattes wurde vor kurzer Zeil zu sechs Monaten Kerker verurteilt, und die Liste der kleineren Haststrafen von zwei bis sechs Wochen und der Geldstrafen von 166 bis 566 Kronen läßt sich gar nicht aufzählen.— So wird die unabhängige Presse planniänig zugrunde gerichtet. polireilicde», GmcbUicdes ulw. Das Ende einer Reichsverbandslüge. Der ReichsverhandSsckretär Taube in Königsberg hatte am 4. März 1S12 in einer Versammlung erklärt, der sozioldemo« kratische Redakteur Marikwald habe am 26. Januar 1666 in der Märkischen.Volksstimme' in Forst einen Artikel veröffentlicht, in dem er wörtlich erklärte, daß Religion zwar Privatsache sei. aber die Sozialdemokraten seien Atheisten, es gebe keinen Gott, kein Gewissen. Marckwald ließ der konservativen Zeitung, die darüber einen Bericht gebracht hatte, eine Berichtigung zugchen, daß er das alles nicht geschrieben hätte. Taube hielt die Behauptung aber trotzdem aufrecht. Marckwald strengte nunmehr gegen Taube die Beleidigungsklage wegen der Behauptung an, er hätte geschrieben, daß es kein Gewissen gebe. Das Schöffengericht sprach den Reichs- verbändler mit der Begründung frei, aus dem Artikel MarckwaldS könnte man.herauslesen', er habe der Ansicht Ausdruck gegeben, daß eS kein Gewissen gebe. In der Berufungsinstanz wurde der ReichsverbandSangestellte wegen Beleidigung zu 36 Mark Geldstrafe oder vier Tagen Gefängnis verurteilt. Das Gericht hat festgestellt, daß man aus dem Artikel auch nicht.herauslesen' könnte, was Taube behauptet habe. Der Schutz des§ 193(Wahrnehmung berechtigter Jntercisenj wurde dem Beklagten nicht zugebilligt. ES wurde auf Publikation des Urteils in der sozialdemokratischen und konservativen Zeitung erkannt. Damit ist wieder einmal gerichtlich nachgewiesen worden, daß der Reichsverband mit völlig erlogenen Zitaten gegen die Sozialdemokratie kämpft. Ter Teuher Landfricdcnsbruchprozeß vom� März 1911, in dem gegen streikende Bauarbeiter ungefähr 23 Jahre Gefängnis verhängt wurden, darunter gegen den Kölner Lokalbeamtcn des Deutschen Bauarbeiterverbandes F r ö HTTch wegen angeblicher Anstiftung zum Landfriedensbruch zwei Jahre und 8 Monate Gefängnis, wurde jetzt in Köln wieder in Erinnerung gebracht. Vor der dritten Strafkammer des Kölner Landgerichts standen zwei Redakteure unseres Kölner Parteiblattes, der„Rheinischen Zeitung', unter Anklage wegen Beleidigung eines Agenten Robert Hauptmann. Hauptmann war in dem Deutzer Landfriedensbruchprozeß einer der Hauptbelastungszeugen und er hatte nach Ansicht aller Beteiligten, insbesondere in der Verhandlung gegen Georg Fröhlich den Aus- schlag gegeben. Bald nach dem Prozesse stellte eS sich heraus, daß Hauptmann ein ubel beleumundeter Mensch sei, der wegen Be- truges, wegen Urkundenfälschung und wegen Untreue ganz erheb- liche Gefängnisstrafen verbüßt hatte. Auch später kam er mit dem Strafgesetzbuch wiederholt in Konflikt. Unser Kölner Parteiorgan, die„Rheinische Zeitung', hat nun wiederholt Gelegenheit genommen, auf die moralischen Qualitäten des seinerzeitigen Kronzeugen des Staatsanwalts hinzuweisen. Das geschah auch im April d. I. in zwei Fällen. In einem Ar- titel, überschrieben:„Die„Gattin' des Kronzeugen', war Bezug genommen auf eine Verhandlung des Kölner Kaufmannsgerichts. vor dem die Frau des Hauptmann gegen die Firma„Urama" auf Ausstellung eines Zeugnisses klagte. Die Firma hatte die AuS- stellung eines Zeugnisses abgelehnt, weil das Verhalten der Frau in mehreren Fallen nicht einwandfrei gewesen sei. In einem zweiten Artikel, überschrieben:„Ter Teutzer Land- sriedensbruchprozeh', war über eine Gerichtsverhandlung auSführ- l'ch berichtet, in der gegen einen Eisenbahn schafft, er L. verhandelt wurde, gegen den die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hatte, weil er zu Hauptmann gesagt hatte:„Ich lasse Sie sofort ver- hasten, weil Sie falsch geschworen haben!" In dieser Verhandlung war erwiesen worden. Frau Hauptmann habe einer anderen Frau oft erzählt, daß sie mit ihrem Manne viel durchzumachen habe. Hauptmann sei ein schlechter Mensch und habe im Deutzer Landfriedensbruchprozeß einen Meineid ge- schworen. Der arme Fröhlich sitze unschuldig im Gefängnis. Eine Zeugin sagte in diesem Prozesse ans, sie habe bestimmt gehört, wie Frau Hauptmann gesagt habe, seit dem Meineide ihres Mannes im Deutzer Land- friedensbruchprozeß hätten sie kein Glück und keinen Segen mehr. Die„Rheinische Zeitung' hatte selbstverständlich m beiden Artikeln auf die Rolle hingewiesen, die Hauptmann in der Ver- Handlung gegen Fröhlich und Genossen gespielt hatte; sie hatte im allgemeinen auch auf die vielen Bestrafungen des Hauptmann hin- gewiesen. Hauptmann stellte nun Strafantrag bei der Staats- anwaltschaft und diese erhob gegen die beiden Redakteure, die die Artikel verantwortlich gezeichnet hatten, die Genossen Beyer und Franke, Anklage. Trotzdem in der Beweisaufnahme sich alles bestätigte, was in den Berichten gesagt war, kam das Gericht zu der Verurteilung der beklagten Redakteure. Beyer erhielt 266 Mark Geldstrafe, Franke 6 Wochen Gefängnis. Hauptmann, der als Nebenkläger zugelassen war, hatte 1166 Mark Entschädigung verlangt, weil er durch den Artikel an- geblich eine Stellung verloren habe. Er wurde abgewiesen. Hm Industrie und Handel Die Lage des deutschen Kohlenbergbaues. Infolge des ober- fchlesischen Bergarbeiterstreiks ist die Gewinnung von Steinkohle im Monat Mai 1913 gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen. Sie betrug 14 263 674 Tonnen gegen 14 734 698 Tonnen im Mai 1912. Die Abschwächung erstreckt sich natürlich nur auf den O.-B.-A.-B. Breslau. In den übrigen Bezirken ist die Produktion kräftig ge- stiegen. Im Mai sowie in den Monaten Januar bis Mai betrug die Kohlegewinnung in Tonnen: Mai Januar bis Mai 1912 1913 1912 1913 Steinkohle.. 14 734 698 14 268 674 76 817 532 77 643 126 Braunkohle. 6 442 672 6 865 433 33 212 644 35 641 459 Koks.... 2 378 226 2 673 164 11 439 556 13 333 419 Preßkohlen. 1827 646 2 161 692 9 683 358 16 965 655 Die Einfuhr von Stein- und Braunkohle sowie von Koks ist im Berichtsmonat merklich gesttegen, während der an sich unbedeutende Import von Preßkohlen etwa« zurückgegangen ist. Die Ausfuhr von Steinkohle ermäßigte sich im Mai d. I. von 2 486 522 Tonnen auf 2 288 587 Tonnen. Auch der Braunkohlenexport erfuhr eine geringe Abschwächung. Die Ausfuhr von Koks stieg hingegen von 512 626 Tonnen auf 596 424 Tonnen. Luch der Export von Preß- kohlen weist eine Zunahme auf. Steigender Güterverkehr. Die Bewegung der Einnahmen der deutschen Eisenbahnen aus dem Güterverkehr spiegelt m,t einiger Sicherheit die Lebhaftigkeit des Warenaustausches im Jnlande. Nach den vom Reichseisenbahnamt für den Monat Mai - dieses Jahres veröffentlichten Ausweisen ist der Berkehr im Ver- gleich zum Vorjahre wieder etwas gestiegen. Die Zunahme deS Güterverkehrs ist nicht gerade bedeutend. Immerhin ist noch kein Rückgang der Umsätze am deutschen Warenmarkte eingetreten. Im Monat Mai der Jahre 1967 bis 1913 betrug die durchschnittliche Einnahme auS dem Güterverkehr pro Kilometer in Marl: Die starke Differenz in der Zunahme im Monat Mai 1911 und 1912 erklärt sich ans der verschiedenen Lage deS PfingstfesteS. Die Einnahmen ans dem Personenverkehr betrugen im Mai 1913 1722 M. pro Kilometer, daS find 7,56 Proz. mehr als im Vorjahre. Soziales. Reichseinkvmmcnstcuer gegen Arbkiter. Die bürgerlichen Parteien preisen es als eine besonders „patriotische" Tat, daß auch die Besitzenden als„Versiche- rungspränne" zu den Militärlasten etwas beitragen sollen, da die bösen Sozialdemokraten die Aufpackung der gesamten Kosten auf die Arbeiterklasse verhindere. Sie raufen untereinander. Die Parteien zur Vertretung der Interessen des Grundbesitzes möchten dem mobilen Kapital die alleinige oder die Hauptlast aufpacken. Einig sind sie darin, daß diese Last recht klein sein solle und erstaunlich viel Vorschriften sind getroffen worden, um den Großgrundbesitzer allerhöchstens mit— alles in allem gerechnet— kaum einem Prozent feines Einkonimens zu besteuern. Außerdem soll die Besteuerung zum übergroßen Teil nur vorübergehend er- folgen. Es erscheint gegenüber dem Getratsch der bürgerlichen Parteien über das„patriotische Opfer" am Platz, in Erinne- rung zu rufen, wie hoch die dem Arbeiter durch die Reichs- Versicherungsordnung aufgepackte Reichseinkommensteuer»st. Die Beiträge zur Versicherung werden ja nominell zum Teil(bei der Alters- und Invalidenversicherung zur Hälfte. bei der Krankenversicherung zu einem Drittel) vom Arbeit- geber getragen. Tatsächlich trägt, wie Nationalökonomen aus allen Parteien zugegeben haben, auch diesen Arbeitgeberanteil der Arbeiter. Der vom Arbeitgeber zu zahlende Beitrag ist ein im voraus feststehender Teil des Lohnes. Wir wollen aber bei unserer Rechnung nur den Teil zu Kosten des Arbeiters stellen, den er nominell zu zahlen hat, also die Hälfte der Klebemarken und zwei Drittel der Krankenkassen- beiträge. Es beträgt der Klebemarkenbeitrag für die Arbeitereinkommen: in Höhe bis 356 M. 16 Pf. wöchentlich .. von 356-556. 24. .,, 556—856. 32. ... 856-1156. 46. > über 1156. 43,, bei Einkommen bis 356 M. 1,35 Proz. von 356—556. 1.78—1.13. . 556—856. 1,42-6,92, , 856—1156. 1,22-6,96. „. über 1156, von 1,13 Proz. beginnend. Die Alters- und Invalidenversicherung besteuert also das Einkommen des Arbeiters durchschnittlich init über ein Pro- zrnt. Hierzu tritt die Krankenversicherung. Die Beiträge hierfür betragen 4% bis 6 vom Hundert des Arbeitereinkoin- mens; es können noch höhere Beiträge festgelegt werden. Als sehr niedriger Durchschnitt mag 4y2 vom Hundert unserer Rechnung zugrunde gelegt werden? Hiervon hat der Arbeiter zwei Drittel, also drei Prozent seines Einkommens, zu zahle«. Es erhebt das Reich also vom Arbeiter, und zwar auch vom allerärmsten, über vier Prozent seines Einkommens als direkte Reichseinkommensteuer. Warum iverden die Wohl- habenden nicht dauernd und nicht mit annähernd gleichhohen Prozentsätzen zu einer Rcichscinkommcnstcuer sür die militä- rische„Versicherungsprämie" herangezogen? Rationale Krankrnkassentagung. Der auf nationalem Boden stehende Gesamtverband deutscher Krankenkassen hielt am Montag und Dienstag in Essen unter Bor- sitz der Herren Franz Behrens und Architekt Poth seinen ersten „Kongreß" ab. Reichskanzler, Staatssekretär des Innern, Reichs- versicherungsamt, Minister für Handel und Gewerbe, Regierungs- Präsident und eine Reihe anderer Behörden hatten Vertreter ent- sandt. Der Zweck des Kongresses war offenbar, Propaganda für den Verband zu machen, der nach dem Eingeständnis des vom Zentrumsabgordneten Becker redigierten Verbandsorgans Ende vorigen Jahres„unter Mitwirkung aller bürgerlichen Parteien� gegründet worden ist, um dem„unter sozialdemokratischer �Leitung" stehenden Verband deutscher Ortskrankenkassen das Wasser abzu- graben. Zum Punkt Geschäftsbericht wußte Herr Behren? nichts anderes zu sagen, als daß dem Verbände bereits„186 bis 266 Kassen mit etwa 666 666 Mitgliedern" angeschlossen seien und daß 866 Briefe und Postkarten sowie zirka 1666 Drucksachen ausge- gangen seien. Nicht nur im Westen, sondern auch in Ost- und Noriodeutschland, im Herzen des deutschen Vaterlandes, und bc- sonders auch in Süddeutschland(Bayern und Baden) habe der Verband Wurzel gefaßt. Der Verband sei notwendig� geworden, weil die Interessen der Versicherten„von anderer Stelle" nicht mit dem wünschenswerten Erfolge gegenüber den maßgebenden Stellen habe vertreten werden können. Das habe sich besonders bei Be- ratung der Reichsversicherungsordnung gezeigt. Der neue Verband stehe auf nationalem Boden, werde sich aber vor der Abhängigkeit von politischen Parteien zu hüten wissen. Eine Prüfung von Mandaten wurde nicht vorgenommen. Es erfolgten auch keinerlei Angaben über die Zahl der Delegierten und der vertretenen Kassen. Das beweist am besten, daß man Grund hatte, sich darüber auszuschweigen. Dem Anschein nach waren meist kleine Kassen vertreten, die zu einem großen Teile der Auflösung geweiht sind.. Was in den Referaten behandelt wurde— Justizrat Fuld (Mainz) sprach über das Verhältnis der Krankenkassen zu den Äerzten, Zentrumsabgordneter Becker über das Verhältnis zu den Angestellten— deckt sich im wesentlichen mit dem. was_ der verlästerte„sozialdemokratische" Ortskrankenkassenverband längst vertreten hat. Stadtrat v. Frankenberg(Braunschweig) sprach über das Streitverfahrcn nach dem neuen Rechte. Die Arbeiten des Kongresses wurden insgesamt in fünf Stun- den erledigt. Abgeordneter Becker aber rechtfertigte den höheren Verbandsbeitrag gegenüber dem Beitrag des sozialdemokratischen Verbandes mit der größeren Tätigkeit. Hetzte Nadmdrtcn. Die dreijährige Dienstzeit in Frankreich. Paris, 26. Juni.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer setzte heute die Beratung über den Gesetzentwurf betreffend die drei- jährige Dienstzeit fort. Marin(sozialistisch Radikaler) verteidigte den Gegenentwurf Augagneur und entwickelte Gründe für die Aufrechterhaltung des streng anzuwendenden Gesetzes von 1965. Georges L e y g u e S bekämpfte den Gegenentwurf und wies darauf hin, daß Deutschland, der eventuelle Gegner, nun einmal durch seine Tradition der gewaltsamen Vorherrschaft gebunden sei. Frankreich müsse sich also in acht nehmen.� Die Wiederein- sührung der dreijährigen Dienstzeit sei um nichts reaktionärer, als Englands Baü zweier Schiffe gegen jedes deutsche Schiff. (Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und auf verschiedenen Bänken der Linken.) Der Redner warnt vor den Fehlern des Kaiserreichs von 1876, das sich durch unentschuldbare Weltfriedens- träume habe einschläfern lassen. Frankreichs Verbündete könnten nur ihre und nicht auch noch Frankreichs Pflichten erfüllen(Be- wegung), zurzeit könnte Frankreich den demnächst in Deutschland aufzustellenden 966 666 Mann nur 476 666 entgegenstellen. Deutschland hätte durch seine Eis e-n bahnen eine er- drückende Uebermacht, denn alle Linien würden� an der Grenze wahre Menschenströme ausspeien. Genüge das Heer der zweijährigen Dienstzeit demgegenüber?(Hörtl hört! auf vielen Bänken.) Selbst wenn Frankreich fünf Armeekorps auf den Essel- tivbestand der Grenztruppen brächte, so würden diese über mehr als tausend Kilometer verteilt stehen, während die entsprechenden fünf deutschen mit drei weiteren als Reserve sich nur über 366 Kilometer verteilen würden. Mit der vorgeschlagenen Reform allerdings würden die französischen Grenztruppen einem gewalt- samen Angriff lange und kräftig widerstehen können, allerdings ist unsere Grenze von Longwy bis Maubeuge offen und Paris ist fern von der Grenze. Da aber sogar die äußerste Linke dafür sei, diese Lücke zu schließen, so wäre man ja allerseits einig, seine patriotische Pflicht zu tun.(Allgemeiner Beifall.) Guesde ruft dazwischen: Ja, über das Prinzip! Leygues: Das ist schon sehr viel. Man müsse auf einen kurzen, aber rücksichtslosen Feldzug gefaßt sein. Es sei zweifellos ein Unglück für die Welt, daß Frankreich und Deutschland uneinig seien. Welch Glück wäre ihre Ei n ig- keit!(Lebhafter Beifall ans der äußersten Linken.) Eine Verbindung ihres Geistes und ihrer Kraft wäre ein unschätzbarer Gewinn für die ganze Welt, aber die geschichtlichen Erinnerungen lasteten auf Frankreich»»»it allen ihm durch Generationen vererbten Pflichten.(Beifall im Zentrum und auf verschiedenen Bänken.) Man werde zweifellos eine Verständigung über die Frage der Dienstzeit finden.(Leb- hafter Beifall links.) Die Kammer müsse entscheiden, ob Frank- reich nach dem Wunsche des Generals von Bernhardt als europä- ische Macht verschwinden solle.(Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und auf verschiedenen Bänken links.X Nciier Kampf zwischen Serben und Bulgaren. Belgrad, 26. Juni.(P. C.) Heute kam es abermals bei I st i p zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen serbischen und bulgarischen Truppen. Eine ganze bulgarische Division soll an dem Kampfe beteiligt gewesen sein. Das Gefecht dauerte mehrere Stun- den und endete mit dem Rückzüge der Bulgaren. Streik der Ladungsarbeiter»n Bremerhaven. Bremen, 26. Juni. Heute mittag haben die Ladungs- arbeiter der Firma H. I. H i n s ch in Bremerhaven, die den Stauereibetricb des Norddeutschen Lloyd versieht, die Arbeit nieder- gelegt. Hartes Urteil. Przemysl, 26. Juni.(P. C.) Heute wurde das Militärgericht- licye Urteil über diejenigen tschechischen Dragoner gefällt, welche anläßlich des Transportes des Pardubitzer Dragonerregiments an die galizische Grenze im Herbst vorigen Jahres aus dem Bahnhof und während der Fahrt demonstriert und sich in hochverräterischen Rufen wie: Hoch Serbien! Hoch Rußland! ergangen hatten. Die Hauptverhandlung hatte bereits Ende März d. I. stattgefunden, doch war das Urteil vom Gcrichtsherrn nicht bestätigt und die Akten an den obersten Militärgerichtshof nach Wien weitergegeben worden. Das erste Urteil hatte zwei Reservisten als die eigentlichen Rädels- führer zum Tode durch Erschießen verurteilt. Heute nun sind diese beiden Strafen in schwere Kerkerhaft don B'A bczw. 8 Jahren umgewandelt worden. 19 weitere Dragoner erhielten Kerkcrstrafen von 7, 6 und 4 Jahren. Alle übrigen Angeklagten, die sich in voller Betrunkenheit zu den Exzessen hatten hinreißen lassen, wurden zu schwerer mehrmonatiger Kerkerhaft verurteilt. Die Untersuchungshaft hat über 7 Monate gedauert. Im ganzen sind über 46 Soldaten mit einer Gesamtstrafe von 126 Jahren belegt worden. Explosion in einer französischen Militärwerksiätte. Tarbcs, 26. Juni.(W. T. B.) In der Werkstüttc des 24. Ar- tillerieregiments explodierte eine nicht krepierte Granate, mit deren Auseinandernähme einige Soldaten beschäftigt waren. Zwei Soldaten wurden in Stücke zerrissen, zwei andere erlitten schwer? Verletzungen; die Werkstätte wurde teilweise zerstört, Gebrannter Kaffee Mischung I II III 1.28 1.45 1.55 IV V VI VII 1.65 1.75 1.90 2.10 J d.UJeftfiemt K ipzigerstrKTKönigstrlrKOranienstrjirifRosenthalerstr ithnmittd Freitag o. Sonnabend, soweit vorhanden.% Artikel werden nicht zugesandt Aus der eigenen Konditorei: Baumkuchen 1.80 nach Kottbuscr und Salzwedeler Art Pfd. Sandtorten 45??. Ständiger VerKaufi Aus der eigenen Hacker el: � 1 � Bauernbrot, A � Schliiterbrot, Korbbrot, � pr Landbrot, Kuchenbrot inKL Flasche= Fruchtsäfte garant rein, mit Raffinade eingekocht== Himbeersaft v.n 85 pt. ext» 1.10 Kirsch- u. Johannisbeersaft>,. n 85 pt M Kirschsaft ext». Ananassaft m 1.20 Zitronensaft v.n. 85 pt, ext» 1.20 M "Räucherwaren| Kieler Schleibücklinge itok 25 pt. M Engl. Fettbückiinge s stek. 25 pt M Ahlbecker Flundern. piond 50 pt. M Kieler Flundern____ ptund 40 pc M Goldfische........ stack 10 pt M AalePfd.l.l5itorkl.50Bajid40pf. M Lachsstör........ ptnnd 65 pt M Gewürzgurken..«i.it»-v°.e 1.35 M Sardellen..... ptund 75, 90 pt M Nene Matjes- Heringe| stück 10, 15, 20, 25 pf N Versandfässchen Q Crk 12 Stück Inhalt "Fleisch Schmorfleisch....... Pfund 90 pl Roastbeef mit Knochen... Pfund 1.00 Riackerhamm u.-Lrust Pfund 75 pf. kalhsheuie u. Rüchen �?p�°l.lO Kalbshamm und-Bug Pfund 80 pr. Brust Pfund 75 pf., Brustspitze 1.00 Hammelheule �s;IRencKen«und 90 pf. Diche Rippe pfd.85. Dünnung 75 pf. Schweinehoteletts---- Pfund 1.10 Schweinehamm...... Pfund 90 pf Bauchod Blattr» 70,Rüchenfett55 pr. Kasseler Rippespeer p». 90'7, 1.05 Rehblätter.... stück 1.60 bis 2.25 Keulen st. 5.00 b. 7.50 Rücken 6.00 b. 9.50 Wildschweinheule... Pfund 1.00 Rüchen.... Pfund 90. Blatt 75 pf. i' G« junge Gänse.. Pfund 60, 70, 75 pf. ränse-Rümpfe.. stück 3.35 bis 4.75 Junge Enten...... 1.80 bis 3.40 Junge Hühner.... 45 pf. bis 1.80 Hühner.......... 1.65 bis 2.60 Tauben.......... 40, 60» 75 Pf "Fisclke Kabeljau ohne Kopf' in«anMn 12 pf Schellfisch tu. 12, Rotzungen 16 pr. Bratschollen........ Pfund 12 pf Steinbutten........ Pfund 65 pc Lachs in ganzen Fischen.... Pfund 58 Pf. Lebende Aale prund 65» 85 pr., 1.00 Lebende Schleie..... Pfund 1.05 Lebende Krebse Mdi 30 pr bis 4.00 Wein Bordeaux-Wein lall. Flatch*'/, Fl. reilOFl 1 909 Lcs Bcssannes87 pt 85 pt 1 907 Castillonnais 95 pt. 93 pt 1 909 Crfi du Marin 1.05 1.02 1907 Parcmpuyre 1.30 1.25 Moselwein lalü. Flasche■/, Fl. boilOFl. Obermoseler..... 65 pt 63 pt. Wormeldingcr____ 75 pr. 72 pl 1 91 1 Oberbilliger 95 pl 92 pl 1909 Eitelsbacher 1.15 1.10 1 91 1 Scnhclmcr.. 1.25 1.20 1911 Enkircher..1.35 1.30 Obst u. Gemüse Butter Blauheeren Ptd. 23, Erdbeeren 35 pl Johannisbeeren____ ptand 15 pl Stachelbeeren �20* s,obpmf�edn35 pl Pflaumen r«ib ptd. 18&28 pl Tomaten........ pta-d 17 pl Aprikosen........ ptnad 32 pl Bananen......... pk°»d 30 pl Ananas..... prund 73» 82 pr Zitronen. Dutzend 40, 50, 60 PL Schoten........ 2 Pfund 25 pl Mohrrüben...... 5 Bund 30 pl Radieschen......« Bund 10 pl Blumenkohl. Kopf 15, 20, 25 pl Grüne Bohnen..... ptand 18 pl Wachsbohnen..... ptund 28 pl Neue Kartoffeln,. s ptund 20 pl Kochbutter....... ptand 1.03 Tischbutter..ptund 1.10, 1.17 Tafelbutter...v,ptd.-p»ket 60 pt Schmalz.......... ptund 68 pl Marmelade letoht gefärbt, ptd. 33 pr. Echter Emmenthaler. ptnnd 1.05 Bayrisch. Schweizerkäse tu. 88 pt. Holländer Käse... ptucd75 pt Xl. Limburger Käse. ptand 40 pl Romatour-Käse.... stock 28 pl Camembert....... stock 20 pl Kuh- und Landkäse 2 stock 35 pl Faust- und Spitzkäse st�ck 25 pl Harzer Käse.... 9 stock 10 pl Brie-KäseToiifctt.... ptnnd 75 pl Speise-Quark..... stock 10 pl Rheinwein?GneiB'.«iun* inll. Flasche'/, Fl, hei in Fl 1912 Edenkobencr 70 pl 65 pl 1911 Weinheimcr 85 pl 82 pl 1910 Mcttcnheimcr 95?? 92 pl 1907 Jugenheimer 1.15 1.10 1 908 Deidesheimer 1.25 1.20 1 905 Kempter Berg.. 1.45 1.40 Südwein inll. Flnscb* V. Fl. kc'im Insel Samos...... 85 pt. 83 pl VermouthdiTorino 1.05 1.00 Douro- Portwein...1.20 1.15 Alt. Douro-Portwein 1.85 1.80 Adria-BIumeCfor�w 110 1.05 greltag, 27. Juni 1913. Ansang 7 Uhr. «roll-Oper. Die Meisterfinger von Nürnberg. Ansang 7'/, Mr. P rat er. Das Bummelmädchen. Ansang 8 Ubr. Urania. In den Dolomiten. Schiller«. Der Leibgarbift. Schiller< Charlotten bürg. Frei» wUd. Lessing. Alt-Wien. «erliner. Filmzauber. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. »leineS. Prosesior Bernhardi. Deutsches Opernhaus. DieKönigin von Saba. Thalia. Puppchen. Metropol. Die Kino-Königm. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle«. Stettiner Sänger. Anfang S1!, llbr. SomödienhauS. Hochherrschaftliche Wohnungen. Friedr.< Wild. Schauspielhaus. Da» Farmermädchen. LnstspielhauS. Der lustig« Kakadu. Rose. Tagebuch einer Berlorenen. Luise». Die Allwördens. FolieS Capriee. Ein Pechvogel. Die Krampfiache. Ansang 8>/, Ubr. ReoeS Volkstheater. König Krause. Deutsches. Die Schiffbrüchigen. Deutsches Schauspielhaus. Ewe Vergangenheit. Theater am Rolleudorsplatz. Der Mann mit der grünen MaSle. Ansang 9 Nbr. Admiralspalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz, Sternwarte, Jnvalidenftr. 57—62. veotaelrou 8'/, Uhr: Eine Vergangenheit. nun 000 □□□ Thealer und Vergnügungen □□□ iocischer GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt X Stark, 1 yon 6 Uhr ab 60 PL Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Schiller-Theater 0.1S: Freitag, abends 8 Uhr: Der EeibgardlNt. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Eclbgardist. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Eclbgardist. Schiller-Theater Chabr«?r' Freiiag, abends 8 Uhr: Freiwild. Sonnabend, abends 8 Uhr: Uascmanns Töchter. Sonntag, abends 8 Uhr: Haaemanna Töchter. Kroll-Oper '7 Uhr: Die Meistersiiiger von NDroberg. Gastspiel: Alois Pennarini. Sonnabend: /VTlgtlON. osc-i«eAie Arofie Frantsurter Str. 132. /ilse.lZsdakllneemblc.lZstttp. �legedoeii einer Verlorenen. LJ Slnsang S'U Uhr. Auf der Gartenbühne: ! Es geht los! Ansang 41/, Uhr. Passage-Panoptikum Die 3 Schwestern Liüput die kleinst. Bchwest. der Welt. Der weltberDhmte amerikanische Negerboxer Andrea Johnson b( Aga bei seinem Training. die schwebende 1 Jungtrau! Alles lebend! (Alles ohne Extra-Entree! Täglich S1/, Uhr: Burleske Spiele. Der Mami it der grünen Maske. — Variete—— Kino— □ □□ Deutsches Musikfest Zweites Volkskonzert 200 Musiker D 300 Sänger 2 Festdirigenten Sonntag, den 29. Juni, mittags 12 Uhr, im großen Saale der Brauerei Friedrichshain PrnoTamm* Ouvertüre„Tannhäuser"— Wagner, Sinfonie A-moll— Cords-Vorspiel, o' Einleitung zum 3. Akt und Festwiese aus den„Meistersingern"— Wagner. {Hans Sachs: Kammersänger Braun v. Deutsch. Opernhaus, Charlottenb.) Karten ä 50 Pf. am Sonntag von Val 1 Uhr ab am Eingang zum Saale erhältlich. Brauerei Friedrlehshain. Heute Freitag, den 27. Juni 1913, abends S'/s Ubr: Volks Sinfonie Konzert des Blüthner- Orchesters Dirigent: Gnido v. Fnchs. Sol.: Gottfried Zeeiander(Cello). Karten k 30 Pf. in den bokannteii Vorverkaufsstellen und abends an der Kasse. ;■■■ Berliner Theater. s uhr: Filmzauber. Hlontis Operetten-Theater (fc. Neues Theater). Amt Norden 1141. Sommerpreise. Gastsp. Jul. Spielmann. 8 Uhr: Der lachende Ghemaun. H hoHsumgeHosseHschakl Berlin und Umgegend Abteilung Lichtenberg. «»s» Sonntag, den SO. Juni 1913: Oroßes Sommerfest im Cafö Bellevne, am Kummelsborger See. Gr. Konzert und Spezialitätenvorstellung, im saaie-. Ball. — Entree 20 Pf-— Kaffeeküche von 2 LTir ab geöffnet. Billetts sind in den Verkaufsstellen zu entnehmen. Abteiiungsleitung. Fahrverbindungen: Stadtbahn, Bahnhof Stralau-Rummelsburg. 105/19 Straßenbahnlinien 26, 76, 77, 78 und 92. Bevor Sie Ihre diesjährige Dampferpartie unternehmen, be- . M sä Voigts Krampenlinrg und Sie werden finden, daß es der schönste und passendste Au sfiugsort ist.• B. Voigt, Post Schmöckwitz, Fernsprecher: Köpenick 227. Brauerei Friedrichshain Am Königstor. Oek.: Ernst Eleblng. PMi Jeden Dienstag- und Dannerstagnachmittag:"VW Kaffee Frei-Vorstellung der Xorddeutachen und Apollo- SÄnger bei freiem Gntree. Freitags: Fret-Konzert. Zllelropol-Tkolller. Slbends 3 Uhr: Die Kino- Königin. Operette in 3 Alten von Jul. Freund und G. OkonfowsfL Musit von Jean tillheet. In Szene g-seht v. Dir. Rich. Schultz. IüNaP® IühIark Japan, Wildling, Warn, Oceana Tanzrad°"i4u£Äf» | Neue Veit l A.Scholz. Hasenheide 108-1 14 Täglich: Konzert und Vorstellung. Anf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Jeden Dienstag. Mittwoch, Donnerstag und Sonntag: _ GpoBep Ball. Ainiiralspalast- Eis-Arena Angenehm kühler AulenthalL Allabendlich das er. erfolgreiche Eisballett Flirt In St. Horltz. Bis 6 Uhr und von lO*� Uhr halbe Kassenpreise. ~®�ta,,r®nt 1. Banges. Wein- und Bier-Abteilung. Voigt-Theater 38. v» Heute:-�3« Der Bettelstudent. Volfsstück mit Gesang und Tanz in 5 Bildern. Gänzlich neue Spezialitäten. Kassenöffnung 2 Uhr. Ansang 41/, Uhr. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Zum Schluß: Lanistraße". Eine ■■'STva Musikanten- V\ NVVM Burleske 14 wilrL von Meysel. Anlang 8 Uhr Volksgarten- Tkßater, Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/21. sw,,:Äm»Ä'Ä. Muttersegen. Schauspiel mit Mufft m 5 Aften. Dazu: daS brillante SpcziaIit..Pro«. Ansang 4 Uhr. Entree A, Sur ven J?pait der Juieruee »beruiinma öae«edaktion de» Publikum gegenüber tri»erlet Verantwornang. Lerantw. Redakteur: Albert WachS, Berlin. In ieratentell verantw.; Uh. Glocke, BerUn. Druck u. Vertag:!LorwärtSB>ichdr.ikLerlagsanitatt�GauISingerz-Eo.,BerlinSW. Hrerzu 3 Lrilasrn u.lltitcrhäuimg»bf Kr. 160. 30. Jahrgang. 1. Stilnjf d« Jotnilrts" Derlim lolMiilt. kmtag, 27. Ihm 1913. Das fflaffenFtreikproWcm. in. Eine dem Frankschen Standpunkt direkt entgegengesetzte Hai- ?ung zur Massenstreikfrage nimmt sein Landsmann, Genosse Kolb, ein, der der Meinung ist, daß die preußische Wahlrechts- frage n u r im Parlament gelöst werden könne. In mehreren Ar- tikeln des„Karlsruher Volksfreunde s� wird dieser Gedanke ausführlicher erörtert. Es heißt da u. a.: „Wir haben bereits betont, daß wir an sich den politischen Massenstreik für ein Mittel halten, das unter bestimmten Voraussetzungen geeignet ist, auf den Gang der politischen Eni- Wickelung bestimmend einzuwirken. Diese Tatsache läßt sich ins- besondere im Hinblick auf die belgischen Vorgänge nicht bestreiten/ Wir würden auch unbedenklich für Preußen den politischen Massen- streik empfehlen, wenn wir überzeugt wären, daß er das geeignete Mittel ist, um der preußischen Wahlrechtsbewegung endlich einen Erfolg zu garantieren. Davon find wir aber nicht überzeugt, im Gegenteil, wir befürchten, daß der politische Massenstreik ganz andere Folgen haben würde, als eine Förderung der Wahlrechts- bewegung. Uebereinstimmung herrscht darüber, daß die preußische Wahl- rechtsfrage nur durch einen energischen Druck der Massen einer Lösung entgegengeführt werden kann, denn frei- willig wird die preußische Reaktion auf ihre Vorherrschaft nicht verzichten. Allein der Druck der Massen kann auf ganz verschiedene Weise erfolgen. Soviel steht indessen fest, die Entscheidung über die preußische WahlrechtSftage erfolgt nicht auf der Straße, nicht in Volksversammlungen, sondern im Parlament. Kann das nicht bestritten werden, dann fällt es auch nicht schwer, sich über die T a k t i k klar zu werden, welche zur Lösung dcS Problems führt..... Es unterliegt für uns keinem Zweifel, daß im Falle die Ar- beiter zum politischen Massenstreik greifen, die Reaktion alles auf- bieten wird, um Zusammenstöße herbeizuführen. Daß diese nicht mit einem Sieg der demonstrierenden Proletarier enden würden, liegt auf der Hand. Dieselbe Disziplin, die bei den Arbeitern herrscht und auf die wir mit Recht so stolz sind, herrscht auch beim Militär. Darüber dürfen wir uns nicht tauschen. Daß solche Zusammenstöße, die notwendiger- weise mit einer Niederlage der Arbeiter enden würden, der Wahlrechtsbewegung nicht förderlich wären, ist ohne weiteres be- «reiflich..... Die preußische Wahlrechtsfrage kann— daran ändert die Tat- fache der Klassengegensätze und des Klassenkampfes nichts— von der Sozialdemokratie allein nicht gelöst werden, sondern nur mit Unterstützung des Liberalismus. Für die Sozialdemokratie kann es sich also zunächst nur darum handeln, wie sie den Libe- ralismus zwingen kann, im Kampf um die Wahlreform an ihre Seite zu treten. Das ist u. E. aber nur möglich, wenn die preu- Fische Sozialdemokratie das volle Gewicht ihrer enormen Stimmen- zahl überall dort zugunsten des Liberalismus in die Wagschale wirst, wo er bzw. seine Kandidaten sich auf unsere Wahlrechts- forderungen verpflichten und wo unsere Partei aus eigener Kraft keine Erfolge erzielen kann. Diese Taktik allein wird imstande sein, in Preußen eine wuch- Lge Massenbewegung, die nicht mehr im Sande verlaufe« wird, für die Wahlrrform herbeizuführen und der Reaktion eine ent- scheidende Niederlage zu bereiten. Dazu brauchen wir weder den politischen Massenstreik noch «andere„schärfere Kampfesmittel'. Es ist zwecklos, ein va-b-mgue- Spiel zu wagen, bevor man sich darüber klar ist, wie letzten Endes die Lösung der preußischen Wahlrechtsfrage ermöglicht wird. Das Proletariat darf sich im Kampf um die Wahlrechtsreform nicht selbst isolieren, sonst ist und bleibt der Kampf noch auf lange Zeit aussichtslos. Es wäre das ebenso verfehlt, als wenn die badische ioder bayerische Sozialdemokratie sich im Kampfe gegen den Klcri- kalismus isolieren würden. Die Reaktion würde um so sicherer triumphieren..... Die Voraussetzung dafür, daß die Sozialdemokratie den Libe- ralismus vor die Alternative des Entweder-Oder stellen kann, ist, daß sie den Mut hat, sich auf den Boden einer konsequent rc- formistischen Politik zu stellen. Entweder sind wir eine politische Partei, die ihre politische und historische Aufgabe darin erblickt, unter Berücksichtigung der realen Verhältnisse nach ihren Grundsätzen die Politik zu beeinflussen, oder wir sind eine politische Sekte, die in schwärmerischem Glauben auf den baldigen Zu- sammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft ihre Hoffnungen setzt. In dem einen wie in dem anderen Falle müssen wir den Mut haben, konsequent zu sein. Daran fehlt es aber heute und deshalb st a g n i e r t unsere ganze Politik...... Den Parlamentarismus für bedeutungslos halten und wegen des Wahlrechts einen Massen- streik wagen, ist ein grotesker Widerspruch. Entweder— oder!' Der Auffassung Kolbs trat Genosse Traubinger- Karls- ruhe in einem im„Karlsruher Volksfreund' abgc- druckten Artikel entgegen, dem wir folgende Stellen entnehmen: „-rem Proletariat stehen aber noch wirkungsvollere Kampfes- Jnütel zin: Verfügung. Was in Belgien möglich war, muß in Deutschland möglich gemacht werden. Wiederholt wies auch die Redaktion des„Volksfreund' darauf hin, daß dieser Kampf um das preußische Wahlrecht zu einem deutschen gemacht werden muß._ Dies ist auch meine Ansicht, nur gehe ich weiter und habe die feste Ueberzeugung, wenn wir gemeinsam kämpfen in Süd und Nord, siegen wir um so eher. Gemeinsam den General- streik propagieren, bis er zu einem festen Willensakt der deutschen, nicht nur der preußischen Arbeiterschaft geworden ist. Nicht Radauszenen, nein, eine Manifestation der ruhenden Arbeit soll ganz Deutschland erleben. Mancher ist unter uns,/ der vor etlichen Monaten noch nur ein kühles Lächeln über das Wort General- oder politischen Massenstreik hatte. Wir, die wir schon länger dieser in Belgien so glänzend zur Ausführung gebrachten Idee huldigen, wollen jetzt nicht unnütz triumphieren. Wohl aber find wir verpflichtet, unsere Klassen- und Kampfgenossen agitierend dafür vorzubereiten, um der in unserem Vaterlande noch so mittelalterlich sich auffuhrenden Reaktion endlich ein Halt entgegen- zurufen.' Die„Volkswacht' für Freiburg i. Br. schrieb: „Uns erscheint die größere Schwierigkeit für die Durchführung des politischen Massenstreiks in Preußen darin zu liegen, daß Preußen eben— Preußen ist. Dieser erste Militärstaat der Welt erdrückt mit seiner geschlossenen, fast barbarischen Disziplin der ihm unterstellten Personen alle spontanen und dauernden Re- Zungen der nach einem besseren Wahlrecht lechzenden Volksmassen. Deutlicher ausgedrückt: Wenn diese Massen in den Generalstreik eintreten, legt er ihnen durch„sein Militär", seine Verwaltungs- behörden, seine Staatsangestellten und Arbeiter so viele Hinder- Nisse in den Weg, daß man an dem Erfolg eines Generalstreiks von vornherein verzweifeln möchte. Nicht umsonst hat Bebel auf einem Parteitag gesagt: Haben wir Preußen, haben wir alles! Insofern ist also das Schwergewicht der Kolbschen Gründe durchaus nicht von der Hand zu weisen. Aber wir fragen uns: Was soll sonst geschehen? Sollen wir, weil der Massenstreik in Preußen scheinbar nicht ausgeführt werden kann, einfach sagen: Es gehl nicht! Wir möchten deshalb trotz gewissenhafter Prüfung der Kolb- �chen Einwände erklären: Es muß gehen! Wir kommen in Preußen um eine Anwendung des politischen Massenstreiks nicht herun,; die Zukunft wird uns darin recht geben. Denn das andere Mittel, das Kolb für den politischen Massenstreik vorschlägt, ver- »chleppt die Sache und bringt uns schließlich doch nicht ans Ziel. >... Der Kolbsche Vorschlag könnte nur bei den n ä ch st e n Meußischen Landtagswahlen in die.Praxis umgesetzt werden. Und die finden— 1918 statt! Sollen wir bis dahin die preußische Wahl- rechtsfrage schlummern lassen? Nie und nimmermehr I Ganz ab- gesehen davon, daß selbst 69 und mehr liberale Abgeordnete noch keine Reform des preußischen Wahlrechts garantieren. Wir sind der Meinung, daß man b ei d e Mittel ins Auge fassen muß: Den politischen Massenstreik und den Kolb-Eisnerschen Vorschlag. Nur die Verbindung beider Kampfesmeihoden dürfte zum Siege führen.' In der„Chemnitzer V o l k s st i m m e' kommt Genosse Kurt Eisner in einem Artikel, betitelt:„Preußischer Nachrus" auf seinen bekannten Vorschlag,„das Dreiklassenwahlsystem durch sich selbst zu sprengen', zurück und schreibt zum Schluß über die Massenstreikfrage: „Vor dem ersten Jenaer Parteitag, als wir uns über den Generalstreik unterhielten, vertrat ich gegen die Parteigenossen, die sich darin gefielen, die Arten des Generalstreiks wissenschaftlich zu sortieren und darüber zu grübeln, welche Rolle dieses Kampfmittel am Tage der letzten großen sozialen Revolution spielen könnte, die Auffassung, daß der Generalstreik lediglich unter dem Gesichts- Punkt zu erörtern sei, daß wir ihn als Mittel zur Bekämpfung re- aktionärer Anschläge und zur Crringung politischer Rechte be- nützten. Damals, glaube ich, hätte ein demonstrativer General- streik die Sache des preußischen Wahlrechtskampfes gefördert. Aber in den Jahren, die seitdem verflossen sind, haben wir unsere de- monstrativen Machtmittel so sehr gesteigert und so oft vergeblich angewandt, daß wir uns darüber klar sein müssen, mit einem kurz- fristigen demonstrativen Generalstreik, selbst wenn er beschlossen und ausgeführt wird, ist es nicht mehr getan. Wenn wir heute dieses Mittel mit Erfolg anwenden wollen, so wird die Bewegung unter dem inneren Zwange der Verhältnisse zu einem Punkte treiben, wo es sich entscheidet, welchen Lebenswert politische Frei- heit und politische Rechte überhaupt für die Massen des preußischen Volkes haben. Erst wenn wir uns klar über die ungeheure Bedeu- tung eines erfolgreich zu wagenden Massenstreiks sind, ver- lohnt es sich, über seine Möglichkeit zu diskutieren. Die Menschen gewinnen erst dann die Freiheit und die Macht zur Freiheit, wenn in ihnen das Gefühl lebendig ist, daß es sich ohne Freiheit nicht zu leben lohnt. Bis wir aber so weit sind, müssen wir schon wohl oder übel Politik treiben, d. h. alle Wege gehen und alle Mittel anwenden, die irgend Erfolg versprechen, und ich glaube, daß gerade solche bewegliche, kluge, besonnene und wagende Politik am ehesten auch die Massen dazu erzieht, daß sie den Lebenswert ihres Kampfes um Recht und Erlösung fühlen und betätigen lernen.'__ Reichstag 170. Sitzung. Donnerstag, den 26. Juni ISIS, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstisch: Kühn. Die zweite Beratung des einmaligen aiilZerorclentlicben Mebrbeitrages wird fortgesetzt. Z 17 bestimmt, daß bei land- und forstwirtschaftlichen Grund- stücken der E r t r a g s w e r t bei der Feststellung des Vermögens zugrunde gelegt werden soll; als solcher hat daS 25 fache des Rein« ertrages zu gelten. Ebenso wird bei bebauten Grundstücken, die Wohn- oder gewerblichen Zwecken dienen, der Ertragswert und zwar das 25 fache des Miet- oder Pachtertrages zugrunde gelegt. In allen Fällen kann aber der Beitragspflichtige verlangen, daß statt des ErtragSwertcs der gemeine Wert der Veranlagung zugrunde gelegt wird. Abg. Graf Westarp(k.) beantragt, statt deS 2S-fachen des Neun ertrages das 20>fache als Ertragswcrt zugrunde zu legen. Die Abgg. Albrecht fSoz.) und Genossen beantragen Streichung deS ganzen Paragraphen. Abg. Emme!(Soz.): Wir wollen mit unserem Antrag erreichen, daß, wie das im § 16 festgelegt ist, bei der Feststellung des Vermögens der g e- meine Wert fVerkaufswertj seiner einzelnen Bestandteile in allen Fällen zugrunde zu legen ist. Der§ 17 will in dieser Beziehung Ausnahmen vorsehen, die eine Bevorzugung des Agrariertums be- deuten.. Bei Grundstücken, die dauernd land- oder forstwirtschaft- lichen oder gärtnerischen Zwecken dienen, soll danach der Ertrags- wert zugrunde gelegt werden. Nun gibt es aber eine Reihe von Grundstücken, die scheinbar dauernd zu solchen Zwecken bestimmt sind, aber in der Tat schon SpekulationSobjekte darstellen und als solche in kürzerer oder längerer Frist einen weit höheren Verkaufswert haben werden. Hier würde sich der Ertragswert' ungeheuer weit entfernen von dem gemeinen Wert. Daher liegt in dieser Bestimmung eine gewaltige Be- n a ch t e i l i g u n g der übrigen AbgabepfliStigen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ferner soll als Ertragswcrt angesehen werden das 2Sfache des Reinertrages„bei ordnungsmäßiger Be- wirtschaftung mit entlohnten fremden Arbeitskräften". Diese Be- stimmung erschwert ungeheuer die Ermittelung des wirklichen Ertragswertes. Die einzelnen Veranlagungskommissionen werden von ganz verschiedenen Gesichtspunklen ausgehen. Die Ein- schätzungS Methoden bei den Agrariern sind ja bekannt, sie werden hier natürlich beibehalten werden. Diese Bestimmung ermöglicht auch den Grundbesitzern, für sich selbst und ihre Familienangehörigen, ob sie nun wirkich tätig sind oder nicht, eine Entlohnung in Abzug zu bringen, z. B. für die F r a u deS Rittergutsbesitzers, die sich vielleicht etwas um den Viehbestand kümmert.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Folgerung aus dieser Bestimmung wäre, daß man auch den Gewerbe- treibenden das Recht geben müßte, eine Entlohnung für die Arbeit ihrer Familienangehörigen in Abzug zu bringen. Da das nicht geschieht, liegt in dieser Bestimmung eine große Ungerechtig- keit.— Graf Westarp will nun mit seinem Antrag, die Ver- s ch l e ch t c r u n g, die in der Budgetkommission in der ersten Lesung mit ganz geringer Majorität beschlossen worden war und dann in zweiter Lesung beseitigt wurde, wieder in das Gesetz hineinbringen. DaS würde eine weitere gewaltige Begünstigung des Agrariertums bedeuten, der Kreise, die es bisher schon so gut verstanden haben, sich von der Zahlung von Steuern nach Möglichkeit zu drücken.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir erwarten deshalb, daß die Mehrheit des Reichstages den Antrag Westarp ablehnen wird. Auch sind gegen die Formulierung des ß 17 noch sonstige Bedenken geltend zu machen. Nach Absatz 3 sollen die der Land- und Forstwirtschaft dienenden Gebäude und Betriebsmittel nicht besonders veranlagt werden. Dadurch ist die Möglichkeit ge- geben, große Parks, ganze Schlösser nicht mit zu veranlagen. In der Kommission wurde ausdrücklich betont, daß auch solche Schlösser unier die Gebäude fallen sollen, die nicht be« sonders zu veranlagen sind..(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ebenso wird man zu den„Betriebsmitteln" die Luxuspferde und Automobile der großen Herren rechnen, also solche Objekte, die bei anderen Leuten zur Steuer herangezogen werden.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Dadurch, daß man auch die Hausagraricr in diesen Paragraphen hereingezogen hat, wird er für uns durchaus nicht annehmbarer. Der beste Be- weis, daß der ganze§ 17 überflüssig ist, ist der letzte Absatz, der jedem Beitragspflichtigen das Recht erteilt, zu verlangen, daß der gemeine Wert an Stelle des Ertragswertes zugrunde gelegt wird. Damit wird ausdrücklich zugegeben, daß die eigentlich gerechte Basis der Veranlagung der gemeine Wert ist. Damit, daß dies Recht dem Beitragspflichtigen gegeben wird, gibt man zu, daß es sich hier nur um eine einseitige Begünstigung des Llgraricrtums handelt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)' [ In der Kommission hat man nun Einwendungen gegen die Be- ! rechnung nach dem gemeinen Wert gemacht mit dem Hinweis darauf, � daß diese Art der Einschätzung schwierig sei und daß man in Preußen und Elsaß-Lothringen schon die Berechnung nach dem Ertragswert habe. Mit demselben Recht könnte man darauf hin- weisen, daß in Hessen sich die Berechnung nach dem gemeinen Wert schon sehr lange gut bewährt hat. Die Veranlagungskommissionen werden stets in der Lage sein, sich über den gemeinen Wert zu orientieren. Und wenn wirklich einmal vor kurzer Zeit jemand einen ganz besonders hohen Preis für ein Grundstück bezablt hat, so kommt das auch nicht in Betracht, denn hätte er statt das Vermögens- objekt zu erwerben, das bare Geld behalten, so würde er ja eine Abgabe von diesem baren Gelde haben bezahlen müssen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Aus all diesen Gründen ersuchen wir Sie, diese Begünstigungen des Agrariertums abzulehnen und unserem Antrage zuzustimmen.(Lebhafter.Beifall bei den Sozialdemoftaten.) Abg. Graf Carmer-Ziesewitz(k.) tritt für den Antrag ein, statt des 25 fachen den 20 fachen Ertragswert zu setzen. Man muß doch die geringe Verzinsung des land- wirtschaftlichen Betriebskapitals und die hohe und teuere Ver- schuldung der Landwirtschaft berücksichtigen. Man muß doch gerecht sein und nicht s Proz., sondern 5 Proz. Verzinsung zugrunde legen. Man trifft sonst die schwächsten Existenzen. Der einzige Vorzug dieses sogenannten Besitzsteuergesctzes, daß es den Ertragswert zugrunde legt, wird durch die Multiplikation mit 25 auch noch auf- gehoben. Unterstaatssekretär John rechtfertigt die Zahl 25 mit dem landwirtschaftlichen Ertrag, den der Vorredner nicht'richtig eingeschützt habe. Abg. Ulrich-Offenbach(Soz.): Nach den konservativen Herren ist man in Hessen infolge schlechter Erfahrungen vom gemeinen Wert wieder abgekommen. Das ist falsch, denn das hessische Besitzsteuergesetz von 1899 legt ausnahmslos den gemeinen Wert zugrunde— freilich war damals der Einfluß der Agrarier noch nicht so groß wie später,_ wo sie im Gemeindesteuergesetz von 1911 das StaatSsteuergesetzprinzip dahin unrkrempeln konnten, daß sie ihre Steuerlast erleichterten. Aber auch 1911 hat man nicht so wie in dieser Vorlage den Ertrags- wert eingeführt und die Agrarier sind auch noch nicht recht zufrieden. Nach dem hessischen Gemeindesteuergesetz kann ein mittlerer Wert zwischen Gemein« und Ertragswert zugrunde gelegt werden; wenn der ErtragswertbeiguterBewirtschaftung erheblich hinter demgemeinen Wert zurückbleibt, hat der gemeine Wert zugrunde gelegt zu werden. Diese Milderung des Staatssteuerprinzips kommt aber nach der Erklärung der Regierung selbst den großen Besitzern zugute. Wenn man dein verschuldeten kleinen Landwirt helfen will, dann muß man einfach für eine Verschuldung von gewisser Höhe einen Abzug einführen, nicht aber allgemein den Steuersatz heruntersetzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Ertragswertgrundlage müßte aus Gründen der Gerechtigkeit abgelehnt werden, wenn sie aber schon beibehalten wird, dann ist das Fünfundzwanzigfache das mindeste. Der Wortlaut des hessischen Gesetzes zeigt ganz deutlich, daß der Ertragswert nur subsidiär, in zweiter Linie herangezogen wird und lue An- ordnungen der Regierung an ihre Beamten belrästigen diese An- schauung: es wird darin gesagt, daß die Berechnung des Ertrags- wertes als Hilfsmittel heranzuziehen ist, wenn nicht durch den Kauf- preis ein Anhalt gegeben ist. Es ist also uns in Hessen gar nicht eingefallen, auch nicht einmal solchen Herren, die dem Ertragswert geneigt sind, zuzugestehen, daß mit dem gemeinen Wert schlechte Erfahrungen gemacht worden wären— im Gegenteil' Die Schulden wollen wir beim landwirtschaftlichen Besitz sehr wohl berücksichtigen, aber hier ist die Hauptsache, daß durch den 20facheu Ertrag bedeutend weniger gezahlt werden soll. Und das wollen Sie hier ganz schnell, mit dem Reisekoffcr in der Hand, er- ledigen. Dadurch muß ja der Eindruck entstehen, daß die eigenen Interessen das Entscheidende sind für die Herren, und daß sie sich den Teufel kümmern um die Interessen des Volkes.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Hey!(wild-natl.): In Hessen haben wir mit der Steuer nach dem genieinen Wert recht schlechte Erfahrungen gemacht; deshalb ist sie auch beim Ge- meindcumlagcngesetz fallen gelassen, und eine Novelle ist in Vor- bereitung, auch bei der Staatsstcuer den Ertragswert zugrunde zu legen. Abg. Ulrich(Soz.): Mit der Steuer nach dem gemeinen Wert haben wir in Hessen gute Erfahrungen gemacht, die Regierung hat es 12 Jahre lang angewendet; schlechte Erfahrungen damit haben nur die Agrarier gemacht. Die Regierung wollte deshalb auch beim Gemeindeumlagengesetz den gemeinen Wert zugrunde legen, und nur die Agrarier, die ja in der Ersten Kammer überhaicht Trumpf sind, haben das verhindert. Wenn die neue Novelle kommt, ist sie noch keineswegs angenommen.(Vizepräsident Dovc bittet, nicht auf hessische Verhältnisse einzugehen.) Nachdem hier be- hauptet ist, in Hessen hätte man schlechte Erfahrungen mit der Steuer nach dem gemeinen Wert gemacht, bin ich eS dem Hause schuldig (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten, Widerspruch rechts), festzu- stellen, daß daS Gegenteil richtig ist. Abg. Dr. Südcknm(Soz.): Der Abg. v. Hcyl hat von einer Ungerechtigkeit der Kommissious- beschlüsse gegen den städtischen Grundbesitz gesprochen. Ich stelle fest, daß nach den Kommissionsbeschlüssen zweiter Lesung möglicher- weise die V i l l e n b e s i tz e r besser davonkommen könnten, indem ihnen ein Wahlrecht bleibt zwischen der Einschätzung nach dem ge- meinen Wert und nach dem vielfachen des ErtragSwcrtos. Aber für weite Kreise des städtischen HauSbesitzeS, namentlich in Groß- Berlin, und vielen Jndustriesiedlungen ist diese Möglichkeit der Wahl durch die Einsetzung des Multiplikators 25 ganz ausgeschlossen. Für das flache Land wird dieser Multiplikator richtig sein, aber für den städtischen Grundbesitz durchaus ungerecht. Das hat eine große Bedeutung um deswillen, weil gerade der von mir bezeichnete Grundbesitz in erster Linie in der Lage ist, die ihn treffende verhältnismäßig zu schwere Belastung auf die Mietbevölkerung abzuwälzen, die in Groß-Berlin 96 bis 97 Proz. der Gesamtbevölkerung aus- machen. Wenn es sich bei dem Wehrbeitrag auch nur um eine ein- malige Abgabe handelt, so wird sie doch aus drei Jahre verteilt, und ob diese Hinausziehung nicht eine dauernde Mietserhöhung zur Folge haben wird, blqWe dahingestellt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Also, da die Wahl der Bestcuerungsart für den städtischen Hausbesitz nicht existiert, erfährt er keine Begün- stigung, denn den 25 fachen Ertragswert der Steuer zugrunde zu legen, wird dem städtischen Hausbesitz unerträglich erscheinen; für ihn bleibt es also bei dem gemeinen Wert, den Herr v. H e y l selbst als eine ungerechte Einschätzung bezeichnet hat. Ich aber bin der Meinung, daß, wenn der städtische Hausbesitz nach dem gemeinen Wert eingeschätzt werden muß, dasselbe Recht auch für die a g r a> r i s ch e n Grundstücke gelten muß.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Frhr. v. Heyl(wild-nat.) behauptet, daß im Interesse der Arbeitersiedlungen die Steuer nach dem Ertragswerte notwendig ist. Abg. Dr. David(Soz.): Da die Steuer nach dem gemeinemWert 12 Jahre lang In Hessen mit guten, Erfolge angewendet worden ist, ist auch ihre Durch- führbarkeit bewiesen. Für die Arbeiterwohnungen ist im Gesetz die Befreiung borgesehen, da Vermögen bi-S zu 30 000 M. frei bleiben. Wir hatten beantragt, daß auch dieVermögenvon S0biS Svoov M. frei bleiben so l l e n, wenn das Einkommen nur 2000 M. beträgt. Hätten Sie das angenommen, so wären die Arbeiter in den Wohnungen des Herrn v. Hehl sämtlich frei, denn die armen Arbeiter des Herrn v. Hehl haben noch kein Einkommen von 2000 M. Abg.«. Meding(Welfe) tritt für den Antrag Graf Westarp ein. Damit schließt die Debatse. Der Antrag Graf W e st a r p wird gegen die Stimmen der Rechten und eines Teils des Zentrums abgelehnt.§17 wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten a n g e n o m in e n. Bei§ 31a beantragen die Sozialdemokraten eine andere Skala für die Besteuerung der Einkommen, die die höheren Ein- kommen mehr belastet. Abg. Wurm(Soz.): Ich konstatiere hier nochmals, daß die Kommission hier Millionengeschenke von Steuererlaß für die großen Ein- kommen gegenüber ihren Beschlüssen erster Lesung gemacht hat. Das hängt damit zusammen, daß in der zweiten Lesung Konservative und Zentrum mitgewirkt haben, gegen die die Beschlüsse erster Lesung zustande gekommen waren. Bei 300 000 Mark Einkommen waren nach der ersten Lesung 31 000 Mark Wchrbcitrag festgelegt, jetzt nur noch 21 000 Mark, bei zwei Millionen Mark Einkommen sind statt vorher 330 000 �jetzt nur noch 160 000 Mark Wehrbeitrag festgesetzt. Wir wollen diese früheren Beschlüsie der Kommissioü durch unseren Antrag wiederherstellen.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Der sozialdemokratische Autrag wird abgelehnt. Zu§ 31(Vermögenserklärung) beantragt Abg. Arnstadt(I.), nur für diejenigen eine Deklarationspflicht zu statuieren, die mehr als 30 000 Mark Vermögen haben. Forderung geneigt nmchen, und ich bitte das Haus, ihr zuzustimmen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp(k.): Die Behauptung, daß in unseren Kreisen das Steuergewissen ein besonders robustes ist, muß ich als grundlose Verdächtigung zurück« weisen(Oho! links)! die Behauptungen über Steuerhinterziehungen bei Grundbesitzern sind schon wiederholt widerlegt und kennzeichnen sich als haltlose Verleumdungen und Verdächti- g u n g e n.(Unruhe und Widerspruch links.) Daß der Wehrbeitrag höhere Erträge geben wird als vorgesehen, glaube ich nicht; sollte es aber der Fall sein, so dürjen die Ueberschüfle nicht zu laufenden Zwecken verwendet werden, nicht zu fortdauernden Ausgaben. Das würbe den Charakter des Wehrbeitrages als einer einmaligen Steuer widersprechen. Wir beantragen daher, die etwaigen lieber« schüsse lediglich zur Kürzung des letzten Drittels des Wehrbeitrages zu verwenden. Abg. Dr. David(Soz.): Damit würde ein Loch ins Gesetz gerissen. Man kann doch nicht die Deklarationsigrenze hoher festsetzen als die Steuergrenze. Lassen wir es bei dem Kommisstonsbeschlutz, daß die DeklaralionSpflicht bei mehr als 20 000 M. Vermögen oder bei 10 000 M. Vermögen derjenigen, die mehr als 1000 M. Einkommen haben, einsetzt. Abg. Graf Westarp(k.): Der jetzige BesieueruugSmoduS in vielen Bundesstaaten recht- fertigt unseren Antrag. Der konservative Antrag wird abgelehnt und die§§ 31—38 werden angenommen. Abg. Gröber(Z.) lvendet sich gegen die Vorschrift deS§ 39, daß der Vcranlagungs bchörde die' Geschäftsbücher und sonstigen Vermögens� nachweisungen vorzulegen sind. Er begründet einen Antrag, daß die Einsichtnahme in der Wohnung oder dem Geschäft des Beitrags Pflichtigen erfolgen soll. Der Antrag wird fast einstimmig angenommen. § 16 schreibt die Erteilung eines Veranlagungs« oder Fest- stellungSbefcheides vor. Die Kommission hat beichlossen, daß deni Beitragspflichtigen auf Verlangen mitzuteilen ist, in welchen Punkten von der VerinögenScrklärung abgewichen worden ist. Abg. v. Trampezynski(Pole) begründet einen Antrag, die Worte.auf Verlangen" zu streichen, so daß der Beitragspflichtige von Abweichungen von der Bermögens- ertlärung ohne weiteres benachrichtigt werden mutz. Der Antrag wird angenommen. Abg. Graf Westarp(k.j beantragt, daß die 2. Rate des Wehr- beitragS statt am 13. März ISIS am 13. Februar ISIS fällig sein soll. Der Antrag wird angenommen. § 66 bestimmt in der KommissionSfaffung. daß die über den Bedarf hinausgehenden Erträgnisse des Wehrbeitrages zur B e- st reitung der dauernden Ausgaben der Heeres- vorläge verwendet werden sollen, ev-ntuell auch znr Ermäßigung der dritten Rate deS Wehrbeitrages.— Ein Antrag Graf Westarp(k') will diese Beträge nur zur E r m ä,ß i g u n g der l« tz l e n R a t e verwenden.— Ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) verlangt die Verwendung dieser Beträge für Unterstützung der KriegS- teilnehmer» Bekämpfung der Tuberkulose, For- derung des Mütter- und SäuglingSschutzcS und der WohnungSreform usw. Abg. Hofrichter(Soz.): Der Wehrbeitrag wird auf der Grundlage des Verfahrens für die preußische Ergänzungssteuer erhoben werden. Während die Arbeiter und Angestellten infolge der D e k l a r a t i o n s p f l i ch t bis auf den letzten Pfennig ihres Einkommens herangezogen werden, besteht für die Leute mit über 3000 M. Einkommen die Selbst- e i n s ch ä tz u n g. Man ist also abhängig von ihrem steuerlichen Gewissen, das nicht selten ein sehr robuste? und weites ist. wie zahlreiche gerichtliche Feststellungen namentlich für die höheren Schichten ergeben haben. Prof. Hans Delbrück hat erklärt, daß die Summe der in Preußen der Besteuerung hinterzogenen Vermögen ungemein hoch sei.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Vorlage über die Besitzstcuer bringt nun strenge Strafbestimmungeii, gleichzeitig einen Erlaß früherer Steuer- siindcn: wenn diese Bestimmungen Erfolg haben, so wird die Milliarde deS Wehrbeitrages wesentlich überschritten werden. Wir beantragen nun, die überschießenden Be- träge zur Lösung von Aufgaben zu verwenden, die von großer Be- deutmig für das deutsche Volk sind. Niemand wird bestreiten können, daß die Fürsorge für die alte» Kriegsteilnehmer, für die Arbeitslosen, für den Mutter- und Säualingsschutz und für die Bekämpfung der Volks« krank heilen ungemein wichtig ist. Es wäre doch wahrlich an der Zeit, endlich einmal den unerhörten Zustand zu beseitigen, daß Kriegsteilnehmer bettelnd durch die Lande ziehen müssen, um sich überhaupt erhalten zu können. Die UnterstützuiigsbetrSge, mit denen die KriegSvcterancn heute abgespeist werden, sichern diese in keiner Weise vor Not und Elend. Wir verlangen, daß den Veteranen wenigstens ein sorgenfreier Lebensabend gesichert werde. lSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Säuglingssterblichkeit ist bekannttich ungemein hoch und beträgt das Zehnfache der Gcsanitsterblichkeit. Deutschland marschiert mit der Säuglingssterblichkeit mit an der Spitze. Auch die Mehrheit des Reichstag» Hai anerkannt, daß zur Be- kämpfung der Säuglingssterblichkeit größere Mittel bereitgestellt werden müssen, die Regierung aber hat nicht mehr dafür getan, als das S a u g f l a s ch e n g e f e tz vorzulegen! Welch ungeheuere Ge- fahr fiix die VolkSgcsundheit ist doch 4>ie Tub erkulosel ES „nissen ihre Ursachen und ihre Eigenart erforscht werden, wenn sie mit Erfolg bekämpft werden soll. Bei Aufwendung entsprechender Mittel wird cS möglich sein, diese VolkSkranIhcit in 30—40 Jahren vollkommen zu überwinden. Das Reich hat bisher den Kamps gegen die Lungenschwindsucht gemeinnützigen Vereinen, den LandesversichernngSanstälten und skrankenkassen überlasten. Eine Resolutton dcS ReiwstagS von 1912 ersuchte die Verbündeten Rc- äierimgen. einen Gesetzentwurf znr Bekämpfung der Tuberkulose inöglichst bald vorzulegen und weitere Geldmittel bereitzustellen. Aber der Militarismus verschlingt ja im Reich« alle Mittel und für so volksnotwendige Zwecke bleiben nur klägliche unzureichende Beträge übrig. ES ist aber die wichtigste Aufgabe der Volksvertretung, für so wichtige Angelegenheiten wenigstens ein paar Brocken zu erlangen, die vom Tuche des Militarismus fallen. lSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie beklagen ja immer den Rückgang der Geburtenzahl und befürchten sogar einen Rückgang der Bevölkerungszahl. Diese Befürchtung sollte ,ogar Sie, Sie unserem Antrag nicht freundlich gegenüber stehen, unserer Neichsschatzsekretär Kuhn tritt für den Kommissionsantrag ein; die Verwendung für fort- dauernde Zwecke, für die nur in einzelneu Jahren resp. in einem Jahre die Deckung fehlt, macht die betreffende Ausgabe zu einer einmaligen. Abg. Gothein(Vp.): Ich bitte auch, an dem Beschluß der Kommission nichts zu ändern. Der Wehrbeitrag wird zu einem bestimmten Zweck von vornherein erhoben und wenn er nicht ganz gebraucht wird, so haben die Betreffenden, die die schweren Lasten getrogen haben, auch das R e cht auf Zurückzahlung der überschüssigen Summe.— Professor Delbrück steht weit über den Angriffen des Grafen Westarp. An der ehrlichen Absicht dieses Mannes, gegen vorhandene schwere Mißstände auf dem Gebiete der Steuerdeklaration vorzugehen, darf nicht gezweifelt wereen.(Bravo! links.) Abg. Graf Westarp(k.): Ich habe Prof. Delbrück nicht Verdächtigung und Verleum- düng vorwerfen wollen, sondern habe sozialdemokratische Presseäußerungen damit gemeint.(Unruhe und Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. David(Soz.): In seinen ersten Ausführungen hat Graf Westarp direkt meinem Freunde Hofrickner halllose Verdächtigung vorgeworfen. Das Gefühl seiner Position muß bei ihm sehr schlecht sein, wenn er eine so ordinäre Form der Abwehr wählt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokralen. Präsident Dr. K a e m p f rügt diesen Ausdruck.) Für diese Art zu polemisieren, keime ich keinen anderen Ausdruck.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie glauben, damit die Tatsachen aus der Welt zu schaffen, irren Sie sich gewaltig. Diese Tatsachen sind durch die Denkschrift des Finanz n, ini st ers Dr. Lentze selb st zugegeben. Danach hätte also auch er sich grundloser Verdächtigung schuldig gemacht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Unser Antrag hängt mit der Wehrhafligkeit des Volkes eng zu- lammen; denn diese hängt doch von der Gesundheit des Volkes, vor allein von der des Nachwuchses ab. Unser Antrag verdient also vor der eventuellen Rückzahlung den Vorzug. Auf keinen Fall darf die Rückzahlung an alle Vermögen ohne Unterschied erfolgen, sondern nur au die kleineren und m i t t l e r e n bis etwa zu 100 000 M. Das ist in der Kommission zum Ausdruck ge- bracht worden, und muß auch hier festgestellt werden. Abg. Graf Westarp(k.): Der Abg. Hofrickter hat mit Bezug auf meine Freunde von einem besonders robusten Steuergewistcn gesprochen und ihnen Steuerhinterziehungen vorgeworfen. Diesen unerhörten beleidigenden Vorwurf habe ich zurückgewiesen. Damit schließt die Debatte. Unter Ablehnung de» sozialdemo- kratischen und konservativen Antrages wird die Fastung der Kom- Mission angenommen. Es folgt die zweite Beratung dcS Gesetzentwurfs zur Henderung des Reicbstternpclgcrctzcs. Einen konservativen Antrag dazu begründet Abg. Dr. Oertel(k.): Unser Antrag ist äußerst bescheiden. Wir wollen lediglich eine ganz mäßige Erhöhung des Stempels auf inländische Obligationen der Aktiengesellschaften sowie auf ausländische Papiere. Das S ch m u cl st ü ck unseres Antrages ist die Forderung der mäßigen Erhöhung des BörstnumsatzstempelS. Sachlich läßt sich gegen dies« Anträge nichts sagen. Davon daß die Börse das nicht'verlraqen kann, ist keine Rede. Die Börsenumsätze sind trotz de» Börsen- Umsatzstempels immer gestiegen. Wir hätten ja auch die Kotieruugs- steuer oder die Tividendcnfteuer wieder beantragen und damit den Abg. Baiser in a n n veranlassen können, sich seines gesetzgeberisch noch ungeborenen Kindes von 1909 anzunehmen.(Heiterkeit.) Aber wir sind, wie gesagt, äußerst bescheiden lvi< immer.(Heiter- keit, Bravo! rechts.) Unter Ablehnung dieses Antrages wird Artikel I ange- nommen. Abg. Dr. David(Soz.) begründet einen Antrag Albrecht, Besitz st euer und Fe st- t e l I u n g S b c st i m ni u Ii g c n mit einer Stempelgebühr von 20 Pf. für je 1000 M. zu belegen. Schon beim Besitzsteuergcsetz wurde dies von freisinniger Seite angeregt, aber von der Regierung bekämpft, weil es eine tortlaufcnde ReichsvermögenSsteucr sei. An ich hätten die Herren von der Regierung der Anregung wohl gern zugestimmt, denn sie hätte etwa 10 Millionen Mark gebracht, und das Reich braucht dringend Geld.— DaS Versprechen, die Zucker- teuer auszuheben, wird ja wieder durchgestrichen; Sie ziehen also eine indirekte Steuer entgegen ihrem ausdrücklichen Versprechen zur Deckung der RüstungSporlage heran,(Sehr wahr! b. d. Sozialdemokr.) damit Sie nicht in die Verlegenheit kommen, Ihr Versprechen zu brechen, damit Sie Mittel haben, um die Zuckcrsteuer abzuschaffen, haben wir diesen Antrag gestellt. Hier erscheint der Betrag nicht wie beim Besitzsteuergesetz als direkte Steuer, das würde kein noch so gelehrter Sienerlheoretiker sagen. In diesem Falle find wir also bereit, eine indirekte Steuer zu be- willigen.(Heiterkeit und Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ein Rcgicruugsvcrtrctrr wendet sich gegen den Antrag. Es ist ganz lingewöhnlich, eine Gebühr für eine Handlung zu erheben, die dem Gebührenpflichtigen in keiner Weise zugute kommt. Abg. Scgiti(Soz.): Es liegt hierzu nock ein Antrag Graf e st a r p vor, der den Stempel bei Feuerversicherungen von Im- mobilien beseitigen will. Diesem Antrage stimmen wir im Interesse des Mittelstandes zu. Abg. Dr. Oertel(k.) bittet gleichfalls, diesen Antrag anzunehmen. Abg. Fischbcck(Vp.): Im Artikel 1 beantragt aber Gras Westarp, bei Annahme seines Antrages die Erhebung dieses Stempels der Landesgesctzgebung zu überlasten. Diese Art Mittelstandspolitik können wir nicht mitmachen. Abg. Tegitz(Soz.): Wir brauchen ja bei Art. 1 den anderen Antrag Graf Westarp nicht anzunehmen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Die Abstimmung über den An- trag Graf Westarp(k.) bleibt zweifelhaft. Der Hammelsprung ergibt die Annahme des Antrages mit 173 gegen 131 Stimmen. Der Antrag Alb recht, den der Abg. David begründet, wird abgelehnt. Der Antrag Graf Westarp(k.) zu Art. 1 wird gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Der Rest des Gesetzes wird debattelos angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr pünktlich.(Kurze Anfragen, kleine Borlagen, Besitzstcuer.) ß Schluß gegen 3 slhp, Allgemeiue Kranken- und Tterbekasse der Metallardeitee. V. a. G. Hamburg.(Filiale B a u m s ch u l e n w e g.) L,onnabend, den 28. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Boche, Baumschulenstr. 61: Generalversammlung. B« ich t und Neuwahl der Orisverwaltung. Eingegangene vruckscdriften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 30. Hest des 31. Jahrgangs erschienen. Aus dem Jnbalt des Heftes beben wir hervor: Die Taktik der Fraktion. Von Gustav Noskc.— Krieg und Kapitalismus. Von K. Kautsky.— lieber den Gegensatz zwischen Lassalle nnd Marx. Eine Erwiderung von Fr. Mehring.— Absolutismus in Ungarn. Von Eugen Varga(Budapest). Feuilleton der NeuenZeit'Rr. 61: Wolfgang der Kleine und Gerhart der Große. Von F. Mehring. Das Kinodrama. Von Fritz Elsner. Raturwisscnschaslliches. Von S. Drucker. Zur neuesten Wagner- literatur. Von Ernst Kreowski.— Bücherschau 1813. Ein Zyklus von Ernst Lissauer. Alfons Petzold, Aus dem Leben und der Rerfftötte emcs Werdenden. Per Halström) Ein Schelmenroman. Die»Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postnnstalten und Kolporteure zum Preise von 3,23 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest tostet 23 Pf. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 20 des 23. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die Massen heraus l— Die Tätigkeit der Frau iu der Gemeinde. III. Von Anna Blas.— Die Wahl der Eni- rechteten. Von H. B.— Die Tarifeineucrung im Baugewerbe. Von A. Ellinger.— Für unsere Jugend. Bon Jürgen Brand.— Die Neu- wählen in Finnland und die Arbeitcriimen. Von Hilja Pärssmen.— Zwei Tagungen von Vereinigungen für Mutterschutz. Von a n. Die.Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der SlbonncmentsPreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 M. Vom.BSahren Jacob" ist soeben die 11. Nummer de! 30. Jahr- ganges 16 Seiten stark erschienen. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummern sind sederzelt dmch den Verlag I. H. W. Dietz Nachf.758 WNW � Wetter 3 ivolfig Äbedeckt 3Keiter 1 Dunst 4 Reg eil 2bedcckt WS »II Ed *£. 16 13 16 14 9 15 «tattonen Ss I5 25 C£ || BS wette, 761 S taparanda____ eterSburg 757! Still Scilly 769 Still Aberdee« 1765' Still Paris! 768 NNW 4 bedeckt heiter heiter bedeckt llhettcr S"* t* 10 15 13 11 15 Wetterprognose für Freitag, den 27. Juni 1913. Etwas wärmer, vielfach heiter bei mäßigen südwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rbureau. WasierftandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterburean. Wasserstand M-mel, Tllfit Pregel, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen . Franisurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz. , Dresden , Bardo . Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel. Or.Simme! Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41,„t?« 10— 2. 5—7. Sonntafrs 10— 12, Spezial-Arzt Dr. med. Wockenluss Haut-, Harn-, Fraimnieiden. Ehrlich- Hatc-Kuren, Blutuntertuchung. SelmeUe.gTündl.,sohmorzl.Behdlg. Fiielriclistr. 125(Ä?;,) Nahe FriodrichEtr. u. Statt. Bahnh. Sprechut, 10-1 u. 5-8. Sonnt. 9-11. 300 Mark Anzahl, an oerk. Porz, von 2000 M. an. 10 Pf.-Tour clektr. Bahn. Linie 164. Hohenschönhausen, Hauptstr. 17, Hs. pt. Todes-Anzeigen Arbeiter- 1 Radlaiirer-Bani! „Solidarität". OrUgrupps Berlin. Abt IV. Den Mitgliedern zur Nachricht daß am Mittwoch, den 25. Junt' unser SportSgenofse Herinaim Schwittau verstorben ist. <»hre seinem Andenken k Di- Beerdigung findet am «onnabend. den 28. Junt, na mittag» 4 Uhr. aus dem Friede Hof.~ Werderschen Kirch straße, statt Bergmann Um zahlreiche Beteiligung ersucht 0er Voratand. 13396 Deatsehert�eialiarbeiter-Verband Verwaltungsatelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hermsim Schwittau Sptttelmarkt 8/10, am 25. d. Mt«. an Lungenentzündung gestorben ist Ehre seinem Nodenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 28. Juni, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friediüch-Werderschen Kirchhofes, Bergmannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 120/16 Dia Ortsvarwaltung. Zentralveriiand der Handlnngs- getiillen »ejirt Groß-Berli«. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin «ergerele RaseMorf plötzlich verstorben ist Ehre ihrem Andenken k � Dj- Beerdigung findet heut- K-.t-g. den 27. Juni, vormittag« � ivf/ ,auf dem PiuS-Kirchhoj m Wilhelms bcrg statt Um rege Beteiligung ersucht 286/�����Di�)rta*e�*altung. Deßtseher Transportarbeiter- Verband. Bealrkavarwaltung GroB-Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Lodert<3roL am 24. Jun i im Alter von 46 Jahren verstorben ist Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 27. Juni, n-ih- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsseide au» statt. Um reae Beteiliaung ersucht 66/5 rege Beteiligung-rsochr Die BezirkaverwaUung. Mein langjähriger Freund (justav Pastor ist Dienstag im 81. Lebensjahre nach qualvollen Leiden verstorben. Siefbetrübt zeigt die« an Frau Klara Felix, FriedrichShagen. Einäscherung Sonnabend, nach. mittags 1 Uhr, im Krematorium Treptow._ 1338b SaisonAusverkauf im: Beginn: Morgen Sonnabend l Beginn: Morgen Sonnabend! 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Hugo Helnomann über:„Rechte des Angeklagten vor Strafgericht und Polizei.- 2. DiSlussion. S. Sranchenangelcgenheiten und Verschiedene». I» Anbetracht der Sufterst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend notwendig. Sonntag, den SS. Juni 1S13, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung dn Emaillierer öcrlms ll.llmgkgcnd im Getverkschaftshause, Engelufer 16, Saal 3. Tagesordnung: 120/15 1. Tie Lohn, und Arbeitsverhültnifse in der Berliner Emaillier- branche nach de» Tarifbrstimmungen. Referent: Kollege Na» Itchrcnd. 2. DiSlussion uttii Verschiedene». gy Da» Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ist notwendig. Wt _ Die Optavepwaltnna:. » rar- ===== Verwaltung Berlin.= Das Bureau befindet sich jetzt im Gebäude dcS Holzarbciter-Berbandes, Rungestr. 30. Telephon: Amt Moritzplatz 10823 und 3578. Heute Freitag, den 87. Juni, abends 8'/. Uhr: Lilzung cZef 0e'lsvvi'«,sItuing in den neuen Räumen in der Rungestr. 30. Folgende Zahlstellen sind verlegt worden: Zahlstelle 10 von Elbinger Str. 8 nach Langenbeckstt. 1, Ecke Elbinger Straße, bei Rosenberg. Zahlstelle Ol von Annenstr. 1 nach Eugelufer 13 bei Krüger. küchenmödelbranche. Montag, den 30. Juni, abends 0 Uhr, im Englischen Hof, Alexandcrstr. 27c: Sranehen- Versammlung Tagesordnung: 1. Bortrag des Kall. Sokralbor:„Ter Nutzen der Bolls fürsorge«. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchcnaiigelcgenheitcn. Zu dieser Versammlung sind alle Betriebe geladen, in denen EiSschränke und Spültische angcscrtigt werden. 85/4___ nie Ortsvcrwaltnng. mit Brut Vernich t«t radlkü Rademachers Soldgelst, �es. K�ch- Nr. 75j98.jQeruch; n. farbloe. Ueinlgt dl« in Apotheken und Drogerien. Man vrelse Nachahmungen aurhek n. achte genan anf d. Namen: Goldgeist! 35 Verkanf nur Im Vabrlkgebilude! >35 DM Me sparen lielll!? I i Ivlöbel k; Möbelfabrik � H.Waller ü: Willi Maaß/seas} ■" M" Tal.: A III 5157'S. i ! �---- 7 Tel.: A.III, 6167" kaufen. 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Nur Bewerbungen erfahrener genossen finden Berücksichtigung!__________-86/16 ' Verantwortlicher RedakteM.Albert Wachs. Berlin. Zür.den Zsnjeratenttttt veranttv-i Th. Glocke, Berlin. Druck u-Berlag-iögrwgrtz Mchdrpderei tt..VerlagSanstalt Kaul Singer g-So» BkrlivSMa- Für die Reise! AuSSergeWÖhülich preiswert: Für die Reise! Damen-Leinen-Schuhe Braun Chevreau Derby-Schnürschuhe, weiss, grau, beige..., 3� zum Knöpfen............................ 4�® Pumps mit Modeschnalle.................. 4"� Damen-Schnürschuhe, Damen-Knopfschuhe Herren-Schnürstiefel .... 675 750 1250 1050 850 Bergsteiger für Damen und Herren, Doppelsohle, Goodyear-Welt 1450 1250 Kinder-Leinen-Schnürstiefel 22—24 25- 26 27—28 29-30 31—33 34—35 Knaben- u. Mädchen-Schnürstiefel 25—26 27-28 29—30 31—33 34—35 36—39 475 525 575 025 075 750 275 325 36O 400 440 490 Dr. 160. 80. Jahrgang. 2. ßfiliiat ks„Wmirls" Kcrlim öollioliliitt Mag, 27. Inui 1913. Gcwcrklcbaftlicbea. JVÜßFtätide beim Bau der Berliner ftädtifchen Untergrundbahn kamen in der Versammlung zur Sprache, die die Verband der Zimmerer für Mittwoch abend nach der„Alhambra" in der Wallnertheaterstraße einberufen hatte. Der Referent Genosse Witt führte aus, daß es bedauerlich sei, daß die Firma Siemens u. Halske wieder mit dem Bau eines Teiles der Strecke beauftragt worden sei, da diese Firma stets bemüht sei. den Tarif zu brechen und die Arbeiter in der menschenunwürdigsten Weise zu behandeln. Die Firma Siemens u. Halske führt die Strecke Seestraße bis Wedding aus. Ferner wird gegenwärtig auf der Strecke Wöhlertstraße bis Oranienburger Tor gebaut. Diese Arbeit hat die Firma Julius Bcrger- Charlottenburg erhalten. Leider bemüht sich auch diese, die Praktiken von Siemens u. Halske zu üben. Die Strecke Wöhlertstraße bis W e d d i n g ist noch nicht vergeben und es wird Sache der sozialdemokratischen Stadtverordneten sein, dafür zu sorgen, daß keine von den beiden jetzt be- schäftigten Firmen wieder herangezogen wird. Die sozial- demokratischen Vertreter hatten schon vor der Vergebung lebhaft vor erneuten Geschäftsbeziehungen mit Siemens u. Halske gewarnt und in der Tiefbaudeputation ist auch nur mit 7 gegen 6 Stimmen für die letztgenannte Firma entschieden worden. Obgleich die Stadt Berlin bereits seit dem Jahre 1908 in den Submissionsbedingungen den Passus aufgenommen hat, daß nur solche Firmen Arbeiten übertragen erhalten, die den mit Gewerkschaften abgeschlossenen Tarif anerkennen, geniert sich die Firma Siemens u. Halske nicht im geringsten, den Tarif zu b r e ch e n. In den Submissionsbedingungcn wird ferner verlangt, daß nur Arbeiter Groß-Bcrlins beschäftigt werden sollen. Wegen der vielen Klagen über ungenügende Bezahlung und schlechte Behandlung wurde die Verbandsleitung bei der Bauleitung vorstellig und wie immer: Es wurde alles ab- stritten. Interessant ist, daß der bauleitende Ingenieur, der sehr schneidig auftrat— es soll ein Offizier a. D. sein— meinte, der Tarif ginge ihn gar nichts an, da die Firma Siemens u. Halske dem Vertragskontrahenten, dem Verband der Baugeschäfte nicht angeschlossen sei. Der Herr mußte erst von der Verbandsleitung belehrt werden, daß in einem Vertragsgebiet jeder Arbeitgeber, ob orga- nisiert oder nicht, den tarifmäßigen Lohn zahlen und sich der tariflich festgesetzten Arbeitszeit unterwerfen muß. Auch der Ladenhüter wurde wieder vorgesucht, daß die neunstündige Arbeitszeit nur für den Hochbau, nicht aber für den Tiefbau gelte. Als auch dieses Argument zerpflückt war, hieß es, man müsse Rücksicht nehmen auf die ungelernten Arbeiter, die bei einer neunstündigen Arbeitszeit nicht zurecht kommen. Die Firma Siemens u. Halske soll nur die niedrig- sten Löhne, schwankend zwischen 42—45 Pf. auf 50 Pf. er- höhen, wie es in der Tiefbaudeputation von sozialdemokrati- scher Seite gefordert wurde— und der durch die neunstündige Arbeitszeit entstehende Einnahmeausfall bei den ungelernten Arbeitern wäre sofort behoben. Nach langem Hin und Her wurde schließlich die Einführung der neunstündigen Arbeitszeit zugestanden. Ein interessanter Zwischenfall— der die Art, wie Arbeiter eingestellt werden, mit Blitzlicht beleuchtet— verdient be- sondere Erwähnung. Während der Verhandlungen der Verbands- lcitung mit dem Herrn, Ingenieur kam ein Polizeiwachtmeister unter vielen Bücklingen ins Zimmer und fragte, ob nicht Beschäftigung für einen Zimmerer sei. Er könne einen solchen emp- fehlen, da er in seinem Hause wohne. Der Ingenieur beeilte sich, dem Herrn Wacht- meister zu erklären, daß der angebotene Zimmerer selbstverständlich eingestellt werde. Demnach scheinen ja einige Polizeibeamte so viel Zeit zu haben, daßXie noch nebenbei als Stellenvermittler tätig sind. olche Fälle sollen durchaus nicht vereinzelt vorkommen. Die Einstellung erfolgt überhaupt— von wenigen Ausnahmen abgesehen— und durch Fürsprache. Der Herr Polier hat vom ehemaligen Verbandsmitglied verschiedene Wandlungen durchgemacht und soll jetzt bei den Gelben gelandet sein. Durch das System der Protektionen sind die Organisations- Verhältnisse sehr schlechte. Von den etwa 70 Beschäftigten sind etwa 20 Mann im Verband, 30 bis 40 Lokalisten und 10 bis 15 Mann wild. Unter den Lokalisten befindet sich auch der ehemalige Geschäftsführer Weisel. Dieselben Leute, die sonst den Mund nicht voll genug nehmen können, fügen sich dort den schikanösesten Bestimmungen und unterschreiben eine Arbeitsordnung, die besser als Gefängnis- orduung bezeichnet werden sollte. Die Arbeitsordnung sieht folgende Arbeitszeit vor: Im Sommer von 6—6 Uhr, im Winter von 7—7 Uhr. Zwei Stunden Pausen. Die Bauleitung behält sich das Recht vor, auch im Winter um 6 Uhr zu beginnen, desgleichen behält sie sich das Recht vor, die Pausen zu verkürzen oder zu verlängern. Für Ueberstunden werden keine Zuschläge gezahlt. Für Nachtstunden, die abends 10 Uhr beginnen, 10 Proz. Zuschlag. Sonntagsarbcit wird wie Wochentag �bezahlt. Lediglich bei 2—3 Stunden Arbeitszeit wird Va Stunde, bei 4—6 Stunden Arbeitszeit 1 Stunde Fahrgeldvergütung ge- währt. Gesetzwidrig ist die Bestimmung, daß die Arbeit- nehmer für jeden Schaden ersatzpflichtig sind. Während laut Tarif nur ein Tag Lohn einbehaltcn werden darf, erlaubt sich die Firma Siemens u. Halske vier Tage Lohn einzubehalten. Unerhört ist auch, daß die Arbeiter bei der Einstellung Fragebogen ausfüllen müssen, in denen geradezu unglaubliche Fragen gestellt werden. Die Bauleitung will lvisfen, wie alt der Arbeiter ist, ob er verheiratet ist, ob er Kinder hat, welcher Religion er angehört; ja man muß sogar wissen, ob der Einzustellende einen Schnurrbart oder Vollbart hat. Bis Ende voriger Woche waren die Arbeitszeiten wie folgt geregelt: 1. Schicht von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, 2. Schicht von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, 3� Schicht von 1 Uhr nachts bis 12 Uhr mittags. Dem Tarif entsprechend müßte jede Arbeitsstunde nach 6 Uhr abends mit 15 Pf. Zuschlag bezahlt werden. Die Direktion von Siemens u. Halske glaubt den Arbeitern einen erheblichen Teil der Zuschläge vorenthalten zu können. Durchweg neunstündige Arbeitszeit wurde an dem Tage ein- geführt, an dem die Handzettel, welche die Versammlung an- kündigten, verbreitet wurdeu. Der Firma Siemens u. Halske ist es unangenehm, daß der Magistrat ihre Tarifübertrctungen erfährt. Die Zimmerer werden dafür sorgen, daß es erst recht geschieht. Ucber die Verhältnisse bei der Firma Bcrger ist nicht viel zu sagen; sie sind nicht schlechter und nicht besser als bei Siemens u. Halske. Die große Arbeitslosigkeit zwingt die Arbeiterschaft, ganz besonders für Aufhebung des Uebcr stundensystems einzutreten. Die Günstlingswirtschaft muß beseitigt und der Tarif in allen Teilen zur Anerkennung ge bracht werden. Ein Protest an die Oeffentlichkeit soll uns dazu helfen. Alle Diskussionsredner bestätigten die Aus- führungen des Referenten und gaben von der außcrordcnt- lichen Erregung Kunde, die über solche Zustände Platz ge- griffen hat, um so mehr, als die Arbeitslosigkeit außerordentlich groß ist. Großen Eindruck machte es, als ein Redner darauf hinwies, daß nur die von der Organisation verlangte eiserne Disziplin es zu erreichen vermocht hat, daß es in der M ü l l e r st r a ß e noch zu keinerlei Demonstrationen gekommen ist. Der Stimmung der Versammelten wurde durch die ein stimmige Annahme folgender Resolution Ausdruck verliehen: Die Versammlung verurteil! das tariswidrige Verhalten der Firma Siemens u. Halske sowie der Firma Julius B e r g e r an dem Bau der Untergrundbahn, Strecke Müller» und Chausseestratze, auf das allerentschiedenste. Ganz besonders protestiert die Versammlung gegen die bei den Firmen bestehenden Arbeitsordnungen und erklärt unter Be rufung auf den§ 13 des im Zimmergewerbc Grotz-Berlins gelten den Tarifvertrages, diese Arbeitsordnungen für die Zimmerer Berlins und der Vororte für null und nichtig. Um die Firmen von ihrem tarifwidrigen Standpunkt ab- zubringen, ersucht die Versammlung den Berliner Magistrat, als Bauauftraggeberin, die Firmen veranlassen zu wollen, die in den städtischen Submisfionsbediugnngen enthaltene und von den Firmen akzeptierten Verpflichtung, die zu verrichtenden Zimmer- arbeiten, zu den im Berliner Zimmergewerbe tariflich verein- barten Löhnen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen ausführen zu lassen, unverzüglich zu erfüllen. Sollten die Firmen dennoch an ihrem tarifwidrigen Stand« Punkt festhalten, so richtet die Versammlung an die auf der Bau- stelle beschäftigten Zimmerer die. dringende Aufforderung, aus dem Verhalten der Firmen die nötigen Konseguenzen zu ziehen und niit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln dafür einzutreten, daß die Firmen, die inr Zimmergewerbe Groß- Berlins vertrag- lich geregelten Lohn- und Arbeitsbedingungen anerkennen und in vollcin Umfange zur Durchführung bringen. Berlin und Umgegend. Tarifbcwegung der Töpfer. Die Töpfer Grotz-Berlins nahmen am Mittwoch Stellung z» dem bevorstehenden Ablauf des Tarifs. Die Arbeitgeber haben ihre Tarifvorlage dem Z en t r a l v e r b a n d der Töpfer in einer Sitzung, die am letzten Dienstag zwischen dessen Leitung und dem Vorstand der Innung, sowie den beiden Lohnkommissionen stattfand, unterbreitet. Die Vorlage enthält keinerlei Zugeständmfie, sondern lediglich eine— nach Behauptung der Unternehmer— gerechtere Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Der Töpferverband hat indessen auf Grund von angestellten eingehenden Berechnungen festgestellt, daß die Meistervorlage einen Lohnabzug von durchschnittlich 6 Proz. enthält. Der Vorstand in Gemein- schaft mit den Funktionären empfiehlt darum, nach Ablauf des Tarifs ohne Tarif zu arbeiten. Nach längerer und ziemlich erregter Debatte, in der mehrere Redner forderten, unverzüglich in den Streik einzutreten, wurde gegen wenige Stimmen beschlossen, dem Angebot der Meister nicht zuzustimmen, sondern ab 1. Juli 1913 vertragslos zu arbeiten, jedoch nur unter Verhältnissen, die den Preissätzen und den sonstigen Bedingungen des alten Tarifs ent- sprechen. Eine ganze Anzahl Unternehmer— natürlich sozial denkende— gestehen ein, daß die Meister ganz gut in der Lage wären, die bis- herigen Lohnsätze weiter zu zahlen, wenn sich die Unternehmer endlich aufraffen könnten, ihre Verkaufspreise solider zu gestalten und die Schundkonknrrenz unter sich zu beseitigen. Auch stände eS bedeutend besser im Gewerbe, wenn die Meister einen Teil der Energie, die sie zur Unterdrückung der Gesellen verwenden, zur Be« seitignng der Mißstände in ihren eigenen Reihen anwenden würden. Die Gesellen halten sich für fähig, auch ohne Tarifvertrag ihre Interessen zu wahren und durch ihre Organisation bei passender Gelegenheit bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Etwaige Differenzen sollen dieser sofort mitgeteilt werden. Die„Bauwelt" schreibt in Nr. LS von.Forderungen, die die Gehilfen gestellt haben". Diese Darstellung ist falsch. Die Gehilfen haben keine Lohnforderungen gestellt, sondern nur verlangt, daß keine Abzüge stattfinden sollen.__ Tarifbewegung der Etuisarbeiter. Die im Deutschen Buchbinderverband organisierten Etuis- arbeitcr Berlins nahmen am Donnerstag Stellui.g zum Ablauf ihres Tarifs. Würzbcrger referierte und begründete die Notlocndigkeit, den am 1. Oktober dieses Jahres ablaufenden Tarif zu kündigen. Nach einer kurzen Debatte, in der das volle Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten zu tage trat, aber auch noch besonders dringlich der Wunsch geäußert wurde, daß mit Nachdruck auf eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Ein- schränkung der Lehrlingsausbildung hingewirkt werden müsse, fand folgende Resolution einstimmige Annahme: Die heutige vollzählig besuchte Versammlung der Etuis- arbeiter und Arbeiterinnen Berlins hält eine Erhöhung der Löhne dieser Berufsgruppe für unumgänglich notwendig, da die steigenden Ausgaben für die Lebensmiitel und Bedarfsartikel mit den gegenwärtigen Löhnen nicht in Einklang zu bringen sind. Tie außerordentlich unregelmäßige Beschäftigungsart for- dcrt dringend eine gesunde Regelung der Arbeitszeit. Aus diesem Grunde beschließt die Versammlung, den am 10. Oktober 1910 mit dem Vcrlmndc der Berliner Etuisfabri- kanten geschlossenen Tarif am 1. Juli d. I. zu kündigen und ersucht die Organisationsleitung diesen Beschlutz auszuführen. Die Mitglieder der Tarifkommission werden mit der Aus- arbeitung einer neuen Tarifvorlage betraut, die einer weiteren Branchenversammlung in Kürze zur Beschlußfassung unterbreitet werden soll, um danach der Arbcitgcbcrorganisation zu über- initteln. lfteines fcuUlcton. Die Fahrt des„Imperators". Der Hamburger Riesendampfer, der augenblicklich die Wogen des Meeres durchschneidet, gibt in der bürgerlichen Presse zu allerhand festlichen Gesängen Anlaß, die man nicht gerade allzu crnst zu nehinen braucht. Die Hamburger Presse, die aus naheliegenden Gründen in Sachen der Schiffahrt sachverständig bedient zu werden pflegt, ist in diesem Fall kein einwandfreier Zeuge, weil ihr ein(übrigens begreiflicher) Lokal- Patriotismus den Blick blenden könnte. Auch sind die großen Schiffahrtsgesellschasten in Hamburg eine starke kapitalistische Macht, als daß man vor unbewußter und indirekter Beeinflussung sicher sein könnte. Selbst aber, wenn man den Zeitungsberichten noch so skeptisch flegenüberstcht,� scheint als Tatsache festzustehen, daß der moderne Riesentyp dieses Dainpfers gegen das stürmische Meer eine Stabilität aufbringt, die man früher nicht kannte. Wir verlassen uns hier besonders auf die übereinstimmenden Berichte der eng- l i s ch e n Journalisten, die als Konkurrenten durchaus keinen Grund hatten, für den deutschen Dampser eine überflüssige Reklame zu machen.— Wenn da? aber der Fall rst. hat der.Imperator" allerdings einen sehr reale» Erfolg zu verzeichnen. Nicht so sehr, weil auf diese Weise einigen Landratten die Seekrankheit erspart wird, sondern weil die Sicherheit der Schisfahrt in stürmischen Ozeanen sehr stark erhöht wird. Kitte solche Erhöhung der Sicherheit aber würde nicht nur Hunderltausenden von Passagieren, sondern auch Hunderttausende» von e-eeproletariern zugute kommen. Parfifal im Variete. Die Londoner haben nun glücklich Wagners Parsifal kennen gelernt. Das Coliseum, das Variete, ist Eovent Garden der großen Oper, zuvorgekommen. Sie haben„die ver- borene Frucht des Genius von Bayreuth gekostet", wie ein'Blatt sich ausdrückt, aber wissend sind sie deshalb nicht geworden. Acht lebende Bilder in LS Minuten, dazu im Orchester Stücke aus der Parsisalmusik— das war alles. Das Publikum nahm die Sache aus. mie so manche andere Varietenummer: während die Wunder des heiligen Gral sich in farbenprächtiger Szenerie entfalten, ging das leise' Geplauder ungestört weiter, und obwohl ein Einsührungs- Heft alles Nötige über den Stoff, die Musik und Geschichte von Wagners Schwancngesang mitteilte, fehlten doch das tiefere Verständnis und die Ehrfurcht vor dem Werk völlig. Die eiigiijchen Blätter suchen die krasse Barbarei dieses Vorganges, d>e sie im übrigen zugeben müssen, wenigstens dadurch zu ent- schuldigen, daß sie hervorheben, was geboten wurde, sei mit Ge- schmück und künstlerischer Feinheit ausgeführt. Die von Byam Shaw entworfenen und arrangierten Bilder, die in stimmungsvollen Gruppen und Szenen die Laufbahn des reinen Toren von der Tötung des heiligen Schwanes bis zu seiner Apotheose im himm- tischen Glanz erlösender Liebe darstellen, zeigen alle Vorzüge moderner Jnszenierungskunst, die von Reinhardt und Gordon Craig gelernt hat. Die farbenprächtigsten Stimmungen boten das Bild der Blumenmädchen, dem freilich der Gesang am empfindlichsten fehlte, und die Schlußszene mit dem Aufglühen des Gral in den Händen des geweihten Ritters. Tägliche Telegramme aus dem Südp-largcbiet. Der australische Forscher Mawson überwintert jetzt in Adelie-Land. das einen Teil des antarktischen Festlandes bildet. Zum ersten Male ist es dieser Expedition gelungen, die Benutzung der drahtlosen Telegraphie zu einem ständigen Verkehr zwischen dem Südpolargebiet und der zivilisierten Welt zu entwickeln. Zu diesem Zweck war auf der Macquarie-Jnsel eine Zwischenstation errichtet worden, die eine drahtlose Beziehung zwischen dem Adelie-Land und der Stadt Hobart auf Tasmanien herstellen sollte. Seit dem 2s. März ist kein Tag vergangen, an dem nicht ein oder mehrere Telegramme von Dr. Mawson ans australischem Boden eingetroffen wären. Dieser lebt somit in einer ständigen Verbindung'mit seiner Heimat und seinen Familienmitgliedern, wie sie nicht jeder Reisende in be- wohnten Gebieten der Festländer aufrecht zu erhalten vermag. Auch wissenschaftlich ist diese Tatsache bedeutsam, denn zum ersten Male kommen auf diesem Wege tägliche Wettertelegramme aus der Antarktis, ein für die Bereicherung der Witterungskunde überaus wichtiger Erfolg, da sich erst dadurch der Gang des Wetters in der Umgebung des Südpols mit dem in niederen Breiten der südlichen Halbkugel vergleichen läßt. Auch auf der Macquarieinscl befindet sich eine Wetterwarte, deren Iveobachtungen durch die der Schiffe in den südlichen Teilen des Indischen und Großen Ozeans ergänzt werden. Auf dieser Grundlage hat man den überraschenden Versuch unternehmen können, Wetterkarten herzustellen, die von Südaustralien bis nach dem antarktischen Festland hinüberreichen und die Ver- teilung des Luftdrucks über diesem ganzen Gebiet von Tag zu Tag veranschaulichen. Es geht daraus hervor, daß die antarktischen Zyklonen mit einer ungewöhnlichen Schnelligkeit fortschreiten und oft in sehr hohen Breiten entstehen, um weiter nach Australien hinein zu ziehen. Dadurcki erhalten die Wettertelegramme aus der Ant- arktis auch einen großen praktischen Nutzen. Es ist bereits mehrfach möglich gewesen, die Ankunft eines Zyklons in Südaustralien mehrere Tage mit Sicherheit vorauszusagen. Tbcatcr. Deutsches Theater(Sommcrgastspiel):„Die Schiff- brüchigen", Theaterstück von Eugen B r i e u x. Die Gesell- schaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten', auf deren Anregung dies Stück des berühmten Verfassers der „Roten Robe" erst in Hamburg und nun nach langem Verhandeln mit der Zensur auch in Berlin zur Aufführung gelangte, hat damit ihrer guten Sache einen guten Dienst geleistet. Nach dem starken Eindrucke des ersten Abends ist zu erwarten, daß dieses medizinische Aufklärungs- und Propagandadrama, das sein Thema mit einer Fülle treffender Beobachtung in spannender Bewegung durchführt, auch hier ein Publikum von vielen Tausenden heranziehen wird. Und völlig spurlos, ohne jede Resonanz wird die vom Geiste unerschrockener Wahrheitsliebe und Humanität getragene Bildweihe, die Darstellung der Unwissenheit, des Leichtsinns und des brutal verbrecherischen Egoismus jener, die wissend ihre Krankheit weiter pflanzen, wohl nur an wenigen, vorübergehen. Viele mögen einen Anstoß, der fortwirkt, mit nach Hause nehmen._ Artistische Betrachtungen sind hier vollkommen deplaciert. So absurd es nun ist, ganz im allgemeinen vom Drama, das das Menschenleben spiegelt, inoralisierende Tendenzen zu verlangen, nicht weniger absurd ist eS, Versuchen, durchs Drama so zu wirken, von vornherein das Recht absprechen zu wollen. Der Autor verdient Dank, daß er ganz von sachlichem Interesse erfüllt, um Etiketten unbekünunert, die Form ge- wählt, von der er sich die größte Werbckraft versprechen durfte. Dank, daß er auch den Tadel, er bringe lauter wohlbekannte Dinge, nicht ge- scheut hat. Natürlich, sein Räsonneur, der Doktor kann über Art und Wesen der Krankheit nichts Neues sagen, aber dies unendlich oft Gesagte ist dennoch, wie jeder Mediziner es aus der Erfahrung seiner Praxis bestätigt, in außerordentlich breiten Kreisen immer noch ein halb oder überhaupt nicht Bekanntes. Wie wenig weiß die Masse der Mädchen und Frauen davon, und wie ängstlich ging lange Zeit die Oeffentlichkeit um eine Besprechung solcher Fragen, ja um die bloße Namensnennung der Syphilis herum. Die Hauptfiguren des Stücks: der überlegene Mediziner, der als Berater, Mahner und Warner seinen Patienten zur Seite steht, in den blind Selbstsüchtigen den Funken menschlichen VerantwortungS- gefühls zu wecken sucht; ebenso wie die beiden Duponts, Sohn und Mutter, sind scharf umrissene typische Gestalten. Der junge Herr führt in dem Sprechzinlmcr des Arztes, den er konsultierte, eine widrige Komödie auf. E» posiert Selbstmordgedanken, um dann, als der Doktor ihm die Wahrscheinlichkeit späterer Heilung in Aussicht stellt, mit seinen Heiratsplänen vorzurücken. Er sei verlobt mit einem reichen schönen Mädchen und müsse schlechter- dings in wenigen Monaten zum Standesamt. Der Arzt hält ihm beschwörend vor, daß erst nach mehreren Jahren die Jnfeklions- gefahr erlösche, daß er mit der Gesundheit seiner Braut, des Kindes, das er erhoffe, bei früherer Verbindung ein freventliches Spiel treibe. Vergebens. Georges will nichts hören. Die Furcht, der Aus- schub möchte Verdacht erioeckeu, die Chancen dieser ausgezeichneten Partie vernichten, verstockt ihn gegen den Appell an Ehre und Ge- wissen. Er lügt sich selber vor, eS könne ja so schlimm nicht werden. Der Mittelakt spielt in dem jungen Heim. Das Kindchen kränkelt. Der herbeigerufene Arzt verlangt, daß die Amme, der Streik der Friseurgehilfen! Wegen Maßregelung eines Ver- bandskollegen sind sämtliche bei der Firma Nrndt-Martini, Bergmannstr. 112 und Luisen Ufer 21, beschäftigten Gehilfen in den Streik getreten. Herr Martini, welcher als Pächter der beiden Geschäfte den Tarifvertrag der Organisation unterzeichnete, lehnt jede Beilegung der Differenzen ab. Tie Betriebe sind bis auf weiteres für organisierte Kollegen gesperrt. Verband der Friseurgehilfen. Deutlchcs Reich. Die Leipziger Metallarbeiter sind über die Ausschließung ihrer Vertreter vom Verbandstag in Breslau sehr erregt. In einer stark besuchten Versammlung, die sie am Mittwoch abhielten, nahmen sie eine Resolution an, in der gegen die Kassierung der Leipziger Mandate in allerschärfster Form protestiert wird. Dem Zentral- tvahlkomitee von Leipzig wird vorgeworfen, daß es für den Wahl- Protest erst dann gestimmt habe,'als sich herausgestellt habe, daß die Gegner der Parteischule und der Selbstverwaltung der Zahl- stellen bei den Wahlen unterlegen waren. Es wird verlangt, daß die Mitglieder des Komitees ihre Aemter in der Organisation niederlegen. Zum Schluß erklären die Leipziger, an ihrer Auf- fassung aber auch an der Organisation treu festhalten zu wollen. SlacktverokMen- verlammluiig. 23. Sitzung vom Donnerstag, den 2S. Juni 1913, nachmittags 5 Uhr. Borsteher M i ch e le t eröffnet die Sitzung ö'/z Uhr. Der Ausschuß für die Vorberatung der Vorlage betreffend die Angestelltenversicherung der Viktoriaschwestern ist gewählt und hat sich konstituiert! die sozialdemokratische Fraktion ist vertreten durch Basner, Glocke, Ritter. Schneider und Dr. Wehl; letzterer ist zugleich Vorsitzender de? Ausschusses. Zur Errichtung von kleine»' städtischen Badeanstalten lohne Schwimmbassins) hatte der Magistrat den Ankauf des Grund stückcs Petersburger Platz 4 für 2S Verantwortlicher Redakteur: Slbrrt Wachs, Berlin. Für de» 'läßt, soll eine Beihilfe von 599 M. und 5 silberne Medaillen zur Verfügung gestellt werden. Die Versammlung stimmt dem zu. Für die Vergrößerung der Flcischkammer für Schweine auf dem Seuchenhofe des städtischen Viehhofes sind 20 500 M. er- forderlich; die Summe wird ohne Debatte bewilligt. Der spezielle Entwurf und der Kostenanschlag(1� Millionen Mark) für den Neubau der landwirtschaftlichen Erziehungsanstalt „Struveshof" zwecks Durchführung von Reformen auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung liegt vor. Die Genehmigung erfolgt ohne Diskussion. Der Magistrat legt die speziellen Entwürfe zum Neubau des Gymnasiums in der A st a d e r Straße, zum Neubau der XV. Realschule an der Carmen-Sylva-Straße vor. Kirschner-Ober-Rcalschule in der Z w i n g l i st r a ß e 2, sowie der Stadtv. Cremer(A. L.) bemängelt, daß eine solche Zahl von großen Bauten am letzten Sitzungstage der Versammlung vor- gelegt wird; es bleibe zur Ausschußbcratung keine Zeit. Im Anschluß an den Entwurf für die Kirschnerschule befür- wartet Stadtv. Körte(Fr. Fr.) eine Resolution auf Prüfung der Frage durch den Magistrat, ob sich für die Schulen die elektrische oder die Gasbeleuchtung wirtschaftlich mehr empfehle. Es solle probeweise eine höhere und eine Gemeindeschule mit elektrischem Licht ausgestattet werden. Stadtrat Rast: Die Frage ist noch keineswegs geklärr. In der Kirschnerschule sollen die Aula elektrisch, die übrigen Schulräume mit Gas beleuchtet werden. Es möchte sich gerade jetzt, wo wir in Verhandlungen wegen Uebernahme der B. E. W. stehen, nicht empfehlen, auf den Antrag einzugchen. Auch Stadtv. Cassel(A. L.> spricht sich gegen die Resolution Körte aus, während Stadtv. Hildebrandt den Versuch mit der elektrischen Beleuchtung dringend befürwortet. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Ein Versuch muß doch einmal gemacht werden; in ein finanzielles Risiko laufen wir nicht. Aus der Besorgnis, daß unsere Gaswerke dadurch benachteiligt werden könnten, solle man der Resolution nicht entgegen sein. Stadtv. Dr. Arons(Soz.): Auch ich habe in der Deputation für das Kompromiß in betreff der Kirschnerschule gestimmt. Wenn nun hier die Resolution Körte vorgeschlagen wirb, so meine ich, wir sollten unbekümmert um die Bedenken des Kollegen Cassel darauf eingehen. Meine Freunde werden dafür stimmen. Nach einer weiteren Debatte, an der die Stadtv. Cassel, M i ch e l e t, Gen. Arons und Stadtrat R a st teilnehmen, wird die Resolution Körte mit erheblicher Majorität angenommen; die aufgeführten speziellen Entwürfe genehmigt, ebenso die für eine Gemeindedoppclschule nahe der B e h m st r a ß e, über einen Neubau für die Blindenbeschäftigungsanstalt, Oranien- stratze 26, und für den Um- und Erweiterungsbau der Haupt- seuerwache. Der Berliner Medizinischen Gesellschaft will der Magistrat zum Betriebe des Rudolf-Birchow-Hauses auf dem Grundstück Luisenstraße 58/59 auf 5 Jahre vom 1. Oktober 1913 ab einen jährlichen Zuschuß von 19 999 M. leisten; außerdem sucht er die Ermächtigung nach, der Gesellschaft auf ihr Verlangen nach Fertigstellung des Baues, jedoch nicht vor dem 1. Oktober 1914, ein mit 4 Proz. verzinsliches hypothekarische? Darlehen bis zum Betrage von einer Million Mark aus einer später auf- zunehmenden Anleihe zu gewähren. Stadtv. Stapf(A. L.>: Der Berliner Medizinischen Gesell- schaft, dieser im In- und Auslande hoch angesehenen Körperschaft. zu einem eigenen Heim zu verhelfen, erscheint auch uns als eine Aufgabe, kür die die Aufwendung städtischer Mittel nicht nur zu- lässig, solwern auch wünschenswert ist. Der Vorlage aber fehlen nähere Angaben über die Aufbringung der Mittel für den Bau des Hauses über da? hinaus, was wir hergeben sollen. Es handelt sich um eine Million, die wir uns selbst erst borgen müssen; in welcher Zeit wir sie zurückbekommen, ist nicht zu ersehen. Wir wünschen deshalb Ausschuhberatung. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Der Zuschuß, den wir tragen sollen, scheint unS völlig abgegolten zu werden durch die Hergabe der Versammlungssäle, wie durch die Vorträge, die gehalten werden sollen. Die Stadt hat schon häufig das Vielfache dieser 19 000 Mark für unserer Ansicht nach unproduk- tive Zwecke ausgegeben. Wir hoffen, daß die Vorlage aus dem Ausschuß ohne jede Aenderung an das Plenum zurückkommen wird. Nach weiterer Debate wird nach dem Antrag Stapf be- schlössen. Schluß der öffentlichen Sitzung �8 Uhr. Internationaler Frauenftiirnnrechtshongroß in Budapest. Der dritte Tag des Kongresses brachte auf die Tagesordnung die wichtige Frage des Verhaltens der Frauenstimmrechtsorgani- sationen den politischen Parteien gegenüber. Aber sie verschwand, kaum daß sie gekommen war. Die Referentinnen Anna W i ck s e l l- Schweden und MrS. M a r s h a l l- Großbritannien erklärten, daß die sozialdemokratischen Parteien ihrer Länder die einzigen seien, aus die sie bauen könnten. Die politische Neu- tralität bedeute für die Frauen soviel, daß die Kämpfenden aller Parteien, aller Konfessionen aufgenommen werden, aber die Kan- didaten jeder Partei, die das Frauenstimmrecht ablehnten, müßten entschieden bekämpft wetden. Darauf stellte Frau Stritt- Dresden eiligst den Antrag, aus eine Diskussion zu verzichten— und man verzichtete. Es blieb unerörtert, daß die liberalen Frauen Teutschlands für Parteien arbeiten, die das Frauenstimmrecht nicht in ihr Programm auf- genommen haben. Ein Amendement zu dem Antrag Stritt, daß eine Definition des Begriffes„politische Neutralität" oem Kongreß gegeben werde, fand Annahme, die Definition selber aber wurde aufgeschoben und ausgehoben.„Hüh" und„hott" wird bei den WahlrechtSkämpfen in den Reihen der bürgerlichen Frauen weiter herrschen; die einen werden die Konservativen ihres Herzens, die anderen die Liberalen aller Schattierungen unterstützen, keine wird es wagen, gleich den politisch reiferen skandinavischen und eng- lischen Schwestern, für die Arbeiterpartei einzutreten, die allein das Frauenstimmrecht auf das Programm gesetzt hat. Der fünfte Tag brachte die Frage des Mädchenhandels. S h a p- m a n- C a t hatte das Referat. Sie schlug die Einsetzung internationaler Kommissionen in jedem Lande zur Untersuchung der Quellen der Prostitution vor. Sie stellte in ziemlich scharfen Warten klar, wie die westlichen zivilisierten Nationen alljährlich Kolonisatoren aller Art in die unzivilisierten Weltteile entsenden, und gerade diese Armee die Demoralisation in die Reihen der Bevölkerung der Kolonien trage. Ter Einheimische lerne, seine Tochter an den fremden Eroberer zu verschachern. Miß R o gd en- Großbritannien geißelte die Grausamkeit der wohlhabenden, sogenannten tugendhaften Frauen, die den Körver der armen unterdrückten Frauen preisgeben, um die Keuschheit des eigenen Körpers zu bewahren.—„Wenn wir," rief sie aus,„eine Moral für die Herrschenden und Beherrschten haben, so ist das eine unmoralische Moralität zu nennen." Im großen ganzen ging es auch bei dieser Frage lendenlahm zu. Nur die letzten zwei Tage brachten etwas Leben: ein Duell mit den besten, leidenschaftlichsten Worten zwischen den Suffra- gettcs und Chapman-Cat. Mrs. D e s p a r e verteidigte die Kampf- Methoden der Sufftagettes, und Mrs. C o b d e n rühmte deren Heldentaten....„Es sind keine Heldentaten," entgegnete Chap- man-Cat. Alle die Unbekannten und Ungenannten, die für die Sache still arbeiten, seien nicht geringere Heldinnen.— Wen meinte sie mit den Ungenannten? Meinte sie die große Masse der ar- beitenden Frauen des Volkes? Oder meinte sie sich und ihre An- Hänger, die wohl nicht als Suffragettes gelten, aber genug gekannt und genannt, empfangen und geehrt werden? Die Suffragettes ernteten stürmischen Beifall, und das trug neue Furcht in die Reihen der ängstlich Bedachten. Sie berieten am letzten Tage wieder über die Frage, die sie am ersten Tage schon erledigt hatten, und faßten eine Resolution. Sie taten freilich, als wenn es keine wäre, aber was sonst ist es, wenn man sagt: „Nachdem die militanten Frauen gestern lebhaften Beifall gefunden haben, so könnte das in der Oeffentlichkeit den Anschein erwecken» als hieße der Bund die Kampfesmethode der„Tax Resistance So- cicty" gut. Es wird daher jeder nationalen Frauenpartei emp- fohlen, sich dieser Methode gegenüber neutral zu erklären." So haben sie also glücklich den Begriff„politische Neutralität" den eigenen Schwestern gegenüber erklärt. Dies sind im großen ganzen die Resultate des Frauenstimm- rechtskongresses. China wurde in den Bund aufgenommen. Polen und Galizien. Die Militanten blieben draußen. Bericht wurde über die Wirkung des Frauenstimmrechts in den verschiedenen Ländern gegeben.„Es kann nicht viel sein," sagte sogar die finnische Vertreterin des Landtages. Ein internationales Presse- bureau soll gegründet werden.„Jus suffraggi", das Frauen» stimmrechtsorgan des Bundes, erhält eine andere Redaktrice. Statutenänderungen, Wahlen wurden vorgenommen. Chapman- Cat ist geblieben. Das ist alles. Dazu der Riesenrahmen, der Riesenaufwand. Man fand nicht einmal den Mut zum Bekenntnis— der politischen Neutralität den Parteien gegenüber. Gerickts-Leitung. Anstiftung zum Austragen der Zeitung„Proletarier". Die gegen die Arbeiterklasse und gegen die Glcichberechtt- gung der Arbeiter gerichtete Anklagerichtung treibt immer wunderlichere Blüten. Bekanntlich hat das Kammergericht früher in beinahe ständiger Praxis entschieden, die Annahme, das Austragen von Flugblättern oder von Zeitungen am Sonntag sei keine öffentlich bemerkbare Arbeit und könne deshalb ebenso wenig wie das Tragen eines Gewehrs, eines Aktenstücks, einer Bibel, eines Pakets eingekaufter Waren oder eines Rucksacks als strafbare Sonntagsarbeit erachtet werden. Es hat in einer großen Reihe von solchen Fällen auch die Kosten der Ver- teidigung der Staatskasse auferlegt. In einer Reihe anderer Fälle hat es die Ueberbürdung solcher Kosten auf die Staatskasse abgelehnt, weil der Angeklagte im Vertrauen auf diese ständige Rechtsprechung habe annehmen können, daß ein Freispruch erfolge. Die Rechtsprechung änderte sich aber all- mählich, nachdem der Kammergerichtsrat Häven st ein gegen seinen. Willen wegen seiner Stellungnahnie gegen die falschen Ansichten der Polizei und Staatsanwaltschaft aus dem Straffenat ausgeschifft war. Das Kammcrgericht nahm nun an, es sei von ihm nicht zu prüfende„tatsächliche Feststellung", ob Flugblattverbreiten eine Arbeit sei. Es bestätigte frei- sprechende wie verurteilende Erkenntnisse, letztere, wie- wohl die Verfolgungsbehörden, nur Flugblätter mit sozial- demokratischem Inhalt verfolgte, wiewohl andere Flugblatt- und sonstige Pakete weit schwerer waren. Aus dieser Praxis muß gefolgert werden, daß die Verfolgungsbehörde von der den physikalischen Gesetzen ins Gesicht schlagenden Ansicht aus- ging, die Schwere eines Pakets richte sich nicht nach seinem Gewicht, sondern nach seinem politischen Inhalt. Die Staatsanwaltschaft bekehrte Juristen einiger Landgerichte zu ihrer Anschauung. Das Kammergericht meinte achselzuckend: das Urteil mag Physika- lische und naturwissenschaftliche Normen verletzen, es verletzt aber keine„Rechtsnorm des materiellen Rechts". Jüngst ist das Kammergericht aber noch weiter gegangen. Es hat eine Entscheidung bestätigt, die den Auftraggeber zur Verteilung einer gewerkschaftlichen Zeitung wegen— A n- st i f t u n g zur Sonntagsentheiligung verurteilte. Man darf gespannt sein, ob nun nicht gar noch Verurteilungen wegen Anstiftung gegen Drucker, Setzer, Verleger, Schriftsteller, Schriftgießer ergehen werden. Eine Verurteilung wäre nicht minder ungerecht, aber auch aus denselben Gründen zu rechtfertigen, wie die geschilderte. Den Vorfall selbst orientiert folgender Bericht. Der Borsitzende der Ortsgruppe Brieg des� Deutschen Fabrik- arbeilerverbandcS, Kokott, sollte durch Anstiftung zu einer öffentlich bemerkbaren Arbeit am Sonntag die für die Provinz Schlesien vom Oberpräsidenten erlassene Polizeiverord« nung vom 14. Februar 1912, betreffend die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage übertreten haben. Kokott ist angestellter Be- amtcr der Ortsgruppe. In sein Bureau gelangen wöchentlich die für die Mitglieder in Brieg bestimmten Exemplare des Organs des Verbandes, deö„Proletarier". Die von der Zahlstellen- Versammlung gewählten Funktionäre, deren Susgabe eS ist, die Zeitungen an die Mitglieder auszutragen, holen sich hier die Zeitungen ab. So holte sich auch der Funktionär Mandel eines Sonnabends seine Blätter. Es war gegen 8 Uhr abends. Einige trug er noch an, Sonnabend aus, die anderen am Sonntagvormittag. Er wurde dabei von einem Beamten beobachtet. Die Behörde fand in seinem Tun eine öffentlich be- merkbare Arbeit und veranlaßt« die Anklage gegen Kokott, als seinen Auftraggeber wegen Anstiftung dazu. Die Strafkammer in Brieg verurteilte auch Kokott und führte aus:„Zweifellos" handle es sich um eine öffentlich bemerkbare Arbeit, die durch die Verordnung für die Sonn- und Feiertage verboten fest Das Publikum habe sehen können, wie Mandel mit seinem Packen von Haus zu Haus gegangen sei. Die Tätigkeit deS Mandel sei auch mit einer gewissen Anstrengung ver- Kunden gewesen, so daß sie als Arbeit anzusprechen sei. ES sei ferner anzunehmen, daß Kokott ihn angestiftet habe. Dazu sei nicht erforderlich, daß er ihm gerade an dem fraglichen Sonnabend einen Auftrag gegeben habe: es genüge, daß er ihm überhaupt einmal seine Anzahl Exemplare für die von ihn zu besorgenden Mitglieder überwiesen habe. ES se, ferner anzunehmen, daß sich Kokott habe sagen müssen und daß er sich gesagt habe, Mandel werde in der späten Stunde am Sonnabendabend nicht fertig werden mit dem Austragen und werde es am Sonntag fortsetzen. Der Angeklagte legte Revision ein. Das jl am m erger i cht verwarf die Revision des Angeklagten, weil die Strafkammer ohne Rechtsirrtum eine Anstiftung zu einer öffentlich-bemerkbaren Arbeit am Sonntag an- genommen habe. Es geht doch nicht« über„tatsächliche Feststellungen' und die Eventualdolustheorie. Bemerkt sei, daß das Austtagen von Zei- tungen zu den Zeiten, wo die Post Zeitungen austrägt, reichs- gesetzlich gestaltet ist. Verurteilung eines Rechtsanwalts. Wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung hatte sich gestern vor der Dortmunder Strafkammer der frühere Rechtsanwalt und Notar Hubert Bonzel zu verantworten. Er soll Stempelgelder in Höhe von 630 000 M. unterschlagen haben. Das Gericht er- achtete nur Unterschlagung für vorliegend und erkannte auf zehn Monate Gefängnis. Anklage wegen 12 Pfennig. Bei dem Schöffengericht in Gotha ist ein Strafprozeß anhängig, der sich um 12 Pfennig dreht. Ein Pferdehändler hat an einer Chausseegeldeinnahmestelle statt der geforderten 16 Pf.(Taxe für Luxuswagen) nur 4 Pf.(Taxe für einen Geschästswagen) gezahlt. Er behauptet, fein Wagen fei ein Geschäftswagen geweien und als solcher benutzt. Das Gericht beschloß Zeugen und Sachverständige zu vernehmen. Da? kann ein recht teurer Prozeß werden. gnjeratenteit verantw.: Ttz. Glocke, Berliti. Druck u. Pertag: Porwart» gstichdruckere, u. PerlagSanstalt Paul«mger u-ifo« Berlin SsK, Ar.M. 30. Iahrgavg. Z. KeW des.Mmw" Kttlim WlllsM Mag, 27. W 1918. Kirche and Polizei gegen die Cauben- ftoloniften! Wie eine Bombe bat die Meldung eingeschlagen, daß forlan die Polizei zugunsten der Kirche den Laubenlolonisten die Sonn- tagsarbeit auf ihren Parzellen noch mehr als bisher erschweren und nahezu unmöglich machen werde. Der Laubenkolonisten hat sich eine tiefe Erregung bemächtigt, die am Mittwoch in einer zur Erörterung dieser Angelegenheit vom Verband der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend einberufenen, sehr stark besuchten Protest- Versammlung im„Berliner Klubhaus", Ohmstratze, beredten Ausdruck fand. Zwar lag bereits die von der Polizei schleunigst noch im letzten Augenblick in die Presse gebrachte Mitteilung vor, man werde die Vorschriften der für den Landespolizeibezirk Berlin jetzt geltenden Polizeiverordnung so anwenden, daß in den Lauben- kolonien ebenso wie in den Zier- und Hausgärten die Sonntags- arbeit in der Zeit außerhalb des Hauptgottesdienstes nicht gehindert werde. Aber man kennt nur zu gut die Polizei und ihren gegen die Laubenkolonisten schon immer sehr forsch betätigten Eifer, als daß solche Beschwichtigungsversuche das auf den Laubenkolonisten lastende Gefühl der Unsicherheit hätten verscheuchen können. In der Versammlung forderte der Reichstagsabgeordnete Wolfgang Heine in seinem einleitenden Referat, daß Klarheit darüber geschaffen werde, woran denn die Laubenkolonisten nun eigentlich sind. Trotz aller Bemühungen sei es weder dem Vor- stand des Verbandes der Laubenkolonisten noch ihm selber gelungen, jenes gegen die Sonntagsarbeit der Laubenkolonisten sich richtende Urteil.eines höchsten Gerichts" zu ermitteln, das vor kurzem der Presse aus einer der Polizei dienenden Zeitungskorrespondenz zu- ging und so große Erregung hervorgerufen hat. Das Verbot der Sonntagsarbeit gelte, wie bisher, den öffentlich bemerk- baren Arbeiten, werde aber nicht angewendet auf Arbeiten, die in Zier- und Hausgärten oder auf kleinen Garten- und Feld- grundstücken von den Inhabern oder ihren Angehörigen außerhalb des Hauptgottesdienstes verrichtet werden. In Laubenkolonien, die wie die Gärten zu behandeln seien, dürfe am Sonntag z. B. gegraben, gejätet, gehackt, begossen, auch das Hühnervolk gefüttert werden, aber verboten sei es z. B., eine Laube anzustreichen. Viel- leicht solle, so führte der Redner aus, unter dem Druck der Ver- frommungsbestrebungen jetzt eine schärfere Anwendung des Ver- dotes die Laubenkolonisten noch mehr drangsalieren, aber einst- weilen könne er das nicht recht glauben. Davor, daß durch der- artige Maßregeln schließlich auch die.guten" Staatsbürger in Erregung versetzt werden, habe selbst die Polizei eine nicht geringe Angst. Er verspreche sich Erfolg von einer Eingabe an den P o- lizeipräsidenten, den man darüber belehren müsse, daß mit einer weitherzigen Förderung der Lauben- kolonien nur der Volksgesundheit gedient werden kann. Für. den erkrankten Verbandsvorfitzenden Steinweg hatte das Vorstandsmitglied Zwanzig das zweite Referat übernommen. Ein Verbot der Sonntagsarbeit bedeute die Vernichtung der Laubenkolonien, deren Fortbestand doch bei den elenden Wohnungsverhältnissen der minderbemittelten Bevölkerung dringend zu wünschen sei. Leider fehle auch den Gemeinden das richtige Verständnis dafür, daß die Laubenkolonien um der Volksgesundheit willen möglichst gefördert werden müßten. Die Stadt Berlin habe schwer an den Laubenkolonisten gesündigt, ver- siändnislos habe ihre Grundeigentumsdeputation die Verpachtung von Laubenland als ein bloßes Geschäft betrachtet, auf ihren Laubenterrains habe sie ein gefährliches Generalpächter- tum großgezogen, das den Laubenkolonisten eine ganz enorme Pachtverteuerung auferlegt habe. Redner trug noch eine Reihe anderer Klagen vor, z. B. das in manchen Gemeinden bestehende Verbot der Anlegung von Feuerstellen, des Nächtigens in Lauben usw. Gegen die neue Drangsalierung durch die den Wünschen der Kirche entgegenkommende Erschwerung der Sonn- tagsarbeit rief er unter stürmischem Beifall der Versammlung zu scharfem Protest auf. In der sehr ausgedehnten Diskussion brachte� zahlreiche Redner die üblen Erfahrungen zur Sprache, die sie als Lauben- kolonisten bisher schon mit der Polizei gemacht haben. Immer wieder gab sich in scharfen Worten tiefgehende Erregung kund, Erregung darüber, daß die Polizei von jeher den Laubenkolonisten ihr Pflanzerleben erschwert hat. Ein Vertreter des für Austritt aus der Landeskirche agitierenden Komitees.Konfessionslos" hob hervor, wie eng der Polizeikrieg gegen die Lauben- kolonisten mit den Verfrommungsbestrebungen der Kirche zusammenhängt. T:e Protestkundgebung schloß mit der einstimmigen Annahme folgender> t e i o l u t i o n:.Die Versammlung der Berliner Lauben- kolonistenvereine beauftragt nach Kenntnisnahme der Rechtslage den Vorstand des Verbandes der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend, an zuständiger Stelle vorstellig zu werden, um Klar- heit zu schaffen über die Anwendung deS§ 2 der Polizeiverordnung auf die Laubenkolonien und zwar dergestalt, daß die letzteren ein- heitlich über Groß-Berlin den Zier- und Hausgärten gleichgestellt bleiben und alle notwendigen Arbeiten in ihnen gestattet werden. Desgleichen wird cer Vorstand ersucht, an maßgebender Stelle dafür zu wirken, daß nir die Laubenkolonisten Groß-Berlins einheitliche Polizecherordnungen erlassen werden, die den gegebenen Verhält- nissen Rechnung tragen und sie den verschiedenen Strafbestimmun- gen der einzelnen Gemeinden entziehen." Partei-IZngelegenketten. Zur Lokalliste. I,. Köpeuick l7..k.) steht uns das Lokal Orleans(Infi. C. Pötle) •"n Bahnhof Spiinlersfeld, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Wernsdorf hat das Lokal Sportshaus mn CroMsee den Besitzer gewechselt Der letz'ge Inhaber Herr Schramm stellt »ns dasselbe ebenfalls zu den üblichen Bedingungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommisston. _ Slt-Glienickr. Sonnabend, den 28. d. M., abends 8 Uhr' Mit- Kltederverfainmlung bei Rodenbusch, Rudower Str. 54 Wichtige Tagesordnung. Schenkend-rf' Wusterhauseu. Am Sonnabend, den ffl Zun., abends 8 Uhr. be. Dto Patich:«g.tationsversammlunq »es-BahivereinS. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Mar Groaer band-« �cmfl:"2B?ä"""in 5� d-r Kreis- und Ver- oano--GeneralveNammlung. Abrechnung usw. Bernau. Morgen Sonnabend, den 28. Juni, abends 8>/„ Uhr. 5."'rr. Salzmann, BaSdorser Straße: Mitgliederversammlung. Tage-ordnung: i. Vortrag des Genonen B. Schneider:.Die Volks- I".»* und ihte Bedeutung für die arbeitenden Klassen". 2. Bericht undsgeneralversaminlung. 3. Stellungnahme über die der �.a hl ferngebliebene« Genossen. 4. Parteiangelegenhetten. NowaweS. An den Sonntagen: 2g. Juni, 8. und 18. Juli, vormittags 9 Uhr, finden Vorträge über den theoretischen Teil des Erfurter Programms im Lokale von Schmidt, Wilhelmstr. 41/43, statt. Vortragender: Genosse Max Grunwald. Eintrittspreis für drei Vorträge 20 Pf. Der Vorstand des Wahldereins. Der Ausschuß deS GewerkschastSkartellS. ßcrllncr Nacbncbtcn. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordneten hatten in ihrer gestrigen Sitzung, die wohl die letzte vor den Sommerferien gewesen sein wird, unter anderm über den Ankauf von Grundstücken für zwei neue Volksbadean st alten zu beschließen. Geplant wird eine Anstalt in der Schönhauser Allee nahe dem Ringbahnhof und eine Anstalt am Petersburger Platz, im Ausschuß hat aber das am Petersburger Platz anzukaufende Grundstück nicht den Beifall der Mehrheit gefunden, weil es ihr zu teuer ist. Gestern wandte sich unser Genosse Z u d e i l gegen diese neue Verschleppung der Sache, die ohnedies Jahre hindurch— zum Verdruß der Bevölkerung jener Stadtteile— nicht vom Fleck gekommen sei. Die Abstimmung ergab eine Mehrheit nicht nur für das Grundstück in der Schönhauser Allee, sondern auch— entgegen dem Vorschlage deS Ausschusses— für das Grundstück am Petersburger Platz, so daß auch dem Viehhofsviertel die Badeanstalt gesichert ist. Hoffentlich dauert es nun nicht allzu lange bis zur Aufstellung der Baupläne. Bis zu ihrer Ausführung dürste allerdings noch eine Reihe von Jahren verstreichen. Patriotische Unternehmer. UnS wird geschrieben: .Die Lehrlinge einer Pankower Fabrik wurden von dem Direktor der dortigen Fortbildungsschule aufgefordert, am Dienstag, den 17. d. M„ an welchem Tage der Schulunterricht ausfiel, eine Feier anläßlich de? Regierungsjubiläums im Pankower Bürgerpark zu besuchen. Da nun der Fabrikherr seine Lehrlinge angewiesen hatte, falls der Unterricht ausfallen sollte, in die Fabrik zurück- zukehren, hielten es diese für angebracht, den Rektor davon in Kenntnis zu setzen, worauf ihnen dieser erwiderte, daß diese Stunden der Schule gehörten und nicht dem Lehrherrn. Sie hätten sich also unter allen Umständen zu der von der Schule veranstalteten Feier zu begeben. Das taten diese denn auch, wofür ihnen jedoch am AuszaHlungStage ihre? WochenlohnS in Höhe von 8 M. für die versäumten Stunden 14 Pf. abgezogen wurden. Kommentar er- übrigt sich. Zur Fesselung von Fürsorgezögliugeu schreibt uns der Magistrat:.Der.Vorwärts' berichtet in seiner Nr. 151 vom 18. d. MtS., daß von den drei Fürsorgezöglingen, welche am 17. cr.— gelegentlich deS Festtrubels Unter den Linden— ihrem Transporteur entwichen sind, zwei der Zöglinge mit einer Kette aneinandergefeffelt waren. Der.Vorwärts" wirst die Frage auf, ob es sich hier um Zöglinge des Berliner Kommunalverbandes handelte und ob die Berliner Waisenverwaltung die Fesselung an- geordnet hatte. Um Berliner Zöglinge kann eS sich nicht handeln, da seit Monaten keine Zöglinge aus unseren Anstalten auf dem Transport überhaupt entwichen sind. Die Berliner Zöglinge werden stets einzeln trans- portiert, jeder Zögling hat einen Begleiter, eine Fesselung findet nicht statt." ES wäre wünschenswert, wenn festgestellt würde, welcher Kom- munalverband für die Fesselung der Fürsorgczögljnge verantwortlich ist. Im übrigen sind auch Berliner Fürsorgezöglinge schon gefesselt transportiert worden; allerdings könne das, wie die Leitung der Für sorgeerziehungsabteilnng meint, nur durch die Polizei geschehen sein, welche die Rückführung von entlaufenen Zöglingen übernommen hatte. Die Berichterstattung der bürgerlichen Presse. Vom„Gattenmord" eines»Geisteskranken' schrieb vor kurzem die Scherl- und Ullsteinpresje, als in Pankow die Ehefrau des Bureauvorstehers Wilhelm an Vergistungserscheinungen erkrankt war. Die mit Strychnin in Rotwein vergiftete Frau sollte einem Kranken Hause zugeführt sein und dort hoffnungslos daniederliegen. An der ganzen Geschichte ist nur wahr, daß Frau Wilhelm, die überhaupt nicht nach einem Krankenhause kam und völlig munter ist, nach dem Genuß von verdorbenem Kalbsbraten an leichtem Unwohlsein er- krankt war. Leider war nach Hinzuziehung eines Arztes der Kalbs braten schon vernichtet, so daß die Untersuchung nicht mehr stattfinden konnte. Frei erfuiiden ist das Gift im Rotwein. Der Ehemann wurde, da von dritter Seite ein Verdacht geäußert war, in Haft ge nommen, doch kann die Verhaftung, da sich nichts Belastendes er- geben hat, nicht anfrechterhallen werden. Solche widerliche Sensationshascherei der bürgerlichen Presse nimmt Formen an, die höchst bedenklich sind und den Ruf des Be trofstnen auf Jahre hinaus schwer schädigen müssen. Ueberaus leichtfertig ist es, ohne weiteres den Zeitungsbericht damit auszu schmücken, daß der Ehemann in Geistesumnachtung gehandelt habe. Es ist Methode geworden' bei dieser Presse, mit dem Vorwurf oder der Entschuldigung der Geisteskrankheit bei jeder möglichen Gelegen� heit nur so herumzuwerfen. Fehlt zu einer Begebenheit, die der Berichterstattung wert ist, irgendeine Erklärung— sofort wird rück- sichtSloS Geistesstörung herangezogen. Das stärkt nicht nur das Rückgrat der Psychiatrie, die dann Geisteskrankheit wittert, wo keine Spur vorhanden ist, sondern es lockt auch immer mehr wirkliche Schuldige, den Kopf mit dem Einwand der.momentanen' Geistes stärung, für die sich im Publikum wie in Aerztekreisen stets Gläubige finden, aus der Schlinge zu ziehen. Die Eröffnung der Untergrundbahn Spittelmarkt— Alexanderplafc. Die landespolizeiliche Abnahme der Neubaustrecke der Untergrund- bahn Spittelmarkt— Alexanderplatz wird, wie nun endgültig feststeht, am nächsten Montag(30. d. MtS.) stattfinden; die Betriebseröffnung erfolgt dann am nächstfolgenden Tage(1. Juli). Morgen Sonn- abend, vormittags, sind die Vertreter der Presse zu einer Sonder- fahrt über die Stadtstrecke der Hoch- und Untergrundbahn geladen worden. Bei dieser Gelegenheit sollen auch die Bahnhöfe der Neubau- strecke besichtigt werden._ Zu dem Leichenfund bei Velten wird weiter berichtet, daß die in Hennigsdorf bereits beerdigten Leichenteile gestern wieder aus der Erde herausgehoben worden sind, da der Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Stoermer an ihnen noch wissenschaftliche Untersuchungen vmmehmen will. Die hierzu be- stimmten Teile werden dann ebenfalls im Berliner Schauhause präpariert und hier aufgehoben werden. Auch im Laufe des gestrigen Vormittags haben sich wieder an verschiedenen Stellen Leute ge- meldet, die die Vermutung äußern, daß die Leiche mit einem von ihnen vermißten Angehörigen identisch sein könnte. Nach den bis- herigen Feststellungen scheint aber auch unter diesen keine zu sein, die für den Toten in Frage kommen kann. Die Ermittelungen der Polizeibehörden haben ebenfalls noch zu keinem Ergebnis, das von irgendeiner Wichtigkeit ist, geführt. Der Fund ist nach wie vor noch ganz rätselhaft._ Eine gemeingefährliche Gaunerin ist jetzt in dem 40 Jahre alten, schon schwer vorbestraften Dienst- mädchen Marie Schleyer verhaftet worden, Sie studierte die kleinen Anzeigen der Taaesblätter daraufhin, welche Frauen ihren 70. oder 80. Geburtstag feierten. Diese suchte sie dann auf und gratulierte ihnen mit den herzlichsten Worten. Sie gab dann an, daß sie Armenvorsteherin sei und den Auftrag erhalten habe, sich nach ihren Verhältnissen zu erkundigen, damit, fall? e? nötig fei, für ihre letzten Tagen gesorgt werde. Ersteut darüber erzählten die alten Frauen, die meistenteils sehr gebrechlich waren und in sehr ärmlichen Verhältnissen lebten, bereitwilligst �der „Vorsteherin' alles, was sie wissen wollte. Im Laufe des Gesprächs bat die Gaunerin dann um ein Glas Wasser. Die Zeit, wo sich die Greisinnen zu diesem Zwecke entfernten, benutzte sie dann zu stehlen, was sie für mitnehmenswert hielt. Diese entdeckten den Diebstahl aber erst, wenn die Diebin, die sich stets bald darauf empfahl, längst verschwunden war. Ihr letztes Opfer war eine 88 jährige Witwe in der Nostizstraße, die zusammen mit ihrer erblindeten Tochter wohnte. Gaunereien dieser Art hat die Diebin im Laufe der Zeit über 100 aufgeführt._ Ei« doppelter Straßenbahnnnfall ereignete sich am gestrigen Donnerstag am Spittelmarkt. Dort wollten zwei junge Mädchen, die Verkäuferinnen Else Koch und Hertha Bliesener den Damm überschreiten. In diesem Augenblick nahte der Motorwagen 2150 der Linie 48b!, von dem beide Mädchen umgestoßen wurden und unter den Vorderperron gerieten. Fräulein Koch erlitt einen Nervenchoc und Quetschungen am Rücken, während das andere junge Mädchen im Gesicht verletzt wurde. Ueber Bord gestoßen worden ist naifi Ansicht des Baker? dtt junge Mann, der die Veranlassung zu dem aufregenden Vorfall bei Ransdorf gab, über den wir berichteten. Gestern wurde die Leiche des Ertrunkenen, nur mit Schlips und Schuhe bekleidet, am Schleusenufer aus dsx Spree gelandet. Die übrige Kleidung war dem Toten, wie mehrere Wunden erkennen lassen, von Schiffs- schrauben oder Bootshaken vom Leibe gerissen worden. Der Pro- duktenhändler Psohl aus der Muskauer Straße 19 erkannte gestern abend in der Leiche seinen Sohn wieder. Nach den bisherigen Be- kundungen soll sein Sohn, der 20 Jahre zählte, unterhalb des Neuen Kruges in die Müggelspree gesprungen sein, um seinen entflogenen Hut wieder herauszunehmen. Dies hält der Vater aber für ganz unwahrscheinlich, weil sein Sohn nicht schwimmen konnte und auch nach seiner Bekundung sehr wasserscheu war. Der Vater, der der Sache jetzt auf den Grund gehen will, bittet deshalb� Zeugen des Vorfalles sich zu melden. Bon einer Antodroschke überfahren»nb schwer verletzt wurde gestern mittag gegen 1 Uhr der 81 Jahre alte Arbeiter Alfred Schulz. Als dieser am Brandenburger Tor, in der Nähe des Tattersalles den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde er von einer Antodroschke, deren Herannahen er wohl übersehen hatte, erfaßt und zu Boden geworfen. Die Räder gingen über ihn hinweg und verletzten ihn so schwer, daß er nach der Charitö gebracht werden mußte. Wie eS scheint, ist sein Rückgrat stark mitgenommen worden. Auf der Treptow-Sternwarte finden folgende kinematographische Vorführungen statt: Am Sonnabend, den 28. Juni, abends 7 Uhr: »Interessante Bilder aus Italien', abends 9 Uhr:»Natur und Leben in norddeutschen Gauen'; am Sonntag, den 29. Juni, nachmittags 5 Uhr:»Aus fernen Landen', abends 7 Uhr:»Christoph EolumbuS'. Am Montag, den 30. Juni, abends 7 Uhr, spricht Direktor Dr. F. S. Archenhold über:»Eine Wanderung durch das Weltall' unter Vorführung zahlreicher Licht- und Drehbilder. Während der Schul- ferien(Anfang Juli bis Mitte August) hat jeder Erwachsene daS Recht, zu den Vorttägen ein Kind unter 14 Jahren stei einzuführen. Mit dem großen Fernrohr wird ein Fixstern, ein Sternhaufen im Herkules und von 10'/, Uhr an der Jupiter beobachtet. Blüthner-Orchester. Heute abend 8'/, Uhr findet in der Brauerei Friedrichshain das XV. Volks- Sinfomekonzert des Blüthner- Orchesters unter Leitung von Guido von FuchS statt. AIS Solist ivirkt der Solocellist Gottfried Zeelander mit, der»Beregise* von Godard und.Gavotte' von Popper vorttägen wird. Ferner enthält das Programm: Ouvertüre zu»Der Wasserttäger' von Cherubini, G rnoll- Sinfonie von Mozart, Suite aus»Sylvia' von DelibeS, Fantasie aus.Bajazzo' von Leoncavallo und Ouvertüre zu.Rienzi' von R. Wagner. Eintritt 80 Pf. Zeuge» gesucht. Am Freitag, den 20. dieses Monats, morgens 6'/, Uhr, ist der Brauereiarbeiter Wilhelm Graß aus Neukölln, Berliner Straße 97, Seitenflügel IV l. wohnhast, mit seinem Zwei« rad in der Hasenheide, Ecke Fichtestraße, von einem AutoomnibuS der Linie 4 überfahren und schwer verletzt in das Krankenhaus Am Urban eingeliefert worden. Trotzdem die Polizei für Einlieferung des Verunglückten in das Krankenhaus sorgte, war es ihr aber nicht möglich, etwaige Zeugen oder den Verbleib deS ZweiradeS fest- zustellen. Die Zeugen, die Angaben über den Vorfall machen können, werden um Angabe ihrer Adressen an Frau Graß, Neukölln, Berliner Straße 97, Seitenfl. IV L, gebeten. Vorort- l�admcbten. Die Charlottenburger Stadtverordneten traten am Mittwoch zu ihrer letzten Sitzung vor den Sommer« ferien zusammen. Von den Vorlagen, die zu erledigen waren, rief die Vorlage betr. Nachbewilligung von Polizeikosten in Höhe von 19 746 M. eine kurze Debatte hervor. Nach der vor- läufigen Berechnung waren die Polizeikosten durch den Berliner Polizeipräsidenten auf 683 810 M. festgesetzt, während bet endgültige Kostenanteil Charlottenburgs 703056 M. bettägt. Die Stadt hat nach dem Gesetz nichts zu sagen, sondern nur zu zahlen, und so blieb nichts anderes übrig, als die Summe zu be- willigen. Gleichfalls genehmigt wurde die Porlage betr. Erweiterung der Volksbadeanstalt in der Krumme Straße. Mit einem Kostenaufwand von 2 617 000 M. soll die Anstalt erweitert werden und u. a. eine Wellenbadeinrichtung und eine große Schwimmhalle bekommen, deren Glasdecke so eingerichtet wird, daß sie bei warmem Wetter in möglichst großer Ausdehnung beiseite geschoben werden kann. Ferner sollen in der Anstalt medizinische Bäder, 28 Brause- badzellen, 40 Wannenbadzellen und je ein Schwitz- und Sonnenbad eingerichtet werden. Eine lebhafte Diskussion zeitigte der Bericht deS Ausschusses über die Vorlage betreffend Altersversorgung der Lehr- kräfte von den Charlottenburger privaten höheren Mädchenschulen. Der Magisttat hatte beanttagt, Lehrkräften, die mindestens fünfzehn Jahre an Charlottenburger privaten höheren Mädchenschulen beschäftigt waren, im Falle der Vollendung de? 65. Lebensjahres oder im Fall vorher eintretender BerufSunfähigleit ein jährliches Ruhegehalt zu gewähren. Von dieser Unterstützung sollen ansgcschlosseii sein Leiter und Leiterinnen solcher Schulen, die Schülerinnen aus Gründen der Konfession oder Religion ganz oder zum Teil von ihrer Anstalt ausschließen. Der Ausschuß, dem die Vorlage zur Vorberatung überwiesen war, hatte darüber hinaus be« schlössen, daß die an Schulen mit konfessioneller Beschränkung zurückgelegte Dienstzeit bei der Ermittelung der Wartezeit unberücksichtigt bleiben solle. Mit anderen Worten: Lehrer und Lehrerinnen sollten dafür bestraft werben, daß die Leiter der Schule», an der sie unterichten, antisemitischen Tendenzen huldigen. Diese Bestimmung wurde von einem Teil der Bersammlung warm verteidigt, vom Magistrat und von einem anderen Teil der Ver- sammlung heftig belämpft. Namen? der sozialdemokratischen Fraktion wandten sich die Genossen Vogel und H i r s ch grund- sätzlich gegen das private Schulwesen, aber solange Privatschulen bestehen und die Stadt etwas sür das Alter der Lehrer und Lehrerinnen tut, bezeichneten sie es als eine Ungerechtigkeit, die Lehrkräfte für die Gesinnung ihrer Vorgesetzten büßen zu lasien. Der Antrag des Ausschusses wurde dann auch schließlich mit knapper Mehrheit abgelehnt und die Magistratsvorlage angenommen. Bei Beratung der Vorlage betr. Ausbau des Nonnen« damms betont Genosse Wille die Notwendigkeit einer schleunigen Erschließung dieses Stadtteils, während Genosse Vogel sich da- gegen wandte, daß nach dem Bebauungsplan einzimmerige Woh- nungen nicht vorgesehen sind. Auch diese Vorlage fand ohne Aus schußberatung Annahme. Eine sozialdemokratische Interpellation bezieht sich aus die Revision des Normalbesoldungsetats, sie lautet: „Besteht beim Magistrat die Absicht, im Laufe der nächsten Zeit eine Revision des Normalbesoldungsetats vorzunehmen? Im Falle diese Frage bejaht wird, ersuchen wir den Magistrat um Auskunft darüber, in welchem Umfang die Revision geplant ist und wann eine dementsprechende Vorloge an die Stadtverordneten- Versammlung in Aussicht gestellt werden kann. Der Magistrat hatte schriftlich folgenden Bescheid erteilt: „Wir werden noch in diesem Jahre nach Beendigung der er- forderlichen Vorarbeiten in eine Prüfung darüber einlretcn, ob und in welchem Umfange eine Revision des Normalbesoldungs- etats stattfinden soll. Nach dem Ausgange der Beratungen kann erst Auskunft gegeben werden, ob und welche Anträge an die Stadtverordnelenversammlung zu stellen sind." Infolgedessen verzichteten die Interpellanten auf eine Besprechung. sie behielten sich aber, wie Genosse Scharr nberg hervorhob, vor, auf den Gegenstand zurückzukommen, falls bis Ende des Jahres nichts geschehen ist. Im übrigen nahm der Redner die Gelegenheit wahr, die in der Lokalpresse verbreitete Behauptung richtig zu stellen, daß die Einbringung der Interpellation die Folge der Erhöhung des Gehalts für den neuen Oberbürgermeister sei. Städtischer Seefischvcrkauf. Das Nachrichtenamt der Stadt Charlottenburg teilt mit: Die in verschiedenen Zeitungen vor einigen Tagen erschienene Mitteilung von der Einstellung des Seefisch- Verkaufs im Sommer bezieht sich nur auf Berlin. In C h a r- lottenburg werden dagegen wie in den Vorjahren das ganze Jahr hindurch Mittwochs und Freitag« im Fleischschauamt, Spree- straße 30, von 8 Ilhr vormittags ab Seefische unter städtischer Auf- ficht verkauft werden. Eine vierte Sprechstunde für Säuglinge wird von jetzt ab jeden Montag von 2 bis 3 Uhr in der Charlottenburger Säuglings- fürsorgestelle Hl, S ch a r r e n st r a ß e 32(nicht, wie kürzlich irr- tümlich gemeldet, Kamminer Str. 34 abgehalten werden. Friedenau. Landkrankenkasse und Filialsteuer beschlossen. Es scheint, als ob im ganzen Reiche kein Schöppenstädter Streich verübt werden kann, der nicht in Friedenau Nachahmung fände. Beschließt die wegen ihrer Rückständigkeit unrühmlich bekannte Wilmersdorfer Stadtvertretung im Gegensatz zu allen andern Groß-Bcrliner Kommunen die Errichtung einer Landkrankenkasse, so müssen die Friedenauer Gemeindepapas natürlich das gleiche tun. Um aber Wilmersdorf an Rücksländigkeit noch eine Nasenlänge voraus zu sein, mußten sich die Gemeindevertreter von Gnesen eine Filial- steuerordnung vorschreiben lassen, deren Einführung selbst den Wilmersdorfer Stadtvätern nicht zuzutrauen ist. Bekanntlich stand die Frage der Errichtung der Landkrankenkasse zu Anfang dcS Jahres schon einmal zur Beratung. Damals führte der Gemeinde- vorstand zur Begründung aus, daß die Landkrankenkasse, deren Mitglieder sich zum größten Teil aus Hauspersonal rekrutieren würden, notwendig sei, weil die Dienstmädchen, wenn sie nach dem ersten Januar Mitglieder der Ortskrankenkasse werden müßten, daselbst allzuleicht von dem sozialdemokratischen Gift infiziert würden. Das zu verhüten, sei vaterländische Pflicht einer ge- wissenhaften Gemeindebehörde. Nach den damals vorliegenden rechnerischen Unterlagen hätte die Gemeinde der Kasse einen jähr- lichen Zuschuß zu gewähren; das war den alten Herren, die für sozialpolitische Zwecke nie Geld übrig haben, Grund genug, sich gegen die Landkrankenkasse zu erklären. Da die Annahme der Vorlage damals zweifelhaft erschien, zog der Gemeindevorstand diese zurück, um sie jetzt rechnerisch in anderer Aufmachung(Rc- sultat: Ueberschuß 8800— 23 300 Mk.) vorzulegen. Genosse Richter geißelte auch bei dieser Gelegenheit den Krämergeist, von dem jede Maßnahme des Gemeindevorstandes diktiert sei. Anstatt die am Orte bestehende Ortskrankenkasse weiter auszubauen und sie dadurch im Interesse der Mitglieder leistungsfähiger zu gestalten, lasse man sich aus kleinlicher politischer Gehässigkeit dazu ver- leiten, der schon bestehenden Zersplitterung im Kassenwesen Vor- schub zu leisten. Ja man scheue sick nicht, aus den Groschen der armen Dienstmädchen noch Ueberschüsse herauszuwirtschaften. Dem Herrn Bürgermeister Walger, der sich unter Hinweis auf seine frühere Tätigkeit in Charlottenburg und Schöneberg jetzt noch immer mit dem Munde als große sozialpolitische Leuchte aufzu- spielen sucht, bemerkte unser Genosse, daß derselbe trotz all seiner schönen Reden einer der sozialpolitisch rückständigsten Menschen sei, hie er je kennen gelernt habe. Während der Rede unseres Genossen kam es zu einem erregten Zwischenfall. Es ist üblich, daß während der Ausführungen unserer Vertreter oder des Herrn Kalkbrenner der Gemeindeschöffe Draeger in Gemeinschaft mit einigen Erkorenen der ersten und zweiten Klasse durch allerhand Ulk und Mätzchen das darzustellen versuchen, was in einem Zirkus Aufgabe des dummen August ist. Dieses Benehmen artete ge- legentlich der Rede Richters derart aus, daß unser Genosse die schon lange verdiente Züchtigung dieser Herrschaften trotz aller Beschwichtigungsversuche des Gemeindevorstehers vornehmen mußte. Und er besorgte dies, unterstützt durch Herrn Kalkbrenner, gründ- lich. Die Herren mußten sich sagen lassen, daß man von ihnen als Vertreter des satten Besitzes geistige Regsamkeit ja nicht vor- aussetze; es sei aber ein Gebot des Anstandes, sich bei Angelegen- heiten, von denen sie nichts verständen, ruhig zu verhalten. Diese Lektion hielt denn auch bis zum Ende der Sitzung vor; stumm wie die geprügelten Schulbuben sahen die vorher so gesprächigen Spaßmacher da. Die Vorlage selbst wurde in namentlicher Ab- stimmung, nachdem aus der Gemeindevertretung nur Gegner der- selben gesprochen hatten, mit 18 gegen S Stimmen angenommen. Die Filmlsteuervorlage, über die wir bereits berichteten, rief wieder eine lange Aussprache hervor. Auch hier war es unser Redner, der entschieden gegen dieses Steuermonstrum protestierte. Eine Versteuerung des Umsatzes, verbunden mit einer Kopfsteuer, wie sie in dieser Ordnung vorgesehen, müsse mit aller Schärfe von jedem rechtdenkenden Menschen bekämpft werden. Auch sei der Zweck dieser Steuer ein durchaus verfehlter. Dem ortsansässigen Gewerbetreibenden werde damit nicht geholfen, einen finanziellen Ertrag werde sie, da die Eintreibung derselben erhebliche Unkosten verursachen werde, auch nicht ergeben. Die konsumierende Be- völkerung sowie die in den Filialbetrieben Beschäftigten müßten zu guter Letzt dafür bluten, damit die Gemeinde zwecklos eine Anzahl Beamte beschäftige. Weiter wandten sich noch die Herren Kalk- brenner und v. Wrochem gegen die Steuer, trotzdem wurde die- selbe mit 20 gegen 7 Stimmen angenommen. Hierzu sei bemerkt, daß von allen Berliner Bororten bisher nicht ein einziger eine derartige Steuer eingeführt hat. Für die Ortsfeuerwehr sollen vom nächsten Jahre an Auto- mobil-Fahrzeuge und eine Motordruckspritze beschafft werden. Nach einem Vortrag des Assessors Grundmann wurde beschlossen, eine Gemeindesparkasse zu errichten, die nach Fertigstellung des Rad Hauses in Betrieb gesetzt werden soll. Herr Grundmann gab bei dieser Gelegenheit einen interessanten Ueberblick über Einkommen- Verhältnisse der Friedenauer Bevölkerung. Danach wurden gezählt 1099 Steuerpflichtige mit einem Einkommen von 660—900 Mk., 9843 von 900—3000 Mk.. 8100 von 8000—6500 Mk.. 2608 von 6500 Mk. und mehr. Die Fürsorgestelle für Tuberkulose- und Alkoholkranke wird fortan in den Betrieb der Gemeinde über- nommen. Die erforderlichen Mittel hierfür wurden bewilligt. Herzfelde. Der Männer-Turnverein„Vorwärts"- Herzfelde begeht am Sonntag, den 29. Juni, sein 22. Stiftungsfest. Die Feier besteht u. a. in Gartcnkonzert, Umzug durch den Ort, allgemeinem Turnen, Ball usw. ES wird erwanet, daß die werktätige Bevölkerung von hier und Umgegend die Veranstaltung des Vereins durch Massen- besuch unterstützt, zumal der Verein gerade jetzt in der„Jugendpflege- Aera" mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Pankow. Die Gemeindevertretung trat am Dienstag zu einer kurzen Amtsaus schußsitzung zusammen, um über einige Zusätze und Abänderungen zu der am 11. März d. Js. beschlossenen„Po- lizeiverordnung über Herstellung und Betrieb von Grundstücks- entwässerungen und Verhütung der Verunreinigung der Rein- Ivasscrleitung für den Amtsbezirk Bcrlin-Pankow" Beschluß zu fassen. Die in dieser Polizeiverordnung vorgesehenen Geldstrafen bis zur Höhe von 30 Mk. festzusetzen, ist die Gemeinde als solche nicht befugt. Es wurde deshalb zusätzlich bestimmt, daß die Fest- setzung von Geld- resp. entsprechenden Haftstrafen nur mit Ge- nehmigung des Regierungspräsidenten erfolgen darf. Ferner wurde der Zeitpunkt des Inkrafttretens der Polizeiverordnung vom 1. April auf den 1. Oktober d. Js. abgeändert.— Die dann folgende Gemeindevertretersitzung hatte sich mit der Festsetzung des Bebauungsplans für das Gelände zwischen Span- dauer-, Schulze- und Wollankstraße zu beschäftigen. Schon wieder- holt ist hierüber in der Vertretung und an den zuständigen Stellen verhandelt worden, ohne daß es seither zu einer definitiven Rege- lung gekommen ist. Neuerdings hat sich auch der Zwcckverband in Gemeinschaft mit Vertretern der Gemeinde und der Aufsichts- behörden mit der Sache befaßt. Die alz Ergebnis jener Er-. örterungen gemachten Vorschläge zur Lösung der Frage lagen der Vertretung zur Beratung und Beschlußfassung vor. Sie fanden jedoch nur teilweise die Zustimmung der Vertretung, so daß auch diesmal wieder eine endgültige Lösung der Bebauungsfrage des erwähnten Geländes unterblieb.— Die städtische Sparkasse in Drossen verlangt für ein bei ihr aufgenommenes Darlehen eine Erhöhung des bisherigen Zinsfußes von 4� auf 4% Proz., welchem Verlangen die Vertretung zustimmte.— Da die Gemeinde, als Besitzerin von Rieselland, allmählich auch eine intensivere Gemüse- und Obstkultur zu betreiben gedenkt, so trat die Vertretung dem Vorschlage der Finanzkommission bei, dem Verein zur Förderung des Obst- und GemüfeverbrauchcS in Deutschland beizutreten.— Nach Erledigung einer Anzahl für die Oeffentlichkeit unerheblicher Angelegenheiten folgte der öffentlichen eine geheime Sitzung. Jusiendveranstaltunge«. Neuköllii. Sonntag, den 23. Juni: Wanderung nach Rüdnitz— Rüdnitz- fließ— Hellmühlcnflieh—Melchow. Fahrgeld 1,50 M. Abfahrt Stettiner Fernbahnhof 5.53 Uhr nach Rüdnitz. Tegcl-Borsigwalde. Am Sonntag, den 23. Juni, trifft sich die ar- bellende Jugend von Tegel und Borsigwalde um 1'/, Uhr am Bahuhoss- platz. Um 1.37 Uhr Abfahrt nach Pankow zum Spielsest der dortigen Arbeiterjugend. Wir bitten um einen zahlreichen Besuch, auch Erwachsene sind hierzu willkommen. Fahrgeld hin und zurück 20 Pf. Waidmaiinslust. Sonntag, den 23. Juni: SpielauSflug. Treffpunkt 3 Uhr früh im Schweizerhaus. Rückkehr gegen 12 Uhr. Hu 6 aller Welt. Die Maffenerkrankungcn in Osnabrück. Wie die amtlichen Untersuchungen nunmehr ergeben haben, sind die Erkrankungen beim 78. Infanterieregiment auf Fleischvergiftungen zurückzuführen. Es ist festgestellt worden, daß an dem Fleisch äußerlich nichts Verdächtiges zu finden war. Das Rind war im hiesigen Schlachthof ge- schlachtet, tierärztlich untersucht und für gesund befunden worden. Den Lieferanten trifft demnach keinerlei Schuld. Neuerkrankungen sind nicht weiter vorgekommen. Die bisher Erkrankten befinden sich auf dem Wege der Besserung._ Ei« Diebestrust. Schätzungsweise wird in New Uork jährlich Gepäck im Werte bon 5 Millionen Dollar gestohlen. Nun ist von den Gerichts- behörden neuerdings ein Diebcstrust aufgedeckt worden. Ein angesehener Bürger von Brooklyn, namens Räder, war der Leiter dieser Diebesgesellschaft. Er stand am Dienstag vor Gericht und machte nachstehende Angaben: Niemals hätten wir mit derartigen Erfolgen operieren können, wenn uns die P o l i z e i nicht unterstützt und höhere Beamte derselben sogar z u u n§ gehört hätten. Er fügte seinem Geständnisse hinzu, daß er eine Tiebesschule leitete, in der junge Leute zum Stehlen von Warenballen, Booten und Fuhrwerken angelernt wurden. Wenn alles, was Rader dem Richter gegenüber mitteilte, wahr ist, so muß man glauben, daß es sich um einen Diebcstrust von enormer Aus- dehnung handelt, bei dem Polizisten, Juristen und Diebe in größter Eintracht arbeiteten. Ein für Uniformen schwärmender Magistrat. Unter großem Pomp wurde in diesen Tage» in Hannover ein neues Ralhaus eingeweiht. Der Magistrat, so wird den bürger- lichen Blättern berichtet, ließ Einladungen an die Spitzen der Be- Hörden und der Gesellschaft, daneben auch an Industrielle, Kaufleute, Gewerbetreibende, Männer der Wissenschaft usw. ergehen mit der ausdrücklichen Bestimmung, möglichst in Uniform zu er- scheinen. Bei einem zweiten, für die städtischen Beamten arran- gierten Festessen wurde für die uniformierten Beamten der Uniform- zwang„verfügt". Wollte der Magistrat mit seinem Uniform-UkaZ vielleicht demon- strieren, daß er gut preußisch und nicht welfisch gesinnt ist? Kleine Notizen. Bo« Zuge überfahren und getötet. Auf dem Bahnhofe Wei« denau bei Siegen wurde gestern der Stationsassistent Schaller von einem einlaufenden Personenzuge erfaßt und auf der Stelle ge» tötet. Näheres über das Unglück fehlt noch. Bcrprügcliing der Suffragetten in London. Schwere Ausschrrl- tungen gegen die Suffragetten wurden am Mittwoch während der Fahrt des Präsidenten Poincarö nach der Guildhall von den Zu- schauern verübt. Die Menge griff mehrere Frauen an, die Schärpen mit dem obligaten„Votos kor Women" trugen. Die Frauen wurden mit F a u st s ch l ä g e n traktiert und die Kleider wurden ihnen vom Leibe gerissen. Nur dank dem Eingreifen der Polizei wurden die Suffragetten vor schweren Mißhandlungen be- wahrt. Man schaffte sie unter polizeilicher Bedeckung in einen Unter- grundbahnhof, der zeitweilig gesperrt wurde. Diebstahl im Pariser Bersteigerungshause. Im Versteige- rnngsamte, der bekannten„Salle de vente" in der Rue Drouot, wurde gestern von drei bisher unerkannten Individuen aus einem abgesperrten Saale, der morgen zur Besichtigung freigegeben werden sollte, ein Perl e n h a l s band und kost bare Schmuck gegenstände gestohlen. Der Wert dieser Sache* wird auf eine.halbe Million Frank geschätzt. Spiel und Sport. Slrbeiter-Radfahrerbund„Solidarität". Gau IX. Bundesgenossen! Zur RcichstagSersatzwahl in I ü t e rb o g< Luckenwalde benötigen wir ca. 60 Genossen zur Wahlhilfe in verschiedenen Orten. Wir ersuchen diejenigen unserer Bundesgenossen, die sich zur Verfügung stellen, zwecks Entgegennahme der näheren Informationen am Montag, den 30. Juni, nachmittags 6 Uhr, sich bei G. Knörig, Stralauer Brücke 3, einzufinden. Der Gauvorstand. Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität"(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, 23. Juni: 1. Abt.: 5 Uhr: Brandenburg; 1 Uhr: Poisdam (Friedrichsgarten). Start: Bülowstr. 58.— 2. Abt.: am 23., abends 7 Uhr: Teupitz(Tornows Idyll, Sonnenwendseier). Am 23., 1 Uhr: Schmöckwitz (Waididyll). Start: Fontanepromenade 18.— 3. Abt.: 5 Uhr: Rüdersdors (Weißer Schwan); 12'/, Uhr: KaulSdors(Hamanns Gejellschaftshaus). Start: Lausttzer Platz 12.— 4. Abt.: 5 und 12 Uhr: Krossinsec(Bade- tour). Start: Küstriner Platz.— 5. Abt.: 6 Uhr: Grünheide(Fielitz); 1 Uhr; Fichtenau(GesellschastshauS). Start: Elyfium.— 6. Abt.: 7 und 12 Uhr: summt(Badetour). Start: Oderberger Str. 28.— 7. Abt.: 6 Uhr: Eberswalde(Zur Mühle). 1 Uhr: Rontgental(Marx). Statt: Schulstr. 23.— 8. Abt.: am 28., abends 7 Uhr: Mondscheinjahrt. Ziel wird am Start, Levetzowstraße, bekannt gegeben; am 23., 13 Uhr: Mitten- Walde.— 9. Abi.: 8 und 1'/, Uhr: Saatwinkel. Statt: Schillingstr. 22.— 10. Abt.: 1 Uhr: Kaulsdorf(Hamanns Gesellschastshaus). Statt: Große Frankfurter Str. 30.— 11. Abt.: Am 2. Juli: 3 Uhr: Hennigsdorf. Slart: Große Hamburger Str. 18/13.— Ortsgruppe Wilmersdorf: Früh 4 Uhr: Brandenburg; 2 Uhr: Familientour nach Picheiswerder(Atter Freund).— Ortsgruppe Charloltenburg: 1 Uhr: Neuer Finlenlrug.— Ortsgruppe Lichtenberg: 8 Uhr: Strausberg(Postbruch): 1 Uhr: Kaulsdorf(Hamanns Gefellschaftshaus). Statt: Psarrsw. 74.— Ortsgruppe Neukölln: 23. Juni: 12 Uhr: Sputendorf(Waldesruh, Jnh. Schulze). Start: Felsch, Knesebeck- straße 43/49. Arbeiter-Radfahrer-Bund„Solidarität"(Ortsgruppe Rcinicken- darf). Sonntag, den 23. Juni: Landpartte per Möbelwagen nach Sand» Hausen bei.veiliaensee. Statt: Früh 8 Uhr bei Lüning, Schillingstrage. Arbeiter-Radfahrerverein Groft-Berliu. Am 23., früh 2 Uhr, nach Rathenow. Um 7 und 12 Uhr: Badetour nach dem Werlsee. Start: Mattannenpark. Turnen. Da? Turnerkartell„Rummelsburg-Lichteuberg-FriedrichSfelde» veranstaltet am Sonntag, den 23. Juni, aus dem Turnplatz in FricdttchS« selbe, Treskowallee, ein volkstümliches ProbeMrnen zum Bezirksspielfest und zur Kreisjugendturnsahrt, bestehend aus Freiübungen, Drei- und Fünf- kämpf, Wettspielen. Ansang 3 Uhr. Gäste herzlich willtommen. „Freie Turnerschaft", Reinickendorf. Am Sonntag, den 23. Juni, veranstaltet der Verein aus feinem Sommctturnplatz ein volkstümliche» Weriungslurncn, nachdem Spiele/ Anfang 2 Uhr nachmittags. Die Ar- beiterfchaft ist hiermit herzlich eingeladen. Arbeiter-Turnerbund. 4. Bez. Kruppe Schönederg und Umgegend. Sonntag, 29. Juni: Leichtatdlctifche Wctttämpfe auf dem Spielplatz In Schöneberg, RubcnSftraße. Programm: Vorm. 7—3 Uhr: Fünfkampf; ab'/,10 Uhr: Faustballwelifpiele um die Meisterschaft. Nachdem Stasettenläute, Einzeiwettkämvse im Stabhochspttngen usw. Ewtttlt frei. Jedermann ist freundlich eingeladen. Schmar gendorf. Der Turn- und Spottverein(Mitglied des Ar- belter-TurnerbundeS) feiett morgen Sonnabend, den 28. Juni, fein Gründungsfest im.Waldkater'. Alle Freunde der Arbeitetturnbewegung find eingeladen. Ansang 3 Uhr abends. Der Ntännerturnverein zu Verna« feiert am Sonntag, 23. Juni, fein 52. Stiftungsfest. Die Veranftalttingen sind folgende: Vorm 3 Uhr: Wcitlamps sämtlicher Abteilungen aus dem VereinSiurnplatz; nachm. 3 Uhr: Ausmarfch nach dem Turnplatz, daselbst Freiübungen, Riegenturnen, Spiele und Pyramiden. Zu diesen Veranstaltungen ist die Arbeiterschaft von Bernau freundlichst eingeladen. Ober» und Rieder-Schöneweide. Am Sonntag, den 23. Juni: Sportfest aus dem Turnplatz des hiesigen ArbelterturnvereinS, Köpenicker Straße, neben Villa Weißcnburg. Sammelpunkt der Vereine: Siemens» straße 12 bei R. Schulze. � Beginn des Festzuges zum Feitplatze 2 Uhr. Beginn dcS Feste» 3 Uhr. Oeffnung de» Festplatzes 2 Uhr. Eintritt für Srwachlcne 10 Pf. Kinder frei. Alle Freunde und Anhänger wirklich volkstümlichen Spotts und Spiele find hiermit freundlichst eingeladen. Schwimmen. Eintrittskarten zum Schwimmfest in Hermödorf, welches det Berliner Schwimmerbund(Mitglied des Jungdeutschland» " u n d c s) am Sonntag, den 23. Juni, dortselbst veranstaltet, versucht man in Arbeiterlreiscn abzusetzen! ES darf wohl erwartet werden, daß jeder Arbeiter es ablehnt, durch Zuwendung von Eintttttsgeldern eine Ver- anftaltung und Organisation zu unterstützen, die gegen die Arbeitervereine besonders gegründet ist. Den Interessenten ist hingegen der Besuch deS sommers ch w i m m- f e st e S empfohlen, das der Schwimmverein„Vorwärts N-e u k ö 1 1 n" in der Badeanitalt I. Kort, Köllnische Allee 12/13, am gleichen Tage veranstaltet. Ohne eine PreiSköderung st Ja HermSdorf werden hier Mitglieder anderer Vereine des Arbeiter-SchwimmerbundeS mit denen des veranstaltenden an den Startbalken irrten und so ihre nach hattcr Arbeit im erholenden Spiel erweichten Fähigkeiten prüfen. Slrbritev» Schwimmverein„BorwärrS", Ober- Schöneweide. Freitag, den 2 7. Juni, abends 3 Uhr, im Lokal von F. Warncke, WUhelminenhosstr.' 18: Oefseniliche Schwimmerversammlung, i. Vortrag des Schwimmgenossen Bruno Lücke über„Die gesundheittichen Vorteile des Badens und Schwimmens sür den Arbeiter".— 2. Diskussion. Beteiligung auch von Dame» und Nichtschwimmern besonders erwünscht. Der Vorstand. Arbeiter- Smwimmverein„Berlin".(Mitglied des Arbeiter. Schwimmerbundes.) Am Sonntag, den 23. Juni, veranstaltet der Verein folgende Partten: Abt. I. Nach Freibad Grünau, Treffpunkt sämtlicher Mitglieder 8'/, Uhr am Schlcsischcn Bahnhos(Untergrundbahn). Abt. III. Sonnabend. den 28. Juni, Riichlpariie nach Teupitz, Trenpuntt 8 Uhr abends am Görl. Bahnhos. Abfahrt 8,55 Uhr. Abt. IV. Nach Papenbergc, Treffpunkt Sonn- tag morgen 7 Uhr Oranienburger Tor. Abt. V._ Sämtliche Mitglieder am Schwimmsest des Arbciter-Schwiimnverein„Neukölln". Arveitcr-Schwimmvercin„Reukölln"(M. d.A./ Touriftenverem„Die Naturfreunde". Ortsgruppt Berlin. Sonntag, den 23. Juni: 1.(Phototour) Brandenburg a. H., Gränett. Abfahrt nach Götz vom Potsdamer Bahnhos: Sonnabend abend 11.50. II. Gränert(Zusammenweffcn mit Tour 1), Neue Mühle, Groß. Wusterwitzersee. Gränett. Absahrt nach Gränett Potsdamer Bahnhoj 5.85. Gäste stets willkommen. Eine Harztour sür 10 Tage(17. bis 25. August) veranstallet obige Ortsgruppe. Teilnehmer, auch Nichlmiigliedcr, wollen sich meiden und erhalten nähere AuSkunst bei Sl. Rösner, Prinzensw 53. Arbeiter-Samaritcrbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 4. Abi. Donnerstag, den 3. Juli, Lichtenberg, Scharrt» webersw. 50, bei Pickenhagen._, Berlin, 5. Abt. Freitag, den 4. Juli, Neukölln. Wcichselstr.«. Jdealkasino. Spandau. Mittwoch, den 2. Juli, Pichelidorser Str. ö, bei Danni» berg. N o w a w e s fllbt. Potsdam). Mittwoch, 2. Juli, Potsdam, Kaiser» Vilhekm-swaße, Restaurant Glaser..... Schöneweide. Montag, 30. Juni, Siemensstraß« 12, Rest-umwt Schulz. Berlin: Monaisversammlung heute Freitag, 27. Juni, S»/, Ute, Restaurant Augustin, Oranienstraße 103._ v Verantwortlicher Redakteuri Ulbert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u-Co., Berlin!